Kr. 38. 34. Jahrg. Ndollnements-vttNagung»! Kbatmelnmts• Pr«Z eninumetortbo Bi6t}e!iä6£l SSO SRI, monaü. L30 Wc. «öchemüch 30 Ug. trat mZ Hailj. kinzewe Nunurl e£ S Vfz. Ktmirlags. mrmotci lliit illustrierter KamuagZ- Bellage.Die Neue Well' l» Pur Bosl- EllonnemeM: 1,30 Mar! vro Monat, Sinqetrazen in die Loki-Zeitunq». BrclSIiitk, Unter Kreuzband tür Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2�0 Mar!, siii das übrige SuSland i DIarl vro Monat, Postabouncmciug nshuien an Belgien. Däne! ü-ollano. Italien. Luxemburg Porrug iiuiuänien, Schweden und die Schweiz, «««»I SgNck. Verlinev Volltsblerkk. C 5 Pfennig) Die InlcrfionS'Gebüftr betrügt für die sechZgcivaltene Kolonelzeile ober deren Raum 30 Pfg,. für doliiische und gewcrl schallliche Lereinz- Uilb Lersamnilungs» Anzeigen 30 Big, „Kleine Hnresgen", das lellgednickre Wart 20 Pig. Izulmsig 2 teitgedruills Worte), jedeü weitere Wort>0 Big, Stellengesuche und Schlasstellenan» zeigen da» erste Wort w Pfg. jede? «eucreWortöBsg, Worte über lb Buch- stabcn zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Numnler müssen bii & Übt nachmittag-Z in der läzpeditivn abgegeben werden. Die Exvedition iZl diS 7 Uhr abends gevijnet. rekegramm-Adresse! .ZgÄdiliemsIiM Serlli' ZcntvuXovqnw der fozialdemokrati fchen partd Dcutfchlands. Reöaktion: EW. öS, Ltnüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzvla«. Sir. 181 SV— 151 97. Mittwoch, den Ä8. Februar 1VI.7. Expeüttion: EW. öS» Linöenstraße 3. Fernivrecher: Amt Morivvla«. Nr. 181 SV— 181 S7. Vetvaffnvng der amerikanischen Sandelsschiffe. Selbstbefreiung. B e t h m a n n: Nun, H., wo wir von etwas freien sind, da werden wir eS selbst besorgen! gut! bei den Sozialdemokraten.) zu be («ehr Will sind wortmüde geworden. Vermöchten Worte in dieser Zeit etwas, so hätten uns die vom 12. Dezember den Frieden gebracht.» Jetzt können wir von Reden nichts mehr erwarten, sondern starren nur noch in den blutigen Schleier, der nns die Zukunft verbirgt. Eine große politische Debatte im Reichstag war angekündigt, aber die Spannung, die ihr vorausging. war nicht allzu groß. Jetzt ist der erste Tag vorüber. Beth- mann, Spahn. Scheidemänn und wieder Bcthinann, dann Wiemer und Westarp haben gesprochen. Aber über dem Ganzen lag, bei Rednern wie bei Zuhörern, das Gefühl, daß jetzt der Schauplatz von Redekämpfen nicht der Brennpunkt der geschichtlichen Entscheidungen ist. Ter Reichskanzler bot das Bild eines Mannes, der in redlicher Vorsicht seinen Weg weiter tastet, ohne da- neben zu treten, ohne anzustoßen. Die ruhige Festigkeit, mit der er sprach, paßt jedenfalls besser zur allgemeinen Volks- stimmung als aufgeregtes Wortgekreisch. Aber das Bestreben, in wohlabgewogenen Redewendungen so deutungsfähig wie möglich zu bleiben, feierte höchste Triuulphc. Muß vien: v. Beth- mann den Kricgszielorn den Harm antu», die Äufstellung uferloser Pläne abzulehnen, so entschädigt er sie wieder mit einer „Entschädigung für alle erlittene Unbill", die er als seine Friedensforderung anmeldet. Die„Deutsche Tageszeitung" rann in ihrer Besprechung der Kanzlcrrcde nun doch nicht verschweigen,„daß die Formulierungen, die der Reichskanzler bei der Besprechung dieser Frage wählte, nicht so klar und positiv sind, wie es uns wünschenswert, ja nach mancherlei Mißverständnissen direkt notwendig erscheint". Und es wird Herrn v. Bethmann aufgegeben, die Sache nächstens besser zu machen.(Er wird sich hüten!) Ucber das große 17 ausgedehnte Erörterungen zur Wah- rung des deutschen Standpunktes, klug gewählte Worte, um die Neutralen zu beschwichtigen, Versuche, auf die amenka- nischo Sti mmung sänfttgend einzuwirken. Aber es bleibt doch bei dem„Kein Zurück!", das in einem Teil des Hauses demonstrativen Beifall auslöst. Eine vereinzelte Stimme aus dem rechtesten Hintergrund versucht es sogar mit einem schüch- ternen Bravo, wie der Kanzler den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Amerika erwähnt. Wer der Zwischenrufer war, ist leider nicht festzustellen; ein wertvolles Schaustück, das in ausgestopftem Austand die Bewunderung kommender Geschlechter gefunden hatte, geht damit dem künftigen Kriegs- mufeum verloren. Wie alles Uebrige, kommt auch das, was der Kanzler über die„Neuorientierung" zu sagen hat, direkt von der Goldwage. Bröger, der tapfere Sänger und Kämpfer der Sozialdemokratie, dessen schönste Gedichte die„Vorwärts"- üeser kennen, findet durch den Reichskanzler seinen Weg ins Rcichstagsprotokoll: Daß dem ärmster Sohn auch dein getreuester war, Denk eS. o Deutschland. Dann wird der Wert der monarchischen Staats- einrichtungen in Schutz genommen, aber auch die Sorge der- scheucht, daß es nach dem Weltkrieg kommen könnte, wie nach den Befreiungskriegen. Und dann fällt ein Wort, das vielleicht doch nicht ganz so vorsichtig gewähl! ist, wie die andern. Gegen die Gegner gewendet, die Deutschland angeblich vom preußischen Militarismus befreien wollen, sagt der Kanzler: Run. meine Herren, wo wir von etwas zu befreien sind, da werden wir es selbst besorgen I Da sagen nun wir deutschen Sozialdemokraten:„Topp! Und Hand darauf!" Das soll nicht vergessen werden, das soll gelten für und für!— Der Flut, die das Haus füllte, als der Kanzler sprach. folgt tiefe Ebbe, da Herr Peter Spahn zum Rednerpult emporsteigt.„Der Redner bleibt im Saal und auf den Tribünen unverständlich" heißt es in solchen Fällen. Aus dem Protokoll erfährt man, daß der Vertreter des Zentrums jetzt das Friedensangebot nicht mehr gelten lasten will. AndereKatholiken— Benedikt X V. und der sonst nicht allzu christ- liche Gras Tisza— denken anders. In den Wandelhallen erzählen Spottsüchtige, Herr Spahn hätte an einer Stelle seiner Rede auch gesagt:„Wenn es einen Gott im Himmel gibt, was wir unterstellen..." Herr Spahn bleibt auch im Himmel Jurist! Und wieder Flut im Hause. Jetzt spricht Scheide- mann. Auch er weiß, daß mit Worten heute nicht viel zu schassen ist.. Aber aus.seiner rednerischen Frische spricht eine Kraft, die auch die schlimmste Ungunst der Zeit in Zuversicht überdauert. Herr v. Bethmann mutz sich wieder einmal eine unbeliebte Festlegung gefallen lassen, da er als Schwurzeuge für die bindende Geltung Budapestcr Friedenserkläningen angerufen wird. Dagegen kann er nicht. Er kann Tisza nicht desavouieren, obwohl es Politikusse gibt, die. täte er es, vor Freude kopfstehen würden. Mit diesen Geistern rechnet dann Scheidemann ab in einer Weise, wie es int Reichstag wohl kaum noch erlebt worden ist, und in den stürmischen Beifall der Linken mischen sich dumpfe«schmerzens- laute, als ob sich jemand getroffen fühlte— obgleich kein Anwesender genannt worden ist. Dann aber wird, in anderem Zusammenhang ein Name genannt, der des preußischen Land- wirtschaftsministers Frhrn. V. Schorle m er. dem der Redner Gelegenhest wünscht, sich ganz seinen Privat- angelegenheiten widmen zu können.(Wo wir von etwas zu befreien sind, wollen wir es selbst besorgen.) Auf der BundeSratstribüne läuft man hin und her, und im Saale weiß man: Der Kanzler muß jetzt seinen preußischen Minister- kollcgen„decken". Was dann Scheidemann von der deutschen Zukunft zu sagen hatte, das war ganz auf den Ton der Selb st- b efrciung gestimmt, den Herr v. Bethmann angeschlagen hatte. Die Männer im Schützengraben dürften keine Helden sein, sie Ivären jämmerliche Kerle, wenn sie sich nach ihrer Rückkehr irgendeine Beschränkung ihrer Staatsbürgerrechte ge- fallen ließen. DaS war nur ein Stück zur Ausführung, eines unerschöpflichen An' anderes: Der Kri.-gswuch�r. die wirtschaftliche Ausbeutung! Auch hier eine ungeheure Aufgabe für die Selbstbefreiuna des deutschen Volkes! Hatte dem Kanzler in dem schönen Gedichte Brögcrs vielleicht der „gctrcüestc Sohn" am besten, gefallen, so zitierte Scheidemann trotzigere Verse, indem er seine Zuversicht aussprach, daß von den deutschen Arbeitern das Wort gelten werde: Jenen ward der gewaltige. Wille Und die unzerbrechliwe Kraft. Von diesem Willen, dieser Kraft erwartet er und erwarten wir alle mit ihm Freiheit sür das deutsche Volk nach außen und innen. Nach Scheidemänn legte der Kanzler sür den preußischen Kollegen eine pflichtgemäße Lanze ein, und dann sprach Herr Wiemer für die Fortschrittliche Volkspartei. Er wußte manches zu sagen, das mehr Aufmerksamkeit verdiente, als es sie fand. Gegen die Rechte, die daL Wahlrecht weigert und Fideikommisgesetze macht, hatte er kräftige Töne. Die Kohlensteuer würde Herr Wiemer ganz besrimmt ablehnen, wenn wir»licht zufällig im Kriege wären. Schade, daß Krieg ist! Graf W c st a r p, der letzte in der Reihe, enttäuschte. Auf migünstiaes Gelände gedrängt und sich dessen tvohl be- wüßt, kämpfte er ganz in der Defensive. Seine Versuche, schützend vor das Drciklasscnwahlrccht zu treten, vermieden. was als Herausforderung wirken könnte. So bewies er. daß die Einführung des Reichstagswahlrcchts in Preußen ein Bruch des Burgfriedens wäre, weil nach der Auffassung der Linken doch auch die Durchpeitschung des Fideikommißgesetzes einen solchen Friedensbruch darstelle. Er vermißt Logik, übt selbst heiterste Sophistik und produziert sich als licbens- würdiger Schlaukopf. Schließlich verlangt er Siedlungsland, Grcnzsichernng. Entschädigungen, und konstatiert, daß Wilson nun nicht mehr als Fricdensvcrmittlcr in Betracht komme. Das stcut ihn. Bon allen Akten der Selbftbefreiung ist wohl die Be- steiung von der radikalen Kriegsphraseologie einer der aller- wichtigsten. Aber auch einer der allerschwersten! Wilson foröert Vollmachten. Wilson hat am Montag im Kongreß Forderungen gc- stellt, die als ein wichtiges Glied in der langen und schweren Kette seiner„Vorbereitungen" zu betrachten sind. Er ver- langte, nach Mitteilungen ReuterS, Vollmacht, Handels- schiffe, wenn nössg mit Waffen zur Verteidigung und mit Mitteln auszurüsten, diese Waffen zu gebrauchen, sowie irgendwelche anderen Werkzeuge und Methoden anzu- wenden, die zum Schutze amerikanischer Schiffe und amerika- nischer Bürger bei rechtmäßiger Ausübung fried- licher Unternehmungen zur See nötig seien. Wilson verlangte auch, wie die Reutermeldung schließt, ge- nügenden Kredite zu diesem Zweck. Der Präsident begründete seine Forderung inst dem betonten Hinweis, er denke dabei nicht nur an materielle Interessen, sondern an die fundamentalen menschlichen Rechte, und er sprach von den großen Grundsätzen des Miteinanderfühlens und des Schutzes der Menschlichkeit, die erschüttert würden, und sprach von dem menschlichen Leben, d. h. den Leben von Männern, die friedlich arbeiten, um die industriellen Prozesse der Welt im Gang zu erhalten, und von dem Leben der Frauen und Kinder— Dinge, bei denen er sich nicht denken könne, daß es auch tiur ciuen Mann mit amerikanischen Grundsätzen geben könne, der sie zu verteidigen zögern Ivürde. Wie immer umkleidete er also auch in dieser Rede seinen Standpunkt, der einzig von amerikanischen Interessen bestimmt und geleitet sein kann, mit Rede Wendungen, die ihn als den Vertreter humanistischer, für die ganze Welt erhobener Forderungen erscheinen lassen. Diesen Eindruck hat nun allerdings— für das mittlere Europa wenigstens— der Verlauf des Krieges beseitigt. Wilson sieht die Weltkultur durch amerikanische Brillengläser. Er handelt. denkt und spricht durchaus als amerikanischer Nationalist. Wär's anders, so stände er nicht an dem Platze, der ihm zweimal gegeben worden ist. Die Botschaft, mit der Wilson seine Forderungen be- gleitete, war natürlich eine Kundgebung zu der brennendsten Frage des Tages: Amerika und der uneingeschränkte U-Boot Krieg. Nach Meldung des Reuter-Bureaus sagte der Prä sident: „Wir machen kritische Zeiten durch, in denen es meine Pflichi ist, in enger Fühlung mit den beiden Häusern des KnugresseS zu bleibe«. Die am 1. Februar angelündigte deutsche Taktik ist jetzt fast vier Wochen in Anwendung getummen. Ihre praktische» Folgen sind noch nicht ganz zu übersehen. Der Handel der anderen neutralen Länder leidet ernstlich Schadrn, obwohl vielleicht nicht mehr, alS eS fch'n.ovr.de-.i 1. Frl mit i-r-r"......u..'eng führung anfing, der Fall gewesen ist. Wir haben die übrigen neutralen Regierungen aufgefordert, mitzuarbeiten, um dieser Zerstörung ein Ende zu bereiten. Aber ich fürchte, keine von ihnen hat eine gemeinsame Aktion mit den bereinigten Staaten für ratsam erachtet, ttnsr, eigener Handel leidet ebenfalls mehr d u r ch d a S A b- warten alsdurch die eigentlichen Ereignisse, mehr durch die Tatfache, daß so viele unserer Schiffe ängstlich in den amerikanischen Häfen liegen bleiben, als dadurch, daß so viele Schiffe in den Grund gebohrt»vürdcn. Ueber die Störung im Schisssverkehr in den amerikanischen Häfen, die die Folge der Tatsache ist, daß die Reeder nicht grncigt sind, ihre Schiffe ohne Bersichcrung und ohne genügende» Schutz aufs Spiel zu fetzen, und über dicsehrernsteStörungdrS amerikanischen Handels, die die Folge davon ist, sagte Wilson:„Dies würde allein schon die Folgen haben können, die mit den neuen deutschen U-Boot-Bcr »rdnungen, was uns anlangt, beabsichtigt»verde«. Wir könnrn deshalb nur sagen, daß die offene Tat«och nicht eingetreten ist, von der ich hoffte, daß sie die deutschen Il-Boot-Kommandantenver- meiden würden. Aber obwohl sich das glücklicherweise so verhält, liegen Andeutungen und Aussprüche von einem Teile der deusschen Presse und der deutschen Behörden vor, die den Eindruck eher verstärke» als abschwächen, daß, wenn unsere Schiffe, unsere Bürger verschont bleibe u), dies eher einem glücklichen Zufall zuzuschreibe«ist oder der Tat fache, daß die Kommandanten der deutschen U-Boote, denen sie begegnen, unrrwartetcnTakt und S e l b st b c h e r r s ch u ng an den Tag legen, als den Jnstrnttionc», die diesen Kommandanten gegeben worden sind. ES wäre töricht zu leugnen, daß die L a g c a l l e r l e i c r n st liche Möglichkeiten und Gefahren in sich birgt, und r? wäre sehr unvorsichtig, darauf nicht vorbereitet zu sein. Ich halte mich deshalb für verpflichtet, Sir aufzufordern, mir sofort alle die Machtbefugnisse znzusicher», die ich jeden Augenblick benötigen kann. Wir müssen unsereu Haichel und das Leben unserer Bürger unter den gegenwärtige» schwirrigen Umständen mit Ueberlegnng und Entschlossenheit schützen. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß es nicht notwendig sein wird, die bewaffnete Macht in Tätigkeit treten zu lassen. Das amerikanische Bolk wünscht daS nicht. Kein von mir gewählter Weg wird zum Kriege führen. Der Krieg kann nur herbeigeführt werden durch mutwillige offensive Handlungen. Ich ersuche Sir, mich zu ermächtigen, unsere Handelsschiffe, wenn sich das als notwendig herausstellen sollte, mit Waffen zur Selbst- Verteidigung, mit Mitteln, um sich ihrer zu bedienen, und mit allen anderen Mitteln auszurüsten, um die Methoden anzuwenden, die notwendig oder geeignet fein könnten, um unsere Schiffe und Bürger bei ihrer geschäftlichen nnd friedlichen Arbeit auf der See zu schütze»." Die Rede Wilsons sucht also das aggressiv wirkende Wort zu vermeiden. Sie faßt das Thema, was das anbc- langt, vorsichtig wie einen Sprengstoff an. Im übrigen aber — und darauf kommt es an— bedeutet sie das Gegenteil einer Handlung, von der sich erwarten ließe, daß sie die un- mittelbar nahe Gefahr einer neuen Katastrophe geringer machen könnte. Denn das blecht der Inhalt des Werks, das Wilson jetzt mit der Bewaffnung der Handelsschiffe voll- bringen wird, Dieser Bewaffnung werden ZusamnumWße rnif d'eutschöll U-Boolen folgen, und dann handelt es sich schwerlich mehr um einen Zweifel, ob eine„mutwillige offen- sive Handlung" vorliegt, die den Krieg bedingen soll. Die Newyorker Börse begrüßte die der Entscheidung kräftig zudrängenden Vorgänge im Kongreß mit einer Hausse, genau so wie sie in Vorahnung großer Kriegs- rüstungen der amerikanischen Regierung die Nachricht vom Abbruch der Beziehungen mit Deutschland mit preissteigern- dem Jubel empfing. Die Kurse zogen am Montag weiter an, da sich besonders für einzelne Papiere, wie z. B. Steels, Hchiffahrts- und Kupseraktien gute Meinungsnach- trage zu erkennen gab. wobei Kursbesserungen um einen bis iiins Dollar erzielt wurden. Spezialwerte gingen nach Be- kanntwerden der Botschaft des Präsidenten im Kurse zurück, sonst blieb die Haltung bis zum Schluß recht f e st. * Ein Aufrnf der Kriegstreiber. Vafhington, 26. Februar.(Reuter.) Taft.Choate, Parker und Dutzende anderer Persönlichkeiten haben einen Aufruf an das Land veröffentlicht, in dem es heißt: Die Mehrzahl der Bürger, die ein tatkräftiges Vorgehen befür- warten, haben bisher geschwiegen, aus Furcht, dem Präsidenten Unbequemllchkelten zu verursachen. Daher hat die Stimme der kleinen Zahl von Friedensfreunden einen fal- ichen Eindruck erweckt. Das Gebot der Stunde ist, lieber wirksame Maßregeln zu ergreifen, um die Schiffahrt und die Bürger zu schützen, anstattdie Ermordung tv eiterer amerikanischer Bür- ger abzuwarten, bevor man den Krieg erklärt. Der Aufruf fordert die Amerikaner dringend auf, sich der Bc- weguug für sofortiges Handeln anzuschließen. » Bern, 27. Februar. Der Washingtoner Korrespondent des„Petit Partsien" kabelt, daß die Debatte im Senat einen � bisher unbekannten Grad von Erhitzung erreichte. Die De- nrokraten hätten am Sonnabend die Aufrichtigkeit der Be- weggründc angegriffen, die die Obstruktion der Republikaner veranlaßt habe. Man ersehe hieraus, bis zu welchem Grade von Ueberreiznng die Gefiihle und Leidenschaften augenblick- «ich in beiden Kammern gestiegen seien. Als Senator L o d g e erklärt habe, wenn der Präsident handele, habe er den Kongreß hinter sich, handele er nicht, 'o verliere er das Vertrauen, habe damit Lodge die Haltung der republikanischen Partei klar gezeichnet, zu- gleich aber einen Sturm entfesselt. Der Tumult sei bis zum Parorismus gestiegen, als nach den scharfen Angriffen Lodgcs gegen die Untätigkeit Wilsons seit seiner Botschaft vom 3. Februar, der republikanische Senator F a l l den Wort- laut des Beschlußantrages vorschlug, der dem Präsidenten die Ermächtigung erteilte, die Streitkräfte der Union zum Schutze amerikanischen Lebens und Handels zu verwenden. * Washington, 27. Februar.(Reutermelbung.) Im Re> vräsentantrnhause wurde eine Bill eingebracht, durch die der Präsident ermächtigt wirb» die Handelsschiffe zu be- waffncn und ander« Maßregeln zu treffen, um sie auf hoher See zu schätzen. Außerdem sieht die Bill eine besondere Ausgabe von Obligationen im Betrage von 100 Millionen Dollar vor. Deutsches Luftschiff über hollänöijchem Gebiet. Haag, 27. Februar. Amtlich wird berichtet, daß der niederländische Gesandte in Berlin im Auftrage der Regierung wegen der Tatsache, daß ein deutsches Luftschiff am 17. Februar über holländisches Gebiet geflogen ist. bei der deutschen Regierung ernstliche Borstelluuge« erhoben habe. Da das jüngst vereinbarte Notsignal nicht gezeigt wurde, ist an verschiedenen Orten auf das Luftschiff ge- schössen worden._ Fliegerbomben auf einen Transportöampfer. Berlin, 27. Februar. Ein deutsches Seeflug- zeug hat im Nord-Aegäifchen Meere einen feind- lichen Transportdampfer erfolgreich mit Bomben be- worfen; trotz starken Geschützfeuers und Verfolgung durch ;wei feindliche Flugzeuge kehrte er wohlbehalten zurück. Hesterreich-Ungarn «nö wirtschaftliche Annäherung. Da Oe st erreich und Ungarn zwei voll- ständig selbständige Staaten sind, die nur durch die Person des Monarchen und einige gemeinsame An- Gelegenheiten, auswärtige Politik, Finanzen Heer und Flotte verbunden sind, so müssen von Zeit zu Zeit Abmachungen zur Herstellung der wirtschafttichen Einheit erfolgen, die die Grundlage für Verhandlungen mit dem Auslande ist. Rein staatsrechtlich wäre eL möglich und zulässig. daß beide Staaten eine vollkommen selbständige Handelspolitik treiben. nicht nur gegenüber dem Aus- land verschiedene Zölle festsetzen, sondern auch im gegenseitigen Verkehr Zölle erheben,— ein Ziel, daS von einer nicht einflußlosen ungarischen Partei wirklich angestrebt wird, für die die w e i t e st g e h e n d e V e r s e l b st ä n d i- g u n g Ungarns höchstes Ziel ist und die zur Entwicklung der ungarischen Industrie eines besonderen Zollschutzes gegen die besser eingearbeitete und kapital reichere österreichische Industrie verlangt. Während bisher die handelspolitischen Abmachungen der sogenannte„Ausgleich", der auch den autonomen Zolltarif twthäll, auf zehn Jahre geschlossen wurden, läuft der jetzige Pertrag zwanzig Jahre. Diese VertraaSdauer ist auch das mindeste, um wenn auch noch so bescheidene Fortschritte in der wirtschaftlichen Annäherung Oesterreich-Ungarns an Deutsch- land mit dem Endziel der wirtschaftlichen Einheit Mitteleuropas zu machen. Die wesentlichen Bestimmungen deS Ausgleichs sind: Getreide- und Viehzölle sind gebunden ivorden, will sagen, die Unterhändler dürfen diese Zölle als Entgelt für Konzessionen der Vertragspartner auf anderen Gebieten in den Verhandlungen über Handelsverträge nicht ermäßigen. Die Menge deS bisher zur Einfuhr zu- gelaffenen Viehes soll weiter verringert werben. Oesterreich wird in Zukunft 63.6 Proz., also um zwei Proz. mehr alS bisher zu den gemeinsamen Ausgaben beitragen, Ungarn entsprechend weniger. Der neue Ausgleich belastet Oesterreich zugunsten Ungarns in ganz einseitiger Weise. Ungarn, das in allen Angelegen- heften gleichberechtigt neben Oesterreich auftreten will, das sich sogar rühmt, den Schwerpunkt der aus- wältigen Politik Budapest gezogen zu haben, trägt zu den gemeinsamen Ausgaben 2 Proz. weniger bei als Oesterreich, hat aber zum Schaden der österreichischen Arbeiter- und Mittelklassen, die durch hohe Preise und niedrige Löhne schon zu einer ziemlich schlechten Lebenshaltung verurteilt sind, eine ausgesprochene Hochschutzzöllnerische Färbung des neuen Zoll- tarifs durchgesetzt. Die bisher veröffentlichten Depeschen lassen nicht erraten, ob sich diese hohen Zölle auch gegen alle Balkan- staaten kehren. Sollte das, wie es den Anschein hat, der Fall sein, so werden jene gutgläubigen Optimisten in Deutschland grausam Lügen gestrast, die von den eindringlichen Lehren dieses Krieges, frommer Hoffnung voll, eine Handels- politische Neuorientierung Oesterreich-Ungarns gegenüber dem Balkan, gegenüber den Anrainern der Straße Berlin— Konstantinopel-Bagdad erwartet haben. Wenn sich manche österreichischen Blätter über die Verschlechterungen des neuen Zolltarifes für Oesterreich damit trösten, daß sie auf die verlängerte Vertragsdauer von zwanzig Jahren verweisen, so täuschen sie sich selbst: Die Verlängerung der Vertragsdauer ist nicht der österreichischen Industrie wegen erfolgt, deren langgehegter Wunsch nach einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen den beiden Neichshälften damit in Erfüllung gegangen ist, sondern weil die zwanzigjährige Vertragsdauer die selbst- verständliche Grundlage jeder Annäherung an Deutschland war, die die Ungarn auS finanziellen Gründen sehr gut ge- brauchen können. <»« * Im ungarischen AügeordneienhauS hat die Opposition im neuen Ausgleich, so vorteilhaft er auch für Ungarn sein mag, arg viele Haare gefunden. Einmal, weil es grundsätzlich nötig schien, dem bitterlich gehaßten TiSza eins am Zeuge zu flicken, dann, weil die Apponyi und Karolhi um keines Vorteils willen durch lang- ftistige Bindungen die ungarische Ellenbogenfreiheit preisgeben möchten, und schließlich, weil— und das ist der ernsteste Einwand— die Parlamente, wenn nicht der Form, so der Sache nach, die Frei- heit der Entscheidung verlieren, wenn der„vorläufige" Vertrag der beiden Regierungen zur Grundlage von Abmachungen mit einer dritten, in diesem Fall der deutschen, Regierung genommen wird. Graf TiSza entgegnete seinen Kritikern: Die Verhandlungen der beiden Regierungen sind in das Sta- dium gelangt, in dem die Regierungen über die wichtigeren Fragen ein Uebereinkommen getroffen haben, auf Grund dessen sie in der Lage sind, Verhandlungen mit der deutschen Regierung aufnehmen zu können. Weitergehende Aufklärungen über den Inhalt des Ueber- einkommenS können mit Rücksicht aus die Interessen des Staates weder von mir noch von einer der Regierungen gegeben werden. Diese Aufklärungen wären unbedingt mit der Aufdeckung solcher Einzelheiten verbunden, durch die wir vor dem Auslande sozusagen unsere Trumpflarte ausspielen würden. Wir müssen bei den Ver- Handlungen mit dem Auslande möglichst diskret solche Vereinbarun- gen handhab ni, da es fraglich ist, welche Konzessionen vom Auslände gegen etwaige GezrtwnVeflionen zu erreichen sind. Dies war der Beweggrund, diese Frage nach Möglichkeft so zu be- handeln, daß wir erst in einem späteren Stadium, wenn schon die Hauptzüge der ganzen Frage entwickelt find, vor die OeffenLichkeft und die Gesetzgebung treten sollen. Dies stimmt vollkommen über- ein mit dem anderen Gesichtspunkte, daß, wenn möglich, nicht das gegenwärtige, sondern das nach dem Kriege zu wählende neue Parlament in dieser Frage entscheiden möge. Auch sch selbst wünsche es. daß die definitive Regelung der ganzen Frage auf einen späteren Zeitpunkt hinausgeschoben werde, eS wäre denn, daß unvorhergesehene Umstände ein weiteres Vorgehen erheischen sollten. Aus diesen Gründen kann ich in dieser Frage zu meinem großen Bdauern weder heute noch in der nächsten Zukunft weitere Auf- klärungen ertellen. Die Antwort deS Ministerpräsidenten wurde zur Kenntnis ge- nommen. Die Vorgänge an öer �ncre. Englischer Heeresbericht vom 26. Februar. Der englische Bormarsch auf beiden Ufern der Sucre hält auf einer Front von ll Meilen Breite in Tiefe von 2 Meilen an. Wir besetzten eine storle, Butte de Warlencourt genannte Stellung, die Dörfer Warlencourt. Eaucourt, Pys und Mirawnont und erreichten den Rand von P u i s i e u x und I r l e t. Wir machten auch erfolgreiche Vorstöße und Artillerieangriffe. Der Krieg auf öen Meeren. Zwei U-Soste vernichten 37 SDD Tonnen. Das U-Boot in der Biseaya-Bvch Berlin, 27. Februar. Am 13. Februar hat das sran- zösische Martneministcrtum bekanntgegeben, daß ein feind- lichcs Unterseeboot am 12. Febrnar, 5 Uhr nachmittags, nahe derAdour-Mündung ausgetaucht sei und sechs Kanonen- schösse auf die Küste abgegeben habe. Tie Küstengeschütze hätten sofort das Feuer ans daS feindliche Fahrzeug eröffnet, das, von den französischen Artilleristen mit dem ersten Schuß getroffen, schnell tauchte. Das betreffende Unterseeboot ist wohlbehalten zurück- gekehrt. Es hat am 12. Febrnar die große» Anlage» der ForgeS de l'Adour bei Bayonne ausgiebig beschossen. Ter Erfolg wurde durch mehrere große Brände bestätigt. Erst nach geraumer Zeit wurde das Boot von einer Küstenbatterie ergebnislos unter Feuer genommen. Das betreffende Unterseeboot und noch ein anderes haben versenkt 11 Dampfer, 3 Segler und 2 Fischer- sahrzeuge von insgesamt 37 500 Brutto-Register-Tonnen. Die Versenkung üer Laconia. Zwei Amerikaner ertrunken? London, 27. Februar.