Mr. 154. 34. Jahrs. Abonnements-Bedingungen: «doimemem-• BretS prSnmner-mdo' SiettPljährl. 8,90 Mi, ntonaü. 1�0 Ml, wöchentlich 30 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags« nutraitet mit illusirierier Sonntags« Beilage.Die Neue Welt' 10 Big. Boli- ilbonnemeni: 1,30 Marl vro Monal. Eingerragen in die Bost- Zeitung«. Brei-liite, Unter Kreuzband iür DcuNchland und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland « Mari vro Monat. Boslabonnemem» ncbnicn an Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Bornigall Numätiten, Schweden und die Schweis, ÜldlClBt lügNch. ( 5 Pfennig) Die Tnfertlons-Gebülir delrügt für die sechsgesvalieite Kolonelzeile oder deren Raum KO Big., für doliiiiche und gewerijchafiliche Bereins- und Bersumuilnugs. Anzeige» 30 Pfg. .dl leine Anrrigen", das leltgedruliie Wort 20 Big. Uuläijxg 2 fettgedruckt« ßorte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstcllenan- z eigen das erste Wort 10 Bjg„ jedes «eitere Worts Big, Worte über lö Buch- Itaben zädlen für zwei Worte. Jnferal« nir die nächste Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Ervcditton »bgegeden werden. Die Ervcditiotl ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Derlinev Volllslilclkk. Delegramm-Adreffe: .s»»sllltwo>lrsl litis»-. Zcntralorgan der fozialdcmokratt fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. H8» Linüenstraße 3. ffertttvrecher: Amt Moritzplatz« Slr. 1S1S7. Freitag, den 8. Juni 1917. Expedition: SV. 08» Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplav. Nr. IZt»0— läl. 97. Schwere Schlacht im Nvtlchsete Kogen. Die Schlacht in Flandern ist entbrannt— Französische Stellungen am Chemin-dcs- Dames genommen und gehalten.— Die Italiener unterliegen bei Ja'miano abermals. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 7. Juni 1S17. sW. T. B,» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Upcrn und Armcntieres lobt seit gestern der ArtiUericlampf in unverminderter Kraft; heut früh ist nach umfangreichen Sprengungen und stärlstcm Trommelfeuer mit Jnfanterie-Angriffen der Engländer die Schlacht in Flandern voll entbrannt. In außergewöhnlicher Heftigkeit hielt auch vom La Bassöe« Kanal bis'auf das Südufcr der Scarpc die Fcuertätigkeit an. Bei Hulluch, Loos, Lievin und Roeux sind heut vor TageS- anbrach starke englische Teil-Angriffe gescheitert. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bald nachdem nicderrheinischc Füsiliere an der Straße Pinon-Jonnp in erbittertem Haudgemenge eine Anzahl Gr- songcnc aus den französische» Gräben geholt und die Aufmcrk- samkcit des Gegners dorthin gelenkt hatten, setzten sich früh- morgens südlich von Pargny— Filain Teile von mciningenschen, hannoverschen, schleswig-holsteinischen und brandcnburgischcn Rc- gimckdrn' an'Besitz per feindlichen Stellungen am'Ehinnin-des- Domes in säst• 2 km Ausdehnung Durch Artillerie, Minen- werser und Flieger wirksam unterstützt, begleitet von Pionieren und Trupps des in den Kämpfen der letzten Wochen besonders bewährte» Sturmbataillons 7 nähmen die Kompagnien trotz hart- näikigcn Widerstandes des Gegners das befohlene Angriffsziel. Gegen die gewonnene Linie richteten sich nach heftigen Feuerwellen starke feindliche Gcgcnaiigriffe bis in die Nacht hinein; sie sind sämtlich abgewiesen worden. 14 Lffizicrc, 543 Mann wurden als Gefangene, 4 Revolver- kanonc, 15 Maschinengewehre und mehrere Granatwerfer als Beute eingebracht. Heeresgruppe Herzog Al brecht. Nichts Besonderes. Gestern wurden 8 englische Flugzeuge im Luftkampf ab- geschossen, davon eins durch Leutnant Boß, der damit den 34. Luftsieg errang, Auf dem östlichen 5driegsschauplatz und an der mazedonischen �ront keine größeren Gefechtshandlungen. Der Erste Generalquartiermrister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin,?. Juni 1317, abends. Im Wytschaete-Bogen ist der Gegner in nnsere vorderste Stellungszone eingebrochen. Ter hin- und her- wogende Kampf ist noch in vollem Gange. Der österreichische Bericht. Wien, 7. Juni 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Am I s o n z o setzte der Fciud gestern seine Bcrsuchc, die am 4. Juni ihm cntriffcucn Stellungen um jeden Preis zurück- zucrobero, mit größter Zähigkeit fort. Das Schlachtfeld von Jamiano war abermals die Stätte heftigsten Ringens. Die Italiener unterlagen. Ihre Massenangriffe brachen überall unter schweren Verlusten zusammen, ES blieben neuerlich 3<)'Osfizirrc, und- 5ll9' Mann in unserer Hand, � so daß, die Gesamtzahl der seit 12. Mai eingebrachten Gefangenen die Summe von 27 000 Mann übersteigt. Im Gailtal wurde am 5. Jnni ein italienischer Kampfdoppcldcckcr abgeschossen; die beiden Insassen gerieten unvcrwundct in Gefangenschaft. Am selben Tage stießen unsere Sturmtrupps im Dreizinnengcbirt erfolgreich in die srindlichcn Stellungen vor. Gestern lebhafteres italienisches Geschützfeurr im Sngana-Tal und auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Im Räume südöstlich von Berat trieben unsere Sicherungs- teuppen feindliche Abteilungen in das Osuztal zurück. Ter Ehef des Generalstabes. Die Schlacht in Ilanöern. Berlin, 7. Juni.(W. T. B.) Nachdem die Frllhjahrsoffcnsivc der Engländer und Franzose», dir Turchbruch und Aufrollung der beut- schcn Westfront zum Ziele hatte, vollkommen scheiterte und sich vrr- blutete, haben die Engländer am 7. Juni eine neue Offensive in Flandern begonnen. Bereits vor Mitte Mai steigerte sich die Fcuertätigkcit im Wht- schaetebogcn, wo südlich des Apernkanals die deutschen Stellungen halbkreisförmig in weitem Bogen in die feindlichen Linien vor- springen. Nach einer kurzen Feuerpause vom 16. bis 21. Mai setzte die systematische englische Jeuervorbcreitung am 22. Mai pausenlos rin. um sich vom 1. Juni an zu außerordentlicher Heftigkeit zu stei- gern, die an verschiedenen Tagen bereits ven Eharaktcr von Trommel- scurr trug. Häufige Erkundungsvorstotze des Feindes bestätigten die Angriffsabsicht. Bereits am Abend des 3. Juni wurden mehrere starke nächtliche Patrouillcnvorstotze zurückgewiesen, und da und dort eingedrungene Engländer im Nahkampf geworfen. Vergeblich brachten die Engländer Flammenwerfer zur Anwendung, von denen ihnen einer abgenommen wurde. Am gleichen Abend wurde eine etwa mit »wci Kompagnien unternommene gewaltsame Erkundung gegen unsere Stellungen südlich des Touve-Bachcs verlustreich zurückgc- wiesen. Am frühen Morgen des 6. Juni stießen südlich Messines zwei englische Patrouillen vor, die ebenfalls verjagt wurden. Am Bormittage des 6. Juni lag nur zeitweise starkes Feuer auf der An- griffsfront und auf dem Hintcrgclände, wo die englischen Granaten die belgischen Orte Warneton, La Bassc-Bille und besonders Lenin stark mitnahmen. Am Nachmittage ging das Feuer zum stärkste, l Trommelfeuer über, und die ganze Nacht zum 7. Juni hindurch tobte ununterbrochen der schwerste Artilleriekampf. Zahlreiche feindliche Patrouillen wurden abgewiesen und Gefangene eingebracht. Um 4 Uhr morgens ließen die Engländer an mehreren Punkten Minen auffliegen. Diesen Sprengungen folgte eine Feuerwelle von aller- größter Gewalt, und um 5 Uhr morgens gingen die englischen Sturm- truppen auf der ganzen Front des Wytschaetcbogens zum Angriff vor. Dir Jnfantericschlacht tobt in dem größtenteils flachen, teil- weise sumpfigen von Hecken und Neincn Wäldern durchzogenen Gc- lande hin und her. Die Artillerie- und Fliegertäffgkeit ist gesteigert. Unjerc Truppen schlagen sich mst alter. Tapferkeit. Kerensti und Sie Vorbereitung üer rusiljchen Offensive. Das Bcmiihcn englischer Kricgsblätter. Kerenski, von dem „Daily Expreß" sagt, das Schicksal Rußlands hänge von ihm ab, zum Träger russischer Offeusivplänc zu stcmpclu, ivird durch ciue Meldung der Petersburger Tclcgraphcu-Agentur abgetan. Die Meldung sagt: In der Sitzung des Arbeiter« und Soldatenrates vom 4. Juni beantwortete Kriegsminister Kerenski eine Reihe von Fragen über seine und des Generals A l e x e j e w Reden über die Vorbereitung der Offensive. Kerenski bemerkte zunächst zu der Interpellation be« treffend Alexejew, der gegen die Grundlagen der auswärtigen Politik der Einstweiligen Re- g i e r u n g offen aufgetreten sei, die Rede habe ihre Be- deutung verloren, weil Alexejew durch General Brussilow schon ersetzt worden sei. Diese Mitteilung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Ferner erklärte KerenSki, seine Reden über die Schlagfertigkeit der russischen Armee seien keineswegs als Ausdruck von Erobcrungsabsichtcn aufzufassen. Nicht Rußland habe bisher deutsche Gebiete be- setzt, sondern Teutschland russische. Wir haben Grund anzunehmen, fügte Kerenski hinzu, daß die deutscheil Imperialisten auf die Zer- rüttung unserer Armeen rechnen, um ihre Forderungen zu erhöhen, und anscheinend folgt die deutsche Regierung den Imperialisten. Die volle Schlagfertigkeit der Armee ist not» wendig, um einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen zu sichern. Zum Schlüsse sagte Kerenski: Wir wären schlechte De- mokraten, wenn wir ani Ende unserer Debatten nicht aus- riefen: Es lebe die internationale Solidarität der Demo- kratie! Die Versammlung bereitete Kerenski große Hul- digungen. Kronstadt für die Regierung. Petersburg, 7. Juni. Reutermeldung. Der Kronstadter Zwischenfall ist beigelegt. Der dortige Vertreterausschuß der Arbeiter und Soldaten erkennt die Autorität der Vorläufigen Regierung au. /lllöeutsihe Agitation an öer Zront aus Staatsmitteln! Auf die ungenierte Propagandatätigkeit, welche die All« deutschen für ihre politischen Ziele in der Armee und nament- lich an der Front entfalten, k)aben wir schon gestern hingewiesen. Die Sache liegt aber anscheinend noch schlimmer, als sie ohnehin nach unserer Darstellung erscheinen muhte. Ist es schon bedenklich, wenn Leute, nach deren eigenen Beteuerungen die Armee dem parteipolitischen Streit entzogen sein soll, pri» vatim sich unter den Frontkämpfern durch verhetzende Agi- tation einen Resonanzboden für ihre politischen Ziele zu sichern suchen, so ist ein noch ganz anderer Wider- s p r u ch am Platze, wenn diese Propagandatätigkeit, wie es den Anschein hat, vonbehördlichenStellenuntcr- st ütztundansöffentlichenMitteln gefördert wird. Bei der alldeutschen Propaganda handelt es sich nament- lich um die Massenverbreitung der ini I. F. Lehniannscheii Verlag erschienenen Broschüre„Deutschlands Zukunft bei einem guten und bei einem schlechten Frieden". Der sehr rührige alldeutsche Verlag rennt mit der Anpreisung seiner Schrift den Redaktionen geradezu das Haus ein, und so kann es auch einmal kommen, daß eins seiner Zirkulare an die falsche Adresse gelangt. Ein Gewerkschaftsblatt, dessen Cha- raktcr vielleicht von einem Adresscnschrciber des Verlages verkannt wurde, erhielt nämlich ein Rezensionsexemplar der Broschüre übersandt unter Beifügung eines Zirkulars dkF Verlages,. äirs'dein'"einig'es.'vor' d'er tLkässrntlichkeit festgehalten'zu- werden'verdient. In dem Zirkular-heißt eß-nach- dem um eine empfehlende Bespreckfling- der- Schrift„Deutsch- lands Zukunft" gebeten worden ist, wörtlich: „Eine große Partie ist vom Großen Hauptguartier nnd vom Kriegsministerium angekauft worden. Exzellenz v. Luden- d o r f f hat 8000 Stück, die ihm der Verlag zur Verfügung ge- stellt hatte, im Heere verteilen lassen. Erst neuerdings stellten wir wiederum 7000 Freistücke für Lazarette zur Vsr- fügung. Kriegömiiuster v. Stein hat diese Schenkung mit größtem Dank aufgenommen und sorgt für zweckent- spreckiende Berteilnng.... Von feiten des Heeres, von Schulen nnd Fabriken sind k>e- reits viele Tansende der Schrift bestellt, um sie in ihren Kreisen verbreiten zm lassen." Es hält schwer, die hier vom Verlage behaupteten Tat- fachen für möglich zu halten, und doch kann man wiederum nicht glauben, daß er sie sich einfach aus den Fingern gesogen hat. Wenn hohe militärische Stellen ihnen zugeteilte Posten von Freiexemplaren verteilt haben, so ist schon das eine bedenkliche Sache, denn man muß doch annehmen, daß sie sich vorher pflichtgemäß von dem Inhalt der verteilten Schrif- ten überzeugt haben. Ist es aber wahr, daß das GroßcHauptquartier und das Kriegs ministe- r i u ni und andere Stellen des Heeres sowie Schulen(!) größere Mengen der Schrift käuflich er- worden haben, so kann dieser Ankauf doch nur aus öffentlichen Mitteln erfolgt sein, lieber■ eine solche Verwendung von S t a a t's'g e l de r n z'n r Förde- rnngparteipolitisch erZwecke würde der R e i ch s-' tag ein sehr ernstes Wort zu reden haben. Was die Ver- breitung an Schulen anbetrifft, so ist es sehr charakteristisch, daß dieselben Kreise hier ihre parteipolitische Agitation bereits' den wirklich Unmündigen einimpfen wollen, welche sich sonst gegen die- Herabsetzung des wahlmiindigen Alters ans 20 Jahr auf das schärfste Ivenden. Aber fiir viel schlimmer noch schcn wir cinevon oben her betric- bcne Propaganda im Heere an. Denn der Soldat ist in seiner Meinungsäußerung kein freier Mann, er kann sich nicht mit der nötigen Entschiedenheit gegen eine Bc- einflussung von obenher zur Wehr setzen, es ist ihm unmöglich gemacht, eine Gegcnagitation zu entfalten, ja nur für sich zu entgegnen. Zu allem übrigen kommt noch der Charakter der S ch r i f t als einer maßlos einseitigen, auf die Urteilslosigkeit des Lesers spekulierenden Tendenz- u n b Hetzschrift. Die Aufmachung ist die übelster Gesckzästs- reklamc. Mit tendenziösen bildlichen Gegenüberstellungen wird der alldeutsche Gewaltfrieden verherrlicht, der sozialistische Verständigungssriede hcrnntergerissen und verächtlich gemacht. Scheidemann hat in seiner letzten Reichstagsrede treffend darauf hingewiesen, daß diese Neuruppiner Bildenbogen-Pro- paganda zwar alles mögliche abmalt, sich aber sehr wohl hütet, die Schädelpyramide darzustellen, welche bis zur Er- reichung der aufgestellten Annexionsziele aus den Opfern der Kviegsverlängerung sich auftürmen würde. Darüber, ob die in der Broschüre gesteckten Ziele überhaupt er- r c i ch b a r sind, darüber, um wieviel Jahre sie den Krieg vor« längcrn und weicht; ncucnJQLutzs und Geldopfer ihre Verwirk, Tidfmn«? kosten tvurdo, darüber sucht man vergebens in der Broschüre auch nur ein einziges Wort. Moralisch steht die Broschüre etwa auf dem gleichen Standpunkt, als wenn einem ehrlichen Mann gut zugeredet wird, seinen Nachbarn Hab und Gut wegzunehmen unter dem lockenden Hinweis, wie schön bequem er dann leben könnte. Politisch ist die Broschüre die reine Kinderei. Sic ist von einem halben Dutzend alldeutscher Assessoren, Dozenten und Professoren zusammengeschrieben, von denen jeder seinen Vormann an Länderverschlnckungszielen zu übertrumpfen sucht. Hat der eine nachgewiesen, daß wir einen Fluß oder ein Gebirge jenseits unserer Grenzen als strategische Siche- rung notwendig brauchen, so entdeckt der Nächste ein noch weiter jenseits liegendes Kohlenfeld, das wjr m-türlich auch baben müssen. Zu seiner Sicherung sind danfMieue strategische Linien nötig. Wunderbare Karten sind dem Machwerk beigegeben, in denen das russische Reich beinahe ganz von der Bildfläche ver- schwunden ist und ein paar andere von nnsern Gegnern über- daupt zu existieren aufgehört haben. Wo unsere Gegner Kohlen-, Eisenerz-, Petroleum-, Manganerzvorräte und sonstige Bodenschätze besitzen, werden diese ihnen von den all- deutschen Broschürenschreibern weggenommen,— auf dem Papier natürlich, denn wie das in Wirklichkeit geschehen soll, darüber erfährt nian aus der Broschüre nichts. Daneben eine muntere Hetze gegen den„Scheidemann- frieden und damit die Sozialdeniokratie. Bisher haben uns die maßgebenden militärischen Stellen versichert, sie wünschten, daß die Armee von den parteipolitischen Kämpfen gänzlich frei bliebe. Ist es aber wahr, was der Berleger-Prospekt behauptet, daß sie die Verbreitung dieser alldeutschen Agi- tationsbroschiirc fördern und unterstützen, so wird nian diese Versicherung künftig mit andern Augen anzusehen baben. Man wird schlußfolgern müssen, daß der in der Theorie nach beiden Seiten hin geltende Grundsatz praktisch nur nach einer Seite hin durchgeführt wird. Gegenüber der Förderung der alldeutschen Propaganda erinnern wir an die Schwierigkeiten, die beispielsweise der„Sozialdemokrati- scheu Feldpost" andauernd in den Weg gelegt werden, obwohl dieses Blatt nur Artikel bringt, welche von der Zensur ge- nchmigt sind. Alles in allein liegen hier sehr ernste Dinge vor. An die von der„Kölnischen Volkszeitung" im Felde veranstaltete Ab- stimninng für den„Hindenburg-Frieden" soll nur nebenbei erinnert werden. Unser Münchener Parteiorgan, das sich gleichfalls mit der alldeutschen Propaganda im Heere befaßt, schreibt: Kann man sich da wundern, daß sich in weiten Kreisen der Bevölkerung der Gedanke befestigt: die militärischen oberen und unteren Dienststellen messen die Kundgebungen zur Kriegsziel- frage mit zweierlei Matz. Sic gewähren tätigste Hilfe der a u nexio n i st i scheu alldeutschen Politik in der Armee und suchen nach Möglichkeit die Gegner dieser Politik, die Anhänger eines B e r st ä n d i g n g s- f r i e d e n s. nicht z u Worte kommen zu lassen, lln- zweifelhast arbeitet dieser Gedanke in den Köpfen zahlreicher Volksgenossen, und er wird sicher auch die deutsche Bolksver- tretung. den Deutschen Reichstag, zu einer gründlichen ?l u s s p r a ch e über die amtliche Protektion der annexionistischen alldeutschen Propaganda veranlassen! Auch wir crworten, daß der Reichstag hier gründlich seine Pflicht tut. die Stockholmer verhanülungen. S t o ck h o l m, ö. Juni.