Nr. 83. 34. Jahrg. flöcnnementS'Bcdlngungen; gtui.neuniits- Stctä vridiuinermida Bietlcljcbtl 5.90 Ml. monutl USO MI, wöchcllllich SO Vtg. tut in£ ycmS. ewzclne J-ummei 6 Cffl, Sonn lag s. uunimer mil ülullttraet EonntogK. L-llage.Tic?!cu! Wclt'>0 Pili. Poll« ilbonncmsnl: 1.30 Morl Uro Monc� ituigcirageii m die Lott.ZeilunßS. Biciiiiii». Umct Kreuzband lür i. curichland uns Oslierreich- Ungarn 3.30 Marl, fi: das üfancf Anslanb « Marl dro Monal. Poilabotniemenis nedmcn an Belzien. Täneuiarl. Holland. Italien. Luxembure. Ponuzal. Ruunuiien. Schweden und die Schweis. trilbtlBt täall*. NO Verlinev Volksblatl. ( 5 Pfennig} VI? InlertionS'Gebübr betrüg! für die sechsaesvaliene kolonel- leiie ode: deren Raub! bll P?g.. sä« ooülnche und geivcrlichai tüinc Sereiut- und Lersiutiuiluiigs-Sinzeipen in Pig „Kltinc«nrtigen". dal ieitgediuefee liott 20 ikig. lzu.äisig ü setlgrbrnSie fiettTi. jede» weitere Wort 10 Pi'g. eiclleuaeiuchi! und Echl.iiticlleuan- «eigen das ersie Wart lO Big.. iede.! »euere Wort äTfg. Sorte Über lö ivnch. siaden züolc» für zwei lZoric. Inirraie jür die nächüe Rummer»lüileü bis 5 Nor naannirtags in der Szuebltno, »dxsgcdeii werden. Tie ürbedtliou ig bis 7 Uhr abend» oeöftnet. Telegrauim-Ldre�e: .keiiillemoliliN llttiia" Zentrulorgan der fozSaldcmohratifchen partci DeutfAlatide. Reöaktion: EW. HS» Änveastraße 3. Zsernivrecher: Am» Moridvla«. Nr. lLl SV— 151 97. Sonnabend, den 34. März 1917. Expeüitiou: SW. 6$, Linden straße 3. ff«rn,prrcher- Amt Moritzvia«. Kr. J5I»0— 131»7. Russlands demokratische Neuorientierung. Französische Verluste bei St. Simon an der Somme, bei Margival zwischen Oise und Aisne und am Walde von La Ville- aux-Bois— Fliegerbombe»» aus englische Anlagen bei Mudros. Amtlich. Großes Hauptquartier, dru 23. Mirz »917. jW. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Zufolge mehrerer Borstöße eigener und feindlicher ErlmidungS- abtcilungeu nahm an der fiandrische»» Front und im ArraS-Bb- schnitt zeilweUig die Artillerietätiglcit zu. Eine Anzahl Gr- sangeuer ist dort in unserer Hand geblieben. Französische Truppen, die beiderseits von St. Simon üder Somme und(srozat-Äanal gegangen waren, find durch Angriff gegen und über diese Abschnitte zurückgeworfen worden. Der Feind erlitt blutige Berluste und büßte 230 Gefangene sowie mehrere Maschinengewehre und Fahrzeuge ein. Zwischen Oise und Aisne entspannen sich in den Abend- stmldcu Gefechte westlich und südlich vou Margival; Angriffe starker sranzöstschcr Kräfte sind durch Fruer und im Gegenstoß verlustreich abgeschlagen worden. Unsere Artillerie fand auch außerhalb dieses Äavipffrldes lohnende Ziele in Truppe»- aujavmtlungea und-Bewegungen. Am Walde von La Billc-aur-AoiS ist ei« nach starkem Feuer einsetzender-französischer Borstoß gescheiter». Bei Watronville iu der Woevre-Ebcue bracht« ei» eigenes Unternehmen 12 Gefangene und 2 Maschinengewehre ein. Ocstlillfer Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische z�rout. Bis auf einen fehlgeschlagenen Trilangriff in der Seeu-Enge und Störungsfcuer verhielt sich der Franzose bei Monastir ruhig. EiuS unserer Luftschiffe hat in der Nacht vom 29. zum 2». 3. englische Aulagcn bei MudroS auf der Insel LemuoS wirkungsvoll mit Bomben beworfen und ist unversehrt in seinen Hafen zurückgelehrt. Der Erste Generalquartirrmrister. Ludcndorff. » sibenöberlcht. Amtlich. B e r l i u, 23. Mihrz. Adeuds. Im Somme und Oise-Gebiet Borposteu- g e f e ch t e; sonst im Weste» und Osten nichts Wesentliches. «-» * der österreichische öericht. W i- n. 23. März 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Unser gestern gemeldeter Borpoß an der B i r r i e z i u a kostete dem Feinde starke blutige Berluste. Sonst nichts zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereiguiffe. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oestlich des Ochrida-SeeS scheiterte abermals ein französischer Angriff. Der Stellvertreter des EhefS dcS GenrralstabeS von Hoefer, Feldmarschallrutnant. Ganz Rußlanö öer neuen Regierung angeschlossen. Petersburg. 22. März. Die Petersburger Telegraphen- Agentur verbreitet folgendes Schriftstück, das als eine neue Ansprache der Regierung an das russische Volk anzusehen ist: Nach den letzten Nachrichrn hat stch gan', Rußland mit Ein fchluß von Finnland. Türke st an und Sibirien vvll und ganz der neuen Regierung angeschlossen, die die Duma mit kräftiger Unterstützung der patriotischen Truppen plötzlich im Zarenreiche aufgerichtet hat. Niemals ist eine Revolution so kurz gewesen wie diese, die wie eine Zündschnur vo» Petersburg ausging und in wenige« Tage» das ganze Land iu flammen setzte und seine völlige Wiedergeburt vollendete. Man muß die Quelle dieses offenbaren Erfolges in der logischen Notwcndigtcit suche», die seit Ztchren, und ganz besonders in der letzten Zeit, der ganzen ruffischcu Nation, die sich dessen vollkommen bewußt war, de« Beweis lieserte, daß der Staat in einen Abgrund nicht wieder gutzumachenden Unglücks geschleu- dert werdrn würdr, und der Krieg mit Schmach verlorea fei, wenn dir alte, durch und durch egoistische Regierung unter Führung einer verweichlichten Thnastie fortfahren würde, eine Politik der BolkS- Unterdrückung zu treiben, die alle sckiaffrndcn Kräfte lähmte. Dar- um ertönte der Ruf:„Nieder mit dem alten verrotte- tenRegimr, eS lebe derfrrie demokratische Staat" in Petersburg und ist von ganz Rußland einstimmig aufgenommen worden, von Rußland, das auf einen Schlag und fast schmerzlos sich der Feffeln der absoluten Monarchie entledigt bat. Totsächlich hat der Staatsstreich nach den Schätzungen Rußland mit feinen 130 Millionen Einwohnern nur Ättvv Tote und Verwundete gekostet. Diese Zahl stellt eine» verbiiltniSmäßig unbedeutenden Bruchteil gegenüber der Gesamtsumme der Opfer von Revolntionrn anderer Lander, die die Geschichte kennt, dar. Aus dem gleichen Grunde hat Rußland, oder vielmehr Petersburg, das höchstens eine Woche in Unordnung war, fast ganz das normale Leben wieder aiifgcnommrn, denn jedermann schließt sich schnell dem neuen Regime an und die Zeit, da der Zar und seine Günstlinge das Land erwürgten, erscheint wir ein Alp- druck, der vor dem Licht der politischen Freiheit glücklich zerronnen ist. Diese Freiheit genießt Rußland um sa mehr, da die neue Regierung ihr Möglich st es tut, um ohne die geringste Verzögerung die Grundsätze zu verwirkliche», dir sie in ihrem M a n i s c st a m c r st e n T a g c, da sie zur Macht gelangt war, verkündet hatte. F» der Tat siud die politische Amnestie, die völlige Wiedcrhrrftelliiag»er finnischen Per- tassung und andere liberale Maßregeln mititäri- scheu und zivilen Charakters der beste Beweis dafür. Bon den Ereigniffen der letzte» Tage sind die folgenden be- merkenswert: Die neue Regierung, die von der Bevölkerung mit Beifall aufgenommen und eifrig unterstützt wird, hob die G o u- verneurc und Bizrgouverncurc auf, von denen d i e alS alte Parteigänger des alten Regimes be- kannten verhaftet wurden, und übertrug die örtliche Brrwaltung den Präsidenten der SrmstwoS als zeit- weiligeu Kommiffionc,». Um das Land gegen jeden Versuch einer Gegenrevolution und gegen monarchistische Propaganda zu sichern, beraubte die Regierung den chemaligeu Zar und die Zarin der Freiheit und isolierte sie im Palast von ZarSkoje Esel». Ter yustizminister K e r r n s k i brachte im Ministerrat einen Gesetzentwurf auf Abschaffung der Todesstrafe ein und traf Borkehrungen, die Frauen zu dru Wahlen für die konstituic- rende Versammlung zuzulassen. Er befahl ferner, mit allen nur möglichen Mitteln die Rückkehr der wegrn politischer vcr- gehen Ausgewanderten und Verbannten nach Rußland zu erleichtern. In den meisten Städten ist die ehemalige b e- stechlichc Polizei durch Miliz ersetzt, die aus Ein- wohnen, gebildet ist>rnd überall vollkommene Ordnung aufrecht- erhält. Eine gleiche Miliz ist auchin Petersburg eingerichtet. das fast sei» gewöhnliches»usschrn wieder angenommen hat. Tic Petersburger Zeitungen erscheinen nicht mehr von der Zensur verstümmelt. Eine freudig bewegte Menge durchzieht die Straßen und füllt die Läden. Zahlreiche politische Bereinigungen und See- sammluugeu, welche die rhemaligr» bureaukrotischen Verwal- tungsbeamtrn niemals genehmigten, werden unaufhörlich abgehalten und erfüllen die Hauptstadt mit einem angeregten öffentlichen Leben. Dir Theater werden am Sonntag ihre Bvrstrllungcn wieder auf- nehmeu und die Lichtspieltheater bereiten FilmS vor, welch« Er- eignisse auS der Revolution vorführen. Das einzige, was an die großen durchlebten Tage erinnert, sind die roten F ah- «e» und Sinnbilder der Freiheit, mit denen die tnri- ktrn Häuser geschmückt sind, und die große rrte Fahne aus dem Dach des Winterpalais, das gemäß einem Regie- rungSbeschluß der Sib der demnächst stattfindenden konstituierenden Bersammlung sein wird. Die Nachrichten aus der Provinz lauten ermutigend. Sir melden sast einstimmig von der Freude der Br- Völkern, ig, vom Joch des Zaren tum« befreit zu sein, und von dem festen Entschluß deS Landes, sich ihm niemals wieder zu beugen. * Als bemerkensinert fällt an dieser Kundgebung auf. das; darin lrtÄcr über den Hunger noch über Krieg und Frieden ein Wort zu finden ist. Diese Drei haben doch im Getiimmd des Äufstandes eine laute, gewaltige Stimme gehabt. Der Zar ist erledigt, aber die Drei sind wild lebendig. Einer Kundgebung, die das nicht respektiert, dürfte in den breiten Massen die Wirkung, die ihre Siegesfanfare sucht, nur wenig beschicden sein._____ die schweigenöe Opposition. Bern, 23. März. Lyoncr Blätter melden aus Paris: Bei der vorgestrigen Abstimmung über die Vertrauensfrage in der Kammer enthielten sich Ksi Abgeordnete der Stlmmenabgabe, darunter 2 7 Sozialisten der Minder- he.it und l 1 Radikale und R a d i k a l- S o z r a l i st e n. , Bei der Abstimmung waren 63 Deputierte abwesend, die i Mehrzahl von ihnen Regierungsgegner. die Völker ertrinken in Slut. Eine Tumarede Kcrcnskis. ' Borbemerkung. Der 2?. Februar wsr der htstoriiche Tag, an dem die Duma über die Schand- Wirtschaft des Zar-emus Gericht hielt. Nach einer Rede des Kadetdenführers uiti> jetzigen Außenministern M i l j u I o w. der die Regierung für die Aiedcrlogn. verantwortlich niachlc und die Organisation deS o-st. ges verlangte, svrach der Führer der Arbeiterparie!. der jetzige Justizminister Kerenski, den die Presse den mächtigsten Mann Rußlands nennt, für dcn Frieden. Wir geben diese- Rede, ein weltgesestichtl'.cksies Dokument,»ach russischen Zeitungsberichten so ans fiibrlich als inöglich wieder. Tic punktierten Stellen bedeuten Zeirsurlücken. Sied. d.„P.". Rußland, und mit Rußland ganz Europa befinden jickl in einer Krists. Die Völker ertrinken in Blut: die Vorräte an Menschen und Vermögen wurden im Laufe dreier Jähre verschtnendet und sind bereits aufgebraucht. Tic militärische Kris's tritt rn ihre letzte entscheidende Phase>md die Versuche der gesamten Demokratie Europas, die für ein nüchternes... eintritt, sind machtlos,- diesen Strudel zu hemmen, ni- dsn- sich all l�l.chcrrschendcn ist lassen in Europa wie d i e I r r s i n n i g c n gestürzt hoben.-•«. Der Ausgang des letzten Aktes der blutigen Tragödie ist neck; ungewiß. Die Kröstte sind erschöpft und erschöpfen sich bei allen, und bevor man seiner Ueberzengnng Ausdruck gibt über den Ausgang des Kampfes und bevor man behauptet. daß wir das Volksvermögeu ohne Ende vergeuden können. muß man mit mehr Ernst, und größerein politischen irnd m est schlichen Vera ntw ort u n g? g e f ii h l �in dos Innere unseres politischen Srwisiens blicken. Fragen Sie sieb: Was hoben Sie während dieser drei Jahre getan. Sie.� duld das Pathos der Worte von dieser Stelle ans entfällst hoben, i andern auch politifche�Handlungen, politischen Willen mit aller Anspannungstder Kräsfogeltend gemacht haben? Haben'sten. sondern ich wünsche, daß diese Tagung im vollen Bewußtsein der ganzen Größe der Verantwortung. d,e jetzt auf uns allen ohne Unterschied der Partei ruht, erfolgt. Womit belastet, mit welchen Ergebnissen treten wir»W osts Gericht der Geschichte? Wenn man uns sagt, daß bei unseren Feinden die Stinnpuna immer mehr lind.mehr sinkt, daß der Feind sich erschöpft, wNt es unsere Pflicht zu sagen, daß a u ch w i r u n s e r s ch ö p f e ,», daß die Stimmung unserer Volks- mästen in unendlicher Progression sinkt. Wir durchleben Wirren, wie sie die Geschichte unserer Heimat bisher nicht kannte. Nicht nur die politische Erkenntnis, sondern auch dos wirtschaftliche Leben des Lande? sich in einem b haos. Es ist soweit gekommen, daß kürzlich ein Ministerimn, als es Kohle nach Petersburg nach einer benachbarten Gou- vernenientsstadt in Begleitung eines Beamten befördern ließ, diesen Zug mit einer bewaffneten Wachnioniischast besetzte. uin eine andere Behörde zu verhindern, diese Kohlen zu kon- fiszieren und an sich zu reißen. Wir sind bereits am Urzustände angelangt. Ivo ein jeder mit alten ihm zllgänglichen Mitteln die an sich gerissenen wirtschaftlichen und elementaren Rechte an einem Gut/ verteidigt im tödlichen Kampf gegen seinen Nachbar, Vor stns isdd a s gleiche Bild wiest n denZeitendcrfranzösischenRevnlntion. Auch dainats wurden Prodntte, die nach Poris befördert wurden, von einer bewaffneten Mallst gegen llcberfällc von feiten der Provinzbehördcn aescbiitzt. Wir stehen vor dem völligen Zerfall. Tie ganze Geschichte des Baues des Staates ohne jede Pyramide.. die vom Schweiß und Blut des unorgoni sierten Volkes gestützt wurde, und die jetzt angesichts der geschichtlichen Prüfung sich nicht einmal sähig erwies, das alte Staatsgebilde zu stützen. Besitzen wir wohl in diesem historischen Augenblick das politische Verantworllichkeitsgesiihl. um unsere persönlichen. um die Klassen- und sozialen Interessen den StaatSinieressen unterzuordnen? Diese Erkenntnis fehlt uns noch. Mau sagt uns. töM-iü die Regierung, schuld sind diese Leute, die hier irnc Schatten kommen und gehen. Wer führt denn mm aBec Siefs Schatten zu uns? Wenn Sie die Geschichte der Regierungsmacht während der letzten drei Jahre durch-- blättern, so werden Sie sich entsinnen, wieviel hier von dunklen Nächsten geredet worden ist. Nun, bricht etwa eine neue Epoche im russischen Leben an? Ist das System verschwunden? Stein, es ist voll und ganz geblieben. Hch erinnere Sie daran, daß nach Ansicht des eheinaligen Ministers Chwostow, der jetzt in unseren Reihen sitzt, fünf unserer Kollegen, Sozialdemokraten, nicht infolge eines Irrtums, son- dern infolge einer absichtlichen Handlung des Gerichts zur rfeit des Ministers Schtscheglowitow nach Sibirien ver- bannt worden sind. Und wenn damals es einen Ssuchom- linow gab, so gibt es jetzt ein Kabinett Rittich-Protopopow- Golitzyn, das die Arbeitergruvpe des kriegsindustriellen Komitees dem Gericht überantwortet. Ich will durchaus nicht die Tätigkeit des Kabinetts auf den bösen Willen einzelner Personen zurückführen. Der arößte Fehle? des Landes ist, immer und überall Verräter, deutsche Agenten, einzelne Stürmers zu suchen. Wir haben einen viel gefährlicheren Feind als den deutschen Einfluß, als den Verrat einzelner Personen. Dieser größte Feind ist das S y st e n. das System der mittelalterlichen Vor- stellungen vom Staat. Und ich frage Sie, meine Herren, haben diese drei Jahre Krieg uns endlich zu der grundlegen- den Ueberzeugung gebracht, die allein imstande ist, Sie und uns, die Vertreter der Demokratie, zu einigen? Wenn Sie nicht den Willen zum Handeln haben, so müssen Sie auch nicht allzu schwerwiegende Worte sprechen. Indem Sie die Diagnose stellen, glauben Sie, Ihr Werk getan zu haben. Es gibt doch aber noch die naiven Massen, die die Lage des Staates ernst nehmen und die auf die Handlungen der einen Seite mit solidarischen Handlungen auf der anderen Seite antworten wollen, die in ihren naiven Irrungen Sie, die Dumamehr- beit, unterstützen wollen. Und wo diese Unterstützuna soweit in, zu einer imposanten Massenbewegung zu werden, ver- uichten Sie dnrch Ihre unvernünftigen Worte diesen Auf- ichwung, diese Leidenschaftlichkeit der Massen, diese Festigkeit der Stimmung. Sie, meine Herren, erregt noch der eine Gedanke: die Idee i m p er i al i st isch er Annexionen. Sie leiden an ein ex Utopie, erstreben Ziele, die nicht zu verwirklichen sind, und berücksichtigen nicht die wirkliche Lage, in der sich das Land befindet. Wir begreifen bereits, daß nach dem dreijährigen Kriege, wo der Vorrat an Menschen und ma° teriellen Gütern erschöpft ist, der Moment gekommen ist, mn die Oeffentlichkeit auf die Liquidation des europäischen Kon- fliktes vorzubereiten. Ter Konflikt muß liquidiert werden auf der Grrmdlcige der Selbstbestimmung aller Nationali- täten, alle Regierun gen müssen in gleicher Weise auf alle Eroberungen verzichten. Es lvird gesagt, daß wir nicht im Namen des demokrati- scheu Rußlands sprechen. Vielleicht. Doch auch Sie werden nicht früher im Namen Rußlands sprechen können, als Sie die Bedingungen geschaffen haben werden, unter denen die öffentliche Meinung im Lande sich ebenso frei wird äußern dürfen, wie in Deutschland und England. Lassen Sie die breiten Volksmassen sich versammeln und über die Aufgaben des Krieges beraten. Solange aber halten Sie Ihre Pro- vozierenden Banner Zurück, bestreiten Sie die � (yinchfaii und lassen Sie Losungen, die für die breiten 'Masten unannehmbar sind, beiseite.(Protestrufe.) Ja, ich »ehäupte, daß die Verkündigung uferloser Erobernugspläne keine Unterstützung finden kann. Sie wollen niemand hören außer sich selbst, Sie müssen aber uns hören, denn wenn Sie ietzt nicht unsere warnende Stimme vernehmen, so werden Sie nicht Warnungen, sondern Tatsachen gegenüberstehen. Beobachten Sie das Wetterleuchten, das hier und dort am Himmelszelt des russischen Reiches auftaucht. Die Eneraie. der Regierung trägt Früchte. Sie trägt den Zerfall auch in die Massen, und wehe über uns, wenn wir es nicht verstehen werden, rechtzeitig zu erfassen haß man suchen muß, nicht mit Worten, sondern durch Sie Tat mit der Demokratie in Fühlung zu treten. Ich widerspreche nicht, wenn gewisse Leute, für die das schweigen nach den bekannten Ereignissen besonders unstatthaft ist, hier anfangen, der Arbeiterbcwc- aixng Eselstritte zu versetzen. Aber� seien Sie vorsichtig bei Böhandlung der Volksseele, erheben Sie keine Vorwürfe wegen Verrat. Die Masse lebt das gleiche Leben wie auch Sie. Sie läßt still und ohne Zandern ihr Leben an den Grenzen von Ost und West, sie hat die größten Entbehrungen zu erdulden, die Ihnen völlig fremd sind, und sie will ein Wort mitreden, wo es sich um ihre Zukunft handelt. Sie wird mit Ihnen gehen, wenn Sie ihren Geist erfassen. Geben Sie uns. wenn mch nur das fiktive Recht, hier von den Leidep. dem Fühlen, Denken und dem Schmerz der Volks'eZIe�zu redem Geben sie uns wenigstens wer die Möglichkeit,-dies auszusvrecbcn, chtie die bewußten Verdächtigungen jener, die zu früh das Fell drs noch nicht erlegten Bären teilen! Der fituisthe Landtag. Stockholm, 23, März. Wie der„Frankst Zeitung" gemeldet wird, tritt der finnische Landtag a m 4. Ä p r i l zu- stimmen. „Nußlanö will frieden haben/ Stockholm, 23. März. Das Gerücht, daß T s ch c i d s c in die provisorische Regierung in Petersburg eingetreten sei, wird in„Sozialdemokraten" von einer sehr gut unterrichteten Persönlichkeit als unwahrscheinlich bezeichnet. Falls die Räch- eicht jedoch wahr sei, zeuge sie dafür, daß die Lage höchst crnsi sei. Habe man die Revolution gcgrndieRcak- tion einmal ganz gesichert, so würden die A r b e i- »er im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien sogleich den allgemeinen Frieden im Sinne internationaler Verständigung anstreben. Das sei ihr eigentliches Ziel, denn Rußland wolle Frieden haben, nicht cinen neuen Krieg an Stelle des alten. Die Gefangenen von Zarskoje Sselo. London, 22. März. Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg, daß der Zarin Zarskoje Sfelo eingetroffen ist. General Äornüow, der ihn unter Kavalleriebegleitung nach "-cm Palast führte, hatte auch das Amt, der Zarin mitzu- teilen, daß sie eine Gefangene sei. Der Bericht, den Reuter über diese Handlungen mitteilt, bezeugt, daß die Gefangen- .Haft von jeder besonderen Härte frei sein wird. Kornilow kündigte an, daß der Palast streng bemacht werden würde. 