Ar. 118. 34. Jahrs. ßSonnemcntS'ßedingungeo: Kbotmeiaentä• Stets Srätimnerattdi»� BiettciiöSn S.90 M, monatl L30 Ml. wädjemiuti 80 Sjg. Ttei mä ipmii Eutzelne Kummet ö Stg, Sotmiag«« nummet mit tHuftncttet KountagS- Bcüage.Die Neue Weif 10 Lig. Soü» ftfionnement: lüO Marl tro Monat. feingctiQgeti in die Soit. SeitungJ- BtciSiiiit nnlct RteujBünö tüt Deutschland und Dcfletteid)• Ungarn 2,50 Marl, tut da- ü&ngc Hudlaiib « Marl dto Monat SoftaBannemem« ne&men an Belgien. Dänematt Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Kumaiütm. Schweden und die «chliiti Sgl!». Vevlinev Volksblakk. s S Pfennig} Ofc InkrtionS'Gcilü!)? beträgt für die sech-goitwlteneKolonel- teile oder deren Saum 60 Big., tür poliillche und geiverlichaMiche L-reiuS- und BetsammlungS-Anjetiian"M Big, -Kleine Hntcigen", das rettjedtutfie iBact 20 Big.(iulllifig 2 fettzedtuche Worte). jedeS weilere Wo« 10 Big. Kiellengeillche und Schiailtellenan- »eigen das eriie Wort u> Pjg. jeiy-j weitere Wort 5 Btg. Sorte ärer'lS Buchst Oden zählen für zwet Satte, gnieraic für die nächste SRummct müjlcn d>S & Ufjr nachniiilags in der Sxdedition »dgegeden werden. Die iZxdedilio» ixl bii 1 Kht abend» gcirlttei. telegrcimn'Stdtcjse: �SozialdemsKra: Berlin", Zcntralorgan der rodaldemokrattfd�cn Partei Dentfchlands. Reüaktiou: ctD. öS» Qnüenstraße 3. Fernivrecher: Amt Mortuvian, Rr. 151 SO— 1 151 97. Cxpeüttion: Sw. öS, LmSenstraße 2. Skerniv-ettier: A«t Moritzvlat!. Str. 151 St»— 151 97. Oer auf erftebende jMaigedanhe. Einberufung der Konferenz von Stocbbolm. Berlin, 1. Mai, „Die Jnternatwnllle ist tot, der st�aigedauke bc- grabe» So schwatzten und jubelten vor fast drei Jahren die schnellfcrtigen Federn dcZ Burgertuins, so urteilten die kleinen Geister, die nur im Banne des Augenblicks leben und niemals es zu dem Glauben bringen, daß das Ungeahnte von heute morgen einem noch viel Ungeahnteren weichen könnte. Der Ausbruch des Weltkrieges hatte in ihren Augen die Internationale vom Leben zum Tod befördert, sie beeilten sich, dies notariell zu zertifizieren, wälzten einen großen Stein auf das vermeintliche Grab, und nun mußte der verhaßte Gedanke ein für allemal erledigt sein. Ein Friedrich Nietzsche hat ein- mal höhnend und triumphierend zugleich den kleinen Geistern, welche die großen Gedanken hängen wollen, das Trotzwort ins Gesicht geschleudert: Bettler ihr! denn euch zum Neide ward mir, was ihr— nie erwerbt; zwar ich leide, zwar ich leide ober ihr— ihr sterbt, ihr sterbt l Auch nach hundert TodeSgängen bin ich Atem. Dunst und Licht— .Unnütz, mmiitz. mich zu hängen! Sterben? Sterben kann ich nicht'/ Sterben kann ich nicht!— Auch der Maigedanke kann nicht sterben.' Denn er ist einer der großen Mensch heitS- g e b a n k e n, die an ihren Niederlagen nur wachsen. Als Tag des Weltfriedens haben wir ihn gefeiert. Und so wahr der 1. August des Jahres 1l)1-l die furchtbarste und schwerste Niederlage des Weltfriedens seit Jahrhunderten bedeutete, ist deshalb der Gedanke zu Grabe getragen worden? Nein, im Gegenteil! Millionen, die bisher in den Tag hineinlebten und den ersten Mai nicht mit uns feierten, weil sie sich von dem Gegenteil des Friedens, dem Kriege, gar keine Vorstellung machten, sind erst durch die Schrecknisse der drei vergangenen Jahre über die Höhe unseres Ideals belehrt worden. Felsenfest hegen wir die Ucberzeugung, daß 99 vom Hundert derer, die draußen in den Schützengräben liegen, im Todes- bercich des Trommelfeuers, der Zl>Zcntimetcrgeschütze, der Minen, der Maschinengewehre, der Flammenwerfer, der Hand- granatcn, der giftigen Gaswolken und was sonst an me ge° kannten Werkzeugen der Vernichtung dieser Krieg hervor- gebracht hat, daß 99 vom Hundert als begeisterte Friedensfreunde zurückkehren werden! Und Friedens- freunde ganz anderer Art wie vor dem Kriege werden auch die drinnen sein, die Mütter, die um ihre Söhne, die Frauen, die um ihre Männer Jahr jür Jahr bangten, die Kinder nicht zu vergessen, deren Jugend unter den Eindrücken dieser Schrecknisse heranreift. Wenn sc m als Sorge dafür getragen ist, daß der Maigedanke durch Generationen hindurch nicht vergessen und verloren>v erden kann, dieser Krieg hat daS Aeußerste dazu getan. Aber nicht nur diese Zuversicht allein ist es. die am dritten Kriegsmai unsere Hoffnung aufrecht erhält. Nicht nur der Gedanke lebt, auch sein Werkzeug, die Jnter- nationale, sie ist nicht tot! Schwätzen und jubeln die AlltagSjournalisten noch über den Zusammenbruch der Juter- nationale? O nein, sie bangen und sorgen. Denn der Auf- bau der Internationale vollzieht sich schneller, als selbst unsere Hoffnungen es beim Ausbruch des Krieges anzunehmen wagten. Wir hofften auf einen Zusammentritt der Internationale vielleicht während, vielleicht auch erst nach der allgemeinen Friedenskonferenz der kriegführenden Mächte. Doch die Internationale zeigt die Kraft, noch während des Krieges sich als Phönix aus der Asche zu erheben.: Gerade am Vorabend des 1. Mai trifft die Nachricht ein, daß bereits am 15. d. M. die Stockholmer Konferenz zusammentreten wird. j Nach Stockholm werden sich in wenigen Tagen die Augen und Herzen von Millionen Sozialisten und Arbeitern aller kriegführenden Länder richten. Aber auch un- zähliger anderer Menschen. Leute, die vor dem Kriege niemals etwas mit der Sozialdemokratie zu tun haben wollten, schauen hoffend und bangend dort hin, denn von der Tagung der sozialistischen Internationale winkt der Frieden. Nicht, daß wir überschwenglich hoffen könnten, die Stockholmer Tagung würde u n m i t e l b a r den Frieden herbeiführen. Soweit sind wir nicht, und es wäre falsch, sich mit neuen Illusionen zu belasten, die nur zu neuen herben Enttäuschungen führen müßten. Aber die Stock- holmer Tagung kann den Pfad durch die zwischen den Völkern aufgetürmten Drahthindern iffe brechen, auf dem sich dann auch die Vertreter der Regierungen einander nähern werden, um das Ende des Vcrnichtungskampfes mit» einander zu beschließen. Denn auch das wird immer klarer, daß nur auf den von uns gewiesenen Lahnen der Friede erreicht werden kann. Jeder Monat dieses Krieges erbringt eine neue Lehre dafür', daß über die Lcrgewalti- gung und Zertrümnierung irgend>v elcher Völker hinweg kein Friede zu haben ist. Dieser Krieg zeigt, daß das willkürliche Verhandeln von Völkern und Ländern, wie es die Kabinettskricge früherer Zeiten abschloß, im zwanzigsten Jahrhundert ein für allemal unmöglich geworden ist. Wohl erheben noch hüben wie drüben die Annexionisten ihre heisere Stimme und fordern mit Landkarten und Statistiken in der Hand nach Herzensbegehren, aber die große Masse der Völker wendet sich immer mehr von der Unmöglichkeit ihres Tuns ab. Und wenn die Annexionisten ans beiden Ssiren gegen die Stockholmer Konferenz hetzen und jedes ihr mißgünstige Symptom mir Triumph begrüßen, so äußert sich darin nichts als die verhaltene Angst, daß die Regierungen den ihnen dort bereiteten Weg auch wirklich gehen werden. Auch diese Angst fassen wir als Triumph unseres Maigedankens. Freilich, wenn wir uns der Tatsachen erinnern, welche die Unmöglichkeit bewiesen haben, diesen Krieg durch Völker- Zertrümmerung und Annexionen von irgend einer Seite her zu beenden, so sieht unter ihnen— das dürfen wir nicht ver- gössen— mit an erster Stelle auch die entschlossene Selbstverteidigung des deutschen Volkes gegen die V erni ch t uu g s P l än e seiner Feinde. Heute, vor dem Zusammentritt der Stockholmer Konferenz, dürfen wir mit Stolz wiederholen, was die Partei so oft betont hat, daß das entschlossene und kraft- volle Bekenntnis der Arbeiterschaft zur Verteidigung des eigenen bedrohten Landes den internationalen Gedanken nicht tötet, nein, es vertieft ihn in dem Sinne, wie unser unvergeßlicher Jean Jaurös einst gesagt hat, daß nur der wirklich international gesonnen sein kann, der sein eitzenesLand glühend liebt. Daran soll auch heute erinnert tverdcn, ivo an der Westfront Hunderttausende unserer Brüder im schwersten, opfervollen Ringen für ihr Land stehen, daß unser Bekenntnis zur Jnter- nationale nicht jener abstrakt kosmopolitische«Alanben ist, den unsere Gegner uns andichten. Er tnurzelt in der Liebe zum Lande, in der Liebe zur Heimat, zum eigenen Volke, zu den Dichtern und Denkern, in deren Geiste wir groß geworden sind, aber mit dem Unterschied gegen andere, daß wir diese Liebe nicht nur für uns selbst in Anspruch nehmen, sondern allen anderen Völkern in gleicher Weise zu- erkennen. Und weitere Hoffnungen sind zu diesem Mai groß- geworden: Das russische Volk hat das Joch der Knecht- schast abgestreift, und mit dem Sturze des Zarismus ist nicht nur das russische Knutensystem zusammengebrochen, sondern jede Möglichkeit, in irgendeinem europäi- scheu Staate noch fürder nach absolutistischen Methoden zu regieren. Ob die Reste europäischer Feudalherrschaft sich noch ein paar Monats oder ein paar Jahre behaupten, ihre Stunden sind gezählt, wir wissen, daß tvir ihren Zusammenbruch noch er- leben und feiern werden. Deshalb schreckt uns auch nicht alles Pochen auf veraltete Vorrechte, mit denen man in Deutschland unfern Forderungen begegnet. Wollen sie nicht jetzt weichen, um so jäher wird der Sturz sein, den ihnen ein Volk bereitet, das durch drei Kriegsjahre zu der Ueberzeugung herangereift ist, daß es und nur es allein der Träger des Staates ist. So sprießen aus der Blutsaat des Weltkrieges die Keime des Friedens und der Freiheit hoffnungsvoller denn je. Und weil wir die Zukunft klar und sicher vor uns sehen, die uns kein Teufel rauben kann, wenn wir nur wollen und ausharren, deswegen bedürfen wir auch jener nervösen und kurzatmigen Stimmen nicht, die schreien, daß schnell irgend eiivas Gewaltsames geschehen müsse, an- sonsten wir die Zukunft verscherzen. Die Zukunft ist nur zu verscherzen, wenn wir uns anstatt wie bisher von fester Besonnenheit und kla- rer Erkenntnis, von hysterischer Ungeduld leiten lassen, wenn wir die fundamentale Wahrheit ver- gessen, daß alle Zukunft in der Gegenwart wurzelt und ihr einziges Fundament die Existenz des Bolkirs ist, die zu verteidigen die Gegenwart noch immer erheischt. So wenig die Internationale am 1. August 1914 begraben wurde, so wenig wird ihre Auferstehung durch eine Politik gefördeu. die instinktiven Gefühlen Erschöpfter und Ungeduldiger, eher nicht dem ruhigen klaren Denken des Besonnenen entspricht. Wenn wir wie bisher weiter ruhig unsere Pflicht tun. ohne uns von unserem Innern etwas preiszugeben, ohne unS vom Völkerhaß blenden zu lassen, ohne die Flamme unseres Ideals auszulöschen, dann ist uns auch die große Auferstehung des Maigedankens gewiß, von dem es heißen wird: Licht wird alles, was ich fasie. Kohle alles, was ich lasse. Flamme bin ich sicherlich! Die Einladung zur Internationalen Sozialistischen Konferenz. Der Kopenhagener„Sozialdemokraten/ bringt in seiner Nummer vom 29. April folgende Einladung des Sekretärs für das Internationale Sozialistische Bureau: Werte P art e i g g n o s s e u! Die holländische Delegation des Exekutivkomitees hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dich sie im Einverständnis mit zahlreichen Sektionen der Internationale die Initiative er- griffen hat, eine internationale Konferenz aller ailgeschlosseilpit Sektionen einzuberufen. Tie Konferenz findet in Stock- Holm am 15. Mai 1917 nud den folgende» Tagen ftaki. Auf der Tagesordnung sieht die Erörterung der internationalen Situation. Die Zulaßbedingnngeit und Stimmenverteilung wird bestimmt streng nach den Regeln für die internationalen Kongresse, und Einladungen zur Teil- nähme an den Arbeite» der Konferenz werden in Ueberein- stimmung hiermit auch an die Minder heitsparteieu in den triegführendeu Ländern gerichtet. Wir bitten die Parteien und Gruppen, die teilzunehmen wänschcn, sobald als möglich die Rawen ihrer Delegierten mitzuteilen und uns alsbald driesiich oder durch die Preff« mitzuteilen, falls mau den Delegierten P ft-s s c verweigern soltte. Wir wären Ihnen verbunden, falls Sic nn? den Empfang von diesem Rundschreiben bestätigen und Sorge tragen wollttn für ihre Veröffentlichung durch die sozialistische Presse. C a m. H n y s m a n S, Sekretär für das Jntcruationale Sozialistische Bnrcan. * In der ganzen Welt werden alle, die. da? baldige Zustüudekonmten des Weltfriedens unter werktätiger ijilfe des internationalen Sozialismus ersehnen, diese Botschaft freudig begrüßen. Stach den ZulassnngLbedingungen, die seinerzeit vom Londoner Internationalen Kongreß festgesetzt wurden, sind einzuladen:. 1. Die Vertreter aller Gruppen, die die Uniwandlülig der lapitalistilchen Eigentums- und ProduktionSordnung in die sozialistische Eigentums» und ProdnkiionSordnlliig anstreben und die Teilnahme an der Ecseßgebutig und die parlanieickariscbe Tätigkeit als ein notwendiges Mittel zur Erreichung dieses Zwecks ansehen. ü. Alle gewerkschaftlichen Organisaitonen, die, wenn sie sich auch als solche nicht am polltischcn Kampfe beteiligen, doch die Notwendigkeit politischer und parlamentarischer Tätigkeit an» erkennen. Anarchisten sind mithin ausgeschloffen. Die Delegierten der eingeladenen Parteien und Gruppen bedürfen unter den gegenwärtigen Umständen eine Reife- erlaubnis durch ihre Regierung. Es ist dringend zu wünschen, daß keine Regierung irgend einem Eingeladenen den Aus- landspatz verweigert. Wir wünschen, daß"über die Zulassung zur Konferenz niemand anders zu entscheiden habe als das zuständige Lnrean. Wer geladen ist, dem gebührt auch ein Paß! Bekannt ist, daß die französische Partei mit knapper Mehr- Heft die Beteiligung abgelehnt hat. Die französischen G e- werkschaften haben aber schon auf ihrem Weihnachts- kongreß ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, sich an inier- nationalen Verhandlungen zu beteiligen. Möge Stockholm eine Etappe auf dem W-e g e Jim Frie-öcn teerten, tic letzte tor tem Z-iVlI Die Dänen zur Friedenskonferenz. Kopenhagen,£0. April.(Meldung des Bureaus Rihau.) Der 5' n univorstand der dänischen Sozialdemokratie hat eine GnU schliestung angenonimen, in der es heißt: Ter Hauptvorsiand der dänischen Sozialdemokratie, der mit tiefem Schmerz die Bcrnichtung materieller mir lulturellcr Werte iinolge dca Krieges sieht, spricht de» lebhaften Wunsch nach baldigem Abschluß des Krieges aus. Der Hauptvorsiand begrüßt mit Freude alle Bestrebungen, des« Ziel zu erreiche», drückt seine volle Zustimmung zu allen Schritten aus, die bisher untcrnrn'.mcn wsrden sind, eine Bcr- siändigunz zwischen de» Böllern im Dienst der Friedencarbcit her. boizuführen und fordert zu unermüdlicher Fortsetzung der Arbeit auf, trotz der Angriffer der Chauvinisten und Politi- ichen Gegner. Cr weiß sich dabei in Ucbereinstimmung mit der großen Mehrheit des dänischen Volkes. Der Hanptvorstand beschließt ferner, den ausführenden Ausschuß des internationalen sozialistischeil Bureaus aufzufordern, die gr- plante Arbeit für die Wiederaufnahme des internationalen Zu- ianimcnarbeitens zwischen den Vertretern der Völker fortzusetzen, und svricht die Zuversicht aus, daß die Zeit gekomme» ist, wo eine Berstiindiguug zwischen den Vertretern der So- i a l d c m o t r a t i e möglich ist, durch die eiue Grundlage für den Friedensschluß geschaffen wird, der baldigst kommen muß, wenn die Völker Europas nicht verbluten oder verhungern i o l l c n. Vorbereitungen. Kovcnhagcn, 30. April.