Ue. 89. 34. Jahrg. kldonntMtoU'Stckinquaq«»: kdannementZ» BreiS vrünmairimd» Licrttljähi� S S0 Ml. moniUI. 130 SSI, widjemlidj BO Big. ftn tnS txiui. 6ütjcln» Siummct ö Big. Somtlog». niumnei mit iHuftricrtci Eonmazi- Scilape»Di- Knie Well' 10 Big«oft- Kbonncmcttt: ILO Marl Sto aRonat Wngetragai in M««oft. Seitmtd»• Vreisliile. llmer Rratjftan» in: Dcalfchland und Oeflerreich> Ungarn ZK) Mark, für baS übrige auälanc 4 Mark bio Monat. Bofiabonnemems nehmen au Belgien. Eänenmrt Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Xumäniot. Schweden und die schwelt. äftbelit tlgfbk. ( 5 Pfennig) Die InlertionS'Getölir Betragt{Br die iechtgespaliene Kolonel, telle aber deren lllamu i)0 Big., für oliiiiche und geiverlschafilicke Lcrcin«- Und Bersaimnllutgd-Nnzeigon M Big. 6 Mein» Hnrcijtn'. da-? i.ugedruche äott ao Big.(ättlaifig 2 tettgebnutte Kartei, jebe-5 weitere t?oii 10 Big. Slellcugemche imi) öOjtenlelleuoii- leixeu das erste Wort tO Big., jede« weilere Wort ä Big. Warte ilbet'lö Buch. Kaden zählen für zwei Worte, tznierine Ifit die nächlle Jimnmcr mfliten d>4 B Uhr ttoiSmiltagä ui der Exdedllian »dgegeden werde». Die Es.rdNtou«! bii i Uhr abends geöffnet. Derlinev VolKsblakt. �entralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Dcutfchlands. Telegrainm.AdrcNet �Miiidcmolirti ßtrll»" Neöaktioa: EW. 6$, Ltnüenstraße Z. Aeruivrecher: Ann Maritzvlatt, Str. 1S1 SU— 151 97. IT" Expedition: EW. 6$, Lindenstraße S. iherniprecher: Amt Msritzplatz. Str. IS1 SU— ISt«7. Listsetzung eines vettsssungsausschusses. Der Entschluß des Reichstags. Der Reichstag hat ia oameutlicher Atisiimmuug mit 227 gcgeu 33 Stimmen bei fünf Stimm- enthaltungeu einen nationalliberolen Antrag äuge- uommen, einen besonderen Ausschuß von 28 Mit- gliedern(BerfassnugSauSschust) zu bilden für dir Prüfung verfassungsrechtlicher Fragen, insbesondere der Zasammeusctzung der SolkSver- Vertretung uud ihres BerhältniffeS zur Regierung; dazu eine sozialdemokratische lsutschließung, diesem Ausschuß die im Reichstage eingebrachten riuschlägigen Anträge und Resolutionen zu überweisen. Tie Reickistagsmel)rheil. die am Toitnerstag ihrem Wunsch nach sofortiger Herbeiführung innerpolitischer Re- formen Ausdruck gab, hat am Freitag abend einen beachtens- werten Beweis ihrer Kraft abgelegt. Gegen eine verschwindende Minderheit hat sie beschlossen, einen besonderen Ausschuß, einen Verfassungsausschuß, einzusetzen, dem die große Aufgabe zufällt, einer freieren Entwicklung im Teut- schen Reiche die Bahn zu weisen. Auf den achtundzwanzig Männern dieses Ausschusses ruht "----«>»-——....... 1-Vi.'. d«' .».' �. i+i-.»VU �«.4->...... V-• flf VyC Geschichte eingetragen werden, die von ihren Taten und ihren Versäumnissen berichten wird. Tas Volk wird für ihr Handeln oder ihr Unterlassen Rechenschaft verlangen. Man kann sich vorstellen, weichet Hohn diesen Ausschuß dereinst treffen würde, wenn er seine Zeit mit nutzlosen Debatten vertrödeln und wenn er mit leeren H a n- d e n zu seinem Auftraggeber, dem Reichstag, zurückkehren wollte. Tie deutsche Geschichte ist reich an abschreckenden Bei- spielen. Verhängnisvoll lväre es, wenn der Ausschuß nur dazu bestimmt wäre, die Bibliothek der Bundestags- und Frankfurter Reichstogs-Protokolle um einige Bände zu per- mehren, wenn er nichts lieferte als neue Tokumente, die an die Zeit der Ohnmacht und der Zerrissenheit erinnern. Tiefer Ausschuß darf um alles in der Welt nicht bloß ein staatsrechtliches Seminar werden, er darf keine vornehme Gruft werden, in der die H o f f n u n g e n des deutschen V o 1 k e s auf eine bessere Zukunft ein Begräbnis erster Klasse finden. Käme es so, dann wäre es hundertmal besser, gar nicht erst angefangen zu haben! Tos feindliche Ausland wird die Arbeiten dieses Ausschusses mit Schadenfreude oder mit Besorgnis verfolgen. Mit Schadenfreude, wenn er versagt, wenn er nur zu einem neuen Hemmungspunkt wird, an dem sich die vorwärts- treibent�n.Kräfte des Landes nutzlos aufreiben und in bc- denÄicher Weise stauen. Mit Besorgnis, wenn es gelingt, die Arbeit in regem Fluß zu erhalten und rasch zu einem gedeih- lichen Ende zu führen. In ihrer Unkenntnis der deutschen Verhältnisse hat die Entente die Hosfmtna durchblicken lassen, die Ereignisse in Rußland würden in einer Weise auf Deutschland zurückwirken, die ihr zur Erreichung ihrer verderblichen Kriegsziele nützlich sein würde. Die sozialdemokratischen Redner im Reichstag und die sozialdemokratische Presse im ganzen Reich haben diese Auffassung einmütig zurückgewiesen. Dasselbe hat dann auch namens der„Arbeitsgemeinschaft" der Abg. Haase getan. Aber der Reichstag des allgemeinen Wahl- rechts, den die Entente als ein gegenüber dem„Militär- despotismus" gänzlich nnbeachtliches Gebilde hinzustellen liebt, hat die drängende Frage der politischen Neuordnung mit ruhiger Festigkeit in oie Hand genommen und auf den ordentlichen Weg gebracht. Er hat dies getan, obwohl der leitende Staatsmann noch am Tage zuvor feine Stimme gegen die Vornahme innerpolitischer Reformen während des Krieges erhoben hatte. Hoffentlich sieht Herr v. Bethniann, der seit zweidrei- viertel Jahren der begeisterte Verkünder jener Neuordstung gewesen ist, wenigstens jetzt seine Aufgabe nicht darin, einer notwendig gewordenen EntWickelung in die Zügel zu fallen. Aber wie dem. auch immer sei: die große Bedeutung des gestrigen Tages liegt darin, daß sich die deutsche Volksver- tretung gestern vor aller Welt als eine politische Potenz er- wiesen hat. und daß sie den Willen gezeigt hat, nach den Worten des Reichskanzlers zu handeln:„Wo wir von etwas zu befreien sind, da befreien wir uns selbst I" Damit ist für den Anfang viel gewonnen. Demi es zeigt sich, daß Teutschland nicht— wie seine Gegner behaupten � ein versteinertes Gebilde ist, dem die Fähigkeit zur eigenen EntWickelung fehlt und das darum von außen her mit den? Hammer zerschlagen werden muß. Was das Deutschland des allgwncinen Wahlrechts und der allgemeinen Echulpflicht in seinem staatlichen Aufbau von den demokratisch regierten Ländern trenni, wird in der feindlichen Propaganda gehässig übertrieben. Diesen Ueberireibungen wird durch den Beschluß des Reichstags eine Schranke gefetzt und zugleich wird der Wille bekundet, in friedlich geordneter freiheitlicher Entwiche- lung Vorlvärts zu schreiten. Je deutlicher dieser Wille zum Ausdruck kommt und je rascher er weithin sichtbare T an e n zeitigt, desto mehr wird für unser Volk gewonnen sein nach innen und noch außen! Aber alles Gewonnene und mehr noch wäre verloren. wenn sich der Verfassungsausschuß des Deutschen Reichstags auch wiederum als eine Impotenz entpuppen sollte. Es klingt paradox, aber es ist doch richtig, daß selbst BesÄüsse, die manchen bedenklich erscheinen mögen, besser sind als gar keine! Daß ein rascher Entschluß, selbst wenn er Mängel auf» weist, besser ist als matt hinsiechende Entschlußlosigkeit. Ter Ausschuß muß sich darüber klar sein, daß wir im gewaltigsten aller Kriege sieben und daß auch seine Entschlüsse Mittel sein sollen, diesen Krieg um unsere Selbsterhaltung zu gewinnen. Er muß sich dessen bewußt sein, daß ihm bei seiner Arbeit ein Feind über die Schulter sieht, der darauf lauert, aus seiner Tatenlosigkeit Schlüsse gegen das deutsche Volk zu ziehen. Soll er, soll ein Satiriker der Zukunft etwa sagen können: „Als die Welt fast drei Jahre in Flammen stand und als selbst Rußland zur Freiheit erwachte, da setzten die Deutschen eine Kommission ein, aber dabei kam nichts her- aus...!"? Diese Zeit ist zu schwer und zu ernst, als daß -jNgn.>0- 1 �; r. s I ;i; Mi:... sich:iv trostlose�.»», der G:w:st. —■':. mit durch sie Warfen allein tun tbeoretike hinaebeu, daß wM seine Waffen zur Achtung nötigen könne. Tie Warten zur Älylnng noilgen rönne. L.ie Marren tutet n tun es nicht! Solange sie angewendet werden müssen, um einen vielfach überlegenen Gegner von seinen Vernichtungsziclen abzubringen, sollen sie angewendet werden. Aber inzwischen bleibt es die Aufgabe der Politiker, der deutschen Volksver- tretung und jetzt vor allem des von ibr gewählten Ausschusses zu zeigen, daß das deutsche Volk auch auf anderen Gebieten jene Achtung für sich fordern darf, die die andexcn zivilisierten Völker für sich in Anspruch nehmen. Auch dies ist— um es noch einmal zu sagen— ein Mittel, um daS deutsche Volk aus blutigen Wirren einer glücklicheren Zukunft cntgegenzu- führen. Jetzt, da der Reichstag sich anschickt, dte Führung aus diesem Wege zu übernebmen, heißt ei, nicht mehr nur:„Wehe dem Staatsmann.. sondern auch:„W ehe der Volks- Vertretung, dte die Zeichen ihrer Zeit nicht erkennt!" Der Verfasiungsausschuß des Reichstags aber sollte an die Wand seines Beratungszimmers die Worte schreiben, die in nicht minder schwerer Zeit Johann Gottlieb Fichte seinem Volk zugerufen hat: Handeln! Handeln! Das ist es, wozu wir da sind! 227 gegen 55. Widerspruch. Denn ohne ihn hätte das Haus auf namenlliche Abstimmung verzichtet. Aber als Herr Hirsch sprach, ging es wie ein Lauffeuer durch die Bänke der Linken: nun aber namentliche Ab- stimmung, nun wollen wir schen. wer Herrn Hirschens Freunde und die anderen Gegner einer Fortcntwickclung unseres innerpvlitische.i Leben? sind! Uttd rasch entschlossen nahm der nationall iberalc Fraktionsfithrcr, Prinz Schönaich-Carolaih, seinen Antrag auf namentliche Abstimmung tvieder auf, obwohl er sich damit in erster Linie gegen seine eigenen dissentierenden Parteigenossen wandte. Gerade deswegen aber ist auch die namentliche Abstimmung von be- sonderer Bedeutung stir den Liberalismus, der jetzt Klarheit dar- über hat, wie Weit ihm seine eigenen Leute bei dem immrrhiiü maß- vollen Fortschritt, den er Will, folgen. Die vorhergehende Debatte hatte sich im allgemeinen aus der gleichen Höhe gehalten, die schon die Debatte des ersten Tages gc- zeigt hatte. Der Vertreter der sozialdemokratischen ArbcitSgemein- schaft, Haase, hielt sich zu einem großen Teile in dem Nahmen der kritischen Ausführungen, den am vorhergehenden Tage stikrn unser Genosse NoSke gespannt hatte, nur mit dem Unterschied, daß er seine Kritik durch Schärfen des Ausdrucks besonders Würzen zu müssen glaubte. Sachlich erwiderte ihm Genosse David, der zweite Redner der Sozialdemokratischen Fraktion, soweit Haase die sozialdemo- krattsche Politik angegriffen hatte. Aber auf eine lange Polemik mit der äußersten Linken ließ sich David verttünstigerweise nicht ein. «T-rtt«»i Mjjqj ringr-dond:-; frdrHtmtjjjcn Ä'JBfühtmH-'(V 6?t> rr' Fl i o e i z vge r n■ f. ä l t ü> z dt' Ä r• gietuiig U'.id cancve! einet schonungslosen und scharfen Zurück Weisung der Konservativen und Alldeutschen. David schloß mit dem Wunsche, daß eS durch tatsächliche Reformen in Deutschland gelingen möge, das Wort Wahr zu machen: Deutschland in der Welt � voran I Auf David folgten der Fortschrittler D o v e und der Rational liberale Schiffer. Durch den Schwung, den ihre Reden, die allgemeine Stimmung erhielten, gewannen su Ott 23irfm Beide Redner wiesen nmbdtücklich darauf hin, daß die de» Kanzlers mit der Neuordnung der Tinge, besonders rrif d- Reform des Wahlrechts, zu beginnen, von ihm nur für de gegen- Wärligen Augenblick ausgesprochen Worden fei. Andere Verb'ltn ise könnten also auch den Kanzler zu sofortigen Handlungen nötigen. Erheblich von der bisherigen Höhe herunter zog die Debatte der Konservative v. Gräfe, der mit einer Häusiu: von sil ten au» Goethe und anderen Dichtern, die aber nicht en.mal immer richtig waren, die eigene Gedankenarmut zu verbergen[ia. vergeb [ich bemühte. Den Schluß der Debatte bildete eine Rede L i d � b o u r S. Vor der Fortsetzung der großen politischen T-ebatir b.::- Reichstag noch den Gesetzentwurf zur Hetabsetzung der Mindeststtasen des Militärsttasgesn.»cher in zweiter und dritter Lesung erledigt, so daß den Soioaten die Wohltaten dieses Gesetzes schon in den nächsten Tagen zuguic kommen. Durch ein« Resolution, deren wohlwollende Ausführuiin der Vertreter der Regierung. Generalmajor v. Lang ermann, zusagte, soll auch den bisher schon nach den alten, horrend hohe- M-indeftstrafen verurteilten Soldaten der Vorteil des neuen Gr. 23a? der Reichstag am Donnerstag m.t erfreulicher Eni- � � Weise zugute kommen. schtedenhett begonnen hatte, setzte er am«rmtag mit gleicher Eni- � �o hat der Reichstag neben der beda.terlichen Steuergesetz schiedeuhctt fort, und zwar btS zum guten Ende. Hatten dte zwu- ÖCj,llne � g�ch wertvolle und fruchtbare Arbeit geleistet. tägigcn Debatten über die gesamte tnnere. und außer« Polttck des Reiches schon eine politisch bedeutsame Uebercinsiimmung der großen Parteien der Linken erkennen lassen, so verdichtete sich diese zum Schluffc auch noch zu citzer gemeinsamen Aktion. Diese wiederum hatte so viel Schwang und Bierde kraft, daß sie fast den ganzen Reichstag bis auf die Konservativen und ihre offenen und geheimen Freunde in den übrigen Porteien mit sich riß. Die Nationalliberalen hatter«rnen Antrag eingebracht, der die Einsetzung eines Verfassnngsausschusses zur Ve- ratung Wichtiger verfasstmgsrcchtlicher Forderungen der neuen Zeit verlangte. Die sozialdemokontische Fraktion wollte einen Ausschuß I zur Beratung aller auf die Neuordnung der innerpolitlschen. Zustände des Reiches sich beziehenden Anträge. Beide Anträge wurden in zweckmäßiger We'sc miteinander verbunden, so daß sie eine sinnvolle Einheit bilheteu. Gerade dieser Umstand, ferner aber auch der sonstige Verlauf der'zweitägigen Debatten veranlaßtcn den bekannten Vertreter der'Schwerindustrie bei den Nationalliberalen, Herrn Hirsch- Essen, für sch und einige setner Parteifreunde zu erklären, daß er seine Untersarift zurückziehe und gegen den Antrag stimmen werde. Eine ähnliche warnende Bemerkung Wußte Graf Westarp noch zur Geschäft ordnung anzubringen. Obwohl dem nationalliberal-sozialdemokratischen Antrag dadurch vor der Ab- stimmmig noch mit besonderer Schärfe seine eigentliche Bedeutung als einer tatsächlichen Akti-n gegen junkerliche Vorrechte, gegen schwerindustrielle Scharfmac! rrei, gegen die Stagnation unseres Verfassungswesens, vor allem aber gegen das preußische Drei- klaffenwahlrecht aufgezeigt r-orden war, wurde er in namentlicher Abstimmung mit 227 gegen 33 Stimmen bei 3 Stimm enthaltung/u angenommen Vieöer 90000 Tonnen versenkt! Berlin, 30. März. An neuen U-Boots. Erfolgen k»««e» noch Meldungen znrttckgekchrter U-Boote zu den bisher im März veröfkrntlichten hinzu: 31 Dampfer, 2 Segler, 1t Fischerfahrzeugk mit inogrsami 90 999 Br.-Reg.-Tonnrn, und zwar: St englische Schiffe: Die bewaffneten Dampfer Eorando<2733 X»., Po-'a (3061 To.) mit Kohlen, Trevose(3112 T».), AInwick Eastle(5900 Tonnen> mit Stückgut nach Kapstadt, Frinton(4191 Da.) mit Eisen erz, Fracht- und Paffagicrdampfcr Autonv<6446 To.l. dir Dampfer Clan Marmillan(4323 To.), Ackille Adam(460 Tonnen), Exchange(279 To.), Rio Sorocaba(ex Bramlev, 4307 To.) mit 6400 To. Zucker für dir französische Regiernng, Dampfer, wahrscheinlich Glenaen(3227 To.) mit Zucker von Java nach Raute». der Sckuner William Ma»tvn mit Sohlen und die Fischlutter Guar», Prncrar. Carlew, R«2, R 233, L. T. 1132, B. M. 349, R 123. L. T. 667. L. T. 302, L. T. 962. R 52. Zfranzüfische Schiffe: die Schunerbrigg Leontiue und dir Fischtuttrr Rhodore, Etoile Polaire. der portugiefifche Dampfer Angola(4297?,.) mit Kohle«. 1.1 norwegische Schiffe: »»»4» ♦ i L ly U L i LJ. i i O /r".. �»>., �''"•''>' DaS Haus nahm da? erfr'-uüche Abstiutmungsergebnis mit lebhaften, die Dampfer Skreicn, Algol, Attila» Lach mit Holz, Garant tuet Bravo auf, und im still« tzmkte mancher Herrn Hirsch für fernen iSnlftrt und Papier,«, Snndt mit Eisru, Pollvx mit Stüchgut, (<�e«afS mit ScfctnämiUelft uock England, cufmttta mit Heringe», iyt»inBaag mit Kehlen, Arode, Konz Inge mit Kohlen und Stuck- gut voil Glasgow nach Marseille, Httgin mit Kohlen Bon Wunderland nach Santander, der holländische Tantdampfer I. B. August Kcstlcr 'Sl0i To.), der dänische Tampfcr Russin lllil? To.V Ferner 1 Schisse, deren Namen sich nicht scstkellen ließen: ein englischer HilfSkreujer von mindeste«» ÄdVl Zt., ein be- niasfneter Dampfer von etwa Nllli To. i« Artilleriegesecht, ein bewaffneter Transportdampfer von etwa tlnfg To., ei« teladrncr Tompfer von etwa-tlllllZ To.,«wei Dampfer von je etwa ZWO To., darunter einer unter holländischer Flagge, ein beladen« Dampfer B»a etwa 1500 To. Ter vhef des Admiralstabrs der Marine. die Vereinigten Staaten vor öem Kriege. Englische und amerttiamschl? Blätter vertreiben sich die l-Zeit mit Rätselraten über die Erklärungen deK Präsidenten im Kongreß am 2. April mrd ihre mögliche Trogweite. Der große scheint nicht in rechten Schwung zu kommen, denn die„Times" klagen, daß sich die von den Teutichfreunden eifrig unterstützten Pazifisten kräftig rüsten. Den Mitgliedern des Kongresses gingen allerlei Mitteilungen zu und dos Weiße Haus werde mit Forderungen bestürmt. Am Vortage der Kvugreßsitziing werde eine Riesendemou- stration veranstaltet werden, woran anschließend eine Ver- sammlung stlfttfinden soll, aus welcher Bryan sprechen werbe. Tic Iren, öeutschfrenndlich Gesinnten usw. unterstützen die Tätigkeit der Pazifisten. Diesenigeir, welche den Krieg wollten, machten gleichfalls eine gewaltige Propaganda und würden hierbei von der Presse unterstützt. Diese Propaganda darf aber nicht darüber täuschen, daß Präsident Wilson genug Autorität hat. um alle politisch ein-- slußrcichen Kreise des Landes hinter sich zu sammeln. Aull,'die Kriegstreiber sind eifrig bei ihrem schmutzigen .Handiverk und erfinden Gruselgeschichten: „TailB Telegraph" vernimmt aus New Z)ork: In PhIlaSelpyia sei ein Skandal in dem Rotcn-Kreziz-Vcrcin aufgedeckt worden. Das Verbandszeug sei mit nichtigen chemischen Lösungen geträrikl gewesen. Tie lokale Abteilung habe die Binden einer bestimmten Behandlung unterworfen. Es sei Tatsache, daß diejenigen Personen. i Deiche die Binden gebraucht hätten, getötei worden wären._ Im übrigen wären einige Verbände mit dem Bodensatz dieser Lösung gefüllt geivesen, so daß, auf offene Wunden gelegt, eiternde Wunden entstehen würde». Im Kriege ist nichts so dumm, daß es nickt willig ge- glaubt wiirdr. aber es ist doch ein wenig stark, die als erste entdeckte Lumperei eines Lieferanten der amerikanischen Armee oder des Raten Kreuzes der deutschen Propaganda in die Schuhe zu schieben. Die Zehnverbändler werden schon weit früher gemerkt haben, daß die großen Shiupathien, die sie in den Vereinigten Staaten genossen, nicht stark genug zur-Verhinderunq schlechter Lieferungen waren. Die.Frankfurter Zeitung" licrichiet, daß alle Ab ic: langen der Regierung der Ansicht seien, daß der Kongreß sich Wilson an- ichließen werde, obwohl er die Debatte über die Entscheidung bis zum 10. April hinausschieben kann. Die Pazifisten sind weiter an der Arbeit. Wilson ist jetzt geneigt, die Macht des ZraoreS in ihrer ganzen Ausdehnung zugunsten eer Alliiert n anzuwenden, doch wird.die Absendnng von Truppen nun, Europa nicht iBnimtMbar gqejartl,«uchcr-,u demonstrativen Zwecken. Die.„Ebering Post" sagt: Tie Entente wird kein sormelle-Z Bündnis vorschlagen. Mit anderen Worten: Amerika scheut vor dem Kriege nicht zurück, aber aus die Bindung, zu der sich Frankreich, Rußland, Japan, Italien gegenüber England bereit fanden, wr dies sich nicht einlassen. Ter Krieg soll„sein" Krieg sein. heißt: seim durchaus sein Geschäft, bis zu dem Recht auf Sonderfrieden,''wenn er rentabel scheint. Die Wahlrechtsfrage im Unterhause. Tie große:! Probleme der inneren Politik, die echte Massenfragen sind, kommen allenthalben in Fluß. Der Krieg kann sie nicht mehr hemmen. Es zeigt sich iogar— waS uns ganz und gar nicht überrascht—. daß die Einflüsse der Kriegszeit manche Hemmnisse, auf die sonst zu rechnen war, lüchtig abgewetzt haben. Die parlamentarische Behandlung der englischen Wahlreform mehrt diese Erfahrung. ÄuS London meldet„Nieuwe Rotterdamsche Eourant": Tic Debatte über die Wahlrechtsfrage im Unterhause er- gab. daß die Opposition gegen die Wablresorm viel weniger stark war.«lS man erwartet hatte. Die Regierung vertrat energisch den Standvunki der Kommission. Lloyd George ergriff selbst das Wort, und nach den„Daily Ne>os" war seine Siede die beste, die er als Premierminister gehalten hat. Sein Eluirete» für die Wahlreform dürste sein Ansehen im Parlament erhöhen. Einundsechzig Abgeordnete, die gegen den Kommissionsberickt stimmten, gehörten zu den Ultra- konservativen, während mehr als die Hälfte der Unionisten das Kompromiß anzunehmen bereit find, das der Kommissions- bericht darstellt. Die Entscheidung ü b e r d a s Frauenwahlrecht will die Regierung dem H a u s e ü b e r l a s s e n.' Es ist kein Zweifel, daß im Uuterhause eine überwältigende Mehrheit dafür vorhanden ist./ Wie„Daily Rews" uicldet, sagte Lloyd George zu einer Abordnung von Frauenrechtlerinnen, die bei ihm vor- sprach, die Frage, ob daS Frauenwahlrrcht in die Bill aufzunehmen sei, werde dem Ilnterbause überlassen bleiben, aber die Mehrheit der Regierung sei dafür, und cc ziveiflc nicht, daß eine iiberwäl- ;ij)£iii)c S'Mnchcit im Unterhause sich dcbenfalls dafür entscheiden werde._ Der Streik in Griechenlanü. R» t t e r d a vi, 30. März. Ueber de» Autstand erfährt „Daily Telegraph" vom Dienstag: Der Streik der Arbeiter in der elektrischen Zentrale dauere fort und wird von den anderen Gewerkschaften uuterstiiht. Dem Versprechen der Regierung, daß sie die Fordernugen der Anaständige.» unterstützen werde, wenn diese sofort die Arbeit wieder aufnehmen, misttraue mau, da die Ausständige» meinen. daß die Regierung die weggenommenen Maschineouuterteile aus diese Weise zurückznbekommeu versuche. Einige Blätter suchen politische Gründe hinter dem Ausstand, aber wahr- scheinlich mit Unrecht. Der eigentliche Grund liegt in der ungeheuren Teuerung sämtlicher Lebensmittel. Ter Brotpreis fei schon wieder um 20 Proz. gestiegen. Die„Times" vernimmt aus Athen: Die Regierung hat die A u s st ä n d i g e u in den elektrischen Betrieben durch Matrosen ersetze» last'cu, damit diese Betriebe wieder »nie gewShnlich arbeite» können. Infolge der Haltung der Kazmdierangriffe östlich Neubille-Tt. Vaast — Gefecht an der Straße Peronne-Fins. — Zlugriffe nordöstlich Soiffons«— Ruffenaugriffc bei Dünaburg. Amtlick. Großes Hauptquartier, den 30. März 1917.(SB. T. S.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Antois Front war der Artilleriekawpf lebhast. Oestlich von Neuville- St. Vaast griffen lauadische Regimenter unsere Stellungen viermal»ährcud der Stacht an; sie sind stets verlustreich zurückgeschlagen worden, einige Gefangene in«userer Hand geblieben. Beiderseits- der Straße Perouue— FinS wichen anfere Sicherung« noch Gefecht«it stärkeren englischen Kräften in der Linie Nuyaulcaort— Sorrl auS. Nordöstlich non SoisionS Bersvchte» franzofische Bataillone vergeblich, bei Neuville und Maraival Boden zu gewinnen; unser« Posten wiesen sie verlustreich ab. Am AiSae— Marne- Kanal deuteten Ansammlungen zwischen Sapigurnl und La Neuville auf einen sich vorbereitenden Angriff, der durch unsere Batterien niedergehalten wurde. In der Champagne sind gleichfalls Brreitfiellmigen fran- zifischer Angriffstrupp« wirksam beschossen worden. Am Parroy-Walde(Lothringer Front) hott« unsere Stoß- trnpps 13 Gefangene aus den feindlichen Gröben. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front de» GeneralscldmarschallS Prinz Leopold von Bayern. Westlich von Düuatnrg scheiterte ein Bogeiff mehrerer rusfischer Kompagnien in unserem Feuer. An der Front des Generaloberst Erzherzog Joseph und bei der Heeresgruppe de» Generalfeldmarschall» von Mackrnsrn Keine Errignille von Belang. Mazedonische Front ErkundungZobteilungcu cibentetc» bei einem Borstoß in die französischcu Gröben zwischen Lhrida- und PreSpa-See mehrere Tchnelladegewrhre und reichliche MnnitionSvorrätr. Der Erste Generalquarticrmristcr. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 30. Mörz. AbcndS. Nördlich von R o i s e l und südlich Vau R i p o n t (Champagne» lebhafte Gefechtstätigkeit. Im Osten nichts Wesentliches. Der österreichische Bericht. Wien, 30. März 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine kelondrren Ereignisse.�. � Jta..ch,ttcher Kr-tgSscbauplätz. In Kor st-Abschnitt ist die Artillerlrtitigteit in de« Kampfräumen unserer letzten Unternehmung sehe lebhaft. R o» r- r e t o und A r c o standen gestern unter dem Feuer mittlerer und schwerer Geschüve. In Area wurde daS Zivilspital grtrosscn. Ter Stellvertreter de» ChefS d«S Generolstvbe» von Hvesrr, Fetdmarschallrutnan».' Ausständigen und der M öglichkeit, daß die Truppe« gemeinsame Sache mit ihnen machten, sei die Lage noch immer unsicher. Tie Polizei hat am Montag ewige Aus- ständige verhaftet. Die Epirus-Irage wirü aufgerollt. Bern, 29. März. Wie Lyoner Blätter aus Athen melden, wurde die griechische Regierung bei den Vertretern der Entente wegen der letzten Vorgänge in der südlichen neu- tralen Zone von Epirus und Thessalien vor- stellig. Tie zurzeit in Athen weilenden Deputierten von Epirus beriefen eine Versammlung ein, um die durch den italienischen Vormarsch in EpiruS geschaffene Lage zu besprechen. Die griechische Regierung ist der Ansicht, daß die von dem italienischen Gesandten Bosdari ac- gebenen Zusicherungen unzurMchend sind. Ministerpräsident Lambros hatte eine lange Besprechung mit dem König über die Lage in Epirus und Thessalien. Die russische Konstituante. Der Arbeiter- und Solüatenrat örängt auf Einberufung. Wie die Agentur Radio vom Mittwoch aus Petersburg meldet, trat der Arbeiter- und Soldatenrat mit der proviso- rischeu Regierrnig in Unterhandlungen wegen Einberufung der konstitnierendeii Vcriammkui'g, tür welche die Regierung die Mitte des Sommers vorschlägt. Ter Rat erklärt jedoch, dieser Zeitpunkt sei z« entfernt. Bis jetzt konnte noch kein Entschluß gefaßt würden. Reben dem Arbeiter- und Soldatenrat ist auch ein Bauernausschuß an de» Verhandlungen beteiligt. Es ist sicher, daßdieÄrmee an den Wahlen teilnehmen wird. Petersburg, 29 Mörz. Die P-tersburger Telegraphen- Agentur meldet: Während des ganzen gestrig«« Tages fanden Kundgebungen verschiedener Regimenter der Garnison Petersburg statt, welche Fahnen mit Inschriften trugen, unter denen die beiden Worte„K r i e g" und „Freiheit" vörherrschten. Es gab also auch noch Jnschrissen, die das Gegenteil besagten. Daß in Petersburg eine Bewegung für den Frieden am Werke ist, die sich in den Straße» geltend macht, ergibt sich wiederum aus folgender Meldung der„Frankfurter Ztg.": 'Stockholm, 30. Mörz. Laut Meldungen aus Peters- bürg gehen dir dortigen kriegsfcindltchc» Kund- gedungen weiter. i Ter Stockholmer Sonderberichterstatter des ,.L. A." will von einer Absplitterung im Arbeiter-at unterrichtet worden sein, die eine Folge dcS Unwillens über die Unterstützung der chorläuiigen Regierung und ihrer Kriegspropaganda gewesen sei. Tie Angaben lassen sich zurzeit nicht nachprüfen. Ter neuen Gruppe hätten sich die Telegraphen-, Eisenbahn- und Postbeamten angeschlossen. Ans dem Blatt der Gruppe wird folgende Resolution mitgeteilt: „Es wurde beichlossen. sofort in Verbindung mit dem Prolc- tariai der revolutionärcii Temoiratic aller kriegführenden Länder zu treten, um den unmittelbaren Schluß des verbrecherischen Krieges berbeizufübren. der den Völkern aufgezwungen wird. Sie fordern die systematische Verbrüderung der Soldaten der kriegführenden Völker in den Schützengräben." Die Kriegspropaganöa öer vorläufigen Regierung. Petersburg, 28. März. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agenlur. Tic Arbeiter der Kriegsmate- riol-Fabriken haben beschlossen, auf die eine Grunde forderung ihres Programms, den A ch t st u n d e n t a g, an- gesichts der Notwendigkeit, die Äriegsmaterialcrzeugung mit allen Kräften zu steigern, zu verzichten. Petersburg, 28. Marz. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agcntur. Das oisizielle Organ des Arbeiterun d Soldatenrats schreibt in einem Leitartikel über die Notwendigkeit des Lerteidigungskrie- ges gegen Teutschland vom 27. Marz folgendes: Rußland darf den Hohenzollern und ihren Parteigängern nicht als leichte Beute erscheinen, und das monarchische Teutschland soll wissen, daß das revolutionäre Rußland alle seine Kräfte der Sicherung seiner Eroberungen weihen wird. Der Aufzug öer Petersburger Regimenter. Petersburg, 29. März. Wie die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet, trug das Regiment Scmcnovsky, das gestern olö erstes mit Musik durch die Straßen nach der Duma zog, eine große rote Fahne mit der Inschrift:„Tie freien Soldaten des Regiments Semenovsky". Vor dem Regiment marschierten Leute. die Banner mit der Aufschrift trugen:..Soldaten, in die Schützen- graben!,„Arbeiter, in die Werkstätten!",„Krieg bis zum letzten Hauch!",„Es lebe die Freiheit, es lebe die Republtl!", und andere. Als das Regiment vor der Duma angekommen war, bielt Tschcidsc eine Ansprache, in der u. a. sagte: Beweist Ihr, Soldaten, daß.Ihr die Löwen der Revolution seid, daß Ihr nicht gestatte n werdet, daß man einen Anschlag aus Eure Freiheit macht. Es lebe die Armee, deren Disziplin auf dem gegenseitigen Verständnis zwischen Soldaten und Ossi- zieren beruht. Tscheidse befürwortete dann die Konstitution cincr Versammlung zur Schaffung einer demokratischen Republik. Ein kraftvolles Hurra aller Soldaten war die Ant- wort auf diese Ansprache. Rodzianko, umgeben von zwanzig Abgeordneten, trat heraus und sprach unter lebhaften Kundgebungen zu den Soldaten, die er dann aufforderte, gegen den furcht bar st cn Feind, die Deutschen, zu käoipscn. Er sagte:„Wir werden unser Möglichstes tun, damit die lonstituierende Versammlung als- bold einberufen wird, die Rußland regieren wird. Wir wollen allen ihren Entscheidungen gehorchen und werden mit unserer ganzen Kraft die Regierung verteidigen, die in Rußland durch den Willen des Volkes eingeführt wird. Was die Verteilung der Ländereien betrifft, so erkläre ich Euch, Soldaten, daß das Land, wen» die konstituierende Versammlung sich dafür cut« scheidet, dem Volke ohne den geringsten Wider st and gegeben werden wird." Tie Soldaten spendeten Rodziauko begeistert Beifall u�d. trugen ihn auf den Armen durch den ganzen Saal.... Der Bericht der Telegraphen-Agentur sprickt noch von der An- tünst einer Deputation der Schwarzen-Meerflotte und der Besatzung und Arbeiter von Sebostopol in Petersburg. Ihr Sprecher habe gesagt: Die Flotte, die Besatzungen der Städte des Südens und die Werftarbeiter seien beseelt von den zwei Wahl iprüchen:„1. Krieg bis zum äußersten, bis zum vollständigen Sieg auf der ganzen Linie und ein großes, freies Rußland. 2. Tie Schwarze- Meerflotte leiht ihre ganze Kraft der provisorischen Rc- gierung, damit sie eine konstituierende Versammlung einberuft, bevor sie festlegt, wie Rußland leben soll." Rodzianko antwortete alsdann wiederum sein Sprüchlein vom Krieg bis zum vollkommen- ftcn Siege, ohne den Rußland nickt frei sein würde, da sonst die Deurschcn den Russen das auferlegen würden, was sie in den letzten Tagen niedergeworfen hätten. Besonders beachtenswert an diesen« Bericht in Kriegs- frisur dürfte die Tatsache sein,• daß der Abgeordnete Tscheidse zu den Soldaten der aufziehenden Regimenter offenbar, denn sonst teilte der Bericht es sicher mit, kein Wort von Krieg gesprochen und dennoch ein„kraft- volles Hurra" gecrntct hat. Die Grablegung öer Revolutionsopfer. Petersburg, 20. März. Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Tic bürgerliche Leichenfeier für die Opfer der Revolution wird am Freitag, den 30. März, a u i de m Marsfeld c, gegenüber dein Marmorpalaft stattfinden, wo etwa hundert Pioniere eine mächtige Gruft aus- hebe». Bier Ingenieure leiten den Bau der gemein- amen Grabstätte, deren Plan von der Petersburger Architcktengcscll'chaft ausgearbeitet und vom Rat der Arbeiter- und Soldaten-Abgeordneten gutgeheißen worden ist. Tie Feier wird von morgens bis 5 Uhr abends dauern. Zensur unö Kriegsgerichte aufgehoben. Neubildung des Hauptquartiers. Petersburg, 23. März. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur. Der Kriegsminister hat die Aufhebung der Kriegsgerichte angeordnet. Ter frühere Kriegsminister General Poliwanow ist ins Hauptquartier gereist, um es auf neuer Grund- läge zu reorganisieren, die Beziehungen von Generalstab und provisorischer Regierung genau zu bestimmen und für die Abgrenzung der Befugnisse zu sorgen. Gleichzeitig wurden sie alten Heerführer, die die Altersgrenze erreicht haben, des Oberbefehls enthoben. Der Minister des Innern hat die sofortige Aufhebung der Zensur über alle im Auslände in fremden Sprachea erscheinenden Zeitungen angeordnet. Reuter meldet aus Petersburg: Fürst Golitzin und Goremy.in sind wieder in Freiheit gesetzt worden. Zum Oberbefehlshaber der westlichen?lrmee- g r u p p c wurde nicht, wie früher gemeldet. General Letschitzti. fondern General Gurko ernannt. Letfchitzki bleibt Korps- kommandant. Organisation von Schiedsgerichten für gewerbliche Streitigkeiten. Amsterdam. 30. März. Renter meldet ans Peters- bürg: Der Rat der Arbeiter- und Soldatenabzcordneten in Petersburg hat ein a»S sechs Ritgliedern bestehendes L n r r« n IJr. 89. 31. Mrgang. SkilM des.Awölls" Kcrliscr Allisdlsll Zlinnllbtvd. 3l. Miir; l9l7. Schluß öer Kanzleröebatte. Reichstag. 96. Sitzung. Freitag, den 30. März, vormittags 10 U h r. Aiu BundeZratsliich: Dr. H e l s f e r i ch, v. S t e i n. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurses betreffend Herabsetzung von Miudeststrafen des Militärstraf- gesctzbuches. Abg. Laudsberg lSoz.): Wir beantragen noch die Bestimmung hinzuzufügen, daß ein Untergebener, der eine ibm von einem Vor- gesetzten zugefügte Körperverletzung durcki Beleidigung oder Körper- Verletzung auf der Stelle erwidert, für straffrei erklärt werden kann. Ferner beantragen wir, den Absatz des§ 152 zu streichen, wonach bestraft wird, wer eine Beschwerde unter Abweichung von dem vorgeschriebenen Dienstwege einbringt. Denn diese Bestinimimg hemmt das Beschwerderecht. Ter von der Kommission beschlossenen Resolution, dast den bis zum Inkrafttreten des Gesetzes abgeurteilten Militär- Personen die Vergünstigung deS Gesetzes durch Gnadenerlasse gewährt werden mögen, werden wir zustimmen. Abg. Stadthagenl n e h m» bar, denn er würde die Disziplin aus das äußerste gefährde». Das Beschwerderecht ist insofern nicht gehemmt, als jede Beschwerde. auch wenn sie nicht auf dxm vorgeschriebenen Dienstwege vorgebracht wird, untersucht werden muß.— Zur Resolution der Kam- miision bemerke ich, daß sämtliche Urteile, die unter da" neue Gesetz falle», nachgeprüft werden sollen und zwar in der Ivohlwollendsten Weise. Unter Ablehnung der gestellten Anträge, für die nur die Sozialdemokratische Fraktion und die Sozialdemokratische Arbeits- gemcinschaft stimmen, wird das Gesetz angenommen, ebenso die Reso- lution der Kommission. Darauf wird das Gesetz sofort in dritter-Lesung debatte- los angenommen. Die Verkündung dieses Resultats wird mit Bravorufen ausgenommen. Die zweite Beratung des Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amts wird fortgesetzt. Mg. Haas«(Soz. Arbg.): Bei den Ausführungen deS Reichskanzlers hatte die Mehr- heil des HauieS wohl das Gefühl: Man spricht vergebens viel um zu versagen, der andere hört von allem nur das Nein. Auch der politisch Schwerhörige mußte den Kanzler verstehen: mag der Krieg noch so lange dauern, bei dem preußischen Wahlrecht darf nickt gerüttelt werden, das Dreiklasscntvahlrecht muß ausrecht er- halten bleibe». Das sagte der Kanzler in dem großen historischen Augenblick, wo die F l a m nr c n z e i ch e n der Revolution überall aufleuchten. Meine Fraktion rst mit Bewunderung erfüllt für das russische Volk, das das Joch des Zarismus ab- geschüttelt hat. Wir gedenken namentlich mir Sympathie der Ar- deircr. die durchdrungen von der historischen Mission im Border- treffen gekämpft und dem Befreiungsweri ihren Stempel ausgedrückt haben. Mit Hilfe unserer schwedischen G-noffen haben wir ihnen zum Ausdruck unserer Gefühle folgendes Telegramm übermittelt: Wir begrüßen aus vollem Herzen die entschlossene Erhebung deS russischen Proletariats. Sein Sieg über den Despotismus be- dingt die Befreiung nicht nur Rußlands, sondern der ganzen Menschheit vom Banne deS Krieges und des eroberungslüsternen AuSbcutungSdrangeS. Euch Vorkämpfern des Sozialismus und der internationalen Solidarität senden wir unseren brüderlichen Gruß.(Bravo! bei der Soz. Arbg.) Roch vor wenigen Tagen rief der Reichskanzler■ Wehe den, Staatsmann, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Er selbst aber geht achtlos an ihnen �vorüber. Stets brauchte der Reichskanzler nur einige schillernde Seifenblasen in die Lust zu stoßen und das Entzücken war in weiten Kreisen groß. Als aber gestern an Stelle der nichtssagenden Phrase eine bestimmte Tat treten sollte, hat er v e r> a g t. Die Junker haben auch in der inneren Politik über den Kanzler gesiegt, wie Herr von Tirpitz in der äußeren. Der Reichskanzler erklärte, er könne sich nicht überzeugen, daß die Re- form des preußischen Wahlrechts unmittelbar vorzunehmen sei. Er scheint nicht gefühlt zu haben, daß diese Erklärung wie Peitschen- hiebe in S Gesicht der breiten Massen wirken müßte. (Lebhafte Zustimmung b. d. Soz. Arbg.— Präsident Dr. Kaempf rügt den Ausdruck als unzulässig.) Der Reichskanzler glaubt einen Wechsel auf die Zukunft ausstellen zu lönncn, während die Ansprüche doch längst fällig geworden sind.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Welche Sicherheit bietet denn solch ZukunftS- Wechsel? Hat jemand Bürgschaft, daß der Reichskanzler auch nach dem Kriege noch aus seinem Platze sein wird? Sein Nachiolger ist durch seine unbestimmten Redewendungen nicht gebunden.(Lebhaftes Sehr richtig i bei der Soz. Arbg.) Und worauf lautet denn der Wechsel? Der Reichskanzler wird mir nicht widersprechen, wenn ich behaupte, daß die Lorarbeiten für eine preußische Wahlrechtsreform keineswegs auf ein gleiches Wahlrecht hinausgehen. ES handelt sich vielmehr darum, auszuklügeln, wie man den Arbeitern zwar etwas mehr politische Rechte gewähren könne und doch daS Wahlrecht so einrichten könne, daß der Einfluß der Arbeiter ein beschränkter bleibt. Wenn die Arbeiter auS dem Felde zurückkehren, wird sich unter ihnen eine Empörung erhebe», von der die Herren sich gar keine Vorstellung machen.(Sehr wahr l bei der Soz. Arbg.) Ich denke nicht daran, mit einer Revolution zu drohen. Zu Kriegöbeginn freilich sprachen konservative Männer ohne jedes Entsetzen vor Revolutionen von solchen in Irland, Rußland, Frank« «ick. Indien. Freiherr von Gebsattcl wies ja auch in seinem be- kannten Brief an den Reichskanzler darauf hin. wcuu auf die Aus- Nutzung des Sieges verzichtet würde, so würde dir nächste Folge eine Revolution sei». Auch die Alldeutschen spielten mit dem Gedanken einer Revolution in Deuischland. Wir erstreben jederzeit das Beste für unier Volk und für die anderepLölker und betrachten die Bezeich- nung als vaterlandslose Gesellen., diqirnS das einträgt, als Ehrentitel. (Sehr richtig! b. d. Soz. Arbg.) Wir">ihwarmen nicht'ür das Ausland und haben jederzeit die großen Leistungen unseres Volkes in Kunst und Wiffenichast, die Leistungen der deutschen Arbeitersckaft für daS ollaemcine Kulnirbewußtiein anerkannt. Wir lehnen es aber ab, dem Chauvinismus, JingoiSmuS oder dem Alldeutschtum auch nur die allerkleinstc Konzession zu machen.(Zustimmung bei der Soz. Arbg.I Als Grund für feine Weigerung, das preußische Wablrecht in Angriff zu nehmen, sagte der Kanzler: Soll ich einen Wahlkampf hervorrufe», wenn der Wähler dransten im Schützengraben ist. Welch ein Bcrlegenhritseiuwand. Etwas ganz anders als der Wahlkampf ist das Gesetz für ein neues Wahlrecht und jeder Soldat wird froh sei«, wen« er bei der Rückkehr hier ei« beffereS Wahlrecht findet.(Lebh. Sehr richtig!) Welche Gefühle sollen die Soldaten haben, die mit den Bayern, Badcnsern. Württembergern Schulter an Schulter kämpfen, die alle bei der Rückkehr ein gleiches Wahlrecht vorfinden, während die Preußen nach wie vor als Parias dastehen. (Sehr richtigl bei der So.z. Arbg.) Das Argument, im Kriegs geht es nicht zu machen, ist längst widerlegt. Reaktionäre Forderungen werden durchgesetzt. Die Reform der Polengesetzgcbung ist enge- kündigt, freilich kommt sie. weil die politischen Zustände dazu drängen.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Es zeigt sich da schon der Einfluß der russischen Revolution. Die Revolution von 1905 brachte für Oesterreich da? allgemeine, gleiche Wahlrecht und hat auch die unzureichende sächsische Wahlrefarm i» Fluß gebracht. Tie Revolution bleibt auch nicht ohne Wirkung auf das vreutzische Wahl- recht.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Das GotteSgnadenium hat einen Stoß erhalten, von dem es sich, wo immer es noch nistet, nicht erholen kann.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Sogar die rusfiscke Bourgeoisie tritt für die demokratische Republik ein. Die rote Fahne auf dem Wintcrpalat» des Zaren ist das Symbol ge- worden für daS allgemeine politische Streben. Als Plunder be- trachtet und in die historische Rumpelkammer geworfen wird ganz etwas anderes als die sozialdemokratische Forderung auf Ein- führung der Republik.(Lebh. Sehr richtigl bei der Soz. Arbg.) Unsere Antrage erschöpfen nicht unser Programm. Auch die Demokratisierung des Heeres ist dringend notwendig. Durchführbar sind unsere Forderungen. Es wäre kein S t a a t s st r e i ch, wenn die Regierung i» Preußen ein»cueS Wahlsystem einführen würde.(Lebh. Hört! hört! rechts.) Sie würde dann lediglich das durch einen Staatsstreichs eingeführte Gesetz wieder aus der Welt schaffen, sie Ivurde ein historisches Unrecht wieder gut machen.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Aber man braucht diesen Weg gar nicht zu gehen, man rann von Reichs wegen das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht für alle Bundesstaaten einführen.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Weiter verlangen wir Abschaffung des preußischen Herrenhauses. Es ist ein Anachronismus, der nicht in unsere Zeit mehr hinein- paßt.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Weiter fordern wir die Beseitigung aller Ausnahmegesetze, wir verlangen das für daS Zentrum, für die Polen, für die Arbeiter. Wir verlangen weiter eine Amnestie für alle politisch Verurteilten und Entlassung der in Schutzhaft Genommenen. Die provisorische Regierung in Ruh- land hat die Gefängnisse den politischen Gefangenen geöffnet. Bei uns aber wird Liebknecht wie ein gemeiner Verbrecher m Zuchthaus mit Zwangsarbeit beschäftigt.(Lebh. Pfui! links.) Rosa Luxemburg, die kühne Vorkämpferin des russisiben Proletariats. ist bereits seit dreiviertel Jahren in Schutzhaft(Lebh. Hört? hört! bei der Soz. Arbg.), ohne daß eine Anklage erhoben wird. Die russische Revolution legt uns die Pflicht auf, ohne Verzug Friedens- Verhandlungen einzuleiten und zum raschen Abschluß zu bringen. lLebh. Sehr richtigl bei der Soz. Arbg.) Die Ausführungen des Reichskanzlers über die Nichteinmischung in die russischen Ange- legenheiten waren korrekt. Aber es war nicht immer so. Wenn er das behauptet, kennt er die Geschichte der preußisch-russischcn Beziehungezr recht schlecht. Russische Spione durften sich auf deut- schein Boden etablieren, um russische FreiheitSheldcn, die hier ihren Studien nachgingen, ans Messer zu liefern.(Al>a. Ledcbour: Die Schnorrer und Be-nstwörerlt Nillst vergessen'.aben wir, daß im K ö n i g s b c r g e r P r o z e ß im Februar 1S0t in überrasckwndcr Weise enthüllt Ivurde, wie die preußische Regierung auf Wunsch der russischen Einfluß auf die russischen Angelegenheiten nahm. Die Träger der russischen Revolution sind in erster Linie die Arbeiter. Nicht der Hunger hat sie auf die Straße getrieben, sondern vor allem daS Verlangen, der Massenschlächtcrei ein Ende zu machen. (Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Als Tschcidse die Liquidation des europäischen Konfliktes verlangte, da wagte ein Konservativer ihm zuzurufen: Du bist ein Gehilfe Wilhelms!(Pfui! bei der Soz. Arbg.) In derselben Weise beschuldigt man auch bei uns den, der für Frieden eintritt, er vertrete ausländische Interessen.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Auch der einstußreicke Justizminister Kerenski ist durchdrungen davon, daß Rußland Frieden schließen mutz. Aber man soll sich beigunS nicht einbilden, man könne einen Frieden lediglich mit Rußland haben und sich mit größerer Wucht auf die anderen werfen. Die Phantasierei eineß Separatfriedens muß ein für allemal schwinden.(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.) Beim Friedensangebot vom Dezember vorigen Jahres trat man als Sieger auf. in der einen Hand die Friedenspalme, in der anderen das Schwert. Dadurch war das Friedensangebot von vornherein verurteilt.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Tritt man an die russische Regierung mit der Erklärung, wir wollen keine Annexionen, wir wollen keine Oberhoheit über ein anderes Voll, wir wollen, daß kein Teil Kriegsentschädigung fordert, so können wir den Frieden sofort haben.(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.) Die Schwierigkeiten, zu einem Frieden zu kommen, sind größer geworden durch den U-Boot-Kricg. Wir stehen setzt auch vor einem Krieg mit Amerika, was das bedeutet, iveiß jedes politische Kind. Auch China ist an die Seite iinseNir' Geginnr getreten. Verworrener wurde die Situation noch durch das Bündnis- an gebot an Mexiko. Als ich in der Zeitung davon las, glaubte ich an einen Mißbrauch des Namens des Staatssekretärs. Man glaubte, bei der Gelegenheit auch Japan zu einer Auseinander- setzung mit Amerika veranlassen zu können. Das Dogma, daß solche Gegensähe unter allen Umständen kriegerisch ausgetragen werden müssen, ist gründlich erledigt. Das Merkwürdigste an dem Angebot war das. V«rsprechen an Carranza, Arizona undNeumexiko sollen an Mexiko fallen. Die Kriegs stimm ung. in Amerika. ist Lurch oiesen Schritt unserer Regierung gewaltig gesteigert worden. Auch andere Handlungen der Regierung haben uns keineswegs dem Frieden näher gebracht. Die Parole deS Admiral Tirpitz in seinem Neujahröbrief:„Für ISl? sei Flandern das LosuvgSwort!" hat sich der Reichskanzler zu eigen gemacht.(Hört! hört! bei der Soz. Arbg.) Er hat den Rat der Flamen empfangen, eine mcrktviirdige Gesell- schast, ohne jedes Ansehen im eigenen Lande. Das,>oaS man den Flamen verspricht, sollte man erst einmal im eigenen Lande den Polen, Dänen und Elsässern gewähren.(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.) Erfreulich ist, daß der deutsche Kaiser der zwangsweisen Verschickung der belgischen Arbeiter Einhalt geboten hat; darin liegt daS Zugeständnis, daß vorher Belgier zu unrecht als Arbeitslose nach Deutschland gebracht worden sind. Ais ich dagegen protestierte, hieß eS, ich vertrete die I n t e r- essen d e's Au s la nd es. Es scheint also, daß sehr hohe Per« sonen auch zuweilen die Interessen deS Auslandes wahrnehmen. (Sehr gut! bei der Soz. Arbg.) Unsere innere und äußere Politik hat Schiffbruch erlitten. Beide stehen im engsten Zusammenhang. Solange das imperial!- stische absolutistische Regimen- bei uns besteht, werden wir nie im Innern zur Wohlfahrt gelangen und auch keine erfolgreiche aus- wärtige Politik betreiben können. Alle Regierungen haben sich un- fähig erwiesen, aus eigenem Willen heraus den Krieg zu verhindern oder zu beendigen. Tie Voraussetzung einer demokratischen Lösung dieser schwierigen Fragen ist die Beseitigung des M l l i- t-nrismus. Diese kann nicht erfolgen durch irgend- einenfeindlichenStaat, sondern nur durch die aufopfernde Hingabe der deutschen Meissen selbst. Eine Abrüstung zu Lande und zur. See und internationale llcbercinkoniiiien sind notwendig. Nur dann beiommt das Wort von der Freiheit der Meere einen greifbaren Inhalt.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Wir fordern die sofortige Anbahnung eines Waffenstillstandes zum Zweck der .Herbeiführung eines Friedens ohne Annexionen auf irgendeiner «eite, ohne Kriegsentschädigung, aus der Grundlage des Selbst- beftimmungsrecht». Wir haben kein Vertrauen zu der Regierung: Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. (Lebhafter Beifall bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Zimmrrmanu: Meine Instruktion an Mexiko ist scharf kritisiert Ivorden. Ich habe nicht die Naivität besessen, einen Brief an Herrn Carranza zu schicken, sondern habe eine Instruktion in g c- beimer Sprache an unseren Vertreter in Mexiko gerichtet unter Benutzung eines Wegeß, von dem ich annahm, daß er absolut sicher wäre. Wie die Instruktion in die Hände der Amerikaner ge- fallen ist, ist noch nicht ermittelt. Herr Haasc hat vergessen anzu- führen, daß ich in der Instruktion ausdrücklich erklärt habe, ich hoffte, trotz des U-Boot-Kriege« werde die Neutralitiit der Ber- einigten State» anfrechtefhalten werde» können, nnd die Jnstruk iion sollte auch nur für den Fall ausgeführt werden, daß etwa die Vereinigten Staaten u n s d e n K r i c g e r k I ä r t hätte». DaS war also gegenüber den Bereinigten Staaten absolut loyal. Im Gegensatz dazu steht das Verhalten der amerikanischen Regie- rung gegenüber Deutschland. Trotzdem wir in einer ruhigen, jeden aggressiven Ton vermeidenden Note unseren Standpunkt gegenüber Amerika festgelegt hatten, hat es Herr Wilson si'�r an- gebracht gehalten, in ausicrordentlich schroffer Weise sofort die Be- ziehnnge» zu«yS abzubrechen. Unsercin Botschafter ist n i ch t mehr Gelegenheit gegeben worden, nnjer Verhalten»och mündlich zu begründen.(HörtI hört!) Dagegen hat die amerikanische Regierung sofort versucht, alle anderen Neutralen zum Bruch mit uns zu veranlassen. Jeder Vorurteilslose wird darin ein feindliches Verhalten der amerikanischen Nc- gierung erblicken, in einem Moment, als sie sich mit uns noch nicht im Kriege befand. Ilmsowenigcr wird sie uns das Recht bestreiten können, unS nach Bundesgenossen umzusehen f ü r den Fall des Krieges. Daß die Sache drüben zur Hetze gegen uns ausgenutzt wurde, ist klar, aber der Sturm drüben über unsere Instruktion an Mexiko hat sich längst gelegt. An Mexiko habe ich mich gewandt, weil dies der nächste Rachbar von Amerika ist, weil zwischen Mexiko und uns seit längerer Zeit durchaus freundschaftliche Beziehungen bestanden, während die Abneigung Mexikos gegen Amerika alten Datums und wohlbegrüiidct ist. Ebenso bestehen zwischen Japan und Amerika alte Welt- bekannte Gegensätze, die stärker sind als deutsch-japanische Gegensätze, trotz des Krieges zwischen Japan und Deutschland. Bc- kaniit sind auch die Beziehungen zwischen Mexiko und Japan, beide Völler sollen gleichen Stammes sein. Man hat es als schamlos hingestellt, daß wir Amerika einen Bundesgenossen ab- wendig machen wollten. Dieser. Vorwurf mutz eigenartig berühren angesichts der Tatsache, daß unsere Feinde sich kein Gewissen daraus machen, Völker, mit denen wir in mehr als dreißigjährigen Verträgen verbunden waren, von uns abzuziehen, ein altes europäisches Kulturvoll zu zwingen, ihrem Bündnis gefügig zu locrden. Ick habe mich bei meiner Instruktion auch von der Erwägung leiten lassen, daß unsere Truppen gegen eine lieber in acht z» kämpfen haben daher war es meine patriotische Pflicht, ihnen weitere Feinde vom Leibe zu halten.(Bravo?) Abg. Dr. David(Soz.): Der Abg. Haase Hai meinen Freunden vorgeworfen, wir seien schuld daran, daß die Neuorientierung in Deutschland nicht von der Stelle käme, da wir uns ohne Konzessionen vor den Wagen der Regierung spannen ließen. Hätten wir aber den Standpmikt der Anhänger des Abg. Haase eingeiiommen, daß wir die Soldaten zwar hinausgehen ließen, aber ihnen die Mittel für de» Kampf ver weigerten, dann hätten wir die Berantwortnna übernommen für eine eventuelle Niederlage unsere« Lnndcs, und wie e« dann mit inneren Reformen gegange» wäre, das überlasse ich der Beurteilung jede? politisch denkenden Menschen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Zar an ver Spitze seiner siegreichen Kosaken in Berlin ein gezogen wäre, wäre von einer inner politischen Neuoricn- tierung in Deutschland erst recht keine Rede gewesen. Dann ist Haase der Meinung, Deutschland könne jetzt den Friede» haben, tocknn es auf alle Annexionen verzichtet. Ich be- dauere, diese Meinung nicht teilen zu können. Der Vorstand meiner Partei bat seinerzeit sich in seinem Friedensaufruf für eine» annexionSlofen Frieden ausgesprochen und die Sozia Ii st cn des Auslandes ausgerufen, mit uns daffy: zu wirken. Die Antwort war rinr schrosf-ablehnende. Die Franzosen halten fest an der Annexion Elsah-Lothringen«. Daß wir in diesem Punkte den Franzosen nicht entgegenkommen können, sieht hoffentlich auch die Partei des Abg. Haase ein. Auch das Friedensangebot der deulschen Regierung bezeichnete Haasc als lvertkos. Ganz anders hat cS der c»(j l i j ch{ sozialistische Abgeordnete S n o w d c n eingeschätzt, der erklärt hat. damit sei die Möglichkeit gegeben, den Krieg zu becüden, und die Ver- antwortung würde schwer auf denen lasten, die diese günstige Ge- legenheit verschmähen würden.(Hört! hört! links.) Auch die am weite st cn links stehende französische Sozialisten- gruppe hat ihre Regierung aufgefordert, den Friedensvorschlag der deutschen Regierung anzuhören und ihn zu unter- suchen. Die gestrige Erklärung des Reichskanzlers an die Adresse der neuen Herren ni Rußland begrüßen wir außerordentlich. Wie da« russische Volk sich sein Hau? einrichten will, ist seine Sache, D'"arte sich bereit, mit dem russischen Boll eine» .te er, und erklärte �,... Frieden einzugehen auf für beide Teile ehrenvoller Grundlage. Das waren vortreffliche Worte, die sicher die Zu Mm m u ng der überwältigenden Mehrheit des de uj f ch e n ver uverwatttgendcn weyryeir o es oc n.l, ai e n VolkeSfinden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokratemi Frei- lich hat sich damit der Reichskanzler gegen die militärische Zensur vergangen(Heiterkeit), die zu derselben Zeit in Mogde- bürg verboten hat, daß irgend etwas in der deutschen Presse er- scheint, was als Zustimmung zur russischen Revolution gedeutet loerden könnte.