„Daily Chronicle" berichtet aus OueenStown: Die Laconia wurde bei verhältnismäßig ruhigem Wetter torpediert und holte stark»ach der Seite über. Die Boote konnten uur mit Schwierigkeiten Herabgelasse« werde«. Es herrschte keine Panik. Nach den Schätzungen der Passagiere find zehn bis zwanzig Personen ertrunken, darunter zwei Amerikaner. Im ganzen befanden sich etwa dreihundert Menschen au Bord der Laconia, darunter sechs Amerikaner. Die Torpedieruug geschah am Sonntag abend um OVa Uhr. Im Widerspruch dazu steht die Meldung der Direktion der Cunard-Linie. daß alle Per- s o n e n, die sich an Bord der Laconia befanden, gerettet wurden. Es läßt sich vorläufig nicht feststellen, welche Mol- dung die spätere ist. A m st e r d a m, 27. Februar.„Algemeeu Handelsblad" meldet aus London, daß aus Berichteu über die Torpedieruug der Laconia hervorgeht, daß das Schiff zweimal ge- troffen wurde, das zweite Torpedo traf 20 Minuten nach dem ersten, nachdem die Boote herabgelassen worden waren. Die acht Boote trieben von Sonntag 10 Uhr abends bis Montag früh umher; i« einem Boot, das leck war, starben einige Passagiere an Erschöpfung.— Man glaubt, daß 13vermißt werden, darunter zwciAmerü kauere nncn. Unter den Geretteten befindet sich der 5lriegskorrespondent der Chikagoer„Tribüne", Gibbon. London, 27. Februar. Lloyds meldet: Es wird be- stätigt, daß bei der Torpedierung der Laconia zwei Amerikanerinnen erfroren sind. London, 27. Febrnar. Die Cuuardliuie teilt offiziell mit, daß drei Fahrgäste der Laconia bc- reits gestorben find. Drei Passagiere und sechs Matrosen werden noch vermißt, während sechs andere Fahrgäste in einem Krankenhaus untergebracht wurden. Versenkt. Loudon, 36. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der englische Dampfer Algiers(2361 To.), der Malteser Segler Nostra Signora del Porto Saldo<136 To.) und die zwei Kutter Agnes und George Bensen find versenkt worden. London, 26. Februar. Lloyds meldet: Der englische Fisch- dampfer Frolic(133 Br.-Reg.-To.) ist versenkt worden. » Tie Versenkung der holländischeu Schiffe. Aus Rotterdam werden dem.L.-A." Einzelbeiten über die Ver- senkung der holländischen Schiffe mitgeteilt. Nach einer Kalbamt- lichen Mitteilung soll auf Grund näherer Informationen feststehen, daß auch der Dampfer M e n a d o gleichzeitig mit den anderen holländischen Schiffen von einem U-Boot angegriffen wurde. Ein Offizier eines der torpedierten holländischen Schiffe be- richtet: Als das U-Boot uns um 6 Ubr abends anrief, erhielten wir fünf Minuten Zeit zum Verlasien des Sänffes. Wir begaben uns in die Boole und ruderten fort. Es war bei der herrschenden Dunkelheit unmöglich, zu sehen, was aus unserem Schiff wurde, dock bemerkte ich, daß die Deutschen Bomben dahin überbrachten. Wir sahen, daß das U-Boot verbältnismätzig groß war und zwei Kanonen führte. Der Kommandanl trug goldene Treffen. Wir ruderten 12 Stunden umher. Um 6 Ubr morgens wurden wir dann von einem englischen Schiff aufgenommen. Ter zweite Offizier des Dampfers E e m l a n d erklärte: DaS U-Boot begann auf die Hoordhk und Jacaira zu feuern. Zwei Torpedos schienen Treffer erzielt zu haben. Die Mannschaft ging in die Boote und kam auf uns zugerudert. Wir nabinen sie auf und gaben ihnen Nahrung. Darauf kam das U-Boot auf uns zu. Wir fignalifierten den anderen Schiffen hinter uns. daß wir angegriffen würden. Darauf tauchte das U-Boot unter, erschien aber bald darauf wieder an der Oberfläche und torpedierte die Schiffe hinter uns. Wir verringerten untere Geschwindigkeit und das U-Boot kam längsfett. Wir sahen, wie die Geschütze fertig« gemacht wurden. Nachdem wir die E e m l a n d verlaflen hatten. bemerkten wir, datz der U-Boot-Kapilän seine Offiziere nach dem Schiff sandle, um eS mit Sprengbomben zu vernichten. erfährt, daß über die Dampfer Eemland, Bandoeug und Zaandijk, die nach der Torpedierung treibend blieben, keine neuen Nachrichten eintrafen. Mcm entdeckte von den Schiffen keine Spur mehr. Die britische Admiralität vermutet, daß sie g e- funken sind. » Orleans in der Gironde eingetroffen. Bordeaux. 26. Februar.(Meldung der Agence Havas.) Der Dampfer Orleans ist auf der Reede von Pauillac eingetroffen. * Dänische Neutralitätsbemalung. Kopenhagen, 27. Februar. Der dänische Dampfer Charkow, der bisher im Außenhafen lag. fuhr gestern in den Jnnenhafen, um Ladung einzunehmen. Er rief durch feine neue Neutralitätsbezeichnung, die in Bemalung beider Schiffs« feiten in ihrer ganzen Länge mit senkrechten roten und weißen Streifen besteht, überall große» Aufsehen hervor. Wie verlautet, müssen diese neuen NeutralitätSabzeichen von allen dänischen Schiffen in ausländischer Fahrt angelegt werden. * Verbesserte Seenot-Hilfsmittel ans spanische« Schiffeu. Bern, 26. Februar.»Journal" meldet auS Barcelona, der Marineminister habe den Befehl erteilt, daß alle Handels« schiffe von über 600 Tonnen mit einer Funkeneinrichtung von mindestens fünf Meilen Reichweite und MotorrettungS- booten ausgerüstet werden müßten. * deutschlanü Ott Sraftliea. Basel, 27. Februar.(„Frks. Ztg.) Havas meldet auS Rio de Janeiro: Man meldet offiziell: Die deutsche Regierung habe dem Srasillauischen Gesandten in Berlin erklärt, sie bedauere, daß die ergriffenen militärischen Maßnahmen den Interesse» der Neutrale« schaden. Deutschland sei aber«ntrschsitterlich entschlossen, die Tauchiootblockadr aufrechtzuerhalten. Die ReichSregirrung«erde im Falle der Versenkung eine» brasilianischen Schiffe» die Frage ans diplomatischem Wege regeln. Kunögebung öer hollänöifthen Sozioliftea. Haag. 27. Febrnar.(„Fronff. Ztg.") Ja Amsterdam fand gestern eine Kundgebung der sozialistische« Arbeiterpartei »nd der Gewerkschaften statt. Der Borsitzende Oudegeest fordert» dt« Delegierten auf, ruhig zu bleibe» und ruhige» Blut z» behalten. Da« sei immer noch die einzige Art, da» Land außerhalb de» Krieges zu halten. De» Berhandluugeu wohnte« 1200 Delegierte bei, die 170 000 Arbeiter vertrat«». Der fazialistifche Schiffe von Amsterdam W i b a u t erklärt«, daß die am Freitag ver- f-ukte» Schiffe genug Mehl, die gauze Holls«. bische Bevölkerung eine Woche lang mit Brot zu versorge», und außerdem noch Pflanzenfett, Viehbutter«nd audere Lebensmittel verflachtet hatten. Redner flat für Rationie- ruug ein, warnte jedoch da» Boll davor, eine Ratiouierung zu ver- laugen, mit der die jetzige Lcbensmittelhaltung fortgefetzt werde» könne. Ein Beschluß der Brrsammlung forderte sofort von der Regie- rung die B erteilon, billiger Lebensmittel uud Ber- Hinderung jeder Znrsickhaltang von Lebe«»- Mitteln. * 58 u.mmn. i ifjiup Heg jormörtö" Kerlim JolfeMuti MTWMirniiiiwiBHwiiiiiiiiiTfnnwMnwwwmiwwrw'TiigTiiiiMiinmmiiwiPTBnraMwmnr�� Reichstagsreöe des Reichskanzlers. Scheidemann gegen die /llldeutjchen. 63. Sitzung. Dienstag, den 27. Februar, vormittags 11 Uhr. 2m BundeZratStisch: B e t h in a n n H o l l w e g, H e l f f e r i ch, Stein. Zimmermann, Roedern, Capelle. HauShalt und Kriegsstener». Reichskanzler v. Bcthman« Hollweg: Während unsere Krieger im Trommelfeuer stehen, unsere U-Boote die See durchkreuzen, während wir in der Heimat an nichts, an gar nichts anderem zu arbeiten habe», als Geschütze und Muni- t i o n zu schaffen, als Lebensmittel zu erzeugen und sie g e- recht zu verteilen, gibt es mitten in diesen aufs höchste ge- spannten Kämpfen nur eine Forderung, die alle übrigen Fragen beherrscht: Kämpfen undSiegen! �Lebhafter Beifall!) Die vom Reichstag mit überwältigender Mehrheit beschloffene B e« willigung der Krieg Skredite verkündet aller Welt unseren unwiderruflichen Entschluß zu fechten, bis der Feind zum Friede« bereit ist. (Erneuter Beifall.) Viel wird darüber geschrieben und gesprochen, wie dieser Friede auS'ehen soll. So entscheidend diese Frage für unsere Zukunft ist, so würde ich eS doch nicht für gut halten, wenn ich mich an solchen Debatten beteiligen wollte.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Ich kann von meiner Seile aus nicht Versprechungen machen oder ins einzelne gehende Formulierungen unserer Bedingungen aufftellen. Das wäre unfruchtbar.(Sehr richtig! auf denselben Bänken.) Die feindlichen Machthaber haben es reichlich getan. Sie haben sich untereinander ausschweifende Zusicherungen gemacht, aber doch nichts weiter damit erreicht, als daß sie sich und ehre Völker immer tiefer in den Krieg verstrickt haben.(Sehr richtig!) Ihr Beispiel lockt mich nicht.(Sehr gut I) WaS ich über Richtung und Ziel unserer Bedingungen noch sagen konnte, habe ich wiederholt gesagt: Dem Kriege ein Ende machen durch einen dauerhaften Frieden, der uns Entschädigung gewährt für alle erlittene Unbill, und der einem starken Teutschland ein gesichertes Dasein und eine gesicherte Zukunft bietet.(Lebhafter Beifall.) Wie auf dem Gebiete der äußeren Politik, so haben sich auch große innerpolitische Probleme ergeben. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Neuorientierung! Kein schönes Wort, ich nehme cS heute zum erstenmal in den Mund. Es erweckt so leicht die falsche Vorstellung, als ob cJ in unserem Belieben läge, ob wir un« neuorienticren wollen oder nicht. Nein, meine Herren, eine neue Zeit mit einem erneuerten Bolle ist da. lLebhafle Zustimmung.) Der gewaltige Krieg hat sie geschaffen. Ein Geschlecht, das durch so ungeheures Erleben bis in die letzten Fasern seiner Empfindungen erschüttert ist, ein Volk, von dem ein ergreifendes Wort eines feld- grauen Dichters sagen konnte: „daß fem ärmster Sah« auch sei» getreuster war", (Lebhafter Beifall.) eine Nation, die eS tausendfältig und täglich erfährt, daß nur ihre gesamte Kraft die äußere Gefahr bestehen und überwinden kann— das sind lebende Kräfte, die sich von keinem Parteiprogramm, nicht von rechts noch von links einschränken und aus ihrer Bahn werfen lassen.(Sehr richtig!) Wo die politischen Rechte neu zu ordnen find, da handelt es sich nicht darum, das Volk zu belohnen für da«, was es getan hat.(Stürmische Zu» stimmuna, besonders links.) Das i�t geradezu unwürdig. ES handelt sich nur darum, de» richtigen politischen und staatliche» Ausdruck für das zn finden, was dieses Volk ist.(Erneute starke Zustimmung aus denselben Bänken.) Gewallige Aufgaben stehen uns nach dem Kriege bevor, lösen können wir sie nur, wenn die gesamte Kraft, deren Zu- sommensasiung uns allein es ermöglicht, den Krieg zu gewinnen, auch im Frieden fortwirtt, wenn ihr die Bahnen geöffnet werden, daß sie frei und freudig fortwirken kann. Da« regelt sich nicht > aw Parteischablonen. daS ist eine Forderung der inneren Stärke unseres Staates, und diese Forderung«ird sich durchsetzen.(Lebhafte Zusnmnmng, besonder« link«.) Wollte jemand hiergegen einwenden, daß nach den Befreiung S- kriegen vor hundert Jahren die Hoffnungen auf eine voltstüm« liche Gestaltung de« Staatswesen« getäuscht wurden, der übersieht ganz den Unterschied der Zeiten. Die Zeiten, w o d ie Regierungen von der ZobinettSpolitik beherrscht wurden, wo die freiheitlichen Strömungen mehr oder weniger kosmopolitisch waren, sind über- wunden. Damals leuchtete der nationale Gedanke nur in wenigen Köpfen. Heute hat er das ganze Boll in allen feinen Schichten über jeden Rang und jede Partei hinweg erfaßt und hat uns zu einer untrennbaren Einheit zusannnengeschmiedet. (Lebh. Zustimm.) So wie da? anerkannt wird auch in gut konservativen Köpfen, so. glaube ich. werden auch besonnene Verfechter der Demokratie den W r r t unserer monarchische« Ein» richtungen zu schätzen wissen. Die Briand»md Lloyd George toollen die Welt glauben machen, ihr Ziel sei eS, Deutschland von, preußischen Militarismus zu befreien, da« deutsche Volk von sich au« mit demokratischen Einrichtungen zu beschenken. Nun. wo wir von etwas zn befreren find, da iv erden wir eS selbst besorgen.(Starke Zustimmung links.) lind was den Militarismus' anlangt, so hat L l o h d George vor dem Kriege anerkannt, daß bei unserer geo- glaphischen Lage immer noch daö Bort Friedrich« des Großen gilt: „toujours en vedette"(Immer auf dem Posten). Wirksamer alS mit den Einrichtungen, die auf festem monarchischen Boden ruhen, kann diese Wacht nichr geübt werden, und am wirksamsten durch eine Monarchie, die ihre Wurzel hat im Boll, in seinen breiten Schichten, und die aus diesem unerschöpflichen Luell, au« der Liebe des freien Mannes ihre Kraft zieht.(Bravo 7) Dies und nichts ondercS ist �inn und We'cu des deutschen KaisergedaiikenS und deZ preußischen Königtums. kehr« von der Zukmfft zur Gegenwert zurück. Meine letzte Rede hier am 12. Dezember galt uasrrcw Fricdentzvorschl«,. Er sand bei den Neutralen lebhafte« Widerhall,»ei unseren Feinben oder war die verbiffrn« SriegSlribrnschaft ihrer Machthaber stärker, als der Schrei der Völker„ach Friede». Ihre Antwort war gröber und vermessener al« irgend«in Vernünftiger bei uns„ad den Ren- tralea sie rrisartrn kannte.(Sehr richtig.) Dir Wirkungen dieses Dokumente» barbarischen Hohne« und Hasse« liegen klar zutage. Unsere Bündnisse and Fronte» stehen fester, da« deutsche Boll ist einiger und standhafter al« je.(Brava.) Allem auf uusere Gegner fällt die ungchrnre Schuld de« fortgesetzten Blirtvrrgiesten«, fällt der Fluch der leidenden Menschheit zurück. Sie waren es, die die Hand der Verständigung auszeschlagru haben. Ueber die S e e s p e r r c habe ich am 31. Januar vor Ihrem Haupt- auSschuß gesprochen. Auf die Ankündigung der Sperre haben wir von den Neutralen Erwiderungen mit Vorbehalten, Verwahrungen und Protesten erhalten. Wir verkennen durchaus sticht die großen Schwierigkeiten für die neutrale Schiffahrt und suchen sie möglichst zu lindern. Zu dem Zwecke suchen wir den neutralen Staaten Kohle und Eisen innerhalb de? Bereichs unserer Kräfte zuzuführen, aber letzten Endes sind diese Schwierig- keilen durch die brutale Sertyrannci Englands verursacht.(Sehr richtig!) Diese Knechtung jede« nicht britischen Seeverkehrs wollen und werden wir brechen.(Lebhafter Beifall.) Den erfüllbaren Wünschen der Neutralen kommen wir entgegen soweit wir können. Aber in dem Bestreben, dies zu tun, ist unS durch unseren unwiderruflichen Entschluß eine unverrückbare Grenze gesetzt, den Zweck der Sperre unbedingt z» erfüllen. (Lebh. Beifall.) ES wird noch der Zeitpunkt kommen, wo die Neu- tralen lmS danken werden für diese Festigkeit. Denn die Frei- h e i t der M e e r e, für die wir kämpfen, wird auch ihnen zugute kommen. Noch einen Schritt weiter als die europäischen Neutralen »find die Vereinigten Staaten von Amerika gegangen. Authentische Mitteilungen über die Gründe, die den Präsidenten Wilson zum schroffen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu unS geführt haben, habe ich bisher nicht er- halten.(Hört! hört!) Bei dem Mangel eines amtlichen Doku- mentS bin ich auf die unsichere Onelle der von Reuter verbreitet«, Inhaltsangabe einer Botschaft Wilsons an den Kongreß vom 3. Februar angewiesen. Danach soll der Präsident gesagt haben, durch unsere Note vom 31. Januar werde plötzlich und ohne vor- hcrige Andeutung vorsätzlich das in der Note vom 4. Mai 1916 gegebene feierliche Versprechen zurückgezogen. Sollte diese Argumentation authentisch sein, so müßte ich gegen sie entschiedenen Widerspruch erheben.(Sehr richtig!) Seit über einem Jahrhundert leben wir in freundschaftlichen Be- ziehungen zu Amerika. Beide Länder haben sich gut dabei goDMden. Seit Beginn de? Krieges ist eS drüben anders geworden. Noch am 27. August 1913 während der mexikanischen Wirren hatte Präsi- dcnt Wilson in einer feierlichen Botschaft an den Kongreß erklärt, er glaube den besten völkerrechtlichen Gepflogen- heilen in bezug auf die Neutralität zu folgen, wenn er die Lieferung von Waffen und Kriegsmaterial an beide kriegführende mexikanische Parteien verböte.(Lebhafte« Hört! hört I) Ein Iahe später. 1914, wurde diese Gepflogenheit ersichtlich nicht mehr für gut gehalten. ZI n- gezähltes Kriegsmaterial hat Amerika an die Entente geliefert, und während man eifersüchtig über da« Recht der amerikanischen Bürger wacht, mitten durch die Schlacht- selber der See ungehindert frei mit England und Frankreich Handel treiben zu können, selbst solchen, den wir mit teurem deutschen Blute bezahlt haben(Hört! hört I), schien da« Recht der amenka». »ischen Bürger den Mittclmächt«, gegenüber nicht ebenso vollgültig geschützt zu werden.(Sehr wahr!) Man protestierte zwar gegen englische VölkerrechtSbrüche. aber man fügte sich. Daß unsere Zusicherung vom 4. Mai 19(6 unter gewissen Borau«- setzungen hinfällig werden würde, hatten wir von vornherein ausdrücklich und unmißverft Südlich erklärt.(Leb- hafte Zustimmung.) Der Kanzlrr verliest den Schluß unserer Note vom 4. Mai und fährt fort: Die Regierung der Bereinigten Staaten hat unS den Empfang der Note vom 4. Mai am 19. Mai bestätigt. Wenn sie darin die Meinung ausdruckt, wir beabsichtigten nicht die neu angekündigte Politik des ll-Boot-ÄriegeS von dem Er- gebniS der Verbandlnngci, der amerikanischen Regierung mit irgend einer anderen Regierung abhängig zu machen, so widerspricht daSsokraßdemwaSioirinunsererNote klar ge- sagt hatten, daß eine Erwiderung von unserer Seite an den, beiderseitigen Standpunkt nichts geändert haben würde. Daß aber die V o r a u s s e tz u n g e n, an die wir die Wiedererlangung der Freiheit unserer Entschließung geknüpft hatten, längst ein« getreten sind, daran kann auch in Amerika niemand zweifeln. (Sehr wahr!) England hat die Absperrung Deutschlands nicht aufgegeben. sondern auf das rücksichtsloseste verschärft.(Sehr richtig!) Noch Ende Januar hat England eine neue Sperre-Erklärung für die Nordsee erlassen. Da konnte eS für niemand eine Ilebcrrnschung bilden, daß wir am 21. Januar diese? JahreS die Freiheit der Meere nicht als wieder hergestellt ansahen. Unsere Feinde und die uns übelwollenden amerikanischen Kreise weisen auf cinen angeblich wichtigen Unterschied zwischen unserer Handlungsweise und der der Engländer hin: England vernichte wesentlich wirtschaftliche Werte, Deutschland aber unersetzliche menschliche. Warum kommen denn bei den Engländern amerikanische Menschenleben nicht in Gefahr? Doch nur, weil die Neutralen und insonderheit Amerika sich freiwillig den Anordnungen Süglnnd« füge» (Sehr richtig!).„nd well England so der Notwendigkeit überhsben ist, seinen Zweck durch Gewalt zu erreichen. Wa« loäre wohl «eschehen, wenn die Ameriknnn auf dem ungehinderten las s agier» und Güterverkehr»litHamburg und Bremen bestanden hätten?(Lebhafte Zustimmung.) Hätten sie da« getan, so wären wir von dem peinlichen Eindruck befreit geivesen, baß nach amerikanischer Ausfasfung eine Unter- w« r f u n g unter englische Kontrolle mit dem Wescii der Neutralität verriubar ist, daß die«nerkenrnmg der deutschen Abivehrmitlel aber mit dem Wesen der Neutralität unvereinbar ist. (Lebhafte Zustimmung.).... Wir bedauern den Bruch mit einem Volke, da« nach seiner ganzen Geschichte dazu berufen schien, mit un«. nicht gegen uns für da? gemeinsame Ideal einzutreten. Nachdem aber unser ehrliches Friedensangebot nur den KriegSsturm der Gegner entfesselt hat, gibt e« für uns kein Zurück mehr. sondern nur noch ein Vorwärts.(Lebhafter Beifall.) Taß Eng» land die verschärfte Anwendung der U-Bvot-SSasfc als größtes Vor- brechen der Weltgeschichte hinstellen würde, war vorauszusehen. Es glaubt der vorauC'estimwle Herrscher der Meere zu sein und zu. gleich der allgemeine Wohltäter der Menschheit. Jeder Gegner, der sich der englischen Geioohicheit nicht beugen will, die Bestimmungen de« Seerechts je nach den politischen, militärffchtn und Wirtschaft- lichen Bedürfnissen zu erweitern oder zu verengern, wird als Feind der Menschheit hingestellt. Angesicht» der Ver- hetzungSkampagn«, die England in der ganzen Welt gegen uns be» treibt, unterstreiche ich eS noch einmal: Unser jetziger ll-Boot-krieg ist eine Erwiderung auf die Hungerblockade, die England seit De- ginn des Krieges gegen uns ausübt. iLebb. Zustimmung.) Tie englischen Mochthaber wiegte» sich tu der Hojinung, daß ihnen der Krieg reicht(euer zu stehen kommen würde, daß nach bewährieni Muster oitj daß Festland ik Slliiakn die Arbeit füx Englarch verrichten würden, und daß England mit seiner stolzen Flotte Teutschland durch Aushungerung zur Kapitulation zwingen Würde. ohne selbst Menschen dabei zu verlieren. ES war das Rezept der Kr rüchtigten Konzentrationslaser im Vurrnkrie«, in denen IbOM his 16 000 unschuldige Frauen und Kinder ein Opfer englischer Gra» samkcit geworden find.(Hörtt hörtl) Was England damals im Kleinen ausübte, wollte es jetzt im Großen ausführen. Jetzt sollte das ganze deutsche Volk mit seinen nahezu 70 Millionen, mit seinen Frauen und Kindern, mit scliwn 5tra»ken und Gebrechlichen au� gehungert und damit zur Kapitulation gezwungen werden. Eng land ist es gewesen, das von Anfang an aus diesem Krieg nicht einen Krieg von Heer zu Heer, sondern von Volt zn Volk gemacht hat. (Stürmische Zustimmung.) llnd nachdem England dies getan dat. nachdem die Feinde unserem ehrlichen Friedensangebot nur Hohn und Spott entgegengesetzt habe», da blieb dem deutschen Verteidi gungSwillen nichts werter übrig, als das Goethcsche„Aus eine» groben Klotz gehört ein grober Keil".(Lebhafte Zustimmung. England scheint die Gefahr, die ihm von, U-Boot droht, zu er kennen. Allerdings tröstet die englische Regierung, ihr Volk, sie werde binnen kurzem Herr de« Il-Boot-Kricges werden. Nun, wir wollen abwarten. Einstweilen kann ich erklären, daß die bisherigen Erfolg. des seit dem 1. Februar geführten U-Boot-Krieges die Erwartungen««fem Marine bei weitem übertreffe». (Lebh. Bravo!) Die Berichte, die der Feind über Sckifse, die dir Sperre gebrochen haben, verbreitet,, worauf sich die Feinde ersiäu lieh etwas zugute tun, enttäusche» uns gar nicht. Wir haben nie maks eine Blockade erklärt, sondern nur destimmte Sperrgebiete festgesetzt, in denen jedes Schiff mit sofortigem Avariff zu rechnen hat. Daß dabei Schiffe der Gefahr entschlüpfen, versteht sich eigent lich von selbst. Am Gesamterfolg ändert da« nichts, den wir eine Teils durch Versenkung, andererseits durch die Störung der neutralen Schis fahrt, die bereits in großem Umfang ein getreten ist, erreichen.(Beifall.) Dank der unvergleichlichen Bravour unserer U-Boot«(Lebh. Beifall) sind wir hc rcchtigt, der weiteren Entwickekung de? Seekrieges, der sich steigern wird mit seiner Wirkung auf die Kriegssähigkeit unserer Feinde. mit aller Gewißheit entgegenzusehen.(Lebhafter Beifall.) Nach Ablehnung unseres Friedensangebote? sprach unser Kaiser das Vertrauen aus, daß jede« deutschen Mannes Kraft sich in heiligem Zorn über Machtgier und Bernichtungswut unserer Feind verdoppeln werde. Daß die? Vertrauen gerechtfertigt war, hat da. deutsche Volt bewiesen iw Kampf, in Arbeit»nd im Tvtdrn. Mir haben einen schweren Winter hinter uns, und das na mentkich sür die ärmere Bevölkerung. Beschränkungen im Bahnberk ehr haben die Versorgungen mit Lebensmittel» und Heizstoffen noch erschwert. DaS Heldentum unserer Frauen nnd Kinder, der Geist der Vaterlandsliebe, der sich sv unbeugsam bewährt, hol schon jetzt den englischen Ausbungrrnngsplan znschonden gemocht. (Lebhafter Beifall.) Die m i l i t ä r i s ch e La g e hat sich kaum ver ändert. Ueberall sind unsere Fronten verstärkt, unsere tapferen Soldaten blicken vertrauensvoll auf ihre sieggewohnten Führer.,. zorniger Geschlossenheit, gesperrt durch dw Ablehnung unseres Friedensangebots, an den Landsronten für alles bereit, dank der genialen Leitung unserer Obersten H e e r e s I e i tu n g(Beifall) und der unüberwindlichen Zähigkeit unserer Truppen(Beifall), auch an der Wasserfront unbe siegt und für den Unterseebaotkrirg vielmals mehr gerüstet al? im vorigen Jahre, so gehen wir voller Vertrauen den nächsten Monaten entgegen.(Lebh. Beifall.) Das Heer vor dem Feinde und da« Heer in der Heimat beseelt gemeinsam der unbeugsame Wille, nicht zn dulden, baß wir in Schmach geraten, daß wir der Freiheit entsagen müssen! Dieser Wille, in Rot und Tod tanseuMltig bewährt unt gehärtet, der«acht un» unüberwindlich und führt uns zum Sieg. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Hanse und aus den Tribünen.) Abg. Dr. Tpah»(Z.): Da wir den Krieg um die Sicherung unserer Existenz geiührt hatten, konnte» wir unsere Ziele als erreicht ansehe», als wir am 12. Dezember unser Friedensangebot machten. Die Antwort daraus war die offene Bekanntgab- der W e l t h e r r s ch a s t s plane unserer Gegner, die un? und unsere Verbündeten vernichten wollten. Wir sollten Elsaß-Lothringen an Frankreich. unsere östliche» Provinzen an Rußland abgeben; Oesterreich Ungarn sollte aufgeteilt, die Türkei aus Europa hinausgedrängt werden. Tagegen gab es für uns nur eine Antwort: Durchhalten und siegen! E« ist eine Schmach für das englische Parlament und da» englische Volk, daß sie durch ihr Schweigen den brutale» A u« h u n g e r u n g« l r.i e g gegen Greise, Frauen und Kinder gebilligt haben. Der Redner git» dann eine auf der Tribüne im einzelnen unverständliche ausfuhr- lickn Darstellung der Entwickelung des Streite« um die Anwendung der It-Boot- Waffe. Da» Zentrum hat o»n Anfang an die Benutzung der U-Bvot-Waffe gefordert, wenn der Erfolg einer schweren Schädigung England» gesichert sei. Der Redner kommt zum Schluß aus die Erörterungen über da» S ch u tz h a f t g e s e tz zurück und betont, er halt« e« sür ein»ohile vskichum des Kriegsmiuisters. dafür zu sorgen, daß. ob nun im einzelnen Falle ein Antrag vor- liege oper nicht, die Fälle von Schuvhaft auf Grund der nrne» Bcstinimungen untersucht würden.(Bravo! im tz»'ntr»m.) Abg. Scheidcmann(Toz.): Die Gefühl«, mit denen die Sozialdemokraten den Reichstag diesmal betreten haben, sind andere als die waren, mit pene«(vir am 12. Dezember diesen Sitzungssaal perlassen haben. Trotzdem. wenn auch heute zerbrochen am Boden liegt, waOamal* zu lchen schren, so stehe ich nicht an, zu erklären, daß Jne«tuuden, die wir Sozialdemokraten damals durchlebt habe», zu den schönsten. frohesten und stolzesten meines Zebrns.jählc*. und ich bin überzeugt, daß auch eine ganze Anzahl anderer Herren in diesem Saal rn diesem Empftirden un« zustimme«. Es liegt>n der Natur der Sache, daß die« Gefühl gerade bei im? Sozialdemokraten am stärksten ausgeprägt ist. denn wir sind allezeit d,e Träger der Fried e» sb c tu e gu n g in Deutschland geweft». Unsere Sache war und ist eine Revolutio« der Vernunft grge« de« Wahnstun de« Votkermordc«, und so mußte eS unö mit der tiefsten Genugtuung erfüllen, als die Regierung mit Argumenten, die den unsrigen w e s e» t lich««he kamen, der Welt de« Frieden anbot. Wir haben am 12. Dezember vorigen Jahres gegen die Eröffnung der Debatte über die Rede de« Retchckkrwtzler» gestimmt. Ich Will Ihnen heute ooju offru jagen, warum. Sie wissen, daß es sticht unsere Gr ivolrnhcit ist. eine Debatte vorzeitig zum Abschtutz zu bringe», und daß es am wenigste� unsere Art ist, Regierungserklärungen un- �antworte! hinzunehmen. Wer wir glaubien damals, in einer lanz besonderen Situation so handeln zu müssen,. weil wir, offen herausgesagt, die Befürchtung hatten, das? durch unkluge Acuhr- lungrn von einer bestimmten Stelle dieses HauseS den gegnerischen I-cgicrungen eine gar zu bequeme Möglichkeit geboten worden märe, das Friedensangebot Teutschlands abzulehnen.