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) In der heute vormittags sortgesetzten Aussprache über die Stellung der deutschen Sozialdemokratie zum Kriege sprach Genosse David. Tie Rede füllte fast die ganze Sitzung aus. Die Verhandlungen über diesen Punkt werden morgen abgeschlossen werden. Stockholm, 6. Juni.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) Ter Wortlaut der Resolution des französischen ?> a t io n al r a t s ist jetzt hier bekannt geworden; er lautet: An- gcsichts der vom Jnternatwiralen Bureau übermittelten Einbe- rufung der Stockholmer Zusammenkünfte, andererseits der von Euch in und Moutet überbrachten Initiative der russischen Revo- lution für eine Vollversammlung der Internationale fühlte sich der Aationalrat gedrängt, sich zu diesen gleichem Ziele zustrebenden Be- mühungcn zu beglückwünschen. Er schließt sich voll und ganz der Initiative der russischen Genossen an und fordert mit ihnen eine Versammlung der Internationale. Er beschließt gleichzeitig, nach Stockholm eine parlamentarische Deputation zu senden, die in einer Vorkonferenz die Gesichtspunkte der französischen Sektion bezüglich einer gemeinsamen Aktion zur Vorbereitung des Friedens gemäß den von der revolutionären Regierung und den russischen Sozialisten formulierten Grundsätzen darlegen soll. Der Nationalrat beauftragt die Delegation, sich mit den letzteren wegen der von ihnen geforder- tcn Versammlung der Internationale zu verständigen. 'Stockholm.�. Juni.(Eig. Drahtber. d.„Vortoarts".) Anläßlich der heutigen Beanttvortung der Interpellation Bran- ting über die Verfassungsreform und Vennerström(Jungsozialist) über die Notlage der Arbeiterschaft, den Achtstundentag und die Neuorientierung hatten beide Parteien unter Hinioeis auf wahrscheinlich unbefriedigende, vielleicht auch ganz ablehnende Antwort der Regierung für heute nachmittag zu einem Demonstrationsstreik ausgefordert. Etlva 15 000 bis 20 000 größtenteils junge Arbeiter demonstrierten in der Umgebung des Reichstags, der von Polizei und Militär abgesperrt war. Die Regierung erklärte, sie sei ein- gesetzt, um die Neutralitätspolitik durchzuführen, nicht aber, um politische Reformen vorzunehmen, für die vielmehr die im Herbst neu zu wählende Kammer kompetenter sei. Die Demonstranten sangen internationale Lieder, die Jungsozialisten verteilten Flug- blättcr. Zunächst verhielten sich Polizei und Militär passiv; später erfolgten einige Zusammenstöße, wobei auch einige Personen ver- letzt wurde». Vom Balkon des Volkshauses sprach Branting, von anderer Stelle der Jungsozialist Lindhagen. S t o ck h o l in, 6. Juni.(Eig. Drahtber. d.„Vorwärts".) Der serbische Genosse Milkitsch konnte von der serbischen Ge° sandtschait in Berlin trotz wiederholten Ansuchens keinen Patz nach Stockholm erlangen. Der Haager Verband der sozialistischen Zumisten, Paole Zion, ersucht das Stockholmer Komitee um Zu- lassung zu einer Vorkonferenz, in der über die Judenfragc in Polen. Rußland und der Türker möglichst gleichzeitig mit den Russen verhandelt werden möge. Minister gegen Stockholm. Aus Petersburg meldet Reuter: Henderson, Thomas nnd Bandervelde haben einen Brief an den Bertreterausschuß de« Arbeiter- und Soldatenrate» gerichtet, in dem sie ihr großes Erstaunen über die Einberufung der internationalen Konferenz ausspreche». In dem Briefe wird dann darauf hm-, gewiesen, daß die Verhandlungen mit den britischen, französischen und belgischen Deputationen über diese Angelegenheit noch nicht ab- geschlossen sei, und wird erklärt, die Verfasser des Briefes seien mehr als je davon überzeugt, daß es schädlich und gefährlich sein würde, die deutschen Sozialisten zum Kon- greß zuzulassen, che der aggressive Jmperia- l i s m u s beseitigt sei. Am Schluß des Briefes ersuchen die Verfasser um eine Zu» samiiienkunft, in der sie ihren Standpunkt in aller Freundschaft auS- einandersetzen können. Nach.Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet.Daily Tele- graph" auS Petersburg: Henderson. Thomas und Vandervelde ver- handeln mit den russischen sozialistischen Führern, um zu erreichen, daß eine Vorbesprechung von Soziali st en der Alliierten in London staltfiiidet. Englische Hewerkschaftsöelegationen. London, 7. Juni.(Rcutermeldung.) Hutchinson vom Ver, band der Maschinenbauer hat die an ihn gerichtete Aufforderung, nach Stockholm undPetersburgzu gehen, abgelehnt. Das parlamentarische Komitee des Gewcrkschastskongvesses hat bc- schlössen, den Präsidenten des Verbandes der Kesselschmiede John Hill und den Londoner Sekretär des Verbandes der Postbeamten Stuart Branning nach Petersburg zu schicken, um den russischen Arbeitern bei dem Aufbau der gewerkschaftlichen Organi- sationen zu helfen. Die Abordnung wird keinen politischen Cha- raktcr haben und sich in Stockholm nicht aufhalten. Nach einer weiteren Rcutermeldung hat auch die Geloerkschaft der Seeleute und Heizer ihre Abneigung vor der Konferenz in Stockholm und Petersburg zum Ausdruck gebracht. Sie hat dem Petersburger Arbeiterrat den Beschlutz mitgeteilt, so lange auf keinem Schiff, das Delegierte nach Petersburg oder Stockholm bringt, zu arbeiten, bis die Delegierten die schriftliche Zusicherung geben, daß keine Einigung mit Deutschland zustande kommen könne, che die deutsche Regierung den Angehörigen alliierter oder neutraler Seeleute, die beim Verlassen ihrer torpedierten Schiffe ermordet(?) wurden. Schadenersatz gibt. Der Vertreter der Seeleute, Habe- lock Wilson, sagte in einer Unterredung, der Ausschliß des Verbandes sei der Ansicht, daß die Versenkung englischer Schiffe zwar gerechtfertigt werden könne, keinesfalls aber die Tötung von Seeleuten. Der Verband hat zur Konferenz von Arbeiterdelegierten in Leeds zwei Vertreter geschickt. Ihre Vorschläge sind aber, wie Wilson sagte, von den anderen Vertretern der Konferenz belächelt und verhöhnt worden. Der sechsstünöige Arbeitstag in Petersburg erobert. Petertbnrg, 7. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agcntur.) Nachdem die Vsrtvaltung von 140 Fabriken und Metall werken, welche hauptsächlich für die Landesverteidigung arbeiten, alle Forderungen der Arbeiter bewilligt hat, unter anderem diejenige des sechs- stündigen Arbeitstages, kann der für heute beschlossene Aus- stand in diesen Fabriken und Welken als beigelegt betrachtet werden. tzerr Ribot für Annexionen. (Segen die deutschen Sozialisten.— Einstimmiges Votum des Senats. Paris, 6. Juni.(Havasmeldung.) Senat. In der Begriindung seiner Anfrage über die Haltung der Regierimg zn der Stockholmer Konferenz erinnerte Regismanset an die Beunruhigung Frankreichs gegenüber verschiede- nen Erscheinungen der russischen Revolution. Die Beunruhigung sei besonders groß gewesen über die Absicht gewisser Franzoseii, sich nach Stockholiu zu begeben, um dort mit Deutschland zu verhandeln. Die Erklärungen Ribots vor der Kainmer hätten den Senat vollkommen bc- friedigt, da die Regierung die Pässe verweigert habe. In Beantwortung der Anfrage sagte Ribot: Der Senat ist wie das Land beunruhigt worden durch die Tatsache, daß eine Partei Frankreichs die Möglichkeit erwog, die internationalen Beziehungen wieber aufzunehmen. Gewisse Personen hatten den Wahn gehegt, daß internationale Verständigungen den Krieg verhindern könnten. Die deutschen Sozialisten sind mit geringen Ausnahmen von An- fang an bewußte Mitschuldige der gegen die ganze Menschheit und die Zivilisation begangenen Ber- brechen gewesen. Sie billigen gegenwärtig wenigstens durch schuldhaftes Stillschweigen die begangenen Grausamkeiten und die Verletzung aller Gesetze der Menschlichkeit und der Zivilisation. Im Bewußtsein der Oeffentlichkeit, dem man Rechnung tragen muß, tritt es jetzt klar zutage, daß es für französische Bürger eine sittliche Unmöglichkeit war, mitten im Kriege, während Gebiete ihres Baterlandes vom Feinde besetzt sind, an Unterhaltungen mit den Gegnern teilzunehmen. Wir, die Regierung, sehen ein« Ge- fahr in diesen Versammlungen, aus denen der Friede nicht her- vorgehen kann, der vielmehr nur aus dem Siege entspringen kann. Solche Zusammenkünfte in fremden Städten können nur ein Wahnbild de« Frieden« erzeugen. Hierin liegt die Gefahr. Niemals, in keinem Augen- blick, besonders wenn der Kampf am härtesten ist, weil er sich dem Ende nähert, können wir in der öffentlichen Meinung und in der Armee ein solches Wahngebilde entstehen lassen. Frankreich braucht alle seine Kräfte, besonders die moralischen Kräfte, die die Bürgschaft des Sieges und ein Schatz sind, über den wir eifer- süchtig wachen müssen. Andererseits können wir nicht die Auf- fassung entstehen lassen, als ob die Regierung, die die Nation ver- tritt, die Leitung der Politik des Krieges ihren. Händen entgleiten lasse. Die Regierung allein kann dieses Recht aasüben, weil sie die nationale Souveränität darstellt. Keine Annexionen! Das kann für uns nicht bedeuten, daß wir nicht das Recht haben, das uns Gehörige zu verlangen, das heißt Elsah-L»thrin»kn, das nicht ausgehört bat, im Herzen französisch zu sein, seit der abscheulichen Tat, die Recht und Gerechtigkeit im Jahre 1871 verletzt hat. Kein Franzose wäre feige genug, sich damit abzusinden, daß wir den Krieg nicht fortsetzen, bis daß wir das, was unser Fleisch und Blut ist, zurückgenommen haben, bis diese Provinzen in den Schoß des Mutterlandes zurück- kehren. Aber was bedeutet„keine Entschädigungen"? Die Be- siegten demütigen, das wollen wir nicht. Aber es gibt eine Wied ecr gutmachung der Schäden und Grausamkeiten, auf die keine französische Regierung verzichten könnte, die Wiedergutmachung»ach einer unerhörte» Verwüstung des Landes. Einspruch würde sich dagegen erheben aus diesen verwüsteten Departements. Die Tagesordnung der Kaminer fügt hinzu, daß diese Bürg- sch asten erforderlich sind, um unsere Kinder vor der Wieder- holung derartiger Greuel zu schützen. Werden wir sie in der Er- Werbung von Gebieten oder in zeitweiliger Besetzung oder Neu- tralisationc» finden? Das wird im geeigneten Augenblick geprüft werden. Eine bessere Bürgschaft ivird in der Bildung eines Europa bestehe», wo alle Nationen sich selbst aitgehörcn. wo der Wille eines einzigen Mannes nicht mehr derartige Hebet entfesseln kairn. Morgen muß sich ein FriedenSbilnd bilden im Namen des demokratischen Geistes, den Frankreich die Ehre hatte, in die Welt cinzilführen. Die Nationen, die heute in Waffen stehen, werde» morgen die Gesellschaft der Nationen bilden. Das ist die Zukunft der Menschheit, oder nian müßte an ihrer Zukunft ver- zweifeln. Wilson hat gesagt, daß er in diesem Punkte mit uns sei. Ter Rede Ribots folgte eine kurze Geheimsitzung, worauf der Senat mit 253 Stimmen— einstimmig!— der Regierung das Vertrauen votierte. Die Resolution faßt den Inhalt der Ministcrrede kurz zusammen und spricht die lleberzeugung aus, daß ein dauerhafter Frieden nur aus dem Siegs der verbündeten Heere hervorgehen könne. 4- Da es Herrn Ribot heute vor allem darauf ankommt, die Sozialisten gegeneinander zu betzen nnd die internatio- nalc Verständigung zu vereiteln, scheut er sich nickt, den alten völkerverhetzenden Schwindel von der„Mitschuld der deut- scheu Sozialdeniokratie" am Kriege abermals aufzutischen. Die Gegnerschaft des französischen Min isterpräside n te n — mag sie sich nun in mehr oder weniger anständigen For- men äußern— ist für uns deutsche Sozialisten nur sehr ehrenvoll. Wir bekämpfen seit Ausbruch des Krieges die d e u t s ch e n Aunsrionisten, haben aber doch nie die ge- ringste Neigung gezeigt, etwa deswegen das Treiben der französischen Annexionisten zu begünstigen. Weil wir nichts„zum Sieg der verbündeten Heere" beitragen wollen, 0 Br.-R.,T.) und eine unbekannte Bark(2000 Br.-R.-T.). Ben einer«eiteren An- zahl versenkter Schiffe blieben Art und Grähe der Fahezrugr un- bekannt, da ihre Bersenkung nachts erfolgte. 2. Im M i t t e l m e e r wurden aufs Neue eine Anzahl Dampfer und Segler versenkt mit einem Gesomt-Brutto- Tonnengrhalt von 34�00 Tonnen. Hierunter waren mehrere bewaffnete Dampfer verschiedener Grössc, deren Namen wegen Zerstörergelrits nicht festgestellt werden konnten, außerdem der englische bewaffnete Dampfer Egyptia« Prinre<3117 Br.-R.-T.) mit Baumwolle von Alexandrien nach Manchester, der englische bewaffnete Dampfer.Holmesbank >3051 Br.-R.-T.) mit Kohle von Malta nach Port Said und der italienische bewaffnete Dampfer Rio Amazonas(2970 Br.» R.-T.) mit Reis von Port Said nach Italien. Unter den Ladungen der versenkten Segler befanden sich u. a. 2500 Tonnen N a p h t h a von Amerika nach Gibraltar und Algier bestimmt. Der Chef deS AdmirglstabeS der Marine. Madrid» 6. Juni.