pt.158. 34. Z-Hr«. ADonncments-Bcdlngungcn; Htonncmcntä» Biel» ttänumniiiifio iZ�rleijährl. 8,90 Ml. monaü. L30 Ml. wöchentlich 80 Big, tt« ütä Hau». einzeln« Nummer ö Big, konnra�»- nummer mil MuINnerler Konmag»- »eUage.Die Neue Well' 10 Big, Boll« tibonnemeM: ILO Marl dro Monat. eingetragen in die Boll. Zeitung«. Breiöliile, Unter llrcuzdand tür Deutichlanö uns Oesterreich. Ungarn L.ö0 Marl, fiir das übrige Ausland « Marl vro Monat, Bostabonncmem« nehmen an üelgten. Dönemarü Holland. Italien, tluicmburg. Porluga� Rumänien, Schweden und die Schweis Olchcldl läallch. Verlinev Dolksblnkk. Zcntraiorgan der fozi aldcm okrati fehen Partei Dcutfchlands. ( 5 Pfennig) Ol« Infcrtlons-Gcbilbr detrSgl für die scchsgcsvaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Big,, für politiiche und gewerlschafiliche Vereins» und Versammlung?-Anzeigen 80 Big. .Klein» Knieigen", das icitgedrullie Wort 20 Big,(zu aistz 2 selig edruclie Worle), jedeS weitere Wort 10 Big. Htellengesuche und Echlafslellenaii. zeigen dos erste Wort 10 Big,, jedes weitere Wort o Big, Worte über lö Buch- lladcn zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer Mimen bis » Uhr nachmittags in der Expedition «hgegeden werde». Tic Exvedilioa ljt bis 7 Uhr abends gcöljnel. Delegramm-Adrcfle: .!«,lsltlcwoklZl lielU»", Neöaktion: SV). 68, Änüeastraße Z. Fernivrccher: Amt MoriAPlatz« Nr. IS1 SV— 151 97. Dienstag, den 13. Juni 1917. Expedition: Ew. 68, LinSenstrasie Z. klernsprecher: Amt Moriqplatz, Nr. 151 Sv-151 97. Mlkon an R-uKland. Krieg bis zum Sieg! Waibingtou, 10. Juni. lReutcr.) Die Mitteilung Wilsons on die russisck>e Regierung, die vom amerikanischen Botschafter Francis in Petersburg itberreichl'worden ist. lautet: Angesichts des bevorstehenscn Besuches einer amerikanischen Abordnung in Nutzland, die die aufrichtige Freundschaft des amen- tamschen BolkcS für Rutzland ausdrücken und die besten und gc- eignetsten Mittel für das Z u s a m m c n w i r kc n der beiden Völker erörtern soll, damit der gegenwärtige Kampf für die Freiheit.aller Völler zu einem erfolgreichen Ende geführt werde. fcbcinl es mir günstig und angebracbt, uoeb einmal im Lichte dieser neuen. Teilhaberschaft die Ziele festzustellen, die die Vereinigten Staaten bei ibrcm Eintritt in den Krieg im Auge hatten. Tiefe .Ziele sind in den letzten Wochen stark verdunkelt worden durch mitz- verstandene irreführende Erklärungen, und die Sache, die auf dem Spiele steht.- ist'zu folgenschwer, furchtbor und bedeutungsvoll für das ganze menschliche Geschlecht, als datz irgendwelche falsche Vor« ftcllungcn oder Mitzverständnisse, so unbedeutend sie auch sein mögen, auch nur einen Augenblick unbcrichtigt bleiben dürften. Ter Krieg gegen Teutschland hat begonnen, und in ihrem verzweifelten Wunsche,.der unvermeidlichen endlichen Niederlage zu entgcben, haben die Machthaber in Teutschland jedes mögliche Mittel angewendet und selbst den Einflutz von Gruppen oder Parteien unter ihren eigenen Nutertanrn benutzt, gegen die sie niewalg gerecht und billig, ja nicht einmal duldsam waren, um eine Werbearbeit auf beiden Seiten de» Meeres zu fördern, die ihnen ihren Einfluß daheim und ihre Macht im Auslände bewahren soll zum Schaden gerade dcrjeiisge» Leute, die sie benutzen. Die. Stellung.Amerikas in diesem Kriege ist so klar dargelegt worden, daß niemand sich damit entschuldigen kann, sie mißver« standen zu haben.' Amerika iucht Leinen sachlichen Gewinn oder eine Vergrötzcrung seines Gebiets irgendwelcher Art. ES kämpft für keinen Borteil und für kein selbstsüchtiges Ziel, sondern für die Befreiung aller Völker von den Angriffen c i ch e r'a u t o k r a tische n Macht. ' Tie herrschenden Ä lassen Deutschlands haben kürzlich begonnen, derartige freiheitliche G r u n d z ü g c und eine derartige Gc« rechtigkeit ihrer Ab sichle n'ebcnfalls zu erklären, sie tun es aber nur zum Schuhe ibrer Niachl. die sie in Deurjchland auf- gerichtet haben, und zum Schutze ihrer eigenen Vorrechte, die sie unrcchtmätzigcrwcise erworben l»aben, sie tun es für sich selbst und ihre besonderen Bkachtpläne. Diese gehen olle von Berlin nach Bagdad und darüber hinaus. Regierung auf Regierung bat durch ihren Einslutz obne offene Erobevung von Gebiet die Fäden zusammen- geknüpft zu einem Netz der- Intrige, das gegen nichts weniger ge- rchtet ist, als gegen den Frieden und die Freiheit der Welt. D i c Maschen dieses Netzes müssen zerrissen werden, ober es kann die» nicht geschehen, wenn nicht das Unrecht, das bereits getan wurde, ungeschcbcn gemacht wird, und es müssen ent- sprechende Matznähmen dagegen getroffen werden, datz es jemals wiedergewebt oder ausgebessert wird. Natürlich suchen die kaiserliche deutsche Regierung und die- jenigen, deren sie sich zu ihrem eignen«cliaden bedient. Unter- Pfänder dafür zu erlangen, datz der Krieg mit einer TÄicdcrhcrstcllunz des status quo ante endigt. Dir, er status quo ante war es. von dem dieser schreckliche Krieg ausgegangen ist, der für die Macht der kaiserlichen deutschen Regierung innerhalb ihres Reiches und für ihre weitreichende Herrschast und ibren Einflutz autzerhalb gefübrt wird. Tiefer Statu» muß in einer Art geändert werden, daß verhütet wird, daß so etwas Schreckliches je wieder entsteht. Wir kämpfen für die-Freiheit, für die Selbstregierung, für eine Entwicklung der Völker, die ihnen nicht aufgezwungen wird, und jede Einzelheit der Ordnung, die dielen Krieg zum Äbscklutz bringt, mutz zu diesem Zweck gefatzt und ausgesübrt werden. Das Unrechi mutz zuerst wieder gut gemacht werden und dann müssen clitsprcchende Sicherheiten geschaffen wer- den, um. zu verbäten, datz es wieder begangen wird. Wir dürscu nicht irgendwelche Heilmittel in Betracht ziehen, nur weil sie beifällig ausgenommen werden. Praktische Fragen können nur durch praktische Mittel zur Lösung gebracht werden. Phrasen werden kein Ergebnis haben. Wirkliche Wiedergut- machuugen werden gemacht werden, und alle Wiedergutmachungen» die notwendig sind, müssen gemacht werden. Aber sie müssen einen Grundsatz verfolgen und dieser Grundsatz ist klar. Kein Volt darf unter eine Herrschaft gezwungen werden, unter der es nickt zu leben wünsch», kein Gebiet darf den Besitzer wechseln außer zu dem Zwecke, um denjenigen,. die es bewobnen, eine gute Möglichkeit zum Lclcn. und zur Freiheit zu sichern. Entschädigungen dürfen nur insoweit verlangt werden, als sie die Bezahlung für begangenes offenbares-Unrecht, bilden. Keine Wiederherstellung einer Macht darf erfolgen, außer einer solchen, die zum Ziele, hat, den Frieden der Welt und das zukünftige Wohlergehen und das Glück ihres Volkes zu sichern.' Und dann müssen die freien Völker der Welt zu einem gemeinsamen Abkommen gelangen, zu einer von der Natur gegebenen praktischen Zusammenarbeit, die ihre Kraft taftucrnich vereinigen wird, um den Frieden und die Gerechtigkeit bei den Verhandlungen der Nationen miteinander zu sichern. Die V.c r- brüderuüg der Menschbcit dorf nicht länger eine schöne aber leere P h r a s e s e i n. Es mutz ihr eine Grund- läge von Kraft und Wirklichkeit gegeben werden. Die Nationen müssen ibr gemeinsames Leben einrichten und eine werktätige Gc- meinschaft. errichten, um dieses. Lebgn gegen die Angriffe einer autokratischen und selbstgefälligen V lacht zu sichern. Für diese Dinge können wir Blut und Schätze darbringen, diese Dinge sind es, die. wir alle Zeil als unser Streben bekannt haben und. sofern wir Blut und Schätze nicht darbringen und nickt jetzt Erfolg haben, werden wir niemals imstande sein, uns zu vcr- einigen und erobernde Kraft in der großen Sache der menschlichen Freiheit zu zeigen. Der Tag ist gekommen, zu siegen oder sich zu unterwerfen. Wenn die Kräfte der Autokratie uns trennen können, so werden sie uns überwältigen. Wenn wir zusammen- halten, ist der Sieg gewiß und die Freiheit, welche der Sieg sichern wird. Wir können dann uns großmütig erweisen, aber wir dürfen uns weder dann, noch jcht schwach zeigen und eine einzige Bürglchaft dcr�Gcrcchtigkcit und Sicherheit preisgeben. »'» * „Wenn man einander nicht überwältigen kann, so muß man sicki verständigen."„Die Bczichungeu zwischen Deutsch- fand und den Vereinigten Staaten waren seit 1870/71 niemals so gut wie gegenwärtig."— So klang es vor dem 1. Februar- 1�917, setzt klingt es anders. Ter Präsident der Percinigteit Staaten ist jetzt der Führer nicht mehr einer neu- traten, sondern einer gegen Deutschland kriegfülircnden Macht, und was er will, ist nicht mcbr der Verständigungsfrieden, sondern der Frieden d c r d c u t s ch c n R i e ö e r l a g e. So lial er sich setzt alle Argumente der westlichen Gegner gegen Deutschland zu eigen gemacht, und man glaubt, nicht mcbr einen Nmcrikancr, sondern einen Engländer oder Frau» zoscn sprechen zu hören. Das einst im Reichstag so beifällig aufgenommene Wort:„Nach so ungeheurem Weltgeschehen gibt es keine Rückkehr zum status quo ante" lzuni Stande von vorher), findet jetzt aus Washington sein mißtöniges Echo. Interessant an der Epistel Wilsons ist der. Umstand, datz sie zweierlei als gegebene Voraussetzung annimmt, was nach weitverbreiteter Auffassung die Grundlage zu einem dem- nächst zu schließenden Frieden abgeben würde. Sie setzt vor- aus, daß Deutschland nicht im entferntesten an Eroberungen denkt, sondern daß es schon zufrieden ist, den Stand von vorher behaupten zu können, und sie setzt weiter voraus, daß die herrschenden Klassen in Teutschland sich zu freiheitlichen Grundsätzen, wie sie in der übrigen Welt herrschen(oder vielmehr herrschen sollten), bekannt hätten. Ihre Beweisführung geht nun dahin, daß trotz alle- dem der Krieg bis zur Niederringung Teutschlands fortgesetzt werden müßte. Man könnte daraus schließen, datz erklärte Annerions- verzichte und freiheitliche Reformen auch nichts dazu nützten, uns dem Frieden näher zu bringen. Diese Schlußfolgerung wäre jedoch gründlich verfehlt. Gerade durch die Lebhaftig- keit seiner Polemik in diesem Punkte beweist Wilson die Schwäche seiner Stellung. Indem er zu den Russen spricht, spricht er auch zu den zahlreichen Amerikanern. die in dem Augenblick, in dem sich Deutschland demokratisiert und auf Eroberungen verzichtet, die Fortsetzung dieses Krieges für siimlos und verbrecherisch halten würden. Damit ist der Weg gewiesen, den Deutschland gehen mutz, wenn es den Per- nicktüngswillen der Gegner brechen und diesen Krieg als einen P e r t c i d i g li n g s k r i c g der— im Innern erst herzustellenden— deutschen Freiheit gewinnen will. Bie Wilsons Epistel auf die russischen Massen wirken wird, on die sie gerichtet ist, steht dahin. Der Vertreter einer bürgerlich-kapitalistischen Regierung spricht hier zu Sozialisten. Ein neubekchrter Eiferer predigt den Krieg einem Volke, das des Mordens müde ist und sich nach Menschlichkeit sehnt. Wilson will, daß die Menschen sich noch jahrelang gegenseitig abschlachten sollen, um sich zum Schluß miteinander zu ver- briidern. Wicwiele werden dann Wohl beim großen Ver- brüderungsfest noch zur Stelle sein? Und wieviel wird von der allgemeinen Freiheit, die der Präsident allen Völkern ver- spricht— die Erreichung seiner Ziele vorausgesetzt— für das d e u t s ch e Volk übrig bleiben? Teutschlands Rettung ist militärisch: Ungebrochene Fort- setzung ietner bisher erfolgreichen Gegenwehr.. Politisch: Offensive der Freiheit und des Friedens gegen die Welttyraunei des Kriegs! die neue spanische Ministerkrise. Von Heinrich C u n o w. Nach telegrapbischen Meldungen bat Garcia Prieto, Mar- quis von Alhucemas, dem König Alfons den Rücktritt des Kabinetts angeboten, und der König hat, nachdem er zunächst Herrn Garcia Prieto zum Bleiben zu bewegen suchte, diese Demission angenommen. Weshalb Prieto geht, läßt sich aus den verworrenen Nachrichten nicht init Sicherheit feststellen, doch ist es zweifellos, daß er über die von der Entente, neuer- dings besonders von England mit Hochdruck betriebene Agi- jation stolpert, Spanien mit in den Strudel des Krieges hinein- zurcißcn. Es wäre Selbsttäuschung, leugnen zu wollen, daß trotz der eifrigen Gegenarbcit der sogenannten Neutralistcn diese mit Geld, Schriften und Reden betriebene Agitation in den letzten Monaten unter der durch den Rückgang der Waren- ausfuhr, das Anschwellen der Lebensmittelpreise und die Nachrichten über die Torpedicrung spanischer Handelsschiffe ansjgeregten Bevölkerung einen breiten Boden gefunden und ncüerdings auch in bedenklichem Maße aus die Klerikalen und selbst manche Dffiziersgruppen Kataloniens übergegriffen hat, in dem seit altersher eine gewisse traditionelle Vorliebe für den lateinischen Bruder jenseits der Pyrenäen herrscht. Dazu kommt, daß das Kabinett Garcia Prieto von vorn- herein keinen festen Grund unter den Füßen hatte und in seiner� Mitte recht verschiedenartige Elemente.beherbergt. Einheitlichkeit ivar von Anfang on nicht seine Stärke. Prieto selbst hat starke Sympathien für Frankreich, wenn er auch ein Gegner der französischen Marokkopolitik ist, und ebenso fühlen verschiedene der übrigen Minister seines Kabinetts sich zur Entente hingezogen, während andere, wie zum Beispiel der Minister des Auswärtigen, Alvarado. und der Minister des Innern, Burrcll, bisher energisch für die Äufrechterhaltung der Neutralität eintraten: Sie waren es vornehmlich, die in dem vor ungefähr sieben Wochen zurückgetretenen Kabinett des Grafen Nomanones dessen Bemühungen, Spanien an der Seite der Entente in den Krieg zu treiben, energisch entgegen- arbeiteten, und dann, nachdem Romanoncs gestürzt war, in das neue van Garcia Prieto gebildete Ministerium über- traten, wo sie sich die beiden wichtigsten Ressorts, das Ministerium Ves Auswärtigen und des Innern, ausbcöangcn. Im früheren Ministeriunt Romanones hatte Alvarado den Posten eines Justizministcrs, Burrcll den eines Unterrichts- Ministers innegehabt. Aber nicht nur, daß das Ministerium Prieto in sich un- einheitlich war, es hatte auch keine sichere Mehrheit in den Parteigruppen der Eortes, auf die es sich hätte stützen können. Von vornherein war es auf die Unterstützung der liberalen Romanonos-Partei angewiesen, und eiirer der Gründe, wcs- halb Gareia Prieto einige Mitglieder dieser Partei mit in sein Kabinett hinübernahm, dürfte die Absicht gewesen sein, ihre- Gunst zu gewinnen. In dieser Berechnung-aber hatte sich Prieto. wie sich bald herausstellte, recht sehr getäuscht. Seit Romanones wieder die Führung seiner Partei über- nommen, hat in dieser die Neigung einer Beteiligung am Kriege vollends die Dbcrhand gewonnen und damit zugleich der teils versteckte, teils offene Kampf gegen die Prietosche Regierung. Jmer deutlicher trat die Absicht der Anhänger- schaft des Romanones hervor, bei der ersten besten Gelegen- heit den Marquis von Alhucemas eine Niederlage zu bereiten und ihn durch eine Abstimmung in der Kammer zu stürzen. So sah sich Herr Garcia Prieto, nachdem es ihn: vor gut sechs Wochen gelungen war. ein Kabinett znstandezubringen. alsbald auf das Lavieren angewiesen— ein Verfahren, das übrigens seinem ganzen politischen Charakter am»leisten zu- sagt. Er ist nie cin Mann der entschiedenen Stellungnahme, des rücksichtslosen Auftretens und des energischen Zugreifens gewesen, sondern des schlauen diplomatischen VerHandelns. Von seinem Schwiegervater, dem bekannten liberalen Partei' führcr Montero-Rios in die Politik eingeführt, hat er als Minister des Auswärtigen im Jahre 1912 die Marokko-Der- Handlungen Spaniens mit Frankreich geleitet und durch sein diplomatisches Geschick einen gewissen europäischen Ruf ge- Wonnen. Nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Canalejas am 12. November des gleichen Jahres erhob Garcia Prieto Anspruch auf den Posten des Ministerpräsidenten und zugleich auf die Führerschaft der liberalen Partei, sab sich aber von dem rücksichtslosen Grafen Romanoncs zurückge- drängt. So schied Garcia Prieto ans der großen liberalen Partei aus und gründete mit seiner Anhängerschaft eine libc- ralc Sondergruppc, die den Namen der einst von Canalejas gegründeten„demokratischen" Partei annahm. Von der deutschen Presse ist Garciä Prieto, als er Ende April ein neues Kabinett bildete, lebhaft begrüßt worden. Das hatte insofern eine gewisie Berechtigung, als er im Per- gleich zu dem immer kriegslüsterner gewordenen Romanones jedenfalls dal kleinere Uebel war. Wer so. MaZ wie cur „Termanophile" ist er nie gewesen. Cr hatte stets für Fran5 reich Sympathien. Bei Antritt seines Amtes hat er sich denn auch keineswegs für eine unbedingte Neutralität ausge sprachen, sondern nur für ein porläufiges Ab warten. Falls neue gewichtige Tatsachen hervortreten würden, die das Kabinett vor die Frage stellten, Krieg Over Nichtkricg,. werde er sich, so erklärte er, sofort mit einem Appell an das Parlament wenden und diesem die Entscheidung überlassen.