Ar.lSS. S4. Jahrg. flbonnemtDtt'BedlnQunsea: Etonncmentf• Steif ptfinumettmiio kierteljähri 8.90 Ml, motuzll L30 MI, wöchentlich 80 Sfg. ttei tnl Häuf. Sinz eine Nummer ö Sfg. Konmagf- nuinmer mit illulirierier Sonmaqf. Beilage.Die Reue Seü* 10 Sfg. Soft- tlbonneinent! ILO Marl vro Monat. leingetragen w die Soft- Zeinmgf> Vretsliite. Unter Kreuzband idr Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2L0 Marl, für dag übrige Ausland t Marl vro Monat. Sostabonnemems nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg Ponugall Numänien. Schweden und die Schwei. Mchttat tägn®. ( 5 Pfennig*) r Die InlertlonS'Gebdbr Mtögt für die sechSgesvaltene Kolonei- eile oder deren Raum 60 Sfg.. für wlitische und gewerüchaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen»0 Sfa. .Kleine anieigen", das icttgcücutCf Wort 20 Sfg.(zulaiftg 2 ictlgedruilte Worte), jedes weitere Wort 10 Sfg Stellengesuche und Schlasslellenan- , eigen das erste Wort 10 Sfg, jedes »euere Wort ö Sfg. Worte über lö Buch- slabcn zählen für zwei Wone. Inieraic für die nächste Nummer mllisen bis K Uhr nachmitiags in der Srvedition udgegeden werden. Die Exvedition tjt bis 1 Uhr abends geöfsiiet. Vevltnev Volkcslrlskk. Desegramm-Adresse: »ZsrlZIilcmolitZl siclllf Zcntrzlorgan der fozialdemokratx fchen Partei Dcutfchlands. Neüaktion: SW. HS, Linüenftraße 2. Fernfvrecher: Amt Morivpla«. Str. 151 gv— 151 97. Dienstag, den SÄ. Mai 1917. Expedition: EW. HS, Linöenstraße 2« iyerusprecher: Amt Morinpla». Nr. 151 90—151 97. Kampke bei Bullecourt und jVaurov. Das englische und französische Anstürmen am Sonntag— Deutscher Grabengcwinn bei Cernay und Hurtebise— Französischer Vorteil nur aus dem Cornillet- Berg— Schwere feindliche Verluste. Amtlich. G»»ßeS Hauptquartier, deu 21. Mai 1917.(SB. T. SB.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Srouprinz Nopprecht. Tie gestrigeu Angriffe der Eugländer wäre» beiderseits der Straße Arras— Cambrai auf einer Froutbreite van 12 Kilometer» ange cßt. Wo es feindlichen Sturmtruppen zwischen der Searpc und dem Sens6e-Bach gelang, aus ihren Gräben vorzustoßen, wurden sie in unserem vernichtenden Feuer zusammengeschossen. Ocstlich von Croifilles in unsere Liuie eingedrungenen Feind warfen kraftvoll geführte Gegenstöße zurück. Am Nachmittag, abends und in der Nacht zwischen FoutaineS und Bullecourt mehrfach wiederholte Angriffe hatten dasselbe Schicksal. Wir hielten unsere Stellung bis auf einen völlig zerschossenen Graben, den wir dem Gegner planmäßig überließen. Heeresgruppe Deutscher Krouprinz. Wöhrend bei Laffaux französische Teilangriffe erfolglos blieben, gelang eS»estprrußifche» Grenadieren bei Brahe, sowie bayerischen Truppen bei Cernay und westlich der Hurtebise Fme. durch Fortnahme feindlicher Gräben ihre Stellungen zu verbessern und be» gewinn gegrp Wiedereroberungsversuchc deS Gegner« zu halten. Jy der Champagne ist gestern wieder schwer gekämpft worden. Der seit Tagen gesteigerte Artilleriekampf erreichte vom Morgen an äußerste Heftigkeit. Slm Nachwittag brache» die Franzosen zu starken Angriffen gegen die Höhenstellunge» nördlich der Straße Prunay— St. Hilaire-le-Grand vor. In erbittertem Ningen, das sich bis in die Dunkelheit fortsetzte, gelang eS dem Feinde, auf dem Cornillet-Serg, südlich vou Nauroy, und auf dem Keil-Berg, südwestlich von MoronvillerS, Fuß zu fassen; wir liegen auf den Nordhängen der Höhen. Um den Besitz der anderen Kuppen wogte der Kampf hin und her; anfangs errungene Bortcile wurden den Franzosen in schnellem Gegenstoß wieder entrissen, die alten Stellungen find hier in unserer Hand. Abends neu einsetzende feindliche Angriffe wurden in de« zurückgewonnenen Linien abgewiesen. Die blutige» Berlustr de» Feiude» find auch gestern wieder sehr erheblich gewese».__ Die Gegner verloren gester» 14 Flugzeug«. Oestlicher Kriegsschauplatz. Keine Seränderung der Lage. An der «azedonischen Arout beschränkte fich die SampftStigkeit auf vereinzelt lebhaftere» Artillericfener. Der Erste Generalquartiermeister. Ludeudorff. Abeudbericht« Amtlich. B e r l i u, 21. Mai abend». Morgens scheiterte» bei Bullecourt(ArtoiS) englische, südwestlich vou Nauroy(Champagne) frau- zösische Teilangriffe. Tagsüber iu mehreren Äbschuitten der Areas-, AiSue- und Champagnc-Frout sowie auf dem Oftufer der Maas wechselnd starker Feuer- kämpf.__ Ter österreichische Bericht« Wien, 21. Mai 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von Belang. Italienischer Kriegsschauplatz. Am I s o n z o setzte der Feind gestern seine Angriffe fort. Deren Wucht richtete sich gegen unsere Stellung zwischen vodice und Salcano. Alle Anstrengungen des Angreifers blieben erfolglos, er vermochte nicht einen Fuß breit Boden zu gewinnen. Am Bormittag führte der Gegner seine Massen gegen den Monte Santo zum Sturm. Der erste Angriff brach, ehe er fich zu entfalten vermochte, in unserem Bernichtungsfeuer zu- kommen; beim zweiten bahnten sich welsche Abteilungen in der Nähe des Klosters Monte Santo den Weg in unsere durch Trommelfeuer zerschossenen Gröben. Unsere braven Truppen, «uter ihnen Marburger Landsturm, trieben den Feind im Gegen- stoß mit dem Bajonett zurück. Am Abend schritten die Italiener, auf Artillerievorbereitung verzichtend, zu eine« breit angelegten «ächtige» Angriff, der sich diesmal gege» deu ganzen Abschnitt Bobitc— äRMit s-�»eg richtete. Lei» Lud« gelaug«g de» Sturmkolonnen, unter schweren Verlusten den HZHcnkamm zu er- klimmen. Das altbewährte Jnfanlcric-Rcgimcut Nr. 41 warf sich aber dann auf de» überlegenen Gegner uud zwang ihn in erbittertem Handgemenge zur Flucht Die gegen den Monte Santo angesetzten italienischen Divisionen wurden schon durch unser Geschützfeuer in ihre Gräben zurückgejagt. Die gestrige» Kämpfe brachten unS über 200 Gefangeue und vier Maschinengewehre ein. Die überans mannigfaltige Kriegs- gliederung unserer Karsttruppen ermöglichte es nicht, heute schon jede Einzelheit der Truppenvcrbände, die sich um den Erfolg des TageS besonders verdient gemacht haben, nach Bezeichnung und Bodenstäudigleit hervorzuheben.— Unsere Flieger haben iu Luft- kämpfen fünf italienische Flugzeuge abgeschossen. Ans den übrigen Abschnitte» der Südwestfroat ist nicht? Besonderes mitzuteilen. Der Ehef de» Generalstabe». Groß-öerlins Lebensmittel- Versorgung. An der Spitze des lokalen Teils veröffentlichen wir eine Zuschrift des Berliner Magistrats, in der über die Lieferung außerordentlich minderwertigen Viehes und ganz unzureichende Kartoffelzufuhr geklagt wird. In einzelnen Vororten Berlins ist die ans die ReichSfleisch- karte entfallende Fleischration infolge ungenügender Belieferung verkürzt worden und teilweise sogar ganz w-eg g e'fqtlle-tz. Zahlreiche Beschwerden hierüber sind uns ans der Groß-Becliner Bevölkerung zugegangen. Niemand verkennt die großen Schwierigkeiten der Lebens- mittelversorgung in der gegenwärtigen Zeit. Die Behörden müssen aber aus ihrer bisherigen Praxis Uebersicht genug ge- Wonnen haben, um zu wissen, wie weit sie mit ihren Zusagen gehen können. Gegebene Zusagen muffen dann auch gehalten lvcrdeu. Wir sprechen das hier aus, weil die Bevölkerung darauf vertraut, daß es der Kritik der Presse gelingen werde, die Entstehung neuer Uebelstände im Keime zu verhindern, und wir erwarten, daß dieses Vertrauen nicht getäuscht wird. Ungesetzlichkeit von Annexionen« Reuaudels Einficht. Renaudel schreibt in der.Humanitä' zur Frage der Annexionen, Eroberungen und Entschädigungen: Alle Erörterungen der letzten Tage im englischen Parlament wie in der Ententepresse zeigten, daß die Regierungen der Entente mehr und mehr dazu gezwungen find, deu Sinn ihrer Worte und Beschlüsse zu bestimmen und zu sagen, wie sie Recht und Freiheit der Völker verstehen. A S q u i t h hat im linterhause angedeutet, daß gewisse Gebietsveränderungen ans st r a t e g i- scheu Rücksichten notwendig seien, aber der Stellungskrieg hat gezeigt, daß' künstliche Mittel die Nachteile einer ungünstigen strategischen Grenze wettzumachen vermögen. Will man unter diesen iSediagnngen die llngesetzlichkeitvonAanexionen mit einem solche» Vorwande bemänteln, so verstößt man ohne jede Berechtigung gegen daS Völkerrecht. Die französische» Sozialisten haben ihre Mitwirkung au der Landesverteidigung der Regierung nur unter der Bedingung zu- gesagt, daß die französische Regierung keine Eroberungen will. Selbst wenn man heule vom Feinde die Tragung aller Kriegskosten verlangt, ist dies töricht, denn man darf das Volk nicht an solche Gedanken gewöhnen. Die Enteute soll frei sagen, was sie wlll. Was Renaudel von den französischen Sozialisten sagt, gilt nach Wort und Sinn auch von den deutschen. Die deutschen Sozialdemokraten haben ihre Mitwirkung an der Landesverteidigung nur unter der Bedingung zugesagt, daß die deutsche Regierung keine Annexionen will. Die meisten französischen Sozialisten verschieben aber leider immer noch den Sinn dieser Formel, indem sie erklären, die kriegerische Rückgewinnung des deutschen Landes Elsaß-Lothringen durch Frankreich sei keine Eroberung. Bern, 19. Mai.„Journal du Pouple" erklärt in einem stark zensierten Leitartikel, daß die französische sozialistische Mehrheit seit Kriegsbeginn viel schlimmer gegen die sozialisti- schon Grundsätze verstoßen habe, als die deutsche Mehrheit, die schon vor dem Kriege erklärt habe, daß sie im Kriegsfall die Landes- Verteidigung durchführen wolle. Uebrigens hätten alle Abteilungen der Internationalen diesen Standpunkt angenommen, dagegen habe die französische Mehrheit die Ermordung Jaures ungestraft hin- gehen lassen und an der Unterdrückung der öffentlichen Freiheiten undcher parlamentarischen Aufsicht- tätigen Anteil genommen. Die sozialistische Mehrheit trage eine fürchterliche Verantwortung. Man müsse fragen, mit welchem Rechte sie sich zum Richter anderer aufspielen wolle. Die deutsche Mehrheit töune de» Zweikampf mit der frauzöstsche« ruhig austlehllieu. diedrohung mit öer Revolution. Der Alldeutsche Verband an den Reichskanzler. Bamberg, den 5. Mai 1 9 1 An Seme Exzellenz den Reichskanzler Herrn Dr. v. Bethmann Hollweg Großes Hauptquartier. Eurer Exzellenz habe ich die Ehre, in, Auftrag des Gcsamtvorstanbes des Alldeutschen Verb an- des eine Zusammenstellung derjenigen Forderungen zum politischen Kricgsziel zu unterbreiten, deren Verwirklichung nieincn politischen Freunden und iveitesten Kreisen über den Alldeutschen Verband hinaus zur Sicherung unseres Volkes sür die Zukunst geboten erscheint. Daß dabei nach Maßgabe des militärisch Erreichten und Erreickcharen verfahren werden muß, ist meinen politischen Freunden klar, ebenso klar aber auch, daß die imUtärischen Maßnahmen, die weitere Leistungs- fähigkeit unseres Heeres vorausgesetzt, sich nach den politischen Kriegszielen richten muffen. Wenn ich Eurer Exzellenz die Leitsätze des Gcsamtvor- standes in die Hand lege, halte ich mich vou meinem Gewissen gedrängt, cin.ofsenes Wort über die Folgen eines den deutschen Volksnotwendigkeiten nicht entsprechenden Kriegsergebniffes zu reden. Die Stimmung in den breitesten Kreisen unseres Volkes ist heute v e r b i t t e r t, sa, d e r V e r z w e t s l u n g u a h c; die Ursache dieser mit der Größe unserer Volksleistung im Widerspruch � stehenden. Erscheinung zu untersuchen,.ist hier nicht am Platze; es sei nur gesägt/ daß' allzu' vielesl dafür spricht, daß die Reich sregicrung das po litis che Kriegszielzucng ge st eckt hat, uud daß gerade jene treuesteu uud politisch zuverlässigsten Kreise hierin einen Verzicht auf die Ausnutzung unseres sicheren Sieges er- blicken müssen. Mein Gewissen gebietet mir, vor solch einemVer- zichtzuwarnen,es wäre der verhängnisvollste politische Fehler, der gemacht werden könnte, und seine nächste Fol ge wäre die Revolution. DaS Wortmußausgesprochen werden. Bedenkt man, welch eine Schuldenlast nack dem Kriege aus dem Reiche ruhen wird, so ist es klar, daß die Steuern ins Ungeheure wachsen müssen, wenn das Krieg sergebnis unzu- länglich ist. Man versetze sich in die zurückkehrenden Krieger, von denen jeder sich bestimmt seine Hoffnungen aus irgend- welchen Lohn macht; statt dieses Lohnes finden sie eine wesent- fich gewachsene Steuerlast nach ihrer Heimkunft aus dem Felde. Eine ungeheure Enttäuschung und Er- bitterung wird das Ergebnis sein, es wird keinen Halt geben, und das nach solchen Leistungen cnt- täuschte Volk wird sich erheben. Die Monarchie wird gefährdet, ja gestürzt werden, damit wird das Schicksal unseres Volkes besiegelt sein. Euer Exzellenz! Das sind keine Einbildungen eines van Sorgen gequälten Gehirns, auch nicht die Aengste eines ein- zelnen: so reden, so denken, so siirchten ungezählte tapfere Männer, die bedingungslos zur Monarchie stehen, die aber wissen, was in unserem Volke vorgeht. Solcher Aussicht gegenüber gibt es ein sicher wirkendes Ableitungsmittel: ein Friede, der die Notwendig- keiten unseres Volkes nach jeder Richtung hin erfüllt, ein Kricgsergebnis, das st i m m u n g s m ä ß i g unserem Volkegcnügt,dases mit Stolz und Freude erfüllt. Solch ein Friede kann erkämpft werden, niemand im Volke zweifelt daran, und ich als alter Soldat trage die Gewißheit in mir. daß bei festem Willen und unerschütterten Nerven wir mili- tärisch alles erreichen können und werden, was politisch erstrebt werden muß. Es geht um unser Volk! Esgehtumdiemonar- ch i s ch e G r u n d läge des Reiches und. der Bundesstaaten. Deshalb beschwöre ich Euer Exzellenz im vollen Einverständnis mit meinen politischen Freunden, den furchtbaren Gefahren dadurch entgegenzuarbeiten, daß Sie einen Frieden erzielen, der unserem Volke bringt, was es verdient, woraus es An- spruch hat. Die Tragik darf nicht Wirklichkeit werden, daß unser Volk zerfällt, nachdem es das Ungeheuerste geleistet hat. Noch bitte ich Euer Exzellenz zur Kenntnis zu nehmen, daß ich Abschriften der„Forderungen zum Kriegsziel" und dieses meines Schreibens den Hohen Bundesstaatlichen Re- gierungen zu unterbreiten beauftragt bin. Ehrerbietigst Eurer Exzellenz ganz crgebenst gez. Freiherr v. Gebiatttzl.. Der Reichskanzler nu Freiherr« v. Gebsattel. Ter Reichskanzler. Berlin, den 13. Mai 1315. Eurer Exzellenz beehre ich mich, den Empfang Ihres hier am ll. Mai dieses Jahres eingegangenen Schreibens zu bc- siätigen. Tie vom Alldeutschen Verband aufgestellten Forde- rungen zum Kriegszie! werden nach der völligen Niederwerfung aller unserer Gegner zu wür- digen sein. Für den Augenblick verbieten die Interessen der auswärtigen Politik und. der Leindesverteidigung, die allen anderen Rücksichten voranzugehen haben, ein Eingehen auf ihren sachlichen Inhalt. Euer Exzellenz wag-en in dem Begleitschreiben, in dem Sie niir namens des A. T. V. diese Forderungen übersenden, auszusprechen, daß die Stimmung in den breite- sten Schichten unseres Volkes erbittert, ja der Ver» z w e i s l u n g nahe sei, weil die Reichsregicrung das Kriegs- ziel zu enge gesteckt habe und auf eine Ausnutzung unseres sicheren Sieges verzichten würde. S i e s ch e u e n des weiteren nickt davor zurück, auszusagen, daß das nach solchen Leistungen enttäuschte Volk sich erheben und die Monarchie stürzen iv ü r d c, wenn nicht als einzig wirksames A b l e i t u n g S- mittel ein Friede erreicht wird, der die Notwendigkeiten des Volkes nach jeder Richtung hin, das heißt wie der A. D. V. sie versteht, erfüllt. Darauf entgegne ick: Ich lasse das Verdienst gelten, daß der Ä. D. V. durch die Hebung des nationalen Machtwillcns und die Bekämpfung der Völkerverbrüderungsideologie sich vor dem Kriege errungen hat. Leider aber hat er diesen natio- nalen Willen mit soviel Mangel an politischer Ein- i i ch t verbunden, daß er schon in der Zeit vor dem Frieden das politische Geschält des öfteren erschwert und jede Regie- rung, die sich nicht die Fensterscheiben zerschlagen lassen will, zu einer Gegnerschaft gegen ihn gezwungen hat. Ter Krieg und seine Ersahrungen haben zwar den natio- nalen Machtwillen, auf dessen Hebung sich daS Existenzrecht des A. D. V. gründet, zum Geineingut des deutschen Volkes gemacht, den Mangel a n p o l i t i> ch c r E i n s i ch t in den Kreisen des A. T. V. indes, wie ich dem Schreiben Eurer Exzellenz entnehme, nicht behoben, sondern insGrotcske gesteigert. Die treu monarchischen Kreise, die Euer Ex- zellenz vertreten wollen, würden ihre Pflicht gegen die Krone aufs gröblichste verletzen, wenn sie, statt abzuwarten, bis die Regierung den Moment der osfenen Sprache für gekommen hält, im Volke eine Unruhe über eine nicht vorhandene, durch nichts bewiesene flaue und kleinmütige Politik zu schüren versuchten. Nach Eurer Exzellenz Worten soll diese Unruhe bis zur Erbitterung, ja zur Verzweiflung und zu drohenden Hinweisen auf Revolution gestiegen sein. