Ar. 60. 34. Jahrg. fiftomicmcnts-Bcdingungcn: Klonncrnentä• PreiZ ftönuraerottho Simcijdbtl SÄ) St!, monatl LSO Ml, KÖmcnll:® SO 5Jrg. rrci ms feaaS. einzeln? Stammet 5 Pfg Scntuo«®. miminei uiil inuftticuet SonniogS- Scilag?.Die Neue Well' 10 Pig Kofi- Abonnement' l.ZO Star! Wo Monat ttinaettoBeti in die Loii-Zeltunzs- SreiSftfte llntet ftteuzbanS rät Deunchiun» und Delimeid)• Ungarn 2,00 Mar!, rät das übrige Ausland « S!arl wo Monat LoflabonnemenlS »sbmen an Belgien, Tänemar!, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweig. enldcim UaitA. 5 Pfennig) Die Tnlertiens-GeWftf betrügt iüt die sechsgeränltene Rotonel« zeile oder deren Raunt 80 Mg-, lür doliiilche und gewerli6taftliche BercinS- und Vcrsammlüngs- Anzeige» ZO Psg. »blt-in- Znreigen", das iettgedruckte Wort 20 Pfg,(zuliisfig 2 fettgedruckte Woriei, jedes weitere Wort 10 Psg. Eiellengefuche und Schlafitcllenmi- zeigen das erste Watt lO Ptz„ jedes »euere Wort KPfg, Worte über lö Buch» stat t n zählen für zwei Worte. Itneraie lür die nächste Zlumnter müste» dl» l» lllir nachniittags in der lixpedition »dgegeden werden. Die Exbodillon ist ditl 7 Uhr abend» geöffnet. Verlinev Volksblnkt. � Zentralorgan der fozialdeinokrattfdbeii Parte» Deutfcblands. Delegramm-Adresse: �oualdtingKrat RerHs". WS Redoftion: EW. 08, Linöenftratze Z. Aern>vrecher: Ami Moritzpla«, Str.»SI SO—»äl S7. Freitag, de« Ä. März IvIT'. Expedition: EW. 88» Ändenstroße Z. Ztzernivrechrr: Am» Moritzpla«. Nr. 15X90-15197. Ö-Boot-Hrbeit im jMittetmeer. planmäßige Verlegung der Hncre- Stellungen. Cn lifche Angriffe bei Le Transloy und Sailly— Vernichtungsfeuer westlich der Maas— Ruffifcher Angriff an der Vateputna- Strafte— Sereth»nd Cerna. Amtlich. Großes»auptauarticr, den 1. März 1917.|W. T.».) , Westlicher Krieg»schai»plah. Auf beidci» Ancre-Uferi, ist vor einer Reihe von Tagen aus besonderen Gründen ein Teil unserer vorderen tZtellungeu frei- willig»nd plangemnst geräumt und die Verteidigung in eine andere vorbereitete Linie gelegt worden. Dem Gegner blieb unsere Bewegniig verborgen: umsichtig handelnde Nachhutpofie« verhinderte» seine vur zögernd vor- siihlenden Truppen im kampslosrr Bestt'nahmc des von uns auf- gegebenen, zerschossenen GeläodestreiscoS. Bei überlegenem An- griff befehlsgemäß ausweichend, fügten diese schwachen Ab- lrilunge» dem Feiude erhebliche blutige Verluste zu, nahmen ihm bis jetzt 1l Offiziere, 171 Viann als Gesangeue und vier Maschinengewehre ob und beherrschen noch heute das Lirfeld ussrrcr Stellungen. Nach starkem Zcuer griffen in den gen: Pen Morgenstunden ______ Tier Angriff fcheltertc bei Lc TranSloy vor dem Hindernis, bei Iaillp, wo er auch nachts wiederholt wurde, im Rahkampf, Eingedrungener stcind wurde unter Einbuße von 20 Gefangenen im Gegenstoß geworfen; au zwei räumlich eng begrenzten Stellen find englische Schüven-Refter entstanden. Auf dem Westufrr der MaaS bereitete fich morgens ein französischer Stoß vor; unser Brrnichtnngsfeurr vereitelte seine Durchführung. Q östlicher Kriegsschauplast. Front de? Gcneralfeldmarfchallt Prinz Leopold von Bayern. Nichts Wesentliches. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Bei starkem Schneefall war in de« Waldlarpathcn nur auf den Höhen östlich der Bistritz das Gcschützfeucr lebhaft. Nörd- lich der Balcputna-Straße griff der Russe am Morgen nochmals dir von uns genommeneu Stellungen vergeblich an. Am Slanic- und Djtez Tal wurden kleinere Vorstöße, auf den Höhen zwischen Sufita- und Putna-Tal Angriffe pörkerrr Kräfte abgewiesen. HeereSgru'ppe. des GencralfeldmarschallS von Mackensen. Russische Streitkommandos find bei Faurri iuördlich von Forsaui) und bei Eorbul am Sereth vertrieben worden. Mazedonische Front. Keine besonderen Ereignisse. Bei Abweisung de» italienischen Angriffe östlich von Para- lovo im Genta. Sogen sind 5 Offiziere vnd 31 Mann gefangen in unserer Hand geblieben. Der Erste Geueralauartiermeister. Ludendorff.' fibenübericht. Amtlich. Berlin, de» 1. März. Abends. O estlich von Touchez ist ein starker eng- lischer Angriff gescheitert; sonst ist von der West- front und ans dem Osten nichts Wesentliches gemeldet. * der öjlerreichische öericht. Wie». 1. März 1917.(W. T. B.> Amtlich wird vcrlautbart: festlicher Kriegsschauplatz. HeereSfront des Generalfeld uiarfchaliS von Slackrnfe» Westlich derBazanMündung und an der Bahn»örd- lich F aar ei find feindliche Vorstöße gescheitert. Her rr» front»«S Genes«lob erst Erzherzog Joseph. Ein im Susita- Abschuitt nach stärkerer Artillerievorbereitung angesetzter heftiger rnmänischer Angriff wurde im Nahknmpf ganz abgeschlagen. Nordöstlich von Dorna Watra wurde eine russische Kam- Paguie überfallen und zersprengt. Ein neuerlicher Borstoß gegen unsere Mestekanesti Stellung blieb erfolglos. Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Stellenweise erhöhte Artillcrietätigkcit, Italienischer Kriegsschauplast. Der Artilleriekampf war au einzelnen Abschnitten der küsteuländischen Front, dann am P l ö ck r« und am Tun ale-Paß lebhafter. Nordwestlich von T o l m e i« brachte eine Patrouille des Jnfanterie-RegimentS Rr, 80 au? den feindlichen Gräben nächst G a i r i j e 14 Gefangene. Im Gebiet des Monte Z e b i o drangen Sturmpatrouilleu des k. k. Lnndwchr-Jnsaiitorie-Rcgi- meutS Rr. 3 durch Schncc-Tuuuel in die italienische Stellung ein, zerstörten diese»nd fügten dem Feinde beträchtliche blutige Verluste zu. Südöstlicher Kriegsschanplast. Keine nennenswerte Kampftätigtrit. Ter Stellvertreter des GhesS des Generalstabes von Hoefer, Keldmarschalleutnant. Moderne Zeudalgesetzgebung. Von Robert Leiner t. Des preußische Justiz- und der Landwirtschaftsminister legten 1311 dein Landtage einen F i d e i k o m ttt i ß g e s e tz* e n t w u r f vor, der vom Herrenhause mit verschiedenen Aenderungen angenonimen und im Abgeordnetenhause ernet: langen Beratung in der Kommission unterzogen wurde. Nach Ausbruch des Krieges wurde die Weiterberatung dieser Vor- läge aus burgfriedlichen Rücksichten aufgegeben, und durch Schluß der Landtagssession 1915 siel der Entwurf ganz unter den Tisch., Die beiden Minister haben während des Krieges zur Be- kämpfung des Wuchers und Schaffung einer vernünftigen Er- näbrungspolitik beide Hände voll zu tun; trotzdem fanden sie noch Zeit, einen neue nGesetzentwurfüberFi der- k o m m i s s e auszuarbeiten und haben auch �ur Beratung in langen Kommissionssitzungen viele Regterungsvertreter übrig. Tie Rücksichten des Burgfriedens schob die Regierung selbst beiseite und bestebt auf Durchberatung des im Januar dieses Jahres dem Abgcordnetcnhause vorgelegten Gescheut- Wurfes. Fideikommifse sind Stiftungen, in Grundbesitz für eine Familie, welche nach bestimmter Erbfolge in der Familie vererbt werden und von dent derzeitigen Besitzer nicht veräußer t werden können. Bei der Erbteilnng bleibt das Ftdeikomnriß- vermögen ungeteilt und gebt auf den Erbberechtigten im Mannesstomm über, der seinerseits die gesamten Einkünfte als sein p e r s ö nl i ch e s ,Eint'ommen erhält. An die Erb- folge können besondere Bedingungen geknüpft wetden, ohne deren Erfüllung der Besitz nicht angetreten werden kann. Schreibt die Stiftungsurkunde z. B. vor, daß der Inhaber des Kideikommisses nur eine adelige Heirat eingehen darf, so fällt dos Fideikommiß bei Nichterfüllung dieser Bedingung an den nächsten Anwärter. Der Fideikommißbesitzer darf das Gut nicht ohne Zustimmung der Familie belasten, er mutz alle Lasten tragen, die notwendige Reparatur vornehmen und darf es frei bewirtschaften, ober niemals verschlechtern. Seinem Nachfolger muß er es in unversehrtem Zustande überlassen. Den übrigen Familienmitgliedern steht das Recht der lieber- wvckung der Stistungsbedingimgen. Inventarisierung. Sichcrstellung und Rcchnungsablage zu. Das Gut hastet nicht für Ähulden des Fideikammißbesitzers. Macht er leicht- sinnigerweise'Schulden, so können nur die Einkünfte aus dem Gut gepfändet werden und auch nur solange, wie der Besitzer das Gut im Besitze hat. Uebergibt er es dem, Nachfolger, so gehen auch alle Einnahnien aus den Nachfolger über, der da- mit keine Pflicht übernimmt, die Schulden des Vorbositzcrs, also seines Baters, zn tilgen. Nehmen wir noch hinzu, daß die Familie durch Beschluß die Erbberechtigung ausschließen kann wegen nicht stand es gemäßer Geburt, daß auch Familienmitglieder aus der Familie ausgeschlossen werden können, daß sogar der F a- inilie im Gegensatz zu dem bürgerlichen Recht die Anfech- tung der Ehrlichkeit zusteht, so wird es vollkommen klar, daß es sich hier um Ausnahmerechte handelt, Der Zweck dieser Ausnahmerechtc erklärt ja auch dos große Interesse der Regie- rung, selbst unter dem Donner der Kanonen in Monatclangen parlamentarischen Verhandlungen das Gesetz Unter Dach und Fach zir brintfen. Die Regierung hält Hie Schaffung der Fideikommifse für nötig, um der„Gefahr" entgegenzutreten, daß der land- und forstwirtschastlickie Grundbesitz unter dem Vordringen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu einem bloßen„Stzekn- lations- und Hmtdelsobjekt" wird. Das Fideikommiß sei ein vorzüglich geeignetes Mittel für die„Erhaltung eines leistungsfähigen Großgrundbesitzes". Das ist natürlich nicht richtig, denn gerade, weil auch ein Trottel aus Grund der Erb- folge Fideikommißbesitzer werden kann und weil die Einnahmen im Verhältnis zur Last überreichlich sind, fällt ein großer Ansporn zur Leistungsfähigkeit von vornherein weg. Aber das ist auch gar nicht der eigentliche Gruud, weshalb die Regierung die Vorlage gemacht hat. Denn eS sollen doch höchstenfalls 13 Prozent des Grund und Bodens mit Ausnahme des Forstgeländes gebunden werden dürfen. 3g Proz. des Bodens bleiben also noch Spekulations- und Handels- objckt. Will die Regierung diesen kapitalistischen Verkäufen entgegentreten, so muß sie den Grund und Boden verstaat- lichcn und ihn, soweit sie nicht Selbstbewirtsckgftimg treiben will und kann, verpachten. Wir haben es hier mit politischen Gründen zu tun. Das sägt die Begründung auch ganz often mit diesen Borten: „Die Erbalwng emep sachgemäß bewirtschafteten Großgrmw- besitzes ist aber, abgesehen davon, daß der Groß* grnndbesitz dem Staate tvertvollc Kraft« fstt: Ueber 48000 Tonnen im Mittelmeer versenkt. VierDransportdampfer— PÄSVO Tonne»»— in 8 Tagen. Amtlich. B r r l i», 1. März 1317. Im Tperrgebitzt des Mittelmcers wurden von unseren Unterseebooten versenkt: Am 17. Februar südlich von Malta ein vollbe- l a d c n e r, ostwärts steuernder Transportdampser von etwa 93 33 T o u« e n, am 23. Februar ein vollbesetzter, von Bcglcitfahrzeugen gesicherter Truppcutraus- p�ortdampfer von etwa 5333 Touncv, am gleichen Tage ciu beladener, ebenfalls begleiteter Transport- d a nl p f c r von etwa 5339 Tonnen und am 2-1. Februar der bewaffnete Truppeutrausportdampfcr Do- rot h h von 4494 Tonnen mit etpa 533 Mann Kolonial- truppca, Artillerie und Pferden an Bord. Ein Teil der Truppen ist ertrunken. Der Chef des Admiralstabs der Marine. .* Amtlich. Berlin, 1. März 1917. Außer den be- kanntgegebcncu Tranöportdanlpfcrn wurden von unseren Unterseebooten in den letzten Tagen im Mittclmecr noch 13 Iahrzeuge mit insgesamt 2S1Hb Tonnen versenkt. Darunter der italienische Dampfer L Z c a n i a 14217 Tonnen) mit Weizen von Amerika naö» Italien, der versteckt bewaffnete englische Dampfer Korso 13234 Tonnen) mit 5333 Tonnen Manganerz, Lei ncuwaren und Baumwolle von Bombay nach Hull, der bewaffnete italienische Dampfer P r n. denzn(3337 Tonnen), mit Malz von Argentinien nach Italien, der schwedische Dampfer Skogland(2933 Tonnen), mit Kohlen von Norfolk nach Neapel, der g r i c- chische Dampfer Prikonisos(3337 Tonnen), ans dem Wege von Saloniki nach Algier. die Räumung Oer fincre-Keilstellung. Die Räumung der Stellungen beiderseits der Ancre, die der heutige deutsche Heeresbericht als planmäßig gewollt bezeichnet, kam einigen Kreisen der Presse nicht überraschend. Sie waren seit dem '20. Februar über die sich vollziehende Bewegung unterrichtet. Heute, wo die Aktion beendet ist, kann auch das mitgeteilt werden. Im Anschluß an den amtlichen Heeresbericht schreibt der militärische dftir.-Mitarbeiter: Tie Keilftcllung, die unsere Truppen nun schon j seit geraumer Zeit gegen alle beftigen englischen Angriffe in der Linie Le SarS— Grandcourt— Bcaucourt— Serre hielten, bedeutete strategisch eine Frontvcrlängcrung und dadurch in gewisser Weise eine Erschwerung unserer Verteidigung, um so mehr, als die Eng- ländcr an einzelnen Punkten des Keiles die Möglichkeit einer flankierenden Wirkung ihxer Artillerie besaßen. Infolgedessen konnte die bisherige Ancre-Stellung vernünftigerweise nur so lange gehalten werden, als sie größere Verbände des Feindes hier fesselte und dieser in der schrittweisen Eroberung unserer stark ausgebauten Veteidigungsgräbcn starke Aufwendungen an Menschen und Muni- tion machen mußte. Nachdem durch einen solchen Aufwand es der gegnerischen Heeresführung allmählich gelungen war, unsere Gräben vollständig zu zerstören, war für uns der Moment ge- j kommen, die inzwischen in voller Ruhe und mit aller Sorgfalt ausgebauten rückwärtigen Verteidigungslinien zu beziehen. Dieser Rückzug, der nunmehr im GeuMalstabsbericht gemeldet wird, war sowohl in der Anlage sowie in der Durchführung eine mititärische Leistung allerersten Ranfts. bie immer steigenden ff» fordern«gen-frei« williger gemeinnütziger Betätigung, insbe- sondere auf dem Mebiete der Selb st Verwaltung gn führt, aus volkswirtschaftlichen Gründen von entschiedenem Nutzen für das Gemeinwohl." Gewiß kann der j a ch g e m ä ß bennrtschaftete Troß� elruitdbesitz für kleine Besitzer als wertvolles Borbild in der Bewirtschaftung des Landes dienen. Dazu bedarf es aber doch keiner Fideikommisse. die keineswegs ausschließlich als fachgemäß bewirtschafteter Großgrund- b e s i tz zu gelten haben. Wollte man dies herbeifübren, dann dürste nur derjenige ein Fideikommiß übernehmen, der die Gewähr für sachgemäße Belvirtschaftung bietet. Das aber will die Regierung gar nicht: rhr kommt es hauptsächlich aus die„wertvollen Kräfte für die Selbstverwaltung an", d. h. für den Kreistag, Provinziollandtag. für das Herren- baus und andere Staatsstellen. Sie weiß sehr wohl, daß die Fideikominißbesitzer ihren Besitz in vielen Fällen gar nickt selbst verioalten, sondern als Offiziere und dergleichen ledig- lich die Früchte des Fideikommisses vorzebren. Am besten hat das Herrenhausmitglied Fürst zu I a l m- S a l m die Fideikommisse charakterisiert mit der Erklärung: Me Demokratie laufe Sturm gegen die Fidei- kommisse, weil sie in ihnen eine„Stütze der Monarchie" sehen. So fassen die Befürworter dieser Einrichtung das Ganze ans, und da die Regierung sicher weiß, daß nach dein Kriege solche Privilegierung besonderer Staatsstützen nicht mehr möglich sein wird, will sie mitten im Kampfe um Sein oder Nichtsein des Reiches aus alle Fälle aus dm Lande die für sie„wertvollsten Kräfte" für die Verwaltung sich sichern.. Die Fideikommisse sind nicht gemeinnützig, sie entspringen dem krassesten Eigennutz. Sie sind gemeinsckäMick. denn sie saugen den Klein- und Mittclbesitz aus. verhindern die innere Kolonisation und verrammeln dem Tüchtigsten die Bahn zur Vertretung der Allgemeininteressen. Die mit solchen Vorrechten ausgestatteten Kreise sind es auch, die die Arbeiterklasse in ihren politischen Rechten beschränken wollen, denen ein freies Vereins- und das Reichstagswahlrecht ein Greuel ist, und die für Einengung der Freizügigkeit und Aufrecht- erhalsting der Gesindeordnung eintreten. Tiefe reaktionäre. vielfach geistig in der Atmosphäre des Mittelalters lebende dünne Schicht für die Folgezeit tonangebend in der preußischen Bertoaltung zu erhalten, das ist der Zweck des ganzen Gc- fetzes. Im preußischen Abgeordnetenhaufe mühen sich d i c Konservativen und das Zentrum ab, dieses Stück Feudalwirtschaft gegen die Angrisse von links zu verteidigen. Hoffentlich setzt der Reichstag dieser unerhörten Vergeudung parlamentarischer Kraft durch Annahme eines Sperrgesetzes ein Ende. Man kann aber ans der Vorlage dieses Gesetzent- Wurfes auf die preußische Neuorientierung schließen. Der Minister des Innern sagte kürzlich: Der Geist in der Verwaltung muß ein anderer werden! Tarin stimmen chm alle zu, nur gehört dann als erstes dazu, den preußischen Fidei- kommißgeist zu beseitigen. Das wird aber gründlich erst zu erreichen sein, wenn sich das preußische Volk das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht erobert bat. ch Inzwischen sind im Reichstag von Sozialdemokraten und Fortschrittlern zwei Anträge zur Fideikommißgesetzgebung gestellt worden. Der sozialdemokratische Antrag lautet: Tie Begründung und Ausdehnung von Fideikommisse« und Stammgütern ist bis zur Wiederaufhebung dieses Gesetzes, die nicht vor Ablauf von fünf Jahren nach Beendigung des Krieges stattfinden darf, untersagt. Ter Gesetzentwurf der Fortschrittlichen Volkspartei, be- treffend„Die Sperrung der Fideikommiß-Errichtung für die Kriegs- und Uebergangszeit" bat folgenden Wortlaut: Z I. Die Errichtung und Erweiterung von Fideikommissen, auch in Form von Stammgütern, ist bis auf weiteres unzu- lässig. 8 2. Der Landesgesetzgebung bleibt es vorbehalten, frühestens drei Jahre nach Friedensschluß mit den europäischen Großmächten dieses Gesetz für ihr Gebiet außer Geltung zu setzen. Dieser Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei ist auch von der gesamten nationalliberalen Fraktion unterstützt, mit Ausnahme des rechts-nationalliberalen Abge- ordneten H i r s ch- E s s e n. Unter Initiativanträgen versteht man(im Gegensatz zu Regierungsvorlagen) solche, die aus der Mitte des Reichstags eingebracht werden. Natürlich bedürfen sie, um Gesetz zu werden, nicht nur der Annahme im Reichstag, sondern auch der Zustimmung des Bundesrates. Der Annahme im Reichstag dürften die vorliegenden Anträge ziemlich sicher sein. Ueber die Stellung des Bundesrats läßt sich noch nichts sagen: die Vertreter der preußischen Regierung werden ihn wohl bekämpfen, da ja diese selber für die Einbringung des Jideikommißgesetzes verantwortlich ist. Eine etwaige Ablehnung der Anträge durch den Bundesrat dürfte aber kaum ohne weitere politische Folgen bleiben. Der Kampf um Wilsons vollmachten. Auch die neuesten Nachrichten aus Amerika lassen �die Hosinungen der Kriegstreiber erkenngn, daß der Lacoma-Fall das Tempo der Ereignisse ihrem Wollen gemäß beschleunigen werde. Aber Wilson hat. tote gesagt wird, abgelehnt, jetzt auf den Fall einzugehen und Lansing ist mit ihm einig. Sie lassen indes den Laconia-Fall nicht ungenutzt: er'soll ihnen den geplanten Weg der Vorbereitung auf die äußersten Mög- lichkeiten des Konflikts erleichtern. Das nächste Ziel ist die Bewaffnung der Handelsschiffe, und von diesem Ideal sollen zumal die mit der ärgsten Kriegsbannware vollgepfropften Fahrzeuge— die eigentlichen Milliardenschlepper— auf keinen Fall ausgesperrt werden. Erst die Vollmacht, die dieses Ziel betrifft.' und dann die Aussicht auf eine Laconia-Aktion! Mit diesem Winke an den Kongreß drückt Wilson auf die Widerstände, die sich in den Häusern des Parlaments seiner Politik der Vorbereitung auf den Krieg in den Weg stellen. Den Kampf um die Schiffsbewaffnungs- Hill kennzeichnen folgende Nachrichten vom Tage: Washington, 27. Februar. Rentrrmrldiing. Präsident Wilson und da« Staatsdepartement stehen aus dem Standpunkt, daß in der Angelegenheit der Torpedierung der Laconia keine w r i. tere n Schritte getan werde» sollen, bis der Kougresi Gelegenheit gehabthat, de« Präsidenten zurBe- «afsnug der Handelsschiffe zu ermächtigt». Das Kabinett hat besonders darauf hingewiesen, daß ein Borschlag, die Bewaffnung von Schiffen, die Munition transportieren, nicht zu ge- statten, unerwünscht sein würde, da die Schiffe nach dem Bölkrrrecht derartige Ladungen führe« dürfen. Die Kommissionen beider Häuser des Parlaments, die den Entwurf der Bcwaffnungsbill prüfen, haben nämlich einen Vor- schlag dieser Art gemacht. Schiffe, die Munitionsladungen führen, sollen des Rechts auf Bewaffnung verlustig gehen. Wie Reuter meldet, hat die Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten sich im Prinzip mit dem Gesetz einverstanden erklärt, das dem Präsidenten alle geforderten Befugnisse zu- spricht. Anders jedoch ist die Haltung des Repräsentanten» Hauses: Washington, 28. Februar. Reutermeldung. Di« Kommission deS Repräsentantenhauses hat die Bill, durch die der Präsident ermächtigt, wird, Handelsschiffe zu bewaffnen um. stark abgeändert und vor ollem die Regicrungs- Versicherungen für MuuitionSschiffe abgelehnt. Es ist möglich, daß eine Konferenz beider Häuser des Kongresses über die endgültige Form der Bill entscheiden müssen wird. Wilsons Forderung ist also noch nicht über den Berg. Die Gegenströmung, die sie ausgelöst hat, scheint sogar, wenn die„Frankfurter Zeitung" treffend unterrichtet ist, nicht gering. Ihr wird gemeldet;, Rrw Aork, 1. Mörz. Biele Mitglieder des Kongresses und Zeitungen find unzufrieden mit Wilsons Forderung nach unbegrenzter MachtbcfugriS, so daß er wahrscheinlich nur eine begrenzte Vollmacht zur Bewaffnung der Dampfer erhalte» wird, wobei jedoch die Schwierigkeit besteht, daß keine Gcschützbedie- nungen zu erlangen find, wenn die Kriegsmarine dazu nicht Mannschaften abgibt. Alle Zeitungen stimmen darin übcrciu, daß diese Stellungnahme nicht zu einem Kriege führen könne, wenn Teutschland den Krieg nicht etwa wünsche. B r y a n, der in Washington eintraf, forderte seine Anhänger auf, die Bollmachteu deS Präsidenten zu bekämpfen, und tritt gegen die Bewaffnung von MuuitionStranSportschiffen auf. Obwohl die Bersrnkung der Laconia Wilsons Stellung stärkte, ist der Kongreß nach wie vor abgeneigt, ihm unbegrenzte Bollmachteu zu gebe». Der mitgeteilte Beschluß der Repräsentanten-Kommission bestätigt diese Ansicht vorläufig. Wilsons vollmachten-Reüe. Ein Funkspruch des Vertreters von W. T. B. in New Jork vom 26. Februar ergänzt die Reuter- Meldung über Wilsons Rede im Kongreß am 26. Februar nachmittags. Im Anschluß an sein Ersuchen um Bollmachten sprach Wilson cS aus, daß er mit der Gesamtheit seiner verfassungsmäßigen Pflichten und Rechte diese Befugnisse zweifellos schon besitze, daß er aber unter den gegenwärtigen Umständen nicht auf Grund' einer so allgemeinen Bollmacht handeln, sondern fühlen möchte, daß dasAnsehen und die Macht deS Kongresses bej allem, waS er würde tun müssen, hinter ihm st ü n d e n.