Ur. 64. 34. Iichrg. NdovaemenlZ'Seaiagllngeii: «tlMNkmmtS. Preis vränumerandil SierleliSbr� 3 90 Ml. mouaü. ILO Ml, wöchenUich so Pig. irei u>s Haus. Einzelne«umoier ö Pfg SomuasjS» imniinn mü iflultncne: konmazS- Lcilnz».Die Reue Sein 10 Pfce Poit« Abcnncnient: I.M Marl vro Mona». Eingetragen U! die Pon-Zeiruna»- Preislille. Unter lSreuzband wr DculiSIand und OelterreiiS. Ungarn 2.30 Marl, tfir das übrig- HuSlmti < Mar! Uro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien. Dänemari. Solland. Italien. Luxemburg. Ponugai, «umänien. Säüncd-n und die Schwei» clicheidi lügllid. Vevlinev Volksblcrkk. ( s Pfennig) Die InfertlonS'fiebObr teirügt für die sechsgespaltene Kolonel- teile oder deren Raum SO Psg. für dolitilche und gewertichastliche SereinS- and BersanunlungS- Anzeigen uz Pkg. Kleine Unreigen". daS lettgedruche Wort 20 Psg.(Mässig 2 ftttgedruiftc Sorte). jebcS weitere Bort 10 Psg. Slellengelitche und Tchl-sslcllenan- »eigen daS erste Dort lO Psg. jeder weitere Wort S Psg. Worte über>3 Buch- staben zählen sür zwei Worte, linierate sür die nächst: Nummer müssen di» 5 Übe nachmittags in der lixrcditio» abgegeben werden. Die Srpeditio» iß b!i 7 Uhr abend! geöffnet relegramm-kidresse: �»sizlsemslisiU BerllB". Zentralorgan der foztatdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Neöaktion: SV). 68, Lioüeostraße Z. Rctniprcrfiet: Amt Moritzvlat«. Nr. 1S1 SV— 151 97. Expedition: SV), bs, Linöenstrahe Z. Fernsprecher: Amt Moritzplaa. Nr. IStvv— 1Sl.S7. Obstruktion gegen Mlkon. Sine außerordentliche Seßion ües amerikanischen Senats. Auch im amerikanischen Senat hat Wilsons Verlangen sich nicht im Sturme durchsetzen können. Einer Obstruk- t i o n von D a u e r r e d e n ist cS am Sonntagvormittag ge- lungcn, die Möglichkeit, wenn nicht zu verhindern, so doch sehr fraglich werden zu lassen, daß der Präsident seine neue Amtszeit, dcrcir Beginn gestern feierlich voll- zogen werden sollte, mit einem �vescntlichen Teil- erfolge auf der Bahn zur Kriegsdiktatur antreten kann. Eine Meldung des..Amsterdamer Allgemeen Handelsblad" bereitet soeben daraus vor, Wilson werde den Tag zu einer Erklärung über feine Haltung nutzen. Ehe eL noch dazu kam, hat Wilson eine andere Erklärung sür notwendig gehalten, die'allerdings andern Klang hat. als die für die gestrige Amisfeier geplante ihn vielleicht erhalten hätte. Sie besteht in der Ankündigung einer Verkürzung des Einflutzrechts, das die O b st r u k t i o n i st c n soeben auf den Verlauf der Dinge ausgeübt hatten. Mit vollem Recht hatten die Gegner der Vollmachtspläne des Präsidenten bis zum äußersten die Mittel ausgenutzt, die ihnen die parlamentarische Ordnung an die Hand gibt, um der Kriegsgefahr den Weg zu verlegen, und Wilson geht nun init schnellstem Entschluß daran, eine Wiederholung solcher Durchkreuzungen seiner Pläne ein für allemal unmöglich zu machen. Natürlich kann er nicht kurzweg seinen Willen diktieren: er muß den Senat auch in diesem Falle entscheiden lassen, und eS dürfte auch nicht zu bezweifeln sein, daß der Senat seinen Vorschlag schließlich billigen wird. Aber ebenso ilt anzunehmen, daß die Vertreter, die getroffen werden sollen. die Waffe, die sie eben brauchten, nun nicht leichthin selber aus der Hand legen werden. Sie haben gute Gelegenheit, das Thema von Recht und Gewalt, von dem der Präsident so gern zu reden liebt, nun dem Präsidenten selber einmal vorzurücken. lieber die �Sonntagssitzung des Senats berichtet das Rcuterschc Bureau: Washington, 4. März.(Meldung dcS Rcuterschc» BureauS.) Um Mittag vertagte sich der Senat, ohne eine Ab- st i m m u n g über daö Gesetz der bewaffneten Neutralität vorgenommen zu habe«, da die Geschäftsordnung des Senats, die keine Beschrän kung der Debatte vorsieht, eS einer.Handvoll Pazifistrn und Deutschfreundlichen ermöglicht hatte, die Debatte bis zum Mittag fortzusetzen, wo die gegenwartige Session des Kongresses von selbst erlosch. Aber 83 von Sk Senatoren haben eine Erklärung unter- zeichnet, die fich entschieden für daS Gefetz ausspricht und die Un- Möglichkeit bMagt, es noch durchzubringen. Zwölf Senatoren verweigerten ihre Unter schrist, während einer wegen Krankheit abwesend war. Ungleich mit dieser Meldung wußte Reuter mitzuteilen, daß Wilson sich keinesfalls an das Mißlingen der Senats- aktion kehren werde: Washington, 4. März.(Reutermeldung.) Man erfährt von hoher Stelle, daß Wilson Handelsschiffe be- w a s s» e u und andere Maßregeln ergreifen wird, um die amerikanische Schiffahrt zu schützen, selbst wenn der Senat den Gesetzantrag für bewaffnete Neutralität nicht an- nehmen sollte. Wilson vertraut darauf, daß er die Vollmacht hat, so zu handeln. Er betrachtet die Abstimmung und die all- gemeine Haltung drö Senat» al» Beweis, daß der Kongreß hinter ihm steht. Diese Mitteilung ReuterS läßt nicht erraten, um was es sich bei solchem Auftreten Wilsons handeln könne. Die Auf- klärnng ist indes auf dem Fuße gefolgt. Der Präsident selbst hat sie gegeben, und zwar noch am Sonntagabend: Washington, 5. März. Meldung des Renterfcheo Bureaus. In einer am Montag abend veröffentlichten Er» klärnng teilt Wilson dem Lande mit, es könne sein, daß er mangels einer Ermächtigung vom Kongreß nicht die Boll- macht haben werde, die Handelsschiffe z» bewaffne» oder andere Maßregel» zu ergreifen» um der U-Boot-Gefahr zu begegnen. Der Präsident ertlärt» es würde eine außerordentliche Session des Kongresses erforderlich fei», um die nötige Ermächtigung zu geben. Aber es wäre zwecklos, eine außerordentliche Session einznbernfeo, solange der Senat unter der gegenwärtigen Geschäftsordnung arbeite, die es einer kleinen Minderheit ermöglicht, eine über- wältigrude Mehrheit im Schach zu halte». Der Präsident schlage deshalb vor, eine außerordentliche Session des Senats für heute einzuberufen, um die G e- schäftSordnung abzuändern und für Mittel zu sorgen, um dasLand vor einer Katastrophe zu bewahren. Aus diesem Vorgehen ergibt sich, daß Präsident Wilson die Vollmachten, die er gefordert hat. um jeden Preis durchdrücken will. Er ist einmal im Zuge, Kraftmittel spielen zu lassen. Er weiht seine neue Amtspcriode zeitgemäß ein. * Tic Bollmachtsgegner in» Repräsentantenhans. Bern, 4. März. Havas meldet auS Washington, daß der Ge- setz a«trag bezüglich der Bewaffnung der Handelsschiffe im Repräsentantenhaus von neun Republikanern, drei De- mokraten und einem Sozialdemokraten bekämpft worden fei. Wilsons unumgängliche Kriegsvorbedinguug. Ber«, 4. März. Die Pariser und die Lyoner Presse der- Lffcntlicht eine anscheinend halbamtliche Note, welche dementiert» daß Oberst House in Paris eingettoffen sei und daß der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bevorstehe. DieS könne noch die Frage von Tagen oder Wochen fein, da eZ nicht von Wilson allein abhänge, sondern vielmehr von der gesamten öffentlichen Meinung Amerikas, welchen Vcr- lauf die Ereignisse nehmen würden. Wilson gehe mit äußerster Vorsicht vor und werde nur Entschlüsse fassen, ivenn er sicher sei, daß die Gesamtheit hinter ihm stehe. Diese moralische Einstimmigkeit, welche sich jetzt zu bilden scheine, sei die unumgängliche Vorbedingung sür den äußersten Bc- schlug Wilsons. Mexiko kennt keinen yeutsihen Sünönis- Vorschlag. Paris, 5. März. Die Blätter veröffentlichen einen Washingtoner Funkspruch,»ach dem der mexikanische Minister des Aeopern amtlich in Abrede stellt, daß der mexi- kanischen Regierung Bnnduisvorschläge seitens Deutschlands zugegangen seien. Während der„TempS" vorgestern behauptet hatte, der mexikanische Geschäftsträger habe einem seiner Mitarbeiter er- klärt, Mexiko iverde niemals etwas unternehmen, das der Politik der Alliierten zuividcrlaufe, teilt heute der mexikanische Geschäftsträger berichtigend mit, daß er gesagt habe, nie- mals werde Mexiko etwas unternehmen, das der Politik st rikte st er Neutralität zuwider- l a»l f c. Japan und der deutsche Plan. New Pork, 1. März.(Funkspruch vom Vertreter des W. T. B.) Staatssekretär L a n f i n g gab in einer amt- lichen Mitteilung bekannt, die Vereinigten Staaten glaubten nicht, daß Japan von dem Plan Deutschlands Kenntnis gehabt habe oder an ihm teilnehmen würde. Lan- sing gab auch dem Vertrauen der Regierung Ausdruck, daß Mexiko sich nicht beteiligen werde. Die japanische Botschaft erklärte amtlich, der deutsche Vorschlag werde von der Regierung in Tokio unter keinen Umständen in Erwägung gezogen werden. Sic versicherte von neuem Japans Treue gegen die Bündnisse mit der Entente und seine Freund- schaft für die Vereinigten Staaten. Kabinettskrise in Schweben. Stockholm, ö. März.(Meldung von Svenska Telegramm- bureau.) DaS Ministerium Hammarskjöld hat gestern sein R ü cktrittsgesuch eingereicht, welches der König jedoch abgelehnt hat; darauf hat das Ministerium be- schloffen, vorläufigimAmtezubleiben. Ein Dementi wegen Limburg. Berlin, 5. März. Verschiedene holländische Blätter der- breiten die Nachricht, daß Deutschland bei Holland über die Wtretung eines Lsinderstreifens der Provinz Limburg vor- stellig geworden sei. Wolfss Bureau ist amtlich ermächtigt, zu erklären, daß diese Meldung auf reiner Erfindung beruht. Amerika erlaubt's nicht. Kristiania, 5. März. Wie„Morgenbladet" berichtet, er- klärte der hiesige britische Gesandte, daß seine Regierung den norwegtschen Reedereien Kohlentrans- Porte aus Amerika nach Norwegen nicht er- lauben werde. Das bedeute, daß der Plan ausgegeben werden müsse, was Norwegen, in erster Linie den norwegi- scheu Staat, sehr schädige, da er große Mengen Kohlen in Amerika gekauft und bereits Schiffe jjum Abtransport gemietet habe. Alle Pläne des norwegischen Reederverbandes seien deuntt vollständig umgestoßen, Die Aufgaben der deutschen Handelsflotte nach dem Kriege. Bon Heinrich Cunow. Damit nach Beendigung des Krieges die Rückkehr zur Friedenswirtschaft sich in Deutschland möglichst bald und ohne nachhaltige Störungen zu vollziehen vermag, ist durchaus nötig, daß es sofott nach Friedensschluß seine Seeschiff fahrt wieder mit voller Kraft aufzunehmen vermag, nicht nur um manche vorn deutschen Inlandsmarkt fast ganz der schwundene Nahrungs- und schwer entbehrlichen Genußmittel herbeizuschaffen, sondern vor allem, um die fehlenden Roh und Hilfsstoffe heranzuholen und die deutschen Industrieartikel nach den fremden Absatzmärkten zu befördern. Soll die Wieder umschaltung der deutschen Industrie auf erweiterter Basis und die Unterbringung der aus dem Felde zurückkehrenden Massen ohne schwere Wirtschaftskrisen gelingen, die voraussichtlich noch weit tiefer und nachhaltiger in daS ganze Wirt schaftsgetriebe eingreifen würden, als die Anpassung an die veränderten ProdnktionS- und Absatzverhältnisse in den ersten Kttegsmonatcn, so ist einerseits eine möglichst rasche Zufuhr der ausgegangenen industriellen Rohstoffe, andererseits ein beschleunigter Export deutscher Jndustrieerzengnisse nach den heute dem deutschest Handel verschloffenen europäischen und überseeischen Häfen erforderlich, schon damit die feindlichen Staaten nicht noch einen weiteren Vorsprnng gewinnen. Um diese Wiederaufnahme der früheren Industrie und Handelstätigkeit durchfithrm zu können, bedan Deutschland schnellster weiterer Vermehrung seines Schiffs Parks. Der Krieg hat ihm ungefähr 11 bis 12 Prozent de- gesamten SchiffsraumgehaltS genommen, den seine Handels flotte vor dem Kriege in fortgesetzten Aufssieg erreicht hatte. Teils ist dieser Verlust durch fremde Kaperungen, Verscnkun gen oder durch Unglücksfälle, teils durch Beschlagnahmen der zu Beginn deS Krieges in den Häfen der kriegführenden Länder liegenden Schiffe entstanden. Zu diesen» direkten Verlust kommen noch weitere anderer Art. Nämlich die Kapitalver luste, die die Schifiahttsgcsellschaften durch die Entrichtung von Hafen- und Licgcgcbühren für die in deutschen und fremden Ankerplätzen stilliegenden Schiffe, durch die Erhaltung von Dock-, Brücken- und Kaianlagen, durch die Weitcrbczahlung von Gehältern, Löhnen und Unterstützungen erleiden. Zudem aber entwerten die stilliegenden Schiffe nicht viel ivenigei unter dem Einfluß des„nagenden Zahnes der Zeit" ak- die fahrenden, selbst wenn sie vor der Stillegung sorgfältig demonsiert werden. Es kommt für die deutsche Schiffahrt nach dem Kriege jedoch nicht nur die Leistungsfähigkeit der deutschen Handcls inarine, sondern der ganzen Welthandclsflotte in Betracht, hat doch der Handelsschifisbcstand der feindlichen Länder nicht weniger unter dem Kriege gelitten. Wie dieser Tage der Admiralstab der deutschen Marine meldete, hat die , Entente vom August 1V14 bis zum 3l. Januar dieses Jahre allein 4357000 Brutto-Registertonnen Handelsschisfsraum durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte verloren: ferner sind 459 neuttale Schiffe mit 641000 Brntto-Register tonnen Raumgehalt versenkt worden. Vor dem Kriege hat die Welthandelsflotte nach den Angaben von Lloyds Register betragen: 1910... 41 816000 Brutto-Registertonnen 1911... 43 125 000, 1S!2... 44 589 000, 1913... 46 962 000„ 1914... 49090000„ ; Von diese» 49,1 Millionen Tonnen kamen 1914 allein 19,3 Millionen Tonnen auf England ohne Kolonien. Eng land war also an der gesamten Handelstonnage der Welt allein mit fast 40 Proz. beteiligt. Der Zuwachs an Tonnen hat demnach, um dem steigen den Bedürfnis zu genügen, in letzter Zeit jährlich übe, 2000000 Tonnen bettagen. Nehmen wir an, daß die Tonnage, falls nicht der Krieg das Wachstum unterbrochen hätte, in gleichem Maße weitergestiegen wäre, so würde zu Beginn deS Herbstes 1917 sich die Welthandelsflotte auf über 55 Millionen Tonnen gestellt haben. Was wird aber um jene Zeit tatsächlich vorhanden sein? Für Mitte 1915 verzeichnen Lloyds Register 49,3, für Mitte 1916 nur 48,7 Millionen Brutto-Tonnen. Seitdem aber hat eine viel raschere und stärkere Vernichtung feindlicher Schiffe ein- gesetzt, so daß man sür Mitte 1917 wohl nur noch auf 46 Millionen Tonnen rechnen können wird: denn wenn auch die Vereinigten Staaten. Norwegen und Japan den Schiffs bau mit größtem Eifer betreiben, hält doch die Herstellung neuer Schiffe mit dem schnellen Abgang nicht Schntt. Auf englischen Werften sind nach Lloyds Liste 1913 1 977 000. 1914 1 722000. 