9t. 1*1. 94* flöonnements-Bedlngung«; ■bonnemenW• Drn»»rSnumeran»« SiettcljäbrL 8,90 Ml. monati U30 ML «öchenUich 80 Sfg, frei ms Haut Sinzelne Nummei ö Pia Eonnlagt nunimct mit MuNricrtei Sonntag». LeUage.Die Neue Weif 10 Pig Soft- Bbonnemcnt 1.30 Marl Wo Monat eingetragen in die Lost- Zeitung». Preisliste llmer Kreuzband tS> Deutschland und Oesterreich. Ungarn WO Marl, für da« übrige Auslant > Marl t>ro Monat. Postabonnements aebmen an Belgien. Dänemarl Holland. Italien. Luxemburg. Portugal Rumänien. Schweden und die Schweiz Vlchelnl lägM Verliner Volksblttkk. f 5 Pfennig} Sie InlertlonS'GebQbr Mtflgi fflt die sechSgesbaliene Kolon e>- zelle oder deren Raum 60 Psg.. sllt »olillsche und gewerlschatlliche Verein». rnd Versammlung». Anzeigen 80 Psg. .Aleine Sn-eig-n". da« teugedruttte Vort 20 Psg. lzuläistg 2 leugedrutite Wortes, jede« weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasslellenan- »eigen da« etile Wort>0 Psg.. jede« »euere Wort 5 Psg. Worte über lö Buch» laben zählen iür zwei Worte. Inserate ür die nächsle Nummer müssen bi« S Uhr nachmittag« in der Exvedition tbgegeden werden. Die Expeditiolt ijt bi« 7 Uhr abend« geöffnet. Delegtamm-Adtesset .5»isZI nassen Scheidemann und David. «• • Zwei Anschauungen stehen einander gegenüber, die unter- einander unvereinbar sind, wie Feuer und Wasser. Die Kon- servativen glauben, daß ein Friedensschluß nach„inter- nationalen Grundsätzen" den Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes nicht entspricht. Die Sozialdemokraten sind dagegen der Ueberzeuguug, daß die Lcbensnotwendigkeit aller Völker, vor allem auch des deutschen Volkes, einen Friedensschluß aus Grundlage internationaler Verständigung dringend erheischt. Des Kanzlers Antwort, wie sie auch ausfallen mag, wird iher Rückwirkungen haben auf das Verhältnis zwischen Regierung und Arbeiterschaft, auf das Vundesverhältnis zu Oesterreich, auf die Friedensströmungen des Auslandes, auf die Konferenz von Stockholm. Sie kann eine glückliche Wendung herbeiführen, die der Menschheit den Ausweg aus blutigen Wirren zeigt. Sie kann aber auch alles verderben. Der Reichskanzler ist gerade in diesem Augenblick Ein- ich üchterungsversuchen ausgesetzt, von denen die gestern veröffentlichte Kundgebung der Wirtschaftsverbände nur ein äußeres Anzeichen ist. Diese Sportleistung politi- scher Verständnislosigkeit muß verwüstend wirken, wenn dem Reichskanzler der Mut fehlt, ihr entschlossen entgegen zu treten. Der Kanzler ist lange genug kommentiert worden. Nun kommentiere er sich endlich selbst in einer Weise, die jeden Zweifel, jede Zweideutigkeit ausschließt I Neue englische breite Angrisse beiderseits der Scarpe— Heftige �cuerkämpfe an der französischen Front- Russenangriff zwischen Susita- und Putna-Tal. Amtlich. Gropr» Hauptquartier, den 3. Mai 1917.11 120 Tonne»), auf dem sich eine große Zahl australischer Truppen befand, ist am 25. April 35 Seemeilen von Land cnt- kernt, durch ein Unterseeboot torpediert und versenkt worden. Durch die glänzende Disziplin und sichere Haltung der Truppen ge- lang es, alle in dir Boote zu bringen, die dann durch unsere schnell hcrbcikoninicndcn Patrouillcnfahrzcuge in den Hafen geführt wurden. Es gab keinerlei Verluste. Der Dampfer Ballarat gehört der Peninsular-Orient-Linre und wurde lSIl vom Stapel gelassen. * Seesperre und Versenkungen. Nach den vom Staatsdepartement in Washington veröffent- lichten Informationen wurden von den Tauchbooten K8(5 neutrale Schiffe versenkt. Die Tauchboote haben außerdem ohne Erfolg 75 andere neutrale Schiffe seit Beginn des Tauchbootkrieges angegriffen. Ein Drittel der seit dem 1. Februar versenkten Schiffe sind neurale Schiffe. Die Zahl der Opfer wird nicht angegeben, aber die an Bord der neutralen oder kriegführenden Länder ge- hörenden Schiffe umgekommenen Amerikaner sind mit 25 P r o z. angegeben. Die vom Staatsdepartement veröffentlichte Spezialliste versenkter Schiffe lautet wie folgt: norwegische Schiffe 410, schwe- diiche III, holländische 61, griechische 50, spanische 33, amerikanische 19, peruanische 1 und argentinische ebenfalls 1. Kopenhagen. 2. Mai..Nationaltidende" meldet aus Kristiania: Nach einer Meldung von.Attenposten" aus Vardö ist bei Alexandrowsk ein bewaffneter russischer Kohlen- dampfer torpediert worden. 22 Menschen sind umgekomnien. Von den drei Ueberlebendcn, die von einem Fischdampfer auf- genommen wurden, rst einer auf dem Fischdampfer gestorben. Rotterdam, 3. Mai. Bei Lloyds waren bis zum 28. April Meldungen über 30 3 Schiffsverluste im April eingc- gangen. Bis zum gleichen Tage deS Bormonats waren nur 220 als verloren gemeldet. Haag, 2. Mai. Die Nederlandsch Telegraaf Agentschap meldet, daß von zwanzig niederländischen Schiffen in Eng- land, die von der durch Deutschland zugestandenen sicheren Fahrt nach Holland Gebrauch machen wollten, fünfzehn in Holland angekommen sind, fünf fehlen n o ch; sie weilen vermutlich noch in England? es ist nicht bekannt, wann sie in Holland erwartet werden können. Haag, 2. Mai. Das Ministerium des Auswärtigen hat von der englischen Regierung die Mitteilung empfangen, daß das britische Sperrgebiet vom 3. Mai an erweitert wird. ?fegppten und Mesopotamien. Englischer Heeresbericht aus Aegypten vom 1. Mai. In der Nachbarschaft von Gaza Kämpfe von Erkundungs- abteilungen, wobei unsere Infanterie und berittenen Truppen Er- folge hallen. Im Verlauf einer Beschießung durch Artillerie zer- streuten wir feindliche Arbeitcrabteilungen, zerstörten oder beschädigten zwei feindliche Geschütze und einen Beobachrungsposten der Artillerie und brachten ein Munitionslager zur Explosion. Englischer Heeresbericht aus Mesopotanrien vom 2. Mai. General Maude griff am Montag das 13. türkische Armeekorps ans das sich auf beiden Ufern des Schall e l A d h e i m stark verschanzt halte. Der Feind wurde überrascht und feine beiden ersten Linien unter Einschluß eines befestigten Dorfes wurden schnell und in unwiderstehlichem Ansturm genommen. Durch einen starken Gegenangriff verloren wir daS Dorf wieder, gewannen es aber schnell zurück. Ter Feind wurde in die Berge von Jubel H a m b r i n zurückgetrieben. Wir machten 359 Gefangene, darunter einen Regimentskommandeur. Kleine Kriegsnachrichten. Der kanadische Etat. Im kanadischen Etat werden die Kriegs- kosten seit Beginn des Krieges auf 6 Millionen Dollar berechnet. Die Staatsschuld stieg von 300 Millionen auf 990 Millionen Dollar und wird bis Ende des Verwaltungsjahres 1200 Millionen Dollar betragen. Tie Sündcnböcke der AiSne-Schlacht. Bonnet Rouge meldet: Der Abg. Hennesiy brachte in der Kammer einen Interpellation?- antrag ein. wonach die kommandierenden Generäle, die vor dem Feinde einKommando innegehabt haben und des Postens enthoben wurden, innerhalb M o n a t s s r i st vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen. Die Interpellation Hennessy wird mit derjenigen D a l b i e z über die Führung der letzten inili- tärischen Operationen vereinigt wahrscheinlich in geheimer Ausschuß- sitzung erörtert werden. Indianische Reiterei. Laut.Daily Telegraph" hat der Ab- geordnete Kahn im Repräsentanicnhause einen Antrag eingebracht, die Regierung zu ermäciiiigen, 10 oder mehr Regimenter indianischer Reilerci anzuwerben. Jeder Indianer, der sich anwerben ä ß t, soll das amerikanische Bürgerrecht erhalten. Die Kriegsgefangenen in England. Im englischen llnterhausc ist mitgeteilt worden, daß von den arbeitsfähigen Kriegsgefangenen jetzt 84 Prozent beschäfligt werden. Das gleiche soll demnächst auch mit dem Rest geschehen. Die Arbeitgeber zahle» der Regierung die Vossen ortsüblichen Sohnssitze; bkervon erhalten die Kriegsgefangenen durchschnittlich einen Penny die Stunde. Bratianu beurlaubt. Die Leitung des rumänischen Ministeriums des Aeußern ist wegen einer Beurlaubung Jone! Bratianus von Take Jonescn übernommen worden. politische Uebersicht. Reichstag. P o st e t a t. Unsere Postvcrhältnisse sind während des Krieges je länger, jeniehr„gestreckt" worden wie alles andere. Ter Krieg hat aus den Postbetrieben herausgezogen, was nur an gesunden und kräftigen Männern irgendwo und irgendwie zu entbehren ist und durch weibliche Kräfte und Hilfsorgane erseht werldcn kann. Man läßt sich in dieser Zeit der Not den Kriegsersatz gefallen, wo er unentbehrlich ist. Aber man empfindet um so bitterer solche Erschwerungen und Unzu- länglichkeiten im Verkehr, die trotz der Kriegsnöte nicht zu sein brauchten und nur auf eine unzulängliche Organisation des Postwescns während des Krieges zurückzuführen sind. Von der sozialdemokratisch.;, t Fraktion brachten die Ge- nosscn Taubadel und Q u a r ck die mannigfachen Klagen dieser Art zur Sprache: die Nichtannahme von Einschreib- Paketen, das Verschwinden vieler Pakete durch unehrliche Elemente, die Aergernisse der Erhöhung der Portogebührcn, die Verspätung der Telegramme, die Ungleichheit und Un- gerechtigkeiten in der Besoldungsfrage, die Mißstände bei der Entschädigung der Hilfsarbeiter, die kleinliche Behandlung der Kricgerfraucn. die im Krieg doppelt unerträgliche Portofreiheit der Fürsten, die Notwendigkeit einer Ermäßigung der Gebühren für Preßtelegramme, die Not- wendigkeit einer Vertretung der angestellten Frauen im Vc- amtcnkörper. Starken Eindruck machte die Mitteilung des Genossen Quarck über eine Ausnutzung der fürstlichen Porto- sreiheit durch den Großherzog von Oldenburg, der eine ganz gewöhnliche Agitation zugunsten des von ihm protegierten Söhulschiffvereins durch Versendung von Hunderten von Telegrammen betrieb. Tos Telegramm war nicht einmal der Ersparnis halber im Telegrammstil gehalten. Sozialdemokratische Anträge im Verfassungsansschuh. Tie Sozialdemokraten haben im Verfassungsausschuß folgende Anträge eingebracht? Verhältniswahl und Fraucnwahlrecht im Reiche. Der Artikel 20 Absatz 1 der Rcichsvcrfassung erhält folgenden Wortlaut: Der Reichstag geht aus allgemeinen, gleichen und direkten nach dem Verhältniswahlsystem vorzunehmenden Wahlen mit ge- heimer Abstimmung hervor, an denen alle über 20 Jahre alten Reichsangehörigcn ohne Unterschied des Geschlechts teilnehmen. Gleiches Wahlrecht in den Einzclstaaten. Der Artikel 3 der Rcichsverfassung erhält folgenden Zusatz: In jedem Bundesstaat und im Reichsland Elsaß-Lothringen muß eine auf Grund des allgemeinen gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts unter Berücksichtigung der Minderheiten(Ver- hältniswahlrecht) gewählte Volksvertretung bestehen. Das Recht zu? Teilnahme an der Wahl zu dieser Körperschaft haben alle über 20 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Ge- schlechts in dem Bundesstaat, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Die Zustimmung dieser Volksvertretung ist zu jedem Landes- gesetz und zur Feststellung des Staatshaushalts erforderlich. * Aushebung der Gcsindcordnungen. Alle Verbote und Strafbcstimmungcn gegen Dienstberechtigte und Dienstverpflichtete jeder Art wegen Verabredungen und Vcr- einigungen zum BeHufe der Erlangung günstiger Lohn- und Ar- bcitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlastung der Arbeiter, werden aufgehoben. Aufhebung des K 153 der Gewerbeordnung. Aufhebung des 8 17 des Rcichsvcrcinsgesctzcs(Jugendlichen- Paragraph). Sozialdemokratische Interpellation für Elsast-Lothringen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat beschlossen, folgende Interpellation im Reichstag einzubringen: Ist dem Herrn Neichskanzler bekannt, daß durch Bestim- mungcn der Militärbcfehlshaber in Eliaß-Lothnngen andauernd gegen die elsaß-lothringische Verfassung, gegen das Schutzhaftgesetz rmd gegen die Immunität der ReichstagSabgeordnelen verstoßen wird? Als Redner für diese Resolution wurden bestimmt die Genossen Wendel und Böhle. Landarbeit und Hilfsdienst. Tie sozialdemokratische Reichstagsfraktion beantragt fol- gende Resolution: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die von verschiedenen stellvertretenden Generalkommandos erlassenen Verordnungen über Arbeitshilfe in der Land- und Forstwirtschaft, die m it den B e st i in- mungcn des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst in Widerspruch stehen, aufgehoben werden. Die Nationalliberalcn und die Vcrfassungsreform. Die„Nationalliberalc Korrespondenz" veröffentlicht eine Erklärung, aus der hervorgeht, daß die Natioimlliberaleu im Verfassungsausschuß eine Aktion zur reichsgesetzlichen Reform deS cinzelstaatlichcn Wahlrechts nicht mitmachen wollen. Sie halten diese Angelegenheit nach der Osterbotschaft für erledigt, d. h. sie wollen die Entscheidung in den Landtag schieben, der in seiner Mehrheit Gegner des gleichen Wahlrechts ist. Dagegen werden Anträge angekündigt, die auf Aenderung der Reichs- tagswahlkreisc hinzielen, ferner ans eine Abänderung des Artikels 1? der Reichsverfassung dahin, daß der Reichskanzler für kaiserliche Verfügungen„gegenüber dem Reichs- tag und deni Bundesrat" die Verantwortlichkeit trägt. ReichStagsmitglicdcr sollen künftig auch dem Bundesrat an- gehören können und ihr Mandat bei Uebernahme eines Reichs- oder Staatsamts nicht niederlegen müssen. Tie genannte Korrespondenz berichtet weiter, daß in der Fraktion lebhaft über Parlamentarismus debattiert wurde, den nian dadurch herbeizuführen denkt, daß Abgeordnete zu Staatssekretären ernannt iverden. Bennigsen hat aber be- kanntlich abgelehnt, in die subalterne Stellung eines Staats- 'ekretärs einzutreten und hat die Bildung eines kollegialen Reichsministcriums gefordert.— In der Fraktion hat sich auch Neigung gezeigt, für die Einführung des Verhältniswahlsystems einzutreten. Bekhmann und sekne Preuhen. Zur Hinousichiebung der Beratung des FideikommißgesetzeS im Abgeordnelenhaus wird uns geichrieben: Die an sich erfreuliche Vertagung des Fideikommißgesetzes hat die Unentschlossenheit der Regierung wieder einmal deutlich aufgezeigt. Wie man hört, hat es erst des energischen Vorgehens eines bei der Be- ratung der Vorlage im Plenum wie im Ausschuß hauptsächlich beteiligten Abgeordneten der Fortschrittlichen Volkspartei bedurft, um die Reaierung ni der Haliung zu bewegen, die der Vizepräsident des Preußischen Staatsministeriums. Herr v. Breiteubacb. in der Plenarsitzung am Dienstag eingenommen hat. Erst nachdem sie auf die bei der zweiten Lesung von der Linken zu er- wartenden Reden, die bei fast fedem einzelnen Paragraphen von neuem eingesetzt hätten, aufmerksam gemacht woi den war. ist die Regierung mit den Mchrhcitsparteien in Vcr- Handlungen eingetreten, die die Vertagung der Beratung zum Ziele hatten. Es leuchtet ein, daß die Gründe, die setzt für die Vcr» tagung ausschlaggebend waren, genau so bei der Einbringung der Fideikomnnßvorlage bestanden. Denn auch damals war Krieg, auch damals konnte es der Regierung nicht angenehm lein, wenn im preußischen Parlament heftige innere Parteikämpse ausgefochien wurden. Die hinter den Kulissen geführten Verhandlungen haben aber auch in weiten Kreisen die Ueberzeugung befestigt, daß in der ganzen Frage Herr V. Bethmann Holl- weg von seinen Kollegen im preußischen Staatsminisienum vor eine vollendete T a l i a ch e gestellt w o r d c n ist. Welche Mühe es dann gekostet hat, sie wieder aus der Welt zu schaffen, ist bekannt. Zurückführunft der belgischen Arbeiter. Die zwangsweise nach Deuochland gebrachten belgischen Arbeiter sind fast iämilich wieder in ibre Heimat zunickgesührt worden. Dagegen befinde» sich noch belgische Arbeiter in den besetzten Gebieten Nordfrankreichs. Ein von Sozialdemokraten. Fortschrittlern. Zentrum und Polen im HaushallsanSschnß eingebrachler Antrag verlangt nun den Herrn Reichskanzler zu erüichen. alsbald die erforderlichen Maß- nahmen behufs sofortiger Rückbeförderung der belgischen Zwangs- arbeiter aus Nordfrankreich in ihre Heimat zu treffen. An der An- nähme dieses Antrages ist nicht zu zweifeln. Bimdesrntsarbeit. In der Bundesratssitzung am Donnerstag gelangten zur Annahme: Der Entwurf einer Bekalnilmachung über den Schutz der im vaterländischen Hilfsdienst tätigen Personen, der Entwurf einer Bekanntmachung zu?! Ergänzung der Bekanntmachung über den Verkehr mit Knochen und der Entwurf einer Bekanntiuachung über die bei Behörden oder in kriegswirtschaftlichen Organisationen beschäftigten Personen. Lette Nackrichten. Tie Bomben auf Zirrikscc. Haag, 3. Mai. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß die llnivt- suchung der Reste der Bomben, die in der Nacht vom 29. auf den 30. April auf Zicritscc abgeworfen wurden, ergeben hat, daß sie, was Form und Metall anbetrifft, genau mit den Sflesten der Bomben überein st im men, die aus einem b r i t i- s ch c n Flugzeug in der Nacht vom 8. auf den 9. August auf Gadzand fielen. Einige der in Zierikscc gefundenen Bomben- schcrbcn tragen britische Merkzeichen. Der erste Mai in Rußland. Petersburg, 2. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Das Fest des 1. Mai dauerte gestern bis spät in die Nacht hinein. Ucber 300 Tribünen waren in den verschiedenen Stadtvicrtekn errichtet worden, wo von den Rednern der vcrschie- denen Parteien sehr viele Reden gehalten wurden, von denen die große Mehrzahl das Volk aufforderte, die eroberte Freiheit bis zum äußersten zu verteidigen. Es wurde keine Reden über einen Sonderfrieden gehalten, und jedes Wort gegen den Krieg wurde mit der größten Kälte(?) aufge- nommen. Tic Reden der Parteigänger Lenins riefen fast überall die Rufe:„Genug!" und„Schweigt!" hervor(?) Unter den Red- nern, die im Automobil von Stadtteil zu Stadtteil fuhren, befanden sich Plcchanow, Lenin, dann der Vorsitzende des Arbeiter- und Sol- datcnrates Tscheidsc, stellvertretender Vorsitzender Skobelew und Justizminister Kcrensli, der zum engen Zusammenschluß aller so- zialistischcn Parteien aufforderte. Nirgends wurde die Ordnung gestört. In ganz Rußland wurde das Arbeiterfcst des 1. Mai mit der gleichen Lebhaftigkeit und Begeisterung gefeiert wie in Petersburg. In zahlreichen Städten wie in Kronstadt, Minsk und anderen, die in der Nähe der Front liegen, nahmen die Truppen in ausgcdehn- tem Maße an den Kundgebungen der Arbeiter teil. In Jassy vcr. anstalteten die ruffischen Truppen eine gewaltige Kundgebung, der General Schtscherbatschew beiwohnte. Die Soldaten boten ihm ein rotes Band an, das er dankend annahm. Er erklärte, daß er es sein ganzes Leben lang als Zeichen des Vertrauens seiner Truppen auf- bewahren werde. (Nach dieser offiziösen Darstellung wäre also der erste Mai in Rußland als Kriegs-, nicht als Friedensfest gefeiert worden. Red. d.