Dlr. 61. 34. 1-chrg. flSonneotntS'Bcdlngangen: Ktmtmmtnti• Itaii Sttemnctmtio SietxcIiöfitL 5,90 SA. moiuui. IJO ZA. wöchentlich SO-Psg, frei Mi Haut. Einzelne Nurnmer ö Big, EonmegS» Nummer mit illultnerier Sonntag». »eilexe.Die Neue Welt' lO Pfg, Boll» Sldonnemenu l.Z0 War! vre Monat, Eingetragen in die Bost-Zeitmig». VrnÄisle. llntcr Kreuzband im DeMichland und Oeslerreich. llngarn ZHt Wart, für dai übrlge LuZIand z Marl vro Monal. Posiiboimementi nehmen an Selxien, Dänemark, bolland. Jlalie». Luxemburg. Poriugoi. Rumänien. Schweden und die Schweiz, ütdjdnt tZgllch. 5 Pfennig] Die InlertionS'Geböitr ietrügt für die sechZgcfhaltcne floionfl. zefl- od«: deren Raum€0 Psg, nZr doliAIche und gewerischaftliciie Zjereini- und Lersammlimgs-Nnzciaen M Pix .Kleine Sn�gen". das lettgedruckie fcott 20 Big, yu.älfig 2 ieligedruche Warte). jedcZ ircilcre Wort lv Psg, Elellengeluche und Schlantellenan» zeigen dad erste Werl 10 Big. jede« weitere Wort 5 Pfg, Worte über IS Luch- slaben zählen für zwei Worie. Knieraie Mr die nnchsie Numuier müssen k,ii i US* nachulittags in der e�hedltioii »dgcgedeu werden. Die ShlwdiKu» ist dr»< Uhr abend- geöjTnet. Verlinev Volksblakk. i Zcntralorgan der fozialdemoltrati fdicti Partei Deutfditatvds. Delegrauun.Ldrcist: �eiiaidcnioltrat BcrllB". %, Ä« Reüaktton: EW. HS» Linöenstraße 2. Fernlvrecher: Amt MoriKPla«. Nr. ISl SV— 151 97. Souuabeud, de« 3. März 1317. expeüitio»: EW. HS, Änüenstraße Z. kserniprech««- Amt Moritzpi»«. Str. ISIS 0»-lSlS7. Zwei U-Boote: 64500 Tonnen! Englischer Vorstoß bei Souchez— Ge- fechte bei Sailly— Sturmerfolg an der Narajowka— Rufsenftüruie au der Bale- putna-Straste. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 2. März 1917.(SB. T. L.) Westlicher Zlriegsschauplatz. Awischcu Iper« und Arras dliebeu mehrere(srkunduugs- vorstoße des Feindes ohne Erfolg. Gegen unsere Gräben östlich und südöstlich von Souchez drangen noch lebhaftem Feuer storfc englische Abteilungen vor. Sie wurde« abgewiesen; im Nahkamps blieben 20 Gefangene mit einem Maschinengewehr in unserer Hand. Im Ancre-Gebict vielfach Zusamvimenpaße im Barfeld unserer Stellungen; dort und bei Säudrrvng der Englänbcrnrster bei Sailly wurden 3V Gefangene und 3 Maschinengewehre eingebracht. An der franzästschen Front fanden mehrere örtliche Nntrr- vehmuvgeu statt; südlich von Nouvron holten, unsere Stoßtrupps cmigr Gefangene aus der zweiten feindliche» Grabenlinie. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e ue r als e ld m a r s ch all i Prinz Leopold von Bayern. Westlich und südlich von Riga, zwischen Miadziol» und Narocz-Sce, an der Schlschara sowie zwnchci- de« äderen Screth und de« Dnjepr war zeitweilig die Grfe«,»i>u,gteit rege. Ans de« Ostuser' der Narasawka brachte ein Barstoß unserer Sturm- trupps vollen Erfolg. In der russischen Stellung wurde» Minen- stalle» gesprengt, 1' Offizier» 170 Mann gefangen und je drei Maschinengewehre und Miaenwerfer crbrntct. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Ja fünfmalige«, sehr verlustreichen Ansturm«ersuchten die Russen die Höhen nördlich der Baleputua-Straße wieder- zunehme». Die Angriffe find sämtlich vor unseren Stellungen zusammengebrochen. Bei der Heeresgruppe des Geaeralfeldmarschall» von Mackense« und an der, Mazedonischen Front ist die Lag« unverändert. Ter Erste Generalqnartiermeistrr. Ludendorff. Menöbericht. Amtlich. K c r l i», 2. März. Abends. Ion einem räumlich begrenzten Gefecht an der ArtoiS-Front abgesehen, ist Besonderes vom W e st e n und Osten nicht gcwelöet. I» Rumänien und Mazedonieu schränkte starker Schneesall die Gefechtstätigkeit ein. der österreichische Stricht. Wien. 2. März 1917.(SB. D. S?.) Amtlich wird verlautdart: Oestlicher Kriegsschauplatz. HeereSfront des G en er a l f cld m a r s ch all» vonMackcnscn. Nichts Neues. HeereSfront deS Generaloberst Erzherzog Joseph. I« M e s t e c a»« s t i- Abschnitt nahmen die Rufie» gestern nachmittag ihre Anstrengnugrn, die var eiuigea Tagen verlorene« Stellungen zurückzuerobern, wieder auf. Sie stürmten fünfmal gegen Misere Front an, wurden aber jedesmal unter schwerste« Bcrlnpen atgrschlagrn. i-o. ig-iuji* Ber-'cnst hatte unsere Artiverte, Im Räume van Kirliiada scheiterten feindliche tiempagnieoarstöße. HeereSfront des Gencralfeld in arschall? Prinz Leopold von Bayer«. An der Narajowka brachten Stoßtrupps eine» rusfischrn Offizier»nd 170 Mann als Gefangene und je drei Maschinen gewehre und Mnienwerfer ein. Orftlich von Z l o c z a w»nd im S t o ch o d- Gebiet lebte der Geschühkampf auf. Jtalieuischcr Kriegsschauplatz. Unverändert. Südöstlicher.Kriegsschauplatz. Unsere Truppe« säuberte« den Ranm südöstlich van To«»- r i c a von feindlichen Bauden. Der Stellvertreter de? EhesS deS GcnrralftadrS von Hoesrr, Fcldmarschallevtuant, 64500 Tonnen Schiffsraum versenkt. Berlin, 2. März..( A m t l i ch. s Zwei neuerdings zurückgekehrt« U-Boote haben 15 Dampfer und siebe« Segler vou insgesamt 64500 B.-R.-T. ver- senkt. Eines dieser U-Boote traf vor der Südküste Irlands emen als U-Bvotfalle eingerichteten Tankdampser mit vier gut verdeckten Brcitseitgeschützeu, der auch seine Schiffbovte dazu beuntzte, Wafferbombeu gege« das ll-Bo»t zu werfen. Räch dem Auftauchen führte das U-Boot vou � Uhr uach- mittags bis zum Dunkelwerden gegen die U-Boot-, falle und einen hiuzokommcuden U-Bootjäger der„Foxglave�- Klaffe ein A r t i l l e r i e g e f e ch t, bei dem mindestens drei Treffer auf dem Foxglove erzielt wurde». Durch die Berseukuug dieser Schiffe sind uuter anderem veraichtet 8300 Tonne» G rauateu» ZZ00 Touneu G e° treibe, 3000 To«ne« Leiusame«, ferner etwa 15 000 Tonne» Kohle, 2500 Tonnen Kriegsmaterial, 3500 Tonnen Stückgut, 4300 Tonnen Holz, 1200 Tonneu Eisenerz und 1800 Tonnen Erdnüsse. Der Chef deS SdmiralstabeS der Marine. deutschlanö und Mexiko. Ein verratener Bündnisplau. Berlin, 2. März. WolffS Bureau teilt mit; Die oincnFa- nische Presse enthält Mitteilungen über Anweisungen des Auswärtigen Amts an' den deutschen Gesandten in Mexiko für den Fall, daß es Deutschland nach der Erklärung, des un- eingeschränkten U-Boot-Krieges nickt gelingen sollte, die Per- einigten Staaten neutral zu erhalten. Dieser Meldung liegt folgender Sockverhalt zugrunde; Nachdem der Entschluß gefaßt worden war, am 1. Februar d. A. den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu beginnen, mußte mit Rücksicht auf die bisherige Haltung der amcrika uischcu Regiermig mit der Möglichkeit ciues Konflikts mit den Bereinigten Staaten gerechnet werde». Daß diese Berechnung richtig war, haben die Tatsachen bewiese«, den» die amerikanische Regierung hat alsbald nach Bekanntgabe unserer Stzsrr gebictserkläruug die diplomatische« Beziehungen zu Deutsch- land abgebrochen und die übrigen neutralen Mächte aufgr- fordert, sich diesem Vorgehen anzuschließen. In Boranssicht dieser Möglichkeit war es nicht nur das Recht, sonder« auch die Pflicht der Reichslcitnng, anch für den Fall eines kriege- rifchen Konfliktes mit den Bereinigten Staaten vou Amerika rechtzeitig Borsorge zu treffen, um den Zutritt eines writeren Gegners zu unseren Feinden, wenn möglich, auczugleicheu. Der kaiserliche Gesandte in Mexiko ist deshalb Mitte Januar beaustragt worden, für den Fall, daß uns die Ver- einigten Staaten d r n K r i r g e r k l ö r e u s o I l t e n, der mexikanischen Regierung ein Bündnis anzubieten und die näheren Einzelheiten zu vereinbaren. Die Weisung verpflichtete im übrigen den Gesandten ausdrücklich, k e i n e r l e i S ch r i t t c bei der m e x i k a u i s ch e.n Regierung zu unternehmen, bevor er von der erfolgten amerikanischen Kriegserklärnng Gewißheit er- langt habe. Die Mitteilung des Wolffsckeu Bureaus schließt; Auf welche Art und Weise die amerikanische Regierung von der auf geheiinem Wege nach 3lleriko erteilten Weisung Kenntnis erhalten hat, ist nicht bekannt; doch scheint der Verrat— um einen solchen dürfte es lich Händeln— auf omerifa' nischc m Gebiete verübt worden zu sein. verschleppte(pftpreußen freigegeben. Kopenhagen, 2. März.„Berlingske Tidendc" meldet aus Stockholm, daß ein Teil der von den Russen bei ihrem schnellen Rückzüge ans Ostpreußeu verschleppten Einwohner jetzt von der russischen Regierung freigegeben und auf der Heim- reise gestern in Stockholm eiugettoffeu sei, im ganzeu 160 P er- souen, darunter 80 Kinder unter acht Jahren. Das deutsche Konsulat sorge für ihre Verpflegung und Unter briugung bis zur Fortsetzung ihrer Reise. Die russischen Armeen haben mehrere schnelle Mckzüge aus Ostpreußen zu buchen gehabt. Der letzte geschah nach dem Einfall in das Memekr Gebiet. Die damals ver- schleppten Einwohner haben bisher eine anderthalbjährige Gejangenschast durchlesen muffen. Ergebene Litt'. Kann es ein schöneres Bild loyaler Untertänigkeit geben, als lvcmi sich königstreue Männer versammeln, um eine ergebene Bitte an ihren Landesvater vorzubereiten? Was anders aber hatten die Braven, die sich am Sonntag bei Adlon zusammenfanden, getan? Und lvie übel hat man ihnen dafür mitgespielt! Dienstag Scheidemaun und gestern erst wieder der Volksvarteiler Haußmann mit seinem äußerst peinlichen Material I Es war schon mehr als eine öffentliche Abstrafung, es war eine moralische Hin r i ch t u n g, zu der der gesamte Reichstag teils passive, teils sogar durch stünnische Zurufe aktive Assistenz leistete. Und das muß den Trcuesten der Treuen passieren? Da ist etwas nicht in Ordnung! Der Kaiser ernennt und entläßt den Reichskanzler, Soll das heißen, daß die kaiserlichen Entschlüsse unberührt von allen sonstigen menschlichen Einflüsfeil erfolgen sollen? Der Kanzler ist"der Verantwortliche Ratgeber des Kaisers. Aber, wenn es sich darum handelt, ob der Kanzler im Amt bleiben soll, oder ob er durch einen anderen ersetzt werden soll, wer berät den Kaiser dann? Hier klafft im deutschen Per- fässungswesen eine Lücke. Die Tischgesellschaft im Hotel Adlon hat. sich freundlicher- weise erboten, diese Lücke auszufüllen. Sie beabsichtigte, an ü£u rcunec euren Schretvebrief z« richten, in dem sie ihn bat. seinen Bethmann— dcr> den Haß der besten königs- treuen Kreise auf sich gezogen habe— davonzujagen, Bon' dorn„an die Kehle springen". zu dem ein be- riihmtes Flugblatt Lust zeigte, oder dem„über den .Hansen"schießen", das in einer Miin'chener Bersamnr lang durch Zwischenruf zur Diskussion gestellt wurde, unterscheidet sich diese Methode angenehm durch ihre zilnlr siertercn Formen. Nimmt man dazu, daß die Herrcii Bittsteller nicht anders als ersterbend dem kaiserlichen Thron zu nahen wagten, daß sie sich selber der Permessenheit anklagten und sich nur damit entschuldigten, daß sie ihrem gepreßten patriotischen Herzen anders schon ggr nicht mehr Luft zu machen wußten, so kommt man fast zu dem Schluß, daß e-;- hier wieder einmal die edle Unschuld ist, die von feindseliger Anklage verfolgt wird. In der Tat! Mau setze einmal den Fall, die lieber zeugung sei allgemein, daß das Land mißregiert sei und daß der Verantwortliche dieser Mißregierung von seinent Platze niüffe, welcher W e g bleibt der allgemeinen Meinung offen, sich in lebendige Kraft umzusetzen? Wenn das nicht einmal durch ergebene Bitten an die Krone bewerkstelligt werden darf— wie sonst? Hier gibt es doch nur das eine oder das andere: Entweder mau halte an der patriarchalischen Bor- stellung fest, daß der- Landesherr tut. was ihm gefällt, daß aber„sein Ohr jedem seiner Untertanen offensteht", und dann ist an der ergebenen Bitt' des Stammtisches bei Adlon—- oder irgend eines anderen— schlechthin nichts auszusetzen, oder man schaffe eine Instanz, die zwischen dem höchsten Repräsentmtteu der Staatsgewalt und der Volks- meiuung vermittelt. Diese Instanz könnte dann aber nie- wand anderer sein als die gewählte Vertretung des Volke», der Reichstag. Der Reichstag hat gestern über die patriarchalische Ms- thode sein Urteil aefällt, indem er das adlmiitische Treiben unter Gelachter und Rufen des Abschcus begrub. Dieser Ab- scheu ist bei uns Menschen des 20. Jahrhunderts nur zu be- greiftich, erinnern un» doch jene Machenschaften nur allzu deutlich an das 18. vor der großen Revolution, an die Zeit der Kabalen und Intrigen, an die kleinen und kleinsten Schüfterle-'Methoden. nach denen Anno dazumal„hohe" Politik getrieben wurde. Einen Mächtigen gegen den anderen Mächtigen ausspielen, Konflikte hervorrufen und alles durch- einander bringen, um selber im Trüben fischen zu können. Vor der Macht schwciswcdeln, um selber Macht werden und andere hermücrhuuzcu zu können» das war damals das all- gemein beliebte Spiel, und wer darin Meister lvar. komttc seine Orden im Strahl der allerhöchsten Hul!� spazieren führen. Wenn wir aber zu jenen Gepflogenheiten nicht zurück- kehren wollen, ist cs da nicht unsere Pflicht, mutig einen Schritt vorwärts zu gehen? Als sich neulich selbst in der, Nationalliberaleu Partei Stimmen zugunsten des p a r.l a in e n t a r i s ch e n Systems erhoben, da schlugen die Parteiseuioren die Hände über den glanzvollen Schestelu zu sammen. Und fingen an zu weinen und drohten mit den Pfoten, um das unvorsichtige Paulinchen vor dem Spiel mit dem Feuerzeug zu warnen. Schließlich ist das auch ein Standpunkt. Aber wer sich zu ihm bekennt, wird füglich gegen die ergebene Bitt' der am weißgedeckten Tisch versammelten Schlot- und andern Barons nichts einwenden dürfen. Er würde sich sonst schlankweg zur Staatslehre der weiland chinesischen Monarchie bekehren müssen, wonach her Träger der Krone der Sohn des Himmels ist. der nom Hauch eines menschlichen Rats überhaupt nicht berührt werden darf. Hatten Sie das so gemeint. Herr Professor �riedberg? * Nach achtstündiger Sitzung ist am Freitag die c r st e Lesung des Etats zu Ende geführt worden. Nun- mehr hat der Ausschuß für den Reichshaushatt zur ergie- bigen Einzelberatung das Wort, und damit diese Arbeit ohne Störung durch das Plenum hintereinander erfolgen kann, sind die Vollsitzungen bis zum 20. März-vertagt worden. Ter Dauer, der Freitagsitzung entsprach nicht auch ihre inhaltliche Schwere. Es ist sehr viel U e b e r f l ü s s i g e s geredet worden, wie dos freilich auch von den vorhergehenden Togen gesagt werden muß. Es fehlt vielen Rednern zu sehr an der Fähigkeit, sich zu konzentrieren und das Notwendige 'chlicht und eindrucksvoll xu sagen. Es fehlt ferner manchem an der nötigen Selbstbeherrschung, die in der gegenwärtigen Zeit in besonderem Maße eine Forderung des Tages ist. So hotte am Donnerstag der Nationalliberale Dr. Strefemann ohne irgendwelche Nötigung eine Verteidigung der„Gel» b e n" in'eine wie eine bengalisch beleuchtete Fontäne deko- . rativ dahinsprudelnde Rede eingeflochten, obwohl er sich doch sagen mußte, daß eine solche Herausforderung die Vertreter der Gewerkschaften auf den Plan rufen mußte. Es war zwar gegen Ende der Beratung, als Genosse Legien die er- 'orderliche kurze Antwort gab. Aber das hielt die Freunde der Gelben, den Vertreter der Deutschen Fraktion Arendt. den Konservativen W e st a r p und den Ratio nalliberalen Strefemann nicht davon ab. in ausführlichen Gegen- reden darauf zu antworten. Es hielt sie auch die ernste Aeit, die volle Geschlossenheit der inneren Front erfordert, nicht oavon zurück, besonders nicht die Herren Arendt und Westarp, ihrer feindseligen Abneigung gegen die Arbeiterorganisa- tionen im Stile des Voraugust beredten Ausdruck zu geben. Sie mußten sich von dem Vertreter der christlichen GeWerk- chasten, dem Abgeordneten Behrens, in einer tempera- rnentvollen Rede sagen lassen, daß sie von diesen Dingen nichts verstehen, und daß sie die Arbeiter ibre Angelegen- Helten gefälligst selber regeln lassen sollen. Auch der Zen- irumsarbeiter Schiffer- Borken äußerte sich in dem gleichen Sinne: die liebevolle Behandlung der Gelben rühre an einen sehr empfindlichen Ehrenpunkt der organisierten Arbeiter aller Gruppen. Was sich hoffentlich auch die Ver- neter der erlauchten Regierungen, in erster Linie der Patron der Gelben in der Reichsleitung, der Unterstaatssekretär Richter, zur ernsten Mahnung dienen lassen! Von den Rednern der sogenannten zweiten Garnitur, die znr eigentlichen Etats-beratung am Freitag noch zu Wort kamen, verdient lediglich der. Abgeordnete Haußmann als Sprecher der Fortschrittlirsien Volkspartei eine Hervorhebung. Herrn Haußmann ist die Gabe einer blendenden Beredtsamkeit versagt. Dennoch wußte er das.Haus durch den sachlichen Gehalt seiner Ausführungen und durch die nicht alltägliche sprachliche Einkleidung seiner Gedanken in hohem Maße zu fesseln. Die Linke stimmte ihm bis in die Reihen der sozialdemokratischen Fraktion hinein wiederholt lebhaft und stürmisch zu. während die Konservativen unter der Wucht der gegen sie geschleuderten Anklagen in betretenem Schweigen verharrten. Besonders die mißvergnügten Nobili aus alldeutschen und konservativen Kreisen, die sich jüngst h�s Adlon ein Stelldichein gegeben haben zu dem löblichen Zweck, die Regierung Bethmann Hollwegs und Hindenburg in einen Zwiespalt zueinander zu bringen, niußten sich eine schlwungslose politische Stäupung gefallen lassen. Graf Westarp suchte dieser Prozedur noch zu entwischen, wenn er auch einige Haare lassen mußte. Seinem Jjraktions- kollegen v. Graefe dagegen, dem kleinen adeligen �ohn eines großen bürgerlichen Vaters, wurde nichts geschenkt. In einer persönlichen Benwrkung, die von unausstehlichem Schwulst und noch unausstehlicherem, weil durch nichts begründeten Selbstbewußtsein strotzte, suchte Herr v. Graefe zwar glauben zu machen, daß er von der unbarmherzigen Ab- idbung nichts gespürt habe. Aber ungeschickt wie dieser Tälmisunker nun einmal ist, bewies er nur das Gegenteil von dem, was er wollte. Der Ausklang der ersten Beratung des Etats war wenig erhebend. Sie gab einen Vorgeschmack von der Art der »ämpfe, die uns in den nächsten fahren bevorstehen, wenn nicht die aus den opfermniigen Kämpfen an allen Fronten zurückkehrenden Staatsbürger durch ihr erstes Votum nach dem Kriege eine freie Bahn durch das Wrrrsal des Partei- streits der Gegenwart schlagen. öeschränkte vollmachten Wilsons In der Politik Wilsons wiederholt sich das nun hin- reichend bekannte Spiel. Die Verantwortung für eine Kriegs- Erklärung kann am wenigsten die Regierung eines demokrati- ichen Staatswesens auf sich nehmen. Auch sie muß danach nachten, ihre Arbeit so zu deichseln, daß der Gegner eines TageS als Angreifer erscheint. So wartet sie auf den Fall, der den hilfreichen Furor der Kriegsleidenschaft als politischen Faktor des Tages obenauf bringt. Denn in solchem Stadium fallen den Staatslenkern diktatorische Befugnisse. die sonst als der Antichrist der Demokratie schlechte Zeit haben, als reife Frucht von selbst in den Schoß. Man muß sich dieses Schema auch für die Vorgänge, die sich jetzt in Amerika entwickeln, gegenwärtig halten. Wie sie jetzt