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist das wahr, dann trifft die Verantwortung jene, die diese Stimunlng durch Mangel an politischem Urteil und nationaler Disziplin trotz aller unmißverständlichen Erklärungen der Re- gieriing geschürt haben, statt ihr entgegenzutreten, oder diese Behauptung ist falsch, dann niuß ich in ihr eine Drohung und den» Versuch einer Minderheit erblicken, die von der Krone berufenen Leiter der Reichsgeschäfte ihrem Willen zu unter- werfen. Ich vertraue darauf, daß Euer Exzellenz als alter Soldat sowohl den Gesichtspunkt der Disziplin als meine, durch die Zeit gebotene offene Sprache verstehen und das Ihre dazu beitragen werden, den Stolz und die Freude des Volkes über den Siegespreis, den es erkämpfen wird, nicht zu beein- trächtigen. Einer Publikation dieses Briefwechsels durch den A. T. V. steht nichts entgegen. Ich behalte mir eine solche meinerseits für eine mir passend crickieinende Gelegenheit vor. In vorzüglicher Hochachtung Eurer Exzellenz ergebener gez. Dr. v. Bethmann Hollwcg. "** aJt Um den politischen Sherlock HolmeS überflüssige Arbeit zu ersparen, benierken wir, daß wir die Kenntnis dieses inter- effanten Briefwechsels einem Flugblatt verdanken, das seit Jahr und Tag in Berlin zirkuliert und anscheinend von den „Unabhängigen" herausgegeben worden ist. Ter oder die Herausgeber haben nämlich aus dem Brief de? Reichskanzlers herausgelesen, daß er über die alldeutschen .Kricgsziele mit sich reden lassen werde, bis alle unsere Geg- ner völlig niedergeworfen sein werden. Sinn für Ironie ist nickt jedem gegeben. Was uns aber zum Abdruck dieses Briefivechsels veran- laßt, das sind die Entrüstungskrämpfe, in die alle„gutgesinnten Elemente" ob Scheidemanns„Drohung mit der Revolution" verfallen sind. Scheidemann sagte am 15. Mai im Reichstag: Würde heute die e n g l i f ch e und die f r a n z L s i s ch e Regierung, wie es die russische getan hat, auf Eroberungen und Entschädigungen verzichten, und die deutsche Regierung, statt den Krieg durch den gleichen Verzicht zu bc- enden, ihn für E r ober ungs ziele fortsetzen, dann, meine Herren, verlassen Sie sich darauf, dann haben Sie die Revolution im Lande. Tie alldeutsche Minderheit— mit Herrn v. Beth- mann zu sprechen— droht mit der Revolution, wenn ihrem „ins Groteske gesteigerten" politischen Unverstand nicht sein Wille geschieht. Dagegen hat sich Genosse Scheidemann er- laubt nachzulveiscn, daß gerade die Beherrschung der deutschen Politik durch die alldeutschen Schreihälse zur Revolution führen müßte. In Zeiten, in denen es um Sein und Nichtsein geht, dürfte sich kein Volk von„grotesker Einsichtslosigkcit" regieren lassen; sich dagegen mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen, wäre ihm höchstes Gebot der Selbsterhaltung. Scheide- mann hat darum rechts vom Wege eine Warnungstafel auf- gestellt:„Das Betreten dieses Geländes ist mit Lebensgefahr verbunden I" Die Entrüstung über Scheideuxanns Aeußerung erklärt sich wohl nur daraus, daß sich da ein Vertreter des Proletariats etwas herausgenommen hat, lvas im Reiche der gottgewollten Abhängigkeiten offenbar nur alldeutschen Exzellen- z c n erlaubt ist.___ Sorgbjergs Protest. Kopenhagen, 22. Mai.(©ig. Drahtber. d.„Vorw.") Ge- nosse Borgbjerg protestiert heute in einem Telegramm an die „Hunianits" gegen die Verleumdungen der französischen Presse, er sei ein„Agent des deutschen imperialistischen Sozia- lismus". Er erklärt, er könne nicht glauben, daß sich auch die „Humanitä" diese Behauptimg zu eigen mache, vorausgesetzt. daß sie die deutschen sozialistischen Friedensbedingnngen � obne Annexionen und Entschädigungen— kenne. Borgbjerg weist auf das russische Friedcnöprogramni hin und aus Schevdemanns Rede im Reichstag, in der er dieses Friedens- pzogroimn bekräftigt. Stockholm. Die Arbeit für einen sozialistischen Jrieüen. Das Werk, das in Stockholm zum Segen der Völker auf- gebaut werden soll, bat in den Vorbereitungen zu einer Kundgebung der zu einem Ausschuß verbundenen hol- ländischen und skandinavischen Abordnun- gen geführt, über die der„Vorwärts" am Sonntag bereits telegrapbisch berichtete. Tie Kundgebung ist ein Zeichen, daß das begonnene Werk in festem Werden ist. Sie ist ein Aufruf zum Sammeln zu gemeinsamem Wollen, der an alle Teile des sozialistischen Proletariats ergeht. Was der Krieg ausein- ander trieb, das wird der Frieden, der wieder heraufsteige» soll, durch die gemeinsame Tat aufs neue verbinden. Die Kundgebung des holländisch-skandinavischen Ausschusses in Stockholm hat folgenden, vom SvenSka Telegrambyran ge- meldeten Wortlaut: Nnter dem Eiuflusi der russischen Revolution und der zewal- tigen Hoffiningcn, welche sie weckte, fasite die dolländischc Abord- nung des internationalen Sozialistenbureaus den Entschluß, eine Konferenz aller Abteilungen der Jnternatio- n a l e einzuberufen. ES wurde demgemäß riue Einladung an alle angegliederten Parteien und fiir die kriegführenden Länder an die Mehrheiten ebenso wie an die Minderheiten gerichtet, ebenso wie an die neucntstandenc» Parteien, welche sich während der Krise gebildet haben. Dieser Entschluß wurde in weiten Kreisen mit Beifall auf- genommen. Er wurde vcranlaßtdurchdiewiederholten dringenden Aufforderungcu, welche dem internatio- nalen Sekretariat von zahlreichen brfrcundetr» Parteien seit Be- ginn des Krieges und von den Parteien der Bereinigten Staaten, Italiens, der Schweiz, Bulgaricus, Portugals und später von den Parteigruppen Nußlands, Grostbritaiiniens, der englischen Kolonien und unlängst noch wiederum durch die sozialistische» Parteien der Niederlande, Schwedens, Norwegens, UruguapS, Spaniens, Argen- tinienS und Dänemarks zugingen, welche eine Entschließung zu- gunstcn der Berufung des sozialistischen Bureaus faßten, die durch rine sozialistische Konferenz der neutralen Länder im Haag ge- billigt war. Dieser Entschluß stellt einen ernsthaften Ber- su ch dar, diesozialistischeJntcrnationalealseinen Machtfaktor der Arbeiterschaft wiederherzu- stellen und durch sie die Fundamente eine? allgemei- ncn Friedens auf der Grundlage der überliefer- tcn Grundsätze unserer Kongresse zu schaffen. Tie Abgeordneten der sozialistischen Parteien Schwedens, Nor- wcgcns und Dänemarks haben die Entschließung der holländischen Abordnung gebilligt. So wurde der holländisch-fkandi- navischc Ausschutz gegründet, welcher durch das vor- liegende Schreiben die angegliederten Parteien und die erwähnten Minderheiten eingeladen hat und einlädt, an den Besprechun- gen teilzunehmen, die vom 13. Mai ab stattfanden und mit jeder einzelnen Abordnung stattfinden werde». Ter Zweck dieser Borbcsprrchnngcn ist, die gegenwärtige Stellung der verschiedenen Parteien im Hin- blick auf die WeltkrisiS und die tatsächlichen Möglichkeiten einer Lösung der Fricdcnsfrage festzustellen, ferner,, wenn möglich c i n gemeinsames Programm a u f z u st r l l e u, auf Grund der sozialistischen Auffassung,»nd endlich die Möglichkeit der Ein- bcrufung einer allgemeine» Brrsammlung zu prüfen. Frde der Parteien, welche a» den Besprechungen teilnimmt, wird sich das Recht sicher» können, ihre Entscheidung in Rücksicht auf die Bollvcr- sammlung bis zum Abschluß der Vorbesprechungen zu verschieben. Inzwischen hat auch der Arbeiter- und Soldaten- r a t in Petersburg die Initiative zur Berufung einer all- gemeinen Zusammenkunft crgrifscn. Unser Ausschuß hat dieses Vorgehen mit Freuden begrüßt als Zeichen für die neuen, weitgehenden Ansprüche der Arbeiterklasse, welche sich mehr und mehr von der immer wachsenden Notwendigkeit Rechenschaft gibt, alle Kräfte des Weltprolctariats gegen den Imperialismus in Bewegung zu setzen, um endlich den Grund zu einem allgemeinen, dauerhaften und end- gültigen Frieden zu legen. Ter holländisch-standinavischc Ausschuß hofft auf eine Bcrständigung mit der Abordnung, welche der Ar- beiter- und Toldatcnrat binnen kurzem»ach Stockholm zu senden gedenkt, um so der bereits begonnenen Arbeit mehr Kraft zu geben und zu einem gemeinsamen Borgehen zu gelangen. Das Werk, welches wir begonnen haben, ist so» seinen An- sänge» an durch die Maßregeln gewisser Behörden gestört worden, welche mehreren Vertretern, die sich nach Stockholm zu begeben wünschten, ihre Pässe verweigert haben; diese HandlungS- weise ist ein Verbrechen gegen die politische Frei- h e i t und zugleich der Ausdruck von Feindseligkeit gegen die Interessen der Proletarier. Der Ausschuß weist von vornherein jede etwa beabsichtigte Ein- flußnahme einer Regierung aus die Zusammensetzung oder die Bc- ratuiigsgcgcnständc der beabsichtigten Zusammenkünfte zurück imd erhebt Widerspruch dagegen, daß man einen Druck auf die Kon- frrenz auszuüben versuchen könnte, indem man den Gruppen, welche die Politik ihrer Regierungen unterstützt haben, Pässe bewilligte, denen aber, welche diese Politik bekämpft haben, die Pässe ver- weigerte. Tic Internationale vertritt die Interessen keines der Kriegführenden; sie muß ihren eigenen Weg gehen, ihren eigenen Zielen nachstreben, die keine anderen sind, als die der Menschheit, und im entscheiden- den Augenblick an der Seite der geschichtlichen Mächte der bestehen- den Ordnung alle Kräfte des Proletariats in die Wagschale werfen. Der holländisch-skandinavische Ausschuß wird seine Aufgabe kraftvoll und ausdauernd zu lösen suchen, trotz der Sckwirrrgkcitcn, die er antreffen könnte; in diesem Gedanken hat er sich in Stock- Holm als dauernder Mittelpunkt für die Tätig- keit des Proletariats zugunsten eines sozia- listischen Friedend gebildet. Wie nützlich Besprechungen mit den vcrscknedene» Parteien sein würden, ist uns von Beginn un- serer Zusammenkünfte an klar gewesen. Seit fast drei Jahren haben wir feststellen können, wie sehr gegenseitiger Haß überall gewachsen ist, wie sehr Verdächtigung die besten Ab- sichte» der Gegenpartei zu durchkreuzen droht und M i ß v c r- ständnisse Klüfte aufgerissen haben. Wenn man aber auf die Quelle des Uebcls zurückgeht, so sieht man oft, daß ein Mcinungs- austausch die Meinungsverschiedenheit zerstreuen oder wenigstens stark hätte mindern können. Tie Internationale muß sich also wieder zu- ammenfinden. Um dieses Ziel zu erreichen, richten wir diesen dringenden Aufruf an die sozialistischen Arbeiter aller Länder. Es lebe die Internationale der sozialistischen Arbeiter. Folgen die Unterschriften: Holländisch-skandinavischer Ausschuß. Für die Sozicilistische Partei Schwedens Branting, Möller, Södcrberg. Für die sozialistische Partei Dänemarks: Stauning. Für die sozialistische Partei Norwegens: Vidnes. Für die sozialistische Partei Hollands: Albarda, Troelstra, van Kol. Die Schriftführer HuySmans, Engbcrg. Die paffe öer Unabhängigen. Wolfis Bureau meldet: Auf die Anfrage(Nr. löö) deZ Abgeordnelen Haaie(Königsberg)— Nr. 830 der ReichStagSdrucksachen — ist folgende schriftliche Antwort erteilt worden: Die im Hauplauöschutz von dem Herrn Staatssekretär des Aus- wärtigen Amtes am 1. Mai 1917 abgegebene Erltärung, daß den Unab hängigen Sozialdemokraten wegen ihrer Zp- gehöngleit zu dieser Fraktion die fion ihnen beantragten Pässe Zur Reise nach Stockholm nicht verweigert werden sollen, wird in vollem Umfange aufrechterhalten. Die Beteiligten werden sämtlich die Reiseerlaubnis erhalten mit Aus- »ahme des Herrn Landtagsabgeordneten Hoff- mann. Diesem wird aber der Patz nicht wegen seiner Zugehörigkeit zur Froltion der Unabhängigen Sozialdemokraten, sondern lediglich deshalb verweigert werden, weil er nach Mitteilung des OberreichsanwallZ in ein Ermittlunzsversahrrit wegen Landesverrats verwickelt ist. �_ Jürst Lwow an Sethmann Hollweg. Ter Waffcnstillsiand must aufhören. Amsterdam, 21. Mai. Ter russische Ministerpräsident Fürst Lwow hat Vertretern der Presse die heutige politische Lage auseinandergesetzt. Er sagte: Bei der Bildung der vorläufigen Re- gieruiuz weigerte sich die sozialistische Partei, in dieselbe einzutveten, obschon sie erklärte, das Programm der Regierung gutzuheißen und ihr ihre Unterstützung zusagte. Diese Partei rief darauf eine eigene Körperschaft ins Leben, den Ar beiter- und Soldatenrat, der die Handlungen der Regierung kontrollieren sollte und diese mit aller Macht bei der Verwirklichung des Programms, das von der vorläufigen Regierung aufgestclll worden war, unterstützen sollte. Nun hat jedoch diese kontrollierende Körperschaft allmählich den Charakter einer Verwaltungskörpcr schaft angenommen, und die vorläufige Regierung sah sich vor eine Reihe Befehle gestellt, die nicht von ihr selbst herrührten. Es entstand also eine Konjunktur, die durch folgende Formel charal- terisiert werden kann:„Verantwortlichkeit ohne Macht und Mackl ohne Verantoortlichkeit." Die Folgen dieser Sachlage machten sich sofort bemerkbar. In der Tat sank der Gefechtswert der A r m c c in gefährlicher Weise. Das Problem der Nahrungsmittel- Versorgung brachte das Land an den Rand des Abgrunds und überall wurden Sbmptomc von Anarchie wahrgenommen. Gleichzeitig sahen unsere Bundesgenossen mit Unruhe nach uns. Infolgedessen begann das ganze Land nach einer einzigen Autorität zu dürsten, die das allgemeine Vertrauen genietzl. Nun erwartet die reorganisierte Regierung, stark im Vertrauen der Nation, daß all ihre Taten vollkommen gutgeheißen und ausgeführt werden sollen und daß all ihren Befehlen sowie denjenigen ihrer Agenten getreulich nachgelommen wird. Die neue Regierung steht vor einer großen Ausgabe, nämlich so bald wie möglich die aus den Fugen gerissene Existenz des Landes wieder in gute Wege zu leiten. Die Regierung meint, daß ihre erste Aufgabe in der Stärkung der Kraft der Armee bestehe, die den Gefechts- wert für die Offensive besitzen müsse, um den Feind außer- halb unserer Grenzen zu werfen, und vor allem u n- sere Bundesgenossen kräftig zu unter st ützen. Das Land weiß, daß der Gefechtswert unserer Armee gesunken ist, und zwar nicht nur infolge der minderwertigen Nahrungsmittel- Versorgung, der MunitionS- und Furageschwierigkeiten, sondern auch wegen der verkehrten Auffassung unserer Kriegs- ziele. Fürst Llvow erklärte weiter, Rußland sei von seinen Gegnern grausam beleidigt worden, indem sie auf die Möglichkeit eines Sonderfriedens anspielten. Das russische Volk könne nicht zulassen, daß Millionen freier Belgier und Franzosen Sklaven des deutschen Militarismus würden.(Was sagt Herr v. Beth- mann dazu? Red. d.„Vorwärts".) Tic tatsäcklich an der Front eingetretene Waffenruhe, die es dem deutsche» Reichskanzler ermöglichte, die Vermutung eines Rußland entehrenden Sonderfriedens in Worte zu fassen, diese Waffenruhe muß aufhören. Das Land soll sein gebieterisches Wort sprechen und sein Heer in den Kampf schicke». Der Waffenstillstand an der„Front", erklärte der Ministerpräsident noch einmal,„ist unvereinbar mit der Ebrc und Würde Rußlands."(Glaubt Herr v. Bethmann noch immer nicht, cS wäre besser gewesen, wenn er sich am 13. Mai rundweg für den allgemeinen Frieden ohne Erobc- rungen und Entschädigungen erklärt hätte? Red. des „Vorwärts".) Tereftfchenko für allgemeinen Zrieöen. Elfast-Lothringen. Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet, erklärte der neue Minister des Auswärtigen Vertretern der russischen Presse. sein Programm sei die möglichst schnelle Wiedcrhcr- stellungeinesallgcmeinenFricdens, eines Friedens. der weder das Ziel hat. andere Völker zu beherrschen, noch sie ihres nationalen Erbes zu berauben, noch auch gewaltsam fremde Ge- biete wegzunehmen, eines Friedens otme Annexionen und Eni- schädigungen, der sich aus das SelbstbestimmungSrecht der Völker gründet, eines Friedens, der erreicht wird in enger, unlöslicher Vereinigung mit den Demokratien der Alliierten. Das frei« Rußland, fuhr Tercstschenko fort, bat, wie jedes Land. das eine große, verjüngende Revolution durchgemacht hat, für diesen Wunsch zwei tief idcalistischc Gründe. Der erste ist das Ver- langen, der ganzen Welt einen gerechten Frieden zu geben, keine Nation zu verletzen und nach dem Krieg keinen Haß und keine Entfremdung zu schaffen, die iirnmner zurückbleiben, wenn«in Volk aus dem Kampfe auf Kosten der anderen bereichert hervorgeht, wenn eins niedergeworfen und gezwungen wird, demütigende Friedensbedingungen anzunehmen. Wir haben dies traurige Beispiel 1870 gesehen. Die von Deutschland Frankreich beigebrackue Wunde blieb 43 Jahre lang offen. Die Hoffnung der Elsaß» Lothringer auf eine bessere Zu- kunft ist bis jetzt noch nicht gestorben, und l�eute haben sie ein Reck;. die Verwirklichung ihres Ideals zu erhoffen. Kränkungen und llu- gerechtigkeit werden nicht vergessen. Gewalt zeugt Haß. Das bc- freite Rußland will das weder für sich, noch für die andern. Der zweite Grund ist das Bewußtsein der Bande, die Ruß- land und die alliierten Demokratien verknüpfen, das Bewußtsein der Pflichten, die ihm diese Bande auferlegt haben. Das revolutionäre Rußland kann und darf diese Bande, die durch Blut gefestigt sind, nicht lockern. Dies ist eine Frage der revolutio- närcn Ehre, die ihm jetzt um so kostbarer ist. * Terestschcnko sagte weiter, in Rußland gebe es jetzt—- im Gegen« satz zur Zeit des alten Regimes— nicht eine einzige Partei, die für einen Sonderfrieden geworben hättc.