„Vorw.".)_ Gold nach Amerika. London, 3. Mai. Ter„Morning Post" wird aus New Dork gemeldet, daß die Bankiers daselbst der Meinung sind, daß die Alliierten von neuem Gold nach den Vereinigten Staa» t c n senden müssen, und zwar im Betrage der finanziellen Hilfe, welche in der Form von Regicrungsgeldcrn gegeben werden solle. „Daily Telegraf" berichtet, daß die amerikanische Anleihe fast aus- schließlich zur Bezahlung der bereits gelieferten Munition diene. Auch Belgien verlangt eine Anleihe von einer halben Milliarde Dollar._ Ter Ankauf von Kuxen für Berlin. Berlin, 3. Mai. In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung stand der Ankauf von Kuxen des Bergwerks„Trier" in Westfalen auf der Tagesordnung. Es wurde n o ch n i ch t in die B c r a t u n g eingetreten.� Tie Versammlung nahm vielmehr dem Vorschlag des Magistrats entsprechend nur den Vorschlag der von Sachverständigen, nämlich der Herren Geh. Oberbergrat Beyschlag, Geh. Berg- rat Krusch und Bergwcrksdirektor Stählcr entgegen. Tammrutsch und Entgleisung. Ncumarkt(Oberpfalz), 3. Mai. Auf der Strecke nach Regens- bürg ereignete sich heute zwischen Teuerling und Eichhofen ein Dammrutsch, wodurch ein Güterzug entgleiste. Ein Wagen- Wärter wurde getötet, der Zugführer und der Bremser wurden per« letzt. Beide Gleise waren bis heute abend gesperrt. Entgleisung ans Bahnhof Charlottenburg. Berlin, 3. Mai. Amtliche Meldung. Heute nachmittag 4 Uhr 7 Minuten entgleiste auf Bahnhof Charlottenburg beim Stellwerk Wbs. im krummen Strang der Weiche 20a von dem nach Stahns- darf fahrenden Stadtbahnzug 2460 der in der Mitte des Zuges laufende Wagen 2. Klasse Nr. 2896 mit 2 Achsen. Personen nicht verletzt. Materialschaden nicht entstanden. Ursache der Entgleisung noch nicht aufgeklärt. Die Züge erlitten geringe Verspätungen, Die Störung war um 4 Uhr 40 Min. nachmittags wieder behöbe». HewerkschMsbewegung Gärung in üer Textilinüustrie. Von Hermann Jätfei. ISS brodelt und gärt in der Textilindustrie. Im ganzen Reiche, ganz besonders aber in der Niederlausitz, im Königreich Sachsen, in Bayern und in Schlesien sind die Ärbeiter drauf und dran, ihrem Unmut Lust zu machen. Es ist eine unerträglich niedrige Entlohnung, die die Arbeiter dazu zwingt, dem Unternehmertum zu sagen: Bis hierher und nicht weiter! Die Not der Textilarbeiter der genannten Distrikte wird von Monat zu Monat größer. Bekanntlich kamen die Textilfabriken erst gegen Dezember 1914 nach vorhergegangenem Stillstand oder doch erheblicher Betriebseinschränkung wieder in Fluß. Die Ar- heiter waren zu Hundertdausenden arbeitslos. Arboitslosenunter- stützung wurde von Reich, Staat oder Gemeinde noch nicht bezahlt. An der Kriegshochkonjunkwr der folgenden Monate und Jahre partizipierten die Arbeiter mit ihrem Einkommen nicht. Die Löhne blieben die alten oder gingen zurück. Forderungen wurden aufgestellt, die sich nur aus den beson- deren Verhältnissen der Zeit erklären lassen. Reduktion der Ar- beitswoche auf drei oder vier Tage verlangte man in Schlesien, Verkürzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden für den Tag bei fünf- tägiger Arbeitswoche verlangte man anderwärts. Mehr Lohn wurde das einmütig« Verlangen der Textilarbeiter. Die unanfechtbaren Lohnfeststellungen der Organisationen haben traurige Zustände enchüllt. Aus der Ober- und der Nieder- lausitz sind seinerzeit Teilergebnisse über die Löhne publiziert worden. Die Feststellungen tn der Papiergarn verarbeitenden In- dustrie wurden zur Kenntnis behördlicher Organe gebracht. Un- abweisbar drängte sich jedem Unbefangenen die Ueberzeugung auf, daß die Textilindustriellen die aus öffentlichen Miltein gezahlten Unterstützungen nützen, zur Nicdrighaltung der Löhne. Es wur- den Stundenlöhne in Akkordarbeit von 13,3, 13, 16, ö, und 11,5 Pf. ermittelt. Die Zeitlohnarbeiter verdien- ten nicht mehr. Durchgeführte Lohnfeststcllungen des Verbandes aus dem März dieses Jahres bestätigen auf neue die geradezu unwürdige Lebenshaltung des Textilproletariats. Es wurden z. B. festgestellt in Guben Stundenlöhne in Fabrik A von 22 bis 23 Pf., Fabrik B von 19 bis 23 Pf., Fabrik C von 22 bis 24 Pf.. Fabrik D von 23 bis 27 Pf., Fabrik E von 25 bis 38 Pf., Fabrik F von 21 bis 27 Pf. Die in Frage kommenden Personen sind der Mehrzahl nach Arbeiterinnen. Auf gleicher Höhe bewegen sich die festgestellten Löhne in der Mehrzahl der übrigen Städte der Niederlausitz. In Schlesien und in der sächsischen Oberlausitz, so- wohl in der Leinen- wie in der Baumwollindustrie, erinnern die Zahlen an die Hungerlöhne der Handweber, die im Jahre 1844 zur Revolte führten. Des weiteren wurden festgestellt: in Augs- bürg Stundenlöhne für Arbeiterinnen von 23 Pf., in Füssen 29 Pf., in Freiburg in Baden 26 bis 27 Pf. In der berühmten Adorfer Papiergarnerzeugung erreichten Arbeiterinnen in den Januarwochen einen Durchschnittswochen- verdienst von 13,76 bis 16 M. Ebenso elend ist die Bezahlung in anderen Teilen Sachsens, z. B. in Reichenbach i. V., wo Fabrikanten und behördliche Organe in der Erhöhung der Textilarbeiterein- kommen eine Gefahr für die Industrie erblicken. Zu der elenden Bezahlung kommt oftmals noch eine Miß- achtung der Arbeiter und ihrer Organisation. In dem durch den gewaltig»! Weberstreik von 1963 in der ganzen Welt bekanntgewordenen Crimmitschau glauben die Unter- nehmer noch immer, ihre Arbeiterverachtung dadurch kundgeben zu dürfen, daß sie jede Beantwortung von Eingaben der Arbeiter und ihrer Organisation ablehnen. Die Löhne sind erbärmlich niedrig; sie stehen weit unter den Löhnen der preußischen Konkurrenz- städte. Die Löhne der Anleger(Spinnereiarboiter) stehen z. B. um etwa 5 M. wöchentlich unter den Löhnen gleicher Arbeiter mancher anderer Streichgarne erzeugenden Plätze. Die Textil- industrie Crimmitschaus gehört zu denjenigen Gruppen, die wäh- rend des Krieges am meiste nmit verdient haben und noch ver- dienen. Was Wunder, wenn die gut organisierten Arbeiter im Streik das Mittel erblicken, das Abhilfe zu schaffen einzig� imstande ist. General Gr ö n e r, der so scharfe Worte� gegen streikende Arbeiter findet, hätte hier Gelegenheit, seine Macht gegen Unternehmer in die Wagschale zu legen. Statt dessen lehnt er es grundsätzlich ab, vom Kriegsamt aus eine niedrigste Grenze der Bezahlung für die zum Hilfsdienst herangezogenen Textilarbeiter über das ganze Reich vorzuschreiben und unter- stützt damit unwillkürlich die lohndrückenden Tendenzen der TeMil- Unternehmer. Die Bezahlung der zum Hilfsdienst herangezogenen Textilarbeiter in Militärbetvieben ist so niedrig wie die Entloh- nung der Textilarbeiter in den Textilfabriken. Die an das Kriegs- amt seit Monaten abgegangenen Eingaben des Verbandes reden eine deutliche Sprache. Erbitternd, angesichts der erbärmlichen Löhne, wirken natür- lich auf die Arbeiter die Riese«gewinne der Unter- n e h m e r. Das Jahr 1915 war ein Rekordjahr. Wahre Kunst- stücke wurden in den Aktiengesellschaften angewandt, um die fabel- haften Kriegsgewinne in den Bilanzen zu verschleiern. Abschrei- bungen und Dividende gingen sprunghaft in die Höhe, die Rück- stellungen sind enorm. Noch höher dürften die Gewinne der Pri- datunternehmcr sein. Die Herstellung feldgrauer Tuche geschieht z. B. fast ausschließlich in Privatbetrieben. Das Jahr 1916 steht dem Jahr 1915 nicht nach. Der teilweise Stillstand der Maschinen hat die Rentabilität der Betriebe nicht merklich beeinträchtigt. Ein Goldregen ergoß'sich wiever über die Industrie. Die hohen Preise der Militärverwaltung sicherten trotz alledem hohe Gewinne. Nur einige Beispiele: Die Firma Reth- ner u. Frahne, Leinenweberei in Landeshut in Schlesien, mit ihren niedrigen Arbeiterlöhnen, brachte es bei 6 256 666 M. Aktienkapital auf einen Reingewinn von 2 646 627,23 Mark. Daneben wurden Abschreibungen gemacht von 5 Proz. für Gebäude und Arbeiterhäuser, 16 Proz. für Maschinen, 166 Proz. auf Babngleisanlagen, 166 Proz. auf Flachs-Röstanstalten, 166 Pro- zent auf elektrisch« Anlagen, 166 Proz. auf Inventar. Pferde und Wagen, Mobilien und Kontorutensilien stehen mit je 2 M. noch zu Buche. Die Bedburger Wollindustrie A.-G. zahlt aus dem Reingewinn 26 Proz. Dividende. Des weiteren wird aus dem- selben Reingewinn das 1 Million Mark betragende Aktienkapital verdoppelt. Jeder Aktionär bekommt eine Aktie gratis mit Divi» dendenschein ab 1. Januar 1917. Dem Aufsichtsrat wurden für seine Mühe 123 657 M. Entschädigung gewährt. Als die Höhe dieser Entschädigung in der Generalversammlung moniert wurde, meinte der Vorsitzende, der Aufsichtsrat gebe ja auch 5666 M. an die Na- tionalstiftung ab zum Besten der Kriegshinterbliebenen. Die „Textilose-Werke und Kunst Weberei" in Adorf haben nach Abzug aller Unkosten und nach Abschreibungen der umfangreichen Neuanlagen bei„vorsichtiger Be- Wertung aller Vorräte und Außenstände" und nach crfolgter Kriegs- rücklage von 2 Millionen Mark noch immer 1 962 787 M. Gewinn zu verzeichnen. Hiervon wurden auf die Anlagen 637 652 M., auf die Beteiligung an im feindlichen Ausland befindlichen Unterneh- mungen 125 666 M. abgeschrieben, zur Bildung einer gesetzlichen Rücklage auf das im Jahre 1916 erhöhte Aktienkapital wurden 164 666 M. und zur Bildung eines Beamten- und Arbeiter-Unter- stützungsfonds 266 666 M. verwendet. Es werden 36 Proz. Divi- dende auf die alten und 15 Prozent auf die neuen Aktien verteilt. An Belohnungen werden 198 311 M. ausgezahlt und zum Vortrag auf neue Rechnung kommen 254 424 M. Die Jutefabrik in Vre- m e n verteilt 36 Proz. Dividend«. Die Mechanische Bunt- Weberei Weber u. Ott in Fürth, den Arbeitern infolge nie- driger Löhne wohlbekannt, ist in der Lage, dem gesetzlichen Reserve- fonds 466 666 M., dem Spezial-Reservefonds 1 Million Mark zu überweisen. Daneben gibt es 12 Proz. Dividende. So könnte die Liste für 1916 beliebig verlängert werden. Was wunder, wenn die Arbeiter, die starke Hand der Militärverwaltung vermissend, danach drängen, sich selbst zu helfen und das Mittel im Streik erblicken. Schon ist es zu Kündigungen gekommen. In Luckenwalde wurde durch Entgegenkommen der Unternehmer in langen Verhandlungen mit der Organisation«ine Einigung er- zielt und die eingereichte Kündigung darauf zurückgezogen. In S o r a u und anderen Plätzen steht die Kündigung durch die Ar- beiter bevor. Aus dem ganzen Reiche kommen Meldungen an die Arbciterzentrale des Verbandes von Streikverlangen und Lohn- bewegungen. In Crimmitschau wurde in zwei Riesenver- sammlungen von der Verbandssekrctärin Hoppe und dem Sckreiber dieses angeraten und alsdann beschlossen, das Kriegsamt in Leipzig zur Vermittlung anzurufen. Nur so konnte der Streik verhindert werden, lieber diese Vorgänge und deren Ursachen die Oeffentlich- keit zu unterrichten, ist Pflicht der Presse. Mögen alle, die eS angeht, die Zeichen der Zeit erkennend, demgegenüber ihre Pflicht tun._ veuMes Rcfd>. Eine Konferenz der �entralinstanzen und Ganleiter des �jimmererverbandes war zum 27. April nach Berlin einberufen, um zu dem Ergebnis der Verhandlungen über eine Teuerungszulage, die tags zuvor im Rcichsamt des Innern begonnen hatten, Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen wurden jedoch erst am 27. April vor- mittags zum Abschluß gebracht; deshalb mußte der Bericht bis zur Nachmittagssitznng vertagt werden. Vormittags fand eine Besprechung statt über das Hilf?« dienstgesetz und seine Wirkungen auf den Verband, sowie über die Handhabung des Ge- s e tz e s. Die Aussprache war eine sehr rege. Für Bayern wurde berichtet, daß die durch das Gesetz ausgesprochene Bindung an den Betrieb als lästig emp- funden werde, daß aber Klagen bisher nicht laut ge- worden seien, lieber die Tätigkeit der Ausschüsse lasse sich ein übersichtliebes Bild noch nicht geben, dazu bestehe das Gesetz noch zu kurze Zeit und seien seine Einrickitungen noch zu neu. Weniger günstig waren die Mitteilungen aus Ost- und West Preußen. Dort wird den Unternehmern mit möglichster Rücksicht begegnet, den Arbeitern jedoch nicht. Aus Brandenburg sind Beschwerden nicht bekannt geworden. In Rheinland-Westsalen ar< besten die Ausschüsse sehr unterschiedlich. Während in Düssel- dorf den berechtigten Ansprüchen der Arbeiter tunlichst Rechnung getragen wird, macht der Schlichtungsausschuß in Essen bei einem beabsichtigten Wechsel der Arbeitsstelle» unend- liche Schwierigkeiten. Im Königreich Sachsen sind, von ganz ver- einzelt dastehenden Fällen abgesehen, Beschwerden über die Praxis der Schlichtungsausschüsse nicht zur Kenntnis gelangt. Anders"in Württemberg, wo sich die Arbeiter in ihren Erwartungen getäuscht sehen. Die Entscheidungen der Ausschüsse sind nicht immer einwandfrei; teils haben sie es mit Sympathieerklärungen für die Arbeiter bewenden lassen. In Mecklenburg haben sich aus der Tätigkeit der Schlichtungsansschüsse bisher Differenzen nicht er- geben. Von dort wurde angeregt: die Generalkommission der Gewerk- ichaften möge beim Kriegs amt dahin wirken, daß über alle Entscheidungen der Schlichtungsausschüsie an eine Zentralstelle berichtet würde, um möglichste Einheitlichkeit in der Spruchpraxis zu erlangen. Für Posen konnten Schwierigkeiten durch die Handhabung des Ge- setzes nicht festgestellt werden. Es sei indes, wie der Vertreter von dort mitteilte, vorgekommen, daß man reklamierte Arbeiter infolge Wechsels der Arbeitsstelle wieder eingezogen habe. Nicht sehr günfklg lauten die Msttelkungen au? dem Gebiet des Mittel« deutschen A r b e i t g e b e r v e r b a n d e s für das Bau- g e w e r b e. Dieser Verband vertritt mit Erfolg den Standpunkt, daß Arbeitern, die unter den Tarifvertrag f a l l e n, d e r A b k e b r s ch e i n überhaupt nicht erteilt wird, d e n n d e r T a ri f l o h n s e i in j e d e m F a l l e e i n angemessener Lohn. In Thüringen sind Erfahrungen mit dem Hilfsdienstgesetz bisher kaum gemacht worden; die Aus- schüste haben eine nennenswerte Tätigkeit noch nicht entfalten brauchen. In Oberschlesien liegt es ähnlich, wenigstens so weit Zimmerer in Frage kommen. Für Schleswig-Holstein wurde berichtet, daß die Verbandsmitglieder bis jetzt nur selten die Schlichtungsous'chüsse in Anspruch genommen hätten In den für Kriegsbauten getroffenen Vereinbarungen sei auch daS Schlichtungsversahren bei Streitigkeiten geregelt. Im weiteren Verlauf der Aussprache wurde noch darau» ver- wiesen, daß Beschwerden über unrechtmäßige Hand- babung des Gesetzes an den Zentralvorstand ein» zureichen seien, der sie an die Keneralkommisnon verm'ti zur Weitergabe an das Kriegsamt. Soweit dem Krieasami be gründete Beschwerden zugegangen sind, bat es>ür Abb' gesorgt. Zusammenfassend wurde am Schluß der Aussprache fest. gestellt, daß die vorgetragenen Tatsachen zwar eme allgeme n? Uebersicht noch nicht gewinnen lassen, daß sie aber bewiesen bäi' wie unterschiedlich die Bestimmungen des Gesetzes gebandbab: würden und wie wenig einheitlich die Spruchproxis in den Schb tungsausschüssen sei. Wichtige Vorgänge sollten daher auch m Zu- kunft festgehalten und begründete Beschwerden dem Zentra vorstände stets sofort zur Meldung gebracht werden, damit die erforderlichen Schritte eingeleitet werden könnten. In derNachmiltagssitzung wurde von den Verhrndlungt über die T e u e r u n g s, u l a g e berichtet. Nach kurzem Rückblick auf daS Zustandekommen der Verbandlungen und Schilderuno ihres Verläufs wurde deren Ergebnis Februar bei der Direktion eine Erhöhung der Teuerungszulage von 16 Pf. für die Stunde durch den Arbeilcrausickiuß beantragt. Die Erledigung hatte sich bis jetzt verzögert. Am 18. April verhandelte die Direltion mit dem Arbeiterausschuß und dem Vertreter der Or« ganisation. Der Erfolg war, daß die Direktion die bisher gezahlt« Teuerungszulage um 26 Pf. für die Stunde ab 18. April erhöbt. Den Arbeiterinnen wird die bisherige Teuerungszulage um 7>/z Pf. für die Stunde erhöht. Die überhaupt gezahlten Teuerungszulagen während der Dauer des Krieges erreichen damit die Höhe von 112,35 M. für den Monat. evetterauSNchten für daS mittlere Storddeuttiülan» vi» Sonnabend mittag. Zunächst trocken und vielfach heiter bei wenig ver- änderten Temperaturen; später im Süden Zunahme der Bewöllung. Verantwortl. s. Politik: Dr. Franz Tiederich, Bert-Friedenau: für d. übrigen Teil d. Blattes: Alfred Scholz, Neulölln; sür Inserate: lh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und llneerhaltnugsblatt. tkt&t Vergessen Sie niemals: Die Sehkraft ist der wertvollste von unseren fünf Sinnen, und das Auge ist das edelste und empfindlichste Organ unseres Körpers. Trotzdem wird es meistens vernachlässigt und am wenigsten in seinen Funttionen begriffen. Wie viel mehr pftege läßt man z. Ä. seinen Zähnen an- gedeihen. Augen sind aber wirklich wichtiger als Zähne Daher beherzigen Sie die Taffache, daß Zhre Augen wirklich mehr wert sind als die allerteuersten Augengläser, denn unvollkommenes Sehvermögen schädigt Sie in Ihrem Fort- kommen, ganz gleich, welchem Stande Sie angehören. Wenn Sie 20 bis 30 Minuten Zeit opfern und in einem unfererer Geschäfte vorsprechen, so können Sie ohne irgend- welche Kosten und ohne Kaufzwang Ihre Augen unteffuchen lassen und flch volle Gewißheit über deren Zustand verschaffen. Kommen Sie, sobald als möglich! Äenötigen Sie keiner Gläser, so sagen wir Ihnen dies aufrichtig und wünschen Ihnen Glück dazul Optiker Rukiike Neu! Schöneberg, �auxt-Str. 21, am Saiser.Mlb..Vlat Medenau: Rhein-Str. IS, Otf««r«-«-. I,g«»aber der»oiler-Stch» Sind't die Augen, Qeh' zu Ruhnke/ c. SO. Am Alexander-Platz neben»schtnger. Spiltelmarkt, tat Oranien-Str. 44, nahe Oranien-Vl«». CU W e-WZ>ger Str. 113, fSJW/ Arledrlch-Str. 150, •»a« M-uer-vtr. IN W,«ck.»orotheen.l Ctef-Slt. 1.