Ar. ISS. 34. Jahrg. NdooaemevU-SttNngilns«,: «bonnementS- vre«» BieKeljäbtl 5.90 MI. mortatt LSO SRI, wochenllich 80 Pig. rici m» Hau». einjrtne Kummet 5 Psg. Eormtag»- rtununet mtl ifluftncttet Somuag»« Beilage.Die Neue Well'>0 Big. Voll- »lbonnernent: l.ZO Mar! vra Mona«. ieingerragen in die Pos«. Zeitung»« vreisliiie. Unter Kreuzband für Deutildland und Oeslerreich. Ungarn 9,00 Marl, für da» übrige Ausland » Marl vr» SRonat. Bostabmmement« nebnien an Selgien. Dänemarl ' olland, Italien, Luxemburg, vorwgal. Schweden und die Schweis vlcheliil Sallch. Verlinev Volksblakk. ( S pksnnlg � die laleNioaz-Sedlltze beträgt für die fechsgefdaltrne Kdlonel« «eile oder deren Raum 60 vfg.. für politische und gcwerllchaftliche Verein»- Und Versammlung»- Slnzeigen SO Pia. »Klein- Znreigen", da» icilgedruckie' «ort ZO Psg. izulälstg S fellgcdrucki« kortel. jede» weitere Wort lO Plgi Eiellengesuche und Schlailiellenar.- «eigen da» erste Wort lO Pfg.. jede» weitere Wort SBfg. Worte über l5 Bück- Ilaben zählen«ür zwei Worte. Inscroi e süc die nächste Nummer müssen d>» t 11 br nachmittag» in der Sxvedition »bgegeben werden. Die Expediiion ijt dt» 7 Uhr abends gcoljnet. Delegramm-Adreflei »tili»- �entralorgan äer tozxzldemokrutitchcn Partei Daittchlands. ReÜaktion: Ew. HS» Linöenstraße Z. ssernivrecher: Amt Morttzvlat». Str. lSI SV— 151 97. Mittwoch, den 9. Mai 1917« Expedition: Ew. HS» Lindenstraße 3. Sjernlprecher- Amt Moritzvlatz. Str. 1S1 S0— S7. fresnoy ift zurückgewonnen. Bei Arras Kämpfe um Roeux und Bulle- court— In der Mitte Fresnoy zurück- gewonnen— Ringen bei Craonne und Prosnes— Großer Augriff im Cerna- Bogen gescheitert— Im April verlor der Feind 3 GS Flugzeuge. Amtlich. Große? Hauptquartier, den 8. Mai 1917.(W.?. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. An der Arrasfront hat sich der Artillerickampf weiter ver- stärkt. Feindliche Angriffe auf den Schloßpark von Roeux und unsere Stellungen zwischen FontaineS und Rieucourt wurde« blutig abgewiesen. Bei Kämpfen um den Besitz von Bullecourt verblieb dem Gegner der Südostrand des Dorfes. Heute morgen stürmten unsere Truppen FreSnoy und hielte« den Ort gegen englische Wiedererobcrungsversuche. Heber 200 Gefangene und 6 Maschinengewehre sind bisher eingebracht. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Schlachtfeld der Aiöne flaute nach dem heißen schweren Ringen der letzten Tage die GefechtStätigkeit gestern stellenweise ab. Zu größeren Kämpfe« kam eS tagsüber noch nördlich von Cravnelle, wo dir Franzosen sich in erfolglosen, verlustreichen Angriffen bemühten, uns die Höhenstellungen zwischen Hürtcbise Fine. und Craonne zu entreißen. An keiner Stelle hatten sie Erfolg. In den Abend- und Nachtstunden erfolgten gegen mehrere Stellen der Front von Bauxailloa bis Corbcn» feindliche Teil- Vorstöße, die, abgesehen von geringem örtlichen Erfolg der Fron- zoscn westlich von Craonne, gegenüber der tapferen Verteidigung überall scheiterten. Bei La Neuville leitete nachmittags starkes Artilleriefeuer eincu erfolglose« feindlichen Angriff gegen die Höhe 190 und unscre anschließende» Gräben ein. In der Champagne bekämpften sich die Artillerie« mit zu- nehmender Heftigkeit. Ein gegen die Höhe« nördlich von ProSneS beabsichtigter französischer Angriff kam in unserem BernichtungS- fcucr nur gegen Keil und Pochlberg zur Entwicklung. Vorüber- gehend eingedrungener Feind wurde in feine AnSgangSstellung zurückgeworfen. Heeresgruppe Herzog Sldrecht. Keine besondere« Ereignisse. Am 7. 3. büßte der Feind 20 Flugzeuge ein. Leutnant Beruert schoß seineu 27., Leutnant Frhr. von Richthofe« seine» 20. Gegner ab. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Mazedonische Front. Zwischen Ochrida- und Prespa-See wiesen Oesterreicher und Türken feindliche Vorstöße blutig ab. Im Cerna-Bogen erfolgten gestern nach zweitägiger starker Artillerievorbereitung die erwarteten feindliche» Angriffe aus einer Frontbreite von 8 Kilometer, die dank der Hervorrageaden Haltung der verbündeten deutschen und bulgarischen Truppen ad- geschlagen find. Heute morgen hatte» uene Borstöße von Franzosen, Russen und Italiener dasselbe Schicksal. Westlich des Barbar und am Dojran-See entfaltete die feindliche Artillerie eine über daS gewöhnliche Maß hinausgehende Tätigkeit._ Im Monat April büßte der Gegner 362 Flugzeuge und 29 Fesselballone ei«. Bon erstercn sind 299 im Luftkampf ob- geschossen. Wir verloren 74 Flugzeuge und 10 Fesselballone. Der verflossene Monat zeigt die deutschen Luftstreitkräfte auf der volle» Höhe ihrer Leistungsfähigkeit. Während»nsrrr Ab- wehrmittcl mit Erfolg bemüht waren, ruchlose feindliche Bomben- angriffe auf die Heimat abzuwehren, stellten die schweren April- kämpfe die höchsten Anforderungen an die im Felde befindlichen Flieger, Fesselballone und Flugabwrhrkanonrn. In täglicher enger Zusammenarb eft zeigte» fie fich ihnen gewachsen. Unsere Bombengeschwader zerstörte« wichtige militärische Anlage», unsere Luftaufklärung brachte der Führung wertvalle Nachrichten.. Opfcrvvllcr' Einsatz unserer Flieger auf dein iGefechttfelde/ unterstützte die schwer kämpfende Infanterie und Artillerie in vor- bildlicher Weise. Der Erste Genrralquartiermrister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, amtlich, 8. Mai abend». Bei trübem Wetter mit Regen flaate die Gefecht»- tätigkeit heute sowohl bei A r r a s, wie auch an der A i s n e wesentlich ab. Der österreichffche Bericht. «ii«,8. Mai 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Lage überall miverändert. Der Stellvertreter des Chefs dt» GeneralflabeS «. Hoefer, Fcldmarfchallcutnant. Jort mit Sem§ 153! Tie Sozialdemokraten baben im Verfassungsausschuß' dieAufhebungdesß 153 der Gewerbeordnung beantragt, der lautet:„Wer andere durch Anwendung korper. lulien Zwanges, durch Drohungen oder durch Ver- r uf s erklär ungen bestimmt oder zu bestimmen ver- sucht, an solche» Verabredungen(„zum BeHufe der Erlangung gunstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen�, § 152 der Gewerbeordnung) teilzunehmen, oder ihnen Folge zu leisten, oder andere durch gleiche Mittel hindert ober zu hindern versucht,, von solchen Verabredungen zurückzutreten, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetz nicht eine höhere Strafe eintritt/' Auch die„Frankfurter Zeitung" forderte jungst die so- fortige Aufhebung dieses Paragraphen mit der Begründung, daß er für unser Gerechtigkeitsempsinden besonders u n g c- h e u e r I i ch sei, geradezu verheerend gewirkt habe und die treibende Kraft für manche Ausschreitungen getvesen sti, die sich in der Vergangenheit ereignet hätten, so daß es für die moralische Kraft unserer Arbeiterbewegung zeuge, luctiit ste trotz dieser eigenartigen„Rechtsordnung" es fertiggebracht habe, aus jener Periode herauszukommen. Diese Achs- führungcn haben die„Kreuz-Zeitung" in die hellste Wut per- setzt, sie«Mickt eine zwar unbeabsichtigte, aber um so höhnendere Selbstironie darin, daß man eine Verbesserung Vorbereitungen für Stockholm. Zur Stockholmer Internationalen Konferenz delegiert die Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch. landZ die Genossen Legten, Bauer und S a s s e n b a ch als Vertreter der deutschen Gewerkschaften. . Der. Stockbolmer Korrespondent des.Social-Demolraten' de. peschiert: Das Komitee hat eine Erklärung erlassen, worin verschiedene schwedische Pretzgerüchte über das Hinstreben nach einem Sonderfrieden entschieden dementiert werden. Die Arbeit des Komitees ziele entschieden auf einen allgemeinen dauern« den Weltfrieden. Die Absage Vanderveldes gibt selbstverständlich zu allerband Elörterungen Anlast, aber man inistt der Aeusterung keine größere Bedeutung bei. Wie ein Mitglied des Komitee? ausführt, hat Vandervelde seit Ausbruch des Krieges an der Arbeit der Internationale nicht mehr teil genommen. Als Mitglied einer Regierung eines krieg. führenden Landes nimmt er selbstverständlich jetzt eine andere Stellung ein, als dies früher der Fall war. Es bestand wohl kaum die Absicht, dast er sich an der Bermittlungs- tätigkeit des Komitees beteiligen sollte. Dies must selbstredend von den neutralen Sozialdemokraten unternommen werden, und in- wieweit er oder andere Belgier nach den Vorbesprechungen an der Konferenz sich beletligen werden, kann wohl kauin durch die Neuste- rungen Vanderveldes in einem Blatte als entschieden angesehen werden. H u y s ni a n S erklärte, dast Vanderveldes Auslastung aus einem Zeitpunkt stammt, wo die Form der Konserenz noch nicht be- stimmt war. Auch die Einladung war damals noch nicht ergangen. Erst jetzt«st sie in die Hände Vanderveldes gelangt. Insofern die Arbeit der Konferenz zum Frieden biniühren soll, würde es ziemlich undenkbar sein, dast die Belgier eine solche Tätigkert nicht gefördert haben möchten. Die„Deutsche Tageszeitung' fordert die Regierung aus, den deutschen Delegierten die Pässe zu verweigern, und sie begründet diese Ford««!?, fcumt da» Branting tum den m Stockholm versammelten Mitgliedern des Internationalen Bureaus zum Vorsitzenden gewählt worden ist. Die deutschen Delegierten, die sich„mit Branting an einen Tisch setzen', zeiht das Blatt des Landesverrats. Wenn der Versuch, sich mit Gegnern zu ver« ständigen, Landesverrat ist, dann ist der Frieden höchster Landes- verrat, und auch die Regierung, die den Gegnern FriedenSverhand- lungen angeboten hat, gehört dann ohne weiteres ins Zuchthaus. Wir bedauern die Leute, die den bekannten Herrn, der die. Deutsche Tageszeitung' täglich vollschreibt, noch ernst nehmen. * vom Parteivorstand wird unS geschrieben: Im Lande wird das Gerücht verbreitet, die Partei habe auf die Regierung ein- gewirkt, damit den Vertretern der.Unabhängigen' keine Päste zur Reise nach Stockholm ausgestellt werden. Selbstverständ- lich handelt eS sich um ein Märchen, das aber für die Kampf- Methoden gewisser Leute charakteristisch ist. Viplomatisthe Minen gegen Stockholm. „Nationale Zurückforderungen." Paris, 7. Mai.(Meldung der Agence Havas.> Die Jntcr- parlamentarische Konferenz der alliierten Länder hat heute ihre beiden letzten Sitzungen abgehalten; sie hat festgestellt, daß über die behandelten Fragen volles Einverständnis herrscht, und einstimmig folgende Tagesordnung angenommen: Die Mitglieder der Interparlamentarischen Konferenz der alliierten Länder stellen am Schlust ihrer vierten Tagung fest, dast bei ihren Arbeiten sich volle Einmütigkeit bestätigt hat hin- sichtlich der Wege, die eingeschlagen werden müssen, um das diplo- malische und militärische Vorgehen der Alliierten einheitlicher und wirkungsvoller zu gestalten, ihre Verpflegung zu sichern und so ihre Kräfte auf den höchsten Stand zu bringen. Angesichts der »tuen Form pazifistischer Machenschaften der Mittelmächte betonen die Mitglieder der Konferenz von Neuem ihren einmütigen Willen, nur einen Frieden anzunehmen, der zugleich mit dem Erfolge ihrer gerechtfertigten nationalen Zurückforderungen den Sieg der Freiheit und des Rechtes m der Welt sichert. antwortlichsten aller Ausstände getreten seien und so den gewissenlosen Mißbrauch des Koalitionsrechts anschaulich, gemacht hätten. Das konservative Organ macht für den Aus- stand die Gewerkschaften verantwortlich, obwohl selbst Graf Westarp im Reichstagsausschuß seine Vorwürfe gegen den Metallarbeiterverband zurückgenommen hat und die Regie- rungsvertreter anerkannt haben, daß die Gewerkschaften alles getan haben, um das Frevelhafte des Spiels mit dem Feuer den Arbeitern klar zu machen. Die Gründe für das fortdauernde Herumreiten auf den zwei Streiktagen liegen klar zutage. Man braucht nur die fast täglich sich findenden versteckten Andeutungen über die Iis angeln de Energie der Regierung gegenüber den Streikenden in einem bekannten, von der Schwerindustrie abhängenden Berliner Lokalblatt nachzulesen. Tie dem Groß- Unternehmertum besonders unbequeme Neuorientierung auf dem Gebiete des Koalitionsrechts soll mit allen Mitteln ver- hindert und zu dein Zwecke der peranttvortlichc Leiter der Regierung beseitigt werden, der noch in seinem jüngsten Er- laß gegen die Streiks in der Rüstungsindustrie von den b e- währten Berufsorganisationen der Arbeiter zu sprechen gewagt hat. Zieht mau aus diesen Worten des Reichskanzlers die Folgerung, so ergibt sich ohne weiteres der glatte Fortfall des 8 lk'3 der Gewerbeordnung. Es. ist durchaus unrichtig, toenn die„Kreuzzeitung" Wesen und Inhalt des§ 133 dahin zusammenfaßt, daß er ein Schutz der Koolitions f r e i h c i t derer sei, die sich dem Koalitionszwange des organisierten Ausstandswillens nicht unterwerfen, vteluichr ihr freies Selbstbcstiiniiiuugsrecht behaupten wollen. Das sind für den politischen Tagcskampf geprägte leere Schlagworte. Die Grenzen, innerhalb dereii in die Entschlußfreiheit des einzelnen von niemandem einge- griffen werden darf, stecken gewisse Vorschriften des Bürger- licheu Gesetzbuchs und vor allem das Reichsstrafgesetzbnch ab. Was hier nicht verboten ist, gilt als erlaubt, lind die Ten- dcnz der modernen Gesetzgebung geht dahin, im Wirtschaft- licheu und gesellschaftlichen Kampfe diese Grenzen immer enger zu ziehen, die schraukeulosc Betäligung des Sander- Willens und Souderintercsscs gegenüber den gemeinsamen gntcresseil des Standes oder Berufes zurücktreten z» lassen und den Egoismus vor dein in den Organisationen, Kar- tcllen, Konventionen, Syndikaten sich verkörpernden Gesamt- willen zu beugen. Das staatliche Recht mußte hier im Iir tercssc der Ordnung der Produktion der gesellschaftlichen EntWickelung, der zu dienen die einzige Aufgabe des Gesetzes ist, im Lauf der Zeiten immer größere Konzessionen- machen. •So erklärt es sich, daß den großen.Kartellen in ständig wachsendem Maße das Recht verliehen wurde, den des Gemeinsinns baren Berufskollegen, der unter den. vom Kartell festgesetzten Preisen verkauft und dadurch Schmutz- konkurrenz treibt, in Verruf zu erklären und mit.schwer»! wirtschaftlichen Nachteilen zu belegen. Die gleiche Befugnis gewährt das Gesetz dem Jnnungsvorstand gegen den die Standesanschauung verletzenden Jnnungsmeister. Ja der Staat geht hier so weit, daß er die Verrufserklärung direkt begünstigt. Die vom Jnnungsvorstand verhängten, die Pcu- rufserklärung aussprechenden Ordnungsstrafen sind sogar per richterlichen Nachprüfung entzogen. Dein betroffenen