Nr. 147. 34. Jahr. Ndoonementz-keSInglllize«! Utonnnnmt»- Vre«» prSnumera"».' VierteljäbrI. S.SV SRI, oionotL U30 ZRi. wöchentlich 30 Big. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Viz. konnlaq». Nummer mit illustrierter Konnwa»» Sicllage.Die Neue Welt' lv PfA. Peil» kidonnemeM: 1.Z0 Mark dr» Monat. Eingetragen in die Bosl-ZeitungS» Vreisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für da» übrige Ruiland « Marl Jito Monat. Poslabonnemem» nedmen an Belgien. Dänemorl. Holland, Italien. Luxemburg, Porwgal. Nuntänien. Schweden und die Schweis clichlil» lögllch. Verlinev VolKsblntt. ( 5 Pfennig) Die InlertionS'GeSflljr beträgt für die!ech»gesva!tene Kolonel. geile oder deren Raum 00 Pfg., für Holitische und gewerlichaiiliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 30 Psg. -Kleine Sn-eigen", das lengednich« Wort 20 Vig. unlälsig 2 feitgedru-tte Wortes, jedes weiiere Wort 10 Pfg. Slellengcjuche und Schlasstellenan- »eigen das erste Wart 10 Psg. jedes weitere Wort 3 Big. Worte über>5 Buch- sinben zählen für zwei Worte. Anieraie lür die nächste Nummer inüijen bis B Ilbr nachmittags in der Exvedition »dgcgcden werden. Tie exvedinoa izt bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-Adreffe: .5«l!!l!üilli0!lt7!I lliltt»". Ztntralovgan der fozialdcmohratfrcbcn parte! Deutfcblands. Neöaktion: EW. 68» Linöeustraße Z. irerniprecher: Zlmt MoriUvlav, Nr. 151 SV— läl S7 Expeöttion: EW. 68, Linöenstraße 3. ifernsprrcher: Amt MoritzPlaU. Nr. 151 SV— 151»7. mtsr Die öfterreichifche Chronrede. Stockholm. �uch üie englischen Sozialisten nehmen teil. Stockholm. 30. Mai. s Schwedisches Telegramm-Burean.) Der holländisch-skandiiillvische Ausschuß hat vou dem englischen Minister Hcnderson auf seiner Durchreise in Stockholm die Mitteilung erhalten, daß die Arbeiter- und Sozialistcnorganisatio- i'.c»(Großbritanniens sich der Konferenz von Stockholm angeschlossen haben. Tic Mrhrheitsabordnung wird Unterstaatssekre- tür!>i o b c r t s, Mitglied des Unterhauses, führen, die Minder- beitsabordnung Ramsay Macdonald, Mitglied des Unterhauses. Amsterdam. 30. Mai.„Nieuws van den Tag" sagt, daß der Beschluß der französischen Sozialisten, dach nach Stockholm zu gehen, von großer Bedeutung sei. Tic Hallung, die die frarrzö- fischen Sozialisten seit Beginn des Krieges eingenommen haben, ist nun verändert, und gegen den Willen der Führer zwingt die Masse der Partei den Vorstand, sich nicht länger gegen die Stimmung der Iicutralen und Bundesgenossen zu verschließen, die da hoffen, daß wenigstens über eine mögliche Wiederherstellung der internatio- nalen Beziehungen zwischen den Sozialisten aller Länder ge- sprachen werden soll, die dünn wieder zu einer Vorbereitung des Friedens führen kann. Parallel mit diesem Beschlüsse laufen die Versuche der russischen Regierung, eine Abände- r u n g der gemeinschaftlichen Entente-Kriegs» ziele herbeizuführen. Das Blatt glaubt, daß die Entsendung des englischen ArbcitcrführevS Hendersou mit diesen Nntcr- Handlungen in Verbindung steht, und vermutlich auch die Be- sprechungen, die in den letzten Tagen in London zwischen dem englischen Kricgskabiilett und Ribot, Cambon, Painlevc und Fach abgehalten wurden. Die Fuverstcht üer. Dänen. Kopenhagen, 3t. Mai.(Eig. Drahtbericht des„Vorlvärts".) Vor ihrer Abreise nach Stockholm hatte die deutsche Delegatiou eine Konferenz mit den dänischen Genossen. Borgbjerg er- stattete Bericht über seine Verhandlungen mit den Russen und hob dabei hervor, wenn von einer Seite beabsichtigt gewesen wäre, die Stockholmer Arbeiten von Petersburg aus zu durchkreuzen, so sei das gerade Gegenteil davon eingetreten. Denn die Initiative des Arbeiter- und Soldatenrats hat dazu beigetragen, daß die Fran- zosen und die Engländer an der Friedenskonferenz teilnehmen. E b e r t sprach Borgbjerg den Tank der Deutschen für seine erfolg- reiche Friedensarbcit aus. S t a u n i n g machte dann nähere Mit- teilungen über die Vorarbeiten zur Konferenz. Tie letzten Nach- richten, sagte er, berechtigen zu der Hoffnung, daß sich die hollän- disch-skandinavische und die russische Initiative zur Veranstaltung eines internationalen sozial istischen Friedens- kongresses vereinigen würden. Noutet über öen pariser Beschluß. Kopenhagen, 31. Mai.(Eig. Drahtbericht des-Vorwärts".) „Socialdeniokraten" gibt eine Unterredung mit Moutct wieder, in deren Verlauf er sagte: Mein Entschluß, für Stockholm zu stimmen, war das Ergebnis reiflicher Uoberlegung. Vor meiner Reise nach Rußland war ich ein Gegner der Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen; jetzt ist aber die Lage verändert, weil die Initiative dazu von den Russen ausgegangen ist. Nun konnten wir die Teilnahme nicht mehr verweigern, ohne uns zu Gegnern der russischen Revolution zn erklären. Die Russen hatten beschlossen, nach Stockholm zu gehen, auch wenn wir uns fern- hielten. Wäre es klug getvesen, sie mit den Deutschen allein zu lassen? Wenn jetzt die Deutschen aus der Konferenz eine im- klare oder ausweichende Anllvort geben(?), wissen wir, wer für die Fortsetzung des Krieges die Verantwortung trägt. Bern, 31. Mai.„Progres de Lyon" meldet aus Paris: Die beiden Parteien des Senats Union Republicaine und Gauche Dcmocratiguc beschlossen in getrennten Sitzungen, die durch die geplante internationale Besprechung in Stockholm g e s ch a f- fene Lage einer neuen Prüfung zu unterziehen. Es wurde eine Abordnung von je vier Mitgliedern ernannt, welche von Ribot Aufklärungen über die allgemeine Lage, besonders bc- züglich der Stockholmer Besprechung einfordern soll. Die s o z i a- listischc Kammergruppe ließ sich von Moutct und Cachin gestern vormittag eingehenden Bericht über die russische Reise er- staiten. Beide Deputierten verlasen im Lause ihrer Erklärungen zahlreiche Schriftstücke. Die Kammergruppe wird einen B e- schluß über ein politisches Vorgehen fassen, das durch die neue Sachlage, besonders durch die Erklärungen Moutets und Cachins vorbereitet worden ist. Das Programm üer(desterreicher. Stockholm. 30. Mai.(Schwedisches Telcgramm-Bureau.) In ihrer Erklärung sagten die österreichischen sozialdemokratischen Ab- geordneten im besonderen: J. Daß sie einen Friedensschluß ohne Anncxio» neu fordern. 2. Daß sie die bürgerlichen Regierungen und die herrsch ende»Bourgeoisien in gleich erWeisc für den Krieg objektiv verantwortlich halten und auch darum für einen allgemeinen Frieden ohne Entschä- digung eintreten. Aus diesem Grnnde sind sie der Meinung, daß die Bcantwortuiig der Schuldsrage abgelehnt werden muß. Was die einzelnen Nationen betrifft, so erklärten sich die Abgc- ordneten gegen die Annexion von Belgien, für die staatliche Selbständigkeit des serbischen Volkes und für einen durch Vereinigiing mit Montenegro herzustellenden freien Zugang Serbiens zum Meer. Die Balkanstaatcn mögen ihre staatlichen Beziehungen im Einvernehmen regeln und durch ein Bündnis alle Forderungen der Balkanvölkcr selbst verwirk- lichcn. 3. Die südslawischen Nationen undKronländer Oesterreich- Ungarns samt Bosnien sollen im Verband des Reiches bleiben, aber die Abordnung verpflichtet sich, die Bestrebungen dieser Völker nach Autonomie jederzeit z» fördern. 4. Die Se l b st ä n d i g k e i t Finnlands und Russisch- Polens soll gesichert werden. Die Polen in Galizien und in Preußen sollen zunächst volle Autonomie im Rahmen der beiden Staaten erhalten, wie auch volle nationale Autonomie für die österreichischen Ruthcnrn gefordert wird. Die Abgeordne- tcn erwarten von zutünftigen freien Vereinbarungen zwischen dem wiedererstandenen Staate Kongreßpolen und den Mittelmächten dauernde Ordnung der polnischen Frage. 5. Gegenüber gewissen Borwänden, als bandle es sich in diesem Kriege um die Befreiung der kleinen Völker Oesterreichs stellen die Abgeordneten fest, daß der österreichische Staat die kleinen Nationen erhält. Als wesentlichen Bestand- teil des Friedensvertrages bezeichneten die Abgeordneten Wirt- schaftliche und völkerrechtliche Fragen. Gefordert werden die Wiederherstellung der Bcrkchrsfrcihcit zu Lande und zu Meere, Abbau der Hochschuhzollsvstcmc, offene Tür in allen Kolonialgebietcn, Einrichtung einer gemeinsamen internationale»! Verwaltung sämtlicher Sechandelsstraßen, interozeanische Kanäle, Schaffung von neue» Wcltciscnbabnstrnßcn unter Beteiligung und Mitverwaltnng aller Mächte. Die Abgeordneten erheben Ein- spruch gegen den wirts chaftlichen Krieg, wie er durch die Pariser Konferenz 1010 in ein System gebracht wurde. Sic sind der Ansicht, daß Zoklvcreinigungcn nur dann ein Fortschritt sind, wenn sie auf die Erweiterung des freien Verkehrs ab- zielen. In dem Fricdensvorschlag sind auch gemeinsame Bcstim- mungcn im Sinne der von den intcritationalen Gcwcrlschaftskon- grcsic» fcstgcstclltctl Forderungen zu treffen. 0. Der Krieg hat alle Bürgschasten des bisherigen See- kricgsrcchts vernichtet. Die gicchtscntwicklung, die im Pariser Bertrag von 1850 angebahnt ist, mutz weitergeführt werden. Dazu gehören das Verbot der Kaperei und der Bcwasf- nung der Handelsschiffe, Abschaffung des Seebeutcrechts, Br- schränknng des Begriffs der Konterbande, von dem mindestens alle Rohstoffe der Bekleidung und Ernährung ausgeschlossen werden müssen, Zurückführung des Blockadcreichts auf seinen alten Ilm- fang, ein Verbot der Erklärung eines Teiles des offenen Meeres als Kricgsgcbiet, Einschränkung der im See- und Luftkainpf zu- lässigen Kricgsmittcl. Die Abordnung trat weiter ein für die Fortführung des Friedcnswerks bei der Haager Konferenz, für vertragsmäßige Einschränkung der Rüstun- gen zu Wasser und zu Lande bis zur völligen Abrüstung der stehenden Heere, für die Bildung eines lediglich auf Landesverteidigung eingerichteten Volks- Heeres. Soweit Rüstungen noch erforderlich sind, ist die Rüstungsindustrie zu verstaatlichen. Die österreichi- sche Sozialdemokratie ist ohne Vorbehalt und Vorbedingung zur Einberufung von Sozialistenkongressen bereit und hält die Teil- nähme für eine Pflicht jeder Sektion der Internationale. Die Delegierten erwarten, baß alle angeschlossenen Sektionen in gleichem Geist in die Verhandlungen eintreten, und halten Vcr- tretcr aller nationalen Sektionen sowohl der Mehrheit wie der Minderheit für notwendig. Die tchcschischen, polnischen und bosnischen Ab- ordnungcn werden ihren Standpunkt genau festlegen nach Be- ratung mit den anderen Organisationen, welche von ihrer Sektion abhängig sind und mit denen sie spezielle Probleme zu erörtern haben. /toseele in Stockholm erwartet. Anseele, Mitglied des Exekutivkomitees des Sozialistischen Bureaus, wird nun auch in Stockholm erwartet. Anseele ist be- kanntlich in Gent auf seinem Posten geblieben und hat für seine Landsleute eine heilsame praktische Tätigkeit entfaltet. Die deutsche Partei hat sich bemüht, ihm eine Reiseerlaubnis zu verschaffen, und man hofft jetzt in Stockholm, ihn dort bald begrüßen zu können. Die belgischen Sozialüemokraten in tzollanü haben auf einer Pfingsttaguug in Rotterdam sich mit der Stock- holmer Konferenz befaßt. Sie erhoffen von ihr die Wicderherstel- lung der zerrissenen internationalen Bande und die Herbeiführung des Friedens. Die Versammlung ernannte auch einen Delegierten für Stockholm und sprach dem Internationalen Bureau ihr Vcr- trauen aus. Demokratie unö Zrieöen. Die Thronrede, mit der der junge Kaiser Karl gestern den österreichischen Reichsrat eröffnet hat, interessiert uns von zwei Gesichtspunkten aus. Was bedeutet sie für die Friedens frage und was bedeutet sie für die innere frei- heitliche Neuordnung O e st e r r e i ch s? Was die Thronrede über den Frieden sagt, ist ein sicheres Fortschreiten aus betretener Bahn. Sie streckt dem Osten weit die Hand entgegen und spricht zugleich— den Verdacht sonderfriedlicher Intrigen vermeidend— den Wunsch aus, daß sich der in Rußland erwachte Geist bald auch den anderen Gegnern der Mittelmächte mitteilen möge. Sie selbst siickt und findet die„richtige Friedcnsformel" in den Worten: „gegenseitigejülnerkenmmg einer ruhmvoll verteidigten Macht- stellnng". Sie spricht sich damit klarer und offener aus, als es die deutschen Regierungserklärungen bisher getan haben. Wenn man anerkennt, daß man nicht nur selbst ein« Machtstellung ruhmvoll verteidigt hat, sondern daß auch den Gegnern dasselbe gelungen ist, und wenn man bereit ist. auf Grundlage dieser gegenseitigen Anerkennung Frieden zu schließen, dann kann man von den Gegnern nicht die Hergabe von Land und Geld verlangen. Wären die Gegner zu solcher Hergäbe genötigt— und ohne Not tut man doch so etwas nicht!