„Wir find," sagte er,„zusammen Diener des Lölkes und müssen gemeinsam in seinem Sinne handeln, soweit wir ihn er- raten und ausdeuten können." Wilson bezog sich auf die Pflicht. Handel und Lebe» der Amerilancr zu schützen und erklärte, seit es sich un- glücklicherweise als unmöglich erwiesen habe, Amerikas neutrale Rechte gegenüber den unverantwortlichen Beeinträchtigungen durch die Deutschen mit diplomatischen Mitteln zu wahren, dürfte die einzige Art, auf einen etwa eintretenden Notfall.gerüstet zu fem, in der bewaffneten Neutralität bestehen, für die es reichlich Präzedenzfälle in Amerika gebe. Es sei zu hoffen, daß es nicht nötig fein werde, die bewaffnete Macht irgendwo in Tätigkeit zu setzen; das amerikanische Kolk wünsch« das nicht, und, sagte der Präsident,„unser Wunsch ist kein anderer, als der sein ige". Wilson meinte, das Boll werde den Geist, in dem er handele, sicher verstehe»; er sei aber auch ängstlich dar,!« besorgt, daß die Völker der trirgsühreuden Länder Amerika verstünden und ihm nicht mißtrauten. Er wirS auf seine fast drei Jahre lang bewiesene und -auch jetzt noch bestehende Friedensliebe hin und erklärte, er verlange nur die Mittel und die Ermächtigung, daS Recht riueö großen Polles auf friedliches Leben und Handeln in Wirklichkeit zu sicher«; kein Schritt deS Präsidenten oder des Lölkes werde zum Kriege führen, der nur durch willlürliche Handlungen und Angriffe von anderer Seite hätte entstehen können. Da er noch keine Einzelmaßnahmen vorschlagen könne, bitte er, ihm die gewünschte Ermächtigung in möglichst all- gemeinen Ausdrücken zu erteilen. Er«erde jeden- fallS mit Zurückhaltung, vorsichtig und in freund- schaftlichem und aufrichtigem Grifte handeln. In diesem Sinne bitte er um die Ermächtigung zur Bewaffnung der Handelsschiffe und um einen Kredit hierfür und für ihre Bcrficherung gegen Kriegsgefahren. Der Präsident schloß mit dem gemeldeten Hinweise auf die allgemeinen Menschenrechte. Sobald Wilson das Kapital verlassen hatte, wurden die Ausschüsse beider Häuser für auswärtige Angelegeuheiten auf denselben Nachmittag einberufen. Eine nachträglich ein- laufende Meldung des Hollandschen Nieuw-Büros sagt: Nach der Rede des Präsidenten Wilson haben die republikani- schen Führer zu erkennen gegeben, daß sie noch immer gegen die Uebertragung der Vollmacht sind, die der Präsident verlangt. Wilsons Taktik nach französischem Urteil. Bern, 28. Februar. Zur Rede Wilsons schreibt die Zeitung „Debats"; Wilson hält vor allem auf zweierlei: nichls End- gültiges zu unternehmen ohne die vorherige Zustimmung des Landes und möglichst weilgehende Langmut gegen Deutschland zu zeigen. Obwohl er die drohende Gefahr des Krieges kennt und sich vor- bereitet, ihr entgegenzutreten, hofft er, sie bis zum letzten Augenblick zu beschwören. „Petit Parisien" sagt: Wilson weiß, daß er, um die Oeffentlichkeit geschloffen hinter sich zu haben, das ganze Unrecht auf die Mittelmächte muß schieben können, daher gewisse Sätze, die man im Lichte der inneren Notwendigkeiten und Partei- schwierigkeiten betrachten muß. Der Krieg wird nicht von ihm aus- gehen, aber er droht von Minute zu Minute von Deutschland enlfeffelt zu werden, daS sich weigert, seine Erklärung zurück- zunehmen. Such„TempS" bestätigt Wilson seine Langmut und Fried- sertigkeit, schreibt aber, er wird nickt die wesentlichsten Reckte der- amerikanischen Bürger, deren Verteidigung ihm obliegt, aufgeben. selbst wenn die anderen Neutralen sick weniger entichloffrn zeigen, als er hoffte. Die vom Kongreß geforderten Schuy- maßnahmen bilden einen neuen Schritt, der Amerika dem Kriege näherbringt. Sozialistischer Zrieöensantrag vertagt. Lugano, 1. März. NachGeiner Meldung aus Rom. vertagte die italienische Kammer die B e r a t u n g des sozialistischen Friedensantrages mit 227 gegen 31 Stimmen auf 6 Monate, was gleichbedeutend ist mit einem Vertrauens- Votum für das Kabinett, die Petersburger Arbeiter in Bewegung. Kopenhagen, 1. Mörz.„Nowoje Wremja" zufolge. hat der Kommandant des Petersburger Mi- litärbezirkS bckauutgegebcn, er habe iu Er- fahrung gebracht, daß die Arbeiterverbäude eine große regieruugsfelndliche Kundgebung vor dem Duma- gcbäude plant est«. Er warut deshalb vor Handlungen, die verhängnisvolle Folgen nach sich ziehe» könnten. Personen, die sich fälschlich als Dnmamitglieder ausgäbe», suchten die Arbeiter zum Aufruhr aufzustacheln und hätten ihnen sogar Waffen geliefert. » Der Aufruf stand vor der Duma-Eröffnung allenthalben in Petersburg angeschlagen. Erfbeginnt nach einem Stockholmer Bericht deS„L.-A." mit dem Hinweis:„In allen Fabriken wird zum Streik gerufen". Er appelliert an das Vaterlands- gefühl. Der Feind könne nur noch eine letzte An- strengung machen.„Gedenkt. daß ohne die Einig- keit des Landes, ohne unermüdliche Arbeit hinter der Front unsere ruhmreiche Armee verloren ist! Jeder Streik entwaffnet unsere Armee. Wer streikt, verrät seine Brüder in den Schützengräben. Ihr seid wehrpflichtig, Ihr müßtet in den Reihen der Armee Euer Leben riskieren! Wenn Ihr nicht die Verteidigung s arbeit vollendet, werdet Ihr einberufe n." Wir haben diese Drohung mit dem Schützengraben schon vor einigen Tagen erwähnt.„Rjetsch" teilt mit, daß die geplante Kund- gebung vor der Duma habe die Duma zwingen sollen, gegen die Fortsetzung des Krieges zu pro- testieren. Griechenlanü in Ententebänüen. Ein griechisches Lebensmittelministerium. Bern. 28. Februar. Nack einer Meldung deS.©ecolo" auZ Athen schreibt das Blatt„Hesperini", di« Kontrolle der Entente über Telegraph, Polizei, Zoll« und Hafenbehörden sei jetzt wirksam. Ankommende LebenSminel werde die Entente direkt zur Verfügung der Bevölkerung balten. England schieße die Entschädigung an die Beni- zelisten vor. Der MuninonZtranSport im PeloponneS dauere an. Der Bericht der Entenre-Kontrolleure werde demnächst vcr- öffenilicht werden. Weitere Todesfälle infolge Unterernährung seien gemeldet. Die Advokaten ganz Thraziens hätten einen Protest gegen die Fortsetzung der Blockade eingereicht. � Bern, 28. Februar. Eine Athener Meldung des„Matm" besagt. der Ministerrat habe Maßnahmen erörlert, die eS Griechenland ermöglichen sollten, seinen Bedarf an Nahrungsmitteln e lbst zu decken; daS neugcbildete LcbenSmitielministeriuin werde von EharilaoS geleitet und sei im Zappeion untergebracht. Schonfrist im fltlantischen Sperrgebiet abgelaufen. Amtlich. Berlin, I. März. In der Nacht vom 28. Februar zum 1. März ist die Schonfrist für Segelschiffe auch im Sperrgebiet des Atlantischen Ozeans abgelaufen. Von diesem Zeitpunkt ab gilt in allen Sperrgebieten nunmehr nur noch die allgemeine Warnung, nach der die S ch i s s- fahrtauf keines?''z e I w a r n u n g mehr rechnd'n kann._ Die Opfer ües Laconia-Unterganges. Haag, 1. März. Reuter meldet aus Cork: Von den 2t Paffa- gieren der Laconia, die in einem Rettungsboot, das voll Waffer war. herumtrieben und dann in Bantoy an Land gebracht wurden, sind sieben infolge der Kälte gestorben. Amsterdam, 23. Februar.„Algemeen HandelSblad' meldet aus London, daß bei der Torpedierung deS Dampfer« Laconia außer den zwei Amerikanerinnen auch zwei amerikanische Neger um- gekommen sind.__ Schiffsproviant nur gegen Schiffsraum. Rotterdam, 28. Februar. Neutrale Schisse erhalten in England jetzt nur mit besonderer schriftlicher Erlaubnis des Handelsmimsters Schiffsproviant. Portugal in üer Seesperre. Madrid, 28. Februar.(Funkspruch des Vertreters des Wiener K. K. Telegr. Korrespondenzbureaus.) Nach' Meldungen portugiesischer und spanischer Blätter hat sich seit Abgang der ersten por- tugiesischen Truppen nach Frankreich und der. Verkündigung der verschärften U-Baot-Sperre die innere Lage Portug'als zusehends verschlimmert. Um gegen die Gewaltherrschaft der gegenwärtigen Regierung anzukämpfen, bildete sich aus den unzu- friedenen Elementen verschiedener Parteien ein p-arlamenta- rischer Block, der in scharfer Gegnerschaft der Re- gierungsmehrheit gegenübersteht. Die wirtschaftliche Lage sei geradezu verzweifelt. Die S>»vie- rigkeiten der Kohlenversorgung drängten zur Einschränkung d-S Personenzugverkehrs,-der öffentlichen Beleuchtung und zur An- Ordnung eines früheren Ladenschlusses. Wegen Mangels an Bc- sörderungsmitteln habe die ganze vorjährige Weinernte, die bereits teilweise nach Frankreich verkauft war, im Lande verbleiben müssen. Die hierdurch geschaffene Krise werde noch verschärft durch die angeordnete Einschränkung des Alkoholgenusses in England, das ein bedeutendes Ab- satzgebiet für portugiesische Weine ist. Die Regierung stehe all diesen Ereignissen ohnmächtig gegenüber. Eine Ministerkrise stehe bevor._ Vorgänge an üer Westfront. Englischer Heeresbericht vom 28. Februar. Am Morgen griffen wir an und eroberten, einen Teil des feindlichen Grabens nordöstlich von Sailly-Saillisel. Wir machten 85 Gefangene, darunter 2 O'fiziere, und erbeuteten ein Maickinen- gewehr. Unser Vorrücken nördlich und südlich der Anere dauert an. Während der Rocht besetzten wir G o m m e c o u r t. Heute nahmen wir die Dörfer Tbilloy und Puisieux- a u- M o n t und die anschließenden Grabensysteme und schoben unsere Linie 1000 Yards nordöstlich von Gvmme- eourt vor. Bei einem erfolareicken Streifzug in der letzten Nacht in der Nachbarschaft von C l e r y machten wir 22 Gefangene. Wir drangen auch in die feindliche Stellung nordöstlich von A r r a S und südwestlich und westlich von LenS ein und bombardierten mehrere besetzte Unterstände. Ein feindlicher Vorstoß nordöstlich von Armentidre« wurde zurückgeschlagen. Unsere Flugzeuge leisteten gestern sehr wertvolle Aufklärungsarbeit und hatten eine Anzabl Luft kämpfe zu bestehen. Drei unserer Flugzeuge wurden zum Niedergehen gebracht. Ör. 60.- 1917. Unterhaltungsblatt öes vorwärts lreitag, 2. Mar;. Kalorien unö Nahrungsmittel. In den vielen ZeituitgSartikelu, die unablässig über Nahrungs- mittel, ihre Beschasfung, ihren Nährwert usw. veröffentlicht werden, kehrt daS Wort.Kalorie"(Betonung auf der letzten Silbe!» ständig wieder. Bersuchen wir, den Namen und den Begriff etwas verstand- sicher zu machen. Kalorie ist vom lateinischen<'ulor, die Wärme, abgeleitet, Wie das Meter em Einheitsmast für körperliche Ausdehnungen, das Gramm für die Schwere der Körper ist, so ist die Kalorie em Ein- heitsmast zum Messen von Wärmemengen. An das Thermometer, das Wärmegrade, ober leine Wärmemengen mistt, darf man hierbei nicht denken. Tie Schaffung der Kalorie als Wärmeeinheit geht ans Robert Mayer, den berühmten Entdecker des Gesetzes von der Er- Haltung der Kraft, zurück. Er fand,„dast eine Wärmemenge, die l Kubikzentimeter Wasser von 1ö aus 16 Grad erwärmt, aus irgend eine Weise in Arbeit verwandelt, imstande ist, das Geimchc eines Grammcs aus 128 Meter zu heben". Später hat man diese l'.ahl durch 126 ersetzt, statt des Gramme-? wird iu der Regel das Kilogramm und statt des Kubikzentimeters Wasser ein i'iter gesetzt. Diejenige Wärmemenge, die verbraucht wird, mn l Liter Wasser um 1 Grad wärmer zu machen, hebt, in Arbeit umgesetzt, 1 Kilo- gramm 126 Meter hoch. Diese Arbeitsleistultg nennt man eine Kilogrammkalorie oder kurz Kalorie, und man bezeichnet sie als das„mechanische Arbeitsäouivalent' der Wärme, d. h. als eine Arbeusmenge, die einer bestimmten Wärmemenge gleichwertig (äguivalcnt) ist. Ein Beispiel: Steigt ein 66 Kilogramm schwerer Menich auf den Brocken, wobei er von Ztorden her etwa 866 Meter Höhenunmschied zu überwinden bat, so hoben seine Bein- und Fust- muSkelu eine Arbeit von 66 mal 866 gleich 18 666 Kilogrammetern zu leisten. Da 126 Kilogrammelcr einer Kalorie entsprechen, so leiste: der Steiger 18666 geteilt durch 126, demnach rund 116 Kalorien. Dast bei der Nerdauung Wärme entwickelt ivird, bedarf keines besonderen Beweises, da der hungerirde und der gesättigte Mensch diese Tatsache an seinem eigenen Leibe, auch wenn er„kalt" gegessen hat, zur Genüge erfahren hat. Das Gleiche gilt stir die Wanne- cuttvicklung durch Muskelarbeit, die übrigens durch Hclmholtz auch in erakter Weife bewiesen wurde. Wir haben eS aber hier nur mit der Umsetzung von Nahrungsmitteln auf dein Wege der Ber- d.ruung und Nutzbarmachung in körperliche Wärme zu tun, also mit der Umrechnung von NährungsmiUeln in Kalorien. Tie aufgenommene Nahrung wird im Körper durch die Ber- dauung, die schon im Munde beginnt, in immer einfachere Stoffe zerlegt, und diese Zerlegung wird im Körper fortgesetzt, bis die gewoiineneit Stoffe teils als vcrwcrtungZfähig ihren Platz erreicht hoben, teils als imbraubarcr Abfall wieder ausgeschieden loerdcn. Die Zerlegung erfolgt in den Zellen durch Aufnahme von �aucr- st off, den die Lunge der Luft entummit, und den die roten Blut- körperchen ständig iu den Bcrerch der Zellen transportieren. Eine Zerlegung, die durch Hinzutreten des Sauerstoffs vor sich geh!. heißt Oxydation oder Verbrennung. Man darf hierbei nicht immer an Fener und Hitze denken, fondern must die Verbrennung im weiteren, chemischen Sinne nehmeir. Kohle verbrennt unter Entwicklung von Wärme, aber wenn Eisen und Messing in feuchter Luft rosteu und Grünspan ansetzen, so ist das ebenfalls eine Verbindung mit Sauerstoff, alio eine Verbrennimg. wobei aber keine, wenigstens keine inestbare Wärme entwickelt wird. Nahrungsmittel, die im Körper unter Aufnahme von Sauerstoff zerlegt werden,„verbrenncir" dohxr in unserem Leibe, trotzdem er mit Wasser und mit anderen Feuchtigkeiten durchtränkt ist. Wir werden das sogleich besser bc- greisen" wenn wir berücksichtigen, dast z. B. Eisen auch unter Wasser rostet, indem es dabei de» Sauerstoff dem Wasser entnimmt. Es �verbrennr" mitrr Wasser. Tieselbe Wärmemenge, die ein Nahrungsstoff bei seiner Zer- legung im»lörper frei werden lästr, must er auw entwickeln, wenn er außerhalb des Körpers mit Sauerstoff verbunden, d. H. verbrannt wird. Diesem Zwecke dienen sogenannte Kalorimeter von ver- ichiedener Einnchiuiig. Der Apparat ist z. L. so eingerichtet, daß der zu untersuchende Stoff, während er vollständig verbramn wird, aus allen Seiten von einem Gefäß mit einer bestimmten Menge Wasser umgeben ist. Aus der Menge dieses Waffers und auS der Steigerung seiner Temperatur infolge der Verbrennung wird die VerbrennungSwärmc der Nahrungsmittel berechne!. Auf diesem Wege bat man u. a. auch die aus den ersten Blick so merkwürdig anmutende Umrechnung des Wertes von Nahrungsmitteln in Kalorien crvcrimcntell ermittelt. Für die drei ivichtigiten Arten von NahrungS- Mitteln belrägr die VerbreimungSwärme: für 1 Gramm Fett 9,3. Kalorien, für 1 Gramm Eiweiß 5 bis 6 Kalorien, für 1 Gramm Kohlehydrate(z. B Zucker) 1,1 Kalorien. Da aber bei der Er- nährung mit Eiweiß nur ein Teil der VerbreimungSwärme im Tier- körpcr frei wird, wie Versuche ergeben haben, so ist die Kalorien- zahl für Eiweiß zu vermindern, und zwar auf 1,1. Mit Hilfe dieser Zahlen ist eS leicht, eine Nahrung in Kalorien umzurechnen wenn. ihr Gehalt an Fetten, Kohlehydraten und Eiweiß bekannt ist. Durch genau kontrollierte Versuche an Tieren und Menschen konnte bewiesen werden, daß der Organismus die gesamte«Betriebs- kraft" für seine Lcbcusäußerungeii ausschließlieh auS der Ver- brenmuig der aufgenommenen Nahrung beziehr. wodurch die Physiologen zu dem Grundsatz gekommen sind, daß der Wer: einer Nahrung in erster Linie von der Höhe ihrer Bcrbrennungswänne. also von ihrer Kalorienzahl abhängt. Wie die mitgeteilten Zahlen ergeben, stellt das Fett mit über 6 Kalorien weitaus an erster Stelle, derart, daß es Eiweiß und Kohlehydrate»Zucker, Honig, Kartoffeln. Getreides! ärke usw) mn mehr als das Doppelte übertrifft. Man muß nun freilich nicht an- nehmen, daß eS gleich sei, waS man esse, Ivenn nur insgesamt die nötige Kalorienzahl erreicht werde, die bei Personen von 76 Kilo- gramm Gewicht mit mittlerer, beruflicher Arbeitsleistung täglich etwa l'>666 Wärmeeinheiten oder Kalorien beträgt. Denn die Nahrung liefert nicht bloß Kräfte, sondern auch Baustoffe, die in den verschiedenen Organen des Körpers von verschiedener Art sein muffen. Aus einer nach Möglichkeit gemischten'Nahrung entnimmt der Körper, was er braucht. Der gegenwärtig so fühlbare Mangel an Fett wird zu einem guten Teil dadurch ausgeglichen, daß der Organismus Kohlehydrate in Fette umietzt. Schweine werden fett, ohne daß sie Fett zu fressen bekommen! I'olä. Die Wahrsagerin. Ein Mitarbeiter erzählt der„Münch. Post" folgendes Erlebnis: In der gegenwärtig so gemütlichen Münchener Straßenbahn kann man allerhand erleben, sogar daS nahe bevorstehende Ende des Krieges. Am SiachuS ist eine Stockung entstanden, und eine Frau aus dem Volke, die xben in die Linie 16 eingestiegen ist, gibt den hörbaren Seufzer von sich:„Ach, nun habe ich wieder kein Kleingeld, weil ineine Zehner allesamt im städtischen GaSautoinatcn stecken." Tie Schaffnerin spitzt die Ohren mid macht ein Gesicht, io- zusagen sprungbereit. Aber die Klcingeldlosc winkt ab;„Tun Sie sich nur nicht hiuaufrcgcn: hier. ineine'Nachbarin hat mehr Nickel, als Sie brauchen können."„Wia?" fragt die Nachbarin. Mit er- hobener Stimme erklärt die andere:„Ich behaupte, daß Sie 1 Mark 16 Pfennige im Sack haben, und das ist so wahr, als wir zwei uns noch niemals gesehen haben." Die Straßenbahn ist inzwischen vom StachuS zum Karlstor gekommen. Alle Mitfahrenden strecken, die Hälse vor.„Also, oußi mit dem Geldbeutel," brummt ein nicht nnterernähltcr Virginia-Rauchcr. Die Angesprochene, ganz erschreckt und willenlos, zählt ihr Geld: eine Mark i» Wcißgeld ist schon heraus, eine Mark zehn, zwanzig. dreißig, vierzig, zweiundvicrzig, vierundvierzig— sechsundvierzig! I acht Augen sind Zeugen, daß es kein Pfennig mehr ist. „Ellstraße!" Niemand verläßt den Wagen. Tie Besitzerin scheint wie verhext und wechselt der Welse» Frau ihr Papierchcn. Nun mischt sich ein Leutnant als Vertreter höhetcr Menschen- kenntniS in daS allgemeine Erstaunen:„Als Wahrsagerin iverdeii Sie auch loissen, wann der Krieg zu Ende ist?" Prompt und mit einem seherischen Augenausschlag erwidert die Gefragte:„Am 18. März!"