� Die russische Demokratie fürchte aber, daß sie, gebunden durch alte Verträge, annexionistischc» Zwecken dienstbar gemacht werden solle. Darum sei das Verlangen nach Veröffentlichung der Verträge ausgesprochen worden, diese wäre jedoch gleichbedeutend mit einem Bruch mit den Alliierten. Rußland müsse bc- weisen, daß es aus Annexionen verzichte, nicht, weil es sie nicht erlangen kann, sondern weil es sie nicht will. Dazu sei es notwcn- big, die Militärmacht des neue» Rußlaud wieder zu schaff». Es sei lächerlich, im gegenwärtigen Zeitpunkt von A ri* ncxionsplänen der Alliierten als von einem wirklichen tzinderungsgrund für einen gerechten Frieden ju sprechen, während Rußland, Belgien, Frankreich und Serbien selbst ganz oder leiliveise vom Feinde besetzt siird. Jetzt könne zur Verteidi- gung der nationalen Unabhängigkeit und der Freiheit nur tätige Verteidigung in Frage kommen. Liberias Abbruch üer Beziehungen. Berlin, 20. Mai. Amtlich. Tie Regierung der Re- publik Liberia hat in einem an ihren bisherigen Geschäftsträger gerichteten Telegramm mitgeteilt, daß sie als P r o- t e st gegen den uneingeschränkten U n t e r s c c* bootkrieg, der das Leben der liberianischen Passagiere und Seeleute auf den Schiffen der Alliierten und Neutralen bedrohe und liberianische Staatsangehörige schweren finan- ziellen und wirtschaftlichen Schädigungen aussetze, die B e- Ziehungen zu Deutschland abgebrochen habe. ver Krieg auf öen Meeren. Kampf gegen rußisthe Flugboote. Berlin, 20. Mai. Wiederholte Versuche russischer Flieger, v«» L e b a r a auf Oesrl a u s die Tätigkeit unserer Borpoften- boote zu stören, führte um 18. Mai zu Lustkämpfen, bei denen eS zwei unserer Sceflieger gelang, je ein feindliches Flugboot zum Ab- stürz zu bringen. Außerdem wurde einwandfrei beobachtet, daß zwei sriudliche Flugzeuge sich rammten und senkrecht abstürzten. Eine nördlich der Flugstation Lebara befindliche rnssische mili- tärische Anlage wurde vo» einem deutsche» Luftschiffe, als es von dort aus deschossc» wurde, uiit Bomben belegt. Neue U-Boot-Erfolgc im Atlantischen Ozean: 20300 Tie Ladungen der versenkten Schiffe bestanden größtenteUs aus Kohlen von England und Eisenerz nach England. Der Chef dcS AdmiralstabeS der Marine. Seegefecht bei Dünkirchen. Paris, 2!. Mai. Das Marineministerium teilt mit: In der Nacht vom 19. zum 29. Mai gegen 1 Uhr früh begegnete eine Streif- abteilung von pier französischen Torpedobooten auf der Höhe von Dünkirchen einer Flottille von deutschen Zerstörern, welche in der Richtung auf diesen Hafen fuhr. Nach kurzem Gefecht zog sich die feindliche Flottille mit großer Schnelligkeit auf ihren Ausgangspunkt zurück. Unsere vier Tor- pedoboote sind nach Tüntirchen zurückgekehrt, eins davon mit einigen Beschädigungen. Deutsche Hilfskreuzer im Indischen(Dzean. Amsterdam, 29. Mai..Daily Courant' schreibt: Als kürzlich geiueldel lvurde, daß die Versicherungsprämie von 5 bis auf 2 Prozent für die Gegend östlich des Suezkanals berabgemindert wurde, wurde dies mit dem vermutliche» Aufgreifen eines deutschen RaiderS in Zusammenhang gebracht. Aus Penang erreicht uns jedoch der Bericht, daß dies noch nicht der Fall ist. Ueber den Raider werden uns folgende Einzelheiten gemeldet: Das Schiff ist von Hamburg ausgefahren, verkleidet als«auffahrteisch'.ff, jedoch schwerbewaffnet. Es mißt 4199 Tonnen und machte die Reise über Schottland und das Kap der Guten Hoffnung. In der Umgegend von Kapstadt soll das Schiff Miiren gelegt haben. Das deutsche Fahrzeug ist mit neuen Maschinen ausgerüstet, die«s in die Sage versetzen, eine S ch n e I l i g« keil von 21 Meilen zu entwickeln. Außer diesem Hamburger scheint ftch noch ein anderer Raider in der Gegend aufzuhalten, wenigstens vermutet man. daß ein Schiff von Manila geflüchtet ist. Die Lichter von Penang nach dem Meere zu dürfen abends nicht brennen. Das Runnömede-Hotel befindet sich deshalb abends in vollständige Dunkelheit gehüllt. Seefperre und Versenkungen. Rotterdam, 21. Mai. Ter Hofen von PortSmouth ist wegen Mincngefahr bis auf weiteres geschlossen. Paris, 29. Mai. Amtlich. stReutermeldung.) Der von der Marine gemietete Dampfer Colbert, mit einer Anzahl Militär- oersonen an Bord, ist am 39. April im Mittelmeer torpediert worden; 51 Personen sind umS Leben gekommen. U-Doot-Krieg-Deschweröe Spaniens. Der Pariser„TempS'' meldet vom Sonntag aus Madrid: Der Minister des Innern erklärte ZeitungSverlretern, Spanien habe eine Beschwerde wegen der Beschießung der Patricia an Deutschland gesandt. Bis die Frage gelöst sei, sei eine patriotische Mitwirkung der gesamten Presse notwendig, um innere Schwierig- keilen zu vermeiden. Er werde die Presse ständig auf dem Laufenden hallen. Die Eröffnung de» Parlament« werde nicht früher erfolgen. denn die letzten Verletzungen der spanischen Neutralität seien nur Zwischenfälle im große» Krieg«. Spanien bringe eine energische Beschwerde vor, drohe jedoch nicht, sondern bleibe neutral. Die Mlfbringung des Dampfers Thorunn. ..Der norwegische Dampfer Tborunn ist von deutschen Kriegs« 'chiffen aufgebracht worden und der Fall erregt in der norwegiichen Presse Aussehen und teilweise sogar Entrüstung. Der Dampfer führte eine Ladung Heu für Rechnung der norwegischen Regierung und sollte dem schweren Futtermangel in Nordnorwegen abHelsen. Von zuständiger deutscher Seite wird der.Franks. Ztg.- mitgeteilt: Der Dampfer ist von unseren Scestreitkräslcn eingebracht worden, weil er kein« Schiffspapiere an Bord Halle und weil nach der deutschen Priscnordnung Ziffer 11 da? Fehlen de? FlaggenatiesteS die Behandlung eines Schiffes als feindliches Schiff nach sich zieht. Die Papiere waren dem Kapitän nach seiner eigenen Angabe nach seiner letzten Reise von der norwegischen Regierung ohne Grund abgenommen worden. Zur Entrüstung verschiedener norwegischer Blätter, daß die Beschlagnahme des Dampfers innerhalb der NcutralitälSgrenze von vier Meilen vor sich gegangen sei. wird sestgestellt, daß die Beschlagnahme des Thorunn außer- halb der Dreiseemeilengrenze stattgefunden hat. Die deutsche Regierung hat niemals die von der norwegischen Re- oicrung beanspruchte VierseemeilenneurralitälSgrenze anerkannt, 'ondern hält sich bei den Unternehmungen ihres Seekrieges an die »uernational festgelegte Grenze von drei Seemeilen. Die Kämpfe im Westen. Berlin, 21. Mai. Südlich der Scarpe wurden die am 29. Mai »wrgenö gemeldeten Angriffe mit starken Kräften auf der ganzen FtMt beiderseits der Straße ArraS— E a mb r a i unternommen.' Sie kamen in unserem Vernichtungsfeuer i» der Hauptsache über die ersten Anfänge nicht hinaus. Au einzelnen Abschnitten wurden sie schon durch das auf deutlich erkannten feindlichen Sturmtruppcn liegende Feuer erstickt. Nur in der Gegend von Croiselles ge- lang eS einer anscheinend frisch eingesetzten englischen Division, sich in Kompagnicbrcite in unserem vordersten Grabe» festzusetzen. Englische Sturmtruppcn, die weiter vorzudringen versuchten, wur- den verjagt und vernichtet, zwei Offiziere, 43 Mann gefangen und 3 Maschinengewehre als Beute eingebracht. Ten hier errungenen Erfolg versuchten die Engländer am Nachmittag auszubauen. Sic griffe» mehrfach an einzelnen Stellen bis zu fünfmal in mehreren Fällen in Tivisionsbreitc an, wurden aber, wo sie eingedrungen, hin- ausgeworfen. Nur eine südwestlich von Fontaine nach Westen vor- stehende Ecke unserer Grabenstellung von geringer Breite blieb in ihrem Besitz. Ein abendlicher feindlicher Vorstoß aus dem von uns freiwillig aufgegebenen Bullecourt scheiterte. Stärkeres Feuer lag wieder auf S t. Q u e n t i n, dessen Käthe- drale 12 Treffer erhielt. Im Räume der A iS ne- Front scheiterten bereits am Mar- gen in unserem Jnfaulerie-, Maschinengewehr- und Artilleriesperr- feuer französische Tcilangriffe in der Gegend von L a f f a u x. In der Gegend der H u r t e b i s e- F e r m e wurde unsere Stellung planmäßig nach kurzer wirksamer Artillerievorbereitung in etwa 299 Meter Breite vorgeschoben, wobei eine Gruppe von Gefangenen und 9 Maschinengewehre in unsere Hand fielen. Am Nachmittage folgten drei stärkere feindliche Gegenangriffe, die ebenso wie weitere heftige abendliche Angriffe mit schwersten Verlusten für die Fran- zosen teilweise im Handgranatenlampf abgewiesen wurden. Ein im Anschluß an diese Unternehmung nach kräftiger Artillerievor- bercitung zur Verbesserung unserer Stellung gleichfalls von Bayern unternommener Vorstoß sehte uns auf der Nordwestecke des B o- velle-Plateaus in den Besitz feindlicher Gräben. In heftigen Kleingefechten und hartnäckigen Handgranatenkämpfen wurden die eroberten Gräben gegen alle Gegenangriffe gestalten und etwa 59 Gefangene und 3 Maschinengewehre eingebracht. Kurz»ach Mitternacht stürmten am 29. Mai Truppen der Pro- vinz Posen in der Gegend nordöstlich von B r a y e die vordere feindliche Grabcnlinie in einer Breite von 299 Metern. Auch hier blieb eine Anzahl von Gefangenen in unserer Hand. Während sich in der Gegend von Reims das Artilleriefeuer in mätzigen Grenzen hielt, steigerte sich das tagelange französische Zerslörungsfeuer gegen unsere Höhenstellungen in der w c st- liehen Champagne am 29. vormittags zum heftigsten Sturm- reifschießen. Um 4 Uhr nachmittags ging der Feind mit starken Kräften gegen unsere Höhenstellungen nördlich von Prosncs, van Cornillct bis zum Poehlberg, zum Angriff vor. Im ersten Anprall gelang es den Franzosen, die Höhen zu besetzen. Der Gegenstoß unserer Reserven, die schon seit langer Zeit unter schwer- stem Feuer aukgehalten hatten, entriß dem Feinde unter Kämpfen größter Erbitterung einen großen Teil seines Gewinnes. Die an- fänglich verloren gegangenen Höhen Hochberg und Poehlberg wur- den zurückerobert und gegen mehrere starke Angriffe, bei denen die feindliche Infanterie durch unsere Artillerie schwere Verluste erlitt, gehalten. Eine größere Anzahl von Gefangenen, einige Maschinen- gewehrc, lvurden bei diesen Kämpfen eingebracht. Zwei andere Höhen, der Cornillct und Keilberg, blieben wie gemeldet im Besitz- des Feindes. In der Gegend von Verdun verstärkte sich am 29. tagsübe: die Artillerietätigkcit und hielt auch stellenweise bis zum Abend an, um in der Nacht abzuflauen. feindliche Kriegsberichte. Französischer Heeresbericht vom 29. Mai nachmittags. In der Gegend vom Chemin-deS-Dames nahm der Artilleriekampf gegen Ende der Ngcht an der ganzen Front La Novelle— C e r n y— H u r t e b i f e sehr steitigen Charakter an. Ein feind- kicher Angri issversuch auf den Vorsprung von La Novelle wurde leicht abgeschlagen. Nordöstlich von der Mühle von L a f s a u x gestattete uns eine kleine Unternehmung, einige Grabenteile zu nehmen. In der Chanrpagne scheiterten zwei feindliche Handstreiche in der Gegend nördlich von Mesnil-les-HurluS. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Vom 29. Mai abends. Am Cbemin-des-Dames nahm in der Frühe die Tätigkeit der feindlichen Artillerie, die seit gestern Mitternacht sehr heftig war, von Hurtcbise bis in die Gegend nördlich von Sancy noch mehr zu.'Die Deutschen belegten unsere Stellung mit Troinmclseuer von großkalibrigen Granaten und mit Stickgas-Geschossen. Aber unter unserer Gegenvorbc- reitung erstickte der vorbereitete allgemeine Angriff auf dem größten Teil unserer bedrohten Front: die für den Angriff angehäuften deutschen Truppen konnten ihre Gräben nicht verlassen. Auch an verschiedenen Stellen, wo sie an unsere Linien herankamen, ent- wickelte sich ein sehr bitzigcr Kampf, der zu unseren Gunsten endete. Der Feind erlitt durch unser Sperrfeuer und unseren Gegenangriff schwere Verluste, er hat nur in unseren vorgeschobenen Werken nordöstlich von Ccrny auf einer Front von etwa 299 Metern Fuß gefaßt. Ileberall sonst haben wir unsere Stellungen behauptet. Aus dem übrigen Teil zeitweilig Geschützkämpfe mit Unter- brcchungcn. Englischer Heeresbericht vom 29. Mai nachmittag». Als Er- gebnis unseres Angriffes vom heutigen Morgen setzten sich unsere Truppen in einem weiteren Abschnitt der Hindenburglinie zwischen Fontaine le? Croiselles und Bullecourt fest. Ter Feind machte verschiedene erfolglose Versuche, unsere Festsetzung in seiner Stellung zu erschüttern: in dieser Gegend fanden heftige Kämpfe statt.— Abends. Die feindlichen Angriffe gegen unsere vorgeschobenen Posten südöstlich Epehy brachen in unserem Artilleriefeuer zusammen. Wir fügten dem Feinde schwere Verluste zu und machten eine Anzahl Gefangene. Die Kämpfe dauern zu unseren Gunsten an. Feindliche Streiftrupps wurden in der letzten Nacht in der Nach- barschaft von Opph und südwestlich von Wylschaete vertrieben. Wir führten einen erfolgreichen Strcifzug südlich von Armcntierc» aus. Drei deutsche Flugzeuge wurden gestern im Luftkampfe ab- geschossen.'Fünf andere mutzten außerhalb unseres Bereiches niedergehen, ein deutscher Beobachtungsballon wurde zerstört. Vier unserer Flugzeuge werden vermißt. Kleine Kriegsnackrichten. Grenzsperre zwischen Frankreich und der Schweiz. Wie der „Secolo" berichtet, ist heute nacht die französisch-schweizerische Grenze plötzlich für 48 Stunden für Reisende gesperrt worden. Englische Truppen helfen den Italienern. Das englische Kriegs- amt meldet: Schwere britische Artillerie nimmt an der stalienischen Offisive an der Julischen Front teil und gewährt we- scntliche Hilfe._ politische Uebersicht. Wie die Alldeutschen den frieden fördern. Der Alldeutsche Verband hält eS für angebracht, die in Ruß- land hervortretenden Friedensncigungcn dadurch zu fördern urü zu stärken, daß er an auffälliger Stelle seines Vcrbandsorgans folgenden Ausruf bringt: Es ist zwölfte Stunde? Tic Kanzlcrrede lebnt den Scheide- mannfrieden nicht ab. lehnt nur ab, nach Westen hin den Verzicht auf Annexionen und Kriegsentschädigungen einseitig auszusprechen, da die Feinde im Westen an.ihrest KriegSzlelen seskssaUe». Wen» aber die Feinde dort einst, dicht vor ihrer Niederringung durch Hindenburg und die U-Boote stehend, in geheucheltem Großmut den Frieden:„Jeder trage seine Last" anbieten? Was dann? Dann droht der Scheidemannfriede! Es ist zwölfte Stunde! Die Kanzler- rede erklärt die Bereitschaft zu einem Frieden mit dem russischen Volke, das bei diesem„leinen Stachel zurückläßt". Wenn nun da« russische Volk erklärt, dast ihm jeder Gcbictsvcrlust ein Stachel wäre? Dan» sind uns Kurland und Litauen verloren! Dann wird uns kein deutscher Friede, denn zu diesem gehört SiebelungS- land im Osten,— nicht als Erobcrungs- oder Beutezicl, sondern als Notwendigkeit zur Sicherung deutscher Zukunft! Es ist zwölfte Stunde! Jetzt gilts! Jetzt alle Mann auf zur Werbung wie noch nie! Millionen wollen den Deutschen Frieden. Im Namen dieses Deutschen Friedens, der in Gefahr ist, ruft sie auf. Ruft sie zu uns, denn sie gehören zu uns. In unserem Lager ist Deutschland! „Mangel an politischer Einsicht ins Groteske gesteigert!" An die falsche Adresse. Der„Berliner Lokalanzeiger", dessen völlige Abhängigkeit von Kreisen, die den Alldeutschen sehr nahe stehen, immer augenfälliger wird, liest dem Reichskanzler wegen seiner letzten RcichßtagSrede noch einmal die Leviten. Besonders tadelt das angeblich parteilose Blatt die Berufung des Reichskanzlers auf seine Ueberein- st i m m u n g mit der obersten Heeresleitung. Sowohl der Feldmarschall Hindenburg wie der Erste Gene- ralquartiermcistec Ludendorff haben wiederholt erklärt, daß sie sich von der Politik fernzuhalten wünschen. Daher dürften sie sich zu einer Stellungnahme zu den wirtschaftlichen und politischen Kriegszielen nicht gedrängt haben, die ja auch ausschließlich An- gclegenheiten der politischen Staatsleitmig sind. Es ist sozusagen Mode geworden, sich auf die Heeresleitung zu berufen, was ohne Gefahr geschehen kann, denn die Heeresleitung ist dagegen machtlos. Hier wäre der von einem Zentrumsabgeordneten getane täppi- sche Zwischenruf„Rösicke hat angefangen" wirklich einmal an der Stelle. Wer schreibt und spricht denn alle Tage vom„Hindenburg- frieden"?! Die Alldeutschen sind traun von einer verblüffenden. Dreistigkeit! Jeden lieben Tag treiben sie unter dem Mißbrauch des Namens Hindenburg wüsteste politische Agitation; nimmt aber ein anderer Hindenburg für sich in Anspruch, so fällt ihnen auf einmal ein, daß Hindenburg es sich verbeten habe, in die politische Debatte hereingezogen zu werden. Kleinstaatliche Neuorientierung. Einer Abordnung des Sozialdemokratii'cken Verein« für Lippe gegenüber sprach sich dieser Tage der Minister dieses Kleinstaates über die„Neuorientierung- aus. Die Neuordnung der politischen Verbältnisie sei vorbereitet. Der Ostererlaß werde in seinen Wirkungen wie für die anderen Bundesstaalen, so auch für Lippe von Bedeutung werden. Für die'Einführung dcS g l e i ch e n W a h l r e ch t s könne sich die Regierung aber nicht aussprechen, denn eS müsse auf die Eigenart deS Landes Rücksicht genommen werden. Es komme aber auch scbr darauf an, waS in dieser Hinsicht im Reiche und in Preußen geschehe, namentlich auch auf die Arbeit des V e r f a s s u n g S a u S s ch u s s e S. Auf die Lippesche Neuorieniierung paßt also der VerS: Zwischen Lipp' und Kelchesrand Schwebt der dunklen Mächte Hand! Lette Nachrichten. Tie deutsche Gegeuoffeusive. Amsterdam, 21. Mcri.„Havas" meldet aus Paris.' Die Deutschen bereiten im allgemeinen eine Gegenoffensivexruf einer Front von fast 20 Kilometer vor. Vorgestern während bes ganzen Tages und auch in der Nacht überschüttete der Feind unsere Linien mit einem Geschützfeuer von gewaltiger Kraft und mit Projektilen jeden Kalibers. Der Artillerickampf dauert mit äußerster Heftigkeit fort. Taö Wchrpflichtgesctz in Amerika. Amsterdam, 21. Mai.„Havas" meldet aus Washington: Das Wehrpflichtgesetz, daö vorgestern vom Kongreß angenommen worden ist, ist gestern vom Präsidenten unterzeichnet worden. Es enthält folgende Punkte: Einschreibung sämtlicher Bürger zwischen 21 und 39 Jahren für den Militärdienst. Aufruf von zwei Jahrgängen in der Anzahl von 5 999 9 9 M a n n, die nacheinander eingezogen werden sollen, unter die Waffen, Rekrutierung und Einverleibung von 4 Divisionen Freiwilliger, wenn der Präsident es für nötig erachtet._ Ter Bastillensturin von La Chaux-dc-Fonds. Basel, 21. Mai. Den Bajeler Blättern wird aus La Chaux-de- Fonds berichrct: Sonnabend nacht zogen etwa 1999 sozialistische Manifestanten mit einer roten Fahne vor das Gefängnis, in dem gerade der Nationalrat Graber eine achttägige Haftstrafe angetreten halte, die gegen ihn wegen Beleidigung durch die Presse verhäng! worden war. Tie Manifestanten schlugen die Gcfängnistürrn ein, worauf etwa 290 Personen in die Gänge eindrangen und den Gefangenen befreiten, obwohl sich dieser der Befreiung widersetzte und die Leute zur Ruhe mahnte. Gräber wurde von den Manifestanten in seine Woh- nung zurückgeführt. Auf Ersuchen des Staatsrats wurde daraufhin La Chaux-de-FondS durch ein Regiment Infanterie und eine Schwadron Kavallerie besetzt. Am Sonntagvormittag gab die sozia- listischc Partei ein Manifest heraus, in dem sie die Bevölkerung auf 8 Uhr 39 abends in den Temple Franeaise einlud. Die Truppen, die den Zutritt zu dem Temple Fran<;aisc verweigern sollten, konnten nicht verhindern, daß die Menge in den Temple Franycnse eindrang. Tic Wachmannschaften machten von ihrem Säbel Gebrauch und säuberten den Platz vor dem Temple Franyaisc. Graber hielt eine Rede. Kurz nach 19 Uhr abends war es wieder ruhig. Wahlen in Holland. Haag, 21. Mai. Das Korrespondenzbureau meldet, daß Vi« Erste unh die Zweite Kammer am 24. Mai vertagt und am 27. Juni aufgelöst werden. Tie Wahlen für die Erste Kammer werden am 14. Juni stattfinden, die Wahlen für die Zweite Kammer am 15. Juni und die Stichwahlen am 22. Juni. Tie Eröffnungssitzung der beiden Kammern ist für den 28. Juni festgesetzt. Erdbeben. Bern, 21. Mai.