— Inzwischen hat die Agitation für die Teilnahme am Kriege in Spanien eine immer stärkere Gewalt angenommen. Tie liberale Bourgeoisie und die Republikaner, vornehmlich die radikale Gruppe Lerrour nebst einem Teil der im Schlepp- tau des bürgerlichen Repnblikanismus segelnden Sozialisten verlangen den Krieg für die„heiligen Güter der Demokratie" an der Seite der„demokratischen Mächte". Dagegen fordern meist die Kon'ervativcn und die politisch gebildeten Kleri kalen, sowie auch ein wesentlicher Teil der spanischen fort schrittlichen Gelehrtenwclt, der Spanien aus der jetzigen gen siigen Depression befreien mochte und in deutscher Wissen� ichaft und Volksbildung ein Muster für Spanien erblickt, die Aufrechtcrhaltung der Neutralität. Doch ist es neuerdings dem Pariser„Katholischen Komitee für französische Propa ganda im Auslände" gelungen, durch seine Agenten, Vor> tragsreiscn und in Masse verbreiteten Flugschristen a u ch i n klerikalen K r e i s e n S p a n i e n s die Kriegsstimmung zu entfachen, besonders im Klerus Kataloniens und der Ost küste- während andererseits das spanisch-französische antt klerikale Freimaurertum in den Kreisen der sogenannten Im tellektucllen eine äußerst rührige Agitation für den„demokra tischen" Krieg betreibt. Auch in Osfizierskreisen ist es, soweit sich aus neueren Meldungen ersehen läßt, der Kriegspropa- ganda gelungen, die Kricgslust zu schüren. Dazu kommt die Werbung für das„paniberische Ideal", das heißt, man verspricht denen, die für die Wiederherstellung eines mächtigen, seiner Vergangenheit würdigen Spaniens schwärmen, als sichere Folge eines glücklichen Krieges die Ver- einigung mit Portugal und ein zukünftiges Bündnis mit den ehemaligen spanischen Kolonien in Südamerika. So seltsam uns auch derartige Pläne erscheinen mögen, in Spanien spielen sie unter den Kriegsgründen eine wichtige Rolle, hat doch auch Romanones beim Scheiden aus dem Zlmt in einem offenen Schreiben dem König erklärt'„Spanien ist der Ver nwhrer des geistigen Erbes einer großen Rasse. Es Hot den historischen Anspruch darauf, den Vorsitz im moralischen Bündnis aller Nationen unseres Blutes zu führen. Dieses Streben wird endgültig mißlingen, wenn in einer fiir die Zukunft so entscheidenden Stunde, wie big gegenwärtige. Spanien und seine Töchter getrennt erscheinen." So hat sich in Spanien eine gefährliche Spannung ein- gestellt, die zum Austrag drängt. In dieser Lage dürfte es Garcia Prieto am geratensten erschienen sein, zurückzutreten und anderen die Regierung zu überlassen, zumal in seinein eigenen Kabinett die Gegensätze wuchsen und er, wie schon erwähnt, auf eine sichere Mehrheit im Parlament nicht rechnen kann. In einer Neutermeldung beißt es. Prieto träte zurück, w.sil er die Forderungen militärischer Kreise als unerträglichen Z.vang empfände. Falls er tatsächlich solche Forderungen als Grund angegeben haben sollte, können sie nur ein äußerer Anlaß sein. Der eigentlickx Grund liegt in der Schwierigkeit seiner ganzen Situation. Wer aber wird sein Erbe antreten? Der König hat den Führer der einen konser- vativcn Gruppe, Dato, rufen lassen, um ihm die Bildung eines neuen Kabinetts zu übertragen, undDatosolldcn Auftrag a n g e n o m m e n h a b e n. Das wäre für das wanische Volk jedenfalls die beste Lösung der Krise,' denn Dato war bisher ein Anhänger strenger Neutralität, der wäh- rend seiner Ministerpräsidentschaft im Jahre 1915 eine durch- aus neutrale Haltung gegenüber den kriegführenden Mächten eingenommen hat. Stockholm. die italienische Sozialüemokratie für Stockholm. ?Iach dem„Avantl" beschlossen Partcivorstand und ParlamentH- sraktion on der JriedenSkonfcrenz in Stockholm teilzunehmen. Ter italienische Innenminister bestätigte, daß den italienischen Sozialdemokraten, die nach Stockholm zu gehen gedächten, kein Baß ausgestellt werde. Die Stockholmer Konferenz sei ein Anschlag der Zentralmächte. Moutet gegen üen französischen Imperialismus. Bern, td. Juni. Der von Rußland zurückgekehrte Sozialist Moutet schreibt in der„Humanste", in Frankreich hätten weder Regierung noch Parlament verstanden, daß die Verweigerung der Pässe für Stockholm einen Irrtum darstelle. Hoffentlich werde man dies noch einsehen. Die deutsche Regierung lasse die deut- schen Sozialisten nach Stockholm gehen, aber in derfreien Re- publik Frankreich besitze eine der größten Parteien der Landesvertretung nicht soviel politische Bewegungs- s r e i h c i t. Reichskanzler von Bethmann Hollwcg weigere sich, die deutschen Kriegsziele bekanntzugeben, aber auch Frankreich ver- öffentliche die seinigen nicht, weil eine Debatte darüber uner- wünscht wäre. So arbeite man in Frankreich daran. Mißverstand- nisse aus der Welt zu schaffen! Was würden die Russen darüber denken? Die französischen Imperialisten, die sich gegen Ttockhol« »ehrten, befürchteten den Einfluß der Völker auf die Beschlüsse der französischen Regierung und wollten deshalb der Gehrimdiplomatie überlassen, das Schicksal der Völker zum Besten der kapitalistischen Interessen zu regeln. Gegen die Verweigerung der Pässe für die Stockholmer Konfe- renz durch die französische Regierung wendet sich jetzt sogar auch die „Times" mit folgender Begründung: Die französischen Sozialisten hatten sich dafür entschieden, die Stockholmer Konferenz zu be- schicken. Ihr Entschluß war ohne Zweifel durch die Furcht bcein- slußt, anderenfalls dem Feind zu nützen und dem Verdacht Raum zu geben, daß es etwas unter den Kriegszielcn des Verbandes gibt. was die Diskussion zu scheuen hätte. Aber die Kriegsziele des Ver- bandes können vollste Oeffentlichkcit vertragen, und es kann seinen Nutzen hoben, daß man den Jntriguen der deutschen Sozialdemo- traten und ihrer neutralen Helfer entgegenwirkt. Weil wir davon überzeugt sind, daß die Arbeiter und Soldaten Englands— ebenso wie die Frankreichs— über die Kriegsziele mit dem Rest der Nation einig sind, deshalb betrachten wir den Vorschlag, in Stockholm oder irgendwo sonst eine Konferenz abzuhalten, ohne Furcht. Keine großen Kämpfe im Westen— Einzel- angriffe bei Hollebeke, Wambeke, Warne- ton— Deutscher Stoßtrupphandstreich bei Cerny. Amtlich. Großes Hauptquartier, de» 11. Juni 1917.avon eine Sperrung der westlichen Geldmärkte und eine die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Ungarns übersteigende Rüstungslast befürchtete. Am 25. April 1914 wandte sich Graf Tisza in der Zeitschrift„Jgazmondo" sehr scharf gegen den Plan des Grafen Karolyi und zahlreicher Mitglieder der Unabhängigkeitspartei. einen Ausflug nach Petersburg zu unter- nehmen. Eine solche Demonstration gegen den Dreibund sdi deshalb gefährlich, weil sie seine Gegner ermuntere. Bemerkt sei allerdings, daß Gras Tisza gerade damals überall russische Vorposten witterte und einen großen Ruthenenprozeß insze- nierte. Schon früher, in der am 21. November 1913 durch- geführten Debatte der ungari'chen Delegation über die Rede des damaligen Außenministers Grafen Berchthold, hatte Gras Karolyi erklärt, daß die Besserung der Beziehungen Oester- reich-Ungarns zu den Balkanvölkern von der eigenen inneren Konsolidierung abhänge. Natürlich steht die Namensliste des neuen Ministeriums noch nicht fest: Verschiebungen sind noch möglich, sogar wahr- scheinlich. Griechenlanö gegen Italien. London, 19. Juni. Wie Reuter aus Athen meldet, beabsichtigt Griechenland gegen die BesetzungJaninas durch Italien Einspruch zu erheben. Ägeneia Stefani meldet aus Athen, die Nachricht von der Be- setzung Janinas habe überall, hauptsächlich aber in epirotischcn Kreisen tiesstgehenden Eindruck gemacht. Die Besetzung werde jedoch die Richtung der Politik ZaimiS nicht verändern. Weiter meldet Agencia Stefani aus Athen: Zaimis empfing eine Abordnung aus Nord- und SüdepiruS, die ihrem Schmerze über die Besetzung Janinas Ausdruck verlieh. Zaimis versicherte, die Besetzung würde nur vorübergehend sein, und fügte hinzu, er würde nicht im Amt bleiben, falls die Besetzung als endgültig an- gesehen werden müßte. Die griechischen Zivil- und Militärbehörden JaninaS übersiedelten nach Arta. Die Sozialisienkonferenz in Leeüs an üen Arbeiter- unü Solüatenrat. Bern, 10. Juni.„Bataille" meldet in einem Bericht aus Lon. don über die sozialistische Konferenz in LeedS, daß der Arbeiter- und Soldatenrat in Petersburg der Konferenz brüderlichen Gruß übersandt habe. Die Konferenz erwiderte, sie unterstütze vollkommen die Erklärungen des Arbeiter- und Soldatenrats bezüglich der aus- wärtigen Politik und der Kriegsziele. Sie verpflichte sich. für einen sofortigen demokratischen Frieden zu arbeiten. » London, 11. Juni. Das Reutersche Bureau meldet aus Liverpool. daß dort eine pazifistische Versammlung, die als eine Sdmpathirkundgebung für die ruffische Revolution gedacht war. nach heftigen Lärmszenen gesprengt wurde. verbot üer Rusi enheimkehr über Deutscblanü! Petersburg, 11. Juni.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) „Rußkaja Volja" will aus zuständiger Quelle erfahren haben, daß die Zureisc russischer Flüchtlinge aus neutralen Ländern auf dem Wege über Deutschland nach Rußland untersagt werden wird, und zwar auf Grund eines bestehenden Gesetzes, das Personen, die sich in einem feindlichen Land« aufgehalten haben,»vährend des Krieges de« Betreten russischen Gebiets ohne besondere Kontrolle und Unter- suchung verbietet. Es fällt auf, daß die Telcgraphcn-Agentur bei ihren amtlichen Beziehungen die Mitteilung weitergibt, ohne sich an zuständiger Stelle zu vergewissern, ob ein solcher Plan wirklich besteht. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 11. Juni. Amtlich. Im Atlantischen Ozean haben unsere U-Boote 1 9 600 Drutto-Reglsier-Tonnen versenkt. Unter den Schiffen befanden sich u. a. der bewaffnete englische Dampfer H a r l e y(3331 Br.-R.-T.) mit Ge- i«ide nach England, der e n g l i s ch e Dampfer Bathurst(2821 Br.-R.-T.) mit Kopra und Palmkerncn, das englische Dreimastvollschiff St. Mirren(195« Br..R..T.) mit Briketts für die brasilianischen Eisenbahnen, ei» französischer Htlsskreuzer von etwa 4V9V Br.-R.-T. und der italie- nischc Dampfer Eliofilo(3583 Br.-R.-T.) mit Erz nach Eng- land. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Die llage im Wptschaete-fibschnitt. Berlin, 11. Juni.(W. T. B.) Im Wytschaeteabschnitt stockt der englische Angriff auch weiterhin. Dagegen hat sich die Artillerie. tätigkeit auf der gesamten flandrischen Front bis in die Dünen ausgedehnt. Die deutsche Artillerie nahm überall den Kampf kräing auf und brachte feindliche Batterien bei Fpern zum Schweigen. Die Engländer setzten die Zerstörung der Ortschaften Werbicq, Warneion und Deulemont durch schwere Kaliber fort. Wo die Engländer mit Patrouillen oder ErkundungSabtoilungen in Kompagniestärke vor- zufühlen suchten, wurden sie überall abgewiesen, so südwestlich Hollebeke, westlich Wambeke und beiderseits der Douve. Der An- Reiff gegen die Töpferei westlich von Warneton, der am ty. um 7 Uhr abends mit stärkeren Kräften vorgetragen wurde, brach unter schweren englischen Verlusten zusammen. * Englischer Heeresbericht vom lll. Juni nachmittag?. In der Nacht gewannen wir noch Gelände an zahlreichen Punkten unserer Schlachtfront südlich U p e r n. Südöstlich Epehv, südlich Armentieres und nordöstlich Dpern machten wir erfolgreiche Einbrüche in die feindlichen Linien und brachten 17 Gefangene ein. Feindliche Stoß- trupps wurden östlich Leverguier und südwestlich La Bassee zurück- gewiesen. Vom 11). Juni abends. Der Feind machte keine weiteren Gegenangriffe südlich von Upern, aber seine Artillerie setzt« ihre Tätigkeit in dieser Gegend fort. Wir machten heute erfolgreiche Unternehmungen südlich vom Souchezflusse. Tie feindliche Artillerie war in der Nähe von Fontaines-les-Croisilles tätig. Kleine Kriegsnachrichten. Amerikas Borschüsse an die Alliierten. Basel, 11. Juni. -Havas" meldet: Tie„Times" vernimmt au? New Dort: Amtlich wird mitgeteilt, daß die Summe der von den Vereinigten Staaten den Alliierten im Juni zu gewährenden Vorschüsse zwei Milliarden Frank betragen, wodurch die Gesamtsumme des geliehenen Betrages am 1. Juli 1917 ungefähr sechs Milliarden Frank betragen werde. Schwedische Bersassungskämpfe. Di« Amtsdauer der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstages ist. durch Beschlutz der beiden Kammern von drei auf vier Jahre verlängert worden. Ein An- trag auf schärfere Kontrolle der Außenpolitik durch das Parla- ment ist von der Zweiten Kammer angenommen, von der Ersten abgelehnt worden. In der gemeinsamen Abstimmung dürfte diese Annahme sicher sein. Ter Abgang GurkoS wurde, laut Stockholmer Meldung der „Franks. Ztg." unmittelbar von mehreren Kompagnien serner Armee gefordert. Die Regierung hat die Auflösung dieser Truppenteile angeordnet. Ter Oberbefehlshaber des Kiewer Militärbezirks Horodowitsch erhielt den Abschied. Deutsche Hilfskomitees in Rumänien. Nack sicheren Nach- richten sind mit Zustimmung der rumänischen Regierung in den nicht besetzten Gebieten von Rumänien deutsche Hilfskomitees zur Unterstützung der deutschen Internierten gebildet worden. Diese Komitees, die sich aus deutschen Staatsangehörigen zusammensetzen, arbeiten, ebenso wie in Teutschland die schon seit längerer Zeit bestehenden rumänischen Hilfskomitees, mit den zu- ständigen Militärbehörden