Ar. 157. S4.Z«tzvß. RtennmeiitS'Bhnnqmsai] Blormemmt»> Stril prämnnaanb«' BicrtcljfiStL 8,90 Ml, monatt. LSO Ml. wöchentlich 80 Big. frei in» Hau«. Einzelne Nummer ä Big. Konnlag«. nummer mit Mullri erler Konntag«. Beilage.Die Neue SBelt* 10 Bfg. Voll- Bbonnemenl: 1,30 Mari pro Monat. dingelragen in die Poll. Leitung«. Vreislilie, Unter Kreuzband tür DeuN'chland und Oesterreich> Ungarn 2,50 Marl, für da« übrige«usland « Marl pro Monat. Vostabonnement» nehmen an Belgien. Dünemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Vortugal. Rumänien, Schweden und die Schwei«, «chel-t Ulgssch. Derlinev VulfcslrtÄkk. [ 5 Pfennig) We InJfrftcns-GrtQlsr •ettBgi für die sech«gek>altene«olonel- »eile oder deren Raum 60 Pfg„ für »olitische und gewerlschastllche Verein«- «nd Versammlung«» Anzeigen 30 Psg. »Rleln« Sn-eigen". da« tctlgedruilte vor« 20 Pfg. lzulässig 2 fetigedruriie tSorle), jede« weitere Wort 10 Pfg, kiellengesuche und Echlasftellenan. «eigen da« erlle Wort 10 Pfg. jedes «euere Wort 5 Pfg, Worte über>5 Buch. staben«ählcn für zwei Worte. Injeraie für die nächste Nummer müssen bis d Uhr nachmittag« in der Expedition «dgegeden werden. Die Expedition ijt dt« 7 Uhr abend« geöffnet. Meerrnnm�lbafl* �maldtaoknt Strt«", Zcntralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Neüaktion: EW. öS» �inüenstraße Z. Kernsprecher: Amt Moritzplatz» Str. 181 SO— 151 97. Expeöition: SM. HS, Linüenstraße z. Wernsprechrr: Amt Moritzplatz, Nr. 151 SO— 151 97. M Mms gegen üfls hMe MmmM. veutsth-französisthe Neinungs- verschieöenheit. Stockliolm, 19. Juni.(Eig. Drahtbericht d..Vorwärts'.) Der französische Munitwnsminister Albert Thomas äußert sich im hiesigen„Sozialdemokraten' über das Memorandum der deutschen Delegation in einem längeren Artikel» in dem er in der Haupt- fache folgendes ausführt: „Das Schriftstück der deutschen Sozialdemokratie kann ich nicht unbeantwortet lassen und ich glaube, daß mein personlicher Sindruck von der Mehrheit meiner Freunde geteilt wird. Bei der Lektüre dieses Manifestes war ich bestürzt und über die Friede nsanssichten sehr beunruhigt. Ich hatte oft bei früheren Kongressen, und auch während des Krieges, den Eindruck, daß die Denkart der deutschen Sozialdemo- traten von der unsrigen verschieden ist; aber niemals hätte ich ge- dacht, daß die Verleugnung der gemeinsamen Prinzipien in so scharfes Licht geraten würde. Ich anerkenne den guten Glauben der Deutschen und den Umstand, daß sie jetzt Dinge akzeptieren, denen gegenüber sie sich früher zurückhaltend verhielten, lvie die Schiedsgerichte und die Kontrolle der Diplomatie. Dazu ist aber notwendig, daß sie selbst eine wirklich konstitutionelle Regierungsform einführen. Wir lassen uns nicht mehr mit Phrasen abspeisen. Ich anerkenne, daß bei ihnen guter Wille vorhanden ist, und gehöre nicht zu den- jenigen, die bei den Deutschen an ein abgekartetes Regierungs- manöver glauben. Uebrigens ist das Auftreten der deut-� schen Sozialdemokraten ihrer'Regierung unV den Alldeutschen gegenüber sehr bescheiden. Ihre Forde- rung bezüglich der Freiheit der Meere und des Verbots bestimmter Kriegsmittel ist weniger dem internationalen Rcchtsgefühl entsprungen, als der Enttäuschung über das Versagen deutscher Weltherrschaftspläne. Im Memorandum findet man keinen Protest gegen die Anwendung solcher Kriegsmittel durch Deutschland selbst, ja sogar die Kriegführung in Belgien und Frank- reich findet hier eiste Rechtfertigung. Wenn die Deutschen mit einem gewissen Recht unsere Maß- nahmen für einen künftigen ökonomischen Kampf, der unter.Um- ständen schwerer als die Besetzung eines Territoriums wirken kann, kritisieren, so sollte Deutschland auf der anderen Seite gleichfalls Garantien gegen skrupellose H a n d el s m e t h o d e n geben. Bezüglich der russischen Friedensformel sage ich: Auch die Deutschen verlangen einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen. Das beweist, wie gerechtfertigt unsere Forde- rung an die Russen war, ihre Friedensformel genauer zu präzi- sieren. Damit haben die Russen begonnen, wenngleich noch Un- klarheiten bestehen bleiben. Was die Deutschen uns vor- schlagen, das ist der Stand wie vor dem Kriege, modifiziert durch die Kriegskarte. Welch sonderbare Theorie ist es, daß eine Frage des nationalen Rechts erst durch militärische Operationen aktuell wird? Welch sonderbare Unterscheidung ist es zwischen den deutschen Kolonien, die völlig zurückverlangt werden, und den höher zivilisierten Ländern, wie Tibet, Marokko usw., wo der Krieg keine militärischen Veränderungen hervorbrachte? Die deutsches Mehrheit will also erstens nicht zurückgeben, was Deutsch- lond genommen hat, zweitens will sie, daß Deutschland zurück- bekomme, was eS im Kriege verloren hat; drittens will sie