Ar. 95. 54. Jahrg. fl Donnemen ts-Befllnqunqen. adonnemenls jjieis ptänumercmbo 6tettPl|äbtl H,9n Ml. monatl 1,30 KL »ötSeiulicfa 30 Cjfl rtci m- paus iinjelnr Summet 6 Clß Sonntay# nummet mtl iflufmcttet Sontuaqs Betiaße.Tie Seue Well' 10 Biß Boso wonnemenl 1.30 Karl vro Monat tinßertaßen m die Boll- Zeirunßs. BreiSliiie llniet kreuzdand iüt Teuliitilano und Oeiierreich Ungarn LS» Marl'bt das üdnßt Ausland I Marl vro Monat Bosladonnernenls nebrnen an Belgien Dänernart Holland, zialien Uureniburg, Bonugat «uulünien. scknveden und die Schwei» erlivelni iZaN» Devlrner Volksblnkk. � S Pfennig) Die InlcrtionS'GeDUhr OetrSgl für die sechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Blg,. Mr «olililchc und gewerlschastliche Vereins. tnd Bersamniiunßs- Anzeigen 30 Big, .kleine iZnreigen", das lengednickle Wort 20 Big,(zulässig 2 fellgedriilite Wortes. jedeS weitere Wort 10 Big Elellcngesuche und Schlasslellena»- (eigen das erste Wort 10 Big,, jedes «euere Wort ö Big, Worte über 13 Buch. 'laben zählen für zwei Worte, Jnseraie Gr die nächste Rummet müssen bis & Uhr nachmitlaßs in der Exvedition »bgegeden werden, Tie Srvcsition ist bis 7 Uhr abends aeoisnet, relegramm-Adresset �biütiileiiiolllsl keeiii" Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: ctD. 68, Linöenstrahe Z. iffrnil Westlicher Kriegsschauplatz. Der heftige Artilleriekampf zwischen Lens und ArraS hielt auch gestern an. Nördlich der Straße Pöronne— Cambrai fetzten nach«ehr- «als gescheiterten Borstößen die Engländer abends zn neuem Angriff starke Kräfte ein, denen unsere Truppen wieder erhebliche Berliiste zufügten und dann auswichen. Südwestlich von St. Quentin wirkte die stanzöfische Artillerie mehrere Stunden gegen von uns nachts geräumte Stellungen, die anschließend kampflos von der feindlichen Infanterie besetzt wurden. Bei Laffaux wurde ein Borstoß der Franzosen zurückgewiesen. Niisere Batterien brachten ein Munitionslager bei Bendreffe (nördlich der Aisnes zur Entzündung. Erderschütterung»nd Knall wurden bis 4t) Kilometer hinter der Front wahrgenommen. Ein«irksam vorbereitetes und kraftvoll durchgeführtes Unter- nehmen nördlich von Reims ist gut gelungen; wir brachten dem Feinde eine blutige Schlappe bei und machten über 800 Ge- fangene. westlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r a l f e ld m a r s ch a llS Prinz Leopold von Bayern. Südlich von Riga brachen unsere Stoßtrupps i» die rnssische Stellung ein, sprengten einige Unterstände und kehrten mit Ge- fangenen und Beute zurück. Bei Czepiele, südlich von Brody, holten unsere Sturmtrupps bei einem Vorstoß 41 Gefangene und 1 Mbschinengewehr aus den feindlichen Gräben, HeereSfront dev Generaloberst Erzherzog Joseph. Keine wesentlichen Ereignisse. Amerikas Kriegsentscheidung. Der Senat nimmt öie Resolution an. Washington, 5. April.(Reuter.) Der Senat hat mit 82 gegen L Stimme» die Resolution, die den Kriegszustand erklärt, angenommen. Basel, 5. April. Ter Basler Havasvertreter �meldet aus Washington unter dem 4.: Zum Beginn der Sitzung des Senats meldete sich Senator L e d g e zum Wort und wandte sich gegen die Resolution, die den Kriegszustand zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten als be- stehend feststellte. Lodge schlug vor, zunächst die verschiedenen auf der Tagesordnung stehenden Fragen zu erledigen. Schließ- lich erklärte der Präsident, er sehe sich zu seinem größten Bedauern genötigt, die Diskussion über die Resolution Flood aus Mittwoch zu verschieben. Darauf vertagte sich der Kongreß. Amsterdam, 5. April. Aus Washington wird unterm 4, April nachmittags gemeldet: Mit sämtlichen Stimmen be- schloß das Repräsentantenhans, die Debatte über die Kriegs- resolution am Donuerstagmorgen um 10 Uhr zu eröffnen. Das Haus werde solange tagen, bis die Resolution zur An- nähme gelangt. Dem Londoner Korrespondenten des„Handelsblad" zu- ''olge, bat Alvin Dod, Mitglied des Rates für internationale Verteidigung, mitgeteilt, daß die Regierung bei Aufstellung ihrer Pläne mit einer dreijährigen Kriegesdauer rechnet. Ter New Dorker Korrespondent des„Daily Chronicle" meldet, daß die Frage, ob die Regierung ein vollkommenes Bündnis mit dei� Entente eingeben werde, indem sie den Vertrag, keinen Separatsrieden zu schließen mit unterzeichnet, erst später definitiv entschieden wird. Es wird eine ausgedehnte Deba>te über die Kriegsresolution stattfinden und es können noch verschiedene Tage vergehen, bevor sie zur Annahme gelangt Amsterdam, ö. April..Times" meldet aus Washington vom 4 April: Es steht außer Zweifel, daß die Kriegs- reiolution im R c p r ä s e n t a n t e n h a u s e nach mehr- iägiger Debatte mit überwältigender Mehrheit angenommen werden wird. Die Deutschen und ihre Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» vvn Mackensen . Auf dem rechten Sereth-Nfer bei GarleaSea drangen Er- kundungsabteilungen in einen russischen Stützpunkt und kehrten mit 30 Gefangenen und 2 Minenwerfern in dir eigenen Linien zurück. Mazedonische Ffront. Auf der Crvena Stena westlich von Monastir wurde« den Franzosen einige ihnen aus den letzten Kämpfen verbliebene Gräben wieder entrissen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, S.April. Abend«. Anhaltender starker Artilleriekampf zwischen Lens und ArraS. Im O st e n in mehreren Abschnitten regernssische FeurrtStigkrit. Ter österreichische Bericht. W.i r n, 5. April 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Aicher einigen mit Erfolg ansgrführten Stoßtrnppsnntrr- nehmungen nichts zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei klarer Sicht im allgemeinen lebhaftere Artillerie- und Fliegertätigkelt als in den letzten Tagen. Unsere weittragenden Geschütze beschossen mit guter Wirkung eine feindliche Truppenparade östlich von Eormons. Italienische Marineflieger warfen auf Nabresma und Sistiana Bombe» ab. Unsere Ortschaften im Etschtale und Area standen abermals unter Artilleriefeuer. Im letzten Orte wurde die Pfarrkirche schwer beschädigt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. I« Bereiche unserer Truppen keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des EhefS deS GeneralstabrS von Hoefer, Feldmarschallentnant. Anhänger sind in völliger Verwirrung. Die„Staats zeiwng" gibt ihren Lesern den Rat, Amerikaner zu sein, während Hearst seine alte Jingorolle wieder aufnimmt. Hearst spricht sich übrigens gegen ein Zusammenwirken mit den Entente- mächten aus. Der Unterstaatssekretär des Marine- departements Franklin Roosevelt hat amtlich mitgeteilt, daß Maßregeln für ein sofortiges Zusammen- wirken mit England und Frankreich ge- troffen sind. Nach einer Londoner Depesche des„Algcmecn Handels- blad" ist das Repräsentantenhaus durch seine Geschäftsordnung in der Lage, die Resolution schnell zn erledigen. » New Dork, 5. April. Der„Frankfurter Zeitung" wird gemeldet: Man ist in Washington sehr unzufrieden mit Carrauza, da er noch immer nicht die offizielle Anfrage be- antwortet hat, was er gegen die angebliche deutsche Tätigkeit in Mexiko zu tun gedenke. Die Regierung hat den Ein- druck, Carranza hoffe von den Vereinigten Staaten eine große Anleihe zu erzwingen, unter dem Vorwande, ohne eine solche Unterstützung der deutschen Pro- paganda gegenüber ohnmächtig zu sein. « Basel, Ei. April. In einem Bericht de? Basler HavaSvertreterS auS New Dort vom 3. heißt es: Nach einer patriotischen Beriamm- lung iii Baltimore begaben sich 4000 Perionen, an ihrer Spitze mehrere Uiiiversiiälsprosessoren. zur Musikschule, um eine dorr stall- findende vazifislische Bersammlung zu stören. Die Polizei sah sich außerstande, die Pazifisten zu schützen._ Die tzanöelskonferenz der Entente verschoben. Bern, 5. April.„Corricre della Sera" meldet aus Rom: Die gemeinsanie Handelskonferenz der Alliierten, die in Rom am 17. April stattfinden sollte, ist a u f d e n 17. Mai v er- schoben worden. Es tollen Vertreter Belgiens, Frankreichs. Englands, Portugals. Rußlands, Serbiens und Ztaliens daran teilnehmen. Vorsitzender des italienischen Komitees ist Titlont. die duma unö die Petersburger Revolutionskämpfe. von P a r v u s. Seitdem die telegraphische Verbindung mit der Außen- Welt wieder hergestellt worden ist, übcrschtvemmt die Peters- burger Telcgraphenagentnr die Welt mit offiziellen und offiziösen Mitteilungen, die die entscheidenden Tage der russischen Revolution möglichst harmlos darzustellen suchen, so daß man den Eindruck gewinnt, es handle sich nicht um eine weltgeschichtliche Tragödie, die in ihren grandiosen Wechselgängen sich seit mehr als einem Jahrzehnt vor unsern Augen entwickelt, sondern um eine Art von sting- türkischem Staatsstreich. Die unverhohlene Tendenz dieser Nachrichten ist, die russische Revolution in ein Mach- werk bürgerlicher Politiker umzulügen, und da dieses Machwerk tatsächlich keine tragischen Züge aufzuweisen hat, so soll auch der Revolution ihr großzügiger Charakter genommen werden. ES waren aber nicht die Herren Gutschkow, Miljnkow und Sir Milner, die die rnssische Revolution„gemacht" haben; sondern eS waren die russischen Arbeiter- massesi, M ihr in Verbindung mit den Soldaten zum Siege verholfen haben, unterstützt von den revolutionären Offiziersorganisationen, und geduldet, nicht etwa gefördert, vom Generalkommando. Tie militärische Verschwörung brachte es nicht einmal fgrtig, den Zaren zur Bildung eines vcrantivortlichcn. Dumaministenums zu bewegen. Gewiß, sie hätte ihn dazu zwingen können. Aber sie"tat es nichft denn sie.fürchtete die Revolution noch mehr als die. Reaktion. Die Bewegung wuchs heran und verbreitete sich über.dps ganze große Reich. Bald hier, bald dort traten Arbeiterstreiks und Arbeiternnruhen ans. Wir lasen von Verhaftungen ohne Zahl und politischen Verbannungen. Die Bewegung war unausrottbar und verzweigte sich immer mehr. Schließlich kam es zu jenen großen Streiks, die das ganze Naphthagebiet lahmlegten, mehrere Industriezentren und Petersburg zum Stillstand brachten. Die Streiks waren in voller Entfaltung, als die Duma am 14. Februar a. St. zusammrntrat. In Petersburg streikten 300 000 Arbeiter. Was taten die bürgcr- lichen Parteiführer!? Sie ermahnten die Arbeiter zur Ruhe und rieten ihnen, zur Arbeit zurückzukehren. Die Arbeiter gingen nicht in die Fabriken, sondern ans die Straße. Am 15. Februar gab es bereits, nach den Mit- teilnngen von Augenzeugen, große Ansammlungen in den Arbeitervierteln. Es wurden Reden gehalten. Man suchte Anschluß an das Militär. Die Soldaten antworteten:„Fangt nur an, wir werden euch nicht verraten." Mehrere Tage wogten die Mengen hin und her. füllten die Straßen und nahmen Fühlung mit dem- Militär. In- dessen wurde in der Duma verhandelt. Die sozialdemokra- tischen Führer, die bereits an der Spitze der revolutionären Massen standen, kamen von der Straße in die Duma. Sie stellten an die Duma ihre Forderungen: A b s a g e a n d e n Imperialismus, Anschluß an dieRevolution. Wie antwortete die Duma? Sie löste sich los von der Re- gicrung. ermahnte die revolutionären Arbcitcrmasscn zur Be? ruhigung und verlangte ein— verantwortliches M i n i st c r i u m. Die Massen waren in voller Aufregung und Aktion. Die Zeit des Wartens war vorbei, man verlangte auch von der Duma Taten. Da hielt Miljnkow eine Rede, in der er sagte, die Duma könne nichts mehr als reden, aber es gäbe brennende, sengende Worte. Ganz Rußland stand in revo- lutionären Flammen— da brachten die bürgerlichen Staats- männer ihr Höchstes herbei: Miljukows. sengende Worte. Was erwartete man von der Duma, wenn man von dieser Zensuskörperschaft, die sich eine Zeitlang beinahe ebenso verhaßt gemacht hatte wie die zarische Regierung, noch über- Haupt etwas erwartete? Daß sie den Zaren absetzte und aus ihrer Mitte eine revolutionäre Regierung einsetzte? Die Duma dachte gar nicht daran. Sie rührte sich nicht. Am 23. Februar a. St. drangen die Arbeiter bereits in großen Massen in das Stadtzentrum ein. Sie wurden von den Militärposten fast ungehindert durchgelassen. Am 24. Fe- bruar dieselbe Erscheinung in verstärktem Maße. Es kam zu häufigen Zusammenstößen mit der Polizei. Es gab Tote und Verwundete. In einzelnen Fällen traten Koi'aken und Soldaten offen auf die Seite des Volkes. Das Volk blieb Herr der Straße. Am 25. Februar bot die Regierung ihre ganze Militär- macht auf. Wie brutal und gemein die Regierung gehandelt hat, beweisen die verkleideten Polizisten, die Maschinengewehre aus den Dächern usw. Doch das ist alles aus den Zeitungs- berichten bekannt. Ich will mich dabei nicht aushalten. Die Zusammenstöße mehrten stch, aber auch die Nebergänge der Soldaten zum revolutionären Volke. Die revolutionären Führer traten zusammen und beschlossen für den nächsten Tag eine große gemeinsame Aktion. Die Duma rührte sich nicht. Sie spielte den interessierten Zuschauer. ?lm 26. Februar überfluteten ungeheure Volksmasten das Stadtzentrum. Sie werden von den Kosaken gewarnt; jedoch durchgelassen. Die Menge wird öfters beschossen, es fallen zahlreiche Opfer, das Volk bleibt auf den Straßen und kehrt auch in der Nacht nicht mehr in die Arbeiterviertel zurück. ES bilden sich verschiedene revolutionäre Zentren, zu denen Ar- beiter und Soldaten zuströmen. An diesem Tage sendete Rodzianko sein berühmtes erstes Telegramm an den Zaren. Was war der politische Sinn dieses Telegramms? Es ist notwendig, eine Persön- lichkeit, die das Vertrauen des Landes genießt, die Bildung der neuen Regierung zu übertragen. Also höchstens verantwortliches Ministerium! Die Telcgraphenagentur hat später dieses Privat- telegrannn als eine Art Kampflosung der Duma hingestellt. In Wirklichkeit war es ein geheimes Schriftstück, von dem man dem Volk keine Mitteilung gemacht hat. Es war keine revolutionäre Handlung, sondern ein ganz aufrichtiger, wenn auch alberner Versuch, der Revolution im letzten Augen- blick die Spitze abzubrechen. Am 27. Februar vom frühen Morgen an vollzieht sich der Uebergang der Soldaten in größeren Mengen. Ver- einigte Haufen von Arbeitern und Soldaten erstürmen das Arsenal, schließen die Gefängnisse auf usw. Das Werk ist voll- bracht, es bleibt nur noch die revolutionäre Aufräumungs- arbeit. Die revolutionären Führer schlagen ihr Haupt- quartier im Gebäude der Reichsduma auf. Dieser Umstand war es. der in den Zeitungsnachrichten die Täuschung hervorrief als wäre die Duma zum revolu- tionären Zentrum geworden. Es war aber nicht die Körper- schaft, sondern das Gebäude. Da dort das revolutionäre Hauptquartier war, strömten dorthin die Masten zu und spielte sich dort der Liquidationsprozeß der Revolution ab, die Verhaftungen usw. Dazu kam, daß am 27. Februar die Duma aufgelöst wurde. DicS rief im Auslände den Eindruck hervor, als wenn sich nunmehr die Mastrn sammelten, um die Duma zu retten. Das war aber nur noch die letzte hilf- lose Geste der gestürzten Regierung, die auch nicht den ge- riugsten Eindruck mehr gemacht hat. Am 27. noch schritten die Führer der Arbeiter, der Soldaten und der revolutionären Parteien zur Bildung des Delegiertenrates der Arbeiter und Soldaten. Sie veröffentlichten folgenden Aufruf: .Bürger! Die in der Reichsduma zusammengetretenen ver« treter der Arbeiter, der Soldaten und der Petrograder Bevölke« rung erklären, daß die erste Versammlung der Delegierten heute, um 7 Uhr nachmittags in dem Gebäude der Reichsduma statt« finden lvird. Alle auf die Seit« des Volkes übergetretenen Armeeteile sollen sofort ihre Delegierten wählen, jede Kompagnie einen. Die Fabriken sollen sofort Delegierte wählen, je einen auf Tausend. Die Fabriken, die weniger al» tausend Arbeiter beschäftigen, wählen je einen Delegierten." Etwas später am gleichen Tage, um 21/a Uhr nachmittags, fand eine Zusammenkunft der Dumamitglieder statt, in der die Frage erst a u f g e w o r f e n wurde der Bildung eines provisorischen Ausschusses. Man kam überein, die Wahlen dieses Ausschusses dem Seniorenkonvcnt zu überlasten, der auch die Wahlen vollzogen hat. Die Aufgabe dieses Aus- schusseS war noch keineswegs, die Regierungsgewalt zu über- nehmen, sondern„die Ordnung in Petrograd zu erhalten und Beziehungen zu verschiedenen Institutionen und Personen zu unterhalten". Das war die Aktion der Duma während der Revolution. Der Delegiertenrat der Arbeiter und der Soldaten konstituierte sich am Abend des 27. Und nun trat am 28, um 2 Uhr früh auch der Dumaausschuß, der sich in ein Exekutiv- komitce verwandelte, mit seiner ersten Kundgebung an die Oeffcntlichkeit. Am 27. gingen bereit? folgende Regimenter zum Volke über: das WolinSki, Preobraschenski, Litauer, KekSholmer Regiment und die Genietruppen, zusammen 25(XX) Mann. Was am 28. und später folgte, waren nicht mehr revolutio- näre Kämpfe, sondern revolutionäre Parade. Ein Regiment nach dem anderen schloß sich den fliegenden Fahnen der neuen, revolutionären Staatsgewalt an. Diese ist in den Händen des Delegiertenrates der Arbeiter und Soldaten. Das ist auch die einzige gewählte Körper- schaft, die das Vertrauen der Hauptstadt und ganz Rußlands genießt. Uebrigens stützt sie sich auf ähnliche Organisationen. die in allen größeren Zentren durchgeführt worden sind. Die Duma existiert nicht. Die provisorische Re- gierung ist ein Notbehelf. Zwischen ihr und dem Delegiertenrat kam es schon zu ernsten Konflikten. Besonders böses Blut machte es, als der Delegiertenrat dahinterkam, daß die provisorische Regierung Vorbereitungen traf, um den entthronten Zaren nach England hinüberzuschaffen. Der Delegiertenrat verhinderte das und ernannte eine besondere Kommission, um die Tätigkeit der Regierung zu über- wachen.