— dann hätten sie eben ihre Machtstellung n i ch t rühm- voll verteidigt, sondern diese Verteidigung wäre ihnen�miß- hingen. Die östereichische Thronrede spricht mit kühler Offen- heit aus. daß von einem solchen Mißlingen nicht die Rede sein kann. Diese Offenheit wird einer bekannten Richtung in Deutschland schsinerzlich sein, aber man muß hoffen, daß sie heilsam sein wird. Die Wahrheit, einmal ausgesprochen, bricht sich unwiderstehlich Bahn. Wir wissen setzt, wenn wir es nicht schon vorher wußten, wie der stärkste Verbündete Teutschlands die Weltlage auffaßt und welche Schlüsse er daraus für die Notwendigkeit des Friedens zieht. Damit ist auch der Weg bestimmt, den die deutsche Politik gehen muß und den sie nun endlich ohne jedes Schwanken und ohne jede Zweideutigkeit betreten möge! Nur auf diesem Wege wird es möglich sein, das weitere Ziel der Thronrede zu erreichen, nämlich den kommenden Frieden für Generationen haltbar zu machen. Leider sagt die Thronrede nicht, wie eine solche Friedenssicherung erreicht werden kann, aber ihr Inhalt läßt nicht vermuten, daß sich die österreichische Regierung einer obligatorischen internationalen Schiedsgerichtsbarkeit und einer allgemeinen A b- rüstung widersetzen würde. Der kommende Frieden wird allen Völkern eine vollwertige„Kriegsentschädigung" bringen, wenn er nicht mehr unter dem Druck ständiger Kriegsfurcht und eines durch sie hervorgerufenen Rüstung:-. Wettrennens steht. Alle übrigen Fragen eines Verständi- giingsfriedcns»Verden leicht, wenn diese erste aller Fragen ge- regelt ist. Eine dauernde Friedenssicherung enthebt die Re- gierungen bei den weiteren Verlzandlungen der Sorge, um wieviel Lot aus Grund des Ergebnisses ihre Macht im Fall eines neuen Krieges leichter oder schwerer sein würde. Es ist dringend zu wünsche», daß die Mittesmächte auch in dieser entscheidenden Frage sich nicht widerwillig mitziehen lassen, sondern selbst die Initiative ergreifen mögen. Auch in bezug auf die inneren Verhältnisse Oesterreichs ist die Thronrede in erster Reihe eine mit guten Wünschen reichlich geschmückte Feststellung des Tatsächlichen. Die öfter- reichischc Monarchie ist von der preußisch-dcutschcn im Wesen grundverschieden. Sie verdankt ihre Stärke nicht ihrer ge- schichtlichen Selbstbehauptung gegenüber den andrängenden Kräften der Demokratie, sie gibt sich nur mit innerem Wider- streben absolutistisch, wo ihr nichts anderes übrig bleibt, denn als Lückenbüßer einzuspringen, was angesichts der österreichi- schen Verhältnisse nienulls eine beneidenswerte Aufgabe war. Kaiser Franz Josef hat dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht zum Durchbruch verholfen in der Hoffnung, daß das reorgani- sierte Parlament ihm die kamn lösbare Ausgabe des Rc- gierens erleichtern würde. Sein junger Nachfolger bat jetzt aus dem gleichen Grunde das Parlament wieder einberufen. Oesterreich wird also nach dem Kriege ohne weiteres so konstitutionell und so demokratisch regiert sein, wie es regiert sein will, und die Krone will es nicht daran hindern, sondern sie will im Gegenteil ihm dabei— unter Wahrung ihrer repräsentativen Stellung— helfen. Es gibt in Oesterreich auch keine Schutztruppe des Thrones, die ihre Aufgabe darin sieht, zum eigenen Vorteil Volk und Krone gegeneinander auszuspielen. So konnte der junge Kaiser unter Verant- wortung seines gräflichen Ministerpräsidenten von dem Geist der wahre nDcmokratie sprechen, in dem er regieren wolle, ohne daß deshalb auch nur ein einziges Blätt- tfart oder em einziger Ttnmmtisch im ganzen Lande ein Weh- gejcftrei anstimmen würde. Ter Geist der wahren Temokratie— das ist das, was ganz Oesterreich inbrünstig sucht, weil es sein Lebenselexier ist.?lber ein ungeheurer.ü'nänel geschichtlich überkommener Verwicklungen muß entwirrt werden, wenn Testerreich dazu gelangen soll. Die Völker und ihre einzelnen Parteien können beim besten Willen dabei nur Teilarbeit leisten, im Mittelpunkt nmß eine Regierung stehen, die klug zusammen- sastt und, von modernen Gesinnungen erfüllt, Schwierigkeiten niit großzügigen Mitteln zu lösen versteht. In dieser Be- Ziehung vermißt man in der Thronrede feste Haltepunkte. denn was über Polen, Böhmen, das Verhältnis zu Ungarn gesagt wird— die brennende südslawische Frage wird ganz übergangen—, ist reichlich unbestimmt. Es ist darum keines- Wegs sicher, ob die Verantwortliche dieser Thronrede, die Re- giernng Elam-Martinic, sehr weit kommen wird mitjbreni Versuch, die schönen Versprechungen dieses feierlichen Staats- doknments in blühende Wirklichkeit umzuwandeln. ** ♦ Die Thronrede Kaiser Karls beginnt mit einem Nachruf auf den entschlafenen Vorgänger und fahrt dann fort: StaotZintercsse soll nicht länger jener wirksamen Förde- rnng entbehren, die ibrn die eifrige Mitarbeit einer den Kreis ihrer Befugnisse richtig erfassenden, einsichtigen und gewissenhaften Volks- rertretiing zu bieten vermag. Ich habe Sic, geehrte Herren, zur Ausübung Ihrer verfas- sungSmäßigcn Tätigkeit berufen, und heiße Sie heute an der Schwelle Ihres Wirkens herzlich willkommen. In vollem Bewußtsein der von Meinem erlauchten Vorgänger übernommenen verfassungsmäßigen Pflichten und aus eigener tiet- ster Uebcrzcugung will Ich Ihnen erklären und feierlichst bckräf- tigen, daß es Mein unabänderlicher Wille ist. Meine Hcrrscherrcchte jederzeit in ciuei» wahrhaft krniiitutioncllci, Grift auszuüben, die staats- und grundgesehlichen Freiheiten un- v e r b r ii ch l i ch zu achte» und den Staatsbürgern jenen Anteil an der Bildung des S t a a t s w i l l c n s unverkürzt zu wah- ren, den die gellende Verfassung vorsieht. In der treuen Mitarbeit des Volkes und seiner Vertreter er- blise Ich die verläßliche Stütze sür den Erfolg Meines Wirken?, und Ja, meine, daö Wobl des Staates, dessen glorreicher Bestand durch das feste Ausamenstche» der Bürger in den Stürmen des Weltkrieges bewahrt wurde, kann auch für die Zeiien des Friedens nicht sicherer verankert werden, als in der unantastbaren Gerecht. samc eines reisen, vaterlandsliebenden und freien Volkes. Eingedenk Meiner Obliegenheit znr Ablegung des Vcrfassungs- gelöbnisses und festhaltend an der gleich nach Meinen, Regierung»- ontrittc verkündeten Absicht, dieser Obliegenheit getreulich nachzu» kommen, muß Ich Mir zugleich die Bestimmung des Staatsgrund- gesctzcs gcgcniväriifl halten, die die Entscheidungen im großen Augenblicke des Friedensschlusses allein in Meine Hönde legt. Ich bin aber auch überzeugt, daß da» scgensvolle Aufblühen de? Bcrfastungslebens nach der Unfruchtbarkeit früherer Jahre und nach den volitischrn Ausnahmeverhältnissen des Krieges, abgesehen von der Lösung jener gatizischen Frage, für welche Mein erhabener Vorgänger bereits einen Weg gewiesen hat, nicht möglich ist ohne eine LnSgestallung der vcrsastungs. und vcr»valtung»rcchtlichen Grundlagen de? gesamten öffentlichen Lebens sowohl im Staate als in den ein- zelnen Königreichen und Ländern, insbesondere in Bäh- in e n. Und Ich vertraue darauf, daß die Erkenntnis Ihrer ernsten Verantwortung für die Gestaltung der politischen Verhältnisse und der Glaube an die glückliche Ziikunft des in diesem furchtbaren Kriege so herrlich erstarkten Reickies, Ibnen, meine geehrten Herren, die Kraft verleihen wird, vereint mit Mir in Bälde die Vorbcdin» gilng zu schaffen, um im Rahmen der Einheit des Staates und unter verläßlicher Sicherung seiner Funktionen auch der freien nationalen und kulturellen Entwicklung gleich, berechtigter Völker Raum zu geben. Aus diesen Erwciguiigeii bab? Ich Mich entschlossen, die Ab- legung de» Bcrfassungsgelöbnisscs dem hosfcnllich nicht fernen-jcit. puntw vorzubehalten, wo die Fundamente des neuen, starken und glücklichen Oesterreichs für Generationen wiederum fest ausgebaut sein werden nach innen und außen. Schon heute aber erkläre Ich, daß Ich Meinen teuren Völkern immerdar ein gerechter, liehevoller und gewissenhafter Herrscher sein will in, Sinne der konstitutionellen Idee, die wir als ein Erbe der Väter übernommen haben, und im Geiste jener waren Demokratie, die gerade während der Stürme des Weltkrieges in den Leistungen de» gesamten Volkes a» der Front und daheim die Feuerprobe wunderbar bestanden hat! A'och stehen wir in dem gewaltigsten Kriege aller Zeiten. Lassen Sie Mich aus Ihrer Mitte all den Helden, die seit fast drei Iahren an unseren weitgespannten Fronten freudig ihre schwere Pflicht erfüllen, an deren eiserner Standhaftigkcit eben jetzt zwischen den Alpen und der Adria der erneute wütende Angriff des Feindes zerschellt, dankbaren Herzens Meinen Kaiserlichen Gruß entbieten. Unsere Mächtegruppe hat die blutige Kraftprobe dieses Welt- kriegcs nicht gesucht. Ja, mehr als das, sie hat von dem Augenblick an, wo dank der unvergänglichen Leistungen der verbündeten Heere und Flotten Ebre und Bestand unserer Staaten nickt mehr ernst- lich bedroht erschien, offen und in unzweideutiger Art ihre F r i e- d c u s b e r e i t s ch a f t zu erkenne» gegeben, von der festen lieber- zeugung geleitet, daß die richtige FricdenSformcl nur in der wechselseitigen Anerkennung einer ruhmvoll verteidigte» Machtslelluilg zu finden ist. Das fernere Leben der Völker sollte nach unserer Meinung frciblciben von Groll und Rachedurst und auf Generationen hinaus der Anwendung dessen nicht bedürfen, was man das letzte Mittel der Staaten nennt. Zu diesem hohen M c n sch h e i tS z i c l e vermag aber»nr ein solcher Abschluß des Weltkrieges zu führen, wie er jener Friedens- sormel entspricht. Das große Nachbarvolk im Osten, mit dem uns einstens eine alte Freundschaft verband, scheint sich in all- mäblickcr Besinnung auf seine wahren Ziele und Aufgaben neue- stcns dieser Anschauung zu nähern und aus dunklen, Drange bcr- aus eine Orientierung zu suchen, die die Güter der Zukunft rettet, bevor sie eine sinnlose Kriegspolitik verschlungen hat. Wir hoffen im Interesse der Menschheit, daß dieser Prozeß innerer Neugestal- tung sich bis zu einer iraitvollen Willensbildung nach außen durch- ringen und daß eine solche Klärung des öffcntlicken Geistes auck auf die anderen feindlichen Länder übergreifen wird. Wie unsere Mächtegruppe mit unwiderstehlicher Wuckt für Ebre - und Bestand kämpft« ist und bleibt sie jedem gegenüber« der die Ab- Anhaltend lebhaftes Artilleriefeuer im 'Hpern- und Wytschaete-Bogen— Eng- lifche Einzelaugriffe südlich der Scarpc. zwischen Monchy und Guemappc— Deutsche Vorstöße am südliche» Aisne- User und östlich Auberive. Amtlich. Großes Hauptquartier, den lll. Mai 19l7. jW. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Die lebhafte Artillcrietätigkeit im Dpern- und Wqtschactc- Bogen dauert an. Dicht südlich der Scarpe wurden mehrere englische Kam- pagnien, die abends iibcrroschrnd gegen unsere Gräben vorstieße», verlustreich abgewicfeu. Roch kurzer Feuersteigerung erfolgten nachts auch zwischen Moiichg und Gueiuappe Angriffe der Engländer. In zähem Rah- kämpf warfen wcstprcusiischc Regimenter den mehrmals anlaufenden Feind znriick. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Längs des Chcmin-dcs-Dames-Riickens und in der West- Ehampagiic erreichte der Artillrriekampf wieder größere Stärke. Auf dem südlichen Aisne-Ufer stürmten»ach umfangreichen Sprengungen wcstrhcinischc Truppen uichrcre französische Gräben unb brachten lli Gefangene»nb einige Maschinengewehre zurück, Ocstlich von Auberive führten Teile rinrS oberrheinische» Regiments ein Erkuubuiigsunternchmen durch, dei dem öv Gc- fangcnc in unsere Hand sielen. Während der Nacht kam es auch auf dem Wcstufcr der Maas zu lebhafter Feuert ötigkeit. Heeresgruppe Herzog Albrccht. Nichts NeurS. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich die Gesnmtlage nicht geändert. Mazedonische Front. Erfolgreiche Borsrldgcfcchtc brachten deutschen und bulga- rischen Strcifabtcilungen im Eerna-Bogen und auf dcm westlichen Bardar Ufer eine Anzahl Gefangener ein. Der Erste Gencralauarticrmeistrr. Ludcndorsf. Abendbericht. R m t l i ch. Berlin, 31. Mai adcodS. Keine größeren Kampfhandlungen. Ter österreichische Bericht. Wien, 31. Mai lLl7.