£*.140* S4.z Ungarn £50 Marl, für da» übrige Ausland « Marl pro Monat,»ostabonnemem» nehmen an Belgien. Dünemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schwei» vfcheidl Ugna. ( 5 Pfennig) Me Inlfrflons-GcbOljr »efrügf für die fechsgefpalten« Kolon ef. ßeile oder deren Raum K0»fg., für »olitilche und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs> Anzeigen 80»fg. »Kltine Tinreigen", das lettgedruckle Wort 90»fg.(zulüffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10»fg. ktellcngesuche und Schlassiellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b»fg. Worte über lö Buch. ' aben zählen für zwei Worte. Inserate 'r die nächst« Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition »»gegeben werden. Die Exveditiou ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Vevlmev Volkesblstt. Telegramm-Adreffe: jMiHMtnsknt Berti#" Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfd�lands. Neöaktion: Ew. öS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Mt. 151 90— 151 97. Donnerstag, de« Ä4. Mai 1017. Expeüition: EW. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzplat». Nr. 151 90—151 97. jVeue Hrtilleriefchlacbt im Karft. Englische Vorstöße bei Bullecourt abge- wiesen— Starke sranzöfische Angriffe in der Champagne gescheitert— Auslebendes Artilleriefeuer an der Ostfront. Amtlich. Greße» Hauptquartier, de« 23. Mai 1917.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnppkecht. Bei Hulluch und Bullecourt wurden mehrere englische Bor- stoße, die durch starkes Feuer vorbereitet waren, abgrwiese». Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Aisne- und Champagne-Front hielt sich vormittags die Kampftätigkeit der Artillerie in mäßigen Grenzen. Nachmittags sehten nach plötzlicher Feuersteigerung von der Hochfläche von Paissy bis zum Walde von La Bille-aux-Bois starke französische Angriffe ein, die bis zum Abend mit großer Hartnäckigkeit wiederholt wurden. In zähem Nahkampf nnd durch kräftige Gegenstöße hielte« bayerische, hannoversche, niederschlefische und Poseuer Regimenter ihre Stellungen gegen mehrmaligen Ansturm und warfe» den Feind zurück; erbitterte Handgranatenkämpfe in einzelnen Graten- stücken dauerten nachts an. Dem weichenden Feinde fügt« unser Feuer erhebliche See- lustr zu. Die Franzosen habe« durch daS Scheitern ihres Angriffs eine blutig« Schlappe erlitten. Heeresgruppe Herzog Albrecht. An der Lothringer Front und im Sundgan wurden feindliche ErkundungSabteilungeu vertriebe«. Oestlicher Kriegsschauplatz. Mit kräftigem Wirkungsfeuer beantworteten wir daS in mehreren Abschnitten auflebende Feuer der russischen Artillerie. An der mazedonische« Front war bei Sturm und Regea dir GefechtStätigkeit gering. Der Erste Geueralquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i«, 23. Mai abend». Im Westen und Osten kerne größere» Kampf- Handlungen._ Der österreichische Bericht. Wien, 23. Mai 1917. verlautbart: S. T. S.) Amtlich wird Oestlicher«nd südöstlicher Kriegsschauplatz. Seine nennenswerten Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern herrschte am Jsonzo tagsüber abermals Ruhe. Erst spät abends unternahm der Feind einen durch Minenwerfer kräftig eingeleiteten Angriff gegen unsere Gräben vor der Stadt Görz. Er wurde unter schweren Verlusten zurückgeworfe». Heute früh eröffneten die italienischen Geschütze und Minenwerfer ihr Feuer gegen unsere Stellungen auf der Karsthochfläche; die Ar- tillerieschlacht steigert sich zu großer Heftigkeit. In Kirnte» und Tirol stellenweise erhöhte GefechtStätigkeit. Der Chef deS GeneralstadeS. Parteitag öer Sozialöemokratie veutsthlanös. Der Parteivorstaud hat beschlossen, den Parteitag zum 12. August d. I. und die folgenden Tage zu berufen. Ueber die Tagesordnung uud den Ort der Tagung kann erst nach Verstäudigung mit den in Betracht kommenden Körper schaften Mitteilung gemacht werden. Ein Aufruf für Irieürich �löler. Der A.- uud S.-Rat gegen Vollziehung des Todesurteils. Petersburg, 23, Mai.(Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur.) Der Vollziehungsausschug des Arbeiter« und Soldatenrates hat beschlossen, an das Internationale Sozia� listische Bureau und an die sozialdemokratischen Organi« sationen aller Länder, namentlich an die österreichische Sozial« demokratie einen telegraphischen Aufruf zu richten mit der Aufforderung, alle Matzregeln zu ergreifen, um die Hin richtung von Friedrich Adler, des Vorkämpfers der Freiheit aller Völker und des Gedankens an einen Weltsrieden zu verhindern. (Wir haben schon ausgeführt, datz Gründe der Gerechtig ' k e i t gegen die Vollziehung des Todesurteils sprechen. Ihnen treten jetzt noch wichtige Gründe der auswärtigen Politik hinzu. Redaktion des.Vorwärts".)_ Russische Sozialdemokraten in englischer Gefangenschast. Verbot revolutionärer Vorträge. Ein sehr merkwürdiges Erlebnis hatte, wie schon gemeldet, der russische Sozialdemokrat T r o tz k h auf seiner Rückreise von Amerika nach Rutzland. Er hat darüber dem Stockholmer.Socialdemokrat" einiges mitgeteilt. Zusammen mit vier anderen russischen Sozialdemokraten wurde er in Halifax(Kanada) verhaftet, als er— aus allen europäischen Ländern ausgewiesen— ins freie Rutzland zurückkehren wollte. Der englische Gesandte in Petersburg hat es zwar so darstellen wollen, als ob der Aufenthalt nur dem Wunsche zu danken gewesen sei. über die Auswanderer Erkundigungen einzuziehen. Aber in Wirklichkeit wurden die russischen Sozialdemokraten von dem norwegischen Schiff heruntergeholt, in ein Kriegs- gefangenenlager gebracht und für Kriegsgefangene erklärt. In diesem Lager befanden sich an 809 deutsche Zivilgefangene. Trotzkh ergriff sofort die Gelegenheit, den deutschen Gefangenen Vorträge über die russische Revolution zu halten. Und nun kommt da? Un« begreifliche: Der englische Offizier verbot die Vorträge und die deutschen Gefangenen protestierten gegen daS Verbot mit 530 Namens« Unterschriften. Die gefangenen Rüsten versuchten vergeblich, mit der russischen Regierung in Verbindung zu treten, da ihre Telegramme nicht be« fördert wurden. Sie mutzten so einen Monat in der Gefangenschaft bleiben._ Srastlien vor der Kriegserklärung. New Jork, 22. Mai.„Associated Preß" meldet aus Rio de Janeiro, daß der brasilianische Kongreß das Er- suchen des Präsidenten, die Neutralitätserklärung zu widerrufen, angenommen hat. 72200 Tonnen versenkt. Amtlich. B e r l i u, 23. Mai. I. Unsere U-Boote im Mittelmeer haben von neuem eine größere Anzahl von Dampfern und Seglern mit einem Gesamt- tonnengehalt von 53 090 Br.-Reg.-To. versenkt. Hierunter befanden sich der englische Truppentransport- dampfer Transsylvania(14315 To.), der sich in Zerstörergeleit befand; ein unbekannter, vollbeladener englischer 8000� So.» Dampfer auf dem Wege nach Italien; ein unbekannter eng- lischcr Dampfer von etwa 5500 To. mit demselben Ziel; ferner die italienischen bewaffneten Dampfer Alessandria(80O8 To.) mit 11 000 To. Weizen für Italien und Ferara(3172 To.) wahrscheinlich mit Munition sowie der englische bewaffnete Dampfer Karonga(4605 To.) auf der Fahrt von Neapel nach Port Said. II. Neue U-Boots-Erfolge im Atlantischen Ozean und in der Nordsee: 4 Dampfer und 5 Segler mit 17 200 Br.- Reg.-To. Unter den versenkten Schiffen befanden sich u. a. der eng- lisch« Dampfer Adansy(2644 To.) mit Lebensmitteln nach England, ein englischer Segler mit Holz nach England, zwei russische Segler mit Kohlen von England und Salpeter nach Frankreich und ein unbekannter englischer Dampfer, der aus einem Gelcitzuge herausgeschossen wurde. Der Chef deS AdmiralstabS der Marine. Wahlreform in Englanü. Nach einer Erklärung der Regierung in der Sitzung des Unterhauses am Dienstag beträgt die Zahl der Wähler für das Parlament 8 357 000, wozu ungefähr 2 Millionen Männer und etwa 6 Millionen Frauen hinzukommen sollen. Von diesen Frauen sind zirka 5 Millionen verheiratet. Warum schlägt Preußen nicht diesen englischen Rekord? Verdient der Feldgraue, die deutsche Frau hinter Drehbank und Pflug nicht ebenso gut vollen Anteil am staatlichen Leben wie der Tommy und die Engländerin?! Oder hätte England doch die politisch reiferen Menschen und alle hohen Lieder auf das deutsche Volk wären bloßer Ohrenschmaus? Ribot unö Rußland. Es ist der Fehler aller regierenden Staatsmänner, daß sie die Völker für zu dumm halten, um die Wahrheit ertragen zu können. Es ist auch der Fehler des französischen Minister- Präsidenten R i b o t, der am Dienstag in der Kammer per- sprachen hat, Deutschland werde unter Bedingungen, die Frankreichs würdig sind, um Frieden bitten, und wenn es nicht um ihn bitte, werde man es zu ihm zwingen. Herr Ribot war so gütig, die Bedingungen, die Frank- reichs würdig sind, näher zu bezeichnen: es handelt sich um die Hergabe Elsaß-Lothringens und einer noch nicht genau bestimmten Sumpie Geldes. Wenn wir Herrn Ribot Elsaß-Lothringen und unser Portemonnaie zur Verfügung stellen, können wir sofort Frieden haben: das wissen wir jetzt ganz bestimmt. Herr Ribot weiß aber auch seinerseits ganz genau, daß nach drei Jahren des schrecklichsten Krieges kein Deutscher daran denkt, sich um solchen Preis den Frieden zu er- kaufen. Er muß wissen, daß der Krieg mindestens noch drei Jahre fortgesetzt werden muß, ehe er zu einer völlig klaren Entscheidung führt, und daß es trotz allem höchst ungewiß ist, ob diese Entscheidung ihm gefallen wird. Was in dieser Zeit aus Deutschland wird, braucht ihn natürlich nicht zu interessieren, aber als verantwortlicher Leiter Frankreichs sollte er sich sragen, in welchem Zustande sein eigenes Volk aus solchem endlosen Gemetzel hervorgehen müßte. Als guter ! Bundesgenosse Rußlands sollte er sich auch der Frage , nicht verschließen, wie Rußland einen solchen Krieg, der sich ( endlos hinzieht, ertragen soll! Herr Ribot' hat weiter— wieder nach dem Schema F sämtlicher Staatsmänner— die Einigkeit seines Landes mit seinen Alliierten, besonders mit Rußland,'festgestellt. Das ist aber eine ganz offenbare Unwahrheit. Rußland will auf eine Vermehrung seines Landbesitzes durch diesen Krieg verzichten. Frankreich will es nicht. Rutzland verzichtet auch auf Entschädigungen, Frankreich schreit nach ihnen, Ruß- land will den Frieden, und Frankreich will den Krieg! Ein schärferer Gegensatz der Auffassungen und Absichten läßt sich nicht gut vorstellen, und man empfindet beinahe Mitleid mit dem alten Herrn Ribot angesichts seiner Versuche, diesen Gegensatz wortkünstlich zu überbrücken. Natür- lich, Herr Ribot ist auch gegen Annexionen, aber Elsaß- Lothringen muß er unbedingt haben, er ist gegen Kriegs- cntschädigungen, aber für gerechte Sühne, er liebt nichts so sehr wie den Frieden, und eben darum muß der deutsche Militärdespotisnius erschlagen, d. h. der Krieg ins Endlose verschleppt werden. Herr Ribot appelliert sogar an die Einsicht des deutschen Volkes und meint, an dem Tage,„an dem das deutsche Volk das alles einsehen wird", werde der Frieden leichter zu erreichen sein. Zu unserem Bedauern müssen wir Herrn Ribot sagen: es wird lange dauern, bis das deutsche Volk das alles ein- sieht. Vielleicht liegt das an der deutschen Schwerfälligkeit, aber jedenfalls ist es so: das deutsche Volk begreift ganz und gar nicht, wie sich Herr Ribot hinstellen und verlangen kann, daß es ein deutsches Land hergeben und ungezählte Milliarden bezahlen soll, da es doch gar nicht geschlagen ist. Es will ihm nicht in den Kopf, daß für Rußland „strengste Manneszucht" notivendig sein soll, für Deutschland aber— zu seinem eignen Heil— die„Gesetzlosigkeit". Um ganz offen zu sein— Offenheit ist in solchen Dingen immer das beste—: vom äußersten Konservativen bis zum aller- linksten Sozialisten gibt es in Deutschland keinen Menschen, der Herrn Ribots Rede für«etwas anderes hält als für eine Fuchspredigt an die Hühner. Das deutsche Volk trägt den Militärdespotismus des Krieges und des Belagerungszustandes ebenso ungern wie das französische oder das englische Volk. Nach dem Kriege werden alle Völker mit einem Jubclschrci die Last dieses Despotismus abwerfen. Aber ein Volk, das von allen Seiten bcrannt, mit dem Verlust von Land und ungeheurer wirtschaftlicher Güter bedroht wird, ein solches Volk muß, um mit Herrn Ribot selbst zu sprechen, Mannszucht halten, und fiele es ihm auch noch so schwer. Herrn Ribots Rede wird, in den Schützengräben vorgelesen, diese Mannszucht fördern. Ja gewiß, wie die französischen Poilus, so verfluchen auch unsere Feldgrauen täglich und stündlich die endlose Schweinerei dieses Krjeges— aber Herrn Ribot um Frieden bitten und für die gnädige Strafe danken, wenn man ihnen nur Elsaß- Lothringen und eine Stange Gold abnimmt, das wollen sie nicht I Der französische Ministerpräsident hat keine Ahnung von den deutschen Verhältnissen, wenn er glaubt, sein Appell an die deutsche„Einsicht" könne dem Frieden— durch die deutsche Niederlage— dienlich sein. Aber glaubt Herr Ribot das ernstlich? Oder ist seine Rede auch nur trügerisches Wortgebild und Ausfluß jenes Mangels an Mut, der ander? zu Taten höchsten Heldenmuts aufzustacheln liebt? Gehört nicht auch Herr Ribot zu jenen Staatsmännern, die sich nicht trauen, die Wahrheit zu sagen, weil sie fürchten, von den Fanatikern dafür in Stücke gerissen zu werden? Fast hat man den Eindruck, als ob hier etn Mann der Zahlen und der Tatsachen sich Phrasen abquälte, die er selber verachtet. Wann werden endlich die Akteure der europäischen Politik aufhören, Kulissenreißer für die Galerie zu sein!? Jni Gegensatz zur inneren Unaufrichtigkeit der französb schen Regierung wirkt die Klarheit und Offenheit des russischen Arbeiter- und Soldatenrats doppelt wohltuend. In Petersburg wird man wohl auch verstehen, daß der Frieden, um den Herr Ribot gebeten sein will, vom ganzen deutschen Polle als eine unerträgliche Zumutung empfunden wird, als ein demütiger Frieden, den die russische Demokratie im Einklang mit der deutschen verwirft, und gegen den auch eine sozialistische Regierung das Volk zu den Waffen rufen müßte. Rußland, das für sich selbst auf Eroberungen verzichtet, ist vor die Frage gestellt, ob es für vie Ziele des französischen und des englischen Imperialismus auf sein eigenes Friedensziel vev zichtcn will! Rußland will nicht, Rußland soll nicht seinen Vev kündeten die Treue brechen, aber es will und soll sich auch nicht am Strick seiner Bündnispflichten durch Schmutz und Blut endlos weiterschleppen lassen. Dort hat es sein Probe stück zu leisten, wo es sich darum handelt, nicht nur mit den eigenen sondern auch mit den verbündeten Miljukows fertig zu werden und den Frieden ohne Vergewaltigung und ohne Demütigung durchzusetzen, zu dem sich auch die deutsche Sozialdemokratie seit je bekennt, »* Die Rede Ribots. Paris, 22. Mai. i Meldung der.AHence HavaS".) Unter starker Beteiligung der Abgeordneten wurden in der EröfsnungS- sttzuug der Kammer etwa 40 Interpellationen verlefen. Bei Be sprechung mehrerer Interpellationen zur letzten Offe.nsive sagte Ribot: Man hat sich übertriebene Hoffnungen gemacht. Ts sind Fehler in der Ausführung vorgekommen, aber man darf die Ergebnisse weder vergrößern, noch verkleinern. Niemals sind die französischen und englischen Soldaten bewundernswerter gewesen, niemals haben sie die deutschen Massen besser im Schach gehalten. Die Rcgierung�hat Strafen für nötig gehalten und hat im Oberbefehl Aenderungen herbeigeführt, um alles, was nicht mit militärischen Maßnahmen im Zusammenhang steht, aus dem Wege zu räumen. Painleve arbeitet mit dem HeereZauSschuß. Ich bitte die Kammer, die Beendigung dieser Arbeiten abzuwarten. bevor die Interpellationen besprochen werden. Wir werden am Freitag auch die Frage des U-Boot krieges besprechen und wir werden uns so bald wie möglich mit der L e b e n s m i t t el f ra ge beschäftigen. Violette wird der Kammer offen die Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung darlegen. Bei Besprechung der Interpellationen R e n a u de l«nd M a Y e r a s über die russische Revolution und den Ein tritt der Vereinigten Staaten in den Krieg bat Ribot, sie auf unbestimmte Zeit zu vertagen, da die französisch« Regierung von der russischen Regierung zu Besprechungen eingeladen worden sei. Wir haben, fuhr Ribot fort, mit unvcrhülltcm Mitgefühl die Entwicklung der russischen Revolution verfolgt und wir haben Ver ständnis für die Schwierigkeiten, auf die die russische Regierung gestoßen ist, die aus hervorragenden tapferen Männern besteht, die aber von anderen Einflüssen umgeben sind, die ihre Tätigkeit erschweren und die Gesetzlosigkeit begünstigen. Diese mutigen Männer haben Erklärungen gemacht, die unS voll b e f r i e d i g e n, da sie vor allem in der Armee strengste Mann?. z u ch t Herstellen wollen, denn dies ist eine Daseinsfrage für das russische Volk. Großes Aufsehen verursachte! eS, als Ribot ein an ihn ge- richtetes Telegramm des russischen Ministers des«cußern verlas, in dem es heißt, daß Rußland Frankreich nicht vergessen werde, und daß es die bewunderungswerten Anstrengungen des französischen Volkes seien, die die feindlichen Massen nach Westen zögen und beim Wiederaufbau der russischen Kräfte mithelfen.