Ar. 1T8. 34.Iichrs« Ndonnementz-Velttngno««,! IN-onnement»- Drei» vrknumerando' vierleljäbrl. S.90 Mi, monatL L30 Mi, wöchentlich 30 Djfl. ttci in»$auS. Einzelne Rummer ö Pfz. Eonnlag». nummer mit Mustrierier EonntagZ. Beilage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Soft. tlöannemem! 130 Mark uro Monat. Eingetragen in die Dost-Zeitung»- Vreislifle. Unter Kreuzband für Deutichland und Oeflerreich. Ungarn 2.50 Marl, für da» übrige kusland t Mark»ro Monat. Voslabonnemeni« nebinen an Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei». «cheliil iZgNch. Verlinev VolksblÄkk. ( 5 Pfennig) Die Tnterfions'GebflIjr teträgl für die fechkgefdallcne Kolanel- »eile oder deren Raum 00 Pfg, für »olitiiche und gcwerlschafiliche Verein»- lind Verfanunlung»- Anzeigen 30 Pfg. tixiefn« Anrefgen", da» tettgcdruikte lort 20 Pfg. lzuläfslg 2 fellgcdruckie lllorlef, jede» weitere Wort 10 Pfg. Slcllengcfuche und Echfafflellenan» »eigen das erste Wort 10 Pfg, jede» weuere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- Naben zählen für zwei Worle. Infcraie für die nächste Nuniiiier Müllen bis Ii Uhr nachinittags in der Exvedilion »bgegcden werden. Die Erdedilion ijl dis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-ildreffe: .!g»iiill!«m»>l»l stitllll". ZcntraXorqan der fozuldemohratfrchcti Partei Deutfcblands. Redaktion: SW. 6$, Linöenftraße 3. fhernsprecher: Zlmi MoriNPlaN, Rr. 1S1 gy— 15197. Dienstag, de« 8, Mai 1917» Expedition: SW. 6$, Lindenstraße 3. SHrniuretJter: Amt Moritzplatz, Nr. 1519«— 15197. l>ie Voppelkcklackt dauert fort. Heftigster Artilleriekampf bei Leus und Areas— Erneute französische Angriffe abgeschlagen— Kampf nm den Winter- berg: der Nordhang zurückerobert— Chevrenx in deutscher Hand. Amtlich. GrotzcZ Hauptquartier, den 7. Mai m?.(W. T. SS.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Lens und Arras erreichte der Artillcriekampf abends wieder größere Heftigkeit. Er dehnt sich über Bullccourt weiter nach Osten aus. Der Feind setzt die Beschießung von St. Quentin fort, die in der Stadt Brande und an der Kathedrale erneute Beschädigung hervorrief.. Heeresgruppe Deutscher Krouprinz. Nach den schweren Verlusten, die der 5. Mai den Franzosen gebracht hat, ließen fie gestern zunächst von der Fortführung ihres Angriffs ab. Erst nachmittags stießen starke Kräfte zwischen Fort de Malmaison und Braye vor, sie wurden restlos abgewiesen. Am Abend und in der Nacht setzten heftige Angriffe nördlich von Laffaux und zwischen der Straße Soiffons-Laon und Ailles ein. Nach harten Kämpfen, bei denen wir örtliche Erfolge erzielten und dem Feind schwere Berluste zufügten, wurden alle Stellungen von unsere» tapferen Truppen gehalten. Zwischen Ailles und Craoune scheiterten heftige Teilangriffc der Franzosen.- Am Winterberg wogten die Kämpfe den ganzen Tag über hin und her. In flottem Anlauf haben wir den?!ordhang zurück- rrobert niid gegen mehrfache feindliche Anstürme gehalten. Der Franzose mußte auf den Südhang zurückweichen, dir Hochfläche blieb von beiden Seiten unbesetzt. Chevrenx ist in unserem Besitz. Auch dieser Grohtampstag der Aisnc-Tchlacht war erfolg- reich für u»s.' Seit dem 5. 5. find zwischen Soiffous und ReimS an Ge« faiigcncn 9 Offiziere, 726 Mann, an Beute 41 Maschinen- und Schnclladcgewehrc eingebracht. Ruhe. 1t feindliche Flugzeuge wurden gester» abgeschossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von vereinzeltem Feuer herrscht an der Front Mazedonische ftfront. Im Ccrna-Bogcn wuchs da? Artillcriefcucr zeitweise z» er- hcblichcr Heftigkeit an. Schwächere feindliche Jnsantrrir-Abtei. klingen, die gegen unsere Stellungen vorfühlten, worden leicht abgewiesen. Westlich dcS Barbar scheiterten Vorstöße des Gegner? gegen bulgarische Feldwachen. Der Erste Gcneralquarticrmeistrr. Ludcndorff. Abendbericht« Berlin, amtlich, 7. Mai abends. An der A r r a s s r o n t hält das starke Artillerie- fcuer in einzelnen Abschnitten an. Bei R o e u x sowie zwischen Fontaines und Ricnconrt wurden englische Angriffe blutig abgewiesen. Bei Bulle- c o u r t wird noch gekämpft. Au der A i s n e scheiterten beiderseits von C r a o- n e l l e starke französische Angrifft. Der österreichische Bericht. Wien, 7. Mai- 1917.(W. T. S.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei günstiger Witterung war gestern die beiderseitige Flieger- tätigkrit-sehr rege. In Ostgalizicn worden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des EhcfS dcS GeneralstabeS v. Horser, Frldmarschalleutnant. Stockholmer Vorbesprechungen. In Stockholm hielten, wie uns gemeldet wird. Mitglieder des Internationalen Sozialistischen Bureaus die erste konstituierende Bersammlung ab. Zum Boisitzenden wurde Branting, zum Sekretär HuySmanS gewählt. Eine von S t an n i n g vor- geschlagene Arbeitsordnung wurde genehmigt. In der Zeit vom 15. Mai ad sollen eine Reihe Scparatkonfcrrnzcn von den Partei Vertretern der verschiedenen Länder stattfinden. Dadurch dürfte Klarheit über gewisse Verbällnifse und Richliinien geschaffen werden kömien, so daß alle an der Konserenz am 10. Juni teilnehmen können. Die gegenwärtigen Verhandlungen werden von den holländischen und schwedischen Mitgliedern des I. S. B., sowie von je einem Vertreter aus Dänemark und Norwegen gepflogen. Auch der Belgier Broucköre nahm an einer Verhandlung teil, wobei er dein Arbeitsplan zugestimmt haben soll. Aus Anregung der bereits in Stockholm eingetroffenen Teil» nehmer der geplanten Friedenskonferenz, wird das Permanente Komitee derArbeiterorganiiationenSkandinapiens am 9. d. M. in Stockholm eine Konferenz abhalte», um über die bevorstehende Friedensarbeit zu beraten. Diese Konferenz wird von den Führern der gewerkschaftlichen Landeszentr.alen der drei nordischen Länder beschickt. Norwegen sendet Magnus Nielsen und Ole L i a n, Dänemark C. F. M a d s e n und S t a u n i n g, Schweden wird von Herm. L i n d q u i st und Gust. Möller vertreten. Der Borstand der Partei der Unabhängigen- hat in Ge- meinichafi mit der Reichs- und pieußischcn LandtagSfraklion be- schiosien. zur Konferenz nach Stockholm Haase, Sem ft ein, Adolf H o ffma nn, K a u t Z ly und Frau Zietz zu dele- gieren. « Stockholm, 6. Mai. iMeldung von SvenSka Telegrambyran.) Aus Anlast der falichen Auffaffungen, die in gewissen Blättern über die Absichten der holländischen Delegation des Internationalen Sozalistischen Bureaus herrschen, hat diese Delegation einstimmig nachfolgende Erklärung ab- gegeben: Die Delegation lehnt energisch jede Auslegung ab, als ob sie einen Sonderfrieden zwischen einzelnen kriegführenden Mächten be- obsichtigt habe. Sie erklärt, daß ihr Zweck sei. einen allgemeinen Frieden zu fördern auf dem Boden der Grundsätze des Jnter- »atioualen Kongresses in Kopenhagen im Jahre 1910. Die Dele» gation ist weder jemandes Werkzeug, noch läßt sie sich in Intrigen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, hineinziehen. 0 Sofia, 6. Mai.(Meldung der Bulgarischen Telegr.-Agentur.) Die Abgeordneten Kolaro w und Kirkow, die von der Partei der doktrinären Sozialisten zu deren Vertretung bei der Stockholmer Äonserenz bestimmt wurden, sind heute abgereist. Der gegen öfterreichifthe Toüesurteile. Branting hat aus Petersburg folgendes Telegramm er- halten: „DaS Exekutivkomitee de? Arbeiter- n»d SoldatcuratS, das Mitteilung erhalten hat, daß Zurkanovituh und 15, andere Personen wegen politischer Ursachen, in Wien zum Tode verurteilt worden sind, erhebt hiermit einen en crgischcu Protest gegen daS Todesurteil und bittet Sie, dafür Sorge zu tragen, daß dieser Protest an das Zentralkomitee der öslerrcichischrn Sozialdemokratie gelangt. Wir glauben nämlich, daß unsere Entrüstung von der Arbeiterklasse i» Oesterreich und Ungar» geteilt wird." „Social-Denlokratcn" bcnierkt hierzu:„Als einer der sichersten Wege, diesen Protest an den Adressaten zu bringen, beeilen wir uns, ihn zu veröffentlichen." Die Schiffsverlufte ftnü entsetzlich. Bern, 6. Mai. In einer Ansprache an der Getreidebörse sTbe Baltic) in London hat Lord BereSsord die irre- rührenden Admiralitätslisten über die wöchentlichen Ein- und AuSklarierungeu und Versenkungen von neuem angegriffen und die Angabe der Tonncnzahl der versenkten Schiffe verlangt, ohne welche die Verluste nicht richtig eingeschätzt werden könnten. Er führte aus, die Listen umfaßten die Ver« senkungen von neutralen S ch i f f e n nicht, wohl aber deren Ankünste, und bemerkle, bei der starken Inanspruchnahme der britischen Schiffe durch die KiiegSmaterialverichiffungen machten die Lebens nrittel nackiEngland bringenden neutralen chiffe etwa 80 Proz. der Ankünfte aus. Ferner sagte er:„Carson hat im Unterhause erklärt, daß die Schiffsverluste zugenommen haben, ich bedauere es sehr, daß er. nicht gesagt hat: fie haben enorm zugcnommcu! Ich glaube, die Berluste sind eutsetzUch." verfaflungsbrot. Wir haben mit der sogenannten„Neuorientierung" eine ganze Anzahl Dinge bekonimen, von denen sich bestenfalls sagen läßt, daß sie auf das theoretische Re ch t s- g c f ii h l befriedigend einwirken, z. B. die Aufhebung des Jesuitengesetzes. Auch unter den Beschlüssen, die der Ver- fassungsausschuß bisher gefaßt hat, sind zum mindesten einige, deren Wert kaum höher zu veranschlagen ist. Für das Volk kann das Wort„Neuorientierung" nur einen Sinn haben: die wirkliche, positive V e r in e h r u n g seiner Macht im Staat, die Uebertragung des ent- scheidenden politischen Einflusses auf den Willen des Volkes. Alle anderen Dinge, mit denen sich die Neuorientierung befaßt, mögen gut und nützlich sein, aber sie gehen an dem Kernpunkt der Sache vorbei. Nun hat der Verfassungsausschuß auch einige Anträge angenommen, welche auf eine Stärkung des Parla- m en ts gegenüber der Regierung hinauslaufen. Tie rechts- stehende isiresse stimmt noch tagtäglich darüber ein weiner- liches Zetermordio an und malt gräßliche Zuknnsstbilder von Parlameiitsherrsd)aft und Ende der Monarchie an die Wand, obwohl der Verfassungsausschuß bisher gerade den ent- scheidenden Fragen des parlameiikarifchen Systems ausge- wichen ist und im besten Falle ein paar Vorfragen dritter Ordnung erledigt hat. Wir müssen uns jedoch darüber klar sein, daß Stärkung der P a r l a m c n t s r e ch t e und Stärkung der Volks- r e ch t e n i ch t unter allen Umständen gleichlautende Begriffe sind. Um einmal ein drastisches Beispiel zu nehmen: Man stelle sich vor, das preußische Drei'- klasscnhaus erzwänge morgen für Preußen das parla- mcntarische System. Wäre das praktisch höherer Einfluß des Volkes?— Es würde sich lediglich die Regierung einer kleiner mächtigen Käste noch schärfer aus- prägen, ohne daß die Möglichkeit, sie zu stürzen, dadurch größer geworden wäre. Wir haben ja das tatsächliche Beispiel in Ungarn, wo 5ilasscnwahlrecht und parlamenta- risches System sich miteinander vereinigen. Es ist kein Zu- fall, sondern innere Notwendigkeit, daß Graf T i s z a als der Führer einer nur auf dem Klassenwahlrecht beruhenden Mehrheit schärferer Gegner einer Wahlreform ist als der oberste Beamte der preußischen Bnreankratie, die gegenüber der größten Partei des Dreiklassenparlaments zwar keine große, aber— durch das Gegengewicht des Reichs- tags— doch eine gewisse Unabhängigkeit hat. Gewiß ist cS mit der Vermehrung der Rechte des aus allgemeinen gleichen Wahlen hervorgegangenen Reichs- tags eine andere Sache. Aber gerade in dem Augenblick, wo man an sie herantritt, muß sich der Blick auch doppelt auf die Fehler des Reichstags Wählrechts hinlenken. Ter Reichstag kommt zwar dem Ausdruck dos Volkswillens unendlich viel näher als das preußische Dreiklassen- Haus, aber er i st es auch nicht. Daran hindert ihn die mit jedem Jahre ungerechter werdende Wahlkreisein. t e i l u n g. Durch Jahrzehnte hindurch haben im Reichstag Mehr- heiten schalten können, welche nicht die Mehrheit der W ä h I e r st i m m e n hinter sich hatten. Im Jahre 1912 hat endlich einmal eine Volksbewegung von ganz außer- ordentlicher Stärke die Ungerechtigkeit der WahlkreiSein- teilung zum Teil überwunden, ohne ihre Wirkung dabei ganz aus der Welt zu schaffen. Die heutige Wahlkreisciitteilung läuft darailf hinaus, daß die R e ch t e e r h e b I i ch m c h r M a n d a t c erhält, als ihr zifferipmäßig nacki der Zahl ihrer Wähler zustehen würde, während die Linke entsprechend benachteiligt wird. Die Wahlen von 1912 haben gelehrt, daß der Vor- sprung der Rechten nicht so groß ist, daß er ganz unüber- windlich wäre, aber höchst bedenklich bleibt die Sache trotz- dem. Es lassen sich sehr wohl Wahlen in späterer Zeit denken, bei denen sich die Mehrheit der Bevölkerung klar und deutlich für irgendwelche Parteien der Linken ausspricht, die Rechte aber gleichwohl dank der verzerrten Wahlkrcisein- teilung die parlamentarische M a s o r i t ä l erhält. Wir müssen uns also darüber klar sein, wenn wir die Rechte des Reichstages aus seiner jetzigen Grund- läge vermehren, daß wir damit eiu Parlament stärken, in dem die Trümpfe von vornherein ungleich verteilt sind, in dem gerade die schärfsten Gegner der Volks- Herrschaft über ihren tatsächlicksen Anhang hinaus ver- treten sind. Es kann daher sehr leicht der Fall sein, daß die Einführung des parlamentarischen Systems sich zunächst als eine Stärkung von Parteien erweisen würde, die ihre Macht im Gegensatz zum Volkswillcu gebrauchen. Sollen also die Beschlüsse des VcrfassuugSauZschusses über die Befriedigung des theoretischen Rechtsgefühls hinaus» gehen, sollen sie nicht nur schöne Prinzipien sein, sondern wirkliches, nahrhaftes Nerfassungsbrot, so muß zu- nächst einmal die Ungleichheit der Wahlkreiseinteilnng be- seitigt werden. Ohne gerechte Neueinteilung der Wahl- kreise erhält jede weitgehende Verfassungsresorm einen bitteren Beigeschmack, m i t ihr werden nicht nur Parlaments- rechte, sondern Volksrechte gewonnen. Der Verfassungsausschuß ivird. wie wir hören, sich viel- leicht schon heute, mindestens aber in den nächsten Tagen, mit dieser Frage befassen. Und hier kann den Abgeordneten gar nicht laut genug zugerufen werden, daß es sich um einen Eckpunkt der Neuorientierung, soweit sie das Reich betrifft, handelt. Hier ist nur eine Wahlreform an- nehmbar, die die iv irkliche Stimmengleichheit, so wie sie in der Reichsverfassung niedergelegt ist, wieder zur Geltung bringt. Das„Berliner Tageblatt" gab am Mon- tag eine Information wieder, wonach durch Teilung der größten Wahlkreise die Zahl.der Reichstagsmandate um zlvanzig bis dreißig vermehrt werden soll. Selbst das ist der „Deutschen Tageszeitung" zuviel; sie hält eine Vermehrung der Mandate um acht bis zehn für ausreichend. Solche Scheinresorm scheidet von vornherein fiir jeden ernsthaften Reformwillen aus. Es handelt sich hier nicht um Ver- tnschnng einiger gar zu ausfälliger Unschönheiten, sondern um die vollständige Beseitigung eines politischen Privilegs, das ganz ohne den Willen irgendeines Gesetzgebers, nur infolge einer nichtgeahnten Bevölkerungsbewegung, aus die das Gesetz nicht zugeschnitten war, gewissen Kreisen in den Schoß gefallen ist. Alle Argumente gegen die völlige Neueinteilung der Wahlkreise nach der Bevölkerungszahl sind hinfällig. Am hinfälligsten das von der Benachteiligung der Landwirtschaft. Bei der ursprünglichen Schaffung der Wahlkreise hat kein Mensch daran gedacht, die ländlichen Wahlkreise aus weniger Wählern bestehen zu lassen als die städtischen. Gegen das Gesetz hat sich dieser Zustand erst nach und nach herausgebildet. Wer aber etwas gegen das Gesetz erhält, hat kein Recht zur Beschwerde, wenn es ihm genomnien wird. Ebenso unsinnig ist das von den Konservativen entdeckte Prinzip, daß die„Fläche" Anspruch auf Vertretung habe. Wieviel Vertreter dürfen dann der Bodensee, das Kurische und das Frische Haff in den Reichstag entsenden? Auf wie- viel Abgeordnete hätte Anspruch die Wüste Sahara, sobald unsere Ännexionspolitiker sie erobert haben, woran es ja nicht fehlen wird. In Wirklichkeit will die Rechte nur eine Machtposition, die ihr ein unerhört glücklicher Zufall in den Schoß ge- warfen hat, nicht gutwillig hergeben. Dann muß man sie ihr eben nehmen. Es ist dringende Aufgabe des Reichstages, die Wahlkreiseinteilung so zu gestalten, daß der Reichstag in Zukunft und für alle Zeiten ein wirkliches Spiegelbild des Volkswillens darstellt. Die gerechte Neueinteilung der Wahlkreise wäre ein Resultat der. Neuorientierung, das fiir die Volksmassen nicht nur theoretischen und prinzipiellen, sondern greifbaren praktischen Wert hat. Mit ihr bekommt auch die Vermehrung der Reichstagsrechte gegenüber der Regierung ein ganz anderes Bild. Denp sobald die Volksmehrheit auch wirklich sicher ist. die Pavla- in entsmehrheit zu bestimmen, ist jede Erweiterung der Parlamentsrechte auch unmittelbar eine Erweiterung des eigenen Rechtes. Aber die Erweiterung der Volksrechte ist das Entscheidende._ Die Revolution gegen Miljukow. Mitteilung des Arbeiter- und Soldatenrats. Zu der Entscheidung, die über Miljukows Mainote von der Petersburger Hauptkörperschaft des revolutionären Rußland gefällt ivorden ist, liegt nunmehr, von der Peters- burger Telegraphen-Agentur verbreitet, eine offizielle„Mit- teilnng des' Arbeiter- und Soldatcnrats" vor. Sie ist vom gestrigen Tage datiert und lautet: Tie Note des Ministers des Auswärtigen vom 1. Mai, die am 3. Mai veröffentlicht wurde und der die Erklärung der einstlvdligeu Regierung vom 9. April zur Uebermittelung an die alliierten Regierungen beigegeben wurde, hat bei dem Voll- ziehungSausjchuß des Arbeiter- und. Soldatenrats Mißbilli- g u n g und bei der Demokratie lebhaften Widerspruch ge- funden, der sich in Versammlungen und Massenkund- g e b u n g e n geäußert hat. Ihrerseits haben sich auch die bürgerlichen Kreise erregt und gegen die erwähnten Kundgebungen der Arbeiter und Soldaten Einspruch erhoben. Am folgenden Tage gewann die Bewegung in Moskau Boden. In der Nacht zum 4. Mai wurde eine gemeinsame Sitzung des Vollziehungsausschusses der Arbeiter und Soldaten,, der Regierung und des vorläufigen Dnmaausschusses abgehalten. Am 4. Mai teilte die Einstweilige Regierung dem Vollziehungsausschutz eine Ergänzungsnote an die Ver- treter der alliierten Mächte mit, die am ö. Mai veröffentlicht wurde und in der erklärt wurde, datz für die Regierung in einem„ent- scheidenden Siege" der Verzicht Rußlands ans Landgewinn und auf Beschlagnahme der Wüter von Staatsangehörigen anderer Völker und ebenso der Verzicht ans jede Ausdehnung der Macht Rußlands auf Kosten anderer Staaten inbegriffen sei. Angesichts dieser ergänzenden Note hat der Arbeiter- und Soldatenrat die folgende vom VollziehungsauSschuß vorge- schlagene Entschliesinng angenommen:• Der Rat der Arbeiter- und Soldatcnabgrordnete» beglück- wünscht warm die revolutionäre Demokratie Petersburgs, deren Berfammluttgen, Entschliesiungen und Kundgebungen ihre lebhafte Aufmerksamkeit gegenüber den Fragen der auswätrigen Politik bezeugten und ihre Besorgnis, daß diese Politik in die imperialistischen Bahnen des alten Regimes ab- gleiten könnte. In der Tat hat die Note des Ministers des Acußern vom 18. April begründeten Anlaß zu der erwähnten Bc- svrgnis gegeben. Die Einstweilige Negierung hat getan, was der VoilzichungSausschnß schon lange gesordort hatte, und den alliierten Regierungen den Wortlaut ihrer ErAärung vom 27. März über ihren Verzicht anf Eroberungspolitik übermittelt. Dadurch hat die Regierung die alliierten Staaten in die Notwendigkeit versetzt, sich vor ihren Demo- kratien und vor denen der gauze« Welt über die Politik der Eroberungen und überdieKriegsziele im allgemeinen auszusprechen. Indessen hat die Note des Ministers des Neußern die Erklärung vom 27. März, die an die Regierungen der Alliierten . gerichtet war, mit solchen Erläuterungen begleitet, daß man sie als emen Bersuch der Abschwächuag der wirklichen Bedeutung des Schrittes auffassen konnte. Die Ans- drücke und Wendungen der Note, die der Sprache der Diplomaten des alten Regimes entnommen sind und dem Bolke unverständlich waren, waren derart, daß sie die berechtigte Sorge erweckten, die Einstweilige Regierung habe tatsächlich die Absicht, sich auf dem Gebiete der internationalen Beziehungen von dem Wege des Bcr- zichts aus Eroberungspolitik, den sie am 27. März ausgesprochen hatte, zu entfernen. Der einmütige Widerspruch der Arbeiter und Soldaten in Petersburg hat der Einstweiligen Regierung und allen Bölkern der Welt gezeigt, daß die revolutionäre Demo- kratie Rußlands niemals darein willigen wird�. daß die äußere Politik in den Bahnen des Zaris- m u s geführt werde und daß ihre Anstrengung anf einen unerbittlichen Kampf um einen Weltfrieden gerichtet ist und fein wird. Die neuen Erläuterungen der einstweiligien Regie- rung, die, durch diesen Widerspruch veranlaßt, zur öffentlichen Kenntnis gebracht und vom Minister des Aeußrren den Vertretern der alliierten Mächte mitgeteilt worden sind, machen jeder Aus- legung der Note in einem den Interessen und For- derungcn der revolutionären Demokratie zu- widerlaufenden Sinne ein Ende. Die Tatsache, daß ein erster Schritt getan worden ist, die Frage des Verzichts anf Eroberungspolitik zur internationalen Er- örtcrung zu stellen, muß als bedeutsamer Sieg der Demokratie angeschen werden. Der Arbeiter- und Soldatenrat erklärt seinen unerschütterlichen Entschluß, in Zukunft auf dem Wege des Kampfes für den Frieden zu bleiben, und fordert die ganze revolutionäre Demokratie Ruß- lands auf, sich noch enger um diesen Rat zu scharen. Die Ar- heiter- und S o l d a t e n a b g e o rd n r ten werden den Widerstand der Regierung brechen und sie zwin- gen, Friede»sbesprechun gen auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen und Entschädi- gnngen einzuleiten. gez. S k» b e l e w." ♦ Fest und wuchtig steigt dieser Akt des Arbeiter- und Soldatenrats aus deni Nachrichtengewirr auf, mit dem täglich versucht wird, die Bedeutung und Lebenskraft der rufst- scheu Revolution zu verkleinern. Das Vorgehen des Rates bedeutet für die allgemeine Sache der auf Frieden drängenden Völker einen zählenden Schritt. Der entMossen-gebieterische Wille, der in Wort und Fassung der Kundgebung Ausdruck fand, wird in allen Ländern von Unzähligen begeistert cmp- funden werden. Diese Sprache und die Tat, der sie zugehört, sind ein Vorklang der Arbeit, die in Stockholm geleistet werden soll._ Die Petersburger Maikunögebungen. Stockholm, 7. Mai.