In« nungZmeffke? skeN Te�tgticft Mg dec Vekwc>5tungsl>e- schwerde offen. Unter gewissen Voraussetzungen ferner.kann der Beitritt zur Innung erzwungen werden, aus der Er- wägung berauS, daß der Zusammenschluß der Berufsgenossen und Wirtschaftsverwandlen zur Erreichung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen eine von der Moral geforderte Handlung sei, der das Gesetz staatlichen Nachdruck verleihen müsse. Staatlich organisierte Bcrufsklassen, wie der Ossi- ziers-, der Beamten-, der Rechtsauwaltsstand, dürfen mit Ehren- und Geldstrafen, sa mit Ausschluß aus der Gemein- schaft gegen Mitglieder vorgehen, die für Standes- oder Be- rufsehre Verständnis oder guten Willen vermissen lassen. Auch der Arbeiter darf den Kollegen des Verkehrs für un- würdig erklären und in Verruf tun, der in politischer, mora- lischcr oder sonstiger Beziehung gegen die Anschauungen seiner Klasse sich vergebt. Nur dürfen diese Anschauungen keinen wirtschaftlichen Beigeschmack haben. In diesem Falle ist es bei Vermeidung von Gefängnisstrafe verboten, das Standes- und Klassenehrgefühl als Kampfmittel im Wirt- ichaftlichcn Streite anzurufen. Und weil dies so ist, ist der lZZ der Gewerbeordnung ein ivirkliches A u s n a h m e g e- s e tz gegen die Arbeiterklasse. Es soll gar nicht geleugnet werden» daß der Ausdruck Ausnahmegesetz bisweilen zu demagogischen Avecken mißbraucht wird. Ein besondere Verhältnisse regelndes Sondergesetz ist darum noch kein Ausnahmegesetz. Auf den Z 153 aber trifft diese Bezeichnung durchaus zu, da er eben eine Handlung nur deshalb, weil sie zu Zwecken des gewerblichen tlohnkampfes vorgenommen ist, zu einer strafbaren oder schwerer strafbaren macht, als dies der Fall sein würde, wenn dieselbe Handlung zu irgendeinem anderen Zweck begangen wäre. Dieses Ausnahmegesetz nun ist für die Arbeiterbewegung ganz besonders verletzend. Der ordentliche Lehrer für ölationalökonomie an der Berliner Universität, Professor H e r kn e r, hat einmal den treffenden Ausspruch getan:„Eng- lische und amerikanische Arbeiter mögen mit einer Politik, die ihnen mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit verschafft, viel- leicht zufriedengestellt werden. In unserer Arbeiterklasse da- gegen ist der Idealismus des deutschen Volkes viel zu stark entwickelt, um eine Politik, die nur auf materielle Interessen Rücksicht �ilähme, bleibende Erfolge erringen zu lassen." Gibt es nun wohl auf der ganzen Welt etwas, das den Jdealis- mus einer großen Volksklasse stärker verletzen muß, als wenn der Lckaat ihren kostbarsten und darum eifersüchtigst behüteten Schatz, ihrer Organisation, das Brandmal sozialer Minderwertigkeit dadurch aufdrückt, daß er dieser Organi- sation zurufr:„Um dich im Zaume zu halten, geniigen die allgemeinen Strafgesetze nicht, dazu bedarf eS einer beson- deren Zügelung?" Ein von Rechts wegen so gekennzeichnetes Vereinsgebilde ficht nicht nur mit dem natürlichen Gegner im Wirtschastskampfe auf einem ungünstigen Kampfterrain, sondern erleidet auch seinen eigenen Gliedern gegenüber Einbuße an seiner Autorität. Wie soll es möglich sein, daß eine Organisation ihre für das wirtschaftliche Leben unent- behrlichen Funktionen erfüllen kann, wenn sie auf Schritt und Tritt fürchten muß, sich in die Maschen des Strafgesetzbuchs zu versangen, wenn sie ihre Mitglieder zur Erfüllung der von ihnen übernommenen Verpflichtungen anzuhalten ver- sucht? Es erscheint— um nur ein Beispiel anzuführen— kaum faßlich, wenn wir in dem Urteil einer Straskamnier lesen, daß zwei Wochen Gefängnis die gerechte Sühne für einen Gewertschastsangestellten feien, der»nichts weiter ge- wn hatte, als daß er einem Mitglied der Organisation, das iich anschickte, Streikbrecherdienste zu leisten, ohne jeden Zu- satz die Statuten der Gewerkschaft vorlas, wonach der Streik- bruch den Ausschluß aus der Organisation zur Folge habe, und ivenn das Kamniergericht in seiner Eigenschaft als Re- visionsgericht, also als letzte Instanz, dieses llrteil mit der Begründung bestätigt: Tie Organisation, der sich der Streik- brecher durch seinen Beitritt freiwillig unterworfen habe, dürfe ihil zwar nach ihren Statuten ausschließen, die An- kllndigung des Ausschlusses aber sei unzulässig, da§ 153 die Ankündigung jedes Uebels mit Freiheitsstrafe ahnde, mithin auch eines solchen, zu dessen Durchführung der Ankündigende ein Recht habe. Ter 8 123 ist nnt dem modernen wirtschaftlichen Leben völlig unvereinbar und muß fallen. Wir sehen hier eine ganz ähnliche trübe Erscheinung vor uns, wie wir sie bei dein Reichsvereinsgesetz wahrnehmen. Tie den Gewerkschaf- teu die erforderliche Bewegungsfreiheit sichernde Novelle zum Reichsvereinsgesetz mußte kommen, weil die Bedürfnisse des Krieges Regierung und Gewerkschaften in gleicher Weise dazu zwangen, der Reckstsprechung gleichsam ein Schnippchen zu ichlagen und auf Schleichwegen das durchzusetzen, was den Forinen des Rechts widersprach. Diesem unwürdigen und für einen Rechtsstaat unerträglichen Zustande mußte durch die Aenderuug des Gesetzes ein Ende gemacht werden. Ganz ebenso, ja noch krasser liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete des§ 153. Hier sind allmählich die Strafgerichte zu einer Gesetzesauslegung gelangt, die selbst die Zivilgerichte nicht mehr mitmachen können. So lesen wir z. B. in einer sehr verständigen, die Phrase vom Terrorisnms der Gewerkschaften zurückweisenden Entscheidung eines Zivilsenats des Reichsgerichts:»Keine Partei oder andere Vereinigung, die auf straffe Zucht unter ihren Mitgliedern hält, kann es dulden, daß ihre Befehle oder Bc- schlüssc von diesen unbeachtet gelassen werden. Es ist nicht unerlaubt, wenn sie die Befolgung der Beschlüsse den Mit- gliedern einschärst und den Lässigen oder Zuwiderhandelnden mit Strafe droht, denen sie sich satzungsgemätz für den Fall des Ungehorsams untertvorfeii haben." Aus diesen ver- nünftigen Erwägungen wird der Schluß gezogen, daß ein wirtschaftlicher Verein sich schadenersatzpflichtig macht, der ienie tarisbrüchigen Mitglieder von ihrem vertragswidrigen Verhalten nicht abhält oder sie gar darin unterstützt. So klar diese Sätze erscheinen, so wenig nützen sie den GeWerk- schaften. Wollen diese der Skylla der Schadenersatzpflicht entgehen, so fallen sie unweigerlich in die Charybdis des Strafgesetzes. Denn bei jedem Schritte, den sie tun, nin ihre Mitglieder zur gewerkschaftlichen Zucht zu erziehen, müssen sie damit rechnen, gegen die von den Strafsenaten des Reichs- gcrichts ins Ufer- und Maßlose ausgedehnten Begriffsmerk- male des 8 123 zu verstoßen. Solange dieser bestehen bleibt, muß insbesondere der Tarifvertrag, über dessen Wirtschaft- lichen Wert nach den Erfahrungen des Krieges kein Zweifel mehr möglich ist, ein lebloses Gebilde bleiben. Ein wichtiges Stück Arbeiterehre steht.auf dem Spiel und den schönen Worten, die dieser gespendet sind, muß die Tat folgen. Der 8 153 erklärt sich historisch. AIS man 1868 die Koalitionssreihelt gewährt!', glaubte man vorsichtig und tastend vorgeben zu sollen. Deshalb stellte man im 8 123 die Formel auf: Rechtliche Schutzlosigkeit der Koalitionen, aber Schutz des Einzelnen vor den Koalitionen. Und hierbei blieb es in dcu folgenden 5 Jahrzehnten, indem man verkannte, daß die Gewerkschaften denn doch etwas anderes sind als Streikvereine, daß der wirtschaftliche Kampf zwar eine ihrer Lebensänßerungen ist, aber nicht die Lebensäußerung. Immer klarer hat sich während des Krieges der Gedanke cnt- wickelt, der im Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst seinen Niederschlag gefunden hat, daß das, worin die cigent- liche Volkskraft zum Ausdruck kommt, die größtmögliche Eni- faltung aller in einem Volke lebenden Produktivkräfte, ohne die Mitwirkung der von dem Vertrauen der breiten Volks- massen getragenen Arbeiterorganisationen nichE möglich ist. Träger und Förderer der Produktion aber können die Ge- werkschaften nur sein und in immer höherem Maße werden, wenn die Schranken des eine Prämie auf die Treu- l o s i g k e i t gegen die Organisation setzenden 8 153 fallen. Vepefthenwechsel Serlin-Vien. Vollstes Einverständnis. Ter Reichskanzler hat den österreichisch-ungarischen Minister des Aeußern, Grafen Czernin, zu seiner Deko- rierung mit dem Stephansorden telegraphisch beglückwünscht. In der Depesche heißt es, der Kanzler begrüße diesen Ver- trauensbeweis des österreichischen Kaisers„un: so lebhafter, als er dem Leiter der auswärtigen Politik der eng ver- bündeten und befreundeten Donaumonarchie gilt, mit dem in dieser ernsten Zeit in vollstem Einver- ständnis arbeiten und zu gemeinschaftlichem Wohl unserer Länder wirken zu dürfen, mir in politischer und menschlicher Hinsicht stets zu besonderer Freude gereichen wird". Graf Czernin antwortete darauf nach allgemeinen Worten des Dankes das Folgende:„Wenn ein Bündnis wie jenes, welches Oesterreich-Ungarn mit Deutschland verbindet, auch von den persönlichen Beziehungen Einzelner unabhängig ist, so sichert das gegenseitige Vertrauen dennoch um so fester das v o l l st e Einvernehmen bei der gemeinsamen Arbeit in dieser ernsten, aber großen Zeit." Die österreichische und die ungarische Presse begrüßt diesen Tepeschenlvechsel als Beweis dafür, daß zwischen Berlin und Wien in der Friedens- und K r i e g s z i e l f r a g e das vollste Einverständnis besteht. Die„Reichspost" sagt, damit sei„gewissen Kombinationen der Boden entzogen" und „Pester Lloyd" sagt, alle Besorgnisse seien damit zer- streut. Tie alldeutsche Presse, die diese Besorgnisse hervorgc- rufen hat, kann nun wieder toben. die Erhebung gegen öen Londoner Vertrag. Ueber den Verlauf der Nachtsitzung, die am 4. Mai im Maria- Palast zwischen der vorläufigen Regierung und dem BollzungsauS- schütz des llrbellxr- und SoldatenralS statlfand und deren Etgebnis die bereits veröffentltchte.Mitteilung des Arbeiter« und Soldaten- rats" feststellt, gehen die Meldungen der Ententepresse auseinander. Englische Blätter suchen MiljukowS Position zu beschönigen, als habe sein Wort die Wogen beschwichtigt. Anders aber stellt der italienische„Corriere della Sera' die Borgänge dar: Nach diesem Blatte erklärte T s ch e i d s e unter lebhaftem Bei- fall der Mehrzahl der Abgeordneten in äutzerst energischen Worten, daß die imperialistische Hallung der provisorischen Regierung völlig un- annebmbar sei. Weder da« Volk noch das Heer wünschten die Fortsetzung des Krieges. Die neue Zirlularnote der Regierung sei dunkel und absichtlich miliar, da die Ziele der Fortsetzung des Krieges verkeimlicht werden. Die provisorische Regierung müsse ausdrücklich und in nicht mitzzuverstehender Form er- llären, datz sie auf jede Eroberung und Knegsent- schädigung verzichtet. Die Verbündeten Rutzlands dürften über die Stellungnahme des russischen Volkes nicht im Unklaren gelassen werde. Der Abg. Ramiswilli verlangte die Absendung einer neuen Note an die Alliierten und forderte sofortige Revision der ehemals abgeschlossene ir Ver- träge. Ter Abgeordnete bedauerte aufs äutzerste, datz die neue Regierung ihre auswärtige Politik tu der Richtung der alten Regierung fortsetze. Die Opposition wurde immer stärker. Als der Sturm gegen Mlljulow den Höhepunkt erreicht hatte und Miljukolv in äußerster Gefahr schien, brachle der Minister plötzlich ein bei ihm eingegangenes Telegramm zur Kenntnis der Abgeordneten. Der Inhalt dieses Telegramms ist der breiteren Oeffentlichleit nicht bekannt geworden, doch sah sich Ramiswilli ver- anlatzt, seine Forderung nach Absendung einer zweiten Note zurückzu- den. Morgens 8 Uhr wurde das bekonnte Manifest angenommen und hlossen, es im ganzen Reiche durch Maueranschtäge bekannt zu geben. Eine Einigung war trotzdem nicht zustande gekommen und die Tscheidje-Gruppe zog ihre Forderungen nicht zurück. Der Bündnisvertrag, gegen den der Sturm sich richtete, ist jener Londoner Vertrag vom 4. September 1914, durch den England seine Alliierten mit zehnfachen Ketten an seinen Willen und an seine Ziele fesselte. Miljukow verteidigte den Vertrag. Nach der.Rabotschkoja Gazetä" erklärte er, wie der.National-Zeitung" gemeldet wird: Die vom alten Regime eingegangenen Bündnisverträge, soweit sie öffentlichen Charakters sind, beständen weiter völlig zu Recht. Rußland könne einen Bruch dieser Verträge nicht ohne schwere Ein- büße an Ehre und Ansehen riskieren. Rußland könne rechtlich auch keine gesonderten Friedensbedingungen aufstellen. Der Londoner Vertrag vom 4. September 1914 schreibe ausdrücklich vor, daß nur nach vorausgegangener Uebereinstimmung der Vertragschließenden die Friedensbedingungen aufgestellt ioerben können. Er habe die Note an die Entente nach reiflichster Ueberlegung und nach bestem Gewissen versaßt und ihre Veröffentlichung veranlaßt. Für Rußland gebe es jetzt nur zwei Wege, und zwar einen, der Rußland auf der Liste der Groß- mächte beläßt und sein Ansehen in der Welt stärkt, oder einen anderen, der Rußland in die Staaten zweiter Ordnung wirft und zu einer Zertrümmerung seiner Ehre führen muß. Eine Inno- ration des Londoner Vertrages müsse zudem Ruß- lands Volks- und Finanzwirtschaft zu einer K a t a- st r o p h e führen. Wenn das Wohl de? Landes es erfordere, werde er ohne Säumen zurücktreten; heute halte er sich für verpflichtet, im Interesse der Zukunft Rußlands an seinem Platze zu bleiben. Der Londoner Vertrag sollte die Sicherung geben für den Krieg bis ans Ende, und er hat das zaristische Rußland tief in englische Schuldknechtschaft verstrickt. Jetzt, wo der Frieden marschieren will und soll, wird der blutige Sinn des Vertrags dam russischeit Volke in schreckhafter Deutlichkeit sichtbar. Kehrt sich aber die Rc- volution, was nunmehr geschehen ist, gegen den Vertrag, so ist sie beim Konflikt mit England angelangt, und es fragt sich nun, ob England, das Rußland als großen Markt für seine Kapitalien her- zurichten begann, es für diplomatisch klug hält, in dieser Lage und Stunde das Recht de! finanziell Stärkeren geltend zu machen. Ein großes Zukunfisgeschäft steht auf dem Spiel tfhö wächst in die Fricdensfrage hinein. Unter diesen Umständen gewinnt das Ge- rücht besonderes Interesse, der englische Borschafter B u ch a n a n, der in den Sturmtagen letzter Woche vom Balkon seines Petersburger Palais zu der erregten Menge sprach, sei plötzlich und heimlich nach England gereist. An einer Bestätigung dieses Gerüchtes, das aus Finnland und aus Bergen in Norwegen kommt, fehlt es zurzeit noch. Aber dem Kern der Petersburger Krise würde die Fahrt des Botschafters durchaus nicht widersprechen. Die kritisthen Tage in Petersburg. Weg mit den Eroberungen!