Ar. TZ2. 34. Jahrs. flbonnementS'Bedlngungen: KtoratKucntä- Btctä vrtnlwicicni», Siettcljä�rl S,90 MI. monatl 1,30 MI. mödiciulidi£0 Big rtei mZ Haus. Einzelne Nunune: b Pig, BoraUagS. Nummer mit ülufincrtet LomtiugS- Beilage.Die Neue Bell* 10 Pl«. Polt. eibotmemcnt: 1,30 Marl sto SSIonat teingctragcn in die Sau• geitungS. Lretsliile. Unter krsuzdaiid für Dcmichiand und Oesterreich- Ungarn LdO Mar!, für daZ übrtge Ausland « Mar! vro Monar VoitadonneinentS nehnien an Belgien, Dänetnarü Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Numänien. Schweden und die Schweis kklilieidl täglich. ( S Pfennig) Sie InlertionS'Gcbiihr Wrflgl für die scch Zgefdaltene Kolon ei» f-ile oder deren Raum öll Pig., für Kii tische tmd gcwcn'schaftliche Bereius- und Versammlungs- Anzeigen 3V Pig. »kll-in- Znr-igen", das'cugedruckie Wort 20 Pig. izuläsftg 2 feiigedcuck c Wort es, jede» weitere ZLe-r 10 P-q. Stellengesuche und Schlasilellemm. »eigen das erile Wort 10 P>g.. feded «eitere Bort LPfg. Borte über lS Ptun' llaben zählen mr zwei Borte. Füsetnie fiir die nächste Nummer«län«! lr.a I» Uhr nachmiiiagö in der Erveditien »ogegeben werden. Die Exvedilion tu bis 7 Uhr abend- geöffnet. Vevlinev DolKsNAkk. Pelegramm'Wreffe: .!sxili!i!emol!»l keeiig". ZcntraXorgan der fozialdemokrati fehen Partei Dcutfchlands. Neöaktion: EW. v8, LiaSenstraße Z. Fernivrecher: Amt Moridplab, Nr. 131 90—151 97. Sonnabend, de« 5. Mai 1Ö17. Ezweüttwn; EW. öS, Lwöenstraße 3. slserniyrecbsr: Amt Morivplatz, Nr. 131 90—131 97. ver englische Mturm abermals erfolglos. Englischer Durchbruchsbersuch zwischen Acheville und O>,ueant gescheitert— Der Kamps dauert sort— Artillerieschlacht nördlich Soissons-Reims— Vergebliche französische Angriffe bei Vraye und Eraonne— Russenangriffe im Snfitatal. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 4. Mai 1917.(W.?. SB.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. An der ArraS-Front ist zwischen Acheville und Qusant auf 30 Rilomctcr SBreitc ein neuer englischer Durchbruchsvcrsuch von 16 bis 17 Divisionen nach stärkster artilleristischer idraftcntfaltung gescheitert. SBon Tagesgrauca bis spät in die Nacht brache» die wieder- holt gcsührtea Angriffe der Engländer vor unseren Linie» und in unseren Gegenstößen zusammen. Nur in Fresnoy ist der Fciud eingedrungen. Bei Bullccourt find ihm lleiue Delle unseres vordersten Grabens verbliebeu. Ter Kampf geht heute früh weiter. Die Haltung unserer Truppen war wieder unübertrcffbar. Außer schwere» blutige» Lcrlufteu büßte der Feind über 1000 Gefangene ein. Die Bereitstellung starker englischer Kavallerie südöstlich von At-raö zeigt, welche Hoffnungen die Engländer auf diesen Angriff gesellt hatte». Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nördlich der Linie Soissons— SNcims ist die Artillericschlacht in vollem Gang. Z» besonderer Heftigkeit steigerte sie fich zwischen der Aisne und dem Brimont; durch unsere Batterien wurden die hier angefüllten feindlichen Gräben unter Ber- nichtungsfeucr genommen. Laou wurde erneut durch die Fran- zvscn beschossen. Bei und westlich Brahe sowie am Winterberg(westlich von Eraonne) brachen mehrere französische Augriffe im Feuer unserer Infanterie und Artillerie verlustreich zusammen. Heeresgruppe Herzog Albrrcht. Keine besonderen Ereignisse. Bei günstiger Witterung herrschte auf de« westliche» Kriegs- schauplatz rege Fliegertätigkeit. Battcriestellungen, Lahnanlagen. Lager und Munitiousdcpots bei Arras und südlich der Aisuc wurden durch unsere Flieger erfolgreich mit Bomben belegt. Der Feind verlor 10 Flugzeuge. Oestlicher Kriegsschauplatz. In den Karpathen griffen drei russische Batailloue ohne jede» Erfolg unsere Stellung nördlich des Sufita-Tals an. Mazedonische Frovt. Zwischen Prespa-See und der Eerna, beiderseits des Barbar und an der Struma lebte die Artillerictätigkeit zeitweise auf. Ter Erste Generalqnartirrmristcr. Ludendorff. Abendbericht. S e r l i u, a ui t l i ch, 4. Mai abends. Au der A r r a s f r o n t silld beiderseits Bulle- court englische, an der Aisncfrout zwischeu Barry-au°Bac und B r i m o u t starke frauzösische Augriffe abgeschlagen. Im Osten keine besonderen Ereignisse. Der österreichische Bericht. Wien, 1. Mai 1917.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautvart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalober st Erzherzog Joseph. Gestern abend brach der Angriff eines■ russischen Regiments vor unsere» Stellungen nördlich des S u s i t a- T a l s znsammen. An der übrige» Front ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Au der ganze» Front die üblichen Artillerie- und Minen- werferkämpsc. Bei G ö r z versuchte der Feind eine« Gasangriff. Dank der Wachsamkeit unserer Truppen und der Güte unserer Schutz- mittel mißlaug der Angriff, der uns keine Verluste brachte. Unsere braven Flieger schösse» gestern im Luftkampf drei feindliche Apparate über der Karsthochfiäche und einen bei Flitsch ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nicht? Neues. Der Stellvertreter des EhefS bcS Generalstabrs v. Hoefer, Feldmarfchallruwant. Ereignisse zur See. Am Abeud des 3. Mai belegten nnscre Seeflugzeuge daS Pumpwerk von Codigoro im Gebiet der Pomünduug mit Bomben und kehrte« ohne Verluste zurück. Am selben Abend wiederholte» andere Seeflugzeug-Gcschwadcr die Angriffe auf mllitärische Anlagen von Villa Viceutiua und von B a l» n a mit beobachtetem Erfolg. In Balona entstand hier- durch ei» riesiger Braud, der von heftige» Explosionen begleitet und auf mehr als 50 Seemeile» zu sehen war! Trotz heftigen Abwehrfeuers sind alle Flugzeuge unversehrt zurückgekehrt. Bombenwürfe feindlicher Flieger im Räume von Trieft verursachten nur unbedeutenden Schade». Flotteukommand». Nach Stockholm! Allgemeine Konferenz erst am 10. Juni. Svenska Telegrammbyran versendet folgende bedeutsame Meldung vom 4. Mai: Der holländischen Delegation der sozialistischen Internationale, die die Initiative zur Stockholmer Konferenz> ergriffen hatte, hat sich die schwedische Delegation angeschlossen. In vollem Einverständnis mit dieser wurde beschlossen, die anderen standinavischen sozialistischen Parteien von Norwegen und Däne- mark gleichermaßen einzuladen, je einen Vertreter abzuordnen, um sich an den dauernden Arbeiten zu beteiligen. Als Antwort auf das Telegramm eines französischen Delegierten wurde beschlossen, daß besondere Konferenzen der Ausschüsse mit den verschiedenen Delegationen der übrige» Par- teic« vom 15. Mai ab stattfinden sollen. Diese Delegationen sollen aber volle Freiheit hinsichtlich der Teilnahme an der allgemeinen Konferenz habe», die n i ch t v o r d c»r 1 0. I u n i stattfanden wird, um den der Internationale«»geschlossenen Parteien die Möglichkeit zu geben, die durch die letzten Ereignisse geschaffene Lage zu prüfen. Mit anderen Worten, dem Wunsch der französischen Min- derheit, die allgemeine Konferenz erst am 40. Juni abzuhalten, ist willfahrt worden. Inzwischen, am 27.. Mai, tritt der sozia- listische Nationalrat in Paris zusammen, der die Möglichkeit hat, den Äblehnungsbeschlusi des Parteivorstandes zu korri- gieren. Im„Journal du Peuple" veröffentlicht D e l e p i n e von der Minderheit einen durch Zensurlücken stark verstümmelten Artikel, in dem er ausspricht, daß die Minderheit durch die aus sie gefallene Verantwortung tief erregt sei. Selbst ange- nommen, wie die Mehrheit sage, Stockholm sei ein deutsches Manöver(!). so dürften, wvjich die Proletarier vereinigten. die Franzosen nicht fehlen. Sollten die deutschen Sozialdemo- kratcn einen schlimmen Streich vorhaben, so müßten die Fran- zoscn ihn entlarven und unschädlich inachen. Im„Droit du Peuple" spricht Mistral seine Heber» zeugung aus, daß die Franzosen in Stockholm, wo Belgier, Russen, Italiener vertreten sein würden, nicht fehlen dürsten. Mistral schließt: „Wer möchte bestreiten, daß cS eine gebieterische Notwendig- keit ist,.Delegierte nach Stockholm zu senden? Will der Vorstand die Verantwortung dafür nicht übernehmen, so berufe er einen Kon- gretz— aber es ist die allerhöchste Zeit!" Vandervclde sträubt sich. London, 3. Mai.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Van- dervelde, der Präsident des Internationalen sozialistischen Bureaus, stellt unbedingt die Meldung in Abrede, daß er im Begriff sei, mit seinem Sekretär Huysmans an der am 15. Mai in Stockholm stattfindenden sozialistischen Konferenz tcilzunch- m en. Die Stockholmer Konferenz sei auf ihren eigenen Entschluß von den holländischen Delegierten einberufen worden, die sür die Dauer des Krieges zeitweilig dem Ausführenden Ausschuß der Internationale zugeteilt worden seien. Weder der Präsident des Internationalen Sozialistischen Bureaus noch die beiden anderen ständigen Mitglieder des Ausführenden Ausschusses, Ansecle und SBcrtrand seien gefragt worden. Vandervclde wird in Erfüllung des Mandats der belgischen Arbeiterpartei an der Stock- holmer Konferenz nicht teilnehmen. Die Bulgaren unterwegs. Sofia, 3. Mai.(Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agen- tur.) Die bulgarischen sozialistischen Delegierten Saksow, Drjidrow, Sakarow und Janulow, die an den Beratungen der Sozialisten- Konferenz in Stockholm teilnehmen, sind heute mit dem Balkanzug abgereist. Sie werden auf der Reise in den Verbündeten Haupt- städten Aufenthalt nehmen, um sich mit den österreichisch-ungarischen und den deutschen Genossen zu besprechen. Zwei weitere Delegierte, Zankow und Pastuschow, reisen am Sonntag ab. Das /irbcitskammergefetz. Von N o b e r t S ch m i d t. Das Asrbeitskammergesetz gehörk in der Reihe der Fvr- derungc�,' die bei einer Neugestaltung der politischeir Per- hältniise wichtig sind. Wir haben es hier mit einem alten oft wiederholten Verlangen der sozialdemokratischen Partei zu.tun, die zuerst im Jahre 1877 im Reichstag durch einen Antrag Fritzsche-Bebel die Einbringung eines Arbeitskammer- Gesetzes in Verbindung mit einem Arbeitsamt forderte. Festere Gestalt nahm die Forderung in einein ausgearbeiteten Gesetz- entwurs der sozialdemokratischen Fraktion in der Session 1882/80 an, in dem die Organisation eines Reichsarbeitsamts mit der Angliederung von Arbeitsämtern in den einzelnen Bezirken und Arbeitskammern in Vorschlag gebracht wurde. Die Tätigkeit des Arbeitsamts sollte verknüpft werden mit dein Arbeitsnachweis. Die Arbeitskammern sollten. insbesondere auch Minimallöhne festsetzen und Schiedsgerichte bilden, die bei Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitern als Einigvngsamt wirkten. Als Aufgaben sollten serner den Arbeitskammern überwiesen, werden die Untersuchung über die Wirkung von Handels- und Schiffahrts- Herträgen, Zöllen, Steuern, Aufstellung von Angaben über Lohnhöhe, Lebensmittel- und Mietpreise, Gesnndhcits- und Sterblichkeitsverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Die Arbeitskammern sollten ferner Beschwerden über Mißstände im gelverblichen Leben zur Kenntnis der Behörden bringen und Gutachten über Maßregeln und Gesetzentwürfe abgeben, die das wirtschaftliche Leben ihres Bezirks berühren. Tie Anregungen zu einer solchen Organisation und die Debatten -im Reichstag über die Frage sind nicht. ohne Nutzen gewesen. Auch in bürgerlichen Kreisen hat man der Frage der Arbeits- kammern in der Folgezeit eine erhöhte Bedeutung beigelegt. Die ersten Anregungen liegen mithin weit zurück. Inzwischen haben andere große Berufsstände ihre Vertretung erhalten, so der Handel und das Handwerk in der Handels- und Gewcrbekammer, die Landwirtschaft in den Ländwirt. schastskarnrnern. Die Arbeiterschaft und die Angestellten sind bei allen diesen Einrichtungen leer ausgegangen. Die sozialdemokratische Partei hat deshalb auch Bedenken getragen, die paritätische Zusammensetzung in der Arbeitskammer weiter aufrechtzuerhalten, da ja das Unternehmertum im Handel und Gewerbe und in der Landwirtschaft in den bereits genannten Korporationen seine Interessenvertretung hat. Es wird nur recht und billig sein, wenn auch die Arbeiterschost, unbeeinflußt durch die Mitwirkung des Unternehmers, ihre sozialpolitischen Interessen in einer reinen Arbeiterkammer geltend machen kann.- Die paritätische Zusammensetzung birgt immer die Gefahr, daß mit einer schwachen Majorität nach dieser oder jener Seite die Entscheidung jällt und damit ein wirklicher Meinungsausdruck der Arbeiter oder Angestellten- forderungen gar nicht zur Geltung kommt. Ans dem Grunde hat auch der Gesetzentwurf, der 1908 von der Regierung dem Reichstag unterbreitet wurde und bei feiner Wiederholung im Jähre 1910 in der zweiten Lesung im Reichstag stecken blieb, keine große Begeisterung ausgelöst. Und wenn heute die Bemühungen im Gange sind, diesen alten Gesetzentwurf unbesehen einzubringen und zu verabschieden, so werden wohl von der sozialdemokratischen Fraktion hiergegen Bedenken nicht unterdrückt werden können. Der Gesetzentwurf bot in der Art, wie er die Organisation der Arbeltskammern durchführen wollte, gerade kein günstiges Feld für die Organisaftonsbetätigung. Ein Grund- fehler des damaligen Entwurfs war es, die Organisation nach beruflicher Gliederung'zu gestalten. Damit wäre eine Zer- splittcrung der Organisation herbeigeführt und ihre. Lebensfähigkeit sehr in Frage gestellt. Um so mehr muß diese Zer- splitterung nach Berufsgruppen als unzweckmäßig bezeichnet werden, da ja die Handels- und Gewerbekannnern, in denen die Unternehmer ihre Vertretung erlangt haben, diese. Sße- russgliederung nicht kennen, es sei denn, daß in der Kammer selbst für die einzelnen Berufe besondere Abteilungen gebildet werden: eine Organisationseinrichtung, die in der gleichen Weife auch der Arbeitskamincr eingefügt werden kann. Es wird darauf nicht verzichtet werden können. Noch ein- mal nachzuprüfen, ob nicht die Funktionen der Arbeits- kammern erweitert werden müssen. So wäre bei der praktischen Handhabung der Arbeiterschutzgesetze eine Mitwirkung sicherzustellen und eine enge Verbindung mit der Fabrik- inspektion sehr von Nutzen. Die Herabdrücknng der Slrbeits- kammer zu einer rein gutachtlichen Tätigkeit entspricht nickzt mehr den heutigen Verhältnissen und das ganz nebenbei ein- gefügte Einigungsanit entbehrt der eigentlichen Grundlage. Bei der Erörterung der Frage wird man auch den Streit- Punkt nicht ausschalten können, ob nicht sür alle Berufe der Angestellten eine Vertretung in der Arbeitskanimer oufzu- nehmen ist. Das kann geschehen in der Art, wie es der alte Entwurf für die Werkmeister, Techniker, Betriebsbeamte vorsah. die ihre Vertretung besonders bestimmen sollten und chis ■eigenen Angelegenheiten in einer besonderen Abteilung erledigen konnten. Die Au ichließung der Handlungsgehitsen aus der Organisation mit oer Vertröstung, für sie würde eine besondere �tandesorggiiisation gesckiaffen, ioürde nur das Durcheinander der ganzen Organisatum vermehre«:, dem Standesdünkel Konzessionen machen, ohne dasz sozialpolitisch cill Gewinn erzielt«vurde. � Das Gesetz ist im Jahre ItUf) im Reichstag an zwei Ttreitsragen gescheitert, die der Regierung den Vorwand gaben, die Vorlage verschwinden zu lassen. Es bandelte sich zunächst um den Anchchliis; der Eisenbahnwerkstättenarbeiter miS der Vertretung. Ter Reichstag hatte den entgegengesetzten Standpunkt eingenommen, während die Regierring in der engherzigen Auffassung bebarrtc, das; Die Arbeiter in den Staatsbetrieben keiner Vertretung in den ArbeitLkanWiern bedürfen. Tie zweite Streitfrage, die zu sehr langen Aus- einandecsetzungen im Zleichstag Anlaß bot, war die Mglich- feit der Wahl von Angestellten der Arbeiterorganisationen. Man hatte sicli«in Reichstag schließlich dahin geeinigt, diesem Verlangen stattzugeben, niit der Begrenzung, daß hodsstens bis zu einem Viertel der Mitglieder der Arbeitskammer Angestellte der Organisation sein dürfen. Diese Frage hatte vom Standpunkt der Arbeiter eine ganz besondere Bedeutung, da daS Gesetz den Unternehmern die Möglichkeit bot, ihre Angestellten als Vertreter in die Arbeitstainmer zu entsenden. Man mußte befürchten, daß bei der starken Abhängigkeit der Arbeiter, besonders in den Bezirken der Großindustrie,?s nicht möglich sein würde, frei und unabhängig zu verHandel». Dazu kam, daß den von den llnternehmeru gewählten Vertretern gegenüber die Arbeiter nicht immer die gleiche Geschicklichkeit in der Vertretung ihrer Interessen entwickeln konnten, und somit die Position der Arbeiter sich nicht gerade günstig gestaltet hätte. Vielleicht dürfen wir jetzt annehmen, daß die Regierung ihren Widerstand aufgegeben hat und die damals geltend geinachten Wünsche des Reichstags akzeptiert. Ter Gesetzentwurf von« Jahre lstlO ist in der Zwischenzeit zun« Teil überholt, und wenn es sich nicht auch um Einrichtungen bandelt, die der Arbeiterschaft zum Schaden gereichen, so ist doch der Nutzen, den das Gesetz bot. sehr gering. Wenn wir sehen, mit welcher Entschiedenheit heute die Landwirt- schafts- und Handelskammern in allen das Unternehmertum interessierenden Fragen Stellung nehmen, wie in diesen Korporationen Arbeiter und Angestellte überhaupt nicht zur Geltung kommen, dann kann eS feinem Zweifel unterliegen, daß ein Bedürfnis besteht, auch eine Vertretung der Arbeiter und Angestellten zu hoben, die ihre nicht selten widersprechende Auffassung zu Gehör bringen kann. Das muß aber geschehen in einer Organisation, die mit ähnlichen Rechten und Befug- nissen ausgestattet ist wie die Vertretungen von Gewerbe, Handel und Landwirtschaft. Die englische Reichskriegskonferenz. Das Kolouialamt teilt mit: Die Reichskriegskonferenz, an der die leitenden Staatsmänner der großen Dominien über See teilnehmen, nähert sich dem Ende ihrer Arbeiten. Während einige der angenommenen Entschließungen nicht vor dem Ende des Krieges veröffentlicht werden können, können folgende Tatsachen jetzt bekanntgegeben werden. ES ist beachtenswert, daß alle Enlschlietzuiigeii einstimmig gefaßt wurden. Die Konferenz nahm Einichlietzungen zugunsten einer Lereinheirlichung der Waffen und M u n i» t i o n s g e g e» st ä n d e aller Teile des Reiches an, die der schweren Ärlilleris und den« Personal der verschiedenen militärischen Organe-- 'aiionen de-5 Reiches eine ähnliche Ausbildung sichern soll. Die Äon- wrenz ersuchte die Admiralität, unmittelbar nach dem Abschluß des Krieges einen wirksamen Plan zur Verteidi- gung des Reiches zur See auszuarbeiten und den aus der Konferenz vertretenen Regierungeu zur Beratung zu unterbreiten. Die Konferenz empfahl die Einberufung einer be» > andere ir SteichSlonferenz nach dem Kriege, um eitie Umgestaltung der verfassuugs mätzigen Be- ziehungen der Bestandteile des Reichs zu erwägen, die eine ständige Beratung und einheitliches Handeln in allen wichtigen Angelegenheiten von geineinsamem Interesse schaffen würde. Die Konferenz verlangt dringend, die Bürgerrechts- u erleih u»g im ganzen Reiche gleich mätzig zu be- d a n d e l». Sie erllärt es für wünschenswert, in London eine Rsichsstelle für Erzvorkommen in den Bestandteilen des Reiches ein- zurichten und Matzregeln zu ergreifen, sie nutzbar zu machen, um die Mctallbedürfnisse deS Reichs zu befriedigen. Die Konferenz betonte ini Hinblick auf die ini gegenwärtigen Kriege gewonnenen Erfahrungen die Bedeutung einheitlichen Handelns: Erstens zur Entwicklung einer angemessenen Fähigkeil. Material für Flotte und Heer. Munition sowie Nahrungsmittel in allen wichtigen Teilen des Reiches zu erzeugen. Zweitens zur Verfügung über die natürlichen Hilfsmittel im Reiche, insbesondere diejenigen, die für die nötige» nationalen Zwecke im Frieden und Krieg wichtig sind, drittens zur Verarbeitung dieser natürlichen Hilfsmittel innerhalb de» Reiche?. Diu Konferenz nahm außerdem folgende Entschließung an, deren Hauptpunkte vor kurzem in der G u i l d- hall- Rede Lloyd Georges angelündigt worden sind: Die Zeit ist gekommen, da der Entwicklung der Hilfsmittel des Reiches jede mögliche Unterstützung gewährt werde» sollte, besonders, um das Reich bezüglich Nahrungsmittel, Rohstoffe und wichtiger Industrien unabhängig von anderen Ländern zu machen. Angesichts dieser Ziele hat sich die Konferenz für den Grundsatz ausgesprochen, datz jeder Teil des Reiches, bei schuldiger Rücksichr aus die Jnleressen der Alliierlen, den Erzeugnissen und Fabrilaten anderer Teile des Reiches eine besonders günstige Behandlung und Erleichterungen zuteil werden lassen soll, durch die diejeuigeii, die aus dem Vereinigten Königreich auszuwandern be- »bsichtigen, veranlaßt werden könnten, sich in Ländern unter hritischcr Flagge anzusiedeln. Die Konserenz legt ein ausdrückliches Bekenntnis zum Schutzzoll ab und will die bisherige Handels- und ErlverdSfreiheit im militärischen Interesse ein- schränken. Das schwere Problem des Bürgerrechts für das ganze Reich ist nicht gelöst worden. Die Konferenz verlangt nur seine dringende Behandlung. Die Bedeutung dieser Frage liegt vor allein darin, daß die Jndicr, die wie alle Asiaten bedürfnislose, billige Arbeiter sind, in den Dominions(Kanada, Australien, Neu- Seeland. Südafrika) aus Furcht vor einer Bedrohung deS Lebensstandards nicht einmal als Einwanderer, geschweige denn als Bürger zugelassen werden. Hier liegt eine Kardinal- frage deS Größeren Britanniens vor, von deren Lösung das Berhältnis zu Indien toesontlich mit bcstlinmt ist. Die Suüapefter Arbeiter an üen Grafen Tisza In Budapest kam es, wie wir mitteilten, am 2. Mai zu einer Kundgebung, in der die Antwort der Arbeiter auf die Erklärungen TiSznS zu dein königlichen Handschreiben Wirkung?