„Secolo" meldet aus Terni: In der Nacht zum Sonntag ereigneten sich wiederum zwei starke Erdstöße, die von einem gewaltigen Donnern begleitet waren. Es entstand«ine große Panik. Ter angerichtete Schaden ist unbedeutend. SewerkschaflsbewEUng veutsches Neich. Offiziere als Leiter von Arbeitsnachweise«. Ter Schlesüche Arbcilsnackiweisverband hat einen AusbildunflS- kursus jiir Leiter von Arbeitsnachweisen eingerichtet, der sechs Monate in Anspruch nehmen soll. Ter Kursus— so heißt es in der betreffenden Anlündigung— ist besonders kriegsverletzten Offi- zieren, die sich zu Leitern von Arbeitsnachweisen ausbilden wollen. zu einpfehlen. Es wird dann Weiler daraus hingewiesen, daß diese Tätigkeit dem an seiner Gesundheit geschädigten Offizier genügend Möglichkeiten böte, diese zu schonen, da ihm Bureaupersonal nach Bedarf zur Verfügung stehen werde. Andererseits werde eine solche Stellung allerdings genügend körperliche Regsamkeit und volle geistige Spannkraft erfordern. Die Gebälter würden je nach Größe der Gemeinde verschieden sein, jedoch kaum weniger als 2400 bis 8600 M. betragen. Die Anstellung sei eine privatrechtliche, unter- liege also keiner Kürzung auf Grund des OffizierSpensionsgeietzes. Man sieht, die in den.Mitteilungen über die Kriegsverletzten- fürsorge der Provinz Schlesien" veröffentlichte Bekanntmachung sucht den Offizieren die Sache in recht günsttgem Licht darzustellen. Wir sind ganz sebstverständlich damit einverstanden, wenn auch kür die kriegSverletzten Offiziere in entsprechender Weise gesorgt wird. Aber— ohne diesem ehrenwerten tstande zu nahe treten zu wollen— wir müssen doch sagen, daß wir im Interesse der Ar- beilSnachweise wünschen müffen, den.militärischen Geist' in diese Institutionen nicht eindringen zu laffen, und zwar ganz gleich, ob es sich dabei um Offiziere in leitenden Stellungen oder um sub- alterne Posten für Unteroffiziere usw. handelt. Die Vermittler von Arbeitskräften müssen, um nach beiden Seiten zufriedenstellend wirken, d. h, den»richtigen Mann an den richtigen Posten' bringen zu können, über weitgehende Fachkenntniffe verfügen. Die Theorie kann hier die Praxis nicht ersetzen. Darüber sind sich übrigens Unternehmer wie Arbeiter durchaus klar: in gemeinsamen Kundgebungen ist wiederholt dieser Grundsatz zum Ausdruck ge- kommen. Die Arbeiter wollen im Vermittler ihre? höchsten Gutes, der Arbeitskraft, den Mann ihres Vertrauens sehen. Nicht einen Beamten, bureakratisch geschult, sondern einen Mann, der seine Tätigkeit mehr in kameradschaftlichem Geiste ausübt, der erfiillt sein muß von tiefem, sozialem Empfinden, um die Nöte der Arbeits- losen— vielleichr auch gelegentliche Ausschreitungen— zu begreifen. ES gehört ein großes Taktgefühl dazu, sich in einer solchen Stellung das Vertrauen und die Achtung nach beiden Seiten hin zu erhalten. Leute, die als Nekrutenerzieher 12, 15 oder noch mehr Jahre in der Kaserne verbrachten, die, wie immer auch ihre Verpflegung zu bewerten sein mochte, doch nicht den rauhen Kampf um das Dasein im bürgerlichen Leben haben führen müffen. sind nach unserer Auffassung wenig befähigt, in den sozialen Institutionen. wie Arbeitsnachweis usw. eine ersprießliche Tätigkeit ausüben zu können. Die bureaukratisch-militärische Auffassung von den Dingen. die der iOsfiziers-) Leiter aus seiner früheren Stellung mitbringt, würde schwer zu vereinbaren sein mit den Ansichten deS aus den Reihen der Arbeiter hervorgegangenen Angestellten. und es würde ständig zu Reibungen kommen. Je kleined der Arbeitsnachweis und damit das Tätigkeitsfeld, um so mehr würden diese Dissonanzen auch unmittelbar für die Arbeitsuchenden fühlbar werden. Aus allen diesen Gründen— manche ander« ließen sich noch anführen— ist unbedingt daran festzuhalten, daß die Stellungen in den für die Arbeiter geschaffenen Institutionen nicht an Wesens- fremde Elemente übergehen, daß sie den aus BerufSlreisen hervorgehenden Leuten vorbehalten bleiben. Fort mit dem militärischen Geist, und mit dem BureaukratiS- mus, wo ständig wechselndes, entwickelungskräftiges soziales Leben pulsiert I Aber auch von einem anderen Gesichtspunkte aus ist gegen die Absichten des Schlesiichen Arbeitsnachweisverbandes Einspruch zu erbeben. Gehälter von 2400—3600 M. für leitende Stellungen in bochbedeulsamen städtischen Einrichtungen? Mau reflektiert auf Offiziere, die eine Rente erhalten, um an Gehalt sparen zu können. Mit diesen Bewerbern könnten die aus anderen Kreisen stammenden Reflektanten, die nicht das.Glück' haben, kriegsverletzt zu sein, natürlich nicht konkurrieren. Auch gegen Lohndrückerei der Ge- mcindeverwaltungen müßten wir uns ebenso entschieden wenden, wie gegen die von Privatunternehmern versuchten. verlin unü Umgegenö. Jahresbericht ües Metallarbeiterverbanöes. Ii. In der Diskussion über den Jahresbericht kenn von verschiedenen Reimern zum Ausdruck, daß man die Tätigkeit und den Fleiß der OrtSverwlatung ja nicht bestreiten könne, aber die Tendenz der Tätigkeit entspreche wohl nicht dem Willen der Mehrzahl der Berliner Metallarbeiter. Dieser Wille werde nach Meinung verschiedener Redner von der Leitung nicht genügend be- achtet, es fei deshalb notwendig, daß sich die Mitglieder entschieden gegen die Tendenz der Tätigkeit der Gcwerkschaftsinstanzen, be- sonders der Generalkommission, wenden. Auch die Tätigkeit der Gewerkschaftsführer im Reichstage fei zu bekämpfen. Schließlich wurde gefordert, daß die Verwaltungsstelle Berlin ein besonderes Mitteilungsblatt herausgeben soll, wie dies ht den ersten Kriegsmonaten geschehen ist, als wegen Tmnsportschwierigkeiten die „Metallarbeiterzeitung" nicht erschien. Von Brendel wurde eine dementsprechende Resolution eingebracht. Von Hermann und Benz wurden dann einzelne Fälle, die den Kriegsausschuß beschäftigten, kritisiert. Ein Kollege schilderte die unhalrbaren Zustände, wie sie augenblicklich noch in den Spandauer Staatsbetrieben bestehen, und macht der Verwaltung den Vorwurf, hier nicht energisch genug vorgegangen zu sein. Unter anderem seien es die Bestimmungen des Arbeiterausschusses, die eine große Benachteiligung der in Spandau beschäftigten Arbeiter darstellen. Es müsse hier mit allen Mitteln versucht werden, Aenderung zu schaffen, um herbeizuführen, daß dem berechtigten Verlangen der in Spandau beschäftigten Kollegen endlich einmal Rechnung ge- tragen wind. Wegen vorgeschrittener Zeit mußte nunmehr die General- Versammlung vertagt werden. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wurde aus die infolge Verkürzung der Brotration in den Kreisen der Arbeiter mäcbtig um sich greifende Erregung ein- gegangen und darauf auftnerksam gemacht, baß an: nächsten Tage wahrscheinlich Arbeitsniederlegungen im größeren Umfange zu er- warten feien. Cohen erklärt hierzu, daß die Ortsverwaltung beschlossen habe, falls am 16. April früh Arbeitsniederlegungen aus obigem Grunde erfolgen sollte«, die Leitung zu übernehmen. Diese Erklärung findet einmütige Zustimmung der Generalversammlung. Cohen bemerkt weiter, daß die Ortsvcrwaltung ans dem Standpunkte stehe, daß die Bewegung aber ausschließlich aller an- deren Dinge sich im Rahmei: der ErnäHrnngs frage halten müsse. Alles, was außerhalb dieser Frage liegt, habe mit der Bewegung nichts zu tun und könne der Sache nur schaden. Auch dies findet einmütige Zustimmung der Generalversammlung. Hierauf ging die Generalversammlung zur Beratung des Jahresberichts über. Siering tritt den bisherigen kritischen Bemerkungen der Diskussionsredner entgegen und macht besonders daraus aufmerksam, daß die eingebrachte Resolution nicht verhandelt werden könne, unter anderem aus Geschäftsovdnungs- gründen. Zwei andere Redner kritisieren die Tätigkeit der OrtSverwal- tung. Sie sind der Meinung, daß, weil Coden in verschiedenen Dingen anderer Auffassung sei als die Mehrheit der Kollegen, er nicht wieder gewählt werden könne. Im Schlußwort weist Cohen die gegen ihn und die Verwaltung gerichteten Vorwürfe im einzelnen zurück, soweit dies nicht vorher schon von Siering erfolgt war. In Spandau habe die Verwaltung getan, was angesichts der schwierigen Verhältnisse möglich war. Seine Haltung und die Haltung der Verwaltung sei gegenüber den grundsätzlichen gewerkschaftlichen Fragen seit Beginn des Kriegs keine andere geworden und könne es auch nicht werden, da die Gegensätze zwischen Arbeiter und Unternehmer durchaus immer noch in derselben Form bestehen, wie dies ehedem auch der Fall war. Wenn sich infolge des Krieges die Takttk etwas geändert habe, so nicht wegen irgendwelcher grundsätzlichen Aendcrungen, sondern weil wegen der durch den Krieg hervorgerufenen besonderen Umstände sich eine andere Haltung bei Wahrnehmung der Jnter- essen der Kollegen notwendig machte. Nach wie vor sei er der Nieinung, daß die Gewerkschaften an ihren alten Grundsätzen fest- zuhalten haben. Zu einer Aenderung liege kein Anlaß vor, aber die Tätigkeit der Gewerkschaften dürfe sich nicht nach irgendwelchen politischen Parteiströmungcn richten, sondern müsse sich der je- »eiligen Situation auf wirtschaftlichem Gebiet anpassen. Er, Cohen, halte es für einen Fehler, wenn die gewerkschaftlichen Organisationen in den Dienst irgendwelcher parteipolitischen Strö- inung geraten, er sei der Meinung, daß die Gewerkschaften selb- ständige Organisationen bleiben müffen, nur dann können sie mit genügendem Nachdruck ihre Aufgaben erfüllen, d. h. die Wirtschaft- lichen Interessen der Arbeiter wahrnehmen. Wiederum war die Zeit so weil vorgeschritten, daß sich eine Vertagung notwendig machte. * DaS Wiederstaitsinden der Generalversammlung hat sich durch lekanite Ereignisse etwas verzögert und konnte deshalb erst am 6. Mai erfolgen. Siering gab bei Eröffnung die verschiedenen Umstände bekannt, die die Generalversammlung verzögert batten. Tost beantragte, mit Rücksicht auf verschiedene Umstände, die Wahl des 1. Bevollmächtigten bis zur nächsten or- dentlichen Generalversammlung zu vertagen. Siering schloß sich dem an und es wurde dement- sprechend beschlossen. Nunmehr erfolgte die Wahl der übrigen BerwaltungSmit- glieder. Gewählt wurde zum zweiten Kassierer Karl Schmidt. Da bei den Revisoren und Beisitzern mehr Vorschläge die Unterstützung der Generalversammlung fanden als gewählt werden sollten, konnte die endgültige Wabl der Revisoren und Beisitzer nicht erfolgen, vielmehr machte sich statutengemäß die Vornahme einer Urwahl notwendig. Der Antrag der Elektromonteure, wonach die Generalberiamm- lung nicht durch die Vertrauensleute, sondern durch Delegierte zu« sammengesetzt werden soll, wurde durch Uebergang zur Tages- ordnung erledigt. Ein Antrag von Ewers,„für den Bereich der Berliner Vcr- waltungsstelle wird der„Metallarbeiterzeitung" ein Blatt beigelegt, auf dem sämtliche Branchen- und Bezirksversammlungen sowie sonstige Mitteilungen den Kollegen angezeigt werden", wurde nach kurzer Diskussion angenommen. Ein Antrag von Zirpel, wonach die Entschädigungen für Werk- stattversammlungen und dergleichen geändert werden sollen, ist gleichfalls angenommen. Sodann wurde die Ausstellung der Kandidaten zur Delegierten- Wahl für den bevorstehenden Verbandstag in Köln erledigt. Ins- gesamt sind 50 Kandidaten ausgestellt, unter denen die Mitglieder die 27 auf Berlin entfallenden Delegierten zu Wahlen haben. Die in Schriftgießereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hatten am Sonntag eine Generalversammlung. Aus dein erstatteten Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß die Prinzipale sich damit einverstanden erklärt haben, den Tarif, der am 1. Oktober abläuft, um ein halbes Jahr, also bis zum 1. April 19l?, zu ver- längern. In die Berichtszeil siel die Bewegung um die Teuerungs« zulagen. Infolge der Zugeständnisse war Berlin gegenüber anderen Slädien voraus. Die Zentralkommission der Schriftgietzcr bat sich deshalb an die Kollegen in den anderen Städten gewandt, um dort zu versuchen, dieielben Teuerungszulagen durch- zudrücken. Der Versuch ist in Dresden, Hamburg, Stuttgart, Leipzig und Frankfurt a. M. unternommen worden. Der Erfolg blieb, soweit Resultate bereits vorliegen, hinter den Berliner Errungenschaften erheblich zurück, es ist aber zu baffen, daß sich in den anderen Städten bei passender Gelegenheit manches nachholen läßt.— Die in Stereotypien Beschäftigten nehmen teil an den neusn Teuerungszulagen der Buchdrucker.— Die letzte �Versammlung halte sich mit dem provisorischen Schnell« g i e ß t a r i f beschäftigt, an dem mancherlei bemängelt wurde. Der Vorstand hat sich mit der Angelegenheit bc- schäftigt. Er ist zu der Meinung gekommen, die erforderliche Revision des Provisoriums für Schnellgießarbeiten zu- rückzustellen bis zur Revision des ganzen Tarifs. Eine Diskussion über den Geschäftsbericht und den gedruckt bor« liegenden Kassenbericht, wonach am Schluß des Geschäftsjahres, am 30. März, ein Bestand von 23 564 M. vorhanden war, wurde nicht beliebt. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß die jetzt im Amte befindlichen Vorstandsmitglieder die Geschäfte so lange weiterführen, bis die im Felde befindlichen Vorstandsmuglieder zurück« kehren.— In die GewerlichaftSkommiision wurde Rose delegiert. Der von Unternehmern ausgesprochene Gedanke, bei mehr- t ä g i g e m Fehlen in der Woche die Teuerungszulage abzuziehen, wurde in einer Diskussion lebhaft belämpft. Man sprach allgemein aus, daß ein solcher Abzug dann nicht gemacht werden dürfe, wenn jemand durch zwingende Gründe mehrere Tage in der Woche verhindert sei zu arbeiten. Bei mutwilligen Versäumnissen, die aber in der jetzigen schweren Zeit gar nicht vorkämen, wäre es etwas anderes. Etwaige unzulässige Abzüge sind dem Borstand zu melden. Für den Fall, daß es den Berliner Buchdruckern gc- lingt, durch ihre jetzige Bewegung in Berlin höhere Teuerungs- zulagen zu erreichen alS sie die Berliner Schriftgießer jetzt haben, soll der Vereinsvorsiand der Frage näher treten, die gleiche Höbe der Teuerungszulage auch für die Schriftgießer zu er- reichen._ Industrie und Handel. Die Börse ahnt etwas! Die.Bossische Zeitung' schreibt in ihrem Börsenbericht:„Be- merkenswertes Kauiinteresse machte sich für Aktien von Straßen« bahnen gellend in der Erwartung, daß die ange streb- ten Tariferhöhungen sich durchsetzen lassen werden. Neben den Aktien der Großen Berliner und der Han- noverschen Straßenbahn wurde» auch Hamburger und Magdeburger begehrt.' Entwicklung der Binnenschiffahrt. Die im März 1916 gegründete Tonau-Main-Schisfahrtsgesell- schast m. b. H. in Nürnberg, bat sich günstig entwickelt und sich jetzt in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die.Demerag' Donau-Mani-Rhein-Schisfahrtsakttengciellschaft von 2,5 Millionen Mark Kapital firmiert und in Nürnberg setzbast ist. TaS neue Kapital dient zur Angliederung der Speditioit-firma Weber n. Co. in Nürnberg, zur Erbauung von Lagerhäusern und zur dringend notwendigen Erweiterung der SchisssbasiS. Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Diedcrich, Berl-Friedeuau: für b. übriaen Teil d. Plattes: Alfred Tcholz, Neukölln i für Inserate: Ttl. Glocke, Berliu, Druck u. Verlag: Vorwärts Buch druckerei u. Verlagsanstalt Paul Sinn er k, Co Sellin SW. Hierzu 1 Beilage und ttnterlialtuugsblatt. .Dirskriou Max Reiahardt. Ocatxcheu Theater. 71/, Uhr: Tobla» Buntacbah Mittwoch: Der Geizige. Kammerapieie. 70, Uhr: Fasching. Mittwoch: Fasching. Volksbühne. Theat.aBBIowplatz. Untergrondb. Schönhauser Tor. 8: Der Welbstcnfel. Mittwoch: Klga._ Theater i. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. 1»!, Uhr; Schnltzier-Abend. Komödienhaus 7'/,: Die verlorene Tochter. Berliner Theater 7'° Uhr: Die tolle- KomtcU. LessingsTheater. T1�; fflndame Legros. Mittwoch: Hadamc Legroa. Donnerstag, zum 1. Male: Der Probepfeil. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 7'/, Uhr: Der Kammersänger. Comtesse Mizzi. L Klau«. URANIA 8 Uhr; Tirol einst und jetzt. Theater für Dienstag, den 22. Mai. Deutsches Opernhaus ? uv: Tannhäuser. O Fiiedrlcb-WilhelmstSdt. Theater. 7-,. Uhr: Das lllöiMellltZllZ. Gebr. Herrnfeld-Theater. Uhr- Ehe-ürlaub. Kleines Theater 7-,.u.- Bans im Sebnakenloeli. Komische Oper 7 Uhr 20 Min.: 7ühr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus T'ftühr: Die blonden Küdels vom I,lndcnbof. Metropol-Theater Ä: Die CzardastOrstio. Neues Operettenhaus Schiffbd. a. Kassentel. Norden 281 tv.u.: Der Soldat der Marie. Besidenz-Thcater �uDie Sleiner-Mädels Schiller-Theater O 7-/.ubr- Der Bibliothekar. Schiller Th. Fharlottenb. 7/. u.: Freund Fritz. Thalia-Theater 25 mL.. DasVagabundenmädel. Theater am Mollendortpl. 3'/, Uhr: In Vertretung. 7',.u.- Die Gulaschkanone, Theater des Westens stolze Thea. Orcua M Busch. Heute: Große Wohltätigkeits-Vorstellung z. Besten der Witwenkasse des Berliner Lehrer-Vereins Das reichhaltige Mai-Programm. Zum Schluß: Die versunkene Stadt Gastspiel Xelson's Künstlersplele Rudolf Nelson Käte Erholz Trude Troll Kurt Fuß Erna Alberti— Trade Dusedana sowie die 12 Spezialitäten 12 des Mai-Spielplans. NATIONAL-THEATER. Größter Lachersolg!"WW HeiratsDeber. Posse mit Gesang u. Tanz m 3 Alt. Mufik von Walter Lromme. I. und 2. Psingftseiettag,'Ifi Uhr: Was junge Mädchen träumen. Apollo «UkDtUOISNR- AN■ OCR• KOOCT» Allabendlich?