Ar. ISS.»4. Jahrg. fltonneoKiitS'BMniwntau Ktonntmmt*• Vre«» prümnnerand» VierteljShrl.».SO ML, mcmatL L80 Ml> «öchenllich 80 Bsg, frei in» Hau», kinzelne Nummer i Stft. Eonntag»- nummcr mit MuNrierier Eonnlag». veilage.Die Neue Weif 10 Psg, Post- iibonnement: 130 Mark pro Monat »ingetragen in die Vosi- Zeitung»- Btciäliitc. Unter Kreuzband(itt Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,60 Mark, tfix da» übrige UuSIand l Mark pro Monat Bostabonnement» nehmen an veigien, Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. PorMgal, «umänien. Schweden und die Schwei» Vlchiigl täsllik. Verlinev VolK�blcrkt. ( 5 Pfennig) Bit Infertions-GcbOfir »HtUgt für die(echSgeftiattene Kolonel» teile oder deren Raum>>0 Pfg„ für politische und gewerischastliche Setein»- und Versammlung»- Anzeigen 30 Pig. »lttelne �n-eigen". das tetigedruche Wort 20 Psg,(zulässig 2 fetigedruitie Worte), jede» weitere Wort>0 Psg., Stellengesuche und Echlafitellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes »euere Wort 6 Psg, Worte über lö Buch- staben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis Ii Uhr nachmittags in der Sxpeditjon abgegeben werden. Die Expedition ist bis? Uhr abend- geöffnet relegraimn-Adreiset „Sosiaiiteinolirat Rerlln". Zentralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redoftion: SW. 68, Lindenstraße 3. tfernfpredter: Amt Moritzpla«, Str. l!>I SV— ISl»7. Freitag, de« 11. Mai 1917. Expedition: EW. 68, Lindenstroße 3. Nerniprechrr- Amt Moritzplatz. Str. 151 90—151 97. Die Schlacht in Mazedonien. Wachsender Artilleriekamps bei Arras— Angriffe ans Fresnoy nnd Bnlleconrt, am Winterberg nnd bei St. Marie Fme.— Die Schlacht im Cernabogen. Amtlich, Ä r o ß e s Hauptquartier, den 10. Mai l9I7 W. T. B,t Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Arras ist der Artilleriekampf in weiterer Steigerung ve- griffen. Unsere Gräben westlich von Lens und Avion waren gestern das Ziel vergeblicher feindlicher Unternehmungen Fresnoy blieb gegen erneute englische Angriffe restlos in unserer Hand. Um den Besiti von Bullccourt wogt der Kamps hin und her. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen SoissonS und Reims nahm die Gefechtstitigkeit zeitweise wieder zu, hielt sich im allgemeinen aber in mäßigen Grenzen. Am Wintcrbcrg und bei St. Marie Fme, östlich von Cormich wurden mehrmals wiederholte französische An- griffe in erbittertem Nahkampf und durch Gegenstoß abgeschlagen. Nordwestlich von ProSncs blieben feindliche Gegenstöße erfolglos. Heeresgrnppe Herzog Albrecht. Fn mehreren Abschnitten verliefen Unternehmungen unserer Aufklärungsabteilungen erfolgreich. 9 feindliche Flugzeuge wurden durch Luftkampf, 1 durch Ad- wchrfeucr zum Absturz gebracht.> westlicher Kriegsschauplatz. An der Narajowka, bei Brzezany und an der Bahn Tar- nopol— Zloezow lebte das Artillerie- und Minenfeuer zeit- weise auf. vor Stockholm. Eine russische Meldung über das deutsche Berhandlungs- Programm. Petersburg, 8. Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphenagentur.) In der letzten Sitzung des VokzugSansschusses deS Ar- beiter- und Soldatenrates übermittelte der Führer der dänischen Sozialisten. Borgbjerg, im Namen des Ausschusses der dänischen, schwedischen und norwegischen Arbeiterparteien die offizielle Einladung an alle russischen Sozia listenparteie« zur Internationalen Konferenz in Stockholm. Da Borgbjerg eine Unterredung mit den deutschen Sozialdemokraten gehabt hatte, konitte er dem Bollzugsausschust die von der deutschen s ozialdemokratischc» Mehrheitspartei vorgeschlagene» Friedens- bcdinguuge» mitteilen. Letztere bekennt sich zum Recht der Nationen ans ihre freie Entwicklung, zu internationaler obligatorischer Schieds- g c r i ch t s b a r k e i t, Auslieferung aller voo Deutschland eroberten Gebiete, Abstimmung in Rnssisch-Polen mit der Freiheit, unab- hängig zu werden oder sich an Rusiland oder Deutschland anzugliedern, Wieder Herstellung der Unabhängigkeit Belgiens, Serbiens und Rumäniens, Zuweisung der bulgarischen Gegenden in Mazedonien a n Bulgarien, freier Ausgang Serbiens zur Adria. Was Elsaß-Lothringen betrifft, so könnte auf dem Wege einer freundschaftlichen Uebereinkunft eine Be- richtigung der lothringischen Grenze erreicht werden. Einige Mitglieder des Bollzugsausschnsses wiesen darauf hin, daß die Lösung hinsichtlich Elsasi-Lothriiigtiis dem Grund- satz von der freien Entwicklung der Völker widerstreitet. Borgbjerg erklärte, dasi er auch der Ansicht sei, daß die freie Entwicklung in verschiedener Weise ausgelegt werde. Die Bc- sprechung der Einzelheiten der Vorschläge Borgbjergs wird iu einer der nächsten Sitzungen erfolgen. * Der Partcivörstand schreibt uns dazu: Wir sind nicht unterrichtet darüber, was Borgbjerg in Wirklichkeit in Petersburg gesagt hat. Die vorliegende Nach- richt kommt aus oer' M i l j n k o w s ch e n Petersburger Delegraphenagentur, In der Besprechung, die Borgbjerg mit den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie gehabt hat, ist »er Frieden ohne Annexionen, mit dem s e l b st- verständlich die Unversehrtheit auch unseres Landes gegeben ist, die Grundlage der V er- Handlungen gewesen. Freundschaftliche Uebereinkunft über Grenzberichtigungen, wo sie auch seien, ist dadurch nicht 9n der mazedonischen Front wurde gestern die Schlacht mit größter Erbitterung fortgesetzt und übertraf in ihrer Heftigkeit alle bisherigen Kämpfe auf dem dortigen Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Monastir scheiterten feindliche Angriffe, die den Besitz unserer Höhenstellungcn zum Ziel hatten. Im Cerna- Bogen wurden morgens, nachmittags und abends durch stärkstes Artillerie- und Minenfeuer vorbereitete, auf einer Front von 16 Kilometern durchgeführte Massenangriffe von Italiener«, Fran- zosen nnd Russen unter schwersten Verlusten für den Feind ad- geschlagen. Nördlich von Vodena in unsere Stellung eingedrungene Serben wurden blutig zurückgeworfen. Die verbündetr deutsche und bulgarisch« Infanterie hat in Hartnäckigster Abwehr und erbitterten Gegenstößen,«nterstützt durch die sich allen Lagen schnell anpaffende Artillerie, ihre Stellung restlos behauptet und sich glänzend geschlagen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludrndorff. Abendbericht. Berlin, amtlich, lv. Mai abends. Bei Bnlleconrt ist ein englischer, nordwestlich von P r o s« e S ein französischer Teilangriff abgeschlagen. Der österreichische Bericht. Wien, 10. Mai 1917.(W. T.»;) Amtlich wird vcrlautbart: Auf keinem der drei Kriegsschauplätze Ereignisse von Belang. Der Stellvertreter deS Chefs deS Genrralstabe» v. Hoefer, Feldmarschalleuwant. ausgeschlossen. Niemand wird deshalb den Krieg auch nur um einen Tag verlängern wollen. Der Streit in Zrantreich. Bern, 19. Mai. Der Streit zwischen der sozialistischen Mehr- heit und der Minderheit in Frankreich wird von den Blättern weitergeführt. Mehrere Blätter der Minderheit, u.a.„Journal du P e u p l e", erklären jetzt, diese werde sich nicht beugen, auch wenn ihr Standpunkt auf dem Nationalkongreß der Sozia- listen nicht durchdringen sollte. Herve hofft, daß der Minderheit der Garaus gemacht werde. Wie der„Matin" berichtet, hat der Beschluß der Minderheit, sich in Swckholm vertreten zu lassen, in den Wandelgängen der Kammer lebhafte Erregung hervorgerufen. Die Regie- rung solle darüber interpelliert werden, ob sie Vertreter der Minderheit Pässe nach Stockholm geben werde. L o n g u e t weist in einem Brief an den„Temps" darauf hin, daß auch Russen aller Parteirichtungen, unter ihnen T s ch e i d s e und Kerenski, in Swckholm sein würden. Von dem Beschluß des französischen Natwnalkongresses der Sozialisten hänge die Hal- tung der englischen Arbeiterpartei ab. Er, Longuet, wolle auch in Swckholm die Rückgabe von Elsaß-Lothrin- gen verlangen. „Bonn et rouge" wünscht, daß Frankreich in Stockholm vertreten sei, damit nicht seine Interessen geopfert werden. Renaudel schreibt in der„H u m a n i t e": Jeder Sozialist wünsche die Aufrechwrhaltung der Internationale; diese müsse aber, um ein Urteil über die Gestaltung des kommenden Friedens zu haben, die Frage der Schuld am Kriege prüfen. DieSkanöinavierfür allgemeine Beteiligung Stockholm, 9. Mai.(Meldung von Svenska Telegrammbyran.) Der skandinavische Ausschuß für die Mitarbeit der Arbeiterverbände von Schweden, Dänemark und Norwegen, die seit Ausbruch des Krieges für die Wiederherstellung der Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Parteien zur Beendigung des Krieges wirken, ist heute in Stockholm zusammengetreten. Er verspricht der Swckholmer Konferenz seine volllkoinene U ii t e r st ii tz u n g und drückt die Hoffnung aus, daß keine sozialistische Partei ablehnen werde, an der ge- planten Konferenz teilzunehmen. Vorverhanülung ohne Verpflichtung. Amsterdam, 9. Mai.„Hek Volt" schreibt: Die Absicht des Komitees des Internationalen Soziali st ischen Bureaus ist es nicht, daß die Abordnungen der kriegführenden Länder, wenn sie sich nach Swckholm begeben, sich zur Teilnahme an der allgemeinen internationalen Konferenz verbinden. Von diesen Abordnungen werde nur erwartet, daß sie bereit seien, ernstliche Besprechungen mit dem Komitee zu führen und weiter, daß sie das Recht haben werden, wenn es ihnen nützlich und wünschenswert erscheinen sollte, sich über die Teilnahuve au einer allgemein«» Konferenz schlüssig zu werden. der Kampf um den Kanzler. Namen sind gleichgültig. Grundsätze, entschlossen durch- geführt, sind alles. Seit Beginn des Krieges hat die deutsche Sozialdemokratie nie für einen einzelnen Mann, sondern immer nur für einen Grundsatz der politischen Kriegführung gekämpft: Deutschland kann diesen Krieg gegen eine— seitdem nur noch gewachsene— Uebermacht nur als Verteidigungskrieg gewinnen, und zu diesem Zwecke bedarf es der inneren F r e i h e i t I Diesem sozialdemokratischen Programm sind von der Regierung Zugeständnisse gemacht worden, und diese Zugeständnisse haben wir als Anfänge einer besseren Erkennt- nis begrüßt. Es sind aber dann wieder Hemmungen einge- treten, Ausflüchte sind gemacht worden, und die haben wir als Schritte vom Wege mit der größten Entschiedenheit bekämpft. Immer war es ein Kampf um die Sache, nicht um einen Mann. Wenn heute Herr v. Bethmann ginge und ein anderer an seine Stelle träte, der die theoretischen Einsichten seines Vorgängers in praktische Politik umsetzte, niemandem könnte das lieber sein als der Sozialdemokratie. Käme ein solcher Mann, dann könnte vielleicht das unwahre Wort von den„deutschen Regierungssozialisten" allerdings noch Wahrheit werden. Denn wenn eine Regierung kommt, die in den ent- scheidenden Fragen das tut, was wir für richtig halten— was sollen wir dann anderes tun als sie unterstützen? Ein Reichskanzler, der erklärte, er werde sein Amt nur solange behalten, als er das Vertrauen der deutschen Volksvertretung genieße, würde damit den lebhaftesten Beifall her Sozialdemokratie finden/ Würde er hinzufügen, daß er zu einem Frieden entschlössen sei/ der' kein Volk vergewaltigt und der dem Deutschen Reich wiedergibt, was es vor dem Kriege besessen hat. so dürfte er der sozial- demokratischen Zustimmung gewiß sein. � Und sollte er dann weiter als sein innerpolitisches Programm verkünden, daß jeder Mann und jede Frau in Reich, Staat und Gemeinde gleiches Stimmrecht haben müsse, so hätte die Sozialdemo- kratie das stärkste Interesse, ihn mindestens solange in seinem Amte zu sehen, bis dieses sein Programm verwirklicht ist. Herr v. Bethmann Hollweg hat solche Erklärungen nicht abgegeben, und darum ist alles, was über„Regierungs- sozialismus" gesagt wird, Schwindel. Ja gewiß, wir sind f ü r„Regierungssozialismus", aber nur für einen solchen, bei dem die sozialdemokratischen Grundsätze re- gieren, nicht für einen, bei dem die Regierung den Sozia- lismus regiert. Während nun die Not des Volkes dringend eine Re- gierung nach unseren Grundsätzen fordert, sind starke Kräfte am Werke, um Herrn v. Bethmann zu stürzen und eine Entwicklung nach der umgekehrten Richtung einzuleiten. Ihnen ist die Regierung mit ihren Zugeständnissen an die Sozialdemokratie schon zu weit gegangen, sie wollen alle Ansätze, die in der Richtung zu Frieden und freiheitlicher Entwicklung gemacht worden sind, zerfetzen und in den Boden treten. Darum stürmen sie gegen den Kanzler! Was die„Deutsche Tageszeitung" andeutend schon bc- gönnen hat, das setzt der„Reichsbote" offen fort. Man droht der Monarchie mit ihrem Sturze, wenn sie Bethmann nicht fallen läßt und einen Mann von der Rechten an seine Stelle setzt: Der Thron der Hohenzollcrn wankt nicht durch die Weltstürme da draußen; im Sturm wurzelt die deutsche Eiche nur noch tiefer. Aber wenn die, die den Thron zu stützen berufen sind, abseits stehen, während andere an des Thrones Stufen sägen, dann tan« er stürzen, plötzlich über Rächt. Darum, deutscher Michel, wach' auf l Reiß dir endlich deine Schlafmütze vom Kopf l ES handelt sich um dein Wohl und Wehe, um deine ganze Zukunft. Brich nicht mit deiner Vergangenheit! Du hast eine große Geschichte hinter dir. Hohe, herrliche Güter sind dir anvertraut, die eö zu schirmen gilt.„Halte, waS du hast, daß niemaitd deine Krone nehme!" Die„Süddeutsthe Zeitung" bringt einen Artikel:„Kaiser, höre dein Volk!", den die„Kreuzzeitung" ausführlich wieder- gibt.„Haben wir noch e i n e R e g i e r u n g? Wer i st Herr i in Lande?" so wird da gefragt. Und die Antwort lautet:„Herr v. Bethmann ist der Führer nicht, nach dem wir alle uns aus innerster Seele sehnen." Dem Kaiser wird gesagt, er wisse offenbar nicht, ivas„im deutschen Volke" vorgehe. Darum wird der alte Adlonitcr- plan wieder aufgenommen, eine Deputation„deutsch-bewußter Männer" zum Kaiser zu schicken, die als„Wortführer des nationalen Willens" die Absetzung des gegenwärtigen Reichskanzlers fordern sollen. Der Frage, wie der Weg zum Kaiser zu finden sei, folgt die intrigante Antwort: Hindenbnrg wird ihn zu öffuen wissen, wenn er anders nicht aufzufiuden wäre. Der schändliche Plan, die militärische und die politische Reichsleitung gegeneinanderzuhetzen, wird hier im vollen Licht deS Tages wieder aufgenommen. Ein StimmungSzeichcn! Dffobio b. Zedlitz, der lange den Vennittlcr zwischen rechts und links gespielt hat, läßt Plötzlich wieder sein wahres Gesicht sehen. Auch er schließt sich der Kampagne gegen Bethmann an, indem er in der„Post" die allzu bescheidenen Reform» versuche des Verfassiingsausschusses einen„demokratischen Taumel" nennt, und über„übertriebene Nachgiebigkeit" klagt, die auf eine„schiefe Ebene" geführt hat. So jetzt der Mann, der es stets als die beste Politik erachtet hat, mit dem Stärkeren zu gehen. Wir haben schon gesagt, daß es uns auf die Person des .Kanzlers nicht ankommt. Fällt er, so muß ein Mann an seine Stelle treten, der dem deutschen Volk den Selbsterhaltungsfrieden und die volle politische Freiheit im Innern bringt. Ein Mann nach dem Herzen der Rechten auf dem Platz des Kanzlers wäre aber für das deutsche Volk eine solche Gefahr, daß mit dem Tage seines Amtsantritts der äußerste Kampf gegen ihn beginnen müßte. Ein solcher Mann würde alle Aussichten auf einen baldigen Frieden vernichten, er würde die diplomatische Einheitsfront mit unserem stärksten Berbündeten, Oesterreich-Ungarn, zer- brechen und das deutsche Volk, innerlich zerrissen und nach außen völlig isoliert, gegen eine Welt von Feinden stellen, die er selbst durch unsinnige Eroberungsziele zu höchster Wut gereizt hätte. Dieser Mann würde erst möglich machen, worum sich siebenhundert Millionen Feinde drei Jahre lang vergeblich bemüht hatten, und was niemals ge- schehen wird, so lange in Deutschland nicht das nackte Gegen- teil von Verstand regiert. Die deutschen Arbeiter, die drei Jahre lang daS Reich mit ihreni Blute verteidigt haben, fordern, daß Versprechen ein- gelöst, schüchtern bcschrittene Wege entschlossen bis zu Ende gegangen werden. Sic werden nicht dulden, daß ihr Werk — die Erhaltung des Reichs in den ungeheuersten Stürmen der Weltgeschichte— von einer Schar von Abenteurern, von Leuten, die die Angst um den Verlust ihrer Herrschaft um den letzten Rest von Besinnung gebracht hat, zerstört, da» Reich ruiniert wird. Sie werden nicht dulden, daß der in Rußland erschlagene Zarismus in Deutchland ausersteht! Erweiterte russische Regierung! Die letzten Ereignisse haben erneut bewiesen, daß die einstweilige Regierung Rußlands nicht der Träger der Macht ist, die das erschütterte Reich in allen Fragen der Politik entscheidend führen kann. Der Vollzugsausschuß deS Arbeiterund Soldatenrats hat neben ihr die Hand am Zügel, und der Griff der Demokratie, die den Frieden will,«hat sich als eisern erwiesen. Schon in den ersten Tagen nach dem Siege der Revolution machte die einstweilige Re» gierung den Versuch, Vertrauensmänner aus dem Rat in ihren Kreis zu ziehen, aber der Versuch stieß auf Weigerung und scheiterte. Daß nach dem Ausgang der unter Straßen- unruhcn vollzogenen Verhandlungen zwischen beiden Körper- schaffen die Regierung einen neuen Versuch, ihre Macht umfassender zu gestalten, unternehmen werde, lag der Vermutung nahe. und jetzt ist eine Kundgebung erfolgt, die dies Unternehmen vielleicht vorbereiten soll. Die Petersburger Telegraphcn-Agentur berichtet darüber folgender- maßen: Die einstweilige Negierimg veröffentlicht eine lang« Erllärung. in der es heißt:„Seit dem Sturze der alten Regierung hat die einstweilige Regierung im Bewußtsein der Größe der ihr gestellten Ausgabe und der ihr auferlegten ungeheuren Verantwortlichkeiten die Bürde der Macht auf sich genommen und sich alsbald an die Ersüllung und Verwirklichung de« Programme« der soziale» Freiheiten und der Fortsevuiig des Kriege« in enger Geineiilschaft mit den Alliierten gemacht. Die Erklärung zählt dann alle Maßnahmen auf, welche die Regierung ge- mäß den von ihr dem Lande gegenüber ein gegange« neu Verpflichtungen getroffen hat, so die Amnestie, die Abschaffung der Todesstrafe, Rechtsgleichheit der Bürger, Versammln ngs- und Vereins- f r e i h e i t ulw..Indessen kann die einstweilige Regierung" heißt c» weiter,„dem Volke nicht die Schwierigkeiten verbergen, denen ihre Tätigkeit begegnet, und die in der letztenZeit in dem Maße zugenommen haben, daß sie beunruhigende Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft erwecken. Die Regierung sucht sich auf moralische Kräfte zu stützen. Kein Tropfen Blut deS Volke» ist durch ihre Schuld ver- gössen und kein Gedanke unterdrückt worden. Unglücklicher- weise hält der Stand der sozialen Entwicklung des Landes die sichere Eulwirrung der durch den Sturz der alten Regierung herdorgeruseuen Schwierigkeiten auf. Eine Gruppe von vereinzelten ivenig gewissenhaften Personen aus bestimmtenKlaffen sucht ihre Absickten auf gewaltsamem Wege, der die inner- politische Disziplin zu vernichten und die An- archie hervorzurusen droht, zu verwirklichen.' Die einst- weilige Regierung hält e- für ihre Pflicht, deutlich zu erklären, daß diese Lage der Dinge, die die Verwaltung des Landes erschwert, das Land in innere Schwierigkeiten und zur Niederlage an der Front zu führen droht. DaS Gespenst der Anarchie und deS Bürger- Irieges, das die Freiheit bedroht, richtet sich vor Rußland auf. Um die erworbenen Freiheiten zu bewahren und zu befestigen, fordert die Kundgebung die Allgemeinheit auf, die Macht zu stärken, die sie schütze. Die Regierung werde ihrerseits ihre Bemühungen fortsetzen und d a h i n st r e b t n, sich in ihrer Zusammensetzung zn erweitern, indem sie die Vertreter der lebendigen und schöpferischen Kräfte deS Landes einladen wird, die bisher keinen täligen und un« mittelbaren Anteil an der Verwaltung deS Staates genommen haben. Daß die einstweilige Regierung in dieser Kundgebung mit ganzer Klarheit sage, in tvelcher Weise und Richtung sie die Erweiterung ihrer Zusammensetzung suchen will, läßt sich nicht behaupten. Vorausgesetzt, daß der Anszug, den die Telegraphenagentur aus der Kundgebung angefertigt hat, das Wesentliche ohne Abstrich und Verschleierung gegeben hat. Die Allgemeinheit wird aufgefordert, die Macht der Re- gierung zu stärken,— was heißt das schließlich? Der wichtigste Ausdruck der russischen Volksallgemeinheit ist hentc der Arbeiter- und Soldatenrat, und wenn die Einst- weilige Rußland einen Kopf geben will, der regierungs- sähig ist, muß sie sich dem Willen dieses Rates anpassen. Geht sie jetzt auf ein anderes Ziel aus? Hat ihr Aufruf etwa nur den Zweck, die Energie der Elemente anzufeuern, die auf Miljukoivs Tendenzen bauen? Will sie ihnen einen Wink geben, der Macht der Regierung durch ein Einströmen in die Beamten- Posten der Verwaltung einen festeren Unterbau geben? Die Kundgebung ist keineswegs in allen Teilen eindeutig. Nur so viel ist gelviß, daß für die Absicht, mit dem Arbeiter- und Soldatcnrat zu einer Einheit zu kommen, eine Kundgebung an die Allgemeinheit, wie sie jetzt ergangen ist, recht über- siüssig erscheinen würde. Immerhin spricht indes die Kundgebung von einer Er- Weiterung der Zusammensetzung der Regierung, so daß wiederum das Ziel, eine Art Koalitionsregierung der revo- lutionären Parteien anzustreben, in die Vermutungen ein- bezogen werden mutz. Daß Veränderungen in der jetzigen Regierung bevorstehen, kann aus der Nachricht Petersburger Blätter geschlossen werden; der KriegSminister G u t s ch k o w sei derart erkrankt, daß er sich gezwungen sehen dürfte, die Leitung deS Krieasministeriums für unbestimmte Zeit voll- ständig aus den Händen zu geben. Man erinnere sich, daß Gutschkow in der Nachtsitzung, die am letzten