__ Das Irauenwahlrecht für Sie russische Konstituante. Petersburg, 5. April.(W. T. B.) MinisterprSfideut L w o ff hat einer Abordnung mitgeteilt, daß die Fraue« an den Wahlen für die konstitnierende Versammlung teilnehme» solle«. Die Revolution und Sie Zrieüensfrage. Stockholm, 5. April. Die russische Preste beschäftigt sich lebhaft mit einem sozialrevolutionären Manifest.„Djen* bezeichnet das(in Deutschland nicht bekanntgewordene) Manifest als einen Beweis dafür, daß nunmehr das Volk selbst die Friedensfrage in die Hand nehme und äußert die Hoffnung, daß der Sturz der Romanows den Sturz aller Monarchien nach sich ziehen würde. Die„Börsenzeitung" bezeichnet das Manifest als eine wichtige geschichtliche Urkunde. Die „Börsenzeitung" läßt sich aus London melden: Die nächste Rede des deutschen Reichskanzlers werde sicherlich ein neues Friedensangebot enthalten und ermahnt schon im voraus die Rüsten, den Kampf fortzusetzen, da Deutschland bald ge- zwungen sein werde, aufrichtigere Vorschläge zu machen. Abermals ein Zeichen, daß der Friedenswille im russischen Volke ein Faktor ist, mit dem die Entente ernsthaft rechnen mutz. Sic rechnet, scheint es, nach der letzten Meldung, mit der Möglichkeit, es könne auf russischer Seite zu einem schnellen Abbrechen deS Krieges kommen. Der Stockholmer„Sozlalbemokralen" veröffentlicht laut ..Kriegszeitung" ein Flugblatt, das in den letzten Tagen in Rußland weite Verbreitung gefunden und gewaltiges Auffehen er- regt haben soll. Das Flugblatt ist unterzeichnet.Der Metro- polit von Moskau" und hat folgenden Wortlaut: .Bürger! Die Engländer beschlagnahmen unser Geld. Zieht daher sofort Eure Geldeinlagen aus Banken und Sparkassen zurück. Der Deutsche ist zwar fort, dafür ist der Engländer zu uns ge- kommen. Nieder mit dieser Canaille! Mit seinem Golde tötet er unsere unschuldigen Brüder in dem von ihm angezettelten Kriege. In der englischen Botschaft haben sich die bisherigen Ministerver- räter verborgen. Auch alles Gold des Zaren liegt dort versteckt. Die Verräter sind unverzüglich einem Volksgericht zu übergeben, das Gold ist aber unter das Volk zu verteilen." Eine Nachschrift des Textes, das der„Sozialdemokraten" in Faksimiledruck veröffentlicht, lautet:„Der verfluchte Engländer hat unser Rußland aufgerieben. Millionen unschuldige Opfer gehen nach dem Willen dieser Unholde zugrunde. Mit ihrem Golde füttern sie unsere bestechlichen Minister, die dem Volle alles Unheil gebracht haben." Die Bewegung für öie öemokratische Republik Bern, ö. April.„Temps" meldet aus Petersburg: Bei- nahe alle großen seit der Revolution entstandenen Zeitungen sind für die Republik. Mehrere bekannte Journalisten, die bisher ausschließlich anarchistische Gesinnung bekundeten, sind zum demokratischen Republikanismus übergetreten. Die Monarchisten, die noch verschüchtert und niedergeschlagen sind. halten sich zurück. Augenblicklich ist zweifellos die Strömung für die demokratische Republik in der Oefsentlichkeit sehr stark. Das Aarenpaar in üer Schlüsielburg! Kopenhagen, 5. April.(T. U.)„Politiken" meldet über Haparanda: Wie die russische Zeitung„Djen" berichtet, wird das Zarenpaar demnächst von Zarskoje Selo nach der Peter- Paul-Festung gebracht werden. Die Beerdigung der Opfer der Revolution ist endgültig aus Freitag festgesetzt worden. die Reformbewegung in Iinnlanü. Stockholm, 5. April. Einer Meldung aus Helsingfors zufolge bestimmte der finnische Senat einen besonderen Aus- schütz für die Beratung der zutreffenden Reformen in Finn- land. Die neuen Vorschläge werden dem Landtage sofort nach seinem Wiederzusammentritt vorgelegt werden. In den fast täglich im ganzen Lande stattfindenden Versammlungen tritt unverhüllt zutage, daß in Finnland keine Nei- gung besteht für ein Bündnis mit Rußland. dauernunruhen. Stockholm, 5. April. In den russischen Städten der Provinz herrscht zwar Ruhe, dennoch berichtet die„PeterS- burger Börsenzeitung" von angeblich durch die„Schwarzen Hundert" in zahlreichen Städten hervorgerufenen Unruhen.„Rutzkija Wjedomost" veröffentlicht einen Auf- ruf, daß die Bauern keine Schritte gegen fremdes Eigentum unternehmen sollten, auch nicht gegen die Gutsbesitzer, da diese mit Heereslieferungen beaustragt wären. Rußland gibt die Kriegsgeifeln frei. Petersburg, 4. April.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Die provisorische Regierung hat angeordnet, daß 500 Geiseln feindlicher Staatsangehörigkeit, die m feind- lichem Gebiet bei verschiedenen Offensiven russischer Truppen gefangen genommen worden waren, wieder in Freiheit gesetzt werden sollten, da sie die Gefangennahme von Per- s o n e n, deren einziges Vergehen die Treue gegen ihr Vaterland darstellt, für nicht gerecht- fertigt ansieht._ der Krieg auf den Meeren. Englischer Torpeüojäger verfenkt. Amsterdam, 5. April. Von gut unterrichteter Seite vernimmt das holländische Korrespondenzbnrea», daß der englische TorpedojSger Laforey, daS Kommandoboot der TorpedojSger- Flottille Dover, am 23. März fünf Seemeilen nordwestlich vom Kap Gris Rez torpediert wurde«nd gesunken ist. Die L a f o r e h gehört zu der D«Klaste und ist von demselben Typ wie die L a w f o r d und Louis. DaS Schiff mißt 807 Tonnen und ist mit drei Iv-Zentimeter-Kanonen und vier Torpedo- lanzierrohren bewaffnet. Englischer Ninenzerftörer gesunken. Amsterdam, 5. April. Die englische Admiralität meldet, daß am 3. April ein Minenzerstörer alten Typs auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. 24 Mann der Besatzung werden vermißt. Seesperre unö Versenkungen. Kopenhagen, 4. April. Die dänische Gesandtschast in London hat dem Minister de» Auswärtigen mitgeteilt, der dänische Dampfer Bergenhu» der Forenede Dampfskibsselskab, von England nach Dänemark mit Stückgut unterwegs, sei versenkt worden. Amsterdam, S. April. Heute nacht ist der belgische Dampfer T r e v i r mit Getreide auf der Höhe von Scheveningen durch ein deutsche? U-Boot versenkt worden. London, 4. April. Das Reuterfche Bureau erfährt, daß ein weiteres Boot des englischen Dampfers Slnwick Castle (5900 Tonnen), der am 19. März torpediert wurde, mit 19 Ueber- lebenden aufgefunden wurde. Letztere wurden in New Dork gelandet. von den an Bord des Dampfer» befindlichen Personen find ins- gesamt 11« gerettet worden und 1« getötet; 2« werden vermißt. Kopenhagen, 4. April.„BerlingSke Tidende" meldet au» Bergen: Die Bergener Handelsflotte hat im März einen Verlust von 17 Schiffen mit zusammen 29 000 Tonnen erlitten. Ein Bergener Dampfer brachte in Bergen die Besatzung des torpedierten Fischdampfers Petrelle aus GrimSbh ein. Die Besatzung war erschöpft, als sie von dem norwegischen Dampfer aufgenommen wurde. die Kriftianer Kohlenlöscher im slusstanü. Kopenhagen, 5. April.„National Tidende" meldet aus Kristtania: Die Kohlenarbeiter in dem hiesigen Hafen sind in den Ausstand getreten. Jnfolgedesten konnten zwei gestern eingetroffene Dampfer mit Kohlen, die die Stadt in hohem Maße nötig hat, nicht ausgeladen werden. Die Kohlenarbeiter erhielten kürzlich 25 Proz. Lohnznlage, sie verlangen nun weitere 25 Proz. 1 der Kampf an üer Westfront. Berlin, 5. April. Der englische Angriff auf H e n i n— Croisilles am Morgen des 2. April wurde von mehr als einer Division ausgeführt. Der Angriff war durch schwere Ar- tillerie vorbereitet und wurde blutig abgewiesen. Bei dem zweiten Angriff, den die Engländer mit massierter Infanterie versuchten, erlitten sie allerschwerste Verluste, vornehmlich durch Maschinengewehrfeuer. Die englischen Toten, die allein bei Henin liegen, werden auf 1266 Mann geschätzt. Auch die gemachten Gefangenen berichten von der Größe der erlittenen Verluste. Die in dem deutschen Heeresbericht vom 5. erwähnten An- griffe nördlich der Straße Peronne— Cambrai begannen um 3 Uhr nachmittags mit einem Angriff gegen Metz-en-Couture und den Wald von Gouzeaucourt in Stärke von mindestens 4 Bataillonen. Nach ihrer blutigen Abweisung setzten die Engländer gegen Abend stärkere Kräfte ein, deren Angriff die deutschen Abteilungen befehlsgemäß auswichen. Um 5.26 Uhr� nachmittags versuchten die Engländer beiderseits der Straße Fins— Gouzeaucourt einen Angriff, der im deutschen Artillericfeuer unter schweren Verlusten zu- sammenbrach. Desgleichen wurde gegen R o n s s o y vor- gehender Gegner durch Feuer vertrieben, während anderer- seits deutsche Stoßtrupps westlich S t. O u e n t i n in die feindlichen Linien eindrangen, dem Gegner im Handgranaten- kämpf schwere Verluste beifügten und Gefangene zurück- brachten. Außer der im Heeresbericht erwähnten Explosion eines Munitionslagers südlich V e n d r e s s e, bei der eine 366 Meter hohe Stichflamme beobachtet wurde, fanden starke Explosionen auch in dem vom Gegner besetzten V r a u- c o u r t und St. Leger statt. Feindliche Kriegsberichte. Französischer Heeresbericht vom 4. April nach- mittags. Oestlich uud westlich von der S o m m e sind wir an der ganzen gestern von uns angegriffenen Front weiter vor- gedrungen. Unsere Erkundungsabteilungen sind über D a l l o n hinaus bis in die südwestlichen Vorstädte von St. O u e n t i n vorgedrungen. Nordöstlich von C a st r e S haben unsere Truppen den Südrand von GrugieS erreicht. Auf unterer Rechten wurde daS Dorf Moy-sur-Oise vollständig erobert. Der Feind üble mit seiner Artillerie lebhaft Vergeltung, bc- sonders gegen die Geyend von Essigny. Südlich von der A i l e t t e dauerten die Kämpfe an den Dorfrändern von L a f f a u x und im Dorf selbst fort, in das wir trotz des erbitterten Wider- stände-? des Feindes, der jeden Fußbreit Boden verteidigt, ein- drangen. Südlich von Vauveny brachen sich deutsche Gegen- angriffe an unierm Feuer, das den Angeeifern schwere Verluste beibrachte. Wir wiesen zwei feindliche Angriffsversuche gegen unsere kleinen Posten nordwestlich von P r o s n e S und östlich von A u b e r i v e mühelos ab. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Vom 4. April abends. Während des Tages fuhren unscre Truppen trotz heftiger Schneestürme und durchweichten Bodens fort, den Feind auf der ganzen Front von der Somme bis zur O i s e zurückzudrängen und warfen ihn bis hinter die kehr wichtige Stellung zurück, die durch die Dörfer Grugies. Urvillcrs und M o y bezeichnet wird und die von unseren Truppen glänzend genommen wurde. Nördlich des Geböftes Folie verließen die Deutschen, in Verwirrung gebracht durch den unwiderstehlichen Angriff unserer Soldaten, überstürzt drei Grabenlinien mit davor befindlichen Drahtverhauen, wobei sie Ver- wundete zurückließen. Bedeutendes Material, drei IS-Zenlimeter- Haubitzen und mehrere Trainwagen fielen in unsere Hände. Süd- lich der Ai leite keine Aenderung der Lage. Die Artillenelälig» keit war in der Gegend von Marginal und Laffaux hektig. In der W o e V r e nahmen unsere schweren weittragenden Geichütze feindliche Abteilungen unter Feuer, deren Vorhandensein am Bahn- Hof von Vi gn eurles gemeldet worden war. Auf der übrigen Front Beschießungen mit Unterbrechungen. Englischer Heeresbericht vom 4. April Der Feind machte nachts einen entschlossenen Gegenangriff mit der Absicht, die sechs Geschütze wieder zu nehmen, die wir am 2. April West- lich von St. O u e n t i n erbeutet batten. Der Versuch schlug nach Nahkampf gänzlich fehl. Alle Geschütze sind jetzt eingebracht. Am Nachmittag nahmen wir M e tz- e n- C o n t u r e, nordwestlich von Eperah, und machten eine Anzahl Gefangene. Es ist jetzt festgestellt, daß die Zahl der am 2. April südlich von Ar ras ge- machten Gefangenen 8 Offiziere und 262 Mann betrug, ferner wurden 17 Maschinengewehre und 4 Grabenmörser erbeutet. der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 4. April. Heeresbericht vom 4. April. An der D j a I a f r o n t setzen die Engländer und Ruffen ihren Rückzug vor unseren Linien fort.— Kaukasusfront: Auf dem linken Flügel wurden an zwei Stellen starke Aufklärungsabteilungen d»s Feindes zurückgeworfen. An den anderen Fronten kein wichtiges Ereignis._ Der bulgarische Kriegsbericht. Sofia, 4. April. Bulgarischer Heeresbericht vom 4. April Mazedonische Front. Auf der ganzen Front schwache« Artilleriefeuer. Im Wardartale Gewehr- und Maschinengewehr- feuer zwischen den Posten südlich von Gewgbeli. Feindliche Patrouillen, die sich unseren Posten zu nähern versuchten, wurden durch unser Feuer verjagt. Rumänische Front. Nichts Neues. die Aktien üer Arbeit". AuS Amsterdam schreibt man uns: Der französische Senat hat vor kurzem die Gesetzesvorlage über die Einführung der.Aktien der Arbeiterschaft' angenommen, ein altes Paradestück, mit dem Be« ruhigungSpolitiker sozialen Wolken begegnen zu können meinen. Wie der Berichterstatter D e l o n c l e sagte, soll da» Gesetz„gewissen Arbeiterkategorien ermöglichen, in der sozialen Hierarchie empor- zusteigen' und eS den Arbeitern erlauben, ein vom Klassen« bewußtsein verschiedene» Bewußtsein zu ge« Winnen". Die ganze Sache ist. wie der.TempS' in einer sehr miß- vergnügten Kritik bemerkt, eine Variante der ebrwürdigen Ver- suche au» Väterzeiten. durch.Gewinnbeteiligung" die.soziale Frage zu lösen". Nur kommt diesmal die Idee der.kon- stitutionellen Fabrik' als Einschlag dazu. Die Gesamtheit der Arbeiterschaft eines Unternehmens bildet eine juristische Person, der Aktien der Unternehmung zugewiesen werden. Diese Anteile sind unveräußerlich, solange die Gesellschaft besteht und können nicht individuelles Eigentum der.Arbeitsgenossenschaft' werden. Die Dividenden werden gemäß den Staiuten dieser Genossenschaft ver« teilt. Die ArbeitSgenossenschast nimmt durch gewählte Vertreter an den Generalversammlungen der Aktiengesellschaft teil und hat auch im VerwaltungSrat Vertreter wie die Besitzer der gewöhnlichen Aktien. Der Senat hat beschloffen. daS Gesetz noch einer zweiten Be- ratung zu unterziehen, was der.Temps" sehr löblich findet. UebrigenS ist es auch in der Deputiertenkammer noch nicht ange- BOIIllllCK« politifthe Ueberftcht. „Erpressertattik" und„Wnffenhilfe für den s?eind". In einer während des Krieges noch nicht dagewesenen Weise hetzt die rechtsstehende Presse dieser Tage gegen den .Vorwärts". Verbalinjurien von 42er Kaliber werden gegen uns geschleudert und die schlimmsten Verdächtigungen er- scheinen gerade gut genug. Wir sind weit entfernt, diese neu- rasthenische Erregung tragisch zu nehmen, sie erinnert an das Aufzucken des Kranken, tuenn der tastende Finger des Arztes die schmerzende, vereiterte Stelle getroffen hat. Wir sind Objekte dieser gesteigerten Liebenswürdigkeit, weil wir die sofortige Reform unserer inneren Zustände als Staatsnotwendigkeit verlangen und weil wir uns erlauben, freimütig darauf hinzuweisen, dah die Rückständigkeit gewisser innerer Verfassungseinrichtungen bei uns zugleich eine schtvere Fessel unserer äußeren Politik ist. Deshalb werfen uns die„Berliner Neiiesten Nach- richten" mit einer vor Wut überschlagenden Stimme„Er- Pressertaktik" vor(das Wort dient als Ueberschrift des Artikels und kehrt im Verlauf desselben etwa ein halbes Dutzend mal wieder) und die„Post" beschuldigt uns,„Eides- Helfer Wilsons" zu sein,„in dem schmähenden Chor der Feinde jubelnd einzufallen", ja sogar„Waffenhilfe für den Feind" zu leisten. Das ist ja nun für die Zeit des Burgfriedens allerhand, und es ist nur erstaunlich, daß dieselben Blätter, die in diesem -Tone polemisieren, die Aufrechterhaltung der Zensur fordern. Wir unsererseits denken weder daran, nach der Zensur zu schreien, da wir sie grundsätzlich verwerfen, noch in demselben Stil zu erwidern. Wir stellen hier einfach fest: Zunächst gegenüber dem Vorwurf der„Erpresserpolitik": Es ist uns niemals ein- gefallen, die sofortige Neuorientierung als Partei- politische Forderung zu erheben und noch viel we- niger un'ere Pflichterfüllung gegenüber dem Vaterlande von ihrer Erfüllung abhängig zu machen. Wenn uns vor- geworfen wird, wir benutzen die Not des Vaterlandes, um parteipolitische Forderungen durchzudrücken, so weisen wir diese Verleumdung mit Verachtung zurück. Wir haben die Forde- rung der sofortigen Neuorientierung stets mit denselben Gründen erhoben, mit denen auch der Reichskanzler, namentlich in seiner Rede vom 14. März, ihre Notwendig- keit dargetan hat. Herr von Bcthmann Hollweg hat die Er- Weiterung der staatsbürgerlichen Rechte und ein größeres Maß politischen Einflusses für die große Masse der Bevölke- rung gefordert,„damit wir leben können", also im vitalen Interesse der Gesamtheit. Das ist vollkommen unsere Auffassung und wir unterscheiden uns von dem Reichskanzler nur darin, daß wir ein solches Lcbensintcresse des deutschen Volkes an der Neuorientierung nicht erst nach dem Kriege, sondern schon jetzt während des Krieges sehen. Wenn die„Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben, wir suchten„mit großer Klugheit die Drohung in ein Gewand der Mahnung und der vaterländiscyen Besorgnis zu kleiden", so ist das ein