Nr. 164. ( 5 Pfennig) MoNtagSaNSMKe( 5 Pfennig) flbonnementS'Bcdlngnngfii: vdonnomcms- Preis vrönumerando: Lierleljährl. Z.M Mk, monall. l,Z0 Mt, wöchmllich so Pfg. srd WS Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" lv Pig Post. Adonnemem: 1,30 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeilungS. BreiSliiie. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 5lö0 Mark, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien. Dänemark, Holland, Italien, lluxcmburg, Portugal. Kumälücn. Schweden und die Schweis. krlchetiil lZgN». 34. Jahrg. fnlkrtkiK-LeDflhs tekrägt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg. für politische und gewerlichaftliche Vereins- und VerfammlnungS. Anzeigen SO Pig. �I�leine Snreigen", das jeltgedruckie Won 20 Pfg.(»ulüfstg 2 fettgedruckte Wortcl, fedeS wcitcre Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstcllenan- zeigen das erste Wort 10 Pig. sedeS weitere WoN S Pfg, Worte über IS Buch- ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet Belegrainin. Udreffe: „Zoiiäittemokttil llettl»-. stilfe«len Kriegsbefcbädigten! Starker Artilleriekampf in Flandern und im Artois.— Englische Vorstöße bei Warneton, Monchy und Croisillcs.— Deutscher Vorstoß bei Hurtcbise.— Zunehmende Gesechtstätigkeit in Wolhynien und Ostgalizien. Ä m t l i ch. G r« h e s H a u p t q u» r t i e r, den 17. Juni 1S17.(W. T. B.> Westlicher 5?ricgSschauPlay. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht In Flandern war der Artillerickampf abends südöstlich von Upcrn und nördlich von Armcntiercs stark. Südwestlich von Warncton fliesten englische Abteilungen zweimal vor; sie wurden zurückgeschlagen. Pom Kanal von La Basiäe bis zur Bahn Arras— Cambrai herrschte rege Kampftätigkeit der Artillerie». Bei Monchy und Croisillcs sehten die Engländer ihre Borstöhe morgens und abends fort. Während der Feind östlich von Monchy glatt abgc- wiesen wurde, drang er nordwestlich von Bustecourt vorüber- gehend in unsere Gräben ein. In Gegenstösten, bei denen wir über 70 Gefangene cinbrhirltcn, wurde dir Stellung zurück- gewonnen. Auch südwestlich von Canibrai sowie zwischen Sommr und Dise zeigte sich der Feind rühriger als in lehtcr Zeit. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Aisnc-Front schwoll das Feuer zeitweilig zu erheb- licher Stärke an. Am Chcmin-dcs-Damcs brachen abends Sturmtrupps eines bayerischen lllegiments in die französische Stellung Nordwest- lich des Gehöftes Hurtcbise, erkämpften sich den Besitz einer Bcrgnasc und hielten sich gegen 3 starke Gegenangriffe. 23 fran- zösische Jäger mit 4 Maschinengewehren wurden hier einge- bracht In der Champagne war vielfach die Fenertiltlgkeit rege. Heeresgruppe Herzog Albrecht Keine wesentlichen Ereignisse. Ocstlichcr Kriegsschauplatz. Die Gcfechtstätigkcrt westlich von Luck, südöstlich von Zloczow und im Karpathen-Vorland nahm zu. Bei Brzczany wurde ein russischer ErkundungSvorstost zurückgewiesen. Mazedonische �front. In der Struma-Niederung räumten die Engsänder mehrere Ortschaften, nachdem sie von ihnen in Brand gesteckt worden waren. Der Erste General« uartiermei st er. Ludcndorff. Zlbendbericht. Amtlich. Berlin, 17. Juni, abends. Von keiner Front sind besondere Ercignisie gc- meldet. Ter österreichische Bericht. Wien, 17. Juni. Amtlich wird verlautbart: Ocstlichcr Kriegsschauplatz. An der ungarischen Ostgrcnzc stellenweise Patrouillen. gcplänkcl. Bei Brzczany wurde» russische ErkundungSabtei- lungen zurückgewiesen. Italienischer Kriegsschauplatz. Oestrrreichisch-ungarische Flugzcugggrschwadcr warfen im Görzischen auf dir italienische Fassungsstcllr Mossa mit Er- folg Bomben ab. Sonst nichts von Belang. Südöstlicher Kriegsschauplatz. llnverändcrt Der Chef de? GcncralstabeS. Die Not öer Kriegsbeschädigten. Cs soll gcsanlinclt werden! Wolffs Telegrcwben-Vurcttli verbreitet folgende Zuschrift des N e i ch s a u s s ch u s s e s der K r i c g s b e s ch ä d i g tenfür sorge: (iinc lehrreiche Statistik ist kürzlich in der Rhein v r o Ii i ii z aufgenommen worden, nämlich über die Höhe der Rcntenbeträgc bei den völlig erwerbsunfähigen Krieg sbcs cli�ä d i g t c n mit Familie. Tas Ergebnis war, das; auf jede Familie cines Kriegsbeschädigten ein MonatSbctrag von K7,tjl) Mark und auf jedes Fainilienmitglicd ein M o n a t S b c t r a g v o n 15,70 Mark entfiel. Tass bei diese» Beträgen heute und auch Wohl nach dem Kriege in vielen Familien von.Kriegsbeschädigten, wcnu sie keine anderen Einkommensquellen haben, bittere Rot herrschen muh, ist selbstverständlich. Hier muh zunächst eine Erhöhung der Rente stattfinden. Wann und in welchem II in f a n g c diese erfolgen kann, steht aber noch in keiner Weise fest, und auch wenn sie erfolgt, werden stets noch grohc Härten des Einzelfalles zu linder» übrig bleiben. Hier gilt es für das ganze Volk eine Dankes- schuld abzutragen. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß demnächst— in ähnlichecr Weise wird für die Hinter- blicbenen durch die Nationalstistung— auch für die Familien dcer Kriegsbeschädigten durch eine allgemeine Tamm- l u n g Abhilfe geschaffen werden soll. Nein, es ist durchaus nicht zu begrüßen, daß für die Kriegsbeschädigten g e> a in in e l t werden soll! Das ist doch nur ein Notbehelf der Verzweiflung, und daß der notwendig getvordcn ist, das ist niederdrückend und beschämend! Zu begrüßen wäre es, wenn der Reichstag, der An- fang Juli zusammentritt, binnen einer Stunde in erster, zweiter und dritter Lesung dasjenige bereitstellen würde, das notwendig ist. um die völlig erwerbsunfähigen Kriegskrüppel und Kriegsblinden vor der„bitteren Not" zu bewahren. Zu begrüßen wäre es, wenn die K r i e g s b e s ch ä d i g- ten selbst nicht ihr Recht auf den„Dank" des Vaterlandes, sondern ihren Gläubigeransprnch an die Allgemein- heit so nachdrücklich geltend machen würden, daß dieser An- spruch anerkannt werden muß. Daß aber am Ende des dritten Kricgsjahrcs— nachdem man also Zeit genug gehabt hat, eine anständige finanzielle Regelung auf dem Wege der Gesetzgebung vorzunehmen— für die Kriegsbeschädigten gesammelt werden muß, ist eine Tatsache, die man nur mit den allerbitterstcn Ge- fühlen„begrüßen" kannl Stockholm. Schwedisches Urteil über die deutsche Denkschrift. Stockholm, 17. Juni. Zu der Friedenserklärung der deutschen sozialdemokratischen Mehrheit in Stockholm bemerkt„Alle- handa": Dieses Programm ist ein Aktenstück von hohem poli- tischcm Rang, gemäßigt und st aatsklugzugleich. Zwei- fellos wird es Aufmerksamkeit erwecken und die Erörterung über den Frieden stark in Bewegung bringen, falls die Ententevölker es lesen dürfen, was wohl keine Kriegszensur verhindern kann. Am allerwenigsten kann die Erklärung mit über- legenem Hohn oder mit dem Gerede von deutscher Furcht abgefertigt werden, denn von Furcht vor der Fortsetzung des Krieges bis zur Erreichung eines annehmbaren Friedens merkt man keine Spur. In den Hauptstückcn dürften die neutralen Völker zufrieden sein, wenn der Friede in Europa auf dieser Grundlage errichtet werden kann. Die Worte des Programms über das Selbst- bestimmungsrecht der Völker, die sich durch die Kricgscreignisse von fremder Oberhoheit befreit sehen, müssen den kleinen neutralen Völkern besonders zusagen, ebenso wie die Erinnerung an die Not- wendigkeit entsprechender Autonomie für diejenigen Nationalitäten, die wie die Frländer und Nord schleswighol st einer usw. vom Frieden keine Aenderung ihrer staatsrechtlichen Stellung er- warten können. Auf jeden Fall dürfte dieses Aktenstück von den Völkern der Entente nicht als bedeutungslos abgefertigt werden können. Amerikaner unterwegs. Stockholm, 16. Juni. fEig. Drahtber. d.