stehen, läßt folgendes Telegramm der.Frankfurter Zeitung' erkennen: Der KovgreßauSschaß beschloß, Wilson« Befug- nisse darauf zu beschräukeu, Schutzmaßnahme» für die amerikanische Schiffahrt zu ergreife», verweigerte ihm aber die Erweiterung seiuer Bollmachte». Mehrere New Yorker Morgenblätter verlaugeu die Krieg«. erkläruug» aber die Regierung erklärt halbamtlich, die Kriegserklärung muffe von Deutschland au«» gehen, da Amerika lediglich seine recht- mäßige Schiffahrt zu schützen beabsichtige. Was über den Rahmen dieser Meldung hinausgeht. verdient Mißtrauen. So gibt die Agence Havas in Paris folgenden New Yorker„Herald'-Bericht weiter:.Die Er- Wartung der Kriegserklärung an Deutschland, die man als nahe bevorstehend betrachtet, verursachte eine große Vor- ficht in den Transaktionen an der Börse. Die Regierungskreise lassen klar erkennen, daß. wenn der Kongreß die" Vollmachten, die Wilson verlangt, ver- weigert, dieser ohne die Einwilligung des Kongresses handeln wird.' Wie mag der„Herald' ,ich solches Handeln wohl vorstellen! In den Vereinigten Staaten läßt sich am allerwenigsten eine Diktatur vom Zaun vrechen. die A u t die Wird denn aber der Widerstand der beschränker überhaupt bis zum Ende durchhalten? Ein Blatt wie der„Petit Parisien" bringt eine Meldung aus Washington, die der Standfestigkeit der republikanischen Oppo- sition erhebliche Zweifel widmet. Die Meldung ist vom Mitt woch und lautet: .Die Ansicht in maßgebenden offiziösen Kreisen ist, daß die Botschaft de« Präsidenten Wilson äußerst geschickt ses weil sie künftig der demokratischen Partei, die sich immer äußerst patriotisch gebärdet habe, eine weitgehende Perant- Wartung auferlege. Wenn sich in der Tat die Re publikaner weigern sollten, dem Präfidenten für sein küns tiges Borgehen das zu gewähren, was sie einen Blanko kredit nennen, so würde sowohl ihr Ansehen wie das Interesse der Union darunter leiden. Die Republikaner befinden sich heptc in der Notwendigkeit, die Borschläge der Botschaft zu unterschreiben, die Vollmachten zu gewähren und die vor- geiebcnen hundert Millionen Dollar zu bewilligen. In denselben Washingtoner Kreisen gibt man zu, daß Präsident Wilson nicht weniger habe fordern können als er verlangt habe, weil die Re- publikaner sonst berechtigt gewesen wären, ihm vorzuwerfen, daß er seinen am 3. Februar bekräftigten Entschluß aufgegeben habe. Prä sident Wilson habe nicht mehr verlangen können, weil die Friedens freunde ihm sicher Schwierigkeiten gemacht hätten. Die a l l> gemeine Ansicht herrscht vor, daß die im Repräsentanten- Hause eingebrachte Borlage über die Kredite für die Be- w a s f n u n g von Handelsschiffen in beiden Häusern durch- gehen werde." Es ist allerdings ein Entente-Blatt, das diese feine Chancen rechnung aufmacht, und vorläufig stimmt sie mit den Tatsachen noch nicht überein. » Bewaffnung der Handelsschiffe beschlossen Amsterdam,»2. März. Eine hiesige Presseagentur meldet aus Washington, daß das Repräsentanten- haus mit 403 gegen 43 Stimmen beschlossen hat, die amerikanischen Schiffe gegen die U-Boot-Gefahr zu bewaffne«. Oesterreich unö Amerika. Wien, 2. März. Die Wiener„Allgemeine meldet: Entgegen Meldungen deutscher Blätter, daß wort der österreichisch-ungarischen Regierung auf amerikanische Note betreffend den U-Boot-Arieg bereits dem hiesigen amerikanischen Botschastrr übergeben worden sei, verlautet ans bester Quelle, daß das Ministerium des Aeußern nicht vor nächster Woche in der Lage sein dürfte, den Wortlaut der Autwort fertig zu stellen. Wien, 2. März. Wie hiesigen Blättern aus Washington gemeldet wird, hatte der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Tarnowsky eine Unterredung mit Lansing. die jedoch nichtamtlichen Charakter trug, da Graf Tarnowsky sein Beglaubigungsschreiben noch nicht überreicht hat. Eine Begegnung mit Wilson hatte der österreichisch-un- aarische Botschafter bisher noch nicht gehabt. Die Stellung TarnowskyS ist daher noch ungeklärt. * Budapest, 2. März. Der Pcster Lloyd erfährt von Wiener unterrichteter Seite, daß die Krise im Verhältnis zwischen Amerika und Deutschland ungemindert fortbesteht. Wenn auch die lange Dauer der Krise an sich nicht beruhigend wirken kann, so ist doch die Empfindung allgemein, daß n�an ihrer Lösung ge« langt ist, wenn Kklson, wie er rntfäiidigte, im Zustand bewaffneter Neutralität verharren will, l'lach Ansicht Wiener diplomatischer Kreise ist das Hauptgewicht auf diese Worte Wilsons zu legen. Auch ist zu bemerken, daß es ganz im Machtbcreich des Kongresse« liegt, den Krieg zu vermeiden. Daß weder die Völker der Mittelmächte, noch daS amerikanische Volk einen Zusammenstoß wünschen, kann in Washington nicht angezweifelt werden. Wenn die Union sich entschließen könnte, uns Vertrauen und Verständnis cntgegenzu- bringen, wäre die pshckologische und moralische Grundlage für die Aufrechterhaltung des Friedens auch heute gegeben. Wilson hat vom Kongreß Vollmachten erhalten, die ihm freien Spielraum für die Deutung der Zufällig- leiten im Seeverkehr gewähren. Aus diesen Vollmachten ist zu ersehen, daß das Verhältnis zur Union nach wie vor höchst kritisch ist. Vielleicht wird die im Laufe der nächsten Woche zu er- wartende Antwort Oesterreich-Ungarns an Amerika den Klärungsprozeß beschleunigen. * die amerikanischen Matrosen üer garrowüale. Berlin, 2. März.(W. T. B.) Nach einer Reutermeldung regt man sich angeblich in Amerika darüber auf, daß die amerikanischen Matrosen der Yarrowdale von Deutsch- land zurückgehalten werden, unter dem Vorwand, daß in ihrem Aufenthaltsort eine ansteckende Krankheit ausgebrochen sei. Hierzu ist mitzuteilen, daß in dem Lager, m dem die Leute von der Yarrowdale untergebracht sind, ein englischer Matrose von der Yarrowdale an Flecktyphus erkrankt ist; eine Zurück- Haltung der übrigen Leute, die mit ihm in Berührung waren, ist daher aus gesundheitlichen Rücksichten notlvendig geworden. Falls weitere Erkrankungen nicht vorkommen, hofft man die Quarantäne am 7. März aufheben zu können. Der Ver- trauensarzt der hiesigen spanischen Botschaft hat unlängst Ge- legenheit erhalten, die Yarrowdaleleute zu besuchen. Zwei amerikanische Aerzte und zwei Tierärzte, die ebenfalls an Bord der Yarrowdale nach Deutsch- land gebracht wurden, die aber als Offiziere in einem andern Lager untergebracht waren und somit der Quarantäne nicht unterlagen, haben Deutschland vor einigen Tagen verlassen. Vollmachts- 1 schwedischen Hasen aufgelegte Fahrzeuge sind gleichfalls wieder auf der Fahrt, darunter ein paar große Segler. Es handelt sich jedoch ausschließlich um Amerikafahrer. Es ist anzunehmen, daß allein die Amerikafahrten von Norwegen wieder aufgenommen werden, wobei die Fahrten außerhalb dcL Sperrgebietes gelegt werden. versenkt. London, 24. Februar. Die.Times" gibt folgende Schiffs- Verluste an: Dampfer Wattsiield(2012 Tonnen), Stahl- b ark Jnvarcauld(Itlö Tonnen) und Motorschoner Ta cw h z. Lugano, 2. März. Die italienischen Dampfer Pru- d e n z a<3307 Br.-Reg.-To.), Cromerna(3132 Br.-Reg.-To.), der italienische Segler Assunta V(101 Br.-Reg.-To.) sowie der russische Schoner M e r h(178 Br.-Reg.-To.) wurden versenkt. Groningen, 1. März.„Nieuwe Grooningiche Couront" meldet, daß der Segler Maria Adriana aus Groningen, der am 24 von Havre nach Tetgnmouth fuhr, wahrscheinlich versenkt ist. Aus Hovre ist nämlich die teiegraphische Meldung eingetroffen, daß die Besatzung des Schiffes gerettet und in Havre gelandet ist. Kristiania, 2. Mörz. Einem Telegramm aus Le Havre zufolge ist der in Kristiania beheimatete Dampfer S j ö st a d am 28. Fe- bruar vor Cap d'Antifer(im Kanal nördlich von Le Havre) durch eine Mine oder infolge eines Torpedoschusses gesunken. Der italienische Angriff bei paralovo. Sofia, I.März. Bulgarischer Heeresbericht vom 1. März 1017. Mazedonische Front: Auf der ganzen Front schwache Artillerielätigkeit. Im Cernabogen nahmen die deutschen Truppen gestern beim Scheitern des italienischen Angriffs fünf Offiziere und 31 Mann vom italienischen Jnsarnerieregirnent Nr. 1(52 gefangen. In der Ebene von Serres Patrouillengefcchte. Im Wardortale und an der Struma Fliegertätigkeit. An der Rumänischen Front Postengeplänkel. « Bern, 1. März. Nach einer Meldung des.ProgrvS da Lyon" aus Saloniki belegte ein feindliches Flugzeug die Hauptstadt von SamoZ, Vathi, mit Bomben. Es sei nur Sachschaden angerichtet worden._ Südamerikanische Bedrängnisse. Brasilien und das englische Kaffee-Einfuhrverbot. Madrid, 2. März.(„Frft. Ztg.') Die brasilianische Presse erörtert mit sichtlicher Erregung das englische Kaffee-Einfuhrverbot, indem sie betont, daß Kaffee das Gold Brasiliens sei. Man schlägt vor, den aufgespeicherten Kaffee durch Gewähr von Vorschüssen verwertbar zu machen, die in Form eines besonderen, nach dem Verkauf des Kaffees einzu- äschernden Papiergeldes ausgegeben werden sollen. Auch spricht man von einer äußeren Anleihe, die bei den Ver- einigten Staaten zu gleichem Zwecke aufgenommen werden soll. Die Haupthoffnung setzt man vorläufig noch auf diplo- matische Schritte. Keine argentinischen Friedensbestrebnnge«. Madrid, 2. März. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, hatte der argentinische Präsident mit den Vertretern der s ü d- a m c rikan is ch e n Staaten verschiedene B e s p r e ch u n- gon über die dub-�, die Ausdehnung des Tauchboot kr i e g e S der Schiffahrt entstandenen Schwie- rigkeiten. Das Gerücht, daß bei diesen Unterredungen Argentinien die Absicht kundgegeben habe, Friedensverhandlungen anzubahnen, wird dementiert. ver Krieg aus öen Meeren. Ein Hollandschiff im Sperrgebiet gewarnt. Rotterdam, 4. März. DaS kleine holländische F i s ch e r s a h r z e u g E. O. 24 aus Goeree wurde Mittwoch früh in der Nordsee von einem deutschen U-Boot durch Schüsse angehallen. Der Kapitän des U-Bootes»lachte das Fischerfahrzeug darauf aufmerksam, daß es sich zu weit von der Küste entfernt hätte, worauf daZ Fahrzeug nach der Küste zurückfuhr. Die norwegische Schiffahrt. Kristiania, 2. März.(.Franks. Ztg.')„Astenposten" meldet aus Bergen: Die ausländische Schiffahrt beginnt von Bergen aus wieder einigermaßen normal in Gang zu kommen. Die meisten der dort vorübergehend aufgelegten Dampfer und Segelschiffe sind heute abgegangen, teilweise bereits in dem Bestimmungshafen, ohne besonderen Schwierigkeiten zu be- j gegnen, angekommen. Mehrere norwegische, in dänischen und Lustangriff auf üie englische Ostküste. London, l. März. Amtlich. Um 9 Uhr 39 Minuten morgens warf ein feindliches Flugzeug einige Bomben auf Broadstairs. Eine Frau wurde leicht verletzt.(Broadstairs liegt nördlich Dover am Eingang zur Bucht der Themse- mündung.) » Berlin, 2. März. Amtlich. Deutsche Wasserflugzeuge haben am 1. März vormittags auf die in d e u D o«« S liegenden Handelsdampfer und die Lahnhofsanlagrn von R a m S g a t e insgesamt 21 Bomben mit beobachtete« guten Erfolge geworfen. Sämtliche Flugzeuge sind unbeschädigt zurückgekehrt. Englisches Flugzeug lanüet in Hollaaü. Amsterdam, 2. März. Gestern landete in C a d z a m ein englisches Flugzeug aus Dünkirchen, das von Schrav- nells angeschossen war. Das Flugzeug überschlug sich bei der Landung. Der Flieger blieb unverletzt und wurde interniert.___ Die Räumung üer �ncrestellung. Bern, 2. März. Zur Räumung der Ancrestellung schreibt das„Journal de Gensve": Die Engländer scheinen durch die Rückwärtsbewegung des Feindes überrascht worden zu sein. Sie haben sie nicht vorausgesehen, nicht erkannt, noch aus- nützen können, machten keinen Gefangenen, während sie selbst solche verloren. Der Rückzug ist sehr gut ausgeführt. E-5 ist möglich, daß er die Aufgabe der Engländer nicht erleichtert, die jetzt gezwungen sind, Stellungen anzu- greffen, welche sie nicht erkundeten. Haag, 2. März. Der militärische Mitarbeiter des„Nieuwe Courant' schreibt: Die Engländer schreiben den deutschen Rückzug an der Somme ihrer Uebermacht, ihrer Initiative und Hartnäckigkeit zu, und inzwischen reiben sie sich die Augen. denn sie stehen an der Front vor einer unbekannten neuen Erscheinung und fragen erstaunt nach den Beweggründen des Rückzuges. -» Englischer Heeresbericht vom 1. März. Im Februar haben wir 2133 Deutsche zu Gefangenen gemacht, darunter 36 Offiziere. Fol- gende Ortschaften wurden von uns entweder genommen oder uns durch den Rückzug der Deutschen überlassen: Ligny. Thilloy. Thilloyebarque. Marlencourt, Pn«. Miraumont. Petrt-Miraumoni. Grandecourl, Pussieux-au-Mont. Serre, Gommecourt. Der Feind überläßt uns weiter Gelände an der Ancre. Nördlich von Miraumont wyrde unsere Linie heute auf einer Front von l'/z Meilen durch- chniNlich 600 UardS vorgeschoben. Heut« morgen ließen wir südlich von Souchez Gas ab und machten im Anschluß daran einen Angriff, bei dem wir Gefangene machten. Sine englische Abteilung drang in die Gräben nordöstlich von Givenchy-lex-la Basis ein und machte neun Gefangene. Unter- Deckung schweren Artilleriefeuers gelang eS feindlichen Abteilungen. letzte Nacht in unsere Gräben in der Nähe von Abloincvurr und Roncourt einzudringen, sie wurden aber an beiden Stellen durch unseren Gasangriff wieder herausgeworfen. Einige Mann werden vermißt. Im Abschnitt von Dpern war heute die beiderseitige Ar- tillerietätigkeit beträchtlich. Ar. 6L- 1917. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Aommbknd, 3. Marz. Was Deutsthlanös Glocken erzählen. Eine der jüngste» Bundcsraisverordnungen gilt der frei- willigen Mlieferung sowie der BeMagnabme der Brongeglocken, wobei aus die kirchlichen Bedürfnisse sowie auf künstlerische und ge- fchicktliche Werke billige Rücksicht genommen werden soll. To sollen denn die Glocken, die nun an die anderthalb Jahrtausende des LebenS unseres Volkes in Freud und Leid begleitet haben, auch an den Opfern dieses Krieges teilnehmen. Im b. Jabrhuirdert war CS, daß sie bei den Kirchen in Gebrauch lmnen.. zunächst um den Ansang des Gottesdienstes anzuzeigen. � Wahrscheinlich sind es die irischen Mönche gewesen, die den Gebranch der Glocke nach Teutschland ge- bracht haben, mid eindrucksvoll ist in Gustav Freytags„Ingraban" geschildert, wie mächtig die'Germanen der Glockenrus ergriff, der über- Wälder und Felder weitbin tönend sie zum Dienste'des (ihristengottes rief. Seit dem 8. Jahrhundert gehörte der Gebrauch der Glocke in Teutschland zur kirchlichen Sitte. Freilich waren die Glocken in jener Zeit von denen des späteren Mittelalters oder - der Gegenwart noch sehr verschieden. Zumeist waren sie nur von kleinerem Ilmfange und nicht gegossen, sondern aus Eisen-, Kupfer- oder Bronzcblech zusammengenietet. Tiefer Technik entstammen d.e ehrwürdigen Patriarchen der deutschen Glocken, jener eisernen Glocken der Frühzeit, unter denen der„Zaufang" aus der Cäcilicn- kirche in Köln die bekannteste ist. Unablässig war man bemüht, größere und wohlklingendere Glocken zu gießen. Schon zu Ende des l3. Jahrhundert galt es als Regel/ daß eine Glocke drei harmonische Töne von sich gebe: den * Grundton am Schlag und die Beitöne der Oktave am Hals, der großen oder kleinen Terz oder agch Quart an der Flanke. Die Klangwirtung ergab sich allein aus der zweckentsprechend geführten Rivpe, und so ist die Geschichte der Glocke, wie einer unserer vor-- trefflichen Glockcnkenner, Tr. Heinrich Bcrgner, bemerkt, bis ins 13. Jahrhundert hinein nichts anderes, als das Suchen nach der besten Rippe. Um-diese Zeit war die günstige Form endgültig gc- snndcn, lnid wesentliche Abänderungen bat sie seitdem nickt mehr erfabren. Hatte die schon für den Bischof Azelin von Hildcsheim um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegossene Glocke Eantabona hundert Zentner gewogen,-so ging man nun zu immer größeren Glocken- gügen über.-Lachsen, die hochderübmte Heimat des Erzgusses, scheint auch der e-gentlichc Mittelpunkt des Glockengusses geivesen zu sein, wo besonders wichtige Fortschritte, speziell in bczug auf die Haltbarkeit der Glocken, gemacht wurdet?. Tie beiden größten Glocken des Domes zu Merseburg stammen noch aus dem 12. und 13. Jahrhurdert. Als die größte Glocke des Mittelalters galt jähr- hunderlclang die Maria Gloriosa des Domes zu Erfurt, die iW' ein Mitglied der berühmten Glockengießerfamilie Won gegossen hat und die 275 Zentner wiegt Aber 1711 mußte sie ihren Rubnt an den„Schustermichcl" auf St. Stephan in Wien abgeben, ein Werk des Johann Aichhamer, dos 323 Zentner wiegt. Die größte aller wirtlich aufgehängten Glocken ijt die„Neue Kaiserglocke" im südlichen der beiden Westtürme des Kölner Domes; sie ist von Hamm in Frankenthol gegossen, wiegt nicht weniger als 515 Zent- ncr, hat eine senkrechte Höhe den 4,10 und einen unteren Durch- Messer vgn 5>>; Meter. Unter allen kirchlichen Gefäßen ist wohl keine? dem deutschen Volke in dem Maße zu etwas Lebendigem und Persönlichem ge- worden, wie die Glocke, und mit richtigem Jnstinlie hat Schiller an dies Gefühl angeknüpft. Schon der ilmstand, daß die Weihe der Glocke sich zu einer Taufe entwickelte, beweist, daß das Volk sich dies: tönende Stimme durchaus vermenschlicht blickte. Die Glocke vekäin dann den Namen der Gottesmutter-'der eitles Heiligen oder sie wunde nach Gebraucb und Größe genannt, aber vielfach hat sich auch der Volkshumor der Glockcnnamcn angenommen, wie z. B. im Dome zu Halbcrsrädi, wo eine Anzahl von Glocken die Namen trägt: Hanghals, Bratwurst, Sauerkohl, Lämmchen, Stimpim und Adain. Längst hatten sich inzwischen die Pflichten der Glocke vor- vielfältigt; sie beschränkten sich nicht mehr nur. aus Ankündigung und Begleitung von Äultusakten, sondern erstreckten sich auch aus viele bürgerliche Vorkommnisse, ja bei glockcnreichcn Kirchen pflegte jede cinzeluc Glocke ihre besondere Vorrichtung zu haben. Sic riefen nicht nur zu den.Kirchenzeiten, zu Taufe. Trauung und Bs- gräbnis— sie läuteten auch bohen Gästen zu Ehren, stürmten bei Gefahr, Feucrtbrunst, Aufruhr und Gewitter; die Bauernglocke rief zum„gemeinen Bicrsaufen" und die Blutglocke zum peinlichen Gerichte. So lebten lbe Glocken mit allem und mit allen, und ein reiches Gespinst sinnvoller Glockemagen umrankte diesen Rufer in luftiger Höbe. Darin kehrt eine gewisse Anzahl von Motiven wieder, in denen es sich deutlich spiegelt, daß die Glocke dem Volke ein lebendig- menschliches Wesen war. Harte ihr Schall doch dem Volksglauben nach selbst die Kraft, soweit er reichte, unholde und böse Geister zu bannen! Wenn aber in Sagen und Ueberlieferungen oft von „Silberglocken" die Rede ist, so muß die nüchterne Forschung ein- - wenden, daß ein Beiveis für die Beimischung von Silber zu der Kupfer» und Zinnlegierung, aus der das Glockcngut hergestellt wurde, tiock nirgends erbracht worden ist. Reiz und Poesie der Glocken wird schließlich durch die Inschriften vermehrt und vervoll- ständigt, durch die sie geziert zu werden pflegten. Diese Inschriften rühmen die Tugenden