„BcrlingSke Tidcndo' meldet aus Stockholm: Gestern fanden im Saale der sozialistischen Partei des Reichs- tags lange Beratungen über Vorbereitungen zum bevor- stehenden Friedens kringrcß statt. Anwesend waren die Holländer Troclstra, van 5iol und Albarda, der dänische Minister S t a u n i n g, sowie die Schweden Brantiug, Mociler und Soederbcrg. Stauning reiste gestern abend nach Kopenhagen ab. Im Laufe der nächsten Tage werden Ver- trctec au» Belgien erwartet. HuyömanS trifft am Montag :n Stockholm ein, ebenso der Russe Lcpas. Tie holländischen Abgeordneten sehen der Konferenz Vertrauens- voll entgegen, namentlich erwarten sie, daß trotz aller gegenteiligen Meldungen auch die französischen Teilnehmer sich cinsindcn werden. Tiszas Wahlrefsrm. Ter ungarische Ministerpräsident hat die Welt init einer Kundgebung beschert, in der viele schöne Tinge aufgezählt sind, die dem ungarischen Arbeiter und Kleinbauern zum Lohn für die auf blutigem Schlachtfeld bewährte Treue nach dem Krieg in den Schoß fallen sollen. Der gefällige Klang der Worte darf aber nicht über den dürftigen Inhalt, die Kulisse nicht über die nüchterne Wirtlichicit täuschen. Ter junge Kaiser scheint in der Demokratie den politi- Hben Fortschritt zu seben. Er verlangt auch für den ungari- ichcn B'atertandovertcidiger ein Recht am Raterland. Tisza blieb offenbar nur unter der Bedingung Ministerpräsident, daß er diesem Wunsch entgegsukomutt. Also macht Tisza eine Wahlreform. Aber fragt nur nicht, was für eine! Tie T a p f c r k c i t s m c d a i l l c soll als Wahlbcrechti- gung dienen. Tie wenigen Tausende, die sie errungen haben, demokratisieren daS Wahlrecht wahrlich nicht, schon weil sie iangiom aussterben. Also Demokratisierung des Wahlrechts auf Lebenszeit der Veteranen! Ter Geist, in dem Graf Tisza an die Reuoricnticruiig in Ungarn tritt, spricht auS der Ver- kündigung, die Wahlrcform werde„die führende politische Stellung der ungarischen Intelligenz nicht gefährden". Mag Tisza auch den Gewerkschaften ein besseres Recht versprechen, K'mc Stellung zu dem Kardinalproblcm der Wahlrechts- rcform entscheidet. Tie Stellung des Kaisers ist schwer. Graf Tisza bejaht die wichtigsten Staatsnotwendigkeiten und macht sich so un- entbehrlich. Tie Opposition ist uneinig, hängt an dem Traum der völligen Vcrselbständigung Ungarns und ist deshalb gegen den dringend notwendigen Ausgleich, dec Ungarn auf mindestens zwanzig Jahre mit Oesterreich zu einer Wirtschaft- ichen Einheit verbinden soll. Die ungarländischc Sozialdcino- iiatie ist im Parlament überhaupt nicht verireten. also im Gegenspiel gegen die Sclbstherrlichkeit Tiszas gehenunt. Ungarn ist immer ein Schmerzenskind. Heute ist es vom Adel beherrscht, dessen Kliquen sich befehden und gelegentlich auch die demokratische Parole nicht verschmähen, wenn sie sich van ihr werbende Zugkraft verspreche». Die Verwaltung liegt cbcnsalls in den Händen des Adels, der die die Stelle der staatlichen Beamtenorganifation pertretenden Sclbstvcr- waltungstörper beherrscht. So ist der Kaiser ohne Hebel, die ungarischen Dinge nach Belieben zu wenden und zu drehen. wenn die Oppositionsparteien hadern und Staatsiiotwcndig- •'ilen verweigern, die Graf Tisza erfüllt, um sich an der Herrjchast zu erhalten. Neuer französischer Generalsiabschef. Bern, llll. April. Lyoucr Blätter melden ans Paris: szn einer langen Sitzung des Ministerrats wurde die Er- Nennung Petains zum G c u c r a l st a b o ch c f bc- schlössen. Tie Neubesetzung des wichtigsten Postens in der Armee ist ein? Felge dcS Versagen» der obersten Leitung. Ein dcnlschcr Bericht, der die llci den französischen Ge- sangencn festgestellten Stimmungen verwertet, tritt mit: Am wend vor dem Angriff erließ der Höchsttommandierende General Nivelle folgenden Befehl: Allgemeiner Befehl Nr. 7'> «r. H. Qu. löl Aprli tvlt. An die Offiziere, Untervsfiziero und Maniischasten der fra»zöfisch»n Armee: Die Stunde ist ge- kowmenl Vertrauen und Mut! CS lebe Frankreich! General Nivelle. Tie Truppen gingen auch mit großem Schneid vor und die Stimmung war allgemein siegesgcwiß. Ilm so größer ist die Niedergeschlagenheit der Befangenen, die vor allein durch Ac cr- littenen, teilweise unsinnigen Verluste bedrückt siitd. Allgemein wird über das Versagen der höheren Führung geklagt. die Leitung habe zwar die Angriffspläne bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, habe aber t» der Praxis versagt. Auf Grund der nmsasscilden Vorbereitungen und der riesigen eingesetzten Masse» an Menschen und Material war von dem Truppen ein burcfiirtjldflcu» der Erfolg erwartet worden. Gefangene Offiziere der?., ll. und '0. Infanterie-Division sagten übcrciiistimmcnd aus. trotz langer t arSercitung und Woche nlaugec Einübung habe im letzten Moment rs riAtssze Einsetzen der Avgrrfssdivisionui gänzlich versagt. ZMüleiieschlacht von Oppy behauptet— Schwere englische Verluste— Französische Vorstöße und wiederwachsenderFenerkamPfvonSoissons biö vor Snippcs— Zahlreiche Lnftkämpfe. Amtlich. Großes Hauptquartier, den llv. April 1917.(W. T. B.) Westlicher Ütricgsfchauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Nach dem Scheitern des große» Angriffs am£8. 4. unter- nahvwn gcstcru die Engländer nur Cllizelangriffe gegen Lppy, nördlich der Straße von Douai und ArraS. Ju viermaligem An- siurm gegen den heiß uwstrittenc» Ort erschöpften sie ihre Kräfte. Das Torf blird in unserer Hand. Auf beiden Scaipc-llfcru hielt die starke Kampftätigkelt der Artillerie an. Vorsichtige Schätzung beziffert den Verlust der Engländer am L8. 4. auf über 6Ü00 Mann, die i» und vor unseren Stellungen gefallen sind; außerdem sind über 1000 Gefangene und 40 Maschinengewehre durch unsere Truppen eingebracht, 10 Panzcrkrast- Wage» zerstört worden. HccrcZgruppe Deutscher Kronprinz. Gewaltsame Erkundungen der Franzosen suchten gestern morgen den Erfolg des französischen ZcrsiurungSfcucrS gegen unsere Stellungen bei Vcrry an Bac, am Brimout und nördlich von ReimS festzustellen; uoserc Grabcnbesatzungen wiesen die Vor- stoße ab. Seit Mittag hat sich mit wenigen Pause» der Fcuerkampf von Salisoiis bis zur Suippe» wieder gesteigert. Cr erreichte in den Abeiidsiunden größte Heftigkeit, hielt in wechselnder Kraft während der Nacht an und wuchs bei TageSgraucn zu stärkster Wirkung. Heeresgruppe Herzog Akbrccht. Nichts Wesentliches. der Prozeß gegen ßeieürich /lüler. Wien, LO. April. Tie Verhandlung in der Strafsache gegen Dr. Friedrich Adler wegen Ermordung des Ministerpräsidenten Grafen Stuerghk ist auf den 18. und 19. Mai anberaumt. Das Gutachten der medizinischen Fakultät er- klärte Adler für geistig normal. Die Lage in Petersburg. Umbildung des Arbciterratö. Bern, 30. April.„Petit Parisien" meldet ans Peters- bürg: Tie Arbeiterabgcord neten beschlossen den Arbeitcrrat umzubilden. Ter augenblickliche Rat soll einen Kleinen Rat von 600 Mitgliedern zur Erörterung der laufenden Geschäfte ernennen. Ein besonderer Ausschuß zur Prüfung der Mandats der Kongreßmitglieder wird die Ver- trcter weitig zahlreicher oder zufällig entstandener Grnppic- rungen absetzen, der Kleine Rat soll in gleicher Zahl aus Soldaten- und Arbeiter abgeordneten gebildet sein. Tie Arbeiterabgeordneten sollen von den Vertretern der einzelnen Stadtteile gewählt werden. Dem Kleinen Rat sollen außerdem Vertreter aller sozialistischen Parteien und Arbeiterorganisationen sowie die Vorstände der Berufsverbände und Arbeiter der Konsumgesellschaften angehören. Bei den letzten Abstimmungen hatte die äußerste Linke nur 92 Stimmen von ungefähr LOO. Ter Kongreß der Frontvertrctcr, der augenblicklich in Petersburg tagt, hat einen Antrag angenommen, wonach jede Armee drei Armee- k o m m i s s i o n ä r e ernennen soll, die bei der Regie- rung den Arbeiter- und Soldatenrat vertreten und als Kontrollagenten alle Fragen, die zu der Befugnis der Armee- konimandantur gehören, lösen sollen. Die vom Ober- bcschls Haber gegebenen Befehle sollen v o it diesen A r ni c e k o in in i s s i o n ä r c n gutgeheißen werden, die Ernennungen werden vom General vorgenominem aber die Kommissäre sollen berechtigt sein, einen Fürspruch einzulegen, sofern dieses begründet wird. Ter Nat, Plcchanow und Lenin. Petersburg, 30. April. Meldung der Petersburger Tele- iiraphenagcntur. Ter Vollzugsausschuß des Arbeiter- und -sotdatenrats hat Plcchanow aufgefordert, mit beratender Stimme im Vollzugsausschuß zu sitzen. Petersburg, 29. April. Meldung der Petersburger Tele- graphenagcntur. Ter Vollzugsausschuß des Arbeiter- und Soldatcnrats stellt fest, daß die Agitation Lenins und seiner Anhänger auf eine Desorganiiation des Landes hin- ziele, daß aber Vorgcltnngsmaßrcgcln nicht möglich seien. solange die Agitation ihren Propagandacharaktcr bewahre. Der Ausschuß beschließt, dieser Agitation seine eigene Propa- ganda ciitgcgeilzilstcllc», besonders in der Presse und unter den Truppen. Lern, 29. Avril...Petit Parisien" meldet aus Peters- bürg: In den Werkstätten Petersburgs werde wieder regelmäßig gearbeitet, doch seien viele Fragen immer noch nicht endgültig geregelt. Im Becke ndesDonez dauere die Bewegung fort. Petersburg, 29. April. Meldung der Petersburger Tele- graphenagcntur. Tie Regierung hat beschlossen, al l e S o l- baten über 43 Jahre v o m Dienst zu befreien. das erschütterte Kriegszielprogramm üer Entente. Lutzliuo» 30. April. Fn Besprechung eines AnliageartikelS de» „Giornule dJtalia" gegen die nculralislische» Sozialiste», die eine» österreichischen Frieden anssrebteu, erklärt der„ A V a n t i*. das Leibbkalt Somit» oö kämpf« gegen einen österreichischen Frieden, der gor nicht exisiiero und tvisie dagegen leinen Entcntesrieden vorzu« schlagen. Tos Blatt übersehe vollkommen, daß nunmehr der Zeitpunkt gekomme is sei, die Kriegsziele der Entente genau zu präzisieren, angesichts de» Um- standes, daß e» infolge der jüngsten Ereignisse der Entente»ich» mehr möglich sei, ihr am 10. Januar verkündetes Kriegsziel- Programm einfach zu wiederholen. Besonders die russische Revo- kulion habe in die Lage der Entente ein ganz neue» Moment hereingebracht, das bei der Formulierung der Kriegsziele von der Entente berücksichtigt werden müsse. Soite bis Suippes. Am 28. 4. haben unsere westlichen Gegner 11, am 23. 4. 23 Flugzeuge verloren, außerdem drei Fesselballone. Flieger und Flugabwchrkauoncil teilen sich in das Er- gcbnis. Rittmeister Freiherr v. Richlhosen blieb zum 48., 43., 50., 51. und 52. Male Sieger im Luftkampf, der seiner Jagdstaffel angehörende Lcntuant Weist schoß den 22. bis 26. Gegner ab. Auiklänuigsstreifcn und Flüge zu« Bombenabwurf führten unsere Flieger tief in das englische Frankreich zwischen Somme und Mccr, vor der Aisnc-Frout bis über die Marne»ach Süden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Mazedonische �ront. Zwischen PreSpnsee und Ccrna lebhafte Artillerictätigleit. Zwei englische Flieger wurden bei Rückkehr eines unserer Kampfgeschwader von erfolgreichem Luftangriff gegen Lager und Bahnstrecken im Cerna-Bogen zum Absturz gebracht. Der Erste Generalauartiermeister. Lubcndorff. Abeudbcricht. Berlin, amtlich» 30. April aboudS. Bei Arraö Feuerkampf wechselnder Stärke; an der Aisue-und Champagne- Front dauert die A r- tilleriefch lacht an. Im Osten nichts Wesentliches. Ter österreichische Bericht. Wien, 30. April 1317.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbarl: Bon keinem Kriegsschauplatze besondere Ereignisie zu melden. Ter Stellvertreter des EhefS des Generalstades v. Hocser, Feldmarschallentnant. Das amerikanische wehrpfiicht-Hesetz. Da» Ergebnis der Verhandlungen über daS Wehrpflichtgesetz haben wir bereits mitgeteilt. Reuter teilt nunmehr mit, daß die Vorlage im Repräsentantenhause mit 397 gegen 24 Stimmen, im Senat mir 81 gegen 8 Stimmen an- genommen wurde. Der Senat nahm weiter mit 56 gegen 31 Stimmen einen Zusatzantrag an, der Roosevclt zur Auf- stellung pol» vier Divisionen Infanterie für den Dienst in Frankreich ermächtigt. Das Repräsentantenhaus hat bekannt- lich den Zusatzantrag mit 170 gegen 105 Stimmen abgelehnt. Auch sonst zeigt sich, daß Senat und Repräsentantenhaus nicht gleicher Meinung in bezug auf dieses Gesetz sind. Reuter meldet, daß der Senat das militärpflichtige Alter vom 21. bis zum 27. Jahre und das Repräsentantenhaus es vom 21. bis zum 40. Lebensjahr festgesetzt hat. Um diese VerschicdcnhcUeu aus der Welt zu schaffen, Iverden beide Kammern sich mit einander verständigen müssen: Reuter lvcist darauf hin, daß ciiic gemeinsame Sitzung nötig sei. * Berftimmung über die euzlische Zensur. Bern, 30. April.„Times" berichtet auS Washington, die Ameri« kaner seien ungehalten darüber, daß die britische Zensur nach w:s vor keine deutschen Zeitungen nach Amerika durch- lasse, obschon diese in englischen ZeitungSredaklionen gelesen Würden. Auch daS Verbot der Verschickung der Wochenschrift „Nation" nach dem Auslande befremde, da gerade diese Zeitung Wilsons Ideen immer iympathisch gegenübergestanden habe. Schließlich sei man verstimmt, daß trotz des Eintritts Amerikas in den Krieg die Kriegsnachrichten noch immer nicht so schnell und ausführlich nach Amerika gegeben würden, wie das Land verlangen zu können glaube. örasiuen erklärt Neutralität. Wie der Schweizerischen Depcschenagentur auS Paris gemeldet Wird, hat BrasUieu in dem Streit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten seine Neutralität erklärt. Die Unterbrechung jeder direkten Verbindung mit der Uebersee erschwert die Prüfung und Bewertung dieser Depesche. Tie Cutente und die Bereinigten Staaten lassen ihren ganzen großen wirlschafilichcu Einfluß in Südamerika gegen Teutschland spielen und helfen durch eifrige Regie von Kundgebungen gegen die preußische „Autolratie" wirkungsvoll nach. der Krieg auf öen Meeren. Noch 112000 Tonnen. Berlin, 30. April. Amtlich. Außer den im April bisher bekalintgegobeiieil U-Boots-Erfolgeu sind neuerdings im Ka- ual, im Atlantischen Ozean und in der Nordsee 112 0 9» B r u t t o r e g i st e r t o n n e n Handelsschiffsraums durch uiljere U-Boote versenkt worden. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich u. a. folgende: die bewaffneten englischen Dampfer E a i t h n c h(3500 T.) tief beladen. G o 1 d e o a st(4255 T.t mit Stückgut von Weftafrita nach Liverpool, P a r n t o n(1858 T.) Ladung triscnerz, im Geleitzug fahrend: englischer Dampfer A u r i a e. englische Segler 2 a l m a- tion, Graeian, Erith, William Swephord. mit Kohlen, D a n t z j g mit'Lech. G e>v l unt Teakholz; die englischen Fischer- fahrzei'.ge Äreadalvane. Stork. Lord Ebancellor, U. S- A, Ramse». Jolm'S Bovle. Fedburgh, Ioevil, Eutterton, Nightingolc. HeartheS, Rotz Denis, Witham. Äetive, und der bewasneie Fischdampfer Wbitbh; der französische Dampfer Schel(2161 T.) mit Grubendolz. französisWe Schunerbrigg Aigle mit Roheisen, fron- zösischer Fischtulier Emile Charlotte; ein unbekannter portugiesischer Segler und portugiesischer Motorsegler Tres Mac», Ladung Petroleum, Gasolin und Napsttalin; ferner 4 Dampfer, deren Aainen mcht-festgesiellt werben konnten, und zwar zwei ve- wafmete. einer davon mit Oelladung, ein tief beladcncr Dampfer im Geleitzug fahrend und ein sehr großer Dampfer von iniudcstcns 12 000 Brnttercgistertounrn, mit 2 vschernsteinen, 2 Masten, hohen Aufbauten, 2 langen Promenadendecks, mit Kurs Le Havre— Portsmoutb. von Zerstörern begleitet. 