Ur. 77. C 5 Pfennig)( 5 Pfennig) flbonnemtntS'Bedinguoscn: vdonnemeiUZ- Pn'iZ pnmunisraüd�: Licrteljäbrl. 8,90 ffllf.. Mona». 1.30 OTf, wöchentlilt» 80 Pfg. frei WS HiiuS. ftiiyalne JUimmet 5 Pfg. Sonnlügj» m�ranci mit iHufmcrlct Soraaa�-;. »cilogc.Die Reue Seit* 10 Pfa. Pllil. UBonuentcnt: ILO Mark pro Mona!. Kingeirasen in die Post-Zeitui�'. Prel5!isie. �linier Krcuibaird lür Delliichlaüö und Oesterreich- Ungarn 9,80 Mark, fit daS übriae LaZIand t Mark pro Monau Poslabonnemenis nehmen an'Belgien. DSnemarh SoLand. Italien. Luxemburg, Portugal üiuuiänie«. Schweden und die Schweiz. Hchetol tZg»ch. Jahrg. Die tnSeriicnS'GrtUftr tetrügl tir die iechkoelpaitens ftalonel» »eile oder deren Raum dö?jg. für poliiilche und gewerkiSaiiliche Lerenud- Und Acriamminungd-Anzeigen 30 Big. ►.Klein« Httteigen", das icUgebcuii* Bon 90 Pfg. lzultfstg Z ieUgedruckie Bortel, led-k wrstere Morl IN Tig. Etellengefuche und Echlaffiellenan- zeigen das erste W?n' 10 Big. iedeS wettere ZSon ä Big. Worte über IS Auch- st ab an zahlen für».oei üüorle. Knieraie für die nächste Nuuistler müssen bis ri Uhr nachnistiags in der Crpeditiea abgegeben werbe:!. Die«rpedstion ij» biS 7 Uhr abends geöffnet, Delegramin-Udresie: ..Tekülirinddkil eck»»". �entralorgan cler fosislclemokrattfcken Partei Veutf�lanäs. Reüaktion: EW. öS, Kinüeastraße Z. Kernsprecher: Amt Moristplach. Nr. l2l S0— lSl S7. Montag, den 19. März 1917. Expedition: SW. öS, Änöenftraßs 3. Kernsprechrr: Amt Moritzplatz. Nr. l.�1 9»— 151 97 Lustschiff- und Torpedoboot-Angriffe auf England Bapaume, Peroune, Roye und Noyon planmäßig geräumt.— Große Erfolge im Lufttampf.— Vergebliche Augriffe der Franzosen bei Monaftir. Amtlich. Großes H a o p t? u a r t i e r, den 18. Z'cärz 1917.(W. T. 25.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zwifchei» La Lassee Sanal und der Scarpe war die Gr- sechtstätigkeit rege. Bei Loos holte» unsere Stosttrvpps 18 Gefangene aus de» englischen Linien. Beiderseits von Arras drangen feindliche Erkundungsabteilungen von Bataillons- stärke gegen unsere Stellungen vor; meist wurde» sie durch Feuer abgewiesen, bei Roelioconrt und Tilloh wnrde ein- gedrungener Gegner im Nahkampf geworfen und ließ eine Anzahl Gefangener in unserer Sand. 4 Zwischen Arras und der Life habe» die Engländer nud Franzosen in dem von uns planmäßig ausgegebene« Geläudc- strrise» unsere früheren Stellungen und mehrere Ortschaften, darunter Bapaume, Peronnr, Noye und Noyon besetzt. Unsere Sicherungen fügten dem Feinde erhebliche Berluste zu und wichen dann» wie besohle«, ans. Auf dem rechten MaaS-Ufer griffe» im Ntorgengranen zwei franzöfifche Äompagnie» dos von uns am 16. 3. gewonnene Grabenstück nördlich der EhambreitcS Fe an; der Bvrstvst scheiterte. An der Eombrcs-Höhe und bei Maize» nördlich von St. Mihiel brachen Sturmtrupps in die französische Stellung ein und kehrten mit je Lst �Gefangenen zurück. Bon der Küste bis zur Life hotte klares Wetter gesteigeric Fliegcrtätigkeit zur Folge. I« Lüftkämpfe« büstte der Feind Ist, durch Abwehrfeuer 3 Flugzeuge ei». Lt Frhr. v. Richlhoscn schoß seinen 27. und 28, Lt. Baldamus seine» Ii. und 15, Gegner ab.. Wir haben drei Flugzeuge verloren. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Seine Kampshondlungeu von Belang. Mazedonische»?ront. Starke Angriffe der Franzosen zwischen Ohrida- und Prcspa-Sce find abgeschlagen worden. Ter schwere Kampf um das Bcrggelättde nördlich von Monaftir hat dem Gegner keine wesentlichen Erfolge gebracht. Die beherrschenden Höhen, die auch nachts vergeblich angegriffen wurden, sind fest in unserer Hand. Ter Erste Generalquartirrmrister. Ludcndorff. » Menöbericht. Amtlich. Berlin, 18. März. Abends. In dem von uns freiwillig geräumten Geliiudeflreifen zwischen Arras und Oisue besteht nur an einigen Stellen Gcfechtsbcrnhrnng unserer Sicherungen mit feindlicher Kavallerie und Infanterie. Beiderseits der Maas zeitweilig rege GrfechlStätigkeit. Im Ostc» nichts Besonderes. Die Kämpfe zwischen Ochrida upd PreSpa-Sce und nörtlich von Monaftir sind heut wieder aufgelebt und sind noch nicht-bgefchloflen. Der österreichische Sericht. Wien, 18. März. Amtlich wird verlantbart: Ocstlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Costabella scheiferte ein Gegenangriff der Fia- liencr in unserem Sperrfeuer. Ter Sicllvcrtreier des Chefs des GeneralstabcS von Hocfcr, Feldmarfchalleutnant. Erfolgreicher Vorstoß unserer Torpedoboote. feindliche Zerstörer und Handelsschiffe versenkt. Berlin, 18. März.(Amtlich.) Eines unserer Ma rineflug.zeuge belegte am 17. März, nachmittags, den H a f e u und die Gastanstalt von Dover mit Bomben. In der Nacht vom 17. zum 18. März brache» Teile un° serer Seestreitkräfte erneut iu die Ttraste von Dover— Calais und die Themse mündung ein. Von der südlichen Angriffsgruvpe wurde ein feindlicher Zerstörer der Äanalbewachung im Nahkampf v e r- senkt, ein zweiter Zerstörer schwer beschädigt Die nördliche Angrisfsgruvpe vernickstri« bei North-Fors. land einen Handelsdampfer von etwa 1500 Tonnen durch Torpedoschust und zwei Vorpostenschifsr durch Artilleriefeuer. Hierauf beschost sie den befestigten Hafen Margate wirkungsvoll aus nahe Eutfcrnung. Feindliche Landbatterien erwiderten ohne Erfolg. Unsere Seestreitkräfte sind vollzählig und ohne Beschädigung oder Menschcnvcrluste zurückgekehrt. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Zeppelinangriff ans Lonöon. Berlin, 18. März. sAmifi».) I» der Nacht vom 16. zum 17. März hat ein R a r i n r l u f t s ch i f f g e s chw- d e c trotz heftiger Gegenwehr durch feindliche Flieger und Abwehr- gcschütze London in halbstündigem Angriff und die südöstlichen Grafschaften Englands ersolgreich mit Bomben belegt. Tie Luftschiffe find wohlbehalten zurückgekehrt bis auf L 39, da« nach französischer Meldung bei Compicgne snordöstlich von Pari?) In einer Höhe von 351X1 Metern durch das Feuer fran- zöfischer Abwehrgeschütze zum Absturz gebracht ist. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Notiz: Hierzu erfahren wir von zuständiger Stelle noch nach- stehende Einzelheiten: Von den Luftschiffen wurden auf dem unter ihnen liegenden Komplex von London nicht weniger als 50, bis 60 Scheinwerfer beobachtet, unter deren Beleuchtung sie heftig mit Brandgranaten erfolglos beschossen wurden. Auch feindliche Flieger beteiligkon sich an der Abwebr, obne jedoch an die Luftfchific heranzukommen. Tie Themse war gut zu erkennen, ebenso London, obwohl es verdunkelt war. Auf dem Rück- marjche, während dessen starker Sturm aufgekommen war. wurden die Luftschiffe von den Themfebefestigmigen. sowie eng- lisch«! Vorpostenstreitkräften mit Scheinwerfern ohne Erfolg gesucht. Demission öes Kabinetts Srianö. Aristide Brianb, seit dem 3. Oktober 1913 Ministerpräsi- dcnt des kriegführenden Frankreich, hat gestern dem Präsi- denten Poincare den Rücktritt seines Kabinetts gemeldet. Ob damit wirklich eine der längsien Mimsterpräsidentsch>rsten Frankreichs in neuerer Zeit zu Ende geht, oder ob der ge- wiegte Spieler nur noch einmal in den Jungbrunnen der De- misswn hinabsteigen will, um mit neuer Kraft aus ihm zurück- zukehren, ist aus den Nachrichten, die zur Stunde vorliegen, noch nicht ersichtlich. Schon vor Tagen ging dos Gerücht, Briand wolle nur zurücktreten, um mit einem verstärkten Kabinett wiederzukommen. Einstweilen aber weiß der amt- liche französische Draht nur folgendes zu melden: Paris, 18. März.(Havasmcldung.) Tic Minister träte» gester» abead zusammen. Briaud erstattete Bericht über die Beratungen, die er über die Bedingungev abgehalten habe» unter denen das Kabinett vervollständigt werden könnte. Der Ministerrat war der Ansicht, daß es die Umstände erheischten, Poincars jede Freiheit zu lasten, so über die Lage zu entscheiden, wie er es für die Jnterestcn der nationalen Verteidigung am besten halte. Jnsolgcdesten überreichte Brians Poincarö den Rücktritt des Kabi- n e i t s. » Paris, 18. März. Wie„Petit Parisien" meldet, entschloß sich B r i a n d zur Demistion. da zuerst Painlevö und dann Noulens. es abgelehnt hatten, dos Kriegsmmisterium zu übernehmen. Zeit zur Tat! Von Philipp Sch c ib c man v. ' Feinde ringsum! Es bedarf keiner langen Unterhaltung über die Frage, worum fast die ganze Welt mit ibren Sinn- pathien bei unseren Feinden steht. Die Antwort ist leicht ge- geben: olle Welt sieht bei unseren Gegnern nur die mehr oder weniger entivickelte und ausschlaggebende Demokratie, bei uns aber nur— Preußen! Wir haben immer— freilich mit etwas Herzklopfen— auf Rußland verwiesen, das im Lager unserer Feinde steht, obwohl es die rückständigste aller Regierungssormen hatte: den Absolutismus. Der Zarismus ist inzwischen. für Rußland erledigt. denn der neue Londesvater ioll die Krone sich nur dann auf's Haupt setzen, wenn die Volksvertretung damit einvcrsianöeil ist. Die russische Volksvertretung ober soll gewählt werden aufGrund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen W a h l r e ch t s. Rußland machte kurzerhand reinen Tisch, fegte mit kräi- tigem Besenstrich allen Wust und Unrat beiseite und will nun— wenn nicht dia Republik das Ende ist— einen der Demokratie huldigenden Fürsten auf den Thron setzen. Ruß- land soll von nun ab einen Monarchen haben, den man achten und gewähren lasten wird, wie die Engländer, die Däiteii die Norweger ihren König regieren lassen. In Rußland fpstrdc dann die auch bei uns bisher immer nur theoretisch behandelte Frage, ob die Monarchie oder die Republik die bessere Staats- form ist, auf absehbare Zeit wahrscheinlich gar keine Rolle mehr spielen.