'Amsterdam, 23. Marz. Das Reuter sche Bureau meldet aus Petersburg, daß die Regierung vier Kommissare nach M o h i l e w • atsanbie, um den Zaren gefangen zu nehmen, Sje irrnr- öen vom General Alexejetv empfangen. Der Zar befand sich im kaiserlichen Hofzug, wo seine Mutter von ihm Abschied nahm. Die rerschiedenen Formalitäten nahmen ungefähr eine Stunde in An- fpruch. Abmiral Nikow wünschte, den Zaren zu veglelten. aber die Kommissare verweigerten die Zustimmung. Eine große Menschen- menge, die in Schweigen verharrte, war Zeu�e Ser"Abfahrt des Zuges. Eine Gruppe von Offizieren nahm am Bahnhos Abschied vom Zaren. In Zarskoje Sselo fuhr der Zug vor dem Kaiserlichen Pavillon bor. Der Zar hatte vorher von seinem Gefolge und der Dienerschaft Abschied genommen und ging ruhig aus dem Salon- wagen. Er trug die Uniform des 6. Kubanischen KosakenbataillonS und den St. Georgsordcn. Sein Gesicht war eingefallen. Begleitet vom Fürsten Tolgoruki schritt er auf das wartende Automobil zu. ES war kein Publikum zugegen. Reuter erwähnt einen Brief aus Mohilew, der eine Be- ichreibung des Umzugs der Ritter des St. Georgsordens sowie der Offiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Leib- garde gebe. Mit einer roten Fahne zogen diese zum Palast des Zaren. Auf der Fahne war das Wort„Freiheit" zu lesen. Ein MusikkorpS, das die Marsailleise spielte, ging dem Zug« voraus. Einst ließ der Zar französischen Gästen zu Ehren die Melodie der alten Rcvolutionshymne musizieren. Das war ein höfliches Spiel. Jetzt musiziert der schwerste Ernst die wilden Rhythmen. Amsterdam, 23. März. Nach einem hiesigen Blatte mel- det der Korre'pondent der„Times" aus Petersburg vom Mittwoch: Der Plan, die O p fer der Revolution auf dem Platz vor dem Wintcrpalais zu begraben, wurde aufgegeben. Verhaftungen. Die„Depeche de Lyon" meldet aus Petersburg: Graf Fre- derik, der Herzog von Mecklcnburg-Strelitz, der Gouverneur der Provinz Amur, von Gandatti. und General Natschenkow wurden verhaftet. Die Arbeiter öer putilowwerke. London, 23. März. Der Petersburger Mitarbeiter der „Times" berichtet: Die Putilowwerke haben wieder Kohlen erhalten und erwarten das Eintreffen noch größerer Mengen. Die Arbeiter, vor allem die Frauen, machen nochSchwierigkeiten. Sie stellen das Verlangen n a ch sofortiger Einführung des Achtstundentages. Der Straßenbahnverkehr ist wieder normal. * Nach„Svenska Dagbladet" lvird das Exekutivkomitee der Duma durch das gemeinsame Komitee der Arbeiter und Soldaten überwacht. Die Arbeiter haben beschlossen, die Arbeit in den Fabriken wieder niederzulegen und aber- mals zu revoltieren, falls die jetzige Regierung von dem ver- einbarten Programm abweicht. Die Lebensmittelfrage. London, 23. März. Ein Bericht der„Times" aus Pe- tersburg meldet: Die Lebensmittelfragen bilden das Hauptaugenmerk der neuen Regierung. Der Landwirtschafts- minister hat einen neuen Plan ausgearbeitet, um die Lebens- mittel über das ganze Reich einheitlich zu verteilen. Er hat einen Zentralrat eingesetzt, der sich aus Dumamitglie» dern zusammensetzt, die von den verschiedenen Ständen, Landwirtschaft, Handel, Industrie, gewählt wurden. Dieser Ausschuß hat die bäuerische Bevölkerung drin- aend ersucht, ihre Leb e n s mi t t elp r o d u k t i o n 5er neuhu Regierung zur Verfügung' zu stellen. In Petersburg nimmt man-die Bevölkerung zur Mitwirkung der Verteilung der Lehensmittel in Anspruch. Jede Familie soll einen Vertreter beauftragen, mit den Le- bensmittelverteilungsstellen direkt in Verbindung zu treten: ihnen werden dann Vorräte geliefert werden. Aber wird man„Vorräte" erlangen? Ausreichende Vorräte auf längere Zeit? Die Bauern halten bekanntlich die Lebensmittel fest, um nicht selbst dem Hunger zu verfallen. Die Regierung hat, nach einem„Lokalanzeiger"-Bericht, der Landbevölkerung in einem Aufruf versichert, sie werbe alles unternehmen, um der Landbevölkerung die erforder- lichen Rohstoffe für den Betrieb der Landwirtschaft zu verschaffen. Die Bauern würden durch die neuen Gesetze vollständig gleiche soziale und politische Berechtigung mit der übrigen Bevölkerung erhalten. Sie würden fortab unabhängig von der Regie- rung der Gouverneure und Polizeimeister gemacht werden. Soweit es die Verhältnisse zulassen, werde die A g r a r r e f o r m, die den Bauern eine Erweiterung des Landbesitzes erbringen soll, durchgeführt werden. Die Re- gierung erwarte, daß die Bauern ihre Pflicht gegen das Vaterland tun und das große begonnene Werk der Befreiung aus der Sklaverei durch Mißverstand und Eigennutz nicht zerstören werden. Die Dauern fordern Arbeitskräfte von öer ßront. Stockholm, 23. März. Nach dem„Svenska Dagbladet" kommen nunmehr auch die Bauern mit ihren Sondersorde- rungen. Dreiundzwanzig Bauernabgeordnete haben verlangt. daß die ölterenJahrcs klaffen baldmöglichst zur Be- stellung des Bodens von der Front zurückgerufen w e r d e n s o l l t e n. Beklemmungen wegen öer flrbeiterkomitees Von einer großen Gefahr, die in Rußland auftauche, redet der„Temps" in einem Leitartikel. Diese große Gefahr zeigt sich dem Blatte in der Gestalt des R a t s d e r A r b e i- t e r und Soldaten. Deutlich genug verrät aber der .Etenips", daß an seinen bürgerlichen Beklemmungen die Sorge schuld ist, daß Rußland kriegsuntauglich werden könnte. Man uerstesc schlecht, mit welcher Berechtiguna das Komitee der Arbeiter urw Soldaten Beschlüsse diktiere, von denen man zu- mindest sagen müsse, daß sie in Konfusion entstanden seien. Sollte sich die Revolution tn eine Parodie umwandeln, fy wäre die Zu- kunft der ganzen russischen Freiheiten in Frage gestellt. Ferner würde auch die Festigkeit der russischen Heere Gefahr laufen. Wenn in Ermangelung einer Leitung, einer Methode, kurz einer Regie- rung. die Revolution die miütärische Kraft Rußlands schwächen würde, so wäre dies für Rußland ein Schaden, der nicht wieder gut gemacht werden könnie. Angesichts der Analphabeten könne das russische Volk nur vorjichtig in die Bahn des Fort- schritte geleitet werden. Auch Clemenceau beöauert im„Homme Enchains", daß den letzten Nachrichten zufolge die Regierung der Bewegung de? revolutionären Organisationen nachzugeben scheine. DieS Bedauern nimmt sich gut aus in einem Blatte, das den Namen trägt:„Der Mensch in Ketten". Begeistern können diese bür- 'gerlichen Organe sich nur'- für eine russische Revolution, die ihnen die Analphabeten, denen die Bahn des Fortschritts „nur vorsichtig" geöffnet werden soll, in Maffenstürmen auf die Kriegsschlachtbank liefert. Die Mutter öer Parlamente grüßt. Bo»iar Law brachte im Unterhause einen Anttag ein, dem russischen Volke Grüße und Glückwünsche zur Schaffung freier Institutionen zu senden. Es sei zu f rü h. zu sagen, daß a l l e Gefahr vorüber wäre, aber es sei für die Mutter der Parlamente nie zu früh, dem Parlament des verbündeten Landes und seiner Regierung Grüße zu senden— der Regierung, die mit der ausgesprochenen Absicht gebildet sei, den Krieg zum er- folgreichen Abschluß zu bringen. Bonar Low iagte: Tie Ausgabe der neuen Regierung zähle zu den ickiwersten. die je einer Regierung zugefallen sei: sie solle den Angreifer aus dem Londe lreiben und zu Haufe Freiheil und Ord- nung aufrichten.-ES kommr uns nichl zu, diejenigen zu ricklen oder zu verurteilen, die an der Regierung des verbündeten Landes Teil hatten. Aber e-Z möge mir erlaubt sein, ein Gefühl der Teil- nähme für den Zaren auszudrücken, der drei Jahre unser loyaler Verbündeter gewesen ist und auf den durch scina Geburt eine Last gelegt war, die sich als- zu. schwer, für rhu er- wiesen hat. Bonar Law schloß, er gebe sich der freudigen Hoffnung hin, daß in den letzten Stadien des Kampfes sich alle alliierten Länder unter Leitung von Regierungen befinden würden, die eine Vertretung ihrer Völker"darstellten. Asguith unter- stützte die Entschließung und sagte: Die gewaltigen Ereignisse, die sich gegenwärtig in Rußland vollziehen, find von der Art, daß sie eine besondere u»v-rzüglich« Anerkennung des Ham'eS verdienen und erfordern. Eine Autokratie, welche trotz des außerordentlichen Wechsels in ihrer Geschichte und in dem periönlichcn Schicksal der Inhaber des Thrones ein inte- grierender Teil des russischen Lebens geworden und unerreichbar für einen etwaigen Angriff zu sein schien, ist im Laufe weniger Tage ohne wirksamen Widerstand, sogar ohne Verteidigung voll- kommen ausgemerzt worden. lBeifall.) Die Form der neuen russischen Regierung soll dem freien Urteil eines befreiten Volkes unterworfen werden. Wir hier in dem ersten und ursprünglichen Heim parlamen- tarischer Einrichtungen und der Vollswahlcn haben einen besonderen Anspruch darauf, zu den ersten zu gehören, die sich über die Emanzipation Rußlands freuen und es in der Gemein- schaff der freien Völker bewillkommnen. Je größer die Grundlage der Macht ist, desto mehr wird der Sinn für Verantwortung verbreitet und ange- regt. In der Zwischenzeit beobachten wir mit Sorge und Teil- nabme die Anstrengungen seiner provisorischen Regierung. Wir baben die Zuversicht, daß die ausgezeichneten Männer, die die nepe Regierung bilden, diejenige Geduld und Klugheit besitzen werden, welche eine derartige Lage erheiiibt. und bor allem nehmen wir an, daß weder sie noch daS russische Volk um em Jota von ihrem Entschlüsse abweichen werden und von der Zlisaninienfasiuiig aller ihrer Hilfsmittel, um den Krieg zu einem solciien Ende zu bringen, wie es all den Opfern sämtlicher Verbündeten einspricht. Asquith sagte am Schluß seiner Rede: Die Erklärung der neuen russischen Regierung, daß sie unverbrüchlich die Allianz beobachten»verde, welche sie mit den anderen Mächten verbündet und daß sie entschlossen ist, alle Abkommen auszuführen, die mit den Verbündeten getroffen wurden, diese Erklärung habe man„mit Vergnügen gelesen". Die Sache der Alliierten, wie zahl- reich und verschieden auch die Kriegsschauplätze seien, sei einzig und unteilbar. Schweizer Sozialöemokratie grüßt öie � ruftljche Revolution. Aor«> 23. März. Die sozialdemokratische Fraktion des Nationalrates hat am Donnerstag abend folgendermaßen an die sozialistische Fraktion der Reichsduma gedrahtet: Wir senden Ihnen unseren brüderlichen Gruß. Wir freuen uns über den Sieg der Sache des- Voltes und wünschen Ihnen Glück zur Erreichung der Demokratie, wir hoffen, die russische Sozialdemokratie wird kräftig für den Frieden wirken. Der Krieg auf öen Meeren. Die Versenkung öes yealöton. Wie einem Amsterdamer Blatte aus Amuiden gemeldet wird. befand sich der amerikanische Dampfer H e a l d t o n. als er versenkt wurde, innerhalb oder an der Grenze des holländischen Sperrgebietes, östlich der 'reien Fahrtrinne. Unter den in Amuiden gelandeten Schiffbrüchigen des Healdton befindet sich auch der Kapitän. Die Besatzung er- zählt, daß der Dampfer sicherheitshalber.die nördliche Route genommen hätte. Der letzte Hafen,, der angelaufen Vörden war, war Bergen. Nach der Abreise von dort ereignete sich nichts Besonderes, bis Mittwoch abends, ungefähr 8 Uhr 15 Minuten, ein U-Boot, ohne ganz an die Oberfläche zu kommen, zwei Torpedos auf den Dampfer abfeuerte. Die Torpedos trafen mittschiffs, so- daß das Schiff bei feiner gefährlichen Ladung und der Explosion im Maschinenraum sofort in Brand geriet.� Der Dampfer Healdton gehörte der Standard Oil Company in New Uork. Zlmuidcn, 23. März. Der Tampftrawler Oceän hat das Ret- t u n g s b o o t des amerikanischen Dampfers Healdton mitgebracht, das mit 20 Insassen gekentert war. In dem Äoot be- and sich der einzige Ueber lebende dieser 20 Viann, ein Norweger, dem es geglückt war, das Boot umzudrehen. Er ist. verwundet und es sind ihm Arme und Bcineersrorcn. Er wurde ins Rote-Kreuz-Spital gebracht. Seespcrre unö Versenkungen. Sergen. 22. März. Ter Dampfer B e r g st i, von Cardiff nach Bordeaux mit Kohlen unterwegs, ist versenkt worden. Drei Mann umgekommen. Haag. 23. März. Nach Meldungen auZ Transvaal berichtet die „LollSsteem" vom 30. Januar, daß dicht bei Kapstadt ein großes Schiff gesunken sei, was eine stark« Beunruhigung hervorgerufen habe. Ferner sei bei Kap A g u I h a S ein Transport s ch i f s derart beschädigt worden, daß die Mannstbast auf ein anderes Schtff hätte gebracht werden müssen. Tauchboote habe man in der Nähe nichl entdeckt. Göteborg. 23. März. Nach Meldungen aus London be- trug die Buttercinfubr der lefcten Woche 16 396 Cwts. gegen 36 801 in der gleichen Woche bcS Borjahres, und die Fleisch- einfuhr 88 692 CwtS. gegen 189 720. Dänische Schiffe in Enteutehäfen festgehalten. Rotterdam, 23. März. Es ist hier bekannt geworden, daß Mitte März an die englischen und sranzäsischrn Seestreitkräfte der Befehl ergangen ist, alle dänischen Schiffe, mit AuS- nahm« solcher, welche nach Häfen der Entente bestimmt oder von der Enttittr gechartert waren, in den Häfen festzuhalten. Ar. 82.- 1917. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Ssunabeud. 24. Marz. Tragikomödien aus öem Crnährungs- lexikon. Der ErnäHrmiHsfragen find nachgerade so viele geworden, dag sie für-sich allein ein eigenes dickes Kompendium zu füllen vermöch- len. mit Kapiteln, Abschnitten, Unterabteilungen, Registern,(5r- klärungen usf. Es ist ein überreicher Ston, der, sow>e man den kübnen Versuch unternimmt, sich in seine Mvstcrien zu verseicken, eine fibertvältigende Ausdehnung gewinnt. Hier liegt ein Schatz an organisatorischem, tulturwirtschaslsicheur. finanziellem und sta- tistischem Material, aus dem sich nach Abschluß des Waffen- und Magenlrieges ein anfehnlicbes Lerilon schaffen ließe. Cfme ciu solches— Ernäbru ngslexiton würde die künftige Geschichte des Weltkrieges unvollkommen fein. Da die Gegenwart uns aber vor» läufig genugsam beschäftigt, wollen wir uns mit dem einen Teil eines solchen zu erwartenden Sammclbandcs beschäftigen— mit dem tragikomischen?lbschnitt. der künftigen Weltbürgern— falls es jemals zu einem zweiten modernen Gigantenstreit kommen sollte, zur praktischen Belehrung dienen mag. Weit entfernt davon, den weisen Nutzen zahlreicher Einzelhmen der KriegsernährungSorgamfation abstreiten oder auch nur herab- mindern zu wollen, so dürfen wir doch auch nicht vor den Fehlern die Augen verschließen, die in diesem Zusammenbang gemacht wuv- den und gemacht werden. Da fällt vor allem auf, daß diese Fehler mit einer Eigenschaft behaftet sind, die unier anderen Umstanden mit Recht als willkommen gilt, in diesem Fall aber leider keines- wcys am Platze ist. Sie sind nämlich von einer äußerst energischen Hartnäckigkeit, von einer rübrendeu Treue— sie Verlasien uns nicht, keine Bange— sie werden immer wieder gemacht. Tie Kardinalmttugend der den Lcbonsmiitelbetrisö leitenden Faktoren besteht in einer eifrigen Uebcr-Siroiegic, die wiederum einer allzu hausmütterlichen Aengsilichicit entspringt. Man will vorausschauend sein, blickt dabei aber in eine so ferne Zniunn, daß man die Gegenwart vergißt. In dleicr Beziehung gleicht die Füb«r- schoit unserer Ernäbrungsgewalten dem Manne, der sich im Sommer seine Portion Fruchteis riir zu erwartende noch heißere Stunden bewahrt und der dann überrascht und enttäuscht dreinblickt. wenn sie inzwischen noch immer wsgge'ebmolzen ist. Oder auch der Köchin, die chren Reichtum durch so viel Salz vor dar Vernichtung zu schützen trachtet, daß er durch die Schutzmaßregel selbst ungenieß- bar gemacht, also vernichtet wird. Diese leider auch im letzten Winter noch weiter ausgebaute Bans bildet den Tummelplötz für unsere Ernährungs- Tragikomödien, die in letzter Zei: durch zwei Musterbeispiele zur Geltung kamen. Die Musterbeispiels heißen mit ihren offiziellen Namen: Muschelileisch und Äriegsmus. jedermann konnte und schätzte die einfachen See- oder Mies- muscheln, die wegen ihres Wohlgeschmacks, ihrer v erhäl t nis m äß i Aen Billigkeit und ibrer beruhigenden Allgegenwart aus den Spetse- karten sebr beliebt waren. Doch eines Tages warfen die„Ernäb- rungS-Weiscn" ihr Augenmark auf die Miesmuscheln, und siehe da — es war um sie geschehen� Wenn man jetzt.keine Fleischkartc bei sich trug oder die meisten Speisen in �durchgestrichenem" Zustand erblickte und daber seelenruhig eine Portion Seemuscheln bestellte. erhielt man die knappe, aber inhaltsreiche Antwort:„Gibt es nicht'" Was war geschehen? Welch teuflisches Unheil hatte verschuldet, daß die Muscheln so urplötzlich in eine geheimnisvolle Versenkung rutschten! Dies fragte man sich vergeblich, bis man eines Tages hinter der Glasscheibe eines Schaufensters einen feldgrauen, weichen Berg erblickte und darüber die Schrifl!„Muschel fleisch, bester Brvtauf- strich". Ha, rief man aus, hier tut sich das göttliche Walten unserer ErnaHningSbeHörden kund. Die Muscheln wurden beschlagnahmt. um sich flugs und geschmeidig in einen Butter- oder Marmeladen. Ersatz zu verwandeln. Mau legte l Mark ans den Ladentisch, der weiche, feldgraue Berg wurde um Vj Pfund ärmer, man trug daS halbe Pfund nach Hause, strich es aufs Brot und— schwor einen heiligen Eid. allen Muschelileischgelüiten zu entsagen. So starben die Muscheln einen seligen Muschelfleischiod...! Und das gebenedeite Ärregsmus? Einst bieß es weniger anspruchsvoll aber woblschmeckcnd Marmelade. Als man es kaufen wollte, verschwand es. Fn geheimnisvollen Räumen wurde es ge° streckt, d. h. dem Rüöenzusatzzauber unterworfen, auf daß es in doppelter Menge wiederkehren und das Volk ergötzen möge. Fetzt endlich erschien es. man kostete— und wandte sich im Innersten erschüttert ab. Es schmeckt weder nach Rüben noch nach Marmelade, es schmeckt nach— nun, nach Kriegsmus, d. h. es schmeckt ganz und gar nicht. So gingen Muscheln und Marmeladen den Weg alles Irdischen, aber leider zu frühzeitig; sie starben in Schmerzen an der Organi- sationskrankbeit. Wir Zeitbürger aber wollen nur hoffen, daß es sich um eine Kinderkrankheit Handelle, deren Hartnäckigkeit mit diesen beiden Fällen endlich und endgültig überwunden wurde. Wir wollen hotten, daß„Muichelfleisch" und„Kriegsmus" die letzten Tragikomödien des Ernährnngslexikons waren. A. B. Cinc Lrieöcnsseier in öer Schweiz. Am Ll. März feierte die Schweiz den Zül>. Geburtstag deL Friedensstifters Niklaus von Flüe, der dureb seine kluge und menschenfreundliche Friedensvermittlung Ende des 13. Jahrhunderts den drohenden Bruderkrieg von Schweibern unter- einander verhinderte, der freilich vorher und nachher wiederholt vorgekommen ist. Hatte sich schon im Bunde der vier Waldstätte der Gegensatz der Länder- und Städtepolittk geltend gemacht, wobei die drei Kantone Obwalden. Uri und Sckwyz auf der einen und der Kanton Luzern auf der andern Seite standen, der wahrlich auch ländlich genug war, so verichärfte dieser sich noch, als später auch die Städte Zürich und Bern hinzukamen. Es war so weit gekommen. daß Luzern, Zürich und Bern einen besonderen Bund(„Ewiges Burgrecht") mit den Kantonen Solothurn und Freiburg gründete». Die genannten drei llr'antone bestritten Luzern das Recht, einen solchen Sonderbund zu schließe», und mit den Kantonen Glarus und Zug zusammen hatten sie die Mehrheit im Bunde der acht Kantnne. Wäbrend einer Reihe von Jahren zogen sich die Streitigkeiten und Friedensvermnielimgen hin. und über die Frage der Ausnahme der beiden Kantone Freiburg und Solothurn in die alte Eidgenossen- schaft drohce um Ende 1481 der Bruderkrieg auszubrechen. Am 22. Dezember war in der Versammlung zu Staus die Aufnahme der beiden Kantone in den Bund abgelehnt worden und damit die Kriegsgefahr zwischen den Eidgenosien brennend geworden. Da eilte der Pfarrer Heini am Grund von Staus nach Ranft zu dem weisen und heiligen, vom Volke hochgeschätzten Einsiedler N i kl a u S von Flüe, der der Versammlung in Staus die Aus- nähme von Solothurn und Freiburg anriet, welchem guten Rate dann auch gefolgt wurde, und so war die Kriegsgefahr beseitigt, der Friede gesichert, der Bund der Eidgenosien gestärkt. Dem Ein- siedler Niklaus von Flüe ward von allen Sorten warmer Donk dafür, daß er durch Einsetzen seines Ansehens beim Volke den Bruderkrieg vermieden hatte. lieber die Lebensgeschichts dieses Menschen- und Friedensfreundes wird berichtet, daß er aus einer Bauernsamilie stammte, selbst eine Bauernsttnnlre mit vielen Kindern gründete, viele und harte Arbeit vcrrich:etc und nicht leien und schreiben konnte. Im Alter von 30 Jahren vorließ er ieine Familie, um als frommer Pilger die heiligen Wallfahrtsorte zu besuchen: kehrte dann aber mfolge einer „Erscheinung" wieder nach Obwalden zurück, um hier daS enlbehrungs- reiche Leben eines Einsiedlers aufzunehmen und bis zu seinem Lebensende im lü. Altersjabre zu führen. Vom Volke wurde er als Frommer, Heiliger und Weiser verehrt, und von nah und fern eilten Leute herbei, um den Eremiten kennen zu lernen. Auch die Stadt Konstanz bediente sich seiner Vermittlung bei der Eidgenossenschaft. Jit einem Briefe an die Regierung in Bern legte er sein Re- gierungsprogramm dar, das Gerechtigkeit. Schutz der Schwachen und vor allen: als höchstes Gut und höchstes Ziel den auf Nächstenliebe und gegenseitiger Achtung ge° gründeten Frieden empfahl. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Niklaus von Flüe vom Papst Klemens IX. beilig gesprochen, und seitdem ist er der Scyntzpatron des Kantons Obwalden. Der ichweizerische Bundesrar hatte durch Erlaß vom 6. März 1917 eine offizielle Feier des 300. Geburtstages Niklaus von Flües an- geordtiet, wonach am Abend des 20. März von 8 Uhr ab im ganzen Schweizerlande zu Ehren des obwaldnehicheil Friedensstiitcrs die Glocken erklingen sollten wie am 23. Dezember 1483, wo vom Kanton Solothurn auch die Stadt Mühlhausen eingeladen wurde „Freude zu läuten von der Einhelligkeit wegen". Der Bundesrat nennt in seinem Erlaß den„Bruder Klaus" ein Gegenwarts- s y m b v l im vollen Sinne für die Schweiz. Die Geschichte hat in der Tat auch für unsere Tage unmiitel- bare praktlslde Bedeutung. Die ehemaligen Kriege zwischen Kantonen und Eidgenossen haben ausgehört, in der Eid'genosiensckiaft wirken die 23 Kantone zusammen für die Blüte und Sicherung deS einigen Bundesstaates. Ist es nicht in dem gleichen föderalistischen Deutschen Reiche ebenso, wo ein Krieg der einzelnen Staaten gegeneinander ausgeschlossen ist? Warum sollten nicht in der gleichen Werse vi« Vereinigten Staaten von Europa, der europäische Staatenbund. aufgerichtet und so die unhaltbare„GleichgewichtStHeorie", die ihr« große Mitschuld an diesem Kriege hat, ein für allemal abgetair werden? Findet stcb nicht auch heute ein Niklaus von Flüe, der den Völlern den Flieden wiedergibt? Unsterblicher Ruhm für alle Zeiten wäre ihm gesichert! Me öer Rohzucker gewonnen wirö. Bslamulich wird jetzt der bereits angekündigte Versuch ausge- führt, dem allgemeinen Verbrauch Rohzucker zuzuführen. Er bat eine aelblich-bräunliche. braune oder rötliche Farbe, fühlt sich fast wie Sand an und weist einen eigentümlichen Geruch und GcichPack aus. Er ist eben ein Vorerzeugnis unseres bekannten weißen Zuckers, der durch Reinigung iRasfination) aus vbm Rohzucker ent- steht. In Deutschland gewinnt man ihn fast nur au§ der sogen. Zuckerrübe. Es ist dies eine durch passende Zucht auserwählte, in ihrem Zuckergehalt stark angereicherte. Runtellübe, die am besten in gründ- lich vorbereitetem, selten, lehmigen Boden gedeiht. Durch sinnreich gebaute Maschinen wird im März die. Aussaat vorgenommen. Bald zeigen sich die jungen Pflänzchen; wenn sie, d. b. die Rübe, eine bestimmte Größe besitzt, wird sie ein oder mehrere Male„bc- hällselt"; dabei ist der Teil der Pfahlwurzel, der über di» Erde hervorragt, mit Erde zu bedecken. Die Rübe nimmt mählich an Umfang zu. im gleichen Maße steigt auch ihr Zucker« geholt, der je nach der Art der Rübe, Boden. Düngung uiw. 10- 20 Proz. betragen kann. In der Regel wirkt man daraus hin, daß die Rübe nur eine mäßige Größe erreicht. Sobald der Zucker« geholt in ihrer Wurzel aus seinem Höhepunkt angelangt ist, werden die Rüben durch Pflüge oder eigenartig konstruierte Maschinen uiw. aus dem Boden gehoben. Darauf entfernt man die Blätter und schneidet die Krone aus, damit die Rüben bei ihrer Aufbewahrung nicht weiter wachten, da sich sonst ihr Zuckergebair vermindert. In der Fabrik werden die Rüben zuerst einem Röhrensystem zugeführt, in dem ein kräftiger Wasicrstrom kreist. Er dreht und wendet die Rüben nach allen Richtungen und befreit sie von den anhaftenden groben'Verunreinigungen. Nachdem die oberflächlich abgespülten Rüben noch eine Waschtromnrel passiert, rollen sie in die Schnitzelmaschine, deren Messer sie in kleine Stücke zerschneidet. Die Schn'tzel wandern weiter in em durch Dampf erhitztes Bchälteriystem, in dem heißes Wasser das in den Rüben enthaltene Zuckergemisch auslaugt. Die Lauge, dos ist ein dünner Zuckersaft, birgt noch viele fremde Bestandteile; sie hat auch noch leinen ge« nügenden Zuckergehalt. Um die Fremdlinge zu entfernen und den Saft zu verdichten, lvird er zunächst einem chemischen Verfahren unterworfen, und die daraus resultierende Masse dampft man statt in offenen Geiäßen an der Luit— in denen sich der siedende Zucker usw. stark braun färben würde— in sehr luftverdünntem Räume, d. K. in geschlossenen sog. Vakimmapparaten ein. Nach dem Erkalten scheidet sich der Zucker nebst dickem Sirup ab. Letzterer wird durch Schleudervorrichtungen(Zentrifugen) entfernt. Der nun zurückbleibende Zucker ist sandig-pulverförmig; zeigt, je rcach Rüben- ort. den eingeschlagenen Atlfschließungs-, Rcinigungs- usw. Pro- zessen mehr oder minder erhebliche Färbungen und weist daneben einen nicht reinen Geschmack und einen eigentümlichen Geruch auf. Es ist der Robzucker; das Zwischenprodukt, aus dem unser bekannter weißer Zucker erst herzustellen ist. Um den zu gewinnen, wird der Rohzucker von neuem aufgelöst, und um gänzliche Entfärbung, sowie Auömerzung de» Geruches und Geschmackes herbeizuführen, mit entfärbenden und den Geruch usw. beseitigenden Stoffen, wie z. B. mit Knochenkohle und Ochienblui vermischt. Die Mischung wird wiederum gelocht uiw. und die aus- fließende dicke Zuckermaste, je nachdem Hut- oder Platten-(Würfel») Zucker als Fertigfabrikat erzielt werden soll, in entsprechende Formelt gegossen. Wie schon erwähnt, ist der Gehalt des Rohzuckers au riechenschmeckenden Nebenstoffen vom Fabrikolionsverfahren uiw. ab- hängig. Wenn man jetzt Rohzucker dem Verbraucher zuführt, so gehl daS u. a. darauf zurück, daß seine Reinigung usw. viel Arbeil und Zeit erfordert. Werter spiel: auch der Umstand eine Rolle, daß bei der Rohzuckerbcreiiung erheblich mehr Mutterlauge, das ist die bekannte Melasse, überbleibt, die wieder als ausgezeichnetes Bich- futrer in der Gegenwart sehr begehrt ist. zq Der polizeimeifter. Ein russischer P o l i z e i r o ui a n von Gabryela Zapolska. VU. Tazeje« wirst Netze an?.