(Lebhafter Beifall beim letzten Satz.) Ribot fügte hinzu: Ich nehme für mein Land diese Worte des Vertrauens und Dankes an. Ja, wir gehen Hand in Hand mit dem treu gebliebenen Rußland. Bei ihm wird ein Sonderfrieden niemals in Frage kommen. Der russische Minister hat den Sophismus richtig gekennzeichnet, mit dem Deutschland die Formel„Ohne Annexionen und Entschädigungen" mißbraucht, in der Absicht, die uns ehemals entrissenen Provinzen für sich zu behalten.(Allge- meiner, wiederholter Beifall.) Teutschland hat den Krieg gewollt! Der Schuldige fft nicht bei uns, sondern dort! Wir werden Wiedererstattung ver- langen. Es werden keine Annexionen sein, sondern sie werden auf Recht und Gerechtigkeit gegründet sein und Zeugnis ablegen von der Barbarei, mit der unsere besetzten Gebiete behandelt worden sind. Ein Friede ohne Schadenersatz, das wird Rußland nicht sagen. Aber es wird sich nicht um Kriegsentschädigungen handeln, die man als Strafe auferlegt (allgemeiner Beifall, besonders bei den Sozialisten),«S handelt sich um Sühne, um ein Werk der Gerechtigkeit. Die ganze Welt wird einen Gerichtshof bilden. Ein russischer General hat mit Recht gesagt, daß eS lächerlich ist, bestimmte Vorschläge über einen Frieden ohne Eroberungen zu machen, während die Deutschen noch Teile von Frankreich, Ruß- land, Belgien und Serbien besetzt halten. Die russische Demokratie — Herrin ihres Geschicks— hat laut erklärt, daß sie den Krieg kraftvoll führen will, und daß sie nicht vom Geiste der Eroberung geleitet ist, sondern für die Freiheit kämpft.(Beifall.) Wir werden den Kampf nicht im Geiste von Eroberungen und Annexionen fortführen, sondern um das wieder zu nehmen, was unser war. Ich wiederhole, daß Frankreich kein Volk unterdrücken will, nicht einmal die Völker seiner Feinde, denn eS erkennt die Freiheit aller Völker an. Frankreich wird am Tage des Sieges nicht„Rache" schreien, sondern„Gerechtigkeit".(Beifall, besonders bei den Sozialisten.) Es kommt vor allem darauf an, daß der Friede von Dauer ist. Der Albdruck des Krieges hat schon zu lange gedauert. Wir müssen daher den Militärdespotismus ver- n i ch t e n. An dem Tage, an dem das deutsche Volk d a s» i n s e h e n wird, wird der Frieden leichter zu erreichen sein. DaZ ist es, was die Russen und wir immer wieder sagen. Es liegt unseren Demokratien am Herzen, daß daS russische Heer wieder in die Hände seiner Führer kommt und seinerseits«ine Offensive unternimmt, während die Vereinigten Staaten sich vor- bereiten, uns in einigen Wochen ihr« ersten Divisionen zu schicken, denen weitere Divisionen folgen werden. Möge Rußland seine Pflicht tun und wir werden weiter nichts zu befürchten haben. tverdsnbielkeichtumFriedenbitken. nicht schein- heilig, wie he ute, mit falschen und hinterlistigen Mitteln, sondern offen, unter Bedingungen, di Frankreichs würdig sind. Und wenn man nicht um Frieden bittet, werden wir ihn zu erzwingen wissen. Die energischen Erklärungen RibotS riefen auf allen Bänken größtes Aufsehen hervor und weckten stürmischen Beifall auch bei den Sozialisten. Nach der Rede Ribots setzte die Kammer die Besprechung der den U-Bootkrieg betreffenden Interpellationen auf Freitag fest Rcnaudel willigte ein, daß seine Interpellation über die KriegSziele verschoben wird. Dann setzte die Kammer die Besprechung der Interpellation über die Absichten der Regierung betreffend die Franzosen, die zur zwischenstaatlichen Zusammenkunft nach Stockholm gehen wollen, auf den l. Juni fest Die Besprechung über die militärische Politik ist gleichfalls auf den 1. Juni festgesetzt worden. Die Besprechung über die Einkommen steuer ist an die Spitze der Tagesordnung gestellt worden. �bzug Tisza! Budapest, 22. Mai. Das Ungarische Telegr.-Korresp. Bureau meldet: Wie verlautet, hat Ministerpräsident Gra TiSza Seiner Majestät Vorschläge bezüglich der Wahlrechts reform erstattet. Seine Majestät hat sich hierüber die Entscheidung vorbehalten, und von dieser Entscheidung ist das Verbleiben oder der Rücktritt des Kabinetts abhängig Heute hat eine Besprechung im Ministerpräsidium statt gefunden, an der sämtliche in Budapest anwesenden Kabinetts Mitglieder teilgenommen haben. Ministerpräsident Gras Tisza begibt sich mit dem Nacht zuge nach Wien und wird von Seiner Majestät morgen in besonderer Audienz empfangen werde«. Es mußte erst der Zarismus fallen und das absolutistische System in Oesterreich ins Wanken geraten, ehe der„parla mentarische" Ministerpräsident Ungarns das Land von sich befreit und fürs erste dem Koalitionskabinett aller in diesem Privilegienparlament vertretenen magyarischen Parteien Platz macht. Noch vor wenigen Wochen hatte er den Kaiser-König zu einer Vertraucnskundgebung zu bewegen gewußt, die aber doch schon eine Wahlrcform zur Bedingung des Ver- bleibens Tiszas machte. Tisza schlug eine Erweiterung des Wahlrechts auf die Inhaber der Tapferkeits Medaille und die Unteroffiziere vor, was auf dasselbe hinaus läuft, weil die meisten Besitzer der Tapferkcitsmedaille auch Unteroffiziere sind. Eine solche„Wahlreform" hätte eine neue Schicht von Privilegierten geschaffen, die noch dazu allmählich ausgestorben wäre und so am wenigsten zur Ver wirklickung des Gedankens beigetragen hätte, immer breitere Volksschichten zur lebendigen Teilnahme am Staat zu erziehen. Die gerade für die letzten Tage angekündigten Wahlrechts Versammlungen der Arbeiter wurde» schlankweg verboten. Sehr viele Meldungen— die Entwicklung und Lösung der Krise ist noch nicht vollkommen klar— stimmen darin überein, daß der König von Ungarn die Durchführung einer ehrlichen Wahlreform von seinem Ministerpräsidenten gefordert hat, die dieser aber bisher verweigerte, wahrscheinlich. auch nach dem neuen Ministerrat verweigern wird, so daß sein Rücktritt wahrscheinlich ist. Andere Beweggründe mögen mitgesprochen haben. Tisza ließ keine Lebensmittel aus dem gesegneten Ungarn in das bitter darbende Oesterreich und war einer näheren wirtschaftlichen Gemeinschaft mit Deutschland mindestens nicht zugeneigt. Er war ein schroffer Vertreter des Dualismus, will sagen der Zweiteilung der Donaumonarchie in Oesterreich und Ungarn— ein System, das notwendigerweise in Ungarn den Magyaren, in Oesterreich den Deutschen und etwa noch den Polen die Herrschaft über die anderen Völker mehr oder minder in die Hand gibt. Die südslawische und zolnifche Frage stellen gewaltigste neue Probleme, die ein in ausgefahrenen Geleisen sich bewegender Staatsmann unmöst lich lösen kann. Mit Stefan Tisza verschwindet ein rücksichtsloser Ge waltmensch. Als Parlamentspräsident hat er die Opposition durch die Heiducken der Pawlik-Garde hinauszerren lassen. Als Ministerpräsident stützte er das Regime Stürgkh in Oesterreich, von dem er allerdings jenen für die ungarischen Großagrarier so vorteilhaften zwanzigjährigen Ausgleich erlangen konnte, auf den der Reichsrat sicher nicht eingegangen wäre. Er regierte in Ungarn so, wie in Preußen bis zum Krieg regiert wurde und nach dem Willen gewisser Leute immerdar regiert werden soll und darum versteht man es, daß unsere Konservativen dem Tisza eine stille Träne weihen. Man feiert ihn als den treuen Bundesgenossen des Deutschen Reiches— als ob für Ungarn, das durch seine Ratio nalitätenpolitik die Jrredenta unter seinen Rumänen und Serben großzüchtete. eine andere Taktik möglich gewesen wäre, als sich gegen den Ansturm der angrenzenden Staaten i u verteidigen; würden die rumänischen und südslawischen Gebiete abgetrennt, so bliebe Ungarn ein magyarischer Klein- 'taat mit kaum 9 Millionen Einwohnern. Eine staats- erhaltende Politik wird die Lösung der Nationalitätenfrage Gewußt und mit Einsatz aller Kräfte versuchen müssen. Ungarn ist zum Zusammenschluß mit Oesterreich ge- zwungen, seine Landwirtschaft ergänzt notwendig die österreichische Industrie und stark wird das Donau- reich erst als ein Bund freier Völker sein. Die Entwicklung wird auch vor der Grenzlinie nicht Halt machen, die durch den Körper des tschechisch-slowenischen, wie des deutschen und kroatischen Volkes gezogen ist. Nicht zur Unterwerfung lnaarns unter ein absolutistisches Wien. so wie es 1849—1867 war, aber zur Errichtung des demokratischen Nationaltäten- Bundesstaates Oesterreich- Ungarn wird der Dualismus, der Doppelstaatcharakter überwunden werden müssen und erst recht neben einem aus freien Völkern be- tehenden Rußland. Nun ist von der rauhen Wirklichkeit bis zur Erfüllung dieser Wünsche noch ein steiler, dornenvoller Weg, und der Monarch, der ihn gehen will, wird bitterste Enttäuschungen erleben, von denen man nur hoffen kann, daß sie nicht stark genug sind, einen ernsten Willen zu brechen. Zwar wird dem Grafen Tisza seine„Arbeits- mrtei" kaum ewige Treue halten und jede vom Vertrauen des Königs getragene Regierung wird eine Mehrheit finden, wenn diese neue Mehrheit auch kaum schöpferische Kraft in sich tragen wird. Die parlamentarische Opposition Tiszas »esteht aus Grundbesitzern, für die die demokratische Parole ein Kampfmittel ist, das man in die Hand nimmt, weil man es nehmen muß, dessen Existenz man aber lieber heute als morgen vergißt. In dieser Opposition sindet sich gerade die Ouintessenz jenes rückschrittlichen Ungar- tums, das keinen Sinn für die Großmachtstellung Oesterreich- Ungarns hat, das mit Gewalt das vielsprachige Ungarland Uns«« Feind« werde» ihre Hoffnungen zerstört jchen. Sie I in einen magyarischen Einheitsstaat verwandeln will. Budapest, 23. Rak. Die so überraschend schnell herein- gebrochene Krise des Kabinetts Tisza hat eine Vorgeschichte, die mit der„Demokratiebotschaft" König Carls an den Grasen Tisza Ende April dieses Jahres zusammenhängt. Der König forderte in diesem Handschreiben die Ausdehnung des Wahlrechts, worauf unmittelbar in Ungarn eine heftige Wahlrechtspropaganda einsetzte. Die Rc- gierung erklärte sofort, daß der Zensus für Baucrnwähler auf dem Besitz von 8 Joch Feldes herabgesetzt und den Inhabern der Tapfer- keitsmcdaille, sowie den Unieroffizicrcn das Stimmrecht verliehen werde. Die Opposition gab sich mit dieser kleinen Reform nicht zufrieden. Nach einer Audienz der Oppositionsführer beim Könige erschien gestern ganz unerwartet im„Wiener Fremdenblatt" die Nachricht, daß das Kabinett Tisza seine Demission eingereicht habe. Damit ist die Krise eingetreten. Tisza erschien gestern abend im Klub der Nationalen Arbeits- Partei mit den Kabincttsmitgliedern. Man brachte allen begeisterte Ovationen dar. Baron Levay versicherte Tisza der unentwegten Anhänglichkeit der Partei und ihrer völligen Uebereinstimmung mit dem Standpunkt des Ministerpräsidenten in der Wahlrechts- frage. Graf Tisza reiste in der Nacht nach Wien zu einer Audienz beim Könige. Donnerstag findet eine Sitzung der Rcgierungs- Partei statt, in welcher Tisza über die Ergebnisse seiner heutigen Reis« berichten wird. In allen oppositionellen Klubs herrscht über- schäumende Freude über den Rücktritt des lang bekämpften Kabinetts. Man erging sich in allerlei Vermutungen über die Ursachen der Krise, wobei das Mißlingen de? KoalitionSkabi- n e t t S und die Vcrpflegungsfrage in Betracht gezogen wurden. Demgegenüber muß aber festgestellt werden, daß der Rücktritt ausschließlich durch das Wahlrechtsproblem ver- ursacht wurde.(Neben der Wahlrechtsfrage dürfte der Rücktritt Tiszas durch die wahrscheinliche Weigerung des Kaisers entstanden sein, daS Auflösungsdekret des Reichstags zu unterzeichnen, was Tisza gefordert haben soll, um sich die Opposition vom Leibe zu halten. Die Red.) Ueber den mutmaßlichen Nachfolger TiszaS, falls dessen Rück- trittSgesuch angenommen werden sollte, werden allerlei 5kombi« Nationen laut. Am meisten wird der frühere Ackcrbauministcr Graf Bela Serenyi genannt, der in der Wahlrechtsfrage einen radikaleren Standpunkt einnimmt als Tisza und der der Oppisition Zutritt ins Kabinett gewähren würde. Auch Graf Johann Zichy wird genannt. Zichv gehörte zum intimen Kreise des Erzherzogs Franz Ferdinand. Man sagt ihm viel Verständnis für die Not- wendigkeitcn der Zeit nach. Wien, 23. Mai.«Meldung des Wiener!. k. Telegraph.-Korr.-- Bureau.) Infolge der Reise des Kaisers und der Kaiserin nach der ungarischen Stadt Gyöngyös unterblieb die Reise des Ministerpräsidenten Grafen Tisza nach Wien, der den Kaiser und die Kaiserin vielmehr begleitet. Ucbereinstimmenden Blättermeldungen zufolge ist die Lösung der innerpolitischen Krise in Ungarn, die auf die äußere Politik bzw. die riegsfrage nicht den geringsten Einfluß hat, unmittelbar bevorstehend. Unterhaus unö Streiks. Wie die„Times" meldet, kamen die Streiks im Unterhaus zur Sprache. Der Arbeiterabgeordnete Anderson sprach über die große Erbitterung der Arbeiter. Er warnte die Regierung vor Regressivmatzregeln, die das Land an den Rand einer Revolution bringen könnten; er habe Gelegenheit gehabt, sich in verschiedenen Industriezentren von der kolossalen Erbitte- rung zu überzeugen, die unter den Arbeitern herrsche. Am 13. Mai wurde laut„Uorkshire Post" vom 14. Mai in Hull etn« Versammlung von Eisenbahnangestellten und Transportarbeitern abgehalten. Der Vorsitzende führte aus, daß Hull die erste Stadt im Vereinigten Königreich sei, in der ein Ausschuß für einen neuen gewerkschaftlichen Freibund gebildet wird, der die Eisenbahnange stell- ten, di« Transportarbeiter und die Bergarbei- t e r umfaßt. Der Präsident der Nationalen Vereinigung der Eisenbahnangestellten erklärte unter anderem: Während des Krie. ges ist dem Volke die Freiheit allmählich genommen worden. Hoch- mut herrscht an leitenden Staatsstellen, und dieser Hochmut zu- sammen mit der Armut und dem Hungerelend bereiten den Boden für eine Revolution vor. Auf jeden Fall mutz eine Revolution in diesem Lande eintreten. Revolutionäre Gedanken setzen sich im Geiste des Volkes fest, und wenn die ganze Nation von solchen Gedanken durchdrungen sein wird, wird die Revo- lution kommen. Zleischwucher. Rotterdam, 23. Mai. Nach dem.Nieuwe Rotterdamschen Courant" meldet die„Times", daß das Lebcnsmittelamt eine Unter- üchung nach der Ursache der hohen Fleischpreise eingeleitet hat. Lord Devonport steht deswegen in Verhandlung mit Groß- und Kleinhändlern. Die hohen Lebensmittelpreise und vor allem Fleischpreise werden größtenteils den Spekulativ- nen gewissenloser Händler zugeschrieben. DaS Publikum erwartet in wachsender Ungeduld, daß diesem Wucher ein Ende gemacht wird. Englische Friedensfreunde nach Petersburg. Amsterdam, 23. Mai.