>/, Uhr: Das vielseitige Varietd-Programm! Die Kasse ist«fa tO Uhr geittnet Reicbsbailen-Theater. Slettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Ansang 7lI, Uhr. Admirais-Palasl. Abrakadabra großes phantastisches Ballett auf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt 7'U Uhr. Vorzügl Küche. Gastspiel der SOhllei 8061 mit Xaver Terolal. Heute fli Uhr: In d. Sommerlrisch'n Morgen dieselbe Vorstellung. Sonnt. 3'/,: D. Herrgottschnitzer. Montag 3'/,: Jligerblut. RosesTheater. 7»,. Uhr: Er nimmt keine Frau. Walhalla-Theater. 7-/, Uhr: Der Glücksbauer. V olgt-Tbeater. Badstr. 58. Badstr. 58 Mein Herzensfritz. Große variete-vorftellung Ans. 5 Uhr im Garte». Ans. 5 Uhr Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 7'/, Ubr. Nur noch bis'61 Mai! 7>/,Uhr: Tie Mai-2peztalitäten. S-j. Uhr: Stürmischer Beifall. Sonntag 4 Uhr:'ne gute Idee. Gielgen'-"--verAsutt! Tie original Standard Bereifung Fahrrader ist neu, leicht und gefällig. Aufmoutierung eine Minute! lXn allen einschlägigen Keschästen zu haben.* Standard Company, Berlin»,«ottduser Tamm 91. aScvtveter überall gesucht. 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Konto-Korrent-Konto Kreditoren... 900,00 249 111.34 950,00 12 460,83 175 150,00 31 065,00 20 300,10 S 185,41 249 111.34 Im Laufe des Geschästsjahres 1916 ist kein Genosse beigetreien, ausge- schieden ist 1 Genosse. Mitgliederzadl am 3t. Dezember 1916 18 fflenoffen. Das GeichästSguthaben der Mitglieder sowie die Hailsumme derstlben be- tragen am 31. Dezember 1916 je 350.00 Mark. 165/13 Berlm-Reinickendors. den 19. Mai 1917. Ter Boritand. Robert Engel. Karl Marsche!. heinesWerke 3 Bände i Start. Luchhaudlullg Vorwärts Hr. 13$ ❖ 34. Jahrgang Seilage öes vorwärts Vkenstag, 22. MaklH17 Die öeutsthe Lanüwirtfthast unö öie Lanöarbeiterfrage nach öem Krieg. In seiner Sitzung vom 3. März dieses Jahres hatte der Stän. dige Ausschuß des Deutschen LanÄwirtschaftsrats den hochwichtigen Beschlutz gefatztz aktiv an der Gestaltung der Uebergangswirtschaft teilzunehmen. Er versuchte, die großen landwirtschaftlichen Kör- perschaften Deutschlands in einen Kriegsaus schütz der deutschen Landwirtschaft zusammenzufassen. Dieser Kriegsausschutz sollte den Zweck haben, in Fragen der Kriegs- und UebergangSlvirtschaft, welche die gesamte reichsdeutsche Landwirt- schaft betreffen,„insbesondere auf dem Gebiet der Uebergangs- Wirtschaft und Handelspolitik, ein gemeinsames Vorgehen der land- � wirtschaftlichen Körperschaften Deutschlands herbeizuführen, um dadurch ihren Anträgen mehr Gewicht und Berücksichtigung bei den Ministerien der Bundesstaaten, den Reichsbehörden sowie im Bundesrat und Reichstag zu verschaffen". Dieser„Kriegsaus- schütz", der mit diesem interessanten Programm auf den Plan tritt, beruht zwar auf einem freien Uebereinkommen der betei- ligtcn Körperschaften, hat aber bindende Satzungen und eine um- fangreiche Geschäftsordnung. Die Mitglieder sind an die Be- schlüsse des Ausschusses gebunden, die einstimmig gefaßt worden sind. Mit einer einzigen bezeichnenden Ausnahme sind heute alle landwirtschaftlichen Körperschaften Deutschlands mit mehr als 100 OM Mitgliedern im Ausschutz vertreten; es sind dies: 1. der Deutsche Landwirtschaftsrat mit 8 Vertretern, 2. der Bund der Landwirte, 3. der Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, 4. der Generalverband ländlicher Genossenschaf- ten und 5. der Deutsche Bauernbund mit je zwei Vertretern. Unter den großen Verbänden mit mehr als 100 000 Mitgliedern feblt nur die„Vereinigung der deutschen Bauernvereine", die erst vor wenigen Wochen in Berlin sich konstituiert hat unter der Leitung des bekannten Agrariers Frh. v. Kerckerink zur Borg. Die Vereinigung hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die beiden genossenschaftlichen Verbände ihren Platz im Ausschutz zu Unrecht inne hätten, da diese sich grundsätzlich mit wirtschaftspolitischen Dingen nicht abgeben. Der Ausschutz seinerseits hält die Genossen- schaftcn für die Uebergangszeit für unentbehrlich. Eine Einigung konnte bis heute nicht erzielt werden. Auch Körperschaften mit weniger als 100 000 Mitgliedern können beitreten, jedoch findet dann eine Zusammenlegung mehrerer solcher kleinen Verbände statt, die dann für je 100 000 Mitglieder zwei Stimmen erhalten. Seine- Mittel erhält der Ausschutz durch Jahresbeiträge seiner Mitglieder in Höhe von je 5000 M. Das Arbeitsgebiet dieses KriegSauSschusseS der deutschen Landwirtschaft sst gegliedert in vier getrennte GeschästSabtei- lungen: a) für Handels- und Zollpolitik, Steuer- und Kreditwesen; b) für Produktion unö Uebergangswirtschaft; c) für Arbeiterfragen, Ansiedelung, Spannkräste usw.; d) für landwirtschaftliche� Genossenschaftswesen. Neben diesen Aufgaben betrachtet aber dieser Ausschutz seine Hauptaufgabe darin, von Zeit zu Zeit mit politischen Kimdgebun- gen agrarisch-alldeutscher Richtung sehr bemerkbar an die Seffent- lichkeit zu treten. Die erste- T a t des Ausschusses bildete näm- lich ssener aufsehenerregende unglückliche Aufruf, den die„Deutsche Tageszeitung" am 3. Mai veröffentlichte und in dem aus„V e r- sehen" der schöne Satz aus dem„ersten Entwurf" stehen blieb: „Wir brauchen Machtzuwachs und Gebietserwei- terun.gen in Ost und West uns Uebersee!" Dieser Aufruf ist im Schöße des Kricgsausschusses entstanden und wirft ein helles Licht auf die Gründe, die zur Errichtung des Ausschusses mit geführt haben. Die Existenz des Kriegsausschusses interreffiert uns aber in anderer Hinsicht weit mehr. Seine Geschäftsabteilung für Ar- beiterwesen und Ansiedlung hat nämlich bereits ein umfassendes Arbeitsprogramm aufgestellt, dem auch wir die allergrößte Be- achtung schenken müssen. Der Ausschutz schickt sich an zur Lösung der„Landarbeiterfrage", einer Frage, die in hohem Grade von jeher der Sozialdemokratie am Herzen gelegen hat. Da Beschlüsse des Ausschusses in dieser Hinsicht noch nicht vorliegen, müssen wir uns für heute begnügen, die Woge aufzuzeigen, auf denen er die Losung der Landarbeiterftage in seinem Sinne anzustreben sucht. 'Die Abteilung für Arbeiterfragen hat sich als Ziel chrer Arbeit gesteckt: 1. Prüfung und Feststellung des gegenwärtigen Standes der Arbeiterverhältnisse und des bei Friedensschluß voraussichtlich entstehenden Arbeitermangels. 2. Begründung und Beantragung von zweckmäßigen Matz- nabmcn beim Bundesrat zur glatten Abwicklung der- Demobili- sation. Hierbei fordert der Ausschutz: Planmäßige, stufenweise Rückleitung der in der Landwirtschaft beschäftigten Kriegsgefan- genen und Wanderarbeiter je nach dem Stand der Deckung des deutschen Bedarfs; ferner: Sicherstellung eines geregelten Be- zugs von Wanderarbeitern aus den bisherigen Bezugsgebieten nach Friedensschluß und weiterhin: Rückleitung der im Feld stehenden Arbeiter nach Matzgabe ibrer Berufe und nach ihrer letzten Arbeitsstelle.(!) Hierzu käme in Betracht eine Abänderung der Militärreiseordnung und ein Zusammen- wirken der militärischen Stellen mit den land- wirtschaftlichen Vertretungen. Dringend erwünscht ist auch die Einstellung der Landivirtschast in die Gruppe der zuerst zu entlassenden Kräfte. Der Abzug landwirt- schaftlicher Arbeitskräfte und des Gesindes ist zu verhindern durch gesetzliche und militärische Vor- schriften. l!) Diesen bescheidenen Forderungen schließt sich dann der Wunsch nach einer umfassenden und gleichmäßigen Organi- sation des gesamten Arbeitsnachweiswesens unter Benutzung der bereits bestehenden landwirtschaftlichen Arbeitsnachweise an. Weiterhin gedenkt der Ausschuß in Agriff zu nehmen: 3. die Re- gelung des Arbeiter- und Siedlungswesens nach dem Krieg. Hierzu bedarf es nach seiner Ansicht der Sicherheit der landwirt- schaftlichen Erzeugung durch Anpassung der gesetzlichen Vor- schviften für die Landarbeiter(Vereinsgesetz, Gesinde- recht!!) an die erschwerten Produktionsverhältnisse(!) sowie der Vermehrung der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte durch Zu- Weisung militärischer Arbeits- und Fuhrkommandos in der Ueber- gangszeit, Ausbildung von Äriegsverletzten, Ansiedlung der Kriegsverletzten und der 5triegerwitwen, Aufnahme von Krieger- Waisen auf dem Lande, ferner aber durch Erleichterung der An- fiedlung, etwa durch Uebernahme der Schul- und Armenlasten auf den Staat. Die Vermehrung der der Landwirtschaft zur Ver- fügung stehenden Arbeitskräfte soll aber tunlichst auch erreicht werden durch Setzhaftmachung solcher Arbeitskräfte mittels Pacht- weiser lleberlassung von Land mit Wohnräumen, durch Erhaltung des Besitzes gefallener Krieger, ferner aber auch durch Verlegung von Garnisonen, Waisenhäusern, Gefangenenanstalten usw. auf das Land sowie durch planmäßige Heranziehung beschäfti- gungsloser Elemente der Landstraße. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß der Ausschutz sich auch angelegentlich be- fassen will mit der Schaffung von Arbeiterausschüssen bei den landwirtschaftlichen Körperschaften(!), mit der Regelung der Arbeitsvertrags- und der Lohnfrage, mit der Einrichtung von Schiedsämtern und schließlich mit der Verbesserung der Wohnungs- und Lebensverhältnisse und der Ermöglichung des sozialen Aufstiegs. Dieses Programm ist etwas umfangreich, und käme es wider- standslos zur Durchführung, so wäre in noch höherem Grade als vor dem Krieg der deutsche Landarbeiter der Willkür aus- geliefert. Auch die Sozialdemokratie interessiert sich schon sehr lange ftir diese Frage, und glücklicherweise hat sie bei der kommen- den Regelung der reformbedürftigen Landarbeiterverhältnisse auch ein sehr großes Wort mitzusprechen. Der Kriegsausschutz aber darf versichert sein, daß dann die von ihm so„in allererster Linie" erstrebte Besserung der ländlichen Arbeiterverhältnisse eine wirk- liche Besserung bedeuten wird, wenn auch mehr im Sinne des Landarbeiters als des Großgrundbesitzers. Für die zukünftigen Wirtschasts- und Machtkämpfe aber wollen wir uns auf jeden Fall dieses Programm der berufeneu Vertretung der gesamten deutschen Landwirtschaft gut merken. Groß�erlln Minderwertiges Fleisch.— Geringfügige Kartoffelanfuhr. Der Magistrat Berlin teilt uns mit: Es sind in den letzten Tagen in Berlin wieder mehrfach An- iammlungen vor den Fleischerläden beobachtet worden. Zurückzu- führen ist diese unliebsame Erscheinung zunächst darauf, daß das Publikum sich nicht an den vorgeschriebenen Nummeranfruf des Schlächters kehrt, diese Anordnung vollständig außer acht läßt und versucht, möglichst gegen oder am Schluß der Woche den Fleisch- bedarf zu decken. Hinzu kommt noch, daß die Bevölkerung glaubt, durch Anstellen sich besseres Fleisch besorgen zu können. Dieses Bestreben ist aber aussichtslos. Das der Stadtgemeinde Berlin gelieferte Vieh ist zurzeit autzerordent- lich minderwertig. Deshalb kann daS von den Fleischern abzugebende Fleisch auch nur von minderwertiger Beschaffen- heit sein. Die Zufuhr von Kartoffeln aus den der Stadt Berlin zu- gewiesenen Licferungsprovinzen ist seit einer Reihe von Tagen trotz aller Anmahnungen so geringfügig geworden, daß die zugeführten Kartoffeln zur Verteilung der Wochenkopfmenge keines� falls ausreichen werden. Demgemätz wird es erforderlich sein, von dem bereits am Sonntag verkündeten Vorbehalt der Verteilung von Brot an Stelle der Kartoffeln in erheblichem Ilmfange Gebrauch zu machen. « Bei diesen beiden Veröffentlichungen haben wir es zweifellos mit einer Flucht in die Oeffentlichkcit zu tun. Der Magistrat Berlin bezeichnet das angelieferte Vieh als„autzerordent- lich minderwcrlig", und die Kartoffelmenge als„trotz aller An- Mahnungen" so geringfügig, daß Brot in erheblichem Umfange als Ersatz gegeben werden muß. Wenn der Magistrat nicht die Gewiß- heit hätte, daß es sich um v e r m e i d b a r e Unterlassungen der berufenen Stellen bandelt, würde er diesen Schritt sicherlich nicht getan haben. Die Oeffentlichkeit hat ein Recht, zu verlangen, daß die zuständigen Rcichsstellen schleunigst nach dem Rechten sehen und für schnellste Abhilfe sorgen. Auch au? den Vororten kommen ungünstige Nachrichten. nachdem die Versorgung einige Wochen lang gut funktioniert hatte. Am Sonnabend und Sonntagvormiltag gab eS vielfach vor den Schiächterläden wieder die berüchtigten Polonäsen. Nur ein Bruch- teil der Bezugsberechtigten hatte bis Freitag das Fleisch erhalten. In einigen kleinen Gemeinden haben die Bewohner für die fehlen- den Kartoffeln nicht einmal Brot erhalten. In Lichtenberg gab es zwar auf die städtische Flcischkarte 250 Gramm, auf die Reichsfleischkarte dagegen nur 100 Gramm. In Ober schöne- weide wurde den Frauen von den Schlächtern am Sonnabend erklärt, es gebe kein Fleisch mehr, weil der Gemeinde 80 Zentner gestohlen worden seien. Schließlich wurde den mit Recht empörten Frauen gesagt, sie könnten sich Graupen(!) auf die Fleisch- karte holen. In Friedrichsfelde konnte man in der vorigen Wocke nur auf die Reichs-, in der jetzigen Woche nur auf die Kreis« fleisckkarte seine Wockienmenge bekommen. Als die Brotration verkürzt wurde, ist den Arbeitern von der Regierung in der allerbestimmlesten Weise versprochen worden, daß Ersatz durch andere Nahrungsmittel, insbesondere Fleisch, ge- geben werde. Wird die Regierung ihr Wort einlösen? In Tempelhof und Martendorf gibt es zwar auf die Kreis- fleischkarte 250 Gramm, in Tempelhof aber auf die Reichskarte nur 150 Gramm und in Moriendorf gar kein Fleisch. Sehnlich geht es den andern Gemeinden des Kreises Teltow. Die Staatliche Verteilungsstelle für Grost-Berlin wird nach neueren Anordnungen bereits im Laufe dieser Woche ihre TS ti gleit beginnen. Ueber ihre Bedeutung für die Lebensmittelversorgung der Groß-Berliner Kommunal- verbände schreibt eine Lokalkorrespondenz, die oft von behördlicher Seite inspiriert wird: Die Bedeutung der Staatlichen Verteilungsstelle für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung Groß-BerlinS beruht vor allem darin, daß sie den Landesämtern gleichgestellt ist. Infolge- desien entsteht für alle Groß-Berliner Vorortstädte und Gemeinden gegenüber dein jetzigen Zustand der Vorteil, daß für sie in der Lebensmittelzuteilung alle bisherigen Zwischeninsianzen wegsallen und dieselbe unmittelbare Belieferung mit den nicht rationierten Lebensmitteln eintritt, wie sie bereits Berlin hat. Der zweite wesent- liche Vorzug der neuen Einrichtung ist darin zu erblicken, daß die staatliche Verteilungsstelle vor der Festsetzung der Schlüssel für die Verteilung der Lebensmittel gehört wird und demnach die besonderen Verhältnisse des Wirtschaftsgebietes Groß-Berlin zur Geltung bringen kann. Bisher war es als ein Uebelstand zu be- zeichnen, daß die staatlichen Aussichisbehörden der Groß-Berliner Vorortgemeinden, Oberpräsident und Regierungspräiidem, von diesen Verteilungsschlüsseln erst Kenntnis erhielten, nachdem sie festgesetzt worden waren und nur noch schwer geändert werden konnten, oder tvenn sie noch geändert wurden, so war die Ware schon verteilt. Die überwiegend städtische Bevölkerung in den Groß-Berliner Vor- orlgemetnden wurde hierbei nicht genügend berücksichtigt und in der Belieferung daher oft benachteiligt. Die Staatliche Verteilungs- stelle hat infolge ihrer Stellung im Rahmen der staatlichen Be- hördcnorganiialion die Möglichkeit, derlei Unzuträglichkeiten von vornherein entgegenzuwirken. Nach außen wird die Tätigkeit der Staatlichen Verteilungs- stelle vor allem darin bervorlrelen, daß sie auf den Ausgleich der für die Groß-Berliner Kommunalverbände gelieferten Lebens- mittelmengen sowohl der Zeit wie der Menge nach hinwirkt. Es wird hierul»och eine Reihe vo» Schwierigkeiten zu überwinden> sein, da die für Groß-Berlm bestimmten NahrungSmitel aus verschiedenen Teilen Deutschlands und nicht auf einmal kommen. ES kann daher zunächst nur angestrebt werden, daß innerhalb eines gewissen Zeitraums von einigen Wochen in jeder Groß-Berliner Bedarisgemeinde dieselben Lebensmittelmengen ausgegeben werden. Das Ziel ist aber die einheitliche Belieferung ganz Groß-Berlins seitens der für die verschiedenen Lebensmittel ge« schaffenen Reichs- und Staatsstellen durch Uebcrweisung an die Staailickie Verteilungsstelle. Die Unterverteilung für die Gemeinden städtischen Charakters und für die mehr ländlichen Ge- meinden bleibt Sache der Landkreise. Auch die Stadtkreise Groß- Berlins behalten, wie schon betont wurde, in der örtlichen Verteilung vollständig ihre jetzige Selbständigkeit. DaS KriegSernährungsamt blickt am heutigen Tage auf ein ein« jähriges Bestehen zurück. Durch Bundesratsverordnung vom 22. Mai ISIS begründet, begann daS Amt unter Batockis Leitung Ende Mai seine Tätigkeit. Ein abschließendes Urteil über die Er- folge des K.E.A. kann erst später gefällt werden. Heute wollen wir uns damit begnügen, den Wunsch auszusprechen, daß der Eintritt glücklicherer Zeiten seine Wirksamkeit recht bald überflüssig machen möge. Den Tag der Auslösung des K.E.A. wird das deutsche Volk jedenfalls mit freudigeren Gefühlen begehen, als seinen heutigen ersten Geburtstag. 