okku- pierte Länder wie Polen und sogar nicht okkupierte Länder los- reißen. Man ist über soviel unbewußten Imperialismus bestürzt. Wer die Zentral frage ist die Selb stb e sti m- mung der Völker, wofür den Deutschen das Verständnis an- scheinend fehlt. Man fragt uns, ob wir wegen Elsaß-Lothringen das Kricgsclend verewigen und den Dauerfrieden opfern wollen. Das beweist, daß man unseren Standpunkt nicht versteht. Wenn die Sozialisten und Demokraten in der ganzen Welt dieser Frage nicht gleichgültig gegenüberstehen, so darum, weil sie das Prinzip der Selbstbestimmung in schärfster Form aufgestellt haben. Die Behandlung der elsässischen wie der polnischen Frage zeigt, wie sehr die deutsche Sozialdemokratie im preußischen Militarismus befangen ist und alle seine Argumente benutzt, da sie in der elsässischen Frage Bismarcks Rassen- und Sprachenprinzip und die Getvalt an die Stelle des Freiheitsprinzips setzt. Es folgen längere Ausführungen über die Frage von Elsaß. Lothringen mit Berufung auf die Haltung von Marx, Bebel und Liebknecht im Jahre 1879. Was Polen betrifft, so verlangt die deutsche Mehrheit nur die Selbständigkeit des russischen Teils und begreift nicht, was nationales Recht ist. Sicherlich müssen auch die Alli- ierten ihre alten Ueberlieferungen revidieren. Ereignisse wie die russische Revolution und der Eintritt Nord- amerikas in den Krieg legen ihnen die Pflicht zur genauen Durch- ficht ihrer Kriegsziele auf. Aber die Alliierten verstehen auch, daß solche im Geiste der Freiheit vollzogenen Revisionen ihr« Sache nur stärken können. Dieser Prozeß kann durch die von der deutscheu Mehrheit eröffnete Aussicht auf GrengherfchNgmtyo»«kcht gestört werden. Weil«9 notwendig ist, die Welt darüber mrfzuWoe», w« d e S Recht liegt, ist eS unmöglich, auf eine mternatümale Konferenz zu gehen, ohne daß die Schuld frage vorgelegt wird. Die Deutschen berufen sich auf die Pflicht der Landesverteidigung; aber die Internationale hat ihnen die Pflicht auferlegt, die Kriegs- Ursachen zu untersuchen und ihre Regierung, die den Angriff unter- nommen hatte, zu beseitigen. Die Deutschen glauben an eine Ab- rüstung der Herzen und der Gewissen und an einen Friedenstag unter dem Drucke der alten sozialistischen Ideen und der Liebe der Völker zum Frieden. Aber keine andere Versöhnung ist möglich, als durch die Annahme des allgemeinen Rechtsprinzips. Es gibt für die Entente keinen Frieden als de» Rechts- frieden. Nach den deutschen Erklärungen habe ich meine« Zweifel, ob es einen Sinn hat, zur Konferenz zu gehen. Aber es ist unsere Pflicht, unseren Standpunkt vor aller Welt klar zu machen und ihn zu propagieren. Wenn die deutsche Erklärung zeigt, daß die deutsch« Demokratie den Frieden noch weiter vev- zögern will, statt ihn zu fördern, so macht das unsere Pflicht noch klarer. « Die Kritik, die STGbert Thomas an der deutschen Denk- schrift übt, zeigt, wie groß die Meinungsverschiedenheiten sind, die überbrückt werden müssen. Mr versagen es uns für heute, aus die Einzelheiten dieser Kritik einzugehen, und möchten nur folgendes bemerken: Was Thomas als Ergebnis des Krieges vorschwebt, das ist ein (vielleicht auch mehr französisch als international gedachter) idealer Re'chtszustand: Was die. deutsche Denkschrift anstrebt, das äst ein realpolitischer Versuch, die Schwierig- keiten, die dem Frieden im Wege stehen, zu beseitigen und zu- gleich einem idealen Nechtszustand näher zu kommen. Der Krieg war nie ein Mittel und wird nie ein Mittel sein, die absolute Gerechtigkeit herzustellen. Er kennt kein anderes Recht als das Recht des Siegers. Schließt er aber ohne entscheidenden Ausgang, dann kann der Frieden nur der Ausdruck eines gegebenen unentschiedenen Kräfteverhältnisses sein, nicht aber die Verwirklichung eines vollkommenen Rechts- ideals. Wir wollen uns nicht der Lüge schuldig machen, daß ein Sieg Deutschlands den Sieg der absoluten Gerechtigkeit sichern würde. Wer auch Thomas sollte auerkennen, daß ein Sieg der Entente nichts dergleichen bedeuten würde. In beiden Fällen hätten die Sozialisten, d.ie guten Willens sind, schwere Mühe, zu verhindern, daß aus dem Sieg neues Unrecht ent- steht. Wir sind gerne bereit, von Thomas gute Lehren darüber anzunehmen, inwiefern wir unbewußt im Imperialismus befangen sind, möchten ihm aber gerne als Gegenleistung sagen können, warum er uns als unbewußtes Werkzeug einer chauvinistischen Bourgeoisie erscheint. Am fruchtbarsten wäre natürlich der Weg direkter Aussprache, der jedoch nicht be- schritten werden kann, da die französische Regierung, der Thomas als Mitgliod angehört, ihn gesperrt hat. Der Zoll Hossmann— Grimm. Kunögebungen in Genf. Bern, 20. Juni.