Ar. 1S7. 54. Ftchrg. flbonnfmtutS'Rfdln�nogoi: Rbottnetncnt*• vre»« prdimmttintb« BietteljäW. 5,90 Ml. monafl. L30 Ml. wöchentlich 80$f{. frei tnl Hnu«. Einzelne Summet 6 Ps» konntag». nununer niil Multrierler Konmag», Vellage.Die Reue Welt' l0 Ptg. voll- IlbonnemeM! ILO Marl vro Mona». Eingetragen in die Bosi. Zeitung». vreislille. llmer Kreuzband für Deutichlan» und Oesterreich. Ungarn 2,&0 Marl, iür da» übrige iwsland « Marl pro Monat Vostabonnemem» nebmen an Leigien. Dänemarl Holland. Italien. Luxemburg. Poriugal, Uumänicn. Schweden und die Schwei» Ofctetnt täflBch. [ 5 Pfennig) Die TnfertlonS'GebQDr »etrSgi fllt die sechSgelpallene kolonel. »elle oder deren Raum 60 Big. illr »olitilche und gewerlichaiilichc Verein». und Versainnilungs- Anzeigen L0 Big. Kleine Anreisen-, da» ieligedrulste Wort A> Plg.(zuläistg 2 fetigedMltie Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Kiellengesuche und Schlaistellenan- »eigen da» erste Wort 10 Pjg. jede» weitere Wort 6 Vfg. Worte über IL Buch» liaben zählen für zwei Worte. Jnseraie müssei r die nächste Nummer müssen bi» . Ubr nachnüllag» in der Expedition abgegeben werden. Die Srvediiioa»jt di»? Uhr abend» gcöiiuet. Derlrnev VolktsblsK. Tentralorgan cler fosialäemokratifcken Partei Daitfchlands. rAegramm-Sdreffe: .Soiialdcmokrai BtrUa" Redaktion: EW. 68, linüenstraße 3. Meruivrecher: Ami MortNvla«, Str. ISl S0— 151 97. Donnerstag, den 10. Mai 1017. Expedition: GW. 68» Lindenstraße 3. Fernsprecher: Am» Moripvla«, Nr. ISl 30— ISl. S7. Neue KSmpfe bei fmm und ßullecourt Fresnoy gegen neue Angriffe gehalten— Kämpfe im Winterberg-Gebiet— Gefechte im Bukowina-Winkel— Schwere feindliche Niederlage im Cerna-Bogen. Amtlich. Große« Hauptquartier» de» 3. Mai 1917.(ÜB. T. SB.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei ungünstigen Witterungsverhältnisse« war dag Artillerie- fcucr nur an wenigen Stallen lebhafter. Baherisch�ftänkische Regimenter» die gestern m»rgeu Fre««»H mit großem Schneid gestürmt hatten, hielten den Ort gegen neue feindliche Angriffe und brachten weitere hundert Gefangene ein. Teilvorstöße der Engländer bei Roeux und Bullecourt worden abgeschlagen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen dem Winterberg und der Straße Eorbeny— Berrp- au-Bac schritten abends fristh eingesetzte ftanzäsische Kräfte«ach Trommelfeuer zum Angriff. I» heißem Ringen wurde der Feind teils durch Nahkawpf, teils durch Gegenstoß zurückgeworfen. Im übrigen war auch an der Aisne- und Ehampagne-Froat die Gefechtstätigkeit, beeinflußt durch das schlechte Wetter, ge- ring« als au den Bortage«. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich da« Kirlibaba und südlich der Baleputua-Atraß« wurden Vorstöße russischer Kompagnien leicht abgewiesen. Die Mazedonische Front war gester» der Schauplatz erbitterter Kämpfe. Räch starte» Artillerievorbereitung führte General Sarrail seine verbündete» Truppen zwischen Prespa- und Dojrau-Sec an zahlreichen Stellen zu« Angriff. Besonders erbittert wurde im Cerua-Bogeu ge- kämpft, wo Tag und Nacht wiederholte feindliche Anläufe unter schwersten Verlusten für den Gegner vor unseren Stellungen voll- kommen zusammenbrachen. Das gleiche Schicksal hatte» Angriffe des Feindes bei Gradesnica, am Bardar und westlich deS Dosran- Sees. Deutsche und bulgarische Dwisione« haben dem Feind eine schwere Niedertage bereitet. Der Erste Generalquartiermriflrr. Ludrndorff. Abendbericht. Lerli«, amtlich, 9. Mai abend«. Bei FreSnoy und B u l l e c o» rt scheiterten eng- tische Augriffe. Das Feuer war bei Arra« und an der AiSue nur stellenweise lebhafter. Der österreichische Bericht. Sie«, 9. Mai 1317.(W. 3. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. In der südlichen Bukowina wiesen wir russische ErkundungS- truppe» ab. Sonst nichts zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. I« de« Landenge zwischen O ch r i d a- und P r e S p a- See vereitelte» österreichisch-ungarifche und»Smanische Abteilungen vorgestern eine» feindlichen Borstoß. Der Stellvertreter de» Ehefs de» Generalstabe» V. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Einheitliche Politik! In der„Köln. Ztg." war jüngst in einem Berliner Artikel zu lesen, daß die Politik der Regierung weder napoleonisch noch sozialdemokratisch-pazifistisch sei. Was sie ist, wurde leider nicht gesagt. Aber manchmal hat man den Eindruck, als wollte man mit napoleonischen Gesten pazifistische Politik machen, und das geht natürlich nicht. Eher wäre schon das Gegenteil denkbar: nämlich, daß man mit pazifistischer Geste napolconische Politik machte, wie es Napoleon selbst getan hat. UcbcrWssig zu sagen, daß w i r eine solche napoleonische Politik nicht wollen. Aber Friedenspolitik mit der Napoleongeste— daS geht nicht! Wenn wir denFrieden wollen, dürfen keine Reden gehalten werden, die wie neue Kriegserklärungen klingen und die den Äriegswillen der Gegner aufs äußer st e auf- peitschen müssen. Deswegen brauchen wir noch lange nicht ins Mauseloch kriechen. wir dürfen den Gegnern sagen, daß wir den Krieg mit äußerster Energie und ungebeugtem Mut weiterführen worden, solange sie ihn wollen. Aber Hohn-, Droh- und zu frühe T r i u mp h r e d e n.sollten nicht gehalten werden. Mit solchen Reden kann man zwar bei einem ent- sprechend gestimmten Publikum stürmischen Beifall erregen, aber sie liegen nicht in der politischen Linie, die eingehalten werden muß. Solche Reden sind— wie das meiste in der Welt— gut gemeint, aber sie schaden der Sache! Siehe dazu den heutigen Reichstagsbcricht! Englanüs Finanzen. „Times" gibt in großen Zügen eine Uebersicht über die englischen Staats-Einnahmen und Ausgaben von 1914/1918. In Millionen Pfund Sterling belaufen sich die Ausgaben für die Rechnungsjahre 1914/1910, 1915/1916, 1916/1917 und 1917/1918 aus 563, 1559, 2198 und 2290, die Einnahmen auf 226, 336, 573 und 638; die Einnahmen betrugen danach 40,1, 21,5, 26,07 und 27,8 Proz. der Ausgaben des betreffenden Jahres. Da in den Ausgaben aber auch die Vorschüffe an Alliierte und Kolonien enthalten sind, welche eigentlich keine Ausgaben, sondern Kapitalanlagen darstellen, so müsien diese von den Ausgaben abge« setzt werden, wenn man das richtige Verhältnis zu den Ein- nahmen und Ausgaben ei rechnen will. Hierbei muffen dieRechnungs- jabre 1914' 15 und 1915/16 zusammengefaßt werden, weil jene Vor- schüsje nur für diese beiden Jahre zusammen bekannt sind. Nach Abzug der Borichüffe von den LnSgabeu betragen für die RechuungS« abschnitte 1914/16, 1916/17 und 1917/18 die Staatseinnahmen SS, 2. 85,7 und 88,7 Proz. der SlaatSausgaben. Danach würde, wie die „Times" bemerkt. daS laufende Rechnungsjahr weniger befriedigend abschließen, als das abgelaufene, wenn auch bester als der Rech- nungSabschnitt 1914/16, doch meine man allgemein, daß Bonar Law die Einnahmen deS laufenden JahreS unterschätzt habe. Die Engländer haben zwar nicht die ganzen Kriegs- kosten durch Steuern gedeckt, aber doch einen erheblichen Bruchteil, der angesichts der Höhe der Kriegsausgaben imponierend ist. Und das Wichtigste ist, daß für die Steige- rung der Einnahmen von 5 und 12,8 Mill. Mark vorwiegend die steuerlich Leistungsfähigen durch Er- höhung der indirekten Steuern in Anspruch genommen sind. Im Deutschen Reich ist von einer ähnlichen Steigerung der Einnahmen gar keine Rede, weil seine wichtigsten Einnahme- quellen wie z. B. Zölle, Alkohol- und Umsatzsteuern entweder vollständig oder fast vollständig ausgetrocknet sind und das in einer Zeit, wo die Finanznot des Reiches und die sich ins Ungemessene türmenden Kriegsgewinne nach einer beweg- l i ch e n und gerechten Reichssteuer schreien. die Naff enschlachten ohne Entscheiöung. Der Militärkritiker de« Berner„Bund" stellt fest, daß auch beim zweiten Generalangriff der Franzosen eine Durchbrechung der deutschen Vorstellungen nicht erfolgt ist. Der Kritiker schließt: So sind denn die gewaltigen Anstürme der englisch-französischen Armee am Nord- und Südflügel den Angreifern zu neuen Massenschlachten geworden, ohne die Entscheidung wesentlich vom Fleck zu rücken. ES ist jedoch festzustellen, daß der englisch-französischen Heeres- lcitung diesmal die Kooperation insofern geglückt ist, als ihre An- strengungen in Einklang gebracht und der Staffelangriff feindlich gut abgestimmt ist. Dafür spricht der feste Wille, die eingeleitete Offensive fortzusetzen und die deutsche Verteidigung durch wieder- holte Rammstöße zu erschüttern, um die Mauern des deutschen Widerstandes endlich doch noch zum Einsturz zu bringen. Die Aus- geglichenheit und Spannkraft der beweglichen in tiefen Räumen sich bewegenden deutschen Defensive machen dies unmöglich, wenn die lebendigen Kräfte des Verteidigers nicht früher als die des An- greiferS verzehrt werden.__ Das Drängen nach Zrieüen. Der Hauptausschuß des schwedischen Friedensbundes hat sich an den Minister des Auswärtigen mit einem Schreiben gewandt, in dem dieser gebeten wird, anläßlich der bevor- stehenden nordischen Ministerkonferenz die s k a n d i n a- vischen Staaten zu einer Initiative im Sinne der FriedeuSvermittluug zu bewegen. die russische Agrarfrage und die ruffische Arbeiterschaft. Von Heinrich Cunow. Der Gegensatz zwischen der provisorischen Regierung der neuen russischen Republik und dem Petersburger Ar- beiterdclegicrtcnrat spitzt sich immer schärfer zu, je mehr dieser Lcrtreterausschuß der Arbeiterschaft'urrti der Petersburger revolutionären Regimenter mit den gleichartigen Exekutivausschüssen in anderen russischen Städten Verbindung sucht und sich zu einer Zcntralleitung der sozialistischen Ar- bciterschaft Rußlands entwickelt. Die fortgesetzte Kontrolle der Regierungsmaßnahmen durch diesen revolutionären Konvent und dessen energische Bemühungen, die Revolution über jene Ziele hinauszutrcibcn, die die liberalen Parteien mit dem Sturz des Zarcnregimcnts verfolgten, sind der provisorischeu Regierung höchst lästig, zumal der im Arbciterdelegiertenrat zuni Ausdruck gelangende starke Friedenswille der Arbeiter- und Bauernschaft zu den Plänen des BourgeoiSlibcralismus im schärfsten Widerspruch steht. Die russische Revolution deS Jahres 1905 ist vor allem deshalb zusammengebrochen, weil neben und über dem Gegensatz der bürgerlichen Gefellschaft zum autokratifchen Absolutismus des Zarentums der Gegensatz der Arbeiter- und Kleinbauernschaft zur bürgerlichen Gesellschaft stand und das Bewußtsein dieses Klassengegensatzes sich schließlich inner- halb der liberalen Parteien stärker erwies, als der Widerstreit zwischen Bourgeoisie und dem Zarenregimcnt. Diese'Gegen- sähe sind heute aber in noch schärferer Form vorhanden, und es ist ganz unvermeidlich, daß, wenn sich nicht daS russische Proletariat mit der Ehre begnügen will, durch seine Blutopfcr lediglich dem liberalen Bourgeoisregiment in den Sattel geholfen zu haben, im weiteren Verlauf der Revo- lution beide Machtgruppen aufeinander Platzen. Freilich ist heute infolge der seitdem gesammelten Erfahrungen, ihrer besseren Disziplinierung und der gegebenen politischen Gesamtumstände die Position der Arbeiterschaft eine stärkere als 1905; dennoch dürfte es ihr schwer fallen, sich zu bc- haupten, wenn sie nicht die russische Bauernschaft zu sich herüberzieht und mit dieser vereint den Kampf führt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die r u s s i s ch e A g r a r- frage die wichtigste aller heutigen inneren Fragen des revolutionären Rußlands. Sie hat bisher den eigentlichen maßgebenden Faktor in dem großen Streit zivischen dem alten zaristischen und dem werdenden neuen Rußland gc- spielt, und auch für den weiteren Verlauf der jetzigen revo- lutionären Bewegung ist sie von ausschlaggebender Bedeutung. Eine gewisse Kenntnis der bäuerlichen Verhältnisse Rußlands ist deshalb zur Beurteilung der weiteren Aussichten der rufst- scheu Revolution nötig. Als 1905 die. russische Revolution ihr Haupt erhob, drängte sich sofort die Agrarfrage auf die Tagesordnung. Das europäische Rußland hat zwar eine sehr große landwirtschaft- lich benutzte Gesamtfläche, sogar beträchtlich größer als die der Vereinigten Staaten von Amerika und ungefähr sechsmal größer als die Deutschlands aber von dieser Fläche besteht ein großer Teil, mehr als ein Drittel, in Staats- und Kronenland, und von dem übrigen im Besitz der Bauernschaften und Privaten befindlichen Ackerboden wird wieder nur etwa ein Drittel mit Getreide bestellt. Dazu kommt, daß, wenn die Gesamtfläche des Ackerbodens in Rußland sehr ausgedehnt ist, auch die auf dieser lebende ackerbautreibende Bevölkerung verhältnismäßig mehr Personen umfaßt. Von dem gesamten vorhandenen kulturfähigen Boden entfielen z. B. 1905 auf die einzelne Person der ackerbautreibenden Bevölkerung in Rußland 2,59 Teßjätinen(eine Deßjätine— 1,09 Hektar), in den Vereinigten Staaten hingegen 4,40 Teßjätinen. In Deutschland kamen damals ans den Kopf der ackerbautreibenden Bevölkerung zwar nur 1,75 Deßjättncn. Aber in der russischen Angabe ist das Staatsland mit enthalten; serner war 1905 fast ein Fünftel dieses Bodens nicht angebaut, und drittens sind die großen wenig besiedelten Gebiete im östlichen und nördlichen Rußland mitgerechnet. Betrachtet man die 10 Gouvernements des zentralen Schwarzerdegcbietes,>vo die Landbevölkerung am dichtesten sitzt, für sich und läßt das Staatsland sowie den privaten Großgrundbesitz unberücksichtigt, dann kamen 1965 auf den Kopf der Bauernbevölkerung in diesem Gebiet nur 1,35 Deßjätinen Bauernland(ungefähr IVa Hektar) und in Podolien, WolHynien und Kiew sogar im Durchschnitt nur 1,08 Deßjätinen. Im ganzen entfiel demnach in diesen Gegenden auf den Kopf der Bauernbevölkerung kaum mehr Ackerland als in Deutschland. Von diesem Lande kann aber in Rußland der Bauer nicht leben, denn nicht- nur bebaut er meist einen bc- trächtlich kleineren Teil seines Landes mit Getteide, der Er« trag ist auch infolge der gering entwickelten Agrar- Technik weit spärlicher� Sieht mall von deir baltischen Provinzeil und dem Weichselgebiet ab, dann erntet der russische Bauer auf seinein Boden nur ungefähr den dritten Teil, den durchschnittlich der deutsche Bauer auf gleicher Fläche gewinnt. Alis Höfen von fünf, zehn, sogar'fünfzehn Hektaren, auf denen wir in vielen Gegenden Deutschlands'wohlhabende Bauernsamilicn vorfinden, kann der russische Bauer meist in- folge der Rückständigkeit seiner ganzen Betriebsweise und der Verwertungsbedingungen seiner Erzeugnisse gar nicht existieren. Er mufi zur Ernährung mehr Land habeil. Das hat dazu geführt, das? der arme Bauer von den Grund- Herren oder den reichen Bauern, den Kulaki, d. h.„Fäusten", Land hinzuzupachtcn sucht. Die Pachten sind jedoch so hoch. daß der Pachtende nicht nur dem Besitzer in der Form eines Pachtzinses den ganzen Profit abtreten mich, sondern auch seine Arbeitsleistung auf dem gepachteten Boden kaum als Ausgabe rechnen darf. Besonders drückend gestaltet sich das Pachtverhältnis, wenn der Kleinbauer die Pacht nicht in Geld zu bezahlen vermag. Er erhält dann meist das Pachtstück nur auf ein Jahr zugestanden und mufi den Pachtbetrag auf den Feldern des Besitzers abarbeiten, das heifit diesem dafür Fronarbeit leisten in der sicheren Erlvartung, dafi wenn er nicht den An- forderungen des Verpächters entspricht, er im nächsten Jahr das Land nicht wieder erhält.— Diese elende Lage hatte schon 1906 die Bauern bestimmt, sich in vielen Gegenden der Revolution anzuschliefien, Land zu fordern und sich dieses teilweise mit Gewalt anzueignen. Nach der vorläufigen Niederwerfung der revolutionären Be- wcgung sah sich daher die Regierung gezwungen, eine Aufteilung eines �cilS der Staats- und Kronländerelen vor- zunehmen sowie durch eine neuerrichtete Bauern-Agrarbank privaten Großgrundbesitz aufzukaufen und in einzelnen Par- zellen an die Bauern zu verkaufen. Den Kleinbauern >iat jedoch diese Stolypinschc Agrarreform wenig genützt. Sie hat nur dazu geführt, den alten russischen Gemeindebesitz lvesentlich einzuschränken und in bäuerlichen Privatbesitz umzuwandeln, den bäuerlichen Groß- besitz zu vermehren und auch in einzelnen Gegenden einen mittleren Bauernstand heranzuziehen; aber die Notlage der groficn Masse der Kleinbauern ist dadurch kaum vermindert worden. Bis zum 1. Mai 1913 waren von den KV/z Millionen Gemeindemitgliedcrn. die 1903 noch Anteils- rechte> am Gemeindebesitz hatten, schon an 3,7 Millionen ans dem Gemeindeverband ausgeschieden, so dafi mit dem schon früher vorhandenen bäuerlichen Privatbesitz die gesamte ans dem Gemeindebesitz ausgeschiedene Fläche ungefähr li.3U Millionen Hektar umfaßt, das heifit fast zwei Drittel aller Bauernhöfe befinden sich jetzt im Privatbesitz. Aber auch dort, wo der Gemeindebesitz rechtlich noch besteht, finden Umteilungen meist nicht mehr statt. Die Folge dieser Aus- lösuug des alten Gemeindebesitzes ist aber keineswegs eine Erstarkung deS Kleinbauerntums. Von den Klein- bauern hatten bis Mai 1913 nicht weniger alZ 380 O0O den ihnen zugefallenen Bodenanteil, das sogenannte Nadjelland wieder- verkauft, obgleich die russische Regierung dieser raschen Mobilisation des Bauernlandes durch allerlei einschränkende Verordnungen zu wehren suchte. Die Käufer sind natürlich zumeist die herrschaftlichen und bäuerlichen Großgrundbesitzer. Die Kleinbauernschaft lebt daher noch in demselben Elend Ivie 1903, ja teilweise ist die Schwierigkeit der Lebens- nnterhaltsgewiunung noch gestiegen, denn der Kindersegen ist durchweg in der russischen Bauernschaft noch stärker, als in Deutschland, während andererseits die Erträge pro Hektar im ganzen nur in sehr geringem Maße gewachsen sind. 1913 wurden zum Beispiel im europäischen Rußland pro Hektar geerntet 9,1 Doppelzentner Weizen oder 8,3 Doppelzentner Roggen oder 9,9 Doppelzentner Gerste: in Deutschland hingegen L0,7 Doppelzentner Weizen, 17,2 Doppelzentner Roggen, 19,8 Doppelzentner Gerste. In den russischen Zahlen sind jedoch die verhältnismäßig höheren Erträge der Ostsee- Provinzen und Polens mit enthalten und ebenso die Ernte- ergcbnisse des Großgrundbesitzes, der mit besseren Ackergeräten und Maschinen arbeitet und höhere Erträge erzielt. Nach den Angaben der russischen Generaldircktion für Boden- organisation und Landwirtschaft hat der Großgrundbesitz 1913 pro Hektar 22 Proz. Roggen, 13 Proz. Sommerweizen und 10 Proz. Gerste mehr geerntet, als der bäuerliche Betrieb. Zieht man diese Tatsachen in Betracht, so ergibt sich, daß der russische Bauer auf der gleichen Fläche nicht viel mehr als ein Drittel des Ertrages ge- winnt, den darauf der deutsche Bauer erntet. Hierzu kommt, daß, soweit überhaupt eine Vermehrung des Ackerlandes stattgefunden hat, dies meist auf Kosten der Weide- und Wiesenländcreien geschehen ist: eine Schmälerung, die ihrerseits wieder einschränkend auf die Viehhaltung zurückgewirkt hat. Der russische Kleinbauer vermag daher auf seinem Besitz nicht auszukommen und schreit nach Land, heute noch mehr als früher. Ilm ihn zu beschwichtigen, hat die provisorische Regierung Agrarreformen versprochen: doch der Bauer hat, wie die Meldungen zeigen, keine Lust, auf die spätere Er- süllung dieser Verheißungen zu Ivarten. Er hat in einzelnen mittel- und südrussischen Gegenden bereits angefangen, sich der herrschaftlichen Ländereien zu bemächtigen. Zugleich be- ginnt die Bauernbeivegung einen nachteiligen Einfluß auf die Heeresorganisution auszuüben. Die