„Djen* bezeichnet die großen Petersburger Maikundgebungen als bedeutende Aeußerung des Kampfes des russischen Volkes für de» Frieden. Die weitesten Kreise hätten die an alle Völker gerichtete Friedensproklamation des Arbeiterrates angenommen. Die überwältigende Mehrheit des russischen Volkes wünscht und erhofft den Frieden. Jeder Versuch, diese Tatsache zu leugnen, sei nicht nur zum Miß- lingen verurteilt, sondern führe zum Gegenteil der damit ver- folgten Absicht, indem die Friedensbewegung dann um so schärfere Formen annehme. Zweifellos durchkreuze dieseBewegung alle die Kriegs ziele, deren Er- reichung durch einen langjährigen, fortgesetzten Kampf undenkbar seien. Glücklicherweise bedürfe es keines langen Kampfes mebr, um Ruhland seinen ungeteilten Landbesitz und seine freie wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Die Stimmung in Deutschland und Oesterreich- Ungarn gebe Anlaß, dies zu vermuten. Die menschlichen Nerven beginnen zu er- lahmen, die Leidenschaften zu erlöschen und die Vernunft gewinnt die verlorene Herrichaft wieder. Nun sei es Ehrensache der Demokratien aller Länder, zu vermitteln, und, während die Diplomaten noch unter dem Donner der Kanonen die Verhandlungen begönnen, alle ihre Kräfte dafür aufzubieten, daß der Sinn des Wortes„Frieden ohne Annexion" zur Gel- tung komme. Amerikanische Kriegswirtschaft. Der New Iorker Berichterstatter des„Matin" meldet, die amerikanische Negierung habe im Kongreß einen Gesetzes- antrag einbringen lassen, durch den die Regierung ermächtigt werden soll: 1. Höchst- und Mindestpreise für Nahrungsmittel. Kleidungsstücke, Petroleum, Benzin und alle für das tägliche Leben notwendigen Artikel festzusetzen, 2. alle Fabriken, Werkstätten und Bergwerke zu übernehmen. 3. Personen, welche für das tägliche Leben notwendige Waren und Lebensmittel zurückbehalten, diese Artikel gegen ent- sprechende Entschädigung abzunehmen. 4. den Handelverkehr so zu regeln, daß die Spekulation unmöglich wird, ö. die Eisenbahnen zu zwingen, den Verkehr entsprechend dem Bedarf der Landesverteidi- gung zu regeln, ü. den Getreideverbrauch der Likör« und Spirituosen- sabriken einzuschränken, 7, dem Ackerbauminister soll das Recht zu- stehen, den Verkehr, die Ausspeicherung, die Verteilung und die Aus- fuhr aller Lebensmittel zu lontrollieren. Also auch in bezug auf kriegswirtschaftliche Organisation schickt die Union sich an, Gewinner des Weltkrieges zu sein. Was diesseits des Ozeans unter schweren Mühen Stück für Stück herausgearbeitet wurde, soll drüben auf einen Schlag in die Wege geleitet werden. Mit den Paragraphen der Or- ganisation allein ist es freilich noch nicht getan. Auch das kann Amerika bei den Europäern lernen. Die Schlachten im weften. Berlin, 7. Mai. Die französische Niederlage am 5. Mai stellt sich nach ergänzenden Meldungen als weitaus schwerer heraus, als sich anfänglich übersehen ließ. Die Franzosen haben nach einer Feuervorbereitung, die alles bisher Erlebte weit über- traf, gegen den Höhenzug des Chemin des Dames in der ersten Linie über 1ö Divisionen eingesetzt und waren infolge der uner- hörten blutigen Verluste gezwungen, immer mehr Reserven in den Kampf zu werfen, die sie von allen übrigen Teilen ihrer Front eiligst heranzogen. Ein Riesenhoer von 299 9(19 Mann sollte den entscheidenden Schlag führen. Schwere Verluste und minimale örtliche Erfolge waren das Resultat der ungeheuersten Anstren- gung, zu der Frankreich alle vaisfögbaren Kräfte zusammengerafft hatte. Am Vormittag des 9. Mai trat eine Kampfpause ein. Das französische Feuer blieb, abgesehen vom Abschnitt Brace bis Hurte bis« Feme, matt, erst im Saufe des T««eö wurde«s wieder kräftiUer und setzt« Kampkhandbnnzen v»n wechselnber Ttmrke ein. Nach stärkster ArtillerieveickereitMiH«rfelgte östlich M«,n»je«n ein feindlicher Angriff, der in unserem Feuer blutig zusammenbrach. Im Gegensatz dazu hatte ein von Rheinländern und West- falen unternoulmener Vorstoß nordwestlich von Mennejean Erfolg und brachte uns wieder in den Besitz verlorengegangener Graben- stücke, 3 W)r nachmittags griffen die Franzosen zwischen Mal« maison und FroidMönt Ferme erbittert an« Sie wurden unicr schwersten Verlusten abgewiesen. Das französische Feuer lag mit andauernder Heftigkeit auf diesem Frontabschnitt. Beiderseits der Rohere Ferme fanden wilde Nahkämpfc Mann gegen Mann um den vordersten Graben statt. Auf dem Ostslügel der Kampffront wurde um den Winter- berg vom Vormittage bis spät in die Nacht mit äußerster Erbitte- rung gerungen. Nachmittags 6 Uhr nahmen die deutschen Truppen im Sturm ihre verloren gegangenen Gräben wieder zurück und behaupteten sie gegen sechsmalige feindliche wütende Anstürme. Die Franzosen hatten hier ganz außerordentlich schwere Verluste und mußten sich auf den Südhang zurückziehen. Das Plateau selbst ist neutrales Gebiet. In den Kämpfen um den Winterberg wurde eine größere Anzahl Gefangener eingebracht. Neue Meldungen be- stätigen die außerordentlich schweren französischen Verluste, die namentlich vor der Mitte der Südfront, wo neben Regimentern der Wasserkante Thüringer, Magdeburger, Hallenser und Gardctruppeu mit großer Tapferkeit kämpften, ungeheuer sind. Eine südlich von Landricourt offen auffahrende feindliche Batterie wurde durch unsere schwere Artillerie mit fünf Schuß in Trümmer geschossen. Gegen Abend raffte der Franzose nochmals alle verfügbaren Kräfte und Reserven zusammen, um nochmals in einem gewaltigen Ansturm auf 18 Kilometer Breite in der Linie Sancy-Ailles vor- zustoßen. Aber auch diese gewaltige Anstrengung aller Kräfte brach unter den schwersten Verlusten in unserem Sperr- und Maschinen- gewehrfeuer und im Nahkampfe zusammen. Ebenso erfolglos blieb ein heftiger Angriff zwischen Vauxaillon und Laffaux. Die Kämpfe des 5. und 6. Mai gehören zu den schwersten und für den Feind blutigsten aller bisherigen französischen Offensiveii. Sie werden für alle Zeiten zu den stolzesten Ehrentagen der Krön- prinzlichen Armeen an der Aisne und in der Champagne rechnen. Die vierte Arrasschlacht ist zu Ende und brachte den Engländern trotz einem Masscnauf- wand von Menschen und Material aus der 39 Kilometer langen Front keinen anderen Erfolg als die Trümmerstätte des Dorfes Fresnoh nördlich der Scarpe. Am Abend des 9. Mai drangen deutsche Patrouillen westlich Hulluch bis zum 3. feindlichen Graben vor, dessen Besatzung im Handgranatenkamps fiel. Oestlich Laos wurden feindliche Ansamin- lungen unter Vernichtungsfeuer genommen. Bereitstellungen West- lich Acheville und Fresnoh wurden durch unser zusammengefaßtes Feuer niedergehalten. Nördlich Arras starkes Artillertefeuer, das sich allmählich auch südlich der Scarpe geltend machte und in der Nacht zumzF. Mai in großer Stärke anhielt. Zwischen Fontaine und Quecmt steigerte es sich in den frühen Morgenstunden des 7. Mai zum Trommelfeuer. Feindliche Angriffe sind bisher nicht erfolgt. Im Räume nördlich Quentin ermatteten die erfolglosen Angriffe in der Gegend von Gonnelieu, die die Engländer erhebliche Verluste kosteten. Ein nächtlicher englischer Vorstoß gegen die Vorposten zwischen Villerct und Quentin wurde verlustreich abgc- wiesen. Quentin wurde abermals rücksichtslos beschossen. Nach- mittags Wurde das Gewölbe der Kathedrale durch französische oder englische Volltreffer schwer beschädigt. Abends und nachts hielt das lebhafte Feuer in mehreren Abschnitten an. Bei Villers- Plouich wurde eine Anzahl Engländer durch unsere Patrouillen gefangen genommen und Materialbcute eingebracht. Westlich Gricourt vorgehende feindliche Patrouillen wurden abgewiesen. feindliche Kriegsberichte. Französischer Heeresbericht vom 9. Mai nach- mittags. Nordöstlich von S o i s s o n s machten die Deutschen in der Nacht zahlreiche Angriffe mit starken Truppenbcständen auf die gestern von uns eroberten Stellungen. Der Kampf war besonders in der Gegend von Laffaux nördlich von dem Gcböft Froide- mont und von Brahe- en-Laonnais und nordöstlich von C e r n y erbittert. Ucberalt wurden die Anstrengungen der Deut- schen gebrochen und ihre Sturmwellen durch Feuer oder mit dem Bajonett zurückgetrieben. Wir haben unseren Gewinn restlos bc- hauptet, unsere Truppen richten sich auf dein eroberten Gelände ein. Es bestätigt sich, daß die Deutschen sowohl in dem gcilrigcn Kanrpfe wie bei ihren Gegenangriffen in der Nacht blutige Bcr- lüfte erlitten haben. Kurz gesagt, haben uns alle Operationen am 4. und 5. Mai im Zusammenhange mit der Operation der Eng- länder zu Herren des größten Teiles des Kammes am Chemin- des-Dames auf 39 Kilometer Frontbreite gemacht. Die Zahl der jetzt gezählten Gefangenen beträgt 5899, davon 159 Offiziere, unter ihnen mehrere Bataillons-Kommandeure. Wir haben 7 Ge- schütze, darunter mehrere schwere, erbeutet. Heftige Geschützkämpfe nordwestlich von Reims und in der Cbampagne. Wir haben einen Stützpunkt westlich vom Cor- nillet-Berge weggenommen und nach lebhaftem Kampfe zwei Bcr- suche gegen unsere Gräben in der Gegend am Hochbergc abgc- wiesen. Ein dentsckier Handstreich auf die Maisons de Champagne ist gleichfalls gescheitert. Luftkrieg. In der Nacht vom 3. zum 4. Mai und in der darausfolgenden haben französische Bombengeschtvader 8599 Kilo- gramm Sprengstoffe auf deutsche militärische Anlagen, Bahnhöfe und Lager geworfen, besonders aus die Fabriken von Hägen- dingen. Mehrere Brände sind an den beworfenen Punkten fest- gestellt worden. Am 4. Mai haben ftanzösisckie Flieger drei deutsche Flugzeuge abgeschossen, Flugizeugabwehrgescknitze ein viertes. Vom 6. Mai abends. Nördlich von Soissons vervoll- ständigten wir unsere gestrigen Erfolge und erweiterten durch Einzelkampfhandlungen das eroberte Gelände. Wir eroberten mehrere wichtige Stützpunkte nördlich der Mühle von Laffaux und nördlich von B raye-en-Laonnais. Der Artilleriekampf war heftig in der ganzen Gegend des C h e m i n- d e S- Dames, Ivo die Deutschen von neuem während des Tages starke Gegenangriffe auf unsere Stellungen bei der Ferme von Froide- mont, auf der Hochebene von Vauclerc und im Abschnitt von Craonne rickteten. Wir hielten überall unsere Gewinne und schlugen den Feind mit starken Verkusten zurück. Im Laufe eines dieser Angriffe flutete ein unter unser Feuer genommenes deutsches Bataillon in Unordnung zurück und ließ auf dem Ge- lände einen großen Teil seines Bestandes. Die Zahl der bisher gemachten Gefangenen erreicht 6199. Ein einziges unserer Armee- korps machte bei Braye-en-Laonnais 1899 Gefangene und nahm auf einer Front von vier Kilometer fast die ganze Siegfried- linie. Auf der übrigen Front zeitweilig aussetzende Artillerie- tätigkeit. Englischer Heeresbericht vom 9. Mai nachmittags. Ein Versuch des Feindes, sich östlich von Le Vergier, wo er gestern zum Zurückgohen gezwungen worden Isar, wieder festzu- fetzen, blieb erfoilgloö. Wir rührten nördlich von Gemelli, auf einer Front von etwa 11- Meilen»inen erfolgreichen Ueberfast aus. Gestern nacht und heute früh unternahm der Feind ergebms- lose Angriffe gegen unsere Stellungen an der Hindenlmrglime östlich von Bullecourt. Vom 6. Mai abends. Spätere Meldungen zeigen, daß die feindlichen Angriffe gegen unsere Truppen in der Hindenburglinie östlich Im« Bullecsu rt besonders schwer waren. Beträchtliche feindliche Kräfte wurden in dieser Gegend ins Gefecht geführt und nsch heftigem Handgeiwenfte jedes Mel unter scbweren Berlusten zurückgeschlagen. Der Feind unternahm zwei entschlossene Gegen- angriffe früh am heutigen Morgen, um zu versuchen, den Abschnitt seiner Frontlinie südlich vom Souchez- Flusse, den wir gestern abend erobert hatten, wiederzugewinnen. Der Feind wurde beide Male vollständig zurückgeschlagen..Eine feindliche Kruppe bcrfucfifc Reule, sick> einem ulneeer Post5tt südlich 5on Ackieöille zu nähern, wurde aber zurückgewiesen. Einer anderen feindlichen Eiruppe gelang c», unsere Gräben westlich van H u l l u ch in der Nach! zu erreichen, sie wurde aber unter Verlusten Kinausgetrieben; wir hatten keine Verluste. In der letzten Nacht führten wir süd- astlich von Laos einen erolgreichen Angriff durch. Während des -Tage-z gab es auf beiden Seiten beträchtliche Artillerictätigkeit nördlich vom Scarpe-Flusse. der Krieg auf öen Meeren. Neue N-öoots-Erfo!ge im Kanal, in öer Sisca?/a unö Norüsee. Berlin, 7. Mai. Amtlich. 11 Dampfer, 1 Segler, 1 Fischdampfer mit 31000 Sr.-Reg.-To. Unter den versenkten Schiffe» befanden sich u.a. italienischer Dampfer Savio(1922 To.) Ladung Kohlen von England nach Frank- reich, ruf s i s ch r r Tanipscr Eondor(3562 To.), Ladung Kohle» und Stückgut(darunter Granaten und Sprengstoffe) nach Gibraltar für englische Regierung, französischer Dreimaftschuner La Pro- vidcncc, Ladung Kohlen von England»ach Frankreich, englischer Fischdampfcr Upto» Castle, ein unbekannter beladener Dampfer und ein unbekannter leerer englischer Dampfer, die beide nu-Z demselben Geleitzug herausgeschossen wurden, ein a b g r- blendcter beladener und ein abgeblendeter halb be- l a d e» c r Dampfer, beide mit Kurs nach England, ei» b r« a s f- ncter unbekannter Dampfer. Zu den bereits früher veröffentlichten Boots-U-Erfolge» sind noch folgende Einzelheiten»achzutragen: die bewaffneten englischen Dampfer: Scalpa(1610 To.), Ladung unbekannt, Deckslast Apfelsinen und Zwiebeln, Sculptor(3846 To.) mit Ge- »reibe, TcmpuS(2981 To.) mit Erz, Pontiac(1698 To.) mit Stück- gut, Necpawnh(1799 To.), Eptapprgion(4306 To.) mit Hafer und Büchsenfleisch, Anglesca(4534 To.) mit Hafer und Stahl, Ferudene (3770 To.) mit Getreide, englischer Segler Laura mit Holzladung. Ter Chef des Admiralstabcs der Marine. * Berlin, 7. Mai. Englische und französische Pressenachrichten behaupten, daß das deutsche Unterseeboot, welche? den englischen Dampfer A r c a d i a n versenkt hat, selbst versenkt worden sei. Dieie Behauptung ist unwahr. Das betreffende deutsche Untersec- boot liegt wohlbehalten im heimischen Hafen. Kleine Kriegsnachrichten. Der verstümmelte Parteiausschussbeschluß. Wir haben gestern mitgeteilt, baß die„H u m a n i t c" den Beschlutz des deutschen Parteiausschusses in der von„Radio" vermittelten Form— unter Sinweglassung der eutscheidenden Stellen— veröffentlicht habe. Eine inzwischen eingetroffene Nummer des Blattes bringt nach- träglich den vollständigen Beschlutz. Für Fraucnwahlrccht! Das Wiener K. K. Telegr.-Korresp.'Bureau nicldet vom Sonntag aus Wien: Heute fand hier eine sozial« demokratische Massenversammlung zugunsten des Frauenwahlrechts statt, woran Tausende von Personen, zumeist Frauen teilnahmen. Ein Aufruf des Königs von England ermahnt„diejenigen, die Mittel zur Beschaffung anderer als Getreidekost besitzen, eindringlich die größte Sparsamkeit und Enthaltsamkeit bezüglich jeder Art von Körnerfrucht zu üben". Die Häupter der Haus- Haltungen werden ausgefordert, den Brotgenutz ihrer Familien um wenigstens ein Viertel des vorinalen Brotverbrauchs zu verringern. Der Aukrui soll überall angeschlagen und von allen Kanzeln an den vier folgenden Sonnlagen verlesen werden. Die.Times" sagt, die Lebensmittelfrage sei sehr ernst und bei weitem der ernsteste Teil in der derzeitigen Gesamtlage der Nation. Fswolski bleibt Botschafter. Nach Lyoner Blättern hat die einst- iveilige russische Regierung Jswolski als Botschafter in Paris be- stätigr; Jswolski hat dein Präsidenten Poincars sein BeglaubigungS« schreiben überreicht. Brandgeschossc. Nach einer Meldung der deutschen Truppen der- wendet die Entente unter Artillerie- und Jnfanteriegeschossen auch besondere Braiidgeichosse. Am 22. April nachmittags wurde der Tornister eines Verwundeten von einem Jnfanteriegeschotz getroffen. Der Tornister brannte aus, dos Fleisch fing an zu kohlen. Bei einem anderen Verwundeten, dem durch einen Granatsplitter ein Arm abgerissen wurde, brannte das Fleisch in der Achselhöhle trotz des strömenden Blutes. Einem Maschinengewehrschlltzen wurde der Rock durchschossen, der augenblicklich lichterloh zu brennen anfing.(W. T. B.) Brotmangel an der russischen Front..Djen" bezeichnet den in den Froniarmee eintretenden Brotmangel als den Anfang einer allgemeinen Hungersnot. Während mindestens 300 Waggon Ge- treibe wöchentlich an die Front gingen, treffen jetzt höchstens 80 ein. politische Uebersicht. Reichstag. Heeresetat. In der Montagsitzung des Reichstags kam die sogenannte „zweite Garnitur" der Fraktionsredner zum Heeresetat zur Sprache. Der Zentrumsarbeiter S ch i r m e r wandte sich gegen die Ausführungen des Abgeordneten Cohn über die Streiks in den Militärbctrieben: es würden Flugblätter, die die Arbeiter zum Streik aufzuputschen versuchten, in der Schweiz gedruckt und über die Grenze geschmuggelt, die Arbeiterorganisationen hätten damit nichts zu tun. Eine Reihe von alten und neuen Beschwerden trug der Fort- schrittler Müller- Meiningen vor. Er forderte vor allen Dingen eine gründliche Reform des Beschwerderechts und der Beförderungsverhältnisse', auch verlangte er auf Grund der Ersahrungen des Krieges die Abschaffung der Einjährig- Freiwilligenberechtigung. Das ist immerhin ein Fortschritt, da sich die Fortschrittliche Volkspartei bisher mit einer Re- form im Sinne der Erweiterung des Privilegs begnügen wollte. In einer längeren Rede setzte sich unser Genosse David- söhn mit den Rednern aus dem Hause und den Erklärungen deS ReUierun>svsrtreters«uLeincmder. An der H«md zahl- reichen M«ttsri«lS wuhte unser Redner die Berschtigwtg der sozialdemokratischen Beschwerden und Forderungen zu er- weisen. Nach Reden der konservativen Abgeordneten v. G r a e f e und Mumm kam der Abgeordnete Ledebour zu Wort, der gegen die Vertreter der Regierung polemisierte, was zu einer Erwiderung des Generalleutnants Gröner in Form einer Reihe»on Fragen«n den Abgeordneten Ledebsur führte. Ledebour hätte übrigens ruhig sagen können, daß er mit den Flugblättern, die Herr Gröner zitierte, nichts zu tun hat, was ja die Wahrheit ist. Die Generaldebatte wurde sodann geschlossen. Kleinarbeit im Verfassnngsansschusi. Ter Verfassungsausschuß hat gestern wieder in raschem Zuge ein StückKleiuarbeit zurErweitcrung der Parlamentsrechte geliefert. Einigen Aufenthalt, verursacht durch den wirklichen geheimen Oberbremser L e w a l d, gab es bei der entsetzlich wichtigen Frage, ob jedes Bundesratsmitglied jederzeit im Reichstag außerhalb der Tagesordnung das Wort nehmen könne, oder ob dieses Recht dem Reichskanzler und seinen Vertretern vorbehalten bleiben solle. Herr Lewald geberdete sich iweder angesichts der„revolutionären" Absichten des Ausschusses wie ein Verzweifelter. Genosse Landsberg ver- glich diesen Ritter von der Neuorientierung treffend mit dem Grafen Zjorck von Wartenburg, und regte damit den Ge- danken an, ob nicht die Beisetzung des bedenkenträgerischcn Herrn im Herrenhans an der Zeit wäre. Aber, wenn das Herrenhaus'„aufgefrischt" werden soll, geht das auch wieder nicht! Die konservative Presse fährt fort, als unmittelbare Folge der Ausschußbeschlüsse das Ende der Monarchie zu prophezeien. Im„Berl. Tagebl." meint hingegen Th. Wolff, die Schützen schössen ums Schwarze herum, es sei notwendig, das parlamentarische System durch eine entsprechende Bestimmung in der Verfassung selbst zu verankern. Auch wir nieinen, daß ein deklarativer U ebergang zum parlamentarischen System von großem Nutzen wäre. Aber hätten wir schon die Bestimmung, daß der Reichskanzler auf Beschluß des Reichstags zu entlassen ist, glaubt Herr Wolff, daß Zentrum und Nationalliberale sich trauen würden, diese Bestimmung anzuwenden? Eine entschlossen ihren Willen ver- tretende Mehrheit wird hingegen mit einem unliebsamen Reichskanzler im Handumdrehen fertig werden, dazu hätte ihr schon die alte Verfassung genügt ohne die Beschlüsse des Aus- schusses._ Eine Rede des Bayernkönigs. König Ludwig von Bayern hielt am Sonnabend in Straß- bürg i. E. eine Rede an bayerische Truppen, in der er sagte: Das Deutsche Reich und seine Verbündeten haben unseren Feinden den Frieden angeboten, sie haben ihn nicht gewollt. So werden wir weiter kämpfen bis zum siegreichen Ende. Auch jetzt sind wir noch bereit zum Friedensschluß und zwar zu einem ehren- haften Frieden, zu einem Frieden, der uns die Sicherheit gibt, daß wir nicht wieder von der ganzen Welt überfallen werden, wie es diesmal geschehen ist. Das beste Mittel, eine Wiederkehr der gegenwärtigen Situation zu verhüten, liegt wohl in einer entsprechenden Führung der auswärtigen Politik. Die polnischen Arbeiter im Reiche. Für die im Deutschen Reich beschäftigten polnischen Arbeiter aus den besetzten Gebieten hat das Kriegsamt, wie im Haushaltsausschuß deS Reichstags mitgeteilt worden ist, Anordnungen erlassen, deren wesentliche Bestimmungen lauten: Die U r l a u b S b e sti m m u n g e n sind dahin erweitert, daß Urlaub künftig auch männlichen polnischen Arbeitern zwischen dem 17. und 45. Lebensjahre erteilt werden kann. Zuständig für die Beurlaubung ist der für die Arbeitsstelle zuständige Landrat, in Stadtkreisen der erste Bürgermeister. Der Urlaub soll innerhalb der Vertragsdauer gewährt werden»nd nicht am Schluß der BerpflichlungSzeit. Dem Arbeuer soll der Wechsel der Arbeits st elle im allgemeinen nach Verlragsablauf ge- stattet sein, wenn die von ihm vorgebrachten Gründe berechtigt erscheinen. Streitigkeiten.zwischen Unternehmer und Arbeiter können im Einvernehmen der beiden Parteien durch die neugeschaffene Schiedsstelle entschieden werden. Widersetzt sich einer der Beteiligten der Anrufung des Aus- schusses, so wird über den Ärbeitswechi'el unter billiger Abmessung der berechtigten Wünsche deS Unternehmers und des Arbeiters wie bisher von den Verwaltungsbehörden ent- schieden. Liegt die neue Arbeitsstelle in einem anderen