Ur. 118. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel! jährlich Z.so Mark, monatlich I.io Mk., wöchentlich 29 Pfg. frei in S Haus. Einzelne Nummer » Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage»Neue Welt" lo Pfg. Post-Abonnement: «.ZoMt.pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mk.pr.Wonar. Singelr. In der Post- Zeilungs- Preisliste für 1924 unter Nr. 9912. 11. Jahrg. Jnsertions-Aebühr beträgt für die sünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Verfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags tn der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abend«, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Bor- mittags geöffnet. tenisprecher: Am» l, Ur. lvOS. Telegramm- Adresse: «Koiialdemostrat verliu!' Verllner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.Ig. Veutö-Strake 2. Freitag, den 33. Mai 1894. Zrpediticin: LV. 19, ZZeuth-Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Zier! Freisinnige Steuerreform in Kerlin! Die Diskussion über das Kommunalabgaben- Gesetz, ivilchcs am 1. April nächsten Jahres in Kraft tritt, zeitigt gar wunderbare Blüthen. Man sollt's nicht glauben, Wasserstiesler und Wadenstrümpsier liegen sich versölmt in den Armen, und Eugen Richter und Alexander Meyer stürmen vereint gegen den Plan los, die Mielhssteuer abzuschaffen. In Geldsachen hört nicht nur die Ecmüthlich- leit auf, sondern es geht auch dabei das Prinzip in die Brüche — wenigstens beim Freisinn. Aus Furcht vor einer Erhöhung der städtischen Ein- kolnmensteuer läßt der Führer der freisinnigen Volkspartei in seinem Organ, in der„Freisinnigen Zeitung", die Miethssteuer mit Gründen vertheidigen, deren sich die „Kreuz- Zeitung" wirklich nicht zu schänien brauchte. Die Heuchelei des Freisinns kommt wieder einmal drastisch zum Ausdruck. Im Reichstage und Abgeordnetenhause, wo sich die Freisinnigen den Luxus der Minorität gönnen dürfen, wird gegen die indirekten Stenern gewettert. In Berlin, in dessen Verwaltung sich die männliche und weibliche Linie des Freisinns theilen, wird das schwere Geschütz der„Frei- sinnigen Zeitung" aufgefahren, nur eine der bösartigsten, mit allen Wirkungen der iildircktcn Steuern behaftete Kommunalabgabe ausrecht zu erhalten. Wir sind nicht davon überrascht, daß die„Freisinnige Zeitung" die Führung in dem Kampfe für die Verewigung der Miethssteuer übernimmt, wissen wir doch, daß der Liberalismus für die wirthschaftlich Schwachen stets nur scböne Worte hat, und seine politische und namentlich gesctz- gcberische Macht immer nur in den Dienst des Kapitalismus zu stellen gewohnt ist. Uns ist es auch sehr recht, daß die„Freisinnige Zeitung" in einem Zlngenblick, wo sie die Pflicht hätte, mit ganzer Energie dafür einzutreten, daß die von ihr gepredigte Theorie der Abschaffung der indirekten Stenern, wenigstens ans einem Gebiet praktisch durchgeführt wird, sich so schamlos prostituirt, daß sie sich selbst ins Gesicht schlägt, und in der Eier, die Millionäre vor einer Erhöhung der Steuerlast zu schützen, alles über den Haufen wirft, was ihre Partei seit langen Jahren gegen die Miethssteuer gesprochen und gc- schrieben hat. Was werden aber die biederen Bczirksvereins-Philister, die braven Fortschrittsredner, die in zahllosen Rede» und Resolutionen über die Niederträchtigkeit der Mielhssteuer Jxuinciou. Der Jude.' Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. S p i u d l e r. Dreizehntes Kapitel. Riefst du einmal»ur die Schuld zur Frohne. Ewig dienst du ihr dann als stöhnender Knecht. Wer Liebe und Unschuld vereint und traulich zu Tafel sitzen sehen wollte, mußte an den Tisch des Wildmeisters Bilger voi» der Rhön treten. Mäßig war er besetzt von Gästen und Speisen, allein aus den Gesichtern der beiden Ehegatten, wie des zwischen ihnen spielenden Kindes lachte eine Zufriedenheit, welche die mageren Fastengerichte in einen köuigsnppigen Pfingstschmauß verkehrte. Die Sonne eines heiteren Tages, wie ihn nicht selten der scheidende Hornung bictct, schaute behaglich durch die weiten Fenster des Mörs- burger Schlosses ans den kleinen Haushalt des Wildmeisters, dem gerade sein Weib in kindlicher Einfalt noch einmal alle Wunder und Festlichkeiten der Fastnacht zu Costnitz er- zählte, welche sie schon öfters zum Besten gegeben hatte. Mit liebevoller Geduld horchte Bilger der Geschwätzigen zu: das Töchterlein, halb ans dem Schöße der Mutter gelehnt, stellte sich ebenso aufmerksam, und selbst der Bären- sänger Haltan schien, vor den» Tische ausrecht sitzend, und das Gesicht in die Sammetfalten des beschauenden Ernstes gelegt, das stille Vergnügen seiner Herrschaft zu lhcileu. Des Herrn von der Rhön Aufnicrksamkeit war dennoch von dem oft gehörten Bericht nicht so sehr in An- gedonnert haben, ft»gen, wenn sie mit einem Mal« durch di« „Freisinnige Zeitung" hören, daß die Miethssteuer beibehalten werden muß, damit die Reichen in Berlin nicht in ihrer Thätigkcit des Konponabschueideus gestört und nicht geärgert werden durch eine, bei Aufhebung der Mielhssteuer etwa uothwendig werdende Erhöhung der Einkommensteuer. Die Sorge vor entsprechenden Zuschlägen zur Ein- kontnicustener raubt der„Freisinnigen Zeitung" all und jede Ucberlegung und läßt sie die Beibehaltung der Mieths- stcuer mit den dülnmsten,— vielleicht ist es richtiger zu sagen— mit den infamsten Gründen vertheidigen. Die„Freisinnige Zertung" giebt zu, daß die Mieths- stcuer nach unten progressiv wirkt, aber das hindert sie nicht, dieser Bcftericrnngsart das Wort zu reden. Ein feiner Freisinn und echte Volks- und Arbeiterfrcuudlichkeit ist's, sich für eine Steuer zu begeistern, welche die Miethe des Armen bis vor wenigen Jahren in Berlin mit deni- selben Steuersätze belegte als die Wohnung des Millionärs. Das Organ des Herrn Eugen Richter iveiß ganz genau, daß die Quote des Eiukommcus, welche für Miethe gezahlt wird, immer höher ivird, je geringer das Ein- kommen ist und daß umgekehrt die Einkommensqnote für Wiiethe sinkt, je höher das Einkommen steigt. Trotzdem empfiehlt die„Frcis. Ztg." in blinder Vertheidigung der kapitalistischen Interessen die Beibehaltung der Wohunngs- bestcuernug und verzichtet damit kaltblütig auf die Wahrung der hygienischen Interessen der großen Piasse zu guustcu einer Handvoll reicher Leute. Mit großer Beredtsamkeit bekämpft Herr Richter im Reichstage als Redner der Minorität die Zölle auf Lebensmittel, und in Berlin, dem Sitze der freisinnigen Stadtrcgierung, giebt sein Organ eines der allcrnolhwendigslen Lebensbedürfnisse— die Wohnung— einer geradezu grausamen Besteuerung preis. So zeigt sich der Freisinn in Theorie und Praxis. Da der Mielhswerth je nach der Gegend und Lage der Wohnung verschiede» ist, so behauptet die„Freisinnige Zeitung", kann man sich auch billige Wohnung und da- durch einen geringeren Miethssteucr-Betrag beschaffen..— Diese volkswirthschaftliche Weisheit in ehrliches Deutsch übersetzt, heißt nichts anderes, als daß die minder wohl- habenden Einwohner, um an Miethsstener zu sparen, sich in ungesunden, engen, weit entlegenen Wohnnngsränmen zusammenpferchen sollen, damit die Reichen in ihren Nillcn und Palästen nicht durch angemessene Einkommensteuern de- lästigr werden. Herr Dr. Miguel wird an der Fiskalität der„Freis. sprnch genommen, daß er das Geräusch überhört hätte, das sich in dein Hofe vernehmen ließ; den Hufschlag ankommen- der Pferde, das Rufen der Reiter, und die langgehaltenen Hornstöße des Wächters. Er eilte, an das Frusler zu kommen, und erblickte, da er die gemalten Flügel aufschlug, mehrere in des Kaisers Farben gekleidete Knechte auf dem Bnrgplatze, theils zu Gaule sitzend, theils einen aalglatten Schimmel haltend, dessen reiches Sattelzeug allsobald den vornehmen Reiter verrieth. Der Pförtner machte aus seinem Hütlchcn die Geberdcn der größten Verwunderung nach dem herabschaucuden Wildmeister herüber, und das Räthscl löste sich diesem bald, denn die Thüre sprang auf, und der Kaiser selbst trat im einfachen Reitkleide herein,.... den Vogt verabschiedend, der ihn bis hieher geleitet hatte. Bilgers und seiner Gattin freudiges Erstannen wuchs, da der Fürst mit der ihm angeborenen Freundlichkeit und Herablassung alle Bewillkommnung von der Hand wies, Reverenz und Gewandkuß untersagte, und so vertraulich am Tische ans einem Schemel ohne Lehne Platz nahm, als sei dieses seine ihm zustehende Stelle.„Keine Zierereien!" sprach Sigmund, während er durch seinen Wink den Hans- Herrn sammt Ehewirthin in die kaum verlassenen Lehn- ftühle wies, und das lächelnde Kind auf den Schooß zog, in den warmen Marderpelz.„Wenn man gute Freunde heimsucht, thut man sich weder Zwang an, noch duldet man ihn; und ich denke ja, ich bin bei guten Freunden."„Bei den trenesten Dienern Ew. römischen Majestät ver- sicherte der Wildmeister.—„Ich wollte mich von Enerm Wohlsein überzeugen", fuhr der Kaiser fort:„und sehen, wie das holde Weiblein hier im Hauswesen sich be- nimmt." Die Wildmeistcrin erröthete verschämt; Bilger aber er- widerte:„Mit drei Worten, gnädigster Herr, kann ich Euch Zeitung' seine hell« Freude gehabt haben, als er laS, daß die Beibehaltung der Miethssteuer unter anderem auch mit der Geri:.gsügigkcit der ErhebungSkosten beg.ündet wird. Wirklich, besser können es die Gamp und Konsorten auch nicht machen. Die„Freisinnige Zeitung" kann nicht umhin zuzu- gestehen, daß die Miethsstener die kinderreichen Familien stärker belastet, weil dieselben größere Wohnungen gebrauchen, hält diesen Vorwurf gegen die Miethssteuer jedoch um des- wegen für nngccechtfertigt, weil kinderreiche Familien auch den Gemeinden größere Kosten verursachen. Als Beweis für diese Behauptung wird der Kommunalzuschuß für den Volksschnl-linterricht ins Feld geführt. Das nimmt sich hübsch aus in einer liberalen Zeitung, diese Klage über die Kosten des Volksschul-Untcrrichts. Da- bei ist die„Freis. Ztg." natürlich so vorsichtig, zu ver- schweigen, daß der Betrag, den die Stadt Berlin für jeden Besucher der höheren Knaben- und Mädchenschulen als Zuschuß zahlen muß, sehr bedenkend höher ist als die Summe, welche bei dem unentgeltlichen Unterricht in den Gemeinde« schulen für den einzelnen Schüler verausgabt wird. Die Begeisterung der„Freis. Ztg." für die Mieths- stcuer gipfelt in dem kaum glaublichen Vorschlage, daß die Miethssteuer für gewerbliche Räume unter allen Umständen beibehalten werden muß. Die verstocktesten Vertheidiger der Miethsstener haben immer zugegeben, daß es eine schwere Ungerechtigkeit ist, daß gewerbliche Räume mieths- steuerpflichtig sind. Seit Jahrzehnten bemühen sich weite Kreise der Berliner Bürgerschaft, diesem unwürdigen Zu- stände ein Ende zn machen. Namentlich die Handwerker und die Kleingewerbtrcibendcn beschweren sich mit Recht über die Besteuerung ihrer Werkstätten und Läden und da kommt die„Frcis. Ztg." in dem Bestreben, die Ein- kommensteuer möglichst tief zu erhalten, und verlangt unter allen Umständen die Beibehaltung der Miethssteuer für gewerbliche Räume. Unverhiilltcr und unverschämter können die Interessen des Kapitalismus in der That nicht vertreten werden. Ab- gesehen davon, daß es überhaupt unsinnig ist, den Raum, welcher die Voraussetzung für die Möglichkeit des Erwerbs und damit für die Steuerfähigkeit bildet, einer Besteuerung zn unterwerfen, werden auch hierbei ivieder die Großen zum Nachtheil der Kleinen bevorzugt. Man denke nur daran, daß der Handwerker und Kleingewerbetreibende für seine Werkstatt bczw. Magazin oder Belriebsränme im Ver- hältniß viel mehr Platz braucht als der Großindustrielle, und infolge dessen auch entsprechend höher belastet ist als hierüber berichten, ich bin glücklich. Meine Katharine ist das Gestirn, das mildiglich meinen Lebensweg überstrahlt, und sich in unsern Kleinen zu unsrer Wonne verdoppelt bat."—„Wie bin ich froh, solch Zcugniß aus Eurem Munde zu vernehmen, Herr von der Rhön," versetzte der Kaiser;„so hat denn doch der Befehl Eures Vaters, dem Ihr so lauge ividerstrebtet, gute Früchte getragen. So stößt man oft die Perle lange zurück, die uns das Schicksal wohl- wollend reicht. Ihr habt noch zu rechter Zeit die Hand aufgethan. Wohl Euch!" Mit verdüstertem, aber freundlichem Blicke reichte Bilger seinem Weibe die Hand. Sigmund fuhr indessen fort: „Ihr Leute wißt gar nicht, wie glücklich Ihr seid. Ihr freut Euch des Daseins in Eurem eigenen Hause, während Meinesgleichen in weitläufigen Burgen und Städten mit dem Mißmuth Hand in Hand gehen. Es ist ein schwer Ding um das Regiment über Land und Leute. Wie gerne vertauschte ich den Fürsteupelz mit Eurem Rocke, und würde ein Wildmeister wie Ihr. Aber so ist es mein Berus, der ganzen Welt Händel zu schlichten, ivic es eben geht. Hier soll ich begnadigen, dort mit dem Schwert dreiuschlagen; an allen Orten soll ich zugleich sein. Bald machen mich die Städte unwirsch, bald Hab' ich's mit der Herrenbanl verdorben; die Fürsten spreizen sich, die Bauern murren, die Ketzer predigen alles Unheil. Gegenwärtig Hab' ich's mit der Geistlichkeit zu thuu, und der liebe Gott helfe mir gnädig über diesen stachlichen Zaun. Hab' ich aber auch mit Angst und Roth dem Staatslebeu so ziemlich auf- geholfen, flugs reiben sich gewöhnliche Finsterlinge an meinem Ansehen im gemeinen Bürgerleben. Hat sich nicht erst vor kurzem bei einem gewissen verdrießlichen Handel ein Dumm- barl unterstanden, sich für meine Person auszugeben, und mich dadurch vor aller Welt in einen ärgerlichen Verdacht icucY. Agenten, Versicheriingsgesellschaften n. s. w., deren ilmfatz nach Millionen zählt, können sich nnt einigen Zimmern begnügen. Der Börsenjobber, der täglich Hundert- rauscndc umschlägt, kann sein Quartier in irgend einem Cafe aufschlagen, während der Handwerker und die kleinen und mittleren Gewerbetreibenden in sehr viele» Fällen thcriere Lokale halten müssen und durch die Micthssteuer noch extra schwer belastet werden. Diesen Zustand, dessen UnHaltbarkeit klar auf der Hand liegt, will die.Freisinnige Zeitung" aufrecht erhalten nur wir müssen es inuner wieder betonen— um einer stärkeren Heranziehung der Neichen ans dem Wege der Ein- kommcnstencr vorzubeugen. „Tie Opposition der„Freist Ztg." gegen die Auf- Hebung der Miethvstener ist um so skandalöser, als die ganze Freist nnsprcsse ebenso wie die freisinnigen Parka- mentarier und Berliner Stadtväter von Wohlwollen für die wirthschaftlich Schwachen förmlich triefen, wenn es zu den Wahlen setzt. In dem Augenblick jedoch, wo es sich ernsthaft darum handelt, den Armen und Bedrängten Schutz zu gewähren, den Ar- beitern und dem Mittelstand Steuererleichterungen zu schaffen, da versagt die Volksfreundlichkeit des Freisinus, da marschirt allen voran die„Freis. Ztg.", um das heilige Kapital zu schützen. Wie schmachvoll und in welchem Umfange die„Freis. Ztg." sich zum Zuhälter der Großkapitalisten macht, geht aus folgender Tabelle hervor, die klar und deutlich zeigt, daß die Aufhebung der Miethssteuer, selbst bei starker Erhöhung des Einkommcnsteuer-Znschlags, einzig und allein den ganz hohen Einkommen eine kleitie finanzielle Belastung bringt, während Arbeiter, Handwerker, Klein- pewcrbe, die kleinen und mittleren Beamten, der ganze Mittelstand bis zu sehr bedeutenden Einkommen hinauf durch die Aushebung der Miethssteuer entlastet werden. Bei unserer Aufstellung sind die sehr erheblichen Er- sparnisse an Miethssteuer bei gewerblichen Räumen noch nicht in Anrechnung gebracht, sondern es ist nur wirkliches Eiukomnten angenommen und danach die Einkomlucnsteucr- sätze berechnet worden. Die angenommenen Miethen entsprechen ebenfalls der Wirklichkeit, wenn auch vielleicht in einzelnen Fällen ab- weichende Miethssätze vorhanden sein sollten. Einkommen M. Miethe Mk. Mieths- steuer o/o Betrag Mk. Ein- Vv men- stener 100 o/o Mk. Miethssteuer plus Ein- kom« men- steuer von 100°/o Mk. Ein- kom- men- steuer zu 120 o/a Mk. Zahlt bei Aushebung der Mieths- steuer undtLOpCt. Ein- kommen- steuer wentger Mk. 900 225 2 4.50 6 10.50 6.20 4.90 1200 900 2 6,— 12 18— 14,40 9.60 1 500 975 2 7.50 21 28,50 25,20 3.30 1300 450 3 19.50 31 44.50 97.20 7,30 2 400 600 3 18.— 44 62.— 52.80 9.20 3 000 750 4 30.- 60 90.— 72.- 18.— S60O 900 5 45,- 60 125,— 96,— 29,— 4 500 1 125 62/3 75,— 118 193,— 142,60 50,40 6 000 1 200„ 80,— 160 240,- 192,— 48,— 9 000 1 800„ 126.— 276 402,— 331,20 70,60 12 500 2 500„ 167,- 390 557,— 468,— 89,- 18 500 3 000„ 200,— 570 770,— 684,— 86,— 24 500 4 000„ 240,— 750 990,— 900,— 90,— 32 000 4 000„ 240,- 1 040 1 280,- 1248,— 32.— 50 000 5 000„ 800,- 1 760 2 060,- 2112,— 58 60 000 6 000, 400,— 2 160 2 560,-2592,— 32 100 000 6 000„ 400,- 4 000�4 400.— 4800,- 400 Wir sind bei Ausmachung vorstehender Tabelle der Annahme der„Freisinnigen Zeitung", daß bei Aushebung der Miethssteuer die Stadt 120 pCt. Eintomnicnstener er- heben müsse, gefolgt, obgleich dies durchaus nicht noth- wendig ist, denn bei einer angemessenen Besteuerung des Grundbesitzes und namentlich bei steuerlicher Heranziehung der zum Zweck wüster Terrainspekulationen in Privat- besitz befindlichen Bauplätze läßt sich sehr gut mit einer ge- ringeren Einkommensteuerquote auskommen. mehr Mk. Jndeß selbst bei 120 pCt. Einkonimensteuer ergiebt unsere Tabelle, daß erst die Einkommen von 50 000 Mark aufwärts stärker als bisher in Anspruch genommen werden. In dem Mitleid mit diesen Millionären ist uns die „Freisinnige Zeitung" allerdings über. Wir scheren uns den Teufel darum, ob diese Herren 10 pCt. ihres Ein- kommens an Steuern zu zahlen haben. Auch die Sorge der„Freisinnigen Zeitung" vor Auswanderung der Neichen theilen wir nicht. Der Kapitalismus räumt das Aus- beutungsfeld nicht so leicht, und wenn es sein muß, zahlt er lieber Stenern, als daß er darauf verzichtet, aus den Knochen der Arbeiter Mehrwerth herauszuschinden. Eitel Flunkerei ist es, wenn die„Freisinnige Zeitung" schließ- lich, um einen Trumpf auszuspielen, noch behauptet, bei Aushebung der Miethssteuer müssen indirekte Stenern in Berlin eingeführt werden. Das ist nicht wahr. Das wäre nur der Fall, wenn die städtische Verwaltung sich gleich der„Freis. Ztg." in den Dienst der Groß- kapitalisten stellen und an dem Altar des Mammonismus Wache stehen würde. Wer übrigens wie die„Freis. Ztg." sich die Mieths- steuer als Steucrideal erkiest, der hat wirklich kein Recht mehr, über indirekte Steuern zu zetern, denn schlimmere Wirkungen als die Miethssteuer sind bei keiner indirekien Steuer zu finden. Es ist charakteristisch für den Liberalismus in Berlin, daß die„Freis. Ztg." als Vertreterin des linken Flügels des Freisinns eine Steuerpolitik pflegt, die dem Geldsack der Reichen Vortheile bringt und der übergroßen Majorität der Bürgerschaft schwere Nachtheile zufügt. Ein Gutes aber haben die Darlegungen der„Freisinnigen Zeitung" doch. Die Bürgerschaft Bcrlin's weiß nun ungefähr, was sie von dem Freisinn bei der bevorstehenden Kommunal- steuer-Reform zu erwarten hat. Die„Freisinnige Zeitung" hat die Maske gelüftet und fordert in echt manchesterlicher Vertretung der groß- kapitalistischen Interessen die Beibehaltung einer Steuer, die vom Volke gehaßt und von den meisten National- ökonomcn als ungerecht und schädlich verurtheilt ist. Im Reichs- und Landtag verlangt die freisinnige Partei Beseitigung der indirekten Stenern und Forlfall der Zölle auf nothwendige Lebensbedürfnisse. In der Gemeinde soll nach der„Freisinnigen Zeitung" gerade diese Steuerform einen Hanpnheil der städtischen Einnahmen bilden. Wie lange noch werden sich die Kommimalwähler Berlins an dem Rarrenseil. der freisinnigen Partei herum führen, wie lange noch werden sie sich die Doppelzüngigkeit des Liberalismus gefallen lassen?— Z>olikiliisie Aclrcvlrckik. Berlin, den 24. Mai. Achtung, der Miqitel geht um! In der gestrigen , Sitzung des preußischen Abgeorductcnhanses bcantwortele Herr Miqnel eine bei seinem früheren Parteigenossen v.Eynern bestellte Interpellation, er brachte dabei wieder die Biersteuer ans die Bildfläche. Darüber werden sich die Herren Nösicke und Ringgenossen kaum verwundern. Ihre frivole Kampfes- weise, die plötzliche Einschränkung des Betriebes, die von ihnen lcichlfcrtig hcrausbeschivorcne kolossale Beschränkung des Konsnnis in Verbindung mit der gigantischen Höhe der Dividenden müssen es jedem Finanzuiinister nahe legen, die Bestcuernng des Vieres jeder anderen indirekten Steuer vorzuziehen, besonders wenn, wie gerade der Boykott bc- weist, beim Bicrkonsnm am leichtesten die Steuer von den Kousnuienten ans die Produzenten zurückgewälzt werden kann. Herrn Nösicke wird kein Denkmal von der deutschen Bierindnstrie gesetzt werden. Sein Feldzug gegen im« schuldige Arbeiter kann zur schwersten Schädigung der ganzen deutschen Bran-Jndustrie führen.— Ti« Abschreckniigstheorie, deren Unsinnigkeit jetzt in Frankreich so wirkungsvoll vermittels der Gmlloline bewiesen wird, scheint sich in Deutschland für ihre französischen Mißerfolge entschädigen zu wollen. Die Vor- kommnisse in dem Gummischlauch- Prozeß, die gegen Gnmploivicz beantragten sechs und ein halb Jahre Ge- fängniß als Strafe für eine Vertheidignugsrede, die exorbitanten Ecfängnißslrascn, verhängt über den Verleger gezogen? Doch übergenug. So wie des römischen Reichs erwählter Kaiser den ersten Mann vorstellt in der Christen- heit, so sind seine Sorgen auch die größten, und darum bitte ich geziemend das liebliche Weiblein um einen Becher Wein, damit ich, auf ihre Gesundheit trinkend. Gram und böse Erinnerung vom Herzen schwemmen möge." Eifrig gehorsam stand die Wildmeistcrin auf, griff nach den Schlüsseln am Schenktisch und eilte nach dem Keller, um dem vornehmen Gast den verlangten Labetrunk so frisch als möglich zu reichen. Der Kaiser legte das auf seinen Knien entschlummerte Mägdlein behutsam, wie eine sorgende Mutter, ins Rnhcbcttlein, und setzte sich wieder zutraulich zu dem Wildmeister, der, seinem Willen zuwider, ebenfalls sitzend verharren mußte.—„Bilger," sprach Sigismund leiser:„Ich muß Euch bekennen, wie es nicht eitel Zufall ist, daß ich mich hierher begeben, obschon mir augmehm ist, wen» die Leute glauben, daß es auf einem unbestimmten Lustritte, oder Euch zu Liebe allein geschehen sei. Eigcnt- lich jedoch bin ich hier, um ein Amt zu verrichten, das nicht zu den Regalien gehört; das Marschalkcnamt näm- lich.