„Vorto.") Das gestrige Beisammensein der deutschen Delegation mit dem holländisch-skandi- navischen Komitee und Viktor Adler verlief nicht nur sehr befrie- digend, sondern auch sehr wertvoll für weitere Vcrständigungsarbcit. Hillquit, der Führer der„Socialist Party of America" legitimiert telgraphisch den amerikanischen Genossen Goldfarb als Vertreter dieser Partei, dessen Ankunft er zugleich ankündigt. Die russt/che Delegation. Amsterdam, 17. Juni. Huhsmans teilte dem Stockholmer Korrespondenten des„Handelsblad" gestern mittag mit, daß be- reits in der folgenden Woche eine Abordnung de» russi- scheu Arbeiter- und Soldatevratc» ip Stockholm erscheine» werde. Landarbeiter und Streikrecht. In keiner volkswirtschaftlichen Erörterung in bürger- lichen Kreisen fehlt der Satz, daß der deutschen Landwirtschaft für die Gegenwart wie für die ganze Zukunft des Volkes eine besondere Bedeutung und Lebenswichtigkeit zukommt. � Die nächstliegende Schlußfolgerung, die sich hieraus notwendig für die Landarbeiter schaft ergibt, wird jedoch in allen diesen Erörterungen nicht gezogen. Soll die höchste für unsere Volkswirtschaft erforderliche Ergiebigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit erzielt werden, so ist dieses Ergebnis in erster Reihe davon abhängig, daß die rechtliche und wirtschaftliche Stellung der Landarbeiterschaft ausgestaltet und verbessert wird, um die Landarbeiter im allgemeinen arbeitsfreudiger und mit ihrem Lose zufriedener zu machen. Kein Teil des Arbciterrechts ist mehr veraltet und rück- ständiger als das ländliche Arbeiterrecht. In keinem anderen Rechtsgebiet drückt sich eine solche Geringschätzung der Person- lichkcit des Arbeiters, eine solche Vergewaltigung des im Landarbeiter wie in jedem andern Menschen lebenden Willens aus. Abgesehen von den teilweise Jahrhunderte alten Gesinde- ordnungen Deutschlands ist vor allem die Beseitigung des preußischen Gesetzes vom 24. April 1854 betreffend die V e r- letzungcn der Dien st pflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter ein dringendes Gebot der Zeit. Das Gefttz bestraft Ungehorsam und Widerspen- stigkeit gegen Befehle der Herrschaft und der Aufsichtsper- sonen und Verlassen des Dienstes ohne gesetzlichen Grund mit Geldstrafe oder Haft(ZZ 1 und 2) und diejenigen Landarbeiter, die die Arbeitgeber zu Zugeständnissen dadurch zu be- stimmen suchen, daß sie die Einstellung oder die Verhinderung der Arbeit verabreden oder andere zu solcher Verabredung auffordern, mit Gefängnis bis zu 1 Jahr. Die brutale Härte, mit der das Gesetz in§ 1 den Arbeiter wegen Verlassens des Dienstes bestraft, den Arbeitgeber jedoch im gleickfcn Falle bei grundloser Entlassung des Arbeiters straflos läßt, beweist die Absicht des Gesetzes, die Landarbeiter durch Strafan- drohnngen unter die Botmäßigkeit der Arbeitgeber zu zwin- gen, damit sie sich allen vom Grundbesitzer diktierten, ihnen aufgezwungenen Befehlen und Arbeitsbestimmungcn gefügig zeigen. Das Reichsvcreinsgesetz hat in ß 24 Abs. 3 diese Vor- schritten des Landesrechts ausdrücklich aufrecht erhalten. Wie war nun das Ergebnis dieser Hörigkeit der Landarbeiter und des von Strafandrohungen eingeengten Arbeitsverhältnisses? Eine von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wachsende Spannung in den ländlichen Lohnarbeitsverhält- nissen, dauernde, an Zahl zunehmende Streitig- keiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und Be- strafnngen und Schikanen durch Gendarm, Amtsvorsteher und Gericht, denen sich die zum Bewußtsein ihrer Persönlichkeit er- weckten Landarbeiter zuerst durch Auswanderung und in den letzten Jahrzehnten meist durch Abwanderung in die Städte entzogen, wo sie unter freieren Rechtsverhältnissen lebten und im Zusammenschluß mit ihren Arbeitskollegen in den Ge- wcrkschaftcn ihr Arbeitsverhältnis zu verbessern in der Lage waren. Wegen der Landflucht der Arbeiter verlangen deshalb nicht nur die Interessen der Landarbeitersckfaft, sondern in gleicher Weise die volkswirtschaftlichen Interessen ein den mo- dernen Verhältnissen angepaßtes Arbeiterrecht auf dem Lande. Dazu gehört in erster Reihe die Beseitigung senes Ausnahmegesetzes von 1854, damit es den Landarbeitern möglich ist. durch ungehinderte Koalition ihre Arbeitsverträge günstiger zu g e st a l t e n. Das Gesetz muß um so mehr fallen, als bestimmt erwartet werden kann, daß die Land- arbeitermasscn aus dem Kriege mit einem Selbstbewußtsein zurückkehren werden, das durch langen gefahr- und opfervollen Dienst für Staat und Gesellschaft mit Recht erheblich gestei- gert ist. Dazu hat das enge Znsammenleben im Felde mit Kaineraden aus der städtischen Arbeiterschaft ihren Gesichts- kreis erweitert. So werden sie einen für das Unrecht in ihren Arbeitsverhältnissen geschärften Blick heimbringen und das Gefühl der Kameradschaft, das mancher Landarbeiter erst als Soldat kennen lernte, in das Arbeitsleben übertragen. Ein großer Irrtum ist es daher zu glauben, daß in den Rechts- Verhältnissen der Landarbeiter alles beim alten bleiben kann. Das preußische Gesetz von 1854 verbietet nicht schlechthin den Znsammenschluß der Landarbeiter in gewerkschaftlichen Organisationen, und es hat die Ausbreitung des Land- a r b c i t e r v e r b a n d e s, der bei Kriegsbeginn mehr als 2tIl)lX1 Land- und Forstarbeiter umfaßte, nicht verhindert. Jede Nummer des Verbandsblattes und jeder Jahresbericht des Verbandes berichtet auch von erfolgreichen Lohnbewegun- gen, durch die eine Erhöhung des Lohnes oder andere Vorteile von den Mitgliedern hier und da erzielt werden. Aber die Lage der Landardeiterschaft wird im ganzen und durchgreifend erst dann gehaben werden, wenn bei gleichzeitiger weiterer Ausbreitung der Organisation den Landarbeitern das Recht gegeben ist, sich durch Verabredung gemeinschaftlicher Arbeits- Einstellung ohne Einhaltung der oft recht langen Kiindigungs- frist vor der Aufdrängung ungünstiger Arbeitsverträge zu schützen und Verbesserung der Arbeitsbestimmungen durchzu- setzen. Wenn auch der- Streik das letzte Mittel zur Bewilli- gung berechtigter Forderungen vom Arbeitgeber ist, nach- dem vorher alle Mittel einer friedlichen V e r st ä n d i g u n g e r s ch ö p f t s i n d, so ist doch sicher, daß der