2000 Kinder von Rentenempfängern anfS Land, von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt: Rund 2000 Kinder von Rentnern und Frauen verstorbener Versicherter, meistens Kriegerwilwen werden von der Landesversicherungsanstalt Berlin auf ihre Kosten aufs Land geschickt. Die Verschickung erfolgt durch Ver- mittlung der Schuldcputation des Berliner Magistrats, der auch den Tag der Abreise festsetzt und bekanntgibt. Aus diesem Grunde sind Rückfragen der Eltern der Kinder bei der Landesver- sicherungsanstalr zwecklos, worauf hierdurch besonders hingewiesen werden soll. Die Landesversicherungsanstalt Berlin unterstützt auch Rentner und Hinterbliebene von Versicherten, die ihre Kinder nachweislich zu Verwandten aufs Land schicken; dies ist bisher schon in einigen hundert Fällen geschehen. Berliner Adreßbuch. Der Nachtrag zum Jahrgang.1917 ist so« eben erschienen und gelangt von Dienstag ab zur Ausgabe. Er wird allen Abnehmern des diesjährigen Adreßbuches in der Aus- gabestelle des„Berliner Lokal-Anzeigers", Zimmerstraße 36— 41, und in dessen sämtlichen Geschäftsstellen bis Ende Mai d. I. unentgeltlich verabfolgt. Ein gefährlicher„Spezialist" wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Beamten deS 5. KciminalbezirkS fiel ein Mann auf, der mit schwarzem Kreppstoff hausieren ging. Sie sahen sich in einer Schankwirlschaft, wo er die Ware wieder anbot, die Stoffe genauer an und fanden auf den fünf je 34 Meter langen Stücken, die er besaß, ein eigentümliches Fabrikzeichen in der Gestalt der verschlungenen Buchstaben(4. 2. mit 2 Löwen. Weil er sich über den Erwerb nicht ausweisen konnte, so nahmen die Beamten den verdächtigen Händler fest. Man erkannte in ihm den 24 Jahre alten Kutscher Joseph Engel, der als Spezialität den Ein- bruch bei Brolkom Missionen und in Schlächte- reien betrieb. Engel, der aus seinen Beutezügen stets eine schart- geladene Browningpistole bei sich trug und bei einem Einbruch in Charlottenburg auf einen Schlächtermeister schoß, st a h l c r st kürzlich einer Kommission 8000 Brotkarten und verkaufte sie für 10 000 Mark. Jetzt mietete er sich in der Prenzlauer Straße eine Zweizimmerwohnung, kaufte eine ganz neue Einrichtung und hauste mit einer Geliebten als„solider EheinaNn". In dieser Behausung fand man aus verschiedenen Ein- brüchen Fleisch, Schlächterwäfche und Stoffe, über deren Herkunft noch nichts feststeht. Bares Geld war nicht vorhanden. Die Kriminalbeamten entdeckten es aber in einer Schankwirtschaft, in der sich der Einbrecher eine Sparkasse angelegt hatte. Er hatte eine eiserne Kassette gekauft und diese mit einem großen Betrage bei dem Wirte untergestellt. Brachten seine„Geschäfte" zeitweilig nicht genügend ein, so versorgte er sich regelmäßig aus dieser Kasse. Die Kassette enthielt noch 8000 M. Engel wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Eine» qualvolle» Tod hat der 4ejShrige Arbeiter Schütz ge« funden, der auf dem Salzhof angestellt war. Sch„ der in der Säureabteilung arbeitete, wurde von Kollegen in schwerverletztem Zustande unter der Säureleitung bewußtlos aufgefunden. Aus der Rohrleitung strömende Säure hatte ihn am ganzen Körper furchtbar verbrannt; an einzelnen Körperteilen hatte sich das Fleisch voll- ständig losgelöst. Der Bedauernswerte wurde nach dem Spandauer städtischen Krankenhause geschafft, wo er am folgenden Tage unter entsetzlichen Schmerzen starb. Wie sich das Unglück ereignet hat, konnte noch nicht festgestellt werden. Ein tödlicher Unfall. Der 26 Jahre alte Arbeiter Stanislaus GrapSki aus der Spenerstr. 6 fiel am Freitag beim Verladen in der Paulstraße von einem Kohlenwagen und schlug so heftig auf, daß er sich einen Schädelbruch zuzog und bewußtlos nach dein Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte. Hier starb er gestern an den Folgen der Verletzungen. Brennende Eisenbahnwagen. Am Montagnachmittag wurde die Feuerwehr nach dem Görlitzer Bahnhof gerufen. Dort brannten zwei Eisenbahn Waggon» mit Glas. Die Flammen hatten an der Verpackung, hauptsächlich an Holzwolle und Stroh, so reiche Nahrung gefunden, daß die Feuerwehr mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben mußte, nm die Gefahr für den Verkehr und die übrigen Eisenbahnwagen zu beseitigen. Gleichzeitig stand vor dem Hause Flottwellstr. 2 ein mit Papier beladener Rollwagen total in Flammen und in der Luxemburger Straße 32 brannte eine Holzwaren fabrik. Hier und in der Menzel- straße hatte die Feuerwehr lmzgere Zeit zu löschen. Unbekannte Leiche. An der Waisenbrücke wurde die Leiche eines unbekannten Mannes angeschwemmt, der dem Aeußeren nach dem Mittelstände angehört hat. Der Tote ist etwa 65—75 Jahre alt, hat hellblondes, graumeliertes Haar mit kleiner Glatze, melierten Schnurr« und Spitzbart, über dem linken Auge eine bohnengroße Warze und trug ein schwarzes Jackett, eine dunkle Weste und Hose, graue Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe. Der Arbeiter-Samariterbuud, Kolonne Groß-Berlin, richtet an die Arbeilerorganisalionen Groß-Berlins folgenden Aufruf: Vor dem Kriege hat die Kolonne mir materieller Unterstützung der Arbeiterschafl stets eine größere Anzahl älterer Samariter bereu« gehalten, um bei Festlichkeiten und sonstigen Veranstaltungen eine Samariterwache stellen zu können. Von dieser Einrichlung ist weitester Gebrauch gemacht worden. Bei allen Veranstaliungen waren die Samariler gern gesehen und eine ständige Erscheinung. Die? alles hol der Krieg zunichte pemachl. Auch unsere Reiben sind gelichlel worden. Von dem Grundsatz ausgehend, daß Stillstand Rückgang bcdeulet, haben wir aber nichl die Hände in den Schoß gelegt, sondern haben, um Ersatz zu schaffen, mit Eifer unsere Kurse weilergeführt. Wir sind in der Lage, wie vor dem Kriege auch weiterhin bei allen Veranstaltungen Samariter» wachen stellen zu können. Wir ersuchen deshalb, bei Be- darf dem unterzeichneten Vorsitzenden davon schnftlicb Milteilung zu machen. Bemerken wollen wir noch, daß wir auf Anforderung für größere Werke Samariter vermittelt haben, die nach Prüfung durch beamtete Aerzle als ständige Samariter angestelll wurden. Gustav Dietrich, Berlin 1\\V 23, Klopstockstr. 25, Hof links, pari. l. Vharlottcnburg. Allgemeine Speisung. Am i. und 2. Pfingst- feieelage findet eine Aufgabe von Speisen durch die Allgemeine Speisung nicbt stall. — Die Ausgabestellen für Bezugscheine bleiben am Sonnabend vor Pfingsten nachmittags geschlossen. Lichtenberg. Lcbcnsmittelverteilung. Gegen Abtrennung der vier iveijze» Abschnitte der Karloffelkarle werden wieder 2 Pfund .tlartoffeln oder 300 Gramm Mehl und auf die sechs gelben Ab- schnille 3 Pfund Kartoffeln oder V00 Gramm Gebäck abgegeben. Odne Marken können auf die örtliche Lebensmittelkarte Salzgenriise. bis zu 3 Pfund KriegsmuS und bolländi'ches Frnhgemüse ent- »oimnen werden. Auch Fische und Muschelfleischivnrst können ohne Marken bezogen werden. In der Woche nach Pfingsten findet eine nochmalige Perteilung von Gemüsekonserven statt. Gegen Ab- lrennung von Marlen werden abgegeben: auf Abschnitt 26 3. X, Gl und J je Va Pfund Haferflocken zum Preise Von 44 Pf. für das Pfund, auf Abichnitr 25 je l Päckchen Keks zum Preise von t M., auf Abschnitt 27'/r P'und Räucherwaren zu Tagespreise� auf Ab- schnitt 23 1li Pfund Heringe zum Preise von 1,20 M. für das Pfund, auf Abschnitt 29E 1 Dose Oelsardinen zum Preise von 2.66 M. die Dose. Die Bezugsabschnitle sind bis morgen abend 7 Uhr in den KleinhandelSgeschästen abzugeben, die Waren können von Sonnabend ab in Empfang genommen werden. Spandau. Städtische Lebensmittel. Das Fleischquantum dieser Woche beträgt wieder auf städtische Fleischkarle 250 Gramm und auf Reichsfleischkarte 26V Gramm. An Kartoffeln werden auf jede? Feld 125 Gramm, zusammen also 5 Pfd. geliefert. Grietz für Kinder von 1—3 Jahren wird auf das Mittelstück der Kinderbrol- karte je 1 Kilo zu 56 Pf. abgegeben und ztoar in 48 namhaft ge- machten Geschäften. Butter ist noch auf Feld 2 der Butlerkarte in mehreren Geschäften zu baben. Dörrgemüse auf Feld 16 der Lebensmittelkarte lje 166 Gramm für 54 Pf.s gibt es in den durch Aushang kenntlich gemachten Geschäften. Auf Feld 2 der Eierkarte gibt es je 3 Eier a 33 Pf. Sonnenblumeniamen(166 Gr. 16 Pf.) gelangt in der städtischen Verkaufsstelle im Rathaus zum Verkauf. Kreis Teltow. Liefert Vieh ab! Der KreiöauSfchub erläßt nachstehende Aufforderung: ES besteht die Gefahr, daß die Fleischverforgung inS Stocken gerät, wenn nicht die erforderliche Anzahl von Schlachtrindern auf- gebracht wird. Wie bereits mitgeteilt, muß der Kreis in der Woche 186 Rinder ausbringen. Diese Rinder müssen unter allen Umständen beschafft werden. Die ländliche. Bevölkerung wird wiederholt daran erinnert, alle nur irgend geeigneten Rinder'außer den Milchkühen, den bestimmt tragenden Kühen und den zur Fonftthrnng der landwirtschaftlichen Beiriebe unbedingt erforderlichen Tieren den Auskäufern zur Ver- sügung zu stellen. Nötigenfalls muß rücksichtslos zur Enteignung geschritten werden. Es ist vaterländische Pflicht, daß niemand ein entbehrliches Stück Rindvieh noch länger stehen läßt. Steglitz. Knochensammlung. Durch amtliche Bekanntmachung Ivird die Sammlung und Ablieferung von Knochen angeordnet. Saninielstelleir befinden sich bei Augustiniak, Schildbornstr. 3 und Slenschke. Tüntberstr. 3. Gezahlt werden für frische Knochen 16 Pf., für vorgekochte 6 Pf. pro Pfund. Die Knochen werden von dort der im Anschluß an unser Elektrizitätswerk von der Mineralöl- rasfinerie, G. m. b. H., Hamburg, eingerichteten Knochenentfettungs anlage zugeführt. Das aus den Knochen gewonnene Fett wird inonatlich der Gemeinde überwiesen. Wcistcnsee. Lcbcnsmittclnachrichtcn. In der laufenden Woche werden 5 Pfund Kartoffeln verabkolgt. Auf Abschnitt 56 b der Kartoffelkarte können 125 Gramm Graupen und aus das Kopfstück der Brotkarte der 117. Woche 256 Gramm Kunsthonig entnommen werden. Auf Abschnitt 6 der Eierkarte werden 3 Eier zum Preise von 31 Pf. abgegeben. Außerdem Rauchfisch und Muschelfleisch in Gallert. Nicdcrschönhauscn. Lebensmittelversorgung. Die Kopfstücke der Brotkarte der laufenden Woche berechtigen zum Bezüge von 1 Pfund Kriegsmus beziehungsweise Mischmarmelade (Apfel- und Pflaumenmarmelade), 156 Gramm Kaffee-Ersatz, einer Dose Delikateß-Grützwurst oder Sardinen in Oel, Brühe oder Tomaten oder Kronsardinen in Essig. Die Preise betragen sür KriegsmuS und Mischmarmelade 6V Pf. das Pfund, für Kaffee-Ersatz 42 Pf. für 156 Gramm. Grützwurst 1,85 M., Sardinen 1,22 M., Kronsardinen 2,56 M. die Dose. Bei Kriegsmus und Marmelade sowie bei der Delikateß-Grützwurst und Sardinen besteht ein Anspruch auf eine bestimmte Sorte Ware nicht. Die Eninohme dcS Kaffee-Ersatzes wird bei der Ausgabe auf 5kaficc-Ersatz-Knrten nicht angerechnet. Auf die örtliche Lebens« mittelkarle gelangt im Laufe der Woche Puddingpulver zur Ausgabe, und zwar auf schwarze Lebensmiltelkarte � Pfund, auf rote Karle �/z Pfund. Das Päckchen von Pfund kostet 6V Pf., für loses Pulver beträgt der Preis 3V Pf. für t/i Pfund.— Kartoffeln iverden 5 Pfund verabfolgt.— Auf die laufende Eier- karte entfallen diese Woche drei Eier zum Preise von 31 Pf. das Stück. siöpcnick. Verlängerung der Polizeistunde. Für die Schank- wirtschaften und Kaffeehäuser ist die Polizeistunde während der Sommerzeit, soweit sie bisher auf 11 Uhr festgesetzt war, auf ll'/z Uhr ausgedehnt worden._ Mus aller Welt. Bootsunglück auf der Donau. Innsbruck, 21. Mai. TaS„Jnnsbruckcr Tageblatr' meldet: Auf der Donau ereignete sich gestern bei Pförring ein schweres Unglück. Achtzehn in der Pulverfabrik angestellte Personen, die eine Boots- fahrt nach Kelheim machen wollten, fuhren mit ihrem Kahn infolge des Hochwassers und ungenügender Steuerungskcnntnis an den Brückenpfeiler, wobei der Kahn kenterte und 13 Per- s o n e n. davon 5 Frauen, den Tod in den Wellen fanden. Nur 5 Personen wurden gerettet. Ein Zusammenstoß zwischen einem Motorboot und einem Schlepper ersolate, wie aus Danzig beridiicl wird, am Sonntag aus der Weichsel. Vo» den 15 Insassen des Motorbootes, das gesunlcn ist, sind zwei Kinder ertrunken. Explosiou in Troisdorf. Köln. 26. Mai. Tie„Kölnische Zeiiuiig" schreibt: Heute nacht 3V� Uhr ereignete sich in Troisdorf eine Aetherexplostoii, der zehn Menschenleben zum Opfer fielen. Außerdem wurden vier Arbeiterinnen verletzt. Präsident Achclis gestorben. Der langjährige Vorsitzende des AuffichtsralS des Norddeutschen Lloyd, Präsident Achclis ist gc- storben. Kriegssorgcn der Selbstmörder. Einen hübschen Scherz erzählt da?„Prager Tagblott" seinen Leiern: Ein Lebensüberdrüssiger ver- schafft sich in einer Apotheke Zyankali, um sich den Tod zu geben. Vergeblich wartet er die Wirkung bis zum nächsten Tage ab. Dann läßt er die Reste deZ Gislstoffes prüfen: es war Kriegs-Zyankalr- Ersatz. Da kaust er sich einen Strick lind hängt sich am Feiislerkreuz auf. Der Strick reißt; er war aus Papier. Das zweimalige Min- lingen des Selbstmordes betrachtet er als euieii Wink des Schicksals. Neue Lebenslust erfaßt ibn. Er geht in ein Reslaura»! und täßt sich ein Gulasch geben. Zwei Stunden danach war er tot. öriefkasten der Neüaktion. III 3. C. Der Händler müßte Sic zum Bezüge der Kar- toffctn einschreiben, weigert er nch deisen, io wenden Sic üch an das Polizeirevier.— Daug 17. l. Den Schaden hätte der alle Hauswirt zu ersetzen. 2. Nein, auch sür die Obst- und Zierbänme hält« der alle Haus- eigeniümer Schadenersatz zu zahlen.— M. BS.'»O. 1. und 2. Nein. — Unfall 36. 1. Für den Unfall wird wahrscheinlich nur für eine kurze Zeit eine Rente von 10 bis 15 Proz., die nach Ihrem angegebenen Arbeits- verdienst inonatlich 10 bis lö M. betragen würde, gezahlt.-J. Ja. der Antrag ist an die Bernfsgcnossenschasl zu stellen.— Z. Z 29. Ihre An- gaben sind so ungewiß, daß wir nicht wissen, um welches Slrasdeliki es sich handelt und deshalb auch die Höhe der Strafe nicht angeben tonnen Es ist übrigens der Anklagebeichluß abzuwarten, um zu sehen, aus itirmid welcher Paragtaphen des Strasgesetzes dieAnllage erhoben wird.—(£. E 80. Wenn sich nach Eingehung der Ebc in Ihren Eiiikommeiisverbälinnsen nichls verändert, wirv Bedürstigteit Nicht als vorliegend erachlet und kann dann die Unterstützung oerweigert werden.— K. 2. 100. 1. Wcmi die Beschwerde vom Minislcrium schon abgelehnt ist, wird sich in der Sache nichts mit Erfolg unteriiebmen lassen, es wäre allerdings noch Klare gegen den Lieferungsverband zulässig. 2. Bon einer solchen Annage an die Kriegsgefangenen ist uns nichts bekannt.— BS. BS. 1000.'Nein. «.»etterauSstckten kür das»littlerc Siorddeutilviand vis Mittwoch mittag. Langsame Erwärmung, vorwiegend heiler und trocken. Todes-Anzeigen MM Uli. Geschäftsstelle: Berlin. Dem Andenken uiisercr im Felde gefallenen Kollegen gewidmet. Richapd Anton, Zuschneide geb. 6. 4. 89. Frankfurt a. O. Stanisl. Schimzieloz, Zuschneider, gib 26. 9. 84. Allstadt. Ehre ihrem Andenken! 170/6 Dei- Vai-ntnnck. IMctw TraDsportarheiter-Vertanil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer �uxust �iüatidefx am 19. Mai im Alter von 65 Jahren vtrstorben ist. Die Beerdigung findet am Diens tag. 22. Mai, nachmittags 3Y, Uhr. von der Leichenhalle dcS neuen Naznreth- Kirchhofes, Reinickeiil dorf, Kögelstr. 9, auS stati. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Aulosührer Benjamin Gronau om 18. Mai im Aller von 53 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet om Dienstag, den 22. Mai. nach- mittags 3stz Uhr, von der Leichen. Halle des Wilmersdorfer Kirch. Hofes. Wilmersdorf, Berliner Straße 101. aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lagerarbeiter Willi Reh im 12. Mai imAltervon 27 Jahren verstorben ist. Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Willi Kaiser am 14. Mai im Aller von 22 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Audenkrn l Bin Bezirksverwaltung. Im Feldlazarett starb au schwerer Lungeiiciitzündung mein inniggeliebter, unvergeßlicher Mann und lreusorgcndcr Vater seiner drei Kinder, der Klempner lulius Lehming Landsturmmann. Er starb acht Tage vor Voll- endung seines 45. Lebensjahres. Dies zeigen im tiessten schmerz an Itaria Lehming als Gattin. Wilhelm Lehming 1 Erwin Lehming, I n'5 zurzeit im Felde| Söhne. Julius Lehming) Martha Oehn als Nichte. Berlin 30. 33 Marianncn-User 6. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, aus dem Thomas-Kirchhos in der Hcrmannstraße statt. 7A Sozialilem. Verein kür Berlin VI. (Sozialdem Partei Deutschi.) 5. Abt. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Atitglied, der Genosse (Zustav Hering Schriftsetzer, am 18. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 23. Mai, nachm 21/, Uhr, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofs in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 229/15 Ter Borstand. kreier Sängerclior Alt-Glienieke. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 16. April 1917 unser liebes und braves Mitglied 60/7 Otto Reek. Stumm ruht der Sänger. Am Sonntag, den 13. Mai 1917, starb im FestungSlazarett Älogau mein inniggeliebter. einziggutcr Mann, der Armierungssoldat Georg Fischer geb. 5. 1. 1884. Er folgte seinem lieben, einzigen, unvergeßlichen Töchterchen Herta, gest. 25. 5. 1916. 2425b Was ist mir nun vom Leben und Lieben, Vom Hoffen und Bangen. vom Streben geblieben? Zwei Häuflein Sand beraetl mein ganzes Glück, Denn meine Lieben kehren nie- mals zurück. Ihr habt den Frieden. Mir bleibt der Schmerz. In namenlosem Schmerz Witwe.Amus l'ischer. Meinem lieben Schwiegersohn, unserem Schwager, Onkel und Fieunde 2426b Cavong Fischer ein herzliches sitube sanstl— Unvergeßlich bleibst Du den Deinen. Witwe Luise Lolke, Schwieger- mutler, Hermann Jartler, Schwager, Klara May, Schwägerin, KSte Silz und Gretchen May, Nichten, Familie Schünbeck, Freunde. Spezialarzt I>p. med. Colomann f.Geschlechtskrankh., Haut-, Harn-, Frauenleid., nerv Schwäche, Bein- kranke, Elirlloh-Hata-Kuren (Dauer 12 Tage). Behandlung schnell, sicher u. sohraerzlos oh.Benifsstör.i. 