— Aksalow.— WuS mit Fcmk a zeschehen ist.— Klitzki und seine Reisetasche.— Der Kamps mit dem wilde» Tier.— Die zweite Falle. ?lch! Wen sehe ich hier!" rief Hordyj,„Sie sind es, Iwan Jwanowitsch?" „Jawohl!" „Was machen Sie denn bei uns?" „Ich soll hier mit jemand zusammentreffen!" Tiagejew lächelte liebenswürdig, aber in der Seele der- fluchte er Hordyj, den der Zufall gerade aus dieser Seite des Perrons auftauchen ließ. Er hattL gehofft, Klitzki abzufassen, bevor er Hordyj begegnet wäre. Der Zufall hatte es anders gefügt. „Wen erwarten Sie denn?" fragte Hordyj und wickelte sich in seinen Mantel, denn es regnete, und nächtliche Kalte stieg, von den Perronflicsen auf. ,.Ack, einen Verwandten!" Hordyj glättete schneidig seinen Schnurrbart. „Na, na. wir kennen Sie hier schon. Sie sind ein ganz gefährlicher Don Juan. Davon erzählt man im ganzen Gouvernement. Ich bin sicher, Sie kommen zu einem Rendez- vous mit einer schönen Dame." Tagejew hielt es für richtig, diplomatisch zu fein. „Vielleicht!" „Nun, dann kommen Sie zu mir in die Kanzlei! Hier bei Regen und Kälte ist es zu ungemütlich. Oder viel- leicht möchten Sie ins Restaurant, ein Glas Rotwein trinken?" „Nein, ich danke!" Sie traten in die Kanzlei. Die Lampen verbreiteten ein helles Licht. Vom Ofen strömte eine fast unerträgliche Hitze anS. Auf dem Plüschsofa, über dem der melancholische Zar im Hermelinmantel hing, saß ein hochgewachsener Mann mit stählernen Augen in Gendarmerieuniform und rauchte eine Zigarette. Als er die Eintretenden gewahrte, erhob er sich vom Sofa. „Fades Konstantinowitsch Aksakow l" „Fwan Jwanowitsch Tagejew!" Ein Schauer überlief Tagejew. denn er hatte das Gerücht vernommen, daß der soeben zum Assistenten des GouvernementvorstehcrS ernannte Aksalow sein besonderer Feind sei und den Auftrag hatte, ihm speziell auf die Finger zu sehen. „Das bist Du also. Tu Schweinehund!" dachte er, in- dem er dem Gendarm, der sich gleich wieder setzte, die Hand gab. Man führte ein banales Gespräch über alles Mögliche, nur nicht über die Angelegenheiten im Gouvernement, sei es politischer oder wirtschaftlicher Natur. Doch war es äugen- scheinlich, daß keiner der Männer auch nur einen Augenblick daran dachte, was er laut aussprach- Besonders Tagcjcws Gedanken arbeiteten unaufhörlich. Seitdem er Arsakow vor sich sah, hatte sich seiner eine furchtbare Aufregung bemächtigt. Die stählernen Augen des Gendarmen schienen sich. in ihn förmlich einzubohren. Er hatte zwar gemußt, daß Aksakows Ankunft im Gouvernement erwartet wurde, um der„Tage- jewschen Herrschaft ein Ende zu machen"; doch glaubte er nicht, daß das so schnell erfolgen würde, denn er hatte aller» lei Kniffe ersonnen, damit der Gouvernemcntsvorstcher so lange wie möglich ohne Ajjrstcnten bliebe. Indessen stand dieser leibhaftig vor ihm und mit ihm all die Sorgen und Kämpfe, die ihm voraussichtlich bevorstanden. „Daß euch der Henker,— und so weiter," gmg es wie eine Litanei durch Tagejcws Hirn, während ihm von tzwr Stirn der kalte Schweiß herabrann,„aber ich laß mich von euch nicht unterkriegen, ihr schwarzes Gesindel". Er erhob sich von seinem Sitz und ging anS Fenster. Seine Unruhe wurde immer größer. „Erlauben Sie, daß ich auf den Perron gehe! Man ist hier wie in einem Dampfkessel!" Tagejew schlüpfte in den Mantel und ging hinaus. Auf dem Perron ging er aus und ab, schließlich setzte er sich auf eine abseits stehende Bank. Unterdessen begannen Hordyj und Aksakow eilig ab- geriffene Sätze auszutauschen: „Wen erwartet er?" m „Weiß der Teufel! Vielleicht Klitzki!" „Wer weiß!" „Man muß die Begegnung ruhig zulassen und neue Be- weiie rammeln." „Ja! Ja!" Nach einer Weile begann Aksakow wieder: „Wie will er das herüberbringen?" Hordyj zuckte die Achseln; „Ich weiß noch nicht!" „Und Schary?" „Gestern telegraphierte er, daß er auf der Spur sei." „Und zwar'?" „Schary wird uns rechtzeitig benachrichtigen. Wenn nicht, werden wir suchen.. „Ja, ja!"... „Und finden!" Sie lachten. Nun saßen sie still, nur Aksakow pfiff leise eine Vogelmelodie, als zwitschere ein kleines Vöglein in den unbelaubten Fliederbüschen des BahnhofgartenL sein Frühlings- liedchen. Tagejew saß auf der Bank, starrte in die feuchte Finsternis hinaus und sann nach. Seit dem Morgen gellte ihm in den Ohren ein einziger Schrei, den Janka— halb Kind, halb Weib— ausgestoßen hatte, als man sie ins Gouvernementsgefängnis gebracht hatte. Das Mädchen antwortete auf keine Frage. Die Nacht hatte sie in der Kanzlei verbracht, wo ihr auf dem Sofa ein Lager bereitet wurde. Zufammengeduckt und schweigend saß sie da. Sie fragte. nicht, was für ein Verbrechen sie begangen hatte. Mochte sie erraten habe», daß sie mit ihrem unschuldigen Scherz auf ihren Bruder und sie alle ein so schweres Unglück herauf- beschworen hatte, oder daß jener Brief,'den Tagejew in dem Mantel des Bruders fand, der Beweis eines politischen Ber- gehens war,— genug, sie war in dieser einen Nacht gealtert und bis zur Unkenntlichkeit verändert. „Wie verhext!" dachte Tagejew. als er sie am frühen Morgen vor dem Schreibtisch des Gcndarmerievorstehcrs sah. schweigend, die gläsernen Augen in eine nur für sie sichtbare Ferne gerichtet. Das Verhör dauerte nicht lauge. Janka erwiderte kein Wort. Der Hauptmann erhob sich und ließ sie ist ein kleines Stübchen im Souterrain des Gefängnisgebäudes führen. Dort stellte man ihr ein Bett mit einem Strohsack hin. einen Schemel, Krug und Schüssel. Graues Licht strömte durch das nach dem Hof hinausgehende Fenster. Der Hof war von einem verrosteten Gitter abgeschlossen. In jenem Augenblick hatte Janka ein einziges Mal aufgeschrien, als nehme sie Abschied von Freiheit, Jugend und Sonne. Tagejew und die Gendarmen begleiteten die Droschke, die Janka an daS andere Ende der Stadt nach dem Gefängnisgebäude gebracht hatte. Bald darauf wurde es still. (Forts, folgt.) Direktion Max R einh ardt. Deutsches Theater. T: John Gabriel Rorkman Sonntag: John Gabriel Gorkman. nachmitt. 2 Ufir(kleine Preise): Kabale und Liebe. Kammerspiele. VI, Uhr: Das Konzert. Sonntag: G uivän. Fahrn. 2'/, Uhr(kleiie Preise): Minna von Barnhelm. Volksbühne. KS™ Unlei grundbahn Schfinhaueor Tor. T'/a Uhr: Macbeth, Sonntag: Die Statten._ Theater i. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. VI, Uhr: ErdseiBt. Komödiesthays V/,: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7" Uhr; Die tolle Komteß. Sessiucj-Theater. VI, Uhr: Hebe. Sonntag: Liebe. fleutseb. Künstler-Theater. Zum eroten Male: 7 Uhr; Der Kammersänger. Komtesse Mtzzl. Erster Klasse. URANIA Taubdnstraßs 48/49. 4 Uhr(halbe Preise): Im U-Boot gegen den Feind, 8 Uhr: Der Balanhrieg and die befreite Denan. RosesTheater. S'/i Uhr: Hansel und Grotel. VI, Uhr: Der fibclc Bauer. Theater für Sonnabend, den 24. März. Deutsches Opernhaus, Charlottcnb 7 uhr: Die Königin von Saba. Friedrich-Wilhelmstädt Theater. 7-/.u.- Das Dreimäderlhaus'. Gebr. HcrrDt6ld'TheÄtcr T'/.U.: DerSStolz der Familie Kleines Theater r-z.u.: ßerßuuli dkf�kiüemW. Komische Oper vi, uhr: Die Dose Sr. Majestät. Sonntag S'l, Uhr; Heimat. Lustspielhaus uj Die schöne Kubanerin, Mj-gS U.; Als ich noch im FiUgelkleide. Metropol-Theater 10 Min.: Die Csardastürstin. Sonntag'1,3 Uhr: Die Kaiserin. Clrcu»-n JSusclk TSgl. 71/» Sonnt. 3«/, n. 7'/, Uhr. Verwegene Matrosen-Spiele auf 60 FuB hohem Schi fsmast der£uitlei:ec- Alrobalen 3 Gebr. Meinlcke„Ein Moment auf Tod and Leben". Außerdem die bekannten großen MOrz-Sieblaiger, Zum Schlui! d AbendnoUtellung: Riesen-Ftacbt-Viassur-Fantomime Lie vkrsMene IMi Sonnlag S1/, Uhr Die Geierprinzessin. Neues Operettenhaus Eohiffbd.ia. Kassentel.: Nord. 281. vi, u..- Der Soldat der Marie. Besldenz-Thcater. uh/:Die Warschauer Zitadelle. Schlller-Thenter O. ti.u.: Ält-Beiüelberg. Scblller-Th.Charlottenbg. t'/.u.: Die Frau vom Meere. Thalia-Theater. Das Vagabundenmädel. Theater am.Vollendorlpl. 3". Uhr: Wilhelm Teil. 7'/, Uhr: Die Galasehkanonc Theater de» W estena 7-/.U.- Die Fahrt ins Glück Trian on Theater suhr:EiQSll!c![lich.Fa!iiiliEiiyater. WUWN National■ Theater. Köpenicker Str. 68. Moritzpl. 9344. 6 Min. Jannowltzbrüde. Sonntag 3>/, Uhr: „Die. Haabenierebe". Schauip. i. 4 A. v. E. v. Wildenbruch. Täglich'/.8 Uhr: „StadcntenliebclieB". Epcrette i.3'.Uft. Mul.v.W. Bramme. Borverk. ab 10 Uhr ununterbr. geöff. ruieomorz-rn/ve- vea- Kootsrn- Täglich",,S Uhr: PcrMttnllchcs Gastspiel Wanda Treumann Viggo Larsen in ihrem Lustspiel: „Die Schcldangsehe". von William Kahn. Vorher; Das groSa Vaetete-Programm. Morgen letzter Sonntag des M&rzprogramms 3'!, u. T'/s Uhr. ICIITC Nachmittags. LU IC Vorstellung 3'/, Ihr OENDVOSSTELLllSO 71/, Ehr. �|rösster Eefblg! An och bis 2. April Serlim. gin Spielplan CflLflSSiL! |�0TT6USERSTR. 6,| Walhalla-Theater. VI, Uhr: Das Glücksmädel. Tögl. 7% Sonnt. 81/, u. V/, Di« nene Revue in 5 Bildern: Berliner Konzerthaus Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthans-Orchestcrs, Leiter: Komponist Frz.». Blon, Anfang T'/s Uhr. Eintritt 30 Pf. Montag, den 26 Hirz: III. Winter-KOHZCrt des Berliner Sängerverelns(CärillaMolodla, gegr. 1853). 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Ailee» 4j_ Vi'cüi'iikt�Mnnen" P „Deutschland" Berlin 1 ArbelttrrersicbcravtE— Sebfitsew- EOi bairast rnTTfrlcbenr. etrmBe 3. e�T.TT.A iTTTr-S"., r. StvS Furcht vor dtt» U-Booien. Cadiz» 21.?!ärz. Ein englischer und ein italienischer Dampfer, mit Wein und Apfelsinen für England beladen, liegen in Cadiz fest, weil die englische und italienische Mannschaft auZ Furcht vor Unterseeboten nicht weiterfahren will. Der strategifihe Rückzug im Westen. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters Dr. Adolf Köster. M..., d e n 2 2. M ä r z 1 9 1 7. Gegenüber französischen Eutrüstnngsausbrüchen über deutschen SandaliSmus im aufgegebenen Gebiet muß noch ein- mal betont werden, daß die harten Maßregeln gegen das tote franzosische Material absolut notwendig waren, üm deutsches Leben zu schützen. Die schnelle und anscheinend ohne Lerlnst erfolgte Vereinigung der zwischen uns und der feindlichen Front zurückgelassenen Einwohner mit der französischen Armee erregt hier Befriedigung. Ueber die Enitzfindungen der deutscheu Soldaten gegenüber den evakuierten Einwohnern oibt die militärische Feldpostzensur interessante Bufschlüsic, die in den Wochen vor dem Rückzüge besonders streng gehandhabt wurde. Danach finden sich in fast allen Briefen von der Front in die Heimat Hinweise, die tiefcS Mitleid mit dem Schicksal der Einwohner und ihres Eigentums erkenne« lassen. Ter Vormarsch der Franzosen dauert auch heute noch an. Gester» ist kurz vor der Ankunft des Gegners die Ruine E o u c q le Chateau nördlich Soissons gesprengt worden. Die Ruine mit ihren viele Meter dicken Tnrmmauern war ein icealer UnterkunstSplatz für Mannschafte« und Maschinen- gewchre. Die Sprengung geschah mit L8 000 Kilo Sprengstoff durch einen Offizier und vier Pioniere unter eigeucr Lebens- gefahr. Ein großer Erfolg unserer bisherigen Rückzugsbewegung kann heute schon gebucht werden. Immer klarer tritt hervor. daß die Franzoseu zwischen Somme nnd Oise für den Monat März eine gewaltige Osfensivc geplant und bis ins kleinste vorbereitet'hatten. Alle diese Vorbereitungen— der Lau von Bahnen, das Eingraben und Eiuschießen von Artillerie, die Bereitstellung von Truppen und Material— ist hcnte umsonst geschehen. Eine neue Offensive ist in dem neuen Raum wohl erst nach Monaten möglich. Dann aber nuter Be- dillauugcn, die nicht General Nivelle, sondern Hindeiibnrg diktiert. ck Ursachen der Froutverlegnng. Wohin geht die Reise und waö ist ihr letzter Zweck? General v. Blume weist in einer Betrachtung der„Ver- änderung der Kriegslage im Westen" darauf hin, daß die Gegner Deutschlands auf diese Frage allem Anschein nach noch keine Antwort gefunden haben. Er ist der Ansicht, daß wohl erst die Zukunft die„große Frage" klären werde. Gewisse Umstände, die wohl eine Aendcrung der bisher von deutscher Seite- befolgten Taktik ratsam erscheinen lassen konnten, lägen jedoch so offen zutage, daß sie schon heute un- bedenklich besprochen werden könnten. General v. Blume legt dar: Die Verkürzung der Front, die wir erziele», ist schwerlich das Hauplmonv, denn sie bat zur Folge, daß sich die Front des Gegners, wenn er nochrückt, in gleichem Maße verkürzt. Die bei anderen Ilm- stände, unter denen gleichwob l eine Frontverkürzmrg für uns von überwiegendem Vorteil sein könnte, liegen im gegenwärtigen Falle nicht bar. Aber wir haben die starre Form der Berteidignng in befeiligter Stellung auch nicht deshalb gewählt, weil wir ihr an sich einen Vorzug vor anderen Formen zuerkennen, sondern wegen der Borteile, die sie UN« in Anbelracht der Gesamtkriegslage ho». Diese erforderte Sicherung des Gewinnes, den wir im An- fang de« Kiiege! im Weiten erziele hauen, mii möglichst geringen Kräften, um möglichst starke Kräite für die Aufgaben zu er- übrigen, die unser im Osten und Südosten harrten. Dafür war die Elnnabme und die Behauptung einer mit allen Mitteln der Kunst und Technil verstärklcn. m den Flanken gesicherten BerteidigungS- stellung dos geeignetste Mittel. Wir haben zwar anderwärts, na- mentlich bei Gorlice. den Beweis geliefert, daß der Durchbruch einer iolchcii Stellung sür lüchlige Truppen mit Hilfe einer überlegenen Artillerie auSsührbar ist. Wie groß aber seine Schwierigkeiten nnd die mit ihm verbünde»«» Verluste sind, da« haben unsere Gegner im Westen bei ihren durchweg mißglückien Unlerncbmungen dieser Art erfabren. Ihnen fehlie allerdings bis in den Sommer de« vorigen Jahre« eine wesentliche Vorbedingung de« Erfolges, die Ueberlegenbeit an materiellen KriegSmitteln. besonder« an schwerer Artillerie und Munition. Seit sie diesen Mangel mit Hilfe Amerikas und Japan« ausgeglichen haben, konnten wir uns zwar auch noch behaupten, aber nur unter schweren Verlusten in unseren vorderen Grabenstcllungen. Run wissen wir. daß unsere Gegner seit Monate» vor gewissen Teilen unserer Front Taufende von schweren Geschützen mit einer unerschöpflichen MiinitionSmenge angehäuft und mit einem gewalti- gen Auiwand von Zeit und Kräfte» die sorgfältigsten Vorbereitungen sür einen Angriff mit überlegenen Massen getroffen haben. WaS kälten wir wohl sür Veranlassung, den von ihnen gesuchten Eni- i.cheidungSkampf in einer Loge anzunehmen, in der wir voraus- sichtlich den Sieg nur mir unverhältnismäßig schweren Lpiern, überdies mit-weiselbaitcr Ausficht auf seine voll« strategische Ver- Wertung gewinnen würden? General v. Blume sagt zum Schluß: Die unter Verzicht auf die Initiative lange durchgeführte Defensive hat ihren Zweck erfüllt. Jetzt kommt alles darauf an. für den Entscheidungskampf, die Absichten und Vorberei- tungcn der Gegner vereitelnd, Verhältnisse herbeizuführen, die nack/ Zeit und Ort sowie nach den Eigenschaften der beider- seitigen Streitkräfte und ihrer Führer für uns möglichst günstig sind. Alles andere ist Nebensache. » Feindliche Kriegsberichte. Französischer Bericht vom 22. März, nachmittags. In der Gegend nördlich von Tergnier habe» ww nach leb- haitem Kampfe unsere Stellungen östlich d«S St. Quentin-KanalS weiter ausgedehnt und den Feind von mehreren energisch ver- teidigten, wichtigen Punkten vertrieben. Südlich der Oise und nördlich von G o i s s o n« sind wir während der Nacht ebenfalls vorgeiückt und haben tro? heftiger Gegenaktion de« Feinde» in der Gegend von Vregny mehrere Dörfer befetzr— Abends. In der Gegend von St. O u e n r i n Patrouillen- icharmützel. Im Norden bestig« Gegenangriffe, um uns vom Ost- uier des Kanal« von St. Ouentin zu verdrängen, das wir besetzt halten. In der Front ElaStreS— MonteSeouri wurden aufeinanderfolgende Angriffe de« Feinde? durch unser Mascuinen- gewehrfeuer gebrochen. Den Dcuiichcn wurden schwere Verluste zu- gemgr. Such westlich la Fsre lebhafte Kämpfe. Sie endeten mit einem vollkommenen Fehlichlag de« Feindes. Südlich der Oise haben unsere Abteilungen die Ailettv a» einigen Punkten über- 'chrinen. Nördlich der AiSne haben die Deutschen chrc» Angriff«» versuch zwischen der Straße van Laon und dem Flusse erneireri. Drer Angriffe aus der Linie Äregny-'EhivreS wurden durch unser Sperrseue: angehallen. In der Gegend südlich der AlSne nahm unsere Artillerie die feindlichen Truppen unter Flanken scuer und fügte ihnen sehr groß« Verluste zu. Englischer Berrchi bom 22. März. Der Widerstand deS Feindes nimmt längs der gesamten Front westlich von S t. Ouentin bis südlich von A r r a S zu. Schwere Schneestürme verstärkten die Schioierigkeilen unsere? Vormarsches. Wir tinter- nahmen eine erfolgreiche Streife nordöstlich von ArroZ und mochten einige Gcsangcne. Der Feind erlitt bei einem Gegenangriff ernste Verluste._ politische Uedersicht. Reichstag. Inneres und Justiz. Im Eegenfatz zum Donnerstag gelang es am gestrigen Freitag erfreulicherweise, den Reichstag auf dem Wage zur inneren Vereinhei.'tichung Deutschlands einen Schritt voran zu treiben. Allerdings erst durch das Mittel des Hammel- sprunys mutzte die kleine Mehrheit von 125 izegen 110 fest- gestellt werden, die sich durch Zustimmirng zu einem national- liberalen Antrag für die II e b e r n a h m e der Wasser- st r a ß e n Teutschlands auf das Reich erklärte. Gegen diesen Schritt zur wirtschaftlichen Stärkung und Ver- einheitlichung des Reiches stimmten, wie üblich, die konser- vative Rechte und das Zentrum, während die liberalen und sozialdemokratischen Fraktionen dafür stimmten. Von unserer Fraktion sprach zu diesem Antrag und zu einem weiteren, von fast allen Parteien mit Ausnahme der Konservativen unterstützten Antrag auf Bereitstellung einer Million zur Ausarbeitung von Entwürfen für einen Großschiffahrtsweg vom Rhein zur Donau unser württembergischer Genosse Feuerstein. Er wies eindringlich auf den hohen wirt- schaftlichem und militärischen Nutzen eines guten Wasser- straßennctzes hin. Genosse T h ö n e empfahl mit guten Gründen auch die Berücksichtigung des Weser-TonauprojekteS bei den Plänen über den zukünftigen Ausbau unseres Kanal» Wesens. Mit der Annahme beider Anträge und der Ablehnung eines konservativen Verschlcpvungsantrages verließ das Haus daS Reichsamt des Innern und wandte sich dem I u st i z- etat zu. Die Erörterimg fußte hauvtsächlich auf mehreren Resolutionen, die vom Hauvtousschuß zur Annahme vorgeschlagen wurden. Es wurden darin Matznahmen gegen die übermäßigen Kriegsgewinne und gegen die KricgSwucherer und Schieber verlangt. Eine weitere Resolution, die ini Aus- schütz von unseren Genossen eingebracht worden war. wünscht weitere Einschränkung der Pfändbarkeit von Lohn- und Ge- Haltsansprüchen. Wegen die Kriegswucherer fanden alle Par- teien sehr scharfe Worte. Von unserer Fraktion sprach Ge- nossr Heine in kurzer wirkungsvoller Rede zugunsten der Resolutionen, besonders der sozialdemokratischen. Er sprach ferner die Hoffnung aus. datz möglichst bald wieder im Frieden das internationale Recht zu Ehren gebracht werden möge._ Rechtsanwalt Schraps. Treiundochtzigjahrig ist gestern in Zwickau Rechtsanwalt Schraps gestorben. Sein Name tauchte Ende der sechziger Fahre und Anfang der siebziger Jahre in der Parteigcschichte episodisch auf, ja er gewann durch die Nähe eines Größeren einen gewissen Glanz. 