klares Geständnis, daß man auch auf jener Seite unfern Standpunkt ganz richtig erkannt hat, aber weil einem dieser Standpunkt sehr unbequem ist, uns die bona finde», den guten Glauben, absprechen möchte. Ueber derlei Dinge ist natürlich nicht zu streiten, man kann hier nur feststellen, daß es gemeinhin im politischen Leben als mangelnder Anstand angesehen wird, dem Gegner unbeweis- bare Motive unterzuschieben. Und nun zur„Waffenhilfe für den Feind". Wir führen wohl tun gerade lange genug Krieg, um zu wissen, daß ein Aussprechen dessen, was ist, keine Hilfe für den Feind bedeutet. Wohl hat es zu Anfang des Krieges Stimmen gegeben, die ängstlich jede Kritik unserer Zu- stände untersagen wollten, weil der Feind hieraus Nutzen ziehen könne. Mit der Zeit hat man aber doch eingesehen, daß Dinge, die sind, sich doch nicht verschweigen lassen, daß ein Unterlassen der Kritik nur die Reform verzögert und daher letzten Endes eine viel wirksamere Waffenhilfe für den Feind dar- stellt. Erinnert sei nur an die Lebensmittelfrage! Nicht, daß man die Lebensmittelknappheit verheimlichte, sondern daß man die Organisation des Lebensmittel- Marktes durchsetzte, hat uns gerettet. Dabei brauchte man beileibe nicht den Feinden ihre Lüge nachzubeten, daß wir vor dem Verhungern ständen, aber man mußte eben die Dinge aussprechen, wie sie waren. Und ebenso verhält es sich mit der Agitation unserer Feinde gegen das„absolutistische Deutschland". Kein Mensch, auch kein Sozialdemokrat denkt daran, die absichtlich verzerrten und verlogenen Darstellungen unserer Gegner vom deutschen Verfassungsleben zu bekräftigen. Um so nachdrücklicher aber weisen wir auf die Stellen hin, wo man dem Gegner auch den V o r w a n d seiner Agitation entziehen kann. Das ist zehnmal besser und zehnmal klüger im vaterländischen Interesse gehandelt, als die fortgesetzte Versicherung, daß bei uns alles vollkommen sei, was uns doch kein Mensch glaubt zu einer Zeit, in der selbst konser- vative Kreise die Reformbedürftigkeit des Dreiklassenwahlrechts anerkennen. Mitarbeit der Regierung 7 � Durch die Einsetzung des Verfassungsausschusies hat der Reichstag die Initiative in der Frage der Neuorientierung ergriffen, wie man denn überhaupt feststellen kann, daß die meisten Reformgesetze der letzten Jahre auf die Initiative des Reichstags zurückzuführen sind. Dennoch ist es von größter Bedeutung, wie sich die N e g i e r u n g zu den Arbeiten des Ausschusses stellen wird, da ja der Reichstag allein ver- fassungsmäßig keine gültigen Gesetze zustande bringen kann. Hieruber schreibt die„Tägliche Rundschau": Weder die Reichsleitung noch die Bundesstaaten wollen jetzt während des Krieges Verfassungsänderungen im Reiche. Trotz- dem werden sie kaum umhin können, an den Ver- Handlungen teilzunehmen. Anders, sobald der AuS- schug an die Aenderung des Wahlrechts in Preußen her- antritt. Daß der Reichskanzler und preußische Ministerpräsident für das Reich und fiir Preußen mit Entschiedenheit den Stand- Punkt vertreten werde, es handle sich um eine inner- preußische Angelegenheit, fiir die der Reichstag nicht zuständig sei, und daß er deshalb e-ne Beteiligung an solchen Verhandlungen ablehne, ist nach allem, was bisher vorgegangen ist, sehr zweifelhaft. Dagegen darf es, wie wir hören, als sicher gelten, daß die übrigen Bundesstaaten, wenigstens eine g r o ß e A n z a h l von ihnen, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus sich an Verhandlungen über eine Aenderung des preußi- schen Wahlrechts nicht beteiligen werden. .. Wenn diese Meldung zutrifft, so hält sich die Regierung einstweilen alle Wege offen. Von größter Bedeutung wäre es natürlich, wenn sie sich einer Reform des preußischen Wahl- rechts auf dem Wege der Reichsgesetzgebung ■nscht grunchsZtzNch wfderfeßk. Herr von Bekhmann liebt' ja Formulierungen, die weitgehender Auslegungsmöglich- leiten fähig sind So betonte er in seiner letzten Reichstags- rede, daß er sich„zur Stunde" von der Notwendigkeit einer sofortigen Neuorientierung nicht habe überzeugen können. Achnlich sprach der Kanzler schon einmal in einer andern Frage, um dann der Welt plötzlich zu erklären:„Die Stunde ist jetzt gekommen." Ob sich hier dieselbe Wandlung in Herrn v. Bethmann vollziehen wird? Wir wissen es nicht und jeden- falls tut man gut, einstweilen ohne zu große Hoffnung ab- zuwarten._ Aus der nattonalliberaken Häuslichkeit. Das nationalliberale„Leipziger Tageblatt" unterstützt energisch jene Bestrebungen innerhalb der nationalliberalen Partei, die eine entschieden liberale Politik nach innen hin fordern. Mit Bezug auf die Proteste des schwerindustriellen Flügels der Partei gegen die in diesem Sinn gehaltene Reichstagsrede StrescmannS schrieb das Blatt unlängst: „Nichts tut in dieser Zeit mehr not als Klarheit. Wer nach seiner ganzen Denkart nicht mehr in eine liberale Partei paßt— und die Nationalliberale Partei wird hinfort in erster Linie liberal sein müssen, oder sie wird es nicht sein—, der mag seinen Weg weiter rechts suchen und dort Anschluß gewinnen, wohin er eigentlich schon lange gehört. Eine solche unausbleibliche Scheidung der G ei st er kann unseres Erachtens nur zur inneren Gesundung und äußeren Erstarkung der Nationalliberalen Partei beilragen. Darum wünschen wir, daß das. was doch einmal' geschehen muß, bald geschehen möge!" Darüber ist der in Berlin erscheinende„Deutsche Kurier" ganz aus dem Häuschen. Er meint, daß nach Ansicht des„Leipziger Tageblatts" aus dem Namen„Naiionalliberale Partei" das Wort national ganz und gar gestrichen werden müsie, und daß die Nätionalliberale Partei, wenn es nach solchen Wünschen ginge, ihren Platz zwischen Friedrich Naumann und Wolfgang Heine einzunehmen hätte. Der„Deutsche Kurier" hatte jüngst dagegen protestiert, von den Schwerindustriellen abhängig zu sein und behauptet, innerhalb der Nationalliberalen Partei„die mittlere Linie" zu vertreten. Wie mutz da erst der rechte Flügel aus- sehen!_ Der Zeuge ans dem Ffelde. von Zeit zu Zeit servieren uns rechtsstehende Blätter„Stimmen aus dem Felde", die sich gegen eine Reform unserer politischen Zu- stände aussprechen. Wir vermerken dabei als Tatsache, daß es sich in allen uns bekannten Fällen um Personen im Offiziers- rang handelt. Jüngft im„Tag" war der Kronzeuge aus dem Felde ein Oberst und Regimentskommandeur; jetzt, in der„Kreuz- zeitung", ist es ein adliger Rittmeister bei einer Reservedivision. Nun erkennen wir natürlich Offiziere genau so gut als KriegZteil- nehmer an w'e jeden andern und verwehren ihnen auch nicht im geringsten das von uns allen zugestandene Recht der freien Mei- nungsäußcrung. Aber skeptisch stimmt eS unZ, wenn diese Herren von der„Stimmung de? Heeres" oder„im Namen der Armee" sprechen. Nach unserer persönlichen Erfahrung im Felde hat ge- rade der Offizier, mag sein Verhältnis zu den Mannschisten sonst ein noch so gutes sein, am wenigsten Gelegenheit, die politische Meinung seiner Untergebenen kennen zu lernen. Mit dem Vor- gesetzten diskutiert niemand ohne Befangenheit, und oft genug glaubt der Offizier, weil ihm aus bestimmten Gründen nicht widersprochen w'rd, irrtümlich an Zustimmung. Wenn also der Herr Rittmeister der„ftreuzzeitixng" behauptet, di« Einsetzung des VerfassungSausschusteS habe an der Front„da? größte Erstaunen verursacht", so gilt das wohl nur für die gleich- gestellten Kreise, mit denen er Gelegenheit hat. sich frei auSzu- tauschen. Wie die groß« Masse der Soldaten denkt, wissen wir persönlich und aus taufend Briefen. Vorbeigerede. In der„Deutschen Tageszeitung" wendet sich ein Herr I. Br. mit großer Heftigkeit gegen unsere Behauptung, daß die militärische Leistungsfähigkeit eine? Staates durchaus nicht an die Vorbedin- gung einer mehr oder minder absolutistischen Monarchie geknüpft sei, sondern daß auch demokratisch« Staaten militärisch Voll- w e r t i g e s leisten, daß Demokratie also durchaus nicht Schwäche nach außen hin bedeute. WaS er dagegen einwendet, ist allerdings ein im höchsten Grade konfuses Vorbeigerede. Hören wir Herrn I.Br. an: „Die französische Republik leistet Ungeheures", sagte der deutsche Demokrat, der in demokratischer Voreingenommenheit nur die Form des französischen Staatswesens vor Augen bat und nicht begreift, daß dieses Staatswesen seine Soldaten erfüllt hat mit den kriegerischen Idealen des französischen Kaisertums, ja des.»ncien regime". Der republikanische Soldat von heute kämpft unter dem Rufe„Elsaß-Loth- ringen" für die realen Ziele Ludwig? XIV., die Gloire Napoleons I. und das Prestige deS letzten Kaiserreichs. Es ist also nicht lediglich die französische Republik, die di« Höchstleistung an kriegerischer Kraft in Frankreich hervorge- bracht hat. In England siegte in Lloyd George der Kriegswille eines Mannes, der autokratischer auftritt als je ein Monarch;, und das demokratische Rußland setzt einfach die Kriegspolitik der abgelösten Regierung fort. Diese» Uebermaß an Unlogik erledigt sich wohl selber. Die Tatsache, daß die demokratischen Staaten Frankreich und England große militärische Kraft entfalten, leugnet di«„Deutsche TageS- zeituug" ebensowenig, wie daß das demokratische Rußland mili- tärisch nicht schwächer ist als das autrokratische. Der Silbcrputzer der KricgSgescllschaft. Zu dieser Notiz teilt die Kriegslcder-Aklien-Gesellscbafl mit, daß der von ihr gesuckite„Silber- Putzer" keineswegs auf die Existenz silberner Bestecke schließen läßt. Die Gesellschaft beköstige täglich etwa 700 Angestellle, für die selbstverständlich keine Silbersachen, sondern die einfachsten und billigsten Bestecke verwendet werden. Personen, di« sür die Reinigung solcher Bestecke in Frage kommen, werden in der Holelsprache allgemein .Silberputzer" genannt, obwohl es fich auch in den Hotels regel- mäßig nicht um filberne Bestecke bandelt. Lekte Nachrichten. Lohnforderung der Bauanschläger. Die Bauanschläger hatten eine Zulage von SO Prozent auf ihren Tarif gefordert, einschließlich der schon früher bewilligten Zu- läge von 20 Prozent. Die Arbeitgeber erklärten, die Forderung gehe zu weit, sie könnten nur im ganzen 3S Prozent gewähren. Darauf ermäßigten die Arbeiter ihre Forderung auf 40 Prozent, die von jetzt bis zum 1. Juli gezahlt werden sollten unter der Voraus- setzung, daß über eine weitere Lohnerhöhung nach dem 1. Juli ver- handelt werde. Dieser Beschluß ist den Unternehmern übermittelt mit dem Ersuchen, oen Bauamchlägern bis zum Donnerstag, den 5. April. Bescheid zu geben, ob diese Forderung bewilligt werde. Bis zu der am gestrigen Donnerstag abgehaltenen Versammlung der Baucmschläger war noch kein Bescheid eingegangen. Die Ver- sainmlung nahm deshalb an, daß die Unternehmer die Forderung nicht bewilligen wollen. Da der Tarif seit dem 1, April abgelaufen und den Arbeitern badvrch balle Bewegungsfreiheit gegeben ist, so beschloß die Versammlung, daß auf allen Arbeitsstellen im Falle der Ablehnung einer Lohnzulage von 40 Prozent die Arbeit niedergelegt wird. Kriegsfteuern unS Kriegskreöite in Amerika. Amsterdam, S. April.(W. T. 33.)„Daily Telegraph" meldet aus Washington, daß demokratische Führer des Repräsentantenhauses die Ausschreibung von neuen Steuern und Kriegskrediten im Betrage von 3vW Millionen Dollar vor Ende dieses Jahres erwarten. Wahrscheinlich werden die Einfuhrzölle stufen- weiseerhöht und eine höhereEinkommensteuer eingeführt werden. Der durch Kriegslieferungen für die amerikanische Regierung und die Alliierten erzielte Gewinn wird begrenzt werden. Vermutlich werden Frankreich und Rußland sofort durch Uebernahme von Obligationen im Betrage von je 500 Millionen Dollar unterstützt werden, und außerdem dürfte Frankreich ein beträchtliches Geld- geschenk angeboten werden. Reuter meldet aus Washington, daß bei der Debatte über die Resolution der Regierung die Senatoren Vcrdaman, Stone, Norris und Mc. Cumber sich gegen die Kriegserklärung aussprachen, aber hinzufügten, daß sie im Falle eines Krieges die Regierung unterstützen würden. Wilsons Kriegspolitik. London, 5. April. Ueber die Kriegspolitik Wilson? will der New 5 lorker Korrespondent des„Daily Chronicle" folgendes erfahre» aben: Der Präsident wird sobald wie möglich einen Entwurf über die allgemeine Wehrpflicht in allen Staaten der Union ein- reichen. Der Entwurf ist vom Finanzministerium bereits fertig ausgearbeitet. An der Blockade wird Amerika mit seiner Flotte nicht teilnehmen. Tie Ausübung der Sperre wird der Füh. rung Englands nach wie vor überlassen bleiben. Die Union wird sich darauf beschränken, Sorge zu tragen, daß keinerlei Ver- schiffungen nach Häfen der Mittelmächte stattfinden können. Als Entgelt verlangt Amerika seinerseits eine Aenderung der bisher befolgten Politik der„S ch w a r z e n L i st e n". Wilson wünscht die? etwas kindliche System verschwinden zu sehen und for- dert neue Regelung, insbesondere Berücksichtigung deS amerikanischen Handels. Ein unmittelbarer Transport von Truppen nach der Front wird nicht erfolgen. Lugano, 5. April.(T. U.) Nach einer Kabelineldung aus Washington wurde im Verlauf der Senatssitzung eine Einigung dn- hin erzielt, daß er st nach Ablauf eines Jahres, falls bis dahin Teutschland noch nicht definitiv geschlagen sei, die Sendung eines größeren amerikanischen Heeres nach dem europäischen KricgSsckxniplatze in die Wagschale geworfen werden solle. Hingegen werde Amerika den Alliierten alles notwen- dige Material liefern und Geld zu 3 Proz. Zinsen leihen. Rückkelir verschickter Tumaabgeordnetrr. Amsterdam, 5. April. Wie dem„Handclöblad" au» Petersburg gemeldet wird, sind die sozialistischen Mitglieder der zweiten Duma, welche seinerzeit in die Verbannung gc° schickt worden waren und zehnJahreinSibirienzu- gebracht hatten, gestern in Petersburg wieder an- gekommen. Sic wurden auf feierlichste Weise von den Ar- britcrabgcordncten empfangen. Zln der Spitze dieser Gruppe von fünf früheren Dnmamitglicdrrn befand sich der ehemalige Tumaabgcordnrte Z e r c t c l l i. In seiner Rede empfahl er der russischen Demokratie, sich vollständig auf die Seite der vorläufigen Regierung zu stellen. Tie Revolutionicrung des russischen Heeres. Lugano, 5. April. Der„Avanti" berichtet, daß schon seit dm Jahre 1015 in der russischen Nordarmee eine sozialistisch-revo- lutionärc Militärpartci bestand, die heimlich die revolutionäre Zeit- schrift„Militärischer Bote" druckte und verbreitete. Die Nnzu- fricdcnhcit sei bei den Gardcregimentern und den Kronstadter Truppen besonders stark gewesen und habe langsam um sich gegrif- fcn. General Alrrejew sei von den Soldaten direkt grzwungcu worden, die Bildung von Soldatenkomitccs zu gestatten, welche die Front bereisten, um mit den Truppen über dir künftigen Reformen innerhalb der Armee zu beraten. Zuerst verlangten die Soldeten sogar, daß Offiziere nicht in die Komitees gewählt werden fiillen, schließlich aber gaben sie nach, nachdem alle zarcntreuen Ossi-iere verhaftet worden waren. Miljukows Hoffnungen. Haag, 5. April. Ter Korrespondent deS„Telegraaf" baite eine Unterredung mit Miljukow, in der dieser u. a. sagte, daß der Arbeitrrausschuß ein Manifest erlassen habe, das sich direkt gegen den Annexionskrieg wendet. Miljukow sehte hinzu, daß eine sehr kleine Minderheit in Frankreich und England dieselbe Auffassung zum Ausdruck gebracht habe. Es müsse jedoch bemerkt werden, daß der Arbeiterausschuß in dem gleichen Manifest erklärt, Rußland müsse sich bis zum letzten Blutstropfen v e r t e i- digen, wenn es angegriffen werde. Diese ErNärung gebe selbst den Anhängern der Internationale den Beweis, daß es ihre heilige Pflicht sei, das Batcrlaiid zu verteidigen. Ueber Rumänien sagte Miljukow: Wir wissen, wieviel an der rumänischen Front dringend getan werden müßte. Die ganze Lage sei auf Transportfchwierigkcitcn zurückzuführen, die von der alten Regierung Rußlands durchaus vernachlässigt worden seien. Miljukow behauptete, die wahre Lage an der rumänischen Front ge- nau zu kennen, da er täglich Berichte erhalte. Er bitte deshalb, nur etwas Geduld zu haben und ihm dir nötige Zeit zu geben, die Or- ganisation zu ordnen. Das rumänische Bolk werde von dem demo- kratischcn Rußland nicht im Stich gelassen werden.(»Frkf. Ztg.") Die Unterzeichner des spanischen ArbritcrmanifesteS. Bern, 5, April.„Temps" meldet aus Madrid: Die Regie- rung habe alle verhafteten Unterzeichner des Arbcitermanifcstcs wieder freigelassen._ Erhöhung des Dienstalters in England? Amsterdam, 5. April.„Algemcen Handelsblad" meldet aus London, daß durchgreifende Maßregeln geplant wurden, um die erforderlichen 500000 Mann sür die Armee zu erhalten. Unter anderem beabsichtigt man, das Dienst- alterauf45Jahrezn erhöhen. Weiter meldet das- selbe Blatt, die englische Regierung hat beschlossen, alle Lebensmittel unter Kontrolle zu nehmen. Sie werde einen für das ganze Land geltenden Einheitspreis für Brot festsetzen und die Bäckereien zwingen, das volle fest- gesetzte Gewicht abzugeben. Ter Kohlcnmangel in Frankreich. B c r n, 5. April.„Temps" meldet, daß die großen Wäsche. r e i e n in A u t c u i l bei Paris infolge Kohlenmangels den Br- trieb am 15. April einstellen müssen, wodurch 25 000 bis 30 000 Arbeiterinnen brotlos werden. Selbstmord der Gattin Stürmers. Basel, 5. April. HavaS berichtet aus Petersburg: Die Gattin des früheren Ministerpräsidenten Stürmer verübte Selbstmord. Sie stand im fiö. Lebensjahr.