Mr. 121. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Bfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 00 Berliner Bolksblatt. Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Dienstag, den 29. Mai 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Zur Rettung der nothleidenden schluß, der ben leitenden Herren vom Bunde der Landwirthe so betrifft, hält der Minifter nicht viel. Wer bis zu den Ohren Landwirthschaft. Hat der preußische Landwirthschaftsminister einige dreißig „ Männer der Wissenschaft und Praxis" zu einer Konferenz berufen, welche am 28. Mai hier in Berlin ihren Anfang genommen bat. Unter den Eingeladenen befindet sich kein einziger Bauer, die westlichen Provinzen werden schwach, die östlichen dagegen sehr start vertreten sein; um Rath gefragt werden eine ganze Reihe Universitätsprofessoren Schußzöllner durch die Bank Landesdirektoren, Generalfommissions- Präsidenten und Regierungsrathe, die Hauptagrarier Kanib und Mirbach, die Vertreter der schweren Zentrumsreiterei, die Freiherren v. Schorlemer.Alst und Huene, und, wohl als Hauptsachverständiger, der General- Feld marschall des Bundes der Landwirthe, Herr v. Ploch auf Döllingen bei Elsterwerda. Bei der Berathung anwesend werden ferner sein ein Bankdirektor aus Mannheim und die Seele des in Aussicht genommenen landwirthschaftlichen Liquidationsverfahrens", der Herr Miquel. geläufig ist: Von der Landwirthschaft redet man und die Großgrundbesitzer und Junker meint man. in Schulden steckt, kann sich nicht an seinem eigenen Zopfe aus dem Sumpfe ziehen. " " Als Hauptursachen der landwirthschaftlichen Krisis erscheinen Bleibt nur die Vereinigung in Rorporationen und Ge dem preußischen Landwirthschaftsminister a) das Sinken des währung von Staatshilfe an diese. Das ist derselbe Gedanke, Reinertrages, b) die zu starke Jnanspruchnahme fremden Kredits. der dem preußischen Landwirthschaftskammern- Entwurf zu Grunde Die Getreidepreise gingen infolge der fremden Konkurrenz immer liegt, erweitert nur durch die Andeutung, daß der Staat mehr zurück, die Arbeitslöhne stellten sich höher, infolge An- unverzinsliche Bodenscheine ausgeben könne, um die Reform ins dranges nach den großen Städten herrsche Arbeitermangel, die Werk zu setzen. Nun könnte aber der Fall eintreten, daß bei Steuern und Abgaben( besonders die Schullasten) hätten die Umwandlung der Hypotheken in Rentenschulden ein Theil der Tendenz zu steigen. In diesem Abfah des Arbeitsprogramms" Güter über ihren Werth hinaus belastet sei. Sollen diese Ueberfindet sich auch der Satz: Besteht eine zu Lasten der Land- schulden einfach wegfallen? Der Minister ist nicht dagegen. „ Beſteht eine zu Casten der Zand- schulden einfach wegjallen? Der Miniſter iſt nicht bagegen. wirthschaft die Industrie, den Handel und die großen Städte Das Arbeitsprogramm" sagt, es müßten Rautelen festgesetzt werbegünstigende Tendenz der Gefeßgebung?" Wir müssen offen den, daß nicht der gänzlich werthlose Theil der jetzigen Nach gestehen, als wir diese Frage lafen, waren wir geradezu ver- hypotheken durch die allmälige Schuldentlastung zur Hebung blüfft. Auch heute noch glauben wir, daß bei dieser Frage fommit". Wie wir unsere Junker kennen, dürfte ihnen von der stellung der Kobold des Seykaftens seine Hand im Spiele hatte. ganzen Reform, die in diesem Satze angekündigte SchuldenDaß ein preußischer Landwirthschaftsminister noch nie etwas von reduktion am meisten zusagen. den sogenannten Brotzöllen gehört babe, daß er nicht weiß, was Das Arbeitsprogramm" des preußischen LandwirthschaftsZuckerprämien und Schuapsbonifitationen zu bedeuten haben, Ministers zielt auf die Einführung des Fideikommisses für Schon aus der Liste der Eingeladenen tönnte man einen was die„ Außerhebungseßung" der Grundsteuer besagen soll, und alle landwirthschaftlichen Befißungen. Da die Landwirthe nach ficheren Schluß ziehen, in welcher Richtung die Retterei ihren die Aufhebung des Jdentitätsnachweises, die Konservirung der Annahme des Ministers verschuldet sind, also sich nicht selbst Weg nehmen würde, aber der Einberufer hat die Sache noch Gesinde- Ordnung und des Koalitionsverbotes für ländliche Ar- helfen können, so müßte diese Einführung, Umwandlung auf deutlicher machen wollen; er hat an die eingeladenen Sachver- beiter, wer wagt es, folches zu behaupten? Er stehe auf Kosten der andern Theile des Voltes, hauptsächlich des arbeitenständigen eine Reihe von Fragen gerichtet, die in ihrer Gesammt und rede. den geschehen. Darum ist die ganze Quacksalberei von unserem heit ein ganz bestimmtes System verförpern, und er hat in einem Wie dem Sinten der Reinerträge Einhalt gethan werden Standpunkte aus zu verwerfen. Es ist aber auch noch sehr die angehängten Arbeitsprogramm" diese Fragen im Namen des fönne, darüber weiß der Minister den Nothleidenden feinen Rath Frage, ob die Landwirthschaft nach Durchführung der Reform preußischen Ministeriums auch gleich beantwortet. Es ist also fein Zweifel, daß die Konferenz sehr harmonisch verlaufen Aussicht stehenden Landwirthschaftskammern. Um so zahlreicher ja. Aber im allgemeinen würde gar nichts geändert. Was würde sind seine Vorschläge, welche sich gegen die Ueberschuldung so ein Rentengutsbesitzer, der seinen Besitz nur bis zu einer be Die Fragen und Vorschläge des preußischen Landwirthschafts- richten. Als Hauptheilmittel empfiehlt er hier die Umwandlung stimmten Grenze belasten darf, anfangen, wenn er über diese ministers gehen alle von der Voraussetzung aus: die deutsche der Hypotheken in abtragbare Rentenschulden. Aber was nüßt Grenze Geld brauchte? Er müßte den Personalkredit in Landwirthschaft befindet sich in einer ungeheueren Nothlage. ein Rentengut, wenn es immer voll belastet ist. Dieser Fall Anspruch nehmen. Die Zinsen hierfür würden hohe sein, Darüber schreien die Bauernbündler schon lange, auch der Finanz- würde immer wieder eintreten, wenn die hente fast allgemein denn er besitzt ja teine Deckung mehr. So ist es den minister hat es behauptet, aber den schlagenden Beweis hierfür übliche Erbtheilungsweise bestehen bliebe. Da hilft nur Eins: amerikanischen Farmern ergangen mit ihren Heimstätten; erbracht hat noch niemand. Man hat die Regierung von den die Freitheilbarkeit der landwirthschaftlichen Güter muß auf diese konnten ihnen nicht genommen werden, weil sie aber feinen verschiedensten Seiten her aufgefordert, genaue Erhebungen zu gehoben und das Anerbenrecht eingeführt werden. Der Anerbe, Personalkredit genoffen, mußten fie davonlaufen, zu Tausenden pflegen, damit man doch schwarz auf weiß, in deutlichen Zahlen derjenige, welcher den Hof übernimmt, wird auf Kosten und bei Nacht und Nebel. fehen könne, was an all dem Gejammer und Getute Wahres seiner Geschwister, der Miterben bevorzugt, erhält ein größeres Unsere Agrarier werden die Verhandlungen der Ronferen ift, darauf hat der Finanzminister einen Blick in seine Steuer- Erbtheil, damit ihm nicht schon durch den Grbgang die Schulden mit süß- fauren Mienen verfolgen. Sie können sich nicht gegen register gethan und konstatirt, daß auf dem Lande von dem über über den Kopf wachsen. Aber das genügt noch nicht. Der An- die Bestrebungen des Ministers kehren, denn sie geschehen wirklich 3000 m. hinausgehenden Einkommen aus dem Grundvermögen erbe könnte ja auf eigene Faust den Hof wieder voll belasten, in ihrem Interesse. Aber sie nügen ihnen nichts, wenigstens im Durchschnitt 38 pet. von den Schuldzinsen aufgezehrt werden. und der Jammer finge von vorne an. Darum muß die Verschuld- nicht für den Augenblick. Was die Herren drückt, ist nicht die Das ist bisher, der Güter und ihre Das ist bisher der einzige Beweis der Regierung geblieben. barkeit der landwirthschaftlichen Güter und ihre Verpfändbarkeit Nothlage der Landwirthschaft, sondern die Schulden. Da nüht Und was beweist er? Nein gar nichts. Wie viel landwirth- beschränkt werden. Dadurch würde auch verhindert werden, was teine Vertröftung auf die Zukunft, der Bahltag steht vor der schaftliche Betriebe in Preußen giebt es denn, die dem Besizer heute noch so häufig geschieht, daß Leute mit kleinem Kapital Thür, da heißt es blechen oder abfliegen. ein Einkommen von über 3000 M. gewähren? Außer den Groß- große Güter kaufen und dadurch sofort der Schuldknechtschaft Mögen sie abfliegen; das arbeitende Bolt wird nur eine Er grundbesigern können da nur die allergrößten Großbauern in verfallen. Um diese Reform durchzuführen, dafür gäbe es zwei leichterung verspüren. Betracht kommen, deren Besigthum über hunderttausend Mark Wege: Selbsthilfe oder Staatshilfe oder eine Vereinigung von werth ist. Die Regierung arbeitet also hier mit demselben Trug- Beiden. Von der reinen Selbsthilfe, soweit sie den Einzelnen wird. Feuilleton. Der Inde. Deutsches Sittengemälde ans der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. gangen Bon C. Spindler. 49 zu geben; er verweiſt jie auf die Gelbsthilfe und auf die in sich besser stände als heute. Einzelne und für eine gewiffe Zeit, " Königs Frieden nicht länger zu stören, wollte er nicht Hand ohne jemals wiederzukehren, sonst nehm' ich mein Gnadens und Hanpt verwirken. Wohl!" feuchte Montfort, mit wort zurück. Wählt! Werdet flüchtig wie Rain und lebet, seinen wilden Blicken Wallraden durchbohrend, die eine oder bleibt und sterbt mit den Euern!" Die Drohende wundersame Mischung von Frechheit, Wuth, Furcht und ließ des vernichteten Mannes Hand los, und er enteilte wie drohender Schadenfreude in ihren Zügen trug:" Der Bann wahnsinnig dem Aufenthalte seiner erbitterten Feindin. Im des Königs ist mir heilig: des Königs Meze nicht. Zittre Sturme seiner Gefühle hatte er nicht die Hornklänge ver Weib, mir jemals wieder zu begegnen! Zittre vor meiner nommen, die einen neuen Besuch angekündigt hatten, welcher Vergeltung. Montfort kennt nur eine Liebe, aber auch eben die Treppe herauftam. Der Kaiser war es wieder; nur einen ewigen Haß!" Mit furchtbaren Geberden ging zu seiner Rechten die schüchterne und ängstliche Hausfrau Bilger schwieg erschöpft mit bebender und bleicher Lippe, er davon, schwang sich auf das Roß, das sein Leibknecht des Wildmeisters, die ihrem verstörten Gatten Blicke der und seine heftige Rede hatte ihre Wirkung auf Montforts im Hofe hielt, und sprengte wie ein Rasender über die furchtsamsten Besorgniß zuwarf. Denn Sigmund war nicht Gemüth nicht verfehlt. Der Graf stierte den Sprecher Schloßbrücke. Bilger hatte nach ihm Wallradens Zimmer der leutselige herablaffende Fürst, wie er noch gestern fich athem los an, und trat scheu von Wallraden zurück.verlaffen wollen; das Fräulein hielt ihn jedoch mit Riefen- gezeigt; heute glühte die Röthe des Zornes auf seiner Welch ein Scheusal malt Ihr mir!" sprach er endlich mit kraft zurück, obgleich ihre Pulse flogen, die Lippe zitterte, Stirne, und von beleidigtem Stolze, vielleicht auch von halb unterdrückter Stimme, diese gleißende Hülle wäre also und der Busen sich so ungestüm hob, das jedes Wort nur Eifersucht glänzten die Augen. Kaum eines Blickes würdigte wirklich nur der Balg einer giftigen Schlange? Meine gebrochen und klanglos ihrem Munde entfliehen konnte. er den Wildmeister." Ihr kommt sehr spät, um meinen Ahnung, meine innerste Se ele hätten mich also nicht hinter Einen Augenblick noch;" stammelte sie, während die Hölle Willkomm zu empfangen!" herrschte er dem Bestürzten zu: ? Ja, ja, Herr von der Rhön! Ihr habt wahr ge- in ihrem Auge aufflacferte: hört mein letztes Wort zu Auch bin ich in Verlegenheit, wie ich Euch zu begrüßen redet; Wallradens stumme Lippe bezeugt es; die Todten- Euch. Ihr habt mich entehrt und dem Feinde in tiefster habe: als einen minnelustigen Fant, der in einem fremden farbe, die ihr Antlig überzieht. Eure unerwartete Offen- Schmach gezeigt. Der Verbrecher hat über mich den Sieg Garten Früchte naschen möchte, die ihm nicht bestimmt; herzigkeit hat ihre Gestalt in Stein verwandelt, aber diese davon getragen. Der Himmel mag Euch vergeben, von oder als einen schlauen, aber ertappten Kuppler." Hilflosigkeit der Sünde erregt nicht mein Mitgefühl; sie mir erwartet nun teine Schonung. Ich überantworte Euch Raiserliche Majestät!" stotterte Bilger, empört und reizt mich nur auf zur That, und ich will untersuchen, ob dem Henker, der Schande Eure Buhlerin und ihre Brut." gekränkt.- Als einen schlauen aber ertappten Ruppler!" auch ihr Herzblut zu Eis geworden ist!" Weib!" donnerte der Wildmeister rollenden Auges: fuhr Sigmund kalt und vernichtend fort:„ Ich sagte es, Verhänge über mich, was Du willst. Die Meinigen schone und wahr ist mein kaiserlich Wort, denn soeben hat erst aber. Schone fie, oder ich würge Dich hier zu Tode!" der pflichtvergessene Montfort das Städtlein und dieses Schreckhaft fuhr Wallrade zurück, und erwiderte wie oben: Schloß verlassen. Rechtfertigt Euch nicht, fürchtet meinen Um Euch ein neu Verbrechen zu ersparen, wohlan! so Born, und weicht ihm aus. Euer Weib wird mich an wählt eine härtere Strafe freiwillig, härter als der Tod. Gurer Statt zu dem Gemache des Fräuleins von Balders laßt alles dahinten, grün geleiten." Flieht hinweg von Eurem Herd. Verächtlich wandte der Kaiser dem Be was Ihr mit sündiger Liebe umfaßt; laßt Euren troffenen den Rücken, und Katharine, nachdem sie durch Namen vergehen und Euer Gedächtniß, wie das eines Ge- lagende Geberden den Antheil ausgedrückt, den sie am storbenen, und ich will schweigen, will genug haben an Mißgeschicke ihres Gatten nahm, folgte dem Herrscher unterEuerm langsamen Dahinwelten auf fremdem Boden, genug würfig. an der ewigen Trauer der verlassenen Waisen! Aber fort Wie ein Trunkener taumelte Bilger die Stiege hinunter müßt Ihr sein, che noch das Abendroth niedergeht; fort auf deren letzten Stufe Preyswerck, des Kaisers Hofnar Mit einem durchdringenden Schrei flog Wallrade zum Fenster, da der blindwüthende heftige Mann mit dem Stable in der Faust auf sie zustürzte. Bebend wie das Laub der Espe umflammerte sie den gehaßten Rudolph, der sich mit aller Mannestraft zwischen die beiden geworfen hatte, und mit übermenschlichem Ringen den gereizten Tiger von seiner Beute abhielt. Nach heftigem Kampfe mußte der schwächere Graf von seinem blutigen Vorhaben ablassen, und ergab sich zähneknirschend in den Willen des Ueberwinders, der seine Pflicht, Wallraden nichts Leides geschehen zu lassen, als eine heilige behauptete, und den Bezwungenen er mahnte, augenblicklich das Schloß zu verlassen, und des poimrrftc xtc&cfitrftt. Berlin, den 28. Mai. Die Nachwahl im sächsischen Boigtlande. Nach amtlicher Feststellung erhielten bei der am 24. d. M. im 23. sächsischen Wahlkreise stattgehabten Reichstags-Ersatzwah� von den abgegebenen 20 585 Stimmen Alwin G e r i s ch (Sozialdemokrat) 9919 Stimmen, Wilhelm Uebel(Zkartell- kandidat) 6000 Stimmen, Max Schubert(deutschkonservativ) 2667 und Arnold von Schwarze(freist Volkspartei) 1999 Stimmen. Es hat somit eine Stichwahl zwischen Gerisch und Uebel stattzufinden. Es fehlen somit Genossen Gerisch blos 374 Stimmen, seinem Gegner in der Stichwahl dagegen 4293 zur absoluten Majorität. Unsere Partei ist die einzige, die einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen hat, wir haben 642 Stimmen (gegen 7 pCt.) gewonnen, die Kartellparteien haben, selbst wenn man die antisemitischen und„deutschkonservativen" Stimmen hinzurechnet, 1900 Stimmen(über 18 pCt.) und die freisinnige Volkspartei 1962! Stimmen(ca. 48 pCt.) verloren. Wir können mit dem Resultate der Nachwahl zufrieden sein. Bei dem Eifer unserer Genossen braucht man an dem endgiltigen Siege nicht mehr zu zweifeln, wenn man auch nicht die gewagtesten Mittel verschmäht, um uns den Sitz zu entreißen, man hat, gegen alle bis- herige Praxis, schon auf den nächsten Freitag die Stichwahl festgesetzt, so daß nur drei Tage für die Agitation übrig bleiben.— Ueber die Nachwahl in Schlochau-Flatow liegt jetzt daZ amtliche Wahlergebniß vor. Im Ganzen wurden abgegeben 14 560 Stimmen. Es erhielt Rittergutsbesitzer Silgendorss-Platzig(kons.) 3348 Stimmen, von Prondzynski- roß Loßburg(Pole) 6212 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Somit haben die Konservativen gegen die Hauptivahl am 15. �luni v. I. 2362, demnach fast den vierten Thcil ihrer Stimmen verloren, die Polen 2087, über den dritten Theil der am 15. Juni 1893 abgegebenen Stimmen ge- wonnen. Man ersieht hieraus, daß die Konservativen eine Auflösung des Reichstages zu fürchten haben. Dies wird sie den neuen Steuervorlagen gegenüber sehr willfährig machen, so daß die Anstrengungen der Oppositionsparteien sehr gesteigert werden müssen.— Wird ein Margarine- Steuergesetz von der Reichsregierung vorbereitet? Der„Reichs- Anzeiger" meldet heute, daß der Reichskanzler Erhebungen über den gegenwärtigen Stand der Margarinefabrikation und deren Einfluß auf den Handel mit Naturbutter, sowie über die bisher in den einzelnen Bundesstaaten gemachten Wahrnehmungen über die Wirksamkeit und etwaige Ab- änderungs- oder Ergänzungsbedürftigkeit des gedachten Ge- setzes eingeleitet hat.