bäuerlichen Urlauber kehren häufig nicht mehr zu ihrer Truppe zurück und selbst au der Front finden zahlreiche Desertionen statt; denn die zur Fahne einberufenen Bauern möchten nicht nur nach Hause, um die nötigen Ackerarbeiten vorzunehmen, sie wollen auch bei der nach ihrer Ansicht baldigst bevorstehenden Ver- lcitung der Ländereien des Staates, der Klostergütcr und der großen Grundherren mit dabei sein, damit sie nicht zu kurz kommen. Diese Bauernbewcguug zur Stärkung der eigenen Position gegenüber der zu einem gemäßigt-libcralen Regierungssystem zurückstrebenden Bourgeoisie zu verwerten, ist eine der wich- tigsten Aufgaben der sozialistischen Arbeiterschaft Rußlands, und diese Ausgabe ist keineswegs allzu schmierig, denn ein beträchtlicher Teil der Kleinbauernschast gehört bereits zur Partei der Trndvwicki, und zudem ist ein großer Teil der Jndustriearbeitcrschaft aus dem Bauernstand hervorgegangen und unterhält zu diesem noch immer enge Beziehungen. Auch arbeiten in manchen Gegenden die Bauern zeitweilig in den Fabriken. Die Kleinbauernschast steht demnach in den meisten Teilen Rußlands dem städtischen Proletariat sehr nahei Beider Interessen zu vereinen und in den Dienst der revolutionären Bewegung zu stellen wird um so leichter sein, als auch in beiden derselbe Drang nach einem möglichst baldigen Friedensschluß vorherrscht. Deutsche Geiseln auf französischen tzospital- schiffen. Deutsche Gegenmaßregel«. Wolfss Bureau meldet: Durch einwandfreie Beobachtungen und eidliche Bekundungen wurde festgestellt, daß die feindlichen H o s p i t a l sck i f f c in ausgedehntem Maße zum Transport von Truppen und Kriegsmaterial und zu anderen Kriegszwecken miß- braucht werden. Daher konnte ihnen die deutsche Regierung im Sperrgebiet nur dann eine sichere Fahrt zubilligen, ioenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen, die ihre völkerreckitswidrige Verwendung einigermaßen ausschließen. Der sichere Verwundetentrans- Port blieb also nach wie vor möglich. Erfüllen die Hospitalschiffe die erwähnten Bedingungen nicht, so unterliegen sie den gleichen Gefahren, wie andere Schiffe im Sperrgebiet. Diese vollberechtigte Maßnahme hat die französische Regierung veranlaßt, als Gegenmaßregel 79 deutsche Offiziere, darunter 1 General und 15 Stabsoffiziere, auf im Mittelmeer fahrenden Hospitalschiffen unterzubringen. In welchem heldenmütigen Geiste unsere Offiziere diese, dem ohnmächtigen Haß Frankveichs cnt- springende Matzregel ausfassen, zeigt ein Ausschnitt aus dem Briefe eines Stabsoffiziers der Reserve, der trotz seines hohen Alters von 65 Jahren und körperlicher Leiden von den Franzosen nament- lich für die Gegenmaßnahme bestimmt wurde. Er berichtet an seine Gattin: „Ich schrieb Dir schon gestern meine persönliche Anschauung über diese Maßnahme, auf die man in Deutschland hoffentlich keinerlei Rücksicht nehmen wird. Wir erfüllen nur eine selbstverständliche Pflicht, genau wie früher in anderen Stellungen." Zur Erwiderung der französischen Maßnahme, die den bis- herigen Bölkerrechtsbrüchen Frankreichs würdig zur Seite tritt, wurde unverzüglich die dreifache Anzahl französischer Offiziere entsprechend der Dien st grade an von Flieger- angriffen besonders heimgesuchten Punkten des westlichen Industriegebiets untergebracht. Englands Nöte. Der Lebensmitielkontrolleur Lord Devonport gab im Oberhause eine wichtige Erklärung ab. die in parlamen- tarischen Kreisen als sehr befriedigend angesehen Ivird. Er gab klar zu verstehen, daß die Regierung es nicht für notwendig halte, das Brotkarten- s y st e m einzuführen. Ueber die Fleischeinfuhr seit dem 1. Januar 1917 sagte der Lebensmittelkontrolleur, sie sei nur wenig geringer gewesen, als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Es werde vielleicht nötig sein, sie noch mehr einzuschränken dadurch, daß man Frachtraum für dringendere Zwecke abzweige. Die Herden in England seien jedoch ebenso zahlreich, wenn nicht zahlreicher, als je zuvor. Lo»d M i l n e r. Mitglied des Kriegskabinetts, sagte, die Empfehlungen des Lebcnsmittelkontrolleurs beruhten aus vernünftigen Berechnungen und nicht auf zu opitimistischen Annahmen hinsichtlich der Nahrungsmittelmengen, die Eng- land wahrscheinlich erreichen würden. Dem„Nieuwe Rotterdamsche Courant" zufolge bemerkt jedoch die„Times" zu der Rede Lovd Devonports im Oberhaus: Die Aussicht, daß man mit den vorhandenen Vor- röten auskommen Wird, hängt von zwei Bedingungen ab: erstens von der Abnahme des Verbrauchs, und zweitens da- von, daß keine außerordentliche Steigerung der Schiffsverluste eintritt. Der Lebensmittelkontrollcur nimmt eine schwere Verantwortung auf sich, wenn er damit sicher rechnet. Auch die„Daily News" schildert die Lage als sehr ernst, wobei es ihr aber mehr darauf anzukommen scheint, Veran twortlichkeit und Schuld dem konservativen Haupt der Admiralität C a r s o n aufzubürden. Die„Westminster Gazette" rückt die geivaltige dauernde Bedeutung des N-Boot-Krieges für Recht und Politik in den Vordergrund und sieht die Zeit für den Frieden nicht reif, solange nicht durch die Erfahrung erwiesen ist, ob der U-Boot-Krieg zur Bezwingimg der Entente tauglich oder untauglich ist. „Solange die Deutschen glauben, mit Hilfe der Untersee- boote die Oberhand zu gewinnen oder doch so weit Erfolg zu haben, dast unsere militärischen Anstrengungen in Mitleidenschaft gezogen werden und die amerikanische Hilfe verhindert wird, die Kampflinir zu erreichen, solange werden die Deutschen keinen Frieden zu Bedingungen machen, die wir annehmen können, und fortfahren, von Annexionen und Entschädigungen zu sprechen. Der Gebrauch, de» die deutsche Regirrung von den Unterseebooten macht, ist nach unserer Ansicht nicht nur eine Episode des Krieges, sondern eine gewaltige neue Tatsa che in der Weltgeschichte, die weit über allem Verhandeln und Diplomatisieren steht. Ent- weder gewinnen die Deutschen und haben die Welt zu ihren Füßen oder wir siegen und machen dem Unterseeboot als Handelszerstörer ein Ende. Kein Zurück oder Ausweichen vor dieser Frage bringt uns den geringste» Ruhen, denn ruhige Neberlegung sagt uns, daß wir uns, wenn wir jetzt auf ein Kompromiß eingehen, jederzeit in der Zukunft einem neuen Angriff aussetzen, und daß keiner der Beweggründe, von dem wir die Verhinderung eines neuen Angriffs zu Lande erwarten könnten, auf eine» Krieg zur See wirken würde, der von einer kleinen Zahl wohlausgcbildcter Seeleute mit taufend Unterseebooten unternommen würde. Die Amerikaner sind ebenso wie die Engländer und Franzosen überzeugt, daß diese Methode alles umfassender Zerstörung das Leben der zivilisierten Nationen tödlich treffe» muß, und wir alle sind cntschlosien, daß d i e-s e F r a g c, die nun einmal aufgeworfen worden ist, b i s z u r e n d- gültigen Lösung durchgefochten werden mu ß." Inzwischen versuchen die Engländer, indem sie die Wirkungen des U-Boot-Krieges sehr deutlich machen, d i e Amerikaner zurHilfe, besonders zum eiligen Schiffbau, anzuspornen. So erklärte Lord Eustace Percy, ein Mitglied der britischen Sonder- gcsandtschaft: „Mit dem jetzigen Tempo der Zerstörung können der gegen- wärtigr britische und der in Aussicht genommene amerikanische Schiff- bau nicht Schritt halten. Der Krieg hat sich zu einem Wett- kämpf zwischen der Leistungsfähigkeit der britischen und amerikanischen Wersten nnd den Tauchbooten zugespitzt. Der auSschlag- gebende Umstand im Weltkriege ist der Schiffs- räum, welchen die Bereinigten Staaten zur Bcr- fügnng stellen könne n." Mit wahrer Erleichterung wird in London der amcrika- nische Saatcnstandsbericht gelesen werden, der eine erheb- liche Besserung des Standes von Winter- Weizen gegen den Vormonat feststellt. Freilich ist noch nicht aller Tage Abend, und auf der Chicagoer Waren- börse von: 8. Mai war die gemeldete„andauernd kalte Witte- rung" das Entzücken der Preistreibcr. Australien für öle Wehrpflicht. . Obwohl Australien so weil vom Kriegsschauplatz entfernt ist und jeinc KriegssreiwUlige» schon sehr teuer für ihren Enthusiasmus gezablt baben, haben die Webrpstickitgegner bei den jüngsten Wahlen doch eine Schlappe erliiten. die sich allerdings durch eine tolle naliona- listische Propaganda zum Teil erklärt. Es standen sich die Wehrpflicht- feindlichen Arbeiterparteiler auf der einen und die Liberalen und die übrigen Arbeiterparteiler aus der anderen Seite gegenüber. Die beiden letztgenannten Par- teien wünschen eine starke nationale Regierung für eine kraftvolle Fortsetzung des Krieges. Die sogenannte nationalistische Koalition hat die Mehr heil in beiden Häusern der Volks- vertretuna erlangt. Im Unterbaute hat sie 59 Vertreter gegen 2'< Wehrpflichtgegner, im Senat 23 gegen 13 wchrpflichtfeindliche Ar- deitervarteiler. Mit dieser Abstimmung mutz allerdings der Triumph der Wehrpflicht noch nicht besiegelt sein. Bei der letzten Volks- abstimmung fiel die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zur Verwendung der Truvven außer Landes— und nur um diese Wehrpflicht geht der Streit— gegen eine allerdings große Minder- heit durch. Wenn die Regierungsparteien setzt im Gegensatz zu dieser Abstimmung die Mehrheit gewinnen konnten, io mögen sich ihre Wähler vielleicht von allgemeinen politischen Gründen haben bestimmen lassen, in der Hoffnung, daß ein neuer Versuch zur Ein- iübrung der allgemeinen Wehrpflicht wieder einer gesonderten Volksabstimmung unterliegen wird. AIS sicher aber darf der Wahlsieg der von H u g h es geführten Parteien als oinBekenntnis der A u ff r a l i e r zum Größeren Britannien gedeutet werden. Die Australier begeistern sich für Größer-Britannicn nicht vorzüglich der sentimentalen und kulturellen Motive wegen, die mit so viel Geräusch vor der Oeffentlichkeit breit getreten werden, wenn die Sprachgemeinschaft und teilweise csittengemeinschaft auch sehr be- deutende Umstände sind. Sie wissen, daß sie bei einem Wirtschaft- lichen Zusammenschluß des briliichen Reiches eine Vorzugsstellung für ihren Weizen und ihr Schaffleisch im Mutterland erwarten haben und daß die Herrschaft Englands über die See sie von allzu großen Rüstungen entlastet und— gegen Japan schützt. Nach dem., Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet der Lon- doner Korrespondent des„Manchester Guardian", daß HugheS, dessen Stellung als Premierminister durch den Ausgang der Neu- Wahlen gesichert ist, nach England kommen und einige Zeit dort bleiben wird, um über verschiedene wichtige Fragen mit der britischen Regierung zu verhandeln. Das Gerücht von Guchanans Heimreise. DaS Norwegische Telegrammbureau berichtet, daß seine aus Anlaß der Meldung von der angeblichen Heimreise deS englische» Botschafters Buchanan aus Petersburg in Bergen angestellten Er- mittlungen ergebnislos gewesen sind. DaS Reutersche Bureau be- zeichnet die Meldung, daß Buchanan sich auf der Heimreise nock, England befinde, als unzutreffend. Endlich meldet die Petersburger Telegraphen- Agentur: Die Gerüchte über den englischen Bot- schafter find vollkommen falsch. der Krieg auf öen Meeren. 27 5DD Tonnen im Mantisthen Gzean. Berlin, 9. Mai. 27599 Br.-Reg.-To., darunter u. o. die bewaffneten englischen Dampfer Rio Lages mit 6999 To. Zucker nach England, und T r o i l u s(7362 To.) mit Stück- gut von England, der englische Dampfer Hesperides «3393 To.) mit Fleisch nach England, ferner zwei»u- bekannte englische Dampfer, beide mit Kurs nach England. Der Chef des AdmiralstabS der Marine. Seesperre und Versenkungen. Zürich, 8. Mai.„Stefcmi" meldet aus San Sebastian; Am 4. Ddai morgens wurden mehrere französische und spanischc Scefahr- zeuge, darunter zwei Dampffchaluppen, von einem deutschen Unterseeboot 20 Meilen nordwestlich von San Sebastian angegriffen. Zwei mit kleinen Kanonen bewaffnete Schaluppen eröffneten eas Fever gegen das U-Boot, das untertauchte, in auter Entfernung wieder auftauchte und den Kampf aufnahm. Nach einstündigem Gefecht gingen die«chaluppen �mit 7 an Bord befindlichen Matrosen unter. Auch zwei spanische Seesahrzeuge sollen versenkt worden sein und unter ihren Bemannungen Tote und Verwundete haben. Wolfss Bureau bemerkt dazu: Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, sind die spanischen Schiffe nur dadurch zu Schaden ge- kommen, daß die bewaffneten französischen Fischdampfer hinter ihnen vor dem deutschen U-Boot Deckung suchten, wodurch die Spanier bei dem sich entspinnenden Kampf in Feuer von �wei Seiten kamen. «- Ein schwedisch-englischeS Abkommen. Wie das schwedische Telegrammbureau amtlich mitteilt, ist zwichen Schweden und England ein Abkommen getroffen worden. wodurch außer gewissen anderen Erleichterungen im Seeverkehr die Möglichkeit geschaffen ist, die schwedischen, in ausländischen Häfen befindlichen Getreideladungen nach Schweden einzuführen.__ Die üeutfchen Lusterfolge im /lprit. Berlin, 9. Mai.«W. T. B.) Im Monat April haben unsere Gegner auf allen Fronten im ganzen 362 Flugzeuge und 29 Ballone verloren. Dem gegenüber steht ein eigener Verlust von insgesamt 74 Flugzeugen und 10 Ballonen. An den 362 außer Gefecht ge- setzten feindlichen Flugzeugen ist die Westfront allein mit 350 Flugzeugen beteiligt. Die Summe setzt sich im einzelnen folgender- maßen zusammen: 299 Flugzeuge wurden im Luslkampfe, 52 durch Flieger- Abwehrkononen abgeschossen, 11 mußten aus anderen Gründen hinter unseren Linien landen. Von diesen Flugzeugen sind 171 in unserem Besitz. 181 jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt und 10 jenseits der Linien zur Landung gezwungen worden. Welchen Umfang die Lufttämpfe angenommen haben und mit welcher Erbitterung um die Lustherrschaft gerungen wird, das er- hellt aus der Tatsache, daß die deutschen Luststreitkräfte in dein einen Monat April fast halb so viel feindliche Flugzeuge ver- nichtct haben wie im ganzen vergangenen Jahre«362 im April 1917 gegen 784 im Jahre 1916) und fast dreimal soviel wie in dem erfolgreichsten Monat deS Vorjahres«362 gegen 133 im September 1916.) Die Schlachtfelüer im Westen. F ran zöföschcvr Heeresbericht vom 8. Mai nachmittags. Zwischen Somnie und Oise ziemlich starke Artillerie- tätigkeit. Ein feindlicher Handstreich aus die Gegend von Jtan- c o u r t scheiterte. Während der Nacht machte der Feind östlich von Vauxaillon und auf den E h c m i n- d e S- D a in e s in Ricki- tung auf das Pantheon und bei Cerny einen Gegenangriff. Alle Ängriffsversuche der Deutschen brachen in unserem Feuer zu- sammen. Weiter östlich war der Artilleriokampf zeitweise aus der Hochfläche von Vauclerc und in der Gegend von Craonnc heftig. Nördlich von der Hochfläche von Vauclerc könnten wir durch einen Handstreich einen Mittelpunkt des feindlichen Widerstandes nehmen und 90 Gefangene einbringen. Nordwestlich von Reims kam es bei unfruchtbaren Versuchen der Deutschen, in den von uns gestern eroberten Gräben südlich von Berrh-au-Bac wieder Fuß zu fassen, zu einem lebhaften Kampfe, der zu unseren Gunsten endete. Tie Zahl der von uns hier gestern gemachten Gefangenen beträgt t'20. Nordwestlich von P r o sn es eroberten wir ein de- festigte» Werk und wiesen nordöstlich de» Hochbergc» einen heftigen deutschen Angriff auf den Kamm des Teton ab, wobei der Feind Verluste erlitt und Gefangene in unserer Hand ließ. Hand- granatcnkämpfe beim Gehölz von Avocour-t und in Richtung auf Chambrettcs. Vom 8. Mai abends. Nordöstlich von S o i s s o n s und am Chemin-dcs-Dames keine Bewegung der Infanterie! tags- über hat die deutsche Artillerie, von der unsrigen heftig bekämpft, den Abschnitt Cerny— Hurtevise und die Umgegend von Craonne beschossen. Handgranatentämpse östlich von Vauxoillon. An der übrigen Front Geschützfeuer mit Unterbrechungen. In der Zeit vom t. bis 7. Mai haben unsere Flugzeugführer den feindlichen Fliegern viele Gefechte geliefert. Bei diesen Luft- kämpfen sind 25 deutsche Flugzeuge abgeschossen worden, deren Zerstörung genau festgestellt worden ist, außerdem sind 51 deutsche Flugzeuge ernstlich beschädigt in ihren eigenen Linien herabgefallen; die Zerstörung der meisten von ihnen ist wahrscheinlich, hat aber nicht nachgeprüft werden können. Englischer Heeresbericht vom 8. Mai. Lebhafte Artillerietätigkeit, namentlich in den Abschnitten von Fresnov und LenS. Wir unternahmen erfolgreiche nächtliche Streifen bei Neuvc tkhapelle und Fanquisfart. Feindliche Streifen nordöstlich und südlich von Armentieres wurden zurückgeschlagen. Vom 8. Mai abends. Heute früh macht« der Feind starke Gegenangriffe gegen unsere Stellungen in der Nachbarschaft von F r e s n o y. Er hatte damit zuerst Erfolg und faßte nordöstlich des Dorfes in unseren Gräben Fuß. Bald darauf gewannen wir aber den verlorenen Boden durch Gegenangriffe zurück. Später am Vormittag unternahmen zwei frische deutsche Divisionen östlich von Frcsnoy einen zweiten mächtigen Angriff. Rechts auf nnserer Front wurden die angreifenden feindlichen Truppen mit schweren Verlusten zurückgewiesen, und wir behaupteten erfolgreich unsere Stellungen. Auf der Imken Seite wurden unsere Truppen nach heftigem Widerstände gezwungen, sich aus dem Dorf Frcsnoy und dem Gehölz zurückzuziehen. Die Ententenieüerlage im Cerna-Dogen. Ter Bulgarische Heeresbericht. Sofia, 8. Mai. Generalstabsbericht. Mazedonisch« Front; Zwischen dem Ohrida- und dem Preipa-See gegen den Einbruch der Nacht.., heftiges Geschützfeuer und daraus ein feindlicher Angriff, der durch Feuer von Bomben- und Maschinengewehren abgeschlagen wurde. Auf der C e r- wena Stena und aus der Höhe 1248 nördlich von Bitolja lMonastir) lebhaftes Geschützfeuer, daS in manchen Augenblicken sehr het'tia wurde. Im Cerna-Bogen machten nach zweitägiger heftiger Bor- bereitung durch Geschütz- und Minenwerferfeuer. das heute in den Bormittagsstunden vom frühen Morgen an mit größter Heftigkeit tobte, gegen 8 Uhr vorinittagö Franzosen, Russen und Italiener einen heftigen Angriff, der durch Sperrfeuer der Artillerie und Minenwerfer abgewiesen wurde. Feindliche Jnfanterieabteilungen, die an nranchen Stellen etwas weiter hatten vordringen können, wurden durch Gewehr- und Maschinengewehrfeuer vernichtet. DaS feindliche Geschütz- und Minenwerferfeuer dauerte darauf noch heftiger fort und gegen 4'/° Uhr nachmittags erfolgte ein zweiter heftiger Angriff; auch dieser Angriff wurde durch Gefchiitzteuer erstickt. Nach artille- ristischer Vorbereitung erfolgte ein dritter Angriff, aber auch er wurde durch Feuer und teilweise durch Gegenangriff blutig abge« schlagen. In der Nacht wurde ein vierter Angriff angesetzt, der gleichfalls erfolglos blieb; weitere Angriffe werden erwartet. Oest- lich von der C e r n a und in der Gegend von M o g l e n a schwäche- res Geschiitzfeuer und Feuerwechsel zwischen vorgeschobenen Ab- tcilungen; mehrere feindliche Gruppen versuchten vorzugehen, wurden aber durch Feuer vertrieben. Westlich vom Vordar befliges Geschiitzseuer auS verschiedenen Kalibern bei Toppute. Auf dem linken Barbar- User führten die Deutschen gelungene Palrouillanunternehmungen gegen Matschukowo durch. Südlich von Dojran wurde unsere vorderste Stellung den ganzen Tag über mit ununterbrochenem Geschütz- und Minenwerfer- teuer beschossen, das zeitweise die Heiligkeit von Trommelfeuer er- reichte; ein darauf folgender feindlicher Angriff wurde durch Ge- tchützfcucr im Keime erstickt. Am Fuße der? e l a s i c a P l a n i» a und in der Ebene von Serres das gewöhnliche Geschützseurr und Tätigkeit schwacher Abteilungen. Ein feindliche» Schiff hat vorn Meerbusen von O r f a n o au» die Küste bei den, Dorfe Orfauo ohne Ergebnis beschossen. Kleine Kriegsnachrichten. Morgan— gewesener Finanzagcnt Englands.