Freitag im Marienpalast stattfand, den Zustand des russischen HcercS in dickschwarzen Farben malte. Ist es nur wegen dieser Offen- heit, daß dieser Mann, der den KriegSzielen MiljukowS ganz besonders eng verbunden ist, sein Amt aufgeben muß? Sonor �aws Komplimente. Der englische Schatzkanzler hat die Vorlage eines neuen Kredits von 12 Milliarden Mark mit einer Rede begleitet, in der er auf die üblichen Schmähungen deS deutschen Volkes verzichtete und sich jedes aufreizenden Triumphgeschreis ent- hielt: Dies ist die größte Summe, die jemals in England verlangt worden ist. Die lägliche Durch schnittSauSgabe betrug kürzlich 7 4B0 000 Pfund. Von der Ausgabe für die ersten Ski Tage des nächsten Finanzjahres sind täglich zwei Millionen an die Alliierten und die Kolonien gegangen. Der B u d g e t v o r a n s ch I a g für die genannten Vorschüsse betrug tag- lich etwa ein» Million. DaS bedeutet«in Mehr von einer Million täglich. Di» am«rtkanischt Regierung hat aber mit ein« r Sch nelligkeit gehandelt, für die wir nicht dankbar genug seien können. Sie hat unseren Alliierten finanzielle Beihilfe nicht nur versprochen, sondern wirklich gewährt und deshalb werden die Ausgaben unter dieser Rubrik nicht über- schritten werden. Di« gegenwärtig« Borlage wird für die Regierung bis ungefähr zum 1. August ausreichen. Ich möchte einige Worte über den Eintritt dsr vereinigten Staaten tn den Krieg sagen. Unser« deutschen Feinde h a b e n ei n e En e r g i e, eine organisatorische Kraft und«in« Fülle vontzilfSmitt»ln gezeigt, die bei einer b«ss»r»n Sache nicht verfehlt haben würden, die Bewunderung der Welt zu erregen. Sie haben ober auch viel« Fehler gemacht. Hauptsächlich bestanden diese Mißgriffe darin, daß fie die mensch- liche Natur nicht verstanden, und ich denke, sie haben einen Fehler gemacht, ol« sie sich entschlossen, zur See einen rücksichtslosen Feldzug nicht gegen ihre Feinde, sondern gegen die Menschheit zu unternehmen. Sie müssen sich die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit klar ge« macht haben, daß Amerika zum Kriege gezwungen werde. Trotz dieser Berechnung und trotz de» Erfolge» diese« Unterseebootkrieges. den ich sicher nicht verkleinern werde, und der das Volk unsere« Lande? zwingen mag. ein« Standhaftigkeit zu beweisen und Ent- behrungen zu erdulden, die bisher in diesem Kriege unbekannt waren, trotz alledem bezweifle ich nicht, daß die deutsche Wagschale ungünstiger steht dadurch, daß sie eine der größten Nationen der Welt ihren feinden zugesellt haben." Die Rede des englischen Schatzkanzlers beweist, daß das englische Publikum infolge des Ernstes des U-Boot-Krieges kein« Mätzchen mehr verträgt, sondern von seinen Staats- männern verlangt, daß sie entschlossen harten Tatsachen ins Auge sehen._ die Schlacht in Mazedonien. Ter bulgarische Bericht. Sofia,' Is. Mai. Generalstabsbericht vom 9. Mai. Mazedonische Front. Westlich und nördlich von Litoljq heftige» Gcschützfeuer mit kurzen Unterbrechungen. Feindliche Infanteriegruppen, die gegen Peristeri Plonina vorzudringen ver» uchten,»Wirben leicht abgewiesen. An der ganzen Front im Cernabogen den ganzen Tag über und während der Nacht un- unterbrochen lebhaftes Geschützfeuer, da« gegen die Höhe 1050 und nordöstlich von?Nakowo zeitweise die Heftigkeit von Trommelfeuer erreichte. Starke feindliche Jnfanterieabteilungen, deren Ansammlung in den vordersten feindlichen Gräben bemerkt wurde, konnten keinen Angriff unternehmen, da sie unsererseits unter heftigstes Vernichtungsfeuer genommen wurden. Vereinzelte Kompagnien, denen es gelang, die Gräben zu verlaffen, mußten unter der Wir- kung aller Waffengattungen und teilweise nach Bombenkämpfen zurückfluten. Nur im östlichen Teil de» Cernabogen» konnte der Feind«inen heftigen Angriff unternehmen, aber dieser cheiterte unter schwersten Verlusten für ihn. Gegen Mittag vermochten die feindlichen Jnfanterietruppen nach neuerlicher heftiger Ardtllerievorberertung einen weiteren Angriff nordöstlich von Makowo zu unternehmen, aber auch dieser wurde durch Gcschützfeuer abgeschlagen. Während der Nacht schritt der Feind zum Angriff auf die beiden Flügel unserer Stellungen im Cernabogen, der jedoch gleichfalls vollständig zu- 'ammenbrach. Oestlich der Cerna hat sich das feindliche Geschntzfeuer merklich gesteigert. Im Laufe der Nacht griffen einzelne Gruppen wieder- holt in Richtung der Ortschaft Stravina an; sie wurden jedesmal durch Sperrfeuer zurückgetrieben. Gegen Mitter- nacht schritt der Gegner zu einem heftigen Angriff auf GradeSnica. wurde aber mit großen Verlusten abgewiesen. In der Moglenagegend wurde die Kampftätigkeit leb- hafter. Während des ganzen Tage« Geschütz-, Gewehr- und Ma- schinengewehrfeuer. Eine feindliche Jnfanteriegruppe versuchte gegen das Torf Nonte vorzugehen, wurde aber durch unser Feuer vertrieben. Westlich des Vardar den ganzen Tag und die ganze Nacht über heftiges Geschützfeuer mit geringen Unterbrechungen. Während der Nacht versuchten bei Alcak Mahle mehrere Infanterie- abteilungen vorzurücken, wurden aber durch Gewehr, und Ma- schinengewehrfeuer zurückgewiesen. Während des ganzen Tages unterhielt der Feind äußerst heftige« Geschütz-, Maschinengewehr- und Gewehrfeucr gegen unsere Stellungen südlich Dojran. Um sie in Besitz zu nehmen, unternahmen die Engländer nachmittags und nachts mehrere mit größter Hartnäckigkeit geführte aufeinanderfolgende Angriffe. Der erste setzte um 3 Uhr abends aufder ganzen Front des Dojransees bis zum Torfe Karachcli«in. Er wurde von mehrfach gestaffelten Kolonnen unternommen, die unsererseits mit heftigem Geschütz-, Gewehr- und Maschinengewehr- feuer empfangen wurden und unter schwersten Verlusten für den Feind zurückfluteten. Gegen 11 Uhr abends schritten die Engländer zum zweiten Angriff, der das gleiche Schicksal teilte. Nur an einem Punkt gelang es ihnen, in unsere Stellung einzu- dringen, doch wurden sie durch Gegenangriff wieder heraus- geworfen. Etwa um 1 Uhr nachts unternahm der Feind einen noch wütenderen Angriff. Es gelang ihm auch an einem Punkte in unsere vorgeschobenen Gräben einzudringen, aber ein Gegenangriff, den da» tapfere 3i. Regiment von Trojan mit dem Bajonett unter- nahm, warf ihn überall au? unseren Stellungen wieder heraus, wobei er große Verluste erlitt. Eine halbe Stunde danach ver- suchten die Engländer einen neuen Angriff, wurden aber ziemlich leicht geworfen. An der Belasiea Planina und an der Struma die gewöhnliche Gcschütztätigkeit und Streifwachenscharmützel. �in geglückter deutscher Vorstoß. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) Tie Wiedereinnähme von F r e s n» y durch dir Bayern am Morgen de« 8. Mai stellt sich als ein»ollgeglücktes Unternehmen heraus. Trotz heftigen feindlichen Widerstandes stießen unsere Sturm- trnppen auf der Hauptstraße des Dorfes über die Kirche vor und setzten sich am Westrand deS Ortes in unserer alten Stellung fest. Dabei wurden die englischen Verteidiger teils überrannt, teils ab- geschnitten, sodaß über 300 Gefangene nnd sechs Maschinengewehre in unsere Hand fielen. Zwei heftige Gegenangriffe, die der Gegner noch gestern aus dem Schloßpark von Arleux heraus unternahm, brachen im bayerischen Maschinengewehrseuer zusammen. Ein dritter Angriff wurde durch Vernichtungsfeuer niedergehalten. Heute früh 4 Uhr morgens wurde«in nochmaliger Angriff englischer Stoßtrupps wiederum abgewiesen./ Dir Wiedererobrrung von FreSniy und die glänzende Verteidigung deS Bahnhofvirrtel» von Roeux, auf das die Engländer jetzt seit dem 3. April acht vergebliche Stürme gemacht haben, bc- weisen, daß die neue deutsche Pertcidigung nicht nur elastisch, sondern auch starr sein, und daß die Elastizität nicht nur im Ausweichen, sondern auch im Borbrechcn bestehen kann. Dr. Adolf Köster, _ Kriegsberichterstatter. die Kämpfe an üer /lrrasfront. Berlin, 10. Mai.(W. T. B.) Im Raum« von Areas machten die Engländer am 9. Mai vergebliche Anstrengungen, den Bayern das Dorf F r e S n o y wieder zu entreißen. Bereit» um 4 Uhr morgens wurden englische Stoßtrupps unter empfindlichen Ver- lusten abgewiesen. Im Laufs des Vormittags trugen die Engländer verschiedene Angriffe gegen di« Nordwestecke des ehemaligen Parks von Fresnoy vor, wurden jedoch restlos, zum Teil im erbitterten Nahkampfe, zurückgeschlagen. Im Laufe des Nachmittags steigerte sich bei klarer Sicht das feindliche Artilleriefeuer nördlich und südlich der Scarpe. Unsere Batterien antworteten kräftig. Am Nachmittage und gegen Abend wurden westlich Arleux feindliche Angriffsabsichten durch unser Feuer erstickt. Um Bullecourt wurde bis in die späte Nacht erbittert gekämpft. Am Vormittage stießen unsere Truppen bei einem abgewiesenen Handgranatenangriff der Engländer im Orte wiederum bis zum Südrand von Bullecourt vor. 3 Uhr nach- mittags unternahm der Gegner einen heftigen Angriff gegen den Südrand, der unter schweren blutigen Verlusten für den Feind ab- gewiesen wurde. Am Abend entbrannte der Kampf von neuem, in dessen Verlauf es dem Gegner gelang, sich wieder im Ostteile deS Dorfes einzunisten. Nördlich von St. Ouentin konnten wir Vorfeldkämpfe zu uns:- ren Gunsten entscheiden. Der in einem schmalen Abschnitt unserer Vorstellung eingedrungene Gegner wurde durch einen Gegenstoß unter empfindlichen Verlusten wieder zurückgeworfen. » Englischer Bericht vom 9. Mai. Tagsüber fand ein örtlich be« schränkies Gefecht in der Umgebung von Bullecourt statt, in dessen Verlauf eine feindliche Abteilung bei einem Angriffsversuch durch Maschinengewehrfeuer gefaßt wurde und beträchtliche schwere Verluste an Toten erlitt. Beiderseitige Artillcrietätigkeit noidwcst« lich von St. Ouentin und in der Nähe von W a n c o u r l und Arleux. Vom 9. Mai. Gestern abend machten wir kleine Fortschritte nordöstlich von Hargicourt. Ein feindlicher Angriff nördlich von Gavrelle wurde völlig zurückgeschlagen. Feinoliche Kräfte, die sich zu einem Angriff nördlich von FreSnoy sammelten, wurden zerstreut. Westlich von Fresnoy gewannen wir durch einen nächtlichen Gegenangriff einen Teil des gestern verlorenen Boden? zurück. Ein feindlicher Angriff östlich von Aryientiercs wurde abgeschlagen._ üer Msne. Berlin, 10. Mai. lW. T. B.) An der AiSne belebte sich die Gefechtstätigkeit mit der am Nachmittage des 9. Mai einsetzenden besseren Sicht wieder zu größerer Heftigkeit, besonders auf dem Höhenzug des Chemin des DameS beiderseits Courtecon. Südlich AilleS hatten schon ain Morgen des 9. Mai wieder heftige Handgranatenkämpfe eingesetzt. Die Abend- und Nachtkämpfe vom 8. zum 9. Mai am Winterberg waren srst am Morgen des 9. Mai in ihrem ganzen Umfange zu übersehen. Nach heftigem Artillcriefcucr brachen französische Abteilungen 8 Uhr abends mit Flammen- Werfer in dreimaligem Ansturm vor, um jedesmal vom deutschen Feuer und teilweise im Gegenstoß zurückgeivorfen zu werden, wobei eine Anzahl von Gefangenen in unserer Hand blieb. In der Straße Corbeny-Berry-au-Bao, wo die Franzosen sich am 8. Mai in einer Kiesgrube, wie gemeldet, in einem anstoßenden Grabenstück von 400 Meter Breite festsetzen konnten(nicht 1 Kilometer Breite, wie der französische Heeresbericht angibt), war auch am 9. Mai die Jnfantcrietätigkeit lebhaft. Nördlich Reim» griffen die Franzosen nordwestlich Bermeri- court 1 Uhr nachmittags nach kurzem Trommelfeuer in größter Breite an. Sie wurden zum Teil schon dort unter Sperrfeuer in chre Gräben zurückgejagt. Bei erneuten Angriffen um 5 Uhr nach- mittags erreichten die an den meisten Stellen in erbitterten Nah- kämpfen zurückgeworfenen Franzosen an einigen Punkten unsere Gräben. Bis auf ein kleines Nest brachten uns Gegenstöße wieder in den restlosen Besitz unserer Stellungen. In der Champagne wurden französische Angriffe nord- östlich Prasnes in der Nacht abgewiesen. Französischer Heeresbericht vom 9. Mai nachmittags. Der Kampf war während der ganzen Nacht auf dem Chemin-deS-Dame« lebhaft, wo der Feind an verichiedenen Punkten uns die jüngst er- oberten Stellungen zu entreißen versuchte. Diese Angriffe, � die von großen Beständen ausgeführt wurden und denen heftige Beschieß»«« gen vorangingen, wurden überall abgeschlagen. In der Gegend von Cerny de la B o v e l le und am Denkmal von Hurte- b i s e erlitten die Deutschen zweimal eine blutige Niederloge. Weiter östlich wurde ein machtvoller Ansturm auf die Hochfläche von Kalifornien versucht. Die deutschen Slurmwellen, die durch unser Sperr« und Maschinengewehrseuer niedergemäht wurden, er« neuerten mehrmals ihre Versuche, und der Feind konnte trotz be« trächtlicker Verluste bei seinen Angriffen, die nnS von dieser wichtigen Stellung vertreiben sollten, einen Augenblick auf einen Vor« spruna im Nordosten der Hochfläche Fuß fassen, aber ein Bajonett- angriff unserer Truppen warf ibn in Unordnung zurück. Die von den Deutschen auf dem Gelände zurückgelassenen Leichen zeugen von den Opfern deS Gegners. Unsere Stellungen wurden weiter gehalten und wir machten eine Anzahl Gefangener. Wir unsererseits griffen gestern gegen Tagesende an und nahmen nord- östlich bon Cyebrsux glänzend die deutschen GräSen der ersten Linie auf einer Front von ungefähr 1200 Meter. ISO Gefangene blieben in unseren Händen. Auf der übrigen Front zeitweilig aus- setzende Beschießung. Feindliche Handstreiche auf Conrch, die Butte de Souain und den Bonbonne hatten kein Ergebnis. Vom 9. Mai abends. Südlich der O i s e legte die Artillerie wirksames Zerslörnngsseuer auf deutsche Werke und Batterien im Walde von St. G o b a i n und am Chemin-des-Dames. Ziemlich starke Artillerietäligkeit an der Front von Corny-Hurte- b i s e. In der Gegend von Chevreur befestigten die Truvpen das eroberte Gelände. Sie haben mehrere feindliche Gegenangriffe zurück- gewiesen. Die Zahl der bei dem gestrigen Kampf gemachten Gefangenen beträgt 209. In der Gegend nordwestlich von Reims hat uns eine gei�ingene Einzelunternchmung gestattet, einen deutschen Schützen- graben in 499 Meter Ausdehnung zu nehmen und 199 Gefangene zu machen, darunter 2 Offiziere. Die Gefangenen gehören vier verschiedenen Regimentern an. An der übrigen Front war der Tag verhältnismäßig ruhig. Der Krieg auf öen Meeren. Tonnen im Nittelmeer. Berlin, Ist. Mai. Amtlich. Im Mittelmcer wurden nach neuen Meldungen neun Dampfer und acht Segler mit rund 32ststst Tonnen versenkt, darunter am 11. April der i t»He nische mit Munition beladcne.Tampfcr C a n d i a, Istla Tonnen, am 14. April der französische Tampser G a n g a, (5886 Tonnen, am 16. April ei» unbekannter b c w a f f- neter Dampfer von etwa äststst Tonnen aus einem Ge- leitzug heraus, am 21. Apri. der englische tief beladene Dampfer Warrior, 3674 Tonnen, am 25. April der be- waffnete c n g Ii s ch c Dampfer Reynolds, 3264 Tonnen, mit 45stst Tonnen 51ohle auf dem Wege nach Port Said, am 26. April der italienische Segler A u g u st Toronto, 12stst Tonnen, mit Phosphat von Tunis nach Alexandrien, am 28. April der englische Dampfer Pontiac, 3343 Tonnen, mit 526st Tonnen Mais, Erbsen und Gerste für Italien. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Neue U-Soots-Crfolge im /ltlantisthen Ozean. Berlin, 9. Mai. Neue U-Boots-Erfolge im Atlantischen Ozean: 4 Dampfer und 4 Segler mit 22 500 Tonnen. Darunter befinden sich u. a. folgende Schiffe: die bewaff- neten englischen Dampfer S e b e k<4691 To.) mit Stückgut nach Australien u»d D e l m i r a(3459 To.) mit Oel für England, ein� unbekannter bewaffneter Dampfer mit Kurs nach England, ei» unbekannter Dampfer, Ladung anscheinend Munition. Bon den versenkten Seglern führte«. a. einer Holz, ei» audcrer Düngemittel nach England. Der Chef des Admiralstabs der Marine. Englischer Minensucher versenkt. London, 9. Mai,(Meldung deS Rcuterschcn Bureaus,) Die Admiralität gibt bekannt, daß ein Minensucher am 5. Mai torpediert und versenkt worden ist. Zwei Offiziere und 20 Mann werden vermißt. Seesperre unö Versenkungen. Barcelona, 8. Mai. Ter hiesigen Seemannsvereini- gung wurde von französischer Seite eine große Summe cmge boten für den Fall, daß Offiziere und Mannschaften für den regeb mäßigen Dampserverkehr von der Ostküste Spaniens nach Ceti« und Marseille verschafft würden. Die Teemannsvereinigung ist jedoch auf dieses Angebot nicht eingegangen. ßaft tausend englische Geschütze unö Minen werfer auf 5000 Meter Jront. Berlin, 10, Mai.(W. T. B.) Aus einem erbeuteten englischen Befehl des 17. Korps, das am 5. April im Abschnitt Maison Blanche bis etwa zur Scarpe angriff, geht hervor, mit welch ungeheuren Artilleriemasfen die Engländer ihren Angriff vom Ostermontag vorbereiteten. Auf der 500st Meter messenden Korpsfront feuerten nicht weniger als 3 98 Gc schuhe und 268 Minenwerfcr, 342 der Geschütz waren vom Kaliber 8,3 Zentimeter, 114 waren 11,4-Zenti mcterGcschiitze, 88 13-Zentimcter, 32 2st.Zentimeter, 40 23,4-Zentimetcr, 5 30,4-Zentimeter, 2 38-Zcntimetcr. Ferner befanden sich darunter 12 Marinegeschütze von 13.2 Zenti- Metern, 60 von 12,7 Zentimetern und eins von 30,4 Zenti- meiern. Unter den 268 Minenwerfern waren 40, die Minen von 138 Pfund Gewicht warfen. Vorsichtig geschätzt dürften an der gesamten 20 Kilo- meter langen Angriffsfront vom Ostermontag mindestens 4000 Geschütze und Mi nenwerfer in siebentägigem Feuer �nirch 9 b i s 10 Millionen Geschosse die deut- schen Stellungen sturmreif geschossen haben. Tie von den Engländern bis heute an der Angriffsfront verfeuerte Mu- nition darf auf mindestens 23 bis 30 Millionen Granaten und Minen berechnet werden. Kleine Kriegsnachrichten. Der schweizerische Bundesrat hat heute das W i r t s ch a f t s- abkommen mit Deutschland ratifiziert. Russischer General ermordet. Reuter meldet: Generalmajor Kartzow, Kommandant einer sibirischen Füsilierdivision, tvurde in Riga auf einem Spaziergange in der Nähe des Bahnhofes er- mordet. politische Uebersicht. Reichstag. Deutsch- türkis che Verträge.— Die Ernährungsfrage. Um neun Uhr früh begann eine Reihe wichtiger und starkbesetzter Ausschüsse ihre Arbeit, um elf Uhr mußten sie wegen Beginns der Vollsitzung aufhören. Das Plenum tagte dann bis nach halb sieben Uhr, so daß für zahlreiche Mit- glieder ein fast zehnstündiger Arbeitstag herauskam. Mit dieser Parsoreepolitik hofft man den geplanten Endtermin, den Tag vor Himmelfahrt, zu zwingen. Warum nicht lieber einige Tage länger bei mäßiger Belastung der einzelnen Tage sitzen? Zuerst wurden am Donnerstag mehrere Rechtsver- träge zwischen der Türkei und Deutschland beraten. An sich find diese Verträge notwendig, sie sollen das für die Türkei in ihrer neuen Form unerträgliche System der Kapitulationen beseitigen. Aus diesem Grunde ist auch die soziaTdemokratisch» Fraktion grundsätzlich für die Verträge, was sie durch den Mund des Genossen Landsberg erklären ließ. Aber im einzelnen muß sie Widerspruch erheben, so gegen den Auslieferungsvertrag und den Niederlassungsver- trag. In ihnen spukt noch der alte Polizeigeist, der zwar unter dem Drucke der Verhältnisse die politischen Vergehen allgemein als Hindernis nicht mehr gelten lassen kann, sich aber doch das Hintertürchen der„anarchistischen" Verbrechen offen hält. Man weiß, was solche Kautschukbestimmung in der Hand übelwollender und rückständiger Machthaber be- deutet. Unsere Fraktion mußte deshalb gegen diese beiden Verträge stimmen, wenn es sich dabei im Hinblick darauf, daß die Verträge von der türkischen Kammer bereits angenommen worden sind, auch im wesentlichen nur um eine Temon- stration handeln konnte. Dann begann das Haus die E r n ä h r u n g s d e b a t t e. Ter Präsident des Kriegsernährungsamts, Herr von B a t o c k i, eröffnete nach den Berichterstattern die Erörte- rung mit einer längeren Rede, in der er die Schwierigkeiten der Ernähningsfrage nach allen Seiten beleuchtete und sein schwankes Schifflein mit Vorsicht durch die Scylla der agra- rischen Ansprüche und die Charybdis der städtischen Lebens- mittelnöte hindurchzustenern versuchte. Ihm folgte als Zen- trumsrcdner ein bayerischer Pfarrer, Schiilmann und Land- Wirtschaftsvertreter, Ledere r, der die ganze Frage höchst einseitig vom Standpunkt der Landwirtschast aus betrachtete, ihr alles Licht zukommen ließ und für die Schwierigkeiten der Städte nur eine gleichgültige Handbewegung hatte. Ganz anders unser Genosse Robert Schmidt, der ibm folgte, und der aus der gründlichen Kenntnis der Nöte der arbei- tenden Massen heraus und zugleich als ein vorzüglicher Sach- kenner das Ernährungsproblem wieder auf seine beiden Beine stellte. Ohne die Landwirtschaft herabzusetzen, wußte Schmidt doch in beredten Worten die Unterlassungssünden der Landwirte und ihr mangelhaftes Verständnis für die Sorgen der Städte darzulegen. Nicht minder treffsicher war seine Kritik der zögernden und unsicheren behördlichen Maßnahmen. Herrenhaus. Gegen Steuerfreiheit der— Kleinen! Wie man sich noch erinnern wird, hat das Abgeordneten- haus aus eigener Initiative einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Steuerfreiheit der Kriegstenerungs- zulagen für die im öffentlichen oder kirchlichen Dienst stehenden Beamten, Angestellten und Arbeiter festsetzt. Die Regierung hat ihre Zustimmung zu dieser Selbstverständlich. keit erklärt, die erforderlich wurde, als es dem Oberverwal- tungsgericht plötzlich eingefallen war, nicht individuell, sondern allgemein gewährte Zulagen als steuerpflichtig zu erklären. Die Finanzkommission des Herrenhauses hatte nun die sonderbare Idee, die Steuerfreiheit auf das Steuer- jähr 1917 begrenzen zu wollen. Dem Plenum wurde diese Verschlechterung von zwei Oberbürgermeistern und dem Finanzminister ausgeredet, der