Gemeinde- bezirk, so muß die Genehmigung der Ortspolizeibehörde eingeholt werden; lieg: sie in einem anderen Polizeibezirk, dann ist die Genchmigung des Landrats, in Stadtkreisen des ersten Bürger- Meisters, nötig. Der für die Arbeiter in Frage kommende nächste Arzt, Apo- theker, Hebamme, ferner Postanstalten, Konsumverein, Wohl- fahrtseinrichtungen, Privatgeschäfte usw. befinden sich häufig zwar in unmitelbarer Nähe der Arbeitsstelle aber doch in einem anderen OrtS» oder Polizeibezirk. Daher sind für Erledi- gung dieser Angelegenheiten und zur Befriedigung dringender Lebensbedürfnisse die Arbeiter gezwungen, das Verhol des Verlas senS des Orts- oderPolizeibezirks fortgesetzt zu übertreten. ES werden daher, uni unnötige Härten zu ver- meiden, derartige nachweislich nötige Gänge zu dulden sein. In industriellen Werken, die eine größere Zahl polnischer Arbeiter beschäftigeil, kann diesen auf Wunsch der Mehrzahl der Arbeiter die Wahl eines Vertrauensmannes anS ihrer Mitte gestattet werden. Dieser soll bei Streitigkeiten zwischen Unternehmer und Arbeiter mit herangezogen werden. Dem Beitritt von polnischen Arbeitern zu den Gewerkschaften soll nicht cn tg en g etreten werden. Zum Wechsel in der preußischen Berwaltung. Wie die„Ost- deutsche Presse" meldet, hat der Regierungspräsident Dr. v. G n e n t h e r- Blomberg vor einiger Zeit sein WschiedSgesuch eingereicht und tritt zum 1. Juni in den Ruhestand. Parteinachrichten. I. Jauson-Brauu gestorben. Wie die«Berner Tagwacht" vom 80. April d. I., die unS erst jetzt zu Gesicht kommt, mitteilt, ist durch die Versenkung eines Schiffes im Sperrgebiet auch der Genosse Janson-Brann ums Leben gekommen, einer der führenden Genossen der Sozial- demokratie Lettlands. Er befand sich auf dem Wege von England nach Rußland, um, wie in der ersten russischen Revo- lution, auch in dieser der Gegenwart dem ruisischen Pro- letariat zu dienen. Die russisch-lettische Sozialdemokratie ver- tiert in dem Genossen Janion-Braun, wie die«Berner Tag- wacht" mit Recht hervorbebt, einen ihrer besten und treuesien Kämpfer, der an der Wiege der Partei gestanden und durch lange Jahre der Verfolgung und des Exils ihr in ungebrochener Treue in den verantwortlichsten Parteiämtern gedient hat. Er war, wie wir hinzufüget, möchten, Mitglied des Internationalen Bureaus und ist auch den deutschen Genossen aufs beste bekannt. Während deS Krieges hat er sich, wie wir wissen, über die Mehrheit der deutschen Sozialdemokratie und ihre politiiche Stellung sehr bitter ausgelassen, ober wie wir vor jeder ehrlichen Ueberzeugung Respekt haben, so hatten wir erst recht vor der ehrlichen Ueberzeugung dieses alten revolutionären Kämpfers Achtung, und wir werden ihm diese Achtung gern Über das Grab hinaus bewahren. Bon den Unabhängigen. Der Vorstand deS Kreisvereins Schivarzburg-Soildershausen ist ans der Bezirksorganisation Groß- Thüringen ausgeschieden, um der„Unabhängigen" Sozialdemo- krcrtie beizutreten. In der„Leipziger Volkszeiküng" schildert Adolf Hossinann die Versuche, die bei ihm gemacht wurden, um eine Empfehlung des bekannten ciiglandfrefferischen Buches von Carl Erdmann zu er- halten, zu dem bekanntlich später Julian Borchardt die Vorrede ge- liefert hat. Nach Adolf Hofsmann soll Erdmann die Schrift, die den rücksichtslosesten Untersee-Boot-Krieg im Namen der radikalen Sozialdemokraten propagierte, gar nicht versatzt haben, sondern ein Student namens Küchenmeister. Die„Unabhängigen" in Braunschiveig haben bekanntlich im Konsumverein die Kündigung zweier Beamter durchgesetzt. Schon zuvor hatten sie den beiden langjährigen Arbeiteriekretären gc- kündigt, weil diese der Partei treu bleiben ivollten. Jetzt sollen die beiden Ortöbeamten des Metallarbeitervcrban- des, der Bevollmächtigte H a m m c r s ch m i d t und der Kassierer Schmerbach, nach 17- und ll jähriger Tätigkeit entfernt werden; beide sind Mitbegrüiider der Organisation am Ort. Die Bremer„Arbeiterpolitik" enthält einen Aufruf der Orts- gruppen Bremen und�Hamburg der Gruppe Internationale, sich der„unabhängigen" Sozialdemokratie nicht anzuschlietzen, well diese auch wieder ciiie Partei der Instanzen und des Parlamentelns geworden sei. Wer des ewigen K o m p r o m i s se l n s und des korrumpierenden Ver st eck spiele ns satt sei, müsse an der Gründung einer selbständigen„Links-Radikalen-Orgamsation" mitwirken. Man ist immer der„Reaktionär" für irgendeinen I Geistige Erschöpfung. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen ersucht: Dem„Golhaer Generalaitziger" ist ein Rundschreiben in die Hände gekommen, in dem der Verlag der„Sozialdemo- kratilcheir Feldpost" bisherige Bezieher von Gratisprobenunimern um Einsendung der Abonnementsgebühr ersucht mit dem Hinweis, daß für eine dauernde Gratislieferung des Blattes nicht die Mittel vorhanden feien. Im Anschluß hieran fabelt das Gothaer Blair von der„Erschöpfung des geheimnisvollen Fonds", aus dem die Feldpost bisher habe schöpfen können. Der„geheimnisvolle Fonds" ist ein Hanplstück unter jenen Verleumderwaffen, die sich die'„Un- abhängigen" beim Reichsverband zur Bekämpsung der S ozialdeinokratie für die Zeit des Bruderkampses aus- geliehen zu haben scheinen, er hat ebensolveuig jemals existiert, als er jetzt erschöpst sein tan». Dafür läßt die Notiz auf eine andere Erschöpfung schließen— die totale geistige Erschöpfung der„lln- abhängigen", die statt mit Argumenten nur noch mit Verdächtigungen arbeiten. Le&e Nachrichten. Die Franzosen und Stockholm. Paris, 7. Mai. Laut„Petit Parisien" kamen gestern in Paris 45 von den 90 in Frankreich bestehenden s o z i a- listischen Verbänden zusammen, um die Haltung auf deni Nationalkongreß der sozialistischen Partei am 27. Mai festzulegen, wo die Beteiligung der Partei an der Zusammenkunft in Stockholm erörtert werden soll. Den Vorsitz führte der Abgeordnete Dcguisc, der erklärte, es sei notwendig, für die Kriegs- opfcr eine Schadloshaltung zu erreiche». Der Führer der Minderheit, der Abgeordnete Longuct, verlas ein Tele gramm Brantings, nach dein die Zusaninienkunft in Stock- Holm ans den 10. Juni verschoben wird. Longuct erklärte, man müsse die Spaltung in der deutschen sozialistischen Par- tei und die russische Revolution als neue Tatsachen betrachten, die die Wiederaufnahnie der internationalen Bezichimgc» ermöglichten. Die Minderheit werde diesen Standpunkt auf dem nächsten Nationalkongreß aufrechterhalten. Es wurden sodann verschiedene Zuschriften verlesen, die Fortschritte der M i n d c r h e i t s b ew e g u n g in der Provinz fest stellen und den Wunsch ausdrücken, das Internationale Sozialistische Bureau unverzüglich einzuberufen. Schutz für Petersburg. Der Petersburger Oberbefehlshaber General Korinloft hat laut amtlicher Meldung einen Tagesbefehl erlassen, in dem er zur Bildung einer neuen mächtigen Armee und zur Ver- teidigung der Rcichshauptstadt die Wiederaufstellung von Reserveverbänden anordnet.„Diese wiedcraufgestelltcn Ver- bände werden in Petersburg bleiben müssen, in Uebercinstimmung mit der Erklärung der vorläufigen Regierung, und bereit sein, die bürgerliche Freiheit zu verteidigen und im Falle einer Bc- wegung des Feindes gegen Petersburg sich ihm ciii- gegenzustcllen und ihn von der Hauptstadt fern zu halten." Ter 5tosakrnrat gegen Sttasiendcmvnstrationcn. Petersburg, 0.� Mai.(Reuternieldung.) Auf einer Ver- sammlung des Kojakenrates wurde eine Resolution angc- nommen, daß bewaffnete oder unbewaffnete Straßendemou- ftrationen gegen die Regierung als Verrat gegen die russische Freiheitsbewegung zu betrachten seien. Auch Brasilien?! Rio de Janeiro, 6. Mai.(Meldung der A g e n c e H a v a s.) Die Grundlage des Progranims des neuen Ministers des Ae.iißcrcii Pecanha wird vollständige und tatkräftige Mitarbeit auf der Seite der Bereinigten Staaten sein. Bei dem Mangel an militari schen Machtmitteln loürde Brasilien den Vereinigten Staaten alle Gegenstände der nationalen Erzeugung zur Versügung stelleil, sie dürften auch auf andere Maßnahmen rechnen, die sich iin Laufe der Ereignisse im Interesse der gemeinsamen Sache als nottoendig erweisen würden. Das Vorgehen Brasiliens lvürdc selbstverständlich den Widerruf des Neutraliiäts- e r l a s s e s vom 28. v. Mts. mit sich bringen. Sechste ungarische Kriegsanleihe. Budapest, 7. Mai. Die sechste ungarische Kriegsanleihe wird in der ersten Hälfte des Monats Mai zur Ausgabe gelangen, und zwar wird diesmal bloß eine sechsprozentige Rentenanleihe mit Ausschluß von kurzfristigen Scheinen emittiert werden. Amerika will keine Zensur. New Aork, 7. Mai. Das Abgeordnetenhaus Ichute die Forde- rung der Regierung auf Einführung der vorbeugenden Zensur für redaktionelle Ausführungen ab und ordnete an, daß Anklagen gegen Zeitungen, die wegen Veröffentlichung verbotener militärischer Nachrichten verfolgt werden, vor Schwurgerichten verhandelt werden. Dagegen ist die K oh lc n p r od u k t i o n unter Staats- aufsicht gestellt worden. Nvrwegischc U-Boot-Not. Kristiania, 7. Mai. In der Zeit vom 28. April bis 5. Mai verlor die norwegische Handelsflotte 17 Schiffe mit 21 668 Register- tonnen. Ihr Gesamtverlust seit Kriegsbcginn beträgt jetzt 103 Schiffe mit 702 026 Registertonnen. Eine Borlage über die Zivildienstpflicht ist im Storthing eingebracht worden. Keiner will ihn! Bern, 7. Mai.„Petit Parisien" meldet: Ein Ansuchen des Herzogs von Orleans, in der amerikanischen Armee kämpfen zu dürfen, ist vom Staatssekretär des Krieges dankend abgelehnt worden., GewerkschHsbeuWuns Berlin und Umgegend. 2tus dem KricgSausschuh für Grosz-Berlin. I» der Maschinenfabrik in O. sind 6 Dreber beschäfticit, die bis xnr � vollständigen Einrichtung der Alkordarbcil in Stundenlohn orbeilcir. Da der Stundenlohn niedriger ist als der in Aussicht genommene Akkordsatz, erhallen die Dreher bis zur vollständigen Einführung der Akkordarbeit einen Lohnzuschlag von 10 Ps., der bei den Drehern, die ständig in Lohn arbeiten, beibehalten werden soll. 320 Arbeiter der verschiedensten Berufe in der Gasanstalt in Berti n-M. sordern eine Lohnerhöhung von 20 Pf. Nach einigen An»einandersetzungen wird sestgeslellt, daß die Löhne und Verdienste erheblich unter den Sätzen sind, die in den Gasanstalten Berlins gezahlt werden.«Es erfolgt eine Verständigung dahin, daß die Löhne den in Berliner Gasanstalten üblichen gleichgestellt werden sollen. Auch die in Berlin vorkommenden Steigerungen der Löhne sollen in Zukunft ohne weiteres den Arbeitern der Gasanstalt zu M. gezahlt werden, Aus einein Spandauer Hecresbetriebe erscheint eine Kommission im Auftrage von 120 Mann. Sie fordern eine Erhöhung ihres Verdienstes. Es stellt sich heraus, daß die Arbeiter über ihren Verdienst bisher nur äußerst mangelhaft informiert waren. So haben sie zun» Beispiel bis jetzt nicht gewußt, ob sie Stundenlohn oder Stücklohn arbeiten. Der Vertreter des Betriebes erklärt, daß am 1. April die Arbeit, die ständig im Stücklohn verrechnet wird, wesentlich im Preis heraufgesetzt ist. Dies kann allerdings erst bei der Verrechnung im Mai zum Ausdruck kommen. Die Preise sind so festgesetzt, daß erheblich mehr verdient werden kann als bis- lang. Es erfolgt eine Verständigung dahin, daß die Arbeiter die Wirkung der am 1. April erfolgten Preiserhöhimg erst einmal ab- warten sollen und sich dann über eventuelle weitere Maßnahmen verständigen. Die weiter geforderte Freigabe des Sonntags ist bereits erfüllt, da Sonntagsarbeit nicht mehr gefordert wird. Es wird den Arbeitern weiter zugesagt, daß sie jederzeit durch den Arbeiterausschuß Einsicht in die Verdiensirechunng nehnien kömren. Bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeit sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Eine Kommission der Firma I.(Berlin, Mariannenpark) er- schien im Auftrage von zirka 350 Arbeitern und Arbeiterinnen, um eine Lohnerhöhung zu fordern. Da die Sache aber noch sehr uu- geklärt ist, wird die ganze Angelegenheit an den Betrieb zurück- verwiesen, um unter Hinzuziehung von Organisationsvertretern nochmals zu beraten. Sollte im Betrieb keine Einigung erzielt werden, Ivrrd die Sache den Kriegsausschuß nochmals'beschäftigeir. Von der Flugzeugwerft in St. kommt eine Kommission namens der gesamten Belegschaft und fordert eine Verdiensterhöhung. Nach Feststellung der erzielten Verdienste erkeimt der Kriegsausschuß eine Erhöhung der Verdienste als berechtigt an, doch soll über die Einzel- heilen nochmals im Betrieb verhandelt werden. Um zu verhüten, daß durch die Verzögerung eine Benachteiligung der Arbeiter ein- tritt, soll die zu gewahrende Zulage voni 19. April ab gelten. Die Arbeiter der Firma E. in L., ca. 1300 Mann, fordern eine Verdiensterhöhung. Nach längerer Verhandlung erklärt sich die Firma bereit, den Arbeitern entgegenzukommen, wobei der größte Teil der bei der Firma beschästiglen Arbeiter bei Lohn- und Akkord- arbeit eine Erhöhung von 10 Proz. erhalten soll. Dieser Vorschlag ivird von der Kommission der Betriebsversammlung unterbreitet werden. Die Zustimmung sieht noch aus. In einem großen Lufrschiffbetrieb in St. mit zirka 1900 Bs- schäiligten hatten die Arbeiter Lohnaufbesserungen gefordert. Die Firma ist bereit, Lohnaufbcsierungen zu geben, und zwar den Männern mindestens 10 Pf., den Frauen mindestens 8 Pf. für die Stunde. Allen denjenigen, denen eine solche Lohnaufbesserung nicht zugestanden wird, ist die Firma bereit, einen Abkehrschein zu geben. Aus eine Anfrage des stellvertretenden Generalkommandos wird die Angelegenheit des Formers W., der bei der Firma B. in N. beschäftigt ist, untersucht. In der Sache wird festgestellt, daß die Firma den Former, trotzdem er noch bei ihr beschäftigt ist, abgemeldet und um seine sofortige Einziehung dringend gebeten hat, und ztoar weil er sich nach Ansicht der Firma un- gebührlich betragen haben soll. Der Kriegs- äuSschuß rügt das Verhalten der Firma aus das nachdrücklichste und erklärt der Firma, daß, wenn sie den Former nicht mehr beschäftigen will, sie das Recht der Eni- lassung mit Abkehrschein habe. In diesem Falle könne sich der Mann' andere Arbeit suchen. Es geht aber auf keinen Fall, daß man einen Mann, der von der Militärbehörde zur Verfügung ge- stellt ist, einfach einberufen lassen will, inzlviichen aber weiter be- schäftigt. Es wird ein entsprechender Bericht an das General- kommaudo gemacht. Von der St. Glashütte rufen 190 Glasarbeiter den Kriegs- ausschuß als Schlichlungsausschuß nach§ 13 des Gesetzes an. Die Arbeiter haben eine Forderung gestellt auf Erhöhung ihres Per- dienstes um täglich eine Mark und für die Lehrlinge um 50 Pf. Die Firma will aber nur 20 Pf. bezw. 10 Pf. geben. Nach ein- gehender Beratung fällt der Schlichtungsanssckmß folgenden Schiedsspruch: Bei täglich 8l/�stündiger Arbeitszeit sollen die Glasarbeiter 60 Pf., die Lehrlinge 30 Pf. Zulage erhalten. Beide Parteien er- klären sofort, daß sie den Schiedsspruch annehmen. $iit Arbeitszeit im Z�riseurgewerbe. Der Zweigverein Berlin des Verbandes der Frisemgehilfen Deutschlands beschloß, daß die Mtgliedcr ab 15. Mai des Sonn- tags nicht länger als bis 1 Uhr mittags arbeiten sollen. Zugleich wurde die Bestimmung de? Tarifvertrags in Er- innerung gebracht, wonach die Gehilfen an den zweiten Feier- tagen, wie Pfingstmontag, vollständige Arbeits- r n h e haben. Nach Ausbruch des Krieges war von der Durch- sührung dieser Bestimmung abgesehen worden, mit Rücksicht auf die Geschäftsinhaber, die zum Heere eingezogen sind und deren Frauen das Geschäft allein weiter sühren mußten. Mittlertveile hat sich jedoch die Situation derart gestaltet, daß irgend eine Schädigung auS dem GeschäftSschlnß an den drei zweiten Feiertagen aucb diesen Geschäften nicht erwächst.— Den unorganisierten Gehilfen soll empsohle» werden, sich dieser Regelung anzuschließen. verbanöstag öer Konsumvereine. Den 53. Verbandstag hielt der Verband der Konfnurvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen und Staaten am Sonnabend und Sonntag im Gewerkschaftshause zu Berlin ab. Er war von den Konsum- vereinen aus den Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Ost- und Westpreußen sehr stark �beschickt. Ins- gesamt waren von den 101 an-geschlossenen Genossenschaften 70 Ver- eine durch 123 stiminberechtigle Delegierte und 113 Teilnehrner vertreten. Nach der BcgrüßungScmiprache des Vcrbandsvorsitzenden Paul Müller warf der Sekretär der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, Genosse Mirus, einen Rückblick aus die Konsumvereinsbewegung in Berlin. 1904 hatte Berlin ebenfalls die Ehre, die Delegierten aus den östlichen Provinzen zu beherbergen. Damals war in Berlin nur eine schwache Bewegung vorhanden, so daß viele glaubten, daß Weltstädte kein geeigneter Genossenschaftsboden seien, zumal da auch der weit stärkeren englischen Genossenschaftsbewegung es bis- her nicht gelungen ist, in der englischen Metropole, London, Fuß zu fassen. Seit 1905 ist die Mitgliedcrzahl der Konsumgenossenschaft Berlin von 11000 auf 110 000 und der Uinsatz von noch nicht anderthcüb Millionen auf über 25 Millionen gestiegen. Berlin Kirb bald die größte Geuoftsenichaf4 nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen genossen- schaftlichen Welt sein. In der gleichen Zeit sind die von den Mitgliedern eingezahlten Spargelder von 41 000 M. ans zehn Mittionen Mark gestiegen, ein Beweis des Vertrauens zu den Konsumgenossenschaften. Der Krieg hat bewiesen, daß es für die Lebensmittelversorgung eines Volkes der Organisation bedarf und daß die Konsumgenossenschaften für die Versorgung nicht entbehrt werden können, Dr. August Müller, der die Gruße des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine überbrachte, weist darauf hin, daß wir heute unter den denkbar schwersten Verhältnissen leiden, doch wer- den diese für die Konsumvereine auch nach dem Kriege nicht so schnell besser werden. Das Rationierungssystem kann nur all- mählich abgebaut werden. In der Uebergangszeit werden die Kon- snmvereine große Ausgaben zu erfüllen haben. Dazu ist die Star- knng der Kaprtaltrast erforderlich. Die Konsumvereine haben sich in geradezu glänzender Weise behauptet und bewährt, und zwar ohne jede Hilfe seitens der Regierung. Verbaiidssekretar Hilde brandt erstattete den Bericht über die im Laufe des Jahres vorgenommenen Revisionen. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Buchführung und die sonstigen Einrichtungen zu keinen größeren Beanstandungen Veranlassung geben, und daß die Vereine wiederum bemüht waren, die Bilanz recht vorsichtig aufzustellen. Besonders sind die Warenbestände entsprechend den Zeitverhältniffen in die Aktiven eingesetzt, und bei den Abschreibungen auf Inventar, Maschinen, Grundstücke usw. ist die größte Vorsicht geübt worden; aus die Kapitalbildung wurde bei der Verteilung des Reingewinns die erforderliche Rücksicht ge- nommen. Am zweiten Ve rhandlungSiage besprach VerberndSdorfitz ender Paul Müller die Entwicklung des Verbandes. Die Mitgltederzahl stieg von 241 467 im Jahre 1915 auf 274 152. Der Warenumsatz betrug insgesamt 62 851 074 M., gegen 51 303 276 Mark im Vorjahre. Eine starke Zunahme weist die Eigen- Produktion auf; der Produktionswert stieg von 11453 072 M. auf 14 464 534 Dl. Der Warenumsatz bei der Großeinkaufs- g e s e l l s ch a f t hat uuter der Verbrauchsregelung stark gelitten, da die Gesellschaft von der Belieferung der Konsumgenossenschaften ausgeschlossen und diese den Kommunalverbänden übertragen wurde. Der Berbrauchsreglung der Lebensmittel ist ein recht starkes Kapitel in dem gedruckt vorliegenden Jahres- bericht gewidmet, und-der Sekretär Hilde brandt behandelt dieses Thema in seinem Sekretariatsbcricht in fast einstündigcm Vortrage. Er stellte zunächst fest, daß die von den Konsumgenossen- schaftcn in den beiden ersten Äriegsjahren geforderte Beschlagnahme aller knapp werdenden Lebensmittel, die Berbrauchsreglung dieser Waren und Festsetzung von erschwinglichen Höchstpreisen bis heute noch nicht voll durchgeführt ist, sondern dieselbe wohl in-den Grundlagen Anerkennung gesimdeu haben, aber die Durchführung in der Praxis doch vollkommen versagte. Große Klagen können aber die Konsumgenossenschaften über die Verteilung der Waren durch die Kommunalverbände erheben; die Rechte der Genossenschaften müssen fortgesetzt erstritten werden. Die für die Ablehnung einer gerechten Belieferung gemachten Einwände erinnern sehr stark an das Rüstzeug der Kleinhändler und Klein- gewerbetreibenden sowie der Behörden, wie es vor Ausbruch des Krieges gegen die moderne Konsumgcnossenschaftsbewegung ange- wandt wurde. Die dem Vortrage folgende Diskussion, an der sich Meyer- Stettin, K u r s ch. a t- Tilsit, Mirus- Berlin und Dr. A u g u st Müller beteiligten, förderte noch manches Material über die ungenügende Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zutage. Be- sonders vorlangte Mirus dabei, daß gegen die Lebensmittel- erzenger nur die gleiche scharfe Sprache gesunden werden möge, die Generalmajor Gröner kürzlich gegen die streikenden Arbeiter gefunden hat. In dem nächstfolgenden Tagesordnungspunkt:„Die Zulassung mehrerer Gcschäftsanieile, die Verzinsung der Geschäftsanteile und die Stärkung der Kapitalkraft-der Konsumvereine" tritt Dr. August Müller dafür ein, daß die Kapitalkrast der Konsumvereine '.nibedingt gestärkt werden müsse, und dies geschehe durch den zu- künftig zu erstrebenden Fortfall der Verzinsung de: Gcschäsisan- teile, durch die Festsetzung der Geschäftsanteile auf mindestens 30 Mark und durch die Zulassung- mehrerer Geschäftsanteile.