Ztr. 189. 34. Jahrg. flOoiuiementb-Redlngungeii! HBotmetnentS■ VrelZ stflnunietonbo' Vierteljährl. 8.90 SBIt, Bionail. LSO Ml, wöchenllicd SO Psg. frei in? SiauS, Einzelne äiummei 6 Pjg. Könning?. Nummer mir illuiirier>e: Koiuuag?» Beilage.Die Neue SSett" 10 Big, Soll« Kbounemcnt: 1,30 Marl vre Monat Eingetragen in die Voil- Zeitung?. Btei#liite. Unter Kreuzband iür Teutichiand und Oesterreich- Ungarn 2,00 Mark, für da» übrige Au-iand « Marl tto Monat Bojlaiionnemcni? nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Cridicint uaiia. Berliner DolKsblnik. ( S Pfennig) D!c!n{crtions-Gebüt)r Mt&gl für die iech?gest>alieiie Kolaitel- teile oder daran Raiuu 00 Pig, sür polstische und gewerliaialtliche Verein?. »nd Versamtliiungs- Anzeigen 80 Big. »Ivleine Mnzeigtn", das leugodruclle Kort 20 Pig.(zuläifig 2 fettgedruckte Bottei. jede? weitere SSoti 10 Big, klellengeiuche und kchiojitcstenaif (eigen da? erste Sott 10 Big., jede? weitete SottBBig. Sorte über lö Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inieraie für die nächste Stummer müsten bi? b Uhr nachmittags in der ExpeSition ihgegeben werden. Tie Exvedstron ist bi? 7 Uhr abend? geöffnet Xelegtomm.Hi reffe: .Sozialdemdkrai Bern«". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfchlands. Neüaktion: EW. 68, Linüenstrahe 5. Ferniprecher: Amt Moritzplatz. Rr. lkl SV— 1S1 37. Mittwoch, de« 13. Juni 1917. Expeüition: Ew. 68» Linöenftraße?. stfernivrecder: Amt Morittplatt, Rr. 131 SV— 131 37. England und frankreick an R-nKland Kein Separatfrieöen mit Rußlanö. Die Zeitschrift„Ter Turmer" richtet in ihrem soeben erschie- nenen zweiten Iuniheft scharfe Angriffe gcgen den„Borwärts", weil dieser geschrieben hatte: -„Das revolutionäre Rußland wird die Pflichten, die ilim ein Tcscnsivbündnis gegenüber feinen Bundesgenofsen auferlegt, nicht verleben, c s b a t n i ch t d i e?l b s i ch t, s i ch zu e n t wa f f n e n, um Teutschland zu westlichen(�robrrungeplänen die Arme freizumachen, es will leinen Lösungen des Friedens. Problems zufitmmen, die dem Telbstbestimmungsrechtc der Pölkrr widersprechen, indem sie nichtdcutscke lSolksteilr mili- törisch oder politisch in deutsche Hand bringen." „Ter Türmer" meint, daß wir mit diesen Ausführungen„für den Feind und gegen das eigene Saterland Partei ergriffen" hatten. In Wirtlichkeit haben wir mir die Absichten Rußlands richtig inter- pretiert, die Dinge dargestellt, wie sie sind, und haben zugleich bor Illusionen gewarnt, auf die sich eine falsche Politik gründen konnte. ..Ter Türmer" und die ihm Gleichgesinnten überschätzen auch den Einfluß des„Vorwärts" auf das revolutionäre Rußland, wenn sie metnen. er konnte cs zum Verlassen seiner Grundsätze bewegen, die von allen Regierungen die Bereitschaft zu einem allge- meine n Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen fordern. Tiefer allgemeine Frieden ist auch das Ziel der deutschen S o � z i a ld c mo kra t i e, die durch ihr rastloses Etrebcn nach ihm dem deutschen �Nblb am besten zu dienen überzeugt ist. Englanüs Antwort on RußlanÜ. Zur Revision der KricgSzicle bereit. London, 11..Iunj.(Reuter.) Die vom 9. Juni'datierte Antwort der englischen Regierung auf die ruffifchc Note über die Kriegsziele der Alliierten lautet: Am 3. Mai erhielt Seiner Majestät Regierung durch den rusfi- schen Geschäftsträger eine Note bon der russischen Regierung mit der Erklärung ihrer Äriegspolitik. In dem Aufruf an das russische Volk, der in der Note enthalten ist, wird gesagt, daß das freie Rußland nicht andere Völker zu beherrschen, noch ihnen ihr ange- stammtes nationales Erbe zu nehmen oder fremdes Gebiet gewaltsam zu besetzen beabsichtigt. Dieser Gesinnung st im m t die englische Regierung von Herzen zu. Sie ist in den Krieg nicht als in einen Eroberungskrieg eingetreten und sie setzt ihn für kein solches Ziel fort. Ihre Absicht beim Aus� bruch des Krieges war, den Bestand ihres Landes zu verteidigen und die Achtung vor den zwischenstaatlichen Verpflichtungen zu erzwingen. Zu dieien Zielen ist jetzt noch das der Befreiung der durch fremde Gewaliherrschaft unterdrückten Völkerschaften hinzugekammen. Die englische Regierung freut sich daher herzlich, daß das freie Rußland die Absicht der Befreiung Polens angekündigt hat, nicht nur des von der alten russischen Autokratie beherrschten Polens, sondern in gleicher. Weise des unter der Herrschaft des deutschen Kaiserreiches befindlichen Polens. Zu diesem Schritte wünscht die englische Demokratie Rußland gutes Gelingen. Vor allem müssen wir nach einer Regelung streben, die das Glück und die Zufriedenheit der Völker sichern und allen berechtigten Anlaß für einen zukünftigen Krieg beseitigen wird. Die englische Regierung vereinigt sich herzlich mit ihren russischen Alliierten in der Annahme und Billigung der Grundsätze, die von dem Präsidenten Wilson in seiner historischen Botschaft an den amerikanischen Kongreß nieder» gelegt sind. Das sind die Ziele, sür die die britischen Völker kämpfen, das sind die Grundsätze, von welchen ihre Kriegspolitik jetzt und in Zukunft geleitet wird. Die englische Regierung glaubt, daß die Abmachungen, die sie von Zeit zu Zeit mit ihren Alliierlen getroffen hat, mit diesen Leitsätzen übereinstimmen. Aber, wenn die russische Regierung es wünscht, ist sie-vollständig bereit, diese Vereinbarungen mit ihren Alliierten zu prüfen und. wenn nötig. zu revidieren. * Man versteht diese englische Antwort an Rußland wohl nur dann richtig, wenn man annimmt, daß sie den Zweck verfolgt, durch Verhandlungen Zeit zu ge. Winnen und das Schwungrad der Kriegsmaschine, das in Rußland auf dem toten Punkt angelangt ist, wieder in Gang zu setzen. Dies aber soll durch die russische Konterrevolution geschehen, die das imperialistische Bürgertum wieder in den Sattel hebt und für deren Zustandekommen in England fleißig gearbeitet wird. lieber Oesterreich„nichts beschlossen". iScru, 12. Juni. Auf eine Anfrage im Unterhaus, ob der Oester- reich-Ungarn betreffende Say in der Antwort der Alliierten aus Wilsons Friedcnsnote dabin auszulegen sei. daß dieses in in eh- r e re selbständige Staaten geteilt und den Tschechen, Slowaken und den anderen�ihm unterworfenen Völkerschaften eine angemessene Form der iselbstregierung gewährt werden solle, antwortete Lord Robert Eecfl, die Alliierten beabsickitigten, diesen Völkerschaften zur Freiheit zu verhelfen, hätten aber über die näheren Umstände noch nicht? bcfchloffcn. . Frankreich will Clfaß-Lothringen. t Petersburg, 11: Juni.(Meldung der Petersburger Tele- grapyen-Agentur.) Die französische Regierung hat hier einc Note übergeben lassen, welche dieselben Erklärungen enthält, wie die englische, und hinzufügt, daß Frankreich, in dem Wunsch nach Wiedererwerbüng von Elsaß- Lothringen, das ihm vormals mit Gewalt entrissen worden fei, gemeinsam mit seinen Alliierten bis zum«iege kämpfen werde, um diesen Provinzen ihre Rechte auf ihr un- verkürztes- Gebiet und auf wirtschaftliche und politische Selb- ständigkeit zu sichern. Eine Note Kwerikas an Ehina. Aufforderung zur nationale« Einigkeit. > Chinas Verhältnis zu Deutschland hat zwar zum Abbruch der Beziehungen mit Deutschland geführt, aber das ist in den Augen der Entente nur eine Halbheit. Sic geht aufs Ganze und will den Kriegsanschluß, denn nur der bedeutet das Ende des Deutschhandels im Reich der Mitte. Auf die Beseitigung dieses Konkurrenten kommt es an. Jetzt, lvo in der chinesischen Kriegsfrage schwerste Hemmungen durch den Streit der obersten Anstanzen eingetreten sind, macht sich Präsident Wilson ans Werk, uni die Sache zu erwünschtem Ende zu schieben. Das Reutersche Bureau erfährt. daß die V.e reinigten stauchen an die Alliierten und auch au China eine Rote gerichtet haben, in der sie den inneren Zwiespalt in China beklagen Md auf die Notwendigkeit nationaler Einigkeit verweisen. Die Note schlägt vor, daß in irgendeiner Form eine gemeinsame Erklärung an China gerichtet werden'solle. Die Haltung der' anderen Alliierten ist noch nicht bekannt, da ihre Antworten noch nicht abgesandt sind. . Die„nationale Einigkeit", ans die Amerika drängt, bedeutet nichts anderes, als den Entschluß' zur Kriegsbereitschaft mit den europäischen Binnenmächtcn, die vom Weltmeer- Verkehr ausgeschlossen werden sollen.' Ist der Entschluß nicht freiwillig zu haben, so nimmt man ihn ebenso willig aus vergewaltigender Faust entgegen. Wird die gemeinsame Erklärung der Ententemächte an China eine Drohung sein? Soll das Rezept, nach dem das kleine Griechenland behandelt wurde, nunmehr in großem Stil gegen das riesige China per- sucht werden? Daß die Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit die Führung übernehmen, kann in Japan keinesfalls als will kommencs Ereignis wirken. Im Verlauf des.Weltkrieges hatte sich das Verhältnis der Ententemächte zu China so entwickelt, daß Japan bei wichtigen Aktionen an die Stelle rückte, die bisher von England eingenommen wurde. Jetzt tritt Amerika als die sprechende Vormacht auf. Sicherlich nsit Einwilligung Englands. Wie das in Japan aufgenommen wird, ist aus folgender Meldung Reuters aus Tokio zu ersehen: Die amerikanische Note an die chinesische Regierung hat eine gewisse Erregung in der Presse und in der öffentlichen Meinung Tokios hervorgerufen. Gc- mäßigte, gntunterrichletc Politiker glauben, daß die Note die Gegensätze zwischen den verschiedenen Gruppen in China verschärfen. vielleicht die fremdenfeindlichen Elemente aufreizen und wahrscheinlich die entgegengesetzte Wirkung haben wird, als beabsichtigt war. Weniger ge- mäßigte Japaner sind über die Rose empört und betrachten sie als amerikanische Einmischung in die innere Politik Chinas. Es ist also möglich, daß die Note neben der Wirkung, die sie in China haben soll, noch zu Auseinandersetzungen zwischen Japan und Amerika führen wird. Auseinander- setzungen. die längst am Horizont sichtbar sind. Alles, was weltpolitische Zukunftsfrage schien, wirft der Weltkrieg in gieriger Haft beschleunigt aus die Tagesordnung. Eine Spannung zwischen Amerika und Japan könnte aber sehr wohl geeignet sein, die Stimmung in China den amerikani- scheu Wünschen anzupassen. Italienische Ministerkrise. Tic Presse mutz schweigen. Bern, 12. Juni...Agenzia Nazionale" teilt mit, daß B i s s o I a t i, B o n o m i, Co in ni a n d i n i und C a n e p a ihr E n t l a s s u n g s g e s u ch eingereicht hatten.