betonte, daß noch einige Zeit nach dem Kriege Grund genug zur Weiterzahlung von Teuerungszulagen weiterbestehen werde. Das Gesetz wurde in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Die übrige Tagesordnung gab zu Debatten keinen An- laß. Das Wohnungsgesetz ging an einen besonderen Ausschuß, der nach Mermuths Erklärungen sich bis zum 18. Mai erst mal vorbereiten und dann gründlich das Gesetz durcharbeiten- und wohl auch abändern will. Am 19. soll aber die letzte Sitzung des Herrenhauses vor der Vertagung stattfinden. Wenn die Regierung, wie sie dem Herrenhaus- Präsidenten erklärt hat. großen Wert auf die rasche Verab- schiedung des Wohnungsgcsetzes legt, so wird sie wohl die Vertagung des Landtages noch hinausschieben müssen. Jedenfalls aber wird so oder so noch einige Zeit der- gehen, bevor die fortschrittliche Wahlrechtsinterpellation auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses erscheint— und noch längere, bevor sie beantwortet und besprochen wird. In der voraussichtlich am 19. stattfindenden Herrenhaussitzung soll auch der so viel besprochene und so wenig sagende Kricgzielantrag Hoensbroech besprochen werden. Das Wahlkrciskompromist. Die Arbeit des Verfasstingsausschusses ist leider da, wo er einen kräftigen Schritt zur Erweiterung der Voltsrcchte hätte tun können, im Kompromiß stecken geblieben. Die Neueinteilung der Wahlkreise auf Grund der heutigen Be- völkerungSziffer hätte nicht nur eminent praktischen Wert gehabt, sie wäre auch viel leichter durchzusetzen gewesen, als etwa die Reform des preußischen Dreiklassenwahlrcchts oder des Herrenhauses. Tie Regierung hat die Neueinteilung als eine Frage der Parteien unter sich bezeichnet und damit zu erkennen gegeben, daß sie auch den Beschlüssen des Reichstages keine Schwierigkeiten entgegensetzen würde. Aber der Reichstag selber hat hier versagt. Das ist eine naturgemäße Folge davon, daß ausschlaggebende Parteien ihre jetzige Mandatszisfcr eben nur der ungerechten Wahlkreiseinteilung verdanken. Tag diese Par- teien nun allerhand ethische Gründe finden, um die bestehende Un- gerechtigkeit zu verteidigen, ist selbstverständlich, Venn Gründe sind nach Falstafs wohlfeil wie Brombeeren. Jedoch ist bcmerkenslvert, daß selbst die äußerste Rechte die Notwendigkeit einer Aufteilung wenigstens der R i e s e n w a h l k r e i s e nicht zu bestreiten wagte. Was nun herausgekommen ist, bedeutet nicht viel mehr. Die an- genommene Kompromitzresolution der fortschritilichen Volkspartei fordert den Reichskanzler auf, dem Reichstag ein Gesetz vorzulegen, das für die Wahlkreise mit besonders starkem Bevölkerungszuwachs, die ein einheitliches Wirtschaftsgebiet bilden, eine Vermehrung der Abgeordnetenzahl unter Einführung der V e r- hältniswahl vorsieht. Dies Gesetz soll freilich nur ein Pro- vi fori um bis zur völligen Neuaufteilung der Wahlkreise sein. Aber ob und wann diese kommen wird, wissen die Götter. Legt die Regierung den geforderten Gesetzentwurf vor und wird dieser angenommen, so tritt eine kleine, aber auch nur recht kleine Machtvers chiebung ein. Das Zentrum kann aus ein paar Mandate Gewinn im rheinisch-westsälischen und oberschlesi- schen Industriegebiet rechnen; die Liberalen hoffen mit Hilfe des Proportionalsystems einige Mandate in den bisher nur sozial- demokratisch vertretenen großen Städten zu erhalten; eine Anzahl der neuen Mandate, nach Herrn Ministerialdirektor Letvalds Aus» führungen dürste man ihre Gesamtzahl auf 39— 40 veranschlagen, wären auch der Sozialdemokratie gewiß. Am schlechtesten schnitten wohl die Konservativen ab, die von der Mandatsvcrmchrung kaum eine Stärkung ihrer Fraktion zu erwarten hätten, höchstens aus das eine oder andere Minderheitsmandat in den großen Städten könnten sie rechnen. Es ergäbe sich also im ganzen eine geringe Stärkung der Linken und des Zentrums, die bei so schwankenden Mehrheitsverhältnissen wie den jetzigen, vielleicht einmal ausschlag- gebend werden könen, die aber jedenfalls noch lange nicht die Mag- lichkeit ausschließt, daß Parteien, welche die Minderheit der Wählcrstimmen repräsentieren, leicht die Mehrheit im Reichstag erhalten können. Die Drohung mit dem Bauerufireik. Die Ausbrüche, welche der eintägige Demonstrations» streik der Berliner Rüstungsarbeiter in gewissen Organen der Rechten hervorgerufen hat, sind noch in frischer Erinnerung. Wenn aus ländlichen Kreisen nur ein Zehntel soviel Nah- r u n g s m i t t e l wie S ch i m p f w o r t e auf die Berliner Arbeiter hcrabgehagelt wären, dann hätten diese sich auf Jahre hinaus sattesten können. Nach diesem Trommelfeuer von„Verräter",„Hundsfott" und anderen Liebenswürdig- keiten»lachte es sich dann recht anmutig, wenn in der Donner- tagssitzung des Reichstages der stark agrarisch �angehauchte Zentrumsabgeordnete L e d c r c r ganz offen'mit der Drohung des allgemeinen B a u e r n st r e i k s herumfuchtelte. Noch hätten die Bauern nicht gestreikt, meint Herr Lederer. Aber er deutet zartfühlend an, daß. wenn man die biederen Landleute weiter mit Höchstpreisen, Beschlag- nahmen und sonstigen Vorschriften ärgern würde, es wohl noch dahin kommen könnte.„Was Gott verhüten möge", fügt Herr Lederer vorsichtigerweise hinzu;— dixi et animata salvavi(ich habe es gesagt und meine Seele gerettet). Aber die ländlichen Wähler, die die Rede des Herrn Lederer lesen, lverden wohl weniger das Hauptaugenmerk auf diesen frommen Stoßseufzer lenken als aus die Gedankenverbindung zwischen staatlichen Ernährungsmaßnahmen und ländlichem Streik. Zumal, da Herr Lederer sich sogar in einen russischen Revolutionär verwandelt, eine glänzende Maske für einen bayerischen Zentrumsmann, und drohend auf die russischen Bauernaufstände hinweist. deren selbst die revolutionäre Regierung nicht Herr werden könnte. Die städtischen Arbeiter werden jedenfalls Herrn Lede- rers Drohung mit dem Bauernstreik nicht ohne Interesse zur Kenntnis nehmen. Besonders gespannt sind sie auch darauf, welche Worte General G r ö n e r gegen Herrn Lederer finden wird. Mitunter hört man freilich im Gespräch mit städtischen Arbeitern auch noch andere Ansichten, wie z. B. die, daß eine Drohung mit ländlichen Streiks gar nicht mehr von nöten wäre. Denn die Verfütterung von Brotgetreide und die Zurückhaltung von Vorräten seien doch eigentlich bereits eine Art Streik derer gewesen, die dies begangen hätten. BiindeSrutSarieit. In der DonnerstagSsitzung de? Bundesrat« gelangten zur Annahme der Entwurf emer Bekanntmachung über das Verbot der gewerblichen Verwertung von Reichs« s i l b e r m ii n z e n und über den Verkehr mit Silber und Silber waren, der Entwurf eines Gesetze? ,be- treffend Aenderung de§ PostscheckgesetzeS, eine_ zweite Ergänzung zum Entwurf des RcichshaushaltsetatS für das Rechnungsjahr 1917. der Entwurf einer Bekanntmachung, Zollfreiheit für Erdbeeren und Karpfen betreffend, der Entwurf eines Gesetzes beireffend ein Verbot der Abwälzung de» W a r e n u ni s a tz st e m p e I s und der Entwurf einer Bekannt- machung betreffend das Verbot der Verarbeitung von Topi- n a m b u r zu Branntwein. Kleine Anfragen im Reichstage. Eine Anfrage deS fortschritt» lichcn Abgeordnelen Dr. D o o r m a n n betrifft die im Handel mit Textilwaren bestehende große Unsicherheit über die be- stehenden Preisbeschränkunqsverordnungen. Eine Anfrage des Abg. K u n e r t(So,. Srbg.) erkundigt sich. ob dem Reichskanzler bekannt ist, daß im Reiche ansässige Belgier und Luxemburger für staatenlos erklärt, zur Militär- Musterung beordert und die KriegsverwendungSsähigen von ihnen in daS deutsche Heer einaereiht worden sind. Eine Anfrage des Abgeordneten Vogtherr(Soz. Arbg.) be- trifft das Verbot der Abhaltung von Frauenversamm- l u n g e n durch das stellvertretende Generalkommando in Stettin, durch das Oberkommando in den D! a r k e n und durch die stellvertretenden Generalkommandos in Magdeburg und K a s s e l. In den betreffenden Frauenversammlungen sollte zu der Forderung der staatsbürgerlichen Gleichberechti» gung der Frauen und den darauf bezüglichen Arbeiten de? Ver» fassungsausschusses Stellung genommen werden. Eine Anfrage der Zentrnmsabgeordneten Dr. Trendel und Gebhardt betrifft die Abhilfe des M a n g e l S a n Arbeits- kräften auf dem Lande, insbesondere die zwangsweise Rückführung früher in der Landwirtschaft tätiger Personen auS städtischen Berufen in diesen Beruf. Lekte Nachrichten. Die englische Arbeiterpartei gegen Stockholm. London, 19. Mai.(Reuter.) D-r nationale Ausschuß der Arbeiterpartei(nicht zu verwechseln mit der Unabhängigen Arbeiterpartei. Red. d. ,.V.") faßte den Beschlutz, sich in keiner Weise an der vorgeschlagenen Konferenz zu be- t e i l i g c n. Die Einberufung der Stockholmer Konferenz sei ein regelwidriger Schritt. Tie Konferenz habe augenblicklich keinen bestimmten Zweck und werde keinerlei Befugnis besitzen. Es wurde ferner beschlossen, Vorkehrungen zu treffen, eine Konferenz der Arbeiter und sozialistischen Parteien aller alliierten Länder einschließlich der Vereinigten Staaten im Juni in London abzu- halten. Sonderkonferenz. Stockholm, 19. Mai.(Meldung von SvenSka Telegramyran.) Die Berner internattonalische sozialistische Kommission hat durch den augenblicklich in Stockholm weilenden schweizerischen National- rat Robert Grimm die an die Kommission angeschlossenen Par- teien und Gruppen zu der dritten Zimmerwalder Konfe- renz in Stockholm am 31. Mai eingeladen, auf der die Friedens- frage und die Stellungnahme zu der von der holländischen Dele- gation einberufenen Stockholmer Konferenz behandelt werden sollen. Englische Finanzen. Amsterdam, 111. Mai.„Rottcrdamsche Courant" meldet aus London: Bonar Law sagte in seiner Etatsrcdc, daß vom 1. April bis 5. Mai 2lll Miltioncn Pfund ausgegeben worden seien, wovon 173 Millionen auf die Munition für die Armee und die Flotte, 38 Millionen auf die Verbündeten und die U e b e r» secbcsitzungcn und 29 Millionen auf verschiedene Zwecke ent> fielen. Warnungssignal aus Irland! London, 10. Mai.(Reutermeldung.) In South Long» ford in England wurde der Kandidat der Sinnsein- Partei Mc. Geuineß mit 1498 Stimmen in das Unterhaus gewählt. Der offizielle Kandidat der Nationalisten Mc. Kenna lieb mit 1461 Stimmen in der Minderheit. Mc. Geuineß hat an der irischen Revolution teil- genommen und befindet sich jetzt im Ge- f ä n g n i Z. TewerkschHsbewVung Gewerkschaftliche Neuorientierung. Vnler dieser Ueberschrift veröffentlicht Genosse Otto H u e in einer Parteikorresponden� einen Artikel, in dem er der Zuversicht Susdruck gibt, datz die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Gewerk» schaflen und Augestelltenverbände auch nach dem Kriege trotz der vorhandenen Meinungsverschiedenbeilen über kulturpolitische Fragen zusammenhalten wird. Aehnliche Meinungsverschiedenheiten seien auch innerhalb des Kartells der industriellen, kleingewerblichen und landwirlsäiaftlichen Vereine vorhanden, sie würden aber durch das wirtschaftliche Interesse zusammengehalten. Hue weist darauf hin, das; die Hirsch-Dunckerschen Gewcrkvereine die Bildung eines parlamentarischen Fonds beschlossen haben, um ihre Gewcrkschafts- genossen in die Parlamente zu bringen. Das bedeutet eine stärkere Betonung des Arbeiterklassenstandpunkts. Aehnliche Erscheinungen seien auch in den christlichen Gewerkschaften zu verzeichnen. So wird im Zentralorgan des christlich-natio- nalen Eisenbahnverbandes eine selbständige Parlaments- Vertretung gesordert, die selbständige Politik im Parlament, wenn es sein müsse, auch gegen die Fraktion treiben solle. Der Vorsitzende des christlichen Bergarbeiterverbandes, Vogel- sang, hat im Verlag des.Bergarbeiters� eine Schrift heraus- gegeben, in der er ein freiheitliches Parlament« und Kommunal- Wahlrecht verlangt. Hue erinnert ferner an einen Artikel der»West- deutschen Arbeiterzeitung�, in dem das Zentrum aufgefordert wird, dem innerpolitischen neuen Geist, den auch das katholische Volk führe, Rechnung zu tragen. Das Hervortreten innerpolitischer Reform- forderungen bedeute einen Bruch mit einer Tradition, auS der die bürgerlichen Parteien bisher machtpolitischen Nutzen zogen. veuMes Neick. Der Töpferverband im Jahre ISIS. Auch im verflossenen Jahre ist die Mitgliederzahl des Töpfer- Verbandes weiter zurückgegangen. Gegenüber dem Jahr l91ö, das mit 3340 Mitgliedern abschloß, hatte der Verband am Jahresschluß 1S16 nur noch 2961 Mitglieder.— Auf die Finanzen des Verbandes hat der weitere Mitgliederrückgang wenig Einfluß gehabt. Wohl haben sich dadurch die Einnahmen etwas verringert, jedoch ist dies ohne Belang. Nach Kriegsausbruch betrug am Schluß des Geschäfts- jahres 1914 das Verbandsvermögen 337 000 M., es hat sich seitdem um 32 000 M. verringert, so daß am Jahresschluß 1916 noch 30b 000 M. in der Hauptkasse vorhanden waren. Die Mehr- ausgäbe resultiert nicht aus den regulären statutarischen Unter- stützungen, sie ist die Folge besonderer Unterstützungsleistungen an die Familien der feldgrauen Mitglieder. Für diese Zwecke opferte der Verband in den Jahren 191b/16 insgesamt S2 000 M., wovon auf das Jahr 1916 23 500 M. entfallen. Von sonstigen re- gulären Unterstützungen erforderten größere Summen: Wander- und Reiseunterstützung und Umzugsgelder 1168 M., Sterbegeld 6632 M., Arbeitslosenunterstützung 4880 M., Krankenunterstütziing 23 118 M. Die Arbeitslosenunterstützung hat sich gegen das Vorjahr verringert, nicht aber etwa infolge vermehrter Beschäftigung im Gewerbe, sondern weil viele Berussangehörige Beschäftigung in der Kriegs- industrie nahmen. Dagegen ist die Ausgabe für Kranke gegen das Vorjahr um rund LO Proz. gestiegen. Unter den Erkrankungen stehen wie immer an weitaus erster Stelle Lungenleiden und Rheumatismus. Der Geschäftsgang lag in der Kachelofenindustrie auch im ver- flossenen Jahre fast allgemein schwer danieder. Nur in den Scheiben- töpfereien und Steinzeugwerken war vollauf Beschäftigung, so daß vielfach die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht befriedigt werden konnte.— Lohnbewegungen wurden im verflossenen Jahre drei geführt, in Koswig in Anhalt lScheibentöpferj, in Witten- berg und in der Provinz Ostpreußen iOfensetzer). Für den letztgenannten Bezirk wurde ein Einheitstarif sowie ein paritätischer Provinzial- Arbeitsnachweis geschaffen. Ins- ge'amt wurden bei diesen Lohnbewegungen in 369 Betrieben für 844 Töpfer wöchentliche Lohnerhöhungen von 3250 M. erreicht. Einen breiten Raum nahmen bei den sonstigen Lohnerhöhungen die Teuerungszulagen ein. So erhielten 1000 Ofensetzer in 49 Orten 6031 M. Teuerungszulage pro Woche, ferner 291 Ofenformer in 27 Orten 916 M., 409 Ofensetzer und-Former in gemischten Betrieben 83 M. wöchentliche Teuerungszulage. Insgesamt erreichten TeuerungS- zulagewund Tarifbesserungen 2459 Personen und zwar 13 992 M. pro Woche. Em an und für sich besriedigendes Resultat, das sich im lausenden Jahr noch mehr steigern wird; immerhin gegenüber der starkeu Teuerung keinen gerechten Ausgleich bieten kann. Erschwerend fällt bei den Bewegungen um Teuerungszulagen ins Gewicht, daß die Töpferei nicht Kriegsindustrie ist und der Beichästigungs- grad im Gewerbe außer in der Scheibentöpferei ein äußerst lauer ist, der noch dazu in den Ofenfabriken durch horrende Holzpreise und geradezu unerhörte Preise für manche Glasurmaterialien sowie deren oft gänzlichen Ausfall stark ge- hemmt wird. Der Vorstand deS Töpferverbandes ist der Ansicht, daß sich nach Friedensschluß eine lebhafte Bautätigkeit einstellen wird. Da ferner der Verband auf solider finanzieller Grundlage ruht und zahlreiche Zuschriften aus dem Felde unerschütterliche Verbandstreue bekunden, eröffnet sich für die Organisation ein hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft, die sie gewappnet finden wird, um dann in alter Weise die Rechte und Besserstellung der Lebenslage ihrer Mitgkieder wahrnehmen zu können. verltn unü Umgegenü. Der Verband der Bureau-Angestellten(Ortsgruppe Berlin) hielt am 4. Mai seine Generalversammlung ab. Der Bevollmächtigte Krüger wies im Geschäftsbericht darauf hin, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeilen immer mehr zunehmen und daß die Angestellten ganz besonders darunter leiden, da sie von den extra gewährten Lebensmittelraiionen fast stets ausgeschlossen werden. Er erwähnte dann die Streiks am 16. April, die als Folge der Brotverkürzung ver- ständlich, in ihrer weiteren Ausdehnung aber zu verurteilen sind Die organisatorischen Vertretungen der Arbeiter haben die Verantwortung dafür abgelehnt. Derartige Bewegungen müssen auch die gewerkschafl- lichen Organisationen aufs schwerste schädigen.— Die Ortsgruppe entwickelt sich auch weiterhin günstig. Die Mitgliederzahl betrug am 31. März 19l7(einschließlich der im Felde stehenden) 2455 männliche und 693 weibliche Mitglieder, insgesamt also 3l48. Die Zunahme im letzten Vierteljahr beträgt 114, während der ganzen Dauer des Krieges 500. Das Verhältnis der Beitrags- zahlung zur Mitgliederzahl hat sich gegenüber der Zeit vor dem Kriege gebessert. Die Lokalkasse hatte am Schlüsse des Vierteljahres einen Bestand von 543,91 M. Auch im letzten Vierteljahr wurden eine Reihe von Teuerungs- und Lohnbcwe- gungen geführt; so bei den städtischen Angestellten, Krankenkassen- angestellten, in einer Reihe von Industriebetrieben. Bei den Wahlen der Angestelllenausschüsse auf Grund des Hilfsdienstgesetzes waren wir erfolgreich beteiligt. Diese Wahlen haben sehr belebend auf die Agitation gewirkt. Der Stellennachweis wurde ausgebaut. In der Diskussion wurden Bemängelungen des Geschäftsberichts nicht vorgenommen. Wolter bekämpfte die allgemeine Haltung der Gewerkschaften und beantragte folgende Resolution: .Die am 4. Mai 1917 tagende Mitgliederversammlung er- klärt sich mit dem Beschluß der Generalkommiision der Gewerk- schasten, in diesem Jahre von der Maifeier Abstand zu nehmen, nicht einverstanden. Sie sieht darin den Versuch, der Maiseier überhaupt ein unrühmliches Ende zu bereiren. Hierzu liegt jedo» jetzt weniger denn je eine Ursache vor. Im Gegenteil wäre eine Maifeier in Deutschland zusammen mit der in Oesterreich- Ungarn zu einer eindrucksvollen Demonstration geworden, die den entschiedenen Friedenswillen der Völker bekundet hätte."' Zwei andere Koklegen nmerstlltzten ihn. Von Krüger mrb anderen Rednern wurden die Ausführungen Wolters lebhaft be- kämpft und darauf hingewiesen, daß gerade die Bureauangestellten, qie nie daran gedacht haben und jetzt auch nicht daran denken, den 1. Mai zu feiern, die allerletzten seien, derartige Resolutionen zu beschließen. Nach"lebhafter Debatte wurde die Resolution mit 52 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Parteinachrichten. Hilfsdienstgesetz und Sozialdemokratie. Die„Leipziger Volks ztg/ legt versehentlich beredtes Zeugnis für die Gewerkschafter und Sozialdemokraten ab, die, als sie das Hilfs- dienstgesetz nicht abwehren konnten, ihm doch die schlimmsten Giftzähne ausbrachen. Sie berichtet, daß der Vorsitzende des Verbandes sächsischer Metallindustrieller, Kommerzienrat B l e i ch e r t, bei der Verhandlung im Leipziger Rathause zu den Arbeitern ge- sagt habe:„Uns Unternehmern war das Hilfs- dienstgesetz höchst unbequem: Ihr, die Gewerkschaften und die deutsche Sozialdemokratie, seid seine Väter.' Kommerzienrat B l e i ch e r t schiebt der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften zu Unrecht die Vaterschaft am Hilfsdienst- gesetz zu. Aber wahr ist, daß die für die Unternehmer fo„un- bequemen', wenn auch bescheidenen Rechtsbürgschaften der Arbeiter das große Verdienst der Sozialdemokratie sind. von den Unabhängige». Für Kiel und die H a n s a st ä d t« wollen die Unabhängigen ein Organ mit Abg. Henke als Redatteur gründen, der auch als ihr Parteisekretär wirken soll. In Königsberg ist ein gleicher Plan mangels eines willigen Druckers gescheitert. /tos der Rechtsprechung des R. v. a) Unfallversicherung. Die Reichsversicherungsordnung hat auf dem Gebiete der Unfallversicherung eine wesentliche Aenderung des bisherigen Rechts- mittelverfcrhrens gebracht. Um das Reichsversicherungsamt als höchste Spruchbehörde zu entlasten ist der bis dahin in allen wesent- lichen Streitfragen zulässige Rekurs erheblich beschränkt worden und namentlich bei den sogenannten vorläufigen Renten, die innerhalb der ersten zwei Jahre seit dem Unfall gewährt werden können, und der Neufestsetzung der sogenannten Dauerrenten, die nur nach Ablauf eines Jahres geändert werden können, ausgeschlossen werden, Dies« Tatsache hat eine erhebliche Abnahme der beim Reichsver- sicherungsamt eingelegten Rekurse bewirkt. Im letzten Jahre, 1916, waren es nur 5194. Ter Abfall seit dem letzten Fahre des bis- herigen Rechts, 1912, ist ein ganz gewaltiger. Im Jahre 1912 waren es noch 22 827 Rekurse, die beim Reichsversicherungsamt eingelegt wurden, dann fielen sie in den drei folgenden Jahren auf 12 729, 8139 und 5701 und nunmehr auf 5194. Daß andauernd eine Abnahme eintrat, ist einmal auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Fäll«, die noch nach dem alten Recht zu beurteilen sind, naturgemäß mit jedem weiteren Jahre der Wirksamkeit der Reichs- Versicherungsordnung zurückgehen, dann aber auch machen sich die Wirkungen des Krieges dabei bemerkbar Naturgemäß war die Zahl der von den Rentenberechtigten ein- gelegten Rekurs« weit höher, wie die der Versicherungsträger. Die Zahl der elfteren Rekurse stellte sich in dem fünfjährigen Zeit- räum 1912—1916 ernschließlich auf 17 726, 10 431, 6745. 4732. 