„1018 V"„Nein, Heuer, heucr".� Tie Spaluiulig wird ungeheuer. Ter Marienplatz kommt in Sicht. Der leutselige Leutnant bat ein Kärtchen hervorgezogen und gibt der Wahrsagerin seine Adresse, dagegen die ihrige rasch ausschreibend.„Wenn eS wahr wird, zahl ich Ihnen 506 Mark am 18, März." Er grüßt. Die Zurückbieibendeu lachen imd freuen sich alle über dies«, FriedenSabichlutz. DaS Geschichtchen wurde gleich am Viltualien- marlt verbreitet, gelangt wie ein Lauffeuer zilin„Dotschelipalast" und wurde gestern von den Herr'chanSiocherl». die beim Metzger an der Lukaskirchc alisleheu, auch in die„besseren" Familien ver- pflanzt. Alles seufzt nun nach der Adresse der Münchener Lenormand. Wo wohnt sie?___ Eine billige Liebhaberbibliothek. Während dcZ Krieges hat eine Ilcinc Sammlung literarischer Erlesenheiten ibren Fortgong genommen, die lurz vor dem Ausbruch der großen cliropäischen Katastrophe zu erscheinen begonnen halte. Sie betitelt sich„Die L i c b h a b e r b i b I i o t h e l" und wird vom Verlag Gustav K i r ch c u h e u e r in Weimar herausgegeben. Für eine 2Narl erhalt man geschmackvoll kartomiiertc Bändchen, die eine Freude für den Bücherfreund sind. DaS meiste sind Neudrucke, in der Ausstattung manchmal dem Aussehen der Originalausgabe angenähert, wie„Wcrthers Leiden" mit den berühmten Kupfern ChodowieckiS. Einzelne Werke, Ivie die Novellen E lemcns Brentano?, find für die Sammlung von Künstlern lvic Vnc-slander eigens mit Zeichnungen ausgestattet worden. Eine besondere Liebe wird von der kleinen Bücherei den Dichtern der Romantik entgegengebracht. Die ivuuderiameir Lieder dieser Dichtergruppe bringt Hermann Hesse in einer feinen Auswahl:„Der Zauberbrunnen". E. Tb. A. HoffmannS Phantasiestück„Der goldene Tops", daS feinste und leichteste, das diesem Freunde des Spuls, des Unheimlichen gelungen, erfreut durch feine krause, anmutige Verwirrtheit. Brentano erzählt seine unvergeßliche Geschichte vom „braven Kaspcrl und schönen Annerl" und die zarten Bruchstücke ans der„Ehronika eines fahrenden Schüler-Z". Hölderlins Sehnsucht nach schönern Welten, nach einer größeren Menschheit schluchzt aus dem„Hyperion", den man nie genug lieben kann. Der vor- geffeno Iustinus Kerner wird mu seinen„Rciseschaiten" neu belebt. Der jcbwärmeri'che Jüngling, Ludwig Tieckes Freund Wackcnrödcr spricht in ciithusiastlschen Worien in den Kunsterlebnissen seines„Klosterbruders".'Dann ist auch jenes viel umstrittene, seltsame Werkchen da,„Die Nachtwachen des Bona- Ventura", das nach einer alten Ucbcrlieferung von Stbclliii" stammen soll, von Forschern aber einem fast mibekannten Schriftsteller Wetzet. jüngst auch Brentano zugeschrieben wird. Kleists herrliche Novellen dürfen natürlich nicht fehlen. Daneben findet man den Briefroman aus den italienischen Freiheilskriegen:„Die letzten Briefe des Jacopo OrtiS" von Ugo FoScolo, die anS Rausseauschem Sch wärmer- geist geborene Idylle von„Paul und Virginia", Stifters„Studien" mit ihrer unnahmlichen Kleinkunst der Naturschilderung. Poftl- SealSficldS immer wieder loieder wirksame amerikanischen Olbememer. Die„alten deutschen Maricnliedcr", mir Bildern des Mittelalters geschmückt, umwehen uns mit dem Atem verschollener Gläubigkeit. Der alte Schweizer Salomou Geßner, Zeichner und Dichter zugleich, wird mit seinen reizvollen, empfindsamen Idyllen auS dem Grab der Literaturgeschichte hervorgerufen. Im„Bilderbuch ohne Bilder" plaudert der gute, liebe Hans Christian Andersen Trauriges und. Freundliches mit dem Freund der Einsamen, den: Mond. Ein Bändchen„Ostjüdische Erzähler" führt in einen uns fremden Kultur- kreis, den uns der Krieg nahegebracht. Für Liebhaber mialltäg- licher Kunst findet sich hier Stoff für stille Riidachtsstmiden voll ivclt- und zeitserncr Vcrstmkcnheir. Berufene Herausgeber sorgen für verständnisvolle Einführungen. 1'. 11. der blaue Montag in üer Schule. Bei den neuerdings mit großem Nochdruck betriebeneu Unter iuchungcn über die Ermüdung bei Schullindern ha: sich heraus- gestellt, daß der Montag im allgemeinen ein ungünstiger Tag für den Unterricht ist. Eine allgemeine Aufmerlsamleit der Klasse ist an diesem Tage nicht oder doch nur scbr schwer zu erzielen. Dr. A. Durig, der in den Schriften des 3. Jnternalionalen Kongresses stir Geiverbckrankheiten eine interessante Studie über die Ermüdung. speziell die der Schuliinder, veröffentlicht Hai, bar die Beobachtung gemacht, daß am„blauen Montag" die Eindrücke voir dem vorausgegangenen Ruhe- und VergnügungStage noch so vorherrschen und die Erinnerungsbilder noch so fest hasten, daß die Mehrzahl der Kinder zerstreut ist und die Gedanlen nicht auf den Gegenstand des Unterrichts vereinigen kann. Die Verfassung der Schulkinder am„blauen Montag" ist jedoch nicht als ein Ermüdungszustand im cigeiitlichen Sinne des Wortes zu beurteilen. Wohl haben die Kinder ein Gefühl der Müdigkeit, aber eine objektive Ermüdung, ivie sie durch den Ergvgraphcn(Arbeitsmeffcr) meßbar ist, ist nicht nach- zuweisen. Eine solche liegt � dagegen nachweisbar stets in den Fällen vor, wenn ein Schulkind vor dein Erscheinen in der Schule durch Heimarbeit, Botengänge oder dergleichen stait in Anspruch genommen war. Wichtig ist die Erfahrung, dost ein Schulkind, bei dem Ermüdung nachweisbar ist, dadurch doch nicht zur Emgcgenuahme weiteren Unterrichtes unfähig wird. Ein durch angestrengtes Denken ermüdetes Gehirn behält vielmehr noch immer die Fähigkeit für anders gearsete, leichtere Denkvorgänge. Das gegebene Verfahren gegenüber solchen ErmüdungSzuständen bei den Schülern ist also Abwechselung im Unterrichte. Notiz««. — Ein großes Seekriegs spiel, da? noch richtigen strategischen Grundsätzen ausgebaut ist und alle Berichied-enheiten des SeekrixgeS von der Seeschlacht vis zum U-Boots., Kreuzer- und Handelskrieg enthält, bat die Penlagon-LerlagSgescUschast in Stuttgart herausgebracht. Es erscheint iu zwei Ausgaben zu 1,86 und 6 M. Es scheinen alle Faktoren eines guten Spiels/sowohl die spannenden und überraschenden wie die der aus eigenem Nach- deute» verulkenden, geschickt gemischt zu sein. öls Der polizeimeifter. Ein russischer P oliz eir o m a n von Gabrycla Zapolska. „Erlaubett Sie!" sagte Semipudow, den Schritt be- schleunigend,„das geht nicht. Sie müssen direkt zum Herrn Wachtmeister gehen." „Ich will Bekannte sprechen!" „DaS ist verboten!" „Bist du von Sinmn?" „Es ist verboten!" Wut erfaßte Klitzki. Semipudotv Pflanzte sich vor ihm auf. Klitzki merkte, daß er ihn nicht weitergehen lassen würde. Er längte nach der Tasche, ergriff cineir«silberrubel und streckte die ge- schlossene Hand Semipudow entgegen. „Das habe ich gefunden!" sagte Klitzki gutniütig,„gehört es vielleicht Ihnen?" Semipudow hielt seine Hand hin. in der der Rnbel wie verzaubert verschwand. Ohne ein Wort zu sagen, trat er beiseite. Klitzki ging jetzt ans Horskis Laden zu. Aber Scmi- pudow ging nun neben ihm her, als wollte er seinen Eifer verdoppeln. Klitzki trat in den Laden. Der Polizist folgte ihm. Als Horski den �reniden in dieser Begleitung sah. rief er erstaunt: „Was ist denn das?" „Die russische Regierung ist um mich so besorgt, daß sie mir eine Ehrcngarde stellt!" „Was wollen sie denn „Das ist ihr Gehcimnio! Aber ich möchte Sie einen Augen- blick sprechen." Horski führte ihn in den Nebenraum, in den man durch eine Scheibentür hineinsehen konnte. „Bevor ich verreise," begann er etwas erregt,„möchte ich bei Ihnen um Fräulein JankaS Hand anhalten." Er brachte die Worte schnell hervor und aknrcte auf. Horski schwieg einen Augenblick. „Ich kenne Sie schon aus den Erzählungen meiner Tochter, aber Sie werden verstehen, daß ein um das Schicksal seines Kindes besorgter L»ter nach allen Richtungen prüfen möchte, wem cr sein Kind fürs ganze Leben anvertraut." „Das begreife ich!" erwidciio Klitzli, den Kopf neigend, „und bitte vorläufig nur um die Erlaubnis, bald ivieder- kommen zu dürfen, damit Sie mich genauer kennen lernen." Horski streckte ihm die Hand entgegen. Damit bin ich gern einverstanden und hoffe, daß wir gute Freunde werden. Ich lafie meinen Kindern die volle Freiheit in allen Dingen, also um so mehr in der Wahl des Lebensgefährten. Wenn Janka Sie lieb gewinnt und Sie sich ihrer würdig erweisen, will ich den Bund segnen." Aber ein Schatten glitt über sein Gesicht. „Nur eins," sagte er,„es wird mir schwer werden, allein zu bleiben." „DaL sollen Sie nicht!" rief Klitzki.„Ich werde mich hier niederlassen." Dieser Entschluß kam ihm so unvermittelt vor, daß Klitzki vor seinen eigenen Worten erschrak. Horski nickte mit dem Kopf. „Sie haben in diesen wenigen Tagen gesehen, unff'r iure schweren Verhältnissen man hier lebt. Warum wollen cic das auf sich nehmen?" „Um zu kämpfen!� „Mit wem?" „Mit.ihnen', mit dem Systein, mit allem, was den Druck ausübt." Horski zeigte anf die Glasscheibe. „Sic haben es doch versucht und gesehen, Ivffhin das ge- führt hat." - In der im Laden herrschenden Dunkelheit bewegte sich Seiuipudows Riesengestalt. Der Polizist stand unbeweglich, schweigend da, aber er lvendete kein Auge von der Scheiben- rür, offenbar ängstlich, daß Klitzki ihm entkommen könnte. Dieser Anblick regte Klitzki noch mehr auf. „Ich fürchte iie nicht! Was können sie mir tun „Vor allem bin ich überzeugt, daß sie Ihnen befehlen werden, abzureisen!" „Wenn sie es befehlen, tu ich's gerade nicht! Ich werde zwar gcschästtich nach Hause berufen, aber ihrem Befehl werde ich mich nicht fügen." „Ich möchte Sie doch bitten, es um meinetwillen und um Iankas ivillcn zu tun und sie nicht zu reizen. Be- denken Sie. sie können eS so drehen, daß Ihnen der Eintritt nach Polen verwehrt wird. Tagejew ist in gewissen' Dingen sehr schlau." !„Ich werde doch im Besitz eines izsterrcichüchen Passes sein." „Das hat nichts zu sagen. Am besten reisen Sie ohne Aufsehen ab. Aus diese Weise sichern Sie sich die Rückkehr. Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit für-nutzlose Dinge." Horskis Stimme wurde imnier tonloser, sein Gesichtsaus- druck immer trauriger. „Kazjo, Sie und all' die Jungen glauben, �die Pflicht des Bürgers bestehe darin, die Schläge des Feindes zu parieren. Wir haben jedoch hier ein anderes System gewählt. Unter den Schlägen die Arbeit nicht auszugeben. Ist das nicht besser?" Klitzki erwiderte: „Eine solche Arbeit kann weder kraftvoll noch dauerhaft sein." Horski wurde nachdenklich. „Vielleicht haben Sie recht! Ich habe mir Ihren Vor- schlag, die angeseheneren Bürger zusammenzuberusen und ein gemeinsames Gesuch zwecks Aufklärung der Tagejew scheu Wirtschaft einzureichen, durch den Kopf gehen lassen. Wenn Sie iviederkonlmen, ist die Sache vielleicht schon erledigt." Nun erfaßte Klitzki eine Unruhe. Es schien ihm, als zer- störe Horski mit diesem Entschluß das Glück und den Frieden seines Hauses und seiner Familie. „Bedenken Sie aber auch alles genau," sagte er leise, als schäme cr sich seiner Worte. Horski blickte ihn erstaunt an. „"Werden Sie etwa ängstlich?" fragte er „Nicht für mich, sandern für Sie und für die Ihrigen." „Sehen Sie. io ist es immer! Man begibt jidi gern selbst in Gefahr. Zieht man aber andere mit, so wird man ängstlich. Doch ist in nnserem Falle das Massenauftreten der ganzen Stadt notwendig. Anders werden wir nichts er- reichen." Sie schwiegen eine Weile, schließlich begann Horski: „Sie reisen also noch heute?" „Jawohl, ich möchte mich auch von Fräulein Janka und ifctzjo verabschieden." „Sie finden sie in der Wohnung, aber wir müneu den Polizisten auch hineinlassen. Sonst schlägt er Lärm." Er winkte Semipudow mit einem Zeichen herbei. (Forts, folgt.) m Direktion Mas K ainhar Jt: Dsuisclies Tlieater. L'hr: Othello. Eaniiiiersplele. ''s Uhi" Oas Sionret" Volksbühne, Vi Uhr: Hamlet. 4 satfcr am lowplatz, Sesiisig-fheatsr. s Dlrohtion• Victor Barr.owskv. 7 uhr: Pfarrer von Kirchfeld. Sonxuibsud: Peer Gynt iSeufseli. Künstler-Theater. Allabendlich 71/; Uhr: Oer UelKCbesrleltep. Theater i. d. Konigsrälzerstr. 7'/, Uhr; Panl k aiixo nnd Tora Parsibcrg. 3Comödli@rä�ay$ T'/j Uhr: Die varioreno Tochter. BeHiner Theater 720 Uhr: Die tolle KomtoB. URANIA TaSl�9.tr- 4 Uhr(halbe Proiso): Im U-Boot gegen den Feind. 8 Uhr: Des« Baokanzug und die hsfreite Donau. Theater für Freitag, 2. März. Dentscbcs Opernhaa«, Charlottcnb. 7 uhr: Die Jugend. F riedrich-Wilhelmstädt. Theater. 7','j u.; Das Dreimäderltiaus. «ebr. Bermfeld-Theater 7 V.U.: Der Stolz der Pnotillc Kleines Theater trhr: Äm Teelisch. Komische Oper 7; uhr: Der Puszta-Kavaiier. Sonntag S'.'.U.: Minna»an Barnhelm. Lustspielhaus u i u.; Die schöne Kubanerin. Metropoi-Theater 7ühr Die Csardastürstin. 10 Min. Sonntag' Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kaisentcl.: Nord. 2S1. 7-/. u.: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater A. Die Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. 7'/. uhr: Mim Berlielgeö. Schlller-Th.fharlottenbj;. 7'/. Uhr: ßeF Eerriiii iaiise. Thalia-Theater. 7'/« u: Das Vagahundenmädel. Theater am Xollendorfpl. 7", uhr: Die Gulaschkanone: Theater den Westen» t'/j u.: Die Fahrt ins Glück Trianon-Thenter u.'iu.: Cil auf Hedwig acht. Bülck Anf. 7Vj Uhr. Fernsp. Nid. 6-10 Durchschlagenden Erfolg erzielte dio neuo Riesen- Pracht- Wasser- Pantomime Die versunkene Stadt i.lVorsp.u. 4 Akt. v. Paula Busch Vorh. das gr. Zirkusprogramm. Yorvertani täglich ab 10 Uhr, für Öonnab. u. Tkmntag immer bereits ab Donnerstag. Das neue Märr- Programm Oscar Sabo vom Berliner Theater a. Cr. Loüe Revo, Luitakt Luis u. Mohameil. Gymnastik Ilse Hol«, Johnson u. Johnson, Exzentriks, Smaraqda, dres- • sierto Katzen. Ferner Hans Wassmann und Lillebil Christensen in Lülebirs Hochzeitsreise. Äegypt. Burleske in 7 Bildern. Inszenierung von Max Reinhardt. Rose=Theater. 7'/, Uhr: Der stdele Bauer. �VglhsIIa-Theuter. VI, Ufir: Das Glücksmädel. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. „Cabaret Feldgrau" Anfang 7!/jUhr. Sonnlag nachmltt. 3 Uhr: Vorstellung zu ermäB. Preisen! Heltes Ppogranua Zirkus A, Schumann I Einlaß 7 Chr. Anfang?1/« Ubr.» Heute und tägbeb Das neue März-Programm. Vlor>M«n4 das orientali- AtSSIllei sehe Wunder! Adolf n. C'oco die beliebten SpaSmacher. Antipoden-Spiele mit Hunden. WM- Uniilta Rose."TBB; Das große equestr. Programm und„Die Seerlinber". Große Ausstatt.-Pant. i. 4 Akt. Sonntag 2 gr. Vorst., 3 u. 7Vjü. Nachm. 1 Kind frei! Billetts ab bouto zu haben. AN- PER KOOCT» I Vi» Uhr| Reute I'/-«"hrl aud folgende Tage: 'Persönliches Kastspiel de« beilebten FllmkUn«tlerpaarc« und in ihrem Lustspiel: Scheädungsehe". Vorher: Das vollständig neue Varietd- Programm. Preise der PItttec nicht erhöht. Vorverkauf: Ab 10 Ubr ander Theaterkasse bei A. Wortheim u. Invalidendank.__ Volsrt-Theater. Badstr 58. Badatr. 58. TSglich VI, Uhr: Der Stabstrompeter. Sonnlag nachmittag 3 Ubr: Der Mohn der Wildnis. jlbends 7 Uhr: Der Sfahstroiupefer. Berliner Konzerthaus. JJk ��5% Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute: Zweifes Winfe8«-iCoiizer>t de» Berliner Liederkranz Chormeister: Johannes Stehmann anter Mitwirkung dos Berliner Konzerthans-Orchcstcr« Leiter: Komponist Frz. 1. Blon. Anfang?'/. Uhr. Eintritt 6« PI. Anfang 7'.', Uhr. _ Alle Vergiinstignngen aufgehoben. r•!...' "-i.''s? Ihy6*.! �-VA"• r■» r.- i VIKTORIA-THEATER Telephon: Hohb.- Haltest W I(Sanssouci), Kottb. Str. 8. Moritzpl. 14814. Kottbuser Tor. H AGENBECK |J®U" Nur noch knrne Zelt! Ab X. März: Neue Spezialitäten. Neue Dressuren. WociiEBt. naehnt. Yorzufspreise. W.MMlMiWW I Mittwochs. Sonnab. Sonntags Vorverkauf: Hagenbeckkasso,| | je 2 Vorstell., uro o'.'.u..?1,', U. Kottbuser Str. 6. u Wertheim Gowerk Ich aftsl) a us. Sonntag, den t. März, im großen Saal: frühSittgs-fder der Jngsndsektion des Beutselien Transportarbeiter� Verbandes. Mitwirkende: Männerchor Xumenlos(Chormeisier Herr Thilo), Mandolinen-Kouzert, ausgeführt non der musikalischen Abicilung der Lugcndsektion unter Lcilung ihres Dirigenten Herr» R. Verpshl. Heitere Nrzitulion». Lieder gur Laute neu Frau Marg, W«Ikottc. Fm Mahagoni-Saal: Erweiterter RestauratiouSbetrieb und Unterhaltungsabend. Im Maschcl-Saal: Spsrverein zur silbernen Kassette. Sonntag mittag: HüHnersubbe....... 0,25 1 Vierländer Hufe...... 2�0 Sirfingkohl mit Rinderbrust. 2,00 Wildschwein....... 2.30 Wildragout....... 2.00 1 Salat......... 0,30 Heute von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends kommen ein großer Posten Hühner, fette Puten und ein großer Posten wilde Kaninchen zum Verkauf. Täglich: Hühnerbrühe a Liter 60 Pf. und darin gekochte Hühner h Stück 10,00 M. Avis! Mittwoch, den 7. Mär�, abends 7 Uhr, im grosicu Taak: Liekldiläsr- Vortrag des Jonrnaliften Alfred Conrad über seine Gefangcnhaltung in Rnsiland und die dcntschen Kolonisten. Vorgeführt in SO farbigen Bildern,(»ine Reise durch den Bosporus und die Dardanellen. Eigene(Erlebnisse tn den Bleiwrrken in Sibirien. Eintritt ist srei Admiralspalast. Schlittschuhläufer- Ballon a. d. Oper..Oer Prophet" und 7? su Fantasie. Vorzfigl. Küche."Anfang 73/4. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 71/, Uhr Trotz des grohen ErsotgeS nur noch furze Zeit Zwd hdls Seriiner Vorher 7':, Ubr bunter Itcil. Ansang deS Stückes 8'l, Uhr. Sonntag 4 Uhr; Die Sache klappt. Xägi. 7'!* Sonnt S'l, u. Vf, Die neue Revue: von Otto Hentter und R. lilehmann. Musik v. Victor Hollünder Regie: Dr. Martin Zickel. Possen- Theater. Täglich 7% Uhr: Der fliegende Holländer. Der alte Wölfl. Glubpunseh Liter 2,00 M. 1 Teil Pansch, 2 Teile siedendes Wasser ergeben ein herrliches süßes Getränk. Billiger als Bier, Kaffee, Tee usw. Ein Glas Warmes stellt sich auf 5 Pf. das beste tägliche Getränk In jedem Haashalt Es wird höfl. gebeten, möglichst Flaschen oder Gefäße zum Abfüllen mitzubringen Neu eingefOhri; Himlesr- mü Upfelsiaen-Gelee. H. Kromer, Berlin N, Oranienburger Str. 66 2. Verkaufsstelle: Reinickendorfer Straße 109. 3. Verkaufsstelle:.» AndreasatraBe 78. ReutersWerke 3 Bände i JTiorf■ Buchhandlung Vorwärts jer unWeriroffea SÄf smat» Gmgsr��Loiden _ üherott Jeder sei gerüstet an dem friedlichen Wettkampfe teilzunehmen, ioi diesem Kriege folgen wird. 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Fertigmacher für Stemdruckerci findet sofort Daueistellung bei 16/4 Mlholrn Bernhard sührungen des Referenten wurde folgende Resolution einstimmig an- genommen; Die Versammlung spricht ihr lebhaftes Bedauern darüber auS, daß das feil V/g Jabien geplante Gesetz iür ein dauerndes Verbot der Nachtarbeit noch immer nicht an den Bundrsrat und den Reichs- tag gelangt ist, trotz der an Einstimmigkeit grenzenden Willenskund- gebung der ini Felde stehenden Angehörigen des Bückergewerbes zu- gunsten der Tagarbeit. Die Versammelten erwarten, daß auch di-S winzige Stück Sozialpolitik nicht weiter im Sinne einer kleinen, abe- scheinbar einflutzreichen Gruppe gegen den fast einmüiigen Willen des gesamten GcwerbtS— Arbeiigeber und Arbeitnehmer— zum Schaden der Inleresien des ganzen Volkes verzögert wird, Die Veriammelten bedauern ferner, dast der Polizeipräsident er- neut das völlig» Verbot der Sonntagsarbeft im Bäckergewerbe ab- gelehnr hat, obgleich die Sonntagsarbeil unter den jetzigen Ver- hälinissen eine übeiflüssige Berichwenduno von Koblen und Licht be- deutet. Die Einführung des EinheltSbroteS in Grotz-Berlin, dos , die Arbeftsloflgleit im Bäckergeweibe erheblich vermebrle, hat die letzten Gründe der Gegner der Sonniagsruhe resilos beseitigt. Die Versammlung beauftragt die Verbandsleiiung, im Sinne der vorstebenN ausgesprochenen Wünsche erneut mit Eingaben an die Behörden heranzulreien.