„Algemeen Handelsblad" meldet aus London, daß für die Konferenz in Petersburg als Vertreter der Unabhängigen Arbeiterpartei die Abgeordneten Ramsah Mac- donald und Jowett und als Vertreter der britischen sozia- listischen Partei F a i r ch i l d bestimmt wurden. Ein rujfifiher Minifterausschuß für auswärtige Angelegenheiten. Die ruffischen Zustände befinden sich noch sortgesetzt im Stadium heftigster Gärung. Namentlich um den Kurs der auswärtigen Politik, das Verhältnis zu den Bundesgenossen und die Stellung zur Friedensfrage geht der Streit. Die Er- etzung Miljukows durch T e r e st s ch e n k o hat den soziali- tischen Gruppen des Arbeiter- und Soldatenrats offenbar nicht genügt; sie haben jetzt eine direkte Einwirkung auf die Führung der auswärtigen Geschäfte durchgesetzt. Aus Peters- üurg wird dem„Daily Telegraph" gemeldet: Alle Angelegenheiten der auswärtigen Politik werden künstig in einer neu eingesetzten Kommission für auswärtige Angelegen- beiten, die aus Tcrestschcnko, Lwow, Kercnsli und einem anderen Vertreter der sozialistischen Gruppe, vermutlich Z e r e t e l l i, be- steht, besprochen werden. Diese Kommission wird auch über Ver- änderungrn entscheiden, die binnen kurzem in den diplomatischen Vertretungen in den Entrntestaaten vor sich gehen. S s a s o- nowS Ernennung zum Botschafter in London ist zurückgezogen worden. Im Innern nehmen derweil die Bestrebungen der srem- den Nationalitäten auf Erlangung größerer Selbständigkeit ihren Fortgang: Der in Moskau tagende Kongreß der Abge- ordneten der Mohammedaner aus ganz Rußland hat sich mit '446 gegen 271 Nmnnen für ine SrrWung einet Ä un 5 sS- republik in Rußland ausgesprochen. Eine sehr merkwürdige Stellung hat der neue Minister P l e ch a n o w gegenüber den sinnischen Wünschen einge- nommen, wie folgende Meldung zeigt: Stockholm, 22. Mai. Laut finnischen Zeitungen waren vier finnische Landtagsabgeordnete in Petersburg, um dort den Standpunkt ihres Volkes darzulegen. Sie sprachen bei den einzelnen Sozialistengruppen vor und hatten auch eine Unterredung mit dem neuen Verpslegungsminister Plechanow. Dieser erklärte ihnen, das; die vorläufige Regierung in bezug auf die Wünsche des finnischen Senates ohne National- Versammlung keine Entscheidung treffcnkönne. Als man ihn an das Versprechen für Polen erinnerte, ant- wartete er, daß es sich hierbei nur um eine„rein theore- tische Erklärung" handle und„nur eine Art Auto» n o m i e mit weitgehenden Freiheiten" darunter verstanden sei. Die größere Sorge der russischen Regierung konzentriert sich derweil auf den Z u st a n d d e r A r m e e. Zwar verzeich- rret der Petersburger Mitarbeiter des„Cor- riera della Sera" mit Genugtuung, daß der Beschluß der Wiederaufnahme der Angriffstätigkeit das erste greifbare Ergebnis der Bildung des neuen Ministeriums sei. In sozio- listischen Kreisen glaube man, daß das russische Lberkom- mairdo bald die eine oder andere Unternehmung versuchen könne. Der Berichterstatter fügt aber hinzu, man dürfe den Optimismus, der auf den Pessimismus der letzten Tage Plötz- lich folge, nicht übertreiben.— Dazu mahnt die Ententebundesgenossen auch folgendes offiziöse Petersburger Telegramm: Petersburg, 22. Mai.(Melbung der Petersburger Telegr.- Agcntur.) Im Hauptquartier ist der erste Kongreß von Abgeord- ycten der Offiziere des Heeres und der Marine zusammen- getreten. In seiner Eröffnungsrede wies der Generalissimus Alexcjcw die Abgeordneten auf die Warnungsrufe hin„Das Vaterland ist in Gefahr", die in den letzten Tagen ertönten, und bestätigte, dast diese Warnungsrufe wohl berechtigt seien, denn die Schlagfcrtigkeit des russischen Heeres sei in der Tat infolge von Meinungsverschiedenheiten und Mißtrauen, die Offiziere und Soldaten voneinander schieden, sehr merkbar zurückgegangen. „Das russisch� Hccr," sagte der Generalissimus,„gestern noch so sehr ein G c g c n st a n d der Furcht, ist heute von einer ver- derblichcn Ohnmacht erfüllt, und das angesichts eines furchtbaren, hartnäckigen und starken Feindes, der seine gierige Hand nach anderen Provinzen in Südrutzlond ausstreckt und sich nicht zu- friedengibt mit den Gebieten, in die er bereits eingedrungen ist." Ter Generalissimus ermahnte die Abgeordneten, bei ihrer Rück- kehr zu ihren Regimentern sich lebhaft zu bemühen, allen inneren Streitigkeiten im Heere ein Ende zu machen und sich angelegen sein zu lassen, mit allen Mitteln Offiziere und Soldaten eng an- einander zu knüpfen und sie von neuem in den Stand zu setzen, zum Siege zu schreiten, ohne den es für Rußland kein Heil gebe. Der Vorsitzende des Kongresses, Oberst Nowosilzew erwiderte mit den Worten:„Seien Sie gewiß, Herr Generalissimus, wir werden alles tun, was in unserer Macht liegt, umdemHeereseine S ch lagfertigkeit wiederz»gebe n". Mit welch eigenartigen Mitteln man die Stimmung im Heere zu heben sucht, zeigt folgende Meldung: Kopenhagen, 21. Meli Wie„Politiken" aus Petersburg meldet, wurde auf dem Kongreß der Soldatcnabge- ordneten der Frontheerc, der gegenwärtig in PederS- bürg tagt, von dem nicht mehr aktiven General Skalon folgende? Schriftstück verlesen:„Nach Mitteilung aus amtlicher englischer Quelle fand am 22. März in Kopenhagen eine Geheimsitzung russischer Juden statt, die in Dänemark ansässig sind. Die Teil- nehmer beschlossen, nach Rußland zurückzukehren, um im Heere gegen den Krieg mit Deutschland Pro- paganda zu treiben. Sämtliche Teilnehmer sind Deutschen- freunde." Der Sozialistenkongretz stempelte dieses Schriftstück als einen Versuch, die Völker st ämme Rußlands gegeneinander aufzureizen. Der Arbeiter- und Sol- datenrat verlangte, daß die Schuldigen an dieser verbrecherischen Angelegenheit vor das Gericht gestellt werden. Aus Washington meldet Reuter: Die vier Mitglieder der russischen Mission nach den Vereinigten Staaten sind hier ein- getroffen._ Die tzungerunruhen in Portugal. Bigo, 23. Mai. Aus Oporto hierher gelangte Zeitungen bringen eine Schilderung der Lebensmittelunruhen in Lissabon. Danach habe die Menge die Läden gestürmt und sämtlich geplündert. Der in Lissabon angerichtete Schaden belaufe sich auf 1 v M i l l i o n e n Pe s e t a s. Zahl- reiche Verhaftungen seien vorgenommen und mehrere hundert Personen an Bord der Schiffe gebracht worden. Unter den Verletzten zählte man mehrere Frauen und Kinder. Die Kämpfe im Westen. Berlin, 23. Mai. Bei Regen und schlechter Sicht war am 22. Mai nur an einzelnen Stellen der Westfronst die Kampf- tätigkeit rege. Nordwestlich Hulluch unternahmen die Engländer in 2 Kilometer Frontbreite einen starken mit Nebelgeschossen untermischten Feuerüberfall. Unter dem Schutze der Rauch- wand sowie schweren Artilleriefeuers ins Hintergelände, drangen starke feindliche Patrouillen in den vordersten Graben an der KieS- grübe nordwestlich Hulluch ein. Ein sofortiger deutscher Gegen st oß warf sie jedoch umgehend wieder hinaus. Auch in der Gegend von Bullecourt wurden mehrfache Borstöße abgeschlagen. An der AiSnefront versuchten die Franzosen in der Gegend zwischen Hurtebise-Ferme und südlich Corbany einen neuen Angriff. Bereits gegen Mittag wurden zwischen den kahlen zersplitterten Stämmen in den flachen zusammengeschossenen Gräben der Fran- zosen am Winterberg Auffüllungen beobachtet und unter Feuer genommen. Die Franzosen führten neue Truppen heran und um S Uhr 20 nachmittag« brach nach plötzlicher stärkster Feuersteigerung ein starker Angrist vor. Fernfeuer riegelte den Aillelte-Grund ab. Aber d i e in dichten Massen vor» stürmende französische Infanterie bot den deutschen Batterien günstige Ziele. Wo die Franzosen bis an die Gräben herankamen, wurden sie in ruhigem Abwehrfeuer der Besatzung mit Handgranate» oder der blanken Waffe abgewiesen. Zwischen Hurte- bise-Ferme und Winterberg vermochten die Franzosen nur an zwei Stellen in den ersten Graben einzudringen. Am Winterberg selbst, wo die Franzosen auf breiter Front tief gegliedert in mehreren Wellen hintereinander anstürmten, bracki ihre AngristSkraft bereits zu Anfang im deutschen Artilleriefeuer zusammen. Wo lrotzdem kleine Abteilungen in den ersten Graben einzudringen ver- mochten, wurden sie mit Handgranaten wieder vertrieben. Weiter östlich kam der Angriff im deutschen Vernichtungsfeuer teilweise überhaupt nicht zur Durchführung. Die Franzosen wiederholten mehrmals niit größter Hartnäckigkeit ihre Angriffe, was lediglich zur Steigerung ihrer schweren Verluste beitrug. Der französische Versuch, den Sturm durch Luftstreitkräfte zu begleiten, scheiterte. Die deutschen Flieger griffen, vor allem am Winierberge, wirkungsvoll ein und trieben die feindlichen Flugzeuge hinter die Linien zurück. �feindliche Kriegsberichte. Französischer Heeresbericht vom 22. Mai nachmittags. In der Champagne folgten auf die Wirkung feindlicher Artillerie gegen die von uns gestern nördlich vom Cornillet-Berge, Helm- Berge und Teton-Berge eroberten Stellungen feindliche Infanterie- angriffe auf diese drei Abschnitte. Der Feind wurde überall ab- gewiesen und erlitt fühlbare Verluste, ohne irgend ein Ergebnis zu erzielen. Die Zahl der von uns bei dem linternehmen am 20. Mai gemachten unverwundeten Gefangenen beträgt etwa tOOO, darunter 28 Offiziere. An der übrigen Front Artilleriekampf mit Unter- brechungen, heilig auf der Hochfläche von Vauclerc. Handstreiche, welche der Feind an verschiedenen Punkicn der Front versuchte, scheiterten: Streifen von unserer Seite in die deutschen Linien brachten uns etwa fünfzehn Gefangene ein. Vom 22. Mai abends. Der Artilleriekampf hat in der Gegend der Hochflächen von Vauclerc und Californien und östlich von Chevreux den Cbarakter großer Hesligkeil angenommen. Gestern und beute haben die Deutschon die Stadl Reims einer sehr heftigen Beschießung unterworfen. An der übrigen Front kein wichtiges Ereignis. Am 21. haben unsere Flieger zwei deutsche Fesselballone abge- schössen, die in Flammen niederstürzten. Englischer Heeresbericht vom 22. Mai nachmittags. Wir machten mittags erfolgreiche Vorstöße in die feindlichen Gräben östlich von Vermelles. Von der übrigen Front nichts zu melden. Vom 22. Mai abends. Erfolgreiche Streifen nordöstlich von Epeby und nördlich von Armenlieres. Tätigkeit der feindlichen Artillerie nordöstlich von Bullecourt. Westlich von Lens zerstörten wir ein ansgedebnteS deutsches Munitionslager an der Straße von Arras nach Cambrai._ Der Krieg auf öen Meeren. Seesperre unü Versenkungen. Ein Drittel der norwegischen Handelsflotte verloren. Kristiania, 22. Mai.„Tidens Tegn" zufolge verlor die n o r- wegische Handelsflotte während des Krieges insgesamt 740 000 Tonnen Schiffsraum, somit ein Drittel der ganzen nor- wegischen Handelsflotte. Die Verluste für 1S17 sind bereits so groß, wie die Gesamtverluste des ganzen JahreS IS 16. Norwegens Handelstonnage vor dem Kriege betrug etwa 1,87 Millionen Dampfer- und 0,SS Millionen Seglcrbruttotonnen. iv ersenkt. Rotterdam, 23, Mai. Nach dem.Maasbode" ist das norwegische Schiff«Capelle"<283 Br.-Reg.-To.s am 10. Mai zum Sinken ge- bracht worden. Die Bemannung ist in Kingstown gelandet. Amsterdam, 23. Mai 1917.(Tel.-Union.) Aus London wird ge- meldet: Gestern sind 13 Personen von der Bemannung des nor- wegischen Schiffes„Madura"<1023 Tonnen) gelandet worden. Sie erklärten, daß ihr Schiff ohne Warnung von einem U-Boot be- schössen worden sei. Ter russische Viermaster„Lynton"<2324 Tonnen) wurde kurz nach der.Madura" ebenfalls ohne Warnung versenkt. Die Versenkung dürfte im Sperrgebiet, also doch nach Warnung, erfolgt sein._____ Kleine Kriegsnachrichten. Glückliche Heimkehr. Wie.HavaS" vom 23. Mai meldet, sind Viviani und Joffre auf der Rückreise von Amerika in Breest ange- kommen. politische Uebersicht. Mohrenwäsche an Herrn von Gebsattel. Die alldeutsche Presse erschöpft ihren Geist in gänzlich aussichtslosen und darum komisch anmutenden Versuchen, den alldeutschen Revolutionsgeneral von Gebsattel von dem Vor- wurf der Drohung mit der Revolution reinzuwaschen. Der unermiidliche Eifer, den sie dabei entwickelt, beweist nur, wie überaus peinlich ihr die Sache i st. Einige der alldeutschen Spitzfindigkeiten haben wir schon gestern registriert. Die„Tägliche Rundschau" sucht sich jetzt damit herauszuwinden, daß Scheidemann mit der Revolution gedroht, Gebsattel aber vor ihr gewarnt habe. Immerhin hat bei ihr das Nachdenken über diese Ausrede -einen vollen Tag erfordert. Etwas ganz Gescheites ist der „Deutschen Tageszeitung" über Nacht eingefallen. Die Re- volution, mit der Herr von Gebsattel droht, hätte klarer- weise von anderen Volksmassen ausgehen müssen als von den Mitgliedern des Deutschen Verbandes. Herr von Gebsattel habe vor einer Revolution von an- derer Seite gewarnt. Selbstverständlich! Wenn die Reichsregierung einen Frieden ohne Annexionen schließt, so werden natürlich die Sozialdemokraten, weil sie diesen Frieden seit jeher fordern, Revolution machen! Wem leuchtet das nicht ein?! Annexionistischer Gimpelfang. Die„Köln. Volkszeitung" sammelt ZustimmungS- erklärungen für ihr maßloses Eroberungeprogramm. Zu diesem Zweck druckt sie seit einigen Tagen ein abtrennbares Formular ab, worin der Unterzeichner sein Einverständnis mit dem.deutsche» Hindenburgfrieden" erklären soll. Am Kopfe deS Formulars steht:.Keine Eroberungs- und Annexions- Politik, aber Friedenssicherung und gerechte Entschädigung." Nun ist aber diese Propaganda eingeleitet worden durch einen Artikel in Nr. 394 der.Köln. VolkSzeitung" vom 21. Mai, derein ganz extremes Eroberungsprogramm ver- tritt, und das Zentrumsblatt betrachtet die eingehenden Unter- schriften, die eS veröffentlichen will, als Zustimmung zu diesen Er- oberungsforderungen, die eS fälschlich als.Entschädigungen" be- zeichnet. Zu diesen, so schreibt eS,.rechnen wir vorab das in unserem Besitz befindliche Erzbecken von Brich"; diese Forderung sei und bleibe.unumstößlich". Nachher heißt es dann: .Weitere Forderungen, die sich auf den W e l t h a s e n Ant- werpen. den Besitz der flandrischen Küste, die Be« seitigung der Maasfestungen, die Verfügung über die b e l g i- schen Kohlenlager, ferner auf Kriegsentschädigung auch in Rohstoffen für unser Grohgewerbe beziehen, seien hier nur kurz angedeutet. Es wird Sache unserer auf die Oberste Heeresleitung gestützten Diplomatie sein, sie zu erlangen." Obwohl die Oberste Heeresleitung ausdrücklich deS öftern gefordert hat, sie aus dem Spiele zu lassen, nimmt die ,K. V." sie wiederholt für ihr alldeutsches Eroberungsprogramm in Anspruch, und sie erlaubt sich, dieses einen.Hindenburg- frieden" zu