Mr. 133. 34. Jahrg. flboniKnientS'Beillngunfeii; RbonncmeiüS• SieU pränumerando BiertelifibrL 8.90 Ml, Bionoll USO Ml, »röche» llich 80 Psg. frei inj Hau!. Einzelne Nummer ö Pjg. Eonnras!» nununer mit Mustriener Eoimiag!» Beilage.Die Neue Welt' lO Vsg. Solu Abonnement: 1,30, SKatl pro Monat. Eingetragen in die Post»Zeitung!- Preiöliile. umer Kreuzband I'.ir DeuNchland und Oeslerreich» Ungarn 2.30 Marl, für da! übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnemem! nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. kuaiiuiien. Schweden und die Schweiz. trldieiDt UgNck. 5 Pfennig) B!e Inffrttons-Gebühr Erträgt für die Iech?gest>altene Kolon et- »eile oder deren'Raum 60 Pfg, für dolitische und gewerlichaMche Lgrein!» Und Leriamnilung!- Anzeigen 30 Via. »Ki-in« anreigen", das seisgöSNzSle feo« 20 Pfg.(zu.äifig 2 fctjgcbnlcjic Gottc), jede! weitere Won 10 Pig. Slellengesuche und Schlasslcllcnan» «eigen das. crile Wort so Pig.. jede.? «euere WoN S Pfg. Worte über lö Puch- paben zählen für zwelWone. Lnscraie nir die nächste Nummer müssen b>! 6 Uhr nachmittag! in der Exvcditien »bgcgeben werden. Die Exvedilion ist bis 7 Uhr abend! grögnet. Nevlinev VolkSblAtt. rclegramm-Adrclse: .ZoxizlScmdüldl llctllii". Zcntvaiovqan der fcztaldemokratifdien Partei DeutfchlandQ. Neüaktion: EW. HS, Lioüenstraße 2. Keruivrecher: Amt Moritzvlas, Nr. 1S1 SV— l.St«7. Mittwoch, den 16. Mai 1V17. Expedition: EW. öS, Linöenstraße 2. Kernivrecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1Sl S0-1sl S7. Leivollte llnklacheit der IMgsÄele. Berlin. 13.� Mol.. Herr v. Bethnrann hat gestern im Reichstag eine ziemlich lange Rede gehalten, die er mit der Erklärung einleitete, daß er nichts sagen wolle. Nenn Zehntel dieser Rede waren nur dem Zweck gewidmet, diese gewollte Unklarlieit als be> rechtigt und politisch klug erscheinen, zu lassen, ein Zehntel diente der Feststellung, daß Teutschland bereit sei, m i t R u ß. land einen Frieden ohne Annexionen und ohne Entschädigungen zu schließen. Tas muß man aus seiner Erklärung ilotwcndigerweise entnehmen, wenn Worte noch einen Sinn haben. Tie Frage, die uns einzig und allein interessiert, ist die, , wie die Kanzlerrede und die ganze Tcbatte wirken wird, und ob wir durch sie dem Frieden nähergekommen sind. Man muß ein Tplimist sein, um diese Frage bejahen zu können. Friedcnsfördernd wirkt die Haltung der Sozialdemokratie, wie sie in S ch e i d e m a n n s und Davids Rede klar zum Ausdruck gekommen ist. Friedcnsfördernd mag bis zu einem gewissen Grade auch der Umstand wirken, daß der unentwegte Annexion ismus' jetzt nur noch von einer einzigen Partei ver- treten wird, der konservativen, und daß selbst die nicht mehr wagt, ihre unmögliche Politik von ihren eigentlichen Führern vertreten zu lassen.: Aber die Wirkung, die nur der Reichskanzler durch eine entsprechende ziundgebmtg hervorrufen konnte, ist ausgeblieben. Bon seiner an Rußland gerichteten Einladung wird man sich nicht allzuviel versprechen dürfen.''Sic' schließt die Möglichkeit nicht aus, daß Teutschland Rußland in einen Scpaiatfpredöir lockelt' wolle, um daniNnach Westen hin Er»- obcrpngen vorzunehmen. Es' fällt nns nicht, ein behaupten zu wollen, daß dies die Absicht der Reichsleitung sei, nehmen vielmehr das Gegenteil als' wahrscheinlich an, aber der Per'. dacht ist durch die Rede des Reichskanzlers nicht beseitigt worden, und dieser Verdacht ist heute das größte Hindernis für die Beendigung des llrieges. Herr v. Bethmonn'begründet seine Weigerung, nach Westen hin einen klaren Annexionsverzicht auszusprechen, damit, daß sonst die Wcstmächte in diesem Krieg„kein Risiko laufen würden". Tiefe Begründung ist mehr als sonderbar. In Wirklichkeit laufen die Westmächte in diesem Krieg gar nicht das Risiko, Provinzen zu verlieren, dazu sind sie durch eigene Kraft und die Kraft ihrer Verbündeten viel zu stark. Taniit kann man sie nicht schrecken. Wird aber der unwirk- liche Anschein aufrechterhalten, als könnte Teutschland nach Westen hin als Eroberer austreten, so wird damit ein gar nicht bestehendes Risiko konstruiert, gegen das die Weststaaten zu schützen die B u n d e s p f l i ch t Rußlands ist. Durch die diplomatische Aktion des Reichskanzlers wird also nicht das Risiko Frankreichs, Belgiens oder Englands vergrößert, san- berp einzig und allein das Risiko Deutschlands, dessen Aussichten ans einen baldigen Frieden durch sie nicht gefördert werden. Erst in dem Augenblick, in dem Deutschland erklärt, es sei gegen Zusicherung der Gegenseitigkeit bereit, nach allen Seiten hin einen Frieden ohne Eroberungen und ohne Eni- schädigungen zu schließen, bekommt auch, das.neue Rußland für seine Politik nach allen Seiten hin freie Hand. Wenn es die Sicherheit hat, daß Deutschland dem Westen keinen Gewalt- frieden diktieren will, ist es von allen Verpflichtungen frei, und dann kann von ihm auch die Erklärung erwartet werden, daß es für die Eroberungsziele seiner Bundesgenossen eben- sowenig sein Blut verspritzen wird wie für eigene. Ast es aber wahr, daß die Weststaaten kein Risiko mehr laufen, wenn Teutschland seine Bereitwilligkeit zu einem all- scitigen sogenannten„Verzichtfriedcn" erklärt?(lieber die Definition des Begriffes„Verzichtfrieden" siehe Schcidcmanns hleme dieses Krieges nachgedacht' hat. klar geworden sein, daß es Dinge gibt, die unendlich wertvoller sind: daß Vertrags- rechte' wichtiger sind als Besitzrechte, daß ein guter Vertrag, der den Frieden und die handelspolitische Bewegungsfreiheit sichert, schwerer wiegt als ein erbeuteter Goldbcrg oder eine annektierte Provinz. Während aber die goldenen Berge und die neugewonnenen Länder, in denen Milch, und Honig fließt, weiter nichts als leere Schimären sind, Wahngebildo, bei deren Verfolgung die Menschheit Blut und Gut sinnlos vergeudet, sind die für alle guten Verträge greifbare Möglich- keiten, ans deren Erreichung ivirkliche Staatsmannsknnst mit all ihren Kräften hinarbeiten müßte. Der erste, der diesen Weg beschreitet, ist den anderen weit voraus. Nach dem Ergebnis der Dienstagsdebatte müssen wir als Staat auf diesen Vorrang verzichten, aber als Partei dürfen wir auf. ihn Anspruch erheben und stolz ans ihn sein. Rechts ward ein unsinniges und barbarisches Ziel ausgestellt, vom Regierungstisch und von dem Block der Mitte kcins oder dock kein sichtbares. Tie Sozialdemokratie ist heute die einzige Partei Deutschlands, die ein klares, vernünftiges Ziel verfolgt und die damit gezeigt hat, daß unverrückbare Grundsätze kein Hindernis für eine wirkliche Rcolvolitik sind. Tie sozial- demokratische Friedenspolitik ist die Wirklichkeitspolitik des deutschen Volkes, und sie muß den Beifall der Arbeiter aller Länder finden, die nicht in Feindeshaß und Völkerverhetzung verblendet sind. Die Sozialdemokratie geht, gestärkt aus dzeser Reichstagsdebatte, nach Stockholm und weiter�jwxthin, wo das Ziel pller. Völker winkt, die Erlösung aus aller Wahn» TrellhI,-'dMl Sicht, dem Arizdcn jfyjgMAt,!.... Rede!) England und Frankreich riskieren bei längerer Fort setzung des Krieges den Verlust ihrer Vollskraft, die Aus- hnngerung und Verelendung ganz Europas und damit vor allem auch ihrer eigenen Völker. Tas ist das wirkliche Risiko, das sie laufen, vor dem jeder seiner Verantwortung bc- wußte Staatsmann zusammenschrecken muß, und dieses w i r k- liche Risiko würde durch die ausgesprochene Bereitwilligkeit Sleutschlands, sich einem allgemeinen Verzicht auf Eroberungen und Entschädigungen anzuschließen, nicht ausgeschaltet. Aber die Verantwortung für die Fortsetzimg des Krieges und für die Vergrößerung der Gefahr, mit der sie für alle Be- leiligten verbunden ist. wäre dann vor aller Welt auf die- jenigcn geladen, die sich einem solchen Allgemeinvcrzicht nicht anschließen wollten! Die Risikotheorie des Reichskanzlers ist der Ausdruck einer Politik, die statt in Menschenleben und wirtschaftlichen Werten nur in Quadratkilometern und Barsummen denkt, die von einer Macht zur anderen hinübcrgenommen werden. Sie ist der beklagenswerte Rest einer grobmaterialistischen Denkweise, die nichts von dem begreift, was sich nicht geo- metrisch, aus. der Landkarte oder arithnietisch iin Staatshaus- halt darstellen läßt. Und doch sollte jedem, der über die Pro« Der Gang öer Debatte. DäZ dichtbcsötzte Haus mußte erst einen Hagel kleiner An- fragen über'sich ergehen lassen/ bevor eigentlich der große Tag be- gönn. Herr Kaamps bat wahrhaftig nicht den Schalk hinter den Obren, sonst hätte man glaube» müssen, daß er sich eine kleine Bos- hett geleistet habe, als er versehentlich den Grasen Westarp zur Begründung der konservativen Interpellation aufrief. Der aber hütet sich fein, und. an seiner Stelle erscheint ein Stern zweiter Größe, Herr R o c s i ck c, der mit seiner vom Zirkus Busch her wohl- bekannten ausgcschriencn Stimme die konservativen Absichten und Beweggründe erläutert. Cr beschuldigt' den Reichskanzler, der So- zialdemokratie geistig verwandt zu sein und überhaupt nicht den richtigen„Siegeswillen" zu haben, dessen Patent er für seine eigene Partei anmeldet.... Genosse Scheidemann sprach dann eine Stunde lang unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses und legte noch einmal die Gründe der sozialdemokratischen Friedenspolitik in klar überzeugender Weise dar. Was er gegen'die Rechte zu sagen hatte, war die schärfste Brandmarkung, die ihr gewissenlos dema- gogisches Spiel jemals erfahren hat.. Sic hörte mit wachsender Aufmerksamkeit zu. und ihre Erregung steigert sich zu einem kleinen Tobsuchtsanfall, wie der sozialdemokratische Sprecher als sichere Folge einer ihren Wünschen entsprechenden Kricgspoliiik die Revolution in Aussicht stellt..Er tröstet sie später damit, keine Regierung werde so gewissenlos und dumm sein, die Ding« soweit zu treiben, aber er tröstet sie. damit schlecht. Und der unmotivierte Ordnungsruf des Präsidenten ve-nnag auch nur zu einer nicht viel besser. begründeten'Rüge, die sich Herr Roesicke vorher wegen einer hypothetischen Kanzlerbeleidigung zugezogen hat, den not- dürftigen Ausgleich schaffen. Der Kanzler weiß, daß er nichts Entschiedenes und nichts Entschlossenes zu sagen hat. Desto mehr markiert er Entschlossen- heit in Ton und Haltung. Er sagt, daß er über seine Kriegszicle nichts zu sagen habe, spricht aber trotzdcnr unverdrossen weiter. Für die Borwürse, die er gegen Echcidemann richtet, findet er rechts ein wenig Zustimmung, wie er sich dann aber gegen die. Rechte wendet, klatschen die Liberalen freudig erregt in die Hände; wie immer sie über Kriegszicle denken, der Kanzler, der weder mit der Linken noch mit der Rechten geht: der ist ihr Manu. Dann gibt Herr Spahn namens des neuen Blocks der Mitte eine vereinbarte Erklärung ab. die.genügsam erklärt, es sei gut, wenn die Reichsleitung weder„uferlose Eroberungspläne" verfolge noch sich auf einen Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen festlege. Die Erklärung klingt bedeutend zahmer als das, was Harr Spahn bei früheren Gelegenheiten als Sprecher der „Mittelparicien" gesagt hat.'Aber wie Herr Spahn herunter- kommt, weiß man, daß der Reichskanzler, trotz der Angriffe von rechts und links, im Hause, seine Mehrheit gefunden hat. Als Ledcbour aufgerufen wurde, entleerte sich' das Haus mit fluchtähnlicher Eile, nicht einmal seine eigenen Parteigenossen waren vollzählig vertreten. Daß Ledebour in seiner Rede die sozialdemo- kratische Fraktion angriff, braucht kaum besonders erwähnt zu werden. Genosse David, der nach ihm zu Wort kam, tat gut daran, sich auf den parteipolitischen Zank nicht einzulassen. Um so wertvoller war das, was David zur Würdigung und näheren Erläuterung der Rede des Reichskanzlers jagte. Lor'allluu.trat.'cr' der geflissentlich genährten Auffassung entgegen,.als-ob-sich»der Reichskanzler durch seine Zurückhaltung auf'den Boden der An- ncxionisten gestellt hätte. Sehr berechtigt war auch seine Kenn- zeichnung des niederträchtigen Versuchs, die Gegensätze in der Be- urteilung der Kriegsziele nach dem Rezepte des Dr. Roesicke als national einerseits und international,„um nicht zu sagen: antU national", anderseits zu gruppieren. Auf' David folgte das Schrcckcnskind aus Mecklenburg, der Pseudojunker V. G r a c f c, der das löbliche Bestreben Rocsickcs fortzusetzen bemüht»vor, die politische und militärische Leitung auseinanderzuhetzen und. zugleich etwas antisozialistische Demagogie von Anno dazumal zu treiben. Tie Kriegszictdebatte flatterte ohne einen Beschluß des Reichs- tags, wie er nach der neuen Geschäftsordnung bei Interpellationen zulässig gewesen wäre, auseinander. Aber mau darf ruhig zu- geben, daß eine Abstimmung eine große Mehrheit zugunsten des Reichskanzlers ergeben hätte. Aach einer lebhaften Geschäftsordnungsdebatte, in der die Ab- ficht der Dlehrheitsparteien, die clsatz-lothringischcn Schutzhaftver- Hältnisse nicht zur Sprache zu bringen, von den sozialdemokratischen Fraktionen mit guten Gründen, aber vergeblich bekämpft wurde. ging die dritte Beratung des Etats beim Titel„Reichskanzler" lociter, und zwar eröffnete der fortschrittliche Abgeordnete A a u- mann die Erörterung niit einer geiswollen, von freiheitlichem Empsinden getragenen Rede über die �Neuorientierung im Innern. Er ging von dem Gedanken aus, daß die Konservativen, die die II nennchlosi enheit des Reichskanzlers in den Fragen der ansivär- iigcn Politik so lebhaft bailagen, jeden Versuch des Kanzlers, im Funern mit der Reuördnnng der Ditrgc, besonders mit der Rcfonft des preußischen Wahlrechts zu beginnen, ebenso lebhaft bekämpfen. Wx.kp'mervgtive.�hhxentichen Verzichts ja kein Risiko laufen, sondern wenn ihnen lMs kLaffcngliick oder die wirtschaftliche Lage günstig ist, nur gc- .vinncn können. Tie unglückliche Theorie von der„Risikolosigkcit" fort- gesetzter Angriffe ouf Teutschlond wird also schon in allen Körnten abgewandelt. In der naiven Darstellung der..Frei- sinnigen Ztg." zeigt sich aber erst recht, wie ungeschickt sie ist. Sorgbjerg über seine Nußlanöreise. Genosse Borgbjerg bat' sich nach seiner Rückkehr von Petersburg noch Stockholm zu dem dort weilenden Genossen Janssen über den Erfolg seiner Reise ausgesprochen, worüber dieser in der„Intern. Korr." u. a. berichtet: Tic Hinreise stieß aus einige Schwierigkeiten, weil Borgbjerg auf der englischen Kontrolliste derjenigen Journalisten und Politiker steht, die als deutschfreundlich verdächtig sind. Nach l:> Tagen unfreiwilligen Aufenthalts in Haparanda erhielt er auf Anordnung der russischen Regierung die Erlaubnis zur Hinreise. In Petersburg wurde Borgbjerg vom Arbeiter- und Sol- d a t c n r a t sehr herzlich empfangen. Er überbrachte diesem die Glückwünsche der dänischen Sozialdemokratie. Gegenüber den Per- leumdungen gegen ihn und seine Reise in der dänischen Chauvinisten- presse, die von einem Teile der russischen kapitalistischen Blätter nachgedruckt wuvdcn, mußte er sofort eine Erklärung in der„Js- vostia", den: Organ des Arbeiterrats, veröffentlichen, in welcher er feststellte, daß er lediglich als Vertreter der dänischen Sozialdemokratie in Rußland sei, um Fühlung mit den russischen Genossen zu suchen. Mit den führenden Genossen wie Tscheidse, Skobc- I c s s usw. besprach Borgbjerg eingehend die Verhältnisse in Europa und die Möglichkeiten für den Frieden. Da in Rußland die Auf- fassung besonders von den großbürgerlichen Blättern kolportiert wird, daß die deutsche Sozialdemokratie in ihrer Mehrheit impc- rialistisch und auf eine angebliche deutsche Eroberungspolitik ein- geschworen sei, hielt es Borgbjerg für notwendig, die russischen Gc- nassen über die wirkliche Sachlage aufzuklären. Er sagte ihnen, daß nach seiner Kenntnis der Auffassungen in der d c u t- scheu Partcimchrhcit diese nach wie vor auf dem Boden ihrer Erklärung vom 4. August 1914 steht, d. h. also, daß sie von der deutschen Regierung den Abschluß des Friedens verlange, sobald die Gegner zum Frieden bereit sind, und daß sie Gegner von Annexionen und der Nnterdrllckung anderer Völker ist. Taraus er- gebe sich die Stellung der deutschen Sozialdemokraten zu den der- schiedenen Fragen, die der Krieg aufgeworfen hat wie Belgien, Polen, Serbien usw. Aus seinen Gesprächen mit deutschen Sozial- demokraten habe er die feste Ueberzcugung gewonnen, daß sie für den Frieden in gleicher Weise und auf der gleichen Grundlage ein- treten wie die russischen Sozialisten in ihrer bekannten Erklärung vom ll. April. Tiefe Darstellung BorgbjergS beschäftigte dann den Arbeiter- und Tclegicrtenrat in einer besonderen Sitzung. Das Ergebnis war, daß der Arbeiterrat die Verleumdung der deutschen Sozialdemokratie in der russischen bürgerlichen Presse durch die Erklärung vom 8. Mai zurückwies, in der die Mitteilungen BorgbjergS über die Stimmung in den Kreisen der deutschen Gc- nassen kurz skizziert wurden. Die Wirkung dieser Erklärung konnte als sine für den Frieden äußerst günstige festgestellt werden, weirde» Kriegshetzern die Waffen aus der Hand geschlagen wurden. Als weitere Antwort darauf beschloß der Arbcitcr-Tclcgicrtcnrat, selbst die Initiative zu einer internationalen sozialistischen Friedenskonferenz zu ergreifen und eine Tclcgation nach den neutralen Ländern zu entsenden, nm die Konferenz vorzubereiten. Tie Motive zu diesem entschlossenen Eingreifen des Arbcitcrrats sind verschiedener Art. Erstens ist man überzeugt, daß niemand eine Einladung der russischen Revolution zu einer solchen Konferenz ablehnen wird. Dann aber sind in dem Arbeiterrat alle Gruppen und Fraktionen des russischen Sozialis- inus vertreten, wodurch wiederum die Teilnahme aller sozialistischen Fraktionen der anderen Länder an der vom Arbciterrat einberufenen Konferenz gewährleistet würde. Nur von einer Konferenz auf breitester Grundlage könne man ein wirkliches Ergebnis für den Frieden erwarten. Tiefen herbeizuführen fei zurzeit die wich- t i g st c A u f g a b e a l l c r L ä n d c r. lieber die Zustände in Rußland sprach unser Genosse sich dahin aus, daß er an den endgültigen Sieg der Revolution glaube. Da? alte Regiment sei jedenfalls auf immer dahin. Aber natürlich setzen nun die Kämpfe zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse ein. Ein solcher Kampf wurde während der Anwesenheit Borgbjcrgs am 8. und 4. Mai ausgcfochtcn. Ter Grund war die bekannte Not« Mil- jukows an die Alliierten vom l. Mai, worin er den Anschluß an die Kriegsziele Englands und Frankreichs manifestierte. Es kam aus Anlaß dieser Note zu großen bewaffneten Stratzendcmonstrationen, deren Ergebnis die bekannte Tesavouicrung Miljukows durch die Wiederholung der russischen Regierungserklärung vom 9. April war. Ter Arbeitcrrat beschloß darauf die llntcrstützung der neuen russi- scheu sog. FriedenSanleihe, womit er sich auf den gleichen taktischen Standpunkt gestellt habe wie die Mehrheit der deutschen Sozialisten hinsichtlich der KricgSkrcdite. Tic Annahme des Antrages erfolgte mit etwa 2000 Stimmen gegen 120, während im Exekutivkomitee die Mehrheit 34 gegen 19 war. Im übrigen war unser Genosse über die herzliche Aufnahme bei de» Sozialisten Rußlands hocherfreut. Er sprach die llcberzcugung m>§, daß die russische Sozialdemokratie heute der entscheidende Friedensfaktor sei, an deren ehrlichem Wollen ebensowenig zu zweifeln sei wie an ihrer Tatkraft. der Krieg auf öen Meeren. Neue U-öo»tserf»lge im sttlantifcbcn Ozean. Berlin, ib. Mai. 4 Dampfer und 8 Segler mit 25500 S.-R.-T. Unter den versenkten Schiffen befanden sich u. a. folgende: Ein englischer Danipser vom Aussehen Marina, ein großer c n g l i- swer Tankdampfer, englischer Segler Bceswing, Ladung Kohlen, italienischer Dampser Bandiera Maro(2008 T.). Ladung 2700 T. Eisenerz von Spanisch-Marokko nach England. Von den übrigen versenkten Schiffen hatten u. a. 2 Kohlen, 1 Holz, 1 Salpeter, 1 Lclkuchen und 1 Stückgut geladen. Ter Ehcf des AdmiralstabrS der Marine. Marinelustschiff t 22 verloren. Berlin, ib. Mai. Amtlich. TaS Marineluftschiff L 22 wird seit dem 14. Mai vermißt. Nach amtlicher englischer Die zehnte Ifonzofchlacht. Trommelfeuer und englische Angriffe an der Scarpe«nd bei Monchy.— Zunehmende Artilleriekämpfe an der fran- zösischen Front.— Deutsche Teilerfolge bei Fort de Malmaison und Sapigneul. Amtlich. Großes Hauptquartier, drn 15. Mai 1917.(W.?. Vh Svestlichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Zwischen Apcrn und ArmcntiircS hielt die lebhafte Artillerie- tätigkcit an. Durch kurzes Trommelfeuer an der Scarpc und bei Monchq vorbereitete englische Angriffe kamen in unserem Ver- »ichtungSfcuer nicht zur Entwicklung. Südlich und östlich von Bullccourt wurden feindliche Vorstöße blutig abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An mehreren Stellen der AiSne- und Ehampagne-Front nahm der Artillcrickampf wieder zu; gegen die Höhenstellungen deS Ehemin-deS-DameS, östlich von Eormicy und nördlich von ProSnrS steigerte er sich zeitweise zu erheblicher Stärke. Die St. Berthe Fme. östlich des Fort de Malmaisou wurde in frischem Draufgchen durch mehrere Kompagnien gestürmt und gegen feindliche WicdcrcrobcrungSversuche gehalten. Ebenso de- hauptctcn Rheinländer eine am 13. Mai auf Höhe 108 nördlich von Sapigucul durch Zurückdrängen der Franzosen neu gewonnene Linie gegen viermal wiederholte Angriffe. Bei RilleS, nördlich von Craonnelle und westlich der Straße Eorbeny— Bcrry-au-?ac blieben französsschc Dcilvorstöße crfolgloS. Oestrich der MaaS wurden Angriffe feindlicher Stoßtrupps gegen das Torf Blancöc abgeschlagen. Im Luftkampf stürzten sechs feindliche Flugzeuge hinter den deutschen Linien ab, ein weiteres mußte bei uns notlanden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Mazedonische 5?ront. Nördlich von Monastir und im Cernabogen ist der Artillerie- kämpf in erneuter Steigerung begriffen. Der Erste Generalquarti.ermeister. Ludendorff. Abcndbericht. B e r l i n, a m t l i ch,>5. Mai abends. Am A i s n e- M a r n e- K a n a l nnd in der C h a m. p a g n e lebhaftes Artillerirfcuer. An den übrigen Fronten im Westen blieb rS bei teilweise schlechter Sicht ruhiger. Der österreichische Bericht. Wien, 15. Mai 1917.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts zu berichten. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach dreitägiger Artillerievorbereitung, bei der der Feind don Tolmcin bis zum Meere hinab seine gesamten Geschüdmassen und Minenwerfcr wirken ließ, setzte gestern drr von den Bundesgenossen Italiens immer wieder geforderte Infanterie- Angriff gegen unsere Jsonzo- Armee ein. Ter Feind stürmte auf mehr als 40 Kilometer Frontdrcite an zahlreichen Stellen gegen unsere Linien an. Am heftigsten wurde im Räume von P l a v a, auf dem Monte Santo, auf den Höhen östlich von Görz, im Gebiete des F a j t i H r i p und bei E o st a n j r v i tz a gerungen. An vielen Punkte» des Schlachtgcländcs brachen die tiefgegliedcrten Angriffs. maffcn der Italiener schon unter unserem Geschütz- und Maschinen- gcwehrfcuer zusammen, so auf dem Monte San Gabriele, auf dem der Feind, Rüstung, Gewehre und Helme von sich werfend, in voller Auflösung zurückflutet. Wo die Italiener vor- kamen, wurden sie, von unserer durch lein Artilleriefeuer zu erschütternden Infanterie empfangen und im Kampf von Mann gegen Man» geworfen. Auf solche Art wcchsrltcn ouf dcm Fajti Hrib unsere zerschossenen Gräbcn fünfmal den Besitzer, um schließlich von den Verteidigern siegreich behauptet zn werden. An einzelnen Punkten wurde die Verfolgung deS Gegner! bis in seine Stellungen vorgetragen Unsere Truppe» rrrangcn am 14. Mai in kraftdcwußtcr Ab. «ehr eincn vollen Erfolg; der Feind ließ über IKIX» Mann und wehrrre Maschinengewehre in unserer Hand. Die Schlacht dauert ohne Unterbrechung fort. Unsere Flieger traten über dcm Kampfgebiet gegen zahlreiche italienische Flugzeuge ins Gefecht. Osfizicrstcllvertrrtcr Arrighi blieb zum 11. Male Siegcr im Lustlamps. Zwei feindliche Flieger wurde» im Luftkampfe abgeschossen, zwei andere durch unser Artillcricfcuer herabgcholt. In Kärntrn und Tirol geringe Gcfcchtstätigkcit. Ter Stellvertreter drS ChcfS drS Gencralstabes v. Hoefcr, Fcldmarschalleutnant. Meldung ist L 22 am 14. Mai vormittags durch englische See- strcitkräftc in der Nordsee vernichtet worden. Ter Chef des Admiralstabcs der Marine. Noröturlänüische Küste. Berlin, 15. Mai. Amtlich. In der letzten Zeit haben russische Sceslugzcnge mehrfach versuch», die Tätigkeit unserer Borpoftenfahrzeuge an»er n»r d ku r l i n d i s ch e n K üste zu hindern. Am 13. Mai morgen-! wurde daher die russische Flug- ftation L c b a r a ausgiebig mit Bomben belegt. Wieüer ein englischer Truppenüampfer gesunken. Lugano, 15. Mai. Der Gcnurscr„Sccolo" berichtet: Der britische TruppcntranSportdampfcr Transsqlvania, ouf der Fahrt nach Marseilles bcgrific», stieß am 5. Mai bei Savona auf eine Mine. 3000 Soldaten und 80 Schwestern wurden ge rettet. Seesperre unü Versenkungen. Bern, 14. Mai.»DepSche de Lyon" meldet au-! Madrid: Minislerpräsident Garcia Pristo gibt bekannt, daß die beiden neuen TorpedoboolSzcrslörer Baslamcnle und Lillamil ständig von G i j o n bis zur französischen Küste kreuzen und die K a n on en b o o te Boinfaz imd Marques La Viltoria und zwei Torpedoboote die Südostküste überwachen werden. Bern, 14. Mai. Im Ilntcrhauss verweigerte am 9. Mai ein ReZierungsvertreler Auskunft auf die Frage, welcher Prozent- s a tz der während der letzte» drei Monate versenkten eng- l i s ch e n D a m p s c r b c lv a f s n e t gewesen sei. Auf die weitere Frage, ob die Admiralität jetzt i» der Lage sei. alle Handelsschiffe zu bewaffnen, antwortete der Vertreter, sie würden io schnell be- waffncl wie möglich. Der Fragesteller entgegnete, dies sei keine Antwort auf seine Anfrage. das tzornistennest Zeebrügge. Im englischen Obcrhousc ivurdc am 11. Mai der Regie- rung von Lord BcreSford und Lord Mealh Mangel an Zusammen- arbeit zwischen den einzelnen die Schiffahrt beaufsichtigenden Bc- Hörden vorgcworsen. Bere s.sord, der bciläusiz erwähnte, selbst wenn»tan die Hilfe Amerikas einrechne, wäre es unmöglich, hin- reichend Schiffe zu bauen, um die Lücken der britischen Handelsmarine vor Oktober anSziisiillen, empfahl, die Tanchbooigeiabr durch Torpcdozerslörcr»nd Tag und Nacht fortgesetzte LuftbombardcmcntS von Zccbrüggc zu bekämpfen. Lord Menth wies auf die Bcrscnkung der Rotarua hin, die mit hunderttousend geschlachteten Ochsen und anderen Lebens- Mitteln aus Neuseeland kommend, in Plpmouth Fahrgäste absetzte und zur Löschung der Ladung nach einem anderen Haken beordert ans der Fahrt dahin im Aermelkanal am 22. 