der Glocke, die sie gern mit ihrem Namen in Verbindung bringen, oder es sind Schuizwschriften, durch j>ie mau die zauberische Kraft der Glocke gegen Wetter und böse Geister zu verstärken meinte, oder es sind geschichtliche Gußnachrickien. Den alten Lestand an deutschen Glocken hat das 10. Jahr- hundert furchtbar gelichtet; und wenn wir uns trotzdem noch immer eines erheblichen Reichtums an alten und ältesten Glocken und Ge- läuten rühmen können, so dürfen wir hoffen, daß dieser Schatz unseres Volkslebens auch jetzt unangetastet erhalten werden wird. »Die Kammerwahl" von M. Kremnitz unü tz. Kienzl im Charlotte n burger Schillcrthealer. Die unlängst verstorbene Romanschriftstellerin Mite Kremnitz. die mit Kienzl zusammen diese Burleske nach dem 1882 er- ichienenen, in Rumänien oft gespielten„Verlorenen Brief" von CaragialcZ verfaßte, hat als Gattin des Leibarztes der rumänischen KömgSfannlie in Bukarest die elenden politischen und sozialen Vor- Hältnisse des Sandes aus vieljähriger eigener Anschauung kennen ge- lernt. Ihre engen Beziehungen zum Hofe vermochten den un'.efan- genen Blick für die erschreckende Rückständigkeit rumänischer Kultur und die unter der Herrschaft deS BojarentuinS dort traditionell gewordene Korruption nickt zu tiüben. Das Stückchen—.Buchausgabe bei®. Müller in München— selber arbeitet in seiner Schilderung der Präfektenwillkür und poli- tischen Versumpfung leider mit reckt abgebrauchten Posienmittsln. Einzig die Schonungslosigkett satirischer Absicht, nicht der satirische Witz und schillernde Erfindungsreichtum erinnern an den Pogolichen ..Revisor", die ilaisische Verhöhnung des stammverwandten ruisischen Beamtentum?. Der Disiriklspräfident einer Provinzialsiadt, der seinen Polizeitvachiineister bei den politischen Gegnern' herum- spionieren läßt, erfährt, daß der oppositionelle Kandidat in den Besitz eines galanten Driefchens gelangt ist, das er an die Gattin eines Mitgliedes der Regierungspartei geschrieben, und daß das Schrift- siück vor dem Wahltag veröffentlicht werden soll! In seiner Karriere bedroht, verfügt er nach bewährten Rezepten HauS« suchung und Gesangenictzung. Das Dämchen aber beginnt sich für den Inhaftierten zu interessieren. Der oppositionelle Sckubiak dünkt ihr begehrenswerter als der Schubiak Numero Eins. Leider inüpit sich an diese Zutat der Bearbeiter der haarsträubend gewaltsame Einsall einer Ehrenrettung des erprcsseriichen Abenteurers und der nicht minder ehrenwerten Dame. Das ichlägt dem Faß den Boden vollends aus: bringt in die lrassen Ueberlreibungen, die sich mit der satilischen Absicht entschuldigen lassen, ein Element der inneren Unwahrheit, das stark verstimmt. Der dritte Akt, der eine von den, Wahlkomitce einberufene Versammlung und die groß- iprecherisch groteske Manier der Rhetorik persistiert, erhält so einen geradezu unverständlichen Ausgang. Der OpposilionSmann. der nur wie der Piäfelt zur Klippe kommen wollte, durch plötzliche Ver- liebtheir zu einem Adelsmenschcn nmgeschaffen, donnert gegen die schamlose AuSbeuietwirlschait los, um dann am Schlüsse zu erklären, daß er. auf seine Wahl verzichte. Seinem funkeliiagelneuen Kavalier« bewußtsein diinkl es— und dieser Zug soll nicht satirisch wirken— vornehmer, stall als Ankläger der Korruption ins Parlament zu zreheu. sich lünitighin ausschließend den Sauden seiner Schönen zu widmen. Was sie bewundernd anerkennt. Das Publikum ließ sich in seiner Beifallslust indes dadurch nickt stören. Die Hauptrollen waren durch die Herren Paeschkc, Eckerl. Scnger und Frau Else W a s a geschickt vertreten. Karl R o a ck amüsierte lebhast in der intimen Porträtierung eines Trunkenbolds. dt. Ein Opfer öer Kriegsverrücktheit. Während die Kriegspsychose, die zu Beginn des Welrkampfes naturgemäß bei allen Beieiligien mehr oder weniger merkbar ein- sctz'.e, bei uns schnell rein praktischen Erwägungen Platz machte und anstelle des Wortes die Tat trat, arbeitet man bei den Alliierten nach wie bor mit den seltsamsien Mitteln, die nur sehr-schmeichelhafter- weise als in das Gebiet der Kriegspsychose gehörend zu bezeichnen sind. Die Zahl der BerhetzungSblülen in Frankreich, der unsinnigsten Erfindungen und lächerlichsten Verdächtigungen ist so groß, daß nur in Ausnahmefällen auf Einzelheiten eingegangen werden kann. Ein solcher Fall wird nunmehr von L'Oeuvre berichtet, und man muß es diesem Pariser Blatt lassen, daß eS insosern unter seinen Kollegen eine Ausnahme macht, indem es deren Verhetzung'- und Erfindungs- taklik öfter ans Licht zieht und verspottet als nachahmt. In letzter Zeit wurde von einem französischen Blatt eine Meldung veröffentlicht, die mit allen Mitteln der Sensalioa in sämtlichen Boulevardblättern schleunigst die Runde machte. Und zwar wurde erzählt, daß die Deutschen sich eines neuen Kampfinittels bedienten, indem sie nämlich in Frankreich lebende Leute zu dem Zweck angestellt hätten, in der Umgebung der Schulen umherzuschleichen und den Kindern alle mög- lichen kleinen Geschenke»lacken, die dann auf gcheimnißvolle wissen- schaftliche Weise die Beschenkten vergiften. „Diese Geschichte", schreibt.L'Oeuvre",„machte der Phantasie ibreS Erfinders alle Ehre, weniger jedoch der Wachsamkeit der Polizei. Die letztere erklärte zwar wahrheiisgemäß. daß die ganze Sache ein ebenso geschmackloser wie dummer Schwindel sei, aber da die Fabel einmal erzählt worden war, konnte man sie nickt mehr vernichten. Besonders die Schüler hielten eS natürlich für ihre heldenhafte Pflicht, Gegenmaßnahmen hinsichtlich dieser angeblichen Tücke zu ergreifen. In einer Sckule zeigten sich dia Zöglinge besonders energisch, indem sie eine wehrhafte Liga gegen die giftigen Phantome gründeten. Sie organisierten Patrouillen, die von 6 Uhr abends rings um die Schule schltcken. um einen der in Rede siebenden Teufel zu fangen.- Das Wunderbarste an der Geschickte ist, daß die Patrouillen wirklick einen erwisckten. Ohne auf seine Proteste zu hören, fielen sie über ihn her und bläuten ihn tüchtig durch. An, nächsten Morgen aber erschien der Schulinspektor und veranstaltete nun seinerseits einen Rekogno-zierungSgang durch die Klassen, um die Helden festzustellen. Zahlreiche Beulen, blaue Flecke und Schrammen zeigten, daß nämlich der Schul- inspektor das beklagenswerte Opfer dieser Kriegspsychose ge- worden war. Zuckergewinnung aus deutschen Säumen. Auf eine unausgenutzte. recht ergiebige Zuckerquelle macht der Tharandter Botaniker Pros. F. W. Neger in den.Nalurwissen- schoflen" aufmerksam: aus den Zucker, der mit dem aufsteigendeir Safte tn jedem Frühjahr von den Bäumen in die Höhv gepumpt wird. So lange nun die Baumkronen noch unbelaubt sind, tritt der. Saft an jeder Verletzung des Baumstammes zutage und kann aufgefangen werden, was sich viele Völker seit langem zunutze gemocht haben. So sollen in Nordamerika bis zur Einführung der Znckerrübcnkultur jährlich etwa 400 000 Zentner Zucker vom Zuckerahorn gewonnen worden seln. Der amerikanische Znckerahorn fehlt in Deutschland, aber der einheimische Spitzahorn steht ihm an Ausbeute ukid Güte des Zuckers kaum nach, und andere dculscke Bäume, mehrere Ahornarten. Birken. Buchen. Hainbuchen und Eichen können ebenfalls als Zuckerqucllen heran- gezogen werde». Das.Bluten" der Bäume tritt zu verschiedenen Zeiten ein: Buchen und Hainbuchen beginnen um die Mitte des März, andere Bäume bis zum Mai, und der Wassergehalt des Bodens sowie andere Umstände spielen dabei eine Rolle. Zur Zeit der Kontinentalsperre sind mit Ahornbäumen Jahre hindurch Versuche über Zuckergewinnung angestellt worden, und dabei bar sich herausgestellt, daß tausend Ahornbäume durch- scknittlick 100 000 bis 300 000 Liter Zuckerwasser ergaben, aus dem 100 bis 300 Zentner Zucker gewonnen wcrdsit konnten. Im Jahre 18lS betrug beispielsweise die Zucksrernie der Ahornbäume der gräflich Czeriiischen Herrschaft NeubruS(Böhmen) 537 Zentner Zucker und Sirup, und die Kosten für 1 Piund Zucker belrefeu sich aus 10 bis 12 Kreuzer. Die einzige Schwierigkeit bei der Zuckergewinnung aus dem Safte der Bäume liegt darin, daß ziemlich erhebliche Flüsfigkeitsmengen eingedickt werden müssen, und eS kommt noch dazu, daß der aufgefangene Zuckersaft nicht lang- aufbewahrt werden kann, ohne in Gärung überzugehen. Was die forstwirtickaftliche Seite der Zuckergewinnung aus Banmsaft anlangt, so steht fest, daß das Saft- abzapfen den Bäunren durchaus nickr schadet, wenn es fachmännisch ans- geführt wird; die Bobrlöcker müssen richtig angelegt werden, und eS dürfen nur Abornbäume, die über 30 Jahre alt sind,' ausgenutzt werden. Durch die protokollarisch aufgenommene Aussage eines Bauern ist erwiesen, daß ein Ahornbaunr jahrzehntelang Zuckeriaft liefern konnte, ohne darunter zu leiden. Die Zuckermenge, die-denr Baum entzogen wird, ist ja auch im Verhältnis zur Menge der Reservestoffe der Bäume nur gering. Die-Zuckergewinnung au« Baumiafr hat schließlich auch eine rechtliche Seite. Es versteht sich eigentlich von selbst, daß niemand einen Baum anzapfen darf, wenn er nicht dessen Eigentümer ist oder vom Eigentümer die Befugnis dazu erhatten hat._ Notize». — Mulikchronik. Im Wagner-Abend des Blütbner- Orchesters am Sonnlag. den 4. März, wird Iah. Bischoff zwei Gesänge des Wolfram und Wotans Abschied singen. — Björn Björn fon gibt demnächst bei Oesterheld u. Co. ein neues Werk heraus:.Vom deutschen Wesen," Impressionen eines Stammverwandten. Die Vorrede schrieb Gerhart Hauptmann. — Kleider aus Papier. Auf Anregung der Akademie der Wissenschaften hin beschäftigt sich eine frauzösiiche Papierfabrik eingehend mir der Herstellung von Papierstoffen zu BetleidungS- zwecken.„Das Papier schützt", so schreibt die„Minerva",„bekannt- lich gut vor Kälte, und die neuen Herstellungsveriuche haben nicht nur dazu geführt, ein schmiegsames, weiches Produkt zu erzielen, sondern es ist z» gleicher Zeit wasserdicht, antiseptisch, kräftig und haftbar. Diese Erfolge erlauben die Boraussage, daß das Funda» mcnt zu einer neuen Jlidustrie gelegt ist und daß die warmen, leichten, wenig kostspieligen Kieidungsstücke aus Papier sich auch im Frieden großer Beliebtheit exsreuen werden." Lgj Der poiizeimeifter. E i u russischer P o l i z e i r o in a n . von Gabrycla ZapolSla. „Folgen Sic dem Herrn hinauf! Herr Älißki bleibt nur einen Augenblick oben." � Semipudolv näherte sich der geöffneten Tür. „Ich werde mich hier von Ihnen verabschieden," versetzte Horski..„Ich kann das Geschäft jetzt nicht verlassen. Hoffentlich sehen wir Sic recht bald wieder in unserer Stadt." Klitzki verabschiedete sich>ftit etnejn herzlichen Händedruck von diesem Mann, den er in den wenigen Tagen schätzen und lieben gelernt hatte. Als er von der gewundenen Treppe aus das Speisezimmer betrat, erblickte er zuerst Juzia, die mit verweinten Augen und roter Nase eifrig das Büfett sauber machte. Ianka beaussichtigre sie bei dieser Arbeit. In ihrer hellblauen Bluse und der Wirtschastsschiirze. die langen schönen Zöpfe in einem Kranz um den Kopf gelegt, sab lvie die Jugend selbst aus. Als sie Klitzki in Seniipudows Begleitung bemerkte, schrie sie erschrocken aus. Um sie zu beruhigen, erklärte Klitzki ihr, daß eS sich um die Erledigung der Paßformalitäten vor der Abreise handele. „Sie reisen?" fragte Ianka traurig.. „Ja. aber ich komme sehr bald wieder. Ihr Vater hat mich aufgefordert." „Haben Sie mit Papa gesprochen fragte Ianka er- rötend" -„Ja! Habe ich richtig gehandelt „O ja!" Ianka schickte Juzia in die Küche. Als das Stubenmädchen an Klitzki vorbeiging, empfand er ein unangenehmes Gefühl. „Woher haben Sic dieses Mädchen?" fragte er unwillkürlich. ..Sie war stellenlos und hat sich bei uns gemeldet. Sie ist fiirj?in Dienstmädchen sehr gescheit und ergeben." „Sind Sie dessen auch sicher?" „Vollkommen. Sie hat so manchen Beweis ihrer An- hängiichkeit gegeben... Aber warum sind Sic unter Auf- ficht?" fragte Ianka nach einer Weile auf Französisch, indem sie sich in die Fensternische zurückzog. Klitzki folgte ihr.. „Wahrscheinlich ans höheren Befehl!" erwiderte er lachend, um Ianka zu beruhigen. Er faßte ibre Hände und' begann diese zu küssen. Ianka luehrke sich nicht gegen diese Liebkosung. Sie umfaßte Klitzki init einem Blick, m dem sich ein ticfe-5, ehrliches Gefühl spiegelte. „Wenn Ihnen nur nichts Schlimmes passieren möchte!" „Haben Sie keine Angst. So leicht kann mir nichts ge- schehen. ES handelt sich sicher nur um die Paßformalitäten. Ich reise in einer Stunde. Sehen Sie zum Fenster hinaus. Ich muß mit der Droschke hier vorbeisahren. Sollten Sie mich nicht sehen, so ist das ein Beweis, daß Tagejew mich aufgefressen bat." Ianka lächelte unwillkürlich.. „Und wann kommen Sie zurück?" ..In zwei Wochen." Er hielt ihre Hände noch inimer in den seinen und be- merkte plötzlich, wie ihre Augen sich umflorten. „Was ist Ihnen?" fragte er. „Ich weiß nicht! Mir ist so schwer zumute! Es scheint mir, als schwebe eine Gefahr über nnS,.als sollten wir uns nicht so schnell wiedersehen." Sie begann leise zu schluchzen. Heiße Tränen rollten über ihre frischen Wangen. Auch Klitzki wurde das Herz schwer. „Es ist die Schuld der Verhältnisse, üi denen ihr lebt." sagte er,„die euch stets etwas Schlimmes be- fürchten lassen." „Mag sein," sagte Ianka.„aber was hilft's. Wir sind hier geboren und müssen hier leben." Bei diesen Worten wurde sie noch ernster. Mit ihren tränengefüllten Augen blickte sie über den grauen, armseligen Marktplatz und flüsterte traurig: „Reisen Sie glücklich! Gott behüte Sie!" Er preßte die Lippen auf die helle Stirn des Mädchens. ..Ans Wiedersehen!" sie antwortete nicht. Sie hatte die Augen geschloffen und stand bleich und regungslos da. Plötzlich kam Kazjo auS dem Nebenzimmer. „Ach. Sie sind es!" rief er.„Würden Sic vielleicht einen Augenblick zu mir koinmen?" „Gern!" sagte Klitzki und küßte noch einmal Jankas Hand. Semipudow folgte ihm auf dem Fuße. Aber Kazjo wehrte ihm den Eingang in sein Zimmer mit energischer Stimme. In seinen Augen blitzte Haß. Klitzki betrat KazjoS Zimmer, in dem eine Menge Bro- schüren. Hesse und Bücher umherlagen. Kazjo schloß die Tür und fragte flüsternd: „Wann reifen Sie?" „In einer Stunde!" „In Krakau wird sich jemand bei Ihnen melden und Ihnen etwas übergeben, bevor Sie wieder zu uns kommen. Ich rechne auf Sie." Er heftete seine ausdrucksvollen Augen auf Klitzki. „Ich werde Ihr Vertrauen nicht täuschen!" sagte dieser lies gerührt. Sie verabschiedeten sich mit einem kräftigen Händedruck. Kazjo führte Klitzki zum Vorzimmer und von dort auf die Haupttreppe. Im Speisezimmer war außer Semipudow auch schon Juzia. Als sie sah, daß Kazjv sein Zimmer verlassen halte, ging sie darauf zu. „WaS willst du dort?" fragte Kazjo. „Ich will den Waschtisch sauber machen!" erwiderte sie schon auf der Schwelle. Im Vorzimmer drückte Klitzki noch einmal die Hand des jungen ManncS. Er hätte ihm gern etwas von seinen Gc- fühlen zu Ianka gesagt. Doch fand er nicht die richtigen Worte. Diese Knabe schien zu weit entfernt von aller Lebens- freude, daß Klitzki einfach nicht den Mut hatte, von Person- lichen Dingen zu ihm zu sprechen. Er sagte nur: „Ich bin in zwei Wochen wieder hier." Langsam ging Klitzki die Treppe binuuter, hinter ihm ertönten Semipudoms schwere Schritte. Unwillkürlich erfaßte ihn wieder jenes bange Angstgefühl, das er in dieser Stadt zum ersten Male empfunden hatte. Er bemühte sich, es zu unterdrücken. Aber in reinem Innern rannte ihm eine Stimme zu:„Frauen haben zuweilen seltsame Ahnungen!" (Forts, folgt.) Dürefction Mas Reinhardt: DeotKchee Theater. 7-;. Uhr; Dantons Tod- fionntag 7 Dhr: Othello. JJacbm. S'/j Uhr'kleine Preise): Fuhrmann Henschel. Kamnieraplele. 7»/, Uhr: Das Konzert. ßonntag,: Das Konzert. J.'a'�hia.-Vj ühr(kleine Preise): Minna von Barnhelm. To Iksbilhne. Theat, a.B&lowplatz. 7'/, Uhr: Der Biberpelz. Sonntag: Kabale und Liebe. Theater i, d. Königgrätzerstr. vir. C Meinhard— R. Bernauer, 7>;a Uhr: Erdgeist. Komödienhaus ?>/, Uhr; Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7 20 Uhr: Die tolle HomteB. Lsssipg Theater. Direktion; Victor Bornowsky. 7 Uhr: Peer Cynl-vonGrieg. Sonntag: Pfarrer von Kirchleld. ßentsch.Künstler-Tlicater. AUsbendUch VI, Uhr: Der BeiHebegiciter. URANIA TaubenstraJJe 48/19. 8 Uhr: Der Balkanzug und die befreite Donau. Rose'Theater. 3'/, Uhr: Schneewittchen. vi, o: Der fidele Sauer. Tkester kür Souoadenü, 3. März. Deutsches Opernhaus, Charlottcnh. 7 ühr: Carmen. F ricdrich-W i Ihelmstädt. Theater. v/.ü.: Das Drelmäderlhaus. biebr. BCFrnfCld-lhewter 7S/,U.: Der Stolz der Fninille Kleines Theater �u.JerRaiib derSabimiiei!. Komische Oper vi, uhr: Der Püszta-Kavalier. SonntagS1/» U.: Minna von Barnhelin, lustspielhaus vi, U- Die schone Kubanerin, Sonntag 3 Uhr: Charloya Tento. Metropol-Theater Ä.: vis Csardasiürstin. So nntag'1,8 ühr: Dio Kaloorin. Clreus T| Busch. Anfang VI, ühr: Dia neuen MDz-Num.'nera 8 Gesehw. Delius, Kratt-AM, 3 S Moinikos, Luftloilor-Akt 3 auf hohem SohiSsmast, u. d. übiig. voraügl. Nummern. Zum Schiaß: Die versunkene Stallt Bonntag ü1/, Uhr: Die Oelerprlnzessln. Abends?'/, Uhr: Die versonbene S>t»d.t- Das neue März- Programm Oscar Sabo vom Berliner Theater a.(J. Lotte Rovo, Lnflakt Luis u. Kohamed, Gymnastik Ilse Bois, Johnton u. Johneon, Exaentriks. Bmarooda, dressierte Katzen. Ferner Hans Wassmann und Lillebll Christensen in LillebiVs Hochzeitsreise. Aesypt. Burleske in 7 Bildern. Inszenierung von Max Reinhardt. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Stolasi Tiigi. Vla Sonnt. 3'/, u. 7»/, Die neue Revue; von Otto Rentier und tt. lilcbmmnn. Musik v.Victor Holländer Regia: Dr. Mortli» Zickel. Neues Operettenhaus Sohiffbd. la. Kassontel.: Nord. 281. u/.u.: Oer Soldat der Marie. Residenz-Theater �'..Die Warschauer Zitadelle. Schlller-Thcotor O. 7»/. u.: iit-Heldelberg. Sehtilcr-Tb.Cbarlottenbg. 3 Uhr: Dio Jungfrau von Orloant. 7v.uhr:DieKammervabl Tbalia-Tbeater. u/.u.; Das Vagabundenmadel. Theater am XoIIendorfpI. SV. Uhr: Der Traum ein Leben. "v.uhr: Die Gulaschkanone. Theater des Westens Tv.u.s Die Fahrt ins Block Trianon-Tbcater tv.u.: Gib au! Hedwig acht Zirkus A. Schumann Einlaß 7 Uhr. Anfang?'/, ühr. Heute und täglieb Do« neue März-Programm. VIomo a4 das onentoli- JUSmtSl sehe Wunder! Adolf a. Cor« dio bollebten Spetmachor. Antipoden-Spiele mit Hunden. ----- große eqn« u»d..Die erhob er". UM- Emilia»ose. Das g oße eqneotr. Programm Große Ausstatt.- Pant. i. 4 Akt. Sonntag 2 gr. VorstZTä n.7'/,Ü. Nachm. 1 Kind frei! Billetts ab heute zu haben Täglich V.» Uhr: Perstfnllelics Bastspiel Wanda Treumann VixxO Larsen in ihrem Lustspiel: ..Die Seheldoncsehe'4. Vorher; Oao vollständig neoo Variete- Programm. Vorverk. ab 10 Uhr a. d.Tbeater- koese b. Wertholm u Invalidend Sonntags 2 Vorst,'/� u. Vß Uhr. Das ungektlrvte Programm. 