1867 war RechtSanwall Schraps als Vertreter der demo- kratischen sächsischen Volkspartei in den Reichstag gewählt worden, mit ihm zugleich— als Vertreter dersclhcn großdeutsch-demolran- schert Richtung— der junge Dcechslermeister August Bebel. Wenn von Bebels erster Wahl zum Reichstag die Rede ist, wird neben ihm stets auch der Rechtsanwalt Schraps genannt werden. Fn der Gärung jener Zeit harte sich Dchravs eigentlich nicht zurecht- gefunden, er blieb, was er war: grotzdeutscher Demokrat, aber als solcher ein guter Kamerad. Wiederholt hat er, als Bebel im Ge- fängnis saß, im Reichstag dessen Haftenlassung beantragt, und auch sonst hat er fest zur Stange gehalten, soweit dies mit seinen lieber- zeugungen vereinbar war. Ms nach dem Sturz Napoleons III. die französische Republik den Frieden bot. Bismarck aber zur Eroberung von Elsaß-LoLhringen den Krieg fortsetzte, gehörte er zu den acht, die die Äriegskredite verweigerten. Aber schon bei seiner Wiederwahl im Jahre 1871 stand er so, daß er eigentlich nicht mehr zur Partei gehörte, und zugleich verkling! sein Name in der politischen Geschichte. Schraps war kein Sozialdemokrat und wurde es auch nicht, aber er gehört zu jenen wackern Gestalten au? der Ver- gangenhcit der bürgerlichen Demokratie, deren man sich immer noch gern und mit dem Gefühl des Respekts erinnert. Als Politiker ist er jung dahingegangen und vierzig Jahre lang hat er sich selbst überlebt. Der Handel, der»uit den Dinge« umzugetzen versteht. Liberale und konservative Verfechter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, des privaten Eigentums und des freien Wettbewerbs haben in letzter Zeit gewetteifert, uns zu beweisen, datz schuld an aller NahrungSkalamität nur der leidige KriegSsozialiS- m u s sei. Häite man die Sachen dem freien soliden Handel über- lassen,„der mit den Dingen umzugehen versteht", so ständen wir viel besser da.— In Zeitungen plaudert jetzt der neue Reichs- kammiflar für Fischversorgung, Herr v. Flügge, über die Er- fahrungen, die er mit Fischkonserven gewonnen hat. die bekanntlich noch dem freien Handel unterliegen. Er ist durch die Kaufläden gegangeen und hat dort elf Konservendosen erstanden. Tarauf hol Herr v. Flügge festgestellt, daß jede einzelne dieser Konservenbüchsen eine» Kettenhandel von nicht weniger als zehn Glied« durchlaufen hat, der sie unter andcrm bis nach— Luxem- bürg führte. Den Inhalt der Konfervenbüchseu aber bezeichnet Herr v. Flügge als„Dreck". Wabrlich. ein anschauliches Bild, wie der freie Handel mit den Tingen umzugehen versteht, und sehr crmuiigeiod dafür, ihm wei- icrcn Spielraum zu gewähren! Zuschuß für Kriegsvctcrancn. Ein von allen Parteien gemeinsam eingebrachter Antrag zum Reichsschatzamt fordert ein« außerordentliche Zuwendung an diejenigen Veteranen von 1870/71, die den Ebrcnsold von jährlich 160 M. empfangen. Verbot des Schnapsbrennens. Durch Verordnung des Reichskanzlers wird bestimmt, daß Kartoffeln im Betriebsjahre 1016/17 auf Branntwein nur verarbeitet werden dürfen, soweit sie sich zur menschlichen Ernährung nicht eignen und nicht in einer in unmittelbarer Nähe besiiidlichcn Trockenanlage oder Stärkefabrik verarbeitet werden können. Wir fürchten, daß die letzte Klausel die Möglichkeit zu zahlreichen llmgehungen offen läßt. Bedingte Strafanssetzung. Räch einem ratierlichen Erlaß, den da« Justizministericilblott veröffentlicht, werden die OberftaatS- anwäll« und Ersten Staatsanwälte bei den Landgerichten ermächtigt. solchen Perionen, die zu Freiheitssttake von nicht mehr als t'echs Monaten verurteilt und und, soweit ffe zur Zeil der Tat da« 18. Lebensjahr bereits vollendet halten, noch nicht wegen Verbrechens oder L e r g e h e n s F r e i h e i l s st r a s e verbüßt haben, bedingte Strafaussetzung zu gewähren, wenn auch daS erkennende Gericht sich sür Strafaussetzung auige- sprachen hat.— Der Justizminister hat daraufhin die entsprechenden Ausführungsverordnungen erlassen. Ileber die..Hoben Löhne" de? Krtegtzgesangenen beschwert sich eine Kleine Anfrage, die der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Werner- Gießen cm die Regierung richtet. Ter lippische Landtag bewilligte am 21. März weitere fünf Millionen Mark für Kriegsuntersrützungen/ die durch die Regelung von Schatzanweisungen aufgebracht werden sollen. Letzte Nachrichten. Die Krisgskreüite um sechs Milliaröev in Frankreich überschritten. Bern, 23. Mörz. Schoner Blätter melden auS Pari»: Die Kammer begann gestern die Erörterung der provisorischen Budgetzwölftel für das zweite Bierteljahr 1017 in Höhe von 0 518 013 573 Francs. Nach einer Schätzung dcS Abgeordneten Gardeh übersteigen die rückständigen Ausgaben für Kriegszwecke de» bewilligten Kredit von 5 Milliarden um 11 Milli- n r d e u. Es mühten sofort Mahnahmen getroffen werden, um neue Einnahmequellen zu schaffen. Bolllommeue fiskalische Reformen auf Grund eines allgemeine» Einkommensteuergesetzes seien unbedingt notwendig. Abgeordneter B r o u s s e, Berichterstatter des Ersparnis- ausschufles der Kammer, erinnerte daran, dah bei den letzten Erörterungen über die Budgrtzwölstel von den Unterstaatssekretären des Krirgsministeriums Ersparnisse versprochen worden seien, die getroffenen Maßnahme» jedoch kein befriedigendes Ergebnis gehabt bätten. Es handle sich besonders darum, die Offiziersbestände im LandeSinncrn weiter herabzusetzen. Für Pfcrdeankäuf« in den Bereinigten Staaten von Amerika seine viel zu hohe Preise bezahlt worden. 20« Millionen seien uunlltzer- weise für Geschosse ausgegeben worden, die den Bedingungen des Kriegsministeriums nicht entsprochen hätten. Dir Ausführungen Brousscs wurden oft von Ausrufen und Protestkundgebungen unterbrochen. Die rückst ändi- gen Summen der franzosischen Rente würden binnru kurzem SH Milliarden betragen, während die neuen Steuern nur 60« Millionen eingebracht hätten. Mau müsse neue Steuer» schaffen. Der Staat sollte bei TodeS- fällen eine Erbschaftssteuer erheben, die dem Pflichtteil eines Kindes gleichkomme. Eine solche Steuer könnte jährlich 2 Milliarden abwerfen. Unterredung mit Mljukow. Loudon, 22. März. Der Petersburger Komspondeut des „Daily Telegraph" hatte am Dienstag eine Nnterredung mit MiE jukow. Dieser erklärte, dah alles gut gehe und dah das Land sich rasch an den neuen Zustand anpasse. Es kam die Rede darauf, dah über dir Rrgierungsrrllärung gesagt worden sei, sie habe nicht genug Rachdruck auf den Krieg gelegt. Der Minister sagte, dah der„Krieg bis der Sieg errungen i st, den Grundton und ausschlaggebenden Faktor der Lage bilde. Einigkeit und Freiheit, um den Sieg zu erringen, sei jetzt dir Politik des ganzen russischen BolfrS. Mijulkow sagte ferner, es sei noch zu früh, um über die Wir- kung der Revolution aus die auswärtige Politik Rußlands zu sprechen, aber er sei davon überzeugt, daß Rußland stärker fei als je. lieber eine Aendcrung der Politik gegenüber Polen fei nach der Abdankung des Zaren noch kein Beschluß gefatzt worden. Das Versprechen cinrS freien wieder geeinigtc» Po-" l e n s unter dem Szepter des russischen Zaren verlange jetzt natür- lich eine Revision, aber in diesen unruhigen Tagen habe man noch keine Zeit gehabt, über dir A u g e l e g« n h ei t zu beraten. Er habe keine Sorge wegen des Aus-' schusses der A rb e i t e r a b g eo r d n et« n. Die Abgeordneten fände» sich in den verschiede««» Verwaltungszweigsn allmählich xurecht und die praktische Arbeit werde ihre» Radikalistnus wohl etwas dömvsen und ihren Horizont erweitern. Di« Regierung beabsichtige, Geld sür die Fortsetzung des Krie- ges aufzunehmen und die Lebrnsmittelvorräte, die überall im Lande verborgen und aufgestapelt seien, mit B e- schlag zu belegen. ES stehe bereits fest, dah die Frauen sich an der Wahl für die konstituierende Bersamm- lang beteiligen werde». Bei eingreifenden Beränderttngeu sei das Fra urnwahlrecht ganz selbstverständlich. Ausglerchsbersuche iu der Hvmr Rule-Frage. Rotterdam, 23. März.„Rieube Rottevdomsche Couwnt" gibt eine Darstellung der gestrigen Debatte im Unterhause, aus der hervorgeht, daß man einen Ausgleich in der irischen Frage herbeizuführen bemüht ist. B o n a r L a w sagte, die Haltung Red moniS und Carsons verursache nicht so viel Schwierigkeiten wie die ihrer Anhänger. Er würde Irland morgen Home Rule geben, wenn ein einheitlicher Vorschlag gemacht würde. Er schloß mit den Worten: Wir haben be- schlössen, daß es trotz der damit verbundenen Gefahre» die Mühe lohnt, auf die eine oder andere Weise aufs neue zu trachten, einen Ausgleich herbeizuführen, l Lauter Beifall.) Das Haus kennt die Schwierigkeiten, daß es ein wenig Ge- duld haben wird.(Hört! hört!) Wir finden es für gut, einen Versuch zu unternehmen, gleichgültig, ob er glückt oder miß- lingt.(Beifall.) Hierauf versprach A s q u i t h in einer furzen Rede seinerseits jede mögliche Unterstützung. Neuer russischer Marinemmister. Genf, 23. März. Räch einem Telegramm der Agence Habas hat die provisorische Regierung den Konteradmiral Zedrow zum Marinemin iste r ernannt und den Admiral Maxemow zum Befehlshaber der baltischen Flotte. Amerika und Rußland. Washington, 23. März.(Reutermclduug.) Das Staats- bepartement macht die formelle volle Anerkennung der neuen russischen Regierung durch die Vereinigten Staaten bekannt- Amerikanische Ausmusterungen. Amsterdam, 23. März. Ei« hiesiges Blatt meldet aus London, dah das amerikanische Mariuedepartement 74 000 Man» sür die Flotte ausheben wird. Ter Senat vo» Ohio hat ei» Gesetz angenommcn, das alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren verpflichtet, sich sür die Musterung,» m M i l i- t ä r d i r n st zu melden. Die Revolution auf Kuba und die Dadakkultur. Amsterdam, 23. März. IX- U.) Aus Tabakskreise» in Ha. vaima wird unterm 22. Febrnar über die Folgen der Revolution ans Kuba in der Tabaksknltvr geschrieben: Die Revolution hat sich über die ganze Insel auSgebmtet. Ter Telephon, und Tele- grapbenvertehr ist vnterbrochen und die Züge fahre» nicht weiter als bis Santa Elara. Tie Plantage» der Henrp Elalt- und Bock. Eompanh in Tarbico und Saint Louis wurden in Brand gesteckt; große Mengen Tabak sind hierbei vernichtet worden. Vermutlich ist die ganze Ernte in Verlust geraten. In de» andere» Distrikten haben die Pflanzer gröhtentrils ihre Arbeit auf de« Feldern im Stich gelassen, um sich der revolntiouSrrn Bewegung anznfchliehrn. Gewerkschastliches. Deutsches Neich. Tie Beschäftigung erblindeter Krieger in Handels- vnd Andnstriebctriebcn. Des sächsische Ministerium des Innern kiat an die sächsischen Aandelskammern sine Verordnung erlassen, sich zu der Frage der Beschäftigung erblindeter Krieger in Handels- und Industrie- betrieben zu äußern. Die Leipziger Handelskammer hat sich be- rcirs in ihrer letzten Sitzung mit der Frage beschäftigt. Der Syn- dikus der Kammer, Iustizrat Dr. Wcndlandt, bericktetc darüber folgendes.- Die praktischen Erfahrungen, die man in nun schon mehr als zweijähriger Kciegszeit habe sammeln können, haben gelehrt, daß insbesondere iui Fabrikbetriebc eine stattliche Anzahl verschie- dentlichstcr Arbeitsleistungen den KriegSerblindcten anvertraut werden können, und zwar nicht nur solche, die ausschließlich mit der Hand zu verrichten seien, sondern auch solche, zu deren Ausführnn- gen sich der Blinde der Maschinen bedienen müsse. Die staatlichen Kriegsbetriebe, namentlich die Munitionsfabriken, aber auch zahl- reiche private industrielle Unternehmungen, wie Elektrizitäts-, Fi garren-, Maschinen- usw. Fabriken, hätten bereits durchaus befrie digende Versuche gemacht, die auch den beschäftigten Blinden die Genugtuung gebracht hätten, in nutzbringender Verwendung chrer Arbeüskraft beachtenswerte Löhire bis zu etwa 5,50 M. den Tag zu verdienen. Von der einfachen, gefühlsmäßigen Arbeit des Sor- tierens und VerpackenS bis zur feinen Präzisionsarbeit werde von den Blinden in den verschiedensten Abteilungen am Tisch und an der Maschine durchaus gewipcnhaft und mit sichtlicher Befriedigung gearbeitet und zahlreich seien die Kundgebungen, die von feiten der Betriebsleitungen über die zufriedenstellenden Leistungen der Kriegs- erblindeten laut geworden seien, nicht minder zahlreich die Aeuße- rvngen der Befriedigung durch die Blinden selbst, namentlich solcher, die wieder ihren früheren, von Jugend auf erlernten und ausgcüb ten Beruf zugeführt werden konnten.— Nicht ganz so einfach und leicht durchführbar lägen die Verhältnisse hinsichtlich der Einstellung KriegSerblindeter in die rein kaufmännischen, d. h. in die Kontor betriebe. Man werde hier unterscheiden müssen zwischen mecha- nischer Hcmdarfieit und zwischen selbständiger Kopfarbeit, sowie einer teilweisen Verbindung beider. Man werde ferner berücksichtigen müssen zwischen solchen Erblindeten, die bereits in kauftnännifchen Betrieben gewirkt haben, und solchen, die als Neulinge eintreten wollen.— Als rein mechanische Arbeit, die man Blinden zuweisen könne, dürfte die Maschinenschrift verbunden mit dem Parlograpben, der Stenographicmascbine und dem Diktaphon usw. und die Be dienung kleiner Telephonzentralen in Betracht kommen. Auch auf diesem Gebiete seien schon beste Erfahrungen gemacht worden, auch hinsichtlich des erzielten Gehaltes(durchschnittlich etwa 100 M. monatlich). Ganz besonders günstig lägen die Verhältnisse für den Blinden bann, wenn er imstande sei, mit seiner Maschine nicht nur Diktate zu übertragen, sonder,: selbständige Kopfarbeit mit ihrer Hilfe zu vermitteln, etwa als Korrespondent. Gehälter bis zu 200 M. seien bisber für solche KriegSerblindete gezahlt worden. Auch höhere seien gewährt worden, wo es sich z. B. um die Verwendung als Bankbeamter, als juristischer Beirat usw. handelt, Posten, die auch von früheren Offizieren jetzt eingenommen worden seien. Auch auf allen diesen Gebieten lägen die befriedigendsten Zeugnisse so- wohl von Arbeitgebern als auch von Arbeitnehmern vor, auch hin- sichtlich des gesundheitlichen ZustandcS der Erblindeten, da von den ärztlichen Beratern dafür gesorgt werde, daß solche Erblindete, die noch nicht völlig hergestellt seien, deren Nervensystem nach den Schrecknissen des Schlachtfeldes und nach den Leiden ihrer Vcrwun- dung noch nicht völlig wieder erstarkt ist, noch nicht zur Ausführung einer praktischen Berufstätigkeit schreiten. Tie Lvhnverhältuisfe in der Binnenschiffahrt. In diesem Jahre soll die Binnenichiffahtt mehr als bisher zur Entlastung der Eisenbahn herangezogen werden. Wenn dies erfolgrcick gesckeben soll, so ist die llcberweiiung von fach- kundigen Mannschaften die Borbedingung, denn an Kahnraum man- gelt es nicht. Die Bebörden sind den Unternehmern bisher auch schon in großem Maße entgegengekommen. Bon der Organisation der Binnenschiffer ist wiederholt nach- gewiesen worden, daß der Mannschaftsmangel seine.Hauptursache in der schlechten wutschastlichen Lage der Schiffsmannschaften hat. die dadurch gezwungen wurden, sich anderweitig lohnendere Beschäfti- gung zu suchen. Die gegenwärtigen Lohnverhältmsje find folgende: Auf der Elbe werden Löbne inkl. Kriegszulage von 140 bis 145 M. für Bootsleute und 160 bis 170 M. für Steuerleute gezahlt. Schlechter sind die Löhne noch auf der Oder. Tort erhalten die Bootsleute rnkl. aller Zulagen 122 bis 127 M., die Steuerleute 145 bis 153 M. Es bandelt sich um M o n a t S l ö h n e! Dabei muß in Be« trochl gezogen weiden, daß die verheirateten Mannschaften mit diesen Löhnen einen doppelten Haushall sübren müssen. Mir diesen Löhnen auszukommen ist den Mannschaften einfach unmöglich, und so haben sie Mitte Februar durch den Trans- portarbeiterverband den Unternebmern mitteilen lassen, daß sie eine Erhöhung der Löhne fordern, und zwar für BoolS- leute 160 Mark monatlich und für Steuerleute 18 0 Mark. Die doch sicher bescheidenen Forderungen sind von dem Arbeitgeberverbond für Binnenschiffohrt abgelehnt, der es nicht einmal der Mühe wert hält, darüber in Verhandlungen einzu« treten. Die Hoffnung der Reeder beruht darauf, daß die Behörden ihnen die erforderlichen Arbeitskräfte wie bisher zuweisen, ohne Rücksicht auf die Lohiiverhältmsse. Hoffentlich gehen die Behörden endlich einmal den wirk- lichen Ursachen des ständigen MannschastS- mangels in der Binnenschiffahrt auf den Grund und sorgen da- für, daß solche Löhne gezahlt werden, die den Mannschaften die Exrstenzmöglichkeit geben. Die Schiffahrt wird jetzt überall wieder aufgenommen und die Unternehmer treten jetzt an die Behörden heran, ihnen Mannschaften zu überweisen, da dürfte es an der Zeil sein, sich einmal auch um die Lohnverhältniffe der Mannschafren zu kümmern. Denn werden diese gebessert, so ist' auch die Lösmig der Mannschaftsfrage nicht mehr so schwierig,___ Abkchrschein und Abgangszeugnis sind stets getrennt auszustellen. Auf einen in Unternehmcrkreisen verbreiteten Irrtum über die Ausstellung des Abkehrscheins mächt der Berliner Gewerbe- richter Dr. Schalhorn im amtlichen Organ der Kaufmanns- und Gewerbegerichte aufmerksam. Danach glauben viele Unternehmer, Zeugnis und Abkehrschein in einem Dokument vereinigen zu können. Ein dezartiges Verfahren ist aber ungesetzlich. Wahrend der Abkehrschein die Art der Lösung des Arbeitsverhältnisses er- kennen lassen soll, ist im Zeugnis gerade diese Kennzeichnung unzu- lässig. Die Bekanntmachung über das Hilfsdienstgesetz betont auch ausdrücklich, daß der tzlbkehrschein»auf einem besonderen, von den Arbeitspapieren getrennten Blatt zu erteilen" ist. Unternehmer, die hiergegen verstoßen, können, worauf Dr. Schalhorn hinweist,, vom Arbeiter wegen Schaden- ersatzes m Anspruch genommen werden. Serlin uns Umgegend. R«s dem Jahresbericht des Buchbinderverbandes. Tie Zablsiclle Berlin des Buchbindeiverbandes konnte am Schluß des Jahres 1016, dank der Lrgauisalionsireue der Mit- gbeder und der unier den gegenwäitigcn Verhältnissen nichi Icichlen Werbetätigkeit, mit Befriedigung auf das Ergebnis der Organi- sanonsarbeil zurückblicken. Es wurden 1426 männliche und 8520 vetbitche Mitglieder gezählt, das ist eine Zunahme von 84 Mit» gliedern. Die Zunahme wäre eine größere, wenn»icSi ein Deik' der Mitglieder abgewandert wäre. Dadurch wurde die Beibtnduug zwischen diesen Kollegen und dem Verbände gelockert, vielfach wird dann das Bezahlen der Beiträge verbummelt und auf ein Nachzahlen ist nicht zu rechnen. In der Luchbinder- und Geschäftsbuchbranche war im Berickisjabre die Beschäftigung bedeutend besser als im Jahre 1015. Wegen der Teuerungszulagen kam es ini Mai 1016 zu den bekannten Vereinbarungen. Kurz danach gelang es. mit dem Verein Berliner Buchdrnckereibesitzer einen besseren Abschluß zu er- zielen. Neue TeuermtgSziilagen wurden dann im November durch Vereinbarung mit dem Verein Berliner Buchdnickereibesiyer und im Dezember durch Vereinbarung mit dem Verband Berliner Buchbinderei besitzet erreich!. Bei den Vereinbarungen mit dem Verein Berliner Buchdruckereibesitzer sind die Geschäkisbuckifabriken eingeschlossen. Die Geschäfisbücherfabriken wenden sich immer der Herstellung von reinen Buchbinderarbeilen zw Aus diesem Grunde und aus anderen Gründen wurde im Juli für die agitatorische und vrganitatorische Arbeit des Verbandes die Zusammenlegung der Btickbindet blanche mit der Geschäftsbuchbranche vollzogen. Nach nunmehr halbjähriger gemeinsamer Arbeit kann gesagt werden, daß der Zusammenschluß im Interesse beider Teile lag. Der richtige Erfolg dictcr Maß nähme wird sich allerdings erst im Frieden zeigen. Insbesondere bei Erneuerung der bestehenden Tarftverträge.— Die Geschäfts- buckbranche halte flott zu tun. Sie leidet ständig unter Gehtlfen mangel. Die Zahlung der letzten Teuerungszulagen ist ohne erbebliche Schwierigkeiten vonstatten gegangen. Nur einzelne Großbuch bindereieu versuchten eine Verklautulierung gelegentlich der Feiertags Verrechnung. Das Personal bedeutete ihnen aber, daß es eine der- artige Schädigung nicht rubig aus sich nehme. Deshalb erfolgte auch hier noch Verhandlungen die glatte Bezahlung. Auch wegen der tariflichen Akkordzahlung entstanden Streitiglciteit, die erledigt werden mußten. Die Beschäftigung von Kolleginnen mit Gehilfen- arbeit hat immer weiter um sich gegriffen. Ein Antrag, den Spezial- arbciterinnen für Gchilfenarbeiten 3 Pf. für die Stunde mehr zu bewilligen, war abgelehnt worden. In der Album-, Mappen- und Galanterie- brauche war die Tätigkeit ün Berichtsjahr hauptsächlich darauf gerichtet, unter den Beschäftigten den Organiiationsgedanken zu festigen und auszubreiten, um bei einer eventuellen Tarisknndigtmg geschloffen dazustehen. Zunächst wurde eine TeuerutrgSiulage erzielt, der später eine neue Zulage folgte, die alletdings erst im Januar 10!7 in Kraft trat. Es wird erwartet, daß der Tarifablauf (1. Juli 1017) eine durchgreifende Befferung der Lohnverhältniffe bringe» wird. Die Agitation für den Buchbindcrverband und für eine durchgreifende Besserstellung der Kollegen und Kolleginnen nimmt tn der Branche regen Fortgang. In der Kartonbranche war, soweit eS die Post- und Be- zugbranche betrifft, der Geschäftsgang kein besonders günstiger. Es trat sogar die Befürchtung ein. daß durch Materialmangel früher oder später die Beschäftigung vollständig aufhören würde. Das ist ja nun nicht eingetreten, da Material immer noch genügend vor- Händen ist. Immerhin wurde dos Personal in einer ganzen Reihe von Betrieben bedeutend vermindert. Der Grund der schlechten Ge- schäftskonjiniktur liegt wohl darin, daß die Konfektionshäuser usw. infolge der behördlichen Beschränkung beim Verkauf mir in geringer Zahl Aufträge aufgeben. Bedeutend besser waren die Kartonnagenabtciiungeu in den Zigarettenfabriken daran; sie hatten vollauf Beschäftigung. Da tu diesem Zweige der Branche bisher über die Entlohnung noch keine Abmachungen mit den llnternebmern getroffen waren, versuchte die Branchenleitung, mit den Zigareitensirmcn Löhne und einheitliche Preise für die einzelnen Akiordarbetter festzulegen. Die Fabrikanten verwiesen die Btanchenleitung an den Unternehmerverband für die Zigaretten- fabrtkanten Groß-Berlins. Dieser Verband erklärte die gegen- wältigen Verhältnisse nicht für angetan, um einen Taiifabichluß zu vollziehen. Eine Basantmlung nahm zu der Aniwotr Stellnug und beauftragte die Branchenleitimg, nochinal an die Fabrikanten heranznireten. Die Zentralkosie haite im Jahre 10>6 eine Gesamteinnahme von 117 006 M., der eine Ausgabe von 116 404 M. gegenüberstand. Der Rest von 1412 M. wurde für das nächste Jahr am Ort behalten. Die Lokalkasse hatte am 1. Januar 1016 einen Bestand von 93 561 M. Einickiließlich diestS Bestandes betrug die gesamte Jahreseinnahme 148024 M. Räch Abrechnung der JahresauSgabe von 50 308 M. verblieb om 1. Januar ein Bestand von 07 716 M. Mus öer Partei. Der Untcrsecboot-Jnteriiutiona ist. Julian Borckiardt wird sich demnächst rühmen können, mit der Zahl derer, die von ihm ab- gerückt sind, den Rekord des Grasen Hoensbrocch geschlagen zu haben. Ter ganzradikalc Duisburger„Kampf" erklärt den früher so heißgeliebten Jitlian jetzt plötzlich für einen„Gegner" seiner Richtung; ja selbst die Berliner Arbeilsgemeinschaftler behandeln Borchardt nach AnSweiS der letzten Rummer ihres„MiueilungS- blaltes" nrii entschiedenem Mißtrauen. Bei ihnen wird aber jeder Abichüitelungsveriuch vergebens sein. Denn noch zu genau ist in Erinnerung, weiche wichtige Führcrrolle der internationale Untersee- bool-Held bei den Groß-Betliner Partei kämpfen auf seilen der Unentwegten geipielt bat. Namentlich auS den Allen des.Kreises Tcltotv-Beeskow lteße sich dafür manch interessanter Beleg bringen. Flucht ans Regierung Sorga». Nach seinem Abgang von der Dresdener Volkszeuung* ist Hermann F l c i ß n e r Mitarbeiter der„Sächsischen StaatSzeitung", des offiziellen Organs der sächsischen l)t e g i e r u n g geworden. Und zwar hält er es ür geschmackvoll, diesem Blatt eine Erklärung zu übersenden, in welcher der innere Parteistreu nach Kräften breitgetrcleir wird, wo- bei eS an den üblichen Aus-ällen gegen die alte Partei nicht feblt. Die Aibeitsgemeilischaftler haben sich in letzter Zeit angewohnt. wenn ihnen die fachlichen Argumente ausgehen, den„Bonvarts" ein RegierungSorgon zu schimpfen. Bei ihnen selbst scheint doch aber der Zug nach wirklichen Regicrungsorganen recht. stark vor- Händen zu fem._____ Mus Inöustrie und Handel. Es wird glänzend weiter verdient. Der Geschäftsbericht der Gclsenkirchencr BergwerkS- aktrengesellschaft. dessen wichtigste Ziffern bereits erwähnt wurden, zeigt, wie ungerechtfertigt das Geschrei nach höheren Eifen- und Kohlenpreisen ist: Abschreibungen... Reingewinn... do. einschl. Vortrag. Dividende... do. in Prozenten.. Rückstellung ssir Ueber- tührg. in Friedeusw. Besondere Rücklage.. Unierstützungslonio.. Auisichtsr.