—» Im asiatischen Reiche der Mitte stemmten sich die Mandarine mit aller Gewalt gegen jode Reform. Sie wollt«: einen Kaiser absolut, so lange er ihre» Willen tut. JDamit untergruben sie die Monarchie und legten die Fundg- mcnte für die Republik. Im europäischen Reiche der Mitte aber suchen ähnliche Geister chinesische Mauern zu er- richten, um jede Reform hintanzuhalten! Die Uhr zeigt fünf Minuten vor Zwölf. Sie aber bil- den sich ein, die Zeit aufzuhalten, wenn sie den Zeiger aus Elf zurückstellen. Von den Duisbcrgern, Fuhrmännern e tntti qnanti rede ich erst gar nicht. Aber vom Reichskanzler will ich ein Wort sagen. Viele, die ihm fern und feindlich gegenüber gestanden bähen. lernten ihn in harter Kriegszeit als einen aufrechten' und'ehr- lichen Mann achten. Er bat im Laufe des Krieges wanch«. gute, im Landtag kürzlich eine wahrhaft hnrzerfri'chcndL, TTuge Mede geholten, durch die er für die Zukunft in sichere Aussicht gestellt bat. Aber warum schrickt er vor dem schon jetzt unbedingt Notwendigen zurück? Will er in der Gc- schichte als ein ewiger Zauderer und Säumer weiter leben? Herr v. Bethmann Hollweg will die Pceußen-Kur erst nach dem Kriege beginnen. Für die Zeit n a ch dem Kriege waren auch in Rußland allerlei Reformen in Aussicht gestellt worden. Den Russen aber dauerte der Krieg zu lange, und je ärger der Hunger sie bedrückte, um so unerträglicher er- schien ibnen die Verzögerung. Sie sagten sich wohl: wenn schon nicht Brot und Kartoffeln für alle zu beschaffen sind, was bindert uns daran, allen wenigstens gleiches Recht zu geben?!' Und so kam denn der 11. März, sodann der Verzicht des Zaren u n d so kam die Demokratie. Warum auf morgen verschieben, was absolut not- wendig und als eine der dringendsten Staatsauf- gaben vor.vielen Zabren schon vom König selbst be- zeichnet worden ist, wenn es heute schon geschehen kann! Man sagt, daß Schwierigkeiten zu überwinden seiest. Jawohl, es liegen Strohhalme im Wege und ein Zwirnsfaden ist über die Prinz-Albrecht-Straße gespannt. Aber was für Schwierigkeiten muß das Volk fetzt überwinden! Millio- ncn sehen Tag für Tag entschlosien dem Tod entgegen für ein neues Vaterland des gleichen Rechts. Und Millionen und Abermillioncu ertrogen daheim die größten Entbehrungen und mehr— sie werden immer lauter fragen: für was? für das Preußen der Wcstarv und Heydebrand? Hut ab vor einem Volke, das wie das deutsche und preußische, so Unerhörtes in diesem Kriege geleistet- bat nud auch weiter leisten wird. Einer tut's dem andern gleich. Ja mehr: des Vaterlandes ärmster Sobn war auch sein trenester! Der Kanzler hat's in feierlicher Rede der deutschen Volks- Vertretung vor aller Welt verkündet. Allen ist die gleiche Pflicht auferlegt. Sollten auch nur für einen Tag nach dem Krieg nach ungleichen Maßen die Rechts zugemessen bleiben? Es ist ein geradezu unerträglicher Gedanke, daß nach dem Kriege die, die jeden Tag Geschäfte gemacht und Nacht für Nacht im warmen Bette zugebracht haben, dos Mehrfache 5es politischen Rechts haLen sollten� wie!ie Tapfe- ren, die aus dem Trommelfeuer, aus dem Flugzeug und auS dem U-Boot heimkehren. Es ist jetzt Zeit zum entschlossenen Handeln. D i e ?chwicrigkelteu. die entstehen könnten, wenn die Regierung jetzt das Reichstogswahlrccht für Preußen verlangt, wiegen federleicht im Vergleich mit den Schwierigkeiten, die ent- üehen können, wenn sie eine solche Vorlage nicht einbringt. Tie Parlamentarier und die Parteien, die jetzt im Landtag Rein zu sagen wagten, wenn die Regierung das gleiche Wahlrecht energisch fordert, waren im Handumdrehen' er- ledigt. Man muß also nur ernsthaft wollen, jetzt wollen. Zm Nbgeordnetenhause i st die Reform in kurzer Zeit durchzusetzen. Hat jemand Angst vor den Herrenhäuslern in einer Zeit, in der wir einen.stampf aus Leben und Tod mit nahezu der ganzen Welt entschlossen kämpfen? Tie Zeiten sind ernst und das gleiche Prenßcn-Wahl- reckst ist reis. Der Reichskanzler sollte keinen Tag weiter zögern. Das preußische Volk und die anderen deutschen Bundesstaaten werden wie ein Mann an seiner Seite stehen, wenn er entschlossen handelt. Der Stein im Nolle«. Nach der ersten Hochflut lauten die Nachrichten über den Fortgang der russischen Revolution spärlicher. Kein Wunder. Für die offiziellen Mack'.er ist ja mit der Beseitigung des in ibren Augen„schlappen" zaristischen Regiments und seiner Ersetzung durch eine liberale, auf den„Endsieg" arbeitende Regierung die Revolution beendet. Die Rodzianko, Milju- low uiw/ haben den Zaren sozusagen an Patriotismus über» boten und damit die streisc gewonnen, die in ihrem Herzen alles andere als revolutionär sind, namentlich einen Teil der bohen Militärs und Beamtenschaft. So erklärt sich der ver- hältnismäßig leichte Sieg der hochpairionschen Revolution und die völlige Isoliertheit des Zaren im entscheidenden Augen- blicke. Aber die Rechnung bat ein bedenkliches Loch. Die Reva- lution hat die hungernden und unzufriedenen Massen als Ztütze benutzt, die ganz etwas anderes wollten als verschärstsn Krieg und Herrschast der Großbourgeoisie in Gemeinschaft mit Großgrundbesitz und hohem llstilitär. Tie Miljukow. und Ge- nassen sind lieuto schon in der Lage des Zauberlehrlings:„Tie ich rief die Geister, werde ich nicht los." Tie Tiima hat bereits, wie wir in der vorigen Nummer noch kurz mitteilten, die guten Leute aufgefordert, nach Hause zu gehen und nun recht eifrig sür den Krieg Waisen zu schmic- de». Das typische Schauspiel jeder Revolution! Aver den russischen Arbeitern steckt noch die Revolution von 190.V06 in den Gliedern und so einfach und schnell geht die Beruhigung nicht vor sich, wie es dem liberalen Tumablock lieb wäre. Heber das, was sich zurzeit in Petersburg und Moskau abspielt, erfahren wir nichts. Naturgemäß. Ter offizielle Traht muß den Anschein wahren, als sei die Revolution vor- bei. Aber was durchsickert von fortwährenden Ermordungen, Nicdcrbrcnnungen. Unruhen usw. läßt ganz andere Rück- schlüsse zu. Man lese die folgenden beiden Telegramme: Petersburg, 17. März.(Reutcrmeldung.) Am 16. März nachmittags begannen Männer mit Leitern die kaiserlichen Wappen von den öffentlichen Gebäuden und von den Läden zu entfernen. Gleich darauf wurde von den Blättern geme!» det, daß der Zar auf den Thron verzichtet habe. Die Wappen wurden auf den Straßen verbrannt oder in die zugefrorenen stanole geworfen. Tic Nachricht, daß der Zar abgedankt habe, traf in Petersburg im Laufe der Nacht ein und verursachte m- folgedessen wenig AufrePing. Im Laufe des Taget sah Reuter? storrespondent Soldaten und Bürger unter Abfingung der Marseillaise durch die Straßen ziehen. Großer Jubel brach aus, als berittene Truppen mit einer Zahne mit der Inschrift: ,(fci lebe die fpjialistische Republik in allen Ländern" vor der Tuma hielten. Petersburg, 17. März. lReutermeldung.) Unter den zuletzt Verhafteten befindet sich General Renncntamp.