Verlinev Volksblstt. der foÄaldemokratifd?en Partei Deutfchlande. ( 5 Pfennig} Die Inlerflons-GeSflör Mrägt für die sechkgefd-ülene Krlsnrl- »etie oder deren Raum 60 Pfg. für »olitische und flewrriichasiliche Lerein»- «n» Versaiumlungs. Anzeigen SO$fe- .Kleine fimctgcn". das lestgctuiifie Wort 20 Psg.(zuläfftg 2 fetigcbruate Worte), jedes weitere Wort 10 Pfz. kielleugesuche und Echlantallenan- leizen das erite Wort 10 Vfg. jedes »euereWortSVfg. Worte über IS Bued- Uaben zählen für zwei Worte. Jnsctane für die nächste Nmntne: müssen dis 6 Uhr nachinittags in der Cxdedition »ogegeden werden. Tie S:.vedü!01> t)l tis 7 Uhr abends geognet, reiegramin-ZIdrefset �»ÄälllM«j!r»t linvo". Itß&föZßZBS Dienstag, de« 19, Juni 1917. Expeöittoa: SW. H8, Linüenstraße Z. Kerusprecher: Amt Morttzvlatz, Nr. IM 90—151 97. Ar. 165. 34. Jahrg. Neöaktton: Sw. HS, Linöenstraße Z. Fernsprecher: Zlinl MortttPlaN. Str. ISt SV— 151 97. DbonnetnentS'Bedingmtge*; UdannementS• Biet» vrünuinernnd» Kierteljähri S.SO Mi, monotL 1,30 Mi. wöchentlich SO Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Vfg. Emmtags. nununer mit iLulirteriei Koiuitaqs. Veiiage»Die Neue Weit" 10 Vig Voü- Nbonnement: ILO Marl vre Monat Eingetragen m die Voit- Zeitungs- Vreisiiüe. Unter Kreuzband jür DeuNchiand und Oefierreich- Ungarn 2L0 Marl, für das übrige Susiand s Marl pro Monat Vostabonnemem« nehmen an Selgien. Dänemarh Holland. Ftalien. Luzemburg Vorluga!. Nmnänien. Schweden und die Schwei. Sich ein! kd glich. �entralorgan R.uKland und Amerika Neue Erklärungen Tereftsihenkos. In Flandern und im Artois Artillerie- kämpf— Englische Vorstöße bei Croisilles — Deutscher Vorstoß bei Cerny Amtlich. Großes Hauptquartier, den 18. Juui 1917. W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Am Ascr-Kalial beiderseits von Dpcrn, au der Lys und von 1!a Baffec bis zum Scnsee-Bach während der Nachmittagsstunden lebhafte Artillcrietätigkeit. Südwestlich von Warneton, östlich von Vcrmcllcs und bei Loos scheiterten englisch» Erkundungs- Vorstöße. Ocstlich von Croisilles schlugen wie an de» Vortagen drei Versuche der Engländer fehl, im Angriff Boden zu gr- Winnen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Im Anschluß an ein morgens mit Erfolg durchgeführtes StoßtruppUlnternchmen gegen die französischen Gräben bei Cerny »ahm daS Feuer hier, später auch in breitere« Abschnitte» der AiSne-Front und in der Wcst-Champagne zu. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Außer einigen günstig verlaufenen Borfeldgefechte« keiue wesentlichen Ereignisse. Aust� dem östlicheu Kriegsschauplatz ist die Lage unverändert. Mazedonische 5?ro»t. Südwestlich des Dojrau- Sees wiese» bulgarische Posteu mehrere englische Vorstöße ab. Der Erste Generalquartiermristrr. Ludeudorff. Wendbericht. Amtlich. Berli»,18. Zum 191.7, abends. Keiue größereu Kampfhaudluugeu. Der österreichische Bericht« W i e u. 18. Juui 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts NeueS. Italienischer Kriegsschauplatz. I» Rombou» Abschnitt warfen Abteilungen deS bosnisch- berzegowiuische» Jufauterieregiments Ztr. 4 den Feind aus einem Stützpunkt,»ahmen ihm eine« Offizier und 28 Mau» an Ge- fangenen ab und behauptete« sich gegen mehrere Angriffe in der eroberten Stellung. Sonst nichts von Belang. Der Chef des GeueralstabeS. Rußlanö unö Amerika. Rede Terestschenkos. Petersburg, 17. Juni.(Petersburger Telegrapben-Agentur.) Der Minister deS Acutzern Terestschenko hielt beim Empfang der amerikanischen diplomatischen Sonderabord- n u n g mit Senator R o o t an der Spitze eine Ansprache, in der er erklärte: Die Revolution stellte das russische Volk vor zwei Fragen von höchster Bedeutung, nämlich die Frage einer starken Demo Iratie im Innern des Landes und des Kampfes gegen einen Feind, der die letzte Stütze der Auto k r a t i e ist. Die russische Revolution bewirkte nicht nur eine Aenderunz in der inneren Verfassung der Regierung; sie ist auch ein moralischer Faktor, der auch den Willen des russischen Volkes in seinen Bestrebungen bekundet, sich die Freiheit zu sichern, und dies will das russische Volk nicht nur in den inneren Angelegen- heitcn, sondern auch in der internationalen Politik be- weisen. Das Volk will auch den Militarismus stürzen und sucht einen dauerhaften Frieden ohne irgendeine Vergewaltigung, ohne ein imperialistisches Bestreben. Das russische Volk nährt keinen Gedanken an Vorherrschast und bekämpft ähnliche Gedanken anderer Länder. Aber vor allem wird es nicht die Berwirllichung irgendeines imperialistischen, politischen, finanziellen oder Wirtschaft- lichen Planes des Feindes dulden. Dies ist die große Aufgabe Ruß- lands. Es besteht noch ein großer Gedanke, der durch das denk- lvürdige Schriflstück ausgedrückt wird, durch das die Vereinigten Staaten und das amerikanische Volk ihre Wünsche und Absichten kundtaten, besonders daß die Nationen die Pflicht haben, über ihre Zukunft zu entscheiden. Das russische Volk macht sich diese erhabenes Grundsätze zu eigen und ist der Ansicht, daß diese die Politik der Nationen leiten sollten. Tie Tum« für Offensive. London, 16. Juni. Reuter meldet aus Petersburg: Die Duma hat in privater Sitzung eine Entschließung angenommen, die einen Sondersrieden oder eine verlängerte Untätigkeit an der Front als Verrat gegenüber den Alliierten bezeichnet und eine unverzügliche Ö f f e n i i v e als notwendig für die Sicherheil Rußlands und die Aufrechterhaltung der gewonnenen Freiheiten fordert. Kein Sonöerfrieüen, aber auch kein Krieg. Eine Zlbfuhr der Kriegstreiber. Ter Petersburger Mitarbeiter der„Stampa" meldet, daß sie italienischen Abgeordneten Cappa, Labriola, Raimondo und Lerda mit dem Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat eine lange Besprechung Hatten. Die Italiener hätten die u n a b- weisbare Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges betont, da weder mi: der Revolution in Deutschland noch mit der Möglichkeit eines gerechten Friedens durch Vermitte- lung des deutschen Volkes zu rechnen sei. Die russischen Sozialisten dagegen hielten an der Möglichkeit des Friedens fest, durch den dm Absichten der Völler ohne weiteres Blutvergießen verwirklicht würden. Trotzdem die rnssi- scheu Sozialisten, so bemerkt der Berichterstatter, von einem Sonderfrieden nichts wissen wollen, find sie f a st au S- nahmslos nicht gesonnen, sich zu schlagen. Petersburg, 17. Juni.(Petersburger Telegraphenagentur.) Di« hier zusammengetretene Hauptversammlung der Ar- heiter- und Soldatenrätc hat einstimmig den Vorsitzenden des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrates, T s ch e i d s e, zum Vorsitzenden gewählt. Die Franzosen wollen nach Stockholm. Kopenhagen.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts".) Wie Stauning mitteilt, ist beim Komitee in Stockholm dir telcgruphischc Nachricht eingelaufen, daß die offiziellen Delegierten deS Arbeiter- uud Soldatenrats im Laufe einiger Tage eintreffe» werden. In Frankreich wird energisch daran gearbeitet, die Abreise nach Stockholm möglich zu macheu. Zwei bekannte französische Genossen werden nächstens hier erwartet. Mit Macdonald unterhält Stauning einen Briefwechsel, um eine persönliche Zusammenkunft herbeizuführen. Die Spanier werüen mitberaten. Madrid, 17. Juni.(Wiener Korr.-Buveau.) Zkich einer Meldung deS.Jmparciat" werden die spanischen Sozialisten an der Stockholmer Konferenz teilnehmen. warum Griechenlanü„befedt* wuröe. Die wahrten Gründe der angeblichen„Befreiung" Griechen- lands enthüllt der französische Funkspruch vom Eiffelturm vom 16. Juni, 5 Uhr nachmittags, der nach längeren Ausführungen über die nnmnchr geschaffenen Wegverhindtmgen durch Albanien und Nordgriechenland schreibt:„BiLber war nur der Weg über Saloniki möglich. Heute bildet der Weg Santi Qnaranti— M o n a st i r die Verlängerung des Weges durch Italien und den Kanal von Otranw und gestattet den Verbündeten den Weg über das Mittelmeer zur Auffüllung von Nienschen, Nahrungsmitteln und Munition für die Orientarmee vollständig auszuschließen. Die Durchfahrt durch den Kanal von Otranto, etwa 7ö Kilometer, kann durch eine fast ununterbrochene Sperre geschützt werden. Dies ist also ein beträchtlicher Vorteil, der durch das letzte Vorgehen der Alliierten erreicht wurde." Clam-Martinic will gehen. Die Polenkrise. Wien, 18. Juni.(Meldung des Wiener k. u. k. Telegr. Korrcsp.-BureauS.) Die Abendblätter verzeichnen das Gerücht, Ministerpräsident Graf Clam-Martinic habe dem Kaiser infolge deS Beschlusses des Poleuklubs, der gegenwärtigen Regie- rnng einen vorläufigen Haushaltsplan nicht zu bewilligen, den Rücktritt des gesamten Kabinetts angeboten. Der Kaiser habe sich die Entscheidung vorbehalten. Der für morgen zur Berhandluug des vorläufigen HauShaltS- planes einberufene Haushaltsausschuh wird die Sitzung abhalten. Authentisches liegt nicht iwg, verlangen Sie Krsegsbesihäöigten Mimosen l Aus dem Kreise der Kriegsbeschädigten wird uns ge- schrieben: Wenn man eine Probe machen wollte, bis zu welchem Grade die anfänglichen Gefühle der Begeisterung und Dankessttmmung für die Opfer des Weltkrieges unter dem Einfluß dreijähriger Gewöhnung an'alle Schrecknisse abge- stumpft sind, so brauchte man nur die Berliner Morgenblättcr von Montag zur Hand zu nehmen. Eine erschütternde Kimde hatte das Wolffsche Telegraphonbureau am �Sonntag der- breitet: Die erwerbsunfähigen Kriegsbeschä- digten leiden bittere Not. Nach einer Statistik tn der Rheinprovinz komnit auf die Familie eines erwerbs- unfähigen Kriegsbeschädigten durchschnittlich ein Monats- betrag von 67,80 M.; auf den Kopf des einzelnen Familienmitgliedes ein Betrag von etwa 15,70 M. Welchen Sturm in der öffentlichen Meinmig hätte eme solche Nachricht wohl während der ersten drei Kriegsmonate hervorgebracht! Jetzt, nach drei Jahren, bleibt fast alles still. Der„Vorwärts" war das einzige Berliner Blatt, das die Not der Kriegsbeschädigten an auffälliger Stelle und nut eigenem Kommentar den Lesern vor Augen führt. Die patentiert„patriotische" Presse dagegen, die jedes Kriegsziel- telegranim eines Posemuckler Vereins an Hindenburg in aus- führlicher Breite abdruckt, registriert diese Notiz an irgend- einer versteckten Stelle mit kühler Gleichgültigkeit. Daß solche Interesselosigkeit schon während des Krieges selber ein- reißt, ist für die Kriegsbeschädigten eine warnende Lehr« für die Zukunft. r. Die Notiz des W. T. B. enthielt freilich noch etwas an- deres als die sehr beachtenswerte Elendsstatistik. Der „Reichscmsschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge" hatte die Notiz lanciert, um Stimmung für eine-a l l g c m c ine Wohltätigkeitssammlung zugunsten der Kriegs- beschädigten zu machen. Damit ist glücklich eingetreten, wovor von den Kriegs- beschädigten selbst schon dringend gewarnt wurde: Statt die Renten der Kriegsbeschädigten in ausreichendem Maße zu erhöhen, wird der Klingelbeutel für uns im Lande geschwungen. Dem„Reichsausschuß der Kriegsbeschädigten- fürsorge" wollen wir gern e in Verdienst zugestehen: Er hat auf die verziveiselte Lage, in der sich viele Kriegsinvaliden mit ihren Familien befindeir, ösientlch hingewiesen. Aber der Weg der Abhilfe, den er beschreitet, ist g r u n d v er k e h r t. Die Konsequenz der geschilderten Verhältnisse ist nicht, daß jetzt für die Kriegsbeschädigten gesammelt werden muß, sondern, daß die Renten der K r i e g s b e s ch ä d i g t e n s o- fort und ausreichend erhöht werden müsse n. Eine öffentliche Sammlung dagegen ist für uns Kriegs- beschädigte unzureichend, demütigend und sogar direkt nachteilig. Unzureichend! Niemand kann sich einbilden, daß die vielen Millionen Mark, die für eine ausreichende Er- höhung der Invalidenrenten jahraus jahrein(nicht nur ein- mal!) notwendig sind, dauernd, ja auch nur für kurze Zeit durch öffentliche Mildtätigkeit aufzudringen sind. Man soll einmal die wirklichen Summen nennen, die nötig wären, um sämtliche Invalidenrenten nur um zelm Prozent zu erhöhen. Dann werden die unzureichenden Aussichten einer öffentlichen Sammlung jedermann klar sein! Demütigend! Wir K riegsbcschädigte sind keine Bettler, die man mit Almosen abspeist, wir sind die Gläubiger des Staates, gegen den wir auf Grmid unserer Leistungen und Opfer Rechtsansprüche haben. Diese Gläubigerstellung halten wir fest, weil sie d i e recht- l i ch e und moralische Grundlage aller unserer For- derungen bildet, und lassen uns nicht aus ihr in die Rolle von Almosencmpfängern drängen. Genau so, tvie die Z e i ch n e r v o n K r i e g sn n l e i h e sich als Gläubiger des Staates fühlen, und es sich schwer der- bitten würden, wenn man für sie sammeln ginge, anstatt ihnen pünktlich ihre Zinsen auszuzahlen, genau so fühlen wir uns als Gläubiger, die wir mehr als Geld, die wir Gesund- heit und Glieder hingegeben haben, und verbitten es uns dalscr, wenn man uns statt klarer Rechtsansprüche willkürliche Alurosen anbietet. Nachteilig! Derartige Sammlungen niit mntlicher Begünstigung können nur bewirken, daß unsere berechtigten Ansprüche auf Erhöhung der gesetz- lichen Renten nicht erfüllt werden bzw. ihre Erfüllung gefährdet wird. Man wird un? jetzt damit oerl rosten, daß ja für Notfälle immer uoch die neii<> „WaHottülfftffuno" da f'i. W!e}e|'f schon vielfach llnfer» rclimrr iftre unzureichi> den Löhne gegenüber den Äeiegs- Geschädigten nnt dem Hinweis auf ihre Rente rechtfertigen, io wird man künftig voi- anderer Stelle mit den gelegentlichen Almosen der neuen Shilung die Unzulänglichkeit der gesetz- lieden Rente zu rechtfertigen suchen. Haben die Kriegsbeschä- digten ihre Gläubigerstellung gegen Staat und Oeffentlich. keit erst einmal grundsätzlich preisgegeben, so wird man dauernd versuchen, sie mit gelegentlichen Geschenken abzu- speisen, anstatt ihnen feste Rechte zu geben. Verwerfen wir Kriegsbeschädigten die Hilse durch private Mildtätigkeit, so verlangen wir um so dringen- der von Reichstag lind Regierung schleunige H e r a u f s e tz u n g d e r R e n t e n a u f e i n e n S t a n d, welcher den heutigen Lcbenskosteir ent- s p r i ch t. Denn daß die heutigen Renten unzureichend sind, wird nach den vom Wolffschen Bureau verbreiteten Zahlen niemand leugnen. Aber mit der Heraufsetzung der Renten allein ist es auch nicht getan. Andere Grundsätze der Be- Messung tun not, die weniger den D i e n st g r a d des Be- schädigten und mehr den Grad s e i n e r w i r k l i ch e n Er- wcrbs Unfähigkeit berücksichtigen. Und schließlich ist das R e ch t s v e r f a h r e n von Grund auf zu reformieren. Wir verlangen ein öffentliches, mündliches R e n t e n v e r f a h r e n, in dessen Spruchinstanzen nach dem Vorbild der Invalidenversicherung Vertreter der Kriegsbeschädigten nmt wirken, namentlich so- weit es sich um Gewährung, Entziehung, Hinauf- und Hinab- ietzling der Rente handelt. Tiefe Forderungen appellieren freilich nicht an die Mild- täiigkeit, sondern an das Rechtsgefühl unserer Mitbürger. Wir ahnen allerdings voraus, daß hier mancher mit vielen Wenn und Aber kommt, dem es nicht darauf ankäme, einen Zwanzigmarkschein zugunsten der Kriegsbeschädigten auf den Tisch zu legen.� Aber dann soll er sein Geld rubig stecken lassen. Denn die Durchsetzung auch nur einer dieser For- derungen ist für die Kriegsbeschädigten zehnmal mehr ivert, als einige zusannnengebettelte Millionen. Die Kriegs- beschädigten wären große Toren, wollten sie auf ibr wertvolles Recht zugunsten einer tieinen freiwilligen Spende verzichten. Stockholm. Die verhanöwngen m Stockholm. Ankunft neuer Delegierter.