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Hohem dorff von seinem Posten als Chef des Generalstabcs enthoben, um seine„bewährte Kraft an anderer wichtiger Stelle zur Geltung zu bringen". Nachfolger Conrads ist der General der Infanterie v. Arz, der sich in den Kämpfen um Lima- nowa sowie bei dem Durchbruch von Gorlice besonders hervor- aetan hat.__ Kosaken, Lebensmittel und Enthaftungen. Beruht rnngsmahregeln zur Tumaeröffnung. Lugano, 2. März. Der Petersburger Korrespondent des . Corriere della Sera" stellt fest, daß die ruhig verlaufene Er- öimung der Duma nur infolge besonderer Maßnahmen der Regierung, Heranziehung einer größeren An- zahl Zosaken und Heranführung von Mehl und Lebensmitteln in Sonderzügen, erreicht worden ist, wodurch die Aufregung im Volke rechtzeitig gedämpft werden konnte. Budapest, 2. März.„Keleti Ertesitoe" meldet(laut „Kriegszeitung") aus Petersburg: Nach Berichten der rufst» schen Blätter war der Minister des Innern Protopopow ge- zwungen, die dcrhafteten elf Mitglieder der Kriegsindustrrc- kommission freizulastcn, weil die Arbeiter der Muni- tionsfabriken in den passiven Widerstand ein- getreten waren und hierdurch der Betrieb der Fabriken ge- fährdet war. Die Arbeiter haben sich massenhaft krank ge- meldet und bleiben von der Arbeit weg. Dieser Entschluß Protopopows soll auf ausdrücklichen Wunsch der Hofkreise gefaßt worden sein. » Bern, 2. März. Der russische Mitarbeiter des„Bund" schreibt: Es dürfte nicht verfehlt sein, wenn wir die geplante Kundgebung der Ärbeiterverbände vor dem Dumagebäude, von der„Nowoje Wremja" berichtet, vor allem als Protest gegen die letzten Verhaftungen der zur gemäßigten Minderheit gehörenden Arbeitcrvertreter des Kriegsindustrie ausschusscs auffassen. Wie Ende IlflS und Anfang 1916, sä ergriff auch in diesem Jahre die russische Regierung Maßregeln, um jede regierungsfeindliche Propaganda zu unterdrücken. Nachdem das Polizeidcpartemcnt eine Uebersicht über die Tätigkeit der revolutionären Verbände seit Kriegsbeginn bis zum 14. Juli 1916 dem Kampfminifterium vorgelegt hatte, fand daS letztere eS für notwendig, eine Polizeiverstärkung auf Grund des lllotparagraphen 87 in 66 Gouvernements Rußlands durchzuführen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei den Fabriistädten geschenkt. Auch g,egen die Eisenbahner wurden Warnungen erlassen. Fernbleiben von der Arbeit wurde bei Militärpflichtigen mit Versendung an die Front bestraft, wo die Streikenden in die Feuerlinir geschickt wurden. Dadurch scheint die gereizte Stimmung unter den Arbeitern entstanden zu sein, und bald erfuhr die Regierung, daß sogar unter der Minderheit revolutionäre Gärung im Gange sei. So meldete wenig- stens der Vertreter des Kampsministeriums, der in der letzten Zeit alle Sitzungen des Arbeiterausschusses des Zentralkriegeiildustric- koinitces überwachte. Die Folge davon war, daß 11 von diesen Arbeitervertretern verhaftet wurden. Dieses Vorgehen der Regierung scheint die Arbeiierverbände in Petersburg zum öffrnt- lichen Protest herausgefordert zu haben. Die Warnung des Haupt- cbcfs des Petersburger Militärbezirks. Generals Chabalow, läßt allerdings deutlich erkennen, wie die Regierung im Falle von re- gicrungsfeindlichcn Kundgebungen handeln wird. Tie Regierung her Golizyn und Protopopow Hot ol,o begriffen, baß der Volksbewegung der Unzufriedenheit, die jetzt emporwäckstt. mit Kosaken ollein denn dock» nicht beizu- kommen ist. Tie Arbeiter lassen— trotz schwerster Bedrohungen— ihre Streikwoffe spielen, und der Minister, der über die brutalsten Gewaltmittel frei verfügt, sieht sich ge- zwungen. Nachgiebigkeit zu zeigen. Es ist ober ganz klar, daß mit der Freilassung von elf Arbeitervertretern diese Be- wegung nicht zu erledigen ist. Die russische Nachrichten- sperre nimmt leider die Möglichkeit, die Vorgänge, die seit Weshnochten in ein heftigeres Tenwo der Entwickelung fallen, schnell und ausreichend zu berichten. Das Tabakmonopol in üer Schweiz. Bern, 2. März. Der Bundesrat hat heute eine Botschaft und einen Antrag an die Bundesversammlung erlassen betreffend die Lil.schiebung eines Artikels über ein Tabakmonopol in die Bundesverfassung. Die Vorlage unterliegt der Volks- nbstimmung. Die Schließung öer spanischen Lortes. Bern� 2. März.„Humanste" meldet aus Madrid, das Dekret betreffend die Schließung der CorteL habe die Radi- k a l e n und die R e p u b l i k a n e r zu einem heftigen Protest veranlaßt. Der Ministerpräsident Graf Romanones habe daraufhin erklärt, er werde das Parlament wieder ein- berufen, sobald die Umstände ihn dazu zivängcn. Die verschärfte englische Glockaöe. London, 1. März. Unterhaus. Broockes fragte, ob das Ergebnis der schärferen Blockade sich als befriedigend dar- stelle und in welcher Richtung es besonders bemerkenswert sei. C e c i l erwiderte, in den letzten Monaten fei seiner Meinung nach keine wesentliche Menge von Waren, die nach Skandinavien und Holland eingeführt worden seien, nach Deutschland hindurchgegangen. Auch sei keine Ausfuhrware für überseeische Gebiete von Deutschland durch jene Länder gegangen. In jüngster Zeit sei als Ergebnis der V e r- Handlung mit neutralen Ländern die ge- nannte Ausfuhr ihrer Erzeugnisse nach Deutschland beträchtlich zurückgegangen. Was das Ergebnis anbetreffe, so sei eS schwierig, darüber Gewisses zu sagen. Er glaube aber, daß man sicher sagen könne, daß nunmehr ein ernster Mangel an Nahrungsmitteln und gewissen anderen Bedarfsartikeln von äußerster Wichtigkeit in den feind- lichen Ländern eingetreten sei. * ArbcitSv erböte und Zwangsarbeit. London, 1. März. Der MunitionSminister hat eine Belanui- machung erlassen, durch die den Geschäftstreibenden vieler Betriebe verboten wird, Männer zwifchen lg und 61 Jahren zu beschäftigen. Solche Geschäfte sind beispielsweise: Möbelhand- lungen, Glas- und Steinguthandlungen, Aaugeschäite, Mobewaren- und Kleiberhandlungen, Mineralwasserfabriken, Zuckerbäckereien, Zigarrengeschäftc, Brauereibetriebe. Theater, Musirhallen usw. ♦ Lord Derby aus der Landarbeitersuchc. Rotterda«, 1. März. Dem»Rieuwe Rotterdamsche Eourant" zufolge wurde im Oberhause die Landarbeiterfrage erörtert. Lord I Selb ourne sagte, die Landwirt« seien durch den Mangel an Arbeitskräften zur Verzweiflung gebracht. Lord Derby teilte mit, daß er jetzt erfahrene Landwirte in der Armee aus- findig zu machen suche, um sie zu beurlauben. Verfolgung bei Kut el Imara. London,. 1. März.(Reutermeldung.) Amtlicher Bericht aus Mesopotamien. Kavallerie und Kanonenboote setzten die Ver- folgung des geschlagenen Feindes den ganzen Dienstag fort, machten Gefangene und erbeuteteten sechs Geschütze m>d ein großes Flußschiff.___ Kleine Kriegsnachrichten. Ter englische Nationaldienst. Tie Regierung bat beschlossen, daß all- Regierungsbeamten zwischen 18 und 61 Jahren sich als Freiwillige für den nationalen Dienst eintragen lassen sollen, um im Notfalle bereit zu stehen. Die.Kiewer Messe. Dem Petersburger.Djen' zufolge hat die diesjährige Kiew et Messe wegen Desorganisation im Verkehrswesen schlechte Geschäfte gemacht. Wegen Mangels an Lebensmitteln ausgewiesen Kristiania, 2. März.„Astenposteu" meldet aus Petersburg, 20000 Personen seien vor kurzein wegen Mangels an Lebensmitteln und infolgedessen drohender Hungersnot aus Renal ausgewiesen worden. politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Das preußische Abgeordnetenhaus beendete am Freitag die Debatte über das höhere Schulwesen, um sich im Anschluß daran der über das Volksschulwesen zuzuwenden. Darüber scheint zwischen den Parteien und der Regierung Einmütigkest zu bestehen, daß die schon vor dem Kriege geplante Reform unseres Schulwesens sich nicht länger aufschieben läßt, aber über den Umfang der Reform gehen die Ansichten West auseinander. Insbesondere handelt eS sich hierbei um die trage deS Aufstiegs der Begabten in höhere Lehranstalten. inen kleinen Schritt in dieser Richtung wird die Gesetzgebung ja wohl machen, aber die einzige Möglichkeit zur Erreichung dieses Zieles, die Schaffung der Einheitsschule, wird einstweilen wohl noch nicht verwirklicht werden. Nannte doch der Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) die Einheitsschule ein nebel- Haftes Gebilde, und stellte sich doch auch der Kultusminister auf den Standpunkt, daß zivar der Uebergang von den Volks- schulen in höhere Schulen erleichtert werden muß. daß daS aber in Preußen schon stets möglich war. Mit anderen Worten: es ist alles schön und gut, eS kann im großen ganzen so bleiben. Viel Mühe wird eS machen, die noch vorhandenen Widerstände zu brechen, aber gebrochen werden sie; eS ist im Grunde genommen nur noch eine Frage der Zeit. Am Sonnabend soll der Kultusetat beendet werden. Deutscher Städtetag gegen die Verkehrsstener. Der Vorstand des Deutschen S t ä d t e t a g e S hat eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der gesagt wird: «In der Verkehrssteuervorlage ist die Besteuerung auch deS Straßenbahnverkehrs und sonstigen Verkehrs innerhalb einheitlicher Siedlungen(Omnibusse, Hoch- und Untergrundbahnen) vorgesehen. Wir bitten dringend, diesen Binnenverkehr der einzelnen Siedlungen nicht der Vealahrssteuer zu unterwerfen. Während sonst die Verkehrssteuer gleichmäßig alle Bewohner des Deutschen Reiches trifft, die aus geschäftlichen oder anderen. Gründen Verkehrsmittel zwischen den einzelne:» Ortschaften benutzen, stellt die Besteuerung der Straßenbahnen und des Binnenverkehrs über- Haupt eine V-rausbclastung der Bewohner der größeren Verkehrs- zentrrn dar. Die Bewohner der größeren Siedlungseinheiten sind genötigt, im regelmäßigen täglichen Leben die Straßenbahnen immer»vieder zu benutzen. Im Grundsatz ist die Richtigkeit dieses Gedankens in der Verkehrssteuervorlage dadurch anerkannt, daß der Arbeiterverkehr und der Schülerverlehr von der Steuer frei- gelassen sind. Freilich bezieht sich diese Ausnahme auch, und zlvar bcrechttgtertoeise, auf den Verkehr zwischen solchen Arbeitcrwohnsitz- gemeinden, die keine Siedlungseinheit mit der Arboitsgemeinde bilden, und dieser Arbeitsgemeinde. Das Schwergewicht der Aut- nähme wird gleichwohl für den Binnenverkehr in Erscheinung treten. Für diesen Binnenverkehr aber wird die Vorschrift, weil sie nur die Form einer beschränkten Ausnahme hat, den wirklichen Verhältnissen in keiner Weise gerecht. Um nur Beispiele anzuführen, so ist die Benutzung der Straßenbahn durch die Frau, die in die Markthalle fährt oder ihrem Mann da« Essen zur Arbeitsstätte bringt, genau in gleicher Weise ein unmittel- barer Vorgang deS täglichen Lebens wie die Benutzung der Arbeiterfahrkarten oder der Schülerkarten. Weiter trifft die Be- schränkung auf die Arbeiter den Kern der Sache deshalb nicht, weil auch der Mittelstand, und nicht zuletzt der kleine Wittelstand, dessen finanzielle Verhältnisse durch den Krieg be- sonder» stark verschlechtert sind, auf die regelmäßige Be- Nutzung der Straßenbahnen angewiesen ist. Der springende Punkt ist eben der, daß die Benutzung des Binnenverkehrs überhaupt keine OriSverändcrung darstellt, sondern nur einen Teilvorgang des Wohnens selbst innerhalb der Siedlung. Da, im Gegen- sah zur Benutzung der Verkehrsmittel zwischen den einzelnen Sied- lungen. der Zwang zu regelmäßiger Benutzung von Binnenverkehrs- Mitteln nur die Bewohner der größexen Siedlungen trifft, so ist im wirtschaftlichen Sinne die Einbeziehung deS Binnenverkehr« in ein allgemeines Verkchrssteusrgesetz nicht nur keine logische Not- wendigkeit, sondern stellt dem Wesen nach eine besondere Steuer dar, die ausschließlich auf die Beivohner der größeren Gemeinden gelegt wird. UeberdieS würden die Bestrebungen nach breiterer Wohn- und Siedlungsweise, die jetzt von so vielen Stellen unter lebhaftem Beifall der Reichs- und Staatsregierung geltend gemacht werden, auf das schwerste geschädigt, wenn der Binnen- verkehr mit einer Steuer belastet würde." Die Eingabe führt noch eine Reihe weiterer Argumente gegen die Äeuer auf und schließt mit den Worten: Die vorstehenden Erwägungen veranlassen uns zu der dringenden Bitte, den Straßenbahnvcrkehr und gesamten sonstigen Binnen- verkehr innerhalb einheitlicher Siedlungen nicht der Verkehrssteuer zu unteriverfen. gez. Mermuth, Oberbürgermeister von Berlin, Vorsitzender. Zetermordio. lieber die sozialdemokratischen und fortschrittlichen Initiativ- anträge zur Fideitommißgesetzgebung ist die„Deutsche Tages- zeitung" gewaltig entrüstet. Zunächst schützt sie Verfassungsbedenken vor, weil das Bürgerliche Gesetzbuch die Fideikommitzgesetzgebung ausdrücklich den Einzelstaaten vorbehalte. Die Anträge stellen somit«inen Versuch dar, auf einem den Bundesstaaten vorbehalten en GesetzgcbungSgebiet einen Druck auf einen Bundesstaat auszuüben. Dieses Heraustreten Ses Reichstage» aus dem verfassungsmäßigen Rahmen kann nur als außerordentlich bedenklich angesehen lverden; ganz besonders bedenklich aber ist ein solcher Schritt noch in der Kriegszeit, in der die Rechte der einzelnen Glieder des Reichs noch sorgsamer und gewissenhafter als sonst beachtet werden sollten. Der Berfaffungsjurist der„Deutschen Tageszeitung" verkündet nur halbe Wahrheit, die wie gewöhnlich mit Unwahrheit gleichbedeutend ist. Er verschweigt nämlich, daß das Reich nach der Reichsverfassung die Kompctenz-Kompetenz besitzt, d- h. zu jeder Zeit jedes bislang den Glied ftaat an vorbehaltene Recht!» gebiet seiner eigenen Zuständigkeit unterwerfen'kann. Das gilt natürlich auch tum dem Fideikommißwejen. Geradezu absurd aber klingt es, wenn die„Deutsche Tage!- zeitung" in ihren weiteren Ausführungen sich neben Bcrfassungs- bruch auch über Bruch des Burgfriedens beschtvert. Tie Einbringung des Fideikommißgesetzes im preußischen Landtag wollte sie bekanntlich nicht als Burgfriedensbruch gelten lassen, die Abwehr dieses Gesetzes aber soll ev sein!— Schließlich erklärt eS die«Deutsche Tageszeitung" für„selbstverständlich ausge- schlössen", daß der Bundesrat den Anträgen seine Zustimmung er- teilen' könnte, der„rein demonstrative und herausfordernde Bcr- achter" der Anträge träte dadurch nur noch deutlicher hervor. Wenn wirklich ein dem Empfinden der überwältigenden Mehr- heit des Volkes entsprechender Rcichstagsbeschluß vom Bundesrat in den Papierkorb versenkt werden sollte, so wird deswegen kein vernünftiger Mensch in dem Verhalten des Reichstages eine Herausforderung sehen. Eher denn etwas anderem. Reichstagsarbeit. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beginnt heute seine Arbeit mit der Beratung des Etats des Reichskanzlers. Es folgt der Etat des Auswärtigen Amts und des Reichsamts des Innern, und am Donnerstag hofft man dann in die erste Lesung der Steuervorlagen eintreten zu können. Danach soll die Beratung des Etats fortgesetzt und nach ihrer Beendigung die z»reite Lesung der Steuern vorgenommen werden. Am 20. März tritt dann bekanntlich die Vollver- sammlung wieder zusammen. Tie abgelehnte Gerard-Spende. Der amerikanische Botschafter Gerard hat vor seiner Abreii« einen in den Bereinigten Staaten gesammelten Betrag für deutsche Kriegerwitwen und-Waisen von rund 860 669 M. einem Ausschuß überwiesen. Dieser Ausschuß hat beschlossen, den Betrag nicht zur Verteilung zu bringen, vielmehr ihn einer Bank zur Verwahrung zu übergeben»nit der Anweisung, ihn dem Botschafter zur Verfügung zu halten für den Fall, daß dieser daS Geld ander? zu verwenden wünschen sollte. � Reichstagsersatzwahl in Mccklcnbmg-Strclitz. An Stelle des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Roland-Lücke haben die national- liberalen Vertrauensmänner in Mccklenburg-Strelitz Herrn Dr. Peter S t u b m a n n als Kandidaten für die Ersatzwahl aufgestellt. St. ist Vorsitzender der nationalliberalen Landesorganisation Hamburg und Geschäftsführer de« Kriegsausschusses deutscher Reeder. Die Wahl dürfte sich voraussichtlich unter dem Zeichen des Burgfriedens vollziehen.— Bei de» ReichStagswahlen 1912 wurden im Wahlkreise 7733 Stimmen für die Reichspartei, 6899 Stimmen für die Rational- liberalen und 6492 Stimmen für die Sozialdemolratie abgegeben. In der Stichwahl zwischen den Kandidaten der beiden erst- genannten Parteien siegte der Nationalliberale mit 12682 gegen 7568 Stimmen.) Ein Dementi. In parlamentarischen Kreisen war das Gerücht verbreitet, daß der preußische Eisenbabnminister v. Breitonbach. wegen der Kritik der gegenwärtigen Verkehrsstockungen von»einem Amte zurücktreten wolle. Wie bestimmt verloutet, beruht diese» Gerücht aus haltlosen Kombinationen. Letzte Nackrichten. An der Anere. B e r l i», 2. März. die Finna auf diesen Borschlag nicht eingehen will, hat sie ihm sofort Kriegsschein auszustellen. Der Dreherlehrlig M. von der Firma G. verlangt den Kricgsschein. Da er scdoch erst 16 Jahre alt ist. ist der Kriegs- ausschnß nicht zuständig. Im übrigen steht dem auch der Lehr- vertrag entgegen. Der Firma wird aber angeraten. «die im L ehrvertrag festgesetzten Kostgeldsätze erheblich zu erböheu, weil diese Sätze in keinem Ver- bältnis zu den gegenwärtig außerordentlich teueren Lebensmitteln stehen. Der Werkmeister V. von der A. E. G. ist gekündigt, er verlangt sofort seinen Abkehrschein, weil er in einem anderen Betrieb in Arbeit treten kann. Es wird festgestellt, daß B. bis zum 1. März von der Firma Gehalt erhalten hat, die Firma aber auf eine weitere Täiigkeit im Betrieb verzichtet. Am 28. Februar will die Firma den Äbkehrfchein erteilen. V. wird mir seiner Forderung, den Kriegs- schein gleich zu erhalten, abgewiesen. Der Klempner F. von der Firma SB. u. S. will aufhören, weil ihm die Arbeit zu schwer ist. Auch ist der Lohn zu gering. Der bisherige Abscklagslohn, der zugleich den Verdienst darstellt, beträgt 1 M. Er erhält sofort 1.25 M. als Abschlag und soll im Akkord 1.50 M. verdienen. Außerdem soll er sitzende Beschäftigung er- halten. 150 Revolverdreher der Firma C. P. Friedenau, die bisher einen Verdienst von 1,50 M. hatten, forderten einen KriegSschein, weil die Firma ihre Forderung, den Verdienst nur 20 Pf. zu er- höhen, abgelehnt hat. Die Firma lehnt jede Erhöhung ab, erklärt sich ober bereit, allen den Abiehrschein zugeben. Der Feuerarbeiter Sch. von Gebr. S., Lichtenberg, hat einen Verdienst von 97l/s Pf. Da er jedoch eine große Familie hat, kann er mit seinem Verdienst nicht auskommen und beantragt deshalb fernen Äbkehrfchein. Die Firma will im Höchstfall nur 1,02 M. geben, Sch. wird der Abkehrschein zugesprochen. AuSweisbücher für das Schncidcrgewerbe. In der Notiz in Str. 59 unseres Blattes ist im 3. Absatz letzter Satz ein Fehler ent- halten. Der Satz muß heißen:„Ebenso rst, wenn jemand nach dem 1. März, etwa rm Mai oder Juni, ein Ausweisbuch verlangt. ihm dies auch dann noch unter den gleichen Voraussetzungen aus- zuhäudigen."