(Der Berwüstcr Ostpreußens. Red. d. Das Berkehrsministerium teilt mit, daß der Berkehr auf allen Bahnen mit einer kleinen Ausnahme normal sei. Aus den Provinzen wird gemeldet, daß nur(!) einige verhaftete Beamte, darunter der reaktionäre Gouverneur von Tioer, getötet wurden, und daß es sonst(!) zu keinem Blut- vergießen kam. Der Chef der Moskauer Polizei wurde ver- haftei, das Hauptquartier der Geheimpolizei wurde nieder- gebrannt. Einstweilen scheinen die offiziellen Häitpter der neuen Regierung gegen die unbequeme Bewegung ein altbewährtes echtrussisches Ablenkungsmittel anzuwenden: Gegen die Re- volution das Pogrom? Man veranstaltet patriotische T e u t j ch c n h e tz e n. So berichtet die„Times" aus Petersburg: >„Die Bevölkerung wird von sehr antideutschen Gefühle« be. herrscht. Es wird systematisch nach allen Anpehörige» der höheren streife Jagd gemacht, die im Verdacht stehen, deutsche Nei- oungen zu haben, oder deutsche Namen oder Titel tragen. Baron Aredericks, dessen Haus zerstört wurde, wurde gestern in eniem Versteck emdeckl, verhaftet und nach der Tuma gebracht. Soldaten und Pöbel machen Jagd aus Gräfin Kleinmichcl, die verdächtigt wird, eine deutsche Spionin zu fein. Sie wurde in der chinesischen Gesandtschaft gefunden und von Soldaten ge- fangen genommen. Baron Stackelberg seuaua- gestern aus einem Fenster ans die Soldaten. Cr wurde aus seinem Hause geschleppt und auf der Straße hingerichtet." Wird die Ablenkung auf ine Dauer Erfolg haben? Gegen- über der Teutschenhetze ist es sehr gut. an eine Rede KU erinnern, die der Arbeiterporteiler K e r e n s k i, jetzt Justiz- liiinister. am lk. August 1915 in der Duma gehalten hat. als der„Kampf gegen das Deutschtum im Innern" auf der Tagesordnung stand. Er sagte: „Und ich sage Ihnen, meine Herren, wir nehmen diese >7ou> misiion(„zum Kamps mit dem Druck des Deutschen im Innern") nicht' an. Diese Kommission ist für uns eine böse Deckagogie. um die Augen der russischen gebildeten Gesell- schaft und des Volkes von den wirklichen Schuldige» am Kriege abzulenken. Die„böse Temagogie wird auch heute von den Arbei- lern durchschaut werden. Die neue Regierung hat völlige Preß- und Versammlungsfreiheit ohne Ein- schränkung durch den Kriegszustand angekündigt. Macht sie ihr Veriprecben wahr, jo würde die freie Aussprache die Er- kenntnis der Arbeiter beschleunigen, daß diese Negierung etwas ganz anderes bezweckt, als weswegen sie gestreikt und revoltiert haben. Karl Marx hat den Verlauf von Revolutionen im kavi- talistischen Zeitalter mit unübertroffener Schärfe des Blickes attnalysiert. Dieie Revolution ist in ihrem ersten Teil so— wir möchten sagen„programmäßig" verlaufen, daß wir an ihrer regelmäßigen Weiterentwickel ung nicht zweifeln können. Ja. wir sind überzeugt, daß diese Wciterentwickelung sich zur Stunde bereits vollzieht. Der junke springt auf Irlanö über? London, 17. März.(Meldung des Hollandschen Nieuwe Bureaus.) Es gehen Gerüchte, daß heute in Irland Kund- gedungen zu erwarten seien. Es wird zwar in Abrede gestellt, daß der Bevölkerung befohlen lvurde, in den Häusern zu bleiben, ober die Mitteilung Bonar Laws im Unterhause, daß es notwendig sein könnte, an das Land zu appellieren, um die irische Frage zu ordnen, wird in vielen Kreisen als Anzeichen dafür ousaefoßt, daß wieder etwas im Anzüge ist. ES ist ckorakterimfck». daß die Entente, die zur Befreiung der Völker und der Mensckhett auszog, selber die inneren Unruhen während deZ Krieges nicht koZ wird. Rotterdam, 17. Starz. Dem„Rienwe Rvtterdamschs Cou-nnt" zufolge kam im englischen Unterhcmse bei der Abstimmung über die Kreditforderung durch eine Frage TalzielS die i r i s ch e Frage zur Sprache. Bonar Law sagte, es sei zu bedauern, daß die Nationalisten' in der vorigen Woche den Sitzungssaal verlassen hätten, und er befürwortete noch einmal einen Aus- gleich. Ich bin nicht sicher, erklärte er, ob die Nationalisten im Volk noch ebenso Sympathien haben wie im Parlament. Tie Herren von der Gegenseite halten es für ihre Pflicht, Opposition im alten Stil zu machen. Es ist möglicki, daß die Regierung in der gegenwärtigen Zeit nicht fortgeführt werden kann, wenn man im Parlament jene alte Methode anwendet. Der Fall tönrue eintreten, daß man ohne des Poll operieren müßte, und hauptsächlich deshalb, weil die nationalistischen Abgeordneten uns den Krieg nicht fortsetzen lasten wollen. Ein nationalistischer Abgeordneter erwiderte. daß allgemeine Walilen keine Lösung bringen könnten.(Beifall bei den Nationaliston.) Tie Enttäuschung und die Unzufriedenheit der Lvpofiiioil würden dadurch nur wachsen und sich verschlimmern. Ter heutige Zustand in Irland sei derartig, daß die auto- noiren, Kolonien daran Anstoß nehmen müßten. Der Redner erklärte sich damit zufrieden, daß die Regierung die Verantwortung auf sich nehme, eine Lösung zu finden. Hier fiel ihm Law ins Wort und sagte, daß die Regierung keine Lösung ver- sprachen habe.— Redmond war bei der Debatte zugegen, ergriff aber mcht das Wort. Laws Erklärung, daß die Haltung der irischen Nationalisten die Regierung wider ihren Willen zu allgemeinen Wahlen zwingen könnte, hat Ueberraschung hervorgerufen. tzollanü übernimmt öie öeutfchen Interessen in China. Peking, 17. März.(Reuter.) Holland hat die Vertretung der deutsch«» Interessen in China übernommen. Hollän- d liehe Soldaten haben dir deutsche GestindtschastSwache ent waffnet und die Kasernen besetzt. In Shanghai weht die hol- ländische Flagge aus dem deutschen Konsulat. Hier liegen amtliche Nachrichten über die Richtigkeit dieser Mcl- dung nicht vor._ wirklich neutral ist„üeutschfreunölich". Washington, 17. März.(Meldung des- Hollandscheu Nicuwe Bureaus.) Die Regierung hat in ihrer Antwort auf die mexikanische Note, in der vorgeschlagen wurde, die MunitionSliefernngcn an die Alliierten zu verbieten, den Vorschlag zurückgewiesen und ihn als ausgesprochen deutsch- freundlich bezeichnet. Ter Vorschlag Mexikos ging natürlich dabin, die Munitions- lieferung an beide triogführenden Teile zu verbieten. Wilson mobilisiert Sie Miliz. London» 16. März.„Daily Telegraph" meldet aus New Nock vom Freitag: Als vorbereitende Maßregel für den Zu- sanimentritt des Kongresses wurden Verordnungen erlassen, die die rasche Mobilmachung der Miliz ermöglichen sollen und vorläufige Verfügungen treffen, um der Regierung das Vor- recht für Recherchicrungen in Munitionsfabriken zu sichern. Die Vorgänge an üer Westfront. Tie feindliche« Heeresberichte. lfranzöstslber Herrestrricht vom 17. März, nachmittag». Nördlich der Avre und zwischen der Avvc und der Oise fahren unsere Abteilungen fort, auf den Feind einen kräftigen Druck auszu» üben. Sie fetzien im Laufe der Nacht ihr Vorrücken auf einer Front von mehr als LO Kilometern und in einer Tiefe, die an einigen Stellen i Kilometer übersteigt, fort. Heute morgen gegen S Uhr 30 Minute» wurde der Zeppelin L 39, der soeben die Gegend von Paris überflogen hatte, über Com- piegne in einer Höhe von 3800 Metern von dem Feuer unserer Fliegerabwehrgeschützc getroffen. Ter L 39 ging in Flammen in den Gärten von Louipiegne nieder. Weder der Niedergang des Luftschiffes noch die Explosion der Bomben haben Schaden verur- sacht. Die ganze Besatzung kam ums Leben. Am gestrigen Tage zeigten sich unsere Jagd-Flugzeuge besonders lebhaft tätig. Zahl- reiche Kämpfe wurden von unseren Fliegern geliefert, im Laufe derer 8 feindliche Flugzeuge abgeschossen wurden. Drei dieser Appa- rate wurden von Hauptmann Guynemer heruntergeholt und gingen in Klammen in unseren Linien nieder. Tie Zahl der deutschen Flugzeuge, die damit von diesem Offizier bis heute zerstört wurden. beträgt 31. Leutnant Teullin schoß sein 19. Flugzeug in unseren Linien ab. Am selben Tage wurde durch das Feuer unserer Epe- zialgeschütz« ein neunter Apparat abgeschossen, der auf dem Erd- boden in der Gegend von Corbeny in Trümmer ging. Französischer Heeresbericht vom 17. März, abends. Auf der ganzen Front zwischen Andcchy und der Oise verwei- gerte der Feind die Schlachi und räumte unter dem Druck unser«: Truppen die mööbtig und klug befestigten Stellungen, die er seit zwei Jahren gestalten� hol. Heute dauerte unser« schnelle Vorwärts» bewegung an. Die Spitze unserer Borhut drang, t«n Feind verfol« gend. in Roy««in. Ter Feind sprengte Plätze und Straßen im Innern des OrteS. Ungefähr 800 Einwohner der Zivilbevölkerung. die die T«utsch«n wegen Mangels an Zeit nicht mehr hatten eoc> kuieren können, bereiteten unseren Soldaten einen enthusiastischen Empfang. Im Norden und Osten von Lassignv, das wir gleichfalls besetzt hoben, haben wir tnehrere Punkte der Straße von Roy« nack Nopon erreicht und sie sogar überschritten. Bei der Berfolgung haben wir Gefangene gemacht, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Recht lebhafter Artilleriekampf in der Champagne in der Gegend von Maisons de Champagne und auf dem rechten Ufer der Maas im Abschnitt von LeS ChambretteS und im Cauriereöwalde. Auf dem linken Maasufer richteten wir wirksames Zerstörungsfeuer auf die deutschen Anlagen m der Gegend von Avocourt. Bon der