„Daily Tele- graph" meldet aus New Uork, daß die Firma I. P. Morgan u. Eo. nicht länger in finanziellen Angelegenheiten England vertrete, da dig Finanzierung der Alliieren von der ameri- konischen Regierung nunmehr direkt besorgt Ivexd«. Nach Börsentelegrainmcu wird aus die von der Aashing- toner Regierung ausgelegte„Fveihcitsanleihe von 1317", aus der der Gcldhunger der Entente befriedigt werden soll, flott gezeichnet. Der rettende Dollar. Meldung des Rcuterschen Bureaus. Die amerikanische Regierung beschloß England hundert Millio- u�e n Dollar zu leihen, um seine Bedürfnisse in den Vereinigten Staaten im Mai zu decken. Eine zweite Abschlagszahlung von 25 Millionen wurde heute der englischen Botschaft übermittelt. invalide Kriegsgefangene auf der Heimreise. Mit dem deutschen Lazarettschiff Imperator trafen am 7. Mai öl Kriegs- invaliden aus deutschen und österreichischen Gefangenenlagern in H« l s i n g ö r ein. Sic wurden nach dem russischen Barackenlager bei Helsingor gebracht. General Alexcjew hat sich nach Meldung der„Times" energisch gegen die Propaganda zugunsten eines Frieden s ohne Annexionen und Entschädigungen ausgesprochen. Amerikanische Pioniere für Frankreich. Reuter meldet aus Washington: Das Äriegsdcpartcment gibt bekannt, daß die Auf- stellung von Pioiiierregimentern angeordnet wurde, die so rasch als Möglich zu Arbeiten in der E t a p p c nach Frankreich geschickt werden sollen. Die Mineurrcgimenter sollen zu Anlagen von Eisenbahnverbindungen hinter der Front verwendet werden und werden alle Klassen von Eisenbahnarbeitcrn umfassen, die zum Bau und zum Betriebe der Linien nötig sind. Der französische Botschafcr Palaeloguc wird nock Meldung der„Frankfurter Zeitung" nicht nach Petersburg zurückkehren. Sein Nachfolger solle der bisherige französische Munitionsuiinistcr Thomas werden, der sich seit Wochen in Rußland aufhält. Tie Zählung der Hrimgebliebcncn. Ein französischer Erlaß ordnet eine Berufszählung aller nicht unter den Fahnen steheirdcr Männer von 16 bis 66 Jahren an. Vcrlcyungcn der Schweizer Grenze. Tos Preßburcau des Schweizer Armccstabc» teilt solgendc Grenzverletzungen mit: Am 4. Mai überflog ein französischer Doppeldecker den schweizer Boden beim Dreiländerstein. Arn 5. Mai 10 llbr 40 Minuten morgens platzte ein deutsches Schrapnell über dem Lorgin, ohne Schaden anzurichten. Die Schweiz und die Bclgier-Deportationen. Der Ausschuß de« ichweizeriscken Ständerats zur Beratung der Initiative be- tretfcnd einen Einspruch gegen die Deportation aus Nordsrankreich und Belgien hat beschlossen, beim«ständerat zu beantragen, die Initiative nicht zu er greifen. politische Uebersicht. Reichstag. V! a r i n c, Kolonien und sonstige unerledigte Etats. Wie'chon gestern vorausgesagt wurde, folgte auf die außergewöhnlich kurze Dienstagsitzung des Reichstags bereits am Mittwoch ein um so längerer und anstrengenderer Tag. Es war der Plan, sämtliche noch unerledigten Etats in zweiter Lesung durchzuberaten, und die Präsidenten gaben sich auch alle Mühe, diesen Plan durchzuführen. Besonders der zuletzt amtierende Vizepräsident P a a s ch e ging forsch nach der Erl- königparole vor:„Und bist du nicht willig, so brauch ich Ge- Walt." Seine Gewaltpolitik wurde durch den Umstand ge- mildert, daß er sie gegen einen seiner eigenen Parteigenossen, den mecklenburgischen Abgeordneten Zimmermann, anwandte, und daß dieser— gegen den einmütigen, halb ernst-, halb scherzhasten Protest des ganzen Hauses— schließlich nichts anderes wollte, als in reichlich verworrener Weise dreimal dem Präsidenten der Reichsbank den„tiefgefühltesten" Dank des Hauses auszusprechen. Eine weitere Wirkupg dieser langausgcdehnten Sitzung bekam der Redner der„Unabhängigen", der Abgeordnete Henke, zu spüren. Als er sich anschickte,„im Namen seiner Freunde" die übliche zitatcngespicktc Rede gegen die kapita- listische Kolonialpolitik zu schleudern, scholl ihm aus dem Hause die kurze Anfrage entgegen:„Wo sind denn Ihre Freunde?" Der Redner sah sich schmerzbewegt nach den Bänken, da die Unabhängigen sitzen, um und— sah sich allein auf der weiten Flur seiner Fraktion. Aber die Dinge haben auch ihre sehr ernsthafte Seite. Es geht nicht an, daß in dieser Weise weitergearbeitet wird. Eine Reihe von Ausschüssen tagen von früh an. Ihnen gehören die tätigsten Mitglieder des Hauses an. die auch in der Regel pflichtgemäß bis zum Schlüsse der Plenarsitzung aushalten. Für sie bedeuten solche langen Sitzungen eine überaus starke Anstrengung, die um so ärger- sicher ist, als sie bei besserer Einteilung nicht nötig wäre. Von den am Mittwoch erledigten Etats beanspruchte dcr Marineetat die längste Zeit. Von einigen Rednern wurde der Versuch gemacht, bei dieser Gelegenheit U-Boot-Debatten zu entfesseln. Die Redner der sozialdemokratischen Fraktion ließen sich darauf nicht ein, sie beschränkten sich— unter Wahrung ihrer grundsätzlichen Stellung zu dieser Angelegenheit— auf eine gründliche, aus reichhaltiges Material gestützte Kritik der inneren Verhältnisse unseres Marincwesens. Genosse Brandes nahm sich dabei be- sonders der Werftarbeiter, Genosse Giebel der unteren Beamten und Angestellten an. Beim Kolonialetat wurde besonders der tapferen Schutz- truppen gedacht, auch von unserem Genossen N o s k e, der besonders die schwarzen Soldaten unter deutscher Führung erwähnte. Wenn das Verhältnis durch die drei Jahre und durch die Anstrengungen des Krieges hindurch ein so gute» aeb sieben sei, so zeuge das davon, daß sich die Be- Ziehungen zwischen den Schwarzen und den Deutschen schon vor dem Kriege gebessert haben, was nicht zuletzt auf die un- ausgesetzte sozialdemokratische Kritik zurückzuführen sei. Die Etats des Reichsmilitärgerichts, der Reichsschuld und der Reichsfinanzverwaltung wurden mit der erwähnten Ausnahme Zimmermann ohne Debatte erledigt. Auch Bayern schlapp! Die alldeutsche Presse hat jetzt viel zu tun, sie muß nicht nur in Berlin Ordnung schaffen, spndern erst recht in dem verrotteten Wien, und neuerdings ist wiederum München das Ziel ihrer liebenswürdigen Bemühungen geworden. Ursache: ein Artikel der offiziösen„Bayerischen Staatszeitung", in dem in vorsichtiger Form ausgeführt war, daß der Bezug billiger Rohstoffe für Teutschland viel wichtiger sei als die EinHeim- sung märchenhafter Borsummcn als Kriegsentschädigung. Die Wut über diese Ausführungen ist um so größer, als man sie mit der jüngsten Reise des bayerischen Ministerpräsidenten, Grafen Hcrtling, nach Wien— wohl nicht mit Unrecht— in Verbindung bringt. Die.„Deutsche Tageszeitung" sieht denn auch ini Artikel der„Bayerischen Staatszeitung" einen Aus- druck der„offiziösen Verzichtpropaganda" und nieint, daraus sei„ohne weiteres zu entnehmen, daß ein solcher Kurs zum Programm des Herrn Scheidemann führt". So sieht sich der berühmte Ritter von der„Deutschen Tageszeitung" auf allen Seiten von„Landesverrätern" um- geben, und er haut und sticht blindwütig um sich. Man soll sich aber von diesem Mann und seinesgleichen nicht davon ab- halten lassen, mit ruhiger Hand das zu tun, was notwendig und vernünftig ist.__ Eine Sommertagung des Reichstags? In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß der Reichstag sich nicht, wie ursprünglich geplant, bis zum Herbst vertagen wird. Die Parteien, die im Verfassungs- ausschuß die Führung haben, legen Wert darauf, daß die dort gefaßten Beschlüsse auch alsbald im Plenum ihre Er- lehigung finden. ES soll deshalb dem Verfassungsausschuß das bisher schon dem HauhhaltsauSschuß gewährte Recht gegeben werden, auch während der Reichstags- f e r i e n seine Beratungen fortzusetzen. Diese Ferien sollen aber auch nicht biß zum Herbst dauern, da angenommen wird, daß sich gerade in den kommenden Monaten Fragen von der größten Bedeutung entwickeln könnten. * Im Verfassungsausschuß ist für den ziveiten Abschnitt der Verhandlungen(über Wahlrechtsfragcn) der Abg. Müller- Mciningen als Referent gewählt worden. Für den ersten Teil der Verhandlungen(die erste Reihe der Verfassungs- antrage) wurde dem Zentrumsabgeordncten Gröber das Referat übertragen._ Gras Haeselcrs Paradies. lieber die Zustände, die auf dem Gute des General- fcldmarschalls Grafen Haeselcr. Harnekop bei Wriczcn, herrschen, berichtet Alexis von Schöncrmark, ein Neffe des Grafen, in seinem Buch„Fünfzig Jahre meines Lebens" recht märchenhafte Tinge. Auf dein Gut darf kein Vieh geschlachtet, kein Wild geschossen, kein Fisch gefangen werden. Alles stirbt an Altersschwäche. Kaufangebote für Vieh, Pacht- angebote für die fischreichen Seen werden ohne weiteres zurückgewiesen. Ein Pächter, der dreihundert Hammel des Alters wegen verkaufen wollte, wurde entlassen. Seitdem sterben die Hammel weiter an AlterSschivächc. Im Jahre 1314 wurden 4iX> Zentner Obst gcerntct. davon wurde im Früh-. fahr ein großer Teil verfault aui den Mist geworfen. Niemand hatte die Vollmacht, daS Obst zu verkaufen. Die„Allgemeine Fleifcher-Zeitung", die die Angaben des Buches übernimmt, meint, daß diese aus einer seit- samen Liebhaberei des Besitzers entstandenen märchcn- haften Zustände auch jetzt noch, im dritten Kriegs- jähr, weiter bestünden. Sollte das wirklich möglich sein, da doch über die Regelung der Volksernäbrung allgemeine Grundsätze aufgestellt sind, von denen niemand ausgenommen ist, und die Verwaltung dazu da ist, diesen Grundsätzen zur Anerkennung zu verhelfen!? Tic Berliner Papiernot. Im Reicbsiag haben die Abgg. Malkcwitz und Genossen fol- gcnde Anfrage an den Kanzler gerichtet: Es besteht die dringende Gefahr, daß infolge Papi«rmangels die Berliner Zeitungen in den allernächsten Tagen nicht mehr erscheinen können. Hat der Herr Reichskanzler Vorsorge getroffen, daß diese Ge- fahr unter allen Umständen beseitigt wird, und welche Maßnahmen gedenkt er zn ergreifen, um in Zukunft eine bessere Belieferung der deutschen Zeitungen mit Papier in die Wege zu leiten? Lette Nachrichten. Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten. München, 9. Mai. Die„Bayerische Staatszeitung" bringt über die Sitzung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten folgende halbamtliche Meldung: Der Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten trat gestern und heute unter dem Vorsitz des bayerischen Staatsministers Grasen vop H e r t l i n g zu Sitzungen zn- summen, wie sie in regelmäßiger Wiederkehr beim Reichskanz- lcr stattfinden. Die Verhandlungen führten zu einem Mei- nungsaustausch, wobei die von voller Zuversicht auf eine baldige und glückliche Beendigung des Krieges getragenen Ausführungen des Kanzlers über die gesamte Lage und d i e zubefolgen dePolitikdieeinhelligeZustim- m u n g der anwesenden bundesstaatlichen Minister fanden. Nordische Ministerzusammcnkunft. K o p c n h a g c n, ö. Mai.„Politiken" schreibt am heutigen Be- ginn der nordischen Ministerzusammenkunft in Stackholm unter anderem: Keine der früheren Ministerzusammentünste hat in fa drohender ernster Lage für die Neutralen stattgefunden wie diese. Die Länder, die nicht in den Krieg verwickelt sind» kämpfen jetzt gleichfalls für ihr Leben. Bon den beiden großen Mächtegruppen bedrängt und bedrückt, werden die drei skandinavischen Länder immer härter«nd bitterer betroffen und müssen mit Beunruhigung und Sorge der Zukunft entgegensehen. Während des Krieges gegen die Neutralen wurde jedes einzelne der drei nordischen Länder aus seine Weise betroffen. Sie haben verschiedene Erfahrungen gemacht. Durch Zusammengehen wird es möglich sein, einige v»n den Schrecken abzuwenden, die täglich immer näher kämmen. Mißtrauen gegen Bosrlli. Bern, 9. Mai.„Corriere della Sera" meldet aus Mailand: Die Generalversammlung der Assoziazione Liberale Hobe in einer Tagesordnung ihr Mißtrauen gegen die innere und die Wirtschaftspolitik der Regierung ausgedrückt. Kcrenskl über Krieg und Tcmokrasic. Petersburg, v. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Justizminister Kereuski hat an den ausführenden Ausschuß der Duma, den Rat der Arbeiter- und Soldaten-Abgeorp- ncten und die sozialistischen Parteien Petersburg einen Brief gc« richtet, in dem er daran erinnert, wie er die Sorge auf sich gc- nommen habe, die Interessen der Demokratie bei der einstweiligen Regierung zu vertreten, und die Ansicht ausdrückt, dqß diese Aufgabe jetzt für eine einzelne Person zu schwer sei. Die allgemeine Lage des Landes werde immer verwickelter. Anderer- seiis organisierten sich die Kräfte der Demokratie und enüoickeltcn sich. Die Demokratie könne also nicht mehr von der verantwortlichen Teilnahme an der Regierung des Staate» ausgeschlossen werde». Unter diesen Umständen bin ich der Ansicht, schließt Kercnöki, haß Vertreter der Demokratie die Last der Regierung auf sich nehmen können nach Wahl und ausdrücklicher Ermächtigung seitens der Organisationen, denen sie ange- hören.___ Liberia bricht die Beziehungen ab. Amsterdam,». Mai.?lus Rotterdam wird gemeldet: Der Generalkonsul der Republik Liberia in Rotterdam hat eine« tele- graphischen Bericht vom Minister des Auswärtigen von Liberia erhalten, daß die diplomatischen Bcziehnngcn zwischen Liberia und Deutschland abgebrochen sind. Munition�arbeiterstrcik in England. Bern, ö. Mai. Aus einer Anfrage im englischen Unierhause geht hervor, daß 3 0 000 Arbeiter der Munitionswerke im Southlancashire die Arbeit niedergelegt haben, nachdem die Streitigkeiten zwischen der Leitung der Munitionsfabrik und 500 streikenden Arbeitern sechs Wochen vom Mumtionsschiehsgepicht unberücksichtigt gelassen worden waren. Brandopscr. Görlitz, 9. Mai. Bei einem heute in früher Morgenstunde in dem benachbarten Torfe Ober-Rcngcrsdarf ausgebrochenen Brande auf dem Bauerugute der verwitweten Baucrnguisbesitzerin Lange, dem, Ime der„Neue Görlitzer Anzeiger" meldet, das aus 4 Gebäuden bestehende Gut zum Opfer fiel, kamen die 41 Jahre alle Besitzerin und eine 19 Jahre alte D i e n st m a g d �soipic zahl- reiches Vieh in den Flammen um. Außerdem fiel dem Schadenfeuer erhebliches Mobiliar zum Opfer. Das Feuer ist auf Brand- st i f t u n g zurückzuführen. Strasienbahnzusammellstosi. Ein Straßenbahnzusammenstoß, bei dem acht Pcrsoncil verletzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag an der Ecke der Acker- und Bernaucr Straße. Dort stießen ein Wagen der städtischen Straßenbahn und ein Wagen der Linie 22(Neukölln— Müller- Ecke Secstraße) so heftig zu- sammen, daß nicht nur beide Wagen erheblich beschädigt wur- den, sondern auch noch acht Fahrgäste verschiedenartige Der- lctzungen davontrugen. Der Wagen der städtischen Straßen- bahn kam von der Brunnenstraße her die abschüssige Bernaucr Straße hinunter gefahren und traf zur gleichen Zeit an der Ecke der Ackerstraße ein, als von dieser der Wagen der Linie 22 angefahren kam. Beide Führer versuchten im letzten Augen- blick zu bremsen, doch gelang es nicht mehr, die Wagen recht- zeitig zum Stehen zu bringen. Die bei dem heftigen Anprall verletzten acht Personen suchten das nahegelegene Lazarus- Krankenhaus auf, wo sie ein Arzt verband, und da samt- l i ch c V e r l e tz u n g e n leichterer Natur waren, nach ihren Wohnungen entließ. Gewerkschchsbeweguns veutsches Neich. Tie Teuerungszulage im Baugewerbe eudgültig verabschiedet. Die Verhandlungen über eine weitere Teuerungszulage im Baugewerbe, die am 27. April im Reichsamt des Innern mit einem Vorvertrag endeten, können nunmehr als endgültig abgeschlossen gelten. Wie bereits mitgeteilt, hatte der llnternehmerverband daS Zustandekommen der Teuerungszulage von der Zusicherung des NeidKskanzlers. daß den Unternehmern die Rückerstattung in be- friedigender Weise garantiert werde, abhängig gemacht. Eine solche Zusicherung halte der Arbeitgeberbund in der letzten Worbe noch nicht im Besitz, wie er auf eine Anfrage des Vorstandes des Bauarbeiterverbandes erklärte. Aus diesem Grunde ist denn auch die Zahlung der Teuerungszulage bei der letzten Lohnzahlung unterblieben. Nunmehr ist aber auf Anfrage im Reichsamt einem Vertreter des Verbandes durch Ministerialdirektor Caspar mitgeteilt worden, daß die gewünschte Erklärung bereits seit S. Mai in den Händen deS Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe sich befindet. Die Vereinbarungen Hutten damit also Gültigkeit er- langt. Da sich der Arbeitgeberbund verpflichtete, die Anweisung zur Zahlung an seine Mitglieder soiort ergehen zu lassen, sobald der Erstattungsanspruch erledigt ist, ist nunmehr zu erwarten, daß die Zulage bei der nächsten Lohnzahlung, rückwirkend bis 27. April, nachbezahlt wird. Wo das nickt geschieht, müssen die Arbeiter ihren Organisationsleitungen sofort Mitteilung machen. Der Textilarbeiterverband zur Lohnfrage. Am Sonnabend, den 6. Mai, fand eine Sitzung des A k t i o n S- a>l s s ch u s s e s des Tertilarbeiterverbandes statt, um zu der Lohn- frage in der Textilindustrie Stellung zu nehmen. Aus allen Be- girken des Reiches wurden Klagen über unzureichende Löhne vor» gebracht. Nach eingehender Aussprache wurde folgende Eni- schließung einstimmig angenommen: «Der Aktionsausschuß konstatiert, daß die Entlohnung der Mehrzahl der Textilarbeiter und-arbciterinuen durchaus unwürdig ist und bei dem Stand der heutigen Preise aller Gebrauchsgegen- stände zur Verelendung der Arbeiter führen muß. Er konstatiert den schreienden Kontrast zwischen Lohneinkommen der Arbeiter und Gewinnen der Unternehmer.— Der Borstand des Verbandes wird deshalb beauftragt, mit Rücksicht auf die im Lande vorhandene Bewegung, entsprechend den Interessen der Arbeiterschaft und der gesamten Industrie, unverzüglich mit allen geeigneten Mitteln auf genügende Erhöhung der Word- und Stundenlöhne hinzuwirken. Als unerläßlich hält der Ausschuß die Festlegung von Mindest- löhnen. Der Vorstand wird weiter beauftragt, eine autzerordent- liche Verbandsgeneralversammlung einzuberufen, zum Zwecke der Beschlußfassung über weitere Maßnahmen in Sachen der Lohn- bewegung. Angesichts der Haltung verschiedener Regierungen, ganz besonders des sächsischen Kriegsministeriums, aus dessen Schreiben an den Gauleiter Zwahr-Neugersdorf deutlich hervorgeht, daß ein Lohn von ll.bO M. pro Woche für Arbeiterinnen als ausreichend betrachtet wird, ist die Möglichkeit scharfer Konflikte nicht aus- geschlossen und wird deshalb dem Vorstande die Gewährung von Streikunterstützung von Fall zu Fall empfohlen." * Daß das Vorgehen des Verbandes begründet ist, mag von vielen, das nachstehende Beispiel beweisen: lieber die Firma E. C. Eichler in Großschönau war eine Beschwerde wegen zu geringer Lohnzahlung an das sächsische Kriegsministerium gerichtet worden, worauf nach zwei Monaten ein sehr ausführliches Ant- wort schreib sn einging, in dem die einzelnen festgestellten Lohnein- kommen angegeben sind. Daraus ist hervorzuheben: „Die Arbeitszeit beträgt 914 Stunden, Sonnabends nur 414 Stunden. Die meisten Arbeiterinnen haben ein Hauswesen zu besorgen und verlängern aus diesem Grunde die Mittagspause von 114 Stunde. Im Mittel kann die volle Arbeitszeit für die über zwei Wochen sich erstreckende Lohnberechnung mit 98 stunden an- genonimen werden. Nach der letzten Lohnzahlung api 2. Februar 1917 schwankte der Verdienst der Weberinnen, die voll gearbeitet haben, zwischen 5,53 und 27,68 M. Drei Weberinnen hatten in 98 Stunden einen Verdienst von über 29 M., im Mittel 24,44 M. oder stündlich 24,9 Pf., 29 Weberinneu hatten in 98 Stunden einen Verdienst über 10 M.. im Mittel 14,49 M. oder stündlich 14,7 Pf.. 18 Weberinnen hatten einen Verdienst unter 19 M., im Mittel 8,15 M. oder stündlich 8,9 Pf. Nach den beiden Lohnzahlungen (die zweite wurde am 19. Januar vorgenommen) erzielten die meisten Arbeiterinnen bei 914 stündiger täglicher Arbeitszeit noch nicht den 1,89 M. für weibliche Arbeiterinnen über 21 Jahre bc- tragenden ortsüblichen Tagelohn. Die Weberin könnte bei dem Grund- dlohn von 2,75 M. für 199 Meter Stoff in 914 Stunden 1,69 M. ver- dienen. Außer dem Grundlohn wird vom Unternehmer ein Zu- schlag von 19 Proz. gewährt, und um die Arbeiter anzuspornen, seit dem letzten Lohntag am 2. d. Mts. eine Produktionsprämie. Bei Ablieferung pcn 499 Meter Ware innerhalb 14 Tagen wird ein Zuschlag von 9,39 M. gewährt, bei 599 Meter 9,79 M., bei 699 Meter 1,20 M., bei 799 Meter 1,89 M., bei 899 Meter 2,59 M. — Eine mittlere Weberin kann die Prämie von 1,89 M. noch erreichen und ihr möglicher Verdienst würde sich bei 914stündiger Arbeitszeit auf 1,95 M. stellen können. Die Arbeiter lassen es vielfach aber wegen der ihnen bei unzureichendem eigenen Ver- dienst zustehenden Textilarbeiterunterstützung an dem nötigen Fleiße fehlen. So erhält z. B. eine ledige Arbeiterinn für 14 Tage einschließlich der Unterstützung 29 M. ausgezahlt, auch wenn sie aus eigenen Kräften nur 6 M. verdient hat.