— Eine edle Frau, an deren Schicksal ich viel Thei! nehme, wünscht einige Tage in strenger Abgeschlossenheit in diesem Hause zuzubringen, da ihr zu Costnitz, wie sie bc- fürchlet, eine nicht geringe Gefahr droht. Das schwache Weib zu schützen, ist jedes Ritters Pflicht; um wie viel mehr die Pflicht des Kaisers also, der ein Meister ist über alle Ritter deutschen Volks. Ich habe der edeln Frau meine Obhut zugesagt in diesem Schlosse, das der Bischof vom Reich zu Lehen trügt, und vertraue sie Eurem absonder- lichen Schirm, so daß Ihr keinen Menschen in ihre Nähe lasset, der ihr Unheil bringen könnte." „Das Vertrauen meines kaiserlichen Herrn zu recht- fertigen, wird mein Bestreben sein," versicherte Bilger von der Rhön.—„Heute noch wird das würdige Frauenbild hier eintreffen," fuhr der Kaiser fort:„Ich verbiete aus- drücklich, nach ihrem Namen und Stand zu forschen. Ich habe ohnedies das Mißgeschick, nieine Huld gegen ehren- werthe Frauen häusig verkannt zu sehen: ich will nicht ihren Namen der Verleumdung preisgeben. Es ist nichts Zarteres, als des Weibes Leumund. Wie gesagt jedoch: Euerm Schirm vertraue ich die Freundin, und eiupsehle sie der Tienstfertigkeit Eurer Eheivirthin, da sie, wie ich vermnthe, ihre Leute zu Costnitz lassen wird, bis die böse Konjunktur vorüber."—„Es soll geschehen, wie kaiserliche Majestät befiehlt," erwiderte Bilger unterwürfig, und der Kaiser wurde durch solche Bereitwilligkeit dergestalt in gute Laune versetzt, daß er den Becher, den ihm Frau Katharine kredenzte, in einem Zuge aus das Wohlsein des Hauses von der Rhön lcerie.—„T an»!" lächelte der Wildmeister: „es ist hohe Zeit. Ich bin der einzige und letzte meines Stammes, seit mein Vater vor einem Jahre zur Grube fuhr, und mir wird das Wappenschild nachgeworfen, wenn meine gute Hausfrau mich nicht mit einem Sohne erfreut." —„Tröstet Euch niit Kaisern und Königen, denen es dann und wann um nichts besser geht;" versetzte Sigmund:„und freut Euch, in dem Alter zu sein, das eine Hoffnung noch zuläßt. Nun aber, lieber Wirlh, laßt uns zu Roß steigen, um Euerm holde» Gaste entgegen zu reiten. Er kann nicht mehr lange säumen."— Der Kaiser umarmte zum Ab- schiede Frau Katharinen auf das Zärtlichste, drückte einen Kuß auf ihre Stirn und Wange, ließ die goldene Kette von seinem Halse auf das Bettlein des schlummernden Kindes gleiten, und schied. Ter Wildmeister ritt zu seiner Linken, und sie waren noch nicht weit vor das Städtlein hinaus- gekommen, als schon in der Ferne eine Sänfte sichtbar wurde, von einigen Reisigen geleitet. Der Anführer der- selben— ein bnntgekleideter Rittersmann, stolzirte selbst- genügsam voran.„In dem Wiedehopfe erkenne ich meinen Mann!" sprach der Kaiser lächelnd zu seinem Begleiter, und winkte den Scheckigen heran, der anch dienstfertig her- znsprengte, während die Sänfte zögernd folgte. Drei Schritte von dem Kaiser entfernt, warf sich der Reiter vom Gaule, und nahte dem Fürsten mit allen Zeichen betroffener Ehr- furcht.„Sieh da, mein Herr von Königseck!" redete ihn Sigmund, sich verwundert stellend, au:„Unverhofft kommt oft. Bei des hciü Stephans Krone! Wie kömmt es, daß Ihr Euch aus der warmen Stube in den Frost wagt? Wer ist die Schönheit, die Ihr in jener festverschlossencn Sänfte zu geleiten scheint?"—„Meine Braut, gnädigster Herr;" versicherte der Geck wohlgefällig:„sie hat den Wunsch ge- äußert, einige Tage in dem Hause des Wildmeisters zu Mörsburg zuzubringen, dessen Gattin ihr sehr nah be- des„Sozialist" und über den Redakteur de?„Sozial« demokrat" wegen Abdruck einer den Militarismus be- treffenden Notiz aus einer liberalen Zeitung aus dem Jahre 1843— diese Vorkommnisse aus jüngster Zeit stehen offenbar in einem inneren Zusammenhang und lassen sich nicht anders deuten, als dahin, daß die Abschreckungs- theorie in unsere Rechtsvflege eingeführt werden soll. Oder glaubt man etwa das Auschen der Justiz durch ein solches Handeln zu heben? Das wäre eine arge Täuschung. Und es ließe sich leicht nachweisen, daß die Justiz eines Volkes, die durch Strenge und Härte der Strafen sich in Respekt zu setzen sucht, am tiefsten im Ansehen steht, und daß über- Haupt eine Justiz, die auf die Furcht ihr Ansehen gründen will, sich jeden Anspruches auf Ansehen und Achtung begiebt. Sott aber der Zweck solch rigoroser Praxis der sein, von „Verbrechen" abzuschrecken, dann wären die, welche derartiges im Auge haben, erst recht schlecht berathen. Sie werden bald finden, daß sie von vollkommen falschen Voranssetznugen ausgehen,— sie werden nur den Widerstand herausfordern, und die Abschrcckungsthcorie wird in den politischen Pro- zessen ein ebenso jämmerliches Fiasko erleiden, wie sie in der gcineiucn Krimiual-Rcchtspficge es längst erlitten hat. Ein Zeichen der Zeit aber ist es jedenfalls, daß ein so barbarischer Plunder, den man längst in die Ruinpelkauimcr geworfen glaubte, und der höchstens in Zeiten des Bürger- triegcs und der Revolution, wenigstens höchster politischer Erregung, hervorgesncht wurde, jetzt, in einer Zeit des tiefsten politischen Friedens unter dem„neuen Kurs", wieder zum Riistzeug der Justiz gemacht werden soll.— Presse und Justiz. Die Verurtheilung des verantwortlichen Redakteurs des„Sozialdemokrat", deren wir noch an anderer Stelle erwähnen, ist unter so eigcnthümlichcn Umständen erfolgt, daß wir nochmals auf dieselbe zurück- kommen müssen. Zunächst sei zur Orieutirung aus einer „in eigener Sache" betitelten Erklärung, welche unser Kollege, der Reichstags-Abgcordncte" Max Schippel in der heutigen Nummer des„Sozialdemokrat" veröffentlicht, Nachstehendes zum Abdruck gebracht: Der verantivorllicbe Redakteur dieses Blattes, Z a ch a n- ist am Dienstag, 22� Mai, zu 6 Monaten Gefäugiiiß verurtheilt worden und zwar wegen des Artikels i» Nr. 10, Beilage:„Die Bourgeoisie und das Militär im Jahre 1348" Der Artikel enthält(ans dem liberalen„Bremer Kourier" vom 4. und 11. Juni 1648) die Wiedergabe eines jener zahllosen grotesken bürgerlich-demokratischen Aufrufe, wie sie damals von den liberalen Vätern unserer heutigen konservativen Würdenträger an die Werbe- und Stellvertretungs soldaten gerichtet wurden, und wie sie jeder Leser aus den letzten Jahrgängen der liberalen Presse— nennen wir z. B. die Sonntagsbeilage der„Vossischen Zeitung"— und aus jeder„Revolutionschronik" oder sonst- welcher Darstellung der 1843er Geschichte unseres Bürger- thums kennt. Und weiter. Der Abdruck wird mit den Worten ein- geleitet: Was heute die Herren von der Regierung und den Kariellparteien beständig der Sozialdemokratie vor- werfe», das haben die bürgerlichen Demokraten— und damals war das ganze intelligente Bürger- t l, u m demokratisch— in den 40er Jahren eifrig selber gelhan... In zahllosen Zeitungsartikel» wurde dieses Thema berührt, eine Sprache gesührt, wie sie energischer kaum gedacht werden konnte. Der Artikel giebl sich also ausdrücklich als eine A b w e ü r heuchlerischer Angriffe von anderer Seite. U v endlich, er verwahrt sich zum Schlüsse in der dcullichne.i Weise gegen die Billigung der Ansichten des RufrufeZ, obwohl eine solche Verwahrung ganz überflüssig ist für einen Jeden, der auch nur eine Ahnung von der Entivickelnng des Militärwesens und der Sozial- demokratie hat. Diese Verwahrung lautet: So das Organ des anfftrebenden Bnrgerth'.rns in Bremen, also in einer der gebildetsten Städte des damaligen Deutschlands. Wenn wir heute eine solche Sprache nicht führen und garnicht führen wollen, so spiegelt sich darin ein- mal zweifellos die vollständig veränderte Cutwicklung wieder, welche die Armee nach der(wenn auch nur bruchsiückweisen) Durchführung der allgemeinen Wehr- Pflicht ganz von selber genommen hat und immer mehr nehmen wird— andererseits aber auch die viel höhrre politische Bildung, mit welcher das Proletariat heute seine Befreiungskämpfe führt. Ueber das Toben gegen Personen und über die ganz äußerliche freundet ist, und ich hielt's für meine Pflicht, ihr nnterivegs meinen Arm zum Schutz z» leihen."—„Ein kräftiger Schirm allerdings," versetzte Sigmund mit leisem Spott: „um so unangenehmer wird es mir. Euch in der Erfüllung süßer Pflicht zu hemmen. Ich bedarf Eurer; noch in dieser Nacht sende ich Euch von hinnen in einem wichtigen Auf- trage, den ich nur Eurer Klugheit anvertrauen darf. Säumt also nicht, sogleich in meinem Gefolge gen Costnitz nmzu- kehren."— Der edle Herr stand verblüfft neben seinem Pferde, und wußte nur mit einem Bückling und einer verlegenen Hiuweisnng nach der Sänfte zu antworten.—„Die Wohlfahrt Eurer Zukünftigen sei Eure geringste Sorge;" versicherte ihm der 5kaiser:„der Zufall will, daß der Wild- meister sich gerade hier befindet. Er wird für die Sicher- heil der Freundin seines Hauses stehen. Nicht wahr, nicin wackerer Herr von der Rhön?"—„Wie für mein eigen Haupt," entgegnete Bilger, der aus Unterwürfigkeit in eine Sache einging, deren fZusammenhang er nicht begriff.— Köuigseck verharrte indessen noch immer in Unschlüssigkcit. Die Sänfte kam immer näher.„Nun denn aber anch, beim Erlöser! steigt doch auf!" rief der Kaiser dem Zaudernden heftig zu,„des Königs Wille geht vor der Mmue. Ihr wißt, wie ich Euch begünstige; seid indessen auch meiner Gnade werth. Frisch zu Gaule! Da die Zucht mir nicht erlaubt, die Dame Eurer Wahl auf offener Heerstraße, in der Dämmerung des Abends, zu begrüßen, so folgt mir unverzüglich. Der Wildmeister wird die seinem Schutz Be- fohlne begrüßen, und Euch, wegen Eures schnellen Abschieds, mit meinem Gebote entschuldigen."— Der Königsecker neigte sich verlegen, und stieg langsam in die Bügel.„Seht doch den faulen Knecht!" sprach Sigmund, seinen laugen Bart streichelnd:„Ich hätte Euch mir nicht so sanmfelig gedacht. Da war der Montfort flinker, da ich ihm heute befehlen ließ, in meinen Geschäften nach Frankfurt zu reiten. Kaum nahm er sich die Zeit, noch eine Messe zu hören, und fort war er, wie ein Irrlicht. Dennoch ist er dem Tyroler zugethan, mehr, denn Ihr es mir zu sein scheint."— Diese Neuigkeit belebte auf einmal den zivischen Pflicht, Minne und Eifersucht Schwankenden.„Gott erhalte Euch, kaiserlicher Herr!" rief er hochanfathmend:„so der Moutfo« von Costnitz gewichen, will ich ja gerne für Euch Nnsfassung der Vcdeulung der S!ac>tsson»en sind inir glücklich hinaus, wenn wir ihre Rolle auch nicht unterschätzen; und unsere Agitation bewegt sich darum auch auf einem viel höheren Niveau wie das damals übliche Geschimpfe gegen„Fürsten und Piaffen und ibre Schergen". Deutlicher wird man kaum sein können. Das Urtheil des Gerichtes liegt uns in seiner Vegründnng noch nicht vor, wir lasien es daher heute noch auner Betracht. Wenn es aber in einer Berliner Lokalkorrcspcndenz heißt: Der Gerichtshof hielt den Angeklagten für schuldig. Ter von ihm angehängte Znsatz könne ihn nicht enl- lasten. Es gehe daraus hervor, daß er der- selben Ansicht huldige, wie der Verfasser des abgedruckten Artikels. — so halte ich mich als Mitglied der Redaktion wie der sozial- demokratische» Partei für verpflichtet zu erklären: daß nur politische Verblendung oder Unwahrhaftig- reit bei einiger Kcnulniß der Sozialdemokratie den Zusatz für nicht ernst gemeint hinstellen kann. Cchippel hat vollkomnwn Recht. Tie Richter haben vcrmuthlich angenommen, die abweichende Meinung sei von dem„Sozialdemokrat" nur zum Schein ausgesprochen worden, um sonst preßgcsetzlich Strafbares straflos abdrucken zu können— ein Verfahren, für das sich allerdings mancherlei Beispiele anführen lassen. Allein in diesem Fail trifft die Annahm« durchaus nicht zu. Tie Stellung unserer Partei zu dem Militarismus ist in Wirklichkeit— wie die Redaktion des„Sozialdemokrat" es ausspricht— eine ganz andere, als die der bürgerlichen Demokratie von 1848 es war; und � damit fällt das Moment fort, w e l ch e s allein eine Verurtheilung hätte rechtfertige» können: nämlich die t h a t- s ä ch l i ch e Ncbereinstiinmnng bei erheuchelter Miß- b i l l i g u n g. Die Uebereinslimmung ist nicht nur nicht vorhanden, sondern es besteht positiv der denkbar s ch ä r f st e prinzipielle Gegensatz. Die Ver- «rtheilnng � a ch a u' s ist also unzweifelhaft rechts- i r r t h ü ni I i ch erfolgt, und da es nöthig ist, derartigen Tendenzen schon in den Anfängen entgegenzutreten, so können wir es nur billigen, daß der Verfasser des strafbar befundenen Artikels, falls die Revision erfolglos bleibt, sich dem Gericht nennen und dadurch eine Art Wiederaufnahnie des Verfahrens erzwingen will.— Der Bundesrath hat in der am 23. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung die Vorlage vom 10. März d. I., be- treffend die Zollabfertigung harter Kammgarne, die Zu- stimmung ertheilt. Außerdem wurde über eine größere Zahl von Eingaben Beschluß gefaßt.— Der braunschtveigische Landtag hat sich bis zum Januar 1895 vertagt.— Auf Lebensdauer werden in Württemberg die Bürger meist er ernannt. Tiefes System hat schon zu den größten Unzukömmlichkeiten gesührt. Die Unmöglichkeit, die Unabsetzbarkeit der Bürgermeister aufrecht zu erhalten, ist� nun auf's gründlichste, in einer das Ansehen der württembergischen Verwaltung auf's schwerste schädigenden Disziplinarverhandlung gegen den Bürgernicister Hegel- maier von Heilbronn erwiesen worden. Willkürlichkeit im Dienste, Streit- und Beschwerdesucht, Unsittlich- keit, unleidliches Vcrhältniß zu den bürgerlichen Kollegen wurde den: Bürgermeister nachgewiesen. Aber all' dies ge- nügte dem Disziplinarhof nicht zur Amtsentsetzung, er wurde— man höre und staune— zu 100 M.(hundert Mark) Geldstrafe verurthcilt. Ter würdige Mann trat heute sein� Amt wieder an. Hoffentlich macht man die Bürgermeister- Stellen in Württeuiberg nicht auch noch erblich.— Ter Heilige Nock von Trier hat sich durch feinen französischen Konkurrenten in Argenteuil noch nicht heraus- locke» lassen. Dafür ist die berühmte Echternacher Springprozession mit großem Erfolg von statten gcyangen. Sechzchntansend und neunhundert Personen beider Geschlechter haben unter Führung von Geistlichen die vorgeschriebenen Sprung- und Tanzübungen— drei Schritt vorwärts, zwei zurück— mit Virtuosität ausgeführt. Wie viele sich in den Himmel oder in die Hölle getanzt haben, verrälh die Statistik nicht.— Die Höhe der Unverschämtheit. Das christliche Stöcker-„Volk" behauptet heute, daß die Agrarier sich über eine gute Ernte nicht ärgern, und nicht froh gewesen reiten, denn nun weiß ich meine Lieb' vor seinen Drohungen sicher. Doch ein Wort des Abschieds mögt Ihr mir wohl gönnen, Herr König!"— Sigmund winkte ihm kurz, aber billigend, und, nachdem er dem Wildmeister den Befehl zugeflüstert, keiner Seele,— ihn, den Kaiser ausgenommen — Zutritt zu der Fremden zu gestatten, zog er mit seinen Stallmeistern seines Weges, ohne auch nur den Kopj nach der Sänfte zu drehen, die indessen in des Wild- meisters und Königsecks Nähe anlangte. Ter letztere öffnete zierlich und geschmeidig die Vorhänge, hinter welchen eine dichtverschleierte Frau saß,— sprach mit glatten Worten von des Kaisers Willen, seinem Gehorsam und dem Schmerz, den er empfinde, sie nicht gänzlich an Ort und Stelle geleiten zu können. Zugleich stellte er ihr den Herrn von der Rhön vor, als ihren weiteren Schirm und Be- schntzer.„So lebt denn wohl, und nehmt meinen Dank, Herr von Königseck!" erwiderte eine glichgiltige Stimme, die dem Wildmeister bekannt und drohend in die Ohren klang:„Ich bin mit meinem neuen Eeleitsmaun völlig zufrieden," setzte sie hinzu und ans dem gelüfteten Schleier blickte ein Antlitz, das Bilgers Herz mit starrem Enlsetzen erfüllte. Er schwankte auf seinem Rosse, da er in Wall- rodens Züge schaute. Das Fräulein grüßte ihn unbefangen, reichte dem scheidenden Bräutigam die Hand und verschloß wieder sorgfältig die Vorhänge ihres Tragsessels, da Königseck von bannen sprengte, und der Zug sich gen MörSburg weiter bewegte. Bilger war zu Stern geworden, während im innersten Busen sein Herz tobte und hämmerte, wie das eines flüchtigen Verbrechers. Erschüttert ritt er der Sänfte nach, und blickte vergebens zum Himmel nach Trost und Fassung auf. Sein Geschick lag schwer auf ihm, und schwarz war ihm wieder plötzlich die Zukunft geworden, dunkel wie die Nacht und der Nebelschleier des Firmaments, der nur so viel Mondstrahl durchließ, als nöthig war, um die fürchterliche Pracht der kämpfenden Wolkengebirge bewundern zu können.„Das ist kein gut Zusammentreffen!" seufzte er vor sich hin:„Was soll daraus werden? O rch Unglücklicher! Ich selbst muß da? Unheil in mein Hans führen-.. mein eigenes Ver- derben an der Flamme meines Herdes nicdersitzen lassen! Wehe mir!"—(Fortsetzung folgt.) wären, wenn die drei Eisheiligen die Kornernte gezehntet hätten! Man sieht: Stöcker's, des Wahrhastigen, Geist ist noch lebendig.— Tiefer hängen! Anläßlich des internatio- nalen Bergarbeiter- Kongresses schreiben die „Münchener Neuesten Nachrichten" unter der Ueberschrift: „Praktische Arbeit und Phrase": Der„Vorwärts", also in diesem Falle der sozialdemokra- tische Parleivorstaud, belügt seine Leser in uner- hörter Weise, wenn er den inlernationalen Bergarbeiter- Kongreß in den höchsten Tönen feiert. Der„Vorwärts" behauptet, die Verhandlungen seien„glalt verlaufen" und die Tagesordnung sei bis ans Untergeordnetes erschöpft worden. Die Leitung der Verhandlungen und die Haltung der Telegirten seien„geradezu musterhaft" gewesen. Der„Vorwärts" erklärt, „allen Grund zur Zufriedenheit" zn haben. Der Bund der Bergarbeiter aller Länder sei„mit slählernen Reifen zusammen- gefügt", die sremden und die deutschen Delegirten hätten ein- ander und sich selbst„als Brüder erkannt". Von All' dem, was der„Vorwärts" hier zusammenlügt, ist das gerade E e g e n l h e i l richtig. Die Verhandlungen sind nicht glatt, sondern nulcr dem häßlichsten Gezänk verlaufen; nur nolhdürflig wurde eine völlige Sprengung des Kongresse? ver- hindert; die Tagesordnung ist keineswegs �„bis auf Unter- geordncles" erschöpft worden, und wenn die sozialdemokratischen Häupter mit den Arbeiten des Kongresses„zufrieden" sein avollen, so sind sie mehr wie bescheiden. So gut wie Alles, was der Kongreß beschlossen hat, wider« spricht den Anträgen der deutschen und der mit ihnen ver- kündeten sranzösisch- belgilchen Delegirten. Tie Engländer, nianchmal unter sich gespalten, in der Hauptsache aber stets einig, haben dem Kongreß den Stempel einer nücbtern-solidcn Alltagsarbcit aufgedrückt, die Phrasen der reinen Sozialdemo- kralie links liegen lassen und wenigstens eine Reihe von Be- schlüsselt herbeigeführt, mit denen man sich vom bürgerlichen Standpunkte ans abfinden kann, w e n n die Umstände die praktische Durchführung dieser Beschlüsse recktfertigen oder gestatten sollten. Was aber das Wesentlichste ist und bleibt: den deutschen Sozialdemokraten ist es in keiner Weise gelungen, den Kongreß zu einer ausgesprochen sozialdemokratischen Veranstaltung zu verfälschen, und nicht einmal i in Sinne der deutschen G e w e r k- schafts-Bewegung läßt sich der Kongreß verwerthen. Stärker noch als vorher hat sich heraus- gestellt, daß unsere Gewerkschaften keine Spur von Selbständig- keil gegenüber der sozialdemokratischen �Parteileitung bean- spruchen können. Sie sind einfache Filialen der Partei, nichts als eine andere Form für den politische» Kampf, statt un- politische Organe für die Durchsetzung rein wirthschaftlicher Forderungen zu sein. Wenn unsere Sozialdemokraten be- haupten, daß sich Parteipolitik und Wirthschaflskampf überhaupt nicht trennen lasse, und wenn ihnen das auch außerhalb ihrer eigenen Reihe» so häufig geglaubt wird, so erscheint es doppelt nützlich, daß die Engländer durch ihr Beispiel gezeigt haben, wie weit die radikal-volitische Phrase und die sorg- faltige, gereckte, ruhig vorwärts schreitende Thätigkeit organi- sirter Jnlereffenverbände auseinanderliegen. Wir haben vorstehende Auslassungen, die allem An- scheine nach der Feder des bekannten horchenden Langohrs entflossen sind, deshalb an den Pranger gestellt, weil sie, mehr oder weniger variirt, durch die ganze deutsche Bour- geoispresse gehen, und deren Geistesverfassung bekunden. Der„Vorwärts" soll die Parteigenossen über den Kongreß„belogen" haben. Die„Belüger" sind anderswo zu suchen. Der„Vorwärts" hat von allen deutschen Zei- tungen die ausführlichsten und eingehendsten Berichte über die Verhandlungen des Kongresses gebracht, so daß seine Leser aufs Genaueste über alle Vorgänge und„Friktionen" unterrichtet sind, während die Bonrgeoispresse fast durch- gängig nur v e r st ü m m e l t e Berichte gebracht, und ihr Publikum systematisch„belogen" hat, um den Ausdruck der „Neuesten Nachrichten" zu gebrauchen. Wir haben nichts todtgcschwiegen, wohl aber die tendenziösen Lügen der kapi- talistischen Presse gebührend abgethan. Und daß-vir den Lügenpetern die Wahrheit gesagt, das ist es, was den Zorn der Lügenpeter erregt hat— ein sehr natürlicher Zorn, was wir gerne zugeben. Mit den zwei faustdicken Lügen, daß die sozialdemokratische Partei den Bergarbeiter- Kongreß„zu einer ausgesprochen sozialdemokratischen Parteiveranstaltnng habe verfälschen" wollen, und daß die englischen Delegirten sich mit den kon- tinentalen in feindlichem Gegensatz und Zwiespalt befunden hätten, beschäftigen wir uns nicht, sie sind durch die That- fachen selbst und durch die Erklärungen der Engländer für jeden, der nicht ein berufs- und geschäftsmäßiger Lügenpeter ist, aufs Gründlichste widerlegt. Zur Kennzeichnung der kapitalistischen Lügentaktik wollen wir blos hervorheben, daß die englischen Gewerkschaftler, namentlich die Gruben- arbeiter, von der Kapitalistenpresse ihrer Heimath ebenso heftig angegriffen und verleumdei werden, wie die deutschen von der deutschen Kapitalistenpresse; und daß die nämlichen deutschen Kapitalistenblätter— darunrer z. B. auch die „Rheinisch- Westsälische Zeitung", das Hauptorgan unserer Grubenbarone,— die jetzt im Gegensatz zu den deutschen Grubenarbeitern die englischen wegen ihrer Mäßigung als Musterknaben hinstellen, die deutschen Arbeiterin Acht und Bann thun und ihnen die Polizei auf den Hals hetze», wenn sie so„gemäßigt" wie die englischen Kohlen- arbeiter sein, d. h. sich gewerkschaftlich o r g a n i- s i r e n und von dem Koalitionsrecht Gebrauch machen wollen. Pfui dieser Heuchelei!