übrigen Front nichts zu melden. Im Laufe der Nacht vom 16. zum 17. haben Geschwader seiud- liche Anlagen in der Gegend von Ärnaoille. Fabriken und Hochöfen bei Wollingen, wo ein großer Brand festgestellt wurde, sowie die Bahnhöfe in der ganzen Gegend von Ham und Saint Ouentin mit Bomben belegt. Alle Flugzeuge sind unbeschädigt zurückgekehrt. Als BergeliungSmaßregel für den Brand von Bapaume hat eines un- jerer Flugzeuge am Samstag Frawksurj a. N. mit Bomben belegt. Englischer Bericht vom 17. MärZ. Bapaume�wurde nach hartem Kampf mit deutschen Nachhuten genommen. Südlich der Somme besetzten wir feindliche Stellungen auf einer Front von ungefähr 16 Meilen. Wir besetzten die Dörfer Fresnes, HorgnpvillerS, Corbonnel, Harleux. Etterpigny und Le Maisonnette. Nördlich des Flusses besetzten wir Le TranSloy, Biet- eillers. Achtet le Petit, Ablainzeville, Buquoy und Essart. Ba- bäume ist von? Feinde systematisch geplündert worden. Alle Privat- Häuser und öffentlichen Gebäude sind zerstört und alle wertvollen Gegenstände fortgeschleppt oder verbrannt. Unser Vormarsch ging während des Tages auf beiden Sommeufern rasch voran. Wir halte» das Gehöft Ouesnoy, 1500 DardS nordöstlich von Essart bc- setzt und gewannen die westlichen und nordwestlichen LerteidigungS- anlägen von Monchn au Bois. Wir führten heute morgen erfolg- reiche Vorstöße östlich und nordöstlich von Arras auS. Die Unter- stutzungslinie. des FeindcZ wurde erreicht, zwei Maschinengewehre und eine Anzahl Gefangener eingebracht. Nordöstlich VermelleZ wurde noöbtS ein feindlicher Stoßtrupp vertrieben. Gestern'and ein Gefecht zwischen einer unserer Flugzeug- Patrouillen, die aus 8 Flugzeugen bestand, und 16 feindlicken Appa- raten statt. Nach einem Kampf von 20 Minuten wurde die fcind- liche Formation zur Auflosung gezwungen. Zwei deutsche Flug- zeuge wurden zerstört, zwei weitere in beschädigtem Zustande zum Niedergehen gezwungen. Alle unsere Maschinen sind zurückgekehrt. öoselli hat sein Vertrauensvotum. Rom, 18. März. Ministerpräsident Boselli hielt in der Kammer eine Rede, in der er die Aussprache über die wirfschafi- lichen Flogen zusammenfaßte. Zum Schluß feiner Rede ersuchte Boselli die Kammer, durch Zuruf eine Tagesordnung anzunehmen. in der sie ihre edlen patriotischen Gefühle zum Ausdruck bringt. „Eintracht für den Sieg" sei daS Programm des Ministeriums ge- Wesen und werde es bleiben.(Lebhafter Beifall.) Er bat die Kam- mer, die Tagesordnung Baccelli anzunehmen, in der daS Vertrauen zu dem Weck de? Regierung und den Kräften der Nation ausge- sprechen wird. Tiefe Tagesordnung wurde in na- mentlicher Abstimmung mit 369 gegen 13 Stimmen an- genommen und darauf die Sitzung aufgehoben. Deutstbe unü Tf&ecken in(pesterreick. Wien, 17. März. Ter Vorstand des Deutschen Nationalverbandes faßlo einen einstimmigen Beschluß, worin er erklärte: 1. daß die von slawischer Seite vorgebrachten Einwände gegen die Neuordnung der Dinge in Oesterreich in Wider. spruch mit den unbedingten Erfordernissen des Staates für die Zu- kunft stehen; 2. daß der Verband an den Vereinbarungen der ge« meinsamen Richtlinien treu festhält und unerschütterlich und ein» inütig aus dem Standpunkte verharrt, daß die Neuordnung der Dinge in Oesterreich ehestens gesichert werden muß. damit die so notwendige und vom Verband stets geforderte Einberufung des RcichSrateS nicht weiter verzögert wird. Prag, 17. März. Der Tschechische Verband faßte einen Be- schlutz, worin es heißt: Ter Verband gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die finanziellen und wirtschaftlichen Fragen die Einbc« rufung des ReichSratS erforderlich machen, ferner, daß die Frage des tschechisch-deutschen Streifes nur aus Grund gegen- seitiger Verhandlungen und gegenseitigen UebereinkommenS gelöst werden kann, zu denen die tschechischen Parteien stets bereit waren und noch bereit find. Eben deshalb macht der Verband mit allem Nachdruck auf die Ver- antwortung aller derjenigen' aufmerksam, die zu einem andere» Vorgehen bei der Söfung der nationalpolitischen Angelegenheften gerafen haben. ver Krieg auf öe« Meeren. versenkt. Sltisingen. 17. Marz. Die zurückgckhrte Besatzung des versenkten Groninger Schiffe» Angelina berichtet, daß ihr Schiff am Donnerstag um Vil'2 Uhr abends von einem deutschen Zerstörer angehalten und versenkt wurde. Der Zer- störer nahm die Besatzung an Bord und führ dann längs der englischen Küste weüer.» Kristiania, 17. März. Der Dampfer Storaa»(3047 Br.-Reg.-To.) aus Kristiania ist am Mittwoch vor der norwegischen Küste versenkt worden. Ein Boot mit dreizehn Manu wird vermißt. Zolgen des U-öoot-Krieges. Lugano, IS. März. Nach zuverlässigen Meldungen aus Italien war daselbst bereits in der zweiten Februarhälfte der Kohlen- mangel so groß, daß Truppenttausporte und ScrpflegungSzüge »ach der Front teilweise unterbleibe« mußten, da die benötigte» Kohlen für die Lokomotiven fehlten. Der stänke Kohlenverbrauch der Eisenbahnen, der militärischen Betriebe sowie der Bevölkerung verursacht ein vollständiges Stilliegen der Kriegsmarine. Mu de» noch zur Verfügung stehende» Kohlen wird zuerst die Handels- marine versorgt, die aber ihre Krachten auf die für den täglichen Bedarf notwendigsten Güter beschränken muß. Zürich, 18. März. GS wird erst allmählich mähr und mehr bekannt, daß seinerzeit die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges in den französischen Häfen eine direkte Panik hervorgerufen hat. Die Schiffe kehrten fluchtartig in ihre AuSgangshäfen zurück oder haben, falls dies nicht schnell möglich war, Rothäfen angelaufen. Die Waren sind teilweise gc- löscht worden und liegen heute«och haushoch aus den»sfencn Kais herum. ES herrscht ein fürchterliches Durchein-- ander, da» jedenfalls erst nach Monaten beseitigt werden kann. politische Uebersicht. Hohe Lebensmittelpreise im Interesse der Arbeiterschaft. Wie Arbeitgeber die Interessen ihrer Arbeiter auffassen. Ter Essener Verein für die beiß baulichen Interessen(ein Arbeitgeberverband) fühlt sich ver- pflichtet, die Jnfereffen seiner Arbeiter in der Lebensmittel- frage wahrzunehmen. Wie sich diese wohlwollende Arbeil- geberfürsorge für die ArÄeiter gestaltet, zeigt folgendes Tele- aramm, das der Vorstand de» Vereins(unterzeichnet H u g e n- oerg. StinneS, L i n d w e r, v. Löwenstein) an dos Kriegsernährungsamt, z. H. des Herrn von Batocki richtet: Im Interesse der-Ernährung der Arbeiterschaft de» Indu- striereviers, über die in der letzten Sitzung de» unterzeichneten Vorstandes eine erneute Aussprache stattgefunden bat. suhlen wir un? verpflichtet, bei Ihrer Exzellenz auch unsererseits eine aus- reichende Erhöhung der Kartoffel, und Getreidepreife zu befür- warten, und zwar mft sofortiger Wirkung, um die un» befchader einer ordnungsmäßigen Frühjahrsbestellung noch verfügbaren Bestände für die menschliche Ernährung sicherzustellen. Den gleichen Zweck durch aine die Erhaltung ausreichender Vteh- bestände gefährdende Hcrabjetzung der Bjehpreise an zustreben« ballen wir ist Hinblick auf die Zcairveudigkcit elitär nachhaltigen Fleuch- und Fettversorgung der städtischen Bevolle- rung ftir bedenklich. Alto Vertretung der ertremen Bündlersorderungen— Im Interesse der Arbeiter! Tie richtige Antwort aus diese Zu« mutunA wäre, daß die Arbeiter der Herren Ttinnes u. Gen. schleunigst eine Eingabe an den Reichsschatzsekretär inachen mit der Forderung einer iünszigvrozentigen Vermögenssteuer— Interesse der Herren Arbeitgeber. Ein Ablenkungsversuch der.«Kölnische« Bolkszeitoug". Tie..Kölnische Volkszeitung", in der bekanntlich der oll- deutsche Flügel des Zentrums den Tön angibt, macht einen Versuch, die Erbitterung der Linken gegen den preußischen Landwirt'chastsminister, Herrn von Schorlemer, von diesem ob- und auf den Minisierprästdenten Herrn v. B e t h- mann H o l I w e g überzulenken und dabei gleichzeitig den alldeutschen Kandidaten für den Reichskanzlerposten, Herrn v. T i r p i tz. im Glorienschein eines VolkssrcundcS strahlen zu lassen. Sie schreibt: Tie Linke bekämpft einen preußischen Minister auss schärfste, weil sie in ihm einen Gegner der soforligen Wahlrechtsreform in Preußen erblickt. Und doch standen bei der seinerzeitigen Eni- scheidung über diese«Frage im preußischen Sraatsministcrium mit einer Ausnahme alle preußischen Minister gegen die sofortige Wahlrechtsreform. Weite Kreise der Rechten stellen auch inner» politisch— die äußere Polin f scheidet hier für uns aus. sie ist eine Sache für sich— in Gegnerschaft zu Herrn van Bethmann, seitdem er die WahlrechlSänderung angefündigt hat. weil sie der Meinung find, daß er diese Ankündigung veranlaßt und an höchster Stell« durchgesetzt Sab«. Und doch war. w'e uns von gut unter- richteter Seite verstchert wird, gerade Herrn von Bethmann es gewesen, der diese Zusagen in der preußischen Wahlrechtsreform aufs äußerste und bis hum letzten Augenblick bekämpft hat. Die militärischen Stellen— Tirpitz. Falkenbavn— und auch Staatssekretär Delbrück dagegen waren cS, die in erster Linie und vor allem für jene Zusagen sich eingesetzt hatten. Es wird gut sein, das einmal geradeheraus zu sagen.' Diese Geschichte ist denn selbst der„Deutschen Tages- zeitung" zu dumm, sie bezeichnet die Behauptung des rheini- scheu Zentrumsblattes geradeheraus als falsch und wendet ihm gegenüber dos Bismorcksche Wort an, daß bei keinen anderen Gelegenheiten soviel gelogen werde, wie auf der Jagd, bei den Wahlen und im Kriege. Das endgültige Wahlresultat in Tpandau-Lsthavelland. Tplindau. 