— Auch die bei anderen Firmen eingezogenen Erkundigungen haben ergeben, daß die von der Firma E. E.(Sichler gezahlten Löhne durchaus dem Durchschnitt entspreckcn.— Nach Angaben der Gewerbeinspektion kann eine mittlere Weberin auf etwa 799 Meter 67 Zentimeter Breite in zwei Wochen, d. h. in 199 Arbeitsstunden kommen. Dieser Satz ist offenbar sehr niedrig, denn die befragten Firmen geben als mittlere Leistungsfähigkeit 590— 700 Meter für eine Woche von 59— 58 Arbeitsstunden an. Aber selbst bei Zugrundelgung des Satzes von 799 Meter in zwei Wochen würde sich ein Verdienst ergeben von 799 Meter zu 2,75 M.=: 19,25 M,, dazu 10 Proz. Zuschlag~ 1,93 M., ferner Prämie 1,89 M., zusammen also 22,98 M.— Der Durchschnittsverdienst eines Arbeiters mittlerer Leistungsfähigkeit müßte 23 M. in 14 Tagen, 1114 M. in der Woche betragen. Wenn demgegenüber der wirklich erzielte Ver- dienst nur 1214 M. in 14 Tagen, 614 M. in der Woche betrug, nur drei Arbeiterinnen von etwa 59 den Verdienst einer mittleren Weberin erreichten, so ist der Schluß nicht von der Hand zu weisen, daß die Schuld an dem niedrigen Verdienst auf Seiten der Arbei- terinnen selbst liegt. Die Beschwerde muß daher als unbegründet abgewiesen werden." � Ein sonderbarer Schluß, zu dem hier die Sachverständigen des sächsischen Kriegsministeriums kommen! Wenn nur 3 Arbeite- rinnen von 59 über den Durchschnitt verdienen, so beweist daS eben, daß es der großen Mehrzahl der Arbeiterinnen nicht möglich ist, einen den heutigen Verhältnissen entsprechenden Lohn zu ver- dienen. Die Arbeiterschaft ist von diesem Antwortschreiben mehr als enttäuscht und ihre Organisation muß selbstverständlich die geeigneten Maßnahmen treffen. Serlin und Umgesenü. Eine Versammlung der Kassenbote« der Teutfckicn Van! fand am 8. Mai im Gewerksckaftshause statt, in der der Reichstagsabge- ordnete Alwin Körsten über dix Lahn-., und Arbeitsverhältnisse in der Deutschen. Bank referierte.. Der Rebner. hob hervor, daß der äußere Glanz-dieser'Bank mit den Inneren Verhältnissen nicht im Einklang stände. Die Löhne der Kassenstoten, die burchfchnfttlich 34 M. in der Woche betragen, seien der überaus langen Arbeitszeit von 19 und 11 Stunden nicht entsprechend. Ueberstunden werden nicht bezahlt, und willkürlich werde dem Einzelnen einmal 1 M. oder«in Abendbrot verabreicht und dabei kam es des öfteren vor, daß zu diesem Abendbrot noch ein Zuschuß von 29— 40 Pf. von den Kassenboten geleistet werden mußte. Für Sonntagsarbeit, oft bis abends 8 Uhr, werde auch nur nach Ermessen der Vorsteher 3— 6 M. bezahlt, oft auch nichts. Die Behandlung der Kassenboten erinnere noch stark an die alte Zeit, indem man die Angestellten zwar nicht mit„Du", aber nur mit dem Vatersnamen anrede. Selbst das auf dem Lohnschein gedruckt stehende„Herr" hat man da und dort gestrichen und„Bote" dafür geschrieben. Das Anfangs- gehalt beträgt 199 M. und steigt jährlich um 59 M. Man habe selbst Kriegsbeschädigte mit 85 M. im Monat eingestellt. Aller- dings gewähre die Direktion eine Tantieme, die aber nur an solche Angestellte gezahlt werde, die ein volles Jahr beschäftigt gewesen seien. Die Kassenboten vereinigten sich, um zn fordern, daß sie mit den dort beschäftigten Arbeitern gleichgestellt werden, das heißt: gleich diesen 42 M. in der Woche zu erhalten. Ebenso verlangen sie die Bezahlung der Ueberstunden nach 7 Uhr und die Beibehaltung des Kleidergeldes und der Tantieme. Ferner wünschen sie. daß der Urlaub, der jetzt nach dem ersten Jahre eine Woche beträgt, auf zwei Wochen nach dem zweiten Jahre gewährleistet werde.— Es wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, die für sie zuständigen Organisationen, den Transportarbetter-Verband, den Bureauangc- stelltenverband und die Gewerslbaftskommission Berlins zu beaus- tragen, mit der Direktion der Deutschen Bank in Verhantllungen zn treten, um über die Wünsche der Kassenboten eine Einigung herbeizuführen._ Gerichtszeitung. Sechs Jahre Zuchthaus für eine Lebensmittrlschwindlen«. Die bielfack vorbestrafte Amalie Strauß biederte sich im Straßen« bahnwagen mit Frau-n an. denen sie vorspiegelte, daß sie imstande sei, größere Mengen von Speck, Eiern, Wurst u. dgl.„hintenherum" heranzusckaffen. Andern Tags ging sie in die betr. Wohnungen, um das erforderliche Geld in Empfang zu nehmen. Aus letzteres war es lediglich abgesehen, denn die Angeklagte, die über ihre Person falsche Angaben machte, hatte weder Beziehungen zu länd» lichen Kreisen, nock war sie in der Lage, Lebensmittel zu besorgen. Die sechste Strafkammer des Landgerichts I verurteilte die Schwind- lerin zu sechs Jahren Zuchthaus. Das W. T. B. vor dem Kaufmamlsgericht. Gegen das Wolfs- sche Telegraphen-Bureau wurde vor der 1. Kamnrer des Berliner KauimannsgerichtS die Klage eines Buchhalters verbandelt. Der Angestellte wurde mit einem Monatsgehalt von 159 M. mit vierzehntägiger Kündigung engagiert und erklärte sich auch unter- schriftlich damit einverstanden. Als er nach einigen Wochen er« krankte, machte die Beklagte von der vereinbarten Kündigungsfrist Gebrauch, woraus der Buchhalter die Vereinbarung als ungesetzlich anfocht und 159 M. für einen Monat forderte. Unter Hinweis auf die tatsächliche Ungültigkeit einer derartigen Abmachung riet das Gericht dem Vertreter der Beklagten dringend zur Einigung. Die Parteien verglichen sich dann auch auf 199 M. Das Richterkollegium war sehr erstaunt darüber, daß eine Gesellschaft wie die Beklagte derartige dem Gesetze zuwiderlaufende Abmachungen treffen könne. und ein Beisitzer gab dem Vertreter den Rat,„sich doch mal das Handelsgesetzbuch anzuschaffen, damit derartig grobe Fehler nicht wieder vorkommen." Derantwortl. f. Politik: Dr. Franz Tiederich. Bert-Friedenau: sür d. übrigen Teil 0. Blattes: Alfred Icholz, Neukölln: sür Inserate: Dd. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckern u. Verlagsanstalt Paul Singer& Go Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und«l»»erhaltuugsblatt. ilr Damensleidunq: Köm'gstr. 35 Chausseestr. 113 Stoi Bahnhof Alexandcrplatz VÄm eftftfoer Bahnhof Sonntags geschlossen.' nr.127 4 54. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, IS. MahH17 Die Wahlrechtsfrage im ver- fassungsausfchuß. Der AuSschiiß fetzte ain Mittwoch die Erörterung der zum Rsichstagswadlrecht gestellten Anträge fort. � Abg. Erzbcrgcr(g.) bemängelt die Form der fortschrittlichen Nesolution. Taö Zentrum sei weder für eine allgeincine Neuein- trilung der Wahlkreise, noch für eine erhebliche Vermehrung der Mandate.� Höchstens kann man sich damit einverstanden erklären. die R i e s e n w a h l k r e i s e zu ändern und damit eine g c- ringe Zahl neuer Mandate zu schaffen, und zwar dort im Wege der Verhältniswahl. Für die Bildung dieser Kreise soll aber nicht die Kopfzahl entscheidend sein, sondern der Wirtschaft- liche Zusamnienhang. So könnte z. B. das r b e i n i s ch- w e st- f ä l i s ch e I n d u st r i e g e b i e t als ein gemeinsamer Kreis be- krachet toerden, in dem nach dem Proporz zu wählen wäre. Abg. Martin(Tisch. Fraktion) bekämpft die sozialdemokratischen Anträge, insbesondere das Frauenstimmrecht. Auch die Resolution der Fortschrittler sei nicht annehmbar. Die brutaleZahl dürfe nicht entscheidend sein. Die Verhältniswahl möge ihre Vor- züge haben; für die Großstädte könnte man sie vielleicht ver- s u ch s weise einführen, aber man müsse Garantien dafür haben, daß sie nicht auch aus das platte Land ausgedehnt werden. Tie Fortschrittler bringen zu ihrer Resolution folgenden W- änderungsantrag ein: hinter dem Wort„Bevölkerungszulvachsc" einzufügen:„die ein zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet bilden". � Abg. Frhr. v. Frankenstein(Z.) hätte gewünscht, daß diese Fragen setzt überhaupt nicht angeschnitten worden wären. Redner erklärt sich gegen alle Anträge, weil schließlich jede Aendcrung wieder andere nach sich ziehen müsse. Gin Teil des Zentrums stehe auf dem gleichen Standpunkt. Die Vermehrung der Mandate käme in der Hauptsache Nord- deutscht and zugute, dessen politischer Einfluß dadurch noch gestärkt würde. Abg. Hofmann(Kaiserslautern) stellt fest, daß 1914 bei Be- sprechung des Fraucnstimmrcchts im Reichstag nur die Konservativen sich absolut ab- lehnend verhalten haben. Zwischen dieser Zeit und heute liegt der Weltkrieg mit seiner ungeheuren Ausdehnung d e r- F r a u c n a r b e i t, die allein es rechtfertige, den Frauen das Wahlrecht zu geben. In Norwegen gehen demnächst 259 000 Frauen mit zur Wahl. In fast allen anderen Staaten ist das Fraucnstimmrccht aus dem Marsch. Es handelt sich also inn eine Bewegung, die� d i e ganze Welt umfaßt. In Amerika, in Frankreich, in Italien usw. sind bereits mehr oder weniger bindende Zusickerungen gemacht worden.— Tic Angelpunkte der Neuoricn- ticrung sind dns varlamrntarische Sil stein, das der Ausschuß bereits abgelehnt bat und die Wahlrechtsreform im Reich. Aus Presse- äußcrungen ist zu schließen, daß das Reich und die bürgerlichen Parteien nichts tun wollen, um auch in den Einzelstaatcn Wohl- rechtsrrsormcn von Reichswcgen durchzuführen. Redner betont. daß alle bürgerlichen Parteien gegen ein wirklich freies Wach brecht sind und belegt das mit den Auslassungen der Ver- tretcr der einzelnen.Paiteieu. Aus Einspruch gerade der liberalen Püncten ist es A�� bdrhinderf/ worden,' däß die dittönurtifche"Ver- Mehrung der Zahl, der Abgeordneten mit dem Wachstum der Be- vöUcruHg im Ge setz lxestimuit wird. Vor Provisorien, sei dringend zu warnen. Aus den bisherigen Beratungen scheint Brauchbares nicht herauszukommen, trotz der schmetternden Reden der Liberalen über die Notwendigkeit der Neuorientierung. Große Hoffnungen hat dieser Ausschuß erweckt und das Ergebnis sind eine Menge Enttäuschungen. Abg. Gras Westarp(k.) erkennt an, daß der Zustand in den R i e s c n w a h l k r e i s e n unhaltbar ist, der von dem Abg. Erzberger vorgeschlagene Weg scheine zum Ziele zu führen. Der Frage der Verhältniswahl stehe er recht skeptisch gegen- über, immerhin könne sie gelegentlich geprüft werden. Ministerialdirektor Lcwald stellt fest, daß die weitgehenden Anträge der sozialdemokratischen Partei die Zustimmung der Mehr Heit der Kommissionen nicht haben. Ter eine Antragsteller habe als Grundsatz bei der Wahlkreiseinteilung den ,.100 000 Einwohner- Maßstab" aufgestellt. Bei 07 Millionen Einwohnern würde das eine enorme Vermehrung der Abgeordneten, also auf 070 Abgeord- ■nete bedeuten. Wenn man die heute vorhandenen 097 Abgeordnete in die Einwohnerzahl dividiere, so ergebe das eine Normalzahl von 105 000 Einwohneim für den Wahlkreis. Man könne sagen, daß die gegenwärtige Zahl von LoOOOO bis 200 000 Einwohnern nicht unnormal sei. In der Tat sind' ettva 30 Wahlkreise vorhanden, die diese Zahl erheblich überschreiten. Ursprünglich, 1804, entsprach die Zahl der Abgeordneten arithmetisch der Einwohnerzahl. Auf 23% Millionen Preußen kamen 235 Abgeordnete. Schon damals rechnete man mit Unterschieden über 50 Proz. Bei der nächsten Wahl für den ersten verfassungsgebenden Reichstag waren bereits sehr große Unterschiede in der Bevölkerung vorhanden, die nicht mehr arithmetisch zu der Wahkrechtsi'inteilnng von 1804 paßten. Es waren Unterschiede von 00 000 und 150 000. In allen Wahl- rechten der Welt seien derartige Mißstände vorlwnden. Er stelle fest, daß sich daS heute bestellende Mißverhältnis i« den Wahl- kreisen in der Tat nicht ausrecht erhalten lasse. Er erachte aber die Findung der Form mehr als eine Frage der Parteien untereinander, als der Regierung. In seiner Rede vom 28. März habe sich ASqnith im Unterhaus auf denselben Standpunkt gestellt und eine Art Konkordat der Parteien vorgeschlagen. Die rein arithmetische Betrachtung sei aber nicht die allein ansschlag- gebende, vielmehr treten noch eine Reihe schwerwiegender politischer Moment« hinzu. Zwei Abgeordnete bäticn bereits auf die Be- deutung des Landes hingewiesen. Weiter seien durch Artikel 21 Ansprüche der einzelnen Bundesstaaten in bezug auf die Wahlkreiseinteilung gegeben. Die Rcichsregierung ist. seit längerer Zeit mit Vorprüfungen zur Aenderung der bestehenden Wahlkreiseinteilung beschäftigt. So hat sie unter anderem eine Studie über eine solche nach der Fläche vor- genommen. Vergleiche man das Resultat dieser mit den be- stehenden Verhältnissen, so komme man nahezu zu dem heutigen Ergebnisse. Wie dem aber auch sei, die Rcichsleitung wird sich mit den Verbündeten Regierungen in Verbindung setzen, sie ill bemüht, unter Wahrung aller politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte ein Wahlrecht vorzubereiten, das einen Ausgleich der bestehenden Mißverhältnisse bei der Wahlkreis- einteilung erreichen soll. Er begrüße es, daß die Kommission hier nicht selbst ein Wahlrecht ausstellen lvolle, sondern diese Aus- gäbe der Reichsregierung überlassen wolle. Abg. Dr. David vermag den Pessimismus des Abg. Hofmann n i ch t z u t e i l e n, es sei wertvolle Arbeit geleistet worden, wenn auch leider die Wünsche des Volkes noch lange nicht erfüllt worden sind. Die Erklärung Lcwaldö bedeute ein Abrücken vom Prinzip des gleichen Wablrcchts. Das gleiche Wahlrecht ist das F n n d a- nent des Reiches, an dem die Regierung jetzt rütteln will. Die Darlegungen Lewaids, daß Kreise mit 250 000 Seelen noch nicht anormal seien, bedeute die Absicht, bestimmte Parteien zu benach- teiligen. Aus Angst vor der Sozialdemokratie will man dem Volke das wirklich gleiche Wahlrecht vorenthalten. Ist denn die städtische Bevölkerung minderwertig? Berücksichtigung von Land und Leuten ist� das neueste Schlagwort. Mit welchem Recht soll zum Beispiel die Lüneburger Heide politisch höher bewertet Hineinbringen des Prinzips der Bodenfläche in ein« Wahlreform muß einen Sturm der Entrüstung auslösen, denn damit stellt man die Erzeugnisse des Bodens, das Korn und das Vieh. über den Menschen. Redner polemisiert gegen den vom Abgeord- neten v. Frankenstein vertretenen Partikularismus. Der Vorschlag Erzbergers, besondere Wirtschaftsgebiete für den Proporz zusammenzufassen, bedeute direkt eine Benachteiligung der städti- scheu Bevölkerung, denn auf dem platten Lande wür- den die Minderheiten davon ausgeschlossen sein, zur Geltung zu kommen. Damit würde man zweierlei Wahlrecht schaffen, diesen Weg machen wir nicht mit. Wem das Wohl Deutschlands am Herzen liege, der müsse mithelfen, die inneren Ungleichheiten zu beseitigen. Tut man das nicht, dann wird sich das Volk sein Recht z u verschaffen w i s s e n. Ministerialdirektor Lewald geht noch einmal aus alle die Schwierigkeiten bei der Konstruktion einer gerechten Wahlkreis- einteilung ein. Auch Asquith rechne mit Untersckneden von 70 000 bis 170 000 Einwohnern. Auch 1912 bei der elsaß-lothringischen Wahlgesetzgebung sei man zu Einteilungen gekommen, wobei das Zweieinhalbfache erlaubt war. Weiter sei auch die Bevölke- rungszahl kein rickitiger Maßstab, seien doch in einer Reihe von Bezirken in größerer Anzahl Nichtdeutsche vorhanden, die als Wahlberechtigte nicht in Betracht kämen. Was die Bemerkungen der sozialdemokratischen Presse über die Einteilung nach der Fläch« anbelange, so weise er auf Ausführungen, die 1912 Graf Posa. dowsky gemacht, hin, der gerade die Flächen besonders berückfich- tigen will. Abg. Müller-Meiningen wehrt sich gegen die Angriffe des Abg. Hoftnann. Die liberalen Parteien sind lediglich bestrebt,> dem jetzt Erreichbaren zur Geltung zu verhelfen. Wenn der Proporz nicht für das ganze Reich zu erzielen ist, dann mutz man sich mit der teilweisen Einführung zufrieden geben. Abg. Kreth: Wenn man das Prinzip der Berückfich- tigung d�esLandbesitzcs früher beachtet hätte, dann würden wir einen Schutz der Landwirtschaft erlangt haben, der uns vom Ausland unabhängig gemacht hätte. Das Land liefert den Städten die auffrischende» Kräfte, schon daraus rechtfertige es sich, auf das Land besondere Rücksicht zu nehmen. Abg. Lcdebvur versichert, daß er von den Leistungen des Aus- schusses nicht überrascht sei, auch nicht von den Ausführungen Lewalds. In den von Lewald festgestellten Tatsachen liegen ganz offenbar neue Grundsätze, und zwar solche höchst bedenk- liche r Art. In den alten preußischen Provinzen hat man eine recht sonderbare Wahlkreisgeometrie getrieben. Redner zeigt dies an der Hand der Zusammensetzung des Wahlkreises Erfurt. In der Provinz Hannover hat man sogar zum Zwecke der Wahlkreisgcometrie bei der Bildung der Wahlkreise alle orga- nischen Zusammenhänge zerrissen. Der von den Fortschrittlern vorgeschlagene teilweise Proporz sei weiter nichts, als eine von ihnen ans parteipolitischen Gründen erstredte Wahl kreisgeomctrie, deren Spitze sicki gegen die. Sozialdemokraten richtet. In Wirklichkeit ist der fortschrittliche Antrag ein Vertuschungs- antrag. Bei der Verteilung von Rechten an Menschen kann man unmöglich das Vieh mit in Rücksicht ziehen. Abg. Dr. Wildgrube(k.) vertritt nochmals die Anfichien der Konservativen. Die Debatte wird Donnerstag fortgesetzt. an Reichstag. 194. Sitzung, Mittwoch, den 9. Mai, nachmitiags-2 Ifhr. Arn BundeSratstisch: v. Capelle. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung deS Marinectats. Staatssekretär v. lkatzelle: Voller Begeisterung sind die N-Bovtc die große Aufgabe herangegangen, Schulter an Schulter mit unserer siegreichen Armee einzugreifen in die Entscheidung, um den Schlußakt dieses gewaltigen Bölkerringcns herbeizuführen. Die ll-Boote werden bis zum Ende durchhalten.(Bravo!) EZ ist alles vorhanden, was dazu erforderlich ist: U-Boote, geschultes Personal, Torpedos, Minen, Brennstoff und was sonst dazu gehört. Im ganzen deutschen Vaterlande regen sich Tausende und aber Taufende von Händen, immer neue U-Boote und neues Material zu schaffen.