— Unsere» deutschen Bergkeuteu haben wir«ine frohe Botschaft zu verkünden. ?n den Organen unserer Grubenbesitzer wird den ischen Bergleuten das Zengniß ausgestellt, sie hätten sich auf dem internationalen Bergarbeiter-Kougreß in Berlin ganz mu st erhast benommen, und ge- zeigt, daß sie durch ihre gesunde G e w e r k s ch a s t s- Organisation der sozialdemokratischen Verführung entrückt worden seien. Den letzteren Punkt wollen wir bei Seite lassen; als eine überaus heilsame Wirkung des Kongresses müssen wir es auf jeden Fall begrüßen, daß unsere Kohlenbarone sich von der Nützlichkeit der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter überzeugt haben. Die Erkenntniß kommt zwar etwas spät, aber„besser spät als niemals", sagt das Sprichwort. Und da unsere Grubenbesitzer doch keine heuchle- rischen Komödianten sind, die bloß zum Ulk rede», und den Leuten ein X für ein U vormachen wollen, so werden sie ihre neu gewonnene Erkenntniß natürlich in Thaten umsetzen, und„ihren" Arbeitern, statt ihnen alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen, die Gründung von Gewerkschaften, wie die englischen es sind, nicht länger verbieten, im Gegenthcil ihnen dabei behilflich sein. Sind die deutschen Bergarbeiter-Gewerkschaften dann wirklich so stark wie die englischen geworden, und im stände, solche gewaltigen Kämpfe siegreich zu bestehen, wie die englischen, dann ninß unseren Kohleubaronen das Herz im Leibe lachen, und wir, wir werden mit dem internationalen Bergarbeiter- Kongreß noch viel zufriedener sein, als jetzt. So wäre uns beiden geholfen, in echter„Harmonie der Interessen".— Ponrvaix der Zweite reist lustig in der Welt herum, ist hier, ist da, wie Figaro, wird überall erkannt— nur die Polizei kennt ihn nicht, findet ihn nicht. Er trägt jedenfalls eine Tarnkappe, die aber blos für Polizeiaugen unsichtbar macht.— Dnputz, der Sozialistentödter, kam am 27. November vorigen Jahres zu Fall. Sein Nachfolger wurde am 3. Dezember Casimir P e r i e r, der Sozialistentödter, den der Vaillant'sche Kochtopf in das Ministerium hineinschoß. Am 22. Mai dieses Jahres— vorgestern— kam Casimir Perier zn Fall, und wer soll nun Minister werden? Da ist guter Rath theuer. Der Republikaner Bourgeois, der noch einen Ruf �u verlieren hat, will nicht auf den gefähr- liehen Posten. Niemand will— wenigstens kein anständiger Mensch. Und so hat denn Carnot in seiner Verlegenheit sich an D n p u y gewandt. Herr Dupuy ist auch kapabel, anzunehmen. Aber wie lange würde er bleiben? Jeden- falls haben die französischen Geldsäcke keinen besseren und so wird Herr Dupuy wohl Minister werden— ein todter Mann an stelle des anderen. Fällt dann Dupuy wieder, so mag Casimir Perier ivieder kommen. Und so weiter, bis die Tobten die Tobten begraben haben, und dem verrückten Hexensabbath durch den Sieg des Sozialismus ein Ende gemacht wird.— Die Sozialdemokraten i» Norwegen und daS allgemeine Stimmrecht. Bei den großen Festlichkeiten in Christiania am 17. Mai, dem Gedenktage der norwegischen Selbständigkeit, betheiligten sich auch die Sozialdemokraten an dem Festzuge durch die Hauptstraßen der Stadt. Morgens um 6 Uhr ver- sammelten sich die Sozialisten auf dem Nruugsniarkt und zogen von dort mit„reinen"(ohne das schwedische Unionszeichen) und rothen Fahnen in einer Stärke von etwa STOO Mann zum Storthingsgcbäude, wo eine Deputation eine Adresse überreichte, die von dem Storlhingsprüsidenten Ullmann angenominen wurde. Von dort marschirte der Zug nach dem Ankermarkt, wo Advokat Meyer nntcr stürmischem Beifall für Stimmrecht und Stinnnfrciheit sprach. Wenn diese Forderung der Arbeiter nicht erfüllt würde, sollte inan die Linke bei den Wahlen nicht mehr unterstützen. Dann sprach Genosse Jeppclsen für den Sozialismus, der allein dem wachsenden Kapitalismus entgegenzutreten und seine verheerenden Folgen zu beseitigen vermöchte. Nach Ab- singung der Arbeiter- Marseillaise zog man dann zur Kloster- wiese, wo ein Fest mit Reden, Musik und Tanz gefeiert wurde. Die Adresse, welche dem Storlhing überbracht war, wurde aber auf Antrag des Präsidenten einfach ack n-ota. gelegt, weil sie zu„unverschämt" abgefaßt und cS des SiorthingS nicht würdig sei, sich„durch Drohungen schrecken zn lassen". Diese„Unverschämtheit" der Arbeiterpartei bestand darin, daß sie sich nicht länger nasführen lassen will, und ver« langt, daß ihre Forderung endlich erfüllt werde. Die Worte, welche die liberalen Storthingsherrcn besonders verletzt haben sollen, lauten:„daß das Stimmrecht noch achtzig Jahre nach Entstehung der Verfassung nicht ein allgemeine- ist, muß als ein Hohn auf die Arbeiterklasse betrachtet werden, die doch faktisch der Träger der Gesellschaft ist. Und wenn dieses Verhältniß nicht bald gebessert wird, wird es leicht dahin führen können, daß die Arbeiter ihre Macht anwenden, um sich Recht zu ver- schaffe». Es muß nicht als Unmöglichkeit betrachtet werden, daß norivegischc Arbeiter in Anivendung bringen könnten, was die belgischen Arbeiter unter ähnlichen Verhältnissen in Aussicht stellten, nämlich den Generalstreik über das ganze Land. Aber wenn die Arbeiter zur Anwendung eines solchen Machtmittels gezwungen werden sollten, würde dies nicht zu gunsten des so oft behaupteten Freisinns sprechen, von dem der norwegische Storthing be- seelt sein soll." Außerdem wird in der Adresse die Annahme des schon im vorigen Jahr von der Arbeiterpartei an den Storthing gestellten Antrages einer strengen Bestrafung derjenigen verlangt, welche de» Arbeitern Hindernisse in den Weg legen für die Aus- Übung der Vereinsversammlungs-Rede- und Wahlsreiheit. Die Arbeiter sollen bei dem„liberalen" Storthing natürlich nur immer höflich bitten, bis es den Herren vielleicht einmal belieben wird, gnädigst den Arbeitern auch ein kleines Rechtchen einzuräumen; die Behauptung eines konservativen Redners, das „Volt" habe sich bei den letzten Wahlen gegen das allgemeine «-limmrecht ausgesprochen, da es einen solchen Storlhing wählte, ist geradezu komisch, wenn man weiß, daß das„Volk" ja gar nicht mitgewählt hat.— Nicht vier, sondern sechs„Anarchisten" wurden in Barcelona„mit Pulver und Blei hingerichtet". Der spanische Staat ist sonach noch viel kräftiger' gerettet, als wir auf grund des ersten unrichtigen Telegramms ver- muthet hatten. Jeden Tag ein paar„Anarchisten" er- scho sen oder geköpft, und es kann der„Allerchristlichstcn Viasestät' des siebenjährigen Gottesgnadeukönigs von Spanien nicht fehlen, vorausgesetzt daß er die Masern, Skropheln und andere unpolitische Kinderkrankheiten über« steht.— In Serbien werden alle Gegner der Regierung ver- Haftel, deren sie habhaft werden kann. Geheime Patronen- fabriken sind entdeckt worden. DaS Wetterglas steht auf Sturm.— Nihilistisches. Ueber die neu entdeckte Ver- s ch>v ö r u tl g in Rußland erfährt, wie ein� Herold- Telegramm mittheilt, die„Kölnische Zeitung", daß es sich um eine Verschwörung ernster Art handle, bei der die Ab- sieht vorgelegen, einen Mordanschlag gegen den Zaren im Hochsommer auszuführen. Die Verschwörer wollten das Häuptquartier des Zaren während der Kaiser- manöver in die Luft sprengen und hatten bereits mit Vor- arbeiten zn Minengängen zum Schlosse und zur Kirche jenes Dorfes begonnen. Zahlreiche Beamte der Witebsk- Orel-Bahn sind verhaftet, varunter viele Ingenieure und ein Neffe Peobedonoschew's, des General- prokurators des heiligen dirigirenden Synod. Die Ver- hafteten sind nach Petersburg übergeführt worden.— Tas diplomatische Zerwiirfnist zwischen Brasilien und Portugal ist beigelegt. Du portugiesische Regierung bat ihre Flottenoffiziere gerüffelt— wenigstens vor der Oeffenilichkeit— und die brasilianische Regierung hat sich mit den dargebrachten Entschuldigungen zufrieden gegeben.— Ans den Samoa-Jnseln ist Heller Bürgerkrieg ent« bräunt. Das dreifache Protektorat— der letzte diplomatische Triumph der Dynastie Bismarck— hat die schönste Anarchie von der Welt groß gezogen. Und die einzige ernsthafte Frage ist jetzt die, wie man das Pro- teklorat los werden kann, ohne daß die Protektoren einander in die Haare gerathen.—, Sriir de« Jnbal: der Iuieraee über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortun-; Theater. Freitag, den SS. Mai. iSpernhaus. Der Siilig des Nike- lungen. Kchaulpiell/ans. Der Tugendirächter. Die Dienstboten. Deutsche« Tsteater. Don Carlos. Berliner Theater. Faust. Lesstng- Theater. Madmns Sans Gene. Friedrich-WilhelmKadt. Theater. Der lustige Krieg. Destden?» Theater. Der selige Toupinel. Tentral-Theater. Der Traum des Aktionärs. Adolph ErnS-Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Aleranderplah- Theater. Demi- monde. Ztational- Theater. Die Königs- tochter als Bettlerin. Im Garten: Vom Viehhof bis zu den Menschen- fressern. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Farfarello. Apollo- Theater. Die verkehrte Welt. Kaufmann'« Uarists. Spezialitäten- Vorstellung. Parodie- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. .AMpIl Ernst-Theater. Heute: Eharley's Taute. Schwank in 3 Akt. v. Braudon Thomas. Vorher: Die Kafazzi. Parvdistische Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson U.Benno Jacobson Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang« Vs Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Castan's Panoptikum. Das Meue Tekel. Sonderb. u. gelieimnissv. spiritistiscbe Produktion. Heut Der ISjiihrige Riese. Neue Freie Volksbühne. Im Wallnertheater, S'/a Uhr, Die Dummen. Von G u i n o n und Denier. Konntag, den L7. Mai, II. und III. Abiheilung. 80/3 National-Theater. Große Frankfurterstr. 132. Gastspiel des Herrn toirl Wesselsky vom Stadt-Theater in Hamburg. oder: Die Schule des Lebens. Schauspiel in 5 Alten v. Dr.E. Naupach. Regie: Max Samst. «asseneröffnung 5Vz Uhr. Rnfai:g der Vorstellung 7Vs Uhr. Im Garten: Große« Konzert Auf der Sommerbühne Aufführung von «Vorn Viehhof bis zu den Uenschen- Iressern", Große Posse mit Gesang und Tanz. Vor, zwischen und nach der Posse Auftreten von Spezialitäteu i. Ranges. Kasseuoffnung 5>/a Uhr. Sonnabend: Volks-Vorstellung Paust. In Vorbereitung: Italien in Lerlin Große Posse. Noack's Sommer-Theater. Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- m!> EpejiMten Vorstellung. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vor stellung 7 Uhr. Die Kaslfeehüche ist geöffnet. Weißbier. l. Champagner-Bier 30Fl.ü VaStr. 3 M, 2. Tafet-Bier I 40 Fl. u Va Str. 3 M, 3. Tafel Bier II 30 Fl. a Va Str. 3M. aus der Berliner Weissbier-Brauerei vorm. F. W Hilsebein. 2181. Flaschenbier-Kellerei 63 Alidreas-Ttrasje 63. Telephon A m t VII N r. S36S. Lrauer& Grützmann. Centrai-Theater. Alte Jakobstraße 30. Gastspiel Emil Thomas. Freitag, den 25. Mai 1894: Ter hm des MoM. Dramatisches Quodlibet in drei Akten (3 Bildern). Doktor Peschke, Schladeritz, Stritzoiv, Geyer, Gaspard, Rentier Blase!... Emil Thomas. Morgen und folgende Tage: vor Traum de« Aktionärs. lassage-Panopticum 500 Pi {tA/k Sehenswürdigkeiten von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Abends u. a.: Blaus Orotie, historische Dioramen, Illusionen etc. Im Tlieatersaal v.o uhrab: Spezialitäten- Vorstellung Ganz neues Programm! Entree 50 Pf. Kinder LS Pf Viotom-Draiierei, Sützowstraße 111—112. Garten refp. Saal. Täglich (mit Ausnahme Sonnabends): Steitiner Sänger Herren: Meysel, Häckol, PietrOf Britton, Eberius, Steidl, Bliemcbeu und Blank. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets im Vorverkauf ä 40 Pf. und Famtlien-Billets(i l M.) für 3 Personen gillig.(Siehe Plakate.) Boal Heul Beul Britton als Charley's Tante. M is ja jrade mi Tlhceiies. H-rr Steidl. IM. W. Walter Zenghofftraße Nr. 3. Offerire Ring freies kiathenover Biport Tafelbier, vrosdeuor Uoibrau haus, Eilnchener Brauhaus, Hell und dunkel, frei Haus, 32 Flaschen 3 Mark. Kutter nur Katur 21 Ol.' ü Pfund 1 Mark bis 1 Mark SO Pf. Frische Eier von 43 Pf. an. Mehl, 2 Pfd. 23 Pf. Pflaumen 2 Pfd. 35 Pf. Brennspiritus Siter 25 Pf. Sämnitliche Kolonialwaaren billigst. Meißbier! Für Fabriken und Werkstätten sowie für Wiederverkänfer liefere ich mein Versand-Weißbier in unübertrcffllcher Güte zum Preise von 3 Mk. für 40 halbe oder 45«/io oder 23«/io oder 20 ganze Flaschen, frei in's Haus, in Flaschen mit Patent- Verschluß, ohne Psandberechnung. 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Kaust keine Taek'seheu Lehuhvaareu! Achtung l Kupfersvbniieele I Sonntag, den 27. Mai, Vormittags 10 Uhr, bei Fe in dt, Weinstr. 11, Geiientliche Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Telegirten der Gr werkschastskonunission. 2. Beschlußfassung in betreff des Tis positionsfonds. 3. Stellungnahme zum Bierboykott. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 195/3 Der E i n b e r u f e r. Schmöckwitz! Casthau« ,>Znr Palme". Allen Vereinen und Fabriken zur Nachricht, daß Sonnabende und Sonn- tage noch frei sind. Um gütigen Be- such bittet E. K u r r a s. Gharlottenburg l Arbeiter-Gesangverein(M. d. A.-S. B.) sucht sofort einen tüchtigen Dirigenten."Msii Persönliche Melsungen erbeten bei I. S ch m i ch, Wallstr. 14, H. pt., v. 0-8 Uhr Nachm. 9Z7b Schön fettes, unter behördlicher Auf sicht gekochtes Rindfleisch von gering tuberkulösen Thieren wird täglich von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends per Pfund mit 25 Pfg. auf dem städlischen Zentral-Viehhose, Eingang Thaerstraße, verkauft. 930b vis Verwaltung. gez. Talke. !Roh-Tabak! Sämmtl. in- und ausländischen Sorten, gute bsnalität, tadelloser Arand, in billigster Pr»l«laae, empsiehlt Heinr. Franck.l'ÄÜ; Brunnenstrasse 185. s 27 Als anertannr reelle und 27 billigste Linkauls-lZuelle des Süd>Ostens für Gold-, Silber-, Alfenidewaarenleigonbr.) goldene u. silberne Uhren empsiehlt sich H. Gottschalk, Goldarbeiter und Uhrmacher, 37 Admiral-Ltrafte �7 Genossen! Achtung! Nur durch Ersparung der Laden- miethe und des Ziabatts an die Händler bin ich in der Lage, 931b �3> pjjj � Brot.vou reinemNoggen- �4 i IU. niehl, mit der Kontrollmarke versehen, für 50 Pfg. zu geben. Desgleichen empfehle von jetzt ab jeden Sonnabend frische Bärmbrote a 10 und 20 Pfg., sowie Napf- und Kasfeekuchen E. Pfeiffer, Brnnnenstr. 161, Hof, im neurenovirten Backhaus. Bitte lesen Sie! Jedem Genossen, der billig und gut kaufen will, empfehle mein sehr rcichh. Lager von ca. 1000 Hommer-Pale- tot«, 2000 Annige, sowie einzelne Nöäle, Iaqurt«, Aosen, Meltrn ec. Ferner Uhren. Ketten. Uinge, Ketten, Masche, Htlefcl. Uüte, !,Ieise-n. Kolsstoffer, Maschlrelset ic. Sämnitliche Hache» in alt nnd neu. A. Wer*g§eny Schneidermeister und Parthiewaaren- Händler, S7g4L' 1Z7Skalitzerstraße127. Kestellungen nach Maast merden gut nnd billig«»«geführt. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. Otto Naether, Uhrmacher, Anklamerstr. 44, an der Brunnenstr. Reparaturen an Uhren jeder Art solid und preiswerth. l54l7L' Gvora- Krau| in vorzügl. Qualität empfiehlt in Ge- binde» v. 20— 100 Ltr. 30Fl.— 3M. Otto Ittuhe, Lagerhof 3. Teleph.-Amt III, Nr. 404.» Achtung! Zroschlitlllilltscher. Achtung! Große öffentliche Versammlung siiilmWer üroMilifnluitldift mit Imtie it 21. am Freitag, den 2». Mai, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Ivel, Andreas-Straffe Nr. Tages-Ordnung: I. Die zehn Gebote und die besitzenden Klassen. Referent: Genosse Uoikmann-Pmikom. 2. Diskussion. Es ist diese Versammlung die Forlsetzung der vor Kurzem im„Eiskeller" stattgesnndenen, in welcher der llicferent die ersten vier Gebote besprochen hat. Der Vortrag hat damals großes Interesse hervorgerufen und ist zu cr- warten, daß die Belheiligung an dieser Versammlung eine noch weit größere sein wird, weshalb die Kollegen ersucht iverden, recht pünktlich zu er- scheinen. Bas Agitations-Comite der Droschkenkntschor Berlins n. Umgegend. 143/13_ Im Auftrage: H. Schultz. <2. Kuchhandlnng des„Uorwarts" Berlin S«., Beuthstr. 2. "TT' Soeben ist erschienen: RomniimKinuz nnd Kapitalismus. Der Komiiiililisülils mti) die ökoillttillslje WVilklillig von raul Lafargue. Preis 20 Pfennige. Porto 3 Pfennige. Lafargue legt in der Broschüre dar, wie die ökonomische Entwicklunz von Tag zu Tag mehr die Ueberflüssigkeit und Schäd- lichkeit des Privatbesitzes an den Arbeitsmitteln vor Augen führt und nickt blos die Zweckmäßigkeit, sondern geradezu die Nothwendigkeit des Kolleklivbesitzes beweist. Die Dolhei nnd die Arbeitslosen. Stenographischer Bericht über die Gerichtsverhaudluugen gegen die«cht Redakteure vom 8. u. 0. Mai 1804. Urri« 15 pfg. Porto 5 Pfg. 68 Keiten gr. 8°. Der„Fall Brausewetter" hat allgemeines Aussehen erregt nnd die Kritik der weitesten Kreise herausgefordert, so daß eine stenographische Verewigung dieser Gerichtsverhandlungen wohl angebracht erschien. Da das Interesse an diesem Prozeß nicht auf Berlin allein sich beschränkt und nicht mit dem Augenblick erlischt, sehen wir auch zahlreich«« Aufträgen� von Auswärt« enl- gegen. kclmeiii der Musikinstrumenten-Arbelter. Soiiuabeud, de« S6.Mai. Abends 8V-UIir. bei KeUer, Kergstr. S8i Wanderversammlung für den Norden. Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen Ad. Uosfmann über:„Der Kamps ums Dasein." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheilen nnd Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Die Kollegen der Pianofabriken von B« ch st e i n (Johannisstraße). Rösuer(Schönhauser Allee), Knöchel und Kriebel werben speziell eingeladen.__ 475/5 Grosses Sommer-Fest Nene Welt, HastuhMe, m Montag, iicn 18. Juni 1891. Groszes Concert— Feuermerk. Unter Mitwirkung des Gesangvereins„Lirderlust"(Mitgl. b. A.-S.-V.). Spezialitäten- Vorstellung. Kinder belustigungcn. Grosser Ball im Bai champetre. Herren, die daran t h e i l n e h m« n, z a h I e n 50 P f. n a ch. Cntree 60 Pf. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Billets ä 30 Pf. sind im Restaurant Rohr, Naunynstr. 73, bei den Kollegen E. Koch, Gräfestr. 12. H. 2 Tr.. A. Mattutat, Manteuffelstr. 110n, Quergeb. 2 Tr., und P. Scholz. Am Ostbahuhos 7, 3 Tr. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Ben Vorstand. Ausstellung Italien in Berlin. (Stadtbalnistation: Zoologischer Garten.) Geöltnet von Morgens 10 ühr bis Abends 12 Uhr. SjBT* Täglich: Monstre- Konzerte sämmtl. Italien. Musikkorps, Venezianisches Varidte, Mailänder Marionetten-Theater, Gandelcorso. Der unterzeichnete italienische Professor der Fechlkuiist vav. Bngenia Atlo. pini> welcher mit den hervorragendsten Fechtern in Frankreich, Italien, Spanien, England, Belgien, Oesterreich, Egypten und Amerika ge- fochten hat und stets als unbeslrillener Sieger hervorging, ist in Berlin ein- getroffen, ui» seinen Rang als Meisterschastssechler der Welt auch in Deutsch- land zu vertheidigen. Prof. vav. Engenie Pini stellt sich vom Sonntag, den N7. Plai cr., ab den deutschen Fechtern auf Ploret, Degen und Säbel zur Verfügniig. An diesem Tage wird in der An« stellung Italien in Krrlin die erste Mensur tatlsinde». Anmeldungen zun« Fechtkampf sind an das Bureau der Aus» tellung Italien in Berlin zu richten. Professor Cav. Eugenio Pini, Fechtmeister der Königl. Italienischen Marine. Sonntag, den 37., IMorgen« 5 bi» Phr: Gr. morgen» Serenade von lammtlichen Mnftkkorp». Ki» 10 jlhr Enlre« 30 Pf. OIOIOIOIOIOZOZOIOIOIOIOIOIO Schweizer Garten. Am Friedrichshain- Am KSnigsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. flKT" Volksbelustigungen aller Art."Wv parquettirten°Eaale:\ Täglich: Gr. Ball. Von 5— 71/8 Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffeekiiche ist geöffnet. Cntree 30 Pf.. Killet« vorher 35 Pf. oioiolololoIozozoIoIoToToTolo Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pöhsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW„ Beulhstraße 2. Hierzu zwei BeUgaen 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zlr. 118 Freitag, de» 25 Mai 1894. 11. Jahrg. VoizKokkivk Nttd: 1. LoImUdeiss-Brauerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin(und Tivoli). 2. Brauerei F. Happoldt. 3. Böhmisches Brauhaus, Kommandit-Gesell- schaft auf Aktien, A. Knoblauch. 4. Brauerei ICari Gregory, Verlin(Adler Brauerei). 5. Vereius-Brauerei Bixdork. 6. Lpaudauer Berg-Brauerei, vorm. C. Vech- mann, Westend bei CHarlotteuburg. 7. Aktien- Gesellschaft Schloss■ Brauerei Schöneberg. Mounnuneiles. .. � Stadtverordneten-Bersammlnng. O e s f e n t l i ch e Sitzung vom Donnerstag. 24. M a i, NachmittagsSUHr. Ehren des in diesen Tagen verstorbenen, seit Neujahr peusionirten Stadtraths No eldichen erhebt sich die Versamm- luug von den Plätzen. . Rentier Zeitler hat der Stadt sein Grundstück Bujchlngstr. 30 zum Zwecke einer Stiftung zum Geschenk angeboten, die den Name»„Wilhelmine Zeitler's Frauen heiin" sichren und zur Gewährung von mielhs- und ab- gabesreien Wohnungen an evangelische, wenigstens 5 Jahre ansässige, würdige weibliche Personen dienen soll. Ausgeschlossen sind Wiltwen von Lehrern, Geistlichen, Beamten und Militärs, socvieDiakonissinnen.Krankenpflegerinnen und fronime Schwestern, Das Mindestalter der Aufzunehmenden soll bei Wiltwen 45, bei Ledigen 40 Jahre betragen. Der Feuerkassenwerlh des Grund- stücks ist 70liX> M,. das Miethserlräguiß 8W0 M. Der Magistrat ist bereit, die Schenkung anzunehmen. Die Versammlung nimmt von der Vorlage Kenutniß. Der Magistrat hat mit der U r a n i a> U h r e n« und Sanlen-Gesellschaft neuerdings Verhandlungen zur Ab- anderung des bestehenden Vertrages vom 13. Mai 1801 gc pflogen. Nach dem Ergebniß der Verhandlungen soll der Ver- trag dahin geändert werden, daß mindestens 50 und höchstens 100 Säulen errichtet werden sollen, und daß 50 Säulen bis zum 1. April 1890 zu errichten sind. An 25 Säulen von den 50 sind unter möglichst gleichmäßiger Vectheilung auf die ver- fch.edenen Stadtlheile Aspirations-Meteorographen auznbringe» und gangbar� zu erhalten, wogegen die Verpflichtung, an allen Säulen ein Thermo-, Baro- und Hygrometer anzubringen, fortsällt. Daneben sind der Gesellschast noch eine Reihe weiterer Verpflichtungen untergeordneter Bedeutung auf. erlegt, während die Stadt ihrerseits eine Verlängerung des Ver- tragsrerhältnisses auf 40 Jahre vom Abschluß des neuen Ver- tragez ab und eine jährliche Vergütung von 105 M. für jeden Meteorographen, 77,75 M. für die Beleuchtung des zweite» Zifferblatts und 6 M. für die anzubringenden SiaMplärn gewährt. Diese Vergütung gilt jedoch nur für die Maximalzahl von 25 beziehungsweise 50 Säuleu. Für das laufende Jahr soll ein Betrag von 0500 M. in Ausführung dieses Vertrages bewilligt werden. Ohne Debatte wird die Vorlage an einen Ausschuß von 10 Mitgliedern überwiesen. Für den Neubau einer Doppel-Bade-Anstalt an> Ausfluß des Werderschen Mühlengrabens aus dem Schleusen- kaual in den Packhofgraben hat sich eine Ausgabe voc. 107 000 M. auf grund des abgeänderten Kostenanschlages er- geben, während ursprünglich nur 80000 M. veranschlagt waren. und bereits zur Verwendung gelangt sind. Die Ueberschreitung ist dadurch entstanden, daß abweichend von dem ersten Entwurf, wonach durchweg Holzkonstruktion vorgesehen war, jetzt die Ge- bäude aus Eisensachwerk mit Welldlechdächern und Wellblech- wänden hergestellt werden sollen. � Stadlv. Hentig plädirt auch bei dieser Gelegenheit für größere Sparsamkeit im städtischen Bauwesen. Die Anstalt erscheine nach dem Plane zu luxuriös ausgestattet. Man scheine bei der Bauverwallung nur zu geneigt zu sein» das Geld mit vollen Händen auszugeben.