(Sehr wahr! s>ci den Sozialdemokraten.) Weil uns aber die Sacke des Friedens iiber alles ging, haben wir in dieser besonderen Situation gegen Ms Debatte gestimmt. Die Regierungen der Mittelmächte haben den feindlichen Regierungen die Lorschläge, mit denen sie auf die vorgeschlagene Konferenz gehen wollten, nicht näher bezeichnet. Es hat sich infolgedessen großer Streit darüber entwickelt, ob diese Vor- ichläge wirtlich mit den Kricgszielen der Sozialdcmo- traten so. wie wir siechwr wiederholt öffentlick formuliert haben, ü b e r e i n st i in m e n. Mir scheint ein solcher Streit sehr müßig zu sein, denn bei solchen Konserenzen kommt es wahr- haftig nicht darauf an, wie sie anfangen, sondern wie sie auf- hören(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.), und ich bin elsenfest überzeugt, daß das Ergebnis einer solchen Konferenz, so früh oder so spät sie stattfinden mag, nicht wesentlich inders ausfallen wird, als das, waS meine Freunde hier loicderholt als das deutsche F r i c d e n s p r o g r a m m skizziert haben. Jni übrigen bin :ch allerdings der Meinung, daß ein noch deutlicheres Aus- sprechen dieses unausbleiblichen Ergebnisses in ,der deutschen Friedensantwort mehr genützt als geschadet hätte. Aller- dings nach den Erfahrungen, die man bisher gemacht hat, kann man sich der Möglichkeit nicht verschließen, daß ein klipp und klar ausgesprochener Verzicht auf Erybmingen die Energie der feindlichen Kriegsparteien noch mehr gestärkt hätte. Es hätte freilich auch der Friedensbewegung ein solches deutliches Angebot drüben mächtig Nutzen stiften können, und dar- auf war natürlich unsere ganze Politik einzurichten.— Man wird uns heute sagen, daß unsere Arbeit ihr Ziel nicht erreicht hat. Dem entgegne ich: Ständen wir heute vor derselben Situation wie da- nials. wir würden genau so bandeln, wie wir damals gehan- elt haben. Soll es einmal zum Frieden komme», den die Welt sehn- iilchtig verlangt, so mus? in jedem Lande eine starke Strömung vorbanden sein, die sich einer uferlosen Erobcrnngs- und Bis-anS-Ende- Politik entgegcnwlrst(Sehr wahr! b. d. Soz.) und der Regierung den Weg zur notwendigen Selbstbeschrüukung zeigt und erleichtert. Anders werden wir überhaupt nie zum Ende kommen. Als die Geg- eer in ihrer berüchtigten Antwort an Wilson ihre Eroberungspolitik rücksichtslos enthüllten, hat sich der cntschie- den st'u W zur Verteidigung in unserem Lande wieder doch und entschlossen ausgerichtet. � Es gab nur eine Stimmung im �olke: Lieber alles andere"«!? einen solchen Frieden.(Sehr richtig!) Man tut immer klug, ändere Völker nach dem eigenen zu beurteilen - die Unterschiede sind wirklich gar nicht, so groß, wie die Kriegs- Phraseologie sie uus darzustellen bemüht. Ich frage: wenn wir etwa in umgekehrter Richtung ein ähnliches Programm aufgestellt hätten wie unsere Gegner, würde dann drüben nicht auch der Wille zur Bcr- leidigung aufgeflammt sein.(Sehr richtig!) MS das Friedens- angebot gemacht wurde, sahen wir unsere Aufgabe darin, alles rujr mögliche zu tun, damit es in absehbarer Zeit zu einer Konferenz k a m. und weiter alles zu tun, damit die eigene Rc- gierung sich nicht von den A n n e x i o n s p o l i t i k e r n zu F o r- S e r u n g e n drängen ließe, die das Zustandekommen des Friedens wieder in Frage st e l l t e n. Tie Antwort der Gegner an den Präsidenten Wilson machte einen Strich durch uuscrc Rechnung. Jedermann hatte wohl erwartet, daß die Gegner nicht ohne Zieren und Sträuben, nicht ohne Betonung ihrer eigenen Stärke, nicht ohne tastende Versuche zu Vorverhandlungen die deutsche Einladung zu einer Konferenz annehmen würden. Aber eine so brutale heraus- fordernde Sprache, ein so wahnsinniges, allen Tatsache» Hohn sprechendes Siegcsyrogramm, des hatten wolst nur ganz wenige von irner Seite erwartet. Was man auch jenseits der Grenzen über die Entstchungsiirsachen dieses Krieges sagen mag. diese neue Blutschuld, die sie auf sich geladen habest, durch die brutale Ablehnung des Friedensangebots, werden sie nimmermehr abwaschen können.(Leb- baste Zustimmung.) Was war nun, angesichts des ausgesprochenen Willens der Gegner, den Krieg fortzusetzen, zu tun? Daß wir unsere Kräfte bis zum äußersten anspannen mußten, um die Pläne der Gegner zu.schänden zu machen, darüber war das ganze Volk einig. Keine. Uebereinstimmung bestand dagegen darüber� zu welchen Zielen und mit welchen Mitteln. Die Sozialdemokraten waren der Meinung, daß die nach der bisherigen Methode � erreichten großen Erfolge sich ohne Aenderung der Methode fest-. betten und erleichtern ließen, ohne daß eine weitere Macht auf die Seite unserer Gegner gezogen wurde, bis sich auch drüben der Friedenswille Bahn bräche. Wir sind mit dieser unserer Politik nicht durchgedrungen. To sehr wir das bedauern, so sehr be- greisen wir, daß es anders gekommen ist. Am Tage nach der Leröfsentlichung des feindlichen Eroberungsprogramms schrieb eines der Blätter, das unsere Politik stets am heftigsten bekämpft hat, einen Artikel mit der Ueberschrift:„Tank an Lloyd George! Der Dank war aufrichtig. Es gibt eben heutzutage auch eine Juternatirnale der KriegSverschärfunz und der KriegSverlängernns, iirren� Glieder einander in die Hönde arbeiten.(Sehr wahr! bei den«ozialdemokräten.) Was die eine von ihnen hochhebt, das hilft auch den anderen zu neuer Kraft. Lloyd George ist der Bater der neuen Entschlüsse der Reickslcitung, die in Gemeinschaft mit der Obersten söcereSlcitung die Verantwortung trägt, die wir ablehnen: der verschärfte U-Boot-Kriea ist eigentlich in der Konferc n z der Alliierten in Ro»m beschlossen worden. Nachdem die Sache nun einmal in Gang gdkoinmen ist, können auch wir nur von ganzem Herzen wünschen, dass)(er)uns bald möglich st den F r i e d e n b r i n g t.— Eine leicht vorauszusehende Folge des verschärften U-Boot-Krieges war der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Amerika. Ich bedauere diese Wendung der Dinge auf das tiefste. Wir stimmen nicht mit denen über- ein, die Amerika voreilig als einen neuen Feind— man kann geradezu sagen— begrüßen. Ich will die möglichen K o n s e- g Uenzen dieses Bruck es hier nicht in allen Einzelheiten erörtern, möchte aber dock die Regierung auf die Ernährungs- schwierigkeiten hinweisen, die daraus für d:e schwer geprüfte Bevölkerung Belgiens und Nordfrankreichs erwachsen. Diese Bevölkerung steht unter unserem Schutz, wir haben auch für sie noch Kräften zu sorgen. Das können wir meines Er- achtens am besten, indem wir die Leute in dem Lande belassen, zu uem sie gehöre«�' und in deni zu verbleiben, sie ein Recht haben, und in daS zur.ückzukehrcu, �weni�Zsie es verlangen, man ihnen nicht, wehren soll. Wenn ich von der Konsequenz, dieses diplomatischen Bruchs für die besetzten Gebiete gesprochen habe, so soll das nick: heißen, daß wir die Folgen für uns selbst auf die leichte Schulter nehmen. Wir verkennen keinen Augenblick, daß unserer militärischen Ucberlegenheit, die wir nach meiner bestimmten An- nähme bis. zum En de des Krieges bewahren werden, iich kolossale moralische und wirtschaftliche Kräfte gegenüberstellen, die durch den offenen Hinzutritt Amerikas verstärkt werden. Ich verstehe auck diejenigen nicht, die dje Koalition der Gegner leichten Herzens wachsen sehen und die dabei die Regierung noch zu immer größerer Maßlosigkeit der Kriegsziclc ermuntern. Wir werden schon ouS Selbsterhaltungstrieb gegen jede» neuen Feind kämpfen, der sich uns entgegen- stellt. Wir vertrauen unserer bis an die gähne gewappneten Volts- kraft. Aber wir mahnen zugleich auch da» eigen« Bvlk und die eigene Regierung zu einer nüchternen«zinfchiitnmg des Erreichbaren. Erreichbar muß sein, waS erreicht werden kann: Ehre, Darein, w i r t s ch a f t t i ch e Entwicklung. Freiherr de? Reiches müssen uiiangetastet aus diesem furchtbaren Ringen hervorgehen. � Wenn die neuen Stürme des Krieges anhaben, die dieses Frühjahr uns ankündigt— wir detitschen Sozialdemokraten toten alle?, um sie zu verhindern, und sie wären unbedingt verhindert worden, wenn auch die.ausländischen Sozialdemokraten mit. der gleichen Energie dafür eingetreten wären wie wir— wenn also diese neuen Stürme ausbrechen, dann werden auch' wir mit unserin Fleisch und Blut, mit unserm Wünschen und Wollen für Deutschlands freie, gesicherte Zukunft mit dabei sein, und in diesem Sinne haben wie auch diesmal die geforderten Kredite bewilligt. Wir hätten gewünscht, daß der Reickskanzler schon vor der Be- willig ung derKredite eine Erklärnng über die Gesamtpolitik der ReickSlcilüng abgegeben hätte. Der Reickskanzler hat auch von den Kriegszielen gesprochen lind gesagt, auf Einzelheiten lasse er sich nicht ein, er habe schau oft darüber gesprochen und nehme nichts dgtzon zurück. iDas letzte) waren die Worte voqi 12. Dezember, (worin)er seine Bereitschaft zum Frieden erklärte/�Jch Labe auch niTizinden können, daß der Reichskanzler sich im Widerspruch be- fuicken hat zu den Reden des ungarischen Ministerpräsidcntrn. Auch Graf Tisza hat wiederbolt erklärt, es bleibt bei dem, was wir in unserem Friedensangebot vom lJ. Dezember und in der erklärenden Note an die Neutralen gesagt haben: Wir sind noch immer zum Friede» bereit. wir sind immer noch zum Verbandeln bereit, und wen» der Krieg weiter dauert, so ist es nicht unsere Schuld, sondern ouS- schließlich die unserer Gegner. Wörtlich sagte Graf Tisza: „Wir führen diesen Krieg, weil wir ihn zur Rettung unseres angegriffenen Lebens führen müssen. Wir werden ihn gegen jeden führen und unter allen Umständen so lange, aber mich nicht eine Mi- nute länger, als zur Rettung unseres LebenS. unserer Sicherheit und unserer Epistenzinteressen notwendig ist. Darin stimmen alle unsere Bundcsgeilosscil überein. Wenn der Vierbund diesen Krieg mit einem Frieden beschließen würde, wie er den Feinden vorschwebt, so könnte ein solcher Frieden durch keinerlei Uebereinkommen zu einem dauerhasten gemacht werden. Ein dauerhafter Friede kann nur so beschaffen sein, daß er bei niemanden Revanchegedanken erregt." Diese klugen Aeußerungen haben in Deutschland den größten Beifall gefunden. Allerdings mit zwar nicht zahlreichen. aber sehr heftigen Ausnahmen. In gewissen Kreisen hat nämlich die neueste Wendung der Dinge eine Art Koller hervor- gerufen, den sie fälschlicherweise ITuror teutonikus nennen und in diesem Zustande schlagen sie um sich, ohne zzu bedenken, wen sie treffen. Diese absonderlichen Vorkämpfer für Deutsch- landS Herrlichkeit scheinen nach dem Grundsatz zu handeln, daß wir immer noch viel zu wenig Feinde und noch immer viel zu viel Bundesgenossen haben. Man muß den E r a f t ii b e r s ch u ß bewundern, den jene Herren in dieser Zeil der Lebensniittelknappheit aufbringen.(Heiter- keil.) Haben sie doch zu alledem noch Mut und Lust, dem Reichs- kanzler, wie es in einem ihrer Flugblätter heißt, an die Kehle zu springen. Man bälte ivirklich denken können, er bätte sich dur-ch die neuen Entschlüsse der Reichslcitung eine bessere Behmtd- luiig von jener Seite verdient. Aber weit gefehlt, der Kleinkrieg gegM�ihn wird munter sortgesetzt und wir haben erst in den letztenTagen recht Erbauliches davon gelesen. Die Frivolität, mit der iiian sich zu dein Zwecke bekannt hat, Berheltuiig zwischen militärische» u«d Zivilbehörden zu tragen, übersteigt wirklich alles bisher Dagewesene. Ein. solches Treiben inmitten des Krieges grenzt schon an Landesverrat.(Lebhafte Zustimmung links. Wir siitd Gegner des Polizeikniittels im politischen Kampf. Wenn er aber angewendet wird, dann bitte gleichmäßig. WaS Liebknecht recht ist, müßte Kirdorf billig sein. (Lebhafte Zustimmung llnkS.) Freilich sind gewisse Unterschiede vor- banden,.zunächst.formaler Art. Der eine rief am P o. i s d a m e r Platz nieder mit der Regierung, der andere am P a r i s e r P l a tz. In sachlicher Hinsicht aber war Liebknechts Ruf eine harmlose Schwärmerei, verglichen mit dem Kirdorfs che» Bomben- I ck m c i ß c ir(Lebhafter Widerspruch rechts, lebhafte Zustimmung links.) Das. sind dieselben Leute, die in ihren Veriammiuugeu eine wahrhaft k a n n i b a i i j Ä e Fq:>. u d e darüber äußerten, daß die Frieden�versüche in r ß t u n g e n sind, und daß die Schlächterei weitergeht. Wenn wir ringsnin von Feinden umgeben sind, und wenn selbst in den eiiifernlesten Ländern ein geradezu unbegreislich-r Haß gegen uit§ aufsckäumt, so danken wir daS nicht zuletzt jenem Treiben,(Lebhafter Wider- i'pruch und Utirnhe rechts. Lebhafte Zustimmung links.' das man draußen mit Unrecht für die Stimme unseres nüchternen Volles hält. Man weiß dort nicht, daß unser Volk in seiner übergroßen Mehrheit für solche Aeußerlingen kein anderes Gefühl hat, als das deS A b s ch e n S und der E n t- r it st ung. lLebhafie Zustimmung links.) Wir stimmen deni Grafen Tisza zu, daß der Krieg nicht eine Minute länger dauern darf, als zur Rettung unseres Lebens, unserer Sicher- heit und unserer Existenzittieressen notwendig ist. Und die Völker der Welt, die unter dieser Katastrophe ebenso leiden wie wir, sollen wissen, daß nur der Starrsinn ihrer eigenen Regie- r nn gen an ihrem Leiden wie an unserem Schuld ist, und daß sie einen'ehrlichcn Frieden der Verständigung jeden Tag haben können.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Annahme der neuen Kredite belastet da» Reich abermalZ mit Hunderten von Millionen an Zinsen. Im vorigen Jahre deckte man sie durch Steuern auf den Verbrauch und Verkehr, diesmal tut man es durch Steuern auf den Verkehr und Ver- brauch(Heiterkeit) und ich bin neugierig, was im nächsten Jahr beschlossen werden soll. Wir haben für diese Art der Finanzkunst keine Bewunderung. Ich warne Sie, die K o st e n de r L e b e n S- Haltung in einem Vkaße zu steigern, dem die Steigerung des Einkomn, ens nicht folgen kann.(Sehr richtig! links.) Die Last des Voltes ist riesengroß, aber noch größer ist der Nnwillc und Zorn über die unbegreifliche Rücksichtnahme gegenüber der wildesten Habgier und dem schamloseste» Wucher. Laudrsverrat treiben dir, dir daS Volt jetzt answuchcrn. An den Pranger mit den Ehrlosen, die aus der Rot des Volkes Nutze» ziehen. (Lebhafte Zustimmung.) Natürlich mußten infolge des Absperrkrieges die Znsuhren sich verringern! dazu kommt der Arbeitermangel, der eine intensive Bearbeitung des Boden« immöglick macht, serner Transportschwierigkeiten. Alle diese Elemente mußten verteuernd auf die Lebensmittel einwirken. Aber was wir viel- fach erleben, ist eine planinäßig betriebene Ans- Plünderung de? Volkes.(Sehr wahr! links.) Hier fordere ich � den Reichskanzler dringend auf, so schnell als eS irgend geht, zuzugreifen. Gesteigert ist die Not durch das gewissen- lo'e Verfüttern von Brotfrncht an daS Vieh. Unser Viehstand ist zu»groß, die Biehpreise müssen berabgesetzt und dadurch Abschlacklungcn erzwungen werden. Statt dessen verlangen die..ewig Notleidenden" H e r a u i i e tz u n g der Preise für Brot- srucht, Milch und Zucker.(Hört! hört! links.) Ich warne Sic, mit dem Feuer zu spielen. In diesem Zusammenhange erinnere ich auch an die unverantwortlichen Malzschiebungen aus Bayern nach Norddeutschland, wobei auch daS bayerische Verkehrs- Ministerium und das stellvertretende Kommando des ersten bayerischen Armeekorps eine sehr merkwürdige Rolle gespielt haben. JKre Besckloichtigungsversuche gegenüber den Äugriffen in der bayerischen Presse gemahnen' recht merkwürdig an Dinge, die wir bisher nicht in Teutschland, sondern nur in einem weiter ö st li ck gelegenen Lande gewohnt waren. In der bahertsckcn Presse ivird eine Liste von 45 Namen veröffentlicht, die man vorläufig als beteiligt an den, Malz'ckicbnngen ermittelt hat, und die daran nickt weniger als Skt 00� M. verdient haben.(Lebhaftes Hört! Hort! link«) Kch ecianoc««» die Bekannimackni»«»alssreicher Sandrite, in denen den Landleuten iits Gewissen geredet wird, an die Tatsacke, daß Militär ausS Land geschickt werden mußte. unr die nötige Kontrolle auszuüben und ich stelle �demgegenüber eine Aeußerung des bekannten Nationalökonomen Pros. Herk ner: „Im Gegensatz zu manchen andern Erwerbsgruppen, die selbst vor einer wucherischen Ausbeutung der KriegSkonjunktur nicht zurück- geschreckt sind, hat die organisierte Arbeiterschaft jeden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen eingestellt. Hier war es nicht notwendig, durch gesetzliche Höchstpreise einen Wucher mit der Verwertung der Arbeitskraft entgegen zu arbeiten. Die sozialistische Schulung und Disziplin, welche das Interesse des Ganzen, den Sonderinteressen voranzustellen lehrte, haben hier Triumphe gefeiert." Es ist das ein Ruhmesblatt für die deutschen Arbeiter.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir stehen jetzt vor den kritische» Monaten. Sichern Sie. was noch auf dem Lande an Nahrungs- mittel» vorhanden ist, fiir das ganze Volk. Wenn es an Transport- mittel» fehlt, so lassen Sie den Personenverkehr eine Zeillang gänz- lich sperren.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nur einen kleinen D-Zug möchte ich allerdings bereit stehen lassen, denjenigen, cker uns den preußischen Landwirtschastsministcr entführt. Sin Jubelschrei würbe durch das ganze deutsche Volk gehen(Lebh.. Zustimmung links), wenn Herr von Schorlemer sich ganz seinen privaten Geschäften widmete. Durch die Erlasse des Eiscnbahnministers und des Ministers des Innern ist ja zugestanden worden, daß nicht alles vollkommen geklappt hat; schlimmer jiber ist, daß auch jetzt nach 2)3 Jahren noch nicht alles klappt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dieser langsame Gang bei einer Frage, wo es um das Leben und die Existenz des Volkes geht, zeigt, daß Widerstände zu überwinden sind, die auch jetzt noch nicht überwunden sind. In dieser Zeit bringt man in Preußen das F i d e i k 0 m m i tz g e s e tz ein. So geht man über die Not des Volkes hinweg.(Sebr wahr! links.) Vielleicht meint man aber auck, daß man auch in Preußen ein Parlament mit einem so weit reichenden Verständnis für den sidcikomurissarischen Besitz nie wieder bekommen loird. Wir werden uns mit dieser An-- gelcgenheit noch ausführlicher beschäftigen. Es kann nicht angehen, daß alles, was den Herren unaugenehm ist, als nicht vereinbar mir dem Burgfrieden hingestellt wird. Was man bei uns Burgfrieden nennt, ist" nichts anderes als Angst vor einer kleinen aber mächtigen Partei.(Lebhafte Zustimmung bei den �ozialdemo- kratcn.) Ein gutes, deutsckes Sprichwort sagt, mehr Angst als Vaterlandsliebe. Auch der Regierung kann ich den Vorwurf nicht ersparen, daß sie die große Angst bekundet, wenn sie unter allerlei burgftiedlichen Vorwönden mit längst notwendig gewordenen Re- formen zurückhält. Der Reichskanzler hat heute Tone angeschlagen, denen wir uns freuen. Das Wort Neuorientierung kennt er nicht. Er hat auch eine Paralelle gezogen mit der Enttäuschung des Volkes nach 1813 und dem was jetzt kommen muß. Ich freue mich, daß der Reichskanzler sich vollkommen im klaren darüber zu sein scheint, daß die neue Zeit in-einem erneuerten Volk bereits da ist. Er zitierte das Tichtcrwort, daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war. Es ist das Wort eines sozialdemokrati- s ch c n Dichters, des Dichters B r ö g e r in Nürnberg, und ich fteue mich seiner Anerkennung Der Reichskanzler hat auck ausgesprochen, daß es sich nicht um Belohnung bandeln kann. Was die deutschen Arbeiter getan haben, haben sie nicht einer Belohnung wegen getan, sondern weil sie eS als Pflicht erkannten. Aber jetzt muß es auch heißen: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Ich habe noch nie gehört, daß es heißt: Preußen erster K l a s s e in den erster? Schützengraben, Preußen zweiter Klasse in den zweiten, und Preußen dritter Klasse in die bombensicheren Unterstände. In gleicher Weise sollen sie alle draußen ihre Pflicht erfüllen, aber gleich müssen auch die Rechte sein. Ist es nicht geradezu ein Skandal, was wir beim preußischen Wahlrecht erleben.(Lebhafte Zustimmung links!) Dil heißt es:„Jetzt nichts, und später nichts Rechtes". Jetzt ein Drei- klassenwahlrecht wegen des BurgftiedenS und später einmal ein vier-, fünf-, sechsfach abgestuftes Pluralwahl- recht. Ich bin ueugierig zu erfahren, in Ivelche Schachtel dieses Schachielsystenis die zurückkehrenden Feldgrauen ein- geschachtelt werden solllm. Die dn drangen könnten nicht die Helden sein, als die wir sie feiern, sie wären vielmehr jämmerliche Schwächlinge, wenn sie von dem Recht, das sie zu beanspruchen haben, das sie sich.draußen erneut erkämpft baben, dahcim aus? nur einen Fingerbreit nehmen ließen. Geben Sie sich keinen Jllu- sionen darüber hin: das gleiche Reckt in Staat und Gemeinde kommt! Es fragt sich nur, wie es kommt, wen die heranbrauscnde Welle tragen, und wen sie hinwcgsckwemmen wird. Wer aber dann untergehen will, wird sein i-chicksal verdient haben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) In diesem Zusammenhang rufe ich Ihnen auch zu: Schaffen Sie endlich den Belagerungszustand ab. Er nützt nichts mehr, er schadet, denn er verdirbt Ihnen die Stimmung im Volk. Er kann nur nach jeder Ricktuitg als Unheil für uns gelten. Namentlich wirken seine Begleiter Zensur und S ch u tz h a f r verbitternd. Hat denn die Zensur noch den geringsten Wert, wenn über die Dinge, die sie unterdrückt, im Reichstag in breitester Weise Bericht erstattet wird. Und nun gar die Schutzhaft und der ZwangSwohnsttz 1 Wir haben vor einigen Tagen wieder allerlei a 11 S dem Elsaß gehört! Da? Wenige hat schon große Erregung hervorgerufen, und dock war es nur ein sanftes Gesäusel, verglicken mit dem furchtbaren Unwetter, das daherbrausen wird. ES ist unerhört, wenn ein Kaplan von der Straße weg von einem Offizier verHaftel wird, weil er Fragen nur stotternd beantworten konnte. ES ist nicht erträglich, wenn eine Mutter mir aus ihrem Zwangswohn- sitz schreibt, daß sie seil Jahr und Tag festgehalten wird, ohne zu wissen, warum, ste weiß nur, daß ihr Bruder im Kriege gefallen, ihr Sohn mit dem'Eiscrncn Krcuz dekoriert worden ist.(Hört! hört!) Solche Gewaltmittel im Innern helfen uns zum Siege wahrhaitig nicht. Warum schlägt sich denn unser Volt so unvrrgirichlich? Die Gegner, die darin nichts sehen, als die Frucht des Militarismus, den sie bekämpfen wollen, bringen ihm damit eine unverdiente Huldigung dar. Warum trägt denn unser Volk die Leiden daheim in so unvergleichlicher Weise? Die Gegner sagen, weil die Polizei und der Belagerungszustand jeden Widerstand unter« drückt. Wir wissen sehr gut, daß das unrichtig ist. Wären wirklich militärische Disziplin, Velagerungszusrand und Polizei die Stützen', die das Ganze aufrechthalteii, sie wären längst zusammen-' gebrochen. Was uns hält und trägt ist die E i n si ch t unseres Volkes in die bitteren Notwendigkeiteir der Zeit, es ist nicht Kadavergehorsam, es ist Staatsbürgerversiand. lind dieser Staalsbürgerverstand, der im Reich nach außen hin seine Freiheit sichert, wird auch im Jirnern zur Freiheit und Gleichberechtigung führen. Er wird nicht dulden, day man die Menschen nach Schulzeugnissen, Lebensalter. Äinderzabl. Be- amtenrang, Siruerleistung und wer weiß noch was alles klassifiziert. In dieser Zeit, die keine Furcht kennen darf, wünschen wir uns auch eine Regierung, die den Mut hat zur befreiendra Tat, die der notwendigen Entwicklung die Bahn endlich öffnet, und zwar jetzt. Auf bloße Versprechungen können wir nichts geben und die Geschichte wird den Reichskanzler nicht danach beurteilen, was er verspricht, sondern danach, ob er geholfen hat, Raum zu schaffen für die neue Zeit, dereir Kommen wir jetzt alle fühlen. Di« neue Zeit mutz kommen, denn wozu wäre all das Blut geflossen, hülfe es uns ntcljt zu einem neuen großen Fortschritt der Menschheit. Sonst wäre daS Ende von alledem nur hundert Jahre- Elend, Verzweiflung inner» Wirren, trostloser verfall. Ich»lande an die Zukunft unsere« Lölkes und daß man auch von ihm wird tagen kennen:„Jenen ward der gewallige Wille und die unzerbrechliche Kraft'. Und ksiiier von uns tollte mehr sein wollen, als ein Stück dieses Volkes. Keiner sollte ritie andere Ausgabe kenne» als die: Mit unserem Bolle den harten Weg zu gehe» dnrch Rot und Tot: Vorwärts und aufwärts.(Lebhafter anhaltender Beifall.) Rcichska»zler t>. Bethm»»» Hvllwcg: Ich �aöc nicht die Absicht, aus Einzelheiten einzugehen, aber die Persönlichen � Angriffe auf den preußischen"2 a n d w i r t- s ch a s t s m i n i st c r veranlassen mich, entschiedene Ver- Wahrung dagegen einzulegen. Sachlich darauf einzugehen, wird sich bei der(Sröricrung der Ernährungssragcn Gelegenheit finden. Jcb weiß, daß dem preußischen Landwirtschaftsminister bitteres Unrecht geschieht, wenn hier behauptet wird, er sei der Vater der Hindernisse, um eine verständige und gerechte Verteilung der Nahrungsmittel herbeizuführen. Ich kann nur zu seinem Lobe sagen, daß er bestrebt ist, und zwar mit Erfolg bestrebt ist, unsere Produttüm aufrechtzuerhalten, und auch das gehört dazu, der Lcbensmittclfragc Herr zu werden.(Zuruf rechts: Sogar sehr!) Abg. Tr. Wiemer(Vp.): Ter 12. Tczember ist auch uns ciw historischer Tag. Auck in den Schützengräben hat unser Friedensangebot Widerhall gefunden. Auswüchse des Militarismus bekämpfen auch wir. Hoffentlich steht uns der Reichskanzler in diesem Kampfe bei. Die Ausführungen T i s z a s finden in weiten Kreisen unseres Volkes Verständnis und Zustimmung. Wir stehen vor neuen Kämpfen und neuen Opfern und sie haben neue Bedingungen zur Folge. Diese Bedingungen werden von der Größe des erreichten End- zielcs abhängen. Alles Gerede vorher ist eitel Lufter schüt- t e ru ng. Die Verantwortung für den U-Boot-Krieg tragen nicht Parlament und politische Parteien, sondern die mili- t ä r i s ch e n Stellen. Wir bedauern den Bruch mit Amerika, aber fetzt gibt cS kein Zurück mehr, sondern nur noch ein Vor- wärts.— Eugen Richter hat 1877 gesagt, bei einem Abwehrkricg würden wir selbst einer sozialdemokratischen Regierung die Mittel zur Verteidigung des Landes bewilligen— er vertrat damals den jetzigen Wahlkreis des Abg. Ledebour. Aus dieser Auffassung heraus stiunnen wir auch der neuen Kreditvorlage zu.