__ Vom Albeitgcbcrverband für das Jsoliergcwcrbe erhalten wir auf Grund des Preßgesetzes die Richtigstellniig, dost der in unserem vorigen Bericki sSö, Februar) wiedergegebene Schiedsspruch lautet: „Für Arbeiten, die vor dem 31. Dezember 1916 in Auftrag gegeben sind, sollen zu dem tariilichen Lohn 30 Pi. pro Stunde Teuerungszulage oezahlt werden, für Arbeilen nach dem 31. De- zembcr 1016 40 Pf. pro Stunde Teuerungszulage." flus der Partei. Jetzt los aus die Gewerkschaften! Diese Parole wird im anarcho'yndikasisiischen„Kampf" auSgegeben- Der„bureauklalische Ausbau" und die„Machliülle der Beamten" lasse eine Reiormierung der freien Gewerkschaften van innen heraus ebensowenig zu. wie eine Umgestaltung der iozialdemokraiischen Pariei. Beide seien weiter mchtS. als„ein Häuft» orgauifiert« Verwesung". Nach dieser geschmackvollen Bezeichnung wird dann weiter getagt, dast eine andere Gewerkschaftsbewegung auf ganz neuer Grundloge geschaffen werden müffe. Das Fundamem dieser neuen Bewegung muffe der Kampf sein: der Kampf„unter allen Umständen" und„in jeder Lage". Weiter denken sich die iyndikalistischcn Herren die Sache so, dast alles � in einen Topf geworfen wird. Die Interessen aller Arbeilcr seien ja doch die gleichen, warum also die Schranken zwischen Metallarbeitern und Heimarbeitern, zwischen Bäckern und Bauhandwcrkein? Dann haben wir den syndikalistischen Allerwelts-Arbeiierbund nach romanischem Muster, in dem viel debattiert, radikale Beichlüffe geiastt werden, wo aber nichts er- reicht werden kann, weil die Unternehmer vor den großen Worten leider verdammt wenig Respekt haben. Die„GewerkschailSbureaukraiie" muß natürlich beseitigt werden. Gewerkschaftsangestellie? � Wozu braucht man solche in den „reinen Kampsorganisationen", die nicht mehr Unlerstützungs- Vereinigungen sind? Man sieht, die Syndikalisten vom Niederrhein wollen da wieder anfangen, wo die„Lokalisten" Ansang der neunziger Jahre ge- standen haben. Die berühmten Sechiervereine, die den Kampf zu führen dachten mit dem„Idealismus der Massen". Dast dieie Art Gewerkschaftsbewegung heute Aussicht auf Erfolg habe, werden auch die Syndikalisten nicht erwarten. Aber darauf kommt es schließlich nicht an, sondern der Wille, das alte Bewährte nieder- z u r e i st e n— das ist der Zweck der llebung. Weltfremde Schulmersterei. Ein lhpisches Beispiel dafür, was Schreibstubengclehrscmrleit und verbissener Doktrinarismus der Arbeiterbewegung mitunter zumuten, bietet der Genosse Dr. N a ch i or s o n, einer jener rufst- schen Emigranten, der aus dem sicheren Port der schweizer Neu- tralität dem Weltkrieg zuschauend, den um ihre Existenz ringenden Völkern gelassen weise Lehren erteilt. In der Monatsschrift der schweizer Partei„Neues Leben" schreibt er über die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie und macht dabei der Mehrheit be- sonders ihre Stellungnahme gegenüber den von der Entente auf- gestellten Kriegszielen zum Vorwurf. Weil Genoffe E b e r t ein- mal ausgesprochen hat, dast mit der Verwirklichung der Kriegsziele des Zehnverbandcs Deutschland politisch unter den Einflust Ruß- lands käme, wirtschaftlich von Gnglqnds Gnade-abhängig würde, stellt ihn Nachimson mit Rohrback und Reventlow in eine Linie. Dabei ist genau dasselbe, was Eberl geiagt hat, von der deutschen Minderheitssstte ebenso scharf, ja noch viel schärfer ausgesprochen worden. Wir könnte« hierfür zahlreiche Belege auS den Blättern der. Arbeitsgemeinschaft, ja auch der Spartakusgruppe bringen; auch Kauisky hat uns ich Ver« laufe einer Polemik in der-Leipziger Bolkszeitung" ausdrücklich zugestanden, dast die Kriegsgiele der Entente, wie sie in der Wilson- Rote zum Ausdruck kommen, für Deutschland schlechthin ver- n i ch t e n d fin d. Ganz anders der weise Nachimson. Nach ihm können nur „eingeflerschte Imperialisten" so etwas behaupten(also ist KautSky nach Nachimson auch ein eingefleischter Jmperilist). Nachimson. obwohl er selber den Eroberungscharakter der Ententenote zuge- steht, schreibt wörtlich: Angenommen selbst, dem Vierverband gelänge eS, Deutsch- land die polnischen Provinzen und Elsast-Lothringen zu entreißen. von Oesterreich-Ungarn verschredenc Teile abzutrennen und die Türkei auS Europa zu verjagen. Teutschland würde dann nicht mehr eine über Europa gebietende Großmacht sein; der poli- tische Einflust Rußlands würde in der Tat sehr groß«erden, ein Umstand mehr, damit sich die Sozialdemo- kraten au? den VicrverbandSlänoern mit aller Energie gegen diese Forderungen ihrer Regierung wenden müssen. Warum sollte (aber ein demokratisches Deutschland nicht unabhängig bleiben können? Warum sollte es sich nicht den anderen Demokratien Europas zur gemeinsamen Wahrung ihrer Selbständigkeit an- schließen können? Aus jeden Fall: Was könnte den dcut- schen Arbeiter hin Veen, weiterhin zu arbeiten und den deutschen Kaufmann, die Ware nach allen Herrenländt.rn zv verkaufen? Nach Ebert tonn aber nur eine Großmacht, die fremde Völker unter- j o ch t, freien Handel treiben. Also ein Deutscher, der sich dem Eroberungsprogramm der Entente widersetzt, ist ein Mann, der Unterjochung fremder Völker fordert! Auf die ethnographischen Kenutniffe des Gcnoffen Nachimson, der nicht zu wissen scheint, dast Elsaß-Lothringen zu vier Fünfteln von Deutschen bewohnt ist, daß auch die sogenannten polnischen Provinzen Millionen Deutsche beherbergen und ihre Autrctung auch den Verzicht auf das rein deutsche Ost- Preußen in sich schlösse, wirft dieser Satz das denkbar traurigste Licht. Daß dieser große Theoretiker vor dem Herrn sich aber allen Ernste» einbildet, ein von Rußland und England diktierter Friede würde die EntwickelungSmöglichkeit der deutschen Volks- Wirtschaft unangetastet lassen, da» läßt seine Stubengelchrsamkeit erst im vollen Lichte der-- Weisheit erstrahlen.— Nachimson erklärt sogar den Hugustbeschluß des Parteiausschusses von 1015 'für ein Bekenntnis zum Imperialismus, weil in ihm die Auf- rcchtcxhaltung'des Machtbereichs deS Deutschen Reiches gefordert wird,„also auch semer Kolonien sowie der Türlei. Brävo? Dar prinzipienfeste Antiimperialäst uwß natür- lich die Abtretung der Kolonien an England fördern? Zur Neuorganisation der Partei. Bergangenen Sonntag haben sich in Barmen als sozialdemokratischer Parteivercin für Elberseld-Barmen die Mitglieder konstituiert, die auf dem Bosen der Partei stehen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Genosse Haberland- Barmen gewählt. DaS Parteiorgan, die„Freie Presse", wird jetzt vom Genossen W o l d t geleitet. In Braunschweig, das die Spartakusleute als ihre sichere Domäne betrachten, hat sich die Bezirksversammlung eines Staotbezirks für die Parteimehrheit ausgesprochen. Darauf großer Aerger des„VolkSsreuudeS". Tie Kreiskonferenz des 22. llKichStagSwahlkreises (Reichenbach) stellte sich mit 23 gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung auf den Boden der Beschlüsse des Parteivorstan- des und Parteiausschusses. Eine VertraucnSmänncrdersammlung für den 1. sächsischen Reichstags Wahlkreis(Zittau) war von 28 Delegierten be- sucht, deren größerer Teil auf dem Mindcrheitsstandpunkt standen. E i n st i m m i g jedoch wurde eine Resolution angenommen, welche sich gegen jede Spaltung der'Partei wendet. flus Industrie und Handel. Weniger Bauknote«— Mehr Goltz! In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung des Zentral- auSi'chusseS der Reicksbank besprach der Vorsitzende, Präsident des Rcichsbanksdirektoriums Dr. Havenstein. die llebcrsicht über den letzten Monat, wies dabei auf den fortgesetzt starken Derbrauch an Zahlungsmitteln hin der die ernste Pflege des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zur Pflicht mache, und knüpfte hieran einen warmen und dringenden Appell an die Mitglieder des Zentralausschusses, in den ihnen nahestehenden Kreisen für die von der Reichsbank angeregte Gold- und Juwolensammlung nachdrücklich zu wirken. Durch die Goldiammlung werde der Goldschatz der Reichsbank in wünschenswerter Weife verstärkt, während die zum Verkauf ins Ausland eingelieferten Juwelen die Beschaffung von Devisen behufs Deckung der unumgänglich notwendigen Ein- fuhr wesentlich erleichtern._ Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Gesellschaft sür elekirifche Hock- und Untergrundbahnen hat ohne die Scköneberger. Wilmers- dorfer und Dahlcnier Bahn im Februar 1017 0,1 Millionen gegen 6.6 Millionen Pcrionen in der gleichen Vorjahrszeit beiörderi. Die Einnahmen betragen in diesem Monat 1.2 gegen 0,87 Millionen Mark im Vorjahre und ieit Jahresbeginn 2,5 Millionen Mark gegen 1.8 Millionen Mark. Dagegen find die Einnahmen der All- gemeinen Omnibus-Gesellschaft mir 244 332 M. erheblich kleiner als im Vorjahr, wo sie 381 880 M. betrugen, oder gar im Jahr 1014, wo sie noch eine Million Mark überirafen. Dr. Helfferich als Auwalt der Händler. Ter Bund deutscher Getreide-, Mehl-, Saaicn-, Futter- und Diiiigermiltelhändler hat sich erkundigt, ob der Vortrag„Reich"- gelreide jetzl und später", den der UnierstaatSsekretär Michaelis Anfang Dezember gebalien hat, den Ansichten der ReichSregierung enlsprickt. Dr. Helfferich verneint die Frage und fährt dann fort: Die schweren Schädigungen, die der Handelsstond infolge der KriegSmastnabmen vielfach erlitten bat, werden von mir ebenso- wenig vei könnt, wie die Tatsache, dast er seine Aufgabe in Friedens- zeften im allgemeinen in zusriedenstellender Wciie erfüllt hat.� Im übrigen darf ich auf meine Ausführungen im ZieickstagS- ausichust für Handel und Gewerbe über die Ueberst'ihrung der Kriegs- in die Friedenswirtschaft Bezug nehmen. Der Staatssekretär de» Innern wird sich mit seiner günstigen Beurteilung deS Lebensmiilelbandels nicht die Shrnpathien der objektiv Denkenden erobern, die es verichmäben, nach dem Be-iall einzelner Berufsgruppen zu haschen. Wo der Handel eingegriffen hat, bat er versagt. Er steigerte die Preise und konnte doch nicht den Bedarf besriedigen."_ Soziales. Die Lücke» m der Bersirfjcrung der im Hllfstzieust Tätigen. In unserer gestrigen Uebersicht über die Versicherung der im Hilfsdienst Täligen erwähnten wir schon, daß die Verordnung über die Berstcherungspflicht dieser Personen nicht in allen Fällen den zu stellenden Anforderungen entsprechen. Das gilt namentlich iür das Gebiet der Unfallversicherung. Hier sind erhebliche Lücken aus- zusüllen, und es ist dringend zu fordern, dast da» bald durch eine neue Verordnung oder durch ein besonderes Gesetz geschieht. Die Versicherung gegen Unfall ist nur insoweit gegeben, als es sich um die Beschäftigmig in einem nach dem geltenden Recht gegen Unfall versicherten Betrieb handelt. Eürertei ist es dabei, ob diese Beschäftigung im In- oder im Auslände ausgeübt wird. Durch diese Toriache enlfallen aber eine ganze Reihe von Personen der Veisicherung. die an die Stelle von solchen Personen treten, denen' reibst oder deren Hinterbliebenen ein Anspruch aus Berioiguiig zu- stand. DaS ist umsomehr der Fall, als es sich hierbei um Leistungen handelt, die bisher auf Grund eines PrivatdienstvertrageS nickt geleistet wurden. Man braucht nur an die Beschäftigung rm Sicherheirsdienft(Bahn- und Brückenschutz. Gefangenen- und Gcfängnisbewochulig, an die Bedienung von Oiffzieren sOfstnersburicheiis zu denken, um ioforl zu erkennen, dast die be» solcher Beschäftigung tätigen Personen nickl der Unsallversichcrung umersteheii. S:e werden eben in der Mehrzahl der Fälle mchr in einem gegen Uniall veisicherren Betriebe ihreS Amtes walten. Dabei ist in den Aul- fordcrungen de» KriegSamt» zur freiwilligen Meldung gemäß§ 7 Absatz 2 des Hilssdienstgesetzes ausdrücklich gesogt, daß die Ver- sorgung HilsSdienstpslichtiger. die eine Kriegs dicustberchädiguiig erleiden, und ihrer HinlerRiebenen, noch besonders geregelt werde. Es ist- hier zwar nur von einer Kriegs dienstbeichädigung die Rede, aber man mußte doch annehmen, dasp eine Versorgung gegen jede Dienstbeschädigung gemeint fei«. Denn gegen eine Kriegsdrenst- beichädigung sind schon manche tz«ier Personen aur Grund deS§ 35 deS Offizielspensionsgesetzes sichergeslelll. In diesem Paragraphen wird nämlich bestimmt, dast diejenigen, die zum Heere im privalrechllichen LertragSvcrhältniS erneS Dienstverpflichielen stehen, infolge einer durch den Krieg berbeigerübnen Dienstbeichädigung Ansprüche auf PensionSgebübrnisse erwerben. Run gilt ober nickt jede während des Krieges erlittene Dienstbeschädigung als KriegSdienstbeschädigung. To» trifft nur jiir solche Ticnstbeichädipungen zu. die durch den Krieg erlitlen sind. Die Dienstbeschädigung muß unmiltelbar oder mitielbar ausi die durch den Krieg geichaffenen besonderen Verhüll- nisie und Fäbrlichkeilen zurückzuführen sein. ES muß erwiesen sein. dast bei den Beschädigunaeu EmWsi'e zur Geltung gekommen sind. die dem Kriege ihre Entstehung verdanken, dast also Sie Beschädigten der durch den Krieg gesteigerten Möglichkeit der Beschädigung er- legen sind. Demnach werden die während der Dauer cineS Krieges enlstandenen Diensibeschädiguiigen. von denen nach Lage der Ver- hältnisie angenommen werden muß. dast sie auch während deS Friedens eingetreten wären, nicht als.KriegSdiensibe'chädigungen angesehen. Nicht betroffen von der Vorschrift des§ 35 werden auch jene Personen, die ber Zivilverwaltuiigen beschäfligl sind, und' zwar auch dann nicht, wenn diese Beschäfiiguirg im besetzten Gebiete erfolgt. Diese reckt empfindliche Lücke, die hier noch klafft, wäre leicht zu schließen durch eine Vorschrift, die etwa besagen würde,„der Unfallversicherung unterliegen alle diejelrigenPersonen. die aus Grund freiwilliger Meldung oder auf Grund behördlichen Zwanges zum Hilfsdienst im Heere oder bei der HeereS- oder einer Zivilverwaltung herangezogen wer- den, sofern ihre Versorgung nickt erfolgt auf Grund deS§ 35 des OffizierSpensionSgesetzes". Mil einer solchen Vorschrift würde lediglich eine Gleichstellung der auf Grund deS HilsSdienstgeietzeS zu bestimmten Tätigkeuen herangezogenen Penonen mit denen, an deren Stelle sie geireten sind, erfolgt sein. Bisher handelte eS sich hier zumeist um Svidalen. die bei jeder, auck bei einer Dienstbeichädigung, die eine Leein- trächtigung der ErwerbSiähigkeit zur Folge hatke, veriorgunnS- bereckligt waren. Ueberfehen können die im vorstehenden erwähnten Fälle nicht sein; wir kommen daher zu der Annahme, daß ihre Beriorgung durch eine weitere Verordnung oder durch ei» be'oiideres Gesetz in Aussicht genommen ist. Daß daS bald geschieht, liegt lediglich im Interesse der Durchführung des Hilssdienstgesetzes. den» bei der mangelnden Versorgung wird sich doch manche ionst zu solcher Bc- fchähigung bereite Person von der freiwilligen Meldung abhalten lassen. Ist diese Verordnung in Vorbereitung 1 Achtstündige kommunale Arbeitszeit m Norwegen. , Für sämtliche kommunale Arbeiter der norwegischen Hauptstadt ist nunmebr der achrstündrge ArbeilStag>48 Stunden>n der Woche) festgelegt worden. Die Einführung der gleichen Arbeilszrit wird in einer Anzahl anderer Städte des Landes erwogen. Dera»two'.'llich jür Polilrk: Hermanu Müller. Teinvelhos; sür den übrigen TeU d. L kaltes Alfred Scholz. Neatölln; sür Inserate: lt). Glocke. Berlin. Druck o. Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u. BerlagSanftalt Paul Singer& Co. Berlin 8W. Hierin 1 Beilage und Uaterhaltangsblatt. ür. 60. 84. Jakraaug 11 Freitag 2. Mml 1917. Reichstag. 85. Sitzung. DonnerStacz, den 1. März, mittag-5 12 Uhr. Am Bundesratstisch: von Stein, Zimmermann, Helfferich, Roedern. Ter dritte Tag der Etatdebatte. Kriegsminister von Stein: DaS Los unserer Gefangenen in Feindesland ist gestern hier berührt worden. Die Zeitungen haben Zusammen- stellungen über Grausamlelten unserer Feinde gebracht, die in unserem Volke heiligen Zorn entsachen werden. Am schlimmsten ist die Lage in Frankreich.(Hört! hört!) Die Verhältnisse dort sind nicht besser, sondern sch l> m m« r geworden.(Hört! hört!) Die Freiheiten, die wir den Gefangenen in unseren Lagern angedeihen lassen, kennt man in Frankreich nicht.(Zuruf: Barbaren!) Daher haben wir diese Freihellen in unseren Gefangenenlagern abgeschafft. (Sehr richtig!) Die(S�genmatzn ahmen werden so lange in Gellung bleiben, bis wir die Nachricht von ihrer Wirkung drüben erhalten haben werden.(Sehr richtig!) Tausende von gefangenen Deutschen müssen unmittelbar hinter der »ranzösischen Front im Feuer unserer Geschütze arbeiten! (Hört! hört!) Versuche dieser Unglücklichen, sich gegen das Feuer zu decken, haben französische Offiziere mit der Waffe abgewehrt.(Pfui! Pfui!— Kuliurnation!) Wir hoben Gegen- maßregeln ergriffen und französische Gefangene in dieselbe Lage hinter unserer Front gebrocht.(Zustimmung.) Das Gemeinste ist, datz gerade in letzter Zeit unsere Gefangenen von den Franzosen mit allen Mitteln gequält werden, um Aussagen über militärische Verhältnisse von ihnen zu erhallen. Bon diesem schauderhaften LoS werden in erster Linie Lssiziere und Uliteroisiziere betroffen. Man sperrt sie tagelang in käfigartig« Behälter und läßt sie hungern, um fir mürbe zu mache»! (Stürmische Entrüstung: Rufe: Pfui I Pfui!— Unerhört!) Es ist der Front anbefohlen worden, auch französische Gefangene einige Zeit zurückzuhalten und in eine ahnliche Lage zu bringen. Nur Gemeinheiten begehen wir nicht. Unsere' Feld- grauen drängen sich zwar neugierig hinzu, wenn französische Gefangene vorüberziehen, ein Schimpfwort habe ich ober nie gehört und eine Tätlichkeit nie gesehen.(Beifall.) Das sind wir Barbaren! Ich weih, dafi unsere Gegenmaßnahmen nicht überall mit derselben Schärfe erfolgen, denn da zeigt sich die deutsche Gulmüligkeit und Gefühlsduselei. So meldeten jüngst die Bläiter, daß auf einem unserer nordischen Seen große E i s f e st e gefangener französischer und englischer Ofsi- zie'e stattfänden. Ich habe der Sache sofort ein Ende ge- m acht.(Bravo!) Dann sollen in einigen Gefangenenlagern alle möglichen Wohlfahrtseinrichtungen bestehen, wie sie bei uns üblich sind. ArbeiterauSschüsse z. B.. die� zwischen den Gefangenen und Arbeitgebern verhandeln sollen, wollte sich die Nach- richt bestätigen, so werde ich dem groben Unfug ein Ende machen.(Lebbaste Zustimmung.) Jn'Eng land liegen die Dinge anders. Die Engländer leugnen meist alle Schandtaten, doch muß anerkannt werden, daß die Behandlung besser geworden ist. Aber auch die Engländer beschäftigen viele unserer Ge- fangenen unmittelbar hinter der Front im Feuer. Deshalb ist Gleiches mit Gleichem vergolten worden.(Beifall.) Deutsche Gefangene werden in französischen Hafenstädten durch die Engländer unter ungünstigen Verhältnissen zu übertriebenen Arbeiten angehalten. Wir haben an beiümmten Stellen der Front auch englische Gefangene in die gleiche Lage verletzt.(Beifall./ Sollte eine Sonderbehandlung unserer U-Boot-Kämpfer Platz greifen, so werden wir das sofort mit ähnlichen Maßnahmen beantworten.(Lebhaft« Zu« flimmung.j In Rußland ist trotz mancher Ausnahme die Bee bandlung eher besser als schlechter geworden. Wir danken das der hingebenden Tätigkeit des Schwedischen und Däni- scheu Roten Kreuzes.(Stürmischer Beifall.) Auch der König von Spanien hal in derselben Richtung seine Hilie angeboten.(Beifall.) Alle diese warmherzigen Bestrebungen begrüßen wir mit au fr ick« l i g e m Dank.(Stürm. Beifall. Zuruf rechts: Wo bleibt Amerika?> Das Schicksal unserer verschleppten Landsleute aus Oft preußen und dem Elsaß birgt wohl noch größere Tragödien.(Sehr wahr l) Im Ausland entrüstet man sich, daß belg'rsche Arbeiter nach Deutschland übergeführt sind. Die Belgier find untere Feinde und mancher von ihnen wird seinerzeit ous sicherem Versteck auf unsere Ti Uppen geschosien haben.(Sehr richtig!) Da stehen mir meine ostpreußischen und elsäisischen Lands« leule doch näher.(Lebhafter Beifall.) Leider konnten wir gerade für diese Unglücklichen bisher nur da« Wenigste erreichen. Frankreich versteckt sich hinter allen möglichen Ausreden.(Hört! hört!) Aus Rußland ist eine Schwester, die 50 Kinder mitbringen sollte, allein zurückgekehrt.(Lebhaftes Hört! hört!) Unsere unglücklichen Kameraden in Feindesland leide« schwer seelisch und körperlich, weil sie fürchten, man hätte sie zu Hanse vergeffen. Wir wollen keinen Zweifel daran auskommen lassen, daß wir diesen Kameraden für das schwere Opfer danken, da- sie in ihrerLage für ihr Vaterland bringen.(Stürmischer Beifall.) ES sind nicht immer die schlechtesten Soldaten, die gefangen genommen werden. (Lebbaste Zustimmung.) Wenn unsere Gtfnngenen nach Beendigung deS Krieges zurückkehren werden, werden wir ihnen unsere An- erkennung nicht versagen.