— Der Kanzler Leist traf, wie wir schon berichteten, Sonnabend Morgen 6 Uhr aus dem Dampfer„Lulu Bohlen" im Hafen ein. Der Weiberprügler von Kamerun verließ um 6V2 Uhr unter Bedeckung von zwei Schutzleuten das Schiff. Nach dem„Lokal-Anzeiger" hatte sich an der Landungs- brücke eine Anzahl Kohlenpumper lund Gelegenheitsarbeiter aufgepflanzt, welche Leist im derbsten Hamburger Platt Schniähworte zuriefen. Leist, ersichtlich ausgeregt, bestieg eine Droschke und fuhr zum Zollamt in der Ringstraße.— Intoleranz? Unsere Münchener Genossen haben einem Häuflein Separatisten, die sich„radikal" nennen, auf die Partei schimpfen, dabei behaupten, zur Partei zu ge- hören, die Zugehörigkeit zur Partei abgesprochen. Das wird nun von„nationalliberalen" Zeitungen, die für das Sozialistengesetz noch heut schwärmen, für„intolerant" erklärt. Die Münchener„toleriren", d. h. dulden ja aber, daß jene Leutchen denken und schimpfen nach Herzenslust, sie wollen sie nur nicht im Parteinest haben, das rein ge- halten werden soll. Die Schinipfvögel mögen sich ein eigenes Nest bauen— daran hindert sie niemand, und niemand wird sie darin belästigen. Oder ist es„Toleranz", daß wir jede zudringlichen Burschen unser Haus zur Verfügung stellen?— Einen nichtswürdigeren, von gemeinerer Denkweise zeugenden Erguß haben wir nie, selbst in nationalliberalen Blättern, noch nicht gefunden als nachstehende Notiz: Die deutschen Delegirten zum internationalen Bergarbeiter- Kongreß scheinen eS mit ihrer Berichterstattung nicht sehr eilig zu haben, obgleich sie einen sofortigen Bericht in Aussicht und lustiger Rath saß; sein einziger Begleiter aus dem Ritte zum Liebchen. Der Bursche nickte freundlich mit dem ge- schornen Haupte dem Wildmeister zu, und sprach, indem er ihn am Saume des Gewandes festhielt:„Wollt Ihr ein schön Stücklein lernen, wie es die Sperlinge auf den Dächern und die Narren auf allen Gassen singen?"—„Laßt mich," gab Bilger unwirsch zur Antwort:„mir ist's jetzo wahrlich nicht um der Narren Gesang zu thuu."—„So?" fuhr Preyswerck gemüthlich fort:„so? dann müßt Ihr zwei Stücklein lernen. Das erste heißt:„„Hcrrengunst und Vogelsang ist lieblich, aber dauert nicht lang""— und das andere, das Ihr nothwendig wissen solltet, wäret Ihr ein vollendeter Waidmann, ist nach des Rolands Melodie zu singen und klingt also:„„Edler Falk, man spannt auf Dich, schüttle Dein Gefieder! Edler Falk, so flüchte Dich— kehre nimmer wieder!""—„Habe Dank, ehrlicher Narr!" erwiderte der Wildmeister:„Ten Rath, den Deine lustige Zunge gab, muß meine Verzweiflung befolgen. Grüße mein Weib tausendmal, und dem Kaiser sage: Bei dem Zorne sei keine Gerechtigkeit, darum wollte ich auch keine von ihm ver- langen, sondern hingehen, wo man mich nicht zwingt, ein lockres Weib statt des Wildes zu hüten. Katharine möge mein gedenken, und..." Ausbrechende Thränen niachten ihn hier in seiner Rede verstummen. Gewaltsam riß er sich von den: lustigen Raths los, stürzte in das Zimmer, wo seine Tochter harmlos spielte, drückte die Kleine un- zählige Male an seine Brust, schwang sich auf ein ungesattelt Pferd, und verließ auf dessen schnellen Hufen das Haus, das er wie ein Geächteter und Gebannter zu fliehen ge- zwungen war. Der Gedanke, Sigmunds Entrüstung werde sich neu entzünden an Wallradens Wuth, gab seinem Rosse den scharfen Sporn, und weniger sein bedrohtes Leben suchte er in Sicherheit zu bringen, als seine Ehre, den Leumund der Gattin, nnd seines Kindes zukünftig Geschick. gestellt hatten. Erst morgen werden, halb gezwungen, die ersten Delegirten sich vernehmen lassen. Beim besten Willen und trotz aller Kunst der Schönfärberei werden sie nichts zu melden wissen, was die Genossen erbaut. Besonders schwer wird es ihnen werden, über die„Verbrüderung" mit den Eng- ländern zu berichten. Nachdem diese erfahren hatten, daß von den 26 Delegirten aus Rheinland und Westfalen 25 keine Bergleute mehr waren, verwandelte sich die Stimmung der englischen Delegirten, die eine besonders freundliche niemals war, auch im privaten Verkehr in eine recht frostige. Mit sozial- demokratischen Budikern, Flaschenbierhändlern und ähnlichen „Sachverständigen" die Bergarbeiter-Verhältnisse zu besprechen, hatte für die Engländer etwas Komisches. Einen R e« 0 m m i r» B erg m an n hatten sich die Herren Schröder und Genossen allerdings mitgebracht; jetzt aber soll auch dieser ab- gelegt sein. Tief betrübend war es ferner für die Deutschen, daß sie die Engländer nicht veranlassen konnten, eine Spende für die ausgesperrten österreichischen Bergleute zu geben. Die Deutschen opferten, was sie entbehren konnten(256 M.), aber die Engländer blieben kühl und hielten die Taschen zu. Die noch zur Fahne des Herrn Schröder und Genossen schwören- den Bergleute sind daher mit dem Ausgang des Kongresses höchst unzufrieden; für Paris werden sie schwerlich einen Pfennig aufbringen, und wenn die Geschichte mit dem Berg- arbeiter-Verband so fortgeht, wie in der letzten Zeit, so dürfte er sich wohl bald ganz verflüchtigt haben. Von den 8000 ein- geschriebenen Mitgliedern sollen nur noch 3000 Beiträge leisten; jetzt, nach dem Verlauf des Berliner Kongresses, wird voraussichtlich überhaupt kein Geld mehr eingehen. So ge- winnt es den Anschein, als habe der Kongreß die Bergarbeiter» Bewegung, die schon lange in den letzten Zügen gelegen, ganz todt gemacht. Die niedrige Gesinnung blickt aus jeder Zeile. Ja, es waren alles gemaßregelte Grubenarbeiter— das ist eine Schande, gewiß, aber nicht die Schande der Gemäß- regelten! Und die Schadenfreude, daß auch der letzte, „Renommir-Bergmann" gemaßregelt ist! Das Merkwürdige ist, daß der rohe Patron so dumm ist, gar nicht zu merken, wen eigentlich er mit seinen Bärentatzen schlägt. Nie hat ein Sozialdemokrat die deutschen Grubenbesitzer grausamer blosgestellt und ärger gebrandmarkt, als dieser ihr tölpelhafter Soldknecht. Uebrigens darf der Bursche versichert sein: Die englischen Delegirten sind mit weit größerer Liebe zu den deutschen Bergleuten und weit größerem Haß gegen die deutschen Grubenbesitzer von Berlin zurückgekehrt als hingegangen.— Erregung zum Klassenhast. Die„Kreuz-Zeitung" schreibt in ihrer letzten Freitagsnnmmcr: „Wie die„Allg. Evang.-luther. Kirchenzeitung" mittheilt, ist in Düsseldorf gegen?. Keller(unseren Lesern unter dem Namen Ernst Schill sehr wohl bekannt) Klage erhoben worden, weil er den reichen Besitzern und Arbeitgebern in ernster, aber durchaus würdiger Weise ihre Sünden ebenso vorhielt, wie den Arbciterkreisen. Besonderen Anstoß erregte der Satz:„Alle Tobten, auch die sogenannten großen Tobten der Weltgeschichte, alle Tobten, groß und klein, der Kaiser, der über Millionen Menschen geherrscht, der Kommerzienrath, der über Millionen Mark geherrscht, und so herab bis zum letzten landfremden Bettler, der im ungehobelten Sarge beerdigt wird, alle müssen vor Gottes Richterftuhl erscheinen." Wegen dieses Satzes, der unseres Erachtens nur Bekanntes, unendlich oft Gesagtes enthält, ist, wie bemerkt, eine Anklageschrift an das Presbyterium gerichtet worden, in welcher?. Keller der Förderung des sozialdemo- kratischen Klassenhasses beschuldigt wurde; alle Kommerzien- räthe Düsseldorfs, alle Millionäre und sonstigen Repräsentanten von Bildung und Besitz setzten ihre Namen darunter. Das Presbyterium, im Sinne der Kläger zusammengesetzt, forderte Widerruf, den?. Keller natürlich verweigerte. So hat man denn beschlossen, im Konsistorium gegen ihn vorzugehen. „Hoffentlich," setzt die„Allg. Evang.-Lulh. Kirchen-Ztg." hinzu, „tritt die Behörde für den, in der pflichtmäßigen Ausübung seines Amtes angegriffenen Geistlichen nnt der nöthigen Ent- fchiedenheit ein". Das hoffen wir auch. Andernfalls würde gerade der Klassenhaß erregt werden, den die Ausführungen des?. Keller niemals erregen können." Uns ist dieses Verhalten„der Kommerzienräthe, der Millionäre und sonstigen Repräsentanten von Bildung und Besitz" in Düsseldorf durchaus nicht überraschend, und ebenso wenig überrascht uns der Beschluß des Düsseldorfer Presbyterium.s, den Pastor aufzufordern, zu widerrufen. Unsere Bourgeoisie betrachtet die Religion, ganz mit Recht, als Leitseil für die dummen Massen und den Pastor als ihren Kommis, der in ihrem Interesse die Massen zu bearbeiten habe. Da aber der Pastor sich erlaubt, von seiner Stellung eine Ansicht zu haben, die zwar„den Repräsentanten von Besitz und Bildung" nicht zusagt und sich auch noch erlaubt, diese öffentlich auszusprechen und damit auf die Untergrabung ihrer Autorität bei den geleithammelten Klassen hinarbeitet, so ist das allerdings ein Verbrechen gegen die„öffentliche Vierzehntes Kapitel. Du fauler Bote! sag' an Deine Post. Deine Zunge ist lahm, wie Dein Gaul.— Herr! ich reite auch kein Freudenpferd. Alt. Schauspiel. Die merkwürdige Sitzung des Konziliums, in welcher die Väter desselben, um die Hyder, die die Christenheit umschlungen hielt, mit einem Streiche zu vertilgen, die Ab- sctzung der drei Päpste beschlossen, und Papst Johann— zu ohnmächtig und zu staatsklng, um der Uebermacht zu widerstreben— in eigener Person die Absetzungsformel verlesen hatte, war vorüber, und die Zuhörer, wie die Bei- sitzer, staunend über das bisher Unerhörte, begaben sich in zählreichen gedrängten Schaaren nach ihren Hänsern. Da- gobert in �seiner geistlichen Tracht war mitten darunter, nnd schlenderte unbefangen, dem VeSperbrote entgegen- harrend, durch die Straßen, als plötzlich unter dem Schwarme der Vorübereilcnden eine derbe Faust seine Rechte ergriff nnd herzlich drückte.„Hoch lebe das Konzilium, alle drei heiligen Väter und. vorab der gefällige und nachgiebige Johannes!" jauchzte der ungestüme Freund, der Gerhard in Lebensgröße war.—„Willkommen! alter Kumpan!" ent- gegnete ihm der froh überraschte Dagobert:„Bist Du wieder zu Tage gekrochen, wilder Jäger? Haben sie Dich aus der Eulen Nest gelassen? Und rede, wie kommt's, daß Du frei und frank vor mir stehst?"—„Für's erste," ant- wortete der Hülshofner,„neigt Euch in Temuth vor meinen Tugenden, die ihr nie geahnt habt. Drei völlig und gut gezählte Wochen saß ich im Schatten, wo es nicht hinregnet noch schneit, wo nicht Thau noch Sonnenstrahl zu sehen, und während dieser Frist, die, reimweis zu reden, keine geringe ist, habe ich kein einzigmal geplaudert, denn sonst stolzirtet Ihr wohl nicht so junkerlich und freiherrlich umher. Ter Syndikus, ein wahrer Pcstilenzer, hat mir zugesetzt gleichwie mit glühenden Zangen, und dennoch, und dennoch... dennoch nichts verrathen. Kreuz und Dorn und Stein!'s hat schier Funken gegeben. Die Pfaffen gaben verdammte Zeugschast, die leichtfertigen Jägerinnen, Ordnung", für das der renitente Pastor eine entsprechende Strafe verdient. Herr Keller wird entweder zu Kreuze kriechen oder sein Bündel schnüren müssen. Ein Drittes wäre allerdings auch noch möglich, obgleich es unwahr- scheinlich ist. Es könnte der Fall eintreten, daß das Kon- sistorium, das Herr Keller in der Streitsache angerufen hat, chni Recht geben, dann blieb aber den Repräsentanten von „Besitz und Bildung" in Düsseldorf nichts anderes übrig, als zu einem sozialdemokratischen Kampfmittel zu greisen und den obstinaten Pfarrer zu— boykotten. Was wohl die„Kreuz-Zeitung" zu einem solchen Boykott sagen würde? Einen Generalstreik-- der Unternehmer stellen die Preßkosacken des Berliner Brauringes uns in Aussicht. Was die Arbeiter nicht können, das können mit spielender Leichtigkeit die Herren Kapitalisten: Wenn das allmächtige Kapital gebietet: Alle Räder stehen still! dann st e h e n sie auch still. Die Jämmerlings von Ar- beitern bildeten sich ein: den 1. Mai zu einem Weltfeiertag zu machen. Es war aber blos eitel Renommisterei, für die sie durch Doppeldezimirung der Brauerei-Arbeiter jetzt ver- dientermaßen zu büßen haben. Allein was der schwache Arm der Jämmerlinge von Arbeitern nicht vermag, das vermag der„starke Arm" des weltbeherrschenden Kapitals. Und wenn die Frevler, die dem Berliner Brauring ver- messen den Krieg erklärt haben, nicht schleunig zu Kreuze kriechen, und wenn die nicht im Brauereigewerbe beschäftigten Arbeiter und Sozialisten fortfahren, die Sache der sündhaften Brauereiarbeiter zur ihrigen zu machen, so dürfen sie sich nicht wundern, wenn demnächst die Arbeit- geber aller Industriezweige mit ihren tapferen Vor- kämpfcrn, den Rittern vom Brauring gemeinschaftliche Sache, nnd eines schönen Morgens das Wort zur Wahrheit machen: „A l l e R ä d e r st e h e n st i l l!" Also drohen die Preßkosaken des Brauerrings. Und wir, wir schaben ihnen ein Rübchen! Nur zu, Ihr Herren! Wollet Ihr Euch nicht länger von Evern Arbeitern ernähren lassen, um so besser für die Arbeiter! Und welch treffliche Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie überflüssig die Herren Unternehmer sind.— Die Branerringler beherzigen die Bismarck'sche Leib- regel vom„Lügen wie telegraphirt". Sie tele- graphiren in die Welt: Berlin, 26. Mai. Abgeordneter Auer vertheidigte gestern vor mehr als 4000 Menschen im Concordiasaal den über die sieben Brauereien verhängten Boykott, dem die stürmisch verlaufene Versammlung mit knapper Majori- tat zustimmte. Die knappe Majorität waren 4000 gegen 40! Und das ist eine der kleinen Lügen!— Viel Larm um nichts. Man schreibt uns aus Mainz, 26. Mai: Die beiden vor etwa 14 Tagen aus dem hiesigen Festungsgebiet verhafteten französischen Architekten Georg Bontinet und Emile Bezelle aus Rheims sind gestern Abend, nachdem durch die Untersuchung deren völlige Un- schuld dargethan und keine Spur von„Spionage" entdeckt worden war, im Einverständniß mit der Militärbehörde außer Verfolgung und in Freiheit gesetzt worden. Die deutschen Spießbürger können nun wieder ruhig schlafen.— „Eine lächerliche Geringfügigkeit". Die Frage, über welche das französische Ministerium„stolperte", ist „von lächerlicher Geringfügigkeit", leitartikelt der Säkular- mensch, der uns Jahrzehnte lang durch sein Preßgesindel („anständige Menschen schreiben nicht für mich") vorlügen ließ, daß er im Allgemeinen der größte Staatsmann aller Zeiten, und im Besonderen der größte Sozialpolitiker der Gegenwart sein sollte. Die Frage„von lächerlicher Geringfügigkeit", über die Herr Casimir Perier„stolperte", ist die: ob Arbeiter als gleichberechtigte Staatsbürger an- zuerkennen sind und die verfassungsmäßigen Staatsbürger- rechte ausüben dürfen. Die„lächerliche Geringfügigkeit" ist nichts weniger als die große Arbeiterfrage, über die der„Herkules des Jahrhunderts", jetzt geheimer Chef- redakteur eines Hamburger Schimpf- und Skandalblatts, ebenso kläglich„gestolpert" ist, wie vorigen Dienstag sein Geistesverwandter Casimir Perier.— Die französische Ministerkrlse dauert fort. Carnot will es um jeden Preis vermeiden, die Radikalen ans Ruder kommen zn lassen. Inzwischen hat die alte Regierung sich, ehe die Ablösung kommt, noch Mühe gegeben, eine gesellschaftsretterische That zu verüben. Sie richtete nämlich für gestern alles so ein, daß die geplante Kommune- Demonstration auf dem Pöre Lachaise im Handumdrehen �.'S deren Geschwätz mich in die klägliche Geschichte hinein ge- bracht hatte, meinten, sie müßten mir an den Hals zur Strafe, daß ich der Kaiser nicht gewesen, während das Klostergesindel mich braten wollte, weil's mir eingefallen, zur Unzeit kaiserliche Majestät zu sein. Von Euch erfuhr ich nichts; meine Herren von Frankfurt hatten mich auf- gegeben; ich saß in der Brühe und ärgerte mich nur darüber, daß ich nicht einmal wußte, in welcher. Bald sollte ich einen Ketzer befreit, bald ein ganzes Kloster an den Rand des Grabes gebracht haben, und was des tollen Zeuges mehr ist. Ich spielte jedoch den Klugen, schwieg fein nnd säuberlich, und leugnete wie ein Heide. Zum Glück hatte ich vor der abscheulichen Verhaftung den wilden Jäger in Eure Obhut gebracht, und konnte mich herzhaft auf den langen Christoph berufen. Das drang denn endlich allgemach durch; ich bekannte mich selbst nicht schuldig, leug- nete daher auch alle Mitschuldigen, und heute bin ich denn auf Befehl des Kaisers, der den heutigen Tag als einen großen zu feiern gedenkt, nebst einer Menge von Leuten, die entweder einem Fastnachtsstreich oder einem minnig- lichen Abenteuer, oder auch einem harten Gläubiger ihre Haft verdankten, in Freiheit gesetzt worden. Mein gutes Glück ließ mich allsobald ans Euch stoßen, von dem ich wenigstens als billige Entschädigung einen Imbiß erwarte, wie er lange meinen Gaumen nicht gekitzelt.— Was meint Ihr zu gesalznen Hechten und Peterlein und einem Römer Weins aus der Märkgrafschast?"—„Sollst haben, was Dein Herz begehrt," versicherte ihm der Jüngling freund- lich.„Du bist der bravste Edelknecht in deutschen Landen, wie der verschwiegenste. Freilich trug auch die magere Kost im Gewahrsam viel zu dieser letzteren Tugend bei; in- dessen"...—„Indessen ist's doch immer lobenswerth," unterbrach ihn Gerhard fast grob.„Wie viele Leute giebt's, die selbst beim Wasserkrug das Maul nicht halten können? Wunderbarer ist's, daß der alte Schneider Welsner, der die Larven hergeliehen, meine Verschwiegenheit theilte." lFortkekung folgt.) n eine Metzelei verwandelt werden konnte. Die Pariser Arbeiter gingen aber nicht in die Falle. Und Casimir Perier bleibt ein todter Mann.