(W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbnrt: westlicher»nd südöstlicher Kricgsschanplatz. Unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Am I s» n z o gestern tagsüber nur Artillerie- kämpfe. In der Rächt wurden bei San Giovanni südöstlich von Monfalconc zwei italienische Borstäsie abgewiesen. Ter Chef de« Genrralftabes. ficht, sie zu bedrohen, ehrlich aufglbt, gern berrit, drn Steril zu brgrahcn, und tver darüber Hinaus wieder bessere menschliche Be- Ziehungen anknüpfen will, der wird auf dieser Seite geiviß ein be- reitwilliges, vom Geiste d c r Versöhnlichkeit getragenes Eiitgcgcniommen finden. Einstweilen ober wird unser Kampfwille nicht erlahmen, unser Schwert nickt stumpf werden. I» treuer Gr- meinschaf! mit dcm altverbündeten Deutschen Reiche und den Bun- desgeuossen, die unsere gerechte Sache im Laufe des Krieges gc- Wonne» hat, bleiben wir bereit, ein gutes Kriegsende, das wir gern dem Durchbruch der Vernunft danken n, ächten, nötigenfalls mit der Waffe zu erzwingen. Tie Thronrede führt weiter aus, daß Oesterreich die un- geheuren finanziellen Anforderungen des Krieges aus ciae- neui zu erfüllen vermochte, und daß nun die Führung des Staatshaushalts wieder auf normale gesetzliche Grundlage gestellt werden solle. Sie verspricht Gutmachiing der Kriegs- schäden, Hinterbliebenensürsorgc, den w i r t s ch a f t l i ch c n A u S g l e i ch m i t U n g a r»»nd überhaupt eine planmäßig ausgebaute Handelspolilik, Reform des Jugendstrasrcchts. Ausbau der sozialen Fürsorge, insbesondere der Arbeiter- schutzgesetzgebung. Sie spricht dann den Satz aus, �aß die ge- wissenhafte Erfüllung der Pflichten gcgei� den Staat nicht an Bedingungen geknüpft sein dürfe. Sie crmahnt den Reichsrat, treue Gemeinschaft mit Ungarn zu pflegen, das sich neuerlich als Fundament für die Machtstellung der Monarchie erprobt und das einträchtige Z u s a m- ni e n w i r k e n der verschiedenen Stämme im Staate zu fördern, die alle an dem Ruhm dieses Krieges Anteil hätten. Tic nationalen Fragen. In der Eröffnungssitzung des Abgeordnetenhauses am 30, Mai gaben der tschechische Abgeordnete Stauet und der Südslawe Koro- iee Erklärungen ab, i» denen sie das Streben nach der Vereinigung der von den Stämmen de» tschechisch-slawischen Volkes beziehungs- tveise von den Slowenen, Kroaten und Serben beivohnten Gebiete der Monarchie zu selbständigen Staatskörpern unter der Dynastie ausdrückten. Abgeordneter Kaiin(Tscheche) äußerte seine Sympathien für die russische Revolution und für die von ihr vertretenen Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sämtlicher Völker. Der Ukrainer Petrueziewiez vertrat die Forderung nach Schasfung einer staatsrechtlichen Einheit der ukrainischen Gebiete im Rahmen der gesamtstaatlichen Organisation der österreichisch- ungarischen Monarchie und protestierte gegen die Angliederung der ukrainischen Gebiete von CHolm-Land, Podlackien und Wolhtmien an das zu schaffende Königreich Polen. Er begrüßte die Bestre- Lungen der Ukrainer Rußlands für Erlangung des staatlichen Selbstbestinimungsrechts. P a ch e r erklärte im Namen des deutschen NakionalverbandeS und der EHristlich-Sozialen, jeder Versuch einer Wiedereriveckung deS böhmischen Staatsrechts, sowie die staatsrechtlichen Bestrebungen der südslawischen Abgeordneten würden auf die entschlossene Abwehr der Deutschen Oesterreicks stoßen. Der Obmann des Polenklubs Lazarsti erilärie, der Polen» kluv werde in, gegebenen Zeitpunkte zur Polenfrage Stellung neh- wen. Ter Pole Stapinsl, stellte fest« daß auch die Polen den Stand. ppnkt einnähmen, daß alle von Polen bewohnten Gebiete vereimgt werden sollen. Ministerpräsident Graf Clan,- M a r t i n i e erklärir, die-!e- gierung werde zu dem Ii, halte der vorgebrachten Erklärungen ,n einer der ersten, auf die Thronrede folgenden Sitzungen Stellung nehmen. Die nächste Sitzung sindet am 5. Juni statt. Auf der Tage»- ordnung stehen Ausschußwahlen und der Bericht des Gesckäjiso w- nungsauSschusseS über die Reforn, der Geschäftsordnung und da» Budgetprovisorinm. Der Präsident des Abileordiietenhauses und der Präsident des D e u t i ch e u Reichstags wechselten miteinander De- peschen, in denen sie der biindesfreundlichen Gesinnung beider Parlamente Ausdruck geben. ** * Tic Sozialdemokratie im Llbgeordnetenhause. Der Klub der deulick-oiierreichücken sozioldeniokratii'cken Ab. geordneten bat beichlosie», alle jene Vorlage» in den Grnndzggen auszuarbeiten und dem Vcriasinngsaiissckuß zuuiweiien, die die volle Wiederberstellung der V e r f a i i u n a s. Mäßigkeit und iodann>», Sinne de? ioraldeüiokratiickcn Programms die freie E» t>v i ck l u n g aller Nationen. die Aliirichtimg einer wahrbaitcn Demokratie in ßicieh- gebung und Verwaltung„nd eine unabbängige, von keinerlei AliSnabmeverfffgungen beeinlrächligle Reckispflege zu sickern imstande sind. Insbesondere legt der Klub Verwabrung ein geaen die veria iiungswidrigeAuf bebung derGeickworenen- a e r i ck> e und die Ausdehnung d e r M i l i t ä r g e r i ck I>?- b a r k e i t a u f Zivilpersonen„nd wird im Parlament leine ganz« Kraft mifbiete», daß die von nickt zuitäiidigen Gerickten neiällten Urteile für„icktig erklärt werden. Der Klub verwahrt iick mit aller Entickiedenbeit dagegen, daß die ohnehin kckon unleidliche Zeniur etwa nock, wie die? in letzter Zeit anaeregt wurde, mit die Varlamentsberickte ausgedehnt werde. Mit derselben Enticklossenbeit, mit der der Klub ine eiue� gute und zweckmäßige Regelung der GeickäitSordnung de« Hauses eintrete» wird wird er mich die Freiheit des Sause« gegen U e der griffe z» wahren wissen, und er hont hierbei auf die tatkräftigste Unlerstützung durch das Präsidium des Hoii'eS. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung bildeten die Fenae des Arbeiterreckles rmd der Arbeitszeit in den Mnnitionsbetriedm »nd die EriiähriiiigKfragen. Abgeordneter Domes berichtete ins- bcwndere über die Vorkommnisse in der letzten Zeit und aah enie genaue Schilderung der Lage der Arbeiterscka't. TaS Präsidium de? Klubs wurde beauftragt, im Einvernehmen mit dem Metallarbeiterverband die Regierung auf die schweren G e f a b r e n ousinerliam zu machen, die in dreier Hinsicht droben. und energisch Vorkehrnngeii zu begehren, um den berechiigten For- derimgen der Arbeiter Reckrumg zu tragen. Dieie Vorlckläae werde» in den in den riäckiten Tagen stattfiiidendeir Beratungen der Vertrauensmäniier der einzelne» Betriebe formuliert und iodann fokort der Regierung bekanntgegeben werden. Derselbe Vorgong wird wegen der Verhältnisse bei den Eisenbahnern beobachtet werden. Eine Tat von geschichtlicher öeüeutung. Troelstro über den französischen Veschlust. Amsterdam, 30, Mai, Der Korrrspondent des„Handelsblad" hatte mit Dr. Troelstra eine Unterhaltung über den Beschluß der französischen Sozialisten, an der Stockholmer Konferenz teilzu- nehmen. Troelstra erklärte, er freut sich, daß die Frage der Teii- nähme keinen Zwiespalt hervorgerufen habe. Es beweise dies auch die innere Kraft der französischen Partei.„Ich sehe in der Eni- sendung der Abordnung nach Petersburg und Stockholm," so r klärte Troelstra,„einen Ve r s u ch, die Einheit der r u s s i- s ch e n I n i t i a t i v e und der unseren fördern zu helfen. Die Resolution beweist, daß nmn zu loyalem Zusammen. wirken für eine gemeinsame sozialistische Friedensaktion bereit in. Da» givt Vertrauen auf ein praktisches Resultat im Sinne der bekannten Grundsätze �der Internationale und deutet auf die Möglichkeit hi n,> pez i fi sch nationale Probleme zu läsen. Tie französische Partei hat durch diesen Entichluß eine Tat von geschichtlicher Bedeutung vollbracht, eine Tal, dw auch in anderen Ländern die einseitig nationalistische Anssassuiig zu- gunsten der Verstärkung der internationalen Tendenzen schwächen wird. Der Termin üer Internationalen Konferenz Petersburg, 30. Mai. lMeldung der Petersburger Telegraphen. Agentur,) Der Arbeiter- und Soldatenrat teilt mit i Der linier. ausickuß des GesckäitSiührenden AuSickusieö deS Arbeite!» und SoldateiiraieS zur Vorbereitung einer Internationalen Konferenz bat in seiner ersten Sitzung am 28, Mai Stockholm zum Tagungs- ort bestimmt, falls keine Einwendung dagegen gemacht wird. Als Zeilpimkl der Zusammenkunft fcklägt der Unterausschuß die Zeit zwischen dem l.i. und 30. Juli neuen Stiles vor, falls das hollän- dische Bureau und der Berner Ausschuß dem zustimmen, Der Kongreß öer rußlschen Zrontvertreter gegen Eroberungen unö Kriegsentschäöigungen. Petersburg, 80. Mai.(Petersburger Telegraphen-Agentur.i Ter Kongreß der Frontvertreter hat nach Verhandlungen über den Krieg einstimmig die folgende Entschließung angenommen: l. DaS Heer in den Schützengräben erklärt, daß es unuin« gänglich notwendig ist, alle Maßnahmen zu ergreifen, um i o t ck ii e l l wie möglich dem internationalen 0! e- in e tz e l ein Ende z» machen und einen Frieden ol»ic Annexionen und Kriegsentlchädigungen auf der Grundlage des Selbstbestimmmigsrechts aller Völker zu schließen. Gleich- zeitig erklärt es sich süe das Wort:„Wer den Frieden will, muß sick aus den Krieg vorbereiten," 2, Die Armee hebt hervor, daß sie als kaiserlich ruiii'ckeS Heer bisher unier unendlick schlimmeren Bedingungen gekämpft bat als die Heere der Alliierten Rußlands und daß der r u I s r s ck e Soldat beinahe ungedeckt gegen die feindlichen Geschosse vorgehe n und selbst Drahtverhaue niederbrecken mußte, während die Alliierten und der Gegner sie erst nach Artillerievorbereitung frei überschritten. Die Armee erklärt daher, daß die russische Front mit Munition und allem Notwendigen ausgestattet werden mutz. Mehr Eisen und weniger Kanonen- fntter! 3, Die Armee richtet einen Aufruf an jeden, dem ein freies Rußland teuer ist, sich um den Arbeiter» und S'ot- dalenrat und die Vorläufige Regierung zu scharen, zu denen sie Vertrauen bat. da sie keine Abenteurr zulaffen und die Armee nicht zu in Dünger ausländischer Felder werden lassen werden. Der allgemeine Kongreß der von der Front abgeordneten O s f i z i e r e nahm einen Entschlußantrag an, in dem die Be- strebungen der Vorläufigen Regierung sür einen dauerhaften Frieden und Völkerverbrüderung begrüßt werden und erklärt wird, die einzigen Mittel, dabin zu gelangen, seien talkräftige Wieder« Herstellung der Kampssähigkeil der Armee und unverzügliche L f f e n s i v e. ?m Lsfizittkorv- ist also d!ö Evraibs lind S-Hnsul�t der Gut'cdiow ui:d Mi'.iukolv noch nichl erlsschen. Aber daS ist nicht d>e Sprache und Sehnsucht des Arbeiter- und Soldatcnrats. und der ist auch für die Armee die cnischeindcnde Instanz geworden. Dos sehr auch ans Aenxerungen heivor, die der aus Rußland zurück- gekehrte sozialistische Abgeordnete Lachin soeben im„Petit Parisicn" vervssentticht. Lachiii sagt dort: Die ruisiiche Armee betrage noch etwa 10 Millionen Mann und 100 000 Offiziere. Tie von den rnssiichen Soldaten geforderte II in b i l d ri n g der Armee sei nahezu durchgeführt. Tie Abgeordneten der Armee erklärten Cachin iviederholl, das; sie sich gegen alle Eingrisse von außen tatkräslig verteidigen ivürden. Ihre polnische Aussassung entspreche derjenigen des Arbeiter- und Soldatenrats. Ls bestehe vollkoinmcncs Ei». vernehinen mit dein Arbeiter- und Soldatenral. In diesen Aeußernngen ist also ivohl von Verteidigung gegen die Eingriffe voir außen, nicht aber von„unverzüglichen Offeu siven" die Rede. Rußlanös wachsende Getreiöekrise. Petersburg, St. Mai. Der Verpflegungsminister Plechanow bat auf dem siongreß der Frontvcrireter eine Rede gehalten, in der er die tvirischastliche Lage erörterte. Er stellte fest, daß ein Getreide in onopol bis jetzt nicht durchführ bar sei, da in Anbetracht der verwickellen Verhält nisse die Gemeinden und Dörfer hierzu Zeit brauchten Tie Gctreidczusuhrcn seien wieder bedeutender geworden, aber noch weil entfernt vom normalen Bedarf. Die Bevölkerung würde wahrscheinlich eine noch größere Getrridctrisc durchmachen müsse». ?iamei!tlich an Hafer fehle es. Selbst bei Durchführung eines Eeircidemonopols würde sich die Lage nicht bessern, weil die Bauern dein Papiergeld keinen Wert beilegten. Rußland stehe vor einer �atasirovhe. iveim nicht die Bevölkerung, namentlich die ländliche Lpser zu bringe» wisse. Frankreichs Kampf gegen Not und Teuerung. In der französischen Kaminer geht wieder das schwarze Elend der drei Gespenster Kohlennot, Schifssraunimangel, Lebensmittel ebbe um und der Vcrpflcgungsiiiinistcr Violette gibt Erklärungen eui, aus denen hervorgeht, daß auch er den Dingen hilflos gegen übersteht. f�ur Frage der K o h I e n v c r.s o r g u n g erklärte er: Der Staat allein muß die Kohle verteilen, da Beschräntungen auferlegt werde» müssen. Die Verteilung von 31100 000 Tonnen monatlich wird demnächst in den verschiedenen Mittelpunkten erfolgen. Tann tröstete Violette mit der Hilfe der englischen Handels- flotte. Er kündigte auch einen Gesetzentwurf über die llntcr drückung der Spekulation in Lebensmitteln noch für diese Woche an. Er habe bereits scharfe Maßnahmen zur Unterdrückung der Spekulation in Getreide, Kaffee.£el und Käse getroffen und sei auch mit Pcrsönlick'leiten des Pariser Handels in Bcvbindung ge treten, um den Handel zu organisieren und die Genossenschaften zur Mitarbeit aufzufordern. Auch sollten städtische VcrkaufShallcn errichtet werden. Sein Ministerium habe kürzlich in Marseille Teigwaren zu 109 Franken für 10O Kilogramm gekauft, die später in Paris zu 300 Aranken verlauft lvorden seien: den Preisunterschied hätten Schieber eingesteckt. Die ganze tunesische Oelerzeugung werde jetzt beschlagnahmt und an die fraiizösisckie Industrie verleilt werden. Violette fuhr fort, der Staat müsse sich an die Industrie wenden, um die Oclverteilinig durchführen zu können; cr werde sich aller unnötigen Mittelmänner entledigen und sich immer unmiitclbar an die zuständige Persönlichkeit in der Handelswelt wenden, pm Haudelssragen zu lösen.(L auch» ruft dazwischen, daß in den Pariser Martthullcn Waren in den R i n n st e i n geworfen seien, um die Preise hochzuhalten; die Kaninicr antwortete mit Rufen lel'baftcslen Erstaunens.) Violette führt weiter aus, cr habe diese Zustände dein Minister des Inner» niitgeieilt. Man dürfe fiit ober nicht verhehlen, daß er so verschiedenartige ernste Fragen zu lösen bobe, daß es zu Schwankungen und zögernden Maßnahmen kommen könne. Wer seinen Platz einnehmen wolle, dem werde cr ihn gerne abtreten. Violelte schloß, cr brauche unbedingte Autorität; man müsse ihm auch mildernde Um stände zubilligen; man solle ihm lieber sagen, er sei nicht der rechte Mann am rechten Platz, als versteckt und hinterrücks gegen ihn vorgehen. Ter Augenblick sei ernst; das Land niüsse kräftige End schlüsse fassen und taltcs Blut behalten. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 3l. Mai. Neue U der vlordsee: oots-Erfolge i» 21 500 Sr.-R.