1915 hingegen nur 649000 und 1916 gar nur 532000 Brutto-Tonnen von Stapel gelausen. Es wird also wahrscheinlich, wenn der Krieg im Herbst l917 enden sollte, einem Bedarf von 55 Millionen Tonnen mir einen Schiffsbcstand von 46 Millionen Tonnen gegen überstehen. Tatsächlich wird aber das Mist' Verhältnis ein weit grösteres fein. Hat auch die Bevölkerung der kriegführenden Länder infolge der enormen Menschenvcrluste kauni zugenommen, so werden doch wenigstens m den ersten Jahren nach dem Kriege die Anforderungen an die Frachtschiffahrt viel stärker sein, als der normalen Steigerung des Schiffsraumes entsprechen würde, denn über- all, auch in den meisten neutralen Ländern, sind die Vorräte an Nahrungsmitteln, Rohstoffen. Fabrikaten auf ein Minimum gesunken und müssen nach dem Kriege notwendig ergänzt werden. Zudem wird aber der nach dem Kriege vorhandene Schiffs- bestand nicht die gleiche Leistungsfähigkeit haben wie vor dem Kriege. Erstens stimmen die Angaben von Lloyds Register nicht ganz, denn es worden nur jene Schiffe gestrichen, deren Verlust einwandfrei festgestellt ist; ein ansehnlicher Teil der '.erstörten Tonnage, steht daher noch nicht in den Listen. Zweitens und manche der Schiffe, die jetzt in England vom Stapel ge- lassen werden, noch nicht betriebsfähig; die innere Maschinen- dnrichtung ist oft noch lange nicht fertig und must erst noch ergänzt werden. Doch kommen im ganzen diese Fehler der Registrierung weniger in Betracht als die Tatsache, dast heute in der Wclthandelsflotte viele alte, wenig leistungsfähige Schiffe vorhanden sind, die unter normalen Verhältnissen längst ausrangiert und demoliert oder umgebaut wären. Bei den heutigen hohen Frachtraten rentieren sich auch die ältesten .■(ästen. Ferner aber haben England, Frankreich, Italien, ■ilustland und Belgien an 12 Millionen Tonnen Schiffsran m für Kriegszwecke requiriert und ein Teil dieser Schiffe ist durch den Krieg so hart mitgenommen, dast ■t nach dem Kriege völlig renoviert werden must. wenn er wieder in- den Frachtdienst-eingestellt, werden soll. Stellt man alle diese Tatsachen mit in Rechnung, dann .wgibt sich, dast nach dem Kriege der verfügbare Schiffsfracht- (äum ganz beträchtlich hinter dem Bedarf Zurückbleiben wird, zumal unter den 45 oder 46 Millionen Tonnen, die tvahrscheinlich vorhanden sein werden, nur zwei Tritte! des Raums für den grasten ozeanischen Frachtverkehr m Betracht kommen, denn ein Drittel entfällt auf Passagier- dampfer, Küsten- und Binnenseeschiffe usw. Es ist demnach durchaus nötig, dast die deutsche Handels- flotte in möglichst weitestem Mäste sofort nach Friedensschlutz de« Frachtdienst aufzunehmen vermag. Von diesem Gesichts- vunkt aus lästt sich denn auch wenig dagegen einwenden, wenn die Rcichsregierung plant, den Schiffsbau, und zwar vornehmlich den Bau von Frachtschiffen dadurch zu fördern, dast sie den Reedereien, die neue Schiffe bauen lassen, halb zinssreic Darlehen gewährt. So wenig man sonst für Schiffssubventionen eingenommen sein mag. handelt es sich doch in diesem Fall nicht um ein besonderes Interesse der- Reedereien oder enger Kreise von Schiffsinter- essenten, sondern um ein allgemeines Interesse, um die Durch- rnhrung von Mastnahmen, die der möglichst besten lieber- leitung der jetzigen Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft dienen. Wie verlautet, wird die Mcgierung fordern, dast dxm Reichskanzler ein Fonds von 366 M i l l i o n e u M a r k zur. Verfügung gestellt wird, aus dem dieser den Reedern, die den Ban neuer Schiffe in Auftrag geben oder ausländische Schiffe erwerben wollen,- Darlehen bewilligen kann, die bis zu zwei Drittel des Bau- oder Ankau'preiseS der Schiffe bc- rragen dürfen; jedoch soll, falls die Reederei bereits für kriegsverlorcne Schiffe eine Ersatzleistung erhalten hat, deren Betrag vom Tarlehen abgezogen werden. Zur Hälfte können diese Tarlehen zinsfrei gewährt werden, zur anderen Hälfte müssen sie dem Reich mir 6 Proz. verzinst werden unter der Bedingung, dast die verzinslichen Beträge ratenweise inner- halb 16 Jahren, die zinsfreien innerhalb 26 Jahren zurück- gezahlt werden. Derartige Darlehen dürfen jedoch im allge- meinen nur für den Bauvon Schiffen, die ganz oder vorwiegend der Güterbeförderung dienen, gewährt werden, und ferner müssen die geliehenen Summen hypothekarisch oder aus andere Weise i i ch er g e stell t werden. Auch sollen alle schiffe, für die Reichsdarlehen in Anspruch genommen werden, sofort in Auf- irag gegeben werden, und spätestens fünf Jahre nach Friedens- chlust fahrbereit jein. In den Reederkreisen tverden diese Bestimmungen viel- ■ach bekrittelt. Man hält sie für nicht weitgehend genug. Be- stmderS findet man den Zinssatz von 6 Proz. bei einer Rück- zahlung innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren zu hoch. und wendet. sich gegen die Verpflichtung.._ alsbald mit dem Bau der Schiffe beginnen zu müssen, da zurzeit die Baukosten sehr hohe seien, fast meimal so hoch wie vor dem Kriege. Die neuen Schiffe würden also sehr teuer werden und sich. wenn in den Jahren nach dem Kriege die Frachtsätze wieder Rallen, kaum noch rentieren. Das mag zum Teil richtig sein. Die Baukosten, die vor dem Kriege pro Tonne Frachtraum '.56—266 M. betrugen, stellen sich heute schon auf 466 bis 156 M. Andererseits aber wird der Hauptzweck der Reichs- darlehen gar nicht erreicht, wenn diese Bestimmung fällt; denn es gilt nicht, die deutsche Handelsflotte nach dem Kriege allmählich wieder auf ihren alten Stand zu bringen, sondern vielmehr die durch den Krieg hervorgerufenen Ausfälle an Schiffsraum so bald wie irgend möglich auszu- gleicben und zu ergänzen, damit die deutsche Kauffahrtciflotte ihre Aufgabe bei der Rückkehr zur Friedenswirtschaft voll zu erfüllen vennag. Vie Aeutfihen Vorschübe an üie Türkei. K«ttsta«ti»»pcl, i. Marz. Zu Beginn der Sudgetberatung m ber Kammer erklärte der Finanz minister zur finanziellen- Lage der Türkei, die B o r sch.üsf e, die Deutschland gewährt habe und bis August noch gewähren werde, betrügen 142 Millionen tiirkiiche Piind. Die Regierung habe durch den mit Deutschland abgeschlofienen Vertrag für die Zeit nach dem Kriege dem türtischen Papiergelde den gleichen Kurs gesichert, den das deutsche Papier- geld babcn werde.- Deutschland habe sich verpflichtet, 0er-Türkei in jedem Jahre drei Millionen tür- tische Pfund Gold zu übersenden. Das Papier solle dann in entsprechendem Umfange aus dem Verkehr gezogen werden, reibst wenn eine Anzahl Noten durch Handelstransaktionen gedeckt wäre. Nach dem Kriege würden die Waren der Verbünde- ien bei der Einfuhr in die Türkei begünstigt werden. Der Minister betonte daß Entgegenkommen Deutschlands iiüi der Nichtzahlung der Zinsen der Vorschüsse, bis das Paprer gänzlich aus dem Verkehr gezogen fei, nämlich für 11 Jahre. Dies Entgegenkommen werde- der Türkei besonders nach dem Krieg« sehr .---.rttwll»ein und zn ihrem Kortschriit Keitragen. Englischer Angriff bei Pierre- St. Vaast— Sturmerfolg östlich der Maas am Cau- rieres-Wald— Luftkämpfe. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 5. März 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei klarer Sicht war an vielen Stellen der Front die Gefechts- tätiglrit gegen die Vortage gesteigert. Nödlich der Somme griffen die Engländer nach starkem Feuer südlich des St. Pirrre-Baast-Waldcs a». Nach hartem Kampi blieb ein Grabenstück am Wege VonchavcSncS— MoiSlainS in ihrer Hand; im übrigen wurden sie zurückgeworfen. Auf dem Ostufer der Maas»ahmen unsere Truppen die französische Stellung am Eaurieres-Wald in etwa 1560 Meter Breite im Sturm und wiesen nächtliche Gegenstöße ab. Auch an der Südostecke des Fosses-Waldes wurde den Franzosen ein wichtiger Geländepunkt entrissen. Neben den blutigen Bcrlusten, die durch unsere über die ge- womicnen Linien vorgehenden Erkunder festgestellt wurden, büßte der Feind 6 Olfizierc, 572 Mann an Gefangenen, 16 Maschinen- und 25 Schnelladegcwchre an Beute ein. In sehr zahlreichen Luftkämpfcn verloren die Gegner gestern 18 Flugzeuge, 1 durch Abschuß von der Erde; unser Verlust beträgt 4 Flugzeuge. Auf dem festlichen Kriegsschauplatz und an der Mazedonischen Ffront blieb die Kampftätigkeit gering. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludcndorff. « Menöbericht. Amtlich. Berlin. 5. März. Abends. Am W e st e n bei Schneefall, im Osten bei strenger Kälte keine besonderen Ereignisse. Der österreichische Sericht. März 1917. T. B.) Amtlich ». wird Wien, verlautbart: festlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nicht-Z zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstcnländischen Front war das Artillerie- und Minrnwerferfeuer nach Aufhcilcrnng des Wetters wieder leb- hastcr. Abends beschossen die Italiener E o st a n j e v i c a bc- sonders heftig. Nächst Dolje bei T o l m e i» stießen Patrouillen des Infanterie- Regiments Nr. 37 bis in einen rückwärtigen Laufgraben des Feindes vor, überwältigten die Besatzung und brachten ohne eigenen Bcrlust zehn Gefangene zurück. An der Tiroler Ostfront griffen die Italiener nördlich deS S a n Pelle- grino-Talrö gegen Cima di Costabclla an. Nach Wechsel- vollem Kampfe gelang es ihnen, eine Vorstellung in Besitz zu nehmen. Der Kamp; ist noch nichc abgeschlossen. Ter Stellvertreter des Ehcfs des Generalstabrs vvit Hveser, Fcldmarschalleuwant. aus Madrid, daß der spanische Ministerrat am Sonnabend beschlossen hat, der P r c s s e die Aufnahme von Berichten über die Ankunft, die Abreise und die Bestimmung von Handelsschiffen zu verbieten. Die ordentlichen Ausgaben feien gegenwärtig auf 46 Millionen türkische Pfund festgesetzt. Sie würden aber im Laufe des Jahres auf Grund von Ergänzungskrediten auf 55 Millionen vermehrt werden. Wie in allen kriegführenden Staaten würden neue Steuern eingeführt lverden.— Die Er- klärungen des Finanzministers wurden mit lebhaftem Beifall auf- genominen.■■ Der Krieg auf öen Meeren. Englischer Zerstörer in öer Noröfee gesunken. London, 4. März. Die Admiralität teilt mit, daß am 1. März ein britischer Zerstörer mit der gesamten Bcsatznng in der Nordsee gesunken ist. Wahrscheinlich sei das Schiff auf eine Mine gelaufen. Ver/enkt. Rotterdam, 5 März. Die englischen Dampfer Huutsman (7460 Br.-Reg.-T.). Elan Farqubar<5858 Br.-Rcg.-T.), I o I o (4000 Br-Reg.-T). Longhurst(3053 Br--Reg--T.), der französische Dampfer Elorn<603 Br.-Reg.-T.l, die Bark Samen- line(725 Bi�-Reg.-T.). das Vollsckiff La Bayonne(2580 Br.» Reg.-T.), der Schoner Marie Joseph<402 Br.-Reg.-T.). ebenso el't französische Fischkutter und zwei Fiichdampfer wurden versenkt. Der englische Dampfer Clearfield<4220 Br.-Reg-T.). sowie der Schoner Susan E, Jncpen sind als überfällig ge- meldet. e Bern» 4. März. Das Marincmiaisterium in Paris veröffent- licht eine Note, in der es heißt, die Erfahrung habe gezeigt, daß die Veröffentlichung der Namen der ver senkten Schiff« große Nnannchmlichkeiten zur Folge habe. DaS Marine in inisterium habe beschlossen, die Veröffentlichung ei»zu- stellen und jebe Woche die Aufstellung deS Ergebnisses des Unter- seeboottriegeS während der Borwoche bekanntzugeben. Die Aufstclluug werde die Zahl der»erfenkteu Schiffe der verschiedenen Kategorien ansührru. * Rotterdam. 5. März. Der„Riculoe Rotterdamsche Eourant' er- fährt aus Latavia. daß nach einem Bericht aus Madan der eng- tische Dampfer„Per seus"(K7Z3Br.-Reg.-To.). der sich auf dem Wege nach Deli befand, in der Nähe von Eolombv g e s u n k e n ist._ varcn mit großem Erfolge vor Arras und neben der Somme tätig. In zahl-- reichen erbitterten Luftkämpfen zwangen sie hier nicht weniger als zwölf feindliche Flugzeuge zur Erde nieder. Weitere sechs Flugzeuge verlor der Gegner an den anderen Fronten, eins davon durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze. Vizefeldwebel Manschott schoß nördlich Verdun seinen achten Gegner, einen Eaudron-Doppcldecker, ab, und am Nachmittag desselben Tages einen feindlichen Fesselballon, der südlich des Bellevilla-RückenS brennend abstürzte. Im Osten wurde der Bahnhof von M o l o d e c z u c � mit über fünfhundert Kilogramm Bomben belegt. Einschläge im Ziel wurden einwandfrei beobachtet.— An der mazedonischen Front griff ein deutsches Geschwader feindliche Munitionslager nördlich Saloniki an; mehrere Brände und eine Explosion wurden festgestellt. Einer unserer Flughäfen wurde von zwölf feindlichen Flugzeugen ohne jeden Erfolg mit Bomben angegriffen.__ Die englische§ront im Westen. Amsterdam, 5. März.„Allgemeen Handelsblad"' meldet aus London: Es ist in der englischen Presse bemerkt worden, daß im britischen Heeresbericht vom Sonnabend von bri- tischen Truppen bei Rohe gesprochen wurde. Man sieht dies als Beweis dafür an, daß die britische Front neuer- Vings ausgedehnt worden ist. * Englischer Bericht vom 4. März. Heute morgen griffen wir die Front des FeindeS und die Uiuerslützungsgräbeu östlich vonBouchaveSneS auf einer Front von 1200 Faids an und nahmen sie. Wir brachten 173 Gefangene und drei Mai'chineugewebre ein. Feindliche Gegenangriffs wurden unler ickiweren Berlustsn abgeschlagen. Der Feind büßt weiter Gelände önlrch von G om mee ourt ein. wo wir aus einer Front von' zwei Meilen und in einer Tieie von durchschnittlich lZOO Harbs vorrucklerL In den letzten 24 Stunden machten wir 100 Gefangene und er- oeutcten fünf Maschinengewehre und zwei Grabenmörser. Fliegerangriff auf Saloniki. Amsterdam, 5. März.„Times" meldet ans Saloniki, daß ant Dienstagnachmittag süufzehn deutsche Albatroß-Flugzeuge aus die Lager der Alliierten in der Umgebung von Saloniki Bomben abwarfen. Es sei nur geringer Schaden an- gerichtet worden. * Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 4. März..Generalstabsbericht. Mazedonische Front. Am südlichen Fuß der B e l a s i tz a rückten imS heftiger Artillerievorbereitung ungefähr zwei feindliche Kompagnien mit einem Maschiilengewebr in der Richtung auf die Station P o r o j vor. wurden aber von unseren vorgeschobenen Posten bluvg zurückgeschlagen. An der übrigen Front vereinzeltes Artilleriefeuer. Im Vardartale und an der Küste von O r f a n o schwache Artillerieläligkeit. Rumänische Front. Nichts Wesentliches zu melden. Starke Kälte und Schncestürme._ Tigrisfront. Türkischer Heeresbericht vom 4. März. Tigrissronl: Nördlich des Tigris beschäftigte sich der Feind mit BesestigungSarbeilen vor unserer neuen Stellung. Auf den anderen Fronten ist die Loge unverändert. Keine Wiederaufnahme der internationalen Heziehungen. Tagung des französischen sozialistischen Nationalrats. Paris, 5. März.