— Die Moral, mit welcher die heutige Welt regiert wird, steht auf gleicher Höhe, wie der sprichwörtliche Verstand, mit dem es geschieht. In Italien steht an der Spitze des Staates ein Mann, der wegen gemeiner Verbrechen im Gefängniß säße, wenn nicht die nieisten seiner politischen Gegner sich der gleichen Verbrechen schuldig gemacht hätten, und durch die gemeinsanie Schuld an seiner Bekämpfung und der Erfüllung ihrer Pflicht gegen das Land verhindert wären. Zur Jllustrirung der herrschenden Moral sei hierzu ein Seitenstück aus der Gegenwart gefügt— wir wollen in die Vergangenheit nicht zurückgreifen, nicht auf die inter- nationalen Panamaskandale, nicht aus die tragischen Ereig- nisse in den beiden ältesten deutschen Fürstengeschlrchtern und unzählige andere Skandalös« an hoher und höchster Stelle zurückkommen— dann müßten wir ein Buch schreiben. Nur etwas aus der allerjüngsten Zeit. An M i l a n, den Dirnenkönig, Falschspieler und ausgehaltenen Mann seiner eigenen Frau wollen wir hier nur nebenbei erinnern— mit dem Bemerken, daß dieser Ausbund aller möglichen und unmöglichen Laster seit fahren im Dienste und Sold der österreichischen Diplomatie steht, und wahrscheinlich nicht blos der österreichischen. Von einem anderen wollen wir reden, der einen besseren Namen— von Herrn Stam- b u l o w, dem Crispi Bulgariens. Stambulow— so hieß es jüngst in der Zeitung— und sein Kriegsminister S a w o s f hätten sich veruneinigt, und Sawoff habe sogar seinen Chef und Exfreund gefordert. Die Nachricht war begründet. Zum Duell kam es aber nicht, weil Stambulow seinen Kriegsminister aus dem Lande hinausjagte. Und die Ursache des Streits? Herr Sawoff, der eine junge hübsche Frau und eine sehr schöne Schwester hat, kam eines Tages während der sonst von ihm sehr streng eingehaltenen Burcauslunden in seine Privat- wohnung und fand hier seinen— auf strenge Einhaltung der Bureaustunden seitens der Beamten eifrigst erpichten— Freund und Chef Stambulow im— Schlafzimmer, unter Umständen, die ihn bestimmten, den Freund und Chef furcht- bar durchzuprügeln, dann ihm eine Pistole zum sofortigen Zweikampf in die Hand zu drücken und hierauf, da der Freund und Chef zögerte, ihn unter kräftigen Fußtritten die Treppe hinunter und aus dem Hause hinaus zu werfen. Durch die Geständnisse der Frau erfuhr Sawoff, daß auch seine bei ihm wohnende Schwester der Brutalität Stam- bulow's zum Opfer gefallen war. Nun forderte er den doppelten Schänder seiner Hausehre nochmals, allein Held Stambulow stellte sich wieder nicht, sondern ließ den ehe- maligen Busenfreund über die Grenze transportiren. Herr Stambulow hat derlei Abenteuer schon wiederholt gehabt; er ist außerdem Stammgast in allen liederlichen Häusern von Sofia, die er in voller Uniform am hellen lichten Tage zu besuchen pflegt. Das hindert ihn aber nicht, von sittlicher Entrüstung über die bösen Sozialisten zu triefen, welche die Weibergemeinschaft und freie Liebe einführen wollen.— Die Neuwahlen in Belgien— nach dem neuen Wahlgesetz— sind auf den 1. Sonntag im Juli fest- gesetzt. Auch in Belgien ist man noch so weit zurück, dem Wähler das Wählen so leicht und angenehm wie möglich zu machen, statt es ihm möglichst zu erschweren, wie in unserem an der Spitze der Zivilisation marschircyden Deutschland. Deshalb nimmt man in Belgien, wie in Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz stets einen Sonntag zum Wahltag, begeht also nach deutscher, namenllich deutsch-sächsischer Gesetzesauffassung, einen »groben Unfug".— Das norwegische Unterhaus(Lagthing) nahm das Bäckereigesetz an, nachdem es die Bestimmung aus dem Entwurf des Oberhauses gestrichen hatte, daß die Ar- beiter Nachts zur Teigsetzung und Ofcnfeuerung benutzt werden und daß die Arbeitszeit an den Sonnabenden bis auf 15 Stunden ausgedehnt werden dürfte. Die Nacht- arveit soll nur in einigen bestimmten Nächten gestattet werden und darf am 17. Mai 12 Stunden Arbeitszeit nicht übersteigen, auch an den andern Ausnahmetagen darf die Arbeitszeit 15 Stunden nicht übersteigen. Dagegen hat man eine sehr unglückselige Bestimmung hinzugefügt, die viel Unheil anrichten kann, daß nämlich die Arbeit fort- gesetzt werden darf, wenn ein Gebäck mißlungen ist, bis dieses Gebäck von Neuem fertiggestellt ist.— In Rußland ist die Regierung ganz außer Rand und Band. Natürlich werden die Attentalsaerüchte offiziell ab- geleugnet. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß Massen- Verhaftungen stattgefunden haben und daß noch fortwährend verhaftet wird, und zwar in allen Theilen des Landes und in allen Kreisen der Gesellschaft. Die tollsten Gerüchte zirkuliren. Man spricht von einem geplanten Attentat, französischen Anarchisten, und läßt sogar den bekannten Fürsten Krapotkin gefangen sein. Letzteres ist jedenfalls nnwahr—, die französischen An- archisten sind höchst zweifelhaft, und auch hinter das Attentat setzen wir ein Fragezeichen. Wohl aber scheint es gewiß, daß eine weit verzweigte Geheim-Organi- s a t i o n entdeckt worden ist, oder wenigstens von der Polizei v e r m u t h e t wird. Einem Gerücht zu- folge, das manches für sich hat, wären die Ver- Haftungen auf Denunzlationen des russischen Lockspitzels „Baron" Unger-Sternberg erfolgt, der im Dienst seiner Auftrag- und Brotgeber in Westeuropa jetzt das löbliche Geschäft der anarchistischen Bombenwerferei im Großeil betreibt.' Jedenfalls ist die ganze russische Regierungsmaschinerie in Unordnung gerathen, und befindet der Zar sich in furcht- barer Aufregung. Das erhellt aufs deutlichste aus dem Umstände, daß soeben ein Ukas erlassen ward, durch welchen den Ministern und sonstigen hohen Beamten das Recht der Ernennung von Subalternbcamten genommen und dem Zar zurückgegebeu wird. Der vorige Zar änderte die alte selbstherrliche Praxis, weil sie thatsächlich auf cine Unmöglichkeit hinausläuft. Wenn der Selbstherrscher Alles selbst thun will, kann er schließlich Nichts thun. Alexander III. muß aber sehr unzufrieden mit seinen Mirnstern und dem Gang der Dinge sein, daß er einen solchen, nur auf Zäsarenwahnsinn zurückzuführeiiden Ukas erlassen konnte.— Zur Sonntagsruhe in der Industrie der Steine und Erden. Zur Erhebung von Ausnahmebestimmungen betreffend die Sonntagsruhe in gewerblichen Anlagen(tzZ 105b Abs. 1 und 106d der Gewerbe-Ordnung) über die Gruppe IV Industrie der Steine und Erden, fand am Freitag, den 25. Mai, unter der Leitung des Unterstaatssekretärs im Reichsamt des Innern Dr. v. Rottenburg eine Sitzung im Reichstagsgebäude statt, an welcher einige Regierungs- und Gewerberäthe 23 Arbeitgeber und deren Vertreter und 35 Arbeiter und Arbeitervertreter theil- nahmen. Nachdem der Vorsitzende den Theiluehmern seine An- erkennung darüber ausdrückte, daß sie alle erschienen waren um das gemeinsame Interesse zu fördern, machte er gleich eingangs geltend, daß das Resultat der Sitzung dem Bunvesrath unter- breitet würde, es somit über den Rahmen seiner Be- fugniß geht, irgend welche bindenden Zugeständnisse machen zu können. Die Arbeitgeber und deren Vertreter hatten wie aus ihreil Ausführungen ersichtlich mar, sich in der festesten Hoffnung gewiegt, mit rechtskräftigen Zugeständnissen betreffs der Aus- nahmebestimmungen sich ihren heimathlichen Gefilden zuwenden zu können, sie waren daher sehr enttäuscht, als dem nicht so war, obgleich sie sich die erdenklichste Mühe gaben, die schlagendsten Beweise ins Treffen zu führen. Dieselben erwiesen sich aber bei Lichte besehen als vollkommen nichtig, um irgend cine Einschränkung der Sonntagsruhe zu rechtfertigen, da bei der vervollkommneten Technik in den Betrieben es sich bei einigermaßen gutem Willen sehr gut vermeiden läßt, Ausnahmebestimmungen ein- treten zu lassen.— Eharakteristisch war die unverfrorene Aeußerung des Münchener Ziegeleibesitzeas H. Lang, welcher, falls die vor- gesehenen Ausnahmebestimmungen nicht genehmigt würden, drohte, daß er sich veranlaßt sehen werde, wenn das Interesse des Be- triebes es erheische, sogar von einer Gesetzesübertretung nicht zurückzustehen. An Deutlichkeit läßt dieses nichts zu wünschen übrig und bestätigt wiederum, daß sich das Unternchmerlhum den Teufel um Gesetzt kümmert, die die Füllung ihres Geldbeutels erschweren könnten. Von dem größten Theil der Arbeitervertreter hörte man, sei eS nun aus Unkenntniß oder hatte man ihnen das eingetrichtert, daß es größerer Beschränkungen der Sonntagsarbeit nicht be- dürfe, es erregte dieses selbst das berechtigte Er- staunen einiger Gewerberäthe, welche sich ob der Be- dürfnißlosigkeit der armen bedauernswerthen Geschöpfe wunderten; es wird somit begreiflich, daß ein Vertreter der Kalk- brennereien die Erklärung abgeben konnte, daß die Arbeiter eine Beschränkung der Sonntagsarbeit in ihren Betrieben ungern sehen würden. Entschieden in Abrede gestellt wurde jede Nothwendigkeit einer Ausnahmebestimmung der Sountagsarbeit in der Tonwaaren- Industrie von dem Vertreter der Lippe'schen Ziegelarbeiter(Agent Schütz in Lage.) Derselben Ansicht waren von Berlin die Ver- treter der Töpfer, der Porzellanmaler und der Porzellandreher von Charlottenburg. Letztere erachteten die Fortsetzung des Be- triebes an Sonn- und Feiertagen auch nicht zur Unterhaltung der Feuer für nothwendig. Es war nicht zu vermeiden, daß letztere bei Vertretung ihres Standpunktes auch die wirthschaflliche Lage der armen Proletarier dieser Industrie beleuchteten, weswegen sie vom Vor- sitzenden wiederholt zur Ordnung gerufen wurden, weil sie wie er sagte, das Verhältniß zwischen Arbeiter und Unternehmer be- leuchteten, welches durchaus unstatthaft sei, weil sonst die un- vortheilhafte Lage der Unternehmer im Gegensatz zu der der Ar- beiter zu sehr ins Auge springen würde? Notiz genommen wurde von den vom Verbände der Keramischen Werke eingegan- genen Zusatzanträgen, welche dazu angethan erschienen, eine Pro- duktionsvermehrung am Sonntag herbeizuführen, obgleich der Vertreter Herr Kommerzienrath Fasolf das Gegentheil behaupten wollte, was ihm freilich nicht gelang. Damit war das Material nach Sstündiger Sitzung inklusive Mittagspause erschöpft. Warten wir ab, was dabei für die Ar- beiter herausspringt? Vielleicht etwas Unternehmerschutz?! Pavfetnatfmdjken. Kein Berliner Vier werden die Genossen in Jüterbog! trinken, so lange der Boykott in Berlin besteht. Dieser Be- schluß wurde in einer am 27. Mai stattgefnndenen gut besuchten Versammlung gefaßt. O» » Eine sozialdemokratische Parteiversammlnng in München, welche von 1700 Personen besucht war, hat«instimmig folgenden Antrag angenommene „In anbetracht, daß die Mitglieder deS Klub„Frei Wort" eine gegen das Parteiprogramm und die Organisation gerichtete Thätigkeit entfalten und das anarchistische Blatt„Sozialist" systematisch verbreiten, ferner sich bestimmt geweigert haben, sich aufzulösen resp. ihre Thätigkeit einzustellen, beschließt die Ver- sammlung, die Mitglieder des Klub„Frei Wort" sind ferner nicht mehr als Parteigenossen zu betrachten." Die Mitglieder des Klub„Frei Wort" hatten sich der Ab- stimmung enthalten. »* * Die Bekämpfung der Sozialdemokratie machen sich Polizei und Gerichtein Sachsen bekanntlich zu ganz besonderer Auf- gäbe. In Chemnitz fand im Laufe voriger Woche ein förm- licher Massenprozeß statt, der lebhaft an die Zeit des Sozialisten- gesetzes erinnerte. 23 Parteigenossen waren angeklagt, „groben Unfug" verübt zu haben durch Vertheilen von Flugblättern an einem Sonntage. Das Oberverwaltungsgericht hatte bekanntlich gegeü die Genossen in Oberfrohna bereits früher dahin entschieden, daß das Vertheilen von Flugblättern an dritte, der sozialdemokratischen Partei nicht angehörige Personen„ b e- lästigend" und als„ g r o b e r U n f u g" zu bestrafen sei. Die Beweisaufnahme ergab, daß mehrere Schutzleute und deren Frauen„belästigt" worden seien; die letzteren durch das „Herausklingeln" der Uebcrbringer der Flugblätter.— Bon den Angeklagten wurde nur einer freigesprochen, die andern zu 5—10 M. Geldstrafe verurtheilt. Gleich dem Oberlandesgericht erklärte dai Chemnitzer Schöffengericht in seiner Begründung, daß die Einlegung der Flug- blätler in die Wohnungen gerade geeignet sei, den Frieden Anders- denkeitder zu stören. Nur ein mildernder Umstand wurde den Angeklagten zuerkannt, nämlich der, daß die Polizeibehörde die Verbreitung durch eine Verfügung nicht.vorher verboten habe. Es ist wohl ganz selbstverständlich und bedarf kaum der besonderen Erwähnung, daß die Verdonnerten gegen dieses Urtheil Berufung einlegen, damit auch die höchste Instanz, das Ober- landesgericht, tu dieser Sache nochmals sprechen kann. Dann wird ja der Reichstag die Wirkung seiner Kundgebung erfahren. »« LluS Hessen wird uns geschrieben: Das Offenbacher Kreisamt lehnte im Februar diefes Jahres das Gesuch eines Arbeiters ab, welcher in den hessischen Staatsverband aus- genommen sein wollte, weil der Verdienst desselben. 15—18 M. pro Woche, mit Rücksicht auf die dortigen Preisverhältnisse, zur Ernährung einer Familie als unzureichend zu erachten sei. Der Arbeiter führte gegen diese höchst merkwürdige Entscheidung beim Ministerium Beschwerde und der Erfolg derselben war? Das Ministerium hat die Beschwerde abgewiesen und sich der Ent- scheidung des Kreisamtes angeschlossen. Damit wäre jetzt bts zur höchsten Instanz in Hessen amtlich festgestellt, daß ein wöchentltcher Verdienst von flö bis >8 Mark zur Ernährung einer Familie nicht aus- reicht. Das ist alles recht schön, aber man zbedenke, daß für Offenbach der ortsübliche Tagelohn ebenfalls amtlich aus 2,20 M. festgesetzt ist, was einem Wochenlohn von 13,20 M. gleichkommt. Da dieses zweierlei Maß in der That höchst interessant ist, so hat der sozialdemokratische Abg. Ulrich im hessischen Landtag folgende Interpellation eingebracht: „Vom großh. Ministerium deS Innern und der Justiz ist unterm S. Mai l. I. der in Burg(Bayern) gebürtige Arbeiter (Name) mit einer Beschwerde gegen daS großh. KreiSamt Offen- bach, welche? ihm die Aufnahme in den hessischen Staatsverband verweigerte, weil er mit 15—18 M. Wochenlohn nicht ausreichend genug verdiene, um eine Familie ernähren zu können. abgewiesen werden. Ich fräße deshalb an: 1. Hat die Großh. Regierung einen bestimmten Lohn fest- ! gesetzt, welcher von den Arbeitern verdient werden muß, wenn ie das hessische Etaatsbürgerrecht erwerben wollen? 2. Welche Grundsätze hat die Regierung für diese Fest- setznng maßgebend sein lassen? 3. Wie ist die Abweisung deS genannten Arbeiters mit dem Artikel 3 der Reichsverfassung und dem§ 7 des Gesetzes vom 1. Juni 1870 zu vereinbaren? Die Beantwortung dieser Fragen dürfte interessante Debatten ergeben. »» GewerbegerichtSwahlen.' Bei den am 27. d. M. in Liegnitz stattgehabten Gewerbegerichtswahlen wurden 654 St. abgegeben. Es erhielten dte Kandidaten der freien Gewerk- schaften 543. diejenigen der Gewerkvereine(Hirsch-Duncker) 114 Stimmen. Zu wählen waren 6 Arbeitnehmer auf 6 Jahre, 1 auf 3 Jahre. Bor der Wahl waren die Vorstandsmitglieder der Gewerkvereine an die Kommission der steten Gewerkschaften herangetreten behufs Abschließung von einem Kompromiß; dieses wurde jedoch von letzterer mit Rücksicht auf das Verhalten der Gewerkvereine gegen die freien Gewerkschaften abgelehnt. Ob- wohl die gegnerische Presse bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die von ihr mit großer Vorliebe„Sozialdemokratische Vereine" genannten Gewerkschaften herfällt, um sie zu vernichten. haben diese wiederum gezeigt, daß sie in der Lage sind, allen Machinationen der Gegner Trotz zu bieten. •« Im Sozialdemokratischen Frauenverein zu R o a r d- huizen(Holland) wurde seitens einer Rednerin der Vor- schlag gemacht, einen Dienstmädchen-Verein zu gründen, der sich an den Sozialdemokratischen Frauenverein anschließen soll. Da- durch glaubt man der Willkür der Hausfrauen Grenzen setzen zu können. >«» Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Wegen Beleidigung des Richterftandes ist auf Antrag des sächsischen Justizministers gegen Genossen Wiesenthal ein Strafverfahren eingeleitet worden. Am 24. d. Mts. eröffnete der Untersuchungsrichter dem genannten an Amtsstelle, daß sein am 20. v. Mts." in der„Erholung" zu Leipzig-Gohlis gehaltener Vortrag über:„Rechte der Besitz- losen in Rechtsstaaten" gröbliche Beleidigungen gegen die sächst- schen Richter enthalten habe und diese das Ministerium nm Straf- antrag ersucht hätten. Die Anklage ist aufgebaut auf dieBekun- düngen des die Versammlung überwachenden Beamten. Der Vortrag des Genossen Wiesenthal war ein Auszug des bekannten Werkes: „Das bürgerliche Recht und die besitzlosen Volksklassen" von Prof. Dr. Anton Menger(Tübingen 1692). Das Werk ist seiner Zeit von der gesammten Presse besprochen. Auf den Ausgang oer Sache darf man gespannt sein, da Thatsachen, wie sie Pros. Menger schildert, bisher nicht abzuleugnen gewesen sind. — Genosse Reiher, Redakteur des„Sächs. Volksblatt" in Zwickau, wurde wegen Beleidigung einiger empfindlicher nationalliberaler Kautschukmänner zu 100 M. Geldstrafe ver- urtheilt. — Konzert sollen einige Genossen in Thal heim (Sachsen) verbrochen haben, indem sie nach Schluß der Ver- sammlung zusammengetreten waren und den Sozialistenmarsch gesungen hatten. Der Gendarm erklärte das für ein Konzert und machte die Wirthin darauf aufmerksam, daß sie nur Erlaubniß habe zur Abhaltung einer Versammlung, nicht aber Konzession zür ein Konzert! — Genosse Schebs, Redakteur der Breslauer „Volksmacht", ist wegen Beleidigung eines Gendarmen zu 50 M. Geldstrafe, der Genosse Fuchs wegen Beihilfe hierzu zu derselben Strafe verurtheilt worden. Dviefkapkett dvv VedsKkton. Wir bitten bei jeder Anfrage ein- Thiffre(Zwei Buchstaben oder«ine Zahl) anzugeben, unter der dte Antwort erthcttt werden soll. Leser der„Kreuz-Zeitung". Sie haben ganz richtig her- auSgefunden, daß es in der Nottz„Das schofle Gewerbe der An- geberer" in Nr. IIS nicht London, sondern Baden heißen muß.