nennen. Insbesondere wirbt sie auch um die Unterschriften der im Heeresdienste Stehenden sür ihren kriegsverlängernden Unfug. Offiziere der Reserve und der Landwehr sollen hinter ihrem bürgerlichen Beruf den Zusatz machen -ö- 3- Felde". Es wäre indes sehr erwünscht, wenn die Unter- zeichner dabei erkennbar machen würden, ob sie im eigentlichen Front- oder im Garnison-, Etappen- usw. Dienst stehen. Schon im Jahre 1914 bat die.Frankfurter Zeitung" die.Köln. Volkszeitung" als.das kriegserhitzteste Blatt' bezeichnet. Nach einer Pause relativer Besonnenheit verdient das Blatt jenen Namen längst wieder. Was soll man dazu sagen daß diese große, täglich dreimal erscheinende katholische Zeitung es fertiggebracht hat, die von der ganzen deutschen Presse verbreitete Nachricht über„eine großzügig organisierte Friedensbewegung", die die katholische Geist- lichkeit aller Länder umfassen soll, einfach unter den Tisch falle» zu lassen! Bodman für Bethmann. Karlsruhe, 23. Mai. In der Zweiten Kammer sagte heute der Minister des Innern Freiherr v. B o d m a n in Beantwortung einer gestrigen Aeuherung, die der Abgeordnete Geck738 männliche, 1698 weibliche). Als zum Heeresdienst einberufen lind 9985 Mitglieder gemeldet worden, doch muß die Zahl wesentlich höber sein, sie beträgt vermutlich 10 000 bis 11000. Viele sind vom Militär zurückgekehrt, ohne sich bei der Organisation zu melden. Die fetzige Zeit ist für eine Agitation ungünstig, aber doch haben wir Erfolge. Uns wird aus Mannheim geschrieben: Die„Leipziger Volkszeitung" und„Bergische Arbeiterstimm«" veröffentlichen Be- richte über den„Sieg" der„Uabhängigen" in Mannheim. In einer am 13. Mai tagenden Versammlung seien 600 Genossen erschienen; 200 von diesen seien zur Partei der Unabhängigen übergetreten, berichtet die„Leipziger Bolkszeitung". Solch ein Bombenerfolg reicht dem Solinger Blatt noch nickt zu und es läßt deshalb„den weitaus größten Teil der 600 Genossen und Genossinnen" den Uebertritt vollziehen. Eine zu gleicher Zeit von den Mehrheitlern abgehaltene Konkurrcnzversaminlulig sei nur von 50 Anhängern besucht worden. In hellen Scharen würden die Mannheimer Ar- beitcr die RcgicrungSsozialistcn verlassen, behauptet das Leipziger Blatt. Diese unwahrhaftige Bcrichterstaitung bedarf einer Richtig- stelluug. Es ist richtig, daß es den„Unabhängigen" gelungen ist, in Mannheim einen Verein zu gründen, nachdem Dißmann, Ditt- mann und Vogtherr Versammlungen abgehalten hatten. Mit Ein- schluß dreier auS der Partei ausgescklossencr Genossen verlor bis- her die Partei durch diese Gründung 10 Genossen. Zur Vcr- sammlung der„Unabhängigen" waren deren Parteifreunde auS allen Orten des badisch-pfälzisch-hessischen Industriegebiets geladen und erschienen. Selbst aus KarlSrubs waren die„hellen Scharen herbeigeeilt". Aus Mannheim waren ein paar neugierige Genossen, im übrigen aber jene Anarchosozialisten erschienen, die der Partei schon viele Jahre den Rücken gekehrt hatten. Die Organisation- der letzteren ist schon längst zusammengebrochen; sie erlebt jetzt ihre Wiederauserstehung innerhalb der Partei der„Unabhängigen". Selbst das Wochenblättchen, das die Lokalisten einst unterhielten. soll wieder zum Leben erweckt werden. Es ist also unwahr, daß 600 zur alten Partei zahlende Genossen die Versammlung besucht haben, wie es auch unrichtig ist, daß 200 Genossen ihren Uebertritt vollzogen hätten. In Wirklichkeit haben die drei Vertrauensleute DißmannS, die bisher schon nicht zur Partei zahlenden Anarcho- sozialisten neu organisiert. Tie Sozialdemokratische Partei hielt am 13. Mai eine Konkurrenzversammlniig nicht ab. Nur eine BezirkSvcrsammlung im Stadtteil Neckarsiadt fand an diesem Tage statt, um den Bezirksleitcr seines Amtes zu entheben, weil dieser die Versammlung der Unabhängigen unter Mißbrauch des Namen 3 unserer Partei mit seinem Namen deckte. Die Mannheimer Ar- bcitcrschaft hat sich bisher an der Zcrsplitierunysarbeit in der Ar- beiterbewegung nickt beteiligt. Jnnerbalb der Parteiorganisation gab eS keine Konflikte. Nack dem Ausscheiden der wenigen Oppo- sitionSleute auS der Partei sind solche für die Zukunft auch nicht zu erwarten.__ (Hne wuchtige Kundgebung der Kieler Sozialdemokratie. Montagabend hotte die Kieler Partei im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine öffentliche Versammlung veranstaltet, die sich zu einer politischen Kundgebung gestaltete, wie sie seit Beginn des Krieges in Kiel nicht stattgefunden hat. Ueber 3000 Personen waren in drangvoller Enge im Saale zusammengepfercht und viele mußten umtchren, weil sie keinen Platz mehr fanden. Genosse Reich'tagsabgeordneter L a n d S b e rg- Magdeburg sprach über „Die Forderungen des deutschen Volkes". Nach der Rede, in der der Vortragende auf die Versprechungen der Regierung, die Oster- botschaft des Kaisers und die Arbeiten des Verfassungsausschusses einging, und die Forderungen der sozialdemokratischen Partei scharf herausarbeitete, sollt« eine Aussprache stattfinden. Die Kieler Un- abhängigen wollten auch auS dieser Versammlung für ihre Sonderparteizwecke Kapital schlagen. Sie erlitten damit einen schmählichen Reinfall. Als ihrem Hauptwortführer die von ihm geforderte Rede- zeit in dem Ilmfange, wie sie mit der bei der frühen Polizeistunde zur Verfügung stehenden Zeit gar nicht im Einklänge zu bringen war, nicht bewilligt wurde, forderte er unter heftigen Besch imp» fangen der Parteimehrheit die Anweseivden auf, das Lokal zu verlassen. Mehrere Unabhängige gaben sich die größte Mühe, die Massen hinauszudirigieren. Aber nur einige Hundert« folgten dem Rate. Der weitere Verlauf der Versammlung war vorzüglich. Nach der Aussprache, an der sich ganz im Widerspruch mit dem Vorher- gegangenen auch einige Unabhängige beteiligten, wurden gegen nur wenige«stimmen zwei Resolutionen angenommen. Die eine fordert die Freiheiten und Rechte, die eines freien Volke» würdig sind« und hält die geschlossen« Einheit der Arbeiterschaft und die unverbrüch- liche Treue zur Sozialdemokratie zur Erkämpfung dieser Frei- heiten und Rechte für unbedingt geboten, die ander« wendet sich gegen die Annexionspolitiker und fordert einen VerständigungS- frieden.__ Handbuch der soj.-dcm. Parteitage 191V bis 1913. In nächster Zeit erscheint im Verlag« G. Birk u. Co., München, der zweite Band de» Handbuches der sozialdemokratischen Parteitag« von 1910 bis 1913. Infolge der erhöhten Herstellungskosten hat der Preis des gebundenen zweiten Bandes notwendigerweise auf 9 M. hinausgesetzt werden müsse»; doch ist die Verlagshai�dlung entschlossen, die bis zum l. Juli d. I. von Gewerkschaften und Parteibeamten oder Organisationen, sowie den Schrift- leitern der Partei- und Gewerkschaftspresse be- stellten Eremplave zum Vorzugspreise von 6 M. franko zu liefern. Die„Sozialdemokratische Feldpost" bat ihven zweiten Jahrgang begonnen. Sie hat Zehntausend«» feldgrauer Partei- und Gewerkschaftsmitglieder die Verbindung mit der Arbeiterbewegung wiederhergestellt und sich dadurch nm Schützengraben wie Heimat ein großes Verdienst erworben. In letzter Zeit bat sie besonders auch den Interessen der Kriegs- beschädigten ihr Augenmerk zugewandt. Industrie unö kanöel. Aus dem Berliner Wirtschastslebrn. Die Handelßstäite„B e I l e a l l i a n c e" A.-G. weist nach Ab- schreibungen von 36 360,70 M. einen Reingewinn von 59390,86 M. aus. aus dem eine Dividende von 2 Proz. gezahlt werden soll. Die Franz s e i f f e r i u. Co. A? t.- G e s. weist nach Ab- schreibungen von 414 729 M.(i. V. 208 848 M.) einen Reingewinn von 1334 365 M.(i. V- 838 504 M.) aus. Hieraus werden für Kriegsgcwinnsteucr.500 000 M.(i. V. 315 000 M.) zurückgestellt. Dem Reserevfonds II werden weitere 100000 M.(i, V. 100 0Q0 M.) und für ein zu bildendes Konto Friedenswirtschaft 200 om M.(i.V. — M.) überwiesen. Tic Dividende beträgt 15 Proz.(i. V. 12 Proz.). Vorgetragen werden 09 6V6 M.(i. V. 80 330 M.). Tie Gesellschaft ist voll besckäftigt. Die Carl Lindström-Akt.-Ges. weist einen Rabge- winn von 3 084 544 M.(1015: 3 818 602) aus. Tie Abschreibungen werden mit 439 021 M.(510199) ausgewiesen. Ferner sind noch aus zweifelhafte Forderungen 1170t M.(12 231) abgesetzt und 373 955 M.(413 000) für später fällig werdende Verbmdlichkeiteu zurückgestellt worden. Nach?tbz:ig dieser Abschreibungen und Rück- stellungen sowie der Generalunkosten von 025 417 M.(1 066 405 j verbleibt ein Ueberschutz von 1 381 576 M.(1 816 764"), auS dem wieder eine Dividende von 12 Proz. gleich 600 000 M. zur Ausschüttung vorgeschlagen wird. In dem Geschäftsbericht heißt es; Unser Geschäft in Friedensartikeln blieb infolge bor Kriegsverhältnisse beschränkt. AuS den uns vorliegenden Anfragen und auf Grund unserer Kenntnis der Marktlage dürfen wir indessen feststellen, daß der Bedarf in unseren Friedensartikeln nach Ivie vor groß ist. Sehr wesentlich wird die Prosperität unserer Branche nach dem Kriege von der Möglichkeit und dem Umfange abhängig sein, in welchem der Export wieder aufgenommeii werden kann. Die zu erwartende Dividende der Bela-°Rekörd Akt.-Ges. für daS vergangene Jahr werden wir im Abschluß pro 1017 ver- rechnen, die Erträgnisse der Odeonwerke G. m. b. H. haben wir wie im Vorjahre zur weiteren Stärkung dieser Gesellschaft sür ihre Friedensaufgabcn verwandt. Wenn nicht unvorhcrzusehende Er- eignisse eintreten, dürfen wir für da? lansende Jahr mit einem be- friedigenden Ergebnis rechnen. In der Generalversammlung der Bergmann Elekirizi- tätswerke A k t.- G« s. 6c ani tagte ein Aktionär eine Erhöbunz der vorgeschlagenen Dividende von 10 Proz. auf 12 Proz. Der Vorsitzende, Generalkonsul V. Koch, widersprach dieser Ausfassung. Es sei zu berücksichtigen, daß der Uebergang zur Friedenswirtschaft eine vollständige Neuorganisation notwendig machen und große Kosten verursachen würde. Außerdem seien sämtliche Materialien und die Löhne ständig im Steigen begriffen. Ter Abschluß wurde schließ- lich einstimmig genehmigt, lieber das Geschäft im laufenden Jahre bemerkte Geheimrat Bergmann, daß die bisherigen Umsätze die der entsprechenden Vorjabrszeft überstiegen. Die vorliegenden Auf- träge sichertne dem Werke noch für Monate lang Beschäftigung. Vom Zuckcrmarkt. Nach der..Kölnischen Volkszeitung" geht da» Auslegen der Rübenkerne flott von statten. Die günstige Witterung berechtigt zu der Hoffnung, daß der Rückstand in der Aussaat, der ungefähr ein bis zwei Wochen beträgt, bald eingeholt wird. Der diesjährige Anbau dürfte den vorjährigen aber nicht vollkommen erreichen und 3 bis 4 Proz. binter ibm zurückbleiben. Ten Rübenbauern werden zwar die als Viehfutter hochgeschätzten Rückstände nicht vollkommen zurückgegeben, aber sie sollen doch künftig von der Masse 0,2 Proz. des Gewichtes der angelieferten Rüben erhalten. Soziales. Zur Erwerbsbcschassung für Lungenkranke. Das„Deutsche Zentralkomitee zur Bekamp- fung der Tuberkulose" hielt am Mittwoch in Berlin die diesjährige Generalversammlung ab. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der Kriegsbeschädigtenfürsorge und der Ar- beitSnachweise. In seiner Begrüßungsansprache hob der Vorsitzende Mini- sterialdirektor Prof. Kirchner hervor, daß von den vielen noch Kriegsausbruch geschlossenen Heilstätten inzwischen die �meisten wieder eröffnet worden seien. Er wies hin auf Ist« Bemühungen, die Fürsorgestellen zu vermehren, und forderte, möglichst für lebe Stadt eine solche zu schaffen. Auch für den Mittelstand müsse der Kampf gegen die Tuberkulose weiter gefördert werden. Während deS Krieges seien für die Tuberkulosebekämpfung die Verhältnisse leider nickt besser geworden: nachdem die Tuberkulosesterblichkeit schon in 1015 gegenüber dem Vorjahr ein Mehr aufgewiesen hatte. habe sich für 1916 eine weitere rnid beträchtliche Steigerung ergeben. Erklären müsse man das aus den schweren Störungen, die der Krieg über uns gebracht habe und unter denen besonders die in ihrer Gesundheit schon Geschwächten und auch die älteren Personen leiden. Dem vom Generalsekretär Oberstabsarzt Dr. Helm erstatte- ten Jahresbericht entnehmen wir, daß jetzt für Erwachsen« 161 Heilstätten mit rund 16 100 Betten, für Kinder gleichfalls 161 Heil- stätten mit rund 12 200 Betten und neben anderen Einrichtungen zur Bekämpfung der Tuberkulose rund 2000 Fürsorgestellen be- stehen. Hauptgegenstand der Verhandlungen waren zwei Referate über„Berufsberatung und Arbeitsvermittlung für Lungenkrank« unter besonderer Berücksich- tigung der Kriegsbeschädigten". Oberstabsarzt Dr. B e i ch o r n er- Dresden erörterte die Schwierigkeiten, die sich der Berufsberatung und ArbeitSvcrmitl- lung für Lungenkranke entgegenstellen, weil wenig Beruf« für sie geeignet sind und Arbeidgeber solche Kranken ungern einstellen. Das Beste sei die A r b e i t S e r h a l t u n g. die Zusicherung für den in die Heilstätie gebenden Kranken, daß er nach seiner Ge- ncsung in die alte AroeitSstelle wieder eintreten kann. Lasse sich ein Berufswechsel nicht vermeiden, so werde die Schwierigkeit noch gesteigert durch die Notwendgikeit der Umschulung. Bei gelernten Arbeitern mit Beeinträchtiguuq der?lvbeitSfähigkeit empfehle sich Weiterbildung, um die verminderte Ouantität durch die gesteigerte Qualität der Arbeit weit zu machen. Referent schilderi« auch die Berufsberatung und Arbeitsvermittlung für lungenkranke KriegSteiluchmer. Der Korreferent Geh. RegierungSrat Dr. Freudenfeld- Straßburg, Leiter einer LandcSdcrsicherungsan stall, eklärt« sich noch entschiedener gegen vorschnellen Berufswechsel. Für Lungenkranke sei eigentlich kein Beruf frei von Schädigungen; es komme dabei immer auf die näheren Umstände der Berufsausübung an. Er riet zur Schaffung von Arbettsgenesungsheimen, die dein Genesenden durch eine AtedergcwölMlng an seine Arbeit die Rückkehr in den früheren Beruf erleichtere, für einen etwa doch nötigen Berufswechsel ihm Gelegenheit zur Umschulung geben und auch dem ungelernten Arbeiter wenigstens«ine Anlernling in kurz- fristiger Ausbildung bieten. Zur Arbeitsvermittlung benutze man jetzt fast überall den allgemeinen Arbeitsnachweis. nachdem die besonderen ArbeitSnachiveise der Lungenkranken sich nicht bewährt haben. Den Vortritt bei der ArbeitSvermiMung müsse man den Fürsorgesdcllen einräumen, wo sie noch fehlen, habe die Landesversicherungsanstalt in die Brescke zu treten. Eine Besprechung der Referate fand nicht statt. Das Fiasko der Sparzwangerlasie. Man mag sich zu den Sparzwangerlassen stellen wie man will. die Ergebnisse derselben entscheiden; sie müssen zeigen, ob die Vor- anssetzungen derselben zutreffend waren oder nicht. AuS der Annahme. daß viele Jugendliche w der KriegSzeit ganz außerordentlich hohe Löhne erzielten und diese in unzweckmäßiger Weise vergeudet wurden, sind die Sparzwanaerlasse entstanden. Sie sollten die Quelle„sittlichen Verderbens' verstopfen, der in dcr KriegSzeit zu verzeichnenden Zunahme der Kriminalität mit vorbeugen. Welches sind nun die Ergebnisse dieser Erlasse? Naturgemäß liegen darüber keine Gesamtübersichten vor. Nicht einmal für die einzelnen Bezirke werden solche veröffentlicht. Nur vereinzelt gehen frht«ntf* toifibrt einmal durch die Presse Mittsilungeu der mit der Tmrchführung der Erlasse betrauten Stellen, die jedoch kein Ge» famtbild ergeben. Nur für einen Bezirk sind in letzter Zeit An- gaben gemacht, die einen Rückschluß auf die Wirksamkeit der Spar- zu> angerlasse gestatten. Auf der Krtcgstagung der deutschen Jugend- gcrichtshilfen hat der Magistratsrat Schönberner, der Leiter der Berliner Sparstelle, über die Wirksamkeit des vom Ober- tommaudo in den Marken vorgeschriebenen Sparzwanges Mitteilungen gemacht. Er zog daraus den Schluß, daß dieser Spar- zwang wenigstens im Prinzip in die Friedenszeit zu übernehmen sei. Summen bis zu 1000 M., in einem Falle gar bis zu 2300 M., seien während der einjährigen Wirksamkeit des Berliner Erlasses angesammelt worden. Diese Einzelfälle besagen natürlich nichts. Das Gesamtergeb- nis kann nur entscheidend sein, und dieses ergibt für Berlin fol- gendes: ES waren eingezahlt s-tiaa i�von wurden Es blieb eine auf Konten � wieder frei« Sparsumme am Zahl M. gelassen M. von M. 1. 