(Meldung der Schweizerischen Depeschen« Agentur.) Am Dienstag abend beschloß eine Volksversammlung in Genf von ungefähr IS 000 Personen, eine Versammlung des Bundes- rats zu verlangen, um Kommissäre einzusetzen, welche die Verant- wortlichkeiten in der Angelegenheit Hoffmann festsetzen sollen. Die Versammlung verlief sehr ruhig. Danach jedoch begaben sich Gruppen von Kundgebenden vor daS deutsche Generalkonsulat und versuchten, das Konsulatsschild herunterzureißen. Die Polizei schritt aber ein und nahm das Schild herunter, das auf dem Polizei- Posten in Sicherheit gebracht wurde. Die Kundgebenden gingen vor das österreichisch- ungarische Konsulat, wo Fenster eingeworfen wurden. Polizisten und Agenten langten in Kraftwagen an und zerstreuten rasch die Menge in der Umgebung des Konsulats. Mehrere Verhaftungen wurden borgenommen. Andere Kundgebungen fanden vor dem türkischen Konsulat statt. Die Gendarmen zogen blank, luden die Waffen und schössen einige blinde Schüsse ab. Mehrere Polizisten und Kundgebende sind leicht verwundet, 18 Personen im Alter von 16 bis 18 Jahren verhaftet worden. * Kopenhagen, 20. Juni.(Eig. Drahibericht des.Vorwärts'.) Der schweizerisch« Nationalrat Robert G'r i m m ist über Stockholm aus Petersburg hier angekommen. Er weigert sich augenblicklich, sich über seine Angelegenheit auszusprechen, teilt aber mit, daß er am Donnerstag eine Erklärung über seine Mission in Nutz- lcmd verögeritlstheu werde. Der Stanö öer Viehhaltung. Bon Robert Schmidt. AIS die Ergebnisse unserer letzten Bestandsaufnahme über die Getreidevorräte das Kriegsernährungsamt vcranlaßten, die Brotration herabzusetzen, konnte als Ersatz ein größeres Quantum Fleisch geboten werden. Die Erhöhung der Fleischration wurde, dadurch möglich, daß in der vorauf- gegangenen Periode durch eine starke Hcrabdrückung der Schlachtung die Viehbestände einen verhältnismäßig guten Stand aufwiesen. Insbesondere galt dies von unseren Rindviehbeständen. Während wir im Jahre 1913 20994 000 Stück Rindvieh in Deutschland zählten, war diese Zahl am 1. März 1917 auf 21 336 daß irgendwelche Unterschiede in der Beurteilung dieser Frage bestehen zwischen den verschiedenen Gruppen des deutschen Sozialis- m u s. Ich glaube, daß in der elsaß-lothringischen Frage alle Deutschen eines Sinnes sind. Gegenüber der in den Ententeländern verbreiteten Anschauung, daß die deutsche Regierung, gestützt auf einflußreiche Kreise, im- perialistische Tendenzen verfolge, antwortete Scheidemann: „Deutschland hat während 44 Jahren Frieden gehalten. Ich will nicht die Kriege alle auszählen, die in dieser Zeit von den uns jetzt feindlich Gegenüberstehenden geführt worden sind und die einen wirklich agressi�imperialistischen Charakter trugen. Es ist richtig, daß es bei uns auch einflußreiche Kreise gibt, die imperialistische Kriegsziele aufgestellt haben. Tatsache ist aber auch, daß diese Kreise in Deutschland nicht den Einfluß gewinnen konnten, den sie in England und Frankreich immer noch haben. Das deutsche Volk führt den jetzigen Krieg lediglich zu seiner Verteidigung gegenüber den agressiv- imperialistischen Kricgszielen, die von feindlichen Regierungen wiederholt und noch bis in die letzte Zeit verkündet worden sind. ES will mir übrigens scheinen, daß das deutsche Volk auf seine Regierung bereits einen erheblich größeren Einfluß auszuüben ver. mag, als das in den sogenannten demokratischen Staaten der Fall ist. DaS geht nicht nur aus den Parlamentsverhandlungen hervor, sondern es wird meines ErachtenS auch sehr gut illustriert durch daS Verhalten der Regierungen in der P a ß f r a g e. Daß die Demokratisierung in Deutschland fortschreitet, ist gewiß. Ich kann nur wünschen, daß die Demokratisierung auch in England, Frankreich und Amerika fortschreite, wo die Re- gierungsmacht im Besitz einer kleinen imperialistisch-kapitalistischen Jnteressenschicht ist, aus deren Händen die Masse des minder- bemittelten Volkes ihr Schicksal entgegennehmen mutz. I n Deutschland ist der Einfluß der Demokratie wenig st ens stark genug, zu verhindern, daß diese imperialistisch und nationali stisch orientierten Kriegspolitiker das Heft in die Hand bekommen. Erst wenn auch jene anderen Länder wirklich demokratisiert sind, daS heißt die Massen des Volkes entscheidend find, werden wir hoffen dürfen, einen Zustand dauernder friedlicher Beziehungen zwischen de» Völker» ga erreichen." Das Unterhaus für Zrauenftimmrecht. London, 20. Juni. Unterhaus. Bei der Besprechung der Wahlreformvorlage nahm das Haus mit 385 gegen 53 Stimmen den Grundsatz des Frauenstimmrechts an. Ein schweöisch-englisches Schiffahrts- abkommen. Robert Cecil teilte mit: Mit der schwedischen Regierung sei ein Abkommen abgeschlossen worden über die freie Passage von aus dem Baltischen Meer kommen- den Schiffen._ China— Japan— Amerika. SluS Peking