c 5 Pfennig) Montags ausgase( pksnnis) Ur. 70. ÄbonncmentS'Bedlngiingen: C&omiemeiüä< VreiZ tränumetotio: Sierteljährl. 3,90 Mk. monall. ILO Mi. wöchentkch SO Pfg. frei inZ Hau» Einzelne Nummer s Pfg� Eonmag». nmnmer mit illuinacrier Eonnlag». Hellage.Die Neue Welt' lO Pia. Post. tfonncmenl- ILO Mari tco Monat, Eingetragen m die Post. Zeitung», Prersillie Unter Kreuzband für Deutichland und Oeilerresth- Ungarn 210 Mark, für da» übrige Susland 4 Mari vro Monat, Poslabonnemems nehmen an Selgien. Dänemari. 'olland, Italien. Luxemburg. Portugal. —'mra. Schweden und die Schweiz «»eil« lag!!«. 34. Jahrg. 1 Die fnlertions-Gfbflhr betrigl für die lechsgeihallene Kolonel. »eile oder deren Raum 60 Big. für polililche und gewerkichaftliche Berem«. und Pcriainnünnngs.ilnzeiqen»0 Big, �Steine Hnrcigcn", das ictigcdrulkte «ort 20 Big, izuläfstg 2 ietlgedruiit- Worte), iedeS wiitere Wort 10 Pfg, Etellengciuch« und Schlafstellenan- zeigen da» erste Wort>0 Big,, jede» wettere Worth Big, Worte über tSBuch» Naben zählen iür zwei Worte Anierat« für die nächste Rümmer ntüiien bi» S Uhr nachniittag» in der Exvedltion abgegeben werden Die Erbeditio» ist bi»? Uhr abend? geöffnet. Telegramm.Adreste: „Soilalgemgllr« still!»", �entralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfchlands. Neöaktion: SW. S8, Linöeaftraße 3. .vernsprecher: Amt Moritivlal». Rr. l5l»V— lSl S7. Montag, de« Vi. März 1917. Cxpeöition: SW. HS, Linöenstraße 5. Kernsprecher: Amt Mortvplatz, Nr. löl 90—151 97 ]V«ue Kampfe gegen Robe 185. Im Vorfeld an der Anere-Front— Feind- liche Vorftöhe zwischen Avre und Oise— Neue Anstürme gegen Höhe 185. Amtlich. Grohe« Hauptquartier, den U. März 1S17. Westlicher Kriegsschauplay. Im Borfeld unserer neuen Ancre-Front ton es gestern zu lebhafte« Artilleriekampf und bei JrleS zu Jnfanteriegcfcchten. nach denen die RachhutSabtrilungcn befehlsgemäß auf dir Hauptstcllung auswichen. Zwischen Avre und Oise blieben nach heftigem Feuer ela- srtzeude französtsche Borftöße erfolglos. Zu der Champagne erueurrten die Franzosen abends ihre Angriffe gegen unsere Stellungen auf dem Siidhaug der Höhe 18ö und beiderseits der Champagne Fe. Sie sind trotz CinfatzeS starker Kräfte und erheblicher Munition überall blutig abgrwirfe« worden. Lcftlicher Kriegsschauplatz. In räumlich beschränkten Abschnitten lebte zeitweilig dir tzlefxchtStätigkrit anf. An der Mazedonische« Z�rout ist die Loge unverändert. Ter Erste Gencralquartiermeister. Lndcndorff. flbenübericht. Amtlich. B e r! i n, den 11. März 1917, abends. An der A n c r e, zwischen Avre und Oise, in der Champagne und beiderseits der Maas war die Fenertätigkeit lebhaft. Aus dem Osten ist nichts Besonderes ge- meldet. ch B * Der osterreichlfthe Stricht. Wien, 11. März. Amtlich wird»erlautbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Tic lebhaftere Artillerie« und Fliegertätigkeit hielt nament- sich in einzelnen Abschnitten der kiistcnländischen Front auch gestern au. Zu der vergangenen Nacht bewarfen italienische Flieger die Städte Trieft, Maggia, Jsola und Pirano mit Bomben. Ter Stellvertreter des ChesS des GeneralstabeS von Horser» Frldmarfchalleutnant. öerlin- Mexiko örahtlos! Hand in Hand mit der Meldung, daß weitere amerika- nische Handelsschiffe auf Sperrprobe fahren sollen, ergingen Weisungen, die der amerikanischen Presse die Freiheit, über Schisssbewegungcn zu unterrichten, verkürzten. Den deut- schen U-Booten soll die Aktion gegen amerikanische Kriegs- ladungsfahrer keinesivegs erleichtert werden. Aber damit sind noch nicht alle Möglichkeiten verstopft, daß den U-Booten dennoch Nachrichten zugehen, die man ihnen vorenthalten möchte. Die Quelle, die noch sprudeln könnte, hciht Mexiko. Gibt es ein Mittel, sie zu schließen? Es handelt stch um eine drahtlose Verbindung, die zwi- schen Mexiko und Deutschland bestehen soll und von der bis- her öffentlich noch nicht die Rede war. Als selbständiger Staat hätte Mexiko natürlich ein Recht, drahtlos mit aller Äelt. auch mit Teutschland, zu verhandeln. Aber trotzdem könnte es sein, daß die amerikanische Regierung zurzeit von derlei Selbstverständlichkeiten nicht überzeugt ist. Darauf scheinen' folgende Meldungen hinzudeuten. Washington,. 9. März. Rcutermelduug. Tie Re- gierung wurde halbamtlich verständigt, daß die Stadt Mexiko in direkter drahtloser Verbindung mit'Deutschland stehe. Eine Untersuchung wurde angeordnet. Washington, 9. März. Reutermeldung. Die Re° gierungskreise in Washington würden es für eine e r nste G e° fahr halten, wenn sich die Nachrichten über direkte drahtloseBerbinduug zwischen Mexiko und Tentsch- land bewahrheiten sollten; denn dann wäre« deutsche Ozeankapcrschiffo und U-Boote in der Lage, von deutschen Agenten in den Bereinigten Staaten genaue Einzel- hrite» über die Ausfahrt amerikanischer uud anderer Schiffe zu erfahren. Wenn die�amerikcmische Regierung sich in dieser draht- loien Sache an Carranza wenden wird, so geschieht das als- dann sicherlich nicht bloß jener„ernsten Gefahr" wegen. Wilson braucht jetzt zweifellos eine Gelegenheit, bei der sich iiber den besonderen Fall hinaus prüfen läßt, wie sich Mexiko im Fall eines deutsch-amerikanischen Konfliktes zu seinem nördlichen Nachbar stellen wird. « drei amerikanische tzanöelsschisfe unterwegs. B a s» l, 11. März. Wie der„Ncw vort Herald" erfährt, find drei weitere amerikanische Dampfer nach den Häfen der Entente. floaten unterwegs; nämlich A l g» n q u i a<2822 Tonnen), die Cittz»f Plnesta(2623 Tinnen) und der Petroleumdampfcr Illinois(S22S Tonnen!, die beidra rrsteren nach London, Illinois nach L e H a v r e fahrend. Tie genaue Abfahrt ist unbekannt, doch werden die Dampfer in den nächste» T-gc» erwartet. die im Zebruar versenkte Tonnage. Hasenverkehr und Schiffsraum. An den Tadel der englischen Wochenschrift..Truth" gegen die„künstlich aufgebauschten Statistiken", die zur Be« ruhi�ung über die U-Boots-Wirkungen in England von Minister-Rednern vorgetragen worden sind, knüpft eine längere Auslassung, die Wolffs Bureau verbreitet, folgende Bemerkungen: Man muß, wie auch die„Truth" ganz richtig sagt, daran festhalten: Der U-Boot-Krieg ist ein Krieg gegen den Handel zur See. und zwar ausschließlich gegen den Ueberscehandel. Legt man i h n zugrunbe, dann frei- lich kommt ein ganz anderes Zablenverhältnis heraus, als bei den offiziell Verloutbarten englischen Ziffern. Bor ollem muß iinnicr wiederholt werden, daß es nicht auf die Zahl der Schiffe, sondern auf den Frachtraum ankommt, der der englischen Handelsflotte entzogen wird. Mögen jetzt auch unter den Verhältnissen des Krieges mehr Schiffe kleineren Umfan- ges der Seefahrt zugeführt werden, um die vorhandenen Lücken auszufüllen, so kann man doch auch jetzt sogen, daß es wesentlich die Schiffe von lalK) bis 2000 Tonnen und darüber sind, die im Ueberseeverkehr zählen. Im Januar 1917 siiw rund 3.3 Millionen Tonnen Frachtraum in englischen Häfen eingelaufen. Rechnet man sie zu einem Durchschnitt von 3000 Tonnen, so handelt eS sich in einem Monat um einen EingangsverkeHr von 1100 Schiffen gegen rund 2500 Schiffen in der Woche nach der amtlichen englischen Meldung. Maßgebend wird aber, wie gesagt, das Verhältnis des Frachtraums sein. Schon heute läßt sich übersehen, daß die im Februar versenktr Tounage«neu Prozentsatz deS englischen Seeverkehrs dar- stellen wirfc. der auch weitreichenden Erwartungen bei Freund und Feind genügen kann. Die englischen Angäben über den versenkten Frachtraum sind durchweg falsch und bleiben wert hinter der Wirklichkeit zurück. Schwinüelnachrichten« New Kork, 6. März.