_ Mus öer Partei. Das psychologische Rätsel. In der„Leipziger VoOSzcitung" vom 27. Februar beschwert sich Franz Mehring über den Leipziger Genoffen O. Mylau. Mehring beichuldigt Ich lau der Vcrleumdacng» weil dieser nach dem Bericht der„Leipziger Volkszeitnng" auf der Leipziger General- Versammlung auZsübrtc:„Mehring habe in den Lichtstrahlen ge- schrieben, daß, je mehr Arbeiterschutzgesctze, desto stärker der Kapi- talismuS, und wenn wir uns gegen Soldatenmißhandlungen wrn>- den, so stärken wir den Militarismus." Mehring behauptet, weder in den„Lichtstrohleu", noch sonstwo dieses„sinnlose Zeug" geschrieben zu haben.— In fciircr Entgegnung zitiert Genosse Mylau wörtlich den in Nr. 4 deS ersten Jahrgangs der„Lichtstrahlen" enthaltenen Artikel Mehrings„Parlament und Sozialdemokratie". In diesem wendet Mehring sich gegen eine allzu hohe Schätzung der von der Reichstagsfraktion geleisteten positiven Arbeit mit folgenden SBorten: „Aber mm: übersehe doch tischt die Kehrseite der Medaille! Wenn wir Arbeiterschutzgesetzc schaffen oder schaffen helfen, so tum; wenn wir gegen die Soldatenmißhandlungen ankämpfen, fernen unS von unserem eigentlichen Ziele, dem Gemeineigen- tum: wenn wir gegen die Soldatenmißhandlungen ankämpfen, so schwächen wir nicht, sondern stark«« den Militarismus und entfernen uns von unserem eigentlichen Ziele, der Miliz." „Diese Ausführungen," fährt Gcnoffc Mylau fort,„habe ich wörtlich in der Versammlung am 23. Februar verlesen. Wo F. Mehring dm Mut hernimmt, sein eigenes vor drei Jahren ge>- hchrencS EcisteSprodukt zu verleugnen, ist mir unerfindlich." D« Italiener gegen Teilnahme an der Pariser Sozialisten- / konfcrenz. ' Die italienische Partei beschlog auf ihrer römischen Delegierten- konscvenz, ihre Zusage zur Teilnahme an der Pariser Konferenz der Ententesozialisten wieder zurückzuziehen. Seit bekannt wurde, daß die kriegshetzerischen Reformsozialist�n an der Konferenz teilnehmen iverden, was ja bei ihren nahen, eifrig gepflegten Beziehungen zu den Franzosen nicht verwunderlich ist, regte sich innerhalb der Partei mehr und mehr der Widerspruch gegen den Veschkuß. Jetzt hat die Sftehrheit der Partei die Aufhebung des früher gefaßten Beschluffcs durchgesetzt. Die russischen Sozialisten hatten bereits früher die Teilnahme an der Koyfercnz der En t e»t esoziali ftcn ab- gelehnt. Konferenz der italienischen sozialistischen Presse. Aus der Konferenz der Presse, die der Parteikonferenz in Rom voranging, waren 42 Wochen- und Monatsvlätter vertreten. Es wurde die Eiurichhmg eines zentralen Nachrichtenbureans beschlosien, das die Blätter mit Parieüiachrichten des In- und Auslandes zu ver- sorgen hat. Diese Aufgabe wurde dem Partcivorftand und der Rc- daktion des„Slvanti" übertragen. Der österreichische Frauentag des Jahres'1917. DaS Frauen- komitee in Oesterreich hat den Beschluß gefaßt, den Frauentag in diesem Jahre aus den 25. März festzusetzen. An diesem Tage sollen in allen Bezirken Wiens Frauenversammlungen abgehalten werden. In den übrigen Teilen Oesterreichs sollen die Frauenversamm- lungen innerhalb zwei Wochen abgehalten werden. Stellungnahme der Organisationen. Eine WahlkrciSkonferenz für den 18. hannoverschen Wahlkreis, der die um Vcge- sack liegenden Industriegebiete Osterholz-Schartn deck und Stade umfaßt, nahm am vergangenen Sonmag eine Entschließung an, die etwa folgendes besagt: Eine endgültige Stellungnahme zu den Parteistreitigkeiten ist nicht möglich, so lange die übergroße Mehr- heit der Genopcn des Kreises im Felde steht. Die KreiSkouferenz erklärt sich aber mit dem Aufrufe des Parteivor- standeS einverstanden, erwartet von allen Organisationen und Genoffen des Kreises die Jnnebaltung der organisatorischen Begriffe und lehnt jede Zugehörigkeit zu einer Sonderorgani- sation ab. Eine Zusammenkunft der Parteifunktionäre nir den 17. hau- noverschen Wahlkreis erklärte sich nach einem Vortrag deS Parteisekretärs Waigond-Bremeu und nach einer regen Aus- spräche einstimmig mit der Mehrhcitspolitik einver- standen._* Mus Znöustrie und Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tie Einnahmen der Großen Berliner Straßenbahn, die nickt genug über die schlechten Zeilen llagen kann, sind im Fe« bruar um 135 305 M. aus 3 512 435 M., seit Jahresbeginn um 591859 auf 7 596 642 M. gestiegen. Die Fabrikanten der Musik fchollplatten-Jndn st rio haben einen Verband gegründet Unter dem Namen:„Freie Ver- einigung der deutschen Musikschallplatlen-Jndusiriellen". Der Sitz deS Verbandes ist Berlin. Der Vereinigimg sind bisber beigetreten: Anker-Pbonogramm G. in. b. H.. Weißenses: Beka-Record Aktien- gesellschalt, Berlin; Earl Lindström A.-G.'. Berlin; Dacapo Record G, in. b. H., Berlin: Deutsche Grammophon- Aktiengeiellschast, Berlin; Homophon Company m. b. H., Berlin; Lyrophonwerke G. m. b. H.. Berlin; Odeonwerke m. b. H., Wdßeniee- Berlin; Polhphon-Musikwerke A. G., Wahren b. Leipzig; Schallplaitenfabnk Star- Record m. b. Berlin; Vereinigte Schallplattenfabrik JanuS-Minerva, Hannover._ Wieder eine neue englische Kriegsanleihe. Die„Bossische Zeitung" erfährt an» London: Nach Londoner Meldungen plant Bonar Law eine LoSanleibe Von 100 Millionen 4 Prot. Obligationen zu l Pkund Sterling. Die letzteren sollen mit 25 Schilling innerhalb 25 Jahren durch viertel- jährliche Ziehungen rückzahlbar sein. In seder Ziehung sind Treffer von 100 bis 100000 Pfund Sterling vorgefcben. Die Rück- tahlung der Laie und die Verzinsung würden. 145 237 500 Pfund Sterling erfordern. England hat scheinbar viel größere Schwierigkeiten als Deutsch- land. um Zeichuer sür Anleihen anzulocken. Ter englische Schatz- kanzler muß daher besondere Reize ersinnen— eine Aufgabe, der sich unsere Finanzlcute nach dem Kriege erst werden widmen muffen. Wie schon oft erwähnt, gehen die Schwierigkeiten der englischen Äriegsstnanzierung auf die Grundtatsache zurück, daß der englische Kapitalist im Gegensatz zum deutschen, der aus die Anlage seines Kapitals in Kriegsanleihe beschränkt ist, wenn er nicht dos Risiko der Aktienspekulation trage» will, ungleich größere Möglichkeiten der Kapitalsanlage in Waren und Wert- papieren hat. Reichsgericht und Äriegswucher. Ein Kaufmann kann nach Ansicht des Reichsgerichts dcs Kriegs- Wuchers schuldig werden, wenn er Waren, die er noch nicht besitzt. mit denen er sich erst eindecken muß. zu einem bestimmten Preise verkauft und wenn er diesen Preis nicht ermäßigt, wfern er sich be« sonders billig eingedeckt bat. Ter ReichsgerichtSenticheidung lag folgender Fall tugtunde. Ein Kaufmann batte einer Stadtgemeinds Zwiebeln zum Preise von 37 M. für 100 Kilogramm verkaust. Am nächsten Tage kaufte er die Zwiebeln sür 20 M. für 100 Kilogramm. Da er aus den vereinbarten Preis von 37 M. bestand, so hat er KriegSwuchcr begangen.__ Enteignung deutschen Aktienbesitzes. Die russische Regierung annulliert die Aktien russischer Gesell- schuften in deutschem Besitz. Der Gegenwert wird nach dem un« gefahren Kurs ans Grund der letzten FricdenSbilanz berechnet und bei der russischen ReichSrernei hinterlegt. Veraiitwortlich sllr Politik: Hermann Mülle». Temdelboj; sür den übrigen Zell d. Blattes: Zllsred Scholz. S!cn!ülln: jür Inserate: Tl>. vilocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchoruckcrei u. Verlagsanslalt Paul Singer tc(So Verlin SW. Hierzu l Beilage und lliitcrbaltuugSblatt. Einsezxmin gs=An züge Blau, schwarz und Mareago. WUW> Prflfun gs» Anzüge Ber|'n m lZgSMU. MM. kMMk Liigro» r. Ern»t Bordi. Eteasmrrstr. 21. I 4 Sllcoholtr. Betrlnfcw st Franz Abraham fMl.Me>smt-n.RSinertrtnk-KeU. ( liE«r! WbI-Wa�ÄÄ... Blana-BadSÄ,,. Passage- Bad ÄT ■«fonn-Bad, Wl«ner Str.« 4 BBtfcer-" u. Kopditorel-n"st ICps _ ü Cpschcin« 2 mal öohentlich. T Bezugsc Otto Wollf, Troptow, Krtllst. tS Zsctaan. Or.-Lichterf..CUuuaiUU 4 gondnao». flummTCT» R. Baske, Stralaaar ritr. H. E. Krams, KiauadaiMstr. i(. A. K. Lause, Brunnenatr. IM 4 Butter, tler. Käee I Wilhelm Cöbel 1 » el|«Be FUlalee. I August Holte JJÄ. 4 Bierbraeerel., BIcrhdaadlgTV Wdtr Hais 48«igt»« ItUiltMtfcllt« üpaöepelBSizoMf eapfiehlt illlMWM anrten Rangf» �.Habels Brauerei I fctll— Habelhri«—dr. Ifilr. 54 Weserstr. 18?, Fried elstr. 25 ß Yreptow. Gräte-StrcSe 51. <4 nEtes MfltaeiiT'�elxwafen> Veiter, Er���u- 4 Wci.-.VV"oifw..r>iko[,g., HentiaanMry9f,?7ErT,itMt;r.r! 1;. ■ Mi VdimtktSeUieisii&aitrril. ; Gaege, Otto Cbb�' 4 m>.riaacn»iieR"tz Bellraann, E., �"iTeine. Lii ore. l;ueht»Zi"te d j«irf® ii.Äg) I 60 Filialen in eilen Sta�lteilen.» iHerffl. ftis�rlüOSl Scj.550VsrMssiell.Sr;-R5rl. a Ältester und erösitcr KUchwlrtschattllcher — Grassketrieb= NäiimascMnen LldfB in aiU-n Stadtteile: � Op'*>cr. ► ScfaogcftTfcarl- �kSin.ltercscr.US i 4 SohreSbwrow � i OrProcbapw�Lsilla iisriin»«itf. 5» �"rören u.(üpidwaran ► | Alb.« Frankf. ülleetzO ; V-sreTc■»s-'min.-iw> !.lüeutschlanü" Berlin �rbeltctrersichcraiig— Scbützan- btert:ek«M, Professor Dr. Schmelzer- Hannover, Rechtsanwalt Freygang-Chemititz, also zwei sächstsche RechtZanwälle.(Stürmische Zurufe: Schutzhaft!) Die Herren sind tatsächlich am Sonnlag im Hotel Adlon zusammengekommen nnd haben den Mut gehabt, über diese Ein gaben zu b e r a t e n. Es ist ihnen gottlob dadurch das Gewissen geschärn gewesen, daß ihr Treiben bekannt war.(Zuruf links: Sie haben ja gar kerns l— Unruhe rechts.) Sie haben tatsächlich von morgens bis abends darüber beraten, ob sie diese Eingaben wirklich machen wollen. Zu der Beratung hatte sich noch ein anderer Sch Werftarbeiter lHeiterksit) eingefunden. Gchcimrat Duisberg, und er hat dort ganz besonders das Wort ge- führt. Bon den Beraruiigeri will»ch Ihnen nur einige Kostproben mitteilen. So wurde als einer der geistreichsten Ausdrücke fortge« setzt die Bezeichnung„Die Ohrwürmer der Wilhelm straße" gebraucht. (Große Heiterkeit links und im Zentrum.) Ein Redner verlangte nicht die Ersetzung des preußischen Landtag«» Wahlrechtes durch das Reichstagswahlrecht, sondern sagte, zeitgemäß fei die Ersehung deS ReichStagSwahlrechtS durch daS preußische Dreiklasicnwahlrccht. (Stürmisches Gelächter links und im Zentrum.) Geheimrat D u i s- fterg, der einmal im Hauplquariier gewesen und dessen Auftreten deshalb ganz besonders nnqualifizierbar war,. hat ja schon im vorigen Sommer Vorträge gehalten und hat z. B. in einer Ver- sammlung in Düffeldsrf die Abberufung BethmannS verlangt mit der schönen Wendung:„Was uns heute nottut, find klare Äugen, Falkenangcn".(Große Heiterkeit links und im Zentrum.) Damals hatte man Herrn v. F a I i e n h a y n als Nachfolger BethmannS angesehen. Sertden, in der Besetzung der Obersten Heeresleitung eine Aendsrung eingetreten ist, hat sich Geheimrat DuiSberg sofort mitgeändert und so tritt er jetzt anstatt für Falken- Hayn für den Feldmarschall Hindenburg alS Nachfolger BethmannS ein. �(Höct! hört! links und im Zentrum.) Die ganze Aktion, die ganze Bombe hat sich glücklicherweise als ein B l i n d g ä n g e r er- wiesen,(«ebr richtig! links und im Zentrum.) Die Herren hören nichl auf zu sagen, daß sie Millionen hinter sich halten. (Zurufe links: Millionen Mark! Große Heiterkeit.) In ihrem Ern- ladungsichreiben haben sie sich darauf berufen. Graf Westarp habe fein Erscheinen zugesagt. Wir haben darausbin Kenntnis er- halten von einem interessanten Briese des Grafen Westarp, auS dem hervorgeht, daß er tatsächlich mit denr Enlrepreneur der Sache eine Besprechung gehabt und sich von ihr zurück- gezogen hat, nachdem er Kenntnis von dem Inhalt des BerotnngSniaterialS erhallen hatte. ES wäre aber auch ein Maß von unpolitischem Verhalten, daS wir dem Grasen Westarp am wenigsten zutrauen, gewesen, wenn er in diese Falle gegangen wäre, nachdem er gesehen hatte. wohin der Haie lief. Graf Westarp hat den Fuß recht- zeitig zurückgezogen, aber nicht ohne eine Neme Schürfung davonzutragen und nicht ohne den nach meiner Ansicht kam- promlttiercnden Schlußsatz, daß eine politische Veranstaltung zurzeit nicht angängig sei. Gras Westarp hätte diesem Treiben gegenüber ganz anders abwinken müssen als dadurch, daß er schrieb, zurzeit seien solche Beraustaltungen nicht angängig.(Lebhafte Zustimmung linlS.) DaS klingt ja geradezu wie eine Aufforderung, es in einer s p ä t e r c n Z e r t zu machen, wo man dann vielleicht auf die werwollc Mitarbeit deS Führers der konservative» Partei rechnen kann. Nicht so vorsichlig wie Graf Westarp war der Abgeordnete v. Graefe(Abg. Werner-Gießeu: Er denunziert weiter!— Lachen.) Als der Reichskanzler am 12. Dezember dem Reichstage Mitteilung von dem Friede ir sangebot machte, da laß bekanntlich dirganze Rechte da. ohne auch nur ein Wort des Beifalls oder der Zustimmung zu äußern. Der Abgeordnete v. Graefe aber hat sich nicht beherrschen können und hat wiederholt gerufen: Skandal! Skandal! (StünnischeS Hört! hört! links.) Jetzt freilich hat Gras Westarp auSgeiprochen. daß dieses Friedensangebot des deutschen Kaisers die volle Sympathie seiner Partei genieße.(Zurufe links: Jetzt!) Wie sehr sind Sie. Graf Westarp. unS zu Danke verpflichtet, daß wir Sie damals nicht haben reden lassen. (Lehr gut! link«.) Und wenn Sie das nicht zugeben wollen, so werden Sie doch zugeben müssen, daß es klug von uns war, die Red« des Herrn Ledebour nicht im Dezember halten zu lassen.(Sehr richtig! links.) Wenn das FriedenSangrbot mit den Reden des Grafen Westarp und des Herr» Ledebour hinaus- gegange» wäre, rS wäre»er schlimmste politische Fehler gewesen, den Deutschland hätte mache» lönnen.(Stur- mische Zustimmung links und im Zentrum.) Wir haben uns verdient gemacht, daß wir verhindert haben, das Friedensangebot durch solche Reden e n t st e.l l e n zu lassen. Ich freue mich, daß die Nationalliberalen sich gegen die Adlon-Konferenz glatt ab- lehnend verhalten haben und ich hoffe, daß sie es dabei nicht be« wenden lassen, sondern sich noch ganz anders gegen diese Umtriebe wenden. Sie werden wohl auch einen Herrn, der unter der nationalliberalcn Flagge eine ähnliche Agitation be« treibt, von sich abschütteln.(Unwillige Zurufe: Dr. S tres e« mann.) Ich meine Herrn Bacmeister.(Heiterkeit links.) ES war einmal nolwendig, Luft und Licht in diesen alldeutschen Mauerschwamm zu bringen.(Beifall links.) Wenn einst die Geschichte dieser Tags geschrieben wird, dann wird sie diese Umtriebe als sylnpiomattscheu Beweis dafür ansehen, daß wir vor dem Kriege noch nicht zu den EntwicklungSstadien des vffentlrcheir Lebens gekommen waren, die dreier Weltkrieg als Notwendigkeir und als ein Moment der Stärke für Deutschland tzr- brachten. Wir haben die Kraft, alles zu überstehen. Wir haben vor dem Kriege keine Scharfmacher ge- braucht und brauchen sie während des Krieges erst recht nicht, denn daS deutsche Volk hat so selbstverständlich seine Pflicht getan, so heldenmäßig, so schön, daß alle Befürchtungen widerlegt worden sind(Beifall links.) Die Haltung der Sozialdemokratie in diesem Kriegs war geradezu glänzend. Wir stehen olle zusammen, Stadt und Land, Bauern und Arbeiter. Alle Kreise geben ihr Bestes, auch der Adel, waS wir gern anerkennen.(Beifall.) Politische Gegensätze bindern uns nicht, offen zu sagen, daß der Adel mit seinen Führereigenschaften Ausgezeichnetes geleistet hat.(Beifall.) Nur soll er nicht so tun,, als ob bürgerliche Führer nicht auch ihre Schuldigkeit getan. DaS deutsche Volk bat gelernt und wird weiter lernen. Die Welt- geschichie wird dereinst das Volk als Sieger im Weltkrieg bezeichnen, das am meisten aus dieser schweren Zeit gelernt hat, die wir in einer Konzentratron der Stimmungen durchmachen und die eS nicht nötig machen follle, solche Auseinandersetzungen herbeizuführen.(Sehr gut!) Rur zur Vermeidung weilerer Ee- fahren war eS einmal notwendig, dlel'e Dinge öffentlich zur Sprache zu bringen.(Stürmischer Beifall links.) Abg, Schiele(k.): Meine politischen Freunde danken mit dem ganzen Hause dem KriegSininister(große Heiterkeit auf vielen Bänken, weil der Redner in diesem Augenblick die vorbereitete Rede hält) für die Enlschieden- hert, mit der er sich deZ Loses der deutschen KriegSgeiangenen an« genommen hat. Aufklärung wäre darüber notwendig, inwieweit dänische ZeilungSineldungen recht haben, daß über den U-Boot-Krieg deutsch-dänische Verhandlungen stattgefunden hörten. Die Art. wie der Kollege Keil den ruhigen sachlichen Aussührungen deS Grafen Westarp entgegentrat, war durchaus n t ch t gerecht- fertigt. Mit Unrecht wirft er un« übertriebene Anncxionsiucht' vor. Aber der Kollege Keil mag sich einmal in den Schützengräben umfeben, was die dort besindlichen Sozialdemokraten als ihr Ziel betrachten.(Sehr richtig! rechts.) Bei uns ist die Fühlung mit d en S ck ü tz e n g r ä b e n, die die Kollegen Keil und Scheiden, ann uns ab- sprechen, in reichstem Maße vorhandeit. Die Einstellung von 5 Millionen in den Etat für die Kriegsbeschädigten zur Erwerbung eigenen Landes ist zu begrüßen. Die Ansiedlung deutscher Kriegsbeschädigter in dem zu erwerbenden Kurland und Litauen wird unsere Entwicklung aufs günstigste fördern. ES wird zu viel organisiert. Wir organisieren unS fast zu Tode. Es ist un< recht, daß in den Arbeiteräusschüssen des Hilfsdienstes«ur, Gewerkschaftsvertreter find, die doch nur ein Vierlei der gesamten Arbester» schast ausmachen. Ohne Kriegsentschädigung müßten wir von der BermögenSsubstanz im Reiche leben.(Beifall rechts.) Staatssekretär Zimmermann: Dem Abg. Schiele erwidere ich: An sich würde mir eins Dampferverbindung zwischen Dänemark u n d N o r« wegen unbedenklich erscheinen. Wir haben zwar eine Handels- sperre gegen unsere Feinde ausgesprochen, ober nicht erklärt, daß wir den Verkehr zwischen den neutralen Staaten unterbiuden würden. Die Verbindung von Dänemark nach Aberdeen wird selbstverständlich von unseren �nlcrseefahrzeugen ganz genau beobachtet, ebenso die Sckiffsverbinduug von Norwegen nach England. Ich hoffe, daß aucy diese Schiffe von den Unterseebooten in den Grund gebohrt werden. Meinen vorgestrigen AnSlassungen über die dänischen Verhandlungen habe ich ntchtS hinznzusügen. Im übrigen verweise ich auf' meine Ausführungen in der Kommission.(Lebhafter Beifall) Abg. Freiherr v. Gamp(Dtsch. Fr.): Wcnll Herr Scheidemonrr wieder den Standpunkt in der EntschädignngSfrage vertreten bat: Jeder trage seine Last, so ist er sich der Tragweite dieser Aeußerung wohl nicht ganz bewußt: Wir müssen auf jede Weise sehen, unsere schwer belasteten Finanzen zu verbessern Die U e b e r n a h m e der E i s e n b a h n e n auf daS Reich würde ein großes Loch in die preußischen Finanzen reißen und ist nalürlich während deS Krieges praktisch ganz undurchführ- bar. Dasselbe trifft für die Verstaatlichung der Berg- werke zu. Der Ton. den der Herr Kriegsminisier in der Frage der Behandlung deutscher Gefangener anschlug, klang erfreulich ander« als die früheren Erklärungen des VertrelerS des Aus- wärtiqen Amts in der Kommission, der meinte, wir könnten nick: an Wehrlosen Rache üben. Ich sage, aus eine» Schelmen. gehören anderthalbe! sonst erreichen wir nichts für unsere Gefangenen.