(Wiederholter stürmischer Beifall.) Abg. Dr. Mayer-Kaufbonren(Z) nimmt das bayeriiche Verkehrsministerium und das Stellvertretende Kommando des ersten bayerischen Armerkorps gegen die Angriffe S ch c i d e m a n n s, als hätte es die Malzschieber be- günstigt, in Schutz. Gewiß wäre eS richtiger gewesen, die Malzschieber sofort der StaatSanwaltschasr zu überliefern, aber die Höchststrafen sind leider nur 15 000 M. und da wollte das General- kommando zunächst von den Riesengewinnen selbst einen beträchtlichen Teil für die StaatSkasie zurückerhalten, ohne übrigens einem gerichtlichen Verfahren zu präjudizieren. Wir sollten die Konseauenzen ziehen und bestimmen, daß derartig unrechtmäßig erworbener Gewini, im Weg« der Konfiskotlon der Reichskasse zugeführt werde. — Auf daS preußische Fideikommißgesetz gehe ich nicht ein, die Sache gehört in den Emzellondtag.— Bei der endgültigen Regelung der Finanzeil nach dem Kriege können wir nicht einfach die Vermögenssteuer dem Reiche zuweisen, die Einzelstaaten müssen Mittel zur Erfüllung ihrer Ausgaben erhalten.— Die neuen Steuern geben uns in ihrer Höhe einen Vorgeschmack davon, was uns erwartet, wenn wir keine Kriegsentschädigung erhalten. Wir halten es mit dem Wort deS Reichskanzlers: .Ein dauernder Friede, der Entschädigung gewährt für alle erlittene Unbill." Im einzelnen werden die neuen Steuern in der Kommission natürlich sorgsam zu prüfen sein, speziell die in unsere Wirtschaft so tief einschneidenden Verkehrssteuern und die Kohlen- steuer. Bei dem Zuschlag zur Kriegsgewinnsteuer sollte man einen Anfang mit dem Kinderprivileg machen. daS meine Freunde im übrigen bei allen Steuern wünschen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Tcyda(Pole): 28aS daS Reich zur Kriegführung braucht, muß ihm gegeben Verden. Von diesem Gesichtspunkt au? werden wir die neuen Steuern in der Kommission prüfen.— In der Kritik der RegierungS- Politik haben wir uns Reserve auferlegt, nicht um den Burgfrieden zu wahren, aber um auch nicht den Anschein zu erwecken, als ob wir dem Reiche Schaden zulügten. Aber alle unsere Klagen in der Kommission haben nichts geholfen. Die Ausnahmegesetzgebung gegen uns wird nicht beseitigt, und die AuS- nhbmemaßregeln werden keineswegs, wie versprochen, milder gestand- habt. Der schmackvolle Sprackenparagraph besteht noch immer, und keineswegs nur auf dem Papier. ES muß endlich ein W e ch s e l in der preußischen Polenpolitik und in der des Reiches eintreten. Wir leben in der Hoffnung, daß sich durch das Meer von Blut doch die Einficht bei der Menschheit durchdringen wird, daß kein Volk das Recht bat. ein anderes zu unterdrücken.(Lebh. Beifall bei den Polen. Zuruf bei der D. F.: Haben Sie eine Ahnung von den polnischen Juden.) Abg. Keil(Soz.): Ueber die Behandlung deutscher gefangener Soldaten durch unsere Feinde, wie sie der KricgSminister erwähnte, sind natürlich auch wir empört. Wir wünschen aber dringend, daß an dem guten Grundsatz festgehalten wird, den vor kurzem die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" proklamierte. Selbstverständ- sich werde es Deutschland weit von sich weisen, einen Wettlaus in dieser Barbarei mit irgend einem Volke der Welt zu unternehmen.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Sind Repreffasien notwendig, dann möge man jedenfalls bei den höchsten Offizieren unter den feindlichen Gefangenen anfangen, nicht aber bei den gemeinen Soldaten, die keinerlei Verantwortung tragen für die Scheußlich- leiten französischer Offiziere oder Regierungsstellen. Wenn aber weiter der Kriegsminister sagte, er werde ein Ende machen mit den ArbeiterauSschüsse» der bei uns beschäftigten Gefangenen, so zeigt da§ einen erheblichen Mangel an sozialem Verständnis. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Einsetzung solcher ArbeiterauSschüffe wird in den meisten Fällen ebenso in unserem Jntereffe liegen als im Interesse der Gefangenen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. L e d e b o u r hat sich gestern wieder einmal in seinen burlesken Scherzen geübt. Die persönliche Seite ist erledigt durch die Bemerkung, die ihm gestern mein Freund Scheidemann gewidmet hat. Aber sachlich mutz ich doch noch einiges zu seinen Ausführungen bemerken. Ich richte mich dabei nicht an feine Adresse, denn ihm hat die grausame Natur den Sin» für Sachlichkeit voll- kommen versagt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich richte mich vielmehr an die Adresse derer, die etwa hinter der inkonsequenten W e l t f r e m d h e i t, zu der sich die Sozialistiiche Arbeitsgemeinschaft nach ihrem eigenen, führenden Pretzorgan bekennt, ernste politische Gedanken suchen. Die Interpellation über die polnische Frage haben wir im Dezember aus dem Grunde nicht unterstützen können, weil sie uns erst 6 Minuten vor Schluß unserer letzten Fraktionssitzung vorgelegt wurde, so daß eine gründliche Prüfung der Tragweite unmöglich war. Durch seine Ausführungen über die deutschen Prinzen auf fremden Thronen hat der Abg. Ledebour belviesen, daß er von der marxlstischen Geschichtsauffassung keine Ahnung hat. Für den Marxisten wäre es im Gegensatz zu seinen Ausführungen nur verwunderlich, wenn Gefühl, Wunsch und Neigung dieser Fürsten den Sieg davon getragen hätten über die materiellen Interessen des Volkes, an dessen Spitze sie zufällig stehen. Mit seinen Varietöscherzen über diese Dinge hat Ledebour nur be- wiesen, daß er heute noch derselbe rabiate Spießbürger ist. wie vor 25 Jahren, als er bei der Sozialdemokratie Unterschlupf suchte.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat er uns wieder die Verantwortung für die Politik der deutschen Regierung zugesprochen, weil wir die Kriegskredits genehmigtest. Dabei hak er selbst zweimal de» Kriegskrediteu zugestimmt. freilich zu einer Zeit, als eS ihm noch nicht geheuer schien, dagegen zu stimmen und Reden von dem Schlage der gestrigen zu halten. Das zeigt auch, wie wenig gerade er dazu berufen ist, anderen Leuten den politischen Mut abzusprechen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eine Reihe seiner FrakiionSfreunde haben den Kriegskrediten sogar drei-, viermal aus innerster Ueberzeugung zugestimmt. Mlt denen sollte er sich also in erster Linie auseinander- setzen. Mit unserer Verantwortung steht eS so: W i r h a b e n d i e Mittel zur Verfügung gestellt, für die Abwehr der unserem Volke drohenden Gefahren.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir wollen, daß unser Laud unversehrt bleibt und unser Volk seine nationale Unabhängigkeit behält.(Sehr richtig!) Um dieses Zweckes Ivillen tragen wir gern die Verantwortung sür die Zustimmung zu den Kriegs- kredilen vor jedem deulschen Volksgenossen.(Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) Demi bei aller Achtung, die wir der gesamten übrigen Weit nicht schuldig bleiben, vergessen wir doch nie, daß wir zwar Sozialdemokraten, zugleich aber auch Deutsche sind. Der Abg. Ledebour will nur dann für die Kriegskredite stimmen, wenn die Russen an der Oder o.der die Franzosen am Rhein stehen. Also dann will er der Regierung un- bedingtes Vertrauen bekunden! Wir haben daS Gefühl, daß wir die Beranlworiung für unsere Haltung viel leichter tragen können, wenn wir von vornherein verhindcrn, daß die Feinde unser Land verwüsten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdenio- traten.) � Für Entscheidungen, denen wir nicht zugestimmt haben, fällt unS auch kerne Verantwortung zu. DaS gilt für stra- t e g i s th e Entscheidungen der militärischen Stellen und für politische Entscheidungen, die von der Regierung allein ohne Mitwirkung des Reichstages getroffen werden. Mit den Lippen hat sich der Abß. Ledebour gestern ja auch zur Landesverteidigung bekannt, sein Lippenbekenntnis steht freilich in, schörssien Kontrast zu feinen Taten. und aus die Taten kommt es doch an, nicht währ, Kollege Haase? (Abg. Scheidemann: Sehr gut! Wird schon verstanden!) Marx und Engels waren erheblich anderer Ansicht über die Pflicht der Sozialdemokraten in Kriegszeiten als Ledebour. Welche? sind denn eigentlich feine wahren entscheidenden Gründe für die Kredit- ablehnung? Von denen, die er gestern genannt hat, hat immer einer den anderen aufgehoben.(Sehr gut! bei den Sozialdcmo- kraten.) Wie steht es denn zurzeit' mit der FriedcnSmöglichkeit? Es ist wirklich zu bedauern, daß er nicht die Möglichkeit hat, unseren Gegnern im Namen Deutschlands zurzeit ein Friedensangebot zu machen. Die Anttvort. die er bekäme, wäre jedeiifalls sehr heil- s a m. Nur ein politisches Kind kann glaube», daß wir mit den Bedingungen, die auch er gestern stellte, jetzt den Frieden bekäme». (Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Er setzt seine Hoffnung auf die ausländischen S o z i a l i st e n. die mit ihm gleichen SinncS sind. Ich wünsche ihm viel Glück dabei— die deutsche Sozialdemokratie und ihre Leitung hat während des ganzen Krieges ihr Möglichstes in dieser Richtung getan—, aber mit leiner gestrigen Rede hat er seinen Freunden im Auslände wahrlich diese Arbeit nicht erleichtert, denn sie dient dazu, die gegnerischen Re. gierungen, deren Kriegswillcn die ausländischen Sozialisten brechen sollen, in ihrem VernichtungSwilien gegenüber Teutschland noch zu bestärken.(Sehr wahr! be! den Sozialdemokraten.) Im übrigen sehen wir es nicht als unsere Aufgabe an, in dieser hochernften Zeit uns wollüstig in Frotzelc-ien und Witzeleien niedrigster Art zu wälzen, für die I eh ten Endes unsere Sol» daten in den Schützengräben mit ihrem Blute die) Zeche zu zahlen haben.(Lebhafte Zustimmung bei den So» zjaldemokraten,� Graf Westarp hat sich gestern erfolgreich bemüht, die Berech- tigung dessen zu beweisen, was Scheidemann den ErobcrungSpoli- tikern ins Stammbuch geschrieben hat. Hätte er diese Rede am 12. Dezember halten können, so hätte sie unfern Gegnern die w i l I-- k o m m e n st e Begründung zur schärfsten Ablehnung unseres Friedensangebots gegeben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damit hätte er die Erklärung des deutschen Volkes über das Scheitern des Friedensangebots aus sein Haupt geladen. Er kann uns also dankbar sein, daß wir ihn davor behütet haben. Freilich ist die Rede nicht ungefährlicher dadurch geworden, daß sie erst gestern gehalten wurde. Diese Art der Neuaufteilung Europas, der Befreiung der Flamen, die ihn gar nicht darum gebeten haben, der Annexion Antwerpens, der Einverleibung großer Gebiete im Osten usw.. alles aufgebaut auf einen Sieg, für den unsere deut- schen Truppen erst noch unabsehbare Ströme Blutes vergießen müßten,(phm) auf keiner größeren Höhe als die Reden von StammtischMittkern, die bekanntlich die Kriegführung viel besser verstehen, als die hervorragendsten Heerführer. Aber ivenn ein Führer der Konservativen solche Politikastereien vorbringt, so hat das immerhin größere Bedeutung als Stammtischreden; die Folgen haben das deutsche Volk und die d e u t s ch e n Truppen zu tragen, denn solche Reden unterstützen nur die e n g I i s ch e' H e tz e gegen Deutschland in der ganzen Welt; in den neutralen Ländern befestigen sie immer mehr die Meinung, daß Deuts ch l o u d z e r- st ö r t werden müsse, um die Welt von einem gewalttätigen Störenfried zu befreien. Gegenüber dieser zwar� ungewollten. aber sicher eintretenden Wirkung kann nicht oft und laut genug in die Welt binausaerusen werden, daß die Herren. die sich mit solchen Plänen(kragen) die großen Massen des deutschen Volkes ni ch�ssssn t e r 1 i ch haben.(Lebhafte Zu» stimmung bei den Sozialdemokraten), daß der deutsche Reichskanzler erklärt hat. eS sei nie seine Absicht gewesen, Belgien zu annektieren, Deutschland sei zu einem Frieden bereit, durch den auch die Rechte der anderen Staaten gewahrt würden und daß das deutsche, wie auch das ungarische und österreichische Volk dem ungarischen Minister- Präsidenten zustimmte, daß diese Völker auch heute noch zu einer Verständigung bereit sind, über einen Frieden, der Dauer verspricht, und keinerlei Revanckegeist aufkomme» läßt, daß der Krieg nicht eine Minute länger geführt werden soll, als bis da! Ziel der Sicherung erreicht ist. Ich wollte den Staatsmann sehen, der eS wagen wollte, den Krieg über de» Tag hinaus fortzusetzen, an dem daS Ziel der Sicherung unseres Lebens und unserer freien Entwicklung erreicht ist.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Truppen haben wahrlich Große? geleistet. ES häuft sich bei uns eine D a n ke S sch u ld über diese gewaltigen Leistungen an, die wir kaum jemals werden abladen können. Sie werden auch entschlossen weiter kämpfen, so lange für unsere Selbständigkeit gekämpft werden muß. Aber mit welchem Recht könnten wir von ihnen verlangen, diesen Kampf fortzusetzen, wenn das Ziel erreicht ist, das wir uns bei Beginn des Krieges gesetzt haben. Glauben die Herren etwa, daß sie mit ihren Zumutungen an die Truppen auf ihre Stimmung günstig einwirken.(Zuruf rechts: Ja!) Da täuschen Sie sich'gewaltig. Ich bekomme im Laufe der Monate Tausende von Briefen, die mir beweisen, daß unsere Soldaten zwar bereit sind, ihr Land zu verteidigen. tZuruf: Aber nicht umsonst zu kämpfen!) daß sie aber mit verächtlichem Achselzucken auf das Kraft- mciersche Geschwätz hinweggehe», das komisch klingen würde, wenn es nicht mit so blutig ernsten Folge» verknüpft wäre.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Sie(nach rechlS) müssen sich ein neues Heer vom Monde herunterholen und Soldaten mit einer Kraft so groß wie der Mund gewisser Redner des Bundes der Landwirte, (Sehr gut!b. d. Soz.) verschaffen, wenn Tie Ihre Ziele verwirklicheu wollten. Sobald eine Verständigung möglich sein wird, muß der S-bluß deS Kriege« eintreten, so denken die Truppen und die große Mehrheit deS Volte« daheim.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Und ein Glück für unsere Zukunft, daß dem so ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Verwirklichung der Ziele der Annexionisten müßte dazu führen, daß die ganze Welt vom Revanchegeist gegenüber Deutschland erfüllt werden wird, daß sie sich dauernd gegen daS deutsche Volt zusammenschließt. Kann das unser« Auf- gäbe sein? DaS würde unS zu militärischen Rüstungen zwingen, unter denen unsere Bolksw.rtschaft völlig zusammenbrechen müsse. Man spricht immer von dem Sieg, den wir erringen müssen. Wir sagen, wir haben den Sieg errungen in dem Moment, wo wir die gegnerischen Anschläge vereitelt und unsere Selbständigkeit und Freiheit für die Zukunft behauptet haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich komme nun zum Etat und zu den Steuern. Die phan- tastischen Ziffern, mit denen wir im Etat zu rechnen haben, be- weisen, daß selbst, wenn wir. wie wir alle hoffen, eine erhebliche Kriegsentschädigung bekommen, wir uns doch auf neue erhebliche Steuern gefaßt machen müssen. Der Reichsschaysekretär hat unS gebeten, seine Deckungsvorschläge nickt vom Standpunkt der Steuersystematik auSzuprüfen. In der Tat entbehren sie jeder Systematik. Sie fragen nicht nach der LeistungS- fähigkeit der betreffenden Bolksteile und nach der Wirkung auf daS Wirtschaftsleben. Er greift dort zu. wo er den geringsten Wider- stand vermutet, das sind die breiten Massen der wirtschaftlich Schwache». Anderthalb Milliarden Verbrauchssteuern haben wir während deS Krieges schon eingerührt und noch nicht einen roten Pfennig dauernder Besitzsteuern. Denn die Kriegssteuer ist keine Daucrstcuer. Wohl aber werden die Verbrauchssteuern bleiben. Die Kriegssteuer ist überhaupt keine Steuer, sondern nur eine teilweise Zurückerftattung zuviel erhobener Profite; der der Reichskasse abgezapfte Ueber- Profit wird ihr zum Teil durch diese Steuer wieder zugeführt. Selbstverständlich stimmen wir dem vorgeschlagenen Zuschlag zu ihr zu, basten ihn aber kei ncswegs sür genügend. An- gesichts der auf 12 bis 15 Milliarde« zu schäbeuden KriegSgewinne könnten hieraus allein die Mittel gewonnen werden zur Balancie- rung sowohl des vorjährigen als des diesjährigen Etats. Wer in der gegenwärtigen ernsten Zeit auf lauterem oder unlauterem Wege, vielleicht auch indem er das Zuchthaus mit dem Acrmel streifte, Millionen und Millionen aus dem Volk herausgepreßt Hai, verdient keine Schonung und muß angehalten werden. dem Reiche das zurückzugeben, was er aus dem Volke herausge- preßt hat. Der Schatzsekretär sagte, zurzeit nimmt er keine Erhöhung der indirekten Steuern u> Aussicht. Das deutet daraus hin. daß sie später kommen sollen. Von einer Be- lastung des Besitzes aber sprach er nicht. Die Steuern sollen die Leistungssähigcn tragen. Davon ist aber bei den Wer- brauchssteuern nicht die Rede. Man sollte statt dessen an citie soziale Ausgestaltung der Einkommensteuer heran- gehen. Die stärkere Erfassung des Besitzes ist notwendig auch von dem Gesichtspunkt aus, daß den Wohlhabenden im Krieg ihr Wohllebet, und ihre Annehmlichkeiten geschützt werden. Warum nimmt man nicht die Erweiterung der Erbschafts- st e u e r nach englischem Vorbild in Angriff. Naheliegend ist ferner die Wiedererhebung des W e h r b e i t r a g e s. Ein dritter Weg einer Besitzsteuer Ware eine Erhöhung der Reichsvermögens- steuer von 1913, die damals ja auf die Friedensverhältnisse zu- geschnitten war. AIS vierter Weg kommt die Erhebung einer ganz einfachen ReichspermögenSsteuer in Frage. Wenn aber die einzelstaatlichen Minister sich solchen direkten Be- sitzsteuern deS Reiches widersetzen, dann möge man doch einfach be- Ffimmsn, Mc Sutiirsiloiilcn fipjjytimfc JfftSge on? Neich a6> Itcfctn, gleichgültig wie sie sie aufbringen. Dann wird vielleicht der' Widersland der einzelstaatlichen Finanzminister gegen eine RcichSvexmögciwsteuer schwinden. lScbr wahr! bei den Sozial- dcuiotralcin) rille dlcse Möglichkeiten sind einfacher als die Bc- sti'uerung des Verkehrs und der sohlen. Mit diesen Vorschlägen riiitelt d e Schadsekretär an den Fundamenten der deut- ichen Volkswirtschaft. Unser Volk leidet unter der V a h r u ii g s nt i t t c l n o t und den Verkehrsschwierig- k.eitcn. lind in dieser Situation will das Reich den Rahrvngs- nttttclvcrkrlir auf dcn(sifenbahncn noch niit einem Zuschlag von V Proz. belasten, für den der Konsument letzten Endes 20 bis ."(> Proz. zu zählen hätte. Durch diese Steuer mutz die Wirt- i eh a i t l i ch e E n t w ickelnngSiiddeutschlands, die bis- der schon schlvicrig ist. weil Kohle und Erze erst von weit her gc- .Volt, werden muisen, noch besonders crschivcrt werden. Zur Güter- .verkehrsstcuer ioll noch die P e r s o n e n v e r k e h r s st e u e r treten. Wir haben sie schon 1000 bekämpft. Durch das Schön- t'itspslästerchen der Staffelung wird sie nicht angenehmer, sie Keivt reaktionär und unsozial. Aber auf anderem Wege kann der Verkehr dem Reiche nutzbar gemacht werden, durch Schaffung von RcichSeisenbabnrn. TgS einheitliche Wirtschaftsgebiet, das, das Reich darstellt, mutz -auch zu einem einheitlichen Verkehrsgebiet ausgebaut werden. ü-t beim rat Kirchhoff, der eine bierzigjühvize Praxis im Eisenbahn- wesen hat, verspricht sich davon eine Steigerung der Einnahmen von mehr als einer Milliarde. Auch Pom Gesichtspunkt der Wasser- itraßen mutz Die Vcrkehrseinheit geprüft werdeiu Wir brauchen Eisenbahu- und Wasserstraßeileinheit für das Deutsche Reich. Von den gleichen Gesichtspunkten verwerfen wir die K o h l e.n st e u c r. Das Volk leidet unter der Kohlennot. Gegen f: Kohlensteuer ist in der Presse wenig gesagt worden; der Schatz- ietretär bat es verstanden, seine Vortage so länge zurückzuhalten, vis die schlimmste Kälte vorüber war. Der Schsotzsekretär hat es iür selbstverständlich crllärt, jetzt nicht die unentbehrlichen Lebensmittel zu besteuern. Zix den unentbehrlichsten Gebrauchsgegenständen gehört aber auch die Kohle. Allein das Mannheimer Koblenkontor hat einen Gewimi von Millionen bei einem Grundkapital von 14 Millionen Mark. Trotzdem hal es noch eine Preissteigerung durchgesetzt. So wird das Volk von einer ünntn Gruppe ansgepowcrt, an der aber die Regierung vorbei- geht. Mein Parteigenosse»ue hat ein staatliches Kahlen gewin- nungsmonopol und ein Reichshandelsmonopol vorgeschlagen. Mit der Kohlensteuer aber würde das Kohlenmonopol, das wir wünschen, unmöglich gemacht. Diese Steuer bedeutet einen Ilaubzug auf die Taschen des arbeitende» Volkes. Vor der Besitzsteucr n raubt sich die hiegierung aus Furcht vor der Anleihe. Aber man ionnte ja zur Zwangsanleihe greifen. Aber das ist nicht nötig. Tie durch den Krieg reich gewordenen Leute wissen, waZ sie an Deutschland haben und werden sich hüten, ihre Taschen zu- geknöpft zu halten. Die Mittelschichten sind am Zu- i a m m e n b r ech e n, daher müssen wir die Mittel da nehmen, wo sie in Fülle'vorhanden sind. Tic Fortschrittspartei übernimmt < ine grosse Verantwortung, wenn sie diesen Steuern zustimmt. Das widerspräche dem Gesetz: Schutz dcn wirtschaftlich Schwachen, Schutz der Arbeitskraft. Es wäre ein Hohn auf die Bestrebungen der ÄevölkerungSpolitit.