— Grimm aus Rußland ausgewiesen. Deutschland und der Friede mit Rußland. Stokthalm, 17. Juni. tEig. Drahtberiüt des.Vorwärts�.) Heule trafen hier als Vertreter der Fabian Soeisty West, für die Lavour Parll> T b o m s e n, Herausgeber des.Clarion', ein. Die Verhandlungen mit ihnen beginnen Moniag. Für die Socialist Parly AmeritaS ist, wie schon gemeldet, G o l d f a r b eingetroffen, der die Partei bis zur Ankunft von Hillquitt und Algernon Lee wtvtc Biltor BergerS vertritt. Weiter trafen ein Neinstein für die Socialist Labour Party und D a ei d o witsch für die jüdischen Arbeiterorganisationen der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Mit ihnen soll am Dienstag verhandelt werden. Heute ist zugleich mit Buchanan Albert Thomat hier ein- getrosten. Cr wurde vom französische» Ecsandlcn empfangen und Weg in der Gesandtschast ob. Der Schweizer Rationalrat Griui« wurde nach Jeiprechungen mrt den Ministern Seretelli und Skobeleff aus Rußland ausgewiesen. Der Grund ist noch unklar; er liegt vielleicht in seiner den regieren- den Menschewiki unerwünschten Agitation oder aber auch in der Austastung, daß er seine Neutralitätspflicht überschritten habe. Gestern publizierte der hiesige.Socialdemokraten' ein Schreiben des Schweizer Bundesrats Hoffmann an den Schweizer Gesandten in Petersburg, Sdicr, worin der Gcsandle angewiesen war. Grimm eine Acußerung der deutschen Regiening über die Möglichkeit eines Friedens mit Rußland zu übermitteln. Diele Aeutzeruug stimmt inhaltlich mit den diesbezüglichen Stellen der letzten Rede des Reichskanzlers überein. • Xaä in diesem Telegramm genannte Akienstück. das der Stock- Volmer.Socialdemoiraten" in sensationeller Aufmachung veröffcnt- licht. lautet: Nr. 741 DaS politische Departement an M. Odier, Petrograd. Chistriert. Bern, 23. Mai<6. Juni» 1g17. DaS Mitglied des Bundesrats Hostmann bevollmächtigt Die, Grimm folgende mündliche Mitteilung zu machen: Deutschland wird keine Offensive unternehmen, so lange eine Verständigung mit Rußland denk- bar erscheint. Nach wiederholten Gesprächen mit einer hervor- ragenden Person bin ich davon überzeugt, daß Deutschland einem für beide Parteien ehrenvollen Frieden mit Rußland zustrebt, der intime wirtschaftliche und Handelsverbindungen und finanzielle Stütze einschließt, um Ruß- land wieder ans die Beine zu stellen. Keine Einmischung in innere russische Verhältnisse, freundschaftliche Verständigung über Polen, Litauen und Kurland unter Berücksichtigung der Ver- wondtschasr der Völker. Rückgabe der besetzten Pcovinzen,»vogegen Rußland die österreichischen Provinzen wiedergibt, die es erobern tonnte. Ich bin davon überzeugt, daß Deutschland und seine Verbündeten auf Wunsch der Alliierten Rußlands die Friedensverhandlungen nn»nittelbar aufnehmen würden. Ueber deutsche KriegSziele lies die Ver- öfientlichung in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. Dort dal man im Einverständnis mit Herrn von Belhmann Hollweg über Annexionen erklärt, daß Deutschland leine Vermehrung seines Landbesitzes zum Zweck einer Vergrößerung wirtschaftlicher oder politischer Ausdehnung wünsche. « Reuter meldet auS Petersburg: Der Große Rat der Sol- d a t e n a b g e o r d n e t e n hat mit gegen 121 Stimmen einen Entschluß angenommen, durch den die Ausweisung des Schweizers Grimm gebilligt wird. Die öeutfche Vorarbeit in Stockholm. Stockholm, IS. Juni. Der Obmann der deutschen Dele- gotion und Vorsitzende des Pcrrteivorstcmdes. Genosse Frttz E b e r i, gab uns folgende Erklärungen Über seine Ein- drücke und sein Urteil. Unsere Verhandlungen, so sagte Ebert. sind vorläufig zum Abschluß gekornmen. Gestern, Freitag, nachmittag hatten wir auf Einladung B r a n t i n g s ein geselliges Zusammensein mit den Mitgliedern des Komitees. Auch Viktor A dl c x war anwesend. In ungeFwunzener Unterhaltung ist de noch manches Mißverständnis Eeseiiigk worden. Man ist sich persönlich näher gekommen und hatte beim Abschied den Eindruck, Stunden verlebt zu haben, die unserer gemeinsaincn Friedensarbeit recht förderlich waren. Die offiziellen Verhandlungen mit dem Komitee sind von uns recht gründlich geführt worden. Das war sehr»«tivendig. Jeder Genosse im Auslande glaubt zlvar vollständig und zutreffend über unsere Stellung zum Kriege informtert zu sei»», auf Schritt und Tritt zeigt sich aber, wie schlecht eS vielfach damit bestellt ist. Des- halb mußte eS unsere Aufgabe sein, zunächst Klarheit zu schaffen über die Stellung der delltschen Sozialdemokratie zum Kriege. Ganz gegen unsere Slbsicht sind vir dabei auch zur Besprechung de? Schuldfrage gekommen. Wir sind zu- frieden, daß eS so kam. Nnfere Aufklärungsarbeit und der Zweck der Vorverhandlungen sind damit nur gefördert worden. Ich gebe mich zwar wegen der Wirkung unserer Aufklärungsarbeit kcinen übertriebenen Hoffnungen hin, denn dt« Treibereien gegen die Friedensarbeit siird leider noch sehr stark. Tie Diskussion über dt« Stellung unserer Partei ist damit aber vor dem Forum der Jirbernatiouale auf den Boden festgefügter Totsachen gestellt worden. In der weiteren Diskussion muß man mit diesen Tatsachen rechnen, �denfalls ist mit leeren Phrasen ihnen nicht beizukomnren. Die l-eutsche Delegation hat sich entschlossen, neben der gedruckt vorliegenden Dokumentensammlung über die Haltung der deutschen Sozialdemokratie zun» Krieg und Frieden«ich die Rede Davids zur Schuldfrage im Druck herauszugeben. Tie Aufgaben des holländifch-fkandinavifchen Komiteds be- gegnen inrmer noch großen Schwierigkeiten. In der Ententepresse ist die in Aussicht genommene allgemeine Konfe- renz als deutsch« Mache diskreditiert worden. Der Pesfimisinus der letzten Tage ist aber nach der letzten Mitteilung des Arbeiter- unv Soldatenratck, er werde demnächst eine Delegation nach Stock- Holm schicken, geschwunden. Auch die Antwort d«S Arbeiterund Soldaten rats auf den Brief der drei sozialistischen Entente- minister berechtigt zu neuen Hoffnungen. Jedenfalls hat die Delegation der deutschen Sozialdemo krotie ihr Bestes eingesetzt, um der PerstäildiynngSarbeit die Wege zu ebnen. Ich zweifle auch nicht, daß das halläi'disch-skandiiwvische Komitee und jedes seiner Mitglieder nach bester Ilcberzeugung und zielbewußt für die Berständigu-Ng aller sozialistischen Parteien und für den Frieden ordeiten. Den weiteren Arbeiten des Komitees, die zunächst noch in der Wegrä'tmung von Hindernissen bestehen werden, dürfen wir mit Vor- trauen entgegensehen. Gestern trennten wir uns mit dem beiderseitigen Wunsch: Aus baldiges Wiedersehen bei der allgerneinon Konferenz! C. 23. « Kopenhagen, 18. Juni. Zu den Friedensbedingungen der deutschen Sozialdemokratie bemerkt„Poliliken* in einem Leitartikel: Einmal sollte man doch über bloße Formeln hinauskommen und die Erörterungen tot sächlicher Friedenöbedin- g u n g e n beginnen. Die deutsche Abordnung in Stockholm hat nun Ausgangspunkte für eine solche Erörterung gc- schaffen. Stockholm irnZ üie Irauen. Aus dem Kreise unserer Genossinnen wird uns ge- schrieben: Das ganze Denken und Sinnen aller Frauen— sowmt sie Gefühl und Verstand haben— ist jetzt nach Stockholm gerichtet. Die»Sohnsucht nach Erlösung aus der zermürbenden Sorge des Krieges hat sie alle hellhörig gemacht. Frauen, welche ihr ganzes Leben lang der Politik ferngestanden haben, wissen etwas von der Stockholmer Sozialistenkonserenz. Wenn ilnen mich die Zusammenhänge nicht klar sind, ein Hoffnungsschimmer leuchtet ihnen entgegen, daß das Ende des Krieges nahen könnte, Viele erwarten von der Konserenz, daß sie dm» Friede» drin- gen wird. Und weil diese Hoffnung, wie die Dinge liegen, sich nicht gleich erfüllen kann, werden diese Frauen sich vielleicht nach kurzer Zeit enttäuscht in sich selbst zurückziehen und denken: .Auch diese Hoffiiung hat gelrogen. uns kann niemand helfen,— solche Zusammenkünfte haben gar keinen Zweck." Verständlich sind solche Empfindungen für jede Frau; denn die Tatenlosigkeit, zu der wir vermreilt sind, wahrend unser Glück zerbricht, während liebe Leben drautze» verlöschen, als wären sie nichts, macht bitter und mutlos. Kein« Frau, keine Mutter wurde gefragt, als die Galten, Söhne und Väter in den Tod geschickt werden sollten und»ngehört sind bisher die SchmerzenSschrcie der Frauen verballt hüben wie drüben. Und dennoch dürfen Nur nickt verzweifeln. Nickt znviel dürfen wir von der Stockholmer Sozialistenkonferenz erwarten, aber wissen sollen»vir, daß dies« Ziisammenknnft unzweifelhaft einen Schritt zum Frieden dedeutet. Die Vertreter der Arbeitersckoft— also auch die Vertreter der Frauen, welche am meisten unter dem Kriege leiden, sind«S, die dort über»Verständigung' und Frieden miteinander sprechen. Unser«»Schwestern in den feindlichen Ländern lsi'den ebenso — zum Teil noch viel fcheoerer— iinler dem Kriege wie»vir. Audi sie sind durch ihre Leiden, durch die Sednsncht nach Erlösung aufmerksam geworden aus die Stockholmer Tagung, Ihre Hoff- nuiig gelft denfeUxm Weg wie unsere. Selbst wenn nun die Re- gierungen dieser Länder die Abgesandten der Arbeiterschaft nicht nach Stockholm reisen lassen, die Wirkung des Willens, der von dort ausgebt, können sie nicht mehr hindern. Wir Frauen>u ollen den Frieden, alle mensch- lich Fühlenden in ollen Ländern wollen ihn. Durch Stockholm wird dieser gemeinsame Wille zum ersten Male zum Ausdruck gebracht. Darum heißt es jetzt nicht: die Hoffnung auf den Frieden begraben, ivenn ihn der erste Anlauf nicht bringt; sondern:>die Erwartungen nicht überspannen, aber an das Ziel unserer Hoffnung glauben. Der Wille zum Frieden hat in allen Ländern feste, Gestalt gewonnen,— das ist schon heute das Ergebnis der Sozialisten» konferenz von Stockholm. Und ihre Lehre ist von neuem die Ge- witzheü, daß uns nur der Sozialismus vor den Schrecken zukünftiger Kriege bewahren kann. Die Mtwort öes Arbeiter- unö Soldaten- rats an öie sozialistischen Ententeministee. L. 15. Stockholm, 16. Juni. Die Exekutive des Arbeiter- und Soldatenrats in Pctrogard bat als Beantwortung eines Schreibens, das ihm von Albert Thomas, Henderson, Bandervelde»nd Broncköre zugegangen ist. eine Erklärung veröffentlicht, worin der Inhalt des Pro- grammS bei der bevorstehenden internationalen Saziak i st cn konferenz und die Roll« des Arbeiter- und Soldatenrat» bei der Borbereitung dieser Konferenz dargelegt wird. Die Erklärung lautet: Tie russischc Revolution, die eine Revolte des Polles ist nicht nur aegen dix Dhrannei� feudern auch gegen Pix Greuel des Welt- »kriege?, wakSr die Schuld auf den internationalen Imperialismus i fällt, hat mit außerordentlicher Schärfe allen Ländern die drinzendr Notwendigkeit des Friedens ktargemacht. Gleichzeitig zeigt dir russische Revolution den Nationen den Weg zur Lösung diese-- Problems an, nämlich die Bereini-ziing aller Arbeitrrtlaffen, um alle Versuche de» Imperialismus zu bekämpfen, den Krieg im Interesse der besitzenden Klasse z» verlängern und einen Frieden ohne?lnncrionen »der Entschädigungen zu verhindern. Aber die?lr- beitrrklasse» in allen Länder» können nicht mit Leichtigkeit eine schnelle und dauerhafte Vereinbarung erreichen, wenn sie sich nicku von ihren eigenen Interesse» führe« lassen und die Bestrebungen der Imperialisten und Militaristen zurückweisen, welche oft ihr wirkliches Gesicht unter einer verführerischen Maske bergen; aber rs ist deutlich, daß die Konferenz dem fürchterlichen Brudermo-d Epos des 5lricgeS den Garaus geben kann unter keinen andere!' Vedingungeu, als das! die Mitglieder der Konferenz von diesen Ideen durchdrungen sind und es ist nicht weniger deutlich, daß dann keine Fragen, die aufgeworfen werden, zu Zank äpfeln oder Motiven für die Fortsetzung des Krieges»verde» dürfen. Nachdem die Mitglieder der Konferenz das Recht der Völier, über ihr Schicksal zu bestimmen, anerkannt haben werden, werden sie ohne Schwierigkeit über das Schicksal E l s a ß- L o t h r i n g c n-- und anderer Provinzen zu einer Vereinbarung kommen können, Ebenso werden die Zlrbeitertlassen, von dem gegen fertigen Mißtrauen befrei«, womit sie durch die Jmve rialistrn vrrgistct»vurden, eine Vereinbarung finden können über die Zlrt und Größe der Entschädigung, die den verwüstete» Ländern, wie Belgien, Polen, En lizien und Serbien usw. gegeben werden soll; ober e> ist selbstverständlich, daß diese Entschädigung nichts gemeinsam haben darf mit einer Krirgsenk- schädigung» womit man ein besiegtes Land straf!, Ihre(der Minister) Erklärung, daß eS Ihne» unmöglich ist, die IMon sacre(den Burgfriede») zu brechen, basiert asfenbo'- auf einem Mißverständnis, denn der Arbeiter- und Soldatenret fordert nicht von irgend einer Partei als eine Bedingung im vor ans, daß sie von der Politik, die sie bisher schon geführt hat, abläßt, Ter Arbeiter, und Soldotrnrat erwartet von der Konferenz der Sozialisten aller kriegführenden und neutralen Länder ein j n t r r, nationale» Znfammrnwirken, das alle arbeitenden Klassen in der ganzen Welt instand setzen wird, gemeinsam für einen allgemeinen Frieden zu kämpfen, und die B c r l> i i! d»« g e n zu b r e ch e n, die sie durch Gewalt mit Re gierungen und Klassen vereinigen, welche in imperialisti scheu Tendenzen gefangen sind und den Frieden ver- hindern. Deshalb erachtet es der Arbeiter- Und Saldatenra» als unnötig, daß die Parteien als unerläßliche Bedingung ihrer Teilnahme an der Konferenz eine vorhergehende Zustimmung von anderen Parteien zu irgend welchen obligatorischen Beschlüssen einzuholen brauchten, denn dies könnte unversöhnliche Widersprüche in brzug auf die Fragen hervorrufen, bei denen durch freundschaftliche Erörterung, eine für beide Parteien annehmbare Lösung herbei geführt werden könnte. Sic idie Minister) wünschen, daß z u e r sl volle Einigkeit zwischen den Sozialisten de» alliierten Länder erreicht»verde; unsere Methode, da? Problem zu stellen, macht eine ähnliche Bereinbarung unnötig: wir sehen ein, daß die Kanferenz kcinen Erfolg haben wird, wenn sich die Soziali st cn als Lertretrr zweier kriegführenden Parteien betrachten, statt als Vertreter einer einzigen Bewegung der Arbeiterklasse für das gernei'' fame Ziel» einen allgemeinen Frieden. Gompers für einen internationalen Kongreß Der Vorsitzende der izmeriranischen Federalion of Labour sandie, w»i der Stockholmer.Socialdemolralen" berichlet, ein Telegramn» an Duncan. der die anierikanischen organisierten Arbeiter in 0� amerikanischen Mission nach Rußland verlritt. Er delonr darin, daß «ine Konferenz nach Peiersburg einberufen wird, um die Möglichkeit zu erörtern, cinei» Kongreß von sozialistischen Organiialionrn und Gewerkschaflcu der ganzen Welt einzuberufen, Duncan>m:d bevollmächtigt, an einer solchen Konfe«»»; teilzunehmen. öewegung in Spanien. Spanien leidet schtver unter den sozialen Wirkungen tv■ Krieges und diese wirren sich mit heftigen Aeußcrungen politischen Uinvlllens zusammen. Die Pariser Blätter bringen eine Reib, aufsehenerregender Berichte aus Spanien über Schtmerigtnt-.n und Ausstände im asturisd)«»» Kohlenbergbau, über eine Bewegung unter den Eisenbahnern in ganz Spanien, irber das Auftreten von Beaintenverbänden gegenüber ihren Zentralbehörden, über un- erträgliche LcbcnSmittelnot, über eine Gärung in der Fortschritt- parte» und über eine Unabhängigkeitserklärung i» Katalonie»»; dazu lomme die schwierige auswärtige Lage Spaniens. Trotzdem, sagt de« Madrider Berichterstatter vom„Petit Parisien", glaube man au eine erfolgreiche Wirksamkeit des Kabinetts Dato, Zu beachten ist, daß es Entenledlättcr sind, die diese Lcporellr liste von Schwierigkeiten auszeigen. Ihr Eifer verrät,»vie sie zu d-ein neuen spanischen Ministerium, das hie Neutralität will, stehen. Daß das Ministerium Dato zwischen Dornen gepflanzt wuroc, läßt sich naturlich nicht bestreiten. Reuter meldete letzter Tage: Eine Gruppe von Abgeordneten verschiedener Parteien verössciil- lichte ein Manifest, in dem sie darlegt, daß die Verfassung dadurch verletzt wird, daß man da» Parlament daran verhindert, sich mit Fragen, die für das Land wichtig sind, zu beschäftigen. Die Abgeordneten kündigen die Einberufung sämtlicher Mitglieder des Parlaments an, um über die Maßregeln zum Schutze des Paria- ments zu verhandeln. Es ist deutlich genug, daß es sich um ein Manöver von Jnt-rr ventionisten handelt, die sich auch hier in die demokratische B!uje stecken, um fiir ihr Ziel, das die blutige Autokratie des Kriege:- aufrichten soll, die breiten Schichten des Volkes wirksamer anzu- ködern. DaS konservaUve Kabinett sucht der drohenden Gefahr durch Zugeständnisse, die ihm im Heere Sympathien schaffen sollen, zu be- gegnen. Tie„Times" meint, da? fei ihm schon gelungen. Das Blatt meidet aus Madrid: Die versöhnliche Haltung Datos heruhigle das Publikum und die U-.listurzbcwegung wurde abgewendet durch daö den Jnfanlerieoffizicren gemachte Zuge- ständnis des Recht», Verteidigungsausschüsse"> bilden. Das Ziel Dolos wird sein, daß die Ausschüsse die Neutralität verteidigen sollen. Er erkennt damit an, daß die gegenteilige Bewegung im Heere, ein Faktor ist, der besondere Masnahmen notwendig macht. Wo nun aber gesagt wird, DaioS Zu gestöndnis babe beruhigend gewirkt, so ist, was den Sin» d Wortes anlangt, auch in diesem Falle zu beachten, daß ein Ente»!- blatt, da? Spanien auf feiten der Alliierten wissen möchte, diese MtJfcuchj macht. 