�worauf B o- selli mit Mühe eine Unterredung zwischen Sonnino und Bissolati herbeiführen konnte. Wie„Secolo" meldet, haben die zahlreichen Besprechungen der Minister zu einer V e r- st ä n d i g u n g geführt. Das Blatt kann jetzt,„nachdem die Krise w e n i g st e n s f ü r d e n A n g e n b l i ck beigelegt ist". mitteilen, daß sie letzten Sonnabend durchaus unvermeidlich erschien, daß aber die Z e i t u n g e n weder über die Mei- nungsverschiedenheiten innerhalb des Ministerrats, noch über die angestrengten Verhandlungen zu deren Beilegung etwas berichten konnten. Amerikanisch- englisches striegswerben.- Von Wolfgang Heine. Wilson und die englische Regierung fürchten die sozial- demokratische Friedensorbeit unter den Völkern, namentlich den russischen. Deshalb singen sie moralische Lieder von Freiheit und Recht, um sie gewisser zu betören. Herr Präsident Wilson beliebt zu behaupten, die deutschen Sozialdemokraten hätten sich als Werkzeuge für Pläne der deutschen Regierung. gegen die Freiheit der Welt benutzen lassen' und stünden auch jetzt, wo sie in Stockholm mit den Sozialisten der neutralen Länder verhandeln, wo sie einen Frieden der Vereinbarung statt der Niederwerfung fordern. im Dienste einer Intrige der Regierung. Er hätte sich lieber die Frage vorlegen sollen, weshalb die deutsche Sozialdemo- kratie trotz ihrer grundsätzlichen Verurteilung eines jeden Krieges, trotz ihrem sahrzehntclangcn Siurmlauf gegen den Militarismus, trotz ihrer klaren Einsicht in die inrperialisti- schen Ursprünge dieses Weltkrieges, sicki im August 1914 wie ein Mann entschlossen hat, den Kampf ihres Vaterlandes nicht nur nicht zu erschweren, sondern positiv zu unterstützen. Glaubt Herr Wilson wirklich, daß eine Partei, die die größte Zahl von Parteigenossen, die bestaiisgebaute sozialistische Sr- ganisation und das reichste sozialistische Geistesleben der Welt besitzt, sich von einer Regierung, die ihr weder zu Liebe noch zu Vertrauen Anlaß gegeben hatte, einfach„benutzen." ließe? Dann kennt er. der der Welt Tcinokratic lehren will, das Wesen eines Volkes schlecht., Nein, als der Krieg ausbrach, den zu verhindern die deutschen Sozialdemokraten sich bis zum letzten Augeiihlick bemicht hatten, drohten die Feinde, daß die an Zahl über- mächtigen russischen Heere Deutschland'„Niederwalzen" wür- den.„Deutschland", das bedeutet für den deutschen Sozialdemokraten nicht die Herrschaft einer von ihm selbst bekämpften Klasse, sondern die Fruchte deutscher Arbeit, auch jahrzehntelangen sozialistischen Wirkens und die Wirtschaft- liche und kulturelle Zukunft unserer Nation. Vergesse jmjn nicht: es war das zarische Rußland, das uns mit der Mobilmachung an den deutschen Grenzen entgegcnirat, esse noch e i n Deutscher zu den Waffen gerufen war. Derplbe Zarismus, der daheim die Arbeiterorganisationen zer- trümmerte und die Sozialisten an den Galgen und nach Si- birien schickte. Und diese Gewalthaber verkündeten von An- fang an. sie wollten wichtige, von Deutschen bewohnte, rmter deutscher Kultur in Jahrhunderten cmporgeblühte Provinzen abreißen und den österreichischen Nachbarstaat zertrümmern, das heißt, das dann isolierte und geschwächte Deutschland dauernd zur Ohnmacht verurteilen. Solche Drohung läßt ein starkes Volk von 70 Millionen sich nicht gefallen. Des- halb sind wir deutschen Sozialdemokraten eingetreten nicht für die deutsche Regierung, sondern für das deutsche Volk, bc- sonders auch für die Errungenschaften sozialer Reform, die Teutschland der Sozialdemokratie verdankt. Wir wußten, daß dieser Krieg in dem wurzelt, was man „Imperialismus" nennt, in dem-Streben, gewaltige' große Rcickie zu schassen, die ein einheitliches Gebiet der Ausnutzung' politischer und wirtschaftlicher Kräfte im Interesse vor allem: der Nutznießer von Mackit und Reichtum bilden sollen. Wir haben nie geleugnet, daß' auch in Deutschland solche Bestre- Hungen am Werke gewesen sind und die Politik des Reichs unheilvoll beeinflußt und noch mehr nach außen bloßgestellt haben. Aber was bedeuten die Reden einiger Phantasten der Ilnterdrsickungspolitik in Teutschland gegenüber den ziel- bewußten und erfolgreichen Eroberungen, die die Träger des Imperialismus in England und Rußland, in Frankreich und — Herr Wilson weiß es ja ganz genau— in Amerika gemacht haben? Wie klein nehmen sich die kolonialen Erwerbungen Deutschlands aus neben den Rieseugcbieten, die seit der� Gründung des Deutschen Reichs diese seine vier Hauptfeinde sich unterworfen haben, die jetzt nach der Behauptung von Wilson und der englischen Regierung den Krieg für die unter- drückten Völker führen!— Wilson spricht von den„Intrigen", die Deutschland„über Bagdad hinaus" angesponnen habe. .Denkt Wilson nicht daran, daß die Bagdadbahu mit inter- nationalem Kapital gebaut werden sollte, und daß cs nicht Teutschlands Schuld ist, wenn England und Frankreich sich davon ausschlössen?" Glaubt er. die russischen Genossen wüßten nichts von den Intrigen und Gewaltakten gegen die Unabhängigkeit Aeghptens, Afghanistans und Persiens, und davon, daß England sich setzt anschickt, die lang ersehnte Land- brücke voiii Mittelineer bis zu seinen indischen Besitzungen zu erobern?— Die.Friedens- und Freiheitsapostel in Washington und London bemühen sich jetzt von neuem, die russische Darnps. walze gegen Teutschlaird in Bewegung zu setzen und kündigen die„unvermeldlichg Niederlage" Teutschlands an. Wen» .Mcfe Politik glückte, wäre dos nickt die Freiheit der Welt, 'andern die Weltderrschast des englisch-amcrikaniscken Groß. lovitals. Heute sckon hat sich dieses auck in Rußland des Handels und der Ausbeutung von Naturschätzen bemächtigt, und seine Sendboten kommandieren in den Häfen und an den Grenzen Rußlands: sie suchen das russische Volk von 'einen sozialistischen Brüdern in der ganzen Welt abzusperren, um es in neue Blutopfer hineinzutreiben. Wilson, der die .Gutmachung geschehenen Unrechts" predigt, Lloyd George, der beteuert. England wolle keine Eroberungen, schweigen davon, daß England die deutschen Kolonien geraubt und die werdende europäische Kultur in Afrika in ihren Wurzeln er- chüttert hat, indem es den Krieg nach Afrika trug und gegen deutsche Männer und Frauen die Roheiten barbarischer un- wissender Neger entfesselte. Gewiß, Furchtbares ist in diesem dreijährigen Weltkriege geschehen, entsetzliches Unrecht hat Unschuldige getroffen, der- weil die Schuldigen in Haß und Hochmut schwelgen. Jeder Krieg ist gräulich und nienschenunwürdig. Ick denke nicht daran, beschönigen zu wollen, daß auch Fehler der deutschen Politik eine Mitschuld an dem Unheil tragen, das die Welt betroffen hat. Aber man vergesse bei unseren Gegnern nicht: Teutschland hatte den lebhaftesten Wunsch, einen Krieg mit Frankreich zu vermeiden. Wäre das unglückliche französische Volk, dessen t�eist und Kultur seit Jährhunderten von den Deutschen geliebt und geehrt wurde, nicht durch seine Macht- Haber in das Bündnis mit dem Zarentum verstrickt worden, io hätte kein deutscher Fuß französischen und belgischen Boden betreten. Ties Bündnis ober galt der Eroberung von Elsaß- Lothringen: hinzugekommen ist dann das Ziel der Zerschla- gung Oesterreichs und der Verteilung der Türkei. Der englisch- französisch- amerikanische Imperialismus leugnet, daß das„Eroberungen" seien und nennt es die„Frei- heit der Völker von einer Herrschaft, unter der sie nicht zu leben wünschten". Tos Joch Englands, das so viele Völker, auch die europäischen Iren tragen, erwähnen sie nicht. Aber ich will nicht von anderen Staaten reden, nur vom Deutschen Reich. Ich will die Schwächen der inneren Politik preußischer Manier wahrhaftig nicht entschuldigen: wir So- zialdemokraten haben stets auch den Kampf gegen religiöse und nationale Unduldsamkeit geführt für Elsässer und Dänen, kür Polen und Juden im Verbände des Deutschen Reiches. Aber Wilson und seine Ententefteunde versckstveigen, daß die Elsässer zum größten Teile deutsch und nicht französisch iprcchen, daß Straßburg eine uralte Stätte deutscher Kultur ist, daß die Verfassung des Reichslandes zu den liberalsten in Deutschland gehört und das Wahlrecht des Volkes dort viel ausgedehnter ist als in England. Wir deutschen Sozialdemokraten wollen, daß Elsaß- Lothringen die volle Stellung eines selbständigen Bundes- staates einnehme, daß sein Volk alle Rechte genieße, die wir für sämtliche deutschen Reichsbürger fordern. Politische Gleichberechtigung beanspruchen wir auch für Polen und Dänen im Deutschen Reiche und haben geHolsen, ihnen die Beseitigung der Sprachbeschränkungen zu erkämpfen. Wer das Leben der Staaten und Völker wird nicht nur durch nationalistische Interessen bestimmt. Die Ostgrenze von 1770 würde heute Preußen lebensunfähig machen und eine fort- dauernde Gefahr für den Frieden bilden. Daß Westpreußen ein paar Jahrhunderte unter polnischer Herrschaft gestanden hat, yibt deni lebenden Rechte der Gegenwart gegenüber kein historisches Recht, uns dies in der Hauptsache deutsche Land zu entreißen. Die deutsche Sozialdemokratie verlangt eine Kontrolle der äußeren Politik und ihre Basierung auf den Volkswillen und das Menschheitsgewissen, um neue Kriege auszuschließen: unser Ziel ist die Schaffung eines Weltbundes, der den Frieden gewährleistet. Wir wähnen auch nicht, daß solche Ziele ohne innere Neugestaltung und Kämpfe erreicht werden könnten. Aber das sind Werke, die jedes Volk für sich allein vollbringen muß: wir lehnen deshalb entschieden die Ein- Mischung Wilsons und seiner Bundesgenossen in unsere inneren Verhältnisse ab. Das friedliebende deutsche Volk, dessen Stimme schon Whrend des ganzen Krieges oft genug laut geworden ist und jetzt in Stockholm durch die deutsche Sozialdemokratie zur Welt redet, hat kein Interesse an einen Kreig mit einem Hefreiten russischen Volke, das den Nationalitäten ihre Rechte und seinen Nachbarstaaten ihr Gebiet und ihre Unabhängig- keit lassen will. Es fordert nichts von Rußland und ist be- reit, in Frieden und Freundschaft mit diesem bedeutenden kraftvollen Volke sowie mit allen anderen Völkern der Welt zu leben. Ties zu den Parteigenossen aller Länder zu sagen, fiod unsere Vertreter nach Stockholm gezogen, nicht als Werk» zeuge der Regierung und nicht im Dienste der Imperialisten, die uns vielmehr heftig angreifen. Wir Sozialdemokraten wollen die Stimmen der Völker gegen das scheußliche und sinnlose Blutvergießen erwecken, bei dem niemand etwas ge- Winnen kann, aber die Menschheit zugrunde zu gehen droht. Wir hoffen auf Widerhall bei den anderen Nationen. Ob das russische Volk Interessen anerkennen will, denen zuliebe es diesen schauerlichen Krieg bis zu der von Wilson und England verlangten Niederwerfung Deutschlands und seiner Verbündeten fortzuführen genötigt wäre, dieses muß es selbst entscheiden. Aber Wilsons Epistel und die schönen Worte Englands werden nicht darüber hinwegtäuschen, daß dies dann nicht russische Interessen und nicht solche der Menschheit und Kultur sein würden, sondern die imperialisti- 'chen Bedürfnisse des englischen und amerikanischen Groß- kapitals. Stockholm. verhanülungen über üas Irieüensproblem. Stockholm, 11. Juni.