4231. An Rekursen der Versicherungsträger wurden 4314, 2031, 1207, 818, 834 gezählt. Die Rekurshäufigkeit, die anscheinend bei den Versicherungs- trägcrn im letzten Jahre wieder zugenommen hat, läßt sich nicht berechnen, da nunmehr schon seit Jahren das Reichsversicherungsamt die Rechtsprechung der Oberversicherungsämter nicht mehr in den Bereich seiner Angaben zieht. Notgedrungen, weil die preußischen Oberversicherungsämter diese Angaben nicht gemacht haben. An- scheinend tritt hier für die Zukunft jedoch eine Aenderung ein, denn in einer kurzen Bemerkung im Geschäftsbericht des Reichs- verficherungsamts, dem wir die obigen und die folgenden Ziffern entnehmen, wird gesagt, daß Oberversicherungsämter und Ver- sicherungsämter durch die Landeszentralbehörden nunmehr ange- wiesen worden seien, Abschriften ihrer Geschäftsberichte dem Reichs- versicherungsamt einzusenden. Di« Zahl der durch Urteil erledigten Rekurse stellte sich in den fünf Jahren bei den Rekursen der Versicherten auf 14 497, 13 289, 9227, 6314, 5225, bei den Rekursen der Versicherungsträger auf 3965, 3677, 2362, 1369, 1135. Daß die Gesamtzahl der erledigten Rekurse in den letzten vier Jahren größer war, wie die Zahl der eingelegten, hat seine Ursache in großer Zahl der aus früheren Jahren rückständig gebliebenen. Von den durch Urteil erledigten hatten bei den Rekursen der Verletzten nicht 20 vom Hundert Er- folg, nämlich nur 2620, 2713, 1995, 990, 903, bei denen der Ver- sicherungsträger dagegen beinahe die Hälfte, nämlich 2015, 1806, 1123, 629, 510. b) Invalidenversicherung. Auch im Jnvalidenrenten-Streitverfahren ist nicht mehr, wie früher, die Revision in allen Fällen zulässig. Es ist daher auch die Zahl der Revisionen in den letzten Jahren andauernd zurück- gegangen. Sie stellte sich von 1912—1916 auf 4426, 3976, 2819, 1822, 1801. Auch hiervon entfällt die große Mehrzahl auf Revi- sionen der Versicherten, bzw. deren Hinterbliebenen. Die Ver- sicherungsanstalten legten nur 643, 725, 383, 156, 225 ein. Dabei ist die Zahl der von den Versicherungsanstalten erteilten Bescheide gerade im letzten Jahre ganz außerordentlich gestiegen. In den letzten fünf Jahren wurden insgesamt 192 768, 185 015, 175 038, 139 729, 2 2 2 913 Bescheide erteilt. Die wesentlichste Ursache hierzu liegt in dem durch das Gesetz vom 12. Juni 1916(Herabsetzung der Altersgrenze für die Altersrente auf das 65. Lebensjahr) bewirkten Anschwellen der Altersrenten. Es wurden 103 336 diesbezügliche Bescheide erteilt, gegenüber 12 792 in 1915. Aber noch eine andere überaus betreibende, wenn auch nicht unerwartete Tatsache müssen wir aus den Angaben des Reichs- verficherungsamts entnehmen. Auf keinem anderen Gebiete der Versicherung können wir direkt die verheerenden Kriegswirkungen spüren, als auf dem der Invalidenversicherung. In den fünf Jahren 1912—1916 wurden 133 889, 142 859. 140 422, 116 544 und 1 88 882 Festsetzungsbescheide über Invalidenrenten erteilt, davon betrafen 11 163, 11 210, II 487, 17003 und 82329 vorübergehende Invalidität. Die die Hinterbliebenenbezüge betreffenden Festsetzungsbescheide sind wie folgt gestiegen: 22 091, 43 331, 51884, 1 56303 und 1 65730. Außerdem wurden 1916 46133 sonstige Bescheide erteilt, von denen 45 853 Anwartschaftsbescheide(Bescheide, in denen das Recht der Witwe auf Witwenrente für den Fall ihrer später eintretenden Invalidität anerkannt wird) waren. In den Jahren 1915 zurück bis 1912 betrug deren Zahl 38 601. 12 688, 8752, 3166.— Von den Revisionen der Versicherten hatten 1916 nur zirka 16 vom Hundert, der Versicherungsträger dagegen rund 53 vom Hundert Erfolg. c) Krankenversicherung. Die Tätigkeit des Reichsversicherungamts auf dem Gebiete der Krankenversicherung war nur eine beschränkte. Es gingen 1916 in Krankenversicherungssachen 276, in Erstattungs- und Ersatz- cmspruchsachen deren 116 ein. Erledigt wurden von den erstercn 303(einschließlich früher eingelegter), von den letzteren 126. Das sind die rein zahlenmäßigen Ergebnisse der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts. Vom Geist, der diese beseelt, lassen sie nichts erkennen. Nur der Umstand, daß verhältnismäßig die Erfolge der Versicherungsträger weit größer als die der Versicherten sind, deutet an, daß die Klagen, die von uns gegen das Reichs- versicherungsamt immer und immer wieder vorgebracht werden nur zu sehr berechtigt sind. So ist es in der Tat. Es wird mit sehr strengem Maß auf dem Reichsversicherungsamt gemessen. Selbst bei der Krankenversicherung, für die es erst kurze Zeit zuständig ist, ist der durch seine Rechtsprechung geschaffene Rechtszustand in verschiedenen wichtigen Fragen ungünstiger, als er es unter der Rechtsprechung der ordentlichen Gerichte war. Eine sozialpoli-ttsche Behörde sollte zwar unter allen Umständen soziales Verständnis haben, manches Urteil des Reichsversicherungsamts zeigt aber, dak es auch anders sein kann. ?nöustrie unö Kandel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Carl Lind ström A.«G. wird eine Dividende vt/, 12 Proz.(wie i. Vorj.) verteilen. Der ausgewiesene Reingewinn stellt sich einschließlich des Vortrages von 100 220 M.<—> nach Abschreibungen von 489 024 M.<854 980) auf 1 381 576 M.(1 816 764) Die Meierei C. Bolle A.-G. hatte 1916 einen Verlust von 434 459 M.. der mit 136 107 M. durch den Gewinnvorlrog aus 1915, mit 69 022 M. durch den Reservefonds II, der damit ganz verschwindet, und mit 199 340 M. aus dem gesetzlichen Reserve- fondS gedeckt wird, der dann noch mit 200 669 M. bestehen bleibt. Erhöhung der Kalipmsc. Das Kalisyndikat versucht seinen Wunsch nach Erhöhung der Preise durch folgende Begründung dem Reichstag mundgerecht zu machen: Die Mehrausgaben für die Deckung des Kohlenbedarfs feien auf 10 Millionen Mari gegenüber dem Vorjahre gestiegen. Dazu kommt, daß der Nutzungswert der gelieferten Kohlen außer- ordentlich zurückgegangen ist, und daß die unsachgemäße Be- dienimg einen Mehrverbrauch herbeigeführt hat, der auf etiva 5_ Millionen Mark zu beziffern ist. Die höheren Preise für Sprengstoffe verursachen Mehrausgaben von etwa 7,8 Millionen Mark. Etwa 3 Millionen Mark würben die Preissteigerungen der Materialien, 12,5 Millionen Mark die Lohnerhöhungen für die Arbeiter erfordern. Endlich weist die Eingabe auf die weitere Belastung der Industrie durch die neue Verkehrssteuer für die Anschlußbahnen der Kaliwerke hin und auf die Ausgaben, die den Werken nach Friedensschluß durch Neubeschaffung und Ersatz abgenutzter Anlagen erwachsen werden. Auch mutz die Steigerung der Abschreibungen im Auge behalten werden. Die Gesamtmehr- ausgaben berechnen sich nach Ansicht des Kalisyndikats auf etwa 40 Millionen Mark. Das..Berliner Tageblatt' hält die vom Syndikat geforderten Preise für so hoch, daß schon Abstriche des Reichstags einge« rechnet sind._ Die Erdölgewinnung in Rumänien. In der Generalversammlung der Deutschen Erdöl-A.-G wurde mitgeteilt, daß die rumänischen Unternehmungen der Ge- sellschaft wesentlich besser dastehen als noch vor kurzem, da die Pro- duktion nach durchgeführter Entnagelung der zerstörten Sonden wieder aufgenommen werden konnte. Auch bei der Steaua Romcma- Akt.-Ges. sind die Aufräumungsarbeiten erledigt und ein nicht un- erheblicher Teil der durch die Engländer zerstörten Anlagen be- findet sich bereits wieder im Betriebe, Neu angebohrte Quellen haben ebenfalls recht befriedigende Resultate ergeben. Es wird glänzend weiter verdient. Die CbemiiSe Fabrik Rhenania in Aachen verteilt 25 Proz. gegen 20 Proz. Dividende i. Vorj. und wird außerdem im Januar 1918 50 Proz. des Aktienkapitals an ihre Aktionäre ausschütten. Damit noch nicht genug, werden drei Millionen Mark neue Aktien ausgegeben, die den allen Aktionären im Verhältnis von 1: 2 an- geboren werden sollen._ Die Gesamtsumme der von den Vereinigten Staaten seit Kriegs- beginn an das Ausland gewährten Anleihen wird von der National Ciiy Company in New Dork auf 2,4 Milliarden Dollar(13 Milliarden Mark geschätzt, die sich folgendermaßen verteilen: Großbritannien...... 1 131 400 000 Dollar Frankreich........ 736 700 000 Nußland......... 148 500 000 Italien......... 25 000 000 Deutschland...... 20 000 000 Kanada......... 334 999 878 Neufundland....... 5 000 000, Südamerika....... 160 267 395, Asien.......... 9 000 000 Neuirale europäische Staaten 35 000 000 2 605 867 253 Dollar Hiervon eingelöst... 229 271 375 2 376 595 878 Dollar -» Eingegangene druckschristen. lleberseepolitik oder Kontincntalpolitik. Von G. W Schiele 2 M.— Politik der Vermehrung des kleinen Grundeigentums. Von E. W, Schiele, 2,50 M,— I. F. Lehmanns Verlag, München Tu* ABC der wissenschaftliche» BrtrirbSftivrung. Von Gilbrcth-Cotin Roß, 2,80 M,— Verlag Julius Springer, Berlin, Höchstpreise. Bearbeitet in der Volkswiitschastlichen Abteilung des Kriegscrnäbrungsamts, 3 M,— Kommissionsverlag von Georg Nauck (Fritz Rühe), Berlin, Arnolds Neue Kriegsflugbläfter der„Liller Kriegs»eitnog». 2,50 M.— Verlag der„Liller Kriegszeitung', Lille, Stimmen aus Sturm und Stille. Von Ferdinand Bruger 3,50 M, Der Salm-Verlag zu Köln, Tie Trei. Wochenschrist für Staat, Kultur und Wirlschast, Heft 50 Ps, Pentagrammverlag G. m, b. H,, Berlin, DaS Weltall. Halbmonatsschrift sür Astronomie, Von Dr, Archen. hold, Verlag der Treptow-Sternwatte, Berlin-Treptow, l7, Jahrg. Sieghafter Frieden. Von Baurat Wachtier. Kommissionsverlag „Leylam' in Graz. Geiet, über die Grhcbung eines Zuschlags zur Kriegssteuer vom 9. April 1917.— Gesetz über Sicherung der Kricgssteuer vom 9. April 1917. Von Dr. E. Hirschscld. 1 M. Verlag W. Moeser, Berlin. Kriegstagebuch einer Mutter. Von Marie Wehner. 2 M. Verlag Otto Spamer, Leipzig. Die Jäger vor. Von Oberleutnant Alexander v. Bülow. IM. Ver- lag F, A, Blockhaus, Leipzig. Da die Zeit erfüllet ward. Von O. Umsrid. 2,80 M. Verlag Naturwissenschaften&>. m, b. H,, Leipzig. Englisches Seekriegsrecht im Weltkriege. Von Prof. Dr. Hein ttch Pohl. Verlag von Pulltammer u. Mühlbrccht, Berlin. Verantwortl. s. Polilik: Dr, Franz Diederich. Berl.-Friedeuau; für d, übrige, Test d, Blattes Alfred Scholz, Neukölln: sür Inserate: lh. Glocke, Berlin Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanslatt Paul Singer& So Berlin SW. Hierzu I Beilage und Uurerhaltungsblatt. Nr. 129 ♦ 34. Iahryany dcd Vvnvarts > i n i....................................................................... in Freitag, U.Mail 9 l7 lOZ. Sitzung.® ß fi n c t$ f a Ü, S c li 1t). Ä S i 1917, v o r in i t t ä g-Z 11 H fj r. ?lin BunMtälÄlfch:® r. H c l s i e r i ch. II m n? c r in a n» Äuf der �agcsordnung stehen zunächst ßls deutsch-türkische», N«sitevertrSge. Stvalssclr'eiäc dcS Auswärligeli ÄistfJ Zimmermann: Dieie Äerträfte haben eine hohe politische Bedeutung. «is sind bestimmt, das>-syste»l d�'r»t.a p i t u l n r i ö»e» e r � s etzen, die sich im Laufe der Fahre zu Privilegien der Fremden gegenüber den xigenen Staaisangehärigen herauswuchsen, das wurde als unwürdig vvn der osmanrsckeu Welt und o/s Berletzunz der o u v e r a ir i t ä t der Türker empfunden, unsere Feinde wollUil daher aus die iiapitulalioncn berzichten, wenn die Türkei ihre?>eutralität zu unsere» N n g u n st e n aushebe. Äber die Türkei erklärte, ihre Neutralität sei nicht kavflich «.ad Hab die Käpilulattancir einseitig auf mit der Wirkung dorn 1. TIraber IDIT und ivcnigc Monate spater IvSL sie lmscr Bundes- gmM.drt st« �MlaPN? riird Ir?» kilbiM HSi.(Bravo", Tie einseilige Aufhebung der Äopitulationen koimeir wir nlO'r ohne Ivette res an er l e n ir e n. Aber die Beseitigung der Kapitulalionen ist dlr? �rrdgszsttl der Türkei, die ebenso wenig wir wir rn den Zrrirg gezogen ist, um«»dm Völker nirdcrzuschll�zcn, sondern um im Kreise der Volker sicher und frei lebeii zu köinren. Hierzu bedarf es eines Rechr-Zzustandes, der die Feinds verhindert, unter dem Deckmantel der Äapitulution«!« ganze Provinzen an sich zu reihen, wie eS Rußla nd mit Armenien, England tnit Meso- v o lamien, Frankreich mit S>) r i e n getan haben. Dieses KriegSziel zu erreichen, dazu woSen wir M> eierst BimdesyeNossen belfcn.(Bravo!) Das liegt auch in unstrem eigenen ivrrtichafriichrn Interesse, das drstch eine sich, f et b st- standig und sraftvoll enttvickelude Türkei gewahrt wird. i«ehc richtig!) Nalsirlich ist es nicht mögsich, jetzt Hunderte alt« Observanzen einfach einseilsg aufzuheben, es müfsen an ihre Stelle bestimmte feste Rechtsnormen treten, die den neuen RechtSzuftand regeln. Wie weit das in den vorliezzenden sieben Berrräeen gelungen ist, wird ihnen ein sachverständiger Vertreter des AusrvSnigen Amtes auseinandersetzen. Ich bitte Sie, die Per- träge möglichst daid in.ttrast treten z» lcisseu. Ministerialdirektor Kriege geht auf ddrt materirlken F"halt der sieben Recklsverträge näher ein. Abg. Dr. Spahn isj.): Wie Ivkiiischen, dasi die Berträge der Türkei die erhofft« Tcstallung und Festigung der itureren Verhältnisse bringt. Ich setze voraus, das; sie auch den Deutschen die poiitische, religiöse, kulturelle und wirtschastliche Beweg uirgSfreiheir sichern, die ihnen durch die türkische Verfassung gewährleistet ist. Hosfenrd.ch«»erden diese Berträzse eine Stütze unseres Bund- nisses mit der Türkei sein.(Beifall im Aenlrrmr.) Libg. Landeierg(Svz.): Tic degiüclrrültichen unsere lürtiscdeu Verbündeten dazu, dag es ihnen gelingt, sich von läsiigelt, drülkcndcu Fessel» zu be- sreren, die das türkische Volk bisher an der vollständipe» Eirt- faltung gehindert haben, und ivir hoffe», dag unsere lürküchen Berbündeleir reckt bald i» der Lage sein werden, uns urrscre Glück- wünsche zurückzugeben, llnscre Slaatsmänuer sind sich bcwugt, dag u in s a s s e ir d e N e f a r m e» der t ü t I i s ch e n Ä e r w a 1 t u u g nötig sind, weiui die Aufhebung der Kapitukalroucn nicht zu«iue'r schweren Schädigung der Deutlche» in der Tütkei werden soll.— An Ciiizelheilcn der Tcriräge tonnen wir leider nichls äirdcrir. Zur Annahm! des Auslieserungsoertrage.; löntten lo.r �.rs nichl verstehen. Es soll zwar AuSliejerung wegen Politischer Bergeheu»od Verbrechen nicht stattfinden, aber hinzugesügt wird, anarchistische Verbrechen und Vergehen sind nicht als politische aNzuseh-n. Man lau» Anarchie und anaickistrsches Verbrechen nicht definiercii. Bisher haben noch alle Ätegierungen die Eegeribeweguiigen gegen sie als a n a r ch r st i s w und deren Wortsühccr als Anarchrsten bezeichnet. Würde dreier Vertrag mit der Ncgieruug Abdul Hamids abgeschlosseu, sa würde auf Grund dieses Vertrages die Auslieseruug von Mäuneru verlangt werden, die wir kürzlich hier als Gaste begrügt und gefeiert hgbeir. Zu bedenken gibt auch die Bestimmmig Anlag, das; ohne Zu- stlmmuug des Bio ich s tag es die Liste der Verbrecheu und Vergehen, wegen denen die Äuslisscrung crsolgen soll, aus- gedehnt werden kamr. Ich Halle es>nc selbstverständlich, das; auf diese»« Wege nun nicht etwa politische Verbrechen aus- geiromiucn werden können. Aritik zu üben ist auch an de»; NiederlassungS- v e r t r ag. denn er belägt es bei der bisherigen titecht los ig- keit der Fr em den in» Deutschen Reiche. Aber den Ausländern, die im Vertrauerr auf die Kultur des Deutschen Reiches sich hier niedergelasscu haben, innsz Schutz gegen Willkür ge- währt werden. Meine Freunde verlangen dringend, dag nach dem Kriege ein Fremdcnrecht geschaffen wird.(Beffall bei den Sozial- demokratcu.s Abg. List(Vp.): Obwohl auch wir Bedenken gegen den Aus- lieferungSverlrag haben, verlassen wir uns bezüglich der Unter- scheidung zwi'chen politischen und anarchistischen Verbrechen auf de» gesunden S inir der mit der Aussührmig des Vertrages Beauf- iraglen. Alle Bedenken treten ja auch zurück hinter der hohen politischen Bedeutung der Verträge.(Beifall bei der VolkSpartei.) Aba. Kreth(I.): Meine Freunde stimmcit den Verträgen gern und rückhaltlos zu. Abg. Dr. Thoma(uatl.) crllärt. dag auch seine Freunde dli Verträge en bloc aniishmen werde». Abg. Merlin(D. Fr.): Auch wir stimme» den Verträgen zu, speziell dem AuSlieferurrgsverirag, dessen Äestim- mungen nach unserem in o u a r ch i s ch e n Gefühl de» Forderungen der Billigkeit wie der SlaatSriotwendigkeit entsprechen. Abg. Stadlhagen da« �rne Ausdehn rmg der Auelieierung aus politische Delikte aus Grund Kieier Verträge ausgeschlossen ist. Di� Debatte ichlietzt. Tie Verträge werden in zweiter wie auch. gLich nr dritter Lesung zum Teil«» bloc, zum Teil gegen die Stmrmcit der Sozialdemokrateu und Sozialdemokratischen Arbeits- geuretnichait a n g e n o m m e n. ttzräsident Tr. Kacmpf erbittet und crhäls die Ermächtigung, der ottomairiicheu Tepuliertenkaniiuer lclegrciphisch den Glück- munich für die glücklich« Erledigung diejcs groll«» Werkes aus- zufprechcn. Es folgt die Besprechung der Erstü htstng Zfra gen. ZMt VatocN: Unsere Gegner giilgeir davon auS, dast tvir im Frieden schon lt> Proz. der Nahrungs« und fsniierinkklcl eiliführen muhten, daß im Kriege der Heeresbedarf und der Mangel an Arbeitskräften die Produllion erheblich verringern müsse. Diese Ecwiguugeir cnt- behrten nicht der Berechliomig und wir»rüssen alles aufbieten, um durchzuhalten. Neuv Methoderr, die im Frieden noch nickt bewährt lind, lönne» jetzt nicht«ingeführt lv«rd»n, ebenso- wenig lönuen Flächen, die im Frieden nicht anbauwürdig waren, jetzt angebaut werden. Trotzdem»>t unsere Lage erträglich, verglichen mit der unserer Feinde. Vireir bis zur Eröffnung des unein- geschränklen U-Boot-Krieg eS der Markt der ganzen Welt zur Versügmig stand. Dennoch sehe« wir dozt«inen überaus starken Röckgang au RaStungsmiu«!». Aber auch bei»nS herrscht Knappheit und eS ist ein« wichtig« Aufgabe, d i« P r o d u k t i o rr in n ö t i g« nr N«r» fange aufrecht z u erhalten. Sehr wichtig ist mich die Ber- »eibtvg auf die verschiedeoe» Bezirke, namentlich auch die zeitlich richtige Verteilung. Mit der freien Wirtschast. dem freien Handel läßt sich diefs Aufgab« nicht lösen. Wir miiffen am System der öffentlichen Bewirtschaftung tr»tz seiner Mänzcl festhalten. Ein solches System muß, so be- dauerlich das ist. liWenlrZ dm-chgeführt werden, sonst sührt eS zu unerträglichen Preissteigerungen. In den natürlichen Mängeln des Systems gehört zunächst der rauhe und UN- geregelte Eingriff in dis Erzeugung, ferner die gestsigerten ttn- lostru. die freilich sehr hoch geichätzt Iverden. Die Bomerkrmgen über 5klub>effel tressen daS Weie» dieser Frage nicht, denn irgend welchen Einfluß auf die G-samikosten haben diese Ausgäbe» nickst. Wert ernster zu nehmen ist ein anderer Mangel des Systems, daS verderben der Ware n. Dieser Frage werden wir besonder« Sorgfalt zuwenden. Weiter wird dem System vorgeworfen das Vertrerden der War« vom Markt. Auch da» trifft nick t zu, ich erinnere nur an die teuren Ganse, die in allen Schau- senstern zu seher, waren. Ein absolutes Vertreiben vom Markt fand nichl stall, sondern mir für sehr Bemittelt« sind diese Ware« zu haben, die das System frei gelassen hat. Das muß bei der Be- völkerimg im a l l a e m e i n e n E r b r t t e r« n g erregen. Auch im nächsten Erniesahre werden wir, gleichgültig ob noch Krieg oder schon Frieden herrscht, noch mit Knappheit zu rechne» babeil. Viiin O 5!i und Gemüse wollen wir aber nach den Erfahrungen des letzten Jahre? den freien Handel walten lassen. Einer der wichiigßen Punkt« der ganzen Kriegswirtschaft ist die Preisfrstfevunz. Hier können wir den exteem-n Forde- rwngen von keiner Seite folgen und können es natürlich keiner Seite recht machen. Die groß!« Schwierigkeit jeder Kriege wir!. schast liegt In der richtigen Aufnahme des Bestandes, der die Grund. läge jeder Verkeilung bilden muß. Bisher war schließlich immer mehr da, als die Schätzung der Ernte ergeben hatte, diesmal ist es untgekehrtgetommen. Natürlich werden wir in Zukunft nicht wieder so optimistisch schätzen. Ter ungewöhnliche Frost hat uns schwere Sorgen für di« Karloffelerute bereitet. Die Befürchtung, dag fast nichts mehr da sein würde, hat sich erfreulicherweise nicht erfüllt, aber der Abgang ist doch gegenüber einem nor«e malen Winter kolossal. Neuerdings sind aus einigezt. Bezirken wieder weniger günstige Nachrichten>£.' kommen. Das endgültige Ergebnis wird erst in 14 Tagen fest/u- stellen sei». Ter Borschlag, die Karlosselit schon im Herbst de» Laiidivirten wegzunehme», zeugt von absokuter Nnkem-nt- ir i S d e r V e r h ä 1 t n i s s e. Ei» Fehler war, daß wir nicht Muell genug in dir Schweinebestände eiugegriffen habe» und daß Ickst der Gctreidebewirischastung die Zügel nicht scharf gßcnuq au gezogen wurden. Dem Brotkartruschwiudel Halle früher energischer zu Leibe gegaugeu werden tau neu. Schwerr eut- täuscht habe» uns die besetzten Gebiete. Ahte Mühe unserer Truppen hat sich uicht belohnt gemacht, auf dem rohen, zerstörten Boden ist häufig nur die Saat g�eerntet worden. AuZ Rumänien können wir auf einen immerhin sollte mehr Aückiicht nehme» auf Ei« t r ru m u n g He r Wirte. Sie ist ebenso wichtig wie die Stimmung»er Arbeiter. Der B»»er hat bisher uock nicht ge st rejfkt. Käiue er dazu, was Gott vcrhülcu wöge, so würde das'unscreru gauzeir Wir!- schastspla»»msloszc«. Bio» verweist immer nur auf cie Preise. aber wir haben noch immer die mediigste» Getrcitielpreise der Well. llud die Preise für andere Produlte sind wert urechr gestiegen. Dw Spannung zwischen Vieh- und Flcisckpreiscn»ruf, auf das Nor- wendigsts herabgesetzt werden. Wenn wir tu Vutzeru gewisser- maße» im Fett schwimme» und viel bi/tigere Fleischpremt habe», so liest dos nur an der besseren viatamiermrg und dem Mangel au tzHckcrpreiseu. Von den hohen Presen in Berlin hak der Landwirt.'uicht mehr als von den niedrige» Preisen bei uns in Bayer».