— Was die neuen Steuern anlangt, so erkennen wir an, daß eine gründliche Neuordnung der Reichsfinanzen im Kriege nicht durchführbar ist. Für diese Reform halten wir aber unter allen Umständen an der Beseitigung des jetzigen steuerlichen Tohuwabohus fest und verlangen Ausbau der direkten RcichSsieurrn, am besten Einführung einer Reichsvermögensstcuer. Leider zeigen die Bundesstaaten wenig Neigung, diesen Weg zu ebnen; auf diesem Gebiete hat das Reich nach einem allen Worte 26 Feinde, das sind die Bundesstaaten. Ten neuen Bcrkehrssteuern würden wir keines- falls zustimmen können, wenn wir uns nicht im Kriegszustand bc-- fänden. In der Frag-- des Elektrizitätsmonopols muß auf jedem Fall dem Reiche die Vorband gewahrt bleiben gegenüber den Be- jtrcbungen insbesondere in Preußen und Sachsen.— In der Kriegswirtschaft hat sich die b n r c a u k r a t i s ch e Regelung nicht bcwäbrt, der Burcaukrat oiuß mit dem Kaulmann gehen. In der Verteilung der vorhandenen NobrungSstofse muß der Grundsatz gewabrr bleiben: zuerst o e r Mensch, dann das Vieh. Den Reichskanzler klagen wir an, daß er als preußischer Ministerpräsident die Einbringung der Fideitom mißVorlage nicht verhindert hat.(Sehr gut! links.l Auch der Landwirtschastsminister brauchr wohl nicht erst einen Kodex des Burgfriedens, um zu er- kennen, daß diese Vorlage einen osfenbaren Bruch deS Burgfriedens bedeutet, i Sehr richiigl linis.) Auch Pros. Schring hat sich betiie in der„Täglichen Rundschau" im wesentlichen unserer Kritik dieses Gesetzes angeschlossen.(Hört! hört! links.) Wir sehen diese preu- ßilche Vorlage als eine Herausforderung an, die nicht ohne Einfluß aus unsere Haltung bleiben kann, und die wir um so schwerer empfinden, als zugleich die so dringende Forderung der Wahlrechtsreform in Preußen unter Be- rufung auf den Burgfrieden auf die lange Bank geschoben wird. lLebh. Sehr riaitigl links.) Die Neuorientierung wird zweifellos zu schweren Kämpfen führen, aber sie wird kommen, weil sie kommen muß, und sie wird führen zu einer Entwickclung des Stgateö in demokratischer Richtung.(Lcbh. Beifall links.) Abg. Graf Westarp(k.) erörtert zunächst Einzelfragen deS Etats. Dem Schotzsekretär können wir nur zustimmen, wenn er sagte, wir müssen danach streben. Entschädigungen von unseren Feinden beim Fric- dcnSschlnß zu verlangen. Möge er seine ganze Autorität dafür ein.- st den.(Bravo I rechts.) Tie Ernährungsfragen sind nickt mir so allgemeinen Redewendungen, wie Herr Scheidemanu sie brauchte, zu lösen.(Sehr richtig.) Daß nach dem Kriege ungeheure Ausgaben unserer hatten, ist selbstverständlich. Dazu gehört vor ollem die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und die Hinterbliebenen der Gefallenen. Ferner der Ueber- pang in die Friedenswirtschaft, wobei ans Grnttd der gemachten Erfahrungen dem Wirtschaftsleben wieder volle Freiheit geschaffen werden muß. Unter der Neuorientierung wird vielfach nichts anderes verstanden, als die Demokratisierung unserer Einrich- sunqen. Dafür sind wir nicht zu haben. Das, was sich bewährt hat. sollte auch nach dem Kriege nicht aufgegeben loerden. Dazu gehört vor allem die starke monarchische Gewalt, die nicht vermindert werden darf. Ferner gehört dazu die b u n d e s st a a t- liche Grundlage des Reiches. Ter Reichstag sollte nickt in Dinge hineinreden, die lediglich Sache der Einzclstaaten sind.(Leb- baste Zurufe links: Was tut der Landrat I) Hierher gcbört die Neuoeftalrung des preußischen Wahlrechts. Ich sehe keine Logik darin, wenn man in der Forderung der Einführung deS NeichstagswahlrechtS in Preußen keinen Bruch des Burgfriedens er- blickt, aber hier kcbhasic Klage erbebt, daß die Fideikommißgesctz- gebung in Preußen ein Bruch des Burgfriedens sei.(Sehr wahr! rechts.' Bei diesen leidenschaftlichen Angriffen gegen das Fidei- kommißgesetz scheint mir vor allem das Machtbcdürfnis des Reichstags mitzuspielen, der auf seinen Beschluß von 1013 verweist. Er sollte aber auch die Rechte Preußens toabreit, und zu diesen gehört nach dem EinfikhrungZgesctz zum Bürgerlichen Gesetzbuch auch die Rege- litng der Fideikoinmißsrage.— Vor allein interessieren uns gegen- wärtig die Fragen der auswärtigen Politik. Die Antwort der Entente auf daS aus warmem Herzen für die leidende Menschheit und tiefem religiösem Verantwortungögesühl unseres Kaisers her- vorgegangene Friedensattgebot mußte das deutsche Volk als Ver- letzung der Ebre unseres Kaisers und unseres Volkes empfinden. So etwas wird sich das deuische Volk niemals bieten lassen.> Bravo?) Aus der Ablehnung der Entente klang zynisch und frivol ihr Bernichtungswille gegenüber Teutschland hervor. Trotz mancher Ausführungen des Herrn Scheidemanu und im vollen Bewußtsein der tiesgreifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und uns über Fragen des Krieges und des Friedens will ich es dock hier aussprechen, daß ick ganz besonderen Wert daraus lege, daß auch die Sozialdemokraten nack der Ablehnung des Friedensangebots klar und deutlich ausgesprochen haben: Jetzt ist die Tür zu weiteren Verhandlungen verrammelt! und daß sie die Kritik nach Einsetze» deS Il-Boot-Kriegcs zurückgestellt haben. So steht das deutsche Volk geschlossen und einig da. Fest gewillt, alles zu tun und zu ertragen, um den vollen Sieg zu erringen.< Bravo!) Tie Behauptung, daß durch wcitergespannte Kriegsziele von unserer Seite der Krieg verlängert würde, sollte nach Ablehnung unseres Friedens- angebots unmöglich sein. Ich bedauere daher die dahingehenden Ausführungen des Abg. Sckeidemann. Auch die H»ff»uns auf die Internatianale darauf, daß die Massen sich erheben würden, um den Frieden zu erzwingen, sollte nun endgültig begraben sein. Herr Scheideman» hat wieder versucht, den leitenden Staatsmann für seine Auffassungen über die Friedensziele in Anspruch zu nehinen. Ich halte diesen Versuch nichststär nützlich und glaube auch nicht. daß er den Tatsachen entspricht. Tic Herren, die jede Grenzveräuderung, wenigstens im Westen ablehnen, zeigen eine gewisse U n b e l e h r- barkeit hinsichtlich der Wirkung, die dos nach außen haben muß. Im Gegensatz zu Herrn Scheidemann behaupte ich: Es bestehen iiefgehende Lttterschiede zwischen dem dcwtschen- Volk und anderen Völkern, und wir sollten bewußt unsere deutsche Eigenart hegen und pflegen. Das Programm der Friedens- bedingungen, mit denen wir im Dezember in Verhandlungen hineingehen wollten, muß jetzt als erledigt gelten. Wir stehen vor neuen Opfern und Kämpfen, die auch neue Entschadiguusen beanspruchen, umsomehr, als der Vcrnichtwille Litglands und des ihm zur>-eite getretenen Amerikas offenbar geworden ist. Ohne Entschädigung würde unsere Industrie in dem Wirtschaftskampf nach dem Kriege nickt bestebeii können, daher sind vor allem an der Entschädigung auch die Arbeiter interessiert. lSchr wahr! rechts.) Wir brauchen auch neues Sicdelland und schließlich auch militärische Sicherungen unserer Grenzen. Zuzustimmen ist dem Reichs- kanzler, daß unsere Entschlüsse im Ilnterse-e-Boot-Ärieg unabänderlich sind. Ähon der bisherige Erfolg kann uns mit Zuversicht erfüllen. Als einen Erfolg betrachte ich es aber, daß jetzt jeder Ge- danke, Wilson könne als Friedensverntittler in Betracht kommen, fallen gelassen werden muß.(Sehr wahr! vechlS.) Unser Volk kann nicht untergehen, wir wissen» daß wir den uneingeschränkten Sieg erringen werden, den unser Volk will und der uns Dasein, Sicherheit und EntWickelung für alle Zukunft verbürgt.(Lebhafter Beifall rechts.) Hieraus vertagt das Haus die Wciterberatung aus Mittwoch 1 Uhr. Mbgeorönetenhaus. LL. Sitzung, Dienstag, den 2 7. Februar 1917, vormittags 11 U h r. Am Ministertischt Trott zu Solz. Die Debatte zum Kultusetat wird fortgesetzt. Abg. Dr. Kaufmann(Z.) ist bereit, die weibliche Fortbildungsschule zu unterstützen, aber nur unter der Bedingung, daß der not- wendigste UnterrichtSgegenstaud, die Religion, in den Vor- dergrund tritt. Erfreulich sei eS, daß der Minister die Möglich- keit gegeben habe, die Zabl der Religions stunden in den mittleren und oberen Stufen der Mittelschulen aus drei zu er- hohen, aber das genüge noch nicht. Abg. Ad. Hosfmann(Doz. Arbg.): Die Einführung des Religionsunterrichts in den Lehrplan der Fortbildungsschule verträgt sich nicht mit der Verfassung. Die „religiösen Wellen" des Krieges sind zerschellt an den Tatsachen. Wo ist da? religiöse Leben geblieben? Die furchtbaren Dinge, die das Weltendrama vor unteren?lugen abspielen läßt, ertöten die lebte Spur von Gottesglauben.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Die Religion der Nächstenliebe bat längst Schisfbruch erlitte». Schlachtfeld und Religion lassen sich nicht vereinigen. Der beste Schutz gegen zukünftige Kriege ist eine richtige Erziehung der Jugend. Durch den Krieg wird auch der Kultusetat süianzicll belastet. Es ist deSbalb notwendig zu prüfen, wo Ersparnisse gemacht werden können. Die Miiiister könnten ganz gut auf die 14 000 M. Aufwandsentschädigung verzichten und sich Mübe geben, mit 36 000 M. auszukommen. Noch mehr könnte gespart werden bei den Gehältern der Geistlichen. Ter Austritt aus der Landcstirch« wird dielfach als Verbrechen, als Auflehnung gegen die Obrigkeit angesehen und mit Dienstentlassung bestraft. Man betrachtet die Kirche als Jnttilution, um jede seiudliche Regung zu unterdrücken. (Sehr richiigl bei. der Soz. Arbg.) Des vom Staate bezahlte (Christentum hat sich noch niemals gegen die Schenülichteitrn und Bestialitäten des Krieges aufgebäumt, ein solches Christentum ist eine faule Nuß. ein leerer Schemen ohne Inhalt.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) llnter dem Krieg ist nicht nur die christliche Kirche zusammengebrochen, sondern auch die internationale Sozialdemokratie, die offiziellen Parteiinstanzen haben versagt, sie baben schniählich vor dem Gegner kapituliert und sich ihren ehemaligen Todfeinden an den.Hals geworfen.(Sehr richligl bei der Soz. Arbg.) Gegen die Orgie des Hasses, die die Welt durchflutet, hat die Kirche keine Stellung genommen. Wer wird künftig die Lehre der Kircke von der Nächstenliebe noch ernst nehmen? Die Kirche ist eine Kirche der Reichen und Mächtigen, das Christentum ist die Magd des nationalistischen Eroberungswahn» sinns geworden.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Wir lehnen jeden Pfennig ab für eine Kircke, die es versäumt, den Standpunkt der Menschlichkeit, des RechiS und des Friedens zu vertreten. Den Protest gegen alle Grausamkeiten des Krieges, gegen den schamloien N-Boat-. Krieg haben Sie der geknebelten oppositionellen Sozialdemo- kratie überlassen, der man hier im H«use vollends den Mund schließen will. Vizepräfident Dr..Krause: Es ist nicht zulässig, don einem schanilosen U-Boot-Krieg zu sprechen. Wenn wir in der Not des Vaterlandes zu diesem Mittel greifen, so ist es unwürdig, die? als schamlos zu bezeichnen.(Lebhafter Beifall.)' Abg. Ad. Hoffwavn(fortführend): Ich bin darüber anderer Meinung. Aber ich muß diese ÜKei» nung unterdrücken. Keine Notwehr entschuldigt es, Wehrlose zu töten oder Gefangene umzubringen. Das gilt für alle, gleichviel, ob es sich um französische Netiopcurs oder um sonstwen handelt. (Sehr richtig) bei der Soz. Arbg.) Der Krieg erinnert auch an das Wort, daß nur der Mensch allein Vernunft habe, daß er sie aber benutze, um tierischer als daS Tier zu sein. Wir Sozialisten der alten Richtung protestieren scharf dagegen, daß»Not kein Gebot kennt. Die Welt läßt sich nickt täuschen, ans die Dauer nicht ein- mal daS eigene Volk. Tie Zeit ist nickt mehr fern, wo in den Schulen dem Volke die ganze Wahrheit enthüllt wird. Hüten Sie sich, daß die rote Flut des ruchlos vergossenen Blutes der Millionen nicht eines Tages über Sie zusammenschlägt.(Bravo! bei der Soz. Arbgi) Abg. Tr. v. Campe(natl.): Ter Abg. Hoffmanu hat uns hier eine Vorlesung gehalten, die ihm wahrscheinlich ein anderer ausgearbeitet bat. Ich habe das Gc» fühl, daß auch er einntal einem Mephisto zu Füßen gesessen hat. (Heiterkeit.) Besäße er die Ebrlichkcit, mit der er heute prunkt. dann müßte er sagen:..Mir wird� von alledem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopse berum."(Stürmische Heiterkeit.— Abg. Hossmann: Das ist bei Ibncn nickt möglich.) Nein, es ist unmög- lich. daß ich so konfus wäre. In diesem Augeublick geht der M e n s ck nickt über den Deutschen. Ich weise es«eil von mir. in dem Sinne lediglich als Mensch genannt zu werden in diesem Augenblick wie unsere Feinde. Ich bin stolz darauf, daß ich ein Deutscher und nicht nur ein Mensch bin.(Lebhafte Zu- stimm u»g.) Abg. Ramdobr(fl.) bcrbreitet sich über die Jugendpflege und die militärische Jugenderziehung, die große Erfolge gezeigt bave. Für einen Zwang wäre es vielleicht noch nicht zu spät.?luch der Spar- zwang für die Jugendlichen habe segensreich gewirkt. Abg. Harnisch(Soz.): Zu»ächst will ich mich kurz mit der Kontroverse beschäftigen, die Adolf Hofsmann mit tzeckenroth und Kaufmann über die Frage Krieg und Christentum gehabt hat. Ich tue das höchst ungern, da gemäß meiner sozialdemokratischen Grnndanschauung im Interesse sowohl des Staates wie auch der Religion selbst beid» nichts unlein- ander zu tun haben sollen. Ter früher von rechts so gern betonte Standpunkt, daß nur ein guter Christ ein guter Soldat sein könne, wird heute auch wohl von Herrn Heckenroth nicht mehr aufrechterhalten werden, nachdem er sich gestern mit einer Toleranz, die wir von der Rechten sonst durchaus nicht gewöhnt sind, über den Islam ausgesprochen hatte. Aber tzeckenroth braucht gar nicht in die Ferne zu schweifen: Auch die Nichtchristen im deutschen Heere, Juden und Dissidenten, haben im Kriege ihre volle Pflicht getan und ich hoffe, daß Herr Hcckenroth seine Toleranz auch auf diese aus- dehnen wird. Nachdem islamische Offiziere in diesem Kriege deutsche Truppen befehligt haben, läßt sich die F e r n h a l t u n g von Dissidenten und Juden a u L dem deutschen Offizierkorps nicht mehr aufrechterhalten.(Bravo! links.) Auch als Dissident erkenne ich den großen historischen Kulturwert, den das Christentum anderthalb Jahrtausende hindurch ausgeübt hat, na- türlich rückhaltlos an, trotz aller liefen Schatten, die— wie die katholischen und evangelischen Hexenprozesse, die Inquisition, die päpstliche Sittenverderbnis des Mittelalters usw.— auf seiner Geschichte ruhen. Aber gerade darum, weil ich mich bemühe, diesen Dingeil möglichst objektiv gegenüber zu stehen, kann ich nicht dringend genug davor warnen, Krieg und Christentum miteinander, zu vermengen. Das gibt niemals einen Einklang, sondern stets| nur eine schrille Dissonanz.(Sebr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Sic glauben gar nicht, welchen ungeheuren Schaden gerade auch tu den Schützengräben das Christentuin von der ja in ihrer ursprünglichen Fassung widerrufenen, zum mindesten außer- ordentlich mißverständlichen Aeutzcrung des P a st o r s Philipps gehabt hat, daß der Krieg noch gar nicht lange genug gedauert habe. Ebenso großen Schaden hat die ischrist des Divisionspfarrcrs Schettler angerichtet:„In Gottes Nomen durch." Solche Schriften sind durchaus kein Gottesdienst, sondern in meinen Augen eine direkte Gotteslästerung. Der Krieg ist kein„Element der göttlichen Wcltordnung", er»st vielmehr eine nur allzu� menschliche, besser gesagt untcrinenschlichc?lnyclcgenhcit. lind je tiefer ich da- von durchdrungen bin, daß es in diesem Kriege um die nackte Existenz des deutschen Volkes geht, daß, nachdem alle unsere Friedensbemühungen gescheitert sind, gar nichts anderes mehr übrtg bleibt, als den Kamps bis zum Ende durchzufechten, desto dringender bitte ich Sie: Lassen Sie den lieben Golt dabei aus dem Svicl! Ter Geistliche möge, wo es gewünscht wird, dem Einzelnen Hilfe leisten und Trost"spenden, aber aus die krampfhaften Versuche, den Heilend der Liebe umzudeuten in einen Gott des Hasses und der Rache, verzichte man ein für allemal.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich erkenne auch meinerseits gern an, daß etwas Großes und Wunderbares in der ganz ungewöhnlich starken geistigen Bewegung liegt, die unter dem Einfluß dieses Krieges überall in Deutsch» land zu spüren ist. Während von allen Seiten her der furcht- barste Ansturm gegen die deutschen Grenzen lost, den die Welt- gcschichte je erlebt hat. drängen rm Innern des LandcS tausenderlei Bestrebungen an die Oberfläche, die darauf abzielen, unser gaitzcs nationales Leben auf neue Grundlagen zn stellen. Ich weiß sehr genau, welche ungeheuren Widerstände sich diesen Bestrebungen be- sonders in Preußen entgegenstellen— das haben nicht zum wenigsten manche neuen Debatten hier im Hause gezeigt. Ich weiß auch und bedauere es lebhaft, wie mißtrauisch und lau man nn Kultusministerium allen wirklich großzügigen Re- formen gcaenübersteht. wie man dem Neuen nur zögernd, wider- willig und mit halbem Herzen manchmal einen kleinen Schritt cnt- gegellkommt. Da wird C£> noch harte Kämpfe geben. Es gibt in unserem Bildungsleöen noch außerordentlich viel dunkle Stellen, in die wir Sozialdemokraten immer wieder mit der Blendlaterne der. schärfsten Kritik hineinleuchten werden, es gibt zahllose wunde Stellen, in die wir immer wieder den Finger legen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Besonders im Volks schul- Wesen liegt bei uns in den kleinen Städten und auf dem slackjen Lande noch sehr viel im Argen, ttoch immer haben wir zahlrelche überfüllte Klassen, noch immer gibt es aus dem Lande Schulhäuscr, die eine Schande für einen Kulturstaat sind, der Lehrermangel ist immer noch groß. Die schlechte Bezahlung vieler Lehrer, ihre be- sonders auf dem Lande oft unwürdige Behandlung und minder- ivertige soziale Stellung rnigen die Schuld daran. Noch immer können Zchntausendc nach Entlassung aus der Schule keinen kör- rcktcn deutschen Brief schreiben. Das schlimmste Hebel aber ist der Klassencharakter unseres BildungSwcsenS überhaupt. Wer von uns ahnt, wie viele Begabungen noch ungc- kannt im Volke schlummern mögen? Welches Verbrechen eine Nation an sich salbst begeht, die nicht alle in ihr schlummernden Kräfte entwickelt, darauf haben vor mehr als 100 Jahren schon Scharnhorst und Fichle hingewiesen. Das Wort deS Reichs- kanzlerS:„Freie Bahn jedem Tüchtigen" muß endlich zur Wahr- heit werden, und wir werden nicht aufhören, an dies Versprechen zu«rinnern, bis cS eingelöst ist.(Sehr richtig! bei den Sozial- dcinokratcn.) Selbstverständlich kann auch die Schule an den ttn- geheuren Ereignissen dieser Zeit nicht teiinahmslos vorübergehen. Aber alles kommt hier aus das Wie an. Ich stimme durchaus mit dem sehr beherzigenswerten Ausruf überein, den vor einiger Zeit zahlreiche namhafte Pädagogen, unter anderen Wilhelm Förster, Paul Natorp, Bruno Wille, Heinrich Wolgast und Gustav Wyncken, veröffentlicht haben. Dringend wird da gerade im Namen eines wohlverstandene» Patriotismus davor gewarnt, nationale Ge- h ä s s i g k ei t irgendwelcher Art»n die Kinderseelen einzusäen. Ich rede keinem"weichherizen Nicht-als-Pazisismus das Wort, ich will auch keit teil verschwommenen Kosmopoutismus. Die Kinder sollen sick mit Stolz als Angehörige des großen deutschen Kultur- volles sühleit. Aber das ist ganz etwas anderes als die s y st c in a- tische Erziehung zum dauernden Haß gegen unsere Feinde. Großzügigste<-ozialrcsorm, weitestgehende Gesundheits- reform und grundlegende Schulreform, diese drei Dinge müssen im neuen Deutschland eine einzige große Einheit bilden, auf der sich das neue freie Deutschland und auch das neue freie Preußen auf- bauen wird, das nach diesem Kriege koiume» wird, allen Wider- standen und aller Rückschrittlerei zum Trotz.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die allgemeine Besprechung. Nach persönlichen Bemerkungen der Abgg. Ad. Hossmann(Soz. Arbg.) und Dr. v. Campe(natl.) wird die weitere Beratung auf Mittwoch 12 Ilhr vertagt. Schluß 4% Uhr. parlamentarisches. Die Parteien des Ncichstogs. Roch dem neuesten Verzeichnis, daK vor» Bureau des Reichstag» ausgegeben wird, steht an der Spitze der Parteien das Zentrum mit 0) Mitgliedern. Es folgen die Sozialdemokraten mit 69. die Fortschrittliche Volkspartei mit 4b(dabei ist Dr. Kaemvft der als Präsident keiner Fraktion angehört, nicht mitgezählt), die Konservativen mit 4ö. die National« liberalen mit 44, die Deutsche Fraktion mit 26. die Sozialdemokra- tische Arbcitsgcmetnschast mit 19 und die Polen mit 18 Mitglie- dern. Keiner Fraktion gehören 13 Abgeordnete an. Erledigt sind sechs Mandate.___ Orgauisation des EisentahnweseuS. In der heutigen Sitzung des StaatshausbaltsauSichusses des Abgeordnetenhauses erklärte der Minister der öffentlichen Arbeiten, daß er sich durch das gewaltige Anschwellen der Ge» > ck ä s t e der einzelnen Eisenbahnabteilungen genötigt gesehen habe, die bisherige VerkehrS-�und Betriebsabteilung zu trennen und eine besondere Abteilung für den Eisenbahnbetrieb zn bilden. Diese Benderimg machte eine Ergänzung des EtatS nöliz, die von der Kommission einstimmig genehmigt wurde. Preußisches Herlcnijaus. Die nächste Sitzung deS Herrenhauses ist für Freitag, den 9. März, nachmittags 2 Uhr, anberaumt. Auf der Tagesordnung steht u. a. das DiStengesetz. Soziales. Gehiruschwulst als Folge eines Betriebsunfalles. Ein Fall, der fast bis in die kleinsten Einzelheiten dein im „Vorwärts" vom gl). November Ivlß linier Soziales geschilderten Falle gleicht, ist jetzt vom RAA. entschieden. Am 28. Oktober 1909 erlitt der Automatcndrebcr W. dadurch einen Betriebsunfall, datz ibm, als er sich in gebückter Stellung befand, ein zirka 6 Pfd. schweres Stück Eisen aus den Kopf fiel. Es entstand eine blutende Wunde, Bewußtseinsstörung trat ein und nach und nach sich immer mehr steigernde Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. Am g. August 1918 verstarb W. Die Ansprüche der Hinterbliebenen auf Entschädr aung wurden von der Berufsgenosienschaft abgelehnt, weil das zum Tode führende Leiden Gehirngeschwulst— nicht durch den Unfall entstanden sei. Der Unfall sei nur ein leichter gewesen, denn W. sei, als er verbunden war, allein zu Fuß nach Hause gegangen und habe auch am nächsten Tage die Arbeit fortgesetzt. Auch das Ober- vcrsicherungSamt Berlin wies den Hinterblicbcncnanlpruch zurück. DaS NeichsversichcrungZamt vernahm eine Anzahl namhaft gemachter Zeugen über den GesüudheitSzustand deZ W. vor seiner Verletzung, als auch über die Beobachtungen, die sie an W. nach der Verletzung gemacht haben, und holte dann vom Geh. Medizinalrat Prof. Dr. O. cm Gutachten ein. Dieser sieht die drei Bedingungen, die an die Entstehung eines Glionis durch einen Unfall zu stellen seien, erfüllt. Eine, wenn auch nicht schwere, Gehirnerschütterung habe bestanden, die Geschwulst sei nii der Stelle des Gegenstoßes entstanden, und dann auch seien die Zeichen der Geschwulst einige Monate nach dem Unfall deutlich zutage getreten. Dahingestellt konnte bleiben, ob vor dem Unfall bereüs eine Geschwulst oder eine Geschwulstanlage bestanden habe. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei dielmehr anzunehmen, daß derToddeZ W. mit dem im Oktober 1999 erlittenen Betriebsunsall ursächlich zusammenhänge. Ans Gnind dieses Gutachtens wurde die Berufsgenossenschast verurteilt, an die Angehörigen die gesetzliche Entschädigung zu zahlen. Petition um Erhöhung des pfändungSfteien Einkommens. Vom Verbände der Bureauangestellten ist dem Reichstag das Gesuch unterbreitet worden, veranlassen zu wollen, daß die Nicht« pfändbarkeitsgrenze bei Arbeitseinkommen von 2090 M. auf 3000 M. erhöht wird. Begründend wird dazu gesagt, seit der BundeSratSverordnung, durch die das pfändungsfrcie Einkommen ans 2990 M. festgesetzt worden sei, sei eine wesentliche Verteuerung des gesamten Lebens- Unterhalts erfolgt. Sie betragen anerkanntermaßen reichlich 100 Proz. Solle bei den. heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen dem Schuldner nur dasjenige Maß wirtschaftlichen Schutzes zu teil werden, daß bereits bei der Schaffung des 8 851 Z.-P.-O. auS sozialen und Humanitären Gründen als notwendig anerkannt worden sei, dann müsse die UupfändbarkeitSgrenze um das doppelte erhöbt und auf 8000 M. festgesetzt werden. Die Petition ist Wort für Wort zu unterschreiben._ Mütterfürsorge in Leipzig. Von der größten Bedeutung für die Wirksamkeit der Hilfe für Mutter und Kind ist die Fürsorge, die man der Mutter schon vor der Geburt des Kindes angedeihen läßt. Auch die unbemittelte Frau, die ein Kind erwaner, sollte jederzeit in der Lage sein, ärztlichen Rat einzuholen, und ihr Körper bedarf in dieser Zeit be- sonders guter und kräftiger Ernährung. So bilden Beratung und Verabreichung von Nährmitteln zwei wichtige Maßregeln, die für die werdenden Mütter und kommenden Kinder von größter Bedeutung sind. Im letzten Heft der.Zeitschr. für SäuglingSschutz" berichtet der Leipziger Stadtrat Dr. Koehler über eine Fürsorge, die die Stadt Leipzig im Nahmen des städtischen SäuglingSgesetzes seit September 1915 für die im letzten Drittel der Schwangerschaft stehenden Frauen und Mädchen eingerichtet hat und die zunächst versuchsweise die Größe des Bedürfnisses feststellen sollte. Trotzdem jede öffentliche Bekanntmachung uitterlasien wurde, steigerte sich die Fregucnz der Schwangeren in den Mutterberatungsstellen, denen diese neue Arbeit übertragen worden war. immer mehr, so daß die für 191S bewilligten Mittel von 15 000 M. schon nach einem halben Jahre verbraucht waren, worauf ohne weiteres für das zweite Halb- jähr 20 000 M. nachbewilligl wurden. Die Leistung an die Schwangereit besteht nach Feststellung der wirtschaftlichen Ber- hältniffe und ärztlicher Untersuchung in ErnähruugSbeiträgen in der Höhe von 2 Mark wöchentlich. Wurde zuerst Haupt- sächlich, später zur Hälste bares Geld gegeben, so sollen neuerdings nach Möglichkeit Nährmittel und nur, soweit solche nicht zur Verfügung stehen, Geld gegeben werden. Mit Recht weist Stadtrat Koehler darauf hin, daß unbestreitbar eine verständige , Fürsorge sür da? neugeborene Kind und für die werdende Mutter von außerordentlichem Werte für die ÄräftiglMg de? Nach- lvuchseZ ist._____ fllts aller Welt. Ein Jnvalidenzug verunglückt. AuS Stockholm wird gemeldet: Der nördlich gehende Invalidenzug lief Montag abend bei HolmSveden nahe Söder« Hann, auf ein Nebengleis und rannte gegen die Wand eines Gebäudes. Tie vier' Wagen hiitter der Lokomotive wurden völlig zerstört. In diesen Wagen befanden sich 65 In« v a l i d c n. Bis 1 Ilhr 80 Min. vormittags wurden fünf getötete Invaliden uitd etwa zwanzig Verwundete ans den Trümmern hervorgezogen. Man glaubt, daß eine gleiche Anzahl noch unter den Trümmern begraben liegt. Eine schwedische Krankenpflegerin ist leicht verletzt. Mit dem Zug fuhren 228 In- validen. zwei Offiziere und fünf Pflegerinnen. Als Ursache des Unglücks wird falsche Weichenstellung angegeben. f bort Kartosseln holen. Von diesem Gang« ist die Frau nicht zurück- gekehrt. Bekonnten gegenüber hat der Ehemann, der allein in die Wohnung zu Rathenow zurückkehrte, falsche Angaben gemacht. Bei ' der Oeffnung der Leiche wurde festgestellt, daß der Frau ein.Knäuel Tannennadeln in den Mund gepreßt worden waren, wodurch allem Anschein nach der Erstickungstod herbeigeführt wurde. In der Mund- höhle der Toten wurde noch ein solcbcs Knäuel vorgesunden. Die Polizeibehörde ist bemüht, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Kohleumangek i» Italien. Wie„Avanki" meldet, ist Alessan- bri a ohne Kohle. Die Stadtverwaltung hat seit geraumer Zeit ihre Kohlenreserven aufgebraucht. Die Gasfabrik muß demnächst ihren Betrieb einstellen. Auch viele industrielle Unternehmungen haben ihre Kohlenvorräte aufgebraucht. Die Hutindustrie muß immer noch feiern. Wie„Avanti* hinzufügt, leidet man in Alesiandria immer noch unter der Kälte. Andere Zeitungsmeldungen berichten von vollkommenem Kohlenmangel in Biella, dem italienischen Manchester. Todes-Anzeigen ltouteciiL? RetMeiMM Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht. daß unier Mitglied, die Metall« arbcitcrin Xrms Ewert Oppelner Straße 17 am 18. Februar gestorben ist. Buchhandlung Vorwärt» » Fredy-■ MMMM»! *0 Unsere Marine > Zigarette 3pf. einschliesslich Krieqaouf&chtaq Jrofz öteuererfiohung behalten untere Ztgareffen ihre offen anerkannten Quafitätea. Georg A. Jasmaizi AKtiengesellschafi 90 Ziehung am 6. u. 7. März W» Ziehung am 9. u. 10. März W : Maer PMelierie! NaUulz-Gelitierle Gesamtw. der Gewinne Mark; Erster Hauptgewinn Hark: 70000100000 Erster Hauptgewinn Mark: j Zweiter Hauptgewinn Mark; 10000 40000 u. Liste auBerdem Im ull.1.