„Epoca" veröffentlicht ei» Telegramm aus Barcelona, wonach der Kapitän des spanischen Uebersee- dampfers Ciudad de Cadiz den dortigen Marinebehördcn einen kräftigen Einspruch gegen das Vorgehen eines engl«- schen Torpedobootes überreichte, das den genannten Dampfer vor der spanischen Küste anhielt, und nach Prüfung der Schiffspapiere zum Anlaufen in Gibraltar zwang. Haag, 0. Juni. sKovrespondenz-Bureau.) Im Monat Mai sind an der niederländischen Küste zwanzig Mine« angespült worden, wovon 17 englischen, eine deutschen und zwei unbekannten Ursprungs waren. Basel, 7. Juni. Die„Neue Zürcher Zeitung" berichtet auS London: Nach einer von der norwegischen Gesandtschaft in London erhaltenen Jnforination wurden imMonatMaisg norwegische Schiffe mit einem Gesamtmhalt von 75 307 Tonne« versankt. Die Storaas-�ngelegenheit. Amtlich wird von deutscher Seite nochmals gegenüber Beschuldi- gungen norwegischer Blätter folgendes festgestellt: Das Boot, in dem sich das unter einem Leutnant des U-Bootes stehende Sprengkommando an Bord des Dampfers begab, enthielt außer dem Sprengkommando nur den Kapitän, den 2. Steuermann, den Maschinisten und den Koch des Dampfers. Zu- nächst begab sich nur der Offizier mit dem Sprengkommando an Bord des Schisfes und ließ darauf den 2. Steuermann, den Masch:- nisten und den Koch an Bord kommen, während der Kapitän des Schiffes in dem Boot an dessen Ruder blieb. Der Ossizier des Sprengkomiuandos ging auf die Kommaudobrücke des Schiffs und beschlägnahwte die dort befindlichen nanirschen Instrumente, Bücher und Seekarten, die später an Bord des U-Bootes gebracht wurden. Während dieser Zeit stand der Maschinist in der Nähe des Offiziers; ohne Einspruch zu erheben, forderte er im Gegenteil zur Beschlagnahme mit den Worten auf:„Nehmen Sie nur alles mit, sonst geht es doch verloren." Nachdem noch ein an Bord des Schiffes schlafend zurückgebliebener Norweger geweckt worden war, ver- ließen sämtliche Norweger das Schiff und begaben sich zu dem Kapitän in das Schisfsvoot. das darauf in etwa 2V Meter Eni- fcrnnng liegen blieä Keiner von ihnen hat das Schiff wieder be- treten. Der weitere Sachverhalt ist aus der amtlichen Veröffewt- lichung des Admrralstabes vom 9. April bekannt. Die amtliche Erklärung schließt: Der Kapitän hat demnach sein Schiff, nachdem er eS in dem Schiffsboot verlassen, überhaupt nicht mehr betreten, kann demnach auch keinen deut- schen Offizier„bei der Entwendung von Gegen- ständen ertappt und aus seiner Kajüte ent- f e r n t haben". Seine Behauptungen sind und bleiben eine verleumderische Erfindung. Kleine Kriegsnachrichten. Ministerreisen. Der bulgarische Ministerpräsident Radoftawow ist in Begleitung des Chefs des politischen Kabinett» dos Zaren und des Direktors der bulgarischen Staatsschuldenverwaltung nach Berlin abgereist. Der Kriegstreiber L»rd Rorthcliffe ist, wie Reuter meldet, auf Ersuchen des Kriegskabwetts nach Amerika abgereist, um mit den dort wirkenden brittschen Abordnungen zujammenzuar betten und das von Balfour begonnen« Werk fortzusetzen. Die Beränderungen im französische« Oberkommaud» dauern an. Laut„Temps" wurde Brigadogeneral Tina» an Stelle des Brigadegenerals Torqueray zum Leiter des Kavalleriewesens im Kriegsminrsterium und Brigadegeneral Jullien an Stelle des Divisionsgenerals Chevallier zum Leiter des Geniewesens im Rriegsministerium ernannt. Die Generale Regtier und Arnonillc, die die Leitung des Flugwesens im Kriegsministerinm inne hatten, erhielten Frcmtkommandos. Französische Russenhofsnungen. Das„Echo de Paris" schreibt: Die Ernennung Brussilows zum Generalissimus bedeutet ein Programm. Der Petersburger Korrespondent dieses Blattes meldet, es sei nun kein Zweifel mehr, daß die Tätigkeit an der russisch-rnmänischen Front wieder aufleben wird. Der Reaktionär Markow verhaftet.„Djen" meldet die Per- Haftung des reaktionären Dumamitgliedes Markow ll„ der seit Ausbruch der Revolution Verschlvunden war. Vor einigen Tagen tauchte auch der Abgeordnete Purischkewitsch in Kersk auf, der auf Einladung der Ingenieure der Riga-Romnyer Bahn vor deren Angestellten und Arbeitern eine Rede halten fallt«. Er wurde augeblich mit Katzenmusik empfangen und die Versammlung abgebrochen. Ssasanows Rücktritt endgültig.. Tie P. T. A. kann nunmehr meiden, daß den: russischen Botschafter in London, Ssasonow, dem Sachwalter der zaristtschen Eroberungspolittt, der Rücktritt be- willigt worden ist. Er ist ebenso unmöglich geworden wie JSwolski. Fliegerleutnant Emil Scharfer gefallen. Leutnant Emil Schaefer, einer der besten und erfolgreichsten Jagdflieger, ist an der Westfront nach Luftkampf tödlich abgestürzt. Hamburger Kricgsausgaben. Die Bürgerschaft bewilligte zu den seit Kriegsbeginn für Kriegsausgaben bewilligten 225 Millionen Mark weitere ztvanzig Millionen, sowie zwei Millionen undorher- gesehene Ausgaben, politisthe Ueberflcht. Staatssekretär Solf über das koloniale Kriegsziel. Auf einer Feier der Leipziger Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft hielt Staatssekretär Dr. Solf eine Rede, in der er sagte: Wir wollen unseren Kolonialbesitz wiederhaben und wollen diesen Besitz nach Möglichkeit zu einem Widerstands- sähigen und wirtschaftlich leistungsfähigen Gebiete ausgestalten. Gleichzeitig wollen wir der künftigen Gefährdung des europäischen Friedens entgegenwirken, die in der von unseren Gegnern im großen Stile geplanten Militarisierung Afrikas droht. Erfreu- licherwcise ist das ganze deutsche Volk mit diesem Programm ein- verstanden. Gleichzeitig möchte ich daran erinnern, wie wir schon vor dem Kriege, und zwar in klarer Erkenntnis der Bedeutung eines zusammenhängenden Kolonialbesitzes für die Lcbenssicheruug des deutschen Volkes weitgehende Vorbereitungen getroffen hatten, um auf dem Wege friedlicher Verständigung und Vereinbarung eine unseren dringendsten kolonialen Bedürfnissen entsprechende Ausgestaltung unseres überseeischen Besitzes zu er- langen. In der Broschüre vom guten und schlechten Frieden (siehe heutigen Leitartikel) ist fast ganz Afrika in deutschen Farben angemalt. Herr Solf aber will nur haben, was er gehabt hat, etwas mehr höchstens„auf dem Wege friedlicher Berständigung". Im alldeutschen Blätterivald wird bald ein fröhliches Scheibenschießen auf ihn beginnen. Offener Brief an Herrn v. Heydebrand. In den„Grenzboten" veröffentlicht der Bibliothekar deS Herrenhauses. Dr. Friedrich T h i m m e, ein auf dem Boden der konservativen Anschauungen stehender Mann, einen offenen Brief an Herrn v. Heydebrand, der eine einzige schwere An- klage gegen die konservative Politik während des Krieges dar- stellt. Herr Dr. Thimme ist ein Vertreter des scheinbar fast ganz ausgestorbenen gouvernementalen Konservatismus, den er gegen die konservative Fronde mit großer Energie vertritt. Er behauptet, daß sehr viele Konservative mit ihm die Richtung der konservativen Parteipolitik als verhängnisvoll betrachten. Gegenüber den Reichsverbandsmaniercn der konservativen Parteiführer prägt er den Satz: An dem guten Glauben und dem festen Willen unserer Sozialdemokraten, unter allen Umständen das Beste auch und gerade des deutschen Volkes zu erstreben, sollte überhaupt kein deutscher, kei« konservativer Mann zweifeln dürfen. Herr v. Heydebrand habe in seiner Herfordcr Rede wohl in allgemeinen Redensarten seine Bereitschaft zu Reformen ausgesprochen, den Arbeitern aber auch nicht einen einzigen Strohhalm gereicht. Gegen- über der Hetze, die mit Scheidemanns Aeußcrung über die Revolution getrieben wird, erklärt Thimme, daß Hie Konser- vativen sich damit dem Vorwurf des Pharisäertums aussetzten, da man es ja auch in landwirtschaftlichen Kreisen liebe, ge- legentlich drohend die Faust zu ballen. Dafür führt er ver- schiedene Beispiele an und fährt dann fort: Drastischer noch sind die„Stimmungsbilder au« landwirtschaftlichen Kreisen", die die»Kreuz« Zeitung" am 24. November 1893 veröffentlichte; in ihnen wird klar und unverhülll damit gedroht, daß die an Allerhöchster Stelle gebilligte Capcivische Handelsvertragspolitik zur Folge haben müsse, daß in der landwirtschaftlichen Bevölkerung die Liede zum Kouigshause in rrschrrckcndem Maße abnehme. Einige Be- merkungen aus diesen Stimmungsbildern mögen gerade in: Hinblick auf pie heutige Situation in Erinnerung zurück- gerufen werden.„Opfern wir den Russen jetzt," so hieß es mit Bezug auf den russischen Handelsvertrag,»die ganze Land- Wirtschaft mit 20 Millionen Menschen, na, dann loollen wir doch schnell auch mit den Franzosen Frieden machen, die verlangen ja viel weniger, bloß das bißcheu Elsaß-Lothriugen mit den paar Millionen Menschen darin, die uns nicht mal viel nützen... Wir müsse» drn Handelsvertrag mit Oesterreich und Italien zer- reißen, und wenn'« mit dem Schwert in der Faust scin muß!" Ich könnte, Herr v. Heydebrand, solchen Aeußerungen noch viele andere, noch ungleich drastischere, an die Seite reiben. Auch solche Aeußerungen von konservativer Seite, ja von konservativen Führern, die fich mit größter Schärfe direkt gegen die Person des Kaisers richten, und die immerhin gegen das von Ihnen auS- gegrabene Wort Scheidemanns von dem Wortbruch als einer Tradition des in Preußen regierenden Hauses aufgewogen werden können. Thimme führt dann weiter auS, daß die konservative Bewegung gegen den Reichskanzler doch offensichtlich auf dem Kaiser einen Druck ausüben solle, wodurch das Recht des Kaisers, an dem Mann seines Vertrauens fest- zuhalten, bedroht sei, und schließt mit der Frage: Wird die konservative Partei jemals wieder als Hüterin der Kronrechte mit moralischem Recht austreten könne», wenn sie hier nicht jedem Druck auf den Kaiser entgegentritt? Herrn v. Heydebrands Antwort wird interessant sein— vorausgesetzt, daß der übel zugerichtete Ritter von der Läse nicht der Tapferkeit besseren Teil erwählt und sich scitlvärts in die Büsche schlägt._ Neue Ausgabe von eisernem Kleingeld. Berlin, 6. Juni. In der heutigen Sitzung des Bundesrat? gelangten zur Annahme: Der Entwurf eines Gesetzes, detrestcud Abänderung des Gesetzes, betreffend eine mit den Post- und Tele- graphengebühren zu erhebende außerordentliche Reichsabgabc, vom 21. Juni 1810, der Entivnrf einer Bekanntmachung über den Ver- kehr mit Fässern uns der Entwurf einer Bekanntmachung, be- treffend die Prägung von zehn Millionen Mark in S-Pfeunigstückeu aus Eisen. Letzte Nachrichten. Austausch rusfischcr gegen deutsche Zivilgcfangrnc vom Arbeiter- und Soldatenrat angeregt. Petersburg, 7. Juni. Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur. Der Rat der Arbeiter- und Soldatenabge« ordneten teilt mit: Der Ausschuß für auswärtige Angelegen- heiten des Petersburger Rates der Arbeiter- und Soldaten- abgeordneten beschloß Schritte zu unternehmen, unr den Austausch der i n D e u t s ch l a n d internier- tcn russischen politischen Flüchtlinge gegen deutsche Zivilgefangene in Rußland zu er- reichen. Der Ausschuß hofft, die ausländischen sozialistischen Organisationen werden ihn in diesen Bestrebungen nach Kräften unterstützen. Ruffische Vertreter für Stockholm. Bern, 7. Juni.„Progres de Lyon" nieldet aus Petersburg, der Arbeiter- jxud Soldateurat habe T s ch c i d s e B r a n s o n, Sokolow, Statkcwitsch, KozlowSki uni> W i s ch n i a k als Vertteter für die Zusammenkunft aus der Stockholmer Konfe« rfitg ernannt. SewerkschlOsbewEung Droht die Wiedereinführung der Nachtarbeit in Bäckereien'! Zu unserer gestrigen Notiz über die Eingabe der Bäcker- verbände teilen wir heute noch erläuternd mit: Es finden gegenwärtig Konferenzen von Vertretern der Reichs- ■rcgierung und der Regierung der einzelnen Bundesstaaten statt über die Frage, ob nicht eine wesentliche Ersparnis von Heiz- Material durch Schließung der kleinen Bäckereien und Zusammen- legung dieser zu Großbetrieben unter gleichzeitiger Wieder- cinführung der Nachtarbeit empfehlenswert sei. Zu diesen Ver- Handlungen sind bisher die beteiligten Arbeiterverbäude nicht hinzu- gezogen worden. Die drei großen Bäckerverbändc, der der freien Gewerkschaften, der der christlichen Gewerkschaften und der der Hirsch- Dunckcrschcn Gewerkvereine, wenden sich in der von uns erwähnten, auch den in Betracht kommenden Ministerien der Bundesstaaten zugeschickten Eingabe an das Reichsamt des Innern mit aller Entschiedenheit gegen die geplanten Maßnahmen. In der Eingabe wird dargetan, daß die geplante Zusammenlegung der Betriebe unter keinen Umständen einen wirtschaftlichen Erfolg zeitigen könne, daß vielmehr schwere wirtschaftliche Gefahren daraus crivachsen würden. Es sei ausgeschlossen, daß dadurch eine größere Ersparnis an Heizmaterial erzielt würde. Schon heute seien migefähr 40 Proz. der Bäckereibctriebc eingegangen. Eine weitere tüirstlich herbeigeführte Einstellung von Betrieben werde die Gefahr großer Arbeitslosigkeit, namentlich nach Beendigung des Krieges, mit sich bringen; es sei dann ganz undenkbar, für die Kriegsbeschädigten aus dem Bäckergcwerbe eine entsprechende Unterkunft zu finden. Von der Wiedereinführung der Nachtarbeit würde das Gegen- teil von dem erreicht werden, was erwartet wird. Jeder Fachmann wisse, daß die Wiedereinführung der Nachtarbeit keine Kohlen- crsparnis mit sich bringen werde; auf alle Fälle würde aber eine eventuelle Kohlenersparnis durch die weit größeren Ausgaben für Licht aufgewogen werden. Außerdem aber würde am Tage weit aufmerksamer und vorteilhafter gearbeitet als nachts und vor allem werde auch viel vorsichtiger mit dem sehr knappen Rohmaterial umgegangen. Auch eine viel größere Sauberkeit in den Bäckereibetriebcn sei durch die Tagcsarbeit erzielt worden. Tie Nachtarbeit werde nur einzelnen Großbetrieben Vorteile dringen, den ganzen Beruf und der Volkscrnährung aber nur schaden. Dringend wird die Reichsregierung gebeten, falls weitere Maßnahmen in dieser wichtigen Frage geplant sind, eine nlündsiche Beratung mit Bcrusssachverftändigen stattfinden zu lassen, und dazu auch Vertreter der Arbeiterorganisationen hinzu- zuziehen. Wir können diese Eingabe der Bäckcrvcrbändc natürlich nur auf das allcrcntschicdcnste unterstützen. Es machen sich offenbar Bestrebungen einzelner interessierter Schichten geltend, die hier einen günstigen Moment für gekommen erachten, die Nachtarbeit in den Bäckereien wieder einzuführen. Hier können nur die All- gemcinintcressen maßgÄend fein und die gebieten ein striktes Fest- hatten an dem Verbot der Nachtarbeit. Serlin unü Umgegenü. Erfolgreiche Lohnbewegung der Werkstattschrciber bei der Firma Daimler. Obwohl die Firma Daimler zu den Jndustriefirmen gehört, die während dcS Krieges das glänzendste Geschäft gemacht haben, zahlt sie ihren Angestellten zum großen Teil Löhne, die in keiner Weise den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechen. Die Werk- stattschreiber erhielten bisher Wochenlöhne von 30 bis 38 M., die Werkstattschreiberinnen 18 bis 24 M. Dazu wurden bei den männlichen Angestellten Teuerungszulagen von 1,50 bis 4,50 M. wöchentlich, bei den weiblichen Angestellten 2 M. gewährt, jedoch erhielt ein Teil der weiblichen An- gestellten überhaupt leine Teuerungszulage. Im April stellten die Angestellten durch ihre Organisation, den Verband der B u r e a u a n g e st e l l t e n, die Forderung, eine durchgängige Er- höhung der Löhne und Teuerungszulagen für männliche und weib- liche Angestellte um 15 M. wöchentlich zu bewilligen. Die Direktton lehnte es ob, mit der Organisation zu verhandeln, sie wollte nur mit den Angestellten verhandeln, während eine Verhandlung des Verbandes nur mit dem Verband der Berliner Metallindustriellen in Betracht komme. Hierauf nahmen die Angestellten durch eine selbstgcwählte Kommission die Verhandlung auf. Diese halte den Erfolg, daß, nachdem bereits eine Erhöhung der Löhne für die männlichen Werkstattschreiber um 2 M., für die Werkstattschreiberinncn um 1 M. bewilligt worden war. nun die Teuerungszulagen wie folgt geregelt worden sind: Verheiratete Werkstattschreiber erhalten wöchentlich 8 M. Zulage, für jedes Kind 2 M.; verheiratete Werkstattschreiberinnen 5 M., für jedes Kind 2 M.; unverheiratete männliche und weibttche Werkstatt- schreiber 5 M. Die bewilligten Erhöhungen werden ab 1. April nachgezahlt. Wenn auch die nunmehr gezahlten Löhne und Teuerungszulagen noch erheblich hinter den Anforderungen, die das Leben jetzt Pr den Angestellten und Arbeiter stellt, zurückbleiben, so ist doch mit Hilfe der Organisation ein guter Schritt getan, sie den Verhältnissen an« zupassen und die Notlage der Angestellten etwas zu erleichtern. Aufgabe der Angestellten in der Industrie muß es sein, ihre Orga- nisation überall so zu kräftigen, daß durchweg angemessene Löhne errungen werden können. Deshalb hinein in den Ber» band der Bureauange st eilten! Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Mitgliederzahl des Sozialdemokrattschen Vereins im 3. Hamburger Wahlkreis ist um 4359 zurückgegangen. Es wurden am Schluß des Jahres 24 832 männliche und 6473 weibliche Mit- gl jeder gezählt. Die Neuaufnahmen betrugen nur 681 gegen 940 im Vorjahre. Zu in Heeresdienst eingezogen waren bis zum 31. März 1917 ins- gesamt 21 704 Mitglieder. Nach eingehender Schilderung der organisatorischen Kämpfe sagte der Berichterstatter Gen. Grosse:„Unsere Duldsamkeit ist sicher zu weit gegangen. Wir dürfen hoffe», daß unsere Organisa- tionsarbcit jetzt ftmchtbarer sein wird als in den Zeiten, in denen wir uns fortgesetzt mit der Opposition herumstreitcn mußten." In der Aussprache erklärten verschiedene Redner ihre Zufrieden- heit damit, daß nur wenige Ausschlüsse notwendig gewor- den seien. In einer Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Mannheim teilte der Parteisekretär S t r o b e l mit, daß sich bisher ganze, dreizehn Mann zu de» Unabbängigen abgemeldet hätten. In der Generalversammlung des 17. sächsischen Wahlkreises in Lichtcirstein teilte Genosse Steher mit, daß die Mitgliederzahl zurzeit 1357 männliche und 217 weibliche betragen, worunter sich eine Anzahl Genossen befänden, denen infolge schlechter Erwerbsverhält- niffe die Beiträge gestundet werden mußten. So hart es dem Kreis- Vorstand auch angekommen sei, es blieb ihm nichts anders möglich, als dem Abgeordneten Wilhelm Stolle mitzuteilen, daß er aus Grund seines Verhaltens die Beziehungen zur sozialdemokratischen Partei Deutschlands und damit auch der Organisation des 17. Wahl- kreises selbst abgebrochen habe. Selbstverständlich handele es sich dabei nicht um Stolles entgegengesetzte Auffassung gegenüber der Politik der Frakttonsmehrheit und der Tattik des Parteivorstandes, denn solch entgegengesetzte Auffassung könne nach wie vor jeder haben und betätigen, ohne daß irgend jemand etwas dagegen unter- nehmen würde. Der Kreisvorstand betrachte es als eine Umnög- lichkett, daß jemand zwei Parteien angehöre. Die Versammlung billigte einstimmig die Halttrng der„Ehemnitzcr Volkssttmme" und sprach ihrem ehemaligen Redakteur Gen. Heil mann warmen Dank aus. In der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Dresden-Neustadt wies Landtagsabgeordneter Gen. W i r t h auf die schweren organisatorischen Schädigungen durch die Einberu- fungen hin. Dazu seien die Treibereien der Parteizerstörer gekom- men, die der Redner packend veranschaulichte. Zum Beispiel hätten in einem Bezirk von Dresden-Neustadt durch die Agitation der Op- Position für die„Leipziger Volkszeitung" 26 Leser die„Dresdner Volkszeitung" abbestellt. Dabei wurde später festgestellt, daß von diesen 26 u u r e i n e r die„Leipziger Volkszeitung", die 25 andern aber die„Neuesten Nachrichten" und den„Dresdner Anzeiger" abonniert hatten. Gegen den Schluß der Verhandlungen kamen doch noch die Aus- einandersetzungcn in der Partei zu schwachem Leben. Die Genossen Kampf lReichenbcrg), Knrzhals, Paul Kurz, Küchenmeister und Schlag hatten eine Resolution eingereicht, die von der Sozialdemo- kratischcn Reichstagssraktion verlangte, sie solle wegen der ungenü- genden Erklärung des Reichskanzlers zur Friodcnsfragc nunmehr die weiteren Kriegskredite verweigern. An der kurzen sachlichen Debatte, die diese Resolution ent- fesselte, beteiligten sich in befürwortendem Sinne die Genossen Kamp, K u r z h a l s und Paul Kurz, während sich die Genossen Buck, Sindcrmann, Wirth und Braune gegen den An- trag wandten, vor deffcn Annahme warnten und seine Schädlichkeit gerade in der Jetztzeit, wo die Vorbereitungen für die Friedens- konferenz in Stockholm in vollem Gange seien. Hervorhoben. Bei der Abstimmung' wurde die Resolution mit allen gegen nur acht Stimmen abgelehnt. Die am 3. Juni 1917 in Bredow abgehaltene Kreis-General- Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins Randow- Greifenhagcn begrüßte den zu Ostern 1917 in Gotha erfolgten Zu- sammenschluß der Opposition zur Unabhängigen Sozialdemokrati- schen Partei Deutschlands und beschloß: Der Sozialdemokratische Wahlverein Randow-Greifenhagcn erklärt mit seinem sämtlichen Vermögen d Anschluß an die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Teutschlands. Auf der Generalversammlung des Wahlkreises für Stralsund- Franzburg-Rügen wurde Genosse K a tz e» st c i n als Wahlkandidat aufgestellt. Zur Politik der Partei lagen zwei Anträge vor, und zwar der Antrag der Stralfundcr Genossen, welcher die Politik des Partcivorstandes und Parteiausschuffcs verurteilt und den An- schluß an die neue Partei„Unabhängige sozialdemokratische Partei" wünscht, und ein Antrag des Kreisvorstandcs. Der erste Antrag wird einstimmig abgelohnt. Die folgende Resolution, die vom Genossen Freycr begründet wird, wurde einstimmig zum Beschluß erhoben: „Die Kreisgeneralversammlung des Sozialdemokratischen Kreiswahlvereins fiir Stralsund-Franzburg-Rügen erklärt: Die Absicht, die in der Partei herrschenden Meinungsverschiedenheiten erst nach dem Kriege zum Austrag zu bringen, wird durch die Agi- tation für eine andere Organisation sowie den Antrag Stralfundcr Genossen, sich der Unabhängigen sozialdemokratischen Partei(bis- her Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft) anzuschließen, ver- eitelt. Die Kreisgencralversanimlung als die berufene Instanz der Organisation kann solchem Treiben nicht mehr untätig zu- sehen, sie beschließt deshalb: Mitglieder, die einer anderen Organi- sation als der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an- gehören oder für andere Organisationen Propaganda machen oder sonstwie tätig sind, können nicht zugleich Mitglieder des Sozial- demokratischen Kreiswahlvcreins Stralsund-Franzburg-Rügen sein." Die schwedische Minderheit hielt Ende Mai ihren Gründungs- Parteitag in Stockholm ab, aus dem sich die neue Partei, die „Sozialdemokratische Linkspartei Schwedens", konstituierte. Erschienen waren rund 200 Delegierte als Vertreter 300 ver- schiedener Organisationen mit über 30 000 Mitgliedern. Nach einer Begrüßungsrede des Abgeordneten Hage hielten die anwesenden ausländischen Gäste kürzere Ansprachen. Frau Helene Lurie teilte dabei mit, daß die linksgehende Richtung l Lenin) stark sei und vielleicht bald die stärkste werden würde. Grimm sprach für die Zimmerwald-Jntcrnationale. Helm hob hervor, daß die Menschiwiki-Richtung, der er angehörte, der Ansicht sei, daß die russische Revolution nur ein Ansang zu der sozialen Revolution wäre, die kommen müsse. R a d c k sprach für die Bolschcwiki- Richtung in Rußland. Von den Beschlüssen der neuen Partei ist bemerkenswert die Forderung an die Parteimitglieder, zur Schaffung einer GeWerk- schaftsbewcgung mitzuwirken, die von revolutionärem sozialisti- schcm Geiste erfüllt wäre und deren Tätigkeit wie Kampfmethodcn sich nach der zunehmenden Macht und Brutalität des Kapitalismus richteten. Zum Parteisekretär wurde der frühere Sekretär der alten Partei, Abgeordneter Ström, gciväblt. Zu den Kongrcßvcrhandlungcu erklärt der„Sozialdemokraten", das Organ der schwedischen Mehrheit, unter anderem, daß die meisten der genannten ausländischen Gäste nicht als Vertreter ihrer Organisationen, sondern nur als Privatleute am Kongreß teilgenommen hätten._ Soziales. Arbeitstherapie in der Arbeiterversichcrung. Schon häufig hatten wir Veranlassung, die Arbeitstherapie an- erkennend hervorzuheben, die in der neueren Zeit angewendet wird, um den Kriegsbeschädigten ihre Erwerbstätigleit so weit als mög- lich wieder zu geben und zugleich auch, um das im wirtschaftlichen Leben so wertvolle Zutrauen zur eigenen Leistungsfähigkeit zu wecken. Was von den Kriegsbeschädigten gilt, gilt nalürlich auch von den Verletzte» anderer Art. Auch ihnen müssen die Erfahrungen zugute kommen, die setzt gemacht worden sind. Es ist erfreulich, daß dieser Gedanke auch anderwärts Wurzeln geschlagen hat. In seinem letzten Geschäftsbericht sagt das Reichs- versicherungSamt, es sei schon vor dem Kriege dem Gedanken näher- getreten, Einrichtungen für eine möglichst weitgehende Wiederherstellung der ArbeitSsähigkeit der Erkrankten zu schaffen. ES verweist dann auf die guten Erfahrungen, die in hohem Maße in den Werkstätten gemacht worden sind, die der Wiederherstellung der Kriegsbeschädigten dienen, und es sagt, daß zurzeit Verhandlungen schweben, die Erfahrungen auf dem Gebiete der Kriegsbeschädigtenfürsorge in weitem Umfange für die Unfallverletzten nutzbar zu machen.„Die soziale Fürsorge für einen an der Gesundheit geschädigten Versicherten darf nicht mit Abschluß der medizinischen Heilbehandlung als beendet angesehen werden, da sonst wertvolle menschliche Arbeitskraft verloren gehen lann." Jeder wird diesen Satz unterschreiben und das Vorhaben des Reichsversicherungsamts begrüßen. Hoffentlich arten aber die geplanten Einrichtungen nicht dadurch aus, daß sie zu Renten- quetschen werden. Wohnungswesen nach dem Kriege. DaS Königlich Sächsische Ministerium des Innen, hat vor kurzem auf�Anregung der Zentralstelle für Wohnungsfürsorge im Königreich Sachsen angeordnet, daß nach dem Kriege eine fort- laufende Erhebung über die ausgeführten und weggefallenen Wohnungsbauten in den 160 größeren Gemeinden des Königreichs, auf die sich die Wohnungsfürforgeerhebung vom Jahre 1912 sowie die Wohnungszählung vom 12. Oktober 1916 erstreckten, eingerichtet wird. Die Erhebung wird sich inhaltlich an die in den größeren Städten des Deutschen Reiches für die jährliche Bericht- erstattung an das Kaiserliche Statistische Amt übliche an- schließen, darüber hinaus sollen durch Feststellung der Geschoß- zahl der Anwendung etwaiger Bauerleichterungen und der Größe der Bauplatz- und Bauflächen Unterlagen zur Beurteilung der Frage der Ausbreitung des Hoch- oder Flachbaues, der Er- lcichterung des KleinwohmingSbaueS und für Entwicklung der HauS- und Grundstücksflächendichte der neubebauten Grundstücke gewonnen werden. Ferner soll zunächst sür die erste Zeit nach dem Kriege in diesen 160 Gemeinden auch eine fortlaufende Erhebung über die er« teilten Bauerlaubnissc eingerichtet werden, während der ersten drei Jahre nach dem Kriege ist eine monatliche Berichterstattung vor- gesehen. Mit diesen Erhebungen sollen wichtige Unterlagen für die später in den einzelnen Gemeinden zu ergreifenden Wohnungs- sürsorgemaßnahmen gewonnen und ein Vorbild geschaffen werden, das hoffentlich auch in anderen Bundesstaaten bald Nachahmung findet. Scharfe Mahnung an einen kinderfeindlichen Hausbesitzer. In Waldenburg in Schlesien wollte ein mit Kindern gesegneter Familienvater eine im dritten Stockwerk eines Hauses gelegeiro Wohnung mieten. Der Hauswirt erklärte jedoch, daß er diese Wohnung nur an kinderlose Familien abgeben wolle. Der Bür- germeister, der dies erfuhr, richtete daraufhin an den Hauswirt ein Schreib», in dem es heißt:„Darin, daß Sie die Wohnung im dritten Stockwerk Ihres Hauses nur an Familien ohne Kinder ver» mieten wollen, liegt eine Schädigung des Allgemeinwohls, die in der jetzigen Zeit, wo die heranwachsende Jugend den kostbarsten Schatz unseres Volkes bildet, doppelt zu verurteilen ist. Mit Rücksicht darauf, daß Sie auf Ihr Grundstück eine Hypothek von uns erhalten haben,, fordern wir Sie auf, binnen einer Woche eine Erklärung abzugeben, daß Sic die Wohnungen in Ihrem Hause an jeden ordentlichen Aiicter abgeben wollen, gleichgültig, ob und wieviel Kinder er hat."_ Auch ausländische Angehörige deutscher Kriegsteiluchmer haben Anspruch auf Familienunterstützung. In diesem Sinne hat das Bundesamt sür das Heimatwesen in einem neueren Erkenntnis entschieden. Die unverheiratete Arbeiterin Josefa A. ist russische Staatsangehörige, ihr unehelicher Sohn, der sie unterstützt hatte, dient im deutschen Heer. Sie wurde wegen militärischer Gründe aus ihrem bisherigen Wohnsitz in der Nähe von Essen nach Dortmund abgeschoben. Diese Gemeinde verlangle von der ersten Wobugemeinde, in der die A. den landesrechtlichen Unter« stützungswohnsitz erworben hatte, Erstattung der Kriegsuniersiützung. Das Bundesamt für das Heimatwesen erkannte dahin, daß nach dem Zweck des Gesetzes über die Gewährung von Familienunterstützungen kein Zweifel darüber bestehe, daß die Unterstiitzung derÄriegerangehöngen im Zusammenhang mit den Dienstleistungen der Kriegsteilnehmer stehen solle. Das Gesetz macht ferner keinen Unterschied zwischen ausländischen und inländischen Staatsangehörigen. Seine Vor« schriften erstrecken sich daher auf die Sicherstelluug der Augehörigen aller von dem Gesetz überhaupt betroffenen Kriegsteilnehmer ohne Unterschied ihrer Staatsangehörigkeit. Die Kriegsteilnehmer sollten schlechtbm der Sorge für die Person ihrer Angehörigen ent- hoben sein. Dabei kann die Frage der oft von Zufälligkeiten ab- hängigen Staatsangehörigkeit keine Rolle spielen. Gerichtszeitung. Ter„ungeuau unterrichtete" Hausbesitzer. Zum Zwesten Male hatte sich das Gericht mit der Angelegenheit eines Hausbesitzers zu beschäftigen, der wegen Betruges gegenüber dem Magistrat an- geklagt war. Der Hausbesitzer und Rentier Albert Knieban- d e l, der auch A r m c n k o m m i s s i o n S v o r st e h e r war, zählte unter seinen Mietern im Hause der Falckenstcinstraßc auch mehrere Kriegerfamilicu, die bekanntlich vom Magisttat Mictbei- Hilfen unter der Voraussetzung erhalten, daß auch seitens der Haus- eigentümer ein entsprechender Mietnachlaß gewährt wird. Der An- geklagte hatte, als eine seiner Mieterinnen beim Magistrat um Miel- bcihilfe eingekommen war, auf dem MieteinigungSamt einen Rc- vcrs unterschrieben, wonach er sich bereit erklärte, seinerseits wäh- rend der Dauer des Krieges einen kleinen Betrag von der Monats- miete abzustreichen. Er hat diese Verpflichtung aber nicht inne- gehalten, sondern, wie später zur Kenntnis der Behörde gekommen ist, der betreffenden Kriegerfrmi keinen»vetteren Abzug gestattet, sondern den nach Abzug der städtischen Beihilfe verbleibenden vollen Rest der Monatsmiete beansprucht. Die Kriegerfrau hat auch Mo- nate hindurch diesen vollen Ölest an den Angeklagten bezahlt, und sie erklärte dies vor Gericht damit, daß sie durch eine Aeußerung des Angeklagten zu der Besorgnis gekommen sei, erforderlichenfalls ex- mittiert zu werden. Der Angeklagte hatte sich vor Gericht damit zu entschuldigen versucht, daß er über die bei solche» Mietbeihilfen des MagifttalS in Frage kommenden Einzelbcstiinmungen nicht ganz genau unterrichtet gewesen sei. Das Schöffengericht Bcrlin-Mitte hielt diesen Einwand für unwirksam und verurteilte den Angeklagten zu 500 M. Geldstrafe. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde gestern von der 7. Strafkammer des Landgerichts I nach nochmaliger Beweisaufnahme vcuvorfen. Keine Möglichkeit, den Lehrling auszubilden. Ein Büchsen- machcr, der neben sciircm Ladengeschäft eine Reparaturwerkstatt unterhält, in der er einen Lehrling vcschäftigt, ist seit längerer Zeit zum Heeresdienst eingezogen. Seitdem arbeitet der Lehrling ganz allein in der Werkstatt. Er wird beaufsichtigt durch einen kauf- männischen Angestellten. In letzter Zeit kommt auch der in Span- dau in Dienst stehende Bctricbsinhabcr jeden Abend auf eine halbe, böchstcns eine ganze Stunde ins Geschäft. Da unter diesen Um- ständen von einer ordnungsmäßigen Ausbildung des Lehrlings keine Rede sein kann, so klagte der Lehrling beim Gcwerbcgericht aus Lösung des Vertrages.— Das Gericht hielt die Forderung des Klägers für durchaus berechtigt und riet deshalb dem Beklagten, den Lebrling freizugeben. Tarauf wollte aber der Beklagte durch- aus nicht eingehen. Er wurde dann verurteilt, in die Lösung des Lehrvertrages zu willigen, da ihm ja— so sehr auch die Notlage zu bedauern sei, in die er durch Ableistung der Mlitärpflicht geraten sei— jede Möglichkeit, den Lehrling auszubilden, fehle. Eine Episode aus dem Streik der Rüstungsarbeitcr bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der Kammer 5 des Gewerbe- g e r i ch t s. Der Kläger war bei der Firma Erdmann u. Groß beschäftigt, er hatte den Streik mitgemacht und ist unmittelbar darauf entlassen worden, hat aber keinen Abkehrschein bekommen. Infolge einer Entscheidung des vom Kläger angerufenen Kriegsausschusies mußte die Firma den Abkehrfchein erteilen. Der Kläger verlangte vor dem Gewerbcgericht Schadenersatz für den Lobnaussall an zwei Tagen, der ihm durch die verspätete Erteilung des Abkehrscheins ent- standen ist.