7. 191« 25 000 940 000 193 000 747 000 1. 11. 191« 33 000 1 837 000 588 000 1 249 000 1. 1.1917 44 000 2 990 000 1 134 000 1 856 000 1. 4.1917 53 000 4 126 000 1 620 000 2 506 000 Das besagt also, daß in 52 Wochen im Durchschnitt auf jedes Konto, nach oben abgerundet— 48 M. Sparguthaben angesammelt worden war, d. h. für jede Woche im Durchschnitt 92 Pf. Ilm diesen minimalen Betrag zwangsweise zu spare», der Eingriff in die ctterlichen Rechte, die Entziehung der BcrmZgensverwaltung. Wenn irgend etwas das Fiasko der Sparzwangerlasse dartut, so dieses geradezu kümmerliche Ergebnis. Uirb daboi ist zu de- achten, daß nirgend so hohe Löhne gezahlt werden wie in Berlin — den viel teueren Verhältnissen Berlins entsprechend. ES muß ausgeschlossen erscheinen, daß in anderen Bezirken ei» günstigeres Ergebnis erzielt worden ist, cZ wird ungünstiger sein. Nicht eine Mark in der Woche hat gespart werde» können! Nicht etwa von jedem unter int Svarzwangerlasse fallenden Jugendlichen, nur von denen, deren Verdienst die Grenze des Spar- zwanges erreichte. Sein Fiasko ist damit dargeta». Er ist— eS war vorauszusehen— ein Schlag ins Wasser gewesen. GroßsBerÜn Dsr kleine Gefangene. Er ist vier Jahre alt, nachdenklich und aufmerksam und hat einen ausgesprochenen Sinn für zwecklose Bewegung. Sein kleiner Körper steckt voll Unrast und namentlich im szrühlmg und Sommer treibt ihn unbändiges wachsendes Leben zum Spiel in Licht und Sonne. Die Erfüllung dieser Sehnsucht versteht sich aber nicht von selbst. Der kleine Kerl muß schon erfahren haben, daß er zu viel vom Leben verlangt. Denn er wohnt im Zimmer einer Mietkaserne. Tag für Tag— und wie viele Stunden— verbringt er mit seinem heftigen Heimweh nach draußen in diesem engen Raum, wo er kaum ein paar Schrittchen gehen kann, ohne anzustoßen, und wo er nur ein kleines Stückchen vom Himmel sieht. Die Mutter arbeitet, die Geschwister sind in der Schule, niemand geht mit ihm auf den Spielplatz oder auf die Straße. Hin und wieder kann er auf den Flur entwischen. Dann trabt er mit hochgehobenen Armen von einem Ende zum andern, hin und her— jauchzend, schreiend— und läßt sich nichts anhaben, wenn die kleine Wucht seines Körpers von den harten Wänden empfangen und gedämmt wird. Das ist aber em seltenes Fest. Von rechts und links, von oben und unten beklagen sich die 5!achbarn bei der Mutter über den Tobsüchtigen. Er wird geschlagen und muß lernen, sich im Zaum zu halten. Langweile kennt er nicht, dazu ist er zu tlug, aber er quält sich ab mit sich selbst zu nichts und wieder nichts. Noch aber ist nicht alles verloren. Seine Mutter ist Zimmervermieterin, und an einem der vermieteten Zimmer hängt ein kleiner Balkon. Der gehört zwar nicht ihm. aber cs gibt doch Stunden, wo er die Abwesenheit des Mieters benutzen kann, hinauszuschlüpfen. So groß, daß er über die Brüstung schauen könnte, ist er nicht, aber man kann unten durch die eisernen Gitter blicken. So steht der kleine Ge- fangene oft regungslos am Ausguck, hält die Stäbe fest mit beiden Händen und steckt das Gesicht hindurch, soweit es gehen will. Anfangs sah er Wagen. Pferde und Menschen, hohe Häuser mit Läden und sogar ein paar Bäume. Jetzt sieht er nur noch das Spiel der großen Kinder. Er fühlt es in den Fußspitzen und in der Kehle!— laufen, schreien I Er hat sich wohl in der Gewalt und bleibt stumm, aber er denkt sich aus, wie er rasen könnte, und nachts träumt er von der grünen Wiese bei dem kleinen Haus in seinem Bilderbuch, wo gar keine Wagen und Autos sind und viel Platz für die kleinen Kinder. Eines Tages ist aber auch daS vorbei. Die lange gerade Straße ist windig, und den Mieter friert eS an den Füßen. Da holt man den Hammer und nagelt des Kindes Welt mit Brettern zu... Das ist ein Fall, entnommen auS der Wirklichkeit in Groß-Berlin, aber doch nur einer von zehntaufenden und hnnderttaufenden gleichgearteter Fälle, die sich alle Tage wiederholen in Berlin und in allen unseren großen Städten. Sollten wir das nicht endlich ändern, dieses Martyrium des Kindes und diese unsagbare Schädigung der Volkskraft: ändern durch eine gründliche Wohnungsreform? Gewiß, wir sollten es l Aber im preußischen Landwirtschaftsministerium verlangt man immer noch Preise für fiskalische Baugelände, z. B. an der Peripherie von Groß-Berlin, die eine solche Aenderung unmöglich machen und die uns weiter zur Miet- kascrne verdammen. Wann endlich wird der Schrei der ge- quälten Jugend auch in diese Amtsstuben dringen? Berliner Lebensmittelnachrichte«. Die auf Abschnitt 71 der LebenSmilte ltarte entfallende Süd« fruchlmarmelad« reicht nicht auS. Als Ersatz wird andere reine Marmelade gegeben. Der Kleinhandelspreis dafür beträgt 60 Pf. Mit Rückficht darauf, daß in der laufenden Woche nicht alle Kartoffclkarleninhaber Kartoffeln erhalten können, macht der Magistrat darauf austnerlsam, daß die Kleinhändler oerpflichtet find, K a r t o f f e l z u f a tz k a r t e n für die bei ihnen eingetragenen Kunden und Kartoffelkarten für Militärurlauber Vorzugs- weise einzulösen, also vor den allgemeinen Kartoffelkarten der in ihrer Liste eingetragenen Kunden, weil für Kartoffelzusatzkarten und Urlauberkarten ein Ersatz in Gebäck, nicht gewährt wird. Die Fettstelle Groß-Berlin hat bestimmt, daß der Besitz von Zentrisugen und Buttermaschinen der Fettstelle Groß- Berlin(Butter), Berlin 0 2, An der Stralauer Brücke 3, bis zum 2 6. Mai anzuzeigen ist. Aus der Anzeige muffen ersichllich lein: Zahl und Art der Maschinen; ob der Anzeigende die Maschinen selbst hergestellt hat oder sie vertreibt und ob der Anzeigende die Maschinen zur Herstellung von Butter für gewerbliche Zwecke oder für Privatbedarf benutzt. Es wird ganz besonders darauf hinge- wiesen, daß auch die Privathäushalte zur Anzeige verpflichtet sind. Tie Vrotkartengemeinschaft gegen die Konditoren. Der Berliner Magistrat schreibt: Die zahlreich vom der- brauchenden Publikum darüber erhobenen Beschwerden, daß die Konditoren und Kuchenverkäufer, die einen Ausschankbetrieb haben. die Abgabe von Kuchen über die Slraße von der gleichzeitigen Eni- nähme von Getränken abhängig machten, sie auf bestimmse Tages- stunden beschränkten oder überhaupt oder teilweise verweigerten, haben es notwendig gemacht, diesem Mißbrauch des den Konditoren eingeräumten Rechts, bei der Abgabe von Kuchen im Ausschankbetrieb Preisausschläge zu erhebe«, ein Ende zu machen. Da alle Versuche gütlicher Einwirkung vergeblich gewesen sind, hat sich der Ausschutz der Brolkarlengcmcinichast genötigt gesehen, die Preis- ausschläge ganz zu beseiiigen. Jetzt muß also Kuchen, gleichgültig, ob er über die Straße oder zum Verzehr im Ausschankbctriebe abgegeben wird, zu den für den Verkauf über die Straße festgesetzten Preisen abgegeben werden. Irgendwelche Aufschläge dürfen nicht mebr erhoben werden. Der Ausschuß der Brotkartengemeinschait bat angenommen, daß die Beseitigung dieses Anreizes den besagten Mißständen den Boden entziehen wird und hat deshalb von noch einschneidenderen Maßnahmen einstweilen ab- gesehen._ Die Brandkatastrophe t» AdlerShof. Der Brand der Chenrische» Fabrik da« T. A. F. Kaljffiaam ist geEscht. Dl« Fauerwehre» konnte» bi» ans die Brandwache» am Mittwoch zurückgezogen werden. Nach den bisherigen Ermittlungen ist das Feuer am Dienstagnachmittag kurz nach 5 Uhr während des Schichtwechsels in einem kleinen Gebäude aus noch unbekannter Ursache entstanden. Trotz der vorhandenen Löscheinrichtungen und begfuetner und genügender Wasservorräte griffen die Flammen schnell um sich. Angeblich soll es anfänglich an zweckentsprechender Leitung der Löscharbeiten gefehlt haben. Durch einige Explosionen wurden die Arbeiter nnd Arbeite- rinnen zu schleuniger Flucht veranlaßt. Hieraus erklärt es sich, daß nur wenige Personen, darunter zwei Feuerwehrmänner, zu Schaden gekommen sind. Die Hauptexplofion erfolgte um 7 Uhr. Um diese Zeit fing auch das angrenzende Adlergestell Feuer. Militär sperrte die Stelle ab und half bei der Bekämpfung des Waldbrandes. Das Löschen der brennenden Gebäude gestaltete sich schwieriger. Es wurde durch den berrichenden Südostwind, den Qualm und die Gase sehr behindert. Die Webren hatten genug zu tun, um nur die angrenzenden Gebäude zu schützen. Gegen Mitier- nacht begann das Verwaltungsgebäude zw brennen. Bei dem Ein- stürz des Dachstuhles wurden fünf Fs wehrmänner verschüttet, bald jedoch sämtlich gerettet. Nur der Feuerwehrmann Zerbe erlitt dabei Brandwunden an Händen, Nase und Ohren, setzte aber den Dienst nicht aus. Der Sachschaden ist natürlich bedeutend, indes keineswegs so groß, wie man zuerst annahm. Infolge der Explosionen sind im Ort« zahlreiche Fensterscheiben, zum Teil auch Türen eingedrückt. Die AufiäumungSarbeiten gingen am Mittwoch flott von statten, so baß mau hofft, de» Betrieb bald wieder auf- nehmen zu können. Der Schaden ist durch Versicherung zum groß- ten Teil gedeckt. Die Firma Kablbaum teilt mit, daß trotz des Brandunglücks er» wesentlicher Teil der Fabrikation aufrecht- erhalten wird._ 86 006 Berliner Schulkinder i» Ostpreußen. Es wird uns geschrieben: Am gestrigen Mittwoch ist der letzte Sonderzug mit Berliner Schulkindern nach Ostpreußen abgelassen worden. In 32 Sonderzügen wurden nahezu 27000 Kinder nach den östlichen Provinzen befördert. Etwa 1800 Kinder wurden durch Füriorge-Vereine verschickt. 7500 gingen zu Verwandten aufs Land, so daß bis jetzt rund 36 000 Kinder die ReichShanplstadt verlassen haben. Der Abttansport gestaltete sich stets in größter Ordnung. Unsere Berliner Kinder find wohlbehalten an ihren Besiimmungs- orten angekommen. Die Autnabme bei der Bevölkerung der einst so schwer geprüften Provinz war sehr herzlich. Die Lehrer schreiben, daß sie so viel Herzlichkett und Liebe kaum erwarteten. Für die Ernährung ist gut gesorgt. Jedenfalls kann die Bevölkerung Berlins nach dem Berichte der begleitenden und beaufsichtigenden Lehrer, die zum größten Teile dauernd dort bleiben, versichert sein, daß die Berliner Kinder in Ostpreußen sehr gut aufgehoben find. Daß Ellern den Kindern Geld schicken, damit sie sich dafür Nahrungsmittel kaufen, fei weder angängig noch nötig. Die Wage» für die Nord-Süd-Schnellbah» find in Auftrag gegeben worden. Infolge der größeren Breite des Tunnelprofils konnten diese Wagen eine größere Breite als die der Hochbahn und ein größeres Fassnngsoermögeu erhalten. Jeder Wagen ent- hält bei 12% Meter Länge und 2,65 Meter Breite des Wagen- kastens 5 Abteile, von denen die mittleren mit je 8 Quersitzen und Mittelgang, die beiden Endabteile mit je einem größeren Raum für Stehplätze und auf der Seite des Führerstandes ebenfalls mit Quer- sitzen, auf der anderen Seite mit Längssitzen ausgestattet sind. Das Fassungsvermögen eines Wagens beträgt 41 Sitzplätze und 70 Stehplätze zusammen; danach III Plätze gegenüber den 75 Per- sonen aufnehmenden Wagen der Berliner Hochbahn von 2,20 Meter Breite. Ein Zug von 6 Wagen der Nord-Süd-Bahn kann also mehr Personen befördern als 8 Wagen der Hochbahn. Es wird nur eine Wagenklasse mit Polsterschen geschaffen und dabei die bestehende Einrichtung von Raucher- und Nicht- raucherabteilen beibehalten. Jeder Abteil ist mit einer Schiebetür versehen, um das Ein- und Aussteigen möglichst zu beschleunigen. Um das Schließen der Türen beim Abgang der Züge zu erleich- tern, ist die Anordnung getroffen, daß es durch elektrische und Luftdruckübertragung für sämtliche Türen von einer Stelle aus durch den Zugführer besorgt wird. Dabei ist Vorsorg« getroffen, daß niemand beim Schließen verletzt oder geklemmt werden kann. ttcber Saugliugsernährung in der Kriegszeit sprach Professor L a n g st e i n, der Leiter des Luguste-Vikloria-Hauses zur Be« kämpfung der Säuglingssterblichkeit, vor einer aus Aerzien zu- sammengesetzlen Zuhörerschaft. Er meint, daß man mit den zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln für Säuglinge nickt nur die gesunden, sondern auch die kranken Säuglinge Jvie bisher in gedeihlicher Weise werde ernähren können. Die Säuglinge seien jetzt hinsichtlich der Ernährung besser daran als alle anderen Altersklassen, und man dürfe für das erste LebenShalbjahr sogar eine Einschränkung der ihnen zugebilligten Milch« menge vorschlagen, wodurch Milch für Kinder deS schul- Pflichtigen Allers, denen sie sehr nötig sei. verfügbar würde. Im übrigen einpfahl Langstein den Aerzten, die der.Stillpropaganda" besonders günstigen Zeitumstände auszunutzen und fetzt mehr als je darauf hinzuwirken, daß Säuglinge möglichst mit Muttermilch genährt werden. Auch sei daiür zu sorgen, daß die Säuglinge in der heißeren Jahreszeit, wo für sie oft wenige Stunden über Ge- sundhcit und Leben entscheiden,»in Sacharen' den Säuglings« für sorge st ellen zugeführt und nötigenfalls schleunigst einem Krankenhaus überwiesen werden. In der Besprechung wurde der Wunsch geäußert, daß mehr geschähe, älteren Säuglingen auch die Dareichung des ihnen dienlichen leichten Gemüses zu sichern. Mit- geteilt wurde, das Kriegsernährungsamt habe bereits die Notwendig- keit erkannt, daß die Gemüsekonservenfabrikation die Säuglinge und die Kranken berücksichtigt. In den Walderholungs statte» vom Rote» Kreuz, die Anfang Mai wieder ihre Pforten geöffnet haben, können täglich etwa 1000 Patienten Aufnahme finden. Für die Anstalten für Erwachsene (Männererbolungsstätte in der Jungfernheide und Frauenerholungs- stätte im Grudewald bei Eichkamv) erfolgt die Ueberweisung meistens durch die zuständige Krankenkasse, die LandeSversscherungsanstalt und die Fursorgesiellen für Lungenkranke. Selbstzahlcr finden gegen Entrichtung von 1,20 Mark täglich Aus- nähme und Verpflegung. Die Dalderholungstätten für schwächliche und kränkliche Kinder befinden sich in Eichkamp und Sadowa. Die Kinder erhallen dort Verpflegung, ärztliche Aufsicht. Beschäftigung durch geprüfte Kindergärtnerinnen. Luft- und Brausebäder. Atem« Übungen. Den Schulunterricht erteilt in Sadowa eine städtische Lehrerin. Die Ueberweisung der Kinder erfolgt vielfach durch die Fürsorgestellen und durch die Armendirektionen, auch finden Selbst- zahlet Aufnahme. Soweit nicht andere Stellen die Kosten über« nehmen, sind für jedes Kind 1 M. je Tag(nur Tagesaufenthalt) zu entrichten. Für Anmeldungen und sonstige Auskünfte ist das Bureau der WalderholungSsiätten in Berlin 68, Friedrichstr. 