— In der Diskussion wünscht B r c i t er- Langenlnelau während der Kriegszeit von einer Beschlnßfassllng über Erhöhung der Geschäfts- anteile Abstand zu nehmen. M i r n s und B o r o w S k i- Königs- berg treten fiir die Erhöhung der Geschäftsanteile auf 50 M. ein. Der letztere wünscht weitgehende Beschlüsse und befürwortet die Zulassung und sogar die Verpflichtung für die Erwerbung mehrerer Geschäftsanteile durch die Mitglieder, Beschränkung der Frist be- znglich der Einzahlung auf ein Jahr, statutarische Festsetzung, daß die Rückvergütung auch nicht teilweise früher zur Auszahlung zu bringen sei als bis der Geschäftsanteil voll eingezahlt ist, die Ein- sührung von Notfonds, Einführung eines laufenden Beitrags und die Aushebung der bisherigen teilweisen Rückzahlung der Erübri- gung an die Mitglieder. Zum Schluß der Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„Der Verbandstag beschließt, die Verbandsvereinc anzufordern, im Sinne der Ausführungen des Vortragenden über die Stärkung der Kapitalkraft der Konsumvereine die nötigen Schritte zu tun, um alsbald nach Beendigung des Krieges das eigene Kapital so durchgreifend zu verstärken, daß der Ausbau der vorhandenen Betriebszweige, und insbesondere die größere Eni- Wicklung der Eigenproduktion der Vereine nach Maßgabe der vor- handenen eigenen Mittel tunlichst rasch erfolgen kann. Für die Festsetzung des Geschäftsanteils wird ein Betrag von mindestens 50 M. pro Anteil als zweckmäßig angesehen. Dem Verbandsvorstand ist satzungsgemäß von allen beabsichtigten Ver- änderungen auf den bezeichneten Gebieten vorherige Mitteilung zu machen." Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten schließt der Vorsitzende den Berbandstag mit der Erwartung, daß der Krieg baldigst beendigt und die Genossen und ihre Vereine wieder schaffende und werbende Friedensarbeit zum Nutzen der Menschheit leisten können. Industrie und Handel. Die GroßeiukanfSgesellschaft deutscher Konsumvereine. In dem sehr ausführlichen Geschäftsbericht spiegelt sich die KriegSwirtiSafi mit ihren unzäbligen GeschSftserscbwernisien. der öffentlichen Bewulichaftung der lebenswichtigsten Waren, der Ver- Hinderung der Einttibr usw. Der Warenumsatz ist von 153 auf 134 Millionen Mark gesunken. Am stärksten war der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte. Die Einkaufsvereinigungen haben sich wegen der Notwendigkeit informativer Erörterung der Kriegsverordnungen ausgezeichnet bewahrt, obwohl die Summe der Umsätze gegen daS letzte Friedensjahr 1913 von 57,9 auf nur 20.3 Millionen Mark zurückgegangen ist und nur Waren untergeordneter Bedeutung eirigclauft werden. Von genoffenschaftlichen Organisattonen wurden 6,7 gegen 7.8 Millionen Mark bezogen. Sehr gut hat sich die E i g e n e r z e u g u n g entwickelt, die im Jahre 1913 nur 10 Millionen Marl ausmachte, im Jahre 1914 aber ichon 29 Millionen Marl. Besonders gut hat sich die Teigwaren- fabrik Gröba enrwrckelt. Neu eröffner wurde eine Gewürzmühle in Hamburg. Interessant ist die große Steigerung der Preise aller Gewürze, besonders des schwarzen Pfeffers. Für den Meterzentner rohen schwarzen Pfeffers wurden 1913 96 M., 1916 aber 2250 M. gezahlt. Für Raucher werden folgende Preissteigerungen von 1914 bis August vorigen JahreS von einigem Interesse sein: für Deckblatt.... rund 200 Proz. „ Ilmblatl...., 300, , Brasileinlage...„ 350, , Javaeinlage...„ 400 , Donringoeinlage.., 500„ , inländischen Tabak.„ 500„ Der B e st a n d an Bankeinlagen ton»- am 31. Dezember des Jahres 1912 43,9 Millionen Mark gegen 22,7 Millionen Mark zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der Reingewinn beträgt 2 176 15l,04 M., nachdem 1.35 Millionen Mark abgeschrieben und 1,57 Millionen Mark dem Bank- rcserve-»nd Produklionsfonds zugewiesen worden sind. Für Kriegsfürsorge wurden 444,915 M, ausgewendet. Der Bericht schließt mit einem zukunftsfrohen Ausblick:„Wir haben ein Bauprogramm auigestelll, das die Einnchiung von zehn neuen Betrieben vorsieht, deren Schaffung nach und nach in die Wege geleitet werden soll. Hand in Hand mift der Erstellung weilerer Produltionsberriebe soll der Ausbau unserer Lagerorganisation gehen; an den Brennpunkten des Ver- kehrs, unter Berücksichtigung des nach dem Kriege zu erwartenden Ausbaues der deutschen Wasserstraßen, wollen wir Handels» zentralen und Produktionszentralen errichten, um io eine gesunde Dezentralisation, die sich aber doch von einer Zer- splitterung der Kräfte fernhält, zu erreichen." PrciStrcibcrci-Erlaß. Der preußische Jnstizminisier hat die Staats« anwälie aufgefordert, vor Verfolgung wegen übermäßigen Gewinns Sachverständige zu hören— die allerdings meist sehr einseitig Partei ergreifen werden— und zugleich folgende Be- merkungen über den Begriff des übermäßigen Gewinns gemacht: „Was die Frage der Ermittlung des nichttibermäßigen Gewinns an- langt, so findet die gelegentlich vertretene Ansicht, als ob der Kauf« mann im Kriege stets nur den ziffernmäßig gleichen Gewinn wie im Frieden berechnen dürfe, weder in der Entsiehungsgeschichre der be- treffenden Verordnung noch in der Praxis der Zentralbehörde, noch in der Praxis des Reichsgerichts eine Grundlage. Vielmehr ist wiederholt anerkannt worden, daß dort, wo besondere Um« stände es rechtfertigen, insbesondere wo die Verhältnisse im Kriege anders gestaltete sind als im Frieden, die Berechnung eines anderen Gewinnes zulässig sein kann. Die Steigerung amerikanischer Effenprcise ist ganz enorm, wo- bei allerdings auch auf die in Deutschland üblichen kolossalen Preis« spränge verwiesen werden muß. Folgende Gegenüberstellung rst sehr anschaulich: Roheisen Stahlknüppel Dollar pro Tonne Anfang Juli 1914.. 14,75—15,25 19 Ansang Mai 1917.. 43,00-43,50 80 Soziales. Eine zeitgemäße Aufgabe. Ter Deutsche Wohnungsausschuß regt in einer Zuschrift an unS eine reichsgeietzliche Reform des Entcignungsrcchts und des Eni« cigniingsvcrsahrcns an. Im Siedlnngs- und Wohnungswesen unseres Volkes stehen große Umwälzungen bevor. Die Bevölkerung sowohl wie die maß- gebenden behördlichen Stellen sind sich darüber einig, daß. um die Volkskrast nacki den ungeheuren Verlusten des Krieges wieder enl- sprechend zu stärken und um den dringenden bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, eine umfassende innere Kolonisation getrieben und für die nichtlandwirlschafttiche Bevölkerung der Uebergang zu einer viel weitsichtigeren, viel mehr Zusanimen- hang mit dem Boden und der Natur bietenden Siedlungswetse ge- funden werden muß. Zu den Reformmaßregeln, die sür eine Verwirklichung dieser Gedanken notwendig sind, gehört gerade eine Reform des Enteignungsrecbts und des Enteignungsversahrens. Gerade die neuesten Ersahrmrgen, die man in verschiedenen Teilen Deurichlands gemacht hat, lassen diese Reform als durchaus dringend erscheinen. Da nun die Reform des Enteignungsrcchts und Enleignnirgsverfahrens durch die Einzelstaaten, zu deren Zuständigieit dieses Gebiet gehört, in den letzten Jahrzehnten nur sebr wenig vorgerückt ist, so würde cS sich sehr empfehlen, daß der Reichstag sich baldmöglicbst einmal gründlicki dieser Sache annähme mid einen größeren Fortschritt auf diesem Gebiete auf reichsrechtlicher Grundlage mit Nachdruck an- strebte._ Reformen in der Armenzesetzgebniig. Die Erfahrungen des Krieges haben die Notwendigkeit einer Umgestaltung unseres Annenwesens in mehrfacher Hinsicht bewiesen. Ganz abgesehen von der Regelung der Kriegsbeschädigten- und Kricgshinrerbliebenensürsorge»nd von dem Abbau der Kriegs« Wohlfahrtspflege und ihrer Eingliederung in die gesamte Wohl- fahrtspflege handelt es sich vor allem um die gesetzliche Reform des öffentlichen Armenreckts in bezug auf WahlreStsverlust und Erstattungsanspruch. In der Frage des Einflusses des Empfangs voir öffentlichen Unterstützungen auf den Verlust des Wahlrechts, die schon vor dem Kriege die gesetzgebenden Körperschaften beschäftigt hat und die neuerdings den Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen in Fachlrcisen bildet, stehen sich zwei Auffaffungen gegenüber. Die eine Richtung will den Verlust des Wahlrechts bei öffentlicher Armenunlerstützung als eine notwendige polizeiliche Maßnahme beibehalten wissen, sie sieht sich in ihrer Ansicht, daß mit der Inanspruchnahme öffentlicher Armenpflege irgendein Rechlsiiachteil verbunden sein müsse, bestärkt durch die Ersahrungen der KriegSsürsorge, die bekanntlich ohne jeden Rcchtsnachteil gewährt wird. Tie andere Richtung sagt sich, gerade wenn man dahin strebe, der öffernlichen Armenpflege nach dein Kriege einen Teil der Lasten der Kriegs« wohlfahrispflege zu übertragen, müsse alles was abschreckend wirkt, ven ihr ferngehalten werden. Solange der Verlust öffentlicher Rechte damit verbunden sei, könne man den zurückkehrenden Kriegs- teilnchmern nicht zumuten, sich, wenn sie in einer Notlage sind, an die öffentliche Armenpflege zu wenden. Im Zentralausichuß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohllängkeit, der die Frage neuerdings behandelt hat, hat der Referent Bürgermeister von Holländer- Mannheim an die Spitze seiner Thesen den Satz gestellt, daß die fiir die Zeil nach dem Kriege erforderliche soziale Ausgestaltung der Armenpflege vor allen Dingen voraussetzt, daß die heule gegen die öffentliche Armenpflege in den weitesten Kreisen der Bevölkerung herrschenden Vorurteile beseitigt werden und daß eS zu diesem Zweck in erster Linie der Streichung aller Bestimmungen bedarf, wonach erfolgte Armenunterstützung den Verlust des Wahlrechts nach sich zieht. Ebenso wichtig ist die Regelung des ErstattnngSanspruchs. In dieser Beziehung herricht unter den Leitern der deutschen Armen- Verwaltungen wohl Uebereinstimmung darüber, daß der Erstattungs« anipruch zwar nicht gänzlich beseitigt werden kann, daß er aber wesentlicher Einschränkungen bedarf, und zwar soll die Gewährung von Armenunterstützung nicht als Vorschuß oder als' Darlehen angesehen, sondern die Unterstützung ioll nur dann zurückerstattet werden, wenn sich später herausstellt. daß sie überhaupt nicht nöttg war oder wenn die Unterstützten später Vermögen erlangen. Eine Rückforderung der Unterstützung uns dem Einkommen früher unterstützter Personen dagegen soll aberhaupt nicht stattfinden. Werden diese Vorschläge in die Tat umgesetzt, so wird unsere Armengeietzgebung immiihm schon nicht unerheblich gebeffert werden. In der Hauptsache kommt eS natürlich auf die soziale Handhabung der Armenpflege in der Praxis an. Verantwortl. s. Politik: Dr. Franz Diederich. Berl.-Friedeuau; sür d. übrige, Teil 6. Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; sür Inserate: Tll. Glocke- Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanslalt Paul Singer ch T« Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltnuzöblatt. Nr. 125 ❖ 54. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 8. Mai 1417 Verfassungsausschuß. Hceresbesoldung nack, Reichsgesetz.— Bundesrat und Reichstag.— Geheimsitzungen.— Wahlpriifungen und Reichstagsvertvaltung. In der Sitzung vom Montag wurde zunächst der Antrag beraten, im Artikel 71 folgenden Absatz 2 hinter Absatz 1 ein- zuschalten! „Tie Bewilligung der Besoldungen und sonstigen Gelmbrnisse für Heer und Marine erfolgt im Frieden und im Kriege auf Grnnd der rcich.?gesel>lichen Borschriftcn." Abg. Gröber bezeichnet als Zweck dcZ Antrages, zu erreichen, dag die Kriegsbesoldung durch Gesetz geregelt werden soll.— Der Antrag wird a n g e n o m m e n. Die Beratung wendet sich nun dem Bericht des Unterausschusses zu, und zwar zunächst folgenden Anträgen: 1. Artikel 9 Satt 1 der Reichsvcrfassung wird dahin ab- geändert: Jedes Mitglied des Bundesrats hat das Recht, im Reichstage zu erscheine» und muß daselbst auf Verlangen jederzeit während der Beratung zu den Berhandlungs- g e g e» st ä n d e n gebärt werden, um die Ansichten seiner Re- gicrung zu vertreten, auch dann, wenn dieselben von der Mehrheit des Bundesrats nicht angenommen worden sind. 2. Im Artikel 15 wird als Abs. 3 angefügt: Der Reichs- kanzlcr und seine Stellvertreter haben daS Recht, im Reichstag auch außerhalb der Tagesordnung jederzeit das Wort zn er- greife». Abg. Gröber sZ.) begründet die Anträge. Der Reichskanzler und seine Stellvertreter müssen das Recht haben, im Reichstage stets das Wort zu ergreifen. Dagegen besteht kein Anlaß, sämtlichen Vertretern des Bundesrats dieses Vorrecht einzuräumen. Ministerialdirektor Lewald bittet die Kommission um Angabe konkreter Fälle, in denen aus dem bisherigen Gebrauch des Art. 9 Mißbrauch teitens der Mitglieder des Bundesrats entstanden sei. Die Frage der Zweckmäßigkeit des Antrages müße verneint werden. Es werde vielmehr die Gefahr eines Konfliktes zwischen Regierung und Parlament hereingetragen, wenn die Bundesratsmitglieder auf diele Weise unter die Kontrolle des Reichstagspräsidenten gestellt würden. Abg. Krcth sk.) schließt sich dieser Meinung an. Die Annahme m Anträge würde eine Degradierung der anderen B u n b e S st a a t e n bedeuten. Dieser Weg führt zum Einheits- st a a t.— Gröber(Z.): Auf dem Wege der Geschäftsordnung kann diese Frage nicht geregelt weiden. Mitten in der Abstimmung kann ein Bundesratsverlretcr das Wort ergreifen und damit alle Dis- posilioncn über den Haufen werfen: denn damit gilt die Debatte wieder für eröffnet. Diese Formulierung verkürzt die Rechte der vinzelstaaten nicht, denn es wird nur eine Ausnahme für den Wer- treter des Kaisers gemacht. Ministerialdirektor Lewald ist der Auffassung, daß es nach An nähme des Antrags vorkommen könne, daß ein Mitglied des Bundesrats zur Sache gerufen werde. Dadurch würde die Stellung der Regierung dem Reichstag gegenüber eine andere als bisher.— Abg. Krcth(f.): Der Präsident darf nicht das Recht haben, einen Vertreter des Bundesrais zur Sache oder zur Ord- nung zu rufen. Das föderative Grundprinzip der Verfassung läuft Gefahr, zerstört zu werden. Jetzt sei man dabei, daS Reich über die Einzelstaate» zu stellen.— Abg. Haußmann(Vp.j: Von einer Verschiebung oder Erniedrigung der Regierung kann keine Rede sein.(Lewald: Ich ziehe diesen Ausdruck zurück.) Der Zustand ist unhaltbar, daß 100 BundeSratsvertreter jederzeit das Wort ergreifen können. Es genügt, dieses Vorrecht dem Kanzler und seinem Stellvertreter zuzugestehen. Abg. Dr. David(Soz.) ist erstaunt, daß über solche Selbst- Verständlichkeit lange gestritten wird. Der Präsident hat auch heute schon das Recht, die Vertreter des Bundesrats in gewissen Formen zur Ordnung zu rufen. Diese Notwendigkeit liegt in der Sache selbst. Der Reichskanzler und seine Stellvertreter werden durch die beschlossenen Aenderungen der Verfassung Reichs mini st er und das rechtfertigt ihre Sonderstellung.— Abg. Junik findet die Bedenken der Regierung nicht berechtigt.— Ministerialdircklor Lewald bemerkt, nach den Worten des einen Vorredners bleibe es offen, ob der Präsident berechtigt sei, einem Vtmdesratmitglied sagen zu können, er spreche nicht zur Sache. Hierin erblickt er in der Tat eine gewaltige Verschiebung im bis- berigen Verhältnis von Regierung und Reichstag.— Abg. Ledebour Ich berufe mich hierfür auf Herrn Diederich Hahn, der kürzlich in einem Vortrage sagte.: Es ist nicht richtig, daß der junge Leutnant, der eben von der Prima des Gymnasiums gekommen ist, 10 M. täglich bekommt, der Soldat nur wenige Groschen.(Lebhafte Zustimmung.) Derartige Ungleich- Mäßigkeiten können nicht ohne Murren ertragen werden. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Das zweite Putzgeld ist umso notwendiger, als die Offiziere ein zweites Mobilmachungsgeld erhalten haben. Die Begründung für den Kauf des Hotels Cumbcrlaud hätte uns gleich im Etat vorgelegt werden können, anstatt daß wir sie dem Schatzsekretär in der Kommission erst abringen mußten. Ueber die Riese ngeloinne der verschiedenen Ver- m i t l e r in diesem Falle bat unS die Verwaltung nichts Näheres mitgeteilt. Ich kann dein Neichsichatzsekrelär eine Gegelidenlschriit vorlegen, auS der hervorgeht, daß der Hnuptinnchcr des Geschäfts niit 3 Millionen zu seinen Gunstc» abgeschlossen hat.«Hört! hört! links.) In der Kommission haben auch Vertreter der Konservativen und der Deutschen Fraktion herzerfrischend scharfe Reden gegen den ureaulralismus in der Armee, gegen den B e i i ch t i- gungskoller usw. gehalten. Es wäre zu wünschen, wenn uns hier im Plenum nicht immer die Kritik allein überlasten würde. Der Abg. von Böhn stellte Scheidemanns Aeußerung über den nicht mehr zu gewinnenden Krieg so dar, als ob sie gleichbedeutend sei mit verloronem Krieg. In Wahrhett bedeutet sie, daß keine der beiden Parteien die andere niederwerfen kann. Aber die Herren scheinen lüstern zu sein nach Konflikten. Sie scheinen die Ant- wort, die in der Kommission Staatssekretär Zimmermann gab, vergessen zu haben. Sonst wäre es nicht möglich, daß Herr Mertin Schmach und Schande über die Streikenden rief, unter denen sich auch Hunderttausende von Müttern befanden, die sehr wohl wußten, was sie mit der Demonstration wollten. ES bandelt sich darum, ob die Arbcilerichait darauf rechnen darf, daß vor tiefgreifenden Maßnahme» ihr Vertrauens- mann im Kricgsnmt gehört wird. Darüber hol sich General Grüner nicht geäußert. Der Hrndenburgbrief war zunächst ohne Zorn und Eifer geschrieben, indem zugegeben wurde, daß das deutsche Voll uittcr der Nahrungsmillclnot leide und die Erzeuger von LebenSmiiteln sollien ibre Pflicht tun. Dann erst war von der Munitionserzeugung die Rede. Diesen Brief schickie General Grüner an die Gewcrkschaflcn, die in einem ruhigen Schreiben der sieben Verbände anlwortelen. Dann behandelle der Reichskanzler diese Dinge sachlich und ruhig in einem Schreiben an die Bundesregierungen. Dann erst kani der Brief des Generals Grüner, der eine Uebersetzung des Hindcnburg-Bricfcs in das Kirdorff-Stuiinn-Puttkamcr-Jagowjche ist, in jenen Stil, von dem sich die deutschen Arbeiter nicht imponieren lassen. sSehr richtig! bei den Sozialdemokr.) Von den Lebe Iis mittel Wucherern und H a m st e r e r n, von denen Hindenburg ausgegangen war. kein Wort mehr. Dieser Grönersche Brief tväre' glatt geschluckt worden, wenn in ihm Licht und Schatten gleichmaszig verteilt geloesen wäre, wenn ihm noch ein Nachwort gefolgt wäre des Inhalts:„Habt Ihr nicht Hindenburgs Worte gelesen? Eine u n s ii h n b a r e Schuld ladet derjenige ans sich, der durch Verfüttern von Gerste und Kartoffeln ans Vieh die Arbeitskraft der deutsche» Munitioiiöverfcrtigcr schädigt. Für deren Schuld müssen unsere Feldgrauen bluten. Wer wagt es, dem Rufe Hindenburgs zu trotzen? Ein Hundsfott, der sich mästet und wuchert, während das arbeitende Volk darbt. Die schlimmsten Feinde sitzen mitten unter uns— das sind die vaterlandsverrätcrischen Kriegsschmarotzer. Sie müssen gcbrandmarkt werden vor dem ganzen Volke. Wer wagt es, nicht von seinein Neberfluff dem Volke zu geben, wenn Hindenburg es befiehlt!"(Sehr gut I b. d. Sozialdemokraten.) Die Darstellung des Abg. Dr. Cohn, es sei im Ausschuß ein Telegramm an Hindenburg beschlossen, war s a l s ch. Es war eine Entschließung vorgelegt, die die schwersten Drohungen gegen die deutschen Arbeiter enthielt.(Hört! hört!) Diese Drohungen ge- lang es uns auszumerzen und der dann übriggebliebenen Entschließung.konnten wir zustimmen, hatten auch keinen Anlaß, nachträglich dagegen zu protestieren, als der Vorsitzende witteilte, er wolle die Entschließung an Hindenburg telegraphieren. Die von der Arbeitsgemeinschaft vorgelegte Resolution werden wir ab- lehnen, wenn wir auch mit den vom Abg. Dr. Cohn zur Begrün- dung ausgeführten Gedankengängen vielfach übereinstimmen. In dem Augenblick, wo der von der Arbeitsgemeinschaft gewünschte ?lusschuß unter den heutigen Verhältnissen möglich wäre, lväre er unnötig(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.), denn die neue Zeit klopft an alle Türen oder wie Herr Wriesberg sagte, e S w i r d Frühling, Gott sei dank. Jetzt hat vor allem der Reichskanzler das Wort, um Stellung zu nehmen zu den Interpellationen. Was anncxionistische Phantasten im In- und Ausland delirieren, ist im Augenblick ganz gleichgültig; nur das eine Thema steht zur Ver- Handlung, wie hmmen wir am besten und schnellsten Wege zum Frieden. Dr. Cohn hat geschlossen mit begeisterten Worten an die sozialdemokratische Internationale. Meint er die heutige Jnter- nationale, so könnte ich ihm nicht ganz zustimmen. Meint er die wiedererstandene Internationale von morgen, die sich das zu eigen machen muß, was wir und unstre Genossen in Oesterreich- Ungarn am 4. August 1914 verkündet haben und was uns jetzt aus Rußland entgegentritt, dann spricht aus uns allen genieinsam nichts als die große Sehnsucht der ganzen Menschheit: Frieden, Frieden, Frieden!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Graefe(k.): Die neulichen Worte des Kriegsministers stachen für uns wohltuend ab von den Worten, die wir sonst in der letzten Zeit von der Ministerbank gehört haben.(Heiterkeit.) Man hatte den Eindruck, daß es sich hier nicht um den Anfang von Taten handelte. lSehr gut! rechts.) Wir danken dem Kriegsminister, daß er die Autorität der Regierung und vor allem der Armee so vortrefflich zu wahren gewußt hat.(Bravo! rechts.) Mit dem breiten Vorbringen solcher Einzelheiten hier im Plenum nutzen wir dem deutschen Volke kaum. Die Pferde- preise(Heiterkeit) sind zu niedrig. Die Beurlaubungen müssen im Jntereffe der Landwirtschaft reichlicher erteilt werden. Ter Zeitungsdienst müßte ohne weiteres als Hilfsdienst anerkannt Iverdcn. Das EiniäHrig-Freiwilligen- Institut hat sich durchaus bewährt, daß die Sozial- demokraten an den OffizierSgehältcrn nörgeln, und sie herabsetzen wollen, ist sebr unschön. Daß die Landwirtschaft die Ernährungsschwierigkeiten der Industriearbeiter in unrecht- mäßiger Weise erschwert hat, ist gänzlich unzutreffend. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Lande lebt man naturgemäß etwas besser als in den Städten, wo die Bevölkerung zusammengedrängt ist. Mit Beschimpfungen machen Sie den Bauer störrisch. Wenn unrechtmäßig Korn per- füttert worden ist, so ist Schuld daran die Regierung, die die zu- lässige Ration so festgesetzt bat, daß ein arbeitendes Pferd, mit dem der Acker bestellt werden soll, dabei nicht arbeitsfähig bleiben kann. (Sehr richtig! rechts.) Der Antrag der sozialdemokratischen Ar- beiisgemeinschaft nach Ueberwachung der Heerführung, zu der unser Volk unbegrenztes Vertrauen hat. kann nur erheiternd wirken. Gott bewahre uns vor solchen Dingen.