Nr. 96. flbonnementS'ßcdingungen; Ubonnmisut-. DrctZ vränumermido Lierlsljährl. S.SO Sit, ntomtll 1.30 Sit, Ivocheiulich BO Pjg. frei IN- Hau!. einzelne Nuiinner ö Vig. SonniaxS- nniiuner niil illulMener SoimtagS» Beilage»Die Neue Well' 10 Big. Boil- kibonneuienl! l.A Mari uro Mona!. kir.getragen in die Poil-Zeiumg!- Breisiine. Unter Kreuzband lür Dcmichland und Oejlerreich. Unzarn 2ä'] Start, für da- übrige Ausland 4 Marl xro Sionar. PoüäbonnemeniS nebuien an Belgien. Täneuiari, dolland. I innen, Luzemburz, Poaugai. ' nien. Schweden und die Schweiz. CridielDt uglllb. Vevlinev Volksblnkk. 34. Jahrgims. Die Inftrtlons-GcbQbr betrügt für die fech-gefvaltene Kolonel« «eile oder deren Raum 60 Big., für politische und gewertichaftlkoe vereint» und Bersamuilungs. Anzeigen 30 Piz. Kleine Znreigen". da- icugedniche Won 20 Big,(zuläffiz 2 feligedruiiie Worte), fedc- weitere Won 10 Pjg. Stellengesuche und Schlcritellenmi- I eigen das crite Wort 10 Pig, jedes »euere Wort 5 Lsg. Worte über iö Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Anferaie rar die nächste Runimer Iilüfteii bis b Uhr nachniittaz- in der Eipcditiun »hgegedeu werden. Tie Exbeoiiw» ijt di» I Uhr abend- gehffnet. Zrelegraiiiili-AdreNei .Ssullttirmoliklti iienrn". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfdilands. Neüaktion: Sw. 6$, Liaüenstraße 3. ihernfvrrcher: Amt Moritzplatt. Nr. IS» SV—»S1 S7. Soimiag, den«. Zlpri' li>17. Expedition: SW. v8. Lindenstraße 3. aeruiprecher: Amt Moritzpla«. Nr. ISISU—»älS?. feierliche Mündipng der Ashireform. Amtlich. Berlin, 7, April. Seine Majestät der Kaiser und König hat an den Reichskanzler und Präsidenten des Staatsministeriums Dr. v. Bethmann Hollweg folgen- den Erlast gerichtet: Noch niemals hat sich das deutsche Volk so seft gezeigt, wie in diesem Kriege. Das Bewußtsein, daß sich das Vater- land in bitterer Notwehr befand, übte eine wunderbar ver- söhnende Krast ans, und troü aller Opfer an Blut draußen im Feld und schwerer Entbehrungen daheim ist der Wille unerschütterlich geblieben, für den siegreichen Endkampf das Letzte einzusetzen. Nationaler und sozialer Geist verstanden itnd vereinigten fich und verliehen uns ausdauernde Stärke. Jeder empfand: was in langen Jahren des Friedens unter »nanchen inneren Kämpfen anfgebant ward, das war doch der Verteidigung wert. Leuchtend stehen die Leistungen der gesamten Nation in Kampf und Not vor Meiner Seele. Die Erlebniffe dieses Ringens um den Bestand des Reichs leiten mit erhabenem Ernste eine neue Zeit ein. Als de»n verant- wortlichen Kanzler des Deutschen Reichs und ersten Minister Meiner Regierung in Preußen liegt es Ihnen ob, den Er- fordernissen dieser Zeit mit den rechten Mitteln und zur rechten Stunde zur Erfüllung zu verhelfen. Bei verschiedenen Anlässen haben Sie dargelegt, in welchem Geiste die Formen unseres staatlichen Lebens auszubauen find, um für die freie und freudige Mitarbeit aller Glieder unseres Volkes Raum zu schaffen. Die Grundsätze, die Sie dabei entwickelten, haben, wie Sie wissen, meine Billigung. Ich bin Mir bewußt, dabei in den Bahnen Meines Großvaters, des Be- gründers des Reichs, zu bleiben, der als Kö»ng von Preußen mit der Militär-Organisation und als Deutscher Kaiser mit der Sozial-Reform monarchische Pflichten vorbildlich erfüllte und die Voraussetzung dafür schuf, daß das deutsche Volk in emmütigem, ingrimmigem Ausharren diese blutige Zeit überstehen wird. Die Wehrmacht als wahres Volksheer zu erhalten, den sozialen Aufstieg des Volkes in allen seinen Schichten zu fordern, ist vom Beginn Meiner Regierung an Mein Ziel gewesen. Bestrebt, in fest bewahrter Einheit zwischen Volk und Monarchie dem Wohle der Gesamtheit zu dienen, bin Ich entschlossen, den Ausbau unseres inneren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens, so wie es die Kriegs- läge gestattet, ins Werk zu setzen. Noch stehen Millionen Volksgenossen im Felde,«och muß der Anstrag des Meinungsstreits hinter der Front, der bei einer eingreifenden Berfassnngsändernng unver- weidlich ist, im höchsten vaterländischen Interesse verschoben werden, bis die Zeit der Heimkehr unserer Krieger ge- kommen ist, und fie selbst am Fortschritt der neuen Zeit mitraten und-taten können. Damit aber sofort beim glück- lichen Ende des Krieges, das, wie Ich znversichtlich hoffe, nicht mehr fern ist, das Nötige und Zweckmäßige auch in dieser Beziehung geschehen kann, wünsche Ich, daß die Borbereitnuge«»mverweilt abgeschlossen werde«. Mir liegt die Umbildung des preußische« Landtags und die Befreiung unseres gesamten innerpolitischen Lebens von dieser Frage besonders am Herzen. Für die Aendernng des Wahlrechts zum Abgeordnetenhanse sind auf Meine Weisung schon zu Beginn des Krieges Vorarbeiten gemacht worden. Ich beauftrage Sie nnnmehr, Mir bestimmte Borschläge des Staatsministeriums vorzulegen, damit bei der Rückkehr unserer Krieger diese für die innere Gestaltung Preußens grundlegende Arbeit schnell im Wege der Gesetzgebung durchgeführt werde. Nach den gewaltigen Leistungen des ganzen Volkes in diesem furchtbaren Kriege ist nach Memer Ueberzenguug für das Klassenwahlrecht in Preußen kein Raum mehr. Der Gesetzentwurf wird ferner nnmittelbare nnd geheime Wahl der Abgeordneten vorzusehen haben. Die Verdienste des Herrenhauses nnd seine bleibende Bedeutung für den Staat wird kein König von Preußen verkennen. Das Herrenhaus wird aber den gewaltigen Anfordermtgen der kommenden Zeit besser gerecht werden können, wenn es in weiterem nnd gleichmäßigerem Umfange als bisher ans den verschiedenen Kreisen nnd Berufen des Volles führende, durch die Achtung ihrer Mitbürger aus- gezeichnete Männer in seiner Mitte vereinigt. Ich handle nach den Ueberlieferungen großer Vorsahren, wenn Ich bei Erneuerung wichtiger Teile unseres fest ge- fügten und sturmerprobten Staatswesens einem treuen, tapferen, tüchtigen nnd Hochentwickellen Voll das Vertrauen entgegenbringe, das es verdient. Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß alsbald bekannt zu geben. Großes Hauptquartier, den V. April 1917, Wilhelm I. R. von Bethmann Hollweg. An den Reichskanzler und Präsidenten des Staatsnnmsterinms. p--ch-»- flufcrdchuna,|?'Äl|,rltfÄt.SS Die Auferstehung der inneren Freiheit Preußens— das ist ein Zieh für das sich seit mehr als hundert Jahren die besten Kräfte und Köpfe des Volkes mühen, ein Zieh das uns den Weg freigibt zu höherer Eni Wicklung und Kultur, ein Ziel, dessen Notwendigkeit und Dringlichkeit der Weltkrieg uns mit jedem Tage seines Wütens deutlicher vor Augen geführt hat. Der Auferstehungstag des dritten Kriegsjahres 1917— wird er dereinst in der Geschichte als der Auferstehungstag des alten Preußens zu neuer Entwicklung dastehen?— Er hat uns eine Verheißung gebracht, die freilich noch nicht die Auferstehung selbst ist, aber eine Verheißung, die hofp uungsvoller und zukunftssicherer ausschaut, als alle früheren Ankündigungen zusammen. Die königliche Botschaft an den preußi. s ch e n M i n i st e r p r ä s i d e n t e n, deren Text uns in später Nachtstunde übermittelt wird, ist diese neue Verheißung.„Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube," das ist ja auch ein Osterwort, das wir bei früheren Ankündigungen oftmals und leider mit Recht gesprochen haben: es sei nur erinnert an die Thronrede des Jahres 1998. Und diese Eni täuschungen einer früheren Zeit haben eS mit sich gebracht, wenn wir den sicher ehrlich genteinten Versprechungen des Ministerpräsidenten von Bethmann Hollweg gegenüber einen Rest von Mißtrauen bewahren mußten, nicht als ob wir seinen guten Willen anzweifelten, die Neuorientierung durchzu führen, wohl aber seine Macht, es zu können. Aber angesichts der jetzigen Ankündigung dürfen wir hoffnungsvoller und vertrauensvoller in die preußische Zu« kunft blicken. Diese Ankündigung kann unmöglich wieder in das wesenlose Nichts der verhallten Worte und verstaubten Akten zurücksinken. Dafiir sprechen drei gewichtige Momente: ihr feierlicher Ernst, die Zeitumstände, in denen sie zu uns gelangt, vor allem aber der innere Geist, der aus ihr spricht Betrachten wir zunächst die Form. Der Monarch selber setzt sich für die Neuorientierung in Preußen ein. Gegenüber den bisherigen Ankündigungen des Ministerpräsidenten ließ sich einwenden, daß sie ihn n u r f ü r s e i n e P e r s o n binden, Saß sein Nachfolger sie verleugnen und abschütteln könnte. Dieser Einwand entfällt jetzt. Denn dadurch, daß die Stelle, welche über Bleiben und Wechsel der Minister entscheidet, die Garantie für die Durchführung der Neuorientierung über nimnit, verpflichtet sie sich, auch im Falle eines Minister Wechsels keinen Mann mit der Leitung der preußischen Staats gcschäfte zu betrauen, der nicht mindestens in dem selben Maße die innere Reform betreibt, wie Herr von Bethmann Hollweg dies getan hätte. Die Umstände: Wir brauchen hier keine Worte zu ver liercn. Vergegenwärtigen wir uns nur, daß der Minister Präsident selber die Neuorientierung als eine Lebensnot. wendi gleit für das deutsche Volk bezeichnet hat, ohne deren Erfüllung es in Zukunft nicht mehr würde existieren können. Schließlich der Geistl Wir stchen hier vor einem Bruch der Regierung mit jenem gefährlichen, fälschlich auch alt preußisch genannten Geiste, der bisher die Fortentwickelung unserer inneren Zustände wie ein unerträgliches Bleigewicht hemmte. Diese Botschaft ist entgegen dem Geiste der bureau kratisch-reaktionären Verknöcherung, die in unserm stagnie rcnden Verfassungszuständen bisher einen sicheren und be quemen Hort fand; sie fetzt nicht eine schlechte Tradition fort, die unfern Staatswagen auf ein falsches Gleis und vor eine Gefahr geschoben hat, deren Größe wir erst jetzt voll er« kennen. Betrachten wir, was uns die Botschaft verheißt. Eine gründliche Reform des Dreiklassenwahlrechts, also das, was von mis stets als der springende Punkt unserer inneren Politik angesehen worden ist. Daneben eine Reform des preußischen Herrenhauses, deren Einzelheiten sehr unbestimmt sind. Das direkte und g e h e i m e Wahl recht wird ausdrücklich zugestanden. Dagegen bleibt die Frage des Gewichts der einzelnenStim m e offen. Aber wenn die Botschaft selber ausspricht, daß f ü r e i n K l a s s e n- Wahlrecht kein Raum mehr ist, nach dem, was uns der Krieg gelehrt hat, so muß eine solche Begründung ganz von selber zu der allein möglichen logischen Konsequenz des gleichen Wahlrechts führen. Wer wollte wirklich für ein Volk, wenn Klassenwahlrechte keinen Raum mehr haben, ein abgestuftes Pluralwahlrecht in Vorschlag bringen? Das hieße, den Gedanken in sein Gegenteil verkehren. Aber es ist unseres Erachtens im gegenwärtigen Moment nicht die Hauptsache, scharffinnige Rechenexempel darüber auf zustellen, ob die Regierung 59, oder 75. oder 199 Proz. un- serer Forderungen zu erfüllen verheißt. Wenn die Regierung in manchen Punkten bestimmte Festlegungen vermeidet, so spielt doch sicher auch bei ihr die Erwägung mit, daß das Maß dessen, was burchgesetzt werden kann, nicht von ihr allein, nicht nur von ihrem Willen und Belieben abhängt. Die Regie- ruug ist ja bei der kommenden Neuorientierung auch nur ein Faktor, ein zweiter das Parlament, der dritte und ausschlag. gebende aber das Volk. Iknwre Aufgabe muß es angesichts der Reaierungsbot- schaff sem, alle pölffffchen Kräfte des Volkes für erne möglichst energische und nachhaltige Durchführung der Reform mobil zu niachen. Die Neuorientierung, auch die jetzige Ankündi- gung ist sicherlich letzten Endes das Resultat einer Volks- b e w e g u n g, die mit Macht weite Schichten des deutschen Volkes ergriffen hat. weit über den Rahmen einer Partei, auch unserer Partei hinaus. Will die Regierung sich an die Spitze dieser Volksbewegung stellen, um so besser, wir werden sie nicht hindern, sondern ihr allenthalben die Bahn frei inachen. Je'energischer die Regierung die Initiative ergreift, einen desto stärkeren Rückhalt wird sie an der Volksbewegung finden. Und je stärker die Volksbewegung anschwillt, je un- zweideutiger und machtvoller sie sich kundgibt, desto ent- wird die Regierung ihre Bahn bc- Französische Angriffe bei Sapigneul und Malanconrt scheitern.— Angriff aus deutsche Fesselballons zwischen Soiffons und Reims.— 44 feindliche Flugzeuge überwunden. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 7. April 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Artilleriekampf von Lens bis ArrnS hielt mit kurzen Uuterbrechungen in unverminderter Heftigkeit an. Im Gebiet beiderseits der Somme mehrere Gefecht« kleiner Abteilungen. Die Franzosen beschossen St. Quentin. Bei Lafflinx, nordöstlich von ToissonS, scheiterte ei» stau» zSfifcher Vorstoß. Längs der Aiöne und am AiSne-Marne-Kanal«ah« vielfach das Feuer an Stärke zn. Ein Angriff der Franzosen znr Wiedernahme der ihnen ent- rissen«» Gräben bei Sapigneul wurde verlustreich abgewiesen. Durch Fliegeraufnahme festgestellte Batterien, Munition?- siapcl, Befestigungsanlagen»nd beobachtete Tnippenansamm- lnngrn in Reims wurden von uns unter Wirkungsfeuer ge- nommen. In den Argonnen wurden feindliche Erkundungstrupps vertrieben. Auf dem linken Maas-Ufer griffen nach starker Feuer- Vorbereitung franzäsische Bataillone am Walde von Malanconrt dreimal, aber stets vergeblich, an. Um Artillericbcobachtung und Aufllärnng zu erzwingen, setzten die Gegner starke, zusammengefaßte Luftstreitkräfte ein; sie erlitten schwere Berlnste. Mehrere der feindlichen Geschwader können alS vernichtet gelten. Leutnant Boß schoß sein 24. Flug- zeug, Leutnant». Bertrab 4 Gegner im Luftlampf ab. Zwischen Soissons und Reims unternahm der Feind einen einheitlichen Angriff gegen unsere an dieser Front stehenden Fesselballons. Durch schnell einsetzendes Abwehrfeuer und Ein- greifen unserer Jagdstaffeln hatte der Gegner nicht den erhofften Erfolg; nur zwei Ballons wurde» abgeschossen; ihre Beobachter landeten im Fallschirm. Die Gegner verloren gestern 44 Flugzeuge, davon in Luft- kämpfen 33, durch Abwehrkanonrn 8, durch Notlandung hinter Wer ebenso wichtig, ja noch wichtiger ist der Druck einer solchen Bewegung gegenüber der Rechten. Ein Teil der Kon servativen will wohl die Neuorientierung mitmachen, um sich als bremsendes Gewicht an den Wagen zu hängen. Diese Bremser gilt es zu überrennen. Ein anderer Teil wird frei lich der Neilorientierung mit unversöhnlichem Groll gegem überstehen, weil ihm von ihr die politische Macht genommen wird. So klein dieser Teil zahlenmäßig ist, so ernst ist auch sein Widerstand zu nehmen, eben weil er jetzt die M a ch t h a t. Nötiger als je ist in dieser Situation SieEinheitund Geschlossenheit der Arbeiterbewegung. Mit tiefstem Schmerz muß es jeden ehrlichen Freund ihres Fort- schreitens erfüllen, daß gerade dieser Augenblick sie innerlich gespalten antrifft. Aber ebenso notwendig ist es zum Siege der Volksbewegung, daß die Arbeiterschaft an ihrem Willen der Vaterlandsverteidigung unverbrüchlich fest- hält. Gerade diese verständige und einsichtsvolle Haltung der Arbefterschaft im Ktiege hat die Neuorientierung erst aus einer Partei forderung zu einer allgemeinen Volks- forderung emporwachsen lassen. Jeder Versuch, die Arbeiter- schaft von diesem Wege abzudrängen, wird gerade von den Kreisen als Lichtblick und Hoffnungsstrahl begrüßt werden, die heute schon in banger Sorge grübeln, wie sie der kommen- den Neuorientierung noch in letzter Stunde ein Bein stellen können. Die äußere Situation verlangt diese Haltung mehr als je. Die letzte neutrale Großmacht ist jetzt offen in den Kreis unserer Gegner eingetreten. Ohne auch nur im leisesten von uns bedroht zu sein, ohne die mindeste Nötigung, am Kriege teilzunehmen, hat das„friedfertige amerikanische Volk" uns den Krieg erklärt, nicht etwa von einer absolutistischen Regie- rung überrumpelt, sondern in kaltblütiger Abstimmung eines Parlaments, das unter der Parole„Krieg oder Frieden" ge- wählt war. Und doch wagt man dort von uns als den ge- fährlichen Feinden des Weltkrieges zu sprechen— und führt selber Krieg für die Milliardenprofite der amerikanischen Kriegslieferanten. Wr haben oft betont, daß unser Verteidigungswille un- berührt ist von inneren Fragen. Wir helfen an der deuffchen Verteidigung, weil sie ein Lebensinteresse des Volkes ist. Aber es freut uns, daß die deutsche Regierung in dem Augenblick, wo der neue Feind die alten abgestandenen Phrasen vom Kampf der Freiheit und Demokratie gegen W- solutismus und Militarismus neu aufwärmt, mit dieser Bot- schaft der Außenwelt einen deutlichen Beweis gibt, daß das deuffche Volk seine innerpolitische Fortentwickelung selber besorgt und keine Beglückung von außen her braucht, zumal keine, die auf Kanonenkugeln und Panzerschiffen ßsritten kommt! Freilich, noch mehr freuen als die Versprechung würde uns die Tat! Die Regierung hält die Tat während des Kriegszustandes für unmöglich. Zugestehen können wir ihr. daß, soweit eine Bindung für die Zukunft überhaupt möglich ist. sie uns gegeben worden ist. Sorgen wir dafür, daß die Aufschiebung zum mindesten die Wucht des Handelns ver- st ä r k t, daß die Tat. die dann aber auch bis zum letzten vor- bereitet sein muß. nach der Heimkehr unserer feldgrauen Brüder um so befreiender, um so zukunftsreicher ausfällt. Amerika auf Sem Kriegspfaöe. schiebener und mutiger schreiten können.,. Das gilt auch von den polttffchen Parteien. Nur von Wilson Unterzeichnet ÖIC KnegSeesollttloN der Sozialdemokratie allein weiß man genau, was von ihr in„ r c;„„ ♦ mz.-.t.. fial der inneren Polttik zu erwarten ist. Auch ein Teil des L. W nsh.ngto». 7.«pnl. Prozent©«f« hat bte bürgerlichen Liberalismus kommt als Fortschrittsfaftor in ,o>me die Erklaruu», daß die Bmtntjften Betracht, aber schon hier fehlt es nickst an schwankenden Ge-«taaten sich mft Deutschland m Kriegszustand bepnde«,«nter ftalwu. namentlich wenn man den rächten Flügel der National- s zeichnet. kzerden betrachtet. Das Zentrum hat sich seiner Ge wohnhaft g>nnätz noch nach keiner Richtung gebunden. Es hat> Die Erklärung des Präsidenten widmet besonders ein das gleiche Wahlrecht wohl als Forderung im Programm dringliche Worte den Untertanen feindlicher stehen, aber dies Programm schon oft seinen Freunden� auf S t a a t e n, die in den Vereinigten Staaten leben. der Rechten zuliebe verleugnet. Wer dem Druck einer mächti- zwölf Verordnun gen wird ihnen mitgeteilt, tvas sie gen Volksbewegung können weder die National! iberolen noch der öffentlichen Sicherheit wegen zu tun und zu das Zentrum widerstehen. Sie gtlt es fortzureißen. lassen haben.<3te müssen sich registrieren lassen und haben unseren Linie« Z; ferner durch Luftangriff 1 Feffekdallo«. 