-T. Unfer den versenkten Schiffen befanden sich u. a. ein rnglischcr Hilfskreuzer und zwei englische Dampfer: Der Chef dcS Admiralstabcs der Marinc. Ein neuer öeutsther /luslauf-Termin für neutrale Schiffe in englischen tzäfen. Verl!», 31. Mai. Amtlich. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß die englische Regierung bei Erlaß der deutschen Seespcrre alle in England liegenden neutralen Schiffe festgehalten hatte, so daß diese Schiffe die ihnen von der deutschen Negierung festgesetzte Aus- lauffrist nicht benutzen konnten, hat die deutsche Regierung, den Wün- scheu der Neutralen folgend, einen neuen Termin zum Auslaufen der neutralen Schiffe festgesetzt. Auch an diesem neuen Ter- m i n c, dem 1. Mai, hat die englische Regierung vielen neutralen Schiffen d a S Auslaufen aus eng- 1 i i ch e u Hä f e n unmöglich gemocht, Tie Folgen waren große Aersorgungssckiwierixteiten in einzelnen neutralen Ländern. Da die deutsche Sccsperre sich nur gegen den Feind und seinen gesamten Handel richten will, und weil die deutsche Seckriegsleitung da- nach strcht, ihre Ziele, die auf Niederringung des Feinde? gerichtet sind, zu erreichen, möglichst ohne die Neutralen in Mitleidriischast zu ziehen, die dieses Ziel nicht mutwillig zu durchkreuzen suchen, so hat die deutsche Seckriegsleitung sich trotz ernster militärischer Bedenken abermals dazu entschlossen, den Wün'chen der durch Englands Willkür in Sorge geratenen Neu- traten entgegenzukommen. Sic Hot deshalb Beseht gegeben, daß ollen neutralen, in England liegenden Schiffen am ersten Juli freie Durchfahrt durch das Sperrgebiet um England gewährt wird, falls die Schiffe bestimmte Abzeichen führen und bestimmte Wege einhalten. Seefperre unö Versenkungen. Amsterdam, 27. Mai. Nach zuverlässigen Milleilungen aus London hat Mac Nainara in der Gebeimsitzung des englischen ilnterbauE- zug-'ge>X», daß nie wüchentlichen Berichte der Bvmiroli- tär übt die britischen S ch i f f s v e r l u st e nicht zutreffend skicn. Die Admiralität gebe nur die Zifftrn der versenkten Schiffe, bekannt, welche unmittelbar zur Kenntnis gelangen. Dagegen kämen fortwährend Berichte ein, welche Ausschluß gäben über bis- her vermißte Dampfer, die ebenfalls den Unterseebooten zum Opfer gefallen seien. Solche Nachträge würden aber nicht veröffentlicht. Die genauen Berkustzablen der britischen Handelsflotte seien bc- kaum und würden auch den Regierungsstellen mitgeteilt.? Schiffe, welche von der Admiralität oder britischen llieedcrn für die Regierliiig gechartert seien und verloren guigen rechne die Regierung nicht zu den britische» Verlusten, sondern würden ihrer Nationalität nach registriert. Bon allen Red nerii des Unterhauses würde die Statistik als täuschend«iid»n richtig bezeichnet, und dennoch weigere sich die Regierung, eine Acnderung vorzunehmen. Amsterdam, 31. Mai. Nach einem von der Direktion der Kgl. Niederländische n Dampfschisfahrtsgesellschast cmpfaiigeiicn Bericht ist das Dampfschiff Porno m a, das am 10. Mai von Kopenhagen und am 19. Mai von Kristiania mit Stückgütern und Holz nach Amsterdam abfuhr, nach Swincmünde aufgebracht worden. Theffalien soll weeüen. Der U-Boot-Krieg im Mittelmeer hat dein Enienteheer der Salonikifront zweifellos die Nahrungszufuhr verringert. Wie stark der Abstrich ist. läßt sich nickt sage», aber vielleickt gibt ein Plan der Salonikier Regierung, der eine eckt vcnizelistiscke Allion scheint, auch in dieser Beziehung eine» Fingerzeig. DaS Schlagwort von der „Bekreinng Thessaliens" wird lanciert und auch in diesein Falle ivird der Name der Vefreimig gebraucht, um einen Raubzug zu decken. Dem Ncutcrbiircan zufolge schreibt„Dailtz Mail" aus Saloniki, in dortigen maßgebenden 5Ireisen erwarte man mit Sicherheit die Bc setzung Thessaliens. Man wolle sich rechtzeitig der Ernte versichern. von der dann ein Teil für die Bevölkerung von Griechenland ver wendet werden soll. Es soll verhindert werde», daß ein Teil der Ernte für die Armee des Königs Konstantin benutzt wird. Man glaubt, daß man ni Thessalien auf keinen nenne»?- werten Widerstand stoßen wird. Es sind bereits mehrere Ab ordiniiigc» aus Thessalien in Satonili eingetroffen und die Salonilier Regierung hat schau einen Plan zur Befreiung Thesi'a liens ausgearbeitet. Soweit die Meldung der„Daily Mail". VenizeloS ist also auch bei diesem Streich, der Altgriechenland in neue Hnngerinonale stürzen wird, der getreue Pariner der Entente. Was der Küstenblockade bisher nicht gelang, die griechische Regierung willenlos gefügig zu machen, das soll jetzt die„Befreiung Thessaliens", die außer dein Kornraub auch die Zertrümmerung des festländischen Bestandes von Griechenland besorgen soll, schaffe». Wie aber alles, was die Entente seit ändert halb Jabren gegen die griechische Regierung ans ihr Konto gehäuft hat, aus Sorge um die Sicherheit der in Saloniti festgelegten Truppen geschehen ist, so lvird wohl auch hier diese Verbindung an- genommen werden dürfen. Natürlich istman bemüht, den eigentlichen Grund des Manövers hinter einer MaSlc zu verstecken. Englanüs Lebensmittelversorgung. Bern, 29. Mai. Der englische Unterstaatssckvetär für das Per- pflcgungswcsen, Ba t h u r st, führte in einer am 23. Mai in Harnp- stead abgehaltenen Versammlung a»S: Die sehr ernsten Verluste der ciiglischc» Handelsflotte durch Tauchbootangriffc sind seit Ende April etwas zurückgegangen. Es wird gehofft, aber es ist keines ivegs sicher, daß die Verlustziffern für Mai weniger ernst ausfallen als im Vormonat. Die Lage gibt Anlaß zu einiger Ve- sorgnis, aber vielleicht nicht zu schwerer Sorge. Die Weizen Vorräte sind beinahe gefährlich knapp gewesen; aber die Brauer, die zwei Miktionen Onarters ungcmalzler Gerste zu lagern hatten, haben die Lage gerettet. Zurzeit stehen die Kornvorräte über dem Gefahrpunkt. Die Aussichten der Kartoffelernte sind vor züglich. Doch die Arbeit eines einzigen Jahres vermag selbst bei allerbester Kartoffelernte die heimische Erzeugung Englands nickst auf die nötige Höhe zu bringen. Die Regierung beabsichigt den Ankauf von Brotgetreide in die Hand zu nehmen und unter Gc- Währung eines angemessenen Nutzens für die Müller und Bäcker die Brotpreise festzusetzen, möglickxrivcise»icdriacr, als das Brotgetreide die Regierung koste. Bathnrst sprach schließlich die Hoff- nung aus, daß die freiwillige Einschränkung des Lebensmittel- genuffcs die Einführung der Z w a n g S r a t i o n i c r u n g n n- nötig machen möchte und appellierte an den Geist der Brüder- lichtcit und gegenseitigen Hilfsbereitschaft des Volles. Kleine Kriegsnachrichten. Tie Tciitschcn in Ltnsilic».„Matin" meldet aus Rio de Janeiro: Der Minister des Aeußern läßt eine Zählung aller in Brasilien besindlichcn Deutschen vornehmen. Tabatsscheriiiig in Eiiglaud. Da? englische Handelsamt hat eine Versügung erlassen, durch die alle Tabakvorräte im Lande unter Aufsicht genommen und die Preise geregelt werden. Ter Kaiser hat am Jahrestag der Schlacht vor dem Skagerral in Anerkennung der auch weiterhin erfalgreichen Tätigleit der gesamten Hochseeftreitkräfle an Admiral Schecr eine Order gerichtet. politische Uebersicht. Christentum und Krieg. Die tapferen Ausführungen des Pastors ein. Hermann Tech in der Pfingstsonntagnunnner des„Vorwärts" haben naturgemäß in der Pastorenwelt eine gewisse Erregung her- vorgerufen. Sie kommt in einer Reihe von Zuschriften an uns zum Ausdruck, in denen mit den bekannten Gründen nachzuweisen versucht wird, daß der sogenannte„Macht- Wieden" eine Lebensnotwendigkeit für das deutsche Volk sei, md daß mau darum auch als Christ für einen solchen Macht- 'rieden eintreten könne. Nach dieser Auffassung würden also religiöse oder sittliche Grundsätze nur soweit gelten, als sie mit wirklichen oder vermeintlichen nationalen Lebens- Notwendigkeiten verträglich sind. Die bloße Behauptung: „Dies und das ist eben eine nationale Notwendigkeit", würde chon dazu berechtigen, christliche Grundsätze zu negieren. Vielfach werden wir von den Herren Einsendern gebeten estziistellsn. daß sie im guten Glauben sind, wenn sie den Eroberungskrieg mit dem Cbristentum für vereinbar halten. Daran zweifeln wir natürlich keinen Augenblick. Der Aufsatz des Herrn Postars ein. Tech hat ober gezeigt, daß es eben verschiedene Arten von(Iii r i st e» t u m gibt. Welche vom dogmatischen Standpunkt aus die richtige ist, das zu entscheiden ist nicht unseres Amtes. Welche uns ober politisch, sittlich, menschlich sympathischer erscheint, be- darf keiner näheren Ausführung. Burgfriede» und Brandstiftung. Tie„Kreuzzeitung" weiß zu erzählen, daß sich in der letzten Zeit die Brandstiftungen gehäuft hätten, und spricht den Pcxdacht aus,„daß es sich hicx um die planmäßige Ausführung verbrecherischer Handlungen mit politischem Hintergrund handelt". Sic sieht in der Entfernung der ausländischen Arbeiter aus den in Betracht kommend::: Betrieben keine ausreichende Sicherung.„Es ist nämiim". sagt sie.„nicht von der Hand zu weisen, daß es vereinzelt auch bei uns Leute gibt, die von feindlichem Golde bestochen oder vielleicht von Friede» s w a h n v o r st e l l n n g c n irregeführt, ihre Hand zu solchem verbrecherischen Werk hergeben." Darum richtet sie einen Appell zunächst an die Aufsichtsbehörden und schließt sodann: „Wo aber die Maclit der Aussiastsbehörden bcrsazt, da iiiuß die Arbeilerschast in ihrem vutjzestiiuten Teil zur Silbsihilie schreiten und von sich aus Maßnahmen treffen, um die Schuldi gen dingfest zu machen und ihnen ihr verbrecherisches Vorhaben zu vereiteln I" To es in ganz Teutschland keinen Arbeiter gibt, der die „Kreuzzeitung" liest, kann diese scheinbare Aiiffordening an den sogenannten„gutgesinnten Teil der Arbeiterschaft" müden Zweck haben, den sogenannten„schlechtgesinnten" Teil der Arbeiterschaft in der schimpflichsten Weise zu verdächtigen. Das konservative Hanptorgan sucht den Anschein zu erwecken, als ob deutsche Arbeiter zum Schaden des Reichs unter Ee- fährdimg ihrer Kameraden Brandstiftungen verübten und als ob ein nicht„gutgesinnter" Teil der Arbeiterschaft dies». verbrecherische Treiben unter seinen wohlwollenden Schutz nähme. Wir wissen nichts von den Brandftiftunge», von denen die aufgeregte Phanlasie der„Kreuzzeitung" erzählt. Aber sie er- kennen desto deutlicher den P a r t e i z w e ck, den sie mit ihren Verdächtigungen verbindet. Eine neue amtliche Wirlschaftszeutrulc? DaS Reichslommislariat sür Uebcrgaiig>?>v!ttschaft untersteht gcgeinväriig dem Reichsamt dco Innern. Tie Wünsche der beteiliglcn Kreiie gehen nun dahin, daß dieses Kommissariat zu einem s e l b st ä n d i g c n Kriegs- >v i r t s ch a f t S a m t umgestaltet werde» möge, das unmiltelvar dem Staatssekretär des Inner» nnterstellt sei. Der Reichskommissar würde dann den UnlerstaatSiekrelären des ReickSanits des Innern gleichgestellt sein. Die Frage bildet, wie eine Nachrichteustell« mit- teilt, zurzeit noch den Gegenstand von Erwägungen. Industrie unö ßanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der Generalversammlung der Carl Lindström A.-G. führte ein Aktionär Klage, daß die liquidierte englische Gramnwpbom Gesellschaft von der Regierung nicht dem Lindström-Konzern. srni dem einem andern Unternehmen bei der Ausbietung zugeschlagen wurde. Der Vorsitzende wollte über die Gründe nichts wissen, er Ilärte aber, daß die Lindström-Gesellschaft jedem Wettbölverbe gc wacFe» sei. Die Gesellschaft ist im laufenden Jahre sehr slarl besch.istigt. Die Umsätze bis Ende Mai übersteigen diejenigen der entsprechenden Vorjahreszeit um etwa 3 Millionen Marl. Für die Friedenszeit ist die Aufnahme neuer Arlijcl vorgesehen. Auch werde» bauliche Erweiterungen geplant. Die Aschingcr A.-G bat einen Bruttoüberschuß von 2,9 Millionen Mark erzielt. Ter Reingewinn beträgt nach Abzug der Ausgaben und der 12 Millionen Mark betragenden Abschrei- bungen 418 203 M. si. V. 406 728 M.), woraus wie im Vorjahr 5 Proz. Dividende verteilt wird. Im Geschäftsbericht wird geklagt, daß die Einschränkungen im Speisen- und Bierverkanf da? Er trägnis gemindert hätten. Ter stark gesteigerte Fremdenverkehr im Hotel„Fürstenhof" und der ansgezeiefnreie Geschäftsgang im ..Palasthotel" wiegen aber die Nachteile auf. LeAs Einberufung der italicilischrn Kammer. Rem, 31. Mai. Wie das„Giarnale d'Jtalia" meldet,«i'd dir iialieuischc Kammer Mitte Juni zwecks Annahme de? prcvi sorischkn Budgets elnberusen wcrdcir. Die Vorbereitung der russischen Konstituante. Bern, 31. Mai. Lyaner Blätter melden au?'Zctrrslmrz, d"e Ausschusi zur Barlicrciiuirg der mkassringgeberidkn Brrsam-irlu!'? werde am 7. Juni im Marinepalast seine Sitzungen beginnen. Dir russischcn Kriegskosten. Basrl, 31. Mai.(„Frkf. Ztg.") Wie die..Neue Züricher Zeitung" berichtet, hat sich bie russische Staatsschuld während des Krieges vervierfacht und wird zum JähreSschluß voraus' sichtlich 5 0 Milliarden R u b c l be t r a g c n. Die lim- liehen Kriegskosten des russischen Reiches, die in den ersten Kriegsmonaten 10 Millionen Rubel betragen haben, belaufen sich heute auf 50 bis 54 Millionen Rubel pro Tag. Die Zinsen allein erreichen die Höhe von 1 hst Milliarde im Fahre. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß Rußsand ungeheure Ausgaben bevorstehen, um die Reformen, die mit der Um- wälzung notwendig geworden sind, bestreiten zu können. Tic Unruhen in England. Amsterdam, 31. Mai. Das„Algemcen Handelsblod" meldet an? London: Der Vertreter der Dockarbeiiervercinigung in Ost-London, der Abgeordueie W. T h o r» c, der vom König empfangen worden war, erklärte, er habe d e m K ö n i g c i n p a a r t ü ck t i g c W a h r- heilen gesagt. Er habe mit ihm über verschiedene Dinge, die die Unruhen in den Jndustriemlttekpunkten ver ursocht hätten, gesprochen und ihm niitgeieilt, rvie die Arbeiter über die hohen Lebensmittelpreise und die KriegSgewinne der Unternehmer dächten. Er habe ihm gesagt, daß weitere Unruhen zu cr- warten seien, solange die Preise der Lebensmiitel nur dann über- Ivacht werden würden, wenn die Interessen der Händler es verlang- lcn, und nicht, wenn es im Interesse der Arbeiter gelegen sei. Ter erste Mai in Lodz. Berlin, 31. Mai.(W. T. B.) Das Funkcntelegramm des Eissel- turmes vom 17. Mai meldet nach Berichten dreier polnischer Zci- tungen von großen Unruhen, blutigen Zusammcn-� stö ß e n zwischen Bevölkerung und Militär und vielen Äerhaflungen in L o d z am 1. Mai. Diese Meldungen sind im wesentlichen erfunden. Unbedeutende Aufläufe wurden ohne jedes Eingreifen des Militärs zerstreut. Nur sechs Verhaftungen wurden vorge- nommcn. Ter normale Verkehr wurde auch nickt gestört. Großes Brandunglück. Rathcitaw. 31. Mai. Von einem großen Brsndunglück wurde Mittwoch nachmittag das Dorf Klietz bei Schönhausen an der Elbe betroffen, in dem 47 Gebäude, landwirtschaftiicke Geräte, viel Vieh und Futtermiticl verbrannten. Dabei sind auch zwei Menschen umgekommen. Durch Giebeleiiisturz wurden ein Schmiedemeistcr Pfund und ein Molkereigehilfe verschüttet und verbrannten, ehe ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Klye! junge Männer erlitten schwere Brandivuiiden, so daß an ibrem Auskommen gezweifelt wird. Die EnljletzungSurjactze ist unbekannt. v?utsches Rcf,.uhr: Das Dreimäderlhaus. Oebr. Herrnfeld-Thcater. 7'/« u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater vi, u.: Bans im SehnakEiiloeli. Komische Oper »mül: Die Dose Sr, Majestät. Lustspielhaus 7'/. Uhr: Die blonden Klüdels vorn Llndenhol. Mctropol-Theater 7'i, uhr: Die Czardasförstin. Neues Operettenhaus Schiffbd. a. Kassentel. Horden 281 vi.u.: Der Soldat der Marie. Residcnx-Theater vi, uhr-. Der Leibprdist. Schiller-Theater O 7'/.uhr- Kammermusik. Schiller-Th. Chnrlottenb. 7'/. uhr: Robert iinfl Bertram. Thalia-Theater Heute geschlossen. Morgen Sonnabend zum 1. Male 7'l,Ubr: Sannwcndr.anber. Theater am Mollendortpl. 7V, u.: Die Guiaschkanone, Theater des Westens "v. u.: stolze Thea. Trianon-Thcater zÄe: Der Star. Berliner Praler-Theater Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Große Ausstattungs- Operettenvosse in 3 Akten mit Gelang und Tanz. Vorher das große Vaneföprogramm. Anfang 4'l, Uhr, Admirals-Palast. Abrakadabra großes phantastisches Ballett anf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt 7*1. Uhr. Vorziigl. Küche. Zirkus-Varielqj Ä. Schumann Rauchen gestattet. Kühler Auienthalt. Freitag, d. 1. Juni, abds. 8 Uhr VoilstäDdig neues Programm. Bes. hervorzuheben, z. I. Male Bayer. Alpen-Spiele. Doley u. Partner, Exzentrische Radfahrer. Die besten Drahtseil- kßnstler der Welt. Parforce- Schnitzel- Jagd._ ftrrr TdC Tägl. T1/, Sonnt. 31/, u. T1/� Das große* neue Variete-Programm. Triumph((.Schönheit Ferner: C Schwarz: Uerzerbr. Spiegel. P. Göhel, G Neumüller, Humoristen. Bellonis Kakadus, Lilly u. Foxel, Else Rüssel, Maximilian u. Sohn, Margit u. lenor. NATIONAL-THEATER. Auf allgemeines Verlangen I Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. Musif von Walter Bromnic. gST Grösiter Lacherfolg! Sipolfo OnetiRICMSTR- AN• PER- KOOISTB- I Allabendlich 71/, Uhr: Da« vielseitige Variete-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr geöffnet j Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Unsere Don Juans. Große variete-Vorftellung Ans, 5 Uhr im Garten. Anf, 5 Uhr Reicimdaiisn-Timater. Stettiner Sänger. Cabaret „FeEd» grau" Ansang Tl, Uhr, RosesTheater. .'/.Uhr: ßer Mann seiner Frau. Gartenb,: Berlin wie es liebt u. haßt. »Radfahren dürfen Sie auf unserer Deizriaai-tzitandai'd- FahiTad-Boi-elfang;! Beste der Gegenwart, leichtes Fahren, gefälliges Aussehen. tzitaiidai-d-Compaaz', Berlins., Kottbnserdaiiniu Ol. _ Vertreter überall gesucht. Gewerk sch astsh n ns. Sonntag, den 3. Juni 1917 Im herrlichen Naturgartcn: Doppel-Konittt und GchngsnortrM. Das Damenqnartett Else Lenz(Lante), Rossi Fellho fMando- line), Mizzi Stockcr(Flügel), Kitty Soulette(Geige), genannt der Clou von 1917. 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Osten und Nordosten: ÄÄÄ �emeler str* Lichtenberg und Stralau-Rummelsburg: BInme, Alt-Boxhagen 56, abends 8 Uhr. U/aißaneaa- IteKtanrant iflasohe, Berliner Allee 251, « ClUVIlacL. abends 81;, Uhr. Södei' ezirke*®ewjelrks<'ha't8,,a,,8J Engelufer 15, Saal 3, Neukölln: Ideal-Fcststtlc, Weichselstrafte 8, abends 7'/, Uhr. Reinickendorf- West: Eichbornstrafte 6«, abends 6 Uhr. Oberschöneveide, Niederschöneweide, Johannis- fhol Ii llmn* Restaurant Warneckc, Qberichöneweide, llldl U. Uiliy.. zsilhelminenhofstr. 18, abends 81;, Uhr. SpaildaU* Destaaraat, Spandau, Kurstr. 21, abends Köpenick und Friedrichshagen: ÄÄ«?' Fricdrichstr. 71, abends 8 Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht von den Generalversammlungen am 25, März, 15. April und 6. Mai. 2. Kassenbericht vom 1. Quartal. 3. Bericht der Sieoiwren. 4. An die Verwaltung gelangte Anträge. ----------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 175/26* Die OrtBverwaltnns;. Wir 45 Morgen Terrain in Borgsdorf an der Nordbahn, nahe Bahnhof gelegen, in kleinen Teilen von 1 Morgen an zum Preise von 12— 13 M. pro r Rute zu verkaufen. Zur Gärtnerei oder iitckeranlage, auch als Baulcmd vorzüglich geeignet, Tie Besitzer find zur näheren?luslu»tl Sonntag von 1 Uhr toi Restaurant Hertel, Bahnhof Borgsdorß amvefend. Hr. 147 ❖ Z4. Jahrgang Heilage öes Vorwärts §reitag,l.Iuni1y17 parteinachrichten. Tölckes IKK. Ekburtstnff. Zum hundertsten Male jährte sich der Tag. da einer der de- währtcsten von den„alten" Vorkämpfern der Sojialdcmokratic das Licht dieser Welt sah— ein Mann, der, dem jungen Geschlecht von deute iinvekannt, in der deutschen und ganz besonders auch in der Berliner Arbeiterbewegung eine scgensvolle Tätigkeit entfaltete. Karl Wilhelm Tölckc hat sich die Sporen im Revolutions- jähr 1d48 verdient. Dann folgte er dem Panier Lassalles, der als erster die Berliner Arbeiter zu bewußtem politischen Eigen leben aufgerufen hatte, und gerade die Losreißung der Berliner Arbeiter aus fortschrittlicher Botmäßigkeit zählte zu Tölckes besten Leistungen. In der Zeit des erbitterten Konfliktes der Eisenacher und Lassallcaner suchte er stets zu ver mittel», fest überzeugt, daß nur in der einheitlichen Aktion das Heil des Proletariats liege. Er war es auch, der die schlicßlichc Einigung der Lassalleancr und Eisenacher anbahnte. Wilhelm Liebknecht erzählte davon auf dem Erfurter Parteitag von 1891:„Bor einigen Tagen sprach hier unser ältester Genosse, der Senior der Partei, unser Tötcke; er erinnerte an die traurig« Zeit des Kampfes. Ich will ihn jetzt erinnern an ein schönes Ereignis. Als ich, nicht lange nachdem ich aus der Gefangenschast von der Festung Hubertusburg gekommen war. eines schönen Mor- gcnS in Leipzig im Ncdaktionslokale saß, kam ein Mann herein, der mir nicht ganz unbekannt schien. Ich arbeitete weiter, darauf teilte nian mir mit: Tölcke ist da— und wünscht Sie zu sprechen. Ich erhob mich sofort, Tölcke ging auf mich zu und reichte mir die Hand, in die ich sofort einschlug— dazu bedurfte es keines vor- heriacn Friedensschlusses. Wir begaben uns in ein Nebenzimmer. „W ir müssen Frieden haben!" sagte Tölckc; und ich crnb wartete ihm:„I a, wir müssen Frieden haben." Von dem Monieut an war für mich der Frieden geschlossen..." So gutmiilig Tölcke in seinem Wesen war, so sehr er bereitwillig zn jeder Verständigung der Arbeiter unter sich war, so zäh und hart war er, galt es, die Selbständigkeit der Arbeiterbewegung zu wahren. Als ihm einmal die fortschrittlichen Gegner die Ab Haltung einer Bersamlung unmöglich machen wollten, indem sie ihni die Glocke wegnahmen, gebrauchte er seinen massiven Stock als Bersaurmlungsszcpter. Seitdem hing ihm der Spitzname „K n ü p p e l t ö l ck e" an, womit seine haßerfüllten Gegner ver- Icumderisch andeuten wollten, daß er tmrbr die schlagenden als die sprechenden Argumente geliebt habe. In den Reichstag zog der alte Kämpe nicht mehr ein. Seine Gegner hintertrieben feine Wabl. In Dortmund, feinem langjährigen Wohnsitz, starb er am "0. November 1893, betrauert von allen, denen sich Achtung und Liebe zu dem prächtigen Alten ins Herz gegraben hotte. Jngeudtage. In Dortmund wurde am ersten Psingsttage der Bezirkstag der Arbeiterjugend deS westliche» W e st f a l e n abgehalten. Enwa 1899 Jugendliche beteiligten sich an der Morgenwanderung naw dem Kaiier-Ailhelm-Tal, wo Genosse Sollmann die Festrede hielt. Nachmittags wurden bei gutem Konzert Jugendspiele und Aufführungen veranstaltet. Die Polizei war bei dieser Jugend- veranitaliung stark vertreten. Die Arbeirerjugend des Nieberrheins hatte ihre Pfingst- veranstaliung in Duisburg. Ueber 399 Teilnehmer, davon etwa 499 Jugendliche, beteiligten sich an der Morgenversammlung im Z.cntral-Hoslheater. Die„Unabhängigen" hatten zu gleicher Zeit enie Äonknrreiizveranstaltuuz ün Velbert onberannrt. Reichtags- abgeordneter Haberland überbrachte die Grüße der Bezirks- lcitung und schilderte die gegenwärtigen Verbältnisse in der Juaendbewegung des Bezirks. Er ermahnte die Jugendlichen, sich nicht verwirren zu lassen, sondern fest zu ihrer bewährten Lrganifation zu stehen. GroMerlm Mietcfteigcrungcn in Sicht'( AuS den Krei'en der Hauseigentümer ertönt immer lauter der Ruf nach einer Steigerung der Wohnungsmieten. In de» ersten Kriegsjahren hielten sie mit ihren Wünsche» noch zurück, weil ihnen die Durchsetzung schwer möglich schien. Jetzt aber glaubt wohl mancher stergeruirgslustige Hauseigentümer, daß seine Zeit ge- kommen sei. Es mebren sich die Nachrichten, daß in den Or- ganisationen der Hauseigentümer die Mictesteige- rungssrage erörtert und diesbezügliche Forderungen ouigestellt werden. So lesen«vir in der„Vossischen Zeitung", daß der Vor- stand eines Hausbesitzervereins den Mitgliedern kürzlich in einem Schreiben eine allgemeine Mietesteigerung zum 1. Oktober angeraten bade. Er empfiehlt Erhöhung der Mieten um min- bestens 19 Proz. und zwar ohne Ueberriahme einer Verpflichtung zu Reparaturen. Warum die Gelegenheit gerade jetzt günstig für die Hauseigentümer sei, das wurde vor einiger Zeit in einer Ver- . sammlung des Friedenauer Haus- und Grundbesitzervereins offen ' hcrausgeiagt. Der„Friedenaucr Lokalanzeiger" berichtete darüber: „Es wurde von verschiedenen Seiten empfohlen, alle Verträge zu kündigen und eine höhere Miete zu fordern. Der Zeitpunkt hiecjür wäre sehr günstig. Der WobmmgSumzng sei mit Schwierigkeiten und hoben Kosten verbunden, außerdem seien bei jedem Umzug Neiianschaffunaeuaß> und NeubreisaÄ ge- hörigen badischen Orten verschlossen bei der Post ausgeliefert. Solche Briefe können nicht befördert, sondern müssen an den Absender zurückgegeben oder, wenn dieser sich auf dem Umschlage nicht ge- nannt hat, nach den Vorschriften für unbestellbare Sendungen be- handelt werden. DaS Gerücht von einem neuen Morde halte sich am gestrigen Tage in Berlin verbreitet. In der Steglitzer Straße 89 war die Leiche eines 79jährigen Kochfräuleins Dorothea Stepputis aufgesunden worden. Die alte Dame wurde bereits seit dem Fe- bruar nicht mehr gesehen, man hatte aber angenommen, daß sie nach ibrer ostpreußiichcn Heimat verreist war. Nun fand man ihre Leiche in völlig mumifizierten Zustand in der Wohnung vor, und da man aus verschiedenen Anzeichen auf ein Verbrechen schloß, wurde die Mordkommission alarmiert. Nach den bisherigen Vernehmungen und Untersuchungen ist es aber lvahrschcinlich, daß die Greifin eines natürlichen Todes gestorben ist. Es scheint übrigens, daß nach dem Tode sich jemand in der Wobnung zu schaffen gemacht hat. Auch sind mehrere Pakete, die für die St. in letzter Zeit an- gekommen waren, dem Postboten von einem Unbekannten abgenommen worden. Dagegen sind das Geld und die Schmucksachen der Toten in der Wohnung unberührt geblieben. Raubversuch auf einem Postamt. Auf dem Postamt W 9 versuchte Mittwoch nachmittag gegen V�4 Uhr ein junger Mann einem Mädchen, das dort Geld einzahlte, den Betrag von 859 M. zu ent- reißen. Er kam aber nicht weit, sondern tvurde bereits in der Leipziger Straße durch das nacheilende Publikum festgehalten und der Polizei übergeben. i Auf„NiisbilduiiqSiirlaub". Als Brotkartenhändler wurden in Neukölln ein 19 Jahre alter B u r e a u b e a m t e r P. liiid ein 13 Jahre alter Seminarist N. au§ der Wilhelmstraße zu Britz ertappt und entlarvt. Ein Kriminalbeamter bcob- achtete, wie in der Hernrannstraße und deren Umgebung ein junger Mann besonders in den späten Abendstunden die Vorübergehenden ansprach und ihnen etwas zum Kauf anbot. Es ergab sich, daß der Verdächtige Brotkarten vertrieb, das Stück für 2— 3 M. Der Beamte nahm ihn nach der Wache mit, wo man in ihm den Bureaubeamtcn P. erkannte. Der Verhaftete gestand, daß er die Karten für 59 Pf. das Stück von N. gekaust habe. Der Seminarist batte vom Seminar zn Alt-Döbeln sechs Wochen Urlaub erhalten. Während dieser Zeit war er zur Aus» bildung bei einer Brotkommission tätig und benutzte die Gelegenheit, nach und nach mehrere Hundert Brotkarten zn stcblen. P. vertrieb sie dann mit einem starken wucherischen Auf- schlag. Die Veruntreuungen und der Handel gingen schon mehrere Wochen. Die Verhafteten wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Strußenbnhnmifälle. Am Donnerstag früh stieß ein städtischer Straßenbahnwagen mit einem Dungwagen vor dem Nordbahnhof — an der Ecke der Bcrnauer und Schwedter Straße— zusammen, wobei mehrere Personen verletzt und beide Wagen beschädigt wurden. Die Feuerwehr beseitigte das Verkehrshindernis und brachte den Arbeiter Arbeiter Adolf T r i t t e r mit seinem Kollegen Andreas Steuritzick nach dem LazaruS-Diakoniffenhaus, wo man schwere Verletzungen feststellte.