1 Kapi- tän und 2 Mann Geschützbedienung wurden aU Gefangene mitgebracht. Zu den früheren Vcrössentlicbungen über U-Boots- Erfolge sind weiter foloende Einzelheiten nachzutragen: Englischer bewaffneter Dampfer R o Iv e n a(3017 DI mit Lebepomitt' ln, die englischen Dampfer Brantsome Hall (-1262 Z,), S t r a t h c o n a(1S81 Z.) mit Kohlen nach Frankreich, KapliZn und 2 Maichinistcu gefangen, Queen Mary(SKSS T.), i du[je ab(5911 T.). und 2 englische Dampfer unbekannten Na- inent', daran einer mit 7500 T. Kohlen, englischer Segler Victoria, Ladung Pech von London nach Cherduurg! die englischen Fisch dainpfer Androinach,(saliban. Skerry, Fiie Meß, Ospray 2, Crown Brinee, Lilion, Largo Äa>', Chingkiang. MaUfly: Marcel init 2 Mo- lorleichtern im eewlepp, italienischer Dampfer Domingo 12131 DO; außerdem 12 nnbetanntc Schiffe, darunter 0 bewaffnete Dampfer, ein Dampfer, Laduiig anscheinend Munition, der im Eismeer ver- senkt wurde, und 2 Segler.—■ Irin unbekannter Dampfer vom Aus sehen des englischen Dampfers Wellington wurde von einem lt vmat mit Torpedo angeschossen, entkam aber in der Dunkelheit im Schutze von zwei Zerstörern. Ter Chcf des?ldmiralstabrs dcr Marine. Seesperre unö Versenkungen. Kopenhagen, 80. April. Das dänische Ministerium des Aeutzern teilt mit: Das dänische Segelschiff S o k o t o, auf der Reise von Amerika nach Dänemark über England, mit Superphosphai, ist in der Nordsee versenkt worden. » Berlin, 30. April. Im„lliappel" vom 25 April schreibt Camille Dcvilar: Jede Torpedierung eines unserer Handelsschiffe ist eine Niederlage gur See. Wenn eines unserer Frachtschiffe von 15 OOO Tennen vrrscnkt wird, das monatlich zwei Fahrte» macht, so sinkt mit diesem Fahrzeug in Wirklichkeit seine Tonnage multipliziert mit dcr Anzahl dcr Fahrte», die e» bis Kritgscndc hätte machen lönucn. * Berlin, 30. April.(W. T. B.) Nach Nachrichlcn aus Holland toll die Besatzung des versenkten Dampfers Amsteldlik behauptet haben, die Versenkung wäre außerhalb des Sperrgebiets, nämlich o»f d2 Grad 26 Minuten Nordbreite und 1 Grad 10 Minuten Ostlänge erfolgt. Hierauf ist zu erwidern, daß der Ort dcr Versenkung acht See meilen westlich von der östlichen Grenze des �Sperrgebiets, also innerhalb dieses, gelegen ist, Lugano, 30. April. Wie dem.Eorriere Kella Sera" aus London gemeldet wird, sehen die englischen RegierungS- und Marinelreise in den unterseeischen Mmculcgeru eine weit größere Gefahr für die Verprovianiicrung Englands als in den Torpedierungen durch die deutschen U-Boote. Man scheint den Minenlegern gegenüber völlig ralloZ dazustehen. Basel, 30. April. HadaS berichtet au- Madrid t Der spanische Ministelpräsidenl G a r c i a P r i e r o erklärte anläßlich der Ver- ienkung de- San Juan, dcr Dampfer sei kein spanisches Schiff gewesen, obwohl die Bemannung spanisch war. Das Ringen im Westen. Berlin, 36. April.« verschiedeiieu Plätzen nördlich dcr Scarpe au.— Wir eroberten am Morgen das feindliche Grabenstiste»« südlich von Opph ans einer Meile Front. Der Feind unternahm cinci« erfolglosen Gegenangriff. Wir machten feil gestern 976 Gefangene, darunter 16 Oistziere. Letzie Nacht Überraschten«vir eine deutsche Abreilung südöstlich von Pentruct, wobei«vir««»ige Leute lölclcn oder gc- 'ongcli nahmen. Drei deutsche Flugzeuge wurde» zun« Absturz ge- bracht, drei der unsrigen werde» vermißt. Französischer Bericht von, 29. April nachmittags. Zwischen S o m m e und O i s e zeitweilig aussetzende Arlillerietälig- teit. Feindliche Handslreiche in dcr Gegend von Laffaux und »ördlich Vau E e r n h- c u- L a o u» a« ö scheiterten in unserem Feuer. Palruillenzusammenstöß« und Haudgranateiiiämpfe im Ab- schnitt von C r a o«in e. Nordwestlich von Reims gestalteten unsEinzel- nniernehmungen, unsere Stellungen in dcr Gegend nördlich und iüdlich von C o u r c y merklich zu crweilcrn. Wir machten in« Laufe d-eier lliiternebmungcn IbO Geialigeiic. In dcr C h a u« p a g n e I ziemlich lebhafter Artilleriekampf zlvijwcii Prunay und Aube-' r« v e. Zwei deutsche Versuche gegen tlcme Posten bei Dahme und Rabarin blieben ergebnislos. Im oberen E l s aß drangen französtiche I Abteilungen an mehreren Stellen bis in die zweiten feindlichen I Linien ein. Lebhafte Handgranatenlämpfe endeten zu unserem Vorteil und tosteten den Deutschen Verluste. Wir machten Gc- fangene. Vom 29. April abends. Auf dcm C h e m i n des D a m e S beschoß die deutsche Artillerie, von der unsrigen energisch bekämpft, unsere Stellungen bei H u r t e b i s c. Der Handgranalenkamps war in dieser Gegend gleichfalls lebhaft. In den ersten Linien nord- westlich von Reims und in dcr Ehampagne unterhielten«vir wirk- sameS ZelstvrimgSfcuer auf deutsche Anlagen. Tie Zahl der in der Gegend von Eourch und Epirs(?) in dcr letzten Nacht gemachten Gefangenen übersteigt 200. An dcr übrigen Franc war der Dag ruhig._ Kleine Kriegsnachrichten. Tie Brotkarte in Euglaud? Ter Londoner Korrespondent des ..Corriere Kella Sera" drahtet, daß England in sechs Wochen Broikarten einzuführen beabsichtige. Tic Maßnahme werde mit da durch die vermehrten SchiffSvcrsenkungcn mtstandenen Fracht- raumvermiuderung begründet.»Daily Mail" erfährt, daß dem- nächst die Brotrationen für die A r m c e verkürzt werde».— ..Handclsblad" meldet aus London, man habe vorgeschlagen, die Rationierung durch Brotkarten e-inmat für die eine Wocke einzu- führen, um das Publikum die Unanncbmlichkeilen davon fühle«« zu lasjcu und es zur Sparsamkeit anzuspornen. Rapincttstvechscl in Griechenland. Die„Basler Nachrichten" melden aus Rom unterm 27. April: Nach den lüer eingetroffenen Nachrichten au» Athen habe König Konstantin Zaimis mit der Bildung de- Kabinetts betraut. Tie Propaganda für den Krieg in Rußland. Die Petersburger Tclegraphcnagentur meldet vom Sonntag: Heute vormittag fand eine eindrucksvolle Kundgebung der gegenwärtig in Petersburg in Pflege befindlichen Verwundeten und V e r ft ü m m e l t e n statt. Aus allen Hospitälern und Ambulanzen dcr Hauptstadt zogen trotz Schnee und Regen Scharen von Verwundete«'« zur Kasan- Kathedrale mit Bannern, deren Ausschrifte«« Fortsetzung des Krieges forderten und verlairgten. daß das auf den Schlacht- feldern vergossene Blut nicht ein nutzloses Opfer bleibe. Tie In- validen, die nicht gehen konnten, folgten auf zahlreichen Traabahren und in Automobilen. Die Kundgebung machte auf die Bevölkerung starken Eindruck. politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Z lv c i t e Lesung d e S W o h n u n g Z g e s c tz c S. TaS Abgeordnetenhaus beriet am Montag den Entwurf eines Wohnungsgesetzes in zweiter Lesung. Nach den langen und eingehenden Kommissionsbcratungen bestand bei keiner Partei mehr Neigung, in die Einzelheiten der nicht ganz leichten Materie hinabzusteigen, um so weniger, als sie alle unter mehr oder weniger belangreichen Verwahrungen dcr Vorlage zuzustimmen entschlossen tvarcn. Völlig befriedigt ist dadurch niemand, aber andcrerscirs herrschte Ucbcreinstimmung darüber, daß cS sich um einen ersten Schritt auf dem Wege zu einer ernsthaften Wohnungsreform handelt. Die sozialdemokratische Fraktion ist bisher noch nicht zu Worte ge kommen, aber auch sie wird dcm Entwurf die Zustimmung nicht versagen, so daß seine einmütige Annahme oder doch seine Annahme mit übergroßer Mehrheit gesichert ist. Hoffentlich wird auch das Herrenhaus das Gesetz bald verabschieden. damit es sofort in Kraft treten kann und bei Kriegsende unsere heimkehrenden Krieger nicht allzu sehr von der Sorge um die Beschaffung eines preiswerten und gesunden Obdachs bedrückt werden. Am Dienstag soll die zweite Lesung des Dbhnungs- gesetzes beendet werden. Außerdem steht dcr fortschrittliche Antrag auf Errichtung von SchlichtungSstcllcn im Sinne des Hilfsdicnstgcsetzcs auf dcr Tagesordnung. Im Wandel der Zeitc«. Uns wird geschrieben: Man erinnert sich vielleicht noch, daß auf den sozialistischen und gewerlschastlichen Tagungen dcr Entente» und Neutralländer im Kriege der omeritanische Antrag eine gewisse Rolle gespielt hat, gleichzeitig mit de in Friedenskongreß der Sie g i e r u n g e n einen Internationalen Arbeiter- I o n g r e ß am g l e i ch e» O r t e a b z u h a l t e n. un« die Ver- trctung dcr Arbeiterinteresicl« ün FriedcilSvertrag zu sicher». Die Welt hat sich ctwaS anders entwickelt als dieser Antrag annahm. Hat dcr Ausbruch des Krieges uns Sozialisten aus unseren Vorstellungen in die tiefste Enttäuschung gestürzt, so scheinen jetzt die Dinge stärker zu sein als unser Mißmut, und verzweifelten wir an der Menschheit, so hofft die Menschheit jetzt auf nnS. Schon glauben wir den Donnergott im schwärzesten Gewölk den Hainmer schwingen zu sehen, dessen Niedersauscn den reinigen- den Blitzstrahl erzeugt; will unZ bald wieder ein blauer Himmel leuchten?... In Stockholm werden sich die Vertreter der sozialistischen Ar- beiier, die guten Willens find, versammeln, um für den Frieden zu arbeiien. Wollen die Regierungen nicht gleichzeitig und am selben Ort eine N c b e n v e r a n st a l t u n g abhalten? Hauptausschust des Reichstag?. Vertrauliches— Marine. Im Hauptausschuß deS Reichstags wurde am Montag die vertrauliche Aussprache über die auswärtige Lage fort- gesetzt.„Berichte", die darüber in Zeitungen erscheinen, müssen also inhaltlos sein. Auch die folgende Beratung des Marineetats war zum Teil vertraulich. Später bemängelte Struve(Vp.). daß der Bau von U-Booten nicht in erforderlichem Maße erfolgt sei und beklagte das noch immer bestehende Ucbcrwachungs- system. Staatssekretär v. Capelle erwiderte: Dem Abg. Struve sei Material von Marincfrontstelle» zugegangen, das zum Teil sehr geheimer Natur sei. Dem Abgeordneten stehe uatür- lich das Recht zu, dieses Material zu verwerten; aber die betreffende» Angehörigcit dcr Marine hätten sich eines schweren Dienstvergehens schuldig g e- in a ch t. Im übrigen habe Abg. Struve vor dcm Kriege elbst die U-Äoot-Waffe als eine rein defennve Waffe auszubauen gewünscht. Dem Großadmiral v. Tirpitz könne kein Vorwurf gemacht werden._ Eine neue Kanzlerrcde? TaS„Berliner Tageblatt" schreibt: In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß der Reichskanzler noch in dieser Woche dein Dränge«« deS Reichstags nach neuen Mitteilun- gen über unsere Kriegslage und unsere Kriegsziele nach- geben wird. In den Wandelgängen des Reichstags, in denen heute bereits lebhastcr Besuch herrschte, wurde angenommen, daß der Reichskanzler am kommenden Donnerstag sprechen wird. Rcveutlotu gegen Oesterreich. In der„Deutschen Tageszeitung" schließt IN R. eine Sc- trachtung über die Friedeuspotitit Oesterreich-Ungarns mit folgendem Satze: Unseres Erachleus wäre es endlich Zeit, daß die cnigcgeri- gestreckte Hand sich einer nützlicheren und ehrenvolleren Tätigkeit hingäbe. Daß die österreichische Regierung die alldeutsche Politik der„Deutschen Tageszeitung" nicht mitmachen will, ist für E. K. gewiß sehr unangenehm, es gibt ihm aber kein Recht, d e u t s ch e I n t e r c s j c n z n v e r l c tz e n, wie das geschiebt. wenn man gegen einen verbündeten Staat in solcher Weise Stimmung macht.___ Entschädigung für Arbeiter in den besetzten(Sebicten. Arbeiter, die von Unternehmern zu Arbeiten in den besetzten Gebieten angeworben worden sind, hatten in zahlreichen Fällen darunter zu leiden, daß sie nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus„nüluärischen Gründen" von den Militärbehörden oft noch wochenlang zurückgehalten wurden, ohne daß ihnen eine Entschädi- gung für die Zeit dcr Zu.rückhaltuug gezahlt wurde. Dem Abgeordneten Geiwssen Schöpstin, dcr sich für die zum Teil reäü erheblich geschädigten Leute beim Kriegsministerium verwendet, ist nun eine Entscheidung zugegangen, wonach bereits am 21. März 1917 das Nötige in die Wege geleitet worden ist. Dem Generalquartiermeistcr sind Richtlinien mitgeteilt worden, nach denen die S cha d l o s h a l t u n g durchgeführt werden soll. Da die Prüfung dcr Ersatzansprüche in inalichen Fällen einige Zeit in Anspruch nehmen wird, sind die Dienststellen an- g e«v i e s c n, Abschlagszahlungen in angemessenen Grenzen zu gewähren. Zur Beschleunigung des Verfahrens wird es dienen, wenn die Arbeiter ihre Forderungen unmittelbar an den„Generalquartiermeister im Großen Haupt- guarticr" richten und dabei angeben: Uirtcrnchmer. bei denen sie gcarbeilct haben, Dienststellen, unter deren Aussicht gearbeitet tvurdc, Ort und Zeit der Zurückhaltung durch die Militärbehörden. Sind hierüber Bescheinigungen ausgestellt, dann empfiehlt cd sich, diese den Gesuchen in Ur- oder Abschrist beizufügen. Die Kontrolle öer Getreiüebestänöe. Rcichstagöausschus, für Eruährunassragcu. In der gestrigen Sitzung des Ausschusses verlangte Weilen- böck(kons.) mehr Brot für die Landwirte während der Bestellzeit und protestierte gegen die Herabsetzung dcr Schweincprcise.— Struve(Vp.) fordert die Bekanntgabe dcr Ergebnisse der Kon- trolle über die Bestandsaufnahmen an Brot und Getreide. Dr. Michaelis, dcr Leiter des preußischen ErnährungSamtS, bc- richtete, daß die Nachprüfung dcr Vorhände»!«« Bestände noch nicht abgeschlossen sei. Die Kontrolle sei sehr streng durchgeführt, und es habe sich auch die Hinzuziehung von Militärpersonen als zweckmäßig erwiesen. Die ersten� Berichte lassen erkennen, daß keine überniätzig großen Mchrer träge durch die Nachkontrolle bisher erreicht worden sind. Wir werden aber erst das Gesamtergebnis abwarten müssen, da gerade die großen Bezirke, aus denen man erhofft, größere Bestäiide noch zur Ber- fügung zu erhalten, ausstehen. In einigen Wochen werden die Ergebnisse abgeschlossen sein und dem Ausschuß mitgeteilt werden. Daß«vir durchhalten, ist sicher; es mag die Nachprüiung ausfallen, lvie sie will: loir sind in dcr Lage, den Ausgleich herbeizuführen. Eventuell müssen wir, um zeitig daS Getreide dcr künftigen Ernte zu erfassen, zu einem Frühdrusch greisen. Die gegenwärtige Brotration wird»atcr allen Umständen bis zur nächsten Ernte aufrechterhalten. Tie Kontrolle hat ferner ergeben, daß von allen Seiten, von Konsumelften und Produzenten, gesündigt wird. Be- weise für die Vcrfütterung von Brotgetreide hat die Revision un- zweifelhaft ergeben. Den ossi-iellen Vertretern der Landwirtschaft, die bisher den Nachweis dcr Verfehlungen bestritten, wird das Material unterbreitet werden. Das gleiche un-günstiga Ergebnis hat die K o n t r o l I e d e r Mühlen gezeitigt. So"t oie Ausmahlung des Geireides nicht in dem Umfang �durchgefüyrt. wie angeordnet, und damit mehr Kleie für die Viehfütterung ver- wendet worden. Durch die rücksichtslose Klarlcgung der Fehler wolle«nan erzieleu. daß die Wiederholung vermieden wird. Es fehlte vor allem bisher die Kontrolle, die für Preußen erst«cht durchgeführt ist.(!) Unrichtig fei es. daß Gegensätze zwischen«hm und dem Kriegscrnäbrllligsamt vorhanden seien. Gerade da-. KriegSernährungKamt Üahe die CSiuncUtuiiß ciucc Zentralstelle für Preußen, dcr er vorstehe, verlangt. Sehr übel gestaltete sich auch in der Versorgung die ungenügende Kontrolle dcr Brotkarten. Durch Nachahmen von Brotkarten sei eine größere Ausgabe, als die Levölterungszahl erfordert, zu verzeichnen. u>ld sind deshalb enorme Mengen mehr verbraucht, die uns gegenwärtig fehlen. Es muß auch hier mit aller Entschiedenheit darauf gedrungen werden. daß diese Umtriebe beseitigt werden und eine schärfere Kontrolle durchgeführt wird. �,,..... In dcr folgenden Debatte erklärte v. Batocki, daß nc Emsuür von Getreide und onderen landwirtschaftlichen Produkten aus Rumänien sich gut entwickle. Held(natp b�lagte die Verärfterunq der Bauern durch die Kontrolle, die nicbt einmal die Bestände erfassen könne, lvas Nnpp(Wirtsch. Äg.) bestritt. v. Batoeki criläric weiter, die Hindenvurgspende sei so ge- reaelt. dah ein Durchschnittspreis berechnet wird. P reife von 5 bis 6 M. für Speck feien ausgeschlossen, sie kämen nur für aus- ländischen Speck in Betracht, der von den Fabriken gekauft tverde. Roes icke(kons.) kündigte als Folge der starken iringrifte m die Viehbestände einen unangenehmen Fettmangel an und tadelte eS, das; man den Revisionen Gefangene heranziehe Letzte Nachrichten. Tie Löwcn-Divldcndc! Berlin, 00. April. Die Generalversammlung von Luow. L o e w c u. Co. genelimigte einstimmig den Jahresabschluß für 1016 und setzte die Dividende, welche vom ä. Mai d. Js. ab zahlbar ist, aus 02 Prozent fest. Demokratie in dcr Armee. Petersburg, 30. April.