Ar. 166. 34. Jahrg. HbonneiiKiitS'Bedingantn: Hbottnemcw»•®tet« prünumerando «lerleljädrb 8.90 Ml, monatl 130 Ml, wöchentlich 80 Big ftet tnS Hau!. Einzelne Rummet 5 Vlg. konnlag«. Nummer mit Musnnerler Konnlag«» Beilage.Die Neue Weif 10 Pia Poll» Abonnement: l.30 Marl pro Monat. Eingeltagen in die Post. Zeitung«. Prci-Iine. Unter Kreuzband nir Deutichlanb und Oeilerreich. Ungarn L.ö0 Marl, für da« übrige Ausland t Marl pro Monat. Poiladonnemeni« nehmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Porlugai, KtUtlümeii. Schweden und die Schwelt Crlditlnt Lgllch. Vevlinev Vollisblnkk. ( s Pfennig) Me fuleMonz-Sedildi' «elrügt für die sechSgeivaltene Nolonel- (eile oder deren Raum 60 Pig, für olitische und gewerlichaftliche Verein«. und Bersammlungs. Anzeigen 30 Pig. .Kleine Hngetgcn". das leUgcdruclie Wort 20 Pig.(zulässig 2 iettgedruckte Worte), jede« weitere Wort 10 Pig. ktellengesuche und Schlaistcllcnau. zeigen dos erste Wort 10 Pig. jede; w euere LortKPsg. Worte über 15 Buchstaben zählen sär zwei Worte. Inserate ftir die nächste Numuier müijct: bis 6 Ndr nachlnittags in der Expedition «dgegeben tverden. Die Expedition gl bis 7 Uhr abends geöffnet relegrattUn-Ndresse: •Soiliillliilisbkil BertU", Zentralorgan der rozlaldemokratirchen parte» Deutrchlands. Reöaktion: SW. öS» Linöenstraße 3. zserusvrecher: Amt MoriUvlaU, Str. IS» SO— 151 97 Das IHaiergebnls des U-Boot-Kriegs» $69 000 Tonnen im Mai versenkt B e r l i u, 13. Juni. Amtlich. Im Monat Mai sind an Handclsschiffsranm insgesamt 869 000 Brutto-Rcgistcr- Tonncn durch kriegerische Massnahmen der Mittelmächte der- senkt worden.— Damit und unter Hinzurechnung der nach- träglich bekannt gewordenen Äriegsverluste sind seit Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges insgesamt 3 655 000 Brutto.Rcyister-Tonncn des für unsere Feinde nutzbaren Handrlsschiffsraum vernichtet» Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die Versenkungsziffern der Vormonate seit Eröffnung des un- eingeschränkten U-Boot-Krieges waren: April 1 001 000 Tonne». lötarz 885 000 Tonnen» Februar 781 500 Tonnen. :ju dem Resultat des Mai bemerkt W. T. B.: Das Mai- crgebnis zeigt, daß die von den Engländern immer wieder im eigenen Lande und bei ihren Verbündeten aufgestellte Behauptung. die Unterseebovterfolge der Mittelmächte würden durch die erfolg- reiche Anwendung von neuen Unterseebootabwehrmitteln in einer für Deutschland und seiner Verbündeten gefäbrlichen Weife ver- riugert, falsch ist. Durch die in den ersten drei Monaten des uneingeschränkten Unterseebootkrieges erfolgten Versenkungen lvaren nicht weniger als 3 736 000 Brutto-Register-Tonnen Schiffs- tonnage dem Seeverkehr für die kriegerischen und Handelszwecke der Entente entzogen. Der Tonuagezuwachs durch beschlagnahmte und neu erbaute Schiffe in diesem Zeitraum ist dem Verlnst gegenüber nur gering und wird auf nicht mehr als etwa ein Fünsto�des Verlustes einzuschätzen sein. Trotz jener austerordent- lichen Verringerung der für die Entente verwendbaren Weltschiffs- tonnage übertrifft das Aiaiergebnis dasjenige des Februar um über 80 000 Tonnen und erreicht fast dasjenige des Monats März mit seinen 885 000 Tonnen. Auch im Mai haben sich die Nnterser- Iiootsverluste wie bisher unter der von vorntzerein in Rechnung ge- stellten Höhe gehalten und werden ganz crlicblich durch den Zu- wachs an Neubauten übertrosfcn. Die deutsche Unterseebootsflotte nimmt daher ständig weiter an Stärke zu. Rücktritt öes Schweizer öunöes- rats hoffmann. Bern, 13. Juni.(Meldung der Schweizerischen Depeschen- Agentur.) Infolge der durch den diplomatischen Zwischenfall geschaffenen Lage fand heute eine Besprechung zwischen dem Bundesrat, den Präsidenten der Räte und denFraktionspräsidenten statt. Der Beginn Ver Sitzung des Nationalrates verzögerte sich in- solgedesfen. Im Rat herrschte sichtliche Erregung. Präsident B u e l e r eröffnete die Sitzung und verlas folgendes Schreiben des Chefs des politischen Departements, Bundesrats Hoffmann, an den Nationalrat: Hochgeehrter Herr Nationalratspräsidentl Die unbefugte Veröffentlichung einer chiffrierten Depesche, die ich durch Vermitielung der Schweizerischen Gesandtschaft in Petersburg an den dort amresenden Nationalrat Grimm richtete und in welcher ich meine Auffassung über die Fncdensbedin- gungen der Zentralmächtc gegenüber Rußland und in bezug auf die übrigen Allnerten auseinandersetzte, hat eine Lage ge- schaffen, die für die innerpolitischcn und auswärtigen Bc- ziehungen des Landes verhängnisvoll werden kann. Es wird nie- mand daran zweifeln, daß ich diesen Schritt aus eigener Entschließung und auf meine eigene Verant- Wartung unternommen habe, daß ich ausschließlich für die Förderung des Friedens und damit im Interesse des eigenen Landes zu handeln bestrebt war. Ich könnte aber den Gedankeri nicht ertragen, daß in diesen Zeiten größter politischer Spannung und Auftegung meine weitere Tätigkeit meinem heißgeliebten Baterlande zum Schaden gereichen könnte. Ich bitte Sie daher, meine Demission als Mitglied des Bundesrates entgegennehmen zu wollen. Nach Verlesung des Rücktrittsschreibens des Bundesrats f offmann gab der Bundespräsident Schultheß folgende rklärung ab: „Der Bundesrat bestätigt die Erklärung des Herrn Hoff- mann in allen Teilen. Er hat von seinem Schritt keine Kenntnis gehabt. Wäre er durch Herrn Hoffmann befragt worden, so hätte er diesen gebeten, hiervon abzusehen. Wir trennen uns von Herrn Hossmann mit schmerzlichen Gefühlen. Er hat durch seine Intelligenz, Arbeitskraft und Hingebung dem Lande in schwerer Zeit unschätzbare Dienste geleistet. Seine Gesinnung ist über alle Zweifel erhaben. Er hat nur im Landesinteresse handeln wollen. Wir danken dem Scheidenden im Namen des Landes. Das Große, das er dem Lande geleistet hat, bleibt unvergessen." Nach einer Ansprache des Präsidenten Bueler, in der dieser den schmerzlichen Gefühlen beim Austritt des geschätzten Leiters des politischen Departements Ausdruck gab, be schloß der Rat mit überwältigender Mehr- heit, in eine Besprechung nicht einzutreten. <-* ♦ Bern, 18. Juni.(Meldung der Schweizerischen Depeschen Agentur.) Reuter sowohl wie die Petersburger Telegraphen Agentur bringen Mitteilungen betreffend die U e b e r m i t t lung des Angebots eines deutschen Friedens in Petersburg durch Bundesrat Hoffmann, Che des politischen Departements, durch Vermittlung des in den letzten Wochen dort weilenden schweizerischen sozialdemo kratischen Nationalrates Robert Grimm aus Bern. Zu diesem Telegramm erfährt die Schweizerische De- peschen-Agentur von zuständiger Stelle folgendes: Am 27. Mai 1917 hatte Nationalrat Grimm die Schweizerische Gesandtschaft in Petersburg, wo er sich da mals aufhielt, ersucht, Herrn Bundesrat Hoffmann ein Tele gramm zu übermitteln, in welchem er in der Hauptsache ausführte, das Friedensbedüifnis sei allgemein vorhanden; ein Friedensschluß sei in politischer, wirtschaftlicher und mili tärischer Hinsicht zwingende Notwendigkeit; die Erkenntnis hiervon sei an maßgebender Stelle vorhanden; die einzig mögliche und gefährlichste Störung aller Perhandlungen könnte nur durch eine deutsche Offensive im Osten erfolgen. Unterbleibe diese Störung, so werde eine Liquidation in relativ kurzer Zeit möglich sein. Daran wurde die Bitte geknüpft, Bundesrat Hoffmann möchte über die bekannten Kriegsziele der Regierungen Nationalrat Grimm unterrichten, da die Verhandlungen dadurch erleichtert würden. Am 3. Juni 1917 ist folgendes chiffriertes Antwort telegramm an die Schweizer Gesandtschast in Petersburg all gegangen:(Es folgt nunmehr der Text des Telegramms, den wir bereits in unserer gestrigen Nummer veröffentlichten. Red. d.„V."). Dieses Telegramm ist von unbefugter Seite entziffert und in der Zeitung„Sozialdemo kraten", dem Organ von Branting, in Stockholm veröffentlicht worden. Dieser Schritt ist vom Bundesrat Hoffmann ohne jede Beeinflussung im Interesse der Förderung eines baldigen Friedens' und damit im eigenen Landesinteresse unternommen worden. Eine Erklärung der„Berner Tagwacht". Berli«, 10. Juni. Die»Berner Tagwacht" das sozialistische Organ, daS der Zimmerwald-Richtung nahe steht, bezeichnet die Behauptung der russischen Regierung, Grimm sei ein deutscher Agent, als siechen Schwindel. Ebenso er« klärt das.Berner Tagblatt", Grimm sei niemals ein deutscher Agent gewesen. Daß Robert Grimm, der Vorsitzende von Zimmer- wald-Kienthal, der seit Kriegsbeginn die deutsche sozialistische Mebrheitspartei auf das heftigste angriff, sich jetzt wegen seiner Friedensbeinübung selber gegen die Tilulierung„deutscher Agent" wehren muß. ist ein eigenartiges Schicksal, das zu allerhand Ve- trachtungen herausfordert. Rechtferttgung Grimms vor dem A.- und S.-R. DaS Petersburger Telegraphen-Bureau teilt mit: Sobald die russische Regierung Nachricht von diesem Dokument(dem bereits mitgeteilten Telegramm des schweizerischen Bundesrat Hoffmann) erhalten hatte, forderte sie die sozialistischen Minister Zeritelli und Skobeleff auf, eine Erklänmg von Grimm zu verlangen. Dieser stellte den Ministern ein Dokument zu, worin er zu zeigen versuchte, doß er keinerlei Mitteilung über die Friedens- Verhandlungen erhalten habe, weder direkte noch indirekte und daß das erwähnte Telegramm ein Versuch von Deutsch- lands Seite war, um seinen Aufenthalt in Rußland aus- zunutzen, die internationalen sozialistischen Ver- bindungen wieder anzuknüpfen und einen all- gemeinen Frieden im deutschen RegierungS- interesse z u st a n d e z u bringen, und daß er schon in Bern, während er seinen Paß ausgestellt erhielt, jedes politische Gespräch und jede Verbindung mit der deutschen sozialistischen Mehrheitspartei vermied und daß er endlich in seiner Eigenschaft als Sozialist nicht Sprachrohr für imperialistische Friedensvorschläge zwischen den Regierungen sein könne. Da Zeretelli und Skobeleff diese Erklärung wenig zu- frieden stellend fanden, forderte die russische Regierung Grimm aui, Rußland zu verlassen, was er darauf tat. Auch der allgemeine Kongreß des Arbeiter- und-Soldatenrals hat sich mit der Angelegenheil Grimm befaßt und seine Ausweisung mit 640 gegen 121 Stimmen gutgeheißen. Mit der Erklärung, daß die Haltung der Minister vollständig- überein st im mt mit den Interessen der russischen Revolution und des internationalen Sozia- lismus. Es wird auch der Beschluß der Minister gebilligt, alle Einzel.hei.tell. dieser Allgelegenheit zu veröffellt« lichell. der Rücktritt öes Kabinetts Clam- Martinic. Die an Schärfe unübertreffbare Erklärung des Polen- klubs gegen das Ministerium Clam-Martinic hat ihre Wir- kling getan: Der Ministerrat hat den Rücktritt beschlossen. Der junge Kaiser wird, kaum daß er die ungarische Krise zu losen versucht hat. vor einem neuen Problem stehen. Die deutsche Presse fft daroll ganz außer Rand und Band geraten. Ter Wiener Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" fordert schleunigste Vertagung des eben erst berufe- nen Hauses, die„Vosstscke Zeitung" kokettiert deutlich mit dem§ 14, und der„Lokal-Anzei-ger" behauptet, daß die Polen „den großangelegten Arbeitsplan des Gesanitmrnisteriulns über den Haufen geworfen haben"(wobei wohl zu beachten ist, daß die erste Regierungsvorlage der Entwurf eines Zahn. technikergesetzes und eine der letzten Notverordnungen die Heransgabe von Bestimmungen war, die die Berechtigung zur Führung des Jngenieurtitels regeln). Jene Auffassung, die die Lebensnoftociidigkeiten Oesterreichs erfüllt glaubt, wenn das Säbel rasseln jeden andere» nrißtönigen Lärm übertönt, liefert nicht nur der Enteilte reichlichen Stoff, von der Lebensunfähigkeit Oesterreichs zu fabulieren, sondern führt mich den Beobachter abseits der großen Probleme. Wie ist doch die Lage? Die Polen entziehen der Re- gierung ihre Stimnie, und die Regierung muß deinissio- nieren. Die eben erst von der„Kölnischen Zeitung" mit so schroffer Schärfe verwarnten Krakauer Polen beherrschen das parlamentarische und politische Leben des mächtigsten Bundesgenossen Deutschlands! Aber wie kommen die Polen zu ihrer Macht? Daß sich doch die deutsche Oesfentl ichkeit der großen Bedeutung dieser Frage ganz bc- wüßt lvürde! Die Polen halten hn österreichischen Abgcord- netenhause die Entscheidung in Händen und sind nnentbehr- liche Hilfstruppe der Regierung— solange Deutsche und Tschechen miteinander hadern. Während sich diese beiden Nationen in den Haaren liegen, gefallen sich die Polen in der Rolle des sich freuenden Dritten und lasten sich ihre parlamentarischen Hilfsdienste ausnehmend gut be- zahlen, wofür am Ende die strest lustigen Deutschen und Tschechen herangezogen werden. Keinen Augenblick sei verkannt, daß die Polen furchtbar unter dem Kriege gelitten haben und erustestc, ja ticftraurige Beschwerden voitragen. Sie verlangen die Beseitigung der im Krieg eingeführten deutschen Verkehrssprache ans den Eisenbahnen, die Zurückdrängung der Militärsustiz, Ersetzung der militärischen durch die zivile Verwaltung und endlich eine reichlich bemessene Entschädigung für die Kriegs- schäden, die das aus tausend Wunden blutende Galizien erlitten hat. Heber dieser bereitwilligen Würdigung der pol- irischen Klagen sei aber nicht vergessen, daß Galizien seit dem S. November 1916 mehr nach W a r s ch a n als nach Wen gravitiert, und daß die polnischen finanziellen Wllnsckc im Grunde darauf hinauslaufen, daß Deutsche und Tschechen geineinsam für ein Land zahlen sollen, das mehr dem neuen Polen als dein alten Oesterreich zugehört. Um Stimmen für ein Budgetprovisorium zu fangen, ist es ein wenig kostspielig, irgendeine Milliardeiiforderung zu bewilligen, so notwendig diese Milliarden auch sein mögen, ohne daß in gleicher Welse nach sachlichem Bedürfnis die übrigen Leidtragenden dieses Krieges unterstützt werden.