3. torpediert wurde. Mealh rügte, daß das Schiff bei der Weiterfahrt nicht ge> leitet und auch der Kapitän nicht gewarnt ivordcn sei, da an der fraglichen Stelle innerhalb der letzten 48 Stunden vier andere Schiffe versenkt Ivorden waren. In der Ilnterhaussitzung vom 9. Mai besprach Lambert die S e e k r i c g f ii h r»> n g de-! passiven Wider st an de» der Admiralität während der Ictzicn zwei Jahre höchst abfällig. Die Admiralität habe ihr eigenes Gehirn nichr gebraucht und verhindert. daß andere daS ihre gebrauchten. Die Deutschen müßten sehr ver- wundert darüber sein, daß England von seiner gewaltigen Seemacht so geringen Gebrauch inache. Wenn er Diktator der Alliierten wäre. würde er die Armeen von Gaza und Saloniki zurückziehen, sie General S m utS iinterstcllcn, bei Calais landen und daS H o r- n i s s e n n e st Zccbrüggc damit ausräuchern. Jellicoes Befreiung zur Seekriegführung. Der U-Booi-Krieg hat die alte Ordnung der englischen Admi- ralitär erschüttert. Dem wachsenden Unmut über ihre Leistungen, die dem Feinde nicht bcikommen und ihn nicht zwingen können, sind jetzt Versuche gesolgt, durch eine Modernisierung des Betriebes der kriegerischen Fertigkeit nachzuhelfen. Wie Reuter meldet, gab Carson im Unterhause gewisse Aenderungen in der Marine- Verwaltung bekannt, die die möglichst weitgehende Befreiung de». Ersten ScclordS und des Ehefs deS Admiralstabcs von VerwaltungS- angclegenheiten' zum Ziel hätten, um f i i n den Stand zu setzen, ihre ganze Aufmerksamkeit auf wichtige Fragen d er S e e kr i e g s ü h r ung zu richten. Ter Stab der Marine würde andauernd durch Lsfrziere auS dein aktiven See- dienst vcrslälkt werden. Die Admiralität würde mit einer Lrgani- sation versehen werden, ähnlich der deS Munitionsministeriums. Diese Organisation unter der Leitung von Sir Eric GeddcS würde auch für den Schiffbau sowie für die Erfordernisse der Admiralität. des KricgsamtS und des SchiffohrtSministerrumS verantwortlich sein. Jellicoe habe den weiteren Titel eines EhesS deS Marinestabes erhalten und GeddcS, der Direktor de» EtscnbahntranSvorlwesens gewesen ist. werde Kontrolleur des Material« mit dem Rang eines Vizeadmirals. /irrasfront und Msnefront. Berlin, 15. Mai.(W. T. B.) Ein Versuch, die Stärke der Bc. satzung und die Widerstandskraft der deutschen Front nördlich LcnS durch Patrouillen festzustellen, kostete die Engländer schwere Bcr- luste. Die vor dcm deutschen Hindernis nach Einbruch der Dunkel- heit bereitgestellten ErkundungSabteilungcn wurden rechtzeitig er- kannt und unter schweren Einbußen on Toten und Verwundeten vertrieben. Ein Versuch, den in R o c u x durch die Deutschen eng- umschlossenen englischen Truppen durch Vorstöße nördlich deS Dorfes Luft zu schaffen, schlug fehl. TaS Auffüllen der Gräbcn zum Sturm südlich Gavrclle Ivurdc deutscherseits.rechtzeitig erkannt und durch ein aus die englischen Gräbcn niederprasselndes Vernichtungsfeuer die bereitgestellten Sturmtruppcn am Verlassen der Gräben gehindert. Nicht besser ging es einem Versuch, bei Monchy Raum zu gewinnen. Das schlachtartig, auf die deutschen Stellungen einsetzende Trommelfeuer bewirkte als Autwort lediglich das deutsche Vernichtungsfeuer, das die Entwickelung des englischen Angriffes unterband. Ebensowenig Erfolg hatte ein nächtlicher englischer Vorstoß an der Straße Monchh-Pelvea. Auf Bullccourt log den Vormittag über schweres Feuer. Am Nachmittag wurde um den Besitz vorgeschobener Siellungsteile an der Südwestccke des Torfes mit Handgranaten gekämpft. Ein nochmaliger eng- lischer Angriff um 5 Uhr nachmittags wurde blutig abgewiesen. Unsere nachstoßenden Truppen errangen am Südwesttcil des Torfes Vorteile. Auch östlich deS Torfes wurde ein in Richtung R i e n- eourt vorgetragener Angriff blutig abgewiesen und der Eng- länder in seine Ausgangsstellung zurückgeworfen, wo sich mit unseren nachstoßenden Truppen neue Kämpfe entwickelten. Tie englischen Fortschritte an der LlrroSfront zählen seit dcm Anfangserfolge am Ostermontag und der deutschen Front- Verlegung kaum»ach Hunderten von Metern. Tabci umfassen die Geländegewinnc an der hart rimstrittenen Törferlinie AchcviUc-Fresnoy-Oppq-Gavrellc-Roeux kaum die Vorstellungen des ticfgcglicdcrtcn dortigen deutschen Ver- teidiguiigssysteins. Trotzdem werden die Engländer ohne Rücksicht auf die hohen Verluste den Angriff fortsetzen müssen, denn jeder Nachschub für die Kampflinien. muß über die kahlen Höhenrücken von Vimy nnd Point-dc-Jour, die im wirksamsten deutschen Ar- tillcricfcucr liegen und auf deren deckungslosem Hang bei einiger- maßen klarer Sicht jeder einzelne Mann erkennbar ist. Tic gegenwärtige Phase der Schlacht an der Aisnc und in drr Ehampognc steht in dcm Zeichen kleiner, aber wirkungsvoller deutscher Gegen- aktioncn. Mit den Trümmern der St.-Bcrthe-Ferme südwestlich Filain hatten die Franzosen wenigstens einen Punkt gc- wannen, von dem sie tief im Grunde, allerdings nach kilometerweit entfernt, die Aillcttc vor sich sahen, welche das erste Ziel des großen Angriffes vom 16. April mar. Nun hat sie ein gelungener deutscher Gegenstoß wieder geworfen. Hanseatische, oldcnburgische und schleswig-holsteinische Truppen stürmten die Ferme. Tie so fort einsehenden heftigen französischen Gcgenangriffvcrsuchc blic den ohne Erfolg. In erbitterten Nahtämpfcn wurden die Franzosen immer wieder geworfen. Tie deutschen Sturmtruppcn stießen dem weichenden Gegner nach und holten aus den anstoßenden französischen Gröben noch 60 Gefangene. Ten deutschen Erfolg an der Höhe 168 vom 13. Mai. wo der Steinbruch in deutsche Hand fiel, suchten die Franzosen durch wütende Gegenstöße wieder auszugleichen. Jeder Gclöndeverlust an dieser Stelle ist für die Franzosen äußerst satal. da die Höhe über die AiSncniederung hinweg Einblick in dem Rücken der französischen Stellungen in der Ebene von I u v i n court gewährt. Räch den mißlungenen Gegenstößen am 13. sehten die Franzosen am Morgen des 14. Mai. 6 Uhr 30, einen neuen Angriff an. Im deutschen Abwehrfeuer iamen die Stürmen den nicht einmal bis an die deutschen Stellungen. Erneute Truppen ansammlungen wurden durch Artillericfcucr zersprengt. Tarauf hin wurde den ganzen Tag über schwerstes Artillcriefcucr und Mincnfeucr aus die deutschen Gröben gelegt und am Abend neue Angriffswellen vorgetrieben. Dreimal griffen die Franzosen an. dreimal wurden sie teils durch Feuer, teils in erbitterten Nah lampfen abgewiesen. TcS weiteren scheiterten französische Tcilvor- stoße bei Eraoncllc und westlich der Straße Sorben y— Bcrry-au-Bac. In der Champagne schwoll das Artillericfcucr an. vor allem in der von den Franzosen so heiß begehrten Höhenlinie Eornillet— Höchberg. Französische Angriffsabsichtcn. die sich durch Auffüllen der Gröben und Bewegungen hinter der Front verrieten. wurden rechtzeitig ertannt und durch Vernichtungsfeuer vereitelt. Französische Patrouillenunternchmungcn in der Gegend T a k u r c, gegen das Torf Blanzee sowie nordöstlich Nomcny scheiterten unter empfindlichen feindlichen Verlusten. feindliche Kriegsberichte. Französischer Heeresbericht voin 14. Mai. nachmittags. Das gewöhnliche Altilleriefeuer auf der ganzen Front. Heule früh wiesen wir starke deutsche Erkundungsableilungen. die sich unseren Linien an verschiedenen Punkten nordöstlich von V a u x a i l l o n. westlich von Craonnc. an der Höhe 108, bei Sapigneul und in der Champagne südwestlich von N a u r o N zu nähern versuchten, ob. Alle diese Versuche scheiterten in unserem Feuer vollständig. Der Feind erlitt schwere Verluste und ließ Gefangene in unserer Hand. Vom 14. Mai abends. Tagsüber bat die deutsche Artillerie. besiig von der unsrigen bekämpft, die Front nördlich von B r a y e- rn-LaonnaiS und Cerny beschossen. Ziemlich lebhafte Gcschiitzkämpse östlich von Berry-au-Bac und in der Cham« p a g n e in der Umgegend de?.Hoben BergeS". Auf den Maas« bähen ist ein feindlicher Am'chlag auf einen unserer kleinen Posten im Ritlerholz sBoiS-deS-ChevalierS) ohne Schwierigkeiten ab gewiesen worden. Bon der übrigen Front ist kein wichtiger Vorfall zu melden. Englischer Heeresbericht vom 14. Mai nachmittags. Letzte Nacht wurde ein femdlicher Vorstoß nordöstlich von Epelr(Epehy obgewieien. Nördlich von Dpern machten wir einige Gefangene. Während der Nacht machten wir in R o e u x Fortschritte. Vom 14. Mai abends. Wir baden unsere Fortschritte nördlich von der Scarpe fortgesetzt, die Einnahme von Noeux vollendet und dabei einige Gefangene gemacht, das ganze Tors Roeux. das vom Feinde mit großer Entschiedenheit verteidigt worden und im vorigen Monat der Schauplatz sehr erbitterter Kämpfe gewesen ist, ist nun in unserem Besitz._ Die zehnte Jsonzofthlacht. Wie«, 14. Mai. Aus dem KriegSpiesieauartier wird gemeldet: Tos Altilleriefeuer. das die Italiener bereits seit mehreren Tagen an der ganzen Jsonzofront von T olmein bi« zum Meere dinunler in sielS steigendem Maße unterhielten, hat sich gestern zum WirkungSfeuer gesteigett. da« stellenweise zum Trommelfeuer anschwoll. Alle Kaliber von Kanonen. Haubitzen und Mörsern bearbeiteten stundenlang unsere Gräben, in denen unsere Truppen ausreichend geschützt, dem durch diese Eilen» bagel sich ankündigenden Sturm der italienischen Infanterie entgegensehen. Aber nur an zwei Abschnitten der ganzen Front brach diese au« ihre» Stellungen vor. bei Biglia, südlich van fflorz, wo mebrere Kompagnien einen Sturm ansetzten, und bei Plava, Ivo die Jialiener sich durch Handstreich in den Besitz einer unserer vorgeichabenen Höhenstelluiige» östlich von diesem Lrl setzen wollten. Zweimal versuchten sie ihr Glück: der erste Anlauf brach in un« lerem Abwehrfeuer sofort zusammen, auch der zweite kam im Vor- ield zum Stehen. Tie ungarische Infanterie zeichnete sich in ihrem lasche», gelungenen Gegenstöße bcsoilderS auS. die Kriegsgefangenen üer Nittelmächte Na» einer neuere» Zusammenstellung betrug die Gesamtzahl der in Teutschland und den besetzten Gebieten uniergebracklen Ge- iangene» um 10. April: 10 914 Offiziere und 1 793 574 Mannschaften, zusammen also 1 813488: am 1. Februar betrug die Zahl der gefangenen Offiziere und Mamtschafik» 1680 731. also seitdem 1. Februar ein Mehr von>24 737 Gefangenen.___ Wilson als Rüstungsöiktator. Washingto», 14. Mai. l Meldung des Rcuterschcn Burcaub.f Tic Vergrößerung des stehenden Heeres auf Kriegsstärke wurde vom Präsidenten Wilson für die Zeit, in der daS Hccrcsgesctz noch in der Schwebe ist, genehmigt. Tie Errichtung neuer Regimenter beginnt morgen. Etwa 83 000 von den für dos stehende Heer erforderlichen 18�000 Mann sind bereits als Rekruten eingestellt. Kleine Kriegsnachrichten. „Hindenburglinic". Tic feindlichen Heeresberichte sprechen bei den gegenwärtigen Kämpfen stets von einer..Hlndcnb>n:glinie", die sie an einzelnen Stellen eingedrückt, an anderen, wie bei FreSnoq, durchbrochen haben wollen. Temgcgcnübcc wird festgestellt, daß e« eine solche Linie nicht gibt, wenn man nicht samtliche aus Anordnung des Fcldmarschalls von Hindenburg angelegten Stcllungsjystcmc, die sich in tiefer Zone in vrcitcn Gürteln hinter- cinaitder crstrccken,.Hindenburglinic" nennen will. Entcnte-Flugzcugc landen i» Holland. Meldung der Ncdcr- landsch Telcgraas Ageulschap. Bei G r o c d e ist am 12. Mai ein französisches Flugzeug gelandei. Tie Insassen, zwei Ofsi- ziere, und die beiden cnglifchen Fliegeroffizierc, die bei Cadzand gelandet waren, wurden interniert. Ferner berichtet dieselbe Agentur, daß am iL. Mai früh in E a d z a n d ein englisches Flugzeug gelandet ist. Nieder mit der Zensur! Ter schweizerische Preßtelcgraph labelt aus New Dork: der Senat verwarf das Zensur- 6 e s c tz. Neue Steuern in Italien.„Gazetta Ussicialc" veröffentlicht ein Steuerdekret, das 200 Millionen neue Einnahmen brin- gen soll. politische Ueberslcht. Innerdeutsche Annexionspläne. In der srcikonscrvativcn„Post" lesen wir folgende Notiz: Tie in der Presse schon als wahrscheinlich hingestellte Vertagung der c l s ä s s i s ch c n Interpellation, deren Beratung ursprünglich auf den Mittwoch festgeletzt war, bestätigt sich, ebenso der für diese Entschließung angeiührte Grund, daß uäinlich die Regierung sich bereit erklärt habe, die reichsländische LandeSverfammIung zur Erledigung des Hausbalts einzuberufen. Gerade dieser letztere Umstand aber darf einige Ver- wunderimg erregen, wenn man ihn mit den Ergebnifscit zusammen- kalt, die die jüngsten politischen Verhandlungen des Kanz- lers in Berlin und im Hauptquartier dem Vernehmen nach gezeitigt haben. ES sind nämlich, ivie wir hören, eingreifende Beschlüsse über Elsasi-Lothringcns künftige Gestaltung gefaßt worden. Und zwar haben die beteiligten Stellen nicht nur an dem früher schon erwogenen Plane einer Aufteilung des RrichSlandcS zwischen Preußen und Bayern festgehalten, sondern ihn sogar dahin ergänzt, daß außer dem Eliaß auch noch einige lothringische Kreise an Bayern fallen sollen! Wir müssen unS einstweilen mit der Wiedergabe dieser auf- falleiideir Tatsache begnügen, möchten aber doch noch aus den Zuiammcnhaug hinweisen, der ganz offenbar zwischen der reichS- läiidiichen Frage und der im Bundesrat sowie in dessen AuS- wärtigem Ausschuß betätigten Zustimmung Bayerns zur Reichs- Politik besteht. Tie Alarmnachricht der„Post" scheint auS den verschiedensten Gründen ganz unsinnig. Beschlüsse über„Elsaß- Lothringens zukünktigc Gestaltung" können nur vom Bundes- rat, vom Reichstag und— zuletzt nicht zumindest— von Elsaß- Lothringen selbst gefaßt werden. Vom Reichstag aber erwarten wir, daß er keiner Absicht des Bundesrats hinsichtlich Elsaß- Lothringens zustimmen wird. die nicht der Absicht Elsaß-Lothringcns selbst voll- kommen entspricht. Wird setzt der Anschein erweckt, als wollten sich Preußen und Bayern gemeinsam über daS Land hermachen, um es unbekümmert um seinen eigenen Willen unter sich aufzuteilen, so wird damit innen und außen ein gefährlicher Agitations- stoff geschaffen: die Stimmung im Elsaß wird verschlechtert. in die innerpolitischen Tcbatten des Reichs wird neue Er- regung hineingetragen, und die ausländische Propaganda zur „Rettung" Elsaß-Lothringens von einem ihm angeblich dro- henden Schicksal erhält einen starken Antrieb. Tic Sozialdemokratie betrachtet Elsaß- Lothringen als einen Teil deS deutschen Volkes, der innerhalb der Reichs- gemeinschaft vollste Freiheit der Selbstbestimmung haben muß. Die bloße Annahme, es könnte in irgend einem Konveutikcl von Richtelsassern ohne Befragung der Elsässer selbst über die künftige Gestaltung deS Landes etwas„Eingreisendes" beschlossen werden, ist eine Beleidigung der Be- völkerung dieses Landes und verdient als solche, nicht nur von der Sozialdemnkratie. sondern auch von den vcrantivort- lichen Stellen aufs schärfste zllrückgewicsen zu werden. Tic Sozialdemokratie aber wird auf alle Fälle in dieser „Frage", wenn sie überhaupt eine ist. dort stehen, wo die Elsässer und Lothringer stehen! Fricdberg gegen die 9!ationalliberalen im Reichstag. Bei cincr Feier, die zum 80. Geburtstag Professor Waideycrs veranstaltet wurde, hielt der Führer der preußi- schen Nationolliberolen. Abg. Friedberg, eine Rede gegen die nationalliberole Reichstogssroktion. Nach einem Bericht des„Teutscben Kurier" führte er aus: ..Denjenigen unicrer Freunde, die wahrend der letzten Mo- nate da# varlamrntarikckic Snstem in Wort und Tckuust ver- fochten haben, ist der Vorwurf nicht ganz zu ersparen, daß sie»or der Oesfentlichkeit doch etwa« zu wenig Rücksicht aus die ihnen bekannte Tatsache genommen haben, daß über diese Frage in unserem Lager weitgehende Meinungsvers chic- dendcitcn bestehen.«Lebhafter Beifall: Zuruf: Auch Mangel au Pietät gegen den erkrankten Basscrmann 0 ES berührt auch einigermaßen widerspruchsvoll, daß wahrend der schwer- stcn Kämpfe um Sein oder Nichtsein unseres Vaterlandes diese ichwierigen politischen Probleme gerade von solchen unserer Freunde mit am entschiedensten angeschnitten worden sind, die im Interesse ihrer weitgesteckten KrieaSzicle bisher alle inner- politischen Streitfrage» möglichst zurückgestellt wissen wollten.... Es ist deshalb bedauerlich, daß jene programmati'chcn Ver- sassungsfragen sofort öffentlich und parlamentarisch, ohne den Rat d c's berufenen Führer« und ohne die Klärung innerhalb der Partei abzuwarien, aufgeworfen worden sind. Es ist ein entzückendes Bild, wie da von einem erfahrenen Alten das„revolutionäre" Temperament der lieben Jugend zwischen dem 10. und dem 50. Lebensjahr gezügclt wird. (sin offiziöses Dementi. Tie..Nordd. Allg. Zig." schreibt: Verschiedene Blätter ver- breiten eine Meldung über eine Unterredung, die der Reichs- tanzler am 12. d. M. nach seiner Rückkehr aus dem Großen Houpt- quartier mit dem Prasideilten und den Parteiführern des Reichstages gehabt und in der er über das Ergebnis seiner Reise Mit- teilung gemacht haben soll. Diese Meldung trifft nicht zu. Ter Reichskanzler hat zwischen seiner Rückkehr aus dem Großen Hauptquartier und seiner Weiter- reise nach Wien überhaupt nicht mit Parlamentariern verhandelt. Tie verbotene Reis« nach Budapest. Eine Anfrage de« Abg. Haase beschäftigt sich mit einer Paß« offäre Ed. B e r n st e i n S. Dieser hatte einen Paß nach Budapest. wo er einen Vortrag halten sollte, wurde aber trotzdem in Oderberg von dem preußischen Beamten a»gehalten, und als man ibn Weiterreisen ließ, war cS zu spät. Der Vortrag ivurdc verschoben, konnte ober wiederum nicht gehalten werden, iveil Bern- stein diesmal überhaupt keinen Paß erhielt! Tie Anfrage versichert, daß dadurch in Budapest starke Erregung entstanden sei und fragt den Kanzler, ob er dafür sorgen wolle, daß nicht durch Polizeiorgane dem Deutschen Reiche schädliche Wirkungen erzeugt würden. Heranziehung der Schuljugend zu landwirtschaftlichen Arbeiten. Auf eine Eingabe an den Kultusminister, in der u. a. die Verlegung der Schulferien angeregt wird, um der Landwirtschast für die Kartoffel und Hackfruchterntc die Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen aller Schulen zur Verfügung zu stellen, ist vom Kultusminister folgende Antwort erteilt worden: „Auf die Eingabe vom I. April d. I. erwidere ich er- gcbenst. daß wegen der Heranziehung der Schuljugend zu landwirtschaillichen Arbeiten von hier aus das Erforderliche verfügt worden ist. Im übrigen habe ich die Eingabe an den Herrn Staatskommissar für Bolksernährung abgegeben." Weitere Einsöiräutung der Branntweinerzeugung. T�r „Tcutschc Reicbsanzeiger" verössentlicku in seiner Dienstagabend- ausgäbe eine Bekanntmachung, durch welche die Verarbeitung Topimambur auf Branntwein vis aus weiteres verboten wird. Ter neue Regieningspräsident in Posen. Als Regierungspräsident in Posen und Nochsolger deS om 1. Juni d. I. in den Ruhestand tretenden Regierungspräsidenten Krahmer ist. wie bür- gerlickc Blätter melden, der Geheime Oherrcgicrungsrat Tr. Kir stein aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Aussicht genommen. Letzte Nachrichten. Miljukow-Krisc? Rotterdam, 15. Mai. Nach„Nieuwe Rotterdam'che Courant" meldet„Manchester Guardian" aus Petersburg: Tie sozialistischen Parteien sind geneigt, an der Regierung teilzunehmen, aber sie fordern vorher die Säuberung des Kabinetts von Elementen, die über dos Kricgszicl mit der Temokratie nickst über- einstimmen. Tadnrch ist das Verbleiben Miljukows als Minister des Auswärtigen auf die Tagesordnung gestellt war« den. Die Demokratie Hot nichts dagegen, daß Miljukow im Kabinett bleibt, aber sie will ihtti das Unlerrichtsministcrium geben.__ Ter Rücktritt Gutschkows und Kornilows. Basel, 13. Mai.(Frks. Ztg.) Der Rücktritt des russischen Kriegsministers Gutschkow und des Petersburger Militär- gouvcrneurs Kornilow hat in Paris— wie die gestrigen Abendblätter erkennen ließen— eine wahre Bestürzung hervorgerufen. Tie Demission Gutschkows bedeutet einen offenen Konflikt zwischen der provisorischen Regierung und dem Ausschuß der Arbeiter und Soldaten. Tie Pariser Presse faßt die Loge dementsprechend als sehr ernst auf. Tic Jsonzoschlacht. Wien, 13. Mai. Aus dem Kriegsprcssequartier wird vom 13. Mai abends gemeldet: Am Jsonzo wurde auch heute den ganzen Tag über erbittert weiter gekämpft. Die S ch 1 a ch t s r o n t erstreckte sich nach Norden ü b c r C a- nalc hinaus. Tic Kämpfe verlausen günstig. Trotzky in Halifax. Stockholm, 13. Mai. Ter hier angekommene russiiche Revolu» tionür Trotzky schildert in„Socialdemokraten" die ihm von den Engländern in Halifax zuteil gewordene Behandlung. Ta- nach stimmt die Erklärung des englischen Botschafters, daß sein Aufenthalt dort nur durch seinen Wunsch verursacht wurde, Aus- kunft über die Auswanderer zu erhalten, keineswegs mit den wirk- lichrn Verhältnissen übercin. Trotzky und seine vier Reisebegleiter wurdenmit Gewalt an Land geführt und sofort in ein Kriegs- gcfangcnrnlagcr gebracht, wo ungefähr 800 deutsche Gefangene waren. Trotzky hielt Borträge über die russische Revolution, die ober bald von den englischen Lffizirren verdaten wurden. Erst nach cinem Monat wurden fünf Ruffen freigelassen. Auch Tratzkbs Frau wurde mit ihren zwei Kindern in Halifax U. Tage einge- sperrt._ Russische Sozialisten auf der Heimfahrt. Kopenhagen, 13. Mai.„Notionallidcndc" meldet aus Molmö: Gestern trafest hier 263 russische Sozialisten ein, die sich auf der Reist aus der Schweiz nach Rußland befinden. Sie gehören vcx- schiedenen sozialistischen Richtungen an, jedoch sind alle einig darin, bei ihrer Rückkehr für den Frieden wirken zu wollen. Die russische. Sozialistin Vera Aigner bat die Heimreise ermöglicht und auch das erforderliche Geld dafür beschasst. In einigen Tagen reisen weitere 200 russische Sozialisten au! der Schweiz nach Ruß- land ab. Gegen Polizei und Gendarmen. Bern, 15. Mai. Ter Bund meldrt: Ter Rat der Cffizirr- und Soldatenabgeordnctcn in Minsk vcrlangtr, daß die an die Front geschickten Polizisten und Gendarmen der alten Regierung i n d i e erste Feuerlinie geschickt werden. Sic sollen- auch keine Kommandos erholte». Tic Tätigkeit der früheren Polizei und Gendarmerie wird von einem aus 92 Mitgliedern bestehenden be- sonderen Ausschuß untersucht werden. Ein Kaukasus-General abgesetzt. Bern, 13. Mai. Tcr russische Mitarbeiter de»„Bund" de- richtet: Offiziere und Soldaten der Kaulasusarmec haben ihr Miß- trauen gegenüber dem Korpokommandanten General Tscharn»- busow ausgesprochen, der abgesetzt wurde. Tcr Lcuchtcnberg-Palast geräumt. Basel. 13. Mai. HavaS berichtet aus Petersburg: Die An- archisten, die, wie bereit« gemeldet, den Leuchtcnberg-Palast besetzt hatten, verließen ihn gestern abend und ließen einen Teil ihre« Arsenals zurück. Mehrere von ihnen begaben sich im Automobil »ach der Stadt D u r n o w o. die von anderen Anarchisten besetzt ist. Der Lcuchtcnbcrg.Palast wurde militärisch besetzt. Ein Zeppelin verunglückt. Amsterdam, 15. Mai. Aus Blaardingrn wird gemeldet: Ein Zeppelin mit nordnordwestlichem Kurs von Icrtschilling wurde gestern morgen, in schwere Raus, wollen gehüllt, bemerkt. Nach einigen Minuten wurde Vau dem Lustschiff nicht» mehr geschcn. Weiter wird gemeldet: Nördlich der Jnscl Trrtschilling ist gcftrrn morgen ein Zcppclin-Luftschiff explodiert und in Flammen grbüllt in» Meer gestürzt. Ucbcr da« Schicksal der Bemannung ist noch nichts bekannt. Tcr Streik in den englischen Maschinensabriten. Amsterdam, 15. Mai.