(Funkspruch vom Vertreter detz W. T. B Verspätet eingetroffen.) Allmählich werden viele der Mißversiülid nisie, die dem Mangel einer schnellen und berläß lichen Verbindung zwischen Teutschland und den Vereinigten Staaten zuzuschreiben find, aufgeklärt. Da durch werden viele ärgerliche falfibe Anfickten beseitigt. Mencken der Berliner Korrespondent der»Baitimore Sun", der Gerard begleitete, halte tn Havanna eine Unterredung mit dem Kvrrespon- denten der.New York World", in der er erklärte, daß Äerard in Berlin nicht als©eise! zurückgehalten wurde, und daß es völlig unwahr sei, daß die Amerikaner in Berlin ihrer Freiheit beraubt worden wären oder unwürdige Behandlung erfahren hätten. Die ganze Verwirrung sei nur durch den Mangel direkter Nach- richten aus Amerika und den reichlichen Zustrom. schwindelhafter Rachrichten über London verursacht worden. Zeit gepuderter Perücken. Wie hohe Tagegelder die Mitglieder des preußischen Dreiklasienhauses beziehen, ob sie und wohin sie freie Fahrt genießen, ist uns unendlich gleichgültig. Die Zeit hat wich- tigere Sorgen. Die Art, wie der Diätenbeschluß des Wge- ordnetenhauses vom Herrenhaus abgelehnt wurde, kann uns nicht gleichgültig sein. Denn aus den Reden der Herren, die sich nach Beaumarchais berühmtein Wort, die Mühe ge- geben hoben, geboren zu werden, spricht ein unerträglicher Hochmut, der als schrille Dissonanz in unsere Zeit hinein- klingt. Es hieße sich selbst belügen, wenn man behaupten wollte, daß den Reden derer von I o r ck und von Buch keine Bedeutung mehr innewohne, und daß man darum das Herren- haus Preußens gleichsam als politischen Naturpark in seiner Eigenart bestehen lassen dürste. Der Einfluß dieser Herren ist groß. Er umfaßt, schlecht gerechnet, säst die Hälfte der preußischen Abgeordnetenkammer,� er drückt aus beiden Parlamenten sie a.uf die! Gesetzgebung tränkt. Ups modernen Menschen, bis weit in die Reihen des bürgerlichen Liberalismus hinein, erscheinen jene merkwürdigen Gestalten sozusagen als Gespenster. Wir können uns kaum vorstellen, daß es wirklich noch dergleichen gibt, und darum neigen wir dazu, die geistigen Emanationen jenes vornehmen Kreises nicht ernst zu nehmen. Das ist ein schwerer politischer Fehler. Die Herren, die wir uns. wenn wer ihre Reden lesen, nur mit Eskarpins und gepuderten Perücken vorstellen können, und deren Stimme uns wie der Ton der- gangener Jahrhunderte klingt, sie sind in Preußen-Deutsch- land immer noch sprunglebendige Kräfte, und stärker als sie sich bisweilen laut äußern, wirken sie ununterbrochen im stillen. Nur darum kann sich der Geist der Aorck und Buch auä, mit solchem Selbstgefühl äußern, aus dem das Bewußtsein spricht: DaS Abgeordnetenhaus ist wenig, der Reichstag noch weniger, wir sind die Herren! Nur solches Herrcnbewußtsern kann' den Satz wagen, man dürfe nicht immer von den Per- Hältnissen des Reiches� auf Preußen exemvliftzieren. man könne vielmehr mit größerem Recht eine Anlehnung des Reicheso n Preußen verlangen.(Aorck.) Nur ein solches Herrengefühl kann sich bei dem'Gedanken an die Fre,- fahrt der Abgeordneten mit der Vorstellung belustigen� wie „jeden Augenblick einer erster Klasse angefahren kommt'. (Buch unter großer.Heiterkeit.) Das ist die Sprache eines Mirbach und Manteuffel. die in früheren Jahren im Herren- haus offen für die Beseitigung des Reichstagswalstrechts durch einen Staatsstreich eintraten. Das ist die Sprache eines Herrn v. Brandenstein, der sich im selben Hause über die Br- Nutzung der ersten Klasse durch nicht standesgemäße Elemente — mit„zerlegbaren Hemden"— aufregte. Würde dieser Text und dieser Ton der Anmaßung nicht mit nachdrücklichstem Ernst zurückgewiesen werden, so tvären wir wahrlich nicht der angeblich so großen Zeit würdig, in der wir leben. � Von dieser Zeit bat man in den Entgegnungen des Regie- rungsvertrcters, der die von derRegierung beschlosseneVorlage gegen das Herrenhaus zu verteidigen hafte, wahrhaftig nichts geipürt. Der das Wort führte war«der Unterstaalssekrctär Drews. da der Minister des Innern. Herr v. Locbell. krank war. und Preußen im übrigen längst einen unauffindbaren Ministerpräsidenten besitzt. Warn m hält denn Herr V. B e t h in a n n nicht eine seiner großen Fortschritts- und Frei kpeits reden imHerrenhaus als Antwort aus die Reden der Aorck und Buch? Warum kündigt er nickt dort die Maßnahmen an. die er ergreifen will. nm„Wust und Moder"(oder hieß es gar„Unrat"?) der Vor- kriegszeit zu beseitigen? In einer Zeit, in der soviele Beispiele heldenmütiger Aufopferung für die Gesamtheit geboten werden. möchte man dem Reichskanzler nicht gern zumuten, daß er sich in seinem Verhalten von der berühmten Tochter dar Weis beit leiten lasse, und nicht annehmen, daß das jüiWi cheidemann zitierte Svldalenwort„Mehr Angst als B von ater- landsliebe I" ohne weiteres auf ihn zutreffe. Warum dann aber nicht Auge in Auge, Mann gegen Mann?...~ Herr v. Bethmann weiß genau, woran er ist. Er weist. daß nach dem Kriege der große Versuch kommen wird, dos ancien regime, das alte Regiment und Zeitalter der gepuderten Perücken, wieder aufleben zu lassen. Er weiß, daß dieser ipidergeschichtliche Versuch zum Scheitern verurteilt ist, das} er aber unabsehbares Unheil über Reich und Staat zu bringen droht. Auf der einen Seite Einsichtslosig� keit aber Kraft, auf der anderen Einsicht ohne Kraft -- das gibt schlechte Aussichten. Ter Kanzler des Deutschen Reiches trägt eine Verantwortung, die auch einen Starken zermalmen kann. Jene. treibt ihre Gesinnung, wie sie ihnen im engen Kreis ihres Burghofs zugewachsen ist. Sie sind vor der Geschichte nicht die Schuldigen. Ten aber, von dem sie sagen wird, daß er gewußt und nicht gekonnt hat, wird ihr Urteil treffen und vernichten. ** * Ein Artikel des Landtagsabgeordneten Genoffen Konrad Ha enisch über die Freitagsitzung des Herrenhauses schließt mit folgender Betrachtung: Sehr bezeichnend ist. daß Herr»on Schorlemer, der einzige Minister, der den Verhandlungen beiwohnte, mit keinem Worte gegen die Rede des Grafen Dorck Verwahrung einlegte. Wie heißt doch das lateinische Sprichwort?„Wer schweigt, scheint zuzustim- inen!" Und in der Tat kann man nicht bezweifeln, daß Graf Jorck nicht nur dem Herrn von Schorlemer, sondern auch gewissen anderen Leuten aus der S eele gesprochen hat. So wurde denn die Freitagsitzung der preußischen Granden zu einem politischen Ereignis ersten Ranges. Das Schicksal der Diätenvorlage selbst ist verhältnismäßig belanglos. Das Entscheidende sind die Begleitumstände und für die Beurteilung des Herrn von Bethmann Hollweg wird es äußerst wichtig sein, zu erfahren, ob er auch diesen, neuen Backen- streich geduldig hinnehmen wird. Duldet er auch das noch, so wird, nachdem er vorher schon die Einbringung des unglaublichen Fideikommißgesetzes stillschweigend zugelassen und nachdem er nicht die Kraft aufgebracht hat, Herrn von Schorlemer von seinem Posten \n entfernen, kein Mensch mehr an seinen ernste« Willen zur Ren- Orientierung glaube«. Mit schönen Worten sind wir von dem Reichskcmzler, der zugleich preußischer Ministerpräsident ist, jetzt wirklich lange genug abgespeist worden. DaZ deutsche und besonders das preußische Volk hat ein volles Recht darauf, nun endlich auch Taten zu sehen. So wie bisher geht eS jetzt nicht mehr weiter! Herr von'Bethmann Hoffweg mutz sich endlich des ganzen furchtbaren Ernstes der inneren Lage bewußt werden, und er muß sich auch der Rückwirkungen bewußt iverden, die diese Lage schließlich notwendigerweise auf die Stellung des Reiches nach außen hin ausüben muß. Mit dem Grafen �arck zu Wartensburg und auch mit Herrn von Schorlemer rechten wir nicht. Sie reden und handeln, wie ihre Ueberzeugung es ihnen vorschreibt. Die volle Schwere der Verantwortung trifft in diesem Augenblick allein den Reichskanzler. Was gedenkt er zu tun? | unterstützten. Um die Krisis beizulegen, begab sich der Vize»! Material fur� den eigenen Bedarf beschäftigt, während das Land Präsident Fengnotsstmg nach Tientsin, um den Präsidenten des Ministerrats zu bewegen, sein Entlassungsgesuch zurück- zuziehen. Nach einer weiteren Reutermeldung hat der Minister- Präsident eingewilligt, im Amt zu bleiben. HefangeNenbehanölung hüben und örüben. Unter der Ueberschrist„Lügen der französischen Regie- rung" teilt die„Nardd. Allgem. Ztg." mit, daß ein französischer Funkspruch wahr hei tSwidrige Angaben über die deutschen Vergeltungsmatz regeln verbreite. Der Funkspruch beruft sich auf ein Urteil des Vorsitzenden des Roten Kreuzes in Genf, Ador, der die deutschen Kriegsgefangenen im Opera- tionsgebiet besucht und sehr günstige Eindrücke empfangen habe. Tee„Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt dazu, man habe Herrn Ador wohl ein Potemkinsches Lager vorgeführt. Ueber die Verhandlungen, die zwischen den beiden Regie- rungen gepflogen wurden, gibt die„Nordd. Allgem. Ztg." einen längeren Bericht. Danach hat die deutsche Regierung durch eine Note vom 21. Dezember 1916 die französische Regie- rung aufgefordert, alle deutschen Kriegsgefangenen im Opera- tionsgebiet mindestens 36 Kilometer hinter der� Front in guten Lagern zu vereinigen und nicht näher an der Feuerlinie zu beschästigen. Für den Fall der Weigerung oder des Ausbleibens einer Antwort wurden zum 15. Januar die Vergeltungsmaßregeln angedroht. Die Note wurde der � schen Zeitungen nahm die« r st e Sitzung der neuen Session der unter Mangel an Brennmaterial leide. Viele Mühlen, die Ge- treibe genug zum Mahlen hätten, müßten den Betrieb wegen Mangel an Brennmaterial einstellen. Wegen Mangels an Beleuchtung seien nach Sonnenuntergang die Städte und Dörfer in ganz Rußland in tiefstes Tunke! gehüllt, wodurci die kostbare Arbeitszeit verkürzt werde. Trotz aller Versicherungei der Regierung sei eine Besserung in den Zuständen noch nicht ein getreten. Ter tiefe Abgrund zwischen Regieruns und Volksvertretung sei der wahre Grund deS jetzigen Zu jtandes der Auflösung, der die Lebcnsinteressen des Landes bedroh und das Bestehen des Reiches untergrabe. Gutschkow forderte icklicßlich eine Antwort aus folgend Anfrage: Welche Maßnehme» gedenkt die Regierung zu ergreifen um dem vollständigen Verfall des Verkehrswesens vorzubeugen un die Versorgung deS Heeres und Landes mit Lebensmitteln, Brenn Material und Rohstoffen zu stchern. Der Beschlutz auf Zu- lassung der Interpellation zur Beratung im ReichSrr wurde einstimmig g e f a tz t. Die rusfische Presse begleitet die Besprechung dieser Sitzung mit heftigen Angriffen gegen die Regierung. „Rußkaja Volja" sagt, die Regierung könne auf diese Anfrage nicht mit Worten antworten, sondern nur mit einer einzigen Tat, näm lich ihrem Rücktritt. Wenn auch nicht zu erwarten sei, daß dieses geschehen werde, so sei es doch die Pflicht jedes Bürgers, ihn immer wieder laut zu verlangen. Nußlanös Lebensmittelnot in öer Duma. Tscheidse für das deutsche Friedensangebot. Kopenhagen, 10. März.