«.«t � lhauffee-Str. 72, 7riedrich.Str. lS0' Zuuavdeu-Sw. 104. «ck. Xinlen.Ctt»r»»n...»tr Charlottenburg: louentzien-Str. 15, Ick« Marburg«» Gl» Zoachlm,«Haler Str. 2, am»ahnhif 3«a A s k h % Nr. 121> 54. Jahrgang HeLlage öes Vonvärts 5reitag,4.Mai14I7 Reichstag. wj. ! i tz u n g. Donnerstag, den S. Mai lS17, n a ch in i t a g-Z 1 Uhr. Ain iLundeSrolSiislb! K r a e t k e. �unölbst wird der Ge>ett«ntwuri betreffend den Gebührentarif für den Kaiser»Wilhel>n-Kanal in erster und zivciter Lesung er- tedigr. Hicrouf wird die zweite Beratung US Postetats fortgctctzt beim Titel„ötaatsfclrciär. �tbg. Taubadcl(eoz).: llc lange Tauer des Krieges hol auch der Post gro&e �.ckwierigketlen gebracht. In der letzten Zeit scheint ez ihr nicht nnnier gelungen zu sein, dieser«chivicrigkeiien Herr zn werden. Die Nichianiiahnr« der liinschreibpatele ist mit lechnischen Schwieriglcileu begründet worden. Diese können aber nicht so gros; sein, um eine so cinichiicidende Maßregel zu rechlferiigen. TaS Publikum fühlt sich dadurch um so mehr beunruhigt, alz in der letzien Zeit viele Pakete verloren gegangen sind. Man darf nicht Überlehen, ob nicht cnva solche Lorkommmffe durch ungenügende Bezahlung des Per iouals verursacht worden sind. tLebhaslcs Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tie Porloeinnahmtn sind um 2 Proz. zurückgegangen. Das ist Wohl auf die Erhöhung der Postgebühren zurückzuführen. Herr von Äamp nieinle in der Ztommisfion, das Publikum habe die Ver lenerung des Portos gelassen hingenoininen. und bei neuen Steuern tolle man wieder auf die Postgebühren zurückgreifen. Herr v. Gamp iauich: sich, die Mifestiuiniuug des Publikums ist außerordeullich groß iSehr wahr! bei den Soz.), um so mehr, als die Partofrcihcit der Landesfürsten noch immer besteht. Die Angelegenheit ist den BundesratSauS- ichiissenieichibe!rirbe schleunigst eui Ende gemacht werden.(Lebh. Sehr richtig! d. d. Soz.) Bei den Teuerungszulagen darf iiilbt verfahren werden wie in Hainburg, Ivo man den Heizern ät) Pf. inglich abgezogen bat. das macht monatlich 12 M. aus. und dann hat Niaii diese 12 M. als Tcuerungsziilage beivilligt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Emstellmig von r i e g s- verletzten tollen die Reichsbelriebe den Privatbetrieben mit gutem Beispiel vorangehen. Einem Kriegsverletzten ist aber von der Poslbebörde mitgeleilt worden, daß er auf Grund einer Perfügung im Botendienst nicht eingestellt werden darf. Ich bitte den Staatsielrciär um Auskunft, ob eine solche Verfügung mit seinem Wissen und Willen besteht. Jedenfalls sollte solche Perfngung so schnell ivis möglich aufgehoben werden. Bei den Tagegeldern der Hiliskräfie sollte nian lediglich fragen, ob die Hilfskräfte bei der Bezahlung imstand« sind, eine menschenwürdige Existenz zu führen, und ob die Verwaltung für diese Bezahlung dauernd gute Hilfs- lr.iile erhalten tanii. Bei den gegenwärtigen Löhne» ist beides nicht möglich. Ein großer Mißstand ist es, daß die Aus Helfer snr Ueberstundeu keine besondere Bezahlung erhalten. Der Frage der Entlohnung der HilsSkräfle muß die größte Beachtung geichenkt werden, denn von ihr hängt eS ab. daß lvir wieder zu geordneten Verhältnissen im Postbeiriev konimen.(Beifall bei den Sozialdemo- träte».) Abg. Nacken(»Z.): Dia Erhöhung der Bezüge der Aushelfer, namentlich derjenigen, die schon längere Zeit im Dienst sind, ist dringend geboten. Die Einschreibepakete iollten so bald wie möglich wieder zugelassen werden. Erfreulich ist das Bestreben der Post, möglichst viel Kriegs- beschädigte zu beschäftigen. Leute, die aus den Vabnhöfen z. B. schwere Arbeit zu verrichten haben, sollten auch die Brotration der Schwerarbeiter erhalten. Abg. Hubrich(Vp.): Ein wie großer Unterschied zwischen der Auffassung der ge- schulien und der Auffassung der Ersatzkrähe besteht, b-ioeist z. B. das Äorkominnis, daß zwanzig weibliche Postillione eiueS Morgens sich weigcrle», ihren Dienst anzutreten, weil es ihnen zu kalt sei. Dort ilnbcdingte Hingab« an die Pflicht, hier Voranstellung des persönlichen Wohlbefindens! Zur Beschleunigung der Brief- bestellung sollte endlich die Anbringung von Grieflästen mileu am Hause allgemeiner Brauch werden. Die An- steUungSverhältniffe der Beamten sind noch alles andere olS be- friedig, nd. Schon im Interesse der BevölkerungSpolitik sollte man mehr tun. um ein früheres Heiraten der Beamten zu ermöglichen. Statt dessen warnt die Postvertvaltuiig in Hamburg sogar ausdrücklich, z. B. die Postboten, vor der etalSinäßigeii Anstellung zu heiraten.(Hört! hört!� Abg. Flentming ff.) warnt vor einer zu weitgehenden Anstellung von Frauen im Postdieiist und spricht insbesondere für Besser- siellnag der Landbriesträger sowie sür vermchrten Erholungsurlaub der Beamten. Abg. Meyer, Herford(natk.): Ungünstige Vermerke in den Personalakten der Beamten sollten nach einer gewissen Zeit gciöscht werden. Eine besonders empfundene Härte ist auch, daß die fest angestellten weiblichen Beamten nicht unkünd- bar angestellt sind. Staatssekretär Kraetke: Bei den Klagen über mangelhafte Be. fa.derung der Postsachen darf man nicht vergessen, daß der Post nicht uicor entfernt so viele Aahnzüge zur Verfügung stehen, wie früher. Tie Aufhebung der Einschreibpakete ist lediglich erfolgt, weil mir sie tatsächlich bei den gegenwärtigen Personal- und lltaumverhältnissen von den anderen Paketen nicht unterscheiden können; einer Entschädigungspslicht haben wir unö dadurch nicht entziehen wollen, wir Häven ia auch Wert- scndungen nach wie vor zugelassen. Tos Berschwindcn von Paketen ist nicht so umfangreich, wie man vielfach klagt. Auf je ist eins verloren gegangen; entschieden« Verwahrung lege ich dagegen ein, daß das Verschwinden von Paketen irgendwie mit der Bezahlung der Hilfskräste zusammenhängt. Abg. Pruhn(D. Fr.) bespricht Pastfragen. Abg. Znbeil(Sez. Arbg.): Die Anzahl der verschwundenen Pa- teta ist keineswegs gering. Aaff einem großen Postamt allein sind 120 Pakete verschwunden. Wir geben die Schuld dara» iveniger den Spitzbuben als der elenden Bezahlung, durch die sie zu Unredlichkeitcii verführt werden. Empörend ist, daß man K r i e g c r f r a u e n. die Brieströgerdienste tun, die Teue- rungszulage ciitzogen hat.(Hört, hört!) Eine solche Frau, die drei jtindcr hat, muß mit 62 M. monatlich, mit 20,50 M. wöchentlich auskommen. Bei diesen Verhätlnisse» darf man sich nicht wulidcrn, daß die Franc» jeden anderen Verdienst vorziehen und den Postdienst sehr schnell verlassen. Diesem Krebsschaden kann die Postberwaltung nur durch ausreichende Löhne abhelfen, nicht durch eine Ausbesserung von 20 Pf., die jetzt, wie ich höre, vor- genoiiiinen sein soll. Bei der clciiden Bezahlung ist naturgemäß der Kranlenbestand bei der Postverwallung sehr groß. 70 Milliarden geben wir im Reich snr unproduktive Zwecke auS, da müssen wir auch die Mittel haben, im» die Beamten, Hilfsbeamten nud AuS- Helfer in drn Reichsbcliiebeii ausreichend zu bezahlen. lSehr richligt bei der Soz. Arbg.i Assonders krasse Mißstände herrschen auf dem Hauptpostamt in S ch ö n e b c r g. Wenn die Geschädigten sich be- schweren, werden sie bestraft.(Lebhastcs Hötl! Ijöit! bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär Kriietkr: Der Vorredner muß diese Klagen gegen bestiminte Beamte uns vorher a n l ü n d i g e n, joiist können wir die Sache nicht nillersilchen. Abg. Dr. Ouarck(Soz.): Der SiaotSsekretär sagt, die Postverioaltung bezahlt die Hilfs- krähe nicht schlechter als die anderen Reichsverwaltungen. Aber sie werden nicht entfernt so bezahlt, wie eS die heutige Lebens- not erfordert. Zahlreiche Gerichtsurteile haben aus- gesprochen, daß die elende Bezahlung die Angeklagten zum Vergreifen am Postelgentum vorführt haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten� Nötig ist eine Stelle, die für sozialpolitische Durchbildung der Beamten sorgt. Heule herrscht bei der Postverwaliung der reinste technische Mtzlichleits standpunkt. Die Schweiz, Stau dinavien, sogar Italien kennen für die AuShilföarbeiieli eine dreimonatige Kündigung mit dem Beschwerderecht dagegen. Ilnserer Rsichöpostver- Wallung ist oir daS unbekannt. Bei der zahlreichen Beschäftigung der Frauen müßten die Frauen auch eine Vertretung im B o a m t e u k ö r p e r baben.(Zustimmung bei den Sozial- demvkraten.) Auch zur politischen Gesimdung DeuischlnndZ muß die Poslverwaltung wie jede andere Reichsverwaltung bciiragrn. Des halb müßte die Posiverwaltung selbst auf die Abschaffung des Privilegs der Portofreihcit der Landeksürsten dringen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Unerhört ist. daß der Staatsielretär nicht zu dem von ineinein Kollegen Taubadel aiigeiührleii Fall Slellung genolnineii bat. daß einem Kriegs- verletzten Beschäitigmig im Botendienst versagt wurde. Ein Mißbrauch der Portoireiheit ist es. daß der Großherzog von Oldenburg in Hunderten von Telegramme» zur Erwerbung der Mitgliedschaft in dem von ihm geleiteten deulicheii Schulschiffverein ausgesorderl hat. Jeder andere»inßte solche Aufforderung Porto- pflichtig verieuden. lSehr wahr! bei de» Soziald.) Dringend not- wendig ist die Ermäßigung der Preßielegramlne. ES ist ein grundsätz- licher Wandel der organisatorischeu Einrichlungen der Postverwaltuug nötig.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sivkovich(Vp.): Die Portosreiheit der Landesfürsten verträgt sich nickt mehr mit der heutigen Zeit, in dieser Frage muß dem Empfinden des gesamte» Volkes Rechnung gelragen werden. CZnstimmung links.) Gegenüber ihrem Beamleilheere läßt die Reichsposlverlvaltung die Jniliative sozialpolitischen Vor- gehenS verinisseii. Deshalb kann der Staatssekretär auch nicht das Vertrauen und die Zuueigitng seiner Beamte» haben. Dies Ver- trauen»mß er zurückzugeivimien suchen.(Bravo! bei der Vp) Staatssekretär Kraetkc: Die über die Abschaffung der Porto- freiheit der Landeöfürste» von, Reichstag gefaßte Reso- lution ist v o m Bundesrat noch nicht erledigt»nd ich kann daher nicht sagen,!» welchem Sinn« sie erledigt werden ivird. Zu dem vom Abg. Taubadcl vorgebrachten Fall habe ich lediglich vergessen zu beinerken, daß von einer Verfügung, nach der ÄriegSverletzle im Botendienst nickt beschäftigt werden dürfen, mir nichts bekannt ist und daß ich bezweifle, daß eine solche Verfiignirg ergangen ist. Abg. Mumm(Dt. Fr.): Wenn wir das neue Land gewinnen, sollen auch die Postbeamicn SiedlungSland bekommen. Damit schließt die Aussprache. Präsident Dr. Kaempf teilt mit, daß eine Interpellation der konservative n Partei eiiigegangen ist, deren Wortlaut wir im Hauptblait wiedergeben. Weiter teilt der Präsident noch mit, daß seitens der sozial demokratischen Partei die von uns gleichfalls an anderer Stelle im Worllaut veröffentlichte Interpellation über die Kriegsziele eingegangen ist. Der Postetat wird genehmigt, der Gesetzentwurf über Abrundung der Telegrammgebühren wirb in t. und 3. Lesung a ii g e n o m»i e n. Beim Etat der ReichSdruckerei wendet sich Abg. Kuncrt(Soz. Arbg.) dagegen, daß die dort beschäftigten Kriegsbeschädigten schlechter gestellt werden als die anderen Arbeiter. Abg. Zubcil(Soz. Arbg.): Bei den Teuerungszulagen sollte man nicht zwischen gualisizierten und ungualifizterten Arbeitern unter- scheide». Ministerialdirektor Aschenborn: Dem Abg. Kunert bemerke ich, daß dei: Kriegsbeschädigten die Rente nicht abgezogen wird. Die Debatte schließt. Der Etat der ReichSdruckerei wird gc nehmigt. Beim Etat für d en Reichstag führt Abg. Dr. Pfleger(Z.) Beschwerde, daß auswärtige Mitglieder des Ernährmigsbeirats in Berlin zur Einkommen st euer her- angezogen worden find. Der Etat wird genehmigt. Hierauf vertagt sich das HauZ auf Freitag 1 Uhr pünktlich.«Kurze Anfragen, die vom Präfidciilcn mitgeteilten Jnlerpellationen, Etat der ReichScisenbahnen und MtUtäretat)_______ Schluß 7 Uhr. Sellien im ßauptausfthuß. Der Hauptausschuß des Reichstags trat am TounerSlag in die Beratung der politischen und loirt- schaftliche» Verhältnisse der besetzten Gebiete ein und behandelte zunächst Belgien. Abg. v. Schulzc-Gävernitz (Fortsch. Vp.): Die Aunektion Belgiens ist als erledigt anzusehen. Ein halbsouveränes Belgien wurde ftcien Protest nud stete Kriegsdrohung bedeuten. Der einzige Weg, der zum Ziel führt, ist die staatliche Trennung von Flamen und Wallonen. Die bisherige Flamenpolitik der deutschen LkiupationSregierung litt an dem Mangel der Einheitlichkeit. Gehl eS in der bisherigen Zögerung weiter, so war sie im wesentliche» zwecklos. Die ZwangSauSfuhr belgischer Arbeiter nach Deutschland war in der porgenoinmeuer! Form ein Schlag ins Gesicht unserer Flamenpolitik. Staatsielretär Dr. Helffcrich wie- zunächst auf seine im Februar im Ausschuß gemacklen Aeutzciungen über die Flamenpolitik bin. Die Meinung, daß zu langsam vorgegangen werde, könne er nicht als berechtigt anerlennen. Die Verwaltungstrennung werde in engster Fühlung mit dem Rat von Flandern bearbeitet und mache gute Fortschritte. Oberst Marquardt gab Auslunft über die Turchsützi ui'g del kaiser- lichen Erlasses betreffend Zuriicksiihning der belgischen Arbeiter. Sie sei im großen Ganzen durchgeführt.— Abg. Erzberger(Z.) lehnt eS ab. jetzt schon über die deutschen Kriegsziele in Belgien sich auszulasssn; aber unter allen Umständen müsse eine zielbewußte, besonnene F l a m e u v o l i t i k geführt werden.— Abg. Gothcin(Fortschr. Vp.) bespricht die Hafenverhältnisse in Flandern. Pflicht des Reichslags sei es. dafür zu sorgen, baß die belgischen ZivangSarbeiter so rasch wie möglich zurückgebracht würden. Abg. Mumm(Tisch. Fr.) erackiel den Plan der Per- einigten Staate», Belgien unter der allen Dhnastie zu lassen, als eine ernste Gefahr für das Deutsche Reich.— Abg. Krcth(f.): Für die Gestaltung der Verhältnisse in Belgien dürfe eS nur eine Richtlinie geben: die Sicherung der Zukunft unseres Volkes. Nicht- habe uns mehr geschadet als das unheilvolle Wart boi: dem.Unrecht gegen Belgien". Seine Freunde mußten fordern, daß die flandrische Küste unter deutschem militärischen Einfluß bleibt. An ciircu Pcrständiguugsfricdcn glaube ich nicht. Die Verbringung der belgische» Arbeiter nach Deutschland und Nordsrankrcich sei g e- rechtfertigt gewesen. Minislerialdirrktor Dr. Lcwald gibt nähere Auskunft über die Durchsührung der V e r lv a l t u>: g S tr e u n un g hinsichtlich der einzelnen Behörden. Es sei zu erwarte», daß trotz einiger Schwierig- keilen die Trennung in einigen Woche» vollendet sei» tu e r d c. Abg. David(Soz.): Nicht durch die Vergewaltigungspolilil. die Herr Kreth und seine Freunde cmpfchleu, werde ein Zustand in: Westen geschaffen, der die Zukunjt des deutschen Voltes sichere, sondern durch eine Politik der g e g e u s o i t i g e n V e r stän d i- gung. Das Ziel müsse die Wiederherstellung Belgien» in einer Fori» sein, die auch den Wünschen der Belgier s e I v sr, der Wallonen wie der Flamen entspreche. Das könne nur ein Belgien sein, unabhängig nach beiden Seilen h i». Bon diesem Siandpunkr ans sei auch die Frage der Ver- wallungStreniiung schon heule zu behandeln. Alle unsere Be- strcbungen, die belgische Bevölkerung wieder innerlich mit uns zu versöhnen, seien durch die unglückselige Maßnahme der belgischen A r b o i t e r d e p o r t a l i a n i ch io e r„ c- schädigt. ES müsse nicht nur verlaugt werden, daß alle belgi- scheu Arbeiter in ihre Heimat zurückbefördert luerden, insbesondere auch die in Nordfraiureich beschäftigten. Nach weilerer iurzer Tebaite beiiagte sich der Ausschuß aus Freitag. parlamentarisches. ErnährnugSfrage» im ReichStagsauSschup. Der Direktor im KriegSsrnährungSamt v. Oppen trat dein Gerücht entgegen, daß bei der Veröffentlichung der Getreide» schiebungen i» der Provinz Posen lediglich gegen polnische, nicht aber gegen deutsche Grundbesitzer vorgegangen sei; eine Schonung der deulfche» Grundbesitzer habe nicht stattgesunden. Hierauf wird zur Besprechung der Kartoffeluersorgniig übergegangen. Abg. Gtnbbe(Soz.) verlangt, bei der Frühkartoffel nicht die Fehler des Porjahres zu wiederholen, da durch eine im- zweckmäßig« Verfrachtung große Bestände dem Perderbe» ausgesetzt wurden.— Abg. Käppler(Soz.) verurteilt eS als unerhört, daß dem Landwirt die Kartoffel», die er zur Saat verwenden wollte. zum Preise von-1 M. beschlagnahmt wurden und er gegenwärtig sür Saatkartoffcln 12 M. zahlen innß.— Abg. Binder(Soz.) de- llagt, daß die Versicherung, sünf Pfund Kartoffeln für die kommende Zeit zu liefern, schon viellach in» Wanken g e k o»l in e n ist. Die Verhandlungen wenden sich hierauf der Obst- und Gcmüscversorgung zu. Dr. Wirth(I.) weist darauf hin, daß Backobst gegsnwärtig einen Preis bis zu 4 M. für da» Pfund erreicht habe. Sauer- kraut wird zum Preise van 32— 38 Ps. pro Pfund gehandelt. Diese Preistreibereien sind unerhört.