-Tanttöme. Neuvortrog..... Dabei ist zu berücksichtigen, daß auch die Gelicnkirchcner Berg- wet ks-Aktiengeicllt'chaft, wie alle Jiidustrieunlernchinungen, in der Anhäufmig stiller Reserven nicht müßig gewesen ist. Ter Verband der Getreide- und Fuitermittelveremiguitgen— ein etwas undeuischer Ausdiuck, da sich weder Getreide noch Futtermittel vereinigen können— gibt eine neue Zeitschrift„Der Getreidebandel" heraus, der natürlich die Susschaltung des freien Handels bekämpft. Der Griff auf die ausländischen Wertpapiere. Ueber die neue Bundesratsverordnung, die den deutschen Besitz an ausländischen Wertpapieren dem dringend notwendigen Schutz unserer Währung dienstbar machen toll, wird nütgetetll: Der Reichskanzler wird ermächtigt, anzuordnen, daß aus- ländisch? Anleihen. Obligationen, Aktien und Urkunden über einen ausländischen Aktienbesitz dem Reiche überlassen werden müssen. Bevor eine zwangsweise Ueberlassung jedoch in Kraft tritt, wird dem Inhaber ausländischer Wertpapiere eine Frist bewilligt, in der er setnen Besitz selbständig verkaufen kann. Der Verkauf aus- ländischer Wertpapiere darf nur durch Vermittlung der Reichsbank oder durch einen gewerbsmäßigen Bankier erfolgen. Diese kurze Mitteilung erlaubt noch keine eingehendere Beur- leilung der eintchnetdenden und wichtigen Maßnahme. Sehr aus- fällig ist aber, daß nach den bisherigen Mitteilungen die neue BundeSratsverordnung nicht den Weg gehen wird, der vor kurzer Zeit erwähnt wurde. Damals wurde dem Bundesiat unterstellt, er beabsichtige zu verordnen, daß die Besitzer ausländischer Wert- papiere ihren Kapitalbesitz nicht an das Reich verkaufen, sondern gegen die relativ hohe Leihgebühr von 1 Proz. des Minimalwcrtcs an das Reich borgen sollen._ Unrafsintcrtcr Zucker. Man schreibt uns:„Schon seit mehreren Jahren wurde von nanchaften Aerztcn darauf hingewiesen, daß der chemisch reine, raffinierte Zucker der Gesundheit nicht zuträglich ist. Ich erinnere nur an die Ausführungen des bekannten Zahnarztes Dr. Kuhnert, Breslau, der bewies, daß der dauernde Genuß von weißem Rüben- zircker Entkalkung der Zähne und des ganzen Körpers hervorruft, als deren Folge fdilcrftte Zählte. Rachitis, Nervosität usw. zu nenn at sind. Der weiße Zucker braucht zu seiner Assimilatton ün mensch- ltchen Organismus Kalt, den er dem Körper entzieht, wodurch be- sonders Knochen und Zähne an Kalk verarmen. Es wurde daher vielfach vorgeschlagen, statt des weißen Zuckers, der außerdem noch mit dem giftigen Ultramarin gefärbt ist, den unrafftnierten Ko- lonialzucker, der aus dem tropischen Zuckerrohr gewonnen, einzu- ftchren. Er wurde auch tatsächlich in ziemlich großen Mengen in Deutschland eingeführt. Auch versuchte man, und zwar mit bestem Erfolg, den unrafftnierten Rübenzucker, der noch die meisten der für die menschliche Ernährung so wichtigen Nährsalze enthält, zu verwenden. Ich selbst habe ifin jahrelang ausschließlich in meiner Familie gebraucht, auch für Säuglinge, und kann nur sagen, daß er dem weißen Zucker an Geschmack, Aroma und Bekömmlichkeft bei weitem überlegen ist. Ter bekannte schwarze Kandis wird ja auch aus ihm hergestellt, ohne Rasstitatton. Alw feine unnötige Aeno't- lichkcitl" Soziales. sskcchtsveretuhertlichung. In Heft 9/10 dsS„Plutus" fordert Dr. Ernst Emil Schweitzer (Breslau) eine methodische Nachprüfung der grundlegenden Bestimmungen unserer Kriegsrechte und wünscht, daß überall da, wo schwerwiegende Zweifel grundsätzlicher Art bestehen, eine authentische Gcsetzesauslegnng gegeben werde. Dieses Verlangen gründet sich auf die Tatsache, daß in überaus wichtigen Fragen eine ganz ein- wandfrcic Auslegung von Vorschriften einer Reihe von Bundesrats- Verordnungen immer noch nicht möglich gewesen ist. Beispielsweise hat eine Reihe von Gerichten sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Unterbrechung der gegen einen Kriegsteilnehmer anhängig gemachten Klage ntü der Zustellung der Klage beginne. Zugestellt müsse jedoch die Klage zuvor werden. Ändere Gerichte haben sich wieder auf den Standpunkt gestellt, daß die Unterbrechung des Verfahrens auch die Zustellung der Klage an den Kriegsieilnebmer nicht zulasse. Die Absicht des Gesetzgebers sei gewesen, die Bornahme von Prozeßhandlungen, also auch die Zustellung der Klage, für un- zulässig zu erklären. Daß durch die Nichizustellung der Klage auch materiell rechtliche Folgen entstünden stellte Unterbrechung der Vor- jährnng, keine Rechtsanhängigkeitszinsen usw.) müsse als gleichfalls beabsichtigt angenommen iverden. Kriegsteilnehmer sollten eben vor Prozessen und chren Folgen bewahrt werden. Auch die Frage, ob die Einberufung zum Heere unverschuldetes Unglück im Sinne des Handels-Gesetzbuches sei, ist bisher nicht ein- heillich geklärt worden. Das Obcr-Landesgericht Köln bat sich z.B. gegen die Auffassung des Kcnnvtergerichts gewendet, wonach die Ein- Berufung zum Kriege niemals ein solches unverschuldetes Un- glück sei. Nach 214 Jahren Krieg sollte es eigentlich keine Zweifel mehr geben, ob ein Kriegsteilnehmer verklagt werden kann oder nicht. Nach 2?4 Jahren Krieg müssen sowohl der Prinzipal, dessen An- gestellte einberufen werden, wie diese selbst wissen, welche Rechts- pflichten und welche Rechte die beiden Parteien gegeneinander hab-n und es dürfen diese Rechtspflichten und Rechte nicht ein Zufallsspiel sein, daS sich erst entscheidet, wenn daS Kaufmannsgericht in seiner jeweiligen Zusammensetzung gesprochen hat. Man muß Schweitzer zugeben, daß hier in der Tat der Krtegs-Gesetzgebung noch wichtige Aufgaben zur Lösmig bevorstehen. Wissenschaft uitd Praxis haben Zeit genug gehabt, Fragen des Kricgsrechts dieser Art zu erwägen und der Gesetzgeber kann hieraits nun seinerseits das Ergebnis ziehen. Viel kostbare Arbeitskraft, viel Sinnt und manche Enttäuschung kamt erspart werden, wenn hier in Fragen solcher Art. durch eine Bundesratöverordtumg, oder am besten durch besonderes Gesetz des Reichstages, eine authentische GesetzcSausleguuz gegeben wird, die klarer und durchsichtig die Anwendung des Rechts für jeden ermöglicht. Organisierung der Sammelladungen in der Berliner Holz- Industrie. Ein bemerkenswerter Versuch des organisierten Massengüter- Verkehrs zur Abhilfe der Tronsporinot ist von der Berliner Holz- industrie gemacht worden. Auf Anregung der Handwerkskammer hat die Tiichlcr-Jnnung zu Berttn mit der Königlichen Eisenbahn« direktion ein Abkommen aeiroffen, wonach die früher als Einzel« sendttngen aufgegebenen Möbel und dergleichen zeitweilig gelagert werden, bis sie als Sammelladung binausgehen können. Zu Metern Zweck bat die Eisenbahndirektion auf dem Schlesiscden Güterbalinbos einen Schuppen unentgeltlich bis auf Widerruf zur Verfügung gestellt. Irgendwelche Haftung für Verlust und Beschädigung der eingelagerten Güter, z. B. durch Diebstabl. Feuer oder unsachgemäße Be- Handlung, übernimmt die Eisenbahnverwaltung nicht. Die Annahme der fraglichen Güter erfolgt nicht mehr wie sonst auf den einzelnen Güierannahinestellen, die Versender haben sich vielmehr lediglich an die Innung lteztw an einen Beauftragten derselben zu wenden. Die Einrichtung, die für eine Reihe der Beteiligten wegen der Beichrän- iung der Eütcrabliescrung aui einen einzigen, ziemlich abgelegeneu Bahnhof freilich auch gewisse llnbeouemlichkeiieu mir sich bringt, bat sich nach dem Urteil der Handwertskammer bereits ausgezeichnet be- währt. Völlige Ausnutzung dos Laderaumes, sachgemäße Ber- stauung der Güter und Sicherung der unter den gegebenen Ber- hältntssen bestmöglichen Transportgelegenheiten sind die Borzüge dieses Verfahrens, das wohl auch für andere Gewerbe mit Erfolg anwendbar ist._ «VenerauSftchten für daS niittlere Norddeutschland vi« Sonntag mittag. Zunächst kalt, trocken und vielfach heiter; später vom Stürben nach Süden sortjchreitendc neue Trübung und im Kü'tenzefjiet ge« ringe Niederschläge. Verantwortlich für Volltil i Hermann iNlüller. Temvelbo': für den übrigen Teil b. Blattes. Alfred Scholz. Neukölln; sür Inserate! Tt>. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchbruckeret u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW. Hierzu 1 Beilage and Uuterhaltuogsblatt. Nr. 82. 34. Mraang. Mm lies Jormirtö" Stllimr VolksblM. Ssvnabend. 24. Mm!Nl7. Reichstag. k>0. Sitzung. Freitag, den 23. März. nachmittags l Uhr. Am Bundesralstisch: Dr. H e l f f e r i ch. Kleine Anfrage. Mg. Liszt snatl.> fragt, ob ein Reichsgesetz erlassen werden wll, durch welches die beschlagnahmten Vermögen von F a h li cn f l ü ch t i g e n nach Ablauf einer bestimmten Frist für die Reichskasse für verfallen erklär? werden, falls der Verurteilte sich nicht vorher stellt. Ein Negierungslommissar: Die Erörterungen, die über den Gegenstand slanfinden, sind noch nicht abgeschlossen. Der Gesetzentwurf betreffend Aenderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalgen wird aus Antrag Spahn Hterz« liegt ein Antrag Liesching«Bp.). der auch von Zentrum, Aaiionalliberalen und Sozialdemokraten unterstützt ist, vor, zu den Kosten der Ausarbeitung von Entwürfen für die Herstellung eines Großschiffahrtsweges vom Rhein zur Donau und der Schiffbar« machung des Lberrheins und seiner Verbindung über den Bodcnsee mit der Donau 100 000 M. einzusetzen. Der Abg. Baffcrmanu snall) und Genossen beantragen eine Re- solulion, die den Reichskanzler ersucht, die Uebernabme der Wasser- strotzen auf da? J/teich und die Schaffung eines ReichZmntS für Wafferstratzeu in die Wege zu leiten. � Eine weitere Resolution des Abg. Graf v. Westarv und Ge- uoffen«t.> wünscht die Einberufung eine-Z AuSichnffes, der prüfen soll, für welche Wasserstratzen im' Interesse des Deutschen Reiches Zuschüsse aus R-ichsmitteln zu gewähren sind. Abg. Mayrr-Kaufbeuren«Z.) begründet den Antrag Liesching. Die Erkenntnis von der Noiwendipkeit deS Grotzi'chifiahriSwegeS vom Rhein zur Dona» über den Neckar ist heute bereits Allgemein- gut des deutschen Volkes geworden. Abg. Feuerstein(Soz.): Der Ausbau der Wafferstratze vom Rhein zur Donau hat nicht nur eine grotze iv i r t s ch a i t l i ch e Bedeutung, sondern auch eine ganz autzerordentliche militärische, wie sich gerade im gegen- wältigen Kriege gezeigt hat. Es wäre von besonderer Wi-tiligkeit gewesen, wenn auf diesem Wege Zuiubren für das Heer hätten geliefert werden und so die Eisenbahnen hätten entlastet weiden tönncn.— Dem Antrag Bassermann stimme« wir zu. Wir müssen am dem Gebiet der VerkehrSeniwicklung alles tun, waS einer Krätiezersplitieruiig enrgegen wirkt. Nur wenn dies sowohl in der Kanal- wie in der Eiienbahnirage geschieht, werden wir den Wirt- ichasli'chcn und militärischen Aufgaben der Zuluust gerecht werden. Ter Antrag Westarp bedeliiet lediglich eine Verschleppung der ichwebeiidkn Kanalprojekte. Wenn es der Rechten ernst ist mit der Forderung der wirrschafilichen Mobilmachung, so sollte fie ihren Wide, stand gegen den Ausbau der Wasierstratzen aiffgeben Wirt- ichasilrche Mobilmachung ist illr unS nichlS anderes, als alle Wirt- schaiil'chen Kräfte im Frieden entwickeln.«Bravo! bei den Sozial- demokraten.). �.................. Abg. List Inatl.) schlieft stch den Ausnihrungsn deS Vorredner» an. Dos Reich mutz den Ausbau der Wafferftratzen regein. Wie- viel schöne Kanalprojekie stnd nicht an dem leidigen Parti- kularismus geicheitert! Die deutschen Wasserstratzen der Zukunft muffen R e i ch S st r o tz e n sein. Abg. Dr. Müller-Meiningen«?p.): Ein leistungsfähiger Rhem- Donau-Woffertveg ist keine bayerische, sondern eine deutsche Angelegenheit— ist doch die Donau geradezu das Zsnrralnerven- iystem des zu k ün fti g e n Mitteleuropas. Auch die anderen Kanalprojekte. der Mittellandkanal, der Weier-Rhe'n-Donau- . Kanal und andere dürfen nicht vernachlässigt werden. Deshalb ist eur ReichSanrl für Wasieisiratzen, wie es der nationalliberale Antrag fordert, notwendig: überflüssig ober, ja geradezu verderblich wäre »eben solchem Amt der von den Konservativen geforderte AuSichntz, der lediglich verzögernd wirken könnte.«Bravo! bei der Volks- Partei.) «og. v. Brockhausen«l): Die preußische Regierung und das vreutzische Parlament haben eine weitsichtige Verkehrs- p o l i r i k gelricben, ohneumdie«Äunst d-rMassen zu buhlen. Dadurch hat Preutzen vorbildlich sür die anderen Bundes- slaaren gewirkt.«Zurui links: Mittellandkanal!> Sie komme» jetzt mit dem''ogenannien Kanal, sagen Sie doch lieber gleich.Kanal- rebell". Die koniervaiive Partei bat stet? alles für die Entwicklung des Verkehrs getan.«Lachen links.) Den nationalliberalen Antrag lehnen wir grundsätzlich ab. Eine Verschleppung der Wafferstratzeu- Projekte bedeutet unier Antrag keineswegs. SroatSsekrerär Dr. Helfferich: Die Verhandlungen mit den betreffenden Einzelregierungen über die verschiedenen Wafferftratzen- projekre schweben noch. Ich hoffe bestimmt, in der dritten Le'ung bereits über das Ergebnis Auskunit geben zu können.«Bravo!). Abg. Thöne«Sor.) be'ürwortet ein Kanalprojekt zur Verbindung der Donau mit der Nordsee über die Wcrra. Der Verein zur Schiffvarmachung der Weira bat sich die grötzte Mühe gegeben, dieS Projekt zur Durchiührung zu bringen. Ick bitte die Regierung. auch dies Projekt wohlwollend zu prüfen.«Bravo.' bei den Sozial- demokraten.)« Die Abstimmung über den nationalliberalen Antrag auf Schaffung emeS ReichSwafferstratzenamtS bleibt bei schlechter Be- setzung deS Zentrums, das mit der Rechten dagegen stimmt, zweifel- haii. Der Hamme! iprung ergibt Annahme des Antrags mit 125 gegen 110 Si'mmen. Der Antrag Graf Westarp«k.) wird gegen die Stimmen der Rechten und eines Teils des Zentrums abgelebnt, der Antrag Liesching«Vp.s mr» großer Mehrheit angenommen. Ter Rest deS Etats wird debatteloS erledigt. ES folgt der Etat des Reichsjustizamts. Der Ausschuß schlägt verschiedene Resolutionen vor: 1. Arn alsbaldige Vorlegung eines Gesetzentwurfes, nach dem Gewinne, die bei Kriegslieferungen durch über» mätzige Preise entstanden sind, an' den ReichSsiSkuS fallen sollen. 2. Aui schleunigste Vorlegung eine? Gesetzentwurfes zur wirkfanisn Bekämpfung des Kriegs wuÄdrS. ii:S- besondere Einziehung der erlangten wucherischen Äer- mögenSaewinne. 3. Ans Einziehung aller durch verbotenen Mal,- Handel erzielten Gewinne zugunsten des betreffenden Bundes- ftaateS. 4. Auf weitere Einschränkung der Psändbarkeit von Lohn-, GebaltS- und ähnlichen Ansprüchen. Ein Antrag Albrecht«Soz.) ersucht den Reichskanzler um Vorlegung eines Gesetzes, durch das die Rechtsverfolgung er- möglicht wird in solchen Fällen, rn denen ein ordentliches und ein besonderes Gericht sich gegenseitig als zuständig und sich selbst als»nznsrändig bezeichnet haben. Abg. Belzcr«Z.): lieber das Gebahr en der AriegSwucherer gehi eine Empörung durch das ganze Volk. Man verlangt allgemein Einziehung des durch Wucher gemachten Gewinns' neben der Bc- strasung. Möge vis Regierung dieser Forderung schleunigst nach- kommen.— Wir sehen, datz das Völkerrecht während des Krieges in Trümmern liegt. Aber wie nach dem Kriege die Wirtschaft- lichen Beziehungen zwischen den Völkern wieder angeknüpft werden, so mutz auch das internationale Recht wieder ausaebaut werden unter der Führung de? siegreichen Deutschlands.«Beifall im Zentrum.) Abg. Heine(Soz.): Auch wir wünschen, vatz die Beziehungen der Nationen nach dem Kriege bald wieder so werden, datz sie das geistige Zusammen- arbeiten, namentlich auch auf dem Gebiet des Rechts, ermög. lichen. Aber nur auf dem Wege einer wirklichen inter- nationalen starken Gemeinschaft wird man zu einem internationalen Recht kommen, das diesen Namen verdient. Mit denen, die keinen Frieden des Rechts, sondern einen Frieden der Gewalt haben wollen, und die jetzt schon vom nächsten Kriege reden, werden wir uns nicht verständigen können, feien sie bei uns oder bei anderen Völkern. Der Gedanke der ersten drei Resolutionen des Atls�—�sS. datz der übermätzige Kricgsgewinn und Wucher nicku nur kriminell, sondern auch mit Entziehung deS wucherischen Gewinns zu- gunften der ReichSkaffe bestraft werden soll, ist mir ganz sympa- thisch. Am sympathischsten ist Nr. 2, die einen Gesetzentwurf zur - wirksamen Bekämpfung dcS Kriegswuchers fordert. In seiner Verurleilung sind wir wohl alle einig. Aber die Regelung in der Bekämpfung durch BundesratSverorvnungen kann ich nicht glücklich finden und noch v i e l u n g l ü ck l i ch e r ist die Praxis vorgegangen. Nicht der Wucherer ist abge- schreckt worden, sondern die anständigen Kaufleute sind beunruhigt wordem weil die Juristen den Begriff des übermäßigen Gewinns ohne jede Rücksicht auf die wirtschaftlichen Not- wendigkeiten ausgelegt haben. Am wichtigsten fckieint mir die Nr. 4 der Resolution, die das unpfändbare Einkommen weiter erhöhen will. Die Lebensmittel sind auf das Doppelte, ja aus daS Dreifache im Preise gestiegen. Dreiwusend Mark haben heute kaum den Wert, den noch von 1 bis IM Jahren 2000 M. hatten. Der Ausdruck„ähnliche Ansprüche" neben Lohn und«Nehalt in der Resolution bezieht sich in erster Linie auf die Ruhegehälter.>:c von der Judikatur nicht als Arbeits- und Dienstlohn anerkannt werden, während sie doch in Wirklichkeit nichts anderes sind.«Sebr richtig! bei den Sozialdemokraten.) � Mg. Dove(53p.) befürwortet eine Resolution Müller«Met- ningen)«Bp.), die auch vom Zentram, der Deutschen Fraktion, den Polen, Rationalliberalen und Sozialdemokraten unterstützt wird, in der gewünscht wird, datz auch Zuwiderhandlungen gegen Bor- schriften auf Grund des Belagerungszustandes, wenn es sich nur uui Kleinigkeiten Handel!, recht milde be- handelt werden. Zum Teil tut die Rechtspflege es schon, aber das-allein genügt nicht, es muffen feste Normen geschaffen werden. — Zu rügen ist auch die übermätzige Inanspruchnahme der höheren Instanzen durch die Staatsanwaltschaft, wenn sie bei Er- Hebung einer überflüssigen-Anklage in der ersten Instanz abge- wiesen ist und sich nun noch weiter bestätigen läßt, datz sie unrecht hat.«Zustimmung.) Mg. Dr. Junck«natl.): Der Kriegswucher mutz stärker an- gefatzt werden, es gibt nichts Schimpflicheres als die Not des Vaterlandes auszunutzen. Den Hauptnachdruck legen w:r allerdings auf die Einziehung des übermäßigen Gewinns Eine der eersten Auf- gaben nach dem Kriege mutz die Schaffung cinrS freien KoalitionS- rechts sein. Nachdem manche Mitzverständniffe aus sozialem Gebiet durch den Krieg beseitigt sind, wird eine Entwicklung des Ar- beiterrechtS leichter möglich sein. Auch, das Tartsrrcht harrt dringend der Regelung. Der Gedanke eines Reichsverwaltungs- gerichts wird sich mit innerer Notwendigkeit durchsetzen. «Bravo I links.). Abg. Holtschke sk.)«auf der Tribüne fast unverständlich) scheint der Resolution zuzustimmen. Abg. Warmuth«D. Fr.) betont v. a. die Notwendigkeit der Er- höhung des EristenzminimuinS. Abg. Stadthagcn«Soz. Arbg.): Die vorliegenden Resolutionen werden wenig nützen. Auch eine wirkliche Bekämpfung de! Wuchers wäre nur möglich, wenn von allen Kreisen der Bevölkerung ge- wählte Richter zu entscheiden hätten. Flugblälier müssen den Drucker und Verleger enthalten, aber die Ausrufe zur Zeich nung der Kriegsanleihen enthalten Drucker und Ver- leger nicht. Mir der Aufforderung zu ihrer Verbreiiung sind ftra'bare Handlungen begangen worden. Dir wissen', wie junge Mädchen behandelt woiden sind, die barmlose Flugblätter verbrciielen, in denen zum Besuch einer Sicrsaminlung ausgefordert wurde. DaS einzig Strafbare war das Fehlen des' Druckers und Verlegers. Aber die StaatSfekreläre, die die gleiche strafbare Hand- lung mit der Verbreiiung der Aufrufe zum Zeichnen der Kriegs- anleihe begangen babcn, find überhaupt nicht unter Anklage gestellt worden. Bei ibne» hat der StaaiSanwalt also wobl angenommen, datz sie so hoch stehen, datz sie da« nötige juristische Beiständiiis nicht haben.«Heiterkeit.) Gegen die Klassenjustiz haben Resolutionen keinen Zweck, die Grundlage mutz zerstört werden. Weiter frage ich den Siaalssekreiär, was er gegen die Reichs- a n w a l t f ch a f t zu tun gedenkt, die ihr Ansehen herabgesetzt hat. Meine Freunde Eichhorn und Weise waren wegen Hoch- verratS angeklagt, wulde» aber vom Reichsgericht freigesprochen und von.dem Richter mit den Worten entlassen:.Sie find frei. Sie können gehen." Auf dem Korridor erklärte Ihnen aber der Reichs- anwalt, er könne sie nicht freilasien, er müsse fie auf Rcgiiisition des Oberkommandos in den� Marken in militärische Schutzhaft nehmen. Hat der Staatssekretär Schritte gegen diesen Ucbergriff deS Generalkommando? getan und hat er Stellung genommen zu dem Ver- halten deS ReichSanivaltS. der entgegen dem Ausspruch deS höchsten Gerichts die militärische Reguisilion sür hinreichend erklärt, um die Betreffenden in Schutzhail zu nehmen? Der Klassenjustiz können Sie nur entgegentreten, wenn Sie aufhöre», die herrschende Klaffe als die allein bestimmende anzusehen Gerade im Kriege bat sich gezeigt, welche? Unheil die Politik dieser herrschenden Klaffe über Deutschland gebracht hat.