(Sehr wahr! b. d. Toz.) Die Steuervor- lagen bedeuten eine Herausforderung an die deutsche Arbeiter- schaft, mit neuen Lohnforderungen hervorzutreten. Das deutsche Volk ist in größter Bedrängnis, es wendet sich hilfesuchend an die Regierung. Die Antwort ist ein Peitschen schlag. Als Krö- nung der Mißwirtschaft im Innern kommt man jetzt mit einer Steuerpolitik, die darauf hinausgeht, die Massen der wirtüftaftlich Rotleidenden noch weiter zu belasten. Ueberlegen Sie sich, was Sie tun. Werfen Sic diese Steuer» in den Papierkorb. Legen Sic dem Besitz dos Opfer ans, die das Reich von ihm in dieser Zeit »erlangen kann. Rnr so dienen Sie dem grossen Ziest unser Land unversehrt ans diesem Kriege zu erretten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stresemann(nall.) begrüßt die Erklärung des Kriegsminstters. Gegenüber einem so lurbarischen Vorgehen der Feinde helfen nur sofortige Ver» g e l t u u g s m a tz n a h m e n.— Den Arbeitgebern darf man nicht zumuten, sich mit freigewählten Arbeiterausschüssen der Kriegs- gefangenen zu unterhalten. Das wäre in der Tat grober Unfug. Dafür zu sorgen, daß die Kriegsgefangenen nicht ausgebeutet werden, ist<-ache der Militärverwaltung.— Die Rede deS Abg. Ledebour hat betviesen. daß auch weltgeschichtliches Erleben keinerlei Einslutz hat auf die Gedankengänge eines Hirns, das von arm- seligem Doktrinarismus erfüllt ist.(Sehr wahr!) Ihn: fehlt das Verständnis für die verantwortungslose Leichtfertigkeit, die in der Ablehnung der Kricgskredite liegt.— Präsident Wilson, der wellfremde Stubengelehrte, kennt Europa nicht, aber er hält 'ich für berechtigt, es zu belehrcii. Niemand von uns wünscht den Bruch mit Amerika. Ich begrütze das Bestreben der deutschen Re- gierung, das Wkomnien aus der Zeit Friedrich des Trotzen aufrecht zu erhalten.?lbcr die w i r t scha st l i w e n Folgen eines Bruches mit Amerika würden nicht nur uns, sondxrn auch Arne« vi f a ebenso schwer treffen.— In der Zeit der Bombenwürfe auf Karlsruhe, der unmenschlichen Behandlung deutscher'Gefangener nannte der deutsche Abgeordnete Ledebour die U-Boot-Waffe eine Unmenschlichkeit. Dabei ist kein Neutraler genötigt, sich der Gefahr der U-Boote auszusetzen.(Sehr wahr!) Als Wiftung des U-Boot- Krieges erkennen wir schon jetzt, daß die Achtung vor Deutschland, das Vertrauen aus den deutschen Endsieg bei dcn Neutralen gs- stiegen ist. lLebh. Bravo I) Ich bin überzeugt, datz uns dieser ver- schärfte U-Boot-Krieg den baldigen Frieden bringen wird. Englands insulare Lage, bisher seine Stärke, wird seine Schwäche. Freitich ist England unser zähester Gegner, er wird ebenso zu hungern verstehen wie wir, und leicht wird uns der Sieg nicht werden. Zu begützen sind die Versuche der Regierung, den Neu- tralen die Wirkungen der Sperre erträglicher zu machen. Wir freuen uns, datz wir jetzt wieder einen Staatssekretär von Fleisch und Blut haben.(Heiterkeit.)— Dem Abg. Keil mochte ich erwidern, datz keine Partei in diesem Hause das ganze Volk vertritt. Er kann nicht wissen, was andere Abgeordnete für Briese von'dcr Front bekommen.(Sehr richtig! bei den National- liveralciu) Auch für die Flamen hat er kein Recht zu sprechen. Datz Lostrennung von Gebieten nicht allein Ncvanchegedanken hervor- ruft, beweist die Tatsache, datz wir jetzt auch Völker zö unseren Gegnern haben, um deren Liebe wir förmlich gebuhlt haben.(Sehr wahr!) Die Angliedcrung neuer Gebiete ist auch eine Frage unserer wirtschaftlichen Lebensfähigkeit, der Stärkung unserer Finanzen nach dem Kriege.— Redner dankt dcn deutschen Truppen in dcn Kolonien für ihre heldenmütige Haltung. tritt für Schutz der Auslandsdeutschen ein und protestiert scharf gegen Bemerkungen des Generaladjuianten de? Kaisers von Löwen- f eltr, die, Deutschen im Ausland vergäßen- in der zweiten Generation ihre deutsche Heimat. Nach den: Kriege wird auch eine Neu- o r i c n t i c r u n g in der Haltung gegenüber dcn G c w e r k- scha f t S fi'ih r e r n erfolgen müssen. Aber auch die Wirt- schaftsfriedlich en dürfen nicht boykottiert werden. Als Träger der Kriegögetoinnsieüer stellt der Abg. Keil die Gesellschaften mit den großen Unternehmungen und großen Gewinnen hin. Er weitz doch aber, datz diese Kricgsgewinnsteuer eine all- gemeine Besitz st euer geworden ist, und zwar eine sehr parke. Auch der Satz: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer ist!nch> richtig. Die Löhne der Arbeiter sind gerade während des Krieg-s erheblich gestiegen. Unter der Teuerung leiden in erster Linie nicht nur die Arbeiter, sondern der Mittelstand und Die Beamicn.(Sehr richtig! bei den Natwnalliberalen.)— Scheidemann sprach von dem einheitlichen Valkswillen zum Durchhalten, brauchte dann aber das unglückliche Wort, Karnmcrzienräte seien in den Schützengräben nicht zu sinden. Kpwmerzienrat wird man eben erst in sehr vorgerücktem Lebens- alter, iwr Sian8 aber, Kaufterke- und Fabrikanten tun ebenso ihre Pflicht in Den Schützengräben wie alle anderen.(Zustim. inung bei dcn Rationalliberalcn.) Ter Staat soll seine Stellung zum Volk revidieren, aber auch der einzelne mutz seine Stellung zum Staat revidieren, und bc- sonders müssen wir die philisterhaste Opposition nicht gegen ein- zelne Staatsmänner, sondern gegen den Staatsgcdanken aufheben, die gerade den Deutschen eigen ist. Das Dreiklafscnwahlrccht ans- recht zu erhalten, daran kann iiicmuiid deuten nach den Erfahrungen jsteses Krieges. Wir bedauern aufs tiefste die Ausschreitungen der'Schutzhaft. Ebenso bedauern wir, datz der Ressortstand uns besiegt hat über den politischen Gedanken bei der Vorlegung ddS Fideikornmitzgesetzes in Preußen. Beim Ausbau unseres inneren Versossungslcbens schrecken wir vor Verfassungsänderungen nicht zurück und werden gern an dein inneren Ausbau mitarbeiten. Fetzt aber regiert Mars die Stunde, jetzt gilt es, alle im Volke vorhandenen Kräfte zusammenzufassen zur Erringung des Sieges, der uns Den Frieden bringen möge, und zwar einen recht baldigen Frieden.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Hieraus vertagt das Hans die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr.(Vorher: Kurze Anfragen.) Schluß 5'A Uhr_ Wgeorönetenhaus. 70. Sitzung. Donnerstag, I.März 4317, vormittags 14 Uhr. Am Ministertisch: v. TrottzuSolz. Die zweite Lesung des Kultusetats (Universitäten, Kunst und Wissenschaft) wird fortgesetzt. Abg. Haeuisch(Soz.): Laut der„Kölnischen VolkSzeitung" ist der Privatdozent Bc r r e y e n- Bonn wegen einiger von der Zenirumspresie an- gegriffener Voriräge über dcn GotieSglauben, unter Aufhebung seiner Reklamation, als Armierungssoldat nach dem Westen geschickt worden. Diese Matzregelung steht in s ch r o f s st e m W i d e r s p r u ch zu der hier so hoch gepriesenen T o l e r a n z. Waren die Universitätsbehörden an dieser Matz- regelung beteiligt? Das Vorgehen der Berliner Universität gegen dcn Studenten Joel war eine bedauerliche Beschränkung der akademischen Freiheit, die in dem un-S verheißenen neuen Preußen keine Stätte haben dürfte.(Sehr wahr! links.) Natürlich sind unsere Hochschulen in erster Linie für deutsche Staatsangehörige da, aber wenn auch die Oeffpung unserer Hochschulen von Fremden, z. B. den Japanern, oft mit schnödem Undank gelohnt wurde, so darf deshalb von einer allgemeinen Ausschließung der Ausländer keine Rede sein. Die Wissenschaft wird nach dem Kriege ihre inter- nationalen Beziehungen wieder ausnehmen, weil sie muß. Die Empfänglichkeit für alles Wertvolle des Auslandes ist von jeher ein besonderer Stolz des deutsche» Geistes gewesen. Auch unter dcn Gelehrten de-Z feindlichen Auslandes haben sich einzelne von der allgemeinen Kriegspsychose ferngehalten, und dem großen französischen Dichter Romain Rolland, diesem Bürger zweier Völker, rufe ich für seine Berständigungsarbeit tiefste Sympathie zu.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Wir begrüßen die Förderung der AnSlandSstudicn, die die gegen- seilige Verständigung und Annäherung sördeni müssen. DaS völlige Versagen so vieler Deutscher Diplomaten und Konsularbeamten vor dem Kriege und im Kriege infolge ihrer Unkenntnis der aus- ländischen Psychologie, die zu unglaublichen Illusionen führte, wird auch in der Denkschrift des Ministers gewissermaßen anerkannt, und wenn deshalb die Politisierung des jungen Deutschen gefordert wird, so wird damir der feierliche Bankrott des alten ObrigkeikSstaateS angesagt.(Sehr wahr! links.) Zwilchen Großkapiialismus und Wissenschaft bestehen gewisse enge Beziehungen. Früher hat das Groß- kapital diirchgefetzt, daß den sogenannten Katbedersozialisten Straf- prosesforen entgegengestellt wurden. Die wissenschaftliche Ten- denz zahlreicher Professoren der Handelshochschulen, aber auch der Universitäten, läuft im wesentlichen mit den Unternehmerinteressen in gleicher Richtung. Ohne die persönliche Integrität dieser Herren antasten zu wollen, verweise ich auf die Namen Bernhard- Berlin, Pohle- Frankfurt, Ehrenbcrg- Rostock, H a r m s- Kiel. Die Subventionierung großer wissenschasllicher Jnstituic durch das Uuternehmerluin muß ihrevie vor in den Univerfitäts» Kliniken verwendet und feine schlimmen Folgen werden t o t g e- schwiegen. Professor BourgerS-Lousanne hat erklärt, daß der Herstellungspreis für das Kilo Salvarsan 8 M.. der Verkaufspreis für das Publikum aber 4 5 000 M. beträgt.(Lebhaftes Hört! hört!) Die Hväister Farbwerke verdienten im Jahre 104.8 daran Iß Millionen Mark. Eine ganze Reihe von Arbeitern, dir durch das Mittel gelähmt worden'sind, führen E n t s ch ä d i g u n g-Z- Prozesse, von denen eiisige beim«ammergericht schweben. Ich verlange, daß in die dunklen Hintergründe aller dieser Dinge nn- barmherzig hineingeleuchtet und nicht das Wohl der leidenden Menschheit einem skrupellosen G e s ch ä ft S s chw in d e l ausgeliefert wird.(Beifall bei den Soz.) > Abg. Kanzvw(Vp.)' Die kurze Anfrage meines Parteigenossen im Reicksiage über Salvarian iit zurückgezogen worden, nachdem, er sich von der II n- r ich t igk c i r seiner Un frage überzeugt halte. Professor Wechsel- mann hat crtlär!. datz kein einziger Todesfall festgestellt fei. Solche unhaltbaren Angriffe erzeugen nur Beunruhigung. Das erste Patenst das die Engländer uns gestohlen haben, war das des S-alvarsanSz das beweist, wie hoch man es einschätzt. Der hohe P r« i s ist Sache des Vertriebs, aber kein Beweis gegen das Mittel.. Sehr richtig!) Für-die Kunst mutz mehr geschehen. Ter Staat soll Kunstwerke nicht vom Händler tousen. sondern vom Künstler. Ter Eiserne Hindxiiburg kann inio lüiistlerisch zur Warnung dicnen.(Abg. Ad. Hosfinann: Ter iit vernagelt!) Diesen Witz haben nicht Sic, dcn hat Hindcnburg selbst gemacht! (Heiterkeit.) Minister v. Trott zu Solz: Die Besetzung unserer n a t i o n a l ö k o n o m c s ch c n P x o- f e s s n r c u ist unabhängig von irgendwelchen lv i r I- schaftlichen Interessen. Die verschiedenen Richtungen werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Parteipolitische Gesichts- punkte sind nicht matzgebend. Salvarsan wird von vielen sehr ernsten Aerztcn angewendet. Die Angriffe haben sich nicht bewahr- hcitct. Wo Todesfälle vorgekommen sind, bandelte es sich um alt!: Lucs. Von dem P r i v a t d a z e u t en Vcrncycn nzeitz ich nur, was in den Zeitungen gestanden hat. Tie Kunstpflcge liegt mir besonders am Herzen, auch die Hilfe für Künstler; aber meistens-haben sie mit Händlern vereinbart, nur durch solche zu vrrkaufcii. Ein Schlutzantrag wird angenommen.— Abg. Dr. von Eampe(natl.) nimmt noch bezug aus seine gestrigen Ausführungen über die Besetzung des Lebrstuhls des verstorbenen Religion«- Historikers Pflciderer, der Minister antwortet darauf, wodurch die Debatte wieder eröffnet ist; sie wird aber auf Antrag des Abg. Graf v. d. Groebcn(k.) sofort wieder g e sch l o s s c n. Abg. Ad. Hoffman»(«oz. Arbg., persönlich): Herr Traub bat meine Rede.weder verstanden noch begriffen(Lachen) und Dr. v. Campe hat sogar meine Ausführungen mit denen des Abg. Haeuisch verwechselt. Abg. Harnisch(Soz.): Wenn Sie mich nicht an der Antwort verhindert hätten, so könnte ich jetzt dem Minister und Herrn Kanzow nachweisen, daß eine große Reihe ihrer Behauptungen über daS Salvarsan objektiv falsch sind. Durch Ihren Debatte- schlutz stellen Sie mich als einen Mann bin. der unbewiesene und unbeweisbare Behauptungen ausstellt! Ich hätte nachgewiesen, daß in offiziellen Lehrbüchern der Medizin schon Ende 4S48 234 Todesfälle angegeben waren und datz Professor Lesser allein 87 toeiiere festgestellt hat. Ich habe ausdrücklich erklärt, als Laie kein Urteil abzugeben, aber als Volksvertreter mich zur Bor- bringung des Materials verpflichtet zu fühlen. Abg. Ad. Hoffmanu(Soz. Arbg.): Herr Kanzow sagte, den Witz mit dem vernagelten Hindenburg habe Hindcnburg selbst gemachi. Ich gebe gute Witze weiter, auch wenn sie von Hindenburg sind. Und ich würde sie sogar weitergeben, wenn Herr Kanzow sie gc- macht hätte. Tic höheren Lehranstalten. Abg. v. Kesicl(k.): Der gute Geist dieser Schulen wird bc- wiesen durch die hohe Zahl ihrer ins Feld gezogenen Lehrer und isckiüler. Bei dcn Versetzungen mag man aus die Ablenkung der Schüler durch die Zeit Rücksicht nehmen, damit will ich aber keineswegs eine Weichheit empfehlen, die auch in Preußen Mode zu werden scheint. In geschlossenen Anstalten wird der Charakter besser gebildet. Was der Abg. Hoffmann vor- gestern hier getan hat, war nur möglich, nicht durch feinen Mangel an Bildung, sondern an Charalter, Takt und Patriotismus. (Beifall.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(k.) tritt für eine Trennung zwischen dcn- jenigen Schülern ein, die an die Universität, und denjenigen, die nur das Einjährige wollen. Abg. Hinzmann(Z.) tvcndci sich gegen eine Verkürzung des Religionsunterrichis, verlangt Berücksichtigung der Wünsche der Geistlichkeit bei den Hebungen dcp Jugendwchr und regt im Hin- blick auf dcn zuküuftigen mittelenropäischcn Wirtschaftsbund die Pflege der polnischen Sprache an. Abg. Hacmsch(Soz.); Den Erlaß des Ministers über den Geschichisunlmicht auf dcn höheren Schulen begrüßen wir. Es ist durchaus wünschenÄvert, wenn die Kinder besser in das Verständnis der Gegenwart eingeführt werden. Selbstverständlich bleiben wir auf unserer alten Forderung bestehen, datz der Geschichtsunterricht weniger ein Unterricht in der Geschichte der Dynastien, als vielmehr ein wirklich kulturgefchickitlicher Unterricht sein soll. Die Geschichte der Erfindungen nnd Entdeckungen, die Geschichte des Kampfes, den seit Jahrhunderten der mcnscktichc Geist um die Beherrschung der Naturgewalten führt, die G e- schichte der menschlichen Arbeit muß unbedingt im Lordergrund stehen.(Sebr richtig! bei dcn Sozialdemokraten.) Im engsten Anschluß an dcn Geschichtsunterricht verlangen wir staatsbürgerlichen und vrrfasiungsgcschichtlichen Unterricht. Besonderes Gewicht mutz dabei auf die Entstehung unserer Ver- fassungen aus dem Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen beraus gelegt werden.(Zustimmung linls.) Was die Behandlung des Krieges in der Schule betrifft, so beziehe icki mich aus lyiS, wa§ ich vorgestern darüber ausgeführt habe. Das hunio- nistische Gymnasium wollen wir nicht beseitigen, wobl aber zeit- gemäß reformieren. Es war erwachsen aus der Gclehrtenschüle deS Mittelalters, aus der Zeit, in der Latein die einzige Sprache der gebildeten Welt war. Eine neue Zeit erfordert auch ein neues Schul ideal, wie überhaupt die Schulen twicklung nicht los- gelöst betrachtet werden darf von der allgcmcinen Kulturcntwicke- lung. Von neueren Sprachen sollte auch daS Ungarische und Polnische in den höheren Schulen mindestens sakuliativ cingc- führt werden.(Sehr richtig I bei dcn Sozialdemokraten.) Wir verlangen ferner, daß dir Kinder auch schon in das Ver- ständnis der modernen Literatur cingcwcibt werden. Neben Goethe und Schiller möge den oberen Klaffen auch Hauptmann und Dehme!, Ibsen, T o l st o i und Zola gelesen werden. In unserem Kampfe gegen das Einjährigenprivilcg ftcucn tvir uns der Bundesgenossenschast des Frhrn. v. Zedlitz und l>es Ministers. Das ganze Berechtigung-.-- Wesen ist ein Krebsschaden für unsere höheren Schulen.(Lebhafter Beifall links.) Weiter verlangt Redner, nicbrfach vom Abg. Hofsmann durch Zwischenrufe unterbrochen, größere Bcrücksichriguug des A n- s ch a u u ii g SU n t e r r i ch t s in den ersten c-chuljahreii, Ausbau der Schulausflügc, Einführung von Schuir eisen und ein kameradschaftlicheres Verhältnis zwischen Lea- rern und Schülern. Ter Schulgesundheitspflege muß größte Auf- merksamkcit gewidmet, Luft- und Sonnenbäder müssen an die Schulen angegliedert werden. Lebhaft befürwortet Redner schließlich in längeren Darlegungen die Einführung der Freien Schul- gemeinden auch in Preußen. Unser ganzer Schulbctrieb mutz mehr sozialisiert und demokratisiert werden. Das steht durchaus im Einklang, ist sogar die Vorbedingung für die Erziehung krait- voller Einzelpersönlichkcitcn. Auch wir Sozialisten unterschrebeu aus vollem Herzen Goethe» Wort:„Höchstes Glück der Erdcnkinder ist nur die Persönlichkeit."(Lcbh. Beifall links.) Das Haus vertagt sich. Abg. Ad. Hoffmanu(Soz. Arbg.)(Persönlich): Ter Abg. v. Kessel bat beute erklärt, nach meiner vorgestrigen Rede' töninc man glauben, es bestehe hier eine Partei, die den Kampf gegen das eigene Volk führe. Er hat auch nicht durch einenz aus meiner Rede einen Beweis dafür zu erbringen versucht. Weil er dazu nicht in der Lage ist. Statt zu beweisen, gebraucht mau Redensarten. Es ist mir nicht eingefallen, eine Rede gegen das eigene Volk zu halten. Wir wenden uns nur gegen die Parteien, die die Völker aus dem Schlachtfclde verbluten lassen wollen.(Unruhe.— Der Präsident untersagt dem Redner solche Ausführungen.) Abg. Graf v. d. Groebcn(k.i: Wenn Herr v. Kessel nickit augenblicklich verhindert wäre, hier anwesend zu sein, dann würde er Herrn Hoffmann die gebührende Antwort schon geben. Freitag 41 Uhr: Antrag v. Hcydebrand betreffend die Z. E. G., Wciterbcratung des Kultusetats.' Schluß',*5 Uhr. Ernahrungsftagsn im Reichstags- aussthuß. Zur Besprechung sttuid die Versorgung mit Zrirhgcinu.se sür dus ucicdsic Wirtschaftsjahr. Ter Leiter der Neichsgeinüscstcllc v. T i l l y gab einen Ueverblick über die von der Rcichostelle geleitete Einfuhr ans dem Auslände. Tic Versorgung aus der inländischen Produltion soll im wesentlichen durch L icfvrungsvrrträge erfolgen. Ter Erfolg dieser MaMmhnid läszt sich am besten dadurch nachweisen, dasv gegenwärtig schon 500 Vertrüge zur Prüfung der Rcichsgemüsestelle vorliegen. Tie Preistreiberei, die auf dem Gemüsemarkte erfolgte, mutz im künftigen Jahre vermieden werden. Ein wirksames Mittel, um eine sichere Preiskontrolle herbeizuführen, wird in der Einführung von Schh l u tz s ch einen ge- iunden werden, die den Handel verpflichten, bei der Abgabe von Waren einen schriftlichen Ausweis über die Höhe d e» P r e i f e S an den Ääufcr zu verabfolgen.— Ter Präsideirt des Ernährungs- omtcs, v. Baiocki, bespricht noch die Lieferungsverträge für Frühkartoffeln, die so geregelt loerden sollen, datz in der Nähe der Grotzstädlc aus den landloirtschaftlichen Bezirken die Bcr- sorgung erfolgen wird.— Abg. Wurm(Toz. Arbg.) erklärt, datz die allgemeine Einführung der LicferungSvcrträge sehr zu befür- Worten sei. Wie sichert sich aber die Militärverwaltung ihre Versorgung? Greift sie wieder, wie im Vorjahre, in die Verträge der Gemeinden ein und durchkreuzt sie damit die Ab-- sichten der Gemeindeverwaltungen?