(Havasmcldung.) Der Nationalrat der Sozialistenpartei nahm mit 1553 gegen 1377 Stimmen bei 34 Stimmenthaltungen eine Tagesordnung ail, welche die Tagesordnung der Konferenz der atlüerte« Länder ohne Veränderung annimmt. Ein Antrag der Minderheit schlug vor, eine Veränderung dahin vorzunehmen, daß die Wied er- aufnähme der internationalen Beziehungen empfohlen wird. Von der russischen sozialdemokratischen P a r- tei wurde ein Schriftstück zugunsten sofortiger Wie- d e r a u f ll a h m e der Beziehungen verlesen. Ter Borschlag wurde namentlich von Brocke bekämpft, der erklärte, wenn eine solche Abänderung vorgenommen würde, würden sich die englischen Sozialiste« weigern, an der Konferenz teil- zunehmen. In einer Nachtsitzung nahm der Nationalrat einen Vorschlag des Professors an der Genfer Universität, Milhand, an, den ausführenden Ausschuß des Jnternatio- nalen Sozialistcnbureaus zu beauftragen, a l l c A b t e i l u n- gen bei den Kriegführenden und den Neutralen aufzufordern, Berichte über ihre Tätigkeit vor dem Kriege und während des Krieges sowie hinsichtlich der Botschaft Wilsons einzuschicken. Nach sehr langer wich- tiger Beratung, nahm der Nativnalrat ferner folgenden An- trag Eonstant an: Tie französische Abteilung hat seit Kriegsheginn der natiä- nalen Verteidigung ihre volle Mitwirkung gewährt. Sie erklärt, daß sie sich bemühen wird, die Politik oos Landes wirksam-iü cincr Richtung zu lenken, die jeden Gedanken an EroSeruuse» und Annexionen ansschließt, den Frieden und die Achtung von den Rechten der Nationen durch eine internationale Einrichtung wiederherstellt und die Aufrecht- erhaltung eines dauernden Friedens tatsächlich sichert. Der Kongreß ist mit dem von der belgischen Arbeiterpartei ange- nommenen und veröffentlichten Antrag einverstanden und er- klärt dazu: Die Konferenz, an der Abgeordnete der Partei teil- nehmen werden, bedeutet keine Veränderung der Haltung in der Frage der Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen. Tie Mehrheit überreichte eine lange Entschließung, welche die Auffassung der Konferenz von Zünmerwald und Kienthal zurückweist. Die Entschließung wurde von Rednern der Zimmerwalder Richtung lebhast bekämpft. Der Antrag der Mehrheit wurde schließlich angenommen und die Sitzung daraus geschlossen. Bern, ö. März. Wie Lyoner Blätter melden, kam es kurz vor Schluß der Sitzung des Nationalrats der sozialistischen Partei zu heftigen Lärmszcnen. Tie Ordnung in der Debatte hörte mehr und mehr auf; dies benutzte eine große Anzahl junger Leute, die sich Einlaß in den Sitzungssaal erzwungen hatten, die Sitzung zu unterbrechen; Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Der Tu- mult war derart, daß die Delegierten den Saal verlassen muhten. « So hat denn, wenn wir den vorstehenden knappen Mel- düngen trauen dürfen, die Tagung des französischen National- rats wiederum ein zwiespältiges, im ganzen unerfreuliches Ergebnis gezeitigt. Die französische Minderheit, deren Grundsätze etwa denen der deutschen Partei Mehrheit entsprechen(sie bewilligt die Kredite, kämpft gegen Annerio- nsn� und tritt für die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen ein), ist auch diesmal in der wichtigsten Frage Minderheit geblieben, wenn auch der Vorsprung der Rc- naudel-Sembatschcn Mehrheit auf ein Minimum zusammen- geschmolzen ist. Es scheint sogar, daß die Führer der Mehr- beit, um dieses Resultat zu erzielen, eine Art Kabinettsfrage haben stellen müssen, daß sie sich schließlich hinter die eng- liichcArbeiterpartei versteckt und deren.Haltung als nnübersteiabares Hindernis hingestellt haben. Sehr mutig ist das nicht. Die deutsche Partei, die von Beginn des Krieges an die Hand zur internationalen Verständigung ausgestreckt hält, kann es nur bedauern, daß in der französischen Partei der ab- lehnende Standpunkt wiederum gesiegt hat. Unsere Schuld ist es nicht, un'ere Bereitschaft zur Anknüpfung der inter- nationalen Bande bleibt auch biernach unverrückbar bestehen. Wie ein Sieg der französischen Minderheit erscheint viel- leicht der klar ausgesprochene Verzicht aus Annexio- nenünd Eroberungen, der in dieser Schärfe während des Krieges von der französischen Partei noch nicht formuliert worden ist. Aber gerade hier bedarf es der größten Vorsicht und des AbWartens genauerer Meldungen. Denn die fran- zösjsche Mehrheit hat schon oftmals ihr Gewissen gerettet, indem sie erklärte, der Erwerb El saß-Loth ringen s falle nicht unter den Begriff der Aunerion. das sei„die Wie- derherstellung des verletzten Rechtes". Also erst abwarten, was gemeint ist!_ yauptausfthuß ües Reichstages. Am Monlag wies vor Einiriir in die Tagesordnung Abg. Dr/David lSoz.i darmii bin, daß der Bericht des W. T. B. über die letzte vertrauliche Verhandlung deS Ausschusses nicht d e in Verlauf der Verhandlung gerecht werde. Die Besivwerde wurde von allen Parteien als berechtigt anerkannt. Es wurde bestimmt, daß in Zukunst der Be- richt unter Mitwirkung zweier Schriftführer des AusschusieS hergestellt werde. Der Antrag Ledebour (soz. Arbg.), eine Berichtigung sofort erfolgen zu lassen, wurde von den anderen Parteien abgelehnt, da die Angelegenheit noch einmal besprochen und dann ein genauerer Bericht veröffentlicht werden soll. Hierauf wurde in die Beratung der Mitteilungen ein- gelreleii, ivelwe der Staatssekretär Zimmermann in der vorigen Sitzung über den mexikanischen Zwischenfall abgegeben bat. An der Aussprache beteiligten sich die Abgeordneten Dr. David (Soz.), Prinz Schönaich-Carolath(nil.), Ledebour(Soz. Arbg.), Gröber iZeiilr.), Heckicher, Gras Westarp(kons.), Druhn (Dlich. Fraktion� Cohen- Reuß(Soz) und Golheiu lVp.)— Staatssekretär Dr. Zimmermann gab wiederholt aus Anfragen in dieser Sache eingehende Auskunft.— Dann wurde in der Beratung de« Haushaltsplanes für das Auswärtige Amt forlgeiahren. Die verichtelsiaiter richteten eine Reihe Anfragen an den Staatssekretär. die sich aus uniere Beziehungen zu den einzelnen Staaten und aus einige andere, mit dem Kriege im Zusammenhange stehende Fälle bezogen. Dazu iprachen die' Abgg. NoSke(Soz), Erzberger(Z). Da. Streiemann(natl.), v. Gräfe(k). Golhein(Vp), v. Gamp (D. Fr), Scheidemann(Soz). Der Berichterstatter v. Schönaich lenkte die Äufmerkiamkeil darauf, daß im Auswärtigen Amt tatsächlich zwei Unter st aatSsekretäre be- schäsligt werten, im Etat aber nur die Stelle eines UulerstaatS- sekretärS sich befindet.— Staatssekretär Dr. Zimmermann erklärt, die Hilfe eines zweiten UnieriiaalSsekrelärs sei unerläßlich und duridau« notwendig. Wäbrend de« Krieges sei die Arbeit derartig angewachsen, daß sie unmöglich von ihm und einem UnIerslaalS- selretär bewältigt werden könne. Die Stell« eines zweiten Unter- ftaatSsekrelärS sei jedoch auf Beronlassung de« ReichSichatzamteS diesmal nicht in den Etat eingestellt worden; maßgebend allein seien Sparsamkeitsgründe gewesen. Abg. Dr. Streiemann beantragt, daß die Stell« des zweiten UnierstaaiSselretärS in den Haushaltsplan eingestellt werde. Bei der Wichtigkeit diese? Postei.« könnten die Kosten unmöglich enl- scheidend>ein; vielmehr liege es im Interesse des Reiches, daß für die Arbeiten, die im Auswärtigen Amt gemacht werden müssen, die nötigen Kräile vorhanden sind. DieS wurde beschloffen. Damit tvar der Haushaltsplan für das Auswärtige Amt erledigt.— Eingegangen war eine große Zahl Bittschriften. Von diesen wurden die meisten dem Reichskanzler zur Kenntnisnahme überwiesen. Dienstag: Etat deS Ministeriums de« Innern. Ueber die vertrauliche« Verb« ndlun gen des HauptauSschuffeS gibt W.?, B. folgenden Bericht aus: Ein sozialdemokratischer klvgeordnetcr giny auf die Instruktion an den deutschen Gesandken in Mexiko ein und machte Cinwendungen gegen diesen Schritt geltend. Der Staatssekretär des Auswärtigen Ami S gab eine längere Darstellung der mit der Instruktion verfolgten Ab- sichten. Daß wir uns für den Fall des Ausbruchs des Krieges mit Amerika nach Bundesgenossen umgesehen hätten, sei eine natürliche und berechtigte Vorsorge. Er bedauere es auch nicht, daß durch die amerikanisclie Verösfentlichung die Instruktion auch in Japan bc- kennt gcnorden sei. Für die Beförderung der Instrvktioil sei der sicherst« Weg gewählt worden, der zurzeit zur versügumg gestanden hebe. Wie die Amerikaner in den Besitz des Texte« gekommen ic.cn, der mit einer ganz geheimen Chiffre nach Washing- ton gecangen ist, darüber fehlt uns noch alle Kenntnis. Daß die Anstrutlion in amerikanische Hände gefallen ist, sei ein Mißge- i ch i(f, das nichts daran andere, daß der Schritt im vaterländischen Interesie nvtlvendig war. Am wenigsten habe man gerade in Amerika das Recht, sich über unseren Akt aufzuregen. Irrtümlich wäre die Ansicht, daß der Schritt im Auslande besonders neseu Eindruck gemacht hätte. Er wird als das aufgefaßt, was er ist: als eine' berechtigte Abtvebraktwn für den Kriegsfall._ Von einem nationall ibcralen Redner wurde betont, daß man in Amerika keinen Grund zu besonderer Entrüstung habe. Gerade der Präsident Wilson habe sich ja bemüht, alle Neutralen gegen uns aufzubringen. Das komme auch in der neutralen Presse Europas deutlich zum Ausdruck. Wenn also gegen die Instruktion nichts einzuwenden sei. so bleibe das einzig Bedauerliche au der Sache, daß das Schriftstück durch Vertraue nsbruch in Ame- rika bekanntgeivorden sei. Ob nicht ein sicherer Weg zur Per- miitlung der Instruktion hätte gesunden werden können, bleibe dahingestellt. Es könne dem Staatssekretär um so weniger ein Vorwurf gemacht werden, als man es stets beklagt habe, daß sich das Auswärtige Amt nicht genügend um Bündnisse für Deutsch- land bemüht habe. Nun hätten diese Bemühungen eingesetzt und fänden, allerdings nur vereinzelt, Widerspruch, dem er entgegeen- treten müsse. Jede Schwächung eines möglichen�Gcgncrs sei für Deutschland vorieilhast. Dieses Ziel habe der Staatssekretär im Auge gehabt. Der Redner wies daraus hm, daß Friedrich der Große und Napoleon L in ähnlicher Lage gleich gehandelt kälten; Friedrich der Große, indem«r jedes Mittel ergriff, dem Feinde neue Gegner erstehen zu Ionen, Napoleon I. empfing nach der Februarschlacht von Eylau lbü? im Schlosse zu Finkenstein zu Ost- Preußen sogar eine persische Deputation, da er Persien, ebenso wie die Türkei, gegen Rußland aufzuwiegeln suchte und dicserhalv keine Mühe scheute. Im Kriege müsse jedes mögliche Mittel bc- nutzt werden, den Gegner zu schwächen. Daher häfie der Staats- sekrctär vollkommen richtig gebandelt. Ein Redner der Sozialdemokratischen Ar- beitsge meinschaft wandte sich gegen die ganze Aktion. Ihm trat ein Mitglied des Zentrums nachdrücklich entgegen. Dem Staatssekretär könne cm Vorwurf nicht gemacht werden, weil er sich nach Bündnissen umgesehen habe. Der Umstand, daß das Schrift stück in falsche Hände gelangt sei. er- fordere Nachprüfung, ob ein Schaden im System vorliege. Ein Redner der Fortschrittspartei brachte Bedenken darüber vor, wie der Vorgang durch die Prefie der deutschen Oesfent° lichkeit zur Kenntnis gebracht worden sei. Es sei unser gutes Recbt. Anknüpfungen gegen mögliche Feinde zu suchen, wo dies gebe. Das köunien wir vor aller Welt vertreten. Tic Art, wie die Instruktion befördert worden sei, gebe bis zu ihrem Eintreffen in Washington zu Beanstandungen keinen Anlaß. Man müsse mit seinem Urteil über das weitere abwarten, bis man nähere Kenntnis von den Vorgängen habe. Unserem Botschafter eine Schuld beizumessen. davon möge man Abstand nehmen und warten, bis Graf Bernstorss auf deutschem Boden angelangt sei. Ein konservativer Abgeordneter faßte sich dahin zusam- mcn, daß dem Staatssekretär kein Vorwurf zu machen sei und daß vielmehr gebilligt werden müsse, daß er tatkräftig vorgegangen sei. Daß die Instruktion in Amerika bekanntgeworden sei, sei natürlich zu beklagen. Ob es möglich war, einen besseren Weg zu wählen, stehe allerdings dahin. In demselben Sinne äußerte sich ein Redner der Deutschen Fraktion, während sich ein weiterer sozialdemokrati-- scher Redner der Kritik des ersten Redners seiner Fraktion an- schloß. Auch ein fortschrittlicher Abgeordneter sprach noch Be- denken aus. Aus eine Reibe der zur Sprache gebrachten Punkte antwortete der Staatssekretär in eingehender vertraulicher Weise. Der Gegenstand wurde sodann verlassen. Oesterreich und Amerika. Eine Tenkschrift zum U-Bvot-Zkrieg. Wien, 5. März. Der Minister des Aeußeren bat dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika eine Denk- schrist übergeben, in der zunächst anssüffrlich der schrittweisen Außerkraftsetzung der Regeln des Völkerrechts für den Seekrieg durch England ausführlich gedacht wird. Dabei wird darauf hingewiesen, daß gerade der Präsident der Vereinigten Staaten v»n Amerika in Worten, die in der Ge- schichte de« Völkerrechts f»rtlebrn werden, dargrtau hat, daß die von England unter dem Namen„Blickade" verhängte Sperre über die Küsten der Nordsee in grellstem Widerspruch zu den hergebrachten und durch internationale Vertrage festgelegten Normen des Blockaderechtes stehe. Auch Italien schloß sich dem Beispiele Englands an und erNörtc die Küsten seine« Gegners für blockiert. Erst nach wehr als zwei Jahren sind die Mittelmächte dazu übergegangen, Gleiches init Gleichem zu vergelten, um eine gebieterische Pflicht gegen ihre Böller zu erfüllen und der Freiheit der Meere schließlich zum Sieg zu ver- helfen. Tie Erklärungen, die sie am 31. Januar dieses Jahres erlassen haben, richten sich nur scheinbar wider die Rechte der Neu- traten; in Wahrheit dienen sie ja der Wiederherstellung dieser Rechte. Tie Tauchboote, welche Englands Küste umkreisen, künden, daß der Tag nicht wehr fern ist, da die Flaggen aller Staaten im Glanz der neu errungenen Freiheit friedlich über den Meere» wehen werden. Die östcreichisch-ungarische Regierung weist weiter darauf hin, daß sie sich in dem Natrnwechsel über die Fälle der vncona und der Persia vorbehallen hatte, die schwierigen völkerrechtlichen Fra- gen, die mit dem N-Boot-Krieg zusnwmenhängen, zu einem späte- ren Zeitpunkt zur Erörterung zu bringen. Bei der jehigen Erörte- rung dieser Fragen wird sie von dem Wunsche geleitet, der ame- rikanischen Regierung darzuton, daß sie an der von ihr früher erteilten Zusicherung festhält, und durch Klärung jener wichtigsten, aus dem U-Boot-Krieg sich ergebenden Frage« Mißverstand- nissen zwischen der Monarchie und der amerika- nische» Union»orz»beugen. Ten Kern dar ganzen Materie bildet dir Sorge für dir Sicherheit der Personen an Bord vor der Vernichtung feindlicher Hondelsschiffe. Dem Grundsaß, daß bri Ausübung des Recht« der Vernichtung feind- licher Handelsschiffe der Berlust an Menschenleben «iigli chst vermieden werden soll, kann der Kriegführende nur durch vorhergehende Warnung gerecht werde», sei es durch Warnung des zu oersenkenden Fahrzeuges selbst, durch Warnung vor der Ausfahrt deS Schiffes»der schließkich durch eine allgemeine, für alle in Betracht kommenden feindlichen Schiffe bestimmte Warnung. Eine