(»Frkf. Ztg.".) GewerkschBsbewVUW Verlin und Umgegend. Aus dem Kriegsausschuft für Groft-Berliu. 86 SMosier der Firma Slb.-M. fordern niehr Lohn Die Firma Halle vom 5. Märjl ob 5 Pro� und vom L.April ab meune 5 ihroA. jluaesianden. Nack längeren Verhandlunclen crklärie siäi die Firma beieit. ab 5. Märj? bereils 10 Pro�. Fnlchlag Mb lern Die ildon im früheren Bericbr erwähnle Differenz in der Feilen- bauerei von M. in Pankow stand nochmals zur Verhandlung. Ve- kannllich war hier vom Kriegsausschuff beschlossen, die Behörde zu ersuchen, zu den Verbandlungen einen Verireier zu entsenden, da die Firma die Lohnforderung der Fcilenhaner zwar anei kannte. aber darauf vertviesen halte, daß sie mit Rücksicht ans die niedrigen Preise, die sie serbst von der Behörde für die Aufträge bekommt nicht in der Lage wäre, mehr Lohn zahlen zu können. Ein Vertreter der Behörde war nicht erschienen. Es wird be- schloffen, nochmals an die Behörde heranznlreien, um zu einer Verständigung in dieser Frage zu kommen. Sollte dem nicht auf schnellstem Wege nachgekommen werden, so ist der Kriegsausichnß genötigt, den Feilenbauern dadurch die Möglichkeit ausreichenden Verdienstes zu geben, daß er ihnen den Abkebrtchein zuspricht. Von der Firma St. erscheinen eine Anzahl Monteure und wollen Lohnzulage und Erhöbung ihrer Montagezulage. Nach längerer Beratung erfolgt eine Verständigung auf der Grundlage, daß der Stundenlohn um 20 Pf. erhöht und die Montage von 6 auf 8 M. festgesetzt wird Eine besonders kraffe Benachteiligung eines Arbeiters kam bei der Firma H. u Co., Grüner Weg, vor. Der Werkzeugmacher F. war von der Firma reklamiert und bekam 1.40 M. Stundenlohn. Da dem Werkzeuginacher dies zu wenig war, forderte er eine Zu- läge von 10 Pf. Die Firnia lehnte es ab und bemerkte dazu,»Sie sind leklamierl, Sie werden schon die Konsequenzen ziehen müssen". I. ging zur Beschwerdestelle des Kriegsausschusses, wo ihm bedeutet wurde, daß er bis zur Entscheidung des Kriegsausschusses weiter- arbeiten müffe. Als I. zum Betrieb zurück kam, erklärte der Firmeninbaber, daß er und lein Kollege, der in der gleichen Situation war. nicht weiter arbeiten sollte und gab ihnen den KnegSschein. Zugleich wandle sich die Firma an die Heeres- Verwaltung mit folgendem Schreiben: »An das st eilvertretende Generalkommando III. Armeekorps. In unserem Betriebe hat sich der Kraftfahrer I.. geb.... wohnhaft.... für welchen unsererseits ein Reklamatiönsgesuch eingegeben ist, auf wühlerische Weise mit allen Mitteln bemüht. unsere Leute au'zubetzen, um die von uns reichlich bemessenen Löhne aus unbezahlbare Höhe zu bringen. Wir teilen hierdurch dem Königl. Generalkommando mit, daß wir den Mann nicht mehr beschäftigen können und bitten, seine Einziehung zum Waffendienst veranlassen zu wollen. Ergebenst gez. H. u. Co." Da? stellvertretende Generalkommando hat am nächsten Tage ein weiteres Schreiben von der Firma erhalten, worin sie nochmals ersucht, F. zum Waffendienst einzuziehen. Es wurden noch einige weitere Schreiben gewechselt. Schließlich wurde der Fall von der Behörde dem Kriegsaus schütz zur Prü- fung zugewiesen Im Kriegsausschuß wurde fest- gestellt, daß bei Werkzeu gm acher I. sich durchaus in den ihm gezogenen Grenzen bewegt hat, was man von d e r F t r m a nicht sagen kann. Es ist deshalb an die Militärbehölde als Resultat der Untersuchung folgendes Schieiben gerichtet worden: »Urschriftlich dem Bezirkskommando HI Berlin Berlin-Schöneberg niit 5 Anlagen zurück mit dem ergebenen Bemerken, daß der Kriegsausschuß in seiner Sitzung a>n 29. d. M. festgestellt hat. daß der Werkzeugmacher I von der Firma H. u. Co. ordnungsmäßig mit Abkehrschein entlassen wurde, und daß seine Forderungen, die zu Differenzen geführt haben, keineswegs unan- gemessene waren. Zu der von der Firma beliebten Schreibweise lag nach den Feststellungen deS Kliegsausschusses keine Veranlassung vor. Es wird Belassung des Werkzeugmachers I. bei der Firma B, M. I..., wo er mit dringenden Heeresarbeiten seit dem 9. 2. 1917 be- schäftigt ist, befürwortet. Eine Reklamation für den Werkzeug- macher I. hat genannte Firma am 23. v. M. bei dem stellvertretenden Generalkommando. IQ. Armeekorps, Fabrikenabteilung, Berlin W. 10, Lützowufer 13, eingereicht." Kriegsausich utz für die Metallbetriebe Groß-BerlinS. Das ist einer der krassesten Fälle, die dem Kriegsausschuß zur Ptiliung vorgelegen habe». Es darf wohl erwartet werden, daß, da der Werkzeugmacher I. zurzeit in einem mindestens ebenso wich- tigcn Betriebe wie die Firma H. beschäftigt wird, von der Militär- bebörde keine Veranlassung genommen wird, gegen I. etwas zu unternehmen. Es liegt auch ein grober Mißbrauch der Firma inso- fern vor. als sie versuchte, die Militärbehörde zu einer Handlung zu veranlassen, die wohl im Interesse der Firma, aber in keiner Weise im militärischen Interesse lag. Es wäre doch eigentlich nötig, in solchem Fall auch einmal gegen die Firma vorzugehen, die versucht, dergleichen groben Mißbrauch zu treiben. Von der Firma W u. S. ericheint der Klempner M. und will einen Abkehrschein wegen zu wenig Lohn. M. verdient 1.33 M. die Stunde. Da M. zurzeit noch einen Akkord in Arbeil bat, wird ihm aufgegeben, seinen Akkord zunächst fertigzustellen. Wenn bis Be- endigung des Akkords eine Verständigung zwischen dem Klempner und der Fiima nicht erzielt ist, wonach ihm ei» Verdienst von min- bestens 1,60 M. werden muß, soll der Klempner wieder zum Kriegs- ausschuß kommen. Von der Firma B. in R. verlangen eine Anzahl Einrichter und Werkzeugmacher mehr Verdienst. Der gegenwärtig nur 140 M. betragende Verdienst wird als nicht angemessen bezeichnet und nach längerer Verhandlung verabredet, daß iosori eine Verdiensterhöhung von 15 Pf. eintritt und nach 4 Wochen weitere 15 Pf. Tie Notlage der städtischen Bureanangcstellten. Ueber dieses Thema sprach am 3. April in einer vom Verband der Bureauangestellten einberufenen, sehr zahlreich besuchten Ver- sammlung der städtischen Bureauangestcllten der Verbandsvor- sitzende, Reichstagsabgeordneter Giebel. Er führte aus, daß die städtischen Bureauangestellten die niedrigsten Gehälter aller Bureauangestelltenkategorien haben. Bei den Berliner Gaswerken gilt heute noch für verheiratete männliche Angestellte mit kauf- männischer Vorbildung ein Anfangsgehalt von 112 M. monatlich, das in elf Jahren auf 140 M. steigt. Bei den Wasserwerken ist die Bezahlung ähnlich. Bei den Elektrizitätswerken beginnen Bureau- gehilfen, Kontoristen, Rechnungsbeamte usw. mit 75 M. monatlich und steigen von zwei zu zwei Jahren um 10 M. Das große Heer der gegen Tagesdiäten beschäftigten Bureauhilfsarbeiter erhält 4— 6 M. täglich, und zwar immer noch zum größten Teil den niedrigsten Satz. Die weiblichen Angestellten, die zum überwiegen- den Teil als Kontoristinnen, Buchhalterinnen, Stenotypistinnen ausgebildet sind und praktisch arbeiten, erhalten Gehälter von 70 bis 80 M. monatlich, die alle zwei Jahre um 5— 10 M. steigen. Bei den Gaswerken z. B. steigen die Kontoristinnen in acht Jahren von 80 auf 100 M. Die große Mehrzahl der männlichen und weib- lichen Angestellten und Hilfsarbeiter befindet sich in den niedrigsten Gehaltsstufen. Bei diesen Gehältern sind die bisher bewilligten Teuerungszulagen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Stellenwechsel ist in keinem Betriebe Groß-Bcrlins so groß wie iu itädtilchen Bureaus. Die Not und die Unzufriedenheit der städfischen Bureauangestellten ist auf das höchste gestiegen. Mrk- same Abhilfe ist dringend notwendig. Im Anschluß an den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde ngch kurzer Debatte einstimmig eine Entschließung angenommen, in der eine allgemeine Ausbesserung der Gehälter um 60 M für die männlichen und 40 M. für die weiblichen An- gestellten verlangt wird. Ter Verband der Bureauangestellten wurde beauftragt, diese Forderungen dem Magistrat zu unter- breiten und im Falle der Ablehnung den auf Grund des Hilfs- dienstgesetzes errichteten Schlichiungsausschuß anzurufen. Tie Blilitärsnttler beübänigten sich in ihrer Branckienverkamm- limg am Muiwocki mit einem Antrage, der schon in einer früberen Versammlung aesiellt und besprochen worden war. Der von einem Mitgliede gestellte Antrag verlangt, daß die Versammlungen der Mititäriaitler nicht mehr im„Vorwärts" angezeigt werden, auch solle dabin gewirkt werden, daß das gleiche für alle Versammlungen der Verwaltungsstelle geschehe.— Nach einer langen Diskussion wurde der Anirag angenommen. Ein großer Teil der Versammlungs- beiucher stimmte nichi mit. Es erscheint demnach zweiielhaft, ob die Mebrheil der Abstimmenden, die dem Antrage zur Annahme verhalt, auch die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer war. Ein anderer Anirag bezog sich auf die Lebensmittel- Verteilung. Er beauftragt die Ortsverwattung. beim Kriegs- amt und beim KriegsernährungSaml wegen der Verteilung der Lebensmittel vorstellig zn werden. In der Diskussion tam volles Einverständnis über die Tendenz des Antrages zum Ausdruck und die durch ihn vertretene Forderung wurde allgemein gebilligt. Nachdem aber ein Vorstandsmitglied ausgeführt hatte, daß die Absicht des Antragstellers anzuerkennen sei, die Annahme des Antrages aber unter den gegebenen Verhält- nissen keine praktische Folge haben werde, wurde der Antrag zurück- gezogen._ Streitiges Versprechen einer Lohnzulage. Die Arbeiter der Firma Krusch G. m. b. H. erhielten für das Nieten von Armee-Fernsprecherfutteralen einen Akkordsatz, der ihnen zu niedrig erschien. Die Arbeiter beauftragten drei ihrer Kollegen, mit dem Geschäftsführer Kru'ch wegen Eihöhung des Lohnes aui den doppelten Beirag zu sprechen. Die Beauftragten kamen zurück mit dem Bescheid, Herr Krusch habe die Forderung glatt bewilligt und bemerkt, er sehe ein, daß dieselbe berechtigt sei. Am anderen Tage erklärte Herr Krusch den Arbeitern, er könne die Zulage nicht gewähren, weil andere Fabrikanten auch nicht mehr zahlen als den zuerst festgesetzten Lohn. Doch soll Krusch nach Ueberzeugung der Arbeiter bei dieser Gelegenheit gesagt haben, für dle laufende Woche zahle er den erhöhten Lohn. Am Lohntage bekamen die Nieter aber nur den niedrigeren Satz ausgezahlt. Sie klagten deshalb beim Gewerbegericht aus Nachzahlung der Zulage. Im Termin versicherte der Geschäftsführer Krusch, er habe der Arbeiterdepulalion gegenüber kein bestimmtes Versprechen gegeben, sondern nur gesagt, er wolle sich bei den anderen Fabrikanten erkundigen, wenn diese höhere Löhne zahlen, werde er es auch lun. Seine Umfrage habe dann ergeben, daß in den anderen Fabriken dericlbe niedrige Satz gezahlt wurde, den er zahlte. Darauf habe er dann erklärt, daß er die geforderte Zulage nicht bewillige. Er habe auch nicht gesagt, daß er die Zulage für die laufende Woche zahlen wolle. Das Gericht schob dem Beklagten Krusch den Eid über seine Angabe zu. Krusch erklärte sich zur Eidesleistung bereit. Andererseits blieben die drei Arbeiterdepulierten bei ihrer bestimmten Angabe, daß Krusch ihnen die Zulage ohne Vorbehalt bewilligt habe. Dieser Auffassung war auch der als Zeuge ver- nommene Werlmeister, der bei der Unterredung der Deputation mit Krusch zugegen war.— Schließlich schob Krusch den ihm auferlegten Eid den Klägern zu. Die drei Deputierten leisteten den Eid. Daraus erkannte Kruich die Forderung der neun Kläger— insgesamt 56 M.— an und wurde zur Zahlung verurteilt. Um die Feiertagsruhe im Friseurgewerbe kämpft die organisierte Gehilsenschafr seit 15 Jahren. Fast aller- orts. insbesondere in allen Großstädten, mit einigen wenigen Ausnahmen, wurde denn auch erreicht, daß die Geschäfte an den drei zweiten Feiertagen geschlossen bleiben. In Berlin ist die Durchführung dieser Forderung auf gesetzlicher Grundlage noch immer nicht möglich gewesen, weil die Innungen versagen. Dennoch bat diese Regelung in Groß-Berlin bereits großen Anklang gesunden, so daß ohne Rücksicht aus die Konkurrenz ein ganzer Teil der Meister geschlossen hält. Auch einzelne Innungen wie die Zwangsinnung in Neukölln haben die Feiertagsruhe be- schlössen. Um nun die Anhänger dieser Reform nicht zu schädigen und thren Gegnern keinen Gewinn daraus erwachsen zu lassen, richtet die Gehilfenorganisalron wiederum die dringende Bitte an die Kundschaft, den FriseurgcschSften am Ostcr- montag fern zu bleiben._ Industrie und Handel. Die Kriegsanleihe und der deutsche Arbeiter. Ter Arbeiter, der seinen Lohn oft recht sauer verdienen muß, rechnet noch mehr mit jeder kleinen Steigerung seines Einkommens als der Wohlhabende. Wenn nun ein Arbeiter in der Lage ist, Geld anlegen zu können und bei anderen Anlagen im gün- stigsten Falle 4 Proz. Zinsen erhält, dagegen bei der Kriegsanleihe 5 Proz., so weiß er ganz genau, oaß dieses Mehr ein müheloser Gewinn ist, der ihm durch das Kriegsgcschick in den Schoß fällt. Und der gewerkschaftlich organisierte Arbeiter im besonderen, der billigt, daß seine parlamentarischen Vertreter gerade im Interesse des Schutzes der sozialen und wirtschaftlichen Güter der deutschen Arbeiterschaft vor dem Vernichtungswillen unserer Feinde dem Lande die Kriegskredite bewilligen, sieht des Vaterlandes Zukunft als gesichert an. wenn das Volk hinter der Front zusammenstcht mit den Kämpfern im Feindesland. So kann der deutsche Arbeiter, der rn der Lage ist Geld anlegen zu können, sagen: Was ich gebe zur Kriegs- anleihe, das kommt mir in dreifacher Weise zugute: ich unterstütze die auch für mich kämpfenden Brüder in Heer und Flotte, schütze meine künftigen wirtschaftlichen und sozialen Interessen und erhöhe mein Einkommen. Buttersammelstellen in Preußen. Die in preußischen Landkreisen bestehende Zahl der Butter- sammel stellen beträgt über 18 000. Die meisten Provinzen haben deren jede 1500 Sammelstellen und darüber. So zählt Ost- Preußen mit 150 neu einzurichtenden Sammelstellen über 1700, Hannover und Posen bereits über 2000 und Schlesien annähernd 3000. Neben dem Sammeln von Butter haben diese Stellen viel- fach auch noch die Aufgabe des Milch- und Eiersammelns. Eier- sammel st eilen wurden insgesamt über 9000 gezählt. ES be- fassen sich also über die Hälfte der Buttersammelstellen gleichzeitig auch mit Ser Eiersammlung. Hiermit ist aber die Organisation der Eiererfassung in Preußen bei weitem noch nicht erschöpft. Die Hauptätigkeit liegt vielmehr— und zwar unabhängig von Butter- und Milchsammlung— bei den Sondereinrichtungen Im Perlauf der bisherigen Erhebung wurden unter der Hand über 1000� besondere Sammelstellen für Eier ermittelt und annähernd weitere 1400 sollen demnächst eingerichtet werden. Die Zahl dürfte sich aber infolge der am 23. Februar d. I. vom preußischen Landesamt für Nährmittel und Eier ergangenen Anordnung noch weiterhin bedeutend erhöhen, wenngleich dem freien Aufkaufsystem, wo dieses sich bewährt, weitgehend Rechnung getragen werden soll. Die exotischen Arbeiter in der französischen Kriegsindustrie. Wie sehr die Beschäftigung fremdrassiger Arbeiter in franzö- fischen Wirtschaftsbetrieben zugenommen hat, geht aus einigen Mittiilunaen hervor. der MumtionSminister Albert Tho- maS am SS. Februar m der KainmerM>atte über die schleunige Beurlaubung zweier Jahrgänge landwirtschaftlich tätrger Personen vom Heeresdienst gemacht hat. Thomas sagte:„In der Pulver- fabrikation sind 50 v. H. der Beschäftigten französische Arbeiter, der Rest besteht aus Kolonialen. Eingeborenen und Ausländern. In anderen Werkstätten sind 2700 Franzofen und 4000 Koloniale beschäftigt."