— Nachmittag gegen'/i3 Uhr fuhr in der Schloßstratze in Steglitz ein Zug der Linie 59 auf einen an einer Haltestelle stehenden Zug der Linie I, auf. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß die Plattformen der Wagen schwer bc- schädigt und mehrere Scheiben zertrümmert wurden. Eine Frau Ober erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Verletzung des rechten Unterschenkels, sie wurde von der Feuerwehr nach dem Kreis- kronkenhause in Lichterfelde gebracht. Durch umherfliegende Glas- splitter wurden noch mehrere Fahrgäste verletzt. Die Ursache des Zusammenstoßes, der eine Betriebsstörung von etwa zwanzig Mi- nuten Dauer im Gefolge hatte, hat sich zurzeit noch nicht feststellen lassen. Vermißte Personen. Am 23. Mai hat sich die 46jährige Witwe Emma Lütztlsendor f aus der E r k st r a ß e 4 in N e u k ö l l n heimlich aus ihrer Wohnung entfernt und es fehlt seitdem jede Spur von ihr. Frau L., die an hochgradiger Nervosität leidet, soll wiederholt Selbstmordgedanken geäußert haben und es ist möglich, daß sie ihr Vorhaben ausgeführt Hai. Es wird aber auch ver« mutet, daß die L. vlanlos in der Umgebung Berlins umherirrt. Die Vermißte ist 1,65 Meter groß, hat dunkle» Haar, graue Augen und war mit dunkelblauem Rock, gesireister, wollener Bluse und schwarzen Schnürschuhen bekleidet.— Vermißt wird seit dem gleichen Tage auch die 16jährige Elsriede P a ck m o h r aus Charlotten- bürg. Das junge Mädchen halte am Morgen des erwähnten Tages zur gewöhntiche» Zeit die Wohnung verlassen, um sich nach ihrer Arbeitsstätte in Moabit zu begeben. Dort ist sie jedoch nicht eingetroffen und es sehtt von ihren: Verbleib jede Spur. Es ist nickit ausgeschlossen, daß die P. in schlechte Gesellschaft geraten ist und verborgen gehalten wird. Charlottcnbnrg. Lebcnsmittelnachrichten. Die Stadtgemeinde verteilt demnächst aus Abschnitt 95 der roten Nahrnngsmittelkarte 2Vz Pfund Ein machezucker oder S'/s Pfund A u f st r i ch- mittel 32 Pf. pro Stück zur Verteilung. Schlechte Eier werden nur um- getauscht, wenn dieselben roh und ganz zurückgegeben werden. Die Geschäftsleute sind angewiesen, ihren Kunden Eier nur in geklärtem Zustande zu verabfolgen.__ �ugenüveranstaltungen. Arbeiter-Jugend Schöiicderg. Morgen Sonnabend, den 2. Juni! Nachtfahrt nach Erkner bis Werlsee. Trcsfpunlt 9 Uhr abends. Fahr- geld 1 M. M i t i w o ch, den 6. Juni; Abonnentenversammlung. Anfang 8 Uhr abends. Eäsle sind aus alten PeranitaUungen willkommca. Der Lugcndausjchuß. Mus allst Welt. Unwetter in der Mark. Von einem verhecreiidcii Hogdschicig, wie er in fsfcid�cr Siarrc '.it langem nicht beobachtet worden ist, ist ein Teil des märkischen streisez Wcstpricgnih heimgesucist worden. In der Gegend mestlich von Wittenberge ging ein fürchterliches ilnwetter nieder, das nnt einem außergewöhnlich starken Hagelschlag verbunden war. Besonders schwer bat das Unwetter die Gegend zivischen Karstcdt und Postliu heimgesucht. Hier hat der Hagetschlag viele Obstbäume vollständig zerschlagen. Ein trauriges Bild bieten die Aecker, na- nienttich die Roggcnschläge. Weite Gemüsefelder sind verwübU, das junge Gemüse ist völlig vernichtet. Auch die Gebäude in den be- troffenen Orten sind in Mitleidenschaft gezogen. In der Stärke- fabrik Karstedt sind allein nicht Iveniger als 2 4 0 Fenster- scheiden dem Hagel zum Opfer gefallen. Briefkasten üer NeAaktion. Die Juristische Sprechstunde siudet heute ausnahmsweise nicht statt. R. und I. Wegen Ihrer vielfachen Fragen müsse» felon persönlich in unsere Eprechftunde kommen.—?l. IS. 1. Ari». 2. Nur die Armenverwaltung mügle für die Kalten auskommen.— P. 380. Das ist zulässig.— 31.®rfi. J04. 1. Ja. ü. Wenn sich in den ttinkommeiis- vcibältnissen nach der Trauung nichl« ändert, wird die Ilnlerllüdung nicht gezablt.— Jakob 3<1.>. Ja. wenn der ts Via des Bürgerlichen Gesetz- duchS nicht durch ilrbeltSordnung oder Vertrag ausgehoben ist. — T. 708. Der BerechrigungSschei» wird in Ihrem Falle' von der PrüsuugSkommisslon in Breslau ausgestellt. Dem Antrage müssen bei« gefügt werden i Das tLeburtSzeugntS, ein Ilnbcschvüenzcugnis, das von der Bottzei Ihres Wohnortes arwzuslellcn tlt, und das EchutzeugniS.— «S 110. Wir würden de» Anivruch auf Fahrgeld bejahe», und zwar für die ganze Zeit. Ruse» Sie eoent. die Enllchcldimg des Äewerbegericht» an. » L. T. 7«. t. Königlich. 2. Als König von Preuben lk> 219 2-!S M., als dcultchcr Kaiser nicht.— P. X. Berlin S\V 68, stindtnslr. 8.— ZS. Mi. 41. Danach erknndigen Sie sich am besten beim Magistrat Augsburg.— Fl itsch. 784 280 Mann einschl. Ossizlcre und Nntcroifiziere. — 81.<0. Ü.'Anleitung dazu erhalten Sie tn unterer juristischen Sprech- stunde.— P. Lp. Tegel. Mit 60 Jahren unterstehen Sic nicht medr dem Hilssdtenstgeteh und bedürten ketnes Kriegsscheines. Wenn Ihnen die Firma jetzt den KricgSschct» verweigert, tönnen Sie die Entlchcldnng des Kiiegsausschussc«, Berlin, Liniensir. 83/8.7. anrufen.— 80. S. 80. 1. Ja. 2. Wenn der Bormimd mit Ihrer Tcllzabtaiig nicht einverstanden ist, kann aus den Lohn Arrest gelegt werden.— 5'J. H. K. Spargelder gelangen erst nach Kriegsbeenoigung zur Auszahlung.— G. T. 8. Es iit Verjährung eingetreten.- llt. 00. Nein.— lt. L. Nein. Iii. R. 14, Lüttich. Wir müssen leider ans Raum runden Auswahl balteu. Aber alles Wichtige berücksichtigen wir. Offerchare hlufschncidereie» lassen wir freilich weg. Hoffentlich sind Ihnen die Kommentare zu den w i ch t i g e n Zlorgäiigcn nicht cutgungen.— T. 10. Zeitig untauglich: Nervenleiden, Krankheiten der Unterleibsorganc.— M. F. 30. Für da» Mesuch ist das Generalkommaudo zuständig, zn dem das Regiment Ihres Manne« gehört. Das Generallommando des III. Armeekorps besiudei sich tn Berlin, Genthincr Slrahe. iwerirrauStichten Gr das nitttlere t'torddeutsllilan» dt» Gonnabrnd mittag. Im Nordwesten zicnilich better, in den anderen legenden bewölkt, mit weilverbreiteten Gewitterregen. Ostwärts sort- tchreitende langsame Abkühlung. Uedaktwusbote (Radfahrer) verlangt. Zu melden in der* „Vorwärts*'-OiecSaSctlQ;?, Lindenstrahe 3. i Todes-Anzeigen i Bis i Deatsclier MelftSlartelter-Verbani! Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. dotz unser Mitglied, der Schtosscr (histav Eggert Borsigstr. 15 am 28. Mai gestorben i't. Die Beerdigung findet am Tonnabeitd. den 2. Juni, nach- miltans 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Golgatha-Kirchhofes in der Barsusstrage aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. !>lackmks. Den Kollegen ferner zur Nach- ! licht, daß unser Mitglied, der � Helfet Richard Böttcher Jmmanuelktrchstr. 33 | am 19. Mai gestorben ist. Den Kollegen senier zur Nach- ! rlcht, dag unter Mitglied, der I Maschinenarbeiter Öskar Schilke Forster Str. 4 | am 26. Mai gestorben ist. Sczialtieii). Verein tör ßeriir, l (Soiialdem. Partei Ceuisclil.) Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser alter Genosse Eriedrich Hechler Georg enkirchstr. 37 im 66. Lebensjahre verstorben ist. Z (Shre seinem Zlndenke» l Die Beerdigung lindet am Sonn- abend, den 2. Innt, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle des alten Georgen- Kit chhosc», am Königdtor. au« statt. Rege BeteUigung erwartet 223/3 Ter Borstand. zur Nach Mtlgtied, der Den Kollegen lerner richt, dag unser Mechaniker Walter Lchmahng Grogbeerenstr. 17a um 26. Mai gestorben ist. sermer znr Nach- Mitglied, der Den Kollegen richt, dag unser Schloffer Richard kramm MeHnerslr. 3 am 24. Mai gestorben Ist. Ehre ihre», Slndenken! 176/1 Die OrtSverwaltung z-.-ermrc UEüiscSior Eauariieiler-Verlianll Z««'izjverein IJerlin. Bezirk Neukölln. Am 28. Mai starb unser Mitglied. der Putzer August Oierth. Gfirc seinem Zlildouke»! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmitlags 3 Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhojs, Mariiildorjer Weg. aus stall. 8 Um rege Beteiltglliig elfilcht 145/19 Ter Borsiau». K lUMßiiitiwr» osii LTeltow-Beeskow-Cliarlotienliürg Ortspezirk Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, das) unser aller Parteigenosse USfoerö&£6ä3&E*t am Montag, den 28. Mai, gestorben ist. Ghre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. Juni, nawmiitag« 6 Uhr, von der Leichendalle deS hiesigen Friedhoses aus statt. lim rege Beteiligung ersucht >99/11 Her» Vorat»»«!. Wo» ßeotscher Tpanspcplarlieitfir-Verlianl Bczirksverwaltung Grofi-Berlin. Ten Mitgliedern zur tziachricht, dag unser itollegc, der Troschien- jührcr QusiM Schulz von der Firma Pelsch. Han- noveriche Straße, am 29. Mai >n> Atter von 53 Jahren»er storben ist. Ghre seinem Zlndcnkeul Tie Beerdigung findet am Sonnabeitd, den 2. Juni, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen balle des Paul-Kiichhofes, See- straffe 89, aus stall. 6/13 Die Bezirksverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnntme bei der Beerdigung s meine» lieben Mannes, unseres guten Onkels, des Gastwirts � sagen«K hiermit unseren herzlichsten Dank. SZA I Im Namen der Hinterbliebenen Wtlhelmine Boeker geb. Tich. Jauiilie Wilke uelist Sohn. Otto Steiring und �rau als Neffe und Nichte. Feuer- tattung Möbelfabrik Hob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71—73« empfiehlt gute preiswerte MOhel u. Lsges'E'IiMJiie: 6696 O-S-üetsp Besichtigung eiine Knufswang gestattet, lllusirierte Kataloge Nr. 13 gratis und franko! Sonntags von 1Ä— Ss«Ihr geUklnct. Bsa-ajua isaajewga——— Verein iler äÄ iiir Freidenker te Sitz Berlin. Gogr. 1905. Am 26. Mai verstarb plötzlich unier Mitglied Frau Hedwig Kiolz geb Weaslau Büschingtlr. 5. Ehre ihrem Anpeilten! Die Einäscherung findet am SomiabciiS. den 2. Juni,»aar mittags 6 Uhr, tu der Gericht- straffe statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 292/3 Iler Vorstand. (uMwiuLAtUo-fäilMbi/v Eine glänzende Zukunft wird»Herr erblühen, die die Zeichen der Zeit richtig zu denken verstehen u. rechtzeitig ihre Vorbereitungen treffen, um teiku- r.ehruon an dem grollen wirtschaftlichen Aufschwung, der die sichere Eolge dieses Völkerringens seui wird. Ks werden übcrull gebildete u. leistungsfähige MilarbcitePgesuciit sein. Beamte, Lohrer. Angestellte des Handels u. d. Industrie»eilten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treuen Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einlachen treibst- Unterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Kini.-Kreiw.-Prü- fnng u. das Abitur-Examen nachzuholen oder die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffl. All�emeui- bildungsich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Methode„Rllttin''. Ausführt. 60 S. starke Broschüre kostenlos durch Bonncss& Hachfeld, Potsdain Postfach 224. ReutersWerke 3 Bon»? 3 Btatf■ Buchhandlung vorwärts 0. Zlreuhlfch Kiiddeutfche Liönigl. Nr«uft.) Klassenlottfrle i>. Klasse IS. Ziehungstag 31. Mai 1917 Vormittag Auf itbe gezagen» Stummer sl»d zwei glewi tivli» Gewia»» gefallen, nnd ziuar je«!»er auf dl« Lake gleicher Slcmmer t» de» beiden Avtelliuigen I». Zt. Nur die Gewinne übet 249 M. find in Klatnmeni beigefügt. iOhll« Gewähr 91. Et-tzl. f. 