(Meldung dcr Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ter KriegSministcr hat einen Tagesbefehl an die Truppen erlassen, traft dessen jedes Armeekorps, jedes Regiment und jede Kompagnie künftig einen eignen S o nd c r a u S s ch u ß wählen draf, dem die Aufrechterhaltuiig dcr Disziplin, die Uebcr- Ivachung der Perpslegung und gesetzmäßige Maßregeln gegen Mißbrauch der Dienstgcwalt durch die Regimcntolommandeurc, sowie die Beilegung von Zusammenstößen zwischen Offiziere!« und Mann- schaften und die Vorbereitung dcr Wahlen zu der lonstituicrendci« Vcrsammlililg obliegen sollen; daneben ermächtigt der Tagesbefehl die Truppen, Disziplinargerichte für die Beilegung bon Mißvcrständ- Nissen und Streitigkeiten zwischen Mannschaften zu wählen. Tic sibirischen Mongolen fordern Autonomie. Bcr n, 30. April. Lijenct Blätter melden aus Petersburg: Tie fibirlscke Beröllcrung mongolischer Abstammung beschlos? auf einem K o n g r c s? in I r t u t s t, ven dcr Regierung n a t i o u a l e An- t o n o m i c zu fordern.___ Der Zar nicht in der Schlüssel bürg. Bern, 39. April. Lhoner Blätter melden aus Petersburg: Kerenst» erklärte, daß«»folge Nebcrfüllung der Peter- Pauls-Kestung eine Nebrrführung des Zaren dahin nicht ins Auge gefaßt wrrdrit könne. SeWLrkschBsbeWGmg veut�Kes Neich. Gauleiter-Konferenz des Buchbinderverbandes. Am Son-nabend, den 28. April, fand im Berliner GeweickichasiZ- 5aufc eine(Lauleiterkonfersnz d�s Buchbinderverbandes stait, an der außer den Gauleitern der VcrbandSvorftand, der Vorsitzende des VerbandSauZschusicS sowie Vertreter der Tariflommtssion von Berlin, Leipzig und Stuttgart teilnahmen. In einer eingehenden ? chatte wurden alle Vorkommnisse der letzten Zeit, insbesondere die wilden«Streiks, sotoie die verschiedenen Pläne gestreift, welche darauf hinauslaufen, neue wilde Streiks hervorzurufen. Wohl wurden die durch den Krieg hervorgerufenen Unzufriedenheit er- weckeirden Ernäh cungsverh crlUust e sachlich gewürdigt und bemerkt, daß manches getan und noch mehr untcwlassen worden sei, was der Volksernährung zuträglich sei, aber mit Entschiedenheit wurden von fast allen Rednern die Versuche unveranll u orrliche r Personen zurückgewiesen, diese Unzufriedelcheit gegen das feste Gefüge der Gewerkschaften auszuspielen, um ihre politische«suppe dabei zu kochen. Die politischen Streitigkeiten müßten von den Gewerkt schasten ferngehalten werden, und diese müßten ibve Angelegenheiten zum Nutzen der wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder selbst regeln. Entsprechend diesen Grundsätzen faßte die Gauleitenkonscrenz fast einmütig folgende Entschließung, und beschloß, diese schnellstens zur Kenntnis der Mitglieder und der Berufsgerwssen zu bringen. An die Mitglieder des Deutschen Puchbinderverbandes. In der Einigkeit liegt unsere Kraft. Das ist ein alter Grund- saß unseres Verbandes, der aber nicht nur im getverksckKrftlichen Kampf, sondern ebenso im Kriege zutrifft. Während der nun fast dreiiährige« Kriegszeit haben alle Schichten unseres Volles zusammengestanden im der Abwehr der dem Deutschen 3 wiche von einer gewaltigen Ueberrnacht offen angedrohten Entmstung wertvoller Landstriche, der gewaltsamen Aushungerung Deutschlands und der Unterbindung seines industriellen Lebens. So mutz es auch weiter bleiben, bis der Krieg zu einem glücklichen Ende geführt werden kann. Tie mit dem Vorstand und dem Vertreter des Ausschusses versammelten Gauleiter des Verbandes sind einig mit .der Generalkommission der Getverkschaften in dem Verlangen, daß dein Kriege möglichst bald ein Ziel gesetzt werde unter Bedingungen, die es fernerhin wieder ermöglichet!, mit den Nachbarvölkern in Frieden und Freundschaft zu leben, die aber auch die territoriale Ueversebrtheit und die wirtschaftliche EntioickclungS- Möglichkeit des eigenen Landes sicherstellen. Sic sind weiter einig mit allen Arbeiterorganisationen in dem Verlangen nach srviJjcil- I fchem Ausbau der inneren Einrichtungen Deutschlands und senior Bundesstaaten, in dem Verlangen Nach Rationierung und gleichmäßiger Verteilung aller im Lande vorhandenen Lebensmittel, in der Bekämpfung wucherischer Ausbeutung des Volkes und in der Förderung der LÜriegszeit entsprechenden Arbeitslöhnen.' Andererseits sind wir Unterzeichnete aber auck liberzengt, daß alle Kräfte ongespcarut iverdcn müssen, nm den Bedürfnissen des HcereS und der im Lande verbliebenen Volksgenossen hinlänglich Rechnung zu trägem Willkürliche Unterbrechungen des Arbeits- � ganges müssen vermieden werden. Auch unsere Tarifgemeinschasten| erfordern regelmäßige Arbei tslei stungen. Wir warnen deshalb alle unsere Kollegen und Kolleginnen in Ucbereinstimmung mit dem vom Vorstand unseres Verbandes bereits veröffentlichten Auf- ruf vor der Beteiligung an wilden«Streiks, die der Arbeiterschaft zurzeit von ungenannten Personen empfohlen werden. Potitische DemonstrationZstrsikS paffen niätf ra die jetzige, in mehrfacher Hinsicht gefahrdrohende Zeit. Wir vertrauen darauf, daß unsere Kollegenschaft l>ei aller be- rechtigien Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen, für die wir gleichzeitig nachdrücklichst eintreten, nicht durch Beteiligung an wilden Streiks sich und ihre Berufsorganisation zwecklos in Gefahr zu bringem Die Organisation ist allein im weiteren Verlauf des Krieges und nach Beendigung desselben in der Lage, die Wirt- schaftlichen Interessen der Kollcgenschaft wahrzunehmen und muß deshalb unter allen Umständen hochgehalten werden. Weist daher alle etloa auf Störung der Einigkeit abzielenden Versuche weit von Euch! Hütet Euch bor Einflüsterungen unverantwortlicher Ratgeber! Berlin, den 28. April 1917. Vorstand» AuSschufi und Gauleiter des Deutsch«» Buchbinderverbandes. Industrie und Handel. Der Erfolg der sechsten Kriegsanleihe. Das endgültige Er- gebnis der sechsten Kriegsanleihe macht nicht weniger als 12 973 OiO 700 M. aus— ein neuer gewaltiger Rekord! Auch das flache Land hat sich etwas reger beteiligt, wie aus der Steigerung der Zeichmmgen bei den Kreditgenossenschaften von 847 auf 1103 Millionen Mark hervorgeht. Es entfallen auf 3 0/0 ReichSanleihcstücke.. 9 051,4 Millionen Marl , Sckuldbuchverichreibungen mit Sperre bis 13. April 1918. 2 366,2,, , 4,/ä% Neichsschatzanweisungen 1 361,4, 12 979,0 Millionen Mark Ferner wurden angemeldet ältere Kriegsanleihen zum Umtausch in 4 Vi proz. Schatzanweisungen der sechsten Kriegsanleihe 492,7 Millionen Mark. Diese 492,7 Millionen find in den obigen Summen nicht inbegriffen. Der neue Typus der 4Vz Proz. Schatzanweisungen hat also keine aklzn große Zugkraft ausgeübt— trotz des großen Vorteils der durch die Auslosung gebotenen Kurssicherung. Die Zahl der Zeichnungen bis 200 Bk. beträgt 3 844834— eine wahrhaft stattliche Ziffer, die auch dann nicht von ihrer imponierenden Große verliert, wenn eine Anzahl von Doppelzeichnungen an- genommen wird. Das argentinische Wcizenausfuhrvcrbot soll bei einem guten Er- gcbuis der angeordneten Bestandsaufnahme gemildert werden. Soziales. Die Notwcudigkeit der Auziehums von Arb'citervertrctern zur Unfallverhütung. Es ist ein alles Verlangen der Arbeiterschaft, zu allen Maß- nahmen des praktischen Arbeiter schutzeS herangezogen zu werden. Die Berechtigung dieses Verlangens findet eine direkte Bestätigung im nun vorliegenden Geschäftsbericht des Nieichsversickernngsamtes für 1916. Es wird gesagt, daß die Beratungen gemäß§ 857 der Reichsverficherungsordnung, wonach alljährlich der Vorstand der AerufSgenossenschaft unter Hinzuziehung der Vertreter der Ver- sicherten zu den Berichten der technischen Aufsichtsveamten«Stellung zu nehmen und die zur Verbesserung der Unfallverhütungsvor- schristen gebotenen Maßnahmen anzuregen hat, zu manchen An- regungen geführt haben, die bei der weiteren Ausgestaltung der llnsallverhütung verwertet werden sollen. Diese Tatsache ist so selbstllsrständlich, daß man sich eigentlich nur wundern muß, daß sie als besonders erwähnenswert im Gc- schästsbericht des R.-V.-A. bewnt wird. Tie mitten im Produttions« Prozeß stehenden Arbeiter sehen eben mft eigenen Augen, wo es fehlt, � ihre prattische Erfahrung läßt die zweckmäßige Gestaltung der«Schutzeinrichtungen an den Maschinen am besten erkennen. Gerichtszeitung. Nesicrc Konirolle auf dem Lande! Vor dem Schöffengericht in Schwerin(Mecklenburg) hafte sich die Erdpächtersftau E. Meyer in Zittow zu veranftoorten, weil sie von ihren sieben Kühen ein halb Jahr lang keine Butter ad- geliefert halte,«sie behauptete, daß die Kühe in der sraglichen Zeit fast alle„trocken gestanden" hätten. Der als Zeuge ver- nommene Dorfschulze mußte erklären, er habe sich nicht darum gekümmert, ob jeder die richtigen Mengen ablieferte; Kon- trolle habe er nicht ausgeübt,«schließlich wurde die Angeklagte, weil das Gericht zu der Ueberzeugung kam, daß sie zweifellos erhebliche Mengen Butter zu wenig abgeliefert hätte, zu 130 M. Geldstrafe verurteill. Zittow hat 11 Vollbauern, 6 Halbbauern und 11 kleinere Grundbesitzer, sogenannte Häusler. Alle haben offenbar an Milch oder Butter abliefern können, was sie wollten.„Kontrolle" hat der Ortsvorsteher„nicht geübt". Wenn das in Mecklenburg etwa allgemein so ist, wären dringend die zwingendsten Vorschriften für besser« Kontrolle angebracht. Mit wortreichen und klangschönen Aufrufen ist es nicht getan._ Milde Richter fand der Rfttergutsbesitzer Graf v. Blücher auf Finckcn(Mecklenburgs, der vor der Strafkammer in Güstrow angeklagt war, im Frülssahr 1915 Mehl und Brotgetreide an seine Hunde verfuttert zu haben. Mit einer Geldstrafe von 100 M. kam er davon.__ Mus aller Welt. Ei» Zug vo« einer Lawine verschüttet. Sonntag abend 6 Uhr stürzte bei Hochwald am Davoser See von der Drusatscha herunter eine gewaltige Lawine auf den in DavoS-Platz von Landquart-Klosters eintreffenden Zug der Rhätischen Bahn. Der aus einer Lokomotive. drei Personen- und einem Gepäckwagen bestehende Zug wurde mitten auSeinandergeriffen, die beiden letzten Wagen etwa oft Meter aus dem Geleise geworfen, der übrige Teil des Z'.ches von der Lawine teilweise Ift bis 15 Meter tief zugedeckt. Die Lawine kam infolge des Zusammenstoßes mit dem Zug zum stehen. Die Insassen namentlich der letzten Wagen konnten zum Teil unverletzt aus dem Zug springen oder aus den umgeworfenen Wagen steigen, Feuenvehrcn und große Scharen der in Tavos internierten deutschen Soldaten sowie zahlrmche andere Hilfsmannschaften wurden init einem Hilfszug an die Unglücksstätte geführt. Bis jetzt sind acht Tote geborgen, darunter eine Frau Emilie Jrion aus Stuttgart. Ter Zugführer wird vermißt. Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Diedcrich, Berk-Frieden am für d. übrigen Teil d. Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; sür Inserate: Tl>. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärls Buchdrnckerei n. Verlagsanstall Paul Singer&,«io Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Uiitcrbaltuugsblatt. •Direttion Max Keinbardt. deutsches Theater. 71/, TJhr: Der Cteiülj-e. Mxtfcwuch: Der Oelzise. Kammenspiele. VI,, Uhr: Fasching. Mittwoch; Fasching. Volksbühne. Theat. a.BSIowplatz. 7'/. Uhr: Volk In iVot. Mittwoch; Die Hatten. Theater i. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Tstj Uhr: Erdgeist. EComödienhaus 71/,: Die verlorene Tochter. �erSiner Theater 7 30 Uhr: Die tolle Komtell. Sessm�'Theater. Ist, Uhr: Hadame Eegros. Mittwoch: üladaine Eegros. Donnerstag: Peer t-ynt. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 7'/, Uhr: Der Kammersänger. Comtcsse Mizri." I. Klasse. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Der VierwaldslaUer-See und der Gotthard. Theater für Dienstag, den 1. Mai. Deatscbes Opernhaus, Cbarlottenb. 7 Uhr: Feuersnot, Die glückliche Insel. Frieilrlcb-Wilhelmstädt Theater. T'/jUhr.• Das llskimsdeslksus. Gebr. Hcrrnlold-Theatcr. �'wcht: Ehe-ürlaub. Kleines Theater T/.ti.: Baus im ScInaleDloeli. Komische Oper zoauL: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus VI,Ü.: Metropol-Theater iQMin: Die Czardastüfslin. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret„Feldgrau." Ansang T'/s Uhr. Für Milltärpers. an den Wochentagen volllommen fteier Eintritt zu den Slellincr Sängern. "�lliewS.Miv.I.iviiM! i�eues Operetteuhaus LchifEhd. la. Kassentel.: Xord. 281. 7«/. u.; Der Soldat der Marie. Residenz-Theater 7'/,uhr- Die Warsch. Zitadelle. Schlllep-Theater O Der Tartotf. Sganarell. Scbiiler-Th. Cbarlottenb. iv.ükr: Der Bibliothekar. Thalia-Theater Is mL; DasVagabundenmädel. Theater am Büollendortpl. SV.Ühr; Die Räuber. 7vt u.: Die Gulaschkanone. Theater des Westens kuv� Stolze Thea. Trianon-Tbeater Jägerblul. NATIOML-IUEITER 'ltS. Größter Lacherfolg. 8/48. Studentenliebcben. Posse mit Gesang v. Tanz m 3 Akt. Musik von Walter Bramme. Sonntag 3'/. Uhr: Engend. Vorveriaus ab l'O Uhr ununterbrochen. Zirkus A. Scteann Dienstag. 1. Mai, abds. 7-/. Uhr: Das vollständ. neue Programm. Gastspiel de? weitberühinlcn Joe r.abcro. Der Mann mit dem sechsten Sinn l genannt daS Rätsel der Welt! kalt& Leo, der fallende Mann m. der Leiter. Berta Steiner und Parin er, K unst schützin. 7ato& May, tom. Tanzlüiftllcr. Hadges&Silles i. ibr. neuen Schöpfung. 3 fkilippz i. ihr. Aussch. erreg. Darhictuugcii. Nur noch kur,« Zesi l visLsvnsuksn KosS-Tkeater. 7'!, Uhr: Das Findelkmd. Harte» Lastsplell �osepd Plaut ckatu der glänzende Mai=Spielpian! S�poTfo BWEPRJCriiTR-AN• OEß-KOQlSI» Ailaboadlich 71/. Uhr: Das vielseitlgo Varietö-Programm! Die Kasse Ist ah 10 Uhr qeöffnsl f Tägh 7'/, Sonut. 31/, u.>st, Gastspiel der Schlierseer rnJi iSLarcr Torofal. Heute zum 1. Male: St. ÜGDPi, der Oraelieiitöter. Heiteres Stüoi in 3 Akten. Morgea dieselbe Vorstellimg. Sonntag S1/»: .Der Herrgottschnltzer' Zur jeden Staatsbürger hochbeöeutsam Die Erneuerung öes preußischen Wahlrechts von Dr. G. W. Schiele Einen suH frcihcitUcber Grundlage Reditc u. pfliditen gerecht verteilenden, völlig ausgearbeiteten Entwurf des Wahlrechts enthält öas Machest von: �eutfchlanös Erneuerung Monatsichrist für öas üeutsche Volk preis vierteljährlich M. 4,—/ lkinzelhest SIT, 1,50 Zu beziehen durch jede Buchhandlung, poftanltalt oder vom Verlag; J. 5- Lehmanns Verlag in München SV. 2 C-aSino- Theater Voigt-Theater� Lothringer Str. 37. Täglich T1/, Uhr. 71/. Uhr: DaS neue Mai-Progr. Hervorragende Svezitlitäteu. dp, Uhr: Stürmischer Beifall. Großer Heiterkeitserfolg Wtnv's U.ilüsterl weht. Sonntag 4 Uhr: Sein Puppche». Salisir. SS. Badstr. öS. Heute Vf, Uhr: Der Hüttenbesitzer. Mistwoch, den 2. Mai: Benefiz jür Emmi Authos u.$. Witte! Das rote Schloß. Wnlhnlln-Theater. 7'/, Uhr: Der sidele Bauer. kerliaer Kon�ertliaus Jä* Manerstr. 82 Zimiüerstr. 