207, täglich von 10 bis 1 Uhr geöffnet. Schwerhlrige Schulkinder. Bei den Untersuchungen gehörleidender Gemeindeschulkinder wurden 76 für so hochgradig schwerhörig befunden, daß sie am Unterrichte der Volksschule gar nicht oder nur mit geringem Erfolge teilnehmen können. Sie wurden Ostern in die vier Schulen für Schwerhörige umgeschult und erhalten dort, in kleinen Klassen vereinigt, einen ihrem Gebrechen entsprechenden Unterricht, der im wesentlichen die Ziele der Volksschule erstrebt. Insgesamt waren 192 Kinder als schwerhörig von den Gemeinde- schulen gemeldet worden. Glücklicherweise ist bei einem großen Teile von diesen die Schwerhörigkeit heilbar, vorausgesetzt, daß die verursachende Ohrcrkrankung rechtzeitig und gründlich behandelt wird. Zur Beschlagnahme mid Enteignung der Fahrradbereifungen macht daS Oberkommando folgendes bekannt: Nach der den Besitzern beschlagnahmter Fahrradbereifungen im Februar d. I. zugestellten Anordnung war die Frist zur Ablieferung an die Sammelstellen am 15. März d. I. abgelaufen. Trotzdem laufen fortgesetzt nicht nur Anträge auf Genehmigung zur Wieder benutzung der im vorigen Jabr» freigegebenen Fahrradbereifungen ein. sondern auch neue Anträge auf Freigabe von Gummibereifungen. DaS Ober- kommando Hot in entgegenkommender Weise die bis zum 20. Mai d. I. eingegangenen Anträge und Beschwerden einer Prüfung umerzogen, kann aber die nach diesem Zeitpunkte gestellten Anttäge nicht mehr berücksichtigen. Die Antragsteller deranig verspäteter Anträge und Beschwerden haben daher eine AntwoN nicht zu erwarten. Preiswucher mit Vogelfutter. Fortgesetzt werden im Kleinhandel für Vogelfutter teilweise Preise gefordert, die einen unangemessenen Gewinn einschließen. Da Vogelfutter allgemein als Futtermittel zu den Gegenständen des täglichen Bedarfs gehört, fällt es mit in den ÄreiS der Waren, auf deren Preisüberwachung sich das Arbeitsgebiet der PreiSprüfutigSstellen erstreckt. Diese sind daher jetzt von der Volkswirtschaftlichen Abteilung des KnegsernährungSamts ersucht worden, solchen Preissteigerungen entgegenzutreten. Ei» LebenSmittelschwindler. Der 35 Jahre alte Geschäfts« reisende und Schankwirt Hellmer suchte seit Monaten größere Gast« wirtschaften auf und spiegelte den Inhabern vor, daß er in einer behördlichen Stellung stehe und dadurch in der Lag« sei, Kattoffeln und Fletsch billig zu besorgen. Aus solche Geschäfte gingen die Wirte gern ein. Hellmer sagte, daß die Waren mit einem Militärauto angefahren werden würden und daß er dafür die Transportkosten im voraus erlegen müsse. Die Ware selbst sollt« erst nach Empfang bezahlt werden. Die Witte zahlten die Transportkosten, warteten aber vergeblich auf die Sendungen. Der Schwindler war aber nicht zu finden. Jetzt prellte er mit einem anderen Kniff eine Frau, die ein Armband verloren und für die Wiederbeschaffung eine Belohnung aus« geschrieben hatte. Die betrogene Frau aber traf jetzt den Mann auf der Straße und ließ ihn festnehmen. Nun ergab sich, daß man in ihm den vielgesuchten Kartoffel- und Fleischschwindler Hellmer gefaßt hatte. Geschädigte können sich im Zimmer 110 des Polizei- Präsidiums bei der Kriminalpolizei melden. vo« Starkstro« getöttt wurde der Monteur Altted Neu- b a u e r. der in einer chemischen Fabrik in Döberitz beschäftigt war. Er kam bei der Arbeit der Starkstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Eine» schaurige» Fund machte beim Reinemachen eine Frau in der G a r t e n st r a ß e. Auf der Treppe lag ein verschnürte« Paket aus blaugrauem Packpapier, das die Leiche eines neugeborenen Mädchens enthielt. Das Kind ist augenscheinlich eine» gewaltsamen Todes gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. DaS Mädchen mit dem TttuSkopf. Die 21 Jahre alte Frida F e r s ch wurde vor einiger Zeit wegen Betrügereien festgenommen. Wegen großer Unsauberkeit wurde ihr das Haar kurz geschnitten. Wieder auf ttriem Fuße, schrieb sie als»entfernte Bekannte� an bessergestellte Leute und bat, sie möchten der Ueberbringerin Geld mitgeben, damit sie ihnen dafür Lebensmittel beschaffe. Die Frauen, die solche Briefe empfingen, erinnerten sich der Schreiberin zwar nicht, hielten es aber immerhin für möglich,� daß sie eine entfernte Bekannte sein könne, und waren dankbar für ihre Aufmerksamkeit. Die Lebensmittel blieben natürlich aus. Die Anzeigen über diese Schwindeleien wiesen übereinstimmend auf ein Mädchen mit einem Tituskopf hin. So fand die Kriminalpolizei bald die ttchtige Spur. Ein Beamter sah das Mädchen auf dem Alexanderplatz und nahm es fest. Die Verbastete räumte alle Schwindeleien ein, ebenso, daß sie auch noch Kinder auf der Straße bestohlen hat. Mit ihr wurde auch ihr Geliebter, ein Einbrecher Hans Schneider,»nt dem sie in der Weber st raße zusammen hauste, festgenommen. Eine reichhaltige Sammlung belehrender und unterhaltender Abhandlungen aus der Probeheft gratis. �xuie reiryyaonge«aiwuuM«y veteyrcnoer uno wniecoaucuwct;«i Wissenschaft der ganzen Weit! Alle Leser erhalten gegen Einsendung des nebenstehenden Gutscheines ein Gratis-Probehefl der rühmlichst bekannten illustrierten Zeitschrift »Welt und Wissen". Dieselbe bringt von ersten Schrlftstellerii gemeinverständliche Abhandlungen aus allen Wissensgebieten. Jedes Heft enthält ca. 20 Artikel, z. B.: Der Mensch m der Pfahlbauzett. — Wenn die Erde erzittert.— Wie erhalle ich mich jung.— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser.— Fernphotographie.— Liebe und Ehe bei den Zkalurvölkern.— Der Mensch und die Geisterwelt.— Flüssige Luft.— Einfluß der Lebens- weise aus das Menschenalter.— Verschwundene Städte in der Sahara.— Eine Fahrt im Unterseeboot usw. Außerdem erhält jeder Abonnent ÄÄ Ihausbibliolhek gratis und zwar zu jedem Jahrgang drei Werke. Damit jeder Leser darauf abonnieren kann, ist der Preis auf nur 20 Pf. pro Heft sestgesetzt. Gutfchcln V für ein Gratis-Probeheft. »n den Verlag von„Welt und Wissen" Berlin-Schöneberg, Am Park 11. Ich bestelle hiermit ew Vrobeb-st kostenlos zugestellt. Name Ter M«rb an dem NachtwZchter Engel Tn Falken�agen bei Segefeld, über den wir vor etwa zwei Wochen ausführlich berich- teten, hat entgegen anders lautenden Meldungen noch nicht seine Aufklärung gefunden. Die bisherigen Ermittelungen nach dem Täter, die jetzt auch die Berliner Kriminalpolizei beschäftigen, haben noch zu keinem Erfolge geführt. Auf seine Ergreifung ist nunmehr eine Belohnung von logt) Mark ausgesetzt worden. �Alle Personen, die zur Aufklärung der Tat und Ermittelung des Täters nähere Angaben machen können, werden aufgefordert, sich an die Kgl. Staatsanwaltschaft III Berlin, zu den Akten A. 4 1784/17, oder an die Kriminalpolizei in Berlin, Königliches Polizeipräsidium, Zimmer 105, zu wenden. Auf die Ergreifung des Juwblendiebes, der dem Hofjuwelier Roscnthal in der Friedrichstratze 89 in Gegenwart der Verkäufe- rinnen für 29 999 M. Schmucksachen stahl, mit der Beute entfloh und trotz sofortiger Verfolgung entkommen ist, hat der Geschädigte 899 M. Belohnung ausgesetzt, außerdem auf die Wiederherbei- schaffung der gestohlenen Schmuckgegenstände eine Belohnung von 19 Proz. des Wertes des wiederherbeigeschafften Gutes. Der Räuber flüchtete mit den Schmucksachen in das Kaffeehaus„Im- perator", wo er sehr gut Bescheid gewußt haben muß, denn er � verließ dieses sofort wieder durch den zweiten Ausgang in der Mohrenstraße._ Neukölln. Lcbcusmitlclversorguug. Von heute bis nächsten Mitt- tvoch dürfen in den Geschäften, in welchen die Einwohner zum Be« zuge von Kolonialwaren angemeldet find, auf Abschnitt 19 der Lebensmittelkarte 2ö9 Gramm Kunsthonig abgegeben werden. Der Verkaufspreis beträgt für 1 Pfd. Kunsthonig in Würfelpackung oder Ausstichware S9 Pf., in Hartpapierpackung(Rollen) 69 Pf. In den städtischen Verkaufsstellen werden auf Abschnitt 29 der Lebensmittelkarle 12S Gramm lose Suppen zum Preise von 29 Pf. abgegeben. Die Abfertigung ersolgl an die Familien mit 8 Personen heute, mit 4 Personen morgen»md mit 6 und mehr Personen am Sonnabend. Kreis Teltow. Zur Fleischknappheit im Kreise bemerkt die KriegswirtfchafiSgesellschast des Kreises Teltow, die augenblickliche Fleischknappheit habe nicht in Organisationsfehlern ihre Ursache, fondern sei eine natürliche Erscheinung, die zur FrühjahrSzeit auch in Friedenszeiten beobachtet werde. DaS auf dem Zentralviehhof angetriebene Vieh wird unter die zur Groß-Berliner Biehgemein- schast zählenden Orte verteilt; die Reichshauptstadt erhält 69 Proz., der Kreis Teltow 18,41 Proz. usw. Die Beisteuerung einer gewisien Viehstückzahl seitens des Kreises sei auch im Teltower Kreise voll erfolgt. dagegen fei bei durchaus reichlicher Belieferung in den Vorwochen jetzt das Schlachtgewicht der Rinder erheblich zurückgegangen und betrage für das Rind zurzeit nicht mehr als 279 Pfund. Dadurch entfiel trotz gleichgebliebener Stückzahl eine geringere Fleischmenge auf die eiu- zelnen Gemeinden. Zudem hätten verschiedene Gemeinden mangels ausreichender Kühlräume das zugewiesene Fleisch sofort an' die Fleischer überwiesen, die flott verkauften, statt die überschüsfige Menge aufzubewahren. ES haben nun gestern mit den maßgeben- den Behörden Besprechungen stattgefunden und eS sei reichlichere Belieferung in die Wege geleitet. Ob fich diese indesien bereits in den kommenden Wochen bemerkbar machen wird, müsie abgewartet werden. NiederschZuhause». Die Erneuerung der Milchkarte« für Kranke und schwangere Frauen findet heute für die Buchstaben A bis L, morgen für die Buchstaben hl bis Z, von 8 bis 1 Uhr im Rathaus, Zimmer 29, statt. Atteste, die am 81. Mai ablaufen, müssen erneuert werden. Ein Wechsel deS MilchhändlerS kann nicht statt- finden. Bohnsdorf. AuS der Gemeindevertretung. Infolge der Amts- niederlegung des Gemeindevorstehers und Ablehnung einer Kan- didatur der in Betracht kommenden Gemeindemitglieder beantragte die letzte Gemeindevertrelersitzung beim Landrat des KreiseS die Bestellung eines k o m m i s s a r» s ch c n Gemeindevorstehers. Die« selbe ist nun erfolgt und der bisherige Rechnungsführer der Ge- meinde Britz, Herr FuchS, als solcher bestellt worden. Wenn auch die Belastung der Gemeinde durch die zu zahlende.Entschädigung schmerzlich empfunden wird, so steht doch zu hoffen, daß durch eine geordnete Verwaltung diese Unkosten wieder ausgeglichen werden. Der allgemeine Wunsch geht wohl dahin, daß eS dem neuen Herrn Gemeindevorsteher in erster Linie gelingen möge, in der Ernährungsfrage Besserung zu schaffen und vor allem dafür zu sorgen, daß die Gemeinde, die aus fast neun Zehnteln industrieller Erbeiterbevölkerung besteht, nicht weiter nach den Grundsätzen einer ländlichen Gemeinde behandep wird. — Lebensmittelversorgung. Vom Freitag an gelangen auf Ab- schnitt 6 der Lebensmittelkarten je 126 Gramm Kunsthonig und 169 Gramm KricgsmuS zur Verteilung. Rübensauerkraut ist den Kaufleuten zum freihändigen Verkauf überwiesen. Wenn möglich kommen auch noch Graupen und Suppenpulver oder-Würfel oder Haferfabrikate auf Abschnitt 7 der Lebensmittelkarte zur Verteilung. Gerichtszeitung. Wege» außerordentlichen Preiswuchers hatte die Strafkammer den Kausmann Duckelski zu sechs Monaten Gefängnis und b 999 Mark Geldstrafe verurteilt, indem sie von folgenden Festnellungen ausging. Unter Aufwendung kolossaler Reklamekosten hatte der Angeklagte den Handel mit Stiefelsohlen aus Linoleum in die Wege geleitet. Er inserierte zum Beispiel: .Sttefeliohlem das Paar nur l.26 M. Seltenes Angebot. Absolut wasierdicht. Sehr haltbar. Elastisch." Diese Annoncen erschienen in sehr vielen Zeitungen, namentlich Provinzblättern. Es gingen auch zahlreiche Bestellungen von solchen Leuten ein, die sich die Sohlen, wie es in den Anzeigen als möglich hingestellt war, selbst unter ihre Stiefeln nageln wollien. Duckelski, der Russe ist, wurde demnächst in militärifche Hast genommen. DaS Gericht nahm Preiswucher an, weil Angeklagter auf die Erwerbskosten des Linoleums und das Schneidegeld mehrere Hundert Pro- zent aufgeschlagen habe. � Ein elwaiger angemeffener Ge« winn sei ganz außerordentlich überschritten worden. Hinzu komme, daß sich Linoleum allenfalls zu Sohlen für Filzpantoffel und Hausschuhe eigne, nicht aber für Stiefel. Das Kammer- g e r i ch t verwarf die vom Angeklagten eingelegte Revision und führte aus: Der Angeklagte habe namentlich gerügt, daß da? Land- perichl nur einen kleinen Bruchteil der ganz außergewöhnlichen Reklamekosten berücksichtigt habe. Der Einwand sei verfehlt. Der- artige ungeheuren Reklamekosten würden ja nicht aufgewendet, um nur die hier allein in Frage kommenden ersten Geschäfte zu ermög- lichen. sondern um eine neue Ware einzuführen. Solche Unkosten könne der Kaufmann aber nicht mit den ersten Geschäften wieder einbringen wollen. Mus aller Welt. Torfmoorbrand bei Balthcrmondc. AuS Amsterdam wird ge- meldet: Der Torfmoorbrand bei Valthermonde wütet noch fort. Ungefähr 199 Wohnungen sind den Flammen zum Opfer gefallen. Etwa 29 Personen kamen um. Vier Schiffe find verbrannt. Auf Ersuchen des Landwiriichaftsministers find Pioniere abgegangen, um bei den Löfcharbeiten Hilfe zu leisten. Ein unbegreiflicher Optimist. In Zeitungsredaktionen ist be- kanntlich niemals Geld vorhanden. Trotzdem leistete fich in Witten an der Ruhr ein Arbeiter Schüttenberg den Luxus, einen nächtlichen Einbruch in das Redaktionslolal eines dortigen Blattes zu versuchen. Die Beute bestand in— 1.29 M. und ein paar" Bleistiften. Nun muß der Optimist ein Jahr im Gefängnis über feine Weltfremdheu uachdenkes. Sriefkasten ösr Neöaktion. N Z. N. N. Die Adresse ist folgende: Oomitä international de la Croix-Ronge, agence des prisonniers de gnerre oder Agenoe de renseignements pour prisonniers de guerre, Genf, Kne de l'Athenäe 3. N» W. 3. Sie erhalten Ihre Kriegsunterstützunz weiter von Berlin. Die Gemeindeunterstützung kann Ihnen aber, da Sie den Wohnort von hier verlegt haben, entzogen werden, Sie erhalten dann nur noch die Staats- unierstützung für sich und Ihr Kind in Höhe von 39 M.— P. H. 136. Wir halten diesen Abzug von der Löhnung für unzulässig und haben Ihr Schreiben an zuständiger Stelle weitergegeben.— K. L. 88. Nein. —»WIIIIIWWIII»fMU'IM - O. zu Aroß-Bertw.— I. M. 7. 8. Funi t8WS. Am Köllnischen Park 3, Sonnabends 7—9 Uhr abmbs.— Hriefkaften öer Expeökion. Postkarte. Wollen Sie uns bitte Ihren Namen angeben, der aus Ihrer Karte sehll._ WetterouSstchte» ffir das mittlere Norddeutschtand bis Freitag mit ag. Warm, zunächst vorwiegend heiter und trocken; später im Südweste'- Zunahme der Bewölkung und strichweise Gewitter. IIMej!er!SetllI!ll?bl!ltLk-sek!i«!iZ Vonraltungsstelie Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, derMaschwen- arbeiter Max Bernotatis Neukölln, Hermarmstr. 64 am 16. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 24. Mai, nach. mittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiesholzstraße, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. De» Kollege» ferner zur Aach- richt, daß unser Mtglied, der Bestotzer Paul(Zülltder Neukölln, Herrfurthstr. 8 am 17. Mai gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Mai, nach- mittags 2'l4 Uhr, von der Leichen« Halle des Gemeinde-FriedhoseZ, Martendorfer Weg, aus statt. Rege LeteMgnng wird erwartet. De» Kollege» ferner per Räch- richt, daß unfer Mitglied, der Rcvolverdreher August KnoD Tharlottenburg, Helmholtzstr. 88 am 22. Mai gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Freitag, den 26. Mai, nachmittags S1/, Uhr, von der Leichenhalle des Lussen-KirchhofeS tn Charlottenburg, Neuer Fürstenbrunner Weg, aus statt. Rege Beteillguag wirb erwartet. De» Kollegen ferner zur Stach. richt, daß unser Mttglied, der Schraubendreher frust Krafack Pücklerftr. 