- Hierzu erklärt Herr v. Tilln, datz die Militärverwaltung ihr Zrischgcmüsc sich durch Lieferungsverträge selb st b e s o r g e n mutz. Im übrigen soll die Mililärverwattiing durch die Reichsstelle' für Gemüse versorgt werden. Es wird sich also der Zustand, wie er im vorigen Jahre in die Erscheinung trat, nicht wiederlwlcu.— Abg. S t u b b e lTozj; Tie erhöhten Produktionskosten rechtfertigen nicht die gestciger- len Verkaufspreise, die in den Lieferungsvcrträgen fest- gelegt werden. Turch die Licfeningsvcrträgc wird manches gc- bessert, aber es ist ei» Fehler, datz außerhalb der Lieferungsverträge noch Waren am freien Markt erscheinen. Ein Teil des Gemüses, das auf den Hamburger Markt kam, ist nach Orten abgeschoben worden, wo ein höherer Preis, geboten wurde. TaS wird leider auch bei den Lieferuugsverträgcu nicht unterbunden Iverden. Tic beste Preiskontrolle loird möglich fein, indem das Gemüse direkt von der Gemeinde in eigenen Verkaufsstellen den Konsumenten an- geboten und damit der Zwischenhandel ausgeschaltet wird.— Tr. Roefirfe bemängelt den Preis der Frühkartoffeln. 8 Mark pro Zentner für den Landwirt erscheine ihm zu niedrig.— Die iveitere Tebatic dreht sich inii die Frage der praktischen Turch- sührung der Licfcrungsvcrträge. Der Reichstagsausjchuß für öas hilfs- öienstgesetz beickäfligic sich am Toiincc üag mit den vom Kricgsamt cnt- worfcnen»Richtlinien siir die Tätigkeit der Einberufungsau?- schüsse". Tie Richtlinien entsprechen den Vorschriften des Hilfs- dicnstgesetzcs. lieber die Reihenfolge der Einziehung zum HilfS- dicnstgeseh wird bestimmt: datz bei sonst gleichen Verhältnissen jüngere vor den' äste rcn, n n b c r h c i r a t e t c v o r v e r- heirateten Hilfsdiciistpflichtipcii heranzuziehen sind. Es kom- inen für die Eiiiberufuilge» in Frage: a) Zuerst die Hilfsdienst- Pflichtige», welche sich auf den Meldekarten sür HilsSdiensrpftichtige, Ziffer l-!, freiwillig gemeldet haben: b) demnächst die Hilfs- dienstpflichtige», welche zurzeit gar nicht oder nicht voll in ihrer bisherigen Tätigkeit beschäftigt sind; c) sodann alle die voll- beschäftigte» Hi lfsd ienstpflickstigen, welche in ihrer bisherigen Tätig- keit d.nrch weibliche Personen, durch Jugendliche oder d u r ch M�i nner über 00 Jahre ersetzbar sind;5 7 des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst können die Kriegs- amtsstellen für ihre Bezirke einzelne kriegswichtige Bc- t r i e b e bezeichnen, deren Personal von der Meldepflicht befreit ist. Durch eine Ausführungsbestimnluna soll den Kriegsamts- stellen empfohlen werden, in erster Linie die Banken und die privaten Versichejmngsuntcrnchmungcn zu berücksichtigen. Tie Abgg. Bauer(Soz.) und Rietzer(natl.f beantragen, auf die >v i r t f ch a f t l i ch r u O r g a n i s a t i 0 u c n der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in diese Empfehlung mit aufzunehmen. Tie Abgg. D i t t in a n n lSoz. Ärb.) und Schiele vertreten den gleichen Standpunkt. Der Abg. T i t t III a II u wünscht autzcrdci». datz auch die Abgeordneten von der Meldepflicht auf Grund des Hilfs- diciistgesetzes befreit werden.— Abg. Gröber iZ.) ist der Mei- nung, datz die Ausübung der parlamentarischen Tätigkeit durch die HilfSdienstpfkicht nickt gehindert werden darf, im übrigen aber sollten die Abgeordneten kein Vorzugsrecht für sich bc- «msprucheu. Ter Ankrag Bauer-Rictzer ivird angenommen. Für die.'Hilisdienstpflichtigen soll ci» Merkblatt' vom KricgSamt hergestellt und unentgeltlich angegeben werden, das eine kurzgedrängte Belehrung über den Inhalt des Hilfsdienst- gefctzcs enthält. Abg. Bauer wünscht, datz für die auf Grund des Hilssdienstgcsetzes zu einer Beschäftigung überwiesenen Per- sonen fr�ie E i s e 11 b a h n f a h r t nach dem neuen Be- schäftigungSort gewährt wird.— Oberst Marquardt erkennt die Berechtigung dieser Forderung au. Es soll noch peprstit werden, qb die Kosten von dem Arbeitgeber oder von �dcr Militärverwaltung getragen werden sollen. Staötverorönetenversammlung. 5. Sitzung vom Toiinerslag, den 1. März 1017, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michclct erössiiet die Sitzung nach Sie Uhr und ver- anlatzt zunächst die Einführung der neuen Mitglieder Fabrikbesitzer Buezilowski und Kaufmann Wieland, die mif die Städte- ordnung verpflichtet werde». Zur Borberatung des Stadthaushalts- clats für das Etatsjahr 1017 wählt die Versammlung den Etats- a u s s ch u tz. Ihm gehören auch Leid, Manasse, Ritticr, Tr. Rosen- K'ld an. Ucber die Vorlage wegcn- Verstadtlichnng des Zcntralarbcitsnachweiscs erstattet Stadtv. Tove lLinkei den Ausschutzbericht. Ter Ausschutz hat' in feiner Mehrheit die Vorlage angenommen und gleichzeitig iolgendc Anträge gestellt: Ten Magistrat zu ersuchen: !>> mit dem Verband Märkischer Arbeitsnachweise in Verband- lnng darüber zu treten, datz der bestehende Nachweis für Handlungs- gelstlien sowie die Lphrstellenvermittelung für Grotz-Berlin von der Stadt übernommen und den übrigen Nachweisen, die am 1. April 1017 in die städtische Verwaltung übergehen, angeschlossen �vird; b) nach Ucbcrnahme des Arbeitsnachweises durch die Stadt die Bildung einer s c I b st ö n d i'g e 11 Deputation in die Wege zu leiten; e> bei der Uebernahmc des Zentralvcreins eine Reihe von Grundsätzen nach Möglichkeit zur Auwendung zu bringen: 1. IlebertPit aller Arbcitsvermittlcr und Angestellten der Fach- arbeitsnachweise in den städtischen Dienst;-. Wiederaufnahme der im Heeresdienst stehenden Angestellten, sofern sie arbeitsfähig sind; 8. günstigere Anstcllungsbedingungen gegenüber den Bedingungen für die Angestellten in ähnlichen Diensten der Stadt bleiben be- stehen, und andererseits s. günstigere Bedingungen der letzteren finde» Ausdehnung aus die Angestellten des Arbeitsnachweises; 5. Ausdehnung der Gemeindebeschlüffc betr. Ruhegeld und Hinter- blicbcnenversorgung ans die übernommenen Ängestellten; 0. Bc- stehenbleiben der bisherigen Kuratorien; 7. Mitwirkung der Frauen in der Deputation und in den Kuratorien; 8. die Leistung der Dienst- geschäsie des ArbeitsvermittelungsamteS darf nicht davon abhängig gemacht werden, datz Arbeitgeber oder Arbeitnehmer sich zur aus- schlietzlichcu Jnanspuchnahme des Amtes verpflichten. 'Stadtv. Ritter(Soz.): Wir sind mit Rücksicht auf den Punkt 8 nicht in der Lage, den Ausschutzvorschläge» zuzustimmen, sondern müssen Zurückvcrweisung an den Ausschnh beantragen. Tie von uns beainragten»Grundsätze" hat der Ausschutz mit geringen Rio- disikationen angenommen. Zu wünschen bleibt uns noch, daß das für die ungelernten Arbeiter bestehende Kuratorium ebenfalls über- nommen wird. Nun ist aber in der zweiten Ausschutzsitzuiig in Ziffer 8 ein Antrag zum Beschlutz erhoben worden, der für uns itn- annehmbar ist. Die Ziffer 8 trifft die TarifgemeinschaftSarbeits- nachweise. Wir brauchen Kch nicht auch dem letzten unorganisierte» Arbeiter nachzulaufen. Jedenfalls gehört eine solche Bestimmung nicht in die„Grundsätze" hinein. In Frankftirt a. M. zum Beispiel hat man einen anderen Weg eingeschlagen. Stadtv. Soiinenfeld(Linke) sieht nicht Pen mindesten Anlatz zn einer nochmaligen Ausschutzberatung. Der Grund für die Aufnahme der Ziffer 8 sei, den VcrinittelungS zwang auszuschließen, der die allerschwerstcii Nachteile, auch für die Arbeiterschaft, im Gefolge habe. Mitgliedern einer Miiiderheitsorganisation werde in Betriebe» mit einer Mehrheit sozialdemokratischer Arbeiter erfahrungs- mäßig das Leben blutsauer gemacht(Widerspruch bei den Soz.). Vor dieser Terrorisierung wolle man die Arbeiter behüten(Rufe. bei den Soz.: Huhu!); deshalb sei Ziffer 8 vorgeschlagen. Gegen die Tarifverträge habe er nichts; ein städtisches Vepmittclungs- amt habe aber unparteiisch zu wirken. Wir schlagen tfhnen indessen eine modifizierte Fassung vor, die dem Manne freistellt, auch sich selbst nach Arbeit umzusehen. Tic Nummer 8 soll nunmehr lauten: ..... daß Arbeitgeber oder Arbeitnehmer ans das Recht verzichten, ohne Inanspruchnahme einer Vermittelungsstellc Arbeit zu bcr- geben bzw. anzunehmen."(Beifall.) Stadtrat Fischbcck: Von einem Vcrmittelungszwang ist nicht die Rede. Tie Tarifvertragsgewerbe würden andererseits cveni. draußen bleibe» und wir verlören einen T?eil dessen, was der städtische Nast� weis an Vorteilen bringen soll. Noch heute haben mir die Hirsch- Tunckerschen Vertreter erklärt, die Ziffer 8 sei auch für sie nur an- uchmbar, wenn zugesetzt wird:„sofern nicht tarisarisch etwas anderes bestimmt ist"(Lebhaftes Hört, hört!). Tic Militärverwaltung vor- tan, st durchweg die Inanspruchnahme eines öffeistlichcn paritätischen Arbeitsnachweises(Hört, hört!). Arbeitgeber und Zlrbcitnehmcr sollen doch angespornt, nicht abgeschreckt werden, sich des städtischen Arbeitsnachweises zu bedienen!(Beifall.) Stadtv. Rettig(Linke): Ter Antrag 0 wegen der Lehrlingsvcr- Mittelung und des Nachweises siir Kaufleutc ist für uns nnannchm- bar. Beide Organisationen arbeit«! für die ganze Provinz und Berlin ist in der Verwaltung mit vertreten. Stadtv. Tovc(Linke): Man soll zunächst die Vorlage unter Dach und Fach bringen, die Rcsotiftioncn mag man in den Ausschutz zn- rückVerweisen.. Stadtv. Ritter: Kollege Soiinenfeld ist ein Mann der grauen Theorie. Kein Arbeitsnachweis halt starr an dem Nummcrzwang fest; unter dem könnte ein Facharbeitsnachwcis gar nicht fnnktio- iiierc». Wenn Herr Rcttig nach unserer Legitimation bezüglich der Lebrlingsvermittclung fragt, so besteht diese Legitimation darin, datz es sich um die Kinder der Arbeiterschaft handelt, und diese vertreten wir. Ist der tägliche Zudrang am Nachmittag vor dem»Lokal- Anzeiger" etiva für die Stadt Berlin oder für die Arbeitsuchenden ein würdiger Zustand? Stadtv. Sonnenfeld bleibt ungeachtet der Gegenausführungen auf seinem Standpunkt stehen. K-tadtv. Ritter zieht namen? feiner Fraktion- nach den Erklä- rungen des Stadirats Fischbcck den Antrag-auf Zurückverweisüng zurück. Nachdem nochmals Stadtrat Fischbcck und Stadtv. Brunzlow (Linke) sich- geäußert haben, führt Stadtv. Cassel aus, datz die Linke »ach langen Erörterungen sich darüber geeinigt habe, daß wenig- stens nach dem geänderten Antrag zu Ziffer 8 die Umschau zu- gelassen werden soll. Nach dem Gang der Diskussion würde es sich vielleicht empfehlen, auch diesen Antrag Sonnenfeld zurückzuziehen. In jedem Falle blieben die Erklärungen des Stadtrats bestehen. 'Oberbürgermeister Mermuth bestätigt die Ausführungen des Stadtrats Fischdeck und erklärt, datz eine Zustimmung des Magistrats zur Ziffer 8 nicht in Aussicht zu stellen sei. Stadtv. S-mne»seld: Zur Zurückziehung meines Antrags liegt keine Veranlassung vor. Tie Vorlage wird hierauf angenommen, ebenso die Anträge a, b und c 1— 7. Zn Ziffer 8 wird der Antrag Somienseld gegen eine starke Minderheit abgelehnt, ebenso Ziffer 8».ich dem Ausschatz- antrage fast cinstiinmig. Tic Ausschutzberatung der Magistratsvorlage betr. die Znwahl von Frauen in Trputationen hat zu dem Vorschlag geführt, die 10 Deputationen, in die Frauen mit beratender Stimme zugelassen werden sollen,»in einige zu vermehren: es sollen sencn 10 noch hinzutreten diejenigen für Blindcnwescii, Gesundheitswesen, Turn- und Badcwcsen, Gesinde- bclohnungsfonds und Obdach. Auch sotten in die Deputationen für Wohnungswesen und Schulspeisung je 12 Frauen gewählt iverden. Endlich wird der Magistrat ersucht, sich mit der Wahl je eines Bürger- deputierten in die Deputation für die Markthallen, das Obdach und die Schulspeisung einverstanden zu erklären. Stadtv. Wehl(Sz.) gibt scinep Freude Ausdruck, für�dic Aus- schutzvorschtägc stimmen zu können. Im Interesse i:« Sache l Bescheide sich seine Fraktion mit ihren weitergehenden Wünschen. Die .Hoffnungen, die an den Eintritt dieser l7 Jranci'.;n 15 Teputa- llencti geknüpft seien, würden sich in vollem Matze erfüllen. Mit dem Vorredner appelliert auch Stadtv. Cassel an den Ma- gistrat, den Ausschutzvorschlägcn beizutreten und die von der Ver- sammlung geübte Znrückhaltimg anzuerkennen, Die Ausfchutzborschkägc kommen daraus zur Unnahme. Ter Vergleich der Stadt mit dem Berein für Feuerbestattung wird genehmigt._.. Tie Vorsage betr. die Einrichtung eines städtischen An- 1 ch a f f 11 u g S a m t s beantragt Stadiv. Braun(Link?) der Ausschutzberatung zu überwcisei!. Stadtv. Fröhlich(Soz.) schließt sich dem Antrage an. Tic Zahl der Stadtverordneten in der Leitung müsse vermehrt, auch mützten, Frauen zugezogen werden. Die Vorlage geht au einen Ausfchutz. � Ein schleuniger A»trag Heimann und Gen.(Soz.' ivill den Magistrat auffordern, die ärztliche Behandlung der Kriegcrfg milien auch nach dem 15. März 1017 sicherzustellen. Ein gleicher Antrag liegt von der Freren Fraktion vor. Stadtv. Tr. Wcvl gibt eine Darstellung der Vorgeschichte des Antrags. Es würde ein verhängnisvoller Beschlutz des Magistrats sein, ein vertragloses Verhältnis eintreten zu lassen und die Ver- mittlung der ärztlichen Versorgung den Bezirksvorstehern zu ichcr- tragen. Letztere hätten zum größeren Teid die neue Mehrbelastung sür undurchführbar erklärt. Tie Leidtragenden würden die Kriegerfrauen und die Kriegerkinder sein. Tic Stadt wolle statt den von der Aerzteschaft geforderten 1% Millionen 1111t% Millio nen zahlen, sie werde aber auf dem von ihr beabsichtigten Wege finanziell noch größeren Schaden haben, wenn der bisher leidliche Gesundheitszustand der Bevölkerung sich verschlechtere. Daß die Forderung der Aerztc unangemessen sei, darüber bestehe wohl Ein- Verständnis, aber man bäite von vornherein ein anderes Shstcni wählen sollen, wie. Neukölln, Schöueberg u. a. e's üben, indem sie die iNindestfätze der Gebührenordnung zahlen; dabei würden die 750 000 M. nicht einmal erreicht loerden. Dazu gehöre freilich auch eine scharfe Kontrolle der Aerzte, die iich vielfach nicht nobel, son der» mehr als„Sanitäisagraricr" bewiesen hätten. Bei gegen- seitigem gutem Willen sei eine Einigung mit der Aerzteschaft möglich. Stadw. Dr. Ritter(Fr. Fr.l spricht sich für Ausschutzberatung aus. Die Aerzte hätten sich ihrerseits für Fortsetzung der Venhand- tungen bereit erklärt. Stadtrat Tvflein: WaS der Magistrat morgen beschließen wird. kann ich heute noch nicht sagen. Die'Frage der ärztlichen Versorgung liegt dem Maciistrat so sehr am Herzen wie der Versammlung. Von Entgegenkommen zeitens der Aerztekammer Häven wir bis jetzt weuig gemerkt. Die Zahl. der. zu vehandelnden Fälle hat sich um zirka öll Proz. vermehrt, unser Vorschlag für die Erhöhung der Pauschal- summe ging auf 50 Proz.; die Kammer aber verlangt pro Familie 5 Mk. Die Sichcrstcllung der ärztlichen Versorgung wird vom Ma- gistrat initcr allen Umständen bewirkt werden, darüber können Sie beruhigt sein. Stadtv. Galland(Linke): Die neuerliche Forderung der Aerztc stellt eine Schraube ohne Ende dar: ihre Ansprüche können in einem ordnungsmäßigen Etat nicht erfüllt werden. Uns bleibt nur übrig. die Magistratsvorlagc abzuwarten; ein Ausschutz hätte gar keinen Zweck. Stadtv. Dr. Jsaac(Linke) hält neue oder fortgesetzte VerHand- lungen für das Zweckmäßigste. Der Antrag ans Ausschutz wird zurückgezogen. Tic Angelegen- Heft gilt als vorläufig erledigt. Schluß gegen 1410 Uhr. Mus Groß-öerlin. Arbeitsnachweis imü„sozialer ßrieöe. Tie Verstadtlichung des Arbeitsnachweises wurde in der Berliner Stadtverordnetenversammlung gestern nochmals eingebend erörtert. Aus dem Ausschuß.kam die Magistratsvorlagc zurück unter Beifügung einer Rcsol»- tion, die in einein Punkt nicht die Zustimmung der sozial- demokratischen Fraktion baden konnte. Genosse Ritter for- derte Geltung des Grundsatzes, daß Tarifverträgen 11 ö ihre F e st s e tz ü n g e u hinsichtlich des Arbeits- n ä ch w e i s c s zu r e s p e k t i er c n sind. Diesem Grundsatz schlug die Resolution geradezu ins Gesicht, was indessen den Stadtverordneten S 0 n n e u f e l d nicht hinderte, sie mit Eifer zu verteidigen. Er jammerte über„Zwang", predigte „s 0 z i a I c n F r i e d c n". und rempelte dabei die sozialdemokratischen Arbeiter an, indem er ihnen„Terrorismus" vor warf. Hinterher spielte er sich als Freund des„Burgfriedens" auf und versuchte, den Kern des bemängelten Teils der Rcsolu tion durch eine audere Fassung zu verdecken. Zu seiner großen llöberraschutig fand er selbst hiermit nicht den Beifall des Magistratsvertreters, des Stadtrats F i s ch b e ck, der in dieser Frage sich auf die Seite der Sozialdemokraten stellte. Nach einer reichlich zweistündigen Debatte über den„sozialen Frieden" im Arbeitsnachweis, in die zuletzt auch Oberbürger- meister Mermuth noch eingriff, entschied die Abstimmung zugunsten der Forderung unserer Genossen. Mit der so geänderten Resolution wurde die Magistratsvorlagc a n- genommen.__ Stadt und Land. Man schreibt uns von besonderer Seite: Es-sind jetzt allent- halben Bewegungen im Gange, die sich mit der llntcrbringung von Stadtkindern auf da? Land befassen. Ans dem Laude hat man sich zur Ausnahme solcher Kinder bereit erklärt. Wer hätte nicht die vollste Shnipaihie für solches Beginnen und gönnte nicht den schwächlichen Kindern eine bessere Verpflegung und eine gute Er- holung in ländlicher Umgebung. Im Grunde aber wird es sich nur um Hilse in einzelnen Fällen handeln. Und man sollte sich davor hüten, wie das bei Besprechungen des Unternehmens üi der Presse zutage getreten ist, schlechthin„eine Entlastung der Ernährung?- schwierigkeiten für die Stadt" von diesen Unterbringungen zu erwarten. Eine wirkliche Entlastung kaim nur kommen, wenn die Vorräte, über die betaimtcrniatzcii daS Land gegenüber der Stadt versügi, b 0 n e i n c r g r 0 tz z ü'g i g e ir O r g a ir i s a l i 0 ir erfaßt und den Städten unmittelbar zugeteilt werden. Nicht Wohltat im einzelnen und kleinen ist eS, was die Städte setzt vom Land erwarten müssen, sondern vaterländische Opfer» bereit ickaft des gutversorgten Staatsgebietes gegenüber den s'ch l e ch t v e r s 0 r g t e n Bezirken. Unter- iiehmuiigen wie die Hindenburg- Spende, so anerkennenswert sie ist. und wie die Unterbringung pon Sradikindern, die sich mit Leichtig- keit durchführen lassen, zeigen wieder und wieder die tiefgehende Ungleich Mäßigkeit der Versorgung v 0» Land und Stadt. Strcckun.q auch der Klcinkinderwäsche. Die Vorräte an Kleidung und Wäsche sind knapp und bedürfen der Strcckiiilg. die durch den Bezugscheinzwang erreicht werden soll. Allzu weit brauchte man aber in den AnSsertigungSstellen für Bezugscheine die Vorsicht denn dock nicht zu treiben, am aller- wenigsten dann, wenn es sich um die s ü r c i n e 0 r d n u n a S- gemäße Pflege der Kinder unentbehrliche Wäsche bandelt. Eine Mutter schreibt UNS, datz bei der AuSfcrtigungSstelle in der Nalhenower Strotze, wo sie sür ihr der SäuglingSwäsche cnt- lvachscncs Kind die Bewilligung von vier Hemden beantragte, ihr vor- läufig nur ein Bezügschein für zwei Heiden gewährt wurde. Die Einwendung,' daß ein Kind sein Hemd ja oft schneller beschmutzt. als ein gewaschenes Hemd wieder trocknet, hatte leinen Erfolg, vi 6!teB bei den;wei Hnnden und man sa�te der Muiier nur. ne niöge in vier bis sechs Wochen wieder kommen. Sie hqlte allerdings den Fehler gemacht, in ibrem Antrag da? Kind als„einjährig" gu bezeichnen, obwohl es erst zehn Monate alt ist und daher noch als bevorrechteter Säugling zu gelten hat. Aber selbst für ein schon einjähriges Kind wären rwei Hemden nicht ausreichend, wenn sie so oft gewechselt werden sollen, wie es die Reinlichkeit und GesundheitZ- vflegc bei einem Kleinkind erfordern. Aus der Verwaltung des �weckverbandcs. Der Zweckvcrband Groß-Berlin besteht nächstens ein Jahr- nuist. lieber die ersten vier Jahre seiner Tätigkeit soll ein zu- mmmensassender VenvaltnngSbcricht erscheinen. Einstweilen ist der das Verkehrswesen behandelnde Teil herausgegeben tvorden. In breit angelegter Darstellung erzählt der Bericht, was aus diesem Gebiet in den vier Jahren geschehen ist. Vom 1. April 1913 bis 3l. März lölll mehrte sich bei den im Bereich des Zweck- Verbandes angelegten Bahne» lmit Ausnahme der Staatsbahnen) die gesamte Bahnlänge von 7l3 Kilometer aus 850 Kilometer, wo- bei die in Bau begriffenen Strecken mitgezählt sind. An der Bahn- länge von 1918 sind beteiligt die Straßenbahnen mit 605 Kilo- ineter. die Schnellbahnen mit 57 Kilometer, die Nebenbahnen und nebcnbafm ähnlichen Kleinbahnen mit 188 Kilometer. Von der gc- samten Bahnlänge gehören den Gemeinden und Kreisen nur 203 Kilonieter mit 125 Millionen Mark Anlagckosten, dagegen orivaten Gesellschaften 647 Kilometer mit 480 Millionen Mark Anlagekosten. Von einem besonderen Einfluß des Zweck- Verbandes aus die Weitcrentwickelung des Verkehrsivesens war bisher nichts zu merken, und auch der Bericht hat in dieser Hinsicht nichts Nennenswertes zu melden..Die folgenschlverste..Tat", die unter der Herrschaft des Zweckverbandes beinahe zustande gekommen wäre, ist der Versuch einer Fahrpreiserhöhung für die Straßenbahnen. Welche Rolle dabei der Verbandsdirektor und eine Mehrheit des Verbandsausschusses gespielt hat, ist noch in Erinne- rung. Aber von diesen Vorkommnissen steht noch nichts in dem Bericht, weil sie erst in den Sommer und Herbst des Jahres 1916 sielen.