(Bravo!) Nicht nur quantitativ wird die Zahl der ll-Boote dauernd zunchuicn, sondern auch qualitativ werden immer bessere Tbpen von immer größerer Leistungsfähig- keit fertig. In der Marine aber drängen sich Offiziere, Unter- offiziere»nd Mannschaften zum Dienste auf den U-Booten. (Bravo!) Natürlich treten auch Verluste ein. Die Abwehrmittel der Gegner nehmen quantitativ und analitativ zu. Aber ein Radikalinittel gegen die U-Boote gibt es nicht. In England ist man jetzt so weit, daß man sagt: Wir müssen die Stützpunkte der U-Boote ausräuckiern, das ist das einzige Mittel, an sie heranzukommen. Mögen sie nur kommen(Bravo!), mögen sie nur den Versuch wagen, sie werden auf Granit beißen.(Bravo!) Im englischen Parlament wird ja viel geredet, aber entscheidend ist die Tatsache der dauernden Zunahme der Monatserfolge in einer Weise, wie wir sse selbst anfänglich kaum erwartet haben. Die Angaben der feindlichen Presse über die Zahl der verlorenen U-Boote sind falsch.(Hört! hört!) Unsere Verluste sind gering, viel geringer als wir selber erwartet Ii a den.(Bravo!) Dabei werden die Verhältnisse bezüglich. deS Wetters im Sommer immer besser. Alle neuen Besatzungen sind von dem Bewußtsein gehoben, daß es jetzt ums Ganze geht.(Bravo I) Drei Monate Äriegserfahrung sind mehr wert, als drei Jahre Friedenserfahrung. Wir hatten erwartet, daß wir im Durchschnitt eine MonatSbeute von etwa 000 000 Tonnen haben würden, das wären in drei Monaten 1,8 Millionen. In Wirklick>kett beträgt daS Ergebnis 2,8 Millionen Tonnen.(Lebhafter Beifall.) Das sind 55 Proz. mehr, als wir unseren Entschließungen zugrunde gelegt hatten, rund eine Million Tonnen, rund 500 Schisse. Im ganzen sind in den drei Monaten versenkt 1325 Schisse. Wie lange es so weitergehen wird, ist Sache unserer Gegner. Die U-Boote sorgen dafür, daß wir es aushalten. Die Stiinnien aus England klingen heute schon ganz anders als vor drei Monaten, sie sind viel be- schcidcncr geworden.(Sehr richtig!) Heute sieht man auch in Eng tand ein, daß der U-Boot-Krieg kein Schlag ins Wasser ist, wie be� bauptet wurde, sondern ein wuchtiger Schlag ins Lebens- zcntrum unseres erbittertsten Feindes.(Sehr wahr!) Die ganze Marine hat den eisernen Willen zum Siege.(Bravo!) Wir haben das felsenfeste Vertrauen, daß wir die Aufgabe, die uns gestellt worden ist, auch lösen werden.(Bravo!) Vom Flottenchef bis zum letzten Heizer sind wir alle durchdrungen davon: Wir halten durch, wir lassen nicht locker, bis wir es geschafft haben.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Abg. Brandes-(Soz.): Ich will sprechen über die Verhältnisse derer, diedieFlotte bauen, über die Lebensfragen der Arbeiter auf den Reichswerften. Die teilweise Arbeitseinstellung auf den Werften konnte der Marineverwaltung nicht überraschend kommen. Ich habe ihr bereits früher Kenntnis gegeben von der Stimmung, die in breiten Schichten dieser Arbeiter vorhanden war, und auf die Folgen hingewiesen, die eintreten könnten, wenn nicht Abhilfe ge- werde», als das Gebiet der. RetchshauptstadtZ DaStschasse» werde. Die vou der. Arbeiterschaft, mit Recht verlangten �Verbesserungen sind aber entweder gar nicht oder doch nicht so ausreichend vorgenommen worden, wie es dringend notwendig gewesen wäre. So hat sich eine immer größer werdende Verstim- rnuttg in der Arbeiterschaft gebildet, die durch die Ernährungs- schwicrigkeiten und die seelische Depression, die der Krieg überhaupt mit sich bringt, noch verstärkt wurde, zumal es sich hier um eine Arbeiterschaft handelte, von der schon seit Beginn des Krieges die allerhöchsten Leistungen verlangt worden sind. Die Entloh« n u n g von vielen Tausenden von Arbeitern und Angestellten ist noch heute durchaus unzurelchend. Geh. Admiralitälsrat HarmS behauptete in der Kommission, die Steigerung des Verdienstes der Arbeiter betrage 75 Proz. In Wirklichkeit machen aber alle Zu- lagen zusammen nur etwa 19 Pf. pro Stunde aus. Große Miß- stimmung erregt ferner die Erledigung der Abkömmlich- keitserklärungen durch die Werkmeister und andere untere Vorgesetzte, die sich durch Gunst und Mißgunst leiten lassen. Für die Abkömmlichkeitserklärungen müßte eine unparteiische Instanz geschaffen werden unter Ausschaltung der untere» Vorgesetzten.und unter Mitwirkung des Arbeiterausschußmitgliedes. Jetzt werden Arbeiter, die sich an den Schlich« tuiigsausschuß wenden, sofort eingezogen. Ein Werftarbeiter, der im Frieden Gcwerkschaftsbeamtcr war, wurde eingezogen, und der Divisionskommandeur sagte ihm: Sic sind einer von der Gesellschaft, die auf der Werft Krach machen. (Hört! hört! bei den Soziakdemokraten.) Auch zahlreiche Mitglieder der Arbeiterausschüsse sind eingezogen worden. Das kann die Arbeitsfreudigkeit der Mitglieder nicht erhöhen. lieber sehr harte Bestrafungen haben auch die Ar- beiter in Ostende zu klagen, die dort bcbandelt werden, als ob sie dem Militärgesetz unterstcben.— Besser gesorgt werden muß auch für die Ernährung. Für die Offiziere, Deckoffiziere nnd Unteroffiziere ist in der Ernährung sehr gut gesorgt; um so mehr mutz es auch bei den Arbeitern der Fall sein.— Auch bei den Bau- divisionen haben die Arbeiter über die Lohnverhältniffe zu klagen. Hier gibt es übrigens merkwürdigerweise so viel Vorgesetzte, daß sie vor Langeweile nicht wissen, was sie tun tollen, während an anderen Stellen die Kräfte fehlen,— Die Arbeitseinstellungen sind keineswegs von außen, auch nicht etwa vom Auslande, in die Werften hineingetragen worden, sondern durch die Mißstimmung entstanden, weil die Arbeiter noch immer nicht als gleichberechtigt in den Betrieben be- handelt werden. Hoffentlich tragen meine Ausfiihrungen dazu bei, daß den Arbeitern endlich die Stellung eingeräumt wird, d i e sie gerade auch im Hinblick auf ihre Leistungen im Kriege verdienen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär des Reichsmarineamts V. Capelle: Auch auf unseren Werften sind Arbeiterunruhen bor- gekommen, doch sind die Arbeiter nach sehr kurzer Zeit zur Arbeit zurückgekehrt»nd durchaus zugänglicki gewesen den Zureden� der Oberwerftdirektoren, die ihnen vorgestellt haben, daß die Ernährungsverhältnisse dadurch nicht besser werden, und daß es ihre patriotische Pflicht ist, durchzuhalten.— Die vom Vorredner vorgebrachten Einzelfälle von Einziehungen als Matzregelung kann ich nicht nachprüfen, ich nehme aber keinen Anstand zu erklären, daß, wenn es vorgekommen sein sollte, ich es auf daS äußerste mißbillige.— In betreff der Arbeiter in Ostende kann doch kein Zweifel bestehen, daß sie dem Militär st ras- gcsetzbuch unterstehen. Uebrigens habe ich auch da zu- gesagt, daß eine D o pp c l b est r a f u n g, Lohnkürzung neben der Bestrafung, nlchü ei ntr e i cn'sölli Der' Vorredner hat ferner die gilte. Ernährung der Ossiziere, Decköfsizlere und llnterofsizicr- hemän�eü,, An. Baad habe» wie.)die Mannschaftan diezelbe Verpflegung wie vor dem Feinde, an"Land haben sie auch kein s andere Verpflegung, als die Armeeoffiziere etwa in Berlin. Ilebrtgens habe ich in der Kommission ausgeführt, daß vom 10. April ab eine Herabsetzung der Brotration vorgenommen wer- den mußte, und daß die Offiziere und' Beamten freiwillig erklärten. sie verzichteten aus jede Besserstellung.— Die Baudivisionen find für mich vom Beginn des Krieges an ein S ch m e r z e n s- k i n d geioesen. Nach dem Mobilmachungsplan werden sie aus tech- nisch vorgebildeten Soldaten gebildet. Die Schwierigkeiten ent- stehen nun dadurch, daß die Soldaten mit Zivilarbeitern zusam- menarbeiten, also in der persönlichen Freiheit beschränkter sind nnd weniger Lohn bekommen. Wo es angängig war, habe ich die Baudivisionen aufgelöst und die Leute als freie Arbeiter verwendet. Aber es ist nicht überall möglich gewesen, z. B. nicht m Wilhelmshaven. Ech. AdmirakitätZmt HarmS: Meine im Ausschutz angeführten Zahlen über die Zulagen nnd Aufbesserungen der Arbeiter, die Herr Brandes angezweifelt hat, halte ich aufrecht; Herr Brandes kann sich durch Einsicht in die Statistiken vm der Richtigkeit meiner Zahlen überzeugen.— orarbeiten zur Neuregelung der Lohntarife find im Gange; doch ist die gegenwärtige Zeit nicht geeignet, diese Materie auf ganz neue Grundlagen zu stellen. Abg. Weiuljaitscti(Vp.): Dem Dank an die Offiziere und Mannschaften nnscrer Marin«, insbesondere der U-Boote, schließen wir uns an. Der beste Dank wird vre Abstellung aller Klagen sein, die auch aus der Marine zu uns dringen. Das Beschwerderecht wird auch hier als unwirksam und gefährlich bezeichnet. Leider gibt es auch Klagen über einzelne Offiziere, die ihre Mannschaften nicht richtig zu behandeln wissen. Die altgedienten Obermaats empfinden es schwer, daß sie nicht mehr befördert werden. Eine Fülle von Eingaben sind uns von den Beamten und Unter- b c a m t e n zugegangen. Jlirc Position ist zurzeit schwieriger als die der Arbeiter. Unbegreiflich ist die schlechte Besoldung der Magazin. lufscher, denen so große Werte anvertraut sind. AuS den Kreise» der Wcrftarvciicr sind auch mir viele Klagen zugegangen. Staatssekretär p. Capelle: Bezüglich des Beschwerderechts mutz die Marine konform mit der Armee gehen. Unsere Offiziere sind bestrebt, in der Behandlung der Mannschaften möglichst gerecht zu verfahren. Man muß aber mit einer gewissen Kricgsncrvosität rechnen. Abg Nchbrl(k.): Die großen und stolzen Worte deS Staatssekretärs wissen wir voll zu würdigen. Wir begrüßen sse mit besonderer Genugtuung, denn wir haben schon vor Jahr und Tag den uneingeschränkten U-Boot-Krieg gefordert.(Sehr richtig! rechts.) Die Wirkungen für die Neutralen bedauern wir, hoffen aber trotzdem, daß die Regierung die See- sperre an keiner Stelle aus irgendwelchen Gründen lockern wird. Dankbar gedenken wir'angesichts der Erfolge unserer Marine, die uns den Sieg und den Frieden bringen werden, auch des früheren Slaatssckrctärs v. Tirpitz.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Auch wir sprechen der Marineverwaltung, sowohl dem früheren Staatssekretär v. T i r p l tz wie dem jetzigen Staatssekretär ein- mütig Dank aus dafür, daß sie es verftanden hat, die Flotte zu einem Instrument auszubauen, bei dem vielleicht heute mehr die Entscheidung liegt als bei unserem Landheer und seinen heldenmütigen Taten.(Bravol) Abg. Warmuth lD. Fr.) schließt sich dem Dank an die Flotte an. Die Kraft unserer U-Boote erkennen jetzt auch die Engländer. Hoffentlich ist der Tag nicht mehr seru. au dem England sich ge« nötigt sieht, um Frieden zu Bitten. Freilich dürfen wir mit dem rücksichtslosen U-Boot-Krieg nicht einen Augenblick aushören. Abg. Bogthcrr(Zoz. Arbg.): Auch die A u s l o s u n g d e r B a u d i v i s i o n c n, auf die der Staatssekretär hingewiesen Bat, ist nicht geeignet, den Klagen der Arbeiter abzuhelfen; ihre Lohnerhöhungen entspreche» in keiner Weise den Steigerungen der L e b e n S in i t t e> p r e i s e. Bei der Heeresverwaltung wird die Einberufung zur Front sehr vielfach als M a s; r c g e I u n g, als Strafe angeordnet; es ist oner- kenncnSwcrt, daß der Staatssekretär für"die Werften solckic Maximen verwirft. Er sollte aber auch dafür sorgen, dah es auf den Privatwerften nicht mehr geschieht. Die streikenden Arbeiter sind zur Freude des Staatssekretärs sehr bald ins Arbeitsverhältnis zurückgekehrt. Damit sind aber nicht die Ursachen beseitigt worden, die zum Streik geführt haben. Das ist der Mangel an Lebensmitteln, ferner bedeutet der Streik einen Protest gegen die Handhabung des Arbeitszwangsgesetzes und gegen den Belagcrungs- zustand überhaupt, und vor allem kam in dem Streik zum Ausdruck das große Verlangen nach endlichem Frieden.(Lebhafte Zuslim. mung bei der Soz. Arbg.) Abg. Dr. Pfleger(Z.) wünscht eine weitergehende Bcrücksichti- gung S ü d d c u t s ch l a n d s an den Marincliefcrungcn. Abg. Giebel(Soz.): Gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg sprachen nicht nur technische Fragen, wie in der Kommission gesagt wurde, sondern vor allem politische Rücksichten, die heute noch ganz ebenso H e st e H e».— Der Erlaß, wonach mit den O r g a» i s a t i o n s- Vertretern die Werftleitungen grundsätzlich nicht verhandeln, ist zu unserer Genugtuung aufgehoben worden. Aber auch die Zentrale selbst, das Rcichsmarincamt. sollte mit Orgamsationsvertretern zu verhandeln bereit sein.— Die Stellung der Arbeiterausschüsse entspricht nicht dem Gesetz für die Hilf»- dicnstpflicht; es ist nicht zu billigen� daß sie durch einen Willkürakt einer behördlichen Stelle aufgelöst werden können. Weiter sollte man auch Angestclltenausschüsse auf den Werften bilden.— Ist es richtig, daß von den technischen Beamten nur die akademisch Gebildeten zu leitenden Stellen berufen werden? Wäre das der Fall, so müßte das mit Recht bei den anderen technischen Beamten Bitternis hervorrufen.— Tic G c- Halter der A n g e st c l l t c n. sowohl der Burcauangestellten wie der technischen, sind bei den gegenwärtigen Verhältnisjen absolut unzureichend. Den Klagen darf nicht erst im Frieden abgeholfen werden, vor allem muß für die Mehrarbeit ein Entgelt gegeben werden, die namentlich auch die technischen Angestellten zu leisten haben. Kann man Leute, die schon 18—20 Jahre in nicht etat- mäßigen Stellen beschäftigt sind, aus Mangel an etatsinäßigen Stellen in solche nicht einrücken lassen, so sollte man einen Aus- gleichsfonds schaffen, um diesen Angestellten vielleicht einen er- höhten WvhnungSznschuß zu gewähren.— Von der einmaligen Kriegssteuerzulage hat man merkwürdigerweise Unverheiratete und Verheiratete ohne Kinder ausgeschlossen. Bei der Neugestaltung der Verhältnisse bitte ich dringend, auch diese Angestellten zu berück- sichtigen. Die technischen Angestellten sollte man mindestens so stellen wie die entsprechenden Beamtcnklassen. Den gering be- soldcten Angestellten und unteren Beamten sollten weitere Teue- rungszulagen gelvährt werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Geh. Adnuralitätsrat Harms(auf der Tribüne fast Unverstand- licht betont, daß bei den Teuerungszulagen die Marineverwaltung von der Reichsfinanzvcrwaltung abhängt. Abg. Werncr-Hcrsscld(Dt. Fr.) tritt für Bcsierstcllung ein- zelner Beamicnkategorien der Marineverwaltung ein. Der Etat wird genehmigt. Es folgt der Kolonialetat. Abg. Dr.- Arendt(Dt. Fr.) begrüßt, daß in der Kommission Einstimmigkeit darin geherrscht habe, daß man beim Friedensschluß nicht auf die Kolonien verzichten wolle� Mit Stolz erfüllt uns, wi» tapfer sich die kleine und schwache Schar unserer Kolonialtruppc gehalten hat.(Bravo!) Abg.?coskc(Toz.): Die Sähutztruppe hätte sich nicht so lange halten können, wenn die Farbigen nicht in treuer Hingebung den deutschen Führern ge- folgt wären. Tie Besserung in dem Verhältnis zwischen Eingeborenen und Deutschen ist infolge der größtenteils auf unser Drängen in den letzten Jahren befolgten Politik mit der Zeit besser geworden. Die Fruchte davon haben sich in diesem Kriege gezeigt. Tie barbarische Behandlung der deutschen Gc- fangen«» durch die Engländer in Kamerun hat die Kolonialver- waltitng mit Recht acbrandmarkt. Hoffentlich wird es möglich sein, daß Teutschland auch in seinen Kolonien das Zerstörte wieder ans- richtet. Wir sind immer für die Unversehrtheit des deutschen Gc- bietcs eingetreten. Dazu gehört selbstverständlich auch die Erhal- tung unserer Kolonien. Wenn wir einen Frieden ohne Annexionen fordern, so gilt das selbstverständlich auch für England.(Sehr richtig!) Frieden ohne Vergewaltigung irgendeiner Nation be- deutet, daß auch Deutschland seine Kolonien zurückerhält. Grenz- Verschiebungen, Freigabe von einzelnen Teilen der jetzigen Kolo- nialgebiete würde natürlich Kompensationen bedingen. Ich hoffe, daß es Deutschland nach dem Kriege gelingen wird, gründlicher als vorher segensreiche Kulturarbeit in den Kolonien zu leisten. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Thoma(natl.) tritt dafür ein, daß eine Entfchädi- gung der Kolonialdeutschen durchgesetzt wird und schcm jetzt�in Angriff genommen, natürlich auf Rechnung derer, die den Schaden verursacht haben. Mit der Frage einer Kriegsentschädigung im teckmischen Sinne hat das nichts zu tun. Es müssen überhaupt alle Deutschen, die vom Auslande Schaden erlitten haben, entschädigt werden. Abg. v. Nöhlendorff-Kölpin(k.) schließt sich dem Tank an die Kolonialtruppen an. Abg. Waldstein(Vp.) stimmt der Forderung auf Entschädigung der Ausländsdeutschen zu und begrüßt die Ausführungen des Abg. Noske. Abg. Schwarze-Lippstadt(Z.) äußert sich im Sinne der Vor- redner. Abg. Henke(Soz. Arbg.): Die Auffassung, daß nicht in Afrika, sondern im Westen über unsere Kolonien entschieden wird, bat schon Bismarck ausgesprochen. Ob diese Auffassung berechtigt ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls stehen die deutschen Arbeiter der Kolonialpolitik ablehnend gegenüber und der Krieg hat uns darin nur noch bestärkt.— ist der Krieg doch überhaupt aus kolonialen Streitigkeiten entstanden. Für Teutschland ist es keine Wirtschaft- liche Notwendigkeit, Kolonien zu besitzen, und die Arbeiter haben sicherlich nicht das mindeste Interesse an einer Kolonialpolitik, die ja iliiter der.Herrschaft des kapitalistischen Systems nur eine kapila- liftische sein kaum(Bravo! bei der Soz. Arbg.) Staatssekretär des Rcichskolonialamts Dr. Solf: Die Er- fahrungcn mit den Leistungen unserer Schutziruppe berechtigen mich zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. Ich danke den Rednern für ihre Anerkennung unserer Leistungen. Tie geschädigte� Kolonial- deutschen wird die Regierung nicht im Stiche lassen. Mit dem Abg. Henke vermag ich mich nicht auseinanderzusetzen. Abg. Henke(Soz. Arbg.): Der Staatssekretär kann sich mit mir nicht verständige», denn er hat kapitalistische Interessen wahr- zllnehmen. ich dagegen Arbeiterinteressen. Der Etat wird bewilligt und debattelos der Etat für das Reichs- Militärgericht, der Etat der Reicktsfchuld und der Etat der allgc- meinen Finanzverwaltung. sowie das Etatsgesetz. Damit ist der Etat in zweiter Lesung erledigt und die TagcS- ordnung erschöpft. Nächste Sitzung Tonnerstag 11 Uhr.(Teutsch-türkische RechtZ- vcrträge. Ernährungsfragcn.) Schluß 834 Uhr. parlamentarisches. Haubhaltsausschnf! des Nrichstags. Am Mittwoch wurde vertraulich über den Bau von Kriegsschiffen verhandelt. Die Auseinandersetzungen konnten noch nicht beendet werden; sie gehen am Donnerstag weiter. Ernährungsfragcn vor dem Rcichstagsausschust. Zur Erörtcriliig stand die Herstellung von Kraftfutter- Mitteln. Auf eine Anfrage erklärte v. Vatocki, daß über die Herstellung von Eiwcitzhrfe dos Urteil nicht einheitlich ist. Tie Verwendung der Eiweihbefe für die menschliche Ernährung ist nicht ohne Bedeutung. Für die Viehhaltung ist man bemüht, die Erzeugung von Stroh- Kraftfutter zu vermehren. Man ist aus dem Stadium des Versuchs heraus. Die Ausschließung der Nährmittel im Stroh durch Lauge ist v o l Ist ä n d i g g e l u u g c n und erzeugt«in wert- volles Futtermittel.— Abg. Jckler(nail.) empfiehlt V c r st a a t- I i ch ii n g dieser Industrie der Krafifuttcrerzcugiing.— Käpplcr (Soz.) bat Bedenken, ob die E n t k c i m u n g d c» G« t r c i d c s auch in Friedenszcitcn fortgesetzt werden solle, denn die Klei« ver- lierc dadurch sehr ihren Fuitcrwert. Gegenwärtig ist das Verfahren für die Fetigewinnimg von großem Vorteil. Von vielen Seiten wird lebhaft darüber geklagt, daß den städtische ii Pferdehaltcrn der Bezug von Heu nicht möglich gemacht war und infolgedessen viele Tiere eingegangen sind. Bei der Besprechung der Branntwrincrzcugung erhebt Schmidt- Berlin(Soz.) Einspruch dagegen, daß die Fabri- kation von Holzspiritus mit so wenig Eifer betrieben wird; es scheine, als ob hier der agrarische Einfluß sich wieder un- heilvoll bemerkbar macht, weil man die Konkurrenz des Kartoffel- spiritus ungünstig gestalten könnte.