zusammen. Kämpfe der Franzosen in Marokko. Rabat, 9. Juni. sHavaS.) Eine Truppcnabteilung, die von Mekines kam, vereinigte sich am 7. Juni am oberen Mulutya mit einer von Budenib kommenden Ab- teilung. Die Bewegung war von Streifabteilungen von Fez und Dedku unterstützt. Diese Vereinigung wird wichtige Folgen für die allmähliche Unterwerfung der hauptsächlichsten unbotmäßigen Berberstämme des Atlas haben. politische Ueberflcht. Prophezeiungen über das Kriegsende. Reventlow gegen Heydebrand. Der ungekrönte König von Preußen, Herr v. Hey de- b r a n d. hielt unlängst in seinem Wahlkreis Trebnitz eine Versammlung ab, in der er u. a. folgende Ausführungen machte: „Wir sehen gerade wieder im Westen, wie die Engländer mit neuen furchtbaren Angriffen gegen uns anstürmen. Ich glaube allerdings, daß es wirklich die letzte Anstrengung ist, die sie machen müssen, weil ihr Land ruft:„Ihr müßt uns helfen, sonst kommt der Hunger." Als ich vor kurzem Gelegenheit hatte, mit einem Admiral zu sprechen, stellte ich ihm die Frage, ob er wirk- lich glaube, daß wir mu unserem U-Boot-Krieg es machen werden. Da antwortete er mir:„Wir hoffen, wir sind überzeugt, daß in längstens zwei Monaten der Zustand der Engländer so sein wird, daß England am Ende ist." Im Anschluß hieran spricht Herr v. Heydebrand selber die Ansicht aus, daß wir mit Hinsicht auf die Erfolge des U-Boot- Krieges einen weiteren Winterfeldzug nicht wurden durch- zumachen brauchen. Nach einigen Wendungen des sehr knappen Zeitungsberichts wollte Herr v. Heydebrand mit diesen Aus- führungcn wohl darlegen, daß der„Deutsche Frieden", wie ihn die Alldeutschen erstreben, ganz nahe vor der Tür stände, daß also die Anhänger eines Verständigungsfriedens kein Reckt hätten, die Alldeutschen der Kriegsverlängerung zu bezichtigen. Bezeichnenderweise stößt dieser Optimismus des Herrn v. Heydebrand aber in den eigenen Reihen d e r K o n s e r v a t i v e n auf Widerspruch. In der„Deut- scheu Tageszeitung" entgegnet der U-Boots-Spezialist Graf Reventlow ziemlich ungehalten: „Vor einer Reihe von Wochen haben wir bereits Wert auf die Betonung gelegt, daß wir alle Voraussagen, wann der Krieg zu Ende sein werde, wann diese oder jene Entschei- dung auf diesem oder jenem Kriegsschauplatze zu Lande oder zu Wasser eintreten werde, für unzweckmäßig hasten. Solche Dinge und Entwicklungen lassen sich nicht auf den Zeitpunkt vor- aussehen, und eS erscheint um so prekärer, sie voraus- zusagen, je dringender ein Ende de? Krieges herbeigewünscht wird. Wir erinnern un». wie vor reichlich Jahresfrist in manchen beut- fchen Kreisen, teils in einfachem Glauben, teils zu politischen Zwecken, der Zusammenbruch Frankreichs genau auf einen be- stimmten nahen Termin vorausgesagt wurde. Und nicht nur das: man wußte auch schon drei sich schnell folgen sollende Ka- bincttswechsel genau zu nennen, und welche Stellung jedes dieser Kabinette einnehmen werden und welche? das..Friedenskabinett" sein werde. Und wie vieles andere ist während des Krieges nach Jahren. Monaten und Wochen vor- ausgesagt worden. Auch die Voraussage eines AdmiralS, wie in dem von Herrn Heydebrand erwähnten Falle, können wir nickt für zweckmäßig balten. denn, wie gesagt, steht iede Voraussage nach Terminen auf zu schwachen Füßen, aulb ganz abgesehen davon, wie eine sachliche Prüfung von Fall zu Fall ausfallen würde." Graf Reventlow fürchtet wohl mit Recht, daß selbst die Wähler des Herrn v. Heydebrand sich noch nach zwei Monaten der Worte ihres Führers erinnern könnten, aber indem er ab. winkt und den Heydebrandschen Wechsel auf unbestimmte, lehr unbestimmte Zeit prolongiert, bestätigt er wiederum die von uns geäußerte Ansicht, daß der von den Alldeutschen er- strebte Friede, der die völlige Niederringung der Gegner zur notwendigen Voraussetzung hat, ohne eine unermeßliche Verlängerung des Krieges nicht zu erreichen ist, falls er überhaupt erreicht werden kann.* Friedrich Payer. Der Führer der Fortschrittlichen Volkspartei, Friedrich Payer, feiert heute seinen siebzigsten Geburtstag. Er sieht zugleich auf eine fast vierzigjährige politisch-parlamentarische Tätigkeit zurück. Dem Fähnlein der Aufrechten, der Süddeutschen Volkspartei, hat er, solange der Freisinn in drei getrennten Haufen marschierte, angehört und mit vorgestanden; ein Vertreter der bürgerlichen De- mokratie, die auch radikaleren Strömungen ein gewisses liberales Verständnis entgegenbringt, hat er im württembergischen Landtag als Abgeordneter und längere Zeit als Präsident gewirkt. Die Einigung des Linksliberalismus hat ihn zum Mitglied, später zum Führer einer Fraktion gemacht, in der es für«inen fortschrittlich gerichteten Geist mancherlei Hemmungen gab und in der es ohne peinliche Kompromisse nicht abging. Friedrich Payer im Block mit der Rechten, die Schattenseiten des Reichsvereinsgesetzes verteidi- gend— das war für den, der noch an die Möglichkeit einer bürger- lichen Demokratie glaubte, gewiß eine bittere Enttäuschung. Daran darf auch heute erinnert werden, da Payer erfreulicherweise nicht zu den Toten gehört, über die nur Gutes geredet werden soll, sondern zu den politisch sehr Lebendigen, von denen noch manche kräftige Leistung zu erwarten ist. Wir wünschen dem Gefährten und Gegner in so manchen Käinpsen einen starken Anteil an der Lösung der großen Aufgabe, die uns bevorsteht. Er kann noch Wichtiges schaffen, Nützliches wirken. Wohl dem Siebziger, der nicht nur zurück, sondern auch vorwärts schaut! Wahlniederlage der Unabhängigen in Bremen. Bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Gen. Holzmeier in Bremen wurde am Montag der Gen. Lagerhalter Ludwig Schlüter mit 238 Stimmen als Bürgerschaftsmitglied gewählt. Der Gegenkandidat, der Unabhängige Soz. Buchhändler Klawitier erhielt 124 Stimmen. Bremen wurde bisher von den Unabhängigen als eine ihrer Hochburgen angesehen. Die ganz allein und entschieden Radi- kalen haben sich dort sogar eine eigene Wochenschrift, die„Arbeiter- Politik", gegründet. Das Wahlresultat zeigt wieder einmal, daß die Herrschaft in Konventikeln blind eingeschworener Fanatiker nicht gleichbedeutend ist mit dem wirklichen Rückhalt in den Massen. Ein Reförmchen? Der„Köln. VolkSztg." zufolge machte in der JahreSvcrfamm- lung des Christlichen Bauernvereins für Mittelfranken, die in Eich- stätt stattfand, Reichstagsabg. Frhr. v. Francken st ein(Ztr.) die Mitteilung, die Zahl der Reichstagsabgeordneten, die bisher 397 beträgt, solle um 2ö vermehrt werden, wovon 29 auf Preußen, 2 auf Hamburg, 2 auf Sachsen entfallen würden. Auch München solle einen Abgeordneten mehr erhalten. Eine solche Neuregelung dieser überaus wichtigen Frage könnte nur die Zensur„ungenügend" tragen. Wie wenig sie an den heu- tigen Ungerechtigkeiten der Wahlkreiseinteilung ändern würde, be- weist allein das Beispiel Sachsens. Sachsen hätte nach dem heute geltenden Wahlgesetz, das auf je.199 999 Einwohner einen Abge- ordneten vorsieht, Anspruch auf 48 Mandate statt der heutigen 23. Die Erhöhung seiner Mandate um ganze zwei gleicht also nicht im entferntesten die Benachteiligung dieses dichtbevölkerten Industrie- landeS aus. Aehnlich liegt es bei den anderen von Herrn Francken- stein mitgeteilten Ziffern. Wir können daher einstweilen noch nicht annehmen, daß die Regierung wirklich nur ein solches Schein- reförmchen plant, das die heute mit Recht bestehende Unzufrieden- heit mit der WahlkreiSeinteilung nicht vermindern würde. Sind Pferderennen volksnotwendig 7 Während'hitz hcrcte. Kriegsnotwendigkeit uns zwingt, selbst am Nötigsten und Heinähe Unentbehrlichsten zu sparen, finden wir immer noch bei gewissen Dingen, die weit mehr auf dem Gebiete de? Luxus zu liegen scheinen, eine unbegreifliche zarte Rücksicht- nähme. Ein Berliner Lokalblatt teilt jetzt mit, daß die Frage, ob e? nicht nötig sei, während der Kriegszeit in Deutschland die Pferderennen aufzuheben, verneinend beantwortet worden ist. Der Haferverbrauch für alle Rennpferde betrage„nur" 939 Tonnen, der Kohlenverbrauch durch die Pferderennen„nur" ö99 Tonnen jährlich. Diese Argumentation ist nicht durchschlagend. Sie hat nur Beweiskraft, wenn dargetan wird, daß für die 939 Tonnen Hafer und die 599 Tonnen Kohlen keine bessere Verwendung vorhanden ist. Hie Müller— hie Mayer! Der Straßburger Rektorftreit. In der 2. Kammer des elsaß-lothringischen Landtags lehnte die Zentrumsmehrheit den Etat der Universität ab, weil der katho- lische Theologe Müller, Mitglied der Zentrumsfraktion, nicht zum Rektor gewählt worden ist. Der an seiner Stelle gewählte Rektor Mayer ist selbst Altelsässer, aber Protestant. Der Staats- sekretär erklärte, die Regierung habe kein Recht, in die freie Wahl dieses SelbftverwaltungskörpcrS einzugreifen. Beschlagnahme freigegebener Einfuhrware. Offtziös wird darauf aufmerksam gemacht, daß auch Waren, deren Einfuhr allgemein oder für den besonderen Fall freigegeben sind, zugunsten bestimmter Kriegsstellen oder KriegSgesellichaften beschlagnahmt werden können. Das gelte insbesondere auch für die Einfuhr von Fischen aus Holland. Es empfehle sich daher, im Einzelfalle bei den zuständigen Kriegsgesellschaften Aus- kunft einzuholen. Parteinachrichten. Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie. Sonnabend und Sonntag hat, wie Wolft meldet, in Bern der Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie stattgefunden. Es wurde ein Glückwunschtelegramm an die Petersburger Ar- beiterpartei zum glücklichen Gelingen der Revolution gerichtet. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der der Parteitag der von der Kienthaler Konferenz geübten Kritik und Verurteilung der Haltung des intern atio- nalen sozialistischen Bureaus zustimmt. Die Politik der„Sozialimpcrialisten" und„Sozialpatrioten" wurde unter der Betonung des Grundsatzes des Klassenkampfes durch eine Eni- schließung entschieden verurteilt. Den Hauptberatungsgegenstand des Parteitages bildete die Stellungnahme zu dem Militarismus. Nach langer Aussprache wurde ein Antrag angenommen, der grundsätzlich den Kampf gegen den Militarismus, Chauvinismus und Nationalismus sowie gegen die bürgerliche Jugenderziehung ansagt. Die Partei und ihre Vertreter in den Behörden sollen alle Forderungen, Kredite und Gesetze, die der Ausrechterbaltung und Stärkung des Militarismus dienen oder Gefahren kriegerischer Verwickelung heraufbeschwören können, ab- lehnen. Dieser Antrag war lebhaft bekämpft worden, so auch von den bekannten parlamentarischen Führern der schweizerischen Sozialdemokratie Nationalrat Gr e u l i ch- Zürich und G u st a V Müller- Bern, die die Pflicht zur Landesverteidigung gegen jeden Angriffskrieg betonten und den Standpunkt vertraten, daß 1 Tntschließungen zur Militärfrage nur auf einem internationalen Kongreß beschlossen werden könnten. Gegen die Zersplitterung der Jugendbewegung. Eine von 72 Telegiertcn beschickte Konferenz der Vertreter der Parteiorganisationen, Gewcrkschastskartelle und Jugend- ausschüsse in Rheinland und Westfalen, die am«sonntag, den 19. Juni, in Düsseldorf tagte, nahnc Stellung zu der Situation in der Jugendbewegung. Aus den Berichten der Be- zirksleiter sei hervorgehoben, daß in den Bezirken ohne Opposition (Oberrhein und westliches Westfalens kleine Erfolge zu ver- zeichnen waren, während im Bezirk Nicdcrrhcin, wo vier Kreise auf dem Boden der Opposition stehen, die Zahl der Anhänger der freien Jugendbewegung zurückgegangen ist.— An das Referat des Genossen Weimann von der Zentralstelle in Berlin über„Die Situation in der Jugendbewegung im Reiche" schloß sich eine leb- hafte Debatte, an der sich auch der„zufällig" anwesende Redakteur des oppositionellen Hamburger Jugendblattes beteiligte. Mit allen gegen 14 Stimmen wurde schließlich folgende Resolution des Genossen G e r l a ch- Düsseldorf angenommen:„Die am 19, Juni im„Rheinhof" zu Düsseldorf versammelten Vertreter der Partei- organisationen, Gewertschastskartelle und Jugendausschüsse in Rbeinland und Westfalen erklären, daß sie nach wie vor aus dem Boden der Beschlüsse des Nürnberger Parteitags und des Ham- burger Gewerkschaftskongresses stehen und demgemäß die„Ar- beiter-Jugend" als das Organ betrachten, das allein zur Be- lehrung und Interessenvertretung des proletarischen Nachwuchses in Frage kommen kann. Sie verurteilen auf das entschiedenste alle Spaltungsbestrebungen und erwarten von allen Korporationen der modernen Arbeiterbewegung, daß sie mit größter Energie für die Aufrechterhaltung der Geschlossenheit und die weitere Stärkung der Jubgendböwegung eintreten." Eine Stiftung zum Studium deS Sozialismus. In Kristiania hat ein norwegischer Konsul eine Million Kronen für gemeinnützige Zwecke gestiftet. Die Zinsen sollen als Unter- stützung an Künstler und Gelehrte oder an solche Personen ge- geben werden, die wissenschaftliche oder praktische Studien des SoFialismuS machen wollen._ Letzte Nachrichten. Militarismus uud Demokratie in Rußland. Amsterdam, 11. Juni. AuS Stockholm vom 2. Juni wird dem „Algemeen Handelsblad" von seinem dortigen Berichterstattcr ge- schrieben: Ein in Stockholm weilender russischer Revolutionär habe ihm mitgeteilt, daß im April einig- Mitglieder des Vertreteraus- schusscz der Arbeiter und Soldaten verschiedene Abschnitte der russischen Front besuchten. Die Abgeordneten beklagten sich über die geringe Sympathie, die sie in den höheren Stellen des Offizier- korps fanden und über die nichts weniger als höfliche Aufnahme, die ihnen zuteil wurde. Bei einem Armeekorps, das unter dem Oberkommando von General Gurko stand, fiel den Abgeordneten vor allem der Mangel an Lebensmitteln auf. Auch für die Pferde war nur sehr wenig Futter vorhanden, und die Muni- tionSvorräte waren äußerst beschränkt. Bei demselben Armeekorps litten die Mannschaften infolge andauernder Unterernährung vielfach an Skorbut. Im Hauptquartier einer anderen Armee- gruppe, die von den Abgeordneten besucht wurde, bestand der ganze Stab aus Gegnern der Revolution und Anhängern der ge- stürzten Regierung. Beim zweiten kaukasischen Armeekorps war der frühere rcak- tionäre Korpskommandant durch einen neuen Kommandanten er- setzt worden, der als überzeugter Demokrat galt. In der Nacht vom 14. auf den 15. April fand eine Schildwache den neuen Kam- Mandanten ermordet auf. Der Einfluß der sozialistisch gesinnten Offiziere wurde überall durch die Stabsoffiziere nach Mög- lichkeit unterdrückt. Die Abgeordneten entdeckten ferner, daß die sozialistischen Zeitungen, die an die Front geschickt wurden, ihre Bestimmung fast nie erreichten, dagegen kamen die noch immer mächtigen und einflußreichen bürgerlichen Blätter stets an der Front an und wurden bis in die vordersten Laufgräben verteilt. D i e demokratischen Offiziere wurden streng im Auge behalten. AIS die Abgeordneten den General Redko, der eine Arme befehligt, besuchten und eines der Mitglieder der Abordnung an den General eine Ansprache hielt, in der der Wunsch nach Ver- brüderung zwischen Offizieren und Soldaten ausgesprochen wurde, gab ihnen der General zur Antwort, er wünsche von dcrar- ligen Einmischungen verschont zu bleiben. Säuberung der P. T. 31.? »er«, 11. Juni. Wie„DempS" au» Petersburg meldet, hat der Minister des Innern einen Ausschuß mit der Umbildung der Petersburger Telcgraphen-Agentur beauftragt. Die Reform er- streckt sich hauptsächlich auf die vollkommene Erneuerung deS Personal»._ Trommelfeuer i« Mazedonien. Sofia. 