— Bon anderer Selie wird die schlechte Qualität des K r l e g s m u s e s bemäiigel r. — v. Till», Leiter der Reichsgemüse- und Obststelle, erkennt an, daß die Preise sür Backobst nn gesund seien. Die Ermitl- lnngeii haben jedoch ergeben, daß die Kleinhändler so teuer ein- kausleir, daß, wemr man gegenwärtig Höchstpreise festsetzen limrde. eine schwere Schädigung der Kleinhändler eintreten müßte. Wir werden im nächsten Jahre E r z e n g e r- H ö ch st p r e i i e haben und ebenso für den Groß- und Kleinhandel die PreiSfestsetzmigen vornehmen, io daß sich die gegenwärtigen Erscheinungen n i cd t wiederholen. Kausleute. die Sauerkraut zum Preise von über 20 Pf. abgebe», sollten angezeigt werden. Parteinachrichten. „Unabhängige" Methode. Wie es die Leute, die nicht genug über Gewaltsireiche des Parteivorstandes zu zetern wissen, anstellen, un, ihnen unbequem« Anhänger der alten Parlei loszuwerden, darüber liegt jetzt ein a k t e n>n ä ß i g e r Beweis vor. Der Redakteur der Mulde»- taler„BolkSzeilnng*(eines Kopsblattes der„Leipziger Lollözeiiung") Genosse B a h rd t, war trotz allen Drängens von Leipzig aus stand- hast bei der Partei geblieben und hatte sein Blatt irn Sinne der Fraltionsniehrhcit geleitet. Zum Lohn dafür lehnte eS die Gr- schäftsleitniig der„Leipziger PolkSzeitung", die, wie lvir neulich auf Grund ihres eigenen BekeinttiriffeS feststellten, ihre Redakteure s Y st c- in a t i s ch reklamiert hat, nunmehr ab. Genossen Lahrdt weiter zu reklamieren. Als dieses Gebaren in unserem Zwickauer Parteiblalt sestgenagclt wurde, schäumte die„Leipziger Bolksztg." vor sittlicher Entrüstung über und erklärte da» Ganze für vollständige Unwahrheit. Aber die Enthüllung der Wahrheit ließ nichr lange auf sich warten. Der sächsische LandeSvorstand hatte nämlich seinerseits versucht, da Genosse Bahrdt der einzige Redakteur der Muldentaler„BolkSzeitung" war. ihn für daS Blatt zu rcklainicren. Darauf erhielt er folgenden Bescheid: KriegSministeriuin. Nr. 4521 VI v 2 DreSden-N. s. den 28. April 1017. Da- KriegSministeriuin dedauert, dem Gesuche um wetlelv Zurückstellung dcS RedakleuiS Richard Lahrdr nicht entsprechen zu können,.da B. von der Leipziger Buchdruckerei, A.-G., ausdrücklich der Heeresverwaltung zur Einzichnng zur Bcrsügung gestellt worden ist. I. A.:(Unterschrift). „Also: ausdrücklich der Heeresverwaltung zur Einziehung zur Bcrsügung gestellt,"— so schreibt unser Dresdener Parteiblait hierzu. „ll'iair traut seinen Auge» nicht, wenn nian daS liest. Tie Leute, die den Krieg„prinzipiell bekämpfen", haben nicht nur ihren öiedaktcur nicht reklamiert, nein, sie haben ihn dem„Militarismus" ausdrücklich zur Verfügung gestellt, um einen unbequemen Mann los zu werden. Und dann stellen sie sich hin und werfen mit Kot nach denen, die noch lange nicht einmal die ganze Nieder- tracht enthüllt haben, sondern sich nur mit aller Vorsicht auf die Feststellung beschränkten, die nach Lage der Sache, da» heißt naä) dem Matze der vorhandenen Klarheit, möglich war. Kein Wort wäre mächtig genug, um da-i Matz der von Leipzig betätigten Persidie zu kennzeichnen. Fi, das System der Leipziger Gewalt- Politik patzt aber das Verfahren gegen Genost'en Bahrdt glänzend bincin. Und die dem noch hinzugefügte feige Heuchelei und Ab- leugnung fetzt dem Leipziger„revolutionären" Können die Krone auf." In ihrer Dienstagnummer sucht sich die„Leipziger Volksztg." in langatmigen Erklärungen herauSzuwinden und bezeichnet den Bescheid des Kriegsministeriums als„nicht korrekt". Die folgenden Ausführungen lassen aber deutlich erkennen, daß der Ausdruck des Kriegsministeriums„zur Einziehung zur Verfügung gestellt" den Nagel auf den Kopf trifft. Den Gipfel der Unverfrorenheit erklimmt ober die„Leipziger Volkszeitung" in dem Schlutzsatz, in dem sie, onstatt sich selbst zu schämen, diesen Rat— unserem Dresdener Vrudcrblatt erteilt I Jena steht fest zur alten Partei. Für Sonnabend, den 28. April, hatten die alten Vorstands- Mitglieder in Gemeinschaft mit dem Äreisvorslond deS 3. weimari- scheu Wahlkreises eine Versammlung der Ortsgruppe Jena ein- berufen, die trotz des ungünstigen Versammlungstages von über Lvv Genossen und Genossinnen besucht war. Die An- Hänger der„unabhängigen sozialdemokratischen Partei" waren dies- inal nicht nur— mit einigen Ausnahmen— der Versammlung serngeblieben, sondern hatten auch die Parole ausgegeben: die Ver- sammlung zu boykottieret!, wie man ficht, mit negativem Erfolg. Die Versammlung verlies bis zum Schluß, obwohl man dem Vertreter der„Unabhängigen", Bach, über eine halbe Stunde Zeit gab, um von neuem wieder feine alten Vorwürfe gegen die „VolkSzeitnng", gegen den Kreisvorstand und auch gegen den Partei- vorstand in Berlin zu wiederholen, in voller Ruhe und Einigkeit. Der Vorstand konnte neu gewählt werden und ebenso die Geschäfts- lommission für die.Weimarische Volkszeitung". Die Genosien gelobten sämtlich, in alter Weise ihre Schuldigkeit zu tun und deshalb ist mit Bestimmtheit ein ordnungsmäßiges Parteileben in Jena wieder zu erwarten, was seit annähernd LJahren durch die ekelhaften Streitig- leiten nicht mehr der Fall war. Wenn auch die„Unabhängigen" die.Weimarische Volkszettung" boykottieren und das„Volksblatt für Halle" als ihr„Zentralorgan" bestimmt haben, so find gegen ganze (5 Abbestellungen 40 neue Abonnenten schon gewonnen worden. Am Sonntag hat der erweiterte Kreisvorstand de? Wahlkreises Weimar HI erneut zu den Parteistreitigkeitsn Stellung genommen. Mit Ausnahme des Genosien Marxhausen aus Bürgel, der sich der Stimme enthielt, weil seine Ortsgruppe noch keine Stellung zu der neuen Situation genommen bat, wurde eine Resolution ein- stimmig angenommen, die sich in ihrem Inhalt fest auf den Boden der alten sozialdemokratischen Partei stellt, die Gründung der Sorderorgan'sation scharf verurteilt und die Entscheidung der strittigen Fragen dem nächsten Parteitag überläßt. An dieser Sitzung nahmen auch der Reichstagsabgeord- nete Genosse Leutert und vom Bezirksvorstand für Grotz-Tbüringen Genosse Leber teil. Der Wahlkreis Jena-Neustadt hält fest zur alten Partei. Die Organisationszerstörer haben, als sie in Gotha Jena- Neustadt für sich reklamierten, die Rechnung ohne die in Frage kommenden Genossen gemacht. Die Stellungnahme WürzburgS. In drei gleichmäßig gut be- suchten Versammlungen nahmen die Würzburger Genosien im An- schlug an die Landeskonferenz der Sozialdemokralen Bayerns zu der Mriegspolitik der Reichstagsfraktion und des Parteivoistandes Stellung. Nach sehr ausgedehnten, aber durchaus sachlich geführten Debatten wurde unter Ablehnung der Resolution der Landeskonferenz eine Resolution angenommen, die sich mit der Politik des Partei- Vorstandes nicht einverstanden erklärt, gleichzeitig aber gegen jede Zerreißung der Organisation ausspricht und auf den Boden der Parteieinheit stellt. Für das Frauenwahlrecht fand am 29. April in Köln eine große Versammlung statt, die von den sozialdemokratischen Frauen ein- berufen war. ReichstagSabgeordnetcr Dr. Quarck begründete die Förderung mit dem Hinweis auf die Stellung, die die Frau während des Krieges im Wirlschaslsproreß erworben habe. Auch habe sie sich in zahlreichen öffentlichen Ehienämtern bewährt. Es seien zur- zeit mindestens 100000 Frauen in Gemsindediensten tätig— abgesehen von den in Gemeindebetrieben erwerbstätig be- schäftigten Frauen. Eine Entschließung verlangt das Frauen- Wahlrecht als wichtiges Stück des inneren Aufbaues Deutsch- lands, der von unten her erfolgen müsie. Staötverorönetenversammlung. 11. Sitzung vom Donnerstag, den I.Mai 1917, nachmittags S Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach b�/z Uhr mit der Verlesung eines Schreibens des Stadtrats Runge, wonach das Dörrgemüse, desien Beschaffenheit zu Klagen im Publikum Veranlassung gegeben hat, nicht aus der städtischen Trocknungs- anstatt stammt, sondern ausländischen Ursprungs ist. Gleichzeitig wurden Proben des städtischen Dörrgemüses zur Verfügung gestellt. Auch ru diesem Jahre sollen die S o m m e r f e r i e n der Ver- sammlung die Monate Juli und August umfassen, doch soll, wie in den beiden Vorjahren, der Vorstand berechtigt sein, nach Bedarf Sitzungen einzuberufen. In die durch den Tod deS Stadtv. Jacobi freigewordene Stelle im Ausschuß für Unbesoldete wählt die Versammlung den Stadtv. H o i n z e(Linke) mit 61 Stimmen, auf BarkowSk»(Soz.) entfallen 20 Stimmen. Nach wiederholter Beratung werden von dem AuSfchuffe. der über die Vorlage wegen Abänderung der Satzung der städtischen Feuer sozietät zu beraten hatte, folgende An- träge empfohlen: 1. Die Versammlung ersucht den Magistrat um die Annahme folgenden Nachtrages zum Statut: „Für die Dauer von der Rechtskraft dieses Beschlusses bis zum Ende des zweiten auf den Friedensschluß folgenden Geschäfts- jahres der Feuersozielät werden Feuerschäden nicht nach den Werten der Aufnahme, sondern nach den Werten zur Zeit des Brandschadens vergütet. Der Mehraufwand der Feuer sozietät, der durch diese Entschädigungen entsteht, wird durch Umlage von der Gesamtheit der Versicherten erhoben." 2. In Z 17 soll folgender Zusatz aufgenommen werden:„Für den Fall einer außergewöhnlichen Aenderung der Baukosten gegenüber der Abschätzungszeit ist auf Antrag des Ver- sickerten auch vor Ablauf der zehnjährigen Frist eine neue Schätzung vorzunehmen. Erklärt sich in einem solchen Falle der Eigentümer in rechtsverbindlicher Form bereit, bis zur Fest- stelluna des neuen Schätzungswertes einen Zuschlag von 23>/z Proz. zu dem nach dem bisherigen Schätzungswert sich ergebenden Jahresbelrage zu entrichten, so übernimmt die Feuer- sozietät bei einem Brandschaden vor durchgeiübner Neuabschätzung die Zahlung der Entschädigungssumme für die Wiederherstellung des Gebäudes nach den zur Zeit des BrandeS maßgebenden Preisen." lieber die Ausschußverhandlungen referierte Stadtv. Jden(Linke). Stadtv. Körte(Fr. Fr.) empfiehlt, bei dem uriprünglichen Magistralsanlrage, der als reine Kriegsmaßnahme zur Milderung der mißlichen Lage des HauSbesitzeö gedacht sei, stehen zu bleiben. Danach sollte lediglich ß 17 dahin einen Zusatz erfahren, daß für den Fall einer außergewöhnlichen Aenderung der Baukosten gegen- über der Abschätzungszeit nach dem Ernrejsen der Deputation für die Feuersozielät auch' vor Ablauf der zehnjährige'., Frist(außer bei Totalschaden) eine neue Schätzung vorzunehmen ist. Auch Dr. Rvfcnfeld(Soz.) tritt für den MagistraiSvorschlag ein. Ter vom Ausschüsse vorgeschlagene Nachtrag stehe mit dem Ma- gistratsantrag in vollem Widerspruch und mache desien Absicht illusorisch. Stadtsyndikus Hirsekoru ist derselben Meinung; Stadtv. Vissing (Fr. Fr.) verwendet sich dagegen eifrig für die Ausschußbeschlüsse, ebenso Stadtv. Hallensleben(Linke). Die Ausschußonträge finden bezüglich des Nachtrages und des ersten Satzes zu Z 17 eine Mehrheit; der vom Ausschuß weiter vorgeschlagene Zusatz„Erklärt sich" usw. bis zum Schluß wird abgelehnt. Den Vertrag des Magistrats mit dem Borstalid der Aerzte- kammer hinsichtlich der ärztlichen Versorgung der Krieg steilnehmerfa milien empfiehlt der eingesetzte Aus- schuß zur Genehmigung. Danach stellt die Stadt ein Pauschale von jährlich 1 Million Mark(anstatt der bisherigen£>00 000 M.) und 1OOOO M. jährliche Verwaltungskosten zur Verfügung. Nach ein- stimmigem Beschlutz des AuSschusies sollen auch die Kosten für die Ausstellung der Nahrungsmittelzeugnisse. die in Verfolg der Be- Handlung notivendig sind, in die Pauschalsuinme fallen. Referent Stadtv. Dr. Wryl(Soz.) gibt nach einem ausführlichen Bericht über die Ausschußverhandlnngen der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Vertrag reckt bald überflüssig werden möge, da der Magistrat sich nach Friedensschluß den Rücktritt mit einmonatiger Kündigungsfrist vorbehalten hat. Ohne Erörterung wird der Ausschußantrag zum Beschluß erhoben. Von den Geschäftsbedingungen für den Sparverreck- nungsverkehr der Sparkasse wird Kenntnis genommen und der Magistrat ersucht, die Verpflichtung der Sparkaffe zur Prüfung der Echtheit der Unterschriften daraus zu beseitigen; außerdem soll, wenn das Kuratorium bei höheren Beträge» die Kündigungsfrist verkürzt, ein Zinsabzug von 1 Proz. für die Dauer der verkürzten Frist vorgenommen werden. Mit der Zu wähl je einer Frau auch in die Depu- t a t i o n e n für die Blindenpflege und für den Gesindebelohnungs- fonds und noch einer zweiten Frau in die Deputation für die Schulspeisung erklärt sich der Magistrat einverstanden, erkennt da- gegen ein Bedürfnis der Entsendung einer Frau in die Deputation für Gesundheits- und einer zweiten Frau m die Deputation für das Wohnungswesen nicht an, lehnt es auch ab. zurzeit der Zuwahl je eines Bürgerdeputierten in die Deputationen für Markthallen, Obdach und Schulspeisung zuzustimmen. Stadtv. Dr. Wehl: Wir haben diese Vorlage nur mir Be- dauern zur Kenntnis genommen. Der Magistrat kommt auch unseren zurückgeschraubten Ansprüchen nicht entgegen. Seine Gegengründe sind geradezu armselig. Insbesondere gehört eine Frau in die Ge- iundheitsdeputation. Ebenso am Platze wäre sie für die Depu- lalionen für das Turn- und Badewesen und für das Obdach. Wie kann die Ablebnung der neu geforderten Bürgerdeputierten in der Bürgerschaft anders als abschreckend und entmutigend wirken? Oberbürgermeister Wcrwuth: Der Magistrat repräsentieii nicht die Zöpfe und Perücken in dieser Frage, sondern er bat die Führung genommen. Die verbliebene Differenz ist wirklich minimal: die wirklich wichsigen Deputationen sind vollzählig beisammen. Stadtv. Caffcl kann auch die Erregung des Kollegen Wehl nicht begretsen. Der Magistrat sei keineswegs verpflichtet, die Versamm- lungsbeschlüsse einfach auszuführen. Stadtv. Imberg(Fr. Fr.) spricht sich im Sinne deS Vorredners aus. Stadtv. Dr. Wcyl: Ich habe das Recht deS Magistrats in keiner Weise bestritten, bleibe aber dabei, daß es einen etwas klein- licken und peinlichen Eindruck macht, wie er uns noch zwei Depu- tationen abgehandelt hat. Die Angelegenheit ist damit einstweilen erledigt. Für die Pflichtfortbild ungsschule für Mädchen sollen 44 hauptamtliche Stellen für Handels- und Ge- werbelehrerinnen und für die städnschen Handelsschulen und die städtische höhere Handelsschule 10 solche Stellen mit der Ge- haltsstaffel der wissenickastlichen Lehrerinnen an den Gemeinde- schulen und einer pensionSfähtgen Zulage von 400 M. geschaffen werden. Die Vorlage wird angenommen, nachdem Stadtv. Lhzeal- direktor K n a u e r(Linke) ihr zugestimmt, aber dem Magistrat gleichzeitig ein baldiges entsprechendes Borgehen zur Sicherstellung der männlichen Lebrkräite an diesen Anstalten empfohlen hat. Schluß gegen','z8 Uhr. die Anfälle in öer Kriegszeit. In den„Amtlichen Nachrichten des Reichsversicherungsamtes" wird jetzt der Bericht der Träger der Unfallversicherung für das Jahr 1012 veröffentlicht. Das Ergebnis ist kurz zusammengefaßt folgendes: Es wurden insgesamt 592 204 Unfälle gemeldet, doch erhielten nur 96 227 Verletzte eine Entschädigung. Von den Verletzten wurden 8L69 getötet und 644 Verletzte haben als Unfallfolge dauernd völlige Erwerbsunfähigkeit davongetragen. Die Getöieten hinterließen 2808 Witwen, 11 122 Kinder und Enkel und 328 Verwandte in aufsteigender Linie, die eine Rente erhielten. Tie absoluten Unfallziffern sind niedriger als die des Vor- jahrS, was aus dem Rückgang der Zahl der beschäftigten Arbeiter ohne weiteres erklärlich ist. Die in dem Bericht angegebenen Ver- gleichsziffern des Jahres 1914 lassen die Einwirkung des Krieges auf den Beschäftigungsgrad der Industrie nicht deutlich erkennen, da auch das Jahr 1914 zum Teil schon unter dem Einfluß des Krieges stand. Die Vergleiche lassen sich auch nur für die ge- werblichen Berufsgenossenschasten durchführen. Die landwirt- schastlichen Berufsgenossenschasten rechnen unverändert mit 17 403 000 beschäftigten Personen, die aus Grund der Betriebsstatistik vom Jahre 1907 schätzungsweise festgestellt wurden. Die 68 gewerblichen Berufsgenossenschasten umfaßten rm Jahre 1913 828 332 Betriebe; diese Zahl war im Jahr« ISIS auf 789 978 zurückgegangen. An versicherten Personen wurden im Jahre 1913 19 639 437, im Jahre 1912 nur 7 247 333 ge- zählt. Für je 309 geleistete Arbeitstage wird in der Unfallversicherung ein Vollarbeiter gerechnet. Solcher Vollarbeiter wurden im Jahre 1913 9 476 233, im Jahre 1912 aber nur 6 692 104 fest- gestellt. Die Unfallhäufigkeit hat sich im Jahre 1912 gegen- über den Vorjahren nicht wesentlich geänoert. Wenn man in Be- tracht zieht, daß im Jahre 1912 schon sehr viele geübte und mit den Berufsgefahren vertraute Arbeiter zum Heeresdienst eingezogen und durch mindergeübte erfetzt waren, dann erscheint es direkt auf- fällig, daß nach einer Steigerung der Zahl der entschädigten Unfälle im Jahre 1914, im Jahre 1912 wieder eine Verminderung eintrat. Auf 1900 Bollarbeiter kamen im Fahre 1913 7,91 entschädi- gungspflichtige Unfälle, im Jahre 1914 stieg diese Zahl auf 8,92 an, sie ging aber im Fahre 1912 wieder auf 7,49 zurück. Ein wenig anders verläuft aber die Kurve, wenn man alle gemeldeten Un- fälle in Betracht zieht. Im Jahre 1913 wurden 281 211 Unfälle, das sind 61,33 auf 1000 Bollarbeiter gemeldet; im Fahre 1.914 waren es 214 972 oder 62,23 auf 1000 Vollarbeiter. Im Fahre 1913 ging die absolute Zahl der Unfälle auf 427 994 zurück, aber auf 1090 Vollarbeiter macht das 63,96 Unfallmeldungen. Die Inkongruenz dieser Kurven dürste ihre Erklärung zum Teil darin finden, daß die Berufsgenoffenschaiten bei der Beurteilung der Unfallfolgen einen immer strengeren Matzstab anlegen. Diese Vermutung erhält eine gelviffe Stutze, wenn man die Zahl der tödlichen Unfälle für sich allein betrachtet. Im Jahre 1913 kamen auf 9 476 233 Vollarbeiter 6283 tödliche Unfälle, das sind 6,9 Tote auf je 10 000 Vorarbeiter: im Jahre 1914 wurden auf 8 274909 Vollarbester 2992 Getötete gezählt, das sind 7,2 auf 10 000; im Jahre 1912 stiegen die tödlichen Unfälle auf 8,4 auf 10 000 Vollarbeiter, denn auf 6 692 101 Bollarbeiter kamen 2293 Getötete. Unverhältnismäßig hoch ist auch die Zahl der, verletzten jugendlichen Arbeiter. Von den verletzten Personen waren Jugendliche unter 16 Jahren: 1913= 2550 männliche und 301 weibliche; 1914— 2265 männliche und 273 weibliche; 1915— 2663 männliche und 231 weibliche. Die Berufsgenossenschasten geben keinen Nachweis über Alter und Geschlecht der versicherten Per- sonen, eS ist desbalb nicht möglich, die Zahl der verletzten Fugend- lichen mit der Gesamtzahl in Beziehung zu bringen. Ebenso ist es nicht möglich festzustellen, in welchem Maße die Unfallhäufigkeit der erwachsenen Arbeiterinnen eine Steigerung erfahren hat. Die absolute Zahl der verletzten Arbeiterinnen betrug im Jahre 1913 2947; sie ging im Jahre 1914 auf 2727 zurück, stieg aber im Jahre 1912 auf 3998. In diesen Zahlen prägt sich die verstärkte Heranziehuno der weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte zur gewerblichen Betätigung aus. Leider muß damit gerechnet werden, daß die Unfallstatistik für das Jahr 1916 