meldet HavaS: Der Präsident ordnete die Auf- lösung des Parlaments cm, aber W n t i n g f a n g, der einstweilige Premierminister, weigerte sich, den Erlaß gegenzuzeichnen, indem er das Vorgehen des Präsidenten fiir verfassungswidrig erklärte. Lischinghai, der zum Premierminister ernannt war, es aber ab- lehnte, dies Amt anzutreten, verweigerte gleichfalls die Gegen- Zeichnung deS Erlasses. Wutingfang hat seine Entlassung eingereicht. In Japan haben die chinesischen Vorgänge seit der amerika- nischen Note ungemein erregend gewirkt. Nach der Stockholmer „Börsenzeitung" widmet die japanische Presse den Ereignissen in China die größte Aufmerksamkeit. Fast täglich finden Beratungen der Regierung unter der Teilnahme Genros und deS Marschalls Damapata statt.„Nidzidzi* empfiehlt die Lösung der Krise dadurch, daß sich Südchina als Republik, Nordchina als Monarchie kon- stituiert. Die Petersburger Telegraphenagentur meldet aus Tokio vom 12. Juni: Die japanische Prcsie erörtert dauernd in feindlichem Tone das Austreten des amerikanischen Botschafters in Peking, der China geraten habe, die Frage des KriegseinlrittS bis nach Ord- nung der inneren Angelegenheiten aufzuschieben. Amerikas Auf- treten schade dem Ansehen Japans, das in China Privilegien besitze. Gegenüber den Meldungen vom Alarm in Japan berichtet allerdings der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" aus New Uork: Man betrachtet den Zwischenfall mit Japan als erledigt und daS Mißverständnis als aufgeklärt. Der Krieg auf öen Meeren. U-Soot-�ngriss auf Geleitzüge im Mittelmeer. Berlin, 20. Juni. Amtlich. 1. Durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote sind in den nördliche n Sperrgebieten neuerdings 2b Drutto-Registertonnen vernichtet worden. 2. Eines unserer im Mittclmeer operierenden Unterseeboote, Kommandant Oberleutnant zur See Klatt, versenkte am 13. Juni nachts südlich der Straße von Messiua einen unbekannten bewaffneten Dampfer von 4000 Tonnen und griff am 15. Juni nachts in derselben Gegend zwei stark gesicherte feindliche Geleitzüge an. In einem Zeitraum von eineinhalb Stunden wurden aus dem einen G e- leitzug, der aus drei Dampfern bestand, die beiden größten, von 0000 Tonnen und 4000 Tonne«, nnd aus dem anderen von zwei Dampfern der größere von 5000 Tonnen abgeschossen. Alle versenkten Schiffe waren auffallend tief beladen. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Lust- unü Seegefechte. Berlin, 20. Juni. Amtlich. Vor der flandrischen Küste wurden am 19. Juni früh drei feindliche Flugzeuge von unseren Seefliegern abgeschossen. Ferner wurde nördlich von Tünkirchen ein englisches Torpedomotorboot von unseren Vorpostenstreitkräften versenkt, die Besatzung gefangen ge- nommen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Ein Uebergangsministerium in Gesterreich. Der Kaiser hat, wie wir gestern vermuteten, den Grafen Clam. Martinitz mit der Aufgabe betraut, ein Uebergangsministerium zu bilden, das nn Herbst einem anderen Kabinett den Platz räumen soll, in dem auch die jetzt oppositionellen Parteien, also vermutlich auch die Tschechen, durch Vertreter der Parteien eine Stimme haben. Eine solche Kabinettsbildung kann nur nach vorausge. gangener Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Tschechen Er- folg haben. Für die Tschechen hat die große Stunde ge- schlagen. Sie haben jetzt zu beweisen, daß sie willens sind, dem Staate zu geben, was des Staates ist. Tun sie das, so handeln sie auch im eigenen wohlverstandenen Jnteresie, denn bisher haben sie mit ihrer prinzipiellen Opposition nichts weiter erreicht, als daß sie den Polen zur Macht vcvholfen haben. Die leider so arg miß- deutete und mit wahrhaft kindlicher Gehässigkeit verunglimpfte tschechische Rechtsverwahrung läßt, wie besonders Dr. Renner in der Budgetdebatte ausführte, den Weg zur Verständigung offen, indem sie von dem Phantasiegebilde des sogenannten historischen Staatsrechts abrückt und sich zum Prinzip der nationalen Selbst- Verwaltung bekennt. Auch aus opportunistischen Gründen wird sich vorläufig empfehlen, nicht wie in jener Erklärung die Slowaken als notwendigen Bestandteil zur tschechischen Nation zu rekla- mieren, weil eine solche Forderung zu Schwierigkeiten mit Ungarn führen und das große Ausgleichswerk gefährden müßte. Unvcr- rückbarer Leitgedanke muß in den nächsten Wochen sein, den Na- tionen alle völkischen, kulturellen, wirtsöhastlichcn und sozialen Rechte einzuräumen, die es nur geben mag, aber gleichzeitig jene Aufgaben, ohne deren Erfüllung der moderne Staat nicht leben kann, in der Weise zu zentralisieren, daß unter Schonung natio- naler Empfindlichkeiten der sachliche Gedanke der Zweckmäßig. k e i t auf der ganzen Linie triumphiert. Leider treten die Deut sch-Oe st