Arbeitgeber sich auf Verhandeln über Forderungen der Arbeiter mit ihnen oder der Organisation meist nur dann ein- läßt und ihnen Gehör gibt, wenn die Möglichkeit der gemein- samen Arbeitseinstellung als äußerste Waffe im Lohnkampf dahintersteht. Aus diesem Grunde muß heute nachhaltiger als je um der Landarbeiterschaft willen wie auch im allge- meinen Interesse das Streikrecht für die Landarbeiter gefor- dert werden. Die Erweiterung der Rechte der Landarbeiter ist auch eine Kriegszielforderung, deren Notwendigkeit selbst denen klar ist, die einer Vermehrung der Arbeiterrechte mißtrauisch gegenüberstehen. Im Märzheft der Zeitschrift „Das neue Deutschland" kommt dies in zwei Artikeln zum Ausdruck, besonders in einem Artikel von Professor Dr. Wy- godzinski. Gleichzeitig aber stellt letzterer das freie Koali- tionsrccht und das Streikrecht des Landarbeiters als unver- einbar mit dem Staatsinteresse hin und tritt dadurch jedem wirklichen Fortschritt in der Entwicklung des Landarbeiter- rechts entgegen. Zur Begründung dieses Standpunktes wird natürlich bas Gespenst des Generalstreiks zur Zeit der Land- bestellung oder der Ernte angemalt, durch den die ganze Ernte eines Jahres vernichtet würde. Das Streikrecht des Land- arbeiters bedeute deshalb„Die llmkehrung des Wirtschaft- lichen Kräfteverhältnisses: der wirtschaftlich Schwache ist dann der Unternehmer". In diesem Zusammenhang erörtert der Verfasser eine Reihe von Tatsachen zum Beweise der Ver- schiedenartigkeit von Landwirtschaft und Industrie, und der Unmöglichkeit der Uebcrtragung des freien Koalitionsrechts auf das Land. Er übersieht jedoch dabei, daß durch eben diese Tatsache seine eigenen Schlußfolgerungen, die er aus der Ge- Währung des Streikrechts an die Landarbeiter zieht, wider- legt werden. Von den 7 Millionen Landarbeitern der letz- ten Berufszählung entfällt die größere Hälfte, mehr als 394 Millionen, auf die in der Wirtschaft des Haushaltsvorstandes mitarbeitenden Familienangehörigen, das sind im wesent- lichen die Söhne und Töchter der Bauern. Schon diese Tat- fache kennzeichnet die Schreckbilder, mit denen die Gegner des Koalitionsrechts anrücken, sobald sie von der Möglichkeit eines Streiks der Landarbeiter sprechen, als unsinnige, wenn nicht gar absichtliche Irreführungen. Dazu kommt, daß die Hälfte der Arbeitskräfte, die nicht Familienangehörige sind, als Knechte oder Mägde zum Gesinde gehören, mit dem Arbeit- geber also die Hausgemeinschaft teilen und teils wegen des persönlichen engeren Zusammenlebens, teils auch wegen ihrer Jugend für die Koalition der Landarbeiterschaft, noch weniger aber für einen Streik zu gewinnen sind. Tagelöhner im eigentlichen Sinne, die für einen möglichen Streik der Land- arbeiterschaft ernstlich in Betracht kommen, gibt es daher nach der letzten Berufszählung nicht viel mehr als 1% Millionen in der gesamten 7 Millionen zählenden Landarbeiterschaft. Nur mit Scheingründen läßt sich daher die Behauptung von der Unvereinbarkeit der landwirtschaftlichen Interessen mit dem freien Koalitionsrecht stützen. In Wirklichkeit gibt es keinen Grund, das Gesetz von 1854, das in der reaktionärsten Zeit entstand, als dem Volke die geringen Errungenschaften des Jahres 1848 wieder genommen wurden, länger aufrecht- zuerhalten und dem Landarbeiter das Recht zu verweigern, das alle anderen Berufsschichten und auch die Arbeiter der Industrie seit Jahrzehnten besitzen. Auch der Hinweis auf die angeblich nachhaltigen schlimmen Wirkungen der A g r a r st r c i k s in anderen Län- dern, in Ungarn und Italien, besagt nichts gegenüber der Tatsache, daß in den süddeutschen Staaten ein dem preußischen Zwischen eins unö fünf. Nachtbildcr vom Anhalter Bahnhof. Der Russe. Anhalter Bahnhof. Alles drängt aus dem Zug«, um den noch die Dunkelheit rinnt, auf den im zuckenden Bogenschein liegenden Bahnsteig. Ganze Familien mit glücklichen Beziehungen zum Lande ächzen mit prallen Rucksäcken, deren knolligen Inhalt mancher verrät, der Sperre zu. Junge Mädchen, vom braunfrischen Hauch des Sommertages noch umweht, schreiten leichtfüßig in ihrer kleid- samen Wandertracht dahin. Eine hat ihre Zupfgeige unterm Arm. ihr Plaudern klingt wie das Nestlied müder Vögel und wird vom Pusten der Lokomotive überstöhnt. Ter schwere Schritt der breit- hüftigen Bauernfrauen mit ihren mächtigen Hürden gleicht wohl am meisten dem der Urlauber, die am ruhigsten, aber um so massiver sich ihren Weg bahnen. Da kommt auch ein Russe daher, ein großer blonder Mensch, den schweren verschnürten Packen trägt er wie spielend auf seiner Schulter. So steht er nun neben seinem Landsturmmann und betrachtet das Chaos mit einem Gesicht, in dem sich nur die Augen bewegen. Traurige, ernste Augen. Ein halbwüchsiger Bursche tritt auf ihn zu und feixt:„Rußki kaputti!" Sein Lachen beweist, daß er sich nicht wenig auf das Witzige seiner Bemerkung einbildet. Der Landstürmer aber macht eine kaum zu mißdeutende Bewegung mit der Hand..Halt dein Maul, du Schnösel, sonst pfeif ick dir eenel" Von ungefähr begegne ich dem Blick des Russen und fühle die einsame Kälte in seinen Augen. In mir ist der Drang, ihm etwas Freundliches zu sagen. Ein paar einmal irgendwo gehörte Brocken fallen mir ein.„To swidanjel"(„Auf Wiedersehen!") sage ich und gebe dem Beamten meine Karte. Fremde gurgelnde Laute murmeln warm und dankend hinter mir her. Im Treppenflur drehe ich mich noch einmal um. Er sieht mir nach Der Vater. Der Wartesaal ist voll von Urlaubern. Sie drängen vorn zum Büfett, sitzen und stieren, die Mütze in den Nacken geschoben, vor sich hin oder hocken in gedämpften Gesprächen zusammen. Manche haben gar den Kopf auf die Tischplatte gelegt. Die Worte ver- sinken im allgemeinen Lärm und nur manchmal schlagen zerrissene Sätze an das Ohr.„Als wir damals in Bullecourt lagen...," .... von der ganzen Kompagnie noch acht Mann..." oder: „Mensch, ick kann dir sagen, wat haben da die Franzer rin- jefunkt t. ,* � Gesetz von 1854 ähnliches Gesetz sür die Landarbeiter nicht besteht, und daß auch in den nach 1854 von Preußen erworbe- nen Provinzen Schleswig-Holstein, Hessen-Nassau und Han- nover dieses Gesetz nicht gilt. Und es läßt sich gewiß nicht behaupten, daß in diesen Teilen Preußens oder in Süd- deutschland wegen Fehlens jenes Gesetzes besondere Unzu- täglichkeiten sich gezeigt haben, die in den altpreußischen Pro- vinzen nicht vorhanden sind. Weit eher läßt sich der gegen- teilige Nachweis führen, daß die unerträglichen Rechtszustände in den altpreußischen Provinzen die stärkste Landflucht gerade aus diesen Gebieten herbeigeführt haben. In Wirklichkeit ist das Gesetz von 1854 also im wesentlichen ein Ausnahmerecht zugunsten des engeren Kreises der ostelbischen Agrarier und zum Nachteile der dortigen Landarbeiterschaft. Um so weni- ger läßt sich die Fortdauer eines Zustandes, der den Land- arbeiter in den altpreußischen Provinzen zum Arbeiter min- deren Rechts macht, rechtfertigen. Die Revision öer Entente-Kriegsziele. Rußland regt eine Konferenz a». Petersburg, 17. Juni.