(W. T. B.) Nach Berichten der russi- Zinnianü forüert Einberufung ües Lanütags. Kopenhagen, 11. März. Aus Helsingfors wird gemeldet, daß aus allen Bevölkerungskrejsen die Einbe- rufung des finnischen Landtags gefordert wird. Ohne Unter- itützung des Landtags könne die Lebensmittelfrage in Finnland, wie allerseits geltend gemacht wird, keine be- sriedigende Lösung finden. Sie öeutsch-chinefifchen Seziehungen. London, Iii. März. Reuter meldet unterm 6. März aus Peking: Aus näheren Berichten über.die politrsche Krisis geht hervor, daß der Präsident bezüglich der Beziehungen zwischen China und Deutschland eine vorsichtige Hai» rung einnehme und sich tatkräftig dem Beschluß des Mi- nisterrats, die Beziehungen mit Deutschland zu brechen und Maßnahmen zu ergreifen, welche sogar den Anschluß bei der Entenie in sich schlössen, widersetze. Der Präsident erklärte, daß er allein die Befugnis hätte, einen Krieg zn erklären. Als der Ministerpräsident seine Entlassung eingereicht hatte, änderte der Präsident der Republik seine Hai- hing, da fortan alle bedeutenden Politiker und die übergroße Mehrheit des Parlaments die Politik der Regierung französischen Regierung sofort nach Paris telegraphiert. Die vom 15. Januar datierte französische Antwort gelangte erst nach Berlin, alsdieGegenmaßregelentsprechend der Ankündigung bereits eingesetzt hatte. Der Jnhall der Antwort war großenteils unbefriedigend. Tie französische Regierung hat die deutsche Forderung nicht erfüllt, sondern sich lediglich bereit erklärt, die kriegsgefangenen Deut- schen 26 Kilometer hinter die Front zurückzunehmen. Dort sind sie aber vor dem Feuer weittragender Geschütze noch nicht genügend gesichert und Fliegerangristen besonders ausgesetzt. Diese Erklärung genügt selbstverständlich nicht zur Aufhebung der Gegenmaßregel, besonders da mit Versprechun- gen der französischen Regierung in Kriegsgefangenen- angelegenheiten sehr schlechte Erfahrungen gemacht worden sind. Aus diesen Gründen muß die deutsche Regierung zu- nächst die restlose Erfüllung ihrer Forderung verlangen, ehe sie die Vergeltungsmaßregeln aufhebt. Dieser Standpunkt wurde der ftanzöfischen Regierung Anfang Februar eröffnet. Dabei wurde ihr angeboten, das ganze Operationsgebiet beiderseitig von Kriegsgefangenen völlig zu räumen. Dies Angebot beweist allein, daß die deutsche Regierung die franzö- fischen Kriegsgefangenen nicht, wie der französische Funkspruch behauptet,„aus Mangel an Arbeitskrästen" im Operations- gebiet beschäftigt. Seitdem hat die stanzösische Regierung sich nicht geäußert. Der Wirrwarr im russischen Verkehrswesen. Kopenhagen, 11. März. Im russischen Reichsrat brachte nach den letzten Meldungen aus Petersburg der Präsident des Kriegs- industridomitees Gutschkow im Namen von 36 Mitgliedern des Reichsrats eins Interpellation über die Lebensmittelversorgung ein. Er richtete dabei einen sehr scharfen Angrist gegen die Re-! gierungSpolitik. Der Redner führte aus: Die bereits seit langem bekannte Desorganisation des russischen Verkehrswesens babs nun solche Formen an- genommen, daß sie drohe zu einem Staatsunglück zu werden. So wie gegenwärtig die Versorgung des Landes und Heeres mit Lebensmitteln erfolge, müsse der Krieg mit einer Katastrophe für Rußland enden. Da» auf den Lahnstationen aufgelagerte Getreide werde nicht weiterbefördert. In Sibirien seien so ungeheure Ge- treidevorrSte, daß sie jetzt von Fäulnis bedroht seien. Seit Mitte Reichsduma einen ganz anderen Verlauf, als die Petersburger Telegraphen-Agentur meldete. Tie Reden der Abgeordneten waren von tiefster Erregung durchzittert. Alle Redner stellten die t r o st- lo�e Lage auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung und die Unfähigkeit der Regierung fest, das Land aus dieser Lag» heraus- zubringen. Jedoch hielt sich— bis auf einige Ausnahmen— die Kritik an der Regierung in mäßigen Grenzen. Das offiziöse Blatt „Kolokol" schreibt, der Wille, eine Auflösung der Duma zu ver- hüten, habe der ersten Sitzung da? Gepräge verliehen. Nach einer farblosen patriotischen Ansprache des Dumapräsi- deuten Rodzianko ergriff der Landwirtschaftsminister R i t r i ch das Wort. Er schilderte eingehend die traurige Lage des Lebens- miitelmarktes. Die Bevollmächtigten der Regierung zum Einkauf von Getreide für die Armee ständen vor unüberwindlichen Schwierig» keilen. Im Dezember und Januar habe noch unter Schwierigkeiten Getreide beschafft werden können, es bestehe jedoch keine Sicher- heit, ob das auch weiter gelingen werde. Die Landbevölkerung be- sitze Geld genug und halte ihre Vorräte zurück. Daran sei das oppositionelle Verhalten gewisser Gesellschaftsschichten gegenüber der Tätigkeit de» Landwirtschaftsministeriums schuld. Statt unter der Landbevölkerung für dte Herausgabe der vorrätigen LandwirtfchaftS- Produtte im öffentlichen Interesse Propaganda zu machen, werde unter derselben das Vertrauen zur Regierung immer mehr unter- graben. Sie sehen, schloß Rittich, ich bin gar nicht optimistisch ge- stimmt, ich fürchte mich vor der Politik, die Zwietracht sät. Ich er- warte mit Ungeduld die Antwort der Duma. Nach Rittich verlas der Oktobrist Schiolowskij eine Erklärung des progressiven Blocks, die die jetzige Regierung für unfähig er- klärt, das Vertrauen des Landes zu erwerben. Hierauf sprach der Sozialist T s ch e i d s e, der sich hauptsächlich gcgendiePolitik des progressiven Blocks wendete. Er geißelte, daß der progressive Block das Friedensangebot Tentfchlands für nicht wert erachtete, sich damit zu befassen. Bisher habe der Block trotz seiner konsequenten Kriegsvoiitik keine Aenderung des RegierungsshstemS durchsetzen können. So'che Aenderung könne nur ein Kampf im Innern des Volkes herbei- führen. Tscheidse schloß: Die jetzige Regieuung strebt dem Abgrund zu und wird auch Euch mit hineinziehen. Purischkewisch sagte u. a.: Die deutschfreundliche Partei gewinnt in unserem Vaterlande täglich Boden. Tie Regierung ist demoralisiert und drängt Rußland dem Abgrund zu. Ter Führer der Progressistcnfraktion E f r e n o w bezeichnete die Verhaftung der Arbeitergruppe des Kriegs- industriekomitees als einen Schlag ins Gesicht des ganzen russischen Volkes. Tie Lage des Landes sei katastrophal. Unter der Bevölkerung greife immer mehr Hoffnungslosigkeit Platz. Tie Zahl derjenigen, die an der Duma vorbei Wege zur Februar seien die Bahnen nur mit der Beförderung von Brenn- 1 Beseitigung des Systems suchten, wachse täglich Einiges über öie Kriegsblinden. Von Wilhelm Cornel, Berlin. Unsere Kriegsblinden haben seitens der Bevölkerung rege Teil- nähme gefunden. Sie wurden viel bemitleidet, und viele hatten den guten Willen, ihnen zu helfen. Ter großen Menge jedoch fehlt die Gelegenheit, die Lebens- und Gcistesbedürfnisse der Kriegs- blinden genauer kennen zu lernen. Ich habe seit Februar 1915 viel Gelegenheit gehabt, mit Kriegs- blinden umzugehen und Einsicht in ihr inneres Leben zu bekommen. Im allgemeinen habe ich gefunden, daß die Kriegsblinden ihr schweres Los je nach ihrer Charakterveranlagung tragen. Zch kenne unter ihnen Leute, die sich in einigen Monaten mit ihrer Lage abgefunden hatten, wenn auch zeitweilig schwere Stunden eintraten. Stunden des Protestes oder gänzlicher Interesselosigkeit, die aber bei freundlicher Anteilnahme bald vorübergingen. Am schwersten