90/91. jQx\ Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerttaans- Orchesters, Leiter: Komponist Frz.». Blon. Anfang 71/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 71/, Uhr. �TocUeätle� Naelmiittaßs- Konzert bei Ireiem Eintritt vod gM" fcftfpiclc für dk stiarlne Zirkus Oufch verlängert bis 4. Mai* Seginn TVailhr: Die deutfebe See Dramatilches Spiel von Georg Engel, plulik von paul öchcinpflug Intecnterung von fritz friedmann-frederich. Das verstärkte Blüthner-Ordieltcr unter Leitung des Komponilten. 2000 tttltottfCnOC d- Selamtleitung: Wilhelm Karein. preilc PI. 0,50 bis PI. 10,00. Vorverkauf bei CQerthetm, Bote& Bock, Invalidendank» an den Zirkuskarren und im Konrertbureau, HIotzttr. 8 I. Admirals-Palasl. Die kVovltüt Abrakadabra großes phantastisches Ballett aal dein£ise. 7'lt Uhr. Vorzügl. Küche. . Haben Die euipiekle nach Maß pajfcnt gearbeitete Stütreinlagen soivi« Druchhandagcn aller Art, Leibbinden, StüHkorsettS usw., Artikc» zur Geiundbeits. u Kranlenpflege.- pollmann, KaudagiK, Kerlin Lotknnxer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. Spezial-�rzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 Beb an dl. von htyptailis. Haut-, Harn-.Fraoenleid.,focj.(f)ron. Fälle. Ehrlich-Hatil-Kuren, schmerzlose. türzeste Behandlung ohne Be« russstörung. Bluluntersnchimg. Mag. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 19—1 und 3— ö,©oatu. 11—4. Nr. IIS 4 A4. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 1. Nah H17 Der Sezirkstag öer Groß-Derlmer fozialöemokratifthen Organisation. Im großen Saale dcZ Gewerkschaft-Hauie-Z wurde am Sonntag unter zahlreicher Beteiligung der Vertreter der Groß-Berliner Parteiorganisationen die neue Bezirksorganisation Groß- Berlin der«ozialdeni akratischen Partei Deutschlands gegründet. Auch die unserer Partei angehörenden Reichstags- und Landtagsabgcordneten des Bezirks, sowie zahlreiche Gemcindcvertrcter hatten sich eingefunden. Dem bereits gestern ge- brachten kurzen Bericht lassen wir heute ausführliche Mitteilungen folgen. In der Eröffnungsansprache flirte der langjährige Borsitzende der Groß-Berliner Sozialdemo- kratie, Eugen Ernst, u. a. aus: Wenn wir in früheren Fahren im Bezirk Groß-Berlin zu- sammenkamen, so konnten wir fast iuimer eine neue Festigung unserer Oiganisativn verzeichnen. Die Mitgliederzahl wuchs, die Zahl der Abonnenten des.Vorwärts'' vermehrte sich. Alle hatten wir die Hoffnung, daß die S-rgauisation der Berliner Sozialdemo- Iratie in den Herzen und Köpfen der Berliner Arbeiter so fest der- ankert sei, daß kein Nnwetter sie zerstöre» könne.(Sehr wahr!) ES ist anders gekommen. Aber klagen wäre sinnlos. Fetzt heißt es ivicder aufbauen, und alle ohne Unterschied müssen mithelfen, die Partei wieder mach!» und kraftvoll zu gestalten. Als am 17. Dezember 1905 die Groß-Berlincr Parteiorganisation ge- gründet wurde, konnte ich unter allgemeiner Zustimmung ausführen, daß die Berliner Genossen sich nur als ein Glied der deutschen Sozialdemolratic sühlen und keinen anderen Wunsch haben, als sie zu fördern. Das war auch sahrelang das tleiiniotiv der Bcrlincr Organisolion. Aber schon 1914 machten sich Bestrebungen geltend, zwischen Berlin und die Gesamtvartei einen Keil zu»reiben. Das mißlang zuerst. Dann aber ergriff die durch den Krieg hervorgerufene Nervosität auch unsere Parteidebatten. Es er- schienen anonyme Flugblätter, in denen Hhslerisch gekreischt wurde über Parteiverrat und Aufgeben des Klassenkampfes. Jede verkannte Gruße sonnte sich in der Anerkennung eines»ge- Heimen" Klubs. Endlich gelang es diesen Leutchen, die Berliner Organisation sür ihre Zwecke zu mißbrauchen. Nun konnten sie offen borgehen. Die Opposition organisierte sich über Deutschland, sie organisierte den Kampf gegen Fraktion, Parleivorstand und Parteiausschuß. Der.Vorwärts" stellte sich ausschließlich in den Dienst dieser Sonderorganisation. Wer nicht kritiklos alles binnahm, was die Redaktion ihm als unumstößlich wahres Ergebnis ihres Forschergeistes bot, wurde begeifert. tSebr richtig!) Was hat man uns ans diesem Gebiet zugemutet! Im FuU 1914 wurde Wilhelm IL im„Vorwärts" als der Friedens- fürst gevrieten, nachher aber sollten wir glauben, daß Deutschland die Hauptschuld am Kriege trage. Am 6. Oktober 1914 erklärte der.Vorwärts", daß Deutschland nur einen ehrenvollen Frieden schließen könne, und unsere braven Soldaten solange aushalten müßten, bis der«ieg endgnlttg unser sei. Am 2. September 1914 gelobte Sladthagen als Bcrtretcr der.VorwärtZ"-Rcdaktion dem Oberkommando: Fch kann versichern, daß ich dem Wunsch dcS Ober- kommandicrenden, daß die Einhcitlichlcit der patriotischen Be- gcisterung nicht gestört werde, nachkommen werde und glaube, bisher schon alles getan zu haben, nm die patriotische Begeisterung nicht nur uicht zu stören, sondern zu beleben. Ströb e l aber bat den Parteivorstand nodHin Frühjahr 1915, dafür einzutreten, daß Italien österreichische Gebiete a nn c kr i er c n dürfe. Das alles sollten wir als wiffcnschastlichen, revolutionären Sozialismus gläubig hinnehmen I Als der„Vorwärts" am 2L September 1914 trotz ausdrücklichen Verbots des Ober- kommandos einen Artikel veröffentlichte, wurde er verboten. Und erst als die Redaktion gelobte, Klassenhaß und Klassenkampf iin .Vorwärts" nicht mehr zu berühren, wurde er wieder freigegeben. Der damalige Redakteur Däuinig wurde von der Berliner Organi- sation mit diktatorischer Gewalt über Form und Fnhalt des Blattes ausgestattet; bei dem letzten Verbot aber bat man eine solche Maß- nähme dem Parteiborstand verweigert.(Hört! hört!) Inzwischen gestaltete sich das Berliner Parteilebcn immer vcr- biiterler. Wer nicht an dem Kampf gegen den Parteivorstand teil- nahm, wurde in jeder Weite heruntergerißen. Ganz unverhüllt be- nutzte man die Parteiorganisation zum Kampfe gegen d»e Partei. Gelder wurden gesammelt, deren Verbleib niemand kontrollieren konnte, Parteimittel unier falscher Deklaration für Oppositionszwecke verwendet, an die Parteikasse nichts mehr abgeführt, angeblich, weil der alte Vorstand 10 009 M. Schulden hinterlassen hatte. DaS sollte eine Entschuldigimg für die Berliner Organisation sein, die nach dem.Berliner Mitteilungsblatt" vom 21. Januar 1917 in zehn Jahren etwa l'/z Millionen Mark an den Parteivorstand abgeliefert hat. also jährlich 150 000 Mark. Fir den Zusammenlünsten der Or- ganiiation wurden Flugblätter mit den unflätigsten Anwürfen gegen die Partei verbreitet, die man nur noch vom pathologischen Standpunkt aus beurteilen konnte und die lediglich bewiesen, wie wenig die Vcr- fasser vom Wesen des Sozialismus begriffen haben: wild gewordene Kleinbürger, die sich an der Phrase berauschten, aber ihre werte Person in Sicherheit hielten. In dem Hnndeflugblatt wurde om- gefordert, die Führer mit der Hundepeitsche zu verprügeln. Es erschienen der durch und durch verlogene Bilderbogen, die Spartakus- brieie, die.Zwanglosen Blätter" und wie die Schmähschriften alle heißen. In Niederbarnim vertrieb der sogenannte Bildungs- ausichuß ein Referenlenmaterial, in dem cShieß, daß die sozialdemo- kralische Presse und Organisation� zuverlässige Jnslruineute der Regierung geworden seien. Sogar Julian Borchardt trat aus. um für die Reinheit der Partei zu wirken. Und zum Schluß kam eine Stimme aus dem Schützengraben, die in echt revolutionärem Pathos behauptete, mindestens 70 Proz. aller Partei- genossen wären Halbidioten, die Führer arbeiteten zum Verderben der Masie. Tie Redaktion deS.Vorwärts" fand für all das Treiben nur Worte der Entschuldigung, die Schmähungen wären nur über- schüssige Begeisterung für unsere bohen Ideale l Die Nedak- tion öffnete sogar dem früheren Genossen Mover die Spalten, als er die Beitrags sperre propagieren wollte. So wurde langsam eine Stimmung in die Berliner Organisation hineingetragen, die zum Bruch führen mußte. Am 31. März 1910 bcichloß der Zentralvorslaud mit 42 gegen 28 Stimmen den Anschluß an die.Arbeitsgemeinschaft". Der Parteivorstand versuchte trotzdem noch, eine Verständigung mit den Berliner Genossen herbeizuführen. Im Juni 1916 schlug er ihnen vor. den.Vor- w ä r t S. zu»eilen in das„Berliner VolkSblatt" für die Berliner und den„Vorwärts" sür den Parteivorstand. Die Berliner hätten dann ein Blatt gehabt, über das sie ganz selbständig verfügen konnten. Aber ohne die Parteigenossen Berlins erst zu fragen, lehnte der Zentralvorstand den versöhnenden Vorschlag ab. und da».Mitteilungsblatt" verschwieg ihn, bis es notgedrungen im November über ihn berichten rnußte. Am 8. Oktober 1916 kam das letzte Verbot des„Vorwärts". Als der Parteivorstand versuchte, eS rückgängig zu machen, erklärte da-s Oberkommando, daß es durch den groben Verstoß gegen die Zeniurvorschriflen das Vertrauen in die Redaltion verloren habe und das Verbot erst aufheben könne, wenn durch andere Herren in der Re- daktion Garantien für die Zukunft gegeben seien. Nach längeren Verhandlungen schlug der Parleivorstand der Preßkommission vor, daß ein Mitglied des Parteivorstandes in die Redattion eintteten solle mit der Vollmacht, über den Inhalt des Blattes zu erttscheideu. Die Preßkommission kehnie das ab. Das Blatt konnte nicht er- scheinen. In dieser Zwangslaae mußte der Parleivorstand selb- ständig entscheiden; er rettete den Berliner Arbeiter» das Organ zur Vertretung ihrer Jnteresien. Aber in sinnloser Wut boykottierte die Berliner Parteileitung den„Vorwärts", das einzige Arbciterblatt Berlins, und trieb den bürger- lichen Blättern die Leser zu.(Hört I hört!) Eine Anzahl Genossen, die dieses wahnsinnige Treiben nicht mitmachen wollten, er- hob Protest und gründete den Verein„Vorwärts", um unser Organ zu schützen. Darauf wurde beschlossen, daß wir keine Ehrenämter mehr in der Partei bekleiden dürften. Jeder Leser der.Morgen- Post", des„LokalanzeigerS" uitv. konnte also in der Berliner Partei- bewegung die höchsten Ehrenposten bekleiden, er mußte sich nur radikal gebärden. Wer aber als Sozialdemokrat daS Zentral» organ der Partei abonniert, den» durften keine Funktionärpostcn innerhalb der Vcrbandsorganisation übertragen werden. Schon vorher war uns gedroht, daß wir uns durch unser Verhalten, als„außerhalb der Orgairisation gestellt" betrachten müßten. Soweit ging die Intoleranz, daß man uns lediglich wegen unserer Gesinnung„außerhalb der Organisation" stellte, obwohl wir nach wie vor unsere Parteipflicht erfüllten, und diese Leute greinen jetzt heuchlerisch über die„brutalen Gewaltakte des Parteivorstandes", weil er Leuten die Tür wies, die durch eine geschiosiene Sonderorganisation die Partei mit den schmutzigsten Mitteln der Verleumdung bekämpfen.(Lebhaste Zu- stimmung.) Dann ging eS schnell bergab mit der Berliner Parteiorganisa- tion. Was man immer noch geleugnet hatte, trat nunmehr klar zu- tage: Am 29. Oktober 1916 wurde ein Aktionsausschuß für Deutschland gewählt, dann kam die Reichskonferenz der Opposition. Diesem systematischen SpaltuugStrriben mußte sich jeder entgegenstellen, der nicht woll:e, daß die Arbeiter- bewegung infolge innerer Zwisiigleilen zur Ohnmacht verdammt werde. Eine große Anzahl Parteigcnosieii legte am 26. Januar 1917 dem Parteivorstand dar, weshalb ihnen das Partcigefühl verbiete, noch länger in der Berliner Organisation zu bleiben, die doch nur aus Gründen des Mttgliedersanges sich als zur Partei gehörig be- zeichne. Der Parteivorstand erkannte unsere Gründe als berechtigt an und beauftragte mich, im Einverständnis mit ihm die Partei- organisation für Groß-Berlin aufzubauen. Der Verband sozial- demokratischer Wahlvercinc ging zu den„Unabhängigen" über, wir aber blieben Mitglieder der Gesamtpartei in alter Treue.(Stürmischer Beifall.) Die„Unabhängigen", die sich darüber entrüsten, wenn sie von Bürgerlichen als Agenten auswärtiger Regierungen vezeichnet werden, nennen unS„Regierungssozialisten".(Heiterkeit.) Wir hatten schon einmal eine„Unabhängige»"-Bewegung, in der die Anarchisten die Oberhand bekamen und die schließlich von der Bildfläche verschwand. Nur ein Häuflein Wirrköpfe und Krakeeler blieb übrig. Ein böses Omen sür die neue Partei, die nach meiner testen Ueberzeugung schnell denselben Weg gehen wird. Wir aber bleiben, was wir waren: Sozialdemokraten! Sozia- listen, weil wir die Schäden der heutigen Gesellschaftsordnung erkannt haben und gerade jetzt am besten beobachten können. Demokraten, weil wir in der Demokratie die beste Sicherung für Glück und Wohlfahrt des Volkes sehen. Wir geben nicht das Mindeste von unseren Zielen und Bestrebungen preis, für die wir unser ganzes Leben laug getäinpfc haben.(Stürmische Zustimmung.) Einig sind wir darin, daß die McinuiigLdiffercilzen umerhalb der Partei auSgettagen werden, aber im Geiste der Kameradschaftlichkeit und der gemeinsamen Liebe zu der gemeinsamen Sache. Freiheit im Denken, aber Einheit im Handeln— das hat die Partei groß gemacht und soll bei unS wieder zur Geltung kommen. Wie wir uns auch zu den einzelnen Fragen der Politik stellen, für uns gilt der Standpunkt, den das Berliner Mitteilungsblatt im Oktober 1914 im Auftrags der Organisation vertreten hat, daß wir uns klar sein müssen darüber, daß eine deutsche Niederlage gleich- bedeutend wäre mit einem Triumph der englischen Weltmacht- Politiker und Großindustriellen. der ehrgeizigen Geschäfts- Politiker und Börsianer Frankreichs, und daß wir daher alle Ursache haben, unteren im Felde ihre Pflicht tuenden Genossen und Arbeitsbrüdern vollen Erfolg bei dem Schutz der Heimat zu wünschen.(Stürmischer Beifall.) Voll innigen Mit- gesühls gedenke»» wir ihrer Leiden und Opfer. Aber all»tnser Tun ist darauf gerichtet, möglichst bald einen ehrenvollen Fr i e den zu erreichen, der eine Verständigung der Völker herbei- führt. Daraus waren die Bestrebungen der dcutsckicn Sozialdemokratie immer gerichtet.(Lebbasle Zustimmung.) Der Friede»nar- schiert— wir aber stehen im Bruderkampf— in einer Zeit, wo das ganze deutsche Volk vertrauensvoll auf unS blickt als die Träger und Schützer des Friedensgedankens.(Sehr wahr!) ES heißt jetzt, alle Kräfte anspannen, um unsere Organisation groß und stark zu mache». Arbeiten und nicht verzweifeln! Die Mitgliederzahl von 6000 haben wir in Berlin bereits überschritten; Ivir sind heute schon so stark wie die Organisation der„Unab� höngigen". Aber wir müssen mehr iverden, neue Tausende müssen sich angliedern. Der schlimmste Feind der Arbeiterbewegtutg, der Geist der ttneinigkett und Selbstzerstörung darf nicht triumphieren. (Lebhafte Zustimmung.) Unser die Zutüiist l Mit uns das Volk, mit uns der Sieg!(Stürmischer, anhaltender Beijall.) » In das Bureau der Versammlung wurden darauf ge- wählt: E r t» st, Wels und P o e tz j ch. Den vorliegenden Statutenentwurf begtündete Eugen Ernst. Die Trenitung zwischen Vorstand und Attionsausschuß, die nur die Veramtvorlung unklar machte, ist be- seitigt. Damit die Leitung elastisch sei, darf sie nicht zu groß sein. Die Selbständigkeit der Kreise wird gesichert. In Anbetracht des geringen Wertes der Zahl ab ende werden sie beseitigt; sie 'würden nur dann nicht veröden, wenn es möglich wäre, sie alle mit Referenten zu besetzen und wirklich belehrende Diskussionen zu sichern. Das aber war nur selten der Fall, und die Nachteile über- wogen die Vorteile. Wir wollen das politische Leben hinausführen aus der Stickluft des Zahlabends in die frische der VereinSversamtulungen, wo auch die jungen Kräfte weit besser berangezogen iverden können.