-- So macht die österreichische Ministerkrise deutlich, daß eine Revision der Verfassung an Haupt und Gliedern das dringende Gebot der Stunde ist. Die Rechts- Verwahrungen aller nichtdentschen Völker der Monarchie und der Verlauf der Budgetdebatte, die übrigens im Vor- hältnis zu den Kriegsleiden ruhig, tvürdig und von dein offensichtlichen Bestreben geleitet tvar, Zusammen- töße zu vermeiden, erweisen einen zentralistischen Kurs als unmöglich. Nur ein Bundesstaat autonomer Nationen, wie er von dein ausgezeichneten deutschnationalen Staatsrechts- lehrer Dr. Redlich, dem tschechischen Sozialdemokraten. Dr. S ch m e r a l niid dein deutschen Sozialdeinokraten Dr. Renner gefordert wurde, bringt Erlösung von jähr- hundertelangem, schmerzlichem Uebel. Er wird die Relbiings- stächen der Nationen verringern und neben der ausschließlichen und extremen Betonung des nationalen Prinzips auch den unbedingt notwendigen Staatsgedankcil verinnerlichcn und tiefer in allen Völkern des pielsprachigen Reiches verankern. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht leicht und schnell zu durchmessen. Am ineisten würde sichdieBildungeines Uebergangsministeriums unter einem tüchtigen Verwaltungsbeamten empfehlen, das für Linderung der sozialen Kriegsschäden zu sorgen unvst>i.e bürgerliche gegen, ubsr ier niiliiörifrficti nachdrücklich zu verMeir hätte. Seine Houptautsabe ober wäre die Vorbereitung einer durch- greifenden Berfoffungsänderung, die sich auch auf die Demo- lratisicrung der Gemeiichen und Gemeindeverbänd« er- strecken«uißte. im Einvernehmen mit den Nationen, die im Herbst, nach Bildung eines großen KoalitionS- kabinetts, im Reichsrot den Schlußstein zu ihrer selbst. gebauten Verfassung zu legen hätten. Dieses Pcogramm— und dieses allein— kann zur Gesundung Oesterreichs führet,, die ein deutsches Jnterefle ist, inch dessen glückliche Durchführung endlich die loortgewaltigcn Chauvinisten aller Nationen schachmatt setzen würde. Wie«, Id. Juni. Den Tlbcndbllittern zufolge wuNbe«ittag? ine. Äbgeocdiie ten hause bekannt, daß Ministerpräsident Graf Clam-Martinic vom Kaiser den Auftrag erhalten habe, die U in b i I d u n g d c s K a b i n c I t s durchzuführen. Der Kabinetts- cbef bade die darauf abzielenden Verhandlungen mit den Parteien bereits in Angriff genommen. Wien, 19. Juni.(Meldung des Wiener K. R. telepr.' Korresp.-Buroaus.) Ministerpräsident Graf Clom-Martinic Imt i» Ausführung des gestrigen Ministerratsbeschlusses heute den, lllaiier die Deniission des gesamten Sabi« nctts überreicht. Ter Kaiser behielt sich die Entschließung vor. Stockholm. Ankunft neuer Vertreter. Stockholm, 18. Juni.(Eig. Drahtber. d..Vorw.�) Die Vertreter der tschechischen Sozialdemokratie t Separatisten), die Abgg. N e m c c und H a b r ni a n n sind heut« hier ein- getroffen. Dr. S m e r a l folgt ihnen in zwei Tagen.— TaS Komitee hatte heute mit dem Vertreter der englischen I a b i e r g e s e l l s ch a f t West eine kurze Beratung. Thompson, der Herausgeber des„Elarion", ist nicht Dele- giertet, sondern zu seiner privaten Information an- iveseud.— Troelstro sprach sich über den Fortgang der Vor- Handlungen befiicdigi ans. Dos englische Blatt„tllanon' kann als sozialistisch kaum an- geiprochen werden. Während de» Kriege« bat es die Hetz« gegen Deutlchlaud, wie sie die eugtische Jingopreste trieb, kritiklos mit- gemacht und eine absolut imperlalistische Politik verfolgt. Erklärung 6er ukrainischen Sozialisten Oesterreichs. Otockholor 1«. Juni. Der am U. Juni bor dem Holländisch. Slandinovischen Sozialistischen Ausschuß erschienene Vertreter der ukrainischen sozialdemokratischen Partei Oester« reich», Wladimir Remnhzky, hat namens seiner Partei folgende Forderungen vorgetragen: Lösung der nationalen Fragen als Gebot der Gerechtigkeit und Borautsetzmig für einen dauerhasten Frieden und für die Entwicklung des sozialistischen Gedanken», lim. bildung der bou verschiedenen Völkern bewohnten mittel« und ofteuropäischen Staaten, Oesterreich-Ungarns, Rußland» und der Bgltgiislaatenzil Bundesstaaten au« gleichberechtigten, sich selbst verwaltenden Völlern, wobei die Politik der lllraincr»ach der Einigung oller ukrainilchen Gebiete in einem politisch selbständigen Staat«. ge Hilde oder, wen» da« nicht zu erreichen wäre, nach n o l l st ä» d i g e r Selbstverwaltung der Ukrainer sowohl l. e st e r r e i ch- II n g a r n» iv i e Rußland» in den von ihnen bkwohnte» Gebiete» in du»des staatlichem gusommen. borige mit diesen Gloaten strebt! Aeuobgrenzung zwischen Oesterreich und Nutzland noch dem von den verschiedenen Pvllerschaften bewohnten Gebiet: Wiederherstellung von Pole», aber nur innerhold der von Polen de- wohnte» Gebiet«: Ertichtnng eine« desonderen Ausschusses zur Wahnmg der Rechte der Völker bei dem zu errichtenden überstaailichen Schiedsgerichte I möglichst baldigen Frie» densschlnk ohne GebieiSa» gliedern„gen und K r i e g» l o st e n e r s a tz, Entschädigung der Volker, aus deren Gebiet der Krieg geführt worden ist, stlr ollen Schaden durch die «riegsührenden, soweit der Krieg nicht im Jnieresse de» beireffenden Gebiete« gesüdrt worden ist, Wiederherstellung der Selbständigkeit von Belgien, Rumänien und Serbien, mit welchem Montenegro zu v«r«i»ige» war«! Lösung der finnlSndischeir und«Uatz-lothrlngischen Frage durch Ilebereinkoinmen der nnmittelbar daran beteiligten Völker nach Maßgabe der Wünsch« der bodenständigen Bevölkerung dieser Länder i in wirlschosilichen und völkerrechtlichen Fragen schließe» die Ukrainer sich den Forderungen der deutsch-öster« r e i ch i s ch e» Soziali st en Vertretung an. Auf der zu be- ius»nd«n allgemeine» Zusammenlunst der Arbeiter' und Sozialisten« Parteien verlangt Remnyzlh für die sozialistische» Parteien der Ukrainer Oesterreich- Ungarn« und Rußland« die Stellung einer >« l b st ä n d i g e» nationale» Abordnung. Sie erwarten von dem Friedensschluß die Abschaffung der stehenden Heer» und >hr« Ersehnng durch Bollsheer« nur für die Landesverteidigung. vetiragsmätzig« allgemein« Abrüstung und Abschaffung der geheime» Biploniait«. Protest 6er»tzumanitö* gegen 6ie Pastverweigerung. In der„Hunianstä' vom 0. Juni schreibt Marius Moutet: Weder da» Land,»och die Regierung, noch da« Parlament baden begriffen, worum es sich handelt. Wir wollen aber die Hoff« nung nicht ausgebe»! sie werden es schiießisch doch noch btgressen. Die Perweigerung der Pässe war ein Mißgriff. Di« englische Press«. di, weniger dnrch de» Parleigeist geblendet ist und nicht wie die unselig» rein von, Standpunkte der inneren Parieipvlilik handelt. hat dies ebenfalls begriffen. Die geiamt« Press, von der.Zimes" bis zum..Manchestee Gnardia»' verurteilt mit ganz vereinzelte» Ausnahmen die»ngiücklich» Entscheidung Riboi» Die englisch« Ar- beilekklasi» sagte sich trotz ihres nationalen Jusammengedöiigkeit«. Mühls, daß sie ihren Widerwillen im Jnieresie der inlernaiionoien Bewegung überwinden müüe.»nd.» in nicht den Deutschen d g» s r e i e F e i d z u ü b e r i a s j e„. wird die englische Labour Party nach Stockholm und Petersburg geh«». Go wiid Frankreich allein die deuische Propaganda er- islgreich unterstützen. Montet weist dann weiter daraus hin. daß die Durchreis« Lenins durch Deutschland von den in der Schweiz lebende» russischen Sozialisten, die sie ansang» mißbilligten, später nach» g e a h m t worden ist, Deutschland erscheine dadurch in russische» Auge» als die Macht, die größeren Respekt für die Freiheit hege als Frankreich. Morgen werde ganz Rußland sage»: Trotz der Proteste Repentloivs und anderer Alldeutscher habe» die deutsche» Mehr- beits� und Minder heitsiozialisien nach Siockholm gehen können, aber >n der freien sranzösiiche» Republik ist«in« groß« Partei, die ei» S-chüei der Boitspertreiung im Peulamenl ausmacht, nicht ä über ihre Ha«r»�en; ihr« Mitglieder, deren Patriolisums wie HeuRidot sagt, über jeden Zw«' sei erhaben ist, genieß»« In Flattdersl foridauernderAriilleriekampf — Bei Monchy feindlicheGräben gesäubert — Borstoß der Franzosen am Hochberg— Nene Artillerieschlacht bei Afiago. Amtlich. Gr»ßtl rückgezogen. An der unteren Struma habe« wir in der Ebene zwischen Butkowo und TachinoS-See die Ortschaften Tschawdar Mahle, Nevolcn. Jeniköj und Jeni Mahle besetzt. Die Engländer halten nur noch mit einigen Kompagnien die Brücken köpfe an der Struma. An der übrigen Front schwaches Artillerie- feuer. Durch Artilleriefener brachten wir ein feindliches Flugzeug zum Absturz, das in der Struma-Niederung nördlich der Bjelafsitza niederfiel. Rumänische Front: Gewehrfeuer bei Mahmud m und Jsaccea. bei Tulcea schwache» Artilleriefeuer. die feinölichen Heeresberichte. Zsranzösischcr Hrrrrsdericht vom 18. Juni abends. Bemerkens- werte Tätigleil der Artillerie in der Gegend Laffaux— Panihäon und im Abichnitt Craonne— Chevreux. In der Champagne gliilkle uu« heute früh ein Einzelunternehmen, Wir machten uns zu Herren eines deutschen Grabenshsteins, daS einen Vorsprung in unsere Linien bildete, auf einer Front von ungefähr 500 Metern zwischen dem Berg Cornillet und dem Weißen Berge. Im Laufe des Unter- nebnienS dabcn wir 40 Gefangene geinacht, darunter einen Offizier. Tie Deutschen fahre» mit der Beschießung von ReiniS fort, auf das beule 2000 Bomben geworfen wurden. Es wurde eine Person der Zivilbevölkerung getötet und drei verwundet. Lrientfront. Der englische Flugdienst belegte den Bahnhos von Tumba, 12 Kilometer von SereS, und mehrere feindliche MunitionSniederlagen erfolgreich mit Bomben. Beschränkte Artillerie- täiigkeit. Die Truppenbewegungen vollziehen sich fortgesetzt ohne Schwierigkeit. Alle Genieinden in der Gegend von Larissa und Volo haben sich freiwillig der venizelistischen Regierung angeschlossen und neue Zivilbehörden eingesetzt. Zu der in dem französischen Bericht gemeldeten angeblich schweren Beschießung von Reims erhalten wir bei Schluß des Blattes folgende Mitteilung: die desthießung von Reims. Berlin, IV. Juni 1917. Ter französische Funkspruch vom IV. Juni, 1 Uhr 45 Min. vormittags, meldet, daß am 18. Juni LTOV Granaten auf Reims fielen. Nach den Schutzlisten der dcut- schon Batterien sind jedoch an diesem Tage nicht mehr als 55 Granaten auf Reims gefeuert worden, und zwar auf in der Stadt erkannte Batterien. Vielleicht soll die französische Meldung in der neutralen Welt den schlechten Eindruck varivi scheu, welchen die unnütze und barbarische Zerstörung von St. Ouentiu gemacht hat. Der sranzösische Funkdienst setzt sich übrigens selbst mit seiner Meldung von der schweren Beschießung in Widerspruch, da er nur einen Zivilisten als getötet und drei als verwundet angibt. warum Griechenlanü nicht Republik wurüe. Bern, 18. Juni. Ter Pariser Berichterstatter des„Secolo" teilt mit, daß die Entihronung Konstantins auf der Zusammenkunft in S a v o y c n beschlossen wurde. Die französischen Delegierten dättcn sogar die Ausrufung der Republik verlangt, doch hätten die Vertreter eine» anderen Landes sich dagegen erklärt, da ihnen der Gedanke, V e n i z e i o s als Präsident zu sehen, nicht bchagtc. Man wählte daher einen Mittelweg und. beschloß einer Rückkehr Venizeios al» Ministerpräsident nichts in den Weg zu legen. Man glaubt in Frankreich, daß die natürliche Folge der Eni- thronung Konstantins die Rückkehr Vcnizelos oder eines seiner Anhänger an die Spitze der Regierung sein werde. Das„andere Land", das Herrn Venizelos nicht wünschte, ist natürlich Italien, daS fürchtet, an eine griechisch« Republik seinen albanisch-epirotischen Raub herausgeben zu müssen. Die Enteilte hat also ihr„Befreierwerk" nur in der Weise durchgeführt, daß sie Griechenland von seiner Handelsflotte, seinen Eisenbahnen, seinen Kriegsschiffen, seiner Zufuhr und seiner Ernte befreite. Die politische Befreiung mußte aus höheren Rücksichten aufge- geben werden. politisches Leben in Polen. Warsckiiiu, 18. Juni. Gestern fand hier laut„Kurjer PolSki" die konstituierende Versammlung des nationalen Zentrums unter Vorsitz des Fürsien Trucli-Lubecki statt, an der gegen MO Personen teilnahmen. ES sprachen Felix MlynarSti, Jan Sadlak. Professor Maryan Groiotvski, Fürst Lubecki, Graf Ronttier und andere. Professor Garlicki hob in seiner Rede bcr- vor, daß das nationale Zentrum wedcr eine Partei noch ein Block von Parteien sei, sondern eine Organisation mit folgenden Zielen: Konstitutionelle Monarchie auf demokratischer Grundlage, starke Regierung, starke Armee, fortgesetzte Arbeit an der Verwirklichung deS polnischen Staates, Bekämpfung anarchi- scher Erscheinungen. Garlicki bezeichnete es als nottvendig, die künftige Organisation des Zentrums, besonders in der Provinz, zu stärken. Behörden der Organisation sollen sein die Landestagung als oberske Instanz, ferner der leitende Rat und der Exekutiv- ausschuß. Das neue luxemburgische Ministerium. Luxemburg, 18. Juni. Nachdem UniversitätSprofessor C a l m c S dis Berufung als Finanzminister nachträglich abgelehnt Voile, ist heute folgendes Ministerium zustande gekommen: Präsident- schast, AeußereS, Finanzen und Kultus übernimmt der bisherige Generaldirektor der Finanzen K a u s f m o n n; Justiz und Oeffent- lichen Unterricht der bisherige Generaldirektor de« Innern M o u- trier; Lefientliche Arbeiten der bisherige Generaldirektor dieses Departements Lesart; Ackerbau und Lebensmittelversorgung Fader. Ingenieur und Vizepräsident der Kamme r; Inneres Handel mid Industrie Kommissar K o h n. Der Krieg auf öen Meeren. 