____ <£iue Gefahr für unsere Ernährung, dir nicht groß. genug ge- ichildert werden kann, so wird uns vom Lande geichrieben, ist daS Qrffnen von Kartoffelmieten durch unbefugte Hände. Es ist nämlich vorgekommen, daß Leute, die ergebnislos hinaus- gefahren waren, um Kartoffeln zu kaufen, auf entfernten Feldern Mieten öffneten, uni sich Kartoffel anzueignen. Darin liegt eine uugehrure Gefahr. Nicht der kleine Mundraub ist schlimm, so schreibt der Einsender, sondern: bleibt eine solche geöffnete Miete. zumal bei nassenr Wetter, liegen, so fault der ganze Vor- rat rettungslos. Angesichts der großen Bedeutung, die die Kortoffel für die Ernährung der kommenden Monate haben wird, geben wir diesen Mitteilungen gerne Raum. Die kommenden Berliner Obstpreise. Vom ReichSauSschuß für Konsumenteninteresien wird uns geschrieben: Die Havelobstzüchter sind in diesem Jahre frühzeitig an die Festsetzung der Preis- forderungen gegangen, die wir kürzlich als diesjährige Erzeuger- Höchstpreise mitgeteilt haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Beschlüsse wiederum auf eine erhebliche Verteuerung des Obstes hinauslaufen. Ein rechtzeiiiges Eingreifen des KriegsernährungSamteS, der Reichsstelle für Gemüse und Obst»nd der PreiSprüfungsstellen ist daher dringend wünschenswert. Wohlfahrtspflege während des Krieges. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 1. März tritt die Bundesratsverordnung vom 15. Fe- bruar d. I. über Wohlfahrtspflege während des Krieges in Kraft. Es wird dringend empfohlen, die nach 8 1 dieser Verordnung er- forderliche Erlaubnis frühzeitig genug zu beantragen, da sonst schon mit Rücksicht auf den durch den Kriegszustand verursachten Beamten- mangel auf eine rechtzeitige Erledigung der Anträge nicht gerechnet werden kann. ES wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die ErlaubniSpflicht sich nicht nur wie bisher auf K r i e g S wohlfahrtS- 'ahrtzwecke, sondern auf alle Arten von WohlfahrtSzwecken er« streckl und daß eine Erlaubnis erforderlich ist nicht wie bisher für öffentliche Sammlungen, Unterhaltungen und Belehrungen und Ber- trieb von Gegenständen, sondern auch für öffentliche Werbungen von Mitgliedern oder Mitunternehmern. Also auch die öffentliche Aufforderung zum Beilritt zu AuSscküsfen. KomileeS, Gesellschaften. cSenosfenschafien, Vereinen, Verbänden oder Sliftungen usw. fällt unter die Erlaubnispflicht. Das Jmpslolol deSRudolf-Virchow-KrankenhauseS befindet sich von beute Freitag ab in der 300. Gemeindeschule, Ost- cndee Straße 39/40. Die Gaswerke der Stadt Berlin hatten in der zweiten Hälfte de» Jahres 1916 eine sehr beträchtliche Minderung des Gasverbrauchs zu verzeichnen. Für die Monate Juli bis Dezember war die von ihnen erzeugte GaSmenge in 1915 über 167'/« Millionen Kubikmeter, in ISIS aber nur 155 Millionen Kubik- meter. Tie Minderung um 12'/« Millionen Kubikmeter bedeutet 7 Vit Proz. der in der zweiten Hälfte von 1915 erzeugten Gasmenge. An denr Verbrauchsrückgang sind die einzelnen Monate ungleich be- leiligt. In den letzten sechs Monaten von 1916 war gegenüber den- selben Monaten von 1915 daS Weniger für Juli 8V4 Proz., für August 1 IV z Proz., für September 8'/« Proz., für Oktober 7 Proz., für November e2,, Proz.. für Dezember 4� Proz. Der Rückgang erklärt sich zum Teil aus den Maßregeln, die aus Beleuchtung S- ein schränkung abzielen, um eine Minderung deS GaSver- brauches zu erzwingen. Für die Sommermonate kam besonders die Einführung der.Sommerzeit" in Betracht, deren Wirkungen sich so- gleich von Mai ab zeigten. Daß aber auch die mit April in Kraft getretene Erhöhung des GaSpeeises zum Rückgang des Gasverbrauchs beigetragen hat, ist nicht zu bezweifeln. Kammermusikabenbe für die Arbeiterjugend. Der zweite„Ein- rührungsabend in die Kammermusik", den das Jugendsekretariat in der Aula des Grauen Klosters veranstaltete, zeigie wiederum, wie . leicht bei unserer Arbeiterjugend Liebe und Slkrständnis für ernste ' Kunst zu wecken und zu erhalten ist. Das Steiner-Rothstein- Quartett spielte mit gewohnter Meisterschaft F. E. Tauberts Streich- quartett in Fis-Moll, ein klangvolles, formvollendetes Werk des unter uns lebenden Meisters, das besonders mit seinem emp- sindungswarmen Andante und dem graziösen, Pilanten letzten Satz lebhaften Beifall auslöste. Den Schluß bildete Schumanns poeti» sches /X-Our-Quartett. Beide Werke wurden in erlesener Aus- mhmng, in feinster Detailarbeit im Zusammenspiel und mit Pracht- voller Klangwirkung der vier kostbaren Jilstrumente ausgeführt. Zwischen den beiden Kammermusikwerken sang Rose Walter(von Gothie v. LöbeisiSels am Klavier trefflich unterstützt) mit ange- uehmer, wohlgeschulter Stimme Schubertsche Lieder. Der dritte Einführungsabend findet am 6. März, abends 8 Uhr, in der Aula des Klosterghmnasiums, Klosterstr. 74, statt und bringt Schuberts Es-Dur-Trio und ein Streich-uartett von Philipp Scharwenka, dazwischen wieder Gesangsvorträge. Es wäre zu wünschen, daß sich unsere Arbeiterjugend noch zahlreicher einfindet als bisher. Der Besuch war diesmal nicht so gut wie in den vergangenen Jahren. Der Arteiter-Stenographen-Berei» Stolze-Schreh für Berlin und Umgegend hielt kürzlich seine Jahresversammlung ab. In dem Vor- standSbericht wurde mitgeteilt, daß im abgelaufenen Vereinsjahr zwei Anfängerkurse mit guter Beteiligung abgehalten werden konnten. Der Beginn der Kurse wurde jedesmal im.Vorwärts" durch ein Inserat bekannt gegeben. Wie der Versammlungsleiter mit- teilte, wurde der Beginn deS neuen Kurses im.Braunschweiger Volksfteund" und in der.Leipziger BolkSzeitung", dagegen nicht ini.Vorwärts" angezeigt. Gegen die Nichtbeachtung deS.Vorwärts" wurde v>n verschiedenen Mitgliedern scharfer Ein- 'vruch erhoben? es fei daS einzige Arbeiterblatt am Platze: der Verein sei lediglich ein BildungSverein und habe mit den Vorgängen innerhalb der Sozialdemokratie nichts zu tun. Ein Antrag, künftige Kurse auch im.Borwärls" anzuzeigen, wurde mit elf gegen acht Stimmen bei einigen Enthaltungen abgelehnt. In dieser Angelegen- heit dürfle das letzte Wort noch nichl gesprochen sein. Festgehalten zu werden verdient die Tatsache, daß auf die beiden Inserate in dem Leipziger und dem Braunschweiger Blatte sich nur zweiKursus- teilneb m er gemeldet haben. Im Anschluß au diese Zuschiist sei mitgeteilt, doß wir in der letzten Zeit wiederholt von Berliner Vereinigungen gebeten worden sind, ihre Veronstoltnngen durch Hinweiie zu iördern, da sie die Er- sahrung gemacht hätten, daß die Veröffentlichungen im„Vorwäns" stets sehr günstig auf den Besuch einwirkten. Trcptow-Tternwartc.„Astronomie mit dem Opernglas und kleinen Fernrohren"'lautet das Thema des Bortrages, den Direktor Dr. Archenhold am Dienstag, 6. März, abends 7 Uhr, im großen Hörsaal der Trepww-Sternwarte.unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder halten wird. Sonnabend, 3. März, 5 Uhr, Vortrag mit farbigen Lichtbildern:..Aegbpten und der Nil". Ferner finden folgende Kinv-Vorträge statt: isonniag, 4. März, 3 Uhr:„Unsere Marine"; um 5 Uhr:„Die Eroberung Polens"; um 7 Uhr: „Christoph Kolumbus"(Entdeckung Amerikas). Mittwoch, 7. März, 5 Uhr:„Sitten und Gebräuche fremder Völker". Kriegsverwundete haben zu allen Vorträgen freien Zutritt, ebenso ein Kind in Begleitung eines Erwachsenen.— Mit dem großen Fernrohr werden am Tage die Sonne mft ihren Flecken, abends Jupiter, Saturn und Mond, Doppelsterne, Stern- Haufen usw. beobachtet. Das Institut ist täglich von nachmittags 2 Uhr bis 10 Uhr abends geöffnet. Ein ausgedehnter Dachstuhlbrand rief die Feuerwehr gestern früh kurz vor 7 Uhr nach der Mohrenstraße 60/61, nahe . Kaiserhos". Man ging mit mehreren Schlauchleitungen über die Treppen und mechanischen Leitern vor und griff von verschiedenen Seiten an. so daß eine weitere Ausdehnung des Brandes verhütet wurde. Der Schaden soll erheblich sein. Die Entstehung war noch nicht zu ermitteln. � Ein Zopfabschneider ist im Nordosten Berlins aufgetreten. Einem elfjährigen Mädchen aus Weißens« wurde gestern, als es in Berlin Besorgungen machte, von einem unbekannten Menschen der eine Zopf in erheblicher Länge abgeschnitten. Da der Verlust.des Haares erst nach längerer Zeit bemerkt wurde, kann von dem Täter eine Beschreibung nicht gegeben werden. Ausgeraubte Hamsternester. Reiche Beute an Lebensmitteln und Leckerbisien haben Spitzbuben in drei Fällen in Charlotten- bürg gemacht. Aus emem Keller im Hause GoSlarer Platz wurden zwei frische Schweineschinken rnt Gesamtgewicht von 22 Pfund, ein eingepökelter- Schinken von 12 Pfund, zwei Speck- feiten, zwei Zuckerhüte von je 35 Pfund. 10 Weckgläser mit Gänse-, Enten- und Schweinefleisch sowie 30Gläs?r mit eingekochten Früchten und Gemüsen gestohlen. Der Gesamtwert der Beute beträgt über 1000 M.— In der Giesebrechtsiraße 15 fielen Dieben in derselben Nacht eingeweckte Früchte, 25 Pfund Wurst. V? Zentner Aepfel und einige Stücke Rippespeer im Werte von 600 M. in die Hände.— Va Zentner Sauerkohl,'/a Zentner Aepfel. mehrere Pfunde Honig und Marmelade, eine Anzahl Dosen mit Fisch- und Gemüsekonserven sowie Früchten wurden ebenfalls in derselben Nacht aus dem Keller des Hauses Goethe st ratze 17a gestohlen. Eine zchnköpfige Einbrecherbande, die schon seit längerer Zeit die westlichen Vororte unsicher gemacht hat, ist durch die Schöucberger Kriminalpolizei scstgenommen worden. Die Verbaftcien sind Burschen im Alter von 18 bis 20 Jahren, die sich zu nächllichen Einbruchsund Diebesfachrten zusammengetan und recht ansehnliche Beute ge- macht haben. Es konnte ihnen schon eine ganze Reihe von Ein- bruchsdiebstählen nachgewiesen werden. Ein erheblicher Teil der Beute ist der Gesellschaft wieder abgenommen worden, so unter an derm die auS der Schö neberger Volksküche gestohlenen vier Zentner Schweinefleisch. Mus den Gemeinden. 42,3 Millionen-Haushaltsplau der Stadt Neukölln. Der Magistrat Neukölln bat seine HauShaltsberatungen beendet. Die Steuersätze, auch der Zuschlag zur S t a a t S e i n ko mm en- st euer mit 160 Prozent sind unverändert ge- bliebe». Die ordentliche Verwaltung schließt mit 20 884 590 M. ab, die außerordentliche Verwaltung mit 1 194 400 M. und die be- sonderen Voranschläge mit 20 220 000 M. Der Gesamtabschluß des Neuköllner Haushaltsplanes für 1917 ist in Einnahmen und Aus- gabei« auf 42,3 Millionen Mark festgesetzt. Noch keine Wiedereröffnung der Lichtenberger Schulen. Die Gcmeindeschulen in Lichtenberg bleiben wegen Mangels an Kohlen und Koks noch bis auf weiteres geschloffen. Um aber die Sckul- linder während der.Kälteferien" nicht ohne Beichäftigung zu lassen. sollen sie sich aus Anordnung des Provinzial-SchulkollegiumS jeden Montag und Donnerstag, vormittags 10 Uhr, in ihren Schulen ein- finden." ES werden ihnen dann von den Lehrkräften schriftliche Aus- gaben gestellt, die sie zu Hause anfertigen und beim nächsten Besuch in der Schule vorzuzeigen haben. Bei günstiger Witterung finden Wanderungen und Mu/eumSbesuche statt. Lebensmittelvertrilung in Steglitz. Bon heute ab bis einschließ- lich Sonntag aus Abschnitt 8 der Lebensmittelkarte 100 Grambr Haferfabrikate. Von Montag, den 5. bis Donnerstag, den 8. März auf Abschnitt 9 125 Gramm Graupen, Abichnilt 10 123 Gramm Marmelade, Abschnitt 11'/s Pämd Kunsthonig, Abschnitt 12 125 Gramm Sirup. Die Abgabe von Haferfabrikaten und Graupen erfolgt auf Grund der Kundenlisten für Teigwaren, während Manne- lade. Kunsthonig und Sirup in den durch Pkikate kenntlich gemachten Geschäften verkauft werden. Friedemm will auf 170 Proz. erhöhen. Die Gemeinde Friedenau, die zegenwärtig 150 Proz. Zuschlag zur Staats- einkommensteuer erhebt, bat in dem jetzt fertiggestellten Entwurf des Haushaltsplans für 1917 den Zuschlag von 170 Proz. vorgesehen. Die übrigen Steuersätze find unverändert in Aussicht genommen. Der Voranschlag schließt in der ordentlichen Verioaltung mit 3 716 420 M. gegen 3,5 Millionen im laufenden Haushalt ab. Bürgermcisterwahl in Wcißensee. Die Wahlperiode deS Bürgermeisters Dr. Woelck ist im November d. I. abgelaufen. Die Ge- meindeverlretung nahm daher am Mittwoch die Neuwahl vor. Nach- dem man sich vorher einig war, den Posten nicht neu auszuschreiben, entfielen sämtllche 21 Stimnten auf den bisherigen Gemeindevor- steher. Außerdem wurde beschlossen, sein bisheriges Gehalt um 3000 M. zu erhöhen und um je 500 M. von drei zu drei Jahren steigend._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Siegtitz. Freitag, den 2. März, abends S Uhr, Semeindcoertreter- sitzmlg im RathauSsaal. Diese Sitzungen find»ssenlllch. Jeder«emeindeangetzörlge iß be. techtig«, ihnen al« Zuhörer beizuwohnen. Groß-Serliner Partemachrichten. Sozialdemokratischer Wahlverein Berlin lV, Köpenicker Viertel. Die Genosien, die ihre Rette und Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands aufrechterhalten wollen (die bisherigen Berliner Wahlvereine gehören zur„Arbeitsgemein- schaft" und stehen außerhalb der Partei), werden zu einer Zusammen- kunft am Sonntag, den 4. März, vormittag? 10 Uhr, im Lokal de» Genossen Chr. GeiSler, Skalitzer Straße 59, eingeladen. MitgliedSbüter bitten wir mitzubringen. I. H. Meißner, Mariannen- platz 23, H. Guinard, Wrangt Iftr. 66. Gerichtszeitung. „Rclatiu nüchtern." Aus der militärischen Siterheitshast wurde der Äinoitauspieler und Regisseur Ingo Brandt, der in dem Falle Kupfer viel genannt wurde, dem Stöfsengerickt Berlin-Miite vorgesübrl, um ein kurzes Gastspiel als An- geklagter zu geben. Es handelte sich um eine Körperverletzung, der eine„betrinikene Geschichte" zugrunde lag. die sich eines TageS oder vielmehr nachts in der fünften Morgenstunde Unter den Linden ab- spielte. Bei der Heimkehr von einer Gesellschaft, bei der man nach Angabe des Angeklagten„relativ nüchtern" war, hotte einer seiner Freunde einen GeschättSwagen für eine Drokchle gehalten und war dem Picrde kurzerband in die Zügel gefallen. Der Führer, der mehrere tausend Mark bei sich halte, verstand die Sache falsch und hieb mit der Peilsche aus ihn ein, worauf Ingo Brandt hinzuiprang und seinerseits mit seinem Spazierstock auf den Kutscher einschlug. Der Staatsanwalt bean- tragte wegen dieses Vorganges 3 Monate Gefängnis, das Gericht folgte jedoch dem Hinweise des Verteidigers, daß der Angeklagte nur einem Freunde habe helfen wollen, und erkannte auf 30 0 Mark Geld st rase. 5000 Zentner beschlagnahmtes Getreide vermählen. In iüns- tägiger Verbandlung wurde von der Strafkammer in Kottbus der Mühlenbesitzer HanS Konzan wegen Vcrmablens von beichlag- nabmtcm Brotgetreive in 98 Fällen zu 1 Fahr GetängniS verurteilt. Der Angeklagte halte in der Zeit vom August 1915 bis Februar 1916 in mehreren hundert Fällen, von denen nur hundert Fälle zur An» klage standen. 5244 Zentner beschlagnahmtes Brotgetreide für länd- lichc Mahlkunden vermählen. Humanistische Gemeinde Berlin. Sonntag, nachmittag? 5 llfir, in der Aula der Friedrich-Wer Helschen Oberreallchule. Niederwallltr. 12, Vortrag von Dr. Rudolf Penzig über:„Die Schickialsstunde der Freireligiösen". Gäste willkommen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag. den 5. März, abends 8 Uhr, in der Neuen Pbilbarmonie, Kövenickcr strotze 96/97, Vortrag von Frau Walli Zepler über das Thema:„Die Ein- heiisschule". Sriefkasten der Neöaktion. Die lutiflifete Svreckltunde findet für Abonnenten Liudeniir. S, 1. Hof links, parterre, am Montag bis Freitag von i»ts 7 Uhr. am Sonnabend von s bis 6 Uhr statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieflich« Am- wart wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSouittung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trage man in der Svrech- stunde bor. Serträge, Schriftftüche»nd dergleichen bringe»to» in die Sprechstunde mit. G. 100. Bitten um Angabe Ihrer Adresse zu brieflicher Ucbcrsendung der Rezepte.— Z. 100.„VolkS-FeuerbeftattungSvereiii" bei Geitzler, Skalitzer Str. 59.„Verein der Freidenker für Feucrbestatluug", Hermann Müller. Cuxhavener Str. 15.—®. 2. 80. Beim städtischen Kommtsiar für Fleischvertetlinig. Städtischer Schlachthof, Eingang Landsberger Allee. Trichtnenschaugebäude, Zimmer 3— 4f— M. 56. Wenden Sie sich mit brieflicher Ansrage an Herrn Leo Kettenbcrg, Berlin-Halentee, Joachim- Friedrich-Str. 33.— R.>!. 100. Leider ist uns ein solcher Verlag nicht bekannt.— M. 7. Auskunst» und Fürsorqestcllen für Krebskranke: für Berlin C, NW, W und benachbarte Bororte Schumannsir. 21(Montag 3—4).«für Berlin SW, S. SO und benachbarte Vororte Baterloouser 7(Sonnabend 3—4), sür Berlin O. NO und benachbarte Bororte Paliladenstr. 25(Donnerstag 3—4). sür Berlin N und benachbarte Vororte ZionSkirchftr. 9(Freitag 3—4).— SS. 28. Ja. SSelterauSNckiten für das mittlere Norddeuilchtand bis- Sonnabend mittag. Ein wenig kälter, zeitweise heiter, jedoch vor- herrschend wollig und etwas nebelig; im Westen mehrsach geringe Nieder- Ichläge."_ ii.y ükuji lunut*. heim. Deine döse Ahnung wurde trübe Wahrheit. Und nun bin ich ganz allein. Die» zeigt im tiefsten Schmerz an A kr»« AuiraBte Palm geb. Gronert. Am 25. Februar verstarb nach kurzem, mit Geduld ertragenen! Leiden mein lieber Mann Paul Dolle im 59. Lebensjahre.+32 Die trauernde Witwe Emma Dölle geb. Puisichke. Die Einäscherung erfolgt am 3. März, nachmittags 31/, Uhr, im Krematorium, Baumschulen- weg. UM HMUH. Verwaltungssteile Berlin, N 54, Linienstr. 83-85.. KeschästSzeit von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Zeiephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Sonntag, den 4. März 1917, vormittags O1/« Uhr: Gruppe« Uersammlung der Wcrlllkiigschlkistt«od Slhlkistlmoe« im Lokal von Riedel, Hnsfiteustra�e-tU. Tagesordnung: 1. Gruppenangelegenheiten. 2. Wcrlstattangclegenheiten. 2. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingte Pflicht. Die Werkzeug- schleiserinnen sind hierzu besonders eingeladen. 121)1 Die OrtKTerwaltavs. DestseberMetallarbeiter-VerbsiiiI Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schlosser (jtistav Gläser (Neukölln, Thüringer Straße 15) am 26. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Freitag, den 2. März, nachmittags 8ll, Unr, von der Leichenhalle des Neuiöllner Friedhofes, Marien- dorser Weg. aus statt. Rege Beteiligung erwartet 130/20 Tie OrtSverwaltnng. Zum 44. Geburtstag. AIS Opfer de? Weltkrieges siel nirt 4. Januar 1917 mein lieber Mann, der Grenadier DiiÄoMk Palm Kohlenhändler, Mirbachstr. 35. Deine letzten Worte waren: irf) fpbr' rti/bt tttirhrr Danksagung. Für die so überaus zahlreiche Teilnahme nnd den schönen Blume». schmuck beim Begräbnis meine« guten Mannes und lieben Vaters lagen wir dem Vorstand deS Bei- band« der Maler. Lackierer, An- streicher usw. Berlkn, sowie allen Freunden, Bekannten und Ver- wandten unseren herzlichsten Dank. Witwe Berta Makulla. +12 Alfred Makulla. Spezial-Brzt Dr. med. UaMbe, Friedricbstr. 90«ÄSU Behandi. von Syphilis, Haut-, Harn-, Fraacnleld.,ft)eä. thron. Fälle. Ehrüch-Hata-Kuren, schmerzlose, türzeste Behandlung ohne Be- rusSslörung. Blutuntcrsuchung. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechftustden 1(1— 1 und 5—8, Sonnt. 11—1. Gl ühpunscH und Grogextrakt alioliolfrei von feinwürzijjem Aroma und kräftifjem Geschmack, kein Zucker nötig, nur 1 Teil mit 2 Teilen heißem Wasser•/.-'-tr.-Orlg.-FI. ,,75. Lose Liter 2.00 M. Bei Mehrentnahme billiger. Otto üelohel 43, Eisenbahnetr. 4. chuLtö 56�4*