(Eigener Drahtbcricht des.Vorwärts'.) Heute begann die Beratung mit dem Holland isch-ftandinavischen Komitee über daS Memorandum der deutschen Delegation, in dem der Fragebogen über das Friedensproblem beantwortet wird. Auf Antrag der deutschen Delegation wurde dem Fragebogen dt« Frage hinzugefügt, was die einzelnen sozialistischen Par- tei e n in den verschiedenen Ländern während des Krieges zugunsten des Friedens unternommen hätten. Hier verlautet, daß den Franzosen, den Engländern und den Amerikanern in ihren Pässen für Rußland ein eintägiger Aufent- halt in Stockholm bewilligt werden soll, wodurch man ihnen Ge- legenheit geben will, sich mit Brantrng zu besprechen. Die Vertreter der deutschen Minderheit sind gestern nicht ein- getroffen. Man vermutet hier, daß sie erst zur allgemeinen Konfe- zzenz IpMrren wollen.________ � Englische Einzelangriffe in Flandern— Reiterattacke östlich Mesfiues— Französische Augriffe gegen die zurückeroberte« Gräben bei Cerny— Lebhaftere Gefechts- tätigkeit an der Ruffensront, besonders bei Brzezany— Maibilanz der Luftkämpfe. Amtlich. Großes Hauptquartier, den IL. Juni 1917.(W. T.».) Westlicher ttriegSschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. An der flandrischen Front war die Arrillerietätigkeit abends bei Dper« und südlich der Douve gesteigert. Nachmittags ritt eaglische Kavallerie gegen»nsere Linie» östlich von Messines an; nur Trümmer kehrte» zurück. Südlich davon bei Gnt Kruis angreifende Infanterie wurde durch Gegenstoß geworfen. Im ArtoiS war besonders im Lens-Loge» sowie i» und südlich der Scarpe-Niederung die Feuertätigkeit lebhast. Bei FromelleS, Nrnve Lhapell« und Arlrnx vordringende englische ErkundungSabteilungr» sind abgewiesen worden. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Gegen die von uns beim Borstoß«estlich von Cerny am 19.<5. besetzten Gräben führten die Franzosen gester» fünf Gegenangriffe, die sämtlich verlustreich im Frner und Nahkampf scheiterten. Der Artilleriekampf erreichte nur nördlich von Baillh und a» Winterberg»vribergehend größere Stärke. I« der Ost-Champagne schlugen bei Tahur« und Bauquois französische Erkundungsfiöße fehl. H eereSgruppe Herzog Albrecht. Seine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Düna, bei Emorgon, Baranowiffchi und besonders bei Brzezautz und an der Rarafowka ist die Gefechtstätigkeit wieder lebhaft geworden. Mazedomsche Front. Zwischen PreSpa-See und der Ost-Cerna sowie»o» recht» Bardar-Nfer bis zn« Dofran-See zeigte sich die Artillerie tätiger als in letzter Zeit. I» de« au gesteigerter Sampftütigkeit reich» Monat Mai Hab» auch die Luftstreitkräfte in ihr» vielseitig» Aufgaben große Erfolge erzielt. die paßfrage im Unterhaus. Loudon, 12. Juni. Unterhaus. Terrel(Unionist) be- aniragte Vertagung deS HauseS, um dagegen Beschwerde zu erheb», daß die Regierung Ramsay Macdonald und Jowett Pässe gewährt habe. Bonar Law rechtfertigte die Handlungsweise der Regie« rung und sagte, die einzige von der Regierung erwogene Frage sei die gewesen, welches der beste Weg im Interesse der Fortsetzung de» Krieges sei. Bonar Law betonte, welche Mißverständnisse die Folge einer Verweigerung der Pässe gewesen wären, und erwähnte, daß B u ch a n a n, nachdem er die Gründe der russisch» Regierung gehört hatte, nachdrücklich darauf verwiesen habe. daß die englische Regierung große« Schaden an- richten würde, wenn sie die Pässe verweigerte. und daß Henderson so stark wie nur irgend möglich dazu geraten habe, im Interesse deS Krieges dies» Männern zu erlauben, nach Rußland zu gehen. Der Antrag wurde daraufhin abgelehnt. Englische delegierte zu Schiff nach Rußland. Amsterdam, 12. Juni.„HandelSblad" meldet au» London: Hier wird laum bezweifelt, daß die Vertreter der sozialistisch» Minder- heit trotz aller Schwierigkeit» in» Ausland abreisen werden. Die SeemannSgewerkichast in Glasgow erbot sich, die Bemannung für das Schiff zu stellen, auf dem die Vertreter reis» können. London, 12. Juni. Reutermeldung. Frau Pankhurst. Fräulein Kmnh und der Vertreter der Fabian-Gesellschaft West find heut« früh mit dem Schiff nach Petersburg abgefahren, auf dem auch die Vertreter der Arbeiterpartei reis» wollten. Italiens albanische Aktion. In italienisch offiziösen Kreisen ist man, wie die„Frank- furter Zeitung" meldet, bemüht, die Besetzung Janinas als möglichst harmlos und als eine rein militärische vor- läufige Maßregel hinzustellen, die nicht mit der albanischen Prollamation zusammenhänge. Nur„Jdea Nazionale" der- rät. daß die Matzregel gegen die venizelistische Regierung gerichtet sei, die ihre Herrschaft auch auf dem Epirus aus- zudehnen suche. Es bleibe abzuwarten, wie die Verbündeten Italiens diesen Schritt aufnehmen werden. Eine Aeußerung der Entente, die sich auf die Besetzung Janinas bezieht, auf die Gewicht zu legen wäre, ist noch nicht ergangen. Wohl aber liegt eine Reutermeldung aus London vor, die sich auf den allgemeinen Fall des italienischen Vor- gehens in der albanischen Politik bezieht. Das Reuters che Bureau erklärt nämlich, erfahren zu haben, daß die italienische Erklärung eines albanischen Protektorats eine militärische Maßnahme sei. Die Zukunft Albaniens»verde nach den auf der Londoner Konferenz angenommenen Beschlüssen ge- regelt werden. Mit anderen Worten: Sie hänge vom Aus- gang des Krieges ab und ist nach wie vor eine Frage, die der Friedenskongreß zu lösen haben wird. Die Entente läßt also Italien gewähren, ohne sich für die Zukunft zu binden. der Gberkommiffar für Griechenlanü. „Progres de Lyon" schreibt, es bestätige sich, daß I o n n a r t zum Oberkommissar für Griechenland ernannt worden sei. Man habe Jonnart zuerst als französischen Botschafter in Athen aus- ersehen, der Posten eines Oberkommissars der Schutzmächte ver- setze ihn aber in die Lage, namen» aller alliierten Regierungen mit mehr Nachdruck handeln zu können. Wie von anderer Seite ver» lautete, ist die Ernennung Jonnarts auf der Londoner Entente- konferenz, die in den letzten Maitagen stattfand, beschloff» worden. Jonnart, der ein Jahrzehnt lang Generalgouverneur von Algier. später Minister des Auswärtigen und zuletzt in hohem Posten bei der Suez-Kanal-Gesellschoft war, soll, wie es heißt, die Aufgab« haben, zu verhindern, daß die theffalische Ernte in die Hände der griechischen Regierung in Ach» gelangt. Er soll sie für Saloniki „sichern". Sein Amt ist also ein Gegenschlag gegen die Gefahr, die der Armee SarrailS durch die U-Boot-Aktion im Aegäisch» Meere droht.____________ Neben den Kampf- und Jufauteriestiege» bewährten sich besonders dir für Feuerleitung und Beobachtung unmtbehrlichcn Artillerieflieger, der« Leistungen durch die Feffelballvudeobachter wertvoll ergänzt porde». Wir»erloren im West», Osten und auf dem Balkan 79 Flug- zeuge und 9 Fesselballone. Boa de» abgeschossenen feindliche« Flugzeug» find III hinter uusrr» Linien, 148 jenseits der feindlich» Stellungen erkennbar abgestürzt. Außerdem Hab» die Gegner 2K Fessel- ballone eingebüßt und weitere 23 Flugzeuge, die durch Kampf- eiuwirkung zur Landung gezwungen wurden. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i«. 12. Juni 1917, abends. In Flandern zeitweilig lebhafter Feucrkampf. Südwestlich von L e u S find englische Angriffe im Nah- kämpf gescheitert. Im übrige» nichts Wesentliches. Der österreichische Bericht. Wien. 12. Juni 1917. ,W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostgalizirn neuerliches Anwachsen der feindlichen Artillerie- »ad Fliegertötigkeit. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe in de» Sieben Gemeinde» dauerten fort. Die italienischen Angriffe richtete» sich hauptsächlich gegen den Monte Forno, den Monte Chicsa und die Gr»zhöh» nördlich davon. I« südlichen Teil diese» Räume» scheiterten sie in den RachmittagSstnudea schon in «nserem Geschbtzfeuer. Auf dem Grenzkam« fingen unsere Trupp» starte feindliche Stöße im Bajonett- und Handgranaten- kämpf auf. Um Mitternacht brach der Gegner zwischen dem Monte Forno und de« Grenzrückeu abermals mit erhebliche» Kraft» vor. Sei» Beginnen blieb wieder erfolglos. Saust an der itali»ischen Front nichts Neues. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ein italienisches Flugzenggeschwader belegte Dorazz» mit Bomb». Mehrere Albaner wurden getötet. Der Chef deS GeneralstabeS. 100 Milliarüen französische Kriegskosten. Paris, 12. Juni.(Meldung der Agence Havas.) Ter Bericht des Haushaltsausschusies der Kammer über die vor- läufigen Kredite für das dritte Vierteljahr 19l7 ist soeben fertiggestellt worden. Der Ausschuß hat diese Kredite auf 9071330000 Frank berechnet, während die Regierung 9843 272000 Frank gefordert hatte. So wird die Kammer seit Kriegsbeginn 93 Milliarden und mit Einschluß der Vor- schüffe an die Alliierten 100 Milliarden bewilligt haben. Der österreichische Reichsrat arbeitet. Clam-Martinic über die Ffriedensutöglichkeiten. Das Gesetz betreffend die Aenderung der Geschäftsordnung ist in Kraft getreten, nachdem eS am Montag auch im Herrenhaus zur Beratung gestanden hat. Auch dort spielten sich noch lebhafte Kämpfe über die parlamentarische Verhandlungs- spräche ab, wobei der frühere Handelsminister Fort(Tscheche) für die Zulassung der nichtdeutschen Sprachen, der gewesene Justiz- minister Klein für die deutsch« Verhandlungssprache eintrat. Ter Pole BilinSki verteidigte den im Abgeordnetenhaus angenom- m»» Antrag Franta, der die Zulassung auch der nichtdeutschen Sprachen in das stenographische Protokoll verlangt. Das Abgeordnetenhaus begann am Dienstag mit der ersten Lesung des Budgetprovisoriums, die der Ministerpräsident Graf Clam-Martinic mit einer Regierungserklärung ein- leitete. Der Minister sprach über die unsäglichen Opfer, die da» furchtbare blutige Ringen verlangt habe. Doch stehe die Monarch» nach 34 Kriegsmonaten fester denn je. Der Ministerpräsident feiert« die Armee und sagte:„Hinsichtlich der auswärtigen Lage sind Aussichten und Möglichkeiten zur Herbeiführung eines ehre». »olle» Friedens Vorhand»". Der Ministerpräsident besprach dann Fragen der inneren Politik. Er sagte dabei u. a.: Wenn in der Reihe von Erklärungen in der Eröffnungssitzung das Bekenntnis zum Staate nicht in jener deutlichen Weise hervortrat, wie ich es nach fast drei Kriegsjahv» erhofft hatte, so mag der Grund viel- leicht in dem nationalen Reizungszustande zu suchen sein.