— C. M. 4. Wenn Sie die Fahne nicht der Partei schenken wollen, so übermitteln Sie dieselbe dem„Museum für Völker- künde" Köniagrätzerstraße. E. H. 53, Nein. Arbeiter 100. Wir bitten, uns den Sachverhalt ausführ- lich zu erzählen. Was für ein Zuschuß ist gemeint? Dviefkalken Vvv Gsepedittorn Für die Wiener Tischler gingen ein: Vom Fachverein der Bilderrahmenmacher Berlin? l5,—. Von den Tischlern der Firma Borrmann. Admiralstraße 16k 11,35. Werkstatt Etephanns, Sebastianstraße 36, 3,50. Tischlerei Olm, Andreashof 12,—. Tischlerwerkstatt Pehnert, Andreasstr. 33 5,—. Werkstatt R. Fahnkow, Wasser- thorstraßt 3,75. Bautischlerei Trasel, Anklamerstraße 33, 8,50. Werkstatt F. Müller, Köpenickerstraße 175 6,—. Von den Einsetzern Berlins 50,—. Bautischlerei Klann 3,—. Ges. von mehreren Kollegen in der Tischlerei Franz Müller, Krautstr. 37 6,25. Tischlergesellen und Polirer der Möbelfabrik von G. Bieger, Krautstr. 52 13,—. Schönhauser Allee 73, von 5 Kollegen d. Boy, Cöslinerstr. 9 2,50. Tischlerei A. Schulz, Fruchtstraße, 2. Rate 15,—. Werkstatt Fr. Hauff, Naunynstr. 68, mit Ausnahme des reichsten Tischlergesellen aus S.-O. 3,85. 5kollegen der Möbelfabrik Kraatz vorm. Roggensack, Ruppiner- straße 5, 2. Rate 19,30. Bautischlerei Scheer, Boeckhstr. 25 8,—. Koll. Müller. Manteuffelstraße. 1,—. Von den Arbeitern der Bechstein'schen Pianosorte-Fabrik, Johannisstr. 6, außer einigen 33,15. Bautischlcrei Harms, Anklamerstr. 33, 10,40. Bautischlerei A. Iben, Anklamerstr. 33, 4,—.. Tischlerei Langemann 6,50. Hof-Pianoforte-Fabrik O. Quandt, Grüner Weg 55, außer vier Zielbewußten, 14,95. Summa 263,—. Bereits quittirt 1113,25; in Summa 1376.25 M. Für die Brauerei-Arbeiter gingen ein: Vom Fachverein der Bilderrahmenmacher Berlins 15,—. Windhorst 2,50. Amerikanische Auktion durch Eschbach 1,—. Lese- und Diskutirklub, durch Freunde 5,—. C. N. durch O. G. 5,—. Ges. von einem„konservativen Gesangverein" bei der Maipartie(Straußberg) 14,35. Aesculap 5,—. Bauarbeiter, Vau Reichenbergerstr. 143 4,50. Arbeitsnachweis der Seifen« steder und Berufsgenossen 5,—. Bühnenverband Nor- mannia 10,—. Freie Vereinigung der Graveure und Ziseleure 30,—. Bierprozente von der Stockfabrtk von Goldbach 4,—. Bei der Herrenpartie des Vereins Grüne Tanne 3,—. Von Tapezireriverkstatt W. Löber 16,65. Janke- sche Werkstatt Reichenbergerstr. 63 5,15. Auf dem Kongreß der Barbiere gesammelt 7,50. Gesammelt bei dem dusseligen Budiker 2,—. Geldschrankfabrik von Fuhrmann außer einigen 4,70. Summa 140,35. Bereits quittirt 69.60, in Summa 209,95. iervon sind 200.— an das Agitationskommissioits-Mitglied . Schneider abgeführt. Süt die Bergarbeiter Oesterreichs gingen ein: on den Mechanikern Berlins 100,—. A. 3,15. Kollegen der Malerwerkstatl C. Lange, darunter Kegelklub„Ungebunden" 45,65. Summa 148,80. Bereits quittirt 28,—, In Summa 176,80 Dt. Für den Inhalt der Jnierate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 29. Mai. Opernhaus. Die verkaufte Braut. Schauspielhaus. Das Wintermärchen. Dentsches Theater. Kollege Crampton. Berliner Theater. Uriel Acosta. Leffing Theater. Madame Sans Gêne. Friedrich- Wilhelmßädt. Theater. Boccaccio. Residenz- Theater. Toupinel. Der felige Central- Theater. Der Traum des Aktionärs. Castan's ranken- und Sterbekasse der Panoptikum. Neu: Das Mene Tekel. Sonderb. u. geheimnissv. spiritistische Produktion. Neu: Sozialdemokratischer Wahlverein Berl. Hausdiener( E. H. 61). für den 2. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Versammlung Am Sonntag, den 27. d3. Mts. verstarb das Mitglied 975b Hermann Tischer nach längerer schwerer Krankheit. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 30. Mai cr., Nachmittags aus nach dem neuen Thomaskirchhof in Rixdorf, Hermannstraße, statt. Der 13 jährige Riese. 5 Uhr, vom Krankenhause Am Urban assage- Panopticum 500 Sehenswürdigkeiten von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Abends u. a.: Blaue Grotte, historische Dioramen, Illusionen etc. Im Theatersaal v. 6 Uhr ab: Adolph Ernst- Theater. Charley's Spezialitäten- Vorstellung Zante. Vorher: Die Bajazzi. Alexanderplat- Theater. Demimonde. National Theater. Die Ahnfrau. Theater Unter den Linden. Die schöne Helena. Farfarello. Apollo Theater. Die verkehrte Welt. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Parodie- Theater. Spezialitäten Vorstellung. Borstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Die Ahufrau. Trauerspiel in 5 Aften von Grillparzer. Regie: May Sam st. Raffeneröffnung 5/2 Uhr. Anfang der Vorstellung 71/2 Uhr. Im Garten: Großes Konzert. Ganz neues Programm! Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf Evora- Bräu in vorzügl. Qualität empfiehlt in Gebinden v. 20-100 tr. 30 F1.3 m. Otto Linke, Lagerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Achtung! Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise der innigen Theilnahme und zahlreichen KranzSpenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters, des Steindruckers Friedrich Witte fagen wir allen Verwandten und Be am über: fannten, insbesondere dem Verein der Lithographen, Steindrucker und Berufs 373/18 genoffen, Filiale Nixdorf, unsern tiefgefühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Dienstag, den 29. Mai cr., Abends 8½ Uhr, in G. Bohne's Lokal, Hasenhaide 45/47. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Matinee. 2. Vortrag des Genossen 0. Antrick Individualismus und Sozialismus". 3. Diskussion. 4. Fragen. Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Das Bier daselbst ist aus der Brauerei„ Nordstern". Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei: Schmidt, Restaurant, Dieffenbachstraße 34. Lindemann, Restaurant, Morißstraße 9. Windthorst, Bigarrengeschäft, Junkerstraße 1. Müller, Restaurant, Gräfestraße 31. Schröder, Bigarrengeschäft, Kreuzbergstraße 15. Grube, Restaurant, Mariendorferstraße 5, Ecke Solmsstraße. Lüdke, Restaurant, Bossenerstaße 10. Sasse, Restaurant, Markgrafenstraße 102, Werner, Restaurant, Bülowstraße 59. Faller, Restaurant, Pallasstraße 16. Kitzing, Restaurant, Belle- Alliancestraße 74. Der Vorstand. 6. Wahlkreis( Gesundbrunnen). Frau Wittwe Witte nebst Kindern. Mittwoch, den 30. Mai, Abends 8 Uhr, im Schulz'schen Lokale, Stettiner- Strasse No. 56: Sozialdemokrat. Maitations Gr. Volksversammlung. Verein f. die Kreise Wittenberg, Lorgan u. s. w. " Zages Drdnung: 1. Der Antrag des Grafen Kanitz auf Regulirung Am Mittwoch, den 30. Mai, Abends der Getreidepreise durch das Reich. Referent Genosse 81/2 Uhr, in den„ Armin- Sallen", Reichstags- Abgeordneter A. Bebel. Kommandantenstraße Nr. 20: General- Versammlung. Tagesordnung: Empfehle den Gastwirthen und Genossen das hochfeine Lagerbier der Brauerei C. A. Müller in Pots- 1. Antrag des Genossen Grosche. dam. Niederlage bei G. Pätzold, 2. Vereinsangelegenheit. Berlin, Georgenkirchstr. 4. Der Vorstand. 955b 961b 354/ 13* 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Arbeiter- Bildungsschule Dienstag, den 29. Mai, Abends präz. 8½ Uhr: Frauen- und Mädden- Bildungsverein des arbeitenden Bolles Außerordentl. General- Versammlung Auf der Sommerbühne Aufführung von Mittwoch, den 30. Mai 1894, Abends 8 Uhr, im Kolberger Salon Lustspielen, Poffen sowie SpezialitätenVorstellung ersten Ranges. Raffenöffnung 51/2 Uhr. Anfang 6 Uhr. Morgen: Bolts- Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Wildfeuer, Lustspiel in 5 Aften von Fr. Halm. ( großer Saal), Kolbergerstraße 23: Versammlung der Filiale Norden. Letzte Woche. Central- Theater. Alte Jakobstraße 30. Gastspiel Emil Thomas. Dienstag, den 29. Mai 1894: Der Traum des Aktionärs. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Weyl über: Kindererziehung." 2. Dis fussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Herren als Gäste willkommen 461/15 Der Vorstand. Offenbacher Frauen- Krankenkasse. Donnerstag, 31. Mai, Abends 8 Uhr, in Hoffmann's Fettsälen, Granienstraße 180: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: in den Concordia- Festsälen, Andreasstr. 64. Tages- Ordnung: 1. Wichtige Anträge des Vorstandes. 2. Statuten- Berathung. Es ist höchste Pflicht, daß alle Mitglieder erscheinen, um die neuen Statuten zu berathen. 455/19 Achtung! Der Vorstand. Achtung! Große öffentliche Volks- Versammlung am Mittwoch, den 30. Mai, Abends 8 Uhr, Die Auflösung der Berliner Verwaltungsstelle und unser Protest vor im Lokale des Herrn Bühler, Rosenthalerstraße Nr. 38. Dramatisches Quodlibet in drei Aften der General- Versammlung. Die Delegirten sind eingeladen. Mitglieder und Parteigenossen die ihr gegen die ungerechten Maaßnahmen Dr. Peschke, Schladeris, Geyer, Gaspard, des Zentral- Vorstandes protestirt habt, erscheint zahlreich. Die Beschwerde- Kommission. ( 5 Bildern). Blasel: Emil Thomas. Morgen und die folgenden Tage: Dieselbe Vorstellung. 424/3 Große öffentliche Adolph Ernst- Theater. Versammlung der Bäcker Heute: Charley's Tante. Schwant in 3 Att. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Aft von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. am Dienstag, den 29. Mai, Nachmittags 2 Uhr, im Feenpalast, Burg- und St. Wolfgangstraßen- Ede. Tagesordnung: 1. Wie schaffen wir uns bessere Verhältnisse? Referent: Alwin Mohs aus Leipzig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 86/6 Die Agitations- Kommission. J. A.: P. Dally, Marienburgerstr. 1. Verband der Geschäftsdiener, Pacer und Berufsgenossen. Bureau und Arbeitsnachweis: C., Neue Grünftr. 10, I. Fernsprecher Amt I 810. Das Sommerfest am 10. Juni in der Berliner BockNoack's Brauerei" findet des Bier- Boykotts wegen nicht statt. % Zages Ordnung: " 498/13 1. Vortrag des Stadtverordneten Fritz Wilke über: Der Werth und die Bedeutung der Preffe." 2. Die Freie Vereinigung der Zeitungs- Spediteure und Verkäufer Berlins im Verhältniß zur Arbeiterbewegung. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht der Genossen Der Einberufer. zahlreich zu erscheinen. Achtung! 88/20 Achtung! Große öffentliche Versammlung der ausgesperrten Brauereiarbeiter am Mittwoch, den 30. Mai, Vorm. 10 Uhr, in den Konkordia- Festsälen, Andreasstraße Nr. 64. Tages Ordnung:. 1. Die Lage der ausgesperrten Brauereiarbeiter. 2. Diskussion. Versammlung zu erscheinen. Es ist Pflicht eines jeden Ausgesperrten, in dieser Die Kommission. Etwa verausgabte Billets erbitten wir zurück. Nähere Gauverein Berliner Bildhauer. Sommer- Theater. Mittheilungen in der Versammlung ant 5. Juni. Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. 6 477/13 Der Vorstand. Right boykottirt! Von Parteigenossen empfohlen! Biere Dienstag, den 29. Mai, Abends 8½½ Uhr, im Lokale des Herrn Ehrenberg, Annenstraße Nr. 16: Versammlung. Zages Ordnung: Geschäftliches. Holzbildhauer- Abend. Besprechung über den Werth der Werkstatt- Delegirten- Kommission. Verschiedenes. Anfang des Konzerts& Uhr, der Voraus dem Bürgerlichen Brauhaus Dresden- Plauen gebeten, der aur Tagesordnung stehenden Umgeſtaltung der Werkſtatt. DelegirtenDie Kaffeeküche ist geöffnet. Victoria- Brauerei, Lühowstraße 111-112. Garten refp. Saal. Täglich ( mit Ausnahme Sonnabends); Stettiner Sänger Herren: Meysel, Häckel, Pietro, Britton, Pilsner den echten vollständig ebenbürtig, Kulmbacher jedoch bedeutend billiger als diese, empfiehlt zu Original- Brauereipreisen Gustav Ebert, Genoralvertreter des Bürgerl. Brauhaus, Dresden- Plauen, Berlin 80., Forsterstraße Nr. 52 II. NB. Ich bitte die geehrten Herren Wirthe, welche jetzt schnell diese Biere einführen wollen, mich gefl. per Postkarte zu benachrichtigen. 957b Ausstellung Italien in Berlin. ( Stadtbahn- Station: Zoologischer Garten.) Eberius, Täglich geöffnet von Morgens 10 Uhr bis Abends 12 Uhr. Massen- Konzerte sämmtl. italien. Musikkorps, Steidl, Bliemchen und Blank. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets im Vorverkauf à 40 Pf. und Familien- Billets( à 1 M.) für 3 Personen giltig.( Siehe Plalate.) Neu! Neu! Neu! Britton als Charley's Tante. darunter des Gr. italienischen Opern- Orchesters des Maestro Cav. Gialdino Gialdini, der Bersaglieri- Kapelle des Maestro Giacomo Gatti, des Venezian. Serenaden Orchesters des Mobile de Malipiero, des Mandolinen- Korps des Prof. Frouth. Ferner: Mailänder Marionetten- Theater u. Venezian. Variété etc. Jeden Tag: Auftreten des Cav. Prof. Eugenio Pini, Fechtmeister der königl. italienischen Marine. In der großen Arena um 9 Uhr: Floret-, Degen- und Säbel- Mensuren an welchen sich Fechter gegen vorherige Meldung im Bureau der Ausstellung Det is ja irade wat Sheenes. betheiligen tönnen. Herr Steidi. Donnerstag, den 31. Mai: III. Elite- Tag. Entree 1 Mt. Zu dieser Versammlung werden die Kollegen, besonders die Holzbildhauer, Kommission wegen recht zahlreich zu erscheinen. 42/10 Parteigenossen! Der Vorstand. Hierdurch die Mittheilung, daß ich mit einer bedeutenden abgeschlossen habe und bitte um recht zahlreiche Beſtellungen. auswärtigen Brauerei für Lieferung von Bier in allen Gebinden Fuhrwerk am Blaze. Eis gratis. Hermann Gärtner, Gewerkschafts- Delegirter der Brauer, Wirthshaus ,, Alt Berlin", Molkenstr. 12. ooooo 969b 00000-0-0000000 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Am Königsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Im neu Volksbelustigungen aller Art. parquettisten Saale: Täglich: Gr. Ball. Bon 5-7 Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Entree 30 Pf., Billets vorher 25 Pf. 8000000-0-000000 Oood Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pönsch in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 121. Bonkoffirt sind: Dienstag, den 29. Mai 1894. 11. Jahrg. gute Mann meinte jedoch, die Hausbesitzer und SO sollten es fich angelegen sein 1. Schultheiss- Brauerei, Aftien- Gesellschaft, sorp Brauerei 113 Arbeiter mit insgesammt ca. 109 000 M. laffen, diefe Berliner Sehenswürdigkeit rechtzeitig in Berlin( und Tivoli). 2. Brauerei F. Happoldt. 4. Brauerei Karl Gregory, Berlin( AdlerBrauerei). 5. Vereins- Brauerei Rixdorf. 6. Spandauer Berg- Brauerei, vorm. C. Bechmann, Westend bei Charlottenburg. 