18. März. Amtliches Wahlergebnis. Bei der ReichstagSersatzwahl im Wahltreis Potsdam 7 am 14. März wurden bei 4.8 869 Wahlberechtigten 21 8VS gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt GewerkschastSangestellter Stahl- Spandau iSoz. MebrheitSpartei) 16 881 Stimmen, Schriftsteller Mehring- Steg- liv lSaz. Arbeitsgemeinschaft) Ü010 Stimmen. Zersplittert waren 4 Stimmen. Gewählt ist somit Stahl. Zusammenlegung der Schuhindustrie. Tie Knappheit des nach der Deckung des HeereSbedarfS zur Derieilung an die Betriebe der Schuhindustrie verfügbaren Boden- lederS läßt, wie gemeldet wird, eine Zusammenlegung der Betriebe dieser Industrie erforderlich erscheinen. Tie Zusammenlegung(die nur die. Fabrikbetriebe. nicht das Handwerk ersaßt) wird durch ein» Berordnung deS Bundesrats vom 17. März 1917 in die Weg« ge« leitet. Tie Verordnung ermächtigt den Reichskanzler, die Her- ftcller von Schuhwaren jeder Art. soweit sie bereits vor dem 1. August 1914 Schuhwaren hergestellt haben, auch obne ihre Zu- srimmung zu Gesellschaften zu vereinigen, denen die Regelung der Herstellung und der Absatz nach Matzgabe der verfügbaren Roh- stokfe und der volkswirtschaftlichen Bedürfnisse obliegt. Ausgenommen von dieser ZwangSsyndizierung sind Heeresbetriebe und Marinebehiebe sowie handwerksmäßige Betriebe. KriegShinterbliebcnenrente und Arbeitseinkommen. Der Staatssekretär des Innern hat dem Arbeitsausschuß der Kriegswitwen« und Waisenfürsorge in Berlin aus eine dieSbezüg- liche Eingabe mitgeteilt, daß im Bereiche der Verwaltungen der Reichs, und der preußischen Ressorts der Arbeitslohn der Kriegshinterbliebenen. insbesondere der Krieger- witwen, grundsätzlich nur nach der Leistung—, ohne Rücklicht auf Rentcnbezlig«— bemessen wird. Voll leistungSiähtge Kräfte wer- den also ganz genau so cntkobnt wie solche, die über keine Rente verfügen. DieS ist schon deshalb ganz selbstverständlich, weil ja die Hinterbliebenenrente mit der Leistungsfähigkeit der Hinterbliebenen in gar keinem Zusammenhange st cht. ES darf wohl erwartet werden, daß auch in privaten Betrieben in gleicher Weise verfahren wird. Wir fürchten auf Grund bisheriger Erfahrungen, daß viele vrivate Betriebe die Erwartung deS Staatssekretärs nicht erfüllen werden. Hier ist ein st ä r k e r e r Schutz der Kriegerwitwen usw. notwendig als der Appäll an den guten Willen der Unternehmer. Aeudernng des Reichsstempelgeseches. Tem Reichstag ist ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, wonach der in den KZ 9S, 96 des Reichsstempelgefetzss bestimmte Zuschlag zu den dort vorgesehenen Abgaben in der bisherigen Höhe bis auf weiteres aufrechterhalten lmrü. Es handelt sich um den Grund- bückssiempel, der mit?lbkouf des Jahres 1016 in Wegfall kommen sollte. Dom Hilfsdienst. Eine offiziöse Bekanntmachung weist darauf hin. daß nur die- jenigen Personen der Meldepflicht zum Hilfsdienst nicht unterkie- gen. die schon im Sinne des ß 5 des Gesetzes im Hilfsdienst stehen. Alle anideren sind meldepflichtig auch dann, wenn ibr Betrieb kriegswichtig ist, sie können aber den FeststallungSauSschuß anrufen. der darüber entscheidet, ob sie als fcbon im HilfSdiensi tätig zu betrachten sind. ES braucht nicht erst die Heranziehung abae- wartet werden. Tenn nach den VerfahrenSvorichristen können die Feststellung SauSschusse von jedem, der ein unmittelbares berechtigtes Interesse hat, angerufen werden. Gegen die Entscheidung deS Ausschusses ist Beschwerde an die Zentrolstelle zulässig. HilfKdtenstpflichiigen, die sich zur Verwendung im besetzten Ge- biet bereit erklärt hoben, wird auch freie Eisenbahn.fahrt(IV. Klasse) vom Wohnort zur KriegSamtsstelle gewährt. Deutsche ssriedenSzukuuft i» Rustlaud. Tie Vorstände dos deuftcki-rnssislben Vereins zur Vileae und«vörderuna der aeaenieiftaen Handelsbeziebunaen und des Vereins deutscker Fabrikanten und Ervortoure für den Handel mit Rußland besckilosten gestern die Bildung des deutsch-russi'ckien Wirtschaftsaussckiusses. Die Tätigkeit dieses . deuttcki-ruisischen Wirtschoitsauslckmsies soll das ganze Gebiet der deutschen Wirtschgftsinteressen in Rußland umfassen, so dteWiederanknüVfllnaderKanbelsbeziebun» aön und die wetlaebendste ttttlemützuna deutlcher Firmen in ollen Schwieriakeiten. die sich zunächst insbesondere für die Uebergangszeit ergeben werden. Dazu geboren namentlich auch der Gläubiaerichuss und die Vertretuna der Ansprüche aus Scbadlosbaltuna. Der Ausschuß nimmt feine Tätiakcit sofort auf. Landtagsersatzwahle». Bei der am Dienstag stattfindenden LandtagSersatzwahl in Berlin XI werden die Fortschrittler für ihren eigenen Kandi- datcn. den Ingenieur Hausberg stimmen. Für dö LandtagSersatzwohl»n Koste»-Grätz ist an Stelle leS bisherigen Abg. v. MorawSti Propst ArkadiuS Mifiecki-Bnin als polnischer Kandidat aufgestellt worden. TaS Mandat erlosch am 27. Januar, weil v. MorawSti in� �crrenhaus berufen wurde. „El" und„Ews". Um die Elektrizitätsversorgung Deutschlands ent« sprechend dem wachsenden Bedarf zu gewährleisten, ist durch) Verfügurdg des Kricgsanits bei der Kriegs-Rohstoff-Adteilung eine Sektion Elektrizität(KRA., El.) und im Zusammenhang damit die Elektrizitätswirtschaftsstelle(Eins.) gegründet worden. Leiter der Sektion El. ist Prof. Küblcr. Tie Geschäftsstelle der Ews. ist: Berlin SW. 11, Königgrätzcr Straße 28.' Gegen das Anwerben den Londarbeiterinne« für die Industrie wendet sich ein von W- T. B. veröffentlichter Aufruf, der bezweckt, dem Lande diese unentbehrlichen Kräfte zu erholten. Er wendet sich insbesondere gegen die Anwerbung durch städtische Agenten. Soziales. Sind Unfälle des täglichen Lebens Betriebsunfälle? Ob Unfälle deS täglichen Lebens Betriebsunfälle find, sollte eigentlich keine Frage mehr sei. Im Frühjahr 1014 bat der Große Senat die Unfälle deS täglichen Lebens, vorausgesetzt, daß sie sich im Betriebe ereignen, als Betriebsunfälle bezmchnet. Er Hot es nicht generell getan. Wenn das schädigende Ereignis mit der Be< triebsbeschäftigung nur zufällig zeitlich und örtlich zusammentreffe, wie baisptelSweise bei Unfällen aus allgemein wirkenden Gefahren, Evidemien, Erdbeben. Ueberfchwemmungen oder bei vorsätzlichen Verletzungen durch Tritte, die aus rein persönlichen gegen den Ver- letzten gerichteten Beweggründen erfolgten, dann sollte kein Be- triebSumall angenommen werden. Zur Annahme eines Betriebs- Unfalles bedürfe eS des ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Betriebe und dem schädigenden Ereignis, die den Zwecken deö Betriebes dienende Beschäftigung müsse beim Unfälle ursächlich mit- getoirkt haben. Erforderlich sei aber nicht, daß die Unsallgesahr eine besondere, dem Betriebe eigentümliche, oder daß der Versicherte ihr durch die Betriebstäiigkeit in erhöhtem Maße ausgesetzt ge- Wesen sei. ES ließ die Entscheidung des Großen Senats also Lücken osfen. Trotzdem sind seitdem verschiedene Enischeiduugen eigangen, die direkt befremden: Ein �Stukkateur ist bei der Arbeit von einem Insekt gestochen worden und starb an der Blutvergiftung, die sich einstellte. Er war am Unfalltage auf einem Lagerplatz mit der Herstellung von Plahen für Rabitzwände beschäftigt. In der Nähe deS Platzes befanden sich ganz oder halbiaule Baumstämme und Düngerhausen. Auch sollen sich zu jener Zeit blutdurchtränkte Wagen eines Schlacht- hofeS dort befunden haben. Ter 14. Senat hielt die Entschädigungs- Pflicht deshalb nicht für gegeben: weil zwischen dem Insektenstich, den der Verstorbene auch zu jeder anderen Zett und bei jeder anderen Gelegenheit erhalten konnte, und dem Betrieb eine