-£«Ä,!ta n«. INSttt 10 Lose»SÄSf ll 10. 10 Lose*SÄ- ll 83. Eine Ie» Wnüteiastäit all i MlDEr IL i ItetliiiB-lra», Ii. »? WÄ«.. ÄanlMi Telegramme: Schwarz, Berlin, Neuekönigstr. BS Nur noch einen Tag! Mtonsisgsndtenvkvnhsus ff. Türkischer, Prlnzenetraße 79. nahe /Horilaplatz. ofierrert in großer Auswahl Jackett«. Rockanzüge. Paletot». 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Europa barbarisch bedroht.— Die ZareneeiBel ist ein Kampf- bnchvoIHJnerbittlichkeit. Aus dem Sturm des gegenwärtigen Kriegesist es hervorgewachsen Zu beziehen durch die: Buebhattdlutig« Vonulrts OkiOEHSI! einer Leibbinde 2 Sämtlicha Systemo am Eag- resp. nach Maßanfertigung sowie Bruchbandagen Artikel z. Gesondh.- u. Krankenpflege Poilmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* T.ieferant für Kranksritcnssen. 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Oestlich von Tuleea versuchte ein russische Infanterie- abteilung unter Führung von zwei Offizieren sich über den ge- irorenen Mutz unseren Posten zu nähern. Sic wurde aber durch Feuer zerstreut. Ein Offizier wurde gefangen genommen. der türkische Rückzug an üer Cigrisfrout. Kampf auf der Sinaihalbinsel. Konstautiaoprl, 26. Februar. Heeresbericht vom 26. Februar: Unsere Operationen an der Tigrisfront vollziehen sich plan. mätzig. An der Sinaisront griff feindliche.Kavallerie in Wer- oindung mit einer Batterie und sechs Maschinengewehren eine unserer vorgeschobenen Kompagnien an. Nach dreistündigem Kampf wurde der Gegner zum Rückzug gezwungen. Auf den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis. » Englischer Heeresbericht aus Mesopotamien. Anr Sonnabend trüb eroberten wir den Höhenzug, der sich über die Landenge der toalbinsel Shumrah erstreckt. Der Feind ist in vollem Rückzug in der Richtung nach Baghailah westlich von Kut cl Amara. (Stnc starke Abteilung Kavallerie und Infanterie war den ganzen Tag über in heftige Gefechde verwickelt und fügte dem Feinde schwere Verluste zu. Jnzwischeu setzten wir die Erfolge bei Sannaiyat fort. Die ganze feindliche Stellung von Sannaihat bis Kut ei Amara wurde genommen. Die Uebergäng« von Kut Kut Pasfing) fielen automatisch in unsere Hand. Der volle Umfang der türstfchen Verluste ist noch nicht bekannt. Wir machten in zwm Togen 1730 Gefangene. Kut el Rmara von öen Englänöern besetzt. Amsterdam. 27. Februar. Eine hiesige Prcsiagentur meldet, datz die englischen Truppen Kut ei Amara bc- setzt haben.___ Der Schweizer Hunöesrat für Aas GetreiAe? Monopol. Bern, 27. Februar.(„Franks. Ztg.") Der schweizerische Bundes- rat hat sich in einer autzcrordentlichen Sitzung grundsätzlich für Einführung des Getreidcmonopolö ausgesprochen. Eine entsprechende Vorlage an die Bundesversammlung wird nächstens erscheinen. Einigung öer öänischen Reeder und Seeleute. Kopeuhagcn, 27. Februar. Die gestern wieder auf- genommenen Verhandlungen zwischen den Reedern und Seeleuten führten zu einer Einigung bezüglich der aus- ländischen Fahrten ausserhalb der Gefahrenzone. Für diese Fahrten erhalten die Seeleute eine besondere Kriegs- zulage von 60 Prvz. Die Vertrete der Heizer hatten jedoch keine Bollmacht, das Abkommen zu unterzeichnen. Sie wollen aber auf der heutigen Generalversammlung die Annahme des Abkommens empfehlen. Bezüglich der anderen Fahrten werden heute zwischen den Vertretern der Reeder und der Seeleute die Verhandlungen fortgesetzt. Englische Mannschaft bindert die Ausfahrt. Rotterdam, 27. Februar. Der englische Dampfer T o s c a, der am 26. Februar in See gehen sollte, konnte nicht auslaufen, weil die eigene Mannschaft die Ma- schinen zum Teil zerstört hatte. Vertagung der spanischen Eortes. Madrid, 26. Februar.(Meldung der Agence HavaS.) Minister« Präsident Graf RomanoneS verlas im Parlament einen Erlaß, durch den die Sitzungen vertagt werden. Der Erlaß wurde von der Opposition mit Protestrufen aufgenommen. politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Fn der allgemeinen Besprechung deS Kultusetats, die das Abgeordnetenhaus am Dienstag beendete, traten die Gegensätze zwischen den verschiedenen Weltanschauungen wieder deutlich in Erscheinung. Während der Abg. Dr. K a u f- mann(Z.) in der Durchdringung unseres Unterrichts, ja unseres gesamten Lebens mit Religion die wichtigste Aufgabe der Gegenwart erblickte, trat Adolf Hoff mann von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für die unbedingte Tremmna von Schule und Kirche und von Kirche mw Staat ein. Daß er dabei wieder einmal seinem bedrängten Herzen Lust machte und der offiziellen Sozialdemokratie einen Hieb versetzte, nehmen wir ihm nicht übel; das gehört nun einmal zu seinem ständigen Repertoire. Datz er ausgerechnet die Tribüne des Dreillassenparlaments zu seinen Ergüssen gegen die Sozialdemokratie auserwählt, ist seine Sache. Wir wollen mit ihm darüber nicht streiten, da ja bekanntlich über den Geschmack nicht zu streiten ist. Genosse H a e n i s ch, der später zu Worte kam, tat recht daran, ihm auf dies Gebiet nicht zu folgen: seine von echter Liebe zur Arbesterklasse zeugenden, durchaus sachlich gehaltenen Ausführungen, in denen er in kurzen programmatischen Zügen den Wünschen und Forderungen der Sozialdemokratie Ausdruck verlieh, wurden vom Hause mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört. Auffällig war es, daß der Kultusminister zu keiner einzigen der vielen in der Debatte angeregten Fragen Stellung nahm. Am Mittwoch wird das Kapitel.�Universitäten" bav/?n. Für de» Kartoffelanbauzwang. Aus Köln wird unS geschrieben: Die Kartoffelversorgung ist im laufenden Winter schlecht, aber weit Schlimmeres steht uns für den nächsten Winter be- vor, wenn nicht für einen genügenden Anbau von Kartoffeln gesorgt wird. Die Aussichten für den Kartoffel- anbau sind sehr schlecht. Der Landkreis Aachen hat die Landwirte feines Kreises amtlich über ihre Anbau- Englische Vorstöße zwischen Aper« und Tomme. Amtlich. GroheS Hauptquartier, den 27. Fe- bruar 1917.(23. T. 25.) Westlicher Kriegsschauplatz. Von zahlreichen Borstößen der Engländer gegen unsere Front zwischen Apern und der Somwe gelangte nur einer in unsere Gräbeu. Der östlich von Arras eingedrungene Feind wurde durch Gegenstoß geworfen. Das Artilleriefeiler erhob sich»ur in wenige» Abschnitten über das gewöhnliche Maß. westlicher Kriegsschauplatz. Sri abnehmender Kälte war die Gcfechtstätigkrit«ehrfach lebhafter-lS in letzter Zeit. Mazedonische Front Nichts Neues. Der Erste Generalauarttermeister. Ludendorff. * ftbsnöbericht. Amtlich. Berit», den 27. Februar. Abends. An ei»zel»e« Stelle« derWestfrout zeit» weilig lebhafte GesechtStätigkeit; im Oste« keine wesentliche« Ereignisse. «» * Der österreichische Sericht. W i e«, 27. Februar 1917.(29. T.».) Amtlich wird verlautbart: westlicher Kriegsschauplatz. Stellenweise etwa? lebhaftere GesechtStätigkeit. Südwestlicher und südöstlicher 5kriegsschauplatz. Lage unverändert. Der Stellvertreter deS Chefs des Generalstabes von Horfer, Feldmarfchalleutnant. absichten befragen lassen. Die Antworten waren geradezu vernichtend. Aus fast allen Teilen der Rheinprovinz wird amtlich berichtet, daß ein starker Rückgang des Kartoffelanbaues zu befürchten fei. Diese beunruhigenden Tatsachen haben die Stadt Köln veran- laßt, in einem dringenden Hilferuf an das Krieasernährnngsamt und an das Kriegsamt den Anbauzwang für Kartoffeln zu ver- langen. Die Landwirte sollen gezwungen werden, wenigstens soviel Kartoffeln wie im ersten Kricgswinter anzubauen. Der einmütige Beschlutz der Kölner Stadtverordneten stützt sich nicht nur auf die Mitwirkung von anerkannt tüchtigen großen Landwirten, sondern auch auf landrätliche Verordnungen der Rheinprovinz. Haben doch infolge der ganz erschreckend schlechten Anbauaussichten schon mehrere rheinische Landkreise den Bauern zwangsweise de»Anbau bestimmter Flächen mit Kartoffeln auferlegt. Im Land� kreise Trier ist die bezügliche Verordnung schon in der Durch- führung begriffen. Man wird also den Mahnruf der rheini- schen Hauptstadt an den Berliner Zentralstellen nicht als glatt unmöglich ablehnen können. Was im Rheinland von Landräten und Landwirten für durchführbar gehalten wird, muß es im Osten ebenfalls sein.' Gerade aus die östlichen Landesteile, die Provinzen Hannover, Sachsen, Pommern. Posen, West- und Ostpreußen kommt eS aber in der so bedrohten Kartoffelversorgung an. Niemand denkt daran, den Landwirten einen ProduktionSzwang in dem Sinne aufzuerlegen, daß sie jetzt schon verpflichtet werden, im Herbste so und soviel Zentner Kartoffeln abzuliefern. Dem Wetter kann niemand gebieten. Wohl aber kann die mit Kartoffeln zu bebauende Anbaufläche vorgeschrieben werden. Der Änbauzwang mag für andere Bodenfrüchte noch umstritten sein, obwohl auch praktisch erfahrene Land- Wirte ihn für die wichttgsten Erzeugnisse für möglich halten, bei der Kartoffel können keine entscheidenden Gründe für seine Ablehnung beigebracht werden. Dahin gehört auch die Behauptung, die 5»/« Millionen landwirtschaftlichen Betriebe ließen sich nicht genügend kontrollieren. Als ob diese Betriebe nicht auch jetzt schon für die verschiedensten Erzeugnisse immer wieder kontrolliert werden. Richtiger und leichter ist es jeden- falls, im Frühjahr nachzuprüfen, ob der Landwirt so und so viele Morgen mit Kartoffeln bebaut hat, als nach der Ernte, wenn sich die Kartoffeln in Mieten und Keller ver- krochen haben, den Zwang zur Ablieferung genügender Mengen durchzuführen. Immer vorausgesetzt, daß der Anbau nicht überhaupt unterblieben ist. Denkt man beispielsweise an die Schwierigkett, die Ablieferung der Eier, der Butter und der Milch zu kontrollieren, so erscheint die Kontrolle der Anbaufläche fast als ein Kinderspiel. Versicherung der Hilfsdienstpfiichtige«. Der.ReichSanzeiger" veröffentlicht in seiner DienStag- nummer eine Verordnung über Berficherungderim vater. ländischen Hilfsdienst Beschäftigten. Der Inhalt der 20 Paragraphen umfassenden Vorschrift entspricht im tvesent- liehen den Ergebnissen der Ausschutzberatung, über die wir seiner- zeit berichteten. Nach§ 1 der Verordnung unterliegt jeder, der eine Beschäftigung im Sinne des Hilfsdienstgesetzes ausübt, auch wenn er nicht nach§ 1 dieses Gesetzes dienstpflichtig ist, den Vor- schriften über die reichsgesetzliche Arbeiter- und Angestelltenver- sicherung, soweit die neue Verordnung selber nichts anderes be» stimmt. Das gilt auch, wenn die Beschäftigung nicht auf Grund freiwilliger Meldung stattfindet.— Weiter ist noch hervorzuheben. daß für die Unfallversicherung und Angestelltenver» sicherung solche Tätigkeiten, die auf Grund deZ vaterländischen Hilfsdienstes im Ausland ausgeführt werden, der inländischen Tätigkeit gleichgestellt sind und daher diesen Versicherungszweigen unterliegen.— Der Invaliden- und Hinterbliebenen- Versicherung unterliegt von solchen Personen, die vorher keine die Versicherung begründende Beschäftigung ausgeübt haben, nur derjenige, der binnen zwei Monaten nach Verkündung der Verordnung bzw. nach Beginn seiner Beschäftigung von dem Arbeitgeber die Leistung von Beiträgen verlangt. Flucht eines StaatsauwaltS in die Ceffentlichkeit. Nichts Alltägliches dürste cd in Preußen sein, daß ein Staat». auwalt die Hilfe der Oeffentlichkeit. nicht etwa zur Verfolgung eine» einzelnen Verbrecher», sondern zur Bekämpfung eine» öffent» lichen Mißstände» zuz Hilfe anruft. � Der Erste Staatsanwalt von Aöslin erläßt?n der„Kosliner Zeitung* eine geharnischte Be- kanntmachung gegen den Kriegswucher. Nachdem er die Ge- Meinschädlichkeit und niedere Gesinnung der Kriegswucherer so deutlich gekennzeichnet hat, wie wir eS kaum besser vermöchten, fährt er fort: Daher mutz dem Kriegswucher unbedingt Einhalt geboten werden, und die StrafverfolgungSbehörden lassen sich die Er- reichung dieses Zieles nach Kräften angelegen sein. Aber sie können nur in denjenigen Fällen einschreiten, die ihnen bekannt werden, und das ist eine verhältnismäßig geringe Zahl. Pflicht der Allgemeinheit ist es deshalb, sie zu unterstützen und jeden Fall von Kriegswucher zu ihrer Kenntnis zu bringen. Dem- gemäß richte ich an alle ehrenhaften Einwohner des Landgerichts. bezirks die dringende Bitte, mir oder den Polizeibehörde« jeden iolchen Fall unverzüglich mitzuteilen. Niemand darf sich vor solcher Mitteilung scheue«! Denn unwürdig ist nur die— namentlich ammvme— Denunziation, die lediglich der uiederen Sucht» andere« zu schaden, entspringt, nicht aber diejenige wahr- heiisgemäße Anzeige, die dazu beitrögt, da» Vaterland vor noch größerem Schaden zu bewahren und zu verhüten, daß die schweren Lasten, die daS deutsche Volk zu trogen hat, noch vermehrt«erden. Jeder, der es unterläßt, die ihm bekannten Fälle von Kriegs- Wucher zur Anzeige zu bringen, leistet dem Ileberhandnehmen dieses Wuchers Vorschub, schädigt das Vaterland und damit in letzter Reihe auch sich selbst. Die Aufforderung des Staatsanivalts können wir nur voll- ständig billigen. Aber leider muß auch gesagt werden, daß nicht überall von behördlicher Seite eine gleiche Bereitwilligkeit zum Einschreiten gezeigt worden ist, tote vom KöSlincr Staatsanwalt,— man denke nur cm die bayerischen Malzschieber. Der Adloniter Zusammenbruch. Nachdem das Treiben der Kanzlerstürzler bei Adlon der Oeffentlichkeit: enthüllt ist, beeilt sich alles, was auf politischen Ruf hält, möglichst weit von den entlarvten Dunkelmännern abzurücken. Die„Nationalliberale Korrespondenz", das Partei- amtliche Organ der Nationalliberalen Partei, bringt eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß die Nationalliberale Partei keinerlei Beziehungen zu dem Grafen unter- hält. Weder die als eingeladen Bezeichneten noch überhaupt nattonalliberale Politiker haben an der Konferenz teil- genommen. Die„Berliner Neuesten Nachrichten", eines, der kanzler- stürzenden Organe, haben vor Schrecken fast die Sprache ver- loren und können nichts weiter feststellen, als daß nach der parlamentarischen Seite hin die Sache völlig geklärt sei. Graf Hoensbroech, erst Jesuit, dann Jesuitenbekämpfer, dann Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei, dann während des Krieges aus dieser ausgetreten, steht nun recht einsam und verlassen da, selbst seine Gesinnungsfreunde halten es für kompromittierlich, die Hand zu seinem Schutze zu erheben. Aber man sollte sich nicht zu sehr an diesem im Grunde bedeutungslosen Herrn reiben, sondern immer wieder daran erinnern, daß doch auch die Namen Kirdorf und Admiral K n o r r auf der Einladung standen. Graf Oppersdorf— Hospitant der Konservativen! Der frühere Zentrumsabgeordnete Graf Oppersdorf, der seinerzeit aus der Fraktion ausgeschieden ist und dann bei den letzten Wahlen gegen einen offiziellen Zentrumskandidaten mit poliüscher Hilfe wieder gewählt wurde, hat sich nunmehr der konservativen Reichs- tagsfraktion als Hospitant angeschlossen.— Eine Entwickelung, die nicht gerade alltäglich ist. Lette Aachrichten. Seeherrschaft zwischen Themsemundirng und belgischer Küste. Amsterdam, 27. Februar...NieuwS van den Dag" erblickt in dem Vorstoß der deutschen Seestreitkräfte in die Themsemündung einen neuen Beweis dafür, daß die Me-ere zwischen der Themse- mündung und der belgischen Küste noch nicht ganz von den Engländern beherrscht werden, trotzdem Carson daS Alarme- Portefeuille Übernommen hat. Da» Blatt hält dies für wichtig füc die Zeit, daß die Fahrt zwischen England und den Niederlanden wieder einmal aufgenommen werden sollte. Rotlandullg eines englischen Fliegers. Bliffingen, 27. Februar.(T. U.) Ein englische» Flugzeug mußte heute eine Notlandung bei Oostburg vornehmen. Der Flieger ist interniert worden. Gesunken. London, 27. Februar.(T. ll.) Lloyds meldet, daß die eng- lifchen Dampfer Tra Gull und Headley(4953 Tünnen) gesunken sind. Eine Fischerflotille im Kanal versenkt. Bern, 27. Februar. Der Berichterstatter de»„Matin", der mit Fischern de» Kanal» eine Unterredung hatte, teilt mit, vor einigen Tagen sei eine ganze Fischerslottillc von einem drut» schen v°Bo«t versenkt worden. Seesperre und Seefischerei. »er«, 27. Februar.„Petit Journal" meldet au» Fecamp: Infolge de» Steigen» der Seeversicherungen und den Gefahre» des U-Boot-Kriege» werden in diesem Jahr nur 14 französische Segelschiffe zu« Fischfang«ach Neufundland fahre«. Französischer Minensucher gesunken. Bern, 27. Februar...Temps" zufolge ist der Minensucher N o e lla bei einer Patrouillenfahrt aufeincMinegestoßen und gesunken. Tie irische Frage. London, 27. Februar.„Manchester Guardian" vernimmt, daß eine Möglichkeit für die Regelung der irischen Frage bestehe. DaS Ersuchen der irischen Nationalisten, Homerule so- fort einzuführen, wird am Mittwoch der kommenden Woche im Parlament zur Verhandlung kommen. Die Regierung hat zwei oder drei höhere Personen beauftragt, die allgemeinen Richtlinien festzulegen, die sie dem Parlament vorzulegen beabsichtigt. Lloyd George will bei der Debatte selbst das Wort ergreifen. Hinrichtung. Köln, 27. Januar. Die beiden Mörder des Kaufmann» Haferkamp, der Fräser Hahn und der Geschützrevisor Kefir wurden heute auf dem Schießplatz Wahn durch Erschießen hinge, richtet. Gewerksthastllches. Mfhebung öes Streikerlaffes gegen üen Eifenbahnerverbanö. Der Vorstand des Eisenbahnerderbandes hat im Einver- nehmen mit der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands den Eisenbahnverwaltungen folgende Erklärung ab- gegeben: „Der Deutsche Eisenbahnerverband gehört nicht zu den Or- ganisationen. welche die Arbeitseinstellung zur Durchführung ihrer Forderungen in Anwendung bringen. Er hat, wie die vorstehende Satzung ergibt, keine Einrichtung, die es ihm ermöglichen würde, bei Lohn- oder anderen Arbeitsstreitigkeiten das Kampfmittel der Arbeilseinstellung anzuwenden. Er kann zur Unterstützung eines Streiks weder von anderer Seite herangezogen werden, noch seiner- seils Mittel aufwenden.* In dieser Erklärung sieht der preußische Eisenbahn- minister den von ihm verlangten ausdrücklichen Streikverzicht. Nachdem der Vorstand die Erklärung den Verbandssatzungen als Anhang beigefügt hat, hebt der Minister seinen Erlaß vom 24. Oktober 1916 auf. Er hat dem Vorstand deS Eisenbahnerverbandes hiervon Mitteilung gc- macht mit deni Hinzufügen, daß die Aufhebung des Erlasses erfolge in dem Vertrauen und in der Voraussetzung, daß das künftige Verhalten des Verbandes mit der abgegebenen Er- Zlärung jederzeit in Einklang stehen und das gute Ein- vernehmen zwischen der Eisenbahnverivaltung und dem ihr unterstellten Personal durch den Verband nicht gestört werden wird. Der Erlaß ist aufgehoben, die Schranken sind beseitigt, den Handwerkern, Arbeitern und sonstigen Bediensteten der preußischen Staatseisenbahnen und der'Reichseisenbahnen in Elsaß- Lothringen ist der Beitritt zum Deutschen Eisenbahner- verband gestattet. Es ist zu erwarten, daß nun auch die sächsischen und die übrigen bundesstaatlichen Eisenbahn- Verwaltungen, soweit sie bisher ihrem Personal den Bestritt zum Deutscheil Eisenbahnerverband nicht erlaubt haben, dem Beispiel des preußischen Eisenbahnministers folgen werden. Damit wäre endlich den Eisenbahnern die Möglichkest gegeben, sich offen zur freien Gewerkschaft zu bekennen. Das hätte längst geschehen können. Was der Vorstand des Eisen- bahnerverbandes jetzt erklärte, hat er schon bei der Verbands- gründung zum Ausdruck gebracht. Daß der Verband den Streik zur Durchführung seiner Forderungen nicht anwenden kann, geht aus seiner Satzung hervor: ebenso« wenig kann er zur Unterstützung anderer Streiks Mittel aufwenden, das ergibt sich ohne weiteres aus seinen niedrigen Beiträgen. Wogegen der Verband sich be- harrlich und mit vollem Recht weigerte, war: sich die Fassung seiner Satzungen vorschreiben zu lasten und den aus- drücklichen Streikverzicht in die Satzungen aufzunehmen. Daß der preußische Eisenbahnminister und Chef der Reichseisen- bahnen in diesem Streit endlich nachgegeben hat, ist er- sreulich. um so mehr, als verschiedene andere Staatsbahn- Verwaltungen ein solches Ansinnen an den Verband nicht ge- stellt haben._ Deutsches Reich. Kriegsstatistisches vom Buchdruckerverband. Bie sehr die Kriegszeit die Reihen der gewerkschaftlichen Kämpfer lichtet, ist aus einem Dutzend statistischen Erhebungen deS Buchdruckerverbandes ersichtlich, die sich auf die Zeit vom Beginn des Krieges bis zum Jahresschluß ISl« erstrecken. Durch Austritt. AuSichluß. Invalidität, Tod und Einberufungen zum Heeresdienst hat der Verband über 30 000 Mitglieder eingebüßt. Am Ende des 2. Quartals 1914 wurden 70 452 Mitglieder gezählt, ain 31. De- zember 1916 nur noch 28 807. Gefallen, an Verwundung oder Krankheit verstorben sind 4927 Mitglieder. Trotz der stark verminderten Arbeitslosigkeit wurden in der an» gegebenen Zeit aus der Verbandskaffe und den Gaukaffen noch über Zft« Million Mark für Arbeitslosenunterstützung verauS- �abi. Erfreulich ist die große finanzielle Auswendung für Familien- Unterstützung, die bis Ende des vorigen Jahres die Summe von rund 1894 000 M. betrug. Besondere Anerkennung verdienen hier- bei die Berliner Berufsangehörigen, denn mit 457 640 M. Familien- Unterstützung haben sie 24,2 Proz. der ausgezahlten Summe auf- gebracht. Seit Ende Juni v. I. hat eine Zunahme der zu anderen Berufen Uebergetretenen stattgefunden, was auf die wenig erhebenden Erfahrungen mit den Teuerungszulagen zurückgeführt wird. Verlin ttnü UmgegenS. Die Lohnvereinbarung in der Herrenmastschneiderei. Am Montag nahm eine Versammlung der Berliner Herren- Maßschneider Stellung zu den Vereinbarungen, die zwischen den Vertretern der beiderseitigen Organisationen unter dem Vorsitz der Unparteiischen am 16. und 17. Februar in Nürnberg zustande ge- kommen sind. Den Wortlaut der Vereinbarungen hatten wir an, 20. Februar veröffentlicht. Sie gehen in der Hauptsache dahin, daß vom 1. März ab ein Zuschlag von 23 Proz. auf die verdienten Löhne gewährt wird, die im ganzen Reiche bestehenden Tarife ver- länge, i werden und nur als Ganzes unter Emhaltung einer drei- \ monatlichen Frist gekündigt werden können. Der Referent Kunze empfahl namens der Vertrauensmänner und der Verbandsleitung die Annahme der Vereinbarungen. Er betonte unter anderem, daß es sich nicht wn eine Teuerungszulage. sondern um eine Lohnzulage handelt, die solange in Kraft bleibt wie der Tarif selbst, und daß sie nicht nur aus die Grundpositionen deS Tarifs, sondern auch auf die Extraarbeiten zu gewähren ist. Tie Herrenmaßschneider erhalten also 25 Prozent Zuschlag aus ihren gesamten Verdienst. Damit ist ein Streitpunkt auS der Welt ge- ichafst, der oft zu Differenzen mit den llmernehmen, führte, die bei Zuschlägen die Extraarbeiten nicht berücksichngen wollten. In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß eine Lohnerhöhunn von 23 Proz. nicht hinreiche, um die erhöhten Kosten des Lebens- Unterhalts auszugleichen.— Das hatte auch Kunze in seinem Referat anerkannt. Im Schlußwort verwies er nocbmalS darauf und bemerkte, das Verlangen nach einer höheren Zulage sei vollkommen berechtigt, aber nach Lage der Verhälmisie tonnte nicht mehr erreicht werden. Das Erreichte sei immerhin ein beachtenswerter Erfolg, der der Kraft der Organisation zu danken sei. Könnten sich die Herrenmaßschneider nicht auf eine starke Organisation stützen, dann würden sie diesen Erfolg nicht gehabt haben. Deshalb müßten die Kollegen von diesem Gesichtspunkt aus für eine weitere Stärkung ihrer Organisation agitieren und sich so die Voraussetzung für weitere Fortschritte in der Zukunft schaffen. Mit 394 gegen 3 Stimmen erklärte sich die Versamnilung mit den Vereinbarungen einverstanden, die dadurch— wie der Vor« fitzende konstatierte-- für Berlin angenommen find. Sie sollen auch bei den nicht dem Ilnternehmerverbande angehörenden Unter- nehmern durchgeführt werden. Ferner beschloß die Versammlung aus Antrag der Ortsverwaltung, daß Vergünstigungen(Doppel- tarisel, die die Firmen bisher nicht halten, auch in Zukunft nicht eingeführt werden sollen. Rus öer Partei. Die Schicksalsstunde der Partei. Eine Konferenz der Vorstandsmitglieder und Filialleiter des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Bochum- Gelsenkirchen, die von 34 Genossen aus den Parteiorten besucht war, nahm mit 30 gegen 24 Stimmen ein« Reso- lution an, durch welche sich die Vertrauensmännerkonferenz mit dem Beschluß des Partoiausschusscs und dem Aufruf des Partei- Vorstandes einverstanden erklärt. Sie begrüßt es, daß der seit Jahresfrist sich immer mehr breitmachenden Anarchie innerhalb der Partei Einhalt geboten wird. Weiter spricht die Resolution aus, daß jeder, der sich an Sonderkonscrenzen der Opposition beteiligt, für deren Beschlüsse wirkt oder sich mit ihnen solidarisch erklärt, nicht mehr Mitglied der Partei sein kann. Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Wanzleben(bei Magdeburg) billigte mit 51 gegen 7 Stimmen das Verhalten der Frecktionsmehrheit sowie die Beschlüsse des PerrteivorstandeS. Sic erklärt, mit größter Entschiedenheit für die Wahrung der ein- heitlichen sozialdemokratischen Front in allen Orten des Kreises eintreten zu Woltem Wer Bestrebungen fördert, welche die Einheit zerstören, stellt sich außerhalb der Partei. Eine gemeinsame Konferenz der Wahlkreise Salzwedel- Gardelegen und Stendal-Osterburg stellte sich auf den Boden der Mehrheit und brachte zum Ausdruck,„daß Partei- Mitglieder, die sich mit der Reichskonferenz der oppositionellen Gruppen und deren Beschlüssen solidarisch erklären, dadurch ihren Austritt aus der Sozialdemokratischen Partei erklären und als aus- geschieden behandelt werden müssen*. Auf der am Sonntag, den 23. d. M., in Lörrach stattge- fundenen Konferenz des 4. badischen Reichstagswahl- k r e i s e s wurde mit allen gegen eine Stimme die folgende Resolution angenommen: Die Versammlung hak die jetzigen Vorgänge in der Partei eingehend besprochen und bedauert die Lostrennungen vom Parteiganzen. Sie erwartet von den Mitgliedschaften des vierten Wahlkreises, daß sie solchen Tendenzen reinen� Vorschub leisten, da die wirtschafllichcn und politischen Interessen der Arbeiter- schaft darunter nur Schaden leiden würden. Sie hält diese Trennungen auch nicht vereinbar mit den Grundsätzen der Demo- kratie, woncrch sich die Minderheit der Mehrljeit unterzuordnen hat. Der sozialdemokratische Verein Nordhausen stellte sich nach ausgedehnter Diskussion nach zwei Versaurmlungsabendön auf den Boden der Opposition und protestierte gegen das Vorgehen des Parteivorstandes und Parteiausschusses. Abgeblitzt. Auf seinen Aufruf an die bayerischen Genossen der Richtung Braun, nach dem Vorbild der Arbeitsgemeinschaft die Partei- cinheit auch in Bayern zu sprengen, erhält Lcdebour in der„Fränki- schen Tagespost" eine scharfe Absage. AuS der offenbar von Adolf Braun selber geschriebenen Erwiderung zitieren wir nur einen Satz: Unsere Stellung in der Partei wird nicht bestimmt durch die Beurteilung des Genossen Lcdebour. Die Aktion der Arbeits- gemcinschaft ist die konsequente und ununterbrochene Aufgabe oon Positionen, ihr organisatorisches Ungeschick in der Vergangen- heit verspricht rein gar nichts für die Zukunft. Im weiteren wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die bayerischen Parteigenosse« nach wie vor alles daransetzen werden, die Zersplitterung der Partei in Bayern anzuhalten. Aurr als Prophet. Die Parteiopposition hat zwar stets be- hauptet, daß eZ sich in ihrem Kampfe um die Institutionen und Organe der Partei um ein Austragen großer sachlicher Gegensätze handeln würde, in Wirklichkeit aber hat sie diesen Kampf mit den niedrigsten Mitteln als eine Kampagne zur Herabsetzung der in leitender Stellung kämpfenden Genosien geführt. Diese Ver- unglimpfungen haben sich noch gesteigert, seit fich die Opposition als selbständige Partei konstituiert hat. Einen Gipfel hat diese niedrige KampfeZweise in einer Notiz.Jgnaz Auer als Prophet* in Nr. 46 der.Leipziger Bolkszeitung* erreicht, in der folgender Satz gegen den Parteivorstand enthalten ist: „Wir fürchten, die Diktatoren und StaatSstreichlcr werden vorher (vor dem nächsten Parteitag. Red. d.„V.*) die Parteikasse geleert und sich außerhalb der Partei geflüchtet haben, wenn auch nicht gerade nach China* In welcher trostlosen geistigen Verfassung muß die Leitung deS Leipziger Zentralorgans der A.°G. sein, wenn sie ihre Leser mit solchen albernen Einfällen amüsieren zu können glaubt. Aber damit nicht genug, die.Leipz. VolkSztg.* tut auch noch so. als ob der prophetische Auer ihr geistiger Nährvater wäre, weil er sich bei Beratung des OrganisationSstatutS einmal mit derbem Witze darüber lustig gemacht bat, daß ein Parteivorstand gegen den Willen der Parteimehrheit eine diktatorische Politik treiben könne. Auer ist nun bald zehn Jahre tot mrd kann fich nicht mehr gegen de» schnöden Mißbrauch wehren, den daS Leipziger Blatt mit seinem Namen treibt. Wer aber vom Geiste Auers auch nur ein wenig in sich spürt, der wird nicht zu behaupten wagen, daß der lebende Auer in den bitteren Parteikämpsen dieser Kriegszeit auf feiten der Arbeitsgemeinschaft stehen würde. Oder will die Leipzigerin im Ernste bestreiten, daß AuerS Lebenswerk heute von den Gerisch, Fischer. Pfannkuch und Molkenbuhr verteidigt wird, um nur die noch lebenden Alten zu nennen, die so lange mit ihm in der Leitung der Partei saßen? Branting, der Enkentefreund. Aus Stockholm wird der„I. A." geschrieben: Die Lage innerhalb der schwedischen Partei wird immer komplizierter. Zu der von den Jungdemokraten hervorgerufenen Spaltung nach links kann unter Umständen auch eine solche nach rechts entstehen. Die Ententefteundlichkeit BrantingS verleitet diesen Parteiführer manchmal zu Ausschreitungen gegen andersgesinnte Parteimitglieder, die auch auf die Einigkeit der Mehrheit sehr schädigend wirken. Zu dem durch ihn veranlaßten Ausschluß der drei Genossen Professor Stessen, Dr. Jnyve Larsson und Aktuar Järte gesellte sich auf dem Parteitage ein von Branting eingeleiteter Angriff gegen die schwc- dischen Teilnehmer an der skandinavischen Parlamentariereise nach Deutschland und Belgien. Die Angegriffenen, Lindblad(früherer Chefredakteur der„Rh Tid*) und Nils Persson(Führer der schwe- dischen Maurerverbandes) wandten sich scharf gegen die Behaup- tungen Brantings und unterließen nicht, auf die von ihm selbst gezeigte unneutrale Haltung hinzuweisen, die er bei seiner Front- reise in Frankreich für angebracht hielt. In den letzten Tagen soll indessen ein neuer Zwischenfall vor- gekommen sein, worüber der in Malmö erscheinende„Skanetid- ningen Dagen" aus Stockholm zu melden weiß:„Ter Abgeordnete Christiernsso» soll von Herrn Branting in Gegenwart von neun Vorstandsmitgliedern aufgefordert worden sein, ein Papier zu unterschreiben, das ihn verpflichtet, weder in noch außerhalb des Reichstages in verteidigungsfreundlicher Richtung fich zu betätigen. und von seinen Ghmpatzien sür Deutschland abzulassen. Da Christiernssen die Unterschrift verweigerte, wurde er bon Brem- fing als nicht länger der sozialdemokratischen Partei angehövend er- klärt.* Zu dieser, von gencmntem bürgerlichen Blcikte verbreiteten. von anderer Seite noch nicht bestätigten Meldung kann hinzugefügt werden, daß Christicrnsson eines der hervorragendsten und tüchtigsten Mitglieder der schwedischen sozialdemokratischen Reichstags- fracktion ist, und daß die gcmze organisierte Arbeiterschaft der Stadt Heisingborg, wo er das Parteiorgan„Skanska Socialdemokraten" redigiert, geschlossen hinter ihm steht. Rus Znöustrie unö tzanöel. Tie dritte englische Kriegsauleihe. Der englische Schatzkanzler hat den Ertrag der neuen englischen Kricgsernleihe vor wenigen Tagen aus 700 Millionen Pfund, gleich vierzehn Milliarden Mark, wahrscheinlich absichtlich zu niedrig, geschätzt, um später mit größeren Ziffern prunken zu können. Tatsächlich ist das Ergebnis der dritten englischen Kriegs- anleihe größer als das irgendeiner anderen bisher aufgelegten Kriegsanleihe. Die letzten Meldungen sagen: Im Unterhause erklärte Bonar Law bei der Bekanntgabe über das Ergebnis der Kriegsanleihe, daß das gesamte Ergebnis eine Summe erreicht habe, die eine Woche vorher noch als unmöglich angesehen worden wäre. Die Zeichnungen bei der Bank von England beliefen sich auf 819 586 000 Pfund Sterling, der Betrag der ton vertierten Schatz- anwersungen auf 130 711930 Pfund Sterling, die Zeick- nungen bei den Postämtern auf 30 713 000 Pfund Sterling und die Summe der Kriegsspar-Zertifikate auf 19 300 000 Pfund Sterling. Dies ergebe zusammen 1 000 312 930 Pfund Sterling neues Geld. Von der englischen Anleihe vom Jahre 1913 im Betrage von 616 Millionen Pfund seien 200 Millionen Pfund von den Banken übernommen Wochen. Wenn es nicht notwendig sei, io seien diese großen Beiträge von den Banken nicht erwünscht. Wenn es not- wendig gewesen wäre, so hätte er eine solche Auffocherung cm die Banken gestellt, die ihm ihre Unterstützung versprochen hätten. Die Zahl der Zeichner bei der vorigen Anleihe habe 1 300 000 betragen, bei der setz igen belaufe sie sich bei den Banken, Postämtern und für Kriegsspar-Zertifikate auf ungefähr 3 289 000. Der Erfolg der Anleihe sei ein Ausdruck deS Willens deS Volles, den Krieg zu gewinnen. Die neue englische Anleihe ist eine Leistung, besonders wenn man berücksichtigt, daß England nur zwei Drittel der Bewohner Deutschlands zählt, und daß sein Nationalvermögen auch nicht so hoch als das deutsche sein soll. Auch darf nicht vergessen werden, daß die Liquidierung der Warenvorräte lange nicht so weit vor- geschritten ist wie in Deutschland, und daß da§ englische Keipital noch frei über die Grenzen fluten kann, während das deutsche gewissermaßen in seine vier Wände eingesperrt ist. Auf der anderen Seite hat England bisher nur erstaunlich wenig langfristige Rente ausgebracht, so daß die Ueberfülle von in Wechselform kon- trahierten schwebenden Schulden eine offenbare Gefahr für die Finanzen des Jnselreiche» wurden. So groß auch der Ertrag der neuen englischen Kriegsanleihe ist, so reicht er doch nicht aus, um alle die bisher aufgenommenen schwebenden Schulden, die sich auf 22 Milliarden Mark beliefcn, durch langfristige Rente erbzutragen. In Deutschland ist die Umwandlung der schwebenden Schulden durch ewige Rente bisher immer gelungen, wobei allerdings die großen schwebenden Schulden der Bundesstaaten nicht berücksichtigt sind. Bonar Law kommt aus de« Betrag von 20 Milliarden Marl neues Geld dadurch, daß er auch 2,6 Milliarden Mark konver- tierte Schatzanweisungen zurechnet. Soweit sofort oder bald fällige Wechsel in Zahlung gegeben werden, ist das so viel, als würde ein Scheck auf ein Bankguthaben ausgestellt. Wenn es sich um länger laufende Schatzanweisungen handelt, so kam: man nicht mehr von„neuem Geld«" sprechen, es handelt sich höchstens um Um- Wandlung einer in wenigen Jahren fälligen Schatzanweisung in langfristige Rente. Die Frage, ob Bonar Law zu seiner Ausstellung berechtigt war, wird man erst prüfen können, wenn Mitteilungen darüber vorliegen, welche Gattungen konvertierte Schatzanweisungen eingerechnet wurden. Das englische Schatzamt gibt in der Regel Treasury Bills aus, die unseren unverzinslichen Schatzanweisungen entsprechen und nichts anderes als Schatzwechsel aus mehrere Mo- uate oder Wochen sind, dann die zwölfmonatigen Exchequer Bills und die mehrjährigen Exchequer Bonds. Im Kriege hat sich die Zahl der Gattungen der so aufgenommenen Schulden beträchtlich vermehrt. Kurz gesagt, mm: wird abwarten müssen, welche Laufzeit die von Bonar Lato eingerechneten Schatzanweisungen gehabt haben, England als Hort des Rechts. „Times* bericktet, daß die Kommission zur Untersuchung des seindlickien EinslusieS in England ihre Arbeit beendet hak Nach Vernehmung einer großen Zahl von Zeugen über die unter den jetzigen Gesetzen bestehenden NeÄtSvcrhälnisse ist sie zu dem Schluß gelangt, daß die vielfach krilisterte Verzögerung von Liquidierungen von Geschäften feindlicher Uniertanen mehr auf Lücken der Gesetz- aebung als auf die Art der Handhabung der Gesetze zurückzuführen sei. DaS Handelsamt hat der Kommiision zufolge unter den früheren Regierungen nicht genügend Machlbekugnisie be'efien, um die Geschäfte rasch aufzulassen, und die Kommiision empfiehlt des- halb eine ganze Reihe von Maßregeln, um in Zukunft alle Aus- flüchte, die die Gesetze gewährten, unmöglich zu machen. Cingegangene Druckschristen. Die bunte Reihe. Roman von F. MautSner. Krvnen-Büch« Band S2. 1 SR. Kronen-Verlag G. m. b. H., Berlin SV. 68. Das Recht der Oraauifativueu im neue» Teutkchlaud. 1. Koo- litionsrecht und Strafreche. 1 SR. Perlag Guftav Fischer, Jena. Tie Rativnalifierung der Bnltswmschaft. Bon Prof. Dr. Wy- godzmSki. 1.60 SR. Verlag I- C. B. Möbr(Paul Siebeik). Tübingen. Untergang. Vau S. D. Steinberg. 1 M. Verlag Rascher u. Co, Zürich. Flanderns Rot. Do» Claudius Severus. Verlag Georg Stille, Berlin SW. 7. Werner Siemens, feine Perlon und feiu Werk. Festrede, ge- halten im PerwallunqSgebäude der Siemenswerte. Bon T. Dchlmann. ilns der Friedens- und Kriegsarbeit. Bon Adolf v. Harnack. LM. Verlag Alfred Töpetmann, Giesen. Grobschmiede. Roman von Jakob Schaffner. 1,26 SR. Verlag S. Fischer. Berlin W. Mooopolfrage und Arbeiterklasse. Drei Abbandlungen von Hein- rich Cunow, Otto Hue und SRax Schippel. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Wilhelm Janflon. 4 SR. Verlag Buchhandlmig Vorwärts. Berlin SW. 68. Teutfch-Amerekanische Randglosse« zum Weltkriege. Von HanZ Floerle. Verlag Georg Müller. München. Ter«aiser im Felde. Von Dr. Bogdan Krieger. 5,50 SR. Verlag Kameradschaft. Berlin W. 35. «artenlesen.— Geländekunde. Bon Pros. Dr. Groffe. Preis je 28 Ps. Franckbiche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Puch und Volk und dir volkstümliche Bücherei. Aon Walter Hosmann. 60 Ps. Verlag Th. Thomas. Leipzig._ VerautworUlch sür Politik! Hermann Müller. Tempelbos; sür den übrigen Teil b. Blattes: Alfred Scholz. Neukölln: für Inserate: Tb. Glocke, Sertin. Druck«. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlags ansiall Paul Singer 4 Co- Bert« SW. Hierzu 2 Sriloge» sab Uutrrhaltuogsblatt. Nr. 38. 34.|(i 2. KeilU des Fswöck" Kerlim MM. Mittwoch, 28. Febrmr!917. Zur Arbeitsbeschaffung nach öem Kriege. Die Frage, wie nach dem Kriege das gesamte Wirt- schastsleben wieder in das alte Gleise kommt, gehört zu den brennendsten, die der Krieg uns gebracht hat. Millionen von Arbeitskräften werden anS dem Heere in das bürgerliche Leben zurückströmen und dann Verhältnisse vorfinden, die sich inzwischen vollständig geändert haben. Wäre der Krieg nur kurz gewesen, dann würde das nicht so in Erscheinung ge treten sein. Aber durch die lange Dauer der Feindseligkeiten und die vollständige Absperrung vom Ausland, durch die enormen Kosten, die zur Führung des Krieges erforder lich waren und gewaltige Kapitälvcrschiebungcn zur Folge hatten, durch die vollständige Umstellung unserer Industrie zu Kriegsindustrie, durch den fast vollständigen Verbrauch - vieler Rohstoffs usw. hat sich alles von Grund aus um gestaltet. Es wird- eine lange ltebcrgaugSzeit vergehen müssen, ehe die Produktionsverhältnisse den früheren wieder einigermaßen gleichen. Soll während dieser Zeit, die auch noch eine Zeit der Teuerung sein Ivird, nicht namenloses Elend herrschen, dann muß das viclgerühmte deutsche Organi sationLtälent, das jetzt voll dem Kriege zugute kommt, sich auch der Umstellung der Friedensarbeit widmen. Namentlich der Arbeitsbeschaffung muß es sich zuwenden. Dieser Frage ist eine Petition getvidmet, die die Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dem Reichstage zugehen ließ. Sie geht von der Voraussetzung aus, daß die Ueber lcitung eines großen Teiles der Kriegsteilnehmer in die Friedenswirtschaft rasch vor sich gehen werde. Dies werde besonders in der Landwirtschaft der Fall sein, der die Kriegs gefangenen und ein Teil der ausländischen Arbeitskräfte cnt- zogen werden. Auch werde in kleineren und mittleren Städten ein starker Bedarf an Arbeitskräften vorhanden sein. Aber es sei auch mit Sicherheit anzunehmen, daß nach Beendigung des Krieges während der Uebergangsperiode auch Stockungen auf dem Arbeitsmarkte eintreten. Völlig ausgeschlossen sei, daß die in verhältnismäßig kurzer Zeit zurückströmenden Millionen bei noch so guter Vorsorge wieder ihre alte Beschäftigung ausnehmen könnten. Mangel an Rohstoffen werde dabei eine Nolle spielen, die Erportindustrie werde erst nach Wiederaus- •roh nie der Handelsbeziehungen in Tätigkeit treten, das Bangewerbe werde unter Mangel an Kapital leiden, was auch . auf andere Berufe rückwirkeu müsse. Deshalb würden sich er- hebliche Schwierigkeiten ergeben, wobei die Frage, ob auf die Ucbergangszeit ein gewerblicher Aufstieg oder Niedergang folgen werde, ganz dahingestellt bleiben solle. Ilm dem zu begegnen, müßten rechtzeitig Maßnahmen getroffen werden. Grundsatz müsse sein, daß alle bestehenden Organisationen, soweit sie für die Lösung der Aufgabe in Betracht kommen, heranzuziehen sind und die Errichtung neuer Organisationen möglichst zu vermeiden sei. Notwendig sei, die Interessenten heranzuziehen, besonders die Arbeitgeber-, Angestellten- und Arbeiterverbände. Zur Uebcrwindnng all der Schwierigkeiten erscheint der Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die Berücksichtigung folgender Gesichts- Punkte für besonders geeignet: ..,-. J. sollen die Kriegsteilnehmer planmäßig nach ihrem letzten Beichästiguiigsort entlassen werden oder, wenn der Entlassene die Zusicherung einer Beschäftigung anderswo nachweist, nach dem entsprechenden Ort. Bei der Entlassung sollen zunächst solche Kriegsteilnehmer berücksichtigt werden. die für die Wiederaufnahme des normalen Wirtschaftslebens besonders in Betracht kommen, also die Angehörigen der Landwirtschaft und derjenigen Industrien, die'nach dem Plan der lieber- gangswirtschaft in erster Linie ihre Tätigkeit wieder ausnehmen können und sollen. Hierbei niüßten die Heeres- behördcn mit dem RcichSkommissar für die ueber- gangswirtschaft Hand in Hand gehen. Ferner wird empfohlen, die Personen vorweg zu entlassen, die eine sofortige Beschäftigung nachweisen können, sowie alle die, die für die Ingangsetzung der einzelnen Betriebe zunächst erforder- lich sind. soll hingewirkt werden aus die Jnnchaltung der von den Arbeitgebern abgegebenen Versprechungen, die bei Kriegs- ausbrnch bei ihnen beschäftigt gewesenen Kriegsteilnehmer wieder einzustellen. Dabei sollen die öffentlichen Betriebe vor allem ein gute? Beispiel geben. In den Fällen, wo die Betriebe während des Krieges eingegangen oder in andere Hände übergegangen sind, soll den Beteiligten ein Ver- zeichniS der vorhandenen Arbeitsnachweise zugängig gemacht und sie schon vor der Entlassung auf diese Hilfsmittel hin- gewiesen iverden. sei der größte Wert auf eine allen Anforderungen genügende ?lrbeitsnachweiSorganisation zu legen. Zu diesem Zweck müsse ein lückenloses, gut eingerichtetes Netz von Arbeits- nachweisen in ganz Deutschland vorhanden sein, wozu die Schaffung örtlicher oder bezirtlicher Zentral-Auskunfs- und Ausglcichsstellen gehöre. Diese Orts- oder Bezirkszentralen sollten lediglich die nicht ausgleichbaren Posten an den Arbeits- mnrktanzeiger weitergeben, welche Zusammenstellung vornehm- lich den Verbandszcntralen und der zwischengcbietlicheu Arbeitsvermittlung dienstbar zu machen sei. Eine gute Verbindung der Arbeitsnachweise untereinander sei durch Post-, Telegramm- und Fernsprechverkehr zu erleichtern. 4. Um der Landwirtschaft, der ein großer Teil der ein- heimischen Kräfte durch den Krieg dauernd entzogen worden sei, möglichst viel inländische Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können, sollte eine energische Förderung der ländlichen Siedelungen, die Schaffung der MietSwohmmgen für Landarbeiter und ein freies RechtSvschältniZ der ländlichen Ar- bester gefordert werden. 3. müsse durch Vereitstellung öffentlicher Arbeiten in möglichst großem Umfange dafür gesorgt werden, daß heimkehrende Krieger, die weder bei dem früheren Arbeitgeber, noch durch die Tätigkeit der Arbeitsnachweise untergebracht werden könnten, wieder Arbeit finden. Dabei dürfe nicht gewartet werden, bis die Uebelstände zum Teil überwunden seien, sondern hier müsse cS sich um gut vorbereitete Maßnahmen handeln. Notivendig sei auch die Bildung der privaten Bautätigkeit durch Kredit- erleichterung. Um die weibliche Arbeitslosigkeit einzuschränken, niüßten ebenfalls Aufträge öffentlicher Körperschaften vorbereitet werden, wobei vor allem Aufträge von Reich, Staat und Gemeinde siir die Heimarbeit in Betracht kämen. 6. müsse die Einführung ausländischer Arbeitskräfte von der amtlichen Zentralstelle aus so geregelt werden, wobei aus- ländischc Arbeiter nur zugelassen werden sollen, wenn für das betreffende Gewerbe der Nachweis erbracht Ivird, daß inländische Arbeitskräfte nicht in ausreichender Zahl vor- handen sind; 7. � soll als letztes Glied der für die Entlaffung der Kriegs- teilnehmcr vorzubereitenden Maßnahmen die Arbeitslosen- Unterstützung vorgesehen werden, die allerdings erst zu gc- währen sei, wenn alle Möglichkeiten, Arbeit zu beschaffen, erschöpft seien. Auch wird empfohlen, den Familien der Kriegsteilnehmer die Familienunterstützung noch einen vollen Monat nach der Entlassung ihres Versorgers auS dem Heeres- oder Marinedicnst weiterzugewähren. Die von der Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit vorgeschlagenen Maßnahmen können im allgemeinen unterstrichen werden. Aber der Punkt 3, der von der Orga- nisation der Arbeitsnachweise spricht, ist anders zu behandeln, als vorgeschlagen wird. Wir verweisen hierbei auf die Petition, die gesetzliche Regelung der Arbeits- Vermittlung betreffend, die von den Zentralen samt- sicher Gewerkschaftsgruppen am 3. März 1915 an den Bundesrat und den Reichstag gegangen ist, und worin die neue Organisafion des Arbeitsnachweises durch ein Reichs- gesetz, aufgebaut auf städtischen oder Bczirksarbeitsämtcrn, gefordert worden ist. Bei dem jetzigen Durcheinander der Arbeitsvermittlung ist nicht daran zu denken, daß die Schwierigkeiten, die sich in großen Mengen einstellen werden, überwunden werden können. Nur eine straffe Organisation, auf reichsgesetzlichcr, nicht auf selbsthelferischer Grundlage, kann den Gefahren, die der arbeitenden Bevölkerung drohen, in wirksamer Weise steuern. Auch würden nur durch eine solche Vermittlung die Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Kriegsbeschädigten erheblich verringert. Wichfiger als dem Petenten erscheint unS äuch die Arbeitslosenunterstützung. Es kann nicht angehen, die Leute, die jahrelang für das Vaterland ihre Haut zu Markte getragen haben, auch nur einen Tag ohne Unterstützung zu lasten. Hier genügen die vorgeschlagenen Maßnahmen bei wciteni nicht. Die Unterstützung muß sofort einsetzen. Die Bedenken, die deni entgegenstehen, werden zum größten Teil gleichfalls durch die von den Gewerkschaften vorgeschlagene Organisierung des Arbeitsnachweises beseitigt. fius Groß-Serlin. Verkehrssteucrpla» und Ttrastcnbahntarif. Wir wiesen gestern darauf hin, daß die„Große Berliner" sich mit der dunklen Absicht trägt, die vom Bundesrat geplante Besteuerung auch, des Straßenbahnvcrkehrs zur Durch- drückung des schon längst angestrebten 15-Pf.-Tarifs zu be nutzen, und wir sagten bei dieser Gelegenheit, daß zum Glück ja nicht die Herren von der Straßenbahngesellschaft(für die andern hinreichend verdächtigen Berkehrsinstitute gilt das gleiche) allein über die Tarife zu bestimmen haben. Daß die Gefahr einer Tarifberteuerung in der Tat nicht gering ist, mag man daran erkennen, daß die von der„Großen" aus gestreckten Fühler bereits unsere städtische Verwaltung auf den Plan gerufen haben.' Aus dem Nachrichtcnbnreau des Magistrat S B e r I i n wird uns geschrieben: „Von manchen Seiten wird die Annahme vertreten, daß der vom Bundesrat beschlossene Entwurf eines Gesetzes über die Besteuerung des Personenverkehrs eine allgcnieine Be wegung zugunsten umfassender Tariferhöhung für die Ver kehrsanstalten Groß-BerlinS und anderer Großstädte zur Folge haben müsse. Ja, es scheint hier und da die Verkehrsstcucr als ein willkommener Anstoß zur Neubelebung von Tarif- Plänen begrüßt zu werden, die den Bctriebsgesellschaften das Drei-, bis Vierfache des Betrages der Steuer zuführen sollen. Wenn hierbei darauf gehofft wird, daß der VerkehrSsteuer-Gesctzcntwurf den Verkehrs- Unternehmungen ein Mittel an die Hand gebe, um eine solche Erhöhung auch gegen den Willen der Gemeinden zu erreichen, so gründet diese Hoffnung sich auf einen Irrtum. Der Gesetzentwurf gestattet dem Betriebsunternehmer nur solch» Tarifänderungen, die zur Deckung der neuen Steuer bestimmt sind, und nur in diesem Rahmen kann der Unternehmer einen Anspruch durch An- rufung des Schiedsgerichts durchsetzen. Dagegen wird in der Begründung des Gesetzentwurfs ausdrücklich hervorgehoben. daß die Ermächtigung deS Unternehmer?, einseitig Tarifänderungen aus Anlaß des vorliegenden Gesetzes vorzunehmen, nicht soweit gehen könne, um auch Aenderungen zu gestatten, an denen er sich für sonstige Steigerungen der Betriebs- Unkosten zu erholen beabsichtigt. Es würde ja auch einen niemals dagewesenen Eingriff in die gesamte Ver» kehrZpolitik der Gemeinden bedeuteri, wenn die Rcichsgesetzgebuiig eine von ihr verhängte Steuer zum Anlaß nehmen wollte, um durch ein von Reichs wegen bestimmtes Schiedsgericht jede beliebige Erhöhung der Tarife ins Werk zu setzen. Natürlich bleibt trotzdem die Gefahr bestehen, daß auf die unbemittelte Bevölkerung bei Gelegenheit der Verkehrssteuer Mehrbelastungen übcrwälzt werden, die das Bedürfnis der Wicdcreinbringung der Steuer weit übertreffen. Die Bedenken, die sich hieraus und aus anderen Gründen gegen die Unterwerfung der großstädtischen Verkehrsanstalten unrer eine Derkehrssteuer überhaupt ergeben, müssen an anderer Stelle ausgetragen werden." Hoffentlich versäumen die Städte nicht, rechtzeitig auf diese„andere Stelle" nachdrücklichst in diesem Sinne einzu- wirken. Daß die parlamentarischen Vertreter der Arbeiter- schast den gesamten Verkehrs st euern die Zu- stimmung versagen werden, versteht sich von selber und ist von uns schon des näheren dargelegt worden. Mit wie frohen Hoffnungen die neuen VerkrhrSsteuern, die eine unerträgliche Last für die erwerbstätige Bevölkerung sein würden, von Interessenten begrüßt werden, zeigt klar der Bericht des„B. T." über die Montag börse, auf der die Aktien der Große» Berliner Straßenbahn trotz aller Klagen über Mindereinnahmen kräftig im Kurs hinaufgesetzt würden:„Die Llktien der Großen Berliner Straßenbahn zogen um mehrere Prozent an im Zusammenhang mit der den Vcrkehrsuntcrnehmungen durch die. Verkehrssteuern eröffneten Aussichten auf Tariferhöhungen."_ Die Herrschaft der Bttetskascrne. Die Statistischen Monatsberichte„Grotz-Verlin", herausgegeben vom Stanstischen Amt Berlins unter Mitwirkung der Statistischen Aemier CharlottenburgS, Neuköllns, SchvnebergS. Wilmersdorfs, bringen jetzt(im Jahrgang 8, Heft 1 und 2) eine Abhandlung über die in Berlin und Vororten veranstalteten Grundstücks- aufnahmen vom 15. Oktober 1910 sowie von Ende Oktober 1lX)S und 1900. Verfasser ist Dr. Ad. Henningsen, wissenschaftlicher Assistent am Berliner Statistischen Amt, der im vorigen Jahr auf dem Schlachtfelde fiel. Dargelegt werden die Veränderungen, die in der Bevölkerungszahl, in der Zahl der Grundstücke und der Haushaltungen, in der Zahl der auf je ein Grundstück durchschnittlich entfallenden HauS- Haltungen und Bewohner sich für die beiden Jahrfünste von 1900 zu 1905 und zu 1910 gezeigt haben. Die Grundstücksaninahiuen er« streckten sich in 1900 auf Berlin und 21 Vororte, in 1905 auf Berlin und 27 Vororte, in 1910 auf Berlin und 42 Vorotte. An allen drei Grundstücksaufnahmen waren beteiligt außer Verlin noch 17 Vororte, darunter von de» größeren der Nachbarschaft die folgen- den 14: Charlottenburg, Schöneberg. Wilmersdorf, Schmargendorf, Friedenau, Tcmpelbof, Neukölln, Treptow, Stralau, Lichtenberg, Rummels bürg(das damals noch nicht nach Lichtenberg eingemeindel war). Weißensee, Pankow. Reinickendorf. Nur für Berlin und diese 14 Vororte wollen wir die Ergebnisse betrachten. Das Gesamtbild ist sehr unersreulich. ES zeigt die fort« schreitende Ausdehnung der Mietskaserne über Berlin hinaus auf Nachbarorte, in denen sie bisher noch nicht so wie in Berlin vorgeherrscht hatte. Die Zahl der aufje ein bewohntes Grundstück durch- schnittlich entfallenden Haushaltungen(von den Anstalten wird ab- gesehen) stieg im Laufe der beiden Jahrfünste in Berlin nur noch wenig, stärker in fast allen Vororten, in manchen sehr stark. Sie war in den drei Aufnahmejahren 1900 1905 1910 Berlin.... 