(Seche richiig!) Dos Hilfsdienstgesei» bat die Hossnungeir der LandlvriMchast nicht ersüllt. Es ist zu Utihuscheir, daß der Gegen- satz zwischen Nord und Süd und ebenso der zßvischen Stadt und Land schwindet.(Beffall im Zentrum uwb rechts.) erfreulichen Zuschuß rechnen. Tie Erwartui�zen, die im Volke auf Rumänien gesetzt werden, sind allerdin».; sehr übertrieben. Von unseren Verbündeten ist kein Zuschu? zu erwarten. Oesterrdch-Ungarn ist viel schwerer vont Kriege be/rofsen als wir. werte, fruchtbare Strecken seines Landes sind noch l>ute in Feinde'- Hand, Ungarn hat eine sehr ungünstige Eritzte gehavt. Durch eine Ivettgehende Saminlungs- uird Thesaurierui/zSpolitik sind wir setzt in der Lage, über Reserven an Fett zu verfingen, die für lange Zeit ausreichen, so daß wir allen weitergehende» Fettabsperrrungs- maßnahmen der Feinde mit Ruhe entgegensei/nr könne». Unsere Fehler habe ich vfsen zugegeben. Ob and»re es besser gemacht hätten, laiin man nicht wissen. Ttze Kritik iit lebhaft, de»» jeder, von der Haustochter biS zum Gelehrten, fühlt/sich hier sachverständig. Ei» Trost ist für mich, daß das KriegSeriniAcungsanit»ach Ertedr- gung der Ucbergaiigözeit»ach dem Krreg4 aufhöre» wird zu be- stehen. Werm ich etwas mitnehme, so ist tk das begeisterte dankbare Bertraucn zu unserem deutschen Bolle.«'4 hat die schtvere Kohlrilbenprobe des MZinterS glänzend bepoudcn. Die ländlich� Bevölkerung wird in den nächste» Monate» auf eine barzte Probe gestellt. Ich vi» überzeugt, daß auch sie diese Pr/ce in ihrer überwältigenden Mehrheit gut und siegreich bestehen wird. Tie Hoffnung der Feinde aus de» Anshuvgerungskrieg wirst auch diesmal zuschanden werden.(Lebhafter Beifall.) Unser Schicksal Abg.£ci/cm(Z.): ist untrennbar verbunden mit de: Aufrecht erhaltung der Lcistungsfähig'etzt unserer Landwirtschaft. Beleidi- gungen der Landwirtschaft sind daher eine Berfürzdigung an nnserem Volk. Ter Landwirt mußte mehr liesorn, während er an Futtermitteln, an Dünger chsw. weniger erhielt. Besonders schlimm rst der Mangel an m»n s ch l i ch e» u u d t r e r i s ch e n Ar- b e i t s k r ä s t e n. ES ist.r!N Wunder, daß die Landwirtschaft all dieser Schwierigkeiter! zjerr geworden ist(Sehr wahr!) Man Aög. Schmidt- Beriin 17/oz.): Die Vorwürse gegen die Landioictühast, die der Vorredner zilrückgeivieseu Hot. hat et sich seiest zurechtgemacht. Dagegen hat er kein Wort der sachlichen förirdizunz gefunden für die Bkaßnahnie». die notwendig geworden sind. Was soll«»S unserer Bolkswirtschast wcrdrit�. wenn von d e m L a n d« m a n» nicht die Abgabe des gee/ntelcit Guts verlangt w i r b. Der Bmrer soll das Gut ja nickt nfcentgelllick abgeben, sonder» Bekommt es sehr gut bezahlt.(Seitzt rickirg t bei den Sozialdemokrat«) Di« Herabsetzung!per Brotration aus dem Land« reicht uicht entfernt a/ die in der Stadt heran. Sie halten es nicht der Mühe für wert, das überhaupt nur nock- zurechueu. Sie l» ,» in e r u i i<4 gar nicht um d a s E 1 e n o der städtischen Bevölkerung. Gri»de der Vorredner als Sckulmainr hätte die Verpslichlriug. die Land/evölkerung über die Not in d e n S t ä d t e n a u f z u k 1 ü r�e n, damit sie einsieht daß sie ihr« Vocräle abgeben muß. Solche Reden aber wie die des Vorredners müffcn ja die Leute an freiten, daß sie sich sagen: Wozu wird uns das alles abgenommen, es ist ja ganz uiigereckuerügt. der Herr Schullehrer sagt es ja fflbst. Wie ist denn ein solcher Unver- stand heute noch möglich.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Der Präsident des Krieszsernahruiigsamis hat heute offen zu- gegeben, daß Fehler i ir' u i« s e r e c Ernährung g e m a ck t worden sind. Zch hätte getviiuscht, daß das nicht nötig geivesnr wäre, Saß man n n s ex e ir Vorschlägen zeitig Folge gegeben hätte. Die SckIctzmrgert über nufere Ernte seinerzeit waren durchaus richtig: die Behauptuiigeu, die Schätzungen seien unrichtig geweic», soU/r nur die Mängel und g e m a ck t e» Fehler in der>/r nährung verdecken.(Sehr richtig! bei den Sozraldernokrate!/) Wir haben vor dem Ausammelu und Auf- bewahre» großer GLtreldebestäud« eindringlich gewarnt, dem« sie müssen ja d r rFe k t zum Verfüttern von Getreide anreizen. Ts» vorhaiideneir Getreidebestände müssen so früh wie möglich in wie öffentliche Hand genoinmeir werden, um jede VeriTrUetuira zu, verhindern. Der Slaatzkommrffar Mickaelis hat sa selbst erklärt, daß er reichliches Material zur Verfügung habe, daß grstlße Merrge» Getreide tatsächlich vcrjütleri worden sind.(Hört! hört 1) Deshalb ist eben die zentrale Kontrolle die einzige MögUckleit, unsere Ernährung sicherzustellen. Bisher haben drs wgr arischen Interessen überwogen, deshalb muß unik� städtisch« Bevölkerung jetzt so schwer leiden. Dasür. daß dj�i/irbalidenen Äestäud« zur Verwendung kommen,«mß unlcr allen HMlanden gesorgt werden, uud wenn schließlich der ganze Per nVu enverkehr ein paar Tage ruhen müßte.(Sehr richiig I bei derF Sozialdemokraten) Wir haben zeitig� genug erklärt, dag wir �-de Verantwortung für die Stimmung des VolFes ablehrroir müsseu, weiui es dazu kommt, daß die Bro�alion herabgesetzt werden muß. Wir habe» da also einen weiteren Blick gezeigt, als die Herren, die täglich m'/ra» driu in den Düige» stehen. Bei z w e ck nr ä ß i g e r A c- w�rrtschaftung wäre diese Heradsetzurrg der Brot« yation nicht notwendig gewesen. Auch de» Mangel «nr Kavtöfselu haben wir schon im Herbst vorausgesehen, aber da» KriegsernähruiigSamt hat die Bedeutung unserer Forderung, für etkre sehr starke Produktion von Hafer- mid Gerstenahrmitteln als Ersatz zu sorgen, nicht ermessen. Die Fabrikation dieser Rährmiticl ist viel zu spät begorrrren, im Februar war noch nicht der Schlüssel zur Verteilung fertig. So sind die Dinge dem Kriege- eruähluugsmiit über den Kopf gewach seu. Das Kriegs- eruähcungsamt hätte den vereinten Borstellurrgeu von sehr vielen Seilen in bezng aus die Vewirlschastung der Gerste früher nack- geben sollen. Erst jetzt hat es erkannt daß die bisherige Politik falsch war. Auch die b«i)Uifchen Malzschiehurrgen haben ein Versagen der Organisation bewiese». Tu sind Dinge geschehen, di« man n»e nute« dem zariÄrschcn System für möglich halten sollte.(Sehr rich- tigl bei deu Sozialdeuwkraten.) Das vor Gericht festgestellte Techtelmechtel der Malzschigber mit der bayerischen Regierung ist dieser Regierung unwürdig.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdeniokraten.) Wir haben zeitig genug darauf hingewiesen, daß die Alkoholbereitung aus Getreide eine Versündigung an urrsc- rem t'cttc ist. Spiritus für technische Zwecke kann aus andere Weise c�eugt werden,!vie das in Schweden seit Jahren der Fall ist. Daß auch Kartoffeln in Massen verfüttert worden, sind, ist ganz zweifellos. Eine solche Verfütterung bedeutet unter den Kriege- Verhältnissen ein Bexbrechei, am Volke.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Tor Umfang der Abschkachtungerr darf uu- möglich den einzelnen Landwirten überlassen werden. Auch die LandBrrie müssen sich den Bedürfnissen der allgameinen Volts- Wirtschaft inr Krieg« anpassen. Aicht aus UcbetiBülIcii gegen die Landwirtschaft, sondern unter dem Zwang den; Verhältnisse, die wir selbst alles liebet empfinden, müfjbn wir an die Lttubioirtc solche Forderungen stellen. Leider sind die Wider- stände, die hier in der ganzen ländlichen BArolkerurig vorhanden find, vom un t erst« n Dorfs ch«lz»vu bis zunr L a u d w i r t s ch a f t s m i n r st e c sehr groß. Ter Larüiwirtschasts- �rüristcr ist heute»och«in Gegner der H ö chst p re i s f e st- s e tz u u g uud hält viele Höchstpreise für viel z u» n red r i g. An den fabelhaft hohen Viehprcisen, die wir hatten, war nur Per preußisch« Landwirtschaftsministpr schuld, der sich bis zuletzt gegen Aiehhöchstpreise gewehrüsssak. Als sie dann endlich tamen.!r»c es zu s p ä t. UnverantwortSö> war es, daß er sich für eine erhebliche Erhöhung der Zu ckerrüben- p r» t'f e«risetzjji. Selbst LaridwirtschaftsÜAMnern, wie die schlessicke lstrben eine solche Erhöhung nicht für notwendig gehalten. Die Ntesengewittne der Zuckerrübenfabriken zesHnr, wie� wenig bc- gründet ottie solche Erhöhung der Nübenpreise war.(Sehr wahr! bei den Mz.) Seine ganze Politik beioegt sich» in rein agra- rischem�ffahrwasser. Sein Einftus, ist uprhcrlvoll für unsere gesamte Ernährnngspolitik gewesen.(Sehr wahr! bei den Soz.I Es ist zu begrüßtzn, daß eine Anzahl Hochschullehrer diesem ein agrarischen Standpunkt deS Landwirtschaftsministers offen entgegengetreten sind. Welche Stellung hat der Landwirt- schaftsminister in den G et r e i de sch i eb>cx fr ag en Miel- t 8 1\ ctatflnuranncR. War«« toWb Iwn der Bemeliite-Ast» unteutJonnnen, der Preistreiberei fast aller Lebensmittel Einhalt 4U tun. Wenn sie es nicht selbst tun, mutz die Zentvalftell« sie zur KontvoKe der Preisbildung anhalten. Auch der Schleich- Handel schafft uns Schwierigkeiten; die in ihm aufgehenden großen Mengen erschweren die allgemeine Versorgung. Wohlhabende Kreise haben ganze Warenlager aufgesammelt. Dadurch Entsteht in Arbeiterkreisen die Empfindung: Nur wir leiden untre dem Mangel an Nahrungsmitteln. Darunter soll heute aber jeder in gleicher Weise leiden, gleichgültig ob er reich öden arm ist.— Im kommenden Jahre müssen wir bei der Ob st e r n tk zugreifen, um die Preistreiberei zu verhindern, die wir dieses jjichr erlebt haben. In der Erfassung der Milch. crzeugnrMe müssen wir noch mehr für die Allgemeinheit zu erreichen suckixt!. Die Kommissionsgebühren sollten bei allen großen Krieasges ellsclcctjten herabgesetzt werden; sie sind überall reich- lich hoch. Aufvfchnen Fall darf eine Pause in der Brotversorgung eintreten. Dagd müssen alle notwendigen Kräfte bereitgestellt werden. Niemcmv verkennt die Schwierigkeiten, auch die der Land- Wirtschaft nicht. Aber wenn die Hilfsmittel unserer Volkswirtschaft voll ausgenutzt werden, wenn alle Kräfte in-den Dienst der Ge- samtheit gestellt weatden. so wird es uns gelingen der Schwierigkeit Herr zu werden.-Es darf nicht Rücksicht genommen werden auf die ein seitigeir« I nte res sen einer B e r u s S sch ich t. dir leider in ihrer bolättschen Vertretung gewöhnt ist, wirtsckaftlich« und politische Sonderrecht« für sich zu beanspruchen.(Lebhaftes Bravo bei der Soziavwmokraten.) Die Weiterberaturrg wird vertagt auf Freitag 11 llhr vor- mittags. Vorher kleir« Anfragen. Schluß 6sh Uhr._ parlamentarisihes. Die Wahlrechtößmge im LerfaffuugSauSfchnß. Bei Beginn der Sitzwng am Donnerstag begründete«bg. Müller-Meiningen tiolgenden Kompromitzanttag eines Teil» des ZenirumS. der Fortfchritgler und der Nationalliberalen: „den Reichskanzler zu«rsuchen, dem Reichstag alsbald etueu Gesetzentwurf vorzulegen, bac bestimmt, daß bis zu einer allge- gemeinen neuen Festsetzung.deS VerbältnisseS der Wählerzahl zu der Zahl d« Abgeordneten.&ie Wahlkreise mit besonder» starkem Bevölkerungszuwachs, die em zusammenhängende» Wirtschaft»- gebiet bilden, eine entsprechen!»« Vermehrung der Mandate— unter Einführung der Berbältnislwahl für diese— erhalten.' Abg. Frhreubach(Z.) bekämpft den Einwand, daß beim Proporz der Abgeordnete vom Wahlkreise losgelöst wird.— Abg. Schiffer (natl.) erklärt für seine Fraküou Vie Zustimmung zu dem Kom- promiß. Abg. Dr. David: Er Hab« natürlich nicht verlangt, daß an der Zahl lOOOOO schematisch festgehalten werden müsse, denn die Zahl der Abgeordneten kann nichl unbegrenzt vermehrt werden. Mit der neuen Gestaltung der sortichvitUichrn Resolution tonnen wir einverstanden sein, ohne aber damit aus unsere weitergehenden For>derungen zu der- z i ch t e n. Das Entscheidende ist, dchß die jetzt angestrebte Regelung nur eine vorläufige tein kann. DaS Wahlgesetz von 1860 wird nickt angerastet. DaS Wesentliche dieses Gesetze» ist daS Prinzip de»; Gleichheit des ReichStagSwahlrechtS. An ihm muß�festgehalten werden.— Abg. Graf Westarp bekämpft den Komprvenißantrag. während Abg. Erzbergrr die Zustimmung seiner enger»» Freunde erklärte. An der weiteren Debatte beteiligten sich die Abgg. Stadthazen, Kreth und Lcdrbour. Letzterer kommt noch einmal aus die Mängel zu sprechen, die auch dem Proporz anhaften. Dies«- Mängel konnten aber durch eine Verkürzung der Legislaturperiode ausgeglichen werden. Der Abstimmung wurden die Anträge der Soztdldemokratischen Arbeitsgemeinschaft zugrunde gelegt. Ziffer 1: Azllgemeine Einführung der Verhält urSwahl wurd« at>gelehnt gegen die Stimmen der Sozidldemokroten und der Polen. Zftfer 2: DaS Wahlrecht an die Vollendung des 20. Lebensjahres zu knüpfen, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Mit dsn gleichen Stimmenverhältnis wurde das Frauenwahlrecht abgelehnt. Schließlich auch mit 13 gegen 1» Stimmen die Festsetzung des Wahl- tages als gesetzlichen Feiertag. Damitwaren auch die von der Sozialh»«»- kratischen Fraktion gestellten Anträge erledigt. Der Kompromitzantrag wurde dann mit 1k gegen S Stimme« an- genvounr». Dagegen stimmten die 4 Koniervauven. die 2 Aerneier der Deutschen Fraktion, ein Mitglied des Zentrums und die Lhgq. Ledebour und Stadlhagen. Die Abgg. Landsberg und Hoßf« mann lKaiierSlautern) enthielten sich der Stimme. Äm Helänöe öer /irras-Schlacht. � Im jdtm Dmutt— Die Jagdstaffel NichtHofe»— Das Fabrikdorf— Die Schlackcahalde. Westfront, Anfang Mai. Niemals war das alte Donai, daS sich seine Beschaulichkeit und PetisionäeSruh« auch durch die benachbarten Kohlengruben nicht stören li�ß, niemals war Douai aufgeregter und sein« Einwohner- schaft nervöser als in diesen Tagen der neuen ArtoiS-Schlacht. Seitdem pe englischen Kanonen näher donnerten, war neue Hoff. nung in ihre Herzen gezogen, vergessen waren die schweren Jahre der Okkupation, die steigenden Nöte der Nahrung und des Erwerbs. „Jetzt Muffen sie kommen'— dachte mancher alt« Mann, der oben vm Fenster dem endlosen Trommelfeuer de» ersehnten Verbündeten zuhörte.... Aber sie kamen nicht. Seitdem an jenem kritaschen Öfter tag- das Feuer mehrere Kilometer näher an die Stadt jvrang, ist alles beim Allen geblieben. Genau wie nach der Lorotto, Schlacht, nach der Schlacht bei LooS. nach allen Durch» i-ruchsschlachten. Es kommen Kanonen und deutsche Soldaten, S(mitätSwa»en und Gefangene, wieder Kanonen und wieder deutsche Soldaten. Die erregten Gespräche in den Eafös am Marktplatz werden, stiller. Das Uhren-Fräulein gegenüber dem.Hirschen' redet wieder. freundlicher. Und der alte Friseur, während er einem Landsturmmqcnn in dem struppigen Bart herumwühlt, ist in seine alten melauch-olifchen Seufzer zurückgefallen. Nacht in, Douai. Durch die dunklen Straßen huschen ab- geblendete Astomoblle mit dem blutigen Kreuz. Ab und zu ein jchwer polternder Wagen— die Stadtpatrouille— schwankende Soldatcngestatzen— nirgends mehr ein französischer Zivilist. Die Lust brodelt dampf vom nächtlichen Feuerkamps. Manchmal klirren die Fensterscheiben. Wenn man die Straße nach Westen hinunter- sieht, leuchtet es rot über dem Turm deS Warenhauses.Zum Eiserne» Mmuf'. Es schlägt£lf Uhr. Noch immer spielt im.Hirschen' die Negimentsmusikz Das Regiment zieht morgen nach vorn in Stellung, Jetzt-seiern sie Abschied. Der Garten des Hotels sah heute abend aus--wie der Hof des Münchener Bräuhauses— Fässer und Stühle. Mufti und Bier, halbleere mid volle Gläser. Man sang und lachte und trank und tanzte. Man ging erst spät in heiteren Gruppen, nach Hause. Und morgen in der Frühe— wie mancher hat sich in den Tod getanzt an diesem Abend.... Noch immer spielt die Musik. Zuerst waren es Märsche. Dann kamen Volkslieder, bayrische, sentimentale und lustige, man hört« daS Jodeln bis oben herauf. Und nun spielen sie Gassenhauer, all die Reisser und Schieb«� gegen die wir vor dem Kriege in hochtrabenden Episteln gewettert fciben— jetzt sind sie geheiligt. Denn in ihren Klängen steigt der friede auf— die kleinen Mädchen von Augs- bürg und Nürnberg-�ind die SonntagSausflüge— und die warmen Nächte— und all das bunte, fröhliche Leben, daS mancher niemals wieder sieht. Denn morgen zieht das Regiment nach vorn in Stellung. Und diese kleine Schiebemelodie ist für manchen viel» tttcht das letzte, was a von Deutschland hört.«.. Und darum fft« Ftitrtchi-fHter tzaftai noch lutgenvf Mittag den Retchslanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß in den beiden Großh«rzogtüm-rn Mecklenburg unverzüglich eine tat« stitutionelle Verfassung eingeführt wird. Abg. Pachnicke verlangte, diesen Antrag sofort zu verhan- dein, well hier ein politischer Notstand vorliege. Bon anderer Seite wird dagegen gefordert, alle Anträge, die sich auf das Wahlrecht in den Einzel st aalen beziehen, im Zu« sammenhang zu bebondeln. Die Entscheidung darüber wird in der Sitzung am Frettag er- folgen._ HaushaltsauZfchnß des Reichstags. Am Donnerstag wurden die vertraulichen Erörterungen über Marinefragen beendet. Abg. Giebel forderte Auskunft, welche Grundsätze dafür maßgebend find, daß Fachschulingenieure nicht in leitende Stellen emporrücken können. Jetzt sei den Diplom« ingenieuren tatiächlich das ausscbließliche Recht z. B. für Betriebs- dirigentensiellen eingeräumt.— Bedauerlich sei eS, daß das Reichs« marineamt die Gehaltsaufbesserungen vom 1. April d. I. für auS- reichend ansiebt. In Wahrheit feien die Verbesserunge« an« gesichls der allgemeinen Teuerung völlig ungenügend. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Capelle antwortete: Neuere Bestimmungen dafür, daß die Fachschuttngenienr« nickl in bestimmte Stellen kommen dürfen, seien nicht erlasien worden. Jedoch sei es selbstverständlich, daß für die Stellen, dte eine lang« jährige alademiiibe Vorbildung erfordern, nur solche Herren in Be- tracht kommen können, die diesen Ansprüchen genügen. Im all- gemeinen seien die Angestellten der Reichsmarineverwaltung auch in der Besoldung den Angestellten in der Heeresverwaltung gleich- gestellt.— Freitag; Gefangenenbehandlung, Belagerungszustand und Zensur. v erlin er Lebensmittelnachricht«». Auf Abschnitt 7s der LebenSmfttrllarten entfallen 100 GrammTeigwaren. auf Abschnitt?» 200 Gramm Graupen. Die Abschnitte find in der Zeit von heut« bi» Montag, den 14. Mai. in den durch besondere Verlaufsfchilder gekennzeichneten Kleinhandelsge-fchäften gegen EmpfangSbescheent- gungeu abzugeben Die Ware wild dann nach Ablauf der üblichen Frist zur Verfügung stehen. Der Umtausch von Fleischkart eu gegen Bezugschein« auf andere Lebensmittel(Graupen. Grieß oder Teigwaren) findet für die neue am 14. Mai beginnende Fleischkartenperiode in der Zeit vom 14. bis 16. Mai durch die zuständigen Brotkommissionen statt. Für die Vollfletsckkarten werden wieder Bezugscheine aus wöchentlich 375 Gramm, für die Kinderkarten solche auf wöchentlich 200 Gramm Graupen oder Grieß oder Teigwaren ausgegeben. Umgelauscht werden nur die Reichs fleischkarten. Die Ware kann in den durch Ausbang kenntlich gemachten Verkaufsstellen gegen Abgabe des gültigen Bezugscheinabschnilts gekauft werden. Umtauschberechtigt find diejenigen, welche sich in die List« der zuständigen Brotkommission eingetragen und nachträglich den Um- tausch bei dem Magistrat, Abteilung für Lebensmittelversorgung, bewirkt haben. Wer jetzt noch nachträmich den Umtausch vorzunehmen wünscht, kann beim Magistrat, Aiiieilung für Lebensmittel- Versorgung. Stralauer Straße 3—6. in oer Zeil vom 14. bis 16. Mai unter Vorlage der Fleischlarte einen entsprechende» Antrag stellen. Diese Anträge können jedoch nur berücksichtigt werden, so- weit die Vorräte an Graupen usw. hierfür ausreichen. Der Magistrat hat Groß- und Kleinhandeltpreise für Spargel festgesetzt, die durch prozentuale Zuschläge zu dem Erzeuger- oder Großhandelspreis bestimmt wurden. ES ist dies notwendig, weil bei den schwankenden Erzeugerpreisen für Spargel und anderes Frühgemüse sich mit starren Groß- und Kleinhandelspreisen nicht wirtschaften läßt. Die Er- zeugerpreise für das für Berlin hauptsächlich in Betracht kommende Erzeugergelnet der Bezirksstelle Potsdam betragen gegenwärtig für Sorte I 1 M.. für Sorte II 70 Pf., für Suppen- spargel 30 Pf. und für unsortierten Spargel 68 Ps. Danach würde sich also bei dem Zuschlag von 16 und 30 Proz. unter Zugrunde» legung der gegenwärtigen Erzeugerpreise sür die nächsten Tage er- geben für die erste Sorte ein Großhandelspreis von 1,1b M. und cut Kleinhandelspreis von 1,42 M., sür die zweite Sorte 80 Pf. und I.Oö M., für die dritte Sorte(Suppenspargel)>8ö Pf. und 4S Pf. und für die vierte Sorte kunsortiert) 75 Pf. und 1 M. muß die Musik immer weiter spielen. Bis weit nach Mitternacht ».bleibt eS im.Hirschen' lebendig. # ,L< petit Rouge*—„Den kleinen Roten' nenne« ihn die Fvenzosen Sie kennen ihn ganz genau, wenn er morgens oder abands über ihnen durch die Lüfte brummt. Sie kennen ihn, wenn er lürrch Douai im Auto fährt. Und wenn er gemeinsam mit sein« Staffel fliegt, suche» sie sein Flugzeug unter den anderen heraus- Dje Jagdstaffel dieses.petit Rouge', des Rittmeister» von Richthofen, hat die siegreiche Abwehrschlacht von Arras mit- gewonnen. Nicht nur durch die abgeschossenen Engländer, durch die Sätsderung unserer Luftfront. Vor allem durch daS Selbst- bewußtseü) und steghafte Vertrauen, das sie unser» Arraskämpfern immer wieder neu einfloßt und demonstriert. Da ist nichts von der gedrücWen Stimmung der ersten Sommetage, wo die englischen Flugzeuge stp wie Hornissenschwärme überfielen. Täglich spielen sich die Luftjiege vor den Augen unserer Acrassoldaten ab. Sie- sehen die brennenden Apparate vor ihren Linien niederstürzen, sehen ganze feindliche Geschwader auseinandergesprengt, nach Westen fluchte». Gewiß soll über diesen Glanzleistungen unserer Luftduellanten hie stille gewaltige