- voll Ausdruck fand. Durchweg alle Betriebe der Stadt wurden um tl Uhr vormittags auf eine Stunde von den Ax. heitern stillgelegt und während dicfer Zeit begaben sich Abordnungen der Arbeiter zu den militärischen oder Privaien Leitern der Unternehmungen, um ihnen ein Schreiben folgenden Inhalts zu übereichen: Verehrliche Betriebsleitung! Die Arbeiter dieses Betriebes glauben mit innerer Beruhigung und der Wahrheit entsprechend feststellen zu können, daß sie die Pflichten, die ihnen der Krieg ausbürdeie, vom ersten Augenblick au bis auf den heutigen Tag ehrlich und gewissenhaft erfüllen. Eingedenk der großen Bedeutung und des hohen Werte? ihrer Arbeit wußten sie, daß sie. wenn auch nicht mit der Wassc, so doch mit dem Werkzeug in der Hand sozusagen auch im Sehützengroben stehen, wußten sie, daß sie mit jedem Hammerschlag die Waffen zur Landesverteidigung schmieden: daß sie auf Tod und Leben das Baterland verteidigen. Dieses Bewußtsein verstärkte ihr Pflichtgefühl und ihre Opfer- Willigkeit, dieses Bewußtsein mackte ihnen die Leiden, EMbebrun- gen, die das Unglück des Krieges ihnen— und in allererster Linie nur ihnen— auferlegte, erträglich. Dieses Bewußtsein— und nur dieses— wachte sie und die Arbeiter aller anderen Betriebe fähig, die Schmach der politischen Rechtlosigkeit zu ertragen. Dieses Bewußtsein— einzig nur dieses— loa; es, das sie aus dem aller- wichtigsten Wachtposten der Armee des.Hinterlandes uncrschittter- lich ausharren ließ. Und neben diesem Bewußtsein belebte sie die sichere Hoffnung und Erwartung, daß dieser Krieg nicht enden könne, ohne daß sie die elementarsten, sedoch allerwichtigsten Staats- bürgerrechte von dem Vaterland, das sie mit ihrer» Leven und mit ihrer Arbeit retten und erhalten helfen, erhalten werden. Diese Hoffnung wurde jetzt zerstört. Mit unermeßlicher Bitterkeit müssen wir feststellen, daß in den ruhmreichen Tagen der russischen Revolution, während die uitterdrücktesten Völker der Erde mit einem Schlage dollberechtigte und gleichberechtigte Bürger des russischen Staates wurden: während in Preußen das allgemeine, geheime Wahlrecht durch kaiserliches Handschreiden feier- l ich st versprockxm wurde, und wahrend beinahe allen Rationen Europas, in sämtlichen skandinavischen Staaten, in England, in Holland, da? ohnehin weitgehende Wahlrecht neuerlich erweitert wurde: in Ungarn durch königliches Handschreiben die Erweiterung des Wablrechts wohl verkündet wurde, doch in Begleitung einer solchen Regierungserklärung, die die an der Front blutenden und zu Hause arbeitenden, allerwichtigsten Faktoren, jene Gesellschaft?- klasse, der wir angehören, die Arbeiter, weiter in der politisch schmählichsten Lage beläßt und wie zum blutig herausfordernden Hohn einer Handvoll Leuten auf Crund ihrer Topferte'.tsmedaillen und Kleinbauern auf Grund des VermögeirSzensuZ ein Wahlrecht verspricht. Es ist unser fester Entschluß, die Regierung, im Falle sie nicht einsehen sollte, daß uns daS Vaterland auch als Staatsbürger not- wendig hat, im geeigneten Augenblick in bestimmtester Art hierzu zu zwingen. Roch ist es nicht zu spät! Da? königliche Handschreiben weist die Regierung an, ein Wahlrecht zu schaffen, das den großen Zeiten und den vom Volke gebrachten Opfern entspricht. Ein solches Wahlrecht fordern auch wir, und zwar unverzüglich. Zur Bekräftigung unseres Gelöbnisses, des Ernstes unserer Warnung und unserer inneren Entschlossenheit lassen wir in diesem Augenblick die Arbeit im Betrieb auf eine Stunde ruhen, legen den Hammer nieder, stellen die Räder ab: in feierlicher Stille überreichen wir dieses Schreiben. Wäh- rend wir auf Antwort warten, fließe die Arbeit wieder fort. Sollten wir einer Antwort nicht würdig befunden werden, dann nehmen wir den Kampf auf? Sämtliche Arbeiter des Betriebes. Geüämpster Trommelschlag. Mit einer auffallenden Verspätung läßt Miljukow die bekannte Erklärung der russischen Regierung vom 27. April durch die russischen Gesandten den Regierungen der der- bündeten Mächte übcrreicheir und durch eine besondere Note kommentieren, in der eS heißt: „Unsere Feinde haben sich in letzter Zeit bemüht. Zwietracht zwischen den Verbündeten zu säen, indem sie unsinnige Rachrichlen über die vorgebliche Absicht Rußland? verbreitele», einen Sondersrieden mit den Mittelmächten abzuschließen. Der Wortlaut deS beigefügten Schriftstücks wird derartige Erfindungen am besten widerlegen." Dann wird ein warmes Bekenntnis zu den von der Entente in den Vordergrund gerückten Freihcitsidealen ab- gelegt, denen auch Präsident Wilson„lichtvollen Ausdruck" verliehen habe, zu denen sich aber die alte autvkratische Re- gierung Rußlands nicht habe bekennen können. Eine andere Sprache könne das befreite Rußland führen: „Durchdrungen von dem neuen Hauche einer defreiten Demokratie, können die Erklärungen der Provisorischen Regierung natür- lich nicht den gering st e» Bvrwaud zur Schlußfolgerung gebe», daß der Zufamniensturz de? alten Gedäudes eine Per- ringerung der Anteilnahme Rußlands n» de« gemein- fameu Kampf aller Alliierten nach fich gezogen habe. Ganz im Gegenteil ist der Bvlkswille, den WeUteieg bis zum entscheidenden Siege weiterzuführen, infolge dieses G e- fühle? der Verantwortlichkeit, die heute allen und jedem einzelnen abliegt, nach verschärft worden. Dieses Bestreden tritt noch dadurch kräftiger hervor, daß es auf die dringende Auf- gäbe gerichtet ist, die jedermann so am Herzen liegt, nämlich, den Feind, der das Gebiet unseres Vaterlandes besetzt hat, zurückzu« drängen. Fm übrigen ist es selbstverständlich, das beiliegende Schriftstück sagt es ausdrücklich, daß die Provisorische Regierung, indem sie die erworbenen Rechte ihre? Vaterlandes schützt, strikt dcn gegenübco den Verbündeten Rußlands über« uvmmenen Verpflichtungen treu bleiben wird. Fest von dem siegreichen Ausgange des gegenwärtigen Krieges über- zeugt und in vollkommener Uebereinftimmniig mit d e n A 11 i i e r t e n, ist die Provisorische Regierung ebenso sicher, daß die durch den Krieg aufgeworfenen Probleme im Sinne der Schaffung eine? dauerhaften Friedens auf fester Grundlage gelöst werden werden; ferner, daß die von den gleiche» Bestrebungen erfüllte» alliierte« Demokratie» das Mittel finden werden, die notwendigen Bürgschaften und Genugtuungen zu erhalten, um in der Zukunft einer Wieder- holung blutiger Zusammenstöße vorzubeugen.' Miljukolo bedient sich der von der Entente beliebten Redewendungen. Mancher Ausdruck erinnert an die berüch- tigtc Antwort an Wilson:„Bürgschaften",„Genugtumigeu", „Krieg bis zum entscheidenden Sieg". Aber der einstmals ii) öiegerische Klang der großen Trommel ist merk- lich gedämpft.„Genugtuung" ist ein sehr weiter Begriff, der sehr wenig und sehr viel sagen und 'elbst als Lerlegenheitsphrase gebraucht werden kann. „ Bürgschafte n" gegen frechen Angriff und „Schaffung eines dauernden Friedens"»st das gemeinsame Ziel aller Kriegführenden. Von Annexio- n e n schweigt des Sängers Höflichkeit. Die hochfliegenden Kriegszielc der Oktobristen und Kadetten sind mit vor- fichtigem Schweigen übergangen, von der Russifizierung der Dardanellen ist keine Rede. Mag auch die Sprache gelegentlich an die beliebten Redctoendungen der ententistischen Noten- und Zeitungsschreiber anklingen. ihr Inhalt ist am nächsten verwandt dcn Friedens- zielen der deutschen Sozialdemokraten und der in Deutschland leider übersehenen Kundgebung des östcr» r e i ch i s ch e n I n d u st r i e l l e n v e r b a n d e s. der die Politik des Grafen C z e r n i n ausdrücklich billigt und fiel, in schroffem Gegensatz zu den deutschen Industriellen- verbänden den sozialdemokratischen Friedenszielen nähen. Unzweifelhaft ist, daß sich Miljukow dem Arbeiter- und Soldatcndelcgiertenrat angepaßt hat, zu dem ihn seine Kriege- Psychose bereits in einen so scharfen Gegensatz gebracht hatte. daß bereits Gerüchte von der Demission dieses stärksten SlurmIäuferS des russischen Bürgertums gegen daS alte Regime aufgeflattert waren. (Siehe auch letzt e Nachrichten.) Das chinestfche Ministerium für Krieg. Peking, o. Mai. Neutcrmeldung. Das Kabinett hat einstimmig einen Beschluß zugunsten einer sofoxti- gen Kriegserklärung an Deutschland gefaßt. Gebeimsttzungen im englischen Unterhaus. Amsterdam, i. Mai. Nach dem„Algemeen Handelsblad" hat Bonar Law im Unterbaust für Donnerstag"eine esitzung unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit(Privat Session) ange- kündigt. Er sagte, die Regierung werde noch in Erwägung ziehen, ob diese geheime Sitzung eventuell über m e hrerc Tage ausgedehnt werden soll. Außerdem teilte er mit, daß, wenn es möglich sein würde, nächste Woche eine Erklärung über die irische Frage abzugeben, der Freitag dafür in Betracht kommen werde. Vereins- unü Versammlungsfreiheit in Rußland. Petersburg, S. Mai.(Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur.) Eine Verordnung der Provisorischen Regierung gewährt der Bevölkerung Vereins- und Versamm- lungsfreihcit. Griechenland muß Kriegsschiffe an venizelos abtreten. Saloniki,-t. Mai. Meldung der Agencs Havas. Gemäß einer Entscheidung der französischen Regierung werden zwei griechische Torpedobootszerstörcr der provisorischen Regie- rung übergeben werden. Sie werden griechische Offiziere und Bemannungen au Bord haben und dcn Verkehr der provisorischen Regierung mit den ihr unterstehenden Inseln übernehmen._ Die vierte Durchbruchsschlacht bei �rras. Berlin, 4. Mai. W.T.B. Mit dem Aufwände eine» gewaltigen Heere» von 300 OOO Mann versuchten die Engländer abermals verzed- lich in verzweifelter Riesenschlacht den entscheidenden Turchhruch zu er- zwingen. Geschwader von Panzerwagen, starke englische Kavallerie- maßen und Reserven an Jnfauteric waren bereitgestellt, um in dem Augenblick nachzustoßen, da die deutsche PerteidigungSmauer durchbrochen war. Mit ungeheuren blutigen Verlusten, mehr als 1000 Gefangenen, einer großen Anzahl vernichteter Panzerwagen und zerschossener Batterien bezahlte der Feind dcn völlig ergebnislosen Angriff. Die gesamte deutsche Front wurde behauptet, nur auf dem Nordflügel vermochten die Engländer östlich Ärleux einige 100 Meter auf FreSnoy vorzudringen. Vormittag?. Mit Tausenden von Geschützen, schweren und schwersten Kalibers, und einem Hagel von Minen hatten die Eng- lfinder versucht, die wieder und wieder vergeblich berannte deutsche Stellung smrmreif zu trommeln. Um 5 Uhr 30 vormittags brachen die ersten massierten feindlichen Sttirmhaiifen, geführt von Tanl- geschwadern. auf einer Breite von rund 30 Kilometern von Achr- ville bis Ouiant beiderseits der Scarpc gegen unsere Stellungen vor. Die ersten Augriffsmasscn erlitten in dem rasenden deutschen Feuerwirbel ganz unerhörte Verluste, die der Engländer durch rasch herangeführte Divisionen wieder aufzufüllen versuchte. Im ersten Wütenden Anprall gelang es dem Gegner, sich in FreSnoy und R o e u r festzusetzen, während er an andere» Stellen, wo er vor- übergehend in unseren vordersten Graben eindrang, im Gegenstoß sofort wieder geworfen wurde. An einzelnen Frontabschnitten lvur- den die Angreifer niit Handgranaten zurückgetrieben. Um die Stellungen dicht nördlich der Chaussee ArraS-Cambrai bis westlich Ehcrisy hinunter tobte am Vormittag ein erbitterter Kampf. Auch weiter südlich waren am Vormittag die Kämpfe um die erste Linie noch im Gange. Wieder und wieder zogen die Engländer abgekämpfte und zusammengeschossene Divisionen zurück und warfen neue in die Setilacht, während die deutsche Infanterie in crviitcrteu Anstürmen au» eigener Kraft ohne herangeführte Unterstützungen und Reserven trotzte. Schon am Vormittag blieben mehrere 100 Gefangene in unserer Hand. Mittags. Die Schlacht tobte noch auf der ganzen Front mit größter Heftigkeit. Abends. Ter neue große Turchbruchsvernich der Engländer ist abermals volllommen gescheitert. Die englischen Verluste über- steigen jede? schätzbare Maß. In FreSnoy wurde noch bis spat in die Nacht gerungen, wo auf einzelnen schmalen Stellen in vor- derstcr Linie sich noch Engländernestcr befanden, wurden erfolgreiche Gegenangriffe unternommen. Bor dem Einbruch der Nacht setzte der Gegner zum fünften großen Angriff auf das Dorf Oppy qa. Er erlitt dort abermal? eine neue blutige Niederlage. Um Mit- ter nacht berannten die Engländer nochmals da» Dorf Chcrisn. Zum Teil eingedrungen wurden sie im nächtlichen Handgranaten- kämpf unter schweren Verlusten wieder hinauSgelvorsen. Tie heiß« umkämpften Dörfer Oppn, Roenx, Cherisy sind in unserer Hand. Auch weiter südlich blieben nächtliche Tcilangrisie erfolglos. Um 4 Uhr 30 vormittag» entbrannten bei der Säuberung eines CngländerncsteS in der Gegend von Bullecourt, nach heftigem Trsmnielfeuer, dort abermals neue Kämpfe, die noch nicht abge- schlössen sind. Der neue geivaltige Schlachttag ist ein voller Sieg der deutschen Waffen, insbesondere der Infanterie. Feindliche Kriegsberichte. Englischer Heeresbericht vom 3. Mai. An der ganzen Front von der Hindeuburglüiie südlich vom Sensee-Fluß bis nach A ch e v i l I e und der Straße von L i in y hin fanden schwere Kämpfe statt. Unsere Truppen machten Fortschritte und nahmen eine Anzahl feindlicher Stellungen.— Abends. Arn ganzen Tage heftiger Kampf. Der Feind verwandte starke Reserven und machte fast an der ganzen Front wiederholte Gegenangriffe. Ec erlitt schwere Verluste durch unser Feuer. Wir drangen in den Abschnitt der Hindenburglinie westlich von Ol u s a n l ein und machten Fortschritte in der Nachbarschaft von Cherisy. Wir nahmen FreSnoy und islellungen südlich und nördlich davon in einer Frontbreite von zwei Meilen. Wir faßten Fuß in Gräben nördlich von Oppy und machten einige hundert Gefangene. Französischer Heeresbericht vom 3. Mai. Nachmittags. Artillcriclätigteu und zahlreiche Zusatmucustöße von Er- lundungZabteilunaen im ganzen Gebiet des Che«in des D a m c Z. In der Champagne schlugen wir feindliche Hand- sireiche im Walde westlich von Munt Cornillet und auf den Höhen östlich vom Hochberge ab. In der letzteren Gegend überlvälligten wir eine feindliche Stellung, in der noch Widersland geleistet wurde; ihre Besatzung wurde gefangen genommen. Neun Offiziere und 210 Mann blieben in unserer Hand. Äuf dem linken MaaS- u f e r drangen einige unserer Abteilungen in feindliche Gräben i-n Walde von Avocourl. Aus dem rechten liier Palrouillenkäinpfe bei Damloup und Bezonvaux. l-eilweilig»- Geschutzseucr an mehreren Stellen der Front, namentlich im Abschnitt von St. Mihiel. L o m o. Mai a b c ir d Z. Ziemlich heftige Arlillerietätigkcit in einigen Abschnitten der A i ö n e- F r o n t. Die Deutschen haben Reims tagsüber sehr heftig bcfchosicu. In der Gegend von Brahe c n Aa on» vi s brachte eine unserer Erkundungsabteilungen von einem Vorslotz rn die deutschen ltinien Gefangene zurück. IN der Champagne Artillerickanivs mit Unterbrechungen, keine In- fanlerietäligkeit. Ucberall sonst ruhiger Tag. In der Nachr vom 29. zum SO. April bat eine? unserer Ge- tchwader den Babnboi und Fabriken von Dicdenhoien mit Boniben belegt. Am Morgen deS 1. Mqi warfen unsere Flugzeuge 920 Kilogramm Geschosse auf den Flugplatz von S i s s o n n e-5. In der folgenden Nacht wurde das gleiche Vager mit 2000 Kilo- gramm Sprengstoffen belegt. Ei» großer Brand wurde in den Schuppen beobachtet. der Krieg auf öen Meeren. Abermals SbOW Tonnen. Berlin, 4. Mai. A m t l i ck>. 18 Handelsschiffe mit ins- flesamt"6 Wst Brutto-Reg.-Tonncn, davon acht m i t 2 45 00 Brutto-Reg.-Tonnen, lourdoit} nt E n g l i- i rf) e n fi a n a I versenkt. Unter den vernichteten Schiffen befanden sicki u. a. folgende: Ein durch Zerstörer gesicherter grober Transportdompfer von etwa 11 000 Tonnen, der am 25. April südlich Lizard versenkt wurde, die ciiglischen bewaffneten Dampfer Beemah mit 8500 Tonnen Kohlen nach Italien, Alfalfa mit 4000 Tonnen Kohlen für die englische Mittelmeerflotte, die englischen � Plf r Towergate(8097 Tonnen), Ladung Baumwolle, und Abosso<7782 Tonnen) ans der Fabrt nach England, englischer Tankdamps�er•aan Hilario mit 18 000 Tonnen Schweröl von Amerika nach E ngland. die englischen Segler Ellen Harrison mit Kohlen für Frankreich und Mermaid, englischer Fisch- lutter Purfue, französischer D r e i m a st s ch o n e r Marie Blanche, die� russischen Barken Epdymion(1845 Tonnen) und August(1500 Tonnen), Ladung Holz nach England, russischer Schoner EbrgliS mit Holz nach England und ein unbekannter großer abgeblendeter Tankdamvfer mit Kurs nach Le Havre. der nördlich Borfleur aus dem Geleitzng herausgeschossen wurde und in lvenigen Sekunden unter schwerer Explosion in die Luft flog. Ter Kapitän des englischen Dampfers San Hilario, der gegen das U-Boot ein längeres Artillcriegefecht geführt hatte, wurde gefangen genommen. ZudenfrüherbekanntgegebenenU-Boots- Erfolgen sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Englischer Dampfer Avozet(1219 Tonnen) mit Kork von Amerika nach England, Emma mit 3000 Tonnen Mais von Baltimore nach Glasgow, Diadem kein Neubau von 4500 Tonnen) mit 6200 Tonnen Mais von Rangoon nach London, Oswald mit etwa 7000 Tonnen Schwefel von Amerika nach England, Dykland(4291 Tonnen) mit Holz von Halifax nach Falmouth und Sivanmore(6373 Tonnen). Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Englischer Truppenöampfer vernichtet. London, 3. Mai. Die Admiralität teilt mit: Der britische Transportdampfer A r c a d i a n(8939 To.) m i t ? r n p p e u a» B o r d, ist am 15. April im östlichen Rittelmeer torpediert worden und binnen 5 Minutkn ge- snnkeu. 279 Manu werden vermißt und sind vermutlich er- trunken. Die Repreffalien gegen öie Versenkung von hospitalsthiffen London, 3. Mai.(Reutermeldimg.) Oberhaus. In Beantwortung eines Einspruchs, der vom Erzbischof von Canter- vury und anderen gegen die WiedervergeltnngSmaßregeln gegen deutsche Gewalttätigkeiten erhoben wurde, sagte Lord E u r z o n: Die Deiilscken versuchten die Berienkung von Haipitalschiffen damit zu rechlscrligen, daß sie zum Transport von Truppen und Munitioü benutzt würden. Dies sei durchaus unbegründet. Die Regierung habe ebenso ivie Frankreich das Gefühl gehabt, daß es keine andere Wahl gebe, als zu Bcrgeltungömaßregcln überzugehen. Frankreich habe viel kräftigere Schrille geian als Großbritannien. es habe onqekündigt, daß es d rutsche Gefangene an Bord der tranzöstschen Hospilalschlstc nehmen werde. Man kann noch nicht lagen, ob die BergelrungSmaßregeln Erfolg gehabt hätten, aber seit dem Fliegerangriff auf Freiburg sei nur ein H o i p i t a 1 s ch t f t a n g e g r i f f c n worden. Lord Eurzon schloß: Was getan wurde, war nicht ein Akt der Bestrafung oder Rache, sondern eine Vorsichtsmaßregel für die Ankunft im Interesse unseres Volkes. Der Erzbischof von Eanterdury dürfte von dieser Erklärung, die eine Drohung ist, schwerlich befriedigt worden sein. Sie hat wahr» lich iiichtä gemein mit einer Zusicherung, ans der fich schließen ließe, daß in Zukunft der von deutscher Seite festgestellte Mißbrauch von Hospitalschiffen aus der englischen Sccliiegführung verschwunden ici» wird. Seesperre und Versenkungen. Madrid, 8. Mai.(Fiinkiprnch vom Vertreter des Wiener St. K. Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Wie das Blatt„Imparcial" meldet, ist bei der Einfahrt des Et. GcorgkanalS der englische Dampfer Tempus mit 4800 Tonnen Mineralladung von einem Unterseeboot versenk» worden, * Norwegen und der deutsche Freigcleitstermin. Kopenhagen, 3. Mai. Es stellt sich nun heraus, daß ei» Fehler beim Telegraphieren daran schuld lvar, daß die Meldung über das deuische freie Geleil für die neutralen Schiffe am 1. Mai zu spät noch Norwegc« gelangte, so daß lein norwegisches Schiff davon Gebrauch machen konnte. Die Depesche der deutschen Regierung traf in Kristiania in so vcrstümmellem Zustand ein, daß der deutsche Gesandte gezwungen war. die Wiederholung des Tele« granlms Iii Bertin zu erbitte!!. Meine Kriegsnachrichten. Ter KabinettSwcchsel in Griechenland. Aus Athen wird ge- nu'lbet; Z a i m i ö hat den Auftrag zur Bildung des neuen Kadi- i.etts angenommen..HavaS Witt mit: Zaimis übernimmt das Mimsterium des Neustern; er wird am Freitag den Eid leisten. George Rhallyö üöeniimmt wieder das Finanzministerium. Frauenstimmrecht in Italien. Der italienische Minister- Präsident Boselli cdläx'x. in einem Schreiben cn dar Abgeordneten Mirabelle seine Absicht, den Frauen da? politssche Stimmrecht baldigst zuzuerkennen. Die chilenische Regierung dementiert, wie aus London berichtet, dich zwischen Chile und Deutschland ein Gchcimvertcag bestehe. Ministerwechfrl in Brasilien. Halms meldet aus Rio de Janairo: Minister des Acustern Laura Müller ist zurückgetreten. politische Uedersicht. Reichstag. Die Interpellationen verschoben.