24 HDS Tonnen im Mlantischen Ozean versenkt. verli», 19. Iuui. Reue N-BootSerfolge im Atlantischen Ozean. 24 000 Vrntto-Register-Touneo. Unter de» versenkten Schiffe» befanden sich n. a. drei große bewaffnete englische Dampfer, von denen zwei durch Zerstörer gesichert waren, und der englische Dampfer Amor(3473 Tonnen) mit 5000 Tonne« Getreide. Der Chef de» Admiralftabes der Marine. Zwei englische Truppentransporte versenkt. L o n d o a, 19. Juni.(Reuter.) Amtlich wird mitgeteilt: Sin feindliches Unterseeboot hat am 2. Juni den britischen Transport- dampfer Cameronia(5861 B.-R.-T.), der eine geringe Zahl Truppen an Bord hatte, im östliche» Mitte lmrrr versenkt. 52 Man» der Truppen und 11 Mann von der Besatzung, darunter der Kapitän, werden vermißt. Madrid, 18. Juni. lMeldung deS Vertreters des Wiener K. K. Telegr.-Korr.-Bureau«.)„Jmparrial" zufolge hat ein U-Boot in der Nähe von Kap Sparte! den englischen TranSpvrtdampfer A. G. 240 (8000 Tonnen) mit Truppen und Kriegsmaterial für Saloniki vcr- senkt. Der Dampfer wurde von vier U-B«otjägern begleitet, von denen zwei gleichfalls untergegangen sind, zwei mit schweren Beschädi- gungen bavontawe». In der Nähe der Ebromündung find die bewaffneten italienischen Dampfer Feit(5567 Br.-R«g.-To.) und Sirte(1998 Br.-Reg.-To.) mit 9000 Tonnen Benzin, Eisen und Kohle von New Orleans nach Genua unterwegs versenkt worden. Acht Seemeilen von Huelva entfernt versenkte ein Il-Boot den noc- wegiichen Dampfer S i m l a(5800 To.) mit einer Kohlenladung von Liverpool nach Gibraltar.— In der Nähe von Alicante kam eS zwischen einem U-Boot und einem Geleitzug von 10 Dampfern zu einem heftige» Kampf. Nähere Einzelheiten fehle». Kleine Kriegsnachrichten. England will der drutsck»en Farbstosfindustrir Konkurrenz machen. London, 18. Juni.(Reutermcldung.) Um die weitere Entwicklung der Farbstoffindustric zu fördern, hat das Handelsamt beschlossen, zeitweilig ein besonderes Departement sür die ein- schlägigcn Angelegenheiten zu errichten. Bollsabstimmung über Dienstpflicht. Ottqwa, 17. Jum. (Rcutermcldung). Bei der zlveiten Lesung der Dienstpflichtbill im Unterhause brachte der Führer der Opposition Sir Wilfried La» ri er einen Zusatzantrag ein, indem er eine Volks- a b st i m m u ii g über die Dienstpflicht verlangt. politische Ueberflcht. Konservatives Urteil über Konservative und Alldeutsche. Der erste Vorsitzende des deutsch-evangelischen Volks- b, indes, I. K. Vietor in Bremen, beschäftigt sich in einer Zu- schrist an den konservativen„Reichsboten" mit der Stellung der Konservativen zum Reichskanzler und führt dabei aus: „Wir hatten neulich eine politische Sitzung vieler christlicher Männer. Als wir in der Debatte darüber sprachen, daß die Konservativen so wenig imstande wären, den christlichen Teil unseres Volkes zu begeistern, traf, glaube ich, ein politisch sehr erfahrener Herr absolut den Nagel auf den Kopf, als er sagte:„Die konservative Partei ist zu einer Jnter- essen Vertretung der Großgrundbesitzer ge- worden, und infolgedessen hat sie die Fühlung mit unserem Volke verloren." In ähnlicher Weise charakterisiert Herr Vietor die M- deutschen: „Die Alldeutschen, die komischerweise vorauszusetzen scheinen, daß unser Kaiser, Hindenbuvg und der Reichskanzler die Nerven verlieren könnten... gelten in der Volkse mpsindung außer einigen Idealisten doch als die Vertreter der Kon- servaiivcn ugd dcr schweren Industrie." Und diese Herren, die aus ihren eigenen Kreisen so bc- urteilt werden, behaupten, das Volk stände hinter ihnen und wünschte in ihrem Sinne regiert zu Werdens „Ncichstagsabgeordneter Schnodderma»«". Zu dieser Notiz senden uns einige RechtSstudcnten, Schüler des Herrn Geheimrats Prof. Triepel, eine Zuschrift, die zeigt, daß den jungen Herren außer einer sehr sorgfältigen Vcrvolllomm- nung ihrer juristischen Bildung auch noch eine erhebliche Gläitung in Austreten und Sprache not tut. Wenn die Herren z. B. die Veröffentlichung der von ibrem Lehrer gestellten Aufgabe, die ja schließlich kein geheimere? Aktenstück ist als die deutsche Note an Mexiko, als einen„unerhörten Vertrauensbruch" bezeichnen, so wirft die vorschnelle Verurdeilung eines ihnen gar nicht näher bekannten Tatbestandes kein besonders günstiges Licht auf die Qualifikation dieser Herren zu einem künftigen Richteramt. Zur Sache heißt es in der Zuschrift: Was den Fall selbst anbetrifft, so sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß es allgemein üblich ist. in Beispiels- fällen hervorstehende Namen zu wählen, z. B. der Hausknecht „Grob", der Gast„Dalles", Grnndstücksmäkler oder Börseaner „Schieber". Das erleichtert dem Studenten die Ucdersicht mehr, als wenn T. F. Z. die Beteiligten wären und bringt in den Ernst der Arbeit eine erfrischende Lebendigkeit. Daß es jedoch die Schriftleitung des„Vor- Ivärts" wagt, eine.Acußerung eines Getchrten von der Be° dcutung Geheimrat Triepcls als„ungezogen und dumm" zu bezeichnen, ist allerdings eine seltsame und bezeichnende Art, einen bedeutenden aber unbequemen Mann abtun zu wollen. Tie Siudieeenden der Rechte: gez. Johannes Kohls, August Menz. Georg Menz, Albert Siber, Konrad Thicrjch, Gerhard Vansclow. Wir können den jungen Herren aus langjähriger eigener Kenntnis der Verhältnisse an der Berliner Universität mitteilen, daß es zum mindesten vor der Berufung des Herrn Geheimrals Triepel dort nicht üblich war, juristische Auf- gaben zu Ausfällen gegen irgendwelche BwölkerungSklasscn, vor allen Dingen aber nicht gegen die Vertretung des gesamten deutschen Volkes zu benutzen. Daß aber gerade einem Lehrer und Sludenien des Staatsrechts die plumpe Verächtlich- m a ch u n g des Deutschen Reichstags als„erfrischende Lebendigkeit" erscheint, ist sehr bezeichnend dafür, wie sehr daS Empfinden einer gewissen exklusiven Juristen- käste sich von dem des deutschen Volkes entfernt. Tie mecklenburgische Regierung ist befriedigt. Drei Tage lang hat in Schwerin eine Vorbesprechung der Verfassungsrcform für Mecklenburg stattgefunden. Eine größere Anzahl der Teilnehmer trat für ein allgemeines, aber abgestuftes und benifsständiges Wahlrecht ein, eine weitere Anzahl für ein direktes und geheimes Wahlrecht mit Plural- Wahl und nur eine Minderzahl für eine Reform im Sinne des Reichstagswahlrechts. Rundweg abgelehnt wurde ein Proportionalwahlrecht. Am Schluß der Beratungen gab Staatsminister Dr. L a n g f c I d eine Zusommensossung der wichtigsten Ergeb» nisse der Besprechung. Er schloß mit der Mitteilung, daß die Regierung beabsichtige, in nächster Zeit den Ständen auf Grund der Besprechungen eine neue Verfassungsvorlage zur Beratung zukommen zu lassen. Die Regierung könne mit voller Befriedigung auf die Ergebnisse der Be- sprechimgcn zurückblicken. Sic hätten eine Reihe von wich- tigen Fragen aufgeklärt. Vor allem habe die Besprechung klar zum Ausdruck gebracht, daß in weiten Kreisen der Bevölkerung der dringende Wunsch nach einer baldigen Regelung der Verfassungsfroge bestebe. Die Regierung werde nach Kräften diesem Wunsch entsprechen, bitte aber zu be- rücksichtigen, daß eine Verständigung mit den Ständen erreicht werden müsse und daß man bei einer solchen Ver- ständigling nicht immer a.ufdic Erreichung aller Wünsche rechnen könne. Vcrfassiingsreformen werden doch nicht gemacht, um die Regierung, sondern um das V o l k zu befriedigen. Bei ihm wird die Bitte des Ministers um„Berücksichtigung" hoffent- sich taube Ohren finden. Stände und Zustände in Mecklen- bürg sind eben so, daß auf sie keine Rücksicht mehr ge- nommen werden kann. Reickiskriegsblatt. Sockben ist das erst« Heft eines neuen „Reichskriegsblatts" herausaekommen, das sämtliche kriegsrechtlichen Vorschriften des Reichs und der Bundesstaaten seit 1. April d. I. enthält. DaS Blatt wird fortab zweimal monatlich erscheinen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Kreisverein Hamm-Soest hielt am Sonn- tag seine Generalversammlung ab. Nach dem Jahresbericht hat der Verein noch 1859 Mitglieder(darunter 331 weibliche) gegen 2537 am 31. März 1914. Der Parieistreit hat im Kreise keine Beden» tung erlangt. Nur ei» Mitglied ist der Partei dadurch verlöre» gegangen. Im letzten Jahre ist die VersaminIungStätigkeii wieder besser geworden und infolgedessen auch die Werbearbeit für Partei und Presse von gutem Erfolg gewesen. Ueber den Krieg und die politische Lage sprach Reichslagsabgeordnetcr M. K o n i g; die von ihm vorgelegten Enischließungen zur Friedcnsfiage, Ncuorieniierung und Sicherung der Vollsernährung wurden einstiminig angenommen. Dasselbe geschah nach einem Vortrage des Genossen Klupsch mit einer Entschließung, in der erneut das Bekenntnis zur Einig- l e i t und Geschlossenheit der Partei abgelegt wurde und allen parteischädigenden Bestrebungen eine Absage er- teilt wird. Als Delegierter sür den Parteitag wurde der KnappschaflSälteste vüscher gewählt. Schließlich wurden noch eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um die Jugendbewegung im Kreise zu fördern, die schon ganz erfreuliche Anfänge auf- weise. Nachdem am 6. Mai in Halle der Kreistag mit 116 gegen IL Stimmen den Uebertrilt zu den Unabhängigen beschlossen hatte. erklärte Genosse H. G a e b e als Vertreter unserer Partei sofort, daß er und seine Freunde die Geschäfte deS Sozialdemokratischen Vereins sortsühren würden. Noch am gleichen Tage traten etwa 30 Parteigenossen zusammen und wählten eine provisorische Leitung. Nach fleißiger Arbeit war binnen wenigen Wochen die Distrikis- organisation wieder hergestellt und seit 1. Juni konnte als Parteiorgan die„H a l l e s ch e Vollstribüne" täglich erscheinen. Das Blatt wird in Magdeburg gedruckt und teilt seinen politischen Inhalt mit dem dortigen Parteiorgan. Trotz aller natürlichen und künstlichen Schwierigleilen war den, Blatte von Antang an ein fester Stamm von Abnehmern gesichert und mit hoffnungsfroher Ruhe kann seiner weiteren Entwicklung entgegengesehen werden. Auch die politische Organisation schritt so rüstig weiter, daß bereit« am 16. Juni der Kreistag unserer Partei für Halle und den Saalkreis abgehalten werden konnte. Alle Distrikte waren vertreten. Die provisorische Leitung erstatlcte Bericht über ihre Tätigkeit und die Presse. Mit den getroffenen Maßnahmen war der Kreistag ein- verstanden. Bei der Vorstandswahl wurden einmütig gewählt die Genossen Ad. Thiele zum Vorsitzenden, K l e e i s zum Stell- Vertreter und Schriftführer, W. Heine zum Kassierer. Auch die Preßkommission, der Bezirksvorstand und die anderen im Statut vor- gesehenen Ausschüsse wurden besetzt. Ein lange entbehrter Zug freudiger Hingabe, die sich der Schwere ihrer Aufgaben bewußt ist. machte sich bemerkbar. AIS Redakteur der„VolkSstimme* tritt Genosse W e n d emuth, zuletzt in Chemnitz, seine Stellung nun- mehr an. Delegiert zum Parteitag wurde, nachdem zwei in der Kriegsindustrie beschäftigie Arbeiter abgelehnt hatten, da sie jetzt nicht auf längeren Urlaub rechnen dürsten, Genosse H. G aebe. Die Unabhängigen hatten von einem.ohnmächtigen Häuflein" geredet. daS den Uedertritt nicht mitmache. Sie werden bald genug erfahren, wie falsch sie auch in diesem Falle die Lage beurteilt und die Krästeverteilung eingeschätzt haben. ?aöustrie und Sandel. Die französische Handcsflotte und der U-Bootkrieg. Des öfteren sind in letzter Zeit von deutschen U-Booten große französische HairdelSdampfer versenkt worden. Noch/z Uhr: Die Königin der l-uft. liessing-Theater. Heute u. folg. Tage 71/, Uhr: Marie Ottmann u. Hans Walimann in Oper. v.0. Blumenthal. laQUsJBa Musik v. Osk. Straus. Dir. C. Meinhard— H. Bernauer. Theater i. d. Königgrafzer Str, 8 Uhr: Schnitzler-Abend. Komödienhaus 8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7�° Uhr: Die tolle Komteß. URANIA Tanbenstraße 48/49. 