5 unserer Flieger sind nicht zurückgekehrt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Genrralfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayer». I» zahlreichen Abschnitten rege Feuertätigkeit. Borstößc von rnsfischen Streifabteilungcn bei Baranowitschi und südlich von Stanislau wurde» zurückgeschlagen. Front des Generalober st Erzherzog Joseph. In den Waldkarpathen und den Grcnzbergen der Moldau vielfach Borfeldgefechte. Heeresgruppe des GeueralfeldmarschallS von Mackensen. Keine Aendernng der Lage. Mazedonische Front. Zwischen Bardar und Dojran-Sce täuschten die Engländer nach starkem Feuer durch Kommandos und Hurrarufe cilien Angriff vor. Unser Vernichtungsfeuer lag wirkungsvoll auf den besetzt erkannten feindliche« Gräben. Der Erste Geueralquartiermeistcr. Ludrndorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 7. April. Abends. Bei regnerischem Wetter blieb die Artillerie- tätigkeit im Westen gegen die der Vortage au Stärke zurück. Vom Osten und aus Mazedonien sind keine wichtigen Ereignisse gemeldet! Der österreichische Bericht. Wien, 7. April 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Inden Waldkarpathen und südlich von Stanis- lau stießen russische AnsklärnngSabtrilungeu vergeblich gegen unsere Linien vor. An vielen Stellen Lorseldgeplänkcl. Italienischer«nd südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereigniffe. Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabcs von Hoefer, Feldmarschalleutnant. die Aussicht, ihre Bewegunsfreiheit durch Zivilgefangen- schaft aufgehoben zu sehen, sobald sie für gefährlich gelten. Washington, 7. April. Ter Senat hat den ersten Kriegs- kredit von 199 Millionen Dollar bewilligt. Der Präsident kann hierüber nach eigenem Gutdünken verfügen. London, 7. April. Wie die„TimeS" ans New Zork ver- nimmt, soll das Kriegsbudget, das die Regierung eingebracht hat, 3499 Millionen Dollars betragen, wovon 3 Milliarden Dollars für die Armee verwandt werden sollen. » Washington, 6. April. Reutermeldung. Das Justiz- departement hat Haftbefehle gegen 65 Deutsche erlassen. Tie Mobilisierung von Heer und Flotte und der neuen Küstenpatrouille von Motorbooten ist an- geordnet worden. Amerika unü deutschlanüs verbünüete. Washington, 6. April. Bon unterrichteter Seite verlautet, die Vereinigten Staaten würden die Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bulgarien nicht abbrechen, noch ihnen den Krieg erklären, solange sie nicht dazu gezwungen würden. Gestern bereits wurde bekannt, daß Oesterreich-Ungarn die diplomatischen Beziehungen zu Amerika abgebrochen l?at. Aus diesem Schritt wird sich die entsprechende Haltung der Vereinigten Staaten— zunächst Oesterreich gegenüber— ergeben. Die Abstimmung im Repräsentantenhaus. Washington, 7. April. Staatssekretär L ansing dementierte die Behauptung des Abg. M i l l a r d über Zimmermanns Brief in der mexikanischen Angelegenheit. Millard hielt jedoch seine Behauptungen anstecht und erklärte in seiner Begründung, dost da? Dementi LanfingS nur deshalb erfolge, um mit Mexiko auf gutem Futze zu bleibe l- In der Nachmittagssitzung des Repräsentantenhauses war bei den Abgeordneten nur wenig Interesse für die Debatte wahrzunehmen. Erst alS der Führer der Demostaten, Kitchin, sich gegen die Rcso- lntion erklärte, nahm daS Jnteresie wieder zu. Man hatte allgemein erwartet, daß er für die Resolution stimmen würde. Kitchin setzte auseinander, dah keine Angriffe auf amerikanisches Grundgebiet unternommen und in keiner Weise die Lebensinteressen Amerikas angetastet worden seien., Die Debatte über den Kriegsbeschlutz dauerte den ganzen Abend an und wurde bis tief in die Nacht hinein fortgesetzt. Mann, der Führer der Republikaner, gab die Er- klärung ab, dah Deutschland Amerika absichtlich gekränkt habe und nur ein Krieg mit Deutschland die nationale Ehre Amerikas rächen könnte. Der demokratische Abgeordnete Heflin wandte sich in seinen Ausführungen gegen Kitchin und nannte dessen pazifistische Rede eine Schande für die Bereinigten Staaten. G a r d n e r führte aus, datz die Amerikaner nicht für 200 verunglückte Landsleute den Krieg beginnen, sondern für die Rechte der Menschheit. Lange schon haben wir gelitten. Andere Nationen tragen unsere Last im Kriege für die Freiheit. M i tz R a n l i n. der einzige weibliche Abgeordnete, satz mit gebeugtem Haupt da und antwortete nicht als ihr Name zum ersten- mal aufgerufen wurde. Beim zweiten Aufruf erhob sie sich und sagte:„Ich will meinem Lande Helsen, aber ich kann nicht für den Krieg stimmen!" Zuletzt war ihre Stimme kaum hörbar und man nahm an, datz sie gegen die Kriegs- reiolution gestimmt habe. Deschlagnahme der üeutschen Schiffe. New Dork, 7. April. Sofvrt nach Annahme der Kriegs- resolution durch den Kongreß wurde angeordnet, die deutschen Schiffe in New Jork, Boston, Baltimore und New London zu beschlagnahmen. Diese Maßnahme wird sich vermutlich auch auf alle anderen amerikanischen Häfen, wo deutsche Schiffe vor Anker liegen, erstrecken. Der Sekretär de» Schatzamts hat befohlen, nicht mitzuteilen. wozu diese Schiffe gebraucht werden sollen. Offiziell wird erklärt, daß die Beschlagnahme der deutschen Handelsschiffe nur eine Sicherheitsmaßnahme für die Schiffe selb st und das umliegende Eigentum darstelle. Die Besatzungen der Dampfer würden als deutsche Reservisten angesehen werden. Ein weiteres Vor» gehen gegen die Handelsschiffe werde in Erwägung gezogen. Tie Zahl der in amerikanischen Häfen liegenden Schiffe beträgt insgesamt 91. Nach einer Reutermeldung find un- gefähr hundert deutsche Schiffe— also alle 91— in Beschlag genommen. Die kubanische Regierung für Kriegs- anschluß. Washington, 6. April.(Reutermelduog.) Aus Havanna wird gemeldet, daß der Präsident Menocal dcu Kongreß ersucht hat, zu erklären, daß zwischen Kuba und Deutschland der Kriegsznstand ein- getreten ist. Stärkung des inneren Ticherungsdienstes. Washington, 6. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Senator Lodge brachte im Senat einen Gesetz- cntwurf ein, durch den der Kriegssekretär ermächtigt wird, die zur Verfügung stehenden Gewehre samt der Muni- tion den Mannschaften des inneren Siche- rungsdienstes in allen Staaten und Territorien aus- zuhändigen. Steigerung der Lebensmittelerzeugung. Washington, 6. April.(Reutermeldung.) Der Senat hat einen Antrag angenommen, worin das Landwirtschaftsdepar- tcment aufgefordert wird, für eine stärkere Erzeugung von Lebensmitteln zu sorgen. Llopü George an üas amerikanische Volk. Lloyd George, der in letzter Zeit auffallend verstummte, bat einer Anzahl amerikanischer Preßvertreter im Nomen des KriegsausschusseS des britischen Kabinetts eine Kundgebung an das amerikanische Volk übermittelt, in der Mlson und Amerika mit einer Flut von schmeichlerischen Worten über- schüttet werden. Zum Beispiel heißt es darin: „Das amerikanische Volk hat sich zurückgehalten, bis es völlig davon überzeugt war. daß der Kampf nicht ein niedri» g e s Ringen u in Macht oder Besitz ist. sondern ein selbst- loser Kampf, um die finsteren Anschläge gegen Menschenfreiheit und Menschenrecht zu unterdrücken." Wie werden die Kriegslieferanten Amerikas, die mit Dollars und Waffenzeug übers Meer zu handeln bereit sind, bei dieicn Worten begeistert schmunzeln I Einen„K r e u z z u g" nennt Lloyd George den Krieg, den Amerika unterninnnt. Er faßt Wilsons Kriegsbotschast zusammen und sagt: Drei Wendungen würden für immer in der Geschichte dieses Kreuzzuges bedeutungsvoll bleiben: „Die erste ist die. daß die Welt Sicherheit haben muh für die Demokratie. Die nächste ist die, daß eine Bedrohung des Friedens und der Freiheit in dem Bestreben einer autokratischen Regierung liegt, die gestützt wird von einer organisierten Macht, die nur ihrem Willen untersteht und nicht dem Willen des Volkes. Der Ausspruch aber,, der die Ansprache des Präsidenten krönt, ist der, daß eine feste Vereinigung für Frieden nur aufrecht erhalten werden kann, wenn demakratische Nationen die Teilnehmer sind." � Lloyd George erklärt, auch das englische Volk glaube an dieie Worte, und er flötet abermals das bekannte Lied von der„Achtung vor den Rechten und Freiheiten der Nationen, der großen und der kleinen, und der allgemeinen Herr- schaft des öffentlichen Rechtes". Er sagt auch bei dieser Ge- logenheit,„ein unerbittlicher Feind aller dieser Vorbedingun- gen sei die preußische� Militär-Aubtokratie". Im weite- rcn Verlaufe des Weltkrieges wird aber wohl die Stunde nicht ausbleiben, wo die amerikanische Regierung England bei Lloyd Georges Worten nimmt und für Amerikas Rechte und Freiheiten zur See Forderungen erhebt, die den englischen Staatsmännern schon vor Jahr und Tag in Noten aus Washington sehr dringlich namhaft gemacht wurden. Die eng- lische Sce-Autokratie ist zwar nicht von Amerika erschüttert worden, aber den Prosit wird die Dollar-Demokratie ge- wissenhaft für sich einzuziehen wissen. * Auch Asquith hat an das amerikanische Volk eine Kund- gebung gerichtet, die der Beredtsamkeit des Präsidenten schmeichelt, sein« Rede für englische Zwecke ausnützt und schließlich verkündet, die Sonne werde nicht untergehen,„bis die beiden großen englisch sprechenden Demokratien mit ein- ander als Brüder in der Arbeit und Brüder im Kampfe jauchzen können über den Triumph der Freiheit und des Rechtes". Plan kennt die Weise und kennt den Text..., Italien angelt nach üem Dollar. Lugano, 7. April. Die Besserung der italienischen Valuta hat ihren Grund in der neuen Kriegsanleihe, die der Schatz- minister Carcano jüngst in London eröffnet erhielt. Weiter sucht Italien jetzt in Amerika eine große Anleihe aufzunehmen, weshalb der Schatzminister mit dem amerikanischen Gesandten in Rom unterhandelt. Die Macht des Arbeiter- und Solöaten-Rats. Abwehr gegenrevolntionärer Minierungen. Amsterdam, 7. April. Der Petersburger Korrespondent per„Times" meldet: Die Agitation für eine sofor- tigeErrichtungderRepublik tritt zurzeit am stärk- sten in den Vordergrund. Aber noch immer können sich zahl- reiche Elemente in Rußl«md mit der Abschaffung der Mon- archie nicht bsfreundsn. Ein sehr großer Teil der Bevölkerung ist für eine konstitutionelle Monarchie. Hierz» gehören viele Kosaken, und außerhalb Petersburgs ist die Mehr- heit der Soldaten der Ueberzeugung, daß Rußland ohne eine gewisse Form der Monorchie nicht bestehen kann. Ter Korrespondent sagt weiter: Der Zertreteraus- sch u ß der Arbeiter und Soldaten hat viel Gutes getan, aber auch außerordentlich vi«! Schlimmes. Die Orga- nisation, die er schuf, ermöglichte der Regierung, die im Tau- rischeu Palast gebildet wurde, die ersten Leidenschaften des bewaffneten Pöbels in Schranken zu halten. Aber der Aus- schuß bereitete den aufrührerischen Geist unter den Trup- Pen außerhalb Petersburgs vor, und er war verantwottlich für die Ausschreitungen in Kronstadt und Heising- s o r s. Durch die Verkündigung der Theorie, daß dre vor- läufige Regierung nur soweit Gehorsam finden müsse, als ihre Handlungen den Beschlüssen des Ausschusses entsprächen, hat er die Aufgabe der vorläufigen Regierung außerordent- lich erschwert. Der Ausschuß wurde von extremsten Elemen- ten beherrscht. Gegenwärtig üben vier Körperschaften eine zum Teil ge- setzgebende und eine zum Teil exekutive Gewalt aus, nämlich die vorläufige Regierung, der ausführende Ausschuß der Duma, der Militärausschuß der Duma und derVertreterausschußderArbeiter undSoldaten. Mit Ausnahme des letztgenannte» unter- stützen sie loyal das neue Regime. Der Vertreteraus- schußbeschloßvoreinerWoche unter dem Vorwand, daß er eine Gegenrevolution fürchte, alleMitglieder des ausführenden Ausschusses der Duma und der vorläufigen Regierung zu verhaften. Der Plan wurde jedoch durch die Preobratschensky-Garde, die vor dem Taurischen Palais sich befand, verhindert. Ebenso miß- glückte seine Absicht, den Zaren in die Peter- P a u l- F e st u n g zu bringen. Die Kosaken in und um Petersburg haben am Don- nerstag auf einer Massenversammlung eine Resalution an- genommen, daß sie mit den agrarpolitischen Zielen des Soldaten- und Arbeiterausschusses nicht einverstanden sind. Sie wollen sich gegen alle Bestrebungen wenden, das Agrarproblem gewaltsam zu lösen. Aber was die Kosaken auch beschließen mögen, die Regierung wird allen ihren Einfluß verwenden, um die niederzuhalten, die die ge- Heime Macht der Reaktion unterstützen. » Der Kummer des„Timcs"-Korrespondenten über den gewaltigen Einfluß des Rats der Arbeiter und Soldaten ist zu verstehen. Wenn der Rat mit Argusaugen wacht und jeder gegenrevolutionären Regung beizeiten die Schliche durchkreuzt, so stört er mit dieser Arbeit nicht bloß die Pläne der monarchistischen Elemente. Denn auch die Ziele der provi- sorischen Regierung haben zum Teil für ihn gegenrevolutio- nären Charakter. Hinter dem erhitzten Treiben militärischer Manifestationen, das in den letzten zehn Tagen, gefördert von den Provisorischen, stattfand, lauern Anschläge gegen die Macht der breiten Volksschichten, deren Vertrauen der Rat der Ar- beiter und Soldaten besitzt. Die Regierung will das Heer auf ihre Seite reißen, und wenn es gelänge, das Heer aufs neue zum absolut sicheren Träger des Kriegswillens zu machen, so hat der Arbciterrat allerdings zu gewärtigen, daß es zu einem Instrument gegen die Ziele, die er im Namen der entschieden- sten sozialen Demokratie vertritt, umgeschliffen wird. Dies Unheil ist mit dem Einsatz der äußersten Entschlossenheit zu verhüten. Das aber geht auf Kosten der polittschen Jnter- essen Englands, die das russische Heer bis zum letzten Mann in ihrer Kriegsrechnung sicher haben wollen. So schaut die englische Presse mit Beklommenheit auf den Gang der Revo- lution und mißgestimmt verzerrt sie das Bild der Arbeit, die der Arbeiter- und Soldatenrat leistet. Von der Energie, die dieser Rat in der Abwehr gegen- revolutionärer Minierungen entfaltet, zeugt wieder ein Be- richt, der dem„L. A." aus Stockholm zugeht. Er meldet: Der Petersburger Arbeiter, und Soldatenrat beschloß in stürmischer Sitzung, daß die Soldaten auch das B e st i m- mungsrecht über das Armeeoberkommando erhielten und daß eine Reihe Veränderungen im Oberbefehl— auf Wunsch der Soldaten— notwendig seien. Die Abgeordneten des Arbeiterrats er- suchten daraus laut„Utro Rossij" den Kriegsminister, folgende ForderungenandieprovisorischeRegierung zu richten:'... Bei dem Arbeiterrat sind Nachrichten eingegangen, welche dir Möglichkeit in Aussicht stellen, das? einzelne Armeebefehlshaber die Waffen gegen die neu errungene Freiheit erheben und die Soldaten zum Mord gegen das eigene Volk anführen. Der Arbriterrat er- hielt die Nachricht, daß im Hauptquartier eine Art V e r s ch w S- r u n g des Oberbefehls vereinbart worden ist, deren Zweck die Durchführung einer Gegenrevolution gegen die provisorische Regierung ist. Daher ist ein Gesetz auszu- fertigen, da? den Soldaten berechtigt, jedem Offizier, welcher im Verdacht gcgenrcvolutionärcr Neigungen steht, den Gehorsam zu verweigern, welches ferner ermöglicht, den OberbefchlSposten den Wünschen der Armee gemäß umzubesetzen. General A l e x e j e w, so heißt es weiter, besitze nicht das Vertrauen der Soldatenschaft. Die Erenennung zum Generalissimus könne darum nur einen zeitlveiligen Charakter trogen. Die Wahl des Oberbefehlshabers sei durch die Sol- baten selbst vorzunehmen. Der neuernannte Kommandant der Westarmee, General L e t s ch i tz k i, sei von seinem Posten zu entfernen. Diese Wohl habe die Soldaten stark verstimmt. In dieser Armeegruppe sei eine gründliche Reinigung der höheren Kommandos vorzunehmen. Gemeldet wird ferner, General Alexejew habe dem„Rußkoje Slowo" mit- geteilt, er wolle den verantivortfichen Posten des Generalissi- mus nicht übernehmen.. � Stockholm, 7. April. Laut„Rn�aja Wolga" bestätigte der Ar- beiterrat in einer großen Versannnlung im Dumagebäude am LS. März die aus sechs Abschnitten, mit zahlreichen Paragraphen bestehende Deklaration des EoldatenratS, die im wesentlichen eine allgemeine Rangerhöhung der gemeinen Soldaten mit einer ent- sprechenden Rangmiirderung der Offiziere enthält. Vorbereitung üer rutschen Agrarreform. Kopenhagen. 6. April. Nach einer Petersburger Drahtung hat die Regierung einen Ausschuß zur Vorbereitung und Durch- führung der Baurrnrcform eingesetzt. DaS Organ der revolutio- nären Sozialisten stellt als ersten Programmsatz die U r b e r- «ahme des gesamte» Bodenbesitzes durch den Staat auf und schlägt die Entscheidung dieser Frage durch die konstituiereude Nationalversamm- luug vor. Krippenfresser ües Zarismus. Stockholm, 7. April.„Rjetsch" veröffentlicht eine Liste derjenigen Publizisten und Abgeordneten, die von der früheren Regierung geheime llnlerstüyungen erhielten. In der Reihe der anrüchigen Publizisten steht neben Markow II, SamhslowSki und D u b r e w i z. Auch der bekannte Nationalist P u r i s ch k e w i tz fehll nicht, der sich in den letzten Monaten oppositionell bezeigte und noch Ende Februar in der Duma rednerisch hervortrat, seit Beginn der Revolution aber spurlos aus der Oeffentlichieit verschwunden ist. der Krieg auf öen Meeren. deutsche Seeflugzeuge gegen öie Downs. Berlin, 7. April. Amtlich. Am 5. April nachts hat ein deutsches Seeslugzeuggeschwader die in den Downs liegenden Schiffe sowie Scheinwerfer und Befestigungsanlagen nord- westlich von R a m s g a t e ausgiebig und mit gutem Erfolg mit Bomben belegt. Der Chef des Admiralstabs der Marine. London, 6. April. Das Pressebureau teilt mit: Ein feindliches Flugzeug überflog gestern abend 19 Uhr 45 Mi- nuten die Städte der Küste von Kent und warf acht Bomben ab, die Meh"'ahl auf offenes Land. Menschen wurden nicht verletzt, Sachichaden nicht angerichtet. Seefperre unü verjenkungen. Kopenhagen, S. April. DaS Ministerium deS Aeußeru teilt mit, daß die Esbjerger Dampfer Esther und M e t h i l, nach Aarhus mit Kohlen unterwegs, am 1. April in der Nordsee unter- gegangen find. Cherbourg, 6. April.(Reutermeldung.) Der brasilianische Dampfer P a r a n a<4461 Br.-Reg.-To.) ist in der Nacht versenkt worden, dem Bernehmen nach werden dreizehn Mann der Besatzung vermißt. Bulgarien unü üie russische Revolution. Sofia, 6. April.„Utro" veröffentlicht folgende Er- klärungd es Finanzmini st ersTontschew: Heute, wo die Reattion in Rußland ihren ftüheren Einfluß verloren hat, glauben wir, daß die Träger der liberalen Strömungen die wahren Interessen des russischen Volkes erkennen und zur Beendigung des Blutvergießens beitragen, sowie dazu mit- helfen werden, daß eine Lage geschaffen wird, die der Mensch- heit die Möglichkeit gibt, alle Folgen des Krieges zu über- winden und sich eines lange dauernden Friedens zu erfreuen. Lette Nachrichten. Die neue Dahn üer militärischen Politik Amerikas. Washington, 7. April.