— Die hier gehörten Programme können schon deshalb nicht nebeneinander verwirklicht werden, weil sie sich wechselseitig durchkreuzen. Statt jener nicht zu verwirklichenden, mit den Bedürfnissen der Gesamtheit und mit den unveräußerlichen Reck- ten, ja untereinander selbst im Gegensatz stehenden Programme will die Regierung ein Programm bieten, das alles das. was jene Vor- schlage an den wirklichen Volksbedürfni ssen Eni- sprechendem, Erfüllbarem, Realem enthalten, zusammenfaßt und in Uebereinstimmung bringt. Das Ministerium Esterhazp. Sozialdemokraten in der Regiernng'i Budapest, 12. Jum.(T. U.) Bisher haben von d» fünf OpposttionSpartei» die BerfasiungSpartei, die katholische Volk»- parte» und die Karolyi-Grupp« prinzipiell ihre Unterstützung und Teilnahme am Kabinet ausgesprochen, ebenso die Demo- kratenpartei. Der Standpunkt der größten Oppositions- Partei, der Unabhängigkeitspartei, ist noch nicht geklärt. Das Kabinett bringt ein« radikale Wahlreform, die bereit« die Zustimmung der Sozialdemokraten und Demokraten gefunden hat, und wird sich voraussichtlich auch»lgegen der bisherig» Kombination zur Ratifizierung eine» zwanzigjährigen WirtfchastsauSgleicheS mit Oesterreich einverstanden erklär». Fall» eine Einigung auch mit der Unabhängigkeitspartei erzielt werden kann, wird Graf S p p o n y i Innenminister werden. Die übrig» Ministeri» werden unter die MinorilärSpartei» verteilt werden. Die Sozialdemokratische Partei wird ihr« Vertreter ins Ministerium für soziale Fürsorge und ins Volks« ernährungsamt entsenden. Krieg gegen öie Zahnenflüchtigen. Petersburg. 12. Juni.(Petersburger Talographen-Agentur.) Bekanntlich beschloß die Regierung strenge Maßnahmen gegen hie Fahnenflüchtig» zu ergreifen, indem sie ihnen das Wahlrecht für die konstitui«r»de Versammlung entzog. Diese Maßregel ent- spricht durchaus der Auffassung der Bevölkerung, die ein» c» fcttferfea Äneg gegen Re FcchnenflSMgen fü�rl In ftteto rntb Charkow unterstützte die Menge tatkräftig die Ben, Übungen der Truppen, die Fahnenflüchtigen festzunehmen und zur Riickkehr in die Front zu zwingen. Wie zahlreiche Nachrichten in den Zeitungen destätigen, weigern sich die Bauern, die Flüchtlinge von der Front bei sich aufzunehmen. Die Angestellten der Wladikawkasbahn suchen gegenwärtig alle Drückeberger ausfindig zu machen, wobei sie wohlhabende Leute auf schlecht bezahlten Posten antreffen, und zwingen sie, sich der Armee wieder anzuschließen. In Ekatcrinodar kamen die Soldaten der Menge zu Hilfe und machten Jagd auf die Fahnenflüchtigen. Die Unruhen in Liffabon. Amsterdam, 12. Juni. Ueber die Unruhen in Lissabon im ver- stasseuen Monal meldet der Korrespondent der„Times" noch die folgenden Einzelheiten: Die Krifis in Lisiabon ist infolge deS Kohlen« und Baumwollmangels, de? SchlietzenS der Fabriken und der Aussicht auf Hungersnot vergrötzerl worden. In der letzten Woche war Lissabon, fast ohne gewarnt zu sein, so gut wie ohne Brot und vollständig ohne Gas. Ueber eine Woche sind die Bäckerläden in der ganzen Stadt geschlossen gewesen. Bor einer Woche hat die Regierung den Getreidevorrat, der in der Stadt noch vorhanden war, übernommen. Weil kein Mehl mehr vor« banden war, wurden am folgenden Tage sämtliche Bäckereien der Nova Companhia Nacional de Moagem geschlossen, die 800 Bäckereien in der Stadt hat. Die wenigen Bäckereien, die noch Brot backten und verkaufien, wurden belagert und be- raubt. Die Polizei mutzte sie beschützen. Bäcker vom Lande, die versuchten, Brot in die Stadt zu bringen, wurden gleichfalls ver« schiedentlich überfallen und beraubt. Die Lissaboner Bevölkerung ist weiter über die unerhörten Kartoffelpreise entrüstet, welche die Karloffelhändler zu fordern wagen. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 11. Junü Amtlich. Durch«ufere U-Boote siud im Atlautischeu Ozeau u. a. versenkt: Der englische bewaffnete Dampfer„Limerick"(S8lS7 To.), ein englischer bewaffneter Dampfer von 4500 To. mit Munition, ein weiterer bewaffneter englischer Dampfer von 80916 Textilarbeiter in größerer Zahl in ihre Betriebe eingestellt. Diese Firmen werden nun durch die neuen Verordnungen genötigt, dte mit großen Opfern cingear- beiielen Arbeitskräfte zu entlassen, weil die Verminderung der WarcnHcrstcllung infolge Rohtabakmangels die weitere Beschäfti- gung dieser Arbeiter unmöglich macht. Das Anlernen der Arbeiter in Zigarrenfabriken erfordert stets längere Zeil. Auch ist es sicher, daß die eimzuarbeitenden Kräfte tu dieser Zeit keinen Zkutzen brin- gen, vielmehr erheblichen Schaden durch Verderben des jetzt bcson- ders wertvollen Rohtabaks verursachen. Erst durch einen längeren Verbleib der Arbeiter im Betriebe kann dieser Schaden wieder aus- geglichen werden. Durch die im großen Umfang auf Veranlassung der Behörden erfolgte Einstellung von Textilarbeitern in die Zi- garrenindustric entsteht den einzelnen Fabriken daher, ein erheb- licher Verdienstaussall, für den kein Ausgleich geschaffen Warden kann, wenn die neu angeleiteten Arbeitskräfte wieder � entlassen werden müssen. Hiernach erscheint es durchaus gerechtfertigt, daß in Sachsen die Kontingentierung des Tavakverbrauchs in der Zi- garreninduftrie nicht nach den: Verbrauche der ersten sieben Monate, wie das Gesetz bestimmt, sondern dem durchschnittliche!? Monat-S- verbrauch des ganzen Jahres 1915 berechnet wird. Durch die Ver. ordnungen vom 29. März und 12. April dieses Jahres ist den Wün- schen der sächsischen Zigarrenfabrikanten nicht entsprochen worden, so daß auch hetzt noch das Bedürfnis für eine gerechtere Berücksichti- gung der sächsischen Fabriken besteht. �uslanS. Ter französische Eisenbahnarbeiterstreik. Genf,.11. Juni.(„Frkf. Ztg.") Tie französischen Eisenbahn- gesallschaflen haben die Forderungen ihrer Arbeiter auf einen Tagelohn von mindestens 5 Kr. bei zehnstündiger Arbeitszeit und 1 Fr. Teuerungszulage angenommen. Bauarbeitersireik in Schweden, Stockholm, 11. Juni. iClgener Drahtbericht des„Vorwärts Heute hat hier ein allgemeiner Bauarbeiterstreik begonnen/ der ivahnchsinlich nicht auf die Hauptstadt beschränkt bleiben, sondern sich auf das ganze Land ausdehnen wird. Parteinachrichten. Gutes oder robustes Gewissen? Da?„Berliner Mitteilungsblatt", das Organ der Unabhängigen. schrieb dieser Tage unter allerlei Allsfällen gegen Gen. Erich Kultner, man könne„mit gutem Gewissen" jagen, daß er in der„Chemnitzer Volksstimme", in der„Glocke" und in seiner Doppel- eigenschasi als Redakteur des„Vorwärts" und der„J.K." feit zwei Iahicu den Krieg verheirlichc wie ein stockkonservaliver Krieger- vereinSborsiycnder. In seiner neuesten Nummer druckt das„Mit- teilungsblatt" ganz kleinlaut eine Berichtigung ab, daß Kultner in der„Glocke" überhaupt noch nie eine Zeile geschrieben habe, auch nicht Redalteur der„I. K." sei, daß aber im übrigen noch niemals auch nur ein kleines Wvrtlein zur Verherrlichung des Krieges aus seiner Feder geflossen sei. Und das„gute Gewissen" des„Mit- teilungsblaits"? Das„gute Gewissen" schweigt. Es ist wohl weniger ei» gutes Gewissen, als das bekannte robuste Gewissen der Unabhängigen. Erfolge der östcrrclchrschcn Arbcitcrumcubcwcgung. 4999 neue Genossinnen wurden der österroichischen Partei durch die anläßlich des österreichischen Frauentages entfaltete Werbe- arbeit zugeführt. Ebenso wurden für die Arberterinnenzcitung 1909 neue Leserinnen gewonnen. Eine Frauenkonfcrcnz für den Bezirk„Oeitliches Westfalen und Lippische.Fürstentümer" tagte am Sonntag in- Bsi e le se ld. lieber„Kriegsnot und Frauenrecht" iprach Genosse Severing, iiber„Die sozialistische De- tätigung der Frau" Genosse. Schreck. Die Konferenz war von 45 Vertreterinnen aus den Wahlkreisen, den Wahlkreisleiiungen und der Bezirksleitung besucht. Delegiert zur FroUen-Reichskonferenz wurden die Genossin Walter und der Genosse Schrcck-Biclefeld. "Aus den Organisationen. Eine außerordentliche Generalversammlung des Sozialdemo- kratischen Wahlverains für den Wahlkreis Bieleseld-Wi edmibrück in Bielefeld am Sonntag, den 19. Juni, befaßte sich mit dem „Parteitag der Sozmldcmokratic Deutschlands". Nach einem Re- ferat des Genossen Severing wurden als Delegierte die Genossen Severing und schreck gewählt. Außerdem wurde nach einem Bc- richt über die Presse durch Genossen Schreck der Abonnements- preis für die„Polkswacht" ab 1. Juli von 85 Pf. auf 1 M. erhöht. Soziales. Streikbewegung in Holland. Nach dem Bericht des niederländischen statistnchen Amtes wurden im Monat Mai 23 Streiks begonnen, gegenüber 31 im April und 27 im Mai vorigen Jahres. Tie Zahl der Streikenden betrug 1188, die der betreffenden Betriebe 72. 