11. Juni. Der amtliche Bericht meldet: N ö r d l i ch v o n B i t o l i- mittag» heftige» feindliches Trommel- fenrr. Im Mittelabschnitt de« Ecrnbogens ziemlich lebhafte» Gefchützfeurr. Auf dem rechten Wardarufer in der Nacht lebhafte Artillerietätigkeit. Der msckie Konvent. Amsterdam, 11. Juni. Nach einer Meldung des„Algemeen Handelsblad" au» London, hat die englische Regierung bekannt- gegeben, daß der irische Konvent a«S 191 Teilnehmern bestehen soll, wovon die Regierung 15 ernennt. Die Nationalisien, die Sinn- feiner, die Unionisten von Ulster und die Uniomstcn aus Südirland werden durch je 5 Abgeordnete vertreten soin. Die O'Brien-Gruppe, die PcerS und die Arbeiterpartei durch je zwei, die katholische Kirche wird aus dem Konvent 4 Sitze haben, die protestantische Kirche drei. Man weiß noch nicht, wer den Vorsitz führen wird. Die Polizei gege« die Sinnfernrr. London, 11. Juni. Reutermeldung. Letzte Nacht wurde in Dublin der Sinnfeiner Graf Plunett, der in einer verbotenen Versammlung eine Ansprache zu halten versuchte, verhaftet. ES kam dabei zu aufrührerischen Szenen, bei denen ein Polizeiinspektor getötet wurde. Bauarbeiterausstand in Stockholm. Kopenhagen, 11. Juni. Wie„Bcrlingske Tidende" aus Stockholm meldet, beginnt heute dort im Baugewerbe ein Ausstand, da die Arbeitgeber die geforderte Erhöhung der T e u e r u n g s- z u l a g e an die Arbeiter nicht bewilligt haben. Die Katastrophe in Salvador. Basel, 11. Juni. Ueber die Katastrophe von San Salvador liegen weitere Nachrichten aus Washington vor: Der Gesandte der Vereinigten Staaten in � San Salvador telegraphierte, daß der Vulkan seit dem 8. Juni, 9 llhr abends, tätig ist. Ein Teil der Stadt sei durch Feuer vollständig zerstört worden. 49 Tote und 199 Verwundete habe man gesehen. Der verursachte Schaden wird auf mehrere Millionen Pesos geschätzt. Die internationale Gcwcrftfchaftsfionfcrctiz in Atockkolm. 0. B. S t o ck h o l m, bcn 8. Juni. Im Sitzungssaal der schwedischen gewerkschaftlichen Landes- zentrale trat heute vormittag die Jnternalionale Konferenz der ge- werkschaftlichen Lande-Zorganisation zusammen� L in d g u r st-Stock- Holm eröffnete die Sitzung im Auftrage de- Präsidenten des Jnter- nationalen Gewerkschaftsbuudes lJ.G.B.) und übernahm als Per- tretcr der schwedisäien Gewerkschaften den Porsitz. Er begriisite die Teilnehmer auf das herzlichste und gab der besonderen Freude der schwedischen Genossen Ausdruck, in diesen Wochen so viele aus- ländische Vertreter organisierier Arbeiter hierzu sehen. Das gewerk- schafiliche sowie das politische Zusanrmenwirlen der Arbeiter aller Länder ist während dieses ungeheuren jtrieges danieder gelegen! hierin Skandinavien haben wir uns wiederholt damit beschäftigt, die Berbin- düng wieder herzustellen. Anlä glich des Planes, am 10. Juni eine all- gc in eine internationale s oziali st is che Konferenz in Stockholm abzuhalten, entstand die Absicht, die beutige Sitzung zu veranstalten, um die Gewerlickaftsforderungen für den einstigen fsriedensbcrtrag aufzustellen. Leider ist die allgemeine sozialistische Konferenz bisher nicht zustande gekommen, und auch heute fehlen die Vertreter mancher lriegführenden und neutralen Länder. Immerhin sind hier zum ersten Male seil Kriegsausbruch die Vertreter von neun Ländern beisammen, mehr als jemals seit Kriegsbeginn. Hoffentlich werden wir auch die heule noch Fehlenden das nächstemal begrügen können. Lindquist schließt mit dem Wunsche besten Erfolges sür die Beratung.(Beifall.) Bei der Feststellung der Beteiligung ergibt sich folgende Ju- fainmensetzung: Schweden: L i n d o u i st(Vorsitzender), Södcrberg(Se- lietärj und weitere Mitglieder der LandcSzenirale. Dänemark: M a d s e n(Vorsitzender), H e d c b o l(Sekretär). Norwegen: Ole O'Hian(Vorsitzender), P. Aarbe(Se- kretär). Holland: Zludcgcest(Leiter der provisorischen Verbindung?- zentrale). Deutschland: Legic»(Präsident des J.G.B.), A.auer, S a i s e n b a ch. Oesterreich: H u e b c r. Ungarn i I a s z a i. Bulgarien: Dr. Sakharosf. Finnland: Wiik für den telegraphisch heimberufenen Perttilä. Die Verhandlungen werden schwedisch und deutsch ge- führt Wilhelm I a n s s o n- Berlin ist Uebersetzer. Der Konferenz liegen vor: Der Bericht des I. G. V. für 1915/1916, die von I o u h a u x- Paris(Conwderation du travail) den Landeszentralcn übermittelten Beschlüsse der in L e e d s im August 1916 abgehaltenen Konserenz der Gewerkschaften Englands, Frankreichs, Italiens, die von dem Pariser Bureau formuliert sind, und der Entwurf des I. G. B., beide über die zur Einverleibung in den Friedensvertrag vorzulegenden internationalen gewerkschaftlichen Forderungen. Söderbcrg Stockholm wünscht, daß Legien eine kurze Darstellung über die Verschiedenheiten zwischen dem Pariser Entwurf und dem Entwurf des I. G. B. geben soll. Legien: Wir können entweder hier in die sachliche Prüfung der Vor- schlüge eintreten oder sie aussetzen bis auch England, Frank» reich, die Bereinigten Staaten, Spanien und Italien teilnehmen können, waS bei der Wichtigkeit der Sache un- e r l ä ß l i ch erscheint. Von den Leedser Beschlüssen wurden zwar die einzelnen Landeszentralcn verständigt, nicht aber der I. G. B., so daß für diesen die formale Voraussetzung fehlte, sich mit ihnen zu beschäftigen. Nun kani jedoch aus Wunsch der skandinavischen Gc- iverkichaftcn am 11. November 19l6 ein Vertreter der J.G.B, nach Kopen- vagen znr Besprechung hierüber, und die Konferenz der Skandinavier beauftragte den J.G.B., die Leedser Beschlüsse für eine internationale Konferenz vorzubereiten: Sclbsterständlich folgte der I. G. B. dieser Ausforderung um so lieber, als hierdurch die beste Gelegenheit ge- 'chassen würde, mit allen Landeszemralen um einer Sache willen in Verbindung zu treten, die unmittelbar die Arbeiter- Ilasse angebt, ohne irgendwie auf den Krieg Bezug zu nehme Diese Gelegenheit durfte sich der I. G. B. selbstverständlich nicht entgehen lassen, die Arbeit wurde in jeder Weise be'chleunigt und das gesamte Material lag zur Versendung bereit, als die V e r s ch ä r s u u g der Kriegführung fic unmöglich machte. Durch eine Umfrage bei den Laudeszentralen kann in diesem Falle eine allgemeine Kon- sercnz nicht ersetzt werden, denn es müssen die Forderungen, deren Aufnahme in den Friedensvertrag die Gewerkschaften fordern, voll- komme» einheitlich und übcrcinsiiiiimcnd sein, man muß sie auf das Gründlichste berate» und die Möglichkeit ihrer Durchsühriing gc- mcinsam prüfen. Wir werden jede dieser Forderungen unseren Landcsregicruilgen zur Vertretung in der Frledenskonscrenz übe, geben, und da müssen wir erst unter einander vollkommen ewig sein, sonst können wir von den Regie- rungeu nicht ihre Durchsetzung verlangen, während im anderen Falle die Regierungen dazu gezwungen wären. Deshalb wünschen loir eine Gcwcrtschastskonfcrciiz aller Länder. Sie soll aber nicht, wie das Statut des I. G. B. vorschreibt, durch dessen Präsidenten berufen werden, sondern müßte durch den GewerkschastSbund der Schweiz einberusen werden. Im Dezember 1916 hielten nämlich die Gewerkschaften Frank- r e i ch s ihren Landcskongreß in Ltzan ab. Einer Einladung fol» gend, entsandte auch der Schweizerische Gewcrkschafts- b u n d einen Delegierten dorthin, der mir vorher mitteilte, daß er im Autirage des Schweizer Gewertichaslsbundcs verknchen werde, sich Ii»! den sranzösischen und etwa in Lyon noch ucrlreleiien aitderen Gewcrlschafien über die Einberufung einer inleriiatlonalen Gewcrischasiskonserenz zu v e r st ä n d i g c n. Joubaur erklärte ihm, daß die Franzosen Delegierte zu einer von den Schivcizcrn einzuberufenden internationalen Konferenz entsenden würden. Die gleiche Erklärung soll allerdings in weniger bestimmter Form der Vertreter der eng- tischen Gewcrkichafle» abgegeben haben, ebenso die Vertreter der italienischen und spanischen Gewerkschaften. Da aber diele Konferenz außerhalb des Organifationsstatuts des I. G. B. hätte eiiibcriifeu werden müssen, setzte sich der Schweizer Gewerk- schaslsbund korrekterweise erst nsit dem I. G. B. ins Emveriiebme». Die einzuberufende Konlerenz wurde von allen Landeszeiilralen, die während.des Krieges ihre Beiträge an den I. G. B. gezahlt haben, in z u st i in in c ii t c m S i n n c beanlworlcl. Wäre es möglich gewesen, die Materialien im Februar zu ver- schicken, so hältcu wir im Sommer eine solche Koitferenz haben können. Aber das war infolge der Verschärfung der Kriegführung »nchl möglich, und ini letzten Augenblick kam ganz unvermitielt die Einberufung der Jiilernationaken s oziali st i scheu Konferenz n a lh Stockholm. In den einzelnen Dclcgatioiicn finden sich in den meisten Ländern auch die Vertreter der gewerl- schastlicheii Laiideszeiilralen, wie ja auch dem holländisch-skandinavischen Komitee Södcrberg als Gcwcrkschaftsverlreler angehört. Es zeigte sich also die Möglichkeil, hier auch über rein gewerk- s ch a s l I i ch e Fragen zu beraten. Es war fraglich, ob es sich enipiehle, ihre Beratung der allgemeinen politischen sozialistischen Konferenz zu übertragen, so selbstverständlich eS auch war, daß sie sich auch damit befasse» würde. Diese Fragen erscheinen jedoch zu diffizil sür die hoffentlich in absehbarer Zeit zustande kommende politische Konferenz. Deshalb hielt ich es für notweitdig, mindestens eine Besprechung unter den Vertretern der einzelnen Länder herbeizuführen, um ungefähr eine Richtschnur sür die Be- ratuug dieser reinen Arbeirelinteresien derpolitischen Konferenz zu geben. Auf die Frage, ob der schweizerische Gewerkschaftsbuud aus den 8. Juni eine allgemeine Konferenz nach Stockholm einberufen wolle, antwortete er trotz meiner dringenden Aufforderung zweimal a b- lehnend. In dem Schreiben, das diese Ablehnung begründet (Legien verliest est,, wird gesagt, daß keine Aussicht auf einen' Erfolg der Einberufung bestehe. Das Schreiben an die spanische Landcszentrale wurde laut Mitteilung der Schweizer Postverwaltung von der sranzösischen Militärvehördc nicht durchgelassen (Hört! hört!), eine Beschwerde bei der französischen Gesandt. schafr in Bern blieb ohne Antwort.(Hört! hört!l Auch I o u h a n x telegraphierte, daß er weder das Rund- schreiben, noch eine spätere Anfrage der Schweizer erhalten habe.(Hört! hört!) Von Italien kam keine Ant- Wort, wahrscheinlich ist auch dort das Schreiben der Zensur zum Opfer gefallen, denn sonst hätte der Zeitungsbericht über die italienische Gewerkschaftstagung sicherlich auch diele An- gelegenheit erwähnt. Apple ton von der Zentrale der Trades- Unions hat das Schreiben vom 28. März erhalten, er antwortete. am 9. Mai, daß der leitende englische Ausschuß»toch immer eine internationale Gewerkschaftskonferenz für unmöglick halte, solange noch so viele Völker im Kriege stünden, die Empfindung des AuS- tckusies und Appletons sei, daß eine Konferenz mehr schaden a I S nützen tonnte so lange die Wogen der nationalen Erbitterung so hoch gingen. An Gompers schrieb Appleton übrigens auch, daß er die Teilnahme au den von Regierungen ein- derufenen sozialpolitischen Arbcitcrkonfcrenzen(Hört! hört!) nicht für nützlich halte. Die Teilnahme der Engländer an einer inter- nalionalen Konferenz erscheint also aussichtslos, es wäre denn, daß eine Schweizer Einladung vielleicht von Frankreich aus »och unterstützt würde. Die Schweizer lehnten also ab. weil wenn die Enienteländer nicht kämen, die Konferenz unfruchtbar wäre, denn die Vertreter der Zentralmächte und der Neutralen könnten die Arbeiterklasse der ganzen Welt ebenso repräsentieren, wie das die Leedser Konferenz getan habe. Anscheinend sind Frankreich und Italien über das. was vom J. G. B. zur friedlichen Verständigung unter den Gcwerlschasts- organisationen aller Länder unternommen worden ist, gar nicht unterrichtet. In Frankreich und Italien wurde der Arbeiterschaft und den gewerkschaftlichen Landeszentralen solche, doch sicherlich mit strategischen oder sonstigen militärischen Dingen nicht in Verbindung zu bringenden Schreiben nicht über- miitelt. Deshalb mußte der Stein erst einmal ins Rollen gebracht und wenigstens eine Zusainnlenkunfl der anderen Landeszemralen, die unterrichtet sind, abgehallcn werden. Und wenn auch die heutige Konferenz n i e m a n d verpflichten und keinerlei für die Laudeszentralen entscheidende Bedeutung haben kaim,— eine Bedeutung hat sie: Weder die fr onzö fische noch die italienische Regierung kann verhindern, daß die'Tatsache des Statt- findenS dieser Konferenz mit einer solchen jfagesordi, mtg der französischen und italieni- scheu A r b e i l e r s ch a s t bekannt wird. Durch eine Per- schiebung der heutigen Konferenz dagegen wären wir wieder in der gleichen Situation geblieben, daß die gewerltchaftlich organisierten Arbeiter mancher Länder Europas über dos, was die Gewerk- schatten der anderen Länder denken, und tun, nicht unterrichtet wären. Ich habe auch von Kopenhagen ein Telegramm an den russischen Arbeiter- und Soldatcnrat geschickt, wobei ich natürlich voraussetzte, daß die Zeit zu kurz seilt würde, um einen Vertreter von dort nach hierher schicken zu können. Aber auch der Arheiterrat sollte unterrichtet sein. Den Erfolg muß ich vorderhand dahingestellt sein lassen. Es wäre falslb. heule in die sächliche Beratung dieser schwierigen Frage, der Beschlüsse von Leeds und des Programms des J.G.B. einzutreten. Dte im. FriedcnsveUrag festzulegenden. Vorschriften über A r b c i t e r t cki u tz, Arbeit Z z c i t, Ä o a l i t i o n echt, A r b c t t e r v e r I i ch c r u u g, E i n w a n d er un g usw. müssen sehr genau erwögen werden. Der Vergleich des Programms von Leeds und des F. G. B.