(Rcutermeldung.) Wilson hat eine Erklärung veröffentlicht, in welcher er die vorn KricgS- departrment im Senat und im Repräsentantenhaus eingebrachte Gesetzvorlage billigt. In der Erklärung wird gesagt, daß die r e- guläre Armee und die Nationalgarde durch die Einstel- lung von Mannschaften auf Kriegsstärke gebracht werden sollen, wovon die erste halbe Million sofort und die Aushebung einer wei- teren Million nach Bedarf bewilligt werden wird. Die R e k r u- tierung für die reguläre Armee und die Nationalgarde wird frei- willig sein. Die darüber hinaus vorgesehenen Streitkräfte werden durch Aushebung von Männern zwischen 19 und 25 Jahren auf- gebracht werden. Die verschiedenen Staaten werden im Verhältnis zu ihrer BevöUerungözahl Mannschaften stellen. Die Erklärung schließt- Diese Gesetzgebung versucht nicht, die Fragedermi- litärischen Politik deS Landes dauernd zu lösen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil csindiescnunruhigcn Zeiten unmöglich ist, einen klaren Uebcrblick über unsere dauernden militärischen Erfordernisse und den besten Weg der militärischen Organisation für dieFriedenszei ten zu haben. Tie Welt hofft, daß, wenn der europäische Ltrieg vorüber ist, Abmachungen getroffen sein wer- den, um die vielen Fragen, die bisher dieRüstung der Nationen zu erfordern schienen, zu schlichten, und daß der Weltftiede durch ein solches Zusammenwirke» von Macht unter de» großen Nationen aufrechterhalten werden kann, wir es erforderlich sein wird, um den Frieden und die Freiheit der ganze« Welt zu be- wahren. Wenn diese Abmachungen für einen dauern- den Frieden getroffen sind, dann können wir über nnsere militärischen Bedürsnisse entscheiden und unsere mili- tärische Borberciwng mit dem Genius einer für die Gerechtigkeit und Demokratte organisiertem Welt in Einklang bringen. Die jetzige Gesetzesvorlage ist deshalb der gegenwärtigen Lage angepaßt, aber der Entwurf ist so gehalten, daß wir die Möglichkeit haben werden, die darin dargelegte Po- litik fortzusetzen, wenn der jetzige Krieg vor- über ist._ Amerikas Kriegsbeteiligung und Spaniens Neutrahtai. Budapest, 7. April. Dem Madrider Sonderberichterstatter von Az Est gegenüber erklärte Ministerpräsident Romanoncs unter anderem: Wir sind Deutschland dankbar für die uns a n g e- b o t e n e Kohle, doch können wir sie leider aus dänischen Häfen nicht abholen, da wir die englische KriegSzonr nicht passieren können. Au» hat unS Deutschland zu Dank verpflichtet durch An- kauf unserer Orangenernte. Es wäre uns willkommen, wenn dieser Ankaus in größerem Maße erfolgen würde. Neb er die russischen Ereignisse sagte Romanoncs: Ich habe den Eindruck, daß Rußland Republik werden wird. Das neue russische Svstem werden»vir erst dann kennen lernen, wenn normale Zu- stände in Europa hergestellt sind. Bezüglich Amerikas Ein- tritt in den Krieg sagte der Ministerpräsident: Wilsons Eni- schcidung hat keinerlei Einfluß auf unsere Neutra- lität._ Die Versenkung des Trevier. Berlin, 7. April. Holländische Blätter bringen die Nachricht, baß schon wieder ein Schiff der belgischen Unter- st ü tz u n gs k o m in i s si o n, drr belgische Dampfer Trevier, vcr- senkt worden sei. AIS Ort der Versenkung»vird ein Punkt 2» See- meilen von der holländischen Küste angegeben, als» etwa an der Grenze des Sperrgebietes. Nach den inzwischen erfolgten Fest- ftellungcn ist der Dampfer tatsachlia, 25 Seemeilen nordwestlich deS Maasfeuerschiffes, also i n n e r h» lb deS Spcrrgebir» t e S, versenkt worden. Tie australische Arbeiterpartei gegen den Krieg. Berlin, 7. April. Nach einer Meldung der„Mornmg Post" vom 30. März erklärte der australische Promierminister H n g h e s in einer Rsde, daß der Ausschuß der a u st r a I i- ich e n Arbeiterpartei es zwar nicht wage, offen seinen Mangel an Loyalität zum Ausdruck zu bringen, daß er sich aber offenkundig dem Kriege gegenüber g l e i chg ü l t i g verhalte._ Reformen in Rußland. Amsterdam, 7. April.„Allgemeen Handelsblad" meldet aus Petersburg, daß der Minister des Innern eine Kommis- sion zur Reform der russischen Perwaltungs- behörden ernannt hat. Der Unterrichtsminister hat eine Kommission zur Reform des höheren Unterrichts angeordnet. Die Universitäten sollen die Autonom mie erhalten. GeWerkschlMbZWEMV Die Virtschaftlichs Lage üer Sauarbe!ter währenö ües Krieges. Seit Monaten drängen die Bauarbeiter nach einer Erhöbung ibrer Löhne, die bei der unmeriväbrenden Preissteigerung für Lebensmittel und Bedarssartikel aller Art als höchst unzureichend anzusprechen sind. Was die Bauarbeiter vor ungefähr Jahresfrist durch zentrale Berhandlungen als Teuerungszulagen erhalten haben, war schon angesichts der mt Borjahre volkandenen Teuerung un- genügend. Wenn sie sich dennoch damit zufrieden gaben, so aus dem Grunde, weil sie hofften, das Jahr ISIS werde uns den Frieden bringen und damit auch eine Abschwächung der Teuerung, sicher aber keine weitere Steigerung derselben. Leider war das eine Täuschung, da man heute noch nicht das Ende des Krieges sieht. Angesichts dieses Umstandes muft es gesagt werden: die wirtschaftliche Lage der Bauarbeiter hat sich während des Krieges weit über das Mag hinaus verschlechtert, was an den Verhältnissen gemessen. alS normal bezeichnet werden tonnte. Daran ändert auch die Tai lache»ichls, dag sür eine Anzahl Heeresbauten besondere AuSnahmetarise zustande gekommen sind, die doch nur den ganz abnornr gelegenen Verhältnissen auf diesen Bauten Rechnung zu tragen suchen. Die Versuche der Bauarbeiler, zu einer Besserung zu gelangen, sind, abgesehen von wenigen Ansnahmen, gescheitert an dem ablehnenden Verhalten der örtlichen llntcrnehmerorganisationen, die glauben, gegen die Forderung der Arbeiter genügend salviert zn sein, wenn sie sich auf den wörtlichen Inhalt der Abnrachung vom 3. Mai 1916 berufen, wonach der Tarifvertrag bis zum 31. März 1918 Gültigkeit hat. Selbst der Vorstand des Arbeilgeberbimdes für das Bangewerbe hat sich den Arbeiter- organisationen gegenüber bisher auf den Standpunkt gestellt und auf die örtlichen Forderungen der Arbeiter von den Verbands- vorständen sogar die Einbnltnng des Vertrages gefordert unter der Drohung, dag er andernfalls es sich überlegen müsse, mit den Organisationen weiterhin Verträge abzuschließen. Es scheint ihm dabei gar nicht in den Sinn gekommen zu sein, daß er in einer Zeit, in der die Erhaltung der Familie mit jedem Tage schwieriger wird, weil die Lebensmittelpreise enorm gestiegen sind, von den Organisationsvertretern etwas schier Unmögliches fordert, wenn er ihnen zumutet, sie sollen ihre VerbandSmitglieder daran hindern, von den Unternehmern eine Zulage zu fordern. Tie baugewerblichen Arbeiterverbände hätten sich vor einigen Wcchen an den Herrn Ministerialdirektor im Neicksamt des Innern, Dr. Caspar, gewendet und ihm die Not und die Wünsche der Bau- arbcitcr vorgetragen. Dr. Caspar, mit dessen Hilfe auch im Vor- jähre die Verhandlungen zu Ende geführt wurden, hatte sich bereit erklärt, die Wünsche der Arbeiter bei dem Arbeilgeberbund zu unter- stützen. Wenn bisher auch weiter kein inalerieller Erfolg zu ver- zeichnen war, so darf doch wohl angenommen werden, daß die Ein- berufung einer Generalversammlung des Arbcitgeberbundes sür da? Baugewerbe auf den 19. April in Berlin, die sich mit den Forde- rungen der Arbeiterorganisationen auf Erhöhung der Teueruugs- zulagen beschäftigen soll, auf die Einwirkung von Dr. EaSpar zurück- zuführen ist. Hoffentlich klainn,ert die Unternehmervcrsammlung sich nicht an die Formalien, sondern stellt sich auf den Boden der realen Tatsachen. Für das Wiederaufbaugebiet in Ostpreußen, für das bereits im Jahre 191«' ein besonderer Vertrag vereinbart loorden ist. der bis zum 31. März 1917 Gültigkeit hatte, ist am 29. und 30. März in Königsberg die Verlängerung bis zum 31. März 1918 vereinbart bei einer Steigerung des Stundenlohns sür alle Arbeiter um 10 Pf. Di« neuen Lohnsätze, die vom 2. Zlpril ab gelten, betragen nun« mehr in den meisten Orten dieses Gebietes für Maurer und Zimmerer und Zementfacharbeiter 95 Pf., für Bauhilfsarbeiter 70-82 Pf._ öerlin and Umgegend. Teuerungszulagen im Glasergewcrbe. Die Steigerungen der Lebensmittelpreise veranlaßten die Orts- Verwaltung Berlin des Glaserverbandes im Auftrage ihrer Mit- alieder mit dem Verband der Glasereien und mir der Berliner Glaser-Jmmiig in Verbindung zu treten, um eine Erhvhmig der Löbne berbeizusübren. Der letzte Tarifaoichluß erfolgte im Jabre 1911, gültig bis 31. März 1915, mit einem Stundenlohn von 78 Pf. Die damals festgesetzten Löbne entsprechen nicht mehr den jetzigen Verhältniffen. Eine Kündigmtg des Tarifs unterblieb aus be- stimmten Gründen. So mußte versucht werden, eine Erhöhung der Löhne durch Gewährung von Teuerungszulagen zu erreichen. Im August 1915 wurden zum erstenmal nach Verbandlungen der beider- seitigen Tarifkommissionen für den Arbeitstag 50 Pf. TeneritngSzulage bewilligt. Die zweite Zulage von weiteren 50 Pf. wurde im September 1916. Durch ein Anschreiben der Verbandsleitung an die Organisasionen der Unternehmer ohne weitere Verhandlungen bewilligt. Da aber der Lohn mit der Lebensmittelteuerung nicht gleichen Schritt hielt, obwohl die 6 M. Teuerungszulage durch die Knappheit an Arbeits- kräften vereinzelt durch weitere Erhöhung der Löhne überholt war (es wird durchschnittlich eine Mark Stundenlohn gezahlt), so machte es sich erneut nötig, an die Organisationen der Unternehmer heran zu treten, um' auch möglichst gleichmäßige Entlohnungen zu schaffen. In einer gemeinsamen Sitzung beider Tarif- konimissionen am 6. April kam eine Einigtmg dahingehend zustande, daß eine Teuerungszulage inkl. der bisher gezahlten von täglich 3,30 M., vom Sonnabend, den 14. April ab. zur Auszahlung gelangen soll. Bei S3stündiger Arbeitszeit beträgt der Lobn fetzt 41.34-f- 19,80----- 61.14 M. Diese Vereinbarung gilt vorläusig bis Schluß des Jahre? 1917. Der von den Arbeitern geforderte Stundenlohn von 1,25 M. wurde von den Unternehmern abgelehnt. Der Montagezuichlag wurde von 3 auf 4 M. erhöht, in einzelnen Fällen soll darüber hinaus gezahlt werden. Am Mittwoch, den 11. April, soll eine Versammlung der Glaser darüber bestimmen. ob diese Zugeständnffse annehmbar sind. Pflicht aller Kollegen ist eS, in dieser Versammlimg zu erscheinen. Vergütung der Stähzutaten in der Herrenmaftschneiderei. Vor einiger Zeit haben wir berichtet, daß die Unternehmer der Herrenmaßbranche sich auf Anordnung ihre? Vorsitzenden weigerten, die 1916 bewilligt« Entschädigung für Näbzutaten weiter zu ver- güten. Auf eine erneute Aufforderung des Schneiderverbandes sind nun die Unternehmer angewiesen, die Nähzutaten weiter, und soweit bisher die Zahlung verweigert war. nachzuzahlen. Die Zuständigkeit deS Kriegsausschusses für MilitSrschneider- arbeiten Groß-Berlins, Zimmerstraße 90/91, erstreckt sich, soweit der Bereich deS Bezirkskommandos Spandau in Frage kommt, nur auf die Stadt Spandau, Siemensstadt und die Landgemeinde Staaken, Zeppelinwerk. Der weitere Kreis Osthavelland gehört nicht zur Zuständigkeit des KriegSauZfchusseS. Aus der Tchlichtungskommrssion für Militärschneider. Braut oder Wcrkführcriu? Auf GehaltSnachzablimg klagte vor der SchlichtungSlommiffion in der letzten Sitzung ein Fräulein Schütz gegen den Unternehmer Mattern. Der Beklagte Martern ist dieser Instanz kein Un- bekannter mehr, und einmal wollte er fast die gesamte Kommission wegen Befangenheit ablehnen. Die Klägerin führte zur Begründung ihrer Klage folgendes aus: Sie habe dem Beklagten M a t t e r n das ganze Geschäft, woselbst zeitweise 60 bis 60 Leute beschäftigt waren, selbständig gc- führt. Sie habe gearbeitet von morgens 6 Uhr bis in die sinkende Nacht, aucki Sonntags. Sogar die O-fen habe sie selbst geheizt. außerdem dem Beklagten die Wirsichan in Ordnung gehalten und ihre eigenen Möbel gestellt und für all das nur Essen und Trinken bekommen. Ja, sie habe iogar die Gründung des Ge- slbäfts erst ermöglicbr. indem sie ihre Ersparnisse in Höhe von 500 M. von der Sparkasse holte und außerdem die erste Nähmaschine zur Verfügung stellte. Der Beklagte habe ihr die Heirat versprochen, darum habe sie nicht auf Lohnzahlung gedrungen. tFn einer früheren Klage, in der Arbeiterinnen gegen Mattern klagien, war die jetzige Klägerin miiverklagt als Geschäftsbeieiligle.) Mattern erklärte hierzu: Die Klägerin habe ihn beim Land- qericht verklagt, da sie Teilhaberin an den Geschäftsaufträgen zu sein behanviet. Magistratsrat v. Schulz;„Tie Verlobung scheidet bier aus. aber wenn die Dame gearbeitet hat, muß sie natürlich auch Geld bekommen." Mattern:»Tie hat miib mehr gekostet, als alle anderen. Wenn man die Ringe kauft, so ist da? doch noch keine Ver- lobung." Klägerin:„Ja, zwei Kleider und zwei paar Stiefel Hab' ich erhalten." Mattern:„Ich habe ihr viel gegeben, nachher war sie eben das schöne Leben gewöhnt." Klägerin:..Schön-s Leven, wenn man arbeitet wie ein Pfcrd und die Oefen noch beizt." Mattern:„Und die Rechnungen bei KempinSky und die Schneiderrechmmgen in der Friedrichstraße?" v. Schulz:„Ja, dann lönnen wir hier vorläufig nichts machen. Das Landgericht muß uns um ein Gutachten über die Forderung der Klägerin angehen, dieses wollen wir erteilen, aber mir, wenn wir darum ersucht werden und die nötigen Unterlagen erkalten." sZur Klägerin):„150 M. Wochenlohn, wie Sie verlangen, wird man Ihnen aber kaum zugestehen, allenfalls würde man 38 M. als angemessen erachten." Klägerin:„Ich berechne meinen Lohn entsprechend dem, was die andern Leute verdient haben, und ich habe doch das ganze Gc- schäft geleitet." M a t t e r n:„Sie kann gar kein Geschäft leiten, sie war nur Einrichterin." Ein Arbeitgeberbeisitzer meint, die beste Einigung wäre, wenn beide sich doch' noch heiraten würden. v. Schulz:„Ich habe schon mal zwei Uneinige wieder zu- sammengebracht, vielleicht gelingt es mir auch hier." M a t t e r n:.Nee, da haben Sie bei mir kein Glück, Herr Rat." Klägerin:„Bei mir erst recht nicht." v. Schulz:.Na, dann müssen wir abwarten, wa-Z daZ Landgericht macht."_ Schöneberger Arbeit er-Turnverein. Aus Anlaß deS zebn» jährigen Besteheris findet am ersten v'terseicrtag in den Luther» Sälen. Lntbcrftr..31, eilt llntcrhaltungsabend mit ausgewähltem Programm statt, wozu Freunde und Gönner«ingeladen find. Die Turnübungen �dcs Vereins finden jeden Donnerstag m der Tnrr. balle Berchtesgadener Straße statt, jeden Dienstag und Sonntag Turnplatz Rubensstraße. Verantwortlich für Politik: Hermann Maller, Tcmpeloos; für den übrigen Teil d. Blattes: Alfred Zchalz, Neukölln: für Inserate: Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstall Paul Singer& u'o Berlin SW. Hierzu 3 Betlagen. Hocheleg. mitbt-1 41.50 ig* Ä KSnigstr. 33 «» Sahnh«» Ultiaaötrplcii Ehausseestr. 113 Ctttttocr Bahnhof Sonntags geschlossen! Nr. 96 ❖ 34. Jahrgang 1* Vellage ses vorwärts Sonntag,$.f*pri!t917 An unsere Abonnenten. J» verschiedenen Vororten konnte infolge einer AutoPanne die gestrige Nummer des„Vorwärts" den Speditionen nur mit größerer Verspätung zugestellt werden. Wir bitten die Abonnenten, diese Verspätung zu entschuldigen. Bei dem Mangel an Material und' der sciilecktcn Beschaffenheit der Ersatzteile und bei der Unmöglich- keit. Eriatzwagen zur Aushilfe zu bclonimen, sind solche Unglücksfälle leider nicht zu vermeiden. Darunter leidet die Zustellung aller Zeitungen. Verlag des„Vorwärts". pichelswerüer. Schon immer ivar der Pichels Werder südlich von Spandau ein beliebtes Ziel der Berliner Ausflügler. Ter Grunewald die blaue Havel lockten an jedem schönen Sonn- tag viele Hundert hier heraus. In jenen Zeiten, als die Kremserpartien in Blüte standen, zogen des Morgens endlose Wagenreihen über Westend und durch den Grunewald an die Gestade der Havel. Jetzt führt die Heerstraße in schnür- gerader Nüchternheit zum Pichelswerder und überquert ihn auf hohem Damme. Aber sobald man den Damm verlassen bat, taucht man unter in der ursprünglichen Urwüchsigkcit der Umgebung. Hier liegen noch die alten Gastwirtschaften, die Boots- und Dampfcrstege, kaum verändert in den letzten llO Jahren. Auch die alte Holzbrückc, ehedem die einzige feste Verbindung mit den Ufern der Havel besteht noch, und sie tvird fleißig benutzt trotz des Brückenzolls. Uralte, riesige Eichen nnt knorrigen, sparrigen Aesten sind in den Ltiefcrnwald eingesprengt und bringen Abwechselung hinein. An den Ufern haben sich Erlen und Weiden ange- siedelt und bewachsen die in den Strom gebauten Buhnen. In der Schlucht, die von der Heerstraße nach der Rackwitzschcn Gastwirtschaft führt, liegt ein großer Findlingsblock, ein Quarzit aus der Braunkohlenformation. Er hat einen Umfang von nahezu 3 Meter und ist ziemlich 1 Meter hoch. Seine Oberfläche weist zahlreiche Löcher von verschiedenem Durchmesser und größerer oder geringerer Tiefe auf. Hieraus schloß man, daß es sich um einen£) P f e r st e i n handelte. und der Volksmund nannte ihn auch so. In Wirklichkeit sind die Löcher jedoch Verwitterungserscheinungen. Der nicht überall gleichmäßig feste Stein bietet den verwitternden Kräften, Wind und Wasser, an seinen weicheren Stellen weniger Widerstand als an seinen härteren. Dadurch zerfällt er an jenen leichter als an diesen und es entstehen die Löcher, von denen man glaubte, daß sie durch Menschenhand her- gestellt seien, um das Blut der Opfer aufzufangen. Die Mitte des Pichelswcrders bildet eine Hochfläche, deren Ränder 10 bis 20 Meter steil zu einer schmalen Strand- zone abfallen. Diese ist in den Zeiten hohen Wasserstandes, besonders im Frühling, zum größten Teil überschwemmt. An den Rändern der Hochfläche sind von den herabfließenden Regen- und Schmelzwassern zahlreiche Schluchten ausgewaschen worden, die'sich von Jähr zu Jahr weiter in das obere Land cinstessen. Am unteren Ende dieser Erosionsschluchten ist der Sand aufgehäuft worden und bildet mitunter ansehn- liebe Aufschüttungskegel. Wir haben hier gute Gelegenheit zu beobachten, wie die Arbeit des fließenden Wassers darauf ge- richtet, die Unebenheiten, Hochländer und Niederungen, der Erdoberfläche auszugleichen, hier abzutragen, dort aufzuhöhen. So besitzen wir im Pichelswerder ein Gebiet, das nicht nur ein landschaftlich schöner Ausflugsort ist. sondern das unS auch Anregungen zu Beobachtungen im Naturgeschehen gibt. Und wenn wir von feiner Südspitze den Blick über die weiten Havelseen schweifen lassen, auf denen bald wieder schmucke Segler kreuzen werden, so wird es uns recht bewußt, was für ein schönes Fleckchen Erde uns Berlinern im Pichels- iv e r d c r beschert wurde.____ Bessere Aussichten für die Kartoffelvcrsorgung. Die neue Ernährungsregekung, die der 13. April bringt, erfor- dert für Groß-Berlin stärkere Zufuhren von Fleisch und Kartoffeln. Die Gemeinden hatten die begreifliche Sorge, daß namentlich die Kartoffelzufuhr sich nicht mit der notwendigen Beschleunigung voll- ziehen würde. Es scheint aber, daß die befürchteten Transport- schwierigkeiten erfreulicherweise ausbleiben werden. Aus Neu- ! ö l l n berichteten wir schon, daß dort Kartoffeln in Menge an- kommen und gelagert werden. Auch Berlin hat jetzt, wie wir hören, große Kartoffelzufuhr, weit über den sofortigen Verbrauch hinaus, so daß Vorräte angesammelt werden tonnen. Dasselbe gilt für C ha r lo t ten bn r g, wie aus Aufrage an zuständiger Stelle uns versichert worden ist. Nachdem der Frost gewichen war, haben die Landwirte ihre Kartoffelmieten geöffnet. Sie mußten das auch deshalb endlich tun, weil sie jetzt Kartoffeln zur Aussaat brauchen. Was sie nach AuSsoiiderung der Saatkartoffeln darüberbehalten und verkaufen können, stoßen sie nun möglichst rasch ab. Während der Osterfeier- tage dürften die Anlieferungen auf kurze Zeit nachlassen, aber Groß- Berlin wird mit den bereits wieder vorhandenen Vorräten darüber hinwegkommen. Eine neue Stockung kann eintreten, wenn die Landbestellung alle Arbeitskräfte und Fuhrwerke in Anspruch nimmt. Man hofft, bis dahin sich so reichlich mit Kartofselvorräten einzudecken, daß auch diese Schwierigkeit ohne Störung überwunden werden lann. Charlottenburg will nach seinem EruährungZplan nicht nur in dm Uebcrgaitgswochcn, sondern längere Zeit hindurch die Lebensmittelversorgung mit tzilfe von Mühlenfabrikaten(Graupen usw.) aufbessern. Dabei sollen besonders die Arbeiter der Rüstnngs- Industrie, die in Charlottenburg sehr zahlreich sind, berücksichtigt werden. Die Verteilung dieser Waren ist geplant, obwohl die Be° friedtgung des erhöhten Kartoffel- und Fleischbedarfs als gesichert gilt. Sollten die Anlieferungen wider Erwarten doch auf längere Zeit ins Stocken geraten, so glaubt man mit der Volksspeisung den dann bei ihr einsetzenden stärkeren Andrang bewältigen zu können. Eine Rückkehr zum?lbendbetriel', mit dem die Charlottenburger Volksspeise schon Versuche gemacht hat, wird nicht für nötig ge- halten.'