wesentlich uv- sächliche Beziehung nicht zu erkennen sei. mithin ein Betriebs- Unfall nicht vorliege. � Diese Entscheidung deS 14. Senats verstieß direkt gegen die de» Großen Senats, denn sie verlang!, daß der Versicherte der Un- fallgekahr durch den Betrieb in erhöhtem Maße ausgesetzt gewesen ist. eine Voraussetzung, die in diesem Falle noch dazu ganz unbe» dingt gegeben gewesen ist. Tann hat der 13. Senat eine Entscheidung geiällt. durch die eine Arbeiterin abgewiesen wurde, die dadurch verletzt worden ist. daß jugendliche Mitarbeiter in oem Betrieb Patronen zur Explosion brachten. Auch hier soll lediglich eine Gesabr des tägliähen Lebens vorgelegen haben, die mit dem Betrieb in keinem Zusammenhang gestanden haben soll. Trotzdem wird kaum jewanb bezweifeln, daß e» sich um einen Betriebsunfall gehandelt hat, wie er im Buche steht. Später hatte der 2. Senat darüber zu befinden, ob ein Arbeiter zu entschädigen ist, der in einer Mineralwasserfabrik verunglückte. Er hatte von dem ibm zustehenden Recht, bei der Arbeit Selters- Wasser zu trinken, Gebrauch gemacht. Als er die Flasche öffnete, explodierte diel« und verletzte ein Auge. Er hatte die Flasche ange-- wärmt und soll dadurch den Unfall selbst verschuldet haben. Aus diesem Grunde wurde er abgewiesen, obgleich dos Gesetz vorschreibt, daß auch bei verbotswidrigem Verhalten eine Rente zu gewäbren ist. Wo bleibt bei solchen Urteilen dos Gesetz und die Entscheidung deS Großen Senats? Theater. eej)ing.'Theater:„JJiebe', von flnton Wilögans. In Stil und Szenenfsihrung trägt das Werk«in von der kon- venrianellen BühnenpraxiS ebenso abweichendes und ausgesprochen perlönlickeS Gepräg« wie Wildgans ungleich stärkere, vor einigen Monaten in den«ammerspielen ausgeführte„Armut". Man spürt ein leidenschaftlich ernstes, von aller äußeren Rücksicht losgebundenes Ringen, dos. waS dem Dichter selber als typisch Bedeutsames erschien, in adiquater Weise zu gestalten, einen entschlossenen Be- kennerwillen. dem jedes Schielen nach dem äußeren Erfolge fremd ist. Auch hier verläuft sie Handlung, die rnchiS als Schilderung eines inneren SeelenzuftandeS fein will, in fünf kurzen Akren, die allen unterhaltsam bunten Schmuck des Episodischen verschmähen; auch hier wieder erhöbt sich die Prosa des Dialogs in den Momenten bockgesteigerten Asfekls zu rhythmischem Schwünge, rn dem deö Dichters eigenes Fühlen lyrisch ausströmt. Aber in der Tragödie ..Armut" war die EmpsindungSwelt, die er zum typischen Ausdruck bringen wollte, ein wirklich Typisches, in der Notwendigkeit Act- ankerte», eine allgemeine von jedem nach und mitniblckare Mensckentragik. Der zynische Hohn und die Empörung des Gym- nasiasten, der. noch nicht abgestumpft durch die Gewohnheit eines ganzen Lebens, feine Klage und Anklage auswegloser, alle» mensch» lich Höhere, zu Boden drückender Armut hinauSichreit, weckt Wider. hall im Herzen. Die jugendliche, das Einzelichicksol zugleich in seiner Allgemeinheit ersastendc Intensität des Denkens und Emp- findenS reißt den Schleier von dem Abgrunde, den Glückliche in ihrem Egoismus wohl vergessen, doch uirmala leugnen können. Ganz anders in„Liebe". Hier sieht das tragische Pathos, das den Einzelfall in der Erscheinung eines typischen, t« der Natur der Dinge selbst begründeten Verhängnisses steigern möchte, zum dargestellten Gegenstand in offenem Widerspruch. Gewiß, der Dichter mag auf sein«» Lebenswege auch Ebeinänner, wie dem. den er im Drama schildert, begegnet sein: Personen, die mit regem DerantwortlichkeitSgefüHl und ernstem WahrheitSsinn ausgestattet. selbst an der Seite einer schönen, klugen, in jeder Hinsicht liebenZ- werten Frau von wahllos dumpfer Sinnlichkeit gepeinigt wenden. die sie aus ihrem Heim zum Schmutze käuflicher Genüsse drängt. Aber der Dichter wird uns niemals überreden können, daß solch ein Widerstreit als ständiger und unversöhnlicher, wie er ibn dar- stellt, elwa wie allgemeine Menschentragik sej. Zcia Hejd eist, schein! m Wahrheit nur als Opfer einer pathologischen Beanla-- aung. dem man dos Mitleid nicht verweigern wird, der aber, vom »ichrstifchen Standpunkt aus gesehen, in keiner Weise menschlich interessier:. Seine Klagen können schließlich nur ermüden. Di« langen Gespräche mit der Frau, in denen er feine Theorien von dem notwendigen Wandel jeder Liebe darlegt, sind an-ntimen Wendun- gen, die in die Geschichte seiner eigenen Entfremdung hinckn- leuchten, arm und der im zweiten All auftretende Jagendfreund, von dem wir glauben sollen, er mache Eindruck auf die innge, de» Gatten in langmütiger Liebe zuyeiane Frau, führt sich mit taktlos faden Tanjuan-Renommistcre-en ein,«die sie im Gegenteil abstoßen muhten. Ter dritte Akt bringt peinlich krasse Szenen. Ter Man», durch leine inneren Kämpfe zermürbt, sucht eine Dirne auf unp flüchtet nach allerhand pathetischen Ergüssen aus der Umarmung. Und wie er selbst siebt seine Frau den gleichen Abend am Rand des Ehebruchs. Von ihm verlassen bat sie zum Festmahl, mit dem sie die Erinnerung ihres Hochzeitstages begehen wollte, den Freund geladen. Geigen- und«lavierspiel, in dem die beiden Meister, führt sie zusammen. Der Lasic zeigt ein.Herz. Seine Verehrung rührt sie. In einem Augenblick deS Selbstvergessens ist sie bereit. dem Rausche der Empfindung sich wehrlos hsttzugeben. Er widersteht. Er kann dem Freunde nicht die Treu« brechen. Der Schlußakt, melodramisch von Musik begleitet, spielt in de.m mondbeschie- nmcii Schlafgcmoch der Gatten. Heimgekehrt hat der Mann stun- denlang dem stillen Atemzuge der schlafenden gelauscht. Sie beichten ihr Erlebnis und ihre Worte klingen aus in eine Elegie auf, die Vergänglichkeit der Liebe. Bei aller Seltsamkeit des Stückes ging ein großer Teil des Publikums dock mit dem Dichter mit und demonstrierte am Schluß durch ungewöhnlich starten Beifall. Tie Tarstelliina lnor ausgezeichnet. Tbeodor Loos hob den tristen Helden durch einen Ton vergeistigt eigenartiger Melan- ckolie. und Lina Lossen» sanfte hoheitsvolle Würde verlieh der Frau den Zauber tieffympathifcher Weiblichkeit. ät. Letzte Nachrichten. Amerikas Zurückhaltung. New Jork, 11. März.(Funkspruch vom Vertreter deZ W.T.B.) Bitzber sind alle von der owerikanischen Regierung feit dem Abbruch der Beziehungen zu Teutschland ergriffemen Maßnähmen in Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen Vorbereitungen, die für den Notfall vorgesehen waren, gewesen. Diese Tatsache sollte man sich vergegenwärtigen im Hinblick auf die falsche Auslegung beunruhigender Nochrichte». che Berlin über London erreichen und die geeignet sind, che Schritte der amerikanischen Regierung in ein falsche? Licht zu setzen. Kein Schritt ist unternommen worden mit der Absicht. Deutschland herauszufordern. Es ist im Gegenteil wiederholt gesagt worden, daß die amerikanische Regierung nichts tun tvird, um dic Gesiihle in Amerika gegen Deutschlcnid aufzu- bringen. Mau weist darauf hin, daß daö sofortige amiliche Dementi des Berichtes, die Regierung plane die Verbreitung eines Weißbuches über die deutschen Intrigen und Anschläge und die Dementierung anderer beunruhigender Gerücht- den Beweis erbringen, daß hier alle Absicht vorliegt, sich Deutschland gegenüber möglichst zurückzu- halten". Wie eine Depesche der Rewyork Tribüne auZ Washington her« vorhebt, gibt eS immer noch eine Gruppe, die sich an die Hoff» nung klammert, daß auf die bewaffttete Neutralität nicht not- wendig auch der Krieg folgen müsse. Diese Gruppe, die hofft, daß ci nicht zum wirklichen Kriege kommt, rechnet sehr mit dem lang» samen Vorgehen des Präsidenten. Die Lmtscheidung deS Präsidenten, die Handelsschiffe zu bewaffnen, könne als die logische Fortführung der oben erwähnten Politik bezeichnet werden. Amerika und das belgische Hilfswerk. New York, 13. März. Funkspruch vom Vertreter deS. W. T. B. Asfocichsd Preß meldet aus Washington: Es ist wahrscheinlich, daß die baldige Aufgabe der Beteilt» gung Amerikas an demHelgiichen Hilfswerk als Ergebnis des durch>den deutschen U-Bootkrieg ausgeübten Druckes im Staatsdepartement in Aussicht genommen wird. Reu Aorker Blätter melden, daß die Anstrengungen, Bel» gien zu helfen, inzwischen ununterbrochen von den dortigen Amerikanern fortgeführt werden. Heute wurde hier bekanntgegeben, daß im Falle die Ver» einigten Staaten in den Krieg eintreten würden, das Hilf?» werk durch holländische und spanische Vertreter fortgesetzt werden würde. Das Staatsdepartement erklärte, daß seine Ansicht über die Zukunft der belgischen Hilfskommission hier nicht so ausgelegt werden solle, als wenn das belgische Hilfswerk aufhören werde. Es wurde die Hoffnung aitsge- sprachen, daß die Zeichnung von Beiträgen in Amerika nicht aufhören werde. Der drohende amerikanische Eiseubahuerstreik. ??