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Viel IlZrinende und dröhnende Blechkapellen sind derichwundein Blenschen und Zeile» sind ernster pcwarden. Tie nrotzen Kanonen schlagen dcule den Takt, und ein scurigeS Orchester von Minen- iverfern, Grabennivrser», Blaschinengeivehren und anderen Jnstru- inenten mehr machen die Musik... Auf rauchenden Bühnen spielt sich unter dieser Musik da? Drama der Welt ab, und fast jedes einzelnen Leben wird zur Tragödie... Doch es würde nicht stimmen, wenn man annähme, alle frühere Musik tväre nun verschwunden. Das trifft zu Hause nicht zu,— und hier drauhen erst recht nicht. In der Heimat leben die Volks- konzerie noch llnd die Kannnermusikabende der Arbeitervereinet und Oänger und Sinfoniker reisen gar zur �icmt, um«„ch den Ztunst- dungrigeii dort vom Lebensbaum der Kunst zu spenden. Auch leben noch Reste von den alten Aarnisonkapelltn, die oi't(wenn eS nicht brenzlig riecht) in dczi Schützengraben steigen um ein Ständchen zu bringen zur Aufheiterung von<»ieist und Gemüt, denn bekanntlich läßt die Musik alles vergessen, Ivas an Leid und Schinerz des Menschen Herz bedrückt. Orie hinter der ssront, wo höhere Stäbe liegen, kommen ja hänsiger in den Genus; eines..Promenadeilkonzerls". auch zur Z-rcude der Zivüleuie in diesen Orlen. Die Kameraden vorne warten jedoch nur diese offizielle Musik nicht, nicht auf Konzert- iänger und Zivilkapellen I das wäre zu wenig, zu selten für Menschen, die dringend einer Adleitung bedürfen. Und der Mensch.an sich" i't auf die Dauer kein Freund der Traurigkeit, darum blüht das Musizieren bis vorn in den ersten Graben: bis an den Feind trägt oft der Wind die Töne dieser iinprovisierten Kapellen, die oft noch harmonischer klingen als aller Wachtparadeiitainiam. In vielen Tilippenteilen haben sich die.Künstler' gesucht und gefunden. Der SlcUungskrieg niir seiner Muße und Laugeweile bat so manchen verleitet, sich sein Instrument von Hause ins Feld schicken zu lassen: Geige. Bandonium, Mandoline, Flöte, Laute und nicht zu vergesseit die beiden Proleten Zieh- und Mundharmonika. Hierzu kommen»och die Jnstrunlenie, die im freien Wettbewerb im Schüpengraben entsicheii ivie.Te»scl»ge!ge', Glockenspiele usw. Die erstere ist eine Konstruktion von Draht, Konservendose und langer Stange— und der Name sagt schon, daß sie mir dem Teufel ver- verivandt ist. Glockenspiele werden oft hergestellt von Ausbläsern itiid Patronenhülsen. Hier.gastiert' ein Trio, dorr ein Ouarlett: der blaue Maihimmcl ninschließl jevo oft da« Ganze, wenn zu den abendlichen Wolkenallegorien die Töne steigen— und es kostet kein Eintrittsgeld... Die Seelen der.Künstler' erheben mehr wie die Instrumente, und ohne Schmachtlocken liegt Fühlen und Gefühl rn jeder Weise: hauptsächlich im alten Volkslied. Was kümmern uns jepr die neuesten Operetten und.Schlager', jetzt, wo sich die ganze Welt schlägt!... Herrlicher Maienabend. Frieden schlürft ein zermalmtes Dorf:, die übriggebliebenen Bäume sind schon grün und sie scheinen sich zu freuen Ivie die Menschen, die übrsg blieben. Tie Sonne versinkt in den Sümpsen uitd lupfcrn spiegelt sich�daS Abendrot im gelben Wasser der Wiesen. Wie eilt geblümter Tcppich breitet sich die Zone der Sümpfe seit einigen Tagen vor de» Drahtverhauen aus: aiiS gelbem Gestrüpp wächst grünes Gin» und bultergclbe Kuhbluinen schmücken das neue Frühlingskleid. Man denlt an deutsche Fluren»nd blumen« geschmückte Mädchen. Leichte Nebelichleier erheben sich, als wollten sie die neue Schönheit der Erde prokaiien Blicken entziehen. Lenz- stiniiniing I lind dazu ist beute am Abend große Vorstellung des Musikklubs der... Komp. A.-B. Nr.... Ein freier, mit Schils- inasken lunzänilter Platz ladet alle, die Zeit haben, ein zum frohen Abendtesl. Es ist nickt die Nürnberger Festwiese, wie sie u»S Wagner in seinen„Meistersingern' zeichnet, aber in- mitten vieler Trümmer ein gemütlicher Platz, reizend für anspruckloS gewordene Menschen eines dreijährigen Krieges. Das wichtigste sür ei» solckeS Abcndfest auf solchem wüsten Dorfe bringen wir ja mit: dcir Humor, der uns zum Glück noch nickt verlassen bat. Aus einer„Bühne' sitzt die Reihe der.Künstler' schon. Im Hintergründe hängt ei» Plakat:.Die Kunst dem Volke!' Ein Ar- inieruiigssoldat, im Zivil Komiler und.große Kanon«', spricht einen Prolog:.Die Ballade von der Marmelade' so eindrucksvoll und alle» ans der Seele, daß ei» sroheS Gelächter anhebt und alle Beifali jubeln. Als Lohn dasür schüllelt er noch allerlei Witze, alte. ganz alte und neue ans seinem humoristischen Rockärmel— denn man lacht doch gern mal in dieser Zeit nach all dem Leid. Und dann legi die Kapelle loS. Auf dein niit Bleistift geschriebenen Programm steht groß uitd breit: Ouvertüre auS.Rosenkavalier'. Lustige Walzer folgen. VollSlicder und andere schöne Sachen. ,Ei, sie spielen gut," ist das allgemeine Urteil der Soldaten. Und man staunt, wo« diese seldgranen Dilettanten leisten können. Nach verschiedenen Musikstücken tritt der Komiker wieder out. um die Paliseil zu loiirzen mit guten Witzen. Lachen, lachen und lachen will der Soldat immer wieder. ES liegt Schweres m ihnen, Hemmendes und Traurigkeit oft(jeder Fcldarzt müßte noch mehr Lachen verordncns. — Ein Ge'angvercin Rheinischer Laitdsleute tritt auf; er ist gut eingeübt. Die alten Lieder vom Rheine und vom Weine, von Liebe, Vergangenheit und Zukunft erheben uns i» eine andere Welt. Ei» Liedel in rheinischer Mundort vom„Abschied" ist so über- ivältigeud weich, und so mancher Mann schämt sich der Träne nickt in Gedanken an die Heimat. Ucbcr die Linienpiähle hinweg rauscken die Tonwellen zum Gegner drüben in ein Wäldchen, wo er vielleicht auch lauscht... Zum Schluß kommt eine angenehme Abrundung des Ganzen. Ein großer asketisch ausschauender Kamerad tritt aus, seine Laute um den Hals. Atemlose Stille herrscht, feierlichere als bei einem Feldgottesvienst I Ter Barde singt zu seiner Laute voller Hingebung und heiliger Inbrunst, unS olle mit sich fortreißend. Und als wir in den Unterstand steigen, klingen die Töne der Lanle und des Sänger» immer wieder an unser Ohr, um uns einzuwiegen zum erquickenden Schlaf.(z) E. 1'. fut drei Milliarden Mark küchenabfälle im Jahre. Von neuem machen die Behörden auf die Bnndcsratsvcrord- nung aufmerksam, nach der die Speisen- und Küche nah fälle der Haushaltungen zu sammeln und unserer Kriegswirtschaft nutzbar zu machen sind. Es handelt sich dabei um Werte, die man leicht unterschätzt. Früher sprach man von den„Millionen im Kehricht", allein dieses Schlagwort bleibt hinter der Wahrheit weit zurück; man darf getrost von Milliarden sprechen, denn drei Milliarden Mark Wert stellen gegenwärtig die Speise- und Küchenabfälle der deutschen Haushaltungen innerhalb eines Jahres dar. Diese Zahlenangabe stammt von einem Fachmanne, Prof. Th. Henkel an der Technischen Hochschule in München, der in der Zeitschrift „Natur und Kultur" einen fesselnden Aussatz über Wert und Vcr- Wertung der Speisen- und Küchenabfälle veröffentlicht. Der Grundgedanke bei der Beuvertung der Speisen- und Küchenabfälle ist der, diese in einen Kreislauf einzufügen, wie es die Landleute schon von jeher getan haben, diesen Kreislauf aber abzukürzen, in- dem man die Abfälle nicht als Düngemittel verwendet, sondern an das Vieh verfüttert, so daß sie i» rascherer Zeit Fleisch, Fett und Milch wieder erzeugen. Woraus bestehen Küchenabfälle, und um was für Mengen handelt es sich? Es sind da recht irrige Vorstellungen im Ilmlauf. So sollen z. B. auf den Rieselfeldern der Stadt Berlin die Abfälle ans der Beköstigung von zcln Menschen zur Ernährung eines Schweines ausreiche», das täglich 18M Gramm Trockenmasse braucht, und ein Erlaß des preußischen Ministers v. Loebell auS dem November 1014 stellt 12 Kilogramm getrocknete Abfälle für jeden Einwohner Deutschlands in Rechnung, so daß die Abfälle von 24 Menschen zur Ernährung eines Schweines ausreichten. Prof. Henkel bat nun in seinem eigenen, fünf Erwachsene um- fassenden Haushalte die Menge der Speisen- und Küchenabfälle in zweieinhalb Wintermonatcn genau festgestellt. Danach kommen auf jeden Erwachsenen im Jahre rund 3 Kilogramm Abfälle, so daß der fünfköpfig« Haushalt ein bis zwei Kaninchen knapp er- nähren könnte. Für ein Schwein wären demnach die Abfälle nötig, die WO Erwachsenen entsprechen. Freilich schwankt die Menge der Küchenabfälle nach Ständen und auch nach Jahreszeiten. Prof. Henkel führt die Angaben Atwatcrs an, nach denen die Abfälle einer Beamtensamilie 1 v. H. der eingekauften Lebensmittel bc- trugen, während bei einem Speisehause der Anteil des Abfalls 5,S b. H., bei mehreren Mcchanikerfamilien 7,9 v. H., bei einigen Studenten 14,8 v. H. und bei einer Lehrerfamilie in JllioiiaiS sogar 17,6 v. H. betrug. Bei seinen weiteren Berechnungen geht Prof. Henkel von weniger als der Hälfte der Menge aus, die der obenerwähnte preußische Ministerialerlaß zur Grundlage hat. Er rechnet 2 Kilogramm getrocknete Abfälle jährlich auf den Kopf der Bevölkerung, bringt jedoch nicht die gesamte Einwohnerzahl in An- schlag. Dann beträgt die Menge des TrockenfUltters 190 Millionen Kilogramm. Diese sind 10 090 Eisenbahnwagen in einem Werte von drei Milliarden Mark nach jetzigen Preisen, während der Friedenswcrt etwa halb so groß gewesen sein dürfte, wenn sich nicht die Menge und die Zusammensetzung dieser Abfälle während des Krieges erheblich geändert hätte. Die Menge der Küchenabfälle ist jetzt an sich geringer, weil man mit den Nahrungsmitteln vernünftiger umgeht, dafür werden sie sorgfältiger befymbelt und gesammelt und liefern jetzt niehr Futtermittel als ehedem. Der Gehalt an den geschätztesten Siosfcn, Eiweiß und Fett, ist merklich geringer geworden; auch stärke- und zuckerhaltige Üieste finden sich spärlicher, Brot, das früher in Men- gen im Abfall gefunden wurde, fehlt jetzt darin, und die Haupt- menge bilden gegenwärtig darin die Abfälle von rohen Gemüsen und Kartoffeln. Im Jahre 1912 enthielten die getrockneten Küchen abfalle Berlins 44 w H. Eiweiß und Fett; das Speiseabfallmchl, dn„ die Mclkogenwerke in Seegefeld bei Spandau in den Handel br r gen, enthielt 1913: 21 v. H Eiweiß und Fett, 1914: 17 v. H., 1912: 19 v. H., 1916: 13 v. H. Während des Krieges dürfte der Eiweiß- und Fettgehalt der getrockneien Küchenabfälle nicht wesentlich höher sein, als diese letztgenannte Zahl. Rechnet man mit 12 oder 13 v. H. Gehalt an Eiweiß und Fett und berücksichtigt auch den Zucker- und Stärkegehalt, so ergibt sich, daß die magersten Küchen abfalle fast den doppelten Stärkcwert von gutem Heu haben und dem mittleren Siärkewcrt des Hafers ziemlich nahekommen. deutsche Familiennamen. Der Weltkrieg, der alle Verhältnisse umwälzt, hat auch die An- gehörigen der einzelnen deiilichen Stämme gehörig durcheinandci- gctvüblt: Landeskinder von dem Westen sind an der Ostiront, solche vom Osten nach Flandern und Frankreich gekommen, h er käinpit der Märkcr mit dem Baqer. dort der Badener mit dem Pommern zusammen und dergleichen. lind bei der Fülle der Mundarten wird eö nicht immer ganz leicht geworden sein, einander zu verstehen: hat dock Paul Kretschmer in seiner imterhaitenden Wortgeographie zeigen können, ivie verschieden auch Dinge des Alltags in den ver- ichiedenen Teilen unseres VaierlandcS bezeichnet werden. Em Niederschlag dieser verschiedenen AuSdruckSweiie findet � lick auch in den Fomiliennanreir. und vflmai» wird ein Feldgrauer erstaunt sein, was für einen sonderbaren Namen doch sein Kamerad trägt. Das ist nur begreiflich, denn der Norddenlicke weiß in der Regel nickt, daß z. B. der Name seines bayerischen Kameraden Bäck oder Beck seinen Ursprung darin hat, daß der Bäcker dort mit diesem abgekürzten Wort benannt wird. Auch der Name Hafner oder Haffner sagt dem Norddeutschen nichts. � dein es unbekannt ist daß ein Hafen ein Topf ist, der Name also dein nord- deutsche» Töpfer cnllpricht. Von den vielfältigeir Quellen der Familiennamen, unter denen die Berufsbezeichnung nur eine wescnlliche Rolle spielt, cniwirfl der beste Kenner unserer Multersprache, Professor Friedrich Kluge,>n einem kurzen, allgemein verständlichen Abritz der Entstebnng unserer Fannliemiainen, der unter dem Titel„Deutsche Namen- künde" soeben bei Quelle». Meyer in Leipzig erschienen ist, ein imifassendeS Bild. Bon der naturgemäßen Ernnamigkeit des Btenschen geht Kluge auS. Der Zusatz des Namens des Paters, wie Siegfmo Siegmunvs Sohn, in dem man den Ausdruck des FamilienstolzcS erblicken kann, führt dann zur Zwrinanriglcil: das Wegiallen de- Wortes Sohn, die Anwendung des Lateinischen im Mittelalter brachte Namen wie Paulus Peiri, d. h. der Sohn des Peter und damit dann Familiennamen wie Adanii, Zackariae, Eonradi und ouck in deutscher Forni ivie HelmoltS Heniholy), Jürgen»>vo» Georg stammend), Michel», Schmitz(= Schmidts) hervor. Weiter weist Kluge auf die geographischen Familiennamen hin:.Wer die angestammte Heimat verläßt, erhält in der Ktuen Hennar leicht einen Zunamen, der die Herkunft bezeichnet.' Wie brauchen nur an Frank und Franke, Schwab und Schwabe, Sack- uno Sachse(anck Sachsse), Böhm und Böhme(auch Behn» zu crinncin, wie au die Familiennamen nach Oclsnamen. Weilet wird der HouSname, eine körperliche oder geistige Eigenschaft(Stark, Gror. Klug. Dumm), zur Ramensquelle, und schließlich auch die große Zahl der Berufe. Da bemerkt Kluge, daß die Häufigkeit de? Namens Müller(mit den Spielarten Miller, Möller u. a.) auf die Erblichkeit der Mühle hinweist. Interessant ist auch der NachlveiZ, daß die Verkleinerungssiiben zur Bildung neuer Familiennamen gedienr haben»»d mit solchen Silben ursprünglich nicht der Sohn de» Hauies bezeichnet wurde: Köchly war aber der junge Koch. Schmid- lm der junge Schmied. Beierle der junge Bayer. Aehnlich etn- sianden auch die Namen Kleinschniidl, Kleinpaul, Kleinwäch'.er Notizen. — Die Zukunft der deutschen Bühne. Tie Reden, die in der vom Schutzvcrband Deutscher Schriftsteller gemeinsam mit anderen Verbänden veranstalteten Verfammlnng geHallen wurden, sollen bei Osterhcld u. Eo. als Buch erscheinen. Als cm besonderer Anhang wird dieser Veröffentlichung das Ergebnis einer Umfrage über das gleiche Thema angefügt. — Paul I l g erhielt von der Schlveizerischen Schillcrstifiung eine Ehrengabe von 1000 Franken für seinen Roman„D e r starke Mann'— im Hinblick auf seine künstlerischen Eigenschaften. Ter Roman, dessen künstlerischer Wert hier von hoher Warte aner- kaunt wird, hat in der Schweiz natürlich wegen seines Jnhaiii lebhafte Erörterungen hervorgerufen. I2j Der starke Mann. Eine schweizerische OsfzierSgeschichte von Paul Ilg. Ter Platzkoininandant, eine kleine breitivuchtiae Gestalt mit einem massiven Dickschädel, bat dem Ankömmling sarkastisch lachend die Hand.