— beide wurden in der Parleipreste vcr- öffentlicht— ergibt eine gewaltige Arrschiedcnhcit der grundsätzlichen und praktischen Aufsasiung. Wenn wir, wie ich ganz bestimmt hoffe, eine iicue vollständige mternationalc Konferenz zustande bringen, wird die Beratung ja doch alle Einzelheiteii berühren. Aus Zweck- mäßigkcitsgründen und um der heutigen Konferenz nick» einen Charakter zu geben, der vielleicht, nicht aus bö'eni Willen, aber aus Empfindlichkeit von anderer Seile angenomnien werden könnte. empseble ich. heute nicht in die materielle Beratung einzutreten, sondern, daß diese doch schon ganz rejpekrable Konferenz von sich aus eine offizielle Einladung an alle gewerkschaftlichen Landes- zetitralen erlasi'e zu einer neuen allgemeinen Konferenz, die dann das Programm zu beraten hat und die unbedingt notwendige Einstimmigkeit herbeiführt. Für diese neue Koitferenz wird Zeil und Ort so zu bestimmen sein, daß kein Land sich damit zu entschuldigen vermag, es hätte tvegen Ort und Zeil keinen Delegiert«? entsenden können. Wir müssen die anderen Landeszentralen, setzt vor die Frage stellen: Wollt ihr gemcwsiun mit den Gewerkschaften aller Länder rciue Arbeiterfragen beraten, die mit der Schnldsragr am Krieg, mit Ursachen und Ausgang des Krieges und mit den Friedensbedingungcn nichts zu tun haben? Es handelt sich um die Zukunft der Arbeiterklasse, um die Sicherung des Rechtes der Arbeiter, ihres Lohnes und ihrer Gc- tundbeit Wir wollen sehen, welche Landeszeutrale cS wagen könnte, die Telliiahme an einer solchen Konsercnz a b z u lehne n. Da- wollen wir abwarten. Es empfiehlt sich, dieser heutigen Konferenz nicht den An- ichein einer materiell beschließenden zu geben, wobt j aber eine von den anwesenden Neutralen zu formulierende Ein- ladung zu einer allgemeinen Konferenz hinaus- zuschicken, bei der jeder Schein vermieden»vird, als gehe sie von den Gewerkichaften kriegführender Länder aus. Lindguist-Schweden: Eine sackiliche Diskussion wäre z w e ck l o s. da wir heute doch nicht zu einer Enlichetdung kommen könnten. Ich schlage vor. die neue Konserenz durch ein Manifest cinzube- rufen, das die heutige Könfereuz a n d i e Gewerkschaften der ganzen Welt richtet.(Lindquist legt einen Entwurf vor.» Oudcgcest-Hölland s ch l i e ß t sich den beiden Vorrcd- u e r u an. Pie Zeit zur genauen Vorberalung des Leedser und J.G.B.-Programmes war viel zu kurz. Die neue Konferenz muß lo gelegt werden, daß auch Amerika tetluehmen kann. Die Leedser Konferenz hat uns dem künftigen Zusammenarbeiten näher gebracht, als man vorher geglaubt hätte. Auf die Einladung hierher hat mir Gompers telegraphiert, daß er zwar die Einberufung nicht begreife, nachdem man früher auf seinen Vorschlag, einen Welt- Arbeitcrkougrcß am Orte und während dcsFriedenS- k o n g r c ss c S abzuhalten, nicht ciiigegaugen sei, jedoch habe die Zeit nicht gereicht, um Delegierte hierher zu wählen. Hucber- Oesterreich ist mil Legien einverstanden, hält es jedoch sür notwendig, an die Pariser Äorrespoiidcnzstelle der Gewerlschaften der Euteiiteländer zu telegraphieren, daß die Stockholmer Konferenz die Leedser Beschlüsse als eine Wiederannäherung der Gewerkschasien begrüßt, und worin wencr mitgeleilt wird, daß die Beratung der Vorlage von Leeds und des I. G. B. bis zu einer allgc- meinen Ä o u f c r c n z zurückgestellt werde. Söderierg-schwedeu ist durch die Erllärungen LegienS be- friedigt; er, Söderberg, wolle nicht beule schon eine sachliche Be- ratuug des Programm-, sondern nur Angabe der Gründe, die den I. G. B. zur Ausarbeitung eines anderen Programms, als das von Leeds, veranlaßt hätten. Olc L'Linn-Norwegen ist mit den Ausführungen LegienS ein- verstanden, gibt jedoch gegen den Vorschlag Huebcrs zu bedenken. daß es sich bei der Pariser Korrespondenzzenirale um eine von der gewerkschaftlichen Jlttcinationalc organisatorisch i nicht anerkannte Sondergründimg der sranlo-englischcn Gewerkschaften handelt. Legten schlägt vor, das hier zu beschließende Manifest an die Gewerkichaftszentralen aller heute nicht vertretenen Länder tele- graphisch zu übermitteln. Hucber: Das Telegramm an Paris soll auch taktisch eine zu empfehlende Anerkennung sür die in Leeds geleistete Annäherüngs- arbeit sein, die wir den Teilnehmern der Leedser Konferenz schuldig sind. Da- organisatorische Bedenken wäre dadurch zu überwinden, daß an Jouhaux als Person telegraphiert wird. Jaszai-Ungarn: Sprechen wir doch aus, daß wir i in P r i n z i p mit den Leedser Beschlüssen und mit den Vorschlägen des I. G. B. einverstanden sind, und geben wir das allen heule hier nicht vertretenen Ländern bekannt. Lindquist spricht für den Vorschlag Huebers. Folgen wir ihm, so zeigen wir nach der ausschließlich ententistischen Leedser Konferenz, daß wir eine internationale Konferenz sind. Nach einer Paule legte Lindcquist namens der skandinavischerl Delegierien den Entwurf einer an alle geWerk schaft« l i ch e n L a n d e S z e ntr alen zu ricktendeuEiUladung zu der neuen Konferenz vor. Sie soll in der Schwei z sialifinden, damit den Franzosen, Engländern usw. dos Kommen erleichtert wird. Ter vorgesehene Zeiipuiitl vom 2. September ist etwas reichlich spät, aber es soll von vornherein ausgeschlossen werden, daß eine Zentrale sagen kann, die Zeit wäre zu kurz gewesen. Oudcgecst meint, der 2. September sei noch etwas zu früh. Es seien doch vorher noch Beratungen der Landeszentralcn nötig, man könne auch nicht wissen, wie lange die Einladung brauche, um anzukommen, und man müsse auch die lange Reisedauer von Amerika berücksichttgen. Gut wäre es wohl, in die Ein- ladung auch einen Appell an die Gefühle der Arbeiter- schatt aufzunehmen. Lindcquist: Die Kommission war der Meinung, daß nur Realitäten, aber keine Phrasen ausgesprochen werden sollten. Södcrberg: Wenn wir die Konferenz zu weit hinausschieben, erwecken wir den Eindruck, als glaubten wir selbst nicht an baldigen Frieden. DaS liegt uns doch fern. Ter vorgesehene Zeitraum ist läng genug. Oudcgecst: Wir müssen doch nach unseren Erfahrungen damit rechnen, daß s e l b st? e l e g r a m m e und Briese der«G c- werkschastsbewcgung in den Ententeländern nicht ankommen, müssen also Zeit lassen. Hueber: Wir haben sicher now viel Zeil, denn wenn es selbst zu Friedensverhandlungen kommt, dann werden sie nach diesem Weltkriege lange genug dauern Darauf wird' die Einladung in folgender Form beschlossen: Einladung zur allgemeinen internationalen Gewerkschastskonfcrcnz. Die internationale GkwcrkschaflSkoilferenz in Stockholm am 8. Juni 191?, zu der die Getocrlschaften in Holland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Deutschland, Oesterreich, Ungarn. Bulgarien und Finnland Vertreter entsandt haben, hat Kenntnis von dem Programm der Gelverischaftskonfcreiiz in Leed- vom Juni 1916 und von dem Entwurf der FriedenSforderungen de- I. G. B. ge« nommcn. Die Konferenz erachtet die tsicherung der Arbeirerrechte. des Ar bester schu tzeS und der Arbeitervcrticherung als eine der wich« tigsteu Bestimmungelt in dem Friedens- vertrag, der schließlich zu st an de kommen wird. Da diese Fragen die Arbeilerllasse der ganzen Welt auf das Stärkste berühren, hält die Konferenz es nicht für zweckmäßig, jetzt ur eine endgültige Beratung einzutreten. Sie beschließt daher, die Einberufung ciircr i�cucn Ko u- s c r e u z aus den l7. September 1917 nach der Schweiz, so daß. den Gewerkichaften aller Länder die Teil- nähme ermöglicht ist. Die gewerkschaftlich organisierte Arbeiter- Ilasse»vird hicrduich cingeladcn�zu dicicr Konferenz Vertreter zu cinicuden. Die Konferenz in Stockholm hält es für zweckmäßig, daß zu der neuen Konferenz, nicht nach den. Best ünmungen deS I. G. B nur drei Delegierte, sondern bis zu zehn Delegierten von jedem Lande gestattet werden müssen, wobei aber bei der Abstimmung jede- Land nur eine Stimme haben soll. Die Konferenz ist überzeugt, daß eine solche Zusammenkuntl der Vertreter der ocgonlsiertcn Arbeiter der ganzen Welt von entscheidender Bedeutung für die Sicherung d e r 2 ag e dcr inter- nationalen Arbctrerklasse sein und den Forlschritt der menschlichen Kultur fördern wird. Mit brüderlichem Gruß. (folgen die Unterschriften sänillicher Kongreßteilnehmer, voran diejenigen aus neutralen Ländern.) Auf Antrag HueberS wird noch folgender Zusatz beschloffen: „In der Erwartung, daß die Gewerkschaften aller Staaten trotz aller Widrigkeiten deS Krieges die gewerkschaftliche Brüderltchkcit aufrechterhalten, hoffen wir, daß sie dafür sorgen werden, daß die neue Konserenz vollzählig beschickt fem wird.? Weiler wird auf Antrag HueberS beschlossen, an Jouhaux-PariS folgendes Telegramm zu schicken: „Die am 8. Juni in Stockholm tagende Konferenz der Ver- treter der Gewerkschaftlichen Londeszentralen von Oesterreich- Ungarn, Teutschland, Bulgarien, Finnland, Schweden. Norwegen, Dänemark und der Zweigstelle des I. G. B. in Holland begrüßen die Beschlüsse von Leeds im Juki 19 16 als bedeutungsvolle Kundgebungen für dte Interessen der organisierten Arbeiterschaft aller Staaten und als ein c r- sreuliches Zeichen, die durch den Krieg ent st an- dcne Entfremdung beseitigen zu wollen. Diese Anerkennung auszusprechen, hält die Konferenz als ihre Pflicht und ersucht, diese Mitteilung an die Organisationen, die in LeedS vertreten waren, weiter zu geben. Lindquist." Auf Vorschlag Legicns wird die Absendung folgenden Telegramms an den Arbeiter- und Soldatenrat in Petersburg beschlossen: „Tic am 8. Juni in Stockholm versammelten Vertreter der Gewerkschaften begrüßen den Arbeiter- und Sol- datenrat und erwarten für die nächste internationale Ge- wcrkschaftsionfercnz am 17. September in der Schweiz Vertreter der Gewerkschasien Rußlands. L i n d q u i st." Legten weist noch auf den von ihm auSgcarbcltetcn Entwurf zur Reorganisation des I. G. B. hin, wodurch größere Ein- heil und eine gesicherte organisatorische Grund- tage entsprechend dem Austrage einer früheren internationalen Gctverksckiasl-tonferenz geschosscn werden sollen. Bi- zur Entscheidung einer ordentlichen internationalen Gewerkschastskonfcrcnz handelt es sich nur um einen Entwurf zur Information. f o r m a t i o n. Lindquist dankt in feiner Schlußrede allen Teilnehmern der Konferenz und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die beute be- schlossene Einladung dazu beitragen werde, die Fäden zwischen den gewerkschaftlichen Organisationen der ganzen Welt wieder anzu- tnüpfen, und daß am 17. September in der Schweiz Vertreter aus allen Ländern begrüßt werden tonnen. Hucber spriwr namens der Delegierten, die zum großen Teile' wieder abreisen, den Freunden von den schwedischen Gewerk» schaften herzlichen Dank sür die so freundliche Ausnahme in ihrem Lande aus. Vielleicht könne man bald lpicdcr im Frieden zu einer ordentlichen Konfcrcuz zusammenkommen. Damit hat die Konferenz ihr Ende erreicht. Auf Einladung der schwedischen Gcwcrkschastözcntrole unternahmen die Teilnehmer einen Tampserau-flug in die Schären. Berantworll. I. PolitiT Dr..Von* limmdi. Lertin-Zriedenau: für h. üdrigcn -eil des flotte-«»red Sdioiz, Aeutolln: für Anfera»«: Z». Mliickk, Berlin. Druck u. Bcrtog Bnrwärts Buchdruckern II Berlogscmsrolt Paul Einger& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Scilogt und Uiucrl>-lNuiK»»l-tt. klr.lSS ❖ Z4. Jahrgang Heilage öes vorwärts Dienstag, 12. Juni 1H17 GrofrBerlin Klagen und Wünsche des Gemüse- und Lbsthandels wurden in der Generalversammlung des Zentrolverbandcs deutscher F r u ch t g r a tz h ä n d l c r(Sitz Berlin) vorgebracht. iiine Begrüßungsansprache des Vorsitzenden sagte über die>Wic»er- kerstellung des freien Handels: der Fruchtlsandel eigne sich eben nicht für die öffentliche Bemirtschaftung. nur der„mitfühlende Kaufmann" könne durch schnelle und treffsichere Disposition die Güter dem Verbrauch zuführen. In einem die Uebcrgangö- Wirtschaft der Zeit nach Friedensschluß behandelnden Referat erklärte Verbandssvnditus Rechtsanwalt P. r i n z, daß von den in der Kriegszeit dem Handel aufgezwungenen Beschränkungen nach dem Kriege nichts erhalten bleiben dürfe. Da ein stark er- Kobter Verbrauch von Obst und Gemüse zu erwarten sei. so müsse rechtzeitig für reichliche Zufuhr a u s d e m us-l a n d gesorgt werden. Für die Uebergangswirts-baft seien Sachverständige deS Dbst- und Gemüsehandels zu hören, damit von vornherein'richtige Maßnahmen getroffen werden können.- Tie Forderung des Refe- renten, den freien Handel uneingesch rankt wieder- herzustellen, unterstützte Dr. Demu t h, als Vertreter der Handelskammer Berlip. Es habe„keinen Zweck, mit sozio li sicrenden Experimenten zu versuchen, ob es nach Frie- densschluß auf andere Weise besser gehen würde". Generalsekretär K u I o w referierte über die Genehmigung für den Groß- Handel und Beschwerden der Ausgeschlossenen- D re Mindesthöhe des für die Zulassung zum Großhandel erfordcr. lieben Umsatzes sei' zu hoch bemessen. Da für Berlin schon 200 Beschwerden vorliegen sollen, könne man für das Deutsche Reich ihre Zahl auf 2000 schätzen. Die Prüfung durch die Reichsstelle werde ein paar Monate dauern. Inzwisöben sei es den betroffenen Händlern unmöglich, sich an der Aufgabe des Handels zu beteiligen, das dem Verbrauch entgegcnreifcndc Gemüse und Obst den Ver- hrauchcrn zuzuführen.— In der Diskussion erwiderte Stadtrat Runge als Leiter der Berliner Abteilung für Gemüse und Obst- Versorgung, die Mindestgrenze des GroßhandelSumsatzes sei nach Anhörung von Großhändlern festgesetzt worden. Freuen müsse man sieb über die zustande gekommene Ausschaltung des Zwi- s cb e n h a n d e l s. Es gab dann eine lange Erörterring von Fällen, in denen die Nichterteilung der GroßfxrndelSgenehmigung unberech. tigt gewesen sei. Verbandssyudikus Prinz schloß mit dem Rat gegen Veschwcrdcnzurückwcisung sich im Verwaltungsstreitverfahren zu wehren.— lieber die E r f o l g e d e r R i ch t p r e i s e u n d i h r c W i rk sa m k ei t in der Zukunft sprach Generalsekretär K li low. Er zieht die Richtpreise den Höchstpreisen vor, obwohl man.gespottet habe, Richtpreise seien Preise, nach denen sich niemand rickuct.— In der Diskussion wurde geklagt, daß die Richtpreise sich nicht durchführen lassen und nur schaden. Gefordert wurde, n?än solle nicht immer nur auf die Wünsche der Verbraucher, sondern auch' auf Sie der Großhändler und Erzeuger hören. lins scheint, daß gerade bei der Regelung deS Obst- und Gc- müsehänd'elS die Rücksicht auf die Verbraucher wahr- 1 1 ch nicht zu weit gegangen ist. Berliner Lcbensmittelnachrichtcn. Van jetzt ab werden an diejenigen Einwohner Berlins, welche an Stelle van Zucker Äunsthönig wünschen, nicht wie bisher 2 Pfund, sondern? Pfund Kunsthonig, soweit Vorrat vorhanden ist, auf jeden ZuckCrahschnitt abgcgrfieiv Rübensaft und Speiscsyrup werden nicht ordüüngen ergehest. Die Regelung der Kohlcnfrage. Wie wir erfahren, findet am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr. im Berliner Rathaufc eine Beratung der beteiligten Groß-Berliner Gemeinden über die Kohlenverforgunz im kommenden Winter statt. Dom Vernehmen nach soll die Einführung von Kohlen- karten und die Beschränkung der Zentralheizung auf einige Tage der Woche beschlossen werden. TaS„Angenehme" an der Berliner Bcrkchrsnot. Das Statistische Amt der Stadt Berlin hat jetzt seinen Monats- bericht aus März dieses Jahres fertiggestellt und veröffentlicht. Unter' den darin enthaltenen Zahlcntabellen ist die Darstellung der Verkehrsergebnissc diesmal besonders lehrreich. Wiederholt wurde im„Vorwärts" gezeigt, wie sehr bei den Berliner Verkehrsmitteln unter dem Einfluß der Bctriebscinschränkungcn die- Aus- Nutzung der Wagen zugenommen hat.. Bei manchen Ver- kehrsmitteln erreichte.im März die Wagenausnntzung eine Höhe, die kaum noch zu überbieten sein dürfte. Im diesjährigen März (gegenüber dem vorjährigen) wurden z. B. auf der Hoch- und Unter- grundbahn bei einer Leistung von über 1% Million(im vorjährigen März über Million) Wagenkilometer etwa 10°/, o Millionen (7'/,« Millionen) Personen befördert und über V/s Müllem(1 Mit Iton) Mark eingenommen. Die Kilometerleistung ist nur wenig größer geworden, sehr bedcutncd hat aber die BcförderungSzahl und der Einnabmebetrag sich erhöht, so daß im diesjährigen(bzw. vor- jährigen) März pro Wagenkilometer 6— 7(4— S> Personen befördert und 92(04) Pfennig eingenommen wurden. Die Große Berliner Straßenbahngesellschaft leistete etwa 7°/,» Millionen(8'/.» Millio- nen) Wagenkilometer, beförderte etwa 4ö Millionen(39 Millionen) Personen und nahm 41» Millionen(3% Millionen) Mark ein. Hier haben wir eine Verringerung der Wagenkilometerlcistung bei gleich- zeitiger Steigerung der Beförderungszahl und des. Einnahmebc- träges. Bei der„Großen" wurden pro Wagenkilometer 6—6(4— 5) Personen befördert und 66(46) Pfennig eingenommen. Man sieht, wie die Vcrkehrsnot, die für die Bevölkerung so viel des Unangenehmen hat, den Vcrkehrsgesell- schaftcn eine sehr angenehme Einna h.m c st e i g e- rung bringt. Auch für die Straßenbahnlinien der Stadt gilt das.. Auf ihnen wurden im diesjährigen>vzw. vorjährigen) März bei einer Leistung von rund 377 000(438 000) Wagenkilometer etwa 2% Millionen(ufter 21» Millionen) Personen befördert und rund 247 000(216 000) Mark eingenommen. Pro Wagenkilometer stellte sich hier die Zahl der Beförderten auf etwa 7(6— 6) Personen und der eingenommene Betrag auf 66 f4g) Pfennig. Kann man da noch zweifeln, daß die Vcrkehrsnot sich rentiert? Verschiebung der Stadtvcrordnrtcn-Ergänzungswahlen. Ter Berliner Magistrat hat beschlossen, die regelmäßigen Er- gänzungswahlen für 1917 zur Berliner Stadtverordnetcn-Ver- sammlung um ein Jahr mit der Wirkung zu verschieben, daß die Vertreter, für die eine Ergänzungswahl nötig gewesen wäre, je ein Jahr mehr und die an ihrc� Stelle tretenden je ein Jahr weniger in Tätigkeit bleiben. Die Stadtverordnetenversammlung wird als- bald duxch eine entsprechende Vorlage um ihr Einverständnis hier- mit ersucht werden.