7. Aktien- Gesellschaft Schloss- Brauerei 7. Aktien- Gesellschaft Schloss- Brauerei Schöneberg. Tokales. werden. Die Solidarität der Brauereien wäre in anbetracht Happoldt 147 Arbeiter mit einem Gesammt- Jahresverdienst| wohnt!" der von ca. 144 000 beschäftigt werden und auf der Greaus Berlin O jährlichen Löhnen. Stand zu setzen". Augenscheinlich dachte er dabei an die Man ersieht jetzt, mit welchem Grade sittlicher Berechtigung die Außenseite, an die Façaden, die die Hausbesitzer ein Herren Direktoren ihren Arbeitern die Lohnerhöhung von 1,50 M. Bischen aufladkiren lassen sollen, damit der vornehme" Ausverweigern konnten. stellungsbesucher, der niemals in eine Berliner Arbeiterwohnung 3. Böhmisches Brauhaus, Kommandit- Gefell- recht daran thaten, bas Sprichwort im Hinblick auf den Kampf Besuch man auch in Treptow rechnet, hinein blicken in die Die Großen brechen den Kleinen den Hals. Daß wir hineingeblickt hat, hinter der Façade denselben Glanz ver muthet. Könnte die müßiggängerische Bourgeoisie, auf deren schaft auf Aktien, A. Knoblauch. des Vereins Rösicke gegen die Berliner Arbeiterschaft anzuführen, Häuser und Wohnungen dieser mit einem Male so sehr geergiebt sich mit ganz besonderer Deutlichkeit auch aus den jüngsten Aeußerungen der Fachpresse. Das Drgan der mittleren und priesenen Stadtgegend, so würde sie allerdings zu der Erkenntniß fleinen Brauereibefizer, die„ Deutsche Brau Industrie", läßt in tommen, daß ihr hier eine sensationelle Sehenswürdigkeit geboten seinen Aeußerungen erkennen, daß die Trabanten nur wider wird, die dem Eiffelthurm nicht viel nachgiebt. Vielleicht willig der sie verfengenden Zentralfonne folgen. Die genannte gnügen, der Bourgeoisie diese Einsicht macht sich die Arbeiter Sanitätskommission das Ver Zeitschrift fieht die Situation der Brauereien feineswegs als wohnungen Berlins zu ermöglichen. Es wird ja in solchen in die Arbeiter= günstig an. Bezugnehmend auf den Austritt der Brauerei Karlsberg Ausstellungen, da sie auf das Portemonnaie des vornehmen" aus dem Ring schreibt das Blatt: Sollte dies Beispiel Nach Schaupöbels angewiesen sind, Tausenderlei ausgestellt, was mit aus dem Ring schreibt das Blatt: Sollte dies Beispiel Nach aber finden, so dürfte der Stand des Vereins und der dem Namen der Ausstellung in nur ganz lose, oder auch in bontottirten Brauereien in diesem Kampfe ein überaus schwieriger die Ausstellung auch eine Abtheilung enthalten, in der eine Dargar keine Verbindung gebracht werden kann. Zweifellos wird dessen, daß der Konsum in gegenwärtiger Zeit eine unheimliche stellung der Ermittelungen der Arbeiter- Sanitätskommission unterHöhe erreicht, auf eine harte Probe gestellt. gebracht werden kann. Gerade derjenige Theil der ReichsDer Zwiespalt der Interessen hat denn auch schon in einem hauptstadt, der an den Treptower Park stößt, nämlich der östliche Falle ein praktisches Resultat gezeitigt, Herr Richard Röfice bat( äußere) Theil der jenseits des Kanals gelegenen Luisenstadt, in Mit der Lokalfrage und dem Bierboykott beschäftigten den Vorsitz im Verein für die Versuchs- und Lehranstalt infolge und ebenso rechtzeitig die Miethen steigern werden, dürfte sich zu dem die Hausbesitzer bei Zeiten ihre Façaden herauspußen sollen sich dieser Tage die Lokalkommissionen Berlins und der Üm- dieses Drängens von unten freiwillig niedergelegt, nachdem er einer Darstellung der elenden Wohnungsverhältnisse der Berliner gegend. Einhellig gaben die Genossen aus den Vororten ihrer während der letzten 12 Jahre seine Macht darin ausgeübt hatte. Arbeiterbevölkerung am meisten eignen. Meinung dahin Ausdruck, daß seitens der Berliner Arbeiterschaft Das vorhin zitirte Fachblatt fnüpft an diese Nachricht einige Arbeiterbevölkerung am meisten eignen. in der Lokalfrage" allzusehr gesündigt wird. Trotzdem Bemerkungen über schleuderhafte Konkurrenz", die durch ihn Das andere Gesicht. Wer da glaubt, die Polizei könne in jedem Bericht aus den Vororten ersucht wird, die Genossen( Rösice) zur Blüthe gebracht sei und sagt schließlich wörtlich: ihrer Natur nach nicht anders als nach dem Beispiel des glor außerhalb in der Agitation zu unterstützen und thatsächlich Die Manchestermänner unter den Großbrauern, welche die reichen 18. Januar jede Anzeichen von Gefeßwidrigkeit mit den große Summen zu diesem Zweck aufgebracht und verausgabt schonungsloseste Konkurrenz betreiben, sind allerdings noch schärfsten Maßregeln, die ihr zu Gebote stehen, im Reim ersticken, werden, ist es gradezu unbegreiflich, mit welchem Leichtsinn oft die schlimmer, als die agrarischen Großgrundbesitzer." Das ist der irrt sich gewaltig. Die Polizei fann in ihrer Eigenschaft Früchte langjähriger Agitation zerstört werden. Bedauert deutlich! als Vertreterin der Ordnung und Gerechtigkeit auch milde wurde, daß der Vorwärts" nur allzusehr geneigt ist, Er. Nun weiß man's endlich, warum von den„ Führern der handeln, so milde, daß selbst die Presse nicht umhin tann, von flärungen" von Wirthen und Privatleuten Aufnahme zu Sozialdemokratie" über die fieben armen Bierbrauereien der einem solchen Att der Sanftmuth Notiz zu nehmen. gewähren. So ist beispielsweise das Lokal von Käppel, Boykott verhängt wurde. Das Intelligenz- Blatt", das mit be Die„ Rundschau", das Organ der hiesigen Klempnerinnung, Hankelsablage- Zeuthen nicht frei", obwohl eine dahingehende tanntem polizeilichem Scharfsinn die Flöhe husten hört und das bringt in ihrer Nr. 59 einen solchen Fall von polizeilicher Lamms= Einsendung" im Vorwärts" so lautete. Häufig ist es den Gras wachsen sieht, bringt in einer ganzen Spalte das Geheimniß geduld zur ehrenden Anerkennung. Jemand engagirt einen Mann Wirthen nur darum zu thun, ein sich ihnen bietendes lukratives zu Tage: der unvermeidliche Bamberger und Bading sind zu einer bestimmten Beschäftigung, ohne jich zu über Geschäft nicht entgehen zu lassen und sie betheuern dann, es Berwandte des Direktors Arendt vom Münchener Brau- teiner Invalidenkarte bedarf. Nach fünf Tagen wird der Mann müsse auf Irrthum beruhen, daß ihr Lofal als gesperrt" auf haus, und diese Serren und einige sozialdemo= entlassen und macht nun Anspruch auf Martenklebung. Als der der Lokalliste vermerkt sei. Viel zu wenig beherzigen Vorstände fratische Führer von Vereinen resp. Arrangeure von Ausflügen die schon oft der Münchener Brauhaus Attiengesellschaft Bolizei an. Das genannte Fachblatt schreibt sodann wörtlich follen Haupt- Attionäre Arbeitgeber das verweigert, ruft der Betreffende die Hilfe der wiederholte Mahnung der Genossen in der Provinz: sich sein". vorher mit der Lokaltommission an dem be= weiter: Nur allein durch die Humanität, Entgegenkommen und treffenden Ort in Verbindung zu sehen. Von mehreren Roulanz unserer Polizei find wir vor Strafe verschont Seiten wurde betont, daß Wirthe, welche gern ihren Saal zu geblieben, indem dieselbe vertraulich und uns als ehrenwerthe(!) Versammlungen hergeben und deren Lokale zu Ausflügen für Leute kennend die Ausführung der allerdings durch das Geset größere Gesellschaften sehr geeignet sind, von unseren Freunden vorgeschriebenen Einklebung, ohne die Sache sogleich in nicht genügend unterstützt werden. Angeregt wurde, die Taktik der strengster Form zu verfolgen, veranlaßte".... Lohntommissionen respektive der Genossen der einzelnen Orte Das ist das andere Gesicht der Polizei. insofern zu ändern, daß analog dem Brauereiboykott einer oder mehrere der schlimmsten Wirthe herausgesucht und nur diese gemieden und alle übrigen Lofale frei gegeben werden. Man einigte sich über folgende Punkte:" Für die Zukunft es den Lokalkommissionen der einzelnen Orte zu überlassen, selbstständig in der Veröffentlichung der Lokalliste zu handeln, jedoch verwahrte sich die Zusammenkunst der Kommissionen ganz entschieden gegen Geschäfts- Reklamen, um " " " " Na, also! Auch Du, mein Sohn Brutus? Der Boltsanwalt des Brauereirings, der große Gugen, ist ebenfalls unter die von ihm in einem fort beschimpften Boyfotter gegangen. In der Sonntag nummer der Freisinnigen Zeitung" schreibt er: " In Friedrichshagen haben sich eine Anzahl Wirthe es gefallen lassen, daß die Sozialdemokraten an ihren Lokalen Plakate aushängen:" Hier wird nicht boykottirtes Bier ausgeschenkt," Ein schweres Bau- Unglück ereignete sich am Montag Nun wissen doch alle diejenigen, welche nicht Sozial. Morgen 91/2 Uhr beim Abbruch des Hauses Kochstr. 73. Durch demokraten find, welche Wirthschaften sie in Frieden Einsturz einer Giebelwand find drei Arbeiter sofort getödtet und mehrere andere schwer verletzt worden. Glücklicherweise brichshagen zu meiden haben! trafen ziemlich schnell einige von der berufsgenossenschaftlichen Unfallitation I in der Wilhelmstraße herbeigerufene Aerzte ein, welche hilfreich eingriffen und die Ueberführung der aus dem lleber die Katastrophe liegt folgender Bericht vor: Schutt hervorgezogenen Verletzten nach der Station anordneten. Konsequent muß man sein! Zur Taktik der Brauereiproken. Nicht nur in materielle Den Wirthen Vortheil zu verschaffen." Die Lokalliste soll wollen sie auch blos von sich abhängig wiffen. Sie wollen alle dadurch Abhängigkeit wollen die Brauereiprotzen die Wirthe bringen, fie den Sommer hindurch in der jetzigen Form( als Beilage) jeden Wirthe, welche der sozialdemokratischen Partei angehören, um 1. und 15. des Monats erscheinen und den Lokalkommissionen ihre Eristenz bringen, sie wollen allen, die ihnen nicht immer der Vororte auf Verlangen als Flugblatt zur Verfügung ge- willfährig sind, die Existenz vernichten. Bösartige Berleumdung stellt werden; in der Liste sind jedoch nur solche Wirthe bekannt würden alle Brauereiproßen und allen voran deren Breßkommis, zu geben, die sich durch Unterschrift zur Hergabe ihres Lokales der durch seine gewählte Sprache ausgezeichnete Eugen Richter, verpflichten. auerufen, wenn wir dies behaupten würden, ohne sofort das Die nothleidenden Branereibesitzer. Nachstehend bringen Beweismittel, das ein ungünstiger Wind heute Abend auf unwir einige fleine Noten über die Entbehrungslöhne einzelner feren Schreibtisch geweht hat, veröffentlichen würden. Dasselbe armer Brauerei Millionäre und diesen gegenüber die Riesen- lautet: gehälter der in den Brauereien beschäftigten Arbeiter. Die Schultheiß Brauereien brachten im Jahre 1893 den Aktieninhabern 818 283 M. an Dividenden ein. Für die Direktionsbeamten 2c. fielen ferner 148 522 M. ab und davon erhielt Herr Röfice allein 99 014 M. für seine Mühewaltung. Herr Rösicke ist jedoch auch noch einer der Hauptaktionäre der Schultheiß Brauereien. Er bezog also auch noch von den 818 283 M. Dividenden ein erkleckliches Sümmchen. Aufgebracht wurden diese Riesenprofite von ca. 760 in den Schultheißbrauereien beschäftigten Arbeitern, die insgesammt jährlich an Löhnen ca. 800 000 m. verdienten. Es tommt dabei ein anscheinend hoher Durchschnittslohn von ca. 1053 M. pro Jahr und Arbeiter heraus; doch dürften wir dabei beachten, daß auch die Löhne der Betriebsbeamten, Kellermeister, Vorder= burschen 2c. in der Gesammtsumme der Löhne enthalten und ausschlaggebend für die Durchschnittslohnhöhe find. Also 93 Arbeiter familien tönnten von dem, was Herr Röfice also eine einzige Person- jährlich nur an Zantiemen bezieht, ein volles Jahr lang leben. P. P. Charlottenburg, den 23. Mai 1894. Bezugnehmend auf die Mittheilung, welche unser Direktor, Herr Poirier, in der heutigen Sitzung gemacht hat, geben wir Ihnen endstehend die Namen der Gast wirthe, die von unserer Brauerei Bier entnehmen und fozialdemokratische Führer der Charlottenburger Lokaltommission find. Wir erlauben uns, Sie nochmals an Ihr Versprechen diesen Leuten auch nach Aufhebung des Boykotts tein Bier zu liefern, höflichst zu erinnern: GWO Gastwirth Hagen, Charlottenburg, Grünstr. 1, Wernicke, Reet, " " " Krummeftr. 19, Wallstr. 95, Christstr. 5, Schülerstr. 102. Roettger, Stahl, Außerdem Friedrich, Schmargendorf. Indem wir Sie noch höflichst bitten, diese Mittheilung auch nach Aufhebung des Boykotts diskret behandeln zu wollen, zeichnen Hochachtungsvoll Brauerei Gambrinus Aktiengesellschaft F. Poirier. Kochstraße. Neuerdings war es in Besitz des Privatbaumeisters Das Haus Nr. 73 gehörte zu den ältesten Gebäuden der Schönner übergegangen, welcher u. a. auch das Eckhaus der Bimmer- und Wilhelmstraße, das fürzlich gegen das Rittergut Alt- Golm vom Buchdrucker W. Bürenstein eingetauschte Haus Friedrichstraße 239 erbaut hat, und 3. 8. den Neubau des Ecks hauses der Friedrich- und Jägerstraße ausführt. Schönner ließ zunächst die alten Hinterhäuser in der Kochstraße 73 niederlegen und neue hohe Hofgebäude aufführen. Das Vorderhaus beabsichtigte er stehen zu laffen und nur durch Ausbruch von Läden und Aufsehung eines neuen Stockwertes auszubauen. Sachverständige sollen fich dahin ausgesprochen haben, daß das alte Haus den ge planten Umbau nicht aushalten könne. Das alte Dach und das Trempelgeschoß wurde abgelassen und auf dem alten Mauerwerk ein drittes Stockwerk neu aufgebaut. Mit der Bauaufsicht waren der Maurerpolier Julius Seeger und der Zimmerpolier Schnitzer betraut. Heute früh war man damit beschäftigt, eine Zwischenwand abzubrechen und wollte gerade Stüßen unterschieben, als der ganze Zwischenbau zusammenbrach und das Mauerwerk mit sich riß bis zum Erdgeschoß, wo die eisernen Träger der neu ausgebrochenen Läden den Massen Halt boten. Von den Trümmern wurden 6 Arbeiter begraben. Die sofort alarmirte Feuerwehr war unter dem persönlichen Kommando des Branddirektors Giersberg bald zur Stelle und machte sich sojort an die Hettungsarbeiten, während Polizeimannschaften für die Absperrung der Unfallstätte sorgten. Die Ge= fahr weiteren Einsturzes war in der That eine ernste, da die Borderfassade sich nach außen gebogen hatte. Drei der ver schütteten Leute fonnten verhältnißmäßig schnell aus den Trüm. Machen wir noch dasselbe Erempel mit den lumpigen mern hervorgeholt werden, zwei von ihnen find schwer verlett 818 283 M. Dividenden, welche für die nothleidenden Aktionäre und furchtbar zugerichtet, der dritte ist besser davon gekommen, abgefallen sind, so ergiebt sich auch hier, daß 777 Arbeiterfamilien, doch hat auch er schwere Wunden davongetragen. Ein Vierter, deren Ernährer unausgesetzt, Tag für Tag, schwer arbeiten müßten, leber den Kampf um den Platz für die Berliner Ge den man alsbald herausbolte, war bereits todt, der Schädel war um einem kleinen Häuflein von Personen ein angenehmes werbe- Ausstellung können jetzt, wie es scheint, die Aften endlich ihm vollständig zermalmt. Die weiteren Rettungsarbeiten wurden Dafein zu verschaffen, ebenfalls ein volles Jahr damit existiren geschlossen werden. Der Gesammt- Vorstand, deffen Mehrheit sich durch die morsche Beschaffenheit des Baues sehr erschwert. Ein Nachfür Liebensee entschieden hatte, hat den drängenden Treptow- sturz, der in der 11. Stunde erfolgte, mahnte zu äußerster VorDas Böhmische Brauhaus erübrigte" im Jahre 1892 Männern das Feld geräumt, auf die Ausführung seines Beschlusses sicht. Wie man annimmt, sind die beiden legten der Ver= einen Nettogewinn von 488 949 m., von welchem an die noth- verzichtet und sich aufgelöst. Die Treptow- Männer haben darauf schütteten zur Zeit des Unfalls im ersten Stockwerk beschäftigt leidende Direktion und den Aufsichtsrath 82 897 m. vertheilt sofort den bisherigen Arbeits- Ausschuß mit den einleitenden gewesen, wenigstens sind sie derartig von Schuttmassen bedeckt, wurden. Die Aktionäre erhielten an Entbehrungslohn 396 000 in Arbeiten für die Veranstaltung der Ausstellung im Treptower baß nach langem Mühen nur die Beine eines der beiden freiGestalt von 12 pCt. Dividende. Es gehörte die Ausbeutung der Bart beauftragt und werden sich nun einen anderen Gesammt gelegt waren. Die Feuerwehr konnte nur mit äußerster BorArbeitskraft von 266 Arbeitern dazu, die dafür als Gegenleistung" Vorstand zusammentrommeln, der auf Treptow eingeschworen ficht unter Einsetzung ihres eigenen Lebens vordringen. Sowie ca. 280 000 m. erhielten, und denen nebenbei, wenn sie Unfall- ist. Der widerliche Streit ist also nun wohl zu Ende und man einen Theil der Schuttmassen beseitigt hatte, stürzten rente bezogen, der verdiente Lohn von der Direktion des Böhmischen die Platfrage entschieden. In der am Sonnabend abgehaltenen andere Maffen nach. Erschwert wurde die Arbeit auch das Brauhauses um den Betrag der Unfallrente gewissenhaft gekürzt Versammlung der für Treptowo eintretenden Aussteller und durch, daß man nur von oben arbeiten konnte. Es ist so= Interessenten" hat man sich bereits alle Mühe gegeben, den mit taum zu erwarten, daß man die beiden Verschütteten Die Vereinsbrauerei batte im Jahre 1892 einen üblen Eindruck dieses Streites zu verwischen und die klägliche noch lebend wird herausbringen können. Kurz vor 12 Uhr Nettogewinn von 204 039 M. Davon erhielt die Direktion an Blamage, die sich beide Parteien geholt haben, in Bergessen wurde der Pferdebahnbetrieb gesperrt. Die Unglücksstätte, die Zantiemen 19 534 M. und die Aktionäre an Dividenden heit zu bringen. Mit Anerkennungen, Dantesbezeugungen und von einer dichtgedrängten Menge umlagert ist, bietet im Innern Hochrufen für die„ opferwilligen" Leiter des Unternehmens ist ein Bild grauenhafter Verwüftung. Die Decken und Fußböden Die Brauerei Schöneberg hatte im Jahre 1893 einen nicht gespart worden; auch die Gegner hat man damit bedacht, sind wie Papier durchschlagen, ganze Theile der Decken haben Netto- Gewinn von 317 522 M. Die Direktions- Zantieme betrug da ja von ihnen nichts mehr zu fürchten ist. Im übrigen fich schräg gegen die stehengebliebenen Wände gelegt. 48 707 M. und die Dividende für die Aktieninhaber 266 400 m. scheint es jener Versammlung auch sonst nicht an er- Der todt aus den Trümmern geschaffte Arbeiter ist der gleich 12 pet. heiternden Momenten gefehlt zu haben. eine der Maurer Friedrich Sang. Außer dem Maurer Spielberg, der Die Spandauer Berg Brauerei zahlte von dem ersten Arbeiten, welche nothwendig feien, wurde es bes eine Beinverlegung davontrug, sind die Arbeiter Kreklow und Berg- Brauerei im Jahre 1893 erzielten Netto- Gewinn von 287 971 M. zeichnet, die Hintertreppe Berlins", wie die Lißenseeer den Strohwald verwundet. Der Erstere hat eine Verrenkung an Tantiemen für die Direktion 40 075 M. und an die Aktionäre ordinären" Diten genannt hatten, in einen Zustand zu versehen, den Schultern und Verletzungen am Kopf davongetragen, 247 896 M. Dividende. der sie für die Herrschaften aus dem vornehmen" Westen und während der Lettere an den Beinen betroffen worden ist. für die zerstreuungsbedürftigen Fremden paffirbar macht. Natür- Die von der berufsgenossenschaftlichen Unfallstation I. entsandten lich wurde aufs Neue in schwungvollen Reden verkündet, daß Aerzte Dr. Frant, Dr. Reif und Dr. Stirl verbanden die drei die Arbeiterviertel Berlins an fich schon eine Sehenswürdigkeit Verletzten und ließen sie in die Unfallstation in der Wilhelmseien. Ein Fabrikbefizer Lennhoff soll sogar ausgerufen straße bringen. Hier hat Krecklow eine Schilderung über den haben: Paris hatte seinen Giffelthurm als große Anziehungs- Unfall gegeben:„ Ich stand neben dem Maurer Sanz, als plötz= Anführen wollen wir noch, daß in der Brauerei fraft nöthig, zeigen wir den Fremden, wie der Arbeiter in Berlin lich Mauerwerk von oben auf uns herabfiel. Dann wurde es tönnten. wurde. 