warnungslose Vernichtung ist indessen zulässig, wenn das Schiff flieht»der Widerstand leistet oder wenn eS im im Tienste der Kriegführung steht»der auch Waffen führt, um Feind- seligkeiten irgendwelcher Art zu begehen. Im ganzen Verlaufe des Krieges haben die öftrrreichisch-ungarischen Kriegsschiff« nicht ei» einziges feindliches Handelsschiff ohne vorherige, wen« auch generelle Warnung vernichtet. De» Grundsätzen der Mensch- lichkeit entspricht es besser, die Personen durch eine rechtzeitig er- lassene Warnung von der Benutzung gefährdeter Schiffe abzuhalten, als ihre Rettung auf See dem blinden Ungefähr«ndeimzustellen. Tie l und f. Regierung hat sich nicht davon überzeuge« könne«, daß Angehörige neutraler Staaten ei« Recht darauf besitzen, auf feind- liche» Schiffen unbehelligt zu reife». Der Grundsatz, daß die Reu- tralen auch in Kriegszeiten dir Vortril« der Merressreihcit arnießen, gilt nur für neutrale Schisse, nicht für neutrale Personen an Bord feindlicher Schiffe. Ten« die Kriegführenden sind berech- tigt, den feindliche« Schiffsverkehr zu unterbinde«, und dürfe», wrun sie im Besitz der erforderlichen Krirgtzmittel sind, feindkichen Handelsschiffen das Befahren der See bei sonstiger sofortiger Ver- nichtuug untersage». Tie Neutralen haben nur daraus Anspruch, daß ihnen der Kriegführende das an den Feind gerichtete Verbot rechtzeitig br- könnt gibt, damit sie es vermeiden können, ihre Personen und ihr Eigentum feindlicher Schiffe anzuvertrauen. Eine Bestreitung der Richtigkeit dieser Aussührnngen würde daraus hinauslaufen, daß Zkrutrale sich in die militärischen Otzerationen der Krieg- führenden einmengen»nd sich sogar zum Richter darübrr auswerfen konnten, welche Kriegsmillel gegen den Feind in Anwendung gebracht werden dürfen. Niemals ist auch nur der leiseste Zweifel darüber wach gewarden, daß neutrale Staatsangehörige allen Schaden selbst zu tragen haben, den sie dadurch erleiden, daß sie zu Lande ein Gebiet betreten, wo kriegerische Otze- ratiancn stattfinden. Es liegt kein Grund vor, für den Scekrirg eine ander« Norm gelten zu lassen, zumal die zweit« Friedens- konferenz den Wunsch geäußert hat, die Mächte mögen zurzeit, da der Seekrieg eine vertragsmäßige Regelung gefunden haben«erde, das für den Landkrieg geltende Recht, soweit als möglich, auch im Seekrieg anwende». Di« k. n«d k. Regierung darf feststellen, daß sie mit der Bundesregierung im Wesen eines St»aes ist. Sie würde es begrüßen, wenn sich da« Washingtoner Kabinett geneigt fände, sie in ihrem von wärmster Meuschcnsrrondlichkcit getragenen Bc- streben, amerikanische Bürger von Gefährdung«us See zu bewah- ren, durch Belehrungen und Wornung seiner Schutz- befvhlenen za unterstützen. Tie Bewaffnung von Handelssahrzeugen, auch nur zur Verteidigung gegen die Ausübung des Beuterechts,»st im modernen Völlerecht nicht begründet. Ein Kriegsschiff ist ver- tzflichtet, einem feindlichen Handelssahrzeug in friedlicher Form zu begegnen, es anzuhalten, mit dem Kavitä» in Berkehr zu trctey, die Bordpapiere zu prüfen, ein Protokoll und gegebrnenfall« ei« Inventarverzeichnis aufzunehmen. Tie» setzt als selbstverständlich voraus, daß das Kriegsschrsf volle Gewißheit darüber besitzt, daß ihm das Handelsschiff seiner- seitS friedlich begegne. Kein Staat kann die Pflichten der Menschlichkeit gegen die berufenen Verteidiger des Vaterlandes«ied- riger einschätzen als die Pflichten gegen die Angehörigen fremder Mächte. Oesterreich-Ungarn hat auch in dieser Frage an seiner Zusage festgehalten: Di« Neutralen sind rechtzeitig dirvor nrwarnt worden, ihre Person nnd Habe einem vcwafsncten Schiff«nzuvrrtrauen, die angekündigte Maßnahme wurde nicht sogleich ins Werk gosetzt, son- der« Anfschub erteilt, und endlich sind die k.»nd k. Kriegsschiffe angewiesen, selb st bei bewasf- neten feindlichen Handelsschiffen nach Möglich- keit ans Warnung und Rettung der Personen o» Bord bedacht zu sein. Tie Angabe, dir bewaffneten britische» Dampfer Secvnd» und Welsh Prince seien von ö st r r r c i ch i s ch- u n g a r i s ch e» Tauch- booten»hnr Warnung versenkt»irden, beruht auf einem Irrtum. K. und k. Kriegsschiffe waren hier überhaupt nicht be- teillgt. UebrigenS darf bemerkt werden, daß die österreichisch-un. garischen Tauchboote nur in der Adri» und im Mittel- meer operieren, und daß daher eine Beeinträch- tigung amerikanischer Interesse» durch k. und k. Kriegsschiffe kaum zu besorgen ist. Die Absperrung der in der Erklärung bezeichnete». Sregebiete soll die Feinde einem Frieden gefügig machen, der die Gewähr der Dauer in sich trägt. Das mit der Absperrung der Wcstmächte angestrebte Ziel würde am schnellsten nnd sichersten erreicht werden, wen» in jenen Memsteilen kein einziges Menschenleben»crloren ginge und keines in Gefahr geriete. Die früher von drr k.«nd k. Regirrung gege- bcne Zusicherung ist weder aufgehoben noch eingeschränkt worden. Tie k. und k. Regierung legt größten Wert daraus, durch Wort und Tat zu bekräftigen, daß ihr in glricher Weise die Grund. säbe der Menschlichkeit voranleuchtc« wie das Grbvt der Achtung vor de» Interessen der nentralc» Böller. Lette Nachrichten. Die Ergebnisse der Ententekonseren). Petersburg, 4. März. Ueber das Ergebnis der Petersburger Konferenz der Alliierten veröffentlicht die Petersburger Tele- graphen-Agentur einen langen PH rasenschwulst, der das immer engere Einvernehmen der Alliierten preist. Bon sachlichem Inter- esse sind höchstens die Sätze: Sie(die Konferenz) hat daran ge- arbeitet, die Einheit der Handlung bei der Führung des Krieges wirksam zu verbessern und zu festigen, indem sie zu diesem Zweck die Schaffung eines eigenen Organs vorsah. Sie hat geeignete Matzregeln ergriffen, um die Bemühungen der Alliierten besser zu verteilen und miteinander zu verbindeu. Sic hat nach Mir- teln geforscht, um so vollständig wie möglich alle Kräfte der Alliierten durch immer engere Vereinigung ihrer Hilfsquellen all« Art miszuimtzen. Ein interniertes deutsches U-Boot von Holland gekaust. Amsterdam, 5. März., auf dem Abschnitt H gleichfalls verweist, handelt davon, daß Wöchnerinnen ein Anspruch auf Wochengeld dann zusieht, werm sie im letzten Jahre vor der Niederkunft mindestens sechs Mo- nate hindurch auf Grund der Reichsversicherung oder bei eine: knoppschastlichen Krankenkasse versichert waren. Dieses„letzte Jabr" wird weiblichen Personen, von denen z. B. diele Saniiärstienste leisten, um die Dauer ibrer Dienstleistung und eventuell um sechs Wochen darüber binau« verlängert, d. h. all die Zeit, die sie vor dem Kriege versichert waren, bleibt ihnen erhalten. Das gilt auch für den Fall, daß eine Kaste Mehrleistungen an die Schwangeren gewährt, die, noch � 199 der ReichsverficherungSordnung, der Kafie mindestens sechs Monate angehören. Auch diese sechsmonatige Friü hat der Krieg bei weiblichen Personen, die Sanitäts- oder ähnliche Dienste leisten, nicht unterbrochen. Die Verordnung hat sonach Lcr- bessemngen de» bis jetzt gellenden Rechts gebracht. Gerichtszeitung. Prozeß Schiffmauu. Nach Beendigung der Reden der Verteidiger Dr. D a V i d s o h n und Justizrat W r o n ker. an die sich kurze Entgegnungen der StaatSonwalte und eine Widerlegung durch den RechrSanw. Dokior Dadidsohn schloffen, teilte de? Lorfitzende LandgerichrSdirekror Dr. Schwartze mir, daß Schiffmann noch sieben neue Antröge gestellt habe, die vorzutragen seien. Da darüber Beschluß gefaßt werden müsse, sei es ausgeschlossen, den Prozeß am Dient- tag zu Ende zu führen: durch die Schuld des Angeklagten werde vielmehr eine neue Verzögerung eintreten.— In einer kurzen Pause besann sich Schisfmann eines besseren und erklärte, die An- träge zurückzuziehen.— Zum letzten Wort verstattet, gab er eine kurze Erklärung dahin ab: Zur Sache selbst wolle er nicht« mehr sagen. Er versichere nochmals: er möge leichtsinnig und viel- leicht kaufmännisch unfair gehandelt haben, eine verbrecherische Ab- fichl bab« er aber nichl gehabt. Manche«, was er vor Gericht gc- sagt, hätte besser unterbleiben, manche Anträge hätte er sich erivaren sollen, doch iolle man ihm zugute halten, daß er nach vierjähriger Unter- mchungShoft um seine Freiheit und Existenz kämpfe. Die Absicht, irgend ein Mitglied des Gerichts zu verletzen, habe ibm fern ge- legen, sollte dieS doch geschehen fem, so tue e« ibm aufrichtig lerd; es sei dann aus seine begreifliche Erregung zurück, mübren. Er bitte die Geschworenen, milde und gereckte Rickter zu sein.— Frau Ahrens erklärte unter Tränen: sie bedaure heute, auf Anordnungen SchiffmannS das getan zu haben, was ihr zur Last gelegt werde.— Die Verhandlung wurde hierauf aus DienStaa 10 Uhr vertagt. Dann soll die Recktsbelebrung des Bor sitzenden erfolgen, so daß da« Urteil am DienStag abend zu erwarten ist. Verantwortlich für Politik: Hermann Möller. Tempelhos: für den übrigen Teil d. Sl.itic:.: Alfred Scholz. Neukölln: für Inserate: Ib. Glocke, Bcr.iii. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer ch Lv. Berlin S1V. Hierz« 1 Beilage nnd Unter haltnngSblatt. Nr. 64 34 Iahrgimg. fifildM des JsrniärtD" ßerliutt DslksdIM Dienstag, 6. Marz 1917. Mgeorönetelchaus. 73. Sitzung. Montag, ö. März 1917, vormittags 11 Uhr. Am Ministerlisch: �andelSminister Dr. S y d o w. Zur Verhandlung sieht zunächst ein ZemrumSantrag betreffend Gewährung von Rrichsbeihilfen und Teuerungszulage» an im Ruhe- stand lebende Beamte, Arbeiter und die Altpensionäre. Abg. Adolf Hoffmann(Soz. Arbg.): Den ungeheuren Kriegsgewinnen einzelner stehen bei dieser Teuerung Not und Elend bei den Altpensionären gegenüber, die s-bon im Frieden so schlecht gestellt waren. Man spare doch an anderen Dingen. Wenn ein Ruhegehaltsempfänger irgendeine ent- lohnte Beschäfiigung annimmt, wird ihm die TeuerungS- zu läge entzogen, sie können also nicht einmal in den Hilfsdienst treten. Vertröstet tnan die Altpensionäre auf die Zeit nach dem Kriege, so kann da-; bei vielen eine Vertröstung ans daS Jenseits sein. Finanzminister Dr. Lentze steht der Frage sehr kühl gegeniibcr, als Ober- bürgermeister von Magdeburg dachte er' freundlicher darüber. Man nehme doch den Ministern die 14090 M. RepräsentationS- zulage, jetzt, wo keine Repräsentation ist, vielleicht gibt er auch was von den 30 000 M. Gehalt für die Pensionäre her. Verweigern sie einfach dein Minister das Gehalt, wen« er nichts tun will. Abg. Dr. Heß(Z.): WaS der Borredner sagte, wisien wir alle. Der Antrag ist ja gestellt, eine praktische Arbeit zu leisten. Deshalb beantrage ich kurz, den Antrag dem BevölkerungSauSschuß zu überweisen, dem auch ein fortschrittlicher Antrag vorliegt. Abg. Schmiljau(Rp.): Unser Antrag ist vor längerer Zeit gestellt worden und liegt bereits diesem AuSsckmff vor. Mit der Uebecweiiung deS Zentrums- antrages an denselben Ausschuh sind wir einverstanden. Die Ueberweisung wird beschlossen. ES folgt die zweite Beratung des Haushaltsplans der Staatsbergwerke. Abg. Dr. ing. Marco(natl.) bespricht die wirtschaftliche Gebarung des staatlichen Bergbaues. Di« großen Werke unserer BergwerkSindusirie arbeiten rentabel, die kleinen vielfach mit Unterbilanz. Die Zabl der Beamten ist außerordentlich zurückgegangen, an die Zurück- gebliebenen und Ersatzleute werden außergewöhnlich« An» Forderungen gestellt. Auch auS der Arbeiterschaft sind die B-'ten fortgenommen. Dazu kommt die Steigerung aller Material- kosten, so für Svrengstoffe. In der Braunkohlenindustrie dürfen wir nicht die Interessen der böhmischen Anteil- eigner maßgebend werden lassen. Die Frage der ZwangSsyndiziernng durch staatlichen Eingriff verdient ernsteste Erwägung. In der Kaliin duitrie mir ihren reichen Lagern muß dafür gesorgt werden, daß bei Wiederkehr der vollen Absatzmöglichkeit diese auch ausgenutzt wird. Englands Kohlen- mdustrre geht zurück. Sein Kohleirreichtum ist nicht allzu bedeuiend, wir haben England überholt, es kann heute nickt mehr als das erste Industrieland Europas angesehen werden. Darum sucht England sich auf dein Festlande festzusetzen, sich die ausgezeichneten Kohlenlager Skordsrankreichö und Belgiens zu sichern. Deshalb müssen wir beim Friedensschluß das für uns Vo wichtige Robmaterial des Raseneisensteins, das auch im Kriege eine so große Rolle spielt, besitzen. DaS französische Mi nette- gebiet mit seinen 3 Millionen Tonnen würde eine wesentliche Srütze unserer Gegner fein wir müssen eS daher bei Friedensschluß für unS gewinnen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. d. d. Groebru(k.): Die Kohleusckwterigkelten haben aufsallendcrweisc ziemlich gleichzeitig mit dem Uebergang der Versorgung auf die Kohlen- vcrteilu n gs stellen eingesetzt. Mit dem Nationalscbatz �un- ierer Steinkohlen müssen wir haushälterisch umgehen, ischr richtig!) Die Kohlenpreise müssen stetig sein. Die Preisunterschiede zwischen Groß- und Kleinhandel dürfen nicht allzu groß sein. linser Kalimonopol inutz beim Friedensschluß energisch zur Verlreiung unserer Interessen benutzt werden. Für die Hinden- burgspende und die Schwer- und MunirionSarberier haben auch die östlichen Provinzen viel getan. Wir begrüßen diese neuen Beziehungen zwischen Ost und West, zwischen Land- Wirtschaft und Industrie.(Beifall recht».) Abg. Brust(3,): Die erhöhten Einndhmen sind am erhöhte Kohlenpreis« zurück- zmühren; deren Erhöbung war bei der gewaltigen Steigerung der ProdukrionSkosten angebracht. Die Arbeiteriüriorge erkennen wir gern an. Wenn möglich, sollten die Löhne weiter erhöht werden, vor allem rnuß den Werkleutcn das Durchhalten durck» ver- mehrt« Heranschaffung von Lebensmitteln ermöglicht werden. Abg. Meyer-Frankfurt(Lp.): Nach Ättstckermig vom RegierungStisch ist unsere Versorgung mir Kohlen gewährleistet. DaS wird die armen Reichen be- ruhigen, die in ihren eiskalten Wohnungen mit Zentralheizung einmal die Schatte„feiten des modernen Komforts kennen lernen. Der Staat muß aber auch daiür sorgen, daß die Kvhlenprcise erschwinglich bleiben. Im mitieldcutschcn Braunkohlen- yeoiet gewinnen böhmische Großkapitalisten immer mebr Einfluß. Zum Teil hat man deutsche Beamle durch böhmische ersetzt. Bei den Lohnerhöhungen Hot man sich bisher zu große Zurückhaltung auferlegt. Frauenarbeit unter Tage ist unzuläzstg. Wir brauchen eine reichsgr, etliche Regelung de« Knappschastswesens. Abg. H»e(Soz.): Der dieSinalig« Voranicklog weift erheblich höhere Ein nahmen aui. als der des außerordenilrch günstigen Jahres 191 obgleich die Förderung eine geringere ist. Das ist ein Beweis sjir die außerordentlich Hobe Preissteigerung für die BergwerkS'örderung und die damit zusammenhängenden Produkre. Da Jndm'iricn./vie besonder? viel Kohlen biaucken. unier Hinweis auf diese steigerungen eine Erhöhung der Arbeiterlöhtre lehnen, muß diese Steigerung erhebliche Bedenken hervorruü mutz endlich an den notwendigen Abbau dieser hohe» Kohlenpreise gedacht werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) I Man sagt, die LSbne seien erheblich gestiegen. In den fiskaiiichen Steinkohlen, iruben find die Löhne rn der böchsten /Lobn« Nasse von Anfang de« Kriege« bis l9l« im Saargebm um 89 Proz.. in Recklinghausen um LS Proz., in Vberschlesivn nm 40 Proz. gestiegen. Da« wäre in Friedenzeiten eine erhtbliche Steigerung, ober was will diese Steigerung besagen ongessck»« der Tatiacke. daß die Preise für die wichtigsten Lebensmittel und Gebrauchsartikel in detielben Zeit um 200 bis 300 Proz. gestiegen sind. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Allein die Ausgaben für Seife— die Bergleuie müssen aus GeiundheitSrücksichien täglich den ganzen Köiper waschen— sind von 12 Pf. aus l,40\M. und 1,90 M. vro Stück gestiegen. Fast die Hälfte der Lo jteigernng wird so autgebrauchl durch die Mehrausgabe s lßr Setsf.(Hört! hört!) In der Braunkohlenidustrie. d hohe, zum Teil sehr hohe Erträge erzielt, sind di Löhne nicht einmal um 20 Proz. trotz der Teuerung gestiegen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der diingende Wunsch der Arbeiter ist. daß diese kolossalen Lohnunter- schiede beseitigr werden. Ju Niederschlesien betrug der Durch- schnittslohn eines Hauers im dritten Ouartal 1916 4,93 R., in der vierten Lohnklasse für Jugendliche 2,04 M., weibliche Arbeiter, unter denen sich zahlreiche Ernährerinnen zahlreicher Familie» befinden. wo der Mauir im Felde ist, wurden gar mit 2,22 M. Durch- schnittslohn abgespeist. Da? sind doch tatsächlich Hu n gerlöhn c. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In besonders bitterer Rotlage befinden sich die Knapp- s ch a s t s i n V a I i d e n. d'e mit 20 bis 25. Pik. monatlich abgesnnden sind und vielfach keinen Pfennig Zulage bekommen haben. Die Berg- arbeiter sind durchaus gewillt, die zur Verteidigung de» Landes notwendtgen Mittel zu schassen, aber es wird ihnen un- geheuer schwer gemacht, ihre Pflicht zu erfüllen, durch die unerschwinglichen Lebensmittelpreise und die schlechte Lebensmittel- Versorgung, lieber die Hindenburg spende sollte die Regie- rung endlich Klarheit schassen. Als nutgeteili wurde, daß für Ifh Millionen Mark Speck und Fleisch gesammelt seien, glaubten die Arbeiter zunächst, daß sie diese Waren unentgeltlich von den Landwirten bekämen, höchstens mit einem kleinen Preisausi- schlag für Fracht. Deshalb war die Enttäuschung zuerst groß. Wir haben gehört, daß die ostpreußischen Landwirte die Waren zum Söchstpreise abgeben. Im Judustriegebietr aber wirb Speck zu 7 bis 8 Mark pro Pfund verkaust. Ich glaube ja nicht, daß diese Waren aus der Hindenburgspende stammen, aber in den Kreisen der Ar« beiter ist der Gedanke eingewurzelt, daß auch mit dieser Hindenburgspende ei« Geschäft gemacht wird. Daher verlange ich klare Auskunft über den Verbleib dieser Spende. Dann einiges über die Praxis des HilfZdienstge- s e tz e s. Ter Schaffung von Einigungsämtern und Ar- beiterausschüssen haben die BcrgwrrkSbefltzer früher den gröfiten Widerstand eutgegengrsebt. Infolgedessen hat sich der W n r m d e r Mißstimmnng in den Arbeiterkreisen immer weiter gefressen. In den Veryandlniigen der Ausschüsse stellen sich die großen Unter- schiede in den Löhnen heraus und diese HilfSdienstausschnffe haben schon wesentlich dazu beigetragen, daß eine Besserung in den Lohn- Verhältnisse» eingetreten ist. Da bei sachgemäßer Besetzung dieser Ausschüsse deren Entscheidung den Arbeitern nicht nngünslig sein kann, kann man es verstehen, daß die BergwerkSbesttzer diesen Ein- richtunacn den heftigsten Widerstand entgegensetzen. So wurde in einem«alle den Arbeitern ganz dreist erklärt, aus Grund des Hilf?, dienstge)etzcs sei es den Reklamierten verboten, die Ar< beit zu wechseln. Durch unser Eingreisen ist die Sache natürlich regelt, aber wir müssen sehr auspapen, daß solche Dinge nicht vor- kommen. Angesichts der erhöhten Gefahren des Bergbaues sollte die Gruben- und Bciricbskontrolle besonders scharf geübt werden. Lei- der zeigt die Lberbergbehörde dafür nickt das rechte Verständnis. Daher haben die vier Bergwerksorganisationen verlangt, daß da» Institut der SicherheitSmänner, so mangelhaft eS auch ist, wenig- stenS aubgiebig ausgenutzt werde. Ferner hat man versucht, den Paragraphen des preußischen Berggesetzes außer Kraft zu setzen, wonach vor Beginn einer allgemeinen und einer Ncbenschicht für die Arbeiter mindestens eine achtstündige Ruhe liegen muß. DaS Oberbergamt Dortmund behauptet, die Arbeiter führen mit Vorliebe schon einige Stunden bor Beginn der Schicht ein. um in dieser Zeit die Nebenarbeiten zu erledigen. Davon ist mir nicht dos geringste bekannt und es steht im übrigen mit dem Wortlaut des Gesetzes im offenen Widerspruch. Während mau hier angeblichen Wünschen der Arbeiter entgegenkommt, hat man in der Frage der Beschäftigung von Frauen unter Tage die Wünsche der Arbeiter nicht berücksichtigt. Die Vertreter der vier Bergarbeiberverpände haben wiederholt und dringend im Ministerium für Handel und Gewerbe und an anderen hohen Re- gierunflsstellen gebeten, man solle von der Zulassung von Weib- licken Arbeitern unter Tage Abstand nehmen. Ich freue mich, daß der Vorredner diesen Wunsch unterstrichen hat. Wir haben gewünscht, daß auf jeden Fall die Vertreter der �Arbciterorgani sation hinzugezogen würden, falls eine solche Beschäftigung irgend- wie geplant sei. Jetzt erleben wir, daß trotz dieses dringenden Wunsches weibliche Arbeitskräste unter Tage, wenn auch aus nahmsweise. zugelassen worden sind.(Hört! hört!) Die Arbeiterverbände haben telegraphisch schärfsten Protest beim Mi. nister dagegen eingelegt. Man behauptet, es liege in dem Fall ein Notstand vor; daS wird aber von der Arbeiterschaft entschieden bestritten. Ich bin überzeugt, daß meine Freunde im Reichstag darüber von der Regierung Aufklärung verlangen werden.— Die Kohlen st euer, sagt man, soll nicht von den Produzenten. sondern von den Verbrauchern getragen werden. Von der tohlen> verbrauchenden Industrie ist den Arbeitern zum Teil schon deutlich erklärt worden! wenn diese Steuer �kommr, habt ihr auf Lohn- erhähnng nicht mehr zu rechnen.(Hörtl hört! bei den Sozial- demokraten.) lieber die K a l i i n d u st r i e wurden uns in der Kommission erfreuliche Mitteilungen gemacht. Ich habe in Kreisen sehr kompetenter Beurteiler kurz darauf ziemlich das Gegen- teil gehört. Die Bedeutung unserer Erzschätze ist durch den Krieg besonders klar geworden. Die hier erfolgte Preissteigerung ist mit der Steigerung der Selbstkosten nicht begründet. Der Uebergang aus die Friedenswirtschaft wird un» dadurch nicht erleichtert.— Ein Wort auf die Bemerkungen des Herrn Macco über� unsere Erzvcrsorgung. Tie Tatsache ist nicht zu bestreiten, daß England hinsichtlich seiner Kohlenvorrätc sehr viel schlechter dasteht alZ Deutschland und noch schlechter hinsichtlich seiner ErzVorräte. Unsere teckwischen Einrichtungen sind den englischen weit überlegen. Was uns fehlt, ist vor allem Eisenmanganerz. Dies haben wir in der Hauptsache bezogen auS Ungarn, aus Rußland, Spanien, Brasilien und Indien. Ich glaube nicht, daß auch unsere ver- w«ftjnslen Annexionisten vorup fcnrni, einst diese Gebiete zu annokrieren. AuS d' /' Z' Longwy-Briey-Gebiet bekommen wir AIS ich"Neulich nachwws. daß die Annexion dieses Gebietes für Deutichland keine Lebensnotwendig. keit sei. da stelltcii mich Sie alldeutschen Blätter zusammen mit Scheidemann und Golbern als Anwälte der feindlichen Interessen hin. Zwei Tage vorher hatte dieselbe Zeitung geschrieben, die Siegländer Gruben bildeten mit ihren Manganerzen sozusagen die Grundlage für unsere Kriegführung.'Nun: in dem ganzen Longwy-Br'etz-Becksn, und wenn ganz Frankreich mit Minetteerzsn übersät wäre, so findet sich dach dort nicht eine Quadratrute eczsührende.s Gebier, wo Mangan erzielt wird. Also mit allen Borschlägen dar Alldeuticheu werden Tie Mangan zu halten. Ich weih, daß nicht ernmal sämtliche Groß- industriellen für diese AnnexionSpläne sind. Wen ich gs- meint habe mit Annexionisten, dos sind Leute, die sich in den Reihen derer finden, die jede Anerkennung der Gewerk- schaften ablehnen, die keine Tarifverträge mit den Arbeitern schließen wollen, die lieber Hun- derttausende von Aroeitern tn den Streik treten lassen, anstatt sich mit ihnen über den Arbeits- vertrag zu verständigen, die durch ZwangSar« beitSnachwsise, durch schwarze Listen, durch AuS- s p c r r u n g usw. eine neue Leibeigenschaft der In- dustriearbeiter herbeiführen wollen, die jede Fortführung der Arbeiterschutzgesetzgebung hef« trabekämpfen, für Ausnahmegesetze, für die Er- setzung des Reichstagswahl rechts durch das Drei- klässenwahlrecht sind. In diesen Kreisen finden Sie auch die Hanptmatadore der AnnexionSpolstik. Die Zukunft unseres deutschen Wirtschaftslebens liegt uns minie- stens so am Herzen wir rrgendeinem Vertreter der Großindustrie. Wir lassen uns bei Erforschung der Lebensbedingungen des deut- scheu Volke» in erster Linie von den Interessen des deutschen Volkes leiten. Wenn wir das tun ohne Schlagworte und un- beeinflußt von der KriegSpshchose, so finden wir, daß wir die deut- scheu Interessen am besten fördern, wenn wir für einen Friedens- schluß eintreten, der, um mit dem Grafen Tisza zu sprechen, bei keinem der beteiligten Völker Rachegedanken zuläßt.(Sehr wahr?) Von diesem Staudpunkt lassen wir uns weder durch Liebes- werben noch durch Verdächtigungen abbringen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Handelsminister Dr. Sydvw: Ich stimme dem Vorredner darin zu, daß es geboten ist. mit der Steigerung der Löhne weiter fortzuschreiten, enl- sprechend der Steigerung der Lebensmittelpreise. Daß lieber- schichten gemacht und die Kräfte stärker verbraucht werden, ist eine Kriegsnorwendigkeit. Wir bemühen uns ständig, Lebensmittel zu angemessenen Preisen zu beschaffen und unter dem Ailschafsungs- preis an die Bergleute abzulassen. Tie fiskalischen Zechen habe,! � 1916 zu diesem Zweck 600 000 Mark an Zuschüssen aufgewandt. Weitere Kredite werden dafür zur Verfügimg gestellt werden. Die Verteilung der Hindenburgspende liegt nicht dem Handels- minister ob. An der Saar wurde Hindenburtzspeck für 2,50 Mark vsickauft. Außerdem wurde auch noch fiskalischer Speck. der uns 3,60 Mark kostete, zu 2,50 Mark abgegeben. Weibliche Ar- beitskräfte dürfen nach der Gewerbeordnung unter Tage aus- nahmsweise nur bei Arbeiten beschäftigt werden, die auch über Tage vorkommen. Das war in einem Falle notwendig, um die Elektromotoren in Betrieb zu halten.— Die Kohlenversorgung lvird jetzt einheitlich durch den Reichskommissar für Kohlenvertcilung vorgenommen; sie wird besser werden, je mehr die Transportschwierigkeiten zurückgehen.— Die mehrfach genannten Interessenten au» Böhmen haben sich aller- dings erhebliche Anteile des preußischen Braunkohlenbergbaues gc- sichert, aber noch nicht die Mehrheit. Im ä u ß e r st e n Falle würde ich von der Z w a n g s s h n d i k a t S v e r o r d» u n g Ge- brauch machen. Abg. Schräder(sk.) bestreitet, daß'm Braunkohlenbergbau von Hungcrlöhnen gesprochen werden könne. Seit 1014 seien die Hauer- und Schlepperlöhne von etivaS über 5 Mark auf 7,50 und 8 Mark gestiegen. Wünschenswert wäre eine genaue Unter- suchung über die Mächtigkeit der Brauntohlenbeständc. Oberberghauptmann v. Velsen erwidert, daß die Lage bezüg- lich der Braunkohle zwar nicht so günstig sei wie bei der Steinkohle, zu Besorgnissen liege aber kein Anlaß vor. Ter Bergetat wird genehmigt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr(Landwirtschaftsetat). Schluß 4 Uhr._ Ms Groß- Berlin. Tie Hamsterfalle». Bitterböse Klagen stimmen die MontagSrnorgenblätter an: Die märkische Genda'merie war troy Wermutb-Protest und halber Zu« sage des ÄriegswucheramtS auf all den Eisenbahnstalionen mobilt- fiert, wo die Stotzlruppe der Berliner, reichbeladen mir der Beute aus den ländlichen Stellungen und— Stallungen, den Rückmarsch antreten, und verschiedentlich ist es ihnen dabei höllisch ergangen. Die schwer bezahlte Butter, das unter Demüligungen erbettelte Fleisch einfach konfisziert und zu dem Verlust auch noch die Aussicht auf Strafprozesse. Es würde uns nicht wundern, wenn ein erheblicher Teil der in Bewegung zu setzenden Paragraphen von Beamten- belcidignng und ähnlichen Delikten bandelte. Diese Berfolgmig der sonntäglich vom Lande einholenden Ber- liner bat zwei Seilen: man kann sie billigen, weil ja doch nur ver- mögendere Leute solche Kaussahrtei- Unternehmungen betreiben können und ihre Duldung also die ohnehin vorhandene Ungleichheit in der Ernährung der Groß-Berliner verschärft; aber andererseits kann es auch sein, daß sich mehrere weniger bemittelte Familien zu solcher Expedition zusammentun und manche werden vielleicht auch ans verwandtschaftlicher Hilfe unentgeltliche Zubußen draußen er- halten. Darüber ist ebenfalls kein Streit, daß man von den zu- gemesienen Rationen allein— na. sagen wir: nickt fett werden kann. Aber der ganze Betrieb beweist dock vor allem, daß au? dem Lande, selbst in der ehemals dürftigen Mark, noch reichlich Lebens- mittel vorhanden sind. Die zur Selbsterhaltung unbedingt nötigen Vorräte werden nickt abgegeben werden. ES ist also Ueberflutz, der da verkauft wird. Ebensowenig strittig ist aber der Mangel in den Städten, ganz besonders in Groß-Berlin. Nur hat man noch nie gemerkt, daß die verschiedentlich beschlagnahmten Eßwaaren— wir denken da mehr an die nach ofstziösen Zeitungsberichten aufgedeckten Schiebereien, als an die erst jüngst eingeführten Razzien— eine Vergrößerung der Rationen herbeigeführt hätten. Diese ist aber unentbehrlich. Daruni würde eS uns als eine viel bessere und erfolgversprechendere Verwendung der Gendarmen erscheinen, wenn man sie. statt zur Peinigung dee„Kauffahrer', dazu verwendete, den Ueberschuß deS Landes planmäßig z» erfassen und direkt in die Städte und zwar an die Verteilungsstellen zu leiten! Die Verkehrsstcuern nnd Grost-Berlin. Der Direktor de» Verbände« Groß.