„Allgcmccn HandelSblad" meldet au« London, daß der Streik in den Maschinenfabriken sich zur allge- meinen Enttäuschung noch immer auf dem toten Punkte befindet. Ter Streik bei den Londoner O m n i b u S g e s e I l sch ast e n hat 10 000 männliche und weibliche Angestellte ergriffen. Amsterdam, 15. Mai. Aus London wird dem„HandelSblad" gemeldet: Ter Gewerkvercin für Lmnibuskut scher macht den Versuch, de» Streik auch aus da» Personal der Straßenbahn und der Untergrundbahn auszudchncu. Im Hinblick aus diese Möglichkeit hat die englische Regierung eine Warnung er- lassen, in der gesagt wird, daß jede Behinderung der Transport- mittel, welche Muintionsardcitcr benützen müssen, um sich nach ihrer Arbeitsstätte zu begeben oder von derselben zurückzukehren, die Ausständigen mit dem VcrteidigungSgcsctz in Konflikt bringt. Tod durch Grubengas. Köln, 15. Mai. Bei den Lösckiarbeiten auf der Grube Eres« rath bei Brühl, die seit etwa 12. Tagen brennt, sind durch gisligq Gase fünf Personen getötet worden. f GewerkschHsbewVMV veutWes Reick. Gaulciterkonferenz des Buchdruckereihilfsarbeiter« Verbandes. Am 9. Mai tagic eine Konferenz genannten Verbandes, in der die Vorsitzende Thiede über die Teuerungszulagen berichtete. Am lt. April sei an den Vorstand des Deutschen Buchdruckcrvcreins ein Antrag ergangen, auch Vertreter unseres Verbandes zu den uns bekanntgewordenen Verhandlungen am 24. April zuzulassen. Eine Antwort ans unseren Brief vom 11. April war bis zum 13. April erbeten. Die Antwort kam nicht. Und die Hauptverwaltung unseres Verbandes hat am 19. April telegraphisch den Vorstand des Deut- scheu Buchdruckcrvcreins an die zum 18. April erbetene Antwort erinnert. Am 29. April ist daraufhin eine Antwort des Inhalts eingetroffen, daß der Gesamtvorstand des Deutschen Buchdrucker- Vereins am 23. April eine Sitzung abhält, wobei unser Schreiben zum Bortrag gebracht werden wird. Weitere Nachricht sollte uns sofort zugehen. � Eine Einladung zu dieser Verhandlung am 24. April blieb aus. Bis zum 28. April war die uns unter dem 19. April zugesagte Antwort noch nicht erfolgt und wir wurden durch inzwischen angesetzte Beratungen über Teuerungszulagen in einzelnen Orten veranlaßt, an die uns unter dem 19. April vgr- sprochene Antwort zu erinnern. Daraushin ist unter dem 39. April ein Schreiben aus Leipzig an uns abgesandt worden, das ebenso wie das vorhergehende der Gaulciterkonferenz zur Kenntnis gebracht wurde. Allgemeines Befremden erregte es, daß der Vorstand des Deutschen Buchdruckervercins in dem schreiben vom 39. April der Ansicht Ausdruck gab,„daß ein allgemeiner Tarif für die Hilfs- arbcitcr nicht besteht"; daß ferner in demselben Schreiben an ande- rcr Stelle darauf hingewiesen wurde,„daß die sich ergebenden Schwierigkeiten i» der Hauptsache darauf zurückzuführen seien. daß wir seinerzeit die Verlängerung des zwischen den beiden Ver- einen abgeschlossenen allgemeinen Tarifs unmöglich gemacht haben". In ähnlicher Weise wurde auch in dem Bericht über die Haupt- Verhandlung deS Vorstandes des Deutschen Buchdruckervercins in Nr. 39 der„Zeitschrift" davon gesprochen, daß ein allgemeiner Tarif für das Hilfsarbeiterpersonal nicht mehr bestehe. Diese Aeußerungen des Vorstandes erregten in der Gauleiter- konferenz allgemeines Befremden und es kam in sehr eingehender Aussprache zum Ausdruck, daß eine wesentliche Veränderung im Tarifabschluß, der früher zwischen den beiderseitigen Borständen (soweit die allgemeinen Bestimmungen in sfragc kamen), abge- schlössen wurde und den setzt bestehenden Tarifen nicht erfolgt ist. Tic allgemeinen Bestimmungen, die 1999 mit dem Vorstand des Deutschen Buchdruckervereins und unseren Vertretern verein- bart wurden, hatten auch nur den Zweck, als allgemeine Grundlage zu dienen, während die Lohnverhältnissc örtlich geregelt wurden. Als im November 1911 die beiderseitigen Verbandsvertrctiingen zu einer Verständigung nicht kamen, ist dann im Dezember 1911 unter Leitung des Tarifamts die Verhandlung eingeleitet und zum Ab- schluß gebracht worden. Auch in dieser Verhandlung, an der der Deutsche Buchdruckcrverein durch seinen Vorsitzenden beteiligt war, wurden die Abänderungsanträge zu den allgemeinen Bestimmungen beraten und beschlossen. Die Regelung der Lohnverhältnissc wurde erneut den einzelnen Tariforten übertragen. Ein bis dahin nicht vorhandenes Bindemittel der beiderseitigen Organisationen wurde durch den Abschluß eines Organisations- bzw. Haftungsvcrtrages dann noch herbeigeführt. Dieser Haftungs- vertrag ist im April 1912 zum Abschluß gekommen und bat Gültig- kcit für die Dauer der allgemeinen Bestimmungen; er ist nach der Satzung 9 für die Mitglieder beider Vereine rechtsverbindlich.— Ein festeres Tarifverhältnis Mischen dem Vorstand des Deutschen Buchdruckervercins und dem Verband der Buchdrucker besteht eben- falls.nicht; denn der Tarifvertrag der Gehilfen,'wrrdt von All, gemoinheit- zu Allgemeinheit abgeschlossen, und auch in. diesem Falle haben die beiden Verbände- einen HastunMertra«. nach dessen Muster auch der unsrige abgeschlossen wurde. Trotzdem gehilfen- seitig und prinzipalsseitig eine festere tarifliche Bindung beider Vereine nicht besteht, hat doch der Vorstand des Deutschen Buch- druckervercins wiederholt zur Teuerungszulage der Gehilfen Stel- lung genommen; er hat es aber abgelehnt, auch mit dem Hilfs- personal über dieselbe Frage zu verhandeln und Vorschläge über Teuerungszulagen zu empfehlen. Beschlüsse über die Teuerung?- zulagcn der Gehilfen konnten die bciderseitgcn Vertretungen auch nicht endgültig abschließen, sondern sie mußten ihre Beratungen erst dem Tarifausschutz zur Sanktion unterbreiten. Wie nach Feststellung dieser Tatsache, die doch auch dem Vor- stand des Deutschen Buchdruckervercins bekannt sein mutz, von einem nicht mehr bestehenden Vertrags- oder Tarifverhältnis deS Hilfspersonals geredet werden kann, ist unverständlich und durch die bestehenden Ausführungen widerlegt. Die gehilfenfeitig vereinbarten Teuerungszulagen wurden dann zur Kenntnis gebracht, ebenso die der Tarifstädte Hamburg und München, wie auch der Beschluß der Leipziger Verwaltung, wonach 39 Proz. Teuerungszulage auf die durch Haustarifc ver- cinbarten Grundlöhne zu fordern sind. Die hierauf einsetzende Debatte war sehr lebhaft und hatte als Ergebnis, daß eine vom Verbandsvorstand empfohlene Reso- Die Bekanntmachung deS Oberkommandos in den Marken, betreffend Bcstandserhebung von Weiden. Weidenstöcken. Weidcnschienen und Weidenrinden" tritt am 15. Mai 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 15. Mai 1917. 324. I. Mil. 17. Der Polizeipräsident. L Die Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken, betreffend „Beschlagnahme, Meldepflicht und Höchstpreise von Steinkohlenteerpech" tritt am 15. Mai 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsaulen und in der„Norddeutschen Allgemewen Zeitung". .Berlin, den 15. Mai 1917. 326 I. Mil. 17. Der Polizeipräsident. 2 Die Bekanntmachung deS Oberkommandos in den Marken, betreffend „Beschlagnabme, wiederholte Bestandserhcbung und Enteignung von Destillationsapparatcn aus Kuvser und Kupserlegierungen(Messing, Rot- gutz und Bronze) und sreiiviltigc Ablieferung von anderen Brennerei- geräten aus Kupscr und Kupserlegierungen(Messing, Rotguß und Bronze) tritt mit dem Beginn des 15. Mai 19t7 in Krast. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlag- faulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 15. Mai 1917. 328/ l. Mil. 17. Ter Polizeipräsident. L Deutscher Bauarbeiter-Verband Zweigverein Berlin._________ Sektion der Stukkateure. Heute Mittwoch, den 1«. Mai, abends 8 Uhr: jtlttglicdcr- Ver fanitn lung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Bericht der Tchlichtungskommission vom 11. Mai auf weitere Zahlung von Teuerungszulagen. 2. Diskussion und Abstimmung darüber. 3. sektionSangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 115/15« Der Sektionsvorstoiid. \ Tjrffcm 5ur3) enispreHenbe M5nd«um«en verschärft wurde. Wieder- holt kam zum Ausdruck, daß in der Art. wie der Vorstand des Deutschen Buchdruckervercins die ganze Frage der Teuerungszu- lagen für das Hilfspersonal behandelt hat, eine starke Brüsktcrung der Organisatiousleiter deutlich erkennbar war, die entsprechend zurückgewiesen wurde. In einer Resolution wurde die entschiedene Mißbilligung ausgesprochen, daß nicht der gleiche Grundsatz für Teuerungszulagen, der für die Gehilfenschaft schon als sehr mini- mal bezeichnet werden mutz, auch für das Hilfspersonal festgesetzt wurde. Der von den Prinzipalen ort angewandte Grundsatz, daß ein Unterschied zwischen den Sätzen für Gehilfen und Hilfspersonal bestehen müsse, kann bei Teuerungszulagen nicht in Anwendung kommen, da dieser Umstand durch die bestehenden Grundlöhne schon vorhanden ist. Tie ü9prozcntige Preiserhöhung für Drucksachen ist auch auf das fertige Produkt und nicht auf einen Teil der Arbeiten festgelegt worden. Wie die Erfahrungen bisher lehrten, ist bei der sozial- politischen Einsichtslosigkeit eines Teiles der Prinzipale durch die empfohlene Berücksichtigung des Hilfspersonals nichts oder nur vollständig Unzureichendes zu erwarten. Die Gauleiterkonferenz fordert daher sämtliche Hilfsarbeiter und-arbciterinncn der Buchdruckereicn auf, dort, wo Zahlstellen bestehen, durch ihre Lrganisationsverwaltungen, dort, wo keine bc- stehen, ohne diese(wo es nicht schon geschehen ist) sofort eine Teue- rungszulage von 39 Proz. des Lohnes zu fordern und dadurch sich selbst einen kleinen Ausgleich der durch den Krieg ungemein ver- teucrten Lebenshaltung zu schassen. Wenn eine Verständigung nicht erfolgt, sollen die Tarifschiedsgerichtc bzw. SchlichtungsauS- schüsse des Hilfsdienstes angerufen werden. In Ausnützung der Zeit, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Er- Neuerung des 1912 abgeschlossenen Tarises für das Buchdruckhilss- personal gegeben ist. ist vom Zentralvorstand die Tarifvorlage der- art auszuarbeiten, daß sämtliche Positionen des Buchdruckerürrifs, soweit sie nur irgendwie aus die Lohn- und Arbeitsbedingungen des Hitsspcrsoneils in Anwendung gebracht werden können, in einem neu für uns zu schassenden Tarife cntbaltcn sind. Für Orte, die nocb außerordentlich schlechte Lohnverhältnisse zu verzeichnen haben, soll ein staitelförmiges Steigen der Löhne des Hilfspersonals während der Tarifperiodc vorgesehen werden, damit bis zur Beendigung des neu abzuschließenden Tarises dann die Ausgleichung der Löhne in allen Druckorten ermöglicht wird. Zu diesem Zweck ist vom Zeutralvorstand eine allgemeine Lohn- statistit des Buchdruckhilsspersonals wieder aufzunehmen. Heber innere Verwaltungssragen referierte Lodabl. Er wies nach, in welchen Orten bzw. Gauen eine straffere Verwaltungs- form zur Anwendung kommen müsse. Tie Gauleiter der betreffen- den Gaue waren in der Lage, zum Teil genügende Erklärungen über die vorgebrachte Kritik abgeben zu können. Die gründliche Durchführung notwendiger Reformen wurde zugesichert. Auch die Behandlung anderer wichtiger innerer Fragen wurde lebhaft diskutiert und ein Einverständnis in allen Fragen erzielt. Die Gauleiter haben es übernommen, in den Gauorten und den dazu gehörenden Verwaltungsstellen die Einleitung über Taue- rungszulagen zu veranlassen und für deren Durchführung zu wirken. Nach Erledigung allgemeiner Fragen und Bekanntgabe von Mitteilungen der Gencralkommission erfolgte Schluß der Konferenz. verlln unü Umgegend. Die Bureauangcstellten der Stadt Berlin beschäftigten sich in zwei überfüllten Versammlungen am 9. und 19. Mai mit ihren Bcsoldungsverhältnissen. Der Angestellte der Ortsvcrwaltung Krüger wies in einen: einleitenden Referat daraus hin, daß der Magistrat die ihm bereits vor 5 Wochen überreichten Anträge, den Angestellten eine Gehaltsaufbesserung von ntomwich 69 M. für die männlichen und 49 M. für die weiblichen Angestellten u»d Hilfsarbeiter zu bewilligen, noch nicht, erledigt hat. Es sei un- vexstäudlich, wie der Äkagiswat, der sonst immer großes Gewicht auf seine soziale Fürsorge lege, es verantworten könne. Tausende von verheirateten Bureauangeitelltcn mit Gehältern von 129 bis 139 M. monatlich oder 4 M. täglich abzuspeisen. Bei diesen Gehältern sind die bisher gewährten Teuerungszulagen nur ein Tropfen auf den beißen Stein. Die städtischen Angestellten können sich zum großen Teil nicht einmal die ihnen zugeteilten Lebcnsmittclrationen kaufen. In vielen Fällen zahlt die Stadt Berlin an Unterstützungen für Kriegerfamilien, für arbeitslose Textilarbeiter usw. mehr, als die Löhne ihrer Bureauangestcllten ausmachen. Es sei die höchste Zeit, daß ganze Arbeit mit der Aufbesserung der Löhne gemacht tocrdc. wenn die Stadt die geregelte Weiterarbeit tbrer Verwaltung sichern wolle. An den mit lebhaftem Beifall ausgeiwmmenen Vortrag knüpfte sich in beiden Versammlungen eine eingehende Aussprache, in der zahlreiche Angestellten und Hilfsarbeiter ibre Beschwerden vortrugen. Die jetzigen Löhne wurden als im höchsten Maße un- zureichend bezeichnet. In beiden Versammlungen wurden einstim- mig Anträge angenommen, die die schleunige Durchführung der gc- forderten Lohnaufbesserung verlangen und den Verband der Bureauangestellten beauftragen, auch weiterhin die Interessen der An- gestellten zu wahren. Die Angestellten der städtischen Gaswerke wählten außerdem eine Kommission von vier Personen,"die bcauf- tragt wurde, den auf Grund des Hilfsdienstgesetzes errichteten Schlichtungsausschutz anzurufen, falls der Magistrat nicht den Wün- schen der Angestellten Rechnung tragen sollte. parteinachrichten. Ter Wiederaufbau der Partei. Am Sonntag biclt der Sozialdemokratische Verein für Magdeburg und Umgegend seine ordentliche Generalvcr- sammlung ab, in welcher der Parteisekretär, Genosse Holzapfel, den Jahresbericht erstattete. Er teilte u.. a. mit, daß infolge der oppositionellen Bewegung, 168 Mitgtiedcrabmcldungcn beim Vor- stand eingegangen seien. Sonderbarerweise waren unter den sich abmeldenden Personen nicht weniger als 43, die überhaupt n i ch t M itglicdcrdesBereinswaren! 46 weitere waren erst seit 1. August v. I. beigetreten und die Hälfte von diesen gor erst im Februar d. I., unmittelbar vor der damaligen Gcncralver- sammlung, in welcher sich der Magdeburger Parteiverciu mit großer Mehrheit für die Politik des Parteivorstandes und der Fraktion»- Mehrheit entschied. Der Vorsitzende der neuen oppositionellen Or- ganisation in Magdeburg war erst am 89. Juli v. I. der Partei beigetreten und noch vor einem Jahr— Mitglied der Gelben! Der Mann ist also gewiß ein berufener Hüter der Grundsatztreue der Sozialdemokratie! Die Versammlung verlief im übrigen zur Freude aller Anwesenden endlich einmal wieder in friedlichen For- mcn. Sie nahm alle fälligen Wahlen vor und wählte u. a. an Stelle des bisherigen Vorsitzenden, Genossen Brandes, der auf eine Wiederwahl verzichtete, den Genossen G o r g a s. Ferner wurde beschlossen, dem Genossen B ei m s, der kürzlich von der Stadtvcr- ordnetenversammlung zum Stadtrat gewählt wurde, Sitz und Stimme in der sozialdemokratischen Stadtvcrordnctcnfraktion ein- zuräumen. Eine Konferenz sozialdemokratischer Vertrauensmänner aus dem 8. u n d 19. schleswig-holsteinischen Reichstags- Wahlkreise(Altona-Stonnarn und Herzogtum Lauenvurgs ve- schästigte sich mit der gegenwärtigen Lage in der Partei. Genosse Winuig, der Rcichstagskandidat für Lauenburg, stellte sich auf den Standpunkt, daß die Abtrennung der Opposition wohl als or- ganisatorischc Schwächung zu bedauern, im übrigen aber ats Klä- rung anzusehen sei. Sic sei einfach ein Gebot politischer Ehrlichtcit gewesen. In der Kernfrage der Landesverteidigung weiche sie aus. Bejahet: wolle sie die Frage nicht; zu verneinen wage sie sie nicht. Nur die paar- Außenseiter(die Bremer Linksradikalen) seien konsequent, indem, sie die Pflicht der Landesverteidigung von vornherein ver- neinen.— Reichstagsabgeordneter F r o h m c erklärte, die Eni- Wickelung werde über die Opposition hiirwcgschreiten.— S i e v e r t- Altona deontc, daß die„Unabhängigen" sich oft als Handlanger der Reaktionäre erlvfesen hätten.— Es wurde sodann eine Entschließung gefaßt, in welcher die Abtrennung der Opposition als zur Gesundung nötig erklär: und der Wille zu positiver Arbeit bekundet wird.— Als Delegierte zum nächsten Parteitag wurden Bischofs, Winnig und Thomas, als Stellvertreter Bruhns(Wands- bck) gewählt. Auch die Mchrhcitsblätter machen rasche Forffchritte. Die „Brcslaucr Volkswacht", die 6999 Fcldpostabonnenten hat, erreicht jetzt eine Gesamtauflage, die um 12 999 Exemplare höber als vor Kriegsbeginn ist. Tic„Dresdener Voltszeitung" hat lrop der lev- haften Propagnda der Fleitzner und Genossen für Partcizersplitte- rung und Boykott in diesem Monat 599 Abonnenten gewonnen. Tie„Unabhängigen" stellen sich mit ihrer Empfehlung des Bob- kotts der Mehrheitsblätter nur selbst bloß; indem diese Abonnenten gewinnen, wird es dem Blindesten klar, wo die Massen stehen. Karlsruher Kricgszirlr. _ In einer Karlsruher Parteivcrsammlung wurde der Verzicht auf Kriegsentschädigung und gewaltsamen Landerwerb, wie er vom Partcivorstand empfohlen wird, als„ungeschickt" bezeichnet. Die alldeutsefte Presse wittert natürlicki ein sogenannte»„gesundencs Fressen". Wie aster eine soickic Redewendung aus die Käjnpser im Schützengraben wirkt, da» zeigt ein Brief an die Mannheimer „Bolksstimme" aus Russisch-Polen:„Wer hier draußen einiger- maßen in der Lage ist. sich über die Partei zu orientieren, der findet jetzt gerade die Ansicht vertreten, müc-Uorr untzerordentlichrr Bedeutung es wäre, wenn die� den t s che R eg i er u n g sich: ebenso genau wie die österreichisch- ungarische für einen.(Frieden: ohne Annexionen und Entschädigung bercitcrkiärcn ivürde. Bon Vielen, weit über die Partei hinaus, werden die Schritte, welche die Partei in dieser Hinsicht unternimmt, mit warmer Sympathie verfolgt, in der Ucbcrzeugung, daß es, wie die Dinge nun mal liegen, nur noch den von der Partei ver- tretenen Grundsätzen gelingt, diesem Krieg Einbal: zu tun. Um so unangenehmer berührte es uns, als wir den Bericht des Karls- ruher Ortsvcreins zu Gesicht bekamen. Wir trauten unseren Augen nicht. Aber es stand da. schwarz aus weiß gedruckt. Hat man also tatsächlich nack den Wünschen eines Zentrumsredners im badischcn Landtag die Stellung der Partei korrigieren zu müssen geglaubt? Da erinnere ich wicht an den Beschluß, der vor wenigen Wochen tagenden badischcn Parteikonferenz, in dem auch gegen die sich zu weit nach rechts verlausenden Genossen Stellung genommen wird. Und man möchte in: Interesse der Partei wünschen, daß dementsprechend nachdrücklichst verfahren wird." Verantwortl. s. Politik: Dr Franz Tiederich. Bcrl.-Fricdcuau; für d. übrigen Teil d. BlalteS: Alfred Scholz. Neukölln; für Inserate: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckern u. Verlagsanstalt Paul Singer öt Co Berlin LXV. Hierzu t! Beilage» und»uterbaltiiugsblatt. EHH B|a■— lOslarllnrgl Trauer=Magazin I gegründet 18S)0 Hj Brunnenstr. 56-57fl Gruße Aanwahl w schwarzer Kontektion.l Aus Wunsch Matzanfcrtigung H in 8 Stunden. Aenderungen sofort u. gratis. W Zluswahlscndgn.bereitwilligst. H l/vcrnipr. A. Norden Krampfader7 Gamasche Nach 1921 L* Dr. Ludwig Stephan r». k. p. Ersetzt die Venenklapen Beseitigt die Blutstauung Bestbewährtes Heilmittel Prospekt H frei durch den Fabrikanten Karl Stephan .IlKenburs n. H. Kelranntumchung. Die Zwischenscheinc für die 3°/o Schuldvcrschreibttngen und 4V2% SchAtzanweifungen der V. Kriegsanleihe können vom 21. kUiii b. Zs. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Der Umtausch findet bei der„Umtanschstellc für die Kriegsanleihen", Berlin W 8 Behren- strafte 23, statt. Außerdem übernehmen sämtliche RcichSbankanstallcn mit Kafsencmrichwng bis zum 13. No vember 1917 die foftenfreie Vermittlung des Umtausches. Nach diesem Zeitpunkt können die Zwischenschewe nur noch unmittelbar bei der„Umtanschstellc für die Kriegsanleihen" m Berlin umgetauscht werden. Die Zwischenschetne sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der Nummcrnsolgc geordnet einzutragen find, während der Vormittagsdienstftunden bei den genannten Stellen em- zureichen. Für die 5 RcichZanlcihe und für die 4'/,% Rcichsschatzanwcisungen sind besondere Nummcn:- Verzeichnisse auszusertigen; Formulare hierzu sind bei allen Reichsbankanstalten erhältlich. Firmen und Kassen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine rechts oberhalb der Stück" nummer mit ihrem Firmenstempel zu versehen. Von den Zwischenschcineu für die I., III. und IV. Kriegsanleihe ist eine größere Anzahl noch immer nicht in die endgültigen Stücke mit den bereits feit 1. April 1915, 1. Oktober 1918 und 2. Januar d. Js. fällig gewesenen ZmSschemcn umgetauscht worden. Die Inhaber werden aufgefordert, diese Zwischenscheinc in ihrem eigenen Interesse möglichst bald bei der„Nmtauschstellc für die Kriegsanleihen", Berlin W 8 Behren- strafte 23, zum Umtausch einzureichen. Berlin, im Mai 1917. Ueichsbank- Direktorium. Havevstei». v. G r i m«. Kostüme wasserdichte Mäntel, Röcke, Wintermäntel, neueste Formen, beste Stoffe, gibt an Private Tameiiliiäntelfabrik nUskis Kraiiscustraftc 30, Dönhosspiatz: Sanntag 12-6 geöffn. « Nr. 153 ❖ 34. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Mittwoch, 1 H.Mai 1417 GroßSerlln Um die Englischen Gaswerke. Bei den Bemühungen, die jetzl j�um Berkauf gestellten Englischen GSSwerke den daran inlcressierren Gemeinden zu sichern, ist noch in letzter Stunde eine Uebereinstimmung zwischen Berlin und den iüdwestlichen Vorortgemeinden erzielt worden. Nachdem anfänglich Berlin, Schöneberg und Wilmersdorf mit den Dreisen Teltow und Nicderbarnim halten gemeinschaftlich vorgehen wollen, haben schließlich Friedenau, � Steglitz, Lankwitz, Lichterfelde, Zehlcndors, Mariendors,� Marienselde sich mit Berlin, Schöncberg und Wilmersdorf zuiammengetan. In dem Gebiete dieser Ge- mcinden werden sieben Achtel der von den Englischen Gaswerken erzengten Gasmcnge verbraucht, so daß ihr Interesse an der Erwerbung der Werke begreiflich ist. Neben ibnen werden auch der Rest des Kreises Teltow und der Kreis Niederbarnim noch ein Angebot, das aus Raus abzielt, gcntachr haben. Sollte eine Ge'ellscbaft privater Unternehmer sich etwa mit einem höchsten An- gebor beteiligt haben, so braucht die Regierung ihr deshalb noch mcbt den Zuschlag zu geben. Wir haben gestern, an dem Tage des Endtermins für die Angebote, uns dahin ausgesprochen, daß wir einen Zuschlag an eine private Erwerbsgesell« schaft für ganz unmöglich halten müssen. Die Be- leuchtungsanslalten gehören in die Hände der Gemeinden, das ist ciuiach selbstverständlich._ Ebenso selbstverständlich erscheint uns die Ueberlajsung der Englischen Gaswerke an diejenige Gemeinde- gruppe, die an ihnen mit dem weitaus stärksten Verbrauch be- leiligt ist.