«« Uort, 18. März.(Funkspruch de? Vertreters von W. T. B.) Die Möglichkeit, daß der Oberste Gerichtshof am Montag seine Ent- scheidung über die Gesetzmäßigkeit der Achtstunden-Bill fällen wird, wurde bei der Verschiebung dcö EisenbähnerauSstattdeS um 48 Stunden von beiden Teilen in Betracht gezogen. Die Eisenbahngesell» schastcn glauben, daß der Streik vermieden werden dann. New York, 17. März.(Reutermeldung.) Die Besprechung zwischen den Vertretern der Regierung und der Eisenbahngesell- schaften sowie den Eisenbahnet n dauerte die ganze Nacht. Tic sranzösische Kriegsindustrie unter Kohlennot. Genf, 18. März. Wegen Kohlenmangels mußten m verschiedenen Provinzgegenden Frankreichs Fabriken mit Kriegs- indusirie schließen oder starte BetriebSeinschränlunge» vornehme». Der U-Bovt-Ärieg macht schwere Sorge in wirtschaftlicher Hin« ficht und stört empfindlich die für jetzt gcolante Ueberführung st a r k e r Truppen verbände von Algier nach Frankreich. Verhandlungen zwischen Bourgeoisie und Arbeiterschaft. Bern, 18. März. Pariser Blätter melden: Di« Konserenz zwischen dem Ezetutivkomitee, der Duma und den Abßeord- »eten der Arbeiterverbände Rußlands dauerte hiS gestern früh. Schließlich wurde«in Abkommen bezüglich der Ucbergangsperiodr getroffen, die der Wahl der konsti» tuierenden Bersammlung porhergrhe« soll. Das Exekutivkomitee bestand auf Wiederherstellung der öffentlichen Ord» nung i vi Interesse der Fortführung deS Kriegrs, bevor die Neuwahlen stattfinden sollen. Blutbad unter russische» Polizisten. Kopenhagen, 18. März. Ter Korrespondent der»Arrlingdke Tidende" in Haparanda erfährt au? zuverlässiger Quelle: Als am Donnerstag, den 15. März, der große Aufruhr ausbrach, verschanzte sich die Polizei am Hauptposizeigebäude. von wo auS sie auf da» Volk mit Maschinengewehren schoß. Die Revolutionäre erstürmten da» Gebäude und«achten et dem Erdboden gleich, keiner der Polizisten kgm mit dkm Leben der»«, flus Groß-öerlin. Hu üen Gräbern üer Märzgefallenen. Zum drittenmal während des Weltkrieges kehrte gestern der Jahrestag der Berliner Märzkämpfe wieder, der Tag, an dem die. Berliner Arbeiterschaft der Helden, welche für eine freiheitlicht' Entwickelung Deutschlands starben, ehrend gedenkt. Wohl ist unter den Wirkungen des Welt-'. krieges die Zahl der Ärönze wie der Besucher geringer ge- worden, aber an Wesen und Inhalt der volkstümlich schlichten Leier hat sich nichts geändert. Schon am frühen Morgen, während aus grauverhangenem Hinrmel ein leichter Sprühregen lvrnisderriefelte. frwden sich die ersten Abordnungen von Arbeitern mit rotgejchmückten Kränzen ein. Auch die Polizei war bei weitem nicht io zahl- reich zur Stelle wie in früheren Iahren, und die Zensnr der Kranzinschriften, deren willkürliche und unerklärliche Handhabung sonst stets Verwunderung und Ilmwillen erregt harte, war gestern einer milderen Praxis gLvichen. Dennoch hatte — um die preußische Tradition au i recht zpi exbalten— wenigstens e i n e Kranzschleife der Sckere des polizeilichen Zensors weichen müssen. Aber so manches Wort unserer Freiheits- dichter, das früher/ auf eine rote Kranzschleife gedruckt, nie das Tor- des Märzsriedhofes passieren durste, kam diesmal ungehindert durch. Wie früher, so kamen auch gestern wieder die meisten Kranzspenden von den Arbeitern verschiedener Groß- betriebe, besonders der Metallindustrie. Die bürgerlichen Demokraten, die in den bchteir Jahren vor dem Kriege regel- mäßig in demonstrativem Aufzuge angeri-ickt waren und zahlreiche Kränze ihrer Anhänger ans den verschiedensten Gegenden Deutschlands medergelegt hatten, waren gestern ausgeblieben. Ms letzter Rest ans bürgerlich-dcmokratischen Kreisen fand sich ein mit schvarz-rot-goldener schleife ge- schmückter Kranz dcS Berliner Arbeitervereins vori 1869 vor. Auch die verschiedenen Gruppen von Auarchtste» waren gestern nur durch einen schwarzbcschleiften Kranz vertreten. Im übrigen flatterte über den Gräbern nur das leuchtende Rot als Symbol der Sozialdemokratie. Von politischen Drganisatiorum erschien zuerst eine Vertretung der„Parteiorganisation G r o ß- B e r- linS-S P. 21", bereit Kranz die Widmung trägt: „Brüder, was Ihr wolltet, das wollen wir auch: Glückliche Arbett und samtige Tage." Zccbsn diesem Kranz bängt ganz friedlich ein anderer, den der„Verband der sozialdemokratischen Wohlvereine Berlins und Umgegend"(sondergrupvcnverband) gestiftet hat. Seine Inschrift lautet: „Euch selbst zutn Ruhme habt Ihr die Witttden getragen. Euch ehrt das Volt, wenn längst man nicht wehr denkt an jene, die sie Euch geschlagen." Tie„Sozialdemokratie der Provinz Brandenburg" widmet ihren Kranz„Den Vorkämpfern nach innen und außen." Eut von der R e d a k t i o n d c s„Vorwärts" nieder- gelegter Kranz enthält die Widmung:„Ten Vorkämpfern der Freiheit." Aus den Kreisen der Jugend waren Kranzspenden dar- gebracht von der„Freien Jugend Groß-BeclinsV der„Ar- beiterjugend Groß-Berlins". einer Abteilung des„Jugend- Bildungsvereins Groß-Berlins". und der„Jugendörgonisa- tiou der Handlungsgehilfen". Alle übrigen Äräuze stammen von den Arbeitern großer Betriebe. Ihre Inschriften weisen zum Teil auf den furchtbaren Wellkrieg hin, geben der Frie- denssehn'ucht Ausdruck und der Hoffnung auf die Verwirk- lichitng freiheitlicher Zustände in Teutschland. Ein Beispiel dafür sind die Widmungsworte auf dem Kranz des Personals der Buchdruckerei Hermann: „Im' Kampfe wird der freie Geist geboren. Run, Volt, sei Ivack, daß man Dir Freifeit gibt. Der tapferen Söhne Hai: Du viel verloren. Und für ein freies Deutschland starben sie." Jugendweihe der freireligiösen Gemeinde. Die Freireligiöse Gemeinde hatte gestern Jugendweihe. Im Lichthos des Stadtbauses von Berlin waren mit ihren Angebörigen die Knaben und Mädchen versammelt, die zu Ostern Abschied neh- mcn von Schule und Kindheit. Mit dieser Feier gab die Gemeinde ihnen das Geleit auf ihren Lebensweg, der für sie reich an Kämpfen sein wird. Vom Menschhcitssrühling, auf den sie trotz Krieg und Völterutord hosten sollen, sprach Ernst D ä u in i g in der Weihc- rcde. Sich zusammenzuschließen und treu zusammenzuhalten zur Befreiung der Arbeit und botmi der Blenschheit, müsse ihnen als Ausgabe und Psticbt gelten. Jedem Kind wurde zur Erinnerung an den Tag der Jugendweihe ein Buch über rech:,.starmonium- und Streichmusik und Gesänge des Chores der Gemeinde per- sibönien die Feier. Die Freireligiöse Gemeinde bat wieder, wie bisher, die Weihe der ins Leben hnaustrctcnden Kinder ihrer Mit- glieder aus zwei Sonntage verteilt. Am nächsten Sonntag wird die zweite Halste der Knaben und Mädchen die Jugendweihe empfangen. Tie„Jost- und Löwenkolonnc". Eine 2vköpf ige Diebesbande, die seit Monaten den Schlachtbof und den Bahnhof an der Landsberger Allee unsicher machte, wurde von der Berliner und Lichtender ger Kriminalpolizei gesprengt und zum größten Teil hinter Schloß und Riegel gebracht. Burschen von!8 bis'20 Jahren, die auf dem Schlachthof einmal be- schäfttgt gewesen waren und dort gut Bescheid wußten, hatten sich zu planmäßigen Diebstählen zusamuiengetan. Sic trafen sich in zwei Schankwirstchaffen in der Petersburger Straße und der Landsberger?lllcc, schmiedeten dort ihre Pläne und gingen auch von dort aus auf ihre Beutezüge aus. Nach den Lokalen hieß die Gefell- schaft die„Jost- und Löwenkolonne". Sic beobachteten, wo ge- schlachtet wurde und dann drangen die Burschen mit Nachschlüsseln in die Säilachträume ein und stahlen, was sie fanden; erst jüngst einmal 16 Schweinebäuche, ganze Rippenstücke, frisches Fleisch. Rückcnfett, Sardinen usw. und verlausten die Beute besonders an Schankwirte. Schon seit Monaten trieb die Bande ifjre Plünde- uungen fast Nacht für Aaclrt. Lange Beobachtungen der Berliner und Lichtenberger Kriminalpolizei führten endlich auf ihre Spur. Man entdeckte die Lokale, in denen sie-verkehrten und stellte durch ihre ständige Beobachtung noch und nach die Mitglieder der Bande fest. An der Spitze standen ein gewisser Max Wolter und ein Wil- Helm Herwig. Diesen war am schwersten bcizukommen. Endlich erfuhr man, daß Walter Verlobung fetern wollte. Die Beamten ermittelten dann, daß er für diesen Zweck in einem Holst in der Modaistraße ein Zimmer gemietet hatte. Hier drangen sie überraschend ein, als 5 Mann mit ebenso vielen Mädchen am