0k Sozialdemokrat� Löhnung. Tic Löbnung der T-Idaten beträgt bei den nickdberittenen Truppen im Frieden Lü, im Kriege für mobile Truppen b0 Pfennig! Die Sozialdemokraten beantragten, auch im August ini5: „Verwundrten und erkrankten Eoldaten zunächst fSr die Toner des Krieges und mit der Wirkung vom l. August 1915, v nisr Wegfall der KrankeulShnung die Friedenslöhnung zu gewähren." Tiefer Antrag wurde einstimmig angenommen nnd von der Regierung rasch durchgeführt. Hoffentlich gelingt es, diese Vor- beste rung auch im Frieden zu erhalten. ttm Dezember 1915 wurden im HauShaltauSschuß des Neichl- togs wieder Löhnungsfragen rehandelt. Das Zentrum fordert« e.ne Erböbung der ManntchaftSlöhnung um 50 Proz. Ein sozial- dcmoti-alischer Antrag, der finanziell auf daS gleiche hinauslief, forderte: „3.) für olle in Feindesland siebenden Mannschaften mit Wir- tung vom l. Dezember 1915 die L ö h« u n g a u f 80 P f. vr» Tag, ist fite olle im Fnlond befindliche» Mannschaften mit gleicher Wirkung auf 50 Pf. pro Tag festzufetien, e» die bisher bezahlten Zulagen sollen den Mannschaften auch weitrrbin gewährt werden." Unsere Redner Hoden scharf den Kontrost hervor zwischen der Vezalstung der Offiziere und Beamten und der Löhnung der Mann- schatten. De» Anträgen war eine große Mehrheit sicher, als vom Zentrum plötzlich der Antrag kam, sie der Regierung als Material zu überweisen. Trotz der sehr beweiskräftigen Einwände unserer Genossen wurde dieser Antrag im Ausschuß angenonime». Im Plenum tvieS unser FraktionSrcdner eiiioringlich darauf hin, daß die Ucbcrweisung afs Material ein Begräbnis im Papierkorb des Bundesrats bedeute— vergebens. Das Plenum beschloß die Heber- »vij'nig als Material»nd die Regierung benutzte später diese» Ilm- stand recht geschitkl, als sie bedaupietc, ein positiver Beschluß deS Reichstags aus Erhöhung der MaunschastSlöhnung liege nickt vor. Zu einem dirckicn Beschluß dei Reichstags bättc der Bundcsrar Ltclluna nehmen müssen, die Ueberweisung als Material enthob ihn dicfer Verpflichtung. Tckon im Mär� 1916 bot sich die Gelegenheit, erneut auf die Besterstellung der Eoldaten zu dringen. Unsere Genossen bean- tragt en: 1} die Lötuiung der Gefreiten und Gemeinen bei den immo- tuten Formationen um.'<3% Proz. zu erhöben. L. schleunigst eine Abänderung dee KriegSbesoldungSordnung —i Mannschaften t dahingehend herbeizuführen, daß die Löh. nung der unter den Ziffern 60, 61»nd 62 aufgeführte» Kate- ge len um 50 Proz. erhöht wird." Diese Ziffer» betreffen Gemeine, Gefreite und Obergesreite. T'es« Form wurde gewählt, weil erklärt worden war. eine Ilmarbei. >ung der KriegSbesoldungSordnung sei während de? Krieges unmäg- lieb. Eine Abänderung in der vorgeschlggenen Form konnte natiir- iich nicht die mindeste Schwierigkeit bieten. Die beiden Anträge ivurden abgelehnt. Gleichzeitig traten unsere Genossen für eine Besserstellung der Arbeiter in den militärischen Betrieben ein, indem sie beantragten: „zu veranlassen, dost— soweit es noch nicht geschehen ist— die Vnhite der Arbeiter in den Reichsbetrieben, entsprechend der gege». ivartige» Teuerung erhöht werden." Dieser Antrag wurde angenommen, aber nur sehr unvoll- kommen durchgeführt. Fm Qktober llU«! forderten unsere Genossen»och. daß den G re n z sch» tz t r u pp e» mobile Löhnung gemährt wird. die kollänüischen Wahlen. Da5 holländiiche Parteiorgun.Hct Volk" schreibt zu dem Au?. fall der hollländischcn Wahlen, die unter dem Zeichen de? Kampfes um die Verfassung, Sreform stattfanden:.Mit dem Resultat, das die Wahlurne ergeben bot. ist da» Zustandekommen per Verfaslunzs- reform nach menschlicher Berechnung gesichert. Dieö ist die Haupt- 'owc. Darum freuen wir unS über diesen AuSgong. Die Art in- deifen. wie die» Resultat erreicht wurde, steht zu sehr im Zeichen de? holländiichen Phlegma«, als daß wir heute einen Fubeltlang anstimmen könnten.(Es haben nämlich mehr denn 50 Pro;, der Wähler von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemocht und ein« große Anzahl weiterer hatte einer allgemeinen Unzufriedenheil Aus- druck nerliehen.s Da« Resultat der Wahlen ist die Sicherheit, daß wir i m folgenden Jahre da« allgemeine Wahlrecht werden erobert haben." In Amsterdam findet eine Stichwahl stall, luorin der unab- bängigc Sozialist die Entscheidung gibt. Im übrigen ist gemäß dem Porteiabkominen keiue Veränderung in dem bisherigen Besitz der Parteien eingetreten. der Krieg auf öen Meeren. versenkt. Berlin. 17. Juni. Im rnglrschen Kanal wurden durch unsere N-Boote fünf große englische Dampfer» von .»■Neil drei bewaffnet und einer anscheinend ein Tankbninvfer war, ferner fünf Segler und acht Fischersahrzeuge versenkt. Darunter befanden sich der englische Treiinastschsncr Phantom, der englische ttlosfesschoaer Alfred lfriihcr deutsch) mit.Kohlen von Rewcastlc imch ftarn, her englische Motorschoncr Marjorje und ein unbekannter rnglischrr Schoner mit Kohlenladung, sowie dir oiglischr» Fischrr- ialirzeuge Qcean Pride, Onward, Torbov Las;, llariad und die fron- nUifchcn Fischkutter Eugönic Malhilde, Franeois Georgette, II. 1005 und'Madeleinr. Ter Chef des Admiralstabc« der Marine. �!s„S 20� sank. Berlin, 18. Juni. Amtlich. Aus den nunmehr vorliegende» amtlichen Aussagen der Geretteten des TorpedobooleS„S. 20", das, wie setnerzett veröffentlicht, am 5. Juni nach heftigem Gefecht mit : ftii* dk feldgrauen. Ztoar wurde auch dieser Auirag oligcnommen, der Bundesrat entschied aber, daß für die Gewährung dcr mobilen Löhnung kein Anlaß vorliege! Als dann im April 1917 der Etat des KriegSministerittinS wieder zur Beratung stand, erneuerte die sozialdemokratische Fraktion �ihr Verlangen nach einer angemessenen Erhöhung der Mannschafts- löhnung und gleichzeitig forderte sie vom Staatssetretär des Reichs- ichatzauitS Austunft darüber, wie er sich zu dieser Forderung stelle. Als Antwort kam dcr Hinweis auf die hohe Summe, die eine Er- höhung der Mannschastslöhnuna erfordere, aber— man wolle wohlwollend prüfen! Am besten läßt sich die gonzc Sachlage wohl durch die Tatsache keiiiizeichnen, daß ein Soldat, der drei Jahre im Felde steht, nicht so viel an barem Gelbe bekommen hat, als wie ein Hauptmann bei einer mobilen Formation in einem Monat! Dcr Reichstag hat jetzt einstimmig dem Antrage zugestimmt, den Reichskanzler zu ersuchen, auf eine angemessene Erhöhung der Maniischaflslöhining hiiumnirlcn. Es liegt also nun endlich ein positiver Beschluß des Reichstags vor und es muß unbedingt cr- wartet werde», daß die Zustimmung des Bundesrats rasch erfolgt. Urlaub. In srüheren Kriegen kannle man Urlaub aus dem Felde so gut uns nicht. Tie Kriege tvami Bewegungskriege, die eine Beurlaubung fast unmöglich machten. Anders im Stellungskrieg. >uo die Truppe immer rasch wieder erreicht werden kann, und noch dazu in einem Kriege von iabrdanger Dauer. Schon einige Mo- naic nach Kriegsausbruch forderten Ivir, den Mannschaften und Unterosfizicren aus dem Felde llrloub in die Heimat zu geben und, damit der Urlaub nci den riesigen Entscrnungen nicht schließlich zu einem Privileg der Besitzenden wird, bcantraglen wir im Mai 1915: „zu veranlasse», daß den beurlaubten Mannschaften van jetzt ab freie Fahrt in die Heimat und zurück gewährt wird." Ter Antrag fand Annahme und wurde auch bald durchgeführt. Daß für die Soldaien damit eine große Erlcichkcrung geschaffen wurde, ficht außer Frage. Das Bedürfnis nach Urlaub war natürlich groß und nun ergab sich eine neue Schlnierigleit: Viele Soldaten waren>8 Monate»nd länger im Felde, ohne daß sie auch nur einen Tag Urlaub erhalten halsen. Das zeitigte ini März 1916 den solgenden Antrag: „dabin zu wirke», das) nunmehr tunlichst bald alleil Mannschaften und»nteroffizierc», die niindefiens seit einem Fohre olir« wesenl- lichc Nnlerlirrchung ununterbrochen im Felde stelle», entsprechender Urlaub gewährt wird. Ferner dem Reichstag baldigst eine Ver> ardnung vorzulegen, durch die bestimmte Richtlinie» für die Nr- laubsgewährung für Angehörige des Heeres und der Marine auf- gestellt»verde»." Der Antrag wurde angenommen und das KriegSmim- sterium hat auch eine Verfügung hinauSgegeben, wonach, wenn eS die dienstlichen Verhältnisse gestatten, jedem Mann jährlich ein- mal Urlaub erteilt lvecden soll. Selbstverständlich ist die sozial- demokratische Fraktion auch mit Entschiedenheit dafür eingetreten, daß den in dcr Heimat befindlichen Mannschaften mög- lichst oft Urlaub gegeben wird, wie auch ein weiterer sozialdemo- kratischer Antrag An n a b m e fand, den erkrankten oder verwunde- ten Saldatc» vor ihrer Wiederaussendnng ins Feld entsprechenden Erholungsurlaub zu gewähren. Zu der freien Fahrt erhalten die Urlauber ein BesöstigungZ- geld von 2 Mark pro Tag für die Dauer des Urlaubs. Dieses Be- röstigungsgeld ist bei Autritt des Urlaubs dem Mann auszuhän- digen. ES kommt il»r dann in Wegfall, wenn es sich um den üb- kichen SonntagSurlanb oder um solchen Urlaub handelt, der zuin Zwecke deS Erwerbs im nicht-eigenen Betriebe erteilt wird. Außer- dem ist zugesagt worden, mit aller Energie darauf hinzuwirken, daß jeder Mann, der mindestens seit einem Jahr im Felde steht, und noch keinen Urlaub halte, nunmehr einen solchen erhalten soll. Das Pustgeld. �Dcr zum altibrn Dienst einberufene Mann erhält ein Putzgeld '» Höhe von 7,40 M. Die Mannschaften, die vor der Einführung des Putzgeldes gedient haben, erhielten es jetzt bei ihrer Einbe- rufung zum.Kriegsdienst nachvezohll.?i-ses Putzgeld war auf die zwei aktiven Dienstjahre bereclinet und aus diesem Grund« war«s voll berechtigt, wenn die Sozialdemotraten den Antrag stellten, be» der langen Dauer des Krieges dieses Puhgeld noch«inwol zu ge- wahren. Aber abgesehen bavoi» spracb auch noch ein anderer Grund für den Antrag. Die Offiziere erhielten gleich im ersten Kriegs« jadr ein zweites MobilmachuiigSgcld, wobei es strti immerhin um Summen von recht erheblicher Höhe handelte. Der Reichstag stimmte dein Antrag zu. derBundcSratlchnteihnab. weil ein Be- durfniö nicht vorliege. Dcr Antrag wurde dann van den Sozial- demotralen wiederholt und dcr Reichstag hat jetzt abermals be. ichlosscn: „den Mannschofte»»ud Unteroffizieren, die einschließlich ihrer attiren Dienstzeit mindestens zwei Fohre unter drn Fahnen stehe«, ein zwettrs Putzgeld zn gewähre»." . ,,~Lai! Bedürfniu ist zweifellos schon damit gegeben, daß dcr «oldat heute ganz erheblich höhere Preise für Putzmittel anlegen muß. T. Stückle n. M. d. R. (Ein dritter Artikel folgt.) überlegenen feindlichen Aufklärungsstreitkräftcn bis zum letzten Augenblick feuernd vor der flandrischen Küste gesunken ist. ist über das Verhalten der Engländer bei Rettung dcr U e b c r l c b c n d e n von„S. 20" folgendes festgestellt: Kurz nach Untergang des Boote» fuhren englische Zerstörer an die im Wosler treibenden Schiffbrüchige» Hera». Ei» Zerstörer mit drr Bezeichnung„F. 51" fetzte einen großen Torprbvbootskuttrr au», drr bei de», herrschenden riihigen Wetter gut 20 Mann fassen tonn»r. Er nahm jedoch nur 7 Nebrrlcbende über, die übrigen im Wasser tmbcndc» und zum Teil schwer vcr. wiindctc» Leute, u. o. die Moschinistenmaate Jhlc und Kitsche, die Ibätcr beide crtrunten sind, wurde» durch Schläge mit Seitengewehren und Hölzern zurückgeschlagen, als sie sich an drn Kutter festhalten wollten: einem hielt der Boot«- offizier sogar die Pistole vor die Stirn. Die Besetzung des Zerstörers machte keine Anstalten, etwa 10 Leute, die nur 2 bis 5 Meter vom Zerstörer entfernt schwammen, zu retten. Aach Ein- setze» drS KuttcrS fuhr der Zerstörer mit hoher Fahrt fort. Weitere Zerstörer, die dicht au den llebcrlebendcn vorbei- fuhren, beachteten weder ihre Hilferufe noch ihr Winten: die englischen Seeleute lachten vielmehr, riefen den Schiffbrüchigen Worte z», die nicht verstanden wurdrn und zeigten ihnen ihre Granate». Tic Bernchmungen haben außerdem ergeben, daß ein eng- lisch er Zerstörer durch die artilleristische Wirkung unserer beiden Torpedobooic in Brand geraten war und anscheinend später vop den Engländern versenkt wurde. der französische Schiffscaummangel. Die Zeitung„Herne* schreibt über die Lag« der französischen Haudelsmarine: Die Bcrluste durch Kriegsereignis t'e betragen 700 000 Tonnen, die durch Ankauf ausländischer Schiffe mehr ol« wettgemacht sind. Dagegen ist der Bedarf an F l a ch l r o n»> verdoppelt. Frankreich zahlt an England. Amerika und die Neutralen an Frachtgebührei» monatlich bis ll3 Milliarden Frank. Bei S ch i f i s a n k ä u f« n kostete vor Kriegsausbruch die Tonne 250 bis."00 Frank, fetzt bezahlt man bei neuen Schiffen 1900 bis 1801. bei Käufen älterer Schiff« 12uO bis 1500 Frank für die Tonne. Die von der Regierung geforderten Kredite von 800 Mill sind durchaus unzulänglich>», denn man kann höchstens 30 Fracht- schisse don je M00 Tonnen oder 150 von je 1000 Donnen dossir ankouken. Auf dies« Weise wird am Frachtraummangel Frankreichs nichts geändert. Das Blatt sagt schließlich: Es ist unbedingt notwendig, daß, ohne auf die Kosten zu achten, alle Wersten mit Hochdruck arbeiten und im Ausland alle verfügbaren Schiffe aufzukaufen, sogar in den Vereinigten Staaten, Kanada, Japan und England Bestellungen für Handelsschiffe abzugeben. Selbst dann, wenn alle diese Werften für Frankreich arbeiic», wird der Bedarf der französischen Flotte noch lange nicht gedeckt fei», aber es werden immerhin Drei- viertel deS Transporlbedarfs gedeckt werden können. Kleine Kmgsnachrichten. Neber die Meuterei ruspscher Truppen in Frankreich. die jüngst geschah und die man sranzöstickerseitS als völlig harmlos hinzustellen versucht, wird aus angeblich sicherer Luelle bekaunt. dn'z auS der Schar der Russe», die nicht weilerbm für Franlreich kanipfen wollten, kurzerhand 150 Leute als Rädelsführer berauSgeiucht uno von diesen jeder Zehnte, insgesamt also 15, erschossen wurden. Die Ausdehnung der englischen Linien an dcr Westfront. Von der schweizerischen Grenze wird der„Köln. Ztg." gemeldet: Tie Pariser Bläitcr melde», der Avgeordneie Abel Ferrh brachte in der Kammer einen driiigenden Antrag ein, worin die Regierung ans- gefordert wird, die Ausdehnung der englischen Linien an der West- front durchzusetzen, um dadurch die Möglichkeit zn schaffen, daß noch vor dem W i n t e r f e l d z» g ein Fünftel oder ein Viertel der französischen Front in Ruhestellung gehen könne. Tie französische Kohleukrise. Scnalor Hnmbert erklärt im „Journal" die kürzlich an die Presse gegebene halbamtliche Mittei- luug, wonach die Kohlrnerzeugung in Frankreich se,t web- rcre» Monaten um 80 Proz. gestiegen sei. für eine Lüge. T ie Kohlenerzeugung, die nach dcr Mitteilung 2.5 Millionen Tonnen betragen müßte, habe im März mir 2.18 Millionen erreicht. Di- Kohlenkrise werde täglich ernster und könne nicht durcks Lügen ans der Welt geschafft werden. Gegen die Dienstpflicht in Kanada. In Montreal haben Kund gebungen gegen die Anshebnng stattgefunden: in der Vorstadt Per- dun Hot die Menge in den Hanpistroßeit die Fenster eingeschlagen. polikische Ueberstcht. Wieder einig! Ter„Matiu". da-Z wilde KricgLhetzerblatt von Paris, bat Angst, daß die ruhigen Darlegungen der deutschen Denkschrift für Stockholm Eindruck auf vernünftige Franzosen machen könnten und simuliert deshalb einen Tobsuchtsanfall:„Jede Erörte- rung ist überflüssig mit den unverschämten Vertretern des deutschen Größenwahns," so schreibt er. Darüber sind wiederum unsere Alldeutschen quietschvergnügt, und die„Verl. Neuesten Nachrichten" schreiben: Wir haben im Augenblick keinen Anlaß, uns mit der Privat- arbeit einiger Genossen eingehender zu beschäftigen; um so weniger. als die Gefahr, daß die deutschen Sozialdemolraten iu«torf- Holm größeren Schaden anrichten könnten infolge dcr ablehnenden Haltung der Franzosen und Eng- l ä n d e r und der immer deutlicher betonten Forderung Elsaß- Lothringens für Frankreich auch � durch die übrigen Glieder bcr Internationale im Augenblick befertigt zu fein scheint. Es ist höchst spannend, zuzusehen, wie diejenigen, die den Krieg wollen, sich immer wieder von hüben und drüben in die Hände arbeiten. Ihre Geschicklichkeit darin könnte vorbildlich für die sein, die hüben nnd drüben den Frieden wollen! Kriegsziele der..Gardefeldpost". ÄuS dem Felde wird uns Nr. 23 des 4, Jahrganges per in Berlrn herausgegebenen„Gardefeldpost" vom 2. Zum d. I. zugesandt. Die Nummer enthält u. a. einen Auszug aus der bekannten Bifsingschon Denkschrift über Belgien.(„Belgien muß genommen und behalten werden.") Ferner einen Aus- zug aus der Zirkus- Busch- Rede des Geh. KonsistorialratS Seeberg vom 13. Mai d. I.