44 am 17. Mai gestorben fit. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. Mai, nach- mittags 3�/, Uhr, von der Leichen- Halle des EmmauS-KirchhofeZ in Neukölln, Hermannstrage, aus statt. Rege veteMgnng wirb erwartet. Den Kollege» ferner richt, daß unser 'Arbeiter Räch- leb, der Albert Wannke Wiffmannstr. IT am 21. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Mat, nach- mittags 2>/, Uhr, von der Leichen- halle deS Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Martendorf er Weg, aus statt. Rege Beteikigung wird erwartet. dfodhnrfv. Den Kollege« ferner zur Nach- "zlied, Klempner richt, daß unfer Mttglied, der Julius Lehning am 17. Mai starb en ist. im Lazarett gc- Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mttglied, der Rohrleger Wilbelm Edelmann am 12. Mai gestorben ist. Ehr« ihrem»«denken l 175/13 Die crtsverwaltung. DeiMer Bararhelter-Ierliaffll Zwelgrcreln Berlin. Bezirk Osten II. Am 21. Mai starb unser Mit- glied, der Ewschalcr Ehre seinem Andenke« l Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 26. Mai. nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichlstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 146/18 Der»orstaud. Danksagung. Für die vielen Bewesse derzkicher Teilnahme anläßlich deS HinfchetdenS meiner geliebten Mutter Klara Walter spreche ich hiermit allen Bekannten, insbesondere den Sängern und Herrn Rein für die trostreichen Worte meine» herzlichen Dank aus. 63A Sich» BerbeftTdrümer und Bruder. Allgemeine Ortskrankenkaffe für Kerlin- Temptlhiif. Einladung zu der am DouuerStag, den 31. Mut 1S17, abends puntt 8 Uhr, im Restaurant Relnhols Tlpfer, Berlin-Tempelhof, BerltnerStr.l" .100 stattfindende« Ordentliche« Jlnssehttf-Sitzniig der Vertreter der Arbeitgeber «ud der Versicherte«. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Genesungsheim. 4. Statutenänderung. 5. Verschiedenes. Beschwerden und Anfragen find bis spätestens Montag, den 28. Mai 1917, bei der Kassenverwaltung schriftlich einzureichen. 277/7 Der vorstaub der Allgemeinen Ortskrankenkaffe für Berlin-Trmpelhof. gez. Albert George, 1. Vorsitzender. Billige Parzellen bei B e e I i t z- HeilstStten, 'I, Morgen groß, guter Boden von 400 Bark an, Teilzahlung nach Ueboreinkenft. Wilhelm Scherhag, { Enkeplatz 3a. Moritzplatz 10412. Kriegsanleihen zum Nennwert werden In Zahlung genommen.* Freie Tiipnerschal! leuköIIn-Brltz. (M. d. A.-T.-B.). Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Turngenosse Max Bernotatis am 16. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 24. Mai, nach. mittags 4 Uhr, im Krematorium Treptow-Baumschuleuweg, Kies- holzstraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 186/10 Der Vorstnod. Am 21. Mal verschieb nach kurzem Krankenlager unser lang- jähriger Kollege und Mitarbeiter, der Schriftsetzer Ernst Pade im 54. Lebensjahre. 2436 b Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. B»» Ber«on»I der Buchdruckerei StrauS A.-G. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Mai, nachmittags 5 Uhr, aus dem Jalobi-Kirchhos in Neu- lölln, Hermannstraße, statt. F» Stoffe-" Handlung. Kammgarae, Tuche, Cheviots, blau und farbig. Imprägnierte Mantelstoff«, Plüsch, Samt Moderne Kostüm- u Rockstoffe. Taftte, Seiden, in sohwarz und farbig, au Kostümen, MSnteln, Kleidern n. Blusen, Seiden- n. Futterstoffe. Riesrnaoitwahl L Steffen für Herren- und Knaben- Anzüge. 4397L* Damen-Konfektion. Kostüme, Mäntel, Röcke usw. in großer Auswahl zu mäßigen Preisen. Gediegene MaSanfsrtlgung. 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Der andere Posten aber sah deren drei. Und nun begannen sie einander zu überbieten: 5, 6, 7, 10, 15, 20 feindliche Flieger! Und in der Tat, vom Horizont her kamen sie wie die Zugvögel gerade auf uns zu. Es ist nicht nötig, daß hier der ganze Verlauf des nun folgenden Luftkampfcs geschildert wird, hat man ihn doch in den Zeitungen unter der Ueberschrift.Luftkämpfe über.. eingehend besprochen. Fast alles, was wir auf dem Gebiete der Fliegerbckämpfung bis dahin im einzelnen erlebt hatten, das sahen wir jetzt innerhalb weniger Minuten und in allerlei Variationen. Am auffallendsten war das raubvogelhafte Gebaren der deutschen Fokker. lieber dem feindlichen Geschwader kreisend erwählen sie sich ihr Opfer, sausen dann geradewegs darauf zu, und vom Ma- schinengewehrfeuer schwer verletzt stürzt der Gegner herab. Sein Uebcrwinder folgt ihm in engen Spiralen bis tief hinunter, um sich zu überzeugen, ob fich dch: Angegriffen« nur durch einen heuchle- rischen Sturzflug retten will oder ob er wirklich auf dem Erdboden zerschellt. In oft über drei Kilometer Höhe finden beute wegen der immer wachsenden Tüchtigkeit der Abwehrgeschütze solche Luftkämpfe statt. Wenn also der Ueberwundene nicht zu Tode getroffen wird oder durch das oft in Brand geraten« Benzin um§ Leben kommt, dann bat er häufig eine lange Zeit, um sich während seines Absturzes darüber klar jju werden, welchem unabwendbaren Schicksal er en:- '�gengeht, ohne auch nur das geringste dagegen tun zu können. Fällt .ach aach ein völlig zerschossener Apparat vermöge der Reste seiner Tragflächen viel langsamer zu Boden als mancher andere Körper. ftfcK dem so ist, kann man z. B. dann beobachten, wenn die abstür- >«nven Apparate sich in der Luft �Verschlugen und die Insassen dadurch herausgeschleudert werden. Sie erreichen dann den Boden viel früher als ihr Flugzeug. Oft also wird der Flieger während seines Absturzes noch manchen Augenblick Zeit zum Nachdenken haben. Was geht nicht schon in dieser kurzen Zeit demjenigen durch den Kopf, der solchem Absturz von unten zusieht. Immer wieder hört man deshalb fragen: Was mag jetzt der Flieger denken? Wie furcht- dar muß sein seelischer Zustand sein, wo doch schon wir unbeteiligten Zuschauer im letzten Augenblick, so sehr wir auch den Absturz des Feindes herbeisehnten, immer wieder einen Schauer empfinden? In belletristischen Darstellungen wird denn auch die seelische Vcr- fassung von Menschen, die sich in ähnlichen Lagen befinden, so ent- setzlich wie nur möglich geschildert. Auch in dem vor einiger Zeit erschienenen Roman Wolffs.Der Krieg im Dunkel* erstarrt dem abstürzenden Flieger das Herz im Leibe. Anders sprechen die Flieger selbst, die schon einmal ei» schließlich doch noch gut abge- laufenes Unglück hatten. Sie pflegen zu sagen, daß sie gerade immer in den besonders kritischen Augenblicken sehr ruhig gewesen seien. Die? versicherte mir auch ein mir befreundeter Fliegeroffi- fier. Auch folgende Fälle können unsere Frage klären. Ein Ge- ehrter, der bei einer Bergbesteigung abstürzte und dabei nnvor- Hergesehenerweise mit dem Leben davonkam, hat über diese? Er- lebnis ein« psychologische Abhandlung verfaßt. Wieder erfahren wir au? dieser Schrift, daß cS keineswegs Gedanken der Furcht oder des Entsetzens waren, die den Verfasser während seines Absturzes beseelten, vielmehr waren sein« Gedanken höchst prosaischer Natur und im wesentlichen gingen sie dahin, dem verunglückten Subjekt eine möglichst vorteilhafte Handlungsweise zu gewährleisten. Achn- ItcheS wurde mir auch von dem bewährten Berliner Zoologen Prof. Tornier mitgeteilt. Dieser Forscher wurde einst von einem Wagen überfahren, ohne dabei den geringsten Schaden zu nehmen. Er er. zählte mir, daß er. während der Wagen über ihn hinwegging, die Zeit fand, sich in der ruhigsten Weise zu überlegen, welche Glied- maßen er möglichst rasch aus dem Bereich der Räder entfernen müsse. Dies« beiden Beispiele zweier Männer der Wissenschaft habe ich erwähnt, um zu zeigen, daß ich im Prinzip den mannigfachen Mitteilungen von Kameraden glauben schenken darf, die in großer Gefahr geschwebt haben, und auf Befragen behaupten, daß sie noch selten so ruhig und kaltblütig gewesen seien, wie gerade in den fraglichen Augenblicken. So erzählt mir ein ruhiger älterer In- fanterist, es sei eines TageS dicht neben ihm im Schützengraben eine feindliche Handgranate niedergefallen. Als er sie dort so habe � ver starte Mann. Eine schweizerische Offziersgeschichte von Paul Flg. Eine Welle dieser mächtigen Jugendnot schlug heftig gegen Adolfs wachsenden Haß und schuf eine fürchterliche Verwirrung. Er kannte sich selbst nicht mehr. Laut sagte er nur:.Begreiflich! Wenn's nach deinem Kopf gegangen war, hätte ich mir irgend eine gespickte Bauerntrull nehmen und den Viehstand des Landes der- mehren müssen. Dann hätten wir alle samt, die ganze Blut- Wurst, jeden lieben Sonntag mit der Kälberkutsche Lust- fahrten machen, fleißig taufen und einander den Schmeer ab- kaufen können. Das wäre so nach deinem Gusto gewesen. ' Da sank aber die Zeitung aus des Hausherrn Händen aAs den Tisch, lieber die Brille hinweg schaute der Alte ent- geistert nach dem großartigen Sprecher aus. »Ja so. dieses Wegs? Wär dir dann etwa ein Zacken aus der Krone gebrochen? Am Ende wird man sich bei dem hohen Herrn noch entschuldigen müssen, weil man es imr zum Viehhändler gebracht hat. Potz Sakrament noch mal, so soll mir keiner kommen. Wenn das der Lohn sein soll für meine Nachgiebigkeit, daß man unsereinen wie einen Schuh- vutzer behandelt, so bin ich denn bald gewitzigt." Mit der salzigen Zutat:.Aber unsere Batzen sind dem Herrn doch nicht unwert. wenn sie schon nach dem Kuhstall riechen!" wollte er noch ein wenig warten, obwohl es ihm auf der Zungenspitze saß. Er kodderte vor ehrlichem Zorn und begann ein aufregendes Tisch- und Stuhlrückcn, das die Frohsinnleute zur Genüge kannten. Die Mutter jammerte in einem fort, sie komme noch mu den Verstand, ob nian sie denn partout unter den Boden bringen wolle; selbst die rabiate' Metzgermcisterin unterdrückte eine Weile ihre Streitgelüste. Der Oberleutnant kehrte den Seinen den Rücken und lauschte dem Aufruhr im Freien. Wie wenn einer in rasender Fahrt die Klaviatur heruntersegt, durchlebte der junge Mann in wenigen Sekunden die ganze Spanne seiner Empfindungen. vom glühenden Jähzorn bis zum redlichen Mitgefühl. Eben hatte er sich noch am Fcnsterkrenz halten müssen, um nicht wit einer wilden Verwünschung davonzulaufen, bald mahnte ihn aber tiz besserer Geist, daß er doch nicht gekommen sei. liegen sehen, habe er sich keineswegs mit Enssetzen ausgemalt, daß die Granate im nächsten Augenblick krepieren und ihn zerreißen würde, er habe mir gedacht, daß ihm der Zeitzünder vielleicht ge- statten könnte, die Granate wieder in den feindlichen Graben zurück- zuschlcudern, und was er gedacht habe, das habe er auch sogleich getan. Fast augenblicklich habe er dann drüben die Detonation gehört. Die Handgranaten haben nämlich einen Zünder, der vor ihrem Absckleudern in Funktion gesetzt wird und sie dann nach ganz bestimmter Zeit(es sind dies nur wenige Sekunden) explodieren läßt.— Eine außerordentlich große Geistesgegenwart und Kaltblütigkeit können wir nun häufig von unserer Stellung aus auch an den Fliegern beobachten. Es sei hier nur statt vieler Beispiele ein besonder? krasser Fall erwähnt. Als ein deusscher Flieger, der über dem von den Franzosen besetzten Gebiet flog, zu Tode der- mundet wurde, wendete er seinen Apparat um und landete auf deut- schem Gebiet. Di« Aerzte konnten ihm leider nicht mehr helfen. So sicher handelt derselbe Flieger, der vielleicht, wenn er vom Erd- boden aus den Geiahren zuschaut, in denen fich sein« Kameraden befinden, in große Aufregung gerät. Diese und noch viele andere Beobachtungen gestatten nnS einen interessanten Schluß. Wenn der gesunde Mensch in wirkliche Ge- fahr gerät, dann fällt gewissermaßen alles Gefühlsleben von ihm ab. Er folgt dann ganz und gar nur noch seiner Vernunft. Diese Eigenschaft der menschlichen Psyche ist nicht hoch genug zu werten. Sie zeigt nnS wieder einmal aufs deutlichste, wie die.Auslese des Tüchtigsten" Individuen schafft, deren.Konstitution von größter Zweckmäßigkeit ist. Solange eine Gefahr noch zu meiden ist, wohnt uns ein gesundes Bestreben inne, ihr aus dem Wege zu gehen; dann setzt sozusagen automatisch die Kaltblütigkeit ei». Daß diese Eigen- schaft sich durch Vererbung in einem Menschengeschlecht, da? schon so viele Gefahren zu überstehen hatte, immer mehr festigen mußte, wird demjenigen sofort einleuchten, der sich überlegt, wie diejenigen Familien, die keine Anlag« zur Kaltblütigkeit hatten, den Gefahren, die fich früher oder später immer wieder boten, zum Opfer fallen mußten, während die besser Begabten fich zu erhalten vermochten und das, was sie besaßen, ihren Nachkommen vererben konnten. Aber auch das.Anpassungsvermögen", d. h. die wohl auch durch den guten Willen geförderte und durch Generationen gesteigerte Hebung wird das ibrige dazu beigetragen haben. Gelten doch alle diese biologi- scheu Gesetze nicht nur für den Körper, fondern auch für den Geist und der Geist ist es ja gerade, der heute trotz allem eine ungleich größer« Rolle spielt«As in früheren Zeiten.(z) die Vlege der Menschheit. Fn der„Köln. Zeitung" lesen wir: Nach einer neuen, von Pro- fessor Oudcmans(Arnheim) aufgestellten Hypothese ist die Wiege der Menschheit nicht unbedingt in Asten oder Australien zu suchen, wie es bisher die Wissenschaft am ehesten für gegeben erachtet. ?lllerdings spricht der genannt« Gelehrte in diesem Punkte nicht einmal die Vermutung ans, die er für wahrscheinlich hielte, sondern bloß eine Möglichkeit, die neben andern besteht, doch ist es genuß- reich, seinmn Gedankengange zu folgen. Wir werden zunächst daran erinnert, daß«inst ein Festland sich guer durch den Indischen Ozean von Vorderindien bis Madagaskar erstreckt haben muß, denn nur so ist es zu erklären, daß dies« beiden heute durch weites Meer ge- trennten Länder das Wohngebiet der Halbaffen oder Lemuren bilden. Werterhin, führt OndemanS ans, spricht für die Annahme eines solchen ehemaligen Kontinents.Lemurm", der heute bis auf die kleinen, aus dem Indischen Ozean hervorragenden Inseln vom Meere verschlungen wäre, das Vorkommen von Riesenlandschildkröten ans diesen Inseln, denn gerade Landschildkröten find die- jenigen Tiere, die. abweichend von Eidechsen und Schlangen, keinen Transport durchs Meer vertragen, also niemals Inseln erreichen können, solange diese wirklich Inseln sind. Auch auf Madagaskar fand mcin Reste von Riesenlcmdschildkröten, die dort einst vorhanden waren, und wenn sie heute dort nicht mehr leben, so könnten sie durch den von Afrika nach Madagaskar gekommenen Menschen ans- gerottet worden sein. Denn unter allen Inseln im Indischen Ozean war nur Madagaskar bei seiner neuzeitlichen Entdeckung bereits von Menschen besiedelt, alle übrigen hatten noch kein« Menschen, wohl aber Riesenlandschildkröten. Wenden wir nun unfern Btick ans die weitver streuten Inseln deS Großen oder Stillen Ozeans, so fügen fich auch diese für unser geistiges Auge zu einem alten, heute versunkenen Erdteil zusammen, der vielleicht ebenso wie Lemuria in der Tertiärzeit hervortauchte und in ihr auch wieder verschwand. Denn ans den Galapagos- Inseln, die der Küste Südamerikas im Westen vorgelagert sind, leben Riesenlcmdschildkröten, die mit den südamerikanischen nicht verwandt sind, wohl aber mit den indischen. Von Indien bis zu den Galapagos muß sich also durch den Großen oder Stillen Ozean einst Land erstreckt haben. Auch die Galapagos waren bei ihrer Entdeckung menschenleer, alle übrigen Inseln in diesem Weltmeer aber traf man von Menschen bewohnt an und ohne die Schildkröten. um die zu beschimpfen, denen er das Leben verdankte. Wie sollte er des VaterS rechtschaffenen Bauernstolz anfechten? War er nicht auch einmal darin aufgegangen?