— Der Vertreter der beklagten Firma sagte, der Kläger habe am Tage nach dem Streik, als die Arbeiter und Arbeiterinnen zur Wiederaufnahme der Arbeit erschienen waren, dieselben zur Fortsetzung des Streiks zu bewegen versucht. Bei den Arbeiterinnen habe die Agitation des Klägers Erfolg gehabt, während die männlichen Arbeiter sich zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit erklärt hätten. Unter diesen Uniständen habe die Firma den Betrieb nicht eröffnen können. Den Kläger habe sie wegen seiner Agitation so- fort entlasten. Zur Erteilung des Abkchrscheins glaubte sie nicht verpflichtet zu sein, weil ibrer Meinung nach der Kläger im Militär- Verhältnis stand, denn sie habe ihn reklamiert und er sei infolgedessen beurlaubt worden. Nach der Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis habe die Firma den Vorgang der Militärbehörde mitgeteilt und die Reklamation zurückgezogen. Damit habe sie die Angelegenheit für erledigt gehattcn. Aus dem Militärpaß des Klägers wurde festgestellt, daß er nicht beurlaubt, sondern vom Militär zur Arbeitsleistung nach Berlin entlassen ist, also in seinem Arbeitsverhältnis dem Hilfsdienstgesetz untersteht. Das Gericht verurteilte die beklagte Firma, dem Kläger den Lohn für zwei Tage zu zahlen. In der Urteilsbegründung sagte der Vor- sitzende, es sei die Ansicht des Gerichts, daß das Verhalten des Klägers tn schärfster Weise zu oerurteilen sei, aber nach der Rechts- läge habe er Anspruch auf sofortige Erteiluna des Abkehrscheins ge» habt, da er ja von der Firma entlassen worden sei. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner, Berlin: für den übrige» Teil des Blattes: Mfre» Sch-lz, Nenlölln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Einger& Co„ Berlin EW. Hielt» 1 Beilage»rt Umerhalluagsdlatt. Hr. 154 ❖ 54. Jahrgang Seilage öes vorwärts Zreitag, S.IunilH17 Staötverorönetenversammlung. 13. Sitzung vom Donnerstag, den 7. Juni 1917, nachmittags 5 Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher-Stellvertvcter Cassel nach Ulli Uhr eröffnet. Am 2ö. Mai ist der Stadtv. Redakteur Karl Goldschmidt nach längerem Leiden verstorben. Der Vorsteher widmet ihm einen ehrenden Nachruf. Tic Beschlüsse der Versammlung zur Acnderung des§ 17 der Satzung für die städtische F e u e r s o z i c t ä t haben die Billigmig des Magistrats nur teilweise gefunden. Er tritt dm Beschlüsse, daß Neuabschätzungen von Gebäuden infolge außer- gewöhnlicher Acnderung der Baukosten gegenüber der Abschätzungs- zeit..auf Antrag des Versicherten" auch vor Ablauf der zehnjährige� Frist vorzunehmcu sind, zivar bei, hält dann aber auch die An- nähme des vom Plenum abgelehnten Ausschußvorschlages für not- wendig, wonach dem§ 17 noch der Zusatz gegeben werde» soUle: „Erklärt sich... der Eigentümer... bereit, bis zur Feststellung des neuen Schätzungswertes einen Zuschlag von 33'/ö Proz. zu dem nach dem bisherigen Schätzungswert sich ergebenden Jahresbeiträge zu entrichten, so übernimint die Feucrsozietät bei einem Brand- schaden auch schon vor durchgeführter Neuabschätzung die Zahlung der Entschädigungssumnie für die Wiederherstellung des Gebäudes uach�den zur Zeit des Brandes maßgebenden Preisen." Stadtv. Bissing(Fr. Fr.) bedauert die Stellungnahme des Magistrats. Dieser scheine durchaus eine vollständige Neutaxierung herbeiführen zu wollen. Man möge die Sache nochmals in einem Ausschusse prüfen. Stadtv. Dr. Rosenfeld lSoz.) stellt sich mit seinen Freunden auf den Standpunkt des Magistrats. Gewiß sei die finanzielle Lage der Hausbesitzer zu berücksichtigen; andererseits dürfe man doch nicht daran vorübergehen, daß es jetzt den Hausbesitzern viel- fach gelingt, die Mieten zu steigern lWiderspruch), jede Nummer des„Grundeigentum" beweist das. Zur nochmaligen Ausschuß- beratugg liege keine Veranlassung vor. Stadtrat Wagner kann auch von nochmaliger Ausschuß- beratung keinen Nutzen ersehen. �Stadtv. Hahn(Linke) protestiert im Verein mit dem Stadtv. Vissing sehr lebhaft gegen die Behauptung, daß die Hausbesitzer mit Mietsteigerungen in großem Umfange Erfolg gehabt hätten. Es handle sich nur um einen Versuch eines oder zweier Grund- bcsitzervereine, der von der Gesamtheit nicht gebilligt werde. stadtv. Dr. Rosenfcld verweist demgegenüber auf die zahl- reichen Mitteilungen der Grundbesitzervereine in ihren eigenen Organen und hält seine Behauptung voll und ganz aufrecht. Die weitere Verhandlung leitet der zweite Vorsteher-Stcllver- treter Heim an n(Soz.). An der Beratung beteiligen sich noch die Stadtvv. Vissing und Gelpke(Fr. Fr.). Der Antrag Bissing auf nochmalige Ausschußberatung wird mit knapper Mehrheit abgelehnt; in zweiter Lesung gelangt der Magistratsantrag zur Annahme. Zur Beratung gelangen nunmehr die(von uns bereits skizzier- ten) Vorschläge des Magistrats über i Acnderungcu im höheren Schulwesen für die m ä nnliche Jugend. Diese Pläne sollen gleichzeitig der Versorgung der nördlichen Außenbezirke der Stadt mit höheren Lehranstalten und dem„Aufstieg der Be- gab ten" dienen. Beabsichtigt wird 1. die Verlegung des Sophiengymnasiums nach dem Nordosten an den Kurischen Platz und die Errichtung einer Oberreal schule im alten Gc- bäudc, 2. die Gründung einer neuen Oberrealschulc am W e d d t n g in der Nähe des Eourbiere-Platzes, 3. Umwand- l u n g des K ö l l n i s ch e n Gymnasiums in eine Schule für besonders befähigte Gemeindeschülcr; 4. Umwandlung des F r i e d r i chs gy m n a s i u m s in eine einzötige Anstalt und Errichtung einer verkürzten Realschule(Kämpf- Schule) in seinen Räumen. Von mehreren Seiten wird Ausschußberatung beantragt. Stadtv. Cassel(Linke): Die Verlegung höherer Schulen in die Außenviertcl ist in den Verhältnissen lvohl begründet. Eine Schwierigkeit liegt in der Vorschulfrage. Bei zwei der neuen An- stalten soll die Vorschule beibehalten werden. Nachdem der Kultus- minister durch Erlaß vom vorigen Jahr die Wege gewiesen hat, den llebergang von der Volksschule zur höheren Lehranstalt schon nach dreijährigem Besuch der erstcren zu ermöglichen, ist jeder Grund weggefallen, mit der Beseitigung der Vorschulen noch länger zu zögern. Die Rücksicht auf die in den Vororten bestehenden Vor- schulen kann nicht ausschlaggebend sein; in diesem Punkte werden sich Verhandlungen des Magistrats mit den betr. Kommunen emp- fehlen. Für die neuen Plane zur Schaffung der Möglichkeit des Aiifstwgs der Hochbegabten aus der Volksschule verdient Stadt- ;chulrat Reimann unseren besonderen Dank. Voraussetzung ist naturlich Verzicht auf jede Schablone und liebevolle Rücksichtnahme auf die Individualität bei der Auswahl des Schülermaterials. «tadtv. Dr. Wcyl(Soz.): Die Vorlage versucht eine Lösung der ,vragc des„Aufstiegs der Begabten", der„freien Bahn allen Tüch- tigen. Ich der Vorlage ist nur die Rede von den Hochbegabten, den Ileberbegabtcu, nicht von den normal Begabten; immerhin mutz anerkannt werden, daß die Erfahrungen des Weltkrieges auck hier den Beginn einer gerundlegcndcn Reform angebahnt haben. W i r treten dafür ein, daß jede Bevorrechtung im Schulwesen wegzu- fallen hat, daß das Bildungsniveau des gesamten Volkes gehoben wird, wie es schon unser Erfurter Programm verlangt. Darum fordern wir die Einheitsschule mit gemeinsaniem Unterbau, Unentgeltlichkeit des Schulbesuchs �uiid der Lehrmittel, Gewährung der Unterhaltskosten usw. Praktisch erreichbar scheint zurzeit frei- lich nur die Schaffung einiger hundert Konzessionspennäler; aber deshalb sind unsere Forderungen doch keine Utopien, denn für sie treten in immer steigendem Maße die pädagogischen Autoritäten ein. '— Von der Vorlage sind wir nach der Reklame, die für sie gemacht ist, enltäuscht. denn sie hat auf dem Wege von der Deputation zu uns im Magistrat eine arge Verschlimmbesserung erfahren, und zwar gerade nach der sozialen Seite hin. Die Vorschulen müssen beseitigt, die Klassenfrequenz niuß herabgesetzt, die schulärztliche Organisation vervollkommnet tvcrdon. Nicht gutheißen können wir die obcrfläckliche Art, in der sich W Vorlage mit der Forde- rung der Einheitsschule abfindet. Die Beihilfe, von 300 M. säwint nicht in allen Fällen ausreichend. Die allerernstesten Bedenken erregt aber die Zwcnigsauslese der Schüler, bei der man sich erlaubt. cirnen Unterschied zu machen, je nachdem Schulgeld bezahlt wird oder nicht. Man will, wenigstens bei denen, für die Freischule beantragt wird, auch eine Prüfung der Würdigkeit vor- nehmen. Gegen eine solche Kautschnkbcstimmung muß der euer- gischste Protest erHoven werden; der Urheber dieses Vorschlages bat wahrlich des Geistes der jetzigen Zeit keinen Hauch verspürt! Der Vorlage sind daher eine ganze Anzahl Gistzähnc auszubrechen. Bei den Vorschulen kommt auch in dieser Vorlage der kapitalistische Pferdefuß ivicdcr zum Vorschein. Hier kann es kein Kompromiß geben, Vorschulen sind unnötig und schädlich. Die Beseitigung der Vorschulen, die nur Sperrschulen, Standesschulen, die eine reak- tionäre Schöpfung sind, ist sa doch ein alte Forderung der Frei- sinnigen und der Abg. Ernst hat 1908 im Abgeordnetenhause goldene Worte gesprochen, als er den Antrag aus Beseitigung begründete. — Um als Abschlagszahlung annehmbar zu sein, muß die Vorlage erheblich umgearbeitet und vervollkommnet werden. Stadtv. Dr. Knauer(Linke) begrüßt die Vorlage als einen großen Fortschritt. Berlin sollte diese Gelegenheit benutzen auch ein Reformgvmnasium zu schassen. Tie Würdigkeit und die Ge- sittung s edcs'Schülcrs. nickt etwa nur der Freischüler, zu prüfen, habe die Stadt das allergrößte Interesse. I Stadtschulrat Rcimann: Von uns ist für unsere Pläne keine Reklame gemacht worden. Tie Vororte werden nicht davon ablassen, uns die Steuerzahler auch auf dem Wege der Vorschulen abzu- nehmen, wenn wir aus diese verzichten. Daß der Junge auch eine besondere Würdigkeit besitzen muß, ist doch eigentlich lebstverständ- lich. Auf die Idee des Reformgymnasiums wird später zurückzu- kommen sein. Stadtv. Dr. Tropfte(Linke) verteidigt die Vorschule, die nach der jetzigen Lage der Dinge nicht entbehrt werden könne. Stadtv. Cassel stellt fest, daß der Vorredner mit seiner Auf- fassung in der Fraktion allein steht. Stadtv. Dr. Wcyl: Daß die Unterscheidung nach dem Schulgeld bei der Prüfung der Würdigkeit erst durch den Magistrat in die Vorlage gekommen ist, wird der Schulrat nicht bestreiten. Er hat hier freilich bloß ein Amt und keine Pteinung. Die Vorlage gehl an einen Ausschuß. Die Kricgszulage für die städtischen Arbeiter, Auge- stellten, Beamten und Lehrer soll in den seit l. Dezember 1916 gül- tigen Sätzen vom 1. Juli d. I. ab für Verheiratete(nicht für Ledige) eine Erhöhung und Erweiterung erfahren. Bisher erhalten Verheiratete ohne Kinder bei einem Gesaintdienste-n- kommen bis zu 4500 M. monatlich 25 M., Verheiratete mit Kindern bis zu 16 evtl. 18 Jahren bei einem Einkommen bis zu 6000 M. bei einem Kind monatlich 30 M., bei 2 Kindern 35 M., und so weiter für sedes weitere Kind 5 M. mehr. Vom 1. Juli ab soll folgende Staffelung eintreten: Verheiratete ohne Kinder mit bis 3000 M. Einkommen monat- lich 35 M., mit 3—6000 M. Einkommen 25 M., Verheiratete mit Kindern bei Einkommen bis 3000 M. für 1 Kind 42,50 M., von 3—6000 M. für 1 Kind 32,50 M., von 6—9000 M. für 1 Kind 22,50 M., und für jedes weitere Kind 7,50 M. mehr. Stadtv. Dr. Knaucr bedauert, daß die Lehrer nicht ohne weiteres in die Vorlage einbezogen worden sind und beantragt Ausschutz- beratung. Stadtv. Brückner(Soz.) tritt diesem Antrage bei. Auch den Ledigen gebühre angesichts der steigenden Teuerung eine Erhöhung der Kricgszulage. Die Angestellten, auch verheiratete Pfleger in Krankenhäusern und Irrenhäusern, bekämen an Gehalt und Teue- rungszulagen zusammen weniger als die Zulagen allein für die Arbeiter in manchen Industrien betragen.(Hört! hört!) Hier müsse gründlich durchgegriffen werden. Aehnlich hätten die Bureauange- stellten beiderlei Geschlechts nach wie vor unter den ganz unzurei- chenden Bezügen zu leiden. Der 1. Juli sei für die Erhöhung zu spät; der Termin müsse vordatiert werden. Nachdem auch Stadtv. Hahn für Ausschußberatung gesprochen, wird demgemäß beschlossen und der Ausschutz sofort ernannt. Ihm gehören auch Stadtvv. Barthelmann, Brückner, Glocke, Hinze, Mann (Soz.) an. � Die«äuglingsfür sorge stellen sollen hinfort auch die Behandlung der mit Erbsyphilis behafteten Säuglinge über- nehmen; die Kosten in Höhe von 10 000 M. für das Rechnungsjahr 1917 können aus laufenden Etatsmitteln bestritten werden. Schluß%9 Uhr.__ GroMerlln Die berliner Schulreform. In der gestrigen Sitzung der BerlincrStadtver- o r d n e t e n V e r s a m m l» n g kam es zu einer Aussprache über die Ungleichheit der Bildungsmöglichkeiten für die der- schiedenen Klassen der BeMkerimg. Der Magistratsantrag iibcr Ä c f o r m e n i m h ö h e r c n S ch n l w c s e n, die einer Auslese hervorragend befähigter Gemeindeschuler den Weg zu besserer Schiilbildung ebnen sollen, fand bei keiner Gruppe der Versammlung ganz uneingeschränkten Beifall. Auch Stadtverordneter Cassel, der die Vorschläge des Magistrats als einen großen Fortschritt pries, äußerte wenigstens gegen die Beibehaltung der Vorschule große Bedenken. Die sozialdemokratischen Forderungen zum Schul- und Bil dungswesen wurden vom Genossen Wehl dargelegt. Hinter ihnen bleibt diese sogenannte Schulreform so weit zurück, daß der sozialdemokratische Redner sie mit Recht als ein bloße: Schönheitspflästerchen bezeichnen konnte. Er wies hin auf die an der Vorlage unangenehm auffallende ober- flächliche Art, sich mit der Einheitsschulbewegung auseinander zu setzen. Für die breiten M a f s e n, nicht nur für die Begabtesten, forderte er mehr Bildungs- Möglichkeit. Stadtschulrat R e i m a n n verteidigte den Magistrat und seine Arbeit in einer Erwiderung, die sehr schwach und lahm war. Daß die Vorschule als Sperrschule für Vie Gemeindeschüler wirke, glaubte er bestreiten zu dürfen. Stadtverordneter Tropfte fand sogar den Mut, von Ün entbehrlichkeit der Vorschule zu reden. Die Magistratsvorlog? wurde schließlich einem Ausschuß überwiesen. Beobachtungen und Glossen. Vor meinem Schreibtisch sitzend, starre ich hinaus auf die sonnenbeschienene Slraße. Vor mir liegen Zeitungsausschnitte und beschriebene Blätter. Ich fange an zu vergleichen, zu überlegen und komme zu dem Ergebnis, baß manches nicht so zu sein brauchte, wenn, ja wenn... In einer Notiz in der„Neumärkiichen Volks-Zeitung" nimmt die Redakliou Stellung gegen die Versteigerung der nicht bestell- baren Pakete auf den Postanstalten. Die ohne Adresse vorgefun- denen Pakete, oder solche, die aus einem anderen Grunde nicht bestellt werden können, werden von der Postberwaltung an ihre Beamten versteigert. In der Hauptsache enthalten die Pakete Lebensmittel, die bei der Versteigerung oftmals einen weit über de» Höchstpreis hinausgehenden Erlös bringen. Nicht nur, daß also rationierte Lebensmittel einzelnen über ihr Quantum hinaus zu- gängig gemacht werden, es wird auch von einer Behörde gegen die Verordnung betr. die Höchstpreise verstoßen. Gibt es wirklich keinen anderen Weg, um die Waren vor dem Verderben zu schützen und sie der Allgemeinheit zugängig zu machen? Das Beschaffen rationierter Lebensmittel ohne Karten ist zudem strafbar. Zwei Arbeiter auf einem Flugplatz bekamen Wurst angeboten. In dein Glauben, daß eS sich um AuSlandsware handele und daß deren Beschaffung ohne Karten erlaubt sei, kauften sie ein Pfund zu dem horrenden Preise von 8,50 M. Nach dem Kauf machte einer von ihnen einem Gendarmen Mitteilung, da er glaubte, daß ihm ein Wucherpreis abgefordert worden sei. Der Gendarm erstattete Anzeige; der Staatsanwalt lehnte ein Einschreilen gegen den Ver- käufer der Wurst ab, da dieser keinen übermäßigen Gewinn erzielt habe. Der Arbeiter aber erhielt ein Strafmandat über 3 M., weil er sich Fleischwaren ohne Marken beschafft habe. In einem Vorort wollte eine Frau, die tagsüber einer Be- schänigung nachgehen muß. sich für 20 Ps. Kohlen besorgen. Ob- wohl der Kohlenhändler über einen Vorrat verfügte und auch an andere Leute Kohlen �erkaufte, wurde der Frau die Abgabe von Kohlen verweigert. Sie erstaltete Anzeige beim Kriegswucheramt. Durch den zuständigen Landrat, an den die Sache abgegeben worden war. wurde mitgeteilt, daß die Möglichkeit polizeilichen Ein- schreitens fehle, denn die Kohlenhändlerin habe nur an eine andere Frau einen halben Zentner Kohlen von einer geringen Menge Bruch- kohle, die für den eigenen Bedarf der Händlerin bestimmt war, ab-. gegeben. Kohlenhändler können also nach Belieben von zu ihrem eigenen Bedarf bestimmten Vorräten abgeben, au wen sie wollen, dagegen die Abgabe an Personen, die nickt ihre ständigen Kunden sind, verweigern I Dieser Eindruck wird hervorgerufen, wenn man sich den Bescheid vor Augen hält. Die Lust, Uebertrotuugen zur Anzeige zu bringen, aber wird dadurch nicht gefördert. Am Schlesischen Bahnhof, in der Madaistraße vor dem Fund- bureau, stieß ich auf eine Menschenansammlung. �Beiin Nähertreten gewahrte ich Kleidungsstücke, Mützen, Stiefel, Betten und sonstige im Eisenbahnwagen liegen gebliebene Dinge. ES war wiederum Versteigerung der Fundsachen. Hier, Freund, kannst Du. ohne im Besitze eines Bezugscheins zu sein, alles erstehen, was Du brauchst— wenn Du Geld hast! Die Händler erwerben bei der Versteigerung die Sachen setbstverständ- lich ohne Bezugschein und geben sie auch ohne einen solchen gleich aus der Slraße an Kauflustige ab. Auch ich wollte ein Paar gut- erhaltene Stiefel kaufen. Beim Verhandeln fiel mir jedoch noch rechtzeitig der Strafbefehl gegen den Arbeiter wegen Verstoßes gegen eine gewisse Verordnung ein, und ich unterließ den Kauf. Auch hier eine Behörde, die ungewollt zum Ueber- treten von Verordnungen anreizt. Der Käufer aber kommt in Gefahr, bestraft zu werden. Können die Fundsachen, soweit sie zu den rationierten Dingen gehören, nicht aus eine andrre Art in den Verkehr gebracht weeden? Warum müssen erst die Händler die Sachen erwerben, um sie mit hohem Gewinn loszuschlagen? Ja I Warum? Bis dahin war ich mit meinen Gedanken ge« kommen, als aus dem mittlerweile bewölkt gewordenen Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein erfrischendes Gewitter einsetzte. Ctt Gramm Bratfett in Groft-Bcrlin. In der nächstenjäßoche werden in allen zur Fetlstelle Groß« Berlin gehörenden Stadt- und Landgemeinden außer der gewöhn« lichen Fetlmenge 60 Gramm Bratsetl in fertiger Packung durch die Kleinhändler verteilt werden. Der Verkauf erfolgt gegen Vor- zeigung der Lebensmittelkarte in den einzelnen Gemeinden und Abtrennung eines bestimmten Abschnittes� bei demjenigen Händler. bei dem der Karteninhaber mit seiner Speisefettkarte eingetragen ist. Der Preis für 60 Gramm Braifett beträgt im Klcinverkauf 24 Pf.