erreicher nicht ge- schloffen und einig unter Führung von Männern mit großem Blick und weitem Gesichtskreis in die Auseinandersetzung ein. Tie Deutschradikalen gefallen sich in der verächtlichsten Hetze gegen die Sozialdemokratie. Vielleicht— und hoffentlich— vollzieht sich auch in dieser Beziehung ein Umsckpvung. Dr. Nenner hat auf dem deutsch-böhmischen Arbeiterparteitag in Prag erklärt, daß die So- ziakdemokralis alle ReichSra£sahgeor5)neken Deütschbohmenß all Vertretung des deutschböhmischen Volkes betrachte. Der Führer der deutschen Fortschrittspartei in Böhmen Prof. Kafka greift diese Anregung auf und fordert eine Einigung aller Deutschböhmen auf der von Renner vorgeschlagenen Grundlage. Am Dienstag hat der Ministerpräsident den neuen Handel mit den verschiedenen Parteien, besonders mit den Polen be- gönnen. Der fatale Eindruck solcher Verhandlung wird sich nur verwischen lassen, wenn sie als letztmalig gebrauchtes Aushilfs- mittel betrachtet werden, um Zeit zu einer ernsten und umfassen- den Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen zu gewinnen. Der polnische Klub hat auf Antrag des Genossen Diamand beschlossen, kein Kabinett zu unterstützen, in welchem ein Minister auS der Aera Stuergkh sitzt. Dieser Beschluß geht manchem der Herren an die Nieren, der sich noch sicher auf den Ministerstühlen wähnt. Ob er vollkommen durchgeführt werden wird, steht dahin. Kleine Kriegsnackrichten. Die Belohnung der Ucbcrläufer. Wie der schweizerische Preßielegraph aus Paris meldet, beabsichtigen eine Anzahl Abge- ordneter der bürgerlichen Linken in der französischen Kammer, den Antrag einzubringen, den früheren Reichsiagsabgeordneten Blumenthal, Wetterle und Weil! als Vertreter fran- zösischer Städte Sitze in der französischen Kammer einzuräumen. Blumenthal war bei Ausbruch des Krieges garnicht Rcichstagsabgeordnetcr, sondern bei den Wahlen 1912 in seiner Vaterstadt mit Glanz durchgefallen. Weitere Tollarmillioncn für England. Aus Washington mel- det Reuter: Das Schatzamt hat England weitere 3S Millionen Dollar geliehen. Venizelistcn im griechischen Kabinett? Reuter meldet aus Athen: Verhandlungen zwischen Zaimis und dem Venizclistenführer Repulis wegen Aufnahme eines oder zweier Venizelisten in das Kabinett haben begonnen. Die übrigen Minister haben sich der- pflichtet, jedes von Zaimis getroffene Abkommen anzunehmen. Kundgebungr» gegen den König von Griechenland, wobei eS zu Tätlichkeiten gegen den König gekommen zu sein scheint, werden aus Lugano gemeldet. Der König mußte in ein Kaffee flüchten und wurde von dort durch den Präfekten in das Palacehotel be- t leitet. Infolge der Unruhen ist ein Italiener verhaftet worden. >ie Bevölkerung Luganos nahm keinen Anteil an dem Vorgang. bezeugte vielmehr äußerste Mißbilligung. politische Uebersicht. Irrige Auffaffung. Zum Fall Hoffmann-Grimm macht die„Kreuz- Zeitung" diese Bemerkung: Alle diese Dinge scheinen nun von neuem zu beweisen, daß die ewigen Friedensbereitschaftskundgebun- gen, in denen die Sozialdemokratie alles Heil sieht, eher das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erzielen. Tie Sozialdemokratie hat von der Regierung niemals „ewige Friedensbereitschaftskundgebungen" verlangt. Ihr hätte eine ganz und eindeutig klare Erklärung der Re- gierung für den allgemeinen Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen vollständig genügt. Diese Erklärung hat sie von der Regierung, gesondert. � Mit dem Fall Hoff- mann-Grimm und allem, was drum und dran hängt, hat sie nicht das allergeringste zu tun. Sie hat im Gegenteil, wie jeder Leser des„Vorlvärts" weiß, vor der- gleichen auf das allerdringend st e gewarnt und seine vollständige Aussichtslosigkeit vor- ausgesagt._ „Köln. VolkSzeitung" und Armee. Abg. Genosse Meerfeld-Köln hat an den Reichskanzler folgende Anfrage gerichtet: Bei einer an der Westfront stehenden Batterie, die ich näher zu bezeichnen bereit bin, haben die Unteroffiziere sämtliche Mannschaften um sich versammelt, ihnen einen annexionistischen Artikel der„Kölnischen Volkszeitung" vorge- lesen und sie zu bewegen versucht, eine vorgedruckte Erklärung zugunsten eines sogenannten Hindcnburgfriedens zu unterschreiben. Was gedenkt der Herr Reichskanzler gegen einen solchen Mißbrauch der Dienstgewalt zu tun? Schriftliche Antwort genügt mir. Kommission für Heereslieferungen.