«Zurufe.) Grwitz, eS gibt Jmpenalisten. Kapitalisten und Kriegshetzer auch�autzerhalb Deutschlands, und ich belämpst sie auch dort. Machen Sie kurzen Prozetz mit den Krieg?» Hetzern und mit dem Kriege.«Lebhafter Beifall bei der Soz. Arbg.) . StaatSsekietär Dr. Lieco: Die Auffassungen des Vorredners werden von der grotzen Mebrheil des Hauses wohl nicht geteilt. In dem Falle Eichhorn war eö ganz selbstverständlich, datz der Reichsonwalt dem Ersuchen des Oberkommandos in den Marken nachkam. UebrigenS war Eichhorn nicht sreigeiprochen, sondern verurteilt, und eS wurde nur die Strafe als durch die Unter- snchungsbaft als v e r b ü tz t erachtet. Gegen die Abführung in Schutzhaft stand ihm au> Grund deS. im Dezember tV16 voni Reichs- rag angenommencii Gesetz:? daS Rechtsmittel der Beschwerde zu. Die Weiterberatung wird vertagt auf Sonnabend 11-Ilbr.«'Vor her Gesetz über die Herabsetzung der Miiidcslstrafcu im Militärstras- geieybuch.) Schlafe*/<" Uhr._ Schlchhastöebatte tut Hauptausschuft des Reichstages. Am Freitag wurde die Aussprache über die Vorgänge in Elsaß- Lothringen fortgesetzt. Mg. Hauff«Elsäffer) führte gleichfalls eine große Reihe von Einzelfällen an, in denen dieselben Mitzständc sich zeijj- ten, wie in den am Donnerstag von anderen Rednern vorgebrachten Beispielen. Tann ging er noch auSfichrlich ein auf de« Fall deS Abg. Lcveque, der ebenfalls aus jeincm Heimatsort ausgewiesen sei und jetzt auf einem kleinen Flecken rn Pommern seinen Zwangs- auscnthalt habe. ?lbg. Müller-Meinirigen: Die Vorgänge in Elsoß-Lothringen seien überaus bedauerlich. Das Spitzclwesen dürfe nicht so werter bestehen bleiben: wegen der Gesinnung allein dürften nicht so schwere Maßnahmen tälrchgesiihrt werden. Der Fall Leveaue beweise, welche Srrmmung in gewiffen Kreisen gegen den Reichstag herrsche. Auch gegen elsaß-lothri.rgischc Soldaten werde bei der Beivrlli- gung von Urlaub kleinlich vorgegangen. Man erschwere den Leu- ten, nach ihrem Heimatsort aus Urlaub zu geben. Der Kriegsmtmster: Bei der Schutzhaft möge man berücksichlr- gen, daß diese Maßnahme auch zum Schutze der Verhafte- : e n durchgeführt werde.«?lllgemeirre Heiterkeit und lebhafter Widerspruch.) In der Natur der Sache liege es. daß die Schutzhaft auch in solchen Fällen durchgeführt werde, in denen eine gerichtliche Bestrafung nicht erfolgen kann, in denen es sich c�lso nicht um ein strafbares Vergehen handele. Tann schildert der Kriegsminrster eingehend daß er selbst bcobackiiet habe, wie wenig deutschfreundlich ein Teil der elsaß-lothringischcn Bevölkerung sich benommen habe. Das wirke naturgemäß auch auf die Behörden ein. Von den geprüften Briefen seien nicht weniger als 90 Proz. festgestellt worden, in welchen Soldaten von ihren Angehörigen zur Fahnenflucht aufgemuntert würden. Derartige Erscheinungen erklären es, haß rn bezug aus die Beurlaubung elsaß-lothringischer Soldaten in ihre Heimat Schwierigkeiten bereitet werden. Oberst v. WrreSbrrg: Ende November 1914 sei eine Beschwerde eingegangen, in der die Fälle angeführt seien, die der Abg. Wendel am Tonnerstag vorgetragen habe. In der Tat seien die Verhält- nisse nicht so gewesen, wie es wünschenswert ist; aber so schlimm. wie sie der Abgeordnete Wendel dargestellt habe,- war es nichi. Der Abg. Levegue könne sich in dem Ort, wo er seinen Zwangsaufenthalt habe, vollständig frei bewegen. Abg. Böhle(Soz.): Nach den Antworten, die soeben gegeben wurden, habe er keine Hifftlung, doff durch die jeffige Zlussprachc die Zustände bester würden. Ganz besonders erhebe er Einspruch gegen die Wendung des Kriegsministers, daß die Schutzhaft auch zum Schutze der Verhafteten sei; in Wahrheit würden durch die Maßnahme die Betreffenden oft genug in ihrer ganzen Existenz zugrunde gerichtet. Mit den Beurlaubungen der EIiaß-Lothringcr stehe es so. datz dann, wenn die Soldaten' wegen ibrer Tüchtigkeit und Zuverläffigkeit von ihrer Militärbehörde den Urlaub gewährt bekommen, immer erst die Erlaubnis des GouvcrncirrZ ihres HeimatSortcS eingeholt wer- den muß. Diese aber wird in sehr vielen Fällen verweigert; für die Verweigerung ist maßgebend der Bericht der Heimatöbehdrde. Dieser Bericht wird aber aufgestellt von irgend einem Re? v i e r s ch u tz m a n n in der Stadt oder von irgend eine>:: Gendarm auf dem Lande. Bei diesem Verfahren ist es klar. daß sich überall Mißstimmung und Erbitterung zeigt. Ganz unglaublich erscheine ihm. daß in 90 Proz. der geprüften Briefe zur Fahnenflucht aufgefordert werde. Wenn aber wirklich so etwas mal vorgekommen fein sollte, so erkläre sich das eben aus der Wirt- schafi, die jetzt in Elsatz-Lothringen herrsche. Alle Bemühungen. Abhilfe zu schaffen und offenbare Ungerechtigkeiien zu beseitigen. waren ohne Erfolg. Auf«eine wiederholten Vorstellungek bei den Militärbehörden habe er zu hören bekommen: was kümmern n«? die politischen Folgen, wir sorgen nur für den Schutz des Militärs. das Uebrige geht uns nichts an. In Elsaß-Lothringcn sei anfangs eine grotze Begeisterung für den Krieg gewesen. Viele Tausende Freiwillige bäitcn sich gemeldet. Die Stimmung sei umgeschlagen gerade durch das Verhalten, des Militärs, demgegenüber die Geduld der Bevo!� rung geradezu zir bewundern fei. Jetzt aber komme es darauf Änf daß der Reichsiag endlich eingreife. Abg. Nehbcl(k.) gibt zu. daß Härten vorgekommen seien. Er sei aber im allgemeinen durch die Ausführungen des Oberst WrieS- berg davon überzeugt, daß die scharfen Maßnahmen meistens durch- aus notwendig waren. Ganz frei bmi Schuld seien die Elsaß- Lothringer doch nickt. Das zeigen die Fälle der Abgg. Weil! und Wetterle. Abg. Fehrrnbach«Z.): Mit allem Nachdruck müsse gegen den Mangel an Anstand, an Sinn für Freiheit und Gerechtigkeit ausgetreten werden, der sich bei der Durchführung der Schutzhaft und der Ausweisungen zeige. Die Mitteilungen des Oberst v. Wrie. berg seien durchaus nicht befriedigend..Auch in Holz- minden herrschten anfangs traurige Zustände. Zu wünschen wäre es, daß inzwischen Bcffcrung erreicht worden ist. Im Falle Le- veque muß der Reichstag seiner selbjtwillen entschieden auf treten. Elsaß-Lothringen sei ein unglücklichcö Land. Zunächst sei ein ganz verfehltes Rcgierungssystcm eingeschlagen worden, und jetzt habe die Militärdiktatur eingesetzt. Dazu sei nun noch in der letzten Zeit der Fall der II n i v e r s i t a t S t r a ß b u v g gc kommen. Bei der Wahl des Rektors sei die katholisch- theologische Fakultät an der Reihe gewesen; trotzdem sei nicht ein Mitglied der t' a! h o l l s ch-theologischen Fakultät gewählt worden, sondern' ein Mitglied der p r o r e st a n t i s ch-theologischen Fakultät. Auskunft müye gegeben werden, nach welcher Art die Ausweisung r- listen aufgestellt worden seien. Wenn der Reichstag nickt die Sicherheit chat. daß die jetzt vorgebrachten Uebclftändc aufgehoben werden, so erwächst ihm die Pflicht, die ganzen bösen Sachen im Plenum eingebend vorzutragen. Aufklärung muß geschaffen werden, dem furchtbaren Unrecht mutz ein Ende acuiack: werden, und es muß dafür gesorgt werden, dag das, WaS der Krieg notwendig mache, in der humansten Weise durchgeführt werde. Abg. Tittmaun«Soz. Arbg.): Was der Vorredner zulct?t ge» sagt habe, sei das Entscheidende: die Generalkommandos und da? Rcichsmilitärgerickt haben nicht den guten Willen, den B- stimmungen der Schutzhaftgesetze Folge zu leisten. Ausgcscklofjea ist. daß die Miticilung. die dem Kriegsminiffer gemacht worden ist, richtig sei, daß 90 Proz. der geprüften Briefe die Aufforderung zur Fahnenflucht enthielten. Die Briefe müßten offen geschickt werden, und so unvorsichtig würden doch nicht die Schreiber sein, eine so strafbare Handlung zu begehen, die ihre Bestrafung sicher zur Folge haben müßte. In wie vielen Fällen seien denn die Briefschreibcr wirklich bestraft worden? Der Reichstag habe jetzt schon immer wieder und wieder über diese unerhörten Vorgänge verhandelt, und doch sei keine Besserung eingetreten. Es fei zu befürchten. daß auch diesmal wieder die Verhandlung ohne jeden Erfolg sein werden. Der Krtegsmiuisier sag! noch einmal zu, daß alle Fälle unter- sucht werden. Es sei bei der grotzen Zahl von Beschstierden aber unmöglich, daß jede Beschwerde sofort bcamwortet werde; in vielen Fällen ziehe sich die Erledigung einige Zeit hin. Staatsseiretär Dr. Helfferich: Der Reichstag könne das Ver- trauen habe», daß alle Fälle untersucht werden und daß in jedem einzelnen Fall die nötige Mhilfe gefchanr werde. Das Gesetz bic!.' für die Zukunft vollkommene Sicherheit, daß Härten nicht mehr vorkommen. Er könne, genau so wie es der Kriegöminiftcr getan habe, ausdrücklich zusagen, daß für die richtige und unbedingte Durchführung der Gesetze gesorgt werde. Unter diesen Umständen bitte er, vou'einer Be- iprechung der Einzelheiten in der Ocffentlichkcit abzusehen. Den Fall an der Straßburger Universität bedauere er sehr. Er habe vom Statthalter einen Bericht einverlangt, und könne auf Grund dieses Berichts bekunden, daß es sich nichl um einen Konfessions st reit handelte. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und noch kurz die Au- gelegcnheit mit dem Hotel Cumbcrland erledigt. Dazu . wurde der Antrag des Berichterstatters, de? Mg. Erzberger, an» ßJKÄamett, �atz in de« HauKHaltSvlan für die B«toattu«g des KeiiHsHeerss einHesteVt werde der Betrag für den Ankauf des cfie- woligen HotelS Eümberland am Kurfürstendamm als Gefchäfrs- räume für das Kriegsamt. Die nächste Sitzung: Sonnabend S Uhr. Zweite Lesung der Sreucrgesetzc.___ parlamentarisches. Vereinheitlichung des Eisenbahnwesens. Tie Fortschrittliche Bultspartei hat folgende Resolution ein- gebracht: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, t. dem Reichstag mit möglichster Beschleunigung eine Denkschrift über die voraus- sichtlichen finanziellen und wirtschaftlichen Wirkungen und Ergebnisse einer Bereinheiilichnng des deutschen Eisenbahnwesens unter Einbeziehung des BinnenwafferftratzenwesenS vorzulegen: 2. zur Vorbereitung und Abfassung dieser Denkschrift eine Fachtommission einzuberufen, die durch sachverständige Mitglieder des Wirtschaftslebens, Parlamentaritt, sachverständige Beamte und Vertreter deS Großen Generalstabs zu bilden ist. Herr v. Batocki über die Aendcrungcn in der Lebensmittel, Versorgung In der Freiiagsttzultg des Reichstags ansschusseS für E r n ä h r u n g s s r a g e n erstatbete � der Präsident� des � Kriegs- ernährungsamts, Herr v. B a t o c k i. zunächst Bericht über die Zur Begründung der Maßnahnren wurde vom Redner angeführt, 'aß man bei der starken Zufuhr, über die bis in den�Ianuar hinein die Reichsgetreide stelle berichten tonnte, sich der Hoffnung hingeben durfte, daß wir über eine gute Ernte verfügen. Die Bestandsauf- nahmen, die jetzt erfolgt seien, haben ergeben, daß wir leider in unsere Bestände stärker eingegriffen haben, als nach der Berechnung vorausgesehen werden konnte. Es habe sich ergeben, daß bei der Ausgabe der Brotkarten nicht d:e nötige st r e n g e Kontrolle geübt worden sei. Es stiid, wenn wir die Ergebniffe der Volkszählung berücksichtigen, ungefähr vier Millionen Brotkarten mehr ausgegeben, als bei der letzten Zählung Personen gezählt wurden. Die Bcstandsausnahnie sei zwar noch nicht ganz sicher, aber es habe sich ergeben, daß doch schon ein beträchtliches Manko festgestellt sei. mit dem für die Zukunft gerechnet werden müsse. Cb man gezwungen ist, die Ersparnisse, die für die nächsten Monate eintreten müssen, fortzusetzen, hängt ganz vom Ergebnis der Rachprüsunz der bisherigen Schätzung ab. Ergibt sich ein größerer Bestand, so wird man die unangenehme Maßnahme der Kürzung der Brot- raiion wieder aufgeben können. Es habe auch eine größere Inanspruchnahme der Mehlbeständc dadurch stattgefunden, daß wir iE Karroffel st reckung im Oktober aufgeben mußten, da � ns bei der ungünstigen Ernte nicht die genügenden Mengen zur Verfügung standen. Als Ersatz wurde bisher Gerst e genommen. Das wird nicht mehr möglich sein, da auch hier keine grossen Bo- stände zur Verfügung stehen und die Gerste zu Nährmitteln vor- wendet wird. Es mutz deshalb die bisher gewährte Mehlration von 00 Gramm pro Kops und Tag um 30(ßramm gekürzt werden. OYM Srtv m r 4* it» tut itPtn fii» rtlf ausgehoben werden, Für die Selbstversorger sLandbevolkerung) muß gleichfalls die Ration um 23 Pruz. gemindert werden. Es sei anzunehmen, daß die Ernte ungünstiger war als man annahm, und wahrscheinlich auch ein Teil des Brotgetreides verfüttert worden ist. Der schwer« Eingriff in die Ernährung soll gemildert werden durch vermehrte Zuteilung anderer Ztabrungsmittel. � Die Bestandaufnahme der Kartoffeln sei im Gange. Das bisherige Resultat sei günstig. Es seien große Be- stünde vorhanden, die man nicht erwartet habe. Zum Glück seien Somit rung zuläßt, wird die Zufuhr der Kartoffeln mit Eifer betrieben werden. Bevor die Kartoffrl-Mehrlieserung nicht gegeben werden kann, soll auch die Brotratio» nicht herabgesetzt werden. Sodann»verde man der städtischen Bevölkerung pro Kopf und Woche ein« Erhöhung der Fleischration um 230 Gramm zukommen lassen; für Kinder unier 6 Jahren soll d:e Hälft« gewährt werden. Um der ärmeren Bevölkerung den Kauf von Fleisch auch zu«rmöglichen, soll für dieses Quantum Fleisch durch eilten Zuschuß ans Rcichsmitteln der Preis erheblich 'wsenki werden. Von diesem Vorteil der niederen Preislage sollen die Wohlhabenden ausgeschlossen sein.— Die Debatte über den Bortrag wird erst in der nächsten Sitzung am Mogtag, den 26. März, erfolgen. Heimarbeitersragen. Der Ausschuß für Petitionen an den Reichstag vsr- handelte am Freitag über eine Anzahl� Eingaben von sozial- politischer Bedeutung. Die Gesellschaft für soziale Reform. der Ständige Ausschuß zur Forderung der Arbeiterinteressen, die Generalkont Mission de r Gewerkschaften und die Zentralleitung-n aller Getverkschaftsrichtungen fordern die Rege- Hing der Arbertsausgabe und der Bezahlung in der Heimarbeit. Reichs- und staatliche Verwaltungen � sollen bei Vergebung von Heimarbeit die Organisationen der.Heimarbeiter und gemein- miyige Beveine besonders berücksichtigen. Es sollen die ersorder- ticken Rohstoffe geliefert, die Aufträge möglichst lange befristet werden..Kommen Prtvatuniernebmer tn Frage bei Vergebung von Heimarheit. so sollen solche Berücksichtigung finden, die die Arbeit > ibst ausführen und nicht an andere Unternehmer weitergeben. Bevorzugt werden sollen bei Vergebung von Aufträgen Organi- sationen und Firmen, welche die gewerkschaftlichen Tarife anerkennet!. Beim Fehlen von Tarisvereinbaruii- g«n muß von den Behörden der zu zählende Lob» nack Anböruna der beteiligten Unternehmer- und Arheiierorganisationen''�ntsetzt werden. Bei Vergebung von Teilarbeit find die Löhne der ein- zelnen Teilarbeiter der ausgebenden- Behörde zur Genehmigung vorzulegen. Beim Ankauf fertiger Waren durch Behörden. Ver- waltungen haben die Verkäufer den Nachweis zu führen, daß die Arbeitslöhne den in den sonstigen Lieferungsbedingungen vorgeschriebenen Bestimmungen entsprechen. Di« an ■die Heimarbeiter zu zahlenden Lohne sind in den Ausgaben- und Änuahmestellen von Heimarbeit gut sichtbar auszuhängen. Den Hausarkwitern sind Lohnbücher in der Art, wie sie Jj 1 14 der Gewerbeordnung vorschreibt, einzuhändige». Die ausgebende Behörde hat selbst oder durch Beauftragte Einsicht in die Lohnbücher zu nehmen/ Vom Vertreter der verbündeten Regierungen wurde betont, daß seit Kriegsausbruch die Forderungen verwirklicht seien. Zu>v«i- terer günstiger Behandlung und Erledigung sei die Regierung geneigL— Di« Kommission beschloß einstimmig Ueberwei- sung zur Berücksichtigung. Eine Eingabe des GewerkvereinS kH.-D.) fordert die Ein- fiihruna eines R e i ch s- E i n i g U n g s ä m t s.— Der Vertreter per verbündeten Regierungen führte aus, daß die Forde- lung für die Kriegözeit durch Bestimmungen des Gesetzes für den vaterländffchen Hilfsdienst erfüllt sei. Die Kommission beschloß ltinsftmmig, die Eingabe zur Berücksichtigung zu über- Waisen, Eilt« Bittschrift deS Deutschen FrauenstiminrechtZ-Bnndes will', daß.mach Beendigung des Krieges den Frauen das allgemeine, gleiche, direkte und gehenne Wahlrecht zum Reichstag verliehen wird". Ein iozialdemokratischcr Antrag, die Eingabe unter Zu- ziehung eines Regierungsvertretcrs zur Berücksichtigung zu überweisen, wurde abgelehnt und darauf einstimmig die Ileberweisung zur Kenntnisnahme beschlossen. Gerichtszeitung. Honorarforderung cinco weiblichen Detektivs. Einen interessanten Einblick in den Geschäftsbetrieb einer Drtcltei gewählte eine Verhandlung vor der Kammer 4 de-Z Ber- liner Gewerbe« er ickts. Die Klägerin, Fräulein A., war in der Detektei des Beklagten G, angestellt. Sie ist, wie der Beklagte angab, eine tücklige Kraft in ihrem Facke lind ei hielt deshalb den Auftrag, zum Zweck eines EhefSeidimasprozesseS Beweismaterial für den Ehcbruck der betreffenden, in Köln wohnhaften Frau herbei- zuschaffen. Zwei Angestellte des Bellagten G. hatten in dieser Sache schon gearbeitet, ohne ein Ergebnis erzielt zu haben. Fräu- lein A. reiste nach Köln, mietete bei der-Frau, die sie zu bcobachien hatte, ein Ziminer und hatte in vier- zehn Tagen ausreichendes Materiol gegen dieselbe gesammelt. An Gehalt und Sjieien für die Zeit ihres Aufenthalts in Köln bekam Fräulem A. 12 M. pro Tag. Das reichte aber nicht auS. uni die Ausgaben zu decken, die sie im Interesse ihrer Tätig- fett baite machest müsseif. Fräulein A. forderte- ttoch 46,50 M., di» sie für Fahrgelder und sonstige Spesen in Köln aufgewandt hatte. Der Beklagte G, lehnte aber die Zahlung dieses Betrages ab mir der Begründung, in dem Tagcsfatz von 12 M. seien iämiliche Spesen inbegriffen. Außerdetn forderte Fräulein A. noch 150 M,. die ihr als besonderes Honyrar für den Fall der erfolgreichen Ausführung des Aui- träges vom Beklagten zugesichert worden waren. Der Beklagte behaup- tete dagegen, da? Extrabonvrar von 130 fei erst ssillig, nachdem er von seinem Auftraggeber das vereinbarte Honorar erhalten habe und der Auftraggeber sei zur Zahlung des Extrahonorars erst dann verpflichrel. wenn seine Ehe auf Grund deS ihm gelieferten Materials geschieden sei. Cd dies inzwischen geschehen, wisse er, der Beklagte, nicht. Jedenfalls habe er das Honorar von feinem Auftraggeber noch nicht erhalten. Wenn er es bekommen habe, werde er der Klägerin die 150 M. zahlen.— Die Klägerizt meinte dagegen, mit dem erfolgreichen Abschluß ihrer Täligkerl sei das Extrahonorar bereus fällig gewesen. Uebrigens habe sie durch Nachfrage bei dem Austrag- gebcr erfahren, daß dieser dem Beklagten bereits 1100 M. für Spesen und Unkosten bezahlt und für das Honorar ihm eine Lebensver- sicherungkrolizs auf 1000 M. verpfäntek habe. Der Beklagte i'ei also gedeckt, wahrend sie als Angestellte gar keine Sicherheil für ihre Forderung habe. Da der Auftraggeber' Speien uns Unkosten— wozu doch auch ihr Honorar gehöre— bezahlt habe, könne sie auch die Auszahlung des ihr zugesicherten Honorars beanspruchen. Nach längerer Verhandlung erkannte der Beklagte die Spesen« forderung von 46,50 M. an und verpflichtet sich, von dem Extra- Honorar sofort 73 M. und bis zum 1. Januar die übrigen 75 M. an die Kläaerin zu zahlen. IlLlÄi' MsrÄ-'/eFiiani Verwaltungsstolle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Aüglicd, der Schleifer Mbsi-t Bihan B-rgstr. 42 am 20. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute � Sonnabend, den 24. März, nachmittags 40, Uhr. von der Leichen- Halle des Kolgatha-KirchhoscS in j der Barfusstratzc ans statt. Rege Beteiligung erwartet 132/7 Tie Lrtsverwaltung. i Verein der Stereoipure and GalfSBoplasler Berlins und Lrngegend. Ten Mitgliedern zur Nachricht, Z I daß unjer lieber Kollege UaH SCussin dem Weltkriege zum Opfer gc-l fallen ist. 200/0 Wir werden das Andenken auch! dieleS Braven stets in Ehren! halten. Ber Verstund. ""tseiiep Bauarljeifer- Verliand. Zwelfrvcrein Berlin. Bezirk Lichtenberg. Am 22. März starb nnfer Mit- gleed, der Putzer August Bl-asse. Ehre feinem Andenken! � Tie Beerdigung findet morgen Sonntag, den 25. März, nach- mittags 3 Uhr, auf dem Nummels- Burger Gemeinde-Friedhof statt Um rege Beteiligung ersucht 14t, It vis iirtliobs Verwaltung. Allen Freunden und Bekannten die tranrige Nachricht, daß am 22. Uiätz meine innig gelieble Frau, unsere herzensgute Tochter .Jodanna Feindt geb. USarndt nach kurzem, schwerem Leiden den Folgen einer Blinddarmentzün- cung erlegen ist. 2064b Um stille Teilnahme bitten Rich. Feindt. Herm. Barudt. Sluguste Barndt. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 25. d. M., mittags 12.20, von der Halle de? Tegeler GcmeindefriedhoscS aus statt. Allen Verwandten, Freunden j und Bekannten die tiefwauiige! Nachricht, daß unser lieber Sobn,! Bruder, Schwager, Onlel. Neffe, � Enkel, Bräutigam und Schwieacr- söhn, der Musketier BCaH Decken Jnsant.-Rcgt. Nr. 157 im blühenden Alter von 23 Fahren durch Granat- Volltreffer am 12. Marz 1017 gesallen ist; er folgte seinem vor 2 Jahren gc- sallenen Bruder Otto. In; namenlosem Schmerz die Hinterbliebenen: sbOa Karl Tecker t Henriette Tcckcr s GI,ern- BKilhelm Decker j $££,«.'--------- Gustav Decker I Anna Schadow als Schwester. Richard Sckiadow als Schwager. Hermann Wernau als Bruder, zurzeit im Felde. Lisette Wernau als Schwägerin. Paul Decker).._., Wilhelm Tecker! a i-nkcI- Otto Decker) z.Z. im Felde. Wilhelm Tecker als Großvater. Silfrcd Decker s z. Z. im Felde Gustav Wernau t als Cousins. Georg Herrman» t Schwicgcr- Emma Herrmann f elterri. Margarete Herrmann als Braut. Erna Herrmann, Schwägerin. Du hast den Frieden, wir den Schmerz. ReukersWerke —— 3 Bände S lltort> Buchhandlung Vorwärts Am 20. März verstarb plötzlich unser Kollege, der Buchbinder Neske. Die Beerdigung findet heute Sonnabend. 