Arbeit unserer Beobachter und Fcrnflieger nicht wergessen werden. Aber an diesem Sicherheits- und Sieg esgesühl, der Front hat die Jagdstaffel de».petit Rouge', hat Richthofen selqer den größten Anteil. Wohin man kommt, zu den Batterie» oder Bataillonen, am meisten aber beim Soldaten der ersten Linie hört man das Lob des kleineu Roten, der schon zu Lebzeiten eine Legende ward. Auf einer Wiese-stehen ausgerichtet 8 Flugzeuge— in schnurgerader Linie— immer fertig zum Aufstieg. Das find die be- rühmten Jagd-Einsitzcn der Staffel Richthofen Sie sind bunt- bemalt mit Bändern und Schnörkeln in allen Farben, unter denen Rot überwiegt. Alles Doppeldecker— mit rundem Fischleib— rundem Fischtopf—, ohne> irgend ein« fichtbar« Neuigkeit, die ihren fabelhaften Siegeslauf dem Laie» erklärlich machte. ES ist kurz nach Mittag. Die Staffel ist heute morgen zweimal über dem Feind gewesen..Oe petit Rouge' und die meisten seiner Käme- raden halten ihr Schläfchen In den Schuppe» und Zelten aber arbeiten die Mechaniker ruhelas. Niemand glaubt, was solch eine einzige Staffel täglich an Material frißt. An Motoren, an Trag- flächen, an Steuern— an Rhvaraturen und neuen Apparaten. Nirgends werden die Materialzüge auö der Heimat sehnsüchtiger erwartet als bei unseren Fliegern Sie können niemals genug er» halten. Wie vom Material, so wird auch von den Fliegern selber bei uns Unerhörtes verlangt. JJtnmer noch sind uns die Gegner in beidem an Zahl überlegen. Seite» braucht ein englischer Flieger seinen Apparat mehr als einmal am Tage zu besteigen. Die Sonne spielt auf den bunten Tragflächen, zwischen denen Je petit Rouge zu fitzen pflegt. Steif und hoch glotzt der Fisch' korper gegen den Wind. Wie et» hölzernes Pferd steht er un- beHolsen auf seinen Rädern. Auch das kleine Häuschen, in dem die Flieger schlafen, träumt jetzt noch ungestört Mistheu de» alte» Melchffche Fkschzufuhve». Die eine Zeitlang sehr knappen Fische fiud jetzt wieder in so großen Mengen auf de» Markt gekommen, daß sich einzeln« Groß- Berliner Gemeinden bereits veranlaßt gesehen haben, die dort be- stehenden Rationierungen aufzuheben. Trotzdem die Fische vielfach marken ftei verkauft werden, ist die Nachfrage nicht allzu groß, da die Fische im Verhältnis zum Fleisch viel zu teuer find, und eS auch teilweise an den notwendigen Zubereitungsmitteln, wie Fett und dergleichen fehlt. Notwendig wäre eS jedenfalls, die Fischpreise herabzusetzen, damit auch die minderbemittelte Bevölkerung in die Lage versetzt wird, mehr Fisch als bisher zu verbrauchen und da- durch an anderen Lebensmitteln zu sparen. Verteilung des Einmacheznlters. ES hat sich ermöglichen lassen, in diesem Jahr statt der ur- sprünglich vorgesehenen 600 000 Doppelzentner Zucker 900000 Doppel« zentner für die häusliche Obstverwertung bereitzustellen. Einmache- zucker soll nur an Haushaltungen, nicht an Einzelpersonen ohne eigenen Haushalt, und an die Haushaltungen wieder nach der Zahl der HauShaltSangehörigen abgegeben werden. ES ioll keinem Haushalt mehr zugeteilt werden, als er btlligerwetse für die der Kriegsknappheit entsprechend in bescheidenen Grenzen zu ballende häusliche Obstverwertung beanspruchen kann. Eine nochmalige Zu« teilung von Einmachezucker im Herbst auS der neuen Ernte wie int vergangenen Wirtschaftsjahr wird in diesem Jahre nicht stattfinden. Dagegen soll eS den Kommunalverbänden unbenommen bleiben, um die für das Einmachen ausgegebenen Zuckermengen zu vermebren, etwaige Rücklagen jetzt zu verteilen und es ferner den Verbrauchern zu ermöglichen, außer dem Einmachezucker die für den allgemeinen Verbrauch der nächsten Monate bestimmten Zuckermengen schon jetzt zu beziehen, soweit eine zweckmäßige Verwendung gesichert erscheint. ES tritt dann eine entsprechende Kürzung des Mund- zuckerS ein._ DaS Stiefelmysterium des Roten Kreuzes. 8« unserer Notiz in der Nr. 121 sendet das.Rote Kreuz von Berlin'(gez. Rohde) uns eine längere Zuschrift, der wir folgende Tatsachen entnehmen: In der Jägerstr. Lö befindet sich eine Annahmestelle für getragen« Kleider und Schuhe; die Prüfung von Gesuchen und Abgabe der Gegenstände erfolgt(für Männer) in der Marlgrafen st r. 40; in der Kommandanten st r. 80/81 ist die Annahmestelle des Berliner Magistrats, mit der das Rote Kreuz nichts zu tun hat. Das Stiefelmysterium wir« durch dies« Auflläruna seine» Zaubers beraubt. An seiner Stelle aber drängt flch un» sofort etn anderes, nicht minder geheimnisvolles Problem auf: Warum in aller Welt haben die amtierenden Damen die erleuchtende Aus- kunft, die st« uns jetzt zuteil werden lassen, nichl dem armen Kriegs« invaliden gegeben, als er am 25. April und am 1. Mai bei ihnen vorsprach? Weshalb schickten sie den Mann am 25. April nach der Kommandantenstraße und weshalb haben sie ihn am 1. Mai m i t keinem Wort darüber belehrt, wo die richtige Stiefelquelle war? Wenn übrigens, wie es in der Zuschrift heißt, die»Damen, die im Ehrendienst die Sammelstelle leiten, mit aller Entschiedenheit „sich gegen den Vorwurf verwahren, die KiiegSinvaliden in un- angemessener Weise zu behandeln, so können wir ihnen mit aller den Ehrendamen schuldigen Ehrfurcht entgegnen, daß wir keine allgemeinen Vorwürfe erheben, sondern eine sehr bestimmte Tat- fache mitgeteilt baben, auf die die Zuschrift des Roten Kreuzes leider mit keinem Wort eingeht. Gemeindewahlrecht und Gemeindepolitik. Die Wort« in der kaiserlichen.Osterbotschoft'. daß in Preußen kein Raum mehr für das Klassenwahlrecht sei, be- ziehen sich natürlich nicht nur auf den Staat, sondern auch auf die Gemeinden Auch in ihnen ist nach diesem Kriege weder für Klassenemteilung der Wählerschaft noch sür die Bestbrättkungen eines Zenius oder einer Bürgerrechtsgebühr n dgl. m. Raum. Mit der Umänderung des staatlichen Wahlrechts geht die Umänderung des Wahlrechts zu den kommunalen Körperschaften notwendig Hand in Hand. Ja, diese wird sogar vielseitiger sein Denn indem mau daS Wahlrecht in der Gemeinde als der Lokalinstanz der Selbst- Verwaltung und im Staate als der Zusammenfasiung des Volksganzen demokratisiert, muß man notwendig zugleich in das Gewirr der engver- flocktenen Verwaltungseinrichtungen der Zwischenglieder ordnend ein- greifen Auch die Osterbotschaft nennt deshalb die Aenderung de? LandtagSwahlrechis.grundlegend'für die.innere Gestaltung Preußens'. Also nicht: abschließend. Sie ist in der Tat nur der erste Schritt aus einer wettführenden Bahn Wie daS alles im einzelnen werde» und wie sich eittS an das andere anfügen wird, läßt sich heute noch gar nicht überiehen. Die Bäumen und jungen Gemüsebeeten... Aber jede Sektutde kann das Telephon quäken. Dan« schrillt die Alarmglocke durch alle Zimmer. Flieger und Monteur« stürze» auf den Flugplatz. Die Motore werden angeworfen und ein Zittern wird die wten Lppa- rate beleben Di« steifen Propellerhölzer werden sich mit wirbeln- den Kreisen tief in die Luft saugen Ein Flieget nach dem andern wird davonstürmen, wird in schwindelnden Spiralen nach oben klettern und im Westen verschwinden. Sie werden sich ordnen—, bald über-, bald neben-, bald weit auseinander fliegend, den Gegnev jagend, einkesselnd, zu Boden drückend. Vor und über allem aber immer an jeder Stell« zugleich wird le petit Rouge seine rasenden streife ziehen— und Handerttauseud freundliche, feindliche Augen werden zitternd seine steile Bahn verfolgen « Wenn wir auf die Schlackeahalde wollen, müssen wir erst durch das Fabrikdorf. Ach, wie das große Arbeiterdors sich seit da- mal» verändert hat! Wo sind die vielen Kinder, die aus ihren klappernden Holzpantinen des Abends hier Ringel-Rosenkranz spiel- ten? Wo die Bergarbeitcrfrauen, die in dett Gärtchen der roten Grubenkolonie so fleißig ihr bißchen Gemüse bauen? Und die Alten, die mit gekreuzten Beinen auf der Türschwelle saßen und den schlechten schwarzen Marylandtabak rauchten? Es war gewiß niemals ein schönes Dorf— im Frieden nicht und nicht im Kriege, als unsere Badener mit den Franzosen um die Loreiwkapelle rangen. Es war damals viel Elend in diesem Dorf hinter der Front. Aber die Leute, die schon im Friedet! darbten, hatten sich allmählich hineingefunden Und wie zutraulich war in den langen Monaten und Jahren ihr Verhältnis zu unseren Soldaten geworden— eine große Familie, deren Mitglieder sich nur mühsam verstanden, die aber all« eine Sehnsucht hatten und in dieser Sehnsucht sich zu- sauunenfanden, trotz der Aermlichkeit ihrer Ouartiere. Heute ist dieses Arbeiterdors tot und leer. Weit weg verstreut sind seine Bewohner. Niemand kümmert sich um die Gärtchen, ob- wohl die Sonne scheint. Fenster und Türen der Häuser stehen offen, in denen ärmliches Gerümpel umherliegt. In die Verkaufs- stelle des Konsumvereins ist eine schwere Gvanate geflogen, und die ganze Ladeneinrichtung liegt zersplittert auf der Straße. Umge- stürzte Telephonpfähle haben Drahthindernisse über die Wege ge- spannt. In die Bürgersteige haben die Ftiegerbombru tiefe Mulden geschlagen, und der weiße Stein ist dabei umhcrgespriht wie Meuschenhirtt, Jede Nacht sinken ein paar rote Häuschen krachend in sich zusammen Das Dorf ist auch von Soldaten ganz leer. Einen einzigen sehen wir aus einer Seitenstraße biegen. Er hat einen Schirm gesunden, den er nach kurzer Zeit wieder weg- werfen wird. Sonst sieht man niemanden Aber die Engländer sind zäh. Jede Nacht senden sie ein Dutzend schwere Kaliber in dieses unschuldige wie Dorf. Die große Linde aus dem Place Earnot hängt schwer verwundet zur Erde. Das ehemalige isoldatcn- kino ist abgedeckt. DaS große Holzschild unserer Feldbuchhattdlung liegt weggeschleudert auf einer Wiese. Auch das alte Schloß ab- seits deS Dorfes ist an einem Flügel schon angekratzt. Bald wird dies Dorf, in dem einst Tauserde von Bergleuten Mischen harter Arbett ihr kärgliches Lebensglück genossen, ein rotes Feld von CfferEotfdjoft sagt, daß.die Vorbereitungen unberweilt ab- geschlossen werden sollend Mit dem Abschluß dieser Vorbereitungen ist aber nur erst die Grundlage der entscheidenden Arbeil geliesert, immlich der gemeinsamen Beratung und gemeinsamer Beschllisie der Lolksvertretuna mit der Regierung, die sich wiederum sicherlich unter der lebhastestcn Anteilnobme der ganzen politisch-denkenden und füblenden LollSmassen abspielen wird. Die Geheimratsarbeit in allen Ehren— sie wird ober sowohl in besaheudem wie in der- »einendem Sinne nur das erste, nichr das letzte Wort sein. Das liegt beim Volk und seinen Vertretern. Nur dann können wir auf ein wirklich gutes Ergebnis der kommenden Arbeiten und Kämpfe rechnen, wenn sich mit ent- schlosienem politischen Willen auch ein zulängliches Maß von politischem Wissen vereint. Die Refoimai bellen, vor denen wir stehen, werden fürs Gute oder fürs Schlechte aut lange Zeit hinaus Entscheidungen treffen. Sie beziehen sich auf die schwierigsten Probleme der Verfassung und Verwaltung, in denen niemand, wer er auch sei, ohne sachkundige Führung und Anleitung oder ohne eigene reiche praktische Er- fahrung mitreden und seinen Wünschen Nochdruck ver- leiben kann. Jetzt zeigt sich, wie weit vorausschauend die sozialdemokratische Partei bandelte, als sie schon vor einem halben Menschenolter ein eigenes Blatt zur Belehrung ihrer Anhänger in den Fragen der lokalen(Selbst-) Verwaltung die.Kommunale Praxis", schuf. Was diese Zeitschrift den zahllosen Vertretern der Sozial- demokralie in den deutschen Gemeinden in der Vergangenheit ge- Wesen ist, wie sie weit über deren Kreis hinaus an der bedeutsamen Entfaltung des kommunalen Lebens mitgewirkt hat, dos braucht dem Sachkundigen nicht geschildert zu werden. Jetzt steht sie vor neuen und umfassenderen Aufgaben, die sie mit ihrem Stabe tüchtiger Mitarbeiter zu lösen wohl befähigt ist: sie umß und wird au ihrem Teil an der Erneuerung Preußen- Deutschlands milschaffen. Nötig ist dazu indessen, daß sie auch die ihr gebührende Verbreitung in der Parteigenossenschaft findet. Im Kriege mußte manches Wichtige einstweilen zurückgestellt werden; die drängenden Ausgaben des Tages raubten Zeit und Kraft, die es jetzt wieder für ZukunstSaufgaben zu gewinnen und freizumachen gilt. Der Verlag der.Komniunalen Praxis', Luchhandlung Vor« wärtS. Berlin 13W\ 68, stellt bereitwilligst Probenummern der Zeitschrift umsonst zur Persügung und fordert alle Parteigenossen zu einer regen Werbetätigkeit für die.Kommunale Praxis' im Hinblick aus die Erringung einer wirklichen Selbstverwaltung in Preußen auf. Ein braver, alter Parteigenosse ist in dem am b. Mai im Aller von 76 Jahren verstorbenen Zimmermann August Weiß dabin- gegangen. Ter Verstorbene war einer von den vielen, die jahrelang rn unermüdlicher und ausopserungsdoller Werse die Parteiorganisation haben aufbauen helfen. Trotz seines hoben Alters war er noch bis in die letzte Zeit in der Kleinagitation des sechsten Kreises tätig. Die Parrei wird dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet heule nachmittag 5 Uhr auf dem Georgen- friedhof in der Rölckestraße in Weißensee statt. Kriegsdienst löst das Arbeitsverhältnis. Wenn ein Arbeiter längere Zeit zum Heeresdienst eingezogen ist, so gilt— nach einer Entscheidung des Berliner Landgerichts I— sein Arbeitsverhältnis als stillschweigend ausgelöst, auch wenn weder von seiner Seite noch von der des betreffenden Arbeitgebers die Lösung ausdrücklich an« erkannt worden ist. Ob der Arbeilgeber dem eingezogenen Arbeiter den Lohn ganz oder zum Teil weiter auszahlt, ist dabei gleich- gültig. Kranke ohne Nanir«. Von zuständiger Seite wird unS mitgeteilt: Der Zudrang zu der von der Landesversicherungsanstalt Berlin eingerichlelen Beratungsstelle für Geschlechtskranke ist über Erwarten groß. Obwohl die Aerzte bis gegen Mitternacht orbeiteten, war es nicht möglich, alle Hilfesuchenden abzufertigen. Für die Eüijchicbuiig weilerer linier suchmigstage und die Einstellung weilerer ärztlicher HiisSkräfle wird Sorge getragen werden. Es muß indes darauf aufmerksam gemacht werden, daß für außer- halb Berlins Wohnende die Beratungsstelle der Landes- Versicherungsanstalt Berlin nicht zuständig ist. Für die Vorort- bewohner kommen die Beratungsstelle» in Schöneberg(für Schöneberg, Steglitz und Friedenau) und Charlottenburg (für Charlottenburg und die übrigen Vororte) in Betracht. Entscheidungen zur Krankenversicherung. Der Bezug einer In« valideurente slbtießt den Anspruch auf Kranlengeld nicht ohne weiteres aus. Dagegen haben freiwillige Kassennutglieder keinen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie vor Eintritt der Krankheit be- reits aus anderen Gründen völlig arbeitsunfähig waren. Tage, an denen der Versicherte trotz Unterbrechuug des Betriebs dem Arbeit- gebcr zur Verfügung gestanden hat, sind als Arbeitstage anzusehen Ziegelsteinen sein— ohne daß rin einzigex englischer Soldat eS betreten hat. • Die Schlackenhalde ist inwenidig heiß wie die Mutter Erde. Wenn eine Granate in sie einschlagt, raucht sie tagelang. lind die Regentropfen, verdampfen zischend in ihren Rissen. Die Halde ist nicht hoch. Aber man steht alle Dörfer des Kohlenreviers, die zerschossene» und die totgeweihten, wie aus einem Teller vor sich liegen. Man sieht das graue sterbende Lens, um das der Gegner sich von drei Seiten klammert.— Plan sieht das rote Avion, in einer Mulde versteckt, heute eine vorgeschobene Bastion, einst hinter der Front liegend, wo Feldlazarette standen und Fesselballons auf- tletterten,— man sieht die Kirche von Wericourt und die rauchenden Wälder hinter Bois Bernard, die schon im Feuer- ring des Arleur-Bogens liegen. Abgetakelte Windmühlen, ver- ödete Zechen, Schipperkolonien, die in gelbem Lehm graben, sind am Horizont die blaue Linie von Loretle. Auf diesem Gelände wirft England sein wehrfähiges Volk gegen Ulis an. Zum ersten Male sein ganzes Volk! Als wir auf dieser Halde vor zwei Jahren standen, da reichte die englische Front von Upern bis etwas südlich Lille. Eine Armee von Freiwilligen! Nie- mcrnd glaubte an die englische Wehrpflicht. Sicher niemand, daß sie iu diesem Kriege»och gegen uns wirksam würde. Heute stehen die Engländer bis St. Quentin. Zum zweiten Nlale schon mißt sich der Aletische nkern ihres ganzen Weltreichs mit einem schwacheu Teil der langen deutschen Front. Zum zweiten Male verbluten ihre Massen vor unseren Batterien und Gewehren. Damals mochten die englischen Millionen auf dem Papier uns schrecken. Heute hat sie der deutsche Soldat aus dem Schlachtfeld besiegt. Aber nein, die Schlacht ist nicht zu Ende. Dort hinter jener Kette von Rauch und Erde, aus der es rosarot und gelb heraus- spritzt, hinter jenem brodelnden Wall, der sich zwischen Dörfern und Baumreihen über Hügel und Eisenbahnschienen von Lens bis Oppy und weiter in der grauen Ferne zieht— die Schlacht ist lange nicht zu Ende. Die Flieger brummen, die Batterien bellen rings um die Halde, in der Luft jammern und heulen die eisernen Kurven und die Erde erbricht sich. Haben sie denn gar nichts genutzt, die blutigen Tage von Souchez und Hooge, von Ripont und Lens. an der Ancre und Somme? Mit deut neuen Frühling kamen neue Schlachten, neue blutige Namen: Roeux und Fampoux, Gravelle und Cvaonne. der Winterberg und Moronvillers! Und andere werden kommen, deren Namen noch in der Verborgenheit ruhen. Wann werden die Namen, auf die die Welt horcht, wieder ftied» lichen Klang haben? Die alte unfruchtbare Schlacken ha ßde gibt leine Antwort auf diese Fragen. Aber unter den Aeckcrn und Wiesen beginnt es grün zu werden, trotz Gasgerüchen und Granatein schlagen.� Ein Pfirsich- bäum blüht an itx Mauer. Und ein Wind webt über das Feld von Arras. Vielleicht weht er nach Osten, nach Deutschland, nach Rußland. Vielleicht weht er nach Norden, an die Küste, über das Meer, wo. unsere kleinen grauen Boote lauern. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. und demgemäß als solche bei der Zahlung de« Krankengeldes anzn« rechnen. Wenn ein Versicherter nach seiner Erkrankung ohne Er« laubnis der Krankenkasse den Kassenbezirk verlassen hat. darf die Uebersendung des Krankengeldes an seinen nunmehrigen Wohnort nicht verweigert weiden, wenn ihm durch die Abholung unVerhältnis- mäßig große Nackteile oder Schwierigkeiten erwachsen würden. Eine Satzungsbestimmung des Inhalts, daß für größere Heilmittel ein Zuschuß von 30 M. gewährt wird, ist ungesetzlich. Die unehrliche Mutter im Film. Wie wir der.Lichtbildbühne' vom 5. Mai entnehmen, bereitet die Deutsche Bioskopgesellschaft einen groß angelegien Film vor, der die Tragödie der unehelichen Mutier und ihres Kindes behandelt. Die Regie liegt in den Händen der Direktion Reinert. Der Stoff ist aus den Erfahrungen des Bundes für Mutterschutz geschöpft, der das Protektorat über den Film angenommen hat und in dessen Räumen auch die Aufnahmen zum Teil stattfinden. Durchgehende Straßentahuverbindung Neukölln— Berlin— Ehst- lottcnburg— Spandau. Vom 13. Mai ab wird die Linie II der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn von ihrem gegenwärtigen Endpunkt am Spandauer Bock bis zur Triflstraße in Spandau weilergefübrt. Neben der Linie E wird zunächst außerfahrplanmäßig nach Bedarf auch die Linie? bis zur Triststraße in Spandau ver- längert. Da sich in der Triftstraße in Spandau eine Anlegestelle für den Dampfschiffsverkehr auf der Ober- und Unterhavel befindet, wird die neue Verbindung auch für den AuSflugSverkehr von Be- deutnng sein. Der Betrieb aus der Linie k? beginnt an Werktagen ab Neukölln bereits früh 8.50. Die Linie B der Spandauer Straßenbahn wird mit dem gleichen Tage außer Betrieb gesetzt. Freibad Müggelsee. Am Sonntag, 13. d. MtS., beginnt die diesjährige Badcsaison des zwischen Friedrichshogen und Rahnsdorf am Müggelsee gelegenen Freibades. Das Bad ist an Sonntagen von 7 Uhr und an Wochentagen von 8 Ubr morgen» bis 7 Uhr abends geöffnet. Die Eintrittspreis« betrogen für Erwachsene 10 Pf., Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren 5 Pf.; Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Dutzendblocke iür Erwachsene kosten 1 M., für Kinder 50 Ps. Auch die Zellstadt steht dem badenden Publikum zur Verfügung: ein Zellplatz stellt sich für die Saison auf 4 M. einschließlich Ausbewahrung des Zeltes nebst Zubehör. Der Lriefpostvrrkchr«ach Spauien und den überseeischen neutralen Postgebieten muß bis auf weiteres eingestellt werden. Briefe und Postkarten(.Familiensendungen') mit Familien- Nachrichten an die in Spanien in Freiheit lebenden Deutschen werden von den Postanstalten auch weiter zur.Beförderung an- genommen. Die österreichische«,«»garifche««ad doSuisch- herzegowinischen Lavdsturmpslichtige«, die i» den Jahren 1867 bis 1891 ge- boren sind, werden in der Zeit vom 14. Mai bis 3. Juli einer neuer« licben Musterung unterzogen werden. Ebenso alle in den Jahren 1867 bis 1893 geborenen, die von den bisherigen Musterungen ausgeiiommeii waren, weil sie wegen Gebrechen in der Stellungs- liste gelöscht oder mit einem Landsturmbefreiungs- z e r t i f i l a t oder mit einem Landsturmabschied beteilt morden waren oder als Gagisten entlasse» worden sind. Näheres an den Anschlagsäulen. Der„Wahre Jacob" Nr. 10 gelangt heute zur AuSgav«. Einer Gasvergiftung erlegen ist die 20 Jahre alte Arbeiterin Anna Söllner aus der Chausseestraße 53. AIS die Schwester abends aus dem Dienste kam, fand sie sie in der mit Gas angefüllten Wohnung regungslos im Bette liegen. Ein Arzt lonnte nur noch den Tod feststellen. Bo« einem Eiuirecher erschofle». Ein Opfer seines Dienstes ist der Nachtwächter Engel in Falken Hagen geworden. Er wurde in einem Privathause an der Hauptstraße gegen Mitternacht gegen einen Einbrecher zu Hilfe gerufen. Engel eilte auf den Verbrecher zu. Dieser lief einige Schritte weg und stellte sich hinter eilieir Baum. AtS der Wächter auf ihn eindrang, gab er sechs Revolve» schüsle ab. Fünf Kugeln gingen fehl, die sechste aber trbs ihn in den Leib. Während der Einbrecher jetzt die Flucht ergriff, schleppte sich der Schwerverletzte nach dem Hause deS Gendarmeriewachllneisters. Er war noch imstande, dem Wachtmeister den Vorgang zu melden. Man brachte ihn nach seiner Wohnung und sorgte sür ärztliche Hilfe. Der Arzt ließ ihn gleich nach dem Kranlenhause in Spandau bringen. Dort starb er schon eine Viertelstunde nach der Aufnahme. Der Einbrechrr ist un- bekannt entkommen. Die Ermittelungen im Dorfe ergaben, daß er vorher versucht hatte, in das Gasthaus zum Eichenkranz einzu- brechen, wo er aber gestört wurde, und sich nun dem Privat« Hause zuwandte, dessen Bewohner er im Schlafe wähnte. Eine überraschende Eutdeckung machte ein Fuhrherr in der Poppelallee. Als er seinen Stall betrat, sah er, daß sein Pferde- bestand eine wertvolle Vermehrung ersahren hatte, ohne daß er davon etwa« wußte. Neben seinen eigenen Pferden standen zwei neu«. Der Mann gwg zur Polizei, und jetzt klärte sich der eigen- tümliche Fund bald auf. Die Tiere waren dem Beerdigungsinstitut von Löschner in Spandau aus dein Stall gestohlen worden. Der Dieb hat sie Wohl nach Berlin geführt, um sie hier zu Geld zu machen. Als seine Versuche scheiterten, hat er sich ihrer entledigt, indem er sie der» Fuhrherrn in den Stall brachte. Wilmersdorf. Die Stadwerordaeteuversammlung bewilligte 100 000 Marl sür die Hinaussendung von 3500 Kindern aufs Land. In der Besorgnis, daß die Sehnsucht nach ihren Kindern zahlreiche Ellern zu unerwünschten Reisen nach den Erholung«- stauen veranlassen könnte, wurde von bürgerlicher Seite beantragt, die Mütter durch Unterzeichnung von Reversen zur Unterlassung solcher Reisen zu verpflichten. Gegen diesen bureaukralischeu FesselungSversuch wandte sich Dr. Breitscheid, indem er gleich- zeittg das Verlangen aussprach, die in Aussicht genommenen Revisoren möchten auch darauf sehen, daß die Kinder nicht zu land« wirtschaftlichen llrbellen mißbraucht werden. Eine andere Magisttatsvorlage aalt der Bewilligung von 25 000 Mark zur Fürsorge sür die Hinterbliebenen der im Kriege Ge- fallenen. Um die KriegSbeschädigtensürsorge auf eine festere Grundlage zu stellen, wurde die Einsetzung einer besonderen Depularion beschlossen. Während hier ein Antrag des Genossen Lüde mann, statt nur 4 Stadtverordnete und 3 Bürgerdeputierte als Mitglieder, deren mindestens 6 bezw. 5 vorzusehen und dadurch eine stärkere Beteiligung von Arbeiterverlretern zu ermöglichen, der Ablehnung verfiel, empfanden die Vertreter der rechten Fraktion bei der nachfolgenden Einsetzung einer Deputation sür Kohlen- Versorgung das Bedürtnis, über den Magistratsvorschlag hinaus ein elftes Stadtverordnetenmitglied zu beantragen mit dem ausdrücklichen Hinweis auf das Bedürfnis,.auch die Sozialdemo- kraten zu beteiligen.' Wilmersdorfer Sozialpolitik! Charlottcnbnrg. Allgemeine Speisung. Die Ausgabestelle Söm- meringslr. 