— In den übrigen nicht zur Fettstelle Groß-Bcrlin gehören- den Gemeinden der Landkreise wird das Bratfett gleichfalls dem- nächst abgegeben werden. Berliner Lebcusmittelnachrichten. Der Umtausch von F l e i s ch k a r t e n findet für die neue am Montag beginnende Fleischkartenpcriode in der Zeit vom Mon- tag bis Mittwoch durch die Brotkommissionen statt. Die Menge der auf die Bezugscheine zu entuebmenden Nährmittel ist mit der auf die Fleischkarteii entfallenden Fleischwochenmenge gleichgestellt worden; sie beträgt also zurzeit auf die Vollkarte 250 Gramm, ans die Kinderkarts 125 Gramm wöchentlich. Ein Anspruch auf eine b e- st i in m t e Art der genannten Lebensmittel besteht nicht. ES werden vielmehr nach Maßgabe der vorhandenen Vorräle entweder Graupen oder Grieß oder Teigwaren geliefert. Umgetauscht werden nur die Reichs fleischkarten; für städtische Fleischkarten findet ein Umtausch nicht statt. Die Ware kann in den durch Aushang kenntlich gemachten Verkaufs« stellen gegen Abgabe des für die betreffende Woche gültigen Bezug- scheinabichnittes gekauft werden. Umtauschberechtigt sind diejenigen, welche sich in die Liste der zuständigen Brotkommission eingetragen oder nachträglich den Umtausch beim Magistrat, Abteilung für Lebensmittelversorgung, bewirkt haben. Anträge derjenigen Ein- wohner, die sich bisher noch nicht zum Umtausch gemeldet haben, können nicht mehr berücksichtigt werden, da die hierfür znr Verfügung stehenden Vorräte mit Rücksicht ans die große Zahl- der Ve- reits vorliegenden Anmeldungen dies nicht zulassen.'T. Wo noch Kartoffeln sind! Der Landrat zu Will o w o in Posen bat sich an daS Arbeitslos cnamt der Stadt Leipzig gewendet, damit ihm dieses männliche Arbeiter zu landwirtschaftlichen Zwecken überweist. Diese sollten außer freier Wohnung einen Tagelobn von 1,90 bis 2 M., V? Liter Mager- und Vollmilch, 2 Pfund Grütze und fünfundzwanzig(!) Pfund Kartoffeln in der Woche erhalten. Das ArbeitSlosenanit berichtete, daß der Arbeits- Nachweis männliche Arbeiter jetzt überhaupt nicht zuweisen könne; außeldem sei der angegebene Lohn zu gering, da die Arbeiter zu einem großen Teil sich selber die Kost beschaffen müßten. Da ver- mullich der Lohn für Arbeiterinnen noch geringer sein werde, sei eS wohl ausgeschlossen, daß sich weibliche Arbeitskräfte bei dem jetzt ohnehin geringen Angebot entschließen würden, derartige Arbeilen anzunehmen. Wir gönnen natürlich den landwirtschaftlichen Arbeitern in Posen ihre 25 Pfd. Kartoffeln wöchentlich, meinen aber, daß dieser Vorgang der zuständigen Reichsstelle einen Fingerzeig geben lönnte, wo noch Kartoffeln für die Städte zu holen sind, zumal da ja auf dem Lande neben dem Kärtofsclreichtum auch noch andere Lebensmittel besser und wohlfeiler zu haben sind als an den Jndustrieplätzen. Techniker als Groft-Bcrliner Gemeindeschöffen. � In leitende Stellungen der Gemeinden sind in letzter Zeit neben den Juristen auch die Techniker immer häufiger berufen worden. Auch in Groß-Berlin sind Architekten und Ingenieure be- reits in leitenden Stellungen der Gemeindeverwaltungen tälig. Techniker als Bürgermeister haben wir allerdings in Äroß-Berlin noch nicht. In den Landgemeinden war es bis vor einigen Jahren Brauch, zu Beigeordneten(zweiten Bürgermeistern) und besoldeten Schöffen ausschließlich Juristen zu wählen. Die wachsende Be- deutung der Technik für die Kommunalverwaltung hat auch bei den Landgemeinden hierin Bresche geschlagen, und in mehreren Groß- Berliner Gemeinden können wir Techniker als besoldete Gemeindeschöffen verzeichnen. In L i ch t e r f e I d e ist der Gemeindebaumeister Tietzen Mitglied des GcmeindevorstandcS, in N i e d e r s ch ö n h a ii i e n ist es der Gemcindebaumeister Richard Schulz. Erst vor kurzem hat die Gemeindevertretung von Britz den dortigen langjährigen Gemeindcbaumeister Baurat Grotgan zum besoldeten Schöffen gewählt. Der jüngste Fall dieser Art ist die Schöffenwahl in Friedrichsfelde, wo der Geineiiidebaumeister Gogcr�zuin Beigeordneten und besoldeten Schöffen gewählt worden ist. Für diese Wahl war eben die Tatsache entscheidend, daß die Technik für die Gemeindeverwaltung von Jahr zu Jahr größere Bedeutung gewinnt und daß ein technischer Oberbeamter gerade auf den Gebieten der Bau- und Werksvcrwaltungeu den Bürgermeister am ehesten entlasten könne. Aus dieser Erwägung heraus hat auch die Gemeinde Mariendorf grundsätzlich beschlossen, die Stelle eines Beigeordneten nicht, wie früher beabsichtigt, mit einem Juristen,. sondern mit einem höheren Techniker zu besetzen. Das Kricgs-Bckleidungsamt des GardckorpS teilt mit, daß es in Anbetracht der fetzigen teuren Lebensverhältnisse für die weitere Dauer des Krieges die Löhne für fast sämtliche Bekleidungsstücke um einen Kriegszuschlag erhöht hat, der unverkürzt durch den Arbeitgeber an den letzten Arbeiter zu zählen ist. Die Verzeichnisse der neuen Preise gehen den in Frage kommenden Ver- bänden usw. zu. Jeder Arbeitgeber ist vertragsmäßig verpflichtet, ein Verzeichnis der Arbeitslöhne im Arbeitsraum und in der Aus- gabestelle auszuhängen. Das Erste Rachmittagsheim für verwundete Krieger, welches während des Winters in der Leipziger Str. 75/76 war, wird sich von Freitag, den 8. Jmri, ab wieder im K r o l l s ch e n Garten am KönisZplatz befinden. DaZ Heim bestefit seit Anfang deZ Kriege- und Hat schon über 400 000 verwundeten Feldgrauen in den Nach- Mittagsstunden von 3—6 Uhr Erfrischungen und Unterhaltung ge« boten. Die Soldaten erhalten unentgeltlich Zigarren, Ziga- retten, sowie warme und kalte Getränke. Spiele jeglicher Art stehen ihnen zur Verfügung. Kapellen sorgen abwechselnd für musikalische Unterhaltung. „Der Wahre Jacob" gelangt heute zur Ausgabe. Ein Boltskonzert des Philharmonischen Orchesters findet am heutigen Freitag, den 8. Juni, in den Konkordia-Fesliälen, Andreas- straße 6t, statt. Beginn de- Konzert- 8 Uhr, Kasseneröffnung 7 Uhr, Eintrittspreis 30 Pf. Die gute Seele. In der Landsberger Strasie wohnt ein Ehe- paar H. Der Mann ist. etwas gelähmt und kränklich. Seine Frau führt ihn zur Erholung öfter noch dem Friedrichshain. Hier lernte das Paar einen Mann kennen, der sich.Doppelstein" nannte. Er zeigte Mitleid mit dem Kranken und erbot sich, der Frau die Last der Führung abzunehmen, weil sie ja ohnehin in ihrem Haushalt genug zu ruu habe. Diese? Anerbieten wurde mit Dank angenommen. Das Ehepaar zeigte sich auch erkennilich und lud die gute Seele wiederholt zu Gaste. An einem schönen Sonntag beschloß man einen gemeinsamen Dampserausflug. An der Jannowitzbrücke wollte man sich treffen. DaS Ehepaar kam schon frühzeitig, um sich einen guten Platz zu sichern.„Doppelstein" traf erst später ein und er- klärte, daß er rasch noch einmal nach der Kasse laufen müsse, um sich eine Karte zu kaufen. Er kehrte aber nicht zurück, und daS Ehepaar, das ohne ihn den Ausflug nicht machen wollte, stieg im letzten Augenblick vor der Abfahrt wieder ab, um nach Hause zu wandern. AlS es dort eintraf, fand es die Wohnung erbrochen und ausgeräumt..Doppelstein" war seitdem spurlos verschwunden. Jetzt ist er in einem Eisenbahnzuge auf der Fahrt nach Flensburg festgenommen worden. Um drei Preßkohlen! Laute Rufe.Haltet ihn!" ertönten Mitt« woch mittag gegen 11 Uhr am Boddinplatz in Neukölln. Bald da- rauf tauchte aus den Anlagen de- Platze- ein 11- bis 13 jähriger Schüler in eiliger Flucht auf, gefolgt von einer Schar gleichaltriger Knaben und der steiS wachsamen Polizei in Gestalt eines Herrn Polizeileutnants im Laufschritt. Ter jugendliche Missetäter hätte mit seiner Flucht beinahe Glück gehabt, wenn nicht plötzlich ein paar in entgegengesetzter Richtung kommende Schüler sich ihm entgegen- geworfen und dadurch die Festnahme ermöglicht hätten. Was war nun der Grund der aufregenden Jagd? Der Junge hatte angeblich drei Preßkohlen gestohlen, die er während der Flucht und auch bei der Festnahme krampfhaft umklammert hielt. Den Eifer der Polizei in allen Ehren: aber wäre die aufgebrachte Anstrengung nicht einer bessern Sache würdig? Wege» 3v Pfennigen jahrelang gesucht. Tor dem Pots- damer Schöffengericht sollte sich der Hausdieuer W. wegen JorstdiebstohIS verantworten. 23. stahl am 23. Oktober 1912 aus der Potsdamer Forst Kranzmoos, welches einen Wert von sage und schreibe 30 Pfennigen hatte. Um diese Kleinigkeit suchte das Gericht nach dem Angeklagten jahrelang. Endlich wurde er in Neukölln entdeckt. Er zog es aber vor, wegen 30 Pfennigen nicht vor Ge- richt zu erscheinen. ES wurde daher ohne ihn verhandelt. Das Potsdamer Schöffengericht verurteilte ihn zu 1,S0 Mark Geldstrafe und 30 Pfennig Wertcrsatz. Mußten wegen dieser Bagatelle ein Gendarm, zwei Schöffen, ein Amtsanwalt und ein AmtsgerichtSrat rhre kostbare Zeit verschwenden? Durch die Decke eines BetsaleS drangen Einbrecher auf dem Grundstück Franseckistraße 12/13 in die Geschäftsräume eines Kauf- mannS ein, erbrachen dort das Geldspind, stahlen gegen 2000 Mark und verschwanden mit der Leute auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren._ Neukölln. LebenSmittelnachrichten. Die Ende dieser Woche aus- gegebenen Fleisch karten sind zwecks Abstempelung und Vergleichung mit der Kundenliste am DirnStag von 8—12 uud 4—8 Uhr in den Fleischverkaufsstellen vorzulegen. Haushaltungen, welche am Diens« rag ihre Fleischlarten nicht vorlegen, werden bei dem nächsten Fleischverkauf nicht mehr berücksichtigt und in der Kundenüste ge strichen., In den städtischen Verkaufsstellen kann von den Inhabern der Serien I und ll, letztere doch nur mit dem Anfangsbuchstaben A bis L kondensierte Vollmilch oder sterilisierte Milch entnommen werden und zwar für jede Fleischkarte für Erwachsene entweder eine Dose kondensierte Vollmilch oder eine Flasche sterilisierte Milch. Verkaufstage: Heute für Inhaber der Hausballungskarten Serie I, morgen für Inhaber der Haushaltungskarten Serie II A— L. HaushaltungSkarte und Fleischkarten für Erwachsene sind beim Verkauf vorzulegen. Der Berkaufspreis beträgt für konden- sierte Vollmilch 1,10 M. je Dose, sterilisierte Milch 1,25 M. je Flasche. Der Berkauf an die übrigen Personen wird noch besonders bekanntgegeben._ Schöueberg. Die Mietbcihilfe für die Hausbesitzer. Der Magistrat ist dem Beschluß der Stadtverordneten, Mietbeibilien bei einem steuerlichen Einkommen des Hausbesitzers bis zu 3000 M. von der Verpflichtung zur Gewährung eines Nachlasses nicht mehr abhängig zu machen, nicht beigetreten. Abgesehen von der großen finanziellen Belastung, die hierdurch verursacht werden würde, hält der Magistrat bei der Art seiner Regelung, wonach Mieteschulden den Schöne- berger Kriegern nicht erwachsen, daran fest, daß auch der Haus- besitzer durch Gewährung des Mietnachlasses dazu beiträgt. Um jedoch dem Wunsche der Stadtverordneten entgegenzukommen und mit Rücksicht auf die immer länger dauernde Belastung des HanS- besitzes ist der Magistrat bereit, auf Antrag eines Hausbesitzers, der zu einem Steuersatz von nicht mehr als 52 M. veranlagt ist, die Mietbeihilfe nur»och von der Gewährung eines Nachlaffes von fünf Prozent(statt bisher von 10 Proz.) abhängig zu machen. Der dadurch entstehende Ausfall wird auf die Stadtkasse über- nommen. — Förderung begabter Bolksschüler. Der Stadtverordneten- Versammlung ist zur nächsten Sitzung ein Antrag der Liberalen Fraktion zur Förderung begabter Schüler von Volks« und Mittel- schulen zugegangen. Der Magistrat wird darin um eine Vorlage ersucht über Maßnahmen zur Erlangung von Berechtigungen von Schülern, die die Schöneberger Mittelschul« mit Erfolg besucht haben und über Maßnahmen für den Nebergang solcher Mittelschüler in höhere Lehranstalten. Ferner wird der Magistrat ersucht, in Er- wägung zu ziehen, ob die von der Stadt Berlin beabsichtigte Förde- rung begabter Schüler der Volksschulen nicht auch für solche Schöne- berger Kinder im Verein mit Berlin oder anderen Nachbargemeinden durchführbar ist. — Erhöhung der Bezüge der Hilfsarbeiter. Die sozialdemo- kratische Fraktion hat einen Antrag eingebracht, die Arbeitsentschädi- gung aller Hilfearbeiter und Hilfsarbeiterinnen zu erhöhen. Als Grundlöhne, auf den Tag gerechnet, sollen gelten: Anfangslohn 6 M., nach sechsmonatiger Beschäftigung 7 M. und nach zwölfmonatiger Beschäftigung 8 M. — Verteilung von Schmalzersatz. Der Magistrat verteilt von Ende dieser Woche ab an jeden Einwohner auf Abschnitt 31 der Lebensmittelkarte 100 Gramm ausländischen Schmalzersatz, be- stehend aus Schweinefleisch und Schweinefett ohne Beimischung für eine Mark. Die Ware wird ohne Voranmeldung in etwa 150 Ge- schönen abgegeben. Die Händler sind angewiesen, das Eintreffen der Ware durch Aushang eines vom Magistrat gelieferten Verkaufs- anschlageS der Bevölkerung bekanntzugeben und sofort danach mit dem Verkauf zu beginnen. Vom 13. Juni ab gibt die Auskunft-- stelle— Neues Rathaus. Zimmer 261— mündlich und am Fern- sprecher Auskunst, wo noch Ware vorhanden ist. Die Ware reicht zur Befriedigung aller Einwohner, daS Anstellen ist daher zwecklos. Spandau. Hauswirte gegen die Kleinviehhaltung. Der Magistrat schreibt: Es wird von der hiesigen Arbeiterschaft lebhaft Klage darüber geführt, daß ihnen von Hausbesitzern oder deren Wer- tretern große Schwierigkeiten bei der Kleintierzucht(Halten von Hühnern und Kaninchen) gemacht werden. Da die Hebung der Kleintierzucht bei den jetzigen schwierigen LebenSmittelverhälrnissen von großer Bedeutung ist, werden die Hausbesitzer dringend ersucht, daS Halten von Kleinvieh bei den Mietern in jeder Weise zu unier- stützen. Friedrichsfclde. teil Friedriw-feldc straßc 2, statt. Die AuSgabe der Zusatzbrotkartcn für den Orts- findet von jetzt ab im Parkwirtshaus, Schloß- Mus aller Welt. Wieder ein Waldbrand in der Rathenower �orst. Ein großer Waldbrand, dcr sich über eine Fläche von vierzehn Hektar erstceckre, wütete am Dienstag in der Rathenower Stadtforst. Da- Feuer brach in den frühen Nachmittagsstunden in den Jagen 37 und 38 zwischen der Kleinbahn und der Slechower Chaussee aus und nahm schnell eine große Ausdehnung an. Zur Bekämpfung de» Waldbrandes mußten außer der Feuerwehr und den Forst- beamten auch Mannschaftsabordnungen der Rathenower Garnison aufgeboten werden. Aber erst gegen 6 Uhr abends gelang eS den vereinten Anstrengungen, dem Element Einhalt zu gebieten. In einer Ausdehnung von mindestens sieben Hektar ist eine 35 jährige Kiefernschonung vernichtet worden und in sechs Hektar Umfang ist der Bodenüberzug im Kiefernholzallbestand verbrannt. Infolge Mangels an Wasser konnte der Bodenüberzug nicht einmal abge- löscht werden und schwelt daher fort, was eine weitere schwere Schädigung des Baumbestandes bedeutet. Fast an derselben Stelle war erst vor einigen Tagen ein großer Brand au-gebrochen, bei dem sechs Morgen Holzbestand vernichtet wurden. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (V. a. G. Hamburg). Filiale Baumschulenweg. Den Mü- gliedern, die in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß Sonnabend, den 9. Juni, abends von 81/,— 10 Uhr, im Lokale von Boich, Elsenflraße 101, Ecke Kicjholzstraße, kaifierl wird. Slllgemeine Familienfterbekasie. Sonntag, den 10. Juni: Zahl- und Aufnahmetaa von 3— 6 Uhr im Restaurant Gerichtstr. 12/10: am Sonnabend, den 16. Juni, in Wildau,.Bild au er Hof", von i—ö'h Uhr. Sriefkaften öer Expeüition. Die iuristische(Sprechstunde findet für Abonnenten Linde»?».?, 1. Haf lints, parterre, am Montag bis Freitag von t bis 7 Uhr, am Eonnabend von 5 bis 6 Ul>r statt. Jeder für de» Briefkasten bestimmten Anfrag» Ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Brieslichc Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine AbonnementSauitlung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trog« man in dcr(Sprech- stunde vor. Bcrtriige, Echrisistäcke und dergleichen dringe man in dir Edrech- stunde mit. Goldstei». Ziethenftr. 32. Der DienstverN ag, der mit Ihrer Schwester abgeschlossen wurde, gilt jedenfalls bis 1. Oktober, er kann des- halb vor dem Termin nicht gekündigt werden und kann trotz Eintritt dcr sSroßjährigkeit vor dem angegebenen Termin nicht gelöst werden.— Maricildorf 18. Landsturmpslichtig, Kramviadcrbrüchc.— Z. 10«. 1. Kann auch nach Monaten erfolgen, sofortige Nachricht empfiehlt sich aber. 2. Die Mutter sollte benachrichtigen. 3. Von der Löhnung kann dafür nichts in Abzug gebracht werden. Zadlung ist erst nach Austritt aus dcr Heeres- Pflicht zu verlangen. Für das Kind wird, wenn die Vaterfchast ancrlannt wird, doch Unterstützung gezaylt.— Tanz. Die Unterstützung kann in dem Falle nicht entzogen werden.— E. S. 93. 1. Die Todeserklärung kann erst nach Abiaus eines Jabres erfolgen. 2. Nein.— E. Ä.. Schöneberg. Lungen- und hcrzleidend, dienstunbrauchbar.— R. B. 48. Rein. — Eharlottcnburg 3. Der Bescheid ist zutreffend, nur die aktive Dienst- zeit komm! in Frage, nicht die Kapitulantenjahre.— K. T. 20. 1. Rein. 2 Ja. 3. Dafür bestehen keine bestimmten Sätze, das unterliegt der freien Vercinba rung eventuell der Entscheidung deS Gerichts. Wir würden 100 bi- 150 M. für angemessen erachten.— M.®. 14. DaS Mädchen könnte dafür nur bailbar gemacht werden, wenn nachgewiesen werden kann, daß das Tier deshalb eingegangen ist. Es fragt sich aber, ob von dem Mädchen etwas zu haben ist.— A. B. 100. Wenn dcr MietsoerNaz nur vom Manne unterzeichnet ist, muß diesem die Kündigung zugestellt werden.— P. K. 3. 1. Vom Ernährungsamt der Stadt Bertin, Fischer- straße 30/42. 2. Ja.— M. M. 100. Die Rückzahlung erfolgt nicht.— E. K. 33. Wiesbaden; der jefnge Stand ist uns nicht bekannt.— T. C. Ihre Fragen lassen sich mit Bestimmtheit nicht beantworten, da dies- bezügliche Feststellungen und Beobachtungen bisher nicht möglich waren. B.»et»erauSfictiten«nr das mittlere Rorddeuti-vlaud diS (Zonnab end mittag. Vorwiegend heiter bei wenig veränderten Teinpc- raturen: im Westen ziemlich zahlreiche, östlich dcr Oder mehr vereinzeUe Gewitter. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. MS weUere Opfer deS Weltkrieges verloren wir nachstehende Kollegen: ROtlörf Graf, Buchbinder, geb. S. 8. 1876 Warnsdorf. Bruno Sommer, B«»«»»-?, g-d. 1. 1 18?? Leipzig. OttO Haberland, Buchbinder, geb. 27. 1. 188Z Luckenwalde. Vilhelm Hinze, geb.?. e. me MalH-w. PaQl KOeppen, Galanteriearbeiter, geb. S.2. 1879 Nekßenfee. PrltZ DObbertln, Buchbinder, geb. 5. 4. 1865 Dcmmln. Georg Pietrucky, Buchbinder, geb. 6. 2. 1888 Jarotschin. Wir werden allen ein ehrendes Andenken bewahre«! 26/5 vlv Oi-tsvvi'rvaltaiie. OeDtseherlletallarbelter-Verliaiiil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbeiter �osek �sliscküssel Neukölln, Weisestr. 13 am ö. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 0. Juni, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- Halle des Jakobi- Kirchhofes in 'Neukölln, Hermannstraßc, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Kollegen serner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Dreher Zrost Horibedk Reich enberger Str. 7, am 2. Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenke« k 176/11 Tie Ortsverwaltung. Dsiiksszunx. Für die vielen Beweis- herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres Sohnes und Bruders Vübeim Bartseh sagen allen Beteiligten unfern herz- lichsten Dank, insbesondere dein Männerchor»Neuköllner Liedertafel 1913". 11721 Familie Bartsch. Ein Opfer dieses entsetzlichen Weltkrieges wurde am 22. Mai durch Granaten einschlag unser lieber, unvergeßlicher Soh»! und Bruder, der Musketier Biuviio Dams im noch nicht vollendeten 20. Lebensjahr. 4763L In tiefem Schmerz Wilh. Tains, Schlegelstraße 9, Wilhelminc Tains geb. Kntte als Eltern. EmmiBlankcnburggcb.Dams, Willi Tams. zurzeit in Gesangenschast, Erich Tams, als Geschwister. Karl Blankenburg. zurzeit im Felde, als Schwager. Wir kennen nicht die Stätte, cho er starb, Wir koiinlen nicht den bleichen Mund ihm küssen, Doch dich, Natur, schenk' nnserm Ruf Gehör. Dich bitten wir: Streu Blumen um ihn Herl Nachruf. Als Opser dieses Welllrieges fiel am 22. Mai unser lieber Kollege und Mitarbeiter Bruno Dams Schlegelstr. 9 im Alter von kaum 20 Jahren. Wir werden ihm cm ehrende- Andenken bewahren. Müitei'-.Iiipd Berlin. Kekanntvmchung. Im Juli dieses Jahres findet, von bestimmten Einzelfällen abgesehen, eine Ablesung unserer Elek- trizitätszähler nicht statt. Der Juli-Stroniverbrauch wird zusammen mit dem Verbrauch im Monat August des Jahres berechnet werden. 47/5 Direktion Coninx. Brühl. Ein wirtschaniieher Aufsehvung unseres Handels u. der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tiefgreifende Aende- rung unseres gesamten öffentlichen Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte KräHe gesucht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prü- fung u. das Abitur.-Exameu nachzuholen oder die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreff). Allgemeinbildung sich anzueignen, bietetdie Selbstunterrichts• Methode„Rustln". Ausffihri. 60 S. starke Broschüre kostenlos durch Bonness&Hachfeld, Potsdam Postfach 224. 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Schemmel. Petzo«. Ackermann. Mau. RUhl. Schart. Gellwltzki. (Stempel.)___ Genehmigt. Tbarlottenburg, den 24. Mai 1917. Königl. Oberveriiederungsamt Grotz-Berlin. von DostkowSki. (Stempel.) Nr. B. K. 265/17. Veröffentlicht. Berlm, den 6. Juni 1917. Allgemeine Ortskrankeakafie Siiederbarnim. K ü h n, Vorsitzender. Nr. Z. 1502/17. 277/9 Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G.m.b.H.- Berlin SW.68, Lindenstr. Z Victor Scheffels Werke Ekkehard- gebd. Mark 1,50. Trompeter von Säctingen- gebd. Mk. 1,20. Gaudeam«»- gebd. Mk. 1,—. Frau Aven- tiure- gebd. Mk 1,20. Juni- perus- gebunden Mark 1,20. Scheffel« sämtliche Werke (Z Bände) gebd. Mk.«,—. Neue billige Ausgaben: Raabe, Der Hungerpastor- gebd. Mk. Z,—. Nietzsche- Zarathustra, gebd. Mk. 3,—. ttt. 154— 1�17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Ireitag, S. Juni yMs öas Volk öle Saftille schleifte. Solange es Baslillen 3»[türmen, zu beseitigen gilt, Tatsachen und Symbole der Reckitsungleichheit, solange hat die Tat des lt. Juli 1789 ihr lautes Echo in den Zeiten. Was mit jenem Er- eignisse zusammenhängt, übt noch heule mächtigen Zauber aus. Un- längst sind aus dem Nachlaß eines deutschen Denkers und Staats- mannes, dessen Name aus der Nähe Schillers, Fichtes, Goethes, Steins und Scharnhorsts herüberglänzt, Tagebücher veröffenilicht worden, deren eines Eindrücke von einer Reise nach Paris, unrer- nommen im Sommer jenes großen Jahres 1789, enthält. W i l- beim von Humboldt, der Bruder des großen Naturforschers und Weltreisenden, hat diese Aufzeichnungen geschrieben: als junger jähriger Mann und in der Begleitung jenes Joachim Heinrich Campe, der ein gerühmter Erzieher war und dessen Verdienste um die Klärung und Bereicherung der deutschen Sprache erst jüngst iür viele aus der Vergessenheit gerissen wurden. Daß er, der ein Er- zieher zum Selbstvertrauen genannt werden darf, der französischen Revolution zugetan war, machte ihn für einen ideal gerichteten Jüngling wie Humboldt zu einem sehr geeigneten Führer. In den ersten Augusttagen durchwanderten die beiden die Straßen und Plätze von Paris, zu einer Zeit also, als die Seinestadl noch in- mitten der ersten Zuckungen der Revolution und unmittelbar unter dem Eindruck des Bastillesturmes stand. Am 9. August buchte Humboldt, was er empfand, als er die Trümmer der vom Pariser Volke eroberten und niedergestreckten Zwingburg sah. Ein breiter Kreis lese heute, was er, von dem Anblick hingerissen, schrieb. Hier ist eS: »So ist denn Linguets Weissagung ersüllt, die Bastille liegt in Trümmern, und an ihre Stelle tritt ein Denkmal der endlich siegenden Freiheit. Man arbeitet mit unglaublicher Geschwindig- keil an ihrer Zerstörung. Mehrere hundert Menschen sind täglich damit beschäftigt; nur Sonntags kann man hingehen, die Ruinen zu besehen. Alles war voll Menschen, von der Spitze der Mauern an bis in die tiefsten Gewölbe hinab. Jeder drängte sich, mit frohem Stolze die Stellen zu zeigen, wo man zuerst an- griff, eindrang und endlich den verräterischen Gouverneur gefangen nahm. Wenn man den tiefen Graben, die überall mit dickem Eisen befestigte Zugbrücke, die ungeheuren Mauern, die wegen der Höhe so vorteilhafte Stellung der Besatzung, und den engen Platze zum Angriff selbst sieht, so ist es beinah unbegreiflich, ivie ein Haufe schlecht bewaffneter Bürger, ohne Anführung, den Platz einnehmen konnte. Nur der Verzweiflung war dies schwierige linternehmen möglich. Der. welcher zuerst in die Bastille drang, war ein Grenadier der Garde, Eli. Er schlug zweimal das Kreuz St. Ilonis aus, das man ihm zur Belohnung antrug, nahm aber 10 000 Livres jährliche Pension von der Stadt, und den Titel .Edler der Baslille" an. Jetzt wird er von allen Bürgern geliebt, bewundert, vom König selbst geehrt. Siegte die Partei der Despoten, so starb er auf dem Rade. DaS Innere der Bastille ist schaudervoll. Viele Gesängnisse haben beinahe gar kein Licht. Nur von oben, ein paar hundert Fuß tief, fällt es ein. Ueberall findet man in den Stein gehauene Nomen der Unglücklichen, die zum Teil da ihr Leben beschlossen. Aber besonders reich an Inschriften waren die Türen und Möbel. Ich las mehrere. Fast alle waren Klagen, Beschuldigungen teils der Aufseher, teils derer, deren Verleumdung fie für die Ursache ihrer Einkerkerung hielten. Nur eine einzige Tür fand ich, auf der ein Lob deS Gouverneurs stand, und vielleicht war auch das nur ge- schrieben, damit der Kerkermeister es lesen und der geschmeichelte Stolz das Schicksal des armen Gefangenen mildern möchte. Wäre der Gouverneur ein edler Mann gewesen, hätte er nur Mitleid und Menschenliebe gekannt, so hätte ihn die Zerstörung der Bastille un« sierblich machen können. Man würde auf den traurigen Ueber- bleibseln, wie jetzt seinen Fluch, so seinen Segen lesen.... Als eine Festung des Mittelalters ist die Bastille ein schönes Gebäude, und es ist ganz wahr, was ich in einem französischen Schriflsteller las, daß fie ein treffliches Muster für den Künstler sein würde, der ein.schönes Grausen" malen wollte. In dieser Rück- ficht sieht man die Zerstörung mit bedauerndem Auge an. Aber doch war sie lange unentbehrlich. Es war das eigentliche Bollwerk des Despotismus, nicht bloß als ein grauenvolles Gefängnis, sondern auch als eine Festung, die ganz Paris beherrscht. Als Bassompierres in der Bastille saß, las er einmal in der Bibel, der Gonverneur fragte ihn, was er darin fachte..Ich suche," erwiderte er,.einen Weg, um hier herauszukommen." Schwerlich aber würde die Bibel— man redet doch nur von einem Buch, insofern es ver- standen und erklärt zu werden pflegt— den herrlichen Ausgang gezeigt haben, den jetzt der Mut der Bürger, zuerst von Verzweiflung angefacht, dann von edlem Freiheitssinn genährt, fand. Die Ideen von verdienstvollem, geduldigem Leiden, das ewige Einblicken auf künftige überirdische Erwartungen, die dem Christentum so sehr eigen sind, drücken die widerstrebende Kraft des Menschen, auch seinen Sinn für Freiheit, zu sehr nieder." Dies Blatt von der Bastille, ein Zeichen des Aufatmens. wie es ein Mensch erlebt, der aus einer Umwelt voll Ducken und Be- drückung plötzlich ins Helle kommt, lag in den Handschristen ver« graben, die im Schlosse Tegel bei Berlin aufbewahrt wurden. Die jetzt für die von der Berliner Akademie der Wissenschaften ver- anstaltete, bis zu 14 starken Bänden gediehene Ausgabe der Schriften Humboldts macht fie allgemein zugänglich. Humboldt ist nicht einer, der als ein groß Lebendiger aus der Vergangenheit in unsere Zeit ragt, wie sehr auch Wissen- schafl und Geschichte wissen, was er, zumal als Sprachforscher und Staatsmann, geleistet hat. Aber gerade in diesem Jahre und weiterhin wird man wohl von ihm vor einer breiteren Oeffentlich- kcit häufiger reden als bisher, denn er gehörte zu denen, die sich ideal gesinnt mühten, dem preußischen Volke nach dem großen Er- lebniS von 1813 zu verschaffen, wozu es sich nach Jabren beispiel- loser Leiden der Knechtung und des Krieges mit höchster vater- ländischer Opferbereitschaft staatsbürgerlich reif gezeigt hatte. Was Humboldt im Schlußsatz seines Bastilleblaites so tief an den Deutschen beklagte, den Glauben, daß geduldiges Leiden ein Ver- dienst sei, das erschien 1813 überwunden. Nun legte er mit Hand an, daß das alte Preußen aus der Asche der Kriegsschäden sich als ein verjüngter, umgewandelter, neuer Staat erhebe. Ein Teil einer deutschen freiheitlichen Einheit sollte es werden. Das Ziel Steins, das die Gleichberechtigung aller Stände auf bürgerlichem und militärischem Ge- biete aussprach, war auch Humboldts Ziel, und es ist erwachsen aus dem Geiste jener Zeit, in der die Zerstörung der Bastille das Be- wußtsein des Volkes von seiner Kraft über Frankreichs Grenzen hinaus gewaltig geweckt und gemehrt hatte. Humboldt, der Mit arbeiter Steins, der preußische Diplomat und Minister, der sich vom weltbürgerlichen Idealisten in Tagen schwerster Nor zum nationalen Praktiker entwickelte, erfuhr aber an seiner Arbeit, wie wenig es für den Fortschritt zu dem gewollten großen Ziele genügt, daß ein durch ideale Bildung mächtiger Geist die Staatsarbeit in die Hände nimmt. Sein edler Glaube, daß Philosophen die be- rufenen Staatslenker seien, sollte die preußische Reaktion in ihrer ganzen Verstocktheit gründlich kennen lernen. Gerade in den Jahren der politischen Arbeit Humboldts fing fie an, jene Form des Widerstandes gegen die neuen Ideen zu schaffen, die zur Plage eines Jahrhunderts werden sollte. Sechs Jahre nach dem Aufruf an das Volk, der im Anfang der Ereignisse von 1813 steht, half sie das Büttelgesetz der K a r l s b a d e r tB e s ch l ü s s e ausrichten, und