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Ilm so mehr dürfen wir hier außerhalb deS Machtbereichs der preußischen Militär zcnsur keinen Zweifel darüber auskommen lassen, das« wir das russisch» Bollsjq dem neuen Zustand der Dinge beglückwünsch»«. Das System des Galaens und der Verbannustg nach Sibirien ist zusammengebrochen, 109 Millionen Menschen atmen auf, daß die Ketten geborsten sind, die ihnen einen Aufstieg zu menschenwürdigem Kulturdascin unmöglich machten. Wir freuen uns dessen mit dem russischen Boll und hosten, daß es ihm gelingt, die neuen Dinge zu festigen in einem Staatswesen, in dem Freiheit und gleiches Recht für alt» die Fundamente abgeben.(Lebh. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Freilich ist der weitere Verlauf der Dinge in Rußland»och unsicher. Miljukow und seine Freunde sind bekanntlich die schärfsten Kriegs- Politiker gegen Trutfchland. Aber wir choffcn, daß cS ihnen nicht gelingen wird, die starke Bewegung vom Frieden in Rußland auf- zuhalten, die von Kerenski und Tjchcidse geführt wird. Hoffentlich werden auch die Bemühungen der französischrn und eng lisch»» Sozialiste«, die russischen Sozialisten für de» Krieg scharf�«» zn machen, erfolglos bleiben. Die deutsche Regierung hat jeden- i fiiHl die Pflicht, alles zu vermeiden, was der Kriegsströmung in Ruhland Vorschub leisten könnte und alles zu tun, was die Friedens- strömung stärkt. Dies setzt voran?, daß die Friedensbereitschafts- erklärung des Kanzlers sich nicht etwa nur auf Ruhland be- zieht. sSebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es wäre eine der- Sängnisvollc Illusion zu glauben, man könnte so leicht zu einem S e p a ra t fr i e de n mit Ruhland kommen. Unsere Regie- rung darf also keinen Zweifel darüber, lassen, dah sie noch wie im Dezember 191(3 zum Frieden nach allen Seiten hin bereit ist. fttibt es doch Leute in Deutschland, die nach der Erklärung des der- schärften U-Boot-Krieges glauben, die Regierung ninsse diesen Standpunkt revidieren. Das sind dieselben Sdemu, die die A b- lehnung des deutschen Friedensangebots durch die Entente beg ruht haben. sSebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ter Abg. v. Gräfe hat dies Friedensangebot das gröhte Unglück für Deutschland genannt, und von dem Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes in Hamburg stammt das frivole Wort wir kZnnen Gott ans den Knien danken, daß unser Friedensangebat zurückgewiesen ist. tHört! hört! und Pfuirufe bei den Sgz.) Es muh aufs schärfste gegen alle Versuche protestiert werden, die deutsche Regierung von dem Boden ihrer Frlcdeiisbcreilsckaft abzudrängen. In dem Armeebefehl des Kaisers war klar ausgeiprocheu. dah die Regierung an dieser Friedens- bereitschast festhält, denn es bieh darin, wir muffen jetzt die Feinde mit den Waffen zu der Verständigung zwingen. Es ist wert- voll, dah man in Ruhland und auch im Westen weih, dah die Re- gieruug ans diesem Standpunkt verharrt. Würden die Alldeutschen mit ihren Ziele» durchdringen, so würde das auch zu einem Kon- slikt innerhalb der Mittelmächte führen, denn auch die österreichischen Staatsmänner haben keinen Zweifel darüber gelassen, dah sie zu einem Verständignngsfrieden bereit sind. Ich erinnere an das Wort des Grafen Tisza: Wir werden den Krieg nicht eine Minute länger führen, als es zur Rettung unseres Landes notwendig ist. llnd an ein anderes Wort: Nur der Friede werde dauerbast sein, der bei niemand Revanche- gebanken errege. sHört! hört! und Sehr gntl bei den Soj.) Bezeichnend ist. dah die Scharnnacher nach auhen auch die schärfsten Gegner jeder Reuorientieruieg im Innern sind. Ter bekannte Herr Wildgrube hat ans der Versammlung des Bundes der Landwirte das schone Wort geprägt: Man solle sich nicht am N a r r« n seil der Neuorientierung führen lassen. lHört l hört links.) Tie Herren erklären, die Neuorientierung sei eine Gefahr für die Monarchie. Dabei benutzen sie die Monarchie ledig- lich als Deckung für ihre Vorrechte. Sie sagen, sie wollen einen König von Fleisch und Blut. Das reimt sich auch aus das bekannte Wort:..w enii er unseren Willen tut".(Heiterkeit. Sehr gilt! links.) Ein starker Monarch ist für die Herren ein solcher, der über alles allein entscheiden kann. Einen solchen starken Monarchen haben wir vor kurzer Zeit v-e r s ch w i n d e n sehen— in Ruhland.(Heiterkeit.) Dagegen haben wir auch einen so- genannten Schatienkönig imch Ansicht der Rechten in einen« konsti- tiitioncllen Staate erlebt, das war Eduard VII., einer der politisch mächtigsten Männer seiner Zeit. Der Reichskanzler hat kürzlich hier von einer Monarchie gesprochen, welche ihre Wurzeln in den breitesten Schichten des Volkes hat, welch« aus diese»! ukwrschöpslichen Lebensquell, aus der Liefbe des freien Mannes ihre Kvakt zieht. Co beiht es auch in dem bekannten Lied:„Nicht Roh, nicht Reisige schützen die steile Höh', wo Fürsten steh'n. Liebe des Vaterlands, Liebe des freien Manns gründen den Herrscherthron wie Fels im Meer". Welches der Weg ist, um dem Monarchen diesen LebenSquell zu sichern, hat einmal Friedrich der Grohe sehr klar ausgesprochen, als er schrieb:„Der Regent muß sich in die Lage eine? Landwirts oder eines Handwerkers ver- setzen— heute würde er hinzufügen: eineS klrbeiterS— und sich dann sragen: Wenn Tu dieser Klasse von Menschen angehörtest. «aS würdest Du vom Regentrn verlangen? llnd was dann die ge- snnde Bernui�ft ihm antwortet, das muh er tun, wenn er, eine Pflicht erfüllen will."'(Sehr gut? bei den Sozialdemokraten.) Aus die Frage» der inneren Reuorientierung angewandt» heißt das also, der Fürst soll das tu», was die Masse« der armen Leute, der Handwerker, Bauern und Arbeiter wun- fchcn, das er tut. Möge er eine allgemeine A b st i m- in u n g i>i P r e u tz e ii vornehmen lassen darüber, was das Volk für eine Regierung wünscht, und wir sind überzeugt, es wird das Verlangen einer Wahlresorm herauskommen, die unseren Wünschen entspricht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bebel hat l90S gesagt:„Wenn der Reichskanzler die Hoffnung ausgesprochen hat. es werde einem sozialen Königtum in Preußen gelingen, allmählich die Gegensätze auszugleichen und damit der Sozialdemotraiic das Wasser abzugraben, so kann ich ihm erklären, dah wir uns sehr freuen würden, wenn sich dies sogenannte soziale Königtum endlich als ein wirkliches soziales Königtum heraus- stellen würde. Dann werden wir Sozialdemokraten dies soziale Königtum aus da»«llerentschirdenfte unterstützen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraken.) Der Reichskanzler könnte uns dann sehr oft an seiner Seite als Bundesgenossen haben." Damit hgt Bebel den Nagel aus den Kops getroffen. Ein wirkliches soziales König- tum' würde den Kampf aufnehmen müssen mit den Herren, die sich heute als Monarchisten Kar ex oclien bezeichnen. Niemand kann zwei Herren dienen, den breiten Massen und zugleich den Jnter- essen derer, die glauben, sie bätten angeborene Vorreckste. Die preußische Wahlresorm ist seit ffö Fahren fällig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wer Vertrauen vom Volke erwartet, muh dem Volke Vertrauen entgegenbringen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Mihtrauen erzeugt Mihirauen.(Sehr wahr! links.) Di« verantwortlichen Leiter des preuhischen Staatswesens müssen sM> einsehen, baß Jie den schwersten politischen Fehler begangen ollben.�dah. sie es so weit kommen liehen, dah Preuhei�jM durch sein Wahlrecht in der ganze? Welt isoliert steht. Sie sind gewarnt worden, nicht nur von uns, sondern von ganz anderen Stellen. Als sich Bayern ein modernes Wahlrecht gab, war eS der jetzig: König von Bayern, der sich damals als Prinz entschieden für dos allgemeine, gleiche Wahlrecht einsetzte. Leider hat sich nicht auch ein preuhischer Prinz gefunden, der das gleiche täte.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Der Kronprinz! — Heiterkeit.) Bebel sagte damals, wenn wir ein deutsches Wahl- kaisertum bälien, hätte Prinz Ludwig jetzt die gröhte Aussicht, ge- wählt zu werden. Leider find diese Vorgänge unbeachtet geblieben, und so haG sich der Gegensatz zwischen Nord und Süd immer mehr verschärft. Der Vergleich, den gestern Graf Westarp mit Bayern zog, war ganz verkehrt. Es wurde schon hervorgehoben, das vreuhlsche Wahlreck't ist eine deuische Frage, weil eben Preuhen im Reich eine ganz besondere Stelle einnimmt dadurch, dah der König von Preuhen Kaiser von Teutschland, der Ministerpräsident Reichs- tanzler ist usw.. und vor allem sämtliche Reichsgesetze erst den Weg durch die preuhischen Ressorts durchlaufen müssenDche sie an den Bundesrot kommen. Jetzt ist der Gegensatz zwischen Preußen und dem Reich in den drei Parlamenten in der Reichshauptstadt zum klaren Ausdruck getommen. Es ist die höchste Zeit, daß dieser Gegensatz beseitigt wird. Wenn das Deutsche Reich ein Staat wie Preußen mit seinem Wahlrecht und seinem Herrenhause wäre, wäre es in diesem Kriege elend zusammengebrochen. Der Reichstag allein hat verhütet, daß die Einheit im deutschen Volke auseinanderbrach. (Sebr wahr! links.) Wohin wären wir gekommen, wenn nicht der Reichstalg den preußischen Geist des Belagerungszustandes, der Zensur, der Behandlung der Soldaten, der Organisation der Er- nährung durch seine Kritik gemildert hätte! Ohne Reichstag wäre kein«. August M4 möglich gewesen, wäre diese erste große gewonnene Schlacht Teutschlands nicht gewonnen worden. Das eisizige, was unS in diesem Kriege retten kann, ist die geschlossene Einheit des Volkes gegenüber einer Welt von Feinden, und sie wäre nicht erreicht worden ohne de« Reichstag.(Sehr Wahl:! links.) Wenn es nach dem Herrenhause zegqngen Wcuc, wäre wahrscheinlich das ruffische Vorbild nur ein deutsches Rachbild gelveseil. Der Reichstag des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts bat j)as deutsche Volk vor diesem Schicksal bewahrt. DaS altpreuhische System ist zweimal elend zusammen- gebrochen, 1896 und 1848, und beidemal nur wieder aufgerichtet ivorden mit Hilfe des russischen Zarismus. Mit seiner Hilfe ist das Herrenhaus in seiner jetzigen Gestalt entstanden. Die Herren, die dort sitzen, machen zum Teil den Eindruck mumifizierter Exemplare vormärzlicher Grandseigneurs. Aus ihren Reden weht einem der Hauch modriger Familiengrüfte an. Im Herrenhause fiel das Wort von der„freien Bahn für alle Idioten".?Ran hat im Herren- haus« wirklich den Eindruck, als ob man es nicht immer mehr mit normalen Hirnen zu tun hat. Das Fideikomuiißgesetz gibt ja in der Tat auch Idioten aus gewissen Kreisen freie Bahn.(Sehr gut! links.) Gras Westarp sagte, man solle das enge Verhältnis jener Herren zu den lieb er- l i e f e r u n g e n des Staatswesens bedenken. Vielleicht kommen aber mehr die L i e s e r u n g e n in Betracht. Herr von Oldenburg hat es klar ausgesprochen, man dürfe das Portemonnaie d e r Besitzenden nicht einem Parlament mit demokratischem Wahl- recht ausliefern. Diese Herren halten den Staat für verpflichtet, ihnen alle kulturellen und wirtschaftlichen Güter in höherem Mahe zu liefern als andern. Sie sind dadurch mächtig, daß ihre Vettern- schaff in allen einflußreichen Stellen bei Hos, in der Armee,' in der Diplomatie und Verwaltung sstzt. Sie haben bis jetzt jeden Kanzler gestürzt, der ihnen zu modern war. Auch dem jetzigen Reichskanzler haben sie Totfeindschaft geschworen, wenn er mit der Neuorientierung ernst macht. Sein Todesurteil ist ge- sprochen, wenn er es nicht fertig bringt, den Kamps mit den preuhi- scheu Instanzen siegreich auszunehmen-(Sebr wahr! links.) Der Reichskanzler ist sicher überzeugt, daß es mit dem alten System nicht mehr weiter gehen kann, aber er fürchtet den Kampf mit den preuhischen Instanzen, Die Geschichte sollte ihm beweisen, daff dieser Kampf ausgenommen und durchgeführt werden muh. Warum wird in dieser Frage kein Königswort gesprochen? Ten König von Preuhen könnten die Herren doch so leicht nicht absetzen. Das früher« Kdnigswort ist zu sehr abgeschwächt worden dadurch, dah man es als erfüllt durch die frühere Vorlage hinstellte, es ist jetzt nicht mehr vollwertig. Tie Reichslritung möge sich entschließen, das Dreiklassenwahlsystem und daS Herrenhaus auf demselben Wege zu beseitigen, ans dem es seinerzeit geschaffen ist. Möge es hier heißen: Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen. (Große Heiterkeit und Sehr gut! links.) Dem Willen des Königs werden sich die Herren doch fügen, siesindja Monarchisten. (Sehr gut! links.) Ich freue mich, daß die Volkspartei und die Nationalliberalen so energisch ihren Willen zur so- fortigen preuhischen Wahlrechtsreform bekundet haben. Ich be- dauere, dah es vom Zentrum nicht auch geschehen ist. Es ist eine Programmforderung des Zentrums, für die eine Mehrheit vorhanden ist. Soll diese Mehrheit ohne Sie gebildet werden? Der Kanzler hat zurzeit ein„Nein" gesprochen. Das bedauern wir aufs tiefste. Die Gewährung des preuhischen allgemeinen, direkten Wahlrechts in dieser Stunde wäre für Deutschland eine befreiende Tat. (Sehr richtig!) Es wäre damit die Grundlage für eine gesunde Fortentwickelung, für eine Annäherung an die höheren und höchsten Zukunstsziele gegeben. Es wäre eine befreiende Tat der äugen- blicklichen Not des Volkes. Kann man den Massen nicht mehr Brot geben, um den leiblichen Hunger zu stillen, so wissen Sic doch, was es bedeutet, den seelischen Hunger zu stillen, die Geister aufzurichten zum Kamps für ein Ideal. Der Reichskanzler meinte, im Reiche könnte man schon zur Neuorientierung schreiten uns verkündete die Aenderung der alten Polengesetzgebung. Das ist immerhin begrüßenswert und ich verstehe ihn dahin, daß die Reichsregierung mit der Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Reuregekung der versafluiigSrechtlichen Bestimmungen einver- standen und zur Mitarbeit an oen Reforme» bereit ist. Da ist vor allem beim ReichStägswahlrecht das schwere Unrecht zugunsten der großstädtischen Bevölkerung zu beseitigen. Wie groß daS Un- recht ist, dafür nur zwei Zahlen. 41 Prozent der Wählerschaft wohnt in den Städten und hat S1 Mandate, 37 Prozent sind läno- liche Wähler und haben 222 Mandate.(Lebhaftes Hört? hört!) Dann mutz der große Schritt zum parlamentarischen System getan werden. Was soll denn ein Parlament bedeuten, wenn es keinen Zusammenhang mit der Exekutive hat! Da das Zentrum leider nicht spricht, will ich wenigstens seine Führer zitieren. Herr Erzberger hat in seinem Buch„Politik und Völkerleben" im März 1914 ausgeführt:..Konstitutionelles Regiment nennt man mit schönen Worten die HeHrschast der Bureau- k r a t i e, die ein tatkräftiges Parlament nicht aufkommen lassen will. Das parlamentarische Regiment wird trotz aller Be- denken und Schattenseiten die Z"kunft für sich haben. Es ist die Konsequenz der allgemeinen Schulpflicht, der allgemeinen Steuer- Pflicht, der allgemeinen Wehrpflicht;" und Erzberger schließt:„es läßt sich nicht leugnen, daß wir im Deutschen Reich trotz aller gegenteiligen Bestrebungen uns auf dem Wege zum par- lamentarischen Regime befinden. Wie lange die lieber- gangsperiode noch dauert, kann man nicht sagen, aber das parla- mentarische Regime ist nur die Folge aller unserer öffentlichen Einrichtungen."(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich zweifle nicht, daß Kollege Erzberger die Zeit dazu jetzt für ge- kommen hält. Aber Herr Erzberger ist ja nicht � ins Gewicht fallende Führer des Zentrums. Ich' zitiere deshalb aiicü vluFnivrunzcii des Kollegen Spahn aus der„Germania": „Ich möchte nicht unterlassen auszusprechen, daß ich es für fälsch halte, wenn die Gesetzgebung ausgestaltet wird von einer Partei, die nicht zugleich in d«r Verwaltung ihren Sitz hat."(Lebhaftes Hört! hört!) Ich hoffe, dah die Herren in dem Ausschuh mit- arbeiten werden; dann.wird der Widerstand rechts gleich Null sein. Sie schaffen dann die Grundlage für die Entwickclung im Sinne der Durchsetzung neuer Notwendigkeiten, im �inne�oinsr Umwälzuna in der Richtung böberer Zweckmähiakeiten. Deutsch- cktMd ist"Dicht das Land der Barbarei und Rückständigkeiten. als welches es von unseren Gegnern verschrien wird. Deutschland marschiert in vielen Dingen voran, in der allgemeinen Volks- bildung, in der Wirtschaft, Technik, Kunst und Wissenschaft. Aber in bezug aus die politischen Einrichtungen stehen wir weit hinter anderen Völkern zurück. Wen« wir aber wirklich zn einem kon- stitutionell demokratischen StantSwefr» gelangen, dann wird Deuffchland an der Spihe der Kultur marschiere«, dann werden wir mit Stolz ausrufen können:„Deutschland in der Welt voran!"(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Tode(Bp.): Mir den Ausführungen des Reichskanzlers über die aus- ivärtige Politik sind wir einverstanden. Wir freuen uns, daß alle Parteien die Verleumdung widerlegt haben, als ob Deutschland sich in inncrrussische Verhältnisse einmischen würde. Die Kraft eines Staates ruht nicht auf starker, Expansion— das sehen wir deutlich bei Rußland— und das wollen wir auch bei unseren Kriegszielen bedenken.— Wir begrüßen auch die Wandlung in der Polenpolitik. Für selbsiversiijndlich balten wir es, daß die Polen ihre Staat sgesinnung betätigen.— Die föderative Grundlage unserer Verfassung erkennen wir durchaus an. Wir wollen unser Vaterland ausbauen und baben das dringendste Interesse an den inneren Zuständen in dem größten Bundesstaat Preußen. Eine Beschwerde über Wildschaden in Schleswig-Holstein wurde beantwortet mit der Versicherung, es sei eine Zählung des Wildes angeordnet.(Heiterkeit.) Das klingt in der Zeit der Lebensmittelknappheit wie eine bittere Ber- höhnung. Die Schaffung des Gtoh-Berliner Zweckverbandes ist emL�Versündigun� an der Selbstverwaltung. Dss Herrenhaus ist die Vertretung des altpreußischen Junkertums. Der Reichskanzler verhielt sich nicht durchaus ablehnend gegen das Streben nach einer Temokratisierullg des Wahkrechis. Nur den Au gezi blick halt er noch nicht ffir gekommen. Hoffentlich kommt er baid. Ter Reichskanzler möge beiveiien. daß er den Geist der neuen Zeit versteht. Er mag mit dem Herrenhaus anfangen. Es muh cnd- lich ernst gemacht werden. Die Woge bringt den kühnen Schwimmer vorwärts, aber den Zagenden reiht sie hinab. Möge der Reichs- kanzler seine Bedenken überwinden und an das Wo'rt denken:„Im Anfang war die Tat?"(Beifall links.) Abg. Schiffer(natl.): Daß der Reichskanzler in die inneren Verhältnisse Ruhlands sieb nicht einmischen will, ist wohlgeian. lieber die weitere Entwickelung der russischen Revolution kann man nichts voraussagen; jedenfalls wollen imr uns weiter auf unser Schwert verlassen. Nachdem in der polnischer! Frage die Regierung von dem Grundsatz des Hinausschicbens bis zum Friedensschluß abgewichen ist, kann man die Seele des Volkes nicht Halt machen lassen vor dem, was sie nun einmal begehrt. Den Ruf nach einer Ok- toyierung eines besseren Wahlrechts kann ich nicht unterstützen. DaS Band zwischen Kaiser und Volk ist durch den Krieg fester ge- worden. Wir müssen immer bedenken, wie die innere Partei- Politik auf das Ausland wirkt. Preußen mutz seinen deutscheu Berus erfüllen. Kastengeist und Standeshochmut müssen ver- schwinden. Der Krieg von 1870/71 brachte uns die ä u h'e r e E i n- h e i t, der Weltkrieg muh die innere Gleichberechtigung aller Bürger bringen.(Beifall.) Abg. v. Grase(k.): Der Reichskanzler hätte gestern die be- stehenden Einrichtungen verteidigen müssen. Der Augenblick ist zur Reform des vreuhischen Wahlrechts nicht geeignet. Entgegen Dr. David bin ich überzeugt, daß auch der Reichskanzler daran festhält, dah durch die Verlängerung des Krieges die Friedensbedingungen verschärft werden. Wir treten für ein starkes Königtum ein. Eine parlamentarische Regierungsform würde ein «chatten königtu m zur Folge baben.(Zuruf links: König Eduard V'Il.) Das war auch ein intelligenter Mann. (Heiterkeit.) Das Dreiklassenwahlrecht wird von Ihne« getadelt, aber das Kommunnlwablrccht nicht.(Lebbafter Widerspruch links.) Jeder Preuße hat im Reich das allgemeine Wahlrecht und diese Teilung des System- hat sich bewährt. Dem Reichskanzler wünschia ich manchmal am Sonntag im Park von Sanssouci spazieren zu gehen und sich mit friderizianischem Geist zu erfüllen. Er wird dann erkennen, dah man zugleich ein großer Philosoph und er- füllt von Potsdamer Geist sein kann.(Beifall rechts.) Abg. Mertin(Dt. Fr.): Der Aushebung des Enteignung?- gesetzes werden wir keine Schwierigkeiten machen. Ein porlamen- iarisches Regierungssystem verwerfen wir. Die Verbefferungs- bedürftigkeit des preuhischen Wahlrechts erkennen wir an, aber im Kriege läßt sie sich nicht durchführen. Abg. Ledebour(Soz. Arbg.): Wir sind einverstanden mit der Ueberweisung auch unserer Antrüge an eine 28gliedrige Kommission. Nur der Antrag aus schlcu- nige Beendigung des Krieges und aus Amnestierung aller wegen politischer Delikte Bestraffen sollte sofort erledigt werden.— Wir erörtern jetzt beim Etat des Reichskanzlers die gesamte Politik. Der Reichskanzler aber bat gestern hier lediglich eine Ansprache gehalien und heute ist er nicht erschienen. Das läßt sich unter keinen Um- ständen rechtfertigen.(Lebhaste Zustimmung bei der Sozialdemo- kratischen Arbeitsgemeinschaft.) Dem Kaiser Wilhelm rechnet er es. Zum Ruhme an, dah er 1907 dem Zaren dringend geraten Hab«, sich den berechtigten Reiormwünschen seines Volkes nicht länger zu widersetzen. Warum hat er dann nicht denselben Rat dem Kaiser Wilhelm IL gegeben.(Sehr gut! bei der Sozialdemokratischen Ar- beitsgemeinschast.) �Herr von Gräfe tritt für ein..starkeß Königtum" ein. Er und die Konservativen �wollen das Königtum durch ihre persönlichen Beziehungen beeinflussen, die Parteien auf dem Boden der konstitutionellen Monarchie dagegen wollen, dah im Parlament durch � MehrhliytSbeschluh. entschieden wird, wie die Politik eines LaudeiTzü leiten ist. Daß die:«; könstitulioneve Monarchie jedenfalls besser ist, ass das auf Hintertreppen geleitete Königtum, hat Herr von Gräfe selbst bewiesen, als er auf die Erinnerung an Eduard VIL antwortete:„Das war eben ein intelligenter Mann."(Große Heiterkeit.) Tie konstitutionelle Monarchie nehmen wir nur als Uebergang in den Kauf, als das erstrebcns- werte Ziel auch für Deutschland betrachten wir die Republik, und wir sind überzeugt, wir werden innerhalb kurzer Frist dazu kommen, denn die Weltgeschichte marschiert jetzt mit Siebenmeilenstiefeli«. Freilich zeichnet sich das deutsche Volk durch übergroße Geduld aus.(Zurufe rechts: Unerhört! und Hochverräter?— Präsident Dr. Kaempf bittet den Redner um Mäßigung.) Beim parlamentarischen RegicrungSsystem mühte der Reichstag auch seine Zustimmung zu Bündnissen geben. Dah daS notwendig ist, lehren gerade die Erfahrungen dieses Krieges. Auch das Verhalten des Staatssekretärs Zimmermann gegenüber Mexiko beweist das. Ferner mutz die deutsche Reicbsversasiung endlick in dem Punkte durchgefübri werden, dah die Wahlkreise der Entwickelung der Bevollerung entsprechend eingeteilt werden! Noch ricktiger wäre die Einführung des Verhältniswahlsystems. Das liehe sich während des Krieges sehr gut durchführen, wenn alle Teile nur den guten Willen hätten, aber daran fehlt es.— Wir fordern einen � Frieden, der nicht bloß für beide Teile ehrenvoll ist. denn das ist ein sehr zweideutiger Ausdruck. Abq. David hgt mit Jubel die russische Revolution begrüßt. Ich frage ibn; wenn die Mehrheit der russischen Sozialdemokratie dieselbe Politik geirieben hätte wie die Freunde des Abg. David, wo wäre dann heute die russtsche Revolution. Nur dadurch, dah es dort eine grundsatztreue Sozialdemokratie gegeben hat, wird es jetzt in Rußland zur diemo- kratischen Republik kommen.(Sehr gut! bei der Soz. Arbg.)«rs zeigt sich jetzt dort, dah es nicht auf die Zahl der Anhänger einer Fraktion im Parlament ankommt. Kerenski, den man jetzt den mächtigsten Mann in Ruhland nennt, war der Führer einer ganz kleinen Fraktion. Wir find auch nur wenige im Parlament, aber hinter uns steht eine grundsatztreuc revolutionäre Industrie- axbeiterschaft.(Sehr wahr! b. d. Soz. Arbg.) Die russische Revo- lulion wird zweifellos ihre Wollen durch ganz Europa ziehen. Heute steht das Bürgertum vor der Schicksalsffagc, ob es zurüikbleibcn will hinter der Zeit oder ob es an die Seite der Arbeiterschaft treten wird, wenn die Zeit gekommen ist, auch bei uns die demokratische Republik unverrückbar auf den Boden des Volkswillens zu stellen. Stellt sie sich abseits, so werden wir sie bekämpfen, und wie ich hoffe, siegreich bekämpfen.(Lebhafter Beifall b. d. Soz. Arbg.) Ein Schluhantrag wird angenommen. ES folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. David(Soz.): Ter Abg. Ledebour hat uns gefragt, was aus der Revolution geworden wäre, wenn die russischen So-«� zialdemokraten die Kredite bewilligt hätten. Nun, die Leute, die � heute d i e Herren der Revelution sind, Miljukow usw., haben alle die Kredite bewilligt An Herrn Ledebour stelle ich die Gegenfrager Wenn wir alle in Deutschland die Kredite ver- weigert hätten, dadurch die Einheit im Volke zerrissen wäre und der siegreiche Zar in Berlin einzezogcn wäre, was wäre dann ans der russischen Revolutia» geworden?(Sehr gut! bei den So- I zialdemokraten.) Der Sieg der deutschen Heere über die russischen/ hat zweifellos wesentlich dazu beigetragen, die russische Revolution herbeizuführen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der MssD Gräfe meinte, das sei ein Sckiattenkönig. der gezwungen sei. einen Minister aus der Mehrheit des Parlaments zu nehmen. Ich halte den König für einen Söbattcnlömg, der gezwungen ist, seinen Minister auS einer privilegiert»« Minderheit zu nehmen.(Sebr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour(Soz. Arbg.): Wenn Herr David sagt, Miljn- low und seine Anhänger hätten di« russische Revolution gemacht, so spricht er kritiklos nach, ivas die englische Bourgeoisie in ihrer Lügenpresse verbreitet hat. J.i der Tat hat die russische Sozial- dcmokrafte die Revolution gemacht. Seine Gegenfiage beantworte ich dahin: Wenn daS ganze Hau» auf unserem Standpunkt stände, Baiien wir die burewukratische Regierung schon längst fort- gejagt und die Regierung selbst in die Hand ge- n o m m e n.(Große Heiterkeit.� Dann hätten wir auch längst Frieden.