— Gesundheits- zustand der Armee. Die Kommission zur Prüfung der Verträge über Kriegs- lieferungen hatte gestern Sitzung. Von Vertretern des Kriegsministeriums wurden der- schiedene von Mitgliedern der Kommission gestellte Anfragen beantwortet. Hierbei kamen auch die erheblichen G o- Winne großer fast ausschließlich mit Heeres- lieferungen beschäftigten Gesellschaften zur Erörterung, wie sie sich aus ihren Jahresabschlüssen ergeben. Eine nochmalige Nachprüfung der den Gesellschaften gezahlten Preise wurde dringend befürwortet. Mit Rücksicht darauf, daß sich das von der Heeres- Verwaltung im Kriege in weitgehendem Maße durchgeführte Ausschlachten von Vieh im eigenen Betrieb sehr be- währt hat, wurde von verschiedenen Mitgliedern der Kommission der Ansicht Ausdruck gegeben, daß es sich im Interesse der guten Verpflegung der Truppen und aus fiskalischen Gründen empfehlen möchte, das Verfahren für große Standorte auch im Frieden beizubehalten. Sodann folgte ein Vortrag über die Beschaffung der Mittel auf dem Gebiete des S a n i t ä t s>v e s e n s, an dessen Schluß der Vertreter des Kriegsministeriums mitteilte, daß der Gesundheitszustand des Heeres andauernd gut sei. Epidemien sind, abgesehen von der ersten Zeit, in der die Truppen in verseuchtes Gebiet einmarschieren mußten, so gut wie nicht vorgekommen. Das Ergebnis der Behandlung der verwundeten Soldaten ist ein sehr günstiges. Von 100 Mann des Feldheeres, die draußen oder in der Heimat ärztlich behandelt sind, sind 91,3 wieder dienstfähig geworden, davon 70 für die Front, nur 6,4 mußten als dienslunbrauchbar ent- lassen werden._ Internationales in der„Tägl. Rundschau"., Die„Tägl. Rundschau" veröffentlicht— in der Unterhaltungsbeilage— einen Artikel„Partcifriede oder Volksfriede" von Erich W e n t s ch e r, der in folgende Mahnung auSklingt: Ich zweifle nicht, daß in allen kriegführenden Völkern Männer leben, die ihren persönlichen Haß und ihre Erbitterung hintansetzen wollen, um ihr Vaterland und ihre Brüder zu retten. Alle praktische« Bebenken flnb eine berschwin« dende Kleinlichkeit gegen den eisernen Willen und das volle Herz. Warum schweigen diese Stimmen? Warum überhören sie das gewaltige Menetekel Rußlands? Warum übernimmt Deutsch- land in dieser geistigen Erhöhung der ganzen Kriegs« auffassung, in dieser endlichen Hcrausschälung eines srucht- baren göttlichen Gedankens aus dem materiellen ChaoS nicht die Führung, wie es seine Tradition und Bestimmung ist? Haben wir etwa nicht Jugend und Sprunglraft genug? Leider gilt es als höchste Ehre, heute geistig da- zustehen. wo jeder vor drei Jahren stand. Was die Leitartikel einer Zeitung vor drei Jahren füllte, soll sie un- bedingtauch heute füllen. Wir verharren. Nur kein Um« denken, kein Nachdenken, keine Vertiefung! Als wenn der Krieg kein Schmiedefeuer wäre! Wer heute noch derselbe ge« blieben ist, ist Schlacke. Wir wollen uns endlich durchringen zu etwas anderem, etwas Neuem, aber etwas Höherem. Ter Krieg soll— das müssen wir Deutschen ehrlich sagen— daS Morgenrot eines neuen Zeitalters, eines neuen Znsammenarbeitens der Völker, einer neuen Geistigkeit, einer neuen Liebe sein! Was Menschenkraft vermag, was deutscher Wille vermag, soll Friede die Frucht des Krieges und Leben die Frucht dieses Sterbens sein! Die„Tägl. Rundschau" st»ht allerdings heute noch da, wo sie vor drei Jahren stand, da sie den Kriegsausbruch und den Fall der Internationale bejubelte!_ Das nennt man mit Recht nationalliberal. Die Landesvorsitzenden und die Mitglieder des Geschäfts- führenden Ausschusses der Nationalliberalen Partei sind am letzten Sonnabend in Berlin beisammen gewesen, und haben einige vollkommen nichtssagende Beschlüsse gefaßt. So z. B.. daß sie in der Frage der Kriegsziele— Gott sei Dank— immer noch die Alten seien und daß sie auch für die Stärkung des parlamentarischen Einflusses wären, aber— um Gottes willen nicht— für das parlamentarische System, wi» es in England bestehe. Die Nationalliberale Korrespondenz begleitet die ge» faßten Beschlüsse nun mit einer Reihe von tiefsinnigen Be- Merklingen, in denen es heißt: Das Ziel, das man sich steckt, bestcht in der Verstärkung des parlamentarischen Einflusses. Das Mittel sieht man in einem engeren Zusammenwirken der Regierung und des Parlaments, eine Forderung, die von dem Abgeordneten Dr. Friedberg von vornherein dem Streben nach dem parlamentarischen Regime entgegengesetzt worden ist und die sich, wie die Aussprache am Sonnabend zeigte, in der Nationalliberalen Partei volle Geltung vcr- schafft hat. Man sollte einen Preis aussetzen für denjenigen, der sich bei diesen Redensarten etwas denken kann. Den eigent- lichen Sinn der ganzen Veranstaltung erfährt man vielleicht doch am besten aus den Segenssprüchen, mit denen ein schwer- industrielles Blatt sie mit samt dem geistvollen Kommentar der„N. K." begleitet. Die„Verl. Neuesten Nachr." schreiben: Wir stellen fest, daß aus diesen Ausführungen der National- liberalen Korrespondenz wenigstens der Geist weht, der alle Glieder der Partei zu ihrem Tun und Lassen stets bewegen sollte. und freuen uns, daß es mm zu einer restlosen Uebereinstim- mung im Sinne der Führer Dr. Friedberg und Bassermann gekommen ist. Wie viel oder wie wenig das Ganze bedeuten mag, so siebt es auf jeden.Fall armselig genug aus. Tic nationalliberale Politik in„großer Zeit" ist die verkörperte Geistlosigkeit. Man versteht nicht, wie Intelligenzen, an denen es den Nationalliberalen doch nicht fehlt, es in einer so geführten Partei aushalten können. Letzte Nachrichten. Englische Aciißerungen. Stockhilm, 19. Juni.