— Der Rat rettet die Lage.— Große Besorgnis um die Front. Rotterdam, 7. Mai. Nach„Nieuwe Notterdamschen Courant' berichtet der Petersburger Berichterstatter des„Daily Telegraph': Bei den Kundgebungen am Donnerstag nachmittag vor dem Tauri- schen Palast schloß sich der Menge ein Reservebataillon eines finnischen Regiments an. Die Soldaten trugen Fahnen mit der Aufschrift:„Weg mit Miljukow, weg mit den Erobe- r u n g e n' und anderes. Ander« Truppen kamen dazu, bis un- gefähr 1ö 000 Soldaten mit Fahnen und Plakaten zusammengeströmt waren. Es wurden.Gegenkundgebungen für die Regierung durch- geführt. Aber die Arbeiter waren der Regierung gegenüber sehr feindlich gestimmt. Nach Mitternacht hielt Miljukow leine bereits gemeldete Ansprache an das Volk. Sie wurde mit großem Jubel aufgenommen. Im weiteren Verlauf der Nacht wurde die Stimmung der Menge immer günstiger für die Regierung. In Unterredungen mit Soldaten und Offizieren versuchten viele Per- sonen aus dem Publikum berauszufinden, was die Soldaten zu ihrem Auftreten bewogen habe. Die Fragen blieben meist un- beantwortet. Einige sagten, datz sie von„alten Soldaten' zusammen- gerufen worden seien, andere, daß sie auf Befehl gebandelt hätten. S i e sch i e n e n d er Meinung zu sein, daß die vor- läufige Regierung nichts weiter zu tun habe, als die .Friedensbedingungen bekannt zu geben und daß Deutschland sie dann annehme» würde. . In einigen Fabriken nahmen die Arbeiter am Donnerstag Entschließungen an. in denen sie die Regierung verurteilten und verlangten, datz die Regierungsgewalt dem AuSichutz von Arbeiter- und Soldotenvertretern übertragen werden sollte. Aufzüge von Arbeitern begaben sich am Abend mit Plakaten, auf denen man Losungsworte der extrem st en Elemente lesen konnte, nach der Duma. Bald darauf traf ein großer Zug von Anhängern der Regierung ein, in dem sich viele Soldaten des Wolhynski- Regiments befinden. Die beiden Gruppen der Kundgebenden gingen friedlich auseinander. Am Sonnabend meldete derselbe Berichterstatter: Der gestrige Tag erinnerte an die großen Tage der Revolution. Hunderttausende strömten auf dem Newsky-Prospekt und in den anderen breiten Straßen zusammen und Lastautomobile, die gedrängt voll von Soldaten waren, rasten ziello« durch die Straßen. Taufende von Menschen zogen mit Fahnen und Plakaten umher» wobei jede Schattierung der politischen Meinung der Menge zum Aus« druck kam. Am Morgen schien die Stadt in zwei Lager geteilt zu sein, die Anhänger der Regierung und die Gegner. Die gebildeten Kreise waren für die Regierung, die Arbeiter gegen sie. Im Laufe des Tages wuchs die Zahl der Anhänger der Regierung. so daß ihre Gegner sich am späten Nachmittag nicht mehr auf dem Newsky-Prospekt zeigen konnten. Die Krise ist vorüber, die Regierung bleibt. Die Führet: deS Arbeiter- und Soldaten-Ausschusses haben die Lage ge< rettet. Ohne sie wäre die Regierung gestürzt worden und wären Bürgerkrieg und Anarchie die unvermeidlichen Folgen gewesen. Dia Gefahr war diesmal größer als je zuvor seit dem Ausbruch der Revolution. Am späten Abend deS Donnerstag begann eine gemeinsame Besprechung der vorläufigen Regierung. deS aus- führenden Ausschusses des Arbeiter- und GoldatenratS und deS Dvma-AuS'chusieS. Es war von Anfang an deutlich erkenn- bar. daß beide Parteien zu einer Einigung zu kommen»ersuchten. Tie Mitglieder der Regierung erstatteten ausführlichen Bericht über die Lage und versuchten nicht, den Ernst der Lage zu verheimlichen. Fürst Lwow erklärte, die Regierung sei bereit, zugunsten miderer Männer, die beim Volke mehr Unterstützung finden würden, zurück- zutreten. Der KriegSminister G u t s ch k o w erstattete Bericht über die Verhältnisse an der Front. Er sagte, die Lage an der Front sei ernst. Der Zustand der Armee gebe inr Auge ir blick Anlaß zu großer Besorgnis. Es seien sofortige Maßregeln zur Wiederherstellung der Manneszucht und zur Ausfrischuug der Stimmung not- wendig. Die Lage sei zwar nicht hoffnungslos, aber wenn der jetzige Zustand fortdauere, könne er schlimme Folgen haben. Die Masse d«S Volkes denke zu leichtfertig über das Friedensgerede, sie glaube, daß man den Frieden einfach durch Riederlegung der Waffen erreichen könnte. Girtschkow erklärte schließlich, datz er nicht nach Eroberungen strebe und daß die AnnexionSrdeen augenblicklich bei niemand Anklang fänden. Die Schlacht bei /lrras. Berlin, 8. Mai.(W. T. B.j Im Räume von ArraS nahm das Ariilleriefeuer wieder beträchtlich zu und erreichte an vielen Ab« schnitten außerordentliche Stärke. Eö dehnte sich auch nördlich L e n S bis in die Gegend von VermelleS, La Bas säe und FromelleS aus und lag mit besonderer Wucht auf dem Ab- schnitt zwischen Avion und Gavrelle. Ein anscheinend beabsichtigter englischer Angriff gegen den Abschnitt Oppy— Ga- prelle wurde durch unser gutliegendes Feuer niedergehalten. Gegen den ehemaligen Park von R o e u x versuchte eine englische Kompagnie einen Handstreich, den sie mit blutigen Verlusten bc- zahlen mußte. Unsere Sturmtruppen nahmen dagegen den W c st- rand des Dorfes FreSnoy, das die Engländer unter blutigsten Opfern in der vierten Arraöschlacht erobern konnten, zurück und verbesserten nördlich dieses Ortes ihre Stellung. Südlich von Fresnoy wird noch gekämpft. Alle beftigen Gegenangriffe der Engländer gegen den wiedereroberten Westrand von Fresnoy wurden erfolgreich zurückgewiesen. Südlich der S c a r p e ging der Engländer nach schwerster Artillerievorbereitung mit starken Kräften im allen Kampfabschnitt zwischen der Straße CroisilleS— Fontaine und Bulleeourt zum An- griff vor. ES gelang ihm, in den Südostrand von Bullecourt einzudringen, während er an allen anderen Abschnitten blutig ab« gewiesen wurde I Heftiges feindliches Ariilleriefeuer hält seit 6. Mai auch weiter südlich an. Auch in der Nacht zum 8. blieb eS außerordentlich kräftig. Die Engländer konnten � sich zu dem allen Anzeichen nach am 7. Mai beabsichtigten großen Angriff noch nicht aufraffen, da unsere Artillerie mit erkennbarem Erfolg kämpfte. In der Nähe von Lagnicourt südlich von Ouöant flog ein feindliches Munitionslager in die Lust. Die Kathedrale und der Lölsenturm in Qu entin erhielten mehrere Volltreffer. Englischer Heeresbericht vom 7. Mai. Heftiger Äampf an der Hindenburgliiiic östlich von Bullccourt. Wir der- besserten unsere Stellung und machten westwärts aus Vullecourt zu ss-orlschritte. Ein nächtlicher Bombenangriff des Feindes südlich von Eppy wurde abgewiesen.— Zweiter englischer Bericht vom 7. Mai. Ter Feind richtete einen dritten Gegen- n n g r i s i mit beträchtlichen Kräften gegen unsere neuen Stel- hingen südlich des T v u ch c z f l u s s e s. Tie erste Welle dieses Änsmrmes erreichte die Böschungen an der Front unserer Gräben und scheiterte an unserem Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Tie unterstützenden Wellen wurden durch unsere Artilleriespcrrc eriastt und gcbrochcm Kein Teutscher kam bis an unsere Gräben. wute früh wurde eine starke feindliche Abteilung in ungedeckter Stellung bei Bulleeourt von unserem Artillerie- und Maschinengewehrfeuer erfaßt und erlitt schwere Verluste. die Schlacht an üer Msne. Berlin, 8. Mai.(55?. T. 58.) Räch dem ungeheuren Aderlaß, den die Franzosen bei dem letzten gewaltigen in der Breite von 18 Kilo- meiern unternommenen Massensturm gegen die Milte des Höhenzuges Chemin-deS-DameS am Abend des sechsten erlitten baben, flackerten bis zum Abend des siebenten nur an einzelnen Front- abschnitten größere Teilkämpfe auf. Zwischen der H u r t e b i f e- F e r m e und Craonne versuchte der Gegner in der Morgenstunde mehrmals, unsere Linien zu durchbrechen. Auch gegen den Winter- b e r g versuchte er am Morgen verschiedene Angriffe. Sje wurden je- doch von unserem Artilleriefeuer niedergehalten und scheiterten samt- lich blutig, so daß die Franzosen im Laufe des Tages ihre Angriffe gegen den Winterberg einstellten. Den ganzen Tag über fanden jedoch dort heftige Haudgranatenkämpfe statt. Westlich vom Winter- berg wurden vorgehend« französische Sturmwellen niedergemäht und zum Teil im blutigen Nahkampf zurückgejagt. Zahlreiche Tanks be- teiligten sich an dem Kampfe. Die Angriffe wurden von frisch herangeführten Divisionen ausgeführt. Blutige kleine Kämpfe flackerten im Lauft de» Tages an mehreren Stellen immer wieder auf. In den Abendstunden schwoll das Artilleriefeuer yuf der ganzen Front von Vauxaillon bis Corbeny zu starkem Trommel- feuer an. Zeitweilig bliesen die Franzosen gegen unsere Stellungen starke GaSwellen ab. Von S Uhr abends ab wie ngch Mitternacht, erfolgten sodann auf der ganzen Front feindliche Teilangriffe, die zum Teil mit größter Erbitterung geführt wurden. Tin starker Angriff verblutete in unserem Artilleriefeuer zwischen Vauxaillon und Laffaux, ebenso südlich Malmaison-Ferme, bei La Rohere- F e r m e und östlich Brahe. In erbitterten Einzelkämpfen nörd- lich Craonne wurde der Gegner überall abgeschlagen. Auch an diesem Kampfloge erreichte der Franzose nichts, trotz oller gewaltigen Opfer. Auf dem B r t m o n t- A b f ch n i t t lag starkes Feuer schwerer Kaliber und Gasgranaten. Um 4 Uhr nachmittag» verlassen die Franzosen in Breite mehrerer Kilometer bis östlich Le Godal die Gräben zum Angriff. Ihre Sturmwellen wurden von unserem Ver- nichtungSfeuer gefaßt und zurückgetrieben. Wo es Franzosentrupps gelang, in unsere Gräben einzudringen, wurden sie abends und im Laufe der Nacht wieder hinausgeworfen. Die Stellung ist fest in unserer Hand. Ein starker feindlicher Vorstoß westlich Brimont 11 Uhr abend» wurde blutig abgewiesen. Das starke Feuer hielt an. Eine längere feindliche Marschkolonne wurde am 8. Mai morgens von gutliegenden Feuergarben unserer Artillerie gefaßt, In der Champagne erfolgte»ach anhaltender planmäßiger Feuervorbereitung, die gegen 7 Uhr abend» zum Trommelfeuer an- schwoll, ein starker französischer Angriff gegen unsere Höhenstellungen nordöstlich von ProSncs. Der Angriff wuide durch unser Feuer größlenteils erstickt und konnte sich nur zwischen Keil- und Pöhlberg «utivickeln. Wo der Feind an schmalen Abschnitten eingedrungen >par. wurde ex in der Nacht wieder hinausgeworfen. Der mit zrgßem MunitiönSaufwand vorbereitete Angriff ist vollkommen ge- Icheuert. • Französischer Heeresbericht vom 7. Mai nach- mittags. Ter gestrige Abend und die Nacht waren �durch neue deutsche Gegenstöße in der Gegend nordöstlich von S ö i s s o n S und gegen den Chemin- des-DameS gekennzeichnet, wo wir vier frische Divisionen seit gestern feststellten. Sehr heftige, von kräftigen Beschießungen vorbereitete deutsche Gegenangriffe wurden gegen unsere Stellungen an der Ferme Froidmont, auf der Front Cernh— Hurtebife und auf die Höhen von Craonne und Bau- c l e r c unternommen. Ter Kampf, der einen lebhaften und er- birterten Chargkter trug, endete zugunsten unserer Truppen, die den wütenden Anstürmen siegreich Widerstand leisteten und überall !bre Stellungen behaupteten. Die vom Feuer unserer schweren und Feldartillcric sowiü unserer Maschinengewehre niedergemähten deutschen Massen erlitten beträchtliche Verluste. Im Laufe dieser Kämpfe haben wir die Zahl der van un» gemachten Gefangenen vergrößert, die gegenwärtig 6200 übersteigt. Tie Gesamtzahl der von den französischen Truppen im Laufe der an, 16. April begonnenen Schlacht gemachten Gefangenen beläuft sich aus ungefähr 20 000. Vom 7. Mai abends: Im Laufe des Tages hat der Feind seine Versuche in der Gegend nördlich von der Mühle von Laffaux und dem C h e in i n- d e-- D a m c s nicht erneuert. Der Artillerie- kämpf hat besonders bei Hurtebise und im Abschnitt von Craonne, wo die Truppen ihre Stellungen auf der Hochebene von.Californien" eingerichtet haben, heftig fortgedauert. Nach Aussagen von an diescai Frontteil gemachten Gefangenen haben vier frische Regimenter, welche an den fruchtlosen Angriffen der letzten Nacht teilgenommen haben, auf der Hochfläche sehr starke Berkufte erlitten. Nordwestlich von Reims haben wir einen Er- folg zu verzeichnen: ein Einzelunternehmen hat es uns ermög- licht, unsere Stellungen südlich von« a p i g n e u l wesentlich zu erweitern; etwa hundert Gefangene, darunter �wei Offiziere, sind in unseren Händen geblieben. An der übrigen Front mäßige Artillerietätigkeit.___ Der Krieg auf öen Meeren. U-Soot-Mrbeit im Nittelmeer. Berlin, 7. Mai. Im Mittelmeer wurden zwölf Dampfer und zwei Segler mit über 50000 Tonnen neu versenkt, darunter am 3. April der dewaffoete englische Dampfer ArdgaSk s454v Donnen), mit Stückgütern von Eng- land nach Frankreich; am 4. April der bewaffnete englische Dampfer Partgate(3232 Donnen) und ein unbekannter tief- beladenxr englischer Dampfer der Cityklasse von etwa 7000 Tonnen; am 7. April der bewaffnete englische Dampfer Maplewood(3239 Donnen) mit 5175 Donnen Eisen- erz von Tunis nach England; am 8. April der italienische Dampfer Alba>1639 Tonnen) mit Kohlen für Italien: am 10. April der bewaffnete französische Dampfer Esterel >2574 Tonnen) mit Baumwolle; am 1l. April der bewaffnete englische Dampfer Cyfarthfa(30l4 Tonnen) mit 3800 Tonnen Hafer und 5000 Hektoliter Wein von Oran nach Saloniki, im Dienste der französischen Regierung; am 12. April der bewaffnete englische Dampfer Glencliffc(3673 Tonnen) mit Kohle« für Atalie»; am 15. April der vollbesetzte englische TruPPentranSportdampfer Area- d i a u(8939 Tonnen), im Aegäischeu Meer, der wenige Minuten nach dem Torpedotreffer sank und einen großen Teil der Truppe» mit sich in die Tiefe riß. Der Chef des Admiralstabs der Marine. die flanörischen U-Soot-Stützpunkte. Tie weittragenden deutschen Geschütze. Bern. 7. Mai. Zu der Frage, warum die Stützpunkte der deutschen U-Boote an der flandrischen Küste noch nicht vernichtet worden seien, erklärt der Mitarbeiter deS„Journals, der sich zur- zeit bei der englische» Flotte defindct, leider müsse daraus graut- wartet werden, daß die e n g l i s ch r n S ch i f f t bei der Annäherung an die Küste von den deutschen Küstenbatterirn be reit s u n t e r F eue r g en o m men werden, wenn die englischen Schiffe»och gar nicht schießen können. Brrschiedentlich seien englische Monitore 3Z Kilometer von der Küste unter gut liegendes Sperrfeuer gekommen. Bei dieser Mitteilung ist daran zu erinnern, daß die deutsch« Kriegführung schon vor Jahr und Tag in der Lage war, von ihren flandrischen Stellungen anS Geschosse nach Dünkirchcn zu senden. Wieder drei Truppendampfer versenkt. Berlin, 8. Mai 1917. Amtlich. Nach neu eingc- troffenen Meldungen wurden wiqder drei feindliche Truppen- Transportdampfer versenkt, und zwar am 13. April östlich Malta ein voll besetzter, durch zwei italienische Zerstörer gesicherter Truppentransporter von etwa 10000 B r.