— Reichs- oisenbahnen und Heeresetat. Zu Beginn der Sitzung gab Herr Helffcrich die Er- klärung ab, daß der Kanzler die eingebrachten Kriegszid- interpellationen innerhalb der in si 33 der Geschäftsordnung vorgesehenen Frist(zwei Wochen) beantworten werde. Eine geschäftsordnungsmätzige Möglichkeit, den Kanzler zur so- fortigen Beantwortung zu veranlassen, ist leider nicht gegeben. Genosse H o ch richtete zwei sozialpolitisch bedeutsame An- fragen an den Reichskanzler: ob die.KricgSunterstützung solchen Äriegerfraucn entzogen würde, die wegen Kränklich- kcit oder Unabkömmlichkeit im Haushalt eine Erwerbsarbcit nicht leisten können, und ob der Siebcnuhrladenschlutz bei« behalten werde. Die Regierung antwortete auf beide Fragen in ziemlich befriedigender, wenn auch nicht völlig ausreichen- der Weise. Beim Etat der Reichseisenbahncn hat der Reichstag jedesmal das seltsame Vergnügen, den preußischen Eisenbahn- minister vor sich zu sehen. Die Gelegenheit wird nach Mög- lichkeit dazu benutzt, auch allgemeine Klagen über das Eisen- bahnwesen vorzubringen. Von der sozialdemokratischen Frak- tion sprach der clsässischc Genosse Fuchs, der besonders nach. drücklich dagegen Einspruch erhob, daß man den Eisenbahn- arbeitern noch immer das volle Koalitionsrccht vorenthält, aber auch eine Reih? sonstiger Beschwerden vortrug. Dann begann die Beratung des zurzeit wichtigsten Etats, des Hccresetats. Der Kriegsminister v. Stein leitete die Aussprache mit einer Rede ein, in der er erklärte, für die Ab- schaffung der Strafe des Anbindens wirken zu wollen. Die Antwort aber, die er später auf die eingebende Rede unseres Genossen S ch ö p s l i n gab, war reichlich schnöde. Das Par- lament ist nun einmal zum.Kritisieren da, und auch die Rc- gierungsvertretcr müssen sich diesem Zweck des Parlaments fügen. Ter Ebcf des Kriegsamts. Generalleutnant Gröner, war nicht so kurz und ablehnend in seiner Antwort auf Sichöpflm, wenn er sich auch nicht dazu entschließen konnte, seinen unglückseligen Aufruf an die Arbeiter in der Form preiszugeben._ Ter Berfafsungsausschusz arbeitet. Ter VerfassungSausschutz des Reichstags hat gleich in seiner ersten Sitzung, über die wir an anderer Stelle berichten, positive Beschlüsse gefaßt, deren Zweck es ist, die S t e l l u n g des Reich stageszucrwcitern und zu festigen. Einmal ist festgelegt worden, daß die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers, von der in der Verfassung bisher nur in vcr« schwommenen Ausdrücken die Rede war, gegenüber dem Reichstag gilt, daß dieser also das Recht hat, den Kanzler zur Verantwortung zu ziehen. Dann ist aber derselbe Grund- satz noch vertieft worden durch die Forderung eines Staats- gerichtshofs, vor den der Kanzler wegen Verletzung seiner Amtspflicht gestellt werden kann. Die Bedeutung der Beschlüsse wird schon durch den Um- stand dokumentiert, daß die Anträge von den Mittel- Parteien— Zentrum und Liberalen— gestellt, von den Konservativen lebhaft bekämvft, von den Sozialdemokraten aber angenommen wurden. Was da geschafft wurde, ist nicht viel, aber immerhin etwas, und daß der Ausschuß gleich am ersten Tage Steigung zeigte, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln, ist erfreulich. Dem Ausschuß liegt noch eine ganze Reibe von gemein- samen Anträgen der Mittelparteien vor. Die Ernennung von Offizieren und Beamten des Heeres und der Marine soll da- nach künftig unter verantwortlicher Gegenzeichnung erfolgen. Zur Besprechung auswärtiger Angelegenheiten sollen auch luchtäffentlidhe Sitzungen des Reichstags anberaumt werden können. Die Selbständigkeit der Verwaltung des Reichstags und die Immunität der Abgeordneten sollen durch ent- sprcckönde Bestimmungen besser als bisher sichergestellt werden. Das alles ist natürlich nur Kleinkram. Ter Reichstag wird in Zukunft das sein, was er sein will, und seine tatsäch- lichc Macht kann durch Paragraphenwerk weder wesentlich eingeschränkt noch wesentlich crtveitert werden. Immerhin zeigen die am Freitag gefaßten Beschlüsse ein sich streckendes Kraftbewußtiein. Was die Arbeit des Ausschusses wert ist, wird man aber erst sagen können, wenn er zu den Wabl» rechtsanträgen Stellung genommen haben wird. Die Mittelparteicii möchten sich durch ein paar Reformen, deren Wert nicht überschätzt und nicht unterschätzt werden soll, dem Vorwurf entziehen, gänzlich versagt zu haben. Das wird ihnen aber nicht gelingen: versagen sie in der Wahlrechts- frage, dann haben sie nicht begriffen, wo der springende Punkt ist, dann haben sie ganz versagt! Beamtcudisziplin für die Angestellten der Kriegs- organisationcn. Amtlich wird mitgeteilt: Ter Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung eine Verordnung über die bei Behörden oder in l r i e g S- w i r t i ch a f t l i ch e n Organisationen beschäftigten Personen verabschiedet. Diese Personen versehen vielfach ahn- liebe Obliegenheiten wie Beamte, unterliegen aber nach de» bis- herigen Vorschriften weder den Bestimmungen des Disziplinar- rechts noch den Vorschriften des Etrafgesetzduchs gegen die Vcr- letzung von AuitSpflichien. Die neue Verordnung füllt diese Lücke aüs, indem sie P s l i ch t w i d r i g l e i 1 e n der Angestellte n, die auf gewissenhafte Erfüllung ihrer Ob- liege nheitcn durch Handschlag verpflichtet sind, mit ähnlichen Strafen bedroht wie Amtsdelikte. Daneben find Strafvorschriften vorgesehen, die sich gegen die mißbräuchliche Weitergabe und Verwertung von Geschäfts- und Betrsebsgeheimnissen richten. Eine weitere Verordnung befaßt sich mit dem Rechtsschutz der H i l f S d i e n st v f l i ch t i g e n. Sic läßt zugunsten der Per- sonen, die auf Grund besonderer schriftlicher Aufforderungen oder Ueberweisung im vaterländischen Hilfsdienst verwendet werden, prozessuale Bergünstiguugen, insbesondere richterliche Zahlungs- und Einstellungofristeu, in dem gleichen IX in f a n g e z u N) i e bei Angehörigen immobiler Truppenteile. Niedriger hängen! Ter sattsam bekannte Graf Re v e n t I o w, welcher für deutsche Eroberungen zwar nicht an der Front kämpft, aber desto mehr zu Hause redet und schreibt, hat am Donnerstag einmal wieder vor größerem Auditorium in Berlin seiner Weisheit Lehren verkündet. Bei. der Gedankenarmut des. ganzen Vortrags hätten wir keine RoHz von ihm genommen, wenn nicht der heimkriegerische Graf sich nach dem Bericht der„Deutschen Tageszeitung"(seines Leibblattes, also einer gewiß unverdächtigen Ouelle) über die FriedenSziele der Sozialdemokratie die unverschämte Bemerkung geleistet hätte: „Indem sie aber solche Ziele teilen, stehen also die deutschen Sozialdemokraten Schulter an Schulter mit unser n Feinde n." UnS ist neu— auch der Regierung lvird neu sein—, daß unsere Feinde einen Frieden fordern, der Teutschlands völlige Unversehrtheit und die. volle Entwicke- lungsfreiheit des deutschen Handels- und Wirtschafts- lebens garantiert— das find die sozialdemokratischen Friedcnsziele für Deutschland. Tic„Deutsche Tageszeitung" bat selber die EroberungS- und Aiine.rionsabsichien unserer Gegner gegen Deutschland so oft festgestellt, daß die Behaup- tnng, die deutsche Sozialdemokratie stehe mit den Feinden Schulter an Schulter, nur als eine ganz bodenlose Verleumdung bezeichnet werden kann. Von Männern und Zeitungen, die mit derartigen Schmußwasfen den inner- politischen Kampf vergiften, darf man allerdings mit Recht sagen: sie stehen Schulter an Schulter mit unseren Leiden. Dir RriAstagsersavwahl in Mecklenburg-Neustrelib. B in 1- lichc» Wahlergebnis. Bei der Ersatzwahl zum Reichstag im Wahlkreise Mecklenburg-Strelitz am 30. April 1047 ist Tr. Phil. Stubmann, Syndikus verschiedener(Gesellschaften aus Hamburg, nationallibcral, mit 8372 Stimmen gewählt worden. Tie Zabl der Wahlberechtigten betrug 14 034, die der abgegebenen gültigen Stimmen 3379. Zersplittert waren 7 Stimmen. Letzte Nackrichten. »Nieöer mit kNiljutow!� Petersburg, 3. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur.) Tic heute von den Zettungen vcr- öffentlichte R o t c d e r provisorischen Regierung hat bei den S o z i a I i st c n lebhafte Nnzufriedcicheit erzeugt. Ter ausführende Ausschuß des Arbeiter- und Soldateurats hat die Rote in außcrordenttick»en Sitzungen am 2. Mai nachts und am morgen des 3. Mai beraten, ohne jedoch irgend einen Beschluß zu fassen. Schließlich hat der Rat beschlossen, vor Fassung irgend eines anderen Beschlusses die Regierung um Aufklärungen zu ersuchen, über die Gründe, welche sie zur Ber- öffcntlichung dieser Rote bestimmt hätten. Zu diesem Zweck hat der ausführende Ausschuß der Regierung eine gemeinsame Sitzung vorgeschlagen, was die Regierung annahm. Am Nachmittag erhielt der ausführende Ausschuß Nach- richt, daß die illote der Regierung auch bei eiuigeit Truppen- k ö r p c r u Unzufriedenheit erregt habe. Das Infant c- ricrcgimcnt Finland zog mit Bannern, deren Auf- schriften den Rücktritt der Minister Gutschkow und Miljukow forderten, vor den Maricnpalast. Der ausführende Ausschuß des Arbeiter- und Soldatenrats traf Vorkehrungen, um die Soldaten zur Rückkehr iu ihre Kasernen zu veranlassen. An- dcre Truppenteile schlössen sich dem Regi- m c u t an. Der aussührcndc Ausschuß Hütt irgend eine Gegenwirkung gegen die Note der Regierung für nötig, beab- sichtigt ober keineswegs, die provisorische Regierung zum Rück- tritt zu veranlassen.. Auch in den Arbeitcrkrciscn hat die Note Erregung vcr- ursacht.— Im Laufe des Tages haben Ktt n d g e b u n g e n und Volksversammlungen in der Hauptstadt statt- gefunden; die Manifestanten zogen mit Bannern einher mit den Aufschriften: Nieder mit der provisorischen Regierung! Nieder mit Miljukow! Nieder mit Gutsch- k o w! Solidarität des WeltprolctariatS. Amsterdam, 4. Mai.(Eig. Drahtber. d.„Vorw.")..Times" meldet aus Odessa: Die Maifeier war die größte Kundgebung. die Südrußland jemals sah. Der Vorbeimarsch von mindestens 150 000 Demonstranten dauerte von 8 Uhr morgen« bis zur Täiii- merung. Tie Behörden nahmen au der Kundgebung teil, die die Solidarität des Lüeltproletariats demonstrieren sollte. Die Fahnen trugen die Aufschriften:„Frieden ohne An- ncyionen und Entschädigungen!" Nirgendwo waren Inschriften für die Fortsetzung des Krieges sichtbar, ebensowenig für einen Sonderfrieden.___ Tie deutschen Annexionisten bedeuten nichts. Budapest, 4. Mai. Der„Poster Llovd" erhalt von Wiener informierter Stelle eine Erklärung, die er an leiteltder Stelle veröffentlicht. ES wird darin vor allem festgestellt, daß die Meinung, als ob zwischen den Mittelmächten in der Ausfassung über die Kriegsziele ein Gegensatz entständen wäre, irrig sei. Dann heißt es weiter: Entstanden ist der irrige Eindruck offenbar dadurch, daß sei: er Teil der deutschen Presse, der so ziemlich seit Kriegsbeginn fttr ein Programm weitgehender Annexionen eintrat, mit den KriegSzielen, die Graf E zernin für Oesterroich-Nugarn gegenüber Rußland bekannt gab, nicht einverstanden ist. Tie Ueborannexionisten in Deutschland führten gegen den Reichskanzler die bitterste Fehde, und niemand sonnte sich darüber wundern, daß sie dem Grasen Ezernin, der sich dem russischen Gegner gegenüber zu einem anncxions- losen Programm bekannte, nicht übermäßig bald gesinnt sind. Aber ebenso selbstverständlich ist, daß dies für die-Politik und für das Verhältnis der Regierungen nichts zu bedeuten hat. Weiter wird in der Erklärung festgestellt, daß die Re- gierungcn der Mittelmächte sich der llebereinflimmung in ihrer Kriegs- und Friedenspolitik unbedingt sicher� fühlen. Ein weiterer Beweis für die vollständige Uebereinstimmung ist, daß die Mittelmächte keinen Augenblick daran gedacht haben, den sozialistischen Parteien ihrer Länder irgendwelche Hindernisse bei der Beschickung der Stockholmer Konserenz in den Weg zu legen.____ Spanien und der U-Boot-Krieg. Bern, 4. Mai. Der Madrider Berichterstatter des„Petit Parlsien" hatte eine Unterredunli mit Mavra. Ter Konservative M a u r a erklärte: er erkenne an, daß die Verfenkimgen eine ve- danerliche Tatsache seien, ober sie böten keinen genügenden Grund für einen Krieg. Wenn Tcutschinnd zuweilen spanische Schiffe versenke, so geschehe es nicht, um Spanie» zu deleidigeu, sonderu um die Blockade gegen die Alliierten durchzuführen. S'/a Millionen gefrorene Hammel. London, 4. Mai. Nach einer Meldung der„Times" leilie der Premierminister von Neuseeland, Masiey, mit, daß sich augenblicklich 2 Millionen Hammel in neuseeländischen Gcfricrräiimen befänden. baß aber teine Schisse rur Verschiffung erhältlich seien. Die Zahl der gefrorenen Hammel, die nicht verschifft werden könnten, wurde bis Ende Mai aus 3 000000 steigen, GewechlWsbewMng Deutsches Reich. Tie Bergarbeiter und die Arbeitseinstellungen. Aus dem rheinisch- ivestfälischen Industriegebiet wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" hat bereits gemeldet, daß am letzten Sonntag bi er große V ertrauen smannertonfercnzcn der. Deutschen B e r g a r l> e i t c r v c r b a u d c s tagten und eine Resolution beschlossen, die sich mit der Ernährungs- und Lohnfragc beschäftigt. Wohl nur durch ein Versehen hat der„Vorwärts" den , Ickten Absatz dieser Resolution nicht mit veröffentlicht. Dieser W- fatz, der von, allen Konferenzen einstimmig angenommen worden ist, lautet: „Die Konferenz crllärt schließlich, daß die O rganisation der Bergarbeiter eine gewerkschaftliche Vereinigung ist, die lediglich solche wirtschaftliche ssfiele verfolgt, welche eine Verbesserimg der sozialen Lage der Bergarbeiter bedeuten. Das Hineintragen irgendwelcher parteipolitischer Bestrebungen und Differenzen in unsere Organisation widerspricht dem Charakter und dem� Zwecke des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlcrnds nich schädigt seine Entwicklung. Darum verpflichten sich alle Vcr- trauensleute uiw Funktionäre, mit rücksichtsloser E n e r- gic allen Versuchen entgegenzutreten, die unsere Organisation zu irgendwelchen Partei- politi scheu Zwecken mißbrauchen wollen. Nötiger denn je ist heute � die unerschütterliche Einigkeit der Kameraden." Diese Sätze wurden in keiner Konferenz angefochten, obschon nian sich leicht denken kann, daß auch unter den Bergarbeitern die Meinung über die Vorgänge in der sozialdemokratischen Partei nicht einheitlich ist. Aber auch von Arbeiterdelegierten, die am ehesten den„Unabhängigen" zuneigen, wurde entschieden die Notwendigkeit betont, die parteipolitischen Streitfragen von dem Bergarbeiterver- band unbedingt fernzuhalten. Es Ivurde aber auch in allen Kon- screnzen von den unmittelbar beteiligten Belegschastsvertretern er- klärt, daß nicht eine einzige der in den letzten Mo- nat eif stattgehabten Arbeitsein st ellun gen im rheinisch- we st sali scheu Bergbau irgend etwas mit „politischen Bestrebungen" zu tun gehabt habe! Alle diese Arbeitseinstellungen, die übrigens zu verschiedenen Zeiten eintraten und alle nach kurzer Dauer— manchmal nach nur einigen Stunden— beendet waren, hatten lediglich Stockungen der Nahrungsmittelzusuhren, Beschwerden über ge- ringe Löhne und schlechte Behandlung von Arbei- t e r n zur Ursache. Sobald diese Beschwerden abgestellt oder ihre Abhilfen glaubwürdig zugesagt waren, fuhren die Belegschaften, dem Rate der Organisationsvertreter folgend, wieder an. Trotzdem ist in den Werkbesitzern nahestehenden Zeitungen offen oder versteckt angedeutet worden, die Arbeitseinstellungen seien„Po- litische Demonstrationen"; Ernährungs- und Lohnfragen seien nur Vorwand gewesen. Auch ließen gewisse Zechenverivaltungsvertreter durckblicken, die Bergarbeiter übten wohl„passive Resistenz", indem sie die Förderung durch Berlveigernng von Ueberschichten beein- irächngten. Gegen diese in die Belegschaften gedrungenen Anschul- digungen erhoben zahlreiche Ilrbeiterdelegierte in den Konferenzen am letzten Sonntag entschiedenen Protest. Mit starken! Nachdruck hoben die Arbeiter hervor, daß sie schon, um die sich verbessernden Friedensaussichten nicht zu gc- sährden. mit allen Kräften für die Auftechtcrhaliung der Kohlenförderung sorgten und nichts siege den Bergarbeitern ferner als zu vergeffen, daß unsere Brüder im Waffenrock ausreichende Berteidigungsmittel haben müßten. In der Konferenz der Vertrauensleute der Bezirke Dortmung, Hamm und L ü- n e n wurde sogar aus der Mitte der Delegierten(alles noch aktive Bergleute) heraus der Antrag gestellt, die wilden Streiks entschieden zu verurteilen,„weil diese keine Besserung der Verhältnisse herbeiftihren können und eine große Gefahr für die absolut gebotene Verteidigung des Vaterlandes darstellen"! Auch dieser Antrag ivurde angenommen. Der fragliche Bezirk hat sich bei allen großen Bergarbeiterbewe- gungcn(vor dem Kriege) als ein besonders kampflustiger bewiesen, um so charakteristischer ist seine fetzige Stellungnahme. In allen Konferenzen sprachen sich zahlreiche Arbeiterdelegierte reckt kritisch über den jüngsten Erlaß des Herrn Generalleutnants Gröner aus; Inhalt und Form seien ganz verfehlt, weil nur geeignet, Mißstimmung selbst unter den arbeitsfreudigsten Arbeiter- schichten zu erwecken. Man sprach die Ansicht aus, der Erlaß beruhe aus einseitigen Informationen von Werkbcsitzern, die der loyalen Auslegung des Hilssdienstgesetzes widerstrebten. Daß dieses Wider- streben vorliege, habe Herr Gröner selbst im Reichstagsausschuß erklärt/ Gegen diese Widerstrebenden sei ein recht scharfes Vor- gehen durchaus am Platze. N o ch in keinen! Falle habe sich bei Arbeitsein st ellungen im Bergbau, die alle in voller Ruhe verliefen, ein parteipolitisches Mo- ment gezeigt; nur wirtschaftliche Beschwerden seien die Beweggründe gewesen. Die Löhne seien für die große Bkehrzahl der Arbeiter viel zu niedrig, die Lobnver- 'spreWngen wurden ke?r häufig nicht geholten, anläßlich der all- gemeinen Kostcnpreiscrhöhung im Januar seien kein eall gemeinen Lohnzulagen eingetreten, so- gar G e d i n g ev e r sch lech t e r u n g e n erfolgten wieder. Daraus seien die Arbeitseiiistellungen hinreichend zu erklären.— Endlich muß noch ausdrücklich hervorgehoben werden, daß zwar ab 1. Mai wieder e.ne Preiserhöhung von L M. pro Tonne eingetreten ist, aber von einer allgemeinen, dieser Mchreinnahme der schon gewinnreichen Zechcnbesitzcr entsprechenden Lohnerhö- hung ist heute noch nichts zu nielden! Verlin unü UmgeaenS. Bon der Bewegung der Textilarbeiter. Die Generalversammlung der Tertilarbeiter nabm am Donners- iag den Geschäftsbericht der Ortsverwasiuna entaegen, ans dem wir iolaendeS bervorbeben: Fast in keinem Beiriebe der Berliner Textilindustrie gab es bisber einen Arbeiterausschuß. Nachdem aber iekt_ die meisten Betriebe als kriegswichtig erklärt und dadurch den Bestimmungen de? Hilfsdienstgesetzes unterworfen sind, richtete die Agitation des Verbandes sich ans die Einführung von Arbeiter- ausschüssen. Aber der erwartete Erfolg«igte sich nicht, denn die Uriternebmer lehnten es ab, Arbeiterausschüsie wählen zu losten. Leider zeigten auch die in beireffenden Betrieben beschäni Ken Arbeiter kein besonderes Interesse für diele Angelegenheit. Die Organisation wirch aber nickt unterlassen, weitere Schritte zur Einführung von Arbeitcrausichüsien zu tun, um so mehr, da in anderen Tertilorteir die Einsetzung von Arbeiterarisschüsseir ohne erhebliche Schwierigkeit vor sich geaanaen ist und die>e Einrichtung manche Verbcsierunqen der Arbeitsverbältnisie herbeigeführt.— Die Agitation für Aus- besierung der Löhne in den Berliner Betrieben hat auch keine be- sonders günstigen Erfolge gebracht. Die Arbeiter der Dekatiirbronche hatten eine Teuerungszulage von ILM. gefordert. Nack mehrmaligen Verbandlungen und nachdem Arbeitseinstellungen in Aussicht gestellt worden waren, bewilligten die Unternehmer eine Teuerungszulage von 6 M. wöchentlich, womit die Bewegung abgeschlossen war. In einigen Betrieben der Weberei sind Erhöhungen der Akkordlöhne durchgesetzt worden, die aber in der Hauptsache nur als Ausgleich danir anzusehen sind, daß der AkkordverdieNsi iiifolge deS immer schlechter gewordenen Materials zurückgegangen war. In den Be- trieben der Färberei nnd Wäscherei haben sich die Löhne trotz des überaus günstigen Geschäftsganges und der erhöhten Preise, die die llntern-bmer von ihren Kunden fordern, nicht über den Stand erhöbt, den sie im Frieden hatten. Die Firma Spindler suchte noch im November 1916 juaendliche und erwachsene Arbeiterinnen, denen Stundenlöhne von 29 bis 48 Pf. in Aussicht gestellt wurden. Einer kräftigen Arbeiterin, die sich daraufhin meldete, wurde ein Stundenlohn von 26 Pf. geboten. In den anderen Betrieben der Färberei sind die Löhne im allgemeinen nicht bester wie bei Spindlcr. Neben einigen gelernten Arbeitern, die Wochenlöhne von 36 bis höchstens 49 M. erholten, werden in diesen Betrieben fast nur Arbeiterinnen zu Stundenlöhnen von 29 bis 39 Pf. beschästiat. Die Mitalicderzahl belief sich zu Anfang des OnartalS auf 710 männliche, 652 weibliche, zusammen 1362. Am Schluß deS OnartalS war der Bestand 696 männliche. 658 weibliche, zusammen 1351 Mitglieder. Die Stabilität der Organisation ist somit ge- wäbrleistet. Da nach dem Schluß des ersten OnartalS 164 neue Ausnahmen gemacht worden sind, so kann für die Zukunft wieder mit einer Steigerung der Mitgliederzahl gerechnet werden. Nachdem der Geschäftsbericht erledigt war, hielt Stadtverord- neter Ritt er einen Vortrag über die Uebernahme deö Arbeits- Nachweises durch die Stadt Berlin. Im Anschluß an den Vortrag beschloß die Versammlung, den Arbeitsnachweis des Textilarbeiter- Verbandes dem städtischen LlrbeilSnachweiS anzugliedern. Soweit sie Braucken der Dekateure und der Posamentiere in Frage kommen, ist der Arbensnackweis eine mit den Unternehmern vereinbarte i tarifliche Einricktung. Der Anschluß an den städtischen Arbeits» iiackwets bedarf deshalb der � Ziinimmung der betreffenden Unter-! nehmerorganisationen, die aber mit Sicherheit zu etivarten ist. Huelcn®. Streik in Woolwich. Bern,'4. Mai.„Times" zufolge stellten am 39. April über 1999 Burcauange stellte des Arsenals und der Werft von Woolwich wegen Nichterfüllung der geforderien Lohnerhöhung die Arbeit ein. parteinaÄrichtcn. Unabhängige Agitationsmcthodeu. Um die im Felde stehenden Mitglieder der Sozialdemokratie für sich cinzufangcn, entfalten die„Unabhängigen" eine ganz eigen- artige Agitation. So schick! z. B. der„Unabhängige" Wahlverein Berlin IV an die im Felde stehenden Genossen, die ihm ans den Mitgliederlisten bekannt sind, ein Schreiben, das einen ununtcr- brochenen Schwall niedrigster Beschimpfungen der Partei und Ge» werkschatten darstellt. Sehr bezeichnend für die hohle Phrasenhaftig- teit des Ganzen ist schon der erste Satz: Unter der �Herrsch aki und-unier dem Schutz des P a r t o i v o r st a n d e s ist ein grozcr Teil des Partei« Vorstandes und Gewelffchastsführern zu freiwilligen Regie- rungShandlangern herabgesunken. Also: milcr dem Schutz des P a r t e i v o r sl a n d e S ist eben« derselbe Parteivorstand herabgesunken! Wie macht er das? TaS weiß wohl Paul Hoffmann, der Unterzeichner des Briefes, auch nicht, aber was kommt's aus den Sinn der Worte an, wenn sie nur recht hirnumncbelnd ausgeputzt sind.