(Erneute Heiterkeit.) Abg. V. Gräfe(kons.): Ich habe den Schaitenkönig darin ge- sehen, wenn der König gezwungen ist Minister aus einer parkt- rnentarischen Mehrheit als Vertreter seiner Ansicht zu nehmen, auch wenn dies seine Ansicht nicht ist Abg. Prinz Schönaich Earoiath(zur Geschäftsordnung) ändert den Antrag der Nationalliberalen dahin ab, daß auch der Antrag Albrecht(Soz.) und Genossen darin auigenomnien wird, so daß der Antrag nunmehr lautet: Der Reichstag walle beschließe», einen besanderen Ausschuß von 28 Mitgliedern iBerfassungsausschuß) zu bilden für die J Prüfung verfafsungsrechtlicher Fragen, ins- bcfandere der Ausammensehu«« der Bolksver- tretung und ibres Verhältnisses zur Regie- r u n g. Tiefem Ausschuß sind die im Reichstag eingebrachten ein- | fchlägigen Anträge und Resolutionen zu überweisen. Abg. Scheidrmann(Toz.) zieht daraus den Antrag Albrecht s u r st ck. Abg. Prinz Schönaich-Carolath: Dann verzichten wir aus die namentliche Abstimmung. Abg. Hirsch-Esien(natl.): Wir hatten den nationalliberalen Antrag mit unterschrieben, nach der jetzt erfolgten Abänderung bin ich mit einem Teil meiner Freunde aber nicht mehr imstande, dafür zu stimmen. Abg. Prinz Schönaich-Carolath: Dann nehme ich den Antrag aus namentliche Abstimmung wieder aus.(Sehr gut! links.) Ter gemeinsame Antrag der RationaUiberalen und Sozialdemokraten wird hierauf mit 227 grgen 33 Stimmen der Kon- snsativen und vereinzelter Nationalliberaler bei 5 Stimmenthal- limgen angenommen. Die Anträge der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft aus schleunigen Abschluß eines Friedens aus der Grundlage des Per- zichis aus Annexionen jeder Art Jurch all« kriegführenden Staaten ?l binzuwirten, und die wegen politischer Delikte ergangenen Strafen J auszuheben, werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und .e der Arbeitsgemeinschaft a b g c l e h lr t. Der Etat des' Reichskanzlers und des Auswärtigen Amis wer- den bewilligt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Aächste Sitzung Dienstag,>cn 24.?lvril, nachmittags 2 Uhr. Präsident Dr. K a e m p s entläßt die Abgeordneten mit dem Wunsche, das Osterfest so zu verleben, wie es unter den gegen- wäriigen Verhältnissen möglich ist. Schluß 6)4 Uhr. Herrenhaus. 20. Sitzung, Freitag, 30. März, 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Troit zu Solz, Shdow. ( Die Beratung des Etats für 1S17 wird fortgesetzt. Gr a f und Marquis von und zu Hoensbrocchl svrickt über die Stellung der Behörden, besonders der Reichsämter, zu den Organisationen der Arbeiter, vor allem der Wirtschafts- friedlichen Arbeiterbewegung. Die Wirtschastssriedlichen wollen das alte patriarchalische Berhältnis Wiederher-- st e 1 1 e n und gemeinsam mit den Arbeitgebern das Wohl des Unternehmers und damit das eigene Wohl fördern. Sie lehnen den Kampf und Streik, diese Grundlage der sozialdemokratischen Organisationen, rundweg ab. Auch der Papst hat den Streik ausdrücklich abgelehnt, waS angesichts des Kampscharakters der christlichen Gewerkschaften von großer Bedeutung ist. Tie Wirt- schaftsfriedlichcn find auch ausgesprochen national. Eine Unter- slüoong der Gelben durch Zuwendungen der Unternehmer wird nicht bestritten. Aber diese Zuwendungen sind zu ftcring, als daß ibretwegen 300006 Arbeiter ihre Selbständigkeit verkaufen könnten. Auch die Kampsgewcrkschaftcn lehnen ja, obwohl sie Gegner des Kapitals find, Zuwendungen aus Unternebmerkreisen nicht ab. So bat der reiche Fabrikhesitzer Singer den Gewerkschaften große Schenkungen gemacht, während er seinen Arbeiterinnen Hunger- löhne zahlte. Auch die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine und die christlichen Gewerkschaften haben wiederholt Unterstützungen von Unternehmern angenommen. Zu den Reichsämtcrn aber werden seit KriegSbeginn die Wirtschaftsfriedlichen nicht zugezogen. Vor dem Kriege nahm die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die Werk- vereine in Schutz. Inzwischen hat sie sich nicht nach vorwärts, wohl aber zum.Vorwärts" entwickelt.(Heiterkeit.) In den Mitglieder- kreisen der Werkvereine herrscht daher eine große Erregung. Wenn der Ministerpräsident den inneren Frieden will, wie kann er da die Gelben an die Wand drücken?(Sehr richtig!) Gehört das auch zur Neuorientierung? Heute haben die Kampfgewerkschaficn ein Mona- pol. Es muß der Eindruck entstehen, daß man, wenn man etwas erreichen will, in die sozialdemokratischen Gewerkschaften eintreten muß. So wird der Koalitionszwang vorbereitet. Das Hilfstnenstgesetz ist ein Sprungbrett für dir Svzialdrmokratie ge- worden.(Sehr richtig!) Ich bedauere die Illusionisten, die glauben. aus sozialdemokratischem Boden eine gesunde Arbeitcrpolitik nach dem Kriege treiben zu können.(Sehr richtig!) Vorläufig natür- lich halten sich die Herren Lrgien und Noske zurück; sie wären ja auch dumm, wenn sie es anders machten. Daß Noske 1913 mit behördlicher Unterstützung eine Reise durch Polen machen durste, um die dortigen Arbeiter sozialdemokratisch zu organisieren, ist ekn starkes Stück. lSehr richtig!) Das Echo ist auch nicht ausgeblieben. Tie Arbeiterführer haben»och mit keinem Wort und keiner Handlung bekundet, baß sie»ach de« Kriege von ihren Ziele« ablassen wolle«. Aber in der eitlen Hoffnung, diese Element« zu gewinnen, paktiert die Regierung auf allen Gebieten mit dem Umsturz gegen die bewährten Männer der Ordnung. Die Reichsrrgierung ladet eine ungeheure Verantwortung auf sich. Was jetzt gesät wird, ist Unfrieden und Zwietracht. (Beifall.) Oberbürgermeister Körte-Königsberg: Tie Wirtschaftsfriedlichen sind in der Tat stark zurückgesetzt worden. Wir wollen keine einseitige Forderung der Gewerkschaften. Auch der Wirtschaft�. friedlichen und der Unorganisiertrn, waö wohl dasselbe ist (Widerspruch), muß von den Reichsbehörde« gedacht werden.(Bei- fall.) � Staatssekretär a. D. Dr. Ternburg: Tie HoenSbroechsche Rede dient« nicht dem sozialen Frieden. «eine Angriffe richten sich ja nicht nur gegen die freien Gewerk- schaften, sondern auch gegen die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvcreine und die Ebnstnchcn. Der Krieg hat das Zusammenarbeiten der Be- botwen und der Gewerkschaften mit sich gebracht zu beidcrseiugcr Zufriedenheit. Wie denkt sich Herr Körte eine Ver- tretung der Unorganisierten? Das patriarchalische Berhältnis hat gewiß seine Vorzüge. Aber einer zusammen-- geballten Industrie gegenüber ist der einzelne Arbeiter machtlos, er muß sich dazu eine Vertretung schaffen. Es gibt nun einmal in der Welt Djnge. dicohneKampfnichidurch- gesetzt werden können, und dazu gehört auch das Streben der Arbeiter nach besseren Löhne�. Ter Kampf der Arbeiter um bessere Löhne ist nicht nur zu verstehen, sondern auch zu billigen. Natürlich vertreten in den Ausschüssen die Arbeiter ihre Interessen. Da- tun dock die Landwirte in diesem Hause gleichfalls! Bei den AuS'chußwahkn haben die Deutschen Arbeitgebcrvereine zur Wahl der Wirtschaftsfricdlichcn aufgefordert. Kann man eS da den Gest erkickenten verdenken, wenn sie. �umal die Zuwendungen der Unternehmer gar nicht bestritten wurden, in den Gelben keine reinen Arbeiterorganisationen er- blicken? Tie Gewerkschaften haben hier auf der Anklagebank ge- sesse«. Das darf nicht sein, das haben sie nicht verdient. HandelSministcr Shdow: Die preußische Regierung hat die Wirtschaftsfriedlichen stets als gleichberechtigt angesehen. Graf Hoensbroech hak fa auch tn der Hauptsache das Kriegsamt kritisiert. Die Wirtschastssriedlichen haben einen Stellvertreter erhalten und die Wirtschastssriedlichen haben sich mit dieser Regelung zufrieden gegeben. Auch die Regierung wünscht eine möglichst weitgehende Verständigung zwischen Arbeitern und Unternehmern. Auf dem Wege der Wirtschaftsfricdlicheu allein läßt sich dieses Ziel aber nichterreichen. Man Mrd dabei attch Rücksicht nehmen müssen aus die Kampforganisationen. Gras Huttrn-Czapsti: Der Reichstagsabgeordnete Noske hatte wie viele seiner Kollegen Anfang 1916 um die Erlaubnis ge- beten, die Front im Osten zu besichtigen. Die Erlaubnis wurde erteilt und Herr Noske hat sich auch ausschließlich an der Front aufgehalten. Gras Hoensbroech: Die Wirtschastssriedlichen haben sich nickt zufrieden gegeben, sondern uur die Krume genommen, weil man ibnen das B r o t n i ck t gab. Oberbürgermeister Körtr-Köuigsbcrg spricht über«ine Reform der Elektrizitätsversorgung. General v. Kleist: Ich habe mich in meinen vorgestrigen Aus- sührungen in keiner Weise gegen jede Reform des preußischen Wahl- rechts wenden wollen und bin wohl überhaupt nicht der schlimme Reaktionär, als den ich in der Oeffcntlichkcit hingestellt bin. Ich habe nur sagen lvollen, daß die Wahlrechtsreform zurücktreten muß hinter die wicktigeren Aufgaben der Gegenwart. Damit schließt die Generaldebatte zum Etat. Es folgt die Einzelberatun g. Landwirtschaftsetat. Kammerberr Graf v. Zivcwiv: Der La n dw i r t s chas t s- minister ist im Reichstag ohne jede Begründung in ungewöhnlich hastiger Weise angegriffen worden. Wir halten diese Angriffe für unberechtigt und sind dem M i n i st e r dankbar dafür: daß er stets so kraftvoll die Interessen der Landwirtschast vertreten hat.(Beifall.) Kttltnsrtat. Äultus-mchiister a. T. Tr. Studt: Der konfessionelle Charakter der Volksschule muß unter allen Umständen ausrechterbaltcn bleiben. Das ist um so notwendiger, weil die frei- geistigen Verbände Deuiscklands vor einigen Tagen mit einer Kellekiiverklärung an die Oeffentlichkeit herangetreten sind. Sie ist unterzeichnet auch vom Deutschen Monistenbund, der früher einmal ein Flugblatt verbreitet hat, in dem das christliche Bekenntnis mit dem mittelalterlichen Aberglauben verglichen wurde.(Hört! hört!) Eisenbahn- und Bauetat. Graf Mirbach-Sorquittcn: Wir danken dem Minister, daß er die irreführenden Ausführungen des früheren Ministikrialdirektors Kirchhofs so entschieden zurückgewiesen hat. Die erste Wagcnklassc darf nicht abgeschafft werden. Es wäre das für viele Leute ein harter Schlag und würde ihnen das Reisen außerordentlich ver- leiden. Tic Wohlhabenden und Reichen würden dann noch mehr zum Automobilverkehr übergehen. Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen verlangt die Fortführung dsS Mittellandkanals his zur Elbe und spricht für die Herstellung etner Verbindung der Oder mit der Netze. Minister v. Breitenbach: Dieses Kanalvrojekt würde zweifel- los dem Osten wirnckaftliche Vorteile bringen. Ob diese Vor- teile ober im richtigen Verhältnis stehen zu den außerordentlich hohen Baukosten, bedarf eingehender.Nachprüfung. Oberbürgermeister Mermuth-Berlin: In der Kommission bat die Regierung ausdrücklich erklärt, daß die Kriegscrfahrungen die Notwendigkeit eines durchgehenden Kanalzuges vom Westen zur Elbe bewiesen hätten, so daß die Regierung diese Frage von neuem prüfen könnte. Etat des Ministeriums des Innern. Oberbürgermeister Dr. Soetbeer- Glogau. spricht, für die Not- wendigkeit einer großzügiger! Reform der inneren Verwaltung. Gras Huttrn-Kzapski bedauert, daß nach einer Entscheidung des Oberderwaltungsgerichts die Gemeinden die Militärein- kommen der Kriegsteilnehmer als„Einkommen auS gewinnbringender Beschäftigung" b e st e u e r n müssen. Ministerialdirektor Dr. Freund: Durch die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ist ein bedauerlicher Zustand ge- schaffen worden, der aber nur durch die Gesetzgebung geändert werden kann. Es sind entsprechende Schritte getan worden. Graf Roon: Ich habe nur für meine Person gesprochen und wollte mich nicht respektlos über die Thronrede äußern. Ich wollte auch dem Reichstag nicht zunahe treten. Was ich über das Reichstags Wahlrecht gesagt habe, halte ich aber ausrecht. Oberbürgermeister Dr. Wilms-Posen: Das klang ja wie eine Entschuldigung. Die Offiziere an der Front mögen von der Gemeindebest-euerung befreit bleiben, nicht aber die Offiziere in den Etappen und daheim in den Kriegsämtern. Der Etat wird im ganzen angenommen, ebenso eine Resolution, nach der die Schätze der Berliner Museen durch eine zweckmäßige Zentralisation der Provinz zugänglicher gemacht werden sollen. Nächste Sitzung unbestimmt.— Schluß nach 7 Uhr. parlamentarisches. Eine Ausdehnung des Hilfsdirnstgrsetzes. Ter Rcichsta�sausschuß für das HilfSdienftgesetz beschäftigic sich in seiner ersten witzung am Freitag mit der Frage, ob das Htlss- dienstgesetz aus die in Deutschland lebenden Oesterreicher und Ungar» ausgedehnt werden soll. Ilnterstaatssekretär Dr. Richter vertrat den Standpunkt, daß eine solche Ausdehnung im Interesse der deutschen Wirtschaft not- wendig sei. Durch Verhandlungen mit der österreichisch-unga- rischen Regierung sei die Sachlage staatsrechtlich dahin geklärt, daß einer Ausdehnung des Gesetzes auf die österreichisch-ungarischcn Staatsangehörigen nichts im Wege stehe. Es könne zweifelhaft sein, ob die Ausdehnung des Hilfsdienstgesetzes auf die Oester- reicher und Ungarn zu den 5lompctenzen des Reichstagsausschusses gehöre. Abg. Gröber(Z.) hält es auch für zweifelhaft, ob die Frqgc der Ausdehnung des Gesetzes durch den Reichstagsausschuß er- ledigt werden könne. Abg. Bauer kSvz.) ist der Meinung, daß die Ausdehnung des Gesetzes auf die Oesterreichcr und Ungarn eine Aenderung und Erweiterung des Gesetzes bedeute. Ter Reichstagsausschuß sei nur zuständig zum Erlaß von Nusführungsbestimntungen. Eine materielle Aenderung des Gesetzes könne nur durch den Reichstag selbst vorgenommen werden.§ 1 des Gesetzes lasse keinen Zweifel darüber, daß nur deutsche Reichsongehörige dem Ge- setz unterstellt seien. Er könne aber auch nicht anerkennen, daß eine zwingende Notwendigkeit zur Ausdehnung de? Gesetzes aus österreichische und ungarische Staatsangehörige bestehe. Abg. Tittmann(Svz. Arbg.» schloß sich dieser Auffassung an. Abg. Gothen»(Fr. Bp.) teilt die vom Abg. Bauer bezüglich der Zuständigkeit des ReichStagsauSschnsseS geäußerte.! Bedenken. Er schlägt vor. dem Bundesrat zu empfehlen, aus Grund dcS Ermächtigungsgesetzes vom 4. August 1914 die Ausdehnung des Hilfsdienst- gesetzes auf die österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen anzu- ordnen. Nach längerer Diskussion gelangte ein Antrag Dr. R i e ß e r (nail.) zur Annahme: ..Der Ausschuh bat keinen Anlaß, einer auf Grund emer� diplomatischen Abmachung zwischen der Reichsleitung und der österreichisch-ungarischen Regierung vom Bundesrat nach Matzgabe des Artikel III des Gesetzes vom 4. August 1914 zu erlassende» Verordnung, wonack die österreichischen und unga- rischen Staatsangehörigen zum Hilfsdienst herangezogen werden', entgegen zu sein." Da die Verhandlungeu im Plenum des Reichstages begannci!, mußte die Kommission ihre Beratungen abbrechen, lieber die Frage, lvaim die nächste Sitzung der Kommission �stattfinden solle, entspann siw eine längere Debatte. Bauer(Soz.) beantragte, möglichst bald noch im L.ttise der nächsten Woche erneut zusammen- zukommen, weil zahlreiche Beschwerden vorlägen, bh einer schleunigen Erledigung bedürfen. Im Laute der Debatte erklärte General- leutncmt Gröner sich bereit, seinerseits bis zum Wiederzusammen- tritt des Reichstagsausschusses alle Beschwerden einer Prüfung zu unterziehen.— Die Kommission beschloß dann mit Mehrheit, sich bis zum 23. April zu vertagen. � Ms Znöustrie und Kandel. Diskonto-Gesellschaft gegen Zivildienstgesetz. Ausdehnung nach Osten, Norden und Süden. Ter Abschluß der Tiskonto-Gesellschaft zeigt alle bekaunteil Erscheinungen der heurigen Baukabschlüsse: Stelgerung der Ein- nahmen aus Zinsen, Provisionen, Bankbeteiligungen einerseits, Geldanlage in Reichswechseln, an Gemeinden durch Bavvorschüssc, von Kriegsanleihe andererseits. Tie Dividende ist auf den Friedensstand von 10 Prozent(im Vorjahre 8,5 Prozent) gestiegen. Tie Diskonto- Gesellschaft ist in hohem M aßc am rumänischen Geschäft interessiert gewesen. Die ihr nahe- stehende Deutsche ErdölgescUschaft hat dort erhebliche Ver- luste zu beklagen gehabt,' die allerdings durch das üppig blühende Geschäft dieser Gesellschaft iil Deutschland und Galizien mehr als ausgeglichen sind. Dagegen hat die rumänische Regierung bei ihrer Flucht auch die Kaffenbeftände der der DiSkonto-Gcsellschast nahe- stehenden Banca Geuerala Romana mit sich geschleppt. Diese Bank bat nach der deutschen Besetzung Rumäniens ihren Geschäftsbetrieb wieder ausgenommen und sich eine Notenaötcilung angegliedert, ist aber nicht in der Lage, eine Bilanz aufzustellen. Die rumänischen in Deutschland ausgegebenen Staatspapiere sind nach den, Ge- schäftSbericht durch das sehr erhebliche tu Deutschland beschlag- nahmte Vermögen der rumänischen Nationalbank einigermaßen sichergestellt. Der Geschäftsbericht der Diskonto-Gesellschaft- erläutert in ein- gehender und anschaulicher Weise die geschäftliche Entwickelmtg. Er greift aber über diesen Rahmen hinaus, indem er sich scharf gegen Monopolpläne wendet und das Zivildienst- gesetz heftig kritisiert: ..... All das erforderte ein Maß von Arbeit, das noch weit über das in den beiden ersten Kriegsjahren geleistete hinausgeht. Zu ihrer Organisation wurde das Kriegsdienstgesetz geschaffen und mit seiner Durchführung der Anfang gemacht. B e l a st e t mit iv o h l g e m e i n t c n> a b e r z>v e ck lv i d r i g e n Bc st i in- m u n g e n sozialpolitischer Fürsorge, hat dies Ge- setz den erhofften Nutzen leider nicht in vollem Umfange ge- schaffen und die schon zu zahlreichen und sehr zersplitterten Or- ganisatianem und Kriegswirtschaften um weitere vermehrt."� Keine Bank hat sick bisher in so prononciertcr Weise aus den arbeiterfeindlichen Standpunkt mancher Großunternehmer gestellt. Der Passus im Geschäftsbericht ist das beste Kompliment für die Sozialdemokratie. Er wird dadurch verständlich, daß die Diskonw-Gesellschast, besonders seit Hegern ahme des A. Sckaaffhausenschen Bankvereins, die engsten Beziehirngen zu den Rheinischen Eison- und Kohlcn-Königen pflegt. Im übrigen sollte die Diskonto-Gesellschaft nickt so laut jammern. Denn ihr werden vermutlich in absehbarer Zeit aus Grund dieses Gesetzes Hilss- fräste zur Behebung des auch von ihr beklagten Bcamtenmerngels zur Verfügung gestellt werden. Mgn. kann. der Gesellschaft nur wünscken.. daß' der für. die Wahrmi-g.der Interessen dtesevAüge- stellten. zu erxichtende Ausschuß eine rege Tätigkeit entfalte. Sehr bemerkenswert ist, daß die. SiDonIo-Gcsellschaft dem Beispiele der Deutschen Lank, der Mitteldeutschen Kreditbank, und�der Berliner Handelsgesellschaft folgt und Anschluß an Ost- Preußen sucht. Die Aktien der K ö n i g s b h r g c r V e r e in s- b a n k, die in Königsberg und Tilsit vertreten ist, sollen� gegen Aktien der-Diskonto-Gesellschaft umgetauscht werden, die dieser von befreundeter Seite zur Versügung gestellt werden. �Die Diskonto- Gesellschaft wird weitere Filialen in Tanzig, Stettin und Posen errichten. Durch den Zug nach Osten wollen die Banken offenbar das im Anschluß an die Verselbständigung Polens und an cvaniuelle Annexionen sich entwickelnde Geschäft einsänge» und hoffen viel- leicht"auch, Depositengelder in dem landwirtschaftlichen, durch d' Krieg im Wohlstand gehobenen Osten sammeln zu können. Es zu wünschen, daß diese Seite des Geschäftes besonders gepfleg. wird und sich nicht umgekehrt aus der massenhaften Niederlassung von großen Banken in Ostpreußen eine allzuweit gehende K r e d i t g e w äh r u n g cntlmckelt. Es soll sich nicht, wie cS� zu Zeiten in Berlin vorgekommen sein soll, in Königsberg das Sckau- spiel loiederholen. daß Vorsteher van Depositenkassen mancher Bank sozusagen Reisende auf den Kundenfang schicken und sich gegen- scitig in der Kreditgewährung überbieten. Strasse Selbstzucht ist nötig, um die sich aus übermäßiger Kreditgelvährung ergebenden Gefahren eines Zusammenbruches zu vermeiden. Außerdem ist die Diskonto-Gesellschaft in freilndschaftnche� Be- Ziehungen zur Bayerischen Hypotheken- und Wechsel- dank in München und zur B er ei n sbank in Hamburg. ge- treten. In Hamburg ist die Diskonto-Gesellschaft bereits durch die Norddeutsche Bank vertreten, aber die Vereinsbank(Aktienkapital 36 Millionen Mark) ist auch in Hannover und Kiel seßhaft. Obwohl die Diskonto-Gesellschaft bereits mit dem Bankhause E. Meyer in Hannover in Beziehungen steht, soll auch in Hannover eine Filiale errichtet werden. Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank hat ein Kapital von 65 Millionen Mark und steht in Beziehungen zu den Schuckert-EIektrizitäts-Wcrken. Aus dem Geschäftsbericht sei noch die Bemerkung angeführt, daß die eng Ii scheu schwarzen Listen den deutschen lleberseebanken erheblichen Abbruch getan haben. Der erste Pump der Redolutionsregierung. »Corriere delln Sera" meldet aus Petersburg: Finanzminister Tereschenko konferierte mit den Direktoren der größten Banken über die beabsicktigte 5 prozentige Freiheitsanleihe, die im April zum Emissionskurs von 85 ausgegeben wird. Die Zeichnungsbedingilugeii sind für die russischen Kapitalisten genau so günstig wie ungünstig für den russischen Staat. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tie M i x u. G c n e st- W e r k c haben 1916 einen gering e- reu Gewinn als 1915 erzielt, wo die Verwertung noch vor- handener alter Vorräte offenbar zu Hilfe gekommen ist. Nach. Vornahme von Abschreibungen in Höhe von 786 975 M.(i. V. 806 496 M.) ergibt sick ein Reingewinn von 1 738 552 M. (2 650 102 M). Der Generalversammlung wird die Ausschüttung einer Dividende von 18 Proz.(wie im Vorjahre) neben Zuweisung von 300 000 M.(wie im Vorjabrek an den Unterstützungsfond? für Beamte und Arbeiter vorgeschlagen werden. Tie Sonder-Rücklage für die Kricgsgawinnstcuer ist mit 517 000 M. ausgewiesen. öriefkasten üer Reüaktion. C. W. 39. Landsslirmpilicht ersten Grades.— A. M. 83. We"den Sie sich an da» Militärbmeau de» Magsitrais, Klosterstr.«7.— R.®. 100. Die Zeichen sind jedenfalls die Nummern der BarstellungSIiste, sie linden keinerlei Bedeutung. Sie können aus Krimd der Musterung zum Mititüi dienst eingezogen werden.— S. 50. 1. Nein, die Kasse ist dazu nickit ver- pflichtet. Die Papiere von der Firma zu verlangen, waren Sie verpflichtet. S. Rein.— U. 29. Rein. Sie sind zu einem Mietabzug nicht berechtigt.— C. V. I. Da die Ebe nicht geschieden ist. sind Sie zum Unterhalt der Frau»eipflichket. Lei der fast völligen ArbcitSmisäYigieit Ihrer Frau und itjcfj Sfiiijalii; Zhrcs Verdienstes löiiuleu Sie Lu etioa 25 SR. wöchentliKe» NnterhallZkosteii vcrpflichic! iverdein— W. 9. 1. Tie Beantwortung �hrer Frage ist bereits erfolgt. Sie sind zur Zahlung der Kirchensteuer für daS Kalenderjahr ltll5 noch verpflichtet.—'i Sk>ettende 77. Ansprüche out dietc Zulagen bestehen nicht.— Alfred Hosfmnnn. t. 7.a. 2. Fa. .'t. Sie können zu militärischen und auch zu bciusliche» Arbeiten iu der Heimat eingezogen werden, t. Nein. 5. In.— BS. S. 7. Zweiselhait. L. 23. Kriegslinderspende Deutscher Frauen, Privattanzlei der Frau Kronprinzessin, HotSdam.— 3t. 10. Freistellen aui hülwren Schulen können bei Ledürjligkeit und Würdigkeit lIleist, Begabung usw.) gegeben werden. Für eine Schülerin einer höheren Schule ist von dem Vater oder seinem Stellvertreter ein Gesuch an den Magistrat zu richten und dem Tircltor der Schule offen zu übergeben. Eine Schülerin einer Gemeinde- schule kauu aus eine Freistelle in eine höhere Sibule übernommen iverdeir. Dazu bcdars co der Besürwortuug durch die Gemeindeschule und ihres Urteils über die Würdigkeit. Sic inüfftcu Ihren Wunsch zunächst dem Gcmeindeschulrcltor vortragen.—-JH. Z. 31. Für eine lviffcnschastlichc Lebrerin sind die„Ausuchlen" am günstigsten. Sie erhält in Bcrlln an einer Gemeindeschulc bis Nlöv M. lnaib Ll Dienstjabren), als Lehrerin an einem Lnzeum bis 3880 M.(nach 18 Dienftjohren), als Obcrlebrcrin an einem Lnzeum bis 5500 M.(nach 16 Dienftjohren). Das Gehalt einer HandclSIchrerin bicibt an Äustalten des Staates, der Gemeinden oder von Vereinen meist unter 3000 M. Ausbildung zur HandcISlchreriu kann erjolgen tu Kursen der Biltoria-Foribildungsschute zu Berlin. Zulassung nur nach Besuch einer böheren Töchterschule oder einer onerkannien HaudelSschulc und nach mwdcftenS zweijähriger kauimännischer Praxis. Auch durch Besuch der Handelshochschule Berlin werden Handels- lehreriunen ausgebildet. Prüsuug nach einen! Studium von süns Semestern. — S Z. Ja.— E. 2c(i. 87. Bei Einziehung zum Heeresdienst wird die Unfallrcnte weiter gewährt.— P. P. 300. 1. Rein. 2. Der Verletzte bat Ausbruch aus Unsallrentc.— BS. BS. 29. Nein. Alimente lönneii Sie nicht in Abzug bringen.— A BS. 231. Sie haben keinen Anspruch auf Invalidenrente; Sie hätten allcnsalls Anspruch aui Krankenrcntc vom Beginn der 27. Woche nn, wenn während der Lazarettbehandlung Arbeits- mlsähigkeit vorlftg. Antrag ist an das Versicherung«»«! in Neukölln einzureichen. Dirslrticm Max Ueinhardt. DeutHche» Theater. V U.; JohnOabrlel Borktiiau Sonntag 71;lel« mit ..Liliebil's Hochzeitsreise" Aegypt. Burleske in 7 Bildern. Musik von Bizet. Hauptroll-n; Hans Wattmann. XöUebü Christonsen, Ernst Matray, Katta Stoma außerdem Das große März-Progr. Oscar S«bo. Ilse Bei» rn-v- Walhalla-Theater. TV, Uhr: Das Glücksmädel öerliner �onzerthaus Mausrstr. 82 Zirnrneratr. 90/91. Heute:(ZnoKes Konzert des Derll,, er Haangertbaa»./z Uhr. Sonntag 4 Uhr zum lctitcn Male: Die 8a ehe ktappl. jldmirnls-fslssl. Die Xovität tdrslluliubi'» grobes phantastisches Ballen ank dem Eise. 7'/« Uhr. Vorzfigl. KQehe. V olgft-Theater, »Badstr 5». Badstr. St. Täglich VI, Uhr: Jfigerltebchen. (Gr. Balleltciniage.) Sonntag nachm. 3: Oer Bummolfriizo. Abends 7 Uhr: Eine Frau ohne Herz. Montag, 2. April: Benefiz für Lina Moeller: Matter and 8obn. ßMMmj Tsgl. 7% Sonnt SV, u-UJ, Die neue Eovao in 6 Bildern: sillllilchkll(inuft -Abgezogen......-Pjd. 3,50 Jnr Fell, ausgenommen., 3,— Ausgeschlachtete Ziege».„ 3,50 Tacrhh Plänulcr 21.* 1 nSvfl») Hochbahn Hallcsche! T«t. Allgemeine Orts- Krankenkasse Neukölln. Bekauntmachung. In der Zeit von» 2. bis U. April 1917 findet für die Mitglieder unserer Kasse eine unentgeltliche sreiwlllige Schutzpockcn-Jmpfung statt. Tie Impfung erfolgt werktäglich in der Zeit von 7J', bist 9 Uhr abends. Als Ausweis haben die verfichernngS- Pflichtigen Mitglieder eine Bescheini- gung ihres jeweiligen Arbeitgebers darüber beizubringen, baff fie in einem zu unserer Kasse zuständigen Betrieb zurzeit noch beschäftigt sind. Bei den ireiwilligen Mitgliedern genügt die Vorlegung der Mitglieds- karte als Legitimation. GS wird erwartet, daß jeder Impf- ling in rein gewaschenem Zustand und mit reiner Wäsche versehen, er- Die Impfung erfolgt in: Kaisen- lokal Weichsclstraftc 8, Idcal-Passage Nr. 12. Ter stiorsiand der Allgemeinen QrtSkrankcu- taffc RruttUn. 275/3» gez. M. Heinrich. 2. Lorsttzcndcr. LpeÄsl-ArÄ Dr. med. Masehe, Friedrichstf. 90®Än"0r BchandL von Syphilis, Hnnt-, Harn-, Eraaenlcld., fpoz.chron. Fälle.»Hrlich-Hata-Kuren, schmerzlose. lürzeite Behandinng ohne ve- rusZstörung. Blutunlersuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunde» 10— 1 und 5—8, Sonnt, 11—1. i Spezialarzt | Dr. med. Colemann|~ für Haut-, Harn-, Frauenleiden. 1 1 nerv. Schwache. Beinkranke. 1 | Ehrlich- Hata• Kuren I 1(Dauer 12 Tage), Behandlung I J schnell, sicher und schmerz- 1 los ohne Berofestömug. 'Uhigsn, 34-36,«ISä, | Spr. 10— 1 P.5— 8, Sonnt, 10—1. Wie ein Wunder t cfeUig» 19081!» 