__ Tie Milchversorgung Berlins. Die Fettstelle Groß-Berlin hat, wie schon im Januar, den zu ständigen Reichs- und«laalsstellen eine Denkschrift über die groß- städtische Milchversorgung überreicht. Es wurde bereits im Januar der Vermutung Ausdruck gegeben, daß, wenn nicht für Abhilfe ge- sorgt iverde, die nach Groß-Berlin gelangende Milch bis zu 5 0 P r o z. in saurem Zustande hier ankommen könnte. Daran war der Borschlag geknüpft, auf dem Lande eine verantwortliche Stelle für Reinigung und Kühlung zu scbasten. Bis heute, beim Beginn der tvarmen Jahreszeit, hat sich hieran wenig geändert. Es zeigt sich auch hier, daß der Unterbau der Gesamtvcrsorgung in den ländlichen Produklions- bezirken nicht hinreichend ausgebildet worden ist. Wenn der Mangel an Seislüchern. Soda mid ähnlichem beklagt wird, io ist die Frage ni>bl abzuweisen, ob hier nicht eine zweckmäßige Lrganisanisalion zugunsten eines der wichtigsten Nahrungsmittel Abhilfe zu schaffen vermag. Für die Milch ist die Verhütung der Bearbeitungs- Mängel eine Lebensfrage. Was bei der Milchgcwinnung auf dem Lande versäumt ist, läßt fich nie Wieder einholen. Wollte man auch die gesamte, in das Konsumgebict gelangende Milch sofort in städtische Meiereien leiten und hier reinigen, posteurifieren und tief kühlen, so würde dies nichts daran ändern, daß die sauer ankommende Milch für die Wer- sorgung der Bevölkerung mit Frischmilch ausscheidet. Die Denk- schritt legt weiter dar, daß eine Durchleitung der gciamten Milch durch die drei Berliner Großmciereien, zu denen eine kleinere vierte hinzutritt, unmöglich ist, weil dies die technische Leistungsfähigkeit der Meiereien weit übersteigen würde, wie praktische Erfahrungen ziveifelsirer ergeben haben. Vom wirtschaftlichen und ärztlichen Stand- punii aus sei es im. Gegenteil in hohem Maße wünschenswert, daß die in gutem Zustano anlommende Mtlch 10 schleunig Ivie möglich nach der nächllicben Ankunft zum Kleinhändler ausgefahren werde. Die Denk- scdrifr verspricht sich Abhilfe nur von einer behördlichen Organisation, die auf der unmittelbaren Verbindung mit den Bebörden der Pro- duktionsstätlen ruht. Der Umweg über verschiedene Zwischeninstanzen habe sich dem empfindlichsten Nahrungsmittel gegenüber nicht fördcr- lich erwiesen. Bei einem engen Zusammenarbeiten, der in der an- gegebenen Richtung organifierenden und kontrollierenden Behörde der ProduklionSbezirke und der entsprechend organisierenden und kontrollierenden Behörde deS Ronsumtionsgebiekes rücke die Mög- lichkeit, daß im Sommer die Milchversorgung Groß-BcrlinS gefährdet werde, in weile Ferne._ Berliner Lebensmittelnachrichten. Wie der Magistrot mitteilt, kann em Umtausch von F le lschkarten gegen Bezugsscheine auf Graupen, Grieß oder Teigwaren durch diejenigen Einwohner, die sich bisher noch nicht gemeldet hatten, für die jetzt laufende Fleischkartenperiode nicht mehr erfolgen. Von der Umtaujchmöglichkeit ist bisher schon in so ausgedehntem Maße Gebrauch gemacht worden, daß die zur Vcr- sugung stehenden Vorräte die Ausgabe weiterer Umtauschkartcn für diese Periode nicht mehr zulassen. Die Frist zur Eintragung in die neue Kundenliste sür Kartoffeln läuft heule ab. Fristversäunmis hat den vor- läufigen Ausschluß vom Kartoffelbezuge zur Folge. Sollte jemand verhindert� gewesen sein, rechtzeitig seine Anmeldung zu bewerk- stelligen, so kann� er schriftlich unter Angabe der Hinderungs- gründe um nachträgliche Zulassung bei der Abteilung für Kartoffel- Versorgung des Berliner Magistrats, Schicklerstraße ö, nachsuchen. Eine Konferenz der Jugend ausschnfsc Groß-Berlins fand am Sonntag, den 13. Mai, statt, die zu den neuerlichen SpaltungSversuchen in der Jugendbewegung Stellung nahm. In seinem einleitenden Referat betonte Genosse W e i m a n n, daß eS jetzt darauf ankomme, die Einheit der Bewegung hockzuhalten und zu bekräftigen, daß wir nach wie vor fest ans dem Boden der für die Jugendbewegung geltenden Beschlüsse des Nürnberger Parteitages und Hamburger Gewerkschaftskongresses stehen, die dort festgelegten Richtlinien seien für uns bindend. Die fetzt eingetretene Spaltung sei von Anhängern der Unabh. Soz, Partei bewußt berbeigefübrt worden. Solange noch das Jugendsekretariat für Groß-Berlin be- stand, wirkte es für die Einheit der Bewegung. Nach seiner Auf- lösung aber hat die neue Leitung den Boykott der.Arbeiter-Jugend", die Aufhebung des Jugendausschußsystems, sowie die LoSlösung von der Zentralstelle für die arbeitende Jugend vorbereitet. Da sich die letzte Konferenz der Jugendausschüsse mit diesen Bestrebungen nicht einverstanden erklärt hat, versuchen nun jene Genossen, gemeinsam mir der SpartakuSjugcndbewegung, ihr Ziel zu erreichen. Auch die Unabh. Soz. Partei unterstützt diese Zerslörungsarbeir in der Jugendbewegung, denn in deren„Groß-Berliner Mitteilungsblatt" vom 6. Mai wird der erwachsenen Arbeiter- schaft angeraten, darauf zu dringen, daß die„Arbeiter-Jugend" aus dem Hause verschwindet. Es gilt daher jetzt, eine Neuwahl der Bezirksleitung für Groß-Berlin vorzunehmen und alle Kräfte zu- sammenzufassen, die für die Einheit der Jugendbewegung wirken wollen. Nach kurzer Aussprache wird folgende Resolution einstimmig angenommen: .Die Konserenz stellt sich rückhaltlos auf den Boden der .Arbeiterjugend" und der für die freie Jugendbewegung gellenden Beschlüsse. Insbesondere hält sie die Verbindung mit der Zentral- stelle und damit der gesamten deutschen Jugendbewegung aufrecht. Sie fordert alle Genossen und Genossinnen, insbesondere auch die Jugendlichen auf, unter Ausschaltung aller politischen und Partei- streitsragen mit allen Kräften für unsere Sache zu wirken und un- ausgesetzt neue Anhänger für die.Arbeiter-Jugend" zu werben. Die Konferenz erklärt fich mit der Neueinrichtung des Bezirks-, jugendaussckusseS auf paritätischer Grundlage einverstanden und erwartet dessen recht boldige Konstituierung." Zum Vorsitzenden sür den Bezirksjugendausschuß wird Genosse W e i m a» n einstimmig gewählt. Ferner werden Genosse D o m n i ck als Vertreter Groß-Berlins zur vorgesehenen Reichskonferenz der Bezirksleitungen, sowie Lange, M e s ch u t, L e w a n d o w s k y als Jugendvertreter in die Zentralstelle gewählt. Sodann sprach Genosse M e s ch u t über die Arbeit der Jugend- ausschüjse und entwarf Richtlinien sür unsere weitere Jugendarbeit unter Wahrung der Einheit der Bewegung. Nach einer lebhaften Aussprache, an der sich auch Vertreter der Sportvereine beteiligten, schloß der Vorsitzende die gutbesuchte Konferenz mit der Aufforde- rung an die Teilnebmer, trotz der schwierigen Verhältnisse eine rege Tätigkeit im Interesse der arbeitenden Jugend zu entfalten. „Schreibbedürfnis" der Berliner Stadtverwaltung. Wie viel Papier, Federn, Tinte. Federhalter. Bleistifte, Akten- decket, Heftzwirn usw. bei der Berliner Stadtverwaltung verbranchl werden, erfahren wir alljährlich aus dein VcrwaltnngSbericht der „Deputation zur Beschaffung von Schreibmaterialien". In dem neuesten Verwaltungsbericht, der aus dem Jahre 1915/16 vorliegt, unterzeichnet sich diese Körperschaft als.Deputation zur Beschaffung der Schreib bedürfnis se". Die Verdeutschungsbestrebungen des Berliner Magistrats, die schon vor einer Reihe von Jahren begannen, haben durch den Krieg einen neuen Anstoß erhalten. Ilns will aber scheinen, daß bei den.Schreibmaterialien" die Verdeutschung doch wohl vorbeigelimgen ist., Bei dem Wart „Schrcibedürfnis" dachte man bisher an ein Bedürfnis, sich schriftlich mitzuteilen. Daß dieses Bedürfnis in den Schreib- stuben unseres Magistrats nicht gering ist, zeigt der große B e- darf an Papier, Tinte, Federn und allem, was sonst noch zur Schreibarbeit nötig ist. Im letzten Jahre wurden unter anderem verbraucht: 438 S99 Bogen Schreibpapier, 1 090 975 Bogen.Kon- zcplpapier"(für das die Vsrdeutscher des Magistrats wohl noch keinen Ersatz gefunden Habens, 535� GroS Stahlfedern. 3938 Liter Tinte usw. uiw. Der Bedarf an Federhaltern war mit 12 110 Stück wieder merkwürdig hoch.___ Zur Kohlcnfragc. Ter Reichskonnnissar für die Verteilung von Kohlen hat für nächste Woche eine Sitzung anberaumt, zu der die Vertreter von Groß-Berliner Gemeinden geladen find und in der die Versorgung der Groß-Berliner Bevölkerung mit dem Winter- bedarf an Kohlen beraten werden soll. Mindestruhczeit und Mittagspause. Der Polizeiprässdent hat für den Orts polizeibezirl Berlin die Bestimmungen deS § 139o der Gewerbeordnung über die de« Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkanssstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(Konloren) und Lagerräumen z u gewährende M i n d e st r u h e z e i t und Mittagspause sür folgende Tage des Jahres 1917 außer Anwendung gesetzt: 1. Bei den B l n m e n h a n d l u n g e n für den 20., 22.— 24. November und 31. Dezember; 2. bei den Spielwaren Handlungen sür den 5.-8., 10—15., 17.— 22. Dezember; 3. bei den Buchhandlungen für den 13.— 15., 17.-22. Dezember; 4. bei allen übrigen offenen Berk aufs stelle« für den 17. bis 22. Dezember. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern vormittag gegen V�IO Uhr bei der Firma Orenstein u. Koppel in Spandau. Der aus dem Felde reklamierte 20jährige Schlosser Karl Gebauer aus Warmbrunn war dort mit Schleiferarbciten beschäftigt, als plötzlich die große Schmirgelscheibe zersprang und G. schwere innere und Kopsverletzungen zufügte, denen der Ver- unglÄkte nachmittags im städtischen Krankenhaus zu Spandau er- legen ist,■•'■:■ on»? Grosffeuer in der Jrrenwistalt Dalldorf entstand, wahrscheinlich durch Blitzschlag, in der Nacht zu Dienstag. DaS mitten im Garten liegende Verwaltungsgebäude stand gegen 2 Uhr nachts in Flammen. Angeblich waren durch den Blitz sämtliche Meldeanlagcn und Fenr sprechleitungen zerstört, so daß die Feuerwehren er st eine Stunde später alarmiert werden konnten. Von den Gebäuden, in denen die Irren und Idioten unlergebracht sind, ist keines in Meitleidew schasi gezogen worden. Die Kranken konnten ruhig in ihren Räumen bleiben. Erst nach siebenstündiger Arbeit der Wehren wurde der Brand gelöscht. Der Dachstuhl des Verwaltungsgebäudes ist voll' ständig eingeäschert, die oberen Geschosse haben durch Wasser sehr gelitten. Personen sind nicht ernstlich zu Schaden gekommen. Der Mörder der Frau Jaehnichcn aus der Liebenwalder Straße, der 17jährige Drogist Erwin Krüger, bleibt bei der Versicherung, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Greisin zu töten. Wie er sagt, lief er mit dem Hammer, den er in der Laube fand, umher, um sich irgendwo mit Gewalt Geld zu verschaffen. Das Geschäft der Witwe Jaebnichen kannte er vorher nicht. Beim Suchen nach einer Gelegenheit stieß er auf den Laden der alten Frau. Er hielt sich dort solange auf, um auszukundschaften, ob er hier zu seinem Ziele kommen könne. Wie er behauptet, schlug er zuerst im Laden auf die Frau ein. Nachdem diese in das Schlafzimmer geflüchtet war, beraubte er die Ladenkasse und ging weg. Als er draußen sah. daß er nur wenig erbeutet hatte, kehrte er zurück, um mehr Geld zu holen. Jetzt zertrümmerte er die Scheibe der Schlaf- zimmertür, drang ein und fiel von neuem über die Frau her. Hierzu wird uns noch gemeldet: Krüger ist sich erst nach und nach der ganzen Schwere seiner. Tat bewußt geworden, und bereut sie aufrichtig. Den Anstoß zu dem Verbrechen gab, wie er sagte. feine Enticrnung aus der elterlichen Wohnung. Er verdiente den Monat 180 M. und gab davon regelmäßig 40 M. feinem Stiefvater ab. Dieser legte das Geld für sich zurück und bewahrte es in der Wohnung auf. Es hatten sich 150 M. angesammelt. Nach seiner Eni- lassung aus der Drogerie verkaufte Krüger für einen anderen Drogisten im Hausierhandel Saugpftopfen. Den Erlös verbrauchte er für fich. Um nun seinem Austraggeber den Kaufpreis zahlen zu können, ent- wendete er seinem Stiefvater die 150 M. Als der Bestohlene den Diebstahls entdeckte, setzte er den Stiefsohn ohne weiteres bor die Tür. Krüger irrte nun, ohne Geld und ohne Nahrungsmitlelkarten, planlos umher und sann auf Mittel und Wege, in den Besitz von 150 M. zu kommen, um dem Sliefvater das entwendete Geld zurückgeben zu können. Er hoffte, daß dieser ihn dann in die Wohnung wieder aufnehmen werde. Ohne jeden Anschluß und Obdach nahm er in der Verzweiflung den Hammer mit, weil er glaubte, eine Drohung mit ihm werde an geeigneter Stelle schon geniigen, ihm Geld zu verschaffen. Wieder eine fliegende Schankstättc aufgehoben! In der Nacht zum Sonntag überraschten Beamte in der Wohnung einer Frau S ch i e f e r st e i n, Grunewaldstr. 55, etwa 25 Personen, Herren sogenannter besserer Kreise und Halbweltdamen, bei Seit und Musik. Alle Anwesenden mußten sich die Feststellung ihrer Personalien ge- fallen lassen, waS manchem natürlich sehr unangenehm war. Der Veranstalter der nächtlichen Vergnügung, ein Kellner, und auch die Inhaberin der Wohnung wurden festgenommen, die vorhandenen Getränke aber polizeilich beschlagnahmt. Eine Lcbensmittcl-Razzia wurde gestern nachmittag unter großem Menschenauflauf in der G r e n a d i e r st r a ß e veranstaltet. Dort waren in der letzten Zeit in verschiedenen Häusern Leute eingezogen, bei denen es lebhaft zuging. Bald kamen größere Mengen Säcke und Kisten an, bald wurden solche weggeschafft. Das Publikum, das früher achtlos an derartigen auffälligen Erschei- nungcn vorüberging, hat jetzt dafür ein schärferes Auge. Von vcr-! schiedenen Seiten liefen Anzeigen bei der Kriminalpolizei ein, in denen auf das verdächtige Treiben aufmerksam gemacht wurde. I Gestern nachmittag hielt diese durch mehrere Beamte plötzlich eine Razzia ab. die zur Beschlagnahme von großen Vorräten an Lebens- Mitteln, Hülsenfrüchten, Grütze, Graupen, Zucker usw. führten, die aus Galizicn stammende Händler ausgekauft und zum Teil schon Wieder Weiterverkauft hatten. Die Lebensmittel, die die Händler in Säcke, die ringsherum und obenauf mit Lumpen gefüllt waren, versteckt hatten, Wurden beschlagnahmt und zwei der Händler vcr- haftet, Während es dem dritten gelang, sich durch eilige Flucht der Festnahme zu entziehen. Neukölln. Keine Acnderung im Fleischbezug. Die Lebens- mittelkommijsion beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit einer eventuellen Neuregelung des Fleischbczuges für die EinWoh- ncr. In letzter Zeit War aus den Kreisen der Schlächtermeister und auch der Verbraucher, der Wunsch laut geworden, die gebun- dcne Rundenliste und die Verkaufstagc am Mittwoch und lsomi- abend aufzuheben und dafür die freie SchlächterWabl und die FIcischentnahme an mehreren Tagen der Woche einzuführen. Nach eingehenden Beratungen kam die Kommission fast einstimmig zu der Auffassung, das jetzige System der gebundenen Kundenlistc, wobei die Käufer nach Häusern geordnet einem bestimmten t>chläch- tcr überwiesen werden, beizubehalten. Maßgebend War für diesen Beschluß/ daß es bei diesem System dem Schlächter nicht möglich ist, seine alte Kundschaft zu bevorzugen und ferner, daß nur die ?lufstcllung einer nach Häusern geordneten Kundenliste der Stadt eine Kontrollniöglichkeit bietet, um die Zahl der Käufer mit den in Ilmlaus befindlichen Karten der verschiedensten Sorten zu vcr- gleichen. Auch über die Acnderung der Verkaufstagc hielt die Kom- Mission an der bisherigen Regelung fest. Sic ging dabei von der Erwägung aus, daß eine erhebliche Erweiterung der Verkaufstage die Aufhebung der in jedem Schlächterladen ehrenamtlich tätigen Kontrollen zur Poraussetzung habe. In Anbetracht des UmstandcS, daß aus vielen anderen Gemeinden Klagen laut würden, Wonach die Bevölkerung nickt immer in den Genuß des billigen Fleisches kommt, glaubte die Kommission die Beschränkung auf die zwei Vcr- kaufstage Mittwoch und Sonnabend als das kleinere Uebel be- trachten zu müssen. Für den Fall, daß der Mittwoch nicht aus- reicht zur ordnungsmäßigen Belieferung des Publikums, sollen die ersten Vormittagsstunden des Donnerstag mit hinzugcnommen Werden. Da in letzter Zeit auch verschiedene Klagen über unhöfliche Behandlung des Publikums durch einzelne Schlächtermeister er- hoben Wurden, so sollen die Schläcklcrmcistcr durch Zirkular zu einer höflichen Behandlung aufgefordert werden. Eharlottenburg. Erhebung der Wohnungsverhältniffe der Krieger- flauen. Am 21. d. Mts. findet neben der Aufnahme der leerstehenden Wohnungen eine Erhebung über die Wohnungsverhältnisie der Kriegerflauen statt. Den Ehefrauen der zuni Heeresdienst ein- gezogenen Männer, die eine Kriegsunterstützung erhalten und in Chorloltenburg Wohnen, werden zu diesem Zweck bei Gelegenheit der Auszahlung der Unterstützung am 16. und 18. Mai in den Zahl- stellen Wohnungsiarten behändigr werden, die genau beantwortet bei der nächsten Zahlung am 1., 2. und 4. Juni zurückzugeben sind. Wilmersdorf. Abgabe sterilisierter Vollmilch. Für jeden Ein- wohner im Alter von 65 Jahren und darüber gelangt demnächst eine Dose sterilisierter Vollmilch(ungefähr 1 Liter) zum Preise von 1,10 Mk. zur Ausgabe. Die Vordrucke zur Anmeldung wer- den vom 18. bis 2l. Mai von den Brotkommissionen ausgehändigt. Spandau. Städtische Lebensmittel. In dieser Woche können auf die städtische Fletschkarte wieder 250 Gramm mit oder 200 Gramm ohne Knochen und auf die Reichsfleischkarte 200 Gramm mit oder 160 Gramm ohne Knoche» entnommen werden. Ferner gibt es auf Abschnitt 9 der Vollkarte 50 Gramm Blut- oder Leber- wurst. Aus jedes Feld der Kartöffelkarte können 125 Gramm Kar- toffeln(auf die ganzen Felder also 5 Pfund) entnomtnevt werden, Sauerkohl ist noch aui Feld 6 der Lebensmittelkarte in einer größeren Anzahl Geschäfte erhältlich, ebenso Speisesirup auf Feld 12 und Buiter aus Feld 1 der Burterkarie. Auf Feld 1 der neuen Eierkarle gibt es ein Ei zinn Preise von 33 Pf. FricdrichKfllde. Leben smiitelimchrrchten. Jeder Einwohner erhält in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäfte« aus Abschnitt 25 der Lebensmittelkarte 50 Gramm Dörrgemüse für 26 Pf. und in dem Geschäft, in welchem er in die Zuckerkundenliste eingetragen ist, auf Abschnitt 21 125 Gramm Teigwaren. Der Preis pro Pfund beträgt 51 Pf. Soziales. Rcichswohnversicherultg. Der Professor der Sozialpolitik an der HandelshochsckMlc in. Köln Dr. Schmittmann, der schon seit Jahr und Tag für einen Ausbau der Sozialversicherung in Gestalt der Gcwähruiig von Kinderrcntcn eingetreten ist, entwickelt in dem eben erschienenen ersteil Heft der Schriften der Deutschen Gesellschaft für soziales Recht seinen Plan in allen Einzelheiten. Ausgehend von der An- ficht, daß das BcvölkerungSproblem nur in Verbindung mit dem Wohnungsproblem gelöst Werden kann, daß aber ein die Mindest- forderungen für eine menschenwürdige Wohnung festsetzendes_ Wohnungsgesetz ein Unding ist, wenn nicht gleichzeitig dem ein- zelnen Mittel und Wege geboten werden, bessere Wohnungen zu bezahlen, schlägt er«inen entsprechenden Ausbau der Invaliden» und Angestclltenvevsicherung vor, zur Erwerbung des Anrechts für die Versicherten ans eine Kinderrente— bom vierten Kinde unter 14 Jahren ob— progressiv mit jedem weiteren Kinde steigend. In der Zeit reichlichen Verdienstes bei fehlenden oder noch geringen Familienlasten soll der Arbeiter und Privatbecunte Beiträge auf- bringen sür die Zeit, in der die Familienlasten weiter steigen, und Lohn oder Gehalt nicht mehr steigen oder gar sinken. An Stelle der von anderer Seite vorgeschlagenen einmaligen Geburten- Prämie soll eine regelmäßige, von Monat zu Monat wiederkehrende Zulage treten, die als Zuschuß während des Auswachsens der Kinder so lange bezahlt wird, bis diese zu ihrem Unterhalt selbst beizutragen vermögen. Ob man einen solchen Versicheriingszweig, der bei steigender Eltcrnlast steigende Renten gewährt, als Eltcrnversichcrung oder ob man ihn im Hinblick aus die hervorstechendste Schwierigkeit für die Kinderreichen speziell als W o h n v c r s i ch c r u n g bezeichnen will, tut nichts zur Sache. Die Durchführung seines Projektes denkt sich Schmittorann so, daß die Wohnvcrsichcrung organisch mit der Invalidenversicherung vcrbilndea wird, er rechnet mit einer Jahrcscinnahmc aus Bei- trägen in Höhe von 200 Millionen Mark, eine Summe, die etwa 2 300 000 Kinderberechtigten zugute kommen würde. Wir begnügen uns damit, diesen Plan, der auch im Parlament bereits von verschiedenen Seiten sympathisch begrüßt ist, wieder- zugeben, ohne im Augenblick dafür oder dagegen Stellung zu nehmen._ Zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. In seinem diesmaligen Geschäftsbericht geht das Reich?- vcrsicherungsamt auch auf die von den Versicherungsträgern ge- troffencn Maßnahmen zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ein. Die Landesbersicherungsanstalten haben sich bei der Ein- richtung der Beratungsstellen Verständnisbollen Entgegenkommens von feiten der ärztlichen Organisationen und der Krankenkassen- vorstände zu erfreuen gehabt. Nur in zwei Bezirken sind die Ver- Handlungen mit der Aerzteschaft noch nicht zum Abschluß gc- kommen, in Berlin und i n d c r R h e i n p r o v i n z. In der Rheinprovinz gelang schließlich un Einverständnis mtt dem Vor, stand der Rheinischen Aerztekammer und einem großen Teil der Aerzteschaft die Errichtung von Beratungsstellen in Düsseldorf, ElberfelS, Krefeld und Bonn. Dagegen sind die Mcinungs� Verschiedenheiten mit den ärztlichen Vereinen in Köln und Aachen noch nicht geklärt. Ende ISIK waren bereits 52 Beratungs- st c l I c n in Tätigkeit. Weitere 27 sind i n den ersten Monaten des neuen Jahres eröffnet worden. In Westprcutzcn ist vorläufig den Kreisärzten die Nachuntersuchung der von den Militärbehörden Gemeldeten— auf diese beschränkt sich zurzeit die Fürsorge der LandeSversichcrungS- anstalt— übertragen. Die Landesversichcrungsanstalt Branden- bürg hat im Zusammenwirken mit den Städten Charlotten- bürg, Berlin- Schöncbcrg, Brandenburg a. H., L a n d s b e r g a. W., Kottbus, Wittenberge und B r e n z I a u Beratungsstellen eingerichtet, für deren Jnanspruch- nähme sie einen jährlichen Pauschbctrag zahlt. Gemeldet wurden den Versickerungsanstalten von militärischen Stellen bis Ende 19l6 mit Einwilligung der Beteiligten leider nur -tU geschlcchtskrank gewesene Kriegsteilnehmer. Diese nur geringe Zahl cnttäusckit einigermaßen. Es ergibt sich daraus, daß die Einsicht bei den Erkrankten in den Ernst der Situation doch noch recht erheblicher Steigerung fähig ist. Auf sie zu bauen, würde aber verfehlt sein. Da die generelle Meldung an der schon mehrfach im„Vorwärts" erwähnten Vorschrift des 300 Str.-G.-B. bisher gescheitert ist, bleibt nur eine Ae n d e- r u n g derselben. Tic Formulierung der„Gesichtspunkte bei der Einrichtung von Beratungsstellen" ist in einer ge- meinsamen Beratung der Anstaltsvorständc mit ärztlichen Sach- verständigen im R.-V.-A. geschehen. Mus aller Welt. Heil Wodan! Tie wieder auferstandene„Staatsbürger-Zeitung" des Rudolf !?ebius liebt als antisemitische Spezialität den Kampf gegen das „jüdische" Christentum, das sie durch den Kult der alten Germanen- göllcr ersetzen will. Eine.völkische Sonnlägspredigt". die sie in ihrer letzten Nummer veröstenllicht, beginnt mit dem Anruf:.Heil Wodan!" und fährt dann fort: Lang ist es her. daß ich deinen Namen anrief. ES können t 000 Jahre sein und einige mehr. Der Engländer Win- fried, den sie BonifaziuS nannten, hat uns durch ränkevolle Reden entzweit. Er sühnte den Frev el mit dem Tode. Aber die Entfremdung war eingetreten zwischen uns. Sollen wir deshalb ewig Feinde bleiben? Der Weltkrieg von heute lehrt uns die englische Falschheit und Heuchele». Hätten wir Südgermanen damals die Erfahrungen von heule, wir hätten den Winfriedschcn Verleumdungen kein Gehör geschenkt. Die christliche Religion ist also aus England importiert. Schon das würde genügen, sie unmöglich zu machen Im Ursprung aber ist sie jüdisch. Die Kinder TeutS werden in den Schulen erzogen, „als ob sie Judenkinder wären!" Das darf nicht länger sein! Die Predigt schließt: Dos deutsche Volk leg eine Sammlung an von Schriften aller Sittenprediger aller Völker. Prüfet alles und behaltet das Beste. Der erwählte Prediger predige Sonntags der Gemeinde. feiere wie seit zchntausenden von Jahren Sonnenwenden, Früh- lingsauferstehung. Erntedank« und die Familienfeste— in deinem Namen Wodan! Der Aufruf stammt wohl nicht von einem verrückten Einzelnen, sondern ist der Ausfluß einer geheim enSektenbewegung. die in Berlin ihr Wesen treibt. Man glaubt gar nicht, was es alles auf der Well gibt, und was für Leute sich mit so ab- sonderlichem Treiben befasien! Der unheimliche Schübe in der Falkenhageuer Forst, über dessen Treiben wir vor längerer Zeit berichteten, scheint seine gefährliche Tätigkeit wieder aufgenommen zu hoben. Vor kurzem wurden bei Staaken von einem Manne mehrere Schüsse auf eine Frau ab- gegeben, die glücklicherweise sämtlich fehlgingen. Ferner ist der unheimliche Bursche in der Falkenhagener Forst und am Falken- Hagener See aufgetreten. Am See schoß er wiederholt aus dort lagernde jugendliche Ausflügler in Berlin. Eine Revolvcrkugcl traf dabei den l7jährigcn Hans Giebel in den Oberarm. Srlefkasten üer �eöaktion. Tie juristilche Svesdiflimde siiivct sür Abonncoten Lindcntir. Z, 1. Hol links, xarlerre, am Montag INS Freilag von 4 bis 7 Ubr, am Sonnabenv von ö bis 6 Uhr stau. Feder für de» B r t c s l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bcizutügen. Briefliche Anl- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonncmenlZauittung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Evrcch- stunde vor. Verträge. Schriflflüitc und dergleichen bringe man in die Sprech- stunde mit. P. T. 7. Der Berliner Verein für Ferienkolonien vcrichickt Kinder, die sich zur Betcsligung an Landarbeiten nicht eignen. Nähere Anskunst am besten beim Schulinspektor.— äö. I. SS. 1. Das festzustellen ist uns leider nicht möglich. 2. Unseres Erachten» ja: es kommt natürlich ans die Quglität dcZ Tieres an.— A. K. 100. Leider nicht festzustellen.— I. A. 300. 1. 2553 Quadratmeter. 2.14,184. 8.100. 4. 10000 Quadrat- mctcr.— G.(?. 11. 1. Mit die' er Frage wenden Sie sich am besten an die Zentralkammiffion der Krankenkassen. Alexanderfir. Zg/40. 2. Am besten ist das Abreiben, um io mehr. aiS die löslichen Stoffe seht zum nrögten Teil sehr teuer, oder gar nicht zu haben find. Zluskunft könnten Sie crba ten beim Maler oder auch beim Drogisten.— Hugo.30. Darin können wir �lmen leider nicht dienen.— X. X. 187. Ist im TSabtkrcilc Solingen gewählt. Adresse: Berlin lSW! 68. Lindenstraße 8, 1. Hos 4 Treppen. — A. 37. Anspruch aus Urlaub besteht übcrbauvt nicht, es soll den Mannschaften, die über ein Fahr im Felde sind, soweit es der Dienst zu- läßt, Urlaub gewährt werden.— Franz 18. Der Antrag aus Miets- Unterstützung ist i,n die Zahlstelle zu richten, von der die Kriegsunter- stützung bezogen wird. Die Unterstützung beträgt in diesem Falle bis zu 15. M.— D. 19. Ein Sübnctcrmin mutz einer Beleidigungsklage voran- gebe» i wenn die Tochter»och minderjährig ist. müssen Sic als gcietzlichcr Vertreter den Sühnclcnnin beantragen und nachdem Klage erbeben.— — M. P. 1005. Sie sind nicht verpflichtet, die TodeSerllärung jür den Ehemann zu beantragen. Ihr Zlnipruch auf Hinterbliebenenrente verjährt, wenn nicht innerhalb eines Fat res nach amtlich beglaubigter Todesurkundc der Antrag gestellt ist.— M. I. 85. Uneheliche Kinder sind nur erb- berechtigt am Nachlatz der Mutler. nicht an dem des Vaters.—®. L. 92. Nach einer Enljchcidung des OberverwallungsgerichtS müssen die Krieger Kirchensteuer zahlen.—?!. K. Ol. Degen dieser Bagatelle zu klagen. lohnt sich namentlich in der jetzigen Zeit nicht. Sie würden jedenfalls auch zur Zahlung verurteilt werden.'— Alter Abonnent 500. 1. Der An- spruch auf Sterbegeld iil längst verjährt.— L. 221. Nein, dicic Mannschaften haben selbstverständlich keinen Anspruch aus Screeanlensähnung.— WetterauSsichtcn kür»aS mittlere Aorddculictilan!> bis Donnerstag mitta«. Zunächst noch warm, überwiegend bewölkt mtl meist geringen Regcnfällcn f strichweise Gewitter; später langsam auillarcno und etwas kühler. S. Pr-nhifch.SLdd-utsche (»SS. König!. Vreutz.) Klasseniotterl- B. Klasse 7. ZiehungStag 13. Mai 1917 Vormittag Auf jede gezogene Nummer flnv zwei gleig, dobe Slewlnn« gefallen, und zwar j« einer aas die Lose gleiiiier Stummer in den beide« Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr«. Et.