(Beifall rechts.) Ein Negicrungskommissar bestreitet, daß beim Verkauf des Cumberlaiid-Hotels überhaupt Vermittlergebühr bezahlt worden ist. General Gröircr: Ich muß es zurückweisen, daß bei meiner Kundgebung ein Scharfmacher hinter mir gestanden hat. Herr Davidsohn wünschte, daß auch die Bauern und Lebensmittel- unicherer etivas abbekommen hätten. Nun, die Bauern haben in den Wochen vorher genug gehört, und ich habe mich reichlich daran beteiligt. Die militärischen N a ch s ch a u k o ni m a n d o s sind ein Beweis dafür. Aber die Ernte ist noch nicht herein, und vielleicht haben wir den Bauern die Hälse überheizt. Und die Lebensmittel- Wucherer: Mein ceterum censeo im Kriegsamt war stets: Ehe nicht einige von diesen Schandbuben aufgehängt werden am Potsdamer Platz, so lange wird es nicht besser.(Heiterkeit und Beifall.) Abg. Ledercr(Z.) bestreitet die Notwendigkeit der Beschlag- nähme der Kirchenglocken. Oberstleutnant Köth verteidigt die Verordnung über die Be- schlagnahme der Kirchenglocken. Abg. Mumm(Dt. Fr-): Den Antrag der Arbeitsgemeinschaft, der das deutsche Heer a n a r ch i st i s ch machen will, wird das deutsche Volk den Unterzeichnern des Antrages nicht vergessen. Die große Mehrheit der deutschen Arbeiter haben es verstanden, daß Brot und Waffen die Losung dieser harten Stunde sind.— Unsere .Kadettenanstalten sollen christlich bleiben, aber es ließe sich reden über jüdische Regimenter mit jüdischen Osfizieren. Abg. Lcdebour(Soz. Arbg.): Iii der Frage der beschlagnahmten Kirchenglocken möchte ich die Heeresverwaltung auf einige Bronzedenkmäler anfmerksarn machen, die ein Verkehrshindernis im Vestibül des Reichstags bilden, und an die aber offenbar niemand gedacht hat.(Heiterkeit.) Es handelt sich um Denkmäler alter deutscher Kaiser. Dann zur merkwürdigen Anschnauzerci des Generalleutnants Gröner an die Munitionsarbeiter.(Präsident Dr. Kaemps rügt die- s e n Ausdruck.) General Gröner wird das als Süddeutscher nicht so Ebel nahmen.(Heiterksit.) Ich Haie vor einigen Tagen eine Zuschrift von sechs Arbeitern aus der A. E. G., Koloniestraße. bekommen, worin es heißt: In dem Aufruf des Herrn General Gröner wird gesagt, daß derjenige, der dem Staat die Arbeit ver- weigert, sich am Vaterlande versündigt. In unserem Betriebe«er- den Tausende von Arbeitern gezwungen, stunden-, sogar tagelang untätig zu sein.(Hört! hört! bei der Soz. Avbg.) Es wird näm- lich nur fünf Tage in der Woche gearbeitot, und in dies«! fünf Tagen werden wir gezwungen, drei bis fünf Stunden untätig zu sein, angeblich wegen Mangel an Material. Das geht jetzt bereits zehn Wochen so, sogar in der Woche, in der wir am Montag die Arbeit wegen der Eriiähruiigsfragen niedergelegt hatten, ist ani Konnabend nicht gearbeitet worden.(Hört! hört! b. d. Soz. Arbjp) Trotzdem wir gezwungen find. Stunden und Tage keinen Hand- schlag zu machen, läßt die Betriebsleitung es zu, daß in den Fabrik- räumen Plakate augebracht werden mit den schlimmsten Beschimp- fungen gegen die Arbeiter, die es nicht verstehen wollen, und können, daß sie sich an ihren Söhnen und Brüdern vor dem Feinde versündigen, wenn sie auch nur eine Stunde untätig sind. Wenn alle Munitionsarbeiter persönlich, mündlich oder schrift- lich Ihnen, Herr General Gröner, ibre Ansicht aussprechen könnten, würden Sie noch ganz anderes zu hören bekommen. Was am Pein- lichsten in Ihrem Plakat berührt, haben Sie nicht erwähnt. General von Stein hat mit Recht gesagt, daß er mit einer gewissen Verachtung immer ans die geblickt habe, die sich M i ß h a n d- l u n g e n und Beschimpfungen von Untergebenen zuschulden kommen lassen; es sei unwürdig, einen, der durch seine Lage ohnehin der schwächere Teil ist, irgendwie zu ver- gewaltigen. Das ist ganz unsere Meinung. Auch wir be- trachten es als etwas Unwürdiges, wenn man jemand, der nicht in der Lage ist, sich zu wehren, so beschimpft, wie Sie es getan haben, Herr General Gröner.(Große Unruhe.— Der Präsident Dr. Kaemps ruft den Redner zur Ordnung.— Bravo! rechts.) Würde ein Arbeiter das von Ihnen gebrauchte Wort Ihnen ins Gesicht schleudern, so würde er zweifellos schwer bestraft.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Damit bin ich mit Herrn Gröner fertig. Der Staatssekretär H e l f f e r i ch hat vorgestern die Verhaftungen einiger Arbeiter als „Rädelsführer" zu rechtfertigen gesucht. Auf die Delegierten von streikenden Arbeitern patzt ein solcher Ausdruck gar nicht.(Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Herr Wahnschaffe hatte die Delegierten nicht eingeladen, er hatte an Haase telegraphiert:„Ich erwarte Sie" und damit, wie er uns später sagte, die Deputation nicht mit- gemeint. Die Verhaftung der Delegierten war ein Schlag ins Gesicht der Arbeiter, die glücklicherweise ein starkes Solidaritätsgefühl haben. Sie hat den Erlaß Gröners in seinen verbitternden Wirkungen noch verstärkt. General von Kessel hat dann noch ein übriges getan durch die beiden Spitzel- anwerbungserlasse. Das erinnert an die Aeußerung von Tacitus über das Züchten von Delatoren(Angebern). Die.Kommission hat den ungeheuerlichen Antrag angenommen, aus den besetzten Gebieten möglickst sämtliche Maschinen und Zug- ticre für die heimische Produktion fortzuführen. Dadurch müßte auch die Landwirtschaft dieser Gebiete leiden und somit würde auch die Lebensmittelnot in Deutschland steigen, denn wir können die Bevölkerung in den besetzten Gebieten doch nickt verhungern lassen. In Parallele damit stellt, daß aus Belgien Arbeiter weg- geholt worden sind, die in Deutschland Zwangsarbeit leisten müssen. Jetzt wollen Sie den Leuten auch noch die Maschinen und Zugtiere nehmen, sie also vollständig zugrunde richten."Das widerstreitet dem Völkerrecht, und wenn Sie auch noch so viel Sünden gegen das Völkerrecht auf dem Kerbholz haben, so muß wenigstens dieses verhindert werden. Das würde dem Ansehen Deutschlands nur nützen.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Wir haben einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen verlangt. Der Staatssekretär Helfserich sagte, ein solcher Friede bedeute nicht Brot, sondern Hunger, nicht Freiheit, sondern Knecht- schaft; den Frieden, den wir haben müssen, mästen wir erst noch er- kämpfen.(Sehr wahr! rechts.) Wir verlangen einen Ausgleichs- frieden, der kein Volk vergewaltigt. Ein solcher Friede kann jetzt geschlossen werden, und das würde das Aufhören des Hungers be- deuten. Aber die Fortführung des Krieges nach dem Rezept des Staatssekretärs und der Konservativen bedeutet seine endlose Verlängerung und noch größere Verschärfung des Hungers und der Knechtschafl bei uns. denn Sic halten mit Ihrem Belagerungszustand das deutsche Volk in Knechtschaft.(Leb- Haftes Sehr richtig! bei der Soz. Arbg.) Würde die Reichsregierung ein Friedensangebot nach unseren Wünschen machen, so wäre die größte Hoffnung auf Frieden da. Das beweist die jüngste Kund- gebung der Provisorischen Regierung Rußlands, zu der sie durch den sozialdemokratischen Soldaten- und Arbeiterrat gedrängt worden ist. Auch die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes und der deutschen Soldaten an der Front ist für diese Forde- rung.(Widerspruch rechts und Zuruf: Gehen Sie doch raus!) In den Offizierskasinos hören Sie diese Forderung allerdings nicht, aber die Soldaten wollen lieber heute als morgen einen solchen Frieden.(Lebh. Zustimmung bei der Soz. Arbg.) Ein Annexisns- friede ist heute gar nicht mehr möglich. Was ich Herrn Dr. Helfserich vorwerfe, ist, daß er solche Ansichten der Annexions- Phantasten noch nährt.(Sehr wahr! bei der Soz. Arbg.) Wir müssen dagegen protestieren, daß ein Vertreter der Regierung solche Kriegshetzrede n hier im Hause hält.(Brabo! bei der Soz. Arbg.— Große Unruhe rechts.) Generalleutnant Gröner: Auf die persönlichen Anwürfe des Herrn Abg. Ledebour gehe ich nicht ein, es wäre schade.(Abg. Ledebour: Wenn man andere Hundsfott nennt, hat man nicht das Recht, von persönlichen An- würfen zu sprechen Ii Was er über Vorgänge ans einem Berliner Betriebe mitteilte, ist uns bekannt. Ich bin auch von Arbeitern davon benachrichtigt worden. Die Angelegenbeit wird untersucht, wir werden sehen, daß wir der Sache abhelfen können. Es ist selbstverständlich, daß in der gegenwärtigen Zeit bei der ganzen Art der Produktion gewisse Zuckungen sich ergeben, die zusammen- hängen mit der Zuführung der Rohstoffe. Zur Sache selbst möchte ich eine Reihe von Fragen an Herrn Ledebour stellen. Von der Beantwortung wird es abhängen, wie man über das zu denken hat, was er heute alles vorgebracht hat. Hat der Herr Abg. Ledebour den Arbeitern gesagt, welche Maß- nahmen seit langer Zeit in England getroffen sind, daß dort seit dem 9. Juni 1915 ein allgemeines Streikverbot in allen Munitionsbetrieben herrscht(Hört! hört! rechts), daß jeder Munitionsbetrieb unter Kontrolle gestellt werden kann und daß dann folgende Bestimmungen gelten: Die Gewerkschaftsregeln werden aufgehoben(Hört! hört! rechts), die Lohnregulierung unterliegt der Bestimnrung des Munitionsministers, es wird der obligatorische Abkehrschein eingeführt, es werden vor allem Munitionsgerichte eingerichtet zur Ab- urtcilnng aller Verstöße gegen die Munitionsgesetze. Hat der Herr Abg. Ledebour den Arbeitern gesagt, daß das Liverpooler Munitionstribunal Hunderte von Arbeitern zu G e l d- strafe verurteilt hat, weil sie in der Pfingstwoche einige Tage die Arbeit versäumt haben. Hat er ihnen gesagt, daß wegen Auf- reiznng der Massen zum Streik ein englischer Lehrer zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist? Dann eine andere Gruppe von Fragen. Kennt der Herr Abg. Ledebour dieses Flugblatt, das feit Monaten in den deutschen Fabriken umherflattert, von dem deutschen Zuchthaus? Es stehen all die Dinge drin als roter Kaden, die Abg. Ledebour und seine Parteifreunde als eine Be- glückung für Deutschland betrachten. Kennt der Abg. Ledebour ein Flugblatt, das etwa am 11. und 12. April in den Berliner Fabriken verteilt ist„Auf zum Prozeß gegen die Volksauswucherungen". All die Tendenzen, die von dem Abg. Ledebour und seinen Freun- dsn immer wieder in irgendeiner Form vorgebracht wurden, sind darin enthalten:.Die russischen Arbeiter haben den Zarismus zerschmettert und die demokratische Republik, die Einsetzung einer Volksregierung erkämpft, und wir sollen noch weiterhin das alte Elend, die Auswuckerung. den Hunger des Volkes ertragen? Nein, tausendmal nein. Verlaßt die Werkstätten und die Fabriken, laßt die Arbeit ruhen".(Hört! hört! rechts.) Kennt der Herr Abg. Ledebour das Flugblatt, das am 16. und 17. April in den Fabriken verbreitet ist, wo es heißt:„Man will euch jetzt mit Zusatzkarten Utzern, wider besseres Wissen, und die Regierung weiß genau, daß sie ihre Zusage nicht halten kann."(Hört! hört!) Auch hier ist wieder auf die Revolution in Rußland hingewiesen. Kennt Herr Ledebour weiter das Flugblatt, das zwischen dem Isi.'April und 1. Mai verbreitet wurde:„Der Kampf dauert fort". Alles dieselben Ten- dcnZen, die er und seine Freunde vertreten. Kennt er das Flug- blatt, daZ in den Deutschen Wafsen- und Munitionssabriken mit dersclvcii Tendenz verbreitet wurde, und das Flugvlatr, das zur Feier am 1. Mai liier und andernorts verteilt wurde?— Er kennt es nicht.(Heiterkeit rechts.) Kennt er das Flugblatt, das un- mittelbar bor dem 1. Mai hier verbreitet wurde:„Die Lehren des großen Massenstreiks" mit der neuen Aufforderung zum Streik. — Alles nach der Tendenz des Herrn Ledebour und seiner Freunde. Kennt er das Flugblatt, das in Leipzig verbreitet wurde? Ich börc kein Ja. i Heiterkeit.— Abg. Ledebour: Ich habe gar nicht die Verpflichtung. Ihnen mit ja oder nein zu antworten! Die Antwort werden Sie schon bekommen!) Es heißt da:„Es lebe die rote Fahne über der freien Republik".(Zuruf bei der Sozial- demokratischen Arbeitsgemeinschaft: Das ist die Manier von Pult- kamer I) Ich habe dein nichts hinzuzufügen, die Sache spricht für sich selbst. Ich schließe mit dem alten Scherzwort:„Ach sie sind wie kleine Kinder unschuldsvoll und keine Sünder!"(Heiterkeit.)� Präsident Dr. Kaempf ruft den Aba. Ledebour nachträglich wegen seiner letzten Worte gegenüber Staatssekretär Helfserich zur O r d n u n g. Staatssekretär Dr. Helsfcrich: Herr Ledebour hätte sich und dem Hause viel Aufregung ersparen können, wenn er vorgestern meine Ausführungen ruhig und verständig angehört oder sie wenig- stens aufmerksam nachgelesen hätte. Ich verzichte darauf, den Herrn Aba. Ledebour heute weiter zu belehren. Ein Schlußantrag wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, Polen und Elsässer angenommen. Abg. Ledebour: General Gröner verwechselt seine Funktionen: er ist hier nicht als Untersuchungsrichter.(Präsident Dr. Kaempf: das ist nicht persönlich!! Was wir über Streiks usw. zu sagen haben, sagen wir in sachlichen Ausführungen.(Präsident Dr. Kaemps: Sie dürfen jetzt nur für sich sprechen.!—... sage ich in sachlichen Ausführungen, wie alle meine Freunde.(Große Heiter- keit.!(Präsident Dr. Kaempf: Ick bitte sich meinen Anordnungen zu fügen.) Im übrigen lehne ich es ab. mich in irgend eine Kritik von Flugblättern anderer Personen hier einzulassen, weil alles, was ich sage, von General Gröner und seinen Gehilfen aus- aenutzt werden kann, um irgend welchen anderen Personen� einen Nachteil zu bereiten.(Zuruf rechts: Faule Ausrede!— Präsident Dr. Kaempf rügt diesen Ausdruck.! Eine solche Vorsicht gegen- über Herrn General Gröner und seinen Gehilfen ist um so not- wendiger, seitdem diese Gehilfen durch Auslobung von 3999 M. Spitzel niedrigster Sorte züchten. Die Abstimmung über die Resolutionen wird bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Das HauS vertagt die Fortsetzung aus Dicustag 3 Uhr.(Vor- her kleine Anfragen.) Schluß 7 Uhr._ Parlamentarisches. Pvlcnsragcu im Hauptausschuß.— Tic belgische Arbeiterfrage. Am Montag wurde die Erörterung über die Verwaltung der besetzten Gebiete beendet. Oberst Marauardt vom Kriegsamt teUle mit, daß dieses bemüht sei, die soziale Lage der polnischen Arbeiter aus den besetzten Gebieten möglichst zu erleichtern. Zu diesem Zweck sei eine Reihe Verordnungen erlassen worden.— Abg. Haas(Vp.) bringt verschiedene Bedenken gegen die Verwaltung im Osten vor. Wenn man die gesamten Verhältnisse in den be- setzten Bezirken berücksichtige, sei die Stimmung der Polen durchaus begreiflich. Staatssekretär des Innern Dr. Helfserich versichert, die Ab- ficht der deutschen Verwaltung in Polen sei es, die Rücksicht aus das, was für die Polen selbst wünschenswert sei, möglichst zu ver- einigen. Wo die Nohsioffverhältnisse es erlauben, seien Fabriken wieder in Betrieb gesetzt worden. Das Schulwesen werde kräftig gefördert. Mahregeln, den Gesundheitszustand zu heben, haben Flecktyphus und Cholera aus dem Lande verschwinden lassen. Die kommunale Selbstverinaltung wurde geschaffen und belebt. Wenn man alles in allem nehme, nicht nur das Gut, sondern auch das Blut, das in diesem.Kriege geopfert Werde, dann könne man sagen, daß die Opser der Polen nicht an das heranreichen, was Deutsch- land sich auferlegt. Der polnische Staatsrat, gewissermaßen die Urzclle der künftigen polnischen Staatsverwaltung, sei mit be- ratenden Funktionen bei der Gesetzgebung ausgestattet, ferner mit der Mitwirkung an den zu schaffenden staatlichen Einrichtungen und werde schließlich bei der BerivaltriNg in dem Umfange heran- gezogen werden, den die Verhältnisse gestatten. Abg. Naumann(Vp.) erkennt an. daß die deutsche Verwaltung in Polen auch viel Gutes geleistet habe. Was gefordert werden müsse, sei, daß möglichst schnell die Selbstverwaltung durchgeführt und dem polnischen Staatsrat überliefert werde, im Einverständnis mit Oesterreich.— Abg. Cvhen-Reutz(Soz.): Auch er habe nie bestritten, daß die deutsche Verwaltung in Polen wesentliche Verbesserungen erreicht habe. Aber über dieser Licht- seite dürfen die Schattenseiten nicht vergessen werden. Es müsse endlich festgestellt werden, welche Behörden in der Verwaltung Polens das entscheidende Wort sprechen. Ueber F ü r st Isen- b u rg-B i r st e i n als Verwalter von Oberost müßte doch in dem einen Punkt Ucbereinstimmuny bestehen, daß er ganz und gar nicht der Aufgabe gerecht werde, die ihm mit diesem wichtigen Posten anvertraut sei. So habe er an die deutsche Regierung über die Juden einen Vcrivaltungsbericht gerichtet, der überaus oberflächlich und engherzig sei.— Abg. Nehbcl(£.) versichert, daß weitere Verbesserungen in Oberost bereits im Gange seien. Er trat entschieden für Fürst Isenburg ein.— Abg. Werner-Gießen (Antis.) zieht gegen die Juden zu Felde.— Prinz Schönaich-Earo- lath(natl.) erinnert daran, daß seine Partei niemals Hoffnungcii aus die Polen gesetzt habe und stets die Verantwortung für die Maßnahmen zur Begründung eines polnischen Staates abgelehnt habe.— Abg. Gothein(Vp.) trägt eine Reibe Tatsachen vor zum Beweise dafür, daß der Gouverneur Fürst Isenburg völlig versage.— Zlbg. v. Trampzynski(Pole): Die Grundsätze, die vom Kriegsministerium für die Behandlung der polnischen Arbeiter auf- gestellt seien, würden nur zu oft nicht durchgeführt. Was er ver- lange, sei, daß die Polen nicht als Feinde und das polnische Land nicht als Feindesland behandelt werde.— Wg. Dr. Cohn-Nord- hausen beweist, daß seine Vorwürfe über die Zustände in Polen berechtigt seien. Schließlich wurden die beiden Anträge, zu diesem Kapitel an- genommen, daß alsbald die erforderlichen Maßnahmen behufs sofortiger Rückbeförderung der belgischen Zwiuigsarbcitcr in ihre Heimat getroffen werden; ferner, daß sämtlichen im Reich beschäftigten Arbeitern aus dem Okkupations- gebiet Polens und Litauens— unbeschadet der polizeilichen, allen Ausländern gegenüber geübten Kontrolle— im Verhältnis zum Arbeitgeber gleich)« Rechte wie den einheimischen Arbeitern gewährt werden, insbesondere das Recht zum Wechseln der Arbeitsstätten; 2. daß diese Arbeiter nicht gehindert werden, nach Ablauf des Dienstvertrags in die Heimat zurückzukehren. DicnStaga Marine- und Kolonialamt. Die Fleischversorgung vor dem Reichstagsausschuß. In der Fortsetzung der Verhandlung am Montag weist Abg. Molkenbuhr!S»z.) nach, daß die statistischen Ergebnisse nachweisen, daß 1913 van den Schweinebeständen 81 Proz. abgeschlachtet wurden. In dar Kriegszeit ist dieser Prozentsatz fortgesetzt gesunken und erreicht 1916 einen Niedergang auf 38 Proz. Es ergibt sich mithin, daß dic_Annahnie des Herrn Hoff, daß ungefähr fünf Millionen Schwein« innerhalb eines JabreS zur Schlachtung nicht angemeldet wurden. Airtreffend ist. Läßt man diesen Zustand werter bestehen, so wird die Zahl der Schweine, die un- * Angemeldet abgeschlachtet werden und deren Fleisch in den Schleich- Handel geht, immer größer wird. Von der freisinnigen Volkspartei wird die Einsetzung einer Sachverständigenkommission beantragt, die Ermittlungen anstellen soll über die zweckmäßige Gestaltung der Nutzviehhaltung. Ferner wird die Einsetzung eines Ausschusses verlangt, der die Aufbrin- gung der wichtigsten Nahrungsmittel auf die einzelnen Bundes- staatcn und Kommunalverbände durch Umlage zu bestimmen hat. Gegen beide Anträge erklären sich die meisten Redner im Aus- schuß, da man sich von neuen Beratungsinstanzen nichts verspricht. Der gleichen Auffassung gibt die sozialdemokratische Fraktion Ausdruck.?luch sie betont, daß es besser wäre, zu prak- tischen Ergebnissen zu kommen, als jetzt weiter Untersuchungen und theoretische Betrachtungen anzustellen.