18 Streiks betrafen die Lohnhöhe, 19 die Dauer der Arbeitszeit. Mehr Säuglingsschutz. Um der Sauglingssrsrblichkeit entgegenzuwirken, bat sich wieder einmal eine Vereinigung mit fürstlichem Protektorat und der- gleichen, Zvie es scheint, ganz unvermeidlichem Drum und Dran gc- lildet. Sie will dem Schützender Jüngsten im Lande die materielle Grundlage geben. Unsere Stellung derartigen Unternehmungen gegenüber ist zu bekannt,-als daß wir nötig hätten, sie noch be- sonders klarzulegen. Wenn wir die Vereinigung erwähnen, so des- balb, weil sie schon eine sehr gute Tat getan bat. Sie hat eine kleine Denkschrift ausaroeilen lasten, die wir in jedermanns Händen schen möchten. Sic dringt zwar nichts Neues. Alles haben die Arbeiter schon gesagt, wenn sie ihre Forderiingen nach Wöchne- rinnen- und Säiigkingsschiltz erhoben. Aber die ganze Ausmachung ist äußerst geschickt und nanrentlich die"graphischen Darstellungen reden einc-fo eindringliche Sprache, daß es auch dem bisher Ein- sichtslosen iinnwglich seiw wipö, gleichgültig daran vorbeizügehen. ES drängt sich schon an der ersten Darstellung die Meinung aus, daß es irgendwo kapern muß, daß die Säuglingssterblichkeit so überragend groß ist. In dem zur Grundlage genommenen deutschen Bundesstaat starben von je 1999 Säuglingen im ersten Lebensjahr 167. Eine Zahl, die sofort erheblich sinkt, denn im zweiten Lebens- jähr starben 31. Auch diese Zahl ist noch groß genug. Aber die Sterblichkeitszisfer sinkt dann mehr und mehr bis zu dem Alter von 19 bis 15 Iahren. wo 2 von je 1999 Lebenden starben. Dann steigt die Ziffer wieder allmählich, aber noch im Alter von 69 bis 79 Iahren starben von 1999 nur 38, im. Alter von 79 bis 89 Iahren nur 87. Erst bei den über 89 Jahre alten wird die Sterblichkeit der Säuglinge überschritten. An dieser Erscheinung sind die Menschen lange, gleichgültig vorübergegangen. Sie wurde für etwas Selbstverständliches gehalten, für die Auslese/die die Mutter Natur selbst vornimmt, um' nur die Gesunden und Kräftigen am Leben zu lassen. Genauer Be- obachtende baden dann dargetan, wie falsch diese Auffassung ist. Es wurde beobachtet, wie groß � die Sterblichkeit der Brustkinder gegenüber der der Flaschenkinder ist und es stellte sich heraus, daß 79— 8.0 Proz. aller Todessälle im'säuglingsalter auf den Ausfall der Brustnahrung zurückzuführen ist. Die Sterblichkeit der Flaschen- kinder ist siebenmal so groß als die der Brustkinder. Wuchtig drängt sich auch die Darstellung über die Sterbefällc in den verschiedenen Gesellschastsscknchtcn auf. Bon den Säuglingen der Wohlhabenden starben in Berlin im Jahre 1918 nur 7 Proz., von denen des Mittelstandes schon 13 Proz. und von denen der Minderbemittelten• 18 Proz. Damit sind die Wurzeln der Säuglingssterblichkeit bloßgelegt. Hinzu. gesellt sich nock, daß von den unehelichen Kindern ein Drittel bis zur Hälfte mehr sterben, als von den ehelichen. Auf materiellen und gesellschaftlichen Ursachen beruht demnach die Säuglingssterb- lichkeit, denn auch die Frage: Stillen oder Nichtstillen? hängt zu- meist von diesen Ursachen ab. Sind dies« aber erkannt, dann ist auch der Weg zur Abhilfe offen. Hebung der wirtschaitlicheu Lage der Arbeiterklasse und Gleich- berechtigung der unehelichen Kinder sind die Unwersalmittel, Schwangeren- und Wöchneriirnenschutz, Gewährung von Stillgeldern sind unbedingte Erfordernisse der Gegenwart. Jetzt, wo der völkcrmordendr Krieg das Lebölkerungsproblem akut werden läßt, werden hoffentlich manchem, der sonst gern bereit war, den Arbeitern in ihrem Streben nach Erringung einer besseren Lebenslage Steine in den Weg zu wälzen, über das Verkehrte seines Tuns die Augen aufgehen Auch die Forderungen der Ärbsiter an die Vsrstcherungsgefetzgebung könne»: nicht mehr auf den früheren Widerstand stoßen. Tie Denkschrift stellt die Be» rechilgung dieser Forderungen in ein so grelles Licht, daß sie nicht mehr übersehen werden können. Daß unsere.Folgerungen in der Denkschrift nicht gezogen werden, brauchen wir allerdings kaum besonders zu betonen. Es ist nun einmal das Schicksal solcher Gründungen, daß sie wohlmeinend zwar einen Anlauf nehmen, vor den Konsequenzen aber zurückfchrecken und deshalb nicbt ans Ziel kommen. So werden die Vorschriften der Reichsversicherungs- ordmmg gelobt, ovgleich dann aus die Bundesratsverordnungen über die Wochenhilfe während des Kriegs bingeiviesen werden muß. Diese Verordnungen würden unnötig gewesen sein, wenn die Reichsbek- sichcriingsordnuiig besser wäre. Daß privates Eingreifen ungenügend ist, wird auch in der Denkschrift gesagt, es wird an das Reich und an die Gemeinden appelliert. Daneben soll die private Wohltätigkeit wirken. Von dieser versprechen wir uns nichts. Aber wenn die neue Vereini- gung noch mehr derartige Denkschriften hinaussendet, wird sie trotzdem Gutes bewirkest. Sie wird uns bis zu einem gewissen Grade den Weg frei machen, indem sie bei den Gleichgültigen das Ge- wissen wachruft._ Tie Angestcll tenv erst cherun g im Jahre 1916. Die Angestelllenversichernng erzielte im Jahre eine Beitrags« einnähme von 119 Millionen und im Jahre 1914(die höchste bis jetzt erzielte Einnahme) 132 Millionen. Die Versicherung gewährt zurzeit Reuten nur in Ausnahmefällen, nämlich dann, wenn durch erhebliche Beilragsnachzahlungen die Wartezeit abgekürzt worden ist. Die bauptjächlicdsie Leistung der Anocslelllcnversiiderung ist vorläung nur das Heilverfahren. Im Jahre 1916 wurden 24 179 Anträge auf llebernahme solcher gestellt. In Wirklichkeit wurden 16 894 Personen einer Heilbehandlung unterzogen lgegen 1929 im Jahre 1915), wo« durch 8>/z Millionen Mark Kosten entstanden. In 2393 Fällen handelte es' sich um Zuschüsse zum Zahnersatz. Die Versicherung ge« währt auch Beihilfen zur„Berufsumleniung": dahingehende An- träge gingen 87 ein. In der kurzen Zeil tfires Bestehens bat die Angcsiellleiiversicherung mit ihren knapp zwei Millionen Lersickerlen ein Vermögen von annähernd einer halben Milliarde Mark zu- sammengebracht. Die Reichsversicherungsan stall für Angestellte klagt jetzt sehr über mangelbastcn Eingang aller Beiträge durch die Ar« beiigeber. Es sollen schärfere Maßnahmen angewendet werden. Gerichtszeitung. Ein Zeisenciilkauf für Serrnissiwus hat zu einer Anklage wegen Höchstpreisüberschreitung Anlaß gegeben, die den hessischen Hof- lieseranten Theodor Lenk vor das Schöffengericht Berl»,- Mitte sübrle. Der Leibjäger Se. Hoheit des Landrafen von Hessen war eines Tages direkt von Herlesbauscn nach Berlin gefahren, um hier 29 Stück Kinderseife einzukaufen. Er sprach deshalb auch bei dem Angeklagien vor, der nicht in der Lage war. solche Kinderseife ihm zu verkaufen, dann aber nach der Behauptung des Lcibjägcrs, der sich in dieser Eigenschaft nicht zu erkennen gegeben hatte, ihm sogenannte K.-A.-Seife zum Preise von 1 M. für 199 Gr. angc- boten haben soll, während der Höchstpreis nur 49 Pf. betrug Der Angeklagte bestritt dies ganz entschieden und wie-S durch Vorlegung von Rechnungen nach, daß er die erste K.-A.-Seife, die er bis dahin tu seinem Parfümeriegeschäst überhaupt nicht ge'iihrt, erst einige Zeit nach dem Besuch des Leibjäzers bezogen bade, solche diesem also gar nicht angeboten haben könne. Der Leibjäger habe an jenem Tage in verschiedensten Seisengcichäflen Berlins vorgesprochen und da müsse ein Irrtum vorwalten. Er selbst habe ihm im Lause des Gesprächs nilr gesagt, daß er eventuell nur mit Steckenpferd-Lilien- milchseife dienen könmc, für die ein Preis von 1 M. für das Stück feftgeietzl sei.— Der Staatsanwalt beantragte 59 M. Gcldstrasc. der Gerichtshof kam jedoch. zur Fmiprechimg. da er keine Vera»- lajjung' sah, den Angaben des durchaus glaubwürdigen Angeklagleu zu mißtrauen, die ganze' Sache ou'ch etwas dunkel erscheine und fast der Vermutung Raum gebe, daß dabei irgendeine Hof- i n t r i g c in i t im Spiele sei. Nachweis eines Müllfuhrmanns verboten. Wenn sich auf den Höfen Berge von Müll anhäufen, well die ..Wirtschastsgenossenschah Berliner Hausvesitzer" zurzeit außer- stände ist, für eine geregelte Müllabfuhr Sorge zu tragen, so darf trotzdem kein Angestellter der Wirtschaftsgenojsenschaft einem durch die Abfuhrschwierigkeiten betroffenen Haubesitzcr einen Fuhrmann nachweisen, der die sofortige Abfuhr der Müllbcrgc vornehmen kam?. Tie Abfuhr durch einen anderen Unternehmer schädigt nämlich die geschästlichen Interessen der Wirtschaftsgenossenschast. Deshalb das Verbot an die Angestellten! Deshalb entließ auch die Wirtschafts- gcrioss'cnschaft einen ihrer Kontrolleure, der das Verbot übertreten battc, ohne Jnnebaltung der Kündigungsfrist.- Ter Kontrolleur forderte durch Klage beim Gewerbcgericht Bezahlung für die. Kündigungszeit. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Hailsdefitzcr das vertragliche Recht haben, das Müll: welches abzu- fahren die Wirtschaftsgenossenschaft außerstande ist, von einem anderen Fuhrmann wegschaffen zu lassen und die dadurch entstände- ncn Kosten der Wirtschaflsgenofsenschaft in Rechnung zu stellen und zwar bis zur doppelten Höhe des Betrages, den der Hausbescher in dem betreffenden Falle an die Wirtschaftsgenossenschaft vertraglich zu zahlen hätte. Ein Hausbesitzer, auf dessen Hos schon seit vier Monaten ein großer Müllbcrg lagerte: dessen Entfernung die Wirt- schastsgenossenschaft nicht bewirken konnte, halte steh darüber bei dem Kontrolleur beklagt, und dieser hatte ihm daraufhin einen Fuhrmann nachgewiesen, der den Hauswirt für diesmal von der Müllkalamität befreite. Diese Annehmlichkeit für die Bewohner des betreffenden Hauses mußte der Kontrolleur, wie gesagt, mit der Entlassung büßen. Ter Vertreter der Genossenschaft sagte, die Ab- fuhr durch cincii anderen habe ihr im vorliegenden Falle einen Schaden von mindestens 59 R. verursacht. Das sei aber nicht der alleinige Grund der Entlassung des Klägers, sondern dieser habe schon öfter ein und denselben Fuhrmcnrn an Hauswirte empfohlen, er betreibe also wahrscheinlich die Sacke geschäftsmäßig. Der Prozeß endete mit einem Vergleich, wonach dem Kläger die Hälfte seiner Forderung bezahlt wird. Derantwortl. f. Politil:'Dr. Aranz Dirtcrich, Berlin Sriedenau: für i>. fibriflen Teil deS Blalle-S: ellsrcd Scholz. Sl-ulelln: für Inserate: Td. Oloife, Berlin. 'Druck u. Terlag: Borwärts Buchdruckerei u. Derlagsanstalt Paul Singer& Ca., Berlin SW. ptrrztt i Beilage»ad Unterd attan gslilatt. llzmn rigaretten. RantaMe Engros F. Ernst Bordi, Eloasoerstr. 21. � Alfcoholtr. Betpinfc~tz Franz Abraham Hamb. Meaaino.u.Römertrink-EeU. C.iiEortolitr. 8t, Fernop. KgBt.13706 4 Barle-«nstaiten V [eofral-Bail An«?MS.*. Koppenstr. 93 sämtliche Bäder. Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. 65. 4 Bäcker- u. Konditorelen k 7a OeBcHflfte to allen Stadtteilen Berlin« aowie in Neukölln II. Treptow JSeoründB�lSOZj F. Kiesewetter, SeklTalbeiaeiitl. 1«. S. Meier, GrOnerireg 27. Erscheint 2 wöchentlich. Otto Wolff, Treptow, Krüllst. 18 üaehau, Gr.-Lichterf.,Cktma«il88t � Bandagen,(auimtiiw. b R, E. Kraue, Kameaudaitaaitr.»i A. E. Lange, Brunnenatr. 18« 4 Butter, fcier. 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Alb- PranW.\lleetO WapalohTMWB«n w „Deutschland" Berlin Arbclterversichemiig— Schötzen- SterbckaeacnTcrtichcrg.«trag® 8. 4 SpamlDU Schcuerlel9,B(iile/, Uhr: 1. bis 6. Abteilung Montag. den 18. Jnni. Köpenicker Str. 62. Vortrag. Nach demselben vraktjschc Verbandübungen. Gäste haben einmaligen freien Zutritt.— Sonntag, den 17. Juni, gamilienausstug nach Jungsernhetde. Trefivunkt nachmittags zwischen 2—3 Uhr im Vergnügungspark, Tegeler Weg 74/75. syeetfTonsstditrn ftr das mittlere«orddeutichlaud bis Donnerstag mittag. Vorwiegend heiter und trocken bei wenig ver» änderten Temperaturen; besonders im Süden strichweise Gewitter. . plötzlich und unerwartet starb am Sonnabend. 9. Juni, unsere inniggeliebte. berzenSgutc und unvergeßliche jüngste Tochter IoKanna i« Alter von 18 Jahren. DieS zeigen an in namenlosem Schmerz im Namen aller Hinter- blieb enen 26t2b Die tiesunglllckNchen Eltern Paul o. Emilie Rüde. Die Beerdigung findet am Donnerstag. 