1 or�h" Haussalbe jeden Hautausschlag, Flechten,> Bautjucken, bes.Beinschade». Krampfadern der Frauen u. dergl. Original-Dosen zu M. 2,-, I 3P0u. 6,— versendet portofrei j Elefanten- Apotheke Berit«, Leipziger Str.71.(amDönhoftpl). vkulzehefSeizlllifheitef-lertiaS Vsr«va!tungzstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Kollegin liedwix Mücke Oberfchöneweide. Frischeslratze 35, aui 28. März gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«: Die Beerdigung findet am Tonntag. den l. April, nachmittags 3 Uhr, von der Lctchcnballe des Oiemeinde-FriedhofeS in Ober- ichönetocidc aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet, Den Kollegen ferner zur Nach- richt. daß unser Mitglied, der Schloffer Karl Wolter Nntonftr. 26, am 29. März gestorben ist. C-Hre seine» Audeuken Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 1. April, nach- mittags 1'/, Uhr. von der Leichen- balle des' Nazareth- Kirchbofe» in Reinickendors-Oft ans statt. Rege Beteiligung wird erwartet. BNacdrak. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser krlte Domke Schmidstr. 7, am 26. März gestorben ist. Ghre ictuem Andenken: 132/17 Tie Lrisverwaltung. lih' Feiiei'- Vereit der Freidenker Sitz Berlin. Begr. ISSS. Am 27. März verstarb unser Mitglied, der Krastwagensährer Herr �einkold lliiit? Rastrnbprger Dir. 17. Gbrc seinem Andenke» Die Eniüscheiung findet beute Sonnabend, nachmittag» 2 Ubr, im Krematorium in der Gericht- straßc statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 290/14 Der Vorstand. DeDtscher Bezirksverwalhing GroB-Barlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß miscr Kollege, der Autosührcr Max kallmexer von der Firma Borchert. Berlin, Krausenslraße, am 27. Rärz im Aller von St Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 31. März, nachmittag» 5 Ubr. von der Leichen- balle des Lutsen-Ktrchhoses. Neu- lölln, Hermaimftr. 18«, aus statt. Den Mitgliedern jemer zur Nachricht, daß unser Kollege, der ArbettSkutscher Ulbert Schmiele am 26. Rärz im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. April, nach- mittag» 8'/, Uhr. von der Leichen- balle de» PaulslirchhoseS, Plötzen- ice, Dohnagestell, aus statt. Nachrnf. Ten Mtgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kolleg«, der Jndustriearbeiler Grflt? von der Firma Jachmann am 23. März im Alter von 22 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«: 4/4 vi« Bezirkevervaltang. Zentral-Yerhanil der Böttcher, Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unter Mitglied ködert Streudel an, 29. Mörz nach langer Krank- heil im Alter von 23 Jahrm ver- starben ist. Ehre feine««ndeuken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. April, nachmit- tags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Emiirnus-tlirchhoseS in Neu- lölln, Hermaunstraßc, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht SS/7"itx Vorhand. Deutseber Banarbeiter-yerband. Zwelgrerein Berlin. Vezirk Reinickendorf. Am 26. März starb unser Mil- glicd, der Maurer Albert Lipke. Ehre seinem Audeutcu k Die Beerdigung findet heute, den 31. März, nachmittags 4 Uhr. auf dem Gemeinde-Friedhof statt. 145/1 Bio Srtliche Verwaltung. Herb. il.Scbneidep, Schneiderinnen n. Wäsehearbeiter Deutschlands. Filiale Barlin. Scbaltianstr. 37/38. Utifcieu Mitgliedern bicrniit zur Nachricht, daß der Herrcmnatz- schneidcr. Kollege (Zustav(Zreiaert gkb. 4. 3. 70 am 29. März verstorben ist. Ehre keine« Andenken Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. April, nach- mittags 4'f, Uhr, auf dem Jcru- ialemer Kirchhoi, Neukölln, Her- mnnnstraße 84/90, statt. 165/6 Oie Orts Verwaltung. Nach erfolgter Uebersührung findet die Beerdigung meines lieben Manne», des Bnchbindcrs kruiio Lämmer am Montag. 2. April 1917. von der Kapelle deS Ehrensried- 6of» der Stadl Neukölln, Marien- dorjer Weg, aus stall S4A Margarete Sommer. Reuterstp. 49. Am Mittwoch, den 28. März, verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater 210Sb Bernhard Pieleke im Alter von 28 Jahren. Er folgt« seinem am 6. De- zember lftfi im Feldlazarett ver- storbenen Sohne Paul. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Minna Vielecke nebst Töchtern. Tic Beerdigung findet am Sonn- lag. nachm. 4'/, Uhr. von der Halle des neuen Jakobifirchhof», Hcrmannslraß«. aus statt._ Nachruf zum Sterbetag« meine» lieben, unvergeßlichen Sohne», Bruders, Enkels, Neffen. Schwagers und Cousin» SA trieb Felimann gefallen am 31. Mäiz 1916 durch Kopfschuß. Du starbst im Früblwg Deine« Leben»; gestrebt hast Du mu treuem gleiß. Doch all mein Hofien war vergebens, der Krieg nahm Dich zur Ewigkeit. Ach. e» ist ja kaum zusasten, daß Du nie mehr kehrst zurück; so jung mußtest Du Dein Leben lasten, kcbn't nun nicht mehr in die teimat zurück. Du schläfst so still, u aonst es nicht, daß Grüße die Heimat Dir sendet, stehst nicht da» gebrochene Mutterherz. Wenn die Glocken den Frieden verkünden und die Krieger sich in der Heimat einfinden, dann bricht unS von neuem da» Herz fast entzwei, denn mein lieber Sohn und Bruder ist Mcht mehr dabei. Ach, eö kann nicht mehr ge- scheh'n, wie Du unS immer schriebst: aus gesundes Biedersehn! Mcwftmtt tan seiner Mutter und fetneu Brüder«. Was? erdichte Mäntel aoltilme— RSdtc Wintermäntel neueste Formen, beste Stoffe, gibt an Private Damcnmantelfabrtk Bilski, Krausen ffr. 30, Hos(Döii< hoffplatz).' 181212* In Eit�eljällen auch entgegen- kommend« Zahl«, gSweife. SowrtBi vm 12-4 gelffaei. eingerichtet, das alle. im Exekutivkomitee zur BeHand' inng gclangcudeu Frage« zu bearbeite» hat. Das Bureau hat bereits beschlossen, in allen russischen Industriezentren Zchicdsgerichtc zu errichten, die in e r st e r A n st a n z über Streitigkeiten z»vis che» Arbeitern uud Arbeit- geber» entscheiden werde». Außerdem soll ein Zentral- schicdsgericht geschasten werde», daS als zweite I»stanz auftreten wird. Ein ftusfchuß für Polen unü Ätauen. Petersburg, N. März. tMeldung der Petersburger T Jegreivben-Agcnturj Die provisorische Regierung hat die Einrichtung einer Kommission angeordnet, um die pol- nischen Angelegenheitou zu regeln. Die Kommission wird festzustellen haben, an welchen Orten und in welchem Zustand sich G st t e r befinden, die zu öffent- lichen Regierungseinrichtnugen Polens geboren und wird festsetzen, wie sie z u e r h a l t c n und zu verwalten sind, bis sie dem polnischen Staat >v i e d e r stb ergeben werden. Sie soll ferner die Bc- .iehungcn zwischen dem Staat und der römisch-katholischen .Kirche festsetzen. Tie Konimission soll Bestimmungen be- treffend die Ä r i e g s g e s a»l g c n e u und die M o b i l i- ' i e r t e n polnischer Abstammung ausarbeiten, die nch unter der Herrschaft der feindlichen Länder befinden. DaS Mitglied der ersten Duma, Alexander Leduitzki, ist zum Prä- ' Seilten der genannte« Kommission ernannt worden. Kronftaöt revolutionssicher. Kronstadt, 29. März.«Meldung der Petersburger Tele- grapben-Agcntur.) Tie Dumaabgeordneton Skobelew und M u r a n o w sind von Kronstadt zurückgekehrt, wo die revolutionäre Bsloegung am wenigsten organisiert war und . terst zu scheitern drohte. Augenblicklich beginnt das öfiem- iicke Leben in Kronstadt wieder seinen gewöhnlichen Gang anzunehmen, obgleich die Beziehungen .wischen den Offizieren und dem Oberbefehl de»' Flotte noch nicht geregelt sind. WoS den außerordentliche» Gegen «atz anbetrifft, der zu Anfang der Bewegung z>v i s ch c n Soldaten und Offizieren beobachtet Ivurde, so muß er mit dem drückenden Regime erklärt»vcrdcu, daS der ver- siorbeue Admiral Viren eingeführt hatte. Während der Unruhen wurden einige Dutzend Offiziere getötet, diele andere verhaftet. Während des Aufenthaltes der Abgeordneten in Kronstadt»vurde eine große Zusammenkunft aller Teile der Flotte und Festungsartillerie veranstaltet. Die Abgeordneten. die warm begrüßt wurden, gaben Erklänuigeu über die Lage ab. AligcnblickUch werden die Arbeiten im Hafen von Kronstadt ivicder aufgenommen. Der Treueiü öer Romanows. Amsterdam, 30. März. Ter.Times' wird aus Petersburg vom Aitlwoch gemeldet, daß alle Großfür st en und anderen Mit- giieder des Hauses Romanow der provisorischen Regie- rung den Treueid geleistet hoben. Der frühere Zar und seine Familie befinden sich noch in ZarSloje-Sselo. Die Verhaftungen von Agenten der«ltrn Geheim- tolizei dauern fort. Es stellt sich heraus, daß sich unter ihnen «ehr angesehene Pers onen befinde». Der Krieg auf Ken Meeren. Vorstoß gegen öie englische Süöostküste. Berlin, 30. Miirz. F« der Nacht vom 28. zum 29. März hoben Teile unserer Seestreitkräfte da» Sperrgebiet vor drr Südostiäste Englands abgestreift. Außer dem be- wasfnete» englischen Dampfer M a S c o t t r, 1097 Brutto Registertonnen, der acht Seemeilen östlich Lowe- stoft angetroffen nnd durch Artilleriefeuer versenkt wurde, sind weöer feinöliche Streitkräfte noch Handels- verkehr gesichtet worden. Siebe« Mao» der Besatzung des Dampfers Masrotte wurden gefangen genom,»en. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Seefperre unü Versenkungen. Loiidou, 80. März.«Reuter.) Der englische Dampfer Alnwickrastlr sä893 Br.-Reg.-To.) ist am 19. März im Ltlan- ichen Ozean Verse ntt worden. Erhalle vorher die Be- 'atzung«meS anderen englischen Dampfer» aufgenommen. Di« Poiiagtere und die Bemannung beider Schiffe verließen den Llln» wickcastle in fünf Boote«, von denen eines an der spamschen Küste gelandet ist. In dem Boot befanden sich 29 Perlonen, darunter eine Stewardeß und«in Kind. Acht von diesen find gestorben. Di« IIeöe:leb«nd«n leiden alle an Erfrierungen. Drei weitere Boote lonrdeu ebenfalls aufgenommen, die 27, 29 und 20 Ueberlebende und 5 Leichen enthielten. Ein Boot wird noch vermißt. Kristiania, 30. März. Zusolge Spezialtelegrammen von.Aston« Volten' erzählt ein aus Amerika heimgekommener Kapitän des am 10. Januar versenken norwegischen Dampfer« Bergenhui, daS U-Boot babe in ihrer Gegenwarl erst«inen«roße» englischen TraaSportdampfer torpediert, nachdem dieser das U-Boot mit zwei Slbiisien beschoß und nicht getroffen habe. Ter große Dampfer, der anscheinend mit Munition beladen gewesen sei, sei augenblicklich in die Luft geflogen, IV, Minute später sei nichts mehr zu sehen gewesen. Der U-Boot-O«fizier habe für den vom BergenhuS entnommenen Proviant quittiert. Sviflerda», 3». März.«Rcutermeldung.) Die American Pstrolam» Co. glaubt, daß ihr Dampfer C h a r l o i S, von Halifax »cch Rotierdain unterwegs, mit Mann und Maus unOrgegangen vi. Der norwegische Dampfer Z. Sl. Knudse«, mit Ge- treide nach Rotterdam, ist auf eine Mine gestoßen und mutzte in England die Ladung löschen. Man wird versuchen, die Ladung nach Holland zu btingen. » Kristiania, 80. März. Zufolge.SsöicrtStidende' ist die Linienfahrt zwischen Amerika und Renoegen jetzt derart getroffen, daß alle Roulendampfer. auch die. dw Reuend« rühren, in Halifax visiert werden, ohne Anlausen europäiswer Liäfen oder Zwilchemeisen. Dieselben Bestiuiniungen gellen für die vom iiorwe gucken Staet beftachteien Schiffe. Kristiania, 28. März. Tie Pesandiichast in London dralstet, daß dcr norwegische Dampfer M a r s b a l l aus Rarvik laut einer ..Mitteilung der Admiralität in der Rordsee«jcrfenkt worden ist. Der Vizetonjul in Aberdeen meldet, daß der Dainpfer Sandvig und der Bcrgener Dampfer Roda versenkt worden sind, Schlacht bei Gaza an üer Sinaifront. 1 Kanstantinopel, 28. März.«ÄeneralstabSbericht vom 28. März. S i u a i f r o n t: Der seil langen« erwarteie und svrgfällig vom Feinde vorbereiteie Angriff begann am 20. März. Der Kamps, der sich in der Umgegend von Gaza entwickelte, endete am Nachmittags de» 27. März mit einem offenkundigen Sieg« der Türken. Die an diesem Kampfe beteiligten eng- lischen Streitkräfte betrugen etwa vier Divisionen. Auch zahlreiche schwere Artillerie sowie mehrere Panzerautvmobile des Gegners nahmen an der Schlacht teil. Jni Laufs dieses zweitägigen Kampfes erlitt der Feind schwere Per- luste und ließ auf dem Schlachtfelde zahlreiche Tot« zurück. 200 Mann, darunter ein Offizier, wurden gefangen genommen nnd ein Pauzerautomobil sowie zwei andere Automobile erbeutet. Der Feind zog sich in südwestlicher Richtung zurück, von unseren Truppen verfolgt. In dieiem Kampfe hat sich unser!2ö. I«- 'anterie-Regiment besonders ausgezeichnet. Trotz der äußerste« Heftigkeit des Kampfes find rmiere Verluste sehr gering. Persisch« F r o n>: Die Loge ist unverändert. TigriSsronti Zusammenstöße von AufklärungSpalrouiLen auf unserem äußersten linken Flügel. Starke feindliche Kavallerie, die versuchte, zwischen zwei unserer kämpfenden Gruppen einzu- dringen, wurde zum Siückzug gezwungen. Kaukasusfront! Einige Gefechte von AusklärungZ- abteilungeu. Mazedonische Front: liniere Truppe» erobcrteu i» der Gegend de» Vrespa-See« zwei französisch« Borpostenstellungen. Heber den im gestrigen Heeresbericht gemeldeten Lufttampf über dem Schwarzen Meer sind folgende Einzelheiten eivgetroffen: Eins unserer Landflup zeuge, Beobachter Leutnant Keiper und Führer Unteroffizier Kautsch. verfolgte im Schwarzen Meer siebzig Kilometer weit die fliehenden feindlichen Flugzeuge und zwang, wie in dem genannten amilichen Bericht geme'.det ist, durch Maschinen- gewehrfeuer zwei feindliche Flieger zun: Riedergehen auf daS Meer Außerdem traf e» voll ein'eindlicheS Flog zeug- Mutterschiff mit zahlreiche» Bomben, deren Erfolg durch die Beobachtung unfercr anderen Flieger konstatiert wurde. Ter Stellvertretende Oberbefehlshaber. *, Englischer Heeresbericht au» A e g h p t« u vom 28. März. Wir schoben Truppen über eine Strecke von 15 Meilen von Rasa noch AZadighuzee vor. um den Bau einer Eisen- bahn zu decken, und gerieten in der Nachbarschaft mit etwa 20090 Feinden in einen heftigen Kanipf. Wir fügten dem Feinde schwere Verluste zu und machien 900 Gefang«»?, darunter den komman- dierenden General der 53. Division, i österreichische Offiziere und 82 Teulsch-Oesierreicher, und erbeuteten 2 österreichische Haubitzen. politische Uebersicht. Tie Wirkung der Kanzlerrcd«. Die Rede des Reichskanzlers am Donnerstag lief auf die bestimmte Ablehnung einer sofortigen Neuorientierung heraus; nichtsdestoweniger scheint sie das Signal zu einer sehr rasch sich vollziehenden Neuorientierung zu bedeuten. Freilich einer Neuorientierung in andcrein Sinne, nämlich der Parteien gegenüber dem Reichskanzler. Tie Presse der Reckten behandelt Herrn von Bethmann diesmal mit ungewöhnlicher Milde, nnd selbst ein Grollen hie und da macht sich nur wie der Nachhall eines abziehenden Gewitters, hinter dem schon die ersten Strahlen beginnender Zufriedenheit horyorbreldev. Tie freikouservative„Post" wittert bereits Mopgenluft; Wer dazu erwägt, daß der Kampf zwischen den rechten Par- teien und der Reichsregierung feit Monaten an Schärfe verloren hat. wird, wenn er im übrigen weitschichtigen Polstischen Konibinononon zuneigt, eine Verlagerung der inneren politischen Kräfteverhältniss« ganz von fern« in Betracht ziehen können. Umgekehrt schreibt das linksliberale„Berliner Tageblatt": Wir glauben, daß.Herr von Bethmann Hollweg gestern die Fühlung mit denjenigen Kreisen verloren hat, die ihn bisher gegen mächtige Einflüsse unterstützten. Ebenso spricht die„Volkszeitung" von einem„geschichtlichen Wendepunkt auf dein Gebrctc der iirnerdeutsihen Politik". Tie sofortige Wahlresorm. Auch die freikonservative„Post" tritt, wie wir»ritteilten, für eine Inangriffnahme der preußischen Wahlrechtsreform noch während des Krieges ein. Ihre Gründe sind freilich anderer Natur als die der Linken. Sic werden offenbar in einem Artikel, den der freikonservative Führer Oktavio v. Zedlitz persönlich zeichnet. Herr V. Zedlitz sucht nachzuweisen, daß die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen sich praktisch als undurchführbar erweisen würde, da keine Majorität dafür vor- handen sei. Ein Realpolitiker könne also bei diesem Gedanken nicht verweilen. Dagegen sei ein abgestufte« Wahlrecht durchführbar. Und nunmehr nimmt Herr v. Zedlitz die Mahnung dcS freisinnigen Abgeottrneten Müller-Meininge n an die Regierung auf,„die Zeit nicht zu verschlafen": Ihre«der Regierung) unerläßliche Aufgäbe ist es, alsbald mit den Vorbereitungen für die Einführung eines unter den Ge- nchtSpunktcn wirksamer Erweiterung des Mittelstandes und der breiten Mafien abgestuften Wahlrechts vorzugeben. Hat sie durch Verständigung mit den Parteien, toelche grundsätzlich mit ihr an einer solchen Reform des Wahlrechts mitzuarbeiten bereit sind, sich eine Mehrheit im Abgeordnetenhause gesichert, und läßt ein« Ergänz»»« de» Herrenhauses durch Vermehrung der Vertretung der erwerbstätigen Bevölkerung auch die Zustimmung drescS Hauses zu einer solchen Wahlresorm crhoften, dann würden auch entscheidende Bedenken nicht mehr dagegen zn erheben sein, mit einer solchen Borlagc schon vor Friedensschluß vorzugehen. Der kluge Herr v. Zedlitz tvill also das abgestufte Wahlrecht während de» Kriege« ohne viel Aussehen und gleichsam unter der Hand durchschmuggeln, damst er nach dem Kriege nicht das gleiche Wahlrecht herauszugeben braucht. Aber jedenfalls beweist er der Regierung dach, daß eine Wohlrefornr auch schon während deS Kriege« in Angriff genommen werden kann. Die Regiernng müßte sich demgegenüber sagen, daß die Partei, die sie selber auffordert, sofort die Wahlreform einzubringen, nicht gegen sie aufstehen kann, wenu sie. den Ton auf da« sofort legend, die ganze Wahlresorm einbringt._\ Ein harter Schlag. Wir haben wahrend des Krieges manches entbehren gelernt, aber der gute Wille de« Volkes hat cä ertragen. Jetzt erfahren wir endlich, was wirklich„ein harter Schlag" ist. Graf Mirbach- Sorquitten hat es im preußischen Herrenhaus ausgesprochen: Die Abschaffung drr erste» Wagenklesse.— das wäre..für viele Leute ein harter Schlag" und würde ihnen„das Reisen außerordentlich verleide:!". Gesprochen am SO. März 1917 im preußischen Herrenhaus, das — obwohl nicht vom Volte gewählt— verfassungsrechtlich einen Teil der preußischen Volksvertretung darstellt, im 32. Monat des W�ffkrieges,___.____■■■■-o...■.--•»*-"' Tte„Süddeutschen Monatshefte". In der Auffichisratssitzung der„Süddeutschen Monatshefte� kam es an: letzten Sonnabend iu München zu heftigen Ausems andersstzungen, nachdem eine Anzahl klerikal-alldeutscher Mitglieder ernannt worden war. D r. Hallgarten trat infolgedessen zurück. Er erklärte jedes weitere Zusammenarbeiten für unmöglich und jede Geineinschaft für ausgelöst, weil dem seine demokratische Ge- iinnung entgegenstehe. Profefi« Wenckstern zefalle». Ter bekaimie Nationalökonom, Pros, v Wenckstern. der sich durch sein Eintreten für die Flotten- vorlagen«inen Namen gemacht hat. ist vor einiger Zeit bei Dix- muiden schwer verletzt in«Aetangentchafi geraten und nach der Ein- ltzeserung in ein ftanzöfische« Lazarett gestorben. Letzte Nachrichten. Dos neue schwedische Ministerium. Stockholm, 30. März. Meldung des schwedischen Tele- graphenbureaus.) Das neue Ministenum setzt sich folge»- dermaßen zusammen: Präsidium eswartz, Slcusjcws Admiral L i n d m a n n, Justiz Stegenberg«der im Ministerium Hammarskjoeld Staatsrat Mar), Krieg Oberst A k e r m a u n(Abgeordneter), Marine Mitglied der ersten Kammer Fregattenkapitän Hans Griese n, Inneres von Gyd ow(wie im Ministerium Hammarskjoeld), Finanzen der frühere Oberrechnungsrat G a r I e f o u, Unterricht Landeshauptmann H a m in a r st r o e m, Landwirtschaft Pizepräsideiit der Volksernährungskommission Dahlberg. Minister ohne Portefeuille Expeditionschef Ericsson und Regiernngsrat Falk. Tie Minister leisteten abends um 7 Uhr dem König den Eid. Soziolisttschrr Bizepräsidrut in Frankreich. Beim. 30. März. Tie französische Kammer hat gestern mit 293 Stimmen den Sozialisten Grou ssier gegen den Links- republikaner Veanregard an Sielle Violettes zum Vizepräsidenten geloähtt. Die Nbgeordveten Molle und Ancek haben einen Jnter- pallationsantrog über den Erlaß des Einfuhrverbotes eingebracht.' Tie Schweiz lehnt Begrüßung der russischen Revolution ab. Bern, 30. März. Der Nationalrat lehnte heute nach langer, zum Teil erregter Erörterung den sozialdemokra- tischenAntragab.der Nationalrat möge als Vertretung der ältesten Demokratie das neue rnsfische Regime be- grüßen und die Hoffnung aussprechen, daß die russische Revolution de» Frieden fördern werde. Tie Vertreter der bürgerlichen Par- tcien sprachen sich gegen den Antrag aus.«veil sie darin ein Ab- weichen van der strengen NcutralitätSlinie der Schweiz und eine Einmischung in dir inneren Angelegenheiten eine« fremde» Staates erblickten. Anerkennung der russischen Revolution durch Japan. Tokio. 30. März. Japan hat die provisorische Regierung in Rußland anerkannt. Tschechen und Slovaken im russische» Heere. Im russischen Heeresoericht vom 29. März heißt eZ: In der Stacht vom 26. zum 27. März sprengten«vir östlich von Brzezanh eine große Min«. Roch der Ezplofton machten Aufklärer unter dem Befehl des Leutnants Zakiwotseff sowie Tschechen und Slovaken unter dem Befehl des Leutnants Medick einen Einbruch in die feind» lichen Gräben. Ta in Rußland weder Tschechen noch Slovaken wohnen, so kann eS sich nur um österreichische Untertanen« ehemalige Kriegsgefangene?) bandeln.— Damit vergleiche man die russische Entrüstung über die Bildung einer polnischen Armee durch die Zcntralmächte. Bevorstehender Generalstteik in Spanien. Madrid. 30. März.(Havasmcldung.) Im Ministerrat unterbreitete Ministerpräsident Graf Romano nrs dem König die Be- schwerden der Arbeiterabordnungen und die Matznahmen der Rc- gierung. Eine Versammlung von Arbeitervertretorn habe de» Generalstreit beschlossen, um, wie das Manifest beiagt, die leitenden Klasse« zu zwingen, grundlegende Acndcrungen i»e>gege»wärti«rn Softem vorzunehmen. Die Regierung werde weiter die not- wendigen Maßnahmen gegen die Lebensmittel* teuerung und die Arbeitskrisis ergreifen, die Aufrecht» erhaltung der Ordnung sichern und keine Vorbereitung zn einem Generalstreik dulden. Tie tffüter der Zarensawilie Ratioualeigentum. Petersburg, 30. März.(Meldung der Petersburger Testtgraphenagentur.) Die provisorische Regierung beschloß bis zur Entslherdung der Aponogengütersrage durch die kon- stttuierende Versammlung, alle derartigen(bitter� als N a t i o n a l e i g e n t u m zu erklären, deren Einkünfte der Staatskasse zufließen._ Hundert Standardschifse im Bau. Amsterdam, 30. März. Die englischen Verlusflisten vom 23. und 24. März enthalten die Ramen von 101 Offizieren und '2077 Mann. Im Unterhaus« ist seitens der Regierung mitgeteilt worden, daß üO Standard schiffe(EuiheitStYP) für die englische Handelsflotte im Bau seien; e« werde geplant im ganzen hundert zu bauen, aber man könne noch nicht sagen, wann sie fertig sein werden. Der Rumpf sei noch nicht fertig. Graf Miclzpuski zu Gefängnis verurteilt. »usterdcin 426 42« Marl GeWstrafr. Bosen, 30. März. In dem Prozeß gegen den Grasen Jguaz Mielzynski erkannt« die Siraflammer des hicilgcn Land» gerichts nach sechsstündiger Beratung: Der Angeklagte imrd wegen Vergehens gegen das Gesetz über den Berkehr mit Gerste aus der Ernte 1916 sowie wegen Vergehens gegen das Gesetz betr. übermäßiger Preissteigerung zu sechs Monate» Ge- fä«g«is verurteilt; davon wurden drei Monate drei Wochen aus die Untersuchungshaft angerechnet. Außerdem erkannte das Gericht auf 42« 420 Mark Gcldstrafr. Verhaftungen wegen Fischwuchers. Wegen Wucher« mit Süßwasierfischen wurden gestern nachmittag von der hiesigen Kriminalpolizei der Fischhändler L. von hier, der Anftäufer I. aus Prosken in Ostpreußen und ein Kauf- mannslehrlivg verhaftet. In Prosken und Umgegend wurde seit längerer Zeit beobachtet, daß I. große Mengen Fische austaufte und ausführte. Er hat mit dortigen Fischern Verträge abgc- schloffen, die diesen höhere als die orisüblicheu Preise zusicherten. Deshalb erhielt er rou ihnen,«vas er nur haben wollte. L. erwarb durch I. die Fische weit unter dem Preise, der hier den Fischern gezahlt wird. Trotzdem nahm rr im Weiterverkauf die höchste» Preise, die hier nur erzielt werden. So ergaben sich ta. seinem Kleinhandel ausgesprochene Wucherpreise». Gewerksthaftliches. Textilarbeiter für üie Lanüwkrtsthost! Der Vorstand des Deuischcn Texrilarl>eiterverbandcs crläht in Nr. 13 deS„Textilarbeiter" vom 30. März nachstehende Beteiimt- machung: „An unsere Ortsverwaltungen I In den Zentralen der Textilindustrie sind jetzt zahlreiche Agenten der Landwirtschaft tätig, um Textilarbeiter und arbeite- rinnen, hauptsächlich Arbeiterinnen, für landwirtschaftliche Arbeiten anzuwerben. Der Verbands vorftanb hat_an das Kriegsamt das Ersuchen gerichtet, die seinerzeit von dem Stadtmagistrat zu Augsburg für die Landwirtschaft zugunsten der Textilarbeiter festgclegteik Lohn- und Arbeitsbedingungen vorzuschreiben. In mündlicher Aus- spräche hat der Vorstand durch Kollegen Iäckel sich ciiwerftonden erklärt, daß der Landwirtschaft die Annahme der gewünschten dingungen nicht vorgeschrieben, sondern empfohlen werde. Das Krisgsamt hat, dem Rate des im Kricgsamte tätigen Grundbesitzers folgend, beides abgelehnt. Ob auch der Vertreter der Arbeiter im Kriegsamte, Genosse Schlicke, hierzu gehört wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Das Kriegsamt empfiehlt Ausarbeitung vo» Arbeitsverträgen mit örtlichen Behörden von aall zu Fall. Der Vorstand teilt den.Kollegen hierdurch mit, das? er es auf Grund zweijähriger Erfahrungen unter diesen Umständen ablehnen mutz, für Ueberführung der Tcxtilarberter und-arbeiterinneu in die Landwirtschaft tätig zu sein, so sehr er auch hierzu bereit war und obwohl er bereits alle Vorbereitungen getroffen hat. Desgleichen werden es unsere Funktionäre ablehnen, den Kolleginnen und Kollegen Uebernalune landwirtschaftlicher Arbeiten anzuraten." Man kann den Schritt verstehen, den hier der Vorstand des Deutschen Textrlarbeitervcrbandes tut? haben ihm doch die Erfahrungen gezeigt, daß Löhne und Arbeitszeit, Behaitdlung nird Unterkunft der in die Landwirtschast vermittelten Textilarbeiter vielerorts zu wünschen übrig gelassen haben. veutÄes Reick. Der Zimwererverband im Jahre Mit 673 Zahlstellen und 18 632 Mitgliedern trat der Zimmerer- verband das Jahr 1616 an. Am Schlüsse des Jahres zahlte er in 1)32 Zahlstellen noch 17 009 Mitglieder. Die Abnabme an Zahlstellen beträgt somit 41. an Mitgliedern 1833. Seit Kriegsausbruch ist die Zahl der Zahlstellen um 187, die der Mitglieder um 45 571 zurückgegangen. Trotz der stark verringerten Miigliederzahl ist die Vermögens- läge des Verbandes eine gute. Am Scblusse des Jahres 1916 hatte der Verband 5 080 536 M. Gesamtvermögen, davon 4 174 277 M. i« der Hauptkassc, Ende 1015 betrug das Vermögen 4 958 931 M., davon in der.Hauptkasse 4 143 492 M. Bon 1914 auf 1915 hatte sich das Gesamivermögen um 237 304 M. verringert; von 1915 aus 1916 erhöhte es sich um 121 605 M., eS blü-b somit hinter dem Staub' von 191 1 um 115 699 M. zurück. Für Unterstützungen hat der Ber- band auch im Jahre 1916 recht bedeutende Aufwendungen gemacht. Ter Hauptantcil entfällt auf Unterstützung an