— Weitere Blüten: Tie Partei- und Geioerkschaftssührer preisen es als eine Er- rungenichaft, wenn die M r n i st er die G e w e r k s ch a f t s und K o n s u m h ä u s e r besichtigen, wenn einige Geiverlsckaits- siibrer in die ErnäbrungS- und Kriegsämter als Staffage zur Beschwichtigung der Bevölkerung beruien werden. Die Scheidemänner fühlen sich auch wohl, wenn sie Reisen an die Front ins Große Hauptguartter machen können und sich von Offizieren— bewirten lassen. Sie fühlen sich auch wohl, wenn sie an„Minister- essen" teilnehmen können. Und alles in einer Zeit, wo unter dem Belagerungszustand eine große Zahl unserer Genoffen und Genossinnen, die nicht umgelernt haben, in Schutzhaft in Gefängnissen nnd hinter Zuchthausmauern schmackten. Und wenn nun erst nach dein Kriege die große Nsuorien- lterung erfolgt, Scheidemann und Legien ins Herrenhaus berufen werden, dann, dann wird großer Jndel sein. In diesem Tone niederster Demagogie geht es bis zum Schluß. Dann findet der bedauernswerte Leser einen Fragebogen angebogen, den er genau auszufüllen und daraufhin zu beantworten bat, ob er sich zu den„Unabhängigen" bekennt und nach seiner Rückkehr diesen beitreten wird. Wäbrend die Kämpfer an der Front in schwerstem Ringen stehen, haben die„Unabhängigen" ihnen als Herzstärkung und moralische Ermutigung nichts weiter mit»' zuteilen, als diesen in unvmstäiidlichein Kauderwelsch abgefaßten Schimpferguß! Ihre ganze Sorge besieht darin, unter den Kämpfern bei Arras und an der Ehampagnesron! Mitgliederfang zu treiben und der„Geiahr" vorzubeugen, daß die ans dem Felde heimlehrendeii Genossen mit der Parteizersplinorunz wieder ausräumen könnten l München fest zur Partei. Eine stark besuchte Wahlkreiskonferenz für die ReichstagSwablkreise München l und Ii stellte sich mit Ent- schiedenhei! auf den Boden der Beschlüsse des Parteiausschusses zur Frtedenöfrage uns zur sozialen und demokratischen Neuordnung Deutschlands und machte sich die Richtlinien der bayerischen Landes» konferenz für die Anfrechterhaliung der Pacteieinheit zu eigen. Eine Resoluiioii in diesem Sinne bekam über 399 Stimmen, während nur vier dagegen abgegeben wurden. Die„Unabhängigen" haben zum Austritt aus der Partei aufgefordert. Bisher sind daraufhin 13 Abmeldungen ersolgt. Eine Leipziger ScilsatioilScnte. Vor einigen Tagen brachte die„Leipziger Bolkszeitiurg" die Aussehen erregende Notiz, daß die Preßkommiffion unseres Eheinuitzer Parteiölattes zum.Nach- folger des Gen. H e i l m a n n, dessen Weggang zu der Berliner „Internationalen Korrespondenz" ivir schon meldeten, Kurt E i s n e r gewählt habe. Erst infolge der Tazwischenkunft Heil- manns habe die Preßkommission diesen Beschluß wieder umge- stoßen und jetzt sei Genosse Hermann K r a n o ld- München zum politischen Redaklcnr berufen worden. Durch eine Darstellung der„Chemnitzer Vobksstimme" cni- puppt sich jetzt das Ganze als ein sensationell ausgeputzter Schwindel. In Wirklichkeit hatte ein Mitglied der Preß- kommiffion vrivatim mit Eisner verhandelt und dann auch die Preßkommission bewogen, die Ankiulpfurig-weUer-cr Verhandlungen mit Eisner zu beschließen, indem er diesen als einen Mann der mittleren Linie schilderte. Von einem Vorschlag, Eisner zu wählen, war dabei noch gar keine Rede. Als jedoch die Preß- kommission zu ihrer völligen Ueberraschung erfuhr, daß Eisner, den sie nur aus seiner früheren Mitarbeit an der„Chemnitzer BolkSstimme" kannte, an der Gotha er Konferenz teilgenommen habe und sich zu den„Unabhängigen" rechne, erklärte sie sofort, daß iliiter diesen U in ständen sich jede'Anfrage bei Eisner und jede Verhandlung mit ihm er- übrige. Der Versuch der„Leipziger Volkszeitung", die Mehrheit der Chemnitzer Pretzkoinmission in„Unabhängige" nnizudeiUeli, erweist sich damit als ein seltsames Gemisch von Schwindel und Vcr- trauensbruch, denn anders kann man diese Art, aus nichtöffentlichen Sitzungen zu berichten, nicht bezeichnen. Aber der Schwindel ist in diesem Fall noch größer als VcrtrauenSbruch. Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz D i cd erich, Beil- Friedenau: für d. übrigen Teil d. Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; für Inserate: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSantlall Paul Singer S b-« Berlin LXV. Hierzu 1 Beilage und lluterbaltuugsblatt. Seife SZUMMiW Gegen ggn B"dauf EmMt unter günstigsten Zksklunxzsbeckinxungen Frühjahrs• Neuheiten Jackenkleider, Mantelkleider, Seidenkleider, Seiden- Kostüme Frühjahrs-Mäntel, Kleiderröke aus Seide, volle und Wollstoff, Elegante Blusen in Seide, voiie, chiflon, Lummi- und imprägnierte Seiden-Mäntel Fertige Herren- Kleidung, Burschen- und Jünglings- Anzüge empfiehlt BJFEtD forden: Süden: Osten: Westen: Brunnenstrasse 1 Kottbuser Stamm 103 Frankfurter ÄZZee 350 Ciiarlotteiiburg, Sonntag von S— 10 Uhr geöffnet Inserat mitbringen! 3 MarK Wcrtl Scharranstr. 5 Ecke Wilmersdorftr Str. »fei, paZetofs imö Spori- jacken ouS prattitdKi ftamoftcroorc, itoo.*t(oi. Seide Tali:e. 16,75 M. M 1 1 h,_ M. Grobe Auswahl in Kinder- uns Vackfisch- Konsekfion emiitckende Neuhciuen in Kleidern MSn- tcln,°!alelo!C;e. fut jedeS Aller S.?5 M. MS 34,- M. 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Für einen gemein- sainen Antrag des Zentrums nnd der liberalen Parteien ist von vornherein eine große Mehrheit vorhanden. Tie Konser- vatwen versuchten es deshalb sofort mit der Obstruktion, ge- führt von so bewährten Kräften wie Westarp und Kreth. Ter Vorsitzende Abg. Tchcjdemiuin beinertt einleitend: Der Be- schluß dco Reichstags, einen Verfassungsausschuß einzusetzen, bat im deutschen Volke den freudigsten Widerhall gefunden. Weit über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus hat der Beschluß des Reichstages Aufsehen erregt und großen Eindruck gemacht. Wir wollen in dem Bestreben an die Arbeit gehen, im Interesse und zum Wohle dcS deutschen Volkes Gutes möglichst schnell zu l c i st c n. Zunächst befaßt man sieb mit der Aufstellung eines Arbeits- planes. Ter Vorsitzende schlägt vor, mit der Wahlrechtsfroge zu beginnen. Dem tritt Abg. Gröber(Z.) entgegen mit dem Vorschlag, zunächst die von Zentrum und Liberalen gemeinsam eingebrachten Anträge zu beraten, für die offenbar eine große Mehrheit vorhanden sei. Hauptsache muß sein, daß rasch etwas zustande kommt.— In der längeren Debatte, die sich nun entspann, erklärte sich Abg. Dr. David mit dem Vorschlag Gröbers einverstanden, weil es in der Tat darauf ankomme, rasch greifbare Resultate zu er- zielen. Abg. Graf Westarp(k.) bestreitet, daß der Ausschuß berechtigt ist, Anträge zu beraten, die ihm nicht durch das Plenum überwiesen sind. Im anderen Falle würde eine Einrichtung geschaffen, die mit unseren verfassungsmäßigen Zuständen nicht in Einklang zu bringen ist. Abg. Schiffer lnatl.) erinnert an die Stcucrkommissioncn, die auch Anträge beraten haben, die nicht vorher dem Plenum vorgelegen hatten, ohne daß die konservativen Bedenken dagegen er- boben.— Abg. Rretli(t.) verlangt, daß die Oeffentlichkeit erst Ge- legenbeit haben müsse, sich zu so weitgehenden Anträgen zu äußern. — Abg. Lcdcbour(Unabh.l wendet sich aegen diese Ansicht mit dem Hinweis darauf, daß die Anträge der Oeffentlichkeit schon bekannt sind. Der Ausschuß beschließt, zunächst den Sammelantrag der Mittclpartcicn. in Verbindung mit den einschlägigen� Teilen des Antrages der Sozialdemokratischen Arbeitsgcmcinscbaft zu beraten und dann die Frage der Wahlkrciseinteilung zu behandeln. �Abg. Gröber bespricht die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers. Der Kanzler müsse dem Reichstage gegenüber Rede und Antwort stehen. Die Verfassung habe aber nicht den Weg festgelegt, auf dem dieses Ziel praktisch unter allen Ilmständen erreicht werden kann. Der Antrag will eigentlich nichts Neue- schaffen, sondern mir festlegen, daß auch die Staatssekretäre dem Reichstage verantwortlich sind für die Handlungen der Reichsregierung, die von ihnen gezeichnet sind. Der Weg muß in einer besonderen Vorlage festgestellt werden, auf dem die Verantwortlichen vom Reichstag zur Rechenschaft gezogen werden tonnen. Ob man dabei zu der Errichtung eines selbständigen Staatsgericktshofes kommt, oder ob man einen solchen Gerichtshof dem Reichsgericht angliedert, ist eine Frage, die sich aus der Praxis ergeben wird.— Abg. Heine(Soz.) erklärt, diese Anträge befriedigen nicht voll. Wir wünschen ein verantwortliches Mini sterkolle- gi um und erblicken in den vorliegenden Anträgen nur den ersten Schritt zu diesem Ziel. Es ist folgender Autrag der Soz. Arbg. eingelaufen: Artikel tö der Verfassung Abs. 1 erhält folgenden Zusatz: Der Reichskanzler ist zu entlassen, tvcnn der Reichstag es durch Mehr- heitSbeschluß fordert. Aug. Jirnck(natl.) findet, daß die Anträge nichts Neues bringen; sie umschreiben nur die bestehende Verantwortlichkeit des Kanzlers dcutlicker. Besser wäre es, auch die Verantwortlichkeit gegenüber dem Bundesrat festzulegen. Dem Staatsgerichtshof könnte man auch die Prüfung der Wahlen übertragen. Am besten sei eine An- glicdcrung an das Reichsgericht.— Abg. Haase(Unabh.) begründet den Antrag, daß der Reichskanzler zu entlassen ist, wenn der Reichs- tag das fordert. Mit der Annahme von Resolutionen erreicht man nichts. Die Lkonservativcn beantragen, die Verantwortlichkeit auch fest- zulegen gegenüber dem Kaiser und dem Bundesrat. Abg. Graf Westarp: Dem Anschein nach laufen die Anträge auf eine politische Demonstration hinaus. Der Antrag solle offenbar nur eine Auslegung des Artikels 17 der ReichSvcrsassung sein. Die Ausdehnung der Verantwortlichkeit auf die Stellvertreter gebe in dieser Form zu weit. Praktisch übernehmen die Stcllver- treter bereits jetzt die Verantwortung für ihre Handlungen. Unter diesen Umständen könne eigentlich nur von einer Deklaration de» fraglichen Artikels der Verfassung die Rede sein. Der Zweck des ganzen Vorgehens ist, die Machet des Reichstages z u stärken. Aus diesem Grunde müssen die Konscrva- tivcn dem Antrage widersprechen. Wenn der Kanzler nach der Zabern-Affäre auf den Beschluß des Reichstags hätte entlassen werden müssen, dann hätte das Unglück entstehen können, daß Herr v. Bethmann Hollweg jetzt nicht Kanzler wäre. Das parlamenta- rische System würde für Teutschland eine dauernde Unsicherheit bedeuten. Die Schaffung eines Staatsgericküshofes bicße den Konz- ler der politischen Leidenschaft ausliefern. Das Parlament hat nicht die Fähigkeit, als unbefangener Ankläger oder objektiver Rickker aufzutreten. Deshalb müsse einem solchen Vorschlag�widcrsprochen werden. Der Staatsgerichtshof würde gleichzeitig über die Eni- lassung des höchsten preußischen Ministerpräsidenten entscheiden und damit die Selbständigkeit Preußens und seines Königs beseitigen. Diesen Weg geben die Konservativen nicht mit, der bundesstaatliche Charakter des Reiches habe sich glänzend be- tvährt, deshalb dürfe nicht daran gerüttelt werden. Abg. Haußmann sFr. Vp.) polemisiert gegen den Vorredner. Die Verantwortlichkeit des Kanzlers gegenüber dem Kaiser ist in der Verfassung bereits festgelegt; diese Verantwortlichkeit auch gegenüber dem Bundesrat festzustellen, liegt kein Anlaß vor. Die Grundfrage des parlamentarischen Regimes ist, daß der lei- tcnde Staatsmann das Vertrauen des Paria- m e n t s besitzt, nicht nur das Vertrauen dessen, der ihn er- nennt. Württemberg besitzt einen Staatsgerichtshof, der aber nur einmal gegen einen Minister in Funktion getreten und damals zu einer Freisprechung gekommen ist. Durch die Schaffung eines solchen Gerichtshofes soll erreicht werden, daß die Handlungen eines Mi- nisters von einer richterlichen Instanz nachgeprüft werden können. Aus diesen Gründen sind die konservativen Bedenken unbegründet. Abg. Ledebonr sUnabh.) gibt zu, daß die Anträge selbstverständ- lich eine politische Tendenz haben und haben müssen. Vor einen Staaisgerichtshof kann ein Minister nicht gestellt werden, weil er eine falsche Politik getrieben, sondern nur, wenn er sich eine Rechtsverletzung hat zuschulden kommen lassen. Die Kon- servatiben nahmen für sich das Recht in Anspruch, auf die Bcsciti- gung eines Kanzlers hinzuarbeiten, der ihnen nickt paßt. Warum soll die Mehrheit des Reichstages nicht das gleiche Reckt haben? Tie jetzigen Bestrebungen auf eine Erweiterung der Rechte des Parlaments haben mit der Person des Kanzlers gar nichts zu tun. Staatssekretär Hclfscrich: Er nehme an den Verhandlungen zu seiner Information teil; eine sachliche Stellung Vierde er jetzt nicht nehmen,>vcil er den verbündeten Regierungen nicht vorgreifen könne. Die Anträge greifen stark an die Fundamente der Verfassung des Reiches heran. Die Meinungen über eine Reuordnung der Verantwortlichkeit des Kanzlers gehen selbst im Ausschuß recht weit auseinander. Redner gibt einen geschicht- lichen Uebcrblick über die Entstehung der Kanzlerverantwortlichkeit in ihrem jetzigen Umfang. Zu den jetzt zur Verhandlung stehenden Fragen werde die Regierung Stellung nehmen, über das Knie brechen könne man das nicht. Abg. Kreth vermutet, daß mit den Anträgen die versteckte Ab- ficht verfolgt werde, unser ganzes Versa ssnngs Wesen auf eine andere Grundlage zu stellen. Eine genaue Definition der Kanzlerverantwortlichkcit ist bei den bestehenden staatsrechtlichen Verhältnissen nahezu unmöglich, schon deshalb, weil der Kanzler gleichzeitig preußischer Ministerpräsident ist. Die Kon- servativcn haben den Vorzug, daß sie nicht an ein Programm ge- bunden sind; deshalb ist ihnen ein liberaler Minister, wie es Miguel war, viel lieber, als ein konservativer Minister, der mit der Linken liebäugelt. Das Deutsche Reich beruht auf einem freien Vertrag der Bundesstaaten; wenn der Reichstag in diesen Vertrag eingreift, dann untergräbt er die Grundlagen des Reiches. Die Anträge sind entweder überflüssig oder schädlick. Abg. Gräfe(k). sucht die Konservativen gegen den Vorwurf der Kanzlerstürzerei zu verteidigen. Die Konservativen versuchen nur, den Kanzler aus andere Wege zu bringen. Abg. List snatl.) tritt noch einmal kurz für die Annahme des gemeinsamen Antrags ein. Bei der Abstimmung wird der Teil aus dem Antrag Bernstein und Genossen, daß der Kanzler auf Beschluß des Reichstags zu cnt- lassen ist, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Verantwortlichkeit des Kanzlers gegenüber dem Bundesrat wird mit 15 gegen 12 Stimmen beschlossen; die Verantwortlichkeit dem Kaiser gegenüber gegen vier Stimmen der Konservativen ab- gelehnt. Gegen die konservativen Stimmen wurde dann die Ziffer 1 des gemeinsamen Antrages in folgender Form angc- nommen: Artikel 17 Satz 2 ist zu fassen wie folgt: Die Anordnungen und Verfügungen dcS Kaisers werden im Namen des Reiches erlasse« und bedürfen z» ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung des Reichskanzlers oder seiner Stellvertreter, welche dadurch die Verantwortlichkeit gegenüber dem Reichstage und dem Bundesrat übernehmen. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis fand dann folgende Reso- lution Annahme: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers wegen Verletzung seiner Amtspflicht und deren Feststellung durch einen Staats Gerichtshof geregelt wird. Nächste Sitzung Sonnabend. Reichstag. 100. Sitzung. Freitag, den 4. Mai 1917, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStifch:Helfferich, v. Breitenbach. Kleine Anfrage». Abg. Hoch(Soz.) fragt, ob dem Reichskanzler bekannt ist, daß in dielen Fällen die Kriegsunterstützung solchen Kriegerfrauen entzogen worden ist, die eine Erwerbsarbeit nickt leisten tonnen, weil sie entweder kränklich oder in ihrem Haushalt un- abkömmlich sind. Ministerialdirektor Lewald: Derartige Maßnahmen würden nicht im Sinne der Reichsleitung sein. Abg. Hoch lSoz.) loeist ani die Bewegung zur dauernde» Bei- bchaltung des SielienuHrladenschlnsses und seiner Ansdebniing aus die LebeiiSnüItelgeschäfle nnd auf den Sonnabend hin und fragt, ob der Reichskanzler diesen Wünschen Rechnung tragen will. Ministerialdirektor Lewald: Eine Abänderung des Siebenuhr- ladenschlusses während de» Sommers ist nicht in Aussicht genommen, aber auch nicht die Ausdehnung auf den Sonnabend. Abg. Bklimm sDtsch. Fr.) fragt, ob bereits Schritte im Sinn der Reich-Magsbeschlüsse zur Schaffung von Kriegerheim st ä t l e n getan sind. Ministerialdirektor Lewald: Die Kriegerheimstätten werden nach Möglichkeit gefördert. Aber vor übertriebenen Hoff- n u n g e n muß gewarnt werden. Abg. Rühle(wild. Soz.) weist auf die Verhaftungen polui'scher Sozialisten in Warschau hin und fragt, was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um dcu Sozialisten in den be-e setzten polnischen Gebieien dieselbe Freiheit der politischen Be-, täligung zu gewährleisten, wie sie ihre Gesinnungsgenossen in Ruß- land haben. Ministerialdirektor Lewald: Von den genannten Vorgängen ist dem Reickskanzler nichts bekannt. Nach Eingang der Anfrage ist eine Rückfrage nach Warschau ergangen, auf die die Antwort noch aussteht. Die Anfrage kann heute daher nicht b e- antwortet werden. Abg. Kunert(Soz. Arbg.) weist auf die Einstellung von in Koln-Ehrenfeld domizilierten Belgiern in-Z d c ut sck e Heer hin, gegen die die Betroffenen ver- gcblick Einspruch erhoben hätten. Oberst Marquardt: Die Beantwortung dieser Anfrage erfordert eine Reihe von Feststellungen, die wegen der Kürze der Zeit bisher nickt möglick waren. Ich bin bereit, an einem der nächsten Tage Auskunft zu geben. ' Abg. Kunert(zur Ergänzung): Ist dem Reichskanzler bekannt, daß belgiicke Staatsbürger durch behördliche Nötigung ge- zwungeu worden sind, ihren Fahneneid gegenüber Belgien zu brechen?(Präsident Kaempf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage.) Abg. Kunert(zur Ergänzung): Ist dem Reichskanzler bekannt, daß das Vorgehen der dcuischen Militärbehörde gegenüber den Belgiern eine brutale Verletzung des Völkerrechts darstellt?(Präsident Dr. Kaempf: Auch diese» ist keine Ergänzung, sondern eine neue Anfrage.) Auf der Tagesordnung stehen nunmehr die Jntcrpellationcu der Konservativen und der Sozial- dcmokraten über die Kriegszicle. Staatssekretär Dr. Helfferich: Ter Reichskanzler ist bereit, die beiden Jntcrpellativurn innerhalb der in der Geschäftsordnung vorgesehenen Frist an einem mit dem Präsidenten näher zu vereinbarenden Tage zu beantworten. Es folgt die zweite Lesung des Etats der Reichseisenbahne«. Abg. Fuchs(Soz).: Die ReickSeisenbahnen liegen jetzt zum größten Teil im OklnpationSgebret, aber man sollte doch bei der Beschränkung des Verkehrs nicht über das unbedingt notwendige Maß hinausgehen und nicht ganze Gebiete, die ziemlich fern dom Kriegs- schanplatz liegen, von jedem Verkehr ganz absperren. Der Gedanke der Vereinheitlichung der deutschen Bahnen mar- schiert.— Die Lohnverhällnisse der Arbeiter und Allgestellten bei den Reichseiienbahnen sind bei der gegenwärtigen Teuerung ganz unzulänglich. Bei der Lohnaufbesserung hat man den höchstbezahlten Arbeitern 8 Pf. pro Stunde zugelegt, den Arbeitern um dem niedrigsten Stundenlohn nur 4 Pf., so daß der Entlohnu ngö- abstand noch größer geworden ist. Die A r b e i t S z e i l bei den Reichseisenbahnen ist eine viel zu lauge.— Besonders übel sind die Pensionäre daran, die nur wenig über 60 M. erhalten. Auch ihnen sollte man Teuerungszulagen gewähren. Die Frauen sollte man zu den regelmäßigen Ueberstunden nicht heranziehen. Auch sollte man den Frauen für gleiche Leistung gleichen Lohn ge- währen. Die deutschen Eisenbahnen haben im Kriege sehr viel geleistet; aber die Arbeiter und Angestellten, die einen hervor- ragenden Anteil an diesen Leistungen haben, werden auf vielen Ge- bieten noch als m i n d e r e n Rechtes betrachtet. Man wollte ja sogar das Hilfsdienstgesetz scheitern lassen, wenn die Eisenbahnarbeiler die gleichen Reckle bekämen wie die anderen Arbeiter. Es wird so viel von der Neuorientierung gesprochen und man war ge- spannt, wie die oberste Leitung de» großen deutschen Eisenbahn- betriebes sich die Reuoriemieruug denken würde. Aber Herr v. Breiteubach hat selbst die bescheidensten Hoffnungen geläuschi. Wa- rum will der Minister denn nicht den Eijcnbahnarbeilern da» un- eingeschränkte Koalitionsrecht geben. Die Angst vor leichtserligm Streiks ist ganz unberechtigt, Eisenbahnerstreiks werden unter allen Umständen vermieden, wenn die Verwaltung den bcrecktigten Forde- rungen der Arbeiterschaft ein vernünftiges Entgegenkommen zeigt. ES gärt schon seil langein unter den Eisenbähnarbeitern. Ihren Forderungen muß Rechnung getragen werden, nur dann können dauernd gesunde Verhältnisse bei unseren Eisenbahnen geschaffen werden.