(Bravo! rechts.) Das wirksamste wäre, eine Anzahl Rotabcln aus den besetzten französische» Gebieten bor unsere Front zu bringen. Hier noch von Humanität zu reden. angesichts dieses brutalen Vorgehens gegeu unsere Gefangenen. zeugt wirklich von einem Mangel an Eiltsichr. (Sehr richtig!) Das Vorgehen deS Grafen HoenSbroech verdient wirklich nicht das Aufheben. das man davon macht. Der Blind- gänger ist ja Eschau krepiert. Also ganz'unschädlich. Der uube- schränkte U-Boot-Krieg hätte drei Monate früher begonnen werden müssen, dann wären wir heute werter.(Sehr richtig! recht?.) Die Fideikommisie sind unbedingt notwendig zur Er- Haltung deS Waldes. Den KriegSwiichcrern ist der Zugang zu den Fideikommrssen durch daS preußische Gesetz unmöglich ge- macht. Auf der anderen Seite muß nach ihm Land frei bleiben für Arbeitersiedelungen. Redner begrüßt schließlich die vom ReichStagSpräsidenten angeregte U-Boot-Spende.(Bravo! rechts.) Abg. Fürst Radziwill(Pole): Die polnische Nation hat immer den Wahlspruch:„Dovjourk su voästte I"(SteiS auf Wachtposten!) betätigt, aber keineswegs ist daS polnische Volk von Haß gegen die deutsche Nation erfüllt; lediglich die Lieb- zu unserem eigenen Volk, unsere Pflicht gegen unser« taufendjäbrige Geschichte und Kultur hat uns bei unserem Tun geleitet. Di- Abwendung von der Ka- b i n e t t S p o l i t i t, die der Reichskanzler verkündete, hat in imfereit Herzen ein besondere« Echo ausgelöst. WaS immer auch die Zukunft für daS polnische Volk im Schöße hat, ist für alle gegenwärtig durch einen blutigen Schleier verdeckr. Aber wa« auch geschehen möge, die polnisch« Bevölkerung wird die Worte der Fürsorge, die sie jetzt während des Krieges gehört hat, nichr vergessen.(Bravo!) Ich schließe mit dem Wunsche, baß der Friede unS bald beschieden sein möge.(Bravo!) i Abg. Heakc(Soz. Arbg.): Die Grausamkeiten gegen die Gefangenen lönnen unseren» b s ch e u gegen denKrieg nur vermehren, SBct wir fühle» auch Ulli denen, gegen die Herr Ganw. noch fchärferc Grausamkeiten verlangt. Hüben wie drüben sind es Proletarier, die darunter zu leiden haben. Ausgehen solche Bar bareien von den Sachwalrern der herrschenden ftlasscn, sie haben die Verantwortung dafür vor der Geschichte zu tragen, lsehr wahr! bei der Soz. Arbgs Das Verbot der ArbeiterauS- s ch ü s s e der feindlichen Gefangenen beweist das Gegenteil von {sozialem Verständnis. Dem Prolesi des Auslandes gegen die Verschleppung von Belgiern nach Deutschland schließen wir nn§ an. Abg. Keil bar gestern geistlose, plumpe Angriffe gegen die sein poin- iielten Aussllhrungen LedebourS sHeirerteitl gerichtet.(Präsident Kaenchf rügt den Ausdruck. plumpe Angriffe".) Wenn Ledeöour zweimal für die Kredite gestimmt hat, so deshalb, weil er die F r a k t> o n s- d i s z i p l i n über seine Bedenken stellle. Den Strahlenglanz des Patriotismus gönnen wir Herrn Keil und seineu Freunden. Der .Vorwärts" hat der Regierung den llebcrgang zunr verschärften U-B»ol>Krieg erleichtert. Sie(zu den Sozialdemokraten) werden die Verantwortung für den Bruck mit Amerika nicht los. Man muß schon ganz verkeilt sein(HeiterkeitSruse: Au! au.'). heute noch anzunehmen, daß der Krigg nur jzur Vertei�iauna geführt werbe, nachdem alle Parteien tIxe�Mreriiagelüsw�bekundet haben.— Der Ansicht, daß die i?ntlapnng"beI�!'anowirtschafts- Ministers irgend etwas an der Ernährungsfrage bessern würde, müssen wir widersprechen. Nickt einzelne Personen tragen die Schuld an den Mißständen, sondern das System, gegen dieses muß der Klaffenkampf geführt werden. Auch das Wahlrecht ist nur ans diesem Wege zu erreichen. Ganz anders als beim Wahlrecht wissen Sie sich der Massen zu erinnern, wenn es sich handelt um die Verteidigung des sogenannten �Vaterlandes (Große Unruhe und Pfuirufe.) Präsident Kaempf: Wegen dieser Beleidigung der Gefühle des ganzen Hauses rufe ich Sic zur Ordnung! Ab ch Herrkc(fortfahrend): Es ist mir nicht eingefallen, die Gefühle des Hauses zu bc- leidigen.(Unruhe. Abg. Graf Westarp: Lesen Sie ruhig weiter porli Ich kann das Manuskript auch Ihnen übergeben.(Abg. Gras Westarp: Ich habe von einem vaterlandslosen G e sollen nichts entgegenzunehmen!) Und ich nicht? von einem Grafen.(Stürmische Heiterkeit.)— Redner wendet sich nun den Steuerfragen zu. Wir fordern einen Ausbau der direkten Steuern in ganz anderem Umfang als bisher. Alle in- direkten Steuern lehnen wir ab, wie überhaupt jede imperialistische Steuerpolitik. Die Arbeiter können eine solche Be- le.stung nicht mehr ertragen. Ich erinnere hier nebenbei nur daran, welche schwere Konkurrenz schon heute den Acrmsten der Armen, den Heima cbeitcrn, durch die Maßnahmen im Interesse der Kriegsbeschädigten erwächst. Tarauf weist auch Prof. Francke mit Recht hin. Derselbe Herr betont auch mit Rechr. daß die Unternehmer sich immer enger koalieren und jedes Umlernen ablehnen. Soll denn wirklich die alte Ausplünde- rungspolrtik fortgesetzt werden? Die Kluft zwischen Kapital und Arbeit hat sich noch veriicfi. Nur der Kommunismus und Sozialismus, wie wir ihn erstreben, wird zur Befreiung der Arbeiterklasse führen. Wir führen den Kampf gegen die Regierung. den Krieg gegen die Kriegführung.(Heiterkeit.) Ten Kampf um die Macht der Arbeitcrilassc.(Bravo? bei der Soz. Arbg.) Neichsschatzsakretär Gras Rocdern: Der Abg. Keil hat die Kohlen- und Verkehrssteucr verworfen und dafür eine Reihe anderer Steuern vorgescklaaen. Er vergißt den Einfluß jeder Rcichsbesitzsteuer auf die Finanzen per Einzel st aatcn und Kommunen. Dill er etwa die ganzen Lasten der Ginzelftaatcn und Kommunen auf dos Reich über- nehmen? Das wäre die unglücklichste Politik, die wir machen könnten. Wenn man aber den Einzelstaaten und Kommunen die Lasten läßt, muß man ihnen auch mitsprechende Einnahmen 'lassen. Und gerade die Cinkommensteuer ist von den Kommunen schon sehr hoch in Anspruch genommen. Für die Äenerhebung des Wehrbcitrages fehlt zurzeit jede Grundlage, und ganz ausgeschlossen ist es. setzt während des Krieges eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer vorzunehmen.(A»en- so unmöalich ist der Gedanke, jetzt die Matrikularbeiträge zu erhöhen. Und wenn Herr Keil schließlich die Besitzstener zu verdoppeln vorschlug, so übersteht er, daß die Regierung selbst mit der Äriegssteucr schon eine Verzehrs- und-zwanzig sachung der Bc- sihstruer vorgenommen hat. Entschieden widersprechen muß ich dem Wort des Abg. Wiemer von den Bundesstaaten als den 26 Feinden des Reiches. Tie Bundesstaaten haben im Gegenteil vielfach unter Zurückstellung eigener Wünsche die Rcichsfmanzbcrwaltung unter- stützt.(Bravo!) Ministerialdirektor Lewald betont gegenüber einer Bemerkung des ülbg. Hemke, daß bei Lohnzahlungen Militärrenten nicht abgezogen werden dürfen. Abg. Dr. Svahn CA.) verlangt eine Auskunft der Regierung über seine Paritätsbeschwcrdcn. Staatssekretär Sr. Hclfferich: Die Tatsache, daß unter der Beamtenschaft des Deutschen Reichs das katholische Element nickt in dem Verhältnis vertreten ist, wie es der Anzahl der Katholiken innerhalb der Gesamt- bevölkerung entspricht, ist richtig. Ich bedauere das ebenso wie der preußische'Minister des Innern und kann namens der Reick Sleiturg versichern, daß wir bemüht sein werden, an der Ab- stellung dieses Mißverhältnisses zu arbeiten. Di- Gründe dieser Erscheinung liegen allerdings aus dem Gebiete der historischen EntWickelung und der Tradition und lassen sich daher nicht von heute auf morgen ändern. Eine absichtliche Zurücksetzung von Katholiken hat bisher nicht statt- gesunden(Lachen im Jentrum.) und wird auch in Zukunft nicht stattfinden. Eine Bevorzugung aus Grund der Konfession hat auch Herr Spahn nicht verlangt, das würde auch dem Toleranzantrag widersprechen, den die Herren selbst eingebracht haben.(Abg. Gröber: Ten Sic abgelehnt haben I) Die Hauptsache ist, daß die Kreise, die für die Beamtenlaufbahn in Betracht kommen, davon durchdrungen sind, daß es keine konfessionelle Zurücksetzung in Teutschlan.d gibt. Wir haben im Kriege gelernt, daß wir vor allem als Deutsche und als Brüder fühlen müssen und daß alle Partei- und konfesstonellen Unter- schiede, um die wir uns früher geiiritten haben, zurücktreten müssen. Ich hasse, daß diese Wirkung des Krieges nicht mit dem Kriege selbst zu Ende sein wird. Mg. Gras Westarp(k.): Herr Haußmann hat sich eingehend mit der Einladung seines Parteifreundes, des Grafen HoenSbrocch(Heiterkeit rechts. Widerspruch links)— Graf Hoensbroech war 1912 Kandidat der Fortschrittlichen Vokkspartei.(Zuruf bei der Volkspartei: Er hat sich selb st gegen den Willen der Parteileitung aufgestellt!) Herr Haußmann hat mir vorgeworfen, daß ich eine Besprechung mit. dem Grasen Hoensbroech gehabt habe. Ich bin lieber tot als unhöflich(Heiterkeit) und gebe ans eine solche Ein- ladung ein, selbst wenn sie von einem Parteifreunde des Herrn Haußmann ausgeht. Ferner hat Herr Haußmann mein Schreiben an ven Grasen Hoensbroech falsch zitiert, ich habe mich nicht für eine Aktion des Reichstags, die ein scharfes Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler zum Ziele hätte, ausgesprochen, sondern bin gerade der Meinung, daß sie vermieden werden muß. Herr Haußmann dürfte dieser Meinung nicht sein.(Heiterkeit rechts.) — Was wir am 12. Dezember lagen wollten, geht aus unserer nachher veröffentlichten Fraktionserklärung hervor. Irgendeine Kritu an dem Friedensangebot wollten wir nicht üben. Mg. Legieu(Soz.): Herr Stresemann hat uns vorgeworfen, daß wir unduldsam gegen die Wirtschaftsfriedlichen vorgingen. Ich muß da- gegen protestieren, wenn er diese als Arbeiterorganisationen be° zeuhnet. Es ist für diese Organisationen charakteristisch, daß ein Vertreter eines Arbeitgeberverbandes jo warm für sie eintritt. Was würde Herr Siresemann sagen, wcnil unsere Gewcrk- sch asten einige Unteruehm er kauften, von diesen eine llnternehmerorgamsation schaffen lassen würden und dann verlangten, daß diese llnterncbmcrorganisation als Vertreter de r Unternehmer im öffentlicken Leben gelten solle. Genau so liegt es mt den Gelben. Sie sind zum größten Teil van den Unternehmern gegründet und werden dauernd aus deren Mitteln unterhalten.(Sehr, ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Meist wurden sie von den Unternehmern in solche Organisationen hinein gezwungen. Ich verweise nur aus die A.E.G. in Berlin, die seiner- zeit sogar versuchte, die Beiträge für diesen gelben Gcwerkverein den Arbeitern vom Lohn av zuziehen, was dann das Ge werbegcricht fiir unzulässig erklärt hat. Auf der Generalversamm lung des Verbandes der Textilindustriellen hat der Vorsitzende gc sagt: Eigentlich haben wir für diese Gelben Beiträge'nicht zu leisten, aber es liegt im Interesse der llnrcrnchmer, daß diese Or ganisationen aufrechterhalten werden.(Hört! hört! bei den Sozial demokraten.) Wir werden uns mit aller Energie dagegen wenden, daß Vertreter solcher Organisationen in Körperschaften kommen die über Interessen der Arbeiterschaft zu entscheiden haben, wip die Arbeitcrausschüsse des Silssdicnstgcsctzes. Das lehnen die Gewerkschaften aller Richtungen glattweg ab. Ich erinnere auch daran, daß der ehemalige Sekretär des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, der Vater dieser vaterländiscken Arbeckim- vereine, jetzt in einem Buche erklärt hat, daß er mir dieser Grün dung einen schweren Fehler begangen habe, weil diese Gründung dazu beigetragen habe, die Gewerkschaften, deren große Bedeutung sich jetzt im Kriege gezeigt habe, nicht zur vollen Entfaltung kommen zu lassen. Wer diesen Organi- sationen das Wort redet, der dient nicht den Interessen des Vater- landes.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) _ Abg. Haußmann(Bp.): Ich begrüße es, daß sich niemand in diesem Hause zu dem Treiben des Grasen Hoensbroech bekennt. Den Abg. Gras Westarp erinnere ich nur noch daran, daß er selbst den Abg. v. Gräfe, der diesen Bestrebungen nahesteht, als eine der wertvollsten Stützen der konservativen Partei bezeichnet hat. (Zuruf rechts.— Ruf linkS: Das war nur Höflichkeit!— Große Heiterkeit.) Je mehr Sie(nach rechts) sich von dem Grasen Hoens- broech abwenden, desto größer ist der Wert dieser Aussprache. Abg. Dr. Arendt(D. Fraktion):�Ter Abg. Legicn hat die wirb schastsfriedlichen Arbeiter in den Sckmutz gezogen.(Vizepräfi- dent Dove rügt diesen Ausdruck.) Er nannte sie gekaufte Leute. Namens der halben Million deutscher Arbeiter, die binter der toirtschastsfriedlichen Bewegung stehen, erhebe ich schärfsten Einspruch gegen diese Beschimpfung. Entstanden ist diese Be wegung ohne Zutun der Unternehmer, sogar im Gegen- fatz gegen sie. Die Cntwickelung dieser Bewegung werden die freien Gewerkschaften mit allem TerroriSmuS nicht hindern.(Zu- ruf bei den Sozialdemokraten: Sagen Sie das Herrn Behrens!) Abg. Dr. Stresemann snatl.):?ln der Adlon-Konferenz hat meines Wissens kein Mitglied einer p a r l am e nk g r i- scheu Fraktion teilgenommen. Gras Westarp ließ mir gegen- über schon drei bis vier Wochen vor der Konferenz keinen Zweifel darüber, daß er die ganze Veranstaltung aufs höchste m i tz billigte. Dem Abg. Legten gegenüber weise ick es zurück, daß meine Stellung als Syndikus eines Unteruehmerverbandes mich abhängig macht von Unternehmerinteressen. Die in den sogenannten gelben Organisationen organisierten Arbeiter haben gerade vom demokratischen Standpunkt aus das Recht zu einer ihrer Zahl entsprechenden Vertretung bei der Verhandlung über Arbeiterintercssen. Abg. Graf Westarp(k.i tritt ebenfalls für die Berücksichtigung der wirtschaftsfriedlichen Arbeiter in den Arbeiteraus- schüssen ein. Diesen 500 000 Arbeitern Käuflichkeit vorzuwerfen, sei empörend. Abg. Prinz zu Schonaich-Eerolnt(notl.) dankt dem Papst und dem dänischen und schwedischen Kreuz für ihr Eintreten und ihre Liebes- tätigkeit an den Kriegsgefangenen Abg. Behrens(Dt. Fr.) betont, daß auch den gelben Verbänden die Möglichkeit zu einer Vertretung in den Ausschüssen gegeben ist. Die Ausführungen der Abgg Arendt,«ircsemann. Westarp sind. wenn auch ungewollt, i r r c s ü d r e» d für die öffentliche Stirn- mung. Schon die geringe Zabl der Gelben.' etwa '/, Million, würde, falls sie wählen würdcu zu den Ausschüssen, das völlige NuStallen der Gelben bewirken. Wer der Wahrheit die Ehre geben will, muß anerlenncn, daß die gelben Verbände geschaffen sind von den Unternehmern zur Wahrnehmung ihrer, der Unternehmer, Jnierei'en. Abg. Legien(Soz.): Ich bin Angesiellwe einer Gewerkschaft und bin in meinem ganzen Denken und Fühlen davon durchdriiiigen. Daher glaubte ich auch Herrn Siresemann mckr zu beleidigen', wenn ich erwähnte, daß er?!ngestelller einer Unlernehmerorganisation ist.— Recht eiqenlümlich ist cS ja. daß die Herren Koniervaliven und Nalionalliberaten jetzt plötzlich die A r b e l t e r i n r e r e i s e n vcr- treten wollen.— Von einem großen Teil der Arbeiterschaft kann man jedenfalls bei den unter dem Druck des Unter- nchmertlim? zuslaiidegekommeneii Verbänden nicht reden.— Tie.WirtschastSsriedlickeii" im Wablkreise des Abg. Arend� sind dieselben, die unsere Vecianimlunge» mir Knütteln auseinander zu treiben versuchen,(sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Die Freiheit der Organisation baben wir noch nie beeinträchtigt, aber die Unternehmer tun es. die die Arbeüer in die gelben Verbände hinein- zuziehen suchen, und die Ebre dieser Unlernebmer— nicht die der öon ihnen vergewaltigten Arbeiter— greise ich an. Man möge es den Arbeitern'selbst überlassen, ihre Jnleressen zu vertreten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schiele(k.): Gerade deshalb sollte man auch den Wirt- schastsstiedlichcn die Wahrung ihrer Interessen selbst überlassen. Die sttzige Piaxis des Laterländischcn HiUSdienstgesetzeS bedeutet eine M o n o p o"l i s i e r u li g der Gewerk schafien und damit den Organisatiouszw an g. Das halten wir für bedenklich. Abg. Jckler(natl.): Ich vertrete die stärkste Organisation der Eisenbahner, bin aber zu dem Kongreß der Arbeiter, der über das Hilfsdienst gesctz beriet, nicht eingeladen worden und die lalholisSen Fachabteilungen des Herrn Coßmann hat man direkt zurückgewiesen.(Hört! hört!) Abg. Bauer(Soz.): Die Einberufer jener Konferenz waren die Zentral stellen der großen Arbeiter- und Angestelltenverbände. Tie Bekanntmachung, daß die Konserenz tagt, ist öffentlich erschienen. Wer daran sonst teilnehmen wollte, hätte sich melden müssen. Herr Eoßmami ist n i�ch t abgewiesen worden. Abg. Tchiffer-Borken(Ztr.): Wir wollen freie, s e l b st ä n d i ge Arbeiterorgaiiiialionen, daher kann man es unS nicht übet nehmen, wenn wir mit den sogenannten Wirtschftsfriedlichen i, i ch t S z n t u n h a b e n w o l l e n. Damit schließt die Debatte. ES folgen persönliche Bemerkungen. Abg. v. Grnefr(k.): Herr Haußmann bat mir keine Verlegen- heit bcreiict. Ich habe nicht nötig, mi: meinem Rachen unter Wasser zu fahren wie diejenigen, die vertraulichen Besprechungen anderer nachscknüffeln. Ick babe kein Geheimnis auS meiner Teilnahme an der Bersammluug im Hotel Adlon gemacht. Das Recht der Kritik an der Regierung nehme ich für alle Staatsbürger, auch für mich m Anspruch. Abg. Dr. Stresemann(natl.): Oberit WneSberg hat meine Angriffe auf General v. Locwenseld zwar zurückgewiesen. obne aber irgendwie sachlich die von mir festgelegten Talsachen entkräften zu können. Abg. Haußmann!Vp.) stellt unter großer Heiterkeit des Hauses fest, daß Groi Hoensbroech 1903 Mitglied der Nationallrbe- r a l e n Partei war. Der Etal und die Steuervorlagen geben an die Budget- ionimission; nächste Sitzung Dienstag, den 20. März, nachmittags 1 Uhr.(Zweite Lesung des Etats.) Schluß g'/z Uhr. Mbgeorönetenhaus. 71. Sitzung, F r e i t a g, 2. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministeriische: v. Trott z u Solz. Ein von allen bürgerlichen Parteien unterstützter Antrag V. Hcydebrand, wonach die Staatsregieriiiig dem Hauptaus- schuß Auskunft über die Tätigkeit der Z e n t r a l c l n k a u f s- g e s e l l s ch a s t geben soll, w'rd angenommen. Tarauf wird die zweite Lesung des KnltuSetatS bei den Höheren Lehranstalten fortgesetzt. Abg. Gii siel(Pp.): Wir wünschen volle Gleich berechti- gung aller höheren Schulen für alle weiteren Studien. Die schwierige Berecht'gungsfrage würde durch eine etwaige B e s e i t i- gung des EinjährigenprioitegS wesentlich vereinsacht werden. Der griechische Philosoph Plato hat über die Kämpfer gegen die gewaltige persische Ilebermacht bei Marathon gesagt: .Noch so großer Reichtum der Heeresrüstung und noch so gewalngs Heeresmacht müssen weichen der Tapferkeit und der Tüchtigkcii." Dieses Wort gilt für uns, wie jetzt im Krieg, so auch nachber im Frieden.� Wenn wir bei der tommenden Ausgestaltung des Unter- richtstoesens jedem Befähigten den Weg zur Bildung erschließen, dann wird auch die Anhänglichkeit an Staat und Balcrland immer mehr wachsen und überall wird aus voller Brust der Ruf ertönen: Das Baterland, Deutschland, Deutschland über alles!