tragen ihr Los die zum Nachdenken veranlag- t e n Menschen, die nur durch Arbeit und geduldige, liebevolle Teil- nähme von ihren düsteren Grübeleien abgelenkt werden können. Der gebildete Mensch, der an sich gewöhnt ist, seine inneren Zustände zu analysieren, leidet moralisch natürlich stärker als z. B. derjenige, der in der Lage, ist, sich durch mechanische, rein physische Arbeit abzulenken und zu ermüden. Arbeit für den Körper und Ablenkung für den Geist braucht der Kriegsblinde am allernötigsten. Es ist viel schwerer, die Existenzfrage für einen Kriegsblinden zu lösen als für einen anderen Kriegsinvaliden, und allzu bald tritt diese Frage„W ie friste ich mein Leben weiter" an ihn heran. Schon für den in wohlhabenden Verhältnissen lebenden Kriegsblinden ist die Art der zu ergreifenden Beschäftigung von größter Wichtigkeit, um so mehr aber für den Unbemittelten. Tank den großen, mit glänzendem Erfolge gekrönten Bemühun- gen des Herrn Professors Silex und seiner treuen Helferin Fräulein Hirsch(die selbst blind ist), ist Hunderten von Kriegsblinden aus der Arbeiterklasse die Möglichkeit gegeben worden, in verschiedenen Betrieben vollbezahlte Arbeit zu finden. Da die Leistungen dieser Blinden vollwertig sind, kann man annehmen(wenn man sogar die DanMpslicht, die man diesen Opfern des Krieges schuldet, außer Betracht zieht), daß sie auch nach dem Kriege weiterbeschäftigt wer- den. Die Kriegsblinden, die die Mittelschule besucht haben, wollen und sollen ja auch nicht zu Fabrikarbeitern übergehen, und können z. B. als Maschinenschreiber in Bureaus vollwertige Arbeit leisten. Leider wird diese Arbeit nicht so gut als die der gewöhnlichen Fa- brikarbeiter bezahlt. Erstens ist dieser Beruf an sich ein sehr übe» iaufener, zumeist von weiblichen Kräften. Zweitens befiehl gegen- über den Leistungen eines Blinden großes Mißtrauen und deshalb werden ihm keine größeren Aufgaben überwiesen, und drittens wird das Gehalt oft unter Berücksichtigung seiner Rente festgesetzt. Gegen den ersten Mißstand läßt sich nichts machen. Gegen das Mißtrauen hilft ein Versuch mit einem Kriegsblinden, der vielen eine große Ueberraschung bringen wird. Ter dritte-Punkt aber, die hohe Staatsrente, bedarf einer Beleuchtung. Die Rente beträgt mit allen Zulagen 114 Mk. monatlich für Mannschaften. Für einen Sehenden ist eS wohl eine schöne Unterstützung, für einen Blinden mindert sich ihr Wert wesentlich. Schon bei der Wohnungsfrage schneidet der Kriegsblinde schlecht ab. Als meine Frau bei Krieger- Witwen und Kriegerfrauen Zimmer für Kriegsblinde suchte, wurde sie sofort unter verschiedensten Ausflüchten abgefunden, sobald sie erjvähnte. daß es sich um einen Blinden handelt. Auf ein Inserat kamen einige Angebote, jedoch waren die meisten aus WohnungS- und Beköstignngsrücksichten unannehmbar. TaS billigste war 109 Mark für ein einfaches Zimmer mit Be- köstigung. Hierzu kommen noch die nicht unerheblichen Kosten für einen Führer und die üblichen Ausgaben füx Wäsche und Repara- turen. Leider ist mir auch bekannt, daß die Blinden öfters un- günstig einkaufen. Dazu kommt noch, daß der Kriegsblinde bei Fahrten in der Elektrischen oder Stadtbahn außer für sich auch noch für seine Augen, d. h. seinen Führer, Fahrkarten lösen muß. Ebenso verhält es sich bei Besuch eines Konzertes oder Theaters, was einem Kriegsblinden nicht oft genug gegönnt werden kann. Vielleicht würde die geeignete Stelle in dieser Angelegenheit die rechte Ab- Hilfe schaffen können. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, daß der Kriegsblinde für Woh- nung, die er unbedingt in der Nähe seiner Tätigkeit suchen muß, Fahrten, kleine Einkäufe usw. unvergleichlich mehr Ausgaben hat als ein Sehender, und daher der Rest seiner Rente ganz unbcdeu- tend und jedenfalls zum Leben ungenügend ist. Völlig unbegründet ist also die Annahme, ein Kriegsblinder könne sich mit kargem Lohn begnügen, da er eine staatliche Unterstützung bekomme. Die Leistungen der Kriegsblinden werden bei den meisten zu gering beurteilt. Ich kann aus Erfahrung be- haupten, daß, wenn man sich der Lage derselben etwas anpaßt, ihre Leistungen über jedes Erwarten hoch sind. So habe ich z. B. in meinem Bureau einen Kriegsblinden als Korrespondenten, der täglich mehrere Dutzend Briefe und komplizierte Rechnungen ganz selbständig schreibt, Rechnungen, bei denen die Zahlen in drei Ru- briken kommen müssen. Ich bitte jeden, der sich dafür interessiert. sich bei mir im Bureau, Ritterstraße 73. zu überzeugen, daß der Blinde ohne jegliche Beihilf« alle Arbeiten fehlerlos erledigt. Ich kenne auch noch andere Kriegsblinde, die bei Behörden angestellt sind, wo man offen gesteht, daß der kriegsblinde Korrespondent eine reinere und schnellere Arbeit liefert als eingearbeitete, sehende Schreiberinnen, Aber nicht allein die Sorge ums tägliche Leben ist beim Kriegs- blinden das wichtigste. Der seelische Zu st and bei vielen ist schwer erschüttert und bedarf Anteilnahme. Ich habe bemerkt, daß die Kriegsblinden anfänglich sehr mißtrauisch und empfindlich sind. ErstersS Gefühl wird begreiflich, wenn man bedenkt, daß jeder Gegenstand, der nicht mehr in greifbarer Nähe von ihnen liegt, für den Blinden schon halb verloren ist. Die Unmöglichkeit, etwas an- zusehen und zu prüfen, vergrößert noch das Mißtrauen. Das Ge- fühl der Hilflosigkeit und beständige Abhängigkeit von den Mitmen- schen, die nicht immer schonend und taktvoll find, macht ihn beson- derS empfindlich. Lautes Bedauern sowie Rücksichtslosigkeit be- leidigt den Blinden schwer. Man sollte ihm sein Gebrechen so wenig wie möglich merken lassen. Er ist auch einmal niedergedrückt und schlechter Laune, da bedarf er Geduld und Nachsicht und braucht Zerstreuung. Ter Kriegsblinde sollte nicht bloß von Lebenssorgen befreit, sondern auch mit Liebe und Nachsicht behandelt werden, und da kommen wir zu dem Schluß, daß ihm alles dieses eine liebe- volle Frau am besten geben kann. Viele der Kriegsblinden ans der Arbeiterllasse, die in Fabriken guten Verdienst gefunden haben, sind bereits verheiratet und sind auf diese Weise am besten aufgehoben. Tie Intellektuellen aber und die Studierenden, die weniger oder noch nichts verdienen und doch ein bescheidenes, ihren Begriffen entsprechendes Leben führen möchten, können mit den beutigen Renten an kein Familienleben denken und müssen bei fremden Menschen Unterkunst suchen. Merkwürdigerweise bleib« fast kein Kriegsblinder längere Zeit im Elternhause, vielleicht aus dem Gefühl, daß er der Familie zur Last fällt.- Gar zu begreiflich war der Gedanke, den Blinden alle Müh seligkeiten aus dem Wege zu schaffen, indem man sie in einem be- sonderen Blindenheim unterbringt. Diese Lösung nimmt den Kriegsblinden die Sorge umS tägliche Leben, nimmt ihm aber auck den Glauben an die Möglichkeit einer selbständigen Existenz unt macht ihn zum seelischen Krüppel, denn die Absonderung des Kriegs- blinden, der sein ganzes bisheriges Leben im Berkehr mit der Um well verbracht hat und von derselben abgeschlossen werden soll nimmt ihm jede Lebenslust. Unter sehenden Menschen, die ihn nachsichtig, aber nicht wie ein unmündiges Kind oder einen Mm schen zweiten Ranges behandeln, bekommt der Kriegsblinde, wenr er erst wicder crwerbsfäh g wird, Lebenslust und findet sich langsan mit seinem schweren Los ab. Bei gutem Willen ließen sich für Kriegsblinde noch viele Er werbSzweige finden, die von ihnen vollwertig besetzt werden könnten. Bedenken wir. welch schwere? Gefühl der an daS Leben ge- wöhnte Kriegsblinde haben muß, wenn er sich in der Vollkraft seiner Jahre als für diese Well abgetan betrachten muß. Indem wir ihm zu einer Existenz verhelfen, geben wir ihn dem Leben«nd seine Kraft der Allgemeinheit zurück. der flnfcblag gegen LlopA George. Tic englische Geheimpolitik am Pranger. London, 11. März. Gestern abend wurde in der Straf- .