(Beifall bei den Soz) Abg. Jckler(natl.): Zündstoff ist gewiß viel unter den Eisenbahnern vorhanden, aber es wird auch manchmal solcher Zündstoff von außen hineingetragen. So hat man jetzt versucht, auch die Eisenbahner zu bewegen, sich dem Streik der Munition»- arbeit er anzuschließen. Glücklicherweise hatten die führenden Organisationen ihre Leute fest in der Hand und so wurde dieser Streik zum Wohle der Eisenbahner und des Vaterlandes vermieden. Das S t r e i k r e ch t kommt für die Eisenoahner nicht in Frage, auch der neue Eifenbahncrverband hat ausdrücklich darauf verzichtet. AI» Ergänzung für da» fehlende Streikrecht müssen die Arbeiter- ausschüsse, die Sch l i ch tu n g s st e l l c n bei der Eisenbahn möglichst ausgebaut werden. Chef der Verwaltung der Rcichscisenbahnen Minister vvn Äreitcnbach: Ich bedauere als VerkehrSminister die in den Reichslanden besonders starken Verkehrsbeschränkungen, sie sind aber aus mili- tärischen Gründen unvermeidbar, da die Reichslande tin Operationsgebiet liegen. Eine grundsätzliche Nachprüfung de? Au»- reichen» der heutigen Beamte nbezüge wird sofort nach dem Kriege erfolgen. Andersliegt es bei den Arbeiter:i. Da» Lohneinkommen folgt viel unmittelbarer der jeweiligen Kon- junktur. So ist schon während de» Krieges eine erhebliche Er- höhung der Löhne der Eisenbahner erfolgt. Allein für die 1- Arbeiter der Reichseisenbahnen sind 1917 für Lohnerhöhungen 9,3 Millionen vorgesehen. Anzuerkennen ist, daß die Eisenbahner die großen Anforderungen, die jetzt an sie gestellt werden müssen, freudig erfüllen. Gegen die Auffassung, a!» ob die Arbeiter der Reichseisenbahnen als Arbeiter minderen Ranges be- handelt würden, mutz ich entschiede n st e n E i n s p r u ch erheben. Beweise wird der Abg. Fuchs für diese seine Behauptung nicht beibringen können. Den Beschlutz des Reichstags beim Hilf»- dienstgesetz bat die Eisenbahnverwaltung loyal ausgeführt. Die Ar- beiterausschüsse bei der Eisenbahn sind bereits im Januar dieses Jahres im Sinne jenes Gesetzes ausgestaltet worden, sie können auch über Lohnfragen verhandeln. Abg. Schirmer(Z.): Wir hatten erwartet, daß auch für das Eisenbahnpersonal Ar beiterausschüsse im Sinne de» HilfSdienstgesetzcs eingerichtet werden würden, die wirk- lichen Einflus? auf die Lohngestaltung haben. Ein solcher Ausbau der bestehenden Ausschüsse wäre sehr wünschenswert. Abg. Warmuth(Dr.Fr.): Bedauerlich und erstaunlich ist, daß die Eisenbahnverwaltung nicht Gebrauch macht von dem n e u e.n Wasserumlaufapparat des Ingenieurs Kunert, durch den die Leistungsfähigkeit der Lokomotiven ganz gewaltig er- höht werden würde. Abg. Gotha»(Vp.) bedauert, daß die aus dem Handwerkerstände hervorgegangenen Beamten schlechter gestellt sind als die anderen Beamten. Dem dringenden Wunsche de» Reichstage» nach Einführung von Arbeiterausschüssen im Sinne des Hllfsdicnst- g c s e tz c s sollte sich der Minister nicht länger widersetzen. Abg. Haegy(Elf.): Heute sind die Eisenbahnen die Füße der Heere. Die Armeen marschieren auf den Eisenbahnen. Die Eisen- bahner haben ihre volle Pflicht getan. Um so mehr sollte man ihren berechtigten Wünschen entgegenkommen. Abg. Wcrncr-Hersfcld(D. Fr.) tritt für Besserstellung der Werkmeister ein. Chef der Verwaltung der Reichseisenbahnen v. Breitenbach: Ueber die Frage des Wasjerumlaufapparats sind sich die Techniker noch nicht einig, sie wird aber jedenfalls weiter geprüft. Auf dem Gebiete des Lokomotivbaues ist die preußischchessische Eifeubahnver- waltung stet» führend vorangegangen. Der Einführung der H e i ß- dampf Maschine haben wir unsere wirtschaftlichen und zum Teil auch unsere �Kriegserfolge zu verdanken.(Bravo!) Abg. Fuchs(Soz.): Tie Zahlen, die der Minister über die er- folgten Lohnerhöhungen angeführt hat, können wir nicht nachprüfen, da uns der sonst übliche Verwaltungsbericht auch im dritten KriegS- jahr leider nicht vorgelegt worden ist. Davon, daß der Minister den Wünschen des Reichstags in der Frage der Arbeiterauöscküsse gewissenhast nachgekommen sei, haben die Arbeiter bis heute nicht» gemerkt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Der Etat wird bewilligt. ES folgt der Militäretat. Nachdem Abg. Nebel(Z.) über die KomuiissionZbcrhandluiigen Bericht erstattet hat, nimmt das Wort Kriegsmiiiistcr bvn Stein: Unsere Truppen kämpfen draußen an der entscheidenden Front unserer Heere mit unvergleichlicher Tapferkeit, Hin- gäbe, Treue und Selbstüberwindung. Wir werden kaum in der Lage sein, von unserem nahen Standpunkt aus die Leistungen aller dabei Beieiligten, vom obersten bis zum geringsten herunter, richtig bewerten zu rönnen. Das wird erst nachfahrenden Geschlechtern beschieden sein. Unsere Armeen draußen habe» de» Kampf aufgenommen und führen ihn durch in dem vollen Vertrauen und Bewußtsein, daß hinter ihnen die Heimat st e h t nnd das gesamte Volk, unser Volk, toelche» ebenso in den 5iampf verwickelt ist durch die tägliche Not, die der Krieg herauf- beschworen hat und da» trotzdem für die kämpfenden Truppen alles geleistet hat, was zur Durchführung des Kampfes unumgänglich notwendig war. Unsere Armeen sind in der vollen Zuversicht, daß da» so bleiben wird. Gegenüber den großartigen Leistungen der Truppen sind natur- gemäß manche Wünsche laut geworden, die sich auf die Bewertung auch des einzelnen Mannes, beziehen. Da spielt in erster Linie eine Rolle die Behandlung. DaS Kapitel der Mi ß h a n d I u n g e n ist ja ein höchst wunder Punkt, der lange Jahre die Beteiligten, wie das Volk, beschäftigt fiit.£tdj"in ban/£dr, das; mcinf Vor�äng�r in beaifi'tßep Sinne in dieser Beziehung gearteitet haben, wie ich das Werk bftwsichiiye fm'lzufcijen. Mil ßrtuben habe>ch van vielen Seilen gehört, das; Von der Front sehr w e» l g SV läge u über M i ß h a n d l u n» g c n eingelaufen sind. Taö ist natürlich, da dort die gemeinsame Gefahr, der gemeinsame Stampf und die Kameradschaft diese Lachen leichter überwinden lassen. F m u b r l a e n s i n d m c h r K l» g e n eingegangen. Man muß dabei berücksschtigen. daß bei der vlilSbildung in der Heimal vielfach Kräfte beschäftigt sind, die van der Front kaum hergestellt, zurückgekommen und unter Ilmständen noch angegriffen sind. Ties kann erkläre», oder nicht entschuldigen. stch werde ans jeden Fall rürksichielos gegen diese Lachen vor. geben und werde vor leiner Person dabei Halt mochen.(Bravo!) .och habe van der Zeit meines Soldatseins her immer nur mit einer gewisse» Berochtung diese Dinge gesehen, denn ich halte es iur unwürdig, denjenigen, der dusch seine Lage ohnehin der schwächere Teil ist, in irgendeiner Weise zu vergewaltigen,(«ehr richtigl und Bravo!) In dieser Zeit, wo alle Kräfte zusammenwirken für das Vaterland, ist es selbstverständlich, daß die Wurde deZ einzelnen gewahrt werden muß. Die Frage hängt eng zusammen mit der Disziplinarslrasgewali. Da bat sich ein Unwille erhoben gegen die Art der DurchsüHrimg de» strengen Arrest durch Anbinden. Eö ist leine Frage, daß das eine sehr schwere Strafe ist, die viele Nachteile ini Gesolge haben kann. Seine Majestät hat schon vor längerer Zeit den Befehl gegeben. daß di« Vollstreckung dieser Strafe a» s ö ä u h t r st e cingeschräntt werden soll und daß jeder Vorgeschte. der ihre Vollstreckung an» ordnet, unter strenge Kontrolle gestellt wird, indem er sofort der vorgesetzten Dienststelle Meldung machen muß über den Grund und die näheren Umstände. Ich kann es sehr wohl verstehen, wenn man im Brustton der Neberzeugung von der Roliheit dieser Strafe redet. Unter Umständen aber kann sie doch geeignet sein, schwere Folgen zu verhüten. Trotz alledem siebe ich auf dem Standpunkt, daß man es der Gesamtheit der Armee zutraue» kann, daß diese Strafe stillt.(Sehr richtig!) Ich habe allerdina? viele Stimmen gehört, darunter auch solche, die auch Ihnen bei vielen Gelegenheiten wichtig und bedentnitgOvall vor- oelommen sind, die die schiversteu Bedenken halten, von dieser Strafe Abstand zu nehmen. Trotz alledem habe ich schon nach dein Borgang de» obersten Kriegsherrn, der gezeigt hat, wie er stck. zu dieser Strafe stellt, die nötigen Schritte getan, damit auch diese oltz Schandfleck unserer Armee erscheinen könnende Strase verschwinde!. chLravo!) Wa? da» Beschwerderecht anizige. s' ist unsere. Be» schwerdeardnung nicht so rückständig, seitdem darin aiifgenonunen ist. daß der Mann, der sich beschweren will, sich sofort an seinen Ha» pt mann wenden kann. Dadurch werden all die kleinen Zwischeninstanzen vermieden, die am erilen geneigt sind. ihm Steine in den Weg zu werfe».(Sehr richtig!) Der alle gute.Haupt rn an», de» wir vorn Frieden her kenne», der jeden Mann kannte von seiner Kompagnie und für jeden sorgte, der beim Marschieren wie ein Schäferhund seine Kompagnie um- kreiste und alle» sah, der ist ja leider ans unseren vielen Schlncht- feldern liegen geblieben, oder an Stellen gerückt, wo seine Vor- männer in höheren Chargen verschwunden sind. An seine Stelle sind jüngere Elemente getreten. Aber der große Zusammenhang der gemeinsamen Gefahr und die Kameradschaft gleichen doch vieles an», und wir dürfen hoffen, daß die genau»nterrichteien Vorgesetzten wieder erscheinen werde». Was bei»»serce Be- schwerdeordnnng bi eil et cht am meisten angreifbar ist. könnte, der Umstand sein, daß der Mann, der eine»n gerecht- Wrtigte, k e! ch t f e r t i a e oder tu der Form falsche Beschwerde, anbringt, strafbar ist. In der Praxi» entscheiden die höheren Stellen— wie ich das auch wiederholt getan habe— bau f ig. daß der Mann nicht z u bestrafen ist. Es ist aber wohl bester, daß dies nickt dem Ermessen der einzcl- ncn überlassen bleibt, sondern daß darüber auch a l l g e- meine Bestimmungen gegeben werden. Selbstverständlich muß die bewußt unwahre Beschwerde, die alle möglichen bösen Folgen»ach sich ziehen kann, strafbar bleiben. ' Wir müssen auch der Behandlung unserer Gesnn- ge nenin Feindesland gedenken. Ich Hobe daö letztemal darüber gesprochen und ich würde ungerecht sein, wollte ick deute nickt sagen, daß wir bei unseren letzten Verhandlungen bei den sran- zöfischtn Kommissaren ein grosses Entgegenkommen gesunden haben. Alle deutschen Gefangenen sollten au» der Ge- sahrzone bis ouf 30 Kilometer hinter der Front zurückgezogen wer- den, und die französische Negierung bat um Frist bis zum 1. Mai zur Ausführung der Maßregel, dann sollten auch wir die sran- zösischen Gefangenen entsprechend zurückziehen— gewiß ein E»t- gegcnkommen. da unsere Maßregel abhängig gemacht wurde von der Vollendung der französischen Maßregel. Wir baden sofort nach dem I. Mai, nachdem wir uns überzeugt hatten, daß die französische Zusage erfüllt war, die Maßregel durchgeführt, und ich hoffe sehr v i e I s ch n c l l e r als e» in Frankreich geschehen ist. Unter der tai- kräftigen Mitwirkung der Schweizer Regierung haben die französi. scheu Kommissare auch zugesagt, sich für eine noch weitere Zurück- ziehvng der Gefangenen hinter der Front einzusetzen. Die Zu. stimMung der französischen Regierung ist noch nickst eingegangen. Die Maßnahme wäre wichtig, denn je näher an der Front, um so größer ist naturgemäß auch die Erbitterung und der Haß der Be- völkcrung und um so schlimmer die Behandlung der Gefangenen. Leider haben wir auch hier erfahren, daß einige unserer Gefan- genen an der Front sehr unwürdig behandelt worden sind, um von ibncn alle möglichen Aussagen zu erpressen. Wir haben die französische Regierung nicht in Zweifel gelassen, daß wir sofort G c g c n m a tz r c g e l n ergreifen werden.(Bravo l rechts.) Auf Einzelheiten gehe ick nicht ein,«ine Ausnahme mache ich nur mit der neuen Position für die H a u p t k a d e t t e n a n ft a l t. Ich habe nicht die Hoffnung, daß nach Beendigung dieses Krieges ein ewiger Völterfrieden eintritt. Zu einer Zeit, wo zwei große Völker, die bisher nickt daran gedacht haben, große Heere»- mästen zu halten, daran geben, sich große Heere zu schaffen, sind die Aussichten auf einen ewigen Frieden nicht groß.(Sehr wahr! rechts.) Wir müssen uns also vorbereiten, unseren Nachfahren das zu bewahren, was wir ihnen erkämpfen. Nun sind ja über die Kadcttenanstalte» manche Beschwerden er- hoben. Ich habe mich mit der Materie nicht beschäftigt, ich selbst hj» nicht Kadett gewesen. Aber gar so schlecht kann es mit ihnen doch nicht bestellt sein, sind doch Männer wie Hin den bürg und Ludendorff aus ihnen hervorgeaangen. Ich werde aber prüfen, ob Aenoerungcn nötig sind, dos Regulativ ist nicht ganz neu, cS stammt au» dem Jahre 1838. tHciterkeit links.) Viel geklagt wird auch über den B u r e a u k r a t i s m» S. Durch ihn ist aber eine große Gewissenhaftigkeit der Arbeit erzielt. Wenn ein Einzelner zu entscheiden hat, ist das gewiß ein kürzerer Weg. Bei den Klagen über den Bureaukratismu» ruft man oft nach starten Männern, die sich durchsetzen und schnell handeln. Das kann der Einzelne aber nur nntcr Verletzung von Best immun- gen. und dann wird wieder darüber geschrien. Von mir selbst spreche ich ungern, muß aber heute eine A»S- nähme machen, um meine Lage zu kennzeichnen. Ich habe den ganzen Feldzug mitgemacht und noch keinen Tag Urlaub gehabt. Meine Leute lagen Slops an Kopf mit dem Feinde und ich konnte es nicht verantworten, sie zu verlassen. Noch einer vier- monatigcn Schlacht wurde ich an diese Stelle berufen. Ich war niemals im Kriegsministerium und die Arbeit hier würde für mich ganz unmöglich sein, wenn mich nicht ein Stab von erfahrenen. freudigen, arbeitsamen Menschen umgeben hätte, die Tag und Nacht ikre ganze Kraft in den Dienst stellen.(Bravo? rechts.) Wenn also nicht alle Wünsche und Klagen in dem schnellen Temvo erledigt werden lönncn, wie die Ungeduld c» wünscht, so bitte ich das zu be- denken, besonders zu einer Zeit, wo ick neben meinen Arbeiten anderer Art alle Aufmerksamkeit richten muß auf die Kameraden an der Westfront, und mich vernflichiet balle, dafür zn sorgen, daß ilinen alles zugeführt wird, was ihnen Mittel und Gelegenheit gibt, den Kampf durchzukämpfen, damit wir das erreichen, was wir alle wünschen: den ehrenvollen Frieden.(Lebhafter Beifall.) Abg. Schöpslin(Soz.): Den Leute» draußen soll man nicht mit Worten danken, son- dern�mit Taten. Ter Kriegsminister bat recht, daß der biirean- kratische Weg sehr langsam ist. aber so besonders sicher ist er darum doch nicht. Die Worte des Sleirgöministers in allen Ehren, aber die Bolschaft höre ich wohl— ich will nicht sagen, mir fehlt der Glaube, aber er ist nicht sehr stark. In der Kommission ist der KriegSministrr auf unsere Klagen so gut wie gar nicht cingcgan- gen, er saß auf seinem Stuhl wie ein st e i n c r n e r G a st. Die tätlichen B e l e: d i g u n g'e u im Felde sind zweifellos geringer geworden, dafür sind aber die wörtlichen Beleidigungen«nßerordcnllich gewachsen. Dagegen könnte Abhilfe geschafft» werden, wenn mit der Energie vorgegangen wäre» die mir verlangt haben. Eine Hanplklage der Leute ist, das, sosart» wenn sie van der Front in Ruhestellung gehen, der schlimmste Trill einsetzt. Hunderte von Silagen laufen ein über die Art. wie draußen gebimst wird. Leute, die seit zwanzig bis dreißig Monaten im Felde stehen, die in den Karpathen, in Rumänien, in Galizien. in Kurland, Belgien. Frankreich gelämpft haben, werden in schlimmster Weise gedrillt, sobald sie in Ruhestellung komme». Das muß eine böse Stimmung erregen. lLebhaftcs Sehr richtig!) Diesem unmäßigen Drill kann und muß die Militärverwaltung ein Ende machen. Im muß einiges überwinden, um in der Minute, wo in Frankreich die furchtbarsten Kämpfe stattfinden und die deut- schen Triwpen Uebcruienschlichcs leisten, hicc im Reichstag auszn- führcn, wie die Lcnte zum Teil behandelt werden. Da» hätte vre- hindert werden können. Ter Kommandeur, der ernstlich Beschimpfungen und Mißhandlungen wegräumen will, räumt sie auch weg. Wenn z. B. ein Slompagnicführcr vor seinen Rekruten, von denen d e r j ü n g st c e i n!ib j ä h r i g e r L a n d st u r m m a n n i st, ans- führt: Wenn ich mich ärgere sage ich: Ihr Stiere, Ihr .H n n d» fö ttt r, Ihr Idioten, aber das ist olle» nicht per- sönlich, da» ist nur sochllch(Lachen b. d. Soztaldemolr.)— lo kann man sich denken, wie es wirkt, wenn dicher Herr persönlich wird. Tie schlechte Behandlung der Mannschaften im Zug nimmt zu, je weiter n:an nach dem Osten kommt. Diesem Unwesen entgegenzutreten, ist des Kriegsministers militärische Verpflich- iung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Besondere Beschwerden liegen in der Nrlaubsfrazr vor. Es ist versprochen worden, daß mindestens jährlich einmal Urlaub gewährt werden soll. Trotzdem haben wir nocki beute die skandalösen Fälle, daß Leute 18 Mauate, zwei Jahre draußen gewesen und nach gar keine« Urlaub uetammeu Italien.(Hört, hörtl) Dagegen haben andere bielsach Urlaub erhallen. Die Günstlingswirtschaft feiert eben leider auch jetzt draußen im Felde ihre Orgien. Ter Kriegsminister hat gesagt, er habe auch noch keinen Urlaub erhalten. DaS bedauere ich. Aber ein kleiner Unterschied ist es doch, ob ein kommandierender General die ganze Zeit draußen ist oder ein Mann, der ständig im Schützengraben. Der Reso- lution auf Erhöhung der M a n ü s ch a f t S l ö h n e cmpfcklc ich dringend zuzustimmen. Durch die Dauer des.Krieges wird diese Frage immer wichtiger.(Zehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich bitte den NeichjSschatzsekrcior, hier nicht länger die Onellc des Widerstandes zn fem. Ebenso loicklig ist Gewährung eines zweiten Putzgeldes au.Leute, die zwei Jahre im Felde stehen. Viele Leute draußen haben ü b e r ho n p t noch kein Putzgeld erhalten. iHöri, hört!) Sehr lebhaft wird geklagt über die Verpflegung. An der Front ist sie allerdings besser geworden, insbesondere dort, wo schwer gekämpft wird. Aber schwere Klagen kommen aus der Etappe, bor allem ans der Hei- mal. Gewiß müssen wir verflucht haushälterisch wirtschaften, um durchhalten zn können. Aber was die Soldaten bekommen, sollte wenigstens möglichst gut zubereitet fein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Außerdem darf der Unterschied zwischen der Verpflegung der Offtzirrr und den Mannschaften nickt so groß sein. Die Offiziere, die im allgemeinen noch sehr gut leben, dätien»ie Pflicht, auck für ihre Soldaten zu sorgen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemekratev.) Ebenso wird geklagt über da» Kqnttnenwesen. Ich gebe zu. daß eS schwer ist. die befriedigenden Reformen durch- zuführen. Zum mindesten sollten die K a n t i n e n ü o c r s ch ü s s e den Soldaten wieder zugute kommen. Ein Ersatzbataillon hat schon im vorigen Jahre 00 000 M. Kriegsanleihe zeichnen können. (Hört, hört!) Das beweist, welche Ueberscknsie erzielt werden. Tie Unterstützung Verwundeter ist Sache des Rciche», dazu dürfen nickt noch Fond« ans den Groschen der Soldaten aufgespart werden. Die Preise in den Kantinen sind meist viel zu hoch. Es kommt auch vor, dast die Offiziere durch Ihre Vnrfchcn die Waren in den Kantinen in grotzen Posten aufkaufen und nach Saufe schicken, und zwar als Dienstgepäck.(Hört! hört! be! den Sozialdemokraten.) Da» mutz auf die Soldaten, die die dann nicht mehr bekommen können, außerordentlich ver- bittcrnd wirken.(Sehr wahr!) Auch bei den Offiziers- b u r f ch e n herrscht große G ü n st l i n g» w i r t s ch a f t. Sie be- kommen alle Augenblicke Urlaub im Gegensatz zu den anderen Soldaten. Vielfach kaufen die hohen Offiziere in der Etappc Lebensmittel und Vieh ausschließlich für ihre persönlichen Zwecke auf.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein grober Unfug ist e», daß höhere Offiziere, drei, vier Burschen kalten. Da kommen ganze Armeekorps heraus! Heute, Ivo fast der letzte Mann eingezogen wird, müssen solche Mißstande verschwinden. Ich bringe diese Beschwerden nicht etwa ans Grund vereinzelter Soldaten- bricse, sondern als Niederschlag des Studiums von sIunderten und Tausenden von Soldaten briefen, in denen sich immer dieselben Klagen finden. Da kann man nicht einfach alles auf die nervöse Stimmung, die draußen herrsche, zurück- führen, wie das in der Kommission geschehe. Eine weitere Resolution verlangt, daß auch Soldaten Offiziere werden können. Selbstverständlich ist die Forderung berechtigt, ober ob die Annahme der Resolution viel Erfolg haben wird, bezweifle ich. Müssen doch im deutschen Heer O e st e r r c i ch e r. die dort bereit» Zugführer waren, wieder a l s Gemeine anfangen.(Hört! hört!) Ferner bitte ich Sie, einer von un» gestellten Resolution guzu- stimmen, wonach der Reichskanzler dafür sorgen soll, daß die von verschiedenen stellvertretenden Genrralkominandos erlassenen Ver- ordnungcn über ArbcitShllfc in der Land- und Forst- Wirtschaft, die mit den Bestimmungen des Hilfsdienst- go s c tz e S in Widersruch stehen, aufgehoben werden. DaS lächsischc Kriegsministerium hat in einem Falle einen Lohn von 11,30 M. in der Woche für Arbeiterinnen für genügend erklärt! (Hör!! hört!) Was das Kapitel Politik in: Heere betrifft, so ist es merkwürdigerweise vorgekommen, daß man der Verbrei- t u n g der»Sozialdemokratischen Feldpost" Schmie- r i g k e i t e n gemacht hat. Ich hoffe, es wird diese öffentliche Kritik genügen, damit solche Dinge sich nicht wiederholen. Die Verlust- I i st c n haben sich ständig verschlechtert: c» ist jetzt fast unmöglich, einen bestimmten Mann hcransznsinden.— Zu begrüßen ist die Zusage, daß das Anbinden beseitigt werden soll. Hoffentlich wird diese Zusage auch schnell bei allen Truppenteilen durchgeführt. Leider ist der preußische Kriegsminister in viellen Fällen gar nicht imstande, das durchzuführen, was er will.— Zum Schluß ein Wort an General Gröner. Sein Erlast an die Munitionsarbeiter hat einiges Aufsehen erregt.»Wer wagt es, nicht zu arbeiten, wenn Hmdenburg befiehlt" usw. hieß es da. Ich nehme keinen Anstand, die Streiks gerade in dieser ernstesten Situation zu ver- urteilen. Aber wenn die Streik» benutzt worden sind, um zn hetzen gegen die Organisationen, so weisen wir das Treiben dieser reaktionären Kreise aus das cntschie. dcnste zurück.(Sebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Aul- ruf des General Gröner war um so auffallender, als Serseibe Herr in der Kommisston sich irbc ruhig und für einen General sehr v e r st ä n d i g über den Streik aussprach. Was glaubte General Gröner mit diesem Erlaß zu erreichen? Ich bitte ihn in Zukunft, solche temperamentvollen Erlasse nicht mehr herauszugeben. Es gibt geschicktere und gescheitere Schwabenstreiche. Der Hauptgrund des Streiks war die Kürzung der Brotration. Kann man es den Ar- beitern verübeln, wenn ihnen bei den Ernährung» schwierigfeiten mal der Geduldsfaden ritz? Sie müssen ja ansbaden, was die Regierung 2',-! Jahre gesündigt hatte» obwohl sie von den Vertretern der Arbeiter gleich bei Beginn de» Krieges auf die notwendigen Maßnahmen hingewiesen war. Und dazu kam die Friedenssehn- sucht. Angesichts dieser Umstände war es am wenigsten angebracht, die Arbeiter anzuhauchen, wie ein Feldwebel seine Untergebenen. Auch das Hineinziehen des Gencralfeldmarschalls Hmdenfmrg macht die Sache nickt besser. Auf ihm lastet eine militärische Verantwort- lichkeit und c« ist eine Unsitte, seine Person in alle m ö g l i ch e». D: u g c hineinzuziehen. Ich hoste, daß es nicht Weiler geschickt. Bei solchem Vorgehen könnten wir dock zu schwere» inneren Citnalionen kommen. Die Arbeiterschaft ist sich ikrcr Ausgabe in dieser Zeit bewußt. Nock) ist der Komps nickt! zu Ende. Um so notwendiger ist e», daß die Hetze tu der Presse der Rechten gegen die Arbtiter unterbleibt. ES gibt einen Moment. wo der Geduldsfaden reißi. Wir wollen aber hoffen, daß er bei den Arbeitern nicht reißt. Möge» die Herren von der Reckten das Ihrige dazu tun.