19.16 19,77 20,3t Charlottenburg. 13.87 15,22 16,87' Sckiöneberg... 17,62 18,34 18,39 Wilmersdorf.. 10,52 12,85 15,74 Schmargendorf. 6,66 7,19 8,87 Friedenau... 7,16 8,57 11,87 Tempelhof... 9,25 9,47 11,78 Reilkölln.... 17,16 19,85 24,07 Treptow... 5,51 8.39 13,29 Stralau.... 5.26 10,82 12,14 Lichtenberg... 12,82 13,02 15.69 RuinmelSburg. 10,62 15,69 20,29 Weißensee... 7,43 7,55 3,09 Pankow.... 10,14 10,21 12,66 Reinickendorf.. 4,14 5,43 7,48 DaZ Ergebnis aus 1010 war gegenüber demsenigen auS 1900 nahezu das Anderholbfache in Neukölln und in Wilmersdorf, über das Anderthalbfache in Schmargendorf und Friedenau und in Reinickendorf, fast das Zweifache in Rummelsburg, weit über das Zweifache in Stralau und Treptow. In 1900 hatte noch Berlin die ungünstigste Ziffer, in 1905 wurde Berlin hierin bereits von Neukölln überholt, in 1919 war Neukölln mit der ungünstigsten Ziffer allen anderen Orten weit voraus und RunMelSburgS Ziffer reichte fast, bis zu idcrjcmgeii Berlins Hera». Unter der oben gegebenen AuSwahk von Bororten hatte-Reinickendorf in allen drei Aufnähme- jähren noch das günstigste Ergebnis, trotz der auch da eingetretenen beträchtlichen Steigerung. In Neinickendorf find noch viele Grund- stücke mit Häusern für m.r eine oder zwei Familie» bebaut, doch soll man nur nicht schon deshalb die dortigen WohnungZverhältttijse eiwa für„mustergültig" halten. Nicht genau ebenso, aber ähnlich hat die Zahl der auf je ein bewohntes Grundstück durchschnittlich entfallenden B e- w o h» e r. die sogenannte Behausungsziffer, sich im Laufe der zwei Jahrsünfte geändert. Hier haben Berlin und Schöneberg eine kleine Besserung der Ziffer, bei allen anderen Orten aber ist eine Verschlechterimg zu bemerken, besonders bei Wilmersdorf, Sckimargen- dorf und Friedenau, mehr noch bei Rummelsburg und bei Reinicken- dorf, am ineisten bei Stralau und bei Treptow. AuS Berlin sind auch die besondere» Ergebnisse für die einzelnen StandeZamtSbezirke mitgeteilt. Die Behausungsziffcr ist zurückgegangeii nicht nur in dein Stadtinnern, wo die Ersetzung kleiner Wohnhäuser durch große Geschäftshäuser ihren Einfluß geltend gemacht hat. Auch die meisten anderen Bezirke, selbst die äußere», hatten einen Rückgang der Behausungsziffer, mit AuS- nähme nur von Gesundbrunnen und Wedding. Dem Rückgang der Behau sungSziffer in Berlin entspricht die oben angedeutete Steigerung in den an- r e n z e n d e n Vororten. In dmselben Matze, wie die voll- ebauten südwestlichen, südlichen, südöstlichen, östlichen Stadtteile Berlins ihre Bevölkerung zum Teil an die Vororte abgaben, mutzte in diesen die Wohndichtigkeit zunehmen. Der Zug nach den B o r o r t e n hat ihnen mit dein Bevölkerungszuwachs aus der Bau- entwickelung eine immer stärkere Ausnutzung der Grundstücke und die Herrschaft der Mietskaserne n gebracht. Berliner Lebensmlttelnachrichteu. Der Magistrat Berlin gibt bekannt, daß der Abschnitt 19 der Sützstoffkarte II im März eingelöst Iverden kann. Ans diesen Ab- chnitt darf ein Päckchen Süßstoff ET-Packiing zum Preis von 25 P( verausgabt und entnommen werden. Die Abschnitte Nr. 1 bis 18 dürfen in Zukunft nicht mehr eingelöst werden. Die im Osten wieder eingetretene kälte und die Schwierigkeiten bei der Beförderung haben die EiertranSporte nach Berlin in unerwarteter Weise um einige Tage verzögert. Wenn also daS Publikum in den Geschäften in den nächsten Tagen keine Ware er« halten sollte, so«st daS auf jene widrigen Umstände zlirückziiführcn. Es ist aber damit zu rechnen, daß vom Beginn nächster Woche ab die Versorgung in eine geregelte Bahn gelangen und daß die Einwohnerichast bis zu dem bekannt gemachten Tage versorgt werden wird. Fleischlose„Wurst". Ueber die Zulassung sogenannter„fleischloser Wurst" schreibt uns ein Fachmann: Mit dieser„Wurst" wird ein ungeheuerer Wucher getrieben, dem der Höchstpreis von 60 bezw. 80 Pf. nur zum Seil vorbecht. Denn sie besteht, ob Grützblut- oder Grütz- leberwurst, hauptsächlich aus— W a s s e r. Sin Pfund Grütze oder Graupen wird mit 4— S Pfund Wasser aufgebrüht. DaZ Blut ent- hält an sich schon 80—85 Proz. Wasser, cS wird ihm aber nicht selten von den Bluthändlcrn noch bis zu 50 Proz. Wasser zugesetzt. Gibt eS kein Blut, so wird vielfach Grütz-Leberwurst fabriziert, das heißt die ausgebrühte Grütze oder Graupe wird o h n e B l u t und elbstverständlich auch ohne Leber in Wurst verarbeitet. Als Gewürz wird nur Salz oder Majoran verwendet, Pfeffer und anderes ist z« kostspielig. Woher, fragen wir, erhalten diese„Wurstfabri- kanten" die Grütze und Graupen? Warum gibt man diss» nicht der ärmeren Bevölkerung und sagt ihr, wie sie sich daraus, dasselbe Schmicrmitiel anfertigen Hann, auf billigere und hygienisch einwandfreie Weise? Warum ver- bietet mau diese Art W u r st f a»b r i k a t i o n nicht gänzlich? Man sagt, die Bebvlkerung will Wurst haben. Ja, Wurst will sie haben, aber nicht„Wurst", die keine Wurst ist. Ebenso bedenklich ist die Fisch-, Muschel- und Gemüse- Wurst. Und nun soll es auch noch K a n i n ch e n w u r st geben i Es sollen weder Kartoffeln noch Rüben dazu verarbeitet werden. Die sindigen. Fabrikanlcn werden aber bald Ersatz für Kartoffeln und Rüben haben, so daff die Bevölkerung eine neue„Wurst" mit schön klingendem Namen erhält. Auf der Hygieneausstellung in Dresden befand sich ein Bild, das einen Teller mit Wurst darstellie; darunter las man die sehr richtigen Worte:„Wurst i st Vertrauens fache". Ter Dreck. Berlin war einmal die reinlichste Stadt Europas... Es war einmal. Der Schnee und der Frost haben es in das Gegenteil ver- kehrt. Nun nimmt ja jeder die Kriegseinwirkungen mit in den Kauf. Schön, die Stadt kann nicht mehr im früheren Maffs für Reinlichkeit sorgen. Aber mutz über das gern Zugestandene hinaus nun Berlin völlig verschlammen und versauen? Mutz der durch das Tauwetter in Bewegung geratene Matsch nun auf unabsehbare Zeit in den Straßen, auf den Bürgersteigen hin- und berwogen, da die Abflutzlöcher nicht geöffnet werden? Ist es zweckmäßig und hygienisch, daß der Dreck jetzt in alle Häuser geschleppt wird, oder daß vielfach die breiten Bürgerstcige unbenutzbar geworden sind. weil daraus sich Seen gebildet haben? Die geographisch sehr inler- esianten Verhältnisse der Missiisippisümpfe kann man jetzt in Berlin in verkleinertem Maßstabe studieren. Der Regen, der jetzt fällt, ver- schlimmert die Situation, weil das Wasser vielfach nicht abfließen kann. Mutz das so bleibe», bis die Frühlingssonne das letzte Eis weggetaut hat? Als die Schneenot der Stadt über den Kopf wuchs, forderte sie die Hausbesitzer und Bürger zum Eingreifen auf. Es ist zwar bedauerlich und beschämend, daß das auch jetzt erst wieder von oben her geschehen mutz. Initiative und Selbsthilfe fehlen in bedenklichem Grade. Sogar wo die Hausbesitzer erheblich inter- essiert sind, vor großen Läden, Restaurants und Hotels, lassen sie Dreck und Pfützen sich ansammeln, daß ein Zugang von der Straße gar nicht möglich ist. Nicht einmal die Abflutzöffnungen werden freigelegt— und es kann noch viele Tage dauern, bis sie von selber aufgehen. Inzwischen aber fordern wir— da kein anderer es tut— das Publikum zur Selb st Hilfe auf: Schafft dem Dreck u n d W a s s e r d e n n ö l i g e n A b f l u ß! Das Weitere wird dann hoffentlich der Regen besorgen. Die Leiche iu der Laubenkolonie. In Lichtenberg liegt an der Röderstratze die Laubenkolonie„Mittwochs F eld sch lö tzch e.n"..Seit dem Herbst war in der einem Arbeiter Kähler aus Berlin gehörenden Laube Nr. W ein 63jähriger Arbeiter Theodpr Peschow einquartiert, der die Laube bewachen sollte. Peschow, der sich regelmäßig in der Nachbarschaft hatte sehen lassen, wurde seit dem 16. Februar ver- mißt. Mehrere Tage hindurch rief may vor. der Laube nach ihm, aber nichts regte sich. Am 20. Februar faßten endlich zwei Frauen sich ein Herz, schauten durch ein Fenster der Laube und erblickten nun drinnen den Vermißten,, der nur mit der Hose bekleidet leblos auf seinem Stroh lag. Noch an demselben Tage wurde die Lichtenberger Polizei von dein Leichensund in Kenntnis gesetzt und am 21. Februar wurde auch im Lichtenberger Armenhaus um Ab- holung der Leiche gebeten, aber erst am 22. Februar erschien ein Polizeibeamter mit einem Arzt, der die Leiche, besichtigte. Der Tote soll da schon in einem entsetzenerregenden Zu st and gewesen sein, iveil Ratten, an denen es ja in Laubenkolonien nicht fehlt, sich über ihn hergemacht und ihn angefressen hatten. Abgeholt wurde die Leiche aber auch jetzt noch n i ch t. Tag um Tag verging— und immer noch lag sie in der Laube, eine willkommene Beute für Ratten. Am 26. Fe- bruar gab die Frau eines Laubenkolonisten telephonisch dem Ber- liner Polizeipräsidium Nachricht von der Angelegenheit, und nun wurde von dort aus die Lichtenberger Polizei veranlaßt, diesem gesundheitsgefährdenden Zustand ein Ende zu machen. Gestern, am 27. Februar, gegen Z47 Uhr abends, erschienen dann vor der Laube zwei Männer, die im Auftrage der Polizei die grauenhaft zerfressene Leiche abholten. Warum ist die Abholung der Leiche so spät erfolgt—? Die Annahmestelle» für getragene Kleidungsstücke. Der Wirlschaftsbezirk Grotz-Berlin für Kleiderverwertung hat in den Städten Berlin, Charlottenburg, Berlin-Schöneberg und Berlin-Wilmersdorf sowie in den Kreisen Teltow und Niederbarnim Abnahmestellen errichtet, an denen getragene Kleidung. Wäsche und Schuhwaren, sowie Uniformen und Uniformstücke entgeltlich oder unentgeltlich abgegeben werden können. Bezahlung für cntgelt- lich abgegebene' Stücke erfolgt nach sachverständiger Abschätzung in bar.' Die Abgabe von gebrauchsfähigen Obcrkleidern und Schuhwaren berechtigt zum Empfang von Vorzugs- Bezugscheinen. Jeder anderweitige Ankauf getragener Kleidungsstücke ist verboten und strafbar, ebenso der Ver- kauf vom 1. März ab. Borläufig sind folgende Annahmestellen errichtet: In Berlin: Kommand'antenstr. 80/81 fzugleich Zentral- stelle), in Charlotten bürg: Passauer Str. 40 und Bismarck- ' straße 83, in Berlin-Schöneberg: Grunewaldstr. lg, in Berlin- Wilmersdorf: Brandenburgische Str. 1, in Berlin- Steglitz: Kuhligkshof 3, in Berlin- Treptow: Rathaus, Neue Krugallee, in Königswusterhausen: Schneidermeister Rungfeldt. und in Trebbin(nur für Schuhwaren): Schuhmachermeister Rostock. Die Annahmestellen des Kreises Niedcrbarnim werden von der Kreis- Verwaltung demnächst bekanntgegeben. Freiwillige Ablieferung von Bronzeglockcn. Am 1. März 1317 ist eine neue Bekanntmachung in Kraft gc- treten, die neben einer freiw-illigen Ablieferung von Bronzeglocken glich eine Beschlagnahme, Enteignung und Einziehung von Bronze- glocken vorsieht. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist bei den Polizeibehörden einzusehen. Um den Bedürfnissen des Gottesdienstes gerecht zu werden, sieht die Bekanntmachung vor, daß hierfür vorerst je eine Glocke im Geläut erhalten bleiben soll. Aus kunstgewerblichen oder kunstgeschichtlichen Wert, der durch behördlicherseits für diese Bekannt- machung besonders namhaft gemachte Sachverständige festzustellen ist, oder unmittelbar durch die Aufsichtsbehörde anerkannt wird, wird die erforderliche Rücksicht genommen werden. Ladenschluß und Gewerbebetrieb. Die offenen Verkaufsstellen muffen bekanmlicb um 7, Sonnabends um 8 Uhr schließen. Es sind nun Zweifel darüber entstanden, ob deshalb Gewerbetreibende ihren Betrieb ebenfalls dann schließen müssen, wenn sie in den offenen Verkaufsstellen neben dem Handels gewerbe noch ein anderes Gewerbe betreiben. Nach einem Bescheide der zu- ständigen Minister können Gewerbelreibende, die neben dem Handels- gewerbe noch em anderes Gewerbe belreiben, diesen Betrieb über jene Stunden hinaus fortsetzen. Die Schaufenster müffen aber ver- dunkelt und in der üblichen Weise verhängt und die Verkaufstätigkeit muß eingestellt werden. Fleischliche Genüsse am goldenen Hochzeitstage. In letzter Zeit haben sich die Anträge aus Ueberveisuug von Fleisch zu Festlichkeiten sehr vermehrt. Die Reichsflcischstelle ist aber nicht in der Lage. diese Anträge berücksichtigen zu können und wird in Zukunft Fleischzulagen nur für dieJeier der goldenen Hltchzeit dewilttgen. „Die Bedeutung der Monogamie" lautete daS Thema, über das Grete Meisel-Hetz am Montag in einer Versammlung des Bundes für Mutterschutz im Architektenhause sprach. Die Nichteinhaltung des Prinzips der Einehe— führte sie aus— habe lästige Verbindlichkeiten, Fruchtabtreibungen, soziales und moralisches Elend zur Folge. Das Zusammenhalten in der Ehe sei eine Bürg- schast für ihr Glück. Indem wir unsere sexuelle und psychische Hin- gäbe auf ein einziges Wesen tonzentrieren, schaffen wir uns einen Schatz ethisch wertvoller Erinnerungen.„Monogamie ist nicht immer Liebe, aber Liebe ist immer Monogamie." Fahrplanänderung auf der Linie W der Lcrlin-Charlottcnburger Straßenbahn. Vom 1. März ab. verkehren die ersten Wagen ab Siraßenbahnhof Lichterselde 5.6 früh(bisher 3.31), ab Ringbahnhof Schönhauser Allee 5.43 früh(hisher 3.33). Im Apollo-Theatcr wird von Donnerstag ab ein interessantes Gastspiel stattfinden. Die bekannten Filmkünstler Wanda Treumann und Viggo Larsen werden sich dem Publikum zur Abwechslung ein- mal in der Wirklichkeit zeigen, und zwar in ihrem Lustspiel„Die Scheidungsszene". Außerdem wird ein vollständig neues Spezia- litätenprogramm geboten werden. Schwer verletzt wurden am Dienstag mittag die beiden der- heirateten Monteure E. B a l i ck e und 23. Weber im Hause von Lindstedt u. Säuberlich, Leipziger Str. 82, gegenüber von Tietz. Die Verletzten hatten im vierten Stock eine Reparatur am Fahrstuhl auszuführen. Angeblich soll nun die Sicherung nicht vorschriftS- mäßig ausgeschaltet worden sein. Als nun die Monteure im Fahr- stuhl Schrauben anziehen wollten, stürzte er mit beiden in die Tiefe. Die alarmierte Feuerwehr befreite die Schwerverletzten und brachte sie nach der Charits, wo man ihnen Verbände anlegte. Beide sollen auch innere Verletzungen davongetragen haben. Tie Buchhaltereim für Familicnzahlungen der Generalkriegs- lasse sind von Dessauer Str. 2 nach Wilhelmstr. 91 verlegt. Die Empfänger von Familienzahlungen können die Barbeträge, sofern sie nicht durch die Post oder im Girowege überwiesen werden, be- reits vom 1. März ab in den neuen Räumen der Kasse, Wilhelm- straße 31 IV, abheben. Ms öen Gemeinöen. Tagung des Brandenburgischen Provinzial-Landtages. Der Provinzial-Landtag, der am Sonntag zusammengetreten war, hat seine reiche Tagesordnung in zwei Sitzungen, am Montag und Dienstag, erledigt. Besonders wichtig ist die Erledigung des Haushaltsplanes, die nach der Vorberatung im Plenum debalteloS erfolgte. Er fchließt in Einnahme und Ausgabe mit 23 Mill. 343 600 Mark. Für die einzelnen Gemeinden ist von besonderem Interesse, daß der Steuersatz, mit dem sie zu den Lasten der Provinz herangezogen werden, auch in diesem Jahre auf 14 Proz. belassen werden konnte. Im Haushaltsplan erscheint auch zum ersten Male die im vorigen Jahre beschlossene Mitwirkung an den Ausgaben der Elektrizitälsveriorgung und zwar in dem Zuschuß von' 17 500 M., im Anleihedienst und in einem weiteren Betrag von 10 000 M. für unvorhergesehene Fälle. Ferner erscheint in den außerordentlichen Ausgaben ein Posten von 80 000 M., der der Provinzial-Lebensversicherungsanstalt als erste Rate eines Zu- schusses zur Deckung von Kriegsschäden. Neueinrichtung des Außen- dienstcs und Erweiterung des Versicherungsbetriebes gewährt werden soll. Der ganze Zuschuß, der in einer besonderen Vorlage aesorderl und vom Provinzial-Landtag genehmigt worden»st, soll 240 000 M. betragen. Der Landlag hat sich allerdings vorbehalten, bei späterer günstiger Enlwickelung der Anstalt eine Rückerstattung aus den Ueberichüssen zu fordern. Von allgemeinem Interesse ist auch die Verstärkung der Mittel der Kriegs hitsskasse. Diese Kasse ist geschaffen worden mit einem Kapital von 6 000 000 M., das zur Hälfte von der Provinz, zur Hälite vom Staarc aegeben worden ist, jetzt ist e« um zwei Millionen verstärkt worden und zwar hat der Staat wiederum eine Million ge« geben, während die andere von der Provinz auf dein Wege der An- tage aufgebracht wird. Die Mittel der Kriegsfürsorge flössen bisher den einzelnen Kreisen und Stadtgemeinden zu, die auch die volle Haftung übernahmen, dafür aber auch das Recht hatten, über die Weilergabe der Darlchn vollständig selbständig zu verfügen. ES hat sich aber für notwendig erwiesen, die Kricgssürsorge für die kleinen Schisier unmittelbar in die Hand der Provinz zu legen. Ihnen ist sehr schwer zu helfen, weil sie einer festen wirtschaftlichen Organisation noch völlig entbehren. Wollte die Provinz die Haftung auch hier auf die Gemeinden übertragen, so würden nur ganz kleine, nicht leistungsfähige Fischerdörfer in Betracht kommen, so daß eine wirk- same Hilse kaum durchführbar wäre. Der ProvinzialauSschuß beantragte daher, eine halbe Million von den Mitteln der Kriegs- hilfSkaffe für die Fischerfürsorge abzuzweigen und unter die un- mittelbare Verwaltung der Provinz zu stellen. Allerdings sollte wenigsten? ein Drittel der Belastung den Gemeinden belassen werden. Slber der Provinzial-Landtag hält auch das noch für eine zu schwere Bedingung für die kleinen Fischerdörfer und hat diese Haftung ganz auf die Provinz übernommen. Schließlich erwähnen wir noch den Verwaltungsbericht der Lebeilsversicherungsanstalt Brandenburg. Er liegt zwar erst für das Jahr 1913 gedruckt vor, aber der Referent konnte wenigstens mündlich einige Mitteilungen über die Ergebnisse des JahreS 1316 machen. Aus ihnen ist besonders interessant, daß die Invaliden- reuten von 6640 Fällen im Jahre 1315 auf»ur 7416 im Jahre 1316 gestiegen sind und die Zahl der AlrerSrenten dagegen von 836 auf nicht weniger als 3350. Hierin spricht sich vor allem die Wirkung der Herabsetzung Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre für den Bezug dieser Rente auS. KriegSinvalidenrenten wurden im Jahre 1316 in 623 Fällen gezahlt. Krankenrenten, die mir dem Kriege zusammenhängen, in 4653 Fällen, Kriegswitwengeld 2746 M., Kriegswitwenrenten in 207 Fällen, Kriegswalsenrenten 6113 und Kriegswaisenzusteuer in 47 Fallen. ?lbgabe von Gebäck auf die Kartoffclkarte in Neukölln. Der Magistrat teilt uns mit, daß er wegen Ausbleibens jeglicher Zu- fuhr nicht in der Lage ist, in der laufenden Woche Kartoffeln an die Bevölkerung auszugeben. Es werden txisür auf die fälligen 10 Abschnitte der roten Steu köllner.Kartoffelkarie insgesamt 1000 Gramm Gebäck abgegeben. Eine zusammenhänge nde Abtrennung der 10 Abschnitte von der Kartoffelkarte ist nicht erforderlich. Tiejemgen Personen, die im Wege der Hausbelieserung mit Kartoffeln versorgt worden sind, dürfen von ihrem Vorrat vier Pfund verbrauchen. Der Magistrat weist zugleich nochmals darauf hin, daß diejenigen Personen, die damals mit IVj Zentner Kartoffeln versorgt worden sind, mit ihrem Vorrat bis zum 3. Mai d. Js. reichen müssen und daß ein« NeuauSgabc von Kartoffel- karten an die hauSbelicfert« Bevölkerung, soweit sie mit 11? Zentner versorgt worden ist, vor dem 6. Mai unter keinen Umständen erfolgen kann. Auf die Mchlabschnitte der Brotkart« darf in ber laufenden Woche nur dann Mehl abgegeben werden, wenn gleichzeitig mit der Brotkarte die Neuköllner Hanshaltungskarte vorgelegt wird. Lebcnsmittclverteilung in Schöuebcrg. Ter Magistrat verteilt auf Abschnitt Nr. 80 der Lebensrnittelkarte 4 0 0 Gr a m m Graupen zu 24 Pf. und auf Abschnitt Nr. 81 123 Gramm Weizengrieß zu 7 Pf. Die Anmeldung beim Kleinhändler findet am Mittwoch, den 28. Februar, Donnerstag, den 1. März und Freitag, den S.März statt. Spätere Anmeldungen können nicht be rücksich tigt�werds». Lebeusmirtelnachl ichteil aus Steglitz. In der lausenden Woche gibt es drei Pfund Kartoffeln— soweit der Vorrat reicht. Wer bis Donnerstag abend keine Kartoffeln erhalten hat, kann wieder 600 Gramm Gebäck auf die Kartoffelkarte entnehmen.?lnßerd«m gibt es noch vier Pfund Kohlrüben pro Kopf. Fischderkauf in Rtzinickenborf. In ihrci? amtlichen Serkaufs- stellen bringt die Gemeinde heut« Bleie zum Preise von 1 M. pro Pfund zum Verkauf. Auf den Kopf der Bevölkerung entfällt lh Pfund, jedoch nicht mehr als 3 Pfund für jede Familie. Bei der Entnahme wird Feld 6 der Lebensmittelkarte abgestempelt. Wer bei der diesmaligen Verteilung nicht berücksichtigt werden kann, erhält das nächste Mal auf dicselbc Nummer das auf ihn cnl- fallend« Quantum Fische. Lcbcnsmittelnachrichten aus Britz. In dieser Woche gelangen in der Verkaufsstelle zum Verkauf auf Abschnitt 2 Hafergrütze(je Person l/i Pfd.), Abschnitt 3 Schweden(je HauSbolt 1 Pck.), Abschnitt 4 Scholle in Aspik, Ahschnitl 6 Zwieback(1 Paket), Abschnitt 7 Hafer- flocken(nur auf Nr. 3001 bis Schluß), Abschnitt 8 Sonderzuteilung. Bei den Kleinhändlern werden für jede Person 200 Gramm Mehl zu 0,28 M. auf Abschnitt 1 des Lebensmittelausweiscs bis 7. März abgegeben. Ohne Abschnitte können Zwiebeln, Pfeffer und Salz in der Verkaufsstelle gekauft werden. Tempclhof bleibt bei 130 Prozent. Im Voranschlag der©c- nicindc Tempelhof sind dieselben Steuersätze wie im lausenden Rechnungsjahr vorgesehen; auch der Zuschlag zur Staatseiickommcu- steuer mir 150 Proz. soll unverändert bleiben. Gerichtszeitung. Prozeß Schiffmann. In der gestrigen Sitzung setzte Staatsanwalt Hayner seine Erörterungen über die Verfehlungen der Frau A h r e n s fort. Er führte des weiteren aus, wie genau die Angeklagte in all die Schiebungen Schiffmanns eingearbeitet war und daß sie bemüht gewesen sei, sich selbst nach Kräften zu bereichern. Die famose Treu ges eil schaft habe den Wahlspruch befolgt: Untreue gegen die Gläubiger und Gegnerschaft gegen alle,, die Ansprüche gegen Schiffmann hatten. Wahrscheinlich habe sie schon Wochen- lang mit Schiffmann dessen Flucht in alle Einzelheiten besprochen; ihr ganzer Gedanke sei gewesen: Wie kannst du aus der Pleite für dich und Schiffmann möglichst viel herausschlagen. Schiffmann habe die Angeklagte auf die Bahn des Verbrechens gebracht, er hatte sie als seine Gehilfin erzogen, es kann aber keine Rede da- von sein, daß er sie hypnotisier� und fasziniert und zu feinem ganz willenlosen Werkzeug gemacht habe. Sie hat gesehen, wie Hundert- taufende von Schiffmann leicht verdient und vergeudet wurden und das erregte ihr Verlangen, sich auch zu bereichern. Es muß den Geschworenen vorbehalten bleiben, ob sie besonders milde Richter sein wollen— aber schuldig müsse sie auf alle Fälle ge- sprachen werden. Nach kurzer Pause ergriff der zum Offizialverteidiger Schiffmanns bestellte Rechtsanwalt Dr. Koch das Wort. Er schickte voraus, daß er es als Verteidiger nicht für seine Aufgabe be- trachten könne, aus Schwarz Weiß zu machen, sondern dazu be- rufen sei, zur Erforschung der materiellen Wahrheit mitzuhelfen. Seine Aufgabe sei sehr schwer, da es sich um einen Mann handelt,' dem von der einen Seite das Zeugnis eines toirischaftlichen Leichenfledderers, von der anderen Seite das eines außerordenr- lichen, kaufmännisch scharf blickenden Mannes gegeben wird. Ter Sachverständige Bücherrevisor Michaelis sei bei der Erörterung des Zeitpunkts, wann der Angeklagte feine Zahlungen eingestellt hat, von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Ter Verteidiger kommt zu dem Schluß, daß tatsächlich erst Ende 1310 die Zahlungs- einstellung eingetreten sei und daß alles, was bis zum Jahre 1303 geschehen, unmöglich als Bankrotthandlungen angesehen werden könne. Zweifellos sei die Buchführung eine unordentliche und in- korrekte gewesen, aber es sei nicht erwiesen, daß diese Buch- führung zur Benachteiligung der Gläubiger dienen sollte. Michaelis habe zuviel betveisen wollen Und sei dabei in verschiedenen Punkten gestrauchelt. Lllles. was Sch. verbraucht, veräußert, vcr-'- schenkt habe, könne nicht als Bankrotthandlungen im Sinne des § 239 der Konkursordnung angesehen werden. ÄkaS die Gründung der Treugefellschaft betrifft, so dürfe doch nicht vergessen werden, daß Schiffmann beabsichtigt hatte, Konkurs anzumelden und dann, dem Rate dreier Juristen folgend, sich zur Gründung der Treu- gesellschaft verstanden habe. Was nachher aus der Treugesellschaft geworden sei und wie dort gewirtschaftet wurde, sei ein Thema, das noch im einzelnen besprochen werden müsse; jedenfalls könne in den Handlungen, die nach der Gründung der Treugesellschaft begangen feien, Bankrott- Handlungen nicht erblickt werden. Nach weiteren juristiscken AuS- führungen des Verteidigers schloß dieser den ersten Teil seiner Betrachtungen zur Schuldsrage, die heute fortgesetzt werden sollen._ Was ist ein Reisetag?„Die Antwort: Jeder Tag. de» man auf der Reise zubringt' erscheint so selbstverständlich, daß man einen Streit darüber für ausgeschlossen halten sollte. Doch die Kammer 3 des Berliner G-werbegerichtS hatte einen Prozeß zu ent- scheiden, dessen Ausgang lediglich von der Beantwortung der Frage abhing, was miter einem Reisetag zu verstehen ist. Beklagt war die KriegSmetall-Akliengeiellschaft. Sie halte für ihr Hüttenwerl in Serbien einen Stblosier eingestellt und ihm in dem schrifiliSen Ar- beitSvertrage die Bezahlung der Reisetage mir je 8 M. ausdrücklich zugebilligt. Die Gesellschaft zahlte dem Schlosser zwar die Tage der Hinreise nach Serbien, sie verweigerte aber die Bezahlung der aus die Rückreise verwendeten Zeit, die nach der Lösung des Ärbeitsver- hältnisses erfolgt ist. Das Gewerbegericht verurteilte die Beklagte. die Rückreisetage zu bezahlen, weil man unter Reisetagen auch die der Rückreise zu verstehen habe. Wenn die Beklagte die Rückreise- tage nicht vergllteu wollte, dann hätte sie doS in dem Vertrage zum Ausdruck bringen müssen. �ugenüveranstaltungen. Märkische Spirlvereinigung. Am Sonntag, den 4. März, finden folgende Spiele statt(Beginn 3.30): Gr. A. Neukölln I— Adlershos. Platz: Neukölln, Graetz-Allee. Schiedsrichter: Obers(nee,— Lichtenberg— Wilmersdor! L Platz: Friedrichs- seld«, Waldersecstr. 