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Die Aendc. rung tritt am l.Avril 1917 in Kray. F. Krukow. Vorsitzender. Artur Schuldt. Schristfübrer. o _ einer I-elbbinde? Sämtliche Systeme am Läget rosp. nach Maiianiertigung sowie Bruchbandagen � Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant für Krankenkassen. Balkonpflanzen Echte Gebirgshängenelken, Petunien, Geranien, Clematis in bester Ware empfehlen 461 OL LBOESE&Ce nur 025. Landsberger Straße«6 Kuktnerauaen Fußsohlenvechärtung «ornfaiittlllmna entfernt mit absolul-r Sick- er. ;,"Sosco". S n-igrV Radi- lalmmel für elngewinzelie und schmcrzbaste Leiden. Sei. 25 Zaheen bewährt. Versand durch Nachnahme. Otto Reichel, Berlin 43,®i(ciibaümtr._l Befchlagnahmefrete'/, Sfktkorllf m 25 Pf. '/, Weinkorken bis 3>/i Ps.. gebrauchte, tault Benecke Invaliden. Straffe 137 ( nahe Stcttincr Bahnhof) von 16 bis 3 llbr Amt Borden 8875. ReuiersWerke z Bände b tNark. 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Mai Mus den Mnfa'ngen der deutfthen Heilkunde. Von Dr. Johannes Kleinpaul. ES wird kaum jemand verwunderlich erscheinen, dan die ersten Kerzie gleichzeilig vielfach Apotheker und die ersten Avolpeker gleich- ?cilift Hcilkünstler waren; daß einer, der in die Apotheke läuft, um sich ein Heilmilicl zu holen, gleichzeitig um einen guten Rat in irgend- welchen Nöten bitter— und ihn erhält—, ist namentlich auf dem Lande heute noch vielfach üblich. Das liegt so nahe, dah es jeder- mann begreift—, auch wenn er es nicht immer billigt. So wurde auch die erste Feldapotheke soder„Militärkiste"!, von der wir wissen, von einem Medikus zusammengestellt. Es war dies der seinerzeit ÜEigO bis 1634) berühmte Chirurg Fabrizius Hildanus. Nur.altergebräuchlichste und sürnembste Slüc!" waren darin enthalten,— unS kommt jedoch ibr Inhalt sehr reichlich vor. Im ganzen waren es nicht weniger als 307 verschiedene Medikamente t dazu kamen dann noch allerlei Säuren. Eine Menge Wurzeln, Kräuter und TeeS waren darin enthalten. aber auch Früchte, Gewürze und ätherische Oele fehlten nicht. Allenr andern voran stehen jedoch die Abführmittel; davon waren nichr weniger als 15 einfache und 17 vermischte in der Kiste. Dazu kamen dann noch verschiedene Schmalze: Hirschtalg und Bärenfelt. ja sogar Menschenschmalz war darin vorhanden. Dazu.pulverisierte Mumie", die wirklich aus altägypliichen Mumien hergestellt sein sollte, Totenschädel„roh und calcinierl", und als kostbarster Bestand aller allen Apolhekerordnungen.MooS von eines Menschen Hirnlchale". Nur in ganz verzweifelten Fällen wurden diese Kostbarkeiten ver- ordnet, lvenn eS sich darum handelte,.den noch lebendigen Krieger am ganzen Leibe vom Haupt bis auf die Füg auszuluricrcn" und — die Kleinigkeit von 20 Groschen für ein Skrupel zder 288. Teil eines PiundeS) davon gefordert. Lassen wir den Ruhm und die Verdienste dieses ehrenwerten Mannes dahingestellt, wie mag cS wohl hundert Jahre später um die ärztliche Kunst und Wissenschast bestellt gewesen sein? Am 23. Juni 1700 erging ein Schreiben der landesherrlichen Regierung an den Rat in Dresden, die Leibärzte sollten die„Marktschreier und ihre Arzeneien" examinieren. Auf den Jahrmärkten trat damals immer ein Arzt iii offener Bude auf, der für alle Zufälle mit seinen Heilmitteln zur Verfügung stand und vielfach einen HanS- Wurst als Lockvogel zur Seile hatte; in Leipzig hatte er seinen islaiid regelmäßig vor dem PeterStore. Das tvar für „innere Medizin", lind die„Aeußere"? Im Jahre 1719 vermachte der Dresdener Chirurg Tobias Fiedler der dortigen Barbierinnung seine Häuser mit der Bestimmung, kranke Barbiergejellen darin auf- zunehmen und zu verpflegen. Die Medizinmänner damaliger Zeit, die berufenen und die unberufenen, kamen eben von den verschieden- sten Ständen her. In Leipzig z. B. beschwerte sich das Stadtgericht in, Jahre 1727 beim Kurfürsten, daß ein gewisier C. C. O. aus Zwickau, der im Brühl viele Jahre lang bei einer Schneiderin als Tarelschneider gearbeitet hätte, durch eilten Pfalzgrafen den Doktor Titul erhalten und darauf zu kurieren angefangen habe. Es erfolgte ein kurfürstliches Verbot. Daß die Scharfrichter es auf dem— früher von den Aerzten verächtlich behandelten Gebiete der Chirurgie zu solchem ver« wunderlichen Ansehen brachten, beruhte auf einem alten Grundsatz der Sympathie. Nach urallein Volksglauben vermag die Hand, die Wunden ichlägt, auch Wunden zu heilen—, wie man denn über- Haupt all dem Ilnbeimlichen, was vom Galgen und Rabensteine stammt, besondere Wlinderkraft beimaß. Noch im Jahre 1755 wurde bei einer Hinrichtung in Dresden die Erlaubnis nachgesucht, einen Fallsüchtigen das noch warme Blut eines SchächerS trinken zu lassen, und diese Erlaubnis wurde von dem damaligen Premier- minister Grafen Brühl erteilt. Der Unglückliche trank auch wirklich einen ganzen Becher davon hinunter, dann stürzte er eilends weg von der schauerlichen Ställe. Nicht weniger als bei diesen Leuten wird man sich jedoch auch darüber wundern, wie verschiedene Männer der Wissenschaft mit einem Male.umsattelten" und Mediziner wurden. Besonders dann, wenn ihr Feld vorher die Mathematik gewesen. So ließ der bekannte Görlitzcr MalhemaiikuS und Astronom M. Bartholomäus Scholz lWein'cholz), der sich als Gelehrter SculteluS nannte, im Jahre 1575 ein medizinisches Buch— eine Schrift des 30 Jahre früher verstorbenen Paracelius Thcopbrastus von Hoben- heim, genannt Bombastus, über die Pest— drucke». zu der er allerlei aus Eigenem hinzugefügt. Und Kaspar Peucer war bis 1559 Professor der Mathematik, von da an aber Professor der Medizin! Wie, so fragen wir Heutigen, war so etwas mög- lich? Des Rätsels Lösung liegt in folgendem: die Mathematik erreichte ja ihren Höhepunkt in der Himmelskuirde, und ohne Himmelskunde konnte eine ansteckende Krankheit, wie die Pest, damals nicht erklärt werden; die Bazillenlehre war ja erst dem 19. Jahrhunderl vorbehalten. Von königlichen Hof- und Leibärzten erzählte man sich aller- Hand seltsame Geschichten. Vom Jahre 1727 berichtete die.Bossische Zeitung" lNr. 69):„Es sind allhier zu Berlin bey dem Körngl. Hof-Medico Hrn. ESlinger auf dem Müblen-Hof zu bekommen schöne und gute Schweitzer-Käie, das Pf. um 6 gr. Die Herren Liebhaber können gantze Käie oder Pfundweise nach Belieben bekommen." Und in Nr. 66 aus Paris vom 8. Juli:.Dieser Tage fand man eine Frau in ihrer Kammer, welcher der Bauch bis an den Magen geöffnet war und der das ganze Eingeweide aus dem Leibe hing. Der erste Chirurgus. den man ihr holere, fiel auf diesen Anblick in Ohnmacht, worauf man einen andern kommen ließ, welcher daS Ein« geweyde wieder einlegte und die Wunde zunehete." Angesichts solcher Leistungen gewinnt die Erscheinung deS vielleicht zu Unrecht mehr berüchtigten als berühmten Doktor Eisen- bart doch vielleicht ein schätzenswerteres Gepräge. Gewiß, er war in erster Linie— soweit wir heute noch von seinen Leistungen wissen.— ein großer Reklameheld. Aber er war nicht der erste, der die.schwarzweiße" Kunst in den Dienst der Seinigen gestellt. Soeben erst hat die Verwaltung der Königlichen Bibliothek zu Berlin den Nachdruck eine« 200 Jabre älteren.Kultur'DokumentS" aus der Zeit zwischen 1506 und 1512 hergestellt, in dem ein da« nialiger wandender Wunderdoktor„Her Johan Pistoris arczt" aus Magdeburg seinen Rat und seine Hilfe sür eine lange Litanei von allerhand Krankheiten und Gebrechen empfiehlt. Doktor Eisenbart aber hat wohl zuerst sogar ein Klischee in seinen Anzeigen ver- wandt. In der.Vossischen Zeitung" vom Jahre 1724 findet sich die Darstellung eines Blasensteins, den er einem 25jährigeir Menschen„mit geschwinder Behändigkeit und in presence vieler Leute, doch ohne große Schmerzen" herausgeschnitten haben wollte: ein durch allerlei Punkte und Schattierungsstriche belebtes Oval von der stattlichen Größe eines Hühnereis..Dergleichen wichtige Operationen", so beißt es in dem dazu gehörigen Artikel,„wird der Rat Eysen-Bartb noch mehrere vornehmen. Was an Auzen-Curen, Brüchen, Leibs Gewächsen, Hasenscharten von ihm verrichtet worden, achte er gering. Hierbey wird dessen unvergleichlicher balsamischer Haubt-, Augen- und Gcdächtniß-Spiritus de tneliori recommendiret, ivovon sehr viele Proben erwiesen an denen, so vom Schlag ge- rühret, Schwindel, Ohren-Sansen, Kopfwehe und Augen Tunckel- Helten laboriret. auch ist zir conservirung darzu nichts besseres zu wünschen, das Lot a. 12 gr., ingleichen dessen berühmte Tinctur m Stein und Glieder-Schmetzen das Loth a. 8 gr. wie auch die curieusen und bequeme Bruch-Bäuder, wodurch viele Brüche nebst dienl. Medicamentis ohne Schnitt curiret iverden, um billichen Preiß zu Häven. So jemand seiner Hülffe benöthigei, kan des Morgens seinen Urin auffangen und ihm zusenden. Sein Logis ist in der Spandauischcn Straße be.y Herrn Melchern." Eisenbart kam auf seinen Reisen fünfmal noch Berlin. Er hatte von König Friedrich I. ein ausdrückliches Privilegium zur Ausübung seines Berufes erhalten, und Friedrich Wilhelm I. bestätigte es. Später laufte er sich um 200 Taler auch noch den Titel Hofrat. Alle diese Beispiele, von denen viele noch nicht 200 Jahre weit zurückliegen, lassen deutlich erkennen, welche erstaunliche Entwicklung die Heilkunde seitdem und besonders in den letzten 100 Jahren durchgemacht hat. Zehn Proletenjahre. Gestern abend, da erwachten meine letzten zehn Proletenjahre. in denen man von Glück und Habe so nichts erreicht, zu schmerzen- dem ErinnerungSlcbeu. Im letzten, das Grün der Natur berührenden Häuschen deS Städtchens, wohin ich aus den Nriegswettcrn den kranken Körper gerettet, liege ich, ermüdet vom Söldnerdienst des Tage?, auf dem Lager. Das Dunkel und die Stille haben vor dem Enlschlummem das Menscheninnere so wundersam hell und empfang- lich gemacht. DaS junge Ehepaar— er ist ein Lehrer, dem der Schemel zeitlebens sicher fft bei dem ich wohne, plappert vergnügt in der Küche, des Geräusch von Hantierungen dringt in mein Zimmer zu meinein Lager. Einsilbig wirds in der Küche, die Schläiriqkeit scheint auch dort an die Augenlider zu rühren. Da schließt das Paar die Kücheniür hinter sich, geht über den Flur. Und dann höre ich die Kammertür öffnen. Ein Menschenpaar zieht ein in sein treu umhegtes, friedvolles Heiligtum. --— Wie war's vor zehn Jahren, damals, als ich, ein Zwanzigjähriger, die Brust voll Hoffnungen, den Kopf voll Plänen, in die Welt ziehen mußte, um mein Brot zu suchen? Auch da dielt ich Einkehr bei einem jungen Paar. Und als ich, den ersten Tag in der Fremde, abends meine blanken Jünglingsaugen in das weiche, rätselvolle Dunkel der Frühlingsnacht richtete, da hörte ich auch das Paar in seine Kammer schlüpfen. Lange harte Jahre bin ich seitdem gewandert, habe gekämpft, gelitten. Ani Glück der andern gebaut, die Taschen der andern ge- füllt. Ein Mann bin ich worden, so alt wie der, der danrals und beute sein Weib in die Kammer geführt. Doch ohne Habe ge- blieben. Und ohne den Kammerfrieden der andern, den ich gestern und vor zehn Jahren so deutlich gefühlt. — Immer der andern, der andern I __ A. G. Das Enöe öer Vanöerzigeuner. Schon vor längerer Zeit meldete eine kurze Nachricht aus Ungarn, daß eineni Ueberbleibsel aus romantischen Tagen, dos ganz unzeitgeniäß niilten in Europa noch sein Wesen trieb, ein Ende bereitet werden soll: die ungarische Regierung, durch die Kriegsverhältnisse in einem bereits gefaßten Entschluß bestärkt, erklärte sich für die Abschaffung des Wanderlebens der Zigeuner. Der Plan und die Mittel zur Durchführung des bereits begonnenen Unternehmens werden nunmehr in der Zeitschrift sür die gesamte Strafrechtswisscn'chast in den wichtigsten Punkten auseinander- gesetzt. ES handelt sich um eine regelrechte Koloui- salion der Zigeuner, deren Karawanen von Organen der Provinzbehörden angehalten wurden, Ivo immer man sie traf. Die Mitglieder der Wandergesellschaflen werden nach ihren ZuständigkeitSgemeinden gebracht; falls ihre Zuständigkeit sich jedoch nichr feststellen läßt, kommen sie nach jenen Gemeinden, an welchen sie sich zuletzt am längsten aufhielten. Sie werden hier einquartiert. Die Verwaltung ihres Vermögens wird von der AnsiedelungS- bebörde übernommen. Das aus Wagen, Pferden, Waffen uiw. be- stehende bewegliche Vermögen wird auf amtlichem Wege verkauft, die erzielte Summe ebenfalls zugunsten des Eigentümers verwaltet. Da« Geld dient in erster Linie zum Anibau dauernder Wohnsitze, zur Beschaffung landwirtschaftlicher Geräte uiw. Falls eineZigeunerfamilie sich als besitzlos erweist, weiden die Kosten des WohnhauieS vom Staate getragen, nach zehn Jabren wird das Grundstück auf den Namen des Angesiedellen oder seines Rechtsnachfolgers als. Eigentum grund- buchamtlich überschrieben. Den neuen Rechten und dem Schutz, den' die Zigeuner auf diese Weite genieße», stehen natürlich auch die Pflichten des ordentlichen Staatsbürgers gegenüber. Die koloui- sierten Zigeuner haben sich den MusterungSbestinimungeil zu»nlcr- werfen, und die Kinder sind schulpflichtig. Zehn Jahre nach Grün-, dung der Kolonie wird die Vorurundschafl der Gemeinde über die Bewohner aufgehoben, womit amtlich die Erinnerung an ihr ein-' stiges.Zigcuncrium" gelöscht ist. Notizen. — V o r t r ä g e. Am Donnerstagabend 8 Uhr finden in der' Urania zwei Vorträge über Mexiko statt. Oberst Dr. SlruMni- Heller spricht über mexikanische Sitten irnd Gebräuche, Hellmut Zelenka behandelt:„Mexiko und die deutsche Politik". Eintritiskarlen un- enigelllich an der Kasse. — Die Zeitschrift„Neue Jugend" veranstaltet am Mittwoch, abends 8% Uhr, im Graphischen Kabinett I. B. Reumann einen Literarischen Propaganda-Abcnd. — Eine Sozialakade ntie für Frauen soll in Düsseldorf gegründet werden. Die Anstalt ivird Frauen und Mädchen Gelegenheit geben, sich in sozialer Berufsarbeit gründlich auszubilden. tj Der starke Mann. Eine schweizerische Offziersges chichte von Paul JIg. Der Erzähler holte die Zeitung aus der Tasche und las die blau angestrichene Stelle, die er bereits auswendig kannte, mit übertriebener Lustigkeit vor.„Hört nur! Es ist ja zum Beinausreiffcn!.Wie verlautet, ist die jeden Eidgenossen empörende Maßnahme, daß eine deutsche Regimentsmusik die Gründungsfeier des hiesigen Offiziers- Vereins begleiten soll, richtig wieder einem jener törichten Nach- äffer preußischen Drills zuzuschreiben, deren Taten und An- maßungen wir uns nachgerade energisch verbitten. Es sollte uns nicht wundern, wenn bei dieser Gelegenheit die Lang- inut des Volkes reißen und den überzwerchcn Herren ein dicker Strich durch die geschwollene Rechnung gemacht würde. Der als verantwortlich zeichnende Jnstruktor Lenggenhager, der sich unlängst dadurch hervortat, daß er auf dem Horner Schießplatz mit einem wahren Jndianergebrüll in eine harmlose Ausflüglerschar hineinritt, dürfte mit einer un- vorhergesehenen, aber äußerst zugkräftigen Programmnummer zu rechnen haben, falls er nicht vorzieht, seinen schwarzwciß gestreiften Esel noch rechtzeitig am Schwanz aufzuzäumen.' Was sagt Ihr zu diesem sadeu Ochsenmaulsalat?" Die unhciltoittcrnde Mutter rief empört:„Nein, aber auch! Was wollen denn die unverschämten Zwirbcl von dir?" Der Herr Gemeinderat knurrte porderhaud nur, das könne ja lustig werden, wenn sie jetzt schon ansingen, seinen fftamen in derlei Blättern herumzuschniieren. Er brauchte Zeit, um die Tragweite solcher Ereignisse zu ermessen. Schließlich fand er die Geschichte höchst bedenklich. Er hielt dafür, es wäre viel gescheiter, lvenn die Herren Offiziere eine noch so holprige schweizerische— statt eine deutsche Musik anstellten. Das letztere scheine ihm eine wohlfeile Heraus- forderung. „Wieso denn, das kann ich durchaus nicht einsehen! Da die Deutschen in den eidgenössischen Festhütten so gut>vie zu Hause sind, waruni sollten sie bei einem Offiziers fest Anstoß erregen? Das fehlte noch, daß wir unS von hergelaufenem Gesindel und sozialistischen Radaubrüdern den Komment vor- schreiben ließen!" entgegnete der Sohn, den der väterliche Tadel nicht überraschte, aber gleichwohl aufbrachte. „Ja, meinetwegen, macht was Ihr wollt, wir kommen da doch nicht zusammen!" lehnte der Hausherr die weitere Diskussion verdrießlich ab. Er hatte nun einmal die grund- sätzliche Voreingenommenheit gegen das geräuschvolle Militär- wejen oder wie Adolf das einmal im Zom ausdrückte: es komme ihm vor, wie wenn der Alte die Wut gegen das bunte Tuch von seinen Stieren geerbt hätte. Dafür nahm die beherzte Schwester, die des Jüngsten Laufbahn längst nicht mehr mit lvohlwollcnden Augen ver- folgte, die Fehde begierig auf. „Siehst du, daS Haft du nun davon, daß du über- all der Vorderste fein und den großen Herrn heraus- wetzen willst! ES ist kein Wunder. Ich Hab' schon lang etivas Derartiges erwartet", bemerkte sie erbittert, verfiel aber gleich in ein gereiztes Lachen, als sie an des Bruders Handgelenk eine Armbanduhr gewahrte:„Herrjeh, sieh doch Berta, die neueste Mode! Jetzt trägt er, ivciß der Himmel, auch so eine Fitzerbanduhr! Es wird immer besser. Vor fünf Jahren hatte er noch einen fünfzölligcn Schnauz— die Spitzen konnte er am Hinterkopf zusammenbinden— dann sah er eine Zeitlang aus wie von den Mäusen zerfressen und zuletzt mußte mit dem schäbigen Rest auch noch aufgeräumt werden. O Dölfi, du bist, weiß Gott, manchmal noch der reinste Torenbub! Wem iniponierst du eigentlich mit solchen Fisematenten?" Die Geschwister glichen sich in manchen Zügen und doch hätte ein Fremder sie auf den ersten Blick kaum dafür ge- halten. Frau Emilie Gmür>var als Metzgcrmeistersgat'tin schon zu breit und wuchtig geworden, fast ebensosehr wie die Mutter dem Fluch des Fleisches verfallet!, eine ivehrhafte Frau, die sich nn Umgang mit einem rohen Völklern naturgemäß nicht verfeinert hatte. Ihren Armen und Händen sah man an, daß sie das Hackbeil kräftig handhabten und etwa auch eine Äalbsscitc schivungvoll vom Haken auf die Fleischbank beförderten. Sie liebte im Grunde den jüngeren Bruder mehr als Batcr und Mutter, ja sie wäre ihm sogar in seinen Nöten gerne beigestanden, hätte sie nicht schon seit Jahren schmerzlich gefühlt, daß ihr Dölfi nicht nur ein Streber, sondern auch ein Abtrünniger war. Er trat ihrer versteckten Bosheit offen entgegen.