�che gegen die vier Personen, die angeklagt waren, die Minister Lloyd George und Henderson zu ermorden, vom Central-Gerichtshof das Urteil gesprochen. Frau Wheel« d o m, die Haupturheberin, wurde zu lOJahren, Alfred Mafon zu 7 Jahren und Winnis Mason zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, Harrtet Wheeldom wurde freigesprochen. Tie Verhandlung war erst spät am Abend beendet. Ter Advokat Rica sprach vier Stunden lang und geißelle die Art und Weise, auf welche die gerichtliche Verfolgung der Angeklagten stattgefunden hätte. die er eine Schande für England nannte. Er verur- teilte in scharfen Worten die Anwendung der englischen Geheimpolizei. Ter Generalstaatsanwalt sprach fast zwei Stunden lang und führte aus, daß es in diesen gefähr- lichen Zeiten in England unerläßlich wäre, auf den Gebrauch von Geheimpolizisten zu verzichten, vor allem in Fällen wie der vorliegende es ist. Die Richter kamen zu dem Schluß, daß die be-dcn� Mason ihres jugendlichen Alters wegen freige- sprachen werden müßten. Ein U-Soot-Srief an Srianü. Bern. 11. März. Wie aus Pariser Meldungen hervorgeht, war ic vorgestrige Kammersitzung in Paris außerordentlich bewegt und stürmisch. Besonderes Aufsehen erregten die Ausführungen des Vorsitzenden des Budgetausschusses Klotz, der den Brief verlas, den er am 30. März 1316 an B r i a n d gerichtet hatte, um ange- sichts des U-Boot-Kriegs auf die Dringlichleit von Gegen- mahnabmen hinzuweisen. Tarauf habe aber die Regierung nur zögernd und unvollkommen Bescheid gegeben und erst im Fe- bruar 1317 vor der Budgetkommission einig« genauere Angaben ge- macht. Diese Politik der Regierung könne man nicht gutheißen. Tie Erregung, die bereits groß war. steigerte sich noch, als B r i a n d bei Beginn seiner Rede betonte, daß die ganze Debatte einen ausschließlich politischen Charakter angenommen Habs. Es fei leicht. Briefe zu verlesen, welche gegen die Regierung gerichtet seien, die täglich mit den größten Schwierigkeiten kämpfe. Es sei leicht, damit das Gelände für anderweitige Erörterungen vorzubereiten. Es sei auch leicht, bezüglich oller Fragen eine ausführliche Anklage- rede gegen die Regierung auszuarbeiten. Nach Stellung der Vertrauensfrage ergab die Abstimmung 286 dafür und 178 dagegen bei 40 Enthaltungen, 73 Deputierte U>aren avwesend. von denen die Mehrzahl bei früheren Abstimmungen sich als Regierurigsgegner gezeigt hatten. Bei der zweiten Abstimmung, die übrigens nur 296 Stimmen für die Regierung ergab, enthielt sich mit ganz wenigcn Ausnahmen die gesamte Minderheit der Stimme. ES iU dabei hervorzuheben, daß die diesmalige Mehrheit der Regierung die schwächste Mehrheit seit der Bildung des Kabinetts Briand im November 1318 darstellt. Kirchliche Rtiftifizier�rbeit. Die russische Kirche hat in letzter Zeit eine eifrige Missions- tätigkeit unter Andersgläubigen aufgenommen, und zwar nutzt sie die KriegSzeit dabei geschickt aus. Der Protopr-Sbhter der Armee und Flotte hat fünf Armeemissionare bestellt, deren Ausgabe es ist. die Soldaten zur. griechisch-orthodoxen Kirche zu bekehren. Daß diese Hand w Hand mit der militärischen Disziplin arbeite» werdan. wisse» wir. daß es dabei nicht ohne Zwang abgehen wird, scheint ebenso klar. Früher griff die Staats- kirche ohne Bedenke« zum Betrug, um Fremdgläubige anzulocken. So wurde den Täuflingen Land versprochen, das sie nächher nicht erhielten. Andererseits ist die Staatskirche gegenüber Fremden scheinbar entgegenkommender geworden, indem sie den Be< kehrten den Gottesdienst in der Muttersprache ermöglicht. Neuer- dingS sind in Petersburg eine georgische und zuletzt eine lettische griechisch-katholische Gemeinde gegründet worden. Eine finnische und estnische bestehen schon seit einiger Zeit. Die lettische Ge- meinde hat bereits ihr Statut der Behörde zur Bestätigung vor- gelegt und den Metropoliten Pitirim um seine Unterstützung zur Erlangung einer eigenen Kirche gebeten. Das russische Staats- bürgertum verlangt die Zugehörigkeit zur Staatskirche, und erst an zweiter Stelle ist ein Aufgehen im Großrussentut»- erforderlich. Demgemäß sind die Bestrebungen des RussisvtuS in erster Linie darauf gerichtet, die Kremdstämmigen der Staatskirche zu gewinnen, selbst wenn dieses zeitweilig Konzessionen in nationaler Beziehung erforderlich machen sollte. der Kampf an der Tigrisfront. Räumung der Ätefiphon-Stellung. Konstantinopel. 10. März. Amtlicher Bericht vom 10. März. Tigrisfront. Seit gestern ist die Kampftätigkcit auf beiden Ufern des Tigris heftig geworden. Ein von fünf feindlichen Bataillonen auf unsere Stellungen am Südufer des Tigris gemachter Angriff wurde unter schweren Verlusten für den Gegner durch unser Feuer abgeschlagen. Der Feind blieb zum Teil aus un- gefähr achthundert Meter Entfernung vor unseren Stellungen, zum Teil wurde er gezwungen, stch zurückzuziehen. » London, 10. März. Amtlicher Bericht auS Mesopotamien. Unsere Kanonenboote und unsere Kavallerie entdeckten am 7. d. M. den Feind, der in verhältnismäßig großer Zahl eine Linie am Daliaflusie besetzt hielt. Arn folgenden Tage verwickelten wir den Feind in ein Gefecht. Die Räumung der sehr sorgfältig aus- gebauten Ktefiphon-Stellung durch den Feind ist unserem •chnellen Vorrücken von A z iz ie her zuzuschreiben. der flufftanü auf Kuba. 'Sautiago von den Regierungstruppen erstürmt. Basel, 11. März.„Havas" meldet auS Washinpton: Tie Truppen der kubanischen Regierung haben die Stadt Santiago nach heftigen Kämpfen genommen. Ties gilt als ein Zeichen, daß die Bewegung der Aufständischen auf Kuba gescheitert ist. Bern» 11. März. Wie Lyoner Blätter über Now Jork aus Havanna erfahren, ist Gcncral Gomez mit seinem ganzen Gene.raIstabenachHavannagebracht worden, wo er wegen Hochverrats abgeurteilt werden soll. der Krieg in Persien. Teheran, 3. März. Die russische Gesandtschan setzte den persi- ichen Ministerpräsidenten davon in Kenntnis, daß russische Truppen Bidjar, Senueh, Hamadan, Kengaver und Devle- tabad eingenommen hätten. Schwere feinöliche Zliegerverlusie. Berlin, 10. März. Bei wechselnder und meist mäßiger Sicht war am Freitag die feindliche Flugtätigkeit wieder in der Gegend über Arras besonders lebhaft. Unter Einsatz stärkster Kräfte versuchte der Gegner Einblick in die Verhält- nisse hinter der Front zu gewinnen. Der Versuch ist ihm übel bekommen. Aus einem englischen Jagdgeschwader, das in Stärke von sieben Vikkers-Einsitzern nördlich Arras durch- brach, wurden von unseren Kampffliegern in der Gegend südlich Lcns nicht weniger als vier Flugzeuge herunter- geschossen. Die Insassen von dreien, sämtlich englische Offiziere, wurden gesangen genommen; das vierte Flugzeug konnte noch nicht gefunden werden. Im ganzen verloren die Engländer im Lustkampf hinter unseren Linien fünf, hinter den ihren vier Flugzeuge. Zwei weitere Flugzeuge wurden hinter den feind- lichen Linien zu beschleunigter Landung gezwungen. Unsere Flugabwehrkanonen holten außerdem hinter unseren Linien einen Eaudron-Doppeldecker herunter; die Insassen sind tot. Zusammen macht das zwölf feindliche Flugzeuge an einem Tage._ Kleine Kriegsnachrichten. Englische Verluste. Der»Daily Telegraph" veröffentlicht die englischen Verliistziffern und gibt an: Offiziere getötet und verwundet 1216, davon 328 getötet. Mannschaften getötet und der- wundet 16 277, davon getöret 6347. Die Verlustziffern während der lehren vier Monate find nach dem»Daily Telegraph": Oktober 4366 Offiziere, 102 340 Mannschaften, Prozentsatz an Offi- zieren 4 Proz., November 2312 Offiziere. 72 483 Mannschaften. Prozentsatz an Offizieren 3 Proz.. Dezember 353 Offiziere. 33 711 Mannschaften. Prozentsatz an Offizieren 2V Proz., Januar 363 Offiziere. 32 438 Mannschaften, Prozentsatz an Offizieren 2,7 Proz. Es fft auffallend, daß für den Monat Februar der Pro- zentsatz an verwundeten und getöteten Offizie- reu auf 7 Proz. gestiegen ist. Die drlgisch-holländische Grenze wurde, wie ein Amsterdamer Presseburcau mitteilt, gesperrt. Eine Beleidigungsklage Stürmers. Wie der.Temps" aus Petersburg meldet, ist die Beleiidigungsklaye Stürmers gegen Miljukow vom Gericht endgültig mit der Begründung abge- wiesen worden, daß Miljukows Äeußerungen unter die Paria- meniarische Jmmunüät fallen. Dasselbe Blatt weiß zu berichten, daß Stürmer um die Erlaubnis zur Aenderung seine? Namens gebeten habe. Er will sich Panin nennen.