(Lebhafter Beifall.) Kultusminister Dr. v. Trott zu Solz: Neben dem Lehrermangel haben u. a. auch die K ä l t e s e r i e n den Schulbetrieb erschwert. An eine Ausrechnung der Kältesericn gegen andere Ferien wird nicht gedacht.(Beifall.) Alle Resorinideen werden sorgfältig geprüft und- das Gute daraus entnommen; sie waren zu KriegSbeginii revolutionär, jetzt sind sie ruhiger, konservativer Der Ueb ergänz von den Volksschulen zu den höheren muß erleichtert sein, möglich war er in Preußen immer. Schon jetzt kann man die Borschule nicht als.Sperrschulc" bezeichnen. Dem Gedanken der Einberufung einer allgemeinen Schulkonscrenz ftehk die Regierung wohlwollend gegenüber. Tas Volksschulwesen. Abg. Oelzc(f.): 11 000 Volksschullehrer und Seminaristen sind bisher gefallen. Die Hauptsache ist der Geist tu den Schulen. Ohne die Religion wäre unsere Volksschule nicht mehr daS wa» sie ist. Auch bei uns sollten reiche Privatleuie mehr kür BildungZzwccke hergeben. Gegen eine gu scharfe Heranziehung der Lehrerinnen sprechen zahlreiche Gründe. Die körperliche Er» tüchtigung darf nicht zum Kraftmeiertum führen. Abg. Frhr. v. Zedlitz lff): Noch immer werden Lehrern die Kriegszulagen vorenthalten, so in Breslau. Die Ungewiß- beit, wer diese Zulagen letzten Endes zu bezahlen hat, darf die Auszahlung nicht hindern. Tie Volksschule kann sehr gut die Vorschule für die höheren Schulen bilden. Die Ein- h c i t s s ch u l e ist ein recht nebelhaftes Gebilde. Abg. Dr. v. Lampe(natl.): D l e Sammeltätigkeit der Kinder ist keine Spielerei, sondern eine ernste Kriege- tätigkeit gewesen, ebenso ihre Mitwirkung bei der Kartoffel- ernte. In einer Stadt SchleSwig-Holsteins mußten die Lehrer die vom Staat bereits ausgezahlten Zulagen abliefern, weil sir Zahlungssache der Gemeindeii warl Der Ausstieg der Volks. ichüler mutz erleichtert und gefördert werden, kein Berus jarf cineul deutschen Volksgenossen verschlossen ein. Der gesunde Kern der Forderung nach dsr Einheitsschule ist. daß eine gemeinsame nationale Grundlage unseres ganzen Schulwesens gegeben werden soll. In der Beseiti- gung aller Hemmnisse liegt die Zukunft unserer Volksschule. Geben wir die Schule der Schule, dann wird sie ups die reichen geistigen chätze wiedergeben, d:e uns der Krieg geraubt hat.(Beifall.) Sonnabend 10 Uhr: Weiterberatung. Schluß 4 Uhr.____' Soziales. Tilberk»lose in der Bevölkerung und im Hccrc. Keine Krankheit ist so verbreitet wie die Tuberkulose und keine fordert demgemäß. mehr Opfer. Der Selbsterhaltungstrieb zwang die Kulturvölker, den.Kampf gegen diesen heim- tückischen Feind aus breiter Basis aufzunehmen, wobei aller- dingS die mißlichen Verhältnisse, in denen der größte Teil der arbeitenden Bevölkerung leben muß, sich hinderlich in den Weg stellen, da sie der" Ausbreitung dieses ansteckenden Leidens immer von neuem Vorschub leisten. Bekannt ist, daß Deutschland, namentlich seit der Einführung der In- validcnversicherung, diesen Kampf ain besten organisiert hat. Von Interesse sind einige Zahlen, die den Erfolg dieses Vorgehens wiedergeben und die den Stand- der Tuber- kuloscnsterblichkcit in verschiedenen Ländern zeigen, ivobei lvrr einer größeren Aufstellung folgen, die in der„Nordd. Allg. Ztg." ausgemacht wurde. Im Jahre 1889 betrugen die Todesfälle an Schwindsucht. auf 19 999 Lebende berechnet, in Deutschland 22,45, in Frckiik- reich 39.23. in Rußland 39,86. in England 17,91. Damals war danach Englard der einzige der größeren Staaten mit einer geringeren SterblichkeitSzisser als Deutschland. In Frankreich und Rußland ist in dieser Hinsicht seitdem nur eine ge- ringe Bcffcrung eingetreten, wohingegen Deutschland den Er- olg zu verzeichnen hat. daß seine Ziffer ganz erheblich gc- unken ist. In Preußen starben 1913 von 19999 Lebenden nur noch 13,59 an Tuberkulose gegen 31,1 im Jahre 1866. Anders als bei der Gesaintbcvölkerung sind naturgemäß die Zahlen im Heere. Während des Friedens spielt dabei der Umstand eine Rolle, daß nur Männer im widerstandsfähigsten Alter der Fahne zugeführt werden und daß dabei auch noch orgfältigc Auslese gehalten wird. Trotzdem zeigen sich dabei �roße Verschiedenheiten. Im Jahre 1913 betrug die Tuber- kuloseerkrankungsziffer in Preußen 1,96, in England 3,16, in Oesterreich-Ungarn 3,22, in Rußland 4.69 und in Frankreich ,39 pro 1990 Mann Kopsstärke. Die Sterblichkeit im Heere hat sich in Preußen innerhalb der letzten zwanzig Jahre um 45 Proz. verringert, während sie in Frankreich gestiegen ist. Es kann dabei nicht geltend gemacht werden, daß dies viel- leicht daran liege, daß in Deutschland solche Soldaten, bei denen Tuberkulose festgestellt worden ist, in größerem Maße als in Frankreich entlassen werden, denn der Durchschnitts der Entlassungen und Todesfälle infolge von Lungenschwindsucht beträgt ans 1999 Mann der Kopfstärkc in Frankreich 6,89, bei nnS nur 1,42. Ganz selbstverständlich ist. daß der Krieg all diese Zahlen erheblich beeinflussen wird. Hier spielt schon eine Rolle, daß nicht mehr so sehr als früher auf Veranlagung zu dicsc:» Leiden bei der Einziehung zum'Heere Rücksicht genommen werden kann, wozu sich noch die furchtbaren Strapazen ge- ellen, denen die Armeen ausgesetzt sind. Trotzdem sind die Zahlen, die die Heeresverwaltung meldet, gar nicht so un- (ünstig, als sie zu erwarten sind. Es betrug danach der JahreSzugang an Tuberkulose im ersten Kriegsjahr 2.9 aus Tausend Äopfftärke. im zweiten Kriegsjahre sogar nur 1.7. Wie der Krieg auf die Ausdehnung der Tuber- kulose gewirkt hat und noch wirkt, das wird sich erst nach Ab- lauf einer größeren Reihe von Jahren beobachten laffen. Fest steht schon setzt aus alle Fälle, das, der Krieg ein gtrfeS Teil der Friedeirsarbeit auf diesem Gebiete gefährdet und daß alle beteiligten Länder zunächst mit einer größeren Erkrankungs- und Sterblichkeitsziffer an Schwindsucht zu rechnen haben werden als vor 1914. Tabci wird dann eine große Rolle spielen, welcher Staat bisher schon die besten Einrichtungen zur Bekämpfung dieses Leidens hatte und wer sich bemüht, sie in denkbar bester Weise auszubauen. Auch Deutschland darf sich nicht genügen lassen, zur Bekämpfung des hcimtiickischsten aller Maffenmörder aus den bisherigen Bahnen zu verharren, sondern es muß den Kampf auch vor allem auf dem Gebiete ausnehmen, wo er am wirksamsten geführt werden kann: auf dem Gebiete der allgemeinen Bolkswohlfahrt. Es geht nicht an, auf der einen Seite Kassen und Heilstätten zu errichten und aus der anderen Seite den Arbeiterorganisationen irl den Arm zu fallen, wenn sie für bessere Lebensbedingungen der großen Masse känipfen. � Es ist ein altes Wort, daß Vorbeugen besser al» heilen ist. Ten vorbeugenden Maßregeln, die Deutschland vor dem Kriege traf, ist ein großer Teil seiner Erfolge gegen die Tuberkulose zu danken gewesen. Zu den besten Vorbcugern haben aber immer die Gewerkschaften gehört in ihrem Bemühen, die Lage der organisierten Klasse zu heben. Deshalb wäre es, auch von diesem Gesichtspunkt aus ver- fehlt, ihre Wirksamkeit in der früheren Weise zu erschweren, wie es anderseits auch versehlt wäre, die frühere einseitige Zoll- und Wirtschaftspolitik fortzusetzen, durch die einseitig enge Schichten bevorzugt, die große Masse aber gewaltig be- lastet worden ist. In dem großen wirtschaftlichen Ringen. das dem Kriege folgen wird, ist das leistungsfähigste Volk dann anderen ein gutes Stück voraus. Leistungsfähig kann aber nur ein gesundes Volk sein, ein Volk, dem nicht auf Schritt und Tritt das Leben sauer gemacht wird.(z) Hilfsdienst und widerrufliche Zuwendung. Die sogenannten Zusatzrentcn, die in manchen Fällen aus Grund des früheren höheren Arbeitseinkommens des gefallenep Er- iiäbrers an Kriegshinterbliebene gezahlt werden, sind manchnial in Frage gestellt worden. loenn diese Hinterbliebenen in den für Dccrcszwclke arbeitenden Betrieben oder in der Landwirtschaft, sei es freiwillig oder aus Grund des Hilfsdienstgesetzcs, gegen Entgelt be- fckästigt wurden. Das war natürlich geeignet, sie von der an sich zu begrüßenden Beschästigüng abzuhalten. Mit Rücksicht bierauf hat, wie wrr der letzten Nummer der„sozialen Kriegshinterbliebenen- fürsorge" entnehmen, das Kgl. Preußische Kriegsministerium in einem Erlaß vom 23. Januar 1317 lNr. 2422/12. 1K. C. 3. V) ausgeführt, daß in solchen Fällen, die den Hinterbliebenen etwa ge- wäbrte oder zu gewährende widerrufliche Zuwendung lediglich aus diesem Anlaß der Beschäftigung im Hilfsdienst nicht zu kürzen oder einzustellen ist, auch wenn dadurch eine nicht imweientliche Besserstellung der wirrschastlichen Verhältnisse der betreffenden Hinter- blicbcnen eintreten sollte. /Aus Groß-SerUn. Wo steckt öas Kleingelü? Zur Erklärung dcS sehr sühlbarcn Mangels an Kleingeld hat mau unter anderem darauf hingewiesen, daß die Auto- waten zu selten entleert werden. Tatsächlich schlucken die vielen Automaten eine rocht bedeniende Anzahl Groschen, die sie so bald nicht wieder herausgeben. Will man. wissen, mn welche Mengen es sich dabei handelt? Die Gaswerke der Stadt Berlin haben für das Verwaltü n gs fa hr '1. April 1916 biS 61. März 1917 die Gasentnahme durch Automaten auf lö Millionen Kubikmeter veranschlagt, wofür nach dem seit April vorigen Jahres erhöhten Preis— 19 Pst für nur noch 512 Liter, also 16,46 Pf. für 1099 Liter (— 1 Kubikmeter)— 16845000 M. Einnahme zu erwarten wären. Zur Zahlung dieses Betrages sind mehr als 168 Millionen einzelne Groschen erforderlich, die Stück für Stück in die Automaten bineingesteckt werden müssen. Selbst wenn wir wegen der Beleuchtungseinschränkung und der Gas- Verteuerung den Voramchlag für etwas zu hoch halten und die Entnahme durch Automaten uni 19 Proz. geringer schätzen wollten, blieben für sie immer noch 67'/» Millionen Kubik- woter zum Preise von 12 460500 M. oder annähernd 125 Millionen Groschen. Nehmen wir für das Sommerhalb- jähr zwei Fünftel, für das Winterhalbjahr drei Fünftel des Jahresverbrauchs au, so kommen auf sechs. Wintermonate etwa 75 Millionen Groschen, das macht im Monat durchschnitt- lich IL'/, Millionen Groschen. Jin Monat einmal sollen die Gasautomaten entleert werden, aber bei dem Mangel an Abholern, die übrigens auch oft die erwerbtätigen Frauen nicht zu Hause antreffen, wird wohl jetzt die Abholung im allgemeinen noch seltener sein. Jedenfalls ist unsere Schätzung, daß in einem Winter monat über 12 Mill-ionen Groschen i n die Gasautomaten wandern, eher zu niedrig als zu hoch. Unter der Annahme wirklich einmaliger Abholung im Monat, wobei für die Gesamtheit der Automaten dje Abholungen sich gleichmäßig über den ganzen Monat ver- teilen, wären in best jetzt weit über 200 000 Automaten der Berliner Gaswerke während der Wintermonate jederzeit über 6 Millionen Groschen zu vermuten. Daß es eine so außer- ordentlich große Menge sein könnte, haben sich wohl die lvenigsten schon mal klar gemacht. Unsere Berechnimg zeigt, daß bei häufigerer Entleerung der Gasautomaten mehrere Millionen Groschen viel rascher wieder unter die Leute kommen würden. Hiermit könnte der Kleingeldmangel schon merk- lich gemildert werden.____ Keine Aenderung der Gcmcindeeinkommcnstcucr. W.e wir hören, hat der Berliner Magistrai seine Beratungen über den'Haushalt obgeilblossen. Der Abschluß stellt sich in Ein- nahinen und Ausgaben auf 377 Millionen Mark. Der Zuschlag zur SiaalSeiukoinwensteucr wird sich, wie im vergangenen Jahre aut 160 Proz. belauie».>vie denn auch an den übrigen Sicuerverhält- mssen nichts geändert worden ist. Berliner Lcl'cnömittclnachrichten. Aus den A b s ch n i tt R r. 41 der Lebensmittelkarte- einfallen 200 Gramm Mehl und aus Abschnitt R r. 42 200 Gramm Haferflocken odcr Hafergrütze. Die Ab'chnüle sind am 3, 4 und 3. März m den durch besondere Verkauisichrlder geleim- ze�chiieieli Kleinh.iudelZgeschästen gegen EinpfaugSdescheiniguiigen ab- zugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist bei den Klcinhandelsgeichästen gegen lliückgabe der EmpfangSbescheini- gungcn zur Verfügung stehen. Tie neuen Sanerkrautstreise. Die Kriegsgesellschaft für Sauerkraut in Berlin hat bcsiimmr: Der Absatz von Cauorlraut und Rübcnsauerkraut�(saure Rüben) durch die Hersteller bedarf für jeden einzelnen Fall der ausdrücklichen Ecnchmigung der Kricgsgescllschast. Beim Verkauf dürfen n anstehende Preise nickt übersckrittcn werden: 1. Beim Ab-' fatz durch den He r st e 1 1 e r frei Verladestation des Herstellers für 30 Kilogramm ohne Verpackung 13 M.. beim Absatz in Gebinden von 30 Kilogravun und darüber frei Haus odcr Lager des Emp- sängcrs für 30 Kilogramm 14 M., beim Absatz in Gebinden unter 50 Kilogramm frei Haus oder Lager des Empfängers 14.30 M. Beim Absatz au den Kleinhandel durch-die behördlichen Ver- teiliingsstellen frei Haus oder Lager des Emvsängers für 30 Kilo- gramin ohne Verpackung 13.30 M.- Beim Absatz an den Ver- braVcker durck den Kleinhandel einschließlich handelsüblicher Verpackung für ein Pfund 20 Pf. Tie lHestudcbelobnungsanstalt. Die Berliner G e s i n d e- B e I o h n n n g s- und II n i e r- st ü tz u n g s- A n st a l t", die alt und arbeitsunfähig gewordenen Hcilisangestcllten nach langen und treuen Diensten eine Hilfe bieten will, hat im Verwaliluigssabr 1313/16 den Kreis ibrer Schützlinge wieder noch weiter eingeschränkt. Von-, vorletzten zum letzten Jahr mcbrtcii sich die. Jtisaisinneu des Allersheims von l!v ouf 32, aber in derselben Zeit minderten sich die aus Mitteln der Stistung nur mit barem Gielde unterstützten ehemaligen Hausangestellten von 89 auf 53. Tie BelcgungSziffer' des Altersheims, de? früheren „Gesin�ehospitals", war vor zwei Jahrzehnten»och 110, verringerte sich dann nach und nach bis auf 74 lim Frühjahr 1012) und ist in den letzten vier Jabren langsam auf erst wieder 32 gestiegen. Mit barem Geld wurden vor einem Jahrzehnt noch 203 Hilfsbedürftige unterstützt, dann kam eine rasche Minderung— und beute ist's längst nicht rnebr die Hülste der damaligeii Zahl. Ter Unterstützungssatz für den einzelnen Unterstützten ist fast nn- verändert geblieben, so daß der zu Unterstützungen verwendete JahrcSbetrog, der vor zehn Jahren sich noch aus 18 000 M. bclief. in I013.'1S infolge Minderung der llnlerstützten nur noch rund 8000 M. tvar. Tie Etlsiliug hat in den letzten Jahren so ge- wirtschaftet, daß der an, Jahresschluß drüberbleibende und auf da? nächste Jahr zu übcrncbmcndc Kassenbestand sich beträchtlich steigeitc. im letzten Jobr bis aus 13 000 M. Besser wär'S. weniger„aus die bobe Käme" zu legen, ober dgfür mehr HilsSbedllrstige zu unterstützen und auch die llnterstützungssätzc einsprechend der Lebens- inillelteucruiig zu erhöhen.__ Errichtung eine? städtischen JAgendnmts. In den Etat ist der Betrag von zunächst 120 030 M. eingestellt worden, um die Bestrebungen für die Ertüchtigung eer Jugend, und zwar zunächst für ihre törperliche Ertüchtigung, organisatorisch zusammenzufassen. Pralines in Tasse». Es ist die Beobackitimg gemacht worden, daß Lebensmittel und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs in vielen Geschäften nur verkauft werden, wenn der Käuier eine teuere Verpackung, bei Schololadcn zum Beiipiel eine kunstvolle Atirappe odcr ein Märchenbuch, mitkaufl und-bezahlt. Das ist» n z u- lässiger Kaufzwang und Wucher. Ein bekanntes Berliner Warenhaus, das Süßigkeiten, Bralinss usw., nicht lose, sondern nur in Tassen verpackt abgegeben hat. ist von, KriegSwuchcraml verwarnt tvarden und im WiedcrbolungSsalle mit Schtießung d c ö Geschäfts bedroht worden. Versteckter Wucher im Nosiflcüchhandel. Es hat si ch in der letzten Zeit die Unsille bcmerlvar gemacht, daß die Großschlächter das lltoß- fleisch nicht nach Gewicht, sondern in ganzen Vierteln nach Schätzung verkaufen und auch, wenn sie nach Geioichl verkaufen, cliicn io ge- ringen Abstand unter dein Kleinhandelspreise lassen, daß dem Klein- Händler ein zu geringer Verdienst bleibt, wodurch er zur Ueber- schreitung der Höchstpreise verleitet wird. DaS Kriegswucheranit sieht in solcher Handlungsweise der Eroßichlächter eine übermäßige PreiSsloigerung und eine Uebervorieilurig der Kleinbäiidler. Gegen die Schuldigen wird nicht nur im Wege des Strafverfahrens vor- gegange» werden, sondern sie haben auch die Schließung ihres Be- iriebes zu gewärtigen. Heber„Nene Wege zur Drtärnpffing der Geschlechtskrankherterr" sprichr am Manlag. den 5., Prof. Dr. B l a s ch k o unter Vorführung von Lichtbildern in, Langenbeck-Virckow-HauS, Luisenstr. 38/53. Ter gemeinverständliche, für Frauen und Männer ans dem Volk be- rechnete Vortrag wird vom Magistrat im Verein mit der Berliner inedizinischeii Gesellschaft veranstaltet. Die Verteilung der kosten- sreien EintritrSkartcn erfolgt wie bisher durch die Be- zirksvorsteder. auch sind wiederum im Langenbeck-Virchow-Hause am Vortragsadens selbst Karten erhältlich. Ein schwerer Vauunfall hat sich in O b e r s ch ö n c iv e i d e zu- getragen. An einem Neubau an der SiummelSburgckc Chaussee ar- beilete der Dachdecker Saß auf einer Leiter stehend. Diese brach plötzlich zusammen und S. stürzte so unglücklich ab, daß er schwere Dertetzungen erlitt. Der Verunglückte starb aus dem Transport nach dem ftrnnkenhmiie.. DaS Hotel Esplanade, durch dessen Angestellte in letzter Zeit ein ichwmrghaher Lebensmittelwuchcr betrieben wurde, hat jetzt einen neuen Leiter in der Perion des EleneraldirektorS Tchlenck er- halte», der früher großen Hotels in Franlsurt a. M. und Petersburg vorgestanden hat.» Ei» Glücksritter und„Lebemann", der Renustallbesitzer Groß- mann, hat sich Donnerstag in seiner Wohnung am Kursürstendamm erschossen. Großmann, odcr v. Großmann, w>e er sich früher nannte, gehörte zu den verwegensten Helden des WcltsportS und setzte osl viele Tankende aus cm Pferd. In den Nachtlokalen und Spielklubs war er Stammgast. Seit einiger Zeit schwebten gegen ihn zwei Verfahren wegen Betrugs. DicbcSpcch. Durch einen Zufall geriet eine Schlass'tellendiebin, die ickon lange gesucht wurde, in die Hände der Kriminalpolizei. Eine 24 Jahre alte, aus Anklam gebürtrge Marie Busch» low Ski mieletc unter verschiedenen Namen Schlaffrellen und möblierte Zimmer. Sobald sie Gelegenhen fand, stahl sie, was sie für mitnehmenSwert fand, uns verdusleie. Donnerstag mietele die B. eine Schlafftelle in der B ü s ch i n g st r a ß e. Al? sie sich eingenchiet hatte und ausgehen tvollte. fiel der Wirtin das blaue Kostüm aut. das sie»nterdessen angezogen hatte. Cje erkamne, daß es ein Kostüin ihrer Tochter war, der es kürzlich von einer Mieterin, die sich Fräulein Brebmer genannt hatte, gestohlen morde» war. Tie Wirtin holte die Polizei uns ließ ihre neue Mieterin fest» nehmen, die auf dem Polizeipräsidium bald als die Buichkewski festgestellt wurde, die unzählige Diebstähle dieser Art verübt hat. ?lufschen erregender Selbstmord. Von der Kaiser-Wilhelm-Vrücke in Potsdam hat sich gestern nachmittag ein junger Mann in die Havel gestürzt. Er Ivari Hut und tteberzieher ins Wasser und sprang hiinerber. Die Wellen hatten den Lebensmüden bald ver- ichiungen. Der Vorgang rief viel Aufsehen hervor, da er sich an berkehrSreichster Stelle ereignete. Der Votanische Garten in �Dahlem ist Sonntag von 11 bis 4 Uhr für Erwachsene niii freiem Ein tritt geöffnet', Kinder nmcr zehn Jahren dürfen nicht eingeführt werden. In den Gewäch-Hänsern verdienen setzt besondere Beachtung die reichlich blühenden Lrchidcen, die Eamellien und Azaleen. Im Ireiland blühen int Voralpenwald rc.chUcfi Schneeroien. In dem von 11 bis 2 Uhr geöffneten Botanischen Museum ist am Ende des Saales im zweiten- Stockwerk eine Sammlung vortrefsticher Bilder von rprchtdeen ausgestellt._ Mus öen Gemeinden. (.vcmüseaubauvcrträz> im Kreise Teltow. Nach Anweisung der RcicksfiennUestclle sollen jetzt auch im Kreise Teltow Verträge mit den Gemüscerzevgern über die Ernte 1317 abgeschlossen werden. Zum Abschluß derartiger Verträge sind die Kviumunalverbönde, Gemeinden und gewerblichen Unter- tichmungcn und sonstige Großverbraucher, diese jedoch nur mit Zustimmung des KommunakverbandeS, berechtigi. Es ist eine Scheiduna m Anbau- und LiessrungSverträge vorgesehen. Durch den Anbauvertrog wird der betreffende Erzeuger verpflichtet, eine bestimmte Fläche mir Glemüse zu besetzen und M» Ernte dem anderen vertrag- ichließendcn Teil zu überlassen. Der LieferungSvertrag siebt lediglich die Lieferung einer bestimmten Menge Gemü'c ohne Rück- sichi aus die Größe der bestell, en Fläcke vor. Zum Abschluß der Verträge sind mir solche Personen berechtigt, die eine für sie von der ReichSsielle für Gemüse und Obst ausgestellte SlusweiSkarte haben. Die Ausweise lauten auf den Namen und bestimmte Kreise. Für den Kreis Teltow ist die T e l t» w e r K r r e g S w i r r s ch a f t s- Gesellschaft m. b. H. in Berlin W 10, Matlhäikirchsir. 