„Du mit deinen halbseidenen Fraubascreien hast es nötig, andere anzuöden! Kümmere du dich gefälligst um deine Schinken- zucht, Frau Bratwursterin! Dir will ich sicher nicht imponieren!" Etwas schwoll in seinen Händen, die Kinn- backen krampften sich zusammen. Er merkte, daß jetzt eine grausame Aussprache bevorstand, und er sagte sich: Gut, wenn es durchaus sein muß— warum denn nicht heute? Der Sturm draußen, bei dem alle Riegel knarrten, die Fenster winimerten und die kahlen Bäume sich gebärdetcn, als ivollten sie aufeinander losstürzen, lieferte gerade die rechte Musik dazu. Frau Lenggenhager mit vorgebeugtem Haupte hinhorchend, spürte desgleichen, was ün Anzug war; sie wies die aufgebrachte Tochter böse zur Ordnung':„Kratzbürste, die du bist! Immer mußt du jetzt an ihm herumniäkeln und früher durfte ihm in deiner Gegenwart keiner ein Härchen krüminen. O schweig' doch! Um dir den Mund zu stopfen, ist er doch gewiß nicht heimgekommen!" Dabei sah sie den Sohn erwartungsvoll aufmunternd an, ob er seine irohe Botschaft endlich in vollem Umfange bekanntgeben werde. Allein sie kam zu spät. Die Frau„Bratwustcriu" war nicht mehr zu beschwichtigen. Mit einem einzigen Wort, das von beißen- dem Spott triefte, hatte der Bruder den hcimlicheu Zorn cnt- fesselt. „Nein, da hast du recht, du brauchst dich ivahrhaftig nicht mehr zu versiellen. Und daß wir„Schinkenzüchter" dem feinen Herrn ein Dorn im Auge sind, haben wir auch schon, lang gemerkt," sagte sie bebend, schluckend, zum Aufschluchzen bereit." Der Offizier fuhr ihr barsch in die Rede, sie solle Tat- fachen vorbringen oder schweigen; es sei vollkomiiien unter seiner Würde, auf dergleichen niedere Verdächtigungen zu antworten. Sein unsteter Blick verriet jedoch inneres Schwanken und Sichverschanzen, obwohl er herausfordernd dasaß und die Beine keck übereinander schlug. Die Schwester ließ ihn keine Sekunde aus den Augen und bohrte ihren Blick in seine Züge, als müßte sie den folgenden Worten zuerst einen Weg bahnen.„Ach was, Tatsachen! Wir sind jetzt nicht vordem Untersuchungsrichter. Ich verlasse mich halt ans meine fünf Sinne. Oder meinst du.>vir wüßten nicht, ivarum du seit bald einem Jahr keinen Fuß mehr in unser Haus gesetzt hast, trotzdeni du sass jeden Tag daran vorbei mußt? Ich weiß, was ich wpiß. Im letzten Herbst, an der Haslacher Ehilbi, wst im mit deiner vornehmen Sippschaft an unserem Tisch p /bcistolzicrtest und dir schier den Hals verrenktest, um ur, nicht grüßen zu müssen, sind mir die Augen über dich ulsgegangen. Schau mich doch an und sag, es sei erlogen Gelt, davon willst du nichts hören!" Und Plötzlich— d. der Offizier Miene machte, hinauszu- gehen— übenvälti der Schmerz die starke Frau:„Noch vorgestern hat ihn scr Fritzli vom Fenster voller Freude' erkannt und mich r ganz wehmütig gefragt, warum der. Onkel Dolf denn g cht mehr zu uns komme I" vermochte sie unter schütterr- Schluchzen noch zu bekennen. Es lvar schrecklich zu;.», wie die arme Seele den mächtigen; Körper herumwarf. Ihre Schwägerin, ein älteres desgleichen mütterlich ausschauendes Mädchen, das den> stolzen Offizier seit Jahren heimlich bewunderte, stand schnell auf und ging hinaus, um ihre ebenfalls unaufhaltsamen � Tränen draußen zu vergießen. Sie durfte ja doch niemau- dem klagen, was bei diesem Zwist ihr eigenster Leidens- antcil war. tLsrts. folgt.) 9. Prenyisch Ziiddenische (285. KSuigl. freust.) Klassettlott�rke b. Klasse 11> Ziehnngstaz 21. Mai IL 17 Nonnittaz jln? jede aezoqene Nummer sind zwei«leich d»de Wewinne««fallen,»»d»war je einer auf die Los« gleicher Nummer in de» beide» Abteil»»»«» 1 u. II. Nur die Gewinne über 240 M. sind in Klammern beizelügt. tOhne Gewahr A. St.-A. f. Z.) lNachdruck verdotenl «7 23z 372 30«n 3-IS SS eis 740 ses SS s?o 33 loss 112 SS 413 533 677 91 743 S2 liooo» 3063 87(3000) 299 608 78 733 669 992 3250 369 93 601 871 924 67 4 211 480 629 772 (600) 833 E279 679 713( 3000) 863 973 6025 62 362 620 610 (30001 16 65 733 7 063 204 318 86 479 667 658 810 8149 73 391 649 688 717 8007 69 252 69 317 62 70 627 43 740 62 65 82 800 13 10028 30(600) 68 226 441 520 626 81 874 11074 166 275 471 607 766 69 846 918 63 91(6001 12068 89 183 306(600) 9 498 797 944 1 3023 185 210 13 38 482 669 709 68 912 79 14305 38 408 904 69 1 5221 300 62 1600) 404(3000) 92 600 (1000) 818 969 1 6007 433 695 763 823(3000) 78 82 931 17230 378 431 663 89 757(3000) 847 998 18018 99 207 60 94 369 (600) 627 86 89 799(600) 616 76 90 903 1 8319(1000) 76 417 (3000) 25 642 737 48 28028 47 101 12 69 333 466 613 18 609 867 978 21280 496 659 751 61 827 94 937 99 2 2 403 91 770 608 2 3044 72 264 668 612 67 708(500) 845(1000) 2 4066 106 218 93 349 62 73 474 647 49 69 601 49 84 892 2 5008(600) 166 311 98 926 44 25106 81 668 2 7 268( 600) 311 16 406 63 67(600) 627 64 604 11 739 71 839 966 2 V 139 92 233 603 66 88 718 84 8/ 94 820(3000) 49 922 2 0317 24 624 62 603 32(600) 49 78(1000) 708(1000) 976 511036 272 352 88(3000) 417 634 72 602 722 917 81100 22 272 SIS 63 69 614 670 704 994 8 2 016 39 169 423 64 660 713 33062 69 126 68 269 381 603 29 712 24 967 77 34058 223 72 393 415 522 62 3 5 009 35 125 47 439 683 648 758 3 61=6 71 266 464 5I3'722 3 7009 119 627 92(1000) 644£03 36496 656 623 710 86 3 8120 394(600) 420 558 601 17 31 803 4O002(600) 7 129 63 421 66 59 94 701 855<61140(600) 94 265'SO(1000) 410 72 510 672 787 919 42108 401 84 888 43096 255 365 67 79 97 670 89(500)«35 709 16 96 817 44048 81 166 266 499 632 78 676 706 62 953 4 3 370 65 429 543 653 768 4 6 038 44 89 672 774 865(1000) 4 7 019 67 128 267 490 602 89 606(3000) 8(500) 31 762 63 998 4 L 268 463 67 766 933 95 4Vil4 302 732 693 903 5" 50058 75 431 719 873| 3000) 920(3000) 51603 66 920 (1000) 5 2 073 121 433 500(500) 63 968 61 53l84 233 495 602 63 600 54 735 40 816 8 4 258 606 86 992 6 5 041 IIS 366( 6001 610 74 900 47 5 6 065 165 378 407 41 89(3000) 623 96£40 65 5 7 046 189 463 565 611 77 82 99(1000) 855 912 50 5 8 071(600) 87 179 82 204 39 326(1000) 49 533(3000) 863 6 8 064 69 183 649 601 7 53 64 970 72(1000) 6 0 067 114 830 61406 630 995 6 2106 3/ 329 467 623 68 844 51 921 6 8204 78 388 617 722 860«4143 68 238 623 753 81 819(500)«5137 396 712 93 815 41 48 977 6 6033 69 878 81 412 62 63 96 643 90 732 71 862 907 39 60 67 8 7114 302 8 37 413 649 83 676 788 947(500) 68123 44 235 731 fiSCOS 35(600) 186 255 648 643 86 763 801 60 79 900 7 0011 42 72 398 471 501 11 618 23 79 834 919 71400 700 3 911 65 7 2 029 115 345 621(1000) 771 806 19 909 80 7 3225 89 443(600) 767(3000) 821 74130 412 25 36 43 88 878 7 5 015 234 300 404 817(600) 48 7 6209 11(500) 15 435 846 60 936(600) 7 7 266 300 7B117 462 636 7 9 044 62 363 627 670 931 «0076 218(1000) 6« 639 SS 944 81049 112 95 879 423 673 794(£000) 861 8 2 571 638 722 864 8 3021 32 2=6 335 80 471 679 640 90 723( 6000) 68 8 4128 205 46 47 69 323(1000) 406 58g 638 700 68 86 673 921 8 5099 121 66 232 362 77 411 «: 636 861 86117 77 79 240 410(1000) 43 671(600) 729 56 822 64 0 7106 97 279 317 67 84 679 925 34 716 878 943 8 BOOS 60 52 306 32 72 410 662 7"6(600) 55 926 76 82(1000) «9212(500) 404 67 626(1000) 90 631 912 66 82 LS 048 118(1000) 232 334 481 96 710 84 81044»1 419 32 610 61 621 60 61 966 92154 310 4)1 827 46 61«9 919 87 93136»9 671(500) 83 608 623»2 99 863 933»4127«44 67 443 646 526 97 784 70 660 SS>22 6S(1000) 99 288 99 438 631 724 44 863 97 966 9 8013 139 309 843 64 704 39 87077 131 231 1500) 88«66 589 573 738 863 84 908(600) 11»8074 «1 178(1000) 305(3000) 708 13(600) 803 8 8062 87(600) 103 (1000 1 81-4.6 673 760 972 10(1056»0 16»36 640 IOI0S3(1000) 181 SS 696 676 720 858 72 205 102196 378 10330« 37 464 80 667 608 16 741 809 60 975$'3 4072 279 91 314 19 56 478(600) 779 665 907 86 105017 415 66 90 693«06U9 440 667 713 862 66 908 61 91 107113 203 869 lSOOOl 667 538 779 972 86 1 08070 164 270 SO) 741 827»3 68 109059 162 246 338 473(1000) 669 92 (1000) BIO *iOO60 148 479 612«34 99 790 984 111088 81 133 64 419 6(9 53 663 763 98 SOS 6 968(1000) 112054 136(3000) 230 63 341 48 473 610 31 726 879 113000 3 36 116 46 51 219 78 303 972 114264 422 44 86 604 661 808(3000) 71 93 905 68 »15088 97(600) 308 600 49 1162S1 85 371 438 85 653 683(600) öS 117030 173 202 317 44 646 646 717(600) 22 811 mm nm mb n m ns m f««sr««MB m mti 663 820 40 120122 n 848 486(1000) 601(1000) 99 748 4« 876 805 121U6 71(600) 372(1000) 449 86(1000) 731 61 12 2036 227 321 4? 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DarmitlojSäitdimg«cm 19 Bloi:€(att 76 234(600), uiUB eä 76 136(500), ftail J'IOOOS(300(1). muh eä 100002(3000) h-iß-n. Sie 9lr. 183 023(500) ist nicht zezozen. dageg?» ist die Nr. 189 023 mit 600 Z)t. gelogen worden.— Nochmitt-gsziehurq dezseldi» Zaaei: glatt 18 959(1000). nuft t* 78 909(1000) heißem 9. PrenMfch KSdde«Nche (235. König!. Vrentz.) Klassenlotterie S. Klasse II. ZiehungSta, 2l. Mai 1917 Nachmitta, Ans jede gezogene Nnmme« sind ,wet«leich hob» Gewinne gefallen, und zwar j« eine« aus die Lose gleicher Siammer in den beiden Abtetlungen I a. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigesügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 235 391 438 704 74 900 1184 578 607 873 908 2060 72 355 681 667> 3000) 840 3046 103 229 66( 500) 308 642 621 64 708 819 4169 231(600) 326 419 93 622(500) 639 729 34 63 71 5141 93(1000) 246 600 703 973 6109 241 349 609 642 832 41 83 7 044 117 285 416(1000) 6=6(1000) 11 668(500) 76 77 677 83 922(600) 41 8032 80 235 420 629 33 703 89 950 »042 127 266 385 439 602 63 892 988 97 10008 119 28(1000) 69 65 84 277 829 877 786 87 99 870 11044 92 163 73( 600) 259 330 87 716 61 12453 69«62 713 844 967(3000) 13037 38 41 13000) 69(1000) 166 70(500) 494 735 59 816 1 4024 206(1000) 314 49 430 648 743(1000) 890 16109 430 47 99 628 82 769 1 6336 80 400 12 1600) 26 527 693 884 918 66 1 7049 218 34 396 492 642(1000) 43 833 80 900 (3000) 18162 92 416 43 739 913 47 1 0069 103 66 216 74 410 677 688 726 830 921 23 20017 29 666 810 90 947 21030 169 343 83 77 688 78 650 738 8=6 2 2178 230 633 632 721 910 2 3627 2 4004 22 384 431 629 819 78 90 980(3000) 25153 73 384(1000) 443 834 904 70 2 8024(1000) 41 169 283 667 873 2 7006 46 99 179 423 642 733 842 2 8153(40 0 0 0) 296(600) 376 60 431 664(600) 647 704 43 827 930 LS1S4 228 86 612 735 63 10 3D069 91 440 606 633 62 66 896 966 31071 174 418 72 601 826 3 2148 370 508 74(1000) 632 8 3346 435(1000) 67 659 761 904 8 4024 478 671' 827 929 68 3 5 043 96(1000) 203 27(6000) 474 613 666( 600) 722 33 69 823 969 3 6373 666 639 47 63 94 889 938 3 7037 108 643 593 720 820 3 8090 121 344 61 430'600) 648 83 619 3 0009 64 361 610(1000) 685(3000) 783 838 40172 203 360 406 880 901 41037 82 117 488 844 98(1000) 642 8)3 18 983 4 2145 217 27 382 448 647 719 930 88 4 3263 300 404 70 660 682(10001 756 912 4 4010 313 631 694(600) 798 912 33 4 8107 53 281 414 95 676(600) 46119 207 74 (600) 371 490(600) 576 726 884 4 7 014 278 317 658 892 916 95 4 0061 169 214 61 374 471 558(600) 63 624 66 4 B013(600) 83(500) 83 242(600) 766 977 80 93 60412 627 657 717 34 B1006 172 77 79 236 761 831(1000) 68 5 2044 126(3000) 260 374 504 6 72 888 5 3254 79 342 49 96 456 627 673(1000) 868 64263 797 840 991 6 5010 62 190£4 223 336 76 77 415 64 85 687 706 806 28 44 838 SS 122 498 618(500) 6 7012 66 104 31 285(1000) 687 76 766 891 922 5 8081 165 609 31 830 922 83 6 8018 202 (1000) 898 924 44 6 0019 266 328 39 505 803 730 886 973 82 61014 49(600) 64 388(600) 457 694 739 801 9 938 78 0 2023 164 228 623 864 938 0 3087 142 63 230 40 42 413 674 773 807 30 6 4185 210 301 19 603 54 834 76 976 6 5107 57 236 63 330 482 683 643 940(3000) 6 6 000 119 65 377 627 801 27 983(3000) «7202 361 619 21 63 6 8033 219 309(600, 78 79 496(1000) 663 606 728 99 851 966 8 0117 66(500) 98 240(600) 426 577 668 840 66 979 96 70176 404 78 94 692 612 71034 62 97 166 628 694 7 2 208 437 616 46 707 36 859 907 7 3017 27 33 166 281 310 94 403 633 53 671(600) 726 818 7 4023(3000) 43(XOO) 345 614 68 87 618 603 92 7 5161 266 96 333 475 626 34 666(600) 99 763 915(3000) 7 6059 170 98 201 331 65 660 7 7 019 104 216 33 342 68(500) 68 620 67 724 46 929 11000) 7 8 398 617 7 9310 32 62 91 405 17 609 806 14 66 84 928 80112(600) 39 85 283 348 678 628 785 807(600) 980 90 81397(1000) 410 13 29 81 656 66 865 938 8 2010 163(600) 422 579 728 41 83145 638 41 64 606 763 836 99 933 67 8 4387 495 749 903 91 8 5 012 13 327 43 464 610 36 42 721 99 697 972 8 6 249 463 655 647 67 764 84 587 906 B 7 004 28 163 496 639 43 607 Sil 14 19 0 8267 352 445 79 988 B9136 (600) 359 403 23 66 675 6 16 739 828 964 99 90197 231 56 302 38 433 77 607 836 57 953 74 91061 426 37 77 607 869 9 2052 90 117 369 458 967» 3283 408 658 748(600) 845 64 970 94144 361(1000) 474(500, 616 61 614 46 73 89 819 92 972 9 5066 422 29 64(600) 696 813 83 96127 341 427 633(600) 757 841 63 901 9 7 026 43 46(3000) 61 129 30 64 296 387 61« 714 987 90(1000) 9 8082(1000) 311 IIOW) 40 83(1000) 740 98 841 42 9 9366 441 501 68(1000) 676 810(1000) 922 100994 133 280(600) 421 94 647 638 788 1 01222 69 352 696 617 40(500) 892 976 1 02143 465 634 936 199043 127 218 81 300 41 64 66 429 873( 600) 96 679 748(1000) 69(3000) 823 1 04288 412 641 66 632 28 84 758 804 97(3000) 949 105248 UOOO) 53 338 81 444(500) 668 829 933 66 1 0 6039 63 60 153(1000) 90 251 88 381 91 400 712 74 866 932 1 0 7 097 (1000) 224 349 1 0 8065 306 40 44 690(600) 772(1000) 10 8002 18 105(600) 251 401 16 96 899 927 56 *10281 SSI(StXXfi 806 791(6001 SSZ 46 90 111026 85' 9» 204 59 362 343 51 11216? 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Meldungen 9— 12 Uhr vormittags und 5— 7 Uhr nachmittags in der Per- sonalverwaltung, IV. Stock. Sl. Jan- dorj ii. Co., Belleallianrestraße 1/2. Fahrfinhlsührer und Arbeiter zum soforligen Antritt gesucht. Mel- düngen von 9— 1 Uhr vormittags und 4— 7 Uhr nachmittags bei unserem Maschinenmeister. A. Jandorf u. Co., Charlottenburg, Wil- mersdorserstraße 118/119. 20öK* Arbeiter verlangt Handelsgesell- schajt deutscher Apotheker, Dort- Munderstraße 12. 245/1 ist oUerinneu, Legerin, Ausschlä- gerin, tüchtige, verlangt dauernd Dampswäscherei, Forsterslraße 5.* Kontoristinnen, tüchtig, sosort gesucht. Meldungen um 11 Ubr vor- mittags oderzwilchen 6— 7Uhr abends. Kaushaus des Westens, G. m. b. H., Berlind?. 50,Tauentzienstraße 21/24.* Paketkontrolle, tüchtig, sofort gesucht. Meldungen um 11 Uhr vor- mittags oder zwischen 6— 7 Uhr abends. Kaufhaus des Westens, G. m. b. H.. Berlin W, 50, Tauentziensttaße 21/24• Verkäuferinnen, tüchtig, sür die Abteilungen: Glas, Porzellan, Schreibwaren, Seidenband, Futter- Itoff. Taschentücher, sofort gesucht. Meldungen um 11 Ubr vormittags oder zwischen 6—7 Uhr abends. Kaufbaus des Westens, G. m. b. tz.. Berlin W. 50, Tauentzienstraße 21/24.* Kartonnagen-Arbeilerinnen, Frik- tionsvrcffcrinncnü!chrmSdcbcn.Schefs- lau, Schönhauser Allee 167a.[24236 Hausdienerinnen, kräftig, sosort gesucht. Meldungen von 10— 12 Uhr in unserer Hausinlpeklion. Kaustmus des Westens, G. m. b. H., Berlin W 50, Tauentzienstraße 21/24. 204K* P«kcrin»en sofort gesucht. Mel- düngen von 10— 12 Ubr in unserer Hausinipektion. Kaufhaus deSWestens, G. m. b. H., Berlin W 50, Tauentzienstraße 21/24. 204K* Wir suchen für dauernde Beschäftigung für unseren Betrieb in größerer Zahl. Arbeitsuchende wollen sich schriftlich oder mündlich wenden an Arbeiterannahmestelle der �iilvei�shrik Premnitz, 22/4* Rathenow, Bahnhofstrahe 22. Autogenschweitzer und Schweitzerinnen aus leichte Blecharbeiten stellen sofort ein 38/12* Weiss& Samek, Babelsberger«traße 41. Arbeltsburschen 2588b* gesucht. ßuchdruckerei Vorwärts, lindenstr. 3, 4. Hof links part. Kräftige Arbeiter für Speditionsbetrieb gesucht. Meldungen unter Vorlegung von Papieren. Auergesellschaft Abteilung Spedition A, Rudolfstraße. Znarbeiterin.tüchtige, für Damen» komektion. Bebr, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße Nr. 35. Zeitungsfrau gesucht zum 1. Jum. Zu melden sofort bei Feyerstein, Adlersbos._» Botenfrauen werden eingestellt .Vorwärts", Charlottcnburg, Sesen- heimerstr. 1.* Botenfrau stellt sofort ein»Vor-, wärts"-Ipedition Spandau, Moltkc- straße 7.* ZeitungSauSträgcrin sofort ver- langt ,Vorwär>s"-Spedition Pankow. Mühlenttraße 70.» Zeituiigsausträgerin, Tour Tegel. verlangt»Vorwärts*- Spedition, Borsigwalde, Räuschftraße 10.* Botcnsraiieu verlangt Bernsec, Steglitz, Mommsenslraße 59,.Vor- Wärts*-Spedition.* Tüchtigen Kaudsägeuschntider für Bau- und Möbeltischlerei sucht * Tischlerei, Teliower Str, 53. Tüchtige Tischler für Bau u. Jnnenbau(Hceresarbeii) sucht Tischlerei, Teltower Str. 53.* Tüchtige, selbständige SchBosser für Lohn- und Akkordarbeit sofort gesucht. 38/18* Schulz u. Holdefieist. Abteilung Treibwerk, Quipowstraße 62/63. 4 Lehrlinge sürl'!'z!izilinzl!l'e!iLi'eiu8ejilmei'ei mit erslklasfigcn Zeugnissen werden eingestellt. Meldung nur Mittwoch, d. 23. 5. 17., zwischen 10— 12 U, vorm. Maschinenfabrik Günther Hoffmanu, Berlin SW 48, Friedrichstraße 16._ Gummiarbeiter persekle, auf Auto-Decken u. Schläuche (Hceresarbeit) sosoit gesucht. 461 IL* Erle«Sfc Kcmpke,Alt-Moa6il 105 Jüngere ürbeiterlnnen für leichte Metallarbeiten verlangt* F. W. Müller jun., Cuvryftr. 23._ Arbeiterinnen sucht Kector, Klosterstratze 45, 39/19 Lederfianzwerke. MW SehweißeriiinEii aus Blech kästen Sldalbertjlr.& (uchl Schneider,