-A. f. Z.) sNachdrnck verböte, 1 S 173 388 468(1000) 809 4«(1000) 68 68 828 975 1169 79 63( 3000) 931 666 706 22 46 811 2138 42 62 279 662 640 3 7 881»137 241(1000) 343 778 83 912 4078(1000) 84 260 4(4 6« 647 901(1000) 66 70 72»038 333 461(600) 678 965 6010 285 660 606 81 91 796 938 7027 81(1000) 246 603 79 720 31 61 834 36 8110 242 34 406(600) 8 748 668 67 8012 84 106 72 244 419 68 538 769 91 804 27 10016 109 48(500) 72 201 437 668 807 27 90 912 48 »1297 669 78 676 87 750 823 1 2064(£00) 66 106(600) 237 308 78 666 1 3130(1000) 212 376 602 16 16(1000) 14142 267 68 365 662 614 40(1000) 97 762 1 6013(600) 22 165 238 446 663 18077 84 126(1000) 301 760 826 1 7244 372 666 73 748 896 813 69(1000) 86 1 8048 161(600) 307 666 84 682(1000) 706 83 8C4 936(1000) 19466(1000) 93 729 71 881 93 2 0 066 191 600 634 760 837 979 21119 221 301 11 411 67( 600) 682 781 812 93 2 2073 136 86 88 288 312 28 402 77 604 10 16 42 931 68 2 8083 143 277 378(1000) 623(680) 33 86 2 4143(3000) 44 337 422 7,9 2 B087(3000) 142 416(600) 699 649 731 88 92 837(1000) 72 28138 896 646 82 97 736 82 2 7 017 104(1000) 21 318 23 411 666 68 77 793 902'(3000) 17 46 60 2 8114 44 269(600) 365 463 868 76 86 906 67 2 9345 763 804 937 44 88032 147 89 237 381 401 22 82 97 689 61 87 860 62 764 996 31103(600) 64(1000) 86(6001 329(600) 31 432 627 674 887 3 2167 97 246 397 469 643 93(3000) 726 83 93 831 998 3 8019(600) 66 120 32(600) 236 339 656 610 37 63 939 8 4146 310?6£0(3000) 736 69 916 3 5 178 344 669 676 727 939(6001 36086 17» 255 313 69 426 631 721 44(1000) 73 937 3 7137 363 456 723 869(600) 8 8 059 211 29 43 349 67 437 697 3 8060 113 206 17 66 601 4 18 687 743 947 4 0213 46 90(1000) 379 479 965 41067 214 423 86 692 (600) 908 4 2939(600) 446(500) 68 658 926 4 8030 36 136 74 81(600) 217 67 98 342 67 69 408 622 740 94 855 66 906 17 44020 164 418 30 609 66 638 97 932 48 4 8 036(IS 000) 61 99 856 340 66 93 640 97 636 967 88 4 8 041 183 241 339 403 614 738 934 4 7 200 91 321 40 408 68 807 4 8378 676 4 8220 361(600) 99 431 39 664 738 61 822 40 930 5 09:3 105 25 32(600) 40 210 93 1600) 826 51048(600) 144 213 38 363 437 94(1000) 632 674 857 5 2105(500) 698 641 81 729 832 6 3110 30 78 215(600) 639 67 746 5 4113 28 218 86 475( 500) 673 822 968 99 8 5 076 453 88 529 991 5 6 092 192(600) 650 730((000)»7085 260(1000) 76 328 423 666 813 22 947 5 8079 184 250(600) 310 34 37 425 789 893 960 6 9007 131 37 92 321 461 645 806(600) 913 69 60147 316 417(1000) 74 626 84 96( 600) 787 862 919 •1041(500) 245 604 767 831 936»2011 42 268 66 610 619 60 863»3260 376 469» 4696 703 847 94(6001 86134 67 (600) 212 66(600) 460 86 663 874 933 48» 6097 221 396 431 (3000) 566 613 46(3000) 93 743 872 962 61»7043 262 469 76 61» 20 40 911 69» 8003 246 67 601 656 863» 8062 122 293 (1000) 307 77 420 41 514 33 784 626 74 7 0612 840 71133 626 606 714 89 847 943 7 9037 361 748 88 908(500) 7 8232 49 437 621 137 96 98 849 1800) 956 74132 268 407 9 612 766 819 91 7 5 166 231 68 690 Sil 60 869 988 11000) 7 6063 76 203 382 477 646 660 89 720 22 932 7 7 021 172 317(600) 91 407(1000) 90 517 789 873 76 86 • 78049 SO 64 151(500) 246 82 625 616 87 746 806 946 79(600) 7 9013 224 36 614 41 718(600) 922 29 88 80161 232 312(600) 466 662 768(600) 936 81653 897 722 847 8 9028 66 IVO 86 481 760 B 8070 96 184 230 408 685 93 872 917 8 4042 102 96 243 816 8 5 277(SOOI 92 334 623 700 667(600) 934 61(600) 88266 661 646 78 721 26 68 882 908 66 66 92 8 7 028(1000) 90 329 436 699 904 24 67 8 8036 140 86 282(6001 99 304 402 616 76(600) 81 836 829 (£00) 8 9488 674(1000) 678 88 799 914 26(600) 67 80008 44 262 92 360 474 604 721 998 OI068 87 197 249 86 364 712 961 92004 79 122 69 13000) 246 98 341 418 617 718 92 860 8 3027(1000) 220 327(3000) 63 682 961 84072 94 137 267 370 631 823 32 913 76 SS025 172 229 74 314 16 69 469 66 663(600) 741 98131(3000) 88(600) 94 622 771 924 97173 222(1000) 440 70 560 96 730 896 923 26 8 8063 287 90 318 442 66 75 792 809 98(600) 906 9 9 0111 271 448 638 93 694 820 983 10 0044 143 223 40 87(600) 411 604 31 768' 894 101061 136 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Vrentzifch Siiddentfche (235. König!. Kr-nß.) Kiass-niott-ri- b.»lasse 7. ZiehungStag lb. Mai lvt? Nachmittag Auf jede gezi-geu» Nummer sind zwei gleich dobe «ewinue gefalle», und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer«u deu beide» Adteilungeu I u. n. Nur die Gewinne über 210 M. sind in Klammern beigesügt. lOhne Gewähr A. St.-«. s. Z.)(Nachdruck verboten) 102(1000) 217 26«26 803 683 922>191 271(3000) 316«7 878 930 2040 130001 139 262 362 661 96 676 609 966»002 139«9 364 626 918 4008 76<30001 326 631>1003) 767 646 988 5036 74 441 626 67 86, 965 6142 46 204 23 80 83 410 72 (600) 86(1000) 646 67 71 604 69 723 814 90« 7278 80 424 47 61 6079 84 93 2,8 461 82 611 84 6019 160 319 470 83 97 (30 000) 620 746 968(1000) 10069 136(600, 279(£00) 716 77 830 11268 449 98 670 86 656 97 746 97 808 49 I20I7 128 446 609(1000) 600 9 66 825 1 3256 86 668 719 46 801 928 37 1 4180 219 81 342 482 770 934 79 1 5027 122 264 429 33 623 74(600) 655<3000, 736 £4 93 1 8384 610 77 793 1 7393 663 821 911 31 18180 318 (1000) 71(3000) 643 764 693 1 9187 328(1000) 86(600) 776 77 814 991 20144 421 847 704(1000) 21025 79 262 482 701 862 3 3019 67 100(600) 436 672 690 969 2 6128 269 371 92 414 21 692 768 840 2 4034 245 387 493 635 648 772 983 2 5036 86(3000) 145 232 318 479(«00) 690 86«(3000) 907 2 8209 32 443 93 520 71 76 726 61 72 838 2 7216 39 71(3000) 293 488(1000) 676 731 836(1000) 962 2 8011 16 209 2 4 70 374 429 30£81($00) 73» 37 891 991 3 9037 66 291 362 417 73 (3000) 634 808 66 80167 99 260 617 680 738 31098(600) 268 307 87 497 668 71 659(6001 996 3 2140 74 90 402 8 72 618 33 92 669 70 (600) 72 733 964 84 3 8030 100 33 292 617 23(600, 63 81 682 733 910 63 8 4 306( 500) 18 60 423 96 786 660 69 908 43 62 SB 868 38037 15» 216 391 436 608 16 97 736 832 74 3 7168 241 399»78 6,0 714 886(1C00, 910 84 3 8338 417 16 786 633 46(6001 67»74 84 0 000) 3B103 61 219 674 799 914 40036«6 6? 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Rastaliake Enfros f. Ernit Borch, Elueterstr. ZI. 4 Blkoholtp. fletplnfc» V Franz Abraham Etat Uessina-n.RSmertrank-Kell. C.riBertellir.ta, Fernep. K�at. 11708 4 B»0«-*n»t«lten teotral-Baii a„.££S.«. Oiana-Bad SKider. Passage- Bad K"«'' Reform-Bad, Wiener Str. BS. 4 BBAer* n. Kondltorolen V r 78 OewcHBtte (n allen Stadtteilen Berline «owie in NeukSUn u. Treptow ■«■rBwd»t 1002. F. Bleeewettar.EchiTalkeliaim,» O. Haler, Grts«nre( 17. IErs — Erscheint öchentiich. Bezugsquelleii'VerzelchniSs[ Unteniteh8nde Getchäfte empfehlen sich b.Eiikäuf. Otto Wolll, Treptow, Krflllst. 16 Z«ch«u.Gr.-Lichtert.,C>aiii««at.»5» 4 Bandanan. eummlw.» E. Kraus, Kamaaedamniir. II. A. E. Lange, Bronnenetr. 16» 4 Butter, fcler. Kl»» 3 Wilhelm Gobel 1 25«laeiia Filialen. 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Was wäre aus der deutschen Sprache geworden ohne die vcr- spotteten Puristen iSprachrcinigcr), die nach deutscher Art ihre Sache um ihrer selbst willen betrieben und, nicht Spott noch Hohn achtend, sich� vor der stärksten aller Mächte, der Dummheit, nicht fürchtend. Schritt vor Schritt ihren dornenvollen Weg dahinzogen? Die unsterblichen Verdienste der großen Meister unserer Dichtung und Prosa um Kraft und Fülle, Schwung und Anmut, Tiefe und Glanz der deutschen Sprache in den höchsten Ehren,— an un- mittelbarer Bereicherung des deutschen Wortschatzes stehen sie alle- samt hinter unser» verlästerten Puristen, d. h. hinter den ebenso glücklichen wie kühnen Wägern und Wägern der deutschen Sprach- reinigung. Nur die tiefe Finsternis der Unwissenheit im Vcnvelscki- ten Teutschland über diese Glanzleistungen unserer Sprach- gcschichte erklärt den frechen Spott der Welscher über Sprachrciniger wie die Fruchtbringende Gesellschaft und Philipp von Fesen. Doch selbst in den Kreisen wahrhaft deutscher Sprachwissenschaft wird der volle Umfang der dauernden Bereicherung an bester deutscher Sprache durch Joachim Heinrich Campe l8l8) nicht allgemein gewürdigt. Ein überaus merkwürdiger Fall! ein unschöpfcrischer Schriftsteller, der belehrsamc Vcrwässercr dcS Robinson, selbst als Sprach- gelehrter nur mittelmäßig, hat dieser eine Mann das Rcuhoch- deutsche um mehr glückliche Neuprägungen oder dauernde Belebun- gen guter alter Ausdrücke bereichert, als irgendein deutscher Schrei- ber, ja um mehr als unsere drei größten Klassiker zuiammcnge- nommen. Ein cnggedruckter voller Bogen dieses Buches ivürde nicht hinreichen, den reichen Campcschen Ncuwortschotz einfach abzudrucken. Alle Germanisten seit Jakob Grimm haben vereint nicht den hundertsten Teil neuen, unentbehrlichen Sprachgutes zum Deutschen beigesteuert, den wir dein einen Lampe verdanken. Was hat z. B. Jakob Grimm selber für die Mehrung deutscher Sprache geleistet? Außer einigen kinderleicht zu formenden platten Fach- Wörtern der Sprachlehre wie Anlaut, Ablaut, Inlaut, Unilaur, Lautverschiebung noch den einen gründlich mißlungenen Versuch einer Verdeutschung: Auslauf für Exkurs, eine Geschmacklosigkeit, dercngleichcn sich keine bei Campe findet. Fast noch schlimmer sieht es mit Grimms anderen Verdeutschungen: Renaissance durch Wiedcranfachung, Regierung— die kaum einer Verdeutschung bc- darf— durch öffentliche Lenkung, Uniformierung durch Einförmig- machung. Allerdings hat auch Jakob Grimm leider zu denen ge- hört, die ohne Verständnis für Campcs unvergleichlichen Schöp- fungsreichtum sich kleinlich und, es muß einmal gesagt werden, neidvoll an diesem fruchtbarsten und glücklichsten Bereicheret: des Deutschen gerieben habe». Jakob Grimms Nörgeleien gegen Campe, z. B. seine unhaltbare Behauptung, appetitlich sei unvcr- deutschbar, weil das,»ach seiner Ansicht einzig in Frage kommende, althochdeutsche lusricOr) veraltet sei,— all da? ist versunken: ur- lebcndig� aber sind geblieben die Hunderte ausgezeichneter, aus unjrcr Sprache nicht' mehr wegzudenkender Ncuschöpfungcn Campcs. Läse man sie nicht in seinen verschiedenen Vcrdcutschungs- büchern. so könnte man kau», glauben, daß wir Campen verdanken: Zerrbild'Karikatur�. Beiveggrund«Motiv!, Ocffentlichkeit lPubli- zilät«. geeignet iqualifizierti, prickelnd ipikantl, Dienstalter lAn- ciennität!, Tondichter(Komponist), Sterblichkeit«Mortalität), vcr- lach? und bckämp't von der ganzen damaligen Wclschcrschaft: Zart- gefübl(Delikatesse): gegenständlich(objektiv!, nickt von Hcinrotb, wie Goethe, der Bewunderer von„gcgcnständlick", geglaubt hat. Von Campe rührt das Wort Bannware(Konterbande) her: von Canipe: Schnittwaren, Modekrankheit, schlechterdings(partout) ur- sächlich(kausal), verwirklicken(realisieren), Tageblatt(Journal), Ersatzmittel(Surrogat). Molkenkur, mittellos, Mißernte, Miß- erfolg! Fiasko), Treibeis, Treibjagd, Triebkraft(Energie), trüb- finnig(melancholisch), Zwiclickt lClairobscur). unumwunden. Hoch- schule lUniversität), Umwelt(lSll. von Goethe 1816 nachgeschrieben, lecker(appetitlich!, vervollständigen(komplcticrcn), höh- nisch bekämpft: Eilbote(Erpresser), Umschlag(Couvcrt), unaus- steblich, unentgeltlich, ungeschminkt, örtlich(lokal). Selbander(Ttzte ä töte). Rentner(Rentier), Völler(zuerst von Campe für Balkon vorgeschlagen), übernächtig, übersichtlich, zweifellos(evident), wort- targ(lakonisch), Laube für Loge/also nickt erst seit der Worniscr Festbühne: Ucbertrcibung(Hyperbel!, Finsterling(Obskurant), Walze(Zylinder), Wortschwall(Tcklamation), Selbstsucht und selbstsüchtig(Egoisnius. egoistisch), prall(elastisch), Vorzeichen (Emen), Ureigenheit(Originalität): volksmäßig, gemeinverständlich, volksverständlich. leutselig lalle von Cainpe für populär); Gc- incinwcscn und Lcserwclt für Publikum, Empfänglichkeit(Rczcp- tivität), Stelldichein und Sammelplatz(Rendez-vous), Freistaat lRepublik). Scheinwerfer für Revcrbcre ist eine Neubildung Campcs: Haft(Arrest), Farbengebung(Kolorit), abstechen(kon- trastieren), Lehrgang(Kursus), gefallsüchtig(kokett)— alle von Campe. Geisteskrank, geistesabwesend— von Campe. Genußsucht, Gcwaltstreich, Guthaben, Gutsbesitzer, Lohndiener, luftdicht(her- metiich). Altmeister, anspruchsvoll(prätentiös), aufbauschen, auf- fällig, Bekanntmachung, einschließlich, Einzelheit(Detail), Eßlust (Appetit), bewahrheiten(Adelung:./Albernes Wort einiger Neu- lingc")— von Campe dem Puristen. Folgerecht(konsequent), Zuckungen(Konvulsionen), Schncllpost(Diligencc), belegen(dokn- mcntiercn), Ehrensold(Honorar), Kunstflciß(Industrie), mündig und volljährig(majorenn), Gegenstück(Pendant), Ergebnis(Resul- tat,— alle von dem verspotteten Sprachrciniger Canipe. Ein Ncunmalwciscr in der damals maßgebenden Allgemeinen Lite- raturzeitung machte sich lustig über Campcs Umwälzung für Revolution. fand sie„schlverfällig",— schwerfälliger als die um zwei Silben längere Revolution! So könnte ich seitenlang fortfahren:d och mir sind diese Bei- spiele genug, dem Leser wohl übergenug. Bei mehr als einem Hundert der Campcschen Schöpfungen greift man sich an den Kopf und fragt sick: Ist denn die deutsche Bildungswclt blind und taub, daß sie angesichts solcher Ruhmestaten schon eines Sprachrcini- gerS den Wclschcrn(Fremdwörtlern) erlaubt, nur den Mund auf- zutun gegen die Puristen? Ganz auf Welsch kann ja der weit- bürgerlichste Aneigner seine Offenbarungen nicht kundtun, eine ge- wisse Zahl deutscher Bcgriffswörtcr muß auch er anwenden— nicht weil sein Welschwörterbuch nicht ausreicht, sondern weil es bei den vcrivclschtcsten deutschen Lesern sprachliche Grenzen gibt; da sollte man ihm sagen oder ins Ohr schreien, denn er ahnt nichts davon, daß ein ansehnlicher Teil der selbst von ihm der Zulassung gcwür- digten deutschen Wörter von einem Puristen herrühren. „In dieser Schöpsung(glücklicher Neuworte) kann sich kein Autor mit ihm messen", hatte schon Jean Paul gereckt erkannt und bekannt. Goctbc hat Campen so ungerecht, oder noch ungerechter, behandelt wie Heinrich von Kleist. Wir mögen zu versteben suchen. warum; mögen Goethes allgemeine Abneigung gegen sprackkriit- Icr teilen, die in läppischer Weise an des Meisters edelstem Deutsch herumstöberten,— Ungerechtigkeit bleibt auch bei Goethe Ungerechtigkeit, bleibt sie um so mehr, als er über Campe spottete, aber in Dutzenden von Fällen die Campcschen Ncuschöpfungcn nachschrieb. Mit edler Höflichkeit hat Campe diesen Vorgang gekennzeichnet: „Was unfern Glauben, daß die Benennungen Purist usw. keine beschimpfende, sondern vielmehr eine schmeichelhafte Bedeutung haben müssen, bis zur Gewißheit erhöht, ist die Beinerkung. daß der Herr Geheimrat von Goethe oft selbst kühn und glücklich genug dem Geschäfte der Verdeutschung obliegt, daß er statt der unsrc: Sprache aufgebürdeten Fremdwörter neue deutsche bildet, daß er ferner auch von Andern vorgeschlagenen Verdeutschungen einen Platz in seinen Schriften gönnt." Goctbc hatte den nickt sonder- lich liefen und neuen, aber unbeziveifclbarcn Ausspruch getan: „Tic Muttersprache zugleich reinigen und b c- reichern, i st d a s Geschäft der besten Köpfe"(in dem Aufsatz„Die deutsche Sprache"). Auf die Frage, iper von seinen Zeitgenossen alsdann den Ruhmcskranz für Sprachreinigung und -bercichcrung zugleich verdiene, hätte Goethe nur den«inen Campe nennen müssen, wenn ihn nicht voreinnebmendc Verärgerung durch Andre besanZen gemacht hätte, lins aber dürfte niemand verübeln, wenn uns bei der diimmdrcistc« Verspottung dcS Purismus durch die elendesten Sprachveischmutzer die Galle überliefe, und lvir ihnen den großen Reiniger Campe nennend zuriefen: Habt Respekt, ihr Buben!_ der Sitz öes Hunger- unö durstgefühls. Lange Zeil hat man angenommen, Hunger- und Durftgefühle hätten im Magen ihren Ursprung. Erst neueren Forschungen war eS vorbehalten,' festzustellen, daß dicS ein Irrtum ist.„PrornelheuS" berichtet darüber; Jetzt sieht man den oberen Teil der Speiseröbrc als den eigentlichen Sitz der Hunger- und Turstgcfühle an. Um sich von der Richtigkeil dieser Annahme zu überzeugen, hat man Racken« und Speiseröhre eine- hungrigen Menschen durch Ein- ipritzung einer Kokainlösung betäubl: sogleich verschwanden Hunger- und Dursigesühl vollkommen, und er konnte daraufhin fünf Tage und sechs Nächte lang durch nichis dazu gebracht iverden, irgendwelche Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu iicbmeii, woraus nian schloß, daß daS Kokain Hunger und Durst in ihm völlig er- tölet halle. Aus denselben Ursachen läßt sich auch das Rätsel erklären, daß viele ForschungSreisende, die den Wilden das Kauen von Blättern der Kokapflanze nachgemacht haben, nachher tagelang ohne das geringste Hunger- oder Dursigesühl blieben: durch das Kauen der lokainhaltigcn Blätter ivaren Gaumen und der obere Teil der Speiseröhre in dem Maße bcläubt, daß sie gegen Hunger und Durst lange Zeit unempfindlich blieben. Ebenso wie das Kokain wirkt auch das Nikotin. Ein Mensch, der an Hunger und Durst leidet, kann sich mit einigen Pfeifen Tabak oder einigen Zigarren dieses lästige Gefühl für ein paar Stunden vertreiben. Es ist ja hinlänglich bekannt, daß Soldaten, die auf laugen Märschen oder dein, Warten aus die Feldküche im Schützengraben zum Tabak greifen, es längere Zeit ohne Nahrung aushalteu können, als die Nichtraucher unter ihren Kameraden. papierunterkleiöung. lieber die Uiitcrllcidling aus Papier, die iicncrdings für die französischen Soldaten hergestellt lvnrde, kann man aus der„Revue" nähere Einzclhcilen erfahren. Das Zentrum dieser neuen Industrie ist die große Papierfabrik in Vidalou, die mit dem neuen Verfahren aus Anregung der Pariser Akademie der Wissen« Ichaften begann. Da nicht cingesührle Faserstoffe benutzt werden sollten, verwendet man in Frankreich angepflanzten Häuf und ein grobes Werg, da? durch das Aufdrehen alter Täne gewonnen wird. Da? Hanspapier ist sehr stark, muß aber wegen seiner Weichheit noch besonders verstärkt tverdcn, um für die Unterkleidung diciicu zu können. Tarinn zieht man es ans eine billige, lose gclvebto Leinwand ans. lim diesen Papierstoff wasserdicht zu machen, wird er in eine ans trocknenden Oelen und einer seuhalligen Gelatine- gallcrte bestehende Enullsion getaucht, hieraus gctrockncl und schließ- (ich mil einer Lösnng von Formaldebyd gclränlt, ivclche die Gelatine unlöslich inachl. Dann ist der etwas komplizierte Papierstoff wasierdichi und haltbar, er kann gewaschen werden und ist autzerdciii angeblich gegen die Festsetzung von' Insekten gefcir. Entgegen früheren Meldungen ist festzustellen, daß aus diesem Papierstoss nicht die ganze Unterkleidung, sondern nur gewisse bc- stimmte Stücke angefertigt werden. Hauptsächlich handelt es sich um Brust- und Lungcnschützer, die nur 8ö Granim wiege» und durchschnittlich 6l> Pf. das Sliick kosten. Daiieben stellt man auch Schutzwesten für Posten während der Wiiitcrzcil iiiid.Schiiheiulageit ber, die einen erfolgreichen Schutz gegen die Kälte bilden sollen. Einen Hauplvorzug dieser Ilnieikleidniig ans Papier erblickt nian m ihier Lcichllgkeit, die eine Milführung»ichrcrer Slückc ini Törnisicr ohne Beschwerden gestaUel.__ Notizen. — B o r l e s u n g. Else Lasker-Schülcr liest Freüag 9 Uhr im Architeltenhanic(Mlheliiistraße) aus ihren Dichlungen. — Eine Vorlesung über Goethes Faust ll hält Dr. Bruno W i l l c an der Hnmholdt-Akadcmie Freien Hochschule in der zweilen Hälfie dieses LebrvierieljahrcS(Dorothmislraße 12, Dienstags 8— O1/». Beginn: 22. Mai). — Die Berliner Philharmoniker haben in S t o ck- Holm ihr erstes Konzert mit starkem Erfolg gegeben. Llns dem Pragramm stand auch TschaikolvSkiS pathetische Snl'onic, die besonders bei den Russen Beifall fand. — Eine Stiftung von t 9 9 99 M. crinöglicht cS dem Deutschen Schriftsteller-Verbände, Berlin X. 2s, durch den Krieg>u Not geratene Schriftsteller zu unterstützen. — Die E i ii z i e b u n g einer k ü n st lich e n Hand. Ein Borfall, der sich vor elwa dreißig Jahren im r' eiiiischen Slädtchcu Godesberg zugetragen bar, ist Heine nicht .e zcugcniaize deutung. Jenes Städtchen beherbergte ciiicn Schlosser, der seine fehlende linle Hand durch eine eiserne ersetzt halle. Freilich inockle nun diese künstliche Hand, die sich der Schlosser selbst znrcchlgebnur halle, besonder» schwer gewesen sein, nnd dazu ivar dieser„Rilicr mit der eisernen Hand" wohl ein etwas gcwalltäiigcr Herr, denn er schlug häufig mit seiner eisernen Faust io tüchtig drein, daß er schwere Verletzungen anrichlelc. Nachdem verschiedene Bestrafungen nickt« gefruchtet hatten wurde er endlich wegen schwerer Mißhand- lung zu zwei Jahren Gefängnis vcrurlcilt und die Elnziehung sciuer eisernen Hand angeordnet. — E i n c O r g a»> s a t i o n d c r K r ä u t e r- und Pü l z- künde schlagen zwei Wiesbadener Damen, die damit bcrcus bc- aoiuie» habeii, für das ganze Reich vor. Es sollen Natnrkuiidsge sestgestelll und die Ivirllich geeigneten danmicr sobald als möglich der VolkSernährmig dienstbar gemach! werden. AndererscilS soll durch zeitgemäße Naiurlehrgünge ein Stamm von Wissenden gebildet iverden, die ihrerseits wieder binnen kurzer Frist als Aufklärer des Volkes wirken köimten. Durch ständige Pilzlehrführungcu, durch Pilzkoulrollcn, durch PilzauSstellungen der zeitgemäßen Pilziorteii, aber auch durch ganz kleine dauernde PilzauSstellungen, ciwa in leerstehenden Schaufeiislcrn, die hauplsächlichsten eßbaren Pilze gc- zeigt und durch Gegenüberstellung von giftigen nnd eßbaren Pilzen, die Pilzkunde verbreitet werden. Arbeiter. 16) Von Stijn Streuvel«. (Schluß.) Er fühlte schon die unbehagliche Kühle der düsteren Schuppen, wo sie, in Gruppen abgeteilt. einander ablösen würden, die einen, um die Nachtruhe, die anderen, um die Tagruhc zu genießen, auf einem Strohsack zusammen- geschichtet, wie Tiere in einem Stall, durch den die Winde zichn. Nirgends in dieser ganzen Gegend kannte der Arbeiter Behaglichkeit, Wärme und Ruhe; überall war eS schmutzig, schwarz, düster, kalt und unruhcvoll, Tag und Nacht tosten und ratterten diese eisernen Ungeheuer. Ihm war. alS wäre er schon mitten darinnen, ergriffen von jener Macht, die allcS mit sich schleift i» ihrem erbarmungslosen, grausamen, unmenschlichei, Gang. Hier gab es nur Arbeiter, die einander nicht kennen und die keine Bekanntschaft miteinander machen: auS allen Richtungen zu- sammcngcströmt, bleibt jeder verstockt in seiner eigenen Barschheit, mißtrauisch und feindselig gegen den anderen. Nichts als grimmige Verwalter und Aufseher, schimpfende Gruppensiihrer. die immerfort fluchend antreiben, damit man gleichen Schritt halte mit dem Rollen dcS eisernen Werk- zeugs. das. mit Feuer und Dampf getrieben. ohne Auf- hören gefüttert werden muß in seiner unersättlichen Gc- fräßiqkcit. Ter Mann konnte sich nicht darein fügen, daß er dahin sollte, an diesen Ort, vor dein ihm graule, wie vor der Hölle— um so weniger, als es jetzt geschah. Ivo er nicht darauf gerechnet hatte— gegen alle Erwartung. Drüben in der Helle jener hohen Lampen, wo jetzt die AuSladcr hin und her liefen, würde er vielleicht schon heute nacht an die Reihe kommen und seine Last schleppen müssen. Noch gestern mittag war keine Rede davon, kein Gedanke daran! Nicht die entfernteste Möglichkeit. Da herrschte noch die Sehnsucht nach Hause, nach dem Wiedersehen, nach Ruhe, nach dem Webstuhl, nach der Geselligkeit im Kreise von Frau und Kindern. Gott, er hatte so sehr darauf gerechnet, heute Nacht einmal bei Mause im eigenen warmen Bette zu schlafen, eine schöne, ganze Nacht,, ohne Störung, ohne Furcht, frühzeitig geweckt zu werden und ausstehen zu müssen— Dinge, die er schon seit drei Monaten nicht mehr gekannt hatte. Es war ihm zum Weinen, als er seine Erwartungen so schlecht ausgehen sah. Es war nicht Wut oder heftiger Groll. der sich in Bösartigkeit wandelt und sich in Flüchen entladen wollte— es war unendliche Verzweiflung, eine Mutlosigkeit. deren er sich selber schämte. Er fühlte sich zu matt, uni etivas dagegen zu sagen oder sich dagegen aufzulehnen, und er ließ sich mitschleppen wie ein Kind, daS trotz seines Sträubcns irgendwohin getrieben wird. Als Kind hatte er das auch einmal empfunden. Gott, ja, damals, als er, ein kleiner Junge, bei dem Bauer war, die ersten drei Monate nnd traurig bei seinen Kühen saß und endlich, von seinem Weh übermannt, von dem Hofe entlief, und wieder nach Hause rannte. Scitdenl war dieses Gefühl ihm uilbekaunt geblieben. Später war es ihm gleichgültig geworden, wo oder was er schaffte, wenn er nur Geld dabei verdienen konnte. Tie ganze Zeit war er der harte, der rauhe Karl gewesen, der dem Hause entwachsen ist, der auf eigenen Füßen steht und sein Fortkommen sucht und findet, wohin er kommt und an nichts gebunden ist. Nachdem er unwillkürlich seiner Wehmut nachgegeben und die jetzige Lage mit jener Zeit aus seiner ersten Jugend verglichen, schreckte er plötzlich auf � bei dem Gedanken, daß er sich wegen einer solchen Lappalie so weit hatte bringen lassen.... „Es ist nur daruni, weil ich so sehr meine Wünsche und meine Erwartung darauf gestellt hatte," meinte er wie zur Entschuldigung. Schon drüben, als er noch bei der Ernte war, hatte eS begonnen, dieses mächtige Verlangen nach Hause: nach all jenen kleinen Dingen, nach all dem. was er nicht nennen kannte, aber unausgesprochen fühlte und ihm als die Vollendung feiner Persönlichkeit erschien— als die zartere Hälfte seines Wesens, die bestand aus seiner Frau, seinen Kindern, den tausenderlei kleinen Dingen aus der häuslichen Umgebung. Er sah es leibhastig vor sich, haschte danach, und es entrann ihm wieder wie ein trügerischer Spuk. Er. wollte es abstoßen, es vergessen, nicht mehr daran denken; er verdammte es, daß er sich etwas in den Kopf gc- setzt, daß er einen Wunsch oder ein Verlangen genährt und nun darum leiden mußte wie ein dummer kleiner Bube. „Was iS denn daheim? Js es besser als anderwärts? Js es nich überall's Gleiche? Ucbcrall heißt es arbeiten!" brummte er, um sich selbst wieder zu finden und nicht mehr an diese faden Dinge zu denken. Er blickte nach den anderen und fühlte sich allein in seiner Traurigkeit. Sic schritten dahin, ohne nachzudenken. wie er selbst es stets getan. Fürchtete er sich denn vor dieser Fabrik? vor dieser Arbeit? vor diesen Rübenhäufen? Nicht vor der Arbeit, nicht vor der Fabrik, sondern vor dem Gc- danken daran graute ihm immer wieder von neuem, und er fühlte einen S-chaucr über seinen Körper gehen und fühlte die düstere Unbehaglichkeit der Schuppen, durch die die kalten Wintcrlüitc zagen. Und unwillkürlich stellte er einen Vergleich an mit dem Leben und mit der Arbeit im- Sommer, auf freiem Felde, in der Sonne, unter Kameraden, in Lust und Fröhlichkeit, unter Schäkern und Gesang, mit dem Verlangen nach dem Ende, nach der Heimkehr, nach Hause... nach Hause! Da war es schon wieder! Tie Wehmut bohrte sich ihm wieder wie ein spitziger Dolch ins Herz und er konnte einen Seufzer und die Trauer.nicht unterdrücken, wieder mutzte er sich, ob er wollte oder nicht, von diesem süßen Zauber schadenfreudig mißhandeln lassen, der ihm vorgaukelte, was er hätte haben können und nicht erlangt hatte... ein eigenes Bett, die Ruhe, die Stille, die Wärme, den Genuß jenes einen köstlichen Abends und die Behaglichkeit eines langen schönen Winters. Jetzt, Ivo er hier wie ein Verirrter cinhergiug, sollten sie am warmeil Feuer, bei Bier und Tabak, in trauter Geselligkeit die Heim- kehr feiern. Hier auf der Straße peitschte der Wind den Regen durch die Finsternis, und den Männern ward kalt, sie wurden still. Alle sechs gingen sie, den Kopf gegen den Wind vorgebeugt, dahin, und keiner sprach mehr ein Wort. Es war. als wären nun auch sie von Wehniut ergriffen, wie Balcaen, als ivürden auch sie sich ihrer Enttäuschung bcivußt und als betrauerten sie ihrerseits, daß ihr Einzug zu gleicher Zeit ein Auszug gc- worden war. IMrektion Max Reinhardt IK'utsche« Theater. T'/jUbr: Oer«elKlge. Donnerst: Toblai« Rnntschuli K nm in empiele. 