— Während er so inS Wesenlose starrte, entstand vor seinen Augen ein seit- sames Gewimmel... In einem endlosen Zuge bewegte sich eine Riesenherde, voran mit hochgeschwungenen Hörnern die schwerhintappenden, furchterregenden Ochsen aus Ungarn und Siebenbürgen, die der Alte auf den Märkten von Buchs und St. Margrethen je erhandelt hatte; schmutzgierig schnüffelnde, streitsüchtige und markerschütternd schreiende Schweine, die allwöchentlich im Bahnwagen aus Italien cinttafen; Legionen brüderlich schmiegsamer Schafe mit unheimlichen schwarzen Schlachtzcichen; dumpfergebene Rinder, Kühe und Kälber heimischen Schlages, die während einem Menschenalter den Boden vor dem Hause betreten hatten. Wie oft war Adolf als Knabe auf die lebenerfüllten Märkte mitgenommen worden! Urwüchsige Bauerntypen mit fremden Dialekten tauchten aus der Erinnerung auf, unvergeßliche Szenen voll durchtriebener List und Zähigkeit, wobei Vaters schwerer, siebenfach verschnürter Beutel aus Schweinsleder die große Rolle spielte; lärmvolle Gelage, mitunter wohl auch wüste, der Kindesseele fremde Auftritte mit Mädchen und Frauen, vor allen Dingen aber prächttge Fahtten auf dem Kutschbock durch sommerlich eindrucksvolle Lande! Bald zwanzig Jahre war das her... Hatte er damals seinen kundigen Vater, der die lautesten Schreier und Rechthaber schlau nach seinem Willen lenkte, nicht nach Gebühr geliebt und bewundert? Durch ihn wurde seinem feinem Geiste einst das Bibelwort offenbar: Und der Herr hat meinen Herrn reichlich gesegnet, daß er groß geworden ist, und hat ihm Schafe und Ochsen. Silber und Gold, Knechte und Mägde, Kamele und Esel gegeben! Einst! Seither hatte Adolf freilich andere Begriffe von Reichtum und Segen bekonimen. daneben ihm des Vaters Gut nurmehr wie ein Maulwurfshügel neben einem Berge vorkam. Ueberhaupt blickte er mtt anderen Augen in die Welt. Das beharrliche Alte hatte seinen Reiz für ihn der- loren. Ruhig und bestimmt gab er diesem Gefühl Ausdruck. „Ihr tut jetzt immer so. wie wenn ich bei meiner Geburt eine Verpflichtung übernommen hätte, keinen Finger breit von Euren Wegen abzuweichen. Besonders du, Vater. Wieso denn'i Was dir ansteht, braucht destvegen nicht auch % 41/' H-K 4 Vonnerstag, 24. Mal xajmBBaamusmmBmmHmuaamKmatmtmmmmmäaaammapmamtamammBm Eine nack Millionen zählende andere Bevölkerung als die heutigen Polynesier muß einst diesen ehemaligen Erdteil, den OudemanS Tonga-Rapa nennt, bewohnt haben, das bezeugen über 500 riesige Bildwerke, die man auf den Inseln Tongatabu und Rapanui ge- funden hat. Sie bestehen nur aus Kopf und Brust oder Rumpf, einige tragen einen Hut, andere eine Krone, die meisten sind un- fertig geblieben. In aller Eile scheinen sie zur Beschwörung einer drobende» Katastropbe geschaffen und dann von der flüchtenden Bevölkerung unter Mitnahme aller Werkzeuge verlasien worden zu sein; nur ein Obsidiaumesser hat man gefunden. Da die gut- geschnittenen trotzigen Mienen der Bildwerke von den Vulkanen, an deren Hang sie stehen, fort- imd dem Meere zugewandt jind, sollten sie wohl nicht drohende Ausbrüche der Krater befchioören, wie man bisher allein annehmen konnte, sondern das wachsend« Meer. Der Mensch von Tonga-Rapa war nach seiner Kulturhöh«. die etwa der der Chinesen, Inder und Aegypter gleicht, sowie nack, den Gesichtszügen und der Barttracht an den von ihm geschaffenen Bildwerken ein ganz anderer als der heutige Polynesier und auch weit verschieden vom Südamerikancr, vielmehr verwandt mit dem persischen und sonstigen asiatischen Volkern. Somit muß er ent- weder aus Asien gekommen sein, oder aber der Afiate kam aus Tonga-Rapa, und Tonga-Rapa, der im Stillen Ozean gelegene Erd- teil, dem»nur kurzer Bestarck beschieden war, war die Wiege der Menschheit._ Die hppnose bei Tieren. Bei Tieren gibt es einen Zustand, der äußerlich betrachtet mit dem, was beim Menschen Hypnose(Zwangsschlaf) genannt wird. Aehnlickkeit besitzt. Vielfach und vorzugsweise von Laien ist vor- sucht worden, Zusammenhänge zwischen der tierischen und menschlichen Hypnose festzustellen. Man wollte sogar aus der Ergründung der tierischen die menschliche Hypnose ableiten. Namhafte Physiologen wie Verwarn haben schon gezeigt, daß alle bisher an Tieren beob- achteten Erscheinungen nichis mit den gleichen beim Menschen zu tun haben, sondern daß es sich bei den Tieren mn Hemmungs- erscheinungen handelt. In neuester Zeit hat der Wiener Physiologe Kreidl fick mit dem gleichen Gegenstand beschäftigt und vor der Gesellschaft der Aerzte einen Vortrag über da« Wesen der tierischen Hypnose und ibre Beziehungen zur menschlichen gehalten. Er hat sich dabei zur Vorsübrung serner Versuche des Films bedient. Wenn ein Tier, ein Huhn oder eine Taube in eine ungewöhn- liSe Lage gebracht wird— es genügt schon, es einige Zeit festzuhalten— dann wird das Tier ruhig und unbeweglich, wenn mau e? loslaßt. Frösche, Salamander und Fische, also Tiere, die von selbst niemals in die Rückenlage kämen, braucht man nur einfack auf den Rücken zu legen. Hunde, Mäuse oder Meerschweinchen müsien zeitweilig unbeweglich gemacht oder in eine Lage gebrockt werden, die für sie ungewohnt ist, wenn sie nachher im Zustand der Starre verharren sollen. Besonders fesselnd sind die Beobachtungen an Fröschen. Nimmt man einen lebhaften FrühjahrSfrosch und Icgl ihn auf den Rücken, so wird er sich rasch wieder umkehren oder nur kurze Zeit unbeweglich bleiben. Anders der ausgehungerte WiMerfroich, der durch diesen Hunger auch in seinem Zentraluervenstssiem geschädigt ist. Er wird auf den glücken gelegt bald keine Abwehrvcrsuche mehr machen, namentlich wenn er durch Wiederholung deS Versuches ermüdet ist. Das Tier kann fich dann nicht umdrehen, weil die Reflexe, die zur Ausführung dieser Bewegung notwendig wären. entfallen. In der gleichen Lage würde sich das Meerschweinchen schnell umdrehen. Es ist dazu aber nicht imstande, wenn der Kot" des Tieres gleichzeitig stark nach hinten gebeugt wird. Auf diese Weise entsteht beim Meerschweinchen ein Muskelkrampf, der das Tier förmlich steif werden läßt. Bekannt ist ja auch die Un- beweglichkeit der Schildkröten in der Rückenlage, die auf die gleichen Ursachen wie beim Meerschweinchen zurückzuführen ist. ES ist alio, wie aus den geschilderren Versuchen hervorgeht, bei Tieren nicht von Hypnose zu sprechen. Hypnose im richtigen Sinne des Wortes ist nur beim Menschen möglich, dessen.Psyche" durch Suggestion beeinflußbar ist. Die wirkliche Hypnose ist eine Teilerscheinung der Beeinflußbarkeit de» mit einer Sprache ausgestatteten Menschen. Die tierische.Hypnose' dagegen beruht ausschließlich auf Reflexerscheinungen, die man als Schreckerschcinungen bezeichnen kann. Jedenfalls muß es als ausgeschlossen gelten, auf dem Wege über die tierische Hypnose die menschliche aufhellen zu wolle«. Notiz eu. — Eine neue Hochwassertalsperre, die Weistritztal im Eulengebirge mit der Stadt Schweidnitz schützen soll, wurde bei Breitenhain(Schlesien) übergeben. Die Sperrmauer ist 44 Meter hoch, ihre Länge beträgt an der Krone 230 Meter, die Mauerstärke am Fuß 28 Meter. Es ist kein« der größten Sperren, aber eine sehr wicklige, da von den linken Odernebenflüssen die Weistritz zu den gefährlichsten gehört. mir zu entsprechen. Und läßt du den Daniel als Pfarrer gelten, warum nicht mich als Offizier? Mir gilt mein Beruf nun einmal als der kernigste, männlichste. Dafür bin ich geschaffen. Anderseits gebe ich zu— das ist nun einmal so—, ein Offizier muß eben mehr auf fich halten und andere Ansprüche machen, als ein gewöhnlicher Sterblicher." .In.— übertriebene! Das wissen wir leider Gottes!" warf der Alte grimmig dawischen.„Es wird jetzt überhaupt immer großartiger. Da setzen sie dir einfach die Pistole auf die Brust: Gib Geld, du Tropf, wir müssen dich beschützen. Neue Ausrüstungen, verlängerte Dienstzeit I Das Vaterland ist in Gefahr, lamentteren sie in einem fort und tun so, als ob die ganze Welt nur darauf lauerte, über uns herzufallen. So verschärfen sie das Regiment nach ihrem Gutdünken, saugen das Volk aus, das vor lauter Lärm nicht weiß, woran es ist, und stellen sich überall in den Vordergrund, die Herren Offiziere! Ohne ihr Geschrei und Gerassel wären die Eidgenossen nämlich schon lang mit Stumpf und Stiel aufgefressen." Der Angegriffene entgegnete stolz:„Ohne unser schlag- ferttges Heer willst du"sagen! Das stimmt nämlich aufs Haar, du. Den vermoderten Freiheitsbriefen zuliebe, läßt man uns sicherlich nicht ungeschoren, sondern nur, weil die landhungrigen Staatslenker im Hinblick aus unsere Wehrmacht fühlen, daß eine Unterwerfung viel zu kostspielig wäre. Das kann man den selbstzufriedenen, eingelullten Herren Eidgenossen nicht gemig unter die Nase reiben." Die Tochter hielt begreiflich dem Alten die Stange.„Und wenn es so wäre— wo aber steht geschrieben, der Offizier müsse größere Ansprüche machen, als ein anderer Bürger? DaS ist ja gar nicht wahr, das sagen nur so ein paar Gecken und Großhänse! Bilde dir nur nicht ein. daß unser Daniel deine Ansprüche und deine Richtung billige. Gott behüte! Er ist sicher ein ebenso guter, kluger Schweizer wie du, aber er meint halt auch, mit Hochmut und Großtuerei sei es nicht getan; für unsere Gattung Leute schickten sich bescheidene Offiziere viel besser als solche nachgemacht schneidige, auf- geblasene— oder wie es in deiner Zeitung steht: Nachäffer der Preußen. Er wird sich jedenfalls nicht wundern, wenn er das Blatt liest. Du bist ja schon in der ganzen Gegend verrufen als Soldatenschiudcr." Gurts, folgt.) THfeHdon Max T? eiD'bardt. DeutHctae« Theater. T'/jt Toltlaa BnntkrhnN. Freitag 7; John Gabriel Borkman Hanunerspicle. 71/,: fasehiiig. I icitap;: l itsclllnx. � oIl«(»biiiino.Theat. a.Bülewplalt. Untergrunilb. Schönhauser Tor. Oer G'wissenswurm. Freitag: Hamlet. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Tlieater i. lt. Königgrätzerstr, F', Uhr: hjchnKiler-Abcnd. �omödienhaus Die verlorene Tochter. Berliner Theater Uhr; Die tolle Komtcll. Lessing'Theater. 7 Uhr. neu einstudiert.: Der Prohcpfell. Lustspiel von Oskar niumenthal. Freitag: Peer Uynt. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 7>/, Uhr: Der Kammersänger. Comtesee Mirzl. I. Klatae. URANIA 8 Uhr: Tirol einst und jetzt. U Vk CTrcua T» Bmsciil Tgl."Vj Uhr, vorlrhle Wochr! Tas reichhaltige Abschieds- Program«! Zum Schluß: Die versunkene Stadl SIm 1. u. 2. TIfiliflfl.Actcttag nachm. 31/, u. ab.?>/, U.: Gross. ZUischiedS. Programm und Die versunkene Stadl. Zlbschieds-Dorfl. Ril!»och 7>/, U. 'TKeater für Vonnerstsx, clen 24. Nlai, Dcatachca Opernhaaa 7 uhr: Der Troubadour. Fricdrlcb-Wllhelmstädt. Theater. tv, uhr: Das DreimäderHiaus. ♦ilebr. Herrnfcld-Tiicatcr. tv.utu: Eiie-ürlaub. Kleines Theater ti.: Hans i Sctmakenloeli. Komische Oper loiim.: Die Dose Sr. Majestät, Sonntag 3'/,: Oer PuBta-Kavaller. Lustspielhaus 7",:, Uhr: Die blonden JHldela vom Uudcnbof. Aletropol-Theater lo Min: Di's VzZsltastDsstiD. Neues Operettenhaus Schiffbd. a. Kassentel. Xorden 281 TV« u.: Der Soldat der Marie. Rcaldens-Thcater uDieSleiner-Mädels Schiller-Thoatec O tv, uhr: Der Bibliothekar. Mchlller-Xfa. Charlottenb. u-; uh�f Kammermusik. Thalia-Theater 25Mfn.:DasYagabundeninädel, Theater am KoIIeadortpl. 3';, Uhr; In Vertretung. t'/.u.: Die Gulaschkanone. Theater de« H osten« -•/.tr.: stolz« Thea. Trlanon-Thcatcr 8 uhr: Die Hochzeitsreise Gastspiel der Schiierseer mit Xaver Terofal. Heute TV. Uhr: In d. Sommerfriseb'n Morgen:'a Liserl v. Schlleraee. Sonnf. S'l,: D. HerrgotUchnlUer. Montag S'l,: Jhgerblat. Reiebsbailen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Ansang 7'/, Uhr. Hastkpiel Xclson's KUnstlcrsplele Rudolf Nelson Kftte Erholz Trude Troll Kurt PuB Erna Albert)— Trade DusedaaD sowie die 12 Spezialitäten 12 des Mai-Spielplans. SfeoITo awromcHsm-AN• oea- nootsn- Allabendlich VI, Uhr: Das vielseitige Varietd-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr gefiffnet Zirkus ASctiumannl Heule u. täglich abd. 8 Uhr; Das reichhaltige Programm. 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Ero�nung 3 Uhr. Ansang 5 Uhr. Lasino-l'Keatei' Uelbringer Str. 87. Täglich Vj, Übt. Nur nodj bis 31. Mai! 7'/, Uhr: Tie SUai-Zpezialilätcn. »'/.uhr- HW'zMMei'Ivedt. Stürmischer Beisall. Sonntag 4 Uhr:'ne gute Idee. Walhaila-Theater. VI, Uhr: Der Glttcksbauer. AdmirsIS'RsIast. AdraKsüadrs grobes pbanlaslisobes 8alIeN aal dem LI»«. Angenehmer kühler Aufenthall 7'l, Uhr. Vorzügl. Küche. SelMe I VMM A3 Pf. da- Stück Sll9vf. Zelluloid-, Film- Guttapercha- Hartgummi- Wachswalzen- Abfällt laust Lrdotver. G. in. b. H. Georgenliich- stroße 30 beim Aleranderplatz. 9-12 40/9» Roodoso! Kahnt&Hertzer� Pfingsten u. folg. Tonntage ab ZSaisei �.äch Dvup»- llosnovs\if\\)%a- 3,00 M. Krarnpenburgjma Sunhi 1,50 M. S1/, u. 2 Uhr nach Reichslagsufer dire««m Bahnhof Fricdriclistr. »ur Saumblute. Ab '•«■ST'"> Werder Ziehung I. und 2. Juni 1917 +Lelä. 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Mai 1917 SormtUag ■Huf lebt petaeen« Nummer find«mei»Uta d»d» «, Winne nesalle», und zwar j» einer«nf dl« 11»» gleicher Stummer 1« den detde» Ubtellnnpe» I». II» liur die(SeMimie übe» 240®l. find tn Klammern beigefügt. (Ohne Bewähr A. Dt.-A. f. 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B»tm(a«J,,ietzuii5»mn St. Sei: Ii, N?. 6015 ist nicht«it 500C, sondern mit 500 SJL gezoaen.— Nachmittagtziehunss beifeilen TageS: Nr. 122 938 ist mit j?00 SR, dagegen Nr. 123 838(500) nicht gezogen worden. Statt 131372 (500).«uß tf 131862(500) fett«. Nr. 1745*1(500) ist«ich* fW«. 9. VrenMuh-Ziiddentsche (235. Kiinigl. freust.) Klassettlotterie S.Klasse lZ. Ziehung»tag 23. Mai lül? Nachmittag Snf jede ,«»«««»« Nummer sind zwei»lelch hohe Gewixue gefallen, und(war je einer a»l die Las« gleicher Nummer tu den detdeu iUbteilungeii I u. II. Nur die Gewinne biet 210 M. find in Klammern beigefügt. tOhne Bewähr A. Et.-ll. f. Z.)(Nachdruck verboten) 114 31«4 241 86 709 29 613 86 61>056 10» 201 408 (1000) 691 ODO(600) 84 3033 201 93 348(600) 69 9» 660 607 721 66 908 ,08t 100(1000) M6 6ä 3«1 11000) 690 600 63 80 (1000) 8:9 080 4007 UOCO) 35 63 224 392 486>1000) 603 83 11000) 643 730 55 8103(1000) 29 233 407 49 622 90 7C9 816 (1000) 9-6 9033 67 100 469(1000) 634 8 4 772 907(800) 23 4 342 5:9 34 710(30001 862 68 947 8 087 272 427 73 09 669 »8«76 90 739 860 9038 333 69 646 866 922 36(1000) 62«2 92 10120 64 366 322 430 36 80(1000) 606 779 847(1000) 97 (1000) 079„031(600) 174 227 71 380 445 83 6(8 833 923 25 77 ,9151 329 613 69 667 63 98 723 833, 3347 74 433 81 761 (600) 843 823 46 1 437-9 437(600) 641 845 823 950 95 1 9082 248 313 34 497 624 26 711 83 999, 9082 88>500) 91 285(600) 782 830(500) Sl 911 1702« 280(1000) 387 693 800 975, 9035 68 327 636 602(3000) 781 631 67 1 90(2 2X1 13 16 307 60 418 604 762 821 98 934 63 82 20111 66 67 90 244(600) 606 638 723(690) 882 928 64 KIOCO 36 612 834»62 3 2 030 130 67 376 460 663 77 602 46 43 75« 823 28 48 66 63 2 3 361 487 6«3 73i(1000i 844 2 4 050 74 122 27 7 7 315 661 847 2, 237 327 413 676 82 03 806 68 70 3 9012 84 192 250 439 609 66 716(1000) 976 2 7036 114 419 92 99 682 762 2 90? 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