— Dr. Roesickc(k.) wendet sich gegen die Fabrikation des Holzspiritus, da sonst die Kartoffeln nicht nutzbringend für die Viehhaltnng verwendet werden können. Bei der Besprechung des Tabakbaues legt der Direktor Müller vom Rcichsamt des Innern dar, daß die Verarbeitung von Tabak eingeschränkt werden muß.!Nan bat die Industrie zurückgeschraubt und will da- für sorgen, daß die bodenständige Fabrikation erhalten bleibt, und damit auch die Arbeiterschaft weiter diesem Beruf nachgehen kann. Die Maßnahmen sind auch mit Arbeitervertretern beraten und haben allgemeine Zustimmung gefunden.— Abg. Schiffer(Z,): Die Maßnahmen treffen die Betriebe sehr hart, die neu entstanden sind. Die Berhairdlungcn sind nach diesen Erörterungen zum Ab- schluß gekommen. Die vorliegenden Anlräge wurden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten insgesamt der Regierung zur Er- wägung überwiesen. Parteinachrichten. Die Koukrollkommission schreibt uns über ihre Sitzungen vom 8. und 9. Mai 1917: An Stelle des bisherigen Vorsitzenden W. Bock-Gotha, der in- zwischen Mitglied der.Unabhängigen sozialdemokratischen Partei' geworden ist. wurden die Sitzungen von Fr. Brühne- Frankfurt a. M. nach Berlin einberufen. Nicht geladen wurden die bisherigen Mitglieder W. Bock- Gotha und F. Geyer- Leipzig, beide weil sie zur»Unabhängigen sozialdemokratischen Partei' übergetreten sind, ebenso Klara Z e t k i n- Stuttgart, die bereits seit einigen Jähret« ihre Beitragszahlung an die Sozialdemokratische Partei eingestellt hat und Mitglied der Stuttgarter Sonderorganisation geworden ist. In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des ParteivorstandeS und des ParteiauZschusseS vom Januar 1917 beschloß die Kontrollkommission mit fünf gegen eine Stimme, daß die genannten drei bisherigen Mitglieder aus den angeführten Gründen aus der Kontrollkommission ausgeschieden sind. Als Vorsitzender der Kontrollkommission wurde für deren weitere AmtSdaucr Fritz Brühne, Frankfurt a. M., Blcidenfir. 33, bestimmt. Alle Einsendungen für die Rontrollkommisfion sind nun- mehr an diese Adresse zu richten. Durch die Presse war eine Notiz veröffentlicht, daß auch das Mitglied der Kontrolllottttnisston A. Geck- Offenburg sich der»Un- abhängigen sozialdemokratischen Partei' angeschlossen habe. Auf Anfrage hierüber teilte Geck in der VormittagSsttzmig vom 8. Mai mit, daß er nach wie vorMitglied der alten Organisation sei und auch an diese seine Beiträge bezahle. Die Pressenotiz entspräche also nicht den Tatsachen. Diese Erklärung Geck» erschien den Mitgliedern der Kontrollkontimssion für seine weitere Tätigkeit in dieser Körperschaft für befriedigend. Dagegen erregte die Mittei- lnng GccfS, daß et von dem bisherigen Vorsitzenden Bock den Auf- trag erhalten habe, da» Protokollbuch der Kontroll- kommisstonan den hierfür bestimmten Genossen nicht abzuliefern, sondern an Bock auszuhändigen, bercch- tigteS Erstaunen. Geck als Schriftsührer erhielt den Auftrag, das Protokollbuch herbeizuschaffen. Geck versprach, diesen Auftrag am Nachmittag a u S z u fü b r e n. Am Abend traf er sich mit dem Genossen Brühne in dessen Hotel. Nachdem beide ntiteittattder geplaudert, legte Geck während der Abwesenheit BrühneS auf dessen Zimmertisch einen Brief folgenden Inhalte: B e r l i n. den 8. Mai 1917. An den Vorsitzenden der Kontrollkommission der Sozialdem. Partei. Genossen Fritz Brühne, hier. Lieber Brühne! Dem mir erteilten Austrage gemäß sprach ich heute nachmittag 4 Ubc mit dein bisherigen Vorsitzenden Wilhelm Bock über die Ablieferung de? KontrollkonimissioitS- ProlokollbuchS. Bei diesem Anlaß erfuhr ich, daß ein Schreiben Bocks an meine Adresse abgegangen war, worin mir meine in Gotha erfolgte Wahl in die KonlroUkottt» Mission der Unabhängigen iozialdem. Partei Deutschlands angezeigt worden ist. Dieses Sckireiben kam nicht in meinen Besitz; auch die mir zu eröffnende Tatsache war mir bisher unbekannt. Ich bin also zur heutigen Sitzung der Kontrollkommission u n l e r u n- richtigen Voräussetzungen gekommen. Um also keinen Mißdeutungen ausgesetzt zu sein, nehine ich an den gegen- wärtigcn Sitzungen der Koitirollkommisston nicht Wetter teil, was ich zur Kenntnis derselben bringe. Mit sozialdemokratischein Gruß gez. Adolf Geck. Damit scheidet auch das bisherige Mitglied Geck aus der Kontrollkoinmissioit der Sozialdemokralischen Partei Deutsch- lattds aus._ Die österreichischen Arbeiterinnen auf dem Posten. Die jüngste mächtige Kundgebung der Wiener Arbeiterinnen für das Frauenivahlrecht tu Reich, Land und Gemeinde soll nicht Episode bleiben, sondern gleich eindrucksvolle Kundgebungen in der Provinz anregen._ Bon den„Unabhängigen". Der Bohkott gegen den Würzburger.Fränkischen VolkSsrernid' ist in Schweinfurt vorbeigelungen; mit wie stunipsen Mitteln die 'boykottiere r arbeiten, zeigt nichts besser als daß auf den von ihnen eingereichten Abbesiellungslisien auch— fünfzehn Nichi- a b o n ii e n t e n prangten. Die Bezirksleitung am Nieder rhein gibt bekannt, daß für die zu den„Unabhängigen' abgeschwenkte Orgo- ntsaiion im Wahlkreis Hägen-Schwelm ein neuer Verein ge- gründer wurde, dessen erster Vorsitzender Hugo Jakobs in Schwelm ist._ GroMerlln Keine Feier des Pfingstmontags? In verschiedene» bürgerlichen Blättern findet sich eine Notiz, wonach geplant sei, die Feier des PfingsisesteS in diesem Jabre auf den Somilag zu beschränken, und worin angeregt wird, der Bundes- rat möge dies einsach durch einen Beichluß besitmmen. Begründet wird die Anregung mit dem Hinweis darauf, daß unsere Feldgrauen auch keinen Sonntag hätten und dem religiösen Bedürfnis am ersten Feiertage genügt werden könne. Tie Interessen der Hundertrauiende von Angestelllen, die in erster Linie durch diesen Beschluß getroffen ivürdcn, kommen für die Ver« treter dieser Idee anscheinend nicht in Betracht. Es stört sie auch nicht, daß die Angestellten— lautmännische wie technische— bereits seit drei Jahren ganz oder fast ganz auf ihren Urlaub verzichten mußten, während die Beamten den thien zum größten Teil genießen konnten. Den Angestellten, die ohne Brotzulagen und ohne irgendwelche Zusatzkarten auskommen müssen, wäre nach dem beispiellos harren Winter ein Soinmerseiciiag wahr- hastig zu gönnen! Wir erwarten daher, daß der Bundesrai solchen Vorschlägen seine Billigung versagen wird. Ter �usammcnstost auf der Untergrundbahn. Bei den Mitteilungen über den Zusammenstoß interessiert uns vor allem die Frage: Wir war es möglich, daß er fr eine balbe Stunde nach dem Unfall die erste Vi el- dung bei den Rettungswachen und bei der Feuer- wehr einlief, so daß weder Aerzie noch KraiikeittranSporiwagen rechtzeitig zur Stelle waren? Vielleicht hat die Direktion der Hoch- und Üntergrundbahngesellschaft die Güte, sich zu dieser Frage zu äußern. Tie Zahl der Verletzten beläuft sich nach den bisherigen Ermittlungen auf 42; es bandelt sich zumeist um Verletzungen durch GlaSsplitter und durch Stöße und Quetschungen. Das Be- finden der beiden Schwerverletzten. Kontoristin Margarete Sommer und Fräulein Johanna Dombrowski, die im Krankenhaus Friedrichs- Hain in Pflege sind, ist zusriedcnstellend; sie sind außer Lebens« gefabr. Der Leiter der Verkehrsabteilung dcS Polizeipräsidiums, Ober- regierungsrat Dr. Haaselau, machte über den Unfall folgende Mitteilungen:„Die polizeiliche Untersuchung über die Ursachen des Unfalles hat folgendes ergeben: Der Unfall ist dadurch herbei« geführt worden, daß der Führer eines nachfolgendes Zuges ein- gegen der bestebenden Sicherheitsvorschrift gehandelt hat. Er ist vom Bahnhof Schönhauser Tor abgefahren, obgleich das Signal keine freie Strecke anzeigte. Das ist an sich gestattet, wenn gewisse SicherbeitSvorschriflen beachtet werden, d. h., wenn nicht niebr als fünf Kilometer Geschwindigkeit gefahren werden. Diese Vorschrift hat der Führer nicht beachtet und ist, trotzdem das Signal zeigte, daß die Strecke nicht frei war, tnrt der gewöhnlichen Geichwindigkeit gefahren. DaS Signalwesen bar tadellos funktioitierr. Die Stroinlosmachung der Strecke nach dem Unfall mußte erfolgen, um die Gleite für den Fußgängerverkehr ungefährlich zu machen. Im Augenblick der Stroinunlerbrecbung tritt sedoch eine aulomaliicbe Vorrichtung in Kraft, die bewirkt, daß der Tunnel beleuchtet bleibt. Dies ist ouck an der Unfallstelle gescheben. Der schuldig« Führer ist sofort vom Fahrdienst zurückgezogen ivorden und wird sich wegen Gefährdung eines Eisenbohiitransportcs zu verantworten haben.' Der Führer, der an dein Zusammenstoß die Schuld tragen soll. steht schon seit 1ö Jahre» im Dienst der Untergrundbahn. Er war längere Zeit im Felde. Die Zugbegletrerin, eine Frau, deren Mann im Felde steht, befindet sich seil zwei Jahren im Dienste der Bahn. * Einem unserer Mitarbeiter gegenüber erklärte ein Verkehrs- t e ch n i k e r bezüglich der Schuldfrage,»daß man bei der von der Hochbahngesellschaft zugegebenen Betriebsstörung am Alexander- platz die gesamte Nord st recke hätte sperren müssen; m letnem Falle hätte man ober vier Züge innerhalb 40 Minuten von 5 Uhr ab vom Bahnbos Schönhauier Allee bis zur llnfallstätte verkehren lassen dürfen. Diese Züge sülllen natürlich den Tunnel zwischen Bülowplatz und Alexanderplatz, wodurch die Gefahren heraufbeschworen wurden, denn eine solche Ilcbcrsüllung koinittl nie vor und wohl lein Beamter reckinet damit, daß man selbst bei einer längeren Betriebsstörung vier Züge abfertigt und dann an der Un- sollst«lle halten lägt, wo die Fahrgäste wie in einer Mausesnlle fest- sitzen. Unbegreiflich ist es auch dem Fachmann, wie dann abermals nach dem Zusammenstoß 25 Minuten verstreichen konnten, bevor die erste Hilfe geleistet wurde.' Noch vor der Alarntierung dcS Verbandes für erste Hilfe erschienen bereits zahlreiche Verletzte auf der Rettungswache 15 in der Ketbelstraße. die fast zehn Minuten von der Unfallstelle entfernt liegt. Die Angabe, daß man die Berliner Feuerwehr alarmiert habe, trifft nicht zu. Sie wurde erst später von der Rettunas« gesellschafr um schleunige Bercilstellung von KrankentranSporlwagen ersucht. Danach hat eine Alormierung der Feuerwehr überbauet nicht stattgefunden, sondern nur ein Ersuchen der ReltungSgesellschast, dem sofort entsprochen wurde. ES muß als ei» ganz besonderer Glücksumitand bezeichnet werden, daß lein Brand emstaiiden ist und daß der Zusammenstoß bei der Anhäufung von vier vollbesetzicu Zügen so glimpflich abgegangen ist. Daß sich von den wenigen Schwerberletzten niemand in Lebensgefahr befindet, ist sehr erfreulich, entlastet ober die Beamten, die vier Züge abfahren ließen, ohne die Zugführer zu instruieren, nicht im mindesten. Alle vier Züge halten müssen zurückgehallen werden. Bei einem Fünf- ininuten« statt des ZehmninutcnverkehrS wären zweifellos die Folgen schwerer gewesen.___ Landaufenthalt der Berliner Gcmeindcschulkindcr. Aus dem Rathause wird unS geschrieben: Die Vorbereitungen für die Verschickung der Berliner Gemeindeschullinder sind beendet. Zum Abtransport werden vom heutigen Donnerstag an täglich 1—4 Sonderzüge nach Ostpreußen verkehren. Die Abfahrtzeit der Zuge ist so eingerichiei, daß die Kinder am nächsten Morgen in Ostpreußen ankommen, um noch bei Tageslicht an Ort und Stelle zu gelangen. M u n d v o r r a t ist für die ganze Reise mitzubriitgcn. ES tst jedoch auch dafür gesorgt worden, daß de» Rindern unterwegs eine warme Suppe verabreicht wird. Auf den Slalionen Kreuz bezw. Könitz und Allenstein sind für diesen Zweck die erforderlichen Vorbereitungen getroffen. Das Rote Kreuz und die Bahnhofs- Wirte haben dies« Massenvervflegung freundlichst übernommen, und alle in Frage kommenden Provinzialbehörden haben das größte Entgegenkommen gezeigt. Die Züge fahren sämtlich vom Schle- fischen Bahnhof ab. Die kleinen Retsenden versammeln sich jedes- mal IVa Stunde vor Abgang der Züge aus dem Schulhos der Fori- bildungsschule Lange st raße 31. Hier wird die Schar nach Bahnstationen geordnet, und nun geht es geschlossen aus den Babn- steig. Die Angehörigen dürsen die Kinder bis zum Eingang auf den Schulhof begleiten. Es wird aber aus Gründe» der Orb- nung und schnelleren Abwicklung nicht gestattet werden können, daß Angehörige den Schulhof oder den Bahnsteig betreten. Eine ausreichende Zahl Lehrer und Lehrerinnen sorgen da- für. daß die Kinder im Zuge gut untergebracht werden. Die Mütter mögen vor allem darauf Wert legen, die in» l z u n e b m c u« .den ÄUtduitgSflückc in feste Kartons gut zu verpacken, fest dericbni'ren und mU dem Quitten de? Kindes zu berseden� damit beim Aussteige» leine Vcrivcckuclunge» vorkommen. Für die Fahrt und den'Aufenthalt auf dem Lande sind besondere Anord- nungen crlaffen Ivorden. die den begleitenden und den beaiifficktf- genden Lehrern und Lehrerinnen mitgegeben werden. E? fei noch besonders darauf hingewiesen, dag die Kinder v o n der Brot- l o m nr i f f i o n abzunielden sind, damit sie auf dem Lande hinsichtlich der Ernährung keine Schwierigkeiten haben. Berliner Lcbensmittclnachrichtcn. Auf Abschnitt 7l der Lebcnsniittelkarte entfallen je Löst Gramm Südfrucht-Marmelade und aus Abschnitt 72 e i n P f u n d Kriegs in u s. Die Abschnitte sind nur i» den durch da? bekannte Aushängeschild gekennzeichneten Geschäften gegen EinpiangSbescheini- gung abzuliefern, und zivar am 10., 11. und 12. Mai. Yrzougcrrichtpreise für Spinat u»d RapSspinat. Von der Preis- abteilung der Neichsftelle iiir Gemüse und Obst sind als Erzeuger- richtpreiie kür Spinal bestimmt: bis 15. Mai 25 Pf. das Psiind, später 15 Pf. Endgültige Vertragspreise sind in bekannter Weise von den Preiskommissionen festgesetzt. Für Rapsspinat werden sol- gendc Erzeugerhöchstpreisc als angemessen erachtet: bis 15. Mai 15 Ps., später 18 Ps. Grüner Salat wie Spinat zubereitet. Da? Nachricktenamt schreib�: In diesem Frjihjahr werden beträchtliche Mengen von Salat zur Verfügung stehen, die jedoch wegen Mangels an Salatöl nicht in der üblichen Weife zubereilet werden können. Aus diesem Grunde dürfte folgende? er- probte Rezept vielfach willkommen sein, ivonach Salat vollkommen wie Spinal zubereitet werden kann: Der Salat wird mit Salz- Ivasscr gargekocht, sodann läßt man ihn aus einem Sieb abtropien. Nachdem man den Salat nun fcingewiegt, ivird er mit Pfeffer, Salz, etwas abgeriebener Zwiebel, Bonillonextralt bczw. Bouillon- Würfel nach Geichmark zubereitet. Um den Salat sämig zu machen, kann man etwas Mehl mit zerlassenem Fett heranrühren. Bezüglich der Anmeldung von Versammlungen ist, wie unS die GelvcrkschastSkommission mitteilt, der alte Zustand wieder eingetreten, wonach es einer Versommlungsanmeldung für die Folge nicht mehr bedarf, allerdings mit der Ausnahme, daß Streikversammlungen auch weiter angemeldet werden müssen. Alumniiumbcschlagiiahinr. Am 10. Mai ist ein Nachtrag zu der Bekanntmachung vom l. März 1017 betreffend Beschlagnahme, Be- siandscrhcbuiig und Enteignung von fertigen, gebrauchten und un- gebrauchten Gegenständen aus Aluminium in Kraft getreten. Der Nachtrag dringt eine Abänderung des ss 7 insofern, als die Ent- eignung der beschlagnahmten Gegenstände nicht nur durch besondere an den Besitzer gerichtete Anordnung, sondern auch durch öffenl- liche Bekanntmachung ausgesprochen werden kann. Ferner werden die llebernahmepreise(sj 0) gegenüber der ursprünglichen Festsetzung erhöht. E« ist Vorsorge getroffen, daß Ablicserern. welche aus Grund der alten Fassung des§ 9 die geringere Vergütung erhalten haben, der Unterschied nachgezahlt ivird. Alle Einzelheiten ergeben sich ans dem Wortlaut der Bekanntinachung, deren Veröffentlichung in der üblichen Weise durch Anschlag und durch Abdruck in den TogcZ- zeitungcn erfolgt. Außerdem ist der Wortlaut der Bekanntmachung bei den Polizeibehörden einzusehen. Tie Annahme von Postpaketen»ach der Türkei ist wieder zu- gelassen. Bis aus weiteres dürfen jedoch von einem Absender tag- lich höchstens 30 Stück cingelieserr tverden. Ilnscrcn Abonnenten in tsharlottenbnrg und Moabit konnte die gestrige„Vorlvärts"nuinincr aus technischen Gründen leider erst der- späiei zugestellt iverdcn. Wir bitten daher unsere Abonitenlcn um sreundliche Nachsicht. Unfug auf der Ehausscc Adlcrshos-Grünau. In letzter Zeit sind auf der Ehaussceumbaustrecke Adlcrshos-Grünau während der Nacht mehrfach die Baubuden ausgebrochen,. Höhenpsähle herausgerissen, Sperrmseln zerschlagen--u'erdcii uiw. Der Laudrat de» Kreises Teltow weist aus diesem Anlaß darauf hin, daß das Betreten der I Chausseestrecke in ganzer Länge verboten ist. Der Fußgängerverkehr] darf nur aus dem östlich der Ehauffee im Walde gelegenen Fuß- gängcrstreisen erfolgen. Jede Zuwiderhandlung und jede Verübuug von Unfug wird künftig in nachdrücklichster Weise bestraft werden. In der Badewanne vergiftet haben sich am Dienstag der 36 Jahre alte Werkmeister Marlin M. und seine 27 Jahre alte Ehefrau aus der K i a u t s ch o u st r a tz e 6. Der Mann war zur Marine einge- zogen und setzt ans Urlaub zu Hause. Beide Eheleute litlcii schon ieii längerer Zeit an Schwermut. Für 10 000 Mark Treibriemen erbeutete» Einbrecher aus dem Grundstück Psarrstr. 5 zu Berlm-Lichtenberg. Die Diebe luden ihre Beute aus cinein dort siebenden Handwagen und entkamen mibe« merkt. Tie Treibriemen sind von verschiedener Länge Und Breite, der kürzeste mißt 1,80 Meter, der längste 9,80 Meter. Die Breite bewegt sich zwischen 35 und 85 Millimeter. Neukölln. Bcrkans von Saatsrühkartoffcln. Nachdem der Stadt ein größerer Posten Frühkartoffeln zur Saat überwiesen worden ist, können jetzt alle Neuköllner Laubeukolonistcn und Landwirte, die sich seinerzeit in die Bestell-Ltsteu für Frübkarloffcin haben ein- tragen lassen, ihren Bedarf decken. Der Verkauf der Saalkartoffeln findet heute von 2 Uhr nachmittags an m den städtischen EtSwerken, Eingang Lahnstraße, statt. Als Ausweis ist der Pachtvertrag vor- zulegen. Jeder Käufer muß sich durch Unterschrift verpflichten, im Herbst dieses Jahres sür die gelieferten Saalkartoffeln die gleiche Menge Speisckartoffeln zurückzugeben. Nicderschönhauscn. LcbenSmittcliinchrichteu. Vom Sonnabend ab gelangt im Gemeindeladen, Treskowstr. 63/61. ausgelassener Rindertalg zum Verkauf. Es werden abgegeben aus schivarze Lebensmittelkarte 100 Gramm, auf rote Lebensmittelkarte 200 Gramm. Der Preis beträgt 17 Pf. sür je 100 Gramm. Jeder Haushalt be- kommt das ihm zustehende Luantum. Der Verkauf beginnt am Sonnabend mit dem Buchstaben A usw., sedeu Tag im Durchschnitt ein Buchstabe.— Auf die lausende Eierkarte entsällt diesmal ein E i zum Preise von 29 Ps.— Die bis zum 10. Juni gültigen Speisesettkarten werden mit dem 13. Mai außer Kraft ge- setzt. Die Neuanmelduitg hat in der Zeit vom 14. bis 17. Mai zu erfolgen. TitzungStage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Ttcglib. Morgen, abends 6'/, Uhr, im Rathause, Tiefe Sitzungen sind öslcnliich. Jever Ecmctndcangchörlgr ist be- irchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Groß-Serlmer Parteinachrichten. Berlin IV. Der Vorsitzende de? Vereins wohnt nicht, wie irrtümlich angegeben, Gubener Str. 19, sondern 0. 