14. Juni, nachm. 3'/» Uhr, von der Halle des Gethscmane-KirchhoseS in Nord- end aus statt. Am 10. d. MiS. starb unerwartet mein langjähriger Mttarbeiter, mein erster Kutscher (lULtsv Hinze im Alter von 56 Jahren. Sein Fleiß, GeschästSgewandheit und nie versagende ArbeitSlrast war vorbildlich. Ich werde ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. 48/2L Bet'IW, den 11. Juni 1917. AndreaSstr. 40. P. O. Rauch. Unser Mitarbeiter, der erste Kutscher Hnstav Hinze ist am 10. d. MtS. nach kurzer Krankheit verstorben. Wir betrauern den Verlust eines Mannes von sreudiger Schaffenskraft, dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Berlin, den 11. Juni 1917. Andreasftr. 40. 48/3L Da« Penonal der Firma F. O. Uanch. Die Bekanntmachungen des Oberkommandos in den Marken, betteffend .Beschlagnahme und BeftandSerhebung von rohen Reh-, Rot-, Dam- und GemSwitd-, Hunde«, Schweine- und Seebundfellcn, von Walroßhäute«. Renn- und Elentiersellen, sowie von Leder daraus', und.Höchstpreise von Reh-, Rot-, Dam-, Gemswild-, Hunde-, Schweine- und Seehundsellen' treten am 13. Juni 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. .Berlin, den 13. Juni 1917. 36«. I. Mit. 17. Der Bolizeiprästdent. Keroen- u. Stoffwechselleiden, insbesondere Magen- nnd Darmleiden, Gicht nnd Rheamttlsmaa, Zuckerkrankheit., Nervenschwäche, Aderverkalkung, Harzleiden, Hautkrankheiten, Sehwächezustände, Lungenleiden, Nieren- n. Leberleiden. Vorzügliche Erfolge selbst in veralteten Fällen, ohne jede Berufsstörung durch naturgemäße Heilweisen: Sauerstoffkuren«nd künstl. Höhensonne. Harn-, Aoswnrf- u, Blatnnteranchancen. Sprechstunde 9— 10'/» 3— 4'/, Uhr. Sonntags 10—11 Uhr. Sanitätsrat Dr. Weise's Ambulatorinm, Berlin 117, Wilhelmstr. 94-96. Verlangen Sie Gratiepreepekt. Für Schuhmacher � Geetanate Flecke(geklebt), gemischt, in allen Größen. 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Flechte», BSunden, Lähmungen, sowie Kinderlähmung; Stosswechsel-Krankheiten. Znckerkvankheit usw.— Wegen Raum- Mangel seien nur einige Fäll« mitgeteilt: Herr gl. Hellwig, Borsigwalde b. Berlin. Ernstitr. 2b. Bon M»ge»geschw«lft. Ber- stopfung«. Nervenschwäche in 6 Wochen geheilt, sollte operiert werden.— Herr K. WilthauS,»erltn, Blumenihalftt. 3. Von Geschwulst und Adszest an alter cperationSuarbe mit 15 Be- Handlungen geheilt.— Frl M. Muschick, Btn.-Schöncberg, Sedan- straße 17 II bei Friebick. Bon Geschwulst«. Nervenschwäche in 4 Wochen geheilt. Vorher dringend zur Operatton geraten.— Herr A. Schloditz, Berlin, Caprwistr. 24. Von Gestchtslnpus' in 1 Monat vollständig geheilt. Vorder 6 Wochen mit Radium in einer Berliner Klinik ohne Ersolg behandelt.— Frau®. Popp, Lichtenberg. Kärtnerstr. 10. Von chro». Frauenleiden. Herzschwäche und Verstopfung gehellt.— Eohn de« Gärtners H. König, Pankow. In 6 Wochen von veralleter Beinlähmung geheilt. Vorher anderweittg jeder Erfolg abgesprochen.— Von Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Ertiätt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milch- Händler Eckert, Berlin, Greiscnhagener Str. 26. Bon gichtisch- rh«««at. Schmerze« in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zufrieden. Herr A. Brase. Berlin-Mariendors, Stretitzer Str. XI. Von chrvnt- nischer Nnckeumartentzundnng und Lähmung geheilt. Vorher für uuhellbar erpärt.— Herr N. Zöllner. ReiMckendors-Ost. Provinz- straße 117. Don Lungenbluten und Katarrh geheilt.— Frau I. Herald. Berlin. Ramlerftr. 23. Von Brouchialkatarrh gehellt. — Zwei Zkwdcr des Kohlenhändlers Herrn Linke. Berlin. Stretitzer Straße 6. Bor 9 Jahren von Luugenleidru geheilt, beute noch ge- sund.— Herr G.»appc. BM.-Runtmclsburg. Ali-Boxhagen 8. Bon doppelseitigem Luugeuspitzeutatarrh geheilt.— Herr C. Ren- wann, Lichtenberg, BlumeMhalstr. 13. Von Neuraftdcute und»er- »öser Magrnschwäche gehellt— grau«.«rosse, Berlla, Zwtngli. sttaße 26. Von Leberletden geheilt.— Frau Restauraleur Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Geich Bock. Berlüi, Stendaler Str. 17, IV, von Nieren- u. Blaseuletden. Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. Vorher im Krankcuhause ersolgloS behandelt. Jetzt Fliegersotdal. Getrennte BehanölnuaSräume für Damen nnd Herren: Sprech- u. Behandiungszeit 9-1, 4-7'/, Uhr. SounL u. Feiertags S-l Uhr Berlin 80 16. Brückenftr. 10b Ortskrankenkafse für das Murergewerke z« Berlin. t). 25, Haukestr. 4 I. Bekanntmachung. Aus den Antrag des Vorstandes der OrtStrankenkaffc für das Maurer- gewerbe zu Berlin vom 31. März 1917 bat daS Verficherungsamt der Stadt Berlin, BeschlußauSIchuß. in der nicht öffenliichen Sitzung vom 30. Mai 1917 beschlossen: .Sämtliche satzungsmäßigen Mebr- leistungen, soweit sie nicht mit Ge- nehmigung de» VersicherungSamteS bereits wieder eingeführt sind, werden wieder zugelassen. Die Mehrleistungen find vqm Tage der Zustellung dieses Be- IchluffeS ab zu gewähren.' Tgb. Nr. 751 Verf. A. K. 17. Zugestellt am 8. Juni 1917. Bekanntgegeben 26031) Berlin, den 13. Juni 1917. Ter Vorstand. Anf. Daebne, R. Frcnnd, Vorfitzender. Schristsührer. Bekanntmachung der Allgemeinen Ortskrankentasse Kerliil- Lilhlküberg. f ermit zur gefälligen Kenntnis, ab Freitag, de« IS. Juni 1917, in allen KranlheitSjällen eine uurutgeltliche Fürsorge- und Seratuugsßeiie für unsere Mitglieder und deren Angehörige eröffnet wird. Während des Kriege« finden die Beratungen wochentägiild vor- mittags van 19'/, bis 11'/, Uhr Magdaleneustraste 1«, vorn II recht» statt. DieNachmittags-Sprechstunden muffen bis auf weitere» in der BoH- nunz des Herrn Dr. Zellner, Berlin, Landsberger Str. 17. in der Zeit von 4'/, bis 6>/. Iliir abgehalten werden. Eine Aenderung dieser Sprech- stunden, welche nach dem Kriege vor- genommen wird, bringen wir seiner- zeit zur Kenntnis. AI« AuSwei» gelten für ver- fichernngspfltchtige Mitglieder und deren Angehörig« der Mctdeabschnitt oder eine vom Arbeitgeber ausgestellte. gestempelte Beicheinigung: für freiwillige Mitglieder und deren Angehärige die letzte ZahlungS- quittung. Als«»gehörige sind solche Per- sonen zu bettachten, die mit dcw Mitgliede zusammen einen gemein- schailiichen Haushalt iühren, nich� selbst versicherungspflichtig sind unk vom Mitgliede unterhatten werden. Der Barftauv 277/1? der«llgemeinrn OrtSkrankenkassr Berliu-Ltchteubcrg. 9. Seikel, Vorsitzender. »Radfahren illrlet Sie aus unserer Di-Iglnal-lStandard- Fahrrad-Rereifans Beste der Gegenwart, leichte« Fahren, gesällige« Aussehen. _ Standard-Company, Berli« S., Kottboserdamm 91. Vertreter überall gesucht. VowSrtt'Abonneaieo erhalten 20prozent Rabatt, weim fie bei Aus-"MM DtM" gäbe von privaten Wtf.KleinenAnzeigen'"MlA III die Abonnements-"9— IM» quittung mit Gut- � DM» schein vorweisen."MB GnttS CkH; Parzelle 300 M., an kgl.»atd,»affer. Bahnstation 1 791. Gertlmanes Annoncen-Bureau Alexanderplatz. 232/li' Nr. 159— 1917 Unteriröische Kämpfe. Von E. H a m p e. Bei ihrer Offensive in Flandern haben sich die Engländer gewaltiger Minen sprengungen als neuesten Bluff-Z zur Einleitung ihrer Angriffe bedient. Diese? Kampfmittel ist immer schon wahrend des bisherigen Stellungskrieges, wenn auch in geringerem Umfange, zur unmittelbaren und wirkungsvollen Vor- bereitung einer geplanten Angriffshandlung beliebt gewesen. Die jeder Minensprengung zugrunde liegende Airstcht, dem Gegner dabei möglichst empfindliche Verluste an Mannschaft und Material bei» zufügen, verspricht gerade für einen sofort folgenden Angriff be- sondere Vorteile, weil dann inzwischen der Gegner keinen recht- zeitigen Ersatz für seine Verluste zu beschaffen vermocht hat. Meist richten sich daher solche Minenangrifse gegen die unterirdischen Wohnstollen der feindlichen Grabenbesatzung. Vorheriges und gleichzeitiges auf dem Graben liegendes schweres Artillerie- und Minenwerferfeuer verfolgt hierbei den doppelten Zweck, die feind- liche Besatzung in ihre Stollen zu treiben, als auch sie über den Knall der einzelnen Explosionen hinwegzutäuschen. Bei naheliegenden Stellungen bietet nämlich auch der durch die Sprengung entstandene große Erdtrichter eine willkommene gedeckte Annäherung an den zu stürmenden gegnerischen Graben. Bereit- gestellte Trupps stürzen im Augenblick der Sprengung vor, besetzen den Trichter oder stürmen möglichst über ihn hinaus in die feindliche Stellung, indes besondere Arbeitstrupps sogleich in aller Eile einen Verbindungsgraben von der Ausgangsstellung zum Trichter und von diesem zur feindlichen Stellung herstellen. Ist der Knall der Sprengung nun im Gedröhne des schweren Feuers von der Graben- besatzung uberhört, so kann«S wohl auf diese Weise dem Angreifer glücken, den Gegner in seiner Stellung zu uberrumpeln und aufzu- rollen. Eins der Haupterforderniss« für den Erfolg einer solchen Minensprengung bleibt also die Ueberraschung. Denn sobald ein Gegner die feindliche Absicht vorzeitig errät, wird er rechtzeitig seine Sicherheitsmaßnahmen zu treffen vermögen.Sie bestehen in der Hauptsache darin, daß der gefährdete Teil entweder ganz ge- räumt oder nur mit schwachen Postierungen besetzt, seine Abriege- lung nach den Flanken vorbereitet und die allgemeine Alarmbereit- schast der Truppe erhöht, werden wird. Bei solchen Gegcnmatz- nahmen wird der Gegner oft sich mit seiner Sprengung durch das sofort auf die dedrohte Stelle geleitete Sperrfeuer des Verteidigers nur selbst schädigen. Bisweilen läßt sich die feindliche unterirdische Arbeit schon äußerlich an der majsenweis herausgeschafften und im Kampfgc- lande verteilten frischen Erde erkennen. Ueberdies sind aber im Verlauf des Stellungskampfes, wo nicht schon selbst unterirdisch angriffsweise vorgearbeitet worden ist, im Falle minierbaren Bo- dens unterirdische Sicherungen getrosten worden. Zu diesem Zweck wird unter der Erde her vor der Stellung ein Ouerstollen vorgelegt und dieser mit Horchposten besetzt, die eine unterirdische Annähe- rung des Gegners rechtzeitig melden können. Ist nun an einer Stelle feindliche Minierarbeit erkannt, so kommt eS für den Verteidiger seinerseits darauf an, dem Gegner entgegenzuarbeiten und zuvorzukommen, indem er ihn von unten her in die Luft sprengt oder aus nächster Nähe seitwärts quetscht. Der sich hierbei entwickelnde unterirdische Kampf stellt an die Nervenkraft der Beteiligten die höchsten Anforderungen. Denn der in seinem engen Stollen vorwärts arbeitende Mineur ist abge- schloffen von Licht und Luft, er ringt sich beim Schein