(»Frff. Ztg.") politische Ueberstcht. Ein Erlah des Herrn v. Gchorlemer. Der Lanbwirtschaftsmimster Freiherr v. Schorlemer hat an die preußischen Landwirtschatfskammern einen Erlaß gerichtet, worin er nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin- weist, die ländliche Bevölkerung mehr als es bis- hehr geschehen ist, über die Lage der Lebensmittelversorgung aufzuklären. Ter Minister betont, es müsse den Landwirten immer wieder, möglichst auch von ihren führenden Be- rufsgenossen, gesagt werden, daß es nur dann möglich ist, die städtische Bevölkerung zu ernähren, wenn alles auf dem Lande Entbehrliche abgeliefert wird. Die Landwirtschofts- kammern werden von dem Minister ersucht, im Einver- nehmen mit den Verwaltungsbehövden die Aufklärungsarbeit in jeder Beziehung zu fördÄm. Als geeignete Grundlage hierfür empfiehlt der Minister ein vom KriegsernährungSamt herausgegebenes Buch:»Die Lebensmittelversorgung und die Mitarbeit der ländffchen Bevölkerung in der Lebensmittelversorgung". Das Buch ist vor einigen Tagen erschienen und ist auf Wunsch des Kultusministers den Geistlichen und Lehrern auf dem Lande zugestellt� worden._ Der Erlaß des Landwirtschaftsministers zeigt, daß die preußische Landwirtschastsverwaltung in voller llebereinstimmung»nt dem Kriegsernährungsamt bemüht ist, die ländliche Bevölkerung über die Ernährungsschwierigkeiten in den Städten aufzuklären. Aufrufe an die Landwirte. Das Bezirksamt Augsburg richtete an die Bürgermeister, Lehrer und Geistlichen des Bezirks einen Erlaß, worin es heißt: »Das einzige, was den Mut unserer Feinde aufreckiterhält, ist der Hunger der E ro ß städte. Jede Nachricht über Ernäh- run�schwierigkeiten in den Städten stärkt den Willen der Feinde, verzögert den Fricchen, mehrt die Zahl der Menschenopfer. Darum must jeder Landwirt hergeben, was er irgendwie entbehren kann. Welcher bayerische Bauer läßt sich das nachsagen, daß er daS Baterland vergaß und nur an sich dachte? Ein Vaterlandsverräter ist der und bleibt der. der heut« nicht leine Pflicht und Scbuldigkcit tut. Ich erwarte, daß sich die? keiner meiner Bauern nachsagen läßt." Im Anschluß an die Debatte im preußischen Abgcord- netenhause veröffentlicht der bayerische Bauernführer Dr. Heim einen Artikel, der sich auf die Seite des Ernährung»- koinmissars Dr. Michaelis stellt. Dr. Heim führt aus: Es sei die höchste Zeit, die Totsachen, die ihm und einem kleinen Kreise Eingeweihter schon seit langem bekannt seien, endlich der Oesfentlichkeit klar zu macheu. E-- sei besser, dem Volke rück- sjchtsloS die Wahrheit zu sagen, als weiter mit einem System zu arbeiten, das unter schwerer Schuld zusammengebrochen sei. 120 Tage gelte es noch, bis zur neuen Ernte durchzuhalten. Selbst wenn morgen ein Hungersriede käme, würden wir aus Monate hinaus kein Pfund mehr Brotgetreide des mangelnden Schiffsraumes und der Weltmißernte wegen bekommen. Das müsse dem Volke rückhaltlos gesagt werden. Rücksichtslose Maß- nahmen, die angekündigt werden würden, müßten ertragen werden, ob sie die Stadter oder die B a u e r n angehen. Dem Gesetz und den Anordnungen des Reiches müsse nachdrucklichst Geltung verschasff werden. Aber nicht nur in Bapern und im Süden, son- der» auch in Preußen bei jenen Agrariern, von denen er nachweist, daß sie beispielsweise die allgemeine Liefer- pslicht für Gerste aus der Ernte 1316 heute noch nicht erfüllt hätten. In diesem Zusammenhang darf nochmals aus die sehr bemerkenswerte Aeußerung des Herrn v. B a t o c k i in der Sitzung des Ernährungsausschusses vom 10. März hinge- wiesen werden:„Es hat sich ergeben, daß die Zahl der Be- triebe, die a n g e b l i ch nur bis zu 20 Zentner Gerste ernten. enorm groß geworden ist. L e i d e r ist eine Kontrolle, ob diese Angaben zuverlässig sind, unmöglich." Warum geht es i« Lippe? Nicht nur im Regierungsbezirk Tri«, dessen Borgehen den Zorn des preußischen LandwirtschaftSministeiS«regt hat, auch im Fürstentum Lippe sind Zwangsmaßnahmen für ausreichendenKartoffelanbau angeordnet worden. D:s lippischc Regierung ist aber noch weiter gegangen. Sie hat zwei wichtige Verordnungen zur Lebensniitielerzeugung und-Verteilung erlassen, von denen zu hoffen ist, daß sie einen ernst gemeinten Anfang zur allgemeinen Durchführung des landwirtschaftlichen Produktionszwanges nach vernünftigen Grundsätzen sein werden. Zunächst hat sie unter dem 7. März die sämtlichen Landwirte deS Landes zu einem Kriegswirtschaftsverband zusammengeschlossen. Dieser Verband hat eigene Rechte und kann die Beachtung seiner Vorschriften für die landwirtschaftliche Erzeugung usw. erzwingen. Es ist seine Aufgabe, die landwirtschaftliche Tätigkeit zu über- wachen. Ausdrücklich heißt eS in der Verordnung: „Ter Verband kann im allgemeinen oder in einzelnen Be- trieben die Erzeugung zum Zwecke höherer Leistung verändern oder umgestalten. Er kann für beitimmte Erzeugnisse Art und Umfang der Erzeugung vorschreiben." Auch im übrigen soll„größtmöglichste Wirtschaftlichkeit" erstrebt werdeir. Der Verband bat einen besonderen Vorstand und einen Beirat. Daneben ist wieder ein Landesernährungsamt gebildet, dem der Kriegswirtschastsverband untergeordnet ist. Das Landes- ernährungsamt soll für die Erfassung und Perteilung aller Er- Zeugnisse an Lebensmitteln sorgen. Nach Lippe reicht der starke Arm deS Preußen nicht. Ob das aber für die Ernährung der lippischen Bevölkerung ein Nach- teil ist? Drohung. Tie»Deutsche Tageszeitung" kommt noch einmal auf die Ein- gaben der Gewcrlschuften zurück, um zu ihnen zu bemerken: Die Entgleisungen der Eingabe sind und bleiben natürlich höchst bedauerlich, vor allem auch deshalb, weil auch in der land- wirtschaftlichen Bevölkerung seit langem eine Stimmung ent- standen ist, die viel« BclastunzSprvben schwerlich mehr erträgt. Und wenn die.Stimmung" die„Belastungsproben" nicht mehr erträgt— bitte, was dann? Ein Autrag Oldenburg. Zu dem Antrag deS Grafen Wilhelm von Hoensbroech ist dem Herrcnbause folgender AbänderungSantrag des Herrn von Oldenburg-Januschau zugegangen:. Das Herrenhaus wolle beschließen: Das Herrenhaus gibt seiner Freude Ausdruck, daß der uneingeschränkte U-Boot-Krieg eröffnet ist, weil nur durch die rücksichlslosc, durch keinerlei Ein- flüsie abgeschwächte Tnrchsüdrung desselben in Verbindung mit der kraftvollen Anwendung aller Kampsmittel ein ehrenvoller, die politische und wirtschaftliche Zukunft des Baterlandes sichernder Friede, der den gebrachten Opfern entspricht, erkämpft werden kann. Unterstützt ist dieser Antrag u. a. von den Herren Burggraf zu Dobna-Tchlodien, von Heyden-ÄndPi, von Kleist von Wster, Gras» von Mirbach- Quitten, Tr. Neuber, Gras zu Rantzau, Graf von vloem, Dr. Fürst zu Salm-Horstmar,.Herzog Ernst Günter zu Schleswig-Holstein._____ Lette Nachrichten. die Kabinettskrise in Schweöen. Stockholm, 11. März. Laut„Stockholms Tidniugeu� haben die Erwägungen im Ministerium zu einem vor» läufigen positiven Ergebnis in Bezug auf den Weg zur Beseitigung der Krise geführt. Eiue Zu- sammenkunst der Regierung mit den Führern der Reichstags- partcieu dürfte r» der nächsten Zeit zu erwarte« sei». Diese Nachricht deute darauf hin, daß es im Miuisterium zu cht er Einigung tu Bezug auf die englisch-schwc- di scheu Uoterhaudlun-gc» gekommen sei. die versenkte Tonnage unersetzbar. Bern, 11. März. Laut„Petit Parisicn" hat Neville Chamberlain in einer Rede in Bradsord erklärt: Es sei uns vollkommen unmöglich, durch denSchifiskaum, den die Werften fertig stellen, die Tonnage zu ersetzen, die den feindlichen Unterseebooten zum Opfer fällt. Die einzige Lö'ung, die wir ins Auge fassen können, ist daher die, die Einfuhrziffer noch weiter herabzusetzen. Kongreßberusung und Dampserbewassnung. ' Frankfurt a. M.. 11. März. Die„Frankfurter Zeitung" bringt eine„Havas"-Meldung aus Washington, Wils»« habe das Dekret betreffend die Einberufung des Kongresses auf de» 18. März zu einer autzerordeutlicheu Session unterzeichnet. Er habe das Mariuoministerium angewiesen, die Fahrzeuge bewasf» neu zu lassen. Wilson sei bei dieser Massnahme vom ganzen Mini- sterium unterstützt worden. Ein- und Ausfuhr im U-Boot-Krieg. Bern, 11. März. Eine offiziöse Note an die Pariser Presse besagt, daß die Unterredungen zwischen Elementel und dem englischen Arbeitsminister bezüglich der englischen Einsuhrverbote beendet sind und in zahlreichen Punk- ten ein Abkommen ermöglicht haben, wonach die hauptsäch- lichsten Erzeugnisse Frankreichs doch naäi England eingeführt werden dürfen. Die Einfuhr anderer Artikel werde noch einer Prüfung unterzogen, um ein endgültiges Abkommen zu er- zielen, welches nach Möglichkeit die Interessen der fronzö- fischen Produktion Waliren soll. Madrid, 10. März.(Agence Havas.) Nach dem Ministerrat erklärte der Finanzminister. daß das Kabinett nach einer Prüfung des Ernährungsproblems beschlossen Hab. die Ausfuhr aller Lebensmittel zp erlauben, deren Preishöhe einen Verbrauch durch die Arbeiterklasse in Spanien unmöglich mache. Ein schlcstsches Sägewerk nicdergcbrannk. Löwcnbrrg i. Schlcs., 1l. Mörz. In der vergangenen Nacht ist die am Bober in der Näh« des Bahnhofs gelegene Littigsche Holzschleife niedergebrannt. Das Sägewerk und die anstoßenden Schuppen find erhalten geblieben. Die EntftehungSursache ist unbekannt. Von den dort emguanterten Soldaten werden drei vermißt, die wabrscheinlich in den Flammen umgekommen sind Ueberreste verlohlter Leichen sind bereits gefunden. Stur« an der spanischen Küste. Frankfurt a. M., 11. März. Die»Frankfurter Zeitung" meldet aus Madrid: Ein Sturm, der an der ganzen spanischen Küste wütete, trxir besonders heftig auf der Reede von G i b r a l- tax. Siebe» eingelaufene grosse Schiffe sind grfunke« oder ge, scheitert. Ms Groß-Serlin. Wandlungen der Zeit. Am Nollendorfplatz begegnete er mir. Beinahe wäre ich cm ihm vorübergegangen. „Ja, ja," lachte er und kam auf mich zu.