3 4, K o ch- h a n n st r a ß e 15, Portal III. Wilmersdorf. Morgen, abends 8'/z Uhr: Mitglicdcrversamm- lung bei Jonas, Durlachcr Str. 8, Ecke Bruchsaler Straße. Tages- orduung: Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung und vom Groß-Bcrliner Bezirkstag. Gesimiuilgsgenossen und„Vorwärts"- lescr sind cbensalls ctiigeladen. Industrie und Handel. Geldüberweisung an Äriegsgefangene. Ter Ucbertocisungsverkchr, den die Deutsche Brink cingcrichtct hat, hat sich uiit Rußland dank des großen Entgegenkommens der dortigen'Banken nach dem„Berliner Tageblatt" gut entwickelt. AehnlicheS Ivird von England berichtet. Dagegen bestcheit in Frankreich Schwierigkeiten. Es können in Zukunft Zahlungen in solgender Weise an deutsche, österreichisch-ungarische und türkische Kriegsgefangene und Zivil- verschickte im europäischen Rußland und Sibirien erfolgen: erstens, durchweg brieflich, wobei Spesen nicht in Ansatz gc- Ausnahmefällen, van ans telegraphisch, wo- Spesen ergeben,»nd sür jede Ilebenveisung weist aber ausdrücklich Ilebermittlung nur in sott, un> den Dienst isc zu gefährden. Sie bracht werden, zweitens, in'besonderen Berlin bis Petersburg brieflich und von da durch sich für jede Ueberwcisung 6. M. drittens, durchweg tclegraphisch, wobei 30 M. Spesen entstehen. Die Deutsche Bank darauf hin, daß von dieser telegraphischen Ausnahmefällen Gebrauch gemacht iverdcn nicht zu überlasten und dadurch möglicherwe berechnet hierbei den Rubel mit 1,90 Mark. .Hamburgs Vrrkehrspvlitischc Wünsche. In einer Bersammlung der� Mitglieder„Eines Ehrbaren Kaufmanns" führte Handelskammersyndiktls Tr. Matthics aus, daß der Bau des Mittellandkanals von Hannover bis zur Elbe schon aus militärischen Gründen notwendig sei, und daß sich au'ch ein Nord-Süd-Äanal von der Elbe über llelzcn an den Mittellandkanal bei Hannover empfehle, lieber die Pläne einer Verbindung der deutschen N o r d s c e st r ö m e mit der T o n a n wurde folgende charakteristische Entschließung gefaßt: „Der von der Handelskattttiter zu einer außerordentlichen Per- sammlung berufene Ehrbare Kaufmann Hamburgs hält den Bau ei ncr Wasserstraße z w i s ch c n der Elbe und de r Donau im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung und des wirtschaftlichen Zusammenschlusses der beide» im Krieg und Frieden verbündeten Staaten, des Deutschen Reiches nniz Oesterreich- Ungarns, tür dringend erforderlich. Die günstigste nnd billigste Linie hierfür ist der von der Elbe bei P a r d u b i tz abzweigende und bei Prerau in den zu erbauenden Oder-Donau- Kanal einmündende Kanal. Die sv zu schaffende, im österreichischen Wasscrstraßcngesctz von 1901 bereits vorgesehene Vcr- bindung zwischen der Elbe, Oder oder Donau ist v o»i T e n>- scheu Reich mit allen Mitteln, auch durch Bei- träge zu den Kostci, des Baues, zu fördern. Diese Ans- gäbe darf hinter dem Donau-Main-Kanal nicht zurückstehen, dieser würde nur den Häfen von Antwerpen und Rotterdam zugute kommen und dadurch Hamburg schaden. Tic Interessen Hamburgs, das durch den Krieg schwerer als ein an- derer deutscher Bundesstaat in seiner'wirtschaftlichen Stellung ge- schädigt ist, sind bei dem Bau von Wasserstraßen in erster Linie zu berücksichtigen." Ten Haniburger Ehrbaren könnte offenbar nichts Schlimmeres passieren," als wenn Antwerpen der wichtigste deutsche Hase» würde. Die geäußerten Wünsche nach einem großzügigen Ausbau des deutsch-österreiwi scb- ungarische» Binncn-Wnsserstraßcn-Systeins sind, ganz abgcsedcn von ihrer örtlichen Bedeutung für den ersten Seehasen Deutschlands, wärmstcns zu nute r st ü tz c u. Deutsches Privateigentnui in Rußland. Laut„lliro Rossij" ordnete der Justizniiiiister Kcrcnski die Auf- Hebung des bekannten Ausschusses zur Bekäinpsung der deutschen Gewaltbmschast und Ucbettragung von dessen Funktionen un dw Baucrnbank an.____ Allgemeine Fomilienstcrbekasse. Sonnlag. den 13. Mai: Zabl- und Ausnahmetag von v— Schöncbcrg, Gcneral-Pape-Str. an.— rsetterauSstchten kür das initttere?iorddeutschln»d vis Freitag mittag. Am Morgen trvcken nnd vielfach heiler: im Sude» stärker bewölkt: /eichte Negensälle: nachts kühl, am Tage zieinlich mild. Als Opfer dieses Wellkrieges starb in einem Feldlazarett am 27. Februar 1917 infolge seiner schweren Verwundung unier inniggeliebter, unvergeßlicher, herzensguter Sohn, Bruder, Enkel, Neffe, Vetter und Bräutigam Gefreiter KlttTTS. In namenlosem Schmerz ktaimlie Otto Klawe nebst allen Verwandten, Neukölln, Warthestr 49, kNartha Uankns als Braut. Da? ist der Krieg!.-dinwcggerisscn vom Multerberz. vom Vaterhaus wird jäh der Sohn. Wir alle wissen, wie vic! an Lieb' zog mit hinaus. All der Geschwister stummes Fleh'», aus ein recht baldiges Wicdcrschw, es wurde nicht erhört. Schlafe in Frieden, mein Liebster Du, Meine zitternde Liebe deckt Dich zu. Weiß nieniaiid, wie schwer mir das Herz vor Leid, Weiß niemand wie bitter die Einsamkeit.' Mein Glück verdeckt ein Hliglein Sand; Ich mußt es hingeben fürs Vaterland. Iii lrcucr Liebe Deine TIartba. Nach Ucbersührung findet die Beerdigung am Sonnabend, den 12. Mai 1917, nachmittags t'/, Uhr, vom Gnrnison-Friedhos, Hasen- Heide, statt. SOZI jlllgelli. Kranken- u. Sterliekasse derDentsehenDrechslern.Berufs- genossen, Grsatzkaffe. Verwaltungsstelle Berlin B. Am 7. Mai verstarb unser Mitglied Ksr! Walter Görlitzcr Str. 53,'51. Obre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 10. Mai. nachmitiags IV, Uhr, aus dem Gemeinde- Friedhos Ahrensselde statt. unser 41/2 Vaehrnf. Am 2. Mai verstarb Mitglied Heinrich Weigelt Kopcrnikusslr. 19. tzshre seinem Andenken! LeukelierIlletiillsrIieiterVerliMiI Verwaltungsstelle Berlin+ K. 54, Liniensir. 83-85. Telephon Amt Norden 18.5, 1239, 1987, 9714.— Geschäftszeit von 9-1 Uhr und 4-7 Uhr. D ie Mahl... Delegierten tum Uerdandstag in Köln a. Rh. findet am fSMVV» Uli» Sonnabend, den 1Ä Mai 1VI.7, tlachmittags von 4 bis 7 Nhr und am llHlaenerltetallarlieiler'Vertianll Verwaltungssteile Berlin. Nachrufe. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Gustav Reder am 28. April an Lungenleiden gestorben ist. Den Kollegen serner zur Nach- richl, daß unser Mitglied, der Dreher Wilhelm Füller Ottoftr. 19, am 2. Mai gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 171/20 Die QrtSverwattung. Henteclier Transgortarbeiter-Verlianii. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- diever Robert Lhristian am 5. Mai im Aller von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beule Donnerstag, den 10. Mai, nachmittags 1 Uhr, von der Leichen- balle des Smdiischen Friedhofes in Buch aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Die Bezirksverwallung. Verband der Bureaoangestellten Deutsehlands. Ortsgruppe C-roU-Bcrlln Am 7. Mai verstarb unser lang- sähriges Mitglied, der ehemalige Krankettkasscnangcstellte Paul �krback im 73. Lebensjahrc. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den lt. Mai, nachmittags 3 Uhr. aus dem zweiten städtischen Friedhos Schönebcrg, Blanke Hölle, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 17/1 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 15. Den Berussgcnossen zur Nach- rißt, daß unser langjähriges Mit- glied �nxnst Weiß am 5, Mai im Alter von 73 Jahren an Schlagansall verstorben ist Ghrc seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den it. Mai, auf dem Georgcn-Kiichhos in Weißensce, Rölckeslraße, stall. Um rege Beteiligung ersucht 255/19 Der Vorstanrl. Tankfagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme »nd zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes. Vater? und Großvaters, des Lackierers Krledrlcb l.lndc sagen wir allen Freunden und Bekamilcu bcrz- lichen Dank. S353b A»aruste T.indc und Kinder. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und zahlreiche» Kranzspenden bei der Bc- crdigung meines lieben ManncS, unseres unvergeßlichen Vaters und Großvaters, des Porleseuillers Rudolf Beyer, sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Wahl- verein Niedcrschönhausen. dem Vcr- band der Sattler und Porleseuillcr, insbesondere dem Herrn Waldeck Manasse für die trostreichen Worte am Grabe des Verstorbenen unseren ticsgcsühltcn Dank. 21A Wwe. Beyer liebst Kindern, Bcrlin-Niederschöiidanicn.Bcuthstr.LO. Westnwnn'j Trouermiisozin Grollte Auswahl. Billigste preise. I Uohrenstrale 37a OColonnaden) iU Kr. Frankfurter Sir. 115 (nahe Andreasstr.) «■swatiltendungen seien. Ami Zentrum 7890. Sonnlij 12— 2 Uhr geidnet. Sonntag, den 13. Mai, vorm. 10 Uhr bis nachm.£ Uhr in folgenden Lokalen statt: 1. 2, 3. 4. 5. 6. 7. 8. 0. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Iii. 17. 18. 19. 20. 21. .i.) Berlin N. Nebel, Maxstr 12 Meier. Ackerstr. 123 » Riedel, Hussitenstr. 40 . Franke, Badstr. 19 » Büttner, Schwedter Str. 23 , Strack, Schönhauser Allee l31d , NO. Spaeth, Georgenkirchstr. 65 . O. Heinrich. Gr. Frankfurter Str. 80 , Grunwald, Memeler Str. 67 . Rott, Straßmannstr. 29 . SO. GewerkschaftshauS. Engelufer 15 Lange, Köpenicker Str. 47 . Fröhlich. MuSkauer Str. 1 „ S. Blcnkle. Boppstr.1, EckeSchönleinstr. . SW. Schünemann. Alte Jakobstr. 145 „ W. Wiemcrs, Bülowstr. 58 „ NW. Sand, Bensselslr. 9 Patzenhofcr Brauerei, Turmstr. 26 AdlcrShof: Nestel, Friedenstr. 14 Baumschuleinpeg: Boche, Baumschulenstr. 67 Eharlottenburg: Porschel, Kaiser Friedrichstr. 82 Köpenick: Kaßner, Kaiserin Augusta Viktoriastr.29 23. Friedenau: Gütlich, sRheinstraße 31(Rur am Sonnabend.) 21. Lichtenberg: Kurkowski. Psarrstr. 74 25., Blume. Alt-Boxbagen 56 26. Maricndorf: Bcnscheck. Chansseeslr. 27 27. Neukölln: Albrecht. Reulerstr. 29 28/, Riickhcim, Bergstr. 98 29.. Jdealklausc, Mareschsir. 14 30.„ Jdealpasiage. Weichielstt. 8 31. Oberschöneweidr: Warnecke, Wilhelmincnhos- straße 18 32. Pankow: Gaßman». Krcuzstr. 14 33. Reinickendorf: Pedellt, Eichbornstr. 13 31. Rosenthal: Feind, Am Bahnhof 35. Schönebcrg: Obst. Marti» Lulherstr. 69 86. Spandau: Dertz. Knrstr. 21 37. Steglitz; Cleinent. Düppelstraße 7(Nur am Sonntag.) 38. Tegel: Lehnbard, Berliner Str. 81 39. Tempclhos: Gcützmacher, Berliner Str. 160 10. Wcißensee: Masche, Berliner Allee 251 11. Wildau: Schnnian». Schwartzkopffstraße. Soweit nichts Besonderes bemerkt ist, findet die Wahl in jedem Wahllokal an dridcn Tagen statt. Jedes Mitglied ist verpflichtet, zur Wahl zu gchcn. Odne Mitgliedsbuch darf niemand wählen. Mitglieder, die mit ihren Beiträgen über sechs Wochen reslicren. werden zur Wahl nicht zngelasien. Wahlleitcr ist der Kollege Wilhelm Siering, N. 51, Linienstr. 83,85.— Rege Beteiligung erwaricl 174/19» Tie OrtSverwaltung. Bei«JiuaiitunHa- u. Lerdauungestorun�en. il�anen Ict wache. Maflenkatairv, tiberhauvl oU«n Uiaqtnl'eschwttd.Tiehme wandte seit 25 $QhT. erprobt er. durch ifcte ttü Ii tung berühmt. Eif�Mascnfropfen Einzig echt � Medico. fSeiin ta Z-, vierten vtcht eebüttltch durch fic4ßii§L BicüftluSjiSältiiilifljut tü Kostüme wasserdichte Mäntel, Röcke, Wintermäntel, neueste Formen, beste Stoffe, gibt an Private Damenmäntelfabrik Bllskl, Kransenftraste:tO, Dönhoffplatz. Adessinter, Spritzpumpen, Eriatz- tlllll. Ltöchim, We Jatohstraße 20/22. Enten..... Ztzerte Diastente». Gänie Gänsestüikcnfieisch Gnnieteule», frisch und gepökelt.. Gänseklei». p. Stück pr. Psd. H.'ZS »„ 4 59 ..«->9 ..»25 .. S- 19 .,»99 .Vlnv West heimer, Neue Jalodstr. 12. 23516 Kuchdrucker! Tarifkreis VIII Kerii» Sonntag, den 13. Mai 11117, vormittags 10 Uhr: NecknmllW nllcv taristreiikii Gkhilse» Serlins in Obiglos Fest-Sälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1. Bericht über die Teuerungszulage«. 2. Antrag auf Revision des Tarifs. 3. Diskussion. Alle tariftreuen Gehilfen sind zu dieser Versammlung eingeladen. ss/i Der Kreisvertreter: A. Massini. Vom N. bis 19. 1017 vords ich ia Berlin, Hotel Prinz Heinricti, Dorotheenstr. 22 anwesend sein, um künstliche Augen direkt nach der Natur für meine Patienten anzufertigen und einzupassen.* F. id. MDIIer,'""".".'.'SSa:,4"«" SpeziaWlrzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 ÄÄ Behandi von Syphilis, Haut-. Hara.W raaeaieid.ipez chron Fälle. Ehrlich-Hata-Kuren, schmerz. tose, kürzeste Behandlung ohne Be- rujsstörung. Blutuntersnchmig. Mag. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10— t und 5—8. Somit. 11—1. Forel, Pros. A., Die sexuelle Frage. Volksausgabe 2.80 M. Buch- Handlung Vorwärts Andenstraße 3, Verloren im Stadtbahnzug Itordrkng sBoll ring), Abteil zweiter Klasse, am Man- tag, den 7. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, Landsberger Allee, ein Paket in grau- grünem Packvapier. Inhalt: Geschästs- Papiere. Wiederbringer erhält gute Belohnung. 45182 Löwen-Brauerei Berlin, Hochstr. ä/4. 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Känigl. Prentz.) Klalseitlotterle 5. Masse 2. ZiehMiMa, 8. Mai 19X7 Vormittag Aus sede aezoaen« Nummer find ztvei aleich hob« Griniiine nefatien. lind«nar je einer ans dl« Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 69 140 51 266 463 693 1034 120 215 30(10001 394 499 (1000) 723 2161 248 319 44(3000) 51 63 672 fEOOi 3000 1600) 63 61 92 300 94(690) 407 E6 666 63 609 61 891 916(1000) 26 4013 233 503 71 87 633 704 11 23 44 876 651 5178(1000) 349 731 40 66 95 999 6107(1000) 239 76 96 668 602 7048 63 277 435 50ö(3000) 69 776 876 8602 648 762»094 163 31b 847 784 86 832 1O0U4 239(600) 643 983 11013 45 83 139 280(600) 84 730 71 886 1 2107 26 87 246 68 374 88(500) 94 403 31 601 82 653 786 860 66 1 3100(2000) SO 68 682 96 725(3000) 14211 30 (1000) 61 344 663 634 961 15231 66 325 470 929 66 1B037 45 114 409 615 65 90 96 770 861 17288 369 409 656 877 916 77 10136 77 221(1000) 89 334 37 673 702(600) 28 910(600) 18046 669 86 805 906 67 20024 79(3000) 174 780 89 340 406 84 98 628 62 668 813 22(1000) 921(1000) 21109 63 74 79 217 644 611 88 760(600) 880 96 972 2 2(04 148 223 368(1000) 78 627 2 3063€8 74 564 609 52 726 2 4 207 340( 600) 674(1000) 734 802 2 5 066 309 63 433 632(1000) 626 40 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Mal Jiw] der Straßenbahn. Von Waller Molo. Ich siehe auf der vorderen Plattform der elektrischen Straßen- bahn, dich: neben dem Motorführer, und lasse mir die scharfe Gegen- luft ins Amlitz vcitichen. Gerade schieben sich die Wagen bor uns auseinander; wir haben freie Bahn, sausend und brausend, mil eilender Hand jagt der gelähmte Strom über uns das gleitende Fahrzeug. Die schülternde Bewegung, die den Boden schießen läßt, wiegt mich hin lind her und beugt mir den Kopf vor, als wollte ich mitrasen mit hcm Winde um die Welte— heissa, wer ist der Erste? Dann stötzt wieder die Glocke mit ihrem Schall hinein in die täuschende Stille, wenn ein Gefährt die Fahrbahn sperrt. Der Mann neben mir scheint ungeduldig— oder hat er Ver- spätung V Unwillig und kurz gibt er immer wieder das Signal, daß mir die L hren dröhnen. Nun gebt es am Spital vorüber, das mit langen Fenslerreihen auf die Straße sieht. Ein mächtiger Kohlenwagen rollt mitten auf den Schienen vor uns. Sein Kutscher macht keine Miene auszuweichen. Gleich wird die Glocke wieder tönen mit ihrem schrillen Diskant. Beinahe un- geduldig warte ich darauf. Doch mein Mann rührt sich nicht, nur die Fahrt wird lang- samei. .Der weicht nicht aus,' sage ich. .Soll er I' Verwundert sehe ich ihm ins Antlitz. „Läuten Sie doch!' Er schüttelt den Kopf: .Sie tönnt's hören!' .Wer?" „Da hinten liegt mein Weib, Herr, seit Wochen schon krank— wer weiß, ob sie überhaupt noch lebt— gestern war's wieder schlechter." Seine Stimme klingt dumpf und mit einem Zucken um den Mund spricht er weiter: „Ich kann immer erst abends, wenn der Dienst auS ist, zu ihr gehen. Untertags fahr' ich wohl an die dutzendmal da vorüber und Iveitz kaum, wie's ihr geht. Das reißt an mir. Und doch kann ich's nicht ändern, denn sonst verhungern mir die Kinder.' Ein weher Zug liegt in seinem Antlitz, dann späht er scharf nach links, wo die Straße die Krümmung macht. Dort steht ein schmales, blondes Bürschchcn und tritt von einem Fuß auf den andern. Als er unseren Wagen sieht, läuft er bis zum Gleise vor, ganz knapp, und im Vorüberfahren schreit er mit heller Stimme zu uns herauf: „Mutier gebt's besser, sie läßt dich grüßen!' „Gott sei Dank!' Mit nassen Augen dreht sich der Mann nach mir um. „Jeden Tag, bevor er in die Schule geht. Herr, wartet er da auf nnch und sagt, wie's um die Frau steht.' Er nickt vor sich hin: „Ein guter Bub und fleißig, mit dem sollte unser Herrgott mal ein Einsehen haben und was Rechtes aus ihm machen!' Dann richtet er sich auf und läßt die Glocke sprechen, laut und eindringlicb, w>e wir jetzt in die belebte Hauptstraße biegen, aus der uns der Lärm und das Drängen der Großstadt entgegenschlagen in tausend Klängen. Weibliche Schutzleute. Der große Revolutionär Krieg hat es allmählich zuwege ge- bracht, daß t» England nun auch die Polizei in die Hände der Flauen übergegangen ist.„Frauen in Unisorm sind nämlich— wie die.Times' schreiben— in London gegenwärtig etwas so Allge- meines, daß der Vorübergehende kanin noch auf die käi'ekugelähn- lichen Hüte, die unverzierten blauen Kleider und das blaue Band mil weißer Aufschrift am Arme der Polizistinnen achtet. Die T»ä- gerinnen die'er Unisorinen scheinen sehr ivenig auifällige Persönlich- keilen zu sein, die nicht viel Werl darauf legen, beachtet zu werden. Aber trotzsem sind unter den unzähligen Flauen, die die Tätig- keit der Männer ans sich nahmen oder eine Aibeit leisten, die durch die Zeitverhällnisse bedingt wurde, nicht die unnützesten; jedenfalls sind es die nicht am wenigsten tapferen. Sie werden für ihre schwierige Aufgabe sorgfältig ausgesucht und eingeübt. Die Rekruten des neuen Polizeidienstcs müssen gut genährt, körperlich gesund sein und über nur gute Zeugnisse ver- fügen. Während der Ausbildung werden noch viele ausgeschieden. Manche sind den natürlichen Verbältnisien, wie dem Wetter usw., nicht gewachsen, andern mangelt Energie und Schneid und wieder andere können sich der Disziplin nicht unterwerfen. Die Ausbildung umfaßt entsprechenden Unterricht, erste Hilfe, die Kenntnisse für die Ausfertigung von Prozeßberichten und das Auftreten vor Gericht selbst; ferner Kenntnisse im bürgerlichen und Strafrecht, vor allem der Gesetze, die aus Frauen und Kinder Beziehung haben, Patrouillendienst, Haussiichungen und In- spizierung von Gast- und Logierbäusern. Sie ivohnen Vor- trägen über die verschiedenen Pflichten der Polizistin bei und müssen schriftliche und mündliche Prüfungen ablegen. Das Austreten in Gerichtsangelegenheiten lernen sie bei den Gerichtshöfen, wo sie unter Zustiminung der richterlichen Macht, die den Wert der Potizistinnen sehr schätzt, den Sitzungen beiwohnen. Wenn die Rekrutenerziebung vollendet ist, findet die Polizistin genug Arbeit, die gerade für Frauen lehr geeignet ist. Man nimmt für gewöhnlich an, große körperliche Kraft sei zur Ausübung des Polizeidienstes unentbehrlich; ober es gibt auch polizeiliche Tätigkeit, bei der es viel mehr auf kluges Auftreten, olS auf Gewalt ankommt. Vor allem, wenn es sich um Frauen und Kinder handelt, wird die Polizistin manches erreichen, was ihren männlichen Kollegen versagt bleibt. Da sind zum Beispiel die Logierhäuser für arme Mädchen, zu denen über- Haupt nur Frauen Zutritt haben sollten. Auch ein Kind, das Hilfe sucht, wird instinktiv zu einer Frau weitaus mehr Vertrauen haben, als zu einem Manne. Bei den Gerichten ist es eine gewohnte Er- scheinung, daß ein Kind sich fürchtet die Wahrheit zu sagen und noch seltener es fertig bringt, eine deutliche und ausführliche Erklärung abzugeben. Die Polizistin— höchstwahrscheinlich auch Mutter— weiß, wie sie mit einem Kinde umgehen mutz, wie sie es beruhigen und von den Aengsten befreien kann und aus diese Weise beiläufig die Aussage herausbringt, die der Richter braucht. Außerdem find Frauen viel geschickter im Beobachten von Besonder« heiten als Männer und ihr Gerechtigkeitsgefühl wird sie ver« anlasten, keine Mühe zu scheuen, um hinter die Wahrheit zu kommen. Außerdem hat die Frau noch eine besondere Aufgabe zu erfüllen und zwar des Siachls aus der Straße. Ohne den geringsten Auftrag zur Kontrolle der Frauen und Mädchen, die aus diesen und jenen Gründen auf die Söhne der englischen Mütter im Lande und über dem Meere lauern, haben die Polizistinnen schon viel getan, um die öffentlichen Straßen von ihnen zu säubern. Ihre Methoden bestehen in nichts anderem, als in einem unauffälligen, aber dauernden Druck.