17 wird Montag, den 14. Mai, nach Äälserin-Augusta« Allee 35/36 verlegt. Die Anmeldungen müssen vom 13. Mai ab an letzterer Stelle eingereicht werden. In der Ausgabestelle Kant- straße 140 findet von Montag, den 14. Mai, ab die Speisenausgabe auch in der Zeit von 6—8 Uhr nachmittags statt. Anmeldungen hierzu sind zwei Tage vorher während der Zeit von 6—3 Uhr zu bewirken. — Umtausch von Fleischkarten. Mit Beginn der neuen Fleisch- kartenperiode am 14. Mai wird erneut der Umtausch der Ftersch- karten statlfinden. Auf eine Bollfleischkarte werden 375 Gramm Nudeln, Grieß, Graupen oder Hafernährmittel, sür eine Kinder- fleischlarte 200 Gramm der genannten Nahrungsmittel gewährt. Nur die vollen Reichsfleischkarten werden in der Zeit vom 14. Mai bis 31. Mai im Rathauie, Zimmer 42, umgetauscht. Die Ware kann in den durch Ausbang kenntlich gemachten Verkaufsstellen entnommen werden. Der Urulausch erfolgt jedesmal für die Dauer der Fleisch- kartenperiode. Eflarlottenburz. Beratungsstelle« für Geschlechtskranke. Die Sprechstunden der städtischen BerawngSstelle für Geschlechtskranke im Charlottenburger Krankenhaus, Kirchstr.' 19/20, finden von jetzt an sowohl für Männer wie für Frauen dreimal wöchentlich, und zwar Montags und Freitags von 12 bis 1 Ubr, Mittwochs abends von 7 chis 8 Uhr statt. Geschlechtskranke werden hier unentgeltlich untersucht und beraten. Neukölln. Ledensmittelverkauf. ES ist immer wieder beobachtet worden, daß die Kleinhändler mit dem Verlauf der auf Lebens- miltelkarten auszugebenden Waren zu ftüh beginnen. Der Magistrat macht darauf aufmerksam, daß ein derartiger frühzeitiger Verkauf unzulässig ist und einen Verstoß gegen die Verordnung des Ma- gistrats bedeutet. Abgesehen von der zulässigen Bestrafung haben die Händler die sofortige Entziehung der Warenlieferungen zu ge- wärtigen, salls sie sich noch in Zukunft Verstöße genannter Art zu- schulden kommen lassen. Steglitz. Erhöhung der Teuerungszulage«. Der Gemeinde- Vertretung ist vom Gemeindevorstand eine Vorlage über Gewährung von Kriegsteuerungszulagen an die im Dienste der Gemeinden be- schästigten Personen zugegangen. Danach sollen vom 1. April ab gezahlt werden an Personen mit einem Jahreseinkommen bis 8600 Mark: 13 M. sür Ledige, 15 W. für kinderlos Verheiratete, 27 M. für Verheiratete mit einem Kiride, 40 M. bei zwei Kindern, 54 M. bei drei, 69 M. bei vier, 85 M. bei fünf und 102 M. bei sechs Kindern. Bei einem Diensteinkommen von 3601 bis 6100 M. bc- tragen die Sätze 12, 23, 35, 48, 62, 77 und 93 M., Ledige erhalten jedoch nichts. Bei 6101 bis 9300 M. erhalten außer den Ledigen auch die kinderlos Verheirateten nichts, beim Vorhandensein von Kinder» die Sätze von 10, 21, 33, 46, 60 und 75 M. Personen mit einem Diensteinkommen über 9300 M. erhalten nur dann etwas, wenn ihr Einkommen geringer ist als der Betrag, der sich bei einem niederen Einkommen unter Hinzurechnung der Teuerungszulage ergeben würde. Die bisher gewährten Teuerungszulagen belasteten die Gemeindekasse mit jährlich 81 624 M., durch die Neuregelung erhöht sich die Summe um 79 680 M. Steglitz. Vergrößerung deS GcmcindefticdhofeS. Mit einer be- trächtlichen Erweiterung des Friedhofes wird sich die Gemeinde- Vertretung in ihrer, nächsten Sitzung beschäftigen. Durch Hinzu- nähme der Bethgeschen Sandgruben, die schon vor einer Reihe von Jahren erworben wurden, wird eine Bergrößerung de« jetzigen Friedhofes um rund 39 000 Ouadralmeter erreicht und dadurch Raum für 8449 Grabstellen geschaffen. Hierdurch und durch die im Vorjahre beschlossene Herabsetzung der Liegezeit von 30 auf 20 Jahre soll erreicht werden, daß Steglitz sür �alle Zeiten in der Lage sein wird, seine Talen in unmittelbarer Nähe des Ortes bestatten zu können. Die Kosten sür die Herrichtung deS neuen Gelände» sind mit rund 165 500 M. veranschlagt. Weißensee. Die Geschäftsräume der Sparkasse werden am 18. Mai vom Nathause nach Charlottenburger Str. 1 verlegt und sind geöffnet von 3 Uhr vormittags bis 2l/g Uhr nachmittags. Die Zweigstelle der Sparkasse befindet sich Laiighanssir. 103 und ist von 9—1 und von 4—7 Uhr geöffnet. NowawcS. DaS ncuerrichtcte Wohlfahrtsamt, dem vorläufig der öffentliche Arbeitsnachweis, die Kriegsbeschädigten- und Kriegsbinter- bliebenensürsorge sowie die Rechtsauskunft unterstellt sind, soll am 1. Juli d. I. seine Tätigkeit aufnehmen. Als Leiter desselben wurde der derzeitige Bevollmüchligte der Ortsgruppe Potsdam-NowaweS des Deutschen Mctallarbcilcrverbandes und sozialdemokratische Gc- meindeverordnete Dietrich O s rn e r gewählt. Hroß-Serliner parteinachrichten. Groß-Lichterfelde. Die Mitgliederversammlung des Sozialdenro- kratrschen BezirksvereinS beschäftigte sich eingehend mit der örtlichen Lebensmittelversorgung, die nach allgemeiner Auffassung sehr zu wünschen übrig läßt. Die wenn auch nur vorübergehende Herab- setzüng des Kärtoffelquantums auf 2 Pfund wurde als äußerst unerfreulich bezeichnet. Nach Auskunft des GemcrndevorstandeS hat der zu liefernde Kreis infolge der Frühjahrsbestellung das volle Ouantum nicht zu liefern- vermocht. Die Einsetzung eines Gemernde-Ernährungsausschusses wurde allseitig begrüßt, von den Parteigenossen gehören ihm an K. W enz el, Roonstr. 81. und Frau Lina Müller, Hindcirburgdamm 91. Anreguirgen, Wünsche und Beschwerden bezüglich der Nahrungsmittelverteilung werden von diesen enigegengenornmen. Die Versammlung war je- doch einmütig der Auffassuiig, daß diese Zahl aus dem Kreise der Arbeiterschaft nicht genüge. Essoll deshalb beim Gemeindevorstand die Zulassung von zwei weiteren Ausschußmitgliederir beantragt werden. Die Ausschußmitglieder erhieltcir den Auftrag, in schärfster Weise für die Bekämpfung des Schleichhandels einzutreten. Be- schlössen wurde, eine Versammlung einzuberufen, die sich lediglich mit der Frage der Lebensmittelversorgung zu befassen hat. Johannisthal. Heute Freitag, den 11. Mai, abends 8l/t Uhr, im Lokal»Lindenhof', Friedrichstr. 61, Mitgliederversammlung. Vortrag. Alle Genossen und»Vorwärts'- Leser, die auf dem Boden der Gcsumtpartei stehen, werden um ihr Erscheinen gebeten._ Mus aller Welt. Leim Schmuggeln erschossen. In der Nähe des nicderrheinischen Städtchens Goch kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Zoll- beamten und Schmugglern, die Lebensmittel über die holländische Grenze hinüberschwärzen wollten. Die Beamten machten von ihren Schußwaffen Gebrauch, wober drei Schmuggler erschossen wurden. Es waren nicht weniger wie 38 Schmuggler, die den Haltruf der Grenzbeamten nicht beachteten, sondern sich durch die Flucht zu retten suchten. Wie holländische ZeitungSn mitteilen, sollen sogar fünf Schmuggler ihre Flucht mit dem Tode bezahlt haben. Ein grausiges Ende hat ein Arbeiter der Flugzeugwerke in Brandenburg a. H. gefunden, der seit einiger Zeit vermißt wurde. Man fand ihn jctzl in den sumpfigen Moorwiesen bei Briest bis zum Kopfe im Sumpfe steckend als Lerche auf. Der Mann hatte sich aus dem Nachhausewege verirrt, ist in den Sumpf geraten und dort hilf- los umgekommen.____ Märkische SPielvereinigirng. Sonntag, 13. Mai, Fußöallturnier sämtlicher Manuschastcn auf dem Fichtc-Turnplatz, Treptow, Köpenickcr Lcmdnratze, nachmittags 2 Uhr. Pokalsystem, Eintritt frei. StUgenicrne Krankrrr- und Stcrbekaiie der Metallarvettcr (V. a. G. Hamburg). Filiale Laumschulcnwcg. Den Mit. gliedern, weiche in Treptow wohnen, zur Kenntliis, daß am Sonnabend. den IL. Mot, abends von S'/j— 10 Uhr, im Lokale von Boich, Elfenstr. 101 (Ecke Kiefholzstraße) kassiert wird. Eine Versammlung sü evc diejenigen, Welche in England Angehörige in Kriegsgesangenschajt haben, findet am Dicnslog, 15. Mai, abends 3 Uhr, im Lehrer veicinshause, Alexandcrstr. 41, siatt. Eingegangene Drucksthristen. DaS deutsche Einheitskreuz für Kricgsgräber im Felde. Von L. R. SpitzeirpseiL Verlag von H. O.> Schulze. Lichtenfels. 25 Pf. Uebersichtskarte des welitichen Kriegsschauplatzes. L. Auflage. 1,20 M.— Frontvcrkurzuug Arras-St. Ltueutin nebit Ergäuzungö. blatt. so Ps.— Froiltverkürzung Laon-Soissons. 50 Pj.— Die Front in der Champagne. 1 M. Verlag WUh. Gottl. Korn, Breslau I. Das Friedensangebot der Mittelmächte. Von Dr. Rob. Piloly. 2 M. Vertag I. C. B. Diohr«Paul Srebeck). Tübingen. Ei» reiner Tor. Von Fr. 23. von Oesteren. IM.— Krcmen- V erlag, Berlin. Sprich Deutsch l Bon Eduard Engel. 1,50 M.— Hesse u. Becker, Leipzig. Das Wahlrecht der Zukuuft. Loa Lslar Kresse. 50 Pj.— Wüh Wblu. u. Ca, Berka. drtßfPßJlsn der Reösktion. Tis iuciilifcfcs Svrschstusd« si>id«t für Abrm'enlrn ätnüttifit. S, 1.■fuf linfj, iarifcw.«m MonlHg l»S grritaa tmu t Si» 7 Uqr, um Srmimdens von ü liiS Vi Ilhr stutt. Jcdcr>!üc om Vriefj.aftou beftimmlon Nnfrags lit«II» T'llchVnb««nj» iiii,: Suhl pls ateljuiuim i-sisusügeu. vriefliite Alir- Ivort iviro iüü!t erteilt, ütnsragcn, oeiicit tcilis �trotuixmenWauittuiig bei- zcsügt ist, werben n!St beantivortct. Eilige Fragen trage man in der Cvrcch- stunde der.!Lcirr»ge, LchrijchüSk und brrgttiche» bringe inan in die"Sprech- tiuuö.e mit. P. 886. Besten Dmtk ffir gftsenimng.—(9. Z. 1890. Ein iolchrr Aujpruch beiielit»ich!. Die Eiieni könnten nur Äniprna, ani(Aeiimdinng vo».HtifgäcHmiftda erheben, wenn der Eoim nartiiaciilitfi vor lkinziehuna äjijn Heere zu ibreni llnterba.t vorwiegend ücigetrugcu bat.— T. 43. 3. ISO" Gramm Ärot wird«Is Lii'atz geaeben.-reit etw« 300—120 Gramm." Eine elld.qLligc Regelung in bieiör �rage sall üdliacns nach gotrosson werden. 1'."Die ikdrestc lnlküen Sie auf dein Polizeirevier erfahren.— K. M. 6. Beschwerde wäre beim Genrerndevorsteher einzulegen. — LSiitrr 39. l. New, nur wenn der Gläubiger�ein ifahlungsticrbot" gc�en ßie«rwirtt. müssen Sie bem Folge leisleu. 2. Sic liaben natüruch rutr �fK> W. zu zMitn. Idse twfflraklWrfr tu Tim otttefn T-mmi, ist nachdem seine Sache.— Seppe!» Set etetat TvseU von WöO Ä. würden die Gebühren des Notars 11 M. tcivagcil; dazu komm« 0 Mi. Slcmpelgsbühren.— Scchrling. Ter Äertrag tan» de ii regen nicht gckifi werden.— L. K. 3. Di« ilündigllngkjrijt beträgt S Monat, da. das Tav- lehn über 000 M. beträgt.— Belm 1870. Tie Frist ist verstrichen, gegen duZ Urteil des Schossen gerWd uiuizte iimcrhalb acht Tagen vom Tage dct Bertlindnntz beZ Urteils Bcrnjnng angemeldet werden.— 3. P. 5. Nein. — 30t.(st. 31. Wir nehmen an, dag Mr Äann in irgendeinem?'o» triebe bejchäitigt wird und nicht Soldat ist. Er niügtc sich mit einer Bei schwerde zunächst an die Betriebsleitung wenden.— N. H. 58. Kröpft nnlage und Leide» des ZTebllopfcZ oder der Lnstrohrc. arbcitsderioendungZt sälstg.—<6. Sö". 7. 1. Sie sind zür Zahlung der Zlecht-ZanwoltSgebühren verpflichtet. L. Führer im römlichen Sklavenkriege Ist— 71 o. Chr. 3. Bc° iärdcrung mutz Ahr Mann obivarlen, er>kann sich allerdings zu ciNcm i-tilrsus melden.— ä». B. 31. Da die Frau jetzt ein fleuerpflichtigej Eiutooimcn hat, mutz sie die wtcucrn zahlen. Eme Zicilamaiion wird zwecklos sein.— Frida 71. Die Unterstützung steht Ihnen bis zum Zlblauf des iNonats April zu. tvendcu Sie sich mit einer Beschwerde an dal Äiüiärbnreau drS Magistrats, Dirckfenitr. ön -- D.(st. 107. Das(iiCiOtz schreibt cor: bis zum voltend cteu KV. Lebens» tlflneli geiiannteN"tlNitSpeiUdtien. Crsas i» bar nnrd nicht geieistet. F. T» III. Das richtet sich doch nach Sem llaantum. daS(Sie zur Stibit« versorginig hatten, uiih mutz»Wieu deinciitwiechend die Äarlosscllaile gc- iürzt sctn.—£. S. 37. Wein.—(st. L. 100. 1. Znm Unterhalt wird nur der Sohn vcivsiichlct werden lönuen, niwt die Töchter, ziaua! tvenii diese verhewaict sciu sollte». 2. Ter Aimeiivorilcher sleut iFhucii»ir ArniciNttkest int?, das Sie beim ziisländigcii Liliidgericht vorlegen nno beantragen müsin!. Übncn einen'SfcchWftmaatt beizuorsnri!. st. Tie Höbe des tknIcrhollS IStzt sich!>ii voraus ni.tst tzemm beftirnnvett. das kommt auf die pcisöntichrii Brichälinlsfe des Sohnes an. it. M. I- Fa. 2. Att das Ausloartigc".iint in Berlin.'S..Z. 9. 1, iScitt. 2. Fa. tVettrrUnsflchten für das mittlere Klordpeiltictitaitk, biS Sonnabend mittag. Zunächst Noch irrilkei» und H.ciUlich beitcr; ipöier im Südwesten trübe und geringe Negcnsäile; strichweise ueewütcr. ZlkiÄiM. VöW Im Bcriln Vi. (Sozialdem. Partei Oeutschl.) Den Genosse» zur tranriaen piachricht, dag unscr allboivöhrier" Gen« sie drUFULt Weiß, Zimmerer, am 5. Mai vcr. storchen ist. Cr war unserer Besten einer. Ehr« seinem Andenken l Tic Beerdigung findet am lV.eüog, den 11. Jini,»ach- Nt.rtayst ä Mr. von der Lejchcw botle'des Georg sn-Kirchhvses in Wcitzcnsce, RA ckcstratzc, aus statt. Mn zahivciche Beteiligung er- wcht 22ltz11 Ter Vorstund. stlcch'2fl, Jahren starb den Heldenstod am 20. 1. mein Herzens» aittcr Hann und Latex, unser üevcr'Solu!, Bruder, Sckwager rmo Schwirgcrlohn, der'Unter- ossizicr 1EN LmU 8cKne!l ivl 08. Lebüstisjahre. Pis lrauarnsien Hinterbliebenen. Auguste Schnell und Sohn, Kopenhagener Str. 73. Unter der Erde, im stillen HanS — Da schlummerst du, Liebster, da rutist du aus— Stach heizen KäMpien Mld schwerem Los— »at Gott dich berufen in seinen Schoi!.— Und droht vor.Knulmer zu brechen das Herz.— Gott hilft übeiwiudeii all uiisern Schmerz. — Er sieht so tröstend aus uns bcriiicdcr,— Tort, über den Sternen, da seh"» wir uns wieder! Lieber Pava, ruh in Frieden, unsere Liebe deckt dich zu. Veit d.Sctineiiier, Sclmeiderimien u. Wäsßfearlipilßr Deiitsciilamls. t'lliule Berlin. linieren Mitgliedern hiermit zur ölachricht, baj der Hernennratz» schneiper, Kpllege p. ö. �üi-Keaseo, geboren 7. April 1820, am 8. Mai oerslorbcn ist. Ehre seinem Audenkcn k Tie Bcerdigmig sindet am Ionnabcn'S, den 12. Mai, nach- miltags 5 Uhr, ans dem fllnften Friedhof der Jernsalemer Gr- lueinve. Ztculölt», Hermann- slratze, stalt. ISösIL P!o Prisvervsliung.' !iMsü-.Aek>ik-ii.we!i!iLw5e ille mSnal. Personen aller öertike t»r«Ü-iierUn. Nachruf. Am 3. Mai verstarb mfter Mitglied �02 ZÄrembovit? (Hutmacher). Ehre seinem Andenken! 291/14 Her Vorstand. Danksagung. För die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung nrei. ncs lieben Mannes 8531 Itcruhard Hasewald sage ich allen Verwandten und Be- kannten, den Kollegen der Firma Erb und dem Verband der Sattler meinen herzlichen Dank. Die trauernde Witwe Kisc llascwald. Der Nachtrag Ar. 1700/1. 17, K. 31 A vom 10. Mai 1937 zu best Bekanntmachung Nr. 500/2. 17. K. R. A. des Lberlommaudos irr den Älarlcn vom 1. März 1917 betreffend Beschlagnahme, Bestandserhebung und Enteignung von fertigen, gebrauchten und nngedrauchten Gegertständeli aus ZItumi'.rium trrlt am 10. Mai 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung rriolgt an den Anschlag. särrlen und m der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. Berlin, den 10. Mai 1917. 321. 1. Mil. 17. 2er Polizeiprüstdent. Bekantttmachtmg. Sflintlt die wljdiiililhskvdkli Gemüse, Midftllile, Tee-Krsahsilllimeu! An Alt und Jung ergeht der Zluf! Lasset die freien Gaben, die sich uns allcrwärls im Baterlande in reichlichem Ueberflusi darbieten, nicht um- lorrrmen! Sammelt die wildwachsenden Gernüse, Wild'alatc, Tee-Etsatz- pflanzen. Polksgenosscn, erfüllt auch diese Pflicht mit Siser und Treue! Behörden und Lehrer sowie gcmeirumtzige Vereine werden sich der wichtigen vaterländischen Anpelegendeii gern annehmen. Nähere Angaben entbäll daS von der Aeichsstelle jflr Gemüse und Obst ®. m. b. H., Berlin\V, 57, Potsdamer Str. 7ö, herausgegebene MertblaU. da? im Bureau der unterzeichneten Avteilnng, Am« FAedrichstr. 71 III, in Empfang genommen werden kann. Berlin, den S. Mai 1917. Mezißnlt hn KSviglichkll Kaopt- nh Kkßdrnsstlldt. Abteilung für Obst, und GeMÜseversorgung. R« n g e. LpsÄsl-ArÄ Qr. med. Hasehe» lil-iickiisti. Sil BchmtSI von Syphilis. Haut-, Harn.li>anenleld.,spez chcon Fälle. Ehrlich-Hata-Kuren, schmerz. wie, lürzeste Sehairdlung ohne Be- russstörung. Biutnnterjuchmig. Mätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden ■16— 1 and 6— 8, Sonnt. 11—1. «hon? erkauft! 2ie Original StHütian! Bereifung kür Fahrräder ist neu, leicht und gefällig. Aufmontieruilg eine Minute k In allen einschlägigen Geschäften zu haben.* Stundard Company. Berlin S, Kottbnser Tamm 91. Pcrtreter überall gesucht. Bekam, tmachnug. Teigware» und Granpen. Gemätz Z 5 der Lirordnung über Lebensmiilelkarten vom 38. Ollobcr 1910 wird für den Stadtbezirk der«tadt Berlin bestimmt: I. Zlüf Abschnitt Nr, 73 der Lebensmittelkarte enksalleii 1V<> Gramm Teigware». II. Aus Abschnitt Nr. 73 der Ledeusmitlelkarte enisalle» 137. Tie AI r-r. ,z oer uevcn-minerraru! cm Ä00 Gramm Graupen. ...... Nr. 73 und 71 sind in den durch ein"Nushängcjchstd Berkacks von Teigwaren /Gi'aupeü) aus LkveilsmiUetkaticii der Stadt Berlin' gekennzeichneten Gdschäsle« gegen Smpian>"chSeZch«inlgnngen arzu- liesern. nn» zwar in der Zeit vom Freitag, den 11., vis einschließlich Montag, den 11. Mai 1917. Nachträgliche Annahme sindet nicht statt. Tie Kleinhanselsgeschäfte haben die von chnen augeuommenen Kartenabichnilte tu der bisher vvrgeichricbencu Weise an iOrru wrossbändlcr abzulitscr», und zwar am TienStag, Sc« tö. Mai 1917. Di« Wäre wirb nach Abiauf der üblichen Anst bei den Klein- handelsgeschüiten gegen Rückgabe der SlnpfangSbeschrmizuiizeu zur Bersägung liehen. Es ist unzulässig, die KartengbschniUc in Geschäste» abzugeben, in denen nicht daS von> Magistrat ansgegcbcnc AuSbängtschilS«siehe zu III) angebracht ist. Ge/chaste. die nicht im Besitze des Aus- bängeschildes sind, ist Sie Annahme der Kartcuadschuitt» untersagt. Berlin, den 10. Mai 1917, Magistrat drr Königjilheu Kaapt- und ZZkstdkmöadt. Abteilung für Brotversorgunz. N-Rr. 33 Ar. S. 7 V. Vi. Zettl, loid- 1 Film- mid Hartgummi-Absälle laust O r d o« e r, Georgenkirch. strotze 50, beim Alexander platz, 9—12. 3— ö Uhr. 22/3' U X Beine I enchewei, j tütürauifi von»Progrcsso4 1 ges. g:sq. TaZ Reuen undÄ o l l!.p m n, e n st e deri Hetzlzeit lK'.änzendeTan'.-] ichrelben! ProjpetteLran S.HDfiijtä.ltzttilet!if5-B,!E5, netnlirltr. 09. ReulersWerke i L-ad- i wart• Buchhandlung Vorwärts 0. RrrnMth-Kiiddsntsche (LSS. Könksl. Pranst.) Kwssl. Nur die E«wi»i>i über 310 VI. find in Slewmern beigefügt. lOhue E-tcähr 21. St.-A. f. ß.)