7'/, IThr; Fasching. Donnerstag:. Fasching. Volksbiihne.Theat. a.BPIowplatr. Untergrnndb. Scbönhauser Tor. H: Klgn. Donnerst.?1/.: Da« Koiiacpt. Theater i, d, Königgrätzerstr, Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. T'/.ülir; Schnlfaler-Abeml. Komödienhaus 7'/4: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7'° Uhr: Die tolle Kointeii. LessingaTheater« , Uhr; Waoame Legros. Donnerstag: Peer€rynt. Freitag: Tfrulame Fcgro«. Sonnabend: �ladame Fegros. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 7'/, Uhr: Der Kammersänger. Comtesse Mizzi. I. Klasse. URANIA Ts5«rtn».tP" 4 Uhr(halbe Preise): Direktor Franz Qoerka: Heimatland und Heimatllebe. 8 Uhr: Der Vierwaldslälter See und der Gotthard. Theater für Mittwoch, den 16. Mai. Deutsches Opernhaus 7 uhr: Carmen. Friedrich-Wilhelmstädt. Thealer. 7-/. uhr: Das Oreimaderlhaus. ttebp, Hcrrnrcld-Theatcr. 7»/. uhr: Ehe-Urlaub. Kleines Theater -v. u... Bans im Sehnakenlocli. Komische Oper 20 Min.: 016 DOSS St. Lustspielhaus 7'/, Uhr: Die blonden niidels vom Flndenhof. Neues Operettenhaus 7'/.u.: Der Soldat der Marie. SchiSbd. a. Kassentel. Norden 281 Metropol-Theater 30 Min: Die Czardasfürstln. Residenz Theater 7,/4 u.: Die Steiner-Mädels Schiller-Theater O Tv.uir: Der Bibliotheliar. Schiller Th. Charlottenb. 7*/. n.: Hinter Mauern. Thalia Theater 55 Mn.: Das VagablindeWSdel. 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Rösicke lt.): Der Beschluß des Parieianssckmffes-der--sozialdemokratischen Partei, der einen soiorrigen Frieden ohne Kriegsentschädigung und ohne jedwede Annexion verlangt, hat in weilen Kreisen des Volkes Beunruhigung hervorgerufen.' e Bedingungen nicht mehr gellen können. Auch in die, er Beziehung herrscht nach wie vor Unklarheit, wir wissen nicht. welches die Absicht der Regierung ist. Der Abg. Scheidemann Hai einmal gesagt, daß nach einem so gewaltigen Kriege die Grenz- steine nicht unverrückt bleiben können. Neuerdings hat die Haltung der Sozialdemokratie eine bedenkliche Nuance �genommen, ich erinnere nur an den dänischen Sozialisien Borg- bjerg, der in Petersburg gesagt haben soll, die deutschen Sozialisten würden wegen freundschaftlicher G r e n z b e ri ch l i g u n gen Elsaß-Lothringens mit sich verhandeln lassen. Der Partei« vorstand bat das nicht bestrillen. In weiten Kreisen des deutschen Volkes, die eigentlich die Mehrheit bilden(Widerspruch links), ist man in Sorge über die Ziele der Reichsleilung. die nach dem bisherigen Gang überaus verhängnisvoll sind. Ein Friede nach dem Wunsche der Sozialisten würde nicht »aiionalen, sondern wenn auch nicht antinationalen, so doch internationalen Interessen dienen.(Leb- hafte Zustimmung rechts.— Großer Widerspruch der Sozialdemokraten.) Wer von uns wünscht nicht den baldigen Frieden?(Zurufe der Sozialdemokraten: Sie k) Auf dem Wege, den Sie beschreiten wollen, kommt der baldige Friede nicht, im Gegenteil. Jetzt ist es nicht Zeit, Verzichte auszu- sprechen, jetzt heißt es die Trümpfe ausspielen.(Lebhafte Zustimmung re-ins.) Das amerikanische Volk will den Unter- gang der Hohen zollern, aber in deutschen Herzen wura»lt die Monarchie zu tief, als daß die Niederträchtigkeit der Entente sie herausreißen kann.(Abg. David sSoz.j:„Sie sind die geführ- lichstcn Feinde der Monarchie!" Lebhafte Zustimmung links.) Der Abg. Scheidemann bat gesagt:„Ein Narr, wer noch glaubt, daß ein Volk siegen kann*. Ich bin ein solcher Narr, ich glaube daran.(Lebh. Beifall rechts.) Die Rcgienmg hat allerdings anscheinend nicht den Siegcswillcn der obersten Heeresleitung(Lebhafte Rufe: Aha!— Große Unruhe bei den Miltelparteien.— Rufe: Unerhört I) Für uns kommt nur das deutsche Interesse in Betracht. Wie wollen die Sozial- dcmokraten Deutschlands Unabhängigkeit und wirtschaftliche Selb- ständigkeit erhallen ohne eine Machter weiter ung? Keiner von uns will einen Eroberungsfrieden, wir wollen einen Ver leidig ungs frieden. Aber die Verteidigung kann ohne Machterweiterung nicht gesichert werden.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Ein Verzicht auf jede Kriegsentschädigung, wie die Sozialdemokraten es wollen, bedeutet, daß wir die Lasten der Milliarden aus Jahrzehnte tragen sollen, und darunter würden die Arbeiter am meisten leiden.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Das internationale eng- ltsch-amcrikanische Großkapital, der Kapita» lismus, will uns vernichten, wir aber kämpfen für die Arbeit und Arbeilsffeudigkeil.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Und für die Junker!) Ein Ersatz durch Roh st off zu fuhr und Handelsverträge an Stelle einer Kriegsentschädigung wäre Schwindel.«Heiterkeit rechts.) Ein Feind, der nicht so am Boden liegt, daß wir jede Entschädigung von ihm haben können, wird uns auch keine günstigen Handelsverträge zugestehen.(Abg. Dr. David: Ännexionsphrasen!) Wir würden dann Verträge erhallen, die uns dauernde Nachteile, den Gegnern dauernde Vorteile sichern, die eine Quelle neuer Verwickelungen sind, und wenn wir dann nicht stark genug sind, würden wir neuen Angriffen unterliegen. Sollen die Opfer umsonst gebracht, soll all das Blut umsonst geflossen sein, ohne daß das deutsche Volk und Reich für die Zukunit politisch und wirtschaftlich gesichert ist? Ein solcher Ausgang wäre unerträglich.(Zustimmung rechts.) Unsere Feinde wollen uns vernichten, das geht auch aus den Vorspielen zur Stockholmer Konferenz hervor. Ich würde den Reichskanzler bedauern, der mit einer Proklamation des Verzichts in die Verhandlungen hineingehen müßte— mit diesem leeren B e n t e l, während unsere Gegner mit der aufgehäuften Menge ihrer Forderungen kommen. Der Mann, auf den wir im- bedingtes Vertrauen setzen, Hin den bürg, bat erklärt, daß unsere militärische Stellung absolut stark ist und daß der U-Boot- Krieg die Hoffnungen erfüllt und daß er uns zur Hoffnung auf den endlichen Sieg berechtigt. Unsere Feinde stehen wirtschaftlich dauernd schlechter. Da gibt es nur eine Pflicht: Ablehnung des internationalen Friedens, Einstimmigkeit im Wunsche nach einem nationalen Frieden. Wcün der Reichskanzler das nicht ausspricht, dann werden unsere Feinde unsere Stärke, von der wir spreche», nur für fingiert halten. Bei uns aber würKmcch dgnn i r r e wxr.den an der Ueberzengung,'daß lvir tatsächlich diese Stärke haben. Nicht durch Verzicht, sondern nur durch Bekundung der Kraft wird die Stimmung des Volkes gehoben und unsere Zukunft gegen ruchlose Angriffe gesichert. Die Voraussetzungen hierfür sind Macht- und Gebietserweiterungen Deutschlands und die Erlangung einer Entschädigung nicht nur für die Unbill und das Elend, das unS der Krieg gebracht hat, sondern auch für die Aufwendungen, die er von uns verlangt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Wir wollen Klarheit, wir verlangen keine Enthüllung von Einzelheiten, wohl aber die Abkehr von einem internationalen Verzichtsfrieden und entschiedene Hinwendung zu einem nationalen Frieden.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Das deutsche Volk hat ein Recht, in dieser schweren Zeit seinen Kanzler zu frage»: Wohin geh st Du? (Stürmischer Beifall rechts, Zischen links.) Präsident Dr. Kacmpf: Herr Abg. Rösicke, Sie haben einmal gesagt, es scheine bisweilen, als wenn der Reichskanzler das Kaiser- worl„Ich kenne keine Parteien mehr* außer Kurs gesetzt habe, und ein anderes Mal, es scheine so. als ob die Reichsleilung den Sieges- willen der obersten Heeresleitung nicht habe. So vorsichtig Sie diese Behauptungen eingekleidet haben, so streifen Sie doch so nahe an eine Beleidigung des Reichskanzlers und ver- stoßen gegen die Ordnung des Hauses, daß ich sie auch von dieser Stelle ans zurückweise.(Unruhe rechts, Zustimmung bei den Mittelparteien.) Abg. Scheidemann(Soz.): Am 24. April habe ich unsere Absicht angekündigt, den Reichs- kanzler zu einer klaren und eindeutigen Erklärung über die Kriegsziele zu veranlassen. Dahin zielt unsere Interpellation. Der Abg. Dr. Rösicke behauptet, in unserem Partcitagsbeschluß stände, die Regierung solle sofort Frieden schließen usw. usw. In Wirklichkeit werden die Sozialisten aller Länder in diesem Beschluß aufgefordert, ihre Regierungen zum klaren Ver- zicht auf jegliche Eroberung zu drängen und so rasch wie möglich Friedensverhandlungen herbeizuführen. Wir verlangen nicht, daß die deutsche Regierung etwas rut, wozu die andere»nicht bereit sind, sondern daß die Sozialdemokraten aller Länder ebenso vorgehen wie wir. Im gegenseitigen Einverständnis soll auf alle Eroberungen ver- zichtet werden. Es war notwendig, das zu betonen, nachdem der Abg. Rösicke unsere �Beschlüsse ganz falsch dargestellt hat. Soweit seine Rede Spitzen gegen den Herrn Reichskanzler enthielt, sage ich kein Wort dazu, das mag der Reichskanzler selber besorgen. (Heiterkeit.) Nach der Rede RösickeS kann es für einen Staatsmann, der dieZeichen der Zeit nicht ver- kennt, nur eine Kl e i n i g k e i t sein, den Man» und seine Freunde gründlich abzuführen.(Lebhafter Beifall links. Lautes Lachen rechts.) Auch mir meinen Aeußerungen in Breslau ist der Abg. Rösicke m e h r fix als genau umgesprungen. Ich habe in Breslau gesagt, daß nach der Eingabe der sechs Verbände, durch die der Kriegswille in den anderen Ländern mit der Aufstellung wahnsinnigster ErobcrungSziele aufs äußer st e gereizt wurde(Sehr wahr I links, Unruhe rechts), wir beim Reichskanzler Einspruch erhoben haben und von ihm die Erklärung erhielten, daß er diese Pläne ablehne und damit nichts zu tun habe.(HörtI hört! b. d. Sozialdemokr.) Das habe ich in Breslau gesagt und dazu stehe ich heute noch. Ich teile mit dem konservativen Redner den Wunsch nach voll- ständiger Klarheit. Je nach der Schicht, die wir vertreten und der wir angehören, haben wir gewiß verschiedene Wünsche, aber das Verlangen nach endlicher lleberwindung jeder Unklar- heil ist mir mit dem Abg. Rösicke gemein— das einzige was ich mit ihm gemein habe.(Heiterkeit) Wir sind ge- spannt, in welcher Weife der Reichskanzler diesem Wunsche Rechnung zu tragen gedenkt. Im übrigen trennt mich von den konservativen Interpellanten ein unüberbrückbarer Gegensatz. Das überrascht mich weiter nicht: Sic sind die Alten geblieben, Ihren Gnmdsäbcn treu und wir auch. (Sehr gut I bei den Soz.) Sie erkennen nach innen und nach außen nur die M a ch t h e r r I ch a s t an— die Sie s e l b st auszuüben gedenken.(Heiterkeit links.) Wir sind Sozia« listen geblieben, Feinde jeder Unterdrückung nach innen und nach außen, wir belämpfen als Demokraten jede Unterdrückung unseres eigenen oder eines fremden Volkes. Als internationale Sozialdemokraten deutschen Stammes haben wir ge- Holsen und Helsen noch, jeden Ver st ümmel ungs ver such von Deutschland abzuwehren. Unsere Friedens« ziele für Deutschland bestehen unverändert fort: Territoriale Unversehrtheit, politische Selbständigkeit, wirtschaftliche EntwicklungSsrcihcit Deutschlands, muffen gesichert sein. Aber ebenso entschieden lehnen wir jede Ver« gcwnltiguiig srcmdcr Völker rundweg ab. Diese beiden Gedanken haben wir seit August 1914 an dieser Stelle und im Lande immer wieder ausgesprochen. Zwischen uns und den Herren von der Rechten, den geborenen Welteroberern(Gr. Heiterkeit), klafft hier ein unüberbrückbarer Spalt. Aber für die Herren in der Mitte für die— nicht für uns— die Kriegslage entscheidend ist, möchte ich auch einiges sagen. Es handelt sicki heute ja nicht darum, ob wir zugreifen wollen oder nicht, sondern darum, daß man nicht zugreifen kann.(Sehr gut! links.) Auf beiden Seiten werden die Völker immer wieder mit der endgültigen Eni» s ch e i d u n g vertröstet, die unmittelbar bevorstehen soll, sie sollten sich nur noch ein kleines Weilchen ge- dulden. Inzwischen sind über drei Jahre vergangen. Da ist es die höchste Pflicht aller vernünftig und ruhig Denkenden, diesem Spiel mit dem Pölkerleben ein Ende zu machen und den Regierungen zuzurufen: Es ist genug! (Beifall links.) Die Mittelmächte werden, wenn sie sich gegen Ver» nichtmigspläne wehren müsfen, standhalten, und möchte es noch so lange danern. Aber wie die französischen und englischen Annexio- nisten ihre Ziele selbstverständlich niemals erreichen werden, ebenso- wenig die deutschen. So denken wir Sozialisten und mit uns Millionen anderer, die nicht Sozialisten sind oder es bisher nicht waren. Es ist Pflicht, das heute offen auszusprechen und dein Gewissen die Frage vorzulegen, ob es erträglich wäre, immer neue Hundcrttauscndc auf die Schlachtbank zu schicken für Eroberung?- ziele, die die erdrückende Mehrheit des Voltes nicht will und die niemals erreicht werden können.(Sehr gut I links.) Ich habe in einer Zeitung der Rechten gelesen, durch daS Schweigen der Regierung werde der knror teutonicus mit Keulen totgeschlagen. Was totgeschlagen werden mutz, ist die Spiclcrlcidcnschaft, die Spielerwut(Sehr gut! links), die man ja auch den alten Germanen nachsagt. In einer Weise, die man kaum für möglich gehalten bat, ist bei allen Völkern die Spielerwut zuni Durchbruch gekommen, die bereit ist, Haus und Hof, Weib und Kind zu verspielen, das letzte bißchen Glück, das die Völker aus dem furchtbaren Trümmerhaufen noch retten können, auch noch als Einsatz zu bringen. Es ist ein-maßloses Unrecht, dem Volke r ir dema« gogi scher Absicht die Herrlichkeiten eines Er« oberungssieges in prächtigen Farben auszu- malen und umgekehrt so schwarz wie möglich das Elend darzu- stellen, das folgen müsse, wenn kein solcher Sieg errungen würde. Die Folge dieser Propaganda kann nur sein, daß wir an einem sicher kommenden Tag ein entmutigtes, hoffnungs- loses, niedergedrücktes Volk vor uns sehen. Zweifellos werden das deutsche Boll und jedes andere noch lange schwer an den entsetzlichen Folgen des Krieges zu tragen haben, und gerade deshalb werden wir Zu- verficht brauchen, und die nehmen dem deutschen Volke jene Herren, die cS so darstellen, als sei mit einem Frieden ohne Landgewinn und Geldgewinn alles zu Ende.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) liniere Feinde denken darüber ganz anders. Der angeschene französische Finanzmann Verncnil. der jüngst im„Maiin" ausgerechnet hat, daß n, an Deutschland eine jährliche Kriegs- entschädigung von 16 Dkilliarden auferlegen müsse(Hört I hört I). hat dabei ausgeführt, daß nach einem so« genannten faulen Ausgleichsfrieden Deutschland sofort den Weltmarkt erobern und seine Waren billiger als alle seine Feinde überall, selbst in England und Frankreich absetzen werde; dazu werde die größte Ge- fahr Wirklichkeit werden, ein großes Mitteleuropa in Ver- bindung mit Bulgarien und der Türkei. Die ganze Welt würde unter diesem Uebergewicht Deutschlands e u f z e n. Diese Auffassung des Herrn Verneuil von Deutsch- ilands Stellung nach einem Ausgleichsfrieden ist natürlich reich» l i ch optimistisch, aber dieser Glaube der Fernde an die deutsche Elastizität ist doch herzerfrischend im Vergleich zu unseren fiauinachcndcn Schwarzsehern(Heiterkeit und Sehr gut! links und in der Mitte), die so tun, als ob Deutsch- land sich nur noch durch ein wahnsinniges Vabanquefpicl vor gänzlichem Verfall schützen könnte. Traurig nur, daß diese Vabanquespieler den Krieg ungeniein ver- l ä n g e r n.(Sehr wahr! links.) Was solche Reden, wie wir sie eben gehört haben, für U n h e i l in der ganzen Welt an- richten, vermögen Sie gar nicht abzuschätzen.(Lebh. Widerkpruch und Unruhe rechts.) Je länger der Krieg, desto länger dauert es auch, ehe die Krait des Volkes sich wieder erneuert, je mehr Leiden jetzt, desto mehr Leiden nachher. Viele schmetternde Eroberungspolitiker reißen den Mund nur deshalb so weit auf, weil sie mit Grausen an die fürchterliche Abrechnung denken, die nach dem Kriege kommt. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Sie wollen vorbauen! Wenn später die drückenden Lasten nach dem Kriege bei un-s wie in allen Ländern kommen, wollen Sie sich auf ihre jetzigen Reden berufen und daraus beweisen, daß sie reiche Beule gefordert hätten und daß nur wir daran schuld seien, wenn nicht mehr als ein„Scheidemannfriede" herausgekommen sei. Aber geben Sie sich keinen Täuschungen hin: das Ziel der Vergewaltigung der �fremden Völker >v erden Sie nicht erreichen.(Sehr ivahrl bei den Sozialdemokraten.) Zu ungeheuren Massen werden jetzt im Lande S ch r i f t e n verbreitet, die ziffernmäßig und graphisch darstellen, wie reich das deutsche Volk werden könnte, wenn es der Schwer- industric und den Agrariern, den Schlotbaronen und den Krauljunkern, diesen bewährten Volksfrcunden und eifrigen Befürwortern jedes Fort- schritts(Große Heiterkeit beiden Sozialdemokraten) iolgie; wie arm das deutsche Volk werden müßte, wenn es jetzt den Vetständigungs- frieden schlösse. Das ist eine erbärmliche Demagogie. (Lebhafler Beifall links und in der Milte.) Sie können ja den siegreichen Frieden heute und morgen gar nicht diktieren und darum predigen die Fuhrmänner, Schäker und Reveinlow ja auch immer das W e i l e r l ä in p s e n bis zur Zelschmellerung des Gegners. Sieg, Triumph und Beut» — i®. knS ift bie(Sebr yut l links. Unruhe rechts.) Dafür spielen Sie um Deutschlands Glück und Zukunft, aber mit welcher Brutalität u»d wie plump treiben Sie das Spiel! Auch die Antwort der Entente an Wilson enthielt ein wahnsinniges Eroberungsprogramm, aber es war doch wenigstens ein- gehüllt in einer Wolke von Wohlgerüchen, Freiheit, Gerechtigkeit und ewiger Friede. Sic aber sagen ganz plump: Machtzuwachs, Geld, Rohstoffe, das müssen wir haben— wir— wir — wir— wir! Diese alldeutsche Porzcllanladenpolitik bringt uns wahrhaftig noch in den törichten Verdacht, dah wir ein Räubervolk seien,(Unruhe rechts) sozusagen eine national organisierte Räuberbande(Stürmische Pfuirufe und grosse Unruhe rechts), obwohl wir doch nur unsere Existenz schützen, obwohl die anderen ihre imperialistischen Ziele auf unsere Kosten verwirklichen wollen. Wenn Sie(»ach rechts) das Er- obererhnndwerk weiter betreiben wollen, das wir der- achten, gleichviel in welcher Form es auftritt, dann lernen Sie das Handwerk wenigstens von England und Frankreich, die können es. So wie Sic es treibe», hetzen Sie uns ja alle Völker der Welt auf den HalS und erzeugen dadurch freilich die Gewißheit, dast unmöglich in Ihrem Sinne etwas erreicht werden kann.(Sehr wahr! links und in der Mitte.) Herr Rösicfc hat ein Kapitel angeschnitten, für daS ich ihm berz- lich danke. Er bat von der Losung der Feinde gesprochen:„Kein Friede mit den Hohenzollcrn". Mit am widerwärtigsten bei der ganzen alldeutschen Propaganda ist für mich das Hineinziehen der Person des Kaisers in di>: Debatte. Etwas Unehrlicheres habe ich in den Jahr- zehnten, in denen ich im politischen Kampf stehe, kaum erlebt. An- geblick stellen sich diese Welterobcrer schützend vor den Thron, in Wirklichkeit wollen sie den Namen des Kaisers fiir ihre reaktionären Zwecke mißbrauchen.(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Der einzige praktische Erfolg, den Sie damit erreichen, besteht darin, dass ,nan schliesslich im Auslande wirklich noch den Deutschen Kaiser für den all- deutschen Wahnsinn und den Ausbruch des Welt- krieges verantwortlich macht. Für Deutschland, für den baldigen Frieden und für unsere zukünftigen Beziehungen zun: Aus- land ist das nicht gleichgültig. Das Ausland zitieil begreiflicherweise in der Presse vom Schlage der„Deutschen Tageszeitung" auch über den Kaiser' die„Deutsche Tageszeitung" und nicht uns. Des- halb will hier daran erinnern, dass der„Vorwärts" in seiner radikal st en Zeit vor Ausbruch des Weltkrieges geschrieben hat, Wilhelm II. habe sich namentlich in den letzten Jahren als ans- richtiger Freund deS Völkerfriedens erwiesen, und ivenn es in der Meirschenmacht stünde, den Krieg aufzuhalten, brauchten die Befürchtungen nicht gross zu sein, aber auch tatkräftige Menschen seien Einflüssen nicht unzugänglich. An Versuchen, den Kaiser zu beeinflussen, fehlt es von alldeutscher Seite wirklich nicht. (Sehr wahr!) Aber nach dieser kleinen Vorlesung unterlassen Sie es künftig vielleicht, den Kaiser in die Debatte zu ziehen.(Bravo! links.— Zuruf rechts: Ist daS alles?> Zu den Milchmädchenrechnungen der Alldeutschen will ich eine Gegenrechnung aufstellen, die daS Volk besser versteht. Ich nehme an, dass Ihr .Siegfricdsfriede" nur ltll) Tage länger Krieg erfordert als unser Verständigungsfriede.(Zuruf rechts t Da? ist ganz falsch!> Das bedeutet für Deutschland— ich rechne in runden Ziffern, damit auch Sie(nach rechts) es verstehen können(Heiterkeit) an Gut und Blut zehn Milliarden KriegSkostcn mehr, für den Tag 100 Millionen, ganz abgesehen von den ungeheuren Lasten der Gemeindenund jedereinzelnen Familie im Deutschen Reich für weitere hundert Kriegstage; das bedeutet, wenn ich für die jetzigen Kampftage nur 1200 Tote und 3000 Verwundete für den Tag rechne, weitere 12 000 Tote und 300000 Verwundete und Verstümmelte. Wenn Sie dem deutschen Volke das strahlende Bild des nahen vollständigen Sieges vorgaukeln, dann ergänzen Sie es auch— es lässt sich ja graphisch so leicht darstellen— durch die Höhe der Schadenpyramide, die Die dafür noch aufrichten wollen, dass der Krieg für ErobcrungSziele fortgesetzt wird; dann sagen Sic auch, wie tief und wie lang der Blutstrom ist, der noch fliehen mutzte, um das Ziel zu erreichen, das Sie sich gesteckt haben. Das gehörte eigentlich auch in diese blödsinnigen Erobcrungsschriftcn hinein.(Lebhafter Äeifall bei den Sozialdemokraten.) Niemand kann ohne ein schreckliches Entsetzen an dieses Gemetzel denken, das sich jetzt im W e st e n abspielt. Wir opfern Hunderttausende und Frank- reich verblutet sich. Man darf gar nicht denken an die Qualen der deutschen Soldaten, die von den Granaten zerrissen werden, darf sich gar keine Vorstellung machen wollen von der Trauer der Frauen und Kinder, denen Mann und Bater geraubt werden. Für die Verteidigung des Landes, für die Verteidigung von H»«S und Herd wird das Volk eintreten, die Verlängerung des Krieges um irgendwelcher Vcrgcwaltigungsziele willen weist das Volk ab und bekämpft die Sozialdemokratie auf das aller- entschiedenste. Geben Sie sich darüber keinen Täuschungen hin. lLebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.� Unruhe rechts.) Der Abg. Rösicke hat wiederum von Verzichtfrieden gesprochen. Ja, wir verzichten auf die Fortführung des Krieges, verzichten auf neue Zehntau sende Toten und Krüppel, verzichten auf neue Milliarden Kriegs- ausgaben, verzichten auf die weitere Verwüstung Europas, aber wir verzichten auf kein Stück deutschen Landes und deutschen Bodens.(Stürmische Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Wir verzichten auf das, was wir gar nicht haben, wir verzichten auf die Vergewaltigung und Unterdrückung anderer Völker, aber wir verzichten nicht darauf, daß wir als freies Volk aus diesem Kriege hervorgehen. (Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Was sagt also das Wort„Verzichtfriede"? Dass wir verzichten auf die Alldeutschen und ihre dummen Schwätzereten. (Graz« Heiterkeit und Beifall links. Unruhe rechts.) All das, waS ich hier ausgeführt habe, werden auch unsere Vertreter in Stockholm sagen, wir freuen uns besonders auf die Zusammenkunst mit den Sozialisten der uns jetzt noch feind- lichen Länder. Indem die Sozialisten s i ch zuer st wieder die Hand reichen, leisten sie die beste Vorarbeit für den Frieden. Soweit die Welt sich nachdem Frieden sehnt— und das sind 99 Proz. des deutschen Volkes(Sehr gut! links. Zuruf rechts: 100 Proz.!)—blickt es mit Sehnsucht und Hoffnung nach Stockholm. wo unsere Freunde aus den neutralen Staaten schon eifrige Vorarbeit für die Friedenskonferenz leisten. Ich habe keinen höheren Wunsch, als dass das Werk von Stockholm ge- ling«.