(Schwedische Telegraphen-Agentur.) Der Holländisch-Skandinavische Sozialistische Ausschuß hat am 18. Juni eine vorläufige Besprechung mit Julius West von der Abordnung der Mehrheit der englischen Sozialisten gehabt, der von Thompson, dem Herausgeber des„Clarion", begleitet war. Eine Zusammenstellung der Ansichten der englischen Mehrheit und Minderheit wird von der Gesamtvertretung erst ausgearbeitet. Trotzdem machte West schon einige Mitteilungen über die Haltung der englischen Mehrheit zu ge- wissen, für die Engländer Ausschlag gebenden Fragen. Darnach ist die englische Mehrheit für Wiederherstellung der Unabhängigkeit Belgiens nebst Räumung Nordfrankreichs und wirt- schaftlichen Wiederaufbau dieser Gebiete auf Kosten der sie jetzt besetzthaltenden Macht, ferner für ein geeinigtes, unabhängiges Polen und für völlige Gleichstellung aller Völkerschaften in Oesterreich-Ungarn, dessen Demokratisierung sie für eine wesentliche Voraussetzung für die Dauerhaftigkeit des Friedens hält. Die englischen Sozialisten und Arbeiter halten die Frage, wer schuld am Ausbruch des Krieges sei, für be- sonders wichtig und die Errichtung einer überstaatlichen Gewalt zur Verhütung weiterer Zusammenstöße für erforderlich,' die Fabian- Gesellschaft hat einen vollständigen Plan für alle diese Dinge ent- warfen. Schließlich ist die englische Sozialisten- und Arbeiter- bewegung Gegnerin eines Wirtschaftskrieges nachFrie- d e n s s ch l u ß._ Wilson für Belgien. Washington, 29. Juni.(Reuter.) Gestern l..e Länsing die belgische Mission zum Weißen HauS, wo oeren Führer Wilson ein Schreiben König Alberts überreichte und die Dankbar- keit Belgiens für die von den Vereinigten Staaten geleistete Hilfe zum Ausdruck brachte. In seiner Antwort sagte Wilson: DaS Werk, an dem die Amerikaner beteiligt sind, hat ihnen ebenso wie der unschuldigen Zivilbevölkerung Belgiens Gutes gebracht. Das amerikanische Volk ist fähig gewesen, den Ruhm uiw das unwandelbare Heldentum des belgischen Volkes und seines Herrschers zu verstehen. ES ist nicht einer unter uns, der heute nicht die Gelegenheit willkommen hieße, Ihnen unser von Herzen kommendes Mitgefühl und unsere Freundschaft auszusprechen lind unserer fei er lichen Ent. ch l o s s e n h e i t Ausdruck zu verleihen, daß Belgien an dem unausbleiblichen Tage des Sieges den Frieden er» hatten soll, den es so rechtmäßig unter den sich selbst achtenden und geachteten Nationen der Welt gewonnen hat. Keine Cholera in Hamburg. Hamburg, 20. Juni. Gegenüber fälschlich verbreiteten Ge- rächten macht das Medizinalkollcgium bekannt, daß weder in Ham- bürg noch in der näheren oder entfernteren Umgebung Cholera- fäll« oder choieraverdächtige Erkrankungen vorgekommen find. GewerkschaflsbewWmg veutfches Keich. Textklarbeiterbewegung in Plane». Eine Versammlung der Texlilarbeiter und Arbeiterinnen be- schäfligte sick mit der Tätigkeit und Entlohnung der Frauen und Mädihcn während der KriegSzeit. Hierzu führte Frau Helene Wagner-Chemnitz u. a. aus: Die Frauen und Mädchen der Textil- indusirie müßlen Lohnforderungen erheben. Es sei ein trauriges Zeilben. dah sie zu ihrem Woliieneinkommen für secbS Tage Arbeit noch die vom Staat und Reich eingeführte Textilarbeitslosen« Unterstützung erhalten müssen. Bei voller Beschäftigung verdienen sie tveniger. als die Tcxlilarbeitslosenunterstützung beträgt. Die Erhöhung der Löhne sei durch die Preissteigerung gerechtfertigt, denn der Kriegszuschlag, die Teuerungszulagen und die Prämien können jederzeit wieder wegfallen. Mit der Zeit werden auch Mindestlöhne kommen müssen. Als erfreulrch bezeichnete die Redncrin das Verhalten der Zittauer Handelskammer, die an die Tcxtilfabrikanten die Forderung richtete, die Löhne zu revidieren, damit den Arbeitern das Durchhalten möglich werde. Nach dem Kriege werde Textilarbeit genug zu haben fein, aber der Arbeiter müsse wirtschaftlich so gestellt sein, datz er sie leisten könne. Der Arbeiter setze auch seinen Verdienst rasch um, so das; er der Allge- nieinheit wieder zugute komme. Kriegsamt und Hilfsdienstgesetz stehen seiner Selbsthilfe zur Seite. In der Aussprache erwähnte Gauleiter Dressel, das; er schon im Januar beim Stadtrat auf die niedrigen Löhne der Textilindustrie hingewiesen habe. Es sei notwendig, zu verlangen, datz Mindest- löhne in Plauen eingeführt werden, wie die