eines Talg- lichtes oder der Taschenlampe und bei meist künstlich zugeführter Lüftung Zoll um Zoll in dem harten Gestein an den unsichtbaren Gegner heran. Seine Arbeit ist für ihn ein Wettkampf auf Leben und Tod, weil ein Vorsprung in der Arbeit zugleich meist für ihn den Sieg bedeutet. In diesem dunklen unterirdischen Kampfe ist für den Krieger fein Gehör das einzige Organ, auf das er sich verlassen muß, und dessen Maß von Zuverlässigkeit für ihn Heil oder Weh« bedeutet. So fällt neben der Arbeit dem Hören«ine Hauptrolle zu. Horch- pausen werden zwischen die Arbeitsstunden gelegt. Doch die vielen sanstigen Geräusche zwischen zwei Stellungen verwirren oft und leicht den Lauscher. Dazu kommt, daß die unterschiedliche Durch- lässigkeit der verschiedenen Gesteinsarten selbst das geschulteste Ohr in der Richtung und Entfernung zu täuschen vermag. Da heißt eS denn bis zur letzten Stund« Kaltblütigkeit bewahren und zur Spren- gung selbst noch den geeignetsten Augenblick wahrzunehmen! Zu- weilen hat auch der Gegner bereits seine Sprengladung fertig an- gebracht, so daß eS sich nur um Bruchteile von Minuten handelt, welcher der beiden feindlichen Mineure zuerst mit seiner Sprengung loskommt. Nur eine Arbeit, die auch geräuschlos vor sich geht, vermag den Vorteil der Täuschung und Ueberraschung zu sichern. Bei geräusch- 18 gegeneinanderarbeitenden Gegnern kann es sich ereignen, daß 22] Der starte Mann. ' Eine schweizerische OsfzierSges chichte von Paul Jlg. Allein, damit kam er erst recht übel an..Nein, danke! Darauf verlasse ich mich ganz und gar nicht. Bei solchen Bauernkötern weiß man ja nie. woran man ist I' versetzte sie giftig beziehungsvoll, des Offiziers Sachkunde höhnisch bezweifelnd. Dann überlegte sie mit dem unentbehrlichen Charly, ob man das arme Tier nicht am besten auf den Wagen laden solle. Der Herr Oberleutnant fand weiter keine Worte, das Mißgeschick aus der Welt zu schaffen. Es war ihm nicht einmal vergönnt, die Ilnglücksstätte von den rauchen- den Schloten zu säubern. Die Kerle schienen ja nur darauf zu warten, ihm ihre schäbige Gleichberechtigung auf der Straße höhnisch unter die Nase zu reiben. Endlich entwand sich Mirza der lästigen Behandlung, die Herrin durch einige Sprünge überzeugend, daß er seine Schnellkraft bei der Rauferei nicht eingebüßt habe. „Na also, der braucht wahrhastig keinen Lazarettwagen!" sagte Leng genhager in verfrüht aufmunterndem Ton. Es war ungefähr das Dümmste. waS er in diesem Augenblicke tun konnte. „Charly, so mach' doch, daß wir endlich nach Hause kommew Wo ist meine Peitsche? Fix. fix!" rief hingegen die empörte Patrizierin. der eine abgründliche Verachtung der ganzen verbauerten Umgegend aus den Augen sah. O, in welchen Unrat war sie da ganz ahnungslos hineingeraten! Sie hatte es einfach nicht für möglich gehalten, daß es in der Nähe von Treustadt noch so zurückgebliebene, ungeschlachte Menschen gäbe.„Nein, bleibe hier; du sollst dieses Haus nicht betreten. Sic würden dich ioomöglich noch ohrfeigen," gab sie schroffen Gegenbefehl, als der Offizier das Bürschchen nach der Stube wies.„Genügt es Ihnen nicht, daß ich von Ihren Leuten wie eine Dirne geschimpft wurde?" � Ganz bleich vor Kummer packte Adolf Lenggenhager ihre fliehenden Hände. Er sah aus. als ob er jetzt zu allem sähig wäre.Ich werde Ihnen Genugtuung verschaffen. Renöc. Mein Ehrenwort. Entweder haben Sic morgen einen Eni- schuldigungsbrief von meinem Alten in Händen, oder ich sage mich regelrecht von ihm los, � so wahr ich �enggen- hager heiße l" hörte sie ihn zähneknirschend sprechen. Es tvar plötzlich die beide Stollen noch trennende Wand niecherbricht und sich die beiden Feinde nun im düsteren engen Gange Auge in Auge gegenüberstehen. Dolch und Pistole sind die einzigen Waffen, die in diesem kurzen Kampfe Mann gegen Mann unter der Erde ent- scheiden. Wem es gelingt, seinen plötzlich aufgetauchten Gegner zu überwältigen, dem winkt zichleich reicher Lohn. Er vermag nun den feindlichen Angriffsstollen aufzusuchen, ihn zu sprengen und damit die mühevolle Arbeit langer Wochen für den Gegner zu der- Nichten. Doch auch hierzu gebört schneller Blick und kurzentschlosse- nes Handeln, weil die dafür zur Verfügung stehende ungestörte Frist meist äußerst knapp sein wird. Die unangenehmste Nebenerfcheimmg bei allen Minensprengungen sind die sich dabei bildenden VergiftungSgase. Diese unter- irdisch erzeugten Kohlenoxhdgase, die in wenigen Sekunden schon tödlich zu wirken vermögen, bedräuen nicht nur die unmittelbar betroffene Sprengungsstelle, sondern Pflegen sich auch durch die Spalten des Erdgesteins in einem gewissen Umkreis fortzupflanzen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Engländer bei ihren massonhaften Sprengungen neben den anderen Wirkungen auch diese teuflische Macht für ihre Rechnung gebucht haben mögen. Aber wo mit der Möglichkeit solcher Sprengungen zu rechnen ist, sind in solchen Stellungen auch die entsprechenden Rettungsmaßnabmen vorne- sorgt._ die Vulkane von San Salvador. Der südamerikanische Kleinstaat San Salvador ist seit Menschen- gedenken eine unruhige Ecke gewesen, und kann sogar in dem von tätigen Vulkanen durchseuchten Mittelamerika eine Gefahrzone erster Klasse genannt werden. Zum erstenmal war ein Deutscher wohl im Jahr kSM Zeuge eines großen VulkanauSbruchS in diesem Gebiet, der deutsche Konsul Kuep, der damals eine großartige Schilderung seiner damaligen Er« lebnisie gab. Er berichtete, daß an einem Maiabend kurz vor Sonnen- Untergang das Gebirge sich plötzlich mit einem dichten Nebel wie mit einer slbweren Gewitterwolke bedeckte, ohne daß sich ein Lüstchen regte. Die Eingeborenen kannten diese Erscheinung als das sichere Anzeichen einer Katastrophe. ES dauerte kaum zwei Stunden, bis man durch das Gewölk einen Lichtschein wahrnahm, der allmählich immer stärker wurde, bis sich nach einer weiteren Stunde zwei weißglühende Lavaströme�aus dem Vulkan heran« ergossen. Gleich- zeitig wurde die Erde von einem heftigen Beben erschüttert. Ob- gleich die Nacht bereits völlig hereingebrochen war, erhellte die Lava die ganze Landschaft. Außerdem schlugen aus dem Vulkan mächtige Flammen empor, bald blendend weiß, bald purpurrot, zu- weilen in langen Spiralen aufschlängelnd. Dazwischen kam noch ein blitzähnliches Aufleuchten dazu; und rings um den Krater erstrahlte eS von allen erdenklichen Farben. Das Schauspiel war mit einem Getöse verbunden, das aber doch da» Stürzen der mächtigen Baumstämme nicht ganz zu übertönen vermochte, die vom Glut- ström der Lava niedergemäht und dann in Asche verwandelt wurden. Dieser Vulkanausbruch, der zeitig beschränkt war, wurde damals durch eine Anzahl von Naturforschern genauer untersucht. Nach einigen Wochen etwa konnten diese zum ersten Male einige Stellen des neuen Lavastroms erreichen und sich sogar bis zu kleinen Kratern und Rissen im Sockel des Vulkans vorarbeiten. Der erste auffällige Fund bestand in kristallinischen Maffen, bald von blendendem Weiß wie ein grobe? Steinsalz, bald auch tief schwarz. In der Tat bestanden diese eigenartigen Gesteine fast ganz aus Salz. An einem der Lavaströme entrollte sich ein Bild furchtbarer Verwüstung. Ganze Wälder waren hier in noch glühen« den Gruben zu ungeheuren Aschenhaufen verwandelt worden, und noch immer mehr der wunderbaren Tropenstämme stürzten mit furchtbarem Krachen in die Hölle hinein. DaS weitere Bor- dringen war mit äußerster Gefahr verbunden, da noch nach allen Seiten mächtige Flammen aus den Erdrissen Hervorschossen. Dieser Lavastrom hatte eine Länge von rund drei Kilometern bei einer Breite von 100 Metern und einer Mächtigkeit bis zu zehn Metern. Der ganze Vulkanberg schien überhaupt in einen Glutkegel verwandelt zu sein, und man rechnete daher mit seinem völligen Znsammenbruch. Einen Monat nach diesem Ausbruch erfolgte noch eine minderschwere Exvlosion, die mit einem starken kanonenschuß- ähnlichen Knall eine Wolke von Sand in die Luft schleuderte, der in beträchtlicher Entfernung niederfiel und große Zerstörungen auf den Feldern verursachte. Der deutsche Forscher Prof. Sapper bat bei seinen Reisen in Mittelamerika auch dem Gebiet von San Salvador genauere Ausmerlsamkeit geschenkt. Namentlich dem Vulkan Jzalco, der sich im Jahr 1770 völlig neu bildete, indem er durch eine Kette von Ausbrüchen allmählich zu einer Meereshöhe von 1880 Metern empor- wuchs. Er ist ein Vulkan von seltener Tätigkeit geblieben, bei dem kleine Ausbrüche in Abständen von nur 10—30 Minuten zu folgen pflegten. Dann gönnte er sich einige Jahre Ruhe, um dann um so eine solche Glut und Ergebenheit in seinem Blick, daß sich ihr laues, wetterwendisches Herz wider Willen daran ent- zündete. Gleichwohl machte sie sich ungestüm von seiner Umklammerung frei und erklomm, seine Stütze abwehrend, ihren Thron. „Jedenfalls können Sie mir nicht zumuten, daß ich jemals wieder hierherkomme. Mit solch ungehobeltem Volk will ich keine Berührung!' beschied sie ihn grausam, indem sie Pferd und Wagen gewandt beidrehte. Da war sie auch wieder voll- kommen auf der Höhe. Ueberlcgen, mit cingekniffenem Auge streifte sie das schadenfroh grinsende Parterre und die neu- gierige Galerie. Es sah auL, als könne sie von ihrem Sitz herab verfügen, daß die Sonne in diesen Erdenwinkel nie mehr scheine. Der Groom mußte im Fahren ausspringen. Wenn er bei dieser Gelegenheit ungeschickterwcise unter die� Räder geriet, so hatte das offenbar nichts zu bedeuten. Ge- nug, sie fuhr schleunig davon und ließ den dummdreisten Bauernhochmut weit hinter sich zurück. Er reichte noch nicht einmal an ihren Rocksaum. O Gott! Handelten diese armen Leute nicht mit Schweinen? Also konnte sie unmöglich anständige Manieren von ihnen erwarten. Nein wirklich, dieser junge Lenggenhager war im Grunde doch sehr zu bewundern! Wie hatte er sich aus so niedrigen Verhältnissen zu so vortrefflicher Lebensart auf- geschwungen? Die große Zukunft konnte nicht fehlschlagen. Nur mußte er noch reinen Tisch mit seiner kleinen Ver- gangcnheit machen. Der Zurückgebliebene blickte dem entschwindenden Lebens- rätsel ungewiß, kummervoll nach; innerlich mitgcriffen. schritt er eine Weile in der Richtung des Wagens fort, der für seine trunkenen Augen ein feuriger war. Was hatte sich denn eigentlich ereignet? Nur ein Zusammenstoß zwischen Alt und Neu.... Und die Trümmer lagen rauchend in seiner Brust. Aber ein Schwanken— nein, das gab es für ihn nicht mehr. Hier herrschte Enge, Dumpfheit, kleinmütige Beharrlichkeit; dort drüben an