„ich bin's wirb lich. Sie staunen wohl? Wir haben uns lange nicht gesehen — die ganze Kriegszeit wohl nicht, was—?" „So lange ist es mindestens her." erwiderte ich und drückte seine Hnnd.„Erkannt hätte ich Sie aber fast nicht mehr." „Sagen Sie's nur. mein oller Kopp irritiert Sie unterbrach er mich vergnügt und strich mit den Fingern durch den buschigen Schnauzbart, der ebenso wie das Haupt haar schneeweist war. „Sie waren doch vor den, Kriege noch pechschwarz../ fragte ich gedehnt:— das Rätsel, wie ein Mensch, wenn auch in schwerer Zeit, so schnell altern konnte» beschäftigte mich immer noch. � W „Pechschwarz?" Er lachte bitter.-„Ach. wenn Sie wüßten, wieviel Färbemittel ich gekauft und aufgetragen habe, um so„pechschwarz" erscheinen zu können. Ich war schon Milte der Dreistiger so grau wie ein Esel— in Ehren, natürlich!— aber das elftere war die Hauptsache und für mich weit mehr als ein Schönheitsfehler/ es war der Ruin meiner Existenz oder wäre es geworden, hätte ich nicht durch die Chemie die nichtswürdige Natur korrigiert. Es war dringend nötig, denn mit jedem Jahre wurde ich weißer, und glauben Sie vielleicht, daß mich in Friedenszeiten einer engagiert hätte mit so'n ollen Kopp? Ueber mein Geburts- jähr ging ich bei der Bewerbung möglichst aalglatt hinweg oder drückte mich etwas undeutlich aus. Zuletzt halfen aber alle meine Schliche nicht mehr, mit ineinen 50 Jahren konnte ich keinen Buchhalterposten mehr ergattern, obgleich ich gesund und rüstig war. Ich mußte dann meiner Frau beim. Schneidern helfen, bis einige Zeit nach Kriegs- ausbruch. Da stiegen wir.�Alten" rasch im Kurse. Ich brauchte die Haare nicht mehr zu tuschen, brauchte mein Geburtsjahr nicht mehr auf der Zunge zu zerkauen, die Stellen flogen mir nur so zu— ach, wenn ich mich doch nur hätte verdreifachen können!" Er reckte sich stolz und kräfttg, seine Augen glänzten jugendlich.„Jawohl, ich kann wieder meinen Mann stehen, brauche vorläufig nichr mehr Handlanger bei meiner Frau zu sein..." Lachend rieb er sich die Hände. Ich hatte ihn bis zur nächsten Hgltestellc begleitet. Noch einmal winkte er vom enteilenden Wagen herunter und. sein Gesicht strahlte, als hätte er das große Los gewonnen.— Daß Arbeit so glücklich macht!, dachte ich beim Weiter- gehen. Und dann erinnerte ich mich der Zeit, wo dieses Glück so vielen Arbeitsfreudigen vorenthalten wurde, wenn sie eine bestimmte Altersgrenze überschritten hatten. Mit 30 Jahren mußten Arbeiter und Angestellte schon über ihr „Alter" nachzudenken beginnen, mit 33 Jahren wurden sie bereits in keine Betriebskasie mehr aufgenommen und mit dem Eintritt ins Schwabenalter waren sie vielfach für ihren Beruf erledigt. ES wäre zu wünschen, daß der Krieg diesem sozialen Uebel für immer ein Ende machte nnd daß jeder arbeitsfähige Bürger zu seinem und des Volkes Nutzen die schaffensfreudigen Hände regen könnte ohne„färben" oder flunkern zu müssen!_. U. Kartvffclsorgen in der Laubenkolonie. Die Frage der Beschaffung und zweckmäßigen Verwendung von Kartoffelsaatgut wurde am Sonn- abend in einer vom„Kricgsaubschuß der Grotz-BerUner Laubenkolonien" einberufenen öffentlichen Versammlung erörtert. Die Beteiligung war so stark, daß der große Saal von Kellers„Neue Philharmonie"(Köpenickcr Straße) sich rasch füllte. Auch städtische und staatliche Behörden hatten Vertreter entsandt und bekundeten hiermit, daß man den sonst scheel angesehenen Laubenkolonisten jetzt als unentbehrlichen Mitarbeiter bei der Nahrungsmittelbeschai- fung zu schätzen weiß.'Die Sorge, woher für den Kartoffelanbau diesmal das Saatgut genommen werden soll, ist für Laubenkola- nisten besonders drückend. Herr Brodersen. Gartcndirettor der Stadt Berlin, entwarf in seinem Vortrag ein Bild von den Schwierigkeiten, die infolge der Kartosfelknapphcit zu erwarten seien. Er zeigte die Möglichkeit, sich Saatgut aus den noch vorhan- denen Beständen von Eßkartosseln ohne allzugrotze Schmalerung der zur Ernährung notwendigen Vorräte zu verschaffen. Unter anderem empfiehlt er das nicht neue, aber meist nur unter dem Zwang des Mangels angewendete Verfahren, von der Kartof- sei den mit den kräftigsten Äugen besktzten obcrenTeila klein zur Aussaat zu benutzen. Jeder Lauben- tiolonist und jeder Kleingartenbesitzer solle dafür sorgen, daß in seinem Haushalt keine Körtoffel in den Kochtopf wandert, bevor ibr dieser für die Aussaat wertvollste Teil im Gewicht von 10 Gramm abgeschnitten ist. Hierzu werde er allerdings nur Spät- kartoffcln haben, so daß ihm beim Kartoffelanbau diesmal sie die sonst auf Laubcnland und in Kleingärten bevorzugten Frühkarwf- fcln ersetzen müßten. Die abgeschnittenen Kartoffellöpfe sollen in frostsreiem Raum lustig und trocken bis zur Pflanzzeit aufbewahrt werden, entweder in Körben oder Lattenkisten liegend oder auch aus Brettern oder dem Fußboden in einer bis 20 Zentimeter hohen Schicht ausgebreitet, und sie sind dann als Setzlinge ebenso wie ungeteilte Saatkartoffeln zu behandeln. Brodersen berechnet, daß die etwa 50 000 Laubenkolonisten Groß-Berlins, wenn er für jeden durchschnittlich 100 Quadratmeter Kartoifelfläche annimmt, 3S Mil- lipnen Setzlinge brauchen. Er forderte, man solle auch in Gast- bäusern, Volksküchen, Krankenanstalten und Kasernen die Eßkarws- fein zur Gewinnung von Setzlingen ausnutzen, und konnte mit» teilen, daß für die Anfialien der Stadt Berlsn der Magistrat das bsreitS angeordnet hat. DaS glaichfallS erfolgversprechende Per- fahren, dem Mangel an Saatkartoffeln durch Gewinnung von Stecklinge� abzuhelfen, erfordert in der Regel die Miiwir- hing eineS Gärtners. Für die Berliner Handclsgäriner erklärte Herr KohlmannSlchner, sie feien bereit. Siccklingszucht im großen zu betreibe». Sie würden das aber nicht ohne sichere Aus- ficht auf Abnehmer ivagen. daher empfehle er Liescrungsvcrträge zwischen ihnen und den Vereinigungen der Laubenkolonisten. In der Versammlung wurde noch mitgeteilt, daß die Bundes- ratsverordnung. die den Kleingattenbewirtschaster unter die Selbstversorger gereiht hat. für Kartoffelflächen bis zu 200 Quadratmeter fottan nicht gelten soll. Diesen Bescheid hat neuestenS die Rsichskartofselstellc auf eine Eingabe erteilt und sie hat zugleich m Aussicht gestellt, daß für die darauf gcerntetcn Kar- tosseln künftig auch die„Ausfuhrgenehmigung" anstandslos be- willigt worden soll. Entsprechende Anweisung werde an sämtliche Gemeindeverwaltungen Groß-BerlinS ergehen. Vom Umsteigeverkehr bei d r Strahenbahn. Nn-stcigkverkebr zwi'cken Sttm enbabn und Howbabn gibt eS in Verlin-Ost an de? D a r s» a» e r B r ü ck Mit beionderem Nm« fleigefadrichein. der einen PreiSaiifltblag kostet, kann man von der Hochbabn auf die nach dem VieKboi und nach Lichtenberg fübrenden Elraßenbabnen übergeben und umgekebn von den Straßenbahnen auf die Hochbahn. Wer Von de» Straßenbahnen kommt, hat bei der Hochbahn auf diesem SttZgangSbaHnHof meist«in bequemes Mitkommen. Auch von der Hochbabn zu der nach Lichtenberg fübrenden Straßenbahn, die hier ihren Anfang nimmt, kann man in der Regel noch muhe- und kampflos umsteigen. Doch wehe dem, der in dieser Zeit der Berkehrsbeichränkungen einmal in den Stunden des stärlsten Verkehrsandranges von der Hochbahn zu der von der Stadt betriebenen nach dem Viehhof führenden Straßen- bahn umsteigen will! Die dott vom Südosten her eintreffenden Wagen sind in schier unglaublicher Weise überfüllt, und selbst die vom be- nachbarten Straläuer Tor abgehenden leider nur spärlichen Einsetz- wagen haben, wenn sie an der Warschauer Brücke anlangen, oft schon eine Ladung von Ueberzäbligen. Die aus dem Hochbahnhof herausströmenden Umsteigefabrgäfte können es namentlich gegen Abend erleben, daß sie Vierielsiunden und länger an der Warschauer Brücke in eisigem Wind au-harren müssen und in keinem Straßenbahnwagen mitkommen. Manchmal fährt ein Wagen nach dem ander» ohne Anhalten an ihnen vorbei, weil nicht eine einzige Person mehr mitgenommen werden könnte. Inzwischen bringt die Hochbabn, die ja um diese Zeit auch da draußen Fünfminutenverkehr bat, immer neue Umsteigeiahrgäste. r'ür die an kein Mitkommen zu denken ist. Viele geben schließlich den aussichtslosen Kamps ans mid setzen den Weg aus Schusters Rappen fort, umer Verlust des Preisaufschlages, den sie für ihren Umsteigefahrschein bezahlt haben. Nach einem' Vermerk