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) So grosse Hoffnung wir auf Stockholm setzen, so wütend kreischen die Kriegs- treiber aller Länder darüber und fordern die Regierung auf, für die Reise nach Stockholm die Pässe zu verweigern. Auch uns in Deutschland, Sozialisten aus beiden Lagern, sind die Pässe verweigert worden. Nach den Erklärungen der Regierung im HauptauS schütz kann kein Zweifel darüber bestehen, dass dies nur eine untergeordnete Be- Hörde nach Schema verfugt hat. Dem deutschen Volke könnte kein schlimmerer Dien st erwiesen werden, als wenn durch eine Handlung der deutschen Regierung die Friedens- Hoffnungen vereitelt würden, die es jetzt auf Stock- Holm setzt. Darüber darf kein Zweifel bestehen, daß jedem, der im Zluftragc einer sozialistischen Partei nach Stockholm reist, die Pässe gegeben werden müssen.(Zuruf rechts: Scheidemann Hat'S be- fohlen!) Treiben Sic es nicht zum äussersten— die Stimmung im Volke ist böse genug.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir baben jeden Schritt der Regierung begrüht, durch den sie sich dem Frieden näherte. Jeden Schritt, der uns vom Frieden entfernte, haben wir bekämpft. Wir haben deshalb auch die Ver- antwortung abgelehnt, für den Schritt, der die Kriegserklärung Amerikas hervorgerufen hat. Heute steht die ganze Welt gegen uns in Waffen— die ganze Welt. Es übersteigt mein �assungsver- mögen, dass unter diesen Umständen sich noch immer Leute finden. die es für blosse Flaumacherci und Schlappheit er- klären, wenn man alle Entschädigungsansprüche und Eroberungs- plane aufgibt. Denken Sie doch nur, dass es uns in einem Augen- blick gelänge, dieser Riesenkoalition einen demütigenden Frieden aufzuzwingen. Was glauben Sie wohl, wie lange uns dieses zweifelhafte Glück beschiedcn wäre! Binnen kürzester Frist würden sie alle über uns herfallen, um uns unsere Beute zu entreissen, und dann könnte es wohl heißen:„llinis Germaniae" (Ende Deutschlands). Wir fordern deshalb die Regierung auf, unzweideutig auf das zu verzichten, was wir nicht haben, was uns nur zum Unheil gereichte, wenn wir es erhielten, und uns dafür das zu geben, was wir zur Fortsetzung der deutschen Not sehr gebrauchen, solange sie unvermeidlich ist: die Olcwißhcit, daß die Haltung«nserer Regierung für den Abschluß eines für alle Teile ehrenvollen und erträglichen Friedens kein Hindernis ist. Seien Sie sich nicht zweifelhaft, daß es uns in diesem Punkte bitter ernst ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Würde heute der Reichskanzler eine Erklärung abgeben, die den Wünschen der Rechten entspricht, dann mühten wir mit der Gegen- erklärung antworten, dass wir uns drei Jahre lang getäuscht haben und im Unrecht waren, als wir an die Worte der Thronrede vom 4. August glaubten:„Uns treibt nicht Eroberungslust".(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir da eines Tages eingestehen müßten, dass wir getäuscht worden sind, die Folgen wären verhängnisvoll, darüber seien Sie sich klar!(Zuruf rechts: Was soll das heißen?) Seien Sie still, ich werde gleich noch viel d e u t l i«h e r sprechen. Zwei Regierungen, eine feind- liche und eine Verbündete, haben bereits die Haltung ein- genommen, die wir wünschen. Wir fragen den Reichskanzler, ob er sich auf den gleichen Standpunkt stellen oder ob er etwa einem befreiten, von den Grundsätzen der Freiheit und der internationalen Gerechtigkeit geleiteten Staat die Erobercrfaust entgegenstrecken will. Es ist eine Schicksalsfrage der Weltgeschichte, ob die Regierung sich von der Masse des deutschen Volkes und von unserem mächtigsten Bundesgenossen trennen will. Seien Sic sich darüber nicht im unklaren: was uns trotz aller Gegensätze bisher zusammengehalten hat, war der feindliche Anschlag auf deutsches Hab und Gut. Fällt diese Klammer und bleibt der Keil der verschiedenen Kricgsziclc, dann fallen die beiden Teile des deutschen Volkes ohnmächtig auseinander. Würde heute die eng- lisch? und französische Regierung, wie cs die russische getan hat, auf Eroberungen und Entschädigungen verzichten und die deutsche Regierung, statt den Krieg durch den gleichen Verzicht zu beenden, ihn um der ErobcrungSziclr willen fortsetzen, dann, meine Herren, verlassen Sie sich darauf, dann haben Sie die Revolution im Lande. (Sehr wahr! be! den Sozialdemokraten.— Grosser Lärm rechts. Zurufe: Wir fürchten sie nicht, runter mit dem Kerl von der Tri- büne! Aufhören! nicht weiterreden lassen!) Präsident Dr. Kacmpf ruft Schcidemann zur Ordnung. Abg. Scheidcmann(Soz.)(fortfahrend): Sie haben offenbar gar nickt verstanden, was ick gesagt habe. Präsident Dr. Kampf: Ich habe genau verstanden, was Sie gesagt haben und habe Sic deswegen zur Ordnung gerufen.(An- haltende grosse Unruhe im ganzen Haufe.) Abg. Scheidcmann(Soz.) fortfahrend: Glücklicherweise wissen wir, dass die Dinge gar nicht so liegen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Leider setzen Frankreich und England den Versuch noch fort, uns einen VcrgcwaltigungS- frieden aufzuzwingen. Deswegen glaubt man den Verzicht auf Er- oberungen noch nicht aussprechen zu können. Man will Ein- schüchterung gegen Einschüchterung, Drohung gegen Drohung, Forderung gegen Forderung setzen. Aber das ist eine klägliche und kurzsichtige Politik, die sich an un? noch einmal schwer rächen wird. Machen wir doch endlich Schluß mit diesem erbärmlichen Zu st and, dass sich die Länder wie wilde Tiere mit aufgesperrtem Rachen gegenüberstehen und tun als ob sie sich verschlingen wollten. Das Zähnefletschen hilft ja nichts, sie können sich ia gegenseitig doch nichts tun. Es ist tausendmal ehrlicher und besser, das offen auszusprecken. Der Krieg hat sich als ein untaugliches Mittel er- wiesen, miteinander fertig zu werden. Nun ist endlich Zeit zu ver- nünftiger Einkehr und gegenseitiger Verständigung. Endlich müssen die Völker sich sagen: Wir wollen Euch, Ihr könnt uns nicht vcrge- waltigen, laßt uns alle Frieden schließen. Ter freie Wille jedes einzelnen Volkes, nicht der siegreiche Wille des einen und der gebrochene Wille des andern, muß uns den Frieden bringen. Wir wollen keine Ausplünderung, keine Schuld- knechtschaft, keine Gebietsveränderung ohne den Willen der Beteiligten, nicht auf unsere und nicht auf fremde Kosten. So steht cs in unserem Beschlutz, wie jeder sieht, der lesen kann, oder ivenigstenS der besser lesen kann, als Doktor Rösicke.(Heiterkeit.) Dazu stehen ich wie zu jedem Satz, den ich während des Krieges hier im Hause oder drauhen gesagt habe. Ich wiederhole auch heute noch, daß es unanständig wäre, wenn sich jemand einbilden wollte, dass nach drei Jahren, in denen die Welt in Flammen sieht und Millionen Menschen getötet worden sind, alle Grenzpfähle da stehen bleiben könnten, wo sie vor dem Kriege gestanden haben. Aber diese Grenzverschiebung mutz im gegenseitigen Einverständnis erfolgen. In diesem Sinne hat auch unser Freund Borg- bjcrg, dem ich für seine Fricdcnsarbrit hier öffentlich vor aller Welt von Herzen danke, von der lothringischen Grenze gesprochen. Eine Verständigung über Grenzverschiebungcn ist keine Annexion, weder gegen uns noch gegen andere Völker. Und bei den anderen Völkern steht cs genau so wie bei uns. Auch sie werden nur zusammengehalten durch die Furcht vor Eroberung und Vergewaltigung. Wenn die Völker ihr Gebiet gesichert wissen und einen ehrenvollen und erträglichen Frieden in greifbarer Nähe sehen, werden sie nirgends aus reiner Er- oberungssucht den Krieg fortsetzen wollen. Ein offenes Be- kenntnis unserer Kricgs.ziele, die nicht aus Eroberungen und Kriegs- cntschädigungen ausgehen, mutz die Angriffslust der Geg- ner entwaffnen und ein entscheidender Schritt werden, um aus dem grauenvollen Elend des Krieges herauszukonimen. Dazu brauchen wir heute dringender als je den Mut zur Wahrheit, pestcr- reich und Rußland haben den Weg der Verständigung, nicht der Vergewaltigung bereits beschritten, Deutschland mutz ihnen folgen. ES lebe der Friede, es lebe das freie Europa!(Lebhafter Beifall und stürmisches Händeklatschen bei den Sozialdemokraten und auf den Tribünen). Zur Beantwortung der beiden Interpellationen nimmt das Wort Reichskanzler v. Bcthmann Hollwcg: Meine Herren! D>e soeben begründeten beiden Jnterpellatio- nen verlangen von mir eine progra:..latischc Erklärung zur Frage der Kriegszicle. Tie Abgabe einer solchen Erklärung im gegen- wärtigrn Angriiblick würde den Interessen deS Landes nicht dienen, deshalb mutz ich sie ablehnen. Seit dein Winter 1914/15 werde ich bald von der einen, bald von der anderen Seite gedrängt, unsere Kriegsziele, womöglich bis in die Einzelheiten hinein, be- kanntzugeben.(Zurufe rechts: Nein, keine Einzelheiten!) Sie haben Kommentare von mir verlangt, Herr Roesickc. Um mich zum Reden zu zwingen, hat man aus meinem Schweigen zu den Kriegszielerklärungcn einzelner Parteien und Richtungen meine Zustimmung zu diesem Programm gefolgert. Bei der Freigabe der öffentlichen Erörterung der Kriegsziele habe ich ausdrücklich erklären lassen, daß sich die Regierung an dem Meinungsstreit nicht beteiligen könne und nicht beteiligen werde. Ich habe Verwahrung dagegen eingelegt, dass aus dem Schwei- gen der Regierung irgendwelche Schlüsse auf ihre Hal- tung gezogen würden.(Hört! hört!) Diese Verwahrung wiederhole ich hiermit in bündigster Form. Was ich jeweilig über unsere Kriegszicle habe sagen können, das habe ich hier im Reichstag öffentlich gesagt. Allgemeine Grund- l i n i e n waren es, und konnten auch nicht mehr sein. Aber sie waren deutlich genug(Sehr richtig! in der Mitte), um Identifizierungen mit anderen Programmen, die lautgeworden sind, auszuschließen. Ich habe diese Grund- linien unverändert festgehalten. Sie haben in dem, in Gemeinschaft mit unseren Verbündeten gemachten Friedensangebot vom 12. Dezember vorigen Jahres weiteren feierlichen Ausdruck gefunden. (Sehr richtig! in der Mitte.) Tie neuerdings aufgetauchte Annahme, als beständen in Friedensfragen Mcinungsverschicden- heften zwischen uns und unseren Verbündeten, gehört in das Gebiet ver Fabel.(Stürmischer Beifall.) Ich stelle das hiermit ausdrück- lich und in der Gewissheit fest, damit die Ueberzeugung der leitenden Staatsmänner der mit uns verbünde- t e n Mächte auszusprechen.(Erneuter stürmischer Beifall.) Ich habe ja durchaus das vollste Verständnis für die leiden- schaftliche Anteil» ahme des Volkes an den Kriegs- zielen und an den Friedensbedingungcn. Ich verstehe den Ruf nach Klarheit von rechts und links, wie er heute an mich gerichtet worden ist. Aber bei der Erörterung der Kriegszielfragcn kann für mich alle in nur die glückliche Beendigung des Krieges die Richtschnur sein. Darüber hinaus darf ich nichts tun und darf ick nichts sagen. Zwingt mich, wie es gegen- wärtig der Fall ist, die Gesamtlage zur Zurückhaltung, so werde ich diese Zurückhaltung üben und werde mich durch kein Drängen, weder von Herrn Scheidemann, noch von Herrn Dr. Roesicke, von meinem Wege abbringen lassen. lAnhaltender Beifall und Händeklatschen in der Milte. Zuruf links: Dr. Roesicke hat angefangen! Heiterkeit.) Ich werde mich auch nicht davon abbringen lassen durch das Wort, das der Abg. Scheidemann geglaubt hat in diesem Augenblick, wo das Trommelfeuer an der Aisne und Arras ertönt, hier in die Debatte hineinwerfen zu können: Die Möglichkeit einer Revo- lution.(Lebhafte Zustimmung.) Das dcutscke Volk wird mit mir kein Verständnis für das Wort haben.(Erneute Zustimmung.) Ebensolvenig lasse ich mich von meinem Wege durch den Abg. Roesicke abbringen, wenn er es so darstellt, als ob ich mich im Banne der Sozialdemokratie befinde. Ich befinde mich im Banne keiner Partei, weder rechts noch links.(Wider- spruch rechts.) Nein, gewiss nicht.(Stürmischer Beifall und Hände- klatschen.) Ich befinde mich nur im Banne des deutschen Volkes, deni ich allein zu dienen habe, dessen Söhne insgesamt für das Leben, für das Dasein der Nation kämpfen, die sich fest scharen um ihren Kaiser, dem sie vertrauen und denen der Kaiser vertraut. Das Wort des Kaisers vom 4. August 1914 lebt unverfälscht fort. Herr Dr. Roesicke, der als besonderer Hüter dieses Wortes hier aufgetreten ist(Lachen links), wird die Antwort für das unverfälschte Fortbestehen des K a i s e r w o r t c s in der Osterboischaft des Kaisers finden können. Ich vertraue darauf, dass meine Zurückhaltung, die ick üben mutz— es wäre gewissenlos von mir, wenn ich sie nicht übte— bei der Mehrheit des Reichstags und ebenso auch draußen im Volk Verständnis finden wird. Seit über einem Monat tobt die unerhörteste Schlackt an unserer Westfront. Das ganze Volk lebt mit allen seinen Sinnen und Sorgen, mit seinem Denken und Danken allein bei seinen Söhnen draußen(Sehr wahr!), die in beispielloser Zähigkeit und Todesverachtung den täglich erneuerten Anstürmen der Engländer und Franzosen trotzen.(Bravo!) Auch heute noch sehe ich bei England und bei Frankreich noch nichts von Friedens- bcrcitfchaft, noch nichts von Preisgabe ihrer ausschweifenden Eroberungs- und wirtschaftlichen BcrnichtungSzicle.(Sehr richtig!) Wer find denn die Staaten, wer die Regierungen gewesen, die im v o r i g e n Winter frei bor die Welt getreten sind, um diesem Wahnsinn des BlutmordenS ein Ende zu machen? Haben die in London und Paris gesessen? Die letzten Stimmen, die ich auS London gehört habe, lauten dahin: Tie Kriegszicle, die wir vor zwei Jahren verkündet haben, leben unverändert fort.(Hört! bört!) Abg. Scheidcmann wird nicht glauben, dass ich dieser Stimmung mit einer schönen Geste entgegentreten könnte. (Sehr richtig! bei den Mitielparieien.) Glaubt denn bei dieser Verfassung unserer westlichen Feinde jemand, durch ein Pro» gramm des Verzichts und der Entsagung diese Feinde zum Frieden bringen zu können? Und darauf kommt eS doch an.(Sehr richtig!) Soll ich diesen unseren westlichen Feinden die Versickerung geben, die ihnen gestattet, ohne jede eigene Gefahr den Krieg in« Ungemessene zu verlängern!(Sehr gut!) Soll ich diesen Feinden sagen, mag es kommen wie c s will, wir werden die Verzichtenden sein. w tr werden Euch kein Haar krümmen! Aber Ihr, die Ihr uns ans Leben wollt, Ihr mögt ohne jedes Risiko Euer Glück weiter versuckicn.(Sehr richtig!) Oder soll ich da» Deutsche Reich nach allen Richtungen hin einseitig auf eine Formel festlegen, die doch nur einen Teil der Friedens- bedingungen ausmacht, die einseitige Preisgabe, lvaS unsere Söhne und Brüder mit ihrem Blute errungen haben, und die alle Rechnungen in der Schwebe lässt? Eine solche Politik lehne ich ab.(Lebbaftcr Beisall.) Ick, werde sie nicht führen; eine solche Politik wäre der schnödeste Undank geaen unsere Kämpfer an der AiSne und vor Arras. «Lebhaftes Bravo!) Sie würde unser Volk bis zum geringsten Arbeiter in seinen Lebensbedingungen dauernd herab. drücken, sie wäre gleichbedeutend mit einer Preisgabe unseres Vaterlandes.(Erneuter lebhafter Beifall.) Oder soll ich etwa umgekehrt ein Eroberungs- Programm aufstellen? Auch das lehne ich ab.(Zurufe rechts.) Warum sagen Sie das uns?(Lachen links.) Nicht um Erobc- rungcn zu machen, sind wir in den Krieg gezwungen, und wenn wir jetzt im Kampfe fast gegen die ganze Welt stehen, so aus- schließlich um unser Dasein zu sichern und die Zukunft der Notion fest zu gründen. lLebhafter Beifall bei den Mittelpcrrteien.) Ebensowenig wie ein Verzichtprogramm hilft ein ErobcrnngS- Programm den Sieg erringen und den Krieg gewinnen.(Lebhafte Zustimmung in der Mitte und links.) Ich würde damit lediglich das Spiel der feindlichen Machthaber spielen, ick, würde cs ihnen erleichtern, ihre kriegsmüden Völker weiter zu betören und den Krieg ins Ungewisse zu der- längern. Auch das wäre ein schnöder Undank gegen unicre Söhne.(Erneut Zustimmung links und in der Mitte.) Was unfern östlichen Nachbar, was Rußland anbelangt, so habe ich neulich darüber gesprochen. ES scheint, als ob das neue Nußland gewaltsame Eroberungen von sich ablehnt. Ob Rußland in gleichem Sinne auf seine Verbündeten wirken will und wirken kann, vermag ich nicht zu übersehen. Zweifellos ist England unter dem Beistand aller seiner Verbündeten mit allen Mitteln bemüht, Russland weiter vor den englischen Kriegswagen zu spannen und russische Wünsche auf baldigste Herbeijührung des Weltfriedens zu durchkreuzen.(Hört, hört!) Wenn Rußland, weiteres Vlutvcrgießcn von seinen Söhnen fernhalten will, wenn es Erobcrungspläne für sich aufgibt, wenn es ein dauerndes, ehrliches, friedliches Ncbcnrinandcrlcbru zu uns verstellen w.ll, fconn ist es doch eine Celbstverständlichkeit, bast wir. die wir dtcscn Wunsch teilen, die Möglichkeit eines solchen Auslände« der Tauer, der Entwicklung dieses ZuftandeS. nicht durch Forde- rungcn beseitigen werden(Stürmischer Beifall bei den Mittelpar- teien), die sich mit der Freiheit und dem Willen der Völker selbst in Widerspruch sehen und nur den Keim zu neuer Feindschaft mit Rupland in sich tragen würden.(Wiederholte BeisallSkundgebun- gen.) Ich zweifle nicht daran, daß sich eine auf gegenseitige ehrliche Verständigung gerichtete �Einigung erzielen ließe, die jede Vergewaltigung abweift» Kachel, keinx Verstimmung zurücklüsit.(Erneuter Beifall bei den Mittelparteien.) Unsere militärische Lage ist so gut, wie sie wohl nie- mals im Kriege get�cksen ist. Tie Feinde im Westen kommen trotz ungeheuerlichster Verluste nicht durch, unsere U- röoote arbr/.fen mit steigendem Erfolg. Ich will darüber keine ft a r k e n� W o r t e brauchen, die Taten unserer U-Boot-Leute sprechen für sich selbst.(Beifall.) Ich denke, auch die Rentralen lücror-fi das erkennen. Soweit es mit den Pflichten ge�en unser ciggnes Volk, die immer und überall voranstehen, vereinbar ist, kommen wir den Interessen der neutrale» Staaten entgegen. Tie Zusagen, die wir ihnen gemacht haben, sind nicht teere Versprechungen, wir halten sie. Tos gilt so gut für unsere Erenznachbarn, für Holland, für die skandinavi- 1 ch c n L a n d e r wie für die Staaten, welche infolge ihrer geo- *1� v<5cn"a?e')cm feindlichen Druck besonders ausgesetzt sind. Äch denke dabei auch an Spanien, das getreu seinen ritt er- I l ch e n Traditionen eine sclbstbcwustte Neutra- Staatspolitik allen Anfeindungen zum Trotz bisher dnrchge- fuhr: hat.(Beifall.) Wir erkennen diese Haltung mit Dank an und baocn nur den einen Wunsch, daß das spanische Volk die Früchte seiner selbständigen und starken Politik in Entwicklung zu Macht und weiterer Blüte ernten möge.(Bravo!) So läuft die Zeit für uns. Wir können die volle Zuversicht haben, daß wir uns de m g u t e n Enge nähern. Tann wird die Zeit kommen, wo wir über unsere Kriegsziele, bezüglich deren ich mich in voller Ueberrinstimmuiig mit der Obersten Heeresleitung befinde(Hort, hört! und stürmischer Beifall links und im Zentrums, mit deri Feinden verhandeln können. Dann wollen wir einen �ried-n erringen, der uns die Freiheit gibt, in ungehemmter Entfallung unsere Kraft wieder aufzubauen, was dieser Krieg zer- sto'tt hat, damit aus all dem Blut und all den Spfern ein Reich vnd ein Volk neu erstehe, stark, unabhängig, unbedroht von s e�i n e n F e i n d e n— ein Hort dcs Friedens und der Ar- brit!(Stürmischer Beifall und Händeklatschen links und im Zen- trum.) Auf Antrag des Abg. Eberl(Soz.) findet eine Besprechung der Interpellationen statt. Abg. Tr. Spahn(Z.): Namens der Zentrumspartei, der Fortschritt, lichen Volkspartei, der nationalliberolen Par« t e i und der M e hrheit der Deutschen Fraktion habe ich folgende Erklärung abzugeben: Wir sind in der Anschauung etnig, daß zurzeit im Reichstage eine eingehende Erörterung über die Friedensziele des Teutsckfen Reiches den richtig verstände- nen stntereffen unseres Vaterlandes nicht dienlich ist.(Sehr richtig!) Tie Friedenssehnsucht des deutschen Volkes ist auf einen riehen gerichtet, der dem Deutschen Reiche sein Dasein, ieine politische und wirtschaftliche Weltmacht- sie Ilung und seine Entwicklungsfreiheit sichert und die von England versuchte Abschnürung des Reiches vom Welt- markt dauernd verhindert. Auf das Vertrauen des deutschen Volkes darf daher nur ein Wille rechnen, der dieses FriedcnSziel weist. Ter Reichskanzler hat in früheren Reden seine Ziele um- schrieben; mit ihm sind wir einverstanden, wenn er es jetzt ablehnt, unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Einzel- l> e i t e n seiner Kriegsziele unfern Feinden preiszugeben. Uns «tcnügt es, wenn die Reichsleitung weder uferlose ErobernngSpläne verfolgt, noch auf den Gedanken eines Friedens ohne»nnezionrn »nd Kriegsentschädigungen sich festlegt. Der Hast unserer Feinde richiet sich unter dem Vorgeben der Bekämpfung des preustischen Militarismus gegen den Hohenzollernthron. Aber ihr« Schmähungen haben die Person unsere? Kaisers dem Herzen aller Deutschen nur noch näher gebracht.(Beifall.) Unerschütterlich steht das deutsche Volk zu Kaiser und Reich(Lebhafter Beifall.); jede Ein miichung in seine inneren Verhältnisse tue ist c s entschlossen zurück.(Erneuter Beifall.) Aber ebenso fern liegt uns der Gedanke, in die inneren Verhält- nissc R u st l a n d s einzugreifen. Aufmerksam verfolgen wir das Ringen eines mächtigen Volkes um seine politische und geistige Befreiung und billigen es, wenn unsere Reichsleitung sich be- reit erklärt, jederzeit mit Rußland zum Abschluß eines Friedens»« gelangen, der für die Dauer gute nachbarliche Beziehun- gen herstellt. In voller Einigkeit und fester Entschlossenheit ist daS deutsche Volk in den ihm aufgezwungenen Krieg eingetreten. Die freudige Hingabe-des ganzen Volkes an den Reichsgedanken, die klare Erkenntnis, dast das Reich der Schutz unserer politischen. religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Güter ist, hat durch die Kriegsjahre hindurch die Einigkeit des Volkes aufrecht erhalten. Ter Geist der Osterbotschaft gewährleistet nnS die gedeihliche Fortentwicklung unseres staatlichen Lebens durch ein ver- traucnvolleS Zusammenwirken von Kaiser und Reich. Unser Volk wird, dessen sind wir sicher, aus den ungeheuren Ereignissen der Gegenwart mit unS die Folgerung ziehen, dast für den Reichs- kanzler heute Zurückhaltung geboten ist. Mehr als je muh in dieser Stunde unser Losungswort sein: Zusammcnschlust, nicht Spaltung und Streit.(Lebhafter Beifall bei den Mittel- Parteien.) Auf Vorschlag deS Präsidenten Dr. Kaempf wird die weiter« Besprechung der Interpellationen mit der Beratung des Etats des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes ver- bunden. Abg. Ledebour(Unabh. Soz.) wirft dem Reichskanzler vor, daß er Annexionen plan«. Die obere Heeresverwaltung habe sogar weitgehende Eroberungsziele. An- gesichts des Blutstroms und der Leichenhaufen sei es unverant- wortlich, nicht sofort die Bereitwilligkeit eines Frieden« ohne Annexionen zu erklären. Das deutsche Friedensangebot sei kein richtiges Friedensangebot gewesen, erst von der russi- schen Revolution sei ein solches ausgegangen. Ter ReickiSkanzler verstehe nicht, nach den Zeichen der Zeit zu handeln.(Sehr wahr! bei den Ilnabh. Soz.) Was Scheidemann heute gesagt habe. haben die unabhängigen Sozialdemokraten schon vor zwei Jahren gesagt. Damals habe Scheidemann den Reichskanzler gedeckt und das Volk getäuscht.(Sehr richtig! bei den Unabh. Soz.) Jetzt werde man sehen, ob Scheidemann endlich Konsequenzen ziehe und Kriegskredite verweigere. Aber er sei ja Nutznießer der Regicrungspolitik. insbesondere bei dem Zeitungs- raub.(Sehr wahr! bei den Unabh. Soz.) Ledebour beklagt sich dann darüber, dast die Sozialdemokraten während seiner Rede hinausgegangen sind.(Im Saal« sind nur noch ein knappes Dutzend Abgeordnete.) Deutschland habe geglaubt, ein Weltreich wie England und Ruhland zusammenplündern zu können. Aber die Zeit des Imperialismus sei vorbei. Die wirtschaftliche Einheit werde kommen, nicht über mittel- europäische Ausbeuiungspfcrche, sondern über den Sozialismus. Hand in Hand damit müsse die allgemeine Nationalitätentoleranz gehen. Statt dessen mihhandle die deutsche Regierung die polni- schen Sozialisten. In Deutschland müsse eS schließlich genau s o kommen wie in Ruhland.(Sehr richtig! bei den Unabh. Soz.) Unser bureaukratischcS RegicrungSshstem ist genau dasselbe wie in Rußland und wird demselben Schicksal der- fallen.(Sehr richtig! bei den Unabh. Soz.) Werde nicht bald mit der burcaukratischen Protopopowerei aufgeräumt, dann werden die Massen auch ohne Reichstag die Sachen in die Hand nehmen.— Zum Schluß fragt Ledebour an« oh es wahr sei. daß Elsaß-Lothringcn zwischen Hohenzollcrn und Wittelsbachern aufgeteilt werden solle und kündigt einen Antrag im Verfassungsausschutz auf Einführung der Republik an.(Schallende Heiterkeit.) Wir sind es, die die Zukunft Deutsch- lands in der Welt gestalten werden.(Bravo! bei den Unabh. Soz.) Abg. David(Soz.): Borredner hat geglaubt, seine Ausführung für den Frieden dadurch zu stärken, daß er den Kampf zwischen uns und seiner Fraktion vertiefte. Es ist eine haltlose Unterstellung, daß wir den Saal verliehen, um ihn nicht zu hören. Wir sind in der Mittags- zeit genau demselben Bedürfnis gefolgt, wie auch eine Reih« seiner Parteifreunde. Die Behauptung, niir seien die Nutznießer der Reichspolitik, ist ein demagogischer Vorwurf, der auf den Urbeber zurückfällt.