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Am 13. Juni bei dem Besuch, den Albert Thomas den Mitgliedern der Vorläufigen Regierung ab- gestattet hat, hat der Minister des Aeußeren T e r e st- s ch e n k o dem französischen Minister vor seiner Abreise nach Frankreich folgendes S ch r i f t st ü ck überreicht: Die russische Revolution ist nicht nur eine Um- formung der inneren Organisation Rußlands. Sie ist auch, und zwar in erster Linie, ein Faktor moralischer Art, ein Faktor, der den Willen des russischen Volkes klar legt, sein Ideal von Gleichheit, Freiheit und Recht nicht nur im Gebiet der inneren Politik des Landes zu verwirklichen, sondern auch in den zw: scheu staatlichen Beziehungen. Dieser Wille ist die Quelle, der die russische revolutionäre Regie- rung ihre Kraft entnimmt. Ihm zu dienen ist ihre erste Pflicht und ihre Sendung. Rußland verteidigt beim Kampfe mit dem Feind den großen Gedanken der Freiheit und hat als Kricgsziel die Aufrichtung eines allgemeinen Friedens auf Grundlagen, die jedes gelvaltsame Vor- gehen von einer Seite, möge sie sein, welche sie wolle, und ebenso jeden imperialistischen Versuch in irgendeiner Form, ausschließen. Rußland nährt keinerlei Eroberungspläne und stellt sich entschlossen jedem derartigen Bestreben entgegen. Getreu- diesen Grundsätzen ist die russische Nation fest entschlossen, die i m p e r i a l i st i s ch e n Absichten des Feindes, seien' sie offen oder versteckt, zu bekämpfen, sowohl auf politischem Gebiet, wie auf dem Gebiet der finanziellen oder wirtschaftlichen Interessen. Wenn sich trotzdem gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen unserer Regierung und den alliierten Regierungen über die Kriegs- ziele bilden konnten, so zweifeln wir nicht, daß die enge Vereint- gung, die zwischen Rußland und seinen Alliierten besteht, ein völli- ges Einvernehmen über alle Fragen auf Grund der Grundsätze, von denen die russische Revolution beseelt ist, sicherstellen wird. Un- erschütterlich der gemeinsamen Sache der Alliierten verbunden, nimmt die russische Demokratie den Entschluß jener alli- ierten Mächte mit lebhafter Freude auf, die sich bereit erklärt haben, dem Wunsch der Vorläuftgen Regierung Ruß- lands nachzukommen, die Vereinbarungen, die die end- gültigen Kriegszielc betreffen, einer neuen Durch- ficht zu unterziehen. Wir regen zu diesem Zweck die Zusammenkunft von Vertretern der alliierten Mächte an, die demnächst stattfinden könnte, sobald sich günstige Bedingungen dafür bieten. Aber eine der Vereinbarungen, diejenige, die am 5. September 1914 in London unterzeichnet und später veröffentlicht worden ist, und die die Möglichkeit der Schließung eines Sonderfriedens durch eine der alliierten Mächte ausschließt, soll auf der Zusammen- kunft nicht zur Diskussion gestellt werden. Es ist anzunehmen, baß der Inhalt dieses Schriftstücks mit dem Vertreter der französischen und wahrscheinlich auch der englischen Regierung vereinbart worden ist. Wenn das zutrifft, dürfte in der Tat zu erwarten sein, daß die borge- Ein langer Artillerist mit der Hansakokarde an der Feldmütze geht mit seiner Frau und einem kleinen Jungen platzsuchcnd an den Tischen hin. An unserem ist Platz. Die Frau redet hastig, als müsse sie Zeit sparen, von ihrer Arbeit und ihren Sorgen. Begütigend wendet er von Zeit zu Zeit ein. „Laß good sin, Trine, de Ahl is'n Grootsnut..." Er nimmt den Jungen, der immer wieder einnickt und vom Stuhl zu fallen droht, auf die Knie. Seine Finger tätscheln deS Jungen Wangen, der furchtsam und befremdet abwehrt. „Büs do nich min lcev Jung?" Den Blick beharrlich ins Leere gerichtet, schüttelt da? Kind langsam den Kopf. „Er wird sich noch gewöhnen müssen," meint die kleine Frau. Der Glücksgroschen. Der Bahnhof wird geschlossen. Richtig zugemacht mit Türen wie eine Stube oder ein Haus. Das ist nichts Besonderes, aber mir schien es doch wunderlich. Da kann man weiter nichts tun, wenn man die Kosten eines Hotelzimmers scheut, als sich auf eine Bank setzen und aus Langeweile das Rucken der Zeiger an der erleuchteten Bahnhofsuhr kontrollieren oder ein bißchen frieren. Ein Schritt stelzt auf mich zu, einer halben Wendung deS Kopfes verdanke ich den Anblick einer jener Damen von Welt, die nicht gerade durch Unnahbarkeit imponieren. Sic setzt sich neben mich, haucht(ich weiß nicht, ob das Wort richtig ist— haucht ein aus innerster Seele kommendes Gähnen in den werdenden Morgen und sagt unvermittelt:„Ja, mein Lieber, dct sin Zeiten. Da hockt ma nu die janzc Nacht und wartet uff die paar Soldaten. Hat sich watl Un wat sollste denn ieberhaupt von die armen Jungens verlangen?— Haben Sic vielleicht ne Zigarette, mein Freund?" Die habe ich. Gierig saugt sie den Rauch in die Lungen. Aus ihrem Porte- monnaie langt sie einen Zehnpfennigcr. Ich wehre ab. „Tu man nich so. Jloobc mir, et is dein Glücksjroschenl" Ich will mal sehen. Arthur Zickler. . Papiernot. Einmal mußte es ja weniger werden. In Tausenden von Kommunalverbandskanzleien mit assessoralen Gedanken über Ge- flügelzucht und Schweinemast, über nützliche Verwertung von Brennesseln und Dotterblumen, Löwenzahn und Schierling bc- kleckert auf den Kehricht getoorfen oder an allen stillen Orten des Landes aufgehängt, will uns nun endlich das Papier ausgehen. Ge- stehen wir es offen, wir haben in Teutschland mit dem geduldigen Material geäst. Ganze Wälder von Papierholz, Tausende von Hektaren hat die sogenannte Kriegsliteratur gefressen. Alles wurde in Beziehung zum Weltkriege gebracht. Der Säugling, das Schulkind, der Knabe« das Mädchen, die Krau; alle fchlagene Zusammenkunst zur Revision der Kriegszicle der Entente, auf deren Kommen schon seit einiger Zeit mancherlei Zeichen schließen lassen,„demnächst" deutlicher aus dem Nebel der Gerüchte hervortritt._ Stockholm. Bulgarien und die Erklärung der ungarischen Delegation. Sofia, IS. Juni.(Bulgarische Telegraphen-Agentur.) Tie Presseleitung veröffentlicht folgende Mitteilung: Die würdevolle Antwort, die die Erklärung der Abordnung der ungarischen Sozialisten in Stockholm über die Regelung der Balkanfragen in der bulgarischen Presse aller Partei» schattierungen gefunden hat, scheint in einigen Ländern falsch verstanden worden zu sein. Im Lager unserer Feinde will man in diesen Erklärungen durchaus den Grund für die Reise des Ministerpräsidenten Radoslawow ins Ausland sehen, welche Reise nach dieser Ansicht durch MißHelligkeiten unter den Verbün- deten, die sich aus der Haltung der ungarischen Sozialisten ergeben hätten, veranlaßt worden wcxre. Der Zu/eck der Reise des Minister- Präsidenten Radoslawow ist zu wiederholten Malen dargelegt wor- den und es ist nicht nötig, hervorzuheben, daß die Erklärungen der ungarischen Sozialisten, die für Oesterreich-Ungarn in keiner Weise bindend sind, wohl zu weiteren Auseinandersetzungen und Be- sprcchungcn in der Presse Anlaß bieten können, aber durchaus nicht als Zeichen irgendeines Mißverständnisses zwi- schen den Verbündeten aufgefaßt werden dürfen. Hauptversammlung des Arbeiter- und Soldatenrats. Verhältniswahl. Petersburg, 16. Juni.