- R e g.- T o. mit Kurs nach Aegypten. Am 10. April westlich' Gibraltar ein englischer grangemalter Truppentransportdampfer von etwa 12000 Tonnen mit östlichem Kurs, am 4. Mai im Jonische» Meer der italienische Truppentravsportdampfer Perseo(3935 Tonnen» mit Soldaten des 61. Regiments, der ans einem durch Zerstörer gesicherte« Geleitzug herausgeschossen wurde. Der Chef des AdmiralstabrS der Marine. Seesperre und Versenkungen. Kopenhagen, 8. Mai..Raiionaltidende" meldet aus Kristiania: Die norwegische Handelsflotte hat im April 72 Schiffe verloren. Bei Anrechnung des Zuganges von 32 Schiffen ermäßigt sich der tatsächliche Verlust auf 50 Schisse mit zusammen 98 531 Br.-Reg.-To. » Rotterdam, 8. Mai. Die Häfen von Havre und Dünkirchen sind wegen Mincngefahr gesperrt. » Dmuiden, 6. Mai. Hier wurde die Besatzung des dänischen DreimastschonerS Helga, der am Donnerstag von einem deutschen U- Boot versenkt wurde, gelandet. Der Dampftrawler PerseuS. der eine Bark geschleppt hatte, die sich in sinkendem Zu- stände befand, ist ohne die Bark hier angekommen. Trawler und Bark waren von einem deutschen U- Boot angegriffen worden, worauf der Trawler die Schlepptaue katppe. Wahlrechtsbewegung in Schweden. Stockholm, 7. Mai.(SvenSka Telegrambhrqn.) Die liberale Sammlungspartei hat dem Staatsminister eine Eingabe zugestellt. in der zur baldmöglichsten Lösung der Fragen des allgemeinen und gleichen kommunalen Stimmrechts sowie des FraurnstimmrechtS um Mitwirkung der Regierung ersucht wird. In der Begründung wird ausgeführt, daß schon lange eine durchgrerfende Demokratisierung der schwedischen Gesellschaft not- wendig sei, jetzt sei aber deren Notwendigkeit so dringend, daß eine schwere Gefahr für da» Land vorliege, wenn vor der Auflösung de» Reichstags ein entscheidendes Ergebnis nicht erreicht werde. Der StagtSminister erklärte, erst nach Beratung mit den anderen Ministern tin« Antwort geben zu können. Kleine Kriegsnachrichten. Die Pariser Kriegskonfercnz. Das offiziöse Communique über die erneute Konferenz Lloyd Georges, Ribots und der militärischen Vertreter Englands und Frankreichs in Paris wiederholt die Ver- sicherung der vollständigen Uebereinstimmung aller Alliierten über die„Einheitsaktion". Die„Stampa" indes stellte soeben erst fest, daß es nach den Erklärungen des Ministers GanepaS über seine Reise nach Paris und London nicht gelungen sei, eine wirtschaftliche einheitliche Aktion zu bilden. Auch habe jede Heeresleitung die Notwendigkeit der so plötzlichen Pariser Konserenz eingesehen, da bei der jüngsten Konferenz in Davoyen nicht genügend Zeit ge- funden wurde, die militärischen Fragen eingehcno zu behandeln. Abermals Huiigeruiiruhc» in schwedischen Städten. Aus Stockholm wird gemeldet: Infolge der gegenwärtigen LebenSmittelknavp- heit iain es in Stockholm und Göteburg am Abend des ö. Mai wiederum zu heftigen Straßenauftritten, bei denen die Demonstranten mehrere LebenSmittelgeichästc auf Borräte durch- juchten und zum Teil plünderten. Die Polizei griff ein. Trennung zwischen Kirche und Staat in Finnland. Die finnische Regierung hat eine Soiiderkommisston ernannt, die einen Gesetzes- Vorschlag über die Religionsfreiheit auf der Grundlage der Treu- nung zwischen Slaat und Kirche ausarbeiten soll. Ein Schrrckenöurteil in England. Rotterdam, den 6. Mai. E» ist bisher über einen Mililärdienstverweigerer au» Gewissens- gründen in England noch keine höhere Strafe verhängt worden, als über den Sozialisten Hobhouse, der zu drei Jahren Zwangsarbeit(Zuchthaus) verurteilt wurde. Die „Berner Tagwacht" meiuf, daß die» Urteil wohl in erster Linie feine Schwester Emilie Hobhouie treffen sollte, die durch ihre mutige Zurückweisung der englische» Lügen über Belgien sich der englischen Regierung so mißliebig gemacht hat. Ter Goldschatz der Kronprinzessin Cecilie. AuS Washington wird gemeldet: Der Oberste Gerichtshof hat die Klage gegen oen Dampfer Kronprinzessin Cecilie betreffend Zahlung einer«umme von L Millionen Dollar, weil das Schiff das Gold, das vor Ausbruch des Krieges für England und Frankreich an Bord gebracht worden war, nicht abgeliefert hatte, abgewiesen. politische Uebersicht. Reichstag. Von der Bildungsarbcit im Heere. Tie Tienstagsitziing dauerte kaum zwei Munden. Sie liätte nur einige Minuten gedauert, wenn nicht unerwartet der Feldbuchhandel und damit zusammenhängende kulturpolitische Fragen beim HeereSetat zur Sprache gebracht worden wären. Die Frage der Bildungsarbeit im Heere wurde von unserem Genossen Heinrich Schulz zur Erörterung gestellt. Er anerkannte, daß manches geschieht, um den Millionen Soldaten, die durch den Krieg völlig von ihrer sonstigen geistigen Lebensweise abgeschnitten sind, einen Ersatz zu bieten. Aber cß genügt nicht, und außerdem ist eS zum Teil 'sachlich recht minderwertig. Im Feldbuchhandel herrschen einige große Monopolsirmcn wie Stilke, Hillger und Ullstein fast unumschränkt. Unser Redner forderte, daß auch der Sortimentsbuchhandel auf breiter Basis mit herangezogen werde, daß ferner bei diesen und ähnlichen Heeresausgaben volkserzieberischen Charakters die Volksbiidungsorganisa- tionen gehört werden. Fast alle Parteien schlössen sich diesen Forderungen an: für die Nationallibcralen Prinz Sch ö n a ich-E a r o l a t h, für die Fortschrittliche Volkspartei H a a S, sür das Zentrum Faßbender, für die Konservativen Si e b e n b ü r g e r, für die Deutsche Fraktion Behrens. Für die Heeresver- waltung stellte Oberst Maitz die Berücksichtigung der An- regungen in Aussicht: besonders den Wunsch unseres Ge- nassen Schulz, daß auch nach dem Kriege für die geistige Fort- bildung der Soldaten im Sinne der freien Volksbildung und in Fühlung mit ihren Organisationen Sorge getragen werden möge, sicherte er Erfüllung zu. Vor dieser T-ebatte wurden Anfragen erledigt, hinterher eine Anzahl Petitionen._ Demagogie von oben. Tie„Deutsche Tageszeitung" bringt einen mit einem adligen Monogramm unterzeichneten Artikel, in dem die deutsche Man- a r ch i e beschworen wird,„jetzt nur darauf bedacht zu sein, daß sie nicht entrechtet werde". Gegenüber den Bestrebungen, eine Reform unserer inneren Zustände herbeizuführen, schlägt der Ver- fasser eine ebenso einfache wie großartige Taktik ein. Die Agitation gegen gewisse Zustände in griedenszeiten war unpatriotisch, weil hierdurch die Gegner zu ihren Verdrehungen und Verleumdungen fortgesetzt Material erhalten hätten. Die Reformbestrebungen während des Krieges sind natürlich erst recht verwerflich, weil sie uns angeblich hindern(der Beweis hierfür ist noch niemals erbracht worden)), restlos alle unsere Kräfte gegen den äußeren Feind auf- zubieten und weil sie wiederum von den Gegnern zu ihren politischen Zwecken ausgeschlachtet werden könnten. Nach der Ansicht dieses pfisfigen Herrn darf also niemals ein Tadel an irgendwelchen unserer inneren Zustände laut werden. weder im Kriege noch im Frieden, weil hieraus irgend ein au»- wärtiger Feind Teutschlands Material ziehen könnte. Da» ist aller- dings ein herrlich bequemer Standpunkt für den. der selber an der Futterkrippe des Staates sitzt und lästige Nebenbuhler fernhalten möchte. Ob aber die vielen ebenso denken, die nicht der Zufall in eine mit dem Adelsmonogramm geschmückten Wiege gelegt und durch das Privilegium der Geburt zu einem Mitglied der am meisten begünstig! cn und mit Vorrechten versorgten Klasse gemacht hat?! Es trifft sich lustig, daß im Anschluß an diesen Artikel die „Deutsche Tageszeitung" einen polternden Erguß gegen die„Nordd. Allgem. Ztg." bringen muß, weil ihr dieses offiziöse Blatt den demagogischen Charakter ihres Treibens halb- amtlich bestätigt hat. Im Reichstag hatte der Staatssekretär Dr. Helfferich den Satz gesprochen:„Wir haben bis zum letzten Augenblick unser äußerstes getan, den Krieg zu vermeiden und sind dabei bis zur äußersten Grenze dessen gegangen, was mit der Ver- teidigung des Vaterlandes noch verträglich war." Hierzu hatte die „Deutsche Tageszeitung"(genauer ihr Matador, Graf Rcventlow) in erkennbar kanzlerstürzerischer Absicht bemerkt, daß die Marne- schlacht bzw. die Umstände, welche zu ihr führten, nicht eingetreten sein würde, wenn die deutsche Mobilmachung drei bis vier Tage früher erfolgt wäre. Tann wäre der Krieg längst zu Ende und zwar siegreich für das Deutsche Reich. Die„N. A. Z." bemerkte zu diesen Ausführungen nur:„Wir beschränken uns darauf, diese Demagogie niedriger zu hängen." WaS wir dazu sage«! • Tie„Berliner Neuesten Nachrichten" zitieren gegen unsere Forderung eines Friedens ohne Gebietsabtretungen und En:- schädigungen einen„Aufruf der Feldgrauen an die Kameraden daheim", der ausgeht von einer Kompagnie de» Jnfanterie-Regi- mentS Königsberg und zuerst veröffentlicht worden ist in Nr. Z8 dre„Soz. Feldpost". Dieser Aufruf beweise nach den„Berliner Neuesten Nachrichten", daß die Sozialdemokraten im Felde von einem Scheidemannfrieden nichts wissen wollten, er zeige, daß jeder Arbeiter im Felde weiß,„daß ein Friede ohne entsprechende Sichc- rungen, ohne Annexionen niedrige Löhne bei hohen Lebensmittel- preisen bedeuten wurde". Höhnisch fragen die„Berliner Neuesten Nachrichten", was wir min dazu sagen? Was wir dazu sagen?— Daß man mit dreisten Fälschungen in der Tat alles beweisen kann. Tie„Berliner Neuesten Nachrichten" haben den Brief nämlich glatt gefälscht. Er existiert allerdings— nur sein Inhalt ist ein völlig anderer. Die Frage der KriegSzirle ist in ihnen mit keinem Wort erwähnt. Der Brief enthält nichts als eine Mahnung der Feldgrauen an die Munitionsarbeiter, im Interesse der drautzenstehendcn Brüder d i e Arbeit nicht einzustellen. Dies und nichts weiter. Wenn die„Berliner Neuesten Nachrichten" den„Vorwärts" in den kritischen Tagen des April verfolgt hätten, so hätten sie sich ihre dumme Frage, was wir zu dem Briefe sagten, ruhig sparen können: Wir haben ihn nämlich alsbald nach Erscheinen abgedruckt. Aber wir können den„Berliner Neuesten Nachrichten" ihren Schmerz über diesen bösen Reinfall wenigstens in einem Punkte lindern: Sie haben die Fälschung des Briefes nicht als erste be- gangen. Die Priorität bei der Fälschung be! Inhalts des Soldatenbriefes gebübrt der„Deutschen Tageszeitung", von dort ist sie übergegangen in die alldeutsche Presse und— die„Leipziger Volts- zeitung". Kleine Anfrage. Eine Anfrage des Abg. v. Ri ch t h o f e n be- trifft die Nichtannahme der deutschen E i l b e r- R u p i e durch englische Behörden in den besetzten Teilen Ostafrikas. Lette Nachrichten. Der Berliner Äuxenkauf. Berlin, 8. Mai. In der gestrigen geheimen Sitzung der Ver- liner Stadtverordnetenversammlung wurde die Vorlage wegen Er- werbs von Kuxen der Gewerkschaften Trier nach längerer Beratung einem Ausschutz zur weiteren Vorbereitung überwiesen. Ter A.- und S.-Rat für die Freiheiisanleihe. Amsterdam, 8. Mai.(Telunion.) Ans Petersburg wird dem„Handelsblad" gemeldet: Der Rat der Abgeordneten von Arbeitern und Soldaten in Petersburg hat mit übergroßer Stimmenmehrheit(fast 2000 zu 120 Sozialisten der äußersten Linken) beschlossen, die Regierung bei der Unterbringung der Frciheitsankeihc zu unterstützen. Verstaatlichung des Schankgewerbcs in England? Amsterdam, 8. Mai. Nach dem„Algemecn Handelsblod" schreibt die„Times", es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Regie- rung i m P r i n z i p die Ilcbcrnahme des Schankgewerbcs durch den Staat beschlossen hat. OÄverkschHsbewGMV verlin und Umgegend. Tie Möbelpolierer und Beizer besckäfli M. Stunden- lohn bis zu 8l> Pf. herunter. Wenn früher die Arbeitslosen teil- weise den Lohn senkten, so jetzt die Arbeiterinnen und schlecht- entlohnten Arbeiter. Die Unternehmer erklärten den Arbeit- suchenden gegenüber oft: Auf einen Groschen mehr Lohn käme eS gar nicht an, aber sie könnten doch unmöglich über den üblichen Stundenlohn, den die bei ihnen beschäftigten Polierer erhalten, hinausgehen, denn diese seien mit den niederen Löhnen zufrieden. In Akkord arbeiten 11 Proz. der Kollgen, deren Durchschnitts- verdienst 1,4V M. die Stunde betrage. Trenne man die Akkord- orbeiter von den männlichen Lohnarbeitern, so verbleibe diesen ein Durchschnittslohn von nur 1,v3 M. Daß unter solchen Verhältnissen der Beruf nichts Verlockendes mehr an sich habe, ergebe auch die geringe Zahl von Lehrlingen, auf 55 Geh'lfen käme ein Lehrling. In der darauf folgenden Aussprache wurde die Lässigkeit der Kollegen und Kolleginnen scharf gerügt. In den Werkslatlsitzungen, in denen Mittel und Wege beraten werden, um die Kollegen über die schwere Zeit hinweg zu helwn, erschienen sie meist in recht ge- ringer Anzahl. Der Schaden, den sie durch ihre Gleichgültigkeit anrichten, werde erst nach dem Kriege zutagetreten, wenn die Kollegen und Kolleginnen jetzt die günstige Zeit weiter versäumen, um ihre Arbeitsverhältnisse aufzubessern und wenn sie nicht zu diesem Zwecke ohne Ausnahme dein Verbände beiträten. Ans der Schlichtnngskommission für Militärschueider. Für jede Arbeitsleistung ist zu zahlen. Diese Selbstverständlichkeit mußte die Schlichtungskoinmission in ihrer letzten Sitzung ausdrücklich einem Beklagten klar mache». Es handelte sich um einen Zwlschenmeister, gegen den vielerlei Be- schwerden erhoben worden sind, wie der Vertreter des Bekleidungs- amtes erklärte. Er ist auch schon in Slraw genommen worden, die er noch nicht beglichen hat, und eine Reihe Klagen gegen ihn sind noch zu erwarten. In dem erwähnten Falle klagte eine Kriegerkrau, der er 2 Jahre lang tariswidrige Löhne gezahlt bat. Als eine Kon- trolle seines Betriebes in Aussicht stand, habe er sie zu einer falschen Aussage verleiten wollen: Wenn sie nach ibreni Lohnbuch gefragt würdet sollte sie sagen, sie habe es verloren. Nachträglich habe er ihr etwas nackgezahlt, als sie aber mehr verlangte, wurde sie einfach entlüsien. 