über eine weit größere Zahl von Unfallverletzten Frauen und Kindern berichten wird. Tie Lohnnachwcisungen der Lerufsgenöfsenschafien sind� für den Nachweis der Lohnhöhe der Arbeiter nur in be- schränktem Maße zu verwenden, doch zeigen sie die. Schwankungen des Lohnniveaus der Arbeiterschaft. In dieser Hinsicht sind sie mangels sonstiger amtlicher Lohnstatistiken, die nur für die Berg- baulichen Betriebe veröffentlicht werden, ein wertvolles Material. Die Angaben der 63 gewerblichen Berufsgenossenschaften über die tatsächlich verdienten Löhne, Gehälter usw. ergeben auf den Kopf des Vollarbeitcrs einen durchschnittlichen Jahresar böits- verdienst im Jahre 1913: 1212 M., 1914:- 1197 M., 1915: 1260 M. Das Lohnniveau ist also im Jahre 1914 gesunken und hat sich im Jahre 1912 trotz der inzwischen kräftig einsehenden Teuerung nur wenig gehoben. Zu beachten ist allerdings die veränderte Zu- sammensetzung der Arbeiterschaft. An Stelle der ins Feld ge- zogenen voll leistungsfähigen Arbester traten ältere Leute) beson- ders aber weibliche und fugendliche Arbeiter. Aber auch unter Be- rücksichtigung dieses Umstandes kann nicht gesagt werden, daß die gezahlten Löhne im richtigen Verhältnis zu den Preisen der Lebens- Bedürfnisse standen. Eine Paradezahl in den Berichten der Unfallversicherung ist die Entschädigungssumme. Auch im vorliegenden Bericht ist die Gesamtsumme der gezahlten Ensichädigungen usw. im Bc- richtsjahr mit 173 492 767,92 M. fett gedruckt. Von dieser Summe entfallen 123 047 833,79 M. auf die gewerblichen Berufsgenossen- schasten. Der starke Eindruck, den solche Zahlen machen, wird jedoch wesentlich herabgemindert, wenn man die Summe in Betracht zieht, die auf den einzelnen Empfänger kommt. In den Einzelnach- Weisungen ist der wichtigste Posten die Renten an Verletzte. Hier- für haben die gewerblichen Berufsgenossenschaften im.Jahre 1912 82 700 987 M. ausgegeben. In diese Summe teilten sich aber 421 273 Verletzte, so daß der Jahresbetrag einer Unfall- r e n t e im Durchschnitt nur 196,31 M. beträgt. Bei den 49 l a n d- wirtschaftlichen Derufsgenossenschaften kam auf 367 293 Verletzte«ine Gcsamtrentensumme von 26 867 162 M. Die durchschnittliche Jahresrente beträgt also nur 73,99 M. Bei solchen Be- trägen ist das Verlangen der Unfallverletzten nach einer Erhöhung ihrer Bezüge mit Rücksicht auf die ungeheuer verteuerte Lebens- Haltung Wohl begreiflich. Hoffentlich hat die Eingabe der Generalkommission, welche die Aufmerksamkeit der gc- setzgebenden Faktoren auf diesen Mißstand hinlenkt, den gewünschten Erfolg. HroMerlln grauen in üer Gemeindeverwaltung. „Immer langsam voran!" dachte der Magistrat unserer Reichshauptstadt Berlin, als er den Beschluß der Zuwahl von Frauen zu Verwaltungsdeputationen ausführen sollte. Zunächst suchte er nur eine bescheidene Zahl von De- putationen heraus, in denen er die Mitarbeit von Frauen als wünschenswert anerkannte. Als dann die Stadtverord- netenversammlung ihm unzweideutig erklärte, daß ihr das zu wenig war, legte er noch ein paar Deputationen zu. Aber eine restlose Erfüllung der von den Stadt- verordneten geäußerten Wünsche geht dem Magistrat „zu weit", obwohl jene Vorschläge sich auf Mindest- sorderungen beschränkten. In der gestrigen Stadtverord- netensitzung bemängelte die sozialdemokratische Fraktion aufs neue, daß nach den Entschließungen des Magistrats die Frauen immer noch von einigen der wichtigsten Deputationen ausgeschlossen sind. Mit Recht warf Genosse Dr. W e y l dem Magistrat„Unbelchrbarkeit" vor. Oberbürgermeister Mermuth antwortete im Ton der Gekränktheit, im Magistrat gebe es keine Perücken und Zop se. Die Freisinnsredner Cassel und Imberg stimmten ihm darin bei. daß einstweilen genug für die Frauen getan worden sei. Auch die Freisinnigen halten es in dieser Frage immer noch mit dem„Immer langsam voran!" Selbst bei den Frauen ihrer eigenen Gesellschaftsklasse werden sie hiermit wenig Beifall finden._ Berliner LebenSmittelnachrichten. Die Stadt Berlin gewährt den Kindern, die nickt mehr voll- milchberechtigt find, alio den Kindern von 6 bis zu 14 Jahren ein« malig eine Portion Dauermilch, und zwar entweder londensierie oder sterilisierte Milch. Die Verteilung erfolgt auf Giunb von Bezugscheinen, die von den Brotkommiisionen ausgegeben werden. Die Geschäftsräume der Brotkommiss tonen werden zu die'em Zweck am 5. und 7. dieses Monats von 8— 1 Uhr und von ö— 8 Uhr, iowie am 6. dieses Monats von 9— 11 Uhr geöffnet sein. Die Bezugscheine sind dann bis zum ll Mai in einem der durch bellbraune Ver- kaufsschilder gekennzeichneten Geschäfte zur Anmeldung vorzulegen. Die Ware selbst wird einige Tage nachdem zur Veiiügung stehen. Die Verkaufsstellen werden auch durch Säulenanschtag bekannt ge- geben._ Tarlchn, Schreibmaschine und Rittergut. Wie reimt sich das zusammen? Eine ganz einfache Sache. Man lese nur den Inseratenteil einer hiesigen Tageszeitung recht aufmerksam, die Lösung findet sich dann von selbst; sie heißt: Lebensmittelbeschaffung von hinten herum. Ein Inserent macht auch erst keine langen Winkelzüge, er gehl direkt aufs Ziel los und schreibt:„Darlehn. 200 Markaus Privalhand gesucht. Könnte mit Lebensmitteln versorgen. Offerten usw." Nicht ganz so offen geht der zweite zu Werke, er spricht rcip. verspricht mehr durch die Blume. In dem Leser werden dadurch die an- genehinsten Erwartungen auf allerlei geheimnisvolle Genüsse aus- gelöst, die heute nur ein Rittergut bieten kann. Man sieht sich schon ordentlich beladen dem heimischen Herde zu- streben. Doch lassen wir das Inserat selbst sprechen. .Remington-Schreibmaichine� guterbalten, ist billig abzugeben. Der W e g n a ch h i e r lohnt sich. Rittergut..." Ist daS nicht eine köstliche Perspektive? Darum aus zur Besichtigung der Ritter- gulS-Schreibmaichine! Wenn du sie auch nicht brauchst und sie auch nicht kaufen willst, eine Landpartie nach einem Rittergut war schon immer eine schöne Sache, besonders wenn einem auf der Einladung, eine solche ist das Inserat, zugesichert wird:„Kommt nur, der Weg nach hier lohnt sich!" Ob er sich auck für das Rittergut lohnt? Die Leser werden diese Frage selbst beantworten und die nötigen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen wiffeu. So wird eS gemacht Das Stiefelmysterium des Roten Kreuzes. Ein Äriegsinvallde, der als dienstunbrauchbar enllassen werden ist, teilt uns folgendes mit: Nachdem ich in der Zeitung gelesen hatte, daß das Rote K r e u z entlassene Kriegsteilnehmer unent- gelllich mit Kleidein und Schuhwerl versiehl, wandte ich mich am Axril an die Kleiderverteilungsstelle in der Jägerstrahe 24 mit der Bitte um nähere Auskunsr. Dort wurde ich instruiert, dah die Verteilung vom 1. Mai ab in der Kommandäntenstr. 80/81 statt- finden werde. Am 1. Mai, nawmittags S Uhr. begab ich mich nach der Kominandantenstrahe und erhielt den Bescheid:„Wir haben da- mit nichts zu tun. Hier werden die Sachen nur gegen Bezugschein und Bezahlung verabfolgt. Sie müssen nach Jägerstr. 24 gehen." Also ging ich wieder nach Jägerstr. 24, wo mir eine der amtiereuden Damen in äußerst ungnädigem Ton— der Kriegsinvalide gebrauchte einen stärkeren�Ausdruck— eröffnete:„Die Sachen sind längst aus- gegeben und Sie scheinen mir überhaupt noch kein D.-U. zu sein I" Die Mililärausweise, die ich zur Legitimierung meines Invaliden- tuins vorlegte, machten auf die Gestrenge keinen Eindruck, ich wurde vielmehr aufgefordert, zu gehen, und muhte unverrichteter Sache— ich halte ein Paar Stiefel gewünscht— das wohltätige Institut verlassen. Soweit die Milteiluug des Kriegsinvaliden. An demselben Tage, wo sich dieses ereignete, brachte der Scherlsche„Tag" ein sehr eindrucksvolles Bild, das einen riesigen Haufen Schuhwerk zeigte, der, wie die Unterschrift uns belehrte, an einem einzigen Tage in der Jägerstratze 24 eingeliefert worden ist. Wenn sich wochenlang an jedem Tage derartige Mengen Schuhwerk beim Roten Kreuz angesammelt haben, so ericheint es als ein geheimnisvolles Rätiel, wie man es ferfig gebracht hat, den ungeheuren Vorrat im Laufe weniger Stunden glatr zu verausgaben. Vielleicht hat das Roie Kreuz die Güte, sich zu diesem mystischen Vorgange zu äußern. Die verärgerten Landleute. Auf der dritten Kriegstagung der Brandenburgischen Frauenvereine, die Mittwoch im Herrenhause staltfand, sprach u. a. Schulrat Hoppe fWutenberge) über das Hinausschicken der Kinder aufs Land. Er erwähnte dabei, daß in manchen Dörfern weniger Kinder aufgenommen werden würden, als ursprünglich angemeldet wären, weil„die Landleüte durch die Revisionen und die Versiege- lung der Buttermaschinen verärgert seien". Die Beschulung der Kinder werde allerdings leiden, aber der Herr Schulrat glaubte sich mit der Erwägung trösten zu dürfen, daß„Brot nötiger sei als Bildung".— Kommentar überflüssig. Kranke ohne Namen. Von zuständiger Seite wird uns mit- geteilt: Am 1. Mai eröffnete die. Landesversicherungsanstalt Berlin in ihrer ärztlichen Abteilung Am Köllnischen Park 3 eine B e- ratungs stelle für Geschlechtskranke. Eine ärztliche Behandlung findet nicht statt, dagegen werden alle notwendigen Untersuchungen zur Feststellung der Krankheit sWassermannsche Probe usw.) vorgenommen. Die ärztliche Beratung einschließlich der Untersuchungen ist völlig kostenlos. Die unbedingte Verschwiegenheit ist dadurch gewährleistet, daß keiner seinen Namen zu nennen verpflichtet ist. Die Sprechstunden sind für männliche Personen: Sonnabends 7—0 Uhr abends, für weibliche Personen: Mittwochs 7—9 Uhr abends. Bczugmarken für Brennspiritus, die bisher häufig ohne Prüfung des tatiächlich vorliegenden Bedürfnisses ausschließlich an Minder- bemittelte verteilt wurden, dürfen in Zukunft an diese nur insoweit abgegeben werden, als sie den Brennspiritus unbedingt zu Koch- zwecken benöligen und dies nachzuweisen in der Lage sind. In keinem Falle werden in Zukunft Marken für Spiritus zu Beleuch- tungszwecken verteilt werden. Hausschlachtungen werden vom 1. Oktober ab nur noch ge- nehmtgt, wenn Schweine oder Rinder mindestens drei Monate in der eigenen Wirtschaft gehälten worden MS: Ferner ist. der Erwerb von Schweinen von mehr als- 60 Kilogramm Lebendgewicht zum Zwecks der Selbstversorgung nunmehr allgemein untersagt worden. Weiler wird bestimmt, daß der Selbstversorger, der in den Monaten September bis Dezember schlachtet. Vorräte höchstens für ein�Jahr. bei Schlachtungen zu anderer Zeit höchstens bis zum Schlüsse des Kalenderjahres behalten darf. Die verdiente Zufluchtstätte ist jetzt der 73jährigen Almosen- empfängerin zuteil geworden, über die wir in Nr. 112 beriwteten, daß sie auf dem Grundstück Admiralstr. 35 einen elenden Keller be- loohnte. Aus dieser Höhle, in der sie sich mir Haufen von onge- sammelten Lumpen und Abfällen umgeben halte, ist die alte Frau nunmehr durch die Armenpflege herausgeholt worden. Der Armen- kommissionsvorsteher hat den Armenarzt veranlaßt, die Greisin in ihrem Keller zu besuchen, und dieser hat dann Ueberführung nach dem Sicchenhaus angeordnet. Entwürfe für eine» Hcldcnhain. Vor einiger Zeit hatte die Kunstdepulalion des Berliner Magistrats Wettbewerbe ausgeschrieben zur Erlangung von Entwürfen für einen Heldenhain im städtischen Bollspark der Wuhlheide, sür die Umgestaltung von Bouvierteln im ollen Westen Berlins, sowie für Wartehallen, Verkaufshäuschen für Milch und Zeitungen, Slraßenbrunnen, Fernsprechhäuechen, Kabel- nrasten u. dergl. Das Preisgericht hat unter den 30 eingegangenen Entwürfen für einen Heldenhain im städtischen Volkspark in der Wuhlheide acht durch Preise oder Ankauf ausgezeichnet. Diese Eni- würfe können vom 7. bis einschließlich 13. Mai von 0 bis 2 Uhr in der Städtischen Baugewerkschule, Kursürstenstr. 141, Ouergebäude II. Obergeschoß, besichtigt werden. Druckfehler. In der gestrigen Besprechung des Gastspiels der Schlierseer im Palast-Theater am Zoo muß eS heißen:„Daß diese oberbaperischen Naturschauspieler Meister(nicht.dreister) auf der Bühne sind, ist bekannt". Zirkus Busch. Am nächsten Sonnabend, den 5. Mai. beginnt ein neues, großes Programm. Die Geschwister Dieck werden Pirouetten an der freistehenden Leiter zeigen. Alfons Geißler präsentiert sich mit seiner Partnerin in akrobatischen Schlangen- lunststücken. Hubertus und Oloff treten als Slimmenimitatoren auf. Leo Rauch in seinen Produktionen als lebendiges Feuerrad und rollenden Kugel ist wieder sür Mai verpflichtet, ebenso die türkische Schulreiterin Falme Suleika. Den Schluß bildet die Wasier- vainomime„Die versunkene Stadl". Ucbcrfahren uud getötet wurde Mittwoch auf dem Grundstück ner großen Fabrik in Spandau eine dort beschäftigte Buch- alterin, als sie das Gleis der mitten durch das Grundstück führenden 7!nschlußgüterbahn überschrenen wollte. Raubüberfall iu der Wohnung. Einen Raubüberfall verübte Mittwoch vormittag ein Dienstmädchen auf die 59 Jahre alte Kauf- manusfrau Ulrike Lehmann geb. Scheidemann sin Hause Hansa- u f e r 3. Das Mädchen war soeben erst zugezogen und gab eine Quittunaskarle und ein Zeugnis auf Lina Maickerl, geb. 21. 3. 04 zu Lammsdorf, ab. Mittwoch zeigte die Hausfrau ihr die Räume, um sie über ihre Obliegenheiten zu unlerrichten. Hierbei»prang das Mädchen, das wußte, daß sie mit ihr allein war, plötzlich an den Hals und versuchte, sie mit einem Handruch zu er- drosseln. In diesem Augenblick ertönte die Klingel, das Mädchen ergriff die Flucht und entkam, bevor die Hausbewohner alarmiert waren. Die Flüchtige ist 1,57 Meter groß und schlank, hat blondes Haar und ern längliches schmales Gesicht und trägt dunklen Rock, eine schwarze Bluse und eine blaue Schürze. Die Quitiungskarte und das Zeugnis ließ sie im Stich. Ob sie ihr gehören, bedarf noch der Feststellung. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie sich von vornherein mit räuberischen Absichten trug uud nur zu diesem Zweck unter falschem Namen die Stellung angenommen hat. Frau Leh- mann ist nicht unerheblich aber auch nicht lebensgejährlich verletzt. Eine größere Kaffccschiebunz ist aufgedeckt worden. Es handelt sich wahrscheinlich um Kaffee, der trotz der Beschlagnahme zurück- gehalten worden ist und an ein großes Restauralionsunternehmen unter der Hand verkauit werden sollte, im ganzen 50—70 Zentner. Beamte des Kriegswucheramtes machten dem Handel ein Ende. Drei Personen, Verkäufer und Käufer wurden verhaftet und der Kaffee beschlagnahmt. Bei demselben Unternehmen ist kürzlich schon einmal eine Schiebung mit Lebensmitteln festgestellt worden. Zu der Bluttat in Spandau erfahren wir, daß die Verstorbene die Prostituierte Anna Schreiber aus der Müggelstraße 10 in Lichtenberg ist. Bisher sind die Nachforschungen der Span- dauer Kriminalpolizei nach dem Täter ohne Ergebnis geblieben. Eine» unheimlichen Fund machte Mittwoch ein Knabe, der am Nordhafen spielte. Er sah ein kleines Paket treiben, brachte es ans Land und entdeckte darin die in Papier eingewickelte Leiche eines neugeborenen Knaben, der wahrscheinlich eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Eine fiebenköpfige Eindrecherbaude, die hauptsächlich Lauben- kolonien heimsuchte, ist durch die Schöneber ger Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. Den Verhafteten konnten bereits fünf- zig Einbrüche nachgewiesen werden. Die Hehler waren zwei WilmcrS- dorfer Gastwirte.__ Charlottenlmrg. Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung vom Mittwoch widmete der Vorsteher Dr. Frentzel zunächst dem Andenken unseres verstorbenen Genossen Vogel einen tief- empfundenen Nachruf, worin er die hohen Verdienste Vogels, namentlich auf dem Gebiete der Volkshhgiene, und seinen Idealismus pries, der ihn bis zum letzten Atemzuge beseelt hat und der ihn trotz aller Leiden und Gefahren nicht davon abhielt, bis ans Lebens- ende für die Verwirklichung der Idee des Sozialismus zu kämpfen. Auf der Tagesordnung stand a.ls erster Punkt die Wahl des Vorsteher-Stellvertreiers. Gewählt wurde mit allen gegen eine Stimme unser Genosse Hirsch. Die Vorlage betreffend Üebertragung der Aufgaben der Schulschwestern auf die Schul- helferinnen gelangte ohne Debatte zur Annahme. Es handelt sich darum, daß durch den Krieg mit seinen neu erwachsenden Ans- gaben der sozialen und gesundheitlichen Jugendfürsorge, mit der Erweiterung des Schulhortwesens und der Schulkinderspeisung die Grenzen zwischen den Tätigkeiten der Schulschwestern und der Schulhelferinnen verwischt worden sind und daß es deshalb wün- schenswcrt ist, beide Einrichtungen nicht mehr nebeneinander be- stehen zu lassen, sondern die Einrichtung der Schulschwejtern auf- zuheben und ihre Aufgaben den Schulhelferinnen zu übertragen. Gleichfalls angenommen wurden die Vorlagen über eine Abände- rung des Abkommens mit dem zahnärztlichen Verein betreffend zahnärztliche Versorgung der Kriegerfam'licn (Erhöhung des Pauschalbetrages) und die Vorlage betreffend Ueber- nähme der Müllabfuhr in den städtischen Betrieb. Die Vorlage betreffend Neugestaltung der lausenden Kriegs- teuerungsznlagen ist vom Ausschuß in einigen Punkten abgeändert worden. Nach den Beschlüssen des Ausschusses sollen die Verheirateten ohne Kinder in Gruppe 1(Gehalt bis zu 3200 M.) 20 M. statt 15 M. und in Gruppe 2(Gehalt von 3200 bis 6200 M.) 18 M. statt 15 M. inonatlich erhalten. Außerdem soll nicht nur verwitweten, geschiedenen oder eheverlassenen weiblichen Personen, sofern sie Kinder zu unterhalten haben, die Teuerungszulage ge- geben werden, sondern auch unehelichen Müttern, die ihre Kinder im eigenen Haushalt unterhalten. Diesen Abänderungen stimmte die Versammlung zu. Schließlich wurde noch die Borlage betreffend K r i e g s fa- milienunterstützungen in der Fassung des Ausschusses angenommen. Hiernach bleiben die für die Angehörigen der Kriegs- tcilnehmer für die Wintermonate festgesetzten erhöhten Familien- sätze als Richtsätze auch für die Sommermonate bestehen. Von dem Arbeitsverdienst der Ehefrau bleiben vom 1. Mai ab frci�bei alleinstehenden Ehefrauen monatlich 40 M., bei Ehefrauen mit 1 und 2 Kindarn, 60 M., bei Ehefrauen mit 3 und mehr Kindern 80 M. Der übersteigende Betrag soll in der Regel nur mit der Hälfte gn- gerechnet werden. Wie der Berichterstatter Genosse Hirsch aus- führte, herrschte im Ausschuß und auch bei den Vertreteru des Ma- gistrats Einmütigkeit darüber, daß es sich bei den Normalsätzcn nur um sogenannte Richtsätze handelt, daß es aber tcin-r Kam- Mission verwehrt ist, auch darüber hinaus zu gehen. Ebenso war man sich darüber einig, daß die Kommissionen das Recht haben, unter Uinständen von der Anrcckinung des Arbeitsverdienstes über- Haupt Abstand zu nehmen. Ter Vorsteher stellte fest, daß die Stadt- verordnetenversammlung sich diese Auslegung zu eigen machte. Wilmersdorf. Zur Lebensmittelversorgung. Wilmersdorf hat wie wohl alle Gemeinden Groß-Bcrlins mit der Möglichkeit zu rechnen, daß vorübergehend die Kartoffelzuiuhren aus den Be- lieserungskreisen nicht tn vollem Umfange erfolgen, weil bei dem herrschenden Frühlingswetter die Landivirte sich in erster Linie der für sie jetzt wichtigsten Arbeit der Ackerbestellung zuwenden. Die Stadt hat trotzdem gegiaubt, folgende Bestimmung zu treffen. Soiveil ein Wilmersdorfer Kartoffelkarteninhaber bis Freitag, den 4. Mai, die ihm auf seine Karloffelkarte zustehende Kartoffelmenge nicht oder nur teilweise erhalten kann, ist er bis Sonntag, den 6. Mai ein- schließlich, berechtigt, auf jeden der nicht eingelösten 10 Abschnitte bSa, bis 53e je 100 Gramm Gebäck, im Höchstfalle also 1000 Gramm Gebäck zu entnehmen. Lichtenberg. Einführung von Kartoffclkundcnlisten. Bisher war von der Einführung der Kundenlisten für Kartoffeln Abstand genommen worden, weil genügende Borräte nicht zur Verfügung standen. Nachdem nunmehr diese Schwierigkeiten behoben sind und auf eine rechtzeitige Belieferung gerechnet werden kann, soll vom 15. Mai ab die Kundenliste eingeführt werden. Kreis Teltow. Einrichtung einer� Knochcnentfettiingsstclle. Der Kreis hat, wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, mit einer Mineralölraifinerie einen Vertrag abgeichlojien, wonach diese sich verpflichtet, im Anschluß an das ElektrizilälSwerk der Gemeinde Steglitz am Teltowkanal eine Knochenenlfettungsanlage zu errichten. Die Anlage ist. bereits im Bau und näbert sich der Vollendung. Der Kreisausschuß hat eine Verordnung erlassen, ivonach Knocken aller Art, die in Haushaltüngen. Speisewirlschaflen, Fleiicher- geschäften und ähnlichen Betrieben abfallen, getrennt von den übrigen Absällen zu sammeln und möglichst sauber und lufttrocken an die von den Gemeinden des Kreises einzurichtenden Sammelstellen ab- zuliesern sind. Kreis Niederbarnim. Neuanmeldung zum Speiscfcttbczug. Der Landrat des Kreises macht bekannt, daß die bischerigen, für die Zeit vom 26. März bis 10. Juni gültigen Speisefettkarten mit dem 13. Mai außer Kraft gesetzt werden. Für die. folgende Zeit wird eine neue Karte ausgegeben. Die Anmeldung bat in der Zeit vom 14. bis 17. Mai einschließlich zu erfolgen. Die Belieferung mit Speisefett nach der Neuanmeldung beginnt am Montag, den 28. Mai. Bis dahin erfolgt die Belieferung an der bisherigen Stelle. Weltzcnsee. Erneute Lebensmittelbebatte. Die letzte Ge- mcindcvertretersitzuug zeitigte einen Vertrag mit einer auswärtigen Krcisbehörde zwecks Lieferung von Frühkartoffeln für die hiesige Einwohnerschaft. Danach hat die betresfendc Behörde vom 15. Juli ab wöchentlich 2500 Zentner Frühkartoffeln zu liefern. Diese Ge- lcgenheit benutzten unsere Genossen, die ganz unhaltbare Lebens- mittelversorgung für Groß-Berlin zu besprechen. Gerade in letzter Zeit machen sich in der Versorgung sowie auch in der Rationierung zwischen Berlin und den umliegenden Städten gegen die Vororte, die in den beiden Landkreisen liegen. Zustände bemerkbar, die auf die Tauer unhaltbar werden. Die großen Arbeitervororte, mit ihrem städtischen Charakter, werden einfach mit den Landbczirkcn gleichgestellt und mit vielen Produkten als Selbstversorger be- trachtet. Diese Zustände werden so unerträglich, daß die Gemeinde- Vertretung einstimmig beschloß, den Gcmeindcvorstand zu beauftragen, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, die betreffenden In- stanzen zu veranlassen, keinerlei Unterschiede zu machen zwischen den Städten und den großen Gemeinden Berlin, und zivar in der Rationierung und Verteilung aller Lebensmittel. Treptow. Die Masscnspeisung. Die. Zahl der Teilnehmer an der Speisung in den Bürgcrküchcn war schnell von rund 3000 aus 1400. gesunken, als vom 16. April- ab jeder Teilnehmer fast die ganze Kartoffelkarte und die ganze Reichsflcischkarte abgeben mußte, so daß ihm nur ein Abschnitt der Kartoffclkarte und die Kreisfleischkarte verblieb. Da hierdurch das Weiterbestehen der Bürgcrküchen in Frage gestellt schien, ist wieder der frühere Zu stand eingeführt ivorden. Demgemäß wird jetzt von der Kartoffel- und der Reichsfleischkärte nur noch die Hälfte der Abschnitte abver langt. Die Äreisfleischkarte bleibt dem Teilnehmer unverkürzt. Hoffentlich tritt durch die�notwendig gewordene Aenderung nicht eine Verschlechterung der Speisen, ein. Eine Essenausgabestellc im mittleren Treptower Ort?» teil, der. über 3000 Seelen zählt, einzurichten, hat die Gemeinde abgelebnt, weil hier„nach Prüfung der Verhältnisse" im Höchstfalle nur 40 Personen(??) für die Speisung in Betracht kämen. Tempelhof. Lebensmittelabgal-e. Eier werden vom Freilag bis Montag auf Abschnute 13 und 14 der Eierkarte abgegeben. Außerdem.auf Abschnitt. 54 Pfund Teigwaren zum Preise von 51 Pf. pro Pfund,'/„ Pfund K u n st h o n i g auf Abschnitt 55 zum Preise von 55 Pf.'das Pfinid, aus Abschnitt 64 Vz Pfund Graupen zum Preise von 30 Pf. das Pfund, Suppenwürfel zu 10 Pf.• auf' Abschnitt 03 der Lebensmittelkarte. Die Waren müssen bis Montag, den 7. d. Mts., entnommen werden. Bezugsberechtigt für Suppenwürfel sind die Nrn. 1—35 300, für Kunsthonig von 26 061—35 100 und von 1—8362,. für Teigwaren von 14 332 bis 35 300, für Graupen von 1—21 254. Ferner findet auf Lebens- mittelkarte bis Sonnabend ein Verkauf von Bücklingen und Sprotten statt. Abgegeben wird pro Karte Ve Pinud, und zwar das Pfund große Bückling? zu 2,40 M., kleine Bücklinge zu 2 M. und Sprotten zu 1,50' M. Bezugsberechtigt sind die Karten Nr. 2441—2750, 15 030—16110, 34430—34730. Lankwitz. Verteilung von Lebensmitteln. In der Zeit vorn 2. bis 8. Mai erbäll jeder Einwohner 125 Gramm Nudeln, 100 Gramm Haferflocken, 500 Gramm Gerstengrütze und 100 Gramm Hafermehl. Die Preise dieser � Artikel betragen pro Pfund 51, 44, 30 und 46 Pf. Ferner werden abgegeben 2 Eter a 31 Pf. Wahl- weise stehen zur Verfügung: 250 Gramm Kunsthonig oder 250 Gramm Sirup oder 200 Gramm Südfruchtmarmelade, die Preise pro Pfund sind mir 55, 50 Pf. und 1,10 M. festgesetzt. Ueber 60 Jabre alte, sich legitimierende Einwohner erhalten am 7. und 8, d. M., von 0—2 Uhr, im Naihause, Zimmer 18. eine Dose Voll- oder Magermilch sür 1,30 oder 1,10 M. Außerdem gibt es Rübensauerkobl, das Pfund zu 20 Pf., und Sardinen in Brühe zu 1,20 M. die Dose.._ Groß-See!!ner Partemachrichten. Zweiter KrciS. Die Ausgabestelle für Berlin W(„Vorwärts"- Spedition Schmidt, Bärwaldstraße 42) befindet sich jetzt Blumenthal- straße 8, Hof Part., bei Frau Stolpmann. Niederschöneweidc. Die Beitragskassierung für den Bezirk Nieder schöneweide hat der Genosse Gustav Lorenz, Hassel- Werder Str. 8, vorn III, übernommen. __ Der Vorstand. Industrie und Handel. Die Jagd nach der Kohle. Die Kali-Gewerkschaft„Glückaus" Sondeisbausen plant die Erwerbung eines bisher noch nicht genannten Bergweris. Zur Begründung wird gesagt:„Die Kohlenversorgung spielte schon vor dem Kriege für die Kali-Jndustrie nn allgemeinen und die fficwerkichofl im besonderen eine große Rolle. Die für sie aufzuwendenden Kosten machen bei ihr'/z sämtlicher Betriebskosten ans. Während des Krieges.ist- die Kohlenverflzrgnng- direkt zu einer 'Lebenslrage der Käli-Jndüstrie Und der Gewerkschaft geworden. Die..Schwierigkeiten, Kohlen heran zu schäffni, wurden nicht allein durch- Wagenmongel und verminderte Förderung verursacht, sondern zum großen Teil auch durch das Zurückhalten der Werke, die nur an solche lieferten, die die besten Preise zahlte n." Die Rheinischen Stahlwerke haben ihr Kapital um 12 Mill. Mark auf 60 Mill. Mark zum Erwerb der Gewerkschaft Brassert erhöht, die dem Koblensyndikat mit einer Beteiligung von 800 000 Tonnen beigeircten ist, die bis zum 1. AprU 1919 auf 1 Mill. Tonnen anwächst. Falls die Gewerkschaft zur Aufnahme der Koksproduktion übergeht, steigert sich die»Beteiligung bis um 360 000 To. Koks. Die Beteiligung der Rbemiichen Stahlwerke beim Koblensyndikat beträgt 515 000 To. Kohlen, 100 000 To. Koks, 144 000 To. Briketts und'l 100 200 To. Bcrbrauchsbeteiligung. Die Rheinischen Stahlwerke erweitern also ihre bisherige Kohlengrund- läge durch den Erwerb der Zeche. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der Generalversammlung der Bergmann-Elcktrizi- täts- Werke wurde mitgeteilt, daß die Gesellschaft fast aus- schließlich sür den Kriegsbedarf arbeitet, und der Gcwinnrückgang von 21,7 auf 19.6 Millionen Mark mit der Steigerung der Material- p> eise und der Löhne bei gleichen Verkaufspreisen erklärt. In der Generalvcrsommlung der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau A.-G. legte der Aussichtsratsvorsitzende Geh. Kommerzienrat Arnold Gewicht ans das gute Verhältnis zu den Angestellten und betonte, daß auch keine latenten Streiks aus» gebrochen seien. Ter ißostschcckvcrkchr d-S Reichspostgebiets, dessen Entwicklung nicht lebhaft genug gewünscht werden kann, hat sich nach dem jetzt erscheinenden Geschäftsbericht 1016 Weiler günstig entwickelt. Die Zahl der Poslscheckkunden ist von 111931(Ende 1915) um 36 987 auf 148 918(Ende 1016) gestiegen. 65 Proz. der Postscheckkunden sind gewerbliche Unternehmungen und Kaufleute. Der Gesamt- limiatz betrug 1916 rund 63 482 Milliarden Mark, das sind gegen- über dein»Vorjahre 15 676 Milliarden Mark mehr. Bargeldlos wurden 42 367 Milliarden Mark oder 66,74 Proz. des Gesamtumsatzes be- glichen. Auf eine Posticheckrcchnung entfielen 1916 durchschnittlich 1160 Gut- und Lastschriften._ Steigende Dividende. Die Bilanz der Höchster Farbwerke weist nach»Abschreibung von 12 014 388 M. ein Gewinn- ergebt! is von 24 227 445 M. auf. Der Aufsichtsral beschloß, eine Dividende von 25 P r o z. gegen 20 P r o z. im Vorjahre vorzuichlagen. Rußlands Handclstäligkcit. Wie„Stockholms Tidningen" aus Petersburg ersährt, hat das ruisische Auswärtige Amt ein russisch- schwedisches Komitee zur Behandlung von Handels- und anderen Fragen gebildet. Auch ein Organ der Sicherheitshchördc! In Hannover lvurde ein angeblicher Kaufmann Wilhelm Heine wegen mehr als zwanzig schwerer Diebstähle zu sechs Jahren Zuchtballs verurteil!. Sein Komplize war der Schutzmann August Kämpf, der in,«chntucke seiner Dien st uniform an den nächtlichen E i n b r ü ch e il teilzunehmen pflegte nnd dadurch in der Lage war, Hindernisse, die sich in Gestalt von Wächtern oder Posten entgegeiistelllen, mühelos zu beseitigen. Er wurde als der eigentliche Anstifter betrachtet und erhielt elf Jahre Zuchthaus. Ein zweiter Schutzmann, Heinrich Gremmel, der nur an cinein Fall mitbeteiligt war, soll zunächst auf seinen Geisteszustand beobachtet werden.»Bemerkenswert erscheint eS, daß die Schwurgerichlsverhandlung„wegen Gejührdung der Staats- ordnung" unter AuSjchluß der'Oeffenttichkeit stattfand. Nkstrafie ffiiibtlHeSf. Vor der 5. Kammer des KaufmonnS- g e r i ch t S llaflie die Buleauangestellte Frida®.. weil sie von der Firma Äuftav ÄZolff Töluie, klellrolechniswe Fabrik, ohne Kündigung eirUaslt» worden war. Tie Miiltcr der Klägerin erkrankte an einem schweren Nervenfieber. Obwohl die Klägerin die ganhe Nacht bei der Lchwerkranken gewacht hatte, erschien sie»rorgcnS pünktlich äuot Dienst. Alz sie dann aber im Laufe deS Vorinittag« lelephouisch verständigt wurde, die Mutter rufe im Fieber Wahn ständig� nach ibr, bat sie den Chef,»ach Hause eilen zu dürfen, Das wurde ihr mit der Begründung verweigert, daS Geschäft könne darunter nicht leiden. Änch die noch- molige inständige Bitte, ihr frei zu geben und der Vorschlag eines entsprechende» GehaltdabzugcZ wurde abgelehnt und dein Mädchen bedeutet, daß. wenn sie dnuioch gehe, sie die Folgen zu Itageu habe. Als sich die Klägerin nicht halten lieg, ersolgte iosortige Cinlassung. Für Rechlfertigniig seines Vorgehens machte der Bellagle in der Verhandlung geltend, das;, wenn von vielen Angestellten plötzlich Air« gehörige erlranken, auf diese Weise elir ganzer Betrieb lahmgelegt werden könnte. TaS KanfinannSgericht hielt diese Argumentierung nicht für stichhaltig. Würde einmal ein derartig unwahrscheinlicher Fall eintreten, dann liege vielleicht daS Fortgehen ohne Erlaubnis eine andere Beurteilniig zu. Im vorliegenden Falle handele cZ sich jcdeiisallS um ein vereinzeltes Ereignis, durch das der Betrieb der Beklagten keine Unterbrechung erlitten habe. Dag die Mutter schwer krank daniederlag, sei durch die BeweiSaulnahme erwiesen. DaS Fortgehen sei darum nicht geeignet, die fristlose Einlassung zu be- gründen. Tie Firma wurde zur Zahlung von lllS M. Rcstgehalt »erurteilt._ Mus aller Welt. Ei» sozialistischer Fcldprrdigcr. Ein Leser deS.Het Voll" ichildert die Wirksamkeit de? sozialistischen Pfarreri«. K. Bakler, Mitglied der Arbeiterpartei, der in der holländischen Armee als F e l d v r- d i g e r angestellt ist: Obzwar Genosse Bakkcr In seiner Eigenichast als Feldprediger natürlich keine sozialistische Propaganda betreibt, verleugnet er seine sozialistische Ueberzeugung niemals. In winen populären BataillonSvorlrägen gedenlt er z.B. JaursS. Auch kennzeichnet er die„Zufriedenheit" als größte Untugend, wfir- digt die Nolle der llnzufriedenheit als FortschrittSfaltor und trägt eine soziallstiiche Aufsassung des Baterlandsbegrifis vor. In einem MitlagSunterricht behandelt er besondere ökonomische Fragen. Zlrbeilcr-Snmariterbuud. Kolonne Groh-Derlin. Sonn- fe(. 5. Mal, AuSsiug mit TranSportübung i» de» Bergen von PichcISwerder. Ürchpunkt nachmitlaa« 2 Uhr beim allen Freund in PichelSwcrder. Käste imd gern gesehen. Mitglieder und Teilnehmer werden crlucht, pünktlich zu erscheinen._ Eingegangene Druckschriften. Ter Gedanke der Internationalen Organisation in seiner <»ntwii5eliiiig. Vtm Dr. Jacob Ter Meulcn. 9 Gulden.— MartwuS Nijboff, Verlag,'s-Gravenhage. DaS Abentcncr im Geiste. Von Emil AiphonZ Reinhardt. Geh. 3,50 M., geh. 4,50 VI.— Kürstinnc». Von E. v. Keyserling. Geh. 3,50 M., geb. 4.50 M.— Die Jugend eines Idealisten. Von Gabriele llieuter. Geb. 5 M., geb. 6 M.— S. Fischer, Verlag, Berlin. Stenes Leben— Ncnes Lieben. Von Hugo Dichl.— Tenien« Verlag. Leipzig. Srkefkaften öer Neüaktion. Tie ivilltlsod» Trrctbstund» siadet für ttvonnevtcn Ltndenstr. Z, t. tiiito, parterre, am Montag bi» Freitag von t»14 7 Uhr, am Coiniadend von 5 vw 0 Ui|i statt. Jeder für den B r i« I l a s!« n besllmmlen ütnsrage ist ein Luchslab« und eine Zahl alS lv.'erkzelchcn veizusbgen. Lriesllche itut- wort wird nicht erleilt, ttliscagen, denen lein« ZtbonnementSoullluiig bei- g-wgl Ist, werden nlcht beanlworlet. Eilige Frage» trage man i» der Sprech- stunde vor. vertrage, Schriststilife und dergleichen dringe min in die Sprech- stunde mit. A. D. IL. Wir empsehlen Ihnen:„Die Versorgung der KrlegSieil- nebntcr, ihrer Familien und ihrer Hinterbliebeneu." Preis 80 Ps. Durch die VorwüriS-Luchbaildlung zu beziehen.—(f. M.. Pankow,«ie sind zum Ersatz der Scheibe verp'lichlet.— Siüstriiigrn SO. l. Arbeits- verwendungSsähig siir die Heiinqt ivegen Sieisbeit oder Krümmung eines FiiigerS, wenn durch dessen besonders liugüiiiiige Siellung der Gebrauch der Hand odrr die Handbabnng der Waffen verhindert wird.— B. F. SO. Da Ihnen die freiwillige Mcidniig zit einem beliebige» Truvveuteil anheimgesiellt worden ist, so liegt die Enischeidung doch bei Jhnei?. Warten Sic Jbre Einberunmg ab. dann iörnicn Sie sich den Truppcnicil nicht mehr wählen.— St. 17. B. Die Krankenkasse müßte Sie als Mitglied wieder ailfncbmeii. Zlvar Hai das ReichsverffcherungSamt uniängit eiitichieden, daß gänzlich ErwerbSunsähige im Falle einer neuen Erlrankunn keinen Anspruch aus Kraukengeld haben, bestehen bicibi aber der Anspruch aus ärztliche Behandlung und Medikamente, was für Sie doch sehr wichtig sein karnr Wegen der Richiansnabm« können Sie Beschwerde beim Ver» sicherungsamt lühren.— R. K. it!>. Der Ihnen abverlaugte Betrag ericheint»nS sehr hoch, machen Sie unler Darlegung der Sache dem Kriegswuchcramt, Schöneberg, Apostel-Paul»«. Straße 9, davon Mitteilung. — Albert. Rein, Sie kännen die Anerkennung der Baterschast nicht widerruscn, da nach z 1718 B. G. B. derjenige, der seine Vater schast nach der Geburt de» Rinde« in einer öffeiillichen Urkunde aiierkaiint hat, sich nicht daraus berufen kann, daß ein anderer der Mutter innerhalb der EmvIäligniSzeit beigewohnt hat.— Ungar. Die in Deutschland lebcriden öslerreich- ungarische!» Siaalsaiigehörigeu untersiebeii laut Verordnung vom 4. April 1917 ebensallS dem Zivildienstgesetz. Setirr. Ja. Nähere AuStun st erhalle» Sie in der RechnungSstelle der VolkSiürsorgc, Engeluser 18.— JBt. D. 100. Schwund der Waden- muSluIalur am linken Untcrschenlel.— H.!». L!t. Die Zeiche» kennen wir nicht, sie können sich unmöglich aus ein körperliches Leiden beziehe».— N. II. Laiidsturmpftichtig, geringe Nbiveichung der Wirbeliäuie und Un- rcgelmäfjigkcit in der Form de« sonst kräftig gebauten Brustkorbes.— N. IL. Landsturmpflichlig, geringe Erkrankung der Lunge».— G. H. 87. Auch die Teuerungszulage ist steuerpstichtig bei Einschätzung von 1916.— O. K. 101. Dagegen läßt üch leider nicht« machen.— F. H 27. Erkundigen Sie sich beim Polizeirevier nach der sür Sie nächiiliegeirde» Stelle.—(8. ti. 100. Die Verordnung über die Verpfleg ungSgebübren beim Urlaub datiert vom 2t. Dezember 19iä.— — St. St. 100. Darüber bestimmt ä 173 de« B. G.