8 Uhr: Tirol einst und jetzt. RosesTheater. Der Ita seiner Frau. 71/s Uhr: 3.25. SR; Gartenb. Berlin wie es liebt u. haßt. Sfeolfo fWevRlCIrtSTR-AN• DER- HOOtSn- Allabendlich 71/, Uhr: Das vielseitige Variete-Programm! Die Kasse ist ah 10 Uhr peßffnel Theater für Mittwoch, den 20. Juni. Deutsches Opernhans 7 vbm Jugend. Friedrich-Wilhelnisfädl. Thealer. 7>/auhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Thcater. tu u.: Das Pensionsschwein, Kleines Theater 7'/, u.: Hans im Selmakenlocl. Komische Oper Uhr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7'/4ühj: Die blonden Slüdels vom Liindcnhof. Neues Operettenhaus Schifibd. 4a. Kassentel. Nord. 281 •puü.-. Der Soldat der Marie. Metropol-Theater Tum*: Die Czardasfürstin. Kcsidenz-Theatep tu ubr: Der Leibgardist. Schiliep-Theater O v/. uhr: Hinter Mauern. Schiller-Tb. Charlottenb. Tum*-. Der Bibliolhekar. Thalia-Theater ?'/. Uhr.- Sonnwendzauber. Theater am Alollendortpl. 7'/.u.; Die Gulaschkanone. Theater des Westens •au-: stolze Thea. Trianon Theater achr: Der Star. Als deutscher Maurer durch das Morgenland Erlebnisse und Abenteuer von Fritz Ulrich Zwei Mark Zu beziehen durch SuAlmöliing Botroörts. Berlin SV. 6S Liadeustrahe 3 mum Zirkus A. Schumann Bahnh. Friedrichstr. Anf. 8 U. Rauchen gestatteL Kühler Aufenthalt SSL. Zirtüs-larietf-�. U. a.: Bagerischejllpen-Spiele Die Z Grazien an Draht Peppos kon. Dressnr-Akt. Halali«ä. Walhalla-Theater. ?'/. uhr: Zigeuner. Gartenbühne-Borstellnug. Reiclishallen-Tbeater. rStelUner Sänger. „CaliaPEt Feldpr. NATIONAL- THEATER. Köpenicker Str 68 '/«8 Uhr Zum 181. Male! Uas junge Mdchen träumen Stürmischer Erfolg! ES empf. sich. Billette im voraus g. bes. Voigt-Theater. Badstr. 68. Badstr. 58. Täglich große Extratorstellung. Pieper und Sperling Erstklassiges Tpezialitätcn-Programm. Ans. Sonntags 4, wochent. Uhr. Tagt. Tl, Sonnt 3'/, u. 7-/. und das große, neue Varield-Programm, Aageaehni kühler AafeulbaiL Anfang 7H. Ühr. Pör Jfllitap- personen an den Wochentagen vollkomm, freier Zutritt zu den Stettin. Sängern I Berliner Praler-Thealer Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Krosie Ansjtattlmgs- Operettenposse in 3 Akten mit Gesang und Tanz. Vorher das grolle Varieteprogramm. Ansang 41/, Uhr. Admirals-Palasl. Abrakadabra großes phantastisches Ballett auf dein Else. Angenehmer kühler Aufenthalt 7'/, Uhr. Vorzügi. Küche. Spezialarzt Dr. med. Colemann i für Haut-, Harn-, Frauenleiden | nerv. Schwäche, Beinkranke. 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Das„freie Spiel der Kräfte" ist durch die Abschlie- ssung Deutschlands vom Weltverkehr unmöglich gemacht. Es blieb nur die einzige Möglichkeit der Organisierung der Volkswirtschaft von oben durch Einsehung der Reichszentralstellen und Zentralgc- sellschaften zur zwangsläufigen Bewirtschaftung fast aller Nah- rungs- und vieler sonstiger Bedarfsartikel, sowie aller wichtigen Rohstoffe, durch Höchstpreise, Beschlagnahme, Regelung der Waren- Herstellung und Rationierung. Die Behauptung, daß die Höchst- preise die Waren vom Markte verschwinden lassen, ist unbeweisbar. Die zwangsläufige Bewirtschaftung hat recht viele Nachteile. Es fehlte von vornherein an dem richti- gen Verhältnis der verschiedenen Preise zu einander, besonders in der landwirtschaftlichen Produktion. Die landwirtschaftlichen Pro- dukte sind unzureichend erfaßt worden. Vielfach ist auch die ftaar- liche Regelung zu spät gekommen, und sie war nicht durchgreifend genug. Die Verteilung durch die Zentralstellen ist vielfach eine höchst ungleiche. Vor allen Dingen aber beklagen wir die zu große Selbständig- keil der Gemeinden und Landkreise, die vollständig souverän die Warenverteitung vornehmen. Hierunter leiden besonders unsere Kon sumgenosssensch asten, denen die Waren nicht entsprechend ihrer Mitgliederzahl oder der Kundenlisten zu- gewiesen werden. Wir wollen gern und dankbar anerkennen, daß in vielen Gemeinden und Kreisen auch die Konsumgenossenschaften durchaus gerecht beliefert werden. Es bleibt jedoch noch viel zu wünschen übrig, und die Sekretariate der Revisivnsverbände haben daher alle Hände voll zu tun, um beständig gegen die ungerechten Benachteiligungen der Konsumvereine Beschwerden zu erheben. Diese Beschwerden haben vielfach Erfolg gebabt. Ferner ist zu beklagen, daß vielerorts sowohl die Konsumge- nossenschasten, tote auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften bei der Organisierung der Volkswirtschaft nicht in ausreichendcni Maße herangezogen sind. Auch die Grosteinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine ist mehr und mehr ansgvschaltct worden. Tie Folge dieser vollständigen Mißachtung vorhandener und be- währter Einrichtungen kommt in zahlreichen Mängeln der zwangs- läufigen Bewirtschaftung zum Ausdruck. Wir fordern daher ent- schieden die Aufhebung aller dieser Neichsslcllcn und Reichszentral- stellen, sobald die Zeit dazu gekommen ist, und statt dessen eine Organisierung der Volkswirtschaft von unten mit Hilfe der Gc- nossenschasten. Redner geht hierauf auf die Entwicklung des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine ein. Den ungeheuren durch den Weltkrieg verursachten Wirtschostsstürmen find hunderttausende kleine Unter- nebmungen zum Opfer gefallen, hingegen hat sich die Genossen- schaftsvewegung aller Länder gesund erhalten und kräftig weiter entwickelt. Hierauf behandelte Redner die einzelnen geuosscnschaft- lichen Gruppen des Zentralvcrbandes deutscher Konsumvereine und verweilte insbesondere bei der Hauptgruppe, den Konsumvcr- einen selbst. Redner unterstreicht noch einmal die Beschlüsse des General- rars und der Rcvisionsverbandstage, wonach es dringend crfor- derlich ist, daß die Bestimmungen des Musterstatuts eingeführt und rückhaltslos durchgeführt werden. Ferner ist den größeren Kon- iumvereinen zu empfehlen, den Geschäftsanteil von 30 ML auf 00 Ml. zu«rböben und mindestens 1 Prozent ihres Umsatzes jähr- lich den Reserven zuzuweisen. Die Stärkung der Kapitalkraft der Konsumgenossenschaften hat vor allen Dingen im Hinblick auf die kommenden großen Aufgaben zu erfolgen. Vor allem bedarf die Eigenproduktion der Erweiternng. Die Bäckereien sind in der Richtung auSzu- bauen, daß die Versorgung mit allen Backwaren den Konsumver- einsmitgliedern gewährleistet wird. Es sind Großschlächtereien mit weitgehender Absallverwertung einzurichten. Die Errichtung von Schrotmühlen, die zum Teil schon geschehen ist, wird nament- lich infolge der zunehmenden Kleinhaussiedelung einen größeren Umfang annehmen. Die Frage der M i l ch v e r so r g u n g der Mitglieder ist von den Konsumgenossenschaften allein oder in Ver- bindung mit den Stadtgemeinden in Angriff zu nehmen. Die großen Konsumgenossenschaften werden auch landwirtschaftlichen Besitz zur Preiskontrolle und zum Gemüsebau erwerben, sowie zur besseren Verwertung der Abfallstoffe ihrer diclseitigcn Eigenpro- duktion. Für die Konsumvereine kommt ferner die Errichtung von Be- zirksvereinigung zur weitere» Pflege der Eigenproduktion, vor allen Dingen zur Errichtung genossenschaftlicher Brauereien, eventuell auch Großschlächtereicn und Fabrikbekricben für Spezial- artikel, die nur bezirksweise gebraucht werden, in Frage. Ein großer Teil der Eigenproduktion ist von der Großcinkaufsgescll- schaft Deutscher Konsumvereine auszubauen, die zu diesem Zweck vorläusig 35 Millionen Mark aufzuwenden gedenkt und ein umfangreiches Programm für den Ausbau ihrer Eigenproduktion aufgestellt hat. Eine weitere Notwendigkeit ist die Ausdehnung der Warenvermittlung auf alle Bedarfsartikel. Diese Ausdehnung der Warenvermittlung der Konsumvereine eröffnet der Entwicklung der Eigenproduktion neue gewaltige Perspektiven. Des Ausbaues bedarf weiter das Versicherungswesen der.Kon- snmgcnossenschasten und zwar in der Richtung der Feuerver- Sicherung und in der Richtung der Tätigkeit der V o I k s s ü r- sorge. Äuch das konsumgenossenschaftliche Geldwesen bedarf einer besonderen Organisierung durch die Umwandlung der Bank- abteilung der Großeinkaufs-Gesellschaft Deuffcher Konsumvereine in eine"c i g e n c Genossenschaftsbank. Die erheblichen Mittel, die zur Durchführung dieses Pro- gramms erforderlich sind, können ohne weiteres ausgebracht werden, wenn die Geschäftsanteile auf 50 bis 60 Mk. erhöht, den Reserven starke Zuweisungen von mindestens 1 Prozent gemacht werden und ein Teil der Spareinlagen in unkündbare, aber auslosbare höher verzinsliche Huusanteile oder Obligationen umgewandelt wird. Die Aufbringung der erforderlichen Mittel ist eine äußere Vor- aussetzung der genossenschaftlichen' Weiterentwicklung. Eine innere ist vor allen Dingen die.Heranbildung tüchtiger Gcnossenschafts- beamten und Vorstandsmitglieder durch Halbjahreskurse, Spezial- kurse für Auffichtsratsmitglieder und örtliche Kurse für das Ver- kaufspersonal, serner durch die genossenschaftliche Erziehung der Mitglieder durch Wort und Schrift, die Durchbildung der Organi- sation der Konsumvereine in der Richtung der Mitgliederaus- schüsie oder Genofsenschaftsrätc und zahlreiche Vertrauensleute. Von großer Beoeutung ist auch der Ueberweisungs- verkehr verziehender Mitglieder von einer Genossenschaft an eine andere, der auf Grund der Beschlüsse der zuständigen Körperschaf- Uu uuimlehr orgamfatorifch geregelt worden ist, Die Größe und Bedeutung unserer Organisation erfordert eine öffentlich-rechtliche Vertretung, die wir zu- nächst bei den Handelskammern suchen. Darüber hinaus fordern wir in allen staatlichen, durch die wirtschaftliche, Neugestaltung not- wendig werdenden Institutionen, die das Arbeitsgebiet der Kon- sumvereine berühren und in allen Organisationen, die aus steuerlichen und sonstigen Gründen Massenverbrauchsartikel bewirtschaf- ten, eine entsprechende Vertretung. Wir sind ferner damit be- schäftigt, ein allgemeines Genossenschaftspro- gramm für den Ausbau der deutschen Volkswirtschaft nach dem Kriege auszustellen, das zur gegebenen Zeit den zuständigen Kör- perschaften vorgelegt wird und auch die Fragen des Genossenschafts- rechts, des Steuerrechts, sowie zahlreiche allgemeine Forderungen zur Förderung des Genossenschaftswesens enthalten wird. lieber die Tätigkeit de? Vorstandes unter Berücksichtigung der durch den Krieg erforderlichen Maßnahmen referieren H. B ä st l e i n- Hamburg und Dr. M ü l l e r- Berlin. Hierzu begründet Müller folgende Entschließung, die von Vor- stand, Ausschuß und Generalrat gemeinsam beantragt ist: Der 14. ordentliche Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, am 18. und 19. Juni in Nürnberg erklärt, daß er sich der vielfach von der Presse und von Organen der Landwirtschaft, der Jnidustrie und des Handels vertretenen Auffassung, die vorhandenen Ernäyrungsschwierigkeiten seien auf die Ausschaltung des freien Handels zurückzuführen, nicht an- schließen kann. Er ist vielmehr der Usberzeugung, daß die Haupt- aufgäbe der Kriegsernährungswirtschaft, die immer knapper werdenden Nahrungsmittel gleichmäßig auf das ganze Jahr und gerecht ans alle Bevölkerungsschichten in Stadt und Land, auf Arm und Reich zu verteilen, nur durch eine zwangsläufige Organisation der Volksernährung gelöst werden kann. Stimmt der Genossenschaftstag so dem Grundgedanken unserer Ernäh- rungswirischaft im Krieg zu, so muß er doch andererseits betonen, daß im einzelnen seine Ausführung noch viel zu wünschen übrig läßt. Noch immer ist ein befriedigendes Verhältnis zwischen dem Verbrauch der ländlichen Erzeuger und der städtischen Konsumen- ten nicht creicht. Ein umfangreicher Schleichhandel durchkreuzt die Verteilungsvorschriften und hebt für die Bevöl- kerungsschichten, die sich seiner dedienen, die Einschränkung der Rationierung auf. Kettenhandel und Wucherprak- t i k e n wirken weiter und verteuern die Rahrungsmittel. Bei aller Würdigung der vorhandenen sachlichen Schwierig- leiten glaubt der Genossenschaftstag, doch seine Meinung dahin zusammenfassen zu sollen, daß ein gutes Teil der vorhandenen Eruährungsschwierigkeiten zu beseitigen ist, wenn auch die Nahrungsmittelerzeuger die Anforderungen der Kriegswirtschaft mit der gleichen Entsagungswilligieit auf sich nehmen, wie das von dem größten Teil der Verbraucher geschieht. Bor allem an diesem Punkte haben die Reformversuche einzu- setzen, wobei Maßnahmen organisatorischer Art der Vorzug vor scharfem Zwange zu geben ist, obgleich auf dessen Anwendung nicht grundsätzlich verzichtet werden kann. Die seit Kriegsbeginn für die Konsumgenossenschaften be- stehenden besonderen Schwierigkeiten sind noch nicht beseitigt, trotz der Anordnungen der Zentralbehörden, die dieses Ziel im Auge hatten. Noch immer haben zahlreiche Konsumgenossenschaf- ten darüber zu klagen, daß sie bei der Zuweisung von Waren benachteiligt werden; die bei den Mehlzuweisungen für die ge- nossenschaftlichen Bäckereien in einzelnen Kommunalverbänden bestehenden Uebelftände dauern fort; Vorurteile und Uebel wollen gegen die konsumgenossenschastlichen Organi- sationen machen sich noch bei Behörden, meistens solchen der Kommunalverbände, bemerkbar und zeitigen unerfreuliche Vor- kommnisse und