— Da man jetzt auch noch aus diesen Werkstätten die Bauern und Landarbeiter herausgezogen hat, wird der Verhältnis- satz der fremden Arbeiter wohl noch bedeutend gestiegen sein. Man kann sich also die Besorgnis vorstellen, womit die organisierten Arbeiter Frankreichs in die Zukunft blicken. Soziales. Vom Strafgesetz gegen das Gesinde und die ländlichen Arbeiter. (Hofgänger und ihnen gleichstehende Personen fallen nicht unter da» Ausnahmegesetz vom 24. April 1854.) Nach dem Gesetz vom 24. April 1854, betreffend die Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter, wird auf Antrag des Dienstherrn solches Gesinde bestraft, welches hart- näckigcn Ungehorsam oder Widerspenstigkeit gegen die Befehle der Dienstherrschaft oder der zu seiner Aussicht bestimmten Personen sich zuschulden kommen läßt, oder ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagt oder verläßt. Dasselbe gilt nach§ 2 für das Ver- hältnis zwischen dem Besitzer eines Landgutes oder einer anderen Acker- oder Forstwirtschaft, sowie den von ihm zur Aufsicht über die Wirtschaftsarbeiteu bestellten Personen und solchen Dienstleulen� welche gegen Gewährung einer Wohnung in den ihm gehörigen odc� aus dem Gute befindlichen Gebäuden und gegen einen im Voraus bestimmten Lohn behufs der Bewirtschaftung angenommen sind (Jnstlcute, herrschaftliche Tagelöhner, Einlieger, Kathenleute und dergleichen). Wegen �Uebertretung dieser Bestimmungen hatte die Straf- kammer in Stralsund den sugendlichcn Untermelker Reiter zu einer Geldstrafe verurteilt. Ter Vater des Angeklagten hat auf einem Gute als Obcrmelker eine Wohnung. Er hatte einen Untermelker zu stellen, dem auch das Hüten der Kühe oblag. Als solchen beschäf- tigte er seinen Sohn. Tie Versicherungsbeiträge zahlte der Guts- Herr, mit dem der Vater allein zu verrechnen hatte. Eines Tages hatte sich nun der junge Untermelkcr, nachdem er die Kühe nur in? Freie gebracht hatte, zurückbegeben, um in der Waschküche eine Zi- garettc zu rauchen. Inzwischen waren die Kühe auf ein frisches Kleefeld gelaufen, wo sie nicht weiden sollten. Tie Strafkammer nahm ein Dienstvergehen im Sinne des Gesetzes von 1854 an, wobei sie berücksichtigte, daß der Angeklagte schon einmal verwarnt worden ist. Im übrigen führte sie aus: Tie Stellung des Angeklagten komme der eines Hosgängers, eines Tienstverpslichteten gleich. Hof- gänger gehörten aber zum Gesinde des Diensthcrrn. Deshalb solle der Angeklagte unter das Gesetz von 1854 und der Gutsherr hätte gegen ihn Strafantrag stellen können. Das K a m m c r g e r i ch t als Revisionsinstanz hob das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Ent- scheidung an das Landgericht zurück, indem es aussührte: Richtig sei, daß sich der Untermelkcr im gleichen Verhältnis zum Gutsherrn befinde, wie ein Hofgänger. Es sei aber nicht richtig, daß der Hofgänger zum Gesinde des Gutsherrn gehöre. Er stehe in keinem Vcrtragsverhältnis zum Dienftherrn, sondern nur in einem solchen zu demjenigen, der ihn angenommen habe. Tasstlbc treffe auf den angeklagten Untermelkcr zu, der nur zu seinem Vater im Vcrtragsverhältnis stehe. Der Angeklagte sei somit kein Gesinde des Diensthcrrn. Er gehöre aber auch n i ch t zu den Personen, die der 8 2 des Gesetzes aufführe. Eine Anwendung des Gesetzes vom 24. April 1854 sei hier demnach ausgeschlossen. Es könne aber nicht auf Freisprechung erkannt werden, da fest- stehe, daß der Angeklagie seine Herde ohne Aussicht gelassen habe. ES bestehe deshalb die Möglichkeit einer Bestrafung aus 8 12 des Feld- und Forst-Polizeigesctzes, wonach mit Geldstrafe bis zu 10 Mark der Hirt bestrast werde, welcher das ihm anvertraute Vieh ohne Aussicht lasse. Aus diesem Grunde sei die Sache an das Land» gericht zurückzuverweisen._ Vor welches Gericht gehören Lohnstrcitigkcitcn, die mit dem Abkehrschein zusammenhängen? Aus der Durchführung des HilfSdienstgesctzes können in einer ganzen Reihe von Fällen Schadenersatzansprüche für den Arbeite: erwachsen, z. B. wenn ihm zu unrecht der Abkehrschein verweigert wird, wenn er ohne Lohnzahlung„aussetzen" soll usw. Vor welchem Gericht sind solche Streitfälle zur Erledigung zu bringen? Es ist bezeichnend für den Stand unseres Arbeircrrcchts, daß über diese wichtige Frage schon wieder weitgehende Meinungsverschiedenheiten bestehen. Während die Gewerbegerichtc Berlin, Leipzig, Mannheim usw., der Verband der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte und dessen Monatsschrift sowie viele angesehene Juristen auf dem Standpunkt stehen, daß für die Streitfälle, die z. B. wegen der Verweigerung des Abkchrscheins entstehen, die Gewerbe- und Kanfmannsgerichle zuständig sind(natürlich soweit es sich um die von diesen erfaßten Personen handelt), nehmen die Gewerbegerichte Hamburg, Halle a. S. und andere einen ablehnenden Standpunkt ein. Diese sagen, daß der Abkchrschcin eine Einrichtung für sehr viele Personen sei, die mit dem Gewerbegericht gar nichts zu tun hätten und die deshalb das Gewerbegericht auch nicht anrufen könnten. Ter Ab- kchrschein greife in den gewerblichen Arbeitsvertrag als solcben nicht ein, die Rechtsquelle des Abkehrschcins sei das Hilfsdicustgesetz, mit diesem habe aber das Gcwcrbegerichi nichts zu tun, sondern nur mit Streitfragen, die aus der Durchführung der Gewerbeordnung sich ergeben. Zuständig für solche Streitfälle sei das Amtsgericht. Diese Auffassung muß als unzutreffend bezeichnet werden. Die Gewerbegerichte sind nicht nur für Streitfälle vorhanden, die aus der Gewerbeordnung fliehen, sondern nach den Bestimmungen des Gewerbegerrchtsgesctzes für alle Streitfälle über die Leistung aus dem Arbeitsverhältnis. Tie Urteile führen auch auf ganz schiefe Bahn. Mit dem Hilfsdienstgesetz können so viel verwickelte Streit- fälle zusammenhängen, daß es gar nicht möglich ist, eine Trennung dieser Fälle von den anderen vorzunehmen. Tie Auffassung der Gc. Werbegerichte Hamburg. Halle a, S. usw. bedeuten auch eine große Schädigung der Hilfsdienstpflichtigen. ES ist doch allqemcin bekannt, daß die Amtsgerichte viel kosss'pieliger und schwcrwlliqer arbeiten als die Gewerbe- und Kcrufmannsgcrichte. Die Erfahrung in der Rechtsprechung zum Arbeitsvertrag bat gelehrt, daß die für die Ar- heiter ungünstigen Urteile sehr schnell Nachahmung finden. Das ist auch hier zu befürchten. Es ist daher damit zu� rechnen, daß bald viel«, wenn nicht alle Gewerbegerickte sich auf den ablehnenden Standpunkt stellen. Dem muß abgeholfen werden. Das 5tr!egsamt beschäftigte sich ohnehin vor einigen Wochen mit der Frage des Schadenersatzes für Arbeiter aus der Durch- führung des Hilfsdicnstgesetzcs, Es stellte sich z. B. auf den Stand- Punkt, daß die Bauarbeiter auch bei„Aussetzen" wegen Frostes An- spruch auf Fortzahlung des Lohnes haben. Nur darüber, wer die Entschädigung zahle, der Staat oder die Arbeitgeber, herrschte noch Meinungsverschiedenheit. Das Kriegsamt übergab die Sache dem Ministerium, das seinerseits wieder einen Regierungsrat mit der Bearbeitung der Frage beauftragte. Tie Sache ist aber inzwischen nicht vom Fleck gekommen. Eswäregut, wenninderhier- über zu erwartenden BundeSratsverordnung auch gleich die von uns oben berührte Streitfrage geregelt und angeordnet würde, daß für die Festsetzung irgend- welcher Schadenersatzansprüche im einzelnen Falle die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zuständig sind. Verantwortlich sür Politik: Hermann Müller. Tempelbol: lür den üb w Teil d. Blattes Alfred Zcholz, Neukölln! für Inserate: rb. Glocke. Serlin Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanitall Paul Singer& To Berlin SW. Hier»» 1 Bella,« an» Unterhaltnagsdl««. Nr. HS ♦ 34. Iahegavg Seilage öes vorwärts 5re!iag,H.�prUlHl7 Parteinachrichten. tSastav Ttcvgelc grstvrbrn. Hsv�btirg cdjcütat wir von der Redaktwu bcä„§auu Iiiixgrr irdfeü" die erschütternde Kunde, daß Eujtav«tengelc au: ä�onnerdtag nachuuttag zwei Uhr einem Herzschlag erlogen ist, uachdcm er in der Nacht zum TienÄag schwer crtranlt war. Stengel, der am 1. Februar 1&61 in Berwangcn in Baden geboren war, war ursprünglich Schriftsetzer. In jungen Jahren schloß er sich bereits der sozialdemokratischen Bewegung an. Als er unter anderem alt! Schriftsetzer im Verlag de» Segcbcrgcr Krcisblatt» artvitete und diese» Blatt auch uebcntxi redigierte, benutzte er die Lselqgcnhcit, um Artikel au» dem Züricher„Sozialdemotrat" im.Kreisblatt unterzubringen. Arn l. Oktober 1887 trat er in die Redaktion des„Hamburger Echo" ein, der er also fast 30 Jahre angehörte. Als Redakteur erlitt Stenyel-e auch mehrfach längere Frcihcitsstrascn. darunter zweimal solche von je sechs Monaten. Stengelc hat in diesen drei Jahrzehnte» seine ganze Kraft dem „Hamburger Echo" gewidmet. Rieht nur als zielsicherer Vorkämpfer des Hamburger Proletariats, sondern auch als glänzender Sa- tiriker. Als solcher übernahm er als Nachfolger A u d o r f S daL Amt de» ZLochenplauderer» und ergötzte die Hamburger Arbeiter- schajt tu gebundener und ungebundener Rede alltiBchentlich mit seiner beißenden Satire. Wenn da»„Hamburger Echo" während des Ärisgc» eine» der lebeudigsren und am besten informierten Blätter der dcmscheu sozialdemokratischen Partei sein konnte, so verdanü: es das nick>t zuletzt der hingebenden Arbeit Gustav Stcn- gel es. Bei dieser Arbeit kamen ihm vor allem seine Kenntnisse der englischen, franzvfischen und italienischen Sprache zugute, dir es ihm ermöglichten, die Blätter dieser Länder in: Original zu stu- bieren, was zur Folge hatte, daß die Hamburger Arbeiter eine, schuclk, wahrheitsgemäße Jnsormation über die Vorgänge im Aus- lond und über die Verhältriiffe in den ausländische,: sozialistischen Parteien erhielten. Das Verträum der Hamburger Ardeitcrschpft berief Ttengcke 1506 auch in die Bürgerschaft, der er bis tnn Jahre ISIiä angehörte. Sein plötzlicher Tod ist ein schwerer.u:. ersetzlicher Verlust für unser Hamburger Bruderblatt. Ztir sofortige Nruorirutirruug. In einer Mitgliederversarnm lttng des Tozieildeinokratischen Verein» ,n Frankfurt a. M sprach Gcnosie Tr. O u a r ck über die letzten Verhandlungen de» Reichstages. In der Diskuffion kam große Enttäuschung über dos Zaudern des Reichskanzlers, demokratische Reformen durchzuführen, zum Ausdruck. Es müßte von dem Kanzler Klarheit w den KricgSziclen und Klarheit in der Neuorientierung verlangt werden. Komme er diese«: nicht nach, müsse man ihn bekämpfen. In diesen: Sinne sprachen sämtliche Redner, während der Referent den Standpunkt einnahm, Deutschlands Kriegsziele seien bekannt>md ob wir einen besseren Reichskanzler bekämen, stehe dahin. Tie Versammlung schloß sich der Ansicht der Diskus- sionSrcdner an und stimmte unter Ablehnung einer Entschließung de» Referenten gegen sieben Stimmen einer vom Vorstand vor gelegten Resolution zu, in der die russische Revolution begrüßt und dann iL a. gesagt wird: „Die Versammlung gibt dem Sefühl tiefe: Suttäuschung über die Erklärungen des Kanzler» im Reichstage Ausdruck, wonach er es ablehnt, schon im Kriege die von ihm versprochene und für richtig gehaltene Neuorientierung in der inneren Poötik des Reiches und Preußens durchzuführen. Das Verhalte» des Kanzlers ist um so ausfallender, als die überwältigende Mehrheit de» Reichstages sich zu einer sofortigen freiheitlichen Weiterentwicklung der innerpoli- tischen Zustände bekannt hat, so daß daZ Zaudern des Kanzlers eine tatsächliche Unterstützung reaktionärer Kreise ist." „Die Versammlung begrüßt die Einsetzung eine» Verfassung»- ausschusseS durch den Reichstag. Sie erwartet von ihm eine rnüg- lichst baldige Einigung in der Richtung aus wirksame Demokrat:- sicrung der Gesetzgebung und Lerwaltuutz in Reich und Staat." „Die Versammlung erkennt da» kräftige Eintreten der Reichs- iagsfraktion für die Herbeiführung innerer Reformen und eines Vcrständigungsfriedenö an. Sie erwartet aber mit Bcstitnmihdt, daß nunmehr die Fraktion die sofortige Inangriffnahme der frei- heitlichen Weiterentwicklung, besonders die Einführung dcS allge- meinen, gleichen und geheimen Wahlrechts in Preußen im Wege de» verfassungsändernden ReichSgesctzeS, sowie die Bekanntgabe der Kriegsziele, zu einer Bedingung macht, deren Nichterfüllung die Bekämpfung des Kanzlers mit allen parlamentarischen Mitteln zur Folge haben muß." Eine Moisestschrift gibt aucb in dieiem Jahr« wieder die Wiener Bolksbuchhondlung Ignatz Brand u. Cie. heraus. ES ist nunmehr das drittemal, daß sie während dcö Krieges erilbeint. Diese»: Zeilumstande euiiprickn auck, der Inhal«, der Gedanken be- l andelt, wie sie das Toben des Wettkriege» im Herzen deS Sozialisten enisteben läßt. Neben den belehrenden und ampredbenden Anikeln und Kedichlen ist beionder» der reiche illustrative Schmuck zu loben. Der Preis beträgt Lv Pf. Material zur sozialistischen Politik im Kriege. Ter Partei- vorstand bat ioebcn die RcichStagSrcde des Genosien Scheide- mann vom 27. Februar 1917 unter dem Ti:el.Frieden, Brot und gleiches Rech:", sowie die ReichSlagSrede des Genossen Keil vom 1. März 1917 unter dem Titel.Sozialdemokratie und Kriegsstcuer >917" als Flugschriften erscheinen lassen. Wein daran gelegen ist, sich ein klares und objelnves Bild von der Politik der iozialdemo- kraliichen Partei in: Kriege zu verschaffen, dem seien diese Schriften angelegentlich empfohlen. Sie eignen sich auch zur Aufklärung weiter sirciie über das, wa» wir vollen und erstreben. Tie„Mccklciibnrgische Volkszcitung", unser Parteiorgan für beide Mecklenburg, tonni« dieser Tage daS Jubiläum ihres iünfund- zwanzigjährigen BeitebenS feiern. Ein« geichmockvoll und reich« ballig zusammenaesiellle Jubiläumsausgabe enibält viel parier- geschichtlich iuleresianteS Materiat über Eiiistehung nud We- degang de» Blattes, wie überbaupl der Partei i» Mecklenburg. Die .Mecklenburgische BolkSzeitung" ist nicht daS einzige Parieiblatt, welche» lväbrend de: Kriegsjahre ein Jubiläum begeben konnte. Aber unseres Wissens ist sie nach der ruttiichcn Revolution das einzige ioziatiiniche Blatt, das in einem europäischen Lande ericheint, ivelches keine Verfassung im modernen Sinne besitzt,— in Mecklenburg!__ Kaufmanmßhe StMenverMittiung. Für die Berstadtltchung. Die gemeinnützige koutmänniiche Srcllenvermittlung wendet sich u: Auschristen an' die TageSpiesie gegen die Bersiadtlichung der lausmänni'chen Stellenvermittlung. Dazu wird uns gcichncben: .In der Frage der Ven'ladrlichung der lavfmänniichen Siellen- vermittluug bandelt es sich nicht um die Eulscheidung, ob eine öffentliche' Handlungsgehilfen- Stellenvermittlung neu geschaffen werden soll, sondern nur daru»:, ob die vorhandene öffentliche Stellen- Vermittlung für k«um:än::ischeS Personal von: Verband Märkischer Arbeitsnachweise durch die Stadt Berlin übernomme» iverde» soll. Eine Begründung datür. warum die gemeinnützige kausmünniiche SleLenvennittluWjZ gegen eine Ueberiragung ist, wird von ihr nicht gegeben. Sw wendet sich lediglich gegen die öffentliche kauf- märnniche SlellNivermittlung an sich, ohne an der Totsache, daß dies« bereits besteht und bestehen bleiben wird, etwas ändern zu können, sie wendet sich nur gegen den öffenllichen HandlungSgehilsen-. Nachweis. --miulglMW Willst Du unseren iodesmuiigen D-BooiHelden zu Hilfe kommen? Zeichne Kriegsanleihe! Willst Du Leben und Gesundheii unserer kapseren Feldgrauen schützen? Zeichne Kriegsanleihe! Willst Du die gierigen Feinde zur Preisgabe ihrer wüsten Raub» und Vernichkungsplane zwingen? Zeichne Kriegsanleihe! Willst DU das Ende des Krieges beschleunigen, einen ehrenvollen Frieden sichern? Zeichne Kriegsanleihe! Werbung kici der Ausgleichsstelle anzubringen. Ein solcher Austausch der Naiuiize» und der Bewerber würde den Ausgleich von An- gebot and Nachtrage gewährleisten. Auf diese Weise würde allen ÄnsKüchen. die an die Nachweise nach Friedensschluß gestellt werden, Gemige geleistet. Grundsätzlich möchten wir bcinerken, daß der städtische HaudluitgS- f hilsennochweiZ nicht nur für die HandtmigSgehilien im engsten inve bestimmt sei:: soll sondern daß er für alle Kovsarbeirer zu- stäntäq sein soll, für Privalangestellte aller Art, technische An- gestMle für Betrieb und Bureau, Bureaupersonal aller Art bei Behördcn, Kranlenkasien, Genosienschailen, Bereinen, Registratur-- m:d Kassel! beamten aller Art, sowie sonstige Angestellte, die zwischen �gewerblicher und kaufmännischer Tätigkeit stehen, Hotelselrerüre, Zuschneider. Konfektionäre. Werkmeisicr, Werkstattvorsiehcr, Lobn- schreiber, für die eine Stellenvermittelung nicht oder nicht in au-z- reichendem Umfange besteht. Völlig außer Betracht läßt die gemeinniitzige kaufmännische Stellenveimittlung die weiblichen Angestellt e-u. In der Satzung der gemeinniitzigen«tellenvermittlnng wird bestimmt, baß die dort gemeldeten Stellen nicht mit weiblichen Angestellten bedient werden dürfen. Aus diewi engherzigen Standpunkt kann sicki die Stadt Berlin, die doch auch jiir die Frauen und Tckchlcr der Stadt zu sorgen hat, nicht stellen. Ein sachgemäßer Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Angestellten ist an» volkswirtschaftlichen und anderen Gründen notwendig. Die Stellung der HondlmigSgehilseuvcrbätche zur öffentlichen kaufmännischen Stellenvennililung ist darauf zurückzufüho�:, daß sie die Stellenvermittlnug als OrgouiiationSfak'.izr nicht pikubt enl- k> ehren zu lönnen. Wenn die Stadt den Hanilluiigsgehil/ennochweis Lberuumnt, so werden Mittel und Kräsie der Verbände frei für de> Ausbau des ArbeilSverlragSweienS, dcS liuterstützung�weien- intd andere mehr. Daß ein fachmännisch gclcttct.-r städtischer Nachweis feine Aufgabe wohl erfüllen kann, beweist, daß der Nachweis der Stadt Köln a. Rh. im Jahre IMo/IÜ über 2190 «sicflen vermittelte. D r e Unzulänglichkeeir des Stellen- Vermittlungswesens durch die Verbände lv: r d» bewiesen in Nr. L des ReichSarbeitSdlatteS von: Kaiserlich Statistischen Amt. Darin befinden sich folgende beweiskräftige Zahlku. .Für kaufmännische Bernte wurden im Vütz-tist 14 450 Bewerber gezählt, für die SL96 offene Stellen zur Bersöchling standen. Trotz starken Ueberwiegeu« der Siellenfucheude» ttmnten dennoch die Stellennachweiii«rar LZlls Stellen besetzen. 