49. Schiedsrichter: Sldlershof. Gr. L. Weitzensee 1— Velten, Platz: Falkenbergec Str. 152. Schieds- richter: Lichtenberg.— Fichte 16— Moabit. Platz: Reinickendors-Ost, Rütlistratze. Schiedsrichter: Ficht- 12. Gr. C. Fichte 7-r- Neukölln XL Platz: Treptow, Fichte-Turnpl. Schiedsrichter: Fichte lZ.— Wiknersdors II— Rcuenhagen. Platz: Wilmc:s» dors, Hildegcrrdstr. 14. Schiedsrichter: ZSeißense«, Snefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten linden str. 8, 1.$o( linfS, parterre, am Montag MS Mreitag von 4 MS 7 Uhr, am Sonnabend von» bis 6 Uhr statt, Jeder für den S r t e f l a st-» bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl«IS Merkzeichen beizusüge». Briefliche tzlnt- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonnementSauittnng bei- gesiigt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trag- man in der Sprech- stunde vor. Bcrträge, Schriftstüclc und drrgteichrn dringe man in die Sprich» stnndr mit. F.«. 11. 1. Die Kasse ist zur Zahlung der vollen ReichSwochenbUse verpflichtet. 2. Zwei Wochen können vor der Entbindung liege». 3. D-r Dienlwertrag kann nur für ungültig erklärt werden, wenn er gegen den Willen der Eltern geschlossen wurde.— 31. 9. 58. Die Kasse ist i» Recht, Sie können nichts gegen sie unternehmen,— G. W. 1317. Sie erhalten die Unterstützung für d«s Kind. An Mietsunterstützung«erden nur 15 R. g-zablt, das weitere müssen Sie'Väter selbst nachzahlen,— zö. 78. l. Nein, 2, Ja, 3, Nein,— ZI.*>. 45. Diese Mann« schasleu sollen nur im Frontdienst leine Verwendung mehr sinden. Bc>et»erauSiietitc» kür da» mittlere �orddeutschlood iit Tonnrrstog mittag. ElwaS kälter, zeitweis« heiter, jedoch überwiegend bewölkt mit geringen, nur im Nordosten etwa» stärkeren Niederschlägen, Nr. 58.- 1917. Unterhaltungsblatt öes vorwärts RmammmmmEmmBmmmmmmmKmmKBBmmmmKmmmmimmaBtnmmammmsaamamammmmwmmn im iiiimiiii m www wmi iMmimwmamBamEBamm MniSlh,28.5kdrWr. Ein englisiher Prophet öes U-Soot- Krieges. Im Juliheft des Londoner„Strand Magazine" von 1914 erschien unter dem Titel„Die Gefahr" eine phantastisch-propkietische Ge- schichte, in der unter Ausnützung der Freiheiten, die dem Dichter gestattet sind, zugleich aber auch unter Verwertung nicht gewöhnlicher Kenntnisse von der besonderen Voraussehung des modernen See- krieges, geschildert war, wie England im Ärigc mit einem kleinen nordischen Staat lediglich durch Abschnürung seiner Lebensmittel- zufuhr zu einem schnellen Frieden gezwungen wird. Der Verfasser jener Geschichte ist der Schöpfer des weltberühmten Detektivs Sher- lock Holmes, der englische Schrisisiellcr Sir Arthur Conan Doyle. Der phantasiegewaltige Dichter so vieler spannender Kri- minalromane hatte in dieser Schrift ein in der englischen Politik oft erörtertes Thema zur Voraussetzung genommen. DaS Problem der Ernährung der grogbritannischen Inseln im Falle eines Krieges, Schon Lord Haidane hatte seiner Zeit als Kriegsministcr auf die ungeheure Bedeutung dieser Frage hingewiesen; er sagte einmal bei irgendeiner Gelegenheit D„Der Feind braucht eigentlich nichts an- deres zu tyn als uns unsere Lebensmittelzufuhr abzuschneiden." Aus der Schrift Conan Doyles gewinnt man den Eindruck, als sei dieses Wort der dichterische Reim zu dem Hauptkapitcl„Wie Kap!. tan Sirius England niederzwang" geworden. Daneben mag es dem volkstümlichen englischen Schriftsteller noch daruni zu tun gewesen sein, für den bekanntlich im Laufe dieses Krieges wieder aufgegrif- fcnen Gedanken des Kanaltunnels Stimmung zu machen. Die deutsche Sperrgebietserklärung in Verbindung mit dem un- eingeschränkten U-Boot-Krieg gibt der dichterischen Prophezeiung Conan Doyles heute eine besonders aktuelle Bedeutung, wobei es nicht uninteressant ist, die Ansichten eines Engländers über die Handhabung der U-Booi-Waffe, wie sie jetzt von Deutschland erfolgt und wie sie von England als Barbarei verleumdet wird, kennen zu lernen. Mit der uns heute recht phantastisch gering anmutenden Zahl von acht U-Booten, wovon vier nicht cinnial dem neuesten Typ an- gehörten, hat in der Geschichte Conan Doyles der Kapitän Sirius sein großes Werk begonnen. Freilich inuß dabei erwähnt werden, daß die modernen U-Boote, von denen Doyle spricht, die Boote äl- tersn Systems um 25 Prozent an Leistungsfähigkeit übertrafen, daß sie mit Hilfsmaschinen ausgestattet waren, die den Booten älteren Systems feblten. und daß sie an Stelle der früheren acht gewaltigen, neunzehn Fuß langen und eine halbe Tonne schweren Torpedos Lanzierapparate für etwa halb so große Torpedos hatten, von denen nunmehr achtzehn an Bord genommen werden konnten. Tie neuen Boote führten außerdem noch je eine zwölfpfündige Schnellfeuer- kanone mit. sowie Verproviantierung der aus zehn Mann bestehen- den Besatzung für 1ö Tage. Wenn man diese von dem englischen Verfasser in kluger Voraussicht schon damals i» Rechnung gestellten Verbesserungen der U-Boot-Waffe berücksichtigt, so erscheint der Er- folg des Kapitäns Sirius, der im Verlauf eines Monats durch einen rücksichtslos geführten U-Boot-Krieg in England eine solche Hungers- not veranlaßt, daß da? Jnfelreich Frieden schließen muß. nicht mehr ganz so phantastisch. Gleich am ersten Tag war es Kapitän Sirius gelungen, einen Schiffspark von rund 50 lXXI Tonnen auf den Meeresboden zu der- senken. Man erinnert sich, daß die Beute der deutschen U-Boote am ersten Tage des verschärften U-Boot-Krieges mit zirka 42 000 Tonnen angegeben wurde, sowie daß nach der Meldung eines italienischen Blattes an einem anderen Tage rund 00 000 Tonnen versenkt wurden. Die Phantasie des englischen Schriftstellers hatte danach durchaus nicht ükeitriepcne Vorstellungen, geweckt. Wie der Engländer Conan Doyle über die Rücksicht auf die Neutralen denkt, beweift eine Stelle, in der er die Versenkung eines amerikanischen Lebcnsmittcldampfers schildert.;«S heißt dort: „Richtig kam bald solch ein Nachzügler daher, ein mächtig großer Geselle, mit flatterndem Sternenbanner. Tie Flaggensrage spielte aber für mich nicht die geringste Rolle, solange es sich um ein Schiff handelte, das den britischen Inseln Konterbande zufiibrte." Der gegenwärtige Konflikt mit Amerika läßt gerade diese englische Aufsagung in einem besonders hellen Lichte erscheinen. Den Tech- niker interessiert dabei noch die Tatsache, daß Conan Doyle schon das Dperiercn der U-Boote mit Geschützen vorausgesehen hat. Das prophetische Genmt des Engländers erhellt überdies«cht auffällig auch aus einer Wendung, in der der nordische U-Boot- Kommandant zu dem nachdenklichen Schluß kommt:„Himmel, in welcher Lage wäre England einem Feinde gegenüber gewesen, der über 30 oder 40 U-Boote verfügt hättet" Wie eine in diesen Tagen geschriebene Anklage gegen die poli- tischen Machthaber an der Themse liest sich eine Sclbstbetrachtung des Doyleschen Helden, in der die letzte Absicht des Verfassers mit seiner Schrift sehr deutlich zum Ausdruck kommt:„Die wirklichen Sünder waren die Führer, die nie begriffen hatten, daß ei» Eng- land, das sich nicht vom Ertrage seines Bodens zu ernähren vcr- mag oder wenigstens einen Tunnel nach dem Festlands besitzt, durch den Lebensmittel herbeigeschafft werden können, all die Riesen- summen für Heer und Flotte umsonst ausgibt, solange der Feind nur einige Unterseeboote besitzt und Männer, die sie zu handhaben verstehen. England war oft löricht gewesen— und unbestraft geblieben. Diesmal Ivar es töricht— und mußte den vollen Preis bezahlen." Und an einer andcixn Stelle sagt der Kapitän Sirius: „Simpler Menschenverstand aber hätte den Engländern sagen müssen, daß der Feind sich derjenigen Kriegsmittel bedienen loiirde, die am sichersten zum Ziele führen mußten— und daß er nicht lange fragen würde, ob diese Mittel auch erlaubt seien." Mit ehrlicher Ueberraschung stößt man schließlich in der pro- phctischen Erzählung des Engländers ans einen Hinweis in die Zukunft, in der nichts Geringeres als unsere Handels-U-Boote vor- geahnt erscheinen:„Tie Bereicherung unserer Handelsflotte durch den Bau einer großen Zahl von Untcrwasscrfahrzcngen, die vor- züglich für Lebcnsmittclverfrachtnng einzurichten wären, erscheint uns als eine völlig neue und aufmerksam ins Auge zu fassende Maßnahme.. Die Erzählung Doyles war vor ihrer Veröffentlichung einer Reihe von Sachverständigen vorgelegt worden, die in kürzeren oder längeren Aeutzerungen zu dem von Doyle geschilderten U-Boot- Krieg Stellung nahmen. Auch diese Gutachten haben heute aktuelles Interesse. ?ldmiral Charles Beresford, der vor einigen Wochen schon auf die wachsende U-Boot-Gefahr hingewiesen hatte, meinte, daß Eng- land sich nicht eher sicher fühlen dürfte, ehe das Land nicht im ans- reichenden Maße mit Kornspeichern ausgestattet worden sei. Ad- miral Domville bezeickncte die der Erzählung als Grundlage die- ncnde Annahme, daß Unterseeboote ohne begleitende Vorratschiffe so lange in See und opc rationsfähig erhalten werden können, als durchaus unwahrscheinlich und in das Gebiet der Iulcs-Verniadcn gehörig und hat sich damit als Fachmann viel weniger weitblickend erwiesen als der Laie Doyle. Auch der Admiral C. C. Fitzgerald ist der Ansicht, daß die großen Massen des Volkes die bedeutende» technischen UnWahrscheinlichkeiten in der Erzählung nicht verkennen würden. Admiral Henderson wird sein Urteil, daß große Schiffe nicht so rasch zum Sinken zu bringen seien, durch die Ereignisse des Krieges zu korrigieren gezwungen worden sein; auch seine weitere Ansicht, daß das Torpedo die einzig wirksame Untersce- bootwaffe darstelle, wird er heute nicht mehr aufrecht erhalten wallen. Admiral Sir William Kennedy muß einräumen, daß man auch von feiten ganz weniger kühn geführter Unterseeboote recht empfindlichen Sölden zu gewärtigen hätte, che es gelingen würde, sie unschädlich zu machen, und Admiral Sir Eduard Sehmour meint vorahnend, daß die Unterseeboote der Erzählung nach seiner An- ficht kaum mehr vollbringen, als was sie— wenn tüchtig vom Glück begünsttgt— tatsächlich leisten könnten. Als guter Prophet endlich zeigt sich in seinem Gutachten über die Erzählung Conan Doyles der bekannte englische Marineschriftsteller Arnold White. wenn er sein Urteil wie folgt zusammenfaßt:„Da alle kleineren Mächte England freundlich gesinnt sind, so dürfte die Gefahr, wenn sie an uns herantritt, eher von einer Großmacht komme», die auch eigenen Ucbcrsechandel ,zil beschützen hat... Gleichwohl kann biete Erzählung nicht verfehlen, uns sehr nachdenklich zu stimmen." �(z) F. M. veuische Seemannssprache. Aus Flandern wird geschrieben: Kuli? Ist daS nicht die Bezeichnung für irgendeinen ostasiatiichen Arbeitstnann, der sich zu den niedrigsten Arbeiten verdingt? Mag sein: hier ist der Matrose gemeint, der deutsche Mariner, der sick selbst diesen Titel beigelegt hat und darailf sogar stolz ist. Um das zu verstehen, muß man etwas von dem Wortschatze unserer blauen Jungen kennen, einem Wortreichtum, der in dem großen Wellkriege eine ungemein große Bereicherung erfahren hat. SalonnuSdrücke sind eS natürlich nicht, die der„Knli" liebt; nach See- mannSart ist feine Spruche derb, aber dabei immer von gesundem Humor umstrahlt. So führt das Kriegsschiff bei ihm den Namen.Scheuerprahm",»teil die militärische Ordnung ein fort- währendes Reinmachen mid Scheuern verlangt. Die Schiffe ordnet er ein als„oller Pou",„Schliekrutscher" oder„seiner Kahn". Die Bedeiltnng dieser Worte ist ahne weiteres erkennbar. Ein U-Boot kleineren Typs tst ein Wasierfloh, die größeren sind Wcltrosie. Das Torpedoboot ist eine Konservenbüchse. Ruch die Kameraden niederen und höheren Ranges müssen sich allerhand Kosenamen gefallen lassen. AnS dem Heizer wird ein Schwarzkünstler oder ein Stocher, der Maschinist trägt die ehrende Bezeichnung Oelprinz. Der Maschiuistenmaat, der häufig einen NeinignngSlappen ouS Twist ge- branchi, ivird zum Twistlavpenalrobaien, der Jngenienranwärier zum Delkadetten oder zum Bunkersähnrich. Die seemännischen Fachausdrucke finden naturgemäß eine biet» jeitige Verwendung: das Essen wird„verstaut"; wenn der Matrose sich ankleidet, dann„tokel! er sich ans", wenn er Urlaub hat, dann „schießt er an Land", um zwei Bekannte zu treffen, den„Fetl- tappen"(Schiffskoch) und den„Brieslräger"(da! ist ein Torvcdo- mätrose. so genannt wegen der roten Biese an der Mütze). Von zwei übereinandersiehei'.den Betten heißt da? untere da-Z U-Boot, das obere das Luftschiff. Die Hängematte ist der Wigwam des Matrosen oder sein Schlafschlauch, sein Zeppelin oder feine Duft» rolle. Das bekannte Unterseebootbebeschiff Vulkan ist von dem Mariner mit liebevollem Verständnis für die Eigenart diese? Schiffes .Hebamme" getauft worden. Bekommt der Matrose Marmelade ausgehändigt,' so redet er respcltlo« von MarSsiangenschmiere. Hering tnir Pellkartoffeln, ein gewiß nichl zu verachtende? Gericht, ist für den Mariner ein Unterseeboot mit Handgranaten. Die See- min« ist snr ihn die Seezwiebel, und die fliegenden Gerüchte, bei dem Feldheere„Parolen" genanm, bezeichnet der Seemann tml „SallionSzcitung".___ W Das amerikanische �anökriegsjchiff. Da? Land der Friedensapostel, das bemüht ist, unsere Feinde zwecks schnellster Beendigung des Krieges mit der größtmöglichen Menge an Munition zu versorgen, ist im Erfinden von M ord» werkzengen eigenster Alt recht rührig. ES ist noch in frischer Erilinerüng, lote eine amerikanische Munitionsfavrik in offenen Prospekten ihre Elfindung mit Gift gefüllter Granaten anpries. Aber mit solchen Kleinigkeiten kann sich die kühne Pbantasie henie nicht mehr abgeben. Die Zeitschrlfr„Dentichland zur See" bringt Abbildlingeil des Landkriegsschisfes, einer amerika» nischen Zukunftsphantasie, deren Erfinder der amerikanische Ingenieur Frank Schuiiiat!» ist. Dieses Landkriegsschiff stellt eine Bereinigung de? Sichelwagens der Alten mit dein Riesenschlachtschiff unserer liioderneii Zeit dar. Nach Ansicht de-Z Erfinders verdient unter allen Mitteln, dl- die Technik dem Schlachtengott zur Verfügung stellt, nur da? Kriegsschiff die Berechtigung, den Ehrennamen Maschine zu führen. Denn nur da? Kriegsschiff betreibt den Massen» inord deZ Gegners im Großbetrieb. Warum soll aber nur das Wasser den Vorzug dieses Großbetriebes haben?— Ter kühne Gedanke ließ den guten Amerikaner nicht ruhen, und er stellte in seiner Phantasie da? KriegSseeschiff auf Räder. Wie die Ab- bildnngen zeigen, hat das Landlriegsschiff drei Räder, zwei Lausräder und«in Steuerrad. Die Laulräder babrn einen Durchmesser von 60 Metern und können anstandslos Waldungen oder bewohnte Orte oder was ihnen sonst noch hinderlich in den Weg käme, einfach niederstampfen. Aus einem Gitierträger von 100 Meter Spannweite befindet sich die AntriebSmaschine. Selbst- verständlich werden Geschütze und anderes nicht fehlen. Auch ist zwischen den Lausräderu eine Art von Harke befestigt, ote da? zer- stören soll, Iva? die Lanfrädcr»ock übrig ließen. Die Abbildiinz zeigt da? Landkriegsschiff bei der Zersiöriiiig einer Industrie- siadt und beini Durchgueren eines Flusses. Selbstverständlich ist der Erfinder auch davon überzeugt, daß es irgendwelche Abwehrmittel gegen sein LaudkriegSschiff nicht giln. Wir glauben, daß die Frage der Abwehrmittel zunächst noch ruhen kann, denn vorläufig ist das Landkriegsschiff nnr ein Phantasiegebilde, mid gegen die Phantast« der Amerikaner dürste eS freilich kaum irgend welche Abwehrnitttel geben.__ N»tize». — M u s i i ch r o n i k. Am Mittwoch, den 28. Februar, 8 Uhr findet in der IeriisalemSkirche ein Konzert de« Jerusalems- Kirchen- choreS siatt. Programm und Eintritt 20 Pf. Winter kalte— 92 u den t od. Die Kälte ist unan- genehm und bringt manche Elscheinilllgeli mit sich, ans die nmii gern verzichten würde. Unr so erfreulicher isi eS, daß sich unter diesen Wirkungen auch eine findet, die ganz nützlich ist. Die überwinternden Mücke» vertragen nämlich die Kälte nicht und erfriere». SSj Der polizeimeifter. Ein russischer Polizeiroman von Gabryrla Zapolska. „ASer eine Bedingung!" Sie seufzte. Auf die„Bedingung" war sie dorbcrcitct und willigte im voraus auf alles ein. Tagejew sah sie mit strengem Blick an. „Setzen Sie sich, jetzt»verden tmr von Geschäften sprechen." Juzia hatte die Empfidung, als hätte ihr jemand eine Kanne kalten Wassers über den Kopf gegossen. Sic war schon einmal in der Sache verwickelt, die mit dem Selbstmord eines Arttllerieoffiziers endigte. Seitdem hatte sie allen Respekt vor„Geschäften". Tagejew, der ihre Furcht bemerkt hatte, fuhr im Väter- lichen Tone fort: „Sie brauchen sich nicht zu ängstigen, diese Geschäfte werden Ihnen Geld einbringen und Ihre Lebensstellung bessern." Er räusperte sich und sprach weiter: „Ich sehe selbst, daß Sie weder zu einem Dienst- mädchcn, noch zu einer Kellnerin geschaffen sind. Sic haben Verstand und Spürsinn. Das muß etwaS einbringen. Indessen vergeuden Sie Ihre Gottesgaben. lassen sich in einer Kneipe ausnutzeü, trinken mit jedem hergelaufenen Kerl Schnaps und Kognak und ruinieren Ihre Gesundheit." „Das ist es ja eben!" sagte Juzia seufzend. „Aber das hat keinen Sinn! Sie müssen an sich denken l Ein kleines Vermögen sparen, unr ein eigenes Geschäft zu gründen I" Juzias Augen leuchteten. „Man hat auch ein ganz anderes Ansehen in der Welt," fuhr Tagejew fort,„wenn man sich etwas erspart hat. So aber, ehe man sich versieht, ist die Jugend vorbei, ein für allemal. Ich werde Ihnen Gelegenheit verschaffen, Geld zu verdienen." „Wirklich!" rief Juzia erregt. „Sie werden weiter bei Horskis bleiben!" Juzi» fiel aus alle«.Himmeln. „Aber Herr Polizeimcister", stammelte sie betrübt. „Sachte! Sie bleiben bei Horskis, aber anstatt Markowski zu erzählen, was im Hause vorgeht, werden Sie direkt zu mir kommen und alles" berichten." Juzia schwieg. Bange Angst begann in ihr zu er- wachen. „Was hat Ihnen Markowski für diese Dienste ge- zahlt?" „Gott behüte, ich habe es aus Freundschaft getan!" „Nun, ich will Ihnen jedesmal zahlen. Aber Sie müssen genau aufpaffen und die ganze Wahrheit sagen, denn Sie bekommen dafür Geld. Ich werde Ihnen wöchentlich zahlen, je nachdem Sie mtt etwas Wichtiges berichteil werden." Juzia ließ den Kopf sinken� Sie wußte jetzt, daß Tagejew ihr die Stelle eines bezahlten Spitzels anbot. Das empörte sie und vollzog in ihr eine plötzliche Wandlung. Angst und Grauen erfaßte sie. Es schien ihr, als tauche sie in Schlamm unter, aus dem sie vergeblich die Hände nach Retttmg aus- streckte. Aber Tagejew erklärte sich ihr Schweigen anders. „ES handelt sich hier nicht nnr um das, was über mich ilild die" Polizei gesprochen und gegen uns im Schilde ge- führt wird," sagte er vertraulich,„sondern noch um etwa? anderes." Er rückte seinen Stuhl noch näher heran, schnappte nach Luft und begann fast flüsternd: „Gestern ist der junge Horski, cin Gymnasiast, gekommen, nicht ipahr V" „Jawohl!" „Sie müssen nun genau acht geben, mit wein her junge Mann i« der Stadt verkehrt, was er liest und tvas er schreibt...' Sie verstehen schon? Sie nehmen ganz vor- sichttg einen Brief oder ein Buch nnd bringen es mir für einen Augenblick her... Ich sehe eS durch und gebe eS Ihnen sofort wieder. Kein Mensch wird etwas merken. Ich bezahle Sic dafür und später,»venu Sie uns einen wichtigen Dienst geleistet haben, sollen Sie nach Warschau reisen. Ich werde Sie weitercmpfehlcn, und Ihre Karriere ist gemacht. Das Geld wird Ihnen von allen Seiten zufliegen, bei Gott!" Juzia saß noch immer, den Kopf über die Brust gesenkt. da und blickte düster vor sich hin. Schließlich faßte sie Mut und stammelte: „Herr Polizeimeistcr, Sie wollen also, daß ich unter die Spitzel gehe?" Tagejew räusperte sich. „Deich ein Wort!... Der rechtmäßigen Regierung ge fällig sein, heißt nicht Spitzeldienste leisten. Wie kommen Sie aus"solch ein häßliches Wort?" Er kniff die Augen zusammen und sah das Mädchcn unruhig an. Ihre Wangen glühten, sie rieb nervös ihre Finger. „Tie Cholera soll mich ans der stelle töten!" rief sie plötzlich,„das kann ich nicht!" „Warum nicht?" fragte Tagejew mit wütendem Gesicht. Juzia fing an zu schluchzen: „Ich kann nicht! Ich kllnn nicht I" „Schweig I" brüllte Tagejew,„solch ein dunnncs Vieh! Heult wie ein Hund!" Bei dieser Drohung verstummte Juzia, aber sie zog ihr Kopstuch vor das Gesicht und Iveiute leise tveitex. „Du verstehst nicht zu gehorchen? Willst dich der Be- Hörde widersetzen?" flüsterte Tagejeto, indem er auf sie zutrat. „Herr Polizeimeister!" „Du dummes Frauenzimmer! Ich spreche mit dir wie mit einen» Menschen und du willst nicht, du Luder?" „Ich will kein Spitzel fein!" „Schön, dann sollst du etwas anderes sein!" Er ging zum Schreibtisch, der in der Ecke des Salons. stand, öffnete eine Schublade und nahm eine Anzahl kleiner Bücher heraus. „Weißt du. was für ein Büchlein das ist?" fragte er, indem er Juzia eins zeigte. Dem Mädchen stand das Herz still. „Jesus Maria!" stöhnte sie taumelnd. „Da hilft kein Jesus Maria, wenn ich dich hier einschreibe. Nichts wird dir helfen? Du wirst dich jede Woche mit den anderen melden müssen!" Das Gespenst der gestempelten Prostitution, jenes furcht- bare Gespenst, vor dem sich die elendeste Dirne verkriecht. entstieg jenem furchtbaren Buch, das Tagejew Juzia cnt- gegeuhielt. „Wie heißt du?" Er öffnete das Buch und nahm die Feder zur Hand. Juzia brach in die Knie. „Herr Polizeimeister I" stammelte sie mit bleichen Lippen. „erbarmen Sie sich! Ich bi« doch keine Verlorene... Sie stürzen mich ins Verderben! Man wird mich in keinem Lokal mehr annehmen wollen!" „Wie heißt du?" „Herr Polizeimeister I" Sic war leichenblaß.(Forts, folgt.) •Pirett-ioii Uas R einliardt: Deutsches Theater. 7'/. Uir: I>aii*ons Tud. Kammerspiele. Tl, Uhr: I>n« Konzert. Vclksbülme, SC" T'/i Dhr; � eh lieHi, der IMg-r! Theater i. d. Königgratzersfr. Dir. C. Meinhard- R. Bernauer. T1/. Uhr: Krdeeiat. Komödienhaus 71;, Uhr: Die verlorene Tochter. SerSiner Theater 720 Uhr;»i< tolle KointelS. Theater für Mittwoch, 28. Februar. Deutsches Opernhaus, Charlottenb, � Uhr- Sie toten Äugen. Friedrich-Wilhclmstädt, Theater. tuv.: Das Oreimäderlhaüs. Sessing-Theater. Direktion; Victor Barnowsky. t'/.xt.: Komödie der Worte. Donneratag: Komödie der Worte. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 7>/, Uhr: Der Reiaclirslulter. URANIA'"SÄ4*" 4 Uhr(halbe Preise); Im U-Boot gegen den Feind. 8 Uhr: Dr. Pnnl Rohrbach: Der deutsche Oedanke in der Welt. Kleines Theater Teiler Baiiii derSabimieii. Komische Oper v/,u.: Der Puszta-Kavaiier. Lustspielhaus t'/i u.; Die schöne Kubanerin. Metropol-Theater icuMtn.; Die Csardasiürstin. Neues Operettenhaus Schiffbd. tu. Kas.-entel.: Xord. 281, u.: Oer Soldat der Marie. «ehr. Herrnfeld- Theater TJ,U.: IherÄtolzt»q»un» OiLMilüliöüsSlZlÜ i. 1 Vorsp, u. 4 1 ki. v. Paula Busch Vorh. das gr. Zirkaeprsgramiii. Vorterkmi T tä»!icii ab 10 Uhr, für Sonnab. u. Sonntag imiaer bereits üb ITonnci-nix, Zirkus A. Schumann Einlaß 7 Uhr. Anfang1?1� Uhr. Heute und täglich Die prächtige Ansstattüngä- Pantoiniine Die Seeräuber. in 4 Aki.u mit dem märuhenbaften I'rankalit u. d. grandies SehhiBopetheese Route zum letzten Male Das glitnzanffc große Febrnar-prosrainin. | Mehlis Koehzeitsreise Aegypt. Burleske in 7 Bildern. Musik von Bizot. Inszenierung V. Max Reinhardt. Hans VVassmann a. 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Weddiiig: I, Hönisch, Miillerstr. 34». Ecke Nlrechler Stratze(Laden). Geöffnet von II— 150 und von 4,4— 7 Uhr. Ztoseiithaler und Oranieuburger Bönstadt: A. Wolgast, Wattstr. 9. Geöffnet von 11—154 und von 4>4— 7 Uhr. «efuadbnmnen; Fischer. Bastranstr. 6(Laden). Geöffnet von 11— 1H unb von 454— 7 llbv. Echörchanser Vorstadt: Karl Mars,»reisonhagoner Siratze 22.«e- öffnet von II— U4 unb Zeitungs-Ausgadeftellen und Jnseraten-Anuahme. Geöffnet I"'*■— 46. von 454—7 Uhr, «dlerbhos:? e u e x st ein. Bisniarckstr. 82, Alt-Allenicke, Fatteuderg: W i l h e I ni D ü r r«, Friedrichstr. Vaumlchuleiiwig: H. Hornig, Marienlhaler Straß« 18. l. Bernau. Röutgental. Zepernick. Schönow. Schönbrück und Buch: Htzinrsi? B r» s e, Mühlenstr. S(Laden). „Paradies" 1. Ge- Bohnsdorf: Schleffler, Prlvatstrahe, GeitosienschaftShauS„P Charlotteitbnrg: Gustav Schar nberg, Scfenheimer Stratze öffnet von 11— U4 und von 454—7 Uhr.. Eichwalde, Schmöckwitz, Zeuthen, MierSdors: Otzkar Mahle, Grünauer Stratze 37, stzredersborf-Peiershogen: Stellmacher, Peterkhagen, Friedenau, Steglitz. SLdeade: H. A e r n. s e e. Alsenstr. S in Steglitz. Ge- öffnet von 11— 154 und von 454— 7 Uhr FriedrichShag-n. Fichtenau.»ahnSdors. Tchöneohe. Klei«- Schöuebrck: Ernst Werklnann, Fri«rich�agen, Köpemcher Strotze 18. Grii»a«: Franz Klein, Friedrichstr. Kb ZohouuiSthol. Rudow: Maj G o n f ch U r, Oarfftr. 23. Karlshorst: Hermann St Hing, Souhoftftx. 28. SönigS-Wusterhanlen. Wildau, Riederlehme: Friedrich Baumann, Luckenwaider Stratze 5. Köpeuick: E m i l 2S i tz l e r, Kietzer Strotze 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr,_._...„ Lichtenberg X, griedrichöfeld«, Sohenschönhauscn: Otto Serkrl, Warten» bergstratz« 1(Laden). Geöffnet von 11— 154 und von 454-— 7 Uhr. Lichte«b«rg 11, RnmmelSburg. Stralau: R. Rosenkran,. Alt-! Box- bogen' 56, Geöffnet von?1— Iii«nb bon 454— 7 Uhr, «ahwdorf, KaniSdors. Btegdoch P. Hetzberg. Kanlsdorf, Ferdinand stratze 17, Biaricudors. Marienselde: August 5> c i p, Lhausieestr. 22. Reukäll«: Pi. Heinrich, Neckarslr. 2(Laden). Geöffnet von 11—154 und von 454—7 Ubr. ReukSlln-Britz: R» h r, Siegfriedstr. SS/29. von Ahr, Geöffnet von 11—154 und Ntederschöneweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, IL Nowowes: Karl Krähnberg, Eisenbahnstr. ID. Obcrfchäneweide: Otto Freidan!, Bismarckstr. 25, l. Pankow, Riedeilchönhaipen, Nordend, Fraup-Biichbolt. Lla Ulenburg: R i tz m a n n, Mühlenstr, 3D. Geöffnet von 11— 154 unb von 454 bis 7 Ubr, Reinickendorf Ost. Wilhelmsruh und Schönholz: P. Guzsch. Prodi nz- f trotzt 66 tiobrit). Geöffnet von 11—154 und 454— J Uhu Schenleadorf bei Sonigs-Wnsterhaufen: Chr. Hastfchke, Dorfitr. In. Schönederg: Wilde Im Baumler, Mrrnarger Stvatze 9(Laden.!. Stratze t Geöffnet von Hen-Rm«»- Geöfsnet von 11—154 und von 454— 7 Uhr. Spandau, Zkonnendamm: Schumacher, Preile 8 Ubr morgens bis 8 Uhr abends.. Tegel, Boiiialoalde. Bittenau, VoidmannSlpft, HermSdors, Hohen-Ra " dorf, Birkenwerder, Frei« Scholl« und Reimckendors-West: Paul .K i e« o st. Borsigwalde, Nauschstr. 10. Geöffnet von 11—154 und von 451— 7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2._. Tempelhof: R u d. Neckerma»», Kaiser-Wisbeltn-Stratz« 74. Treptow: R o b. Gramen», Ktefholzstr. 411(Laden), veoffn«! vou 7 Uhr morgens bis 6 Uhr adands, �__ «eineaf-e, Seinoetzdors: Vnst. Botzkopf, Mee 11. 7?i!mcr54otf, Halens««, Schmargendorf: Paul Schubert, Ntlhelnv." aue 27. Zoffen: Fr. Ratsch. Berliner Stratze 24. Sämtliche Parteiliterawr sowie alle wisienschaMche« Werke weri>«t geliefert. So»» tag« sind die«nsgabritellen GeWoGeg.