-B., dag der Bcvoll- mächtigte nach Erlöschen der Bollmacht diese an den Vollmachtgeber zurück- zugeben hat; ein Zurückbehaltungsrecht fleht ihm nicht zu.— Gmil 17. Die Jnvalidenmarke ist sür diese Klaffe auf 50 Ps. erhöht.— „Mazedoiltcn". Besten Tank I Wegen Platzmangel leider unmöglich. — M. C. 1. Verein'ör Feuerbefiaiiung, Berlin, Anhaltstrab« 0. W. P. S�0. Die AuiwandSrnlschüdiaung wird nicht mit einem Male ausgezahlt, sondeil« in monaiilche» Rai«,. DI« Angelegenheit Ihre» Vaters ist ailo vollständig in Ordnung; er hat nur den fälligen Betrag sür die rückständige» Monate mit einem Male auZgezahit«balien.— 21. B. 20. 1. Ja. 2. An den Jlvilvorstkeuben der Eilatzkommission.— F. R. 28. Belm Kompagniesührer.— H. G. 1887. 1. und 2. Wir würden Ihne» empsehlen, sich an die Frouenllinik der nächsigelegeiren größeren Stadt wenden. 8. Darüber müssen Sie den Arzt um Rat sragen. 4. Lnvalidenrente wird Ihnen nach Ablauf der Krankenuntcrslützulig sicher gezahlt werden. Ihre Höhe richtet sich nach der Anzahl und der Klaffe der(jekicbten Marken; sie fällt aber sicher nicht so hoch aus. daß sie voll- ständig davon leben lonnen. 5. Ihre Beschwerde haben wir der Erpedilion überwiesen. »lange derVorrat reicht liefert die Buchhandlung Borwärtch Berlin, SW. 68, Lindenstraße 3, folgende älteren Jahrgänge der reichillustrierte» Romanzeitschrift„In Freie» Stunden" jeden Band statt gebunden 4 Mark für nur 2 Mark. Jlihait:„Elim Twist." Lvn Cf). TickenS.—„AaS iUltafltt Eer. gangeuyelt." Bon(Scefchunf.—„Tie SJtttvci Ma»tl>lr«." Bon Hart aiani!.—„Jiulof, der Relrut."—„Ter zerveochene Krug." Inhal!:„Im Banne der Bersuchuug." Aoman von Helloe Maiot.— ,„Die Mörderin." Bon L. Schulze-Schmidt.—„Ter'.vedlar." Bo» O. ZtuppiuS.—„TaS ktlofter brt Scndomtr." La» F. lÄrillparzc?.— Inhalt:„Ter Kurier de« Aaren." Bon JuleZ?!«»«..—„TaS Str. , urachtuiS dfd BedlarS." Lr» LNo Ztuvpius.—„Am Malauger Aiors." Bon Theodor Mllgge.—„Wie de» tbrohuater dir Grulimuitrr nahm." k Fnhalt:„Ter«erloreur Sah«." Roman von Hall Tai»?.—„Xu Ftilchtllng." Novelle von Moritz Hortmanu.—„Zinn Bleidcrgwlrt uernnellt." Briese von WalsiN JokSzaloiv.—„Tie Narreudurg." Erzählung von Adalbert Stiller. Inhalt:„Ter Teserteur." Roma» von Robert Buchona».—„Zwri , Welten." Ziomon von Madam» Bizot.—„Ter lote Aimuiermann." Humoreske von Friedrich Gerilücker.--„Aaldspiune." Genrebild von Ollo Ruppius.—„Irr WrihuachtSaliend." Eine Geislergeschichte. Inhalt:„Rebellen." Erzähluilg von E. Tschirikow.—„Der Glöckner , ven Reire Tome." vloman von Birlor Hugo.—„St. Peterj Regenschirm." Erzählung von K. MilSzaih. Lei Bestellungen genügt Angabe der Rümmer de» Bande». Borto für jeden Band ZO Pfennig exlra. Die Reue Welk. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul knappe Lichtenberg. Neue Bahnhosstr. 31, am 80.?ipr>l gestorben tsl. Den Kollegen ferner zur Nach. richt, daß unser Mitglied, der Schmied 174/14 Karl VaUentin Neukölln, Bergstr. 78, am 26. April gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Tie OrtSverwaltung. Zentral-Yerliand der Böttelier, Wetnttiler u.Bil{sar)ieit.!)eQtseiil. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser altvewährtc» Mitglied Rudolf Klopsch am 1- Mai im Alter von 61 gahren gestorben Ist. Ehre seinem Andeuke« 1 Die Beerdigung findet ani Sannabend, den 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle bei DeUoiid-KirchHoseS, Leestratze, aus statt. Um rege Beteiligung wird gc- beten. £3/9 Ter ivorktnnd. Am 1. Mai starb mein lieber Mann und treusorgender Vater, der Schristsetzcr Otto Jaeck im lt. Lebensjahre. 90?l In tiefster Betrübnis Tie trostlose Gattin nebst Tochter. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 6. Mai, nach- mittags 5 Uhr, auf dem neuen Lakobi- Kirchhof in Neukölln, tzermannstratze, statt. lleutzctier Transportarteiter-Verliand. Bezirksverwaltung Grofl-Berlin. Den Milgliedcrn zur Nachricht, daß unfere Kollegin, sie Botenfrau IHania Ifollgan von der Firma.Borwärts", Spedition Rofenkranz, Lichtenberg, am 1. Mat im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. Mai, nach- mittag« 40, Uhr, von der Leichen- balle des Ächtenberger Gemeinde- Friedhofes. Lückstratze, aus statt. Um rege Beteiligmig erfucht 4/18 die Bezirksverwaltung. Kostüme wasserdichte Mäntel, Röcke, Wintermäntel, neueste Formen, beste Stoffe, gibt an Private Tamenmitiitelfabrtk Bllskl, ttrmifcnflrnfte 30, Dönhoffpiatz. Am 1. Mal verftalb nach kurzem fchwerem Leiden eine unferer ältesten Balcnsrauen Frau) Manis KSßlap im Atter*011 61 Jahie». Ehre ihrem Zlndenke»! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 4. Mai, nachmittags 4>l, Uhr, van der Leichenballe de» Gemeinde- Friedhofes, Lückstratze, au! statt. 11221 „VorwärtS"-Speditil»l Rummeleburg, Alt»Boxhagen öS. Llskung sm S., 10. 0. 1 1. Kai Allgemeine Ortskraokenkasse Berlin-Ucbtenberg. Bekanntmachung betreffend die Wahl der Mitglieder zum SluSschust. Wir machen hiermit bekannt, batz auf gültige Aahlvorfchläge im ganzey nur 145 Bewerber benannt sind. Da die tzielche Anzahl auch nur zu wöh- lcn ist. findet demzufolge gemätz g 10 der Wahlordnung die Wahl, welche auf den 7. Mai 1717 angesetzt war, nicht statt und gellen die Borgefchlagenen als gewählt. 27S/17 Bcrlin-LIchlenberg, 4. Mai 1917. Ter Borflan» der Allgemeine» Qrtskranken- knffe Berlin-Lichtenberg. l>. Ssikei, Vorsitzender. Gemüfefamen: alle Arien, Biumcnfameii, echt Qued- linburgcr Ware, empfiehlt 11692' H. Deckerl, Samenhandlung, Berlin O 27, Krauistratze 0. Fernsprecher: Kgst. 3000. G IStrassburg.KOnsler eld- Lotterie 250000 Lote. S339 Oelilsewinne--- 11k 250000 175000 I 30000 120000 'Ä Geld-Lose 3 mk"' Furt« und Liste 35 Pf. extra, tu heben in eilen LotteriegeechUten, LoteverluafssteUtn und durch Lud. Müller& C° in Bep|inf Rirlirnkir Kirtt 10. J. Stürmer n Straßburg I. E., Lungetr. 10? Bekanntmachung. S'iippfiiiiiffhi, TtiMiirtil liild ßroupEii. Gemäß si 5 der Verordnung über LcbcnSmitteltarlcn vom 18.£.UoBtt 1910 wird für de» Geineiudcbezuk der Stadt Berlin bestimmt l I. Auf Abfchniit Nr. 08 der Lebensmittelkarte entfallen ii Tupvcurakel». II. Auf Abfchuftt Nr. 09 der Lebensinittetkarte entfallen 1V0 e Teigwaren. III. Auf Abschnitt Nr. 70 der Lcbensmilleikarte entfallen Ivv p Graupen. IV. Die Abfchiiitie Nr. 68, 09 und 70 find nur in den durch ein Au«. hängefchiid »Verkauf van Teigwaren lGraupeu» auf Lebensmittel- karre» der Stade Berlin" gekennzeichueleu Geichäftk» gegen Empfanatbeicheluigungen abzu- geben, und zwar TannerStag. de»:< nähme der Kartenabfchniite untersagt. Berlin, den 2. Mai 1917. Magistrat der Königlichen Haupt- und Residenzstadt. zsl. Sir. 45 Br. 5. Abteilung für Bratverforgmig. Zelluloid-' Film- UNd Hartgummi-Abfälle tauft C r d v w e r, Georg entirch- stratze 60, beim Aleranderplatz, 9—12, 3-S Uhr. 22/1» Vom 1917 II. bis 19. Mai werde ich in Berlin, Hotel Prinz Heinrich, Dorotheenstr, 22 anwesend sein, um künstliche Augen-« nach der Natur liir meine Patienten an- direkt zulertigeu und einzupaaeen. F Ad Müller Fa'ir'! k.''.?tt'ic',cr Auß®:i Kartofielvachtlaub. Mahlsdorf. Du.-R. 50 Pf. Licr. Skalitzerstv. 98. aus Vtlesdalien. Ltvpmau«, Otto. HUfSbnch für die Dreherei mit 2S2 Abbilduugeii. Gebunden Mark 3.40. Buchhandlung Vorwärts, Ltndenftratze>1 Zentrum: Albert Hahnisch, Sckerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet van 11—111 und van 4', 1—7 Uhr. 3.«ahilrciS: S. und LIV.: G u st a v Schmidt, Bärwaldstr. 42, an der Gneisenaustraße. Geöffnet von 11— Iii- und von 4!h— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts pari. Geöffnet von 11—11!!, und von i'.l—l Uhr. 4. Wahttreis: Osten: Robert WengelZ, Markuspr. Zö. Geöffnet von 11— l'.k und von 4'i— 7 Uhr.— Karl Meile. Petersburger Platz 4 fLaden). Geöffnet von II— IIb und von 4',ii— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Laufitzer Platz 11/15. Ge- vsfnct von 11— Iis und von iVi—1 Uhr. 3. Wahlkreis: Lea Zucht, Jmmancllirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11— Ii- utid von iVi— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(Moabit): Saloman Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. Geöffnet von 11— 19, und von 415—7 Uhr. Wcddtng: I. Hönisch, Müllerstr. IIa, Ecke Utrechter Straß«(Loden). Geöffnet von 11— 1!b und von 4�—7 Uhr. Rasenthaler und Oranienburger Vorstadt: A. Wolgast, Wattstr. 9. Geöffnet von 11— 1% und von 4'4— 7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Vasticuistr. 0(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Karl Mar», Greifenhagener Straße 22. Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Adlerbhos: Feuerstein, BiSmarckstr. 82. Altglienicke. Faltenbera: W i l h- l m D ü r r e. Fricdrichstr. 40. Bnumschuleuweg: Karl Köpke, Kiesholzstr. 179. Bernau. Röntgental, Zepernick, Schönow, Schönbriick und Buch: Heinrich Brase, Mühleustr. 5(Laien), Zeitttttgs-Attsgabestellen und Jnseraten-Anttahme. Bohnsdorf: Horlemaun, Genosfenschaftsbaus„Paradies" Eharlattenburg! Gustav Schar»b«rg, Sesiicheimer Straße 1. öffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Ge- Eichwald«, Schmöckwitz, Zeuthen, MierSdorf: Oskar Mahle, Grünauer Straße 87. Fredersdorf-Petershagen: Stellmacher, PeterShagen. Friedenau. Steglitz, Südendc: Ss. B e r n f e e, Steglitz, Mommsenstr. 59. Friedrlchshogen, Fichtenau, RahuSdarf, Schöneiche, Klein- Schönebeck: Ernst Werl mann, Friedrichshagen, Köpenick« Straße 18. Grünau: ,) r a n z Klein, Fricdrichstr. 10. Johannisthal, Rudow: Mar G o u f ch u r, Parkstr. 23. Karlshorst: Hermann B Illing, Dönhoffstr. 28. Köuigs-Wnfterhaufen, Wildau, Riederlehme: Friedrich Baumann, Luckenwolder Straße 5. Köpenick: Emil W i ß l e r, Kieher Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr biß abends 8 Uhr. Lichtenberg I, Jriedrichssclde, Hohenschönhansen: Otto Seikel, Warten- bergstraßc 1(Laden). Geösfuet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Lichtenberg II, Rummelsburg, Stralau: A. Rosenkranz, Alt. Box- Hagen 6(5. Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Mahlsdorf, Kaulsdorf, Biesdorf: P. Heßberg, Kaulsdors, Ferdinand- straße 17. Mariendors, Rarlenselde: August Leip, Chausfeestr. 29. Reukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Renkölln-Britz: Rohr, Sregfriedstr. 28/29. Geöffnet von 11—114 und von 414— 7 Uhr. Riederichöneweide: Wilhelm Unruh, Brückensir. 10, II. vlnnlcnburg: Rowawes: Karl Krähnberg, Eijenbahnstr. 10. Oderschöneweide: Ida Freidank, BiSmarckstr. 25, I. Pankow, Riederschönhausen, Nordend, Franz.-Buchhoiz, Rißmann, Pankow, Mühlenflr. 7V. Reintckendors-Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. Gurfch, Provinz- straße 50(Laden). Geöffnet von 11—114 und 414— 7 Uhr. Schcnkeiidorf bei KöuiaS-Wlistcrhaufen: Ehr. Hansckle, Dorsstr. 10. Schöneberg: Wilhelm B ä u m i c r, Meiuingcr � � Straße 9(Laden). Geöffnet von 8 Uhr Geöffnet von II— 114 und von 414— 7 Uhr. Spandau, Nonnendamm: Ernst Bär, Moltkeftr. morgens bis 7 Uhr abends. Tegel, Borfiawalde. Wittenau, Waidmanusiust. Dermsdorf. Sohen-Renen- dorf, Virkenwerder, Freie Scholle und Reinickendorf-West: Paul K i e i! a fi, Borfigwaide, Räuschstr. 10. Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempelhof: Rud. Ueckermann, Kaiser-Wilbelm-Straße 74. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstr. 412(Laben). Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Weltzeufec, veincrsdorf: G U st. R o ß k o Wilmersdorf, Halenfcc, Schmargendorf: P aue 27. Zoffen: Fr. R a t f ch, Berliner Straße 21. f, Berliner IMee 11. aul Schubert, Wilhelms- Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke werden gettejerl. Sonntags find die Ausgabestellen geschloffen. Nr. 121— 1$17 G Unterhaltungsblatt öes vorwärts 5reitag,4.Mai öer Hamburger„proüuktion*. Kriegsbericht von der Hcimatfront. II. Hamburg, Anfang April. Von dem inochenlosen Fleisch rollt ein Teil in die Äühlräume, Um hier gepökelt werden. In großen quadratischen Bottichen, teils aus Hc�lz, teils aus Zement, lagert das eingesalzene Fleisch d:cr vier, bis fünf Wochen, um dann in Fässern verpackt in die längs der Fabrik liegenden Äanalschuten geladen zu werden. Manchmal zwingt Knapvbeit an Buchsenblech zu vermehrter Produktion an Fatzsleisch. Ucbcrhaupt ist der Betrieb in dieser Hinsicht großen Schwankungen unterworfen— je nachdem, ob mehr Söhlveinc- oder Rindfleisch angeliefert wird— ob mehr Dauerware oder Büchsen- fleisch gearbeitet werden muß. Kochfleisch wird durchgehends am wenigsten hergestellt. Die große Masse des knochenlosen Fleisches— ohne Rücksicht, ob Schinken, oder Speck, oder Rücken, oder Lende— wandert in die Konservenbüchse oder in den Wurstdarm. Diese Fabrikation be- ginnt oben im höchsten Stockwerk, wohin die tranchierten roten Stücke in einem Auszug fahren. Von da klettern sie in die ein- zelnen Stockwerke herunter. Aus dem Erdgeschoß rollen die fern- gen Büchsen in die Kähne— den Kanal hinab an die Eisenbahn— von da an die Front nach Nord und Süd und Ost und West. Wie aus den tranchierten knochenlosen blutigen Fleischfetzen sauber luftdichtverschlossene Konservendosen oder appetitliche Rauchwürste werden, ist schnell� beschrieben. Das Fleisch gerät oben aus dem Auszug zunächst in die Zerkleinerungsmaschine, die es unbarmherzig zu Würfeln zusammenhackt. Dann rutscht es ein Stockwerk tiefer auf schiefer Ebene hinab und fällt in einen weiten Bottich. In dem Bottich schaufelt ein eiserner Greifarm hin und herb Dies ist die Knetmaschine, die die Flcischstücke, die fetten und die mageren, die kleinen und die großen, wirbelnd durcheinander- wirft. Von'hier aus teilen sich die Würfel. Die künftigen Kon- serven werden gesalzen und wandern auf Transportmuldcn in den Füllraum. Da stehen an langen Tischen die Frauen und Mädchen in weißer Haube und Leinenkitteln und stopfen die lveißroten Würfel in die Dosen. Jede Dose wird auf vier Pfund genau ab- gewogen. Sie fliegt von Hand zu Hand. An der Dosenverschluß- Maschine steht ein Mädchen. Die Dose wird in die Maschine gesetzt, der Teckel darauf gelegt, der Hebel senkt sich, beide rotieren einige Sekunden in rasender Eile, dann ist der Deckel luftdicht über den Dosenrand gepreßt und die geschlossene Büchse rollt auf einer zweiten schiefen Ebene hinunter in den Kochraum. Hier steht der Autoklave— ein riesiger Dampfkessel, der durch Röhren erhitzt wird. Ein eiserner Korb, der mehrere hundert Tosen auf einmal faßt, wird in den Kessel gelassen und darauf der Kessel luftdicht mir einem halben Dutzend Eisenklammern verschlossen. Zwei Stunden lang werden die Dosen nun der gewaltigen Hitze von 12?. Grad ausgesetzt. Tann ist das Fleisch gekocht und jeder Bazillus gc- tötet, die Klammern lösen sich und triefend von dem kochenden Wässer steigt der Korb mit den gekochten Dosen aus dem heißen Bad hervor. Die Konserve wird geküblt und ist fertig. Dies ist der Gang im Roben. In Wirklichkeit gibt es noch viel Detailarbeit. Da sitzen die Deckelputzerinnen, in einer Ecke. Im Stockwerk darunter werden die fertigen Dosen etikettiert. Da ist vor allem der herrliche Evakuierapparat. Weil' trotz sorgfältigster Behandlung des Inhalts immer noch ab'und zu eine Dose im Felde zu garen begann und platzte, bat man die Dosen in letzter Zeit luftleer gepumpt. Zu diesem Zwecke kommen sie in den Evatuierapparat, einem großen Bottich aus Eisen, der luftdicht ab- geschlossen ist und innen luftleer gepumpt werden kann. Bevor die.Doien den Bottich betreten, erhalten sie ein kleines Loch in den Deckel, sobald sie drinnen stehen, wird Bottich samt Dosen �evakuiert". Dabei ziehen die Dosen sich.-manchmal krampfhaft zu- iammen und bekommen Beulen und Knicke. Durch ein kleines Bullauge im Bottichdeckcl von dickem Glas beobachtet der Mechaniker, wie die Dosen sich zusammenziehen. Dann lötet er durch eine elek- trische Lötmaschine das Loch-in. jedem Dosendeckel wieder zu. Diese Lqtmaschinc kann er.von außen handhaben.'Ter ganze Bottich ist von innen elektrisch beleuchtet. Die Dosen, die diese Evakuier- Maschine verfassen haben, sehen nicht mehr glatt und vornehm aus. Aber ihr Inhalt hält sich jahrelang und ist gegen jede Gärung gefeit. Das Rohfleisch, das zu Dauerwurst verarbeitet werden soll. verlätzt die Knetmaschine und wandert in den„Tiger" oder„Wols" oder„Eutter"— alles Maschinen, die die dicken Würfel noch ein- mal zerkleinern. Das so entstandene„Mettau" wird gewürzt. Die Stopfmaschine preßt es in die Därme. Der Darm wird abge. schnürt und wandert in den Rauch. Da hängen Taufende von Würsten in allen Längen und Durchmessern. Vom Boden wälzt sich eine dünne Wolke au-s glimmenden Sägespänen durch den langen Raum. Die dünnen Blockwürste räuchern schnell durch. Sobald sie trocken sind, bekommen sie eine rote Farbe. Sie werden in Holzkisten verpackt und ziehen, genau abgewogen, wie die Dosen ins Feld. Aber auch dies ist nur in groben Zügen der Ausstieg des blutigen Fleischfetzens zur vielbegchrtcn Rauchmettwurst. Auch hier gibt es zahlreiche, langwierige Nebenarbeiten, besonders das Trocknen und Zurichten der Därme. Und es wird nicht nur Dauer- wurft fabriziert. Es gibt auch Sülze auL Schnauzen und Pfoten. Die wird in Schweinemägen gestopft, die zugebunden aussehen wie gebratene Hennen. Wurst und Fleischtonserven Und die Haupterzeugnissc der Ham- burger„Produktion". Ihre edelste Ware ist ein feiner Doscnspeck, maschinell geschnitten, im übrigen wie die gewöhnliche Konserve bearbeitet. Auch ihr sogenannter„Schmalzersatz" eine reine fette Schweinesleischkonserve, die viel besser als ihr Name ist, hat allen, die jemals(wie unten aus dem Balkan) wochenlang von jedem Proviantamt abgeschnitten waren, treffliche Dienste geleistet. Für die Hamburger Bevölkerung stellt der Betrieb aus dem Kopffleisch der Ochsen seit einiger Zeit eine nahrhafte und billige Kochwurst her, deren größter Vorzug ihre Freiheit von Fleisch- und Fett- marken ist. In Zukunft wird ein guter, aus Knochen gezogener Bouillonwürfel die Liste ihrer Produkte vermehren. Die Großschlächterei der Hamburger Arbeiter bat sich im letzten Jahre zu einem der wichtigsten Militärbetriebe der Heimätfront entwickelt. Allen Schwierigkeiten der Personal- und Material- beschaffung zum Trotz hat sie Hand in Hand mit der Militärbehörde für die gute Verpflegung unserer Truppen Gewaltiges geleistet. Dabei ist ihr eigener Betrieb immer mehr ins Große gewachsen. Den 11 Millionen ihres Schlächtcreiumsatzes vom Jabre 191ö stehen 1916 fast 26 Millionen gegenüber. Gewiß hat sie diese Arbeit nicht umsonst geleistet. Aber was sie verdient hat, fließt in keines Kriegs- gewinners Tasche. Auch darin zeigt sich das Eigenartige und Ab- seitige dieses Kriegsbetriebes. Aus dem Reingewinn des Jahres 1916 errichtet die„Produktion" ein Kindersanawrium an der Ostsee, das mit zunächst 1 Million Stiftungskapital jährlick» tausend Groß- stadtkindcrn im Winter und Sommer eine vierwöchige Erholung bietet. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. vas örot üer Aukunfi. Der Krieg hat auf dem Gebiete der Ernährung eine große An- zahl tiefcingreifender Umwälzungen verursacht. Die Frage nach dem Brote, dem wichtigsten iiieiiichlicfcen Nahrungsmittel, ist dabei in den Mittelpunkt de§ Jnieresies gerückt, und anscheinend ist sie durch die Arbeiten mehrerer Forscher bei unS und unteren Bundesgenossen zur endgültigen Loiting gebrockt worden. Bis vor dem Kriege stellten die meisten Bäcker das Brot so her. wie es seit alters üblick war, nur mit dem Unterickiede, daß die Käufer immer helleres Brot verlangten, das aus dem hellsten, feinsten Mehl hergestellt war. Dos war offenbar der falicke Weg, denn bei de: Brotbereitung wurde die Kleie als Schweincfutter verwendet und entging der menschlichen Ernäbrung. Die wenigen Arten der Brotbereituna. bei denen ein dunkles Vollkornbrot oder ähnlich bezeichnetes Gebäck erzeugt wurde, zu dessen Mehl auch die Kleie zum größten Teil oder völlig ver« wandt war, hatten dagegen den richtigen Weg eingeschlagen. Die? ist das eindeutige Ergebnis, zu dem Professor Stoklasa, der Leiter der chemisch-pblisiologischen Versuchsstation in Prag, aus Grund langjähriger Arbeiten gelangt ist, die namentlich während des Krieges Versuche mit allen möglichen Mehlen und Ersatzmeblen um« faßten und die jetzt in einem ziemlich erschöpfenden Buche unter dem Titel„Das Brot der Zukunft" veröffentlicht werden, das soeben im Verlage von Gustav Fischer in Jena erscheint. Ter Hauptsorlschritt• der Brotbereitung ist dem verstorbenen Bonner Hygieuiker Fmkler zuzuschreiben, nach dessen Angaben die Kleie so behandelt wird, daß das Ender zeuqniö für die menschliche Ernährung voll ausgenutzt werden kann. Er ließ sie auf nassem Wege unter Zusatz von kleinen Mengen Kochsalz und kalkhaltigem Wasser vermählen, wobei die Alcuronzellen derartig verändert werden, daß ihr Eiweißgebalt dem menschlichen Verdauungskanal zugänglich wird.. Finkler gewann aus diese Art das sogenannte Finalmehl; seinem Verfahren haben danach andere Forscher ähnliche an die Seite gestellt, die den gleichen Zweck verfolgen. Die biochemische Untersuchung hat gezeigt, daß das Final- oder Vollkornbrot. zu dem das Finalmehl verbacken wird, dem üblichen Brote nicht nur gleichwertig, sondern in mancher Beziebung erheblich überlegen ist, denn die Kleie enthält gerade die Stoffe, die besonders wertvoll sind. Vormals beurteilte man den Nährwert eines Nahrungs- mittels nach dem Gehalte an Eiweiß, Fett und Kohlehydraten, währnnd man neuerdings die Bedeutung des Phosphors, des Kaliums, des Natriums und anderer„biogener" Elemente mit in die Rechnung stellt. Finalmehl ist nicht nur reich an Eiweiß— eZ enthält beinahe soviel Neinprotein, wie Fleisch und Fett— sondern in ihm sind auch wertvolle orga- niichc Phosphorverbindungen sowie große Mengen hochwichtiger Enzyme vorhanden, die bei der Teiglockcrung und Tciggärung ihre Wirksamkeit entfalten. Ernährungsversucke mit sogenanntem Finalbrot haben gezeigt, wie wertvoll dieses Gebäck ist. Dr. v. Szadcl hat Ernährung-!- versuche mit Finalbrot an Menschen und Tieren durchgeführt, und dabei hat sich folgendes ergebene das Finalbrot wurde an Stelle von gewöhnlichem Brot auch nach monatelangem Genuß gern ge- nommen. Um die Ausnutzung zu ermitteln, wurde einigen Ver- sucksperionen ein paar Tage hindurch Finalbrot in Mengen von 460 bis 700 Gramm gegeben, und daneben erhielten sie nur etwas Butter. Zucker, Kaffee und Wein, also Nahrungsmittel, die kaum Eiweiß� enthalten. Das Ergebnis war. daß das Finalbrot(mit 20 Prozent' Finalmehl) einen etwas höheren Siickstoffgewinu als gewöhnliches Roggenbrot erzielt und vom menschlichen Darm genau so gut aus- genutzt wurde wie dieses. Das Endergebnis, zu dem Stoklasa kommt, ist die Erkenntnis, daß die weißen Mehle allein eine unvollkommene Nahrung bilden, weil sie an Aschenbestandteilen arm sind; ebenso verfehlt wäre es aber, wollte man sich vorwiegend von dunklen Mehlen nähren. Für gesunde und normale Verdauung sind alle Bestandteile des Getreide- kernS erforderlich, und die geeignete Mischung der bellen und der dunkleren Mehle einschließlich des Finalmehls hat die günstigste Wirkung. Für die gesamte VolkSernährung ist dies eine sehr wichtige Frage, denn die wirtschaftlichen Veränderungen, die der Krieg hervorgerufen bat, lassen es als sicher erscheinen, daß in den nächsten Jahren der Brotverbrauch eine Steigerung erfahren wird. weil die Viehbestände vermindert sind und der Fleischverbrauch daber auch künftig eingeschränkt bleiben muß. Die Erschließung der Kleie für die Brotbercitung ist geeignet, den Ersatz für den Ausfall an Fleisch zu liefern._(z) Eine Robinsonaüe im polareks. Höchst sonderbar ist das Schicksal der im Frühjahr 1914 von Proiesior Don B. Macmillan unternommenen Ervedition nach Crockerland. Die Expedition geriet nämlich bei Etah, dem nörd- lickslen bewohnten Ort der Erde, in eine Eisumklammerung, aus der sie bisher nicht befreit werden konnte, so daß die Mitglieder der Expedition nunmehr bereits den dritten Winter in dieser höchst sonderbaren Gefangenschaft verbringen müssen. Wie einem Bericht von Hugo Wichmann in Petermanns Mitteilungen zu entnehmen ist. wurde diese Gefangenschaft, trotzdem daS Gebiet in jedem Sommer für kurze Zeit eisirei wird, dadurch hervorgerufen, daß die zur Ablösung bestimmten Schiffe regelmäßig den richtigen Zeitpuntt verpaßten. So fuhr die Entsatzexpedition des Kapitäns H. C. Pickles im Sommer>916 zu spät von New Dork ab und ftor selbst in der North Star Bay ein. Eine zweite Entsatzexpedition fuhr auf dein Dampfer Danmark wieder zu spät von New Jork ab und mußte selbst übeiwintern. Es ist zu hosten, daß dieser Fehler sich nicht Iviedcrholt, da die beklagenswerten ExveditionSmitglieder ihre Robinsonade sonst noch auf einen vierten Winter ausdehnen müßten. Notizen. — Das Grimmsche Wörterbuch und der Krieg. Seit vielen Jahren arbeiten zahlreiche deutsche Gelehrte an der Fertigstellung eines umfangreichen deutschen Wörterbuches, das alle deutschen Wörter enthalten und erläutern soll, und das nach den Brüdern Grimm benannt worden ist. Ein Teil des wertvollen Materials wäre nun im Kriege beinahe in die Hände der Russen gefallen. Einer der Mitarbeiter hatte nämlich das Material für II im Jahre 1914 inL Feld mitgenommen, um dort weilerzuarbcsten. Bei der Einnahme von Lemberg im Jahre 1914 durch die Russe« tonnte es nicht rechtzeitig geborgen werden. Glücklicherweise wurden die gefährdeien Zettel nachträglich noch in Sicherheit gebracht. Das Reich gibt alljährlich bedeutende Zui'chüste für dieses nationale Werk, dessen Zentrale sich bei der Universität Götlingen befindet. Dort sind schon nahezu zwei Millionen Zettel gesammelt. Die erste Lieferung des gewaltigen Werkes wurde von den Brüdern Griimn,, die damals in Berlin wohnten, im Jahre 1862 herausgegeben. — Schutz der Vogel weit der Dobrudscha. Deutsche Vogelschutzgesellschaften haben sich an Gcueralfeldmai schall Mackensen gewandt und um Schonung gewisser, in ganz Europa nur in der Dobrudscha vorkommender Vogelarten gebeten. In erster Linie wären im Interesse des Gesundheitszustandes unserer Truppen die großen Aasfresser zu schonen, z. B. der Kaiseradler, der Kultengeier und der Gänsegeier. Sic reinigen die Gegend von Pferde- und anderen Kadavern, die bei den massenhaft dort vorhandenen Fliegen dem Menschen sehr schädlich werden können. Durch Vertilgung der Larven der Stechmücke� die die Malaria verbreitet, machen sich die zahllosen Enten- und Schnepfenartcn, die sich in den Gewässern der Dobrudscha tummeln, sehr nützlich. Der Feldmarschall Hai in entgegenkommender Weise einen entsprechenden Tagesbefehl erlassen. Arbeiter. 7� Von Stijn Streuvels. In diesem großen, dumpfigen Saal, wo noch andere Leute wartend saßen, fühlten die Dorfweibcr sich »veniger frei, als auf der Straße; sie unterhielten sich leise miteinander oder schwiegen ganz. Die Buben aber hatten bald die Müdigkeit und ihre Schüchtern- heit vergessen; einige waren sogar auf die Fenster- bäuke geklettert, während die Mädels, als lvären sie in der Schule, laut die Worte auf den an den Wänden hängenden Plakaten buchstabierten. Tann und wann schuf ein barscher Befehl der Mutter Ordnung, aber bald begann es von neuem, denn die Buben langweilten sich und konnten unmöglich ruhig sitzen. Da nun die Stunde der Ankunft nahte, kam etwas wie Aufregung unter die Weiber, die da wartend saßen. Nun die Sehnsucht gestillt werden sollte, wurden sie von einem Gefühl der Angst vor der Feierlichkeit des Augenblicks befangen. Was sie in drei-, Viermonatiger Trennung vergessen hatten und was nun im letzten Augenblick vor dem Wiedersehen von neuem auftauchte, war die klare, deutliche Vorstellung von ihrem Gatten— seine Gestalt, sein Gesicht, sein rauheS Wort und seine barschen Geberden. In seiner Abwesenheit hatten sie ihn entbehrt und sie hatten sich ihn vorgestellt in seiner Gutmütigkeit— als den Burschen, der auf Arbeit ge- gangen ist, um für seine Brut den Unterhalt zu gewinnen. Nun sie aber sein Wesen so nahe fühlten, stellten sie sich wieder die Wirklichkeit vor— den Burschen mit seinen Ausbrüchen von Heftigkeit, der für sich selbst eingenommen ist, stark' in seinem Gefühl der Uebcrlcgenheit. erfüllt von dem Selbstbewußtsein des Geldverdieners— der das Geld auch verzehren darf, weil er es verdient hat;— mit seiner Verachtung für daS Weibervolk und für ihr ganzes Getue, für diese Schlumpe von einem Weib, die wohl Mitleid wert ist, die ihn aber nichts angeht;... den Burschen, der gegen seinen Willen dieses Rudel von Buben hinter sich herfchleift als eine Last, die ihm das Weib auf- erlegt hat.... Jede erinnerte sich wohl der Vorgänge und Ereignisse, bei denen sie Unrecht zu erdulden hatten und eS hinnehmen mußten, weil sie die Schwächeren waren und aus seinen Hände« esse« mußten. Sie wußten nur zu gut. daß sie mit all ihrer"Arbeit, tnit all ihren Leiden und all ihrer Aufopferung nicht zu sehr in Betracht kommen und sie sich glücklich schätzen dursten, wenn es keine Mißhandlungen gab, toenn sie nicht gescholten oder verdächtigt wurden, nachdem sie monatelang ihrem eigenen Schicksal überlassen, die Last der Verantwortung für den Nachwuchs und für die Ordnung der Familien- angelegenheiten getragen hatten. Dann kam es zuweilen vor, daß der Bursche seine Eifersucht blicken ließ, daß sie der Un- treue oder der Verschwendung und der Faulheit beschuldigt wurden, sei eS auch nur auS dem Grunde, weil der Mann über jemanden seinen Groll und seine Verzweiflung entladen mußte, lvenn er erfuhr, daß seine ganze Arbeit in der Fremde nicht ausreichte, um den Plunder austecht zu er- halten. Aber als geduldige Sklaven, die sie waren, unter dem Druck der Not, gelassen in ihrer Wehrlosigkcit, ohne irgend- welche Stütze oder Hilfe außer bei sich selbst, waren sie doch immer geneigt, nachzugeben, und trotz alledem hingen sie an ihrem Burschen, weil die Natur sie im Uebermaß mit Liebe und Zuneigung begabt hatte und sie diese Liebe immer wieder ergießen mußten... über wen sonst als über den Burschen und die Kinder? Nun saßen sie da voll Sohnsucht und voll Furcht vordem, was zusammen die große„Rührung" ausmachte in diesem feierlichen Augenblick, in dem sie daS gemeinsame Leben wieder aufnehmen sollten. In ihrem Drang nach Wieder- gäbe des Zusammenlebens empfanden diese einfachen Natur- geschöpfc die Vergangenheit als etwas, das zu lange aus der Ordnung geraten war und nun für lange Zeit wieder in Gang gekommen ist. Denn ging es ihnen auch noch so schlecht, so zogen sie doch die Gegenwart des Mannes, das Zusammenleben mit ihm vor, und mußten sie auch viel von ihm ertragen, so war er ihnen doch in vielen Fällen eine Stütze und hielt er doch immer das Gefühl der Eisiheit in der Familie aufrecht. Die Türe des Wartesaales wurde geöffnet und die An- kunft�des Zuges angekündigt. Sogleich fuhren die Weiber auf, und die Buben stürmten hinaus, uin am Ausgang der Bahnsteigsperre zu warten. Wirklich, drüben kam der Zug schon daher. Sein Schlot spie schwarzen Rauch in die Höhe, und stoßend und dröhnend sauste er einher und mäßigte endlich die Fahrt, bis er pustend und schnaubend dicht vor dem eisernen Gitter stand. Aus diesem plötzlich gedämpften Geräusch stieg zuerst die Musik einer Harmonika und der rauhe Gesang einer Gesellschaft von Arbeitsleuten auf. Die Türen flogen auf, Männer sprangen aus den Wagen, Säcke und Werkzeug wurden herausgeschleudert. Einige Kerle mit lustigen Gesichtenl lehnten sich aus den offenen Fenstern, streckten den Kameraden, die ausgestiegen waren, brüderlich die Hand hin und nahmen Abschied. Aus dem Bahnsteig herrschte ein wirres Durcheinander von Schnittern. Aber als der Zug sich wieder in Bewegung setzte, folgte ein lang- gedehntes Rufen und ein Schwenken von Mützen und Hüten, aus den Fenstern deS Zuges durch Rufen und Schwenken er- widert von den anderen Schnittern, die weiter fuhren. Das war der jubelnde Abschiedsgruß der Arbeiter, die zusammen aus dem fremden Lande heimkehrten— der Abschied zwischen denen, die weiter mußten, und denen, die jetzt daheim gelandet waren— dieser Ruf bedeutete das Lebewohl und auch den Wunsch auf etil glückliches Wiedersehen im nächsten Jahre, wenn sie im Sommer von neuem ausziehen würden, um drüben in toeiter Ferne die Ernte zu schneiden und die Landarbeit zu verrichten. 3. Die Männer schienen aufgeregt, und mit großem Lärin und großer Beweglichkeit suchte jeder sein Eigentum aus dem Wirrwarr von blaulcinenen Säcken, Sensen, Hacken. Spaten und Schaufeln heraus. Einige hatten schon~dcn Kopf gewendet ans das Rufen der Weiber und Buben hin, die, zusammengedrängt und die Hälse reckend, am Gitter ivarteten, und wer in dem Haufen eins von seiner Gesellschaft er- kannte, rief schon laut einen Namen und einen Willkomm- grüß. „Hier! Schon da! Seid gegrüßt! Ei! Wie geht'S'? Gleich! Wir kommen! ging es von einer Gruppe. zur anderen. Mause und Emma hatten sich einen guten Platz zu sichern verstanden, nebeneinander standen sie mit dem Kops gegen das eiserne Gitter gedrängt, und sie hielten sich mir den Händen fest, um nicht lvcggcschoben zu werden und die Ihrigen besser zu erkennen. Sie ließen die Buben schreien und schauten hinüber, wo die Männer auf dein Bahnsteig durcheinander wimmelten und allmählich dazu kamen, sich dem Ausgangspjörtchen zuzuwenden.(Forts, folgt.) T5ireiticia M a s" T-! e i ni a r d t. DeotschcK Theater. 71/, Uhr: Der ♦•cJzise. Sonnabend: Der OetalKe. Sonnt, nachm. 21/«(kleine l'rciso): Der WolbKteafel« KaminerapiclC) 71/. Uhr: Faschlna, Sohilabend: FnaoluiiK. tonnt, nachm. ä'l,(kleine l'rciso}: Da» Konzert. ulliMbOhne.Thaat a.BUlowpfaU. 7'/, Uhr: Volk in Aot. tunnabeud: Volk in Vot. Theater I. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Weinhard R. Bernauer. T'/j Uhr: Erdffclait. Komödienhaus i1/«: Die Torlorono Tochter. berliner Theater 7 20 Uhr; Die tolle Komteß. Sessing-Theater. i1/. Uhr: üladanie Legro*. Suhnabond: Kladame liOgro». Sonntag: Kfadamo Ltegro». Deutseh. Künstier-TIieater. Allabendlich V,', Uhr; Oer Kammergänger. Csmteeee Mirzi. I. Klasse. URANIA TaubcnsLruCo-18/19. 8 Uhr: Der Yierwaldstätter See und der Gotthard. RosesTheater. 71/, Uhr: Das Findelkind. Theater für Freitag, den 4. Mal. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. 7 Uhr: Feoer»not. Die glückliche Insel. Friedrich- W Ühclmstädt. Theater. 7'/, Uhr: Das Dreirndderlhaus. Gebr. Herrnfcld-Thcater. T/g uhr; Ehe-Urlaub. Kleines Theater '•uv.: Haos im SetmakeDioeti. Komische Oper zoiun.: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus i'/.Uhr: Die blonden a&dcl» vom Llndcnhof. Metropol-Theater sohfin: Die Czardasfürstin. Neues Operettenhaus SchiSb J. 4 a. Kasseutel.: Mord.-JSl. u/.u.i Der Soldat der Marie. Residenz- Theater Ewtaoff!; Die Steiner Mädels. Kchlllcr-Theater O '•uu.: Der WM. Sganarell. Schlllcr-Th. Cbarlottenb. 7'/, uhr; Der Blbllotliekar. Thalla-Thcatcr [sMin.: DasVagabündenmädel. Theater cm Biollcndorlpl. 7'/: u.: Die ßulasclikanone, Theater des Westens 7«/, u.: stolze Thea. Trlanon-Theater tv, uhr: Jägerblut. Zirkus A, Schumann I Täglich abends 71/, Uhr: Das neue Programm. Sabero Das Näticl der Welt! Der Bankraub! 10 wcilcre Schlager und Das8vsz'lludsH Sonntag L Aorstellitnacn: 31/, und 71/, Uhr. 9iochmfttag8 1 Äind fvril Billch GewerK fchastshans. TägL T'/j Sonnt. 9'/, u. 7'/, GarUpielderSehlieFSeer mit Xaver Tcrofa!. „St. Georg, der Drachenlöter". Morgen dieselbe VorsfeUung. Sonntag, 6. Mai, 3'/,; ,Der Herrgottschnltzer' IftGG Kurzes Uastspicl! | Joseph Plaut | dazu der glhnzcnde Mai-Spielplan! Sfpolfo PRIBPRICKSTR-AN• OER- KOCHST«- Allabendlich 7'/, Uhr; Das vielseitige Yariet�-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr oeSHiiat Reielisiiallen-Theater. Stettloer Sänger. Cabarei „Feid- graw" Llniang 7'/, Uhr. Ab Sonnabend, den S. Mai, täglich 7'/» Uhr wieder Zirkus-Yorsteilungen mit dem neuen Maiprogramm: 3 Geschwister Diek, Pir-puefton an freistehenden Leitern. Alfons GolBior und Partnerin. Hubertus und Ollaw, luitürlicho Tiers timuionnaühahmungon in höchster Vollendung. Verlängert! Leo Rauch in der rollenden Feuerkugel u. d. übrig, vorzügl. X Ummern. 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