Benachteiligungen der Konsumgenossenschaften. Die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Kon- sumverei ne ist bei der Warenvcrteilung beinahe ganz ausgeschaltet; ihre Einrichtungen und Kräfte, die sich so vorzüglich zur Mithilfe bei einer gemein- nützigen Warenverteilung eignen, liegen brach. Der Genossenschaftstag legt aufs neue gegen diese Methoden Verwahrung ein. Er fordert die Genossenschaften auf, mit Unterstützung des zuständigen Revisionsvcrbandes alle ihnen zu- teil werdenden Benachteiligungen zum Gegenstände von Be- schiverden an die Behörden des in Frage kommenden Bundes- staates zu machen, um auf diese Weise eine Beseitigung der Uebelftände zu erreichen. Mit allem Nachdruck verlangt er außer- dem, daß den, Konsumgenossenschaften endlich der Platz im Verteilungsorganismus angewiesen wird, auf den sie Anspruch erheben dürfen. Endlich erhebt er die Fovderung, daß Mittel und Wege gefunden werden, um auch der Große in- kaufsges ellschaft Deutscher Konsumvereine die Aufrechtcrhaltung zu den Konsumgenossenschaften im Rahmen der behördlichen Verteilungsorganisation zu ermöglichen. Sodann wird in die Debatte eingetreten. Gegenüber einer von Piep-Hamburg vorgebrachten Beschwerde, wonach der Ma° gistrat der schleswig-holsteinischen Stadt Wilster dem dortigen Konsumverein bei Aufftellung der Kundenlisten nur 200 seiner eingezeichneten Mitglieder belassen und die übrigen 105 drei Ge- schäftsleuien zugewiesen hat, ein Verfahren, das von allen Be- schwerdeinstanzen bis zum preußischen Minister des Innern hinauf gebilligt und für einwandfrei erklärt wurde, bemerkt Dr. Müller, er habe wegen dieses Falles bereits Schritte getan, die Entscheidung sei noch in der Schwebe, das Kriegsernährungsamt selbst stehe aus seiner Seite. Er habe mit einem Vertreter des Ministeriums unterhandelt und ein Schreiben bekommen, in dem mitgeteilt wird, daß die in Betracht kommenden Stellen um Nachprüfung des Falles und erneute Stellungnahme ersucht wurden. Müller erklärt mit aller Schärfe, er werde die Fortführung seiner Funktion im Kriegsernäherungsamt davon abhängig machen, daß der Mini st er des Innern die nachgeordneten Stellen anhält, solche gehässige Konsumvercinsbekämpfung zu unterlassen.__ GroMerlln Zur Kohlenversorgung. Jeder dritte Wagen, der jetzt durch die Straßen fährt, ist ein Kohlenwagen. Die Vorversorgung muß einen gewaltigen Umfang angenommen haben. Wer aber als Inhaber einer Dreizimmer- oder kleineren Wohnung zu irgendwelchem Kohlenhändler kommt, wird schroff abgewiesen. Angeblich ist alles ausverkauft, Vorbestellungen werden nicht angenommen.„Unter 10 000 Stück geben wir überhaupt nicht ab", erhätt man hier und da als Bescheid. Alle vor- bändelten und herankommenden Vorräte gehen nach dem Berliner Westen und gewissen Gegenden Charlottenburgs. Und die Stadt- Verwaltungen? Offenbar wird sie erst einschreiten, wenn die zahlungsfähige Einwohnerschaft auch auf diesem Ge- biete genügend eingehamstert hat. Tann bleibt nur noch die kleinere Arbeit, den Verbrauch der Minderbemittelten zu rationieren. Der Gedanke, daß die ganze Rationierung sich um so schwieriger gestaltet, je mehr Kohlen schon vorher verschwunden sind, scheint den maßgebenden Instanzen nicht zu kommen. Die Bekannt- � gäbe der Entschließungen des Kriegsamtes ist für die nächsten Tage zu erwarten. Dann werden die Gemeinden Groß-Berlins erwägen und beschließen, vielleicht treten auch inzwischen für maßgebende Dezerneuw» die Ferren cur. Das Durchhallen uu vierten Kriegs-, Winter dürfte aber seine Grenzen haben, und auf diese zu achten, erscheint nnS als dringende Pflicht der Gemeinde- Verwaltungen!_ Die Obstpreise. Jetzt sind wir zwar in der glücklichen Lage, Höchstpreise für Obst zu haben und zwar nicht zu niedrige, aber den Interessenten ichetnen diese Preise nicht zu genügen, denn das Obst ist ver- schwuuden. Die festgesetzten Preise sind folgende: Erzeuger preis Für Erdbeeren I.(bis 20. 6.) M. 1,00 II.„ 20. 6.). 0,60 , Walderdbeeren, Monatserdbeeren(bis 28. 6.)„ 1.50 „ Johannisbeeren..., 0,50 „ Stachelbeeren...., 0,40 „ Preß-Himbeeren..., 0,55 „ Speiie-Himbeeren..., 0,30 , Blaubeeren.....„ 0,25 , Preißelbeeren....„ 0,35 „ Saure Kirschen....„ 0,30 „ Süße Kirschen(weich).„ 0,38 .(hart,... 0,53 , Natten und Glaskirschen„ 0,60 „ Reineclauden...., 0,30 „ Mirabellen...... 0,40 Bruchteile von Pfennigen find nach oben abgerundet. Man wird erwarten dürfen, daß in Kürze die Preise für einzelne Obst- sorten noch weiter herabgesetzt werden.. Höchstpreise für Einfachbier. Der Magistrat veröffentlicht heute eine Verordnung über den Höchstpreis von Etnsachbier. Drmach darf in Schank- und Speise- betrieben jeglicher Art beim Verkauf von Einfachbier der Preis von 50 Pf. für das Liter nicht überschritten werden. Beim Verkauf von kleineren Mengen darf der Preis den entsprechenden Teilbetrag des Litcrprcises nicht übersteigen; hierbei ist jedoch die Abrundung von Bruchteilen eines Pfennigs auf volle Pfennige zulässig. In jedem Betrieb, in dem Einfachbier cmsge- schänkt wird, ist dessen Verkaufspreis durch eine deutlich lesbare Ankündigung im Ausschankrani» bekannt zu geben. Die Abgabe der in Gastwirtschaftsbetrieben üblichen Mengen an Ver- braucher gegen Barzahlung darf nicht verweigert, insbesondere nicht von dem gleichzeitigen Verkauf anderer Gegenstände ab' hängig gemacht werden. Zuwiderhandlungen sind unter Strafe gestellt.__ Schlechte Eier müssen umgetauscht werden. In letzter Zeit gehen unZ wiederholt Klagen zu, daß die Händler sich weigern, schlechte Eier umzutauichen und sich nur bereit finden, das Geld dafür zu ersetzen. Wir machen darauf aufmerk- sam. daß die Händler verpflichtet sind, die Ware umzutauschen. Selbstverständlich ist, daß dieser Umtausch bald vorgenommen werden inuß, damit nicht der Einwand erhoben werden kann, die Eier seien in der Behausung des Käufers verdorben. Eine zerstörte Erute. In der Kiefholzstraße in Treptow besitzt die Norddeutsche Jmtnobilien-A.-G. ein Wiescngrundstück, das in diesem Frühjahr für Kleingärten eingerichtet wurde. Der nasie Untergrund und die warme Witterung ließen eine prächtige Gemüseernte erwarten. Da hier tiefer Moorboden in Frage kam, so hatte die Bearbeitung zwar vielen Schweiß gekostet, aber die Aussicht auf eine gute Ernte ließ dies vergessen. Man kann daher die Bestürzung der Kolonisten ver- stehen, als sie am Sonntag die Kündigung ihrer Parzellen zum 1. August erhielten. Als Grund wurde angegeben, eineVe- Hörde will die„Goldne Aue" übernehmen. Würde das Grundstück, wie verlangt, zum 1. August geräumt werden müffen, dann i st die Ernte verloren. Das wäre aber in heutiger Zeit unverantwortlich. Es darf wohl erwartet werden, daß die betreffende Behörde, die heute vielleicht noch nicht den wirklichen Zustand des Grundstücks kennt, darauf die gebührende Rücksicht nimmt.___ Hellet Beschlagnahme und freiwillige Ablieferung von Gegen- ständen auS Kupfer und Kupferlegierungen ist am 20. Juni eine neue Bekanntmachung in Kraft getreten. Betroffen werden eine große Anzahl von Gegenständen, die zur Einrichtung von Häusern, Woh- nungen, Geschästsräumen, Bahnwagen, Kraftwagen, Schiffen usw. gehören. Einzelheiten sind aus§ 2 der Bekanntmackiung zu ent- nehmen. Die Ablieferung der beschlagnahmten Gegenstände erfolgt zunächst freiwillig. Die Uebernahmepreise für 1 Kilogramm be- wegen fich zwischen 5 M. und 6,50 M. bei Kupfer, beziehungsweise 4 und 5,50 M. bei Kupfer legierungen. Hierzu ivird ein Zuschlag von 1 M. für 1 Kilogramm gewährt, wenn die freiwillige Aölicfe- rung bis zum 31. August 1917 erfolgt. Nach Ablauf der für frei- willige Ablieferung vorgesehenen Frist werden die beschlagnahmten Gegenstände enteignet und nötigenfalls zwangsweise abgeholt werden. Alle Einzelheiten ergeben sich aus dem Wortlaut der Bekannt- machung. die �in den Berliner Steuerkassen, den städtischen Gas- revier-Jnspektionen, den Polizeirevieren und dem Metallbureau des Magistrats. Klosterstraße, Stadthaus Zimmer 39/40, vom 25. d. M. ab eingesehen werde» kann. Um eure geregelte Abfertigung der Abliefernden zu erreichen, ersucht der Magistrat, dem Bureau der Metallabtetluug, Klosterstraße, Stadthaus, Zimmer 39/40, auf Vor- drucken, die vom 25. d. MtS. ab bei den Steuerkassen und Gas- Nevier-Jnipektionen erhältlich sind, von der Bereitwilligkeit zur Ab- lieferung Kenntnis zu geben. Ablieferungszeil und Ort wird als« dann jedem bekannt gegeben werden. Auskunft wird bis auf weiteres nur im Bureau der Metallabteilung, Klosterstraße, Stadt- haus, Zimmer. 39/40 erteilt. Ein VolkSkonzert des Philharmonischen Orchesters findet am heutigen Mittwoch in der Philharmome, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Schreckenstat einer Mutter. Ein furchtbares Familiendrama hat sich in einem Hause der Plantage in Spandau zugetragen. Die dort wohnende 38 jährige Wirwe des vor uugesähr drei Monaten bersten benen Bücherrevisors Hannebohm war seit dem Tode ihres Mannes in Schwermut verfallen. Das Leiden verschlimmerte sich, so daß Frau H. in einem Sanatorium untergebracht werden mußte. Da sich dort ihr Zustand gebessert zu haben schien, wurde sie auf ihren dringenden Wunsch, bei ihren Kindern, einem zehnjährigen Knaben und einem 6 Jahre alten Mädchen, weilen zu dürfen, aus der An- stalt nach Hause entlassen. Sehr bald aber stellte sich das alte Gemütsleide», tvohl auch infolge der mißlichen Verhält- nisse, in die Frau H. durch den Tod des Ernährers gerate» war, wieder ein und tvtederholr soll die Witwe geäußert haben, daß sie mit ihren Kindern ihrem Manne in den Tod folgen wolle. Diese Absicht hat die unglückliche Mutier jetzt ausgeführt. Gegen Abend nahm der Inhaber der unter der Hannebohmichen Wohnung liegenden Wohnung wahr, daß aus der Badestube über ihm ständig Wasser durchsickerte. Als diese Erscheinung stundenlang anhielt und ondete Hausbewohner einen aus der Wohnung dringenden Gas- geruch bemerkten, wurde der Hausbesitzer benachrichtigt, der das nächste Polizeirevier verständigte. Nun wurde die Woh« niirifl, da fidfi aus wiederholte' Klopfen und Klingeln niemand meldete, gewalliam geöffncl, und in der vollständig unter Wasser stehenden Badestubc fand mm> in der überfüllten Badewanne die beiden Kinder als Leichen. Im Schlahziinmer, das mit GaS angefüllt war, hatte sich die Mulier erhängt, vi» hinzugerusencr Arzt konnte nur noch feststellen, das; bei allen dreien der Tod schon vor Stunden eingetreten tvar. bei den Kindern durch Ertränken. Offen- bar hat Frau H. die furchtbare Tat in einem Anfalle geistiger Ver- toirrung verübt, bald nachdem sie von einem Besuche beS Grabes ihres Mannes zurückgekehrt war. Den Kindern hat sie wahrschein- lich vorher ein BetäubungSinittel gereicht. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt, die Wohnung geschlossen. „Wie Boden und Oberfläche der Mark Brandenburg entstanden sind." lieber dieses Thema hält am Sonnabend, abends S Uhr. Herr Engelbert Gral im Museum für Meereskunde, Georgen- strasie 34—38, einen vom Vorstande der A k a d e in i s ch e n Unter« r i ch t< k n r s e für Arbeiter veranstaltete» Vortrag mit Licht- dildern. Das Eintrittsgeld beträgt IS Pf. Gäste sind willkommen. Durch Heiratsschwindel verraten hat sich ein Gauner, der vor einiger Zeit auf einem hiesigen Postamt einen dreisten Streich ver- übte. Dort erschien in der Packkamnier ein Mann in Soldaten- uniform und erklärte dem anwesenden Beamten, er sei Postbote und von der Verwaltung reklamiert, um setzt in der Packkammer Dienst zu tun. Ans seine Bitte zeigte ibm der Beamte seine künstigen Obliegenheiten und liest ihn dann einen Augenblick allein. Diesen benutzte er. um mit einem Wertdeuiel zu verschwinde», der niehrere Scdecks über zusammen annähernd Sl)l)l> M. enthielt. Als man den Diebstahl entdeckte, waren die Beträge auf der Bank schon abgehoben. Im Nordosten der Stadt trat nun in der Uniform eines UnterzahlineisterS ein junger Mann auf, der viel Glück bei den heiratslustigen Mädchen hatte. Einem nach dem andern ver- spracki er die Ehe. Geld nahni er ihnen vorläufig nicht ab, weil er noch über die gestohlene« Mittel verfügte. Jedenfalls machte er sie sicher, uni sie später ausbeuten zu können. Einem der Mädchen fiel es auf, dast der angebliche Unterzahlmeister solange Urlaub hatte. Es erkundigte sich näher nach ihm und ersnhr auch seine Wohnung. Der Mann ivurde verhaftet und als der Postdieb entlarvt. Es ist ein 26 Jahre alter Karl Schütz, der mit den Slrafbehörden schon vjt zu tun hatte. LebenSmittelschwindeleien rinrS falschen Militärarztes. In einem WilmcrSdorser Lazarett erschien dieser Tage ein elegant gelleideter Herr, der sich als Militärarzt ausgab. Er erklärte, dast er von dem desrenndetcn an der ftront weilenden Sohne des Chefarztes des Lazaretts eine graste Kiste mit Lebensmitteln erhallen habe, die von ihm gegen Entrichtung des verauslagten Betrages abzuholen sei. Da der Chefarzt augenblicklich zur Kur in Baden-Baden weilt, wurde er vom Lazarettbureau auS telephonisch an- gerufen. Er bestätigte in dem Gespräch, dast er von