25 Proz. habe er für die Hose zu wenig gezahlt, und daber hätte sie die Nähte»och selbst plätten müssen. Magistratsrat v- Schulz:.Warum bezahlen Sie denn die Frau nicht? Ihr Mann steht im Felde und sie hat doch auch Kinder! Sie haben Ihre Verpflichtungen dem Bekleidungsamt und der Genossenschaft gegenüber nicht erfüllt." Der Bcllagte wandte ein. er habe erst nachträglich erfahren, daß er nicht 7() Pf., sondern S5 Pf. zu zahlen hätte. Erst der Tarif von 1315 habe ihn darüber aufgeklärt. Daraufhin habe er vor- schrifismäßig gezahlt, die Arbeit sei ihm aber entzogen worden. Die Klägerin bemerkte noch, daß die meiste Arbeit gar nicht eingeschrieben worden sei, wie es die Bücher zeigten. E in Arbeitgeherbeisitzer:.Sind daS die Bücher? Da sieht ja gar nichts drin. Das Amt schreibt doch vor, daß die Bücher ord- nungsgemäß geführt werden müssen." Beklagter:.Mir find 30 Hosen abhanden gekommen." Beisitzer:.Das hat doch mit meiner Frage nichts zu tun. Und bei dieser Buchführung ist es auch kein Wunder. Sie haben übrigens jede Arbeitsleistung zu entlohnen, das Bügeln brauchen die Frauen nicht umsonst zu machen." Kunze vom Schneiderverband:.Daß das Plätten bezahlt werden muß. ist eine Selbstverständlichkeit, ganz egal, von wem es ausgesühri wird. Das weiß der Beklagte auch sehr gut. Die Frau hat recht, daS steht außer Zweifel." Der Beklagte stellte nun die Behauptung auf, die Frau habe schlechte Arbeit geliefert. Vertreter des Bekleidungsamtes:.Jetzt kommen Sie damit, nachdem die Frau Lbcr bvv Hosen für Sie gearbeitet hat?' Beisitzer Ed er:.Die Klägerin hat noch 11V Mark zu be anspruchen, 5 Pfennig für das Plätten der Hose mit eingerechnet.' DaS Gericht beschließt dementsprechend und setzt fest, daß die Summe in Wocheuraten von 15 Mark portofrei zuzustellen ist. Die Zeugen, die auch Forderungen erheben, müssen ihre Klage ein- reichen. v. Schulz:.Nun zahlen Sie aber auch. Sie rehabilitieren sich dadurch. Wenn Sie Arbeiter wären, würden Sie auch den rechtmäßigen Lohn beanspruchen." Parteinachrichten. Quertreiber gegen die Stockholmer Konferenz. Die bürgerlichen Kriegshetzer, die in allen Ländern eifrig an der Arbeit sind, um einen Erfolg der Stockholmer Konferenz zu ver- eiteln, erhalten ungeahnten Zuzug auS den Lagern der Neber- radilalen. Dort, wo der Sozialismus ansängt, ins An- archistische überzugehen, ist man von der Stockholmer Kon- ferenz noch weniger erbaut als in den Kreisen der Volks- aufteiler und Länderverschluckcr. Das Blatt der holländi- schen Syndikalisten, die.Tribüne", verdächtigt Genossen T r o e l st r a, der sich um das Zustandekommen der Konferenz be- müht, als.Agenten der kaiserlichen Mittelmächte". Und warum? Weil er ganz mit den FriedenswLnscken der offiziellen deutschen, österreichischen und ungarischen Arbeiterpartei übereinstimme, die alle auf die Formel eingeschworen seien:.keineEroberungen und keine Annexionen". Ein auf solcher Grundlage zu- stände gekommener Frieden würde nach Ansicht des Syndikalisten- blattes aber— den deutschen Sieg bedeuten. Es wäre allerdings sehr interesiant. zu erfahren, welche Bedingungen denn die holländischen.Revolutionäre' Deutschland dann auferlegen wollen? I Ganz in dieselbe Kerbe haut das Züricher„Volksrecht': .Die Konferenz deS Haager Bureaus wird, wenn sie zustande kommt, die Einigung der sozialparriotiscben Konterrevolutionäre gegen die beginnende europäische Revolution zum Zwecke haben. Sre wollen einen Kompromißfrieden des internationalen Kavitals, damit die Kräfte der Revolution in Ketten gelegt werden können. Das nennen sie einen Frieden der Völker. Die internationalen Sozialdemokraten wissen, daß. wenn dieser Frieden selbst keine Annexionen bringen würde, er ein Frieden gegen die Völker sein wird." Wir stehen hier vor Meisterkundgebungen der theoretischen Blind- heit, die in verranntem Doktrinarismus gerade das propagiert, worüber sich die Gegner der Arbeiterklasse ins Fäustchen lachen. Parteikonferenz in Bremen. Am Sonntag, den 6. Mai, fand in Bremen eine sehr gut be- suchte Konferenz der Parteifunktionäre deS Bezirts Nordwest statt. Die Genossen Rhein und Waigand schilderten in längeren Aus- führungen die Verhältnisse in der Partei und die innerpolilische Lage. Nack längerer Debatte, in der sich nur zwei Redner auf die Seite der Opposition stellten, wurde gegen einige Stimmen eine Resolution angenommen, die die Politik der Parteimehrhcit billigt und die schleunige Einberufung eines Parteitages fordert. Halle auf feiten der„Unabhängigen� Der Wahlkreis Halle der durch das.Halleiche Volksblatt" schon seit Fahr und Tag im Sinne der Opposition bearbeitet wurde, hat nunmehr, osstziell seinen Anschluß an die.Unabhängigen" erklärt. Der Beschluß wurde am Sonntag auf der Kreisgeneralversammlung für Halle und Saal- kreis mit 116 Stimmen bei löv Delegierten gefaßt. Gleichzeitig hat der Reichstagsabgeorvncte A l b r e ch t, der seinen Wohnsitz in Halle hat. seinen Anschluß an die Fraktion der Arbeits- gemein schaft erklärt. Er gehörte bisher zur sogenannten.Er- wetterten Minderheit" und vertritt den Wahlkreis Kalbe-AjcherL- leben._ Industrie und Handel. Tic kleinen Diebe hängt man, die großen..... Tie„Deutsche Konfektion" beschwert sich bitter, daß die Detaillisten im Konfcktionsgewerbe von der vollen Schwere des Gc- setzes getroffen werden, während die Großhändler und Fabrikanten trotz größter Gewinne vom Staatsanwalt verschont blieben...Ter Grund eines solchen Mißgriffes liegt Wohl vielfach darin, daß dem Detaillisten am leichtesten sein Gewinn nachgerechnet werden kann. An all seinen Waren mutz sich ein Zettel mit dem Verkaufspreis und einem Vermerk befinden, aus dem auch der Einkauf erkennt- lich ist. Beim Fabrikanten und auch beim Großhändler ist das er- heblich schwieriger. Es hält schwer, eine andere Erklärung dafür zu finden, weshalb sonst die Industrie und der Großhandel schonen- der behandelt werden, und warum bei ihnen so verschwindend wenige Fälle zur Anzeige und zur Aburteilung gelangen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß zahlreiche industrielle und auch großhändlerische Betriebe �wiederum ohne Verallgemeinerung) überaus große Gewinne aufzuweisen haben, wie das auch unter den Augen der Behörden aus den Berichten der Tcxtil-Aktien- gejellschaftcn mit verblüffender Deutlichkeit hervorgeht. Wie ist es beispielsweise möglich, daß ein Unternehmen derTextil- i n d u st r i e 12 0 Prozent Dividende abwirft sBedburger Wollindustrie-A.-G.), das noch dazu in Fricdenszeiten jahrelang mit Verlust gearbeitet hat, ohne daß eine Ausnutzung der Kon- junktur dabei'stattfindet, um eine gelinde Bezeichnung zu ge- brauchen?" Die„Deutsche Konfektion" erinnert besonders an den Fall des Kommerzienrats Schmidt, des Inhabers der Firma Gustav Cords, der trotz festgestellter Preisausschläge von mehreren hundert Prozent nicht von einem Gericht verurteilt worden ist. Derselbe Herr, ein vielfacher Millionär, ist Inhaber der Seiden- ivarengroßfirma Schmidt u. Lorenzen und Vorstand der Vereinigung der deutschen Samt- und Seiden» warcn-Groß Händler. Als solcher habe er dabei mitgewirkt. daß schon zu Beginn des Ltrieges ein Ausschlag von 30 Proz. auf die Lagerivare von dieser Vereinigung einfach dekretiert wurde. Da sein eigenes Seidenwarenlager auf etwa 5 Millionen geschätzt werde, so habe Kommerzienrat Schinidt mit einem Feder- strich m Million verdient. Die Kohlenpreiserhöhultg. Die„Frankfurter Zeitung" schließt sich dem hier ausgesprochenen Urteil an, daß sich der preußische Handelsminister bei seiner Zu- stimmung von fiskalischen Instinkten habe leiten lasten, und macht daraus aufmerksam, daß auch das Reich an hohen Kohlenpreiien interessiert sei, weil die Kohlenabgabe in Prozenten de? iokturierten Wertes berechnet werde. Das Frankfurter Blatt zitiert auch folgenden Börsenbericht, der die Aufnahme der Preiserhöhung bei den Zahlern schildert: daß„die nunmehr durchge'etzte Preis- erhöhung für Kohle und Koks für die Werke nicht nur in rein ver- dienstlicher Hinsicht wichtig sei, sondern auch die Ent- schiedenheit beweise, mit der die Zechen ihren Ansichten schließlich Gellung zu verschaifeu wüßten."_ Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Berlin beschloß, die Ausschüttung einer Dividende von 5 Proz.(i. V. C Proz) vorzuschlagen. Vcrantwortl. f. Politik: Dr. Franz Dicderich. Berl-Friedeuau; sür d. übrigen Teil d. Blattes! Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Dl». Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker«! u. BerlagSanstalt Paul Singer ch Co Berlin S\V. Hierzu t Beilage und Uuterhaltuugsblatt. Cegan Bar Kredit anter günstigsten Zahlungsbedingungen Frühjahrs- Neuheiten Jackenkleider, Mantelkleider, Seidenkleider, Seiden- Kostüme Frühjahrs- Mäntel, Kleiderröke aus Seide, von« und woiistoir. Elegante Blusen in Seide, voiie, chiiion, Gummi- und imprägnierte Seiden-Mäntel Fertige Herren- Kleidung, Burschen- und Jünglings- Anzüge empfleblt B.FEDER Norden: Brunnenstrassel Süden: Kottbuser Damm 103 O s t e n: Frankfurter Allee 350 Westen: Cliarlcttenburg. Sonntag von S~IO Vhr geöffnet Setaaummin (gesetzlich geschützter Seidenmantel) Seidenmäntel Begenschati, Pracbtatücke, los* Glockenformen. 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Gerbsoh Charlottenburg, Berlinerst. 68-68 Bteisch- und Wurstwarenfabrik WUlyOerlcke,Peter«burgeratr.Sl Otto Kongel, Alte Jacobstr. 26. dHerren-u.Knnbennnrd.» JKn gana Badstr. 28, Ecke . uaer Pri0»n.Aii»«. Laake ASlnpecki, liUtk-illta? fabiimJü.ÄÄrn.'.r 4 Kolowialwaran ▲du SduaHeSohüsJMmastr.U. 4 Eisen, Stahlw, Waffen, Werkz. ► Carl Jung, Stromstr 31. Sluhlfnaan,P.,Müllerst.48b,E.SesBt 4 WahlhantilunBen � IBethke, Georg,.1�5 lleaUUB, Hbe«tT.S3, KsUer-Priedr. IStr. 64, Weserstr. 189, Friedelstr. 23 Treptov, Grät»-8tra8e 64. Gaege,OttoCh'brurg,a 4 liahmanohineii"""V Gollnowstr. 26 im Nähmaschinen Bellmann, E l Httte, Motzen, Pelzwaren ► F Kottbuser-. II En» Damm 18/19 4 Kurz-.Wei.i-.Wollw..Trikotag. ► Hermann Meyer, SckiTalbetasTSt 21. i_ l�otogr. Apparate ► 4 Weine, Llkdre.Fruchtaafte"� | LLvLAS S@liag( I 60 Filialen in allen Stadteilen. I Nähmaschinen Herrn. Dieser& Co. S«; ca.550Vertaöfsstell. Gr;-Berl. lMerbsi� SEMPER DEM V Heierei C. Bolle BeriinnMh?,0� Ältester und grSsster Milchwirtschaftlicher - Grassbetrieb= Schnbert,Carl. ttkIln.Bergstr.U8 4 Schralbwarew» O. Prochnow.Sblln UaraumiTt» 4 Uhren u. SelKwarnn» Lehmann, Alb-, Frankf. AlleeiO 4 Versieh erung an» „Deutschland" Berlin ArbalterreralcheniBE— Schötren- tterbekaaaenaeraicherg. etraSe 8. 4 Spandau""""""fr 5V 68, Lindeustr. 3, 2. Hof, 3. Treppe«. Alle Briefe und Geldsendungen sind zu richten an Theodor Fischer, Berlin 8>V 68, Lindeustr. 3, 2. Hof, 3 Treppe». Borsitzende und Kassierer der sozialdemokratischen Vereine. Berlin I: Borsitzender: Franz Lucht, SW. 68, Lindenstraß« 2. Kassirrrr: Max Bolzmann, SW. 29, Solmsstrax« 24. Berlin II: Borfitzendrr: Heinrich Schröder, vs®. 47, Hagelberger Straße 54. Kassierer: Gusto» Schmidt, SW. 61, Bärwaldstratze 42. Berlin III: Bvrsitzrnder: August Pohl, SO. 26. Naunhnstraße 30. Kassircr: Georg FrlSmann, SW. 68, Lindenstraße 2. Berlin IV; Borsitzender: Karl Klinglrr, O. 34, Gubener Straße 49. Kassirrrr: Alba« Welker, O. 17, PersiuSstrahe 1. Berlin V: Borsitzender: Ott» Wrl», SW. 68, Lindenstraße 8. Kassierer: Karl Glashagen, RO. 66, Raabestratze 8. Berlin VI: Borsitzender: August Pattloch, Nr. 39, Müllerstraße IM. Kassierer: Heinrich Umlauf, NW. 6, Putlitzstraße 17. Teltow-Beeskow: Borsitzender: Franz Thurow, Neukölln, Weserstraße 11. Kassierer: Alet Pagels, SW. 68, Lindenstraße 3. Sekretär: Max Grogcr, SW. 68, Lindenstraße 3. Rirdrrbarnim: Borsitzender: Hermann Müller, Lichtenberg, GrhphiuSstraße 34. Kassierer: Franz Schlemminger, Weitzensee, PistoriuSsträsie 34. Heute, Mittwoch, den». Mai, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlungen und Zusammenkünfte: Berlin I. Bei Glavc, Kommandantenstraße 88. Berlin II. L und 2. Abteilung Westen bei Schneider, Winterfeldtstr. 8(Ecke Frobenstraße). 3. und 4. Abteilung Südwesten, Lindenstraße 3, 2. Hof links III. 5. Abteilung Südwesten bei Manu, Hornstraße 2. 6. Abteilung Südwesten bei Thormon», Gneisenaustr. 30. 7. und 8. Abteilung Süden bei Reim, Urbansträße 29. Berlin III. Im Gewcrkschaftkhaus, Engelufer 16. Berlin IV. Petersburger Bierlel im Lokal von Karl Kübue, Schreinerstr. 68. Stralauer Biertel bei Gastwirt K. Rast. Warschauer Straße 67. Frankfurter Viertel bei Borkrr, Wcbcrstr. 17. Landsberger Biertel bei Bogel, Hufelandstraße 14. Görlitzer Biertel bei Daus, Lausitzcr Straße 46. Berlin V. In Sicmunds Festsälen, Linicnstraße 8 und Josthstraße 4. Berlin VI. 1. u. 2. Abt. bei Tobrohlaw, Swinemünder Straße ll. 3. u. 7. Abt. bei Baganz, Gaudhstr. 3. 4. u. 6. Abt. bei Blessin, Stargarher Straße 3. 6. Abt. bei Geldschmidt, �Stolpische Straß« 36. 8. Abt. bei Hoffmann, Swinemünder Straße 47. 9. Abt. bei Obigl», Stralsunder Straße 11. 10. Abt. bei Earus, Voltastraße 37. 11. Abt. bei Spiegel, Äckerstvaße 1. 12.U.13. Abt. bei Reuter, Birkenstraße 29». 13.U.14. Abt. bei Röthcr, Waldstr. 31. 16.U.17. Abt. bei Sachse, Lindower Stvaß« 26. 18.U.19. Abt. im„Schwedenzrlt", Schweden- und Exerzierstr.-Ecke. 20. Abt. bei Fuchs, Wcddingstraße 5. 21.tt.22. Abt. bei LcwandowSki, Seestratze 104. Teltow-Beeskow. Bohnsdorf bei Grabow» Am Bahnhof. Britz bei Bahr, Werderftraße 37. Charlottenburg im Bolkshaus» Rostnenstr. 