(Oho!) Tie Vorlage wird angenommen. Vom Stadtv. Singer und Genossen ist folgender dring- l ich er Antrag gestellt, gegen dessen Berathung in der heutigen Versammlung Widerspruch nicht erhoben wird: �„Die Versammlung wolle einen. am Schlüsse der Sitzung vom 24. d. M. von de» Abthcilungen zu wählenden Ausschuß von 15 Mitgliedern einsetzen, welcher den Auftrag erhält, der Versammlung noch vor dem Ein- tritt in die Sommerferien Vorschläge zu machen, in welcher Art das Kommunalabgaben- Gesetz vom 14. Juli 1893 zur Ausführung zu dringen ist." Zur Begründung seines Antrages führt Stadlv. Singer aus: Am 26. April hat die Versammlung beschlossen, den Vtagistrat zu ersuche», mit ihr in gemischter Tepulation zu bcrathen, in welcher Art das neue Kommunal- Abgabengesetz in Berlin zur Ausführung zu bringen ist. Da- mals wurde der Antrag lebhaft vom Magistrat bekämpft unter anderem auch mit dem Hinweise, daß die Ausführungsbestim- mui gen zum neuen Kommunalsteuer-Gesetz noch nicht erlassen seien. Das ist cnzwischen geschehen. Wir haben auch gelesen. daß eine Subkommission des Magistrats sich mit der Auge- Icgeuheil befaßt und Vorschläge für die Versammlung ausge- arbeilet bat. Weiter weiß die Versanunlung nichts. Tie Versanimlung hat den Willen ausgesprochen, sich die nölhige Zeit zur Besprechung der wichtigen Frage nicht nehmen zu lassen. Ich habe geglaubt, daß der Magistrat nun- mehr die Versammlung mit der Frage beschäftigen»verde. Es ist nicht geschehen. Wir können den Magistrat nicht zwingen. Aber was wir der Bürgerschaft gegenüber zu lhun verpflichtet sind, gehl dahin, daß wir ecne so wichtige Frage gründlich prüfen, wie sie es verdient. Es ist die höchste Zeit, daß wir anfangen. Wir müssen uns über die Grundlage der Steuer- reform klar werde». Wir sind es der Bürgerschaft, der öfsent- lichen Meinung schuldig, daß auch sie Zeit bekommt, über die Frage zu berathen und zu diskutiren, damit wir nach den Ferien an die Formulirung des Ortsstatuts gehen können. Wenn die Sache sich»och länger hinzieht, muß es zu einer Ueberhastung kommen, die der Sache schädlich ist. Diese kurze Begründung genügt, die Versammlung zu veranlassen, einen Ausschuß einzusetzen, damit sie, wenn eS der Weisheit des MagistralS gefallen wird, sie mit der Frage zu beschäftigen, nicht ganz unvorbereitet ist. Bürgermeister K i r s ch n e r: Ich betrachte die Frage, ob die Versammlung eine Kommission einsetzen will, als eine häus- liche Angelegenheit, in die der Magistrat nicht mitzusprechen hat. Zur Sache selbst kann ich folgendes miltheilen: Die vom Magistrat eingesetzte Subkommission ist soweit zu einem förmlichen Abschluß ihrer Arbeiten gekommen, als sie einen Plan festgesielll hat. Derselbe wird morgen dem Magistrat vorgelegt werden. Sie will befürivorten, daß der Magistrat der Versammlung eine gewisse Kommission vorschlägt. Sie werden also am Sonnabend in der Lage sein, unsere Zustimmung zu erhalten und können dann zur Wahl der Kommission schreiten. Ich benutze die Gelegenheit, um der Besorguiß entgegenzutreten, daß etwas versäumt worden ist. Das Kommunal- Steuer- gesetz ist publizirt ain 28. Juli 1893. Die Sub- lommisslon des Magistrats ist im Herbst zusammengetreten und bat sich über die vorzulegenden Fragen schlüssig gemacht. Die Berathungen sind suspendirt worden, als die Elatsberathung alle Kräfte in Anspruch nahm. Nachdem die Subkommission dann im April wieder znsainmeugclrelcn ist, kann sie nun eiiu feste Grundlage sür die Berathung bieten und werden die Be- rathungen mit Hilfe des zusammengebrachten Materials möglichn gefördert werden können. Ueber die Hauplgrundsätzc werden wir uns in de» gemischten Kommission vor den Ferien hoffent- lich verständigen, damit in den Ferien in der Presse und Oeffentlichkeil die Angelegenheit diskutirt werden kann. In keine» andern Stadt sind die Vorarbeiten»vciler gefördert. Ob Sie es sür ziveclniäßig halten, Ihrerseits eine Subloinmission einzusetzen. muß ich Ihnen anHeim stellen. Stadlv. Meyer II hatte die Absicht, seine Bedenken gegen den Antrag Singer geltend zu»nache»; er sei auf die AnUvori des Bürgermeisters nicht vorbereitet geivesen und erivarte, daß der Antrag»verde zurückgezogen»verde». Stadtv. F r i c d e in a n n: Wir haben unsere Abstimmung über den Antrag von der Antwort des Magistrats abhängig zu machen beschlossen. Dieselbe ist befriedigend ausgefallen,»vi> »verde» daher gegen de» Antrag stimmen. Damit schließt die Diskussion. In seinein Schlußlvort bemerkt Stadtv. Singer: Wir sind ja gewohnt, daß unsere An- träge hier abgelehnt werden.(Heiterkeit. Lärm.) Durch die Erklärung des Bürgermeisters ist an dem Zustande gar nichts weiter geändert, als daß»vir gehört haben, daß der Magistrat einen Antrag stellen»vird auf Einsetzung einer gemischten Kom Mission. Vor einigen Wochen hätte durch eine solche Erklärung unser Antrag vermiede»»verde» können. Unsere Bedenken sink keinekivegs beseitigt. Ich bedauere, daß der Magistrat es nicht hat über sich geivinnen können, in den ersten Stadien du Versammlung mit der Angelegenheit zu beschäsligen. Es»vä»» richtiger gewesen, die Grundlagen dieses Programms für ein- Koinmunalstenerreform in gemeinsamer Berathung mit der Ver- sammlung zu legen. Ich habe aber noch einen anderen Grund meinen Antrag nicht zurückzuziehen. Nach meine» Ersahrunge» mit den gemischten Deputationen sei 10 Jahren bin ich nicht sicher, daß die Sache»nit der nöthigen Eile gefördert»verdei wird. Wir»vissen ja,»velche Zeiträume zwischen den Sitznngei gemischter Deputationen liegen. Vielleicht ist der Magistrat»ni uns der Ansicht, daß die Sache bald gemacht»vird. Mi' wäre es lieber,»venu die ganze Berathung im Kreise dei Versammlung unabhängig von» Magistrate geschieht. Ein> solche Berathung kann ganz gut neben der der gemischten Kom Mission hergehen. Die Versammlung sollte selbständig das»» sorgen, daß diejenigen Grundlagen zur Geltung kommen, die d» Versammlung für richtig hält. Ich ziehe also»»»einen Antrag nicht zurück. Der Antrag»vird gegen die Stimine» der Sozialdemokraten abgelehnt. Stadtverordneten-Vorsteher L a n g e r h a» s: Sie antorisirei mich»vohl,»venn der Antrag vom Magistrat»vegen Einsetzung einer gemischten Deputation eingeht, daß ich zu Ansang de' nächsten Sitzung die Wahl vornehmen lasse. Schluß 0Vz Uhr. PavfciuatfmiftUni. Cincr auf unsere« Parteitagen schon wiederholt an- geregten Angelegenheit soll jetzt nahe getreten werden. Wie»vir nämlich erfahre»», besteht iin Parteivorstand die Absicht, sän»n»t> liche Protokolle aller Generalversammlungen, Kongresse und Parteitage der sozialdeinokralischcn Partei seit 1865 in Neu- Auflage erscheinen zu lassen. Parteigenossen, welche im Besitzc von Protokollen über Generalversammlungen des Allgemeine» Deutschen Arbeitervereins ans der Zeit von 1365—1369 inklusive sind, werden ersticht, dieselben an I. Auer, Berlin SW., Katzbachstr. 9, einzusenden. Nach Benutzung der Protokolle werden dieselben sofort den Eigenthümern wieder zugestellt.## » Die PereinSbranerei in Nixdorf hat Niederlagen in de» Provinz in Zossen(Salzmann), Königsberg i./U.-M. (Falkenlhal), Luckenwalde(Falkenthal), Brandenburg, Wriezen a./O.(Graff), Friesack(Peters), Pr enzlau iGraboiv). »• Die Wahlagilatiou im 23. sächsisch enWahlkreise hatte, wie scbon berichtet, in den letzten Tagen seitens aller Parteien einen ungemeii» lebhaften Charakter angenommen. Unter de» 5 Wahlversanimlungen, die Genosse Bebel binnen drei Tagen im Wahlkreis abhielt,»var die i» Schöneck abgehaltene insofern von besonderem Interesse, als ein Gegner in derselben auf- »rat. An den» betreffenden Abend sollte neben der von unseren Ge- nossen einberufenen Wahlversammlung in Schöneck anch eine solche der Antisemiten abgehalten»verde»», in welcher der bekannte antisemitische Agitator Ullrich aus Chemnitz referiren»vollte. Aber als die Versammlungen beginnen sollten,»var alles in jene geeilt, in der Bebel sprach, und so kam es. daß Herr Ullrich und sein Begleiter ans Sch Neeberg neb st den» Wirth vergeblich auf Besuch warteten. Die Drei kamen also nnier sotdanen Umständen überein, sich dem allge- meinen Strome anzuschließen una ebenfalls in die Bebel'sche Versaininlung zu geben, die so überfüllt»var, daß kein Apfel zur Erde konnte. Nach Bebcl's Vortrag nahm Herr Ullrich das Wort, um ganz gegen die sonst ihm nachgesagte freche und schnoddrige Art sehr bescheiden und sehr höflich seine abweichende Meinllng zur Geltung zu bringen, er wurde aber von Bebel der- maßen auf den Sand gesetzt, daß er schiverlich nach einer z»veiten Begegnung mit diesem Verlangen trägt. � Parteikonferenz. In S ch w e i n f u r t trat während der Pfingstfeiertage der 2. Unterfränkische Parteitag zusammen.— Znin ersten Theile des Punkt 2 der Tagesordnung: Geschäfts- bericht des Borsitzenten, giebt der Berichterstatter in kurzen Zügen ein Bild der Thätigkeit der Zentralleilung, erwähnt die Schwierigkeiten, die der letzteren auf dem Gebiete der Agitation durch die beka»inlen Gründe erivuchsen und giebt schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß mit der vor sich gehenden Ver Kreitling der sozialistischen Ideen und der Stärkung uiiserer Partei, nainentlich aber durch die immer größere Verbreitung der Parteipresse in Unterfranken, das nächste Jahr günstigere Er- folge bringen werde.— Danach»vird vom Kassirer der Zentral- leitung, Genosse.» Fersch, der Kassenbericht vorgetragen, a»ls dem ersichtlich, daß die Gefainmteinnahmen von Septeinber 1893 bis Mai 1394 193,13 M., die Gesawnitausgaben aber 206,61 M., mithin ein Defizit von 13,48 M. verbleibt. Die Prüfungs- kommission erklärt später, die Rechnung sür richtig befunden zu haben. Eine längere, heftige Diskussion mehr oder weniger persön- licher Natur entspann sich über die„Parteipresse". Schließlich mußte doch allseitig anerkannt werden, daß die Uebernahme der „Untersränkischen Volkstribüne" durch die Zentralleitung kein Fehler geivesen sei, denn der Geschäftsbericht ergab, daß bereits oer erste Monat mit einem Geivinn abgeschlossen habe. Be- züglich ver Zentralleitung verständigte man sich dahin, daß cer Wahlkreis Würzburg 4, Schiveinfurt 2 und Kitzingen 1 Mit- gljed in die Zentralleitung entsendet. Der leitende Redakteur es Parleiorgans hat in allen die Presse betreffende Angelegenheiten Sitz und Stimme, in allen anderen Fragen nur berathende Stimme. lieber Organisation und Agitation zu bcrathen, blieb keine Zeit mehr übrig und wurde deshalb beschlossen, daß in der ersten Sitzung der Zentralleitung diese beiden Punkte Erledigung finden sollten. «• » Dank. O e l s n i h i. Erzgebirge(Sachsen). Im Auf- trage der sämmtlichen Bergarbeiterschaft des Che n» nitzer Stein kohlen- Reviers fühlen sich die Endesunterzeichnelen Delegirten veranlaßt, der geehrten G e- w e r k s ch a f t s k o m n, i s s i o n von Berlin für die uns ge- »vordcne freundliche Ausnahme und für die uneigennützigen Be- mühungen, die dieselbe uns bei unserem kurzen Ausenthalt in Berlin zu thcil»verde»» ließ, nochmals an dieser Stelle unseren ausrichtigsten Dank auszusprechen. Unser Aufenthalt in Berlin »vird uns unvergeßlich sei». Gleichzeitig sagen»vir allen Parteigenossen Berlins ein herz- liches Lebeivohl! Die Delegirten des Chemnitzer Kohlenreviers. Heinrich Schreiber, Oelsnitz i. E. Karl Steeg, Gersdorf i. E. »* Der Militiirbohkott muß überall als willkommenes Mittet dienen, die Sozialdemokraten in der„freien Entfaltung ihrer Kräfte"— hier mag das Wort einmal Anivendung sinden— zu behindern. Ter Gang der Dinge ist stets der gleiche: die Lokale, in denen Arbeiterfestlichkeiten abgehalten»Verden, erhalten keine Militärmüsik»nehr»»nd den Soldaten»vird der Besuch dieser Lokale untersagt. Dazu kommt noch der Druck der Polizei- oehörden auf die Wirlhe. Diese Letzteren veriveigern inn geivöhnlich aus theils berechtigter, theils unberechtigter Furcht den Sozialdemokraten ihre Lokale. Das veranlaßt natu«- gemäß die Paricigenossen ihrerseits zur Stellungnahme gegen die Wirthe, die dadurch allerdings in eine nicht beneidenswerthe Siluation gebracht»verden, für die sie aber nichr die Partei. andern die Urheber, die Militär- und Polizeibehörden, ver» ntivortlich machen mögen. Von dem militärischen Boykott in Z e r a und Umgegend haben»vir bereits berichtet. In M»» l- a e i in a. Rh. spielt sich jetzt gleichfalls ein Militärdoykott ab. Der„Rhein. Ztg."»vird hierüber von dort geschrieben: Wie Polizei und Militär, diese Staats- und Gesellschaftsrelter von Perus, überall Hand in Hand arbeiten,»vo es gilt, der Arbeiter- oeivegung hindernd in den Weg zu treten, dafür ein»e»»es Peispiel. Wie bekannt, fehlt es uns hier seit langem .,» eine»» größeren Versannnlungslokale, und wo»vir vielleicht eins bekommen hätten, da entsprach es den volizeilichen Anforderungen«ich». Diese schon irüher gesammelte Erfahrung wiederholte sich auch bei der diesjährigen Maifeier mit dem Lokale des Wirthes Götzen aierselbst. Zum Ueberfluß wurde dieses Lokal nun uuch noch, wie uns mitgetbeill, vird, am Sonnlag fürs Militär ver- boten. Natürlich»verde»» Wirthe, die es»vagen, uns ihre Lokale zur Verfügung zu stellen, durch derartige Maßregeln schwer geschädigt. Da liegt es an den Arbeitern Mülheiins, Remedur zu schaffen. Mögen sie den Wirthen, die ihnen»hre Säle vec- 'veigern, auch ihr Bier zum Selbstlrinken überlassen, dainir end» lich dieser uinvürdige Zustand beseitigt werde und der die Partei- beivegnng empfindlich hemmende Lokalmangel verschivindet. Auch die D o r t in u n d e r Parteigenossen sahen sich gc- zivungen, über ein Lokal den Boykott zu verhängen; nur scheinen dort gewerbliche Streitigkeiten die Ursache geivesen zu sein. »» « Der Boykott, den die Kölner und Mülheim er Ge- »»offen über die Brauerei von B ö r s ch u. Hahn in M ü l- heim verhängt haben, bleibt bis auf Weiteres aufrecht erhalten, da die Direktion auf die Forderungen der Kommission nicht ein- gehen wollte. «• DaS Maifest der Münchener Parteigenossen hat endlich, nachdein es mehrere Male»vegen schlechten Wetters verschoben»vorden»var, am vergangenen Sonnrag �unter zahlreicher Betheiliguug in Holzapfelkreuth �tattgesunden. „Massenspazicrgänge können„ach Befinde»» als ver- botene Um- und Aufzüge bestraft»verde»"— fv lautete eine Polizeiverordnung,»velche kurz vor dein 1. Mai in Dresden erlassen»vurde. Es war unziveiselhaft auf eventuelle Ausflüge unserer Parteigenossen an, Maisesttag abgesehen. Man hat denn niln anch geruht zu„befinden", daß ein„sogenannter Massenausflug" stattgefunden habe und hat gegen 100 Partei- genossen Slrafantrag gestellt. Todtenliste der Partei. In Breslau starb am Montag früh nack» kurzem aber schweren» Leiden der in Parleikreiseu be- kannte Genosse Schuhmacher He i s i g. Derselbe»var an den Sozialistenprozessen 1884 and 1387 belheiligt und zog sich auch als verantivortUch Zeichnender der„Schlesischen Nachrichten" eine niehrmonatliche Gefängnißstrafe zu.— Die Breslauer Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. In Malchow Mecklenburg) ist am 22. d. M. der Genosse Tuchmacher Drewell, einer der Eifrigsten, wenn es galt. sür die Partei zu wirken, nach 15»vöchentlichein Krankenlager gestorben. « �» Polizeiliches, Gerichtliches:e. — Gehaussucht»vurde bei dem Genosse»» G i e ß in a n n in Breslau nach Flugblättern. Es wurde», denn auch 2000 Stück gefunden und— natürlich beschlagnahmt; der Staat »var wieder außer Gefahr. — Freigesprochen»vurde der Genosse W. K ü n e ck e in Oderberg i. M., welcher angeklagt war, wegen Vergehen gegen§8 185, 186, 194, 200 des Strafgesetzbuches(Beleidigung des Magistrats und der Voreinschätzungskommission). Diese sollte begangen sein in einer Volksversaminlung vom 19. November 1893, wo er seinen Ausschluß ans der Stadtverordneten-Ver- sammlung als ein Machiverk bezeichnet hatte. Loksles. Zur Liste der dem Ring angehörenden Brauereien auf dem gestern verbreiteten Flugblatt, sind noch die Brauerei Schweizer- Garten, die Gräflich Ncischach'sche Brauerei in Stralau und die Brauerei von I. Wiedemann, Blumenst. 33 nachzutragen. Die beiden erstgenannten Geschäfte gehören zwar dem Ring nicht direkt au. haben sich aber ostentativ mit dem Vorgehen desselben gegen die Brauerei-Arbeiter solidarisch erklärt. Wir wollen deshalb auch nicht versäumen, unseren Lesern von dieser Soli- darilätserklärung Kenntnis; zu geben. Zum Pierboykott. Der Versuch, den Streitpunkt zu ver- schoben und die ohne Grund und Anlaß seitens der Brauerei- bescher aus die Straße gesetzten Brauerei> Arbeiter als das Kar- nickel hinzustellen, welches durch„Boykottirung der Vereins- bravere," in Rixdors und durch.Proklamirung des General- streik»- die anncu Brauercibesitzer.wider Willen und aus Roth- wehr" zur Entlassung der 20 pCt. gknvthigr hat. wird heute von der„Voss. Ztg." wiederholt, nachdem wir das gleiche Taschen- spiclerstüekchcn gestern bei der„Freis. Ztg.» bereits festgenagelt haben. Genau wie das Nichler'schc Blatt wirft auch die„Voss. Zeitung» die Brauerci-Arbeiler init den Böttchern zusaiiimin und bezichtigt die letzteren, de» Boykott über die sieben Brauereien verhängt zu haben, weil die vereinigten Brauer die Böttcher, als Strafe für die Maifeier, eine Woche aussperrte». Daß der Boykott nur die Folge der schamlosen Maßregelung der 20 pCt. vollständig unbetheiligtcn Brauerei-Arbeiter ist, und daß er nicht von den Böttchern, sondern von den Vertretern der gcsammlen organisirten Berliner Arbeiterschaft vorgeschlagen ist, uiiterschlägt die Tante rbre» Lesern. Wie erbärmlich schlecht muß doch die Sache des Brauerrings sei», daß keines der ihm dienstbaren Blätter wagt, der Wahrheit die Ehre zu geben und den wirk- lichr» Streitpunkt ehrlich mitzntheilcn! Warum hat z. B. keines der Blätter, die sich für die koalirten Millionen des Brauerrings jetzt so kräftig ins Zeug lege», die Antwort des Ausschusses der Berliner Gewerkschaften zum Abdruck gebracht! Die„Vossische Zeitung» hat in ihrer erste» Aeußerung zum Boykott erklärt, daß sie dem Kampfe als neutraler Zuschausr gegenüber stehe. Wie verträgt sich denn mit dieser versprochenen Neutralität die nnivahre Beschlftdignng der Brauerei-Arbeiter und die ebenso unwahre Behauptung, der Boykott verfolge den Zweck, die „Brauereien zu hindern, von dem Koalilionsrechl Gebrauch zu machen»? Geradezu lächerlich ist die Behauptung der„Vosflschen Zeitung", daß von einem Ringe der Brauereien nicht die Rede sei» könne, weil dieselben sich unter einander lebhasle Konkurrenz machen. Nun, ob ein Vrauerring hier besteht, diese Frage mag die Tante einmal den hiesigen Bierwirthen vorlegen, da wird sie die ihr anscheinend sehlende Belehrung erhallen. Daß der Sling auch gegen die Brauereiarbeiter besteht, darüber ein Wort zu verlieren, verlohnt sich nicht mehr. Im Uebrigen sind unsere Leser sowohl, wie die gesammte Einwohnerschaft Berlins und der Vororte von dem wirklichen Sachverhalt unterrichtet. Nicht weniger als»/e Millionen Flug- blätter, welche die Boykottangelegenheiren beHandel», sind gestern und vorgefter» in Berlin und de» Vororten durch Tausende unserer Genossen verbreitet worden und die Begeisterung und Proiuptheil, mit der diese kolossale Arbeit ausgeführt wurde, beweist, wie sehr der Boykott Herzenssache der Proletarier ge- worden ist. Es denkt kein Arbeiter daran, den Branherren das Recht der Koalition zu verschränken; niöge» sie sich zur Wahrung ihrer Interessen zusainnienlhun so viel sie Lust haben. Aber wenn diese Vereinigung, wie es durch die Aussperrung der 20 Prozent geschehen ist. dazu benutzt werden � soll, unschuldige Arbeiter zu»naßregeln und mit Stockprügel auf de» Magen dafür zu bestrafen, daß andere Arbeiter sich erlaubt haben, sich einen sreicn Tag zu machen, dann setzen die Arbeiter Vereinigung gegen Vereinigung und— wir wollen sehen, wer es länger aushält. Ehrlicher wie die Leiter des Bvanerrknge» und die diesem dienstbaren liberalen Organe, gestehr die Jimiz-Zeitrnig» offen zu, daß der Kampf mit der Arbeiterschaft von den Brauereien mit völliger Absicht herbeigeführt worden sei. Das Blatt verlheidigt zunächst die Brauerei- protzen gegen den Vorwurf.zu schroff» aufgetreten zu sein. „Kenner der seit I8V0— dem letzten Brauerausstand— be- stehenden Verhältnisse werden anders urlheilen. Die Verhält- nisse im Brauereigewerbe halten sich so zugespitzt, daß eine„reinliche Scheidung" endlich erfolgen mußte.» Das Junkerblatt erzählt dann weiter, daß„gerade das Brau- gewerbe unter den Machenschaften der Sozialdemokratie und deren Helfer besonders leiden muß. „In anderen Gewerben besteht die Waffe der Arbeitnehmer gegen ihre Arbeitgeber im Streik— eine recht zweischneidige Waffe, welche de» sie Gebrauchende» ganz sicher mittriffl. W i e bequem dagegen ein Boykott. Er kostete bisher nur etwas Enthaltsamkeit.» Deshalb„so oft ein schwächliches, häusig ein schmachvolles Nachgeben der Brauereien». „Man beschäftigte nachlässige und schlechte Arbeiter, um durch deren Entlassung nur ja nicht das Odium ans sich zu laden, daß man„maßregele"(siehe die Dividenden und Direltorui- gehälter. N. d. SU); man zwang den Oekonomen der Ausschank- lokale alle möglichen Versammlungen aus, die ihren Lokalen unter Umständen das bessere konsumirende Publikum und die beliebten Militär-Kapellen dauernd entzöge n.»