_ Berliner Lebensmitteluachrichten. Für die Woche vom 9. bis 15. Avril ist die Kartoffel- ralion auf 3 Pfund festgesetzt. Der Mehlabschnitt der Brot- karte berechtigt in der kommenden Woche wieder wahlweise zur Eni- nähme von 123 Gramm Mehl oder 290 Gramm Brot. Kohl- r ü b c n können ohne Abtrennung cincS Lebensmittelkartenab- fchnittcs in kleineren Mengen, jedoch nur von Berliner Einwohnern entnonimsn werden, die sich durch Vorlegung einer Berliner Lebens- mittelkarte ausweisen. Vom 19. bis 12. April liegen die Na ch-irags fleisch» kundenlisten aus. In diese Liste müssen sich alle diejenigen eintragen lassen, die noch nicht bei einem Fleischer ein- getragen sind und nun vom 16. April ab auf ihre städtische Fleischkarte die Fleischzulage zu verbilligten Preisen kaufen wollen. Wer bereits nnt der Reichsfleischkarie bei einem Schlächter eingetragen ist, darf nichtnochmalsrndie Nachiragskundenltste aufgenommen werden. Als Ausweis, daß er bisher noch nicht eingetragen ist, hat er dem Schlächter a u ch s e i n e Reichsfleiichkarte mit vorzulegen. Wer insoweit die Frist versäumt, kann bis auf weiteres die Fleischzulage zu den verbillig ten Preisen nicht erhalten._ Reue Vorschriften für Gemtisc, Obst und Südfrüchte. Für den Verkehr mit Gemüse, Obst und Südfrüchten hat der Reichskanzler neue umfangreiche Bestimmungen getroffen. Verträge, durch die sich Erzeuger vor der Aberniung zur eutgeltlichen Lieferung eigener Erzeugnisse verpflichten, bedürfen der schriftlichen Form. Es ge- nügt der Briefwechsel. Diese Verträge müffen durch die Reichsstelle für Gemüse und Obst genehmigt werden, wenn sie nicht von der Geschäftsabteilung der Reicksstelle selbst abgeschlofien werden. Die Genehmigung wird versagt, wenn weite Entfernung besondere Schwierigkeiten bei der Beförderung besorgen läßt. Alle.� auch älter« Verträge sind sofort der Reichsstelle mit einer Abschrift an- zumeiden. Nicht betroffen werden Verträge über Erzeugnisse unter Glas und solche für den eigenen Bedarf. Die Reichsstelle kann in genehmigungspflichtige Verträge durch schriftliche Erklärung inner- halb 29 Tagen eintreten. Sie kann ferner Erzcngerhöchstpreise fest- setzen, die auch auf abgeschlossene Verträge angewandt werden. Der Handel im Ilmherziehen, das Feilhalten außerhalb fester Verkaufs- statten oder öffentlicher Verkaufsplätze bedarf der Genehmigung. Schlußschcinc sind vorgeschrieben auch für zahlreiche Gemüse und isüdfrüchte. Für einzelne Gebiete oder Zeiten kann die Reichsstelle den Absatz dieser Erzeugnisse an ihre Genehmigung binden. Tic Berliner Markthallen mit Einschluß der Zeickralmarlthavc ani Alexanderplatz sind an den beiden Osterfeicrtagcn nur in der Zeit von 7— 9 Uhr vormittags für den Kleinverkauf geöfsiict. Mit dem Schlage 9 Uhr muh jeder Verkauf eingestellt werden, ein Zu- Ende-Bedienen darf nicht stattfinden. Die Stndtvkrvrdilctcncrsabwnhl inkolge der erledigten Mandate der Stadtverordneten I a c o b i und Landsbcrg— erflerer gewählt im 1. Gcmeindewahlbestrl der II. Abteilung bis Ende 1919; letzterer im II. Bezirk der II. Abteilung bis Ende 1921— findel am 23. April von vormittags 19 bis nachmittags 3 Uhr statt. Im Zoologischen Garten findet an beiden Osterseiertagcn von 4 Uhr nachmittags bis 19 Uhr abends Konzert statt. Eintritt 39 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte; ebenso für das Aquarium, das von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geöffnet ist.— Der Zoologische Garten hat ein Paar prächtige Elenantilopen als Geschenk erhalten. Die Tiere haben an ihrem seitherigen Aufenthaltsorte Sommer und Winter ganz im Freien gelebt, was allerdings an- scheinend nicht ganz ohne Frostschaden an Ohren und Schwänzen abgegangen ist, und sind daher auch im Zoo nicht im Antilopenhause, sondern in dem großen Hirschhause gegenüber untergebracht worden. Die südafrikanische Elenantilope ist die größte, schwerste und ruhigste Antilope, dem Rinde an Gewicht kaum nachstehend, also sozusagen das geborene Haus- und Masttier. Ter Wintergarten bringt auch in seinem Aprilprogramm trotz der Zeiten Ungunst nur Glanznummern. Daß die Hälfte von Iveiblichen Kräften absolviert wird, gereicht ihm wahrlich nicht zum Nachteil. Tie akrobatisch-cquilibriftischeu Fächer sind vertreten durch die ausgezeichnete Kunstradfahrerin Fluhar, die trefflichen sechs Antonotts, die drei Ghmnastikerinnen Klöß und die Faß- springer Kremotwins. Humoristischer Art find die schwedischen Komödianten Johnson, die Vortragskünstlerin Mieze Hausmann, der Zeichner Deinokritos und der sächsische Komiker Paul Beckers. Klassische Kunst bietet Frieda Langendorff, die Lieder von Wagner, Rubinsiein, Richard Strauß und Georg Henschel singt. Die junge Lena Amsel vertritt das Fach des Tanzes und die Holländer KaethS erweisen sich als Meister der Konzertharmvnika. Riblo bezeichnet das von ihm dressierte Tier mit vollstem Recht als„Wunderhund". Das ApoAo-Thcater an der oberen Friedrichstraße erfreut sich infolge seines trefflichen Varieteprogramms lebhaften Zuspruchs. Besonders starken Beifalls crffcucn sich Schichtls drolliges Mario- nettentheater, die Charaktertänzerin Hegesa, eine prächtige polnische Tänzergefellschast, die ulkigen Parodisten Habel und Läpp, die Jongleurkunst ist hervorragend vertreten durch die Cartellas und durch John Bar. Alte Bekannte aus der Manege sind die Auguste Adolf und Coco. Ambre und Walli sind hervorragende Billard- akrobatenz Fanela erweckt unser Staunen durch das, was er mit seinen Bürsten auf die Leinwand Mibsrt, und die Opernsänger aus der Schweiz ernten stürmischen BeiM. Kinematographische Kriege- berichte vervollständigen das abwechselungsreiche Programm. Zirkus Busch bringt an allen drei Osterseiertagen das«rusge- wählte humoristische Programm, von welchem besonders 5toko zu erwähnen ist. Ferner exregt die lebende Feuerkugel das besondere Interesse des Publikums, die mit größter Schnelligkeit auf einer Spirale auf- und abrollt; und Georg, der fallende Mensch, bietet in ssiner Eigenschaft ganz originelle akrobatische Künste. An allen drei Feiertagen finden zwei Vorstellungen statt, und zwar reiht sich dem obigen Programm in den Nachmittagsvorstellungen zum Schluß die Märchenpantomime„Die Geierprinzesstn" an, während den Schluß der Abendvorstellungen die Wasserpantomime„Die der- sunkene Stadt' bildet. Zu den Nachmittagsvorstellungen hat jeder Erwachsene ein angehöriges Kind frei, während weitere Kinder nur halbe Preise zahlen. Zirkus Schumann. Zu den Neuheiten des OsterprogrammS gehören die beiden Wittas als außerordentliche equilibristische Akro- baten. Der Reiterspielplan setzt sich zusammen aus der aus sieben Personen bestehenden Familie Cardinalc, aus der Jongleuse zu Pferde Agnes Krembser und aus den Parsorcereitern Arsen und Rikarda. Den Hauptreiz des Abends aber bildet das Auftreten der türkischen Illusionisten Delaitne Effcndi und Benita mit ihrem rätselhaften Wunderakt„Kismet". An den beiden Osterseiertagen finden je zwei Vorstellungen statt. In jeder geht die glanzvoll« Ausstattungspantomime �„Die Seeräuber" in Szene. Feuer in der Reichsdruckcrei. In der ReichSdruckerci in der Alten Jakobstraße entstand Sonnabend früh gegen 4 Uhr ein Brand. Das. Feuer war in der Abteilung für Galvanoplastik und Wachse prägerei ausgebrochen, wo mehrere Tische. Regale und Papiere brannten. Ter Wehr gelang es bald, die Flammen zu löschen. Ter entstandene Schaden ist nicht bedeutend. 62) Der polizeimeifter. Ein russischer Polizeironian von Gabryela Zapolska. Als Tagejew sah, daß er den Boden unter den Füßen verlor, geriet er in seine gewöhnliche Wut. „Scheren Sie sich hinaus!" brüllte er, auf die Tür zeigend. Horskls Gesicht wurde tiefrot. .�Schweigen Sie!" rief er,„Sie haben kein Recht, die Stimme gegen mich zu erheben. Sie werden noch ein böses Ende nehmen, Sie Schuft. Es gibt noch einen Gott im Himmel 1" Horski»erließ Tagejcws Wohnung unter lauten und ge- nieinen Flüchen des Polizeimeistcrs. Er stieg in eine Droschke und ließ sich nach der nächsten Bahnstation bringen. Er zweifelte nicht, daß Tagejew auch ihn unter dem Vorwande des Beistandes zu einem poli- tischen Bergchen verhaften lassen würde. Ihm lag vor allem daran, nach der Gouvernementsstadt zu kommen, Janka zu sehen, sich nm ihre Freilassung zu bemühen und TagejewS Aussagen durch das Vorlegen des Protestes abzu- schwächen. Er traf gerade auf einen Zug, stieg ein und fuhr in höchster Erregung dieselbe Strecke, auf der unlängst Tagejew die vor Angst bebende, totenblasse Janka begleitete. Tagejew raste jetzt, als hätte er den Verstand verloren. Er tsrkcltc ime ein Betrunkener. Wußte er doch, daß Klitzki Protest erhoben hatte, und daß die Behörde notwendigerweise eine Untersuchung einleiten würde». Aber anstatt seine Schurkereien zu beschränken, betrieb er sie in immer frecherer Weise. „Mag werden, was will,' dachte er. Diese Zuchtlosigkcit verbreitete sich in der ganzen Tagejew- schen Baude. Anzeigen von Diebstählen wurden überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Tagejew nahm keine Klage mehr entgegen. In den Läden wurde Geld beim Wechseln oder bei kleinen Einkäufen gestohlen. Tagejew begann jetzt mit der größten Willkür Läden und Bureaus zu schließen� Ge- wöhnlich wuchs in einem solchen kritischen Augenblick Josselc Pinkas ivie aus dem Erdboden hervor und schlug eine Eini- gung vor. Aber wozu früher einige Rubel genügten, das erforderte jetzt Hunderte. Zu jeder Tageszeit, oft auch in der Nacht, konnte man man Tagejew begegnen, der wie ein wildgewordener Stier das Städtchen durchzog. Er stürzte in die Restaurants und schimpfte über die liederliche Wirtschast, überfiel die Haus- Wirte und riß die 5llingeln an den Häusern ab. Arme jüdische Straßenhändlerinnen stieß er mit dem Fuß beiseite; wenn er aber seine Günstlinge bei der Arbeit antraf, den Schrei eines Ueberfallenen vernahm oder einen Spitzbuben mit der Beute fliehen sah, verließ er die Straße und überließ die Be- schädigten ihrem Schicksal. Seine Brutalität, mit der er die Bittsteller behandelte, kannte überhaupt keine Grenzen mehr. Barlamow trieb es nicht besser. Bei Frumele Leinbram wurden die gestohlenen Waren nicht einmal mehr versteckt. Frumele schwamm förmlich in ihrem Fett, Jossele Pinkas spielte die Rolle des Vermittlers. Er rannte einfach zu den Bestohlcnen und schlug ihnen vor, die gestohlene Ware wieder zu kaufen. Dieser und jener ging darauf ein. aber es gab auch solche, die auf den Protest der Kauflcute anspielten. „Wartet nur! Auch an ihn wird die Reihe kommen!" dachten die Optimisten. „Ach, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus," meinten dagegen die Skeptiker. ' Es war ein„Ealatag". Einer jener unzähligen Gala- tage, die gefeiert werden mußten, und an denen die Ein- ivohnerschaft zum Zeichen ihrer ungeheuren Freude und ihrer treuen Gesinnung die Stadt mit Flaggen schmücken durste. Isaak Feinbube hatte den Preis um sechs Rubel über den tiommellen Wert erhöht. Diesen Preis mußten die Be- wohner zahlen, damit die Berkäufer die verschiedenen Be- stechungsgeldcr für Tagejew, Barlamow. Pinkas und schließ- lich seinen eigenen Nutzen herausschlagen konnte. Seit dem frühen Morgen Hegann man, die Häuser mit Flaggen zu schmücken, doch konnte man bald bemerken, daß nicht alle Einwohner Tagcjews Befehl berücksichtigt hatten. Zu diesen gehörten alle diejenigen, die das Gesuch an den Gouverneur unterschrieben und andere„Rebellische", die ihre alten, noch recht gut erhaltenen Flaggen aufgehäugt hatten. Die geschlossenen Läden verliehen dem Städtchen ein Feiertagsaussehen, doch zugleich schien in den Straßen etwas Unheimliches zu lauern, als müßte etwas Wichtiges und Unabwendbares geschehen., Durch die Gassen flog wie der Wind Jossele Pinkas, den widerwärtigen Kopf emporgerichtet. Die Enden seines roten Halstuches flatterten in der Luft. Es schien, als zähle er etwas. Ohne sich aufzuhalten, durchlief er im Galopp die ganze Stadt, schließlich verschwand er im Polizeigebäude. Er stürzte die Hintertreppe hinauf, in die Küche, stieß Katjuscha, die ihm dcw Eingang wehrte, beiseite und rannte bis in Tage- jews Schlafzimmer. „Was willst du hier, Schivcinehund?" fuhr ihn Tagejew an und warf ihm einen Schaftstiefel an den Kopf. Aber der Jude hatte sich zur rechten Zeit gebückt. „Perzeihen Sie, Herr Polizeimcister," sagte er höflich. „aber ziehen Sie sich an und befehlen Sie den Schutzleuten, die Flaggen herunterzureißen." „Warum denn?" „Weil viele fremde darunter sind. Sämtliche wohl- habenderen Kauflcute haben ihre Flaggen in Warschau be- sorgt. Feinbube hat jeden notiert, wer bei ihm gekauft hat. Sie müssen damit Ordnung machen. Herr Polizeimeistcr. Feinbube hat Ihnen doch ein schönes Stück Geld durch mich geschickt." „Was?" brüllte der Polizeimeister,„für WohlfahrtScin- richtungen hat er das Geld gegeben!" PinkaS verneigte sich. „Immerhin hat cS ihn schönes Geld gekostet, und er wird seinen Zorn an mir auslassen.... Rufen Sic die Feuer- wehrlcute zusammen und lassen Sic die fremden Flaggen her- unterreißen!" „Hol Somipudow her!" sagte Tagejew nach einigem Zögern, indem er die Unruhe, mit der er heute morgen er» wacht war, zu unterdrücken suchte. Eine halbe Stunde später vollzogen sich seltsame Dinge auf dem Marktplatze. Eine Gruppe Polizisten stellte unter den neugierigen Blicken der Passanten Leitern an die Häuser. Einer der Polizisten klomm die Sprossen hinauf, riß von den Fenstern und Balkons die Flaggen herunter, die nicht von Feinbube bezogen worden waren und warf sie auf die Erde. Selbst die Stangen wurden in Stücke zerbrochen. Doch erhob sich keine Stimme des Widerspruchs. Diese Willkür geschah unter lautlosem Schweigen. Nur zuweilen kam aus einem Haustor ein Portier heraus und besah die umherliegenden Fetzen. (Forts, folgt.) Lichteaiergtt Feuerwehr haiie am Karfreitag ein Grovseuer zu löschen, das nachmittags nach 5 Uhr in dem Eckhause Friedrich- Karl-Straße 9/10 und Scharnweberstr. 28 aus noch nicht ermittelter Ursache ausgekommen war. Als die alarmierten Wehren von Berlin und Lichtenberg dort ankamen, stand der große Dachstuhl des von vielen Parteien bewohnten Hauses schon total in Flammen. Die Lichtenberger Feuerwehr hatte bis nach 3 Uhr zu löschsn, um des entfesselten Elementes Herr zu werden. Der Dachstubl ist nieder- gebrannt, auch hat das obere Stockwerk durch Wasser gelitten. Ein eigenartiger tödlicher Unglücksfall hat sich in Spandau zugetragen. Ter in einer dortigen Fabrik beschäftigte Arbeiter Berger war damit beschäftigt, mit einem Messer ein kleines Stück Holz zu beschneiden. Dabei glitt die Schneide von dem Holz ab und drang dem B. in die linke Brustseite. Da das Messer sehr scharf war, verursachte es eine zwar nicht sehr tiefe, aber stark blutende Wunde. Der Verletzte begab sich noch selbst zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, brach dort aber plötzlich zusammen und starb in wenigen Augenblicken. Ter Tod ist, wie ärztlich festgestellt wurde, auf Verblutung zurückzuführen; das Messer hatte eine Hauptader getroffen und durchschnitten. Reiche Beute machten Einbrecher, die in der vorletzten Nacht die Wohnung einer Frau Doktor L. in der Geisbergstr. 41 heimsuchten. Die Wohnung sollte demnächst aufgegeben werden und die Inhaberin selbst hatte für die letzten Tage in einem Pensionat Wohnung genommen. Diesen Umstand benutzten Diebe, die mit den örtlichen Verbältnissen wohl vertraut gewesen sind, um in aller Rube Teppiche, Wäiche und einzelne Möbel im Gesamtwette von mehreren tausend Mark wegzuschaffen, was ihnen auch unbemerkt gelang. Die gestohlene Wäsche ist C. P. gezeichnet. Auf die Wieder- beschaffung der entwendeten Sachen ist eine angemessene Belohnung ausgesetzt. Eine sechsköpfige Bande von Dieben und Hehlern wurde durch die Entdeckung eines Hehlernestes in der Koppenstratze entlarvt. Zwei der Kriminalpolizei schon bekannte Händler namens Opitz und Klaer standen seit geraumer Zeit im Verdacht, mit Rollkutschern und Arbeitern„Schiebungen" zu machen. Kriminalbeamte statteten Opitz in seiner Wohnung in der Koppenstraße einen überraschenden Besuch ab und entdeckten dabei u. a. eine goldene Damenuhr, eine goldene Armbanduhr, eine silberne Uhr, goldene Armbänder mit Brillanten, goldene Ringe, Kleiderstoffe usw. Es ergab sich, daß ein Kutscher Karl Holstein aus der Müncheberger Straße die Sachen von einem Speditionswagen, auf dem sie in einer Rindledertasche und einem Korb gestanden, gestohlen und zunächst zu der Geliebten des Opitz geschafft hatte. Diese hatte sie zu Opitz selbst gebracht. Holstein hatte für alles 250 Mark bekommen. 6 Personen, darunter auch die Geliebte des Opitz, wurden festgenommen. Eharlottenburg. Lebensmittrlverteilung. In der Woche vam 9. bis 15. April gelangen 350 Gramm Fleisch und 5 Pfund Kartoffeln zur Ausgabe. Von den Abschnitten der roten NahrungS- mittclkarte gelangen zur Einlösung Abschnitt 50 mit Räucherivaren oder Fischmarinaden laut besonderem Anschlag, Abschnitt 59 mit 'A Pfund Sauerkraut. 