184 505 m. Einen Einblick in die Vermögensverhältnisse der Brauerei besitzer Happoldt und Gregory zu gewinnen ist sehr schwer; daß sie es jedoch auch vorzüglich verstehen, aus der Arbeitskraft ihrer Arbeiter den nöthigen Mehrwerth herauszuziehen, dürfte ebenfalls nicht zu bezweifeln sein. Als Hilfe, und ich war bald aus meinem Grabe befreit." " nur Nacht um uns: wir waren verschüttet. Ich blieb bei Besinnung| schüttete eine ziemliche Menge von der vermeintlichen Süßigkeit| hob die Schließung des Vereins auf. Nur bezüglich Frl. Baader und bemerkte bald, daß sich über meinem Körper ein Dach aus in ihre Tasse und trant den Kaffe aus. Bald stellten sich soll ein neuer Termin anberaumt werden, in welchem noch ein heruntergefallenen Brettern und Balken gebildet hatte. Sang Krämpfe bei der Dame ein und ein hinzugerufener Arzt gab die heute nicht geladener Gendarm vernommen werden soll. Tag nicht weit von mir, und ein eiserner Träger hatte ihm, wie Erklärung ab, daß sie statt des Buckers Arsenit genossen hatte. fich später ergab, den Schädel zerschlagen. Alsbald nahte fich Das Gift war zur Vertilgung von Mäufen in der Haushaltung Expedition des Vorwärts" ist bekanntlich im Dezember vorigen Das Buch der Freiheit" vor Gericht. Im Verlage der vorhanden gewesen. Eine Lebensgefahr soll für die Dame nicht Jahres Hendell's" Buch der Freiheit" erschienen. Die DruckZu der Baufatastrophe wird nachträglich gemeldet, daß vorhanden sein, auch die letzten Vermißten, die Maurer Karl Steifer und August schrift wurde bald beschlagnahmt, denn die Staatsanwaltschaft In gelinden Schreckt wurden vorgestern Vormittag die Be fand in einem der Gedichte mit der Ueberschrift: Wie man's Somaczarosti als Leichen aufgefunden worden sind. Die Feuer- wohner von Schöneberg durch die Charlottenburger Wafferwerke ma cht", die Aufreizung zum Diebstahl, zum Unwehr hatte bis gegen 23/4 Uhr mit Aufbietung aller Kräfte geverfekt. arbeitet, bis sie endlich den etwa 20 Kubikmeter umfassenden versetzt. Gegen 10 Uhr versagte plötzlich die Wasserleitung den gehorsam gegen die Gesetze, zum Landes- und zum Schutthaufen durchgearbeitet hatte. Die beiden Verunglückten Dienst. Zum Glück dauerte jedoch die Kalamität diesmal nur och verrath. In einem zweiten Gedichte, betitelt: lagen nahe aneinander im hinteren Theile des Erdetwa eine Stunde lang. Deutschland", sollte eine Gotteslästerung enthalten sein. geschosses und waren Der zur Verantwortung gezogene Verleger Theodor Glocke von den Trümmermassen zerdrückt Erschossen aufgefunden wurde in Westend am Sonntag wies glaubhaft nach, daß er die beanstandeten Gedichte worden. Daß nicht noch mehr Menschen den Tod gefunden Vormittag ein etwa 30jähriger Mann mit dunkelblondem Haar nicht gekannt habe. haben, ist dem Bimmerpolier Schnitzer zu verdanken. Er hatte und hellerem Schnurrbart. Zur Feststellung der Persönlichkeit auf Fahrlässigkeit. Die Anklage lautete deshalb am Montag Morgen die vierte Baltenlage einzuziehen und den fehlt jeder Anhalt. Nur einige Schriftzeichen sind auf den Straftammer des Landgerichts I beantragte der StaatsJm gestrigen Termine vor der ersten 1/29 Uhr beendigten Frühstückspause befand sich Schnitzer im Welt, verzeihe meinen Schritt, denn es ist rabensinster. Ich habe fängniß. Der Vertheidiger, R.-A. Freudenthal, wies Deuten die größte Vorsicht anempfohlen. Kurz nach der um Manschetten vorhanden. Auf der einen standen die Worte:" D Strajkammer des Landgerichts I beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten einen Monat Ge= Erdgeschoß und hörte trockenen Mörtel von oben herabfallen, dem ausgelitten. Forschet nicht nach meiner Jdentität, denn es wäre darauf hin, daß das erste Gedicht von Freiligrath verfaßt, ein verdächtiges Knistern folgte. Er rief nun mit lauter Stimme: erfolglos." Die andere Manschette enthält in der Aufschrift: im Jahre 1846 erschienen und bisher immer unbeanstandet geRettet Euch, das Haus stürzt ein." Diese Warnung Lebe wohl, geliebte G." Abschiedsworte an eine Dame. wurde von vielen Arbeitern beherzigt, und kaum hatten blieben sei. Der Inhalt desselben enthalte nur einen prophetischen fie den Hof erreicht, da erfolgte der Zusammensturz. arche die Zeiche eines seit Ende April vermißten Knaben an- Khainach zum Verfasser. Polizeibericht. Am 26. d. M. wurde Mittags an der Frei- Blick in die Zukunft. Das zweite Gedicht habe den Grafen Die Ursache der Katastrophe ist inzwischen gleichfalls er geschwemmt. Nachmittags starb plöglich auf der Wache des diesem einen strafbaren Inhalt. Der Gerichtshof erkannte nach Der Vertheidiger vermiste auch in mittelt worden. Die 89 Bentimeter starte alte Mittelwand 15. Polizeireviers eine wenige Stunden vorher wegen Trunken- längerer Berathung auf Freisprechung, ohne das Urtheil des Hauses barg Röhren in sich, die mit Schutt ausgefüllt waren. heit dorthin gebrachte Lumpensammlerin. Gegen Abend erschoß zu begründen. Um nun dieses Mauerwerk zu verstärken, wurden an beiden Seiten Steinwände in der Stärke von 13 Bentimetern in die sich ein Handwerker auf einem Grundstück in der Friedrichstraße. Höhe geführt, so daß die ganze Stärke 65 Zentimeter betrug. scheinend in der Trunkenheit auf das Dach des vier Stock hohen In der Nacht zum 27. b. M. tletterte ein Handwerker anDie Aufmauerung wurde aber ohne Verband mit dem alten Mauerwerk aufgeführt. Nun ist das alte Gemäuer zusammen- Hauses Fehrbellinerstr. 7, fiel auf den Bürgersteig und brach den gesunken und hat das neue mit weggedrückt. Das ganze Gebäude Hals. Im Laufe des Tages fanden drei Brände statt. ist inwendig abgesteift. Es ist bisher noch nicht festgestellt worden, ob und inwieweit bestimmte Personen für die furchtbare Katastrophe verantwortlich zu machen sind. Witterungsübersicht vom 28. Mai. Stationen. Die Laufbahn einer modernen Gesellschaftsstüte schildert eine Lofalforrespondenz in drastischer Weise. Vor mehreren Jahren hatte nach derselben der Kaufmann Cohn ein Manufakturwaarengeschäft in der Rosenthalerstraße etablirt, dasselbe ging zwar sehr flott, doch mußte der Inhaber bald Konkurs anmelden, weil er von Verwandten" betrogen worden war. Er eröffnete ein halbes Jahr darauf ein Geschäft auf den Namen feiner Swinemünde. Frau; dasselbe florirte und fam doch in Konkurs, diesmal durch Hamburg erhebliche, buchmäßig auch festgestellte Verluste(!!) Trotzdem Berlin war C. vor einem Jahre in der Lage, seiner arg bedrängten Wiesbaden. Firma neuen Glanz zu verleihen. Er eröffnete zum dritten Male München ein Geschäft in der Invalidenstraße und gleichzeitig zwei Filialen Wien in anderen Stadtgegenden, und der unglückliche Bankrotteur erhielt einen so bedeutenden Kredit, daß er bei einem jezigen dritten Petersburg Konkurs nicht weniger als 100 000 m. Passiva aufweisen konnte, denen ca. 8000 M. Attiva gegenüberstehen! Ob die Gesellschaftsstüße Cohn ferner überhaupt noch nöthig hat, zu bankrottiren? Das Mitglied der Agitationskommission der Schneider, Frau Emma Reimann, Wrangelstr. 53, theilt uns mit, daß fie mit der Frau gleichen Namens, welche die Ehrenerklärung in Nr. 117 des Vorwärts" eingerückt hat, nicht identisch ist. Eine Sammellifte für die ausgesperrten Brauer ist verloren gegangen. Dieselbe trägt die Nummer 1086; gezeichnet ist auf ihr ein Betrag von etwa 5 Mart. Der Finder wolle die Liste bei Krause, Weberstr. 28, abliefern. Verloren gegangen sind ferner die für die gemaßregelten Böttcher herausgegebenen Sammellisten Nr. 146 und Nr. 328. Der Finder wird gebeten, diefelben bei E. Heise, Lichtenbergerftraße 21, abzuliefern. M " Barometer stand in mm, d. Meeressp. Windrichtung Windstärke 52242443446( Stala 1-12) 748 Q 750 WSW 749 753 SW 756 SW 751 Haparanda 768 759 757 N 752 756 • • Cort. Aberdeen Paris NO SSW Wetter wolfig bedeckt halb bedeckt bedeckt wolfig Regen bedeckt wolkig heiter bedeckt bedeckt Temperatur 150 G.= 40 R.)] 11 10298566877 Witterung in Deutschland am 28. Mai, 8 Uhr Morgens. Bei langfam steigendem Barometer dauert die trübe Wit terung im größten Theile Deutschlands noch fort. Jm Binnenlande finden vielfach Regenfälle statt. Jm Süden wehen sehr beftige, im Norden schwache südwestliche Winde. Die Abkühlung hat sich noch vermehrt. Zu Bamberg ist die heutige Morgentemperatur auf 6 Grad, zu Chemniß und Münster auf 7 Grad gesunken, und nur zu Berlin erreicht dieselbe 12 Grad Celsius. Wetter- Prognose für Dienstag, den 29. Mai 1894. Ein wenig wärmeres, veränderliches, vorherrschend wolkiges Wetter mit mäßigen westlichen Winden ohne erhebliche Niederfchläge. Berliner Wetterbureau. Gerichts- Beitung. " " gestern der Redakteur des Wegen Beschimpfung der evangelischen Kirche stand Vorwärts", Robert Schmidt, vor der VII. Strafkammer des Landgerichts I. In der Nummer des Vorwärts" vom 24. November v. J. war eine Mittheilung aus Ostpreußen enthalten, des Inhalts, daß im verflossenen Jahre in den Bezirken Königsberg und Gumbinnen nicht weniger als 18 neue Kirchspiele gegründet seien und die Einrichtung von 28 neuen Kirchspielen in Aussicht genommen sei. Hieran waren einige Bemerkungen geknüpft, welche nach Ausführung der Anflagebehörde eine Beschimpfung der evangelischen Kirche dar stellten. " " " " Der Angeklagte erklärte, daß er mit der Anschauung, die in der Notiz enthalten sei, feineswegs übereinstimme und bedauere, daß dieselbe im Vorwärts" zum Abdrud gelangt sei. Er sei aber das Opfer einer Befugnißüberschreitung geworden, der sich der Metteur des Vorwärts" schuldig gemacht habe. In der Druckerei würden noch andere Blätter hergestellt. Am Abend des 23. November habe er die Redaktion verlassen, nachdem er die Fahnenabzüge des Vorwärts" für den folgenden Tag durchgesehen hatte. Unter diesen Abzügen habe sich die beanstandete Notiz nicht befunden. Er sei daher auf's höchste verwundert und erzürnt gewesen, als er am folgenden Tage die Notiz im Vorwärts" gefunden habe. Er habe ermittelt, daß der Metteur aus eigener Machtvollkommenheit einen alten Sah, der bereits für ein anderes Blatt Verwendung gefunden hatte, für den Vorwärts" benutzt hatte, um einen leeren Raum auszufüllen. Der als Zeuge vernommene Metteur bestätigte die Angaben des Angeklagten. Er habe den Satz genommen, ohne ihn vorher zu lesen, da die Zeit drängte. der Ansicht, daß hier ein durchsichtiges Manöver vorliege, um den Angeflagten straffrei zu machen. Es sei sei dabei so schlau verfahren, daß auch der Metteur nicht mehr zur Berantwortung gezogen werden könne, denn dessen Vergehen sei verjährt. Der Angeklagte habe bei seiner Vernehmung in der Voruntersuchung fich einfach als verantwortlich für den betr. Artikel erklärt und von dem angeblichen Uebergriffe des Metteurs nichts verrathen. In jedem Falle liege eine grobe Fahrlässigkeit vor, Denn ein Redakteur habe sein Blatt in dem Zustande zu prüfen, in welchem es der Deffentlichkeit übergeben werde. Welches Ver gehen der Gerichtshof auch annehme, eine Gefängnißstraße von drei Monaten halte er in jedem Falle für angebracht. Der Staatsanwalt war Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Herzberg, pläbirte für Freisprechung, eventuell beantragte er die Ladung eines Sachverständigen zum Beweise dafür, daß der Angeklagte nach jeder Richtung hin seine Schuldigkeit gethan. Auf gekränktes Ehrgefühl ist der Selbstmord eines zwölfjährigen Knaben, dessen Leiche, wie der Polizeibericht meldete, vor einigen Tagen am Görlitzer Ufer gefunden wurde, zurückzuführen. In dem todten Kinde ist der zwölfjährige Sohn des am Hermannplay wohnenden Druckers Roch refognoszirt worden; Der ganze Franen- Bildungsverein von Reinickendorf, der Kleine lernte in der Schule ziemlich schwer, so daß ihm am der im Januar d. J. von der Polizei geschlossen wurde, hatte vorigen Dienstag der Klaffenlehrer jener Kommunalschule, welche sich am Sonnabend Nachmittag vor der britten Strafkammer des der Knabe besuchte, unmuthig sagte: Aus Dir wird im ganzen Landgerichts II in Berlin wegen Vergehens gegen das Vereins- Der Gerichtshof hielt ein Verschulden des Angeklagten nicht Leben nichts werden, Du Faulpelz." Diese Aeußerung, wohl in gesetz zu verantworten; außerdem stand noch Frl. Baader wegen für erwiesen und erkannte deshalb auf Freisprechung. Dagegen Verbindung mit einer zu erwartenden häuslichen Strafe, scheint Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten unter Anklage. Intriminirt fei auf Einziehung des Vorwärts", der den beanstandeten Artikel in dem Jungen Selbstmordsgedanken hervorgerufen zu haben. war die Vorsitzende Frau Noack, nebst ihren drei Kolleginnen enthält, im objektiven Verfahren zu erkennen. Anstatt nach beendetem Unterricht nach Hause zu eilen, ging der vom Vorstand und den sieben übrigen Mitgliedern des Vereins, fleine R. nach dem Landwehrkanal, legte an einer menschenleeren der so jung war, daß er noch nicht einmal eine Vereinssigung Brausewetter in der Provinz. In recht bemerkensStelle des Maybachs Ufer den Schulranzen, Hut und Jacke abgehalten hatte. Der Verein wurde eben unmittelbar nach werther Weise hat das Reichsgericht in einem im 24. Bande der nieder, sprang in die Fluthen und fand so den gesuchten Tod. feiner Gründung polizeilich gefchloffen, weil er politische Zwecke Entscheidungen abgedruckten Erkenntnisse das Urtheil eines Landhaben sollte. Als Beweis dafür führte die Staatsanwalt- gerichts aufgehoben, bei welchem die jetzt so beliebten allgemeineu Ein Vitriolattentat hat nach einer von dem Schriftsteller schaft in ihrer Anklage Vorgänge an, welche sich welche fich in Sentiments" die Beweisführung ersetzen sollten. Es handelte 2. Pietsch an die Voff. 3tg." gerichteten Zuſchrift ein etwa zwei öffentlichen Versammlungen zugetragen haben sollten, die sich um eine Anklage wegen Vergehens gegen§ 131 Strafgesetz25jähriger, anständig gekleideter Mensch am Sonnabend Abend am 10. Dezember und 7. Januar in Reinickendorf tagten. In buches.( Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen durch Veran der 17jährigen Enteltochter des Kritikers verübt. Die junge der ersteren von beiden konstituirte sich der Verein, und die breitung erdichteter und entstellter Thatsachen) burch einen Dame tam in Begleitung ihrer Großmutter aus dem Theater, Staatsanwaltschaft fand es gravirend, daß damals verschiedene gegen den Bund der Landwirthe gerichteten Aufruf. In als sich ihr in der Nähe der Landgrafenstraße der Attentäter Redner ausgeführt hätten, der Verein solle dazu dienen, Agitatoren welcher Weise die betreffende Straffammer den Begriff der näherte und sie mit der brennenden Flüssigkeit an der Wange heranzuziehen. Bei der zweiten öffentlichen Versammlung nahm" Thatsachen" verkannt hat, geht aus dem Reichsgerichtsbegoß. Glücklicherweise wurde das Gift durch den hoch- bie Staatsanwaltschaft daran Anstoß, daß diefelbe von Frau Noact, Erkenntniß deutlich hervor. Gs heißt da wörtlich: Den geschlagenen Manteltragen abgehalten, sodaß nur ganz geringe der Vereinsvorsitzenden, einberufen war. In dieser zweiten Versamm Gegensatz zu„ Thatsachen" im Sinne des§ 131 bilden Verlegungen erfolgt sind. Von dem Attentäter fehlt jede Spur. lung sowie in einer am 7. Dez. abgehaltenen sollte auch Frl. Baader allgemein gehaltene Kritiken, Urtheile, Meinungen und AnEine Angelegenheit, die noch sehr der Aufklärung bedarf, das ihr vorgeworfene Bergehen durch Aeußerungen in ihrem fichten über politische, soziale, legislative Verhältnisse und beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Tischlermeister Referate begangen haben. Die Verhandlung, in der als Zeugen Zustände, die sich nicht auf konkrete Vorkommnisse, sondern auf August Bruck, Augsburgerstr. 