....„Alle diese Zustände b a b e n naturgemäß in allen Brauereien den Wunsch erregt, klarzustellen, wer denn eigentlich i ni Betriebe der Herr sei. aber es wäre zum Kampfe noch lange nicht gekommen, wenn nicht das Gefühl allen gemeinsam sich aufgedrängt hätte, daß auch durch fortgesetztes Nachgeben ein endliches Messen der Kräfte doch nicht zu ver- meiden sei.» Also, um ein Messen der Kräfte handelt es sich. Wir danken dem Junkerblatt sür die Offenheit, mit der es de» Arbeitern erklärt, der von den Unternehmer» vom Zaune gebrochene Streit im Brauergewerbe sollte nur der Vorwand sein für den Endzweck. den Arbeitern die Ber sammlungslokale zu n e h m e». Wir und mit uns die ganze Ardeiterschaft haben von der ersten Stunde an gewußt, um was es sich bandelt, der Heuchelei der Herren vom Ringe gegenüber ist es aber doch gut, daß auch von gegnerischer Seile das Kampfseld so klar abgesteckt worden ist. Nm ihr boykottirteS Birr los zn werden, greifen einige der Herreu Wasserfärber zu ganz verzweifelte» Mitteln. Ver- schiedentlich wird uns mitgethcilt, daß diverse Fabrikbesitzer von Brauerci-Agenlen angegangen worden sind, ihre Arbeiter zum Genuß des gesperrten Bieres zu zwingen. Es ist bisher noch nicht bekannt geworden, ob es wirklich Fabrikanten in Berlin giebt, die ihre ökonomische Uebermacht im Interesse des Brauerei- rings geltend machen; sollte aber solches geschehen, so werden die Arbeiter auch nach dieser Seite hin den Unternehmern schon zeigen, wie ernft es ihnen mit der Durchführung des Bier- doykolts ist. So schrieben wir am Donnerstag Morgen. Am Abend wurde uns mitgetheilt: Tie bekannte Musterfirma Siemens und Halske ist eine derjenigen, die ihrer Solidarität mit dem Brauereiprohen- thum offenkundig Ausdruck zu geben wagt. Wie überall, so wurde auch von den Arbeitern dieser Fabrik, die eine Art Kon- sumverein gebildet haben, zu dem Bierboykott Stellung genommen und man beschloß, an Stell» des Bieres aus der Psefferbergbrauerei, hinfort Bier aus dem Münchener Brauhause zu nehmen. An diesem Beschluß, von dem man meinen sollte, daß er dem Fabrikanten, der weder Bortbeil noch Nachtheil dadurch hat, vollständig gleich bleiben könne, nahm aber doch der Direktor des Charlottenburger Werks, ein Herr Diehl- mann, Anstoß. Er berief die Leiter des Konsumvereins zu sich und fragte sie, warum das SLier der Pfefferberg- Brauerei von den Arbeitern nicht mehr getrunken werde. Die Antwort lautete, daß die große Mebrbeit der Konsumvereins-Mitglieder die Ab- beitellung des Pfefferberg- Bieres und dafür die Ein- führung des Bieres vom Münchener Braubaus gewünscht bätten. Dieser Beschluß, meinte der Direktor, be- deute ein sozialdemokratisches Borgehen, das in seiner Fabrik nicht platz greiien dürfe. Man solle binnen 24 Stunden das Bier der Pfefserberg-Branerei wieder bestellen; geschähe dies nicht, so würde man sich die Folgen selber zuzuschreiben haben. So der Direktor. Die Leiter des Konsumvereins werden vielleicht in der Form nachzugeben gezwungen sein. Kein Ar- beiter bei Siemens u. Halske, so wird uns gemeldet, wird es aber mit seiner Ehre vereinbaren, während der Dauer des Kampfes zwischen der Gesamintarbeiterschasl Berlins und den Brauerei- protzen von dem ihm aufgezwungenen Bier auch nur einen Tropfen zn trinken. Die Mnstersinna Siemens u. Halste aber, von der wir in der neueren Zeit schon mehrfach recht eigenartige Bilder an die Oeffentlichkeit bringen konnten, ist mit diesem Eingriff in die Privatangelegenheiten ihrer Arbeiter gerichtet. Sie kann sich fortan den, Herrn Stumm und ähnlichen Menschenfreunden ohne Scham an die Seite stellen. Freibier giebt es jetzt in verschiedenen ringtrenen Gastwirlhschaften Berlins für den, der es mag. Die braven Männer vom Branereiring. die nicht wissen, wie sie ihr Bier los werden sollen, verfallen jetzt darauf, es bei gutgesinnten Wirthen gratis an jedermann ans dem Volke zu verlheilen. Be- sonders auffallend ging die Spende bei einem Wirth am Petri- platz vor sich. Ein Mann, von dessen, Angesicht nur zu deutlich die Sorge um die Viernolh zu lesen war. lieserte an, Donnerstag Morgen eine Tonne Happoldsches mit den Worten ab: So, das Vier, das auf dem Apparat ist— und es war nicht wenig— das muß alle werden. Bedauerlicher Weise war die Wirkung dieses Aktes der Mildlhäligkeit nicht ganz derart, daß sie bei Herrn Happoldt und seinesgleichen besondere Befriedigung erwecken könnte. Denn die Droschkenfnhrer und sonstigen ständigen Gäste, die sich bisher mit einer Weißen begnügt Hairen. dankten ergcbenst für Obst und verließen das Lokal unter nicht mißzuverstchenden Aenßerungen des Unwillens. Und wie in diesem Lokal, so ging es in anderen Lokalen auch. Das boykoltirte Bier ist nun ein- mal bestimmt, zu versauern— daran läßt sich nichts ändern und wenn die Herren in ihren Bierpnlästen selber den Gratis- ausschaut veranstalten würden. Ter Deutschfreisinnigen, die sich zn einer heroischen That aufschwingen würden, sind gar wenige und die Herrschaslen von der SLörse und von der nothleidenden Landwirihschaft leisten zwar in diesen Tagen ganz Besonderes an moralischer Unterstützung der Herren Wasjersärber, aber weiter gehl es auch nicht Tie Stammgäste von Kempjnski hüten sich, sich an den, Bier, das bisher für den Plebs gut genug war, den Magen zu verderben. Die moralische O.ualität einiger der guten Kinder des Herrn Rösicke kennzeichnet sich durch eine Tennnzialio», welche von dem Schloffer Müller, Hageiianersir 12, und dem Bier- fahrer Schalp, Hagenanerstr. 5 ver. bl wurde. In der Gnst- wirthschafl von Skuras, Fransecki- und Hage»»uerslraßen-Ecke, reichte am Mittwoch Ai end ein Arbeiter eine Sammelliste für die ausgeschlossenen Branereiarbeiter unter de» Gästen herum. Dies bemerkte» die beiden vorgenannten Herren, welche sich später als Arbeiter im Betriebe der Schnltheißbrauerei qualisizirten und flugs ging der eine derselbe hinaus, um einen Schutzmann herbeizurufen, damit die gefährliche Liste konstszirt werde. Ties Heldenstncklein gelang den beiven brave» Leuten denn auch. Wir theilen diesen Fall mit, damit er den Partei- genossen, die sich ebenfalls um die Unlerstütznng der Ausgesperrten bemühen, zur Vorsicht ermahne. Mit dem ehrlichen Namen ihres Nächsten scheinen die Herren vom Brauerring de»n doch in mehr als einen, Fall ziem- sich leichtfertig umgesprungen zu sein. Bor uns liegt folgende Erklärung: Mir meiner Naniensunterschrist erkläre ich, daß ich den, Berliner Brauerring nicht angehöre, da icb keinen Wechsel in Höhe von 10 000 M. nnierschriebe» habe. Auch erkläre ich, daß ich mein Eiuversländniß zn dem Vorgehen des Brauerringes nicht gegeben habe, auch nicht gebe» konnte, da ich zur Zeit verreist war. SUim meinen Leuten ist nicht ein Einziger entlasse». Mein Name ist ohne mein Wissen unler die Erklärung des Berliner Brauerringes gesetzt worden. Brandenburg a. H., den 23. Mai 1894. G. Bauer, Werder a. H. Und die Herren, die den Name» von Leuten, welche absolut nichts von ihnen wissen wollen, sans fafon unter ihre Rado- montaden pressen, wagen es, von TerrorismuS der Arbeiter- organisaiior.en zu reden. Eine nette Gesellschaft! Gebrauchen sie ihr Geld jetzt nöthigcr? Wie das „Kleine Journal» miltbeilt, hat der Verein der Bier- brauereien den für die Berliner Geiverbeausstellnng gezeich- neten Garantiefouds bis ans Weiteres zurückgezogen. Man weiß auch nicht, irozu es gut ist. Hoch die Solidarität! In seiner letzten Sitzung hat der Verdi, Berliner Buchdrucker und Schriflgießer ein- stimmig beschlossen, das diejährige Johannisfest, welches am 23. Juni in der Berliner Bockbrauerei gefeiert werden sollte, in aubetracht der ernsten Situation, in der sich die gesammte Arbeiterschaft befindet, ausfallen zu lassen. Eine Aenderung dieses Beschlusses soll nur dann eintreten, wenn die Forderungen der Arbeiter von den Brauereibesitzern rückballslos bewilligt werden. Ferner bat der Berein für die ausgesperrten Brauer und Brauerei-Hilssarbeiter 500 M. als Nnterstützung bewilligt. Tie zahme» Kinder vom Pierbranergesellen- Verein zu Verlin, so wird»ns ans den Kreise» der Gemaßregelten geschrieben, sind unablässig bemüht, ihre Rückgrarlongkeit aller Welt zu offenbare». So bringen arbeiterfeindliche Blätter heule eine Erklärung des„Gesammt-Vorstandes» besagte» Vereins im Name», seiner 355 Mitglieder, die dahingeht, daß der Verein sozialdemokratischen Tendenzen nicht huldigt, ferner daß er Ge- waltmittel(!) wie Streiks, Boykotts verschmäht, weil uns güt- lichen, Wege in Berlin gerechte Forderungen immer bewilligt worden sind, desgleichen, daß.das frivole Vorgehen einzelner Führer des sozialdemokratischen Fachvereins» schuld ist an der Slussperrung so vieler Kollegen(was diese Zahmen „recht sehr» bedauern), daß weiter mehr wie Dreiviertel dieser Ausgesperrren„für Aushebung des Boykotts stimmen würden», wenn sie gefragt würden, und daß endlich der„sozialdcmolratische Fachverein» seit de», Jahre>390»icbt aufgehört hat,»nt de» Gewaltmitteln Streik und Boykott ihre Arbeilgeber zu bedrohen». So viel Worte, so viel Schwindel, und wissentlicher Schwindel. Wie kommt dieser„Gesammtvorstand" dazu, im Namen seiner 355 Mitglieder zu sprechen, wo er doch wissen muß und iveiß, daß eine große Zahl seiner Mitglieder Mußn, itglieder sind, lediglich aus dem Grunde, weil sie die lange lllrbeits- losiakeit fürchte», die ja bei den Brauerei- Arbeitern infolge der großen Arbeirslongkeit im Allgemeinen und des besonders .schlechten» Geschäftsganges der Brauereien(15—26 pCt. Dividende und 50-100000 M. Tantieme für Direktoren be- weisen dies), bis 9 Monate und darüber dauert, und weil sie wissen, daß sie als Mitglieder des.zahmen Vereins" bei Ar« beiterentlassungen so z. B. im Frühjahr nach Beendigung der Mälzkampagne und so auch jetzt, wie Fignra zeigt, davon ver- schont bleiben. Es giebt Brauer, die nur aus dem Grunde noch Mitglieder des„Gesellen- Vereins» sind, weil sie lange Jahre ihre Beiträge gezahlt haben und dieses Geld dem „Verein» nicht schenken möchten. Also zur Ehre des „Gesellen- Vereins» sei gesagt, daß auch noch nicht die Hälfte der Mitglieder die Meinung des„Gesammr-Vorstandes theilen. Und damit ist auch der Schlußsatz der Erklärung des „Ges.-Vereins" beantwortet, in dem sie sich mit den im letzten Jahre beigetretenen 100 Mitgliedern brüsten. Es ist ferner Schwindel, wenn der„Gesammt-Vorstand" in seiner Erklärung behauptet, die Leute, sür die er spricht, benutzen nicht die„Gewaltmittel» als Streik ic. Mitglieder dieses Vereins haben sich 1889 und 1890 am Streik betheiligt. Es ist Schwindel, wenn 1890 alle gerechten Forderungen aus gütlichem Wege bewilligt worden sein sollen. War der Arbeitsnachweis keine gerechte Forderung? Und doch mußte deswegen der Streik aus- brechen! Wir brauchen nur an einzelne Äluslassungen des Herrn Happoldt„ach 1890 gegenüber Mitgliedern des sozialdemokra- Iiichen Fachvereins zn erinnern:„Bilden sie sich nicht ein, daß dieser Lohn(120 M. monatlich) immer gezahlt wird!» Und bei einer anderen Gelegenheit, zur Zeit als die Brauereibesitzer den Arbeitsnachweis ganz in ihrer Gewalt bekamen:„So lange haben Sie regiert, jetzt regieren wir.» So gerecht die Forderung des Arbeitsnachweises war, so wichtig war er sür uns und so ver- haßt den Brauereiherren. Im Jahre 1839 hat man die gerechten Forderungen be- willigt und das wenigste davon eingehallen. Um 1390 nicht wieder so betrogen zu werden und um die Führer der Lohnbewegung oder„Hetzer», wie man sie zu nennen beliebt, sicker zu stellen, war der Arbeitsnachweis Hauptbedingung. Kam der Arbeitsnachweis 1890 nicht zustande, so war für die damaligen„Fübrer" keines Bleibens mehr in Berliner Brauereien, überhaupt sür ganz Deutschland waren sie geächtet, aber auch die damals errungenen Vortbeile waren wieder flöten. Das Letztere beweist die Aussage des Herrn Hap- poldl und das Erstere die s ch w a r z e n Liste», die w ä h- rend der 90er Bewegung angefertigt wurden und die höchstwahrscheinlich jetzt wieder gebrauch! worden sind, wie man an den„bekannten» Gesichtern der Ausgesperrten er- sieht. Es ist Schwindel, wenn gesagt wird, seit 1890 drohen wir mit Streik und Boykott! Wir wollen uns nur das 1890 Errungene nicht wieder nehmen lassen. Es ist weiter Schwindel, daß die Fübrer des Fachvereins schuld an der Aus- iperrung der Brauerei-Arbeiter sind! Das behauptet auch nur der verständnißlos diesem allen zusehende Gesclleu-Verein und wohl auch nur auf Wunsch und zu Liebe den Herren Brauer- besttzer. Es ist auch endlich Schwindel, daß'U der Gemaßregelten für Aushebung des Boykotts stimmen würden, wenigstens lhun sie dies nicht, so lange nicht, bis die gestellten Bedingungen ersüllt und vor allem der'Arbeitsnachiveis sicher gestellt ist; weil sie wisse», daß sie doch über kurz oder lang abgeivluimelt werden, wenn sich ihr Charakter dagegen sträubt, dem Waschlappen- Verein beizutreten. Nur in einem haben sie so ziemlich Recht. nämlich:„Der Vierbrauer-Gesellenverein zu Berlin hat bisber immer mit Erfolg seine neutrale Stellung behauptet u. s.w." Sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Tie IS90er Fordernngen wurden von den gesammten Berliner Brauern gestellt! Nachdem eine Einigung zu stände gekommen war bis aus den Ardeitsnachweis, der sür uns die Hauptsache und die Veranlassung zum Streik war, schlugen sich die„Gesellen" seit- wärls in die Gebüsche, wurden schnell wieder„lieb Kind», indem sie in einer von den Branereibesttzern zu diesem Ziveck aparten Versammlung gegen den Arbeitsnachweis stimmten und somit die damaligen Streikenden ihrem Schicksal und der Willkür der Protzen überließen. Und immer ur.d überall, wenn„sozialdemokratische Hetzer» Erfolge erzielen, sind ste es, die im warmen Nest sitzen und die Erfolge mitgenießen, aber beileibe keine Verantwortung übernehmen und uns zum Dank dafür in den Rücken fallen und de- schimpfen. Wahrlich diese.Edrenmänner» haben alle Urjache, stolz auf ihre„Neulralilät" zn sein. Die Vranerci Stralau schreibt uns:„In Ihrer Nummer vom 23 Mai veröffentlichen Sie, daß von der Brauerei Stralau in hiesige» Lokale» durch Plakate bekannt gemacht würde, die Brauerei gehöre nicht dem„Ringe» an. Diese Behauptung ist völlig ans der Luft gegriffen, da ich niemanden mit einer verarligen Veröffentlichung beauftragt habe und keine Veran- laffnng iiebine, meinen einmal gekennzeichneten Clandpnnkl zn ändern.» Wir werden aller Voraussickl nach der Brauerei in Bälde mit der enlsprecheiiden Antwort oie»en können. Zum Spezial-Moniteur deS Herr» Rösicke wird die „Freisinnige Zeitung». Sie hat eine eigene Nnbrik auf ber ersten und zweiten Seite ihres Hauptblattes eingejuhrt. die„Zum Brauerei- Boykott» überschrieben und den speziellen Interessen des Bierringes gewidmet ist. Sie zilirl heute zustiininend die„National-" und„Kreuz-Zeitung" und verleumdet wacker darauf los. Eugen der Held, der Znkunfls- staatsvernichier, wird nun zum Heiligen der Brauereiprodtn avanziren. Er hat's verdient.— In schroffem Gegensatz zu den strengeren Anordnungen über die Müllabfuhr in Berlin steht die Behandlung der Müll- abladestätten in der Nähe des Weichbildes der Stadl. Während in der Stadt selbst die staubfreie Müllabfuhr nach den bei den Hauseigenrhümern umlaufenden Nachrickten demnächst streng durchgesührl werden soll und die neue Polizeiverordnung, wo- nach der Hauseigenlhüuier sich strafbar macht, wen» beim�?luf- laden seines Mülles durch die damtt beschäfliglen Arbeiter Stand erzeugt wird, nur als ein erster Schritt auf diesem Wege zn be- zeichnen ist, herrschen auf ven Müllabladeplätze» zum Theil in der nächsten Näbe der Stadl vieliach ganz unerträgliche Verhält- nisse. So befinden sich beispielsweise zahlreiche derartige Plätze auf dem Terrain zwischen dem Schiffiahrrskanal und dem Süvring der Ringbahn, wo gleichzeitig auch viele der sogen Laubenbewohner ihren sommerlichen Ausenthalt genommen haben. Ist nun das Welter schön und heiß, wie es t« diesem Jahre bereits mehrere Tage hintereinander war, so ist die Luft rings im weilen Um- kreise um diese Abladestelle herum mit einem feinen Staube er- füllt, der von jedem Luftzug anfgemehl wird und die Geruchs- und Alhmungsorgane aller in der Nachbarschaft befindlichen Per- sonen ans das Unangenehmste belästigt. Für die Laubenbewohner, die in solcher Nachbarschaft„frische Lust» schöpfen wollen, ist dies ganz unmöglich. Dabei wird täglich von diese» Ablade- platzen ans auch Rauch und Asche über die Nachbarschaft ver- weht, wenn die brennbaren Bestandtheile des Mülls, Papier, Lumpen. Holz und dergleichen angezündet werden, um die Menge des abgefahrenen Mülles zu verringern. Tritt aber nasses Wetter ein, dann verbreitet sich von den Plätzen ein dumpfer, modriger Geruch, der von'allen in der Näbe befindlichen Personen aus das Siörendste empfunden wird. Daß diese Zustände gesund- heitlich weniger bedenklich sein sollten, als die Slauberzeug.nz in der Stadl, ist kaum anzunehmen. Warum mnst der Mann Wolle spule»? Wie die „Volks-Zeitung" zn berichten weiß, hatte sich eine hiesige Ver- lagshandlung erboten, den nunmehr zu einer Gefängniß- strafe von insgesammt 2V« Jahr verurtheilten Anarchisten Dr. Ladislaus Gumplowitz während der ganzen Daner seiner Hast literarisch zu beschästigen. Dieses Anerbinen ist jedoch„mit Rücksicht au, die lange Dauer der Strafe und die dadurch hervorgerufenen Be- lästigungen der G e f ä n g n i ß b e a m t e n" abschlägig be schieden worden. Nach diesem scheint es also, als ob der einzige geringe Vor- theil, der bi-her den zum Plötzenseer Rumfatsch und Mehlbrei oerurtheilte» politischen Gefangenen auf Antrag noch gewährt wurde, auch ein Loch bekommen solle. Man mache sich ein Bild von der Geiängnihhumanität des preußischen Staates am Ende des 19. Jahrhunderts: Ein Mann, wissenschaftlich gebildet, dessen einziges Verbrechen darin besieht, auf die Schlingen unserer be- rühmten Preß- und Redefreiheit nicht die genügende Rück- sicht genommen zu haben, muß während seiner langen Gefangenschaft vielleicht Werg rupfen oder Wolle spulen weil— nun weil, wie angegeben ist, die Beamte», die für die Ge- sangenen da sind. Belästigungen durch dessen literarische Be- schäftigung haben könnten! So stellt sich die sogenannte Kultur in Preußen dar! Der Postdefraudaut Georg August Adolph Ullrich aus Leipzig ist, am gestrigen Tage in Alexandersbad bei Wun- fiedel in Bayern verHaftel worden. Wir erfahren bezüglich der Festnahme des Defraudanten Folgendes: Er» Kollege des U., der in Leipzig auf demselben Postamt, von welchem jener flüchtig geworden, beschäftigt ist, hielt sich im Auftrage der Postbehörde in Alexandersbad auf, wo er H, der schon seit zwei Tagen daselbst unter falschem Namen weilte, aus der Kourpromenade traf. Der Beamte, welcher schon Kenntniß von dem Diebstahl seines Kollegen hatte, ließ den Flüchtigen sofort verhaften und schon mit dem nächsten Zuge wurde U. nach Leipzig zurücktransportirt. Von dem unter- schlagenen Betrage, 100 000 M., fehlten nur 140 M. Nach einem weiblichen Einbrecher fahndet gegenwärtig die Kriminalpolizei. Vorgestern Nachmittag in der fünften Stunde wurde die in der Webersiraße belegene Wohnung eines Fräulei Weimann durch gewaltsamen Einbruch geöffnet und 40 M. in baarem Gelde, zahlreiche Gold- und Schmucksachen, Kleidungs' stücke u. s. w. gestohlen. Als der That dringend verdächtig gilt eine Frauensperson, welche sich zu dieser Zeil in dem genannten Hanse aufgehalten und von Bewohnern desselben gesehe» worden ist. NuS Verzweiflniig hat der 30 Jahre alte Gastwirth Karl Oldenburg aus der Manteuffelstr. 3 seinem Leben ein Ende be- reitet. Er war seit etwa anderthalb Jahren von einem Leiden heimgesucht und halte wiederholt die Aeuberung fallen lassen, daß er daran zu Grunde gehen werde. Schließlich wurde er von Verzweiflung und Schwermulh befallen und entfernte sich am Montag Morgen aus dem Geschäft. Eine Anzeige der Ehefrau bei der Polizei blieb ohne Erfolg. Nun wurde am Mittwoch Nachmittag gegen 2 Uhr die Leiche eines Mannes an der Kotl- bnser Brücke von Schiffern gelandet. In ihr ist Oldenburg er- kannt worden. Es ist derjenige Mann, dessen Kleider am Dienstag Morgen am Maybacher User von einem Schutzmann gefunden wurden. Ein räthselhafter Selbstmordversuch wird vom Lehrter Bahnhof gemeldet. Am Mittwoch Nachmittag um fU/s Uhr erschien dort eine Dame, die eine Fahrkarte 3. Kl. nach Haniburg haben wollte, aber wieder fortging, nachdem sie erfahren hatte, daß der nächste Zug erst um 11 Uhr 25 Min. Abends abgehe. Kurz vor II Uhr kehrte sie zurück, löste die Fahrkarte und nahm in dem Wartesaal 3. Klasse Platz. Später bestieg sie eine leere Abtheilung, aus der sie jedoch von dem Schaffner entfernt wurde, da sie an der linken Hand stark blutete. Sie hatte sich die Puls- ader mittels eines kleinen Taschenmessers durchschnitten, um unter wcgs zu verbluten. Nachdem sie nun die Wunde mit einem Taschentuch umwickelt hatte, suchte sie den Wartesaal 4. Kl. ans, verlangte ein Butterbrot und benutzte das dazu erhaltene Messer, um sich nochmals die Pulsadern an der linken und dann auch die an der rechten Hand mit Blitzesschnelle zu durchschneiden. Sie verfiel infolge des Blutverlustes in Bewußtlosigkeit und wurde nach einem Krankenhause gebracht. Hier hat sie sich in einem lichten Augenblick für die Verkäuferin Slosa Rißmann ausgegeben, die bei einem Kaufmann Klaue, Liegnitzerstr. 17, ge wohnt habe. Dies hat sich nicht bestätigt und man steht daher vor einem Räthsel. Die von dem flüchtigen Post Assistenten Georg Ullrich in Leipzig unterschlagene, in Werthbriefen enthaltene Summe be- zisfert sich auf 150 000 M. Das dienstliche Verhalten des Beamten war nach einer Mitlheilung des„Leipz. Gen.