(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten.) Die Erklärung des Reichskanzlers hat keine programmatische Erklärung abgegeben, wie er sich zur Frage eines Friedens ohne Annexionen und Kontributionen stellt. Andererseits anerkenne ich, dast die Erklärung des Reichskanzlers außerordentlich wertvolle Momente enlbalien hat. Das Wertvollste sehe ich in der Er- klärung, die er hinsichtlich unserer Fricdenswünsche mit Rußland gegeben hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Keines- falls hat der Reichskanzler ein Annexionsprogramm auf- gestellt, wie es der Abg. Ledebour behauptete. Das ist eine Eni- st« Ilung, die der Sache des Friedens nichts nutzt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er hat nichts gesagt, was unvereinbar wäre mit unseren Forderungen, sondern meinte nur, es sei jetzt nicht der Moment für ihn, sich jetzt irgendwie festzulegen. Diese taktischen Erwägungen haben einen Sinn, wenn mam nur die Einwirkung auf die feindlichen Staatsmänner im Auge hat. Da liegt der Gegensatz zwischen Reichsregierung, den Herren, die die gemeinsame Erklärung abgegeben haben, und meinen Parteifreunden. Wir meinen, der Kanzler müßte eine andere Adresse im Auge haben, nämlich die breiten Volks- Massen, in den mit uns kriegführenden Ländern.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Taktik muß dahin gehen, die Friedensströmungen von unten auf in den feindlichen Ländern zu fördern.— Allerdings hat der Reichskanzler auch Aeußerungen getan, die darauf schließen lassen, daß er den annexionistischen Forderungen der Rechten fernsteht. Er hat sich z. B. von neuem zu dem Friedensangebot vom Dezember 1916 bekannt und hat weiter ganz klar ausgesprochen, daß zwischen der deutschen und österreichischen Negirrung in der Fricdcnsfrage volle Ucbercin- stimmung bestehe. Vor allem verdienen die Worte des Kanzlers über unsere Stellung zu Rußland höchste Beachtung. Wir hoffen, daß der Arbeiter» und Soldatenrat in Peters- bürg dafür sorgt, daß er wirklich wahrheitsgemäß über das orien- tiert wird, was hier von autoritativer Stelle gesagt worden ist. Die Behauptung des Abg. Ledebour, daß uns die russische Regie- rnng ein« Friedensofferte gemacht habe, ist— leider eine lieber» t r e i b u n g. Die provisorische Regierung hat im Gegenteil er- klärt, sie fühle sich gebunden an das Londoner Abkommen, das den einzelnen Ententeregierungen verbietet, von sich aus Friedensangebote zu machen. Wir können nur hoffen, daß in Rußland die Mächte, die ehrlich auf einen baldigen Frieden auf der vom Arbeiter- und Soldatenrat aufgestellten Basis Hillstreben, die Oberhand gewinnen. Ich bedauere nur, daß der Kanzler nicht auch die gleiche Bereitschaft deS Frieden? nach dem Westen ausgesprochen hat. Auf einen Sonderfrieden mit Rußland können wir nicht rechnen. Die ausschweifenden KriegSziele der Annexionisten sind voll- ständig unrealisierbar. Neuerdings haben die Alldeutschen noch eine Schutztruppc unter Führung des Herrn Mumm erhalten. In der ZirkuS-Busch-Versammlung hat ein anderer evangelischer Geistlicher eine überannexionistische Rede gehalten. Wie können daS diese Herren mit ihrem Christentum ver- ein baren.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Kriegs- ziele hat Dr. Roesicke als internationale Kriegsziele bezeichnet. Seine Freunde wollten einen nationalen Frieden.(Sehr richtig, rechts.) Rein, sehr unrichtig. Unsere Friedensformel, keine An- nexioncn, keine Kontributionen, bedeutet eine scharfe Absage an die ErobmmgSpläne der Entente, die alles daransetzt, zu verhindern, daß die russische Regierung sich auf diese unsere Formeln einläßt. Schon das sollte Ihnen zeigen, daß wir bei dieser Formel das deut- sche Interesse nicht außer acht lassen. Auch in Amerika ist man, wie Gompers bestätigt hat, der Meinung, daß diese Formel vom Deutschen Kaiser gemacht sei, um die Herrschaft der M i l i- tärkaste aufrechtzuerhalten. So sieht unser angeblicher inter- nationaler Frieden aus. Wie betonen besonders in unserem Kriegs- Zielprogramm die Sicherung der wirtschaftlichen Ziiknnst unseres Landes. Diese wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit kann aber nicht erreicht werden, wenn wir unS die Feindschaft ger ganzen Welt als einen festverankcrten Zustand zuziehen. Man muß von einem wahren Machtwahnsinn befallen sein, um glauben zu können, daß Deutschland imstande sei, einen auf Haß und Widervergeltungs- wut entstandenen Ring zu durchbrechen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Dieselben Leute, die jetzt durch ihre Eroberungspläne den Krieg verlängern, waren es, die vorher den Ausbruch dcs Krieges gesör- dert haben. Schrieb doch die alldeutsche Presse am 5. August:„Die Stund« haben wir ersehnt, nun ist sie da, die heilige Stunde!"(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Schuld, die die Alldeut- schen damit auf sich geladen haben, werden sie noch zu büßen haben. ES sind dieselben Leute, die die egoistischen Interessen der Landwirtschaft in den Ernährungsfragen in den Vordergrund stellen, die jeden Gedanken einer freiheitlichen Neugestaltung unserer in- neren Politik bekämpfen, die trotz der Ostcrbotschaft noch heute fest- halten an einem abgestuften preußischen Klasscnwahlrccht. Diese Leute sind die schlimmsten Feindr der Einigkeit des Deutschen Volkes.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie besitzen so- gar die bodenlose Unverschämtheit, in dieser Zeit wieder mit dem alten Gegensatz von natio- nalen und antinationalen Parteien zu kommen. Wie die echt russischen Leute behaupteten, die Rechte des Zaren zu schützen, so sprechen Sie angeblich in dem Interesse der Mon- archie. Dabei gibt eS nichts Gefährlicheres für das Ansehen der Monarchie im Volke, als wenn mon eck so darstellt, daß die essen der Krone identisch seien mit den Vorrechten dieser Leute.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Ausland spekuliert nur auf den Zusammenbruch der Einigkeit im deutschen Volk. Sie haben vorhin ungeheuren Lärm gemacht, als Scheide- mann von einer bevorstehenden Katastrophe sprach. Sie haben ihn falsch verstanden.(Widerspruch rechts. Zuruf: Drohung!) Nein, er hat einen Fall dargestellt, den wir nicht wünschen und gegen dessen Eintreten.v:r itbe'm. auf den Sie aber(nach rechts) mit ihrer Politik hinarbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein Professor hat die Frage aufgeworfen, wie cs möglich sei, duß wir jetzt in Deutschland eine so mäch stje demokratische Well« haben. Nun daS ist die"'tbfhi.'ntünVicbe Folge leS Kriege?. Der Krieg steigert das ManneSgesübl, das S e I b st b e w u ß- sein. Wenn draußen der einzelne sieht, was sein Tun für die Erhaltung des Ganzen bedeutet, daß oben alles zusammenstürzt, wenn unten die Massen nicht zusammenhalten, so kommt den Massen ihre staatsrrhaltcnde Kraft zum Vewußtscin. Dazu kommt, daß der einzelne sieht, wie sein persönliches Interesse, daß seine ganze Familie, daß seine ganze Existenz verkettet ist mit dem, was man die Politik des Landes nennt, dann begreift man, welche Gc- fahr darin liegt, wenn die Massen sich teilnahmslos der Politik gegenüber verhalten, wenn sie die Politik Leuten überlassen, die nur ihre Vorrechte im Auge haben. So werden die Massen p o l i t i» siert.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das deutsche Volk setzt sein Alles ein, um seine Freiheit nach außen zu verteidigen, um sich in seinem kulturellen Ausstieg nicht hemmen zu lassen. Aber eS verlangt auch, baß rS im Innern ein Volk freier Männer sei» dürfe. Das ist unser vaterländisches Ideal, und ihm gehört trotz allem die Zukunft.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Gracfe(k.): Die Antwort des Reichskanzlers hat nicht die Klarheit ge- bracht, nach der wir lechzen. Er sitzt zwischen zwei Stühlen. Die bürgerlichen Parteien sind allerdings vom Scheidemann- Frieden abgerückt.(Lebhafter Widerspruch links und in der Mitte.) Die Mehrheitsverhältnisse hier im Hause entsprechen nicht den Mchrheitsverhältnissen draußen.(Lachen und große Un- ruhe.) Im Lande verlangen alle Leute Klarheii. Draußen hat der Abg. Stresemann vom Reichskanzler gesagt:„Weiß doch keiner, woran der glaubt." Aber hier hat er ihm das Vertrauen ausgc- sprochen. Es ist zum Verzweifeln. wenn man die Leute aus der Wilhelmstraße über den Friede» reden hört.(Sehr wahr! rechts.) Die Worte deS Kanzlers sind immer zweifacher Auslegung fähig. Vielleicht hat man ihn im Hauptquartier nur mißverstanden.(Große Unruhe.— Der Präsident rügt den Ausdruck.) Der Kanzler versteht nicht im Volke Begeisterung zu erzeugen. Es fehlt die politische Führung. Auch die Arbeiterschaft ist zum großen Teile unserer An- ficht.(Lachen bei den Soz.) Was wir hören wollten, haben wir nicht gehört.(Sehr wahr! rechts.) Keiner von uns hat von Er- oberungsplänen gesprochen.(Gr. Gelächter links.) Der neue Block, der alles machen will, will doch auch die Länder nicht aufgeben, die wir erobert haben, sondern überlegen, was ivir davon behalten müssen.(Zuruf links: Rück- zugsgefecht.) Wenn unsere Truppen sehen könnten, wie die Herren hier die Sache behandeln!(Große Unruhe und Heiterkeit links.) Es entspricht nicht der Würde des Reichs- tags, sich vom Kanzler mit unklarem Verklausulieren abspeisen zu lassen. Seine Antwort befriedigt»ins in keiner Weise.(Zu- stimmung rechts.) Darum baben wir die Pflicht, zu rufen: Kaiser höre dein Volk, höre dein deutsches Volk! (Lebhafter Beifall rechts. Lachen links und im Zentrum.) Damit schließt die Aussprache. Abg. Schridcmann(Soz.)(persönlich): Der �„Scheidemann- Friede" ist ein Verständigungsfriede, der die deutschen Interessen vollauf wahrt. Wenn Graefe als Bataillonsführer so tüchtig ist wie als?lbgeordneter, sollte man ihn nie wieder an die Front lassen.(Zuruf rechts: Flegelei!) Meine Bemerkung über mögliche weltgeschichilicke Ereignisse nahm Voraussetzungen an, die gar nicht gegeben sind. Eine Regierung, die so bodenlos dumm wäre, daß sie sich auf die Eroberungsziele festlegte, ist ja gar nicht denkbar; es sei denn, daß der Alldeutsche Verband den Auftrag bekäme, sie zu stellen.(Unruhe rechts.) Abg. M»mm(Dt. Fr.): Dr. David fragte mich, wie mein Vorsitz in der Versammlung im Zirkus Busch vereinbar sei mit meinem Christentum. Darauf ihm die notwendige Antwort zu geben, ist hier nicht der Ort. Abg. Dr. Röficke(k.): Ich habe gesagt, einen Handelsvertrag, der uns nur Vorteile, dem Partner nur Nachteile bringt, können wir nur von einem völlig niedergeworfenen Gegner erlangen, eine Kriegsentschädigung dagegen können wir auch von einem nicht derartig niedergeworfenen Feinde er- halten. Die EtatsdiSkusflon wird fortgesetzt über die innere Politik. Don den bürgerlichen Parteien ist hierzu der Antrag gestellt, die Fragen der Schutzhaft und Elsaß-Lothringen auszuschalten. Abg. Wendel(Soz.. zur Geschäftsordnung): Dieser Antrag widerspricht ganz bestimmten Abmachungen des Reichstages. Sack- lich spricht gegen ihn die Erwägung: der Reichstag darf nicht durch sein Stillschweigen die Verantwortung übernehmen für das militärische Willkür- und Schreckensregiment in Elsaß-Lothringen. Abg. Ledebour(Unabh. Soz,): Der eingebrachte Antrag wider« spricht direkt Treu und Glauben,(Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner wegen dieser Aeußermig zur Ordnung.) Abg. Erzberger(Z.): Die Budgetkommission hat noch gar nicht alle Schutzhastfälle erledigt, daher empfiehlt es sich, diese Materie erst später gesondert zu behandeln. Die Abgg, Graf Westarp(k.). Dr. Stresemann(natl.), Gröber (Z.). Häuf?(Elf.), Dr. Spahn(Z.) schließen sich dem Abg. Erz« berger an. Die Abgg. Haase(Unabh, Soz,). Dittmann(Unabh. Soz,), Wendel(Soz.) bleiben bei dem Widerspruch gegen den Antrag, der auf Wunsch der Regierung gestellt sei.,,„. Der Antrag auf Ausschaltung der Schutzhastfälle und der elsaß-Iothringischen Verhältnisse wird angenommen. Abg. D. Naumann(Vp.): Die Osterbotschaft des Kaisers hat ein Programm für die Reu- Orientierung verheißen, das eiue nähere Besprechung erfordert. Im Krieg ist die Staatsautorität und Allmacht in früher uuerbörler Weise gewachsen. Mit dem Frieden wird das nicht verschwinden. Nachdem mon jahrelang ertragen, was alles der Staat gebieten kann. wird übrigbleiben ein Staatssozialismus, der uns erdrücken muß mit seiner Uniformität, wenn die Staatsautorität nicht durchsetzt wird durch das Eindringen der Vieleu in das Entstehen des staatlichen Leben?. Als.staatSerhaltend" haben sich erwiesen die Leute in den Schützengräben, wo es keine Klaisifizierung gibt, das Volk in der Heimat, das durch Entbehrungen und Urbeit das Wirtschaftsleben aufrecht erhält und die Armee mit allem Möglichen versorgt. Der Krieg politisiert die Menschen und„ach dem Kriege werden aus den Uniertanen Bürger geworden sein. In der Geschichte des deutschen Volkes haben wir nicht eine solche große Revolution, wie sie England und Frankreich gehabt haben, Ivie sie in Rußland sich zu vollziehen begonnen hat. Wir hoffen. daß auch jetzt das Hineinnehmen der Massen in die volle Mit- Wirkung des Staates mit Vernunft und Ueberlegung und unter beiderseitiger Verständigung vor sich gehen wird. Aber es wird keine Gewalt geben, die dem deutschen und preußischen Volke nach diesem Kriege der Gleichheit des Blutes eine Ungleichheil des Wahl- rechts gibt.(Lebhafter Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Graf Westarp(k.): An den falschen Vorstellungen über deutsche Unfreiheit im Aus» land ist die demokratische Presse schuld. Auch heute ist Naumann dem hohen Maße politischer Freiheit noch nicht gerecht geworden, das für die Masten im Neichstagswahlrecht und in der Selbstver- Wallung schon vor dem Kriege bestand. Wir werden unsere Vater- ländische Pflicht in keinem Falle verweigern; darum ist eS für den Reichskanzler leicht, harte Worte gegen uns zu sprechen und über unsere Wünsche rücksichtslos fortzugehen. Die demokratischen Parteien hingegen will der Reichskanzler durch Entgegenkommen der vaterländischen Politik treu erhalten. Dabei überstürzt die Linke alle seine Zugeständnisse durch neue Forderungen. Und am Tage der Aisneschlacht hat der VersaffungsauSschuß die Zusammensetzung de? OsfizierkorpS auf eine neue rechtliche Grund« läge zu stellen versiubt I(Hört I hört I rechts.) Gerade an diesem Tage sollte das Offizierkorps der Parlamentskontrolle unterstellt werden. Leider wissen wir auch in der Frage der Neuorientierung nicht, waS der Reichskanzler will. Wir vermissen auch hier eine feste, leitende Hand.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. LandSberg(Soz.): Graf Westarp scheint sich noch nicht klar darüber xu sein, daß man ein tiichiiger Verwaltungsbcamter und ein schlechter Politiker (ein kann, daß es für einen Minister darauf ankommt, ein guter Politiker zu sein. Beim parlamentarischen System bat die berrschcnde Partei selbst das größte Interesse, ihre besten Männer zu Ministern zu machen. Bei uns in Deutschland haben ivir Minister gehabt, die vorher sich niemals mit Politik befaßt hatten. Und daß wir unter unseren Diplomaten keine geistigen 42 er haben(Heiterkeit), darüber ist sich wohl der ganze Reichstag einig.-» Auf die Bunde» bei JtttS Krauche» wir nicht erst mit Fingern zu zeigen, die kennt das Ausland ohnehin. Kennt es etwa nicht unser Landtagswahlsystcm, unser Herrenhaus, das seine Zusammensetzung den Phanlasien e i n e S u n g l ü ck l i ch e u. d e m W a h n s i n n n a h e n K ö n i g s Nerdaukt? Das Ausland weitz auch, datz das demokraiischc Wahlrecht zum Reich erst gesichert ist, wenn das preußische Drei- klaisenwahlrecht beseitigt ist. Weiß das Ausland etwa nichts von der Zurücksetzung der Inden in Deutschland? Diese Zustände vcr- laugen dringend der Abhilfe. Wir wissen, weshalb Sie0 M. wurden h i n a u f g e s e tz t P o st- und Telegraphen- inspcktoren, Hilssrcferenten bei den Oberpost- dircktionen, Oberpostinspektoren einschließlich der in Stellen für geheime expedierende Sekretäre im Rcicksamt Bc- schäftigtcn, Vizcdirektoren bei Post- und Telegraphen- ämtern erster Klasse, Vorsteher der Bücherei des Reichspost- amts. Vorsteher des Postmuseums, Telegrapheningcnicurc. Das Besoldungsdienstalter derjenigen vor dem l. April 1917 bcfördcr- ten oder im dienstlichen Interesse zurückversetzten Beamten, welche zu diesem Zweck ein geringeres pensionsfähiges Gehalt als in der vorher von ihnen bekleideten Stelle, falls sie in dieser vcr- blieben wären, nach den neuen Gehaltssätzen zu beziehen haben würden, oder welche in der vorher bekleideten Stelle bei dem nächsten Aufrücken eine höhere Gehaltsflasse erreicht haben würden als dies in der neuen Stelle der Fall sein würde, ist so fest- zusetzen, als wenn die Beamten erst am 1. April 1917 in die neue Gehaltsklasse befördert oder versetzt wären. Das Bc- soldungsdienstaltcr der Post- und Telcgrapheninspcktoren und Silfsreferenten bei den Lbervostdirektionen wird um je drei Jahre später gelegt. Das Gesetz tritt mit dem 1. April d. I. in Kraft; 2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, möglichst bald dem Reichstage einen G e sc tz e n t iv u r f vorzulegen, durch den in das Reichsbeamtengesetz vom 1«. Mai 1907 folgender Zusatz eingefügt wird: Die Pensionen der Beamten, welche jvährend' dieses Krieges wiederum im Dienste des Heeres und der Flotte oder im Z i V i l d i e n st wenigstens sechs 1 Monate verwendet worden sind, erhöht sich nach Maß- gäbe des Z 41. Eine gleiche Erhöhung tritt auch dann ein, wenn durch die Zeit der Verwendung ein weiteres Tienstjahr nicht vollendet ist; 3. den Hern Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß vom 1. April ab A. den Beamten der Heeres- und Marineverwaltung und dem in Betrieben des Heeres und der Marine befindlichen technischen und Bureaupcrsonal neben der Kricgszulage die laufende Kriegsbeihilse in der seit dem 1. April 1917 eingeführten Höhe gewährt wird; B. den ständigen Hilfsbeamten und Beamtinnen des Reichstags ein- schließlich der Hilfskanzlcidiener die laufende Kriegsbeihilse in� Höhe der den etatsmäßigen Beamten zustehenden Sätze ge- währt wird; C. den im Ruhestand befindlichen Beamten und Be- amtinnen des Reichs und den Hinterbliebenen zwei Drittel der laufenden Kriegsbeihilfen gewährt werden, wenn das steuerbare Gesamteinkommen a) der im Ruhestand lebenden Beamten nicht mehr als 4000 M., b) der Wittven— und zwar ohne etwaiges Waisengeld— nicht mehr als 2000 M. beträgt; v. denjenigen Vollwaisen, die ein Gesamteinkommen von nicht mehr als 800 M. haben, das Waisengeld um 10 M. monatlich erhöht wird; ferner den Reichskanzler zu ersuchen, schleunigst dem Reichstage einen Gesetzentwurf über die Gewährung von Bei- Hilfen an Altpensionäre und Älthinterblie- benc vorzulegen: baldigst eine den Tcuerungsverhältnisscn ent- sprechende Erhöhung der Diäten sä tze für die nicht- etatsniäßigen Beamten der Rcichsverwaltung herbeizuführen und dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den der 8 57 des O f f i z i e r s p e n s i o n s g e s e tz c s dahin geändert wird, daß die Unterscheidung zwischen Deck- offizieren mit einer Dienstzeit als aktiver Deckosfizier von weniger und von mehr als sechs Jahren in Wegfall gebracht wird. Staatssekretär v. Roedern erklärt zu dem ersten Antrag, daß er nicht mitteilen könne, welche Stellung der Bundesrat dazu einnehmen werde. Die Fragen würden noch einmal gründ- lich untersucht werden.— Ein Gchcimrat des Rcichsschatzamts und ein Regierungsrat des Kriegsministeriums gingen auf die anderen, Anträge ein, gegen die sie eine ganze Reihe Bedenken geltend machten.— Nach kurzer Debatte, an der u. a. die Abgg. Taubadel und Giebel(Soz.) teilnahmen, wurden die Anträge an- genommen, der erste und dritte einstimmig, der zweite gegen die sozialdemokratischen Stimmen. Industrie und Handel. Verkauf österreichischer Schiffe an die Vereinigten Staaten. Das Rentersche Bureau meldet aus Washington; Das Schiffahrtsamt hat sieben in ameriaknischen Häfen Ite- gende, vormals österreichische Schiffe mit zusammen 52 022 Tonnen von den amerikanischen Eigentümern gekauft, um sie für Kriegs- handelszwccke zu verwenden. Die Meldung des Reuterscken Bureaus ist sehr knapp und bedarf offenbar noch der Ergänzung. Als sicher darf Wohl angenommen werden, daß sie den Tatsachen entspricht, weil sie in Oesterreich durch das T e l e g r a p h e n- K o r r e- spondcnz-Bureau verbreitet wird. Die österreichischen Schiffe sind offenbar erst von Amerikanern gekauft und dann an die Washingtoner Regierung weiterverkauft worden. Mög- lich ist auch, daß die Schiffe nur deshalb verkauft wurden, weil so eine Beschlagnahmt vermieden und nebenbei ein hoher Verkaufserlös erzielt wurde. An der Wiener Börse, die immer zu tollen Uebertrei- Hungen neigt, hat der Verkauf dieser Schiffe zu den jetzigen Phantasiepreisen einen wahren Haussetaumel hervorgerufen. Wie die„Arbeiterzeitung" mitteilt, ist der Kurs, der auf je 2M Kronen lautenden Aktien in wenigen Tagen von SM auf 900 Kronen hinaufgegangen. Divfe Kurstreiberei ist ebenso frivol wie die Dummheit derer groß ist, die im guten Glauben die Aktien kauften. Denn gerade die Austro-Amerikana weist für die bisherigen Kriegsjahee einen Verlustvortrag aus, der größer als die Hälfte des Aktienkapitals ist und im laufenden Geschäftsjahr vielleicht- bis zur Höhe des� Aktienkapitals ansteigt. Ob aber die Gesellschaft welch Friedens- schluß über durchschnittliche Gewinne machen und.neben der Abzahlung ihrer riesigen Bankschuld unter Vornahme-der not- wendigen Abschreibungen noch Rekorddividenden wird der- teilen können, das ist denn doch noch mehr als zweifelhaft. lDie Regierung hat sich endlich bemüht, zuzusehen, diesem skan- dalöjen Treiben ein Ende zu macheu und einen Riegel durch das Verbot jedes Handels in diesen Aktien vorgeschoben. Erhöhung der Eiscnbahnsahrpreisc. Eine an den Landeseiscnbahnrat gerichtete Vorlage über Er. höhung her Eisenbahn-Personentarife ist angekündigt worden. Kaum daß das Reich, den.Personen- und Güterverkehr als bequem erschließbarc Stcucrquclle in Anspruch genommen bat, folgen auch die Bundesstaaten. Motiviert wird diese Absicht mit der sehr star- ken Belastung der Staatsbahncn mit der Reichstohlenstcuer und mit dem Steigen der Preise aller Bctriebsmaterialien und auch der Löhne. Nach Durchführung der Tariferhöhung dürfte sich ein- schließlich der Reichssteuer eine Belastung von 20 Proz. für die 4. Klasse, von 23,33 Proz. für die 3., von 20,67 Proz. für die 2. und von 28,70 Proz. für die 1. Klasse ergeben. Zwar werden die reich- sten Reisenden stärker als die ärmsten betroffen, aber die Steige- rung ist nicht groß genug, um den kolossalen Unterschied zwischen einem Reisenden l. Klasse und einem Reisenden 4. Klasse klar auszudrücken. Es dürfte sich empfehlen, mit der Vielzahl der Klaffen aufzuräumen und dadurch Ersparnisse zu erzielen. Be- sonders auf den Nebenbahnen, die zwar für die allgemeine Wirt- schaft von großer Bedeutung, aber nach kaufmännischen Begriffen nicht rentabel sind, würde eine Beschncidung des Transportluxus sehr wünschenswert sein. Brannkohlcn-Hochkoujnnktur. Eine nicht näher bekannte Gesellschaft mitteldeutscher Braun- kohleninteressenten hnt die Mehrheit der Aktien der Dörstewitz- Raltmannsdörfer Braunkohlen-Jndustriegesellschast zum Preise von 300 Prozent erworben, obwohl diese Gesellschaft erst im Jahre 1915 ihr Grundkapital von einer Million auf 500 000 M. zu- sammcnlegen mutzte und für 1915/16 nur eine Dividende von 7 Prozent verteilen konnte. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Aktiengesellschaft Körtings Elektrizitäts- werke dürfte für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr wie- der 4 Prozent verteilen. Die A s ch i n g c r Aktiengesellschaft hat trotz der Schwierigkeiten in der Lebensmittelbeschafsung einen dem Vorjahr entsprechenden Reingewinn erzielt und wird 5 Proz. ausschütten. Vei�altimgzztells Berlin. 'Dt n-'Kollegen zus" RAchtW, daß unser Mitglied, der KIempner �einkolä 8ckul? Chorinet Str. 60 gcswiben ist. t5hre seinem Andenken! Die Beerdigung nndet morgen Donnerstag, den 17. Mal, nach- mittags 3V,»Hr. von der Leichen- balle des Zions- Kirchhoses in Nordend aus statt. Rege Beteiilgung erwartet 175/5 Tie Qrtsverwaltung. Veriianti der Kuplersctimietle Ocntsohlandn. Filiale Berlin. Ilm 12. Mai verstarb unser langjähriges Mitglied Fritz Witteborn im Alter von 68 Jahren au Nierenleiden. 8 Her niiaiverstanil. Gegen Bsr undai,t Kreil! unter günstigsten Zahlungsbedingungen Frühjahrs-Neuheiten Jackenkleider, Mantelkleider, Seidenkleider, Seiden- Kostüme Frühjahrs- Mäntel, Kleiderröke aus Seide, voiw und Wollstoff, Elegante Blusen in Seide, voiie, Chiffon, Gummi- und imprägnierte Seiden-Mäntel Fertige Herren- Kleidung, Burschen- und Jünglings- Anzüge empfiehlt B.FEDER Norden: Brunnenstrassel Süden: Kottbuser Damm 103 Osten: Frankfurter Allee 350 Westen: Charlottsnburg, Sonntag von S— 10 Uhr geöffnet Inserat mitbringen! 3 MarK Wertl Verein der Freidenker lör Fcner- bestattnng Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 10. Mai verstarb infolge Bktciebsuilsallcs unser Mitglied, der Schornsleinsegermeister Herr lieorg SeiMramm Kochstr. 27. (nahe Brunnenftraße). Sprechzeit 3—12, 3—7. 4560L» Für Schuhmacher 14?(. t»e«tanEte l'-leoke(geklebt), gemischt, in allen Größen. Psd..V M Ovale Sohlcnschoncr. gemischt, in drei Größen...,-4„ Runde Schoner in 5- und lO-Ps.-Größen......, 3. Bruno Sensfnst. lledor-Ahällo, Wcihensee,Langhan?str.3Z. Tel. Weiß. 191 Bei Itinärningi. ,. kerdauungSsiöriinpen. Mapenia irawe, vo�eiikalairlr tlderharvi Oven».-»»eiitesck wird nednieviandie seil-lö dc. npiodlev. dm ld>b" Miilan« Ifrflftim. s��nasentropfen E'»zij, echl""m," llledico. «emi Nl Iioperiev",»1 nlämia dura, Ott» Reedfl Berlin 43 Eieenbatmatr. 4. Spezialarzt I>r. med. Wockenfaß. Friednchstr. 125(Oranienb. Tor, für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehriich-Haia-Kur(Dauer 10 Tage), Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Heilung onne Berufs- 215,10*] Störung. Teilzahlung. (>ptectiBt.ajideo: Ii— l uuu 6— S. 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