setnem Sohne eine gröstere Sendung erwarte, und liest dem angeblichen Kollegen die Adresse seiner Tochter mitteilen, an die er sich wenden solle.' Am Tage darauf erschien der fremde Herr bei der Danie und ersuchte sie, die LebenSniitlrlsendung ans seiner Wohnung abzuholen gegen Etstatlimg seiner Auslagen in Höhe von 660 M. Die junge Dome trug jedoch Bedenken, einen so hohen Betrag ohne weiteres zu zahlen, und obwohl ihr der Fremde erklärte, dast ihr Vater ja bereits von Baden-Baden miS die Anweifung zur Zahlung gegeben habe, rief sie den letzteren doch noch telephonisch an und'erhielt die Genehmigung, die 666 M. zu zahlen, die sie min auch dein angeblichen Arzt übergab. AIS sich am nächsten Tage die junge Dame nach der an- gegebenen Wohnung des Herrn Doktors begab, mustte sie zu ihrem Schiecken erfahren, daß sie einem Gauner in die Hände gefallen ivar. Der Schwindler hatte sich den Namen eines in der Tat dort wohnenden Militärarztes beigelegt, der schon vor einigen Tagen wieder an die Front abgereist war. In der angeblichen Wohnung des Betrügers waren bereits«ine ganz« Anzahl Damen erschienen, die alle LcbenSmittelpakete. die sie zum Teil init sehr er- hcbltchen Betiägen bezahlt hatten, abholen wollten. Bisher ist es noch nicht gelungen, den Gauner zu ermitteln. Als besondere Kennzeichen werden mehrere Schmisse im Gesicht angegeben. Im Droschkenant» verdrmint. Ein schwerer Unfall«reignele sich in der Nacht zum Dienstag in der Königgrätzer Slraste. Die in der Salzburgcr Stroste 16 wohnenden Eheleute Perlwitz hatten am Abend ein Theater besticht und sich zur Rückkehr in ihre Woh- nung einer Autodroschke bedient. Als das Gefährt sich in der Nähe des Anhalter Bahnhofs befand, explodierte plötzlich der Benzin- behälter und eine Stichflamme erfastle Frau P., die im nächsten Augenblick in Flammen eingehüllt tvar. Der Gatte versuchte seiner Frau Hilfe zu leisten und erlitt dabei erhebliche Brandimmden an beiden Händen. Die Schwctverlctzie hat am ganzen Körper Brand- wunden erlitten und mustte in sehr dedenllichem Zustande nach dem Rudols-Virchow-Krankenhause geschafft werden. Großscucr kam am TiciiSiag tiachiniltag auS bisher noch nicht ermittelter Ursache in der K o p p e n st r. 27 zum Ausbruch und er- reichte in ganz kurzer Zeit«ine solche Ausdehnung, dast die Berliner Feuerwehr stundenlang mit der Löschung zutun hatte. Es brannten die Fabriken von Bach G. m. b. H. nnd Alfred Solomon(Alsica- Fabrik). Der Schaden lästt sich noch nicht übersehen. Wer ist die Tvtr? Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Leicht einer Frau, die schon statl in Verwesmig übergegangen»vor, wurde am 14. Juni, vormittags Uhr, aus dem nördlichen Becken des Westhafcns gelandet. Die Unbekannte ist etwa L6 bis 2Z Jahre all, 1.72 Meter groß, schlank, hat ovales Gesicht und blondes Haar. Bekleidet war sie mit schwarzem Cbevioirock, Oberrock, weistein Spitzemmtmock, weister Bluse mit rosa ausgebleichten Btumen und sechs ctbsengrosten hellblauen Giaslnövsen. weister Unlertaille, grauem Korsett, weistcm Hemd, vor» an der Brust Rosenstickerei. schwarz».» Strümpfen tmd Schnürstiefeln. Venmtilich liegt Selbstmord vor. Sachdienliche Angaben nimmt jedes Poltzeirevier, auch die Kriminal« Polizei VI. Bezirk zu Nr. 1743 IV/SS. 17 entgegen. Schoneberg. Stadtverordnetenversammlung. In der Sitzung am Montag hatten die Fraktionen folgende Anfrage an den Magistrat eingebracht:„Ist der Magistrat in der Lage, Auskunst zu erteilen über den Stand der Liquidation der Englischen Gasanstalt?" Zur Begründung führte Zobel sLib. Frkt.) aus, daß die Re- gierung sich viel Zeit lasse, um endlich ein Urteil zu fällen. ES sei nicht recht ersichtlich, auf welche Gesellschaft Rücksicht genominen iverden soll. Man wolle daher wissen, ob die Regierung deabsichiige, die Gaswerke den Landräten oder den Städten unter der Führung Berlins auszuliefern. Oberbürgermeister Dominikus entgegnet«, dast die Staats- regierung mit den Gemeinden verhandelt hat. Leider ist es nicht gelungen, die Einigung unter den Städten Berlin, Schöneberg, Wilmersdorf und den Landkreisen Teltow und Niederbarnim herbeizuführen. Dann sind die Verhandlungen von der Regierung abgebrochen und die Ausschreibung ist vorgenommen ivorden. Es wird gesagt, der angebotene Preis soll zu»ivdrig sein. Stadt und Land haben aber den Preis abgegeben, der von den sachver- ständigen Gutachtern für angemessen bezeichnet wurde. Das Per- fahren der Ausschreibung dürfte für die Regierung die beste Rücken- deckung sein. Politische Gründe dürste» der Regierung nicht mast- gebend sein, uni aus den Städten höhere Preise herauszuholen. Der Erfolg Iväre Erhöhung des Gaspreises oder der Gemeinde- steuern. Beides darf nicht stattfinden. Allem Anschein findet die Regierung das Angebot der Landräte für genehmer, nur die richtige Begründung ist noch nicht gefunden. Die Landkreise haben Aus- ficht, sehr begünstigt zu werden, obwohl in der Verteilung der Lebensmittel gerade die Landkreise viel zu wünschen übrig lassen. Die Städte sind die gröstten Verbraucher des Gases, sie müssen da- her auch zuerst berücksichtigt werden. Auherdem käme vielleicht der Zwcckverband in Frage. Diesem sonderbaren Gebilde könnten die Gaswerke nicht überwiesen werden, da erst eine Gesetzesänderung vorgenommen werden müstte. Die Absicht, die Stadt Berlin von den anderen Gemeinden zu trennen, ihr die dortigen Werke zu überweisen, während die übrigen Gaswerke den Landkreisen zufallen sollen, wird daran scheitern, dast Berlin die Städte Schöne- bcrg und Wilmersdorf nicht im Stich lassen wird. Die Regierung sollte sich wohl überlegen, ob es ratsam erscheint, in dieser Zeit der Nahrungsmittetschivierigkeiten und für die kommende Heizperiode die Grost-Berliner Bevölkerung unnötig zu verärgern. Genosse M o h L erklärte, es wäre Pfticht des Magistrats ge- wese», den Stadtverordneten längst Klarheit über den Stand der Angelegenheit sowie die Stellung der Regierung zu geben. Der. angebotene Preis sei äuhcrst günstig, da mit Ausnahme d«S Mariew- dorfcr Gaswerkes alle übrigen nur alte Einrichtungen sind. Man sollte den Gesellschaften nickt zu sehr nachlaufen. Dem Zweck- verband das Zutrauen zu schenken, sei vergebene Liebesmühe. Der vorliegende Protest, dem sich die sozialdemokratische Fraktion an- schlietzt, muh die Regierung zu einer klaren Stcllungnabme zwingen.— Darauf wurde die gestellte Anfrage als Protest ein- stimmig angenommen. Die zur Kenntnis gebrachte Uebersicht über den Besuch der G« m e i n d e s ch u l e n ergab, dast in den 16 Eseiiieindeschulen 6316 Knaben und 6326 Mädchen, insgesamt 12 642 Kinder unter- gebracht sind, Ter TurchschnittSbesuch einer Klasse beträgt 42,6 gegen 43 Kinder der letzten Uebersicht.— Für die Uiiterstützung der Angehörigen mobiler Mannschaften sind bisher 1b Millionen Mark bewilligt worden. Es wird beschlossen, weitere S Millionen Mark zu bewilligen. Nunmehr gelangte der Antrag der sozialdemokra» tischen Fraktion: Aufhebung des Sitzvcrbots, zur Debatte. Oberbürgcriiicistcr T o m i n i c u S gab die Erklärung, dast das Sitzverbot insolgc eines Mißverständnisses erlassen und die Aus- Hebung desselben vergessen worden sei. Genosse Eichelhardt erklärte, dast durch diese Erklärung die Angelegenheit erledigt sei. Zu der Vorbereitung der Wahl des Bürgermeisters und Kämmerers beschlost die sozialdemokratische Fraktion, beide Aemter in der Person des Kämmerers Machowicz zu vereinigen. Damit dürste kaum»och eine Mehrheit für die Wiederwahl des Bürgermeisters Blankenstein vorhanden sein, da auch bürgerliche Stadtverordnete für seine Wiederwahl nicht zu haben sind. Nach einer Meldung der Ortsprcsse wurde sogar in der letzten Wahl- ausschuhsttzung schon festgestellt, dast er nicht wiedergewählt wird. — Die Verteilung der Mvgcrmilchkartcn. Die Mager- milchkarten für die Kinder im 13. und 14. Lebensjahre werden Donnerstag. Freilog und Sonnabend durch die Brolkommiisionen ausgegeben. An dielen Togen können auch noch Mageriiiilchkaricn iür die 6— 12jährige» Kinder nachträglich abgeholt werden. Nach dem 23. Juni aber iverden Magennilchkarlcn nicht mehr aus- gegeben._ Wilmersdorf. Milchabgabe. Die neuen Vollmilchkarten für Kinder im Alter bis z» sechs Jahren, die bereits zur Ausgabe gelangten, sind zu einem beträchtlichen Teile von den Haus- haltungsvorstände» in den Brotkommifstone» noch nicht abgefordert Ivordeo. Es sei darum nochmals darauf hingewiesen, dast in der Ausgabe der Wilmersdorfer Vollmilchkarten für Kinder insofern eine Aenderung eingetreten ist, als sie künstig von den Empfangs- berechtigten stets bei der zuständigen Brotkommission abgebolt werden müssen. Die Abholung muh nunmehr umgehend erfolgen. — Bei dieser Gelegenheit Ivird bemerkt, dast fiir die Ausgabe von Milchpräparaten, für die vom 26. bis 23. Juni Voranmeldung statt- findet, nur kinderlose Familien und Familien mit Kindern iiv Alter von über 16 Jahren in Betracht kommen. Friedrichsfelde. Stillegung des GcmeindegaSwcrkS. Die Ge- ineindevertrelung stimmt« in ihrer letzten Sitzung dem Antrag au' Stilleguiig des Gemeindegaswerk» und Abschluß cliieS Abkommen» mit den städtischen Gaswerken von Lichtenberg über die Gas- Versorgung von FricdrichSfelde zu. Der Vertrag wird zunächst aus die Dauer von drei Jahren geichlosien und cS ist nicht unwahr- icheinlich, daß diese Vereinbarung später aut erweiterter Grund- lag« verlängert wird. Die Gemeinde hofft, mit diciein Abkommen statt der bisherigen Verluste, die da» Gemeinde- gaswerk gebracht hat, einen Ueberichuß von jährlich ciwa 32 666 M. zu erzielen. Ebenso stimmte die Gemeindevertretung dem zweiten Abkommen mit Lichtenberg über die Errichtung eines Arbeitsnachweises sür FrieduchSfeld« innerhalb bei Lichte»- berger städtischen Arbeitsnachweises zu. Den Friedrichsfelder Ar- beitern wird dabei die gleiche Behandlung zugesicherl wie den Lichtenberger Arbeitern. Di« Gemeinde braucht nur einen jährlichen Znschuß von 1666 M. zu zahlen. Schließlich beschloß die Gemeinde- Vertretung, den Lehrkräften der Volksschulen den Unterschied zwischen den vom Staate zu zahlenden KriegSteilerungSzulagen und den von der Gemeinde den Beamten und Angestellten gezahlte» Beträgen von Gemeinde wegen zu bewilligen. Tempelhof. LeieuSmittelnachrichtcn. In dieser Woche werden neben den üblichen Lebensmittel» 2 Pfd. Kartoffeln oder 266 Gramm Gebäck auf die vier weißen Abschnitte der Kartoffelkorle. 366 Groimn Gebäck aus die übrige Kartoffelkarle abgegeben, ferner vier Eier. >/, Pfd. Marmelade aus Lebensmittelkarte und 1 Kilogramm Aeniüic- komerven auf zwei LebenSmiUelkarten. aber nur für einen Teil der Bevölkerung._ Groß-Serliner partelnachrtchten. Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Broschüren gegen Vorzeigung de« Mitgliedsbuches bei Glaue, Kommandanten- ftraß« 88. abzuholen sind._ «vrtternuSUchtrn tut da» mittlere Norddrutichlnn» dl» Donnerstag mittag. ENvaS kühler, vicliarh wolkig mit aeUtten oit- wätie jortichreitenden(SeiolNcrn. DeatscberRetailartieiteMeM Verwaltungsstelle Bertin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unter Mitglied, der Gürtler Roberl Mianowilz Gittchiner Straße 64 am 18. Juni gestorben ist. Dir Beerdigung sindet am Donnerstag, den 21. Juni, nach- mittag» 6 Uhr, von der 2eiche»> Halle dcS St. Michael-Kirchhoses, Wariendorscr Weg. ans statt. Rege Beleiligung wird erwartet. Den Kollegen ftnier zur Nach. rickt. daß unser Mitglied, der Schmied Ricban! Kohlhase Neukölln, Zbvmasstraße 35 am 12. Juni gestorben 1(1, tkhre ihrem Andenken! 176/15 Tie OrtSverwattung. Zeniralyerband der SleMeiter Deulseblands. Xahlettelle Berlin. Unseren Mitglieder» zur Nach- Kollege, der Vicht, daß Stcmmch unser Josef Rehor am 17. Juni 1917 verstorben ist. Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 2t. Juni, nach. mittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Friedhose« Nenlölln, Maricndorier Weg, au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 172/2 Die Ortsverwaltung. Spezialarzt Dr. med. VTockenlnt». Frledrichstr, 125(Öranienb. Tori, für Syphlll». Harn- u Frauenleiden— Ehrllch-Hata-Kur(Dauer 10 Xagv, Blutuntereuohung Sehnette,»icher« scnmerziose Heilung onne Seruf»- 215/10) Störung, loilzahlung. bpiecasiuadeu; ii— 1 aöl 6—S Maurergemerbe zu Brrliu. 91. Xachite, Vorsitzender. R. Freund, Schriilsührcr. Küdnerausen Fußsohlenverhärtung Hern!'« Ibllöuna enfferm mll aMclultr(Tliitr. öti( Zi«>»«l>„Boaoo". a nilgt» Ttoöl- ialmiltfl für tlngeajmjellt und(idmerjdafli Sei 25 Zehren bewshrl. Versand dmch Nachnahme. Otto Reichel, Berlin 43. ElscnbaHnjlr.l. *T" U inltu.ohnelaisumenplatte. Brücken. Plomben jeder Art, / QnnO,io,dkronen- ruodeme Goldtechnik. Umarbeitung: Z.UlllluHchlechtMltr,.<4eblan«. Reparatur,»of. Zahnalehen ' l.brti.Bettiubun».(Cl. Preise, auchTolliahl. Tel.Nord10438 D. Ä. 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Berlin, Blumenlhalstr. 3. Von Geichwulst und Stdizest an alter Overattonsnarbe mit 15 Behandlungen geheilt.— Frl. M. Muschick, Bln.