„Hier bin ich!' sagt das blaue Armband, das vorübergebt in einem Augenblick, da es am wenigsten erwünscht ist. Wenn die Polizistin erscheint, geben die Gruppen auseinander und die Bummler erinnern sich, daß es dringendere Dinge zu tun gibt. So haben die Jungens Zeit, es sich nochmal zu überlegen, und meistens ist auch die Ver- suchung beschworen. Der Gedanke, daß anständige und besorgte Frauen bei jedem Wetter über sie wachen, vermag die jungen Leute von ihrem ruchlosen Tun abzuhalten. Tann bleibt freilich noch der Trunkenbold übrig. Dieser wird, falls er Ueberredungskünsten nicht mehr zugänglich ist, vom blauen Armband bei der nächstgelegenen Aufnabmestelle der christlichen Jünglingsvereine abgeliefert, damit er sich ausreichend schämt, wenn er hört, wer ihn hingebracht hat'. Die.Times' erklären, inan sei so zufrieden mit der Polizistm. daß sogar offiziell ihre Nützlichkeit anerkannt wäre und die Absicht bestehe, die Polizfftinnen auf ihrem Gebiet als bleibende Einrichtung auch nach dem Kriege beizubehalten._ Das Getreiöe als 5ettquelle. Zu dem gestern mitgeteilten neuen Verfahren, an? Getreide Oel und Margarine zu gewinnen, wird uns geschrielxn: Prof. Alexander Backhaus, der an der Ausbildung deS Verfahrens entscheidenden Anteil genommen hat, bat sich über die Frage vor einiger Zeit in der„Allgemeinen deutschen Mühlen- zeitung" des näheren geäußert. Ter Keim des Getreides, die neuerschlossene Fettquellc, ist ähnlich ausgebaut wie das Vogelei und ähnelt auch in der Zusammensetzung nicht nur Hülsenfrüchten und Oelpflanzen, sondern auch dem tierischen Fleisch; er enthält eine große Menge von Fett, die bei Roggen- und Weizenkeimcn 12 Proz., beim Mais 10 bis 14 Proz. beträgt. In dem Hauptmais- lande der Welt, in Amerika, entölt man schon seit längerer Zeit Maiskeime. Das Maisöl wird aber nur als Rohstoff für die Seifen-, Farben- und Firniserzeugung benutzt. In Deutschland sind die Bestrebungen, den Fettgehalt der Getreidekcime auszu- nutzen, bedeutend jünger; man ging ursprünglich auch nicht darauf aus, das Fett zu gewinnen, sondern wollte es aus dem Korn ent- fernen. Es hatte sich nämlicki herausgestellt, daß aus den Keimen Stoffe ins Mehl gelangen, die seine Haltbarkeil und seinen Ge- brauchswert für die Bäckereien vermindern, weil sie ihm einen bitteren Geschmack verleihen und es leichter ranzig und dumpfig werden lassen. Als die Fcttknappheit eintrat, dachten die Fach- lcut« natürlich sogleich daran, diese Fettquelle auszunutzen,«nd in überraschend kurzer Zeit ist das Ziel erreicht worden. Bei der Fettgewinnung aus den Getreidekeimen gewinnen, alle Erzeugnisse, zu denen das Korn verarbeitet wtrd, die Mehlaus- beute ist die gleiche, und zudem können die Rückstände der Oelge- winnung der Landwirtschaft wieder zugeführt werden. Der geringe Verlust an Futtermehl, den die Landwirtschaft zu buchen hatte, wird durch die bessere Beschaffenheit des Futters wieder aufge- wogen, zu der die Entkeimung führt. Von welcher Bedeutung für die Volksernährung die Fettgewinnung aus den Getreidekeimen ist, veranschaulichen am besten einige Zahlen: im Deutschen Reiche werden jährlich etwa 15 Millionen Tonnen Getreide vermählen und außerdem noch erhebliche Mengen Macs und Getreide verfüttert. Rechnet man nur, daß von den 16 Millionen Tonnen di« Keime zur Fettgewiunung verwandt werden, so wären bei einer Ausbeute von 1 Proz. 150 000 Tonnen an Keimen vorhanden, aus denen 15 000 Tonnen Oel und 135 000 Tonnen Ei- und Fleischersatz ge- Wonnen werden können. Mengen, die eine erhebliche Verbesserung der Ernährung bedeuten. Das gewonnene Getreideöl läßt sich ver- feinern; es kann als Speiseöl oder Rohstoff zur Margarine- erzeugung dienen. Der entfettete Getreidekeim dagegen kann als Zusatz zu Suppen, Mehlspeisen, Puddings, Gemüse usw. dienen und ersetzt so Ei und Fleisch._ Das entthronte Moskau. Ein Berichterstalter der.Rjetsch' entwirft folgende Schitderung von dem gegenwärtigen Leben in Moskau:„In gewissem Sinne ist Moskau enttäuscht, daß es als„weißsteinernes Mütterchen' nicht mehr die Rolle spielt, wie früher, und gegenwärtig von Petersburg völlig in den Schatten gestellt wird. Die Bemühungen der Moskauer, die Konstituierende Versammlung nach ihrer Stadt zu verlegen, blieben ohne Erfolg. Petersburg gilt nun- mehr als die Mutter der russischen Revolution und als das Herz des Reiches. Wenn Moskau somit weniger mit Hand- lungen aut den Plan treten kann, so ist es die Stadt der.per- manenten Meetings' geworden, so daß die Revolution sich hier noch deutlicher widerspiegelt, als in Petersburg. Wer von früher an das geschäftliche Treiben in den Straßen Moskaus gewöhnt ist, den muß es seltsam berühren, bald an einem, bald am anderen Ende der Siadt Straßenversammlungen mit lauten Aniprachen ab- halten zu sehen. Als Lieblingsplay dafür ist namentlich das Puschkin- Denkmal ausersehcn, wo fast ununterbrochen den ganzen Tag irgendein Redner zu hören ist, mit dem ein zahlreiches Publikum eine lebhaite Aussprache bat. Da diese Unterhaltungen durchweg politiiche Tagessragen zum Inhalt haben, so üben sie naturgemäß eine Anziehungskraft auf die Vorübergehenden aus, und der Kreis der Beteiligten ändert sich wohl, wird aber nicht Keiner. Ernste Betrachtungen wechseln mit lauten, stürmischen Kundgebungen, da- zwischen spielen sich noch Wortgefechte unter besonder? leidenschaft- lichen Teilnehmern ab. Die ganzeStadt scheint sich in einParlamentver« wandelt zu haben, wo alle Tonarten zu hören sind. Mitunterbraust es wie am Meere von Bürger». Arbeiter- undSoldatenstrmmen. Bemerkenswert ist die Redegewandtheit unserer einfachen Leute, die schlicht und klar ihre Gedanken sachlich zum Ausdruck bringen, obschon die meisten von ihnen niemals vorher Gelegenheit dazu halten. Was das Volk jetzt am meisten beschäftigt, ist die Wahlbewegung für die Konstituierende Versammlung..Genossen, wie soll die Wahl sich gestalten?' Mit dieser Frage beginnen die meisten Vorträge und fesseln dadurch schon vollkommen die Aufmerksamkeit der Menge, deren Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen sich an die große Versammlung heften.'_ Notizen. — Der Wohltätigkeitssänger. Im Ehgrlotten- burger Schiller-Theater wurde am Dienstag RaederS 'dauerhafte Posse„Robert und Bertram' zugunsten der National- stiftung gespielt sübrigens recht lustig und lebendig und mit zwei höchst fidclen Vagabunden— A. Braun und A. Menzel). Im dritten Akt war ein ganzes Konzcrtprogramm eingelegt, das von den zugkräftigsten Künstlern wie Ciaire Dux, Jadlowkcr und Artur Schnabel glänzend bestritten wurde. Herrn Iadlowkers wegen muhte sogar der dritte Akt an Stelle des zweiten treten, da der Sänger noch in einer anderen Wohltätigieitsveranstaltung mit- wirkte. Mehr kann man für einen Abend nicht verlangen! Man wird also Herrn Iadlowker durchaus verpflichtet sein, aber bei aller Verehrung seiner großen Künstlerschaft hätten wir doch lieber nicht gleich zwei Lioder von Paul Linckc von ihm erwartet. Neben Strauß und Schumann und Offenbach hätte doch wohl ein anderer Komponist gehört. — Verbot eines deutschen Konzerts. Während sonst der Musik eine beruhigende Wirkung zugeschrieben wird, scheint der Polizeipräsident in Kristiania ihr im Gegenteil eine erregende Kraft beizumessen. Er hat das geplante Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters unter Nikisch verboten. Arbeiter. 12) Von Stijn StreuvelZ. Manses Herz war von einer Last befreit. Ihre Angst war fort, und sie empfand nun plötzlich eine große Bcwun- derung und Zuneigung für ihren Mann, der ihr, ohne zu schelten, willig in ihrem Haushalt geholfen hatte. Sie wußte nur zu gut, daß es meistens anders war, und daß die Frau vielfach büßen muß für das, was unvermeidlich für den Lebensunterhalt draufgeht. Sie hatte so sehr gefürchtet, daß diese Schulden niemals bezahlt würden, und nun war alles so gut abgelaufen. Sie war nun wieder wohlhabend, ihr Mann war wieder daheim, und sie würden den ganzen Winter beisammen sein— das war das Allerschönste. Mit einem Male überkam sie tvieder das Gefühl der Enttäuschung, das sie beim ersten Wiedersehen befangen hatte, weil sie es sich so ganz anders vorgestellt:— an das Gesicht ihres Mannes niit diesem dunklen Bart konnte sie sich nicht gewöhnen. Seine Stimme, seine Figur, seine Bewegungen, sein Blick, das alles war von ihm, das erkannte sie, aber jedesmal, wenn sie beim Sprechen den Blick zu ihm erhob, kam es über sie ivie ein Grauen, sie fürchtete sich; er schien ihr ein Fremder, ein Wilder. „Nimm doch gleich diesen Bart ab," sagte sie wieder. Aber als Ivo niit einem Brummen abivchrte, wagte sie nicht weiter in ihn zu dringen, weil sie jetzt niit ihm nach Hause wollte, weil sie fürchtete, wenn er jetzt allein im Dorfe blieb, ihren Mann vor später Nacht nicht mehr sehen würde. „Die Buben fürchten sich davor," sagte sie noch lachend, „Morgen muß die erste Arbeit sein, daß das Haar von Deinem Gesicht wegkommt; ich erkenne Dich nicht mehr!" Ivo dachte einen Augenblick daran, ihr zu sagen, wie auch er beim Wiedersehen das Gefühl gehabt, daß sie mehr gealtert und hinfälliger geworden sei und häßlicher aussähe. Aber er sagte nichts davon. Drüben hatte er sich eingebildet, daß sie noch sei, wie in ihrer ersten Jugend: frisch und anziehend an Körper und Gesicht, und ihr Reiz hatte seine Sehnsucht nach der Heimkehr gestärkt. Aber wie sie jetzt da neben ihm einher- ging, besorgt, kummervoll, mit aufgedunsenem Lew, sah sie sehr gealtert aus und aller Reiz war fort.»Und mit diesem letzten Kind ist das auch kein Wunder." meinte er für sich. Nach diesem Umweg seiner Gedanken antwortete er trocken auf ihre Frage; „Drüben haben wir keine Zeit, uns rasieren zu lasien, und es is auch so teuer, wenn kein Barbier bei der Gesell- schaft is..." Dann fragte er; „Is nu alles bezahlt? Sind keine Schulden mehr da l" „Der Bauer noch— wir haben ein wenig Erdäpfel kaufen müssen; im Vorgarten sind sie nicht geraten— und etwas Schmalz und einen Sack Weizen, und dann noch das Geld für den Hauspacht... dann is es alles!' Mause sagte das her, als ob sie in der Beichte ihre Sünden aufzählte; als wäre es ihre Schuld, daß soviel nötig war und die Schuld so schnell in die Höhe ging, wenn kein anderer Geldverdienst oder sonstige Hilfe dazu kam. Ivo nahm die Beichte entgegen, ohne zu billigen oder zu ver- werfen. Von seiner wachsenden Enttäuschung ließ er sich nichts anmerken, aber es verursachte ihm imnicr wieder neuen Mißmut und er bedachte, wie er hier in ein paar Stunden mehr Geld ausgegeben, als er drüben in einem Monat durch harte Arbeit verdienen konnte. Nach der Ursache, warum es so sei, suchte er nicht, er nahm es als eine Sache hin, die sich nicht abwenden läßt— als den gewöhnlichen Gang im Leben: Geld verdienen mit Arbeiten, um Geld auszugeben für den Unterhalt— in das Verhältnis zwischen diesen beiden Dingen, ob es mit Lohn und Arbeit und Verzehr in Ordnung sei, hatte er keinen Einblick. Manse riß ihn aus seinem Nachsinnen, indem sie ihm alle Neliigkeiteii von den Nachbarn und alle Vorfälle ans dem Gehöft erzählte. Das führte ihni plötzlich wieder das Bild des Landlebens daheim vor's Auge, die Vertraulichkeit ilnter den Bekannten, die Be- haglichkeit in der bekannten Gegend mit der gewohnten Ar- bcit, den lärmenden Buben, dem eigenen Weib und der trauten Häuslichkeit. Er empfand alle diese Dinge als etwas von sich selbst, als etwas, das er solange entbehrt hatte und nun tviederfinden sollte. Nach diesem harten Sommer, nach diesem Zuge durch die fruchtbaren Felder des fremden Landes sah er der Winterzeit als einer angcnehnien Zerstreuung entgegen, einer Zeit, in der man ausruhen konnte von der zu großen Anstrengung der endlosen Arbeits- tage. Er sah es voraus als etwas, woraus er ein Recht hatte: morgens im Dunkel fort und abends nach Hause, wenn er irgendwo bei dem Bauer in Taglohn arbeiten konnte, solange noch auf den Rübenfeldern zu tun war; später zu Hause ain Webstuhl und abends am Herd oder irgendwo in der Nachbarschaft ein Pfeifchen rauchen und ein wenig schwatzen... Und an den Sonntagen an tausenderlei Dingen basteln und abends in die Wirtshäuser des Oertchens gehen. Alle diese Dinge stellte er sich klar vor, und daraus schöpfte er sein Behagen mit einem Vorgeschmack nnverwüst- lichcn Genusses. Bevor sie an Martens Hoftor kamen, sah Ivo, daß der Bauer mit der Arbeit auf seinen Feldern schon weit voran war. „Hat er alle seine Leute?" fragte er Manse. Sie zählte die Männer ans, die sie da bei der Arbeit ge- sehen hatte. „Zuckerrüben hat er nich gesät," sagte sie,„er wird nur wenig Leute nötig haben." Sie gingen auf den Hof und fanden die Bäuerin allein zu Hause. Sie bekamen die Rechnung, und Ivo bezahle das Mehl und die Kartoffeln und das Schnialz. worauf Manse neuen Vorrat bestellte. Sie tranken ein Glas Bier, und als sie aufbrachen, sagte die Bäuerin verlegen: „Balcacn, wie geht denn das zu, daß Ihr so spät nach Hans konimt-s Wir haben unsere Leut' schon, und die Arbeit ist beinahe schon getan." Ivo hegte keinen Verdacht bei dieser Bemerkung— es gab noch andere Bauern, die Arbeiter gebrauchen konnten, namentlich die Zichorieutrockner, und wenn es keine Arbeit gab, blieb immer noch das Weben.. Mause war nun völlig befriedigt- alles war bezahlt! Keine Schulden mehr und noch Geld i�rig! Sie wußte es; in Ivos Beutelcheu steckten die goldncn Sa«en dicke, sie hatte sie gesehen. So kannte die Frau keine Sorgen mehr, jetzt würde es ein vergnügtes Leben werden. Nun nach Hansel Und mit cinen�Male fiel ihr die freudige Ueberraschung ein, die Ivo bei seiner Heimkehr er- wartete. Sie nahm das Kind, das zu schreien anfing, auf den anderen Arm.—„Ja, du bist hungrig, mein Pusselchen," beschivichtigte sie.„Wenn»vir heimkommen, kriegst du dein Bäuchlein voll!". j (Forts, folgt) DireMon Max Reinhardt.' Dentncheci Theater. T'/i Uhr: Tobias Buntsehnh. Freitag T'/j Uhr; Der CJelzige. Kamm erspiele. l�lXIhT: Faseliing. Freitag; Faschlnf;. Volksbühne. Theat. a BOlowplatz l'lt Uhr: Das Konzert. Freitag 7'/a z, 1, Mals; Flxa. IksÄer i. ö. Königgszi?ös8tl. Dir. L. Meinkari!— R. Bernauer. T/s Uhr: Artur Schnitzler-Abend. Komödienhaut VI,: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7'° Uhr: Die tolle Komtcli.( Sessing-Theafer. 7 Uhr: Peer Cynt. Freitag: ülaflaine T.egros. Sonnabend: üladnme Kegros. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich T1/. Uhr Der Kammersänger. Comtesse Mizzi. I. Klasse. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Theater für Donnerstag, den 10. Mal. Deotscbes Opernhaus, Charlottenb. 7 uhr: BoffmanDS Erzählunp. Friedrlch-Wilhclmstädt. Theater. vuvhr: Das Dreimäderltiaus. Gebr. Hcrrnfeld-Theater. vi* Uhr.- Elie-ürlaub. Kleines Theater 7»/. u.: Bans im ScWenioei!. Komische Oper 20 Min.: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus '/«SUhr; Die blonden Zlüdei« vom Lilndcnhof. Neues Operettenhaus Schiffbd.4a. Kassentel.: Nord. 281. 7-/.v.-. Der Soldat der Marie. Metropol-Theater so Min: Die Czardasfürstin. Residenz- Theater 7'/. u: Die Steiner-Mädels Schiller-Theater O �u.: Der Tarif. SparelL Schiller-Th. Charlottenb 7'/. uhr: Wert«ml Bertram. Thalia-Theater 25 Min.: Das VagabundelimSdel. Theater am Vollcndorfpl. 3 Uhr: Die Walküre. 7'/-u.: Die Gulasclikanone. Theater des Westen« 7V. u..- stolze Thea. Trianon Theater a Tr, Glänbiger. ' Die Hochzeitsreise. Gastspiel der Schlierseer mit Xaver Terofal. Heute VI, Uhr: St. Georg, der Drachentöter, Morgen; Der Amerika-Seppl. Sonntag, 13. Mai, 31/a Uhr: Almenrausch und EdelwelB. Reichshailen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret Feldgrau" Ansang 7'l, NHr. Verkäufe Kostüme. CovertoalS, Seiden- Mäntel, Sportjacken, Scidcnblusen, Glockenröcke verkaujt Fall, Chaussee- strajzo 43, eine Treppe, lein Laden. Sonntags geössnet. 22KK' Leihhaus Warschauerstraße 7. Pelz- garnituren! Neue Herrengarderobc! Bettenverkauf! Plüslhdecken I Uhren- verlaus! Schmucksachen l Wand- hilder! Silbertaschen I Allcrbilligste Preise!' Hesies"lolksbücheret. Soweit Vorrat jede Nummer broschiert statt 20 Ps. nur 10 Ps. Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Linden- straßc 3. Teppich-Tbomas, Oranienftr. 44 svottbillig iarbseblerbafte Teppiche, Gardinen. Vorwärlslejern 5 Prozent Extrarabatt._ 64* Leihhans Rosentaler Tor, Litiicnslraße 203/4, Ecke Rosentbaler- straße, verkanst neue Herwengarde- robcn, Pclzslolas. Muficn. 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Auf Abschnitt 71 der LebenSmittclkart- entfallen LfiE Gramm Südfruchtmarmelade. kl. Auf Abschnitt 72 der Lebensmittelkarte entfällt i Pfund Kricgsmus. III. Ter Kleinhandelspreis beträgt für 1 Pfund Marmelade fZiüdfruchtmarmelade) Pfg., für i Pfund Kricgsmus 60 Pfg. IV. Die Abschnitte 71 und 72 sind nur in den durch ein Aushängeschild „Bcrkauf von Marmelade und Kriegsinns auf Lebens- mittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geichästen gegen Empsangsbefche nigungen abzu« liesern, und zwar am 10.. Ii. oder 12. Mai 1017. Nachträgliche Anmeldung findet nicht statt. V. Die KleilihnndelSgefchäfte haben die von ihnen angenommenen Kartcnabschnitte an einen ihnen bekanntgegebenen Kroßhändler bis zum 15. Mai 1017 abzuliefern. Jeder Klemhändler wird, sobald die Ware zur Stelle ist, den Verkauf beginnen und den Verkaussbeginn durch'Anschlag anzeigen. LI. Es ist unzulässig, die Karteaabschnilte in Geschästen abzugeben, in denen nicht das vom Magistrat ausgegebene'Ausdängcj child(siehe zu IV) angebracht ist. Geschäften, die nicht im Besitze des neuen Aushängeschildes sind, ist die Annahme der Kartenabschnitte oerboten Berlin, den 8. Mai 1917. Magistrat der Königlichen Havpt- und Residenzstadt. Abteilung für Obst- und Gemüseversorgung. Runge. ! 5 Abte von Rieb. Oswald und bupu Pick. Mit Unterstützung der j Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge- I schlechtskrankheiten. Kegie: Rieh. Oswald. Haupirolle: Bernd Aldor Vorh.: D. vollst, neue, glänz. Spezialitäten-Progr. Beginn:'1,0 u. 8 Uhr. Ich kaufe Zinaretten direkt von der Fabrik iv zu Originalpreisen-7WG 100 Zig. Kleinverkauf 1,8 Pfg. 1,70 100,„ 3, 2,50 100,, 4,2, 3,20 100„, 6,2, 4,50 Versand nur gegen Nachnahme von 100 Stück an. Tmannon prima Qualitäten, von ilijün DU 100,— b.200,— M. p. Mille Goldenes Haus Zinarettenlalirik G. b. m. H.* Iterlln.FFicdrichstraße 89. Fernspr. 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