(„Wir brauchen Briey. Die belgische Küste lvird nicht ivieder herausgegeben. Die rnssi- scheu Festungen bleiben in unserer Hand. Kurland und Litauen lverden nie mehr herausgegeben.") Die Nummer trägt an ihrem Kopf den Vermerk: Auf Veranlassung des Stellvertretenden General- kommando s. 5katl>oliziömuS und Alldeutschtum. Gegeu das Treiben der„Äöln. Vvlksztg." und geistes« verwandter Zentrnmsblätter wendet sich mit scharfen Aus- führungen Dr. Heinz Teipel im„Elevischen Volksfreund". Er schreibt: Es ist nötig, daß im latbolsichen Volke Deutschlands der Boden zur FriedenSkultur weiter verbreitet wird. Katholische Bläner solllen wissen, daß die Ration nicht das letzte und höchste Gut ist. ... Wenn unsere Alldeutschen ihr Vergnügen dabei sindeu. überdeutschc Politik zu treiben, io können wir das nicht hindern— sie haben ibre eigenen Ziele. Aber als Katholiken, die auch das nalivnale Leben von ciiier höheren Warle aus zu betrachten belchit sind, sollten wir alles vermeide», was uns in den Verdacht ihrer Gefolgschaft bringt. Von„Verdacht" kann nicht mehr gut die Rede sein. Tie „Kölnische Volkszeitung" ist eben ein alldeutsches Blatt von reinstem Wasser._ Lestte Nachrichten. Tic 5lrisc in Spanien. Amsterdam, 18. Juni. Den,„Handelöblad" wird auk London gemeldet: Die.Krise in Spanien entwickelt sich, so meldet der „Daiip Erpreß": Alle republikanischen Parteien haben sich vereinigt,'im die politische Revolution zu fördern. Die Armee fordert drastische Reformen. Tie Arbeiterklasse ist im Aus- stände gegen die hoben Preise der Levensmittel nnd drobt mit dem Eeiieral-inssllrnd. Der Berichterstatter des„Daily Expreß" ertlärt weiter, daß die scheinbar herrschende Ruhe nur oberflächlich sci. Am Sonnabend hielten die Republikaner aller Richtungen und Schattierungen im.Konfeveiizziinmer des Parlaments eine B e r- s a m m luug ab. Die Konferenz proklamierte die„Union Saerc" („Heilige Eunigleit")»nd nahm Resolutionen an. worin gesagt wird, daß jene Maßnahmen treffen iverde, um den Triumph der VoskSregierung und die Wiederherstellung des Rechts, die alle Klassen forderten, zu sichern. Amerikanisches Petr»leu«schiff versenkt. Bern, 18. Juni.„Pregrcs du Lyon" meldet aus New Dork: Dos omeritonische Petroleumschiff Moroni wurde» a ch h c f t i g c in Gefecht auf sieben Kilometer Entfernung versenkt. Nea.cn im Westen? Essen. 18. Juni. Im gesamten Industriegebiet ist heute nach- mittag ein schweres Gewitter mit ergiebigen Regenmengen nieper- gegangen. Berlin und Umgegend. Eisenbnhnervcrsammlung. In einet gut besuchten Versammlung, die der Deutsche Eisen� babnetverband am Soiuiabend in Obiglos Saal abhielt, sprach R echtsanwalt Dt. Heine nr a n n über:„D as Arbeiter- Grundlage gestellt. Sie können sich seht, ohne Nachteile befürchten zu müssen, der gewerkschaftlichen Tätigkeit in einer Weise widme», wie es vordem nicht möglich war. Die Zulassung ist allerdings durch das schwere Opfer erkauft worden, daß die Verbandslei tuug erklärte, von dem Mittel der"Arbeitsniederlegung keinen Gebrauch zu �machen. Auf die Vorwürfe, die der Verbandsleitung wegen dieser Erklärung von gewisser Seite gemacht wurden, will ich nicht eingehen, sondern mich nur an die tatsächlichen Verhältnisse hat- ten, die durch diese Erklärung gegeben sind. Die eingegangene Verpflichtung, von der Ärbeitsmederlegung keinen Gebrauch zu machen, muß strikte erfüllt werden, weil eine Nichterfüllung des Versprechens gegen Treu und Glauben verstoßen würde, und weil die Vertragstreue die Grundlage des ganzen Orgmi isationslöbens bildet. Der Arbeitsvertrag ist ja nur noch dem Schein nach ein Vertrag zwischen dein einzelnen Unternr hiner und dem einzelnen Arbeiter. In Wirklichieit ist er ein Kollektivvertrag zioischen den Unternehmern und den Arbeitern. Ms solcher bildet er tatsächlich einen Teil deS öffentlichen Rechts, obgleich das in den geltenden Rechtsnormen noch nicht zum Ausdruck kommt. In den Tarifvcr- trägen kommt die Auffassung vom kollektiven Arbeitsvertrage zur Geltung. Der Tarifvertrag ist nicht denkbar, wenn nicht der Grundsatz der Vertragstreue bis zum äußersten erfüllt ivird. Derinn halten die Organisationsleitungen an diesem Grundsatz unbedingt fest. Dieser Grundsatz gitt auch für die Erklärung, die die Leitung des Sisenbahnerverbankws dem Minister gegenüber abgegeben Hai. Wer dieser Erklärung zuwider handeln würde, der würde damit aufhören, Mitglied der Organisation zu sein. Zu diesen allgemeinen Gründen kommen noch die durch den Krieg gc- schafsenen besonderen Verhältnisse. Vor devi Kriege haben wir mit gutem Grunde darüber geklagt, daß die Arbeiter in unsereur Vaterlande rechtlos und geächtet waren. Da? konnte aber kein Grund sein, unser Vaterland in der Stunde der Gefahr im Stich zu lassen. Getreu unseren Grundsätzen treten wir für die Erhal- tnng des Vaterlandes ein und wir wollen seine Einrichtungen verbessern. Wer die Erlmltung des Vaterlandes will, mutz auch die dazu notwetidigen Mittel wollen. Aus diesem Grunde ist es für die Eifenbaliner— abgesehen von der Erklärung ihrer Ve.r- bandsleitung— selbstverständlich, daß in der Kriegs zeit Jfeine Ar- l> üisniederlegung stattfindet, denn eine Stillegung des Eisenbahn- betriebes würde den Krieg zu unseren Ungunsten entscheiden. Nun könnte man sagen, das Versprechen der Verbandsleifung hatte nicht für die Zukunft gegeben werden brauchen. Ich halte diese Argumentation für unrichtig. Mit dem Augenblick, wo die Waffen-ruhen, ist der Kampf der feindlichen Mächte gegen Deutschland nicht zu Ende. Dann wird der wirtschaftliche Kampf beginnen, durch den Deutschland vom Weltmarkt abgeschnitten werden soll. Um diesen Plan der gegnerischen Mächte zu vereiteln, gibt es nur ein Mittel: Größtmögliche Hebung der Produktion. Die Eisenbahn ist für die Hebung der Produktion so wesentlich, daß ihr Betrieb nicht gestört werden darf.— Bor vier bis fünf Jak, reu hatte die Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht, der jede beabsichtigte Störung des Eisenbahnbetriebes und anderer den öffentliche» Interessen dienenden Einrichtungen, ja selbst den Versuch einer Störung mit schwerer Gefängnisstrafe bedrohte. Die Gefahr, daß derartige gesetzgeberische Maßnahmen wiederkehren, dürfte nicht wiederkehren. Wenn gesagt wird, noch dem Verzicht ans die Ausübung des St reit rechts unterscheide sich der Eisenbahnerverband nicht mehr von den anderen Eisenbahnerorganisationeu, so trifft das nicht zu. Die anderen Organisationen fordern ein besonderes Staats- orveiterrecht. Bekämen wir ein Staatsarbeiterrecht, so würde es die StaatSarbeiler niemals den Beamten gleichstellen, sondern es würde ihnen nur die Pflichten der Beamten auferlegen, ihnen aber nicht die Rechte der Beamten gewähr«» Deshalb wollen wir kein Staatsarbeiterrecht, sondern wir stehen auf dem Standpunkt: Die Staatsarbeiter sind ein Teil der gesamten Arbeiterschaft. Nichts unterscheidet sie von anderen Arbeitern. Tie Eisenbahner haben deshalb zur Verbesserung ihrer Lage dieselben geiverkschaftlichen Mittel wie die anderen Arbeiterorganisationen anzuwenden, mit Ausnalsme des Streikreckts. Das Staatsarbeiterrecht würde der Selbsthilfe, durch die die Arbeiterorganisationen groß und stark ge- worden sind, ein Ende macheu. Dadurch, daß wir das Staats- orbeiterrecht ablehnen und uns auf den gewerkschaftlichen Boden stellen, unterscheiden wir uns wesentlich von den anderen Eisen- bahnerorganisationen. Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß die Getverk- schaften nach dem Kriege, wenn das deutsche Wirtschaftsleben sich aus ganz anderen Grundlagen als früher abspielen werde, große und wichtige Aufgaden im Interesse der Arbeiter zu erfüllen haben, und cS deshalb die Pflicht aller Arbeiter sei, treu zur Organisation zu halten, jede Zersplitterung zu vermeiden, sowie an der Aus- breitung und Stärkung der Gewerkschaft mitzuarbeiten..(Leb- hafter Beifall.) Nach einer dem Referenten zustimmenden Aussprache wurde bei der Erörterung von Verbandsangelegenheiten ein Antrag gc- stellt, der die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde und die Erhöhung der Löhne um Mb Proz. fordert.— Schließlich nahm die Versammlung den Antrag in der folgenden vom Vorsitzenden Brunner vorgeschlagenen Fassung cinstimmig an: „Die Versammlung fordert die Beschränkung der Arbeitszeit auf das unbedingt notwendige Matz. Ueber stunden sollen nur zur Erleb' gnng noÄv endiger Arbeiten gemaW Beck», ckr nicht zu dem Zweck, um den Verdienst der Arbeiter zu erhöben. Die Löhne der Eisenbabnarbeiter sollen den Löhnen gleichartiger Arbeiter in Privatbetrieben gleichgestellt werden. Wie B r n n n« r bemerkte, wird die Verbandsleitung diese Forderung— was sie ohnehur schon beabsichtigt hatte— im Verbandsorgan vertreten. Ausland. Allgemeiner Ausstand im Rotterdamer Hafen. Rotterdam» 17. Juni, l Meldung der Nederlandsch Telegraaf Agentschap.) Eine starkbesuchte Versammlung von Vereint- gungen der Hafenarbeiter hat beschlossen, am Montag einen allgemeinen Ausstand im Rotterdam«: Hafen zu beginnen, der sich auch auf den Betrieb der Elevatoren, Hebekräne, Lade- brücken usw. erstrecken soll. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Wahlkrcisorganismtion für Delitzsch- Bitterfeld entschied in der am 17. Juni stattgefundenen Generalversammlung ibren llebertritt z u den„Unabhängige n". Es stimmten IS Delegierte ftir, vier gegen den Uebertritt. Ein Kreistwrstands- Mitglied stimmte nicht, erklärte aber unter Beifall, daß er die Zer- störung jahrzehntelanger, mühsamer Parteiarbeit nicht mitmache. Damit haben von den acht Wahlkreisorganisationen dieses Agitationsbezirks sechs die Parteispaltung vollzogen, wozu mit der Ostern 1S17 in Gotha vollzogenen Gründung einer Gegenorganisation gegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands das Signal gegeben war. Unter welch schwacher Beteiligung der Uebertritt zum Teil voll- zogen ward, ist aus diesem Bezirk bereits einmal berichtet worden. Ueber laues Parterlebcn wurde auch in den Berichten dieser Gene- ralversammlung geklagt. Vom Abgeordneten de? Kreises Raute sei festgehalten, daß er erklärte, er sei bei der Fraktionsmehrheit geblieben, um die Organ! sations störung zu verhindern und in der Hoffnung, die Minderheit werde bald die Mehrheit erlangen. Die Fraktions- Minderheit könne nach seiner Meinung von der beschrittenen Taktik nicht mehr zurück und deshalb sei das Abgehen zu den„Unab- hängigen" zur Notwendigkeit geworden. Drei Tage vor der Gene- ralversammlung hat er in Eilcnburg noch gegen diesen Uebertritt gesprochen und gestimmt. Die Erfurter Genossen, die fest zur Partei stehen und die Schwenkung des früheren dortigen Wahlvcreins zu der U. S. P. D. nicht mitmachen wollen, haben am Donnerstag eine neue Organi- sation mit Genossen RcißhauS als Vorsitzenden des Ortsvor- standcS und Genossen Louis Gülh als Vorsitze irden des Kreisvor- ftandes gegründet. Es wurde folgende Entschließung angenommen: „Nicht Trennung und Spaltung, auch nicht Zerstörung des Bestehenden, sondern Auf- uud Weiterbauen des Vorhandenen ist der Grundgedanke in der Arbeiterbewegung, Deshalb lehnt es die heutige Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den Stadt- und Landkreis Erfurt ab, dazu beizutragen, die Kluft zu vertiefen, welche durch den Beschluß vom 7. Juni(zur Unab- hängigen Partei überzutreten) entstanden ist. Die Versammlung richtet den Wunsch und das Ersuchen an alle in der Partei ge- bliebmen Genossen und Genossinnen, in der kommenden Zeit weiter für den Gedanken des Sozialismus zu wirken und zu werben. damit jeder sein Teil mit beiträgt, Hindernisse zu beseitigen, welche die so nötige Einheit der Arbeiterschaft jetzt vereiteln." Soziales. Städtische Verkaufsstelleu und Konsumvereine. Bekanntlich haben sich die Organisation«! der Konsunwercine ebenso wie die der Kleinhändler unter Geltendmachung einer ganzen Anzahl auf praktische Erfahrung gegründeter Bedenken gegen die Errichtung städtischer Lebensmittelverkaufsstelleu ge-- roandt. Das ist ihnen von Leuten, die von den Voraussetzungen einer zweckmäßigen und vorteilhaften Warenverteilung nicht ge- nügend Kenntnis besitzen, zum Teil verdacht worden. Ueber das Lehrgeld, das manche Gemeinden bezahlen urußten, und über die vielfach großen Mißerfolge, die sie erlebten, wird aus begreiflichen Gründen heute im allgemeinen noch nicht viel geredet; zweifelsohne Ivird aber nack» dem Kriege manches öffentlich erörtert werden, Ivas geeignet ist, das bemängelte Vorgehen der Konsumgenossen- schaften als nichr nur in deren Interesse begründet zu erweisen. Ein Fall mag schon heute angeführt werben; die Stadt Essen hat mit folgender Begründung ihr« städtischen Berkaufsstellen für Lebensmittel aufgehoben: Die Inanspruchnahme der Verkaufsstellen ist mit der Zeit so zurückgegangen, daß ihr Betrieb infolge der teilweise hohen Miete, des Gehalts für das umfangreiche Personal usw. sich außerordentlich hoch stellt und die Stadt mit großen Verlusten arbeiten mutz. Endlich aber kommt hinzu, daß in den städtischen Berkaufsstellen außerordentlich große Verluste durch Diebstahl und dergleichen entstehe!» Die Bevölkerung scheint sonderbarer- weise anzunehmen, daß ein Best eisten und Betrügen der Stadt- Verwaltung nicht so schlimm wirre wie das Bestehlen von Pri- vaten. Trotz schärfstem Vorgehen haben sich diese Mißstände immer weiter ausgedehnt, so daß auch aus diesem Grunde das Beibehalten der Verkaufsstellen nicht zu empfehlen wäre. Es scheint uns auf das Bestehlen doch zu viel Gelvicht gelegt zu� werden. Mit Einbrüchen haben nämlich auch die Privatge- schäfte und besonders auch die Konsmmwreine nicht nur während des Krieges, sondern auch in Friedenszeiten in bedauerlich großem Umfange zu rechnen, ohne daß dadurch die Rentabilität der Be- triebe gefShckt würde. Entscheidend sind jedenfalls die anderen Gründe, die sich vollinhaltlich mit den von den Konsumvereinen in ihren Eingaben ins Feld geführten decken. Es wäre schon richtiger gewesen, die Gemeinden hätten sich vorhandener erprobter Verteilungseinrichtungen bedient, statt unter hohen Kosten neue zu schaffen, die erst erprobt werden mußten und die Probe, wie vor- auszusehen war, nicht immer sonderlich gut bestanden. Die Konsumgenossenschaften haben jedenfalls, wo mau sich ihrer bediente, ihre Aufgaben einwandfrei und zusriedenstellend gelöst, ohne selbst dabei Verluste zu erleiden. Tie guten Erfahrungen z. B., die der Hamburger Staat dabei machte, haben ihn auch veranlaßt, jetzt eine» Teil der Obst- und Gemüseversorgung der Handelsgesellschaft „Produktion" zu überweisen, die schon die Rippen- und Knochen- Verteilung vorteilhaft regelte, was man von ähnlichen kommu- nalen Unternehmungen nicht eoen behaupten kann. Es liegt wirk- lich kein Grund vor, Steuergroschen in Experimenten zu verplem- pern, wenn man es ohne Experimente ebenso gut und umsonst haben kann. Tie Händlerhctzc gegen die Konsumvereine nimmt trotz des Burgfriedens ihren Fortgang. Nachdem es eine Zeitlang still war im mittelständlerischen Blätterwalde, ertönen jetzt wieder Stimmen, die zum Kamps auftufen gegen die per» haßten Konsumgenossenschaften. Sogleick wird aucb wieder die alte, verstaubte Waffe aus der Rumpelkammer hervorgeholt: die Behauptung, daß die Konsumvereine sozialdemokratische Einrick- tnngen seien und sozialdemokratische Propaganda trieben. Um diese Behauptung zu betoeiscn, werden allerlei kleinliche, nebensäch- liche Dinge herangezogen. Daß einige Angestellte der Berliner Konsumgenossenschast am 1. Mai gefeiert haben, und daß im Braunschweiger Konsumverein der Antrag gestellt toovdeu ist, zwei politisch mißliebige Lagerhalter zu entlassen, diese beiden well- erschütternden Ereignisse werde» dazu benutzt, um den sozialdemo- kratischen Charakter der Kons umgenoss enschasten zu.enthüllen. „Daß in den Konsumgenossenschaften selbst keine Politik getrieben werden darf," so äußerte sich ein Händlerblatt kürzlich,„t>aS ist jedem Kleinhändler bekannt. Aber ebenso bekannt ist auch, daß die Leitung hauptsächlich in sozialdemokratischen Händen liegt, und daß sehr häufig von den Leitern Terrovisnms im Sinne ihrer politischen Ueberzeugung ausgeübt wird." Es würde dem Blatte wohl sehr schwer werden, auch nur ein einziges Beispiel von ge- nossenschastlichem Terrorismus anzugeben, obwohl derartige Fälle ja nach seiner Behauptung„sehr häufig" vorkommen. Man braucht sich über eine solcke dreiste Unwahrheit nicht weiter aufzuregen, und es hätte wenig Wert, sich gegen den Ver- such zu wenden, den Konsumgenossenschaften den sozialdemokrati- scheu Stempel aufzudrücken, da ja eine sozialdemokratische Betäti- gung durchaus keine Schande ist; aber im Interesse der Wahrheit nrnß doch festgestellt tverden, daß die Konsumvereine lediglich wiri- stbaftliebc und erzieherische, aber keine politischen Zwecke verfoigei» Die maßgebenden Personen in der Kousumgenossenschaftsbetoegung haben— nicht aus Angst oder Vorurteil, sondern lediglich im Interesse der Bewegung— stets die politische Neutralität der Konsumvereine betont uud auch dementsprechend gehandelt. In ihrer geschäftlichen Tätigkeit spielt die politische Gesinnung der Mit- glieder oder der Annestellten keine Rolle. Man sollte also in der Händlerpresse endlich vrit dem alten Ladenhüter aufräumen, cs könnte sonst sehr leicht möglich sein, daß der„sozialdemokratische" Charakter der Konsumgenossenschaften im Bunde mit ihren cmer- kannten Leistungen aus die große Masse der Verbraucher eine solch starke Anziehungskraft ausüben wird, daß die Kleinhändler, ww die Lohgerber, denen die Felle weggeschwommen sind, zuletzt das Nachsehen haben._ Orts- oder Jlumngskrankcukaffe? Ein Gastwirt, dessen versicherungspflichtige Angestellte Mitglieder der allgemeinen Ortskrankenkasse waren, trat der Innung bei und zahlte nur die Kronkenkajsenbciiräge an die Jnnungskasse, ohne daß er die Arbeiter bei der Allgemeinen Ortskrankenkassc abmeldete. Diese ver- langte aber die Beiträge weiter, solange keine Abmeldung erfolgt sei. In- folge der Weigerung des Gastwirts kam es zu einem Streilversahren, rn dem die Kasse abgewiesen wurde. Dabei führte das ReichsversichcrungS- amt aus, nach§ 317 der Reichsversicherungsordnung habe der Arbeitgeber jeden von ihm Beschästigten binnen drei Tagen nach Beginn und Ende der Beschärngung und binnen der gleichen Frist auch Aenderungen, die die VersicherungSpflicht berühren, zu melden. Im vorliegenden Falle wurden aber die Versicherungspflichtigen un- verändert von ihrem Arbeitgeber weiter beschäftig» Diese Vor- schrift lasse sich deshalb auf den vorliegenden Fall nicht anwenden. Es zeige sich hier eine Lücke im Gesetz. Das sei zwar ein un- befriedigender Zustand, ober da die frühere Vorschrift, daß versicherungspflichtige Angehörige einer Ortskrankcnkasse erst mit Beginn deS neuen Rechnungsjahres uud nur dann wirb sam werde, wenn der Arbeitgeber drei Monate zuvor dem Lorstande der Orl-Zkrankenkasse seinen Eintritt in die Innung nachgewiesen, absichtlich nicht in die ReichSveisichcrungsordnung übernommen worden sei, könne dieie Lücke auch nicht durch die Recht- sprechung beseitigt werden. Solange der Gesetzgeber nicht ein- greife, könne eine Verpflichtung de? Arbeitgebers zur Abmeldung der von ihm beschäftigten Versicherungspflichtigen bei der Orts« krankeitkasse im Falle feines Beitritts zrr einer bereits bestehenden Innung nicht anerkannt werden. Es hat sich hier zwar lediglich um ein Streitigkcitsberfahren wegen der Beiträge gehandelt, aber aus der Entscheidung gebt hervor, daß durch den Beitritt des Arbeitgebers zu einer Innung die bei ihm Beschäftigten sofort Mitglied der Jnnungskrankenkasse sarrden und Ansprüche nur an diese zu stellen haben. Percwtwortl. f. Politik: Dr. Franz Dicderich, Berlin-Friedenau: für d. iiSrigen Teil des BlaiteS: Alkrc» Scholz, Neulallu: für Inserate: Tli. GloSc, Berlin. Druck U. Vertag: Barlo ärks Buchdruckerei». Bcrlagsanftalt Paul Singer&. Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und UntcrHaltMlgsblat» Stcritsches Theater. lleuto und folgende Tage 8 Uhr; Max Callenberg in Familie Scliöneb- lianimerspiele. Heute u. folgende Tage 71/, Uhr: vre Tänterin (mit Leopcldine Konstantin). Volksbühne. Thoat. a.Bülov/platz. Untergrundb. Schönhanser Tor. 71/, TThr: Zum 1. Male: Die Mönigia der ä.nf i. (Gesaugsposse) Morgen ri folgende Tage 71/, IT.; Die Königin der I.nft. Theater für Dienstag, den 19. Juni. Oessing Theater. Heute u. folg. Tage TV. Uhr; Marie Oitmann u. Hans Waätnann in EL' a ri EU—. Oper. v.O. Blumenthal. Musik v. Osk. Straus. Dir. C. Meinhard— H. Bernauor. Theater i. d. Königgrätzor Str. 8 Uhr; Schnitzler-Abend. 8 Uhr; Wie fessle ich meinen Mann? TheaSer 72°Uur; Die tolle Komteß. Rose-Theater. 7'/. Uhr: Osf Hann seiner Frau Garten b: Berlin wie es Hebt u. haßt. Deutsches Opernhans 7 m.r: Mmaiiiis Erzltttongen Frlcdrlcb-Wilbelmstädt Theater. T'/jUhr: Das vreimSdörllMS. Gebr. Herrnfeld-Theatcr. tu v.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater tu u.: Eaes M Sehnakenlocli. Komische Oper 3i J Uhr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7s/4Uhr: Die blonden llädels Z.50. iL; vom Kindenhol. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kass entöl. Nord. 281 7'//.u.; Die Guiaschkanone, Theater des Westens tu u.: stolze Thea. Trianon Theater �uhr: Der Star. NÄTIONÄL- THEATER. Köpemcker Str. 68 °/.S Uhr Zum 180. Mes junge PflMjfntmumfii Stürmischer Erfolg! SS eatpf.(ich, öittttie bs voraus j. bq. Voigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Tägikb große Extravorstellung. Fieper und Sperling Erftklaisiges Spezialitäten-Programm. Lot. Sonntags 4» wachem V Uhr. URANIA Tanbenstraße 48/49. 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzraann. --------- t- AN DCB- KOCHST» Allabendlich 7'/, Uhr: Das vielseitige Vapietö-Programm! Die Kasse ist ah 10 Uhr geöffnet Reieiisliallen-Theater. .Stettiner Sänger. „Caliaret FeltJnratr. Anfang 71l, Uhr. Für Militär- personell an den Wochentagen vollkomm. freier Zutritt zu den Ststun. Sängern! Zirkus A. Schumann! Bahnh. Friedrich str. Anf. 8U. 1 Rauchen gestattet. Kühler Aufenthalt Zirkas-Farietfi-g�L U. a.: Sägefische jllpen-Spie!e| Die 3 Grazien am Drabt. Peppos kom. Dressur-Akt. BN M■■ Parforce- Hfl 3 1■ I Hohnitzel- ■ M H im■■ Jasrd Bepliner Prater-Theaier Kastnnicimlloe 7—9. Heute: Aha— famos! Große Ausstattungs- Operetteiwofle in 3 Alten mit Gesang und Tanz. Borher das greße Varieteprogramm. Aniang 41/. Uhr. Walhalla-Theater. 7'/. uhr: Zigeuner. Gartenbühne-Vorsicllung. Jlbrakadabra großes phantastisches Ballett auf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt 7'ii Uhr. Vorzügl. Küche. Jf TägL 73/4 Sonnt. I!1/, u. 78/4 frimpa Her W« und das große, neue Vai'iete-ProgFamm. Angenehm kühler Aufenthalt. H.Pfau, Bantlagist ®c!r Direksenslraße 20 zwischen Badnhoj Mepanderplatz und Polizeiprästdium.— Amt Ks» 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.• Lieierant für alle Krankenkaüe» Nr. 165 ❖ Z4. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vkenstag, 1H. �tm! 1917 14. Genoffensthaststag öes Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine. (Telegr-rphi scher Vorbericht.) C. S. Nürnberg, 18. Juni i911. Hier nahm heute die 14. ordentliche Hauptversammlung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ihren Anfang. Sie wurde vom VerbandsdirÄtor Barth- München eröffnet und ge- leitet. Rechtsrat Dr. M er k e l- Nürnberg begrüßte den Genossen- schaftstag und gestand zu, daß die Stadtverwaltung sich erst in der Kriegszeit der hohen Bedeutung des Genossenscha ftSwesens bewußt geworden.— Vcrbandsdtrcktor N e u feld von den deutschen Ertvcrbs- und Wirtfchaftsgenossenschaften sagte, die beiden Ver- bände hätten sich vor 14 Jahren von einem gemeinsamen Stamm-e getrennt, aber sich infolge des Krieges wieder zusammengefunden und eine Interessengemeinschaft zu gemeinsamer Arbeit geschlossen. — Es sprachen weiter der Vertreter des stellvertretenden General- kommandos und Reichstagsabgeordneter Silberschmidt für die Gencralkominission. Tann trat der Kongreß in die Erledigung der Tagesordnung ein. Verbandsvorfitzender Barth gedachte zu- nächst der Toten des Jahres, insbesondere de? hochverdienten Ge- nassen Adolf von Elm. Zum Vorstandsbericht sprach K aufman n-Hamburg. Die Konsumgenossenschaften, sagte er. wurden bei der Organisierung der Kriegswirtschaft nicht in ausreichendem Maße herangezogen, insbesondere die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine ist mehr und mehr ausgeschaltet worden. Der Redner forderte entschieden die Aufhebung aller Kriegsgesellschaften und Reichs- zeutralstellen, sobald die Zeit dazu gekommen sei. um die Neu« organisiening der Volksversorgung auf kons gm genossenschaftlicher Grundlage durchzuführem Weitere Berichte über die Tätigkeit des Vorstandes erstatteten Böstlein-Hamburg und Dr. Aug. Müller-Berlin. Das Versagen der Gemüse- nnd Obstversorgnng. Alle Sachkenner und diejenigen, welche in den betreffenden Ausschüssen sitzen, sind sich darüber einig, daß auf keinem Gebiete der Lebensmittelversorgung die behördliche Regelung so versagt bot, wie auf dem der Gemüse- und Obstversorgung. Der grund- legende Plan der Reichsstelle für Gemüse und Obst ist ein absonder- licher. Zwar sind die Gemeinden von ihr zum Abschluß von Liefe- rungsverträgen angehalten worden, allein diese Verträge müssen in ganz mcrkivürdigr Art ihren Gültigkeitswcrt erlangen. Der Werdegang spielt sich wie folgt ab: Der Agent einer Stadt läuft bei den Landwirten herum, um Lieferungsverträge abzuschließen, wofür er ü Proz. Provision erhält. So leicht ist das nicht. Ist es doch vorgekommen, daß der Agent einer großen Berliner Vorortgemeindc in Holstein innerhalb mehrerer Monate nur einen Liefcrungsvcr- trag abzuschließen vermochte. Hat der Agent aber einen solchen Vertrag getätigt, so ist damit der Vertrag noch nicht vollendet, son- dern muß mit einem Sichtdermerk des betreffenden Krcisvorsitzen- den der Reichsgemüseftelle vorgelegt werden. Diese schließt den Vertrag ab und fragt nunmehr bei der betreffenden Gemeinde an, ob sie den Vertrag übernehmen will. Ein höchst umständlicher Weg! Preisvereinbarungen zwischen Erzeugern und Bcdarfsgemein- den sind eigentlich zwecklos, denn wie Herr Batocki am Kopfe der vorgedruckten Liefcrungsformulare bestimmt, darf der Anbauer die Zahlung des höheren Höchstpreises verlangen, soll« wider Erwarten der Höchstpreis höher sein als der Vertragspreis. Nach einer Ver- füonng der Reichsgemüseftelle sollen eigentlich nur die Preiskom- Missionen des jeweiligen Regierungsbezirks die Preise festsetzen. Daher kommt es vor, daß weder der Erzeuger bei der Versendung _____ solchen Zustand dem leicht verderblichen Frühgemüse! Damit ist der Lcidensgang des Gemüses aber noch lange nicht erschöpft. Die Liefcrungsverträge tocrden nämlich von sehr vielen Erzeugern als ein wertloses Stück Papier betrachtet, so gut wie die gesetzlichen Bestimmungen über den Schlußschcin, der die Ueber- schreitung der Höchstpreise verhindern sollte. Was schiert uns der Licferungsvertrag, was der Schlußschein, wenn wir höhere Preise bekommen können! Wer seine Nachtruhe einmal opfern will, der sehe sich an, was sich nachts zwischen 11— 4 Uhr vor und in der Berliner Zentral- inarkthalle. auf den Großmärkten der Vorortgcmcindcn und auf den Landstraßen nach Berlin abspielt. Großhändler und Schieber fan- gen fast alle Zufuhren ab, die Höchstpreise werden bedeutend über- schritten, Schlußscheine nicht ausgestellt. Protestieren die Händler gegen die allzu hohen Preise, sucht ein gewissenhafter Beamter dem Gesetze Achtung zu verschaffen, so tönt es ans dem Munde der Er- zeuger entgegen: Wollt ihr die Preise nicht zahlen, so fahren wir wieber ab. Gemeinden, die aus ihre Lieferungsverträge bestehen oder die ein scharfes Auge auf ungesetzliche Handlungen haben, wer- den einsach nicht versorgt. Nicht alle Erzeuger handeln so, doch auch die wenigen Rechtlichdenkendcn werden in den allgemeinen Strom der Wucherpreise mit hineingezogen. Ihnen werden die Waren von Händlern vom Wagen gerissen, das Geld dafür in die Hand gedrückt und von Scblußscheinen kann auch bei ibnen daher keine Rede sein. Vom Obst zu den festgesetzten Höchstpreisen werden die Groß- Berliner auch verdammt wenig zu sehen bekommen. Schon jetzt sollen scharenweise gewisse Kreise der Berliner Bevölkerung in aller Herrgottsfrühe hinaussckwärmen und Stachelbeeren gegen ein Eni- gelt von(35 Pf. und mehr pro Pfund von den Sträuchern pflücken. Den Erzeugern wird dadurch die Arbeit des Pflückens abgenommen und als Liebesgabe empfangen sie noch obendrein statt des Er- zeugerhöcksstpreises von 40 Pf. einen weit höheren Preis. So sieht in Wirklichkeit die..Versorgung" der Groß-Berlincr Bevölkerung mit Gemüse und Obst aus. Soll das so weiter gehen, sollen die breiten Massen der Bevölkerung dem langsamen Ver- hungern und den gewissenlosen Lebcnsmittelwucherern ausgeliefert werden? Versorgun«; mit Magermilch. Die seit einiger Zeit erfolgende Mehreinsuhr von Milch ermög- licht es, den Kreis der biSber mit Magermilch Bedachten vom 1. Juli ab zu erweitern. Es werden auch noch an die Kinder, welche in der Zeit vom 1. Juli 1S03 bis zum 30. Juni 1905 geboren sind, wöchentlich zweimal je'/z Liier Megermilch bezirks- weise verabfolgt. In Berlin sind die Magermilchkarten der Kinder im 13. und 14. Lebensjahr in der Zeil vom 21. bis zum 23. Juni von den Brotkommiisionen abzuholen Das Alter der für den Magermilch- bezug in Betracht kommenden Kinder ist durch Vorlegung einer aml- lichen Urkunde nachzuweisen. Ferner erhält vom 20. Juni bis zum 80. Juni jeder Hausbalt mit Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren stall einmal wöchentlich 1 Liter, nunmehr zweimal wöchentlich je 1 Liter Magermilch. Jeder Milchhändler hat den Bezugsberechtigten mitzuteilen, an welchem zweiten Tage in der Woche die Belieferung ersotgl. Zur Znckerversorgmtg. Bei der Neucmmekdung für den Zuckerbezug hat sich jeder ein- zelne Haushalt entweder bei seinem alten oder bei einem neuen Zuckerlieferanten eintragen zu lasten. Wer diese Neuanmeldung bis zum 26. Juni nicht bewirkt hat, kann bis auf weiteres keinen Zucker beziehen Es war ferner bestimmt worden, daß Einmachezucker auf Abschnitt Nr. 17 der Zuckerkarte vom 20. Juni ab entnommen werden kann. Dieser Termin wird wegen der verspäteten Ausgabe der neuen Zuckerkarten voraussichtlich nicht pünktlich eingehalten werden können. Es wird daher darauf hingewiesen, daß der Ein- machezucker bis zum 15. Juli in Empfang genommen werden kann. Da soviel Zucker vorhanden ist, um allen Ansprüchen der Bevölkerung zu genügen, ist ein Anstellen vor den Geschäften, um möglichst sofort in den Besitz des Einmacbeznckers zu gelangen, un- nötig und im eigenen Interesse zu vermeiden. Einschränkung des Verbrauchs elektrischer Arbeit. Das Oberkommando erläßt eine Bekanntmachung, der wir folgendes entnehmen: Neuanschlüsse an Elektrizitätswerke sind der- boten. Erfordern besondere Bedarfsfälle eine Abweichung von dieser Vorschrift, so kann die Zulassung des Neuanschlusses bei dem Eleklrizilätswerl de» jeweils in Bettacht kommenden Versorgungs- gebietes beantragt werden. Den Abnehmern der ElektrizttätSwerle ist verboten, monatlich mehr als 90 Proz. derjenigen Menge an elek- irischer Arbeit(in Kilowattstunden) zu entnehmen, die sie in dem entsprechenden Monat desJahres 1916 entnommen haben. Ist der Anschluß während des entsprechenden Monats des Vorjahres vorübergehend unbenutzt geblieben, so ist die zu- lässige Verbrauchsmenge aus dem Verbrauch während der Zeit der wirklichen Benutzung zu berechnen. Ist für den entsprechenden Monat des Vorjahres keine Verbrauchsziffer vorhanden, so hat der Abnehmer die Festsetzung der Höhe des zuläsfigen Verbrauchs bei seinem Elektrizitätswerk zu beantragen; dieses entscheidet nach billigem Ermessen. Jeder Abnehmer elektrischer Arbeit hat sich über den Stand seines Zählers am 20. Juni mittags 12 llhr zu ver- g e w i s s e r n und darüber auf Befragen wahrheitsgetreue Auskunft zu geben. Diese Bekanntmachung tritt mit dem 20. Juni in Kraft. Soviel aus der Bekanntmachung des Oberkommandos. Es versteht sich unseres Erachtens wohl von selbst, daß der von ver- schiedenen Elektrizitätswerken ihren Abnehmern auferlegte Zwang. ein« bestimmte Mindest menge von Elektrizität ■ n verbrauchen, von jetzt ab wegfällt. Berlin-Nenköllner Schulgeldgemeinschaft. Wie vor mehreren Jahren zwischen Berlin und Treptow, so soll jetzt auch zwischen Berlin und Neukölln eine Schulgeldgemeinschaft eingerichtet werden. Vereinbart soll werden, daß Neuköllner Kinder in Berlin und Berliner Kinder in Neukölln bezüglich des Schul« geldeS nicht mehr' als.Auswärtige" zu be- handeln sind. Nachdem der Berliner Magistrat wegen Aus- dehnung jener Treptower Vereinbarung auf andere Vorortgemeinden in Verhandlungen mit diesen eingetreten war, hat zunächst der Neuköllner Magistrat sich bereit erklärt, schon jetzt der gegebenen Anregung zu folgen. Die Vereinbarung soll, wie der Neuköllner Magistrat es sich auSbednngen hat, von den beteiligten Gemeinden zum Ablauf eines Etatkjahres durch einjährige Kündi« gung aufgehoben werden können. Demnach haben, wenn die Stadt» verordneten zustimmen, schon vom 1. Juli 1917 ab in Berlin die Neuköllner und in Neukölln die Berliner für ihre Kinder schulgeld- freie Aufnahme in Gemeindeschulen zu beanspruchen, wie die.Em- heimischen". Auch brauchen sie in städtischen höheren Schulen nicht mehr das erhöhte Schulgeld der.Auswärtigen", sondern daS ge- wohnliche Schulgeld der.Einheimischen" zu zahlen. Zur Behebung der Kleingeldnot hatte die Berliner Handelskammer an das Direktorium der Reichs« dank und das Reichsschatzamt eine Eingabe mit dem Vorschlag ge- richtet, 50-Pieniligscheine berauszugeben. Der Handelskammer ist daraus vom Reichsbankdireklorium ein Bescheid erteilt worden, wo- nach die Ausprägung großer Mengen von kleinen Münzen in Auf- trag gegeben ist, daß die Münzstätten aber aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage gewesen sind, die Bestellungen aus- zusübren. Der Ausgabe von Darlehnskassenscheinen zu Va M. steht der Umstand entgegen, daß die Rricksbanlanstalten bei der un- geheuren Menge umlaufenden Papiergeldes schon jetzt mit den aller- größten Schwierigkeiten zu kämpfen haben. DaS Direktorium der ReichSbank hat daher bereits vor mehreren Wochen bei dem Staats- sekretär des Reichsschatzamls die Ausprägung eines VO-Pfennig- st ü ck S aus Zink angeregt._ Bestimdlmfnohme von Rohmaterialien und halbfertige« Erzeug« nisscn der Schuhindusttic. Der Ucberwachungsausschuß der Schuh« indusirie erläßt eine Bekanntmacvung. nach ver sämtliche Hersteller von Schuhwaren verpflichtet sind, ihre Bestände an Rohmaterialien usw. auf besonderen Bordrucken, die vom Ueberwachungsdienst ausgegeben werden, zu melden. Der genaue Wortlaut der Bekanntinachung kann bei der zuständigen Handelskammer eingesehen werden. Ablieferung von Aluminiumgegenständc». ES wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Besitzer beschlagnahmter Aluminium« gegenstände, die bisher ibrer Vdeldepflicht nicht nachgekommen sind, unverzüglich diese Gegenstände nach den vorgeschriebenen Vordrucken melden müssen. Die Vordrucke sind bei den Steuerkassen er- hältlich. Auf Grund der Meldung wird von dem Magisttats- kommissar für Milltärangelegenheiten jedem einzelnen Besitzer ein Ablieferungstermin bestimmt. Eine Ablieferung ohne vorherige Meldung ist unstatthaft. Freiwillige Impfungen einzelner Personen finden jetzt nur noch Dienstags nachmittags 5 Uhr in der Gemeindeschule Wilhelmstt. 