-Berlin Hai an den Reichstag eine Eingab« gerichtet, w der er darauf bin- weist, daß die geplant« Verkehrssteuer eine schwere Gefahr für da« Groß-Berlrner SiedlungSwesen bedeute. Insbesondere würde da« Kleiiilvohnungsvesen, daS sur die Volks- gesundheit erhebliche Bedeutung Hobe, durch das Gcietz auf das cmpfindlicbste getroffen werden. Rings um Berlin lägen etwa 50 blühende Gemeinden mit ungefähr 36/� Millionen Einwotznern, die fast ausschließlich auf mglichen Verkehr mit der Innenstadt angewiesen seien und diesen nur mit Hilfe der Bahnen bewerlstelligen könnten. Der Bahnverkehr stelle alio ein unentbehrliche« Berbindungsmittel zwischen Wohn- und Srbestsstätto dar. Jede Verleuerung des Verkehr» müsse daS Wohnen in den Außenbezirken auf« empfindlichste erschweren und die Lebensfähigkeit der Gemeinde erchüttern. Der Umstand, daß ber Gesetzentwurf die Arbeiterwochenkarten steuerir» lassen wolle, bedeute nickt viel, da die Vergünstigung nur dem Wege von und zur«rbeittstelle zu gute komme, die Arbeiterfamilien aber für olle ihre sonstigen Fahrten von ter Steuer betroffen würden, Aus diesen Giündcn wird der Reichstag gebeien. die Verkehrsmittel de« Groß-Berliner Nahverkehrs lSiadi-, Rina-. Bor- ort-, Stiaßen- und Sckmellbabnen) v o n der V e r ke b r s st e u e r frei zu lassen, mindestens aber die Besteuerung au| die Dauer des Kriege? zu beschiänken. E'ne umeiichiedliche Behandlung dieker Veikehrsmittel etwa der« aeftalt, daß die Straßenbahnen, nicht aber die Sladl-, Ring- und Vororibabnen Steueifleiheil genössen, würde, wie es in der Eingabe zum Schluß beißt, für ilmnöglich zu eracknen feilt, weil sie zwar einige Gemeinde» begünstigen, die ivirtschaftliche Leistungsiäbigksit zahlreicher anderer Gemsinden des VerbandsgebieteL aber aufs stärtsts bedrohe» würde. Saiilmufcnfljalt der Stadtkinder» Tor Minister des Innern bot einen Erlas; herausgegeben, der die Aufnahme don Kindern der städtischen und Jndustricbevvlkeriing in ländlichen Familien für das bevorstehende Frühjahr in Aussicht riinimt. Die Aufnahme soll nivglichst unentgeltlich erfolgen. kann auf Wunsch ein Verpflegungssatz von SO Pf. für jeden Tag und jedeS Äind gewährt werden. Der Verpflegungssatz wird nach Aufnahme des Kindes durch Vermittlung der Gemeinde oder des GutsbezirkS von dem KrciSkommunalverbande seines Wohnsitzes monatlich ausgetahlt. Gefällt ein Kind aus irgendeinem wichtigen Grunde nicht, so kann es jederzeit durch Vennirtlung deS Orts schulinspektors zurückgegeben werden. In diesem Fall ist ein anderes Kind an seiner Stelle zu überweisen. Für die aufgenommenen Kinder ist wie für die eigenen z» sorgen. Für Entschädigung von Unfällen oder Schäden, die den ausgenomiii.�en Kindern zustoßen oder von ihnen verursacht werden, wird durch geeignete Versicherung ohne Inanspruchnahme der Aufnehmenden Sorge getragen werden. Der Ausnehmende darf die Kinder in ihrem eigenen Interesse zu leichten landtvirtschaftlichen Arbeiten heranziehen. Jede Ueberanstrengung und ungeeignete Beschäf- tigung ist jedoch peinlichst zu vermeiden. Die aufzunehmenden Kinder sollen nicht weniger als sechs Jahre alt, gesund und frei von Ungeziefer sein. Kriegerkinder sollen in erster Linie berücksichtigt werden. Das klingt alles recht schön, und eine Sommerfrische auf dem mit Lcbensmilteln reich gesegneten Lande könnte für unsere unter- ernährte Stadtjugend sehr angenehm sein— wenn der vom Minister des Innern kredenzte Honigbecher nicht einige verdammt bittere Trovscn enthielte. Das Recht, die Kinder zu.leichten landwirt- schaftlichen Arbeiten" heranzuziehen, erscheint schon an sich nicht unbedenklich, wenn man erwägt, daß z. B. das tagelange»Kartoffel- abkeimen" in dumpfigen und dunklen Kellenäuinen, zu dem mit Vorliebe Kinder verwendet werden, auf dem Lande unbedingt zu den leichtesten Arbeiten gerechnet wird. DieieS den aufnehmenden Landleutcn zugestandene Recht wird aber absolut unerträglich in Verbindung mit der weiteren diskretionären Vefngn's. Kinder, die »aus irgendeinem wichtigen Grunde" nicht gefallen, jederzeit zurück- zuschicken. Damit ist restloser Willkür Tür und Tor geöffnet. Vor allem aber vermiffen wir in dein Erlaß des Ministers des Innern jeden Hinweis auf die tktegelung deS Schulunterrichts wäh- rend der Zeit des Landaufenthalts. Beabsichtigt man, die Stadt- kinder mir den Segnungen der ländlichen Volksschule zu beglücken oder will man sie etwa gar ohne allen Unterricht laffen? Der Kampf nm den Kleiderbezugschein. Mehr AusfertigüngSstellen für Kleiderbezugscheine einzurichten, ist wiederholt im.Vorwärts" gefordert worden. Inzwischen Halma» auch die Ausfertigungsstellen in Berlin vermehrt, aber ihre Zahl reicht noch lange nicht aus. Geradezu tolle Zustände herrschen in der AusferligungSslelle, die im Schulhauie in der Zelle st raße übler- gebracht ist. Eine Leserin schildert uns, wie sie in der vorigen Woche an zwei Tagen stundenlang vergeblich auf Abfertigung warten mutzte. Dem gewaltigen Andrang ist� das wenig zahlreiche Personal nicht gewachsen und auch durch Rummernausgabe wird dem Wirrwarr nicht abgeholfen. Als am. Sonnabend um 7 Uhr die Zeit des Bureauichlusies herangekommen war. wurden viele noch nicht Abgefertigte nach Hause geschickt. Am Montag sahen wir uns zwischen 6 und 7 Uhr selber die Sache an. Wir müssen sagen, daß unsere schlimm« ften Erwartungen noch ü bertrosse n wurden. In einem Vorraum warteten einige Hundert Personen, die sich schon schoben und drängten, um in das Burea» hineinzugelangen. Von drinnen hörte man ein Rufen und Schreien, daß man mitunter glauben konnte, eine Schlägerei sei im Gange. Um 7 Uhr wiederholte sicki die Geschichte vom Sonnabend: alle die ihr onSgetüllteS Antragsformular noch nicht hatten abgeben können, wurden hinaiisgewiesen. Die Erregung der vielen Frauen, die vergeblich ihre Zeit mit Warten hingebracht hatten, machte sich Luit in manchem sehr Hefligen Wort. Unter Mit- Wirkung eines herbeigerufenen Polizeibeamten schob schließlich das Personal die Menge aus dem Bureau aus den Flur und Hof hin- aus. Will man diesen Zuständen nun nicht bald ein Ende machen? Zum Schutz der Bevölkerung, die die Ausferligungsstcllen aufsuchen muß. fordern wir aufs neue, sofortige Vermehrung der Ausfertigungs stelle n und Ausdehnung der Bureauzeit bis in die späten Abendstunden! Hilfsdienstmeldestellen sind, wie der Vorstand der KriegSamtsstelle mitteilt, in Groß-Berlin eingerichtet worden beim: Zentralverein für Arbeitsnachweis, Gormannstr. 13, Rückerstr. 9 und Eichhornstraße 1: Märkischen HauptarbeitSnachweiS für Landwirttchafk, Schlegelstr. 18; Verband Berliner Mctallindustriellsr, Wusterbaniener Str. IS/IS; Deutschen Metallaibeiterveiband, Linienstr. 83/85; Oeffentlichen Arbeitsnachweis. Britz, Hannemannstr. 3t: Städtischen Arbeitsnachweis. Charloltenburq, Berliner Str. 81; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Friedenau, Kaiserallee 125: Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Friedrichsielde, Tresckowallee 44; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Johannisthal, Rathaus, Königs- platz 1; Städlischen Arbeitsnachweis. Lichtenberg, Gürteltir. Zl; Gemeinnützigen Arbeitsnachweis, Lichterfelde, Rathaus, Schillersir.; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Martendorf, Kaiserstr. 125; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Marienseide, Kaiserallee 20; Oeffentlichen Arbeitsnachweis. Oberschöneweide. Luisenstr. 33; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Riederschönhausen, Rathaus; Städtischen Arbeitsnachweis, Reulölln, Jiarstr. 12; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Pankow, Breitestr. 25�26; Oeffentlichen ArbeiiSnachweis. Reinickendorf. Hauplstr. 45; Städtischen ArbeiiSamt, Schöneberg. Grunewaldstr. 19; Arbeitsnachweis, Steglitz, Schlvßstr. 36; Städtischen ArbeitSaml. Tempelbof, Dorfstr. 13; Oeffentlichen Arbeitsnachweis, Treptow, RathauS. Neue Krug« Allee 1—3; Oeffentlichen Arbeitsnachweis. Wcißensce. PistoriuSstr. 24; Slädtlichen Arbeitsnachweis. WUmerSdorr, Gasteiner Str. 11; Oeffentlichen Arbeitsnachweis. Zehlendorf. Hauplstr. 38; Gemeinnützige» kanfmännischen Stellenvermittelung für kauf- männischcS Personal, Berlin, Beuthstr. 29; Oeffentlichen Siellenvermirtelung sür kaufmännisches Personal. Bikloriastr. 19; KriegsauSickutz der Technischen Verbände, Geschäftsstelle Berlin, Dcrflstr. 7._ Die Operferien der Schulen Berlins werden gegenüber der früheren Festsetzung um ein paar Tage verlegt. Nach der neuesten Festsetzung soll das Winterhalbjahr am 27. März geschlossen und das Sommerhalbjahr am 11. April eröffnet werden. Schubpockenimpfung. Von jetzt ab finden die bisher im Kranken- Haus Moabit vorgenommenen freiwilligen Schutzpockenimpfungen nicht mehr in dieser Anstalt, sondern gegenüber in der städtischen Badeanstalt, Turmstr. 85, werktäglich von 10 bis 11 Uhr statt. ES wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß diese unent- geltlichen Impfungen ausschließlich sür Berliner Einwohner be- stimmt find. Eine dreckige Geschichte wird im Kreffe Teltow viel belacht. Ein Gendarm saßt aus einem Bahnhof einen Missetäter, der Bulter und Eier.gehamstert" hatte. Der Karton mit Inhalt wird be- schlagnabmr. Bald darauf erscheint der.Hamster" zum zweiten Male mit einem Kaiion. Strengen Blacks mustert der Grünrock den «»kommenden.»Schon wieder' Was baben Sie da?".Kuhdreck" erwiderte der Gefragte.„Kuhdreck? Zeigen Sie mal her I" Der Gendarm öffnet, sieht eine Schicht Häckiel und faßt triumphierend hinein, um gleich darauf, unter homerischem Gelächter aller, seine mit dickem Kuhdünger beiudelten Hände wieder herauszuziehen. Bom Auto des Roten Kreuzes überfahre» wurde Monkagabend in der Elsasser Straße ein beim Bekleidungsami des Gardekorps beschäftigter Soldat. Als er vor einem haltenden Straßenbahn- wagen den Fabrdamm übeöfckreiten wollte, kam auf der linken Slraßenseiie das Auto in scharfer Fahrt. Der Soldat wollte noch zurückspringen, jedoch zu spät, leblos blieb er liegen. Vom selben Auto wurde er zur Unfallstation gebracht. Großfeuer kam am Montognachmitlag um 3 Uhr aus nock un- bekannter Ursache im Scheunenvieriel, Bartelstr. 19, aus. Dort brannte ein Heu- und Strohlager in solcher Ausdehnung, daß die Feuerwehr mit süns Schlauchleitungen von drei Seiten eingreifen mußte. Die Hitze war so enorm, daß die Steine und der Mörtel zu Sand zerbröckelten. Der Schaden soll erheblich sein. Für 40—30 OOO M. Seide erbeuteten Einbrecher in der Rächt zum Montag in dem Geschäft von Krüger u. L e w h in der Krausen st ratze 3 3. Sie drangen mir Nachichlüffeln in die im vierten Stock belegenen Räume ein, öffneten einige eiserne Riegel mit Gewalt und gelangten so in daS Lager. Mus öen Gemeinden. Frauen in der Neuköllner Stadtverwaltung. Kürzlich ist liiiier Vorsitz des Oberbürgermeisters Kaiser eine aus 6 Frauen zu- iamniengesetzte Beschwerdekommission gebildet worden, die in erster Linie die Beschwerden der Lebensmittelversorgung den städtischen Körperschaften unterbreiten sollen. Auf einstimmigen Beschluß der Lebensmittelkonimiision sind bereits drei Mitglieder dieser Beschwerde- kommission dem LebeiismittelauSschuß mit beratender Stimme ein- gegliedert worden und baben an dessen Beratungen teilgenommen. Um nun den Frauen Gelegenheit zu geben, auch an den Beratungen der anderen Kommiisionen mitzuwirken, bat die sozialdemokratische Stadlverordnetensraktion zu der am Donnerstag tagenden Stadt- verordnetenversammlung folgenden Antrag eingebracht': Die Stadtverordnetenveriammlung beschließt, daß in Deputa- tionen, in denen die Mitwirkung der Frauen zweckmäßig erscheint. Frauen als Mitglieder, zunächst mit beratender Stimme, gewählt werden können. Die Versammlung ersucht den Magistrat um eine entsprechende Vorlage. Gleichzeitig ersucht die Versammlung den Magistrat, bei der Königlich Preußischen Staatsreaierung um eine dahingehende Aende- rung der Städleordnung vorstellig zu werden, daß Frauen zu Mit- gliedern städtischer Verwaltungen und Stiftungen mit besyfließender Stimme bestellt werden können. Bolkstümlicher Bortrag in Schönederg. Mittwoch, den 7. März, abends 8 Uhr, findet in der Aula der Hohen, ollernschule. Oberreal- nbteilung in Schöneberg, Belziger Str. 43/53, der 3. Bolksabend statt. BortragSfolge: Vorträge des Schülerchors und des SchülerorchestcrS der Hohenzollernfchulen. Ansvrache des Stadtrats und Reichstagsabgeordneten Molkenbuhr, Lichtbildervortrag des Oberlehrers Dr. Lauterbach über: „Unsere ReichSbanl im Kriege". Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Wilmersdorf bleibt bei 170 Proz. Der Voranschlag der Stadt- gemeinde Wilmersdorf für das Rechnungsjahr 1917 schließt in Ein- nähme und Ausgabe mit 17 931 999 M. ab. Der Gemeindesteuer- zuicblag sür das kommende Steuerjahr wird wieder auf 179 Proz. festgesetzt; ebenso baben sämliiche andere Sleuerarten gegenüber dem Vorjahre leine Veränderungen erfahren. Lebensmittelabgabe in Wilmersdorf. In der laufenden Woche werden 3 Pfd. Kartoffeln und 4 Pfd. Kohlrüben abgegeben, außer- dem können auf den Buchstaben X(blau) des LebenSmittelbezug- heftes 199 Gramm Gerstengraupen oder Gerstengrütze zum Preise von S Pf. entnommen werden. Der Verkauf von Salzfiichen wird bis auf weiteres in der Weife freigegeben, daß beliebige Mengen Fische zum Preise von 1.89 M. an jedermann abgegeben werden dürfen, der sich durch Vorlegung der HauShaltungSkarte als WilmerS- dorfer Einwohner ausweist. Lichtrnberger Lebensmittelnachrichten. In der lautenden Woche werden 5 Pfund Kartoffeln und auf Abschnitt 55 3 P'und Kohl- rübcn abgegeben. Auf Abschnitt SS gelangen zu Ausgabe: 3 Pfund anc-ländifches Rübensauerkraut oder 3 Pfund inländischer Sauerkohl auf Abschnitt 57 1 Pfund Salzblumenkohl oder Salzspinat und auf Abschnitt 58 1 Pfund Weißkohl oder Mohrrüben sMöhren). Soweit die vorhandenen Vorräte zur Einlösung sämtlicher Abschnitte 58 nicht ausreichen, werden auf die noch übrig bleibenden in der nächsten Woche neue Waren verteilt werden. Von Donnerstag ab dürfen auf Abschnitt 591! und J der Lebensmittelkarte Ptund Graupen oder Grütze, auf Abschnitt 69 8 l'/z Pfund Weizengrieß, aus Abschnitt 69 1£ 8/4 Pfund Weizengrieß auf Abschnitt 69 G>/, Pfund Weizengrieß, auf Abschnitt 69 ck und 69 1!'