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) ©cucrollcutnont Gröner: Ich hake mich gefreut, daß Herr Schöpflin über den Streik Worte gefunden da!, die mit meinen Anschauungen überoinstim- mc». Er bot selbst gelegentlich betont, daß es Dinge gibt, die man deutlich bezeichnen muß. So hielt ich es auch nach dem 18. April— das war der Tag. von dem an die Gemütlichkeit auf- hörte und aufhören mußte— für notivendig, einmal ei» g u n z deutliches und kräftiges Wort unseren deutschen A■- beitern zu sagen, tocil ich das Vertrauen habe, daß in der Masse der Arbeiter dockt nackt das Gefühl für ein deutliches tmd offenes Wort vorbanden ist. Nickt nur den Arbeitern, sondern dem ganzen Volke muhte einmal klar und deutlich gcsaat werden, welch ein tingefieuerlicheS Verbrechen Streiks in der gegenwärtige n Lage sin d. Mit diesem Aufruf spreche tat ans der Seele des ganzen" Heere». Ich bin mit dem Aufruf hervor- getreten ans dem Gefühl der schweren Verantwortung für die Versorgung des Heere» mit Waffen und Munition heraus, und jeder Mann in den Granatlricitter» und den Maschinengewehr- nestertt weiß mir Dank dafür. Daß den berechtigten Wünschen der Arbeitet: Rechnung getragen werden muß. Habe ich in der Kommission mit derselben Tcutlichkeit ertlart. Ick verkenne nickt, daß die Organisationen der Arbeiter sich alle erdenkliche Milbe ge� geben Itaben. auf sie einzuwirken. Daß sie eine andere Sprache reden» ist selbstverständlich, aber sie müssen mir erlauben, m eine Sprache zu reden. iZurnfe bei den Sozialdemokraten.) Ein deutliches Wort hat bisher noch jeder vernünftige Deutsche er- trogen können.(Zurufe: Das waren Beschimpfungen I) Ein- mutig mutz jetzt die Ucberzeugung herrschen, es muß Ruhe sein in der Arbeiterschaft, und unter der Arbeitcrscktaft verstehe ick dgS ganze Volk. ES muß einer für alle und alle für einen stehen. Mein Aufruf ist keine Schimpferei, sondert: der demliche Ausdruck dessen, was ich fühle. iWidersprnch bei den Sozialdemokraten.— Kriegsminister v.� Stein: In der Frage des Anbinden» er- lvidere ich dem Abg. Schöpflin lediglich, daß ich noch nie leere Worie gemacht habe, er möge mein Handeln abwarten. Das Hans vertagt sich. Präsident Tr. Äaentp? Ifill mit, daß verschiedene Interpellationen eingegangen sind. 1. Eine s o z i o l d c m a k r o- tische Interpellation, was der Reichskanzler zu tun gedenk:, um dem Zustand ein Ende zn bereiten, daß durch den Militär- befehlshabcr in El saß-Loth ringen andauernd gegen dir elsast-lothringischc Verfassung, gegen da» Schutzhaktgesetz und gegen die Immunität der RcichStagsabgeurdneten Verstössen wird. L. Eine Interpellation H a u ß(Eis.), die außerdem darauf hin- Iveist, daß durch die Militärbehörden in Elkaß-Lothrtogen der Z u- s a in in e n t r t t t des Landtags, der alljährlich den Elal festzustellen hat, verboten worden ist. Diese Interpellationen werden ouf die Togetordnung d'r morgigen Sitzung(Beginn 1ü llhr) gesetzt und außerdem die Fort- sctzung der Beratung de« Miltiäretatsi Schluß gegen 7'A Uhr. parlamentarisches. Polenfragen im Hauptausschusi. In Forlsetzung der Debatte über die besetzten Gebiete spricht R a u m a n n(Vp.) über Polen. Er tadelt die Rückstchlslosigkeit bei Entnahme von Rohstoffen, namentlich In Lodz und die Nicht- herücksichtigung der Inden bei der Beschäftigung von ArheitSkräfien. Er verlangt Umwandlung des Staatsrat« in ein wirkliche« Mini- störium. 23 a 1 1» u i$(Disch. Fr.) findet dagegen die Vollmachten de» Etaalsrats jetzt schon zu weitgehend.— Major K ö t h erklärt, der Lodzer Industrie aegenüber se! nicht anders vorgegangen worden, als gegenüber der deutschen; Härten sollten durcki Eni- schädignng gemildert werden.— Cohen-Reuh(Soz.) kritisiert 'chars die Zustände in Oberost unter dem Fürsten Isenburg- Birst ein und seinem Untcrgouvernenr Dorck von Wartenkurg. Letzterer sei endlich auch seine« Amte« entsetzt worden. Ter Fürst aber, der noch immer auf seinem Platze sei, habe die politische Presse unterdrückt, Spitzel Wirtschaft gestiftet, die Lebensmittelversorgung vernachlässigt.— Gothein(Vp.) bestätigt diese Klagen. Ter Fürst von Isen- bürg bleibe auf seinem Posten wegen seiner hohen Verwandtscktari. Polen müsse selbständige« Zollgebiet werden mit VorzugSbcstim- mungen für die Ausfuhr nach Rußland. Es wurde festgestellt, daß die für die Vorgänge in Polen ver- emiwortlichen Herren vom Reichsamt des Innern nicht anwesend ein können, da sie im VerfasiungsauSschuß unabkömmlich seien. Infolgedessen mußten die Verhandlungen auf Sonnabend vertagt loerdcn. �_ Ernährungtzfragen im RcichstagbauSschuss. In einer Debatte über die Höchstpreise für Frühgemüse prack sich am Freitag Heck(natlft gegen sie Preisfestsetzung ans, die S ch m i d t- Berlin(Soz.) für dringend nötig erklärte, um Preistreibereien zn verhindern. Per Redner tadelte die hoben Aufschläge der Gemeinden, namentlich in Berlin, wo der Preis um mehr als die Hälfte gesteigert werde. Ter Leiter der Rcichsgemüsestelle von Tilly erklärte, daß die Richtpreise auch für Frühgemüse aufrechterhalten werden. Für die nächsten vierzehn Tage sc: ihre Erhöhung bis zn 50 Proz. zulässig, dann werde die Senkung erfolgon. Die Produktion von Dörrgemüse und Kriegsmus leide darunter, daß sich u n- zecigncte Leute in die Fabrikation eindrängten. DaS Ziel st, im nächsten Jahre pro Kopf und Monat zwei Pfund Marmelade M verteilen. Spargel dürften in diesem Jahre nur vierzigtausend Zentner konserviert werden(gegen 280 000 im Vorjahre), um den Verkauf von frischen Spargel zu erzwingen. Zur Zuckcrfrage wird miigeteilt, daß 000 000 Zentner für Marmelade verteilt sind. Wer keinen Zucker erhalte, solle künftig mehr Marmelade oder Kunsthonig bekommen. Zur Eierversorgung wird die Höhe der Autschläge— 8 bis 10 Pf. pro Ei— lebhaft kritisiert, sie wird jedoch von Re- gierungsscite für angemessen erklärt. DaS Elend des unehelichen Kindes. Als Referent gab Abg. Dr. Quarck(Soz.) eine knappe, aber erschöpfende Darstellung der internationalen Rechtslage unehelicher Ätndiir. Zlorwegcn mit seinem außerordentlich fortschrittlichen Für- forgcgcfcfe von 1909 morschiert an der Tpitzc, Hai für„Kinder, dcrsn Eilrrn nicht untereinander die Ehe geschlossen haben", die fortschrittlichsten und diirchgreisendsten Bestimmungen, während das deutsche Bürgerliche E-cigtzbuch mit seiner Vcrsagung der Erb» und Kindesrcchte gegei-über dem Vater zu unsäglichen Mißständen fübrie. Tie Väter zeder Klasse benutzen diese Bestimmungen als willkommenes Mittel, die Alimemmprozesse ins Unendliche zu vcr» schleppen und manche uneheliche Mutter hat deshalb schon-selbst- Word begangen, während ihr Kind dem Elend anheimfiel. Tie Ne- gicrung hat am 17. Februar im preußischen Abgeordiictenhausc in Äuc-sicht gestellt, daß man alle Bciwohncr der unehedlichen Mutter zum Unterhalt deZ Kindes heranziehen könne. Das würde nur eine Vcrzehnsachuiig deS Prozctzeiendes bedeuten. Helfen kann nur volles Ervrecht nach dein Vater, Unterhaltspflicht über das 19. Jahr, Uusdchnung der EmpsängniSzeit wie bei den ehelichen Kindern, schartcre Strafbestimmungen für Väter, die sich böswillig der Unter- baltspslicht entziehen, sowie Uebertragung der Fürsorge aus die Kontinunalberbände mit Reichszuschuß und gesetzlicher Uebernahme der Berufövormundschast durch diese. Eine Reihe kleinerer Reformen bleibt noch zu erwägen. Wie bei den Geschlechtskrankheiten muß die Gesetzgebung autüören, der Frau allein die Last auszuladen. Tas bevölkerungspolitische Interesse des Reichs, das alle nur er- reichbärcn Kinder zum Ausstieg sich erhalten muß, verlangt gebiete- risch die dargelegicu Reformen. Abg. Tr. Faßbender(Zentr.s berichtet über die Frage der nnebelichen Kinder im besetzten Belgien. Tie beiden Referenten sollen entsprechende Schritte bei der Regierung vorbereiten. In der Tistussion gibt Geh. Rat Tr. Dronke als Regie» rungsvcrtrcter zu. daß bevölkerungspolitische Rücksichten jetzt in und nach dem Kriege ein neues Moment werden können, das den Standpunkt des Bürgerlichen Gesetzbuch verändern kann.— Abg. M u in in ist für Beseitigung der..Einrede der Mehreren" im Bürgerlichen Gesetzbuch.— Abg. Meerfeld(Soz.) tritt für die Dringlichkeit der Reform ein. die er erst kürziich als Kölner Gc- schworcncr in mehreren Kindcsmord- und Abtreibungsprozcsscn Wunen gelernt hat. Scküießlich wird eine Unierkammiision zusammen mit dem Referenten mit der Ausarbeitung der Anträge betraut. Tic Aushebung der Gcsindcordnung im Petitiontzau5schuf> des Reichstags. Eine Eingabe des ZcntralverbandcS der HaiiSaiigestellten. Eitz Berlin, kam in der Freiiagsitzung znr Sprache. Der Referent Brcn isaz.i erinnerte daran, daß der Reichstag und die Petitions- kommission wiederboli die Reform des GesinderechiS gefordert hätten, aber beim Bundesrat auf Ablehnung gestoßen seien. Es entspann sich eine längere Debatte darüber, ob die RcicbSgcsetzgcbung zu- siandig sei, was von den Soziatdemokralen entschieden bejaht wurde. Die Aussprache wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt. LanöVirtschaft unö vaterländische hilfsöienstpflicht. Die Einbeziehung der Landivirtsckafl unter die Bestimmungeii deS HilfSdicnstgesetzcS wurde allgemein begrüßt. Daß durch die Schaffung der SchlichtungSstellen auch den Landarbeitern Vteck?te zu» gebilligt wurden, ist nur gegen starken Widerstand der Agrarier er» reicht worden. Daher setzlen auch sofort die Bestrebungen jener Kreise ein, um den ländlichen Arbeitern und Arbeilerinnen die errungenen Rechte wieder zu»ehnieii. L e i d e r u, i r s a st v o 1 1 e rn Erfolg. Denn durch die Er- laste der GcncralkommandoS aus Grund des EMeye« über den Be» lagcrungSzustand sind die Borteile des Hiissdienstgcsetzes, soweit diese für Arbeiter gellen, erheblich eingeschränkt worden. In der Mainummec deS Organcß de» deutschen Landarbeiter» Verbandes»Der Landarbeiter" wird hierüber folgende» Veit» ösfenllicht: »In den letzten Wochen find uns Erlasse des stellveriretenden Generalkommandos bekannt gcwotdcn, nach denen nicht nur die Freizügigkeit der Landarberrerschaft in weitgehendem Maße aus- gehoben ist, sondern auch zugleich der Arbeiiszwang emgesübrt wird, der auch eine zwangsweise Festsetzung der Lohnhöhe in sich ichließ:. Da» letztere ist für uns die bedenklichste Seite dieser neuen Aersügungen. So veröffeniltchl der Lberbeschlshaber in den Marken folgende Bekauntmachuiig: »Auf Grund des§ Ob be» Gesetzes über den Belagerungs- zustand ist männlichen und weiblichen Personen, die in der Land- oder Forstwirtschaft beschäftigt sind, verboten, ohne s ch r i f t- 1 i ch e G e n e h m i g u it g des A m r» v o r st e h e r S sin den Städten des Bürgermeisters) in eine andere a 1 S land- oder for st wirtschaftliche Beschäftigung über- zutreten. Jugendliche Personen, die in einem Arbeit«- Verhältnis noch nicht gestanden haben, dürfen ohne Genehmigung eine andere alt landwirtschastliche Beschäftigung nicht annehmen. Die Genehmigung ist nur zu erteilen, sofern die landwlrtschast- lichc Erzeugung nicht beeinträchtigt wird. Jede männliche oder weibliche Person ist verpflichtet, auf Auf- forderung der zuständigen Behörde ihrer Wohnsitz- oder Nachbar- gemeinde gegen den ortsüblichen Lohn eine ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechende landwirtschaftliche Arbeit zu übernehmen, soweit eö ohne wesentliche Schädigung ihrer eigenen Verhältnisse geschehen kann. Die Aufforderungen erfolgen in den Städten durch den Bürgermeister, im übrigen durch den Amisvorsteher. Sie dürfen nur ergehen, wenn sie unbedingt ersorderlich sind, um den Erlrag des Bodens, insbesondere die Bestellung der Felder oder die Ein- bringnug der Ernte sicherzustellen. Unter dieser Voraussetzung ist eine Heranziehung auch an Sonntagen zulässig. Zeuanisie von Kreis- oder anderen beamteten Aerzten be- freien, soweit sie die Unfähigkeit zu der aufgetragenen Arbeit bescheinigen, ohne weiteres von der Verpflichtung zur«cbeitShilfe. Gegen die Verweigerung der Geuehmigung sowie gegen die Heranziehung zur Arbeit und gegen dle Festsetzung der Entlohnung steht die Beschwerde an denLand» rat und gegen dessen Bescheid die weitere Be- schwerde an den Regierungspräsidenten offen. Die Beschwerde hat keine ausschiebcnde Wirkung. Die Eni- scheidung de« Regierui, gSprändenten i st endgültig. Wer der Verordnung zuwiderhandelt, wird mit Ge» fängnis, Hait oder Geldstrafe bestraft. ' Diese Verordnung tritt mit dem 18. April bis zum IS. Okto» der 1917 in Kraft. In dem Erlaß de» Geueralkominando» de» IX Armeekorv» ist wenigstens gesagt, daß daS Gesetz über den vaterländischen Htlfs- dienst durch diese Verordnung nicht berührt wird, während ein derartiger Hinweis in anderen Verordnungen wie auch der de» Oberkommandos in den Marken fehlt. Werden diese Verordnungen strikte durchgeführt, dann kann von einem Recht der ländlichen Arbeiter nicht niehr gesprochen werden. Mit dem Hinweis, daß Beschwerde bis zu», RegietuiigSpräsideiilen zulässig ist, ist der Landarbeiterichast nicht gedient. Die Er- sahrmigcn. die mit diesen Stelleu bisher gemacht wurden, ermuntern wahrlich nicht dazu, von jene» Stellen zu erwarten, daß die L a n d« a r b e i t e r Verhältnisse gebührend beachtet werden. Sosort nach Jnkrafrlreien des Hilftdienstgeseyes ist auf Drängen der Landwirte beim KriegSamt ein Ausschuß zur Förderung der Landwirtschaft gebildet worden. Alle landwirtschaftlichen Arbeit- geberkreise find darin vertreten. Obwohl diesem AuSsäuß auch die Arbeiterfrage überwiesen ist, wurde eS seitens de» KriegSamt« bisher grundsätzlich abgelehnt, weder unserem Verband noch dem christlichen Landarbcilervcrbänd in diesem Ausschuß eine Vertretung zuzubilligen. Wir führen die» auf den Einfluß der landwirtschasllicheu Arbeugeberlrcije zurück. Da wir zu den Belaiuugen nicht zugezogen werden, sind tuii nun gezwungen, offenilicki die Frage auszuwerien, ob denn alle« nur zugunsten der Arbeitgeber erledigt werden soll und die ländliche Atbeiterschast olles ruhig hinzunehmen hat.* ES wird dann an einzelnen Fällen darauf hingewiesen, daß beute noch den Frauen Barlöhne von 89 Pf. pro Tag bezahlt werden, wobei dieie Arbeilerinneii keine volle Verpflegung erhalten, sondern sich höchstens auf einen Gesamtverdienst von 1,30 M. pro Tag stellen. Nack Mitteilungen au« dem östlichen Deulicbland rollen gewerbliche Atbeilrnnnen, die zur laiidwirtichaitlichen Tätig- teil veimillelt werden, einen Lohn von 2 9 Mark pro Monat bei freier Station crhaltcn. Auf eine Eingabe de« LandarbeilerverbandeS muß durch Schreibe» von, Lt. Februar 19l7 der Landrot des Kreise» F il 1 1 i ch a n- S ch iv i e b n» selbst zugeben wie nicdiig die Ein- lohining der Landarbcilerlnnen ist. Nach diesen Angaben wird im Winter 79 Pf. pro Tag bezahlt. Im Frühjahr und Herbst 89 Pf. und während der Ernlezeit 1 M. Ten Wohninrg»« und Naturalien- wert beicchiiel der Landrat mit 919 M. pro Jahr. Ein Junge von 19 Jahren erhielt auf einem Gnle sGamp, Oblathl pro Tag 1,80 M. Ta er sonst nichts an Naturalien erhielt, hat seine Mutter, eine Äriegersra». ihn zu einein Bauer in Arbeit gegeben, wo er pro Jahr Lt9 M. nebst freier Station erhält, was doch ein besserer Lohn ist. Trotzdem wurde der Frau mit Strase gedroht, wenn der Junge nicht wieder zur Arbeil aus dem Gute zurückkehrt. Auch über selbst sür ländliche Verhältnisse sehr traurige Arbeiterwohuun» gen auf diesem Gute wurde dem Herrn Landrat berichtet. Ein Grund zu ei ncrBesch werde lag aber sür dcn Herrn Landrat nicht vor. Die Laiidarbeilerschaft hat nach den bisher gemachten Ersah- rmigen absolut kein Vertraueil zu den Regierungsstellen, an die sie sich beschlverdesührend wenden soll. An«»derer Stelle wird im»Landarbeiter' auf die Taisachc hingewiesen, daß eigenarligerweise die Arbeitsnachweise in der» schiedcnen Gebieten Deutschlands über die mangelnde Nachfrage nach ländlichen ArbeilSiräfteit berichten, ivie es noch im Monat März der Fall war. Daraus darf mau Wohl schließen, daß der Aibeilermangel in der Landwirtschast von dcn maßgebenden Stellen in bekaiinlcr Weise etwa» übertrieben wird. Die organisierte Landarbeiterschaft wird sich dort, wo die Or- ganisation über Einfluß verfügt, trotz alledem ihr Reckt wahren und auch weiter bcsttcbt sein, die überaus niedrigen Löhne zu er« höhen. Auf der dieSjähtigett Tagung de« Bundes der Landwirte sagte der Vorsitzende Rösickc: Bei aller pairiotischen Pslichtersüllung muß die Pioduktion sich doch für den cinzelnen erfolgreich ge- stalten. Will man nun die Landatbeiier zwinge», zu Löhnen zu arbeiten, wie sie Landrat und Rcgicrungsprästdent sür gut be« findet? Durch den Antrag der sozialde in okrati scheu RerchSlagSfraktion. dieft Erlasse, die mit dem Hilfsdienst- gesetz in WIderipruch stehen, auszuheben, wird die Sache ja wohl im Reichstag zur Sprache koinme». Es wird sich dann zeigen, wie der »Burgstieden' für die Laudarbeitcrsckast gchaitdyabt werden soll. GroMerlln Tie Gemüse- und Lbstversorgung und die Hausfrauen- vereine. Im SitzltitgSsaale der Reichsstelle für Gemüse und Obst fand am Mittwoch eine Sitzung statt, die für die Durchsührung unserer Geiniii»« und Obstversorgmig out Grund der bekaniiten Verordnung von, Z.April 1917 von besonderer Bedeutung ist. Die Versammlung setzte sich onS den Vertreterinnen s tilgend«« Verbände zusammen: Frauenbeirat im KriegSnitähruiigSamte. Verband deutscher Haus- ftausiivereine. Reicksverband landwirtickostlicher HauSsrauenvereine, Kaldolffckcr Fraueithutrd, Verein laiholischcc deulschcr Lehrerinnen. Nationaler Frauendlenst. Verbände der Hanssrauenvereine mehrerer Provinzen und vielen örtlichen Hautsrauenve. einen. Der Leiter der Rcichsstelle sür Gcinüse und Obst, Ober- regieruugSrat von Tillir gab zunächst eine übclsichliiche Darstellung de» ganzen Plane» sür die Beivirtschastnng de« Gemüses und Obstes und sordcrte die Verilctcriinien der dcuischen Hausfrauen- vereine auf, zu dem Erfolge der vorgesehciicii PrciSregnllerung ihrerseits durch tatkräftige Mitwirkung beizutragen, damit die vor- geschriebenen Preise auch tatsächlich eingehalten werden. Es ergab sich nach eingehender Aussprache volle Uebereinilimmuiig üöer die Ersprießlichkeit eine« Zuiannnenwickent. Die HuuSsraneiivcrbände werde» ihre Tätigkeit in dieser Richtung erheblich ausdehnen und die Reichsstello wird dahin wirken, daß den Hausfrauen namentlich bei der Preisüberwachung keine Hindernisse in dcn Weg gelegt werden. Wo sich zu Beschwerden begründeter Anlaß findet, sollen solche an die zuständigen PreisprüsungS- stellen gerichtet werden, in denen die Millvirkung erfahrener Hausfrauen als unerläßlich immer mehr anerkannt wird. Außer- dem ist eine eigene PmSabtetlirng bei der Rcichsstelle für Gemüse und Obst, GeschäslSabteilung. Berlin W 67, Potsdamer Straße 75, eingerichtet worden, an die die Beschwerden, sofern anderweit Ab- hrlsc nicht zu crlangcir ist, unmittelbar gerichtet werden können. Törrvcrbot für Frühgemüse. Um das Frühgemüse in st, schein Justand und möglichst in vollen, Umfang den, Berbranch zuzuführen, hat die Reichsstelle für Gemüse und Obst eine Snordming erlassen, wonach es verboten ist, Früh- gennisx zu dörren. Nur wo überständige Mengen vor dem Ver« derben geschützt werden müssen, sind Ausnahmen zulässig.— lieber den Absatz von Dörrgemüse hat dieKriegSgesellichast tiir Dörrgcmüse folgende» besiinnnt: Der Zuschlag von 7>/.2 Pcoz. sür den Groß- Handel und der Zuschlag von weitere» 29 Prozent für den Klein» Handel darf auf den Erzeugerpreis zuzüglich Verpackungskosten be- rechnet werden. Mit Rücksicht auf den höheren Preisstand, den zurzeit Säcke und Kisicu erreicht haben, fällt die Abmitzung des PackmatcrialS für die Bezieher von Dörrgcmüse besonders stark ins Gewicht.__ Berliner Lebensmittclnachrichten. Die Geschäftsräume der Fett st eile Groß- Berlin IKäse) befinden sich jetzt An der Stralauer Brücke S II— Zimmer 27—29. Die Diensträume der P r e i S p r ü f n n g» si e l 1 e Groß- Berlin sind von Ereiteslr. 11 nach Neue Friedrichstr. 9/10, 2. Stockwerk, verlegt worden. Zweck» r i ch: i g e r V e r w e n d u n g des auf Abschnitt Nr. 67 der Lebensmittelkarte in diesen Tagen zur Ausgabe gelangenden Sago» wird daraus bingewiese». daß bei der Zubereitung der Sago in siedende Flüssigkeiten ISuppen u. dergl.) eingeschüttet werden mutz, also nicht mir kaltem Wasser aufgesetzt werden darf. In der nächsten Woche können wie bisher 6 Pfund Kar- t o f f e 1 n entnommen werden. Die Kartoffclversorgung in Groß-Vcrlin. Infolge Verminderung der Kartoffelzufnhrei, werden in der nächsten Woche verschiedene Gemeinden als Ersatz Brot gewähren. DaS Nachlassen der Zufuhr bat seinen Grund darin, daß die Landbevölkerung gegenwärtig da» gute Wetter zur Frühjahrsbestellung ausnutzen muß. Beginn der Stcrndampfrrfahrten. Am Sonntag, den 6. Mai. werden die Fahrten zur Bsumblüie»ach Werder von Potsdam, Kaiscr-Wilhelni-Blücke tEisenhabn-Hoiesi, wieder ausgenommen. Die Avfahrtzeitcn sind folgende: II llbr vorinmagS. 12, 2, 3, 5. 0. Tie Nücksahrtzeiten von Werder lBiSinarck-Höbe) sind von 12 Uhr 39 vi« 7 Uhr 39 mit Ausnahme von 2 Uhr 39 und 6 Uhr 39 stündlim. GleicküillS beginnen mir dem 6. Mar die regelmäßigen Faunen nach den, Sominertahrplan aui den Tegeler und Spansaucr Gewässern. Aus. der Oberipree und der Dahme ioivie zwiichen Potsdam— Wann- icc— Svaudau werden die regelmäßigen Fahrten mit dein 13. beziv. 