(Petersburger Telegraphen- Agentur.) Tie Hauptversammlung der Ar- b e i t er- und Soldatenräte ganz Rußlands, deren Eröffnung auf gestern festgesetzt war, ist erst heute zusammen- getreten. Uebcr 766 Abgeordnete sind eingetroffen. Tie Blätter melden die Ernennung des Generals Lon- komsky zum Generalstabschef des Oberbefehlshabers. Admiral Maximow, der seinen Rücktritt nachgesucht hatte, ist an Stelle des Admirals Russin zum Admiralstabschef des Oberbefehls- Habers ernannt worden. Die beiden Admirale Kanin und Kedsow, Gehilfen des Marineministcrs. sind zurückgetreten. Der mit der Ausarbeitung des Gesetzes über die Ver- fassunggebende Versammlung beauftragte Ausschuß hat sich mit 27 gegen 9 Stimmen für das Verhältniswahlsystem aus- gesprochen. /ln die Krakauer �ldresie. Auf der Landesvertretung in Krakau wurde ein vom österreichischen Polenklub angenommener Antrag Tetmaier feierlich als der Wille des gesamten polnischen Volkes ver- kündet, der folgenden Wortlaut hat: „Der Polenklub des Landtages stellt fest, daß das polnische Volk einzig und allein die Wiedererlangung eines unab- hängigen freien Polens anstrebt, das einen Zu- trittzum Meere hat, und erklärt sich mit diesem Bestrelu» solidarisch. Ter Polenklub stellt ferner den i n t e r n a t i o- n a l c n Charakter dieser Frage fest und sieht in ihr die Bürgschaft eines dauernden Friedens. Der Polenklub gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der uns gewogene Kaiser von Oesterreich diese Angelegenheit in die Hand nehmen wird. Die Wioderaufrichtung des polnischen Staates m i t Hilfe von Oesterreich wird ihm einen natürlichen und verläßlichen Bundesgenossen sichern." Ju der„Kölnischen Zeitung" betrachtet„ein Gewährsmann aus Polen" den Beschluß als einen schlagenden Beweis politischer Unreife, findet das Verlangen„kindlich und un- verfroren", daß Deutschland den Polen auf Grund verjährter Besitzrechte mit der Abtretung seiner Ostprovinzen den Zu- gang zum Meer öffnen solle und erklärt drohend,„daß d i e letztenWürfelauchüberPolensSchicksalnoch Stände und Berufsarteu, alle Erwerbszweige, alle politischen, reli- giöscn und konfessionellen Ideen, alles, was jemals gedacht, ge- sprachen und geschrieben worden war, wurde adaptierend nochmal geschrieben und gedruckt. Die harmlosesten Menschen, die im Frieden niemals davon geträumt hatten, ein Buch oder eine Broschüre drucken zu lassen, wurden tiefsinnig, kamen in die Wochen und ließen etwas er- scheinen. In leichten Fällen wurden es Gedichte, in schweren wurden es Abhandlungen etwa„über die Knollenfrüchte im Weltkriege". Die ehrlichsten, arbeitsamsten und bravsten Menschen erinncr- ten sich an ihre Schulbildung und schrieben Hausaufgaben, anstatt zu schlafen, zu rauchen oder Dünnbier zu trinken. In den Etappen schwollen wehmüttge Kricgsstimmungen zu Hunderttausendcn von Druckseiten an. aus der Heimat klang millionenfaches Druckecho wider. Jlle Menschen hatten Ideen, und alle Ideen wurden gedruckt. Tie Stampfmühlen arbeiteten ficber- Haft, um den Papierstoff zu liefern, die Papierfabriken arbeiteten fieberhaft, um das fertige Material zu liefern, die Menschen ar- beiteten fieberhaft, um es bedrucken zu lassen, und an den stillen Orten des Landes wußte man nicht mehr, wohin mit dem lieber- flusse. Schont unsere Wälder! Laßt die Fichten wachsen und erlebt cm ihnen Stimmungen, statt sie zu fällen und auf dem auS den Gemordeten gewonnenen Papiere Stimmungen zu beschreiben. Eine Fichtenkultur ist mehr wert, ist anständiger und-wirk- sicher, als jede andere, über die ihr euch die Finger schwarz schreibt. Simplicissimus. Notizen. — Das Verfahren gegen Heinrich Mann. Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller schreibt: Das Verfahren, das wegen der Novelle von Heinrich Mann:„P ip p o S p a n o" auf Grund des§ 184 St.-G.-B. eingeleitet worden war, ist, wie der Staatsanivalt des Kgl. Landgerichts München I dem Beschuldigten mitteilt, e i n g e st e l l t worden. Es scheint indessen beabsichtigt zu sein, im objektiven Verfahren die Einziehung der Nummer der„Weltliteratur", in der die Novelle von Heinrich Mann zum Abdruck gekommen ist, zu veranlassen. — Eine volkskundliche Jnsektensammlung. Eine Jnsektensammlung eigentümlicher Art, wie sie wohl bisher, wenigstens im größeren Maßstäbe, keine wissenschaftliche Samm- lung der Welt besitzt, wird das Schwedische Reicksmuseum dein- nächst erhalten: eine Zusammenstellung aller Insekten, die in Rc- ligion und Kultur der Negervölker des Kongogebietes eine Rolle spielen. Der schwedische Missionar K. E. Laman, der im Kongo- gebiet als Tiersammler und Sprachforscher tätig ist, wurde mit >dem Zusammenbringen dieser Sammlung betraut. Die Anzahl der Insekten, die in die volkskundliche Jnsektensammlung gehören, ist, soweit sich bisher sagen läßt, über Erwarten groß; sehr zahlreich sind besonders die. die an Halsbändern, Armringen und anderen Schmuckstücken Verwendung finden, ntdit gefallen und Talen oder Worte, wie die von Krakau, nicht geeignet sind, den Regierungen der beiden Be- sabungsmächte für den weiteren Gang auf dem Wege, der zu Polens Wohl mit dem Akt vom 5. November eingeschlagen wurde, viel Mut zu machen". Der Artikel schließt mit einer kräftigen Ermahnung: .Nicht Polens Kräfte haben diesen alten Traum wieder greif- bar nahegerückt, sondern die der siegreichen Mächte dieses Welt- kriegs, Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Wir sind es den Toten und sind es der Zukunft unseres Vaterlandes scvuldig, daß Polen nicht wieder russisches Aufmarschgebiet gegen uns wird; weiter aber auch, daß man nicht gar in dem neuen Polenstaat uns e:n Reich ersteht, das uns schlimmer als Rußland in der Flanke bedroht. Wird das Spiel, das man in Krakau gespielt hat, weiter getrieben, so werden in Deutschland wie in Oester- reich-Ungarn ganz von selbst sich Erwägungen einstellen, ob man Köpfen, denen der Freiheitsrausch die nüchterne Ueberle�ung derart zu stören vermag, das zum Ausbau überlassen kann, was man vor dem S. November 1916 für durchführbar hielt." Im österreichischen Abgeordnetenhaus hat der Obmann des Polenklubs Dr. L a z a r s k i eine Erklärung über die Entschließung Tetmaiers abgegeben. »Mit Befremden haben wir vernommen, daß unsere Reso- lution vom 28. Mai d. I. von gewisser Seite mißdeutet und als ein gegen die allerhöchste Dynastie und gegen den Staat Oesterreich gerichtetes Vorgehen interpretiert wird. Dieser irrigen Auslegung müssen wir ganz entschieden entgegentreten und können über die Mißdeutung unserer Resolution und über die irrtümliche Auslegung derselben getrost mit dem Bemerken hinweggehen, daß wir tatsächlich unter ein vernehmlicher Mitwirkung Oesterreichs unsere Zukunft zu bauen wünschen und daß wir dabei auf die