— Dcnselhcn Beschluß soll der Charlotten- burger Magistrat gefaßt haben. Unbeschränkte Gültigkeitsdauer der von der Rrichsbckleidungs- stelle ausgestellteo Bezugsscheine. Der Reichsbekleidungsstelle geben häutig die von ihr den Behörden und Anstakten ausgestellten Be- zugsjchLinc mit dem Antrage aus„Verlängerung" oder.Umtaujch gegen neue Scheine" zu. Zur Begründung wird dabei angegeben, daß die Geschäfte, in denen die auf den Bezugsscheinen vermerkten Waren gekauft werden sollen, die Lieferung mit dem Hinweise ab- lehnten, daß die Gültigkeit der Scheine erloschen sei. Dies ist ein Irrtum. Tic von der Reichsbektcidungsstelle erteilten Bezugs- scheine sind unbeschränkt gültig. Tic einmonatige Gültigkeitsdauer. die wohl den Anlaß zu diesem Irrtum gegeben hat, bezieht sich lediglich ans die von den örtlichen Stellen ausgefertigten Bezugs- scheine Kl und B I, dagegen nicht auf die von der Reichs- bekleidungsstellc ausgestellte». Von einem herben Verlust wurde unser alter Parteigenosse Graßnick betroffen. Vor den Augen ihrer Angehörigen ertrank am Sonntag mittag 12 Uhr im Tegeler See die Kriegerwitwe Anna Last, gev. G r a ß n i ck. aus der Wollincrstratzc 26. Zwei junge Frauen, die zu tzitje schwammen, wurden von der Ertrinken. den mit in die Tiejc gezogen, und konnten nur mit großer Mühe gerettet werden. Ein schweres Brandunglück hat sich in dem Hause Psarr straße 74 in Lichtenberg ereignet. Tort wollte die 40jährigs Frau Frieda Becker Speisen auf einem Spirituskocher wärmen. Dabei erfaßte wohl infolge eines Luftzuges die offene Flamme ihre Bluse und in wenigen Augenblicken glich die Frau einer lebenden Feuer- faule. Auf die Hilferufe der Bedauernswerten eilten Nachbarsleute hinzu, denen es aber erst nach vieler Mühe gelang, die Flam- mcn zu ersticken. Leider hatte Frau B. bereits am ganzen Körper so schwere Brandwunden davongetragen, daß sie im städüschen Krankcnhause in hoffnungslosem Zustande dcrrniederlicgt. Tragischer Abschluß eines Sonntagsausfluges. Der Schneider- mcister Blank aus der Pannierstraße 68 in Neukölln und seine 47 Iäbrc alte Ehefrau Marie hatten am Sonntag einen Ausflug nach einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Trebbin unter- nommcn. Das Ehepaar aß in dem Dorfe Fische zu Mittag und trat dann abends die Heimreise an. Auf der Rückfahrt wurde Frau B. von Unwohlsein befallen und der Zustand verschlimmerte sich der- ort. daß sie bei ihrer Ankunft auf dem Anhalter Bahnhof bereits besinnungslos war. Sanitätsmannschaften nahmen sich ihrer an und bemühten sich Stunden lang vergeblich, sie wieder zum Bewußt- sein zu bringen. Dann erst wurde ein Arzt hinzugerufen. Leider kam seine Hilfe zu spät; Frau Blank war inzwischen verstorben. Nach dem ärztlichen Befund besteht die Vermutung, daß Frau B. einer Nahrungsmittelvergiftung zum Opfer gefallen ist. Ob der Tod auf den Genuß der Fische zurückzuführen ist,.. steht jedoch nicht fest. Der Ehemann hat ebenfalls von den Fischen gegessen, ist aber vollkommen gesund geblieben.'Die Leiche wurde zur genauen Fest- stellung der Todesursache polizeilich beschlagnahmt. Ein Einbrecher-Spezialist, der es offenbar hauptsächlich auf Bühncnangchorige abgesehen hat, treibt gegenwärtig in Berlin sein Unwesen, csein letzter Besuch galt in der Nacht zum Sonntag der Wohnung der bekannten Schauspielerin Fran Margarete Kupfer vom Deutschen Tbeatcr in ihrer Wohnung in der Barvarossastr. 25. Ter Dieb ist wahrscheinlich zwischen 3 und 4 Uhr morgens vom Boden her über den Batkon durch ein offen. stehendes Fenster in die in dem vierten Stockwerk gelegene Wohnung eingedrungen. Er bat sämtliche ihm zugängliche Behälter geöffnet und durchsucht, merkwürdigerweise aber aus der ihm zngefallenen reichlichen Beute eine bestimmte Auswabl getroffen. So hat er mehrere Kassetten, die zahlreiche Schmuckgegcnstände bargen, im- berührt gelassen und nur Pelze, die er von den Kleidungsstücken abtrennte. Reiherfedcrn, die er von den Hüten abschnitt, und eine Anzahl Schmucksachen, wie Armbänder. Broschen, Medaillons, die ihrer künstlerischen Ausführung wegen für die Bcstohlcnc. besonderen Wert besitzen,, uiitghnonuneu...—..Ein ähnlicher Einbruchsdicbstahl. bei deni der Tüker Üs,' genau der. gleichen Weise'horgiiig, ist.ernM Tage vorher bei einer anderen Schauspielerin- verübt- Warden. Kurze Freude. Reiche Beute hatten Einbrecher in der Nacht zum Sonntag im Potsdamer Viertel gemacht. Sic erbrachen die Eingangstür zu den Geschäftsräumen eines Schneidermeister und stahlen für 10 900 M. Anzug- und Hosenstoffe. Ein Schneider meister in Schöneberg kaufte ihnen die Waren ab. Erfreut über das Gelingen ihres Streiches standen die Einbrecher, drei öder.vier Mann, auf der Straße beisammen und unterhielten sich so lebhaft, daß sie die Aufmerksamkeit eines Herrn erregten. Dieser wandte sich an ritten Schutzmann, und so gelang es, wenigstens einen der Einbrecher sofort zu ergreifen. Ein zweiter wurde ebenfalls noch am selben Tage ermittelt und festgenommen. Der dritte, angeblich ein Mechaniker Rubin, ist noch flüchtig. Die Stoffe wurde fast alle gefunden. Eine Kolli-Dicbcs- und-Hchlcrbandc festgenommen. Seit einiger Zeit wurden an dem Paketpostamt in der Spandauerstratze den Hausdienern hiesiger Geschäfte Pakete oder auch ganze be- ladcne Handwagen gestohlen. Die Kriminalpolizei richtete einen besonderen Beobachtungsdienst ein, und es gelang ihr, eine ganze achtköpfige Diebesbande mit ihrem Hehler festzunehmen. An der Spitze der Band« stand ein entwichener Fürsorgezägling S ch u mann, als Hehler fungierte ein Gelcgenheitshändlcr Kurt D ö h I c r. Im Stcuerburcau vergiftet. Als am Montag morgen die Be- amten des Hauptstcuerbureaus der Stadt Wilmersdorf die Gc- schäftöränmc betraten, drang ihnen ein starker Gasgeruch entgegen. Man forschte nach der Ursache des Gasgeruchs und fand im Kriegs- bureau die 22jährige Hilfsarbciterin Else N. aus Wilmersdorf an ihrem Pult tot auf. Das Mädchen, das schon längere Zeit beim Wilmcrsdorfcr Magistrat beschäftigt war, hatte, wie die Ermittc- lungcn ergaben, am Sonntag abend das Bureau aufgesucht und dann in der Nacht Selbstmord verübt, indem eS die GaShähne öffnete. Eharlottcnburg. 18 Frauen in der Stadtverwaltung. Auch in die Charlottenburger Stadtverwaltung werden demnächst Frauen in größerer Zahl Einzug halten. Der Magistrat schlägt jetzt vor, zu den bereits in den Deputationen für die Wohnungs- pflege und die Waisenpflege tätigen 6 Frauen weitere 12 Frauen als beratende Mitglieder hinzuzuwählen und zloar: in die De- putation für den Arbeitsnachweis 3 Frauen, in die Deputation zur Beratung von Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuorung zwei und in die Deputation für Gesundheitspflege, zur Beratung von Maßnahmen zur Hebung der Volksschulen, für die höheren Mädchenschulen, für das städtische Fortbildungsschulwesen, für die Verwaltung der Krankenhäuser, zur Verwaltung der Wohlfahrts- schule und in das Kuratorium der Pulsstiftung je eine Frau. Wilmersdorf. Anrechnung der städtischen Fleischknrtc beim Fischverkauf. Ter Magistrat hat folgendes angeordnet: In hie- sigcn Fischhandlungcn können frische Fische auf städtische Fleisch- karte entnommen werden; hierbei hat der Käufer die städtischc Flcischkartc' vorzulegen. Ter Verkäufer ist verpflichtet, den jeweils gültigen Wochenabschnitt der Volltarte mit 80 Pf., der Ktnderkartc mit 10 Pf. auf den Kleinhandelspreis anzurechnen, sofern der Preis für die entnommene Ware den anzurechnenden Betrag übersteigt. Tie Abschnitte dürfen nur in der ihrem Aufdruck cnt- sprechenden Woche in Zahlung gegeben und genommen werden. — Abgabe von Eiern. Bis einschließlich Sonntag, den 17. Juni, werden auf Abschnitt 24 der Eierkarte drei Eier, vom 11. bis 25. Juni noch auf Abschnitt 26 ein Ei abgegeben. Die Mchrbewilligung bezieht sich nicht auf Anstalten, Gastwirte und Konditoreien., Krriö Teltow. Keine Kartoffclabgabc an Ortsfremde. Ter Landrat macht bekannt:. Von feiten der Einwohner der dem Kreise Teltow benachbarten Kommunalverbände- sowie auch von Ein- wohnern des Kreises selbst wird immer wieder der Versuch gemacht, auf Grund sogcnamitcr Einfuhrbescheinigungen der Magistrate und Gemeindevorstände Saat- oder Speisekartoffeln direkt vom Erzen- ger innerhalb des Kreises Teltow auszukaufen.» Tie Landwirre mache ich wiederholt darauf aufmerksam, daß s.'de entgeltliche und unentgeltliche Abgabe von Kartoffeln an orts-' fremde Personen streng verboten ist. Innerhalb des Ortes dürfen Kartoffeln nur auf Grund einer Anweisung des zuständigen Gc- meindcvorstchers abgegeben werden. Weißenfee. Lebensmittelnachrichten. In der laufenden Wocke« weroen 6 Pfund Kartoffeln abgegeben. In der Verkaufsstelle- Pistoriusstr. 24 werden auf jede aufgerufene Brotkarte Vi Pfund Salzheringe zum Preise von 35 Pf. abgegeben und soweit der Vorrot reicht, sieben noch Rollheringe zum Vcrtauf. In der Ver- kaufsstcllc Berliner Allee 89 werden auf die aufgerufenen Eier- karten se 2 Eier a 31 Ps. abgegeben. In beiden Verkaufsstellen sind außerdem noch Brotausstrich, Klippfisch und Stockfisch zu haben. In den Kolonialwarcngeschäftcn tonnen auf Abschnitt'69 k der Kar- tosfclkartc 60 Gramm Dörrgemüse entnommen werden. Ten Inhabern der Kartosfclkartc wird anempfohlen, die Mittclstücke der am 10. Juni abgelaufenen Kartosselkartc bis auf weiteres als AuS- weis für die Entnahme von Kolonialwaren usw. aufzubewahren.- D rcptcw. Eine besondere Lebensmittelkarte für Jugendliche vom Beginn des 7. bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres hat jetzt der Gemerndedorstand eingeführt. Diese Karte berechtigt zum Bezüge besonderer Lebensmittetl für Jugendliche. Ueber die Art und die Menge der zur Ausgabe gelangenden Waren werden in jedem Falle durch Sönlenanschlag usw. besondere Bekanntmachungen erlassen.__ Groß-Herliner parteinachrichten. Boranzeige. Sozialdemokratischer Verein für Berlin VI. Dienstag, den 19. Juni, spricht in den., Germania sälen". Chausseestraße 113, Reichstagsabgeordnetcr Wolfgang Heine über:„Die Sozialdemokratie und der Frieden". Einlaßkarten hierzu werden am Mittwoch in den Mitglicdervcr- sammlungen ausgegeben und sind auch bei sämtlichen Borstands- Mitgliedern zu haben. Steglitzer Ortsvcrcin. Mittwoch, abends 8 Uhr, bei Clement, Düppelstr. 7: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Wück:„Die industrielle Entwicklung in Deutschland und die Arbeiterfrage". Reinickendorf-West. Mittwoch-, abends 8 Uhr: Zahlabend beim Genossen Schiller, Antoniensir. 10. Alle„Vorwärts"-Lescr und Genossen, die auf dem Boden der Parteieinheit stehen, sind eingeladen. Tcmpelhof. Morgen, abends S'/s Uhr, im Lokal des Herrn Müller, Berliner Straße 97: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die politische Lage. Referent: Fritz Bartels (Parteivorstand). Ernährungs fragen. Besonders die Frauen sind eingeladen. Wildau. Morgen, 81H Uhr, im„Wildcmer Hof": Mitglie- dervcrsammlung. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Jugenüveranfialtungen. �ur die arbeitende Jugend in Niedcrbarnim k 'Um den' Vcrfafl der einst so hoffnungsvollen proletarischen Jugendbewegung nach Möglichkeit aufzuhalten, laden wir die Vertreter aller Bezirks-Jugendausschüsie, sowie die Vertreter des Jugendvorstandes der einzelnen Lrtc zu einer Besprechung ein. Tie Zusmnmenkunft findet am Donnerstag, den 14. Juni, abends 8 Uhr, in Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, Hof 2 links, 4 Treppen, im Bezirks- Sekretariat statt. Alle Jugend-Ausschüsse und Jugendlichen des KreiseS Nieder- Barnim,. die- gleich uns an der Erhaltung einer einigen proletarischen Jugendvetvegung interessiert sind, die mit uns wollen, daß die Jugendbewegung- freigehalten wird von dem verderblichen Partei- streit, mögen für eine gute Beteiligung an dieser Zusammenkunft Sorge tragen. Im Auftrage für den Kreis Nicder-Darnim-: Adolf Domnick, Bcrlin-Buchholz, Pasewalkcr Str. 109 III. Mus aller Welt. Tic Auswanderung aus Dänemark, die in der ersten Kriegszeü sehr nachgelassen hatte, hat im vergangenen Jahre wieder stark zu- genommen. Tie große Mehrzahl der Emigranten steuerte nach den Vereinigten Staaten. Die vor' dem Krieg lebhafte Auswanderung nach Kanada und Süd-Amcrika hat fast ganz aufgehört. Die Frauen stellen jetzt zur Auswanderung einen hohen Prozentsatz,. da die Männer vielfach durch die Dienstpflicht zurückgehalten werden. Von den Berufen ist die Landwirtschaft bei der Auswanderung am geringsten beteiligt, was bei ihren gegenwärtigen hohen Einnahmen leicht begreiflich ist._ SvetterauSiichtcn für das mittlere Norddeuttchlanti dts Mittwoch mittag. Trocken und vorwiegend kicitcr Bei wenig veränderten Temperaturen; im Südwesten strichweise(Jewitlcr. I�ullgeollraiille Verlangen Sie Prospelt.*1 Sanitätsr. Dr. Weise's Arnbul. Berlin IIB, Wilhelrnstv. 96. 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Heute u. folgende Tage 71/, Uhr: Nie 7 iin/erin (mit Leopoldine Konstantin). Tolksbiiiinc. Theat a.Bülowplatz. Untergrundb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: Ein SojMiiiernaehtiitrnniii. lieissing-Theuf er. Heute u. folg. Tage 7'.Uhr: Marie Ottmann u. Hans Waflmann in NSmlim Oper. 0 Blumenthal. WlfMlS« Mmsik v Osk Straus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr;!