die Familien der eingezogenen Mitglieder, nämlich 346 347 M., allein aus der Haupt- kasse, ohne die Zuschüsse aus den Zahlstellen. Insgesamt zahlte der Zinnnerervcrbcmd an Unterstützungen für die Familien seiner Kriegsteilnehmer seit Ausbruch des Krieges bis Ende 1916 ritnd 1 100 000 M. Gering sind die Aufwendungen für Arbeitslosen- Unterstützung, die für 1916 33 998 M. betragen. Unter Arbeits- losigkeit hat übrigens der Verband im Jahre 1916 fast gar nickit zu leiden gehabt. Nach den regclmähig zweimal monatlich gemachten Feststellungen erreichte die Arbeitslostgkcit ihren höchsten Stand im Februar mit 5,54 Proz. Am niedrigsten war sie Ende Oktober und Ansang November mit 0,31 Proz. Die Mitglieder des Vcr- bandes Ivarcn vortviegend an Kriegs- und Heercsvauten beschäf- tigt; denn die private'Bautätigkeit lag gänzlich danieder. Für die Arbeiten an den erlvähnten Bauten mutzten, da sie nicht selten in Gegenden zur Ausführung gelangten, wo geordnete Lohn- und Ar- beitsbedingungen fehlten, oder Ivo die bisher üblich getveseuen Be- dingungen sich als unzulänglich erwiesen, besondere Vercinbarun- gen getroffen werden, die durchweg über die im Rcichstarifvcrtrag für das Baugewerbe vorgeschriebenen Bestimmungen, teils recht er- heblich, hinausgehen. Die Unternehmer mögen solche Vereinbarun- gen nicht immer gern getroffen haben, doch find sie in allen Fällen durch ihre Bauauftraggeber schadlos gehalten worden._ Auch die Unteruehmerorganifationen haben versucht, für sich aus solchen Ar- beiten Vorteile zu ziehen, indem sie dahin tvirkien. datz die die Ar- betten ausführenden Firmen zur Hinterlegung einer Kaution bet ihrer Organisation genötigt wurden und außerdem für die vcr- mittelten Arbeiter �ine Entschädigung in bar zahlten. Der Verlauf der Tarifbewegung im Baugeiverbe im Jahre 1916 ist bekannt. Der Ende März abgelaufene Reichstarifvcrtrag wurde nach wiederholten Verhandlungen unter Mitwirkung des Reichsamts des Innern im Mai verlängert, nachdem Teucrungszu- lagen von 7—1112 Pf. für die Stunde zugestanden waren. Um seinen Miigliedschaftcn Gelegenheit zu geben, zu dem Verhandlungs- ergebnis Stellung zu nehmen, hatte der Verband in allen Gauen Konferenzen veranstaltet, die den Vereinbarungen, teils allerdings widerstrebend, ihre Zustimmung gaben. Die Vereinbarungen haben Gültigkeit bis 31. März 1918. doch dürfte eine baldige Revision der Löhne in Rücksicht auf die steigende Tendenz der Preise für alle Bedarfsartikel unumgänglich sein. In nicht Ivenigen Zahlstellen des Verbandes sind den Unternehmern bereits� dahingehende Wünsche unterbreitet worden, in den meisten jedoch sperren sich die Unternehmer gegen eine Gewährung höherer Zulagen. �indem sie auf den Reichstarifvertrag und die ini Mai vorigen Jahres ge- trofsenen Vereinbarungen verweisen. Dabei unterliegt eS gar lei- uem Zweifel, datz sich die Voraussetzungen, unter denen im vorigen Jahre das Abkommen getroffen wurde, vollkommen gewandelt haben. Uebrigens wird das auch von einem Teil der Unternehmer unumwunden anerkannt, davon zeugen die bereits erwähnten Vcv- einbarungen für die Arbeiten an Kriegs- und Heeresbauten. Im allgemeinen ist der Zimmcrerverband auch im Jahre 19l6 allen Schwierigkeiten, die sich ihm entgegenstellten. Herr geworden. Die Verwaltungsgeschäfte in den Zahlstellen konnten vielfach init Hilfe von Mitglicderfrauen in zufriedenstellender Weise erledigt werden. Nur das Verbands- und Versammlungsleben ließ zu wüir- scheu übrig. Daran tragen indes vielfach die schloachcn Mitgliedschaften schuld und der Umstand, datz nicht selten fast alle Müglie- der außerhalb ihres Wohnorts arbeitcit. Eine noch bessere Verbin- düng zwischen den Zahlstellen und ihren zum.Heeresdienst eingc- zogcnen Mitgliedern wäre von großem Vorteil, sie würde dazu bei- tragen, datz bei Beendigung des Krieges die Rückmeldung der Mit- alieder in der Organisation sich tunlichst schnell vollzieht. Serlkn und UmgegenS. Tarifverhandlnnge« der Bauklcmpiier. Nachdem die Bauklempner ihren Tan f zum 1. April gekündigt hat tan, kaznen Verhandlungen wegen Erneuerung desselben"zwifcken den Vertretern beider Parteien zustande. Der alte Tarif hatte einen Mindeststundenlohn von 81 Pf. festgesetzt, der aber durch Teue- rungszutagetn eine kleine Erhöbung erfahren battc. Für das neue Tarisverhäliais forderten die Arbeiter eine Erhöhung des Lohnes bzw. der Teuerungszulagen, so datz im ganzen ein. Verdienst von 1,50 M. für die Stunde erreicht werden sollte. Aützerdem wurde eine Erhöhung der Landzulage von 3 auf 6 M. gefordert. Die letzt- genannte Forderung lehnten die Vertreter der Untcrnebuter ob. Auch die Lohnfordertuiig bezcickmetcn sie als zu hoch. Nach langen Verhandlungen in der Kommission machten die Unternehmer das Aggebott Sie seien bereit, den Tariflohn von 81 aus 85 Ps. zu erhöhen und 40 Prozctil dieses Satzes als Teuerungszulage zu ae- wahrend, so daß sich der Stundenlohn insgesamt auf 1,20 M. stellen würhe. Die Vertreter der Arbeiter erklärten, sie könnten sich mit diesem Angebot nicht einverstanden erklären, da die Forderungen ihrer Maudatgeber das Mindeste darstelle, was unter den heutigen Verhältnissen verdient werden müsse. Damit endeten die Berhand- lungen. Die am Tomicrstag abgehaltene Branchenversammlung der Klempne? nahm Stellung zu dieser Angcleganheit. Der Obmann Dietrich bemerkte, er könne dos Angebot der Untcrnebmcr den Kollegen nfcht zur Annahme empfehlen und stelle der Versammlung anHeim, über die weiteren Schritte zu befindest. Ferner führte der Redner aus, datz zurzeit 200 bis 250 Klempner im Baufach arbeiten, von denen etwa zwei Drittel vom Heer>sdtenst freigestellt sind. Diese bekommen meistens sehr geringe Lölyte, 81—80 Pf. In vielen Fällen wird den Reklamierten nur der Mimdestlohn ohne TeucrungS- zulagc gezahlt. In der Diskussion wurde das Anaebot der Unternehmer von allen Rednern als unannehmbar bezeichnet und betont, datz die meisten Klempner, soweit sie nicht als Rektamierte sich in der Be- Wegungsfreiheit gehindert fühlen, schon jetzt einen Höheren Lohn als ILO M. haben. Unter diesen Umständen würden die Arbeiter kein Interesse an der Erneuerung des Vertrages haben, aber die Rücksicht auf die Reklamierten, die ohne Vertrag der Willkür mancher Unternehmer schutzlos gegenübersteben würden, lasse den Abschluß eines neuen Vertrags mit angemessener Lohnerhöhung wüttschcns- wert erscheinen. Die Versammlung lehnte das Angebot der Unternehmer cinstim'mig ab und beschloß, sich an da» Einignngsamt des Gewerbegericksts zu wenden, wo die Vcrhand- lungen über den Abschluß eines neuen Tarifs fortgesetzt werden sollen. Soziales. Mus öer Partei. Y Die rektamierte Opposition. * 3" dmr Schmutzwaffen, mit denen Arbeitsgemeinschaft und Spartalusgruppe die Partei bekämpfen, gehört unter anderem auch die immer Wiedel kehrende Verleumdung, datz ihre Führer sich systematisch vom Heeresdienst drückten. Natürlich kehlen auch hämische Andeutungen der Art nicht, datz die Reklamationen von Parteiredakteuren und Gewerkschasisangestellten sich auf die guten Beziehungen der„Regicrungssozialisien" zur Regierung gründeten, und datz die Bewilligung solcher Reklamationen durch die Re- gierung eine Belohnung für politisches Wohlverhalten des Betreffen- den sei usf. Diese Kampfeswcise rückt in ein sehr merkwürdiges Licht, wenn man jetzt aus der„Leipziger LolkSzeinmg" erfährt, daß dieses Hmiptorgau der Opposition seine eigenen Redakteure systematisch und — mit gutem Erfolg vom Heeresdienst reklamiert hat. Das prin- zipienfefte OppositionSorgan wendet sich nämlich gegen den aus einer Zwtckauer Versammlung erhobenen Vorwurf, datz die„Leipziger VoUSzeitung" den Redakteur ihres Muldenthaler KopfblatteS wegen seiner Haltung zur Mehrheit nicht gleich ihren anderen Redakteuren habe reklomieren wollen. Da» weist die Leipzigerin entrüstet zurück und plaudert dabei folgende Geheimnisse au» der Schulet Genosse Bahrdt ist von der Geschänsleituiig und der Redaktion in der zweiten Hälfte de§ JabreS 1916, als die Einziehung der älteren Redakteure in ernste Nähe rückte, genau iu derscldcu Weise wie die andere» Kollege» reklamiert und, wie diese, mehrmals weiter zurückgestellt worden. Bis der Zeitpunkt kam, wo er, ebenso ivie die beireffenden Kollegen von der„Leipziger Volks- zeitung", von der Militärbehörde auf die besondere Liste derer gesetzt' wurde,„deren weitere Zurückstellung abgelehnt wird". Erst dann ist die weitere Reklamation als vollkommen aussichtslos auf- gegeben worden, genau so wie die der betreffenden Kollegen vo» der„Leipziger LoltSzeitung", von denen Genosse Müller jetzt schon mehrere Wochen eingezogen ist, während Genosse Herre jeden Tag niit seiner Einberufung rechnen mutz. Stach der heuchlerischen Entrüstungspose, welche die Dittmann und Genossen im Reichstag gegenüber reklamierten Mehrheitsanbängern eingenommen haben, macht sich diese unfrei- willige Enthüllung doppelt gut. Die Geführten der Arbeitsgemein- schaft und Spartakusgruppe werden jedenfalls mit einigem Erstaunen vernehmen, datz ihre Führer, die' den Kampf gegen die Regierung bis aufs Messer predigen, selber die Befreiung vom Heercs- dirnst mit Wonne als ein Gnadengeschenk jener Regierung annehmen, als deren„Todfeinde" sie sich vor den Kulissen aufspielen. Material zur Parteipolitik. Der Parteivorstand hat unter den Titeln„Frieden, Brot und gleiches Recht!" und„Sozialdemokrie und Kriegs steuern 1917" die ReichStagSrcden ScheidemannS zum Etat und Keils zu den Steuergcsetzen als Broschüren herausgegeben. Zur Beurteilung der Porteipolttik sind beide Broschüren recht wert- voll. Die Parteiorganisationen können sie zum Selbstkostenpreis vom Parteivorstand beziehen. Arrztltchk Schweigepflicht und Geschlechtskrankheitc«. In der Reichstagssitzung vom 27. März stand eine Anfrage, die von Reichstagsabgeordneten sämtlicher Parteien gestellt war, auf der Tagesordnung. Es wurde darin um Auskunft ersucht, ob der Reichskanzler bereit sei, gemätz 8 115 der Reichsversichcrungs- ordnung auf die Heeres- und Martnevertoaliung dahin einzuwirken, daß auf an sie ergehende Ersuchen der Vorstände der Landesverstcherungsanftalten Versicherte, die während ihrer Dienst- zeit geschlechtlich erkrankt waren, ohne deren besondere Befragung, den bezeichneten Versicherungsträgern zwecks weiterer Fürsorge von ihr namhaft gemacht werden. Gefragt wurde weiter, vb der Reichskanzler anerkerrne, datz Mitteilungen über den Gesundheitszustand von Personen durch Be- Hörden und durch Aerzte au die Träger der Sozialversicherung und an die Vvn den Landesversicherungsanstalten eingerichteten Be- ratungsstellen, wenn diese Mitteilungen im Interesse der Gesundung dieser Personen erfolgen, triebt als unbefugt erachtet tverden können und daher von der Strafbestinnnung des K 300 des Strafgesetzbuches nicht betroffen werden. Für dtc Stellung der Anfrage waren folgende Gründe matz- gebendt Mit der Einziehung so vieler Männer im besten Lebensalter zum Heeresdienst ist die Zahl der im Heere beobachteten Geschlechts- krankheiten naturgemäß, jedenfalls absolut eine größere geworden. Zwischen der Heeresverwaltung und den Trägern der Invaliden- Versicherung ist nun eine Verständigung dahin erzielt worden, datz die Erkrankten der zuständigen Jnvaltdenversicheruiigsanstalt zur eventuellen weiteren Fürsorge gemeldet werden, wenn der Er- krankte die Zustimmung dazu gibt. Die Landesver- sicherungSanstalten sind zu einer dauernden Ueberwachung der Er- Rankten und zu Fürsorgematznahmen für dieselben bereit. Dem Präsidenten des R-eichsversichentngsauites, Dr. Kaufmann, ist cS gelungen, eine ganz großzügige Organisation dieser Fürsorgematz- nahmen in die Wege 312 leiten. Tiefe Maßnahmen, die eine der- amge Förderung der öffentlichen Eesundhntspfleac darstellen, datz fie nur verglichen werden können mit der Tuberlulosebekäinpfung, drohen jedoch im Sande zu verlaufen, weil die Einsicht bei den Er- krankten leider derart gering ist, daß nur ein kleiner Teil die Zu- stimmmig zur Benennung ihrer Person bei der Landesversichc- runaSanstalt gebe. Trotz aller Vorstellung der Militärärzte können sie sich nicht überwinden, ihre Zustimmung zu geben. Ohne ihre Zustimmung meint die Heeresverwaltung die Benennung der Er- krankten nicht erfolgen lassen zu können. Sie will ihre Aerzte nicht der Gefahr aussetzen, nach£ 300 des Strafgesetzbuches verfolgt zu werden. Nach dieser gesetzlichen Bestimmung wird ein Arzt tmt Strafe bedroht, der unbefugt Privatgeheimnissc offenbart, ote ihm kraft seines Amtes, Standes oder Gewerbes anver- traut sind. Die Antwort des RegierunysvertreKrs war leider mehr ausweichend als bestimmt. Er schob die Eietschetdung darüber, ob die Mitteilungen an die VersicherungSbehörden von den zuständigen militärischen Stellen gemacht werden sollen, ausschltctzlich der Heeres- oder Marinevertoaltung zu. Er begründete dies damit, datz nicht nur Gesichtspunkte der Hvgiene, sondern auch allgemeine militärische Interessen in Betracht kämen. Er stellte allerdings in Aussicht, datz diese Verwaltungen, ohne datz es einer besondercu Einwirkung de» Reichskanzler» bedürfe, ihre Entscheidung unter Abwägung der in Betracht kommeitden Gesichtspunkte treffe» würden, zumal für sie der§ 300 des Strafgesetzbuches nicht gelte. Mitteilungen von Aerzten fielen unter diese Strosvorschrift nur, wenn sie unbefugt seien. Ob höhere sittliche Pflichten die Preis- gäbe des Berufs geheim n 1 ss es begründen könnten, das zu entscheiden sei letzten Ende» Sackte der Genchie. Mitteilungen, die von Kassen- ärzten über die Erkrankungen von Kassenmitgliedern an die Träger der Sozialversicherung und von diesen an die von den Landes- verjickwrungSau stallen eingerichteten Beratungsstellen im Interesse der Gesundung der Mitglieder gemacht würden, würden nicht als unbefugt angesehen werden können, vorausgesetzt, datz die Be- ratungsstellen organisch tu die LandeSversichcrungsanstalten ein- aeglieoert und damit der Schweigepflicht des 8 III der ReichSver- stcherungsordtmng unterworfen seien. Wir sind der Meinung, datz das. was im Interesse der Volks- gesuitdheit liegt, was namenloses Elend zu mindern geeignet ist, nicht unbefugt sein kann. Zudem auck, kann man in � all jenen Fällen, in denen die Kranken, wie cö doch in den Militärlazaretten geschieht, zu Dutzenden gemeinsam behandelt tverden. nicht mehr von einem Privatgebeimnis sprechen. Da trotzdem Bedenken bestehen, wie das durch die Beantwortung der Anfrage offenbar ge- worden ist, mutz eine Bestimmung vorgesehen werden, daß die Mitteilung der geschehenen Erkrankung an die Landesversichorungs- anstalt nicht als unbefugt im Sinne des§ 300 des Strafgesetz- buches gilt. Die gerechtseriigten Interessen der Erkraitkten sind durch die Vorschrift des 8 141 der Reichsversicherungsordnung genügend gewahrt. Mit der gleichen Strafe, wie sie der 8 300 des Strafgesetz- buchs vorsieht, bedroht 8 141 der Rcichsvcrsicheruiigsordnuiig die Mitglieder und Angestellten eines Versicherungsträgers, wenn sie unbefugt offenbaren, was ihnen in amtlicher Eigenschaft über Krankheiteti oder Gebrechen Versicherter oder ihre Ursachen bekannt geworden ist.' Tic Nachtarbeit der Arbcitcriuncn behandelt ein Erlaß des Reichsamts des Innern, den der preußische Handelsminister jetzt den Regierungspräsidenten und dem Berliner Polizeipräsidenten zur Beachtung übermittelt. Die Genehmigung. Arbeiterinnen während der Nacht zu beschäftigeu, soll in der Regel nur noch unter der Bedingung erteilt werden, daß sie in acht- stündigen Schichten arbeiten. Da» ist verschiedentlich bereits mit Erfolg geschehen. Die Schwierigkeiten, die daraus entstehen, datz in demselben Betriebe die Männer in zwölfftündigcn Schichten arbeiten, lassen sich bei gutem Willen übertvindcn. Für die Gewährung von Ausnahmen von den achtstündigen Nachtschichten für Arbeiterinnen gibt das Reichsamt des Innern den Bnndesregie- rungen Richtlinien an die Hand,«olche Ausnahmen sollen von den höheren Verwaltungsbehörden wie bisher nur von Fall zu Fall bewilligt werden. BeeantworMch filr Politik: Hermann Müller, �emvetbot; für den übrigen Teil d. Blattes: Alfred Zcholz. Neukölln; für Inserate: td. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag t Vorwärts Buchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer 5t Co Berlin FW. Hierzu 2 Beilagen und Uiiterlialtiingsblatt. rigmeiz. WmiM, RaotMe Eogro« F. Ernet Bord!. Elaaeseretr. 2t. 4 Alkoholte. Betränke» Franx Abraham, toi MeiBioa-u.RÄirsrtronk-Keli.: C.S5 8», Farn« p. Kg«t.lJ708 4 Barte-WwlaHon p tmi-y a«."sä?.«. Eiana-saflSuÄer. Passaoe-Bad K«fonn-BaJ, Wianar Str. 66. 4 uatker- n. Konditoralan» UzMeMM. 7S CäsebAfte j» allen ittadtteileu Bartius «owlo in N-akeUn u, Treptow aecrBndet 1 Ers I_ ü Erscheint 2 mal achentlioh., | Bezugsquellen�eraeeichniSs| Uiiteii«t«h«nde Geschäfts empfehleasioh b.Eialtiaf. Otto Wolf f, Treptow, KrülUt. 1» Zach an, Gr.-Lichterf. """!•». aummhwrV 4 BawcUifl«..._ R. Baoko, Siraltuör StrTfcS. E. Rraas, KosjsaoAaiiwjtr. ib. A- E. Lan�e, Brannenstr. 166 4 Bwiter# Lier, KSo« ► 1 Wilhelm Gebel" K«Igen« PtUaUn. August Holtz 4 BierbraoereL, Bierhdandlg.� ir an 48 eigens lelailgemfclfte I F. Klesewetter, ItilMlbiuna. II. «. IMar, Ortaerwa*«, Schröter. KI 43»erkautesWlea«Z pgj} ütdy&Wolfram arauerelBüizo empfioifit Quaütetsim Taten Ranges (J. Habels Brauerei keil— Hahclbris— daakel. -ei Kcl. MDnchensr Brauhaus Berlin und Oranienburg TrinH! UfannlngGi1 Bier! Weusbier, C. Breithaopt, --- ar ieLXaKtMi.Mii 4 6~o fien'ur d y.'i'L'nn h Wcräer-Dregerle, griii.l«l«w»r»i. I« 4 Eaaietäbrllien F t Timner'Essig überall erhültllolil 4-'s». U c fil'stT'V'/ur s tw■"> W. Oeck Iah.: Karat. Perbach Charlottenburg, Berlinerst. 69-69 Fleisch- und Wu rstwarenfabrik 4 EiscB.Stahlw, Waffen, WcrkzTV Carl Jnaf. Ötromstr 61. RäUlmaan.P. Mü!lerat.40b,K.S«oet 4 WahlhaacHunaen> Bethke, Leorg. lii»t»Ili. Blxftr.tS, Itiin-Inielr. 8:t. II WtterKr. Iii, Wed-Uir. 11 Trtplwr. flrUi-ltriU 14, g Hüte, watien, Palrware« b l/soriroM t Kotlbutor-. »i esitera i» v,»w t«t» Uanna,» V.ejtr, V>i»«!l«i»«r*r l"l 4 Photoar. Hvvorittn_ p U IIKnirM 80. kottbusoratr. S. 1. Hlill tUil aiith r.elegenheit«kf. V/illyüerid[c,l'eioribureer«trUi Otto Keagal, Alu Jaaobotr. II •iifcrre.n-cklskn« b tjn JlCanaa 8:'J«tr. M, ti*a .»»er prioioa-AUe«. Loeko A Slopockl, EtUak-iUtll 4 Kolonialwaren p Ai.m, Gaegc.Otto011�" f.l.atl» < mhmaachinen~V BellraanD, E„ ggSSTSiS ■wo oawflwaaoi' a e. ex«w-er � 4 TV e'-Ttr��Sre, f r. i ib j SeUngl |w Fllitlen in«Hau St�Jtaila». Nähmaschinen Ltdaa la»U«a StadttaUan. Act.- üßpni. insyer&co.o� ta. SSOYertalifssttlL&r:-BcrL MäMbew SIMPCKDCM W Meierei C. Bode Berimn.öi"«","'*! Ältester and ardiller MUehvlrtacbaftllcker - ttressbetrieb= dEtxMassSe, O. Prochnow.Sli.lt Umsusi r. Iii < Uhren u.JloIciwareB.P LebmaBQ. Alb., Frankf. Alles 4_ Vgreloheru n__ V „Oejlschlanü*' Berlin Arttlttrrerslchcrang— S cd all»»- t(CTb«lumt»Ter,leli«rt.»trsS« 8. ibcbtBcrWM(iitNt?ii7Gib'kWMn. ».« ujm KMü-KtilGt te Dwilrts" füt lloriipii-illfii.»»».«■ Mus Groß-öerlin. Tas Endo der Hamsterfahrten. Leuie, die Zeit, Geld und Beziehungen hatten, veruiochten di-her zum Schaden der anderen, die tagsüber arbeiten muhten, aufs Land hinauszufahren, um mit eßbaren Schätzen mehr oder weniger reich beladen heimzukehren. Wer über vom Lands üammendes Dienstpersonal verfügen konnte, schickte dies mit einer angemessenen Geldsumme und einem nicht zu kleinen Schließkorbe hinaus, um zu kaufen, was zu erlangen war. Die'behördlich fest- gelegten Höchstpreise für Lebensmittel wurden bei dieser Art Ein- käufe von beiden Teilen zumeist als Luft behandelt. Nicht gering luar auch die sonntägliche Fahrt minderbemittelter Leute, die es indes mehr auf Kartoffeln abgesehen hotten. Insbesondere diesen letzteren soll hier kein Vorwurf gemacht werden. Da die Ver-- soxgung versagte, suchte sich seder eben selber zu helfen. Tie Schuld lag an denen, die zu spät mit der Organisation eingesetzt oder es sonst an Energie hatten fehlen lassen. Mit dem heutigen Tage sind diese Fahrte? zwecklos geworden: Der Oberbefehlshaber in den Marken hat für den Bereich der Provinz Brandenburg folgende Verordnung erlassen:■ Aus Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand bestimme ich für das Gebiet der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg: K 1. Lebensmittel, die der äsfentlichcn Bewirtschaftung unter-: liegen, insbesondere Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Speck, Milch, Butter und Eier, darf außerhalb seines Wohnorts nur derjenige vom Erzeuger fordern oder erwerben, der von dem für den Er- zeugungsort zuständigen Landrat(in Siodtkreisen dem Magistrat) hierzu schriftlich zugelassen ist. Der Erzeuger darf die bezeichneten Lebensmittel an nichtorts- augcharige Personen nur gegen Vorlegung der nach Absatz 1 er- forderlichen schriftlichen Zulassung abgeben. K 2. Tie Vorschriften des tz 1 beziehen sich nicht auf den Erwerb und die Abgabe von Lebensmitteln ohne Entgelt oder rn einer gewerblichen Verkaufsstelle oder zum sofortigen Verzehr. 8 3. Tie zur Durchführung der öffentlichen Bewirtschaftung der Lebeusniittel von den zuständigen Behörden erlassenen Vor- schriften Werden durch die§§ 1 und 2 nicht berührt. S Ii. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften des§ 1 Werben mit Gefängnis bis zu einem Jahre, bei Vorliegen mildernder Um- stände m:t Haft oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. § 5. Lebensmittel, die entgegen dem Verbot des§ l erworben sind, unterliegen der Beschlagnahme durch die Polizeibehörde. § 6. Diese Bekanntmachung tritt mit dem 1. April IÖ17 in .Kraft. Diese Verordnung läßt also zu. daß die Landbewohner ihren Verwandten und Freunden Lebensmittel schenken; sie dürfen aber auch an jcdernlann verschenken. Hier scheint uns die Möglichkeit zu einem nicht abzusehenden Mißbrauch zu liegen: Wer kann über- wachen, wie dieses„Schenken" vor sich geht? Wer verhindert, daß zahlungsfähige Leute in der Form des„Gegengeschenks" dennoch kaufen? Wir fürchten, daß auf diese Weise lediglich die„Hamster- fahrten" der Kleinen, die noch am ehesten ihre Berechtigung hatten, umerbunden werden. Zteuererleichterunge« für geringe Einkommen. Der preußische Finanzmimster hat an die Vorsitzenden der Ein« kommensteuer-BerufungSkommissionen ein« Verfügung gerichtet, wo- rin ein« möglichst weilgehende Anwendung der nach dem ttinkommen- steuergesetz zulässigen Erleichterungen bei der zur KriegZzeit erfolgenden Veranlagung Steuerpflichtiger mit geringerem Ein- kommen befürwortet wird. ES heißt darin: „Daß die infolge deS Kriegszustandes zurzeit herrschende Teuerung von den Steuerpflichtigen mit geringerem Einlommen besonders schwer empfunden wird, liegt aus der Hand. Wenn gleichwohl auch bei diesen Pflichtigen von den allgeuiein gültigen Vorschriften deS Einlommensteucrgesetzeö bei der Veranlagung zur Einkommen- steuer nicht abgewichen werden darf, so müssen doch auf der andern Seite'die gesetzlich zulässige« Abzüge vom steuerpflichtigen Ein- kommen in vollem Umfange und ohne kleinliche Hand- h a b u n g anerkannt und berücksichligl werden. Die» gilt beispiels- weise auch von dem Abzüge der Ausgaben zur Beschaffung von Werkzeugen, Rohmaterialien, Arbeitskleidung usw.. welche Arbeiter aus dem ihnen zufließenden Lohne zu bc- streiten haben. Auch diese Ausgaben sind vielfach infolge der Preissieigernng der meisten Gegenstände gegen früher nicht unerheb- lich gewachsen. Insoweit daher einzelne Beranlagungs- kommissionen sich früher über gewisse Pauschaliätzc. bis zu deren Grenze solch« Abzüge ohne näheren Nachweis zuzulassen sind/ schlüssig gemacht haben, werden ihre Beschlüsse einer Nachprüfung bedürfen, bei welcher der eingetretenen Erhöhung dieier Ausgaben in entgegenkommender Weife Rechnung zu tragen sein wird. Be- sonders fühlbar wird die herrschende Teuerung natürlich für HauS- ballungSvorstände geringeren Einkommens, die zahlreiche Kinder zu unterhalten haben. Hier wird zu erwägen sein, ob nicht im einzelnen Falle die Belastung des Steuerpflichtigen so groß ist, daß sich neben der Berücksichtigung der'Kinder gemäß«j 19 des Einkommensteuergesetzes noch eine weitere steuerliche Entlastung nach jf 20 recht« fertigt. Denn auch diese doppelte Berücksichtigung der Kinder- Unterhaltung nach Artikel SO III der AuSfübrungSamoestüng gemeinhin nur in seltenen Ausnahmefällen Platz greifen soll, so ist sie dock gesetzlich nicht ausgeschlossen, und die besonderen Verhällnisie der jetzigen schweren Zeit lassen eine möglichst weilgehende Anwen- düng der gesetzlich zuläifigen Erleichterungen wo'hlbegründct er- scheinen." Zum Schluß betont Fmanzminister Lentze, daß bei Bei- t r e i b u n g fälliger Steuern jetzt mehr al« je mit Milde und En!» gegenkommen verfahren werden muß und daß insbesondere auch überall da von der Ermächtigung zur Stundung Gebrauch z» machen ist. wo die Verhältnisse der Pflichtigen es irgend notwendig erscheinen lassen.