— Wurm tUnabh.) berichtet, daß die Zufuhr von allzu jungen Kälbern zu großen Unzuträglich- keiteu geführt habe. Beim Transport nach Berlin sei ein Drittel der Kälber eingegangen, ein zweites Drittel sei nachträglich kre- piert und nur das letzte Drittel mit Mühe und Not für die Ab- schlachtuirg gerettet worden. Dieses junge Vieh hält die Trans- Porte nicht aus, ist mithin ungeeignet zum Versand. Uclwr den Einkauf der Gänse aus dem Ausland wird von einem Vertreter des Kriegsernährungsamts mitgeteilt, daß ein Syndikat der Händler gebildet werde, dem der Aufkauf obliegt. Vom Syndikat erfolgt die Verteilung zur Mästung an die Land- wirte und später die Abgabe an die Kommunalverbände. Durch Richtpreise wird man erzielen, daß der Durchschnittspreis für eine Gans etwa 30 M. beträgt. Hierauf wird zur Besprechung der Milch-, Butter- und Fettversorgung übergegangen, v. Gräwenitz, Leiter der Fettstclle, schildert die Or- ganisatiou der Milch- und Butterversorgung. Es ist eine ständige Kontrolle eingesetzt, um zu ermitteln, ob die Mengen abgeliefert werden, die zur Abgabe gelangen müssen. Die Einfuhr von Butter ist erheblich zurückgegangen und der verminderte Milchertrag wegen der schlechten Nahrung ließ eine Verbesserung in der Butterver- forgung nicht herbeiführen. Unter dem Schleichhandel leiden am meisten die Eier- und die Fettstelle. Es sind sehr erhebliche Mengen, die der Gesamtheit entzogen werden, in den Handel ge- bracht worden. Mit der scharfen Rationierung hat der Verbrauch von Milch und Eiern auch auf dem Lande zugenommen. Die Milchvcrforgung Berlins»ius> umgestellt werden, wenn nicht im Sommer jede Versorgung aufhören soll. Die Molkereien der Städte müssen bor allem zu größerer Leistungsfähigkeit angespornt werden. GroßVerlln Eine Blüte der Vorort-Journalistik. Im idyllischen Pankow erscheint eine.Neue Vorort-Zeitmig*, die ihren Abonnenten an jedem Sonnabend eine sogenannte.Wochen- Wanderung� serviert— eine Art Bouleite, ivie die sparsame Haus- srau. die nichts umkommen lassen will, sie am Sonnabend auf de» Tisch bringt und in deren Erwartung sich die Familienmitglieder schon die ganze Woche hindurch zu ekeln pflegen. In der Pankower Bouleite vom vorletzten Sonnabend— die Delikatesse gelangt erst beule in unsere Hände— wird als Haupt- mgredien, die.deutsche Frau" verwurstet, und zur pikanten Würze dient eine sehr detaillierte Ausmalung sittlicher Entgleisungen, die sich zlvci I-i- bczw. ISjährige Mädchen im Verkehr mit einem russischen Kriegs- gefangenen haben zuschulden kommen lassen. Die drei Missetäter wurden zu Polizeihaft verurteilt, und der Wanderer vom Panke- slrand äußert dazu in flammendem Pathos:.Nim können sie drei Tage dort sitzen, Ivo die toten Schiveinc lagen. Diese drei Lebenden sind ja wohl— Menschen. Schaurig heulen sie unten im Kerker: Sliesliebsle rechts. Stiefliebste links, der Louis in der Mitten... Co will CS die rächende Nemesis, die hier noch viel zu milde ist." Der russische Kriegsgefangene wird als.Lümmel' und.Filou' mit.breitem, verschmitztem Kalmnckengesicht" geschildert, aber dem Pankower Patrioten erscheint er dennoch als ein vollwertiger Zeuge gegenüber deutschen Munitionsarbeitern, denen er.geschmuggelte Brotkarten" abgekauft haben will..Trotz Brotstreiks'— folgert der Menschenfreund—.muß also der Brothunger wohl doch nicht so groß sein." Zum Schluß heißt eS:.In der deutschen Weiblich- kcitfchlt es anZucht undSitte, das muß frei heraus- gesagt werden,..... und da ich ineine heutige Epistel an die Frauen in erhebender Weise auSklingen lassen möchte, bitte ich mein verehrtes Auditorium, sich mir niir von den Plätzen zu erheben und zu Ehren der Frauen in das VaterlandSlied, Vers 2, einzustimmen. DaS Lied steigt I— Chor(mit entsprechender Be- geisterung): Deutsche Frauen, deutsche Treue..." Weshalb wir diese Blüte der Vorort-Journalistik aus der Ver- borgenheit ziehe»? Natürlich nicht, weil wir gegen den gleich- gülligen Schreiber und sein Blättchen ernsthaft polemisieren wollen. liniere Absicht ist nur, den Lesern des.Vorwärts" einen Begriff davon zu geben, welche Höhe der Kultur und deS guten Geschmacks einer gewissen Presse— und wäre es auch nur in Pankow— heute noch erreichbar ist. Berliner Lebensmittelnachrichten. Auf dem städtischen Großmarkt sind nenn Waggons holländi- scheu Frühgemüses eingegangen, und zwar mit Salat, Gurken und Radieschen. Der Kleinhandelspreis darf nach den Festsetzungen des Magistrats nicht übersteigen: Für Salat je nach Größe 26—36 Pf. pro Kopf, für Gurken je nach Größe 70 Pf. bis 1 M., für das Bund Radieschen 26 Pf. Kleinhändler, die die Preise überschreiten, sind dem Magistrat, Abteilung für Obst- und Gemüseversorgung namhaft zu machen, damit gegen sie eingeschritten werden kann. Polnische Kartoffeln für Groß-Bcrlin. Durch Vermittelung der ReichSkartoffelstelle sollen, wie in der letzten Sitzung des städtische» Nahrungsmitielausschusses der Stadt Lichtenberg mitgeteilt wurde, den Groß-Berliner Gemeinden zur Ergänzung der inländischen Lieferungen polnische Kartoffeln zum Preise von 3 M. für den Zentner geliefert werden. Nach dem VcrteUungSplan entfallen auf Lichtenberg hiervon ö000 Zentner, von denen zwei Waggons bereits eingegangen, weitere Sendungen in diesen Tagen zu erwarten sind. Der NabrungsmittelauSschnß erklärte sich mit der Abnahme der Kartoffeln trotz des ungewöhnlich hohen Preises im Hinblick auf die allgemeine Kartoffelknappheit einverstanden; er wünscht ober, daß darauf hingewirkt werde, den durch den Umsatz dieser Kartoffeln entstehenden erbeblichen Verlust vom Reich oder Staat erstaltet zu erhallen. Die Kartoffeln werden zu den für die Jnlandskartoffeln festgesetzten Kleinhandelspreisen verkauft. Die neun Säuglingsfürsorgestcllcn des Berliner Magistrats, die sich bisher nur um die Gesundbeilspflege der im ersten Lebensjahre stehenden Kinder bemühten, haben ihren Wirkungskreis seit Ansang April auf die Kinder der in den 1. bis 6. Lebensjahren ausgedehnt. ES wird in allen Säuzlin>sfürsorgestellen an jedem Freitag für Kinder dieser Altersstufe eine besondere Sprech st unde abgehalten, in denen Mütter und Pflegemütter sich für eheliche und unohekiche Kinder unentgeltlich Rat holen können. Der Kriegsiiuöschuß zum Schutze aufsichtsloser Kidcr, der sich die Aufgabe gestellt hat, die Kinder der arbeilenden Mütter in Krippen. Kindergärten, Horten und in Privatpfleie unterzubringen, hat eine Anzahl Meldestellen eingerichtet, in der jedermann, der Kinder unterzubringen wünscht, nähere Auskunft erhalten kann. Diese Meldestelen befinden sich in folgenden Bureaus der Hilfs- kommlisionen des Nationalen Frauendienstes: Berlin: All-Moabit Nr. III, Askaniicher Platz 3, Blumenftr. 97, Bromberger Str. 13—14, Dcnncwitzstr. 24, Elbinger Str. 4, Gcorgcnkirchstr. 11, Gerhardt-, straße 4—8, Giischiner Str. 97—103, Greifenhagener Sir. 88 bis 69, Kaiser- Wilhelmstr. 13, Kastanienallee 32, Am Köllnischen Pari 2, Kommandantensir. 14, Marianncnplatz 27—28, Panlstr. 34, Petersburger Str. 4, Planlagenstr. 15, Rosenthaler Str. 40—41, Sonnenburger Str. 20, Turmstr. 44, Wattstr. 16, Wilmsstr. 10. Charlottcnbiirg; Bayrenlher Str. 26, Bismarckstr. 21, Bis- marckstr. 51, Donkelmannstr. 26, Goeihesir. 22, Kaijerin-Augnsta- Allee 89. Königin-Elssabetb-Str. 6b, Leibnizstr. 79, Lützower- straße 11—12, Schlllterstr. 33. Lichtenberg: Wohlfahrtsamt Stadthaus. Türrschmidtstr. 26.. M a r i e n f e l d e: Geineindever- waltung, Dorfsir. 53. Neukölln: Fürsorgeamt, Nathans, Berliner Straße 64. Pankow: Familienfürsorge, Abteilung des Gemeinde- Vorstandes, Rathans. Schöneberg: Freiwillige Kriegshilfe, Neues Rathaus. Steglitz: Vereinigung für private Fürsorge, Grunewaldstr. 4. S t r a I a u- R n m m e l s b u r g: Kriegsunter- stiitzungsblireau, Vöcklinstraße. Treptow: Kriegswohlfahrts- bureaü. Rathaus. Wilmersdorf: Nationaler Francndienst: I. Brandenburgsir. 5. II. Schaperstr. 25. Z e h l e n d o r s: Nationaler Fraucndienst,'Gemeindeamt.— Außerdem nimmt die Deutsche Zentrole für Jugendfürsorge. Monbijouplatz 3 H, Sprechstnnden 9—1 Uhr, Meldungen entgegen. Die für das Stenerjahr 1917 festgesetzten Staatsstcuerlistc» be- Hufs Veranlagung der Personen mit Einkommen von nicht mehr als 900 Mar! zur Gemeinde-Einkommensteuer werden in der Zeit vom 13. bis einschließlich 26. Mai täglich von 9 Uhr vor- mittags bis l Uhr nachmittags öffentlich ausgelegt. Die Einsicht in diese Listen ist nur denjenigen Personen gestattet, deren Vera»- laateS Einkomnien den Betrag von 900 M. nicht übersteigt. Die Offenlegung der Staatssteuerlisten findet unter besonderer Aussicht dazu bestellter Beamten in den Diensträumen Stadlhans, Stralauer Straße 16/22, Erdgeschoß, 1 und 2 Treppen, siait. Die Frist zur Einlegung der Berufung gegen diese Veranlagung läuft mit dein 23. Juni d. I. ab. Die Preiserhöhung der Englischc» Gasgesellschaft. Die Englische Kasgesellschaft. perireten durch ihren Liquidator, Stadtrat Max Cassirer, gibt jetzt die Gemeindcbezirke bekannt, in denen die Preis- erhöhung für das von ihr gelieferte Gas eintritt. Danach beträgt gemäß den mit den Magistraten von Berlin, Schöneberg und Neu- kölln, sowie mit den Gemeindevorstünden von Nikolassee, Steglitz. Tempelhof, Weißensee, Buchholz. Heinersdorf, Niederschönhausen und Rosenthal, serner mit der Königlichen Kommission zur Austeilung der Domäne Dahlem getroffenen Abkommen der Preis des Gaies von dem Tage ab, an dem im Monat April 1917 die Gasmesser- stände von den Beamten der Gesevichast aufgenommen wurden, ein- schließlich Warenumsatzsteuer, 16 Pfennig für das Kubik- meter. Die Handelsgenehmigung n»d der Schlußscheinzwang im Gemüsehandel tritt erst am 2t. Mai in Kraft. Postanweisungen für unsere Kriegsgefangenen in Rußland können bekanntlich nicht unmittelbar an die Empfänger ausgeserligt werden. sondern sind an die Oberpostkontrolle in Bern oder auf besonderes Berlangen deS Absenders an das S ch Iv e d i s ch e P o st a m t in M a l m ö zu richten. Der mit dem Gelde bedachte Gefangene, sein Unterbringungsort usw. sind auf der Rückseite des Postanweisungsabschnitts anzugeben. Die Angaben, die nur für die Vermittlungsstelle zwecks Ausfertigung neuer Postanweisungen nach Rußland dienen, sind in deutscher Sprache aber mit lateinischen Buchstaben zu machen. Vermerke in russischer oder einer anderen slawischen Sprache oder in ruisischer Schrift führen zur Verzögerung der llebermittlung oder zur Ilnbeslellbrkeit der Postanweisungen. Die Postanstalten' werden daher in Zukunft solche Postanweisungen von der Annahme zurückweisen. „Unermittelte Heeresangehörige, Nachlaß- und Fniidsacheil". Die 8. Nummer der Sonderliste.Uncrinitlelte Heeresangchörige, Nachlaß- und Fundsachen ist am 1. Mai als Beilage zur deutschen Verlustliste erschienen. Nervollständigt wird die Sonderliste durch ein Namens- Verzeichnis von Gefallenen, deren Angehörige nicht zu ermitteln Ware», ferner durch Mitteilungen über unbestellbares Offiziers- und Mannschaftsgepäck, das beim Militärpaketamt in Berlin lagert. Eine Bildertafel liegt der Sonderliste diesmal nicht bei.— Die Liste ist auch direkt durch die Norddeutsche Bnchdruckerei, Berlin 81V., Wik- belnistr. 82, zum Preise von 20 Pf. einschließlich Porto im Einzelverkauf zu beziehen. Aufhetzung einer Kettenhiiiidlerhande. Dein KriegSioncheramt Ware» Angebote von Lebensmitteln bekannt geworden, bei denen es sich wegen der Höhe der Preissordenrngen mir um Preistreibereien und Warenzurückhaltnng handeln konnte. Als Hauptschuldige wurden sestgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt der 21jährige Kaufmann Arno L e w y ans Berlin und der 31jährige tzlgent Heinrich Nicopoli ans C h a r l o t t e n b u r g, der sich als Grieche ausgab, in Wirklichkeit aber aus Lemberg stammt. Es wurden beschlagnahmt u. o. 38 Zentner Kaffeemischung, 24 Zentner Gerstenkaffee, 2000 Büchsen Oeliardinen, 40 Zentner Backpflaumen, 30 Zentner Glyzerinseife, 75 Zentner Kerzen und 3 Zentner Oel. Die Waren wurden aus verschiedenen Verstecken hervorgeholt. Sie sind zum großen Teil schon im Frieden hergestellt und wurden im Wege eines umfangreichen Kettenhandels von einer Hand in die andere verschoben. Die Mehrzahl der Bclciligten hatte keine Handels- crlaubnis. Vermißte Geisteskranke. Seit dem 20. April wird die LOjährige Tochter Gertrud des in S ch l a ch t e» s e e, W a n n s e e st r. 17, wohnhaften Direktors Bartsch vermißt. Die Angehörigen ver- muten, daß das Mädchen, das seit einiger Zeit gemütskrank ist, in der Umgebung Berlins umherirrt oder Selbstmord verübt hat. Es ist auch'möglich, daß sie in irgend einer Anstalt Unterkunft gefunden hat. Die Vermißte ist 1,60 Mctxr groß, schlank, hat starkes, dunkel- blondes Haar, längliches Gesicht, vollständiges Gebiß mit einigen Goldplomben. Bekleidet war sie mit schwarzem Kleide, dunkel- blauem Wintermantel, schwarzen Strümpfen und schwarzen niedrigen Schuhen sowie schwarzem Samthut mit breiter Krempe. Die Wäsche ist G. B. gezeichnet. Der Vater der Vermißten hat auf die Er- mittlung 600 M. Belohnung ausgesetzt. Warnung vor einem Uhrenschwindler. In Berlin und Vororten treibt ein Schwindler sein Unwesen, der mit folgendem Trick ar- beitet: Durch den Fernsprecher rust er ein Uhrengeschäft an, gibt sich als den Inhaber eines anderen Uhrengeschäfts in der Nachbar- schaft aus und teilt mit, daß er dem Kollegen einen Kunden zu- geschickt habe, der bei ihm das Gewünschte nicht habe finden können. Er bittet, dem betreffenden Herrn eine Uhr nach Wunsch gegen Be- Zahlung zu verabfolgen. Bald darauf erscheint denn auch in dem angerufenen Geschäft der Käufer, der natürlich niemand anderes ist als der Schwindler. Er läßt sich Taschenuhren vorlegen, wählt eine wertvolle Uhr aus und läßl sich diese in einen mitgebrachten Feld- postkarton verpacken. Dann verlangt er noch eine billige Felddienst- uhr, und während der Uhrmacher diese heraussucht, vertauscht der Gauner geschickt und schnell den Feldpostkarton, in dem sich die ausgewählie teure Uhr befindet, mit einem anderen gleichartigen. Wenn es nun ans Bezahlen geht, entdeckt der Kunde zu seinem Schrecken, daß er sein Portemonnaie zu Hause gelassen hat, und bittet, das Paket zurückzubehalten, bis er das Geld geholt habe. Natürlich wartet der Verkäufer vergeblich auf die Wiederkehr des Kunden, der mit der wertvollen Uhr in der Tasche auf Nimmer- wiedersehen verschwindet. Der Betrüger ist ein höchstens 20jähnger Mensch von mittelgroßer, lrästiger Gestalt; er hat volle» Gesicht, dunkelblondes Haar und trug einen braunen Ueberzieher. Seinen Bcrletzungc» erlegen ist der 25 Jahre alte Schmied Karl Bannmeyer aus der Aachholderstr. 49 zu Reinickendorf, der vor 14 Tagen beim Aufsteigen auf einen Slraßenbahnwagcn der Linie 35 unter einen Militärkraftwagen geriet. Charlottenburg, Abgabe von Eiern. Für die Zeit vom 7. bis 19. Mai werden auf Abschnitt 21 der Eicrkarle 3 Eier abgegeben. — Schulzahuklinik. In der Zeit vom 1. April 1916 bis zum 31. März 1917 sind in der städtischen Schulzahnilinik in Charlotten- bürg von Gemeindeschullindern 2896 Knaben und 8151 Mädchen, d. h. durchschnittlich 21 Proz. der Gesamtzahl der Gemeindeschul- linder zahnärztlich untersucht worden. Davon waren 309 Knaben und 303 Mädchen frei von Zahnkrankheiten. 2037 Knaben und 2368 Mädchen wurden zahnärzllich behandelt. Weitere Eierliefermigen für die Vororte. Das Landesamt sür Nährmittel und Eier hat. wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, den Kreisen Teltow und Niederbarnim weitere zwei Millionen Eier zur Verteilung für die Zeit bis Mitte dieses Monats überwiesen. Es wird daher möglich sein, die großen Vor- ortbedarfsgemcinden der beiden Kreise besser als bisher mit Eiern zu beliesern. Trinpclhof. Lebciismiticliiachrichtc». Außer den üblichen Mengen an Lcbensinitteln werden von morgen ab 3 Eier ans Abschnitt 15 der Eierkarie verabfolgt. Die Abnahme der Eier muß bis ein- schließlich Sonnabend, den 12. Mai, cifolgt sein. Außerdem wird in den öffentlichen Verkaufsstellen in der Ringbahnsiraße und in der Berliner Straße Kriegsmus verteilt. Wcißensce. Lcbcnsmittcluachrichtc». In der laufende» Woche dürfen 6 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Die Kartossel- knndcnlisten verlieren am 13. Mai ihre Gültigkeit. Bis zum 10. Mai hat� die Anmeldung zur neuen Kundenliste zu erfolgen. Bei den Kleinhändlern sind zu haben aus die Abschnitte 64b und 646 der Kartoffelkarte je 125 Gramm Graupen und aus das Kopfstück der Brotkarte der 116. Woche 250 Gramm Kunsthonig. In der Ver- kaussstelle Langhansstr. 103 gelangen Eier zum Nerkanf. Ans Ab- schnitt 7 der aufgerufenen Eicrkarten wird ein Ei zum Preise von 23 Ps. und auf Abschnitt 8 zwei Eier zum Preise von je 31 Pf. verabfolgt. In der Verkanfsstelle PistorinSstr. 24 gelangen Fisch- waren zur Ausgabe, ebenso Brotaufstrich, Dose 1,75 M. Pankow. LcbenSmittclabgaben. In der laiifendcn Woche gc- langen zunächst nur drei Pfund startoffeln zur Ausgabe. Darüber, ob die an der in Aussicht gestellten Wochenration sehicnde Menge noch nachträglich oder an deren Stelle Mehl zur Berteilnng gelangt, ivird erst gegen Ende der Woche Bestimmung getroffen. Auf Zusatzkartoffelkarten werden 2 Psund abgegeben.— Frische Seefische gelangen in den Geschnsten von Meißner. Neue Schönholzer Straße 5, und Sonntag. Wollankstr. 13, zum Vcrlaui. Auf jeden Bezugs- und OiiittungSabschnitt 2, 12 und 24 der Leben:- mittelkarte kann bis auf ivcilcrcS ein Pfund Fische entnommen werden.— Ohne Anrechnung ans die Fleischmcnge gelangt, sowcii der Vorrat reicht, ausgelassener Talg zmn Preise von 39 Pf. für 50 Gramm ans Bezugs-»nd Ouittungsabichiiilt 30 zur Ausgabe. Wer Talg nicht erhält, muß behufs späterer Berückfichii- guug Abschnitt 30 sorgfältig aufbeivahrcn.— Der Verkauf von Sardellen-Brotanf strich erfolgt ohne Abtrennung eines Abschnittes der Lebensmittelkarte.— Zum Bezüge von 25 Gramm H a s e ln u ß- S p e i s e ö l ist BezugSabschnilr 29 der Lebens- mittelkarie bis zuni 8. Mai abends gegen Empfangsbescüeinignng abzuliefern. Gegen Abtrennung des OuitiungSabschnittS 29 erfolg: dann Ende der Woche die Abgabe des OeleS. Reinickendorf. Neuregelung der TcurriingSzulagen. Eine anderweitige Regelung der Teuerungszulagen beschloß die Gemeinde- Vertretung in ihrer letzten Sitzung. In Anlehnung an die von Preußen gewährten Sätze werde» statt der bisherigen cinheitlü en Kinderzulage von 5 M. pro Monat ab 1. April gezahlt für 1 ttind 6 M.. für 2 Kinder 14 M.. für 3 Kinder 24 M., für 4 Kinder 36 M., für 5 Kinder 50 M. Zum Vorsitzenden des Mictseinlgung-- amtes und des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts ivird an Stelle des RecolSmiwaltS Pinkus der RechiSanwalt SckierbinS gewählt und in den Vorstand der Sparkasse für Genossen Schönderg Geuoiie G u r s ch. Von linscrcn Genossen war der dringliche Atttrag gestellt; worden, den gesamten Kohlenbedarf der Einwohner für die kom- mende Heizungsperiode durch Bezug von Gemeinde ivegcn sicher- zustellen. Namens des Gemcindcvorstandes erklärte der Bürger- meister. daß der Gemeindevorstand die Notwendigkeit der Kohlenbeschaffung anerkenne und entsprechende Maßnahmen vorbereitet seien. Die Gemeindevertretung erklärte ihr Einverständnis mit dem Antrage. Niedcrschönhausen. LebenSmittelvcrteilung. Da augenblicklich genügend Magermilch vorhanden, ist beabsichtigt, diese auch cm Personen über 60 Jahre zu verabfolgen. Ein Rechlsanspruch bestchr jedoch darauf nicht. Anmeldungen im Rathause für die Buchstaben A bis H heute, I bis O morgen, R bis Z übermorgen.— Für die kommende Gemüsezeit ivird noch einjrial auf den vorhandenen Bouillon-Extrakl aufmerksam gemacht. Das Pfund kostet 6,60 Vi. Kartoffeln gibt es wieder 6 Pfund. Friedrichshagen. Gemcindebcrtrctcrsitziinq. Der Zuschlag znr Einkommensteuer beträgt auch in diesem Jahre 170 Proz. Da» neueingcrichtete LebenSmittelamt hat bisher über 13 Mil- lionen Mark Hingesetzt. Die Bildung einer Einkaufsgcscllschasl wurde von der Gemeindeverwaltung unterstützt. Um genügend Ein- flnß zu haben, hat die Gemeinde dreiviertel der Anteile über- nommen. Im ganze» Regiernngsbezirk besteht bereits eine Bezirks- einlausSgesellschast, welche die einzelnen Gemeinden beliefert. Leider werden in der Belieserung Niitcrschiede in Stadt und Land gemacht. Dadurch wurden unserem Ort auch nicht genügend Eier geliescrt. In der von der Gemeinde eingerichteten K i n d e r l r r p p c werden Kinder jeden Alters nnd jeder Konsession aufgenommen.— Um den Garten- und Laubenbesitzern Gelegenheit zuni Bewässern ihrer Parzellen zu gebe», will die Gemeinde Wasser zum Selbstkostenpreise abgeben. Bei dieser Gelegenheit kamen die Interessen der Haus- lind Grundbesitzer zur Geltung. Eine längere Aussprache gab der Vertrag mit der Hamburg-Mannheimer Versicherungs- gesellschaft betr. KriegSpatenschust. Der Vertrag wurde an euie Kommission verwiesen, der auch Genosse Miete angehört. Der Jahresabschluß sür 1914 wurde ohne Debatte genehmigt. — Acndcrmig der FleischbezugStage. Um eine bessere Fleisch- Verteilung zu ermöglichen, soll von dieser Woche ab an drei Tagen jeder Woche der Verkauf stattfinden, und zwar jeden Dienstag nnd Sonnabend auf die Reichs fleischkarte und jeden Donnerstag auf die K r e i s fleischkarte. Rowawcs. Grineindevertretcisitzung. Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit der Frage deS Ankaufs e i n e S Grund- st ü ck S. Da zur Schassniig besonderer Räume für Zivccke der Kriegsbeschädigten-»nd KricgShintcrbliebencnsürsorge sowie des Arbeitsnachweises die Amtswohnung des Bürgermeisters benutzt werden soll, so machte sich die Schaffung einer neuen Dienst- Wohnung notwendig. Die? ist auch gelungen, doch will die Besitzerin ihr Haus verkaufen und bot es der Gemeinde an. Da jedoch Finanzkommission und Bürgermeister sich gegen den Anlauf aussprachen, wurde beschlossen, nur wegen Abschluß eines Miclsvertrages in Verhandlung z» treten.— Einen weiteren BeratungSpunIt bildete die Einrichtung einer Milch- k ü ch e. Dem Vaterländischen Frauenverein war von der Gemeinde- Vertretung der Vorschlag gemacht ivorden, ihre Speisemistalt für die weitere Dauer deS Krieges zu schließen lind die Räume für die Milchküche herzugeben, da die Kriegsküchen der Gemeinde dem Be- darf völlig genügen würde. Hiermit hat sich der Vaterländische Frauenvercin ciiivcrstandcn erklärt. Hroß-Serliner Partemachrichten. Paiikow-Niederschönhausen-Buchholz. Die Mitgliedervcr- s a m m l u n g findet in dieser Woche nicht statt. Nähere- wird noch bekannt gegeben. Weißensee. Morgen abend 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Stärke, Charlottenburger Ecke Tassostraße. Vortrag deS Genossen Poctzsch über»Revolution oder Reform". Bericht vom Bezirkstag Groß-Bttlin. Mitglieder,„DorwärtS�-Leser, sowie Genossen und Genossinnen, die auf dem Boden der Parteieinheit stehen, find hiev zu eingeladen. Treptow-Baumschnlenwcz. Morgen abend 8Vz Uhr. im Lokal von Ringeltaube in Treptow, Graetzstraße 1: Mitglieder- Versammlung für die Ortsteile Treptow und Baumschulenweg Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und vom Bezirkstag Groß-Berlins. 2. Die Lebensmittelversorgung in Bcrlin-Treptolv. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mit gliedsbuch legitimiert! Tcmpelhef. Morgen abend 8Vz Uhr bei Ueckermann, Kaisev Wilhelm-Straxe, Ecke Werderstraste: Mitgliederversamm- I u n g. t. Vortrag des Redakteurs Genossen Erich Kuttner über: Der Kamps für die deutsche Freiheit. 2. Bericht erstaitung von der Generalversammlung und vom Bezirkstag. Alle„VorwärtS"leser werden um ihr Erscheinen gebeten. Maricndorf. Mitgliederversammlung morgen abend 8Vz Uhr bei Hoch, Chousseestr.<4. Wichtige Tagesordnung. Alle.Vorwärts"- Leser und Genossen, die auf dem Boden der Gesamtpartei stehen, sind eingeladen. Friedenau. Mitglederversammlung morgen abend S'/a Uhr bei Schulz, Wiesbadener Straste 78, Ecke Laubacher Straste. Wichtige Tagesordnung. Stellungnahme zu den Beschlüssen der Generalversammlung. Um zahlreiches Erscheinen aller auf dem Boden der Gesamtpartei stehenden»BorwärtS'-Leser und Genossen wird gebeten. Steglitz. Morgen, abends 8 Uhr, bei Clöment, Dllppelstr. 7: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht über die Generalversammlungen des KreiseS und von Grost-Berlin; Aus- spräche; Wahl cineS Mitgliedes zum Kreisausschust. Obcrschime weide. Morgen abend 8'/, Uhr bei Lad ewig, Laufenerstr. 6, Zahlabend. Bohnsdorf. Morgen abend 8>/z Uhr Mitgliederversammlung bei Grabow, am Bahnhof. Bericht über die Generalversammlung und den Bezirkstag von Grost-Herlin. Friedrichshagcn. Mittwoch, den S. Mai, findet keine Mit- gliederversammlung statt. Zur nächsten Mitgliederversammlung wird extra eingeladen. Beiträge können bei den Genossen R. Köckeritz, Klutstr. 