Sekt. tisch saßen. Walter und Herwig harten für gute Speisen aus ihrer Beute selbst gesorgt. Der Obcrhäuptling Walter ergriff die Flucht, sobald er verdächtige Tritte auf dem Flur hörte. Herwig und die drei Spießgesellen, die noch da waren, leisteten heftigen Widerstand, bei dem Tisch und-Stühle zertrümmert wurden. Sie wurden aber überwältigt und sefigenominen. Frauen im Dienste der Hccrrsvcrwoltung. Wie das Kriegs- Ministerium im..Armee-Berordnungsblatt" mitteilt, dürfen künftig weibliche Arbeitskräfte rn der Heeresverwaltung nicht nur als Schrsibbilfen und Lohnangestellte, sondern allgemein auch in Stellen von oberen und unteren Beamten per- wendet werden. In diesen Stellen sind sie ebenfalls ausnahmslos gegen Bertrag zu beschäftigen, also weder mit den Bemntenftellen zu beleihen noch zu beauftragen. Bei der Abstndung muß ent- schieden werden, um welche Art Arbeiten eS sich handelt. Für die Abstndung sind Höchstsätze vorgesehen, die noch vier Ortsklassen eingeteilt find. Stenotypistinnen erhalten in der obersten Ortsklasse monatlich 120 M., steigend nach acht Monaten bis zu 176 SN.; Mo- scki na, schreibe turnen 100 M., steigend b:S 110 Sil. Weibliche An- gestellte, die in der Heimat dauernd außerhalb ihres Wostnsitzes befchäfrigt werden müssen und nachweislich doppelten Hausbalt zu führen gezwungen sind, kann eine U-nterhaltSbeihilfe bis zu 25 vom Hundert ihrer Pevtragsvergütung bewilligt werden. In den Etappen und in den besetzten feindlichen Gebieten sind weibliche BertragSangcstellte im allgemeinett in Anlehnung an die für die ZidiloctSvaltung daselbst geltenden Grundsätze zu entlohnen. Städtischer Hühner- und Knninchenfleischvcrkaiif. Ter Magistrat von Berlin hat aus dem Ausland größere Mengen von Hühnern und zähmen Kaninchen in gefrorenem Zustande ein» gefubrt, die im Laufe der kommenden Wochen.in städtischen Ber- kaufsstellen zur unmittelbaren Abgabe an Verbraucher gelangen sollen. Unter Zugrundelegung der zur Verfügung stehenden Zahl von Tieren ist die Verteilung in der Weise beabsichtigt, daß auf jeden Berliner Haushalt ein Huhn oder ein Kaninchen entfallen soll. AftermiCter, Spetsewirtsckaften, Ans! alten können nickt be- rückfichiigt werden. Jeder Berliner Haushalt, welcher von der Be- zugsinvglichieit Gebrauch zu machen wünscht, muß in der Zeit vom '20. bis 2t. März einschlicfilich bei der zuständigen Brotkomtntssiou sich einen Bcmgsschcin auf ein Huhn oder eilt Kaninchen holen. sollten die Bezugsscheine auf die zuerst gewünschte Tierart per- griffen sein, so steht e.S dem HauSbalt frei, sich einen Bezugsschein aus die andere Tierart ausstellen zu lassen. Durch die ösfeittliche Bekanntmachung wirb beknniikgegeben werden, an welchem Tage und in welcher Verkoussstelle letztere ist auch aur dem Bezugs- schein vermerkt) die einzelnen Bezugsscheine zum Einkauf berech- iigcn. An dem bekanntgegebenen Talge muß bei Vermeidung des LerlustS der BczugSmöglichteit der Einkauf zwischen l 1A und 5 Uhr nachmittags in der Verkaufsstelle etsolgem Der Preis für ein Pfund Huhn beträgt 1,50 M., für ein Pfund Keninchen 3,80 M. Auf ein Huhn müssen'2O0 Gramm Fleischmarken abgegeben wer- den, Kaninchen sind sleischkarieinrei. Alles nähere ergibt sich aus der an den Anschtagssäulen veröffentlichten Bekanntmachung leS Magistrats.«'Daß der Magistrat jedem Berliner„sein Huhn im Topfe' verschaffen null, ist ja sehr löblich; aber bei den angesetzten Preisen wird ein sehr großer Teil der Bevölkerung nicht in der Lage sein, von der Einkaufsmöglichkeit Gebrauch zu machen.) Tie Fortbildungsschule für mäiutüche Personen und die Gewerbeschule zu Charlottenburg werden vom Sonntag, den 16. d. M., bis Ostern geschlossen. Neuaufnahmen für dos Sommerhalbjabr finden bereits vom 1. April dieses Jahres ab in der Zeit von 6— 12 und 1— 7 Uhr statt. Unterrichtsbeginn am 11. April d. I. Ein läjähriges Lebemännchen wurde gestern auf dem Lehrter Bahnhof aufgegriffen. Dort fiel einem Beamten an der isperre ein Bürschchen auf. dos mit einer Karte erster Klasse nach Hamburg fahren wollte. Das Aeußere des Reifenden paßte nicht recht zu der böchstcn Fahrklasse. Insbesondere erschienen dem Be- amlen seine abgetretenen und ausgefransten Hosen verdächtig. Er machte auf den jungen Fahrgast, der als Gepäck nur cin braunes Lederköfferchen bei sich trug, einen Kriutinal- beamlen aufmerksam, und dieser nahm ihn ins Gebet. Zu seiner nicht geringen Ileberraichung cuthielt das Koffercheit über 17 000 Mark in barem Gelde und ein Banchbuch der Deutschen Bank über 10 000 M. Am Alexandplatz erkannte mau in dem Renetiden einen 15 Iahte alten Vureaugabilfen Artur Ritsch aus Kölln, der erst kürz- lich von Hause weggelaufen war. Nach Kölln zurückgebracht machte er sich gltz'ch wieder auf den Weg. Diesmal ober nahm er gleich von Hause IS 000 Mark, das Bankbuch, eine goldene Herrettuhr, eine silberne Damenuhr mit Kette und einige Schmucksachen mit. An alles hatte der kleine Reifende gedacht, nur daran nicht, sich bessere Kleidung zu kauten, obwohl er feit Montag schon 600 Mark aus- gogeben hat. Der Durchbrenner wurde vorläufig in Gewahrsam behalten, um dann wieder nach Kölln gebracht zu werden. Tie Infekt iauskrankheiten und Sterbefälle infolge von In- fekttonslrankheiten haben auch tn den letzten Wochen keine Vor- mehrung erfahren. Tibh'hezie und Scharlach überwiegen noch immer mit insgesamt 110 Erkrankungen und 20 Todesfällen in der Woche. Die Erkrankungen sind Sterbefälle an Pocken sind da- gegen mtt 20 und 1—1 Stcrbefällen in den letzten Wochen gering zu" nennet!. Mit der zunehmenden Impfung werden auch diese Fälle bald wieder ganz verschwinde». Schulden und Permägen der Stadt Berlin. Im Rechnung-- ausschuß der Stadivorordnetenverfaliimluiifl wurde in der letzten Sitzung festgestellt, daß die Schulden der Siadi Berlin am 81. März 1015 sich auf rund ZIOF Millionen Mark beliefen. Davon entfielen indeß nur 147,3 aitt die Kämmerer und 303,6 Millionen Mark auf städtifche Werke. Das Anivvermögen betrug zur selben Zeit über e i n e Milliarde Märt. Wetteranssichten bis Dienstag mittag. EttoaS kälter, oiiiväitS fortschreitende Aufheiterung, besonders im Osten noch öfter Nieder- schläge. später im Nordwesten neue Trübung. Verantwortlich für Politik: Hermann Miillcr. Tempelhol; für den übrigen Teil d. LIaltcS: Alfred Scholz, Neukölln; für Inserate: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlaz: Vorwärts Bochdruckerei u. PerlagSanstalt Paul Singer& Ca Verlin SW. AdiairalupalaHt. Vorleteter Tag;! Trau Fantasie Gcltlittschuhläufer- Ballett � a. d. Oper„Der prepdev' VerzOfll. KCehe. Arrfang 73.'. Zigaretten _ direkt von der Fabrik UM- zu Orisrinalpreiüon"ME 100 Zig. Kleinverkauf 1,0 Pkg. IchO 100,, 3, 2.30 100,„• 3„«ÖO 100,, 4,2, 3,20 100.„ 6.2„ 4,00 Versand nur gegen Nachnahme von 100 Stück au. 7!nppl>on prima Qualitäten, von HlyalTCU 100i_ b.200._ n p. 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Sprechet.'/.Ul-t roisaarner oir. u/ u. l/,6->/�o u. abös., sonnt, n-i. 48 Saiten stujrke Broschüre 50 Pf., nach außerhalb 1 51. in verschlossenem Kuvert. Aufklärende QKerkzcugdrchcr Rcvolveretnrlchtcr auch gv. und av. für Hceresarbeit stellen ein Zlektrotecliniscke Lpeiialkoostruktlon Berlln-«tesllt!-.«irtbulchstr. 37/39. 6000 kleine Schachteln Kola-Dultz umsonst! Ich möchte gern einem jeden, der schwache Nerven bat. eine Probe meines Mittels zukommen lassen. Es belebt die Nerven, regt sie an und beeinflußt dadurch dermaßen die Gesundheit, daß man sich bald so frisch, wohl und unternohmungslustig fühlt, wie man es von Xatnr aus sein sollte. Kola- Tiultz soll überdies auch dio Nerven in Anregung erhalten. Im eigenen Interesse eines iedeu Lesers dieses Inserates, der erschöpfte Nerven hat, oder der leicht müde und abgespannt wird oder zu Kopfschmerz und Schlaflosigkeit neigt, wünsche ich, daß er Kola-Dultz versuchen möge, und wahrscheinlich würde er dann, bald wie viele andere sagen können: Die Wirkung von Kola°Dultz ist geradezu überraschend! "Die betten Nerven sind die, von denen man am wenigsten merkt. Kola-Duhz ist ein Freund der Nerven. Es ist angenehm im Gebrauch, und seine ist eine Erfrischung. Kola-Dultz ist un- und wird Männern, Frauen und Kindern ■mpfohlen. Da» Alter hat dabfji nichts zu sagen. Es ist ein Präparat zur Anregung der Nerven. Kola-Dultz ist überall am Platze, wo die Nerven nachlassen oder sich sonst unangenehm bemerkbar machen. Schreiben Sie mir sofort eine Postkarte und verlangen Sie Gratis-Zusendung einer Probeschachtel. Max DuKz, Berlin SO 33, Nr. 321.