— Uebrigens können wir, wenn sich Aenderungen als notwendig erweisen, diese immer vornehmen. G r o g e r beantragt, da die Kreise das Bezirks- und KretS- statut bereits gründlich beraten baben, diese mit einigen vorge- ichlagenen Aenderungen wesentlich redaktioneller Natur en bloc anzunehmen. Dies geschieht; die Statuten werdet» einstimmig ange- nommen. Für die Landkreise gilt das Kreisstatut nur als Rorn». Die Wahlen ergeben: als Vorsitzende Ernst und Wels, als Kassierer Theodor Fischer, als S-vriftführer Hugo P o e tz s ch. Zun» Bezirks sekretär wird unter Ablehnung einer Aus- schreibung Theodor Fischer gewählt. Darauf nahm zu feinem Vortrag über Volksintereffen— Arbeiterintereffe« Reichstagsabgeordneter Robert S ch m i d t(Berlin) das Wort: Die sozialdemokratische Partei ist vom Beginn des Krieges an von der Anficht gekettet, daß dte große Gefahr, die der Krieg schuf, eine gemeinsame Abwehr fordert. An Stelle der gegensätzlichen Interessen, die das politische Parteigetnebe beherrschten, trat das Gesamlinteresis des Volkes, dem sich niemand verschließen konnte, dem die Selbständigkeit und die Erhaltung der Nation am Herzen lag. Aber was hier im Interessenausgleich in die Erscheinung trat, verhinderte nicht, daß die Gegensätze' auf»nnerpolitischein Gebiet hervortraten, und nirgends ist das in höherem Maße geschehen als in der Nahrungsmittelversorgung. Es sind Gegensätze, die ganz von selbst die kapitalistische Wirt- schaftsordnung hervorbringt. Wir bemühen uns, das engherzige, egoistische Treiben durch Zwangsmaßnahmen einzudämmen. Es»st uns restlos nicht gelungen, denn die widerstrebenden Tendenzen sind viel zu stark. Bei der Leurteiluug der Nahruttgsintltelvetsorgung dürfen wir die Schwierigkeiten uiebt verkennet». ES ist ein großer Febler, wenn vielfach in der Bevölkerung angenommen wird, es sei genügend vorhanden. Die Fehler unserer NahrungSmittelversorgnng liegen mehr in der mangelhaften Verteilung und in der zögernden An, Ivie die Beschlagnahme der vorhandenen Produkte uns dem Lande durchgeführt wird. Hart hat uns die Herabsetzung der Brotration gettoffei». aber unter den gegenwärtigen Verhält- nissen, wo wir mit Sicherheit die vorhandenen Bestände übersehen, Ivar die Minderimg eine Notwendigkeil geworden. Anders ist die Frage, ob sie vermteden iverden konnte, wem», tote wir es gefordert haben, zeitig die Beschlagnabine durch- gesetzt und mit mebr Eifer die Herstellung von Nährmitteln betrieben worden wäre.(Sehr richtig!) Die Erbtttermtg in der Be- völlenxng steigerte sich durch die Bekanntgabe der tingeheueren Unterschleife, die bei der GerstenUefermig, bei der Getreideabnalnne und in der Mühlenfabrikation zur Kenntnis gekommen sind. Nicht minder ttägt der Schleichhandel dazu bei, große Erwerbs- schichten ungünstiger zu stellen in der Nahrungsmittelversorgung, weil andere. Kaufkräftigere, einen größeren Anteil erwerben können. Die jetzige Kontrolle hat leider viel zu spät eingesetzt, sie hätte, früher unternommen, uns vor vielen Enttäuschungen be- ivabrt. Es war verständlich, wenn im Hinblick auf diese Zustände der Unwille sich impulsiv Luft»nachte und es zu ArLeitSeinstclluugc!» gekommen ist. Wir können eS aber nicht billigen, wenn diese Ausstände zu dem Zweck propagiert werden, die Rüstungserzeugung zu schädiget». In Frankreich, England rtttd Deutschland hat die Arbeiterschaft ge« ivaltige Anstrengungen gemacht zu höheren Leistungen in der Rüstungsindustrie. In Amerika sind Huitderttaniende in die Rüstungsindustrie gewandert, ohne irgendwelche Bedenken, ob damit die Schrecknisse deS Krieges gesteigert werden. In Rußland hat der Soldaten- intd Arbeiterrat einen seiner ersten Beschlüsse mit der Aufforderung verknüpst, daß die Arbeitersckiast wieder zur Arbeit in den Munitionswerksiä'.ten zurllcktehreu soll. Unerschöpflich ist der Geschoßhagel, dem unsere Braven im Westen ausgesetzt sind, denen wir da» Mitgefühl für die furchtbaren Leiden, die sie zu ertragen haben, hier zum Ausdruck bringen.(Lebhoste Zustimmung.) Wie lann man in einer solchen Sitnatioi», wo so gewaltige Interessen des Landes auf dem Spiele stehen, zu dem frevelhaften Beginnen greifen, direkt oder indirekt die Verteidigung des Landes zu schwächen! Ebenso verkehrt ist eS, zur Erreichung politischer Forderungen gegenwärtig den Streik al» Pressionsmittel zu dentttzett. Die Militärverwaltung ist in der Lage, zu so drakonischen Mitteln zu greisen, daß solche Bewegungeir sich nur zum Schaden der Arbeiter eutwickeln können. Wir tönnen nur auf dem von uns bisher de- schrittenet» Wege den Einfluß der Arbeiter rmterhalb ttttd außerhalb deS Betriebes sichern. Die tnnerpoliti scheu Verhältnisse haben uns weder während de» Krieges noch vor ihm zu einer Anerlennttng verleitet. Die sozialdemokratische Partei hat es an einer Kritik, wo sie nötig war, nicht fehlen lassen; sie hat es aber abgelehnt, eine Polittl zu betreiven, die ffedcS Zugeständnis ablehnt, weil ihr Verlangen nicht ganz erfüllt ist. Aus diesem Grunde hat sie das Vereinsgesetz angenommen, hat sie tätig mitgearbeitet an der Nahrungsmiitelversorgung, auf sozialpolitischem Gebiet die Sicherung der Jttteressen der Arbeiter wahrgenommen uud sich der Fürsorge iür die Angehörigen der zum Heeresdienst Eingezogenen und für die Hinterbliebenen mit Etfer gewidmet. Die innere Neugestaltung Deutschlands wird � nicht ohne schwere Kämpfe vollzogen werden. Ich betrachte die Versprechungen für die Zukttttft mit der nötigen Zurückhaltung, aber unmöglich�lann Deulschland von Osten und Westen zwischen demokrattschen Staaten eingekeilt, sein alte» System autoritärer Bevormundung aufrechterhalten. Je eher die Regierung der Welt den Beweis liefert, daß es ihr ernst ist mit der Neugestaltung der politilcheti Verhältnisse, um so besser für unsere innerpolitische Entwicklung, um so mehr gewinnt aber auch unser Anseben im Auslände, Ivos un» bitter not tut. Unser Sehnen und Hoffen wendet sich den Aussichten deS Friedens zu. Wir werden dem Beschluß des ParteiauSschusie» vom 19. April in der Friedenzsrage unsere Zustimmung geben und freuen uns, daß durch eine besondere Erklärung auch die österreichisch-ungarischen Parteigenossen ihr Einverständnis bekundet haben.(Zu- stimmung.) Die halbamtliche Erliärung der österreichisch-tingarrschen Regierung»nd die Aeußermigen, die vor kurzem der österreichisch« ungarische Minister des Aeußercn tat, berechtigen uns zu der An- nähme, daß diese Forderungen auch in den maßgebenden politischen Kreisen Verständnis und Unterstützung finden. Sicherlich ist auch der Bor schlag der deutschen Regierung, FriedcnSverhandtuitgcn ein zuleiten, durchaus ernstlich gemeittt und eine Grundlage, auf der wir zunächst der Möglichkeit näherkämen, diesem entsetzlichen Ringen ein Ende zu machen. Leider macht sich die F r i e d e n s st i m m u n g i m Auslande nicht so impulsiv geltend. Wie peinlich empfinden wir eS, daß erst vor kurzem in London eine öffentliche Kundgebung für den Frieden nicht möglich war. weil sie unter dem Geschrei der Kriegshetzer erstickt tvurde.(Hört! hört!) Bielleicht dürfen wir hosfeti, daß doch endlich in Frankreich und.Italien der Friedenswille mehr Anklang findet. Ich will keine Hosstrung äußern, od in Rußland die Friedenssttmnutng sich Erfolg verschafft. Fast scheint eS so, als ob unter dem Einfluß unserer aus- ländlichen Partetanhänger die Stimmung hin- und herschwanke. UnS ivird ein Friedensschluß mit sämtlichen Staaten das Willkoiinnenste sein. Aber ebenso entschieden muß die Auffassung Haascs zurück- gewiesen werden, daß ein Sonderfrieden rnit Rußland unter allen Ilmständen abzuweisen wäre Sollen wir da» VolkSganze leiden lassen, weil ein unversöhnlicher Gegner— England— der bisher die Leiden de» Krieges am leichtesten tragen konnte, ein Nachgeben ablehnt? Oder liegt es nicht im Interesse der deutschen Arbeiter- klaffe, unter diesen Verhältnissen, wenn kein anderer Weg offen sieht, auch dem Sonderfrieden zuzustimmen?(>!-,ehr wahr!) Hier wollen wir den Beschluß de» inlernationalen Stuttgarter Kongresses wahrmachen ttttd sedeS Mittel ergreifeu, das uns zum Frieden führen kann. Der offene Bruch in der sozialdemokratischen Partei hat nunmehr zur offiziellen Gründung einet„unabhängigen sozialdemokratischen Partei" geführt. Die Ereignisse von gewaltiger Be- deutung, die dieser Krieg mit sich bringt, haben die Loslösung einer diffentierenden Gruppe von der Gesamtpartei zur Folge gehabt. Die Partei war seit langem innerltch in Widerspruch geraten. Ihre Geschlogeohitt hielt nur der starte demokratische Sharakter aufrecht. / Immer sind die akweichenden Meinungen durch die Beschlüne der Parleilage zum Schweigeu gedrawr worden, ohne daß sie be> seiligt worden wären. Die GegeirsäJic entstanden, um nur einige onzutübrcn, bei der Bewertung der Werl- und Besitzsteuer, der Taktik bei den letzten Stichwatzlen zum Neidiötage und nicht zum geringsten in der Bewertung des Massenstreik«, der von einer Grugpe propagiert wurde, die sich ganz der NevolutionS- romantik bingab. Es sind da-Z die anarchistischen Auffassungen, die politisch den Standpunkt propagieren, nicht in der Entwicklung die politische Machtenlsallung zn erlangen, sondern durch Gewaltakte einer Minderheit die politische Herrschaft zu erreichen. Diese Äus» fassung steht diainetral der sozialdemokratischen Erkenntnis gegenüber; aber sie führt dann bald zu einer Verivcrfung der praktischen Arbeit im Parlament und zu einer Geringschätzung der pemertschafllichen Tätigkeit. Die Vorläufer der gegenwärtige ir Differenz sind bereits auf dem Stuttgarter internationalen Kongretz aufgetreten, als eS sich um die AuSeiuandersetzuiig über die antimilitarislilche Auffassung der Engländer. Franzosen und Italiener handelte. Die Ideen der antiinilitaristischen Propaganda, die Ileberschätzung des General» streiks haben in Deutschland bei einer Gruppe in der Partei Boden gesunden, und sie sind später auch zeitlich aus die Jugendbewegung übergegangen, die für die roinanti'chen Ziele einen besonders günsii- gen Boden abgab. Deshalb die widerspruchsvolle Bcurlcilimg der Landesverteidigung, die aus dem Parteitag in Essen lL07 zu einem Zusamilienstotz sührtc, dem dann als Nachklang eine AnSeinaudersetzung niit Nadel. Panne« koek und Kautsly folgie. Aus der Konferenz der Ilnabhängigeu sozialdemokratischen Partei begegnen wir alibekannten Vorwürfen, die in der Partei immer eine Nolle gespielt haben: so die Geringschätzung der parlamentarischen Tätigteit, die Auffassung, datz die ParlamentSiribüne benutzt werden müsse, um zum Fenster hinaus zum Volk zu reden, die Forderung. Obstruktion zu bclreibcn und schließlich, wie ein Redner verlangte, mehr Krach im Parlament zu machen. Es war sehr belustigend, als über diese Betätigung Ledebour und Hoffmann sich nicht einig werden konnten, wer den meisten Krach im Parlament gemacht habe.«Heiterkeit.) Aber diese neue Partei enthält bcrcils ein stark zersetzendes Etsurcut in ihrer Mille, wie sa die anarcho- sozialistischen Bestrebungen von jeher ein buntes Durcheinander geboten haben. Die Vertreter der logenannten„Internationale" haben nur mit Widerstreben an der Tagung teilgenommen und sich volle Aklionssreiheit borbehalten, die sie auch, wie ihre Pro« paganda durch Flugblätter beweist, strikte aufrecht erhalten. Die Vertreter dieser Gruppe wollen von einer VaterlaudSverteidigung nichts wissen. Sie verurteilen internationale Schiedsgerichte und Vorschläge über Abrüstung, ohne zu irgendeinem positiven Programm zir lomnien. Der aus dem anarchistischen Lager vor kurzem erst zu »uS gekommene Sepp Oerter findet hier wieder ein reiches Feld feiner Betätigung. Die Sozialdemokratische Partei kann in dieser Richtung keine Konzessionen machen.(Sehr wahr!) Tie Trennung ist vollzogen. Jetzt gilt cS, die Säumigen heranzuholen und die Bkißmuligen wieder zu gewinnen. Wir kennen die Klagen und Leiden, die der Krieg mit sich bringt und werden, wie bisher, keine Arbeil und keine Mühe scheuen, um sie zu mildern. Wenn wir zur FricdcnSarbeit zmückkehren können, wird eine ruhige Würdigung unserer Stellung möglich sein und die Partei de» Beweis liefern können, daß sie in treuer Wahrking der sozialdemokratischen Grundsätze ihr Bestes getan bat. Ich lasse meine Rede ausklingcn in der Versicherung. daß die sozialdemokratische Partei nicht crlahnien wird in der Forderung des Friedens nnd darin, iür den Ausbau und die Neu» gestaliung Teuffchlands zu wirken. sLebhasler anhaltender Beifall.) * In der Diskussion empfiehlt Lüde mann« Wilmersdorf, sich mehr mit unseren politischen Reiorinforderungen als mit der Zurückweisung der Streiks zu befassen. Er protestiert gegen Lenschs und Quesiels' Darlegungen, die von einem besonderen Vertrauen in die preußische Regierung getragen seien sZustimmung) und empstchlt die Resolution Teltow-Bceslow, den Parteivorstand auszusordern, energisch aus Demokratisierung und AunexionSverzicht hinzuwirken. Umlauf- Berlin VI: Wir haben nur parteipolitischen Miß- brauch der Streiks zu verurteilen. Eigentümlich muß es berühren. daß Ledebour und Dittmann bei der Haltung ihrer Anhänger mit den Streiks nichts zu tun haben wollen. H a e n i i ch wendet sich auf das nachdrücklichste gegen die Strcilpropaganda. In dieier Situation Deutschlands und damit der deutschen Arbeiterklasse sind solche Streiks nicht etwa nur un- bequem, sondern unleugbar gemeingesährlich. Das tage ich, obwohl ich genau so wie alle anderen erbitlcrt bin über die Ernährung?- und politischen Zustände. Die riissischcir Arbeiter feiern den 1. Mai am Sonntag zuvor, und die englischen haben sie drahtlich auf- gefordert, nicht nachzulassen in der Munitioiisvcrsorguug. Nicht für die Herrschenden, sondern im Interesse der Arbeiter- klaffe an einem für rmS nicht ungünstigen Kriegsausgang müssen Ivir gegen diese Streiks austreten, über die die Reaktion heimlich jubelt. sSehr richtig!) ES steht auch politisch für uns viel zu viel auf dein Spiele, als daß wir schweigen dürften. Die politischen Reformen müssen jetzt vorgenommen werden, aber verfallen Ivir nicht wieder in die einstige Ketzerrichterei gegen Lenich und Oucsiel. B u ch m a n Berlut IV weist darauf hin, daß die Streik- anreger den Arbeitern Dinge versprechen, die sie nicht halten können nnd für die sie dann nicht einstehen, wenn es sich um die Uebernahuie der Verantwortung handelt. Die Anonymität der Flugblätter sagt genug! K r ü g e r- Köpenick: Die Streiks sollen sa ausschließlich den Organisationszerstörern dienen; ivir müssen sie entschieden miß- billigen. Hierauf wird einstimmig die von dem Genossen Rob. Schmidt beantiagte, gestern von uns abgedruckte Ret o l u t i v n angenommen. Auch die von Genossen Lüdemann(Wilmersdorf) cnigcbrachte Resolution fand Annahme. Im Schlußwort mahnt Ernst zur eifrigen Werbearbeit für den„Vorwärts" und bringt ein begeistert aufgenommenes dreifaches Hoch auf die Partei aus._ Maigeöanken. Wie weit 'Frühling ist Ter Krieg hat die Welt völlig verändert. liegen nun die Jahre des Friedens zurück! Ein es, wie in jedem Jahre— und doch wie anders! Wald und Feld prangen, wie ehedem, in zarter Frische. Grüne Halme erheben ihr Haupt. Knospen glänzen. Junges Blattgrün hat sich entfaltet/ Blüten schimmern hier und da. Gelbe inid weiße Frühlingsblumen schmücken Feldrain und Waldrand. Stürme brausen. Wolken jagen. Und ncst- bauende Vögel flöten jubelnde Lieder. Nur die Menschen sind anders geworden: ernster, stiller. Allzuviel Leid ward über die Erde ausgegossen. Allzuviel Tränen rannen. Allzuviel Blut ist in den Sand der Fremde gesickert. Kaum daß noch die Jugend ein früchcS Lied>vagt! Versonnen, versorgt nnd vergrämt schleichen die Alten dahin. Tie Städte schauen sinster drein. Ihre Gassen sind leer, ihre Werkstätten kahl geworden. Die Kraft ist aus ihnen ge- wichen. Draußen tobt noch immer der Krieg und die Schlachten nehmen kein Ends. Wie lange ist's her, daß wir am Maicntag als dem Welt- feterlag der Arbeit hinauszogen in Wald und Flur! Ein Jungbrunnen war er uns geworden der Begeisterung, die uns durchpulste, die uns wirken ließ aus unsere Art am Bau der Zeit, ain Werk der Zukunft. Nun sind die Bauleute vom Bau gegangen. Wann»vcrdcu sie wiederkehren und ihr Werk aufnehmen? Sehnsucht umflattert mit schweren Schwingen das unfertige Gebäude. Hoffnung kauert am Fuße der Aiauern und starrt mit fragenden Blicken hinaus in die Ferne. Werden wir Euch mit Blumen und Blüten schmücken, wenn Ihr zurückkehrt? Oder lvird der Schnee Eure Schritte dämpfen und der Sturm Eure Stimmen überdröhncn?