dem sonnigeren Ufer waren die Verhältnisse groß, die Menschen frei, zum Herrschen ge- schaffen. Er war noch keine zehn Schritte gegangen, als von dem zum Bahnhof führenden Fußweg her Mutter und Bruder in die Heerstraße einbogen. Die beiden mußten vor dem Stcigerschcn Wagen zur Seite treten.' Doch kaum war dieser Mittwoch, 1 5.?unl heftiger zu rumoren. Namentlich bei Nacht bot dieser Vulkan dem Auge ein großartiges Schauspiel, wenn er mit den gewaltigen glühenden Blöcken aus seinem Krater Fangball zu spielen schien. Rutsches Aeitungs-deutsch. Tagtäglich begegnet man in den Zeitungsberichten über die Vorgänge in Rußland Ausdrücken wie Semstwo, Oktobrisicn. Kadetten u. dgl. m., deren Bedeutung dem Leser manchmal nicht ohne weiteres klar ist. Semstwo heißt aus deutsch eigentlich Landschaft, gemeint sind damit die russischen Verwaltungen, Bezirke und Kreist, die(seit 1864) Selbstverwaltung und Verfassung besitzen. Oktobristen ist die Bezeichnung für die Angehörigen der monarchisch- konstitutionellen Partei; der richtige Name lautet: Verband vom 17. Oktober und leitet sich von dem Kaiserlichen Manifest vom 17. Oktober 190S her, dessen Versprechungen er zu verwirklichen sucht. �Mit den Kadetten sind nicht etwa die Offiziersanwärter gemeint, überhaupt leitet sich der Ausdruck nicht von dem französischen Wort„le cadet"— der Jüngere her, sondern er ist aus den Anfangsbuchstaben der Worte konstitutionell und demokratisch(ka de) zusammen- setzt und bezeichnet die Angehörigen der linksliberalen russischen Partei. Duma heißt wörtlich übersetzt: Rat. Bei den ältesten russischen Fürsten bildeten die Spitzen ihrer Gefolgschaft, die Bo« jaren, den Rat; er bestand bis zu den Zeiten PeterS des Großen: von da an entschieden die Zaren in allen Staatsangelegenheiten selbherrlich(Autolratie). Seit 1006 hat das Wort Duma aufs neue staatsrechtliche Bedeutung erlangt in der Reichsduma, womit die russische Volksvertretung, der russiche Reichstag, bezeichnet wird. ver Magnet als SchUslaüemtttel. Da? Laden und Löschen spielt im Schiffsverkehr insofern eine immer wieder der Verbesserung bedürftige Rolle, als schnelleres Laden und Löschen auch eine bessere Ausnutzung der Schiffseinheiten, der Hafcnbauten usw. ermöglichen. Außerdem sucht man das Laden und Löschen immer mehr mit Hilfe der Technik zu bewerkstelligen, um sich dabei von menschlichen Arbeitskräften möglichst unabhängig zu machen. Eine bedeutungsvolle Neuerung auf diesem Gebiete wurde kürzlich, wie dem„Prometheus' entnommen werden kann, in den Bereinigten Staaten erprobt. Es wurde nämlich zum ersten Male der Magnet zum Befördern von Eisenladungen in den Schiffsraum oder aus demselben verwendet. Auf einem ständig zur Beförderung von Stahl- und Schieneneisen benützten Frachtdampfer baute die genannte Gesellschaft drei Eleltromagnetcn ein. Während bisher da? Eisen mit der Hand an den gewöhnlichen Dampfwinden befestigt werden mußte, wird eS jetzt durch die Magneten an den Schiffsladewinden festgehalten, wodurch der ganze Vorgang des Ladens außerordentlich beschleunigt wird. Auch eine wesentliche Verbilligung des LadrgeschäftS soll durch das neue Verfahren möglich sein. Die Kosten der llebernahme der Ladung von 2000 Tonnen mit den Magneten betragen 420 M., während sie sich bei der bisher üblichen Ladeart auf mehr als 2000 M. beliesen. Die drei Magneten können zusammen bei jedem einzelnen Hub 4'/, Tonnen übernehmen._ Notizen. — Neber Nutzpflanzen deS t ür kt s ch e n O r i e n t s spricht Mittwoch, nachmittags 5 Uhr. im Botanischen Garten zu Dahlem Prof. L. DielS. An den Vortrag schließt sich eine Besichn- gung. Beides unentgeltlich. —.Der liebe August in", ein neue? Bolksstück, das in Wien aufgestihrt wurde, ruft die Erinnerung wach an diese ab- sterbende Art Literatur. Es ist von Julius Bittncr, der schon in früheren Volksopern seine künstlerische Bedeutung erwies. Diesmal bietet er Bilder auS dem Leben eines Wiener Originals, eines VolkSsängerS. Besonders gelungen scheint der dritte Akt, der das Hereinbrechen der Pest darstellt. Die Musik beschränkt sich mehr auf die begleitende Art. — Eine norwegische Millionenstiftung für Kunst und Wissenschaft. Der deuffche Konsul in Bergen, Herr Konrad Mohr, hat eine Million Kronen zu einer Stistuuz ausgesetzt, deren Zinsen als Stipendien für Männer der Literatur. der Kunst und der Wissenschaft verwandt werden sollen. Die Sti- pendien sollen Kosten von Studienreisen ins Ausland decken und Angehörigen von flinf verschiedenen Gruppen zufallen. Dies sind Schriftsteller oder solche Personen, die literarische Studien treiben wollen; ferner Schauspieler, sodann Maler und Bildhauer, Journa- listen und endlich Persönlichkeiten, die wissenschaftliche oder prak- tische Studien über den Sozialismus anstellen. iDese Sti- pendien werden je 4—6000 Kronen betragen. Die Stipendiaten sollen auS einer Vorschlagsliste ausgewählt werden, die die doppelte Anzahl von Bewerbern enthält. an ihnen vorüber, schien Frau Lenggenhager schon ctivaS erraten zu haben. Sie blickte der fahrenden Pracht aufgeregt nach und winkte dann ihrem Jüngsten, ob er den Wagen nicht durch Zuruf zum Anhalten bringen wolle. Der Ober- lcutnant gab den beiden mit finsterer Miene die Hand und berichtete in dürren, von Haß durchzitterten Worten, was sich soeben zugetragen hatte. Er knüpfte ferner die Betrachtung daran, daß es ihm der Vater unmöglich mache, sich zu Hause sehen zu lassen. Auch sein hartes Entweder-Oder gab er ihnen zu erkennen. Der Pfarrer mißbilligte jedoch des Bruders Verlangen. „Bewahre, das tut der Vater keinesfalls. Eher läßt er dich fahren. Dafür solltest du ihn kennen. Er hat- zwar in Beschränktheit, aber ganz ehrlich und ohne beleidigende Absicht gehandelt. Anpassungsvermögen besitzt er nun einmal nicht. Früher oder später wäre der Spunden doch heraus- getrieben worden und der Groll gegen die aristokratische Schwiegertochter zum Ausdruck gekommen. Es ist vielleicht besser so.' Tie Mutter beklagte zwar das Mißgeschick und versprach den üblen Eindruck irgendwie auszumerzen. Allein in beiden Reden spürte Adolf einen kränkenden Fatalismus, ein unaus- gesprochenes:„In Gottes Namen denn— wenn du nicht anders kannst!' Der Pfarrer war um einen halben Kopf kleiner als sein Bruder und glich ganz dem Vater. In seinem bannkräftigen Blick glänzte jedoch ein weicher Schimmer von Güte, der weder dem Vater noch dem Bruder eigen war. Eine mehr von innen kommende Würde adelte seine Züge, und das Männliche in seinem Wesen unterschied sich auch sehr von der kraftbetonten prahlerischen?lrt des Offiziers. Auf Aeußcr- lichkeiten hielt er offenbar lvenig; sein Gehrock hatte etwas zu viel, die geschmiertcn Schuhe zu wenig Glanz; auch der Umlegkragen mit den schwarzen Knöpfen verriet den anspruchslosen Landpfarrer. Nur der umstrittenen Zierde des Maiuics, dem kastanienbraunen Bart schien er eine ausgiebige Pflege angedeihen zu lassen. Ilebrigens kam Adolf bald dahinter, daß heute feinet- wegen so etwas wie ein Familienrat abgehalten werden sollte. Der geistliche Herr hielt mit seinem Shimmcr nicht lange hinterm Berge........... (Forts.' folgt.) Donlschcs Theater. Heute u. folgende Tage yj�Vhr: Max Pallenberg in Familie Schlnselc, Ka ni in erspiele. Heute u. folgende Tage 71/2Lnf: Wie Tänzerin (mit Leopoldine Konstantin). Volksbühne. Theat. a.Bülowplalz. l iitergrundb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage V1/. Uhr: Fi» Moniiueriiaehtstraiiiii. Theater für Mittwoch, den 13. Juni. liessins-Tlieater. Heute u. folg. Tage TV-, Uhr: Marie ottmann u.Hans Watiniann in Oper. v. 0. Blumenthal. Musik v. Osk. Straus. Dir. C. Keinliarn-- R. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzer Str. Uhr: Fnlgeist. ffComödienhaus l'i., TJ.: Wie fessle ich meinen Mann? BerBiner Theater 7-'° Uhr: Die tolle Komteß. TOIEPRICnSTR-AN-- PER- KOO-ISTB" Allabendlich T1/. Uhr: Das vielseitige Variele-Programm Die Kasse ist ab 10 Uhr neöftnet Deatsohes Opernbans ' uhr: DßrPöstillonv.LoDjunieaii, Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Uhr: Das Dreimäderlhaus. Keht. Hcrrnield-Theater. 7-/. u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater vi, U.: nn Komische Oper �8 uhr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7�/,Uhr: Die blonden Zlüdels vom liindenhof. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. KassenteL Nord. 281 vi, u.: Der Soldat der Marie. Metropol-Theater 7';3uhr: Die Czardasfürstin. Residenz-Theater 7-/. mr: Der Leibgardist. Schiller-Theater O 7'/3u.: Götz von Beriichingen. Schiller-Th. Charlottenb. Ti. u.: Der Tartiilf. SgaDarell. Thalia-Theater 7«/. uhr: Sonnwendzanber. Theater am Siollendortpi. 7-/.U.: Die Guiaschkanone. Theater des Westens tuv.: stolze Thea. Trianon Theater 7'/4uhr: Der Star. ? Rose�Theater. Tum-. Der Mann seiner Frau. (iiarfenb.: Berlin wie es liebt u. haßt. Reielisiiailen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Aujang 7'/, Uhr. Tägl. VI, Sonnt. 3'U u. 73/, Triuiiipli(I.Scliönheit und das große, neue ¥ariet6-Programm. URANIA Tanbenstraße 48/49. 8 Uhr: Torpedooberleutnant Kühl; Der Möve Flug. Zirkus A. Schumann Am Bahnhof Friedrichstraße. Rauchen gestattet. Kühler Aufenthalt. g�oße Zirkus-Variete- Programm. U. a. Sagerisch. jUpsn-Spiele Doley nnd Partner, Exzentrik-Kadf ahrer. Die besten Drahtseil-Künstler. Peppos kom. Dressur-Akt. ■ h■■ Parforce- Halali f2d.itze1' Berliner Prater-Theater Kastanienallee 7— 9. Heute: Aha— famos! 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Herman Berlin-Tempelhof, Kaiser-Wtthelm-Sttaße 10/11. »räfttger Hausdiener (Hansdicnerin) verlangt. 4806L H. Sperling, Buchbinderei, Friedrichstr. 16. Schlosser verlangt 1472 Alex. Herman b."�; Berlin-Dempelhof, Kaiser-Wtlhclm-Sttaße 10/11. Warmpresser )ür Mestingzünder gesucht. Züiiderprestwerk G. H. Speck, 47/13* Lützowstr. 2.___ Schmiede auf HeereSarbeilcn(Hufschmied und andere), Schirrmeister für emsache Arbetten oerlangt 147L Alex. Herman Berlin, Pankftr. 29. Ofenleute für Martinwerk uud Platzarbeitkr sucht 48142* Stahlwerk Lothe, Berlin-Wetstcnser am Jndustriebahnhof. Treespertarbtiler gesucht. 48/14 l!.R.8peclc,EDl!0V§li'.2. Zuugtrell Hausdikllkl mit guten Zeugnissen suchen sofort Fiseaberg& Herzstein, 2611b Krausenstr. 31/32. Lehrlinge f. d. graphische Gewerbe: Handpressen- Kupserdruck, Phoiograpbie, Chemi- graphic zu günst. Bcd. bei spät. gut. Erwerbsoer halt n usen sofort zes. Meifenbach, Schöneberg, i3ß Hauptstr. 8. 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