___ Tic Hochbahngesellschaft versendet ihren Borstandsbericht über das Jabr 1916. das 20. Ge- schästsjabr. Wir entnehmen daraus: Der Verkehr wie» im Be- richlSjahre eine weitere Zunahme auf. so daß gegen Ende des Jahre» die VerkehrSzifser der Frieden? zeit annähernd wieder erreicht war. En, Hauptgrund silr diese Steigerung wird die fortschreitende Einschränkung de» Omnibus- und Droschken- betriebe» sein, die den liebergang eine« Teile» der Fahrgäste zur Hochbahn zur Folge hatte. Bei der Abwickelung de« Verkehrs be« standen namentlich wegen de» Mangels an geschultem Betriebs- und Serkstiitenversonal. Echwierigtenen. Inzwischen sind mit Unterstützung de» KriegSamtS Schritts getan worden. um durch allmähliche Vermehrung de» Wagenumlauf» der Ueber- iüllung der Züge nach Möglichkeit zu begegnen. Di« Zahl der F a b r g ä st« auf den EtgentumSlimen der Geiell'chast betrug 7S.7 Millionen gegen 6S.V Millionen im Voijahr. Die VerlehrSeinnalime stieg von 9 066197 M. aus 10 360 671 M.. oder um 1 624 000 M. gegen da« Borjahr. Jedoch ist infolge der Kon- kurrenz de» Betriebe« der Reinertrag wiederum zurückgegangen. Die Streckenlänge betrug Ende 1916 27,4 Kilometer. Die Durchschnitts- einnähme auf einen Fahrgast betrug 16,16 Pf. Der größte TageS- perlebr fiel ans Goniiabend, den 28. Dezember, mit 296 983 Fahrgästen und 39 213 M. Einnahme, der geringst- aus Sonnlag. den 30. Juli, mit 146 691 Fahrgästen und 21007 M. Einnahme. Im Durchschnitt stellte fich der Tagetzveckhr aus 216 026 Fahrgäste bei 28 808 M. Einnahme. Im Berichtsjahr wurden 8 434 719 Zugkilometer mit Zügen bis zu 6 Wagen gefahren. Der Wagenpark besteht wie Ende des Vorjahres ans 400 Wagen, und zwar aus 226 Motorwagen und 174 Beiwagen. Am Schlüsse des Berichtsjahres waren im Betriebe 2060 Angestellte und Arbeiter beschäftigt, darunter etwa 880 Frauen. Die Bauarbeiten für die ErgänzungSlinie vom Gleisdreieck nach dem Nollendorfplatz und Wrttenbergplatz sind in dem Umfange weitergefördcrt, wie e-5 die einschränkenden Bestimmungen der Auf- sichtSbehörden zuließen. In dem Häuierviertel zwischen Steglitzer Straße und Knrfürstenstraße lvurdcn einzelne HauSnnterfahnmgen ausgeführt. Nach dein Vorschlag des Vorstandes sollen aus dem bilanzmäßigen Rcingelvinn von 2 487 125 M. 106 1554-M. dein gesetzlichen Reservefonds überwiesen und 305 571 M. auf neue Rech- liiuig vorgetragen lverden. Ans 10 Millionen Mark Vorzugsaktien sollen 5 Proz., auf 52 500 000 M. eingezahltes Stammakticnkapital 3 Proz. Dividende gezahlt lverden. Berliner Lebensmittelnachrichte«. Aus den Abschnitt Nr. 54 entfallen 200 Gramm Mehl und auf A b s ch ni tt N r. 55 200 Gramm Graupen oder Grütze. Die Abschnitte sind am 31. März. 1. und 2. April in de» durch besondere Verkaufsschilder gekennzeichneten Klein- Handelsgeschästen gegen Rückgabe der Empfangsbescheinigungen ob- zugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist zur Verfügung sieben. In der Osterwoche entfallen auf Abschnitt 17 der Eierkarte zwei Eier. Infolge nachträglicher Genehmigung de? Präsidenten des KriegsernährungSamlS erfolgt der Verkauf der städtischen Hühner ebensp wie der von Kaninchen fleisch markenfrei. Behandlung der Magermilch im Haushalt. Hm Haushalt soll die Magermilch alsbald abgekocht werden; zweckmäßig werden hierzu die mit Borkehrungen gegen das lleberwallen versehenen soaenannteir Milchkochtöpfe verwendet. Nach dem Kochen ist die Milch sofort ab- znkühlen und zur Verhütung des Zutritts neuer Keime möglichst in demselben Gesäß, das zum Aufkochen dient und einen übergreifenden Deckel haben soll, kühl aufzubewahren. Ist Magermilch infolge zu langer Lagerung oder nnsachgernäßer Behandlung und Aufbewahrung fadcnziehend oder schleimig geworden oder zeigt sie sonst eine ob- weichende Beschaffenheit, insbesondere einen fremdartigen Geruch oder Geschmack, so ist sie vom Genuß auszuschließen. Sauer- gewordene Magermilch von reinem Geruch»nd Geschmack kann wie saure Vollmilch verwendet werden. Zur Ernährung von Säuglingen darf Magermilch auf keinen Fall verwendet werden. „Baut Gemüse und Kartoffeln! Kein Fleckchen Erde darf un- genutzt bleiben I" heißt es in einem Aufrus. den der Magistrat an die Berliner Vevvlkerung richtet. Zum Anbau werden in erster Linie empfohlen Kartoffeln seder Sorte, ferner sämtliche Kohlarten, Spinat, Erbsen, Bohnen. Mohrrüben. Küchenkräuter. Salat usw. Eine praktische und verständliche Anleitung gibt ein von der Dent« schen Gartenbaugesellschafr herausgegebenes Merkblatt, da» beim Magistrat, Abteilung für Obst- und Gemüseversorgung, Neu« Friedrichstraße 71, kostenlos erhältlich ist. Auch werden dort An- Weisungen zum Ankaus von Samen in kleinen Mengen, soweit der beschränkte Vorrat reicht, abgegeben. LebenSmitteldiebstShle auf der Eiseubahu. Von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Anscheinend auf dem kurzen Wege vonr Bahn- Hof Rummelsburg bis zum Berschiebebahnhof Pankow ist ein für die LebenZmittelabteilung der Gemeinde Berlin-Panlow bestimmter «itenbahnwagen mit Flcischwareu erbrochen worden. Ein Teil der War« ist gestohlen. Die'Höhe des Schadens steht noch nicht fest. Da bereits früher LebenSmitteldiebstShle auf der Eisenbahn fest- gestellt worden waren, nahm die Pankower Polizei bei verschiedenen Eifenbahnarbeitern eine Haussuchung vor, die zahlreiche Lebens- mittel, Konserven und Getränke zutage förderte. Diese stammen wahrscheinlich aus anderen Diebstählen her und treffen nicht die Gemeinde Pankow. Tie Berliner Jugendsparkaffe. Der Sparzwang für Jugendliche hat bei der Berliner Spar- lasse zu einer beträchtlichen Mehrung der Sparbücher geführt. Die Jugendsporkasse, die im Hause Linlstr. 7/8«ingerichtet wurde, schloß das Fahr 1916 mit einem Bestand von 43 911 Sparbüwern ab. Das Gmhaben oller jngendiichen Sparer stieg bis Ende 1916 auf den Be- trog von 1 827 452 M., bei desien gleichmäßiger Verteilung auf alle Bücher sich für da« Buch ein Guthabendurchschnitt von nur 41,62 Mark ergäbe. Für den Gcsamtbetrieb der Berliner Sparlasse sollen die Jugendlichen mit ihren Guthaben sehr wenig in» Gewicht, merklicher ober mit ihren Sparbüchern. Nach dem Bestand von Ende 1916 war die Jugendsparkoffe beteiligt an überhaupt 866 345 Sparkassenbüchern mit etwa« mehr als einem Zwanzigstel(genauer: 5.7 Proz), dagegen an überhaupt 387 Mill. Mark Guthaben mit noch nicht einem Zweistundertstel(geuauer; 0,46 Proz.)._ Arbeiter-Samariter-Bund. E» wird uns geschrieben: Bei dem jetzigen Mangel an Skerzien und ausgebildeten Samaritern ist es dringend zu wünschen, daß jeder in der Lage sei, bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen sofort mit Hand anlegen zu können. Es vergehen jetzt kostbare Minuten und Viertelstunden, ehe Hilfe in solchen Fallen herbei- geholt werden kann. Bergessen wir nicht: helfe ich heute einem anderen in der Werkstatt, so hilft er nötigenfalls morgen mir Widerfährt uns selbst ein Unfall, so erwarten wir sehnlichst die Hilfe: also wollen wir Hilfe auch unseren Angehörigen. Arbeit»- genossen usw. bringen. Viele haben das bei uns Erlernte als Sani- täter verwenden tonnen, und so mancher der Unjerigen im Felde hat dm Kameraden Gesundheit und Leben retten tonnen. Wir in der.Heimat müssen jetzt viel mehr als früher noch hasten, und so mancher steht jetzt an ArbeitSmaschinm, denen er früher, der Unfall- gefahr wegen, nicht nahe zu treten wagt». Deshalb bildet euch au» m der ersten Hilfe bei Unfällen, um die oft so kostbarm Minuten ausnutzen und dm Hilfsbedürftigen beistehen zu können. Der Kursus mi: praktischen Urbungen findet für jede, ob männliche oder weibliche Person abend» statt und beginnt am 2. April, 8'/9 Uhr. bei GicSke, Küpenicker Straße 62. an der Michael- kirchstraße. Jede Person bat einmaligen freien Zutritt. Anmel- düngen auch beim Vorsitzenden Gustav Dietrich, Berlin blW 23, Klopstockstr. 25, Hof links Part., und in dm Vortragsabenden. Der Zeitungsbetrie» Sarfreitag und Öfter». Da» Oberkommando in den Marken ordnet an: 1. Am Karirettag und am Ostersonntag dürfen FrühauSgaben erscheinen: alle anderen Ausgaben sind verboten. 2. In den Nächten vom Karfreitag zum folgmden Sonn» abmd sowie vom Ostermontag zum folgmden Dim«taa darf der Betrieb in den Druckereien nicht vor 0 Uhr abmd«. die Versendung der Zeitungm nicht vor Mitternacht, ihr« Buletlung nicht vor dem anderen Morgen erfolgen. Der Fremdenverkehr in Berlar hat im Jahr« 1916 ein« Zu« nahm« gegenüber dem vorbergehmdm Johre gehabt. Die Mel- düngen über gewerbsmäßige Beherbergung von Fremden(in Gast- böten, Pensionoien usw.) ergaben diesmal rund 1 265 000 Be- herbergte. Da im vorbergehmdm Jabre knapp 1075 000 Be« herbergte gemeldet wurden, so bat 1916 ein Pjehr von reichlich 210 000 gebrocht. Nicht mitgezählt sind diejenigen Fremden, die Unterkunst bei Verwandten oder Bekannten fanden. Mit dem Er- gebnis von 1916 ist dasjenige des lctzien Friedensjahres nahezu wieder erreicht: 1916 wurden 1430 000 Fremde in Berlin ge- zählt. Keine Prüfungsgebühren für Kriegsinvalidrn. Die PrüsungS- gebühren werden Kriegsinvaliden an den Fachschulen erlassen, die dem Handelsminister unterstellt sind. Voraussetzung ist zweifelsfreie Würdigkeit und Bedürftigkeit, Wen» bei den gegenwärtigen Früh- jabrsprüfungen die Gebühren schon entrichtet sind, so können sie wieder erstattet werden, sofern die nötigen Voraussetzungen ge- troffen sind. Die LandeSvcrsicherungsanstalt Berlin beabsichtigt 2000 Kinder von invaliden Männern und Frauen, die in Berlin wohnhaft sind. in diesem Jahr ausS Land zu schicken. Die vorbereitenden Schritte sind in die Wege geleitet. Eine charaktervolle Beharrlichkeit, der nichts als ein anderes Ziel zu' wünschen wäre, entfaltet die Sie u erlasse am Luisenufer 30. Einer Kriegermutter, deren beide Söhne seit 1914 im Felde stehen, sendet sie fast regelmäßig alle Bierteljahre die Steueczettel für die zwei Feldgrauen, und sie läßt sich in dieser obrigkeitlichen Tätigkeit durch keinerlei Richtigstellungen unH Beschwerden der Mutter irre machen. Danach scheint es, daß bei der Steuerkasse am Luisenufer 30 noch immer ein erfreulicher Ueber- flutz an amtlichen Arbeitskräften herrscht. Ter Botanische Garten ist vom 1.?lpril ab wieder an allen Wochentagen von morgens 7 bis abends 7 Uhr geöffnet, die Ge- Wächshäuser von 10 chls 12 und von 1 bis 6 Uhr.?lm Sonntag, Dienstag. Mittwoch. Donnerstag und Freitag ist der Garten bei freiem Eintritt von 2 bis 7 Uhr geöffnet. Das Botanische Museum ist von 11 bis 2 Uhr jeden Sonntag, jeden Mittwoch von 10 bis 5 Uhr geöffnet. Kinder unter 10 Jahren haben auch in Begleitung Erwachsener keinen Zutritt.—?lm Karfreitag und Qstersonntag ist der Garten nachmittags von 2 bis 7 Uhr bei freiem Eintritt ge- öffnet, am zweiten Feiertag bleibt er geschlossen. Tödliche VammfSlle. In Ostend stürzte der Arbeiter Weiß von einem Gerüst so ungkückkich'ob, daß er einen Schädelbruch erlitt und fast auf der Stelle starb.— Auf einem Neubau an der Rummelsburger Ehauffee wurde der Arbeiter G e z i n s k h von einem abstürzenden Gießereilisch erschlagen, ein anderer Arbcilcr schwer verletzt. „Rcgierungsassessor Hans Thicme aus Hannover und Frau" nanme sich»in Schwindlerpaar, das in einem hiesigen großen Hotel festgenommen wurde. Das Paar gab sich einen sehr vornehmen Anschein. Der Mann trug das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und noch ein andere? Ordensband. Die Kriminalpolizei aber erkannte in ibm einen 32 Jahre alten aus Berlin gebürtigen Kauf mann und Schreiber Hermann Friedrich, der schon seit Jahren viele deutscher Städte als falscher Kassierer unsicher machte. Unter verschiedene:» Warnen spielte er vor fünf Jahren in Dresden den Kassierer de» Vaterländischen Frauenvereins. Dann sammelte er.Mitgliedsbeiträge für den Verem Kinderschutz". In Kassel trat er al« Schatzmeister von Hagen vom Vaterlandischen Frauenverein auf usw. Bei seiner jetzigen Verhaftung fand man wieder eine Menge Ouittungen bei ihm. Der Schwindler gab sich jetzt als städtischer Kassierer aus und lebte von dem Ertrage einen guten Tag. Wie die Ermittelungen ergaben, war er erst am 7. Januar d. I. au» der Strafanstalt in Rendsburg entlassen lvorden. Wer seine Bc- gleiterin ist. muß noch festgestellt werden. Unter seinen Sachen fand man gedruckte Anzeigen, dte die Verlobung des Ingenieurs Hans Friedrichs in Heidelberg, z. Zt. Essen, mit einer Dame aus Eisen bekanntgeben. Hiernach scheint Friedrich auch Heiratsschwindel bc- trieben zu haben. Kurze Freude hatten drei Einbrecher, die in der Stacht zum Donnerstag in der Spandauer Straße für 12000 M. Stoffe er- beuteten. Ein Fensterputzer. Bruno Witzlaff, hatte früher in dem Hanse Nr. 18 öfter die Scheiben eines Geschäfts gereinigt. So wußte er mit den Räumlichkeiten und den Einrichtungen Bescheid. Mit zwei Freunden, namens Jobami Ziehmsen und Paul Fechner umberlungernd, erfuhr er, daß jetzt über dem Geschäft eine Wohnung leerstebt. Unter Benutzung deS Fahrstuhls beuteten die drei die Gelegenheit zu einem Einbruch aus und schafften mit einem Hand- wagen für 12 000 M. Stoffe nach der Wohnung Witzlaffö an der t:iedrich»grocht. Beobachtungen anderer Leute, sowohl in der pandauer Straße als auch an der Friedrichsgracht führten die Kriminalpolizei bald auf ihre Spur. Beamte durchsuchten gestern die Wohnung W.S und fanden die Stoffe unter den Betten versteckt. Während sie noch in der Wohnung waren, erschienen dort auch Ziehmsen und Fechner und ivurden mit W. gleich festgenommen. Sie wollten diesen gerade abholen,»im einen Hehler für die Leute zu suchen. Gin ungetreuer Postaushelfer. Bei einem Paketpostamt im Zeil- trum der Stadt gingen Beschwerden ein, daß Pakete nicht an rhro Empfänger gelangten. Es wurde nachgewiesen, daß sie ordnunqS- mätzig aufgegeben worden waren. Dann aber verlor sich ihre Spur.. Beobachtungen führten nun zu der Entdeckung, daß der 18jährig« AuShelser Fritz Feukert von: Elisabethufer die Pakte ver- schwinden ließ. Er überklebte die Aufschnften mit Zetteln, die seine eigene Adresse enthielten. Entsprechende Paketkarlen schob er an die Stellen der ursprünglichen unter. So gelangte er in den Besitz der Pakete, ohne daß er sie vom Amte heimlich mitzunehmen brauchte.____ Mus Ken Gemeinöen. Verlegung von Vorwärtsspeditionen. Pankow. Die Spedition befindet sich von Sonntag ab in der Mühienstr. 70 im Laden. Vaumschulrnweg. Die Spedition wird vom Sonntag ab nach der Kiciholzsir. 179 verlegt. Spandmi. Vom Sonntag ab befindet sich die Ausgabestelle in der Mottkestt. 7 im Laden._____ Erweitert« MietSbrihilfe für Schüneberger Hmisbejuicr. Der Schvnebcrger Sradwerordnetcimuöichuß. dem ein Antrag auf Aendc- rung des GemeindebeschlusscS übe: die Gewährung von Mietöunter- siützungen überwiesen worden war. hat mit großer Mehrheit folgenden Antrag angenommen: Aus Antrag eine« Hausbesitzer«, der nicht mehr al» 8000 M. Einkommen versteuert und durch Mieinachlässe in seinem Erwerb um mmdestcns 5 Proz. belchränlt wird, soll die Mietbeihttfe von der Verpflichtung zur Gewährung eines Nachlasse» nicht abhängig gemacht werden. Der Magistrat wird in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten um seine Zustimmung zu diesem Be» schluß ersucht werden. Da«»tue Wasserwerk der Stadt Lichtenberg, da« im sogenannten Kaulsdorser Buick m unmittelbarer Näh» der Köpenicker Stadtgrenza entstehen soll, ist soweit vorbereitet, daß der Bauplan jetzt öffentlich zur Einsicht ouSIiegt. Gegen die geplante Anlage bat nun der Äöpenicker Magistrat Einipruch erhoben mit der Begrünbung, daß die Errichtung de» Wasietwetkes eine erhebliche Senkung des Wasserspiegels und damit eine Schädigung des Baumbestande» der Dammheide zur Folg« haben würde. Haushaltsberatung in Pankow. Die Gemeindevertretung setzt« in ihrer letzten Sitzung de» Boranichlag für 19l7 fest. Dei'elbe balanciert in Einnahme und Ausgabe mn 14013 257,90 M. Einen breiten Raum in der Generaldebatte nahm der Groß-Berliner L a st e n a u s g l e i ch in Anspruch. Stellvertretender Bürgermeister Stadtrat S l a w i tz hob hervor, daß eS zwar durch in der Kriegs- Wirtschaft begründete Ursachen möglich gewesen sei, den Kommunalzuschlag auf dem vorjährigen Stande von 170 Proz. SU erSaiten, bafc aber ,d!e Enitvicklnng der Gememdefinanzen sich immer ungünstiger gestalle. Der Umiang der Erstatlung der kolossalen 5triegsausgaben schwebe nocb im Ungewissen. Nach dem Kriege werde die Lage sich äußerst schwierig gestalten. Hier müsse ein?ln«weg geschaffen werden. Als ein Mittel hierzu sei der Lastenaüsgletch zu betrachten. Die Regierung müsse bier endlich ein Einsehen haben. Bisher babe sie zwar stets etwas für den Westen übrig gehabt, nie aber für die östlichen und nördlichen Borort- gemeinden. Sollte es nicht zu einem wirksamen Lastenausgleich kommen, so bliebe als einziges Mittel die Eingemeindung nach Berlin, wenngleich nach den Ersahrungen früherer Eingemeindungen dieses Mittel durchaus nickt so Wertnoll ericheine, als gemeinhin angenommen werde. So wie jetzt könne eS aber auf keinen Fall weiter gehen.— Auch Genosse Schmidt stellte sich auf den Stand- Punkt, daß ein wirksamer Lastenausgleich nicht nur geboten, sondern auch durchaus gerechtfertigt sei. Die Tatsachen würden geradezu auf den Kopf gestellt, wenn es so dargestellt werde, als ob gerade Berlin und die westlichen Vororte die Benachteiligten bei der Groß- Berliner Siedlungsentwicklung seien. Allerdings mußte darauf Bedacht genommen werden, daß bei einem Lasten- ausgleich nicht etwa die Selbstverwaltung unter die Räder käme. U n t er allen Umständen aber sei einer großzügigen Eingemeindung der Vorzug zu geben, wobei sich die befürchteten Nachteile würden der- meiden lassen. Wünschenswert sei eine baldige Fühlungnahme von Vertretern der Groß-Berliner Gemeinden über den einzuschlagenden gangbaren Weg, der sich bei gutem Willen auch werde finden lasten.— Auch von bürgerlicher Seite wurde ein Sastenausgleich lebhaft befürwortet, aber auch einer großzügigen Eingemein- dung der Vorzug gegeben.— Von anderen Fragen, ivelche in der Generaldebatte zur Erörterung gelangten, ist zu erwähnen, daß Genosse Schmidt verlangte, daß sich die Gemeinden gegen die vom Reich geplante Verkehrs- und die Koblen- steiler zur Wehr setzten. Ferner erwachse aus den Schwierigkeiten auf dem Gebiet der K o h l e n V e r s o r g u n g für die Gemeinde die Pflicht, für den nächsten Winter entsprechende-Vorsorge zu treffen. Auch müßte die Gemeindeverwaltung bestrebt sein, die durch den Krieg bedingten Uebel stände im Schulwesen nach Möglich- keit zu mildern.— Von bürgerlicher Seite wurde auch die Verkehrs- frage erörtert und Förderung der Schnellbahnfrage verlangt.— Bon einer Spezialdebatte wurde abgesehen und der Etat darauf ein- stimmig angenommen. Schutzpockeniwpfung in Pankow. Die Gemeindeverwaltung hat Sorge getragen, daß die Bürgerschaft sich einer Impfung gegen P o ck e n unterziehen kann. Die Impfung ist freiwillig, unentgeitlich und für jeden zugänglich. Diejenigen, die bisher an der Impfung verhindert waren, können fich am Sonntag im Lokal von EberSbach, Berliner Str. 102, von 9—1 1 Uhr, sowie in den Lokalen von Linder, Breitestr. 34, und Rozycki, Kreuzstr. 3/4, von 10— 12 Uhr impfen lasten. Erhöhung de? GaSpreises in Weißensee. Die Englische Gas- anstalt hat an die Gemeindeverwaltung den Antrag gestellt, auf ein Jabr, und zwar vom 1. April ab, den Gaspreis von 13 Pf. auf 16 Pf. pro Kubikmeter zu erhöhen, um dadurch die Konsumenten zu spariamem Gasverbrauch zu veranlasten und einen Ausgleich für die im Preise gestiegeneu Rohprodukte, Arbeitslöhne usw. zu schaffen. Gleichzeitig sollen für dieselbe Zeit die Rabatte in Fortfall kommen. Der Gemeinde wurde hiervon eine Abgabe von S'/s Pf. garantiert, was ungefähr 125 000 M. ausmachen soll. Unfire Vertreter wandten sich gegen diese» Ansinnen der Gasanstalt, da in der Hauptsache der kleine Abnehmer durch diese Verteuerung des Gaspreises um 30 Proz, den größten Zeil am Gewinn der Gemeinde aufzubringen hat. Die Mehrheit trat jedock dem Verlangen der Gastinstalt bei.— Die in Aussicht stehende Kohlensteuer veranlaßte die Gemeindeverwaltung zugleich den Antrag zu stellen, den Kriegszuschlag von 20 Proz. auf 30 Proz. für den vom Elektrizitätswerk zu liefernden Kraftstrom zu erhöhen, daS eine Erhöhung von 12 Pf. auf 13 Pf. für die Kilowattstunde bedeutet. Die in der Gemeindevertretung sitzenden Industriellen wandten fich gegen die einseitige Erhöhung, aber auch diese Er- höhung wurde angenommen. Bon eiuer Erhöhung des Strompreises für Beleuchtungszwecke wurde einstweilen noch Abstand ge- nommen. Steuerbeschlüsse in den Vororte«. Eine Reihe weiterer Vorort- gemeinden Groß- Berlins har jetzt ihre Haushaltsberatungen beendigt und die Steuersätze für 1917 festgesetzt. Die Gemeinde Rosenthal ist genötigt, ihren Zuschlag zur Einkommensteuer von 150 auf 170 Proz. zu erhöhen. Feiner wurde die Grundwertsteuer für bebaute Grundstücke von 2,6 auf 2,75 und für unbebaute Grund« stücke von 4,6 aus 5.5 v. T. erhöht. Die Gemeinde Marienfelde beschloß, ihren Emkommeiisteuerzuschlag von 140 Proz. beizubehalten. Buchholz und Niederichöiibausen haben beschlossen, den Steuer- Zuschlag von 170 Proz. beizubehalten. Hroß-Serliner parteinachrichten. Mitgliederversammlung in Mahlsdorf a. O. Am letzten Sonnabend hielt der Wahlveretn(S. P. D.) seine erste Mitgliederver- sammlung seit KriegSbeginn ab. Genosse Paul Müller-Karls- Horst redete über den verschärften U-Boot-Krieg. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Schumann, Rausch und Käming im Sinne des Referenten. Unter Vereinsangelegenheiten wurde der Genosse Rausch an Stelle des Genossen Giese zum Kassierer gewählt. Gerickstszeitung. DaS widerrufene gute Zeugnis. Mit einer merkwürdigen Motivierung widerrief vor der 2. Kammer des Berliner Kauf- mannsgerichtS ein Kaufmann H. ein glänzendes Zeugnis, das er seiner Buchhalierin bei ihrem vor zwei Jahren erfolgten Abgange ausgestellt hatte. Die Buchhalterin hatte schon während ihrer Tätigkeit ihr Gehalt nur ratenweise erhalten können, bei ihrem im März 1915 erfolgten Austritt waren noch 315 M. rück- ständig, die H. nach und nach abzuzahlen versprach. Nachdem sie so lange auf Begleichung vergeblich wartete, riß der Angestellten schließlich die Geduld und sie erhob gegen den säumigen früstcreit Chef Klage. In der Verhandlung kam der Beklagte mit dem Ein- wand, die Klägerin K. habe die Bücher so unordentlich geführt, daß er den Schaden gegen das rückstäntstge Gehalt aufrechne. Dem hielt aber der Vorsitzeirde entgegen, daß sich der Einwand der mangelhaften Leistung mit dem geradezu glänzenden Zeugnis schlecht zusammenreime. In diesem Zeugnis heißt es u. a.t..Ich bedauere aufrichtig den Abgang dieser fleißigen und ge'-�fts- gewandten Dame, die ich jedem Chef aufs wärmste empfehlen kann. Auf ihren Wunsch könnte sie jederzeit wieder bei mir in Stellung treten." Auf den unüberbrückbaren Widerspruch zwi-'-�en sckiner eigenen damaligen Bekundung und seiner setzigen Behauptung hingewiesen, erklärte H., er müne, als er der Klägerin ein solches Zeugnis ausstellte, nicht im Vollbesitz seiner Geistes- l r ä s t e gewesen sein. Der Beklagte wäre mit seinein Einwand natürlich nicht durchgedrungen und in voller Höhe verurteilt wor- dn, wenn nicht die Buchhalterin so entgegenkommend gewesen wäre, sich mit 200 M., die in zwei Raten gezahlt werden sollen, zu begnügen. Aus Furcht vor seiner Ehetrau bat sich der bisher völlig un- bestratte und des besten Leumunds fich erfretiende Maurer B. zu einer Tat verleiten lassen, die hart an Straßenraub grenzte. Der Angeklagte, ein solider, arbeitsamer Mensch, hatte eines Sannabends seinen Wochenlohn erhalten, war in einem Schanklokal eigentlich wider seinen Willen, unter Spieler geraten und hatte sein ganzes Geld verloren. Nun stand er da und wußte nicht, was er machen und wie er seiner Frau, der er noch niemals da? Wirtschaftsgeld vorenthalten hatte, vor die Augen treten sollte. Als er so in voller Verzweiflung die Königstraße entlang ging, sah er an der Haltestelle der Straßenbahn unter anderen Wartenden auch eine Frau mit einer Ledertasche am Arm stehen. Die Tasche hatte es ihm angetan. Er drängte sich an die Frau heran, schnitt mit seinem Messer die Schnur ab und stürmte mit der Tasche, in welcher sich zufällig 500 Mark befanden, davon. Er wurde jedoch sofort verfolgt und bald ergriffen. — Der Staatsanwalt beantragt ein Jahr Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Sckwindt hob die pshcholrgischen Momente des Aergers. der Verzweiflung und der Furcht vor der Ehefrau als wesentlich strafmildernd hervor.— Das Gericht erkannte aus sechs Monate Gefängnis und entschloß sich auch bei der Eigenart de« Falles, trotz der Höhe der Strafe, den Angeklagten der bedingten Begnadigung zu empfehlen. „Blutwurst-Ersatz",„Ungarische Gemüsebutter",„Buttervl"— unter diesen Bezeichnungen brachte der Fabrikant Franz Rom einen Brotaufstrich aus den Markt, dessen Namen er dreimal änderte, wenn Bedenken gegen die Bezeichnung geltend gemacht wurden. Auf den Reklameplakaten wurde das Präparat zunächst als Ersatz für Blutwurst, nahr- und schmackhaft, schmeckend wie Fleischwurst, angekündigt; nach der Verwandlung in„ungarische Gemüscbiitter" wurde von ihr gcrübmt, daß sie gebrauchsfertig. schmackhaft gewürzt und ein hervorragender Brotaufstrich sei, und Butteroi" wurde als„reines Naiurerzcugnis" angepriesen. TaZ Fabrikat bestand aus Gemüsen, roten Rüben. Mohrrüben, Kohl- rüben und Gewürzen und kostete 1,60 M. das Pfund. Der Umsatz war ein sehr bedeutender.— Die gegen den Angeklagten erhobene Klage endete in erster Instanz mit Freisprechung.— Ter Staatsanwalt hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der Vep- Handlung vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I beantragte der Staatsanwalt, gestützt auf das Gutachten des Prof. Dr. Jucke- nack, der ausführte, daß das Produkt weder mit Blutwurst, noch mit Butter und Fett etwas zu tun habe und die Bezeichnung deshalb geeignet sei, das Publikum irrezuführen, 1200 M. Geld- strafe. Rechtsanwalt Dr. Puppe hielt dagegen das Urteil de? Schöffengerichts für durchaus dem Volksempfinden entsprechend. Kein Mensch, der diesen Brotaufstrich gekauft, habe daran gedacht, daß dieser Ersatz in der heutigen Knappheit an Fleisch und Fett die Bestandteile der Wurst enthalte, sondern man sei heilfroh. überhaupt einen Aufstrich auf das trockene Brot zu erhalten. Durch eine derartige Stellungnahme der Wissenschaft beunruhige man nur Publikum und Fabrikanten.— Das Gericht kam zu einer Ver- urteilung des Angeklagten, indem es annahm, daß die mit Bewußt- sein gewählten Bezeichnungen zu.. Irreführung geeignet seien. Ein Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz liege nickt vor, dagegen ein Verstoß gegen die Bundesratsverordnung, wofür das Gericht mit Rücksicht auf den erzielten großen Umsatz eine Geldstrafe von 1500 M. für angemessen hielt. Die gestohlene Zeitung. Der Angeklagte� Sonntag mittag. Ziemlich mild und zeitweise aufklarend; jedoch über-. wiegend bewölkt mit öfter wiederholten im allgemetucn geringen Niederschlägen. BezugsquellenUerzeicBnis Berffn-Osten Enciiir.t vöehentlich«in»]. EiiiäHteii•ByUhto»._ OButtar, Eier, RSaa ara Ifömnjnijaiy ns llehlhandlung zaca Joü. PitiiüÄE' I » Photograph. Atelier* IfHaynn, Frankfun. Alice 92 p. Rlngbiüi. Frankf. Allee. UfBnTftSlaL0-Z6seUfitAldm8' LncIlbClcir. 2S». AEdmsplalx cSchuhw. u. Besohlanstalten 3 bj. mm sb£ger ■jck WerenfiSueei* sen ÖPsBiarger Wsrtiksa* tlu FluauiagU HAlt-Strslsn II.Yonr.-Ui.»rk i'/p-H ■■■■■. Bszugsqueiien-uerzeiclinis Borlin-Rorden B«i Kinlief.« capfiblf- Drogen, Farben SeBötesdorf 39 l a>h.8?kiil7.endorf«t. 3 £« Fielsah- ii. Wnrstw. � JGetschiapnsCenlr.rÄj „Herr.-, Dam.-, Rn3b.._ n. Mbdchen-Oarder,�) i Veteranenstr. liW fertig n. n. Maßjl "Roionlslwaren SaepW fi c* nTsfAhandlcingen � BL L flHt Paiirti. n. 1 (fr r.i roeiniagnziTio 8 Wiese . Tisch iermeister er M Schule und Erziehung. Almsloh, Ernst, Aus meinen vier Pfählen. Erlebnisse und Plauderstunden mit meinen Kindern. Für nachdenkliche Eltern und Kinderfreunde erzählt. Gebd. Mk. l,2S Borchardt, Z., Wie sollen wir vnsere.Kinder ohne Prügel erziehen? Mk.—,30- Der Verfasser behandelt eine der wlchligsten Fragen derZugenderjt-buug Sr geht von dem Sedanken aut. dah die Prügel In der Schule ju ver. werfe» seien, dag aber auch das-prügeln der«inder im Aaufe für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder verderblich ist. Duncker, Itäte, Die sozialistische Erziehung im Hause. Mk.-,40 Rühle, S., Die Volksschule, wie sie ist. Mk.-,7S und Mk.-.30 — Die Volksschule, wie sie sei« soll. Mk.-,75 und Mk.-,30 Der Berfasser, elu früherer Lehrer, tadelt in seiner ersten Broschüre die Zustände unserer DoltSschule und schildert ste alS eine Anstalt zur Erziehung möglichst williger und billiger Lohnsklaven für da« Kapital. Der Klassenstaal, sagt er, hat Klassenichnlen geschaffen,«er Geld hat, kann sich Bildung kaufen. — Dt« Aufklärung der Jtinber über geschlechtliche Dinge. Mk.-,20 — Umgang mit Kinder«. Grundsätze, Winke, Beispiele. Mk.