auf diesen Fahrscheinen gelten sie zur „Fahrt ohne Unterbrechung�, so daß die Nachholung der Straßen- bahnfahrt an einem anderen Tage wobl nicht zulässig ist. Wir selber haben schon einen kleinen Grundstock zu einer ammlung solcher nickt voll benutzten Umsteigefahrscheine und glauben, daß wir bei Forldauer dieser Zustünde dem Magistrat später einmal eine recht stattliche Kollektion für daS Mäikiiche Museum überreichen könnten. Wiflen möchten wir, ob bei der Aus- einanderietzung und Abrechnung zwischen Hochbahngesellschast und Stadtgemeinde auch aus den nicht voll benutzten Umsteigefahrscheinen dem Stadtsöckel ein Etunohmeanteil zufließt. Da könnte die Stadt ja wohl ein recht anständiges Geschäft mawen. Aus dem Verlauf von Umsteigefahrscheinen zur„Fahrt ohne Unterbrechung' folgt doch wohl die Verpflichtung, durch Mehrung der Einsetzwage n die Beförderung zu ermöglichen. Maffenverschickung von Schöueierger Kinder» ausS Land. Der Schöneberger Magistrat beabsichtigt im Frühjahr und Sommer eine Maffenvorichickunz von Schulkindern minderbemitteltcr Eltern aufs Land vorzunehmen. ES sollen etwa 6000 Kinder, Knaben« und Mädchen, tm Alter von 10 bis 14 Jahren zur Erholung aus dem Lande untergebracht werden. Berücksichtigt sollen nicht nur Scküler und Schülerinnen der Volks- und Mittelschule, sondern auch solche aus höheren Lehranstalten werden. Die Kinder sollen mög- lickst klassenweiis unter Begleitung von Lehrpersonen hinaus- geschickt und aus dem Lande in Einzelfamtlienpflege gegeben werden. Sie sollen einen Unterricht von etwa zwei Stunden täglich erhalten, und tonst mit leichten landwirtichaftlichen Arbeiten be- 'chäftigt werden. Der Magistrat hofft, daß e» möglich lein wird. die Kinder für einen täglichen Verpflegungssatz von 50 Pf., der von der Slaatsregierung als angemessen bezeichnet worden ist, unlerzu- bringen, und' daß die Eisenbahnverwaltung bei der Berechnung der Fahrpreise Entgegenkommen zeigen wird. Erholungsbedürftige Kinder unter 10 Jahren und kränkliche Kinder werden nach wie vor in den städtischen Erbolungseinrichtungen, w'e Fer«enkolonien. den tädtiscken Erholungsstätten ,n Eichkamp und Boldixum untergebracht werden.-- Ein Raubanfall wurde am Tonnabendabend aus eine Kassiererin in dem Warenhause von Jandonf am Blücher- platz verübt. Sie hatte gegen 5000 M. aufgezählt, um ihren Ab- Muß zu machen, als sie plötzlich. von einem von zwei jungen Bur- scheu, die sich unauffällig an ibren Stand herangeniacht hatten, einen Schlag ins Geficht erhielt. Auf fljf- Gcfchrep kanrdn Leute herbei, und sin Soldat ergriff den Räuber, bevor er sich des Geldes bemächtigen konnte. Der andere Bursche entfloh. Ter Verhaftete, ein 16 Jahre alter Arbcitsbursche Erwin Kersten aus der Diesten- bachstraße 40, schnitt sich aus dem Wege nach der Wackie mit einem ..Die VerbandSversammIung ersuibi den BerbandZauSschuß, die Verhandlungen mit erhöhtem Nachdruck fortzusetzen und ihr binnen sechs Monaten erneut Bericht zu erstatten." Wetteruachrichte« bis TienStag mittag. Langsam von Westen nach Osten fortschreitende Erwärmung, östlich der Oder vielfach heiter, weiter westlich meist bewölkt und später geringe Nieder- schlage.__ Gewerksihastliches. Tie Lohnbeweguug der Tchriftgiesier. Zu einer entscheidenden Stellungnahme in der�Frage der Teuerungszulage hatten sich am gestrigen Sonntag die in Schriflgicßercien beschästigten Arbeiter und Arbeilerinnen wieder in einer gutbesuchten Beriammlung zusammen gesunden. Wie in der Versammlung berichtet wurde, ist die Forderung einer Teue- rungszulage von 80. Proz. von den Prinzipalen in der VerHand- lung, die dieser Tage stattfand, glatt abgelehnt worden. Ein Vorschlag der Prinzipale wurde als unannehmbar verworfen. Die Arbeitervertreter verhandelten daraus unter sich und schlugen dann als das mindeste, das sie vertreten könnten, folgendes vor: Bei Lohnarbeit wüchentllchc Zulagen von 6 Di. bei einem Lohn bis zu 30 M.. vor» 5 M. bei einem Lohn von 30— 45 M., von 4 M. bei einem Lohn von 45—60 M.; für sämtliche Mordarbeiter wöchentlich 5 M. und für Arbciicrinnen wöchentlich 1.50 M.— Auch diesen entgegenkommenden Vorschlag lehnten die'Prinzipale ab, indem sie als„letztes Wort" Wochenzulagcn anboten, du bei Lohnarbeit betragen sollten: 4L0 M. bei Löhnen bis zu 30 M., 330 M. bei Löhnen von 30— 45 M. und 2,50 M. bei Löhnen von 45— 60 M., sowie B Proz. für Akkordarbeit und 1- M. wöchentlich für Arbeiterinnen.— Die Arbeitervertreter erklärten die Annahme dieses Vorschlages für unmöglich und brachen die Verhandlungen ab, um die Entscheidung der Versammlung der Kollegen und Kolleginnen zu überlassen. Die Versammlung verwarf nun nach lebhafter Diskussion den Borschlag der Prinzipale als viel zu gering, zumal seit 6 Jahren keine Lohnerhöhung erfolgt ist. Auch wurde der Vergleichsvorschlag, den die Arbeitervcrtreter in jener Verhandlung mit den Prinz,- palen gemacht hatten, als nicht genügend bezeichnet. Es wurden vielmehr folgende Forderungen bescklosien: Lohn- arbciier erhalten wöchentliche Zulagen von 10 M. bei Löhnen bis zu 45 M. und von 8 M. bei Löhnen von 45— 60 M.l Akkord- arbetter erhalten wöchentlich 730 M. und Arbeiterinnen wöchentlich 3 M.— D,ese Forderungen sind am M v n t a g f r ü h in den Be- trieben zu stellen. Eventuell will man die Konsequenzen ziehen. Frauen-LeseabenüL. Schöneberg. Heute. Montag, 8 Uhr abends, Leseabend bei Krause, Rubensstraße 20, Ecke Begasstraße. Ms aller Welt. Um den Tod des Kindes. Wien, 10. März. Die Gemahlin des hiesigen brasilianischen Honorarprofessors Jäger verübte aus Schmerz über das Ableben ihres KindeS einen Selbstmordversuch. Als der Gatte in die Wohiving kam, fand er seine Frau scheinbar leblos auf. Er griff sogleich nach einem Revolver, feuerte ihn gegen seine Schläfe ob und brach tot zusammen. Frau Jäger kam wieder zu Bewußtsein und wurde'ns Spital gebracht Der Schiffsbau in Hongkong. Haag, 11. März. k.,Franks. Ztg.") Reuter meldet auö London: Da? mneriknnifche-'Handelsmrnisternnn tn Washington macht in fsinen Berichten interessante Mittellungen über den Schiffsbau in Hongkong, der, wie die Berichte sagen, in den nächsten Monaten einen namhaften Beitrag an Schiffsraum im fernen Osten liefern weiche. Für die Fahrt von Singavorc nach Hongkong und für scharfen Kückenmesser die Pulsadern auf und mußte nach der � Andere Linien seien �zahtteiche �Schts se� im �Bau. um die Schifsahrt, Charite gebracht werden. Er ist so schwer verletzt, daß er noch nicht �"...... �..c.,.—<- v vernommen werden konnte. Der' Entkommene ist ein älterer Bruder von ihm. Ter heutigen Vollversammlung des Zweckvrrbandes Groh- Berlin liegst unter anderen Gegenständen eine Vorlage zur Kennt- niSnabme vor. in b?r der Verbandsdirektor über die Ergebnislosig- lest seiner Verhandlungen rat! der preußischen Staatsregicrung wegen der baulichen Erschließung fiskalischer Ländereien berichtet. Zu dieser Vorlage haben die sozialdemokratischen Mitglieder der VerbandLversammlnng folgenden Antrag gestellt: die vor dem Kriege durch Deutsche ausgeübt wurde, zu verdrängen. Verschiedene große Dampfschiffc seien gebaut, auch sei in der Kolonie der Bau zahlreicher kleinerer Dampfer, Schleppdampfer und Leichterschfffe im Gange. Ein großer Teil des Materials für den Schiffsbau in Hongkong komme gegenwärtig aus den Ver- einigten Staaten. Berantwortlich sür Politik � Hermann Müller. Temvelboi: für den übrigen Teil d. Blattest Ulfred Scholz. Neilkölln; iür Inserate: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruck« re> ir Verlagsanilalt Paul Singer& Co Berlin SW. VeM der freien Gast- und SchanKvirte Dentschlands. Bezirk Tegel. Am 9. Närz verschied unser langsähriger Kollege krast Zentner im Alter von 55 Jahren. Die Beerdigung stndet am Dienstag, den 13. März. nach. mittags 3'/, Uhr, auf dem Tegeler Friedhof statt. Um rege Beleillgung bittet Ter Vorstand. Spezial-Mzt Dr. med. Hasche, f riednchslr. 90 afÄS* Bshandl. von Syphilis, Bant.. Harn». Frauen leid.,(pejchton. Fälle. Ebrüch-Hata-Kuren. schmerzlos«. kürzest! Betanvttmg ohne Be- russstörung. BiutuntersuchtM! Prciie. Teilzahlung- Spreö 10—1 und 5-�. Sonnr 11—1. Obren- Goldwaren Pllta A Co., Lindenstr. 109. Zigareiten �trftlrt von(?©r IToKrilk1 direkt von der Fabrik JOO�is ICC/ 100,. 100, 100, Versand von 100 Stück an. TmemiBn prima Qualitäten, von iiyflrreii ,00.- d.M.- m. p. bkiiie Goldenes üiüs MrellenlM G. b. m. H.• Berlin. Frledrlehatraße 89. Fevaopr. Zentrum 7437, en Originalpreiseu"MW Klelmrerkanf 1.0 Pfg. 130 3, 2.30 3'chSO ti' m 6,2. 4,60 nur �egen Nachnahme Admlralwpnlnst. 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