wohlwollende Unterstützung Oesterreichs und seines hochherzigen Monarchen zuversichtlich rechnen und vertrauen." Die„Arbciter-Zeitung" bemerkt dazu trocken:„Ueber diese Logik kann man Wohl nur lächeln, wenn man auch aus bestimmten Gründen ihre Schwäche nicht darlegen kann." Der Beschluß des Polenklubs, gegen die Regierung Clam- Martinic in die Opposition zu gehen und das Budget- p ro v i s o r i u m a b z u l e h n e n, ist für die Wiener Presse das Thenia des Tages. Denn damit ist die Gefahr entstanden, daß das Budgctprovisorium von allen slawischen Verbänden des Abgeordnetenhauses abgelehnt wird und fällt. Da die entscheidende Abstimmung noch in dieser Woche erfolgen soll, rechnet man mit einer raschenKlärungderLage. Die englischen Gewerkschaften gegen üie Teuerung. Bern, 17. Juni. Laut„Times" vom 13. Juni werden eine halbe Million verschiedenen Gewerkschaften angehörende Arbeiter in den nächsten Tagen die Re- gierung auffordern, in Anbetracht der hohen Lebensmittelpreise für ein« Lohnerhöhung um zehn Schillinge in der Woche Sorge zu tragen. Ein führender Gcwerkschaftsbeamter deutete an, daß die Lcbensmittcltcuerung der Hauptgrund für die Forderungen fei, dieselben aber auch angesichts der Gcwinnerhöhungen der Klein- Händler billig erscheinen. Tie Regierung wird am 13. Juni über die Angelegenheit bestimmen. Eine bedeutende Bewegung unter der englischen Arbeiterschaft ist darauf aus, daß die Regierung alle wichtigen Nahrungsmittel beschlagnahmt, und die Verteilung zu vernünftigen gleichen Preisen für Reich und Arm in die Hand nimmt. Eine erste 13 806 Unterschriften tragende Bittschrift in diesem Sinne ist Lloyd George am 2. Juni zugegangen. Die Bewegung in China. Peking, 14. Juni.(Reutermcldung.) Tschan g hsun Hot es abgelehnt, nach Peking zu kommen: die Aufständischen wollen eine Vertrctcrven'ammlung nach Ticntsin berufen, um eine Ein st weilige Regierung mit einem Diktator als Vorsitzenden einzusetzen. Der Süden marschiert auf Peking. New Dork, 17. Juni./z Liter Magermilch bezirksweise austeilen zu können, und zwar erhallen Magermilch: Bezirk 1 und 8 am Sonnlag und Donnerstag, 2 und 9 Montag und Freitag, 3 und 16 Dienstag und Sonnabend, 4 und 11 Mittwoch und Sonntag, 5 und 12 Donnerstag und Montag, 6 und 13 Freitag und Dienstag, und 7 und 14 Sonnabend und Mittwoch. Der Milchhändler hat auf jeder ihm vorgelegten Magermilchkarte zu vermerken, zu welchem Bezirk der Kunde gehört und an welchen Wochentagen er Magermilch erhält. In Berlin sind die Magermilchkarlen in der Zeit vom 18. bis 21. Juni von den Brotkommissionen abzuholen. Das Alter des für den Magermilch- bezug in Betracht kommenden Kindes ist durch Vorlegung einer amt- lichen Urkunde nachzuweisen._ Deutscher Städtetag. In den am Nachmittag fortgesetzten Ver- Handlungen des Deutschen Städtetages nahm die K o h l e n f r a g e den breitesten Raum ein. Berichterstatter waren die Oberbürger- meister B l ü h e r« Dresden und Dr. R i v o- Halle. Zlvci Gesichts- punkte traten in den Vordergrund: erstens daß eine Steigerung der Kvhlcncrzeugnng ganz unerläßlich ist, und zweitens, daß die— selbstverständlich auf den dringendsten Bedarf zurückzuführende— städtische Kohlenversorgung ebenso wichtig ist wie die Versorgung der Rüstungsindustrie. Vielfach wurde darauf hingewiesen, daß die Herbeischasfting dieses notwendigsten Bedarfs an Hansbraiid für die städtische Bevölkerung von nicht geringerer Bedeutung ist als die Beschaffung der erforderlichen Nahrungsmittel. Auch die Not- wendigkeit, die Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke ordnungs- mäßig zu beliefern, und die sich aus einer Nichtbclieferung er- gebenoen Rückwirkungen auf das gesamte Wirtschaftsleben, be- sonders auch auf die Nüstungsindustrie, wurde nach allen Richtun- gen beleuchtet. Eine besondere Entschließung, die darauf hinweist, daß die bis jetzt ergriffenen Maßregeln in keiner Weise den berechtigten und um des Endziels der Kriegsführung willen unerläßlichen Forderungen der städtischen Bevölkerung cnt- sprechen, befindet sich noch in Vorbereitung. Weiterer Verhandlungsgegenstand war der§ 6 Abs. 2 des Kohlenstcuergesetzes, der nach der Absicht des Reichstages den Gc- meinden die Möglichkeit eröffnen soll, durch Schaffung gewisser Einrichtungen eine Ermäßigung der Steuer um die Hälfte für die Inhaber von Klein- loohnungen herbeizuführen. Diese Verhandlungen, die durch einen Bericht des Oberbürgermeisters L i n d c m a n n- Kiel eingeleitet wurden, endigten mit dein einstimmigen Beschluß, daß die vorgestern vom Bundesrat zur Ausführung dieser Gesetzesvor- schrift erlassenen Bestimmungen es dem Hailptaus�-� nicht ermöglichen, den Gemeinden die Schaffung solcher Einrichtungen zu empfehlen, besonders auch im Hinblick auf die gesamten derzeitigen Schwierigkeiten der Kohlenbeschaffung. Am Schluß der sich bis in die späten Abendstunden erstrecken- den Tagung wurden noch einige Einzelfragen der Milch- und Fettregelung, sowie der Gemüse- und Obstversor- gung erörtert. Es wurde beschlossen, die nähere Behandlung dieser Fragen au den NahrungsWittelauSschutz des Deutsch«» Cütbhlmre« jh bmjiTen, brt durch Me fVrfchfrrfaffrt SfrchSrfl wurde, nämlich die Oberbürgermeister Koch- Cassel, Lauten- s�ch l ä g e r- Stuttgart, Dr. Schatz- Chartottcnburg und Voigt- Frankfurt a. M. Der Hauptausschust seinerseits faßte nur noch den Beschluf;, daß es von größter Wichtigkeit sei. f ü r d i e M i I ch- beschaffung den Unterbau auf de in Lande zu ver- stärken. Die ersten Zwaiigs-Mietsstci.qcrungcn in Berlin sind seht er- folgt. Tie Hausbesitzervereine haben fast durchweg ihren Mit- gliedern anempfohlen bzw. sie auch verpflichtet, zum 1. Oktober eine Mictssteigerung von mindestens ltl Proz. vorzunehmen, um„den Hauöbesitz lebensfähig zu erhalten", der„durch hohe Hhpvthcken- zinsen, hohe Unkosten für Jnstandsetzen der Wohnungen, Flure usw. und durch eine Ueberproduktion an Wohnungen" dem Ruin cat- gegengehc. Obgleich der VierteljabreSküiidigungstermin erst zum l. Juli oder vertragsmäßig einige Tage früher fällig ist, so haben verschiedene Hauswirte schon jetzt ihren Mietern die Nachricht zu- gestellt, daß die Wohnung vom l. Oktober so und so viel mehr kostet oder dann geräumt werden müsse. Die Steigerung bewegt sich aber meist über 10 Proz., ja bis auf 25 Proz. und mehr des Mietspreises, und selbst Kriegerfamilien wurden mit solch einem Steigerungsbrief beglückt. Dem Oberkommando und dem Königlichen Polizeipräsidium sind bereits Proteste gegen die Praxis der Hausbesitzer zugestellt war- den mit der Bitte, wie mehrfach in anderen Städten so auch in Berlin Miels st eigerungen für die Dauer des Krieges zu verbieten, sei sie direkt oder indirekt durch Schaffung von Abgaben für Hausreinigung und dergleichen. Tabak-Crsatz. Die neueste Kries�ware ist der Tabak-Crsatz, der soeben in den Handel gebracht wurde. Der Mangel an Tabak hat erfinderisch gemacht. AuS Waldmeister, Erdbeerblättern. La- vendclblüte, Fenchclblättern, Sandelholz