/» Pfund Weizengrieß entnommen werden. Kohlrüben sind bei allen Kartoffelhändlern, Salzblumenkohl und Salzspinat bei allen Gemüsehändlern und in einzelnen Kolonial« warengeschäflen, Mohrrüben auf den Märkten rmd in den durch Aushang kenntlichen Grünkramgeschäften, inländischer Tanerkobl in allen Grünkramgeschäften, Rübensauerkraut auf den öffentlichen Märkten an den besonderen von der städtischen Verwaltung ein- gerichtelen Marklstönden sowie in der städtischen LebenSmiitelhalle und in den städiiichen Fischhallen, Graupen, Grütze und Grieß in den durch Aushang kenntlichen Kolonialwarengeschäften und in der städtischen Lebensmttielstelle zu kaufen. Kartoffelversorgung in Pankow. Die Gemeinde verteilt in der laufenden Woche pro Kopf 5 Psd. und auf die Zusatzkarte 2 Pfd. Kartoffeln. LrienSmittelnachrichte»«us Weißensre. In der laufenden Woche werden 3 Piund Kartoffeln und 4 Pfund Kohlrüben pro Kopf ab- gegeben. Auf die Abschnitte 45o und 45 st der Kartoffelkane wird je V« Pfund, zusammen Vz Pfund Sauerkraut abgegeben und zwar vom 8. März ab in denjenigen Kolonialwarengeschäften, wo der Kartoffelkarieninhaber seine Teigwaren entnommen hat. 1 Pfund Sauerkraut kostet 29 Pf. Außerdem find in den Gemeindeverkaufs- stellen zu haben: Muschelfleisch. Klippfisch. Stockfisch lind gebrauchs- fertig gemischter Kaffee,% Pfund 90 Pf. Hroß-öerliner parteinachrichten. ReichstagSwahl Potsdam- Spandau-Osthaveilan». Alle diejenigen Parteigenossen, die sich am Tage der Wahl, Mittwoch, den 14. März 1917, dem Wahlbureau zur Mitarbeit zur Verfügung tollen können, werden hiermit dringend ersucht, sich beim Sekre- iariat der Provinz Brandenburg, Berlin SV?. 68, Lindenstr. 8, «Telephon: Amt Montzplotz 151 90 oder 148 38) baldmöglichst zu melden. Der Bezirksvorstand der Provinz Brandenburg. I. A.: Otto Wels. .Karlshorst. Heute abend 8 Uhr bei Poser, Dvnhoffstratze: Mtgliederversammlung: Vortrag über ein sehr aktuelles Thema. Erst- malige BüchcrauSgabe. Wir bitten dringend, weitere geeignete Bücher für die Bibliothek mitzubringen. Mus aller Welt. Zulassung weiblicher Rechtsanwälte i« England. Trotz de« lebhaften Widerspruchs des Obersten SordkanzlerS, Lord Finlay. hat das Oberhau» daS Gesetz«ngenommen, da» die Frauen zur Ausübung des Berufs als öffentliche Notare und Rechts- anwätte zuläßt. Der Beschluß deS Oberhauses bat in England großes Aufsehen erregt und wird als ein Triumph der Frauen- rechtler angesehen., Ein Großscuer zerstörte, wie aus Essen gemeldet wird, die Maschinenfabrik Wolkenborn w Langenberg. Bei der Explosion der Pulverfabrik Bauchet sind, wie die Pariser Blätter melden. 2 Personen getötet und 17 verwundet worden. Die ganze Fabrik ist zerstört. Fünfzig deutsche Flüchtlinge aus Kamerun sind mit dem Dampier Eataluna am Donnerstag in Cadix angekommen. Der Dampfer wurde unterwegs von einem französtichen Kreuzer aufgehalten. Hundert deuische Flüchtlinge wurden in Fernando anS Ufer gesetzt. 1300 Mark für ein Schwein. Ein Landwirt in einem han- noverichen Dorfe hatte ein Schwein im Gewicht von etwa ändert- halb Zentnern geschlachtet und das ausgenommene Tier im Freien aufgehängt. Während cS am Türpsoslen des Hauses hing, kam ein Automobil mit zwei Herren vorbei, die angesichts des fetten Blatens sofort Halt machten und für die Ueberlassung des fette» Schweines den bübichen Betrag von 599 Mark boten. Der Besitzer wollte zu- nächst von einem Verkauf nichts wissen, die Kauslustigen ließen sich jedoch nicht abweisen und erhöhten das Angebot am 1999 und schließlich auf 1500 Mark. Diesem Preise konnte der Landwirt nickt widerstehen. Die Käufer zahlten daS Geld und fuhren mit dem Schwein w schnell davon, als fürchteten sie. ihre.Beute" wieder herausgeben zu müssen.— In diesem Falle scheinen die Käufer an dem Wucherpreise mehr schuld zu sein als der Landwirt. Sriefkasten der Redaktion. V. W. 18. 1. An weichein Tage diese Höchlwrciie sestgesetzt wurden, können wir im Augenblick nicht feststellen. Das ist für Ihre Sache aber auch ohne Bedeutung, da Sie nur als Zeuge geladen find, und die An- klage die StaatSanwallschaft vertritt, 2. TaS wird nicht nötig sein aus den vorilebend angegebenen Gründen.— Th. Biir. 1. Sie unterilehcn dem Hiljsdienstgesctz und müßten sich melden. 2.«Ziir äNtlicheS Attest würde Sie in diesem Falle von der Dienstpflicht bcireien.— Hans IVO. Schaden- ersatz wird nicht geltend gemacht werden können, da den Hauswirt fem Verschulden trifit. Ter Schaden entstand durch ein unabwendbares Natur- ereignis.—®. B. 003. Bei Verheiratuug der fliiegermitroc beträgt die Kapitalabfindimg bis süns Sechstel des dreifachen Betrages der Kriegs- Versorgung; d. b. sür die Wüwe eines Gemeinen bis zu 1900 Mari.— Stephan. Spandau. 1. Wir halten die Entziebung der Unterstützung sür unberechtigt. 2. Beschwerde muß beim zuständigen Landralsamt, nachdem beim Regierungspräsidenten eingelegt iverden. 3. Das Recht aus Unterstützung muß schon jetzt geltend gemacht werden, nicht erst später tentOT Metailarbeiter-Veriiaoil Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Miiglied, der Dreher (jusisv Mickley StrauSbergcr Sir. 7 am 26. Februar gestorben ist. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schraubendreher Otto I�sckaw am 28. Februar gestorben ist. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Graveur Otto>Va8aer Neukölln, Allersw. 45 am 26. Februar gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k 131/6 Tie Qrtsvcrwnltung. VerwiIllel'Lemeiiiiie'ii.MtZ' arbeiter, Filiale GniB-Berilii. Den Mitgliedern geben wir biennii Nachricht vom Tode des Kollegen Otto Seklüter von d Berliner Straßenreinigung. Ehre seinem Andenke» Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle der EliaS-Gemeinde, Berlin- Nordend, Blankenfeldcr Str. 6, aus statt. Um rege Beseitigung bei der Bestattung deS Kollegen ersucht 36/1 Die Ortsverwaltung. Dentselier Transportarlieiter-Verlianil. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Nachrufe. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rollkutscher >Vilke!m keiämsan am 22. Februar im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener �osepk �iseker am 25. Februar im Alier von 25 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fensterputzer Ksr! Bartz von der Firma.Berolma" am 28. Februar im.Alter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Hiermit die traurige Nach- richt, daß unser Herzens- guier, einziger Sohn und Bruder Fritz Hennig im 21. Lebensjahre als Opfer deS Weltkrieges am 14. Januar 1917 zesapen ist. 1S71b Die tiefietrübten Eltern Julius Kennlg. Emilie Hennig gek. Küssow Margarete Hennig • als Schwester, WaidmannSlufl. Ruhe sanft sir Feindesland. Fern von der Heimat fiel a!§ Opler dieses Weltkrieges am 16. Februar, abends 1t Uhr, aus Posten im Kainpsgrabcn stehend, von einem feindlichen Maschinen- gewehrgeichoß gewoffen, nach l1/, Jahren schwerer Kämvse und Strapazen, im Alter von 45 Jahren, mein Weber, guier Mann, miler herzensguter Datier, her Land- sturmmann' Willi Abesser Landwehr-Jnf.-Reg. Nr. 77. In namenlosem Schmerz zeigen dies an Tie tiefbetrübte Gattin ZAitwe.AlwJiie Abesser Wiener Str. 54 nebst 6 unmündigen �Kindern, Bruder, Schwestern. Schwägern, Schwägerinnen und Schwicger- mutter.+5 Daß Du von uns gegangen bist, Ich kann eS noch nicht lassen; Und alles soll zu Ende sein, Was wir verein« geschaffen. Wie.hattest Du gesorgt, geschafft, An Dich nur stets zvlehl gedacht; Gingst nun so früh zur Ewigkeit— DaS bergen die paar Worte sür tiefes, tiefes Leid! ferbani] der Eopfersehmiede Dcntwchlands. Filiale Berlin. Am 2. März verstarb nach kurzem Krankenlager unser Mit- glied, der Kollege Mred Hiller im Alter von 44 Jahren an Lungen kaiarrh. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 7. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des alten ThomaS-KirchhofeS tn der Hermannstrage aus statt. Um rege Beteiligung bittet Her Eilialverslanp. Am Sonnabend, den 3. März, verschied nach langem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegcr- und(Kroß- mutter 1973b Luise Nespital geb. Scgep im 81. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitte! im Namen aller Hinterbliebenen J dIIvsm Xeapltnl. Die Beerdigung findet am Mitt. woch, den 7. d. M., nachmittags ü'/f Uhr, aus dem Siädttschen Fnedhos in Friedrichsselde statt. Spezialarzf Dr. med. WoekenfaB. Friedrichstr. 125(Oranienb. Tori, für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Enrlich-Hata-Kur(Dauer 10 Tage), Blutuntersuchung. Sehnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- 215/10*] Störung. Teilzahlung. Sprechstuniien: 11— 1 und 6— 3. Gl uhpunsch und Grogextrakt alkoholfrei von feinwüraipem Axomn und krifti�am Ge- sehmnok, kein Zueker nötig, nur 1 Teil mit 2 Teilen heißem Waeser E/,-Ltr.-Orlg.-/l. 1,75. Lose Liter 2,00 M. Bei Mehpentnahme billiger. Otto Reichel 43, Elsenbahnstr. 4, gr 64-i9iT UtitggfrflKmiggMatt öes Vorwärts Sauer unö Sojar. Bon A. B l a b u d n. Miron ging, leise vor sich hinmurmelnd, zum Gutshof. Er tnollre den Herrn noch einmal fragen, ihn hübsch bitten, daß er es ihm auseinandersetze. Tenn er sei dumm und könne es nicht be- greifen, warum er inimer noch in den Schulden stecke, die er vor drei Jahren gemacht habe. Tainais hatte er vom Gutsherrn zloer Goldstücke und eine Dtaß Mais entlehnen müssen, um durch den Winter zu kommen. In seinem Kopf standen wie auf einem Kcrbbolz die Arbeitstage verzeichnet: die vielen Morgen Ackerland, die er bestellt, geschnitten, die Maisfelder, die er gehackt hatte. Unendliche Flächen harte er gearbeitet, er, seine Frau und feine Tochter. Und was war für sie dabei herausgekommen? Nicht einmal ein paar lumpige Franken hatte er erübrigt, um vom Gerichtsvollzieher loszukommen, der nun den gelben Steuermahnzettc! an die Tür geklebt hat. Er rechnete von neuem alles durch. Es erschien ihm sehr merk- würdig: Nach Reckt und Gerechtigkeit hätte er sogar etwas bekommen müssen und wäre nichts mehr schuldig. Trotz alledem, wenn der Bojar das Buch aufschlug und es schriftlich zusammrechnetc— kam es ganz anders heraus. Erst heute morgen haben sie aus Leibeskräften gerechnet— der Bojar und der Inspektor— und was war das Ergebnis? Er, der Miron. sei dem Herrn noch schuldig: zwei Morgen Land zu ackern, einen Hektar Maisfeld zu hacken und dreißig Tage Fron... .Na. hast Du es jetzt begriffen, Gevatter Miron?" „Hab'S begriffen, aber..." „Siehst Du. daß eS stimmt?" „Es stimmt, aber.. Als er nach Hause kam und sich die Sache auf seine altväterische Art überrechnete, sah er, daß es durchaus nicht stimmte. „Geh, Mann, faß Dir ein Herz, laß Dich nicht mit Worten ab- speisen. Wie in des Teufels Namen wär's denn nwglich? Wir trinken nicht, wir faulenzen nicht, viele Münder satt zu machen haben wir auch nicht— nur eine einzige Tochter, die wie ein Mann im Hause arbeitet.... Auf was soll denn all unser Erarbeitetes auf- gehen? Denk nur, morgen ist die Steuer fällig und nicht ein roter Heller im Sack... Der Mensch pfändet uns noch die Asche vom Herd... Und unsere arme Kuh Dumana ist vor Schwäche trocken geworden, die Knochen stehen ihr schon durch die Haut. Heut' früh Hab' ich vom Dach was abgeriffen, nur um ihr eine Handvoll Stroh zu gebe«. Womit sollen wir sie durch den Winter bringen?" Natürlich wäre Miron nicht noch einmal zum Gutshos zürück- gekehrt, wenn ihm diese Worte nicht wie ein Mühlrad im Kopfe herumgegangen wären. Vereinzelt fielen, wie weiße, durch die Luft getragene Blüten, die ersten Schneeflocken vom Himmel. Das ganze Dorf schien zu schlafen. Hin und wieder hörte man ein langes Muh, das wie klagend durch das traurige Schweigen des Tals widerhallte. „Nun also vorwärts. Auf gut Glück, was auch geschehen mag!" Und so stand der alte Miron wieder wie am Morgen an den Türpfostc» gelehnt, drehte verlegen die Mütze in der Hand und wußte nicht, wie er die Sache beginnen sollte. „Nanu? Was fehlt Dir denn noch?" „Joch wollte noch einmal, gnädiger Herr � Immer noch wegen der Abrechnung..." Er schwieg und heftclc die Augen auf die Mütze. Der harte, grausame Blick des Bojaren hatte ihn erstarren gemacht. „Was? Was stammerst Du da? Ich weiß nicht, was Tu willst." „Ich küß" Ihnen die Hände, gnädiger Herr, und bitt' um Ber- zeihung... Aber... sehen Sic mal, wir können nicht lesen und schreiben, und wenn Sie die Güte hätten, die damalige Schuld noch einmal durchzurechnen... Sehen Sie, ich bin so arm und brauch' es so nötig... und es steht so zum Gotterbarmen mit uns.. „Also das ist's. Na, dann sollst Du mal sehen.. Und der Bojar stand auf. zog heftig an einer geflochtenen .Klingelschnur, die über dem Bett hing. TaS Mädchen stürzte erschrocken herein.„Ruf Kostaki." Wütend, die Hände in den Taschen, ging der Bojar auf und ab. Miron drehte gesenkten Auges die Mütze in der Hand und rechnete � Der Polizeimeister. Ein russischer Polizeiromau von Gibrtzel« Z«p»lsr«. „So machen sie es alle, vom Polizeikommissar an3 gefangen! Bei uns in Liiauen ist eS dasselbe. Aber ich glaubte, daß in Russisch-Polcn mehr Ordnung herrscht, doch ich sehe, es ist genau das Gegenteil. Heute nacht zum Beispiel! Sodom und Gomorrha!". „Warum wollten Sie mir denn nicht helfen, die Canaille, den Polizeimeister, für seine Schandtaten zu bc- strafen?* Der Litaile breitete die Hände auseinander. „Lieber Herr," sagte er gutmütig,„wozu soll ich mich kn solche Angelegenheiten mischen. Ich habe erst unlängst geheiratet, habe ein kleines Kind... Wie darf ich mich in Gefahr begeben? Mein Name ist Montwill, aus Brschesk", stellte er sich vor. „Klitzki 1° Sie reichten sich die Hände. Klitzki fiel Montwills lange, männliche aristokratisch ge- formte Hand auf. Sein Interesse erregten auch die seltsamen. grauen Augen des Litauers, in denen ein eigentümlicher Aus- druck lag. „Ich reise nach Dien," erzählte Monilmll weiter,„um dort einen Arzt wegen meines RheuniatismuS zu konsultieren. Gicht taucht für einen Landmann nicht. Außerdem paßt es sich für einen jungen Ehemann auch nicht, immer zu stöhnen." Er sprach mit Heller, reiner, angenehmer Stimnie. Klitzki hörte ihm zu und war ihm dankbar, daß er ihn durch das Gespräch von seinen Gedanken ablenkte. „Wohnen Sie in Krakau?" La!" erwiderte Klitzki, Montwill wurde ernst. „Eine herrliche Stadt!" sagte er mit fast ehrfurchts- vollem Ton.„Das Herz eines jeden Polen hängt an ihr. Wenn ich dort wohnte, würde ich jeden Tag nach dem Wewel, dem Mausoleum, gehen. Ich lvundere mich, wie leer es war. als ich es aufsuchte. Ich bin sicher, daß es unter euch welche gibt, die niemals hingehen. Das ist eine Schande. Man schöpft Mut aus den heiligen Erinnerungen. Meinen Sie mchtauch?" im Kopf von neuem. Das Metzgeryesicht KostafiS, des Inspektor?, zeigte sich im Türrahmen. „Hör' mal, er bm's immer nocki nicht begriffen. Bring' ihn aus die Kanzlei und knöpf' ihm den Verstand mal aus." Kostati machte Miron ein Zeichen, ihm zu folgen, lind in der Kanzlei fragte er ihn kurz:„Was willst Du?" Ließ ihm aber nicht Zeit zur Antwort, sondern schlug ihn so über den Mund, daß ibm das Blnt hcrauSspritzte. Nach einigen weiteren Minuten der Abrcch- nung schleifte ein Knecht den alten Miron zum Hos hinaus und warf ihm die Mütze noch über die Zauntür nach. Der arme Miron torkelte wie ein Betrunkener, ohne Kopf- bcdeckung, mit zerzaustem Haar, das Hemd auf der Brust ausgerissen und mit Blut besudelt. Zuerst wandte er sich dem Schulzenamt zu — aber auf halbem Wege besann er sich eines Besseren und schlug die Richtung nach Hause ein. Sasta blieb wie versteinert, als sie ihn sah. Mnrincka fing laut zu jammern an. „Aber wnö ist denn geschehen, Miron?!"