auch Humboldt, der gegen diesen Gewallstreich, der zugleich ein schmählicher Wortbruch war, angekämpft hatte, mußte seinen Platz aufgeben. In der Arbeit aber, in die er seine Kraft einschoß, haben wir den Glauben wirksam, der in den Jahren der großen französischen Ereignisse in ihm heranreiste. Humboldt hat an die räumlich und zeitlich fortwirkende Kraft des Guten geglaubt, das eineLicvolution, wie er sich äußerte, von oft entlegener Stelle aus in andauernde, unabsehbare Bewegung setzte. In diesem Sinne empfand er den Sturz der Bastille, den er in den Jugendtagen.unentbehrlich" nannte, schließlich als eine befreiende Tat nicht nur Frankreichs, sondern mehr und mehr der Welt. Revolutionäre Ereignisse von so elementarer Wucht wie die von 1789 haben menschenbildende Kraft, die sich im Wesen und Handeln ganzer Generationen äußert. Wie Schiller und Fichte diesen Einfluß erfuhren, so auch Wilhelm von Humboldt, ihr GeisteSgefähne. In jenem Pariser Tagebuch- blatt atmet aber eine Stunde, die dielen Einfluß am Werke zeigt, und deshalb soll das Blatt uns wert sein. fohlen. Vorzüglich sind die Bilder de? Buches, zahlreiche aus- gezeichnete photographische Abbildungen, die unS alle vorkommenden Seefischarten in anschaulicher Weise zeigen und auch über das Aussehen der schon bekannten Fische manchen Zweifel beheben. Mit großem Interesse betrachtet man die wohlgelungenen Bilder der off recht merkwürdigen Fische, deren Aussehen uns oft wenig bekannt ist. Ueber den Nährwert der Seefische, besonders über den Eiweiß- und Fettgehalt, der bei den verschiedenen Arten ein sehr ver- schiedener ist, gibt uns der Text des Buches wertvolle Aufklärung. Auch über die verschiedenen Laichzeiten und die geeigneten Ver- Wendungszeiten. Als Ergänzung des Seefisch-Bilderbuches kann ein im gleichen Verlag— bei W. Möser, Berlin— erschienenes Seefisch- Kochbuch dienen von Elise Hanncmann, Vorsteherin der Koch- schule und der hauswirtschastlichen Seminare des Lettc-Vcreins, Berlin(Preis 40 Pf.). Die als Autorität auf dem Gebiete der Kochkunst geltende Verfasserin gibt aus ihrem reichen ErfahrungS- schätz viel wertvolle Anregung und Belehrung, die vielen, gerade für Fischzubereirung, willkommen sein wird. Seefische. Seit kurzem gibt eS wieder Seefische— frisch, geräuchert. mariniert, gesalzen oder sonstwie— und in jeder Form bilden sie für unsere kärglichen Kriegsmahlzeiten eine langentbehrte, erfreuliche Bereicherung und Abwechslung. Die Kriegszeit, der wir so viel Umlernen und manche Erweite- rung unseres Wissens verdanken, hat uns auch allerlei neue Fisch- arten auf den Markt gebracht, die man früher hier im Binnenlande kaum dem Namen nach kannte, die aber für unsere Ernährung ebenso wohl geeignet sind als die bisher gebräuchlichen Arten. In grotesken Formen, oft schreckhaft groß, sieht man die un- bekannten Tiere in den Fischständen liegen und kopfschüttelnd stehen die Leute vor den fremden Ungeheuern. Man graust und fürchtet sich beinahe vor ihnen und doch ist ein Versuch fast ausnahmslos lohnend und wohlschmeckend. Ein vortreffliches kleines Büchlein— es nennt sich.Seefisch- Bilderbuch", herausgegeben vom Deutschen Seefischereiverein und verfaßt vom Generalsekretär des Vereins, Prof. Dr. H. Heuling, Preis 25 Pf.— sei an dieser Stelle als Führer und Berater emp- Eintritt:§unf Dollar unü eine Kartoffel. In den Belcinigten Staaten, die bis jetzt noch wenig unter Lebensmittelmangel zu leiden hatten, hat sich nun auck ein bedenk- sicher Kartoffclmangel fühlbar gemacht. In den Großstädten ist es heute fast unmöglich, Kartoffeln zu erlangen, die überhaupt nur noch zu Phantasiepreisen verkauft werden, und insbesondere dt« minderbemittelte Bevölkerung hat schwer darunter zu leiden. Um diesen Annen zu helfen, ist nun kürzlich in Brooklyn ein echt amerikanisches WohltätigkeilSkonzerr veranstaltet worden, in dem die hervorragendsten Bühnenkünstler New Jorks mitwirkten. Wie bei allen derarttgen Sensationsereig- nissen, fanden sich die.Mildtätigen" scharenweise an der Kasse ein; doch viele mußten trotz ihres wohlgesüllten Beutels unverrichteter Dinge umkehren, denn der Einttitt war nicht nur von der Eni- richtung von 5 Dollar, sondern auch von der Abgabe— einer Kartoffel abhängig gemacht! Daß mit diesem Tribut von emcr Kartoffel auf den Kopf den Brooklyner Armen geholfen worden ist, ist nicht anzunehmen; trotzdem aber haben die Konzertbesucher wohl ihren doppelten Zweck erreicht: die„Glory" des Wohltuns im Verein mit einem gesellschaftlichen Ereignis. Notizen. — L i ch 0 s Rücktritt. Der Direktor des Dresdner Albert- Theaters, das erst vor einiger Zeit eine Krise durchmachte. Licho, wird von seiner Stellung vorzeitig zurücktreten. Er hat zwar die Bühne wieder in die Höhe gebracht, ist aber mit verschiedenen weiblichen Mitgliedern in ernste Konflikte geraten, die seinen Rück« tritt erfordern. Licho leitete früher die Aufführungen der Neuen Freien Volksbühne. — Ein W a l f a n g m u s e u m. In der norwegischen Stadt Sandefjord hat ein dortiger Bürger ein Museum gestiftet, das einzig in seiner Art ist. ES ist dies ein Museum deS für die norwegische Industrie so hochbedeutenden Walfischfanges, das allerlei wertvolle lind merk- würdige Stücke enthält. Dazu gehören vor allem der alte Walsund aus Raekkevik. Fachleute haben sein Alter zwischen 5000 und 12 000 Jahren angesetzt. Ferner enthält das Museum daS größte aller vorhandenen Wal-Modelle, nämlich das eines Blauwals in natürlicher Größe. Er wiegt 15 Tonnen und ist über 70 Fuß lang. Das Museum besitzt auch eine Sammlung älterer und neuerer Ge- rätschaften zum Walfischfang, graphische Darstellungen des Fang« bettiebes und der Fangergebnisse und dergleichen mehr. — KriegS-Kinderverse. Der Wiener„Arbciter-Zeitunz am Abend" werden aus Döbling folgende Kinderlieder mitgeteilt: 1. Eins, zwei— kein Ei Drei, vier— kein Bier Fünf, sechs— keine Keks Sieben, acht— der Magen kracht Neun, zehn— anstell'n geh'u I Ringel, Ringel Reiha, Blusiwürst sind sehr teuer, Buchteln(Kuchen) sind umso besser, Braucht man keine Messer, Braucht man keine Gabeln, Ißt man mit den Schnäbeln? 18j Der starke Mann. Eine schweizerische Offziersgeschichte von Paul JIg. „Wenn der dem Zylinder entsprechende Stiefel anhätte, gingen sie ihm ja über den Bauch!" sagte ein Spatzvogel zu seinem Nachbar. Der geplagte Junge war froh, als der Herr Oberleutnant erschien und den Spöttern schon durch seine Gegenwart den Mund stopfte. „Wo kommt Ihr her?" fragte Lenggenhager den Stall- jungen, der darauf beflissen die Hand an den Hutrand legte und eifrig Bescheid gab:„Von Horn, Herr Oberleutnant!" Dieser patschte ein paarmal auf des Pferdes Hals, tat einige sachliche Stallfragen und gehorchte dann einem seltsamen Einfall, indem er wie der Herr des Geschirrs auf den Bock sprang, dem verdutzten Burschen Zügel und Peitsche entreißend. Von seiner Anmaßung berauscht, fuhr er den Anlagen entlang und zitterte vor Freude, in Erwartung des Augenblicks, wo die anderen wieder zum Vorschein kommen und den Wagen vermissen würden. „Ich lvill dich schon lehren, Farbe zu bekennen! An mir sollst du keinen Scharwenzler gefunden haben, den man nach Belieben anziehen oder kaltstellen kann!" eiferte er in sich hinein, von der Richtigkeit seines TunS vollkommen überzeugt. Gewiß, das war eine gesunde Lektion: Mochte sie daraus lernen, ihm auch vor der Welt künftig mit gebührendem Freimut zu begegnen. Was sollte er von ihrem Versteckspiel halten? Hatte sie ihn vor den Kameraden nicht wie einen schlechten Schuster abfallen lassen? Das war keineswegs Scheu vor der Preisgabe eines zarten Ge- heimnisses; in diesem Verhalten spiegelte sich wohl eher die beleidigende Vorsicht einer berechnenden Seele. Nein, er konnte diesen Zug nicht gutheißen. Ihm wäre es gerade recht gewesen, wenn sich das Gerücht von semer Verlobung sogleich über Stadt und Land verbreitet hätte. Wozu sollte er damit hinterm Berge halten? War Rense Steiger im Grunde noch schwankend, so konnte er sie durch solche mann- hafte Entschlossenheit rasch zur Entscheidung treiben. Ha, ha I Ein Empfindsamer wäre an seinerstatt wahrscheinlich ge- kränkt nach Hause gelaufen, um den Schmerz im stillen Kämmerlein auszutoben und der stolzen Brautschast trüb- selige Vorhaltungen zu machen. Lächerlich! In dieser Hinsicht kannte er die Erwählte zu gut. So eine Epistel warf sie bestenfalls der Zofe hin, um die Brennscherc zum Glühen zu bringen. Nur mit Verwegenheit war ihr beizu- kommen. Er rief sich die bedeutsame Szene ins Gedächtnis zurück, die sich in der Dämmerstunde des vergangenen Tages zwischen ihm und ihr abgespielt hatte. Sie saßen allein beim Tee im blühenden Wintergarten der Villa Steiger zwischen Palmen, Rhododendron und Magnolien und lauschten, der kritischen Gespräche über Menschen, Pferde und Spiele müde, der herrlichen Schlacht des Föhns mit den Riesenplatanen des Parkes. Es war das erste Mal seit Renocs Rückkehr vom Engadin, daß sie so ungestört beisammen sein durften. Er hatte in den zwei Wochen, die sie nach seiner Abreise noch droben zubrachte, Tag und Nacht gezittert, ob ihm am Ende ein hoffnungsvoller Bewerber bei ihr zuvorkommen werde. In solchem Höllenfeuer war sein Entschluß gereift, die erste Gelegenheit des Wiedersehens zu benützen, um sie entweder gleich für sich zu gewinnen oder ganz aufzugeben. Unter deni beklemmenden Druck dieses Vorhabens kam aber seine fröhliche Kraftnatur nicht zum Durchbruch; wo er auch hintrat, tvich der Boden unter seinen Füßen. Er baute mancher- lei schiefe, schwankende Brücken und Notstcge, um ihr bei- zukommen, indes die flirtgewohnte Freundin, seiner Un- bebolsenheit spottend, alle Bemühungen zerstörte, ins Wasser fallen liest Endlich begriff er, daß sie sich über ihn lustig machte. Sein Stolz krümmte sich wie ein getretener Wurm. Aus seineu schönen Hoffnungen waren im Handkehrum Hobelspäne geworden. Kein Schimmer Entgegenkommen berechtigte ihn zu der Annahme, daß er auf anderem Wege mehr Glück haben werde. Es war einfach ein Akt der Verzweiflung, der Wutschrei einer überspannten Seele, als er die kühle Gegen- spielerin im Augenblick seines Aufbruchs wie irrsinnig um- armte und mit Küssen versengte. Dieser tollkühnen Sprache hatte sie dann nicht widerstehen können. Ein rechtes Reiter- stücklein war seine Verlobung. Wovor sollte er nun noch zurückschrecken? Sie brauchte Sensationen. Sein Wille mußte beständig wie eine Wetter- wölke über ihr dräuen— anders durfte er ihrer wohl keine Stunde versichert sein. Ja, dessen>var er sich klar: eine Philisterehe konnte hieraus nicht entspringen. Ein Leben in ständiger Spannung stand ihm an ihrer Seite bevor. Aber es lockte ihn gewaltig, deuchte ihn unvergleichlich schön. War mir der Pakt erst einmal vor aller Welt besiegelt, die über- ragende Stellung genommen; er fühlte sich Manns genug, sein Glück zu verteidigen, ein übermütiges Weib in Atem zu halten. Noch keine dreißig Ringe wies der Baum seines Lebens; gesunde Wurzeln, ein aufrechter Stamm und hundertfältige Triebe... In aller Gemächlichkeit fuhr der Usurpator dem. Ufer entlang; der Windhund jagte kreuz und quer, der putzige Lakai steckte die Nase genau so keck in die Luft wie vorhin, und der eine oder andere Spaziergänger, dem, sei es der Wagen sei es der Lenker bekannt war, zog naheliegende Schlüsse aus diesem Zusammentreffen. Erst als Lenggcn- hager die Klubsippe wieder treppauf kommen sah, kehrte er um und stellte den Wagen lachend an die gebotene Stelle. „Das ist ja ein fabelhaft gemütliches Vehikel! Wenn Sie mich mitnehmen wollen, Fräulein Renee, kommt es mir nicht darauf an, wohin Sie fahren!" sagte er im Abspringen, wieder vollständig Herr seiner selbst. Das Wagnis war nicht weniger gefährlich als das gestrige; er lief hier sogar Gefahr, vor seinen Waffenbrüdern eine Abfuhr zu erleiden, von der er sich viel- leicht nie mehr erholen konnte. Ein schneller Blick auf die Gruppe überzeugte ihn, daß sein Geniestreich nach der einen Seite hin den angestrebten Erfolg hatte. Die Stegreiffahrt in Verbindung mit der intimen Anrede verfehlte ihre Wirkung auf die Kameraden nicht. Sie tauschten verstehende Blicke auS oder suchten die Bestätigung ihres Argwohns in den Mienen der Nächstbeteiligten. Soweit war also die Karriere des Viehhändlersprößlings schon gediehen? Da hörte dann freilich die Duldsamkeit auf. Daß Rense Steiger den kecken Eindringling ein bißchen an ihren Triumphwagen spannte, durfte ja keinen, der sie kannte, Wunder nehmen. So wie Lenggenhager noch im Glück der Bügelfalte schwelgte und die Patina der vornehmen Geschlechter bewunderte, stürzten sich seine Sinne auch strahlenden Auges auf jene bestrickendeil Gepflogenheiten, die eiller vollendeten Weltdame eigen sind. Er hatte offenbar noch die kindliche Gabe, kleine Füße anzubeten, von rauschender Seide zu schwärmen und gläubige Ritterdienste zu verrichten. Aber ein Bauer blieb er ja doch. Unmöglich konnte Renee Steiger auf die Dauer von einer solchen einfältigen Genußfrcude entzückt sein. .(Forts, folgt.) Bonfüche* Theater. Seute u. folgende Tage T'.'.Ulir; Max Pallenberg in h'amilic Schltacl». Kammerspiele. Heute u. folgende Tage T'/j Uhr: l>le Tänzerin 'mit Leapoldme Konstantin). VoIhNbiilinc. Theat. a.Biilowplatz. l'iilcrgrundb. Bchönhauser Toi" Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: Fi n Mum in ornarhtatrnn in. Fcsnlne-Theuter. Heute u. folg. Tage 7'/» Uhr: Marie Ottmann n. Hans ViaBmann in Oper, v. 0 Blumenthal " I aJ BJ*3 o Hnsik v. Osk. Strang. Du-, C. MeinharB— R. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr; Schnitzler- Abend. Komödienltaus 7'/4; Die verlorene Tochter Beriiner Theater 720 Ulir: Die tolle Komteß. Zirkus A. Schumann Rauchen gestaltet. Kühler Aufenthalt. Täglich abends 8 Uhr � Zirkus-Variete- Programm. IT. a. ßagerisehJlpen-Spiele l'eppos kom. Dressur-Akt. NW h M W Parforce- HaiaBi f�itzel- Sonntag S'/.j und 8 Uhr. Nachm. 1 Kind frei sowie Gratis-Ponny-Keiten, Walhalla-Theater. ?>/, uhm Zigeuner. Garteubühne-Borstellttiig. Theater für Freitag, den 8. Juni. DcutseheM O�iernhaus 7 uhr: Tannliätrser. Friedricb-Wilhelmstädt. Theater. 7-/. uhr: Das Dreimäiderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. 7V. u.: Das Pensionssfihwein. Kleines Theater vt, u.: Hans im Sehnakeoloeli. Komische Oper 2o Min.: Iiis Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7 V. Uhr: Die blonden Tliidcl» vom Liindenhot. Metropol-Theater 7vsuhr: Die Czardaslürstin._ NATlONÄL�THEATERr Köpenicler tslr. 68"/«B Uhr Oiröfiter Lächerfnlg 1 lüflö jnnge Mädchen träumen Posse mit Aesang u. Tanz in 0 Akt. Musik von Walter Bramme. Sonntag RV»: Schmetterlingsschlacht von. Hermann SuL ermann. keichshAllell-Thesler. Zletliver Zsnger. Cabaret „Feldgrau" Ansang 7V. Uhr. I�eues Operettenhaus Zchifkhd. f a. Kassentel. Nord. 881 7v<ü.: Der Soldat der Marie. Kesidcnz Theater 7 uhr: Der Leibgardist. Schiller-Theater O tu uhr: ßoiiei't ynd Bertrain. Schiller Th. Churlottenb. i'/.uhr: Kammermusik. Thalia-Theater ?'/. uhr: Sonnwendzauber. Theater am Aollcndorfpl. 7*/. u.; Die Guiaschkanone. Theater de« Westens 7,/< u.: stolze Thea. Trianon Th« nter 7'uUhr: Der Star. Tägl. 7'/« Sonnt. SV. u. 73/4 Triumphd.Scliönheit und das große, neue Variete-Programm. Admirais-Palast. Abrakadabra großes phantastisches Ballett auf dem Kise. Angenehmer kühler Aufenthalt 7V. Uhr. Vorzügl. Küche. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Tirol einst und jetzt sspoiifo «HEORICHSTR-AN• DER- KOCHST* Allabendlich 71/, Uhr; Das vielseitige Variete-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr geöffnet Berliner Praler-Theater itaitanicmincc 7—9. Heule: Aha— famud! Große Aussiaffungd- Operetfenvosse in 8 Alten mit Gelang und Tanz. Vorher das große Variefeprogramm. Ansang 4V, Uhr. V oigt-Theater. Badstr. 38. Badstr. 58. Unsere Don Juans. Graste Variete-Vorstellung Ans. 5 Uhr im Garten. Ans. 5 Uhr RosesTheater. ?'/. uhr- Der Mann seiner Frau. 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