2747 Stellen wurden tniolg« anderweitiger Besetzung zurückgezogen und inirhtn blieben 0500 Stellen undesetzt und 9100 stellensuchende Handlungsgehilfen blieben ohne nachgewiesene Stellung." Der öffentliche Privata«gestellten Nachweis ist für Berlin eine Roiive«bi gleit, ganz be- sonders im Hinblick auf die gewaltigen Auf- gaben der Nachweise bei d-er D e n: o b i l m a ch u n g. ES steht den HandlungSgehilfcnverbSzden nicht an, den freien Gcivertichaftci: das Recht der Stellunatmhme in dieser Angelegenheit zu bestteilen, um so weniger, als itK Handlungsgehilfen anläßlich der Beratung des Hilfsdienstgesetz-eS die Tätigkeit der GewerkschaiiS- sübrung für die HandlungSgedilsouintcressen im Rahmen diese» Gesetzes sehr wohl zu schätzen wuffhen. Eugen Brückner. ■""iBinUHl! ililßlL'Iunmi»»- ES soll nicht bestritten werden, daß Berlin auf StellmrgSlose eine große Anziehungskraft ausübt. Die HandlungSgebiKen. die in Berlin ihr Glück versuchen wolle», sind vor dem Bestehen der öffentlichen Stellenvermittlung für kaufmännisches Personal davon nicht abzuhalten geweien und werden nicht abzuhalten sein durch die Talsache, daß ei» Nachweis nicht verstadtlichr wird. Die Haupt- anziehungölraft für die Handlungsgehilfen beruht u. E. in den Stellenmärktsiz der im ganzen Reich verbreiteten und von den meisten kaufmännischen Angestelltcii gelesenen großen Berliner Tages- zeitungen und aus die Aussicht, ihre Fortbildung in Berlin zu vir- vollkommneu. Wenn eZ den HandlungSgehilfenverbänden ernst mit der Beseitigung dieser AnziehungSkrast iväre, so dürsten sie selbst grundsätzlich keine auswärtigen Bewerber nach Berlin vermitteln. ES wird behauptet, die NnlerstützuiigScinrlchttingen der Stadt Berlin werden durch dicieu Zuzug von HandluiigSgehilfen belastet. Doch nur. wenn sie bereits tu Berlin ihren UnterstützungSwohnfitz haben. Für diese ist es der Stadt aber sehr wertvoll, Hand in Hai:» mit dem städtischen Nachweis derart zu arbeiten, daß eS dem Nach wetzhl in erster Linie zur Aufgabe gemacht wird, die um llntersiützun-z nachsuchenden Handlungsgehilfen unterzubringen. Diele Möglichke/t bat die Stadt iittöfern, als die Stadt solche Stellenlose in eigen, n Betrieben be'Ääftigcii kann, oder sie vcriveist sie air solche Floren, die zur Stadt in einem Lieferung'Verhältnis stehen, auch kämt ihnen durch Schaffung von Schrelbstuben Beschäftigung zuepteilt werden. Außerdem ist die städtische Stellenvermittlung die Voraussetzung sür die auch von den Verbänden-e�trebte städtische Siellenlosenversicherung. Die Berliner Hqn'/lungs- gehilfen haben schon aus diesem Grunde daS größte Interesse an einem städtischen Nachweis. Die gemeinnützige kaufinänniiche Stellenverinitllung behauptet, der städtische Arbeitsnachweis habe keine Möglichkeit, ei feit zweckmäßigen Ausgleich von Angebot und Nachfrage herbeizuMhrei:. weil ihm durch die örtliche Begrenztheit der Aibcitsinarkt /et Reiches verschossen ist. Abgesehen von der Tatsache, daß aizs der einen Seite die in Berlin seßhaiten HaudlungSgehilien nur ü» den aller- seltensten Fällen in der Provinz Stellung anuehmo«, die Firmen aber auch in den meisten Fällen solchen LX'werbern, � die mit den Bcrttner Verhältnissen vertraut sind, bÄ�vrzugen, ist eS mit Hitse der im Reich bestehenden öffemlichen. lausinämiiichen Slellcuvcrmilllungen— iür viele Großstädte gibtLZerl5raucher nicht zu verbilligten Preisen verabfolgt werden. Was daS Verbot anlangt, auch in Massenspeisungen und Kantinen die städtische Fleischkrrte z u b e nutzen, so sind hiersür ausschließlich Erwägungen sozialer Art maßgebend gewesen. Die betreffenden Bevölkerung-Z kreise erkalten auf diese Art einen doppelten Vorteil: Sie können auf ihre Reichs fleiichtärte wie seither zu billigen Preisen ihre Mahlzeit in der Maffenspeüung oder den Kantinen einnehmen und erhalten außer dem die Möglichkeit, sich auf die ihnen ganz verbleibenden städtischen Fleischkarten zu ebenfalls billigen Preisen Fleisch für ihre Abende mablzeiten zu beschaffen. Nur so wird der mit der Fleischzulage verfolgte Zweck, einen Ausgleich sür die Kürzung der Brotmenge herbeizuführen, erreicht, und ferner wird den Minderbemittelten da mit die Möglichkeit gegeben, sich eine kräftigere Kost zu beschaffen Die Preise, zu denen die Fleischzulage an die Verbraucher ob gegeben wird, werden durch besondere Verordnung des Magistrats festgesetzt. Unlängst ist in einem Teil der Presse die Ansicht aus gesprochen worden, daß der Preis für die Zulage von 2ol) Gramm nur 20 Pf. betrage, einerlei, welche Sorte von Rind-, Schweine- Hamniel- oder Kalbfleisch abgegeben werde. Diese Ansicht ist natür lich irrig. Jede Sorte kann vielmehr nur um diejenigen Zuschüsse billiger abgegeben werden, die vom Reich, Staat und von der Stadt geleistet werden. Allerdings geht die Wirkung dieser Zuichüsie dahin, daß für eine große Zahl von Fleischsorten die Preise in der Tat nur 20 Pf., zum Teil sogar nur 10 Pf. sür daS halbe Pfund be tragen. Zur Konservenverteilung. Aus' den veröffentlichten Bekanntmachungen über die Verteilung der Gemüsekonserven ist mehrfach geschloffen worden, daß diese Ver teiluiig für Groß-Berlin vorgenommen worden ist. Das ist ein Irrtum. Äte Verteilung ist so gedacht, daß in jeder einzelnen Gemeinde We Bestände der Groß- und Kleinhändler festgestellt Iverdcn und nach diesen vorhandenen Beständen und event. zu gekauften Mengen der Gemeinde dann die Menge für den Kopf der Bevölkerung bestimmt würden. DaS Quantum, das in den einzelnen Gemeinden vercöffolgt wird, ist infolge dessen von den vorhandenen Beständen abbänrffg. Nach den Wünschen der oberen Behörden sollen auf den Kopf dqp Bevölkerung 2 Pfund Konserven entfallen, ganz gleich welcher Art.» Mehrere Gemeinden haben bereits mit der Ver- icilung begonnen, andere, denen die vorhandenen Bestände nicht ausreichen, haben jsich entschlossen, einstweilen als Ersatz dafür Sauerkohl zu vertetK'n. Zu den Gemeinden, welche bereits mit der Verteilung begonnen Kaden, gehört auch Wilmersdorf. Ueber die dortige Verteilung�rbalten wir folgende Klagen; Der Magistrat hafte am Dienstag angekündigt, daß auch dort eine Voranmeldung staU'nnden und am Sonnabend die Zuteilung beginnen würde, Jndefften begann die Verteilung schon am Mild Wochmorgen, so daß viels.Leute erst im Laufe des TageS davon er- fuhren und dann nalürlidb nichts mehr bekamen oder wenigstens nur einen Teil von der Menge,» die sie zu beanspruchen gehabt hatten Auch die Faßbohnen und dfls Sauerkraut, das als Ersatz angeiün- digt war. war bei den Hänalern vielfach nicht vorrätig. Jedenfalls hat der Verkauf bewiesen, dcfc! gar keine Rede davon war. als ob wirklich auf jeden Kopf zwei Piund Konserven oder die entsprechende Menge von Faßbohnen und Sauerkraut entfalle. Es ist doch merk- würdig, daß man nach den �verstimmenden Ereignissen bei dem Konservenverkauf ,u Weihnächte.� jetzt zu Ostern wieder in ähnliche Fehler verfallen ist.__ Tic Genehmigung der G�müselieferungsverträge. Den LicierungSver trägen, die zwischen Gemeindeverwaltungen und Großabnehmern auf der einen rvrd Erzcugerverbänden auf der anderen Seite über Gemüse und Obi� Vereinbarl werden, muß. wie die Reichsgemlliestelle betont, ein Verhnerk darüber beigefügt sein. ob der Verlrag unmittelbar oder u�iter Mitwirkung eines Ver- nritilers abgeschlossen worden ist. Im Lalle einer Vermittlung muß den Umerschiiflen der Bertragschließendetz die genaue Angabe des Kommissionärs beigefügt sein, unter deffchp Mitwirkung der Vertrag zustande gekommen ist. Nur nach gena�tzr Erfüllung dieser Vor- iwrisl können die Verträge die nach dem» Geietz erforderliche Ge- i-m'igung der Reichsstelle für Gemüse Md Obst, Verwaltungs- abtellung, erhallen. ES wäre nur wünschenswert, daß die ZlfÄchSstelle auch die vereinbarten Vermiltlergebühren nachprüft. NadWen Anregungen der ReicdSstelle sollen sür die Vermittlung b Proz�-t Provision gezahlt lverden. Dafür sind aber keine Verträge abzus«letzen. Die Groß- Berliner Gemeinden zahlen bereits Vermittlergel&hren von 30, 40 ja sogar 50 Proz. Kein Wunder, wenn nachhqa das Gemüse zu enormen Preisen an die Bevölkerung gelangt. Gemeinden, die so naiv waren, Verträge mir 5 Proz. abschließen zu'.>wollen. mußten sich schnell entschließen, auch die hohen Provisionen zahlen, wenn sie nachher nicht ohne Gemüse dastehen wollten. VrVvlräge mit der- artia hohen Vermittlergebühren sollten einfach für UMgültig erklärt werden und die Ware von der Reichsstelle übernommen* Wersen. Annahmeverweigerung gegenüber Bezugschein>r»tragen. Anlräge auf Bezugscheine sür Schubwaren müssen in Berlin jetzt, wie bekannt, den AuSfertigungSstellen sch szist l i ch eingereicht werden. Zu dieser Maßregel hat die BekleldiingSstelle des Magistrais gegriffen, weil die Ausfertigungsstellen sich bes Zu- dranges von Perionen, die Schubwaren haben wollten, nycht erwehren konnten. Jetzt erfahren wir, daß die AusfertigungSstMe in der gellest rafee, die einen ganz besonderen Ansturm auszu- hallen hatte, schriftliche Anträge unter Annahmeverweitge- rung an die Absender hat zurückgehen lassen. Bekannt geworden sind uns zwei derartige Fälle, die beide diese eine Ausgabestelle Pe- treffen, so daß die Vermutung, dort seien Annahmeverweigerungen nach öfter vorgekommen, nicht ohne weiteres abzuweisen ist. Nachdem die vcV der Bekleidungsstelle unterm 20. März ergangene Bekanntmachung anr 22. März veröffeiltlicht worden war, wurden die Anträge am 26. März durch die Post an die Ausfertigungsstelle Lbersandt und am 31. März kamen dann die Briefe mil dem Vermerk.Annahme verweigert' zurück. Ein uns vorgelegter Briefumschlag trägt die Aufschrift.An die Bezugsscheinprüfungsstelle zu Berlin v. Zelle- stratze, womit der Empfänger zwar nicht vorichriflsgemäß. aber doch so bezeichnet war, daß die Ausfertigungsstelle nicht darüber in Zweifel sein konnte, wer gemeint war. Warum verweigerte sie die Annahme? Die uns hierüber zugegangene Klage hebt mit Recht hervor, daß die B e z u g s ch e i n s ch e r e r e i nicht noch durch solche Mißgriffe vermehrt zu werden brauchte. Abbestellung der„Arbeiier-Jugend' cnisalteten und zum Kampf gegen die Zentialstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands auf- rieten. Die Mehrheit der Groß-Berliner Jugendausschüsse gab den Spaltungsaposteln damals die richtige Antwort.und lehnte mit großer Mehrheit die Zersplitterungsversuche ab. Seitdem blieben die Spartakusjünger mil ihrer neugeschaffenen Jugendl orgamsalion, dem Bildungsverein, bübich unter sich und wären wohl auch mit der Zeit still und geräuschlos von der Bildfläche ver- schwunden, wenn nickt neuerdings die jetzige Leitung der Groß-Berliner Aibeiterjugend, die sich zur A r b e i t S g e m e in- sckaft zählt, plötzlich ihre Jntereffensolidarität mit den Svarta küssen entdeck! hätte. Ganz natürlich, nachdem man die Spaltung in der Parteiorganiiaiion vollzogen hatte, durfte man auch die Jugendbewegung nickt ungespalten lassen. In einigen Artikeln in der März- und der Aprilnunimer des„MtiteilungsblatteS für die arbeitende Jugend Groß-Berlins" setzte man den Vierzehn-, Fünf zehn- und Sechzehnjährigen die sogenannten Sünden der Partei mehrbeit imd des Parteivorstandes in der bekannten Manier aus� einander, wobei man in der Märznummer zum Schluffe schrieb: .Fetzt heißt es allerdings noch abwarten, sehen, was man unternehmen wird. Wir werden vorläufig noch weiter mit denen in Verbindung bleiben, mit denen wir bisher gearbeitet haben. Es kann aber nur eine Frage der Zeit sein. Wenn diese ge- kommen kein wird, dann wird auch die Jugend nickt tatenlos da stehen, sondern sie wird, wie bisher, dafür wirken, daß das Banner des Sozialismus wieder in seiner alten Reinheit er- strahlt.' In der Aprilnummer aber bieß eS. nachdem man über eine angebliche Neuorientierung der Jugendbewegung geschrieben hatte. u. a.: .Man soll sich doch darüber klar sein, daß daS Entgegen� kommen, das man anierer Bewegung behördlicherseits zeigt, nicht erkämpft worden ist, sondern daß es nur eine Konzession ist an diejenigen, die beute in der Zentralstelle sitzen und in der Oeffent- lichkeit die Politik des 4. August propagieren. Nicht die Krause. Lehmann und Schulze, sondern die Ebert, Müller und Bauer haben die Brosamen der Anerkennung der Jugendbewegung be- kommen. Bieten sie doch die Gewähr, daß die Jugendbewegung, wenn es nach ihnen ginge, geleitet und erzogen wird in dem den herrschenden Klassen genehmen Sinne.' Nachdem man den Jugendlichen solche geistige Kost zur Genüge aufgetischt hatte, suchte man getrost aufs Ganze zu gehen. Es wurde für den 1. April eine Konferenz der Jugend- ausichüsie für Groß-Berlin einberufen, und in aller Stille bereitete man den Boykott der»Arbeiler-Jugend' vor. Die inzwischen her- gestellte innige Seelenverbindung mit den SpartakuSjüngern, den Bildungsvereinlern zeigte sich darin, daß man diese, ohne hierzu ein Recht zu hoben, zur Konferenz eingeladen hatte. Ohne deren tälige Mithilfe traute man sich anscheinend das große Werk nicht zu. Dock hatte man sich in der Wachsamkeit unserer Genossen gründlich verrechnet. Die Vertreter der Jugendausichüffe erschienen zahlreich und wandten sich ganz entschieden gegen das eigenartige Gebahren der Leitung. Mit Mehrheit wurde beschlossen, daß die Bildungsvereinler, deren ganzer Daseinszweck bisher in der Bekämpfung der Arbeiterjugend bestand, den Verbandlungsiaal zu verlassen hätten. Das war der Leitung sichtlich nnangenehm, und ie suchte durch langes Hin und Her die Ausführung dieses Be- schlusies zu Verbindern. Es gelang aber nicht, und so schickten sich endlich wohl oder übel die Sparlakusmitglieder an, den Saal zu verlassen. Als die Leiter der Konferenz einschen, daß die Situation nicht zu retten war, folgten sie diesem Beispiel, indem sie noch er- klärten, daß man die„Ärbeiter-Jugend' abbestellen wolle und daß dies schon beschlossen sei. Mit einigen Getreuen flüchteten sie dann hinüber in die Arme der Spartakusjünger, mit denen sie sich in einem anderen Saale zu gemeinsamem löblichen Tun ver- einigten. Die Konferenz wurde durch den Genoffen Weimann weiter geleitet und fand ihr Ende damit, daß-man-einstimmig dem auf dem Boden der Arbeiterjugend stehenden KreisjugendauS- schuß für Teltow-BeeSkow die Ermächtigung erteilte, un- geiäuml die nötigen Schritte zu tun, um die Jugendarbeit Groß- Berlins wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Die Beschulung der Stadtkinder auf dem Laude. ES wird be- richtet: Zur Aufnahme von Kindern der slädliichen und Industrie- bevölkerung in ländlichen Familie» bat der'Unterrichrsminister besondere Anordnungen für den Unterricht dieser Kinder getroffen. Die schulpflichtigen Kinder sind unter Berücksichtigung ihrer Kon- seision den ländlichen Sckulen zuzuweisen Wo es der Schnlraum gestaltet, nehmen diese Kinder an dem stundenplanmäßigen Unter- richt terl. Reichen die Sckulräume zu einem gleichzeitigen Unter- richt der einheimischen und der überwiesenen Kinder nicht zu, so sind die auswärtigen Kinder ganz oder zum Teil gesondert zu unterrichten. Nack Möglichkeit werden dabei weitere, besonders auch städtische Lehrkräfte herangezogen. Die Zahl der Unterrichts- stunden für die überwiesenen Kinder ist, wenn irgend angängig, nicht geringer als iür die einbeimischen zu bemessen. Die Beslim- mungen über Beurlaubung zur Mithilfe an land- und Hauswirt- schaftlichen Arbeilen, zu kriegswirtichaftlichen Sammlungen usw. gelten auch für die überwiesenen Kinder. Ter Minister vertraut, daß Geistliche. Lehrer und Lehrerinnen bereitwilligst mitwirken werden, um möglichst viele Familien willig zu machen, die lieber- ffihrung und Unterbringung der Kinder regeln zu Helsen und ihr Gedeihen nach Möglichkeit zu fördern. Die Beschulung der Kinder habe im vergangenen Jahre keine nennenswerren Schwierigkeiten ge- macht, obwohl ihre Zahl schon mehr als 60 000 betrug. Erhöhung der Unterstützung für Kricgerfamilicn. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlosien, den Gemeindezuschlag zu den Sätzen der Reichsunterstützung für die Kriegerfamilien(der bisher 15 M. bezw. 7,50 M. betrug), vom 1. April d. I. ab auf 100 Proz. der seit dem 1. November 1916 gültigen Reichssätze zu erhöhen, sodaß Ehefrauen nunmehr ins- gesamt 20-j- 20— 40 M., Kinder und andere unterstützungs- berechtigte Angehörige insgesamt je 10-j- 10— 20 M. Kriegs- Familienunierslützung erhalten. Den Stadtverordneten wird der Magistrat unverzüglich die ent- sprechende Vorlage unterbreiten. Erneute Spaltungsvcrsuche in der Grost-Berliner Jugendbewegung. Bekanntlich hat sich in der Groß-Berliner Jugendbewegung schon vor länger als einem Jahr eine Spaltung vollzogen, indem die Spartakusanhänger damals eine eifrige Propaganda für die Das Handelsgewerbe an den Jciertagen. Im Handelsgewerbe dürfen am ersten O st e r- und Pfingstfeiertage soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkauisslellen stattfindet, Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter nur nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen und während folgender Zeiträume beschäftigt werden: 1. im Milckhondel: von 5—10 Ubr vormittags; 2. im Handel mit Kondilorwarcn und Konfitüren, mit leischwaren und Roheis: von 5 bis 10 Uhr vormittags; 3. im andel mit Backwaren: von 6 bis 10 Uhr vo:mittags; 4. im Handel mit Kolonialwaren, Vorkostwaren, Brcr, Wein, Tabak und Ziigarren: von 8 bis 10 Ubr vormittags; 5. in den Zeitungs- ipäditionen; von 4 bis 9 Uhr vormittags; 6. im Blunren- hcnvdel nach den bestehenden Vorschriften: am ersten Osterseiertage: von'. 