4. Friedenau bei Schulz, Wiesbadener Straße 78. Köpenick bei Müller, Alter Markt 8. Mariendorf bei Hoch, Chgusseestraße 44. Neukölln: 1. bis 4. Bezirk bei Schulz, Reuterstrahe 47, Ecke Lenau- straße; 6. u. 6. Bezirk bei H. Schittler, Weichselstraße 5, Ecke Donaustraße; 7. bis 9. Bezirk bei Rod. Jde«, Boddinstraße 68, Ecke Jsaostratze; ll. Bezirk im Turnrrheim, Böhmische Straße 13; 10. u. 12. Bezirk bei Kukusch, Wipperstraße 1; 13. bis 17. Bezirk bei Joh. Cenkel, Hermannstratze 178, Ecke Thömasstratz«; 18. bis 20. Bezirk bei Ed. Richno«, Prinz- Handjery-Straße 69; 21. bis 24. Bezirk bei Herrn. Hentfchel, Herrfurthstratze 27. Schöneberg: 1. Bezirk: Paul Milde, Nollendorfstratzc 16; 2. und 3. Bezirk: Folger, Kyffhäuserstraße 16; 4. Bezirk: Karl Henkel, Meininger Straße 8; 6. Bezirk: Brock, Bahnstraße 19/20; 8. Bezirk: Gottlieb Groß, Sedanstraßc 17, und Paul Lehmann, Sedanstraße 63; 10. Bezirk: Paul Rathmann, Tcmpelhofer Straße 18a: 11. Bezirk: Lehmann, Begasstratze 1. Dtrglib bei Clement, Düppclstraße 7. Trmpelhof bei llcckcrmann, Kaiser-Wilhclui-Ttr., Ecke Werdcrstr. Treptow-Baumschulenweg bei Ringeltaube, Graetzstraße 1. Wildau-Königswusterhausen. Mitgliederversammlung abends 8 Uhr im„Wildauer Hof" bei Schumann. Vortrag. Niederbarnim. Fredersdorf-Pctershagcn bei Oskar Kirchner in Fredersdorf. Lichtenberg bei Hochmann(Kerns Festsälr), Türschmidtstraße 46, Ecke Goethcstraße. Oberschöneweid« bei Ladewig, Laufener Straße 6. Reinickenborf-Ost bei Dölchner, Residenzstratze 60. Weistensee bei Stärke, Charlottenburger. Ecke Tassostraße. In allen Bersonemlungen und Zusammenkünften werden Auf- nähme» vollzöge» und Beiträge entgrscngraommen. GroMerlln Schweres Schnellbahnunglück am Prenzlauer Tor. 30 Personen verletzt, darunter mehrere Stadtverordnete. Am Dienstagabend um 6 Uhr fuhren zwei Züge der Schnell- bahn Schönhauser A I l e e— A l c x a n d e r p l a tz in der Nähe des Prenzlauer Tores aufeinander. Dabei wurden etwa dreißig Personen verletzt, angeblich eine schwer und die übrigen nur leicht. Ulnler den Verletzten befinden sich auch Stadtverord- n e t e, darunter der Stadtverordnete Koblenzer, dieser hat eine Stirnwunde an der rechten Schläfe erlitten. Von einem Augenzeugen wird uns berichtet, daß der Zug, der kurz nach 5 11 luden Bahnhof Schönhauser Tor verlassen hat, plötzlich auf der Strecke vor dem Prenzlauer Tor halten mußte. Ter folgende Zug fuhr dann auf diesen haltenden Zug aus. Tie Fahrgäste in dem letzten Wagen wurden zum größten Teil verhetzt. Tic Bc- amten waren leider diesem Unfall gegenüber vollständig kopflos. Erst nach einer halben Stunde konnten die Fahrgäste der beiden Züge, nachdem Fackeln herbeigeschafft worden waren. nach dem Bahnhof Alexandcrplatz geleitet werden. Von der Bc- triebsleitung war verabsäumt worden, sofort den Verband für Erste Hilf« und die Feuerwehr zu alarmiere». Etiva dreißig Personen wurden von dem ärztlichen Verband für Erste Hilfe vcr- bunden, vier auf der Uufallftation und zahlreiche andere, darunter auch verschiedene Stadtverordnete, begaben sich in ärztliche Behand- lung. Die Ursache des Zusammenstoßes soll angeblich durch einen Defekt in der Kabelleitung verursacht worden sein. Tie Betriebsstörung zwischen dem Bahnhos Spittcl- markt und Schönhauser Allee dauerte bis spät abends. »» * Die Hochbahngesellschaft Berlin verbreitet über das Unglück am Bahnhof Alexanderplatz folgende Darstellung: Heute abend gegen 916 Uhr ereignete sich auf der Untergrund- bahn kurz vor der Einfahrt zum Bahnhof Alexandcrplatz ein Betriebsunfall. bei dem bedauerlicherweise auch Fahrgäste zu Schaden gekommen sind. Ein von Nordring kommcicker Zug war kurz bor der Einsadrt zum Bahnhof Alexandcrplatz schadhaft geworden und zum Hakten gekommen. Tic beiden nachfolgenden Züge rückten vorschriftsmäßig aüf, der Führer des folgenden vierten Zuges, der entgegen der Bor- schrist die Geschwindigkeit nicht genügend vermindert hatte, subr auf den letzten Zug auf, wodurch einige Wagen erheblich beschädigt wurden. Hierbei wurden etwa 20 Personen hauptsächlich durch Glas- splittcr leicht verletzt; außerdem erlitt eine Frau schwerere Schnitt- wunden am Kopf, eine andere zog sich beim Herausspringen aus dem Wagen eine Fußverletzung zu; beide wurden in ein Krankel,- hau? geschafft. Tie übrigen Leichtverletzben wurden auf dem Bahn- Hof selbst verbunden und konnten sich ohne fremde Hilfe entfernen. Ter Betrieb wurde auf der gangen Strecke Spittelmarkt— Nord- ring unterbrochen, auf der Teilstrecke Spittelmarkt— Alcxanderplay konnte tt um 7,40 Uhr wieder aufgenommen werden. * Einem weiteren Bericht entnehmen wir, daß nur zwei Personen ichwer verletzt wurden, und zwar eine Kontoristin Margarete Sommer aus der Mctzer Straße 2 und ein Fräulein Johanna Dombrowski aus der Christinenstraße 36. Während die weniger Schwerverletzten sich auf den nächsten Rettungswachen verbinden ließen, um dann ihre Wohnung aufzusuchen, mußten dir Genannten in das Krankenhaus gebracht werden. Der Stettiuer Bahnhof soll dem wachsenden Verkehr entsprechend ausgebaut und erweitert werden. Besondere Umstände und Zeilverluste verursacht die BU- dung und das Abstellen der Personenzüge. Für die dazu«rforder- liche» Auf- und Abstellgleise wird ein besonderer Abstellbahnhof auf einem Gelände südlich vom Bahnhof Gesundbrunnen rrrichlct. Ferner ist zur Erweiterung des Zu- und Ablaufs der Leerzüge ein neueS Ausziehgleis auf der Ostseile de« Bahnhofs in Aussicht ge- nömmen. In der„Bcrkehrstechnischen Woche" kommt Ministerialdirektor a. D. Dr.-Jng. Schroeder zu folgendem Schluß, der für die Gestaltung der Groß-Berliner Schnell- bahnen von Bedeutung ist:.Die geplanten Erweiie- rungen der Anlagen für den Vorortverkehr durch Verdoppc- lung der Bahusteigaulagen und Schaffung einer Kehranloge auf dem Vorortbahnhof in Gesundbrunnen werden die Leistungsfähig- keit der nördlichen Vorortbahnen wesentlich erhöhen. Daß sie für die Dauer genügen werden, wird wohl nicht angenommen. Dazu wäre noch eine Umgestaltung des VorortbahnbofeS in Berlin und die Schaffung eines Abstellbahnhofes für den Vorortpersonenverlebr erforderlich. Da die Vorortstrecke der Nordbahn bereits mit der Abzweigung nach Tegel belastet ist, würde wohl der Abstellbahnhos an der Vorortbahn noch Bernau, etwa östlich von Pankow und Niedexschönhausen, anzulegen fein. Dort könnte er vielleicht den Anschluß bildest für eine neue Vorortbahn im Sinne der Vorschläge de« Professor Dr.-Jng. Giese, die er in seinem Bortrage im Verein ür Eisenbahnkunde am 10. Oktober 1916 und in seinem Merke .Schnellstraßenbahnen" gemacht hat." Berliner Lebenswittelnachrichten. Vom 12. bis 16. Mai findet eine Neuein tragung zur Kundenliste s ü r K a r t o s se l n statt. Bei dieser Gelegenbeit ist auch ein Wechsel in der Person de« Kleinhändlers zulässig. Die Anmeldung zur Auttdeiillsie erfolgt diesmal gegen Uebergabc des an seder neuen Kartoffelkatte befindlichen SnmeldeabichnitteS, auf dem Name und Wohnung des Anmeldenden vor Abgabe an den Klein- Händler sorgfältig auszufüllen ist. lieber die vollzogene Eintragung in die Kundenliste erhält jeder Kunde vom Kleinhändler eine Be- icheinigung. Die Kärtoffellleinhändler haben sich daS erforderliche Material am 10. oder spätesten« 11. Mai von ihrer Brolkommirnon abzufordern. Schank« und Speisewirtschaflen haben ebenfalls in der genannten Frist ihren Bedarf zur Kundenliste anzumelden, foweir sie ihre Kartoffeln vom Kleinhändler beziehen. Die alten Kunden- listen behalten solange ihre Gültigkeit, Ins durch besondere Vei- öffentlichinig des Magistrat« der Verkauf auf Grund der neuen Kundenlistcn zugelassen wird.__ Aus der Tätigkeit des Gewerbegerichts Berlin. Das Ge Werbegericht Berlin halte im Jahre 1915/16, aus dem jetzt der Jahresbericht vorliegt, wieder eine Minderung der Klagen. Der Rückgang war aber bei weitem nicht mehr so stark, wie er im vorhergehenden Jabr gewesen war. In 1913/14, 1914/16, 1915/16 wurden 12 603, 10 053, 9690 Klagen gezählt, mithin bclief sich das Weniger für das vorletzte Jahr auf 2550, für das letzie aus nur noch 363. Die Verteilung auf die einzelnen Kammern ergab im letzten Jahr eine Mehrung bei den für die Rüstungsbetriebe in Betracht kommenden Kannuoni, eine um so stärkere Minderung bei den Kanunern anderer Ge- Werbegruppen. Vom vorletzten zum letzten Jahr mehrten, sich die Klagen besonders in der Kammer„Metallindustrie" von 1142 aus 1772. ferner in.Schneiderei und Näherei" von 2617 auf 3046 und in.Texlil« und Lederindustrie" von 966 aus 1059. Dagegen minderten sie sich in allen übrigen Kammern, in.Bau- gcwerbe" von 688 auf 438, in.Holz und Schnitzstoffe" von 379 auf 257. in.Nahrung, Beherbergung, Erquickung" von 2014 aus 1876, in.Handel und Verkehr" von 1300 aus 1011. in.Allgemein" von 947 auf 681. AuS den Angaben über die Art der Klagen- crledigung sei nur erwähnt, daß durch Vergleich im letzten Iabc nur 2949- fildgci:. gegenüber S6S2.- im vorletzten Jahr, beendet winde». Bei den ArbeitnebmerUagen haben die der weiblichen Personen rcchl erheblich z u- g e n o in in e n. Solche Klagen wurden gezählt im vorletzten Jahr unter 9960 Arbeitiiehinei Ilagen 2891.(29 Proz.I.. im letzten Jahre unter 9452 Arbeitnehnierklagen 8184(annähernd 34 Proz.). Ein brüderliches Einbrecher- Pierklee, das den Familiennamen Gi iitzer führt und in Kellern reiche Beute an ollerband Lebens« Mitteln, namentlich Kartoffeln und Kleinvieh gemacht hat, ist durch die Neuköllner Kriminalpolizei verhaftet worden. Eine Berliner Beratungsstelle für Jugendförderung wird in flädlrichen Räumen eröffnet werde». Die BeratuiigSirell- wird Rat und Uiitersti'itzung nach folgenden Richtungen vermitteln: Ernährung. Bewegungsgelegenheit. Ferienerholung und Ferienautficht. Kleidung. Fainitienanichlug bei häuslichen Mistverhältniffeii. Anschlich an Jugendvereinigungen. Wahl der Schulgaltung und des Berufs, frei- willigen Sonderunterricht in nicht zwangsweisen Schulsächern, wie Bürgerkunde, Kunst- und Musikstudien, sowie Beschaffung von Büchern für ininderbeinittelle, besonders bildungSeifrige Schüler. Die Leitung der Beratungsstelle iiberninnnt Direktor Franz Hildebrand, Badstr. 22. Näheres wird seinerzeit bekanntgegeben werden. Der EinberufungSauSschutz zum vaterländischen Hilfsdienst für den Bereich der Bezirkskommandos I bis VI(umsasieiid die Städte Berlin, Lichtenberg, Schöncberg, WilmerSdors. Eharlottenburg, Reu- köllu, Eberswalde und die Kreise Teltow, Lber- und Riederbarnim, weist nochmals darauf bin, dag alle bisher von der Meldepflicht befreiten HilsSdienstpflichligen sowie diejenigen Hilfsdienstpflichtigen, die sich bis zum!.4. 17 gemeldet haben, jeden Wechsel der Arbeits- stelle und Wohnung innerhalb drei Tagen melden müssen. Die Meldungen haben von jetzt ab auf roten Karlen zu erfolgen, die bei allen Poslanstalten, Polizeirevieren, OrtZ- und Gemeindevor- ständen zu beziehen find. Für alle Meldungen der Arbeitgeber sind in Zukunft ebenfalls nur noch die roten Karten zu benutzen. Die Benutzung anderer Karten ist n n z u l ä s s i g. Mit Ge- fängnis bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu S00 M. wird bestraft, wer bei der Meldung wissentlich unwahre Angaben macht. Mit Geldstrafe bis zu 159 M. oder mit Haft wird beslrast, wer die vorgeschriebenen Meldungen schuldhaft unterlägt. Gestellung von Privatfuhrwcrkcn. Die Transportzentrale des LberkommandoS teilt mit, dast sie jetzt in größerem Umfange als früher in der Lage ist, dem Publikum durch Gestellung von Privat« fuhrwerken auszuhelfen. Während die Nachfrage noch Zweispännern recht rege ist. werden Einspänner, die der Transportzentrale in erheblicher Anzahl zur Verfügung stehen, verhältnismäßig wenig verlangt. Mit Einspännern können Lasten bis 25 Zentner befördert werden. Zweispänner kosten für die zehnstündige Arbeitszeit ein- schließlich Kutscher 48 M., Einspänner 8g M. Anträge auf Fuhr- t�erksgestellung sind bei der TranSportzentrale, Dorotheenstr. 8, ein- zureichen. Ein neuer Frühzug EberSwalde-Berlin wird vom 1. Juni ab zur Beförderung der Arbeiter nach Berlin eingelegt werden. Er verläßt Eberswalde um 4,41 Uhr morgens und trifft auf dem Nlettiner Bahnhof um S Uhr ein. Ter Ardeiter-Samariterbund, Kolonne Groß-Berlin, veranstaltete am letzten Sonntag einen allgemeinen Ausflug mit Transport- Übung in den Bergen beim alten Freund zu PichelSwerber bei Spandau, welche von 25 Mitgliedern und 3 Teilnehmern und zirka 30 Gästen ohne Kinder besucht war. Turnverein Fichte. Die sportlichen Wettkämpfe ergaben folgende Resultate: 1. Jupe, 14. Abt.. 95 Pkt., 2. Schmidt, 12. Abt.. 92 Pkt.. 3. Braun. 18. Abt.. 89 Pkt.. 4. PrzybyZyewSki. 5. Abt.. 86 Pkt.. 5. Storkmann. 8. Abt., 82 Pkt. Slafettenläufe: bX 190. 1. 7. Abt. 1 Min. II«,', Sek. 2. 2. Abt. 1 Min. 12 Sek. 10. Abt. brustbreit zurück. 1000 Meter-Lauf: 1. Haberer. 13. Abt.. 3 Min. 9 Sek. 2. Zoll, 13. Abt.. 3 Min. 12 Sek. 3. Kohl. 10. Abt.. 3 Min, II'/,, Sek. F u ß b a l l f p i e l: 7. bis 17. Abt. 3: 6. „Wohltätig ist de? Feuers Macht." Bei einem Brande, der DienSiag früh im ersten Stock des Hanfes Manteuffelstraße 20 aus- brach und bei dem leider einige Einwohner in Lebensgefahr ge- rieten, wurden in einer Kammer, die als VorratSraum und Wert- statt diente, größere Mengen Schinken und Speck auf- gefunden und als unverhoffte Bereicherung unserer Massen- speisung von der Polizei beschlagnah nit. Rätselhaftes Perfchwinden eines jungen Mädchens. Die fünf- zehn Jahre alle Charlotte Lamfried, Tochter eines Kraflwagen- jührerS aus der Ehoriner Str. 33. ging ani letzten Donners- tag abends von Hause weg, um den Zitherunterricht zu besuchen, Sie erschien aber nicht in der Stunde und ließ auch nichts mehr von sich hören. Ermittelungen ergaben, daß sich die Vermißte an einer anderen Stelle 10 M. geliehen hol und dann mit der Straßen- bahn nach Tegel gefahren ist. Am nächsten Morgen fand man an der Entladestelle in der Havel ein Jackett und eine Handtasche, die der L. gehörten. Was mit ihr geschehen ist, weiß man noch nicht. DaS undekaunte„Dienstmädchen", da«, wie wir berichteten, am vorigen Mittwoch auf die KaufmannSfrau Lehmann in der Honsastr, 3 einen Raubiiberfall verüble und dann entflohen war, iit jetzt als«ine 23jährige Frau Luise Jeserick in Witten- berge sestgestellt und verhastet worden. Tcköncbcrg. An« der Stadtverordnetenotrsammlung. ,.Er- böbung der Teuerungszulagen und Prüfung der Löhne der Kriegs- bilfsarbeiter, die mit 3 M. bis 3,50 M. beginnen", so lautete die neue Vorlage des Magistrats über Teuerungszulagen. Bürger- meister Blankenstein führte begründend aus, daß den Ver- dältnrssen entsprechend eine Erhöhung der KriegstcucrungSzulageii stattfinden müsse und auch die Grciuc über 6000 M. bis aus 9000 M. erhöht werden solle. Für die Kriegs h i l f s arbeitcr soll eine P r ü s u n g der Löhne vorgeiiomincn werden. Genosse M o h s er- klärte, daß wiederholt über Teuerungszulagen beraten werden mutzte, aber leider nicht mit dem gewünschten Erfolg. Die Vor- lagen erfassen niemals die ivirklich Bedürftigen, sondern stets die im günstigen Gehalt Stehenden, das beweist die 9000-M.