— „Was soll geschehen sein, Frau? DaS ist des Bojaren Abrech- nung... Der da oben mag's ihm verzeihen..." Di- Nacht bricht an Beim flackernden Licht einer tletti-n lln- schlittkerze setzen sie sich um den kurzbeinigen, mjdcn Tisch. In ihren erloschenen Augen, auf ihren vergrämten Gepchtern liegt Ver- zweiflung. Seufzend teilt Sasta ein Stück kalter, dicker Maisgrütze in drei Teile. Aus dem Tisch steht m Schüsselchen, in dem noch ein kleiner Rest des mit Knoblauch vermischten Oels ist. Aber keiner taucht sein Stück Maisgrütze dort ein, wie auch keiner einen Laut von sich gibt. Der Wind faucht durch den Schlot. Draußen schneit es fort und fort. Die Kuh brüllt vor Hunger in ihrem Holzvcrfchlag, der scheckige Hund heult am Tor, daß es jammervoll durch die weite Ocdc dringt. » Diese kleine Erzählung, die rumänische Zustände besser be- leuchtet wie lange Abhandlungen, steht in dem eben bei Georg Müller in München erschienenen Buche:„D i c Fäulnis Ru- mäniens" im Lichte rumänischer Dichter und Schriftsiellcr. Mite Krenmitz, wohl die beste deutsche Kennerin Rumäniens, die als Frau eines leitenden deutschen Arztes lange im Lande lebte und die genaueste Einblicke getnann, hat die Dokumente gesammelt und übersetzt. Hermann Kwnzl hat sie jetzt aus ihrem Nachlasse herausgegel'cn und mit einer über die rumänische Fassadenpolittk und die imrerlichc Korruption sowie auch die rumänische Literatur gut orientierenden Einlertung versehen. Anschauliche Bilder aus dem rumänischen Volksleben werden von unabhängigen rumäni- scheu Tichtern aufgerollt. Besonders Vlebutza und Caragiale, der zuletzt in Berlin lebte, sind trefflich vertreten. Majorescu und Caragialc schildern zudem in besonderen Aufsätzen Rumänien, wie es war und ist: eine pariserisch aufgeputzte Dekoration, hinter der ein ungeheures Elend lauert, ein phrasenhaftes öffentliches Leben, das die schamlose Entrechtung des Volkes und die frechste Geschäfts- Politik nur mühsam verhüllt. kapßler und die Volksbühne. Friedrich Kahßler wird im März 1948 die Leitung der Volks- bühne übernehme». Ueber die künstlerlichen Pläne und die sonstigen Aenderunaen. die mit dem Wechsel der Leitung eintreten werde», hat die Neue Freie Volksbühne, die allein über ihre Bühne zu entscheiden hat, bisher nicht? an die Oesientlickkeit gelangen lassen. Wohl aber hat der Schaulpiclreserent der„Franks. Ztg." seinem Blatte darüber allerlei Mitteilungen zukommen lassen. Wir geben sie hier, ohne ihre Richtigkeit im einzelnen nachprüfen zu können. weiter. Dr. Heilborn schreibt: „Zu der Aufgabe, die seiner harrt, erscheint Äayßler als der rechte Mann. Wie etwa? Kraftvolles, Gradliniges in seiner dar- stellerischen Art ist, so traut man ihm die Energie zu, sich durch- zusetzen. Daß er eS»ersteht, entwickeliingsfähige schauspielerische Kräfte an sich zu ziehen, bat er im Theater an der Königgrätzcr Straße bewiesen. Daß ihm künstlerische Darstellung, nicht AnSstattungS- Wirkungen daS Wesentliche ist. weiß man. Die Wahl aller HilfS- kräste, auch die de? Dramaturgen, bleibt ihm vorbehalten. ES spricht für Kayßler, sollt« ich meinen, daß er sich auSbedungen bat, an den Sitzungen des künstlerischen Beirais der Volksbühnen „Gewiß!" erwiderte Klitzki.„aber so schlimm ist es nicht... auch wir denken an unseren Wamel." „Es wäre auch schlimm,»venn Sie es ganz vergessen sollten! Aber sagen Sie." fuhr er nach einer kurzen Pause fort,„was für einen Nutzen haben Sie von dem Aufenthalt in diesem Hundeloch gehabt?" „O. ich habe in diesen wenigen Tagen eine Menge ge- sehen", enviderte Lklitzki lebhaft.„Man würde nicht glauben, wie es dort zugeht!" „Wovon sprechen Sie?" „Von der Staatsverwaltung der Kleinstädte im Weichfei» gebiet. Da sind Straßenraub, kleinliche Schikanen, die die stärksten Charaktere brechen können." Montwills Augen begannen unter den langen Wimpern zu blitzen. „Ja. ja," bestätigte er,„ich habe es auch bemerkt. Die Polizeibeamten scheinen dazu angestellt zu sein, die Augen vor allem Ueblen, das geschieht, zu schließen." „Die Augen schließen sie." sagte Klitzki bitter lachend, „aber die Häride halten sie zu Schmiergeldern weit offen. Ja. ja! Dieser Tagejew ist ein.Wzjatotschnik'*) erster Sorte. Er zieht den Menschen die Haut ab, läßt sich jeden freien Atemzug bezahlen und verfügt über eine ganze Räuberbande, die in seinen Diensten steht. Ich will Ihnen einen Fall er- zählen.' Montwill rückte erregt näher und bot Klitzki eine Zi» garre an: „Ich bin ganz Ohr. lieber Herr." Klitzki geriet in Eifer und erzählte ausführlich den ganzen Vorgang mit den Spitzbuben, die Geschichte mit Horskis Schild und den Grund, weshalb Tagejew seinen Zorn an Rosa Montag ausließ. Montwill hörte mit größter Aufmerksamkeit zu. Als Klitzki zu Ende gesprochen hatte, fragte er: „Haben Sie gesehen, wie der Spitzbube das Geld mit dem Polizisten geteilt hat?' «Ja!" „Und das Schild... Haben Sie gehört, daß Tagejew hundert Rubel für die Erlaubnis zu einem neuen verlangt?" „Jawohl! Dafür haben sie wich ja heute früh nach der Kanzlei geführt und mir besohlen, sofort abzureisen." „Wer hat Ihnen diese Verfügung gemeldet?" „Markowski heißt der Mensch, eine Kreatur Tagejews!" „Sie hatten kein Recht dazu!" *] Bezeichnung für bestechliche Beamte. teilzunehmen: die Wahl der Stücke kann und darf ihm nicht gleich- gültig sein. Die Volksbühnen aber werden sich nitter Kayßler? Leitung, so steht zu hoffen, reich genug auf ihr gutes alles Programm besinnen. Man fordert Stücke mit möglichst breiter volkstümlicher Wirkung. bei entschiedener Abwechselung des Programms und unter Einschluß des leichieu Genre«. Lebende deutsche Dramatiker sollen auf der VollSbühne eine dauernde Stätte finden. Fremde Dramatik— Kayßler hat eine ausgesprochene Vorliebe für Strindberg— soll durchaus nicht ausgeschlossen sein. Dies Programm zu verwirkiicheu, mußten die Tantiemen erhöht werden, wozu der Vorstand seine Einwilligung erteilt hat. Damit sind die Schwierigkeiten aber noch keineswegs behoben. Die Höhe der Mitgiiederzahl der Freien Volksbühnen ist so. daß bei täglich gefülltem Hause ein neues Stück nur eine sehr beschränkte Anzahl von Aufführungen erleben kann. Ein Bübnenersolg ist also nicht auszunutzen. Darin liegt etwas Lähmendes siir den künstlerischen Leiter, hier mußte der Vorstand Entgegenkommen zeigen. Man wird also fortfahre», an Sonntagnachmiitagen an aiideren Theatern Vor- stelluiigen zu geben, das eigene Theater aber dem Bühnenleiter zur Friichtbarmachnng seiner Erfolge für bestimmte Wochentage über- lassen. Ein Kompromiß, das für die Eigenart der Berliner Theatervelhältnisie und-bedürfnisse gewiß nicht uncharakteristisch ist." lkin hunücrtjahrjublläum des Selens. Es war vor hundert Jahren, die neugeschaffen« Wissenschaft der Chemie erlebt« gerade ihre erste Jugendblüte, da entdeckte der bc- rnhinte schwedische Chemiker BerzeliuS unter zahlreichen anderen Elementen auch daS Selen. Die Emdeckmig fiel damals nicht weiter an-, sie war ein« unter zahlreichen aiideren, die da" glänzende Et- gebniö der damals beginnenden planmäßigen Erforschung der Natur bildete, und so führte den» das in die Zahl der Elemente eingereihi: Selen zunächst ein gewissermaßen verborgenes Dasein, ohne sich durch irgendwelche ihm allein eigentümliche Eigenschaft bemerkbar zu machen. Da machten May und Villouahby im Jahre 1878 die Entdeckung, daß dies graue, kristallinische Selen die höchst merkivürdige Eigenschaft der Lichtempfindlichkeit habe, eine Entdeckung, die'in der ganzen wissenschaftlichc» Welt das gröxte Aufsehen erregte. Denn Lichtempstndlichkcit war bislang»ur an organischen Körpern und eimgeii anorganischen Verbindungen wie Cblorsilber uiw. beobachiet ioorden, niemals aber an einem Clement. Atter die Nachprüfung, die aller Orten eifrig vorgenommen nnirde. ergab die zweifellose Richtigkeit der Beob- achtung. Besonders eigenartig war noch die Art und. Weise, wie sich diese Lichtempsindlichkcit äußerte. Während Pflanzen nud Tiere aus Lichteinwirkung im allgemeinen durch Bewegungen, chemische Verbindungen durch Zersetzung reagieren, blieb da? Selen äußerlich ganz unverändert, dagegen veränderte es sofort sprungweise seine elektrische Leitfähigkeit. Im gewöhnlichen Zustand ein recht schlechter Leiter der Elektrizität, wird es bei Belichtung sofort zu einem guten Leiter. Ilnter denen, die diese Entdeckung besonders inierestiert« und die ihr weiter nachgingen, befand sich auch Werner Siemen?. Im Jahre 1875 unterbreitete er der Akademie der Wissenschaften einen vor- läufigen Bericht, der schon mehrere bemerkenswerte Einzelheiten cn" hielt. Sein praktischer Blick hatte sofort die Möglichkeit ins Auga gefaßt, mit Hilfe des SeleuS ein objektives Photomewr zu kon- struieren, im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Methoden der Lichlmessnng. die völlig auf subjektiver Schätzung'' beruhte». An die Stelle dieser Methode» und de? damals fast ausschließlich angewendeten Sunsenschen Fettfleckpholomcters, der erhebliche subjektive Fehlerquellen zuließ, wollte nun' Siemens die Messung der Stärke des elekirischea Stromes setzen, der von einem Selenplätichen vor und nach der Belichtung diirchgelassey wurde. Leider erwiesen sich dafür die Eigenschaften des Selen» nicht als hinreichend gleichmäßig, und so find wir heut« noch bei der Lichtmesiung aus SchätzungSversahren angewiesen. Aber für »in« andere Aufgabe erwies sich das Selen als höchst geeignet, und hier trugen die Siemenöjchen Arbeiten reiche Frucht. DaS ist d r e elektrisch« Bildtelegraphie. Dies« ist ja«amentlich durch die Arbeit beutscher Gelehrter zu einem bedeutenden Grade der Vollkommenheit gebracht worden und läßt neck weitere, wesentliche Fortschritte erwarten._ Rottze». — Ä u n si ch r o u i k. Dir Bibliothek deS Kunstgewerbemuseum! ist wieder geöffnet und zwar v»u 10—8 Uhr. „DaS habe ich mir anch gedacht? Aber da ich noch öfters nach dem Städtchen fahren ivill. lag mir daran, es mit ihnen nicht zu verderben." „Sie wollen lviedcr in dieses abscheuliche Rest zurück?" fragte Montwill erstannt. Klitzki lächelte: „Ja! Das ist ein Geheimnis!" „Wohl ein HcrzenSgeheimniS?" „Kann sein!" Haben Sie Fräulein Horsti nicht ui Zakopane kennen gelernt?" Klitzki wurde verlegen, aber er erwiderte ehrlich: „Ja. Woher wissen Sie das?" „Oh. ich habe Bekannte im Städtchen. Sie ist ein reizendes Mädchen, llnd ihr Bnider ist ein ttichtiger Bursche. nicht wahr?" „O, ja!" „Haben Sie ihn erst hier kennen gelernt?" «Ja." „Er hat Sie mehrere Male im Hotel besucht?" „Wir haben uns befreundet, er ist esst interessanter, intelli- genter Junge, der sehr vernünftig über das Leben denkt." „Aber trotz ihrer Vernunft sind die jungen Menschen Hitzköpfe. machen sich Illusionen und sinnen ans Umwälzungen, genau so wie wir in unserer Jugend, nicht wahr?" Klitzki zuckte mit den Achseln. „Ich habe das nicht getan, nnd von der heutigen Jugend weiß ich überhaupt nicht viel." „Ueber den jungen Horski können Sie sich doch aber au? allem, was er Ihnen anvertraut hat, ein Bild machen. Wie denkeit Sie über ihn?" Ein seltsames Gefühl bcfchlich Klitzki. Montwill beherrschte ihn und schien ihn init dem Blick zu hypnotisieren. Klitzki fühlte sich beklommen und zog sich vom Fenster zurück. „Es zieht!" sagte er. Montwill änderte sofort seine Taktik. „Ich frage nicht aus Neugier, lieber Herr, die Sache. interessiert mich." redete er gutmütig,„ich habe nämlich auch einen Bruder, der daS Gymnasium besucht und ziehe gern Vergleiche zwischen den jungen Leuten." Rasselnd jagte der Zug dahin. Graue, traurige Felder zogen vorüber und vereinten sich am Horizont mit dem gleichfalls grauen Himmel. Hier und da ragte ein einsamer. kahler Baun: empor. Das flache melancholische Land wurde nur zuweilen von dem glänzendem Spiegel eines Tümpels unterbrochen. Forts,(folgt. Brre&MOB k'iis Se liibajf dt; Denlsches Theafer. 7 Fhc: Othello. Sammersplele. T'.'s Uhr: Was Konzert. Yolksfeniise, ISÄ TV. L'br: Oer KSUvi-pclz:. Tfieafer I. d. Könlggrätzersfr. Dir. C. Kemhard— R. Bernauer. TU. übr: L'rstjtelst- Komödienhaus V'/z CTir: Die vertereee Tcchter. OerSmsr Theater 7» übr: IMe tolle KomfeK, LsssinS'Tdsstsr. Direktion: Viktor Bsmowsty. lÄMele: 0lv SOPin«. Mittwoch, Donnerstag; Die Serie«. ßeutseh. Künstler-Theater. Allabendlich 7'/» Ohr: Die beiden Kllnyohepc. URANIA T"YÄtr* 4 Übr ihalbo Preise): im U-Boot gegen den Feind. 8 Dhr: <5 eh. Rat Prof. Dr. Walther: Das Erwachen des Lebens auf der Erde. Theater für Dienstag, 6. März. Deutsche» Opernliaiis.Cbarlottcnh. 7 übr; 016 KÖBip WJ] ZSbO. FriedriciiAVilhelmaiädt. Theater. 77, u.: Das Drelmäderttiaos. «efv. fiermfeid-Thcnlcr 77, D: DcrSt«!» der Jfamllte Kleines Theater 6 übr: im Teetisch. Komische Oper 77, übr-, Oer Püszta-Kavaifer. Mittwoch, den 7.3., Urauffährung: Die Deae Sir. JI»Jeatat. Lustspielhaus 77, tr.: Die sohöne Kitfosnerm, Metropol-Theater vis Csardasfflrstin. Neues Operettenhaas ScLifibd.4a. Kawentel.: Kord. 381, 77. u.: vor Soldat der Marie. Realdenx-Theater. �;Die Warschauer Zitadelle. Sehfller-Thenter O. 77, Uhr: Gijtl ¥00 SehlHer-Th.Chaplottenbc. 77, übr: Die Kammer wähl Tbalin-Ttaenter. 77« v.- Das Vagahundemnädel. Theater am Xalleadarfpl. 37, übr: daffendfreande. 77-übr: vis Gulaschkanone. Theater des Westens vuv.: Die Fahrt ins Glflck Triaae» Theater 7v, u.: Gil Slik Hedwig acht. Clrcws m Busch. Dienstag, den t. März 1017, ' abonds 7% übr: Jßlel- f�T! iMk»ß der bei tägl. sidi ÄCißeiBde« Besuche mit staunender Be- wundsruux is. stünuisehor Begeisterung in bzene gebende« Hiasef-PraehMTasäer-Pantomime DieversuRkeosStatit Vorher da» neoo Käriprogimmw: ?! KexikaßiSEiie Lpiehjoslii?! Sensatlaoft-Akt des BiskönigE Tom Jaok. 3 Msinikes, t erwog. Luftleiter- Afcroboten». hob. Schiffsmast. 3 Goschw. Delius, Kraft- Akt. J liäal-üieÄ«srar Üitudentcnliehehen. ibimtibmg jür 1—4?Rcr(onnt; Uatietl..... 1.— 1 Crlfftev�Seflfl l'.lsj W°ch«n1azd 7oe«n...... 3,30) Lsrvcrkatti 10—3, ab 6 Ut*- TSsnnabenb n.©enntng SO Pf. moör, SsbsL IjSgl. 7':u Sonnt. SV, u. 77, Die neue Revue; Zirkus A. SchumaRR Einlaß 7 übr. Anfang?"/, Uhr. Heute und tägUch Das neue Mära-Programm. VIamsaA dse onentali- /«»Seuai«ehe Wunder! Adelt a. Ceeo die beliebten SpaSmaeiwr. Anfipodea- Spiele mit Uondea. 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