>>chnlt»lei'-Abend. Komödienhaut 7>), U.: Wo tessle ich meinen Hann? Berliner Theater 7a°Uhr: Nie tolle Komteß. Apoiso fHIEPWChSTR■ AN• DER- KOCHSHb Allabondlich 71/» Uhr; Na« vlelacitige Variete-Programm! Die Kasse ist ab tO Uhr peöttnet Theater für Dienstag, den 12. Juni. Deutsches Opernhaus 7 uhr: Boccaccio. Friedrich-Wilhelmsfädf. Theater. "Vi Uhr; 0S8 0�111346�11311$. Gebr. Ilerrnfelrt-Theatcr. tu u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater tu u.: Hans im Sehnakenloeli. Komische Oper �B uhr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus >'/« Uhr: Nie blenden Tlbdels sex. i.indenbet. 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Aber auch an Ergebnissen von allgemein wissenschaftlicher Bedeutung fehlt es in der modernen Botanik nicht. Zu den neueren botanische» Resultaten von allgemeiner Bedeu- tung gehört die Erkenntnis, daß verschiedene Ttäbchenpilze oder Bäk- tcrien die Fähigkeit besitzen, LickN zu erzeugen. Ilm die Erscheinung zu beobachten, braucht man nur etwas rohes Rindfleisch in eine Schale zu legen und mit einer etwa dreiprozentigen Kochsalzlösung zu übergießen, so daß die obere Hälfte des Fleisches noch ans der Flüssigkeit herqusragt. Bereits nach ein bis zivei Tagen leuchtet das Fleisch, zuerst in kleinen, sternartigcn Punkten, dann an all- mählich größeren Stellen und endlich an der gesamte» Oberfläche. Das Bakterium, das das Leuchten belvirkt. führt den wissen- schafttichcn Namen Bactcmmi pliosplior'cum. Es gehört zu den ani meisten verbreiteten Bakterien. Man findet es auf dem Fleisch der tLiskeller, der Schlachthäuser, der Markthallen und auch der Küchen. Hieraus erklärt es sich, daß Fleisch so häufig leuchtet. Das Leuchten von toten Seefischen kommt auf die gleiche Weise zustande. Die sogenannten grünen Heringe leuchten häufig schon bei ihrer Ankunft. Die Keller, in denen die Fischhändler am Meere die toten Seefische aufbewahren, erscheinen oft wie vom Mondlicht erhellt, und mg» kann sich darin ohne Lampe ganz gut zurechtfinden. Das Leuchten tritt bei den Fischen und bei dem Schlachtvieh- fleisch dann ein,, wenn die Zersetzung eben beginnt, ohne daß jedoch ein übler Geruch wahrzunehmen ist. Der Nachdruck liegt auf dem Worte„eben". Die Lcuchtbaktcrien selbst übe» keine schädliche Wirkung auf unsere Körper ans. Leuchtendes Fleisch und leuchtende Fische können dabcr ohne Schaden gegessen werden. Sobald das Fleisch richtig zu faulen beginnt, entwickeln sich sogenannte Fäulnis- bakterien, die ihre leuchtenden Schwestern verdrängen, und gleich- zeitig evlischt auch das Licht. Das Bacicriurn phosphorernn leuchtet so stark, daß man es zur Herstellung einer Lampe benutzt hat. Der Erfinder der Lampe, Professor Molisch in Wwn, nahm einen kegelförmig gestalteten so- genannten Erlenmetzerschem Glaskolben, der etwa 1 l-i Liter faßte, und füllte ibn zu einem Fünftel mit Salzpepton-Glnzerin-Gelatinc. Dann verschloß er den Kolben mit einem Wattepfropfen und sterili- sicrte ihn, d. h. er stellte ihn in kochendes Wasser, um unerwünschte Bakterien abzulöten. Nachdem sich der Kolben etwas abgekühlt hatte, übertrug er in die noch immer flüssige Gelatine Leuchtbakterien unv kühlt« nun den wagerecht gehaltenen Kolben unter langsamer Dre- bung in einem Wasserstrahl ab. Dadurch wurde der Kolben auf seiner ganzen Innenfläche mit einer dünnen Gelatineschicht über- zogen. Bereits nach 2 Tagen hatten sich die Bakterien in der Ge- latine, die als Nährmaterial ebenso ausgezeichnet wie ihr vollstän- digcr Name für den Laien abschreckend ist, so stark vermehrt, daß der Kolben in einem wunderschönen bläulich-grünen Licht erstrahlte. Die Baktericnlauipe läßt sich bereits heute als Nachtlampe vcr- wenden. Vielleicht gelingt es der zukünftigen Forschung, die Lampe zu verbessern. Sie dürfte sich dann auch in Pulverinagazinti und Bergwerken als»ützlich erweisen. Auch für photographischc Zwecke genügt die Lampe jetzt schon. Außer dem Baeteriuin pkosphomnn kennt man gegenwärtig noch etwa 30 andere Lcuchtbaktericnartcn. Zweifellos gibt es deren aber noch viel mehr. Allster.den Bakterien besitzen auch Iadcnpilze die Fähigkeit der Lichtentwicklung. Ter Wanderer, den der Weg zur Nachtzeit durch den Wald führt, ficht nicht selten an einem saulenden Baum etwas leuchten. Früher nalnn man an, daß das faulende Holz selbst leuchte. Heute wisse» wir, daß nicht das Holz, sondern ein Pilz, der im Holze wuchert, die Lichtentivicklung hervorruft. Untersucht man ein solche» Stück Holz genauer, so findet man darin zahlreiche zarte und ver- zweigte Fäden van weißer Farbe. Sic gehören einckii Pilze an, der zu den gewöhnlichsten Hutpilzen unserer Wälder zählt und den Namen Hallimasch(F.rinillaria inellc») führt. ES ist nun gelungen, den Pilz zu isolieren und auf Brot zur weiteren Entwicklung zu bringen. Dadurch lvurde auch das Brot leuchtend. Die feinen Fäden des Hallimasch also sind es. die das magische Licht erzeugen. Während das Sonnenlicht und das Licht unserer Petroleum- lanipen. Gaslampen und elektrischen Lampen eine mehr oder weniger große Menge von Wärmestrahten enthält, die uns oft recht lästig werden, fehlen dem Licht der Bakteriell und Fadenpilzc Wärmestrahlen vollständig. Das gilt übrigen« auch für das Licht der leuchtenden Tiere, z. B. der sogenannte» Glühwürmchen, leuchtenden Muscheln und Tausendfüßler. Das Licht, das die OrganiSnlen erzeugen, ist also kaltes Licht. Was unsere modernen Beleuchtungstechniker als Ideal ansehen: ein Licht ohne Wärme zu schaffen, das hat die alte Zauber- königin Natur durch das Licht gewisser Pflanzen und Tiere längst verwirklicht. Ueber den Leuchtprozeß selbst wissen wir. wie über so manchen anderen Lebensvorgang, herzlich wenig. Hier klafft noch eine tiefe .Lücke in unserm Wissen. Soviel steht jedoch fest, daß das Leuchten an gewisse Vorbedingungen geknüpft ist. Die Bakterien bedürfen erst eines gewissen Anstoßes, che sie Licht zu erzeugen vermögen. Da- zu gehört in erster Linie die Tätigkeit des Sauerstoffs. In sauer- stoffreiem oder snuerstoffarmem Räume kommt keine Lichtentwicklung zustande. Das Leuchten der Bakterien ist also ein Oxydationsprozeß. Zum Leuchten der Pflanzen gehör! aber nicht bloß Sauerstoff, sondern auch eine gewisse Menge Wasser. Das läßt sich sehr ein- fach beweisen. Legt man ein leuchtendes, ctiva stecknadelkopfgroßes Stück einer Bakterienkultur offen hin, so hört das Leuchten bereits nach wenigen Minuten auf: die kleine Kultur hat zuviel Wasser ver- dunstet. Sobald man Wasser hinzufügt, beginnt das Leuchten wieder. Diese Untersuchungen haben zu der Vermutung Veranlassung gegeben, daß von den leuchtenden Pflanzen ein besonderer Stoff gebildet werde, der bei Gegenwart von Sauerstoff und Wasser Licht zu entwickeln vermöge. Ter hypothetische Stoff, der bis heute noch nicht isoliert werden konnte, leuchtet im Innern der lebenden Zelle, und seine Entstehung ist an das Leben der Zelle geknüpft. Insofern kann n>an das Licht der Pflanzen als ein Lebenslicht im wahren Sinne des Wortes bezeichnen. ?lus öer Geschichte öes Zündholzes. Beim Gebrauch zahlloier Gegenstände des praktiichen Lebens, die»nS als nicht weiter beachtenswerte Selbstverständlichkeiten er- scheinen, denken wir kaum an den oft unendlich langen Weg der Erfindungen zurück, der notwendig ivar, um uns all diese„Nleinig- keilen" zu liefern. Das Zündholz z. B. hat eine sehr umständliche, durch mehrere Jahrhunderte reichende Geschichte, und die Person seine« eigentlichen Erfinders wurde oft umstritten. In de» erste» drei Jahrzehnte» deS 1V. Jahrhunderts war es noch üblich, sich um- ständlich nril Hilfe von Srahl und Stein Licht zu verlchaffen, trotz- dem es. wie W. Niernann i» der„Umschau" ausführt, damals bereits immerbin bequemere„chemische" Feuerzeuge gab, allerdings nur zu ziemlich hoben Preisen. Das Kali- und das Phosphorfeucrzeug sind als die Vorläufer des modernen Zündholzes zu betrachten. Das entere wurde int Jabre 1805 von Ehanoel, dem Assislente» des französische» Chemikers Tbenard. entdeckt. Es bestand aus dem Hölzchen und der Zirnd- flaschr, die konzentrierte Schlveselsäure enthielt. An der Spitze der etwa 6 Zentimeter langen Hölzchen befand sich ei» Gemisch von Chlorkali. Schwefel»nd Gummi, und wenn man das Hölzchen in die Säure tauchte rmd schnell zurückzog, entflammte eS sich mit der Heftigkeit einer kleinen Explosion. Diese Feuerzeuge hallen die Ge- stalt kleiner Holzbüchien, die das Glasfläschchen niit Schwefelfänre und 60 Hölzchen enthielten und in Frankreich 2—4 Fr. kosteten. In Snddentichland verlangte man noch im Jahre 1806 für eine solche „französische Zündmaschine" die ertleckliche Summe von drei Gulden. Die erste deutsche Fabrik solcher Feuerzeuge wurde von Wagemann in Berlin gegründet. Später entstanden auch anderswo Fabriken. Die Phosphorfeucrzenge lonrden durch die K'alizündhölzchcn bald verdrängt. Die enteren ivaren übrigen« nicht ungefährlich gewesen, da die Gewinnung de« Phosphor« noch mancherlei Schwierigkeiten bereitete. Erst 1630 hatte Robert Bohle da« AlchyrnislengeheinrnrS der Phosphordarstellung veröffentlicht, und sein Aisistenl, der Deutsche Hankwitz, soll bereits aus Phosphor und Schwefelbluinen eine Znndmasse verfertigt haben, die er an Stelle von Stahl und Stein zur Fencrerzeugung gebrauchte. Im ganzen blieben diese Versuche aber ohrw neimerrsioerle» Etg-viiiS, erst ein Jahrhunderl später gelang dem Forscher Peyla in Turin da« Aus- finden eine« Mittels, um die Selbstentzündung an der Luft zu ver- hüten. Aon ihm flammen die sog. Peyiafchcn Kerzen. Dies« bestanden aus einem ungefähr 4 Zoll langen Wachsftock, der an einer» Ende mit einem Gemisch aus Schwefel. Phosphor und Oel überzogen und in«in GlaSröhrchen eingeschnrolzen war. Wenn man das Röhrchen zerbrach und den Docht herauszog, sollte er sich im gleichen Augenblick entzünden. Aber diese Kerzen versagten häufig, außerdem ivaren sie wegen ihrer Zerbrechlichleil auch seuergefährtich. weswegen ihr Gebrauch nrehrsarb behördlicherseits verboren wurde. Später mischte der Pariser Apotheker Dcroaue de» Phosphor mit einer trockenen Substanz, und sein Feuerzeug hall« den Vorteil, daß daS Schwefelholz sich nicht durch Einlanche» in«ine Flüssinkeit, sondern erst durch»leiben an einem rauhen Gegenstand, wie Kork, Tuch oder Leder, entzündet!:. DaS Deroanesche Feuerzeug stellt also zweifellos die letzte Borstufe zu de» eigentlichen Strcrchzündhölzer» dar. da es sich jetzt bloß»och darum Handelle, Phosphor und Schwefel zu einer Zllndmasfe zu veriinige». Die ersten Zündhölzer dieser Art soll bereits 1825 der Londoner Chemiker I. T. Cooper hergestellt haben, doch erwieien sie sich als praktisch ziemlich wertlos. Nicht viel höheren Wert war den 1828 in den Handel gebrachten sog..PronretheanS" von Samuel Jones beizu- messen. Besser waren bereits die ebenfalls von Jone« auf de» Markt gebrachten„Lncifeis". deren Ziindmasse haupisnchlich ans Lhlorkali und Schwefelantimon bestand. DaS Hölzchen ivurde zum Zwecke der Entzündung zwischen einem zusamnrengeiallcicn Stück Sandpapier durchgezogen. Solche„Frikttonsfeuerzeuge" jvnrdeu 1882 in Frankfurt verkauft, und schnell entwickelte sich die Zündholz- industxie r» Siiddeutschland Ilnd Oesterreich. Die ersten rcgel- rechte» Zündhölzchen mit phoSphorhaltiger Zündmasf« ivurden im Jahre 1833 fast gleichzeitig von mehreren deiiischeil Fabriken nilf den Markt gebracht. Man kümmerte sich anfangs nichr viel darum, wein eigentlich die Erfindung zuzuschreiben sei. erst spätere Nachionchunge» haben ergeben, daß der deutsche Studeni der Ebemie I. F. K a m in e r e r als der eigentliche Erfinder de« modernen Zündholze« zu betrachten ist. Fest steht, daß er als erster bereit« 1833 richtige Sireichzündhölzer berstellie. Die ersten Znnd- Hölzer nach seinem System wurden in Darnrstadt verkauft. Später lebte Kammerer au« politischen Gründen'in Zürilb, Ivo er eine große Zündholzfabrii errichtete. Er verschied um i. Dezember 185 i. Neutrales ilob öer deutschen Kriegsgefangenenlager. Die Ortsgruppe Bern der Internationalen Frauenvereinigung für einen dauernden Frieden hatte den Holländer Isaak de Haan eingeladen, einen Lichtbildervortrag über die Kriegsgefangenen- Inger in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten zu halten. Haan betonte einleitend, daß Unterbringung. Verpfle- gung und Sanierung der Niesenmasien eine geivaltige Aufgabe darstellte», von deren Schwierigkeit nur der eine Ahnung bekomme, der sich an Ort und Stelle mit allen diesen Dingen vertraut ge- macht habe. Wer gerecht sein wolle, werde anerkennen müssen, daß Deutschland alles, was getan werden könne, tue,»ih den Gefangenen das Leben erträglich zu gestalten. Manche Maßnahmen, die als Härte empfunden würden, erwiesen sieb bei näherer Betrach- tung als durchaus zweckmäßig. In dein Nationalitäteiigeivirr— es seien ja unter den in Teutschland befindlichen Kriegsgefangenen nicht nur europäische, sondern auch zahlreiche exotische Völker- schaften vertreten— seien Sprache, Religion, LelbenSgeivohnheiten so verschieden, daß eS unmöglich erscheine, nationalen Eigenheiten Rechnung zu tragen, und trotzdem geschehe auch dies. Man finde da Moscheen für die Bekenner des Islams, irisch-katholische. Messen, Gottesdienste der englischen Episkopalkirche usw., nationale Spiele, wie Fußball, ivürden gepflegt, und der Musik komme eine große Rolle zu. Tie Lichtbilder, die gezeigt wurden, führten in das Bildhauer- atelier eines französische» Künstlers und in das Laboratoriuni eines russischen Gelehrten. Man sieht russische Bauern zitternd eine Entlausungsanstalt betreten»nd wieder schmunzelnd heraus- kommen. Die Aerpfleguna schilderte der Holländer als genügend und durchaus reichlich;' ebensowenig wie ein Einheiinischer Iverde in Teutschland ein Kriegsgefangener verhungern. Am wohlsten fühlten sich in den Lagern die Rlissen; aber auch andere, nament- lich die in den Lazaretten verpflegten Franzosen, bewahrten deui- schen Aerzten warme Dankharkeit. Der Vortragende schloß mit dem Hinlveis, daß der Tag der Heimkehr der Kriegsgefangenen auch den Anbruch einer Zeit bilden tverde, Ivo inan Deutschland für die Be- Handlung seiner Gefangenen Gerechtigkeit widerfahren lassen Würde; die Kriegsgefangenen würden für seine Humanität zeugen. England sperrt die Meneinfuhr nach Teneriffa! Zu der Waffe der Aushungerung des deutschen AolkeS bar England in letzler Zeit den geistigen Auöhnngeriingskritg gegen die denlschen Gelehrten gefügl. Wenigsten« hat es dies verinchi, sonreit es sich um die deutsche Anstalt zur Beobachtung von Menschenaffen auf Teneriffa bandelt, die seil einer Reihe voir Jahren im Beiriede ist. Während des Kriege« hallen die Engländer sich überlegt, daß dieie Anstalt größtenteils durch deutiche« Geld unlerbalien wird, und so beschlonen ste, die Affenforscher„auszuhungern", indem sie die Affenzuiuhr verbmen und unterbanden. Die Forscher auf Teiie- riffa beobachleteu das Lebeil und die Gewohuheiteii der Schinr- pansen, der Gorillas, der Orarrgs und der Gibbons. Es hol sich jedoch, Ivie der„PromelhenS" berichtet, herausgestellt, daß die Affen- forscher dnrchzuhallen imstande sind, die Engländer können nämlich nur die Einsuhr von Gorillas»nd Schimpansen verhindern, da diese beiden Menschenaffen nur in Ländern vorkommen, die im Besitz oder in der Gewalt der Areiverbandsinächte sind. Orang-Utans dagegen stehen noch reichlich zur Verfügung, da die Regierung der nieder- ländisch-indischen Kolonien sie in großer Zahl liefert, und auch an Gibbons ist kein Mangel. Die Affenforscher können also an diesen beiden Affenarten ihre Aeriuche und Beobachtungett fortsetzen. 