— Maientag. Uns anders grüßen wir dich heute denn sonst! Und dennoch steht die Welt in Blüten, sprüht die Sonne um den grünen Glanz sich spreitender Blätter. Und dennoch will das Bogellicd nimmer schtucigen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Nach WinterSwüten kam Ivieder einmal FrühlingShcrrlichkeit. Und so lvird auch auf den Krieg der Frieden kommen, Euch heimführend, die Ivir so lang und so sehnlich entbehrten. Dann wandern wir gemeinsam einem neuen Maientag entgegen— einem Maitag der Freude, der frohen Tat d c S Kampfes, den wir solange entbehrten, gegen alles, das sich einer besseren Zukunft der Menschheit hemmend entgegenstellt!_ Blühende Obstdaumzwclge abzupflücken, mit sich zu führen, zu kaufen oder zu verkaufen, ist für die Dauer der diesjährigen Obst- baumblüte bei hoher Strafe— Gesängnil bis zu einem Jahre, bei mildernden Umständen Haft oder Geldstrafe bis zu IdOO M.— verboten. Bezugscheine für Schuhwaren. Ter Berliner Magistrat teilt uns mit: Da der Andrang in den AuSscriigungsstellen für Bezugscheine nunmehr nachgelassen hat. werden in den Berliner Plüfungsstellen jetzt uns Schuhwaren auch wieder mündliche Anträge neben den ichriftlichen entgegenaenommen. Für andere LekleidungSgegenstände verbleibt cS bei der bisherigen Vorschrift, wonach grundsätzlich das persönliche Erscheinen oder einer beauftragten, mit den VcchälMissen vertrauten Person gefordert werden muß. Verfall der alten Bezugscheine für Web-, Wirk- und Strick- waren. Pom 1. Mai ab dürfen die Gewerbetreibenden Bezugscheine nach dem alten Muster A und B— also auch die im März d. I. ausgefertigten— nicht mehr annehmen. Nur die Bezugscheine nach dem neuen Mustek A I und B I sind gültig. Jeder Verstoß gegen diese Bestimmung ist strasbar. Ablieferung von Ziiiiigcgcnständcn. In der Sammelstelle Stadl- hau?, Stralauer Str. 15/Lch Einfahrt I, Hos rcchtZ, Kellergeschoß, werden werktäglich in der Zeit von S bis 2 Uhr vormittags Zinn- gegenstände aller Art. insbc'ondcre beschlagnahmte nnd noch nicht abgelieferte Zinndeckel von Biergläsein und Bicrlrügcn. die sich im Besitz oder Gewahrsam von Brauerei-, GasiwirtichaslS- und Schonkbctriebcn, Vereinen, Gesellschaften, Kasinos und Kantinen sowie Handlungen, Laden- und InstallaiionSgeschäften, Fabriken und Personen befinden, die diese Gegenstände erzeugen oder verkaufen, gegen Zahlung des vom KriegSministcriuin fest« gesetzten UebcrnahmepreffeS angenommen. Die Nichlablieierung beschlagnahmter Zinndeckel von Biergläscrn und Lierkrügcn ist strafbar. Der Spätbetricb auf der Linie 57 wird vom l. Mai Versuchs» weise um eine halbe Stunde ausgedehnt, indem zwei fetzt nur bis zum Emser Platz verkehrende Wagen bis Rofeneck durchgesüdrt werden: Werktags ab Nordend nach Rofeneck 9.53 und 19.8 abends. ab Roscnack U.S9 und 11. BS abends: an Sonn« und Feiertagen ab Nordend nach Rofeneck 19.1 und 19.19 abends, ab Rofeneck 11.15 und 12.9 abends. Ter Brand der Fabrik von Gebrüder Israel hat leider vier Opfer gefordert. In der Nacht zum Montag sind die Krauen Mathilde F r i t s ch c, Minna K r e t s ch m a r, Frida Krüger und eine unbekannte, noch nicht mit Bestimmtheit festgestellte Frau gestorben. Bon den übrigen Verletzten wird berichtet, daß ihr All- geineinbefindcn zufriedenstellend sei, und man hofft, sie wieder- herzustellen. Vermißt wird seit dem 26. April der 19 Jahre alte Schüler Herbert Weckmann ans Neukölln. Der Knabe entfernte sich am genannten Tage gegen 2 Uhr mittags auS der elterlichen Wohnung, ohne bisher zurückzukehren. Die Eltern glauben, daß der Junge verschleppt worden ist und bitten event. Nachrilbten über den Ber- bleib ihres Sohnes an Weckmann. Neukölln, Fulda- ftraße 11/15, gelangen zu lassen. Der Vermißte ist 1.19 Meter groß, trägt lurzgeschnilteneS, blondes Haar und war bei feinem Verschwinden bekleidet mit brauner Samlhose. dunkelbiauem Sweater, grüngeslreiftcr Pudelmütze, schwarzen Strümpfen und neuen Hvlzpantmcn.____ Neukölln. LcbenSmittclnachrichtc«. Die Abgabe von Kolonial- waren an S t e l l e v o n Fletsch gegen Vorlegung der Fleisw- karten durch die Firmen Heinrich u. Wienecke wird mit dem beuligen Tage eingestellt. Nur an kranke Personen, welche infolge Eigenarr ihrer Krankheit auf den Genuß von Kolonialwaren angewiesen sind, werden Bezugscheine an Stelle von Fleischkarten ausgegeben. An-- träge auf Ausstellung dieser Scheine sind unter Vorlegung der Flerschkartcn und Glaubhaflmachung der ÄrambeitSgründc(Vorlegung von Krankenscheinen usw.) im Rathaus, Zimmer 139, von 9 bis 12 Uhr zu stellen. Borr heute ab dürfen in den durch Plakate kenntlich gemachten Fisch- und Räncherwaren-Geschäften sowie in den beiden städtischen Fischhallen. Bergstr. 21 und Pamriersrr. 13, auf Abschnitt 15 der neu ausgegebenen LebcnSmirtelkarie entnommen werden: 1ln Pfund Frischfisch oder lli Pfund Sprotten oder 1'Bückling oder 1 Hering oder 1 Makrele. Dchöncbcrg. LcbcnSmittclvcrtcilimg. Auf Abschnitt Nr. 1 der Schöneberger Nährmittellarte für Jugendliche entfallen 1!i P'und Graupen. Die Anmeldung findet vom 1. bis 3. Mai in etwa 39 durch besonderen Anschlag gelcnnzcichnetcn Geschäften statt. Groß-Serliner Partemachrichten. Zweiter Kreis. Die Ausgabestelle für Berlin W.(„Vorwäcts"- Spedition Schmidt, Bärwaldftr, 12) befindet sich vom heutigen Tags ab Blumrnthalstr. 8, Hof Part., bei Frau Stolpmoon. AdlrrShof. Mittwoch, den 2. Mai, abends L'/z Uhr. im Lokale de? Genossen Feyerstein, BiSmarckstr. 82, BezirkSverjamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Grog er über: Die Aufgaben der Sozialdemokratie. 2. Lezirlsangelegenheilcn. Alle ,VorwärtS"-Lese r, die gewillt find, sich der Gesamtparler anzu- schließen, sind zu dieser Versammlung eingeladen. Sozialdemokratischer Verein für Teltow-Bceskow usw. Bezirk Neukölln. Donnerstag. den 3. Mai, abends 8'/, Uhr. in den P a s s a g c- F e st s ä l c Ii, Neukölln, Bergstraße 151/52(gr. Saal); Mitgliederversammlung. Vortrag des Landtags- abgeordneten Genossen Otto H u e über:.Unternehmer. Kartelle, Truste und Monopole Alle„Vorwärts"- leser, die gewillt sind, sich der Gesamlpartci anzuschließen, sind zu dieser Versammlung eingeladen. Die Bezirlsleitung. SVctierauSIIchtcn kür da» mittlere StorddeutsiNlanv vi» Mittwoch mittag. Mild und vlelsach heiler, ohne erhebliche Nieder- schlage; nur im Süden stärker bewölkt. Verein der Berliner Bnebdrneker und Sehriftgiejier. Am Freitag, den 4. Mai 1917, abends präzise 8 Uhr, im Vv«vnksvksttsksus- AuBerordentliclie Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht über Teuerungszulagen. Außer den Delegierten sind die Vertrauenmünner uud Druckerei- kassierer eingeladen. iUr Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimationskarten. UäW 28/3*___ Der Vorstand: Alherl Itlasnlni. Spczialarzt* 1 für alle üescblecbtskrankbcit., I Syphilis, Harn», Frauenleiden, I Blutuntersuch.. Ehrlich-Hata-Kur. 1 Sohnelle, sicher, schmerzlose I Behandl. ohne Berufsstörung. I Glänz. Erfolge. MäB ig. Honorar. I Sanitätsrat Dr. Müller. 1 Friedrichstr. 190,"one«»? | Sprechstd. 11-1, 5-7, Stgs. ll-l. Kranzspenden sowie sämtliche* Blumenarrangements iesert schnell uud billig Paal Crassi ündenslr. 09, Tel-Mpl. 7203 Wer zerrissenes SAnhs-erlt, I Grsthlrre, Leder, Zeltstoffe, Fahrradmäntel, Filz usw. selbst | ausbessern will verwendet vor» sügliA die NäMle Stepperin D.n.Gj. Solide, beste Konstruktion. Näht Stcppstidi wie Maschine. Leicht zu handhaben. Garantie für Brauchbarkeit. Viele Anerkennungen. 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Dezember 1015 und de» rechtlichen Bestimmungen gemäß geändert i» der Borstanbd- sitztmg vom 6. März ifn;. Köpenick, den 6. März 1317. Ter Bor, fand. 2.7/1 1 Ctto«tifet, Vorsitzender. Fr. Murckcn. Schrisisührer. Genehmigt. Charloiienburg, den 20. April 1317. Königliches Cberverfichcrungs- mnt Groft-Berlin. Stempel. von Goftkowski. Bcröffcntlicht. Köpenick, den»0. April 1317. Ter Borftand. Ctto Nickel, Vorsitzender. Fr. Murckrn, Schrisisührer. Lungen- kranke. Verlangen Sle ProfptU. fbanitfUHrat Or. Weise's Ambulatorium. Berlin 116. BSilbolmtir-sic 90. SprechsL: i-iSV» ü-i'/s- Nr. IIS— 1�17 Untechaltungsblatt öes vorwärts :'~yw Dienstag,?. Mai Mai 1917. Die ungezählten Straßen trinken Liebt, die Bäulcrmeere der Städte tauchen tief ins 6old der Sonne, und es Ichreitet £in Volk über die neue, junge Erde, das ich tief verehre und liebe, weil es für der Länder Freiheit, für die Ulenlchhcit Itrcitet. Gin Volk; Ihr leid es Männer, die ihr beule gebeugte Rücken schwielige Bände, starken Willen aus Fabriken in das Licht des Frühlings tragt, und unentwegt mitten im Mord der Völker mit den Brüdern fragt: Wann naht die Stunde, wo wir wieder Menschen lind und wirken, um uns zu beglücken? Ihr(cid es, Männer, die ihr Schanzen schafft und Gräben schachtet und Sehnsucht nach dem Lied der Arbeit habt, das aus Maschinen dröhnt, und Sehnsucht nach dem Glück der Feierstunde, die euch tief versöhnt mit Menschen, die Grobcrcrwille auf euch hetzt und fremder Ghrgciz schlachtet. Ihr seid es, Männer der Arbeit in allen Ländern, die der Krieg überfiel, ihr, deren Mund das Wort Frieden über die feindlichen Grenzen rief, die Das Ziel der Menschheit immer wieder verkündeten, während die Schlacht noch Ichrie: In Freibeit friedlicbe Arbeit. Ihr seid es, denen in den Gräben Brüder leben, die Baß verlernten, die sich aus dem blutig bangen Gang der Stunden zu einer neuen Menschlichkeit erheben, an der die Völker einst gefunden: Beifcnde Liebe. Ihr leid es, die ihr friedlich Welten neu erschließen wollt und euer Glück gestalten zum Weltenglück, das kein Krieg zerstört, das keinem Volke, keinem Menschen wehrt, in Schaffenslust die freien Kräfte zu entfalten! Ihr tragt in euren Benzen heut die helle Sehnsuchtsflamme wieder vor des Kriegsgotts Schwert; Giüddicbc Menfchheit! H a n Se kein menschlicher Fuß schritt. Ilnd mitten hinein in die Schwärze der mondlichtschimmerige Schein der einsamen Zimmerlampe. Ich blieb stehen und sah empor zur Lampe. Plötzlich— Plötz. lich überkam mich mit unerhörter Gewalt jenes Gefühl kehl- schnürender, herzbeklemmender Einsamkeit, das jeden Soldaten, der fern der Heimat ist, eines Tages zu übermannen droht. Mir war, als hätteir meine Peine den heimlichen Befehl be> kommen, mich zu der Lampe emporzutragen und als müßte ich dann meine Arme um diese grüne Lampe legen und meine Wange an ihr leuchtendes warmes GlaS. Denn diese grüne Lampe Ivar die Heimat, war daS Heim in der Heimat, mein eigenes Heim, das so fern und unwirklich. Umer einer grünen Lampe saß auch ich einst mit dem lieben Metlschen an meiner Seite. Und wir saßen gar oft bis weit über Mitternacht unter der Lampe, lasen oder plauderten. Oder aus der verdämmernden Ecke tönte zu den lockenden Klängen der Laute die süße Stimme der Frau. Wie weit, wie so weit das alles. Und hier die drückende Stille einer Stadt, die lebt und doch nicht atmet und jeden Tag auf das ferne Tosen der Geschütze lauscht. Aber an jedem Abend auch flammt oben in dem Lehrerzimmer das Licht und das grüne Jnselchen baut sich auf in dem Meer Von Dunkeiheit und Stille. Erst ivar eS wie die Erinnerung an eine Zeit, die nie mehr wiederkommt. Aber je öfter ich das grüne Licht sah, je milder und trostreicher wurde es. Und es schien zu sprechen: Sei guten MutcS. Ich bin die Vergangenheit wohl, aber ich bin auch die Zukunft. Die Gegenwart ist mir nichts als die Brücke, mit der ich die beidci: verbinde. Erst wenn die Zukunft Ivieder Gegenwart ist, toerde ich Von neuem zum Erlebnis der Millionen werden, die jetzt draußen sind. Eines TageS verließen wir das Städtchen und zogen noch weiter gen Westen in ein Dorf. Da war eS abends ganz dunkel. Und das drohende Rufen der Geschütze llang noch deutlicher. Ich aber ineinte, ich müsse die nächtliche Landstraße entlang gehen, bis ich wieder in das sanfte Strableir der grünen Lampe trete und ihren sanften Trostspruch in die Znluiift hinein höre. ___ F. W. T. 3m schtvLizcnschsn �owinensiurzgebiet. Ein Mitarbeiter der.Basler Nachrichten" schildert eine Fahrt durchs Reußtal: Die Berge zeigen sich>ivch_ tief verschneit. An allen Trten sind vom Tale aus getvaliige Schneemasscn zu er- kennen, die weit, weit oben in der Höbe lagern und den An- siedlungen in der Tiefe Tod und Verderben bringen, wenn sie plötzlich ins Rutschen geraten und als Lawine ins Tal hinab- donnern. Bald links, bald rechts der Bahn liegeir niedergegangene Lawinen, am Ende von Laioinenzügen, die über den ganzen Berg- bang bis weil hinauf sichlbar"sind, und die oft aus dem Panntuald große Strecken fünnlich wegrafiert haben. Deut- lich sind auch Voin Zuge aus die großen Verwüstungen, die angerichtet wurden, zu erkennen: m wirrem Durcheinander ragen Bäume, Sicinblöcke und anderes Material, das die„Laut" mitgebracht hat. auS den Schnecmast'en. Etwas unterhalb Gnrtnellen ist es ein förmlicher Erdrutsch, der niederging. sich zu beiden Seiten der Latvinenverbanung der Bahn hinausschob und die Bahnlinie verschüttete. Zwei Dächer ragen noch aus dein erstarrten Meere empor, das man in seiner Ricsenbasiigkeit erst erfaßt, wenn man eS mit diese» zwei Gebilden von Menschenhand vergleicht. Seit Menickengedenken sind im Reußtal nicht mehr so viel Lawinen und Lawinen von solcher Ausdehnung nieder- gegangen; die Gotthaidstraße ist talaufwärts an zahllosen Punkten io gefährdet, daß der Verkehr gehemmt oder ganz unter» bundcn ist. Was für eine schwere, schwere Sorge für ein Tal diele Lawinen werden können, wird dein Bewohner des flacheren Landes erst begreiflich, wenn er die verschiedenen UmerHaltnugen beobachtet: sie drehen sich alle um die eine oder die andere„Laut", und mit einem tlnierton von Bangigkeit wird aus die mehr als haushohen Schnecmassen hingewiesen, die oben, weit über der düsteren Nebel- decke, auf den Bergen liegen... Einein ungeheuren Strom aus Schnee, auf dessen wilden Wogen Balken. Tannnen, riesige Baumstämme, Häuserdächcr tanze», und der»sitten in seinem wildeste» Tosen erstarrte, ist die Wandelental- lawine vergleichbar, die Matten und bebautes Land mit Gebäuden und Menschen und Vieh unerbililich unter sich begrub und zerdrückte. Im Hause des Gemeindeschreibers Tittli bat diese Laut vier Opfer gefordert. Sie rauschte am Sonntag(22. April) nieder, als sich die Leute aus dein Weg zur Kirche befanden. Im Luftdruck, der ihr vorausging, iourden mächtige Baulnsiämine und ganze Bäume hoch in der Luit fortgewirbelt.