(fliachdru« verboten) IG7(£00) 625 80(lOTO) 769 SOS 69 1307 87<21 41 618 (10001 6äö|6C0) HS 295 ZIZI 34 268 383 424 85£04 79«600) «S 730 613 43 84 3160 219 428 636 SS 711 42 60 840(10(0) 63 61 4090 1)7£07(SOCOI 828 900«062 28 11« 291£90 641 17 741 81 l500i 906 6329«87 88 708 933 7013 14 19 161 319 4' 3 41 63 90 SOS 642' 06 838 931(1000) 8019 70 101 214 68 437 31 92 882 53(1000) 660 93 763 682 940 63«063 394 437 878 781 BOX£03 10837 69 64 653 641«OOS 30 4t 63 162 480 SS« 668 766 616(1000) 73 968 1 2260(5001 361 426 64 608(10001 J8168 (1000) 418 863 601 43 SOS 14138 234 90 404 31(6001 49 78 (10001 768 73(600) 841(3000) 984 1 6023 472 672 86 96 99 838(1000) 829 929(600) 61 16072 93(10001 108 18 63 219 604 64 840(10001 720 846 47 79( 600) 967 1 7030(3000) 1S8 43 864 84 429 816 iv 62 67 681 760 891 941 IROel 100(600) 33 71(1000) 289 329 7 9 463 87 662(600) 94 678 84 770 646 (600) 71 98 19013 37 140 304 6£8 849 OOS 20791 337 402 612 793(1000) 883 21028 282 468(600) »60(1000) 711 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Bon C. S ch e n l l i n g. Jetzt, wo im dritten Jahr die Welt in Waffen starrt, ist man leicht geneigt, Vorgänge und Erscheinungen im Naiurleben durch das jUicgsglaZ anzuschauen. Am besten lommt dabei auf seine MeSnung. wer zu diesem Vergleiche das Tierleben, speziell daS Jtlsiklenleben heranzieht. Von kriegiübrenden Ameisen, von ihrem Aufmarsch in Etappen bat man gewiß schon gelesen. Auch von den Waffen der Insekten dal man bereits gehört, wenn nicht mit ihnen Bekanntschaft gemacht. Hallen wir einmal Ilmschau im Arsenal des JnsektenvolkeS, so finden loir da Schutz- und Trutzwaffcn. Zu jenen gehören eine feste Kvrperhülle, eine der Umgebung angepaßte Färbung und Stellung, die von vielen Insekten bei Beunruhigung angenommene Droh- stcllung, die Mimikry, d. h. die Nachahmung gefährlicher Insekten durch harmlose, und die Benutzung von„Webrsäften*. Weil und breit bekannte Träger solch stinkenden Wehrsaftes sind die wegen dieser Eigenschaft sprichwörtlich gewordenen Wanzen. Tie Waffen der Hautflügler«Bienen, Wespen) sind auf der ganzen Erde, wo man sie kennt, Gegenstand der Scheu und Furcht. Weniger gefürchtet, weil so gut wie nicht bekannt, ist die Verteidigungswaffe einiger Käfer. Ist dort Dolch „ud Gift zur Abwehr wie zum Angriff vereinigt, so werden hier Wehriäfle dem angreifenden Feinde cntgegengeschleudert. Unsere gewöhnlichen Laufkäfer, besonders die größeren, spritzen, wenn sie beunruhigr werden, eine dunkle Flüssigkeit von sich, die infam nach rauzrger Bulter riecht und auch in Wahrheit Buttersäure enthält. Berühmt und merkwürdig genug find in dieser Beziehung die Bontbardieriäfer, mit denen wir uns für diesmal beschäftigen wollen. Da liegt ein toter Regenwurm. Eine ganze Rotte kleiner Käfer bat sich um ihn gesammelt, um mit seinem Fleische den Hunger zu stillen: es find Bombardierkäfer. Die Tierchen erreichen kaum die Länge von einem halben Zentimeter und baben einen schwarzen Hinterleib; Beine und Fühlhörner, Kopf und Halsschild sind rot ge- färbt. Wir lassen die Tierchen unbehelligt. Doch da eilt im Sturm- schritt ein gewalliger Laufkäfer herbei, dessen Decken wie die Stadl- rüstung eines geharnischten Ritters im Sonnenschein blinken. In der Tat ist es ern Ritler ohne Furcht und Tadel, es ist der sogen. Raupensäger, einer unserer größten und schönsten Laufkäfer, der namentlich den Raupen oller Art vielfache Niederlagen beibringt. Schon hat er die sorglos schmausenden Bombardierkäfcr bemerkt und beschlossen, mit ihnen anzubinden. Die Bombardiere weichen eiligst zurück, denn ihr Gegner kam zu liiicrwarlet; der eine läuft hier-, der andere dotthin, um in bcftiger Flucht oder sicherem Verstecke sein Leben zu retten. Der Jäger hat es auf einen dieser Bombardiere abgesehen, den er nun Hiii aller Energie verfolgt. Aber dem Flüchtling ist schon der Atem ausgegangen, wie tot duckt er sich nieder. Da rückt der Jäger vollends heran, sperrt die haarscharfen, dolchähnlichen Kiefer weit auf. um seinem Opfer den Todesstoß zu versetzen, da— puff! fliegt ihm ein Schuß entgegen. Erschrocken macht der Jäger ball, weicht zurück und wischt sich die Augen aus, denn die Ladung flog ihm stracks ins Gesicht. Aber diese Verwirrung des Feindes macht sich der kleine Bombardier zunutze; von neuem ergreift er die Flucht, um irgendeinen Schlupfwinkel zu erreichen. Doch der Verfolger ist wieder zur Besinnung gekommen und sitzt ihm schon wieder auf den Fersen. Puff l puff! folgt eine frische Ladung. Wieder Verwirrung, wieder Flucht. Noch öfter wiederholt sich das- selbe Manöver, noch ist nichls entschieden. Immer kühner und hitziger greift der Jäger an, denn er Hot gemerkt, daß blind ge- fchoffen wird: des Bombardier» Geschoß ist kein tödliches, es find nur Angst- und Schreckschüsse. Jetzt erfolgt der letzte Angriff, der au Hartnäckigkeit die erficreii weit überbietet. Unser Bombardier schießt mit der größten Geschwindigkeit, es folgt Knall aus Knall, und beide Kämpen sind in einen wohl bemerk-. baren Dunstnebel eingehüllt. Aber der Jäger kehrt sich gar nicht mehr an Knall uud Dunst und ängstigt jenen solange, bis dessen ganze Munition verplatzt ist. Dann aber greift der Jäger von vorn an, baut mü seinen scharfen Freßzangen unbarmherzig ein, und der kleine Bombardier stürzt endlich tot nieder, um dem Sieger zum Fraß zu dienen. Allem nicht immer endet ein solches Zusammentreffen auf so tragische Weiie. Meist gelingt es dem kleinen Verfolgten, sich unter Mooö zu verkriechen, unter eineii Stellt, in einen Erdriß oder ähn- liche Lerstecke zu entkommen. Auch sieht man die Bombardiere mit ihren Feinden zuweilen an ein und demselben Wurm, einer Schnecke und anderem Aa§ sreffen, ohne im mindesten der alten Feindschaft eingedenk zu fein. Arbeiter. 13] Von Stij n Strcuvel«. Im Gehen betrachtete sie zeitweise ihren Manu mit dem Gedanken: was wirst du für Augen machen, wenn du alles so aufgefrischt und wie neu wiedersiehst! Sie sehnte sich da- nach, wie nach einem großen Ereignis: sie wollte ihn nicht vorbereiten, im Gegenteil, ihn ablenken, sodaß er mir einem Mal davor stehen und cS unvcnnittelt genießen würde. Und sie selber empfand schon einen Genuß bei dem Gedanken an hie Ucbcrraschung. „Wie is drüben die Ernte ausgefallen? Du sagst gar nichts davon/ begann sie. „Tie Ernte war zu gut," sagte er.„TaS Korn stand ganz aufrecht, und da müssen wir die Arbeit in kleinen Partien machen. Schwerere Arbeit wird mit den Pferden gemacht. Wir haben uns dranhalten müssen, sonst hätten wir nich viel mitgebracht." „Nun wird er sagen,„wieviel" er mit hat!" dachte Manse. Aber er sagte es nicht. „Trüben wird's bald so schlecht wie hier," bemerkte Ivo. „Macht nichts." dachte Mause, von Emma wcrd' ich schon erfahren, wieviel er mit hat— sie wird Sarel fragen." „Sind nun die Männer alle zu HauS?" fragte sie noch. „Die letzten kommen heut abend oder morgen früh." Er nannte einige beim Namen, die aus dem Dorfe waren und die Manse kannte. 4. Nun kam das Hüttlein in Sicht, und wirklich: int Augen- blick hellte sich Ivos Gesicht auf. ES machte sich gut von hier aus. Mause fühlte es— mit dem bißchen frischen Grün an den Fensterläden und der weißen Kalktünche an der Gicbelscite sah es wie sunkelneu aus. Ihr Herz hüpfte dabei vor Freude und mit jedem Schritt, den sie näher kamen, wuchs bei ihr die Erwartung, wie, er alles bemerken und... schön finden würde. Sic ließ ihn vorangehen. Durch das Gättchen und den Hof schritt er, ohne etwas näher zu besehen und auch Manse fand keinen Grund, ihm zu sagen. daß gestern hier alles noch kunterbunt durcheinander, ver- schmutzt und zcrtrampelr gelegen war. Die Buben kamen ihnen entgcgcngclaujen und führte» den Latcr an den Händen, i—1— n Worin besteht nun aber der sonderbare Schießapparai diese» merkwürdigen KäfercheirS't Er ist sehr einfach und doch von über- raschender Wirkung. Im letzten Leibesringe befindet sich bei dieion Käfern eine haarige Drüie, diese scheidet eine eigentümliche Flüssig- lest aus, die sich in einem paarigen Behäller von länglich runder Form ansammelt. Dieser Saftbehäller ist mit einer Lage sich kreuzender Muskelfasern bedeckt, durch deren Zusammenziehung das angesammelte wasierhelle Sekret durch eine hinten ausmündende Röhre ausgespritzt wird. Die Anordnung der Muskelfasern nebst der großen Beweglichkeit des Hinterleibes machen eö möglich, daß scnes nach allen Richtungen hin ausgespritzt werden kann. Das Sekret aber ist so flüchtiger Natur, daß es bei Berührung mit der Luft einen knallartigen Effekt hervorbringt und sich dabei in einen bläulichen oder waßlichen Dunst verwandelt, der im Dunkeln phosphoriszicrl. die Hanl schwärzt und da- selbst ein brennendes Gefühl erzeugt. Obschou die wissen- schastliche Untersuchung des eigentümlichen Apparates noch nicht vor langem staltgesundcn hat, kennt man doch die sonder- bare Verteidigungswelse der Bombardiere schon seit längerer Zeit. Hat diese den Tierchen dock auch zu ihrer volkstümlichen von der Wissenschaft übernoininciieri Benennung verhoifen. Die Entladungen können wohl acht- bis zwölfliial wiederholt werden, wobei natürlich die Menge des ausgespritzten Saftes immer geringer und der Knall immer schwächer wird. Letzlerer ist überhaupt nur die ersten Mole wahrnehmbar, vorzüglich dann, wenn die Käser recht lebendig sind, und in einiger Menge gleichzeitig bombardieren, wozu sie indes leicht gereizt werden können. Die Bombardierläfer finden sich in zwei Arten bei uns überall häufig an grafigen Stellen, auf Rainen unter Steinen oder an Laumwurzeln unter Moos, meistens in Gesellschaften, die bisweilen aus Hunderten von Tieren bestehen. Während Deutschland nur die kleinsten Arten aufzuweisen hat. finden sich in den tropischen Gegenden viel mehr, zum Teil verhältnismäßig große Formen und mit so wirksamem Schießvermögen. daß nach Mitteilungen der Sammler eine einigermaßen beträchtliche Zahl von Exemplaren nicht ohne Handschuhe soll geiammelt werden können. Die siachellosen Ameisenarteu haben am hinteren Körperende ebenfalls eine Drüse, die eine, kräftigen Menschen und auch den Hirschen überaus wohltuend und erfrischend riechende Säure ab- scheidet. Die Ameisen verstehen es meisterlich, ihrem Feinde, nachdem ste ihn gebisien baden, jene scharfe Flüssigkeit als Zugabe in die Wunde zu träufeln. Auch die den Schmettcr- lingsraupen gleichenden und daher Afterraupen genannten Larven der Blattwespen befitzen öfters ähnliche Fähig- keilen: so schleudert die Larve der Fichtenblattwespe dem, der sie beunruhigt, einen Harztropfen aus dem Maule ent- gegen, und was noch merkwürdiger ist, macht nicht ein einzelnes Stück des Haufens diese Bewegung, vielmehr sämtliche Tiere zu- gleich. Aus diese Art feuern die Tiere sozusagen eine volle Ladung gegen ihre Feinde ab. Das£an6 ohne Wehrpflicht. Das Land ohne Wehrpflicht— da» ist da» Mennonitenland: das ist der reiche Werder, das Tiefland der Mottlau, in der Umgebung von Danzig. Dorthin werden die„Taufgesinnten", wie anderwärts, aus Holland berufen, weil sie die Kunst verstanden, die sumpfigen Flußniederungen zu entwäsiern und in fruchtbares Wiesenland zu verwandeln. Dank dieser Kunst haben sie sich von den Niederlanden aus im deutschen Westen, auch im Süden verbreitet, aber im wcst- preußiichen Werder ihren Haupisitz gefunden. Bon den 13 000 Mennoiriten Preußens sind nicht weniger als 10000 in der Provinz Westpreußen angesiedelt. Dieser roestpreußtsche Werder ist nun, wie Dr. Käthe Schumacher in einem hübschen Aufsotze de» neuesten Heftes des.Deutschtums im Auslände" hervorhebt, das Land ohne Wehrpflicht. An deren Stelle trat bei ihnen eine Wehrsteuer. So haben die Mennonilen z. B. in den Freiheitskriegen freiwillig hohe Bc- träge aufgebracht, dagegen junge Männer, die sich damal» freiwillig zur Landesverteidigung ftelltcu, aus ihrer Gemeinschaft auSgc« schloffen. Ihrer religiösen Ilebcrzcugung kam die Kabinettsorder vom 3. März 1808 entgegen, die den preußischen Mennoniten ge- stattete, ihrer Dienstpflicht al» Krankenpfleger, Schreiber oder Train- fahrer zu genügen: die Mennoniten. die auch diese Kriegsbetellrguug nicht mir ihrem Gewissen vereinigen konnten, sind damals nach Amerika ausgewandert. Aber im Jahre 1914 haben die jungen Männer der Mennoniten sich nicht mehr auf den ablehnenden Standpunkt gestellt. Die einen leisten den Kriegsdienst ohne Waffe, aber eine große Anzahl anderer hat sich freiwillig zum Frontdienst gemeldet und das Eiserne Kreuz erworben. Die Rücksicht, die in Deutschland aus die religiöse Ueberzeugung der Mennoniten genommen wird, tritt in das volle Licht erst, wenn am Aermel, an seinen Hosenfalten hinein. Nun sah und fühlte cr's. „Wir sind da!" rief er mit einem Seufzer der Erlcichte- rung, und warf seinen Zwerchsack auf den Boden. „Find'sl du dich noch zurccht?" fragte Manse mit strahlenden Augen, indem sie dem Kleinen, um cZ zu besänftigen. schnell die Brust reichte. Er begriff nicht, was seine Frau meinte, er konnte nicht annehmen, daß alles ihm zu Ehren und in solch' fliegender Eile herausgeputzt und aufgefrischt war, denn sie wußte nichts von seiner Heimkunft. Aber es berührte ihn angenehm, er fand es behaglich und das Gepolter der Buben und die Stimme ManseS in dieser Umgebung zauberte ihm mit einem Male daS Leben von ehedem wie vergangenes Glück wieder vor. Er zog schnell die Schuhe auS, wie einer, der zu Hause ist, uud setzte sich dann an den Tisch. „Wenn wir jetzt was kriegen. Weib, wird cS tüchtig schmecken." Manse empfand jetzt noch einmal, wie es mit ihren Vor- auSsetzungeu fehlgegangen war. Dieses„Essen", das Mittagsmahl, von dem sie sich so viel vorgestellt hatte, war verhunzt— der Tag war ganz anders verlaufen, und cS berührte sie wie eine Ernüchterung, als sie nun, anstatt „Kirmcß" zu halten, etwas aus dem Stegreif herrichten mußte. Ihre Meinung war gewcscu. daß sie noch vormittags zurück sein würden, daß Ivo den stillen Sountagvormittag herum- gehen Ivürdc, um das Haus in allen Ecken zu besichtigen, während sie das Festmahl bereitete... sie hatte sich vorge- stellt, daß sie behaglich speisen und den ganzen Nachmittag für sich haben würden, um gemütlich zu plaudern, bis die Bc- kannten kanien, und abends eine kleine Wanderung nach dem Dorfe... und jetzt saßen sie noch nicht einmal am Tische beim Essen: vom Reisbrei war keine Rede mehr, der Mittag war ohnehin vorbei... es war nicht einmal für einen Krug Bier gesorgt, und sie mußten die Bissen ttocken hin- unterwürgen. „Wir werden dafür sorgen, daß abends etwas bereit ist," versprach Manse. Aber Ivo schien nicht mehr davon erbaut. Er aß weiter wie ein Ausgehungerter, ohne zu sprechen. «Mach jetzt ein wenig Kaffee zurecht," sagte er endlich,„gleich kommen die Kameraden, und sie werden nich lange warten wollen." Das geschah, um sie nicht in' SU t Ö 5reitag, 11. Mal man ihre Schicksale in anderen Ländern ins Auge faßt. Die deut> icke« Mennoniten bilden ja nur einen sehr kleinen Teil der menno- liilischcn Weltgemeinde, die 4- br» 000000 Menschen umfassen dürste. Eltva 70 000 davon leben in Rußland, wohin sie Ende des IL. Jahrhunderts durch lockende Versprechungen gezogen worden sind, und wo die deutschen Mennoniten sich eine sührende Stellung erworbeir hatten. Paul I. befreite die russischen Mennoniten vom Militärdienst. 1874 erreichten sie noch daS Zugeständnis, daß ihnen der Dienst ohne Waffe, als Krankcnpfleger. Forstbcamter oder Eisen- bahner, gestattet wurde, aber seit 1881 dürfen die Mennoniten Ruß- lands ihre Söhne nur noch in der„Forstel" dienen lasten. Wie mit ihnen während dieses Krieges verfahren worden ist, ist noch nicht bekannt; zu befürchten steht, daß sie, weil deutscher Herkunft, die schweren Schicksale aller anderen Deutschstämmigen haben teilen müssen. Immer, wenn den Mennoniten Gewiffensschwierigkeiten ent- standen, sahen sie m Amerika den Freihafen, wo sie vor Gewissenszwang und Verfolgung sicher waren. Niederländische Mennonilen wanderten schon 1002 nach Amerika, die ersten deutschen— aus Krefeld— folgten ihnen 1683, später kamen auch russische Mennoniten nach. Auch in den Vereinigten Staaten haben die Mennoniten sich als sehr tüchtig erwiesen, aber den gesuchten Freihafen ihres Gewlssens. haben sie in dem„freien" Amerika nicht gefunden. Im Unabhängigkeilskriege 1770 sollten sie um der Wehrfreiheil willen ihr Bürggerrechl verlieren, und im Sllavenkriege 1801 wurden sie, als Gegner de» Sklavenhandels, in den Südstaaten zwangsweise ausgehoben, bis sie die Ablösung der Wehrpflicht durch ein hohes Wehrgeld erreichten. Wirklich ein« gehalten bat die den Mennoniten gemachten religiösen Zusicherungen nur das Deutsche Reich, das von seinen Feinden als der größte Mtlilärstaat bezeichnet wird. In diesem großen Militärstaat genicßcir die Mennoniten noch heute das unangetastete Recht, dem Baterlande ohne Waffen zu dienen._ Notizen. — TSeaterchronik. Maxrmilian Sladck hat neben dem Dcutscheir Theater, den Kammerspielen und der Volksbühne, vom 1. Juni au auch das Lesstng-Theater für ein Sommergastspiel gepochtet. Das scheint ja ein Anfang eines Berliner ThcatertrusteS wenigsten- für den Sommer zu werden. — Die große Musikaufführung im ZirkuS Schumann soll, wie die Kommandantur mitteilt, im Herbst wieder- holt werden. — Die Philharmoniker in Kopenhagen. Nikisch hat mit den Philkarmonikern in Kopenhagen einen großen Erfolg gehabt. E» mußte noch ein zweites Konzert angesetzt werden. — Sie lebt noch— die alte Unflttlichkeitsschnüffelei in Literatur und Kunst. Der Geist der Lex Heinze gehl noch immer um. Gegen Wilhelm Herzog in München, den Herausgeber der „Weliliteiatur", ist ein Versahren wegen Verbreitung unsittlicher Schriften eröffnet, weil er� Heinrich Manns Novelle„Pippo Spano" darin veröffentlicht hat. Sie liegt zwar seit Jahren im Buche vor— schadet nichts, der Abdruck in einem billigen Blatt bildet den Vor- wand. Merlwürdig, einem zahlungsfähigen Publikum schadet die Unsitilichkeit nicht. So ist auch der„Vorwärts" bestraft worden. weil er den Roman von Broodcoorens„Vlamenblut" abgedruckt hat. Gegen das Buch aber wurde keine Anklage er- hoben. Hoffentlich gibt der Prozeß gegen Herzog, dem im Schutzverbande Deutscher Schriftsteller bereits ein Helfer er- standen ist, Anlaß, die Nnhaltbarkeit dieser GesetzeSauslegung aufzuweisen und dagegen Sturm zu laufen. Wo bleibt übrigen» der selige Gorthcbund i! Er ist gerade zu dem Zweck gegründet worden, gegen solche kunstfeindlichen Staatseingriffe vorzugehen. (Der dies schreibt, war dabei.) Inzwischen soll Wilhelm Herzog öffentlich bestätigt sein, daß er sich um die Literatur und die bildungseifrige Masse wohl verdient gemacht hat: er hat in seiner„Weltliteratur" � eine Auswahl der besten kurzen Erzählungen au» dem älteren und dem lebenden Schrifttum geboten— zu 10 Pf. die Nummer. Seine knappen Einführungen sind mustergültig. — Pilze als Erzeuger von Zitronensäure. Bis- her besaß das„Land wo die Zitronen blühen" sozusagen ein Mono- pol auf die vielgebrauchte Zitronensäure. Nach der„Zeitschrift für angewandte Chemie" untersuchte I. A. Martin die Entstehung von Zitronensäure in Zuckerlösung durch einen bestimmten Pilz. Es gelang, eine Zirronmffäureausbeute von 43 Proz. des Gewichts dc» angewendeten Zuckers zu erhalten. Martin ist der Hinsicht, daß das Verfahren nach weiterem Studium industrielle Verwertung finden könnte. dem Wahn zu lassen, daß er seinen ersten Abend am häuslichen Herd verbringen werde, wie sie zu meinen schien. Denn wie wohltuend es ihn auch berührte, daheim zu fei«, und wie behaglich er sich auch fühlte in den engen Schranken dieser kleinen Wohnstube, so war doch das Gefühl der Wehmut noch nicht ganz verschwunden, das beim Abschied von den Kameraden entstanden war. Er entbehrte noch immer die Freunde, den Lärm und das Durcheinauderrufen und die Erzählungen von ihren gemeinsamen Erlebnissen. Er hatte es noch zu gut im Gedächtnis und versprach sich etwas be- svudcrcs davon, den Abend in lustiger Gesellschaft zu ver- bringen, noch einmal viel Bier zu trinken uud Tabak zu rauchen und laut zu schwätzen und zu lachen. Es belästigte ihn, daß die Kinder so unruhig waren oder vielmehr, daß Manse sie so laut anschrie, wenn sie etwas berührten oder ihre neuen Kleider zu beschmutzen drohten. War denn das der Mühe wert, und was konnten die Buben denn anders tun? „Ha," sie sind da!" rief er. Da kamen schon Rykand und Vervaeckc. Die beiden Kerle merkten es schon beim Eintritt und sicher um so mehr, weil sie es daheim nicht so gefunden hatten. „Manse, hier iL ja alles wie neu, du hast getüncht, ge- malt.. sagte Rylandt, der den Geruch von Firniß und frischer Farbe gierig einzuschuauben schien. „Das iS meinem Manu zu Ehren!" rief sie, und glück- lich darüber, daß sie es nun anbringen konnte, fügte sie bei. „Und gestern lag noch alles in Schmutz und Unordnung. Ich Hab' erst vormittags diesen Brief bekommen und mußt' ins Dorf und hatt' alles allein zu tun." Was sie sich selbst versprochen hatte als den höchsten Lohn für ihre Mühe: Ivo aufzuzählen und zu schildern, wie sie cS angefangen und geregelt hatte, um fertig zu werden und für den Empfang alles am besten zu ordnen— wie ihr eins nach dem andern eingefallen war und wie sie nichts hatte Unterlasten wollen und lieber die ganze Nacht durch- gearbeitet hatte— das Vergnügen an djeser Mitteilung ver- ging ihr, nun die beiden Fremden dabei waren, augenblicklich — ste hielt es nicht der Mühe wert— die Dinge konnten sonst stets in Ordnung sein, und es schien ihr nun plötzlich, daß sie nichts weiter getan habe, als das Rückständige ein wenig nachzuholen. Eortj. folflU Uircktioa Max Reiubardt. l>curVaihatla-Theater. VI, Uhr: Der fidele Bauer. LeihliauS Mvritzplav öHa. Eelegenheitsläuse«euer 2/7 atj* fiarberofic lotete PaletoiS, Ulficc in rrflllalfiger Verarbeitung. Ferner ßtunUftoIag, Muffen, Marder, Nerz, iilaSla, iälaw und Weifffüchse, Pelzmäntel, Wagenpelze. 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