3, und Max Hecker, Friedrichstr. 2, ent- richtet werden. FrederSdorf-PeterShagen. Morgen, abends 8 Uhr, Zahlabend bei Oskar Kirchner in Fredersdorf. Hierzu sind auch alle»Vor- wärts"-Leser freundlichst eingeladen. Mus aller Welt. Auch ein feindlicher Staatsangehöriger. Ter.Reichs-Anzeiger" veröffentlicht folgende Bekanntmachung des braunschweigischen StaatSministeriumS: Auf Grund des Art. 3 der Bekanntmachung, betreffend Wirt- schaftliche Vergeltungsmaßnahmen gegen Portugal, vom 14. Mai 1916 ist die zwangsweise Verwaltung des dem portugiesischen Staatsangehörigen d'Andrade in Lissabon gehörigen, in Bad Harzburg belegenen Grundstücks Nr. ass. 492 angeordnet und der Gärtner Kammerhoff daselbst als Verwalter bestellt. Dieser„portugiesische Staatsangehörige" ist natürlich kein anderer � als der weltberühmte Bariton Francisco d'Andrade, dessen unvergeßliches Cbampagnerlicd aus dem„Don Juan"— eines der schönsten Gemälde Slevogts stellt den Sänger in dieser Szene dar— einst auf allen großen Opernbühnen Deutschlands erklang und noch heute von tausend Grammophonplalten widerhallt. Tas Ende der„ewigen Wonnegans". _ Ein Ausschuß hat sich gebildet, um das Lied„Heil Dir im Siegerkranz"(von Kaiser Friedrich„die ewige Wonnegans" ge- tauft) durch ein passenderes zu ersetzen. Der Entschluß wird fol- gendermaßen begründet: Nach der Ansicht weiter Kreise weckt„Heil Dir im Sieger- kränz" nicht mehr einen vollebendigen Widerklang; zu Ehren des englischen Königs Georg II. wurde oie Melodie— God save the king— komponiert, dem dänischen König Christian VII. galt der Text; überdies sind Ausdruck und Reim voll ungeschickter Härten. Schon feit Jahren ist eine b e- ständige Verwechslung der deutschen und der englischen Volkshymne im Auslande durch unsere See- leute, Beamte, Kaufleute peinlich empfunden worden. Was früher bedauerlich erschien, wäre jetzt unleidlich. Also die„ewige Wonnegans" ist als Engländerin ent- larvtl Und so heißt es jetzt:„Ein neues Lted, ein besseres Lied, ihr Freunde sollt ihr mir dichten." Und zu diesem Zweck wird ein Preisausschreiben veranstaltet. Der bekannte schweizerische Flieger Parmelin, der bei Krieg«. ausbruck, in italienische Dienste getreten war ist tödlich der- u n g l ü ck t. Im Jahre 1914 überflog er von Collex-Boffy bei Genf aus den Mont Blanc. Tie freie Turnerschaft WilmerSdorf-Schmargendorf ladet Ibre Mitglieder sowie Gäste, Männer. Frauen und Kinder zu ihren Vcrsamm- iungcn herzlichst ein. Die Turnstunden finden jeden Dienstag und Freitag in der Turndalle der IV. Gcmcindeschule, Koblenzer Str. 22/24, statt und zwar für Kinder und Jugendliche von 7— g Uhr. für Männ-r und Frauen van 8—10 Uhr abends. Spiele im Freien Mittwoch abends und Sonntags von früh 8 Uhr an im Stadtpark, Kaiserallee. Fußball- ! p i e l e r können sich den bestehenden Sportabteitungen im alten Ort, ixalensee oder Schmargendorf anschließen. Eingegangene Druckschriften. Die Wahl der Arbeiterausschüffe und der Angestelltenaus- schüfse. Von Dr. Hermann Schulz. 1,69 M.— Julius Springer, Verlag, Berlin. August der Starke. Von Alfred Schirotauer. Geh. 5 JH., geb. 6,50 M.— Verlag Rich. Bong, Berlin. Die Friedensidee. Von Hans Prutz. 3 JB.— Ein deutscher Arzt am Hofe Kaiser Nikolaus I. von Rußland. 7,50 M.— Verlag Dunckcr u. Humblot, Leipzig. Reichs-Wohnverficherung. Von Dr. jur. B. Schmittmann. 3,40 M. Verlag Ferd. Etike, Stuttgart. Wege zur Kulturbühne. Von E. L. Stahl. 1,50 M.— Beiträge znr Theaterkultnr-Beivegung. Von Gerst, Kämps und Pseiser. 1,20 M. — Verlag Eugen Dicderichs. Jena. Begäbiingsschnle». Von Dr. Max Apel. IM.— Vita, Deutsches VerlagShaus, Eharloltenburg. Tie Reismelde. Von Dr. A. M. Grimm. 40 Pf.— Verlag L. 23. Endcrs in Neutitschein. Sriefkaften üer Reöaktkon. St. 11. B. Unseres Wissens nicht angängig.— Wilhelm 43. 1. Der Vorgesetzte kann in der 9lrt über die Kontribulionsgelder und die Ucber- ichmie der Kantine verfügen. 2. Für dielen Abzug gibt cS keine Eni- ichädigung in bar.— C. 3. 15. Ihrer Frau muß die Unterstützung bis Ende des Monats gezahlt werden. Erbeben Sic Beschwerde nach dem ab- lehnenden Bescheid des Landratsamis an den Regierungsvrästdcnlen und verweisen sie darin auf eine Verfügung des Kriegsministeriums und des Ministers des Innern, wonach ohne Rücksicht auf den Grund und den Zweck der Entlassung den Familien der Heerespflichiigen die Unterstützung noch auf die Dauer eines balben Monats vom nächsten Fälligkeitstage an weiter gewährt werden soll.— N. N. 16. Nein.— S. Ä. 12. Ja. — K. 4. Diese ausländische Zeitung können Sie in der Goeihe- Buch- Handlung, Friedrichstr. 195. beziehen.— K. D. 33. Sie sind zur nach- träglichen Angabe der Veranlagungskommission gegenüber verpflichwi. Sie könnten sonst zu hoch zur Steuer eingeschätzt werden.— G. 3. 3. Landsturmpflichtig, Krankheiten des Ohres und Krankheiten der Unterleibsorgane. Je nach der Besserung Ihres Zustandes können Sie bei einer Nach- Musterung auch als K. L. gemustert werden.— P. M. 99. 1. Darüber muß mit der Firma doch eine Verständigung durch den Arbciierausschuß erzielt werden. 2. u. 3. Ja. 4. Dem kaufmännischen Personal steht davon nichts zu.— K. H. I. Die Entziehung der Löhnung und der Uvler- stüdung kann in diesem Falle eintreten. Sie müßten jetzt nach der Todes« erklärung Ihres Mannes Antrag aus Gewährung der Hintcrbliebencnrcnie stellen. Glück auf. Wann diese Jahrgänge entlassen werden, können wir nicht sagen, das liegt bei der Kommandogewalt des Kaisers.— M. K. 12. 3ltt das Generalkommando, zu dem der Truppenteil des Sohnes gehört.— K. W. 100. Kriegsausichuß für Kröß-Berlin, Linienstr. 83.— E. K. 33. 1. Der Plan wird sehr ernstlich erwogen, ob wegen der Kleingeldhamsterci nicht dasselbe ganz außer Kurs gefetzt werden soll. 2. und 3. Ja.— C. Th. 1. 1. Altersrente wird erst vom 65. Lebensjahre au gezahlt. In- vaiidenrente kann der Vater nicht beziehen, da seine Nnfallrente erbeblich höher ist als diese. 2. Die Mutter würde von der Berujsgenossenschnst, wenn der Vater infolge der dmch Betriebsunfall verursachten Krankheit stirbt, eine Hinterbliebenenrente bekommen, deren Höhe wir nur angeben könnten, wenn uns der Renienbescheid des Vaters vorli-gen würde.— E. F. 9. In Ihrem Fall wird mindere Bedürftigkeit angenommen, des- halb erhalten Sie nur einen Teil der Unterstützung. Wenn Sie dagegen jetzt arbeitslos oder krank sind, müssen Sie erneut Antrag aus Zahlung der vollen Unterstützung stellen.— Buch 101. Auch auf die staatliche Unter- stützuno besteht kein absoluter A-npruch, sie kann verweigert werden, wenn Bcdürstigkeit als nicht vorliegend erachtet wird. Da sich in Ihren Verhält- nissen nach Eingehung der Ehe nichts geändert hat, io kann Ihnen die Unterstützung veriveigert werden.— A. M., Weißenfee. Nein. — C. U. 4. Staatssteuer können Sie nur an einem Oric zahlen, dagegen zur Gemeindesteuer können Sie in Dresden und in Berlin verpflichtet werden.— A» L. 37. Zu dieser ärztlichen Behandlung können Sie verpflichtet werden.— F. F. 77. Nein.— H. R. 55. l. Ja. 2. Zuständig ist noch das Amtsgericht, und zwar im Wohnsitz des Beklagten, in Franl- furt a. O. 3. Wenn der Beklagte gegen den Zahlungsbesehi Widerspruch erhebt, jo müßten Sie in Franljurt jemand zur persönlichen Veitrctnng haben und dann wird sich wohl empfehlen, einen Rechtsanwalt zu nebmeu. 4. Der Anwalt muß beim dortigen Amtsgericht zugelassen sein.— F. M. 99. 1. Arbeitsverwendungsfähig für die He-.mat als Militär- arbeiler. 2. und 3. Ja.— Z. G. 300. Wenn Sie den vertrag nicht unterschrieben baben, sind Sie zur Zahlung nicht verpflichtet, der Kläu- biger lann dann nur Zahlung von Ihrem Manne verlangen— Zl. H. 22. Felddien stsähig, geringer Herzsehler. Dienftsöhig, Formverönderung der Füße. Landsturmpflichtig, Bruchanlage. Dienstsäbig, geringe Abweichung der Wirbelsäule. Landsturnipflichlig, allgemeine Körperschwäche.— Feld- grau 100. Der Kompagniesührer hat in gewissen Fällen das Recht dazu. — W. B. Geringe Schwerhörigkeit und Krampfadern, landfiurmpslichlia. —®. C. 40. Nein. Wetterausftchten für daS mittlere Norddentkitilaiiv vi» Mitwoch mittag. Trocken und vielfach heiter, nur im ösUichcn Küsten- gebiete stärker bewölkt, am Tage mild; in der Nacht zum Mittwoch wieder leichter Frost. © O w i'j G W W Unserem lieben Kollegen Herniaiin Scliwandt nebst Galtin zur silbernen Hochzeit die herz- lichste Gratulation. 45082 Das 3ch»iiedekollegtnin der Masfei-Schwarßkopff. werke Wildau. ZenlraiYBFliantl iler Zimmerer Deiilsctilands. Zahlstelle Berlin u. Umgeg., Bezirk 10. Xaclii-»?. Ten Berufsgeiwssen zur Nach- richi, daß unser Mitglied Karl Kollhoff infolge Herzschlags plötzlich per- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand gestern ans dem Georgen- Kirchhos in Weißensee statt. 253/17 Ter Vorstand. Tchmerzliche Erinnerung zum Sterbetag am 8. Mai 1910 an unseren unvergeßlichen neun- zehnjährigen lieben Sohn und Bruder, den Schützen Lruvo Gabronsky der als Opfer dieses Krieges im Kriegslazarelt verstarb. Die trauernde Fmuflie llnuzenede* verwitw. Gabronsky. Du warst rms're Hoffnung, Tu warst unser Glück, Du lehrest nie mehr zu uns zurück, Siehst nicht das gebrochene Mutterherz, Und nicht des Vaters bitteren Schmerz. Gingst nun so früh zur Ewigkeit. Was bergen die paar Worte iür tiefes, iiescs Leid. 4621 Dies alles ist Dir nun geblieben Vom Jngendienze vom Leben und Lieben Ruhe sonst. Dentseher Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Boden- grbeiter tsuxo �ieeske von der Firma Bartz u. Co., Kaiserstraßc, am 3. Mai im Zllter von 57 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Piuskirchhoses, Wilhelms- berg, Berliner Straße 31/32, aus statt, l Rege Beteiligung wird erwartet. Nsckruk. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industriearbeiter �äolk>Veidner »on der Firma Tcimler, Marien- selde, am 29.-April im Alter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken: Oie Bezirksverwaltung. Den Freunden und Bekannten des ehemaligen Schriftsetzers Guslav Emil Neumann habe ich die traurige Mitteilung zu machen, daß derselbe am 4. d. M. im Urtailkraiikenhause nach luoger Krankheit m Ilster buk 67 Jahrs» gestorben ist. Das Begräbnis findet statt am Mittwoch, den 9. d. M., nach- mittags 4 Uhr, aus dem Friedhos der Heiligkreuz- Gemeinde in Mariendors, Eisenacher Str. 62. l2347bj. J. A.: H. Müller. Beatseher Bauarbeiter-Verhaml. Zweievcrein Berlin. Bezirk Wedding. Jim 4. Mai starb unser Mit- glieb, der Maurer August Fleischer. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 8. Mai, nach- mittags 3 Uhr, ans dem Sebastian- Kirchhos in Reinickendorf- West, Hnmboldtstraße, statt. Bezirk Moabit. Zlm 5. Mai starb unser Mit- glied, der Hiissarb eiler Friedrich HadicKe. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3'l4 Uhr. aus dem Gemeinde-Friedhos m Stahnsdorf statt. Ehre ihrem Andenken! 145/13 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Schwiegermutter und Groß- mutier, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Belannten sowie dem Lotterievereiii„Geinüilichteit" und dem Herrn Waldeck Manasse für die trostreichen Worte am Sarge der Entschasenen unserenherzlichsten Dank. kiekartl Nölte ILA und Kinder. KOOO kleine Scltacliteln Kola-Dultz umsonst! loh möchte gern einem jeden, sier schwache Nerven hat, eine Probe meines Mittels zukommen lassen. Ks belebt die Nerven, regt sie an und beeinflußt dadurch dermaßen die Gesundheit, daß man sich bald so frisch, wohl und unternehmungslustig fühlt, wie man es von Natur aus sein sollte. Kola- Dultz soll überdies auch die Nerven in Anregung erhalten. Im eigenen Interesse eines jeden Lesers dieses Inserates, der erschöpfte Nerven hat, oder der leicht müde und abgespannt wird oder zu Kopfsohmerz und Schlaflosigkeit neigt, wünsche ich, daß _ er Kola-Dultz versuchen möge, und wahrscheinlich würde er dann bald wie viele andere sagen können Die Wirkung von Kola-Dultz ist geradezu überraschend! Die besten Nerven sind die, von denen man am wenigsten merkt. Kola-Dultz ist ein Freund der Nerven. Es ist angenehm im Gebrauch, und seine Wirkung ist eine Erfrischung. Kola-Dultz ist unschädlich und wird Männern, Frauen und Kindern empfohlen. Das Alter hat dabei nichts zu sagen. Bs ist ein Präparat zur Anregung der Nerven. Kola-Dultz ist überall am Platze, wo die Nerven nachlassen oder sich sonst unangenehm bemerkbar machen. Schreiben Sie mir sofort eine Postkarte und verlangen Sie Gratis-Kusendnng einer Prob es chachtel. Max Dultz, Berlin SO 33, Nr. 321. SpeztaUAtzt Dr. med. Kasche, Friedrichstr. 90 BeHandl. von SyphlllN, Haut-, Harn-.Franenleid.,ipej.chi'an. Fälle. Ebrlich-Sata-Knreii, schmerz- lose, kürzeste Behandlung ohne Be- rujsstörung. Blutuntersnchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 5— 8. sonnt. 11— L SpezTalarz! Dr. med. Colcmann f.Geschlechtskrankh., Haut-, Harn-, Frauenleid., nerv. Schwäche, Bein- kranke. Khrlich-Hata-Kuren (Dauci 12 Tage). Behandlung schnell, sicher u. schmerzlos oh.Berufsstör.i. Dr.Homeyer &, Co. konz. Labor, f. Blutunters., Fäden im Harn usw. Frieilrielistr. 81, Königstr.M, ÄS. Spr. 10— 1 u. o— 8, Sonnt. 10— 1. Honorar mäSig, auch Teilzahl. — Separates Damonzimmer.— Elektrolyt Georg Kirch hebt die Verdauung und fördert den Stoffwechsel. Wirft belebend auf den ganzen Organismus. Ein Versuch über- �eugt. Zn Pulver- u. Tableitenpackungen für 5i)pfg. bis 6Mk. je nach Quantum in den Apotheken oder direkt von der Ludwigs-Apotheke, München s, Reuhauferstr. S. kauft Pfd. 14 M. Andere Ware brauche idi nicht. 41322* Tasche, Berlin, Planufer 21. ReutersWerke ' 3 Bände 5 Mark. Buchhandlung Vorwärts «WV» Nächste Ziehung schon 9. bis 11. Mai. Strassburger Geld- Lotterie Erster Hauptgewinn Mark: �5000 Zweiter Hauptgewinn Mark; 30000 LOSeZüMJJO�Äerdet Eine leine ßanknotentasche mit 2 S rassli Eine leine Banknotentasciie ml 4 SM Rote Lotterie Gesamtw. der Gewinne Mark: 100 000 Erster Hauptgewinn Mark: 50000 Lose zu Ml- fost"ob u Liäte 33 Pf. außerdem. .u. 3 Rote+LosenM. 15.06. .n. 6 Rote+Losen 11.30.- einschheßlich Postgebühr und 2 Listen. Inh.| D nplin N0 Neue Königst. 86 , Schwarz) Del Uli SO 16. Neallllerstr. 38. Femsprecher: Amt Königstadt 1947. Telegramme: Schwarz, Berlin, Neuekdnigstr. 86. WWW» Ungeahnte Erwerbs- Nöglichheifea bietet die.„nächste Zukunft. Eine tiefgreifende Änderung unseres gesamten Wirtschaftslebens, ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie u. des Handels steht bevor, und es werden überall geschulte Krähe gesucht sein. Angehörige technischer Berufe a. Handwerker sollen nicht versäumen, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zeit anzupassen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbst- unterrichtswefke„Syst.Rarnacko Hacbfeld". 80 S. starke Bro- soliure kostenles. Bcnness& Hachfdd, Potsdam, Postfacii 167 Spczialarzt* 1 für alle Gescblechtskrankbeit., Syphilis, Harn-, Frauenleiden, Blutuntersuch., Ehrllch-Hata-Kur. Schnelle, sicher, schmerzlose Behandl. ohne Bcrufsstörung. Glänz. Erfolge. Mäßig Honorar. Sanitätsrat Dr. Müller. I Friedriclistr. 190,"one�rf prechstd. 11-1, 5-7, Stffs. 11-1. • Zeigen schon Terkault! Die Original ZlgnllSfä BereifllDg rur Fahrrüder ist neu, leicht und gefällig. Aufmoutieruiig eine Minute! In allen einschlägigen Geschäslen zu haben.* Standard Company, Berlin S, Kottbiiser Damm 91. Vertreter überall gesucht. ItosHim« wasserdichte Mäntel, Röcke, Wintermäntel, neueste Formen, beste Stoffe, gibt an Private Damenmäirtelfadrik Bilskl, Krausenstraße 30, Dönhoffpiatz. Korsetts! Außergewönllch günstiges Angebot! Noch von dauernaftem Stoff gearbeitete Korsette. Schnitt und Sitz hervorragend. Preis von 6 Mark an. Frau E. Krieg, jetzt Marti n-Luther-Str. kl. vorn"• zwischen Barbarowsustraße mtd Grunowaldstraße. Hr. 125— 1�17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts dienstag,e.Nai Die Schlacht im Kohlenbecken. Furchtbarer als je wütet die Schlacht um die Koblengruben, «ruf deren Rückeroberung es unsere Feinde mit ihrer neuesten Offen- swe vornehmlich abgesehen haben. Welchen eigenartigen Charakter der Krieg in dieser Gegend annimmt, zeigt der bekannte Schiach- tcnschilderer Suigi B a r z i n i im„Corriere della Sera" vom 27. April in einem lesenswerten Bericht: »Die Höhe von Bouvignh, die die ganze Gegend von Bethune bis Lens beherrscht, ist kaum erklommen, so verliert sich der Blick in der Weite des ungeheuerlichen, düstern und rauchigen Pano- ramas der Kohlenbecken, in denen die Schlacht wütet. Der Norden Europas ist von einer Kette von Steinkohlen- lagern durchzogen, deren schwarzer Reichtum in der Gegend von Aachen zum erstenmal überrascht, dann an Lüttich, Namur, Char- leroi und Möns cntlangstreicht, bei Välencicnnes in Frankreich ein» tritt, sich über Touai, Lens, Bethune in der Richtung auf das Graue Nascn-Kap nördlich von Boulogne erstreckt, unter dem Aermelkanal hindurchkriecht auf englischem Boden wieder auftaucht und das Insel- reich durchmißt, um sich schließlich in ungekannte Tiefen des Atlan- tischen Ozeans zu verlieren— ein fabelhafter starrer Strom von schwarzen Wellen, die dem Kriege gewissermaßen die Richtschnur gaben. In der Tat: Aachen, Namur, Charleroi, Möns, Douai, Bethune— das sind dieselben Namen, die das Bor- rücken der Deutschen bezeichneten. Ob hier ein ge- heimnisvoller Zusammenhang waltet?... Zwischen Bethune, La Bassee und Givenchy tobt der Kampf nun schon seit Jahren auf Kohlengruben, die in vollem Betrieb sind. Durch die Erde geschützt gegen die vernichtende Gewalt des Ka- noncnduclls, lebt hüben und drüben ein Volk von Bergleuten Taufende von Metern unter der Oberfläche in endlosen Stollen, die in der schauerlichen Stille der Abgründe, in dem düstern Schweigen der nur von Hammerschlägen widerhallenden unterirdischen La- byrinthe das kostbare Material herausschaffen, das den Widerstand verlängern helfen soll. Manch ein Stollen zieht sich bis zum Feinde hinüber, zahllose Hefinden sich unterhalb der Schützengräben. Der Tumult der Schlacht spielt sich genau über der unheimlichen Stille der rastlosen Arbeit im Innern der Erde ab. Angehört und unbe- merkt flutet Angriff und Gegenangriff über Sckiaren geschäftiger Arbeiter, die sich nicht stören lassen. Erst, wenn die Schicht wechselt und die müden Männern aus den Eingeweiden der Erde ans Tages- ncht emporsteigen, begrüßt sie auf ihrer Fahrt in die Höhe mit immer verstärkterem Getöse das Brüllen der Kanonen. Oben auf der Erde herrscht Grauen und Vernichtung. In gedeckten Lauf- graben, wie die Soldaten in der Feucrzone, eilen die Bergleute zu ihrem heimischen Herde. � Ihre Dörfer sind zwar verfallen, aber das iZ-amilienleben setzt sich in altgewohnter Weise unter der Erde Erdlöchern dringt der Rauch der unterirdischen Küchen. Von der Höhe von Bouvigny gesehen, glaubt man eine un- wahrscheinlich merkwürdige Stadt vor sich zu haben. Um jede Grube scharen sich Gebäude und Arbeiterdörfer, in ganz dem gleichen Zuschnitt erstrecken sie sich weithin in gerader Linie wie zum Manöver aufmarschierte Truppen. Kein Garten, keine Felder, kein Baum, nur kahles, schwarzes Land und zahllose Eisen- bahngleisc, zu deren Seiten sich riesige Pyramiden von glänzendem Schwarz aufrecken. All das eingehüllt in ein wogendes Meer von Rauch und grauem Dunst, der dem Ganzen eine trostlose Mono- tonie verleiht. Steigt man vom Berg, so hat man wenige Minuten später das bedrückende Gefühl, in all diesem Qualm zu ersticken. Leergebrannte Häuser, kohlige Mauerreste, die beklemmende Einsamkeit und die Starre des Todes, die der Krieg über Dörfer und Städte bringt. Die Deutschen bombardieren die Zugänge auf Lens. Das metallische Surren der Schrapnells läßt uns alle auto» matisch wie bei einer seltsamen Zeremonie den Kopf neigen. Wir suchen einen Durchgang in der Richtung auf Laos. Und plötzlich sehen wir mitten auf den die Straße versperrenden Trümmerhaufen Kinder spielen. Sie wissen den Kanonendonner von Freund und tfcinb zu unterscheiden und spielen mit Schrapnell. kugeln Murmel. Man ffihlt den heißen Atem der Schlacht über sie hinstreichcn. In einem Hause ist eine Schenke. In der kleinen Gaststube bockt im Pseifenrauch eine Gruppe von Bergleuten, die sich hier ernst, unbeweglich und schweigend mit einem letzten Gläschen zur isahrt in die Tiefe stärken. Dann klingen die Nickel auf dem Schanktiich und mit einem:»Daß Euch nichts passiert", als ob die Gefahr nur hier oben lauere, geht es durch den von Granatsplittern durchlöcherten Eingang zur Fahrt in die Tiefe. Die Kanonen donnern, die leeren Gläser auf dem Tisch klirren und tanzen. Ein alter Grubenwärter, der am Ofen sitzt, erzählt ruhig vom Tode einer Dorfschönen. Hatte sich gestern gerade ver- lobt. Ihr Bräutigam hatte das Aufgebot bestellen wollen. Da wollte sie ihn abholen gehen. Aber wie sie kaum auf die Straße trat, hat ihr ein Granatsplitter die Brust aufgerissen.»Genau an der Stelle, wo der Oberst starb," sagt der Alte.„Eine böse Ecke das," stimmt mit beiden Backen kauend der Gendarm zu.� Die Wirtin, die den Tisch für uns deckt, sagt nichts. Der Tod ist hier etwas so Alltägliches. Ein dumpfer Schlag. Steinhagel im Hof und ein Zischen und Sausen— das Bombardement setzt wieder ein.»Genau um die- selbe Zeit wie gestern," sagt die Wirtin, holt ihr Kind von der Schwelle und ruft den übrigen zu:»Messieurs, in den Keller. Hier chcrunter!" Bon oben poltern Schritte die Holztrcppe herab. Türen schlagen zu. und eine ärgerliche Frauenstimme schreit andauernd nach Streichhölzern. Der alte Wärter klopft seufzend seine Pfeife aus, der Gendarm wirft die Serviette über die Schulter, nimmt die Flasche in den einen, das Brot in den andern Arm und trägt be- hutsam seine dampfende Suppe in den Keller. Im nächsten Augen- blick ist das Haus leer. Das Leben vergräbt sich wieder. Das Dort wird wieder zur unbewohnten Ruinenwelt. Nur ein junger Mensch in Jägeruniform spaziert noch mit der Zigarette im Mund über die Straße.»Sind Sie hierher abkommandiert?" frage ich überrascht. „Nein," erwidert er grüßend,»ich bin hier zu Hause, um mal acht Tage in Ruhe und Frieden bei den Meinen zu verleben!"