„Ein schrecklicher Lärm war." er- zählte ein Augenzeuge,„es doimcrle und toste, und wir halten alle Angst. Man hörte Leute schreien und sah sie mit cnlsetzten Aiizen in die Höhe weisen". Gegenüber, auf der anderen Seile des Reuß- taleS, sieht nian eine weite, kahle, weiße Fläche den Zug der Blauggeii- laltaiviue, aus deren Niedergang man schon lange, bange Tage mit Furcht und Sorge ivartet, Von der Kirche von Wassen aus bieler sich ein iinvosantes Bild über verschiedene Lawinenzüge, die sich ins Tal er- gössen. So klein erscheinen, von hier oben gesehen, die menschlichen Wohnungen und Werke neben den gewaltige» Schneemassen in dieser giganlischen Ziatur, daß man sich tmmderl, daß nicht noch mehr Unglücksfälle entstehen. Einige Minuten oberhalb Walsen liegen unter einer ungeheuren Schneenlasse die sieben Opfer, die bei de» Wegarbeiten verunglückten. Der Schnee leuchtet durch die Dunkel- heil hinaus zur Bahn, trügerisch nnd weiß, und läßr»ich: ebnen, daß er soviel Leiden und Weg verursacht har und seine Opfer wahr- scheinlich erst im Spätsommer hergeben wird, wenn sie nicht mittler- weile von der Rcuß weggcschwemml werden. Ein neuer Straßenbahnt�p in Wien. Die infolge des steigenden Verkehrs für daS Publikum immer häusiger fühlbar werdende lleberlastung der Streßenbabnsuecksn dal schon mehrmals zu den Versuchen Anlaß gegeben, den FajsungS- räum der eilizelneil Wagen zu erhöhen. Tie hierbei immer ivieder betonten Sckwiengleiten scheinen mnnnehr durch einen neuen Decksitz- motorwagen behoben zn sein, der in zwei verschiedenen Exemplaren probeweise bei der Wiener städliichen Straßenbahn eingeführt lfl. Indern man auf das Teck des Wagens ei» zwcueS Siockwerl,>o> zusagen einen ziveilen Wagen ausbaut, lami der Fanungsraum natürlich erheblich gesteigert werden, doch waren fotche Wagen viiöcc wegen ihrer Höhe nnd der vielfach niedrigen Bahnunierfahrten nicht allgemein verwendbar. Tie Besonderheit der neuen Konstrulrion besteht darin, daß die beiden Wiener Pcobowagen. wie einer Ss-il- derung des„Prometheus" zn entnehmen ist. die gelinge Höbe von 4,1 Meter nicht übersteigen. Ter eine Wagen Jjat vorwiegend LängZsitze und mit seinen äö Sitzplätzen und 20 Stehplätzen einen FasjungSrauln für 83 Personen, der andere bat vorwiegend Ouer- bänle und faßt 8-1 Perionen, da er ö>) Sitzplätze und 28 Stobpläne besitzt. Durch die während siailer Verlchrözciicn zulässige B«ce Mehrung der Stebvläye tan» der Fassungsraum des Längssrtzwagms ans 100. der de» Quersitzwageus auf 02 Personen gesteigert, vevdcn. Bemerkenswert ist, daß der Einstieg durch eine Türe m der Woga:.. mitte erfolgt und zwar nur 120 MUlunclcr über der erxaiytn» oberfläche, was dadurch ermöglicht wurde, daß die Cer'.eu- wände die Fornr von Portalträgern haben, �alsii zn beiden Seiten der Türe zur Plattform auswärtsstcigen. Auf diese Weise kann trotz Berücksichtigung der stärksten Steigungen oder Senkungen der Straße der Einstieg so niedrig sein. Da vre Wagen vierachsig sind, haben sie den Vorteil größerer Stabilität sowohl bei seitlichem Winddrnck, als auch bei unvorsichtig ickniellem Fuhren bei Kurven. Außerdem imrd im Hallen- und Bagnhossban viel Raum gespart, da man naturgemäß zur Erziel, mg desselben FassungSraumeS viel weniger Decksiy-Mvtorwagen in einer Halle berettziihaUe» braucht, als gewöhnliche enigeschoisige Wagen. Bemerkt sei schließlich, daß dieser neue Wageulhp auäi ohne Anhänger das Planchen gestaltet, da das Untergeschoß für Nichtraucher, das etwas kleinere Obergeschoß für Raucher bestimmt ist. NotiZen. — DaS Marionetten-Theater M ü n ck> e n e r Künstler in den Ausstellungshallen am Zoo wird sein Gastspiel am Sonntag, den 0. Mai, besehließen. — DaS Periskop i in Dienste de? Straßenverkehrs. Der erste Kriegsapparat, der bereics jetzt in den Zivil- dienst übernomuren ivird, ist das Periskop geworden. Man ver- wendet es neuerdings in einer kaliforuischen Stadr zur größeren Sicherung des Straßenverkehrs. ES handelt sich nur eine sehr be- lebte Straßenkreuzung, die durch eine Linie der Dainpfsiraßenbahii besonders gefährlicu gemacht wird. An dieser Kreuzung wurde setz: ein 20 Fuß hohes Periskop errichtet, das von den Schienen auS einen scharfen lleberblick auf eine erhebliche Entfernung vom KreliznugS- punlr gestaltet. So kann der Weichensteller den Verkehr von allen Seilen beobachten und rechtzeitig Signale geben. — A in e r i l a auf dem Wege zur Freiheit. Die Bereinigten Staaten find bekanntlich in die KricgSarena hinabgestiegen. um unter anderem auÄ dem„Siege der Freiheit" eine Gest: zu bahnen. Ten ersten Schritt auf den, Wege dieser Freiheit hat Amerika nun im eigenen Hause getan, indem es die ZeitmigSzenui i einführte. Von gleich uncrbitllichcr Logik wie in diesem Falle zeigt sich Präsident Wilson auch bei der zweiten Maßnahme, die er im Sinuc der Zertrümmerung des verhaßren MililariSnmS zu ergreifen gedenll. Denn er glaubt offensichtlich, diesen» ivkilitariSmus am ehesten den GarauS zn machen, indem er die allgemeine Dienstpflicht in Amerika eiujührt, roohl in der Annahme, daß man den Teufel am besten mit Beelzebub austreibt. — D i e Zahl der Kriegsblinden. In einem Artikel, der sich mit der Ilnierbringung der Kriegsblinden besaßt, machen die„Deutschen Blätter für Kriegsverletzte" auch Mitteilungen über die Zahl der Kriegsblinden. In Laienkreisen werden In er oft fabelhafte Zahlen genannt. Tie genannte Zeitschrift stellt fest, daß nach der letzten Zählung etwa I2ö0 Kriegsblinde vorhanden waren.(e) Arbeiter. Bon S ti j n StrcuvelS. Sie mußte an alles denke«, dafür sorgen, daß nichts dergessen ward, um den Empfang so feierlich als möglich zu machen. So ward es mittag, ehe sie alles belsammeir halte und sie, mit ihrer ganzen Fracht beladen, zu Hause ankam. Anstatt eines Mittagessens wurde den Buben etwas ver- sproche« und eine Kleinigkeit gegeben, damit ivar schon wieder viel Zeit gewouueu. Und nun mußten sie allesamt nebst den Kleinen hinaus, um der Mutter bei dem großen Aufräumen Platz zu machen. Zuerst wurde der Kalk gelösdit. Sie wollte auf dem Dachbodeu beginnen und beim Schuppen und bei dem kleinen Stall endigen— das ganze Haus sollte von oben bis unten geputzt, geweißt, gescheuert"und ausgeräumt werden. Hält' ichS doch ein paar Tage früher gewußt," dachte sie, „dann könnt ich nodz dies und jenes tun.. Denn unter der Arbeit fielen ihr immer neue Dinge ein; aber jetzt war keine Zeit mehr dazu. Alles, was an Hausrat irnd Geschirr vorhanden war, wurde hinausgeschafft, und dann ging sie mit dein Tünchcrpinsel ans Werk, uin die Wände zu streichen. Während sie damit noch beschäftigt war. sah sie schon im Geiste, wie alles blinken und glänzen würde und wie sie eS wohlgefällig betrachten würde, und wie auch Ivo merken würde, daß alles zu seinen Ehren und im letzten Augenblick geschehen sei. Als sie dabei war, den Fensterrahmen anzustreichen, fiel ihr aus. wie schmutzig der Vorgarten dalag und welch ver- tvahrlostcn Anblick er beim Eintreten bot. Sic bedauerte, daß sie nicht früher dazu gekommen war. denn um ihr Stück vom Webstuhl herunterzubringen, hatte sie alles liegen lassen, wie es lag, als sie eingeerntet hatten. Die Beete lagen leer geplündert, nur einige magere Kohlköpfe und Rüben standen noch dort, und sie hatte»loch nicht einmal die Stöcke entfernt noch die Sparren, an denen die dürren Erbsen- und Zuckerbohnenranken hingen. Wo die Kartoffeln gestanden hatten, war jetzt der Boden niedergetreten und zeigte Vertiefungen und Erhöhungen, ans denen die Buben sich tvocheulang getummelt und gespielt hatten. So konnte cs nicht bleiben, und der Lorsatz, den sie zuerst als unausführbar hatte fahren lassen, war von neuem gefaßt, weil sie ciit Mittel gefunden zu habcir schien. Sic rief plötzlich die Buben herbei: „He. Dolf, Sarel, auch du, Rcmietje, allesamt helfen! Nehmt dort den Korb und rafft all den Schmutz hinein, zieht die Ranken von den Staugen, lvtr wollen den Garten säubern; der Vatter könnt sonst sagen, wir seien Faulenzer." In ihren Gedanken halte sie cs so geregelt: Wenn ich fertig bin mit dem Weißen und Anstreichen, mach idz mich über den Garten her— er ivird bald in Ordnuilg sein, bevor eS Abend is. und das andere drinnen im Haus kann ich abeilds bei Licht machen, und backen kann ich immer... »von» die Buben zu Bett sind— bis zum Morgen is eS ja noch so lang! Aber es mußte rasch gehen. An Müdigkeit dachte sie nicht. Und wie gedacht so getan; angefeuert durch das Vor- gefühl der Freude, daß nun auch dieses»och in Ordnung kommen sollte, siel sie darüber her. Die Stangen und Stöcke wurden herausgerissen, in Bündel gebunden und oben unter dem Schuppendach ver- ivahrt. Mit dem Ziehkarren führte sie Mist auf das Land— die Buben halfen ihr ihn ausbreiten, und sie selbst begann mit dem Spaten den Boden zu beiden Seiten des Weges umzugraben und in Winterbeete zu legen. Sie grub die Furchen so gerade und so lies, wie sie konnte, hastig und er- regt, ohne den Gedanken an Ermüdung oder Ruhe zuzulassen — wenn es einmal beschlossen Ivar, mußte es auch ausgeführt werden. Die Arbeit war indessen größer, als sie gedacht hatte, nnd auch mühsamer, und als sie endlich fertig war, war sie stark in Schweiß geraten, atemlos, müde in den Beinen, taumelig im Kopfe, ihre Glieder schmerzten sie von den: vielen Bücken. Aber erfreut Zmd zufrieden mit ihrem Werk war sie! Sie überblickte das Land mit seinem veränderten Aussehen. doch jetzt siel ihr auf, wie verlottert und wild die Hecke aus- sah. Aufgeregt ging sie in ihrem Arbeitseifer aus die Suche nach der Heckenschecre, ängstlich und verlegen, weil sie das Ding nicht gleich finden konnte. Aber als es endlich gelungen ivar, begann sie munter zu schneiden; sie würde dies beim letzten Tageslicht auch noch fertig bringen. Erst dann würde es außen und um das Haus in Ordnung sein. Sie bc- dauerte jetzt, daß cs zu dunkel wurde, um aus einiger Ent- 1 fernung die Wirkung ihrer Tätigkeit in Augenschein zu nehmen und sich den Eindruck vorzustellen, den die Hecke auf Ivo machen würde, nachdem er sie schon drei Monate nicht mehr gesehen hatte. Tie beiden ältesten Buben waren noch behilflich, mit Gabel und Rechen die abgeschnittenen Hagedoruzweige zusammenzuraffen und hinter dem StiUlchcr. zu verwahren. Nachdem sie eine Schüssel kalten Brei und ein Stück Weizenbrot bekommen, wurde das ganze Rudel ins Bett ge- jagt mit der Ermahnung, still zn liegen und unvcrwcilt einzuschlafen. „Sonst darf morgen niemand mit, den Vater abholen!" Hätte Mause nachgegeben, so wäre auch sie in Schlaf gefallen. Nachdem sie einen Augenblick gesessen hatte, um ctivas zu sich zu nehmen, konnte sie beinahe nicht mehr ausstehen. Aber kein Gedanke daran, es ivar so viel zu tun! Zuerst die Ziege gemolken und die Kauincheil versorgt, dann alles Blech- und Kupfcrgeschirr mit Saud und Sauerampfer ge- scheuert. Alles andere Gerät sollte mit Bürste und Seifen- lauge zu seinem Recht kommen. Au der Decke, zivischeu den Rippen und Balken, in allen Ecken wurden die Spiniiewebe» weggeräumt, und dann kam der Fußboden an die Reihe. Sie schruppte mit dem Besen, schöpfte Wasser und ließ es eimer- weise über die Fliesen strömen, daß es gurgelnd durch das Abflußloch in die Gosse wirbelte. Als die Ziegelfliesen trocken gewischt waren. leuchteten sie in reinem, tiesein Rot, und Mause tvar mit ihrem Werk zusrieden. Fetzt Ivar die Arbeit schon sehr zusammengeschrumpft, und cs war noch gar uid?t so spät am Abend. Nun würde sie niemand mehr slören oder ihr in den Weg laufen, und sie begann beim Licht des LämpchenS den Tisch irnd die Stühle zu lackieren und stellte sie sauber in eine Reihe, mit dem Sitz gegen die Wand ge- kehrt, um sicher zu sein, sich nicht darauf zu setzen, so lange sie noch nicht trocken waren. Noch ein letztes Mal hielt Mause llmschan, um sich zu vergewissern, ob auch nichts vergessen sei, und daini holte sie Mehl vom Dachbodeu. nahm das tvarme Wasser vom Heid und trug mit dem Länipchen eins nach dem andern ins Back- Häuschen. Nun würde sie backen. Beim Anzünden des Ofens rechnete sie aus. wie viel Zeit sie noch hätte, bis das Brot fertig sei. und dabei kam heraus, daß ihr noch ein wenig übrig bleiben würbe, zu schlafen. (Soiij. folgt) Henfe wurde nr,s mein lieber Mscn und teurer Vater, unser lieber Bruder, Schwager, Schwiegersohn, XeSo, Onkel, Breund und Kampfgenosse 32/17 Philipp Bernstein nach kurzer Krankheit im Alter von 53 Jahren entrissen, wovon wir hierdurch trauernd Kunde geben. Charlottehbuig, I, einzig. San Frauzisko, Giesebrechtstr. fc', neu 23. April 1917. Qnesen, Im Kamen der Hinterbliebenen: Charlotte Bernsteia, geb. Singer. Marietta Freya Bsrnstela. Die Einäscherung erfolgt Donnerstag, den S. Hai, mittags 32 Uhr, im Krematorium Gerichts traßo. Von Beileidsbesuchen bittet man freundlichst absehen wollen. I j ßentetlier KetallartiEiiEr-yertini Verwaltungsstelle Berlin, Den Kollegen zur Nochricht, unser Mitglied, der Former Willi Titius Malplnquelftr. 30, am SS. Sljjdl gestorben ist. Ehre soincm Andenke«: Die Bee?digMl-i findet heuiel D�nttag» den 1. Mai, nachm. Uftr. noa der Leichenhalle Ibcä Äll�a�zeth- Kirchhofes in! »öile'milken-Voch aus sta!!. Nege Belestigung Wird erwarte!. j Nachruf. Den Kollegen ferner zur?kach< jrichch dag unser Mitglied, derj Schlosser Erich Hokenhaus Sicmelisstr. 15. j cm 20. April gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Tic Deerdignng hat am Mon- s tag sialtgeinudeit. > 171/11 Tic Ortsv-rmvltnng. j nssaanamsjssx üeiierhariiliiL Bezirk Oberschöneweid«. * Don Mitgliedern zur Kenntnis, j Idas Genossin EmWi® laut Sonntag, den 29. April, inj Socr Kgl. Fraueutlmik»ach fchwe- I rem Leiden gestorben ist. Wir werden ihr ein ehrendes i AndenIcn bewahren, Tie Einäscherung bildet sm j llounerStag, den 3. Mai. nachm. � 1 Ubv, im Krematorium Baum- l � schulenweg, Kicjboizstrahe. statt. »21(5/1(1 Tic Bezirksleitung, j - iDeniseliEP BanaFtieitEr-Verliaiilt Zvi'isvcroin lierlin. t Btizirk Nordost. Am"3. April starb unser Mit- Hzglicd, der Stukkateur Fertad Kliickmann. Ehre seinem Andenken 1 Die Einästhernng findet heute I mittag iii Uhr im Krematorium [in der E»erichtstrage statt. Ter Borstand. >Am Freitag, den 27. April, verstarb blöhtich nach kurzer, schwerer Krankheit, mein lieber, guter Mann, der Schlosser Hicäiapdi Jahn int 56. Lebensjahre. ISA Um stille Teilnahme bittet JHartiia Jahn geb. Schulze Die Einäscherung erfolgt ani Di�nnerstag. den 3. Mai, nach- «ni'.ags 5 Uhr, im Krematorium Ger.ichtftrajze 37. Freitag srüh starb tnciii Mann, unser Vater, der Drechsler Ernst Giese. Frau Marie Giese geb. Tollkiiscn, ISA nebst Kindern. Beerdigung am Mittwoch, nach. mittags 4 Uhr, auf dem Auf« erstehungskirchhof in Weijzensce. Ztlleu Freunden und Bekannten I tdie trautige Nachricht, dag meine stiebe Frau und gute Mutter Emilie ßartl geb. Schwärzlee »ach kurzcin schwerem Leiden Sonntag, den 29. ZIPril. in der Königl. Frauenklinik Berlin saust entschiaseu ist. L(tA Der tieitrauernde Ealtc und Sohn �«septi Barti Obeigchöneweide. Lagerhaiter der Konsum-Genossen- schajt Berlins und Nnigegend, nebst Sohn Robert. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 3. Mai, nach- mittags i Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg, Kiesholzstrage, statt. vMMaZkOZs Erwerös- Möglichkeiten bietet die rachste Zukunft Eine fiel- Ereilende Änderung unseres gesamten Wirlschattslcbens, ein gewalliger Ani- schwung unserer Industrie n. des Handels siebt bevor, und es werden überall geschufie KröKe gssacht »ein. Angehörige technischer Berufe u. Handwerker saUen nicht versäumen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zeit anaupasien, nni teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen, Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbst- unterrichtswerke„Syst. 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