117 statt. Impfungen in größerer Zahl werden durch das städtische Medizinalamt Fischerstr. 39/40 vermittelt. Ein Kartoffolschwindler in Feldgrau treibt gegenwärtig in Schöne- berg und im Berliner Westen sein Unwesen. Er bietet Kartoffeln ohne Bezugschein und Karten zum Preise von 10 M. an, und bei der herrschenden Knappheit finden sich natürlich sehr leicht Haus- fraucn, die auf dieses Angebot eingehen. Selbstverständlich ver- langt der Verkäufer Vorausbezahlung, die ihm, da er als Soldat einen vertrauenerweckenden Eindruck macht, geleistet wird. Hat der Schwindler das Geld, so läßt er sich nicht mehr sehen. Der Bc- trüger fft etwa 1.70 Meter groß, schlank, bat dunkles Haar und kleinen dunklen Schnurrbart. Er trägt die Uniform des Infanterie- Regiment» 93 und das Band des Eisernen Kreuzes. Wohltätiges Schadenfeuer. Eine Kohlenhändlerin Frau Schmidt an der Ecke der Großbeeren- und Norckstraße erklärte seit einiger Zeil allen Künden gegenüber, daß sie keine Kohlen besitze und deshalb auch keine verkaufen könne. Sie geriet darüber mit Bewerbern in Zwist, weil diese vermuteten, daß sie die Ware zurück- behalte, um einzelne Kunden zu bevorzugen. Frau Schmidt blieb bei der Behauptung, daß sie nichts besitze. Sonntag war ihr Keller ganz vergualml und die Feuerwehr fand, daß ihre Kohlen in Brand geraten waren. Das Publikum machte die Polizei darauf aufmerksam. Daraufhin wurden gestern alle Kohlen, soweit sie nicht durch den Brand entwertet sind, verkauft. Der Kicsclsicinschwiudler, über dessen Treiben kürzlich berichtet wurde, tjt tu Düileldors ergrisseu worden, vur Krurjnumu Alfred Gehrisch, der als Geschästsagent austrat, bot hiesigen Handlungen vorzügliche Dauerwurst zu einem erschwinglichen Preise an, ließ sich die angeblich abgesandte Ware auf den Duplikat-Frachl- brief hin im voraus bezahlen und lieferte dann schwere Kisten, die Kieselsteine enthielten. Er erbeulete auf diese Weise über 30 000 M. Beim Kahnfahren ertrunken sind gestern zwei unbekannte junge Burschen iin Alter von 14 bis 16 Jahren. Man sah sie in der Nähe des Moabiter Schützenhauses auf dem Spandauer Schiff- fahrtskanal rudern. Gegenüber dem Schützenhause wechselten sie die Plätze. Hierbei kenterte das kleine Boot und beide Insassen fielen ins Wässer. Der Wirt vom Schützenhause und ein Fischer unternahnieu sofort Rettungsversuche. Es gelang auch, den einen der Verunglückten aus dem Wasser wteder herauszuholen. Er gab noch Lebenszeichen von sich und wurde nach dem Virchow-Kranken- Hause gebracht. Hier starb er jedoch kotz aller ärztlichen Bemühnn- gen bald nach der Aufnahme, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Es ist ein junger Mann von 16 Jahren, der eine rot- braune Hose und ein weißes Hemd trug. Die Leiche des anderen ist noch nicht gefunden. Er machte etwa den Eindruck eines Vier- zehnjährigen. Im Boote fand man einen blauen Rock, ein Paar Schaftstiefel nnd ein Paar Schnürschuhe. Charlottcnbnrg. Städtische Volksbücherei. Die Stellen der Volks- bücheret sind geschlossen: Die Hauplbücherel Wilmersdorfer Str. 166 vom 8. Juli bis 4. August, die Zweigstelle Ost. Wormier Str. 6a., vom 8.— 21. Juli, die Zweigstelle West, Danckelmannstr. 47, voin l6.— 29. Jnli und die Zweigstelle Nord, Kaiserin-Augusta-Allee 80, vom 23. Juli bis 5. August. Die Ablieferung entliehener Bücher kann während dieser Zeit an Wochentagen von 11— 1 Uhr erfolgen. — Berteilnn von Magermilch. Der Magistrat hat angeordnet, dar. auch die Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1905 geboren sind. Magermilchkarten erhalten. Diese Karten sind bi» zum 26. Juni einschließlich den Milchhändlern vorzulegen und gelten bis zum 80. September d. I. Außerdem gilt für die Zeil vom 20. bis 30. Juni d. I. folgendes: Jeder Haushalt mir Kindern. die in der Zeil vom 1. Juli 1907 bis 30. Juni 1911 geboren sind, erhält vom 20. Juni ab nicht wie bisher einmal wöchentlich 1 Liter, sondern das doppelte Quantum Magermilch. Reukölln. Der Berkauf von Schweinefleisch soll, um bei der immer knapper werdenden Schweinebetteferung möglichst viele Haus- balwngen zu berücksichtigen, künftig dergestalt geregelt werden, daß Familien bis vier Köpfen höchstens ein halbes Pfund und Familien über vier Köpfe höchstens ein Pfund erhalten. An Selbstversorger wird bis aus weiteres Schweineflelich nicht mehr abgegeben.— Der der Stadt Neukölln zugewiesene Einmachezucker wird Ende Juni nach Maßgabe der Zuckerkundenlifte in einer Lieferung verteilt werden.__ Schönrt erg. DaS Sitzvcrbot oufgchobcn. Der Magistrat hat gestern früh eine Verfügung erlassen, wonach das Verbot, das den städtischen Beamten und Angestellten das Sitzen während der Ein« nähme des Frühstücks in der in den Räumen des Rathause» befind- lichen Volkstüche untersagte, aufgehoben wird. Lichtenberg. Anrechrntng der städtischen Flrischkarte beim Fisch- einkauf. Um jedem Einwohner den Einkauf von frischen Fischen zu ermöglichen, soll der Wert der städtischen Fleischkarte, wöchentlich 80 Pf. für die Erwachsenen und 40 Pf. für die Kinder umer sechs Jahren, wie beim Ankauf von Fleisch bei den Schlächtern, so auch beim Ankauf von frischen Fischen in der städtischen Fischhalle Frank- furter Allee, Ecke Kronprinzeustraße, angerechnet werden. Weißeuser. Lcbensmittelnachrichten. In der laufenden Woche dürfen zunächst nur aus die Abschnitte 60a, d und o der Kartoffel- karte zusammen drei Pfund Kartoffeln entnommen werden, lieber die Verwendung der Abschnitte 60 ck nnd s ergeht noch besondere Bekanntmachung. Auf die Abschnitte 60 i und k der Kartoffelkarte können in den Kolonialwarengeschäften insgesamt 250 Gramm Hafergrütze entnommen werden. In der VerkanfSstelle Pisrorius- strotze 24 kommen Salzheringe zum Verkauf. Aus jede der aufge- rusenen Brotkarten werden � Pfund Salzheringe zum Presse von 35 Pf. verabfolgt. In den Verkaufsstelle» Berliner Allee 89 und Langhanssir. 103 gelangen Eier zum Verkauf. Auf Abschnitt 11 der aufgerufenen Eierkarlen können 9 Eier entnommen werden. Riederschönhauseu. Lebensmittelnachrichten. Kartoffeln werden vorläufig 3 Pfund verabfolgt. Ob noch weitere 2 Pfund Karlofsetn geliefert werden oder Gebäck, wird noch bekannt gegeben. Teil- nehmer am VolkSküchenessen erhallen Iffz Pfd. Kartoffeln. In nächster Zeit werden Harzer Käse eintreffen, da» Stück wird zirka 30 Pf. losten._ Hroß-Serlmer parteinachrlchten. Groß»B erlin. Parteigenossen, die in den Betrieben des Flug- Platzes Johannisthal beschäftigt sind und auf dem Boden der Partei« Mehrheit stehen, werden gebeten, ihre Adresse an den Genossen Alfred Kossatz, Berlin SW 29, Mariendorfcr Straße 2, einzusenden. Mariendorf. Mittwoch, den 20. Juni, abend» 8V3 Uhr, bei Hoch, Chausseestr. 44, Mitgliederversammlung. Tage«- ordnung: 1. Bortrag des Genossen Grog er:„Die Aufgaben der Arbeiterschaft nach dem Kriege". 2. Vereinsangelegenheiten. Alle auf dem Boden der Gesamtpartei stehenden Parteigenossen und Genossinnen, sowie die ,VorwärrS"-Leser von Martendorf werden um ihr Erscheinen gebeten. Industrie und Handel. Russische Finanzen. Der russische Kredit im Auslande war schon zur Zeit de» Zarats sehr gering. Die Entwertung dc» Rubels hatte schon da- mals die wirtschaftlichen Beziehungen Rußland» zum Auslande stark getrübt. Die Revolution hat d«e Dinge nicht bessern können, sondern das Echaos noch vermehrt, weil die Kapitalisten zögern, einem Staat in ungeklärten Verhältnissen Geld anzuvertrauen. Die ruffischen Kriegskosten bis Ende 1917 werden auf 55 Milliarden Rubel geschätzt, was nach der Friedenswährung 119 Milliarden Mark ergibt. Bis 1916 betrug die Staatsschuld 25 Milliarden Rubel. Davon ist nur der kleinste Teil durch innere Anleihen ge- deckt. Weitaus das meiste wurde durch Ausgabe von Banknoten oder Auslandsanleihen aufgebracht. Wenn zu Kriegsbeginn die Umlaufe in Banknoten zu 98 Proz. mit Gold gedeckt wurden, ist diese Deckung jetzt auf 12,8 Proz. gesunken. 12 Milliarden Rubel Banknoten steht ein Goldvorrat von anderthalb Milliarden Rubel gegenüber. Dieser Umstand sowie die schon erwähnten politischen und sozialen Wirren lassen es begreiflich erscheinen, daß der Wert des Rubels fast täglich sinkt und daß für Anleihen im Auslande überaus hohe Zinsen gewährt werden müssen. Die ausländischen Geldgeber begnügen sich nicht mit dem hohen Zins, sondern ver- langen auch als Gegenleistung induskiclle Ausbeutungsrechte über die reichen Naturschätze Rußlands. Gegenwärtig werden die Schulden Rußlands an England aus ungefähr 6 Milliarden Rubel, an Amerika auf 409 und an Japan auf 159 Millionen Rubel ge- schätzt. An Frankreich schuldet Rußland nach einer Mitteilung vom Oktober 1916 1117 Millionen Franken; dazu kommt noch daß die Bant von Frankreich seit Äriegsbeginu den Schntdendienft zu in auf 20 Pio 2ö Milliarden Franken geschähien russischen Anleihen übernommen hat. die in Frankreich plaziert wurden.?a.I Gesamt- blll> ist also noch mcl trostloser alo in den meisten anderen Ländern. Ausrüstung der englischen Handelsflotte. Augendlicllich bestehen fünf lllartelle, die zusammen Über siehe» Millionen Tonnen inoderiisten Schiffsraumes, also»ngeiähr 40 Proz. der gesamlen enpliichen Handctsflolie, bersü�en. tlSa» dad bedeutet, kommt erst zum vollen ÄerständiilS, wenn man bedenkt, daß von den übrigen 60 Proz. der englischen Handele flotte ein prober Teil nur der Äiistensahrt dient oder wenigstens»icbl siir die grostc» lLeltverbindungen in Frage kommt. Die sünf Karlelle sind: Tonnen Tonnen in Fahrt 1 200 000 1 MO OOO 1 310 000 1 P.OO 000 1 700 OQO in Anbau 25 000 198 000 1 45 OOO 163 000 80 000 Cunard...... Pcninsulor and Lrientol Ellermann..... Für n est...... Royal Mail..... Die fünf Kartelle arbeiten zusammen und sind eng miteinander verbunden. Sie bilden eigentlich zusammen ein großes Kartell, wovon jeder Teil für sich nicht alle!» riesenstark ist, sondern über- dieZ an den großen englischen Schisfswerflen stark beteiligt ist. Auch habe» sie großen Einfluß in den Verwaltungen der Riesen- lrnsts, die die englische» Eisenerz« und Ctcinkohlenbergwerle be« herrschen. Gerichtszeitung. s�in Knabe wegen Raub- und Mordversuchs angeklagi. Unter der Anklage des versuchten Mordes, versuchten Raubes und Diebstahls stand ein Illjähriger Schul- Inabe, Alfons Hcbmach, der jetzt io der Lichtenberger Er- ziebungsansialt untergebracht ist, vor der 4. Strafkammer des Land- gcrickts II. Der Knirps, der kaum über die ischranke des An. tlageraumeS hinwegsehen konnte, wurde von dem Staatsann'alt o i j»geborener Verbrecher" charakterisiert. Er ist der Stiefsohn eines Mannes, der jetzt im Felde steht und bat schon in früher Engend recht schlechte Eigenschaften gezeigt. Der Junge mar am 6. Dezember v. F. hinter die Schule gegangen und tiatte sich um berget rieben. Er fürchtete deshalb, von der Multcr bestraft zu werben und beschloß, die mütterliche Wohnung zu meiden und einen Plan auszuführen, zu dem er wohl die Anregung aus seiner emsigen Lektüre von..Werken" der Schundliteratur empfangen hat. Er wußte, daß der Schneider Kaspar Walter, ein Bekannter seiner Eitern, an scnem Tage etwas Geld«inkassiert hatte. Er begab sich nun nach dessen Wohnung, Kottdnser Damm Ol, öfsnrtc die Tür mit einem Dietrich, eignete sich 20 Pf. und einige Brot- karten an und kroch dann unter das Bett, um die Heimkehr des Walter abzuwarten. Als dieser sich eben zur Ruhe legen wollte, wurde er aus ein Geräusch unter dem Bett aufmerksam und holte zu seiner Ueberraschung den ihm wohlbekannten Jungen bervor. Dieser gestand ihm, daß er die Schule geschwänzt und aus Furcht vor Strafe sich nicht ander! zu helfen gewußt habe, als in die Wohnung de! W. einzudringen und sich dort zu verbergen. Seinem Bitten, ihn doch über Nacht dort zu behauen, entsprach Walter, bettete ihn und begab sich dann zur Rübe. Als er eingeschlafen war, stand der Junge auf, riß den im Zimmer befindlichen Gasschlauch los und ließ das Gas ins Zimmer strömen. Seine Hoff- »»ng, daß W. aisbald betäubt werden würde, erfüllte sich aber nicht, da Walter den Haupthayn zugedreht hatte. Da sah er hinter dein Ofen einen Hammer liegen; diesen ergriff er und versetzte dem schlafenden W. drei Schläge gegen den Kopf, die bei den schwächlichen Körperhaften des jungen Perbrechers nickt so heftig waren, daß sie einen tödlichen Erfolg haben konnten. Walter er- Ivachtc, daS Blut riefelte über feine Stirn und er mußte sich erst mühsam klar werden, waö vorgefallen war. Dann packte er den Bengel und warf ihn zur Tür hinaus. Heymach begab sich in das Hau! feiner Multcr zurück, suchte aber deren Wohnung nicht auf. sondern verbarg sich in den Kcllerränmen. Einen Keller öffnete er und stahl Kartoffeln. Fleisch und Mehl, auS«inem Rebcnkcller stahl er Kaninchen.— Als er von der Polizei festgenommen worden war, behauptete er. daß er den W. nur habe betäuben wollen, weil er vermeiden wollte, daß ihn dieser wieder zu seiner Mutter zurückbrächte. Der StaaatSanlvalt ließ auch die Anklage wegen versuchten Mordes fallen, beantragte aber wegen versuchten Raubes, schweren und einfachen Diebstahls vier Jahre Gefängnis. — Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu z w e t Jahren Gefängnis. Sic wollte„zum Papa geben". Das traurige Schicksal einer Mutter, das allgemeines Mitleid erregte, beschäftigte die 4. Straf- kammer des Landgerichts II. Unter der Anklage der vorsätzlichen Tötung auf ausdrückliches Verlangen hatte vor dieser die früher in Groß.Lichterfcldc wohnhafte Witwe Marie I. zu erscheinen. AlZ der Ehemann der Angeklagten, der Bureauvorsteher bei dem Bunde der Militäranwärter gewesen war, im August v. I. gestorben war, geriet sie in große Not, die sich durch vielfache Krankheit noch stei- gerte. Ihre damals zwölfjährige Tochter bat die Mutter deshalb wiederholt, sie möckte doch mit ihr gemeinschaftlich.zum Papa gehen", wo es sicherlich viel schöner sei. Als dann die Not so groß geworden war, daß die Miete nicht mehr bezahlt werden konnte und die kleine Tochter ihr trauriges und stets klagendes„Mnttchen", hnä fo schwer kämpfen mutzte, wieder und wieder flehentlich darum bat. nun doch mit ihr zum Papa zu gehen, hielt die zermürbte An- geklagte„ickit mehr stand und sie beschloß, mit ihrer Tochter gemein- ichaftlich ans dem Leben zu scheiden. Nachdem diese am Abend des 2. Januar d. I. zu Bett gegangen und eingefchlaien war, nahm die Angeklagte den an der Hängelampe angebrachten iÄasichlauch ab und legte sich selbst, das Gas ausströmen lassend, auf das Sofa, um ruhig den gemeinsamen Tod zu erwarten. Das Schicksal wollte cZ anders. Sic fiel während der Nacht vom Sofa auf die Erde und wurde dann am nächsten Morgen vom Hauswart noch lebend auf dem Fuß- boden liegend vorgefunden. Die Tochter war dagegen schon tot und alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Man ließ daher die bedauernswerte Mutter nach dem Kreiskrankenhause bringen, von wo sie nach längerer Behandlung als genesen wieder entlassen Wim- den konnte. Die Angeklagte siedelte darauf nach Görlitz über, wo infolge ibres seelischen Zustande! erneuie ärztliche Behandlung nöi'g wurde. Von dem Arzt, der>ie dort behandclte, erhielt sie die Ba. schcinigung. haß sie fchmenimiig fei und der§ 51 St. G. B. bei>c vorliege. Ilebereinstimmend mit dem Staatsanwalt kam das Ec- eicht mit Rücksicht hierauf zu einer Freisprechung. fius oller Welt. Zur vxplofion auf dem Stenrfelde wird noch ergänzend aus Wien gemeldet: Am 47. Juni 2'. Uhr früh fand beim Artillerie-Regiment in WoellerSdorf tGroßeS M>»el am Steuifeldl eine Explosion eines Pulvermagazin! stau, welcher im weitere» Verlause»och zwei Obfeire zum Opfer fielen. Außer Materialschadeu ist der Verlust von sechs Meiischclilebe» zu beklaaen. Die Zahl der Verwundungen, zumeist durch GlaSsplüler Perbeigelührt, beträgt zirka LOO leichicr. ellva 30 schiveier Statur. Tie Löschung des BrandeS fand unter Beistand einer Abteilung der Wiener Be- rusSfenerwchr statt. Am Morgen des 47. Juni bestand keinerlei Gefahr mehr. I» Hgichendorf und SiegerSdorf entstanden ziemlich große Dach- und Fenstcnchaden. DaS bisherige Ergebnis der Untersuchung gestattet keinen Schluß in der Richtung, daß ein verbrecherischer Anschlag vorliegt. Tie Er- bebimgen zur Aufklärung der Ursache der Katastrophe werden init aller Energie sorlgesetzt.