-Schöneberg, Stdan« slraße 1? ll bei Fiiebick von Geschwulst u. Nervenschwäche in 4 Wochen geheilt. Vorher dringend zur Operation geraten.— Herr Zt. Schlabit«. Berlin. Caprivistr. 24. Von GeftchtsluPuS in 1 Monat vollständtg geheilt. Vorher S Wochen mlt Radium in einer Berliner Klinik ohne Etiolg behandelt.— Frau<£. Popp, Lichten» berg, Gürtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche und Verstopfung geheilt.— Sohn de« Gärtners H. König, Pankow. In G Wochen von veralteter Peinlähmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Ersolg abgeiproche».— Von Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Erklärt sich ielhsl sür ganz gesund.— Herr Milch- händlcr Eckert, Belli». Greisenhagencr Str. 26. Von gichtisch- rheuinnt. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zusrieden. Herr 9t. Prose, Berlin-MarieNdors, Stretitzer Str. ll. Bon chront- nischer gkückcuniarteutzüuduug nud Lähmung gehellt. Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner. Ncliliclcndors-Oil, Provinz- slraße 117. Von Lungeublute» und Katarrh gehellt.— Frau I. Berold, Berlin. Ramlerstr. 23. Von Pronchialkatarrh gehellt. — Zwei«Inder des Kohlenhändlers Herrn Linke. Berlin. Strelltzer Straße 6. vor 9 Jahren von Lungenletben gebellt, heute noch ge- sund.— Herr G. K tippe. Bln.-RumnielSburg, Alt-Bolchagen«. Bon doppelfeittgem LiliigeiispiUenkatarrh gehellt.— Herr v. Neu- mau», Lichtenberg, Blumentbalstr. 13. Von Neurasthenie und nrr« vöser Magenschwäche geheilt.—Frau tt. Grolle. Berlin. Zwnigli. straße 26. Bon Leberleide» gehellt.— Frau Restaurateur Hering. Berlin. Schönhauser Allee 87. Von Pakedowscher Krankbrtt ge< bellt.— Herr Geich Bock, Berlin, Stendalcr Str. 17, I V. Von Nieren- u. Blasenleldru. flüallersucht. allgeiiieiner großer Schwäche geheilt. Vorher im Kranlenhause erfolglos behandelt. Jetzt Fliegersoldat. 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Schwestern in langen tveißen Schürzen bewegen sich fast schwebend an der traurigen Reibe vorbei, hier ein Kissen ordnend, dort eine kleine Unterhaltung eröffnend, imnier mit jener hoch erhabenen Ruhe, die den Kranken das Dulden so sehr erleichtert. »Liegen Sie gut, mein Junge?" ,,Ja, Schwester, aber... hören Sie mal einen Augenblick.' ..Ja, mein Junge, wo fehlts denn?" Hab' den Doktor mit Ihnen sprechen sehen, Schwester. Was hat er gesagt? Wie lange noch? Kommen Sie, sagen Sie's nur! Ich weiß wohl, daß es nicht mehr lange währt, aber ich möchte gerne wissen, wie lange. Uebcrmorgcn, Schwester, ist meiner Mutter Geburtstag. Und bis dahin möchte ich noch so gerne leben!" »Ach Ivos, Junge, so schnell stirbt man nicht! Sie bleiben noch viel länger bei uns, verstanden! Und wenn dann die Sonne wieder kommt, stehen Sie gesund und munter wieder auf." »Rein, Schwester, sagen Sie das nicht. Das ist ja gar nicht tvahr. Der Doktor hat es selbst gesagt, keine Hoffnung mehr. Und dann fühle ich es ja auch selber. Mitten durch die Brust. Haben Sie gehört, Schwester, daß es eine englisch« Kugel war? Von unseren eigenen Kameraden. Ich wußte es wohl, Schwester. Noch che man sie aus der Wunde gezogen hatte. Ich hätte es nicht tun sollen, he? Ach ja, Sie wissen es noch nicht. Kommen Sie mal ganz nahe zu mir, Schwester. Die ande- ren dürfen es nicht hören. Ich bin... weggelaufen. Sind Sie böse, Schwester? So hören Sic doch, dann werde ich's Ihnen erzählen. Ich bin Holländer, und ich habe unterschrieben. Ich war auS Holland irach Amerika ausgewanidert. Dort sei viel Geld zu der- dienen, sagte man. Ich hatte es gut dort. Dann kam der große Dreck nach Australien. Mein Vater schrieb mir aus Holland, daß sie nach Australien gingen. Und ick ging auch; ich war Maler; in Sidnev gab es viel Arbeit, und wir lebten glücklich.... Ich Hab noch eine kleine Schwester dort. Sie hat ebensolche Augen wie Sie, Schwester. Aber ihr Haar ist anders. Werden Sie ihr schreiben, wenn... es vorbei ist. Wir hatten einander so gern!... Bis der Krieg kam. Das ganze Land war in Bewegung. Ueberall sah man die Werbeplakate. Mir kam es zwar schrecklich vor, aber schließlich brauchte ich ja niemals zu kämpfen. Ich war ja Holländer, und da viele Engländer weggingen, hatten wir Arbeit im Ueberfluß. Dann begann die Behörde die Arbeit zu zentrali- sieren. Das war der Anfang. Ich kam zur Arbeit auf eine Farm als Knecht. Aber nach einigen Monaten mußten wir die zum Militärdienst untauglichen Männer anlernen. Sobald die unsere Arbeit konnten, bekamen wir unsere Entlassung. Ich war einer von den Glücklichen, die zeitweise von der städtischen Straßen- remigung in Dienst genommen wurden. Aber kaum war ich vier- zehn Tage da, so fragte mich der Aufseher, ob ich für den Dienst ausgemustert sei. Und ich bekam meine Entlassung.** sollte nur Dienst nehmen, sagte er. Dann ging das Umherstreifen an, Schwester. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend fragte ich überall um Arbeit nach. Ueberall, überall dieselbe Antwort:.Nimm Dienst!" Ueberall! Mein Geld ging auf die Neige. Ich litt Hunger, Zu Hause litten sie Hunger. Jeden Abend sah Schwester- lein mich mit ihren großen Frageaugen an. Das tat so weh, Schwester! Eines Abends sprach mich jemand an. Auf Holländisch. Das tut einem gut und erweckt Vertrauen. Ich bin mit ihm gegangen, und wir haben zusammen getrunken. Whiskey in einem leeren Magen macht schnell betrunken.... Und dann habe ich unter- schrieben. Ich war betrunken. Ich wollte nicht. Ich fand den Krieg entsetzlich. Aber in ßlegypten, wo meine Kameraden tot neben mir nieder. sanken, weil sie ans einer vergifteten Ouell« getrunken hatten, be- gann ich den Feind zu hassen und kämpfte wie ein Wütender. Die Sonne war dort so heiß, und wir hatten so großen Durst! Aegypten rst ein abscheuliches Land, Schwester! Dann gingen wir nach Gallipoli. Wie Ratten fielen sie dort! Hunderte, Tausende! Als wir dort fortgingen, kamen wir hier- her. Und vor einer Woche machten wir einen Bajonettangriff. Die Stellung war bald genommen. Aber, Schlvester, als ich einem Deutschen mein Bajonett in die Brust stieß, strauchelt« ich und fiel neben ihn nieder. Ich hörte, wie er leise und abgebrochen stöhnte: .Vater, Mutter, ich grüße, ich..." Schwester, ich habe in Holland dicht bei der deutschen Grenze gewohnt; ich konnte ihn verstehen. Können Sie sich einigermaßen vorstellen, was in mir vorging? In mir, der den Krieg immer schvecklich gefunden, der gezwungen war, zu... morden, zur Selbsterhaltung! Mein Haß war gekünstelt: die Feinde waren für mich Tiere, die meine besten, Instigen Kameraden getötet und arme unschuldige Menschen gemordet hatten. Aber diese drei Worte, so schmerzvoll und traurig vom Munde eines Sterbenden gestammelt, riefen andeve Empfindungen in mir wach. Jetzt begriff ich, daß wir Menschen töteten. Zwei Tage später mußten wir wieder hinaus, Schwester. Und als ineinc Kameraden vorwärts stürm den, bin ich zurückgelaufen. Ich war nicht feige, Schwester. Ich habe auf Gallipoli einen Ver- wundcten zwanzig Meter vor den feindlichen Laufgräben weg- geholt. Aber ich dachte an meine Mutter, Schwester, und an die Mutter dieses Deutschen. Und dann bin ich zurückgelaufen. Meine eigenen Kameraden schössen aus mich. Ich darf es ihnen nicht übel nehmen. Ich brachte ja ihr Leben in Gefahr. Mitten durch die Brust, Schwester. Sind Sie mir nun böse? Nein, Sie sind ja so gut! Sic werden ihr schreiben, wie?... Ich möchte schlafen, Schwester. Ich bin so müde, so müde.. (Deutsch von G. Gärtner.j vierhunöertjähriges Talerjubiläum.' Unter den Silbennüiizen, die demnächst bei ihrer Einziehung aus dem Verkehr in die Regierungskasscn zurückwandern werden, befindet sich ein Jubilar, der in diesem Jahre seinen vierhundert» jährigen Geburtstag feiert. Nennt er sich auch seit einigen Jahren nur noch schlicht.Drei Mark", so hat er doch im Volksmund den altvöterischen Namen„Taler" bewahrt, wie denn diese Bezeichnung zu den volkstümlichsten unter allen Münzbenennungen in Deutsch« land gehört. In dem Spiel der Kinder.Taler, Taler, du mußt wandern", der alten Sparweisheit.wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" und zahlreichen Talersammlungen kommt die Volkstümlichkeit gerade dieses Geldstückes zum Ausdruck. Seit dem Jabre 1517 prägten die Grafen von Schlick in Joachimsthal in Böhmen auS dem dort gewonnenen Silber Guldengroschen von zwei Lot Gewicht, die bald als JoachimSthaler oder Schlickialer so bekannt wurden, daß die daraus durch Abkürzung abgeleitete Münzbezcichnung für jedes größere Silberstück von über einem Lot Gewicht raicki allgemeine Geltung gewann. In Deutschland, wo der Taler tSSö zur gesetzlichen Reichsniünze erhoben und zunächst öS Kreuzern gleichgesetzt wurde, gab eS bald je nach Gepräge, Zusammensetzung und Ursprungsort die ver- schiedenartigsten Taler. so Toppeltaler. halbe, viertel, sechstel, drittel und zweidrittel Taler. Ihrer inneren wie äußeren Mannigfalligkeit entsprachen in den einzelnen Kleinstaaten die unterschiedlichsten Einteilungen, wie in 2t gute Groschen, 45 Marien- groschen oder 30 Neu- oder Silbergroschen. Der Taler sollte ur- spriinglich dem Werte des srüberen deutschen Goldguldens in Silber entsprechen, was zu der anfänglichen Bezeichnung Guldcngroschen führte, deren erste 1484 in Hall in Tirol geprägt wurden, bis ihr Name durch den Taler der Grafen Schlick abgelöst wurde. Die Ausprägung erfolgte nach dem in den einzelnen Staaten geltenden Fuß. So wurde nach dem 1ti9v von Kürfürst Johann Georg III. ausgestellten.Leipziger Fuß" die Mark Silber aus 12 Taler aus- geprägt. Dieser Fuß wurde in ganz Norddeutschland angenommen und auf dem Reichstag von 1737 sogar zum ReichSfuß erhoben. 1748 führte Kaiser Franz I in Oesterreich den nach dem Beitritt Bayerns.Konventionsfuß" genannten 20-Gulden- fuß ein. Nach ihm wurden die in Süddeutschland stark verbreiteten KonventionS- oder SpezieStaler geschlagen. Daneben liefen in Süddeutschland viel die französischen 6-LivreS-Taler um, die man Laubtaler nannte, und die belgischen Krontaler. Schwcrttaler oder Brabanter Taler. Den, Speziestaler seiner Zusammensetzung nach verwandt ist der bekannte Maria-Thetesien-Taler, der seit 1765 in Oesterreich für den Handel nach der Levante geprägt wurde und seit 1780 unverändert diese Jahreszahl und das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia führte. Einer großen Beliebtheit erfreuten steh die zwei Taler mit Heiligenbildern: der in GoSlar. Mainz, Trier, Bayern und Ungarn geschlagene Manentaler mit dem Marienbilde und der vom Kriegs- voll als Talisman vielbegehrte GeorgSialer. lieber die Grenzen Deutschlands hinaus fand die Bezeichnung Taler in sprachlicher Abwandlung im amerikanischen Dollar und den skandinavischen Rigs- und Riksdalern wie bei anderen Münzen auch im Auslande Aufnahme. Der neue Eisenbahnwagen. Während des Krieges kann sich die Verbesserung von Einrich- tungen, die hauptsächlich der Friedenswirtschaft dienen, naturgemäß nicht so schnell und sichtbar vollziehen, wie man es von früherer Zeit gelvöhnt ist, und eine Neuerung braucht mehr Zeit, um zu aus- fälliger Wirkung zu gelangen. Doch insbesondere das Eisenbahn- Wesen ist im Kriege vor Aufgabe» von so gewaltiger Ausdehnung und Dringlichkeit gestellt worden, daß sich die Fortschritte im Aus bau des Materials nicht in dem sonst üblichen Tempo abzuspielen vermögen. Um so mehr verdient es betont zu werden, daß niiiten im Kriege ohne viel Aufhebens eine Neuheit im Schnellzugbetricoe erprobt und erstmalig eingeführt worden ist, die in Zukunft für die Bequemlichkeit und Sicherheit des Reifens zu einer großen Beden- tung berufen erscheint. Es ist das der eiserne D-Zug, der seit kurzem zwischen Berlin und Köln läuft, ein Zug, der bis aus die innere Ausstattung der fünf Personenwagen und des Speisewagens völlig aus Eisen hergestellt ist.' Gewisse Vorteile des Ersatzes von Holz durch Eise» liegen auf der Hand. Insbesondere für den Fall van Zusammenstößen, deren Wirkung die eisernen Wagen einen weit größeren Widerstand entgegenzusetzen vermögen. Es ist doch bekannt, daß bei solchen Eisen- bahuunsällen die grausigsten und gefährlichsten Verletzungen durch das zersplitterte Holz der Wagen verursacht werden. Schon vor 20 Jahren und etwas darüber hat sich der Umschwung im Bau der Eisenbahnwagen zu vollziehen begonnen. Aber erst jetzt hat der eiserne D-Zug, der diesen Namen ganz verdient, das Licht der Wcli erblickt. Die Tatsache ist bemerkenswert und folgenschwer genug, um ihr, nach einigen Mitteilungen der„Umschau" über die Bauart dieser neuen Wagen, eine kurze Schilderung zu widmen. Wer die Wagen betritt, wird im Innern auf den ersten Blick keinen Unterschied vom gewohnten Aussehen bemerken, da die Wände und der Fußboden mit Holz verkleidet sind. Die Wagen sind von noch größerer Länge, und vor allem fällt der längs über sie hinwegstreichende hohe Aufbau des Daches ins Auge, der eine bessere Lüftung der Abteile herbeiführt. Auch die Form der Wagen ist neu und weicht besonders in den Vorbauten von dem bisherigen Brauch ab. Hier ist alles geschehen, um die Wagen gegen einen Zusammenstoß rammsicher zu