61 mit% Pfund Graupen oder Grütze zum Pfundpreise von 30 Pf., 62 mit 100 Gramm Nudeln(2. Torte 51 Pf., i. Sorte 72 Pf. pro Pfund), 65 mit 1 Kilogramm Gsmüsekonserven (Verkauf nach den fortlaufenden Serien bis einschließlich 18. April), 66 mit 2 Pfund Kohlrüben und 67 mit% Pfund Haferpräparaten (Flocken, Grütze oder Mehl); vom 13. bis 21. April gibt es 50 Gramm Butter und 30 Gramm Margarine. Ferner vom 9. bis 23. April 3 Eier; ferner je 5 Eier an schwangere und stillende Frauen bis zum 15. April auf die Milchkartenmittelstücke. Auch in diesem Vierteljahr erhalten Kinder unter zwei Jahren und alte Leute über 70 Jahre allmonatlich Hafer- flocken. — Allgemeine Speisung. Von Sonntag, den 15. April, ab wird bei der Eharlottenburger allgemeinen Speisung die Speisen- auSgabe auch an den Sonntagen stattfinden, jedoch nur in der Küche Krumme Straße 87 und zwar zwischen 11 und 1 Uhr vor- mittags. Die Anmeldungen werden in sämtlichen Ausgabestellen von Freitag, den 13. April, ab angenommen. Zur Sonntags- fpeisung wird nur zugelassen, wer sich für die ganze Woche der- pflichtet. Diese Teilnehmer haben am Freitag jeder Woche eine Wochenkarte im Betrage von 2,80 Mk. zu lösen und von ihren Fleisch- und Karioffelkarten je 5 Abschnitte für eine ganze Portion abzuliefern. — Oeffentliche Impfung. Die öffentliche freiwillige Impfung in der Charlottenburger städtisck>en Volksbadeanstalt, Krumme Straße 10. wird mit dem 14. April beendet. Wer bisher noch nicht Gelegenheit genommen hat, sich impfen zu lassen, muß dies daher bis zu dem genannten Tage tun. Eine Gelegenheit zur unentgelt- lichcn Impfung ist vom 15. April ab nicht mehr geboten. Neukölln. LebenSmittelverteilung. In der kommenden Woche werden abgegeben: F l e i sch 350 Gramm. Kartoffeln5 Pfund, außerdem je 2 Pfund Kohlrüben auf das Kopfstück einer Neu- köllner Brotkarte der III. Woche bei gleichzeitiger Vorlegung der Ncuköller HauShaltkarte; Eier: 1 Ei auf das Mittelstück der Eierkarte(der Verkauf hat bereits am 5. Aprtl begonnen): Zucker wie bisher 375 Gramm; Fortsetzung des Sauerkohlverkaufs auf Abschnitt 10 der Lebensmittelkarte. Ueber den Verkauf von Ge- ntüsekonscrven, Sirup(225 Gramm pro Kopf) und Haferfabrikaten (250 Gr�mm pro Kopf) kann zurzeit näbercs nocki nickit mitgeteilt werden. Die Bekanntmachungen hierüber sind in der nächsten Woche zu erwarten. Kreis Teltow. Die Verteilung von Saatkartoffeln wird jetzt in die Wege geleitet. Mit der Anlieferung der dem Kreise zu- gewiesenen Menge Früh- und Spätsaatkartoffeln wird von der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg in der Woche nach Ostern begonnen werden. Der Landrat des Kreises Teltow macht darauf aufmerksam, daß die vorliegenden Bestellungen an Kartoffelsaatgut nicht in vollem Umfange berücksichtigt werden können. Von den durch die Landwirtschaftskammer dem Kreise zugewieseneu Mengen Saatkartoffeln werden nur die vor den: 1. März eingegangenen Bestellungen, und zwar Frühkartoffeln durch Zuteilung von 20 bis 25 Proz. und Spätkartoffeln durch Zu- teilung von 45 bis 60 Proz. befriedigt werden. Die Zuteilung der Saatkartoffeln erfolgt waggonweise an die Magistrate, Gemeinde- und Gutsvorstände. Steglitz. Lebensmittelabgabe. In der Woche vom 9. bis 15. April werden verteilt: Fletsch: 250 Gramm, Kartoffeln: auf Abschnitt 50 der Kartoffelkarte höchstens 5 Pfund. Der Preis beträgt für 1 Pfund 6,5 Pf., bei Bruchpfennigen Abrundung nach oben. Zucker: bis zum 15. April auf Abfchmtt 12 der Zuckerkarte 375 Gramm. Außerdem werden verabfolgt: 200 Gramm Graupen und 100 Gramm Grieß oder Gerstengrütze auf Abschnitt 8 und 9 der Lebensmittelkarte. Sirup wird abgegeben für alle diejenigen, welche bei der letzten Verteilung keinen Kunsthonig erhalten haben (Abschnitt 6 der Lebensmittelkarte); Kriegsmus gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarte. Verkauf der Gemüsekonserven findet— nach Voranmeldung am 10. und 11. April— vom 13. bis 17. April statt. Treptow. Lebensmittelversorgung. In der Woche vom 9. bis 15. April werden verabfolgt: 200 Gramm Mehl auf Abschnitt 3 der Lebensmittelbezugskarte. 3 Pfund Kartoffeln und 250 Gramm Fleisch. Auf Abschnitt 4 der Lebensmittelbezugskarte Pfund ge- salzenen Blumenkohl; Preis das Pfund 1 M. Verteilung für den ganzen Ort. Voranmeldung bei den Händlern am 10. und 11. April. Auf Abschnitt 11 der Eierkarte 1 Ei; Preis 28 Pf. Verteilung nur im Ortsteil Baumschulenweg und Mittleren Ortsteil. Mit dem Verkauf von Gemüsekonserven ist bereits begonnen worden. Sollte es einzelnen Einwohnern nicht möglich gewesen sein, Ge- müsekonserven auf den Abschnitt 1 der Lebensmittelbezugskarte zu erhalten, so erteilt das Lebensmittelamt, Rathaus, Zimmer 16, Auskunst, wo Gemüsekonserven noch empfangen werden können. Friedrichsfelde. Die Eiervertrilung an Urlauber erfolgt durch die Geschäfte Briesemeister, Berliner Str. 23. und Lindner. Schloß- straße 34; in Karlshorst durch die Geschäfte Schroeter, Treskowallee 84, und Lange u. Steffen, Auguste-Piktoria-Stt. 40. Bei der Entnahme der Eier haben die Urlauber neben der Eier- karte auch den Urlaubsschein vorzulegen. Ohne Vorlegung des Scheines werden Eier nicht mehr ausgehändigt. Friedrichshagen. Kartoffelverkauf. In der Woche vom 9. bis 15. April kommen auf sämtlichen Abschnitten 4 Pfund pro Kopf zur Verteilung._ Groß-Serlmer parteinachrichten. Spaltung der sozialdemokratischen Stadtverordneten- Fraktion in Lichtenberg? Aus Lichtenberg wird uns geschrieben: Im„Mitteilungsblatt", dem Organ der Arbeitsgemeinschaft Groß-Berlin, werden die Leser informiert von einer Umfrage, die die Bezirksleitung des Wahlvereins Lichtenberg unter den sozial- demokratischen Stadtverordneten veranstaltet hat. Diese Mttei- lung ist nunmehr auch in die bürgerliche Presse übergegangen und hat zu der Schlußfolgerung geführt, daß die Fraktion der sozial- demokratischen Stadtverordneten sich gespalten hätte. An der Notiz ist richtig, daß die Stadtverordneten zu einer Sitzung der Bezirksleitung eingeladen waren, aber nicht vollzählig erscheinen konnten. Man hat dann eine Anzahl Stadtverordneten durch Rundschreiben bestagt, ob sie sich zur Orgcmisatton der Ar- beitsgemeinschaft oder zur Organisation der sozialdemokratischen Partei Deutschlands bekennen. Es ist natürlich kein Geheimnis, daß auch in der Lichtenberger Stadtverordnetenfraktion Anhänger des Parteivorstandes und Anhänger der Arbeitsgemeinschaft sitzen. Bei der Stellungnahme zu den in der Kommune auftauchenden Fragen haben sich jedoch Differenzen zwischen diesen beiden Rich- tungen nie ergeben. Nachdem die Bezirksleitung aber angefragt hatte, sollte auch eine rückhaltlose Erklärung abgegeben werden. Es haben sich deshalb die Befragten bzw. diejenigen, von denen bekannt war, daß fie zum Parteivorstand halten und infolgedessen von der Bezirksleitung gar nicht erst schriftsich bestagt wurden, zusammen- gefunden und der Bezirksleitung gemeinsam erklärt, daß sie Mit- glieder der sozialdemokratischen Partei Deutschlands waren, sind und bleiben und daß fie gemäß ihrer Ueberzeugung und dem Willen, Mitglied der sozialdemokratischen Partei Deutschland zu bleiben, sich derjenigen Organisatton angeschlossen haben, die als ein Glied der großen sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu be- trachten ist. Der Lichtenberger Wahlverein, Richtung Arbeitsgemeinschaft, hat, als der„Vorwärts"-Boykott einsetzte, durch Annahme einer Re- solution zum Ausdruck gebracht, daß diejenigen, die den„Vorwärts" abonnieren bzw. bezahlen, nicht mehr als Funktionäre der Partei bettachtet werden können. Die Mehrheit der sozialdemokratischen Stadtverordneten konnte es mit ihrer sozialdemokratischen Ueber- zeugung nicht in Einklang bringen, das Zentralorgan abzubestellen bzw. es zwar ins Haus kommen zu lassen, aber es nickit zu bezahlen, und somit wurden sie durch obigen Beschlutz für Parteigenossen zwefter Klasse erklärt. Der Lichtenberger Wahlvercin hat nun, wie aus dem„Mitteilungsblatt" hervorgeht, in einer Versammlung sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß die als Stadtverordneten gewählten Genossen ihrer alten Parteiorganisation den Rücken ge- kehrt haben. Es wurde beschlossen, die Namen der Betreffenden im „Mitteilungsblatt" zu veröffentlichen und sie nicht mehr als Per- tteter der Lichtenberger Parteigenossen zu bettachten. Die Veröf- fentlichung der Namen ist in der gleichen Nutnmer erfolgt und dabei auch die berufliche Stellung der einzelnen Stadtverordneten mit angegeben. Die Veröffentlichung des Berufes soll jedenfalls den Anschein erwecken, als ob zur Richtung des Partcivorstandcs nur Angestellte und Hauseigentümer zählen. Wenn wir ebenso boshaft wären, wie man in dieser Notiz sein will, dann könnten wir auch die Beruststellung der aus der andern Seite stehenden Stadtverordneten veröffentlichen, und es würde dann kein anderes Bild herauskommen, als hierbei auch. Wir sind auch nicht gewillt, den Streit über taktische Fragen auf das Persönliche zu verschieben. Ob der Beschluß des Lichtenberger Wahlvereins die Spaltung der Fraktion zu Folge haben wird, steht noch dahin, denn, wie oben schon erwähnt, sind bis jetzt bei der Stellungnahme zu den ver- schiedensten Fragen der Kommunalpolitik Differenzen, die nach der Bezeichnung„hie Arbeitsgemeinschaft— hie sozialdemokratische Partei" gettennt werden könnten, noch nicht aufgetreten. Es gibt natürlich auch m der Lichtenberger Stadtverordnetenfraktion Met- nungsverschiedenheiten, aber sehr häufig finden wir, daß da die Grenzen ganz anders zu ziehen sind, als zwischen Arbeitsgemein- schaft und sozialdemokratischer Partei. Es ist eben die alte Er- fahrung, daß die in Betracht kommenden Angelegenheiten verschie- denartige Beutteilung erfahren. Bis jetzt war es noch immer so, daß man sich innerhalb der Fraktion verständigen und im Parla- ment einheitlich auftreten konnte. Eine Aenderung dieser Taktik ist nicht notwendig und wird, obwohl die Anhänger des Pattei- Vorstandes die Mehrheit innerhalb der Fraktion haben, von diesen auch gar nicht erstrebt, da sie der Meinung sind, daß die Interessen der Arbeiterschaft am besten durch einheitliche Aktionen gewahrt werden können. Will der Wahlverein Lichtenberg bzw. die Rich- tung Arbeitsgemeinschaft die Zersplitterung der Kräfte, so kann die Mehrheit der Stadtverordneten das nicht hindern, aber sie würde es lebhaft bedauern im Interesse der Arbeitersache. Eharlottenburg. Der Zahlabend am Mittwoch, den 11. April, fällt aus, dafür allgemeine Mitgliederversamm- lung am Mittwoch, den 18. April, abends 8 Uhr, im Volkshaus, Rosinenstt. 4. Wegen äußerst wichtiger Tagesordnung, Statutenberatung. Stellung von Anträgen zur außerordentlichen Kreis-Generalversammlung am 22. April, Wahl von Delegierten usw. ist das Erscheinen aller Mit- glieder unbedingte Notwendigkeit. Lichterfeldc. Dienstag, den 10. April, abends 8)4 Uhr, im Lokal von W. Draegett, Hindenburgdamm 45: Vereinsversammlung. Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung über das Bezirks- bzw. Kreisstatut. Stellungnahme zur Kreis-Generalversammlung und Wahl der Delegierten. Vereinsangelegenheiten. Gäste will- kommen. Treptow-Baumfchulenweg.(Sozialdemokratischer Wahlverein.) Mittwoch, den 11. April, abends 8)4 Uhr, bei Erbe, Baumschulen- straße 14: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Stet- lungnahme zur Kreis-Generalversammlung und Wahl von Tele- gierten. 2. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiett. Reinickendsrf-Ost. Mittwoch, den 11. April, abends 8 Uhr, bei Dölchner, Residenzstt. 50, gemeinsamer Zahlabend. Ein- geladen sind alle.VorwättZ"leser und Sozialdemokraten, die der Partei die Treue bewahtt haben. Pankow. Beiträge und Neuanmeldungen nehmen für den sozialdemokratischen Verein entgegen: John, Mendelftt. 50, Meitzner, Schulstr. 23 pt., Schulz, Schmidt- stratze 22, O. Sillier, Tirolerstt. 42. Friedrichsfelde. Der Zahlabend findet Mittwoch, den 13. April d. I., abends 8)4 Uhr, im Lokal von O. Dorn, Prinzen- allee 35, statt. Tagesordnung Stellungnahme zur Kreiskonferenz. Verschiedenes. Alle zur sozialdemokrattschen Pattei haltenden Ge- nossen und Genossinnen werden ersucht, zu erscheinen und ihre Mit- gliedsbücher mitzubringen. KanlSdorf. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 11. April, abends 8 Uhr, im Lokale von O. Hampel, Hönower Straße 5. Tagesordnung: 1. Die Wendung im Welttriege. Rc- ferent: Genosse K. Herr mann. 2. Stellungnahme zu der Ver- teilung von Nahrungsmitteln durch die Gemeinde Kaulsdorf. 3. Berichte. 4. Verschiedenes. Die„Vorwärts"leser sind zu der Ver- sammlung freundlichst eingeladen. Gäste willkommen. Friedrichshagen. Mittwoch, den 11. April, abends 8)4 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Conrad, Fttedrichstt. 137. Wir bitten die Lokaländerung besonders zu beachten. Bohnsdorf. Dienstag, den 10. April, abends 8 Uhr, Generalversammlung des Wahlvereins im Restaurant Grabow. Tagesord- innig: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl der Funktionäre. 3. Statuten- beratung. 4. Verschiedenes. Potsdam und Umgegend. Montag, den 9. April(2. Osterscicr- tag), findet für die Patteigenossen, welche Mitglied der sozialdcmo- Iratischen Partei Deutschlands bleiben wollen, ein Z a h l a b e n d im Lokal Friedrichsgarten, Alte Luisenstt. 37, statt. Svetterausstchten für das mittlere Norddentfcbla»» diS Montag mittag. Zeitweise ausklarcnd, ziemlich kühl, überwiegend bc- wölkt und im allgemeinen geringe, nur östlich der Oder etwas stärkere Niederschläge. JMonatUcb nur 3 oder 5 JMark Romane benihmletMnner uZwuen 13 Bände in 3 Abteilungen von je 6 Bänden; Preis jedes Bandes gebunden M.(5.30 1. Abteilung S. Abteil«« g Liebe und Leben der Lady Hamilton Historischer Roman von H. V. Schumacher. Der Roman einer Kaiserin Katharinas, von Rußland EeschichMcher Roman von Eugen Zabel. Lola Montcz Hiftottscher Roman von Joseph Aug. Lux. Lord Nelsons letzte Liebe Histottsch. Roman v. H.V. Schumacher. Grillparzers Liebesroma« Die Schwestern Fröhlich. Roman aus Wiens klassischer Zeit von Joseph Aug. Lux. Marquise von Pompadour. Ein Roman aus galanter Zeit von Dora Duncker. Ein Liebcsidyll Ludwigs X!V. Louise de La Boiliöre Histott sch. Roman von Dora Duncker. George Sand Ei» Buch der Leidenschast Historisch. Roman von Dora Duncker. Marie Antoniette Einer Königin Liebe u. Ende. Von HanS Freimark. Lassalle Ein Leben sür Freiheit und Liebe Gesch. Roman v. Alsr. Schirvkauer. Napoleon III. Ein Märchen aus dem Thron Rom v. Hainr. Dollr. Schumacher. Kaiserin Eugeuie Der Weg zum Thron Rom. v. Heinr. Vollr. Schumacher. Diese Erzählunaen verschaffen einen tiesen Sinbiick in die Herzonscrlebniffe geschichtlicher Größe« und Berühmtheiten: sie bringen diese UNS menschlich näher, zeigen aber auch, m weicher Weise die Geschicke der Volker so häufig von geheimen Mächten bcemflugt wurden. Wir liefern die ganze Sammlung M».»".» 5 M., Z'* Ä? 3 M. A. Wollbriick». Co., Buchhandlung, Berlin V. 24, Oranienburger Str. 5i>. Bestellschein V. An die Buchhandlung A. Wollbrück«. Co., Berlin ü 24, Oranienburger Str. 59, Unterzeichneter bestellt hiermit: Romane berühmter Männer und Frauen 12 Bände je 6,50 M.= 78 M. zahlbar mit monatlich sünf Marl. Abteilung K Bände sür 33 M. zahlbar mit monattich drei Marl. Erfüllungsort Berlm-Mtte. Name und Stand Ott: e-trage: i Verband lGenieüide-D.Staatsaii]. Filiale Groß-Rerlln. \achrnf. Den MitgNedern geben wir ! hiermit Nachricht vom Tode des � Kollegen Paul JUig | von der Irrenanstalt Herzberge. Beerdigung hat bereits statt« | gefunden. Ehre seinem Andenken: 3S/7 Tie Lrtsverwaltnng. I Verband der Haler, Lackierer, Äiisireicher usw. Filiale Berlin. Nachrufe. Den Kollegen zur Zkachricht. daß unser Mitglied, der Maler >Vilke!m pouraier am 23. März verstorben ist. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Maler WilKellli Meyerhoff am 29. März verstorben ist. Ehre ihrem Andenken l 137/10 Tie OrrsverwaRnn� ! Zeniralverband der Steinarbeiter Deiitscbiands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Räch- | richt, daß unser Kollege, der Tteinmetz Uui'l Kupsch 1 als Opfer deS ill-eltkriegeS ver- slorben ist. Die Beerdigung findet am > Dienstag, den 10. April, nach. ] mittags 4 Uhr, von der Leichen- I balle deS Garnison-FriedhojeS, Hasenheide, aus statt. Um rege BeteUigung ersucht 1 171/20_ Die Orlsverwallung. Am Donnerstag, de» S. April. verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater, der Steinmetz Ksi«! Kupsch im Alter von 4S Jahren. Ruhe fanft t Berlw-Weißensee, Lehderstr. 11. ITA Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle deS Garnison-Friedhoses, Hasenheide, aus statt. Als Opfer deS Weltkriege, fiel am 17. März 1017 nach LSmona- tigcn schweren Kärnvien durch Brustschuß im noch nicht vollen. deten 2S. Lebensjahre mein Herzens guier Mann, Vater seines einzigen Kindes, mein lieber Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn, der Ersatz- reservist KI Qilo Klapp Landwehr-Jnfanterie-Rgt. Nr. 12, Jnh. des Eiserneu Kreuze» 2. Kl. In tiefem Schmerz Leiruil Klapp geb. BlescMn und Tochter Gerda. Witwe Klapp als Mutter. Ernst Klapp als Bruder, z. Z. Im Felde, nebst Frau. Lydia Stube) geb. Klapp als Schwester nebst Mann. Erna, Gertrud und Charlotte als Schwestern. Klara Dohm geb. Blesohke als Schwägerin nebst Mann. Georg Bleschke als Schwager nebst Frau. Martha Schiik geb. Bleschke nebst Hann, z. Z. im Felde. Grote liaeke geb. Bleschke als Schwägerin nebst Mann, z. Z. in Garnison. Witwe Raeke. Ww. Bleschke als Schwiegermutter Richard Bleschke als Schwager z. Z. im Felde, nebst Frau. Karl Binder als Rekle, z.Z. im Feld«. Elise Delschläger geb. Bleschke als Schwägerin nebst Mann. Adolv Bleschke und Frau. 1 Du starbst an Deinen schweren Wunden, I Des FeiudeS Blei traf Dich so schwer. Vorbei, vorbei des Lebens goid'ne Stunden, j Fiir Dich gibt's keinen Frühling mehr. Sil' oti von der Heimat und seinen •Jiben starb in französischer»k. sangenschast am 11. JaraMK 191? mein herzens guter Sochi, unser lieber Bruder, Schwager, Onkel und Nesse, der Pionier Lermsiill Sperling im blübenden Alter von SiYabretj Die» zeigen tieibetribt an Witwe Minna Sperling als Mutter. Emmma Sperling, Charlotte Thannhäuser, al» Schwestern. Ma* Thannhäuser als Schwager. Dem Auge sern, 2144b Dem Herzen ewig nah. Nach langer Ungewißheit haben wir jetzt die traurige Nachricht er- halten, daß unser lieber söhn, Bruder und Schwager, der Musketier Msx Krömke am 11. Oktober 1916 ein Opfer des Weltkrieges geworden ist. In bitterem Schmerz 34A Max Krömke und Frau Eharlotte Heff« geb. Krömke. verw. Blllmei Georg Hefie, z. A. im Felde. Else Preuss geb. Krömke. Ernst Blümel, z. Z. im Felde. Fritz Prcnst, z. Z. in Garnison. Fritz, Willi. Walter Blümel," Wilhelm, Bruno Krömke, Neukölln, Münchener Straße 11. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme beim Tode sowie Begräbnis meines lieben Mannes, für die schönen Blumen sowie ehrende« Grabgeleit sage allen Beteiligten herzlichen Dank. 34A »WM Mm. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß mein herzensguter, innigst geliebter Mann, Bruder, Schwager und Onkel, der Land- sturmmann Ksnl Bodner im 45. Jahre am 2. April an den Folgen ewer schweren Lungen- entzündung in einem Feldlazarett verstorben ist. Im Namen allerHinterbliebrnrn Die tiestrauernde Gattin Heilwix Bödner geb. Tischer. Nu» liegst Du begrabe» im Feindesland, Dein Grab kann nicht schmüikrn die liebende Hand. Doch unvergessen lebst Du uns allen im Herzen fort. Ist Dein Grab auch am fernen, lernen Ort, Die Natur streue liebe Blirmen Dir umS Grab, Well Du im Leben gekämpft und gelitten hast. 7A Als Opfer einer seindltchen Fliegerbombe fiel am 20. März 1917 mein lieber Mann und Vater seines einzige« Kindes, der Flieger .losepi! Jeziorowski Die« zeigen hiermit a» Deine tiesbetrübte Gattin Wally JeziorowSki 21502 nebst Dorchen sowie alle Verwandt, u Bekannten. Wwe. Strauch als Mutter. Willi Strauch als Bruder. Zerta Rüdiger)---Schwestern Karl Fräde\ als Schwäger, Paul Rüdiger/ z. Z. im Felde. Wwe. JeztorowsN, Schwicger- mutier. Wand« Jeziorowski, Schwägerin, Frz. Jeziorowski. OnleL Familie Bteri als Freunde. WäL jeder jo wie er, Gäb'S weder Krieg noch Rott Als Sobn deS Bolle» starb er, Getreu bis in den Tod. Mit der Sehnsucht im Herzen nach leinen Lieben, Mtt der Sehnsucht im Herzen ist er geblieben._ Wiederum haben wir den Ver. lust eines braven Kollegen zu be- klagen. Am 17. Februar fiel aus einem Schlachtjelde der Schristsetzer Otto presckei aus Frankfurt a. D. Sein allzeit biederer und liebenswürdiger Charalter fichern ihm unser dauerndes Andenken. Oie Kollegen 81496 der Königlichen Hafbuchdruckerei E. S. Mittler& Sohn, Berlin. Znm 37. Geburtstag meines lieben Manne» und irr«. sorgenden Vaters, deS Land- fturmmannes Fritz Müller geb. am 8. 4. 1880, gefallen am 14. 12. 1918. Dir trauernde Gattin Ellsahcth Ziviler nebst Tochter.