-Grenze. Bor allem sollten allgemeine Erhöhungen für die Hilfsarbeiter vor- genommen werden. Es bestehe die Gefahr, bei der jetzigen geringen Entlohnung geeignete Arbeitskräfte nicht zu bekommen. Andere kleinere Gemeinden wären Schöncberg bei weitem voraus. Die Borlage sei zur besseren Durchberatung einem Ausschuß zu über- weisen. Bürgermeister B l a n k c n st« i n entgegnete, daß die Teuerung sich auch m den oberen Gchaltsklaffcn sehr bemerkbar macht. Als grundlegend für die Gewährung von Teuerungszulagen gelten die staatlichen Sätze, dein sollten sich die Gemeinden anpaffen. Zobel(Lib. Fr.) erklärt, die Porlage sei bevölkerungspolitisch sehr gut durchdacht und die Liberale Fraktion würde derselben glatt zu- stimmen. Es handele sich um Besserstellung der Arbeiter und Bc- amten noch den staatlichen Sätzen, denen auch die sozialdemokratische Landtagsfraktion zugestimmt habe. Genosse K ü t c r wünschte, daß der Bürgermeister mitteilt, ob vor den Ferien eine Magistratsvor- läge über Erhöhung der Hilfsarbcitcrlöhne unterbreitet werde. Bürgermeister Blankenburg erklärte, eine Vorlage erscheine überhaupt nicht. Genosse K ü t e r bedauerte dies, denn dann seien diese Arbeitskräfte in der Entlobnung der Willlür einzelner Per- sonen ausgesetzt. Wohl haben Erhöhungen für Einzelpersonen statt- gefunden, die besondere Stellen bekleiden, aber im Durchschnitt sind die Erhöhungen über 3,75 bis 4,50 M. nicht hinausgekommen. Auch wäre eS wünschenswert, daß die AbgangSzeuZniflc so auSge- stellt werden, daß der Betreffende in seinem weiteren Fortkommen nicht bebindert wird, wie es leider wiederholt geschehen und auch im Aussibutz von sozialdmokratischcr Seite zur Sprache gebracht worden sei. Die Zeugnisse wurden leidet nicht abgeändert. Bürger- meister Blankenstein erwiderte, die Löhne für Hilfsarbeiter feien bedeutend erhöht worden, erheblich mehr als die der Be- amken. Die Zeugnisse könnten nicht geändert werden, denn es liege eigenes Verschulden der Betreffenden vor und man könne nicht jeden schalten und walten lassen, wie er wolle. Genosse Mobs bc- mängelte die niedrige Bezahlung der KnegshilsSkräfte und bringt einen Fall vor. wo einem Tottor der Philosophie ein Tagclobn von 3 Mark 30 Pfennige überwiesen wurde. Bei der Abstimmung lehnte die Liberale Fraktion es ab, die Vorlage einem Ausschuß zu überweisen. Sodann wurde einstimmig beschlossen: Es erhalten vom 1. April: Ledige mit einem Jahreseinkommen bis zu 8100 M. pro Monat 10 M. Teuerungszulage. Verheiratete ohne Kinder bis 8100 M. 15 M., bis 6100 M. 12 M., Verbeiratete mit einem Kinde bis 8100 M. 27 M., bis 6100 M. 12 M.. mit zwei Kindern bis 3100 M. 40 M.. bis 6100 M. 35 M.. bis 9100 M. 10 M.. mit drei Kindern bis 8100 M. 54 M.. bis 6100 M. 48 M.. bis 9100 M. 38 M.. mit vier Kindern bis 3100 M. 69 M.. bis 6100 M. 62 M., bis 9100 M. 46 M.. mit fünf Kindern bis 8100 M. 85 M., bis 6100 M. 77 M., bis 9100 M. 60 M. Für jedes weitere Kind erhöht sich die Steigerung in gllcn drei Gruppen jedesmal um 1 M. Tie Rein- machefraucn erhalten einen Lohnzuschlag von 10 Ps. für die Ar- beftsstundc. Bei den in Naturalverpslegung des Augujte-Viktoria- Krankcnhauses und des Alters- und Pflegeheims in Teulsch-Wuster- bansen stehenden Personen erhalten die Ledigen ein Drittel und die Verheirateten die Hälfte der angegebenen Sätze In die De- putation für Beschaffung von Brennmaterialien für die Bevölke- rung wurden die Genossen M o h s und Rottländer gewählt. Svandan. Städtische LebenSmittelvrrivrgung. Von beute ab dürfen gegen Abtrennung van Feld 7 der Lebensmittelkarte 75 Gramm lose Suppen für 10 Ps.(ErbSfuppe 12 Pf.) und gegen Abtrennung von Feld 8 zwei Suppenwürfel für je 10 Pf. verkauft werden. Gegen Avtrenmnig von Feld 12 der Lebensmittelkarte werden 125 Gramm Speisesirup für 10 Pf. verkauft, gegen Ab- trennuiig von Feld 5 sind noch Teigwaren in verschiedenen Ge- schästen zu haben. Friedrichshagen. LebeiiSmittemvertrilung. Heute gelangt auf Abschnitt(I der Lebensmittelkarte je ein halbes Pfund Graupe». ferner vom 9. bis II. Mai ans Abschnitt V je ein halbes Pfund Kunsthonig zum Preise von 28 Pf. zur Verteilung. Tie Ausgabe geschieht in den Geschäften auf Grund der allgemeinen Kunden- listen. �_ Hroß-Serlmer parteinachrichten. KaulSdirf. Die Mitgliederversammlung findet Sonnabend, den 12. Mai, abends 8>/z Uhr, bei Hampel, Hönower Str. 5, mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Bericht vom Bezirkstage. 2. Sonstige Berichte. 3. Die Lebensmittel- Versorgung der Gemeinde. 4. Verschiedenes.— Die«Vorwärts"- Leser sind zu der Versammlung freundlichst eingeladen. Soziales. Förderung der Bautätigkeit. Trotz der beißen Kämpfe jetzt müssen doch, wie allgemein an- erkannt, schon immer gewisse Vorbereitungen sür die mit Eintritt de« Frieden« dringlichsten Ausgaben getroffen werden. Nach fast allgemeiner Ueberzeiigung besieht sür die Zeit nach Friedensschluß, wenigstens an zahlreichen Lrten, die Gefahr einer großen Wohnungsnot und starken Mictleueriing. und zu ihrer Bc- kämpfung wird dann eine alsbaldige umfassende Lau- tätigkeit, namentlich was die Kleinwohnungen anlangt, not- wendig sein. Eins der wichtigsten Hindernisse aber, die einer solchen Bautätigkeit entgegenstehen, ist der durch die Krieg?- Verhältnisse geschaffene Mangel an Baumateriol sowie auch der hohe Preis desselben. Da darf nun darauf aufmerksam gemachl werden, daß die Heeresverwaltung und wohl aucki die Marine- Verwaltung in der Lage wären, hier wesentlich helfend einzu- greifen. Sie verjügen über sehr viel Baumaterial, das für die Wohnungsbautätigkeit sehr geeignet wäre und da« sie zum Teil schon jetzt, namentlich aber in Zukunft nock Friedensschluß nicht mehr brauchen. In den ausgebauten Scdützengräben und Unterständen und ähnlichen militärischen Bauten befinden sich Holz, Eisen, Bausteine uiw. in großer Menge, serner enthalten aber auch die militärische» Barackenlager, die früher oder später zum Abbruch kommen werden, namentlich die sür die Ge- saugeneit. große Mengen von Baumaterial. Diese Materialmaffen sollte die Heeresverwaltung soweit möglich schon jetzt, sonst aber wenigstens gleich nach Friedensschluß der Bautätigkeit, iianienllich der zur Errichtung vmi Klciiiwobnungcn, zur Vertiigung stellen, und zwar zu billigen Preisen, nötigenfalls auch umsonst, um der aus mannig- jachen Gründen zu erwartenden starke» Vericuerung des Bauen« ent- gegenzuwirkcn. Das wäre eine iehr witkianie Bekämpfung von Wohnungsnot und WohnungSleucrung' Vollständig unerläßlich hierbei wäre aber. den richtigen Weg kür dieses Vorgehen zu finden. ES müßte sorg- faltig dafür Vorsorge gelroffcn iverden, daß dieses miliiärische Material zugeteilt wird, die es direkt zur Bedarssbefriediguiig verwenden und zwar nach aller Möglichkeit denjeiiigen Stellen, die den driiigendsten Bedarf haben. Ferner müßte uiibedingt Sicherheit dafür geschaffen werden, daß die Endpreise, zu denen der Bevölkerung diese» militärische Muterial zugeführt wird, den von der Heeresverwaltung zu stellenden billigen Bedingungen entsprechen und daß iticht etwa von den Zwischrnstellen ein ungebührlicher Aufschlag ge- nommen wird. E« leuchtet ein. daß hiernach wohl vor allem die Ge- meinden, die Gemeindeverbände und die gemeinnützige Bautätigkeit die geeigneten Stellen zur Ilebernahnie und Verwertung de« Materials sein wurden. Am besten winde eine planmäßige Regelung der gaiizc» wicbtigen Frage zwischen der Heeretverwallung eiiierseuS und dem ReichSanil des Innern oder auch den einzelnen Bundesstaaten andererseits statiffnden. Jedenialls aber sollten sich die eiiizclnen Komniunalveiwallungen und ibre Verbände, die gemeinnützigen Bouunternebniungen und die Vertreter der Wohnungsreform jetzt schon ohne Verzug um diese ganze Angelegenheit kümmern. Aber auch noch in anderer Weise muß der Zukunft vor- gearbeitet werden. In einem recht beachtenswerteil Artikel über die Wohnungsfrage und liebet gangSwirtschaft fordert die Städte- zeitung die Bereitstellung deS Baulandes und die'Ausarbeitung der Baupläne für Kleinwohnungen. Namentlich auch die Frage der Geldbeichaffung niüffe schon jetzt geregelt wetden. Ebenso seien Vorkehrungen zu treffen, daß die ArbcitSkiäste der Heimkehrenden sofort wieder nutzbar gemacht werden könnten. DaS»st notwendig im Interesse der Gcsundbeiterhallung und Erstarkung de« deutstden Volkes, als deren Grundbedingung die Gesundung deS Wohnung?- Wesens angesehen werden muß. Bon den$§ 402 und 532 der ReichSversichcrungSordnnng. Gegen Atbeilgcbcr, die mit Ablieferung der Krankenkassen- beitrage rückständig sind, und die in einem ZwangSbeitreibungS- verfobren sich alS zahlungsunfähig erwiesen haden, kann nach§ 398 der ReichSverstcherungSordnuiig angeordnet werden, daß sie nur ihren BcitragSieil an die Kaste zahle». Tie von ihnen beschäftigten VersickierungSpflichtigen haben dann ihren BeitragSleit an den Zahl- tagen selbst zu zahle».— Dazu bestimmt dann K 402: .Solange sür Arbeitgeber, die sich im ZahlungSbeitreibungS- Versahren als zahlungsunfähig erwiesen hoben, die Anordnung(ge- maß§ 398) nicht getroffen ist. haben sie die Lohnabzüge(sür die Krankenkasse) zu machen nnd den Betrag spätestens binnen drei Tagen an die berechtigte Kasse abzuführen." Die Strafbestimmung hierzu enthält§ 532. ?!ait> sruchtloser Zwangsvollstreckung war der Kaufmann D. aus den K 402 hingewiesen worden. Demnächst wurde er vom Land- gerichr in Berlin zu einer Geldstrase wegen Uebertrelung der$§ 402 und 532 der R.-B.-O. verurteilt, weil er trotzdem einige Male die BeitragSleil« de« in Frage kommenden Dienstmädchens ihr nicht vom Loh» abgezogen und die Beiträge nicht innerhalb drei Tagen an die Landliankenlasfe abgeführt worden seien, Das K a m»l er g c r i ch t hob das Urteil auf und verwies die Sachs zu nochmaliger Enticheidung an da? Landgericht zurück, Begründend wurde ausgeführt: Auch eine Beslraiinig aus G'.nnd de? 8 532 der R.-P.-O. crsordcrc ein vorsätzliches Handeln. Ter betreffende müsse sich seiner Pflicht auS§ 402 bewußt gcnicien sein nnd ieine Nachlässigkeit müsse aus Vorsatz beruhen. Mit nehme da? Landgericht an, daß auch ein bedingter Vorsatz lEvenIiialdoluSi geniige. Es sei auch lein RechiSirrti»». wenn das Landgericht einen EveninaldoluS dann iehe. daß der Anqctiagle die Regelung der ganzen Angelegeiihcir feiner»crvciikranlcn nnd mir wenig Geldmiiielii verichenc» Frau überlajicn habe m dem Bewußt- sein, möge die Sache laufen, wie sie tvollc.' Gleichivobl hätte die Vorentickeidling nichl ausrechl erbalicn werden lönnen, weil die tat- sächlichen Feststellungen noch Vlävgrl zeiglcn. Gerichtszeitung. Ein schlau ausgeionnencr Plan, sich in den Besitz einer geoßcn Zahl von Lebensmittelkarten zu setzen, ist dem Friscuss Hans' PrzepcssSki in Neukölln durch Zufall vereitelt worden. Ter Wirt, bei dem er wohnte, ist Besitzer zweier Häuser mit etwa vierzig Mietern. Am 12. März erschien ein Bursche in der zu- ständigen Brotkoiilinission und überreichte einen mit der gefälschten Unterichrift des Hauswirts versehenen Zettel, durch welchen um die Aushändigung der für seine sämtlichen Mieter bestimmten� Lebensmittelkarten ersucht wurde. Ziifällig betrat zu gleicher Zeit' der Sohn des Hanswirts die Rännie nnd bat»m die Karten. Man inachte dann ein Bündel zurecht, übergab dieses dein Burschen zur Besorgung an seinen Auftraggeber nnd als der Angeklagte das Paket in Empfang nehmen wollte, wurde er verhaftet. Dir er schon iiiehrfach vorbestraft ist. wurde er wcge» llrkundenfälschung und Betrngsversnchs zu ein Jahr ein M o» a t Z» ch t h a u s und 50 M. Geldstrafe verurteilt. fius aller Welt. Herrgott und Hindeniurg. In der„Jeilutig der 10, Armee", die! tu Wilna erscheint, ruft der Hauptma»» d. R. Ailur Dinier in sieben gcreiniten Sirophen«Herrgoll und Hiiidcnbnrg" an, damir Deutschland Flandern, Longwy-Briey und Kiirlgnd behalten dürsc. Z. Zum Herrgott und Hiiidenburg wollen wir nifcii, daß wir behalten die ehernen Stufe», die sie im? schlugen ins Lothringer Land: Für Erz und Kohlen ein Unterpfand! Der Stabreim«Herrgott und Hindenburg" wiederholt ück in jeder Strophe, so daß man sich schließlich rrsianni fragt: Gibl ei- denn in den Ranglisten der kgl. vreußüche» Armee gar nichl? d a- zwischen? Und außerdem, ist cS richtig, wenn eine Arnreezeilung für die Kriegsziele einer bestimmten Richlung einseitig Partei er- greift?_ Ztrbeiier-Tamariterbnnd. Kolonne M r o ß S e r Ii» Lehr- ftiindc haben nächile Woche abend? 8'/, Uhr: l. bis 6. Abteilung Monlgg. de» 14. Mai, Kipenickcr Str. 62. Vortrag. Nack demsrlben pratlijche Per- bandübimgeii. Gäste habe» einmaligen sreien Zutritt. Sriefknften öer Redaktion. Pabwarsk. I. Komp. 7 eiaitige AuSkuniisilellc» kennen wir nichi.— I. H. I tvt). Nein, dazu iind noch andrie Rateiiaiieii erfoidellich. die ober zurzeit der Veichlaguahme uiltciiicgcu.— Melirleiu. Pflegerin. Schweiteinlchulen brstcheil an den flädtifchen Wraiilcichäilicr» Moabit nnd Vnchow-Kranlciihan?. Schrislliche Anmelduiig zur Auliiahiiie als Schülerin bei der Direktion einer dieier beiden Aiistaltcn. Höhere Schulbildung in nicht erforderlich.— SKiffenschasr. Eine rrichövseiide Abbnndlnng darüber laiin im Brieflastcn nicht gegeben werden. Im welenlliche» e.njflcbrn dicfelbc» bei Fäiiwi? stiikstostkaltiger Elofse.— F. M. 2. In diessp. Sacke wenden Sie sich um Auskunft an die Zentralkommijfiojl der Kranken- lasten, Alexänderftr. 39—49.— 9t. B.*5. An die Direktion deSVjrchoio. Krankerihaufc? oder des städtischen Krankeiihnufr» Moabit. Höhere Schni � Bildung ist nicht erforderlich. Lehrgeld auch nichl. iondern es gibt im Gegenteil noch ein monatliche? Taichengeid von>9 i'-M. dci ireicr Wob, nung, Beköstigung und Kleidung. Nur Wäsche ist nistzubriiigen.— rvetterauSiichten für das»tiNcre?torddc»l'etila»h bis Donnerstag mittag. Zunächst mild, iibciiou'gend bewöltl mit leichten, nur im Südwesten slärlei eil Rcgeiisällcii: später langsam nuskia:c»0 und wieder clwas kühler. Dein liebes T r u d ch c n. ��?anklagttttg. Für die vielen Beiveisc herzlicher Teilliahme beim Hinscheiden meinei lieben Frau, unserer guten Mutter' Berta Sonntag sagen wir allen Frilliidcn inid Bc- kaliiilen, iiisbesolidere Herrn Kaldcik Manalse für die trostreichen Warle am Sarge der Eiitschlasencn. den Kollegen und Kolleginnen der Firma, „Manoli, sowie den Sängern unlenr herzlichsten Tank. 105?1 Adolf Sonntag liebst Kindern. Verein der Stereotypeiire und Galvanoplasiiker Bcrlini« und Lincciecnd. Den Mitglieder» die Trauer- Nachricht, daß unser Kollege Georg Waltershofen nach schwerem Leiden im Atter von 49 Jahren verstorben ist, Ehre seinem Zlndenten! Die Beerdigung siudel Domler!. tag. den 19. Mai, nachm. 