27. Mai gleichialls oufgenomiiien. Verwundeten lind«rholungs- bedürftige» Kriegern wird auf siirntlichen Schissen freie Fahrt gc- währt. Tic Tcllotvcr Kreisschiffahrt eröffnet a»i Sonntag, de» 9, Mai, ihren Coinincrverlehr. An Loi,»tagen ve, lehren ans den Sireckc» Potsdam— Neubabelsberg«Bahnhos)— Waimsee iBahubos) und Wann- ice iBahuhofl— Havcleck— Psaueuiuiel und zurück sowie an' der Linie IleubabelSbcrg sBahnhos)— Machnower Schieuie die Schiffe rcgel- mäßig. Mir Ausnahme der Strecke?teubabet»>ar ein 87 Jahre alter stülicrer Hansdicuer Anton W o i iv o d e, der mit seiner Geliebte» i» der A n t o» i e n- st r a ß e zu Rein icke ndors wohute. LLolivode, der ost bestraft und seit längerer Zeil.geniülskraui" ist, ist selbst nicht geleiiner Buchdrucker, daher waren die gefälschten Karlen zunächst so schlecht, daß die Händler sie nicht abiiahinen. Da gelang cs Woiwode, einen Liibographcn, der zuin Heeresdienst eingezogen>vac und sich aar Urlaub in Berlin befand, so lange zu bearbcilen, bis der Man» 'ahirenflücklig wurde und sich in seinen Dienst sicllle. Löoiwode»iid seine Heiser bcgainicir mit einer kleinen Fabrik in der Land- wehrftratze. Nack dem Eintritt de» Lithographen hob sich das Geschäft imiiicr mehr. Am vergangeiie» Sonnabend verlegte Woilvodc die Druckerei nach dem Bureau bau» Bör ie und «rsctzle, hier den Handbetrieb dnrck eine große Maschine, Die Händler fanden sich jeden Tag in bestimmte» Gnstroirtichaftei, in der Schönhauser Straße ei» und deckten dort ihren Bedarf. Wviwode vcr- kanflc die Karlen nur in größeren Pojicii. Seine Haupiabuchincr gaben sie wieder in ilcincrcn Teilen an Uiiterhäiidlrr nv. In der neuen Fabrik beschlagnahmte mau noch 13 999 fertige Brot- karten und eine ganze Menge Fettkarte», die erst vorbereii-r waren. Außer Woiwode uud(etner Geliebten Ivurden noch scch» Helfershelfer hinter Schloß und Riegel gesetzt. Ein großer Schleichhandel»nit Brotkarten ist in N e» k ö 1 i n aufgedeckt tvorden. Galizicr, die in einer Papiersabrit in der Mühlen- straße beschäftigt sind,' suchten aus den versallenen Broitarteti. die eingestampst werde» sollten, biejeiiigen heraus, die sich noch ver- loerten ließen. Diese Veriveriung gelang ihnen intt Hilfe einiger junger Landsleute und einer Verkäuscrin Ida F r an t e n st c i n, die in einer Bäckerei in der Zietensrraße angestellt war. Die Galizier zahlte» an ihre Freunde i» der Fabrit für die Karte 29 bis 26 Pf. und Ida Fraiikcnslein verkanne tönen jedes Bröl 26 P'- über den Höchstpreis. Was sie nicht selbst verbrauchen kounte», ver- kauften sie in Schanklviriichasleu i» der Umgebung dcZ Scklesi'chen Bahnhofs. Hier fanden sie Abnehmer genug, die itinen 2 bis 3 M. für jedcS Brot zahlten, Ter Umsatz war so groß, daß die Bnrschcn in einer einzigen Woche 199 Broie verkausen konnten. DaS ging schon seit Monaten so, bis jetzt dem Treiben cur Ende gemacht ivurde. Die Täler. JedäuS Rzecina, Nikolaus Eeptiila. Bruno Schulz, Joses Jorchan wurden verhaftet nnd dem Unter- suchungSrtchtcr vorgeführt. Der sllirste Brathändler, Johann Guriak, konnte noch nicht seslgeitvmmeil Iverden. Auch die Verkäuferin Frankcnstcin wurde iu da» UnlersiichungSgefängniS gebracht. Brim Schweiurschlachkcn i» einem Stadtbahichogc» eilappt wurden zwei Männer und zwei Frauen. Wälncud ei dem cimm, einem Arbeiler Lange an» der Naunhnslraße. gelang zu ein- kommen, ivurden die anderen, ein Arbeiter Glinst», desien Frau und Frau Lange, scslgenommen. Die„Hautschlächler" hatlcn in der Wrangclstrnße ein Eckweii, gekauft nnd in einer Kiste nach einem Sladtbahnbogcn geschafft, um cS dort heimlich abztffchlachteii. Aber das Schwein schrie, und so Ivurden Beamte des 193. Reviers auf das versteckte Schlachthaus ausincrliam. Tie Verhafteten uud der flüchtige Lange stehen im Verdachl, schon öfter heimliche Schlachlungeil vorgenonimeil und das Fleisch zu Wucherprelsell vcr- lauft zu haben. Fcucr auf der Mittenwalder Bah». Auf dem vahuhof der Mittenwalder Kleinbahn in der Hermannstraß« in N c» k ö I l n brach am Donnerstag Feuer aus, da» eine zicinlich große Aus- dehnung annahm und erheblichen Schade» verursachte. Der Brand entstand in einem unter der zum Bahnsteig führende» Treppe be- legenen Raum, in welchem Benzol, Oel,'Feucrungsmaterral und andere leicht brennbare Gegenstände lagericn, Bewohner bcnach- barler Häuiev, die das Feuer gegen 19 llbr abends bemerkten, alarmierten die Neuköllner Wehr, die erst nach zweistündiger Arbeit de» Feuers Herr werden konnte. Der Brand soll dadurch einstanden sein, daß infolge Zugluft au« einer Lampe, mit der ein Beamter dcn Raum bclrctcn halle, ein Fnnke in einen Bciizolbchiillcr ge- stogcll ist. Auf einer Kahnfahrt»truiiken ist Donnerstag in Köpenick ein Soldat, der mit zwei Äameradeii eine Epaziersahn auf der Spree unternommen hatte. DaS Rndeiboot geriet nnterweg» in bedrohliche Nähe eines entgegenkommenden Dampicr«, fodaß ein Zusammenstoß unvermeidlich«schien. In der Atisregung sprang einer der Soldaten aus dem Fahrzeug, versank aber ungenblicklick in dcn Fluten. Die beiden anderen Insassen vermochteli mit dem Boot»och sin letzten Augenblick auSzuiveichen. Die Leiche de» Ei- trunkenen, eines Studcutcu aus Hvhenzollcr», ist noch nicht gejuiiden worden. Charlattenburg. Tie Lebensmittel der nächste» Zr'oche. In der nächsten Woche gelangeu zur Ausgabe: 699 Gramm Fleisch, b Psuud Karloffeiu, a,t Pfund Zucker aus dro Zuckcrtarte vom 1.—1ö. Mai, Viäucherivaren laut besouderein Anschlag auf den schon vom 6. April ab gültigen Ab- schnitt 68 der roten Nahrungsmittelkarle. Suppen entweder 100 Gramm lose, zum Preise von 13 Pf. oder zwei Würsel zu 60 Gramin aus Abschnitt 78 der roten Karte vom 3. bis 12. Mai. Suppenwüriel Serie I kosten 19 Pf., Serie 11 16 Pf. Auf Abschnitt 79 126 Gramm Weizengrieß vom 3. bis 12. Mai: auf Abschnitt 89 Sago 199 Gramm zum Pfundpreise von 86 Pf. vom 11. bis 19. Mai, ans Abschnitt 81 Teigwaren 126 Gramm zum Pfundpreise von 61 Pf. für Sorte II und von 72 Ps. für Sorte I, auf Abschnitt 82 V« Pfund KciegSunlS zum Psundpreise von 65 Ps. und V« Psuud Sirup auf Abschnitt 83 zum Pfundpreise von 49 Ps., beides vom Ii.— 19. Mai uud schließlich auf Abschnitt 86 1 Pfund Weißkoblsauerkranl vom 9.-13. Mai. Auf die Nähriniltelzusatzkarie sür Jugendliche Wird in der Zeit vom 7.-13. Mai Ve Pfand Gerstengrütze auf Abschnitt 4 gewährt zum Pfundpreise von 39 Pf. — Gebäck austatt Kartoffeln. Auf die Abschnitte 63» bis 68s können von heute bis Sonntag, den 6. Mai eiinckließli» an Stelle der auf einen Abschnitt entfallende Kartoffelmcnge für die Abschnitte 44», b, o, ck und« je 299 Gramm Gebäck eutnommeu werden. Gültigkeit hat mir die grüne Ehor- lottcuburgcr Kanoffellarle. Eine Marie gilt sür 100 Gramin Ge- ßni,"5 Marke(an der diagonalen Linie weggetremtt) fiir SO(Shr. Die vorstehende Bcstiinniung findet anrli bei der Entnahme von Gebäck in Gast- und Schankwirtschaften Anwendung. Aus jeden der 'vier Abschnitte 27 der Zusatz-Kartoffelkarte dürfen je 100 Gr. Gebäck verabfolgt werden. Friedrichsfclde. LebenSmitteliiachrichten. Soweit Kartoffelkarten- iuhaber nicht in der Lage sind, Kartoffeln zu entnehmen, sind sie berechtigt, bis Sonntag, den 6. Mai für jedes Pfund fehlender Kar- tosfeln auf Grund der unbenutzt gebliebenen Kartoffelkarten abschnilie, unter gleichzeitiger Vorlegung der hiesigen Lebensmittel karte, 130 Gramm Mehl oder 240 Gramm Gebäck, zusammen also höchstens 750 Gramm Mehl oder 1200 Gramm Gebäck, bei einem örtlichen Bäcker zu entnehmen. Es entfallen also auf jeden Kar joffelkarteuabschnitt entweder 7S Gramm Mehl oder 120 Gramm Gebäck. Von heute an erhält jeder Einwohner in den durch Plakaten kenntlich gemachten Geschäften auf Abschnitt 19 der neuen Lebens- milteliarte 100 Gramm Suppenmischung für 13 Pf. Industrie und Handel. Ailsschrcitmigeu der Börse. Die glänzenden Abschlüsse für 1910 hat die Börse in eilten Freudentaumel gestürzt, der wie im Vorjahr bereits über die berufs- Mätzige Spekulation weite Kapitalistenkreise erfatzt. Haussiertlverden besonders Montanaktieir der kleinsten und grötzlcu Unter- nehmen und Maschinenaktieu, dann besonders.Friedenswerte", wie Schiffahrts- und Kaliaktisn. Die Aussicht auf Reichssubventionen für die Reedereien hat alle kritischen Bedenken aus den Köpfen der Spekulameii gescheucht. Kaliaktien Profitierten von der erhofften Kalipreiserhöhung.„Rüstungswerte" liegen im allgemeinen still, doch beginnt es sich auch hier schon kräftig zu regen. Es wird schon ganz wahllos gekauft, von den einen Kriegs-, von den anderen Friedenswerte. aber alle sind von dem festen Gottvertrauen beseelt, datz die Industrie reichlich und überreichlich verdient, und datz daher auch Kursgewinne totsicher sind. Dieser Tage ist zu einer Selbstbescheidimg der Spekulation auf- gefordert ivorden. Iin Vorjahre wurde init einer sehr scharfen Er- Söhung des Umsatzstempels gedroht, die aber schlietzlich unterblieb. Die damals erzielte vorübergehende Dämpfung hielt aber nicht lange stand nnd konnte es auch gar nicht. Wird gut verdient, so steigen die Kurse ganz automalisch. Soll die unerquickliche Iobberei beseitigt werden, ohne datz die Börse— was in dieser Gesellschaft auch recht bedenklich ist— vernichtet wird, so mutz die Kriegs- gcwinnsicner auf den neuen englischen Satz von 80 Proz. erhöht und die Bewilligung immer neuer Preiszugcständnisse vermieden werden. Deutsch-schweizerischer V ertrag. Die Verhandlungen zwischen den deutschen und den schweize- rischen Unterhändlern sind zum Abschluß gelangt. Die getroffene Vereinbarung, welche der Ratifikation beider Regierungen unter- brekiei wirb, steht die Verlängerung beS am 9. September 1919 abgeschlossenen, am 30. April 1917 abgelaufenen Abkommens bis zum 3l. Juli lauseudeu Jahres vor. Damit ist u. a. die Belieferung der Schweiz mit Koke und Eisen für die nächsten drei Monate im bis- herigen Umfang und auf bisheriger Grundlage zu erwarten. Auher- dem wurde für die durch das deutsche Einfuhrverbot besonders be- troffenen schweizerischen Hanptindusmen die Möglichkeit befriedigender Ausfuhr nach Deutschland geschaffen. Genchtszoitung. Ein Sieg des Rechts. Ter Milchgrotzhändler Emil Wölfs war vom Schöffengericht Berlin-Mitte zu sechs Monaten G e- fängnis und 1000 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil eine Revision in seiner Milch— er bezieht täglich bis»000 Liter— 30 Proz. Wasser festgestellt halte. Das Landgericht aber, dessen fünf gelehrte Richter gegenüber dem'Laienverstand des Schöffengerichts die höhere juristische Einsicht repräsentieren, svrach den Mann frei. Nicht etwa, als ob das Landaerichl die Milch für weniger verfälscht angesehen hätte als das Schöffengericht. Aber einige Kutscher des Angeklagten bekundeten, datz dieier zur fraglicken Zeit auf der Jagd gewesen fei. Somit bielt das Gericht nicht für festgestellt, datz der Angeklagte selber die Verfälschung vorgenommen habe, wenn er auch dringend der Mit- Ivissenschaft an der Verfälfchuug'verdächtig sei. Es liege allerdings mindestens grobe Fahrlässigkeit vor, aber bezüglich dieser sei— Verjähr llng eingetreten. So habe das Gericht leider zu einer Freisprechung kommen müssen! Die„undankbare" RngesicUte mit 50 M. Monatssgehalt. Mit der prinzipiell wichtigen Rechtsfrage, ob eine Gehaltszulage wegen undantbaren Verhallens des Angestellten Wieder rückgängig gemacht werden kann, hatte sich das Berliner Ka,»fmann'sg'ericht zu befassen. Die Bureauaugesiellte Helene D. war bei der Beklagten, der Norddeutschen VersicherungS- Gesell schuft, mit einem Monatsgehalt von»0 M. beschäftigt. Nach ctiva ein- jähriger Tätigkeit wurde ihr Ende Februar eine Gehalts- zulage von 10 M. gewährt. Die Klägerin nahm auch die Gehaltszulage an, kündigte aber am folgenden Tage die Stellung zum 1. März. Jetzt zog die Gesellschaft ihrerseits auch die Gehalts- zulage zurück. Da sie für Januar die Zulage schon ausgezahlt hatre, so zog sie vom Februargehalt die nach ihrer Meinimg zuviel gezahlten 10 M. wieder ab. so datz die Klägerin bei Abgang statt t>0 M. nur 40 M. erhielt. Die auf Nachzahlung der 20 M. klagende Gebilfin bebt hervor, datz ihr die Zulage bedingungslos gewährt worden sei, während die Gesellschaft sich ans den Standpunkt stellt, datz selbstverständliche Voraussetzung der Gehaltsaufbesierung gewesen sei, datz Klägerin nickt gleich hinterher kündige. Bei einem derartig undanlbaren Verhalten falle die Zulage wieder fort, DoS Kaufmannsgericht v e ru r t e i lt e die Bellagle zur Zahlung der Klagesumme und ging dabei von folgenden Erwägungen aus: Der Abzug der bereits ausgezahlten Zulage sei nach dem Lohn- beschlagnahmegesetz völlig unstatihast, aber auch in bezng auf die 10 M. für Februar sei das Gericht der Ansicht, datz die ohne irgend welche Bedingimg gelvährte Zulage nickt deshalb zurückgezogen werden könne, weil Klägerin von ihrem ibr gesetzlich zustehenden Kündigungsrecht Gebraiich gemacht habe. Sehr in Betracht kam für das Gericht dabei das für die jetzige Teuerung außer« gewöhnlich niedrige GeHall von»0 Mark.' flus aller Weit. Ncberschwcmmuilgcn in Südrußland. Infolge des Eisganges und der �ckiieeickmelze sind in Südrutzlaud große lieber- fchwemmungen eingetreten. In Kiew hat die elektrische Beleuch« tnng aufgehört, Tie Wasserzufuhr ist abgeschnitten und der Stratzenbahnverkehr steht still. Eine große Anzahl von Booten werden zu Rettungszwecken gebraucht. Die Ueberschwemmuug hat sich durch einen Dammdurchbruch ausgebreitet. Bei N v'st 0 w stehen weite Strecken Landes am linken llfer des Don unter Wasser. Iugenöveranftaltungen. Tie Jugendausschüsse und Funktionäre der„Arbeiter-Jugend«, die den gegen unser Jugendorgan gerichteten Bovkotibestrebungeu ablehnend gegenüberstehen und auch weiterhin jür die„Arbeiier-Jngend" eintreten wollen, werden hierdurch auf die am Sonntag, den 13. Mai, vormittags O'/j Ilhr, im Parteisckretariat für Grotz-Berlin, Lindenslr, 3, 2. Hos links lll,'stattfindende Konferenz für Grost-Berlin hingewiesen. Die Konserenz soll zur gegenwärtigen Situation in der Jugendbewegung Stellung nehmen und die Richtlinien für unsere weitere Arbeit festlegen. ES ist daher notwendig, datz alle Orte des Bezirks Grotz-Berlsti ver« treten sind. Auch die örtlichen SVortorganisationen sowie P a r t e i v e r e i n e werden gebeten, Vertreter zu entsenden. Besondere schriftliche Einladungen sind bereits erfolgt. Diejenkgen Genossen und Aus« Schüsse, die eine solche bisher nicht erhalte» haben, wollen sich umgehend an R. Weiman», Berlin SW.6S, Lindenftr. 3, wenden. Freier Nudcrbnnd, Berlin. Das diesjährige Anrudern des Bundes sindct statt am Solinlog, den 6. Mai, Ziel: Müggelschlötzchen bei Friedrichshagen. Turnverein„Fichte" Berlin.(Arb.-Turncrb.) Am Sonntag, den 6. Mai: Sportliche Wcttlämpse der Mäimer, Frauen, Schmer und Schule- rinnen aus dem„Fichlc"-Sportplatz, Köpenicker Landstraße, nahe Baum« schuleuweg. Beginn 2OT Uhr nachmittags. öriefkasten üer Reöaktion. Tisfidcnt. Der Soldat mutz auch diesem Befehl Folge leisien, sonst wird er bestrast.— Höuicke 36. 1. Nur der Sohn kann Zurückgabe der Sachen verlangen und eventuell klagen. 2, Lassen Sie das vom Sckuh« wacher machen,—(f. L., Neukölln. Herzkrank, dienstuntanglick, lieber. Zahl von mehr als einer Zehe, wenn dadurch das Tragen der mililärischcii Futzbekleidung behindert ist, dienstuntauglich,— W. 500. Renten aus der Angcstellteilverstchcruug werden erst vom 1, Januar 1918 au gezahlt. Der Witwe oder, falls eine solck- nicht vorhanden ist, den hinterlasscncn Kindern, wird auf Antrag die Hälfte der gezahllen Beiträge zurückerstatlct. B.>cttcraiiSnchtcn kür das»itulerc Norddeuticvlau» Sonntag mittag. Trocken und vorwiegend heiter, am Tage warm. biS � Todes-Anzeigen| IßgDiscöepMeiallaFbEitB�erbMii Verwaltungsstelle Berlin. De» Kollegen zur Nachricht, | das unser Mitglied, der Schlosser Walter Miebaelis Glcimstr, 64, am 2. Met gestorben ist vestrc seinem Aitdeiike«! Tie Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle der FricdenSgemciude in Nordend, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet, �acliruk� Den Kollegen ferner zur Nach- richt, das, stnjer Mitglied, der Bauanschläger Willlelm Lücke Triststr. 46, | am 19. April verstorben ist. Ghre seinem Andenken! � 174/15 Tie Ortsverwaltung. Am 2. Mai 1917 verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Großvater, der Lackierer krieäridi Linde. Um stilles Beileid bitten Auguste Liude nebst Kindern. Die Beerdigung findet morgen ! Sonntag, den 5. Mts„ nachm, ■'!'/, Uhr, von der Leichenhalle ! des Nikolai-Kirchhoses, Prenzlauer > Allee 7, aus statt. 23/18 Bekanntmachung. 1 Vernn der FftisltokeF für Fem- bestsitang Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 23, April verstarb in Gncsen unser Mitglied, Herr Otto Futh. Die Einäscherung findet am Montag, den 7, Mai. nachmittags 3 Uhr, in der Gerichtstraße 37 statt, Ferner starb am 30, April das Mitglied, Herr PauS Gleisberg Die Einäscherung findet heute Sonuabend, den 5. d, Mts., nachmittags.'! Uhr, in der Gericht- straße 37 statt, Ehre ihrem Zludenken l Um zahlreiche Beteiligung bittet 291/11 lief Vorstand. ?erbasdfl.GBffleffiß8-iLStaatsarb.| Filiale GroB-Bcrlin. Den Mitgliedern geben wirl bicrmit Nachricht vom Tode de» I Kollegen Man» Knenciessa von der 3. Revier-Inspektion, Ehre seinem Andenken: Beerdigung am Montag, den 7, Mai, nachmittags'tA Uhr, von der Halle des Pius-Kirch- hoseS in Höhenschönhansen aus. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 36/15 Hie Ortsverwaltung Gemäß 5 3 der Verordnung vom 3, Juli 1915, betreffend Regelmig de» Verbrauches und Absatzes von Kartoffeln wird hierntit sür Berlin bestimmt, datz in der Woche vom 7, bis 13. Mai 1917 aus die zehn Abschtiiltc 54 (n— e) der Kartosfellarte je'/, Pfund Kartoffeln, zusammen»lio höchstens 5 Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden dürfen. Bei Teilnahme an Speisungen in Küchen der Volksspeisung, in gemeinnützigen Sveismigsanstalten und in Kantinen gewerblicher Unter- itehmungeit werden sechs von den zehn Abschnitten 54 a—s der Karloffe!. karte sür die Woche abgetrennt. Bei Anmeldungen zu den vorgenannten Speisungen ist die ganze Kartoffelkarte vorzulegen, Abgabe loser Karten- abschnitte ist imzulässig. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen find nach Maßgabe der angezogenen Verordnung strafbar. Berlin, den 5. Mai 1917. Magistrat öer Königlichen Haupt- nnd Residenzstadt. J.-Nr. 664 Kart. 17, W e r m u t l,. Vom 1917 ll. bis 19. Mai werde iest in Berlin, Hotel Prinz Keinricii, Dorottieenstr. 22 anwesend sein, nrn scr künstilchQ Augesi direkt nach der Katar für meine Patienten an- znkertigen nnd einzupassen.* F. id. Milller, wEar/"" Am Dienstag, den I.Mai, ver-I schied plötzlich unser langjähriger 1 früherer Mitarbeiter, der Schrift-[ {etzer Otto Jseck. Während der langen Zeit der! gemeinsamen Arbeit war er uns I ein lieber Genosse, dessen Vertun auch wir tief bedauern.[44882 j Die Verbandsmitglieder der BorwärtS- Buchdruckerei. I Garderobe auf bequemste Teilzahlung und gegen dar. rtaman Mnrlan Kostüme in mad. Staffen und Seide. 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Der Vater, Maurer Böhmer, war vor fünf Jahren bei einem Akkordbau vom dritten Stockwerk heruntergestürzt und nach viermonatigcm Siechtum, das das geringe Ver- unögen vollends verzehrte, gestorben; die mittlere Tochter war kurz nach ihrer Geburt einer Krankheit erlegen. Mit Mühe verdienten Frau Böhmer, Erich und in letzter Zeit Marie, die auch lange Zeit im Krankenhause gelegen hatte, genügend, den Lebens- unterhalt zu bestreiten. Nur zu einer aus Küche, Zimmer und Kammer bestehenden Wohnung in einer der Mietskasernen im Norden Berlins langte der Verdienst; die Möbel hatten außer zwei Betten, zwei Tischen, Schrank. Waschständer und sechs Stühlen während Maries Krankheit an den Trödler verkauft werden müssen. Frau Böhmer, eine robuste, aber zerarbeitete Gestalt, mit scharfen Sorgenfallen im Gesicht, warf von Zeit zu Zeit einen ärgerlichen Blick auf Wilhelm, der scheu, mit zitternden Händen seine Kartoffel schälte, dem von Zeit zu Zeit eine Träne die Wange hinunterlief, trotzdem er das Weinen zu unterdrücken suchte. Dann lachte Marie, die ihn lauernd beobachtete, jedesmal frech auf. Erich, der anfangs teilnahmslos bastig gegessen hatte, wurde aufmerksam. DaS Lachen reizte ihn, schon ost hatte er den kleinen Bruder gegen die ihm mißgünstige Scliwester in Schutz genommen..Wat is denn nu wieder," herrichte er sie an.„Ach", legte sich seine Mutter ärgerlich ins Mittel.„Willem hat wieder mal Raupen in'n Rovp. Lehrer will er wer'». Da is iVn junger Lehrer, der hat ihn uff den Blöd- sinn jebracht. Ick mechle mal wisi'n, ob der det bezahlt?"„Ich krieg ja Stipendien." wandte Wilhelm schüchtern ein.„Stille biste! Stipendien! Da kannste nich' von leb'n, soville kriegst de nich! Det hat man nu davon, det man'n in Ruhe hat seine Schularbeiten machen lassen. Krüjers Emil hat schon mit zehn Jahren mit- jearbeit't! Und du verlangst woll, det man sich ewich vor dir ab- schind't? Ostern kommste aus de Schule un' denn jehtS zu Löwe. Ruhich!" Sie hatte sich gewaltsam müde geredet, denn es schmerzte ffe sehr, ihren Liebling, dessen Lerneifer ihr schon oft aufgefallen war. zur hoffnungslosen Fabrikarbeit zu schicken, ihn, der körperlich viel zu schwach für schwere Muskelarbeit war.„Det mechte den woll so pasf», mal den Herrn zu spiel'n, uns für ihn arbeet'n zu laff'n un' nachher nich anzukicken," höhnte Marie, der Mutter aufmunternd zuplinkend.„Halt's Maul! Neidisch biste! Willem is nich so!" riet die ihr aber wild zu, so daß sie furchtsam verstunimte. Das gab Wilhelm Mut:„Ich werde ja Nachhilfestunden geben. Ich möchte doch so gerne."„Ich mechte kann jeda sag». Kannst doch nich ver- lang'n, det Iva uns noch mehr schin'n. Wa kön'n uns so kaum üba Wasia halt'n." Bitter, hoffnungslos brummte es Erich vor sich hin. Ihn ekelte vor diesem nutzlosen Gespräch, müde setzte er hinzu: »'S hat ja alles keinen Zweck. Mutter, ick jeh schlai'n." Er stand auf, schritt schweren Schrittes zum Zimmer, wo er und Wilhelm in dem einen Bette schliefen.