�janl, HennIgSdorser Straß« 2. Du gingst zu früh zur Ewig- lest. WaS bergen die paar Worte für tiefes, tiejes Leid. Allein z«(ein, drei Worte, krtcht zu sage», Und ach so schwer,«»endlich schwer zu tragen._ 41A Danhfagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme sowie dt« zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» Manne«, unseres oute» BateeS. deS Musik»««nstnv Rabe sage ich allen Verwandle» und Bekannten sowie der Hauptver- »altung und der OrtSoerwaltung des ZenttawerbandeS der Zivilmusiker Deutschlands, dem Lotterie- Bund Berlins und Umgegend sowie dem Lotterieverew Letzier Pfennig meine« herzlichsten Dank. SLA Pauline Rabe geb. Lüdecke uebst Töchtern und Schwieger- söhn. VMZaguog. »ov»e ve« der PrerÄg��meiver geliebten Mutter Wilhelmine Thiele geb. Mittler, sagen wir allen Verwandten, Freunden und»«kannten unseren aufrichtigst«« Dank. Rudolf Schadeudorf. Emma Schadendorf. Pont Obst. Berlin, den 7. April 1317. Sir elitzer Str. 66. 231/20 Allgemeine Orts- Krankenkasse für Nowawes nod Umgegend. Am Dienstag, den 17. April, abends 81/, Uhr, im kleinen Saale des Restaurants II. Singer, Priesterstraße 31: Ordentliche Ausschuß-Sitzung, zu der die MUgliedcr de» Ausschusses hierdurch eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Vorlage de« Geschäftsberichts für ms. 2. Abnahm« der JahrrSrechming für ISIS. 3. BcfchMßiaffung über eine Er- höhung der Teuerungszulage an die Kaisenangestellten und HilsSarbeiter. 4. verschiedene,. 275/10 RowaweS, den S. Avrll 1917. Der Vorstand. O. R ö p ck e, Boisttzendrr. «. Wtlk, Schriftführer. Mittwoch, den 11. April, abends 8 Uhr: (öesimnniTs TrauerniDSnzIn Größte..asvaliL. Billigste Pretoe. I Mshranstrelo>7S (Kelonnuleni IL«e. Frankfurter Str. IIS (nahe Andreeeetr.j aoewahleendenge» eesett Amt Ztmtmm 7890. »001,109 12— 2 Uhr gadtnot Zelluloid- 1 Film- tmb Hwrtgitmmi-RbfMe kaust Ordower,«eorgenNrch- straße 50. beim Alexanderplatz, 9—12, 8— 6 Uhr. 82,4» Wie ein Wunder beseitigt 18082* o'�hw Haussalbei jeden Hautausschlag. Flechten, I Hautjucken, bes.Beiuschaden, Krampfadern der Frauen u. I bergt. Ortgwal-Dojen zu M. 2,-. I 3,50 u. S,— versendet Portofrei I Etefanteu-Apotheke Berlin, I Leipziger Stt.74,famDinbofipl.>. Trot» sivä meine Uger: Teppiche, Mdbelsloffe, Gardinen, Länferstoffe, Tisch- n. Diwandecken mrw. M noch reich sortiert!! Viele dieser irtikel zu alten Preisen!! Teppich-Spidaiiws Emil Lefevre Berlin-Süd. Seil IBS! nnr_ MM" Mein allbekanntes Haus hat keinerlei Beziehung zu ähnlich lautender Firma!!• Tagesordnung: 1. Beratung der Statuten für die Kreis- und die BeztrtSorgcmifation. 2. Wahlen:») deS Kreisvorstandes, b) der Revisoren, o) der Vertreter zum Bezirks- vorstand, 6) der Preßkommisston, o) der Delegierten zum Bezirkstag. 3. Organisationsangelegenheiten. ' Mitgliedsbuch legitimiert.» Die Versammlungen finden statt: Lrster Kreis. Gewertschaftshaus. Engelufer IS(Saal 3). Zweiter Kreis. 9lene9 Gesellschaftshaus(Reinhardt), Hasenhcide 67. 1. Punkt; Vortrag deS Genossen Richard Fischer. Dritter Kreis. Gewerkschaftshaus, Engelufer 16(Saal 1). Vierter Kreis. ivoeker, Weberstr. 17. (Die abgegebenen Mitgliedsbücher werben am Saaleingang ausgegeben.) Ffinfter Kreis. Siemnnds �estsäle» Lintenstr. 3 und Jostystr. i. Sechster Kreis. syrankeS AestsSle, Badstr. IS. 1'eItoHv-Deesko�v. Baumschulenweg-Treptow: Gemeinsame Versammlung beider Ortsteile bei Erbe, Baum- schulenstr. 11. Berlin-Bri�, bei Bahr, Werder-Str. 37. „ Friedenau, bei Schulz, Wiesbadener Str. 73, Ecke Laubacher Straße. „ Mariendorf, bei Hoch, Chausseestr. 44 Referent: Genosse Pagels. „ Schöneberg,„Rene Rathaussäle" bei Obst, Meininger Str. 8. „ Steglitz, bei Clsment, Düppelstr. 7. Referent: Genosse M. Beer. Neukölln, �Paflage-Festsäle", Bergstr. 161/62. Nieder« Barnim. Lichtenberg, bei Pickenhagea, Scharnweberstr. 60. Pankow-Schönhansen-Bnchholzt Der Zahlabend findet erst in der nächsten Woche statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. 202/8' Sammelt Xnoehen! fan Auftrage des Magistrats haben wir in Berlin 400"W_ Knocbensammelstellen errichtet Eine große Zahl von Sammlern ist unterwegs, um die in den Haushaltungen abfallenden Knochen von Tür zu Tür zu sammeln. Es g�fbt aber jetzt nicht so viel Sammler, als nötig wären, um die Knochen In allen Haushaltungen abzuholen. Die Knochen, die nicht abgeholt werden honnen, geben verloren. w Keift die Knochen gewinnen, indem Ihr sie selbst oder durch Euer Personal zu den Sammelstellen bringen laßt, damit sie rasch zur Verarbeitung in die Fabrik kommen. 9hr steuert dadurch zur Milderung der fettnot der Serliner SeuölUerung bei! Verlangt von Suren Kunden jt&etdieferung der ausgekochten Knochen und Beiert die Knochen an unsere Sammelsteile ab! Aktiengesellschaft für chemische Produkte vormals H. Scheidemandel. Berlin NW 7. Dandorf&G Bglle-Alliance-Steasse Gr. Frankfurter Strasse Bronnen-Strasse Sottbnser Damm Wilmersdorfer Strasse Kleiderstoffe Seidenstoffe \ Schleierstoffe gcstreift oder EeÄ 2.95. 3.95 ScWeierstoffe 3.45. 4.50 Schleierstoffe türkisch gemusteLteier 4.50. 5.95 Schleierstoffe 6.95. 7.75 Schleierstoffe be:tickt' 110 ernMbert« 6.95. S.so Schleierstoffe'eiM' 110"Sl, 3.95. 5.95 Schleierstoff-Ansätze �°i°- od» A Ä woiss-schwarz bestickt, 120 cm......... 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KemisseiisetiMbiiiilt d� Stralauer Stadtviertels Kaiser- Wilbelm-Straße 10, am Neuen Markt. VI. Kriegsanleihe auf Teilzahlungen°-«°° �'��p�itassenbacher. Anzahtunj: 10O/o. Weitere Zahlungen nach Vereinbarung. Derartige Teil- zahlungsbücher sind auch beliebte Paten» und Hochzeitsgeschenke. Bargeldloser Verkehr über Scheck-Konto. An- und Verkauf von Effekten. Verzinsung von Geldern auf längere n. kürzere Kündigung, Darleben o. Beleihungen. Vermietbare Tresorfäcber. Volksbank für Berlin und die Vororte. I Bauernhäusern. Tiefer Fneds über dem Dorf. Die«patzen zanken sich auf der Stpaße.?n der Schmiede hämmert es. Dt« ersten Stare pfeifen aus dem Gebüsch der Gärten. Hinter dem Hause des Bürger- meistcrs, in dem kleinen Park blühen die Schneeglöckchen. Eine Spielpuppe und ein Holzreifen liegen auf dem Rasen. Klingt irgendwo nicht das Lachen eines Kindes? Dies Dorf ist dem Tode geweiht. Kein deutscher Soldat braucht einen Finger zu richrcn und dach wird es zusammensinken. D,e t!icche, die kleinen Aepfefwcnschenken, die Mauern» an denen daS Obst emporrriecht. In die leeren Viehställe des PachthofeS werden die Granaten einschlagen, werden den Pari umpflügen und das Miltteruv-ttesbild am Ausgang des Dorfes umknicken. Denn wenn äHLizug beendet ist, wird dieses arme Dorf gerade hinter unserer neuen Stellung liegen. Jetzt träumt es in der Frühlings- sonne zum letzten Male. EL atmet und reckt sich und seine Büsche treiben braune Knospen. In einigen Wochen wird eö aus vielen Wunden bluten. Und in eimgen Monaten wird es wandernde Erde sein. Auf einem Hügel nördlich der Auws. Ringsum ein Panorama des Todes. Kein Baum, kein Strauch. Alle Pappeln längs der Straße liegen am Boden und ihre weißen Schnittwunden leuchten aus der Senke. Die kleinen Büsche auf der Wiese, hinter denen der Kuhhirt saß, sind umgesäbelt. D,e Ziegel«, siegt zusammen- ge, unken, ihr Schornstein ei» blutiger Haufen. Soweit das Auge reicht, keine Erhöhung im Gelände, sondern nackte, kahle Erde— blankgeputzte Hügel und ausgefegte Täler. Eine schauerliche Oed« — ein plattes Schutzfeld. Das ist cS. Denn wenn unser Rück- marsch beendet ist, dann werden disfe sanften Hügel zwischen uns und dem Feinde liegen. Durch diesen Streifen müssen sich diese Patrouillen heranpirschen. Wenn er den Angrffs hier wagt, müssen seine Wellen über dieses tote Gelände heran. Diese Wiesen werden viel englisches Blut trinken, jede Falte, jede Mulde kennen wir. Jeder Quadratmeter dieses aufgegebenen Lande? kann im Nu mit Eisen überschüttet werden. Dann wird dies tote Land zum zweiten Male sterben. Di« Wiesen werden stöhnen in ihrem Blut und werden nicht zur Ruhe kommen. Und mancher tapfere Tommy wird fluchen über den Sieg, der ihn dieses aufgegebene Land be- setzen sieß. Südlich Arras— ein brennendes Dorf. Wir sind letzt dicht hinter unserer feuernden Linie. Das Dorf wimmelt von Soldaten. Kein Zivilist. An zwei Stellen des Dorfes brennen Strohhänser— gualmend lichterloh. In der Kirche stehen Pferde. Aus den bunten Scitcnfenstern blicken die Heiligen herab, Die Mauern der Kirche Ganz besonder? ärgerlich ist Herr Friedberg aber über das „Leipziger Tageblatt", das von gewissen rechtsstehenden Parteimit- gliedern gesprochen hatte,„die ihrer ganzen Denkart nach nicht mehr in eine liberale Partei hineinpassen". Hiergegen schreibt Herr Friedberg: Solcke Männer gibt e« in unserer Partei über- Haupt nicht. Ebensowenig wird sie(die Neuorientierung) gc- zum vollen Steg, zum ehrenvollen Frieden, zur baldigen Heimkehr unsere» Truppen! Alle vetne Angehörigen, Deine Verwandten, Deine Nachbarn müssen helfen! Zeichne Kriegsanleihe dann warst auch Du dabei, als die Cfnt» fcheidung erzwungen wurde. Wie bei den Wahlen auf j e d e Stimme, fo kommt es bei dieser Kriegsanleihe auf j e d e Mark an. macht werden von formalen Juristen mit 48er Reminiszenzen. denen cS eine besondere Freude ist. sich in unfruchtbare Berfas- suiigSfragen. wie die juristische Ministerverantwortlichkeit und ähnliche beliebte Themata, mit besonderem Vergnügen hineinzu- knien, und die auS ihrer veralteten politischen Rezeptur mit Vor- liebe das Allheilmittel„Abspaltung" hervorholen. Herr Friedberg weist die Neuorientierung vielmehr„politisch geschulten Männern zu, die geschichtlichen Sinn genug besitzen, um tragen Löcher, in denen kleine Säcke voll Sprengstoff lagern. Drähte spannen sich von Loch zu Loch. Sie enden am Eingang unter dem Turm, wo links und rechts zwei große Löcher glotzen mit dicken Säcken. Darüber steht:„Vorsicht? Lebensgefahr!" Morgen fliegt diese alte Steinkirche in die Luft. ES wird emsig gearbeitet in diesem Dorf. Wer eS ist eine andere Arbeit als die wir so oft gerühmt haben an unfern Männern im Fell». Es sind dieselben fleißigen Hände, die den französischen Acker bewirtschafteten, die in der Feuerlinie Gärten bauten, Gräber von Freund und Feind auö freien Stücken pflegten und der Wirtin im Quartier das Holz zerkleinerten und den Kaninchenstall auS- besserten. Heute müssen diese Hände zerstören, vernichten, entzwei- schlagen. So will es der Befehl— daS Gesetz— die militärische Logik. Denn wenn unser Rückzug beendet ist, dann wird dieses Dorf hinter der feindlichen Linie liegen. Der Feind wird hier wohnen. Er will in den Kellern vor unseren Fliegern und Gra- naten Schutz finden. Vom Turm der Kirche will er sein Feuer leiten. In den ausgebrannten Häusern noch will er Munitionslager stapeln und Regimentsstuben einrichten. Seine Feldküchen sollen tn den Querstraßen stehen, lind sollten wir später einmal einen Vorstoß wagen, dann wird jede erhaltene Hausmauer den Tod von vielen Kameraden bedeuten. Dann wird das Dorf niedergelegt. Pioniere haben die Leitung. Qandsturmlente und zurückgezogene Bataillone helfen. Mit Art und Pickel werden kunstvoll die Garten- maueni. die Ställe, die kleinen Häuser zum Einsw» gebracht. Bei den großen hilft das Dprcngpulver. Zahlreiche Häuser liegen schon zusammengeklappt. Eins rutscht vor unseren Augen in sick zu- sammen— wie die ausgebauten Spielhäuser der Kinder, die durch einen einzigen gelösten Stein ineinandersinkcn. Der Anblick dieser planvollen Vernichtung greift ans Herz. Aber daS Herz, das so vieles gelernt hat in diesen Jahren, gehorcht dem furch war zwingenden militärischen Raisonnement. Unsere Soldaten m ihren Briefen nach Hause haben viel Mitleid mit diesen Dörfern geäußert. DaS ehrt sie. Aber natürlich hat ihnen die Sache zuerst einige Freude gemacht.(Sie sind keine Nonnen und las dritte Kriegsjahr neigt sich dem Ende zu.) Wer das war nur in den ersten Tagen,— vielleicht wegen der Wwechselung. Später stellte sich diese Arbeit als sauer und ermüdend heraus. Ich sah Land- sturmleute einen Obstgarten fällen, in dem einst gut versteckt eine deutsche Batterie gestalten hatte. Sie taten daS genau so Hand- werksmäßig, wie man Kohl«, schaufeilt. Zwischen dem ersten und zweiten Dorfe— irgendwo— zu beiden Seiten einer Landstraße gräbt sich eine Maschinengewehr- kompagnie ein. Sie hat den Rückzug zu sichern, wenn er befohlen wird. Niemand weiß, wann das sein wird. Wer die Leute sind munter. In ihren grüngrauen Stahlhelmen sitzen sie am Graben- rand. und ihre Gewehre leuchten in der Sonne. Wann hat man auf französischer Erde so frei und ungestört die leichten Maschinen- aewehre eingegraben? Im September 1914. Das fühlen die Leute. Sie haben plötzlich einen anderen Geist wie da vorn in den Schlammlöchcrn. Sic sehen ls£ Kilometer freier Wiese vor sich. an die besten Traditionen unserer Vergangenheit anzuknüpfen". Wenn er damit die Herren Hirsch und Fuhrmann«eint, so ist allerdings von der Mitwirkung der Nationalliberalen an der Neuorientierung wenig zu erhoffen. Ein prensiifcher Berfaffungsansfchuh? Die freikonservaiive„Post" veröffentlicht eine Zuschrift aus parlamentarischen Kreisen, die sich mit dem Verfassungsausschuß des Reichstages befaßt und der Befürchtung Ausdruck gibt, daß dieser die preußische Wahlrechtsfrage aufrollen könnte. Als Gegengewicht hiergegen wird die Sckaffnng eineS preußischen BerfassungsausschusseS(also eines Ausschusses des Dreiklassenparla- ments) angeregt: Nach den Vorgängen beim WohnungSgesetze und beim Fideirom misse liegt der Gedanke nahe, daß daS Abgeord- netenhans einen besonderen Ausschuß mit dem Austrage betraut. sich mit der Staatsregierung über Reformen in unserem Staats- Wesen, insbesondere über die Reform des Wahlrechts zu vcrstän- digen. Diesem Ausschuß könnte der nationalliberde Antrag auf Reform des Herrenhauses und der Freikonsemativen�auf Einschränkung der Staatsaufsicht über die Gemeinden überwiesen werden. Daß durch die Einsetzung eines solchen Ausschusses die Stellung der Staatsregierung gegenüber dem Berfas- sungSauSschusse deS Reichstages wesentlich erleichtert werden wurde, dürste einleuchten. Der Regierung könnte vielleicht vor dieser Hilfe Angst und Bange werden._ Seife aus Butter. Eine Wirkung deS„Preisanreizes". Apotheker und Drogisten der kleineren Landorte konnten schon seit längerer Zeit eine starke Zunahme des Bedarfs nack» Seifcn- st e i n beobachten. Die Erklärung für die auffällige Ersöbeinung. daß die Landwirte einen Teil ihrer Fettvorräie. besonders die Buttermengen, mit Hisie von Seifenstein in Seife verwandeln, lag nahe'und stellte sich als zutreffend heraus. Die„Apoiheler- Zeitung' kann in ihrer neuesten Rummer gleich zwei behördliche Verfügungen mitteilen, die zu bedauerlichen Rückschlüssen hinsichUich neuester ländlicher Gewohnheiten berechtigen. Danach gibt die Freie Hansestadt Bremen, zu der ein ausgedehntes Landgebiet gehört. unter dem 22. März bekannt: Die Herstellung von Seifen und pflanzlichen und tierischen Velen und Fetten zu technischen Zwecken ist verboten. Dieses Verbot bezieht sich nickt nur auf die gewerbliche Herstellung, son- der» auf jede Herstellung überhaupt, auch auf die Her- stellung in Privathaushaltungen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 1&00 M. oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Noch deutlicher und klarer drückt sich die KriegSamtSstelle zu Königsberg i. P r. au§: .ES ist berichtet worden, daß im Bereiche des stellvertretenden Generalkommandos des 2. und 5. Armeekorps in verschiedenen ländlichen Bezirken mit bedeutender Butter- Produktion Händler sich bemühen, Seifenstein zu verkauscn. Geifciistein besteht größlenteilS aus Actznotron und wird an- gewandt bei der Herstellung von Seifen aus Fetten. Ter Ber- dacht liegt nahe, daß damit die kleinen bäuerlichen Betriebe zum Verkochen von Butter zu Seife veranlaßt werden sollen. Da der Höchstpreis von Butter 2,50 M. für da? Psund ist, Seife oder für dos gleiche Grwicht«flit 4 oder 5 M. und noch höher gehandelt wird. mag die Geldgier unpatriotische und kurzsichtige Leute wohl dazu verleiten, unser wertvollstes Fett der menschlichen Ernährung zu entziehen. Diese Handlungsweise ist mit schiveren Strafen bedroht, denn nach Z 35 des Reichsgesetzes vom 20. Juli ISIS macht sich strafbar, wer unbefugt beschlagnahmte Fette ver- arbeitet." In anderen Fällen haben wir gehört, daß e« die städtischen Lcr« brauchcr find, die die Landbevölkerung mitunter dazu verleiten, böhere Preise als Höchstpreise zu nehmen. Hier treten wiederum die Händler als die Verführer auf und die kleinen Besitzer als die der Verführung möglicherweise zugänglichen. Wundern aber sollte eS uns, wenn nicht nächstens von be- stimmter Seite die Moral von der Geschicht' dahin auSgtlcgr würde, daß die Butterpreise, um der Verseifung vorzubeugen, schleunigst verdoppelt werden müßten._ Vielleicht kommt morgen englische Kavallerie über diese Wiesen herangesprengt. Die Leute fühlen sich. Sie haben keinen leichten Posten, aber sie wissen, daß hinter ihnen eine Mauer von Menschen, Stein und Eisen auf sie wartet. Den ganzen Morgen nebelte eS. Jetzt ist die Sonne heraus- gekommen. Und sofort beginnt es in der Lust zu surren. Der Eng- länder ist unruhig über unsere Pläne. Er ahnt etwas, aber er weiß nickt, wann und wo. Sofort bat er ein Aufklärnngsgeschwader hcrübergeschickt. das ihm Sicherheit bringen soll. ES sind die ersten Flieger, die ich seit Rumänien im Westen sehe. Sie scheinen höher zu fliegen als bis zum letzten Herbst. Aber auch unsere Flaks (Abkürzung für Flug-Abwehr-Kanonen) scheinen etwas gelernt zu haben. Beyer als früher fliegen ibre weihen Sprengwolken zwischen dem Geschwader. Als vier deutsche Albatrosse von hinten nahen,'kehrt der Engländer um. Er hat nichts gesehen. Keinen Rückzug. Denn als*tt Nebel zu schwinden begann, hörte jede Be- wcgung auf den Siraßen auf. Auck die Mörserbatterie bat er nicht bemerkt, die seitwärts in der Mulde sich für einige Zeit nieder- gelassen hat. um einem allzu stürmischen Nachdrängen veS Feindes Halt zu gebieten. Bald nach Mittag zieht sich der Hinunel wieder zu. Und langsam beginnt wieder auf allen Wegen daS Rollen der Kanonen, der Protzen, der Ledensmittelwagen. Die Wagen schleppen Draht und Schienen, Handgranaten und Minen, Holz und Gewehr- munttion. Auch Betten und Schränke, Stühle und Lampen, alles, was vorn daß Leben ermöglichte und angenehm machte, kommt jetzr viele Kilor.ieler zurück. Wem, man diese Wagen in langer Reihe sieht» mit dem vielerlei Hausgerät der Unterstände und Quartiere. hoch oben sitzend die lachend«, Besitzer— das ist kein Rückzug, son- dern ein Umzug. Der Umzug eineS ganzen Heeres. An einer Wegekreuzung buddeln ein paar badische Pioniere. Sie graben seitwärts einen tiefen Schacht, von dessen Boden sie einen Stollen treiben bis gerade unter die Mitte der Wegkreuzung. Eine harte, langwierige Arbeit. Aber wenn die Sprengladung in die Luft fliegt, gibt es einen Krater von 19 Meter Tiefe und 15 Meter Breite. Wir ssthen uns daS Gelände cur. Beide Straß«! laufen zwischen hohen Böschungen. Nirgends kommt ein Wagen ober ein Geschütz von der Straße auf die Wiese, um die Kreuzung zu umgehen. Einen Tag dauert cS mindestens, bis der Krater ver. schüttet und die Straß« planiert ist. Wieviel Arbeitskräfte forderte die englische HeereSleiwng, um die kleine Zerstörunaszone zu repa- riersn. die ton ihr am 22. Februar hinterließen? 