46 zu Charlottenburg, fandte am für die Anklage nur Gendarmen und zur Entlastung mehrere Beobachtungen und Schätzungen gründen, deren Richtigkeit oder 26. April d. J. feinen 13 Jahre alten Sohn Bruno nach der Parteigenoffinnen und Genossen auftraten, welche den betreffenden Unrichtigkeit hinsichtlich der zu Grunde liegenden nicht anPotsdamerstraße, um eine Rechnung von 3 M. zu bezahlen. Als Versammlungen beigewohnt hatten, zog sich vier Stunden hin. gegebenen Einzelheiten nicht feststellbar ist. In dem vorliegenden der Knabe diesen Auftrag erhielt, war in dem väterlichen Ge- Die Gendarmen hielten die Frl. Baader in den Mund gelegten Fall soll nun nach der Annahme der Vorinstanz die vom Anschäft der Schneider S. anwesend, der sich früher wiederholt mit inkriminirten Neußerungen aufrecht, nicht weil sie sich deren heute geklagten verbreitete erdichtete Tatsache darin bestehen, daß bem Rind beschäftigt, ihm auch Süßigkeiten geschentt hatte. etwa noch erinnerten, sondern weil sie dieselben in den Verber Aufruf sage:" Diefe Leute( nämlich die Großgrunds Bruno Brud erfüllte den Auftrag und brachte auch die Quittung. fammlungen aufgeschrieben hätten. Der Gendarm Kletschte setzte befiber) fauften, Dant dem Schweiße und der Lebens Abends gegen 9/4 Uhr hörte man, daß er sich an einem Regal jedoch vorsichtiger Weise hinzu, daß er nicht stenographiren fönne. entfagung der Landarbeiter, in prachtvollen Karossen durch zu schaffen machte, wo leere Bierflaschen standen. Später ging Die Entlastungszeugen dagegen bekundeten, daß Frl. Baader Worte Dörfer und Städte und vertändelten und verträumten Bruno Bruck fort, indem er anscheinend eine Flasche mit wie die ihr zur Last gelegten nicht gebraucht, sondern nur auf ein arbeitsloses Dasein in den schönsten Gegenden der fich nahm. Ein Maler M. will nun gesehen haben, daß der Organisation und Erwerbung von Kenntnissen gedrungen habe, Welt während eines großen Theiles des Jahres." Schneider S. in der Nähe der Augsburgerstraße auf Jemand was bezüglich der Versammlung vom 7. Dezember auch ist keine bestimmte" Thatsache" in dem erörterten Sinne, sondern gewartet hat. Als nun der Knabe auch in der Nacht nicht nach aus dem Don der Zeugin Fräulein Löwenherz ver lediglich ein allgemeines Urtheil über die Lebensweise einer zahlHaufe tam, erstatteten die Eltern Anzeige bei der Polizei, die lefenen Protokoll hervorging. Der Staatsanwalt wollte reichen, nicht einmal bestimmt begrenzten Klasse von Personen. aber nichts ermitteln konnte. Am Sonnabend Mittag ging der jedoch nur den Gendarmen, von denen die genannte Die Vorinstanz bezeichnet diese allgemein gehaltene Rritit als Tischlermeister Bruck mit dem Schuhmachermeister Schmidt Beugin gemeint hatte, daß sie infolge ihrer ungenügenden eine dreiste Lüge", stützt sich dabei aber selbst gar nicht auf an der Schleuse Schleuse im Thiergarten vorüber, als der Bildung schwerlich den Vorträgen folgen konnten, Glauben ge- das Ergebniß irgend welcher tonkreten Beweisaufnahmen, sonAufseher dem ersteren zurief:„ Holen Sie mal einen schenkt wissen und erhielt die Anklage in vollem Umfange auf dern bedient sich der allgemeinen, jeden greifbaren Schußmann; wir haben hier eine Leiche gefunden." Bruck recht. Den Entlastungszeugen wollte er deshalb nicht Inhalts entbehrenden Wendung: Jedermann wisse", daß ertannte in ber Leiche seinen Sohn und machte am Sonntag der glauben, weil sie alle Parteigen offen der An- diefe Leute"( die Großgrundbefizer) zu einem solchen Leben Kriminalpolizei in Charlottenburg die Mittheilung, daß fein getlagten seien. Frl. Baader erhob gegen eine derartige gar nicht im ftande feien". Ferner stützt sich die VorKind nach seiner Ansicht von S. um das Leben gebracht worden Anschauung den gebührenden Einspruch und wies auf den Eid hin, instanz noch darauf, daß von berufener und unberufener Seite" sei. Er begründete seine Meinung damit, daß S. widernatür- den auch die Entlastungszeugen geschworen hatten, die, wie sie getlagt werde, wie tärglich und elend es dem Großgrundlichen Neigungen huldige. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet, anführte, ihr übrigens vor Erhebung der Anklage völlig unbekannt befizer" ergehe, wie derselbe" nur mit" Kummer und indeß wird S. in mehrfacher Beziehung entlastet. Wenn er sich gewesen seien. Die beiden Gendarmen dagegen, welche im Sinne Sorge sein Dasein friste und meistens nur zu deutlich auch nach auswärts begeben hat, so hat er doch schon früher der Anklage gegen sie ausgesagt hätten, seien deshalb weniger den Zusammenbruch seiner wirthschaftlichen Existenz vor Augen einen Brief an die Behörde gerichtet, und darin mitgetheilt, daß glaubwürdig, weil der eine von ihnen, nämlich Kletschke, in der habe. Inwieweit nun der Vorderrichter diese in ihrer er von dem gegen ihn ausgesprochenen bezw. gehegten Verdacht Versammlung vom 7. Dezember sehr aufgeregt gewefen fei und Allgemeinheit offenbar übertriebenen Rlagen Kenntniß habe und daher um Nachricht bitte, wenn der Knabe deshalb den Reden schwerlich habe folgen können, während der für begründet erachtet und auf welche fonkreten Thataufgefunden würde. Ferner erklären der Schuhmacher Scholz andere, am 7. Januar, mindestens zwei Mal in der Ueber- fachen sich die Klagen gründen, bleibt völlig im Untlaren. als früherer Schlafstellenwirth der Schneiders S., sowie der wachung der Versammlung gehindert worden sei durch Beamte, Es wird lediglich ein allgemeines Urtheil über Bahnarbeiter Stephan, daß der Verdächtigte am 26. April Abends die in den Saal kamen und mit ihm sprachen. Kletschte hatte, bestehende soziale und wirthschaftliche Bus von 9 Uhr ab die Wohnung nicht mehr verlassen habe, also mit wie Frl. Baader bemerkte, am 7. Dezember erregt den Wirth stände und Verhältnisse dem anderen gegen dem Knaben nicht mehr zusammengetroffen sein könne. Ehe man aur Rede gestellt, wie er solche Versammlungen, zumal über gestellt. Wie das Flugblatt feine bestimmte Thatsache weitere Schlüffe in der Angelegenheit ziehen fann, muß das Er von Frauen, bei sich tagen lassen tönne, und hatte anführt, so hat auch der Vorderrichter eine entgegenstehende begebnis der gerichtsärztlichen Leichenöffnung abgewartet werden. dann die Eingangsthüre zum Saale augeschlossen, so daß stimmte, auf das Ergebnis der Verhandlung gestützte thatnur noch der Ausgang nach dem Hofe verfügbar blieb. Un fächliche Feststellung nicht getroffen." So das ReichsEine folgenschwere Verwechslung hat die Kaufmanns mittelbar nach dem Referate von Frl. Baader löfte er die Ver- gericht, welches die Sache gar nicht erst an die Vorinstanz wittwe Sophie M. in der Karlstraße gemacht. Sie wollte Nach fammlung auf. Der Gerichtshof schenkte den Aussagen der zurückgewiesen, sondern ohne weiteres auf Freisprechung mittag Kaffee trinken und suchte vergeblich in ihrer Wohnung Angeklagten Glauben, und erkannte an, daß fie nicht bezweckt erkannt hat. nach der Zuckerdose. Sie fand nun im Küchenspinde eine Düte hätten, einen politischen Verein zu gründen. Er sprach ferner und glaubte in dem Inhalte Streuzuder zu erblicken. Frau M. den Vorstand und die übrigen Mitglieder des Bereins frei und " Da Soziale IlelicvlMjt. Au die Gast- und Schankwirthe von Berliu und Umgegend! Die Gastwirthe werden darauf aufmersam gemacht, daß sie insbesondere ihr Augenmerk aus die Inschriften resp. Stempel der Biergefäße zu richten haben. Jeder Wirth, welcher sich ver- pflichtet hat, kein boykottirtes Bier auszuschänken, könnte sonst leicht in den Verdacht gerathen, boykottirtes Bier zu verkaufen. Es ist in letzterer Zeit, angeblich wegen Mangel an Gefäßen, vorgekommen, daß die nicht dem Ringe angehörigen Brauereien Gefäße von boykottirten Brauereien mit Bier gefüllt haben und solches zum Verkauf bringen. Dieses Gefäß mit Bier ist un« bedingt zurückzuweisen, da sonst eine Kontrolle zur Un- Möglichkeit gemacht wird. Die Agitationskommission der Brauer und Branerei-Hilfsarbeiter. An die Gewerkschaften! Wie bereits in Nr. 120 des „Vorwärts" bekannt geyeben ist, haben in Strehlen in Schl. bei der Firma Völker u. Nikoleier 400 Steinarbeiter der Granit- industrie wegen Lohnkürzung die Arbeit niedergelegt. Trotzdem bisher für Hungerlöhne im vollsten Sinne des Wortes gearbeitet würde, wollte man von neuem die erbärmlichen Löhne noch mehr kürzen; die Folge davon war, daß sämmtliche Arbeiter die Ar- beit niederlegten. Eine dazu beauftragte Kommisston hat dreimal den Versuch gemacht, mit den Unternehmern in Unterhandlung zu treten, wurden jedoch jedesmal abgewiesen. Unsere Kollegen hatten die gewiß bescheidene Forderung gestellt, doch die alten Lohnsätze beizubehalten, indem dieselben so schon zu gering wären. Darauf wurde ihnen von Herrn Nikoleier, dem Geschäftsinhaber, er- widert: Sie, die Arbeiter, müssen doch Ihrem„Herrn" so viel Vertrauen schenken, daß er seinen Arbeitern keine Lohn- abzüge machen wird, wenn es nicht nöthig ist, und überhaupt habt Ihr nichts danach zu fragen, was ich für die Waare geben will, Ihr habt Euch nur Sonnabends den Lohn zu holen. Diese unerhörte echt kapitalistische Antwort hat unter den Arbeitern große Entrüstung hervorgerufen und den Gleichgiltigsten wurden mit einem Mal die Augen geöffnet, daher das cinmüthige Vorgehen sämmtlicher dort beschäftigten Arbeiter, trotzdem die Organisation dort noch sehr jung ist und der größte Theil derselben bis jetzt fern- gestanden hat. Hier gilt es, den der Organisation noch nicht angehörenden Steinarbeitern, welche sich am Streik betheiligen, zu zeigen, welche Macht eine organisirte Arbeiterschaft besttzt. Uns allein ist es jedoch nicht möglich, die große Zahl der Streikenden auf die Dauer über Waffer zu halten, wir richten deshalb an alle Gewerkschaften und Genossen die dringende Bitte, uns in diesem Kanipf thatkräftig zu unterstützen. Alle Sendungen für die Streikenden sind an den Steinmetz Traugott Schwarzer in Strehlen i. Schl., Altstadtstr. 8, zu richten. Außerdem befinden sich in Münchehagen bei Stadthagen seit dem 2. Mai er. 17 Steinarbeiter aus denselben Gründen wie in Strehlen im Ausstand, wo ebenfalls Unterstützung dringend noth- wendig ist. Die Haltung der Streikenden ist eine sehr gute, es hat sich bis jetzt noch kein Streikbrecher gefunden. Wir bitten, nach beiden Orten den Zuzug streng fernzuhalten. Alle Sendungen für Münchehagen sind an den Steinmetz Wilh. Grote in Stadthagen a. Bahnhof zu richten. Die Geschästsleitung der Steinarbeiter Deutschland?. I. A.: P h. T h o m a s, Rixdors(Berlin), Falkstr. S. NB. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. An die Schneider und Schneiderinnen Berlins. In letzter Zeit sind vielfach Klagen über Lohnabzüge in der Maaß- schneidern geführt worden. Um aber eine genaue Uebersicht zu bekommen, hat die Agitationskommission zum Mittwoch, den 30. Mai, Abends 8V2 Uhr, eine Werkstatt« und Geschäfts- Delegirtensitzung bei Freygang, Schützenstr. 18/10, einberufen, mit der Tagesordnung: 1. Tie augenblicklichen Lohn- und Arbeit?- verhällnisse in der Maaßschneiderei. 2. Die bevorstehende Wahl der Gewerbegerichts- Beisitzer eventuell Vorschläge zu derselben. Da auch Punkt 2 der Tagesordnung einer eingehenden Berathung bedarf, ist es Pflicht aller Kollegen, recht zahlreich und pünktlich in dieser Sitzung zu erscheinen. Die Agitationskommission der Schneider undSchneiderinnenBerlinS. Achtung, Zimmerer! Seit drei Wochen befinden sich unsere Kameraden in Danzig in einem Lohnkampfe. Unsere dortigen Kameraden verlangen die Einführung eines Minimal- Stundenlohnes von 40 Pf. Zur Erreichung ihres Zweckes hatten sie sich zuerst mit ihren Forderungen an das dortige Gewerbe- gericht als„Einigungsamt" gewandt, um so ihre Forderung auf gütlichem Wege zu erlangen. Es kam jedoch keine Einigung zu stände, weil sämmtliche Arbeitgeber-Vertreter gegen und sämmtliche Slrbeiter-Vertreter für die Forderung waren. Hierauf beschloß man, den Kamps aufzunehmen und zur Durchführung zu bringen. Um nun unsere Brüder zu unterstützen und zum Siege zu verhelfen, hat der Berliner Lokalvorstand sich veranlaßt gefühlt, Sammellisten herauszugeben. Diese sind am Donnerstag in allen unseren Zahlstellen zu baben. Wir appelliren an dasSolidaritäts- gefühl der Berliner Zimmerleute, sich recht zahlreich daran zu betheiligen. Zahlstellen: Zippke, Markusstr. 14; Fürstenau, Reichenhergerstr. 89; Kitzing, Belle-Alliancestraße; Raumann, Kulmstr. 36; Lange, Stromstr. 28; Hilgenfeld, Bergstr. 60; W i l k e, Alte Hochstr. 32a; B u ch h 0 l z, Wörther- straße 39; Nir, Weinstr. 14. Der Vor st and des Lokalverbandes Berlin. I. A.: Ad. R i ck e r t, Kurfürstenstr. 41. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von Kluge, Gollnowstr. II, sind sämmtliche organisirte Kollegen, die für die Entlassung der Streikbrecher eintraten, entlassen. Wir bitten die Kollegen, hierauf acht zu geben.' In den Schuhfabriken von Burg arbeiten bis jetzt erst wieder 29 männliche und 20 weibliche Personen. Davon ent- sollen auf T a ck u. C 0. 16 beziehentlich IS. Unterstützung haben erhalten 166 männliche(148 verheirathet, 18 ledig) Arbeiter und 130 weibliche. Im ganzen sind diese Woche an Unterstützungen 2434 M. ausgezahlt worden. Abgereist sind diese Woche nur wenige, weil zetzt augenblicklich keine Arbeitergesuche eingehen. Die Fabrikanten suchen Arbeitskräfte von außerhalb heran- zuziehen. Tie Chemnitzer Zahlstelle des Textilarbeiter-BerbandeS wurde, wie bekannt, von der Polizei aufgelöst. Darauf beschwerte sich der Bevollmächtigte bei der Kreishauptmannschaft in Zwickau. Dieselbe hat der Polizeibehörde Recht gegeben. Die Auslösungs- Verfügung bleibt also bestehen. Wo gespart wird. Unter den Mitgliedern der Steinbruch- Berufsgenossenschaft herrschte große Unzufriedenheit wegen der Höhe der zu leistenden sBeiträge. Die Verwaltung hat infolge dessen sich die größte Mühe gegeben, zu sparen. Wie sie das sertig gebracht hat, zeigt ihr Rechenschaftsbericht, in welchem mit großer Genugthuung hervorgehoben wird, daß sie planmäßig darauf hingearbeitet habe, der Zunahme der Unfälle Schranken zu setzen, das Heilverfahren zu fördern und günstigere Prozentsätze bei Feststellung der Renten zu er- zielen. Das letztere ist ihr besonders gut gelungen, denn der durchschnittliche Rentenprozentsatz ist von 47 pCt. im Jahre 1887 auf 35 pCt. im Jahre 1393 zurückgegangen.„Wäre dies nicht erzielt worden", schreibt die Verwaltung,„so würden die Unsallentschädigungen im Jahre 1393 um etwa 300 000 M. sich höher gestellt haben."--- Nun werden die Unternehmer wohl zu« frieden sein. Ob es auch die verunglückten Arbeiter sind? Die Großen fressen die Kleinen auf! DieWeberei auf Handweb stählen ist, laut der„Wermelskirchner Ztg.", auch in dortiger Gemeinde in fortwährendem Rückgange be« griffen. Während im Jahre 1883 noch 289 solcher Stühle vor- handen waren, ist die Zahl derselben jetzt auf 219 gesunken, und von diesen 219 sind 34 dauernd außer Betrieb. „Lasset die Kiudlein z« mir kommen!" In der Skr. V3 des„Amtsblatts für Ruhla w." ist folgende Bekanntmachung zu lesen: Bezüglich der Taufe unehelicher Kinder werden aus der Verordnung des großherzogl. Kirchenraths vom 20. November 1389 der Gemeinde W. A. zum Zwecke der Ausklärung folgende Bestimmungen mitgetheilt: „Zur Taufe unehelicher Kinder wird nicht geläutet; des- gleichen sollen Orgelspiel und Gesang in solchem Falle bei der Taushandlung nicht stattfinden." „Während es nach unserer Bekanntmachung vom 6. Oktober 1884 gestattet ist, soweit dabei die Würde der heiligen Handlung nicht beeinträchtigt wird, mehrere Kinder gleichzeitig zu taufen, so kann sich dies doch nicht auf uneheliche Kinder beziehen. Diese sind niemals zu gleicher Zeit, in einer und derselben Handlung, mit ehelichen zu taufen." Ruhla, 9. Mai 1394. Das Pfarramt W. A. Das ist echt christlich, fürwahr!— Hoffentlich ziehen die Eltern unehelicher Kinder daraus die nöthigen Konsequenzen und verzichten auf eine solch«heilige Handlung" zweiter Klasse. Wie unsere Junker für die Schule bedacht sind. Im Kreise Jnowrazlaw richteten mehrere Gutsbesitzer das Ge- such an die Regierung, die größeren Schulkinder aus 3 bis 14 Tage vom Schulbesuch zu entbinden, damit dieselben zum Rüben- ziehen verwendet werden können. Dem Gesuch wurde ent- sprachen. Die Stuttgarter Polizei hat, wie das ja von Polizei wegen für ganz selbstverständlich gehalten wird, während des dortigen Schneiderstreiks in unverblümtester Weise Partei er- griffen für die Unternehmer gegen die Streikenden. Zlls man sah, daß die Chancen der Gehilfen, den Sieg zu erlangen, immer besser, diejenigen der Prinzipale immer schlechter wurden, geschah etwas ganz Unerwartetes: die ganze Lohnkommission, d. h. die hervorragend thätigen und an der Spitze stehenden Ge- Hilfen wurden verhaftet und wegen angeblichen„Betrugs und Nölhigung" in Anklagezustand versetzt. Die Verhafteten waren sich natürlich nicht bewußt, sich in solcher Beziehung ver- fehlt zu haben und auch die von der Polizei gelieferten Anhalts- punkte waren so belanglos, daß bereits nach ein bis zwei Tagen die Haftentlassung erfolgte. Nun hat die Sache ihren endgiltigen gerichtlichen Abschluß gesunden, wie aus nachstehender Eröffnung hervorgeht: K. Staatsanwaltschaft Stuttgart. Beschluß vom 21. Mai 1894. In der Anzeigesache gegen Andreas Schneider von Wolter- tingen, Großh. Bad. Bezirksamt Donaueschingen, Gottfried Schlumberger von Schlichten, O.A. Schorndorf, Gottlieb v. Schu- mann von Rosenberg, Großh. Bad. Bezirksamts Adelsheim, sämmtlich Schneider hier, wegen Anstiftung zum Betrug und Nölhigung wird das Verfahren unter Uebernahme der Kosten auf die K. Staatskasse eingestellt, da, wenn sie auch die Schneider- gehilfen Georg Pawlowsky von Berlin, Friedrich Wanderer von Bayreuth, Georg Kallinich von Ortelsbnrg, Ernst Weinberg von Neu-Trebbin, Franz Joseph Bcrger von Mastizbad, zum Ver- tragsbruch gegenüber der Firma Bender u. Cie. hier bestimmten, doch nicht nachzuweisen ist, daß sie mit Drohung oder Gewalt oder sonst in strafbarer Weise auf dieselben eingewirkt oder die- selben veranlaßt haben, fernerhin noch auf Kosten der Firma Bender u. Cie. im Gasthans zum„Herzog Christoph", Christoph- straße 16 hier sich Zehrung und Wohnung geben zu lassen. Erster Staalsanwalc Nestle. Wir überlassen es angesichts dieser Sachlage den Lesern, sich den Kommentar zu Obigem selbst zu machen. Ueber de» BekleidnngSiudustrie- Kongreß, der im August d. J. in Erfurt stattfinden wird, hat die Zahlstelle Erfurt des Vereins deutscher Schuhmacher in ihrer letzten Mit- gliederversammlung folgende Resolution angenommen: „In Erwägung. daß der einzuberufende Kongreß der Be- kleidungsindustrie eine durchgreifende Reform der bestehenden Gewerkschaftsorganisationen herbeiführen soll, ist es nothweudig, die Grundlagen festzulegen, aus welche der Kongreß seine Arbeiten zu stützen hat. Die Mitgliederversammlung des Vereins deutscher Schuhmacher, Zahlstelle Erfurt, vom 23. April, beschloß deshalb Folgendes: Die Wahl der Delegirten ist nur in geschlossenen Mitgliederversammlungen vorzunehmen. Auch ist oas Ver- trauen nur solchen Personen zu schenken. welche selbst Mitglieder des Verbandes sind. Die Beschlüsse deS Kongresses müssen als bindend für die vertretenen Gewerk- schasten anerkannt werden. An diesen Beschlüssen können die Generalversammlungen der Verbände nichts ändern. Die Einrichtung ist so zu treffen, daß die Verbände ihrer Mitgliederzahl nach vertreten sind. Delegirte, welche in öffentlichen Branchenversammlungen gewählt worden sind, haben wohl eine berathende, keineswegs aber eine beschließende Stimme. Diese Resolution soll in allen Zahlstellen diSkutirt und darüber abgestimmt werden. Staat und Kommune als Arbeitgeber für Militär- anwärter. Aus einem Verzeichnis der erledigten Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 2. Armeekorps entnehmen wir folgende Ausschreibungen: Zu sofort in Anklam beim Magistrat Stelle als Stadtdiener und Nachtwächter. Gehalt 340 M. jährlich.