2ts Oer starke Mann. Eine schweizerische Offziersges chichte von Paul Jl'g. „Was ist denn das wieder für ein Spektakel? Mutz i ch kommen, um Ordnung zu schaffen?" schrie er, in det törichten Hoffnung, schon seine Stimme tverde die gestörte Ruhe wieder herstellen. Den Zusanimenhang erriet er schnell; doch wurde deshalb seine Miene nicht freundlicher. Er schien im Gegen- teil die elementare Abwehr der vornehmen Sippschaft von Herzen gutzuheihen. Trotzdem es Adolf Lenggenhager in diesem Augenblick ge- lang, die Dogge auf den Hof zu treiben, war an einen ge- deihlichen Frieden»och lange nicht zu denken. Das arg zer- zauste Windspiel heulte schrill, indes der vor Zorn und An- strengung betäubte Offizier dem Uebeltäter mit dem schäbigen Rest der Peitsche nachsetzte und dabei den laut scheltenden Vater schier überrannte. Selber zur Bestie geworden, schlug er auf das fliehende Tier ein. das im Hause Schutz suchte, sich unter Tisch und Bett verkroch, vor Rot den ganzen Boden bewässerte nnd zuletzt mit einem tollkühnen Sprung durchs Stubenfenster ins freie Feld entwischte. Ganz antzex Atem, über und über beschmutzt. Uetz sich der junge Herr auf das Kanapee fallen. Er hatte eine bitterböse Arbeit ver- richtet, indem er den glühenden Zorn auf den Geist dieses Hauses am Leibe seines treuen HundeS austobte. War es nicht, als sei dieser widerborstige Geist in die Seele des Tieres gefahren, um sich mit fletschender Wut auf die verHatzte Neu- zeit zu stürzen. „Nein, diese unerhörte Gemeinheit! So ein abscheuliches Vieh! Wie kann man eine solche Bestie frei hermlaufen lassen!" hörte er einmal über das andere die Stimnre Renöes, die mit Hilfe des Stalljungen die Wunden ihres Lieblings wusch und die Fahrt nach Staad laut verwünschte. Kein Wunder! auch sie bekam den Geist des Hauses zu spüren. Der Viehhändler, den es trieb, sich die Bescherung näher an- zusehen, dachte nämlich nicht entfernt daran, eine angemessene Entschuldigung vorzubringen. „Wer hat denn das Gatter so voreilig ausgemacht? Ein kleines Kind weitz doch, datz man sich vor Hofhunden in Acht nehmen mutz!" wandte er sich zum Schein an die hilfreichen Kostgänger, die ihre Pfeifen gemach wieder in Braudjetzten und das Sainariterwork der zornmütigen Lady aus gebühren- der Entfernung verfolgten. Diese sah den Stockgänger mit der geblümten Samt- Weste und den schwarze» Futterärmel», der noch aufbegehrte, statt sein Bedauern auszusprechen, vernichtend an, wobei sie sich weniger bewutzt war, den Vater ihres Begleiters als einen unverschämten dickfelligen Bauern vor sich zu haben. „Warum legen Sie Ihren Köter nicht an die Ketie, wie es sich gehört? Ich könnte Sie ja verklagen. Es ist über- Haupt ganz unverantivortlich von Herrn Lenggenhager. mich solchen Gemeinheiten auszusetzen. Charly I" schrie sie den Stalljungen an,„geh' ins nächste Haus und lah dir ein Ge- schirr mit Wasser geben I" Der Herr des Frohsinns aber schrieb hierauf mit dem Stock einen dreifachen Bannfluch in die Luft. „Ja, nur nicht so kunterbunt, Jungfer! Bis dato habe ich noch alleweil selber gewußt, was ich auf meinem Hof zu turi habe. Mich verklagen? Jawollja, da kommt Ihr gerade an den Rechten. Die Örtspolizei bin ich. Es wird sich dann wohl weisen, wer befohlen hat, das Gatter aufzureißen. Ich nicht. Und meines Wissens steht nirgend geschrieben, daß Menschen und Hunde in ihre Hütten kriechen müssen, ivenir so ein Narrenfuhrmerk daherkommt. Gott bewahr' uns! Hereingerufen habe ich niemand. Daran fehlt noch viel." In diesem groben Geschütz war alles enthalten, was ein abgerackerter Rappenspalter einer arbeitsfremden Verschwenderin sage» kann. Es pulverte gewaltig von Abneigung gegen Sportswagen, Lakaien, Reiherhüte und Windhunde. Wer Ohren hatte, konnte»lerkeu, das; der Alte nach diesem Vorspiel aus nähere Bekanntschaft keinen Wert legte. Mit sich selbst hingegen durchaus zufrieden, stapfte er wie ein Trut- hahn kollernd dem Stalle zu. Jetzt fehlt nur noch die Brntwurstetin. Ein schöneres Fest hätte ihr niemand bereiten können I Liegt sie nicht auch irgendwo auf der Lauer? Es soll mich wundern!" schrie Adolf die Schwägerin an. Er traute sich nicht auf den Hof hinaus. Nach diesem Skandal dem Väier gegenüber zn treten, ging um Himmelswillen nicht an. Daraus konnte nur Schmach, Schrecknis entstehen. Seine zn Klumpen ge- ballten fliegenden Fäuste suchten ein Opfer. Der Schwägerin hüpfte das Herz schauerlich im Leibe, während sie de»; heim- lich Geliebten beflissen herauszuputzen suchte. Verzweiflung heuchelnd fragte sie, ob er sich nicht wenigstens bei dem Fräu- lein entschuldigen ivolle. Er fuhr aus einer wahren Wut- betäubung auf. Richtig, vor ihm stand ja das breitbusige Riesßiifräulein tu seiner unbeholfenerl um Gnade fiehende» Hausbackenheit! Was wollte die liebe Kuhaugensanftiniit von ihm? Er hatte ihr doch die Elesimtenbeine und Mainmuthüften längst verziehen, ja sogar ihre durchdringende Ausdünstung je und je ohne Grimassen ertragen. Verlangte sie noch mehr von ihm? Sie konnte offenbar ihre Freude über den mitzlungenen Brautempfang kaum verbergen? O, diese Hintenveltler! Nur ein böser Zufall hatte ob- gewaltet, und doch sah jetzt alles einer schnöden Absicht gleich. Warum mutzte zu dieser Stunde die Mutter gerade ablvesend rmd der Vater zu Hause sein? Es sah wirklich aus, als wenn das Kind mit dem Bade verschüttet sei. Die hoch- mutige Renöe Steiger vor Krethi und Plethi wie eine Stall- magd abgeschwartet! lind er, der ritterliche Offizier und Bräutigam, war nicht dazwischengefahren, seinem Alten vor den nämlichen Ohren alle Schande zu sagen. Das konnte ihm die Beleidigte unmöglich verzeihen. „Freut Euch nicht zu früh, Ihr elenden Ferkelstecher! Mich seht Ihr auch nicht wieder!" fauchte er die entsetzte Schwägerin mit verzerrten Zügen an. Dann stürzte er sich besinnend hinaus. Die Angst, datz alles, was sich kaum ent- spönnen hatte, wieder berivirrt, zerrissen sei, trieb ihn oen kalten Schlveitz auf die Stirn. Ja wieso denn nur? Wegen einem Hundebitz! Was konnte er dafür? „Tut mir furchtbar leid, Fräulein Renöe. Aber so schlimm wird es hoffentlich nicht sein!" stammelte er ganz ratlos beiin Anblick der ungeachtet des Kotes mitten auf der Straße kauernden Freundin. Sie würdigte ihn überhaupt keines Blickes. Mit ihrem Spitzeutüchlein, das sie in ein Wasserbecken tauchte, wusch sie die Wunden der armen süßest Mirza ans. „Ich mutz gleich mit ihm zum Tierarzt fahren. Das gräßliche Vieh kann ja die Tollwut haben, wer weih! Charl«, steh doch nach, ob ein Telephon ist der Nähe ist!" befahl sie dem schlotternden Bürschchen. Lenggenhager kam trotz ihrer abweisenden Haltung näher und sag den Schaden mit sachverständigen Augen an.„Bewahre!" sagte er ingrimmig. „DaS sind keine gefährlichen Berletziingen; in ein paar Tagen ist alles wieder heil. Verlassen Sie sich darauf." (Forts, folgt.) r1 Bralpfanno mit StieJ 7Z. iPt 1 KÖBigs- liü�nfcrni 75 p. 3 'Uinonlöpfel nuni glasiert 75 Pf. Dandorf&0 Beliß-Aiiiance-Slrtisse Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strasse Kottbuser Damm U/ilmersdorfer Strasse Verlangen Sie bei Einkäufen Rabattmarken (DirUchoMihel 1 Spipituskochep.......... 75 n. 1 Kieidepbiipste.......... 75 pt 1 Scheuepbüpste.......... 75 1 Gewüpzschpank......... 75 p. 1 Gebäckkasten........... 75 pt 1 Einkooh- dose 75 pf. 1 Gazeglocke............. 75 pt 1 Paap Messer und Gabel 75 1 Ringständep75 lOuiPlbrett 75 1 Voppatsdose75 lKücbenbrett75 1 Haapbürste 75 1 Abstäuber 75 1 FleiSCllbPett........] Rammen 1 Fleisohklopfer...... j 7 5 1 Müil- schaufel 75 p. I Obstkuchenfopi pi. 75 p-. 1 Reibekeule I Klopfer zusammen 1 Besteckkasten......... 75 n Pnrfumerle 1 Flasche Birkenkopfwasser 75 1 Flasche Bay-Rum....... 75 pt 1 Zelluloid-Seifendose... 75 n 1 Zelluloid-Zahnbörstenhülse75 6 Mottenschutz-Tafeln.. 75 pt 1 Rasiernapf.............. 75 p. Glos 1 Blumenvase �7.°.�.. 75 p,. 2 Weingläser f™6..... 75 3 Likörgläser hob. Form. 75 1 Kompottschale reiches fjfi Pressmuster 2 Bierbecher 1 Kuchenteller Bllouterie 1 Rocknadel(Tuia-siibeo. 75 pi. 1 Kinderring(SimeD...... 75 1 Zigaretten-Behälter... 75 pi. 1 Stehspiegel mit Metallrand 75 Pf. 1 Kannenuntersatz....... 75 PI. 1 Obstkörbchen Sinke!... 75 Porzellon 2 Aufschnittplatten 2 Abendbrotteiler 1 Frühstückskanne SÄ" 75 1 Zuckerdose n™L 1 Milchgiesser Gold' zusammen linien <75 pi. 2 Kaffeefassen»SSr.; 75 1 Kaffeekanne reich verziert 6 Eierbecher sortierte"TK Verzierunr.■ � mit 7C Goldverzierung' u rl- 1 Zuckerdose]~Zmtn 1 Milchgiesser jAtngl iOp'- 4Kompotf eller. eiS5 75 2 Kaffeetassen mit Untertassen, 7'i grosse Form, weiss'" 4 0bertassen«eie,75 1 Marmeladendose 75 2 Kartoffelnäpfe weis........ 75 2 MarmeladendosenwTeiSe7t�75 2 Kaffeetassen ÄS 75 3 Obstteller 16 cm, mit Frucht- Verzierung 75 pl 1 Butterdose 75 p-. 3 Kompottschalen weis-.. 75 pi. 4 Kaffeetöofe mit Aufschrift 75 Pi. 2 Kaffeebecher 75 pt Steingut 3 Kaffeebecher grosse Form 75 pi. 4 Obertassen grosse Form 75 pf, 2 Speiseteller 75 Pt 3 Kaffeetassen 71? Goldrand und Linie........'" Pf. 3 Gemüsetonnen 75 t zusammen Pt 1 Essigflasche......., 1 Oelflasche.......... liO 2 Mesten.................. 75 Pt PnplerMnren 25 Briefbogen 7omatlwKmen 25 Umschläge Ä!D;J• ö pf- 3 Rollen Toilettepapier 75 pt 1 Postkarten-Album..... 75 pt 2 Rollen Küchenkante... 75 pt 1 Schreibblock 100 Biatt.. 75 w. 1 Poesiealbum............ 75 pt 1 Album von Berlin �Anommen)' Emnille 1 Kasserolle............. 75 pt 1 Maschinentopf.......... 75 pt 3 grosse Pakete Edel- IVasehpBlver 75 pf- 8 Pakete Blitzölank 75 pf. 4 Dosen Sdiuiipasfa „Samm Wal" 75 pf. 30 Kartenlinefe 75 f. 1 Rasiergaraitüi 75 00 Berliner Ansidils- onlersetzer l mit Metallrand 75 10 Bleislifte mit Fchoner 75 pi Verein der Stereoiypeure und Galvanoplastiker Berlins u. Umg. Ms Opfer des Weltkrieges verloren wir die Kollegen: fStvIsiei' Robert Seewald Franz Schneider Fritz Gntzeit. Ferner verstorben die Kollegen: Fmil Schnster «Joseph Fiessenkämper. Ehre ihrem Andenken! Her Vorst»««!. Oeulzcher Iransporlapbeiter-Verliaiiil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dal; unser Kollege, der Kohlen- arbeiler Wilkefm Geserick am S.Jsitni im Alter von 53 Jahren verstorben in. (echre seinem Zlndenken 1 Tie Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Martha-Kirchhojes in Ahrensfelde aus statt. 6/1 Die Bezirksverwaltung. Aumeu- und öraliMdtm von kodei'l IWexet', Jnh.: 1*. tiollct/. Mariannenstr. 3. Tel. Mpl. 10303 Allen Kollegen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß der Schriftsetzer Albert Hering am 8. Juni im 89. Jahre verstorben ist. Wwe. EmUlv Vitschc. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 13. Juni, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des (Keineinde-Friedhofs in Steglitz, Bergstraße, aus statt. LögÄ Zur AusicheiduD� aller scharfen und kranken Stoffe aus Blut und Säften, gesen Blutverdickung. Blutandrang, rotes Gesicht, Hautunreinigkeilen ist mein JBI u tr e i n I g c n g s p ul v er Sa IIa riu seit über 25 Jahren wirk- b.dm erprobt. Versand d. Nachnahme Otto at!tv!»«K»Ssrtuit3.ll!«i>bgdii!itr.4. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß unser lieber Bater und Schwiegervater, der Rahmenmacher Hcinridi Noethen am 9. Juni im 57. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. 8A Um stille Teilnahme bitten Fritz Schultz, zurzeit im Felde und Frau Brno geb. Noethen Heinrich Noethen, zurz. a. Urlaub Max Noethen. Ruhe sanft! Allgemeine Orts- Krankenkasse Knliil-Wilmersdlirf Aus Grund des§ 80 der Kassensatzung lade ich hiermit die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten im Ausschuß der Kasse zu einer Ordentlichen Ansschntz-Sitzung am Mittwoch, den 2«. Juni 1917, abends 8 Ilhr, im Restaurant.Landhaus-, Berlin- Wllmersdors, Berliner Straße 154, Ecke Kaiser-Allee, ein. 277/12 T a g e s o rdnung: 1. Abnahme der Lahresrechnung sür 1916. 2. Beratung und Beschlußfassung über einen Antrag des Borstandes auf Zahlung erhöhter Kranken- Unterstützung für die Dauer des Krieges von pro Tag M.— ,25 sür alle Klassen. Beratung und Beschiußsassung über den Berkaus des Genesungsheims Groß-Besten an die All- gemeine Orts-Krankenkasse Tem« pelhof. Verschiedenes.(Bericht über die Zlussührung des Beschlusses vom 29. November 1916 belrejfend Heilstätten. Vrtolff Kpansc, J- Üorjitzeniicr. 3. SiftMiniMMihn jlcreinfiitCctliii 5. Mittwoch, den 13. Juni 1917, abends 8 Nhr, in den Unions-Jestsälen, Greifswalder Str. 222(kl. Saal); Mitglteder-Nerjannnlung. Tagesordnung: 1. Stockholm und der Friede. Referent: Reichslagsabgeordneter Georg Schöpfli«. 2. OrganifationSangelegenheiten. Genossen und Genossinnen, die aus dem Boden der sozialdemokratischen Partei sieben, sind als Gäste itr dieser Bersammlnng willkommen. Bei- träge sowie Neuausnahmen werden entgegengenommen. 223/5 Verlag von J. C. B. Mohr(Paul Siebeck), Tübingen. -jr Anläßlich der am S.Juni in Stockholm stattfindenden Internationalen Konferenz der Gewerkschaften findet aufs neue Interesse die Schrift: Ii Von Adolf Braun in Nürnberg. Groß 8. 1915. 60 Pf. Aus einer Besprechung von O. E. in der„Evangelischen Freiheit- 1916 Helt 3; „Alle sozial Interessierten möchten wir aufmerksam machen auf die sehr lehrreiche Abhandlung von Adolf Braun über die internationale Verbindung der Gewerkschaften(Mohr, Tübingen, 51 S., AI.— ,60), die uns über die wirtschaftlichen Interessen und Wirkungen der Internationale unterrichten, welche schon vor dem Kriege immer stärker wurden als die ideologischen Motive, während des Krieges sogar nicht völlig ruhten und nach dem Kriege sicher noch vor dem Wiederdurchbruch der internationalen Gesinnung die Brücken von einer Xation zur anderen schlagen werden. Es ist von dieser ruhigen sachlichen Erörterung viel zu lernen." O. B. Vornehmste Fahrradbereifung„Eluce" angenebmes, tiichereH Fahren, vollster Gammlersatz Bereifung A für Luxusräder........ M. 30,— „ B für Last-, Militär- und Posträder M. 25,— —mm Laufdecke und Luftschläuche sind zum Füllen einzusenden. Lechner& Crebert, Mannlieini-Rlieioau, Enlenfell 1, Pfd. M.4,75 Gänsevökelkculeu.. glück 3,95 Gäusestückciifleisch.. Pjd. 3.95 Sptlkgansbrust. Psd. 8.75 an Frische Zuppcnbuhncr„ 1,S5 an Mmidl vorm. Tasebe,„V'**i. Ungeahnte Erwerbs- Möglicbbeiien bietet die.nächste Zukunft. Eine tief. greifende Änderung unseres gesamten Wirtschaftslebens, ein gewaltrger Aulschwung unserer Industrie u. des Handels steht bevor, und es werden überall geschulte Krähe gesucht «ein. Angehdrige technischer Beruf« u. 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