290 0091 Die letzte Nacht in dem todgeweihten Dorfe. Es ist Befehl gekommen, das Dorf bis morgen mittag völlig zu räumen. Unsere Kampfbataillone kommen von vorn und sollen gute Quartiere finden. Ich wandere durch den Park des Bürgermeisters. In der stock- finster«, Nacht leuchten die weiß«, Reihen der Schneeglöckchen am Rande der Wege. Ein leises Grollen von der Front zeigt, daß der Engländer ruhig schläft. Durch die Dorfstraße poltert der endlose Zug unserer Geschütze und Wagen. Und dann saust sicher die erge Granate in dieses Dorf. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Vier Doppelzentner Kartoffeln für das Hektar müssen abgegeben werde». Nach der Bekanntmachung des Sicichskanzlers vom 24. März 1917 hat jeder Kartoffelerzeuger der im Erntejahr 1916 Vehr als ein Viertel Hektar mit Kartoffeln oestellt hat, ohne Rück- ficht auf die Mengen, die ihm für seine Wirtschaftsführung zu be- lassen find, 4 Doppelzentner für das Hektar seiner Anbaufläche abzugeben. lieber die Auslegung dieser Vorschrift, die zur Sicherung der Kartoffelversorgung bis zur neuen Ernte unbedingt erforderlicl» war, sind Zweifel entstanden, insbesondere nach der Richtung bin, ob infolge dieser Bestimmung ein Eingreifen indasdemLanb- wirr zur Verfügung stehende Saatgut zulässig ist. Zur Klarstellung wird deshalb darauf hingewiesen, dast unter allen Umständen die Abgabe der 4 Toppelzentner zu erfolgen hat, also auch dann, wenn durch diese Abgabe der Land-- Wirt nicht die Saatmenge behält, die er für das kam- mende Wirtschaftsjahr verwenden wollte. Eine Herabsetzmig der Aussaatmenge auf das Hektar unter das übliche Maß ist nicht an- geordnet.'_ Eiu Protest gegen Herr» Michaelis. Der Magdeburger Verein für Landwirtschaft und landwirtschast» liches Maschinenwesen weist in einer Entschließung die Vorwürfe deZ Vorsitzenden des preußischen KriegseruährungS- a m t S, Exzellenz Michaelis, daß die Landwirte, dem Gesetz entgegen, Brotkorn verfüttern, mit Entrüstung zurück. Wir find überzeugt, daß Herr Michaelis seine Ausführungen im preußischen Abgeordnetenhause nicht gemacht hat, ohne im Besitze überwältigenden Beweismaterials zu sein. Wenn er aus nahe- liegenden Gründen damit zurückhält, sollten ihm gerade die lmtd- wirtschaftlichen Kreise hierfür danken. Nach derartigen Protesten haben sie jedenfalls kein Recht mehr, sich zu beschweren, wenn Herr Michaelis sein Beweismaterial der Oeffentlichkeit übergibt. Militärische Maßnahmen gegen Landwirte kündigt dar Lamdrar bau Mülheim am Rhein an. ES sei in mehreren Fällen festgestellt, daß Getreide, Kartoffeln und sonstige abliefern ngSpflichtige Erzeugnisse verfüttert worden seien. Wegen dieser Bergehungen würden jetzt Nachforschungen von Haus zu Haus unter militärischer Hilfe durchgeführt werden. Es müßte dabei den Landleuren gegen die vorgeschriebene Bezahlung sofort alles abgenommen werden, was ihnen nicht nach dem Gesetze unbedingt gelassen werden muß.„Wo es um das Schicksal des Vaterlandes geht, uiüsseu alle Rücksichten schweigen." Ende des Kuchens in Köln. Die Stadt Köln hat sich entschlossen, den Koudiloveien die Lieferung von Mehl, Butter und Eiern aus städrischen Vorräten zu entziehen. Nur Zucker wird noch weiter abgegeben. Der Rs- gierungspräsident wird gleiche Matznahmen für den ganzen Bezirk treffen. Das bedeutet praktisch nahezu das Ende des Kuchenbackens. Die in den Konditoreien verwendeten Lebensmrtrelmengen find «norm. Allein in Köln wurden ibnen bisher monatlich geliefert: 600 Zentner Riehl, 30 000 Kilo Zucker. 1800 Kilo Butter und Fett. 90 000 Eier. Sowohl von Stadtverwalrungen wie von Arbeiter- Vertretern ist dem Staatskommissar Tr. Michaelis bei den Be- sprechungen im Rheinland der Erlaß eines Kuchenbackver- botes für ganz Preußen dringend nahegelegt worden. Er hat einem rheinischen Lberbürgermeister die amtliche Er- w ä g u u g der Forderung zugesagt. Eiu Ausfuhrverbot für Silber-, Nickel-, Kupfer- und Alu- «l i in ummünzen bringt dte Sonnabendnumme: des„Reichs- anzeigcrs". ES wird verboten Ausfuthr und Durchfuhr solcher Müitzeu. Ausgenommen tu: dein Verbot bleibt die Mir- nabme von solchen Münzen nach dem Ausland bis zum Benage von insgesamt zwei Mark für eine Person, für Silbermünzen erhöht sich dieser Betrag auf drei Mark. Ein Wahlprotest der Arbeitsgemeiuschaft. Wie die„Leipziger Volkszeilung" mitteilt/ ist von dem Vorsitzenden der Dppositions- organisation im Wahlkreis Porsdam-Q st Havelland gegen die Wahl des Genossen Stahl Protest eingelegt worden. Es wird amtliche Wahlbeeinffussung behauptet.— Das Ganze ist natürlich nur eiu Manöver, um die Wahl des Genossen Stahl zu diskcedi- ticren; denn die Annahme, daß der Sieg Stahls mit vier Fü uel der abgegebenen Stimmen auf amtliche Wahlbecinflnssnng zurück- zuführen fei, müßte wohl selbst der„Leipziger Volkszeitung" zu dumm sein. Das Perfahren gegen den Rittmeister v. Lustig. Wien, 7. April,(bvgen den Rittmeister von Lustig, der im Krantzprozeß eine besondere Rolle spielt, ist das miritär- gerichtliche Verfahren eingeleitet � worden. örauchen wir eine Organisation öer Kriegsteilnehmerl Zu dieser Frage find in der letzten Zeit wiederum zahlreiche Beitrage bei uns eingelaufen. Leider ist es unS nicht möglich, die teilweise sehr umtang reiben Zuschriften im vollen Wortlaut wieder- zugeben. Doch soll im folgenden versucht werden, die wichtigsten Argumente einer jeden objektiv herauszusbälen. Aus dem Für und Wider möge sich der Leser selbst sein Urteil bilden. Genosse Friedrich Ctzkorn, der bereits in der Nummer vom 21. Januar 1317 seinen ablehnenden Standpunkt dargetan hatte, verteidigt ihn nochmals gegen einige daran geknüpfte Ein- Wendungen; namentlich gegen die, daß die Kriegsbeschädigten nicht nur Objekte, sondern auch Subjekte der Kriegsbeschädigten- sürsorge sein wollen. Genosse Etzkorn legt dar, daß sie das auch in den Gewerkschaften seien. Bei den Lohn kämpfen der Gewerifchafteil sind die Mitglieder wirklich nicht nur Objekt. Die Angehörigen irgend- eines Berufes, einer Branche oder eines Betriebes haben»och selten darauf gewartet oder etwa gar darauf warten müssen, bis es ihre Leitung als notwendig erachtete, zur Abstellung offenkundiger Mißstände, zur Herbeiführung günstigerer oder zur Abivehr schlech- terer Arbeitsbedingungen einzugreifen. Allerdings kann die ein- zelne Gruppe nicht ohne Rücksicht auf die Gesamtheit die Stunde des Eingreifens und die Taktik des Vorgebens bestimmen. Es kann höchstens bei einer erst aus der Gleichgültigkeit aufge- rüttelten neu organisierten Arbeiterkategorie vorkommen, daß die Anregung, zu ihren Gunsten einzugreisen, sich noch nicht aus ihrer Mitte hervorwogte, sondern von außen oder„von oben herab" kommen muß. In der Regel aber u:mn-t das Verlangen nach Ab- Hilst: oder Verbesserung aus dec cg kstattbesprcchung, der Bc- ttckebs- oder Branchenversaminlu: g. Man kau» doch nicht bc- hguptV' die Arbeiter seien hierbei nur Objekt der Unternehmungen der Gcwcrffchvftsleitnng zur Erfüllung der Arbeiterfordsrungen. Für die Gswsrrschaften kommt die überwiegend arößte Gruppe der KZüwÄkesAämgteu in Betracht, und zwar alle diejenigen, die als SSmer und Angestellte wieder tätig sein können und müssen. Trotz pller graduellen Verschiedenheiten, die den größeren Teil baupffacblich auf das Lohneinkommen, einen kleineren Teil mehr auf die' Rente verweist, ist das Interesse der kriegS- beschstdigteil Arbeiter und Angesteclten an mög- lickst günjtig-ea Arbeitsbedingungen nicht ge- ringer als das der unbeschädigken Arbeiter. Es besteht also durchaus keine Gefahr, daß jene in den Gewerkschaften isoliert bleiben, ihre Interessen nicht mit der nötigen Energie von den Gewerkschaften vertreten würden. Und zwar um so weniger, als ja nicht nur die verletzten und tranken Kriegsteilnehmer lriegS- beschädigt sind, sondern eS sich nach dem Kriege von Jahr zu Jahr mehr und mehr zeigen wird, daß die Strapazen der Feldzüge auch an den�übrigen 5lriegsteilnehmern nicht spurlos vorübergegangen und. Selbst bei denkbar günstigster Reform des Mannschaftsver- 'mgungsgefetzes dürfen wir uns keiner Täschung darüber hin- � geben, daß die Rente der Kriegsbeschädigten— außer den Invaliden— in der Hauptsache nur einen mehr oder weniger nennens- werten Zuschuß zu dem erreichbaren Arbeitseinkommen bilden kann. Das Schwergewicht der ganzen Kriegs- beschädigten sürsorge liegt a u f dem Gebiete der Erwerbstätigkeit. Deshalb sind die Gewerk- sch ästen in der Tat die gegebene Organisation iür alle erwerbstätigen Kriegsbeschädigten. Wenn s i e sich nicht als zugkräftig erweisen,„der Arbciterbewe- gung neue Elemente in Massen zuzuführen", welcher Art von Orga- nisation sollte es dann möglich fein, diese Wirkung nachhaltig und zum Besten der Kriegsbeschädigten auszuüben? ch* * Genosse Adolf D o m n i ck will ein gewisses Organisaiionsbe- dürfnis, soweit die Kriegsbeschädigten allein in Betracht kommen, gelten lassen, kommt aber auch hier schließlich zu einem verneinenden Ergebnisse; jeder weitergehenden Organisation aller Kriegsteilnehmer bestreitet er entschieden jede Berechti- gung: Alle unsere Arbeiterorganisationen sind aufgebaut auf die Er- kenntnis, daß die Arbeiterschaft die Schäden der kapitalistischen Wirtschaftsordnung durch den Zusammenschluß der Arbeiter als Klassengenossen bekämpfen mutz. Wir leiden als Produzenten und organisieren unS deshalb in gewerkschaftlichen Berufs, und In- dustrieverbändcn, wir leiden als Konsumenten und organisieren uns deshalb in den Konsumgenossenschaften, wir fühlen die Macht und den ungeheuren Einfluß der Kapitalisteicklasse in Staat und Ge- sellschaft und schließen uns politisch zusammen, diesen Einfluß zu brechen und der Arbeiterschaft die Gleichberechtigung zu erkämpfen. Anders die Kriegsteilnehmerorganisation. Lassen wir der Klarheit wegen die Kriegsbeschädigten vorläufig aus unserer Le- trachtung heraus. Wir würden uns also organisieren als militärisch Beteiligte eines gewaltigen geschichtlichen Ereignisses. Die Erinne- rung an rückliegende Dinge wäre da» geistige Bindeglied, wäre der Kitt, der uns zusammenhielte. Nicht ökonomische und Gesellschaft- liche Entwicklungstendenzen trieben un» vorwärts, uns bindet nur der Umstand, daß wir zufällig militärisch brauchbar waren. Mög- lich, daß dieser Kitt auf längere Zeit den Zusammenhalt festigt, mir ist es aber unmöglich einzusehen, daß auf dieser Grundlage ein Proletarischer Geist gedeihen soll, der auch nur entferntere Aehu» tichkeit hat mit dem von der wirtschaftlichen Entwicklung getragenen Charakter der bisherigen Arbeiterbewegung. Ueber die Schützeugrabenkameradscbaft mag ich nicht rechten. Die Erfahrungen darüber werden durchaus verschieden sein; daß sie aber höher stehen soll als die Kameradschaft in den Arbeiter- Organisationen und bei wirtschaftlichen Kämpfen, könnte ich aus meiner Erfahrung heraus nicht behaupten. Oder denkt man dabei an die Kameradschaft unter den Angehörigen der verschiedenen Ge- sellschaftsklassen? Die wäre vielleicbt möglich, nur weiß ich nicht, wie sie sich mit dem zu pilegenden proletarischen Geist vereinen soll. Eines von beiden kann es doch nur geben. Nun wird man dem entgegenhalten ja, du hast doch das Wisent- lichste, die Kriegsbeschädigten, vergessenl Ganz recht. Für sie allein könnte ich die Notwendigkeit der besonderen Organisation eventuell begreifen. Aber wie gerade sie es möglich machen sollen, die Mit- gliedschaft in zwei Organisationen aufrecht zu erhalten/ist wieder schwer zu begreifen. Aber sie brauchen notwendig Schutz in allen Differenzen aus dem Arbeitsverhältnis, sie brauchen Rechtsbeleh- rung und Reckisschutz. Soweit die Kriegsbeschädigten ihr Recht anstreben, werden sie immer wieder auf den Anichluß an ihre Klassengenossen hingewiesen. Und wir können für sie in den Ge- Werks chasten etwas tun. Gewerkschaftsvertreter sind es heute schon, die am wirksamsten für die Reckste der Kriegsbeschädigten eintreten. Unsere Vertreter in den Kriegsbefchädigtenausschüssen haben sich heute schon eine recht beachtenswerte Praxi» angeeignet, ebenso die Arbeitersekröiäre. Ihre Mitwirkung ist ebenso behördlich anerkannt als die der Arbeitsgemeinschaitei!, die wiederum zum guten Teil ähnliche Zwecke verfolgen. Wollen wir diese Erweiterung des Tätigkeitsgebiets der Gewerkschaften wieder aus der Hand geben? Lassen wir die Hände weg von dieser besonderen Organisation. Ter gut gemeinte Vorschlag kann uns nur schaden, ohne das Ziel zu erreichen, das seine Befürworter erhoffen. ** * Dagegen hält Genosse Paul Münch, der als Kriegsverletzter au» einem Lazarett schreibt, die Vertretung der Kriegsbeschädigten nur durch die Gewerkschaften nicht für ausreichend. Genosse Münch bemerkt am Eingang seines Schreibens, er habe die Idee einer Äriegsteilnehnierorganisation auch zunächst mit skeptischem Lächeln gelesen, aber bei weiterem Nachdenken sei sie ihm immer einleuch- tender geworden: Nehmen wir an, wenn in 10 bis 20 Jahren nach Friedensschluß ein neues Geschlecht von Gewerkschaftsmitgliedern heran- gewachsen sein wird, welches nicht am Kriege teilgenommen hat, sollen dann die vielen, doch noch in den„besten Jahren" stehenden Kriegsteilnehmer noch denselben Raum in der GewerkschirftSpresse beanspruchen wie jetzt, oder werden nicht vielmehr die„Jungen" vortreten und sagen:„WaZ Ihr im Kriege geleistet habt— in Ehren! Aber jetzt sind unsere wirtschaftlichen Kämpfe, die Ihr ja doch mit durchfechten müßt, wichtige r!" Und würde es nicht auch eine Verschwendung von Material und Arbeitskraft sein, die auch nach 20 Jahren noch möglichen Gesetze, Verordnungen, Gerichtsentscheidungen, welche für„Kriegs- teilnehmer" von Wichtigkeit sind, in der gesamten Arbeiter- presse ausführlich zu veröffentlichen und zu besprechen? Und dann wollen wir doch nicht vergessen, daß cS, trotz „StaotssozialiSmus", auch nach dem Kriege noch eine Masse pro- letarischer Existenzen geben wird, welche nicht Lohnarbeiter sind und infolgedessen auch von den Gewerkschaften nicht„erfaßt" werden: das Heer der kleinen Händler und Gastwirte, Handwerker und Landwirte, ganz zu schweigen von den Kriegsbeschädigten„Angesiedelten"! Und wie es nach den: Kriege mit der uneingesckränkten Koalitionsfreiheit der Staatsar heiter und unteren Beamten aussehen wird, ist— auch noch eine Frage der Zeit! Schon das Bestreben, alle diese gewiß Hunderttausende, viel- leicht auch Millionen von„proletarischen" Kriegsteilnehmeni nicht ausschließlich ins bürgerliche Lager oder in die bestehenden Kriegervereine hinübergleiten zu lassen, dürfte unsere volle Aufmerksamkeit und energische organisatorische Gegenmaß- nahmen erfordern;'"�r besondere sogar! fi* * Ebensalls aus dem Lazarett schreibt Genosse Richard Ost- Wald-Kolberg. Auch er bekennt, daß ihm der Gedanke eiper proletarischen Kriegsteilnehmcrorganisation.zuerst merkwürdig er- schienen sei, er habe sich aber bei weiterer Ucberlegung von ihrem Nutzen überzeugt: Wenn schon vor diesem Kriege das Bedürfnis der Arbeiterschaft, Mitglied eines Kriegerversins zu sein, stark vorhanden war, dann wird diese» Bedürfnis noch diesem großen Bölkerringen zu einer großen Gefahr für die notwendige Entwicklung der modernen Ar- beiterbcwegung heranwachsen. _ Wir wissen leider zu genau, daß sich die Arbeiter zg sehr von Stimuurnacil leiten lassen und zu schnell alles d.:S vergessen, was ihnen dieser Krieg an Leiden, Entbehrungen und anderes mehr auferlegt Hai. Daß die Zugehörigkeit zu bürgerlichen Vereinen eine große Ge- fahr für die notwendige Entwicklung unserer Bewegung bedeutet, Hai uns die Zeit vor dem Kriege genügend gelehrt. Was brauchten wir denn auch die Arbeiter-Gesang- und-Sport» vereine und sonstigen eigenen Bildungsbestrebungen, wenn dem nicht so wäre? Es kann uns nicht gleich sein, wenn ein großer Teil der Ar- beiterschaft statt einer mit unseren Anschauungen redigierten Zci- hing die„Parole" des Kriegerbundes liest, die in Tausenden von Exemplaren gratis im Felde verteilt wird und deren Tendenz uns zu Bedenken"Anlaß geben mutz. Daß unsere uns lieb gewordene Arbeiterbewegung nicht schon jetzt ein einziger mächtiger Stamm ist, können wir doch nur darauf zurückführen, daß wir noch mitten in der Entwicklung stehen. Es ist deshalb Pflicht aller derjenigen, die cs mit der Einheit und dem Ausbau unserer Bewegung ernst meinen, dafür zu sorgen, daß dem schon stark verzweigten �siamm einmal notwendig gewor- dene Zweige angegliedert werden. Haben wir alle Zweige erschlossen und sind sie stark genug, sich dem gewaltigen Stamm einzuverleiben, dann ist auch der Zeitpunkt da, wo wir unser Ziel erreicht sehen. Bis dahin heißt e», alle ver- fügbaren Kräfte und Organisationsmöglichkeiten anspannen und entwickeln. ** * Im gleichen Sinne schreibt Genosse Alb. R e i h e r- Karlshorst: Ich hin der Meinung, daß wir mit der Gründung von Organi- sationen für Kriegsteilushmer nicht zögern sollten. Zweifellos ist die Annahme, daß sich unsere Gegner auf die heimkehrenden Krieg--- ieilnehmer stürzen werden, nicht von der Hand zn weisen. Dem sollten wir vorbeugen. Wir müßten sofort mit der Gründung sotchcr Vereinigungen beginnen. Welch bestehender Zweig der Arbeiterbewegung(politisch, ge- werkschaftlich oder genossenschaftlich) wäre Wohl in der Lage, dieie Arbeit tausendfältiger Art zu leisten? Die Frage stellen, weißt sie verneinen. Nach Beendigung des Krieges werden sämtliche Zweigs der Arbeiterbewegung alle Kräfte brauchen zum Wiederaufbau ihrer Organisationen. Kein Mann wird entbehrt werden können, weil die Organisationen doch auch fortentwickelt werden sollen. Die Kräfte, die für die Organisation der Kriegsteilnehmer benötigt werden, leicht unter den Kriegsteilnehmern gesunden werden können. Diese stich die besten Vertreter für ihre Leidensgefährten. Ich meine» die Notwendigkeit, eine Organisation der Kriegs- teilnehmer ins Leben zu rufen, stellt fest. Man sollte keinesfalls weitere Zeit verstreichen lassen. Sofort müßte begonnen werden. Die Genossen, die sich in zustimmendem Sinne geäußert llaben, sollten Veranlassung nehmen, Mitstreiter für die Idee zu gewinnen. Ist die Vereinigung da. dann wird sich binnen kurzer Zeit das Ver- trauen zu dieser Vereinigung— wie es bisher in allen Fällen war— einstellen. Der größere Kreis kriegsbeschädigter Kameraden, für die der Krieg erledigt ist, werden die Verwirklichung begrüßen. Besonders werden die Frauen der Kriegsteilnehmer der Gründung der Ogani- sation sympathisch gegenüberstehen. Hier gilt es zunächst präitisck'e Arbeit zu leisten. Wird der Gedanke mit Geschick aufgenommen, dann könnte binnen wenigen Wochen schon eins Organisation über Teutschland gezogen sein. Parteinachrichten. Der Sozialdemokratische Verein für de» Wahlkreis Lübeck hielt am Mittwocb, den 4. April, seine Generalversammlung ab. In derselben wurde auch Stellung genommen zu den Vorgängen in der Partei. Der Vorsitzende Genosse L ö w i g t konnte feststellen, daß die Lübecker Organisation bisher von SpaltungSveri'uchen ver- schont geblieben ist. In der letzten Zeit hat sich allerdings Vogt- Herr von der Arbeitsgemeinschaft an einen hiesigen Genossen ge« wandt, von dem ibm wohl mitgeteilt worden ist, baß er„radikal" sei, mit dem Ersuchen, auf dem Spaltungskongreß in Gotha zn erscheinen. Vorher hatte er ihm bereits Material gesandt. Ter betreffende Genosse dankte jedoch für die ihm zugedachte„Ehre". Der Generalversammlung, in der auch der formell der Sozlaldcmo- kratischen Arbeitsgemeinschaft angehörende Abgeordnete des KreiieS, Genosse Th. S ch tu a r tz. anwesend war. stellte sich einmütig auf den Standpunkt, daß wie früher volle MeinungSfreibcit besiebcn müsse, daß aber die Kritik nicht vergiftend, sondern sachlich gesührt werden soll, und zwar im Rahmen der Organisation. Alle Soiiderorgani- sationsbestrebungen werden jedoch auf das entschiedenste verurteitt. Bemerkenswert ist, daß Genosse Th. Schwartz in einer Sitzung� des Borstonde» und Ausschusses, der Distrittsführer und Bezirksführer sowie der Kartellkommission erklärte, daß er sich niemals zu Spaltungsversuche u in der Lübecker Parteiorganisation berbeilasien würde. Seine Ausfasiung von der Fübiung de» un- eingeschränkten U-Boot-KriegeS. der Versenkung der Lusilania, vom Abbruch der Beziehungen zu Amerika sieht im direkten Gegensatz zu derjenigen seiner FraltionSkollegen und wohl auch vieler Mehrheus- anhänger. In der Aussprache gab es keinen Genossen, der für die Opposition eintrat. Der bisherige Wahlkreisvorstand wurde ein« stimmig wiedergewählt. Vom Braunschweiger Kriegsschauplatz. Wir berichteten vor einiger Zeit, wie in Braunschweig die sanatisierte SpartakuSktigue sich mit Faustgewalt der Kündigung der SpartakuSredakieure de».Volks« freunds" und ibrer Ersetzung durch den am dem Boden der Partei stehenden Genossen Friedrich(bisher Redakteur des sächsischen Volts« blattS) zu widersetzen suchte. Natürlich Hot dieses zivilisierte Ver- fahren aus die Dauer nichts genützt. LvpositionsbtäUer. wie das „Hallesche VollSblati". meldeten dieser Tage, daß die Spartakus- redaktiou nunmehr gegangen sei. Doch ist e» seitdem wiederum zu unglaublichen Szenen gekommen. Aach Berichten bürgcr« iicher Blätter— der„Volksfreund" selber ersckeinr wegen der uachstehcnden Vorgänge nicht,— drangen junge Burschen in die Setzerei und warfen den Satz durcheinander, so daß jedes weitere Arbeiten und das Erscheinen des„Volk-S- freunds" unmöglich wurde. Wiederum wurden rohe Mißhan d- lungen seitens der Spartakusleuie gegen Parteianbänger begangen. Gegen Genossen Friedrich wurden sogar auf der Straße von den Fanatikern aufgehetzte— Kinder losgelassen, sicher die berufensten Richter in Parteistreitigkeiren. Dein entlassenen Ge« schäftSsührer Stegmapn, einem der Inspiratoren dieser Vorkomni- niste, mußte durch VollstreckungSurteil des Landgerichts Braun- ichiveig das Betreten der GeschästSräume untersagt werden.