9 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags; am ersten Pfigstfeiertage: von 8 bis 10 Uhr vormittags; 7. die Beschfckigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern a) im am- bulanwn Mi'lchhandel, in Molkereien zum Zwecke der Versorgung der Kutzpfchafl mit Molkereiprodukten darf am ersten Öfter- und PfingstsAiertage wie an den übrigen Sonn- und Festlagen von 4 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags ohne Unterbrechung durch die Haupigottesdienstpauie slatlsinden; 8. im Gewerbebetriebe der Bierbraueipien und Eisfabriken während derselben Stunden, während deren nach jdem Obigen(2 und 3) ein Handel mit RoheiS und mit Bier in offesien Verkaufsstellen zugelaffen ist. Am z wXe i t e n O st e r- und Pfingstfeiertage finden die allgemeinon Vorschriften über die Sonntagsruhe im Handels- gewerbe Anwendung, wie sie an den gewöhnlichen Sonntagen gellen._ Eine allgemeine Verteuerung der Angelkarten wird für diesen Sommer duichgeftihrt werden. Die Fischereiberechtiglen geben als Grund hiersür an, daß die ordnungsmäßige Instandhaltung der Anlegesteige wie des ganzen Angelgebiets infolge des Krieges größere Kosten verursache. Dieter Begründung verdiente nur noch hinzugefügt zu werdesi. daß die Futterkosten sür die Fluß- und See- fische erheblich gestiegvn seien! Die Spekulation wird aber nicht umsonst sein, denn b\e Angler werden im Hinblick aus die zu uwarlenden Fischfänge den erhöhten Preis bewilligen. Ei» Lehrgang über Vormundschaft und Waisenpfloge für Frauen findet vom 16. bis 18. April in der Königlichen Friedrich- Wilhelms-Universität statt. Die Karte für die ganze Dauer des Lehrgangs kostet 5 Mark, die Tageskarte 2 Mark. Die Kanzlei des Kindjtt-Rethmgs-Vcrcins, Eharitestr. 2, versendet aus Anfordern die Stundenpläne und erteilt jede gewünschte Auskunft. Vergessene Hamsterkoffer? Amtlich wird mitgeteilt: Es ist fest- gestellt, daß aus den Gepäckabfertiguiigsstellen hiesiger Bahnhöfe eine größere Anzahl von Gepäckstücken lagert, welche anscheinend Lebens- mittel enthalten. Um deren Verderben zu vermeiden, werden die Berechtigten hiermit aufgefordert, diese Gepäckstücke bis spätestens Sonnabend abend abzuholen. Bis dahin werden den Abholern keine Schwierigkeiten bereitet werden, insbesondere wird bis dahin von der Einleitung etwaiger strafrechtlicher Untersuchungen Abstand genommen werden. Das nächste VolkSkonzcrt des Philharmoiiischen Orchesters findet am Sonnabend, den 7. April im Stadttbeater in Moabit, Alt- Moabit 47/48, statt. Beginn 8 Ubr. Der Vorverkauf zu den V o I k s k o Ii z e r t e n findet statt in der Zentralstelle für Volkswohl- fahrt. Augsburger Str 61, in der Berliner Gewerkichaftskommission, Engelufer 15. Zimmer 13, außer Sonnabend nachmittags, und in den betreffenden Konzertsälen. Die im Vorverkauf nickt unter- gebrachten Karlen werden abends an der Kasse verkauft. Der Ein- lriltspreis beträgt 30 Pf. Kasseneröffnuug 7 Ubr. Ein Großscuer wütete in der Nacht zu Donnerstag aus dem Gelände der Neuköllner Kartoffelmieten. Die Verwaliung von Neu- kölln hat aus dem Platz zwischen dem Babnhos Kaiser- Friedrich- straße, dem SchiffabriSkanal und den ehemaligen„Ripdorfer Wie'en', auf dem jetzt Lauben eingerichtet sind. Zehntauiende von Zentnern Kartoffeln eingemietet, um die Einwohnerschaft nach Bedarf ver- sorgen zu können. Beim Oeffnen und Entleeren der Mieten wird nun das Strob überall einstweilen aufgestapelt, weil es wegen Mangels an Arbeitskräften und Ge'pannen nicht gleich abgefahren werden kann. Funken, die aus einer vorüberfabrenden Eisenbahn- lokomotive flogen, fielen auf einen solchen Slrohhauren und setzten ihn in Brand. Bei dem starken Winde griff das Feuer in ganz kurzer Zeit auch auf die übrigen Haufen über, ebenio auf das Strob, das zur Lüftung aus den Mieten berausragt. Rasch bildete der ganze große Platz ein Flammenmeer. Die Feuerioehien der Nachbarorte Nieder- schöneweide. Britz usw. rückten aus, ebenso die Webren der Fabriken, deren Sirenen ein schauerlich beulendes Nachikonzcrt veranstalteien. Die Neuköllner Feuerwehr erschien alSbalo in ibrer gei'amlen Stärke aus der Brandstelle und gab auS fünf Robren reichlich Waffer. So oft man auch des Brandes schon Herr zu sein glaubie, so oft fackle ein neuer Sturmstoß das Feuer in irgend einen Hausen wieder an, und jedesmal wurden die Flammen wieder weiter getragen. Die Wehrmannschaften standen häufig vollständig in Raucki und Flammen eingehüllt. Das gesamte Aufgebot hatte von 1 bis 5 Uhr morgens zu tun, bis endlich das große Feuer gelöscht war. Ob an den Kar- toffeln selbst in den Mieten ein erbeblicver Schaden emstanden ist, muß noch untersucht werden. Wahrscheinlich ist es nicht. Ein Kind bei einem Wohnuiigsbrande schwer verletzt. Große Aufregung entstand bei einem Wobnungsbrande in der Liebenwalder Straße 34. Hausbewohner bemerkten dort, wie dicket Oualm aus einer verschlossenen Wohnung drang. N'emand wagte, in die Wohnung einzudringen, obgleich man wußte, daß sich Kinder in der Wohnung befanden. Der Artist F. Liske, der davon börle. sprengte die Wohnungstür auf und holte einen vierjährigen Knaben Paul Pritzel mit eigener Lebensgesahr noch vor Ankunft der Feuerwehr aus der brennenden Wobnung heraus. Der am ganzen Körper mit Brandwunden bedeckte Knabe wurde in fast hoffnungslosem Zustand nach dem Paul-Gerhard-Siift in der Müllerstratze gebracht. Die Eitt- stebung des Wohnungsbrandes wird auf Spielen mit Streichhölzern zurückgeführt. Einbrüche. Für 6000 M. Kleidungsstücke erbeuteten Einbrecher, die nachts der Firma Jonas in der Wtlmersd orfer Sli III in Charlottenburg einen Beiuch abstatteten. Wahrscheinlich dieselben Täler versuchten dann einen Diebstahl in einem Be- kleidungSgeschäft an der Ecke der Berliner und Leibniz- Straße. Sie zertrümmerten dort die große Schaufensterscheibe, um die in der Auslage ausgestellten Kleidungsstücke zu lurine». wurden aber offenbar dabei gestört und flüchteten, obne Beute gemacht zu haben.— Für 15 000 M. seidene Blusen und Mäntel erbeuteten Einbrecher in einem Konfektionsgeschäft in der Brunnen- st r a ß e. Anderen fielen bei einem Schau'enslereinbruch in der Alten Schönhauser Straße für 2000 M. Pelze und Felle in die Hände.— Treibriemen wurden in einer Eiienwareniabrik in der L i n d e n st r a ß e für 1500 M. und in einer Tischlerwerkstatt in der S ck I ü l e r st r a ß e für 1200 M. gestohlen.— Für 1000 M. Kleider, Röcke usw. erbeuteten Sckauienstereinbrecher in einer Damenkonfektion in der D a n z i g e r Straße, für 600 M. Bulter und Eier Geschäitseinbrecher in einer Buttechandlung in der Schönhauser Allee. In der Nacht zum Donnerstag ent- wendeten Einbrecher aus dem Schaufeniier des Optikers Gebhardt mder Reickenberger Straße 20 sür 2000 M. Fern- und Operngläser, Lünetten und anderes. Kriegsbautcn in Neukölln. Zu den Gemeinden, die trotz der bestehenden Schwierigkeiten und ungünstigen Arbeitsverbälinisse auf dem Baumarkt eine beträcht« liehe Zahl während der Kriegszett enistandener Bauwerke auf- zuweiien haben, gehört auch die Stadt Neukölln. Abgesehen von den slädliichen Neubauten sind zwei bedeutende Staatsbouten zu Ende geführt woiden. Es sind dies die am Mariendorfer Weg be« legene,' mil einem Kostenaufwande von 600 000 M. errichtete königl. Taubsiummen-Lehrattstall, für die die Stadt den Grund und Boden unentgeltlich überlassen hat, und die auf der Südseite der Leinenraße von der Stadt Neukölln erbaute, im April 1915 ihrer Bestimmung über» gebene königl. Baugcwerkichule, deren Baukosten einschließlich Grund- erwerb sich auf 2 300 000 M. belaufen. Eine wettere Baugruppe, die erst tm Kriege in Angriff genommen und bereits in den kommenden Monaten ihrer Vollendung entgegensieht, ist die Bran- denburgücke Provinzial-Hebammenlehronsialt am Mariendorfcr Weg. Die charakteristische Anordnung der Gebäude zu einander(Ver- bindungSsyslem) ist in Fachkrei'en für derartige Krankenanstalten als mustergültig anerkannl worden. Auch für dteie Anstalt bat die Stadl das Grundstück in einer Gesamtgröße von 3 Hektar 45 Ar unentgeltlich hergegeben. Zu den städtischen Kriegsbauien gehört der imposante Sparkassenneubau an der Ecke der Richard- und Ganghoferstratze. Die Arbeiten sind jetzt soweit gefördert, daß der Bau in wenigen Wochen dein Verichr übergeben werden kann. Emen jür Groß-Berlm charalteristticken Kriegsbau stellt ferner die von der Stadt Neukölln erbaute Abteibrücke an der Oberipree dar. Die überaus gefällige leichte Brückentonstruklion paßt sich dem dortigen LandichaftSbtlde in vorzüglicher Weise an und ver- bindet in einer Spannweite von 75 Meier das westliche Spreeuser mil der Abtetinsel, die bekatitttlich vor einigen Jahren in das Eigentum der jStadt Neukölln übergegangen ist. Die auf beiden Selten als Stützmauer errichteten Tonünne geben der Gesamlanlage ein mittelaUerliches, interessantes Gepräge. An Kriegsbaulen der Stadt Neukölln seien ferner genannt die DesinsektionSanstalt in der Lahnstraße, die Mädchenschule (Seitenflügel) am Marieudorfer Weg. die Benzolfabrik am städtischen Gaswerk sowie der Jsolierpavillon des städttschcn Krankenhauses in Buckow._ 50 Millionen Mark Kriegslasten in Neukölln. Bis Ende Fe- bruar l. I. haben die Auswendungen der Stadt Neukölln für laufende Unterstützungen an ihre zahlreichen Kriegerfamilien die Höhe von 34 718 069 M. erreicht. Hiervon entfallen aus den Monat Februar 1 633 316 M. Dazu wurden an Sonderunlerstützungen in Fällen außergewöhnlicher Bedürftigkeit bis jetzt 1 629 208 M. ver- ausgabt und zwar im letzten Monat allein 120 959 M. Die Miel- bcihilfen erforderten feit Kriegsbeginn 7 452 786 M. Für die Zwecke der freiwilligen KriegSIvollifaliriZpflege sind bisher 66�315 M. ber- brauckit worden. Zur Besoldung der während des Krieges neu ein- gestellien HilsSkröne und«ur Gewährung von Teuerungszulagen an städtische Beamte. Angestellte und Arbeiter waren insgesamt 2 088 742 M. notwendig. Für die Verzinsung der aufgenommenen Kriegsdarlehn mußten seit I.August 1314 bis jetzt 2 923 782 M. be- rcitgcstelll werden. Tie Gesamtaufwendungen an außergewöhnlichen Ausgaben infolge des Krieges machen daher jetzt die enorme Summe von 50 733 543 M. aus. Neukölln. Eier- und Smierkohlvcrtcilinig. Wie in Berlin und anderen Vororten, werden auch in Neukölln in dieser Woche zwei Eier verteilt. Auf den jetzt gellenden Abschnitt 19 der Eicrkarte wird ein Er und bis zum Sonntag, den 15. April, auch aus das Miltelstück der am 3. April ablausenden Eierkarle ebenfalls ein Ei abgegeben. Abschnitt 10 der Lebensmittelkarte berechtigt morgen zur Entnahme von Pfund Sauerkohl. Der Preis für das V« Pfund beträgt 10 Pf. Die Ausgabe hat in denjenigen Geschäften zu erfolgen, in denen die Karteninhaber in die Kartoffelkuiidenliste eingetragen sind. Wilmersdorf. Nachträglicher Bezug von Gemüsekonserven. Für den Fall, daß Einwohner die ihnen zustehenden Gemüsekonserven am Donnerstag noch nicht erhalten konnten, wird ihnen anbeim- gestellt, sich am Ostersounabend, voriniilags von 11 Uhr ab, an die Auskunflsstelle des Städtischen Lcbensmittelamtes(Wilhelms- aue 114/115) zu wenden. Diese weist ihnen Geschäfte nach, die noch über Vorräte an Gemüsekonserven verfügen. Steglitz. Lcbcnsmittelvertcilung. Von heute Freitag ab bis Dienstag kommen zum Verkauf: Delikateßheringe. Bismarckheringe und Heringe in Gelee auf Abschnitt 34 der Lebensmittelkarten Nr. 2201—12000. Ferner in der gleichen Zeit Sauerkohl auf Ab- schnitt 10 sämtlicher Lebensmittelkarlen. Am Freitag und Sonnabend gibt es auf Abschnitt 16 der blauen resp. 3 der roten Lebensmittel- karten ein Ei pro Kopf. — Die Dicnsträume der Lebensmittclabtcilung sind nach Berlinicke- straße 15 verlegt. Sämtliche Dienststellen sind durch die Fernsprech- Nummern 1719—1722 zu erreichen. Britz. Lcbeilsmittcli'.achrichtcu. Bei den Kleinhändlern kann auf beide Abschnitte 49s der Karloffelkarte'/e Pfund Mehl pro Kopf der Bevölkerung gekauft werden. In der Woche vom 9. bis 15. d. Mts. gelangen in der Verkaufs- stelle zur Abgabe auf. Abschnitt 43 Graupen(je 1/i Pfd.), Abschnitt 44 verschiedene Waren iMuichelfleisch in Dosen, Fischklöße, Klippfisch, Scholle in A'pik), Abschnitt 45 Marmelade Ipro Person '/., Pfd.), Abschnitt 46 Sonderzuteilung, Abschnitt 88 Räuchetfische, l/i P'd. Ferner werden abgegeben: Zwiebäcke, Pfeffer, Zwiebeln, Salz, Streichhölzer und Waschmittel. Wegen des 2. Feiertages am Montag wird die Abgabe unter Abweichung von dem bisherigen Verteilungsplan wie folgt geregelt: Nr. 1— 1000 am Dienstag, Nr. 1001— 2000 am Mittwoch, Nr. 2001 bis 3000 am Donnerstag, Nr. 8001— 4000 am Freitag, Nr. 4001 bis Schluß und Nachzügler am Sonnabend. — Bcrtcilung von Saatkartoffcln. Die Beschaffung von Saat- kartoffeln für die Laubenkolonisten und Kleinpächter soll in einer Versammlung, welche morgen, abends 8 Uhr, in Beckers Gesell- schaitshaus stattfindet, besprochen werden. Interessenten sind ein- geladen. Johannisthal. In der Gemeindevertretung wurde u. a. auch über eine Schadenersatzklage gegen einen auewärligen Gemeinde- Vertreter G in B. verhandelt. Dieser hatte sich erboten, der Ge- mcinde für 12 0< 0 M. Gänse zu liesein. 6000 M. sollten angezahlt und der Nest am Schluß des Geschäftes geleistet werden. G., dem mit Rücksicht aus sein öffentliches Ehrenamt ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wurde, vcranlaßle Zahlung an einen gewissen Lr. in Ebarloitenburg. Nachdem die Lieseiungen vorzeitig eingestellt worden waren, verlangte die Gemeinde Rückzahlung des Restbetrages von 2700 M. Diele leistete weder Br. noch G.. letzterer nahm auch einen Einschreibebrief der Gemeinde nicht an, war tekephonrsch tischt zu erreichen und fühlte sich beleidigt, als die Gemeinde auch ihn für den Restbetrag haftbar machte. Gegen Br. soll Klage ans Rückzahlung, gegen G. solche aus Schadenersatz erhoben werden. Außerdem sollen Strafanzeigen erfolgen, da, nach Anficht der Gemeinde, bewußtes gemeinschaftliches Handeln zum Nachteil der Gemeinde vorliegt. Ein unerwartetes Ergebnis hatte der Antrag dcS Lebensmittelansschusses auf Gründung einer Kriegs- küche. Der Antrag wurde niit sieben gegen vier Stimmen abge- lehnt. Matzgebend war für die Ablehnung zum Teil der Umstand, daß die örtlichen Fabriken sämtlich Kantinen haben, und daß für die Küche Sonderzuweisungen von Lebensmitteln nicht erfolgen, so daß die für die Küche erforderlichen Lebensmittel zum großen Teil den anderen Einwohnern entzogen werden müßten. Bohnsdorf. LebenLmittclverteilung. Vom Sonnabend bis nächsten Mittwoch kommen auf Abschnitt 18 der Lebens- mittelkarte 250 Gramm Graupen und 60 Gramm Grieß zur Wer- teilung. In derselben Zeit werden auf die Nummern 786 bis 1439 der Lebensmittelkarte Abschnitt 16 und die Nummern 1 bis 825 Abschnitt 17 je ein Ei zum Preise von 29 Ps. ausgegeben. Der Anspruch auf die Waren erlischt am Mittwoch. Brotzusatzkarten können bis zum 15. April nicht mehr ausgegeben werden, da der Gemeinde keine solchen zur Verjügung gestellt worden sind. Zuckcrabgabe kann jetzt wieder in normaler Weise erfolgen. Die Hroß-Serlmer Parteinachrichten. Lichtenberg. Mittwoch, den 11. April, abends 8 Uhr, bei Picken- Hägen, Scharnweberstraße 60: Zahlversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über die Lebensmittelversorgung Lichtenbergs. Referent Genoffe Mirus. 2. Aussprache. 3. Verschiedenes. Gencktszdttmg. Schadenersatz für unfreiwillige Kältcfcricn. In einem Groß- betriebe mußten im Januar die Arbeiter plötzlich ihre Tätigkeit ein- stellen, weil die Dampfheizung nicht funktionierte. Gegenüber der Klage der Arbeiter auf Schadloshaltung wandte die beklagte Ge- fellschaft ein, sie sei an der herrschenden Kälte unschuldig gewesen, auch könne sie nichts dafür, wenn der Kohlenlieferant ungeeigneten Koks liefere. Das Stuttgarter Gewerbegericht der- mochte den Standpunkt des Unternehmens nicht zu teilen, es ver- urteilte vielmehr die Beklagte, der Arbeiterschaft den Lohnausfall in voller Höhe zu ersetzen. Die Beklagte wäre, so heißt es in der Begründung, verpflichtet gewesen, die Ärbeitsräumlichkeitcn aus- reichend zu heizen. Die Arbeiter haben einen Anspruch auf Ersatz des ihnen erwachsenen Lohnausfalls. Eine Verpflichtung der Ar- bciter, diesen Lohnausfall durch Ueberstundenarbeit wettzumachen, bestehe nicht. Mus aller Welt. Selbstmord eines unsjarischcn Magnaten. Der Fürst Eugen Zoard O d e s ch a l ch i, Mitglied des ungarischen MagnatcnhauscZ und Grotzgrundbesitzer, hatte im Auftrage des Kriegsministcriums auf seinen Gütern große Fabriken zur Herstellung von Sauerkraut und zum Trocknen von Gemüse, sowie eine Konserven- und eine Schuhfabrik errichtet, deren Leitung in seinen Händen lag. Am Montag früh erschien eine militärische Kommission, die eine Kontrolle derUnternehmun- gen vornahm. Mittwoch abend, während die Untersuchungen noch im Gange waren, zog sich der Fürst in sein Arbeitszimmer zurück und schoß sich eine Kugel in die Schläfe. Finanzielle Schwierigkeiten und eigenartige geschäftliche Manipulationen sollen die Ursache des Selbstmords sein. Lawinensturz. AuS Bern wird gemeldet: Im Val Malenoo hat eine Lawine die Mnfcllahüttc verschüttet. Acht Personen sind tot, zehn verletzt. �ugenKyercmftdtungen. kkövenkck. Am Sonntag, den 8. April fl. Osterfeiertag) findet eine Partie der Arbeiterjugend nach Buckow(Märkische Schweiz) statt. Treff- vuntt srüb 5 1U>r am Schlossvlatz. Abfahrt Bahnhof Köpenick 5.41 Uhr, Abfahrt Schlesochcr Bahnhof 6.53 Ubr. Fahrgeld zirka 3 M. Zahlreiche Beteiligung der Arbeiterjugend sowie Freunde derselben erwartet Der JugcudauSschilß. Smfkaften öer Reöaktion. Juristisch- Sprechstunde am Karfreitag,£ fonnabend, 1. und Ä. Osterfeiertag fällt aus. sveldgraue auf Sylt(30). Die ster- EHESTE| In großer Wnlrl J£kc3cell"Anzöge RoeSi-'Anziige U e erzielter Belnlcleicler Billige Preise ,........ Sclr warze-------- l 1 GelnrocR- Anzüge j j 45, 50, 55. 60, 65. 70. 75. 80 M.! AER SOHN ChausseestrAfse 29/30 Qr. Fr«jpkf»'r*. Sir. 20 BERLIN 11 BrQdien- Strebe 11 nrpr. 189� Schfineb.. Hju'pfrtr. 10 Karfreitag von RS S geöffnet. o Haben Sie emvieble nach Maß passend Searbcitcle StUtroinfsgen sowie Crncbbandagcn aller Alt, Leibbinden. Stütztorsetis usw., Artikel zur Gesundbcits- u. Krankenpflege.* Pollmann, Landagist, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. Spezial-ilrzt I>r. med. 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Nur wenn Sie eme von der OrtSbchördc beglaubiatZ Bescheinigung vorlegen können, wonach Ihnen die Kartoffeln als.Aefchenk gegeben wurden.—"JH. SV. 30. Sicht. R. W. 101). Der Rcntencinspruch mußte innerhalb drei Monate nach seiner Zustellung eingelegt werden: diese Frist ist von Ihnen vcrfäumt.— Anna 16. Das uneheliche Kind hat kciney Erbanspruch an den Nachlaß des Vaters.— Steuer 1000. Die TcuerstmaSzulagen sind steuerpflichtig. — G. G. 1K. 1. u. 2. Bei Eugen Dicderichs in Jena erschienen und kosten je 1 M. Jederzeit von der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3. zu haben.— I. M. 100. Meldungen erfolgen wohl am besten bei dev Schule des Kindes.— SchlSnz Priest lieh. Hamburgischer Landcsvcrein vom Roten Kreuz, Abteilung Kri egsgcsangcnc, Hamburg, Ferdinandstr. 75. — Iran z 31!. 1. n. 2. Ist verboten, weil die erforderlichen Stoffe der Bcschlagnabine unterliegen.— F. A.-j). Der Ausdruck ist uns nicht bekannt, anscheinend nicht korrekt wiedergegeben.— K. H. 41. Darin sind wir leider nicht bewandert.?te müssen sich daher an einen Fachmann wenden.— S. 80. Die Adresse konnten wir nicht ermitteln.— Papier. 1. Finden Sie im 2. Bande des Adreßbuchs, Teil 2, Seite 203, unter Papier-Jndiistrie. 2. An dersclbeü Stelle, unter Kurz-, Leder- und Spiel- waren.— Erwin 80. Wenden Sie sich an den TranSporlarbeiicrvcrband, Engclufer 14/15.— W. S. 1855. An den städiischcn Administralor, Herrn Handwrann in Blankenfelde.— Fröbc. Ist richtig eingegangen. Dank.— W. W. 1. Ungefähr 16 Millroncn. 2. Zirka 66 Millionen. Ii. W. 89. DaS Sparkassenbuch wird Ihnen nicht ausgehändigt. — 11. 1613. Sic lömiten den Wirt vor das Mictciniguiigsanit faden.— LA. R. W. 100. Gegen die Ablehnung der Rellamation können Sie nichts unternehmen.— W. A. 7. Kriegsclteriigeld kann auch tür die Großmutter gezahlt werden, wenn der verstorbene Enlel ihren Lebensunterhalt ganz oder' vorwiegend bestritten hat,— G. M. 18. Die Unfallrente wird an dw Ehefrau weitergezahlt, auf Grund einer Bollinacht. die der zum HoeresdieUt Eingezogene für die Ehefrau ausstellt. Die Nnterfchrisl unter der Vollmacht muß von der Gemeindebehörde oder vom /Truppenteil beglaubigt lein, sie wird dann an die Berufsgenossenldzast ein- gesandt,— Ii Sc!). 83. Die Kriegswochenhilfe wird auch dann gewährt, wenn die Wöchnerin erst nach dem Tode des.Kriegers niederkommt.— D. B. 173. Sienten aus der Angestclllcnoerfichcrung werden erst vom 1. 1 1918 ab gezahlt.— G. T. i« F. Der Lohnvcrtmg ist deshalb nicht ( gelöst. BSettrrausftditen für bat- mittlere Norddeutsdilanv vi» Sounadend urktialr. Ziemlich.mild, vorwiegend wolkig, östlich der Oder s größtenteils trojfcu i weiter westlich geringe Niederschläge. Jeto sei gerüstet an dem friedlichen Wettkampfo teilzunehmen, der diesem Kriege folgen wird. Hierzu befähigt imi »m cjicberston eine uml'asseude Allgoiueiu- u. fachliche Bildung. 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Beerdigung am Sonnabend, den 7, April, nachmittags 2% Uhr, pou der Leichenhalle des Fried. HojeK in Ahrensjelde ans. Um rege Leleilignug bei der Sfjlciljmg deS ltoLeacu ersuchl ZS/iZ vi« Vetsrewesttung. !!SMl(kiZ'.5terd5-ll.webl!ölWA! itir mSnii. Personen»Her Berufe Groß-Berlin. Am 2. April verstarb unser Mit- | glied, der Hutmacher lZustsv k�fsake. Ehre seinem Zkndcnkenl Tie Beerdigung findet heute ! Freitag, den ö. April, nachmit- tagS lIA Uhr, aus dem Lichten- ! bergcr'Friedhof in Marzahn statt. ä 290/18 Der Vorstanil. ßeidscWaBb, = Berlin.= Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Reise- schuharbeiter Friedrich Franz verstorben ist. Ehre seinem Zludenkeu: Di« Beerdigung findet am Komiabeud, nachmittags 4 Uhr. auf Sem Georgen-ttirckhos in Äeißeujee, Rötclestraße, statt. 170?2 via Srterervsltiing. VoNcs. k'ellerbeLtzLlili�- 'ttm GraS-Berlin Verwaltungsttelie Berlin. Nachruf. Ten Kollegen zur Räch- richt, daß nnscr Mitglied, der Schlosser (histav Kreniling Liebenwalder Str. 60 am 89. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken: 176/6 Tie OrtSverwaitnug. Tie chiibücheruiig unseres verstorbenen Mitglied«» Herr» ziberl ¥o!ksdorf Berlin, Stralsunder Str. 82 I findet heute Freilag, nachmittag« 1 Uhr, im Berliner Krematorium, Gerichtstraße 87, statt. 290/17 Ehre seinem Zlndenke» l yeM der freien Gast- and I Scbankvirle Dealscfalunls. Zatalntelle Berlin. Ten Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Neinricd l�ode Triststr. 9, Bezirk 1. am 3. Aprü verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Di« Beerdigung findet am tronnabend, den 7. April, nach- mittags Ist, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofe«, Müller. ftraß«. Ecke Seestraße, aus statt. Uni rege Beteittgmlg ersucht 76/19 Tie Ortöverwaltuna. Sonntag, de»!. April, ver- schied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Tischler 66» Mred Matzkow im Frühling seines Lebens. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Tie Kolleginnen und Kollegen der Firma Rnmhler. Abteilung Lichtenberg. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach. richt. daß unser lieber Sohn und Bruder 12A AM Matzkow nach sechitägtger schwerer Krank- hcit verstorben ist Die? zeigen tiesbetrübt an Hermann Btatzkow M—- w.i , I o!« Eltern. arie Mahlow geb. Danischnetder, Georg Mahlow. Karl Mahkow z. Z. im Felde. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittag« 5 Uhr. vom Trauerhauic, Petersburger Straße 87, ans statt. Danksagung. Für die Beteiligung bei der Be. erdigung meine» lieben Manne« sage ich den Kollegen der Ga«werle m Schmargendors meinen herzlichsten Dank. IVA LIlssbelb Leider. Commepz- und Disconto- Bank. _ Bilanz per 31. Dezember 1916._ Aktiva. Kassa, fremde Gcldgorten, Zinsscheino und Guthaben bei Koten- und Abrechnnngsbanken............... Wechsel und unverzinsliche Schatzamvoisnngen....... Kostroguthaboa bei Banken und Bankflrmen. Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere.., Vorschüsse auf Waren und Warenverscbiflungen....... davon am Büanztago gedeckt: «) durch Waren, Fracht- oder Lagerscheine. Tl. 1 021 663.81 b) durch andere Sicherheiten........ 121 000.— Eigene Wertpapiere: a) Anleiben und verzinsliche Schatzanwoisungen des Reichs und der Bundesstaaten................ b) Sonstige hei der Keichsbank und anderen Zcntralnoten- banfcen beleihbare Wertpapiere............ c> Sonstige börsengängige Wertpapiere.......... dj Sonstige Wertpapiere................ - Konsortiaibeteiligungen.................. .Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Baakfinaen.. Debitoren in laufender Rechnung: a) gedeckte.................... b) ungedeckte..................... .Außerdem: Aval- und Bdrgschaftsdebitoren M. 31 173 539.35 Bankgobäudo und Inventar in Hamburg, Berlin, Kiel, Hannover, Altona, Leipzig und Altonburg............. Sonstige Imraobiiien................... abzüglich Hypotheken................. Passiva. Aktienkapital.................. Reservefonds T.................. Reservefonds II................. Tatonsteaer-Eückötollung.............. Beamten- Pensions- und Uhteratützungs-Fonds..... Kreditoren: a) KostioverpfUchtnugen.............- b) seitens der Kundschaft hei Dritten benutzte Kredite o) Guthaben deutscher Banken und Banhflrmen... dj Einlagen auf provisionsfreier Rechnung 1. innerhalb 7 lagen fällig...... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig 3. nach 3 Monaten fällig.......__________ e) sonstige Kreditoren: 1. innerhalb 7 Tagen fällig........ M. 167 495 000.54 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig..„ 76 802 958.60 3. nach 8 Monaten fällig......... ���lOjeSSBAOl Akzepte und Schecks: a) Akzepte....................... b) noch nicht eingelöste Schecks............. Außerdem: Aval- und Bürgschaftsverpflichtungen........... M. 31 173 539.35 Dividenden-Rückstände.................. Reingewinn........................ M. 135 127 136.71 „ 107 693 716.61 _ 17 998 980.96 M. Pf. 10 219 561 23 471 346125 12 875 001:87 3 649 578,29 172133 596.75 48 681 563.58 2 820 500;— 1 671 700!— M. Pf 17 735 322 34 2 755 518 94 49118 55916 260 819 831 28 286 181 785 15 26 138 696— 1 488 076.98 M. (Pf. 18 493 829 83 269 022 099:76 51 765 366 85 126 192 203127 4 241 802(89 27215 487,64 16 424 924 53 12 332 040;- 221 115 151:33 6 740 000;- 1 148 800;— 754 991 715 W M. Pf. 65 000 000;- 8500 000— 6 550 731 83 651 490 1 474 902 30 616 91102017 27 626 772 93 47 89630 8 228 901 77 754 991 715 Gewinn- und Verlust-Rechnung für das Geschättsjabr 1916. Ausgabe. Unkosten......... Steuern.......... Abschreibung auf Bankgebäude und Inventar....... Reingctvinn........ M. ,Pf. 5 892 711 80 6£fr879'15 476 782:23 8228 901)77 15 285 27ö!23 Hinnahme. Gewinnvortrag von 1915... Zinsen.......... Provision......... Gewinn auf Sorten und Zinsscheine»»..»«..» M. Pf. 634 301-SS 9 426 920 69 5 010 26948 218 792'o2 Hamburg, den i AprU 1917. 15 285 275125 1853L Der Vorstand. Möbelfabrik Rob. 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Durchwachte Nächte, Tage vhnc Nachricht, in brennender Unruhe verbracht, mindern die Kräfte des Körpers, der allen schädlichen Einflüssen auch durch die wenig gute Ernährung zugänglicher wird. So entsteht da und dort, unvermutet und plötzlich ein Ausbruch aus dem krampfhaft vcr- steckten Leid, der nagenden Angst, ein Ausbruch, der ein Zusammen- bruch ist unter furchtbarster Lgst.— Ein erschütternder Fall ereignete sich vor kurzem in einer kleinen Stadt. ES war Sonntag. Schneetreiben in den schmalen Straßen. Tic Flocken wie große, Weiße Schmetterlinge um die trüben Laternen huschend. Wenig Leben. Nur vor dem Kino, das neben einem mehraktigen Sensationsstück Bilder aus dem Kriege versprach, drängten sich die Menschen. Biel Soldaten, aber auch Frauen und junge Mädchen. Im Inneren des Kinos herrschte eine kaum atembare Luft. Der ganze kleine Raum war gestopft voll von Menschen, der irgendwo surrende Ventilator schaffte nicht genügend frische Lust. Bor vielleicht hundert Menschen zog die flimmernde Leinwand vorüber. Vor Menschen, die zum Teil vielleicht nur hierher ge- gangen waren, um sich für eine Stunde zu zerstreuen, die Ge- danken, die wochentags bei der Arbeit immer auf einen Punkt ge- richtet waren, abzulenken, einmal für kurze Zeit zu vergessen, was das Leben so schiver machte. Die lustigen Stücke fanden am meisten Beifall, sicher weil es ihnen am besten gelang, die Herzen zu befteien. Im Kino wechselt ernst und heiter sehr rasch. Einen Augen- blick flammt das Licht auf. Die Stimmen schwirren, hier und da »och ein Lachen über das eben gesehene Stück, da verkündet die rote Aufschrift auf der Leinwand:„Soldatengräber in Frankreich." Es wird loieder sinstcr. Eine bange Stille erfüllt den dumpfen Raum. Dann sieht man lange Äeihen sorgfältig angelegter Gräber, unendlich viel Gräber, saubere Wege, schlichte Kreuze, hier und da schwankende Lebensbäume. Plötzlich durchbricht ein Schrei die Stille. Ein Angstschrei, aus gepreßter Brust hervorgestoßen, wie ihn ein Mensch in höchster körperlicher oder seelischer Oual herausschreit. Man begreift nicht gleich. Ist Feuer? Man steht auf, versucht zu sehen, wird nicht bald Licht? Der Schrei wiederholt sich, nicht lvcnigcr furchtbar als das erste Mal. Vorn, das sieht man jetzt undeutlich, steht eine Frau und versucht sich durch die Reihen zu drängen. Sie schreit, weint, will auf die Gräber, schluchzt, man sieht die Menschen vor ihr zurückweichen, sie utuß Entsetzliches in ihrem Blick haben, in ihren Zügen. Sie will auf die Leinwand zu und ruft jetzt immer: »Ihr meine Kinder! Alle meine Kinder! Meine Kinder!" Da flammt das Licht auf. Die Unglückliche ist allen Augen sichtbar. Sie steht mit nach der Leinwand ausgestreckten Händen, auf der eben noch die Gräber sichtbar waren. Man fühlt mü> alle wissen es plötzlich: Sie ist wahnsinnig geworden. Sie ist ein junges Weib, hübsche Züge, keine Trauerkleidung, so daß man nicht an- nehmen kann, daß einer ihrer Lieben gefallen sei. Tann wäre sie ja auch nicht hier gewesen. Vielleicht steht ihr Ätann im Feld. Die Angst um ihn hat sie zermürbt. Und vor diesen zahllosen Gräbern brach sie zusammen. Das ertrug ihre kranke Seele nicht mehr. Sie wird irr. Fühlt sich aber ihrem eigenen Schmerze cnt- wachsen, als Mutter der Menschheit vielleicht, als Weib, und ruft, als ihr Geist sich schon umnachtcte: Ihr meine Kinder! Alle meine Kinder!— Sie ließ sich willig hinwegführen. Sie war ganz abwesend. _ H. G. Der Kreuzestod. Die Tötung am Kreuze gehört wohl mit zu den allergrausamsten TodeZarten, unter denen jemals Menschen hingerichtet worden sind. Mit angenageilen Händen und Füßen und so angeschlagen, daß eine Verbluiung nichr eintreten konnle, stundenlang und wohl auch manch- mal einen ganzen Tag am Kreuze zu hängen, ohne den ersehnten Tod finden zu können, der nackte Leib den beißen Sonnenstrahlen ausgesetzt, von einem furchtbaren Durst geplagt, das ist eine Strafe, die man sich nur als in der Gedankenwelt eines blutgierigen Despoten entstanden denken kann. Bei den Babyloniern. Mcdern und Persern war der Kreuzestod schon bekannt und wahrscheinlich haben sie diese Tortur von den Asnirern übernommen. Auch die Syrier und Phönizier wandten diese Todesstrafe oft an, und von den Phöniziern und Karthagern dürste dann die Kreuzigung auch in andere Länder eingedrungen sein. Auch im alten Griechenland war diese TodeSart nichts Seltenes, dagegen wurde sie bei den alten Aegyptern in einein geringeren Umfange angewandt. Aber nicht nur Sklaven, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht oder die sich den Zorn ihres Gebieters zugezogen hatten, Ausrührer und Gotteslästerer, wie Jesus nach der Meinung der Juden einer war, wurden durch die Kreuzigung hingerichtet. Vielfach erlitten diesen Tod bei den allen Völkern auch die Kriegsgefangenen. Namentlich solche Krieger, die besonders taprer gekämpft hatten, wurden, wenn sie dann in die Gewalt des Gegners fielen, durch Kreuzigung hingerichtet. So wurden aus einen Machlspruch des DariuS nach der Eroberung Babylons 3000 Kriegs geiangene an daS Kreuz geschlagen, und auch Alexander der Große ließ Tausende Kriegsgefangene den Kreuzestod sterben. Der letzte Staat des Altertums, in dem die Kreuzigung in großer Zahl vorgenommen wurde, war Rom. War die Kreuzigung vorder mehr eine Strafe, die aus der Willkür von Despoten oder au-Z Machtsprüchen blut« dürstiger, siegreicher Heerführer angewandt ward, so wurde sie im Römischen Staat zu einem gesetzlichen Strafmittcl. Unter Kaiser Konstantin verschwand der Kreuzestod. In neuerer Zeit blieb nur noch China das Land, in dem Menschen für begangene Uebeltalen den Kreuzestod erlitten._ die dreiviertel. Bei Eduard Schultea'-bm- a Uhr(kl fr.J: Rose Bernd. Theater i. d, Königgratzerstr, Dir. C, Meinhard— R. Bernauer, Ifeuta aeschloesen Morgen 7*1, Uhr: Totentioi t. Teil. Komädienhaus Heute goschlossoa. Morgen 7*1, Uhr: Paul lande und Tora Parsberj. Berliner Theater; Heute genchlosscn. Morgen 7'/, Uhr: Erdgo!»t. Sessing-Theater. Heut« goachlos.'.Hn. Sonnabend 7*1, Uhr: Utphe. Sonntag 7 Uhr: l'cer t-z nt. ßsutseli.Jlütistler'Tltßater. Heute geechloitscu. Sonnubead 7 Uhr: Eetaont. Sonntag: Der Kammersänger. Comtesse Mlrzi. I. Klaese. URANIA TaubenstroSe 45, HS. Morgen, Soonsbend, 6 Uhr: Direktor Franz Goerke: Heimatland und Heimatliebe. Relchshallen-Tbealer. Heute keine Vorstellung;! Sonn,?';. U.s„Stettiner Sänger-', An beiden Feiertagen nachmittag» 3 Uhr: VorMtelluutr zu crmbülsten Preis.! 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Morg.T'ljU.: D.Warschauer Zitadelle. »chlllcp-Theatep O, Heute geschlossen. Morgen 71/, Uhr: Hinter Mauern. Schillor Th.Ciiarlottcnbg. vi, uiu: Oratorium. tuIC: Johannes. Tbslia.Thcater. Heute geschlossen. Morg. 7 u. 25 Min.: Hagemanns Tdcht Theater am\ollen'!._ Teppick-Tbowas, vranienstr. 41 svottbllltg tarbteblerbaiie Teppiche, Gardinen. VorwSrlSleler« 5 Prozent (txlrsrabatt_________ 114' Kostüme, ZovertcoatS, Seiden« mäntel, Glockenröcke, Seidenblusen nerkoust in selchen Macharten Fan, hhausseestraffe 43, eineTtepp«.(Rein Laden.) SonniagS geöffnet ftt84I* Päpageteu. äüch meine gut- sprechenden Neliame-Groupapageien wegen Sinberusung billigst. Weide« mann, Neulölln, Hobrechtstraffe 2-i, Papageizenirale._ 24/8* Vbstviiume, Beerenobst, Rosen, Ziergehölze tn reicher Auswahl. Baumschulen Tempelhos, Albrecht- s l raffe. Fernsprecher: Tempelhof 730. Lnubenkolo nie Bahnbos Wittenau (Nordbahn), Endhatlestelle ,28',Par> zclle zirka 35 Ruten 10,00 Mark. Näheres Restaurant Sitlchom, Wittenau. 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