—,20 Quarck, Dr. M., Kommunale Schulpolitik. Ein Führer durch die Gemeindetätigkeit auf dem Gebiete der Volksschule. Mk. ,,- und Mk.-,50 «er Verfasser behandelt tn sech« Kapiteln: V»!k«schn!gese?gebunq und Schulverwaltung- Die Volk«,» ullasten der Gemeinden— Die innere öchulorganisalion— SchutaesundheUapflege— Mistbrauch der Vitt«- schule zu kirchlichen und politischen Zwecken— Wege und Ziele einer voll«t>imlichen Schu:polittk.— Er hebt die vielfachen Mängel unsere« heutigen Bolksschuiwtsen« in allen deutschen Bundesstaaten hervor und zeigt die Berechtigung der sozialdemokratischen Forderungen Schulz, H., Sozialdemokratie nnd Schule. 2. Auflage. Mk.—,75 und Mk.—,30 — Die Mutter als Erzieherin. Mk.—.50; gebd.—,75 — Die Schulreform der Sozialdemokratie. Mk. 3,— Sine ausführliche Arbeit über die Stellung der Sozialdemokratie zur Bolttbildung. Seidel, Robert, Arbeitsschule, Arbeitsprinzip und Arbeits» Methode. Mk. 2,— — Die Schule der Zukunft, eine Arbeitsschule. Mk.—.80 Zetkin, El., Die Schulfrage. Referat, gehatten auf der dritten Frauenkonferenz in Bremen. Mk.— ,15 Der temperamentvolle Bortrag, in dem namentlich auf die Stellung der Frau zur Schulfrage Bezug genommen wird. Schmittler, P., Soll mein Sohn Lehrer werde«? Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. Lindenstraße Z Zentrum: AlbertHahnisch, Ackerstr. 174. am Koppenplatz. Geöffnet von 11— Ist, und von 4'st— 7 Uhr. t. Wahlkreis: S, und SW.: Gustav Schmidt, Barwaldstt. 42, an der Gnciscnaustraße. Geöffnet von 11— Ist- und von 4'st— 7 Uhr. i. Wahlkreis: Sl. Fritz, Prmzenstr. 31, Hos rechts pari. Geöffnet von 11— NVi und von 4 st— 7 Uhr..... i. Wahlkreis: Osten: Robert Wengels, Markusstr. 36. Geöffnet von 11— Ist und von 4st— 7 Uhr.— Karl Melle, Petersburger Platz 4 lLaden). Geöffnet von 11— Ist und von 4st— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten; Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/la. Geöffnet von 11— Ist und von 4st— 7 Uhr. 5, Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanellirchstr. 12(Hof). Geöffnet von II— Ist und von 4st— 7 Uhr. 6. Wahlkreis lMoabiff: Solomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. Geöffnet von 11— Ist und von 4'st— 7 Uhr.. Wcdding: I. Hönisch, Mnllerstr. 34a. Ecke Utrechker Straße(Laden). Geössiiet von 11— Ist und von 4st— 7 Uhr. Rosenlhaler und Oranienburger Vorstadi: A. W o l g a st, Wattstr. 9. Geöffnet von 11— Ist und von 4 st— 7 Ubr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6(Laden). Geöffnet von 11— Ist und von 4 st— 7 Uhr..„ i Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Straße 22. Geöffnet von II— Ist und von 4 st— 7 Ubr. «dleeshof: Feuerstein. Bismarckstr. 82. «lt-Glienicke, Falkcnberg: Wilhelm Tnrre, Fricdrtchstr. 46. Baumschulenweg: H- Hornig. Marientbaler Straße 13, I. Bernau, Röntgcntai. Zepernick. Schönow, Schöubrllck und Buch: Heinrich Brase, Muhlenstr. 5(Laden). Zeitungs-Ausgabestellen und Jnseraten-Annahme. Bohnsdorf: Horlemann, GenosscnschaftsbauS„Paradies' Charlottenburg: Gustav Schar nberg, Sesenheimer Straße 1. Geöffnet von II— Ist und von 4st— 7 Uhr. Eichwald«, Schmöckwitz, Zeuthen, Riersders: Oskar Mahle, Grünauer Straße 37. FrederSdors-Petershagen: Stellmacher, Petershage». Friedenau, Steglitz, Südeud«: H. Berusee, Alsenstt. 5 in Steglitz. Ge- öffnet von 11— Ist und von Ist— 7 Uhr. Friedrichshag««, Fichtenau, Rahnsdorf, Schöneiche, Klei»» Schonebeck: Ernst W e r k m a n n, Friedrichshogen, Köpenicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Max Gonschnr, Parksir. 23. Karlshorft: Hermann B i l l i n g, Dönhoffstt. 28. Königs-Wnfterhansen, Wildau, Ricderlehme: Friedrich Banmann, Luckenwaldcr Slraße 5. Köpenick: Emil W i ß l e r, Kietzer Straße 6(Laden). Geässnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Ubr. Lichtenberg I, Friedrichsselde, Hohenschönhausen: O t t o S e i k c l, Watten- bergstraße I(Laden). Geöffnet von II— Ist und von 4st— 7 Uhr. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: A. Rosenkranz. Ale-Box- bogen 56. Geöffnet von 11— Ist und von 4 st— 7 Ubr. Mahisdorf, KanlSdorf. Liesdorf: P. Heßberg, Kaulsdorf, Ferdinand- siraße 17. Maricndorf, Marienseld«: A n g n st Leip, Chanfleesir. 29. Renkjilln: M. H e i ixr i ch, Reckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11— Ist nnd von 4st— 7 Uhr. i Renkölln-Britz: Rohr, Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 11— Ist und von 4st— 7 Uhr. Riederschöneweide: Wilhelm Unruh, Brnckensir. 10, XI. Rowawes: Karl Krähnberg, Eisenbahnstr. 10. Lberschöncweide: Ida Freidank, Bismarckstr. 25, l. Pankow, Niederschönhansen, Nordend. Franz.-Bnchholz, Blankenburg: R i ß m a n n, Muhlenstr. 30. Geöffnet von 11— Ist und von 4st bis Reinickendors-Ost, Wilhelmsruh nnd Schönhol,: P. G u r s ch, Prodinz- straße 56(Laden). Geöffnet von II— Ist und 4 st— 7 Uhr. Schenken dors bei Königs-Wnsterhausen: Chr. Hanschke, Dorfftr. 10. Zchöneberg: Wilhelm B ä n m l er, Meininger Straße 9(Laden). Geöffnet von 11— Ist nnd von 4st— 7 Uhr. Spandau, Ronnendamm: Schumacher, Breite Straße 6. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde. Wittenau, WaidmannSlnfi, HermSdors. Hohen-?! euen- dorf, virkenwerde:. Freie Scholle und Reinicki»d»rs°W-st: Paul K i e n a st, Borsigwalde, Räuschstr. 10. Geöffnet von 11— Ist und von 4 st— 7 Nhr. Teltoio: P s e i s e r, Havelstr. 2. Tempelhof: R n d. Ueckermann. Kaiscr-Wilbelm-Straße 74. Treptow: Rod. Gr am« uz, Kiefholzstr. 412(Laden). Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr; abends. Weißenfee, Heinersdorf: Gnst. Roßkopf, Berliner Allee 11. Wilmertzdorf, Halensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms- ane 27. Zoflen: Fr. Ratsch, Beritner Straße 24. Sämtliche Patteiliteratnr sowie alle wissenschaftlichen Werke werden geliefert. Sonntag« sind die Ausgabestellen geschlossen. Nr. 89.- 1917. Das Deutsthtum in Rußlanö. Angesichis Wendung der Tinge in Rußland dürfte sich von neuem auch die if-rage aufdrängen, was man bei der Neugestaltung für die Deutschen� in Rußland nach dem M riege Zu erwarten hat. Ein Problem, denen Lösung noch viele ungeahnte Schwierigkeiten birgt I Wie war denn die Lage vor dem Kriege und wie hat sich Rußland bisher zum Deuisduum in seinem Staatenkörper gestellt? Ties in kunjen Worten zu schildern, macht sich ein Abschnitt eine?. im Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien erschienenen Werkes„Ter Krieg Ilttl/tö" entnommenen Äussatzes von Pros. Tr. Tietrich Schäfer zur Aufgabe, der den Stand deS Teutschtums im Auslände, ivic er vor dem Kriege war, in kurzen Strichen zeichnet, wie folgt: Im weiten russischen Reiche wohnen Deutsche so ziemlich an allen Ecken und Eiiden. die baltischen Lande, die„deutschen Ostsee- Provinzen", sind zur Ordeuszeit Teile des Deutschen Reiches ge- Wesen. Ten Stempel, den ibnen damals Ritter und Bürger auf- drückten, haben sie bewahrt bis aus den heutigen Tag. Die Städte haben noch heute ein deutsches Gepräge, und aus dem Lande sind der deutsche Gutsbesitzer und der evangelische Pfarrer deutscher Bildung� die maßgebenden Persönlichkeiten. Was das Land an Ueberlicferungen frichcrer Kultur birgt, ist deutsch, und die geistige Perbindung zwischen der Kolonie und dem Muttcrlande ist stets eine innige gewesen und bis aus den heutigen Tag geblieben. Tie Be- herrschung des Landes, durch Schweden, Polen. Dänen, die nach dem Untergänge des Ordens um die Mitte des 16. Jahrhunderts Platz griff, Hot daran nichts geändert, und auch das russische Regiment, in Livland und Estland seit Peter dem Großen(1716 bzw. 1721), in Kurland erst seit Katharina II.( 1796), hat sich lange störenden Eingreifens die Landesvcrhältniste enthalten. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, ist darin eine Aendexung eingetreten. An die Stelle der früheren Selbstverwaltnng ist in alten leitenden Stellen der russische Beamte gesetzt, die russische Sprache ist ausae- zwungen, der Unterricht russisiziert worden von der Volksschule bis hinaus� zur Landesiliiiversität Torpat. Rur zeitweise hat man im Mittelschulwesen wieder Erleichterungen gewährt. Doch hat das alles das Deutschtum der Lande nicht entwurzeln können; seine Geistesbildung ist die alte geblieben. Tie Zahl der Deutschen im Baltenlande ist verhältnismäßig gering. Nach der Nationaliiätcnzählung von 1897, die, wie erwähnt, die einzige ist, die Rußland vorgenommen bat, gab es in Kurland ihrer öl 000 unter 671 000 Bewohnern(7,6 v.£>,), in Livland 98 09!) unter 1299 400(ebenfalls 7,6 v. H.), in Estland aber nur 16 009 unter 412 700(3,9 v. H.). Von den insgesamt 165 600 Deutschen wohnten nicht weniger ats 132 299 in den Städten. In den Jahren 1897— 1912 hat sicki die Bevölkerung der drei Provinzen von 2 366 199 aus 2 718 299 gehoben, also um nahezu 15 v. H.; danaä? kann man annehmen, daß sie jetzt ungefähr 199 999 Deutsche zu ihren Bewohnern zählen. Tie Kriegsereignisse haben Kurland in Unsere Hand gebracht; gelingt es nicht, auch Livland und Estland zg gewinnen, so ist ihr Deutschtum sicher für alle Zeiten vernichtet. der Bauni unserer Kultur um einen lebenskräftigen, früchtcreichen Zweig ärmer geworden. Das gleiche gilt von Kurland, wenn es, Was Gott verhüte, den Russen wieder ausgeliefert werden sollte. Und nicht anders steht es mit dem Tcntschtum, so weit es sich sonst über Rußland ausgebreitet hat. Am. Ausgange de? Mittelalters idie Eroberung Konstantinopels durch die Türken hat hier Bedeutung gewonnen) haben russische Herrscher angeiangen, Abendländer in ihr Reich zu berufen. Peter der Große hat den überlieferten Brauck nach allen Richtungen hin ausgedehnt, Gewerbe und Handel, alle städtischen Betriebe auf diese ......v... �:f, fD bis haben Besitzende Unterhaltungsblatt öes vorwärts ZMttllbtttd, 31. Mar;. gehoben. Das wirtschaftliche Gedeihen war lange Zeit sehr erfreu- lich; die Kolonipcndörser ragten hock empor auS ihrer Umgebung. Das ist auch nicht anders geworden, als die ursprünglich gewährten Freiheiten eine nach der anderen wegfielen, sie Ende der 79er Jahre des vorigen Jahrhunderts auck zur Ableistung der Wehrpflicht herangezogen wurden. Sie haben, neuerdings vielleicht mir Ans- nähme der Wolga-Kalonien, stets Mustersiedtungen im Reiche dar- gestellt, sind aber dadurch auch in gesteigertem Maße Gegenstand des Neides geworden, als der Nationalisnuis im russischen Volke mehr und mehr zur Herrschaft kam. Im gegenwärtigen Kriege ist dann der Grundsatz:„Ww kämpfen nicht gegen Teutschland, sondern gegen das Tcutschtum" an ihnen zur Turchsührung gekommen. Man hat begonnen, sie von Hans und Hof zu vertreiben, indem man sie unter Festsetzung kurzer Fristen zum Verkauf- ihres Besitzes zwang und sie in den fernen Osten trieb, während ihre Wehr- fähigen für das Reich und den Zaren ihr Blut verspritzten. Tie Zählung von 1897 ergab für das Russische Reich 1 799 999 Deutsche. An der Wolga wohnten von ihnen 391 909, in Südruß- land 499 999, in Wolhynien 172 999. Da die Gesamtzahl de" Be- völierung seitdem um ein starkes Drittel gestiegen ist und die beut- scheu bäuerlichen Siedlungen Rußlands sich einer ganz ungewöhnlich hohen Geburtenziffer Ibis zu ,72 vom Tausend) erfreuen, ist sicher, daß die Zahl der Deutschen im Zarenreiche jetzt nicht allzu- weit hinter 20- Millionen zurückbleibt. Rechnet man einige 790 999 für Kongreßvoleu und die Ostseeprodinzen ab, so bleiben immer noch IIb— j'li Millichi im übrigen Reiche, darunter weit über eine Million, wohl fast 114 Million� Bauern. -- 1, i.... ui;*- Westeuropäer� rst auch um des d'er t- kömiueii?- willen«ll? eigenem Antriebe in dqs Zarenreich gezogen. Noch unter Nikolaus I. waren dort einzelne Berufe, der größeren Zuverlässigkeit wegen, den Deutschen vorbehalten. Katharina II., selbst Deutsche, hat zuerst neben den bürgerlichen Einwanderern, die dem russischen Städtewesen vorwärts halsen, bäuerliche herbeigerufen, schon bald noch Beginn ihrer Regierung (1762). Tie ersten wurden an der mittleren Wolga in den süd- ticken Teilen der Gouvernements Saratow und Samara angesiedelt. Als den Türken die Tatarcnlandc am Schwarzen Meer abge- uommen waren,.wurden auch dorthin deutsche Kolonisten gerufen, in das Küstengebiet am Rordwestukcr des Asowschen Meeres, in die Krim und die Umgegend von Odessa. Alexander I. gewann 1812 Bcßarabicu; seitdem sind dort deutsche Kolonien gegründet worden. Tie polnischen Ausstände der Jahre 1839/31 und 1862/63 haben dann Anlaß gegeben, deutsche Siedler nach Wolhtmien zu ziehen. Polnischer Güterbesitz wurde dort frei; aus Konareßpolen sind eine Anzahl deutscher Bauern hinübergc>vandert. Von den Ursprung- lichen deutschen Ansicdlungen aus sind weitere gegründet worden. wie die russische Herrschaft sich ausbreitete, diesseits und jenseits des Kaukasus und neuerdings bis nach Sibirien und Turkestan hinein. Aus sich selbst heraus hat sich die Volkszahl außerordentlich Rene Schickele:„tzans im Schnakenioch� (Kleines Theater). Ter Eliäsier Nene Schickele. bisher im großen Publikum noch wenig bekannt, geht eigene Wege. Vielleicht, daß jene, die von seiner EuiwKtluiig Bedeutsames erwarten, rechr behalien. Indes aus dem besonderen Boden des Theaters wird er wohl schwerlich jemals heimisch werden. Jedenfalls beweist die Hanne Ausnahme. die seinem Wer! bei der Premiere bereitet wurde, noch keineswegs, daß das Stück einen unparteiisch-nnbesangenen Hörerkreis, der es vorher nicht schon gelesen noch auch den Dichter aus anderen Schriften kennt, bewegen und ergreifen kann.— Freilich. Idas alte llebcl deS Kleinen Theaters: die schlechte Akustik machte sich diesmal noch störender als sonst bemcrklich. Es mag auch sein, daß ein anderer Schauspieler aus der Houpisignr mehr hätte schöpfen können. Aber wie hoch man immer die Gesamlsunime solcher zufällig äußer- lrcher Hemmungen taxiere, eine dramatisch innerliche Lebendigkeit des Gebildes, wenn eine solche existierte, hätte sich auch so noch klar genug zum Ausdruck bringen können. Doch ließ sich, schien mir. kein Ton von solcher volleren Resonanz verspüren. In der Zeichnung elsäisiichcr Personen und Zustände, die der Versasier hier entivirft, tritt die illustrative Absicht, ein konstruierendes Aneinander- reiben und Gegennberitellen allzu deutlich bervor. Das Detail schließt sich zu keinem organisch gegliederten, mit einem Scheine der Notwendigkeit unigebcnen Ganzen zu'ammen. Und auch die Einzel- züge kommen so nur zu geringer Wirksamkeit. Das Verhältnis des Hans Boulanger zu seiner Frau, um welches das andere sich episodisch gruppiert, hat weder eine besondere Elsässischc noch eine menschlich individuellere Färbung, durch die es imeresiieren könnte. Der junge Herr, der nach bedenk- lich tollen Streichezi das Landgut des vcistorbenen VatcrS über- uommen, macht dem lieben, ihm in unendlichem Langmut ergebenen Wesen, das er ats Frau genommen, durch fortgesetzte Treubrüche das Leben schwer. Sein Zustand wechselt zwischen Katzenjammer, im Augenblick selbst von ihm geglaubter Beteuerungen, daß er sich bess«»' wolle, und neuem Rausch der Leidenschaft. Eine jener .problematischen Naturen,: denen keine Situation genügt, und die selber keiner Situation genügen können", noch unleidlicher durch melancholische Selbsianklagen. Seine Liebschaft Mir der französischen Gräsin bewegt sich ohne alle intimere Psychologie im übelsten Romanstil. Die Dame nimmt sein galantes Werben plötzlich ernst, verlangt von«hm. daß er mit ihr entfliehe— und Hans, der nie vorher daran gedacht hat, läßt auf der Stelle Weib und Kind für sie im Stich. Allerhand Iluierhaltungeir französischer Rotabililäten, wie eines trinkseligen Oberlehrers Dimpfel(die in dem elsäifischen Freundeskreis der Boulangers relativ gelungenste 'Gestalt) füllen die Lücken dieses wunderlichen zweiten Akts. Im dritten sieht man den Ausreißer wieder innerhalb seiner vier Pfähle. DaS Abenteuer mit der Gräsin hat ein klägliches Ende genommen. Der jüngere Bruder, ein guter, einsacher Bursche, der still für die unglückliche schöne Schwägerin glühi und alle- für sie opfern möchte. Ivird von ihr abgewiesen. Auch jene neue, schlimmste Demütigung, die ihr der Gatte zugefügt, kam, sie von. dem Gefühl, daß sie ihm unaufhörlich zugehöre, nicht besreieu. In die engen Schranken des Familiendramas fallen die ersten Schatten des ungeheuren furchtbaren Weltenschicksals, das heran- zieht. Der Oberlehrer bringt die Nachricht von der Kriegserklärung. Sie weckt im Elsaß, wo altfranzösische und deutsche Sympathien einander gegenüberstehen und sich vermischen, gedoppelt zwiespältiges Empfinden. So viel Personen, so viel verschiedene Reflexe in dem Stücke. Wohltuend berührt der menschlich freie Geist, der hier die strenendeir Standpunkt« ohne gehässig- chauvinistische Verzerrung widerspiegelt. Eine Schlackt braust näher. Der jüngere Bruder kämpft aus deutscher Seite, Hans aber, der ihm die Obhni über Frau und Kinder anvertraute, tvill sein verfehltes Leben im Kampfe unter Frankreichs Fahnen, dem Lande seiner Eltern, enden. Die von Direktor Altmann inszenierte Ausführung verzichtete klug aus den doch schließlich auSfichlSlosen Versuch, das Lokalkolorit durch Anklänge deS Landesdialekis nachzuahmen. Herrn R o d e g g S HanS war eine achtbar tüchtige Leistung. Sympathisch wirkte Frau- lein E h n in der Gestali der Gattin. Unter den Nebenrollen trar am markantesten Lugu P.icks dem Weine philosophisch zngetanener Oberlehrer hervor._ ckt. Schwemefchlachten im U-öoot. Einer vom Unterseeboot erzählt in der„Liller Kciegszeituug": Ein U-Boot stößt in der Biicaya auf einen englischen Transport- dampier. Glück muß der Mensch und noch mehr ein U-Boot haben. Der Danipicr transportiert Munition und hat kein« Geschütze. In kurzer Frist lvar das Prisenkommando an Bord. Plötzlich bebt von drüben ein Flaggenwinken an. Die Meldung lautet: Hier zwei fette Schweine an Bord!" Man muß die Kost an Bord unserer U-Boote kennen, um den Jubel der anspruchslosen Mannschaften verstehen zu können. Der Kommandant suhlt, wie es ieiueu Leuten zumute ist. Sein Entschluß ist gefaßt. Das II-Boot' gleitet in elegantem Bogen längSseit der Prise, und alsbald werden die beiden fetten Beutestücke vermütelst eiueS KranS herübergeholt nud strampelnd, quiekend und schreiend durch die Luken nach unten befördert, wo sie mit großem Jubel und eutiprcchendei: Liebkosungen empfangen werden. ES ist schon und ruhmvoll, ieindUche Kriegsbeute au Bord zu nehmen, aber es ist einiaeh herrlick, wenn sie aus derartigen Leckerbissen besteht. An Bord unseres II-BooteS mußte bald eincS der herzlichst bewillkommneten Borstentiere sein Leben lassen. Ein sröhliches Schlachtfest mit all seinen Freuden und seinen herrlichen Begleitumständen hob an. Der glückliche Ueberlebende aber, wie immer au Bord„Julius" genannt, wurde bald der Liebling der Matrosen- Er genoß die hohe Ehre, an Bord eines deutschen ll-Bootes in den Heimathafen zu fahren.____ Der Erstarrungspunkt öes<£ue«ksttbers. Die Berechnung des ErstarrungSpuniieZ des Quecksilbers gilt seit jeher aiS wichtig, iveil durck sie den mir Onecksilberiberniomelein vorgenommenen Temveraturmesiungen eine feite untere Grenz« ge- setzt wird, wodurch man einen Fixpunkt der Temperaturikala unter Rull erhält. Eine solche Feststellung wurde durch die deutsche Reichs- anstalt im Jahre 1913 vorgenommen und zwar wurde als Er- starrungspunkt des Quecksilber?—38,89 Grad gefunden. Nunmehr wurde, wie einer Mitteilimg des„Prometheus" entnommen werden kann, durch das amerikanische Bureau of Standards ein« neue Fest- stellnng des ErsiarrungSpuiikteS von Quecksilber unternommen.. Für die Temperaturmessungen bedien:« man sich eines Platin-Widcr- standsthermometers, daS durch den Gefrierpunkt von Wasser, also 9 Grad, den Siedepunkt von Wasser, 199 Grad, und den Siedr- vunkt- von SÄwesel. 444,6 Grad, geeicht war. Da bis zu—49 Grad keine Unterschiede zwischen den Mischungsergebnisien des genannten Thermometers und eines Gasthermomcters festzustellen sind, kann ein solche? Thermometer zur Messung von Temperaturen bis — 10 Grad benutzt werden. Bei der Erstarrung des Quecksilber« wurde eine Temperatur von— 38,87 Grad abgelesen, so daß diese? Ergebnis von dem deutschen nur um 9,92 Grad abweicht. ?totize». — Bühnenchronik. Frau Hermiue Kör her ist vom Deutschen Theater aufs neue aus eilie Reihe von Jahren der- pflichtet worden. — Kino und Heer. General Ludendorss hat sich in eiuem Brief au die Zeitschrift„Film" über die Bedeutung des Kinos für. das Heer also geäußert: „Ich habe Gelegenheit gehatzt, besonders auf Grund der Tarig- keit der militärischen Filmtrupps und der von ihnen geschaffenen Ausnahmen mich von der hohen Bedeutung der Fklm-Jndustrie im Sinne der Belehrung und Aufklärung zu überzeugen. Aus diesem Grunde lasse ich durck das Bild- und Film-Amt der Kinemato- graphie in Deutschland die weitgehcndsie Förderung zuteil werden, soweit sich diese Industrie auf Bahnen beivegt, die einer im Sinne der Volksbildung und Bolkserzichung günstigen Beeinflussung unserer Truppen an der Front und einer ertoünschten Unterhaltung für sie dienlich sind."_ 56] Der PolizeimMer. Gin russischer Polizeironian von Eabryela Zapolska. IX. HorSkiS Ankunft.— Der Ucberfall im Ladeir.— Juzia.— Diebstahl am hellen Tag«.— Tiefe Trauer. Eine seltsam? Unruhe bewegte Horski, als er am Bahn- hos in die Droschke stieg. Es trieb ihn fieberhaft nach Hause. Ein trüber, grauer Morgen breitete sich über dem Städtchen auö. Horst, erkannte in dem Troschkenkutschcr einen be- kannten Falschspieler, der den Bauern das Geld abnahm. Es war derselbe Kutscher, der Tagcjew und Janka zur Bahn gefahren hatte. Er haßte Horski, iveil dieser ihm einmal seine Spitzbübereien vorgeworfen hatte. Nun empfand er eine Schadenfreude bei dem Gedanken an die Bescherung, die Horski zu Hause vorfinden würde. Als HorSki ihn zur' Eile antrieb, drehte er sich um und sagte höhnisch: „O, Sie kommen noch zurecht, um alles zu erfahren!" Horski beichlich eine böse Ahnung. Aber er wehrte sich dagegen, es aus dem Munde dieses Menschen zu erfahren, falls ihn etwas Schmerzliches betroffen haben sollte. Als er auf dem Marktplatz angelangt war. richtete er sich in der Droschke auf, um nach seinem Hause zu sehen. Der Laden war noch geschloffen. Das beunruhigte ihn nicht, denn auch die anderen Läden waren noch nicht geöffnet. Aber vor dem HauStor benierlte Horski Juzia, die, in ihr Tuch gehüllt, der Droschke entgegen zu laufen begann. Sie begegneten sich fast in der Mitte des Marktplatzes. Der Kutscher hielt an>. „Was ist geschehen?" fragte Horski, als er das ver- änderte Gesicht d'es Mädchens und ihre vom Weinen dick an- geschwollenen Augen sah. „Jesus Maria!" stammelte Juzia weinend. „Sprich! Was ist?" „Das gnädige Fräulein in... der junge Herr.. „Was?" Aber sie schluchzte und umfaßte seine Füße. . Horski stieß sie fort, sprang aus der Droschke und rannte wie ein Rasender aus. sein Haus, zrv----- � Juzia lief hinter ihm her. Der Kutscher trieb das Pferd an und fuhr mit dem zurück- gelassenen Handkoffer zu einem bekannten Hehler, um ihm die Handtasche zum Aufbewahren zu geben. Horski eilte die Treppe hinaus in die Wohnung. Aus dem Vorzimmer wehte ihm Leere und Entsetzen entgegen. Ueberall sah man die Spuren einer plötzlichen Abreise und rücksichtslosen Durchsuchung." Die Horde hatte hier gehaust, jene Horde, die das Recht hatte, in jedes Familienheim ein- zudriugeu. Horski eilte in Jankas Zimmer. Er fand es leer. Das Iveiße Bett war zerwühlt, die Schränke standen offen, Kleider lagen ans dem Fußboden umher. Ohne ein Wort, ohne einen Aufschrei rannte Horski aus Jankas Zimmer nach dem Zimmer seines SohneS. Die- selbe Unordnung und Leere herrschte auch hier. Grau und düsler blickte der Morgen durch die Fenster herein. Nun begab sich Horski nach dem Wohnzimmer und suchte nichr weiter. Er hatte begriffen, daß man ihm die Kinder entrissen hatte. Schweißtropfen traten auf seine Stirn. Erließ sich schwer in einen Sessel nieder und hob die von Schmerz verschleierten Augen empor. An der Schwelle stand Juzia. Bleich und zitternd stand sie da, doch hatte sie Horskis stumme Frage verstanden. „Das Fräulein ist fort," begann sie dumpf,„sie wurde verhaftet." Horski wollte sich vom Sessel erheben, aber seine Kräfte versagten. „Tagejew hat sie abgefaßt," fuhr Juzia flüsternd fort. Und sie erzählte in abgerissenen Worten den ganzen Hergang. „Tagejew ist allein tvicdergekommcu, das ist alles, was ich erfahren habe." schloß sie den iraiirige» Bericht. Horski raffte sich zusammen und bemühte sich, die Lage zu überschauen.\ „Was ist mit Kazjo?" fragte er. Juzia trocknete die Tränen. „Den jungen Herrn habe ich gereitct! Er ist der Ver- Haftung entgangen. Wahrscheinlich hat er schon die Grenze passiert." „Wer Hai ihm Geld gegeben?" „Ich!" sagte sie leiseJ" - t,Du?... Ich danke dir!*- Er sank wieder iu den Sessel. Juzia brachte ihm Wasser luid küßte die Hände des unglücklichen Mannes. „Beruhigen Sie sich! Sie ivcrden das Fräulem sicher wieder frei lassen. Man muß sofort die nötigen Schritte machen. � Das ist das Werk dieses Halunken Tagejew... Er rächi sich an Ihnen dafür, daß die Kaufleute in Ihrem Hause jenen Protest unterschrieben haben." „Woher weiß er das?" Juzia geriet in größte Verlogenheir. Aber in ihrer Ekstase vermochte sie sich nicht zu beherrschen. Sie fiel zu seinen Fiißeu nieder und schrie: „Schlagen Sie mich tot!" „Dich? Wofür denn?" „Ich war Polizeispion, ich habe ihnen Mitteilmigeu gemacht!... Ich, ja ich!" „Was höre ich?"- „Sie haben mich dazu gezwungen. Zuerst Markowski. der mir meinen Paß vorenthielt, und dann Tagejew, der mir mit dem schwarzen Buch drohte. iC, ich Unglückliche." Sie wand sich in Wcinkrämpfcn am Boden. „O, könnte ich meine Sünde wieder gutmachen." begann sie wieder.„Ich habe den jungen Herrn gewarnt, habe ihm mein ganze? Geld gegeben. Markowski hat sich aushalten lassen und Tagejew hat zu spät erfahren, daß der junge Herr geflohen ist. So wahr mir Gott helfe!" Sie klammerte sich an HorSkis Rockschöße. „Und jetzt schlagen Sie mich tot. wie einen Wurm. Raufen Sie mir das Haar. Ich verdiene es nicht besser. In demütiger Stellung kauerte sie am Boden. Horski schwieg lange. Heiße. Tränen rollten über seine Wangen. Er schien den ganzen Rest seines Lebens in dieser Stunde durchzuleben. Schließlich fuhr er auf. blickte auf das zu seinen Füßen jammernde Mädchen und berührte ihre Schulter mit zitternder Hand. „Steh aus!" „O. gnädiger Herr!" „Steh aus. sage ich Dir! Ich trage dir nichts nach. ich weiß nur. daß du nur wenigstens das eine Kind gerettet hast."_'„ „St? verzeihen mir?" Sie wollte seine Hand fassen. Er schob sie fort. Eoxts. folgt.) ChaDisnttr*�« H/U BERLIN 11 BrOiltcn- StraD* 11 Qr.Frankfltrl. Str.H qc�r. 1M1 SchSncb-, Hauplstr, 10 SonnUf. Oati i. April, von 12 bla O gaBflaet| in großer Wohl Jaickeff"Anzüge Rock" Anzüge Ueberzleker Beinkleider Billige Preise awaaMMMtnw Sd�w��rze»»»»»» aa.aaaa,.. j GeHrocR"Anzüge i j 45, 50. 55. 60. 65, 70. 75, 80 M. j H.& P. Uder. Berlin SO. 16, � Sngel-Clfer 5. und Tabaklabrik. 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