24. März, nachmit- tagS'/.o Uhr, auf dem neuen Gemeindcftiedbof in Neukölln, Maricndorfer Weg. statt. LOSöb vas personal cl. vncdckruclcerei Ii. 5. tiermaon. MtiMgsed I-iter 2,00 M. 1 Teil Panscli, 2 Teile siedendes Wasser ergeben ein herrliches siißes Getränk. Billiger als Bier, Eafiee, Tee usw. Ein Glas Warmes stellt sich auf 5 Pf. das beste tttslicbe Ge- trtlnli: in jedem Banshalt Es wird hell, gebeten, möglichst Flaschen oder Gefäße zum Abfüllen mitzubringen Neu eingeführt; Meer- nnd ipfelsMeiee. ff. Kröraer, Berlin N, Oranienburger Str. 66 2. 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Die Tcrfif evten haben das Wahlrecht in eigener Person auszuüben. Wähler sind nur volljährige Deutsche. Wahlberechtigt sind nur volljährige Versicherte. Die Wahl ist geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Per- hälwiswahl. Besondere Wählerlisten. werbt» nicht ausgestellt. Als Wäbterlisten dienen die Ar- bcrtgcber- und Mitgliedcroerzeichnisse der Kaste. Di» Einsichtnahme in die« selben ist bis zum Tage der Wahl in den Geichästsräumen der Kasse gestattet. Etwaige Einsprüche gegen Sie Richtigfeit der sich aus dem Ar- beitgebcr. und Mitgliederverzcichnis ergebenden Wahl- und Stimm- berechtigung find bei Vermeidung des?iusschkusscs wätestens vier Wochen vor dem Wahltage unter Beifügung von Beweismitteln bei dem Vorstände anzubringen. Der Aahlansschuß ist befugt, die Wahl- und Stimmberechtigimg jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu- prüjcn. ES emvfieklt sich daher, einen Ausweis(letzte Quittung über bezahlte Kaffenbeiträgc, Sc- süeinigui'.gcn über die Milgiiedschast vom Arbeitgebc:) mitzubringen. Eine weitere Benachrichtigung der Wähler finde! nicht statt. Das Nähere über die Wahlberechtigung ist auS g 117 der Kaffenfatzungen. über die Ztuf. stellung der Wahlvorjchläge und den sonstigen Gang der SBabl aus der Dahlordnung zu ersehen. Versicherte, die«och nicht in: Besitz einer solchen sind, stehen Abdrücke in unserer Geschäftsstelle zur Verfügung. Die Wahworfchläge muffen von mindestens je 10 Wahlberechtioten der betreffenden Grupve mit"zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Wir fordern nunmebr die Wähler aus, bis spätestens den 7. April 1917 Dahlvorfchtäge beim Kaiienvorstand einzureiche». Bei Stimmabgabe lind die Wähler an diese Wahlvorschlägc gebunden. 275/1 Ter Vorstand der Zillgemeiueu Ortskraukenkasse Berlin-Lichtenberg. 0. Beikel, Vorsitzender. Bcrichtigung. In der Bilanz der..Bofl/iiiUAg� Berliner Sctineiderei- Genoficn- ichaftlEmgelragcneGcnossenschattmit bcschränsterHailPflicht) muß cSheißcn: vi» Revisoren des Auf sichtsrats; (Bult. Jonas. Wilh. Pförtner. Karl Reinkc. A. Haller. Lpesisl-Arst Dr. med. Hasehe, Friedrichstr. 90 sSä Behandt. von Syphilis, Baut-, Harn-.I>anenleid.,ipc».chioit. Fälle. Ehrlich-Hata-Kuren, schmcrz- lo|e, lürzefte Bcdandwng ohne Be- rusSslörung. Blutuntersuchuno. Mäß. Preise. Tellzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 5—8, Sonnt. U— 1. Stutotlo 45% QmXtch 15(Pfa. Nr. 8?. 3t. Jahrg. SMs-KeilU des„ Mutter und Kmö/ Tie 16. Kommission behandelte am Zrcitan die Vorschläge ihrer Untozckommisjion für, den Schutz von Mutter und Kind und schnitt damit einen höchst aktuellen Teil ihrer Arbeiten an. AIZ Referent ging Abg. Dr. Q u a r ck(Soz.) davon aus, dasi siä? die Komuiission bewußt sein muffe, unter wie schwierigen Um- irönden sie an die Arbeit gehe. Staatssekretär Hclsfcrich habe in den Plenardebatten in überraschender Weise jede Vereinbar- keit des Arbeiterschutzes mit unserem M u n i t i- onsbedürsnis geleugnet. Er habe dabei den durch die Ar- beiterschutzresorm von 1891/NZ längst überholten Stand- punkt vertreten, daß die Verbesserung des Arbeiter- schutzes der Erzielung der höchsten Produktions- Icistung hinderlich fei. Das sei aber grundsätzlich falsch. Die Anspannung aller deutschen Arbeitskräfte für die Rüstung habe durch das.vilfsdienitgesctz die höchste und kaum noch zu überbietende Steigerung erfahren. Sicher schaffen jetzt drei Millionen Frauen und Kinder mehr, namentlich in der Rüstungsindustrie, als vor dem Kriege; im Bergbau hat sich die Aahl auf 35 000 erhöbt und versicbenfacht; im preußischen Eisenbahnwesen sinv 80 000 Fronen tätig. Da voll- ziehen sich gesundheitliche Einwirkungen, die für die Mutterschaft, das Familienleben und die Generation nach dem Kriege von vor- hängnisvoller Bedeutung sind. Noch den Feststellungen der Gewerkschaften in der Metallindustrie sind 10- und IZstündige Arbeitszeiten und reichliche Ueberstundrn gang und gäbe, von den 18- und 24stiindigen Wcchselschichten ganz zu schweigen.„Ausnahms- loeise" sollen Frauen sogar unter Tage schaffen! In der chemischen Industrie werden Frauen bei giftigen Arbeitsprozessen ohne hinreichenden Schutz verwendet. Tie ExplosionSun- glücke in einigen Munitionsbetrieben reden eine furchtbare Sprache. Soweit hätte es die Reegicrung in der Außcrachtlaffung des Arbeiterschutzes nicht kommen lassen dürfen, zumal die be- kannten Ernährungsichwierigkeiien nebenher gingen. Man könne volles Verständnis für die Notwendigkeit der RüstungSarbciten für unsere Feldgrauen haben, aber hier fei man bei einem ruinösen Gehenlassen ungekomme«. das zu vermeiden sei. Redner verliest eine Dar- stellung des Reichsautis des Innern, aus der hervorgeht, daß der Reichskanzler den Bundesregierungen zwar sofort nach der Not- Verordnung vom 4. August 1014 die möglichste Beachtung des Frauenschutzes nabegelegt und Ausnahmen nur für Einzelfälle empfohlen habe. Aus den Einzelfällen sei aber ein allgemei- ner schutzloser Zustand geworden, schon weil die Kräfte der Gewerbcinspektion viel zu stark dezimiert worden wären. Er frage, wieviele der 570 deuischcn?lussichtsbeamicn eingezogen seien und wieviel noch amtierten. Schon vor dem Kriege hätten wir eine sehr langsame EntWickelung der weiblichen Aufsicht ge- habt; in 20 Iahren. seit 1897, seien wir endlich aus 48 Beamtinnen gekommen. Jetzt bestehe die Arbeiterschaft zu zwei Dritteln aus Frauen, und wir hätten noch nicht wesentlich mehr Schutzbeamtinnen, obgleich hier Kräfte zur Genüge bereitstünden. Glücklicherweise babe neuerdings das Kriegsamt einen Anfang mit Frauen- und Mutierschutzmaßnahmen gemacht, die aber noch sehr des Ausbaues bedürfen. Tie Untcrkommission Hab« sich deshalb auf folgende Vorschläge zum Fraueuschutz in gewerblichen Betrieben geeinigt, die noch jetzt in der Äriegszeii durchgeführt werden können: „den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: A. möglichst bald bei in Reichstag Gesetzesvorlagcn zu machen oder Bundesratsverordnungen unter nachträglicher Vor- legung an den Reichstag zu veranlassen, welche enthalten: 1. die Achtstundcnschickt für die Frauenarbeir in Fabriken als gesundheitlichen Ausgleich für die frarke AirSdchmung und Ausfvannung der weiblichen Fabrikarbeit im Kriege und zur Erhaltung der mütterlichen Kräfte der arbeitenden Frauen- bebölkerung: � 2. wirksame Sonder schutzvorschriften für be- fonders gesundheitsgefährliche Gewerbe mit Frauenarbeit unter starker Vermehrung des weib- lichen Aufsichtspersonals der Gewerbeinspektion, die dem einzelnen Bundesstaat nahezulegen ist; 3. die Durchführung des Hausarbeitergesetzes vom 20. Dezember 1911, namentlich der§Z 3 und 4(Fachausschüsse für Lohnschutz); B. durch Einwirkung aus die Bundesregierungen ein ein- beitlichcs und durchgreifendes Vorgehen aller beteiligten Vcr- waliungsbehörden zu veranlassen: 1. in der Ausnahme„anständiger Lohnklausclu" namentlich für die weiblich« Arbeit in alle behördlichen Liefe- rungsverträge; 2. in der Beibehaltung und dem Ausbau der im Kriege zwischen den Unternehmer- und Arbeiterorganisationen ent- itandenen Arbeitsgemeinschaften und Schlichtungskommissionen und ihres tariflichen Frauenfchutzes." In der ausgedebntcn Generaldiskussion stimmten sämtliche Redner dem Referenten zu. Ein mittlerweile erschienener Regie- rnmgsvertreter sagt für die nächste Sitzung die gewünschten An- gaben über die Arbeiterschutzausnahmen in den Bundesstaaten und über den Stand der Gewerbeaufsicht zu. Tie Beratungen werden am Sonnabend fortgesetzt._ ?to» Groß-öerlm. Endgültiger Beschluft über Brotkürzung und Ersatz- mittel. 23 o l ff S Telegraphen-Bureau teilt mit: Wie bereit« in der Presse bekannt gegeben, muß mit Rücksicht aus das Ergebnis der am IS. Februar ausgeführten Getreidebestandsaufnahme, daS erheblich niedriger, als erwartet wurde, ausgefallen ist, bis die Zahlen der angeordneten Nachprüfung endgültig feststehen, zu einer Einschränkung des BrotgetreideverbrauchcS geschritten werden. Dem- gemäß bat das Kuratorium der ReichSgetreidestclle in seiner Sitzung am 23. März mit Zustimmung dcS Direktoriums mit Wirkung vom 13. April d. I. beschlossen: 1. Herabsetzung der täglichen Meblration von 200 Gramm auf 170 Gramm. 2. Herabsetzung der von Selbstverjorgen, zu verbrauchenden Getreidemenge von 9 Kilogramm auf O'/z Kilogramm monatlich. 3. Kürzung der den Kominunalverbänden für Schwer- und Schwerstarbeiterz»lagen zu- i«wieienen Mehlmengeu um 2 5 Prozent. 4. Streichung der Jugendliche nzulagen. Es ist Von'org� getroffen, daß, Wenn dies« Einschränkuvgcn Platz greifen, die Kartoffel- zufuhr wieder den Vorschriften entsprechend geregelt ist, nach denen auf den Kopf und Tag*■/, Piund und für die an der Reichskartoffol« stelle festgesetzte Zahl von Schwerarbeitern weitere �4 Pfund den Gemeinden zur Verteilung überwiesen werden. Soweit wider Er- warten in einzelnen Fällen sich gleichwohl noch Stockungen zeigen sollten, werden zum Ausgleich für fehlende Kartoffeln wie bisher besondere Mehlzuloeffungen statifinden. Im übrigen wird wieder- holt darauf hingewiesen, daß. wenn die Verringerung der Brot- Zuteilung in Kraft tritt, Vs Pfund Fleisch pro Kops und Woche mehr gewährt werden wird, und zwar infolge des zu erwartenden ReichSzuschusses zu einem Preis«, daß auch die minder- bemittelte Bevölkerung der erhöhten Fleischzuweisung teilhaftig «erden kann. 24WnM Was im allgemeinen zu der Kürzung der Brotration zu sagen ist, haben wir bercfts im gestrigen Leitartikel ausgcdrllckr. Wir wollen nochmals betonen, daß alles darauf ankommt, die Ersatzmittel zeitig und in der versprochenen Menge heranzuschaffen. Bedauerlich bleibt, daß man den Jugendlichen für die entzogenen Zusatzkarten keine Ersatzmittel gewährt. Was ist Kettenhandel? Diese Frag« beaniworlet ein Buch:„Der Kettenhandel als Kriegserscheinnng", das von der Regierung empfohlen wird, weil die darip verlretcuen Anschauungen der amtlichen Auffassung ent- sprechen. Unter Kettenhandel verstcbr man die Einichiebung solcher Zwiichcnbändler in den Weg einer Ware vom Erzeuger zum letzten Verbranchcr, welche die Ware dem Verbrauch nicht näher bringen, sondern sie nur durch Aufschlag von Unkosten und Gewinn immer weiter verteuern. Wo eine Ware normalerweise vom Produzenten zum Großhändler, von da zum Kleinhändler und zum Konsumenten hätte gehen können, da schieben sich nun neue, oft zahlreiche Zwischenglieder ein, und die Ware, nach der der Verbrauch dringend verlang!, wird uniiötigerweiie verteuert. Der Wiederauskalif ans dem Detailhandel ist in der Regel Kcrrenhandel schweifter Art, eine volkswirtschaftliche Vergeudung von Arbeit und Kosten, die Be- raubung dcS Konsums und die Zurückbehaltung verbrauchsbereiter Ware. Die Sirafbarkeil des Antäuiers kann einem Zweifel nicht unterliegen. Aber auch der Kleinhändler kann sich be, der Abgabe »einer Waren an einen solchen Aufiäuier der Teilnahme am Vergehen de« Keitcnhondels ickuldig machen. Die Einschiebung von Zwischenhändlern und sonstigen Vermittlern, die eine wirischafiliche Ausgabe in, Verteilungsprozeß der Waren überhaupt nicht erfüllen, ist gänzlich unnötig._ Berliner Lebensmittelnachrichten. ES wird nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß die A n m e I- dungSfrist für den Bezug eines Huhns oder eines Kanin- chenS am heutigen Sonnabend abläuft. Die Anmel- düngen sind bei den Brotkommiisionen anzubringen, die täglich von 8—4 und 5—7 Ubr geöffnet sind. Die Berliner Haushaltungen mögen sich also noch rechtzeitig einen Bezugschein sichern. Nach der Bekanntmachung des Magistrats Berlin entfallen ans den Abschnitt Nr. 51 der Lebensmittelkarte 200 Gramm Mehl und auf den Abschnitt Nr. 52 der Lebensmittelkarte 100 Gramm M a i s g r i e ß. Die Abschnitte sind am 2t., 25. und 20. März in den durch besondere Qerkaussschilder gekennzeichneten Kleinhandels- geschätten gegen Rückgabe der Empfangsbescheinianngeii abzugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist bei den Klein- Handelsgeschäften gegen Rückgabe der Empsangsbeschernigungen zur Verfügung stehen._ Weißbrot nicht uiehr unter 500 Gramm. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teitt mit: Wie bekannt, haben nach Beseitigung der Schrippe befremdlicherweise zabireiche Personen von ihren Bäckern verlangt, sie sollten ihnen täglich eine oder mehrfache irische Weiß- brolschnittcn zu 59 Grainn, liefern. In diesem Verlangen liegt Nlch, bloß eine unnötige Erschwerung des Verkehrs ini Bäckerladen, sondern auch ein Mangel an Wiriichafilichkett. denn beim Ab- schneiden der vielen Schnitten entsteht ein unerwünschter Verlust. Wer Weißbrot essen will, kann seinen Bedarf ebensogut in größeren Glücken einkaufen. Die Groß-Berliner Gemeinden haben sich daber emichlosien, die Bäcker von der Verpflichtung zur Abgabe von Stücken unter 500 Ermnn, beim Weißbrot zu entbinden. Keine Kartoffeln für Lranntwcinproduktion. Durch Verordnung deS Reichskanzlers wird bestimmt, daß Kartoffeln im Betriebs- jähr 1910/17 auf Branntwein nur verarbeitet werden dürfen, ioweir sie sich zur menschlichen Ernährung nicht eignen und nicht in einer in unmittelbarer Näbe befindlichen Trockenanläge oder Stärkefabrik verarbeitet werden können._ Richtpreise für Gemüsepflanzen. Ein von der Verireterbersamm- lung der Brandenburgischen Obst- und Gartenbauvereine ernannter Ausschuß hat Richtpreise für Gemüsepflanzen festgesetzt, durch deren Bekanntgabe eine Ueberteuerung verhindert werden soll. Sie betragen für 190 Stück: au? dem Frühbeet: an? dem freien Lande: Rotkohl... 1.00 M. 0,00 M. Kohlrabi... 1,00. 0,00, Salat.... 0,50„ 0,30, Blumenkohl., 2,00, 1,00, Grünkohl...—— 0,40, Kohlrüben..—— 0,40, Sellerie... 1,00,—— . Für pikierte Pflanzen ist ein Aufschlag von 20 Proz. festgesetzt, Kratzen fiir ehrenamtliche Arbeit von der Kriegsamts- stelle gesucht. Frauen, die freie Zeit haben und ehrenamtliche, d, h. völlig unbesoldete Arbeit in der Wohlfahrtspflege übernehmen wollen, werden von der KriepSamtsstelle in den Marken gesuchl, Insbesondere werden zurzeit Frauen gesucht zur Hilfe für die Massenspeisungen, in Kinderheimen und Kinderhorten, zur Beteili- gung am Gemüsebau in Teltow, ferner für verschiedene Vereine alS Ermittlerirmen. Dabei ist zu bemerken, daß diele Tätigkeit fast ausschließlich in den nördlichen und östlichen Stadtteilen ausgeübt werden muß.— Für diese wie für andere WohtfahriSpflege sind Meldungen erbeten täglich zwischen 10 und 12 Uhr in der Meldestelle für ehrenamtliche Frauenarbeit, Barbarossastratze 05, Gartenhaus. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Frauen, die in ähnlicher ehrenamtlicher Tätigkeit sind, in diesen unter allen Um- ständen verbleiben sollen. Ein Wechsel der Arbeitsstelle muß un- bedingt vermieden werden.. Eine neue Verteuerung der Lebenshaltung deS Ar- beiters bringt die geplant« Besteuerung der Straßen- bahnen, trotzdem die Arbetterkarte ausdrücklich als steuer- frei bezeichnet ist. Bor dieser Irreführung muß gewarnt werden. Die Arbeiter- Fahrscheine der Straßenbahnen— viele Gesellschaften kennen diese Ermäßigung überhaupt nicht— sind zumeist auf zwei Fahrten täglich beschränkt, vielfach auch noch aus bestimmte Stunden. Alle andern Fahrten des Arbeiters fallen aber unter die Steuer, auch die seiner Frau beim Essenbringen, bei Ein- kaufen und die Fahrten der Kinder(steuerfreie Schülerkarten sind Monatskarten). Der Berliner Werbeausschuß für die sechste Kriegsanleihe ver- anstoltet am morgigen Sonnlag, mittags 12 Uhr, eine öffentliche Kundgebung im ZirkuA Busch zugunsten der Anleihe. Lberbürger- meister Mermuth und Finanzminister L e n tz e werden Ansprachen halten. Ein vierstimmiger Kinderchor Berliner Gemeindeichulen wird mehrere Lieder singen. Der KoSlecksche Bläserbund hat seine Mitwirkung zugesagt. Ein Teller Suppe 1,50 M.! Aus der Speisenkarte des Bier- Hauses zum Reihen st ephan stand zu lesen:„Ein Teller Haus- mannskost. rrichlich Einlage 1.50 M." Ich bestellte mir diese.Haus- mannskost und erhielt einen Teller Suppe mit in Slrcifen ge- schnittenent Wirsing, dito Mohrrüben und Gerste; am Boden des Tellers erspähte ich»och etwas Undefinierbares, das sich ichtieszlich als einige winzige Stückchen Knochen, Haut und sog. Haarwachs er- wies. Ich sonderte es sorglich aus, um es daheim aus der Brief- wage nachzuwiegen; genießbar war es ohnedies nicht. Dann erbat ich mir den Geschäftsführer. Der stattliche Mann verzog keine M,ene, als ich meine Beschwerde vorbrachte. Die Einlage, so er- widerte er. sei eben das Gemüse; von Fleisch stehe doch nichts da; ich babe ja auch leine Fleischmarke abgeben brauchen.— So!— antwortete ich— tvie können Sie denn für einen solchen simplen Teller Suppe 1,50 M. fordern; der ist doch mit 50 Pf. bezahlt?— Es ist eben Fieffchbrühe! wurde mir verlündel. Damit war das Gespräch beendet. Die„vinlage* wog genau acht Gramm. Tie AnSfertigungSstellcn für Kleiderbczugscheme haben in den letzten Wochen einen ganz außerordentlichen Andrang zu bewältigen gehabt. In einigen Ausserttgungssteüen ist man— endlich— dazu übergegangen, die Bureauzeit beträchtlich zu erweitern und, den Be- trieb während de§ ganzen Tages van 9 Uhr morgens' bis 7 Ubr abends ohae Unterbrechung durch, zmiihmi. Vor dem Bureau einer dieser Abfertigungsstellen sahen loic einen Anschlag, der den Wunsch auSipricht, daß K i n d e r die ihnen pön Angehörigen übergebenen Ansträge b is 5 U h r erledigen. Es soll da- durch erleichtert weiden, die erst nach 5 Uhr von ihrer Arbeit Heini- kehrenden und die AuSsertigungSstelle« aufsuchenden Personen schnell abzufertigen. Der Wunsch»erdient überall Beachtung, Korausbesttllnlig ganzer oder halber Abteile iserden von jetzt ab seitens der Enenbahndireltionen grundsätzlich abgelehnt. Nur in besonderen Ausuabmesällen, wenn ein öffentliches Interesse hierfür vorliegt, ist die Freihal'.ung auf Grund einer besonderen Ermächli gung der Eisenbahndireltion statthaft. Verzweiflungstat einer Lttlassenen. Eine erschütternde Tragödie hat sich in der vorletzten Nacht in N i e d e r s ch ö n e w 0 i d e ab- gespielt. Die in de: Raunhnstr. 65 wohnende unverehelichte Arbeiterin Ennna I. im ter hielt seit mehreren Jahren ein Liebes- Verhältnis, dem zwei Kinder, Mädchen im Alter aon zwei und vier Jahren, entsprossen waren, und dos nach Ansicht der I, demnächst zur Ehe führen sollte. Diese Hoffnung wurde jedoch jäh zerstört durch einen Absagebrief, den das Mädchen kürzlich von ihrem Bräu- tigam erhielt. Darüber geriet die F., die sich ihrer Liebschaft wegen mit ihren Angehörigen überwarfen batte, in hochgradige Erregt- heit., In ihrer Verzweiflung beschloß die junge Mütter, gemeinsam mit ihren Kindern auS dem Leben zu scheiden. Sie fuhr mit den Kleinen nach der Oberspree und warf von der Tresckowbriicke an? ihre beiden Kinder, nachdem sie von ihnen zärtlichen Abschied ge- nommen, in die Spree p sie selbst sprang dann ebenfalls ins Wasser Ein Mechaniker, der nm diese Zeit von der Arbeitsstelle kam, machte sich sofort daran, Hilfe zu bringen. ES gelang ihm auch in eine)» Boote die Mutter zu erreichen und sie noch vieler Mühe den Finten zu entreißen. Die Kinder waren jedoch bereits untergegangen. Ihre Leichen sind noch nicht gefunden worden. Ein„Großfcuer n« Molkenmarkt" alarmierte in der Nacht zu Freitag die Berliner Feuerwehr. Dort stand um 4 Uhr der Dach- stuhl des uralte« Gebäudes Nr. 2 neben der„HauSvogteio' in Ftammen. Ungehenre Rauchschwaden, vermischt mit, hell empor- lodernden Feuersäulen verkündeten schon von weitem den Brand. Die Feuerwehr griff mit mehreren Schlaüchleitnngen über brennende Treppen und mechanische Leitern an.. Die Löschung wurde durch das fortwährende Wiederemporschlagen der Flammen au§ dem alten Gebälk sehr erschwert. Es konnte nichi verhindert werden, daß die Decken zum dritten Geschoß, da? al» Werlstatk und Lagerraum der Firma M. Wollners Möbeltischlerei dient, durchbrannten und auch in diesem Geschoß, das aus vielen kleinen Räumen be steht, die Flammen um sich griffen. Die Feuerwehr halte bis mittag an der Brandstelle zu tun. Diese bietet einen wüsten Anblick. Ueberall jchwarzgebrannte Balken, � dazwischen ein Gewirr von alten angeglühten und verbogenen Sprungfedern, rauchendem Brandschutt. verkohlte« Fachwerkstielen, kahle«, dem Umfallen nahen Schornsteinen, Resten von Möbel« und Fensterscheiben, zerpsochrnen Türen usw. Ueber die Entstehung kannte Genauere- nicht ermittelt werden.,,, Selbstmord eines greisen Ehepaares. An der Apostel-PauluZ- Kirche wohnte seit länger Zeit das Ttschlerebepaar K- Ter Mann stand in den achtziger, die Frau in den siebziger Jahren. Beide waren hinfällig und wurden von einer Krankenschwester, die je�en Tag kam, gepflegt. Jetzt sollten sie in einHoipital gebracht werden Die Frau bejonderS aber hing sehr an ihrem Heim und stvollle es durchaus nicht Verlaffe«. In dieser Lage kamen die Leute aus den Gedanken, lieber gemeinsam auS dem Leben zu scheiden. Als vor- mittags die Krankenschwester wieder kam, fand sie die Stube mit Gas angefüllt und die beiden alten Leute tot vor. Selbstmord. Mit GaS vergiftet hat sich ein 18 Jahre alter Hnndluiigstsehilfe Bernhard F. au« der Roftvcker Straße. Er halte mehrere Hähne geöffnet und seine Wirtin fand ihn tot auf dem Bette liegen. WaS ihn zn dem Schritte veranlaßtc, ist nicht bekannt. Tödlich verunglückt. Au einer elektrisch«« Rolle verunglückte ein■ 7 Jahre alter Knabe Rudolf Schlegelmilch aus der Warthestr. öti zu Neukölln. Der Kleine ging mit seiner Pflegemutter in ein be- nachbartcs Seifengeschäft, da« eine elektrische Rolle unterhält. Während er hier Handreichungen leistet«, geriet er in das Getriebe der Rolle, das ihm den Schädel eindrückte, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Treibriemendicbe. In einer Fabrik an der Neuenbürg«: Straße nahm ein 17 Jahre aller Bursche namens Hoffmami Arbeit an. Nach einigen Tagen überredet« er den 10 Jahre alten Arbeits burschen Jäschke, mit dem er i« der Thaerstraße die Schlasstellc teilte, ihn in der Fabrik zu besuche«. Hier kamen beide überein» nachts die Treibriemen abzuschneiden und wegzuschaffen. Hoffmanu schloß seinen Freund kurz vor Feierabend i« sein Spind ein und ging mit den anderen Arbeitern durch die Kontrolle hinaus. In der Nacht verließ Jäschke sein. Versteck» bemächtigte sich der Treib- rieinen und schaffte sie mit Hoffmann noch der Thaerstraße, wo er sie an einen Schubmacher für nur 134 M. verkaufte, obwohl sie 10 090 M. wert waren. Ter Diebstahl war ganz rätselhaft, bis jetzt die Rriminalpolizet die Riemen, die nur zum Teil zerschnitten waren» bei dem Schuhmacher entdeckte., Für 16 000 M. Schuhwaren unterschlagen hol der 20, Jahre alte Kutscher Max Müller ans der Adatbcrlstr. 