machen, nicht nur durch die Anord- nung der Stirnwände, sondern auch durch den Einbau eines beson- deren sogenannten Rammdaches von tonnensörmiger Gestalt. Auch die Seitenwänd« des Wagenkastens sind in der Massenvcrtcilung neu berechnet und erhalten dadurch eine größere Festigkeit, daß der Obergurt bis auf die Höhe der Fensterbrüstung hinauf verlegt ist. Daß auch unsere großen Durchgangswagen bisher immer nock hölzerne Untergestelle besaßen, wird vielen überhaupt nicht bekannt gewesen sein, und hier hat denn auch der Ersatz durch Ersen am ehesten begonnen. Jetzt soll dieser Wechsel des Materials allmäb- lich allgemein durchgeführt werden. Mancher wird gegen die eisernen Durchgangswagen vielleicht den Verdacht haben, daß sie ein größeres Gewicht besitzen als hölzerne. In Wirklichkeit sind d'e eisernen Wagen sogar noch bedeutend leichter, weil sie im Verhält- nis zum Holz weniger Material beanspruchen. Notizen. — Prof. Birkeland, ein bedeutender norwegischer Natur- forscher, ist auf einer Reise im fernen Osten— in Tokio— eist 50 Jahre all, gestorben. Am wichtigsien ist das von ihm an- gegebene Versahren, Salpeter aus der Lust millelS der elektrischen Bogenlampe» zu gewinnen, geworden, besonders für Norwegen, wo billige Wasserkräfte zur Verfügung stehen. Allgemein ange- nommen wurde auch seine Erklärung der Nordlichter, die er aus elektromagnetischer Sonneneinwirkung ableitet. — MeineKinder, deine Kinder undunsereKin- der. Teresa Carrcno, eine Vollnatur auch im Privatleben, gab im Freundeskreise gern dies und. das aus ihren Ehcstandserlebnissen zum Besten. Viermal verheiratet, hatte sie-aus diesem Gebiete b:- greiflicherweise reiche Erfahrung, und besonders gestaltete sich d'e Verbindung zweier so starker Persönlichkeiten, wie d'Albert und die Carreno. in vieler Hinsicht merkwürdig und eigenartig. Als die beiden sich miteinander vermählten, brachte jeder von ihnen auö früheren Ehen schon Kinder mit, und auch ihr eigener Liebeshund ward mit Nachkommenschaft gesegnet. Diese Jugend pflegte sich nicht immer friedlich zu vertragen, und wenn es unter den Kindern der Hauses zu Lärm und Zusammenstoß kam, dann rief der emp- findliche d'Albert mit Vorliebe die tatkräftige Hausfrau zu Hilfe. Und so geschah es eines Tages, daß die Carreno sich von ihrem Gatten mit der drollig-wehmütigen Klage- angerufen hörte:„Te- resa, meine Kinder und deine Kinder hauen unsere Kinder!" — Heiraten die Engel? Die Religionsverlünder ver- schiedener Schattierungen, wie sie besonders die nordischen Länder häufig durckjtreise», haben bei Ankündigung ihrer Versaniinlunge» vor allen Dingen den eigenen Verdienst vor Augen, wählen daber oft die sonderbarsten Predigtvorwnrfe. um recht viele Zuhörer an« zulocken. Ems der eigenartigsten dürste jedenfalls der Gegenstand sein, den der norwegische Laienprediger Ole Johansen dieser Tage in Kristiania behandelte. Er hatte die Frage gewählt:.Verheirateten die Engel sich in Noahs Tagen mit Frauen?" 281 Der starke Mann. Eine schweizerische Ofsiziersges chichte von Paul Jlg. „Das wäre denn doch zu viel Nachgiebigkeit und würde nur als Schwäche gedeutet! Bewahre, das Hasenpanier ergreifen wir nicht, komme was da wolle!" wehrte der Divisionär mit lächelnder Entschiedenheit ab. Das feinorgani- siertc Gesicht des Sprechers war von mancherlei Energien erleuchtet; aber ohne die Uniform hätte man daraus eher auf einen Gelehrten oder Diplomaten als auf einen Militär geraten. Dieser Mann war besonders getragen von den Eigenschaften eines Handelsherrn, der schon in jungen Jahren großzügig schalten lernte und dabei dank seines festgegründetcn Hauses von den Aufregungen eines schiveren Existenzkampfes ver- schont blieb. Hast und Ueberstürzung schien seiner Art durch- aus fremd. Man sagte ihm nach, er kenne nur eine Leiden- schast, nämlich die des Vaters gegenüber der Tochter, deren Wünsche und Launen bei ihm kaum je auf Widerstand stießen. Adolf Lenggenhager stellte seine Verehrung für den klaren, ruhig herrschenden Mann nicht unter den Scheffel; er achtete genau auf dessen Worte und Gebärden, die er als Vademekum aristokratischer Umgangsformen verehrte. Daß Oberst Steiger, an dessen Tisch schon Fürstlichkeiten gesessen hatten, einer der wenigen Schweizer war, die sich mit Fug zur Gemeinde der oberen Tausend zählten und ihre Zugehörigkeit an den großen Kurorten gerne betviesen, erfüllte den sungen Streber mit besonderer Ehrfurcht. Er hatte nur ein Lächeln des Mitleids für die vielen reichgetvordenen Landslcute, die die Schlacken ihres Berufes nicht los wurden, also nie in den freien Besitz ihrer Güter gelangten. Und morgen wollte er als Werber vor den Gefeierten hintreten? Ob er diesen Schritt wagen durfte? Es war unmöglich. in dem höflichen, wohlwollenden Wesen des Obersten eine auch nur leise Veränderung zu entdecken. Und doch— konnte er, der Vichhändlerssohn, dieses Wohlwollen des Patriziers nicht vielleicht von Anbeginn zu hoch eingeschätzt haben? Als der Platzkommandant sich entfernte, zog Steiger den jungen Manu wie gewohnt ins Vertrauen. Doch nicht, ohne ihm unter vier Augen einen väterlichen Verweis zu erteilen.«Merken Sie sich vor allem dies: einem rasenden Volkshaufen zu drohen, wenn man nicht im nächsten Moment den Befehl„Feuer!" geben kann, ist Unsinn. An falscher Stelle behauptete Autorität schlägt leicht in Lächerlichkeit um. Uebrigens bin ich im gleichen Spital krank. Der Volkstribun Erismann wittert in dem Musikhandel wieder einmal Scharf- machergelüste. Ich fürchte, er wird uns heute noch corsm publico die Leviten lesen." Ueberlegen lächelnd zog er weiter, während Lenggenhager sich beruhigt nach seiner Dame umsah. Rense Steiger schien ihn gar nicht zu vermissen. Sie hatte den Zwischenfall mit Erismann wohl bemerkt und dessen Tadel durch ihren Bruder vernommen, der nun eine ver- nichtendc Kritik an dem unerwünschten Freier übte. Er hatte das ewig schwankende Wesen in eine Ecke des Saales ge- drängt und sprach. leidenschaftlich mit merklichem Kummer auf sie ein.„Daß du selbst es nicht fühlst! Wie ein Markt- schreicr hat er sich benommen. So etwas tut. nur ein blutiger Renommist, der um jeden Preis von sich reden machen will. Ein Mensch, der überhaupt nicht auf eigenen Füßeil steht, sondern von der Anerkennung anderer ab- hängig und darum stets nur darauf bedacht ist. Gewalt- streiche, aufsehenerregende Kraftmeiereien zu verüben. Das ist er. Er kommt mir wie ein WirtshauSprahler vor, der vorgibt, Tischecken abschlagen und Stühle mit Menschen aufheben zu können. Ist es denn anders mit dem heutigen Abend? Papa gab ihm so beiläufig einen Wink wegen der Musik. Richtig, gleich mußte diese Kriegslist an die große Glocke gehängt und ein Skandal daraus werden I Und so wird es immer sein. Ich sage dir, hüte dich vor dieser Gewaltnatur!" „Wieso ist er denn schuld daran? Er hat doch das Gasscnvolk nicht zusammengetrommelt!" widersprach die Schwester entrüstet und dennoch in Verwirrung gestürzt. Ihr war nicht entgangen, daß die Freundinnen ihren Ritter eher lächerlich als romantisch fanden. Und vor wenigen Minuten schmeichelte ihr noch das Gefühl, neben dem Helden des Abends zu sitzen! Konnte denn ein unvorsichtiges Wort einen derartigen Umschivung bewirken? Sie wagte eS nicht, dem Nahenden ins Gesicht zu sehen. Der Bruder hin- gegen spürte, daß der Keil, den er zwischen die beiden getrieben hatte, tief eingedrungen war. Befriedigt zog er sich zurück. Im Vorbeigehe» bot er Lenggenhager frostig die Hand, ohne den peinlichen Vorfall mit einer Silbe zu er- wähnen. Die beiden Guiden maßen sich mit prüfendcn Blicken. „Dich fürchte ich nicht— du bist nur noch ei» kleines Hindernis vor meinein großen Ziele!" flammte Lenggen- hagers Auge. „Dein Paradies soll dir bald zur Hölle werden!" parierte der scharfsichtige Gegner. Alsbald stand jedoch der Bauernsohu in ertrotzter Selbst- sichcrheit vor der errötenden Aristokratin, der er mit einer fast ironischen Verbmgung den Arm bot, um sie au ihren Platz zu geleiten. Ohne ein Wort gehört zu haben, spürte er, was vorgegangen war. Aber zunächst hatte er genug zu tun, den schwellenden Stolz zu regieren, der ihn erfüllte, als er, von hundert Blicken gefolgt, neben der begehrtesten Tren- stättcrin den Saal von einem Ende zum andern durchmaß. Sic mußte wohl merken, daß es kein Zurück mehr gab. Ge- rade seine allen Gefahren trotzende Waghalsigkeit war eS ja, was diesen Mann für ihr Gefühl so unwiderstehlich machte.- Indem er mit den Worten aller Höflichen fragte:„Darf ich Sic bitten?" riß er sie schon mit sich fort, ohne im ge- ringsten auf das ihm wohlbekannte hochmütige Kopfaustverfen zu achten. „Ja, ebenso! DaS sehe ich gern!" winkte ihm die Platzkommandantin Beifall zu, als er mit der wider- strebenden Schönen am Tisch der Ehrengäste vorbeikam. Erst vor ihrem Stuhl gab er die bezwungene Hand frei. Es war eine zärtlich gepflegte, überschlanke, nur mit einsm altmodischem Siegelring geschmückte Hand, von ihren weiblichen Ahnen er-, zählend, die zeitlebens als stille Hüterinnen des Hauses ge- waltet hatten, hilflos im Grunde, wenn die Liebe ihrer' Männer allgemach der Gewohnheit des Daseins verfiel. Renee Steiger war nicht vom gleichen Schlag. Sie wollte diesem veralteten Lauf der Welt nicht erliegen, sondern glänzen, verlocken, genieße». Der sie beherrschte, mußte sie auch aus Händen tragen und anbeten können. Auf seine Kraft durfte er bei ihr nicht pochen. Wohl begehrte sie einen Löwen; aber er sollte ihr zu Füßen liegen, und ihren Schuh wollte sie ihm auf den Nacken setzen. Wenn nun aber der Manu an ihrer Seite wirklich nur ein plumper Gewaltmensch ohne jegliches Zartgefühl war, wie der Bruder wissen wollte? Wenn er nur darauf ausging, sie und ihren Reichtum in seine Fäuste zu bekommen? (Forts, folgt.) SHe Bcfcrnnfnintfiimfl de? Overkomm-mbo« ht ken JBartett, tetaffetik Beschlagriabme und Beiwndserhebunz von Braunstein, tritt mit dem 20. Juni 1017 in Straft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in dei..Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. Berlin, den 20. Juni 1917. 387. L Mit. 17. Der Polizeipräsident. Die Belamiimachnng des Oberkommandos in den Marken, betreffend Veschlagnadme und freiwillige Nbliescrung von Einrichtungsgegenständen aus Sluvser und Slupserlegierungen(Messing, Notgusj, Tombak, Bronze) tritt mit Beginn des 20. Juni 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlag- säulen und in der„Norddeutschen Allgememen Zeitung'. Berlin, den 20. Juni 1917. 384. I. Mil. 17. Der Polizeipräsident. Bfe Beksnntmachnng des Cftafouonflndol w de» .Beschlagnahme und Bestandscrhebimg von Lokomobilen tritt am Ä>. Juni 1917 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'.(383. 1. Mil. 17. IL Aug.) Berlin, den 20. Juni 1917. Der Poltzeiprästdent. Fiii« Schuhmacher u* Ge«tait»fc Pleckp(geHebl), gcnufcht, in allen©rösten Pfd. 5,50 M. Ovale Sohlenschoncr, gemischt, in drei©rösten., 4,50„ Rande Schoner in 5« und lO-Ps.-Gr ästen..... 3,50, BrunoSensfns. LBder-Abälle.?SeiBensee,Sangljan?ftr.31. Tel. Weist. 191 w!Ike»sk«Alfch« Ittwt- tart M»ts«v-ch«»�b<»tersologische Untersuchungen von Harn, Sputa m und Hasrensaft werden bestens ausgeführt. I,ah«ratorian», Juvalidenstraste 5 (nahe Brunnenstraste). Sprechzeit 9—12, 3— 7. 45602* iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimmiiiiiimiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimuiiiiiiii RillgtAllMWuM des MmMellfli! I ...................................................................... Verkäufe; Lielerwageu, Klappsportwagen, Holzrädcr, alle Reparaturen an 'tinderwagen, Korbmacher Weidlich. Brunnenstraste 90. 238K Leihhaus Warschauerstraste 7. Pelz aarnituren! Neue Herrcngarderobe! Betterrverkaus! Plüschderken! llbren verkmis! Schmucksachen! Wand- bilder! Silbertaschen I Allerbilligste Preise!_' Teppich-Tbomas, Oranicnslr. 44 svottbillig sarbsebierbasre Teppiche, ©ardinen. Vorwörtsiesern ö Prozent Ertrarabati. 64* Hessrs Bolksbücheret. Soweit Vorrat jede Nummer broschiert statt 20 Ps. nur 10 Ps. 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ZeitungSbottn per 1. 7. 17 ver« langt.»Vorwärts*- Ausgabestelle Bertln-Niederschöneweide, Brücken- straste 10 II L, Unrich.* Arbeitsburschen und Radfahrer gesucht Bnchdnickerei Vorwärts, lindenstr, 3, 4. Hof links pari, Wir suchen sofort: Einrichter für Revolverdrehbänke, Revolverdreher, auf Z ö n d e r eingearbeitet, Maschinenarbei terinne«, Arbelterknuen für die Zltnderkontrolle u. Laboriernng Lbricb& Graetz, Berlin SO 36 | 2682 Elseustraße 90/94. Ungelernte Arbeiter sür Lagerbetrieb der Rüslungsindustrie sucht* Metall-Treuhand Gesellschaft m. b. H., Marienfelde, Schnlz'sche Prtvatstr. IS. am Bahnhof. p Hrnh f. VI Uli, Skalitzer Str. 44. u.'Maschinen- arbeiter sucht Lroft ck. Gelbsrt, [52/11 Erfahrtver ZüslhNtiiler sofort gesucht von Rartnntahrih TLaffertorstr. Beck, 46/47. 52/9 Bnreaudiener s osort gesucht. Schriftliche Angebote an ßoswau& Knauer, 212/19* Mohrenftr. 49. Maurer, Bauarbeiter u. 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