— Die Sepp Detter und We'emeicr haben es tröstlich verstanden, den Braunschweiger Anarchosozialisten den letzten Rest von Parteiansland und politischer Vernunft auszutreiben. Industrie und Handel. Die fünfte österreichische Kriegsanleihe. Wien, 6. April. Laut amtlicher endgültiger Bekanntgabe des Zeichuungsergebnisie» der fünften österreichischen Kriegsanleihe bc- tragen die Barzeichnungcn 4 464610000 Kronen, wovon 3 025 000 000 Kronen auf die 5l/„prozeiitige amortisable Staats- anleihe und 2 439 610 000 Kronen auf die SsF prozcnligen Staalö- Ichatzscheine entfallen. Die Zeichnungen auf die fünfte amortisable Staatsauleihe zum Umtausch gegen erste und zweite Kriegsanleihe betragen 1770 000 000 Kronen. Das Gesamtergebnis beträgt dem- nach 6 234 CIO 000 Kronen, wovon aus die amortisable Staats- anleihe 3 795000000 Kronen und auf die Schotzscheine 2 439 610 000 Kronen entfallen.____ Tic Bilanzöffkntlichkcit. Ter Krieg bat in mancher Hinsicht die Ocncntlichkeit im Bi- lanzwosen beeinflußt. Eine Anzahl von Unternehmungen hat völlig vor der Veröffentlichung abgesehen. Hier sprachen allgemeine Rück, fidjfcn' mit, Jic urBcbinjt eingenommen werden mußten. Tcgegen ist natürlich zar nichts �u sagen, ebenso wenig gegen die Nickitadhal- tung von Generalversammlungen, wenn das öffentliche Interesse die Vertagung erheischt. Ferner war in mancher Beziehung Ge- jedoch mit einer Bilanzöffentlichkeit, die nicht eingeschränkt zu toer den braucht. So haben die Banken, insbesondere die Großbanken, seit dem ersten Kriegsjahre schon die Angewohnheit, die Gewinne auf Effektenkonto nicht mitzuteilen. Im ersten Jahre war ein solches Verfahren immerhin noch verständlich. Heute aber stehen die Großbanken so gesund und gefestigt da, daß cS keinen Entschuldig ungsg rund für die Unterlassung gibt. Selbst wenn auf Effekten- konto sehr wenig verdient oder gar mit Verlust gearbeitet worden wäre, ist dic� finanzielle Entwicklung der Banken andererseits so günstig gewesen, daß die Sichtbarmachung eines Mindergewinnes oder eines Verlustes das Urteil über das Ergebnis gar nicht ändern würde. Aber es sind ja, wie zugestanden wurde, im Gegenteil noch erhebliche Gewinne aus dem Es selten konto gezogen worden. Es handelt sich hier also um einen Fall der Gewöhnung an die Einschränkung der Bilanzöffentlichkeit, einer Gewöhnung, die durch nichts begründet ist. Auch im Kriege gilt, von der Rück- sichtnahme auf Allgemeininteressen abgesehen, das Handelsgesetz- buch und seine Bestimmungen über die Lessentlichteit der Bilanzen. Zwar nicht �ausdrücklich, aber dem Mosen nach sagen diese Bestim- mungen, daß man solche Gewinne wie den Effekten- und Konsortial- gewinn bekanntgeben muß. Auch sonst findet man häufig Bilanz- oinschränkungen, die sichtlich eine Ausnutzung der Kriegsverhältnisse bedeuten. Tie Verwaltung der Gelsentircbener BergwerkSgesell- fchast stellt eine Gewinn- und Verlüstrcchnung auf, die, wenn man sich nach Kürze sehnt, wahrhaftig nichts zu wünschen übrig läßt. Die Verwaltung begründet die Kürze damit, daß„die früheren Aus- führungen häufig in der£ effcntlickckeit zu falschen Schlüssen führ- tcn, infolgedessen habe die Verwaltung alle Posten fortgelassen, die zu statistischen Zwecken aufgeführt wurden, den tatsächlichen Roh- gewinn aber nicht deutlich genug in Erscheinung treten ließen.' Unter diesen statistischen Angaben der früheren Bilanzen befanden sich z. B. di« Stenern, die Zinsen, die Unkosten usw. Es ist selbst- verständlich, daß diese Beiräge veröffentlicht werden müssen, kann man sich doch sonst überhaupt kein Bild von der Gewinnentwicklung eines Unternehmens machen. Wenn der Krieg vorüber ist, was hoffentlich bei Aufstellung der nächsten Bilanzen der Fall sein wird, dann wird man solche Einschränkungen der OeffeiAlichkeit nicht mehr dulden dürfen. Wir brauchen dann gerade und mehr noch als vor dem Kriege die vollstädnige Darlegung der Gewinn- und Ver- lustentwicklung sowie der Lage der Bilanzen. Eine möglichst breite Cessentlichkeit gehört nun einmal zu der Solidität im Aktienwesen. Cb eine Gesellschaft sich im Glück befindet, ob sie Unglück hat, ist dabei völlig gleichgültig, sie muß iunner Rechnung nehmen und sich bewußt sein, daß sie fremde Gelder verwaltet. Ter Goldabfluß aus Frankreich. In deir Wochenberichten der Bank von Frankreich wird bekannt- lich die Goldposition der Bank dadurch in ein günstigeres Licht ge- bracht, daß neben dem in der Kasse vorhandenen Gold noch ein Posten„Gold im Ausland' aufgeführt wird. Zusammengerechnet ergeben die beiden Posten für daS Jahr 1916 ein Anwachsen von 4 74Z 944 913 auf ö 97ö 914 550 Frank. Diese Addition ist aber eine unzweideutige Spiegelfechterei. Denn das„Gold im Aus- land' stellt den Betrag vor, den die Bank von Frankreich an die Bank von England abstehen mußte, die selbst wiederum so viel Gold nach Amerika verschifft hat, daß ihr Goldbestand hinter dem von Frankreich abgegebenen Quantum zurückbleibt. Dieses verschiffte Gold mutzte dienen, um die Verpflichtungen der Verbündeten zu decken. Run hat iich freilich die Bank von England verpflichtet, das Gold nach Einstellung der Feindseligkeiten wieder nach Frankreich zu remittieren, aber da die Bank von Frankreich offenbar von der Regierung damit betraut werden wird, die in Schatzwechseln in .England untergebrachten Beträge einzuwechseln, ist es klar, daß Frankreich schwerlich viel von diesem Gold wiedersehen wird. Man muß also, um zu einem richtigen Urteil über die Situation der Bank zu ckommeu, d-ic beiden Goldposten besonders betrachten. Und da crgivt sich, daß der Kassenbestand im Lauf des vergangenen Jahres van 4 676 061 938 auf 3 382 826 825 Frank zurückgegangen ist. Geradezu rapid ist der Fall seit Ende Qktober Gon 4 247 421 247 Fr., a!io ein Rückgang um rund 845 Millionen!) Tagegen ist der Posten „Gold im Ausland" 1916 von 69 182 975 Fr. auf 1 693 087 725 Fr. gestiegen(Ende Oktober 674 558 075 Fr., also eine Goldabgabe ans Ausland von über einer Milliarde!) Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule fu? Kriegsblinde. Bs- fremdend wirkt der Gedanke deshalb, weil die Beschäftigung Blinder in der Landwirtichaft'wohl allgemein für unmöglich gehalten wird. Professor Silex ist anderer Meinung, und was er dazu ausführt, ist ivobl der Beachtung wert. Er fchöpil aus den Erfahrungen, die er selbst gemacht hat und er führt eine Reibe von Beispielen an, ans denen hervorgeht, daß talsächlich eine Reihe landwirtschaftlicher Ar- Veiten von Blinden schon hier und da verrichtet wird. Wir lagen ausdrücklich, eine Reihe landwirtschaftlicher Arbeiten, denn es ist nalürlich nicht daran zu denken, daß ein Blinder alle in der Landwirtschaft vorkommenden Arbeilen auSiühre» kann. Da nun aber in der Landwirtschast die Teilarbeit noch nickt in dem Maße eingeführt ist wie in der Industrie und wahrscheinlich auch nie cingeiührl werden kann, so ergibt sich daraus ohne weiteres, daß landwirtschaftlichen Arbeitern eine landwirtschaftliche Blinden- schule kaum viel nützen kann. Profesior Silex geht deshalb auch von der Voraussetzung aus, daß es darauf ankonunc. solchen Kriegsblinden, die vom Lande stammen und dorthin zurückkehre» tvollen, ein kleines Anwesen zu vcrschaffeu, aus dem sie mit ihrer Familie arbeiten können. Von diesem Gesichlspunit aus betrachtet. bat der Vorschlag sehr viel für sich, zumal, worauf Silex auch bin- weist, das seelisch hock zu bewertende Moment hinzukommt, daß dann der Blinde in seine Heimat zurückkehrt und seine alten Freunde und Bekannten wiederfindet. Auch wird der Kampf um§ Dasein leichler fallen als in der Stadt, wo die Konkurrenz sich bielmehr geltend machen wird, wenn die bisher genommenen Rücksichten fort- iallen werden. Daß Silex nichts Unausführbares fordert, jzeljt auch daraus herbor, daß in Oesterreich schon eine derartige Schule besteht und mit Erfolg ehemalige Landwirte praktisch und theoretisch ausbildet. Jedenfalls ist�der Vorschlag des Erwägens wert, und die in Betracht kommenden Stellen werdeir gut tun, ihn ernstlich zu prüfen, um den Blinden ihr furchtbares Loö zu erleichtern, wo eS nur geht. Soziales. Landwirtschaftliche Schulen für Kriegsbliude? Einen Vorschlag, der zunächst befremdet, macht der bekannte Berliner Augenarzt Profeiior Dr. Silex im„Roten Kreuz', der omziellen Zeitschrift deö belgischen Roten Kreuzes. Er wünscht die Erfrieren eines Fußes bei Armierungsarbciicn als Betriebsunfall. Ter seit Dezember 1914 als Armierungsarbeiter in Ostpreußen tätige Handwerker P. wurde am 4. Februar mit EisbrechungSarbei- tcn auf einem kleinen Flüßchen beschäftigt, das offen gehalten wer- den sollte, damit die Rtssfen den Uebergang nicht leicht vollziehen könnten. Am Wend des gleichen Tages verspürte er im rechten Fuß heftige Schmerzen und konnte nicht weiterarbeiten. Am an- deren Tage meldete er seinem Kolonennführer, daß er sich wahr- scheinlich den Fuß erfroren habe. Eine ärztliche Behandlung deS Manne? war der Verhältnisse wegen nickt möglich und am 13. Februar mußte P. endgültig die Arbeit aufgeben. Er begab sich nach Berlin zurück und da er nur die Mittel zu einer Fahrkarte bis Breslau hatte, erfolgte der Heim- weg von dort zu Fuß. In Breslau ließ er sich im Krankenhaus verbinden und wurde auch unterwegs in einem aufgesuchten Krankenhaus nochmals verbunden. In Berlin wurde er, da er keiner Kasse angehörte, zunächst von der Rettungstvachc behandelt. Der von P. erhobene Anspruch auf Gewährung einer Unfall- rente wurde von der Heeresverwaltung zurückgewiesen, da ein Plötz- liches, d. h. zeitlich bestimmbares Ereignis, das schädigend auf den Körper des P. eingewirkt hatte, nicht vorliege. Aus den gleichen Standpunkt stellte sich dann auch da» angerufene OberverficherungS- amt und erst das Reichsversicherungsamt erklärte den Anspruch des Verletzten für begründet. Ans dem Urteil des R.V.A. sei folgen- des mitgeteilt: „Fest steht nur, daß der Kläger vom 4. Dezember 1914 bis zum 13. Februar 1915 als Armierungtarbeiter in Ostpreußen tätig war. daß von der Kolonne, bei der er eingestellt war, das Eis auf Flüssen und Seen Ostpreußens gebrochen und beseitigt worden ist, um den Russen den Uebergang zu erschweren, daß der 9. Februar 1915 ein recht kalter windiger Tag war, und daß der Kläger den rechten Fuß erfroren hat. Weitere Feststellungen erwiesen sich im Hinblick auf die kriegerischen Verhältnisse als unmöglich. Das Reichsverfiche- rungsamt hat aber keine Bedenken getragen, den Ausführungen des Klägers, der auf jede Frage eine sichere Antwort gab, Glauben zu schenken, zumal sie auch nicht der inneren Wahrscheinlichkeit ent- behren. Auf Grund dieser als richtig anzunehmenden Behauptungen de? Klägers muß festgestellt werden, daß sich der Kläger den Fuß ani 9. Februar 1915 bei der ihm ungewohnten Eisarbeit er- froren hat. Hat sich das Erfrieren aber während einer Arbeits- schicht zugetragen, so muß es als Unfall im Sinne der Arbeiterversicherung gelten. Da nach Lage der Verhältnisse nicht bezweifelt werden kann, daß der Kläger in einem Betriebe der Hceresverwal- tung tätig gewesen ist, nur in diesem verunglückt, so muß der be- klagte Fiskus ftir die Folgen des Unfalls eintreten.' Nnsall im Banne des Betriebes. Der Arbeiter R.. der tagsüber auf verschiedenen Bauten be- schästigt war. zog sich nach Feierabend auf dem Bau, auf dem er zuerst gearbeitet hatte, um. Wie der Bauwächter aussagte, kam er nach kurzer Zeit mit blutbesudeltem Kopf aus dem Bau und begab sich nach Hanse. Trotz einer klaffenden Kopfwunde und Kreuz- schmerzen arbeitete R. den nächsten Tag kroch, am Abend nraftt jedoch ein Arzt zugezogen werden: Verletzung des Kopfes und der Wirbelsäule wurden festgestellt. Etwa eine Woche später mußte R. der Irrenanstalt Buch überwiesen werden. Die Nordöstliche Bau- gewerks-BerufSgenossenschaft lehnte ab, den Kläger zu entschädigen, weil ein Betriebsunfall nicht erwiesen fei. Das ObervcrficherungS» amt Groß-Bcrltn IvicS die Berufung des 5tlägerS auf Grund der Angaben der Berufsgcnossenschaft zurück. Danach hielt es dos Oberversichcrungsamt für erwiesen, daß verschiedene Umstände: „Verlust deS Vermögens— vor 23 Jahren hatte seine Frau 1500 Mark eingebüßt—, Sturz von einer elektrischen Babn in früheren Jahren, Ausregungen infolge deS Krieges, nicht genügende Wider» standskraft gegenüber dem Alkoholgenuß", eine Erkrankung des R. herbeigeführt haben, die zeitlich mit dem angeblichen Unfall zu- sammenfällt. Es wurde Rekurs eingelegt. Diesem wurde stattgegeben. Das Rcichsversicherungsamt hielt den Unfall selbst durch die Aussogen des Bauwächters, als auch eines Mitarbeiters vom nächsten Tage nach dem Unfall, dem R. über Beschwerden llagte und vom Fall erzählte, für erwiesen. Der Unfall sei als ein Betriebs- Unfall anzusehen, da er sich, wenn auch nach Feierabend, so doch im Banne des Betriebes ereignet habe. Dem Gutachten des Vertrauensarztes der Genossenschaft, Dr. M., maß das Amt keinerlei entscheidende Bedeutung bei, es wurde erklärt, daß die Schlußsolgc- rungen, die dieser Arzt zieht, in mehrfacher Beziehung der tatsächlichen Unterlage entbehrten. Das Reichsverficherungsamt sagt dann wörtlich:„So ist seine Annahme (Dr. M.), daß der Körper des Klägers vor dem 26. tzkovcmber 1914 durch Alkoholmißbrauchjbemts geschwächt war, in k e i n e r W c i s e gerechtfertigt. Sie steht im schroffen Gegensatz zu der Bescheinigung des Arbeitgebers, in der dem Kläger das Zeno- nis eines strebsamen und nüchternen Mannes ausgestellt wird. Dasselbe trifft zu bezüglich der Annahme des Sachverständi- gen, daß der Kläger sein gesamtes Vermögen verloren habe. Der Kläger hat uuwiderlegt behauptet, daß er ein Vermögen nicht be- sessen habe. Vor 23 Jahren hat seine Ehefrau bei einem Ge- schäst 1500 Mark eingebüßt. Hiernach konnten die Gründe, die Dr. M. dafür anführt, daß bei dem Kläger eine schon vor dein 26. November 1914 vorhandene Seelcnstörung an jenem Tage deut- licher und stärker in die Erscheinung getreten sei und daß sie aus nicht erkennbarer Ursache gerade damals stark ausgetreten sei, nicht als stichhaltig angeschen werden.' Mus asier!vdt. Tie Lichtspielbühne im Dienst der Schul- und Volksbildung. Vom 3. bis 5. April fand in der Stettiner„Urania' der vom Zentralin st itut für Erziehung und Unterricht veranstaltete Lehrgang über„Die Lichtspielbühne im Dienste der Schul- und Volksbildung" statt, lieber 200 Teilnehmer batten sich aus allen Teilen Deutschlands einge- runden, darunter Vertreter der preußischen Ministerien des Jimern und des Kultus, der Tbeatcrabteilung des Berliner Polizeipräsi- diums, zahlreiche Stadtverwaltungen und Jnteressenbcrbände'.— Die Stetiiner„Urania' ist die erste unter Mitwirkung einer Stadtverwaltung begründete und geleitete Vkusterlichtspielbühne. Mit- te.ilungen über die mit ihr sowohl in geschästlicher wie völkserziehe- rischer Hinsicht gemachten günstigen Erfahrungen sowie praktisä:« Vorführungen bildeten den Hauptinhalt des Lehrganges. In fceki Erörterungen, die sich an die Darbietungen anschlössen, wurde der Antrag auf sofortige Gründung einer Zentralstelle angenommen, die den öffentlichen und privaten Lichtspiclbühncn durchs Auskünfte, Zusammenstellung und Beschaffung von Bildmaterial ihre Arbejt zur Veredelung des Lichtspiels erleichtern soll.— Im Snrne dieics Antrags wurde als eine neue Zweigstelle des Zentralinstituts fitr Erziehung und Unterricht der„Deutsche A u s s ch u ß für Lichtspielreform' mit dem Sitz in Stettin unter dem Vor- sitz des Oberbürgermeisters Dr. Ackermann begründet. Der Aus- schuß nimmt seine Arbeit sofort auf. Seine Geschäftsstelle ist die Stcttiner„Urania"..___ Schneefälle im Riese, igcbirge. Durch erhebliche Schm. stalle sind im Riesengebirg« starke Verkehrsstörungen eingetreten. Viele Telegraphen- und Telephonleitungen sind zerrissen, auch Störungen im Eisenbahnverkehr verursacht worden. Die Hirschbergcr Talvahn hat den Betrieb eingestellt. Eingegangene Druckschriften. Onkel(ibrisiopbs Geschichten. Von Peter Dörfler. 25 Pf Blutbrüderschaft und andere Erzäl'lnnqc». Von Oslar v. Hubicki. 25 Pf.— Der tote Gast. Von Heinrich Zicholke. 56 Pf— Hocliiands- bilder. Don Karl Slieler. 73 Pf.— Verlag Hesse u. Decker. Leipzig. Als„Deutscher Spion- kriegsgefangen in Rußland. Von F. v. H. Verlag Boll u. Pickardt. ZtGG-Mitteilungeu. Monatsschrist. Jährl. 4 M. Verlag der All- gemeinen Elektrizitätswerke, Berlin. Statt Karten. Hella Pornrnerenings Richard Katerbow Verlobte. Berlin W 50. Reinickendorf-West O.teral»!?. 25/20 _ Empfang findet nicht statt. Spezial-ärzf i>r. med. HaNehe, Friedrichstr. 90 gSoZi Scdandl. von Syphlll«, Hanl-, Harn-. Kraue nl ei d.,ft)C3.chvon. Fälle. Ehrlich-Hala-Kuren, schmerz. lose, kürzeste Bchandlung ohne Be- riijSsiörung. Blutunterjuchunz. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 16—1 und 5—8, Somit. 11—1. Kmiillchc« bift Abgezogen...... 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