„Eben wie Sie da im Hinter- grund auftauchten, hatte ich eine merkwürdige Vision; ich sah sie nämlich im Geist bereits mit der Melone auf dem Haupt—' „llnd dem Musterloffer in der Hand I" ergänzte Lcnggen- hager rasch im Bild»nd angenehm berührt von der Humor- vollen Auffassung. Darauf gab er den andern sogleich Kennt- uis von den erhaltenen flkeuigkeitcn. „Also eine regelrechte Demonstration will der Janhagel morgen abend veranstalten. Daö ist mit der angedrohten zugkräftigen Programmnummer gemeint. Ob mau da nicht gleich energische Gegenniaßregelu ergreifen solle V Ich glaube, wenn man im vornhineiu eine Kampagnie auf Piket stellte, würden sich die Kerle wohl noch besinnen I" schloß er seinen Bericht, der seine Wirkung nicht verfehlte. „Ich werde mich hüten!" winkte der Oberstleutnant kopfschüttelnd ab.„Darauf warten die roten Teufel nur. Das wäre Wasser auf ihre Mühle. Gerade jetzt, wo wir die neue Bcilitärvorlago durchdringen ivollcn, würde ihnen ein Krawall großartig in den Kram passen. Da könnten sie dann wieder einmal ordentlich das Maul vollnehmen. Von Militärdiktatur. Säbclgeivalt und Verfassungsbruch schnattern. Nichts da! Mcinatwegcn mögen sie demonstrieren bis früh»m fünfe. Die Polizei wird vermutlich schon mit ihnen fertig werden." Odcrlculnant HöSli, dem der friedliebende Bürger aus den Augen sah, nahm die Gelegenheit gerne wahr, dem all- zu geschliffenen Militaristen einen kräftigen Hieb zu versetzen. Er war von Beruf Sckundarlchrcr. von Gesinnung Sozial- demokrat. in, Wesen aber gewiß das gerade Gegenteil seines Kameraden Lcnggenhagcr. Weitherzig, wohlwollend, redselig; in Kleidung und Auftreten von gelinder Schlamperei angehaucht. Den Säbel trug er wie einen Spazier- stock, die Haare wie ein Aschantikrioger und Schuhe wie ein Bergsteiger, dazu eiueu schulmeisterlichen Zwicker mit schwarzer Schnur und hervorstehende bunte Manschetten. Auch seine. sonstige Erscheinung entsprach bei weitem nicht der Vor- stcllung, die sich Backfische von einem vorbildlichen Offizier zu machen pflegen. Den Jnstruktoren war er ein Dorn im Auge, obivohl er als Zugführer gute Resultate zeitigte. Er hatte jedoch seiner Mannschaft gegenüber oft einen väterlichen Ton der Gemütlichkeit, eine vom Katheder stammende Erklärungs- sucht, die den neugeprägten Erziehungsmethoden sehr zuwider lief. Zudem scheute er sich nicht, in undienstlichen Meinungsaustausch mit gebildeten Rekruten zu treten und laute Spaße mit den Unteroffizieren zu machen. „Soldaten- Pestalozzi' nannten ihn die Kameraden nach der Karikatur eines Spottvogels: Oberleut- nant Hösli einem Füsilier den Mechanismus des Schießprügels erklärend!(Natürlich saß der Soldat dem Offizier auf den Knien.) Solche Foppereien mußte er manche über sich ergehen lassen. Er trug nicht schwer daran. Aber Ivo er nur konnte, suchte er dem ihm verhaßten und Verderb- lich scheinenden Drill Abbruch zu tun. Den schneidigen In- struktor Lcnggenhager trieb er durch passiven Widerstand öfters zu Zornausbrüchcn. Nun wollte Hösli auch einmal Vergeltung üben. Er wußte in der schwebenden Angelegen- heit mehr, als Lenggenhager lieb sein konnte. „Wenn ich in dieser Sache zu entscheiden hätte," meinte er,„würde ich das Fest entweder aufschieben oder ohne Musik abhalten. Erstens, um die Gemüter abzukühlen, ziveitcns, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß eS den Offizieren nur um Rechthaberei zu tun sei. Leider scheint es aber doch etwas darauf hinauszulaufen!" bemerkte er mit Stirnrunzeln und energischem Schlußhusten. Die Wirkung seiner Worte verfolgte er jedoch nicht bei seinem Widersacher. sondern in den Zügen des Platzkommandantcn, dessen Beifall er zu erringen hoffte. „Auch ein Standpunkt I" entgegnete Lenggenhager frostig; es klang beinahe Ivie„Elender Hasenfuß!' Dabei warf er einen hochmütigen Seitenblick auf den verkleideten Schul- Meister, als wollte er sagen:„jlaim einer, der so aussieht, überhaupt soldatisches Standesbewußtsciu haben?" Ter aristokratische Major Zieglcr ging mit ebensoviel Un- behagen neben dem treuherzigen Patriarchen wie neben dem aufgelegten Draufgänger. Von Gestalt jiodi. zart und schmal, mit jugendlichem Antlitz und grauen Schläfen, bot er das Bild einer ohne Pose imponierenden Persönlichkeit» die es ver-. stand, mit den vorhandenen Energien hauszuhalten. Mehr/ als der geräuschvoll tüchtige Platzkommandant genoß er die Achtung der Leute. „Undenkbar! Das hätte man vorher reiflich erwägen müssen. Man lenkt im Anfangsstadium einer Verwicklung leichter ein, als wenn daraus eine öffentliche Angelegenyeit geworden ist. Jetzt heißt es um jeden Preis bei der Stange bleiben. Wir werden uns doch nicht von diesen Leuten zur Ordnung weisen lassen I" gab er mit eindringlicher Schärfe zu verstehen. „Ganz meine Meinung!" sagte der Oberstleutnant, was eigentlich heißen sollte: Warum schon Gesagtes wieder- käuen? Hingegen fühlte Lenggenhager sehr wohl den Unterschied in der Denkart des Majors. Dieser machte ihm offenbar zum Vorwurf, den Konflikt absichtlich auf die Spitze getrieben zu haben. Deshalb beeilte er sich festzustellen, daß von seiner Seite nichts versäumt worden sei. In gereiztem Tone setzte er den Tatbestand auseinander, wobei er ans- drücklich hervorhob, daß auch der Oberstdivisionär seine Maß- nahmen durchaus gebilligt hätte. „An Ihren guten Absichten zweifle ich selbstverständlich nicht I" warf der Major ärgerlich dazwischen.„Es fragt sich nur, ob es nicht politischer gewesen wäre, in dieser Zeit der- artige Verwicklungen zu vermeiden. Wir haben gegenivärtig ein Treustädter Osfiziersfest und eine eidgenössische Militär- Vorlage; zwei Dinge von sehr verschiedener Tragweite. Es besteht aber kein Zweifel, daß die Wehrgegner daS eine gegen das andere ausspielen werden." Lenggenhager mochte daS nicht zugeben.„Frägt sich nur, mit welchem Erfolg. Aus dieser Sache Kapital zu schlagen, wird ihnen schwerlich gelingen. Dazu ist der Anlaß denn doch zu geringfügig." „Jaahaaa!" posaunte der Platzkommandant mit grimmiger Miene.„Schon gut. Aber in keinem Lande versteht man es wie bei uns, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Sic blasen einen leeren Balg auf und brüllen, daß die Felsen wackeln:„Obacht, wilde Tiere I" Und wenn sie sonst nichts dabei profitieren,— eines erreichen sie sicher, daß die Hälfte der Eidgenossen zuerst einmal die Köpfe heranSstreckt und begeistert mitbrüllt, ohne zu prüfen, was an der Sache eigent- lich sei. Das liegt nun einmal im Volkscharakter." .(Forts, folgt.) Tie Bekannlmachung bei Oberkommanboi tu bett Karfen, betreffenb .?c!chlaflnnhme, Behanblung. Berwenbung und Meldepflicht von rohen 5?anin-. Oasen- und Katzensellen und aus ihnen hergestelltem Leder' und �Höchstpreise sür rohe Kanin-, Hasen» und Katzenselle' treten am 1. Juni 1317 in Krnst. Tie vollständige amtliche Be'anntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. .Berlin, den 1. Juni 19l7. 518 I. Nil. 17. Ter Polizeipriifldent. Tie Bekannlmalstung des Oberkommandos in den Marken, betreffend .Bestnndoerhebnng von HoizverlohlungSerzeliznissen und anderen ßliemifalicn" tritt am 1. Inn! 1017 in Kraist Tie vollständige omliiche Bekaiinlmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und i» der„Norddentichen Allgemeinen Zeitung'. Berlin, den I. Juni 1917. Ter Polizeipräsident. iviikroskoptsebe iriat- und klinisch-chem.-baeeriologischc Unter. suchungen von Blai-n. iSpiituni und Macensnft ivcrbcii bestens nusgejtibrt. Hysicn.-nies- bnrcau. Wedcrstratze 31. Telephon Alcraildcr 4243. �>8� Sparmetalle, und ziuar Kupfer, McisiNg. Rolgutz, Atuonnimu, Blei, Zink und Ziimlegicruligcn, Glüh- Nlumplasche lann zur ErlüUung von KriegSliejerungen un Auftrage der jkriegsmelall-A.-G. Plalin» und iSiitbelichmeizerci Broh, Ber.in. Köpc- pickerstratze 29. 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H., Bcilin 7/ 50, Taucntzieiislratzc 21/24/«236* Lehrlinge zur Erlernung des Verkaufs sofort gesucht. Meldungen in unserer Personalverwaltimg im NI. Siock. Kausbaus des Westens, G. m. b. H., Berlin\V 50, Tauentzicn- ftratze 21(24._ 206K* Zeitnngsausträgerinnen kömien stch melden.„Borwärls'-Zlnsgabe- stelle, Lausitzerplak 14/15.* Zeitungsfrau gesucht zum 1. Juni. Zu melden sofort bei Feyerstein. «ldlersbof.* Botenfrnnen werden eingestellt .Vorwärts", Charlottcnburg, Scscn- dcimerstr. 1.* Botenfrau stellt sofort ein.Vor-, wnrtS'-Speditlon Spandan, Moltke- stratze 7.* ZeitniigSauStrögerin sofort ver- langt.Vorwärls'-Spedition Pankoio, Mühlcnlttatzc 70.* Botenfraiieii verlangt Bcrnsec, Steglitz, Mominsenstratze 53,»Vor- ivärts'-Spedrtton.* Zeltuirgsaueträgerin für Weitzcn- fee sofort gesucht..VorwärtS'-Spe- dition, Berliner 8lllee lt.* Botenfrauen vcrlmigt sofort 8Ius- gabeslelle Greiseichagenerstratze 22.* Tnchtigtr foWreiialttfiir für die neugegründete „ljolksstimmt für fialle" zun» 1. Juli, wenn möglich sofort gesucht. Bewerbungen mit Gehaltsan- sprüchen zu richten an Hermann Garbe, Halle, Gewerkschafts- ha«S, Harz 42/44 II. 292/2* Naciilwäcliter gesucht. 276/7 Steffens u. Mölke Zl.-G.» Tempckhof. Zu melden bei Rlonteur Zwiebel, Baustelle Bahnbos Köllnische Heide. Varock- Vergolder und Farbigmacher werden sofort cmgestellt. 247lb* Leistcnfabrik Ichönebrrger Ztr. S7. Botenfrauen verlangt..Bor- wärts'-Spedition, Wattftratzc 9, Laben.* Botenfrauen werden sofort ver- langt. Neukölln, Zleckarftratze 2. .VvrivärtS'.* Lxpsäisnt uns ?soker Sachen 46662' Ctoisciie Werke vorm. ör.H.ßyt Oramenburg. ÄBtogensehweißeFinnen SloekdreeSisler verl. Kelis�ohn, Jägerstr. 27. Fahripersonal sucht Schill thciH" Urnuercl. Lichterfelder Straße 11— 17.* Tücht. Zuschneider und Schärfer aus Lederlreibriemen in dauernde Stcllmig gesucht. Franz Leichter. Guben Mamsells aus kurze Sportjacken u. Paletolo sucht Deiitachmann, Franscckystt. 6. Geschäftsdiencrin ver sofort gesucht.� 2471b Eduard Palm. Leipziger Str. 32,<>3. KrWze Ardtücr zum Stapel» und Verladen sucht per sofort 4676L C. Lewin, Berlin. Juvalivenstr. 50/51. äOO-SOO Bauarbeiter, Frauen. Maurer und Zimmerleute werden eingestellt llnzliaustalMintmAdlershtif Battgefchäft l* Hermann Schäler, zu melden b. Portier, Seiteneingang. dtiAeitdliche Arbeiterinnen Ifttp lelehte Besohüff is/iina: verlangt 466-2* ZigarettenfaSjrlk Karrailri, Coppstr. 10, am Kottbuser Damm auf leichte Blccharbcitcn stellen sofort ein 43/20 HPeinn& Kamek, Bln.-Wflmersdors, Babelsberger St. 41 Rock- u. ZüarliBitfiFinoe!! sinden in unserein Atelier dauernde und gut bezaytte Stellung. !.gffi03iiii 8-,!.0gv/ö08!gin, Jagcritr. L0. 24760 liieidcr 11.«Sinsen. sofort»erlangt. Plastisch Pills ü. MI!? i h; chenr-techn. Zlbtlg. 2470b Frledrichstraüc IO. •••©«©♦©e® BO(9o*D0»e® Franeii für dauernde leichte Beschäfti- gniig stellen sofort ein 2479b' Ssclis Sc Co., SW., Johanniterstr. 7. Frauen für leichte Arbeit werden eingestellt. 57arl Mampc, 2480b Lelle-Alliance-Str. 92. Feiler zum seilen von Präzisionslcilen per sofort gesucht. 2482b doli. Heinrich iräger, Ztcnkölln. Bscigaiibufer 1«. G G Kassenkontrollen& m § G Große Frankfurter Straße 113, fofort gefacht. Meldungen: 1— 2 Uhr mittags 6— 7 Uhr abends. Ä. Jandorf& Co. Arbeiterinnen die schon an Drehbänken gearbeitet haben, nur solche wollen sich melden. 218lb �.loh. HeitiriCh Tm�er, Neukölln, itHeigaiiduser iZ. jugendliche Jlrheiteriuncn bis 16 Jahren werden eingestellt iür leichte Arbeit. 4L. IS Löwenthal, Köpeniekei« Str. 74. Gelernte Leitspradeldreher Gelernte üniversalfräser SSOGOGOGGOGSSSGOOD GOSSGOOGOOOGSOGVOO G Verkäuferinnen§ für die Abteilungen Glas- Porzellan- Wirtfchaftsartihel Lederwaren— Galanterie Bijouterie— Schreibwaren fofort gefacht. Meldungen: 1— 2 Uhr mittags 6— 7 Uhr abends. I 0? Ä. Jandorf& Co. � Große Frankfurter Straße 113. Beleuchter, lahrstuhlschmierer erhalten sofort Anstellanp:. Meldunp-en von'/jO— 10 und 4— 6 Uhr im Technischen Bureau, Voßstr. 8 II. Ä. Weribeim c. m.b.H. sofort verlnngt 44/8' Paul Beil, Maschinenfabrik, Ii Alte Jakobstr.<>(>. S Wir suchen sür dauernde Besdiästigmig sür unseren Betrieb unoelernte Arbeiter und Plalzarbeiler sowie Frauen in größerer Zahl? ferner üeiies, 8ebleeaes, llreber, I�aeebiueuasbeüsr, bl aurer, liuiuierer, Zebreiuer, Maler. Arbeitsuchende wollen sich schriftlich oder mündlich wenden an Arbeiterannahmestelle Pulverfabrik Premnitz, Itathenowv. ItahnliofNtr. ÄÄ. Skieter, Schlosser itttd Montagearbeiter für größere Brückenmontageu gesucht. Steffens& Nolle A. G. Tempelhof. Zu melden bei Monteur Zwiebel, Baustelle Bahnhof Köllmschc Heide. 216/8* 1| Seifensieder suchen zu sofort„Dakoko" G.m.b.H., Chemische Aabrik. Altona, Groste Brunnenstraste 05; desgleichen„Hadeko" G. m. b. H.. Chemische Ztzabrik, 43/17' Berlin M. 58, Fransedi, traste 0. 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