... Wenige Minuten nur, und wir stehen auf dem Schlachtfelde, Angres und Lievin zu unfern Seiten, vor uns Lens mit seinem dicken barocken Glockenturm, unter uns Skt. Theodor, Skt. Peter, Sit. Elisabeth, Skt. Emil, lauter kleine Grubcnstädtchen, die schon in ihrem Namen die Angst der hier lebenden, alle Heiligen um Ben stand bittenden Menschheit tragen, eine rußige, schattenhafte Land schaff, in der der Qualm der Schornsteine mit dem Rauch der Ex� plosionen ineinander fließt. Die Deutschen halten Lens, die Engländer Lievin, aber im Gewirr der Arbeitersiedlungen läßt sich nicht erkennen, wo sich die beiden Fronten trennen. Die Schlacht rast hier über Städte, die in den Ruhepausen zu neuem Leben erwachen. Ein paar hundert Schritt von uns donnert Sperrfeuer auf das Pflaster. Der Feind will alle Zugänge abschneiden. Alle zwanzig, dreißig Sekunden ein Knall, eine Explosion, Wirbel von Ziegelsteinen, die im Fall mit ihrem Staub die Rauchwolken blutig färben. Hin und wieder Stinkbomben, deren giftiger gelber Dunst minutenlang alles im Umkreis verschleiert. Aus Calonne kommen gruppenweise Leicht- verwundete, denen die rüsselförmige Gasmaske etwas Schauerliches gibt. Auch wir machen uns mit bereitgehaltener Gasmaske auf, nach Lievin vorzustoßen. Die Zone der Zerstörung nimmt uns aus. Wir wandern durch die gigantischen Ruinen zer- scho ssener Bergwerke. Die JSisengerüste, die sich über den Gruben aufbauen, sehen aus wie imSeegefecht schwermitgenommene verbogene Panzertürme. Man sucht sich seinen Weg zwischen Kohlen und geborstenen Eisenbahnschienen, in einer Welt von Trümmern jeder Beschreibung, durch Jrrgäng« von Laufgräben und Drahtverhauen und wassergefüllten Granattrichtern. Noch weiter vorn hat die Schlacht alles vom Erdboden rasiert. Von großen Industriestädten ist nichts anderes übriggeblieben als ein roter Haufen zermürbter Ziegelsteine. Wie Felseneilande ragen über dieser. wüsten See die gepanzerten Gipfel der beut- scheu Beobachtungsstände aus. Rollencourt. Hier lebt wenigstens noch em Echo von dem, waS war, stehen nochHäusergerippe. Von Keller zu Keller laufen die tiefen deutschen Verbindungsgräben, und die Straßenecken tragen noch Schilder. Wir kommen nach Lievin, das mit seinen öden, symme- irischen Straßen, an denen immer die gleichen Häuser sich ausreihen, beklemmend wie ein endloses Zuchthaus wirkt. Schon lange haben wir keine Stimme mehr gehört. In gähnender Oede tut sich eine Straße nach der andern vor uns auf. Der eingehämmerte Bahn- Hof scheint nur noch ein einziger, großer, verrußter Schützengraben voller verbeulter Waggons. Bon den Hügeln gucken kalkweiße Häuser wie erschreckte Zuschauerinnen mit weitaufgerissenen Augen. In der Richtung auf Lens lodert eine Feuersbrunst. Lens verteidigt sich. Sein Kirchturm verschwindet und taucht wieder auf aus Explosionswolken. Schwärme von Flugzeugen flattern darüber hin. Vier deutsche Fesselballons gehen einer nach dem andern in die Lüste. Hinter einem Hause flattert ruckweise ein« Fahne auf: irgend jemand gibt dort unsichtbaren Zuschauern Zeichensignale. Mitten in der Straße Gräberreihen: Tote von gester«. .?-lIIen in tke fight"(im Kampf gefallen" steht auf den Kreuzen neben Namen englischer Soldaten. Umgestürzte Flaschen liege« auf den frischen Hügeln. Sie bergen in ihrem Innern die letzte Post der Toten, die Briefe, die sie nicht mehr lebend erreichten. Wie Reliquien schimmern die Karten und Briefe durch das grüne GlaS, gute Gedanken der Lieben in der Ferne, mit denen diese Schläfer zur Ruhe gebettet wurden. Ein zärtliches Lispeln liegt über diesen einsamen Gräbern der verrußten Kohlenstadt, gleich einem stillen inbrünstigen Gebet."(z) ver Wert der Sommerzeit für Sie volksgesunüheit. Die Einführung der Sommerzeit hat sich im vorigen Jahre so trefflich bewährt, daß ihre diesjährige Erneuerung als selbst« verständliches Gebot erschien. Ihre Vorzüge praktischer und Wirt« ichaftlicher Natur liegen ja klar auf der Hand. Aber auch die Volks- gesundheit wird durch sie in reichem Maße gefördert. Darauf weist Professor H. Ehr Nußbaum in einem Aufiatz der„Umschau" hin. der zugleich für die Durchführung der„ununlerbrochencn Arbeilszeit", wie sie in anderen Ländern bereits üblich ist, eintritt. Der Hauplwert der Sommerzeit für die Gesundheit bestehr nämlich darin, daß der Menich, besonders der Städter, die bellen Tagesstunden mehr zum Auf« enthalt und zur Körpertäligkeit im Freien ausnutzt.. Dabei kann das Sonnenlicht seine stärkende Kralt ganz ausüben, die Bildung der roten Blutkörperchen anregen und das allgemeine Wohlbefinden beben. Dadurch, daß die dunklen Stunden in erhöhtem Maße der Ruhe gewidmet werden, ist der Schlaf tiefer und erquickender. Damit steht in Zusammenhang, daß das srühe Ausstehen und der rechtzeitiger eintretende Schlaf den verschiedenen Verufstätigkciten manche ihrer Nachteile nehmen und das Leben des Menschen, vor allem des Städters, naturgemäßer gestallen. Sodann werden durch die Sommerzeit die Augen geschont, da die Täligkeit seltener im Dämmerlicht und bei künstlichem Licht stattfindet. Mit der Sommerzeit sollte aber auch im Interesse der Volksgesimdbeit die ununterbrochene Arbeitszeit verbünden werden, weil sie ebenfalls zur naturgemäßeren Ausgestaltung unseres Daseins und zur besseren Verteilung von Arbeit und Ruhe beiträgt. Eine höhere Ermüdung ist gegenüber der jetzigen Lebensweise nicht zu fürchten, denn nichts strengt mehr an als ein durch weite Wege erkauftes Mittagsmahl ohne ausgiebige, darauf folgende Ruhe. Dies gilt für jede Art geistiger und körperlicher Tätigkeit. Freilich fordert diese Neu- eiiiteilung unserer Zeit für den Slädter auch eine Aenderung seiner Mahlzeiten. Das Frühmabl muß ausgiebiger gestaltet werden; für ein reichlicheres zweites Frühstück ist zu sorgen, damit die Haupt« Mahlzeit in die Nachmiltagsstunden nach getaner Arbeit verlegt werden kann. Die Neuregelung unserer Arbeitszeit würde es auch dem Großstädter mehr als bisher ermöglichen, an den Stadträndern, in Vororten und Dörfern zu wohnen, ohne daß Abhetzung in das Berufsleben kommt oder das Familienleben beeinträchtigt wird. Auch die dem Vergnügen gewidmete Zeil wird gesundheitlicher ge- staltet und bester ausgenützt. Gesellige Vergnügungen können früh« zeitiger beginnen und enden. Der Besuch von Theatern und Kon« zcrten wirkt weniger aufregend auf die Nerven, wenn er nach der Hauptmahlzeit erfolgt und das jetzt vielfach übliche späte Essen ver« mieden wird._ Das weichen der Schlafkrankheit. Neber die außerordentlichen Erfolge, die die Bekämpfung der Schlafkrankheit im tropischen Afrika zu verzeichnen hal, gibt der letzte englische RegiZrnngsbericht aus Uganda interessante Auf« schlüffe. Es ist ja noch nicht lange her, daß das Bekanntwerden dieser neuen Menschheitsgeißel allgemeines Entsetzen erregte und man ihren Verheerungen machtlos gegenüberstand. Ganz« Gebiete im tropischen Afrika wurden damals entvölkert. In den ersten zehn Jahren deS 20. Jahrhunderts forderte die Schlafkranlheit mehr als eine halbe Million Opfer In dem Ugandagcbiet allein starben im Jahre 1901 30 000 Menschen daran, und die Zahl der Toten erreichte bis zum Ende 1906 die Riesen« summe von 200 000. In neuester Zeit hat sich nun das Bild völlig verändert. Wie der englische Bericht angibt, der bis zum Ende 1915 reicht, betrug die Gesamtzahl der Opfer der Schlafkrankheit im Uganda-Reich im Jahre 1915 im ganzen nur 352, fast 25 Proz. weniger als im Jahre vorher. Die dichtbevölkerte Bugandaprovinz verlor im Jahre 1905 durch die Schlafkrankheit 8003 Menschen; im Jahre 1915 starben daran nur noch drei Opfer. Der britische Be« ncht vergißt aber bezeichnenderweise zu bemerken, daß es in erster Linie eine Tat der deutschen Wissenickaft ist, wenn jetzt so glückliche Erfolge in der Bekämpfung der Schlafkrankheit erzielt werden. Deutsche Gelehrte, vor allem Robert Kocki, sind es gewesen, die die Vorgänge bei dieser zunächst völlig geheimnisvolle» Krankheil auf- klärten und damit die wirksamen Waffen zu ihrer Niederzwingung in die Hand gaben._ Nottze«. —«in wahrer Goldtropfen. Zu förmlichen Phantafie- preisen steigen die seit einer Wocki« in Trier zur Versteigerung ge- langenden 1915er Weine. Ein fieberhaftes Kaufgebot und hastiges Ueberbieien machte sich im Saal bemerkbar.� Den bis jetzt höchsten Preis erzielte ein Fuder Piesporter Goldtröpfchen mit 23 610 M. Ein wahre?, goldaufwiegendes Tröpfchen, im Einzelverkauf wird die Flasche auf etwa 21 M. und das Glas auf 3,50 M. kommen. /lrbeiter. 10] Bon Stijn Streuvell. »Wirst Du jetzt nicht Deinen Bart abnehmen lasien, Ivo?" fragte Mause, die sich an das wilde Gesicht ihres Mannes nicht recht gewöhnen konnte. »Jin Dorf," sagte er und lächelte wieder so sonderbar. � Weiter oben kauften die Schnitter noch einiges Zuckerzeug imd sonstige Leckereien für die Kinder und einen großen Pfefferkuchen als Willkommgruß für daheim. Nun wollten die Weiber noch ein wenig herumgehen, aber nichts mehr kaufen. „Wir haben jetzt alle?, was wir brauchen," meinten sie, „und auf dem Dorfe find noch die Schulden zu bezahlen". Sie gingen weiter und schlenderten durch die lange Ge- schäftsstraße, von Fenster zu Fenster, in Gruppen oder ein- zeln, und riefen sich gegenseitig au. Sie waren die einzige» Spaziergänger in der Stille deS Vormittags, und die Schnitter mit ihren Familien wurden nicht mehr beachtet wie die Dörfler, die sonst Sonntags ihre Einkäufe in der Gemeinde machten. Niemand schenkte einige Aufmerksamkeit den Arbeitern, die aus der Fremde zurückgekehrt waren; weder Trommel noch Musik waren vorhanden, um die zähen Kämpfer zu empfangen, die drüben im fernen Lande die Ehre der flämischen Arbeitcr- rassc hochgehalten hatten. Der Bürgermeister war nicht mit seinen Räten erschienen, um sie zu begrüßen und zu ehren, keine Vereine waren aufgeboten, keine Fahnen entfaltet... die Schnitter hielten ihren Einzug ohne Feierlichkeit; niit ihren Zwerchsäcken auf dem Rücken zogen sie in Banden durch die Gemeinde, als minderwertiges Volk, und sie wurden nur beachtet und ges chätzt in den Läden, in die sie Geld brachten. Die Schnitter erwarteten auch keine anderen Ehren- bezeugungen, sie waren nicht daran, gewöhnt, und das einzige, was ihnen Lust bereitete, ivar der Genuß, Weib und Kinder wieder zu sehen und sie lachen zu hören, das Gefühl, wieder auf bekanntem Boden zu wandeln, die Bäume, die Häuser, die Steine zu betrachten, die ihnen jetzt als kostbare Dinge erschienen. weil sie alle diese vertrauten Gegenstände so lange entbehrt hatten. Was sie selber im jremden Lande»ejchajjt hatten, erschien ihnen nicht als etwas Außergewöhnliche?, oder vielmehr die Ursachen waren so gewöhnlich: einen höheren Lohn zu verdienen, als mit der Arbeit daheim verdient werden konnte, um dem Haushalt ein wenig aufzuhelfen—, darin lag denn auch der ganze Lohn für ihre zähe Arbeit und lange Abwesenheit. Durch welche Mühen sie diesen Lohn erlangt hatten, davon redeten sie weniger, das war jetzt schon vergessen— eS war ja immer das Gleiche: je härter die Arbeit, desto höher der Lohn, und daS Geld hatten sie ja nun bei sich! Andererseits, wenn man in Gesellschaft arbeitet, geht es viel leichter— jeder will seinen Mann stehen, niemand will zurückbleiben hinter seinem Nach- bar und man plaudert ein wenig dabei und denkt, wie man später wird sagen dürfen: an so und so viel Tagen haben wir so und so viel Hektar Weizen geschnitten! Schon daS allein gibt ein süßes Vorgefühl; ihr ganzer Ruhm ist darin gelegen und ihre Arbeitskraft wird dadurch ange- spornt— reicht auch dieses Ehrgefühl und dieser Stolz nicht über die Schnittergesellschaft hinaus— denn wer weiß denn sonst, was Schneiden bedeutet? Wer dentt an die Hitz-, an die langen Arbeitsstunden und an die Mühen des gleichmäßigen Schneidens, mit gebücktem Leib und gerecktem Hals, monatelang, alle Tage das gleiche?... Wenn ein Schuljunge zum Ersten ernannt wird, ein Schütze den ersten Preis nach Hause bringt, ein Theaterklub die beste Alifführnng eines Dramas geleistet hat. dann wird die Gemeinde beflaggt, dann läuten die Glocken, spielt die Musik und donnern die Kanonen und bewegt sich eine festliche Menge durch die Straßen... aber die Schnitter sind ohne Trommel und Pfeifen aus dem Lande gezogen, drei Monate lang haben sie drüben in Frankreichs Feldern gefochten gegen die llebermacht des Korns, daS sonst wegen Mangels an starken Armen aus dem Felde verfaulen müßte; sie haben den großen Grundbesitzern aus der Arbeiter- not geholfen, sie haben bei Nacht geschnitten, um die Kühle auszunutzen und bei Tage dazu, weil sie die Sonne nicht fürchten und keine Zeit verlieren wollen. Die Schnitter kehren zurück und bringen das Nötige für ihre Familie mit, sie halten ihren Einzug und alles bleibt still in den Straßen, kein anderes Geräusch, als das, das sie selber machen, nachdem sie endlich wieder ihren Durst ge- löscht haben an dem flämischen Bier, das sie drüben so schwer eiitbchrt haben; kein anderer Festton als der, wenn sie selber laut ihre Freude äußern, weil sie ehrlich ihre Aufgabe erfüllt haben, wovon die Silberlingc zeugen, die sie auf der bloßen Brust tragen und die sie so freigebig wieder verzehren werden. Der Rest de?„Treks" mit der Harmonika ist mit dem Zuge weiter gefahren, und an jeder Station in ganz Flandern wird er halten, um eine Schar herauszulassen, und an diesem Sonntag wird eS überall daS gleiche sein: wie Landstreicher ziehen sie durch die Straßen und gehen dann weiter landeinwärts nach ihrem Dorf oder Gehöft, wo Weib und Kinder die Begrüßung besorgen. Ivo dachte daran nicht mehr als die anderen Kameraden au? der Gesellschaft. Sie waren allmählich still geworden, nun sie außerhalb der Häuserreihen auf der offenen Land- straße dahinstapsten. Ivo fühlte sich unbehaglich, er war. nach dem großen Geräusch und der lauten Lustigkeit noch nicht an diese Sttlle gewöhnt— ihm fehlten die Gefährten. Dieser Abschied war so unerwartet vor sich gegangen und er bedauerte es, daß sie fort waren— oder vielmehr er empfand den großen Unterschied, den der Uebergang hervor» gerufen. Vor ihnen lag die lange, eintönige Straße, die sie zurücklegen mußten, sie zog sich mitten durch die ebene Flur. Der Himmel blieb einförmig grau und der Wind hatte stch ver- stärtt und blies schärfer aus dem Westen über die öde Land- schast. Nirgends war ein Mensch zu sehen; die Felder lagen einsam da, und die letzten Wege hatten die Feldwege ver- schlämmt und undegehbar gemacht. Der Trupp lief lvie eine Schar Flüchtlinge über die Straße. Die Kinder stöhnten vor Müdigkeit oder Hunger; die Weiber mit den Kleinsten auf dem Arm und den anderen an der Hand oder am Rock erhoben laut ihre Stimmen, doch die gemachte Fröhlichkeit klang auf die Dauer doch ein wenig falsch; aber sie hielten aus, um die Männer etwas zu er- mutigen, die nun plötzlich alle Lust vergessen zu haben schienen; sie gingen still nebenher und machten nur hin und wieder eine kurze Bemerkung über das, was sie auf der Straße sahen. Alle Wärme ivar verschwimden, seit sie von den anderen fort tvaren, und die Freude, die sie sich angetrunken hatten, schien gänzlich verflüchtigt zu sein. „'s wird sich ändern," sagte Mause zu Emma,„wart' nur. bis sie heimkommen, und abends in den Kneipen, da kannst du was hören I"(Forts, folgt.) Direktion Max Reinkardt. JReiitsche« Theater. T'/t Uhr: Der<»eizl{jc. Mittwoch: Der Geizige. Kam in erspiele. 71/, Uhr: Fasching. Mittwoch: Fasching. Volksbühne. Theat. a.Bülowplatz. 71/, Uhr; Volk in Not. Mittwoch: Volk In Xot. Theater i. d, Königgräfzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. 7'/, Uhr: Arlur Schnitzler-Abend. Komödienhaus 7'/,: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7'° Uhr: Die tolle Koniteli. Sessing-Theafer. 71/, Uhr: Dadame I.egros. Mittwoch: Madame I.egros. Donnerstag; Peer Gynt. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 71/« Uhr: Der Kammersänger. Domlesse Mizzi. I. Klasse. URANIA Tanbenstraße 48/49. 8 Uhr: Direktor Franz Goerke: Heimatland und Heimatliebe. Theater für Dienstag, den 8. Mai. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 7 uhr: Der Troubadour. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 7'/.uhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. 7% uhr. Ehe-Urlaub. Kleines Theater 7'/,u.: HaDs im Sehnakenloeli. Komische Oper 20 Min.: lük Dose Sr. Majesföt. Lustspielhaus '/«SUhr: Die blonden Mfidels vom Dlndcnhof. Neues Operettenhaus Schiffbd, 4a. Kassentel.: Kord. 281. 7'/.u.- Der Soldat der Marie. Metropol-Theater 20 Min: Die CzardasfOrstin. Residenz-Theater tu n. Die Steiner-Mädels Schiller-Theater O T-f, u.: Der Tarif. Sganarell. Schiller Th. Charlottenb. z.'i.Maie: UM ünd Bertram Thalia-Theater 25 Ann.: Das Vagabundenmädel. Theater am Bloilendortpl. 3 Uhr: Die Walküre. 7v.u.: Die Gulaschkanone, Theater de» Weaten» ti.v.: stolze Thea. Trianon Theater Giünbiger. Die Hochzeitsreise. 8 Uhr: Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 71/, Uhr. 7»/, llbv: Taö nruc Mni-Progr. Hervorragende Tpeziilitäten. 8'/, Uhr: Stürmischer Beifall. Gros/er Heiterkettserfolg Menn's Mnilüsterl weht. Koimtag 4 Uhr:'»e gute Idee. V olgt-Theater. Badstr, 68. Badstr. 58, Täglich: Das rote Schloß. Sonnabend, den 12. Mai: Benefiz für K. Nehrke: Mein Herzenstritzi. Eröffnung O'/a. Ansang l'/a Uhr. RosesTheater, vi, Uhr: Das Findelkind. Waihalia-Theater. vi, Uhr: Der fidele Bauer. NATIONAL-THEATER. Köpenicker Str. 68. Tägl.'(.8 Heiratsfleber. Posse mit Gesang u. Tanz In 3 Akt. Musik von Walter Bromme. Reue Ausstattung! Reue Balletts! Vorverkauf ab 10— 2 u. ab 6 Uhr abds. Tägl. Tlr Sonnt. 3'/, n. 71/jUhr: Das ncäe Mai-Programm. Geschw. Diek, Alf. Geißler, Hubertus und Utlaw, Leo Rauch, Zum Schluß: Riesen- Pracht-Wasser-Pantomime Die versunkene Stadt Mal- Spielplan: 3 Oincinnatis Jongleure. Pritzi Welser Sängerin. 2 Zellas Trapezakt. Paul ochelden Zauberkünstler. A. und B. L a n o s Exzentriks. Sylvia Herzig m ihren Tänzen. Raimund-Trio musikalischer Akt. 4 Claires ßfaches Keck. R i b 1 o mit seinem Wunderimnd. Gastspiel Rudolf Nelson Käte Erholz-Neison V ortragskünstlerin. Em« Älberti u. Trade Dusedann lebendes Lied. Trude Troll u�KurtPuß Tanzduette. Paetzold-Truppe komische Radfahrer. Kinematograph. Gastspiel der SCilllßTSCCF mit Xaver Terofal. VI,: 's Liserl von Schliersee. Morgen dieselbe Vorstellung. Sonntag, 13. Mai, 3'/, Uhr: Almenrausch und EdelweiS. Zirkus A. Schumann Heute und täglich T'/j Uhr: Das glänzende Mai-Programm. Sabero W Das große Experiment Oer Mord! Die Entlarvung des Täters! f fk Außerdem-g gk Attraktionen AVP und Bie Seeräuber. Reielishallen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret M„Feld' grau" Anfang 7'!, Uhr. BBEPRICU5TR-AN• OER. KOOIST*. Allabendlich 71/a Uhr: Das vielseitige Variete-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr geöffnet H.Pfau, ßanilagist Direksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alexanderpiax und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkaffen ™ y einer Ijeibbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Maßanfertigung sowie Bruchbandagen Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin R, Lothringer Str. 60." Lieferant für Krankenkassen. Lungen- kranke. Verlangen Sie Prospekt. Manltütsrat Dr. Weise's Ambulatorium, Berlin 116, Wilhelmftrafie 96. Sprechst.: 9—10-/,. 3-i1/,. Viktoria-Theater Kottbuser Str. 6—7 Täglich: |üntpers.Leit.v. Rich.Oswaldl I Der groiicKnltnrHIni E Ss werde Seht 5 Akte von Rieh. Oswald und Lupu Pick. Mit Unterstützung der] Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- j schlechtskran kh eiten. Regie: Rieh. Oswald. Hauptrolle: Bernd Aldor. Vorh.: D.»ollst, neue, glänz. Spezialltaten-Progr. Beginn;'/s® u. 8 Uhr. Zar Ausfcheidung aller scharfen nnd kranken Stoffo aus Blut und Säften, gegen Blutverdickung- Blutandrang, rotes Gesicht, Hautunreinigkeiten ist mein B1 n treln I g an g s p u I v er Saltarin seit über 25 Jahren wirksam erprobt. Versand d. Nachnahme Otto Reichel, Berlin 43 isenb2hnstr.4. iriier- llrrmoltunfifiöfüf Keriin. N 54, Finikitkr. 83 Geschäftszeit von 9—1 Uhr und von 4—7 ilhr. Telephon: Amt Norden 185, 123g, 1987, g714. Achtung! Achtung! Mitglieder des Metallarbeiterverbandes! Die nächste ordentliche Generalversammlung der Verwaltungsstelle Verlin findet am 1«. In»! d. I. st»«. Anträge hierzu müssen bis zum 28. Mai in Händen der Ortsverwaltung sein.' 174/13 Die Drtsverwaitaiig. Verband der Saltler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 10. Mai 1917, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshaus, Engelufer 13: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. TeschäftlicheZ. 2. Bericht und Abrechnung vom I. Ouarlal 1917. 3. Beschlußfassung über den Antrag der Militärbranche:.Versamm- lungen nicht mehr im.Vorwärts' zu inserieren". 4. Verschiedenes. NM- Chne Mitgliedsbnch kein Zutritt."WS Die Versammlung wird Pünkilich um 8 Uhr eröffnet. Wir ersuchen daher um vollzähliges und rechtzeitiges Erscheinen der Mitglieder. � 160/6 Tie Ortsverwaltung. Verkäufe Leihbaus Warschauerstrape 7. Pelz- garnituren I Neue Herrengarderobe! Beiienverlauf! Piüschdecken I Uhren- verlaus I Schmucksachen! Wand- bilder! Silbertaschen I Allerbilligste Preise!__* Teppich-Thomas, Oranienstr. 44 spottbillig iarbieblerbafte Teppiche, Gardinen. Vorwürislejern 5 Prozent Erlrarabat:. 64' Leihhaus Rosentaler Tor, Limenstraye 203/4, Ecke Roienthaler- ftratze, verlauft neue Herrengarde- roben, Pelzstoias, Muffen. Goldene, silberne Herrenuhren, Damenubren, Ketten, Schmucksachen, Brillanten Aus Uhren dreijährigen Garantie- schein. Eigene Werkilatt. 18151� Kostüme, Covertoats, Seiden mäntel, Sportjacken, Setdenblusen, Glockenröcke verkaust Falk, Chaussee- straffe 43, eine Treppe, kein Laden. Sonniags geöffnet._ 226K* Legehühner, Hähne, Glucken mit Kücken, Einzeltücken, Entenkücken(Pe- fing), Gänsekücken, Glucken, alles eigner Brut, viele Dankschreiben, ver- kaust Groffzüchiere! Beriin-Wriheims- berg, Weiffenseer Weg 44. Straffen- bahn Nr. 164, 168. 2265«