— Hastig stand Frau Böhmer auf, sah beharrlich an Wilhelm vorbei. Das Gespräch hatte Wünsche, Hoff- nungen in ihr wachgerufen, die sie nur mehr erbitterten, ver- ärgerten, da sie ihr ihr Elend in grauenvoller Deutlichkeit zeigten. Härter als sonst klirrten die Teller beim Abwaschen; verschüchtert ichlich sich Wilhelm aus der Küche, ging schlafen. Erich lag ganz still, sein unregelmäßiger leiser Atem verriet, daß er noch nicht schlief. Leise, vorsichtig stieg Wilhelm in das Bett und wagte kein Glied zu regen, kaum zu atmen. Desto stürmischer pochte sein Herz, ein dumvfes, bangendes und doch wieder hoffende? Gefühl erfüllte ihn. Erschreckt fuhr er zusammen, als ihn der Bruder mit gezwungen gleichgültiger Stimme fragte:„Wie is'n das gekomm'n? Ick meine, mit'n Lehrerwerd'n?" Mit belegter, bebender Stimnre antwortete er:«Ich bin doch schon immer der erste gewesen. Und jetzt hab'n wir seit Ostern bei ein'n jung'n Lehrer. Herrn Böninger, Deutsch. Einmal hatte er schon ge- sagt, aber so nebenbe i:„Böhmer, du müßtest eigentlich was wer'n, wo Du mit'm Kopp arbeiten kannst." Ein andermal hat er jesacht: „Was willst Du ei'ntlich werd'n? Als ich sachte, ick soll bei Löwe ansang'n, meinte er. ich glaube nicht, day das für dir passend wäre. Nu' hab'n wir doch den„Wilhelm Tell" durchjenomm'n". �„IS det des mit den Appelschuß?"„Ja. ja. Da hab'n wir'n Aussatz jeschrieben, den hab'n wir gestern zurückgekriegt und ich habe„Sehr gut" jehabt. Da hat er mich nach der Stunde gerufen und jefragt, ob ich nicht Lehrer wer'n will. Die Schule hat Stipendien zum Austeil'n bekommen, da würde er dafür sorjen, det ich eins bekäme. Ich habe gesagt, ich möchte so gerne Lehrer werden... Aber ich will jetzt jarnich' mehr, ich wer' es Herrn Böninger sag'n... wenn ich nich' kann-- wenn Mutter nich' will-- ich sollte ja Montach Bescheid bring'»." Ganz ängstlich war er geworden und sein Bangen wuchs, als sein Bruder nichts erwiderte. Der aber dachte an„Wilhelm Tell". Die Erzählung Wilhelms hatte Vorstellungen aus seiner Jugendzeit in ihm wachgerufen. Er sah sich wieder als Statist in der Apfel- schußszene als Landsknecht; er sah sich in anderen Stücken, erinnerte sich des jungen Seeger, mit dem er immer nach dem Theater nach Hause gegangen war. Er hörte ihn wieder reden von der Schönheit der Theaterkunst, wie er sich freue, daß er einst als Lehrer den Kindern vordeklamieren könne, denn Seeger war ein armer Präpa- rand, der statieren ging, um sich die Klassiker anzusehen und ein paar Pfennige Taschengeld zu verdienen. Mahnend stieg ein warmes Gefühl mit den Erinnerungen in ihm hoch, dasselbe Glücksgefühl, das ihn erfüllt hatte, wenn er. in den Feuerwehrstand gedrückt, die Vorgänge auf der Bühne ver- folgen konnte. Vorwurfsvoll fast drängte sich in sein Bewußtsein, wie er Seeger um seine Zukunft beneidet hatte, wie er sich damals bei den bühnengrellen Menschenschicksalen gesehnt hatte nach unklarem Glück. Warmes Verstehen mit dem Bruder schufen ihm die Bilder der Vergangenheit.— Das war vorbei. Der Unfall seines Vaters war gekommen, er mußte seine Schlosserlehrzcit abbrechen und von früh bis spät in die Fabrik gehen, Geld verdienen. Und nun stand Wilhelm vor demselben Schicksal. Er überlegte... Schon ließ Wilhelm die letzte Hoffnung auf Erfüllung seines Wunsches fahren, schon fühlte er die Tränen kommen, da sprach Erich:„Hör mal. Besser ist's doch, wenn de was wirst. Für de Fabrik biste ooch ville zu sckiwach. Ick wer dir monatlich IS bis 20 M. jeb'n. Ick laß... Morjen is Sonntach, ick wer' mal mit'n Lehrer red'n. Weeste, wo er wohnt?"„Ja, ja I" In überquellen« der Freude aufschluchzend, lachte Wilhelm leis:„Denn is ja alles jut." Schluchzend drückte er sich in die Kissen, fühlte eine schwielige Arbeitshand ihn streicheln, hörte einlullend, gutmütig seines Bruders Stimme:„Dummer Junge, dummer Junge, wird schon wer'n."_ Der Hamburger Dranö. Eine 7S-Jahreserinnerung. Den Himmelfahrtstag des Jahres 1842, den S. Mai, dachten die Hamburger besonders festlich zu begehen: die erste Eisenbahn in Rorddeutschland, die Hamburg mit Bergedorf verband, sollte er- öffnet loerden. Ein strahlendschöner Frühlingstag begünstigte das doppelte Fest. Seit Wochen hatte Ostwind geherrscht, kein Tropfen Regen war zur Erde gefallen,»nd die Tausende von Ausflüglern, die nach der neuen Eisenbahn, an die Ufer der nördlichen Älster, an die Unterelbe oder sonst wohin pilgerten, hatten die denkbar besten Aussichten, nach einem froh verlebten Tage ver- gnügt heimzukehren. Der Tag sollte der schwärzeste Un- glückstag werden, den Hamburg seit der Schreckensherrschaft Davousts erlebt hat: ein Brand brach aus, der die halbe Stadt in Trümmer und Asche legte und viele Tausende ihrer Heim- stätten beraubte. Bis auf den heutigen Tag ist unerklärt geblieben, wie das Feuer entstand— irgendwie brach es in den frühen Morgen- stunden in der Deichstraße aus. „Fllür in de Diekstraat I"— Der Ruf weckt die Schläfer in der Gegend des RödingsmarkteS. Die Glocken von St. Nikolai sind die ersten, die das Großseuer der Stadt melde», St. Petri und St. Michaelis, St. Jakobi und St. Katharinen Helsen ihnen bald. Die Spritzenleute kommen an— gemächlich: sind sie doch des großen Feuers in der großen Reichenstraße vor 15 Jahren Herr ge- worden, haben sie doch den gewaltigen Brand auf den Versetzen— zwölf Jahre sind es her— bewältigt! Allein diesmal hat das Feuer fürchterliche Helfershelfer: in der Deichstraße drängt sich Speicher an Speicher; Kampfer und Schellack, Holz nnd Sprit, Zucker und Horn, Oele aller Arten lagern da im Werte von dreien Millionen. Bald brennt all dies lichterloh. Aus der furchtbaren Glut schießen die Feuergarben ringsum und fliegen Millionen von Funken durch die Luft, in das ausgedörrte Holzwerk der Häuser, auf die dickgeteerten Dächer, überall zündend; donnernd platzen in den Speichern die Fässer mit brennbaren Flüssig keilen, und als Feuerströme ergießen sie ihren Inhalt in das fast trocken liegende Fleth. Es wird zu einem Flammenmehr. Hier muß die Spritzen« Mannschaft weichen, wie die Bewohner der Straße, die schon längst vergeblich versuchen, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen, und jetzt nur das nackte Leben retten. Schon sind die Flammen nach Weste» auf den Rödingsmarkt übergesprungen j sie fressen sich West-, ost- und nordwärts weiter, es brennt nicht eine ganze Straße. es brennen ganze Straßenzüge, es brennt der ganze Stadtteil. Die Neugierigen, die das grausig-schöne Schau- spiel von der Höhe des Nikoleiturmes betrachten, Inüssen den fliegen- den Funken weichen; im Holzwerke des Turmes beginnt es ver« dächtig zu krachen, die vielen Vogelnester der Turmspitze gehen Plötz- lich in Flammen auf, dann wird das Holzwerk zu einer Feuerfackel, der Kupferbeschlag beginnt zu schmelzen, eine gewaltige Flammen- säule ragt anstelle des Turmes, weithin sichtbar, grünlich schillernd vom brennenden Kupfer, empor, die Glocken schmelzen, gegen 3 Uhr abends bricht der Turm in sich zusammen, überschüttet das Kirchen« schiff und die benachbarten Predigerhäuser mit Trümmern und Feuer, und so wird die ganze Kirche und ihre Umgebung zu einer Riesenlohe, die über die ganze Stadt die verderbenden Funken sprüht. Weiter und weiter verschlingen die Flammen die Häuser. Schon scheint der Katharinenturm in Gefahr, da springt der Wind nach Westen um, und die Kirche ist gerettet. Das Feuer wählt an seiner statt andere Opfer. Nachts ist die alte Hansestadt vom Feuerschein taghell erleuchtet, und weithin in die Umgebung sieht man in Dörfern und Städten den Riesenbrand. Und man hört ein Donnern aus der Stadt, als sprächen Geschütze. � Die Hamburger suchen der Feuersbrunst Dämme zu setzen, indem sie große Häuser, ja ganze Häuserzüge sprengen. Die Kanoniere der Bürger- artilierie schleppen zentnerschwere Pulverladungen in die Häuser des JungfernstiegeS. Viele Gebäude springen in die Luft, auch das Rathaus, aus dem man in aller Eile die wichtigsten Urkunden in die Michaeliskirche geschafft hat, geht so zugrunde. Allein, was auch geopfert wird, das Feuer überspringt die Dämme von Trümmern. Wieder dreht sich der Wind. Jetzt treibt er die Glut vom Jungfernstiege auf die Petrikirche zu. Am Morgen des dritten Brandtages sucht man durch neue Sprengungen das Feuer von ihr fern zu halten: Vergeblich— hoch durch die Luft fliegen Funken in das Holzwerk der Spitze, und gegen 10 Uhr abends erleuchtet sie als helle Riesenfackel die Nacht. Stärker und stärker wird der Wind; eine dritte Kirche, die zierliche gotische Gertrudenkapelle fällt den Flammen zum Opfer. Jetzt scheint die Wut der Flammen gestillt; der Wind treibt sie der Alster zu, in deren Fluten sie erlöschen. Brands Ende, so heißt bis auf den heutigen Tag die Straße, da der Brand sein Ende nahm. Drei Tage hat die Stadt in Flammen gestanden. Noch eine Woche später waren die Spritzen im Gange, um die letzten Brände zu löschen, lieber 1200 Häuser waren verbrannt, über 20 000 Menschen, ein Achtel der Bevölkerung, waren obdachlos, an die hundert Millionen Mark Wert waren durch das Feuer vernichtet. Die Hanseaten aber ließen den Mut nicht sinken. Schon am zweiten Tage des Brandes begann am neuen Jungfernstieg ein Hilfsbureau für die Abgebrannten zu sorgen. Reiche Hamburger waren die ersten, die sich der Notlage ihrer Mitbürger annahmen; alle deutschen Staaten halfen der schwer getroffenen Stadt. Selbst aus dem Auslande kam Hilse. Für Speise, Trank und Kleidung sorgten zunächst die Nachbarorte; große Geldbeträge kamen von überall her zusammen, zunächst erbaute man Barackenstraßen für die Obdachlosen, allmähliich räumte man die Stätte der Verwüstung auf, dann ging man rüstig an den Wiederausbau und im Laufe von einigen Jahren entstand aus der Asche ein neues Hamburg mit prächtigen Bauten und ragenden Türmen zwischen Elbe und Alster. Notizen. — Das Reinhardt-Ga st spiel wurde in Stock- h o l m mit.Othello' und S lrindbergs„Gcspcnstersonate" mit starkem Erfolge eröffnet. — Der König derBohömeistmit Danny Gürtler ge- starben. Er hat sich selber dazu ernannt. Vor ein paar Jahren zog er mit großem Trara durch die Lande und wußte seine mannigfachen Talente in Kabaretts an den Mann zu bringen. Er klopfte den Spießern die Pelze aus. Heinrich Heine wollte er ganz allein ein Denkmal setzen— und die Arbeiter bedachte er mit Vorliebe. Dann wurde es plötzlich still mit ihm, er hatte inzwischen mit Irren- anstalten Bekanntschaft machen müssen— und nun ist der fahrende Sänger sang- und klanglos in Berlin dahingeganzen— erst 41 Jahre alt. Arbeiter. Von Stijn StreuvelS. Emma hatte schnell ihren Liebsten erkannt, und von Aus regung überwältigt, vergaß sie ihre Schüchternheit, steckte den Arm durch das Gitter, um zu winken, und rief mit freudiger Stimme seinen Namen: „Sarel!" Manse erkannte alle Männer; bei jedem neuen Gesicht. das sie in der Gruppe geivahrte, nannte sie im Stillen einen Namen, und dann suchte sie in der Gesellschaft weiter nach Ivo. In ihrer Aufregung und Ungeduld, ihn zu finden. hatte sie schon zweimal einen Mann angeschaut, der ihr fremd schien und doch bekannt, mit dem sie sich aber nicht zurecht finden konnte— er hatte einen braunen Bart und trug einen Schlapphut, dessen Krempe ihm über die Augen hing— sie hatte keine Zeit ihn näher zu betrachten, und suchte weiter in der Gesellschaft der Zurückgebliebenen. Aber als dieser Mann dem Pförtchen näher kam, durch das sie alle der Reihe nach mußten, um bei dem Beamten ihre Fahrkarte abzugeben, sah sie ihm in die Augen und hatte ihn im Augen- blick erkannt. „Ha!" rief sie, wie jemand, der plötzlich vor einer Erscheinung sieht, die Enttäuschung hervorruft. „Ha, wie häßlich! Schau nur. Emma, ich Hab ihn nich erkannt— er hat seinen Bart wachsen lassen!" Und indem sie plötzlich wieder ihre Freude äußerte, weil auch er sie erkannt und ihr zugelächelt hatte, rief und winkte sie: „Gu'n Tag, Ivo I Willkommen! He, Jungens, der Batter is da!" Sie eilte vom Gitter weg. um rechtzeitig beim Pförtchen n sein, aus dem die Männer herausquollen. Dort, sogleich beim Heraustreten, war das Zusammen- reffen. Die Begrüßung bestand aus einem glücklichen Lächeln, einem Gruß und einem kräftigen Händedruck. Bei diesen Leuten, denen nichts angelernt ist und die frischweg ihre Ge- fühle äußern, ist der Händedruck nicht zu einer alltäglichen Gewohnheit oder zum Mißbrauch einer Höflichkeitsform ge- worden, man tut es höchst selten und nur bei der Rückkehr nach langer Abwesenheit oder bei großen Lebensereignissen, wenn man tiefbewegt ist. Darum behält dieser Händedruck beim Wiedersehen alle Kraft des Ausdrucks, der Herzlichkeit und der Freude. Andere verfeinerte oder erkünstelte Gefühlsäußerungen kamen hier bei der Begegnung ebensowenig zur Anwendung, manchmal blieb man schon nach einem einzigen Wort wieder stecken— der bewundernde Blick sagte das übrige, wenn man keine Worte mehr fand; erst als die größte Bewegung gewichen war und man sich an den Anblick des Zurück- gekehrten wieder gewöhnt hatte, brach die Sturzflut von Fragen und Mitteilungen los; andere benahmen sich vom ersten Augenblick an, als ob nichts geschehen sei, in dem Be- wußtsein, daß man noch Zeit genug habe, das Versäumte einzuholen. „Ich Hab Dich nicht erkannt mit Deinem häßlichen Bart, Ivo, warum tust Du das?" sagte Manse mit einem leisen Vorwurf in der Stimme. Ivos brummende Antwort verlor sich in seinem dunkeln Bart. «Wie geht's?" fragte er.„Und die JungenS?" „Schau, hier!" rief sie und zeigte ihm das Kindchen, das sie auf dem Arme trug. „Ei.'s is ja wahr," sagte Emma,„Du hast Dein Bübel noch gar nich gesehn." „Nee, is es'n Bübel?" „Ein hübsches Kindchen, ntch wahr?" „Is es gut abgelaufen?" „Gut! Ha,'s is schon längst vergeffen.'n tüchtiger Lursch, he?" Die anderen Buben sollten auch herankommen, aber sie standen schüchtern vor dem bärtigen Mann, der wie ein Räuber aussah— sie erkannten ihren Vater nicht mehr, und ganz zaghaft reichten sie ihm von weitem die Hand hin. Ivo sah sich um, sein Name wurde gerufen. Es waren Männer, die Abschied nehmen wollten. Hier auf dem Bahn- Hofsplatze standen sie noch in einer Herde beisammen, mit Weibern und Buben zwischen sich, aber nun mußten sie sich entschließen und auseinandergehen. Nach- langem Hin- und Herrufen, Weigern und Zaudern willigte man endlich ein, den Abschiedstrunk in der Kneipe an der Ecke zu nehmen. Den guten Trunk ihrer Heimat hatten sie in der Fremde lange entbehren müssen, und nun tat es ihnen doppelt wohl, die großen Pinten zu sehen und das kühle, schäumende Bier in vollen Zügen in die Kehle zu gießen. Die Weiber und Kinder mußten mittrinken, und mit breitem Schwung wurde das Geld auf die Schcnkblätter oder auf den Marmortisch geworfen. Die Kneipe war von Leuten gefüllt, und es war ein Gelage wie bei der Kirmeß. Die aufgeregten Männer gerieten jetzt noch mehr in Feuer: jetzt tvaren sie wieder in ihrem Element, wieder bei ihren Bekannten und beim Bier I Aber neben diesem aufmunternden Gefühl war noch etwas anderes, und das wollten sie vertreiben, ertöten, über- schreien— nicht mehr dran denken... Sie hatten sich so sehr nach dem Ende der schweren Arbeit gesehnt; sie hatten da- nach gelechzt, wie nach einer Erlösung, um wieder daheim zu sein, aber unbewußt war in ihrer rauhen Männerbrust das Gefühl der Gemeinsamkeit entstanden, und zeitweise bekam eine Empfindung die Oberhand, die ihr Gemüt mit Groll und Bedauern erfüllte— wenn sie nun von hier aus zurückdachten an die schwere Arbeit da drüben, erinnerten sie sich nur noch der Schönheiten davon, des Zusammenseins mit Bekannten im fremden Lande— der Brüderlichkeit der Arbeiter in der fremden Umgebung, wo sie durch die gleichen Interessen zusammengehalten wurden. Dann hatten sie zusammen die ganze Lustigkeit der weiten Reise genossen— das Lachen und Jubeln, das Singen und Anstoßen— es war die reine Kirmeß gewesen im Zuge... und wenn sie jetzt daran dachten, daß es vorbei war, daß sie scheiden mußten und jeder wieder auf sein eigenes Dorf ziehen würde, fühlten sie Groll und Trauer in sich auf- steigen. So lauge sie beisammen getvesen waren, hatten sie nicht darauf geachtet, sie hatten zusaminen über die Arbeit gesprochen, über ihre Tätigkeit zu Hause; während sie bei der Arbeit waren, dachten und taten sie alles gemeinsam, wie die Eroberer, die in dichter Schar zusammen für das gleiche Ziel kämpfen: sich abrackern, um einen großen Lohn zu erzielen und viel Geld nach Hause zu bringen. Sie er- langten das gemeinsame Gefühl des Stolzes und unermüd- licher Arbeitskraft- keiner wollte hinter dem anderen zurück- bleiben... und so war allmählich und unbewußt die Freundschaft und die Zuneigung entstanden. Dieses gegen- seitige Gefühl hatten sie nicht in schönen Worten oder durch zarte Umgangsformen geäußert; äußerlich waren sie rauh geblieben in ihrem Tun und ihrer Redeweise, aber sie nannten sich gegenseitig mit Spitznamen, und wenn ein Schelt- oder Schimpfwort oder eine Drohung fiel, war in dem Tone etwas beinahe Unmerkliches, das die Bedeutung des rauhen Wortes milderte. Zur Verteidigung ihrer Interessen waren sie niemals gemeinsam aufgetreten— daran dachten sie nicht— alle waren sich einzeln der Kraft ihrer Arme bewußt— sie wußten, daß sie ihren Teil verrichteten, und wenn sie dann auch ihren Teil bekamen, war es genügend. Aber im übrigen ivarcn sie sehr wohl bereit, etwas für einander zit tun, und es geschah zuweilen, daß der eine dcni andern behilflich war, wenn es mit der Arbeit haperte; besonders aber gegen Fremde ertrugen sie nicht, daß auch nur die geringste verletzende Anspielung gegen einen Kameraden gemacht wurde. Das wurde im Augenblick Hand- greiflich gerügt.(Forts, folgt.) Direlvtion Max Reinliardt. OcatKrhes Tht�ntcr. T'/j Uhr: l>er Bonntag: Der Oeizige. Ifachm. S'/j Uhr(Heine Preise): I>or Wvibütenfel. Kamm erspiele. T'/j IThr: Fasching. Bonntag: Fasohing. Kaehm. 2'!, Uhr(Heine Preise): Was Konzert. Volksbühne. Thea!. a.BDIowplatz T'/j Uhr: Volk in Kot. Sonntag: Volk in 3Sot. Sessmg-Theatcr. u/z Uhr:.liadame I.egros. Sonntag: liadame l.egros. Montag; Kiebc. ßentsch. Künstler-Theater. Allabendlich 71/« Uhr: Der Kammersänger. Comtesse Mizzi. I. Klasse. URANIA Ta�r- 4 Uhr(halbe Preise): Direktor Pranz Goerke: Heimatland und Heimatliebe. 8 Uhr: Kapitänleutn. van Bebber: Unser Kreuzergescliwader, Erlebnisse. Tätigkeit u. Heldenkampf. Rose=Theater. vi, Uhr: _____ Das Findelkind. Theater für Sonnabend, den 5. Mai. Deutsches Opernhaus. Char.ottcnb. OperettenhailS Theater i. d. KöniggrStzerstr. 7 Uhr: Kum I. Male: .Artnr Kohnitztcr-Abcnd. iComödienhaus 7'/-: Wie verlorene Tochter. Berliner Theater 7" Uhr; Wie tolle Komteli. - rar: HoffiMS Erzähiungeo. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. ''u uhr: Das Dreimäderlhaus. Kehr. Ilerrnfeld-Theatcr. 7'/. uhr: Elie-Ürlaub. Kleines Theater -'/.u.: Eaiis im SehDakeDloch. Komische Oper 20 Min.: Uie Dose Sr. Majestät, Lustspielhaus •/jSUhr: Wie blonden Zkttdels vom I.lndcnhof. Sonntag 3 Uhr: Das Glilcksmädel, Metropol-Theater IoXMhirn: Die Czardasförstin. Schiffbd.4a. Kassentel.: Nord. 281 7V. u.: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater suhrDieSlehier-Mätlels Schiller-Theater O tv, u.: Die Frau vom Meere, Schiller Th. Charlottenb. 7v. u.: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater L�iin�DasVagabundenmsdei, Theater am Xollcndoripl S'/.Uhr; Wie Räuber. 7V, u.: Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7 v, u.: stolze Thea. Trianon-Theatcr 7v. uhr: Jägerblul. Ißaiasi 4 i raMW wtf.vfy 323 Schüerseer Gastspiel der mit Xaver Tcrofal. VI,: „St. Oeorg, der Drachentöfer". Morgen nachm. S'j,: Wer Herrgottschnitzer von Ammergau. 7V,: St. Georg, der Drachentöter. Reichshallen-Theater. Stetliner Sänger. Cabaret jjF eid- grau" Ansang 7'/, Uhr. CTrcif» TW Busck Heute Sonnabend 7'/, Uhr wieder Zirkus-Vorstellungen mit dem neuen Malprogramm: 3 Geschvdsler Diek, Pierretten an freistehenden Leitern. Alfons GeiBlep und Partnerin. Hubertus und Ollaw, natürliche Tiers ti mmennach ah raungen in höchster Vollendung. Verlängert! Koo Rauch in der rollenden Uoncrkugel u. d. übrig, vorzügl. Nummern. Zum Schluß: Z 75.» lall Riesen-Pracht- Wasser Pantomime Sie versunkene Stadt. Zirkus A. Scliumann Täglich abends 7V, Uhr: Was neue Programm. Sabero Tas Rätsel der Welt l Der Vankranb! 10 weitere Schlager und VsSLesi'äukss' I tsonnlag!ö Voritellungen: »>/z und 7'/, Uhr. Nachmittags 1 Kind frei! I1TI0I1L-T8E1TU. Köpenicker Str. 68. Tägl.'1,8 Heiralsfieber. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Musik von Walter Bromine. Heue Ausstattung! Heue ßailetts! Voroerkaus ab 10—2 u. ab 6 Uhr abds. Htm Beriiner Konzerthaus Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90/91, CDTN Heute vorletzter Ta�. Großes Konzert des Berliner Konzerthans-Orchesters, Leiter: Komponist Frz. v. Blon. Anfang 71/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7'/, Uhr. .Reederei KaliUta HerlZUr Walsenbrücke. Fernspr. Königst. 2062. Wainpfer-Extrafahrtcn ab 3is auf weiteres Vn'SmnnnHtlP.T Abfahrt 2 Uhr I jeden Sonntag nach Sil<»al}JCiIUtii IJ. Hin u. zurück 1, WmjMrE: Kabarett Tivoli iYpHSf Spielplan vom 1.— 15. Hai: Kurt Reising; W acker- W acker Se!ma Vallis Fredy Moreno Sonntags Anf. 4 Uhr, wochent. 71/,, Uhr. Großes Orchester;«IiilinN I?Icyer. ,., Coüüussep-JDsmm 95•&pi# <...............- 'i nriitfi'i-"ivin Joseph Plaut dazu der glänzende Mai=SpieJplan! SQsoHo PRIEDaiCHSTR AN DEC- KOCHSTB- Allabendlich 71/, Uhr; Was vielseitig«, Variele-Programra! ■ Die Kasse ist ab 10 Uhr qebftnet Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich Uhr. 7'/, Uhr: Tas iiene Mai-Progr. Hervorragende Svezi tlitäten. 8'/, Ubr: Stürmischer Beisaß. Grosser Heiterkeitserfolg Wti.n's Mailvstkrl wellt Sonntag 4 Uhr: Toi» Puppchen. Viktoria-Tlieatßr Kottbuser Str. 6—7 Täglich: iUnt.pers.Leit.v. Rieh, Oswald I Wer groiieKalturfllin- Es weriTicht 5 Akte von Rieh. Oswald und Lupu Pick. Mit Unterstützung der j Deutschen Gesollschaft zur Bekämpfung der Gc- 1 schlecht« la-ankheiton. Kegio; Rieh. Oswald. Hauptrolle: Bernd Aldor. Vorh.: D. vollst, neue, glänz. Speziaiitäten-Progr. Reginn:'/»ti u. 8 Uhr. 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