und ähnlichen«rroma- haltigen„Kräutern" ist crn Tabak-Ersatz zusammengestellt worden, der zum Strecken des echten Tabaks dienen soll, aber auch so in die Pfeife gestopft werden kann. Bekanntmachung. In Erweiterung der Bekanntmachung deS Oberkommandos vom 12. Juli 1916— Sekt. IIa Nr. VO 100— betreffend B es i ch t i g u n g der mit Heeresausträgen betrauten Privatfabriken in Berlin und der Provinz Brandenburg durch Offiziere, wird bestimmt, daß auch das Kaiser- Wilhelm-Jnstitut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Tahlcm zur Ausstellung schriftlicher Genehmigungen be rechtigt ist. Der Oberbefehlshaber in den Marken, gez. v. Kessel, Generaloberst. Licfcrungsverträge über Gemüse dürfen, worauf die zuständige Reichsstelle erneut hinweist, nach dem 1. Juli nicht mehr abgc- schlössen werden. An diesem Tage verlieren alle Berechtigungsaus- weise ihre Gültigkeit. Ter Zirkel der Brillantcnmicve wurde von der Polizei ge- sprengt. Eine Mari« F., die in der Lcbewelt sehr bekannt ist, führt dort den Spitznamen„Brillantenmietzc" noch einem schönen Halsschmuck, den sie besitzt und der wohl an die 50 000 M. wert ist. Sie gehört zu den Kreisen, denen es gar nicht recht ist, daß auch die Lokale, in denen man sich am wenigsten langweilt, um J412 Uhr schließen müssen. Da kam sie vor einiger Zeit auf den Gedanken, selbst eine Gelegenheit zu schaffen, um sich auch später noch in lustiger Gesellschaft die Zeit vertreiben zu können. In ihrer Wohnung im hohen Erdgeschoß eines Hauses veranstaltete sie „Zirkel", um ihre Abende von den„Kominersen" zu unterscheiden. Wenn man in einer gewissen Bar oder anderswo unterrichtet worden war, daß Weinhändler und andere Leute genügend Sekt und Eß- waren nach der Großbeerenstraße geschafft hatten, dann brach man auf zur„Brillantenmietze", wo man sich bei Grammophon- und Gcigenklang bis in die Morgenstunde weiter vergnügte. Auch ein Tanz war nicht ausgeschlossen. Tie Preise waren zwar sehr hoch, aber daran stießen sich die Gäste nicht. Weniger erfreut als diese waren die anderen Mieter des Hauses. Als Beschwerden über die uächtlicbcn Störungen beim Verwalter fruchtlos blieben, wandte man sich an die Polizei, Obwohl ein Wächter vor der Tür stand. und nur auf Geheimzeichcn öffnete, verschafften sich Kriminal- beamte doch überraschend Zutritt und hoben den Zirkel auf. Eine unternehmende Hochstaplcrin wurde in einem Hotel der Friedrichstadt ermittelt und festgenommen. Die 19 Jahre alte Straßenbahnschaffnerin Anna Zcpanska aus Marburg gab ihre Stellung in Frankfurt a. M. auf und ging mit einem jungen Manne auf Hocksstaplcrfahrten aus. Tos Pärchen besuchte zunächst Aschaffenburg. Durch«in Kcllerfenster stiegen beide in ein Warenbaus ein, kleideten sich vom Kopf bis zu den Füßen um, legten auch noch Uhrkctte und Schmucksachen zu den neuen Sachen an und ließen die alten zurück. Sie fanden auch noch genügend bares Geld, um nach dem nächtlichen Besuch des Warenhauses gleich in einem Hotel absteigen zu können. Von Asckaffenburg fuhr Anna Zc- panska nach Berlin voraus und kehrte als„Frau Schmid aus München" in einem Hotel in der Dorothcenstraßc ein. Dorthin sollte der Geliebte nachkommen. Weil er ausblieb, so waren ihre Mittel bald erschöpft. Als sie fürchten mußte, daß der Wirt mit der Rechnung kommen würde, machte sich„Frau Schmid" zur Nacht- zeit aus Hand- und Bettüchern und Leitungsdraht ein Seil zurechr, ließ sich aus einem Fenster auf die Straße hinab und verschwand.! ! Zur Vorsicht hatte sie vorher ekn Bett hinausgeworfen, rm nicht zn yart zu fallen, wenn das Seil reißen sollte. An anderen Stellen war der Hochstaplerin der heimliche Abschied leichter geworden. Die Hotels wurden gewarn:. Als sie gestern wieder unter falschem Namen in der griedrichstadt abstieg, wurde sie erkannt und fest- genommen. � Cchöncberg. Heute Frauenleseabend bei Groß. Scdanstr. 17. TagcSordinmg: 1. Referat der Genossin Tuchenz über die Kriegs- arbeit der Frau in der Gemeinde. 2. Unsere Ferienkolonie. Spandau. Lcbcnsmittrlnachrichtcn. Der Magistrat gibt bekannt: In der Woche vom 18. bis 21. Juni dürfen auf die Abschnitte 1 bis 3 der K a r t o f f e I k a r t e zusammen höchstens 2 Pfund Kar- tofseln abgegeben und entnommen werden. Aui jeden der Abschnitte 9 bis 20 dürfen in den hiesigen Bäckereien 25 Gramm Brot oder >7 Gramm Roggeiiinchl, insgesamt auf sämtliche 12 Abschnitte 300 Gramm Brot oder 200 Gramm Roggenmehl entnommen werden. Diese 12 Abschnitte firb getrennt von den übrigen Brotmarken ge- bündelt ciiizlireichen. Auf einen über eine halbe Wochenmenge lau- ienden Kartoffelabschnitt der Schifferlebensmittelkarte dürfen 2� Pfund Kartoffeln und auf den zweiten für dieselbe Woche geltenden Abschnitt 250 Gramm Brot oder 175 Gramm Roggenmehl entnommen werden. Militärurlauöer erhallen auf zwei Fünftel der Kartofselabichnitte ihrer Lebensmittelkarte Kartoffeln und auf drei Fünftel Brot oder Roggenmehl wie die übrige Bevölkerung. Die Preiskommission der Bezirksgemüse- st e l l e n Potsdam und Berlin hat mit Genehmigung der Reichsstelle für Gemüse und Obst folgende Erzeuger-Höchsivreise festgestzt: a) Für die Zeit vom 14. b i s 20. Juni für Erd- beeren l. Wahl 1 M., für Erdbeeren II. Wahl 60 Pf., für Erdbeeren unsortiert 80 Pf, pro Pfund. Als Erdbeeren II sollen die ganz kleinen und beschädigten Früchte gelten und die sogenannte Nachernte.— b) Für d i e Zeit vom 14. bis 28. Juni für Walderdbeeren 1,50 M. pro Pfund. Als solche werden gleich- zeitig die gartenmäßig gezogenen Monatscrdbceren angesehen.— Für Johannisbeeren, weiße, rote und schwarze 50 Pf. pro Pfund.— Für Stachelbeeren, reif und u n- reif 40 Pf. pro Pfund.— Für Himbeeren: a) Preß-Him- beeren 55 Pf. pro Pfund, d' Ausgelcscne Himbeeren(Speisehim- beeren) 80 Pf. pro Piund. Für saure Kirschen 30 Pf., für süße Kirschen fweiche) 38 Pf., für süße Kirschen(große, harte) 53 Pß, für Schattenmorcllcn und Natten 60 Pf., für Giaskirschen 60 Pf. pro Pfund. Infolge des starken Andranges wird die Ausgabe der Bezug- scheine für Einmachezucker wie folgt geändert: Am 18. d. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben N, O, P, am 19. d. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben O, R, am 20. d. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben S, und zwar nur diejenigen der Altstadt, Stresow, Klosterfelde, Wil- hclmstadt, am 21. d. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuch- staben S aus der Neustadt und Hakenfelde, am 22. d. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben Sch aus der Altstadt. Stre- fow, Klosterfelde, Wilhclmstadt, am 23. t>. M. die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben Sch aus der Neustadt und Haken- fclde. Die Ausgabe erfolgt nur vormittags von 8 bis 1 2J4 U h r. Für die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben St, 11, V, W und Z wird der Ausgabetermin nock bekanntgegeben, ebenso für diejenigen Haushaltungen mit den Buchstaben A bis M, welche die Bezugsscheine bisher nicht erhalten haben. Die Aus- gäbe in den Stadtteilen H a s c l h o r st und Siemens st adt bleibt unverändert. Gegen Abtrennung von Feld 5 der Eierkarte können vow Sonntag, den 18. Juni, ab 2 Ei er bezogen werden. Feld 4 ver- liert mit Ablauf von Sonntag, den 17. Juni, feine Gültigkeit. In einer großen Anzahl von Geschäften sind noch Graupen oder Grütze gegen Abtrennung von Feld 1 der Lebensmittelkarte zn haben. Feld 1 verliert mit Mlauf von Dienstag, den 19. Juni, seine Gültigkeit, Auf Feld II der Buttcrkartc ist noch Butter in folgen- den Geschäften zu haben: Sydow, Jobannastr. 62; Nowack. Neuen- dorfer Str. 96; Schulze, Hamburger, �-tr. 116; Miessow, Brunnenstraße 21; Wicnkc, Märkischer Steig 11. In der Woche vom 18. bis2 4. Junil917 dürfen auf die Reich?- und st ä d t i s w c Fleifchkartc entnommen werden: A. Städtische F 1 e i s ch k a r t e. Auf städtische Fleischkarte lVollkartcl: 250 Gramm Schlachtvichffeisch mit Knocken oder 200 Gramm Schlachtvichflciich ohne Knochen. Auf städtische Fleisch- karte lKindcrkarte): 125 Gramm Schlachtviehkleisch mit Knocken oder 100 Gramm Schlackiviehffeisck obne Knocken. B, Reicks- fleischkarte. Auf Abscknitt 1 bis 8 der Vollkarte: 200 Gramm Scklacktvichfleisck mit Knochen oder 160 Gramm Schlacktviehfleisch obne Knocken. Auf Abschnitt 1 bis 4 der Kinderkarte: 100 Gramm Schlacktviehfleisck mit Knocken oder 80 Gramm Schlachtvichflciich ohne Knochen. In den durch Aushang kenntlich gemachten Fleiseb- Verkaufsstellen dar- außerdem entnommen werden: Aus Abschnitt 9 der Vollkarte 59 Gramm Blut- oder Leberwurst. Auf Abschnitt 1 bis 10 der Vollkartc 500 Gramm Wildbret. Auf Abschnitt 1 bis 5 der Kinderkarte 250 Gramm Wildbret. Ein Anspruch auf lieber- Weisung bcm WiMrek besiesik nicht. Tag und Zeit für den Verkauf auf Reichs- und städtische Flcischkartcn werden noch bekanntgegeben, Sportpark Treptow. Bei der Zusammensetzung des gestrigen Rcnnprogramms hat sich wohl die Direktion der Treptower Rad- rennbahn den Grundsatz zucigen gemacht: wer vieles bietet, wird jedem etwas bieten. Fünf Dauerrennen über je 20 Kilometer, in denen jeder einzelne Fahrer annähernd 80 Kilometer zurückzu- legen hat. deucht uns aber doch des Guten zu viel. Die Lösung der Schrittmackerfrage dagegen, durch Auslosung unter den Dauer- sahrcrn kurz vor Beginn der Rennen, ist unseres Erachtens eine durchaus lobenswerte Neuerung. Es wäre wünschenswert, daß sie zu einer dauernden Einrichtung wird. Der in rein sportlicher Hin- ficht unleidlicke Zustand, daß sich der bessere Fahrer, traf: seines für gewöhnlich volleren Geldbeutels, auch den besseren Schritt- machcr verpflichten kann, wodurch der schwächere Fahrer von vorn» herein doppelt benachteiligt ist, wäre dadurch ein für alle mal auf- gehoben. Tie fünf Nennen selbst nahmen nicht den gewünschte» cinwandsfreicn Verlauf. Gleich im ersten Lauf streikten von den vier Führungsmaschinell nicht weniger als drei, was wobl auf die zurzeit schlechte Beschaffenheit des Materials zurückzuführen ist. Auch in den anderen vier Läufen tvaren die Fahrer durch Motor- und Raddcfekte stark behindert. Die Fliegerrennen boten recht interessante Momente. Im Zeitfahren über 600 Meter erwies sich Walter Rütt als der schnellste Fahrer. Das von den gleichen Fahrern bestrittene Malfabrcn über 900 Meier ergab aber dann einen krassen Außenseiterfieg. Behrcnd setzte unerwartet zu einem kräftigen Spurt an, der ihm im Nu einen Vorsprung von einer halben Bahnrunde eintrug, den Rütt und Lorenz nicht mehr aufzuholen vermochten. Ein Haupt- fahren für Klasse 2 und ein Prämienfahren beschlossen das au Danerennen zu umsangrcicke Programm. Resultate.„Venienteg"— die Kommenden—, 5 Läufe über je 20 Kilometer nach Punktwertung: 1. Lauf: 1. Letvanow 18 Min. 55 Sek., 2. jhxschkow 1640, 3. Krupkat 2220 Meter, 4. Przyrembel weit zurück.— 2. Lauf: l.Przyrembel 17 Min. 54 Sek., 2. Pawke 720, 3. Krupkat 1290, 4. Lewanow 2440 Meter zurück.— 3. Lauf: 1. Lewanow 18 Min. 10 Sek., 2. Pawke 540, 3. Kuichkow 730 Meter zurück; Przyrembel aufgegeben.— 4. Lauf: 1. Krupkat 18 Min. 2 Sek., 2. Palvke 650, 3. Kuschkow 990, 4. Przyrembel 1560 Meter zurück.— 5 Lauf: 1. Lewanow 19 Min. 1 Sek., 2. Kuschkow 190. 3. Pawke 720, 4. Krupkat 1590 Meter zurück. Olesamtresultat: 1. Lewanow 7, 2. Pawke 9, 3. Kuschkow 10. 4. Krupkat 11 Punkte.— Zeitfahren über 600 Meter: Rütt 41 Sek., Lorenz 41,3 Sek., Schräge 42 Sek., Behrendt 42,1 Sek., Saioall 43,2 Sek.— Malfahren über 900 Moter: 1. Bebrcndt 1 Min. 22 Sek., 2. Lorenz. 3. Rütt, 4. Schräge.— Hauptfabren für Klasse 2 über 1200 Meter: 1. Abraham 1 Min. 56 Sek., 2. Niederkrone, 3. Hahn. 4. Müller,—• Prämienfahren für Klasse 3 über 3600 Meter: 1. Dahnke 5 Min. 20 Sek., 2. Schulz, 3. Neinars, 4. Klatt. flus aller Welt. Ter Getreideschieberprozeft in Posen. Im Prozeß gegen den Kaufmann Schimkat und Genossen in Posen, die wegen Gctreidesckiebungen angeklagt waren, wurde der Kaufmann Sckiinkat einschließlich einer bereits gegen ihn erkannten Strafe zu 7 Monaten Gefängnis un>d 17 700 M. Geldstrafe, der Mühlenbesitzer Theodor Galinski zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Die Verbandlungen gegen den Rittergutsbesitzer Theophil Galinski wurden vertagt. Der Staatsanwalt hatte gegen Schimkat 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 21 330 M. Geldstrafe, gegen Theophil Galinski 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und 253 450 M. Geldstrafe und gegen Theodor Galinski 8 Monate Gefängnis, 5 Jahr Ehrverlust und 252 600 M. Geldstrafe beantragt. Explosion in Wiener Munitionsmagazincn. Wien, 17. Juni. Amtlich. Explosion auf dem Stein- f e l d e. In der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. erfolgte in den militärischen Munitionsmagazinen am Steinfelde eine Erplosion, der drei Magazine zum Opfer fielen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen beträgt die Zahl der Verletzten zirka hundert. Von militärischer Seite sind noch in der Nacht ungesäumt alle not- wendigen Maßnahmen zur Hilfeleistung eingeleitet und durch- geführt worden. Sobald weiter Berichte über das Ereignis vorliegen, werden sie der Oeffentlichkeit sofort mitgeteilt werden. Der Kriegsminister hat sich mit den zur Hilfeleistung cnt- sendeten Organen persönlich an die Unfallstelle begeben. Wetteraussichten für das mittlere Norddcutschland biS Tiens- tag mittag. Zumeist trocken und vorwiegend heiter, am Tage sehr warm �später im Westen Zunahme der Bewölkung. verantwortl. f. Polilik: Tr. grunz Tirdcricki, Derlin-Friedenau: für d. übrigen Teil des VlallcS: Alfred Scholz, NcukSUn: für Snffrole: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Lcrlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. BerlagSanstaU Paul Singer&. Co.. Berlin SW. Adniirals-Palast. Abrakadabra großes phantastisches Ballett auf dem Kinc. Angenehmer kühler Aufenthalt 7*1, Uhr. Vorzügl. 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