— Die Stelle ist nicht pensions» berechtigt.— Zu sofort in Bergen a. R. beim Amtsgericht Stelle als K a n z l e i g e h i l f e. Bei seitenweiser Beschäftigung ä Seite 6 Pf., ca. 50 M. monatlich. Ständig volle Beschäftigung kann nicht garantirt werden.— Zu sofort in Brombera beim Distriksamt Stelle als Distriktsbote und Vollziehungsbeamter für die Ortschaften des Polizeidistrikts. Gehalt jährlich ZS0 M., widerruflicher Gehaltzuschuß jährlich 140 M., Gebühren höchstens jährlich 100 M., Summa 600 M. Die Stelle ist nicht pensionsberechtigt.— Zum I. September 1394 in Nangard beim kaiserlichen Postamt Stelle als Landbriefträger. Kaution 200 M., kann durch Gehaltsabzüge gebildet wer- den. 6S0 M. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. — Zu sofort in Swinemünde bei dem Amtsgericht Stelle als Kanzleigehilfe. Entlassung kann ohne vor- herige Kündigung erfolgen, in der Regel eine einmonat- liche Kündigungszeit. Einkommen richtet sich nach der Zahl der geschriebenen Seiten; die Vergütung, welche von 5 Pf. pro Seite steigt, aber auch bei minderwerthigen Leistungen aus weniger als 5 Pf. pro Seite normirt werden kann, wird von dem Herrn Landgerichtspräsidenten zu Stettin festgesetzt(§ 5 des Kanzlei-Reglements vom 23. März 1385, 4. Februar 1339.— Z u s«gleich in Znin beim Magistrat Stelle als Polizeidiener, Gefangenenwärter und Hilss- Vollziehungsbeamter. Nicht über 35 Jahre alt, der deutschen Schrift, sowie der deutschen und polnischen Sprache mächtig. Gehalt Z60 M. Die Stelle ist penfionsberechtigt; bei einer Pensionirung wird die zurück- gelegte Militärdienstzeit nicht angerechnet. Glückliche Leute, diese Militäranwärter. Arbeiterrifiko. Eharleroi, 23. Mai. Ueber die im Schacht IV bei Anderlues gestern Vormittag stattgefundene Ex- plosion schlagender Wetter wird noch gemeldet, daß 6 Personen getödtet und 11 schwer verwundet worden sind. Der Zustand ver Verletzten ist sehr bedenklich. Neber den Zuzug von Arbeitslose» nach Washington wird uns aus N e w y 0 r k geschrieben: Die Bundesbehörden scheinen jetzt mit allem Eifer dabei zu sein, den weiteren Zuzug Arbeitsloser nach Washington zu ver- hindern, indem sie alle die Trupps verhaften, welche sich„wider- rechtlich" in den Besitz von Frachtzügen setzen. Verschiedene dieser Trupps haben sich auch schon ,, verkrümelt". Die Nach- richt aus Chikago über einen von den dortigen Gewerkschaften geplanten Maflcnauszug scheint eine„Ente" gewesen zu sein, denn man hat nichts mehr davon vernommen. Auch heißt es neuerdings, daß der Hanpt-Entrepreneur der Affäre, der bekannte Präsident der Kellner-Union Pomeroy, nebst dem früheren, aus der letzten Konvention'des Kellner-Verbandes kaltgestellten „Organisator" Mee und noch einigen verwandten Seelen nach Kalisornien gereist find, wo ste eine„Kolonie" gründen wollen. Wer diese Sorte Arbeiterführer kennt, muß neugierig sein, was da wieder hinter steckt! VerlÄttttnlungen. Kongreß aller im Barbier-, Friseur- und Perrücke«- macher-Gewerbe beschäftigten Persoue». Am 23. Mai trat der IV. Kongreß der Arbeiter des Barbiergewerbes im geschmack- voll dekorirten Saale des Bühler'schen Restaurants, Rosenthaler- straße 33, zusanimen. Nach kurzen Begrüßungsreden von Heid- mann- Hamburg und Poboß- Berlin wird festgestellt, daß aus den Städten Lüneburg, Dortmund, Hamburg, Harburg, Altona, Stuttgart, Nürnberg, Kiel, Flensburg, Neumünster, Fürth, Bremen, Spandau, Hannover- Linden, Braunschweig, Frankfurt am Main, Offcnbach, München und Berlin Delegirte, insgesammt 17 anwesend sind. Die Generalkommission ist durch Legten vertreten. Es folgt sodann die Konstituirung des Bureaus. Gewählt werden als Vorsitzende Heidemannn und Poboß. Als erster Redner zu dein Bericht der Delegirten nimmt A n t h e s- Altona das Wort. Aus einer statistischen Uebersicht führt Redner an, daß 120 Meister neben 165 Gehilfen 100 Lehrlinge beschäftigen. Das Gehalt erreicht 4—7,50 M. Die Arbeitenden werden in kolossaler Weise angestrengt; gegen 100 sind permanent arbeitslos. Durch das Eintreten der organi» sirten Arbeiterschaft ist die Innung verhindert worden, Ver- schlechterungen in der Lage der Gehilfen vorzunehmen.— Ein ähnliches Bild entrollt der Delegirte aus Braunschweig. Poboß-Berlin bemerkt, daß die hiesigen Verhältnisse durch den Zuzug der Indifferenten sehr gedrückte sind, bei zirka 1500 Kollegen sind wohl 300 Arbeitslose. Die Organisation ist im Verhältniß zur Zahl der Beschäftigten noch gering. Die Kollegenschaft will den Druck, der auf ihr lastet, abschütteln und wird im Juli in eine Lohnbewegung eintreten. Von der Unter» nehmerfchaft ist— von der Innung so wenig wie von der „Freien Vereinigung"— im Guten nichts zu erwarten. Es soll eine geregelte Arbeitszeil, ein Minimallohn von 3 M. und Abschaffung des Trinkgeldes verlangt werden. Der Bremer Delegirte konstatirt, daß die dortigen Kollegen durch einen erfolgreich durchgeführten Lohnkampf in eine etwas bessere Position gekommen sind. Die Arbeitszeit ist von 7—9 für die Wochentage, Sonntags von 7—5 Uhr; der Lohn schwankt zwischen 7—8 M. Hinz berichtet für Frankfurt und O f f e n b a ch: Essen erbärmlich, ebenso die sogenannten Schlaf- stellen; die Organisation hat pch in letzter Zeit etwas gehoben. Am schlechtesten scheinen die Gehilsen in Fürth situirt zu sein. Man zahlt für 15-20 stündige Arbeits- zeit— ohne Kost und Logis— 7—8 M., bei „freier Station" 1,50—2,— M. Die Lehrlingszüchterei steht in größter Blüthe; ältere Gehilfen sind fast nicht vorhanden!— Für Hamburg berichtet Stark, daß die Legende, Hamburg sei das Eldorado für die Gehilsen, durch die thatsächlichen Um- stände gründlich zerstört sei. Besonders fühlbar ist die all« gZe m e i n e Arbeitslosigkeit im Gewerbe geworden. Die Jnnungs» Mitglieder maßregeln alle die Interessen der Kollegen ver- tretenden Personen; viele müssen sich mit Aushilfsstellen lange Zeit durchschlagen. Alle der Innung angehörenden Meister sind bei Strafe(20 Mark) verpflichtet, ausschließlich den Jnnungsnachweis zu benutzen. Die Organisation läßt manches zu wünschen übrig. Einen erfreulichen Bericht bezüglich der Or- ganisation bringt der Kieler Delegirte; von 45 Gehilfen sind 40 organisirt; Lehrlinge verhältnißmäßig wenig. In Lüne» bürg soll ein Fall festgestellt sein, daß ein Gehilfe von 4 Uhr früh bis II Uhr Abends für den großartigen Lohn von 5 M. beschäftigt ist, während in?l u g s b u r g bei„halber Kost" Leute mit 1 M. entlohnt werden." Die Berichte aus mehreren anderen Städten verändern das Bild über die ungünstige Lage des Gehilfenstandes nicht wesentlich.'Erwähnenswerth ist, daß ein Delegirter(Nürnberg) als„Selbständiger" der Innung angehört. Die Kollege» Ofsenbachs sind an der Arbeit, den Unter- nehmern, kraft der Solidarität der Arbeiter mehr und mehr Vor- theile abzutrotzen. Das Resumö der Berichte ergiebt, so bemerkte der Vorsitzende am Schlüsse treffend, daß die Misere im Gewerbe permanent steigt. Die weitere Tagesordnung werde die Mittel an die Hand geben, mit ganzer Energie den Kampf für die Verbesserung der elenden Lage aufzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Zur Berathung gelangt nunmehr der Punkt 3 der Tages« ordnung: Organisation der Angehörigen des Barbier-, Friseur» und Perrückenmacher-Gewerbes. Der Vorsitzende H e i d m a n n führt in seinem Bericht an, daß gegenwärtig ca. 300 Gehilfen in 27 Zweigvereinen organisirt sind. Die Agitation konnte theilweise wegen mangelnder Unterstützung der örtlichen Gewerk- schaftskartelle nicht im gewünschten Maße erfolgen. Jnter- nationale Verbindungen sind mit Wien und Zürich angeknüpft. Als besonders charakteristisch bleibt das wiederholt hervorgetretene Bestreben der Meistervereinigungen, Freie Bereinigung und Innung, gemeinsam gegen die Gehilfenschaft vorzugehen, so zum Beispiel in Bremen, wo die Kollegenschafl trotzdem Sieger blieb. Seit dem Jahre 1892, dem letzten Kongreß in Köln, hat der Kampf um die Sonntagsruhe die Ge- müther lebhaft beschäftigt; jetzt kommt auch die Innung dieser Bewegung widerwillig entgegen. Der Redner bespricht noch die einzelnen Maßnahmen des Vorstandes und hofft, daß die stetige Besserung in der Organisation fortschreiten werde.— Ter Kassenbericht ergab für die beiden Geschäftsjahre 1892—94 eine Gesammteinnahme von 4975,53 M., Ausgabe 4611,95 M., somit Bestand 219,33 M. Nach eingehender Debatte wurde Decharge für den Gesammtvorstand einstimmig an- genommen. Da aus Neumünster ein Antrag betreffs Dezentralisation eingegangen war, wird zunächst in die prinzipielle Frage bezüg- lich der Organisationsform eingetreten. Legten: Ohne der Abstimmung der Delegirten vorgreifen zu wollen, müsse er nach seiner Erfahrung gemäß abrathen, die junge Organisation durch Experimente zu gefährden. Es sei eigenthümlich, daß nur bei den jüngeren Gewerkschaften dieser fieberhafte Eifer umzuge- stalten, vorhanden sei, Hutmacher, Kupferschmiede u. f. w. kommen nicht in die Lage, sich über solche Fragen aufzuregen. Die ganze Entwicklung des Barbiergewerbes, das Regiment der Meister, das Verbergen der eigenen Meinung vor der Kund- schast verschulde die Indolenz der Massen. Die Zentralisation sei auch angesichts der Reiselust der Angehörigen des Gewerbes höchst zweckmäßig. Nehmen Sie, so schloß der Redner, das Gute, wo Sie es finden, lassen Sie die Bewegung nicht durch Orga- nisationsstreitereien hemmen.(Lebhafter Beifall.) . Die hierauf vorgenommene Abstimmung ergab die Annahme folgender Resolution ff „Der Kongreß erkennt die Zentralisation auch für die An- gehörigen des Barbiergewerbes zur Erringung der Ziele, welche sich die moderne Arbeiterbewegung gesteckt hat, als richtig an. 2. Diskussion. Gauverein Berliner Bildhauer. Siehe Inserat in diefer Nummer. Vermischtes. Die Cholera an der Oftgrenze. Die Arbeiterfrau Loska in Myslowih ist am 25. Mai an asiatischer Cholera gestorben. Zur Vornahme von Sicherungsvorkehrungen sind ein Medizinalrath aus Oppeln und ein Kreisphysikus aus Rattowitz hier eingetroffen. Mariendorf. In der am 20. Mai im Teutschbein'schen des Herrn Joel, Andreasftr. 21. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Lokale in Marienfelde abgehaltene Versammmlung des Arbeiter- John über:" Die Entstehung des Eigenthums, der Familie und des Staates". bildungsvereins für Mariendorf und Umgegend hielt der Cand. phil. Hoffmann einen Vortrag über: Zwecke und Ziele der Organisationen". In dem 1aftündigen Vortrage legte der Referent dar, mit welch' brutalen Mitteln die Kapitalisten das bischen Koalitionsfreiheit, daß den Arbeitern gewährleistet sei, zerstören wollen. Einzeln seien die Arbeiter nichts, zu festen Organisationen zusammengeschlossen seien sie ein Felsblock, an dem die Machinationen der Kapitalisten zerschellen müßten. Der Vortragende richtete einen energischen Appell an die Genossen, sich an den bestehenden Gewertschafts- und politischen Organisationen und namentlich dem hier bestehenden Arbeiterbildungsverein anzuschließen. Jm Besonderen stellte der Referent die Arbeiterfreundlichkeit" des BrauereiDirettors Rösicke ins rechte Licht. Im weiteren Verlaufe feines Vortrages verlas Redner Redner sodann die von den neun Berliner Bolts Versammlungen angenommene Resolution, welche auch hier einstimmig angenommen wurde. Der Referent erntete für seinen Vortrag lebhaftesten Beifall. An Stelle des Genossen Hilgert, der sein Amt als Kassirer niedergelegt hatte, wurde Genosse Thalheim, und an dessen Stelle zum Beisitzer Genosse Schmidt- Marienfelde gewählt. - Zur Aufnahme meldeten sich 7 Genossen. 3 Arbeiter- Bildungsschule. Dienstag Abend von 8%-10% Uhr. Nord Schule, Müllerstraße 179a und Südo ft- Schule, Waldemarstr. 14: Boltsth. Medizin. Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Frauen- und Mädchen- Bildungsverein des arbeitenden Volkes. Wanderversammlung am Dienstag, den 29. Mai, Abends 8 Uhr, im sotale " Schulreform und Bourgeoisie. Die Kopenhagener Stadtverordneten" hatten einen Reformplan für die Schulen angenommen, es sollte ein neuer Stundenplan und eine Vermehrung der Stunden in den Freischulen stattfinden, Turnunterricht in allen Mädchenklassen eingeführt werden, ferner Haus haltungs- und Kochunterricht in den obersten Klassen, Schlitt schuhlaufen in einigen Knabenklassen( versuchsweise) und endlich Fortbildungsschulen errichtet werden. wenn den Arbeitertöchtern gelehrt werden soll, gutes Essen zu bereiten und ein Heim hübsch sauber und ordentlich zu erhalten, dann hat diese bürgerliche Gesellschaft kein Geld dafür. Und daß sie für hygienische Reformen feinen Sinn hat, wie sie Turnunterricht und Schlittschuhunterricht bedeutet, ist ja nicht wunderbar. Arbeiterkinder brauchen ja feine Erholung und Stärkung, die sollen in der freien Zeit lieber arbeiten gehen. Die Kinder könnten ja zu„ klug" werden. Aber die Fahne der Am gefährlichsten war natürlich die Erhöhung der Stundenzahl, Kultur tragen doch nur sie voran!? Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Paris, 28. Mai. Dupuy übernahm formell den Auftrag zur Kabinetsbildung. Delcaffé, Felig Faure und Barthou werden in dasselbe eintreten. Krakau, 28. Mai. Von den 2000 Ziegelarbeitern, welche die Arbeit eingestellt hatten, streiken noch neunhundert. Die Ziegelei= Obwohl dies schon nur ein kleiner Theil der wünschens- besiger wollen alle Forderungen der streikenden Arbeiter bewerthen Reformen war, ihre Durchführung aber trotzdem eine willigen, ausgenommen die Lohnerhöhung, womit die Auserhebliche Förderung der Volksschulen bedeutet hätte, lehnte der ständigen aber nicht einverstanden sind. Die Ausständigen verMagistrat alles ab. Fortbildungsschulen und Haushaltungskurse suchten heute die Zufahrt der Ziegelwagen gewaltsam zu ver seien überflüssig. Da spricht man immer, die Erhaltung und hindern, so daß die Behörden einschreiten mußten. Die Behörden Förderung des Familienlebens sei die erste Aufgabe der bürger- fuchen zwischen den Arbeitgebern und den Streifenden zu vers lichen Gesellschaft, wenn aber etwas wirklich dafür geschehen soll, mitteln. GOLDENE NANT STORAT U. MEDAILLE 1884 CORMAN PRINZEN FR OHNE FLEISS KEIN PREIS 1894. SURD.RECHV ARMED Große Ersparniß im Haushalt! F.F.Resag's Kaffeeersatz taffee ein angenehmes gesundes Getränk. GOLDENE LUNG MEDAILLE 9-12 MARZ 1899 1894. Zu haben in den meisten Kolonialwaaren- Geschäften. à Pfund 40 Pf. 1994 59928 AISUNGRY Auf das im„ Vorwärts" veröffentlichte Schreiben des Herrn Brauereibesizers F. Happoldt, welches derselbe unter ,, Vertraulich" an seine Kundschaft gesandt hat, worin er unter anderem anführt, sie sollten das Weißbiertrinken in ihrem Betriebe verbieten und dafür Sorge tragen, daß nur sein Lagerbier geführt wird, da jetzt überall ganz junges Weißbier verschänkt würde, welches jetzt vor den Augen der Sozialdemokratie Gnade macht den Kaffee kräftig und wohlschmeckend, liefert auch ohne Zusatz von Bohnen gefunden hätte, aber geeignet sei, unter den Arbeitern Krankheiten des Magens und der Därme zu erzeugen, erwidere ich als Fachmann, daß die Berliner Weißbierbrauereien mit ihren technischen Einrichtungen heut auf der Höhe der Zeit stehen, ebenfalls mit der Wissenschaft Hand in Hand gehen, daß keine Weißbier- Brauerei Berlins mehr nöthig hat, unfertiges oder junges unvergohrenes oder ungenügend vergohrenes Weißbier zum Ausstoß zu bringen. 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