____ Sriefkasten der Redaktion. Di« furislifae evrechstunv« finbel Illr Abonnenten Lindenstr. Z. J. f links, parterr«, ein Wontag»ts Kreitag von t bis 7 Uhr, am Sonnaneno von b#1» ö Uhr statt. Jever für vc» Brietkasten vestimmtcn Änsroge ist«III?uchstavc und«ine Zahl als Merkzeichen beizulüge». Brietliche Li tu- wort wird nicht erteilt. Anlragen, denen keine elbonnementsauittung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilig« Fragen trage man m der Suro.h- stunde vor. Bertrüge, sqnsistucke und dergleicheu dringe man in die Lvrech- stunde«it. (?. 3. 30. Wenden Sie sich an die Schwsserinnmtg, Gitschiner Str. 2. — K. 9k. R. 1. Zelthaw. 2. 4000. ii. GencralleMnant.— L. X. 30. Allenstein.— H. B. Ist. 75 000 Dollar; die zweite Frage können wir nicht beantworte».— I. H. 2017. Wir können uns nicht entsinnen, einen Brles non Fönen erballen zu haben und bitten Sie dcSdalb, Jbre Anfinge zu wlcdcrdoleu.— Rudolf 183. Aus dem Grunde kann weder der Eiv- scßii noch den Kindern die Unteritühunz entzoaen werden.— I. SQ. 100. 1. Die Sergeanlenlölinmig siebt nur dem Ilnteroffizter noch d'/.jäbiür c Dienstzeit zu 2. Aeln. 3. Darüber erkundigen Sie sich an Ihrem Volin- orte.— R. 9k. 4838. Die Sachen geboren zum Nachlatz. Die Frau erbt die eine Hälsle drS Nachlasses, die andere erbt der Vater und die E.c- ichwislcr des Lerstorbenen.—«f. 123. 1. Auf die Löhnung baben Sie Anspruch. 2. Ja. 3. Ja.— Krankenknsscn-Aliitglicd. Wenden Sie itch zunächst an Pen Vorstand der Krankenkasse und verlangen Sie unter Dar- tegung des SachverballS eine Nachuntcrinchung durch einen anderen Arzt. — A. i. 1. Die erböbtc Kricgsivvchenhlltc wird nur den Kriegerfi auen gczabll. 2. Ja. 3. Seit dem 22. März 1017. 4. An die kvrankenkassc. der die Wöchnciin cventl. leibst nIS Mitglied angebört, sonst an die itranlen- lasse, der der Vater des KindcS vor seiner Einziehung angehörte.— ?Vet«eraiiSsicki«en fiir da» mittlere RorddriitleMaud vi» Mittwoch»litiag. Zunächst noch sehr warm, trocken und vielsach heiter, später besonders im Westen zahlreiche(Äewiller und etwa« lühler. !v Die EinSichevung unseres vcr- ] stör denen Mitgliedes, Herrn •loksiin Appelt Berlin, Elbinger Str. 46 findet morgen Mittwoch, nachmittags S Uhr, im Ztrematorium Berlin, Gerichtstr, 37, statt. Ferner die Einäscherung unsere«»er- storbenen Mitgliedes, Fräulein Allna kaatk Berlin, Cotheniusstr. 14 morgen Mittwoch, nachmittag« 5 Uhr, im Krematorium Tredtoio. am Baumschulenweg, 292/13 und die Einäscherung unsere! verstorbenen Mitgliedes Karl Oichienberg, WIlhclmstr. N morgen Mittwoch, nachmIliggS >/, Uhr, im Krematorium Treptow, am Baumschulenweg. statt. Ehre ihrem Andenken t Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim.Heimzange unserer lieben Tochter.lohiinna sagen allen Freunden, Verwandte» und Kollegen unseren herzlichsten Dank. Berlin, 17. Juni 1917. 16A Familie Paul Rüde. Klmsuni-, Produktiv- u. Sparvereiu Zebleudort ii ml UioxCKend. — ii. Ei. in. b. H.. Am Sonnabend, den 23. Juni, abends 9 Ubr, bei Benno Mikley, Zehlcnbors, PolSdamer Str. 2ö, lleoersi-Versswmiuog. Tagesordnung: 1. Geschästsbcrichl. 2. Wahl zum AnfsichtSrat. 3. GcnossenschaNIicheo. 10S/z Ter Anfstestteirat. TS. Jakob, Vorsitzender. LfcifflWMI einer I-elbblnelc? Sämtliche Svoteiue am Läget resp. nach MuXoniortigung sowie Bruchbandagen"i1" Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lollirinjer Str. 60.• T.1 fifera�l. st'raiilcenl.af.ien. Die Bekanntmachung de« KrlegSministeriumS belrestend Beschlagnahme und BeliandLcrbcbung von Slab-, Form« und Moniercisen vom 7. Juni 1917 tritt mit Beginn des IS. Juni 1017 in Straft. Tic vollständige amiliche Bckannlmachung crjolgt in bei.Norddeulschen Allgemeinen Zeitung-. 390. I. Mit. 17. Berlin, den 1ö. Jmi! 1917. ___ Ter Bolizeipräsldenk.______ öeste Sommer$eträn6f* Durstlöschend— Erquickend. 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E« sind zu wählen: von seilen der Ardeltgeder 2 V->r> standSmttglieder und 4 Ei iatz« ingnuer: von leiten der Arbeiincdmer? Vor- standSmilglleder und 6 Eisatz- männer. Die Wahl erfolgl in den Räumen der Allgemeinen OriSkrankenfasse für Berlin-Temptlhof, Theodorstr. da und zwar für die Arbeilqeber am Millwoch, den 11. Inn 1917 in der Zeit von 6 bi» 6'/, Uhr abeiws; jür die Versicherten am Mittwoch. den 11. Juli 1917 in der Zcii von 7 bis 7'/, Uhr abends. Die Wahlen sind geheim, gewählt wird nach den Gruiidsätzen her Ver- hältnlSwaHI nach näherer Bcstimnmng der Wahlordnung. Die Vertreter im Ausschuß werden hiermit aufgesorderl, Wahlvorschläge gesondert für die Arhciigeber und Kassenmiigiieder aufzustellen und dem uiileizeichneleii Vorstande, Theodor- sli atze 5a, späieften« bis zum 27. Juni >917 cinzuretchen. Epäier eingchenoe Wahioorlchlägc sind ungüliig. Die Wahlvorschiage müssen von je 3 An«- schntzniilgiicdern der betreffenden Oiruppe uiilerzeichiief fein, von diesen ist dem Vorstand ein Wahlooi ichlag.-- oertreter sowie ein«telloertreier de»- seibe» zu bezeichnen. Die cinzeinen Bewerber sind unier sorilauselider Nummer auszusühreii, weiche die Reihe ihrer Benennung ausdrückt»uh nach Familien- und Vornahme», Be- rui und Waimarl zu bezeichnen Bei Zlasiriinittgiiedern ist auch der Ardeil» gedcr, dei dm sie heichästigt sin», anzugeben. Ferner ist mit den Wahl- oorschlägen sur Kassenmilglieder von jedem Bewerber eine Eiflärung da- rüder vorzulegen, daß er zur An- nähme der Wahl bereu ist. Bei de» Wahivorschläger für Arbciigcber ist eine solche Erliäruiig nur ertorderltch. sowctt ein vorgeschlagener Bewerber nach tz 17 der Reichsversichciunge- ordnung zur Ablehnung der Wohl desugl ist. Die Stimmenabgabe, ist an diese Wahl gebunden. Die Wahloorjchläge werden von dem uiiierzeichiielen Vorstand nach der Reihenfolge ihre« Einganges mit OrdnungSnummcin veischcn. weiche mittels össenllidicr Belaiinlviachinig»illgeleill weihen. Stnh aus gültigen Wahivorschtägen im ganzen nur soviel wählbare Be. Werver dciiaunt, wie Vorstands« mllglicher zu ivählcn sind, so gellen sie gemäß ß 9 und 25 der Wahl» ordnung als geivähil. Die jugeiasseneii Wahlootschläge können von den Wählern im itaisen- bureau von v vis 1 Uhr ciiigeicoeii werden. 277/13 Birlin-Tenipclhof, den IS.Jnui l!il7. Der ivorftaud d. Zlllgrmei»»«« LrtStraulcutass« ftir iBerlin-leuipelvof. (gez./ Aidort Leorg«, 1. Porsttzenoer. Nr. lvZ— 1�17 Unterhaltungsblatt des vorwärts 1 1 III IIIIWI Ml««MI Dienstag, 19. Umzingelt. Ein Bild aus den Ehampagnckämpf«n. Ein Magdeburfler Genosse gibt in einem Briefe eine Schilderung der furchtbaren Wirklichkeit, wie sie sich jetzt im Westen ab- spielt: ... Am folgenden Tage begann vor 12 Uhr mittags wieder da? feindliche Trommelfeuer einzusetzen. In den mit Geröll, Baltcn- und Brettertrümmern, Nusrüstungsgcgenstanden und Leichen an- gefüllten Gräben verbrachten wir bange Stunden. Wie Igel zn- sammengctauert quetschten wir uns in die schnell gebuddelten Kar- ii ckcllöcher auf der Grafcciifohlc, den Tornister zum Schutze vor Splittern auf dein Kopfe. In diesem furchtbaren Granatengcwittrr mutzten wir bis zum Einbruch der Dämmerung ausharren. Die Nerven waren bis zum Zerspringen angespannt. In den Ohren und im Kopfe dröhnte und brauste es. Oualm, Rauch und Gase erfüllten die mit Staub und Erde erfüllte Luft. Wie die Hölle raste dieses Gewitter über uns hinweg. Aber selbst diese endlosen Schrcckensstunden fanden ihr Ende. Wie eine Erlösung aus grausamer Qual klang der Ruf: „Franzmann greift an!" Wie elektrisiert flogen wir in die Höhe. Bis auf öE Meter kommen sie heran. Da blitzt eö aus unser» Läufen, und die vor- berste Schützenlinic bricht zusammen. Der Feinde werden aber immer mehr, statt weniger. Wir sind aus dem Graben gesprungen und feuern stehend freihändig in die anstürmenden Massen. Drüben häufen sich die Leichen, und das Wehgeschrei mischt sich in das peitschende Knallen des Infantericfeuers, in das Gerassel der knackenoen Schlösser. Stumm, jede Fiber angespannt, stellen wir und feuern, feuern! Allmählich merken wir, dotz loir paar Mann diesem ungeheuren Ansturm nicht werden standhalten können. Links ist es besonders schlimm, hier ballt sich der Feind zusammen und versucht, mit äutzerster Kraft durchzubrechen. Schnell läuft der Befebl durch. »ach links zu sammeln, lind bald bilden wir an der gefährdeten Stelle eine dichte Linie, die unansgesetzt Tod und Verderben döin Feind« entgegenspeit. Aber her Feind nutzt nnscrc Schtväche aus. An der preisgegetenen Stelle dringt er rechts in unfern Graben. Als wir endlich dem ungeheuren Ansturm doch Herr geworden, finden wir unfern Graben rechts Von uns vom Feinde besetzt. Schnell wird eine Barrikade errichtet, zu der Tornister, zerspliticrtc Gewehre, Holzsplitter, Sandsäcke und Kreideklumpen das Material abgeben. Nur diese primitive Mauer trennt uns vom Feinde im Graben.- Gegen 2 Uhr nachts aber wird es bei unserm feindlichen Nach- bar still. Wir dringen vorsichtig wieder in die Stellung ein, d'e er uns entrissen hatte, und finden sie geräumt. Am folgenden Tage begann gegen Mittag wiederum das Trommelfeuer. Wied.'nun qualvolle Stunden den ganzen Nachmittag bis zum Abend. Es ist etwa Vi! Uhr, da setzt aufs neue der Jnfanterieangriff ein. Wir sind so geschwächt, datz wir.es nicht verhindern können, dah der Feind rechts von uns, zioischen unserer fünften und achten Kom- pagnie eindringt. Es find etwa 300 Meter Graben, in denen er sich festzusetzen versucht. Ihn mit unfern paar Mann hinauSzu- werfen, ist nicht möglich. E« mutz wiederum eine Barrikade gebaut werden, und dann wüblen wir einen etwa IM Meter langen flan- kicrcnden Groben im Schutze der Dunkelheit aus. So vergeht auch diese Nackt, ohne datz ivir ein Auge hätten zutun können. Am Nachmittag verlegt der Feind sein Artillcricfeuer hinter uns und schneidet dadurch unsere Reserven ab. Gleichzeitig setzt er starke Kolonnen gegen diesen Abschnitt ein, die hier nicht nur angreifen, sondern in geschlossenen Formationen durchzumarschieren ver>uchen. Wir eröffnen ein wahnsinniges Feuer auf die Marschkolonne. Unsere Artillerie unterstützt uns in wirksamer Weise. End'ich bei einbrechender Tuntelhell gibt der Franzose das weitere Bordringen auf. Unsere Artillerie halte inzwischen Verstärkung bekommen. Noch beim Tämmerlickt dr. bcreinbrcchendcn Nacht begann sie, sich einzu- schistze». Das erfüllte uns mit grosser Freude und gab uns wieder tieneii Mut. Wir dursten aller auch loährcnd der Nacht den Feind nicht aus dem Auge lassen. Uns fiel aus, datz er von seinen Leucht- kugeln qar keinen Gebrauch machte. Ilm so mehr schössen unsere Leuchtpistolen die blendend toeitzen Magnesiumlichter in die Luft. Wir konnten denn auch richtig beobachten, datz der Gegner unter dem Schutze der Nacht weiter durchzudringen versuchte. Unser Gewehrseutr und das unablässige Ableuchten des Geländes verau» latzten ihn, sein Vorhaben auszugeben. Im Osten kroch das Licht des herannahenden Tage» allmählich höher. Erschöpft, hungrig und von der Kühle der Nachc und dem anstrengenden Wachen mitgenommen, hockten wir in unfern Löchern. Den einen und den andern hatte die Müdigkeit überwäliigt. Das Kinn war gegen die Brust gedrückt, oder der Kopf lehnte gegen die Wand des Kalklochcs. Müdigkeit darf es im Kampfe abec nick! gaben. Unbarmlwrzig rüttelt di« Faust der Kameraden oder des Gruppenführer? die Ermatteten au? dem Schlafe cmbor. S> müssen wieder zurück in die rauhe, von Not und Tod erfüllte Wir!- lichte it. Mit dem zunehmende» Lichte hatte das Ableuchten des Ge- ländes unsererjeit? nachgelassen. Diese Uebergangszeit mutzte der Feind benntzt haben, um lveitcr durchzukommen. Wir mutzten zn unserm Schreck feststellen, datz wir von allen Seiten völlig cingc- schlössen ivarcn. Wir hatten im Laufe de- Nacht gar nicht bemerkt, datz wir von einem anderen Regiment Verstärkung bekommen hatten. Diese Kamevaden hatten sich bis ans etiva k>ll Meter hinter unserm Rücken an niiS herangearbeitet. Beim Granen des Tage?, als sie uns be- nierkten, waren sie schnell zu uns herangekammen. Unsere Freude war unbeschreiblich, denn sie brachten auch noch drei Maschinen- gcwehrc mit. Ein seindliche? Bataillon schien den Auftrag erhalten zu haben, unS zu erledigen. Immer enger zog es seinen KreiS um uns. Aber die Maschincngeiochrc taten Arbeit. Da, was war das? Ein Ma- schiuengcwebr hört mit seinem hämmernden Tacken auf, das uns lote Musik in den Ohren geklungen hatte. WaS wor da los, ein Defekt, ein Bruch, war da? Maschinengewehr kampfunfähig gemacht infolge eines Treffers? Nein, lein» von allem. Aber bei dem rasenden Arbeiten war da? Kühlwasser völlig verdunstet, verdampft. Wo Wasser hernehmen? Wie ein Lauffeuer geht cs von Mund zu Mund, was uns betroffen. Feldflaschen heraus, wer noch einen Tropfen Feuchtigkeit drin hat! Und während die Zunge lechzt vor Durst und Erschöpfung und der wütende Kamps cS nicht zugelassen hatte, den letzten Schluck aus der Flasche zu saugen, jetzt mutz die Hand Zeit finden, die Feldklasche abzuhaken und da? kostbare Wasser der Verteidigung des Lebens zu opfern. Nicht nur Wasser, Kaffee, Tee oder wa? sonst sich in der Flasche befand, werden durch- gereicht, auch der Urin mutz dazu herhalten, unsere kostbare Waffe kampsfähig zu halten. Das Tacken des Maschinengewehrö beginnt wieder. Ts klingt un? wie Sphärenmusik der Hoffnung. Drüben mehrt sich die Zahl der gefallenen Feinde in surchtl.a.'er Weise. Aber sie lassen nicht nach, sie wollen unser Häuflein mit Gewalt bekommen. E? ist 9 Uhr vormittag? getoorden. Da setzt unsere Artillerie mit ihrem Feuer ein. Mit verblüffender Sicherheit schlägt e- in die recht» und hinter unS im Durchmarsch befindlichen Kolonnen. Schon„ach wenigen Minuten geraten die Marschkolonncn des Feindes unier unserm Grnnatfeucr ins Stocken. Dann ein Schieben von hinten nach vorn, ein stärkeres Drangen von vorn nach hinten, und in wenigen Minuten ist aus der gegliederten Vorwärtsbewegung ein IvüstcS EhaoS sich ziisammenballcndcr uiiisorniicrtcr und beschmutz- ter Meiische» geworden, die ratlos hin- und hertvogen. Dann bc- kommt der Drang nach rückwärts dle Oberhand.