2'/, Uhr, von der Leichenhalle de? neuen Neuköllner Gcmeinde-FriedboseS, Mariendorssr Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 291/11 Izi-i- Vorstand. Am Soiiiiabciid, den 5. Rai, verstarb nach schwerem Leiden liiiser Kollege, der Stereolypeur und Galoanoplasttker Georg Waltershoffen Im Alter von 49 Jahren. Ein ebrende? Andenken de> wahren ihm Tic VcrbgndSkollrge» der Buchdruckerei Liebheit u. Thiesr». Die Beerdigung findet morgen Doliuerslag, den 19. Mai, nach- mittags 2'/, Uhr. von der Leickcn- balle de» neuen Neilköllner Friedhofes, Mariciidorser Weg, au» statt. 23480 Kranken- und Begräbniskasse der Seifensieder u. Btruisgenoss. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser ntte? Mitglied Gustav Seidel verstorben Ist. Ehre seinem Audcnkcn! Tie Becrdigiliig ist am DonuerSIag. den 19. Mai, nach. mittag» 5 Ubr. aus dem»mcii Matthäi-Kirchhos. 291/12 Uor Vorstand. AIS Opfer deS WcttlricgcS siel am II. April 1917 mein lieber, nilvergeßlicher Mann, Bater seines einzigen Töchterchens, unser Sohn und Binder, der Schlosser Gustav Neumann Ossizierstellvertreker Jns.-Reg n»ras Tancnhin Ni. 29 3. Bai.. 3. M.-G.A. geboren ni» 9. Mai 1883. E? ist zu schwer, e? z» versieben. Daß mir un» nichl mehr wieder- sehen. Du hast den Frieden, Wir den Schiiierz. Die trauerildeiiHiiitcrblicbeiie» Ww. siarista tieumnan als bialtin nebst Töchicrchcn Gertrud. Vw. Berta Neumann ni? Ruiter. Max, zurzeit im Felde) ai? Bruno) Brüder. Lieber Bater, schlaf in Rnb, Meine Liebe deck! Dich zu. Schmerzliches Gedenke» «UN Sterbetage unseres lieben Schwager», Bruder« und Onlels. des Landsliirmmalinr» 2319b Lricb keupsck Nrenadier-Rcgt. Nr. 4, 1. Komp., gefallen am 9. Mai 1916. durch Granatschvß im blühenden Alter von 24 Jahren. Du warst so jung, Du starbst so srüh. Vergessen werden wir Dich nie. In trauriger Erinnerung pBmilie Adolf Richter. nebst Gatten zur 10591 � Unserer lieben Kollegin | Marie Giersch « T- | Silbernen Hochzeit Ä die herzlichste Gratulation: E � vis llolls« innen iler Voe«!etz. M Spedition Müllerttr. 34a. � Bangeuossettschast „Ideal" eingetragene Gcnossensibnft mit be- schriinklcr Haftpflicht DimStag, den 22. Mai 1917, abends pünktlich 8 Uhr: Generalversammlung In der„Jdralklanse«, Neukölln, Ninreschstrafie Nr. 11/l<;. Tagesordnung: 1.!?elchästsbericht tHalbjahrSberichy. 2. Verlesung des Berichts des Vcr- bandsrevisorS. 3. Die Steigerung der Koste» der Heizung und Warmwaffcrver- sorgung. 4. EigänziingZwahlen zum Nuf- jichtsrat. 105/15 W?- Eintritt nur gegen Vor- zeigung des Mitgliedsbuches, Ter Borstand der Bangenossciischaft„Ideal" e. G. ui. b. H. Emil WniikN, Vorsitzender. Buchdrucker! Tarifkreis VIII Kerlin Sonntag, den 13. Mai 1917, vormittags 19 Uhr: Nfltailiing alltt tntiftrnmi Gehilft« Kerlins in Obiglos Fest-Sälen, Koppenstrahe S9. Tagesordnung: 1. Bericht über die Teuerungszulage«. 2. Nutrag auf Revision des Tarifs. 3. Diskussion. Alle tariftreucn Gehilsen sind zu dieser Versammlung eingeladen. 2811_______ Der Kreisvertreter: A. Massini. .Achtunx l Spezialarzt Dr. med. WockenfnB, friedrichetr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehriich-Hata-Kur(Dauer 10 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Beruft- 215/10*] Störung. Teilzahlung. Sprechstunden; 11— l und 6— 8. Uhren-Qolduiareti nitxdk Co.. Ldndcnstr.tOD. jiii mr am M Zahlstelle Berlin und Umgegend. Tonnerstag, den 10. Mai, abends präzise 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Zahlstellen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung Dom ersten Quartal 1917. 2. Bericht und Beschlußfassung übec das Ergebnis der neuen Tarisverhandluugen. 3. Wahl eines Tclegicrten zur Gaukousercnz. 4. Bericht der Schiedskommission. Das Erscheinen aller Bezirksdelegierien ist Pflicht. -05/18 De? TorNtand. eiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiimiiimuuiiiiiiiujiwiiuwn MMerilEMM de» WiMlanMen! nuiimiiinliiiuiitiinni» �.chtuoK� llnisGlmIiesksiingsselinkillssei! Montag, 11. Mai, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshans, Engelufer 14/15, grosier Saal: V ersammlunx aller mit Militäruniftmen, somie Fedtrallzügev, Flieger-, Eisenbahn-, Straßenbahn-, polt-, Schntzlente- n. Diener- belileidung Deschästigten. Tagesordnung: 1. Tie Stellungnahme der Bekleidungsämter zu der verlangten Lohnerhöhung. 2. Tie Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Lieferungs- schneiderei. Zahlreichen Besuch erwarten 165/11* Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Oewerkverein� der Schneider. Günstige Gelegenheit� für" Kriegsbeschädigte! VerlagvonGgon?lelfchelH'Co.,VerlinW.9,Änkstr.l6i A.i e Sctöbucf, er bringen zu wohlfeilen Preisen Romane und Novellen, die in Aus- slatiung und Inhalt den besonderen Bedürfnissen unserer Feldsoldaten Rechnung tragen. In gut leserlichem Druck, biegsam gebunden in handlichem Format, enthalten A.i e Z-e l d b ü e h e r sorgfältig ausgewählte Beiträge erster Autoren. 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Pfd. 3 Dvale Sohlenetchoner, gemischt, in drei Größen..., F» Runde Mtclioncr in 5» nnd 10-Ps.-Größen......, 3, Bruno Sensfns, Leder-Ahälle,SetBcnfec,!2fln8l)ans6i-.33. Tel. Weiß. 19 9. Vr-nljlfch.S«dd-tttfche (235. Köllig!. Vrenss.) Klasfenlotterie 5. Klaffe 1. Ziehungstag S. Mai 1917 Dormitwg Auf jede gerogeue Nummer find zwei gleich hohe Wcwlnne gefalle», nud zwar je einer auf die Lose gletcher Nummer in den beide» Abtetluugen I».>1. Rur die Gewinne über 240 M, sind in Klommern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St,-A. f. Z.)(Rachdrud verboten) 120 42 ö40 84 822 24 2g 937 41 68«087(800) 117 37 28« 468 736 2014 82 144 31? S37»134 66 SS 329 32<600) 486 99 935(3000) 94 4137 304 19 691 6161(600) 299 371 98 471 86 682 44 45 630 720 6000 61 124 25 342 69 464 76 516 68 621 33 63(1000) 748 66 999 7 520 631 38 44 897 8157 248 664 9026(600) 165 220 591 706 78 891 IOI07(1000) 219 94 604 688(3000) Ii! 22 98 369 457 678 704 1 2135 340 62 467 636 675 89 884 1 3036(3000) 310 417 11000) 77 571 699 737 802 49 965 14038 86 168 200 32 393 499(3000) 631 778 886 971 15360 606(600) 81 732 866 72 912 16060 213 40 49 304 48 78 526 88 632 736 78 1 7003 87 133 287(3000) 337 726 69(600) 87 808 946 1 8080 94 136£52 73 098 470 77(1000) 624 61 19036 139 56 228 309 579 612 327 999(100(1) 2 0202(1000) 90 360 76 80 429 71£34 611 983 98 21212 388 407(10001 40 661 700 6 917 78 2 2286 641 774 88 2 3130 160«) 39( 600) 88 94 99 668(600) 669 770 933 2 4219 99 368 £9 464( 96 604 725 931 25 068 235 361 884 2 6092 169 (1000) 208 321 401 572 633 79 806 983 87 2 7146(1000) 416 660 73(600) 28134 629 46 633 776 2 8263 69 363 622 717« 807 68 8? 960 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VrenPsch Sssddenlsch» (285. KSnlgl. Vrenss.) Klassenlotterl» S. Klaffe 1. ZtebungStag 8 Mai 191? Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find zlvet»le(ch»««le Gewtune gefallen,»nd zwar je«lner anf dt« Lole gleicher Nummer tu den beide» Abteilungen I u.«I. Nur die Gewinne über 210 M. find in Klammern beigefügt. lOhne Gewähr A. St.-A. f. 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3000) 79 90 341 61 6S6(1000) 732 43 972 221047 105 226 705 86 2 2 2040.6(3000) 6« 146 61 276(1000) 4,7 92 693 721 98»68 223025(3000) 60 296(BOO) 496 891 607 892 997 2 2 4022(1000) 98(3000) 157 ,500) 370 438 761 83 849 985 2 2 5 036 187 300 660 883 92 2 2 6008 86 221(600) 42 376 469 631 944 2 2 7247 307 96 881(8000) 99(600) 978 228138 280(1000) 64 699 708 29(6001 91 818 28 2 2 0065 138 361 434 68'500) 71 860 98(30001 881 943 71 78 2 30 13 366 416 28 648 97 775 349 2 81142 62 67 436 606 46 72 776 2 3 2010 13 198 253 354 416 687(1000) 605 29 £3 59(600) 714(600) 24 65 557 905 233018 635 42(10001 40 7S3 813 68(500] 963 Nr.12H— die prothesentrager. Von Paul Wartva». Um den vielen Verstümmelten, die der Weltkrieg gebracht dat> ibr Los zu erleichtern, sind viele Kräfte an der Arbeit, Neben dem Mitleid mit den vom Schicksal schwer Betroffenen sprechen dabei auch andere Gründe mit. Der Verlust vieler Arbeitskräfte wird eine schwere Schädigung der gesamten Volkswirtschaft bedeuten, und die Verstümmelten selbst werden über ihren Körperschaden viel leichter hmwegkommen, wenn sie wieder soweit als möglich arbeits« fähig gemacht werden und so daS Bewuhrsein erlangen, wieder nützliche Glieder der Gesellschaft zu sein. Das Ersatzglied oder die Prothese spielt dabei eine große Rolle. Naturgemäß mußte dabei von dem früher befolgten Grundsatz abgegangen werden, Er« iatzglieder zu schaffen, die mehr Verschönerungszwecke hatten, als daß sie der Arbeil dienen sollten. Mechaniker, Aerzte und Ban- .--»tjisien haben sich mit Eifer der Aufgabe angenommen, Prüfungs« und Beratungsstellen sind am Werke, die Vorschläge und Erfindungen. zu prüfen und das jeweils Pasiendste herauszufinden. Die Zabl'„jj Ersatzglieder, die sich den verschiedensten Zwecken anpaffen. groß geworden, was auch schon deshalb notig ist, weil m-, sich eines nicht für alle schickt. � Auch die Verletzten selbst zeigen fast de» auten Willen, sich mtt den Verhällmssen obguff�w Auch bei ihnen üb-?. wtegt gluckltcherwene dre Zahl derer � vi« hoffnungsvoll daran gehen. � � b,Cn�®rJati?r r°"�u�.oeit-n. und sich damit wirtfchastlich nach Möglichkeit nützlich zu wichen. waS ja auch durchaus in ihrem eigenen Interesse liegt. � Natürlich komm!«z dabei sehr viel darauf an. da« Selbst- vertrauen bei ibn�a z» erwecken. Dazu find die verschiedensten Wege gewählt worden. Einer davon ist der, durch öffentlich« AuS- Bfuungen zi� zeigen, was guter Wille vermag. Es wird durch ».ichibilder gezeigt, wie die Verletzten an der Arbeit find, oder e« tocrden auch Verletzte selbst vorgeführt, die durch praktische Arbeit öffentlich beweisen, daß sich sehr viele Verrichtungen auch mit den Prothesen ausführen laffen und daß sogar recht komplizierte Arbeiten damit möglich sind. Das alles mag ganz gut sein. Nur liegt die Gefahr nahe daß »on den Ausstellungsleitern zu sehr verallgemeinert wird. Die Leute, die dabei gewissermaßen als Ausstellungsobjekte dienen, sind zumeist ganz besonders intelligente und energische Einzel» ericheinungen. Aus ihren Leistungen den Schluß zu ziehen, daß das, was sie leisten, von jedem verlangt werden könne, wäre ver» fehlt. Und doch wird dieser Schluß sehr oft gezogen. Verkehlt ist es ferner, so zu tun, als wäre es möglich, die Prothesenträger im vollen Maße wieder leistungsfähig zu machen. Da werden zum Beispiel Tischler vorgeführt, die an der Hobel» bank arbeiten und auch sonst alle Arbeiten verrichten. Der Nichtfachmann, der das sieht, geht befriedigt hinweg. Anders der Fachmann. Dieser sieht nicht nur die Mängel der Arbeit, er sieht vor allem auch, mit welchem Zeitaufwand die Arbeit hergestellt lvird. Er sagt sich dann, wenn diese Verletzten in der Fabrik diese Arbeiten verrichten sollten, so könnten sie, zumal da meist Akkordlöhne bezahlt werden, mit gesunden Arbeitern nicht wetteifern. Ist dieser Fachmann dann selbst ein Verletzter, auf den günstig ein» gewirkt werden soll, dann wird ihn diese Erkenntnis leicht miß- »nung machen. Er wird eher das Zutrauen zur Prothese verlieren, als daß es durch solche Ausstellungen gestärlt wird. Er weiß, daß der Arbeitgeber, der ihn an einen Arbeitsplatz stellt, aus seine Kosten komme» will, und daß, wenn später die Rückficht fortfällt, die jetzt noch vielfach geübt wird, er mehr al» ein Siehimwege, denn als ein vorteilhafter Arbeiter betrachtet werden wird. Genau so wirkt eS, wenn Ersatzglieder, wie die magnetische oder die Preßluslhand, vorgeführt werden. Beide Prothesen mögen vorteilhaft sein. Aber sie bedingen eine Nebeneinrichtung auf dem Arbeitsplatz des Protheseträgers, die erhebliche Kosten macht. Wer soll diese tragen? Der Arbeiter kann eS nicht, da ihm fast stet» die Mittel dazu fehlen, der Unternehmer aber wird die Gewähr verlangen, daß er, fall» er die Einrichtung stellt, auf sein« Kosten kommt. DaS ivird nur dann der Fall sein, wenn eS sich um einen außerordentlich geschickten Arbeiter handelt und wenn dieser eine langfristige Bindung eingehen würde. Damit ginge er aber in fast allen Fälle» ein Abhängigkeitsverhältnis ein, da» unzweckmäßig er- scheint. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß er dann bei Lohnbewegungen keinen freiew Willen mehr hätte. Alles daS überlegt sich der Arbeiter. Er sieht auch, daß auf den Ausstellungen ihm vielfach Leute vorgeführt werden, die sich von Kindheit an mit den Prothesen eingeübt haben und gewiffer- maßen Artisten auf ihrem Gebiet geworden find. Da seine Ver- suche, die er oft auf eigene Faust gemacht hat oder weiter macht, Arbeiter. tri �:'l, Uhr: Almenrausch und EdelwsiB. Krampfader- Gamasche Nach 1921 L* Dr. Ludwig Stephan D. K. P. Ersetzt die Venenklapen Beseitigt die Blutstauung Bestbewährtes Heilmittel Prospekt H frei durch den Fabrikanten Karl Stephan JlMenbnrg a Ii Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Anfang 7'U Uhr. Zelluloid- Film- nnd Hartgnmmi-AbfSSe taust Q r d v w e r, Grorgenkirch« slrahe SO. beim Alexanderplatz, 9—12, 3-6 Uhr. 22/4' 0 Zeigen �on verkauft! Tie original Standard Bereifung Fnhppftdcr; ist neu, leicht und grfüllig. Aufinoutierung eine Minute! In allen einschlägigen Geschäften zu haben.' >»tamiarirä»tcrb>der. 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ZeitnngsauSträgrrin, Tour Tegel, ve:lnngi'.Vorwärts*« Spedition, Borsigwalde, Räulchüiatze 10.* , Botrnsranen soiort verlangt „VorwärtS"ausgabestelle Westen, ' Blumcnlhalstratze 8, Hof parterre, bei Frau Stolpmann.* ,Erd-, Straszen- und Banfacharbeiter in unbeschränkter Zahl sofort gesucht. Näheres bei 4418L* Hopp«V Ilofmann, Ttzreidurg i. B._ |(«iforinfd)«fii)fr, Sacko-u Ijltjthostllschntider '— dauerud— verlangt. 86/6 H. SchOn, Unter den Linden 50. Kleinere Maurer- iinil Piitzarheit in Akkord, L Viaurcr, l Arbeiter, | Nähe Köpenick, sofort. 36/6 Berlin. Dnnckcrstr. IS. Leimerin, geübt, Pbotorahmen.'ucht Strnh, Lr. kränhlmler Str. 18. iiS/S