-Anz." bis zu der That ein durchaus tadelloses, was schon aus dem Umstände her- vorgeht, daß seine Stellung eine sehr verantwortungsvolle war und ein unbedingtes Vertrauen aus seine Redlichkeit voraussetzte. Ueber die Motive der That ist noch nichts Näheres bekannt, wahrscheinlich ist, daß seine Vermügensverhältnisse in Unordnung gerathen waren; möglich ist auch, so schreibt ein hiesiges Blatt, daß er beim Anblick der bedeutenden Beträge einer augenblick- lichen verbrecherischen Neigung Folge leistete. Polizeibericht. Am 23. d. M. Mittags wurde im Landwehrkanal, bei der Kottbuserbrücke, die Leiche eines Mannes aufgefunden.— Nachmittags starb im Krankenhause Moabit ein Arbeiter infolge von Verletzungen, die er am Abend vorher an der Gotzkowskybrücke bei einem Ueberfall durch einen nn- bekannten Mann erlitten zu haben behauptet.— Hinter dem Grundstücke Holzmarktstraße 22/23 wurde in der Spree die Leiche eineS Knaben angeschwemmt.— Abends wurde im Landwehrkanal, gegenüber dem Grundstücke Kotlbuser Ufer 49, «in Mädchen im Wasser treibend bemerkt, von Schiffern heraus- gezogen und nach dem Krankenhause gebracht.— In der Nacht zum 24. d. M. durchschnitt sich eine Frau im Wartesaal des Lehrter Bahnhofs mit einem Tischmesser die Pulsader an der Hand und verletzte sich so schwer, daß ihre Ueocriührung in die Charitee erforderlich wurde.— Im Laufe des Tage» sande» zwei Brände statt. Witterungsübersicht vom 24. Mai. Witterung in Teutschland am 24. Mai, 8 Uhr Morgens. Bei hohem, an der Nordsee 770 Millimeter übersteigendem Luftdruck und ziemlich lebhaften nordöstlichen Winde» herrscht heut« längs der ganzen Küste und im größeren Theile l des nord- deutschen Binnenlandes beileres, trockenes und klares Wetter. In Süd- und Mitteldeutschland ist der Himmel zwar noch bewölkt, doch haben auch hier die Regenfälle aufgehört. Infolge der ge- steigerten nächtlichen Ausstrahlung ist im viordosten die Morgen- temperatur etwas gesunken; sonst ist dieselbe in Norddeutschland ein wenig gestiegen, doch erreicht das Thermometer heute früj> erst zu Borkum 15" C. Wctter-Prognose für Freitag, den 25. Mai 18S4. Trockenes und vorwiegend heileres, etwas wärmeres Wetter mit frischen östliche» Winden. Berliner Wetterbureau. Gevirsiks-Beituttg. Gewerbegericht. Kammer lll. Vorsitzender: Assessor L o h m e y e r. Sitzung vom 22. Mai. Der Maurer R. verlangt vom Bauunternehmer Hartwich unter dem Namen„Rcstlohn" 57.06 M. Der Kläger will mit 39 M. Wochenlohn als Polier engagirt gewesen sein, während seiner vierwöchentlichen Thäligkeit bei H. aber die Arbeitsstunde nur mit 65 Pf. bezahlt erhalten haben. H. giebt zu, auf das Verlangen des Klägers nach 39 M. Lohn eingegangen zu sein; jedoch habe er die Vereinbarung so aufgefaßt, daß er pro Stunde 65 Pfennige zahlen und dies bei zehnstündiger Arbeitszeit für die Arbeitswoche 39 M. aus- machen solle. Kläger habe— was dieser nicht bestreitet— aber verschiedene Tage(einmal eine ganze Woche) ausgesetzt, wofür er natürlich nicht bezahlt worden sei. Aus der Klagebegründung des Klägers geht hervor, daß er beim Engagement, als der Be- klagte auf seinen Vorschlag ihm 39 M. versprach, in der An- nähme lebte, jede Woche ohne Rücksicht aus die geleisteten Arbeits- stunden 39 M. beanspruchen zu dürfen. Da so festgestellt war. daß jede Partei je nach ihrer persönlichen Auffassung sich besondere Vorstellungen von der getroffenen Verein- barung gemacht und danach gehandelt hatte, außerdem aber noch festgestellt wurde, daß der Kläger stets ohne Murren die ihm gewordene Bezahlung entgegennahm, wurde derselbe ab- gewiesen. Der Gerichtshof hielt die Auffassung des Beklagten für am meisten im Einklang mit den im Baugewerbe üblichen Gepflogenheiten. Kammer I. Vorsitzender Assessor H e l l w i g. Sitzung vom 23. Mai. Der Schneidermeister Frankfurter klagt gegen den Schneider R. auf Schadenersatz in Höhe von 40 M., weil ihn dieser angeblich 14 Tage vor Ostern„im Stich gelassen", d. h. ohne Kündigung verlassen hat. R. erhebt Widerklage, behauptet, er sei entlassen worden, und zwar zu Unrecht. Außer einer vier- zehntägigen Lohnentschädigung beansprucht er 15 M. rückständigen Lohn. Frankfurter giebt an, den Lohn einbehalten zu haben, um sich des Beklagten auf 14 Tage(die Kündigungsfrist) zu ver- sichern. Eine als Zeugin vernommene Arbeiterin Frankfurter's hat gehört, wie dieser zu dem Beklagten sagte: Sie bekommen ihren Lohn, aber erst nachdem Sie Ihre vierzehn Tage ab- gearbeitet haben. Der Vorsitzende macht den Vorschlag, die gegenseitigen Forderungen zu kompensiren und einen Vergleich zu schließen. Der Kläger will daraus eingehen, der beklagte Schneider jedoch nicht. Derselbe wurde verurtheilt, die Kosten des Prozesses zu tragen und mit seiner Gegenklage abgewiesen. Der Gerichtshof war der Meinung, daß der Beklagte und Widerkläger nicht entlassen, ist, sondern die Arbeit verlassen hat. Da der Kläger und Wider- beklagte Frankfurter sich mit einer Kompensation einverstanden erklärt hatte, sah der Gerichtshof von einer weiteren Verurtheilung des Schneiders N. ab. Kammer VI. Vorsitz-'nder: Assessor Leo. Der Restauratenr Kochhann beansprucht von dem Kellner M. an verauslagtem Lohn für einen Kellnerburschen, und an verauslagtem Einschreibegeld für die Krankenkasse 9 Mark 30 Pf. Der Kläger behauptet, den Beklagten unter der Bedingung angenommen zu haben, daß er einen Kellnerburschcn entlohne. dem der Kläger Kost und Logis geben wollte. Der Beklagte habe auch im ersten Monat dem Burschen das Geld gegeben. Auf Aufforderung habe er vor seinem Abgange— er halte mittler- weile gekündigt— sich auch zur Zahlung des Lohnes für den ziveite» Monat bereit erklärt, sei aber dem nicht nachgekommen. Und so habe er, der klagende R e st a u r a t eu r, für den Beklagten eintreten und seinem, des Klägers, Kellner- barschen den Lohn geben müssen.(Armer Mann! Armer Mann!) Der Beklagte giebt, wenn auch nur in- direkt zu, mit dem Kläger die von diesem behauptete Vereinbarung getroffen zu haben; er entrüstet sich aber darüber, daß er, der keinen Lohn erhielt, von seinem Trinkgeld- ertrage den Kellnerbnrschen des Klägers bezahlen sollte. Der Vorsitzende rügt das Engagementsverhältniß zwischen den Par- teien mit bezug ans die Bezahlung des Kellnerburschen durch den Kellner als„ rn i» d c st e n s nicht schön", als„sein ä» ß e r st e s Mißfallen erregend" u. s. w. Der Kläger läßt sich nicht zum gänzlichen Fallenlassen seines Anspruches bewegen, ermäßigt aber schließlich den Betrag auf 4,50 M., zu deren Zahlung der Beklagte ver- nrtheilt wurde. In der Begründung verwies der Vorsitzende auf seine vor der Äerathung geäußerte Meinung als derjenigen des ganzen Gerichtshofes, der jedoch aus juristischen Gründen so habe urtheilen müssen, wie geschehen. Die Vereinbarung, daß der Beklagte den Burschen des Klägers zu entlohnen habe, sei nach der Beweiserhebung als wirklich getroffen anzusehen; Be- klagter hatte sie zu erfüllen. Kann ein HilfSschreibev auf dem Polizeipräsidium bei achtzehn- bis zwanzigstündiger Arbeitszeit ehrlich sein Leben friste»? Auf diese Frage giebt eine Gerichtsverhandlung Antwort, die sich am Donnerstag vor der IX. Strafkammer de» Land- gerickts I abspielte. Vor derselben mußte am Ende eines laugen makellosen Lebens der 67 Jahre alte Hilfsschreiver Georg Voigt erscheinen, um sich auf die Anklage des wiederholten Betruges zu verantworten. Der alte Mann ist, wie er versichert, vom Schicksal arg zerzaust worden. Er ist Vater von acht Kindern und erfreute sich als Inhaber eines Zimmerer- geschäfts außerhalb Berlins eines gewissen Wohlstandes. Ein großer Wasserschaden machte seinem Glücke ein Ende und er lag eines Tages ohne Subsistenzmittel auf der Straße. Die Fürsprache eines sehr hohen Beamten ermöglichte seine Beschäftigung als Hilfsschreiber bei dem Polizei- Präsidium. Obgleich die Seite Schreibwerk nur mit 6V« Pfennig bezahlt wird, verstand es der alte Mann doch, seine Einnahmen aus der Höhe von 100 bis 120 M. z u e r h a l l e n. Er hat, wie er versichert, täglich 16 bis 20 Stunden geschrieben, wurde aber wohl trotz des eisernsten Fleißes schwerlich solche Einnahmen erzielt haben, wenn er nicht seine Zuflucht zu un- lauteren Mitteln genommen hätte. Zur Kontrolle der gelieferten Kanzlei- Arbeilen wird ein Arbeits- Journal geführt. Den mit der Kontrolle beschäftigten Polizei' sekrelär, der die Kanzleiarbeite» zu taxiren hat, siel es auf, daß der alle Mann denn doch Leistungen aufwies, die über- menschlich waren. Er hatte beispielsweise an einem Tage ein Schristwerk von 102 Seilen vorgelegt und ließ sich am Tage darauf schon wieder ein solches von gleichem Umfange taxiren. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Der Beamte ging der Sache nach und stellte fest, daß der Angeklagte durch kleine Abänderungen der Nummer im Arbeitsjournal es zu Stande ge' bracht Halle, sich dieselben Exemplare von Schreibereien zwei- mal bezahlen zu lassen. Es konnten 27 Fälle eines derartigen Betruges nachgewiesen werden. Der Angeklagte ver- sicherte, daß ihn nur vieNoth zuseinerThatge- l r i e b e n h a b e. Er sei im vorigen Jahre längere Zeit hin« durch an der Influenza erkrankt, dadurch in seinem Erwerbe be- schränkt gewesen und habe nun in dieser sträflichen Weise ver- sucht, das Verlorene wieder einzubringen. Der Staatsanwalt versagte dem Angeklagten sein Mitgefühl nicht; beantragte aber 4 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof hielt dieses Strafmaß für zu hoch un d erkannte auf 2 Monate Gefängniß. Auf die Thätigkeit des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war eine Privatbeleidigungsklage zurück- zuführen, welche gestern vor der 144. Abtheilung des Schöffen- gerichls zur Verhandlung gelangte. Am 25. Februar d. I. erschien ,n der„Staatsbürger Zeitung" ein Artikel, worin die Thäligkeit des obengenannten Vereins in abfälliger Weise besprochen wurde. Es wurde u. a. darin behauptet, baß ein Angestellter des Vereins, der Kanzlist Eugen Kasimir, das Antisemitenlokal von Bayer in der Kronenstraße besucht habe. Er habe sich dort eines der ausliegenden antisemitischen Textbücher angeeignet, dasselbe dem Verein, der ihn beschäftigte, ausgehändigt und der letztere habe darauf gegen Bayer Strafantrag wegen Ausreizung zum Klasseuhaß gestellt. Es wurde besonders auf den Refrain eines Liedes hingewiesen, welcher lautete:„Nehmt die ganze Juden- bände, werft sie alle in den Rhein!" Der Staatsanwalt habe aber die Erhebung der Anklage mit der Begründung abgelehnt, daß der erwähnte Refrain wohl nicht ernst zu nehmen sei. Nun habe der Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgefunden, daß der Liedertext nicht mit dem Namen des Verlegers versehen war, habe den Restauratenr Bayer dieser- halb angezeigt und der letztere sei wegen Uebertretung des Preßgesetzes verantivortlich vernommen worden. In dem Artikel wurde der Besuch des Kasimir in der antisemitischen Restauration als die Thätigkeit eines Spions und seine An- eignung eines Exemplars der Texthefte als Diebstahl bezeichnet. Wegen dieser Aeußerungen strengte Kasimir gegen den Redakteur der„Slaatsb. Ztg.". Dr. Otto Bach l er, Privatklage wegen Beleidigung an. Der betreffende Amtsrichter lehnte zunächst die Erhebung der Anklage ab, die achte Strafkammer hielt aber die vom Strafantragsteller erhobene Beschwerde für begründet und ordnete die Erhebung. der Anklage an. Im gestrigen Termine behauptete der kiläger, daß er nur zufällig in das Bayer'sche Lokal gekommen sei und dort von der Wirthin ausdrücklich die erbetene Erlaubniß erhalten habe, ein Exemplar mitzunehmen. Der Zeuge Bayer bekundete, daß ani Eingange zu seinem Lokal ein Zettel angeklebt sei, der keinen Zweifel über den Charakter des Lokals lasse. Die Textbücher seien leihweise für seine Gäste bestimmt und der Kläger habe sich jedenfalls durch die Verschweigung, daß er in jüdischem Dienste stehe, einer Täuschung schuldig gemacht. Der Beklagte begründete hierauf seinen Antrag auf Freisprechung. Es sei nicht glaublich, daß der Kläger, der schon drei Monate in den Diensten des Vereins stand, das antisemitische Lokal nur als harmloser Gast des, cht habe, seine Thätigkeit müsse als die eines Spions be- zeichnet werden. Ebenso sei der Vorwurf des Diebstahls ein ge- rechifertigter, denn der Kläger habe sich widerrechtlich in den Besitz eines Exemplars gesetzt. Es würde ihm nie die Mitnahme gestaltet sein, wenn es nicht als selbstverständlich angesehen worden sei, daß man einen Antisemiten vor sich habe. Damals sei die Notiz durch die Blätter gegangen, daß ein Mann wegen Diebstahls verurtheilt worden sei, weil er drei Streich- Hölzer aus einem Lokale mitgenommen hatte und Thatsache sei serner, daß der Schriftsteller Schwenn- Hagen wegen Diebstahls verurtheilt wurde, weil er in der Gumpel'schen Konditorei ein Stück einer Zeitung mitgenommen hatte. Unter diesen Umständen müsse auch das Verhalten des Klägers als Diebstahl bezeichnet werden. Nach längerer Beralhung sprach der Gerichtshof den Ve- klagten frei, da seinen Ausführungen im Wesentlichen bei- getreten werden müsse. Der genannte Verein wird gegen das Urtheil Berufung einlegen. Ist der Cancan moralwidrig? Wohl selten werden die Kaufleute, die als Richter beim Antwerpener Handelsgericht sungiren, sich an einer Sache mehr ergötzt haben, als sie es in dem Prozeß gelhan, welchen sie gestern zu entscheiden hatten. Angeklagter war ein Kaufmann H., welcher auf der Antwerpener Ausstellung einen Juwelenladen inne hat, woselbst er Wiener Waaren verkauft. Klägerin ist ein hübsches junges Mädchen. Frl. Emmy Bauer, eine Erzwienerin. die kürzlich das Wiener Ballet verlassen, um aus der Antwerpener World's Fair die Waaren des Kaufmanns H. zum Verkauf zu bieten. Kaum ist die Ausstellung eröffnet und schon ist Frl. Emmy Bauer mit ihrem Chef nicht mehr einig, und zwar aus folgendem Grunde: In unmittelbarer Nähe der Bude, wo Fräulein Bauer schwach- rend und lächelnd die Käufer erwartet, befindet sich ein Zigeuner- Orchester, welches den ganzen Nachmittag seine verführerischen Klänge hören läßt. Nun ereignete es sich, daß am Tage der Er- öffnung, Nachdem die Wienerin den ganzen Tag den Klängen des Orchesters den tugendhaftesten Widerstand geleistet, sie Abends nicht länger standhielt; in einem Nu war sie aus ihrer Bude ge- sprunge» und halte vor einem erwählten und entzückten Zu- schauerzirkel einen höllischen Cancan zu tanzen begonnen! Daher der Streit und die Klage. Kaufmann H. behauptend. er habe Fräulein Emmy Bauer engagirt, nicht um den Cancan,„einen moralwidrigen Tanz" zu tanzen, sondern um Juwelen zu verkaufen, entließ sie am andern Morgen aus seincin Dienste. Die energische Tänzerin ließ sich jedoch diese Behandlung nicht gefallen und ver- klagte Herrn H. sofort aus Erfüllung des mit ihr vereinbarten Kontraktes. Sie halte monatlich 300 Frcs. und dazu noch eine Tanliöme von den durch sie gemachten Geschäften erhalten sollen. Sie verlangte also den begonnenen Monat, eine Entschädigung für den Verlust des wahrscheinlichen Gewinns, schließlich einen Monat Gehalt als Entschädigung wegen der unbefugten Kündigung. Vor dem Gericht entspann sich unter den Advokaten beider Par- teien eine witzige und pikante Diskussion über die Frage, ob der Cancan, wie es Kausmann H. behauptet, ein moralwidriger Tanz sei oder nicht. In seiner Weisheit hat das Handelsgericht enl- schieren:„Die Thalsache, daß ein junges, hübsches Mädchen ihr Kleid aufschürzl, um den wohlbekannten Tanz Cancan zu tanzen, sei an und für sich kein moralividriges Vergehen, das Cancanranzen sei eine in Tingel-Tangeln, wie dem„Wiener Prater"(auf der Antwerpener Ausstellung) oft gesehene Produktion; dieser Tanz übe sogar eine besondere Anziehungskraft aus die gewöhn- liche Kundschaft solcher Vergnügungsorle ans,«in Schaden sei daher für Kaufmann H. durch die Handlung des Fräulein Emmy Bauer nicht entstanden, die Kündigung sei als ein Kontraktbruch anzusehen." Kurz, Fräulein Emmy Bauer erhält die verlangten 300 Frks. für den begonnenen Monat und statt jeder anderen Vergütung. Mit Applaus wurde das Urtheil des Handelsgerichts durch die zahlreiche Zuhörerschaft begrüßt. Die Tänzerin selbst aber verließ de» Gerichtssaal trällernd und tanzend zur Verhöhnung des allzu strengen Kaufmanns H. Soziale Tlelievlidjk. An die Zinkgießcr nnd Stürzer Berlins und Umgegend! Kollegen! Gemäß dem Beschlüsse der öffentlichen Ver- sammlung vom 20. März>894 haben wir den 1. Mai gefeiert. Und weil die Kollegen der Firma Welt Nachf., Jnh. W i n k l e r, und Stoof Nachf., sich diesem Beschluß ebenfalls fügten, wurden dieselben grunddessen vom 2. Mai ab ausgesperrt. Da Herr Winkler sich bis jetzt in Verhandlung durchaus mcht eingelassen hat, sich aber nicht scheute, unter dem Deckmantel einer fremden Firma Arbeitskräfte für seine Fabrik zu erlangen versucht hat und es ihm auch gelungen ist. sogenannte Mlirkser heranzuziehen, mit denen der profitwülhige Bourgeois für die Dauer nicht auskommen kann; da es in dieser Werkstatt von jeher auf die größtmöglichste Ausbeutung der Arbeiter abgesehen war. was Ihr auch alle wißt und wie namentlich der Werkführer Hakspiel mit den größten Frivolitäten zu Tage tritt, welche jeder Be- schreibung spotten, indem er von den Gießern verlangte, täglich eine Viertelstunde vor der in der Fabrikordnung angegebenen Arbeitszeit anzufangen unter dem Hinweis, wer sich diesem nicht fügt, entlassen ist; so ersuchen wir die uns noch fern stehenden Zinkgießer, sich mit uns in diesem gerechten Kampfe solidarisch zu erklären und vor allen Dingen den Zuzug fern zu hallen. In nächster Zeit findet in dieser Angelegenheit eine öffentliche Versammlung statt, worauf wir alle Kollegen schon jetzt aufmerk- sam machen. Mit kollegialischem Gruß Die Werk st att-Kontroll-Kommission. Der französische Eisenbahnarbeiter«Kongreß ist an, 24. Mai eröffnet worden. VevzÄNNttlungen. Siic Adlcröhof und llingegeud fmid am 22. Mai eine Volksversammlung statt. Genosse Dr. Zadel be- handelte in einem interessanten Vortrage die Ausgaben!er öffent- lichen Gesundheitspflege, darlegend, wie dieselbe in der kapita- listischcn Gesellschast ist und wie sie sein sollte, um Staats- und Stadlburger vor abwendbaren Gesundheitsschädigungen zu schützen. Redner beleuchtete im Anschluß hieran die Thätigleit der Berliner Arbeiter-Sanitätskommissio», deren Erfolge er nicht überschätzt wissen wollte; sie ersetze nur, was die bürgerliche Ge- sellschast anderwärts selbst, z. B. i» England, in der Gestalt der Gesundheitsausseher geschaffen. Nachdem der Redner die Woh- nungen, in denen die meisten Arbeiter zu Hausen gezwungen sind, als den Anforderungen der Hygiene nicht entsprechend gekenn- zeichnet hatte, drückte er seine Freude darüber aus, daß auch die Ädlershoser Genossen eine Sanitätskommission gebildet haben. Er boffe, daß dieselbe in ebenso rühriger Weise wie die Berliner Kommission arbeite und wie diese durch die Appellation an die Oeffenllichkeit, ihrem einzigen kkampfesmittcl, zu Er- folgen gelangen möge.(Beifall.)— Genosse Zadel hatte auch das Referat zum letzten Punkt der Tagesordnung: „Wie stellen sich die Arbeiter Adlershofs zum Brauerei- Boykott?" übernommen. Er hielt dieses auf Wunsch gleich nach dem ersten Bortrage. Den Versammelten die bekannten Vorgänge, welche den Boykott herbeiführten, vortragend, trat er für die Anerkennung des Boykotts durch die Versammlung ein. Seine diesbezüglichen Ausführungen fanden lebhaften Anklang Bevor in die Diskussion eingetreten wurde, erstaltete Genosse Bau m a n n den Bericht der Arbeiter- Sanitäts- Kommission. Derselbe enthüllte eine ganze Reihe von groben Mißständen, welche die Kommission in den Häusern mehrerer Straßen und vornehmlich auf den Höfen gesuiidc» hat. Die hauptsächlichsten sind: Verunreinigung der Höse durch allerlei Abfall; damit in Verbindung stehend, Versorgung der Mielher mit„anrüchigem" Brunnenwasser, ungenügende Wohnräume, hier und da verpilzte Wände u. f. w. Es wurde von der Versammlung der B e- schluß gefaßt, den gegebenen Kommissionsbericht mit einigen Ergänzungen im„Volksblatt für Teltow- Beeskow" zu veröffentlichen und tausend Exemplare der betreffenden Nununer zur Verbreitung in Adlershof anzukaufen.— Mit bezug auf den Boykott äußerten sich mehrere Genossen im Sinne des Referenten. Einige Redner traten dafür ein, während des Boykotts überhaupt kein bayrisches Bier zu trinken. Die Versammlung nahm einstimmig die in Friedrichshagen gefaßte Resolution(siehe Versammlungsbericht in Nr. IIS des„Vor- wärts") an, welche im Sinne der Berliner Boykott-Resolution gehalten ist. Darauf wurden die Genossen M a l i tz. A b e l i n g, Reichert, Schulzer, Fiedler und B ö k e r t zu dem Zweck gewählt, im Verein mit der Lokalkommission eine Boykott-Kontrollkom Mission zu bilden.— Mit- getheilt wurde, daß sich der Grünkramhändler Kufig und der Kaufmann Lindner nicht davon abbringen lassen wollen, boykotlirtes Bier zu führen, und daß die Gastivirlhe Götzke und Schwabe boykottirtes Bier schänken. Schließlich beschloß man noch, den Ueberschuß der sortgesetzten Tellersammlung den Gemaßregelten aus dem Kuhnheim'schen Streik zn übermitteln. Verutislkikes. Explosion. Aus Krakau wird vom Donnerstag berichtet: Mehrere Soldaten, die aus dem Güterschuppen der Nordbahn Sendungen für ihr Regiment abholen wollten, kamen mit brennenden Zigarren in die unmittelbare Nähe eines Spiritus- fasses, welches explodirte. Sechs Soldaten wurden schwer ver- mundet. Vor dem Schwurgericht i» Kasan erschien am 12. d.M. ein wirklicher F ü r st als Mörder, der, nur weil er Fürst ist, mit siebzehn Jahren Zwangsarbeit davon ge- kommen ist. Der hochgeborene Herr, der auf den Namen M aksontor hört, wurde überführt, das Ehepaar Kugurow er- mordet und beraubt und dann das Haus desselben in Brand gesteckt zu haben, um die Spuren seines Verbrechens aus der Welt zu schaffen. BttiefKaVten vev Vedttkkwn. Gegenüber den vielen in den letzten Tagen, besonders auch von intcressirter Seite— Wirthe und Brauer— an uns gelangten Zuschriften, betonen wir wiederholt, daß Unterhandlungen in Boykott-Angelegeuheiten nur durch die Boykott-sKommission- Adresse: I. A u e r, Berlin SW., Katzbachstraße, geführt werden. Alle bezüglichen Zuschriften bitten wir deshalb nur dahin zu richten. Zb. in Strhk. Das Unternehmen hat mit der Partei direkr nichts zu thun. Wir wollen mit der Stellungnahme zu dem Unternehmen warten, bis mehr Hefte vorliegen. Noloff. Wenn sie fünf Beitragsjahre hindurch Beiträge ge- zahlt hat, noch keine Rente empfängt und binnen S Monaten nach der Verheirathung bei der Versicherungsanstalt die An- spräche gellend macht, erhält sie die Hälfte ihrer Beiträge zurück. O. W. Der Wirth ist nach den stattgehabten Erklärungen nicht berechtigt, sogleich auf Exmission zu klagen. Er kann aber verlangen, daß Sie vom nächsten Ersten ab pünktlich zahlen und. wenn Sie dies nicht thun, Sie exmittiren. Vvieflmlsen der Sxpedikron. Für die Bergarbeiter Oesterreichs gingen ein: M. Enders 3,—. Dr. L. 5,—. Von den rothen Buchbindern in der Grünstraße 20,—. Für die Brauerei-Zlrbeiter gingen ein: Herzog, Pücklerstr. 