(r) Das Nätftl öer bunten Farben bei pflanzen unü Tieren. Die wissenschaftlichen Anschauungen über die Bedeutung dcc bunten Farben bei Pflanzen und Tieren lmben in letzter Zeit durch die aufsehenerregenden Arbeiten des Münchener Forschers Prof. E. v. Hetz eine grundlegende Umgestaltung erfahren. Bisher waren Zoologen und Botaniker fest davon überzeugt, datz die Pflanzen und Tiere ihre bunten Farben tragen, um die Fortpflanzung zu er- leichtern oder uni sich vor feindlichen Angriffen schützen zu können. Die Laien glaubten dies um- so mehr, als sie ja allgemein der An- ficht sind, die Farben, in denen wir die Gegenstände sehen, seien Eigenschaften dieser Gegenstände, und daher mützten die Gegen- stände jedem tierischen Sehorgan genau in denselben Farben er- scheinen wie uns. Tics stimmt aber keineswegs, denn die physikalischen Strahlungen lösen in verschiedenen Augen verschiedene Empfindungen ans, was ja schon durch die verhältnismätzig grosse Zahl„farbenblinder" Menschen erhärtet wird. Für die vcrschie- denen Arten des Sehens sind, wie Hetz jetzt in den Naturwisse»- schaften darlegt, die Helligkeiten, in denen die verschiedenen Farben gesehen werden, charakteristisch. Von diesem Standpunkt ausgehend, arbeitete Hetz systematisch Methoden zur Ermittlung der Hellig- leiten aus, in denen verschiedene Tierarten die bunten Farben sehen. Diese Methoden sind so genau, datz man heute über das Sehvermögen zahlreicher Tiere ebenso gut unterrichtet ist wie über die des Menschen. ?lach den Ergebnissen dieser Forschung verhalten sich die Fische und sämtliche Wirbellosen in allen Beziehungen so wie vollkommen farbenblinde Menschen. Dagegen ist die Sehfähigkeit der Amphibien anscheinend der des normalen Menschen ungefähr gleich. Auf die Tagvögel wirken Rot, Gelb und teilweise auch grün ähnlich wie auf uns, hingegen vermögen sie Violett und Blau nicht wahrzu. nehmen. Bei den Säugern gibt es grosse Verschiedenheiten. Die Affen sehen die Farben ähnlich wie wir. den Hunden und Katzen aber bieten sich die Farben mehr mit Grau oder Weitz verhüllt dar. Bereits hierdurch scheint die bisherige Lehre von der Bedeutung der Farbe» in der Tier- und Pflanzenwelt umgestotzen. Tie Bienen z. B. vermögen die Blumenfarben nicht zn erkennen, woraus ge- folgert werden mutz, datz die Blumen ihren Farbenreichtum nicht bekommen haben, um die Insekten anzulocken. Tie Farben der Fische, Krebse usw. können ebenfalls nicht mehr als sogenannte Schmuckfarben gelten. Man behauptete früher, die gelben und roten Farben der Krebse lssitteii den Zkvcck, die Geschlechter gegenseitig anzulocken, doch haben sich alle bisher untersuchten Krebse als völlig farbenblind erwiesen. Ausserdem vermag selbst ein sarbentüchtiges Auge bereits in einer Tiefe von 4 Meter unter der Meeresober- fläche Rot nickt mehr mahrzunchmc». Auch die„Hochzeitskleider" der Fische müssen jetzt bestritten werden, denn wenn z. B. der Königssee-Saibling in einer Tiefe von M Meter» laicht»nd zur Laichzeit eine rote Färbung zeigt, so ist dein nicht die bisherige Bc- dcutung zuzumessen, da ja, tvie gesagt, schon in 4 Meter Ticch das Rot nicht mehr zu erkciiucn ist. Weiter wird darauf hiugcivicseu. datz c» unlogisch erscheint, datz bei den Tagvögeln gewisse Farben sich entwickelt hätten, um für besondere Zwecke gesehen zu werden, andererseits andere Farben sich ebenso entwickelt haben, trotzdem die Vögel sie gegenseitig nicht wahrzunehmen vermögen. Endlich weisen viele Pflanzen auch au unterirdischen Teilen eine grosse Farbenpracht auf, trotzdem diese Teile den Insekten gar nicht zu- gänglich sind. Die Blüten sind also nicht um der Insekten willen bunt geworden, die Geficdcrfarben der Tagvögel haben sich nickt zur Anlockung des anderen Geschlechts entwickelt usw. Demnach iit die disberige Bedeutung der bunten Farben bei Pflanze» unb Tieren hinfällig, und der Forschung obliegt die Ausgabe, die wahre Bedeutung dieser Farben zu entdecke». das größte Fernrohr öer Welt. Das größte Fernrohr der Welt soll demnächst aus der Mount- Wilson-Sternioarle in Südkalifornien der Benutzung übergeben werden. Diese? Niesenfernrohr besitzt einen huudertzLUigcn Re- flcktor im Durchmesser von Meter, wodurch es die größte» bis- herigen optischen ftilfswcctzenge im Dienste der Stcruforjchuug weit übertrifft. Die Aufgaben, denen das Niesenfernrohr dienen soll, sind»ach dem in»„Prometheus" tvicdcrgcgebcncn Auslassungen des Leiters der Stermvartc, Proi. E. Haie, gross und vielseitig. Be- merkt sei, datz man mit uiibewaffnclcm Auge am ganzen Himmel r- räum insgesamt MM Sterne zu sehen vermag, durch den bwbcri- gcn sechzigzölligcn Reflektor der südlalifornischen Sternwarte kemn- ten aber bereits mehr als 20 Millionen Sterne bis zur„20. Grösse" sichtbar gemacht werden. Ter neue Riesenreflektor soll vor allem ermöglichen, noch lichtschwäckere Sterne erkennen zu lassen, so datz man wahrscheinlich fast 100 Millionen Sterne wird erblicken können. Mit Hilfe des neuen FenrohreS will Hale vor allem die rötliche Lichtfärbung mancher Sterne studieren, die für den Bau und die Grösse deS Weltalls von entscheidender Bedeutung ist. Mau hat nämlich festgestellt, datz die Zunahme der Sterne an der jeweiligen Grenze der Sichtuarkeit durch ein Fernrohr viel geringer ist, als eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Nach den Forschungen Kap- teynZ mutz dies nicht unbedingt ein Seltenerwerden der Sterne be- deuten, sondern es kann daher kommen, datz ihr Licht zerstreut iit und so durch Trübung rot erscheint. Eine andere Aufgabe, die durch das neue Fernrohr gelöst werden soll, wird darin bestehen, Näheres über die beiden Stcrnströme z» erfahren, die sich in der Nähe der Milchstraße schneiden sollen. Man nimmt um Sicherheit an, das-, man durch das grössere Sehbcreich des IMzölligeu Reflektorö diese Frage endgültig wird beantworten können. Schliesslich sollen auch die Nebel genauer beobachtet kverden, besonders hinsichtlich ihrer Drehbewegung, die der Astronomie wichtige Aufschlüsse zu liefern vermag._ Cfn Triumph öer kriegschivurgke. Im allgemeinen werden verlorene Gliedmassen steis durch Kunstglieder oder Prothesen ersetzt, deren Herstellung im Verlause des Krieges ausserordentlich bervollkonimnet wurde. In einzelnen Fällen aber versuchen die Aerztc natürliche Ersatzglieder herzustellen, was vorläufig selten und begreislichertreise nur bei kleinen Schäden möglich ist, so etwa beim Ersatz von Fingern und Zehen. Vor Jahren gelang es beispielsweise einem italienischen Arzt Nikoladini, einen künstlichen Daumen zu schaffen, indem auf den Daumenstumpf eine amputierte Zehe gesetzt wurde. Einen einzig dastehenden Erfolg erzielte aber neuerdings, wie in der„Umschau" mitgcreilt wird, der deutsche Arzt Dr. Neuhäuser in Ingolstadt, indem er nämlich den natürlichen Tauniencrsatz ohne Amputation eines anderen Gliedc- bewerkstelligte. Er verpflanzte ein Rippenstück de? Patienten in eine Falte der Bauchhaut, um dann beides niit dem Daumcnstumpf zusammenwachsen zu lassen, Ivorauf ein kleiner Schnitt zur Treu- nung vom Bauche genügte. Der neue Daumen heilte gut au, und heute ist der betreffende Patient, ein Arbeiter, fähig, de» Daumen, der auch in seinen Bewegungen und seiner Stellung zu de» anderen Fingern einem echten gleicht, in jeder Beziehung vollwertig zu be- nützen. 27s Der starte Mann. Eine schweizerische OffizierSgeschichte von Paul Ilg. Es half weiter gar nichts mehr; das Urteil über Adolf Lenggenhager weir so gut wie gesprochen. Dieser sah seine Verlobte t'on einigen Freundinnen umgeben iu der Garderobe stehen und glaubte in den ihm abgewandten Zügen lesen zu können, datz auch sie geringschätzend von seinem Lcrhalten dachte. „Du bcgreisst doch, datz dein Alten der Boden zu heitz wird. Wie er den Braten roch, hätte er am liebsten noch schnell zum Rückzug geblasen und die Musikanten nach Hause geschickt!" suchte ihn ein Freund zu beschwichtigen. „Teufel... Teufel... Was ist jetzt zu tun?" sagte Adolf leise für sich und starrte niit verloreneu Blicken auf den Boden. „Pah. gar nichts welter. Komm mit, leg' den Mantel ab. Du wirst den Rüffel ganz einfach auf die leichte Achsel nehme«. Wir wollen uns den Abend nicht verhunzen lassen. Eher machen tvir einen Ausfall und treiben die Bande mit der großen Pauke davon!" riefen die Jüngsten durcheinander. Trotzdem ihre Wegc im bürgerlichen Leben sehr auLeinandergingen, waren sie hier doch von erstaunlicher Einmütigkeit. Mehr als die anderen hatten Handwerker, Beanite. Lehrer, HandlungL- gehilsen das Gefühl, mit der oft unter Entbehrungen er- kämpften Offizierswürde einen Nimbus empfangen zu haben. Darum waren sie fast noch eifriger dabei, diese Würde gegen den zivilen Widerspruchsgeist zu verteidigen, als die Wohl- habenden, die sich hier höchstens noch durch ihren Pli und die eleganteren, jedoch wohlverstanden l vorschriftswidrigeu Uniformen über die andern erhoben. Das taten diese nun ein- mal nicht anders. Was scherten sich jedoch ervsthaste Leute um die bauschigen Paradehosen, die koketten Waffenröcke, die dicht unterm Rückgrat ein unbegründet jähes Ende nahmen, und die Mützen mit dem lächerlichen Biedermeierschirm! Beim Militär machen die Kleider keine„Leute": nian wurde nicht schneller befördert, wenn man seine Uniform von Gugaen- Hühl bauen lietz. wo sie einen blauen Lappen mehr kosietc als anderswo. In der vorschriftsmäßigen Uniform konnte ma« auch Karriere machen: das bewie» gerade der Korps- komniandant. der das überhandnehmende Offiziersgigerltum stets streng verurteilte. Adolf Lenggenhager kam in dem Wirrwarr von Stimmen und Meinungen nicht zu einer klaren Ueberlegung. Wollte ihn der Oberst wirklich vor allen andern abkanzeln, oder war der scharfe Tadel nur dem gefahrvollen Augenblick ent- sprungen? Sollte der Gematzregelte am Ende nur der Sack sein, auf den geschlagen tvurdc, um einen höheren zu züchtigen? Die anderen sprachen im Flüsterton davon, datz zwischen den Antipoden Erismann uud Steiger wegen der heutigen Veranstaltung nicht das beste Einvernehmen herrschte. Der letztere unterhielt sich gerade an einem Fenster des festlichen Saales angeregt mit dem Platzkommandanten. Adolf wollte um jeden Preis Gewißheit haben. Entschlossen trat er vor seinen Vorgesetzten hin. „Ich mutz um Entschuldigung bitten. Es ist mir da cm Mißgeschick zugestoßen!" sagte er mit vor Unwillen knurriger Stimme. Da er glaubte, datz der berichtete Zivischenfall auch bei seinem Gönner böses Blut verursacht habe, ver- säumte er nicht hinzuzufügen:„Wäre Fräulem Steiger nicht mitbeschimpft worden, hätte ich wegen den Gröhlern überhaupt keine Miene verzogen!" Der Platzkommandant lietz das dichte Gehege seiner breiten Zähne sehen und sagte vorsichlig ablenkend:„Ja, wir hören es, hören es. Das da draußen soll auch Patriotismus sein. He, he I Eine besondere Gattung jedenfalls. Es ist mit ihm überhaupt so eine Sache. Im Krieg, versteht sich, bekommt er Saft und Kraft, aber in allzu langen FriedeuSzeiten... hm, hm, da mundet er einem manchmal— man möchte sagen— wie abgestandenes Bier. Es müßte entschieden kvieder einmal frischen Anstich geben!" Datz er nicht ungern ein kleines Kriegsvorspiel aufgeführt und eiue grüudliche Play- säuberung vorgenommen hätte, war ihm anzumerken. Er zischte öfters durch die Zähne, ganz kvie auf dem Kaserneu- platz, wenn etwas nicht nach seinem Willen gmg. Oberst Steiger gab sein Urleil über Lenggenhagers un- kluge Herausforderung so schonungsvoll ab, datz dieser er- leichtert aufatmete. Der überlegene Patrizier schien das Wesen des Aufruhrs aus der Vogelperspektive zu studieren. Seinen Schützling halb ärgerlich, halb ironisch ins Auge fasseltb, be- meriie er:»Unsere lieben Eidgenossen müssen nun einmal protestieren. Sie sehen darin ein angestammtes Recht und be- nutzen sede passende und unpassende Gelegenheit. Man darf ihnen dieses Vergnügen nicht zu sehr verkümmern. Im Grunde ist es ja harmloser Natur. Gefahr entsteht geivöhulich erst. wenn die Leute ernst genommen werden. Das können sie nämlich nicht ertragen. Dann schwillt ihnen der Kamm und richten sie leicht Unfug an." „Wenn du dich nur nicht irrst niit deinem erhabenen Standpunkt I" dachte Lenggenhager, der die Blutschreic des Pöbels noch in den Ohren und den tvutgeballten Knäuel noch vor Augen batte. Indessen wußte er da? kurze Erlebnis mit seinen hageldichten Schauern so eindringlich darzustellen, daß die beiden Alten, innerlich mitgerissen, versprachen, ihn beim Korpökommandanten nach Möglichkeit herauszubeißen. Wenn ihnen der unbeugsame Trotz, der die Worte des Be- dauerns höhnisch widerrief, nicht gesiel, so mutzten sie sich wohl seines starken StandesbewutztseinS freuen. „Es hat mir einfach alles umgedreht uud durcheinander- geworfen als ich daS ekelhafte Brüllen hörte. Das reinste Spießrutenlaufen! In keinem andern Lande kviirde sich da» Offizierskorps so ctivas gefallen lassen. Aber bei miS gilt das Lärmschlagen und Aufhetzen noch als republikanische Tugend. Es ist sogar das probateste Mittel, um Nationalrat zu werden." Den wesentlichsten Gedanken, der ihn dazu am meisten Plagte, datz der Auflauf vielleicht mir das Ecko einer längst verjährten Ohrfeige sei, ließ er freilich nicht laut werden. War daS nicht auch ein Kennzeichen der Vater- ländischen Politik— dieser Mikrokosmos von persönlichen Motiven Gekränkte Eigenliebe, die in Earos Maske aus- trat! Wie oft mochien sich solche Komödien abspielen in diesem Kanaan der Freiheit.>vo ein Streber dem andern auf die Hacken trat und in die Küche schnüffeln konnte. Schade, datz man diesen Heuchlern die Larven nicht vom Gesicht reißen durfte! „Unter allen Umständen müssen blutige Scharmützel ver- hütet werden, damit die Hetzapostel nicht auf ihre Rechnung kommen. Sie sollen unL hinterher nichts am Zeuge zu flicken haben 1" entgegnete Herr Hugentobler zuversichtlich und mit Steigers Zustimmung. Weniger beifällig wurde hingegen sein Vorschlag ausgenommen, jchtimmftCHsaU» auf den musikalischen Teil überhaupt zu verzichten.. tFuns. folgt.) Hnp iwillCI Verwalfüngsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Keschäftszeit von 9—1 Ahr und von 4— 7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Mw! loSirleger u Jelfer! Mittwoch, den SO. Juni 1917, abends 8 Uhr: Wgemeine ZrMdsn-VsrzsmmIung im Gcwerkschaftshcrns, Engelufer 13, Saal 1. Tapesordnunfl: 1. Branchenangelcgenheiten. 2. Distussion. 3. Verschiedenes. 5« dieser ernsten Zeit ist cS Pflicht aller Kollegen z« erscheinen. Sttittelt die Sänmigeu anf! 176/14____ Die Ortsve rwal tan g. Xcaraüilioaic, llheamatisaiuH, ZirkalationsstSranj-cn durch Schlaganf all etc. behandelt gewissenhaft und gründlich durch clelctr. Massage. Hyglen.-raed. f.aboratorinm, lATalidenstr. 5 I(nahe Bmnnenstraße) Geschäftez. 9— 12, 3—7. SWldrmklMMNmiil fit ßtrlii Tl. (Sozialdemokratische Partei Deutschlands.) Zeute Aikustag, 19. Iam, adtnds 8 Uhr, in den Gemania-Nrnchtsälell,- Versammlung. Tagesordnung: Die Sozialdemokratie und der frieden. Referent: Reichstagsabgeordneter Wolfgang Heine. rwärts''-Nusgabestelle, Alt- Boxhagen 56. Laden.* ZeituugöauSträgeri« sürRcinicken- dorf-West gesucht Kienni't, Borftg- Waide, Räuichstratze 10.* Zeitungsausträger»« oerlangt .Vorwärts"- Spedition Schöneberg, Memingerstratze 9. ZeitungSanSträgeriu für Weitzensee sofort gesucht ,BorwärtS"-Spe- dition, Berliner Allee lt.» Botensranen verlangt sofort Aus- gabcstelle Greisenhagencrsttatze'22.* ZeituugsauSträgeriuueut önnen fich melden..Vorwärts"-Ausgabe- stelle, Lausitzerplatz 14/15. Formateschnoider für photogr« Papiere gesucht. Chem. Werke, vorm. Dr. Heinrich Byk, Oranienburg. 43922 Ungelernte Arbeiter f für Lagerbetrieb der Rüstungsindustrie sucht Metall-Treuhand Gesellschaft m. b. H., Marienfelde. Schulz'schc Privatstr. 15. am Bahnhof. Bretterträger geikvke,«irr solche, mit Abkehrschein verlaugt 26646* Berliner Bolz-Comptoir, Lichtenberg, Frankfurter Allee 1Z2/3Z. Landwirtschaftliche Arbeiter erhatte» durch miS jcderzett kostenlos gute Stellungen aus dem Lande, lowohl snr die Ernte als auch dauernd bei Gewährimg von Deputat und Wohnung sowie eigener Viehhaltung. Meldungen werktäglich von 10 bis 12 Uhr Berlin-Schonebcrg. Borbergstr. 4. II.* Korp» der Alter»-PrelwilllgfeTi. i Betrieb Wir suchen für dauernde Beschäftigung f. unseren ungelernte ÄFbeitBr° in größerer Zahl; femer Heizer, Schlosser, Dreher, Maschinen- arbeiler, Maurer, Zimmerer, Schreiner, Maler. Arfoehsuehende ▼oßera sich schriftL od. möndL wenden sc Arbeiter-Annahmestelle Pulverfabrik Premnitz,™ Kathenow. Bahnhofstraße ää. E Spitzen dreher I Werkzeugmacher für Präzisionsarbeit gesucht. i�4L' für Präzisionsarbeit gesucht. llöüklilig K!l>!!>seii-Sgligssö!!8i:!izsl —«trage— (neben Kiko-Bilm). Berlin-Marienfelde~ straSc Mehrere AntOHlObilsclllOSSer und Arbeitsfeursclieil sofort verlangt. Adam Opel, Courbierestraße 14.. MascMnesimelster für Zweitouren-Maschinc und Anlegeapparat verlaugt 202/15* _ Ii. M. Barschall, Alte Jafodstr. 11/12. fritlitnfiilbirrfeHl 1292* für die Zigarettenindustrie wird eingestellt. 2>gsnottvnfsd>'ik Garbäty Pankow, Hadlichstratze. ZeitungSboti« per 1. 7. 17 ver- langt..Vorwärts"- Ausgabestelle Berün-Niederschöneweide, Brücken- stratze 10 II 1, Unruh.* ÜtltsSvlRVI', Arbeiter, Packer verlang«» Borcberis&; Jürges\achf., Greisswalder Str. 220. Schmiede aus Hceresarbeilen(Husjchmied und andere), Schirrmeister sür emsache Arbeiten verlangt 1472 iMex. Herman �. � Berlin-Tempelhos, Kaiser- W ilbelm-Stratze 10/11. Schmiede aus Heeresarbeilen(Hufschmied und andere), Schirrmeifter sür einfache Arbeiien verlangt 1472 �lex. herman bV�- Berlin, Panfftr. 29. Schlosser verlangt 1472 Alex. Herman£•£; Berlin-Tempelhof, Kaiser-Wilhelm-Stratze 10/11. Äutosehlosser, Dreher, ßillsarheiler sofort gesucht. 50/17* (Stacke, Wilmersdorf, sfassaaische Str. 40. Dreher, Klech-Schlosser, Hilfsarbeiter sucht* Maschinenfabrik für Sicht- und Förderaulagen(8. m. b. h.. Teltow. Llulilsdorfer Straffe. Militärfrcier Zuschneider per sofort gesucht von Kartonfabrik Beek, Wassertorstr. 46/47. 51/18 NerliZellgmschei'. Maichinenarbciler w Hausdiener, sucht f. droh. Jnh. Grob Sc. Gelbert. Slalitzcr Sir. 44. 52/1 Stürtzgieikr gesucht. 62/2 h'. C-roh, Jnh. Grob& Gelbert, Skalitzer Str. 44. Putzer sür Fassade«, u. Jnuenput» werden sofort eingestellt. Meldungen Bau- sübrer Weltr, Fabrilneubau Natio- nate Autvinobil-(Sosellschoft, Lberschöueweide, WUhclmwcnbos- stratze. Ecke Buntzclstratze. 220/7* Atit.-Kg5. für Bauausführungen. Packer 2680b mit Packen von Postpaketen und Kisten gut bewandert, sosort verlangt. Gasparius& Silkerstein, Alte Jakob- sttage 20/22, Lederivaren engros. Korbmacher aus 10 om-Patronenkörbe stellen ein c.«immer Lcn.,strA72ö. Tücht. Zuschneider verl. Friedr. I.enike, Militär- effektenfabr., Berlin X, Gcrichtstr. 23. 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