10, vom Kreiskommunalverbande beauflrogt. Gemüse für ihn aufzu- kauzcn. Sie wird sich dazu im Gebiet de? Kreises Teltow der mW dem Auflauf von Kartoffeln veoufrragten Personen bedienen. Ausgabe von Weistkehl in Weißensee. Aus die Abichnüie 44i und 44k der Kartoffelkaite darf je'/«. zusammen V, Pfund Weißkehl entnommen werde». Die Entnahme deS WeißkoHb? hat bei den Kleinhändlern zu erfolgen, bei welchen der Karteninhaber in die Kartoffelkundenliste eingctrasen ist. Ein Pfund Weißköh! kostet 12 Pf. Bürgerspeischallc» der Ttabt Potsdam. Unter dieser Bezeichnung sollen künstig sämtliche der VolkSipeisung dienenden Einrichtungen. die bisher vom Baterländiichen Frauenberein in? Leben gerufen worden find, zusammengefaßt werde». Die erste Bürgerspeisehalle hat die Höchstgrenze ihrer Leistnngssähigterl erreicht und verabfolg: täglich durschmtÜtch 4000 Partione». Um dem weiteren Bedarf zu genügen, wird eine neu- Küche eröffnet. Die dritte Kiicke tvird ,» Ser Brandeirburger Vorstadt eröffnet und mit einer Speiselkille verbunden. Mit diesen Neneinrichtiingen ist man in der Lage, die MittagsessenauSgabe auf 10 000 Portionen zu erhöhen. Ans der Gemeindebrrtretunz Adlerkhaf. Tie Gemeindeverircrung. beendete in ihrer letzten Sitzung den B-ranschlag des Haushalts- planes für da? neue Rechnungsjahr, der in Einnahme und Ausgäbe mit 1201 000 M. abschließt. An Stenern sollen erhoben werden: 210 Proz. Gemeinde-Sinkommensteuer. 8.3 v. T. Gruiidwerlstcncr für die bebauten und 0 v. T. für die unbebauten Gelände: 300 Proz. Gewerbesteuer für die Klaffen 1 und 2 und 223 Proz. für die Klassen 3 und 4. Da? Steglitzer Mietk-»nd Htztzstheken-EinigiingSamt bewies auch im Jabre 1013 seine Daseinsberechtigung, wie aus dem vom Stadtrat. Fabarüis erstatteten Bericht hervorgeht. Das- Ann winde in 33S Fällen in Anspruch genammen, von denen 203 durch Ber» gleich elledigt wurden: Hhpalhekensachen standen 37 an, hier kam es in 7 Fällen zum Vergleich. Gutachten wurden 18 bzw. 17 ab- gegeben. Obwohl als Mängel iin MietSverfabren bezeichnet worden, daß geschlossene Vergleiche nicht bollstreckt iverden löniien, und die Gerichte die BundcSratsverordnnng betr. Gutachten über Gewährung von Zahlnngsfiiftcn so anwenden, daß sie in fast allen MictSstreitig- feiten gar nicht erst in die Verhandlung eintreten, sondern die Sachen ohne weiierrS dem EinigungSomt Lberweisen, kommt der Bericht doch zu dem Schluß, daß sich die EinigungSämter durchaus bewähren nnd verdienen, auch nach dem Kriege weiter bestehen zu bleiben. Die Teltower KreiSsparkasie im Jahre 191(5. Aach dem vorliegenden Jahresbericht haben sich im Berichtsjahr die Einlagen von 123 633 836 M. auf 135 889 118 M. erhöht. 354 478 Einzahlungen im Betrage v»» 39 0S7 841 M. standen 240 67-3 Rückzahlungen in Höhe von 37 403 038 M. gegenüber. Die Zahl der Sturer hat sich um 20 000 erhöht, u« beträgt jetzt 221680. In der Zunahme von 20 000 sind 7445 Sparbücher inbegriffen, die aus Grund der Spar- zwangversngung des Oberk»mma»d»s für Jugendliche auSgesiellr wurden. Bon den Sparern verfügten 73 904---- 83,03 Proz. über einen Emlaoebestand bis 6V M., 53 342— 15,13 Proz. bis 150 M.. 25 821----- 11.65 Proz. bis 800 28 486----- 12,85 Proz. bis.600 M.. 31265=14,10 Pro;. In« 1500 Vi., 14 074— 6,:in Proz. bi» 8000 M.. 8141---8.67 Pro,. SiS!0 000 M. und 447=0.20 Proz. über einen Bestand von über 10 000 M. von den 33 623 Schul- lindern des Kreises hatten an, Schluß des JadreS 1313 22 981 einen Einlagenbestand von 634 860 Tl. in den Schulsparkastcu niedergelegt. Der Reingewinn der Sparkasse für 1316 beträgt 207 639 M, der in voller Höhe dem Reservefonds zugefnhrt wurde. Volkstümliche Konzerte i» Reuköll». Montag, den 13. März 1317, abends 8 Uhr, veranstaltet die Stadtgemeinde einen klassiickicn Ouarteil- und Ouintettabend in der Aula der Realschule, Boddin- üraße 83— 4t. Mitwirkende: Die Herren Konzenmelster Professor Bernbard Destoit, Klaviervrrtuosen Bernhard Gebwald, Professor Heinrich Grünseld, Klaviervirtnoseu Robert Hönicke, Professor Maqer-tlllohr. Eintrittskarten zum Preis« von 1 M., 0,73 M.. 0,30 M. tür Saalkarlen und 3.50 M. für Balkonplätze sind in den .Vo>wärlS"-Expednione», Neckarstr. 3 und Stegsnedstr. 33, erhältlich._ Groß-Serliner partemachnchten. Zu den P«?teidifferenzen. R e i ir i ck e n d o r s- O st. Vom Borstand des auf dem Boden der Arbeitsgemeinschaft stehenden WahltzereinS wird ein Flugblatt verbreitet, daS zu verdunkeln sucht, daß sich der Wahloerein von der Sozialdemokratischen Parier Deutschlands losgelöst hat. Da» Flugblatt bohauptet. die Wiedererrichtung eines zur Gesamtpartei stehenden sozialdemokratischen-Vereins sei überflüssig gewesen, da im Wahlverein auch die Mehrheitsanhänger ihre Anschauungen vertreten dnriten. Berschwiegen wird aber, daß diele Mitglieder zwar alle Pflichten, aber keine Rechte haben, und daß z. B. Funktionäre, die den„BortvirtS� weiter lesen, ihre Aemter nieder- zulegen haben, so daß der Genosie Schönberg aus seinem Amt als Borntzendcr ausscheiden mußte, weil der Kreisvorstond die zwang-?- weise Durchführung diese? Beschkustes androhte. Die der Partei '.reugebkiebenen Genossen und Genojsiniwn konnten daher mit diesen Leuten nicht mehr zusammei�arbeiten und haben sich itcugcsammclr. um die Arbeil dort ivieder aufzunehtnen, wo die frühere Organisatioir sie hat fallen gelassen. Alle von der Rotwerrdigkeit einer cinbeit- lickien Arbeiterbewegung überzeugten Genossen werden da? unter- stützen, indem sie sich organisieren im„Sozialdemokratischen Verein' der Sozialdenioktatischcn Partei DentschlandZ. Gerichtszeitung. „Bersammlung" odcr„zwaatzlise Zusummenkuirft"? Wege» Ver- gehens gegen die Verordnung de« OöeclommondoS in den Mobken betr. die Abbaltunq von Vecsammlnngen zur Erörterung polilistver Anaetegeiibeiten standen gestern der Schristsreller Hellmuth v. CS e r l q ch und der Pastor Hans Franke vor der ersten SiraflaMmer de! Landgericht» I. Nachdem ein von zahlreichen Personen unterzeichneter Anfrus zur Bildung einer„Int er- nationale für Völkerrecht" erschienen war, erging an verschiedene Personen, die sich zustimmend erklärt hatten, ein von den beiden Angeklagten und dem ReichStagSnbg. Ed.. Bernstein ausgehendes Einladungsschreiben vom 13. September, sich zu persönlicher Fühlungnahme und vorläufigem Gedankenaustausch über die Begrün- diing eines Berliner ZwcigvcreinS in einem Zimmer des ReichslagS- gebäudes einzufinden. Wegen Nichtanmeldung dieser Zusammen- lünire tollen'die Angeklagten gegen die Velordiimig des Ober- kommandos verstoßen haben.— Die Angeklagten selbst und für sie der Rechtsanwalt Dr. Ha a se führten demgegenüber aus, daß eine Verpflichtung zur polizeilichen Anmeldung nicht vorgelegen babe, denn es habe sich gar nicht un, eine.Versammlung' gebandelt, sondern um eine Zusammenkunft glcichgesiunter Personen zur zwanglosen Aussprache über ganz allgemein gestellte örtliche �tdite und zur Vorbeteituna einer etwaig einzuberufenden Versammlung, ganz in demselben Sinne, wie sich so vielfach wirtschaftliche Interessengruppen zur Ausiprache in einein Zimmer des ReickStagSgebäudes zusammenfinden. Autzerdmr fehle äuck jeder Nachweist bofe öffentliche Angelegenheiten„erörtert" worden seien. Der Gerichtshof war jedoch der Ansicht, daß sich die Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig gemacht haben. Diese allgemeine und örtliche Frage habe nur dann besprochen werden können, wenn zugleich Zweck und Ziele des Zentralvereins einer Erörterimg unterzogen worden seien, und deshalb habe die Ein- berusung zum Gedankenaustausch auch die Erörterung eminent volitücher Angelegenheiten bezweckt. Die Angeklagten seien daher wegen unterlassener Anmeldung zu bestrafen. In Uebereinstimmung mit dem Staatsanwalt bemab das Gericht die Strafe auf je S0 M. event. je 5 Tage Haft. Wie eine Verkäuferin„Fettlebe" macht. Drei Stückchen Raucher- aal beschworen einen Prozeß herauf, der gestern vor der zweiten Kammer des Berliner KaufmannsgerichtS zum AuStrag kam Die Klägerin Johanna S. halte ihre Stellung als Berkäuierin bei dein beklagten Delikatessen bändler Jänkner selber Plötz- lich aufgegeben, weil sie sich durch den Vorwurf des Diebstabls ge- kränkt fühlte. Anlaß zu dieser Beschuldigung gab dem Beklagten folgender Vorgang. Der ersten Verkäuferin K. lag es ob. für daS mit Verpflegung angestellte Personal daS Abendbrot zurechtzumachen. An einem Sonnabend hatte sie nun für 3 Verkäuferinnen, unter anderem auch für die Klägerin, je ein Stückchen Räucheraal abge- 'chnitten. das zn einer unbelegten Schnitt« für den nächsten Tag als besondere Sonntagskost zurückgelegt werden sollte. Die Klägerin wollte die Aalstücke gleich aufs Zimmer bringen. wurde aber auf dem Wege durch den Flur vom Chef an- gehalten. Als dieser die Räucherware sab, kündigte er ihr die Stellung.wegen Diebstahls", und auch die erste Verkäuferin wurde wegen widerrechtlicher Herausgabe der Stückchen Aal entlasten. Die Klägerin beteuerte sofort, daß ihr ein Diebstahl völlig fern lag. sie hatte nur die Absicht, die Aalstückchen zum Sonntag zurückzulegen. Trotzdem die Beweisaufnahme in der mündlichen Verhandlung die Bestätigung ergab, daß die erste Verkäuferin K. persönlich die Stückchen Aal für da? Personal zur SonntagSkost abgeschnitten hatte, blieb der Beklagte dabei, daß die Klägerin gestohlen habe und dabei von der Verkäuferin K. begünstigt wurde. Die Damen wollten offenbar einmal»hinter seinem Rücken settlebe machen". DaS KaufmannSgericht entschied, daß von einem Dieb» stahl seitens der Klägerin gar keine Rede sein könne. Sine schwere ungerechtfertigte Ehrenkränkung brauchte sich Klägerin nicht gefallen zu laffcn, sie habe darum die Stellung mit Recht verlassen. Der Beklagte wurde zur Zahlung des Restgehaltes von 261 M. verurteilt. 4 AuS der Wäschefadrik in die MmiitionSsavrik. Eine Psätierin. die in einer Wäschefabrik beschäftigt war, wo sie in letzter Zeit einen sehr geringen Akkordverdienst erzielte, nahm besser lohnende Arbeit in einer Munitionsfabrik an. Weil sie die Arbeit ohne Kün- d i g u n g aufgegeben hatte, wurde sie von der Firma beim Ge- w-rbegerichl auf Zahlung der gesetzlichen Buße in Höhe eines Wochenlohnes verklagt. Aus Prinzip-» sagte der Vertreter der Firma— wollte er die Klage durchfechten, damit sich derartige Falle nicht wiederholen. Die Beklagte fei schon die zweite Arbeiterin, die aus seinem Betriebe ohne Kündigung abgegangen sei, um in der Munitionsindustrie zu arbeiten.— Die Beklagte machte dagegen geltend, daß ihr Aikordverdienst auf 14 bis 16 M. wöchentlich zurück- gegangen fei. und zwar infolge einer Aenderung in der Behandlung der Wäsche, wodurch daS Plätten erschwert und die Arbeitsleistung vermindert worden sei. Ferner wieS fie darauf hin, daß fie eine alte Mutter zu versorgen habe und unmöglich mit einem durch- ichnittlichen Wochenvcrdienst von IS M. auskommen könne. In der Munitionsfabrik verdiene sie bis 80 M. wöchentlich.— DaS Gericht hielt die Rechtslage diese» Falles für nicht zweifeisfrei und schlug deshalb einen Vergleich vor, der auch dahin zustande kam. daß sich die Beklagte verpflichtete, an die Wäschefirma 10 M. in Wochenraten von je 1 N. zu zahlen. Die weißliche Flüssigkeit. Der' Milchhändler Dolgener war öfter auf dem Lehrler Bahnhof in Berlin dabei beobachtet worden. wie er mit einem Maß aus den vollen Fässern Milch entnahm, um ne Fässer dann nachher auS einer Kanne mit einer weißlichen Flüssigkeit wieder autzuküllen. Er wurde dann von der Behörde dabei abgefaßt und die Flüssigkeit, mit der er die Fässer auffüllte, wurde chenzisch untersucht. Es stellte fich heraus, daß sich in der Kanne ein Gemisch von 90 Teilen Wasser und 10 Teilen Milch be fand. Durch diese Mischung wurde also die Milch in den Fässern verfälscht. Das Landgericht I verurteilte Dolgener zu fünf Monaten Gefängnis und 1500 Marl Geldstrafe. Außerdem wurde die Veröffentlichung der Bestrafung angeordnet. DaS Kammergericht verwarf die vom Angeklagten gegen daS Urteil eingelegte Revision. Im Schiffmanu-Prozeß ergriff gestern, nachdem der Verteidiger Dr. Alexander feine Ausführungen beendet hatte, Rechtsanwalt Dr. W e r t h a u e r das Wort, der nach längeren jnristischen AuS- 'ührungen den Geschworenen anheimstellte, die erste Schuldfrage zu bejahen, dein Angeklagten aber mildernde Umstände zu bewilligen. Auf WerthauerS Rede folgten längere Ausführungen der Staats- anwälte und der bisher zum Wort gekommenen Verteidiger. Dann wurde die Verhandlung auf Montag vertagt. Optimisten nehmen an, daß der Dauerprozetz am Dienstag oder Mittwoch zu Ende gehen werde. Mus aller Welt. Die Nekrolog-Jovrnalisien. Das.Journal de Genöve" meldet zur Abreise der Philadelphia, des ersten transatlantischen Dampfers, der seit dem Beginn des unbeschränkten U-Boot-Krieges durch die Gefahrenzone fuhr: Von 200 Personen, die Karten für die erste Klaffe genommen hatten, sind nur 61 an Bord gegangen. Diese blieben entschloffen, die Reise anzutreten, und ließen fich auch durch die Anwesenheit zahlreicher Journalisten im Zug von London nach Liverpool nicht auS der Fassung bringen, die von ihnen nähere Angaben für die Nekrologe haben wollten, die sie vor- bereiteten._ Arvriter-Samariteriund. Kolonne Groß- Berlin. Lehr- stunde haben nächste Woche abend? Sfl, Uhr: 1. 613 6. Abteilung Montag, ben 4. März, Köpenickcr Str.«2. Vortrag. Nach dem Vortrage vraktische V e r b a n d ü bun g e n. Käste haben einmaligen freien Zu- tritt. Teilnehmer, welche gewillt find, sich an der stattfindenden Prüfung m beteilige:!, werden ersucht, ihren Namen und Wohnung beim Bor- sitzenden schriftlich anzugeben. Gustav Dietrich, Vorfltzender, Berlin NW 23, Klopstockstraße 23. Freirettgtose«emetnde. Sonntag, den 4. März, vormittags 9»hr, Pappelallee 15/17. Neukölln. Jdcalkasino, Weichselstraß« 8- Ober- lchöneweide, Klarastr. 2. Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags KF/, Uhr. fileifte Frankjurter Strage 8: Vortrag von Herrn Ernst Däumig: Wanderungen durch die Kirchen geschichte. II. Die Enistchuna de» Christentums. Nachmittags 5 Uhr im großen Saale von Obiglo, Koppenstr. 29, StijtungSsest.___ Sriefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstund« findet für Abonnenten Lindenstr. Z, 1. Hot iitK, parterre, am Montag btL Fcestag von t»iS 7 Uhr, am Sonnabend von 5 VIS 6 Uhr statt. Jeder für den B r t e l l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstab« und-in« Zahl als Merlzeichen»eizufügen. Briestich- Ant- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AboimementSiwittung bei- gefügt Ist, werden ntcht beantwortet.«INge Fragen trag- man in der Sprech- 'wiide vor. Bertrigr, SchriststüSe»nd dergleichen»ring, man in die Sprech. stunde mit. Be. 5. 1. öa. 2. Das Sparguthaben gelangt erst nach Beendigung des Krieges zur Auszahlung.— Ungcrochr 25. 1. Nein, Sie müßten vorher Abschrift genommen haben. Ob sich in Ihrer Sache überhaupt noch etwas wird wn lasten, werden wir nach Rücksprache mit einem Steuer- lommissionSmitgiied entscheiden.— M. H. 28. Lebenzmittelabteilung des Magistrats.—«. S. S. Sie haben keine wetteren Ansprüche.— St. S. I. 1. Ja. 2. Degen Zahlung der Zinsen muß erst Klage erhoben werden, dann kann Lohnarrest erfolgen.— A. B. LS. Wenden Sie sich mit einer Beschwerde an den Gemeindevorsteher Ihres Ortes.— W. I. 36. Zum Unterhalt der Eltern find die Kinder verpflichtet. Wer dazu zunächst heran- gezogen werden kann, richtet sich nach den Einkommeiisverhäitnisten.— P N. 2. Di« Teuerungszulage ist seinerzeit nur Staatsbeamten gewährt worden.— Familie 5. Die Post kann nicht gezwungen werden. Ersatz zu leisten.— M. B. 7. Das liegt bei der Entscheidung des Militär- arzteS. 2. KriegSverwendungsunsäbig bis 1918.— Lüttow. Sie müssen ewcn Paß haben, der Ihnen vom Polizeipräsidenten ausgestellt wird. 2. Nein. — 20. 134. 1. Sie müssen vorher die Genehm gung Ihres und ebenso die des dortigen Gemeindevorstehers einbolen. 2. Wenn der Soldat in Garnison ist, dürfen Palete von 8 Piund zu einem Portosatz vvn 30 Pf. verschickl werden.— Flelsoh- n. Wupstw. ''» Wirtin- B 1- Str. lit.jj KHopp.-, Dam.*, Kntib.-" ». Madohen-Bapdep,' Iii Kolonlalwapaa Strelitier Str. 57 Höbel-Beiser Deuiselier Bociibinderverhanil. iZahlsielte Berlin.) Unicren Mitgliedern die trau- rige Nachricht, daß unser Mit- glied, der Kartoniiieter tkinrZck Neuner nach kurzem Krankenlager am 28. Februar vesstorben ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 3. März, nach. mittag? 1'/, Uhr, von der Leichen- balle des'Zentral-Friedhoses in Friedrichsfelde au« fialt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 26/10 Die Ortsverwaltung. Lothringer Straße 67 liefert auf bequemste Teilzahlung und gegen bar Wohnungs- Sinriebtungen Eiesenanswahl komplett aulgestollter Wohn-, Schlaf-, Speise- u. 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