10,—. Glühlicht 8,40. Ges. in der Hütte 2,40. Diskutirklub„Zeitgeist" 5,—. Arbeiter der Genossenschafts- Bäckerei„Vorwärts" 5.—. Piauofabrik Wöske u. Ko. S,S0. W. Bs. Dr. 8,60. Putzerkolonne Kühn 8,—. Die Rothen Alte Jakobstr. 113 3,30. Weigel, Leipzig 2,—. S. G. H. durch Worlitz 7,40. Summa 69,60 M. Das Bureau der Brauerei-Arbeiter befindet sich Blumen- straße 33. Für die Wiener Tischler gingen ein: Werkstelle Banthge, Posenerstr. 29 2,90. Werkstatt von Lübke, Lichtenbergerstr. 5 8,23. Werkstatt Neumann, Katzbach- User 7.00. Werkstatt Barutherstr. 13 3,30. Bon den Kollegen der Tischlerei Haber- land, Krausenstraße 9,13. Drechsler, Tischler und Slell- machcr. Große Frankfurterstraße 136 2,30. Tischlerei F. Klär, Alte Jakobstraße 20 3,—. Vom Gesangverein„Nord- wacht" 100.—. Hüningen(Elsaß) 10,—. Gesammelt in der Tischlerei Schönhauser Allee 141(Henipf u. Müller) 10,40. Tischlerei Lilienthal, Oranienstraße 174, 6,—. Bau- tischlere! Hirschmüller u. Großkops 3,—. Tischlerei Janisch, Grüner Weg 28, 3.—. Von den Tischlern der Werkstatt Herzog in Friedenau 6,83. S. G. H. durch Worlitz 7,43. Summa l37,— M. Bereits quittirt 926,23, in Summa 11l3,23 M. Detrefthen. Privat- Telegramm des„Vorwärts". Plaue» i. B.» 24.'Mai.(10 Uhr 5 Minuten.) Bis jetzt > e r i s ch 3234, Uebel 4134, Schubert 1383, Schwarze 1439. AerliM der MIer und TMzirer. Sonnabend, den 2«. Mai, Zlbeuds 8va Uhr, im Lokale des Herr» Wie, zecke, Alte Jakobstr. 8»-___ WM" Versammlung. Tages-Ordnung: _ 1. Vortrag des Genossen Menzel über: Die Eigenthumsbestie. 2. Dis- kuffio». 3. Verschiedenes. 294/19 Um zahlreichen Besuch ersucht 0«,» Vorstand. NB. Diejenigen, welche noch nicht von den letzten Vergnügungen ab- gerechnet haben, werden dringend ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ebendaselbst findet die Ausgabe der Billets zu der am 22. sunt statlsindenden Oampfer-Nachtpartie nach Willielminenliof statt. Metallarbeiter! Oeffentliche Versammlung aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen von Schoneberg u. Umgegend Konntag. d-n 27. Mai. Uormittag« 11 Uhr. •n Jakob's Salon, Schöneberg, Grunewraldstr. 110. Tages-Orduung: 1. Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation. 2. Eventuelle Gründung einer Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. 3. Verschiedenes. 433/11 Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Metallarbeiter und Arbeiterinnen, namentlich auch derjenigen der umliegenden Orte Schönebergs, ersucht Oer Einbcrufer. Charlotteutmrg! Oeffentliche Versammlung am Konnavrnd, den 20. Mai, Abends Uhr, in dor Brauerei Gambrinus, Wailstrasse No. 95. Tages-Ordnung: Die Zulassung des Naturheilverfahrens in den Krankenkassen. All« Mitglieder der Orts- und Freien Hilfskassen sind eingeladen. S3öb Oer Einberuter. Zentral Kranken- und KegralmWmjse der Kuchkinder. Vermalt n ngsftclle Berlin. Sonnabend, 26. Mai, Abends 8'/2 Uhr, in Boltz' Festsälen, Alte Jakobstraße 75: Außerordentliche Haupt-Versammlung. Tages- Ordnung: I. Wahl von 5 Delegirten zur General-Versammlung in Nürnberg. L. Stellungnahme zu den Anträgen. 3. Verschiedenes. 439/3 Qmttungsbuch legitimirt. Die Grtsvermaltung Färber, Appreteure, Dekateure, Hilfsarbeiter nnd Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Kaimtag, de» 27. Mai, Norm. 10 Uhr, in F. Milüe'a Nrstanraut ,»Znr Gleichheit", Andrrasstr. 20: General Vevsannulttng Tagesordnung: . 1. Kassenbericht. 2. Vortrag über: Die Chartistenbewegung in England. Referent: Genosse P. Jahn. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 469/7 Der Vorstand. Wiing! Zimmerer- Wliug! Sonntag, den 27. Mai 1894, Vormittags 10 Uhr: 2 Kezirks-Nersammlnngen des Vereins der Zimmerer Berlins nnd Umgegend. 1. Für den Süden und Südosten: 423/17 In Bickel's Konzerthaus(früher Kurth). Kafenhaide Ur. 52/53. 2. Für den Norden und Nordosten: im Lokale des Herrn Gagel, Kchmedterstraffe Ur. 23. Tagesordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. Die Kameraden obeugenaiinler Bezirke werden ersucht/ zahlreich zu er- scheinen. Zutritt hat jeder Zimmerer. Der Uorstand. Schmargendorf. Konnabeud, den 20. Mai 1801. Abends 8'/, Uhr, im Restaurant ..Hansfonei", Ruhlaerftraße: 481/4 Grsjle ölseilttithe Nolksliechiinillililg. Tages-Ordnung: 1. Der Bayrisch-Bier-Boykott. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht vor Vsrtmnenzmsmn. W?- JFimdit-öäffe-WZ Himbeer-, Kirsch-, Johannis beersaft, vorzüglich, Literflasche 1,30 MK. Eugen Neumann& Co., 78 IM 6a Belle-Allianceplatz 6a._ 81 Neue Friedrichstr. 81. 8 Oranieuslr. 8. Mkizakr's Korbwaaren-Fabrik, 1. Gesch.: Ändreasstr. 23, H. pt.. gegenüb. Anvreasvl 2. Gesch.: Brunneastr. 95, gegenüb. Humboldtshain Itindorwanon größtes Lager Berlins,«uster- IilllUCl VVctljCll, tziiohor gratis. Theilzahlung ge- ckattet. 500 Mark zahle im Jedem, der mir narnweist, daß ch nichl das grölfte Kindermageu-Lager Kertins habe. Büllstl. 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Wieder sind uns eine Reihe von Beschwerden zugegangen, die sich theils gegen widerstandslustige Wirthe, die ihre Mielher in gesundheitsschädlichen Räumen schmachten lassen, um nicht durch Repnratulen oder zeitweiliges Leersiebcn einer Wohnung die Grundlagen ibres Ueberschusses zu erschüttern, theils gegen die Arbeits- und Wohnräume der Angestellten in den Geschäften der Lebensmitlelbranche richten. Es nimmt dies nicht Wunder, da bei den hier meistens vertretenen Bäckereien und Schlächtereien der Kleinbetrieb in seiner handwerlsmästigen Form de: vor- herrschende ist, und, wie bekannt, beruht, infolge des äußerst erschwerten Wetlerwerbs mit dem kapitalkräftigeren Kon- kurrenten, der Profit dieser Unternehmer fast einzig� aus der intensivsten Ausnutzung ihrer Angesiellteii einerseits und aus den möglichst hohen Ersparnissen an den Betriebskosten andererseits, zu denen ja die Kosren für Instandhaltung nicht nur der Arbeits- sondern auch der Wohnräume zu rechnen sind. Da die Arbeiterklasse aber kein Interesse an der Erhaltung einer dem heutigen Daseinskämpfe nicht mehr gewachsenen Be- triebsform hat, sondern nur bestrebt ist, die wirthschaftliche, moralische und gesundheitliche Lebenshaltung der Arbeiter selbst auf ein höheres Niveau zu bringen, so kann man zwar bedauern. wenn durch die Ausdeckung sozialer Schäden mancher sich gewiß selbst redlich mühende Kleinbürger getroffen wird, dessen persön- liche Arbeitskraft in seinem Betriebe sicherlich mehr ins Gewicht fällt als die der meisten Großindustriellen, ändern läßt sich aber an dieser Thatsache nicht daZ geringste und unsere Pflicht ist es. auch diese Mißstände unnachslchtlich an die Oefsenllichkeit zu bringen. Liebigstr. I. Bäckerei von Mertens. 2 Meter unter dem Straßenniveau ein Schlafraum für 3 Personen von 1.60 Meter Breite, 0,40 Meter Länge und 2,33 Meter Höhe, so daß 2 Betten über einander stehen. Der Putz fällt von den Wänden, Schlaf- wie Arbeitsräume sind baufällig und voller Ungezieser, Mäuse und Schwaben. Im Backraum solle» die Mäuse am hellen Tage aus allen Gegenständen, herumlaufen. P f l u g st r. 6. Schlächterei von Buk st. Aus derselben waren uns im Februar grobe Mißstände gemeldet worden. Tie unter dem Arbeitsraum befindliche Rauchküche war in bei solcher Feueranlage vorschristswidrigen Weise weder gewölbt noch mit Blech ausgeschlagen. Die Decke im Räucherkeller war zur Hälfte herabgefallen, so daß die Dielen des darüberliegenden Arbeits- raumes zu sehen waren, welche vom Schwamm zerfressen waren. Aus die Veranlassung unseres Kontrolleurs wandte sich der Schlächter an die Polizei-Baukommission, auf deren Einwirkung auch der Wirth die Räume in Ordnung bringen ließ. Ter Arbeitsraum ist neu gedielt und kann bereits benutzt werden. llnsere Inspektion des lliäucherkellers zeigt uns aber eine Vor- spiegelung falscher Thatsachcn, gegen die wir energisch Einspruch erheben. Die Decke ist mit Brettern verschalt, welche täuscheud- mit Kalk bestrichen sind, so daß man es im ersten Augenblick für Putz hält. Die Dielen des Arbcitsraums liegen daher nur IS Zentimeter über der Feuer- a n l a g e, ohne daß dieser Zwischenraum in i t Lehm oder Schutt ausgefüllt ist, was eine Feuergefahr für das ganze Haus bedeutet. Eine Aeudernng, meint der Kontrolleur, könne nur herbeigeführt wer- den, wenn der ganze Keller mit Wellblech ausgeschlagen wird. Reue K ö n i g st r. 42, Konditorei von M a t h e s i u?. Schlafraum des Lehrlings ein mit Steinen gepflasterter Vorraum ohne Luft und Licht. Echlafraum des Dienstmädchens in der Küche, in welcher bis Abends II Uhr stets Kaffee gekocht wird, so daß dort Abends bei geschlossenen Fcnstern schlechte Lust ist. Schlegelstr. 28, Seitenflügel parterre. Die Wohnung ist naß. die Wände mit Schimmel belegt, besonders die Treppcuwand ganz weiß; die Tapete hängt herunter. Das Wasser läuft häufig von der Decke aus die Wand entlang, da der Fußboden in der l. Etage defekt ist. Frau und Kind klagen über Kopf- und Halsschmerzen. Rixdorf,'Berlin erstr. 133, parterre. In dem Zimmer'nach dem Hofe zu ist der Fußboden vom Schivamm dnrchfressen, die Cchauerleisten völlig verfault, an den Wände» Cchimmelbildung, am Fußboden stellenweis Pilze. Tie Wob nung liegt nach der Straße zu nur 0,40 Meter unter dem Straßeniüvea», nach dem Hofe zu aber 1,47 Meier, so daß bei Regenwetter nicht gelüftet werden kann, da das Wasser sonst in die Wohnung hiueinlänsr. Beim Eintreten in die Wohnung bemerkt man bereits den Schwammgeruch. Tie Frau klagte über Gliederreißen, die Kinder über Kopsschmerzen. Der Wirth erklärt, nichts machen zu lassen. Bergstraße 3, Seitenflügel 2. Eingang. Beide Kellerwohnungen sind an den nach dem Hofe belegenen Außen- wänden naß. der Fußboden defekt. Im Anschluß an die soeben geschilderte» Mißstände geben wir einer Beschwerde Raum, welche dadurch von den anderen ab- sticht, daß sie einer anderen Hingebung entstammt, zumal einer solchen, welche den Anspruch erhebt, erzieherische Wirkung auf ihre Insassen auszuüben. Es hanbell sich hierbei um das Magdalenenstift am Süduser, eine Stiftung, welche gefallene Mädchen aufnimmt, um durch den Aufenthalt i» ihren Mauern eine» wohlthuenden Einfluß auf ihre körperliche und seelische Gesundheil auszuüben, auf. daß sie sich keine Ber- stöße gegen die Sittlichkeit mehr zu Schulden kommen lassen. In dieser Stiftung sind nach eigener Aussage der Oberin nicht die Mittel für die einfachste» Vorschriften der Hpgiene in bezug ans Desinfektion u. s. w. vorhanden. In 4 unier dem Dache be- legenen Zellen, die auf der einen Seite 2 rn hoch, auf der anderen nur 1,13 m hoch sind, bei einer Länge vo» 2,56 und einer Breite von 2,13, stehen 2 Bellen für 2 Personen! Ein rundes Fenster von 38 am im Durchmesser kann nicht geöffnet werden. Die einzige Licbtzusuhr besteht in einem Oberlichtfeuster, das 17 am breit und 34 cm long ist. In der Kochküche im Keller ist ein Brunnen, welcher unbrauchbares Trinkwasser liefert, trotzdem wird es zum Kochen verwendet. Neben der Küche befinden sich in einer Kammer 5 einzelne Zellen, welche als Arrestlokal dienen; in denselben sind die Wände feucht und der Fußboden so verfault, daß er große Löcher ausweist. In der Waschküche, in welcher 29 Personen beschäftigt sind, sind zwar Abzugsrohre für den sich entwickelnden Wasserdamps angebracht, doch sind dieselben zugedeckt, so daß er sich seinen Weg durch Thür und Fenster suchen mutz. Auf dem Hofe besiudet sich 1 m vom Brunnen entfernt eine Senkgrube. welche von vier Mädchen gereinigt wird.� Dieselbe, nicht des- infizirt, verbreitete einen sehr üblen Etumh. Das Kloset, Tonnensystem, hat 4 Sitze, von denen 2 so dejekt sind. daß man befürchten muß. hineinzufallen. Die Tonnen werden zwei Mal wöchentlich von den Mädchen geleert, der Inhalt im Garten als Dung verwendet. Wiederholt bedauerte die Oberin die geringen Einnahme» des Stifts, da nur sie der Grund für die sanitären Mißstände in demselben wären. Außer dem Er- trag der Wäsche würde durch die Privatwohlthätigkeit nur sehr wenig aufgebracht, staatlicher Zuschuß wäre überhaupt nicht vor- Händen. Als ob der Staat, der noch keine Deckung für seine Militärgesetze gefunden hat, gar etwas für die Gesundheit sünd- hafler Menschenkinder ausgeben könnte! Die Bourgeoisie ist es, welche gesellschasiliche Laster zurückführt aus persönliche Veran- laguug, und infolge dessen solche Institute schafft, um dem Uebel zu steuern; die Bourgeoisie ist bei der Ausführung ihrer Rezepte aber so knauserig, daß diese frommen„Mnsteranstalten" zum Spotte derer werden, welche sich anderen Gedanken über die Be- seiligung menschlichen Elends hingeben.� Für die Arbeiter-Sanrtäts-Kom Mission gingen weiter ein: 9 M. von den Lohgerbern. Lederzurichtern und Be- rufsgenosjen. Soziale ZUelteestäzt. Achtung, Böttcher? Das Bureau der ausständigen Böttcher befindet sich bei E. Heise, Lichten berger st raße 21. Die UnterstütznUg wird vorläufig jeden Dienstag, von Vormittags 10 Uhr an dort ausgezahlt. Die ausständigen Kollegen haben sich jeden zweiten Tag, versehen mit ihrem Buch, behufs Kontrolle einzufinden und zwar von Vormittags 10 Uhr bis Nachmittags 5 Uhr.— Die von uns ausgegebenen Linen werden laut Vereinbarung mit der Komimssion der Brauerei-Arbeiter«ingezogen. Au deren Stelle werden„Sammellisten der ausgesperrten Brauerei- Älrbeiter Berlins und Umgegend", mit dem Stempel der Gewerkschafts Kommission versehen, ausgegeben. Jedoch ersuchen wir dringend jede Liste an die Stelle zurückzugeben, von welcher dieselbe entnommen ist. Die seitens der arbeitenden Kollegen für die Aus- ständigen bestimmten Unterstützungen sind ausnahmslos an uns abzuliefern.— Außerdem erinnern ivir nochmals jeden einzelne» der Kollegen an seine Pflicht, für die Durchführung des BoykoUS mit allen Kräfte» einzutreten. Bedenkt was davon abhängt. Die L o h n k o m m i s s i o n der Böttcher. An die Charlottcubnrger Parteigeuoffe»! Am Sonnlag, den 27. d. M, Nach»,. 2 Uhr, findet für Eharlottenburg und Umgegend im großen Saale„Bismarckshöhe", Wilniersdorferstr. 39, eine große öffentliche P o l en- Versamm- lnng statt, in welcher der Zn-eck der Organisation erörtert werden soll. In Anbetracht der schwierigen'Agitation unler unseren polnischen Genossen sehen wir uns veranlaßt, a» Euch die Auf- forderuug zu richten, mit allen Euch zu Gebote stehenden Kräften dwür zu wirken, daß diese Versammlung eine imposante werde. Parteigenossen! Wir alle wissen, daß gerade diese ärmste» unserer arbeitenden Brüder infolge ihres dürftigen Bilduugegradcs einerseits als ihrer meist niedrigen Lebeushalinng andererseits die beliebtesten Versuchsobjekte eines brutalen, profiigierigeit Unternehuierthums geworden. Wir alle wissen, daß diese künstlich auf einem niedrigen Niveau gehaltenen Lohnstlaven bei jeder Gelegenheit gegen die organisirte Arbeiterschaft ausgespielt werden, ohne je gewilßt zu haben, wie schwer sie sich gegen Euch vergangen. Ist es da nicht endlich an der Zeit einzugreifen? Wollen wir den polnischen Genossen, die seit gkranmer Zeit und keine Mühe scheuend die Bewegung unter den Arbeitern polnischer Nationalität in die richtigen Bahnen zu lenken versucht, unsere Hilfe per- sagen? Durch unseren Einfluß, durch die Praxis in unserer Agitation ist es uns ein Leichtes, jetzt, wo die Wogen unserer Bewegung am höchsten gehen, wo es noch nicht zu spät, dem polnischen Bruder zur Seile zu stehen und ihn den Klauen eines beutegierigen und gewissenloseu Unlernehmerlhnms zu entreißen — Wir hoffen, daß unserer Aufforderung nackgekommen wird, wie wir es von»us gewöhnt, wie wir es verlangen können, wir machen es Euch zur Pflicht, die mit Euch in de» Werkställen, auf den Plätzen und Fabriken arbeitenden Polen ausznsorder», sie ev. in die Versammlung zuführen, indem Jbr auf tie Bedeutung der Tagesordnung hinweist, dann werdet Ihr den Aerinste» der Armen, dem polnisch redenden Proleiariate einen Dicnsl erwiesen haben, welchen sie Euch nie vergessen werden. Darum nochmals: Agitirl in kluger Weise, der Pole ist dankbar, wenn er nicht ab- flößend, sonder» als Bruder behandelt wird. Der Zweck wird dann erreicht und dem Ansbenlerihum der erste Nregel vor- geschoben, ferner den polnischen Arbeiter als seinen Leibeigenen zu betrachten. Die Vertrauensleute. An die Genossen in FriedrichShagen richten wir die dringende Aufforderung, sich der einzige» politischen Partei- Organisation unseres Ortes, dem Allgemeine» Arbeiter-Bildungs- verein, anzuschließen, damit der Verein in den Stand gesetzr wird, durch eine stärkere Agitauon immer mehr für die Aus- klärung der Jndifferenreu zu wirken. Jeder zielvewußte Genosse wird wiffen, daß mit der Abgabe des Stiimiizetlcls die Pflichten eines Sozialdemokraten noch lange nicht erfüllt sind; unser aller Hauptarbeit muß sein: Agitiren und Organisiren, damit unsere 'Armee eine immer größere werde. Gcnosten! Tretet daher sämmtlich unserem Vereine bei und erscheint zu diesem Zwecke Mann für Manu in der nächsten Versammlung des All- gemeinen Arbeiter-Bildungs- Vereins für F r i e d r i ch s h a g e n und Umgegend am Sonnabend, den 26. Mai, Abends S1/� Uhr, im Lokale von Eon- rad, Friedrich st raße 134, rn welcher Genosse Fritz Hansen über„Materialismus und Ethik" sprechen wird. Der V o r st a» d. I. A.: Max Verkow. Der Streik der Bildhauer Wiens dauert fort. Doch neigt derselbe bei der Banbranche seinem Ende eulgegen. Da die Unternehmer zur Einsicht kommen, daß sie gegen die gerechten Forderungen der Gehilfen nicht länger Stand halte» könne». beschloffen dieselben in der Meisterversammlung, daß der Streik der B i l d h a u e r m e i st e r aufgehoben i st. Doch sollen die Meister trachten, Arbeiter womöglich zu neun Stunden zn bekommen, und wo dies nicht geht, die Stunden- arbeit einzuführen. Da diese beiden Punkte den Interessen der Gehilfe» nickt entsprechen, dieser Schritt der Meister aber bereits einen halbe» Sieg bedeutet, so hoffe» diese in kurzer Zeit mit ihren Forde- rungen zum endgiltigen Siege zu gelange». Ein Böttcherstreik droht in Pilsen auszubrechen. Die Verwaltung des bürgerlichen Brauhauses bat den Bölickern, die bei den Maschinen beschäftigt sind, den Lohn um 60 pM.«dnzirt und statt des Tagelohnes soll der Akkordlohn eingeführt werden. Sluf die Mahnung der Arbeiler, es wöge endlich der elf- stündige Normalarbeitstag eingehalten werden, antivortete die Verwaltung mit der Entlassung von zwölf Gesellen. Die Böttcher beabsichtigen, am 30. M a i i n S t r e i k z u l r e t e n, wenn der alte Lohn nicht weiter gezahlt wird, wenn die Arbeits- zeit nicht um eine Stunde gekürzt und die gekündigten Genossen nicht beibehalten werden. Vor Zuzug wird gewarnt! Der Streik der Zimmerlcute Dauzigs dauert fort. Alle Einigungsversnche blieben bis heute erfolglos. Durch den Herrn Oberbürgermeister werden Einigungsversnche neuerdings an- gestrebt. Erfolg ist unwahrscheinlich. Zuzug bisher nicht ein- getroffen. Sosern genügend Unterstützung einläuft, ist der Sieg stcher. Eugen Sellin, Danzig, Rilterstr. 17. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck ersucht. Zum Bäckerstreik in Krakau wird der Wiener„Arbeiter- Zeitung" von dort gemeldet, daß die Millheiluug der„N. Fr. Pr." von der Beendigung des Streiks durchaus falsch sei, daß viel« mehr 300 Bäcker im Streik ständen. An die Vorstände der Zeutrasvcreine wendet sich die Generalkoinmisston mit dem Ersuchen, ihr doch umgehend die statistischen Fragebogen über die Stärke und Leistungsfähigkeit der Gewerkschaite» im Jahre 1893 zugehen zu lassen. Die Ver- sendung der Fragebogen ist in diesem Jahre so spät erfolgt, damit die Vorstände genügend Zeit habe», um den Jahres- abschlug machen zu können. Da die Ausstellung der Statistik, sowie die nothwendigen Berechnungen längere Zeit in Anspruch nehmen, mit diesen Arbeiten aber erst begonnen werden kann, wenn sämmtliche Bogen eingeliefert sind, so verzögern die Vor- sinnde, welche die Boge» noch nicht eingelieiert haben, die Veröffentlichung ganz bedeutend.— Es ist das die gewöhnliche, wohl berechtigte Klage über die Lauheit einzelner Geiverkschafls- sührer in dergleichen Dingen, eine Klage, von der man in Eng» land z. B. nichts hört. Der 2. sächsische KonsumvereinS-Lagerhaltertag fand am 2. Psingüfeiertag in Dresden statt. Zu demselben waren 77jLagerhalter aus S2Kousun>vereineu esngetroffe». Aus dem Bericht ging erfreulicherweise hervor, daß sich seit dem vorjährigen Lager- hnltcrtagschon vieles gebessert hat, in vielen Vereinen hat man bereits die bärtesten Bestiinimingen, was Arbeitszeit, Kontrakte u. s.