88. Am vergangene« Sonnabend erhielt er den Auftrag, für 10 000 M. Waren nach'ver» schiedenen Zweiggeschäften des Hauses Stiller zu bringen. Seit dieser Fahrt ist er spurlos verschwunden. Die ganze Ladung l>cn er wahrscheinlich verkauft. Pferd und Wagen fand man in der Falckensteinstraße wieder. Die Ladung bestand aus H2b Paar neuen Herren-, Damen- und Kinderstiefeln. Auf die Ergreifung des Müller und die Herberschassung seiner Beute ist eine Belohnung bis zu 1000 M, ailSgesetzt. /ins öen Gemeinden. Unentgeltliche Impfung der Eharlottenburger Einwohner. In der städtischen Volkibadeanstalr, Krummestr. 10, ist eine öffentliche Impfstelle zur unentgeltlichen Impfung ftir die Einwohner Char- lottenburgs eingerichtet worden. Die Impfung ist freiwillig.' Von Kindern kommen nur solche in Frage, bei denen bei der erfolgreichen Erst- oder Wiederimpfung mehr als- 5 Jahre üergangen sind. Ausgeschlossen sind Erstimpfungen und die von solchen Kindern, die in diesem Jahre da« 12. Lebensjahr vollenden.- Die Jmpiungeu finde», von Montag, den 2�. M. ab von 9. Uhr morgens bis 3 Uhr abend- statt, und�zwar für Mädchen und Frauen Montags, Dienstags, Miluvochs und Donnerstags, für Männer und Knaben Freitags und Sonnabends. Ein Ausweis- als Einwohner Charlotlenvurgs ist mitzubringen. Tie Nachschau Andel nur für Kinder bis zum 11. Lebensjahr einschließlich statt. KrikgSwohlfahrt In CHarlottenVm'g. Bis Ende ffevruar d. I öak die Stadt Cdarlottenburq für Kriege, familien Millionen Mark seit Kriegsbeginn an Unterstützungen misgecieben, an Nicht- kriegSteilnedmer und deren Familien tli Million Mark, zusammen also 32 V« V�il li o n e n Mark. Neuregelung deS Fischwarenverkaufs in Neukölln. Der Verkauf von städtischen Fu'chen. Räucherwaren. Heringen und Makrelen erfolgt jetzt in den durch Plakate kenntlich gemachten Fisch- und Raucher- Warengeschäften sowie in den beiden städtischen F'sch-"ballen. Bergstraße 21 und Pannierstraße 13, fortan nur gegen Vorlegung der Neuköllner Lebensmittelkarte aui Abschnitt 1. Wenn auch eine Gewähr für die tatsächliche Verabkolgung der Waren nicht gegeben werden kann, da sich die Verteilung lediglich nach den der Stadt zugewiesenen Mengen richtet, io tritt doch eine gleichmäßigere Verteilung ein. Der Verkauf findet bis«i einem festzusetzenden Endtermin statt, der aber erst bestimmt wird, lvenn Kartenabschnitte der Nr. 1 nicht mebr oder nur noch vereinzelt vorgelegt werden. Sodann erfolgt der Verkauf auf Grund eines neuen Abschnittes. Es ist daber jedem Einwobner die Möglichkeit gegeben, innerhalb eines entsprechenden Zeitraumes einmal Fii'ch- >vare zu kaufen. Auch das Ansammeln und lange Warten vor den Geschäften wird durch dieses. neue Verkabren vermieden, da dem Käufer genügende Zeit zum Einkauf verbleibt. Die Händler haben die vom Magistrat gelieferten Preisverzeichnisse in ihren Geschäften an sichtbarer Stelle auszuhängen und müfien die von der Stadt gclieierte Ware gesondert halten und dies durch Aufschrift kenntlich machen. Die Familien mit fünf Köpfen können von jetzt ab in den städtischen Verkaufsstellen Sauerkohl beziehen. Ziegen und Ziegenlämmer verkaust die Stodt Neukölln Knc'ebeckitr. 142/143 heute und folgende Tage. Näheres siehe Anzeige. Haushaltsplan von Grünau. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sitzung den Zuschlag zur Einkommerfieuer aus 150 Proz. festzusetzen, die Grundwertstcuer wird mit 3.4 v. T. deS aus 19 Millionen Mark geschägten gemeinen Wertes erhoben. Ins- gesamt sollen die Gemeindesteuern eine Einnabme von 159 221 M. bringen. Der Hausbalt wurde schließlich in Einnahme und Ans- gäbe mit 239 909 M.. genau wie im Voljahre, festgesetzt. Die Vor- lagen betreffend Einrichtung einer KriegshilfSstelle. Benutzung der Köpenicker Straßenbahn zum Gütertransport und das Anschlagwesen wurde» angenommen, ebenso die Satzungen de-Z neuen Kranken- kassen-ZweckverbandeZ AdlerShof und Umgegend. Groß-öerlmer parteinachrichten. Ortsvercin Lankwitz deS Kreiswahlvereins Teltow-BeeSkow. Sonntag, den 25. März, abends 7 Uhr, bei Dohn, Kaiser-Mlhelm- Straße 34(Ecke Seydlitzstrahe), Mitgliederversammlung. Ge- „osstm und Genossinnen, Arbeiter und sonstige Interessenten, die in der Fraktionsmehrhcit die einzige Vertretung für praktische und ilelbewußte sozialdemokratische Arbeiterpolitik erblicken, sind hierzu eingeladen. Der Vorstand. flus aller Welt. Freiwilliger Hangertod zweier Einsiedler. In Schönborn, in der Oberlausitz, lebten seit Jahren drei Ge- schw ister Mahnel, zwei Brüder und eine Schwester, alle drei in den uuif,-— r Jahren stehend. Die drei Geschwister waren nicht arm, leötcn aber von der ganzen Welt abgeschlossen in ihrem bäuerlichen Äesitzlum, ohne jemals mit einem Menschen zu verkehren und ohne .�.eudeine femde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie bestellten ihre .lecker, ernteten, ließen aber niemand in ihre Vorratskammern hin- tin schauen. Die beiden geistig minderwertigen Brüder standen ■ iständig unter dem Einfluß der ihnen geistig überlegenen, ssch der durch Geiz, Starrsinn und Menschenscheu auszeichnenden Schwester. Die drei Einsiedler ließen, wie schon gesagt, keinen Menschen in ihr Haus. Türen und Fenster waren verriegelt und -der Einblick unmöglich. An die Anordnungen und Gesetze der Be- Hörden kehrten die drei Sonderlinge sich nicht im geringsten. Sie verweigerten die Steuerzahlungen und kam der Gerichtsvollzieher ■nr das Haus, um die Steuern zu pfänden, so gab es tolle Auf- nitic. Der Gerichtsvollzieher mußte mit Hilfe anderer Personen unachst die Türen aufbrechen lassen. War das geschehen, so stellten ch die drei' Geschwister, bewaffnet mit Beilen und Zlexten, den Beamten kampsesmutig entgegen. Erst wenn es gelungen war, die Hauptwiderspenstige, die Schwester, zu fesseln, konnte der AuS- vsänder seine Tätigkeit beginnen. Dann bezahlten die Brüder. Zu iner tollen Szene kam es im vorigen Jahre bei der Beschlagnahme Heues für die Militärverwaltung. Die Beschlagnahmekommis- sion begehrte umsonst die Oeffnung des Einsiedlerhauses Man war 'gezwungen, die Fenster zu erbrechen, um in das verbarrikadierte Haus zu" gelangen. Wieder stellten sich die Geschwister mit Dreschflegeln und Beilen bewaffnet, den Amtspersonen entgegen. Es gelang, die mtende Schwester zu entwaffnen und ins Arresthaus zu stecken, nd dann erst konnte die Beschlagnahme vor sich gehen Aus Starr- nn verweigerten die Geschwister die Annahme des Geldes für das . cschlagnahmtx Heu. Auch Brotkarten usw. nahmen die Einsiedler nicht an. so daß" man nicht wußte, wovon die drei lebten. Jetzt ist as Rätsel gelöst. Vor 14 Tagen erschien plötzlich die zu einem Skelett abgemagerte Schwester beim Ortsvorsteher und zeigte den lod ihres Bruders Wenzel au. Nunmehr begab sich der Ortsarzt ni die geheimnisvolle Wohnstättc der drei Einsiedler und fand im Bette den toten Bruder, auf einer anderen Lagerstätte den eben- s.nlls im Sterben liegenden jüngeren Bruder. Ter Arzt stellte als odesursache Hungertod fest. Der dem Tode nahe jüngere Bruder zunte nur noch erklären, daß die ebenfalls schon halbverhungerte Schwester es den Brüdern verboten habe, Stärkungsmittel zu sich u nehmen und ärztliche Hilfe herbeizuholen. Im Hause der ver- ungerten Einsiedler wurde eine nicht unerhebliche Summe Geld, .»runter auch Goldstücke, entdeckt. Die KrieqSqefangene«!« der Schweiz. Der schweizerische Bundesrat hat der in Bern zusammengeire- tenen Bundesversammlung seinen 6. Neutralitätsbericht unterbreitet. Von den darin enthaltenen Mitteilungen verdienen die statistischen Angaben über die Aufnahme verwundeter und kranker Krieas- gefangener besonderes Interesse. Deren Zahl betrug am 15. Fe- bruar d. I. 28 369. Davon waren 499 Offiziere. 7313 Unteroffiziere und Soldaten, sowie 638 Zivi- listen aus Deutschland, 1885 aus England, 1961 aus Bel- gien, 15 999 aus Frankreich und 255 aus Oesterreich-Uugarn. Als invalid oder Iveil über 55 Jabre alt wurden aus der Schweiz cnt- lassen 1361 Personen, wovon 56 Deutsche; in die Kricgsgefangen- schaft zurückversetzt 25(8 Deutsche und 17 Franzosen). Der son- stige Abgang beträgt 241, wovon 39 Deutsche. Auf Wunsch der deutsckien und französischen Regierungen werden je 19 deutsche und französische Kriegsgefangene, die seit mindestens 18 Monaten in Gefangenschaft und Väter von mindestens 3 Kindern sind, in der Schweiz aufgenommen. Ferner werden 499 russische sowie je 299 deutsche und österreichische prätuberkulöse Offiziere in der Schweiz interniert werden. Zur Verpflegung dieser ausländischen Kriegs- gefangenen in der Schweiz hat der Bundesrat darauf gedrungen, daß eine verhältnismäßige Erhöhung der Lebensmittelkontingente und Sicherung der entsprechenden Lebensmittelzumhren zugestanden werden, worüber aber die Verhandlungen noch schweben. Bis zum Herbst 1916 waren 19 731 Evokuierie aus den besetzten Gebieten Nordfrankreichs durch die Schweiz in ihre Heimat zurück- befördert worden, bis Mitte Februar weitere 24 343, wozu noch 25 999 Personen kommen._ Rathenow ist wieder pockenfrei. Um jedoch für alle Fälle ein Wiederauftreten der Seuche zu verhindern, werden noch täglich Zwcmgsimpfungen in den Herbergen vorgenommen. Jeder zuge- wanderte Reisende mutz sich"dort impfen lassen. Zlrbeitcr-Samariterbnnd. Kolonne Groß-Berlin. Man- tag. den 26 März, abends piirltlich B'l, Uhr, Köpenicker Straße 62: Prüfung der Teilnehmer vom WinterkurfuS. Mittwoch, den 28. März, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung in denselben Lokal. Verteilung der Flugblätter und Lehrpläne zum neuen Kursus. Einen Bunten Abend deranftaltet am Sonntag, den 25. März, der Deutsche Arbeiter-Wanderbund»Die Naturfreunde" in den Treptower Konkordia-Sälcn am Karpfenteich, Straße Am Treptower Pari 69. Konzert der Mufitatiichcn Abteilung des Bundes unter Leitung ihres Dirigenlen R. V o r p a h I. Den gesanglichen Teil bat Frl. K o I b c, die Rezitationen Herr Ulrich übernommen. Beginn pünktlich 6'/, Uhr." Eingegangene vruckschristen. Anti-Wil-o». Von Eduard Spieß. IM.— R-ichSverlag Hermann Kalloff. Berlin V. SS. Bevölfernngsfrage nnd Schule. Von C. Rosenkranz. 0,50 M.— Pädagogischer Verlag von Hennann Schroedel. Halle a. S. Pädagogisches vor, während �nid nach dem Kriege. Von Fames Reich. 9,69 ClS.— Verlag von R. Suter& Hit, Bern. Ter Kampf um Livland. Von Dr. Paul Rohrbach. 2 M.— Verlag F. Bruckmann A.-G.. München. Kinder ver Freude— Drei Einalter— Von Felix Salten.— Verlag S. Fischer. Berlin. Bedcniiing und Aufgabe der Kirche für die innere Einigung unseres Voltes. Von?l. Schowaltcr. IM.— Richard Mühlmami, Ver- lagsbuchhandlung, Halle. Btzerbevor-rägc für die sechste Kriegsanleihe fVortragSINzze 29). 29 Pj.— Kriegsfinauzen.— Wülirungspolttit und ftaaisbürger. liche Erziehung. Von Dr. Zllfred Schmidt, Essen. Je 59 Pf.— Volks- vereins-Verlag 0. ni. b. H., M.-Gladbach. Beaniteiirerhr und Familie. Von Dr. Karl Balz.— Das inner- politische Teutschland und der Krieg. Von Professor 2B. Kapp. Je 50 Ps.— Teulsaze BerlagSannaU. Stuttgart. Ter Trompeter von Sätkingen. Von Viktor von Scheffel, geh. 75 Ps.— Klirgsgcsetze des Tentschcn Reiches. 5. Eraängshest, geh. 1,25 M.— Tie Soldaten. Von Lenz. Geh. 25 Pf.— Tos lockende Blut und andere Novelle«. Von A. de Nora. Geh. 25 Pf.— Rcclams Univeriai-Bibliothek. Die Sorina. Bon Georg Kaiser.— S. Fischer, Verlag, Berlin. Bölkrrrcchtsgeist. Van Dr. Hugo Sinzhcimer.— Der Welt- friedcnsbund. Von Walter Schücking. Je 89 Bf.— Sozialdemokra- tiiche Vötkerpolitit. Von Eduaid Bernstein. Brosch. 3,69 M.— Verlag „Nalurwisscnfchaftcn" G. m. b. H.. Leipzig. Rasputin. Von Rolf Leusly und Manfred Feh-Pahlen. 1,59 M.— Verlag Max Schi dbcrger, B-rlin W 62. Tie deutsche Eigeiliialirung. Von Dr. Ziegelroth. 69 Pf.— Dr. Ziegelrold'S Sanatonum, Kiuminhübel. Ter Batikan.„Süddeutsche Monaishefte", März 1317. Heft 1,59 M., Vierteljahr 4 M.— Verlag Süddemsche Monatshefte, München. Tic unsere Hoffnung stnd. Von Helene Christeller. Gcbd. 4 M. K. ThiencmaunS Verlag, Slullgart. Borschläge zur ffi uährulig des deutschen VolkeS iu Krieg uud Frieden. Von Dr. Jatod Hacks und Hugo Rawitfch.— I. U. Kcrn'S Verlag, Breslau. Plattdütsch Land un Waterkaut. 69 Pf.— Oulckborn Verlag, Hamburg. Buchreihen. Von Dr. Karl Christian Bry.— F. A. Perthes A.-G., Gotha. Baltische Not. Von Piet v. Reyher. 75 Ps.— Puttkamcr u. Mühl- brecht. Beilin W 56. Zum Weltkrieg. Von Dr. Karl PeterS. Brosch. 5 M.— Rüsch'Ich« Verlagsbuchdaiidlung. Hamburg 1. Tie Geschästsauisicht zur Abwendung des Koukurses. Von Fritz Weinberg. 2,89 M.— Jndustricoerlag Spacih u. Linde, Berlin 0 2. lieber die Behandlung von Kriegsueurose». Von Dr. G. Lieber- meisler. 1,89 M.— Karl Marhold Verlagsbuchhandlung. Halls a. S. Balkan-Problcme. Von Dr. Otto Freiherrn von Düngern. 75 Pf. Sittliche Bedliigungeu nationalen Gedeihens. Von Karl Gu!- mann. 69 Ps.— Max Äellerer's Verlag, München. Bekanntmachung über die Geschäftsaufjicht zur Abwendung des Kontnrfes. Von Karl Pannicr. 25 Pf.— Kühner Kurs. Bon Wilhelm Schreiner. 25 Pj.— Mutter undekannt. Bon Mite Kremnis 79 Pf.— Ekkehard. 1. und 2. Band. Ton Viltor von Scheffel. Je 55 Pf.— Verlag Philipp Reelam jun, Leipzig. Heimfiättcn z> in Betriebe von Gartenbau uud Kleiuticrzucht. Von Fritz Psemungslorff. 2 33?.— Verlag jür Sport und Naturlicbhabcrei, Berlin W 57. Ter Weltkrieg uud die Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht. Von Dr. Wilhelm Müller, Wien. 89 Pf.— Albert Müllers Verlag, Zürich. Staatsiozialismus oder Staatskapitalismus. Von Rudols Goldicheid. Geh. 4 Kr.— Anzengrubei-Verlag. Wien X/l. Tic Groststadtschule der Zukunft. Bon Pros. Dr. Kapff, Göppingen. Resormschulvereiu Stntlgarl(E. V.). Pfitzerslr. 5. „Tie Freistatt". Heft 1—4. Zeitschrist für Kultur und Schulpolitik. Jabrgang 3 Fr.— Buchdruckcrei Bcnieli A.-0., Bümpliz-Bern. Tie Freistatt. Hejt 1 bis 4. Jahrg. 3 Fr. Vuchdruckerei Benteli A.-G.. Lümvliz-Bern. Tic deutsche Sache— Die deutsche Seele. Von Friedrich Nau- mann. 1 M. Verlag Georg Reimer, Berlin. öriefkasten der Neüaktwn. P. 12. Unzweiselbast.— Gertrud 43. 1. Nein, die Kündigung muß auch von Ihrem Manne vollzogen werben. 2. Wenden Sie sich an die Stistungsdepuialion des Magistrats, Postslr. 16.— K. B. 16. Es würde sich in Ihrem Falle empschlen, zu uns Persönlich in die Sprechstunde zu kommen.— H. K. 74. Der Ausweis von der Hebamme genügt.— L. St. 2. Tie Festsetzung des Lohnes unierliegt in Ihrem Falle der freien Verewbarnng zwischen Unlernebmcr und Angestellten.— M. H. Wenden Sie sich an eines der Rönlgenlnboratorien. deren Adressen im 2. Bande des eidreßbuchcs, Teil IV, Seite 325 verzeichnet sind.— B. G., Neu- kölln 98. Wir möchten Jbnen raten, sich zünächst an den Verband der Landarbeiter zu wenden. Michaelsirchplatz 1, II.— A. S. 173. Im erslcrcn Falle bat die Meldung beim Bezirlskommando zu erfolgen. Im zweilcn Fall bemüben Sie sich wohl nach dem MKaliarbeiicroeröand Linien ar. 83-85. — W. Sch. 166. 1 und 2. Bis zu 1999 M. 3. Sosorl.— 36. K. G. Nein.— A. B. 4. Beitrag aus der KriegSkinderspende wird erst nach statigefundener Geburt gezahlt. Wenden Sie sich event. wegen Extra- Unterstützung an den Nationalen Frauendienst. Praktische Steuerpolitik oder Skeuerdogmatik? Von Heinrich Cuuow. Preis 1 Mark Bereinsausgabe 50 Pfennig Diese Broschüre bietet eine gute, gemeinverständliche Einführung in die Aufgaben der Steuer- und Finanzreform. Die ersten Kriegssteuern und die Sozialdemokratie Bon Wilhelm Keil. Preis 2 Mark Vereinsausgabe 1,20 Mark Die große Bedeutung, die den ersten Kriegssteuern zukommt, und die klärende Wirkung, die von den Reichstagsdebatten auSgeht, ließ es angezeigt erscheinen,«ine gedrängte Zusammenfassung des gan- zen Verlaufs der Steuerkämpfe zu geben. Das wichtigste Tatsachen- Material ist in der vorliegende» Schrift zusammengestellt. Reue Steuern während des Krieges? Von Gustav Hoch, M. d. R. Preis 1 Mark VcreinSausgabe 60 Pfennig Die Stenerentwürfe der Regierung werden in dieser Schrift aus- führlich und in allgemein verständlicher Form krili'ch beh mdelt. An Hand reichlichen Materials beantwortet der Verfasser die Frage, ob und in welcher Form neue Einnahmen des Reiches wayreud des Krieges notwendig find. bWMlM BlllrälS Will AM Ö. m. S. S. Berlin STD. 68, Lindenstrahe 3. BezugsQueiien-Verzeiclinls Serrn-Octen Irubeiit wöckeo.lirk tiaatl. B»! giiHam«nz'i'ilM._ 0 Butter. Eier, KSse m ■HJdteiBiaiin.sniialtia ssac Mehliiantiluna mMtä m Photograph. Ateliers n �Haynn, Frankfurt. Allee d.'i �geg. RSngbnh. Frank!. AlloeA th UfflnTflliBb.6.ZM«kke,Andms- H!.gTBU&sn>r.28>. Anärmspiatii cSchuhw. u. Besolilanstalten z i mb _ WerenhSueer xx. UuliriKi\V>reat»iluFI«niriigN Illi-Slrtli» 11.V»rw..l.M.erH*,>N Bezugsqueilen-uerzeiclinis Barün-Horiien _ E«l tlatufei_ iirogen, larben .jN-ri« Ro'kur. 31 l Imli.Srbiilmdiirriah Fleisch- u. Wurstw. Wlekth- [CklscIiDiaDnsCeDlf.Ä.I .Herr.-, Dam.-, Krirb.-— u. Mädchen-Gardur.'V Vtteranenstr. Hl torli« u. n. Muß I Itolonial waren � B. SaeoeM IXT1 ß � lVlehlhar.dlüngen=0 s U M. MtoAl 1 SföEiltuafia�lna � S lUlno 1 so Eeiii;'»«ni»rfril.»J I ij nlKit n I.D. Tischlcrm-ioter u iettitum; Albert Hahnisch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— 1>,4 und von 4'4— 7 Uhr. :. Wahlkreis: S. und SW.; Gustav Schmidt, Barwalbftr. 42, an der Gncifesiauslraße. Geöffnet von 11— aind von i'v— 7 Uhr. '. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hoj rechts pari. Geöffnet von II— 11'/.- und von i'i—7 Uhr.„ �... I. Wahlkreis: Osten: Robert Wenge!. s, MarkuSstr. 36. Geöffnet von 11— Ui und von 4�—7 Uhr.— Karl Melle, Petersburger Platz 4 lLaden). Geössnet von 11— l'-tz und von 41.j— 7 Uhr. l. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. Ge- öffnet von U—lte und von 4M!— 7 Uhr. i. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet von II— tl:j Und von 4M:— 7 Uhr. . Wahlkreis(Moabit): Solomon Joseph. Wilhelmshavener Str. 48. Geöffnet von 11— IM, und von 4>4-— 7 Uhr. W-dding: I. Hönisch, Müllerstr. 34», Ecke Utrechier Straße(Laden). Geöffnet von 11— Iii und von 4M-— 7 Uhr. Rosenthaler und Oranienburger Borstadi: A. Wolgast, Wattstr. 3. Geöffnet von 11— l'-i und von 4M-— 7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6(Laden). Geöfftiet von 11— 114 und von 4�4— 7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagcner Straße 22. Ge- öffnet von LI— 1M4 und von 414— 7 Ubr. 'Mershof: Feuerstein, Bismarckstr. 82. !!i-Glicnicke, Kallenberg: Wilhelm Dürre, Friedrichstr. 46. "mimschulenweg: H. Hornig, Marienihaler Straße 13, I. tzernau, Röntgental, Zepernick, Schönow, Schöubrück und Buch: Heinrich Brase, Mühlenstr. 5 lLaden). Zeitungs-Attsgabestellen und Jnseraten-Annahme. Ge- Bohnsdorf: Horlemann, GcnosienschastshmlS„Paradies. Eharlottenburg: Gustav S ch o r n b c r g, Sejenheimer Straße 1. öffnet von 11— 1'4 und von 4M:— 7 Uhr. Eichwalde. Schmöckwitz, Zeuthen, MierSdorf: Oskar Mahle, Grünauer Straße 37. Fredersdorf-PelerShagen: Stellmacher, Petershagen. Friedenau, Steglitz, Südende: H. B e r n j« c, Alsenstr. 5 in Steglitz. Ge- öffnet von 11— IM- und von 4M4— 7 Uhr. Friedrichshage«, Fichtenau, Rahnsdorf. Schöneich«. Klei»» Schönebeck: Ernst Werlmann, Friedriw-Hagcn, Köpenicker Straße 13. Grünau: Franz Klein, Fnedrichstr. 19. Johannisthal, Rudow: Ma; Gonschur, Parkstr. 23. Karlshorft: Hermann B i l l i n g, Tönhoffftr. 28. Könias-Wnsterhausen, Wildau, Ricderlchme: Friedrich Baumann, Luckenwalder Straße 5. Köpenick: Emil W i ß I e r, Kictzer Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Ubr bis abends 8 Ubr. Lichtenberg I, Friedrichsselde, Hohenschönhausen: Otto S e i k e l, Warten- bergstiaßc 1 iLadcn). Geöffnet von II— l'4 und von 414— 7 Uhr. Lichtenberg II, Rummeliburg, Stralau: 71. Rosenkranz, Alt-Box- bagen 56. Geöffnet von 11— IM und von 4'4— 7 Ubr. Mohlsdorf, KaulSdorf, BieSdorst P. H e ß b e r g, Kaulsdorf, Ferdinand- straße 17. Mariendsrf, Marieufelde: August Leip, Chaufieestr. 29. Neukölln: M. Heinrich, Ncckarjtr. 2(Laden). Geöffnet von 11— 114 und von 4M4— 7 Ubr. Neukölln-Britz: Rohr, Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Niederfchöueweidc: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 19, II. Rowawes: Karl Krvhnbcrg, Eisenbahnstr. 19. Oberschönewride: Ida Freidank, Bismarckstr. 2.1. I. Pankow, Niederfchönhaufen. Nordend. Franz.-Buchholz, Blankenburg: R i ß m a n n, Mühlenstr. 39. Geöffnet von 11— IM- und von 414 bis 7 Uhr. Reinickendorf-Ost. Wilhelmsruh und Schöuholz: P. G u r f ch. Provinz- straße 56'Laden). Geöffnet von 11— IM- und 414—7 Uhr. Tchenlendorf bei KönigS-Wusterbaujen: Ehr. H a n f ch k e, Torfftr. 19. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Meininger Straße 9(Laden). Geöffnet von II— IM- imd von 414— 7 Uhr. Spandau. Ronuendamm: Schumacher, Breite Straße 6. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Ubr abends. Tegel, Borfiawalde. Wittenau, WaidmanuSlust. Hermsdorf. Hohcn-Neuen- darf, Birkeuwerder. Freie Scholle und Rcinlckendorj-Weit: Paul K i e n a st, Borfigwalde, Räuftbstr. 19. Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Ubr. Teltow: Pfeifer. Havelftr. 2. Tempelhof: Rud. Ucckermann, Kaifer-Dilbelm-Etraße 74. Trepww: Rob. Gramenz, Kiefholzstr. 412(Laden,. Geöffnet von 7 Uhr morgens bi» 8 Uhr abends. Weißeufe«, Heinersdors: Gust. Roßkopf. Berliner Allee 11. Wilmersdorf. Halens«, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelm-- auc 27. Zoff:»: Fr. Ratsch, Berliner Straße 24. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlicheu Werke werden geffcsert. Sonntag: find die Ausgabestellen geschloffeu.