>v. betrifft, geändert und rn anderen Vereinen ist man im Be- griffe, Besserungen vorzunehmen. Es sind dies die erfreulichen Folgen der Organisation; ohne eine solche und ohne öffentliche Besprechung der bestehenden Mißstände wäre wohl in manchen Vereinen sobald noch keine Aenderung eingetreten. Ten 2. Punkt der Tagesordnung füllte der vom Kollegen Schmidt» Zwickau vorgetragene Kassenbericht aus. Eine Debatte hierzu fand nicht statt. Zum 3. Punkt wurden eine Reihe vo» An- trügen debaltirt und unter anderem beschlossen, den nächsten Lagcrkaltertag Ostern 1895 in Zwickau stattfinde» zu lassen. Als Vertrauensmann wurde Grenz-Chemnitz, und als Kai fixer S ch m i d t- Z w i ck a u, und zwar beide einstimmig wiedergewählt. Mit einem Siückblick auf den Gang der Ver- Handlungen, welcher in einem Hoch aus die moderne Arbeiter- dewegung endete, schloß der Vorsitzende, Kollege Silber-Leipzig, Abends 7 Uhr den Lagerhallertag. Zum internationalen Textilarbeiter-Kongrest wird uns aus Fachkreisen geschrieben: In Nr. 116 des„Vorwärts" ivird für Juli er. ein nach Manchester(England) einberufener Textilarbeiter- Kongreß angekündigt und bemerkt, daß die deutschen Textilarbeiter den ltongreß gegenüber anscheinend der Kosten wegen sich ablehnend verhalten. Das ist nicht ganz zutreffend. Der Kostenpunkt ist erst in letzter Linie in Erwägung gezogen worden. Die deutsche Textil- arbeilerschasl verzichtet hauptsächlich deswegen auf die Beschickung des Ltongresses, weil sie an dem im vorigen Jahre in Zürich gefaßten Beschluß, nach welchem in Ueber- einstimiming mit England der nächste internationale Textil- nroeiler- Kongreß mit dem allgemeinen inier- nationalen Arbeite rkongreß zusammenfallen soll, sestbaUen will und weil zunächst das in Z n r i ch beschlossen. mlernaiionale Sekretariat in Wirksamkeit treten soll. In diesem Sinne ist auch an M a w d l e y geschrieben worden. Nachdem rndeß die übrigen befragten Länder sich zur Beschickung des Kongresses entschlossen, ist es nicht unmöglich, daß Deutschland nunmehr seine ablehnende Haltung aus- geben wird. Wozu kein Geld da ist. In L a u b e g a st bei D r e s d e n muß mit de»! 31. d. M. die au, 1. Juli 1889 eröffnete Kinder- bewahranstalt wegen Mangels an Mitteln ge- schlössen werde n. Allseitig erregt diese Nachricht Be- fremden und schmerzliches Bebaueru. Der ärmere Theil der Bewohnerschaft dürste bald den Maugel der Auslall lebhaft empsinden. Neriaunttluttgen. Der Zentral- Verband der Maurer DentschlandS (Filiale 11 Berlin) tagte am 20. Mai. Das Referat über das Thema„Jil unsere Orgauisalio» im Stande, die Mißstände auf den Bauten zu beseitigen" hielt Kollege S i l b e r s ch m i d t. Redner schildert eine Reihe von Mißständen auf den staatlichen Baute», und geißelt besonders das System der Akkordarbeit bei diese» Unternehmungen. Auf einem Bau in Scköueberg beging ver Uiiteriiehiiier die Frechheit, einen Arbeiler, der nicht nach seinem Wunsche die Sieine verpackte, zu schlagen. Ein in Berufskreisen sattsam bekannter Bauunternehmer P. hat einen Neubau mit 23 Lehrlingen und 3 Gesellen aus- geführt. Ein Beweis dafür, welche unverschämte Lehrlingsaus- beutung auch im Baufach betrieben wird. Nach Bekanntgab« einer Anzahl ähnlicher Vorkommnisse schloß der Referent mit dem lebhaften Appell an die Anwesenden, sich ver Geiverkschafls- orgmusation anzuschließen, um gegen solche Mißstände und brutalen Uebergriffe des Unternehmerthums Front machen zn können. In der Diskussion, an der sich die Kollegen F ritsch, Schulz, Heinze und S ch i g o l s ky betheiligten, wurde besonders da-Z Verhalten der Verbandskollegen auf dem Vau in Halensee betreffs der Mattier entschieden verurtbeilt. In einer Resolution wird der Vorstand beauftragt, die Kollegen zur nächste» Versammlung ein- zuladen. Hierauf verliest der Kassirer Kollege Erpel die Ab- rechnuiig vom ersten Quartal. Dieselbe ergab eine Eaaurhi»« iiilf. nltcn Bestand von 382,39 M. und eine Ausgabe von 342,29 3J?.; milhin ein Bestand von 39,10 M. Am 3. Juni findet in Moabit eine Wandervcrsaininlung statt. Eine Brauchenversammlung der Rohrleger und Ke« Hilfe» des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Unigegend tagte am 20, Mai in Äoltz Festsälen. Vor Eintritt in die Verhandlung ebrte die Versamm- lung das Andenken des verstorbenen Kollegen Mann durch Erbeben von den Plätzen. Hierauf hielt Genosse Millarg einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Unternehmergeivinn und Arbeitslohn," Kollege Hanke nnd Karpeukiel bctheiligten fich an der Diskussion. Des iveiteren wurden die Kollege» auf- gefordert, betr. des Brauereiboykotls sich streng nach der in den letzten Volksversauunluiigen angenommenen Resolution zurichten, Kollege Becker theilte niit, daß die beiden Geiverbegerichts-Bei- sitzer, welche der Siohrlcgerbranche angehören, ausgeloost seien, die Neuwahlen der Beisitzer würden im Herbst vollzogen. Vom Kollege» Ficius wurde darauf aufmerksam gemacht, dah am Sonntag, de» 27. Mai eine öffentliche Nohrleger-Versammlung statlsindet, welche sich mit verschiedenen Werkstaltverbältiiissen zu beschäftigen haben wird-, es wurde um rege Agitation wie auch um recht zahlreichen Besuch ersucht. Eine öffentliche Tapeziergehilfen-Versammsung, welche am 21. Mai tagte, nahm den Bericht der Agilations- und der Arbeitsnachweis-Kommission entgegen. Im Namen der ersteren tbeilte Kollege Pehnike mit, dag in der Zeit vom 27. Januar bis zum 28, April die Einnahme 235,70 M. betragen hat, worunter freilich Ivo M. aus dem auf der Sparkasse besindlichen ?f0nds entnommen wurden; die Ausgabe belief sich ans 157,57 M,, odaß ein Baarbestand von 73,19 M. verblieb. Außerdem sind aus der Sparkasse 906,72 M, vorhanden und an Darleben stehen 148,50 M, aus. Die betreffenden Schuldner sollen auf's neue zur Zahlung aufgefordert werden und. falls dies nichts fruchtet, soll anderweitig gegen sie vorgegangen werden, Nedner forderte zum eifrigeren Vertrieb der Marken auf. Kollege Friedmeier be- stätigte die Richtigkeit der Abrechnung, Dem Kollegen Robert Schröder, der trotz des kürzlich über das Meinerbureau ver« bängten Boykotts von dort Arbeit genommen hat, entzog die Versammlung das Amt eines Mitgliedes der Arbeitsnachweis- Kommission, für welche hierauf Kollege Sander berichtete, daß in den ersten vier Monate» dieses Jahres 521 Kollegen, d, i. 21 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres, auf dem Arbeitsnachweis eingeschrieben wurden, während 144 Stellen, neun weniger als im Vorjahre, vorhanden waren. Die Arbeitsnachweis-Komniission wurde aus folgenden Kollegen neu zusammengesetzt: Haube, Ratzki, Scharnewski, Grün, Pehnike und Sander, Kollege Feder theilte hierauf das Resultat der von 1?','Agitalionskommission vorgenommene» statistischen Erhebungen ii, ii. Danach sind im Tapczicrgewcrbe 000 Betriebe resp Werk- statten vorhanden. Davon sind beschäftigt in 21 Werkstellen durchschnittlich je 10 oder mehr Eschilfen, in 05 5 bis 10, in 02 2 bis 5, in lj4 1 bis 2, in 100 je 1, in 74 Werkstellen gar kein Gehilfe. In den hundert kleinsten Betrieben werden allein 202 Lehrlinge beschäftigt, davon in den 74 Werk- stätten, wo kein Gehilfe steht, 108. Lehrlinge. Bei der Aufnahme der Statistik hat sich serner herausgestellt, daß gerade in den größten Werkstätten die Kollegen am allerwenigsten für die Ge- wcrkschasl eintreten. Es wird im Allgemeinen angenoniuien, daß i» Berlin 2000 Tapeziergehilfen leben. Dieselben sind jedoch niemals sämnitlich beschäftigt, selbst in dem bellen Monat, im Oktober, waren 1747 Gehilfen in Arbeit; im Januar gar nur 911, im Februar 1028, im März 1507, im April 1502, im Mai 1594, im Juni 1219, iin Juli 1101, im August 1243, im September 1098, im Oktober 1747, im November 1509 und im Dczeniber 1029, Tie Statistik ergiebt, daß auch in de» sogen, großen Werkstellen von ständiger Arbeit kaum die Rede ist Die Arbeitszeit wird vielfach außerordentlich ausgedehnt, in einzelnen Werlstätte» so sehr, daß bei normaler Arbeitszeit noch einmal so viel kiollegen beschäftigt iverden könnten wie thaisächlich in Arbeit sind. Feder und mehrere andere Kollegen rügen im Anschluß hieran, daß zu wenig Marke» vertrieben werden, und machen diesmal namentlich den Anarchisten, die gegen die Ge- werkschaft agitiren, zum Vorwurf. Kollege Hessen giebt als Grund für dieses Verhalten an, die Agitation der Kommission sei nichts werth, da durch dieselbe nicht Revolutionäre gemacht würden; das Geld werde daher nach seiner Meinung verschwendet, Thaisachen für diese Ansicht konnte Hessen nicht vorbringen, wohl aber wurde von anderer Seile hervorgehoben, daß gerade bei den Tapezirern die Verwaltung der Agitalionskomniission eine musterhast selbstlose und sparsame ist. Die Versanimlung bcwilligte nach Schluß dieser unerquicklichen Diskussion den ausgesperrten Böttchern 30 M. und hob den Boykott über das Meisterbureau auf, nachdem betont worden war, daß ein recht- denkender Kollege dorthin überhaupt nicht gehe. Im Verband aller i» Buchbiudercie», der Papier- und Ledergalanteriewaare»- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeilerinnen hielt am 21, d. M. Kollege B Jost eine» Vortrag über: Entscheidungen des Gewerbegerichls, An denselben schloß sich eine rege Debatte an. Auf Antrag des Vorstandes wurde das Mitglied Ludwig Maller aus dem Verbände ausgeschlossen, Kollege Schiefer berichtet, baß in der Ofsizi» von Maurer und Timmik die bis vor Kurzem dort beschäftigte Frau Kutz entlassen worden sei, weil sie nicht fortgesetzt deS Sonntags arbeiten wollte. Diese Angabe beruht aus Wahrheit, die Mehrheit des Vorstandes sei jedoch der Meinung, daß sich gegen die Sonntags- arbeit nichts thun lasse. Es sei zwar zu mißbllligen, daß die Arbeiterinnen an Sonn- und Feiertagen arbeiten müßten, die Natur der Arbeit(Theatcr-Journal) bedinge dies jedoch. Da dies zum Herbst« ja ohnehin gesetzlich geregelt werden müsse, empfeble der Vorstand Hebergang zur Tagesordnung. Kollege Witlruch wandte sich scharf gegen diese Auffassung. Es sei ein unerbörler Zustand, daß namentlich die Arbeilerinne» jahraus, jahrein nicht einen einzige» Sonn- und Feiertag frei bekänien. Der zugestandene freie Wochentag, den eine Arbeiterin dann und wann sich nehmen dürfe, wäre ein llnvollkoinuiener Ersatz, In enier eingebrachten Resolution verlangt Redner, dem Buchbinderei Personal solle wenigens jeder dritte Sonntag freigegeben werde». Wenn die Firma so wenig Personal hwe. daß sie dies nicht ausführen könne, so hätte sie die Arbeit von vornherein nicht annehmen dürfen. Kollege Tilgner ist geaen die Resolution, weil man sonst der Firma den Lebensfaden unterbinden würde. Marwitz sagt, es würde gegenwärtig nur l�/z— 2 Stunden gearbeitet. Herr Maurer bedauert selbst diese fortgesetzte Sonnlagsarbeit, Es sei den Arbeiterinnen gesagt worden, sie könnten sich einen freie» Wochentag dasür nehmen, Frau Kuh entgegnet, ihr sei verweigert worden, Wochentags weg- zugehen, Herr Maurer gab das Versprechen ab, er werde nun- mehr Sorge tragen, daß die Arveilerinnen abwechselnd einen freien Sonntag erhalten. Die Resolution Wittrisch wurde bei der Abstimmung abgelehnt.— Als Kandidaten für die Tele- girtcnwahlen der Zentral-Kraukeukasse wurden dann die Kollegen Georg Schmidt, Hermann Greifenberg, Baseler, A, Riese und Franz Bylomski proklamirt und zu zahlreichem Erscheinen tn der Wahlversammlung aufgesordert. Tie ösfeiitliche Versawmlnng der Töpfer und Berufs- genösse«, welche am 23. d, Mls. tagte, ivar zunächst berufen, Stellung zu nehmen zu dem ständigen Gewerkschaftsbureau. Re- ferent Kollege Hagen wies darauf hin, dan vor Jahren bereits der Beschluß gefaßt worden sei, sich an Listensaninilui gen nicht zu bciveiligen. In anbetrachl dieses Beschlusses müsse aus audere Weise dafür gesorgt werden, daß die Gewcrkschafls-Kommission, deren Nothwendigkcit unbedingt anerkannt werden müsse, für ibre Ausgaben seitens der Töp'cr und Beruisgenossen Deckung erhalte. Zu diesen Ausgaben gehöre auch das Gewerkschaits- bureau. Hier sei die Frage aufzniverfen, ob diese- Bureau nolh- wendig sei, zudem es eine ganz andere Thätigkeit enlsalte, als urspriinglich geplant worden sei. Jetzt diene es Haupt- sächlich unorganisirten Arbeitern als Auskunftsstelle. Ein Agitalionsniittel stelle das Bureau in keiner Weise dar. da der betreffende Beamte gar nicht die Zeit habe, irgend ivelche Agitation zu entfalten. Tie Gewerkschaften würde» durch das Bureau nicht gefördert. Wenn auch die Geu erkschafis- kommissio» für Agitatiou, Hnterstützung vo» Streiks tc. mit Geldmitteln müsse verschen werden, so sei doch die Frage nufzu- werfen, ob auch die prozentualen Kosten für das Bureau, die, wie T h i e in e meinte, sich pro Jabr auf 50 M. belaufen, bezahlt werden sollen. Er forderte die Bersammlui g auf, sich darüber ansznsprechc» und de» Telegirien zu ermöglichen, in der Gewerlschafiskommission sich zu erklären. Als entschiedener Gegner der Beuulligi ug erklärte sich Heinrich H o f f m a n n, erstens, weil der Bnreaubcamte keine Zeil habe, für Organisation zu wirken, zweitens, weil zwei Drittel der das Bureon In- anspri chnehme- den nnorganisirte Arbeiter siien, die sich trotz allem nicht organisiren und drittens, weil die Berliner Töpfer in zwei Lager gethcill seien, Tie dem Zentral- verbände Angehörenden zahlten nichts nnd die Lokal- orgauisirle» kälten für jene die Kosten mit zu zahlen, Thieme hob hervor, das ständige Bureau sei außerstande. einen Einfluß auf den Jndiffereutismus auszuüben. Auch er war gegen die Bewilligung vo» 50 M. für das Bureau, wovl aber für Gewährung von Mitteln für Agitation zc. H a b a»'s stellt hierauf den Antrag, der Gewerkschaslskommission zur Erhaltung des Bureaus 5V M. bewillige». Dieser Antrag wurde mit großer Majorität abgelebnt. Ei" weiterer Antrag, der Gewerkschaftskonimission 50 M. für ihre sonstigen Ausgaben zu überweisen, angenommen. Des weiteren beschäsligie die Versammlung die Frage: Inwieweit sind die Töpfer Berlins dem Beschluß der letzten Versaiumlung behufs Wahl von Verlraucnsleuten ans Bauren nachgekommen? Wie M e l z e r koustalirte, ist dieser Beschluß bisher sehr mangelhaft zur Ausführung gebracht worden. Ebenso werde noch sehr viel bis 6 Hin- statt bis 5 Hhr'Abends gearbeitet. Diese letztere Au- aelcgeuheil zeiligte eine längere Debatte, in welcher verschiedene Mißstände zur Sprache gebracht wurden. Wie Hagen meinte, sollten diese Mißstäi de durch das System der Bau- Vertrauens- leure, i» welchem beide Richtungen zusamineuarbeileii können, beseitigt werden. In der Oefscntlichkeit hätten die„Richlungen" endlich einmal zu verschwinden. Da«der empfahl dringend den Kollegen die Resolnlion zur allseiligsten Beachtung im Jnleresse der Arbeiter. Als die achtstündige Arbeits- zeit eingeführt worden sei, nnd zwar in der Eintheilung, daß von Morgens Vell Uhr bis Nachmittags 5 Hhr, einschließlich I>/s Stunden Pause, gearbeitet iverde, sei für die Arbeiter nichts weiter heransgesprnnge», als daß sie eine Stunde früher Mensch sein konnten. Die'Arbeit sei der Verkürzung der Arbeitszeit entsprechend intensiver geivorde», es könne demnach kein Arbeiter ein Jnleresse daran baden,»och eine Stunde länger, bis 0 Hdr Abends, zu arbeiten, wie es nameiitlich bei der Firma Hennings- torser der Fall sei. Hagen beantragte: der Vertraucnsinann wird bc auftragt, die Baute», auf denen kein Vertrauensiiian» gewählt worden ist. im.Vorwärts" bekainil zu gebe». Dieser Antrag wurde angenommen. Die Bersamnilnng erklärte sich ein- stimmig mit der Eintheilung der Arbeitszeit, wie sie seit dem Jahre 1839 besteht, einverstanden. Nachdem erstattete der Vertrauensmann Melzer den Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 8. April bis 21. Mai dieses Jahres. Einschließlich des Hebertrages in Höhe von 422,89 M. vom 8. April betrugen die Gesammt-Einnahmen 842.54 M., die gesammten Ausgaben erreichten die Höhe von 406 M. 31 Pf. Der vernleibende Bestand betrug am 2l. Mai d. I. 430 M, 23 Pf. Thieme verlas sodann ein Schriftstück, die Antwort der Geiverbedeputation des Magistrats als Ausstchtsbehörde der J»»»ngs-Kra»kenkaffe aus einen Prolest von Kassenmitgliedern gegen die!kasseufiidrung des Vorstandes, laut welcher die Be- rechligung des Protestes anerkannt, der Kassenvorstand seines Amtes entHobe» und eine Neuivabl unter»aber präzisirten Vorschriften ausgeschrieben wird. Den Kasienmitgliedern wurde empfoblen, nunmehr aus dem Posten zu sein und den Herren Jiiiiungsiiieistern scharf aus die Finger zu sehen, dieselben wo- möglich in dieselbe Lage zu bringen, wie die Sleinsetz-Jiinungs- meister, welche bereits selber den Antrag auf Auflösung ihrer Jnnungskasse gestellt hätten. Der Verlraueiismann wurde im weiteren beanflragt, 100 M. zu gleichen Theilen an die aus- gesperrten Brauerei- und Kuhiiheiin'schen Arbeiter abzuführen. Zum Schlüsse wurde, zur Vermei ung jedes Zweifels und Miß- Verständnisses, von der Versammlnng dahin votirt, daß für Berlin nur ein Vertrauensmaiiii anzuerkennen sei, und als solcher zur Zeit der Kollege Melzer. Te«4ila»li»it»r- und Arbelterinnen-Perbanv(Filiale l), Am Sann- abend, den es. Mai, Abends»ij Uhr. findel bei Wille, AndreaSstr. es, Ver- taminlung mir folgender Tagesordnung statt: Vortrag des Senossen RUiert über„Das unterirdische Berlin". Arbeiter-Kildungatchul». Freitag, Abend» vonsi;— loi; Uhr: Siard» Schule, Mullerbrabe irsa und Südost-Schule. Waldemarstr. u: Deutsch(Sog« und Reiboril) Bei allen Nnterrichlsfächern Iverden neue Theilnehiner, Damen und Herren,' jeder geit aufgenommen. ftft und piehutirblub«, jfreitug. Karl Marx, Abends es; Uhr, bc> K ruber. Marici.dorfersir. 5.— Westen, bei H. Werner, Bülowstr. 59. Arbeiter- Siingrrbniid Kerlin««»d zimsegend. Vorstsinder Ab. N>umann, Brunnenslrabe l30, S Tr. All- Äeuderungen im Vereins- ratender nnd zu richten an Fried, iiorlum. Manteuffel'lr.«9, v. 2 Tr. Freitag. Uebungsüunde AbriidS 9 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Kaiser- scher Mannerchor, Schönhauser Allee 29. bei Kuhlmet).—Nord. Bergstrabe 69, bei Keller.— Vorwärts i, S.O. Adatberlitr. 21, bei Roll.— Kumniei'sche- Eelangverein, Langeitrabe es. bei Temvsl.— Buch- binder- Männerchor Berlins. Holzmacktürabe 9, bei Detsr.— Mai- glöchchen, Hochftr. L2a, bei Witts.— giemüthlichlett Puser, Eendeliir. 90.— Valme, in Bellen, bei Schröder.— Morgenroth 4, Köpenick. Müggelhetmcrfir. 9 bei Held.— Karlhaus'scher Sesang- n er ein. Kraulst. Nr. 6 bei Rudolf.— Sesangverein M o r g e n r o t h 2, Cboiloilenburg. Bismarckstr. 7ä.— Tnpographta, Sesangverein Berliner Bnchd ucler und Schristgießer, Alle Jalobfir. 76.— Sesanav Nordwa cht, Müllerstr 7, bei Reichert.— Selangv. Freie Sänger in Schmargendorf. WirlbShaus Friedrichs.— Zulunft I, Steglitz. Ahornstr., im SamdrirniS, — Geich gverein T o I l e g ia l, Manieuffelslr. 9 bei Nowack.— Bereini« Sangesbrüder Moabil, Slromftrabe 29 bei Lange.— Sängerveretn Sorgenfrei, Melchlorstr. i° bei Slehmann.— Nord-West- S i e r n, Allonaerslrabe 27 bei Lipls.— Binela, Beteranenstrabe I» bei Schulz.— Freie Liederiasel, Neue Königstrabe 79 bei Hahn.— Brandenburger Männer-Sesangveretn tn Brandenburg a. H., Me"gerl's Boltsgaricn.— Eängerchor der Töpfer. Neue Friedrtchftr. 44 bei R öllig.— Brauet-Sesangverein Serstenähre, Alle Jalobttr. 99 b. Wieneike.— 'lvhanni. Am Ost' ahnhof? bei W.Sühlow.— Ein igke i t 9. Sr.-Ltchierfelde .ei Gries, Giesensdorf.-»esetltgketl, Hennigsdorf. Böhmert's SallhauS — Maiengrub, Köpenick, Srünftraße 69 bei Gaul.— A r i o n, WUIenberge, Thurmdrabe 29. Zenlralhalle.— Oberon, Kaiser Franz- St eimdter- Platz 7.- JriS, Naunqnstr. 96 bei Fritz Zudeil.- Fterja 2 (gem. tthot), Rtxdors, Bergslrabe 19», Hoffmann's Festsäle(Inhaber Runge). — Loreley, G.ü>-lhalerstr 6 bei Hemmerltng.— G e sa n g v e re t n d»r Klein per und Berufsgenofsen, Steine' sstrabe Nr. 17 bei Biet.— Luftige Sänger. Polsdam, Btandenburger Kontmunttalton 16 bei Glaser.— Deutsche Liederlasel, Grüner Weg 26, Restaur. Saeaer.— Sänger- kreis iWeibensee). KönigSchaussee 4» bei Dorn.— Apollo, Beulhilraße Nr. 19—19,„Zum Posthorn", Schultze's Neslaurand— Rheingold(vorm. Moht'schcs Dovpel-QuarlcU), Büschingstr. 7 bei Jakob.— Sängerkerie» Konbuser Tamm 74 bei HUke— Spandau itt Spandau, Neumeisterlir. 6, Nestau aal Radite.- Lorbeerzweig, Swiiiemüttderstr. 96 bei QueUsch. Knud der gekeUigen Zirbeiirrnrrei»» Keriin» und htmgegend. Alle Zuichrislen stnd zu senden an P. Gent, Adalberistr. 65. Freitag: Vergnü, ungsverein Frisch aus, Abends 9 Uhr, Ohmgasse 2 bei Krebs.— TlaiNub Kairo, Abends 9 Uhr bei Flick, Simeonnr. 29. e-rlang-, ikttrit- und gitellig» prreiu». Freitag. Männer-Geianz» verein Union, Abends 9 Uhr, Berliner Bockdrauerei.— Ouarteuverein W e d d t n g, Abends 9� Uhr. bei Schäfer. Reue Hochiir. 49.— Männerchor W- l d e« r->t i ch e n. Abends Uhr. be! Weial, Piartgrasenttr. 97.— Prival- Tbealerverein Crescendo. Abendü s Uhr, bei Schulz, Puttbuierstr. 93.— MuNkv-rein Frischauf, Resmitranl Schröder, Reichenbergerftr. 24.— Tbeuierverein B u l l a n i a, 9 Uhr, Jäger's Aesellschafishatts, s�Ztien- sliaße i9—t4.— Thcaietveretn Freier Wille, jeden Freitag Lbenv 9sc Uhr bei Sauermann, Adalberistr 9.__... Berliner Turngenossenschaft. Die erste Mannerabihetluna nitnl Freitag und D ensiaz Abend von sj— toj Uhr in der Turnhalle de» Lelstng-Gmttnasiumt Pattlilr.»— iv.— Turnverein Gesundbrunnen tte I. Monncr-Ablhetlung lurnt heute Abend von az— toij Uhr in der Turn- balle des Lelstng'Ghtnnostutns, Panksir. 9— iv.— Kraft- und Aritften- Ilub Berottna jeden Dienstag und Freitag llebungsslunde bei Grützner, Waidemaistr. 42.— Turnverein G e r m a n ta(Mitglied des deutschen Ar- deiier-Turnerbuitdes) tttrnl Dienstags und Freitags Abends von»1—10« Uhr Acketftr«7.— Turnverein Fichte(Mitglied des Aib-tter-TurtterbundeS Deutschlands.) Die zweit- Männer-Adlheilung lurnl jeden Dienstag und Freitag Abends von 8— lo Uhr in der Stalttzerstc. E6/66. Vetgnügnngsverei» Veilchen, Abends 9� Uhr, bei Brauns, Oranienstr. tsz p.— Gesellige'. Atbeilcrveretn G r a p h i a, Abends 8!; Uhr. Alle gakobslr. 128 sLoget Haus).— Umethaliungsllub Schiller, Abends 8 Uhr in- Resianrant Holzbächer, Trehseürabe 9.— Leptdopt. Verettiigung Orion, Abends 9 Uhr Sttzung Lharlottcttilr. 95, Reftaurani(istettverg.— Muükvere-n Hoffnung, Abend» von 9— ll Uhr Uebungsstunde Prostauer, sirabe 96—97 bei Scknetder.— Vstgnügungsverein Berolina- Adends 9 Uhr im Restaurant.Zur Gleichheir", AndteaSstrahe Nr. 24, Sitzung. Nach derselben Tanz.— Tan.zlehrer-Vcrein Solidarität. Abeitd« 8X Uhr int Lolale von Ehrenberg, Anr-enstrabe Nr. 16. Sitzung.— Rattchltub Rothe Fahne, Freitag Abends» Uhr, Cuvrq'tr. 49 bei jir.cheidotfs— Ruderverern Vorwärts, tsttzung Abends 9 Uhr, in der Spreelirrasse, Jannowttzbrülle.— Gesangverein F r e y a(gemischter Chor) Rirdorl, AvendS 9 Uhr, bei Barta, Bergslr. 120.— Bergt. ünungsverein Im Brand, Sltzung Abends» Uhr, bei Fr. Germer, LandSdergetstr. i«s. Lngiisk vonvei'GstionsI Vlud Shakespeape. Meeting• every Eriday at 9 p. w. at Beherns Restaurant König» tr. 62. Leoturer Mr. J. Bloch. Guosts are welcome. Grösstes Spezial-Geste-Geschäft Mandowsky& Co., ■hhwwwmumm i. 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