in der Schweiz, und zwar vor allem in der Stickerei geschehen sei. Die Versammlung sprach in einer Entschliestung ihr Bedauern darüber au§, dah der Stadtrat noch keine Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehmern angebahnt hat, um endlich für alle Textilarbeiter und-Ar- beiterinnen eine der Zeit entsprechende Entlohnung der Arbeit herbei- zuführen. Die Versammlung erwartet, daß der Stadtrat endlich Verhandlungen in dieser Richtung anbahnt/ verlin an» Umgegenö« Die Lohnbewegung der städtischen BureauangesteNten. Der Berliner Magistrat»vr dem HilfSdirnfiauSschuß. Eine von etwa 600 Personen besuchte Versammlung der fiädti- schen Bureauangestellten und Hilfsarbeiter beschäftigte sich am Mon- tag abermals mit der Erhöhung der Teuerungszulagen und der Gehälter. Der Bevollmächtigte deS Verbandes der Bureau- augestellten berichtete über die bisherigen Verhandlungen. Die von; Magistrat bei der Stadtverordnetenversammlung beantragte Erhöhung' der Teuerungszulage bleibe hinter den bescheidensten Wünschen zurück, insbesondere die für die Ledigen. Diese sollten zunächst gar keine und jetzt eine Erhöbung von monatlich 2 M. erhalten. Eine weitergehende Erhöhung im Sinne der Anträge des Verbandes tErböhung um 10 M.) müsse entschieden verlangt werden. Tie erhöhten Sätze dürsten auch nicht erst am 1. Juli in Kraft treten, da dann die erste Auszahlung am 1. August erfolgen würde. Besonders dringend sei aber die Erhöhung der Gebälter und Tage- pelder. Nach einer am 1. Juni aufgenommenen Statistik erhielten >01 Angestellte in den Nevier-Jnspeklionen der Gaswerke 122 bis t7ö M. Monatsgehalt, und 14 Angestellte haben über 17S M. Dabei sind alle Funktions- und Extrazulagen mit ein- gerechnet. 89 von diesen 118 Angestellten find verheiratet, sollen also von diesem Einkommen auch noch eine Familie erhalten. 259 weibliche Angestellte erhalten 70—125 M., nur eine erhält 150 M. Die große Masse der Hilfsarbeiter erhält ein Monatsgehalt von 126 M.. die Hilfsarbeiterinnen von 99 M. Diese Gehälter müssen selbst bei Hinzurechnung der Kriegszulage von 20 M. für die Unverheirateten und 25 M. für die Verheirateten als durchaus ungenügend bezeichnet werden. Das Verlangen der Angestellten und Hilfsarbeiter, eine allgemeine Aufbesserung von 40 M. monat- lich zu gewähren, ist daher gerechtfertigt. Da der Magistrat bis- her keine Anstalten getroffen hat, diesen Wünschen ent- gegen zu kommen, haben die Ange st eilten der Gas- werke den HilfSdien st ausschuß angerufen. Bei der Verhandlung am 14. Juni war der SchlichtungSauSschuß einstimmig der Meinung, daß eine Erhöhung der Gehälter dringend notwendig fei. Lediglich um jede Schärfe gegen den Magistrat zu vermeiden und um diesem Gelegenheit zu geben, aus eigener Entschließung den Wünschen der Angestellten Rechnung zu tragen, gab der Ausschuß zunächst folgende Erklärung ab: .Noch SichSntnfl der Wünsch« der AngesteMen-Sertreter wurde vorn SchlichtungSauSschuß ein« Revision und baldige Erhöhung der Bezüge der Angestellten für dringend notwendig erachtet. Es wird deshalb dem Magistrat Berlin zur Vermeidung von größeren Abwanderungen des Personals empfohlen, die An> gelegenheit baldigst in einer für die Angestellten wohlwollenden Weise zu ordnen bezw. die bereits seit 1914 schwebende Frage der Gehaltserhöhung nunmehr zum Abschluß zu bringen/ Trifft der Magistrat jetzt allerdings keine zufriedenstellende Ent schcidung. so wird die Angelegenheit in 14 Tagen noch einmal vor dem Ausschuß verhandelt und wird alsdann ein Schiedsspruch gefällt. In einer längeren und lebhaften Aussprache kam in der Ver- sammlung zum Ausdruck, daß die Angestellten und Hilfsarbeiter unter den bisherigen Verhältnisien nicht mehr weiter existieren können. An einigen Beispielen wurde die»n- geheure Not besonders drastisch illustriert. In einer ein« stimmig angenommenen Resolution wird gesagt, daß die Magistratsvorlage zur Erhöhung der Kriegszulagen den berechtigten Anforderungen der Angestellten nicht gerecht wird. Insbesondere müsse dringend gefordert werden, daß auch die bisherige TeuerungS- zutage der Unverheirateten um mindestens 10 M. für den Monat erhöht wird. Ebenso müsse verlangt werden, daß die Erhöbung nicht erst am 1. Juli in Kraft tritt, sondern bereits am 1. Mai, da sonst die Auszahlung der erhöhten Sätze erst am 1. August erfolgen würde. Die Versammlung hofft, daß die Sladtverordnetenversamm- lung diesen bescheidenen Wünschen noch Rechnung tragen wird. Daneben dürfe aber die seit Jahren brennende sofortige Auf- besserung der Gehälter und Tagesdiäten um so weniger weiter auf- geschoben werden, als auch der Hilfsdienstausschuß fie für dringend notwendig erklärt habe. Der bisherige Zustand, daß die Stadt Berlin von allen privaten und behördlichen Arbeitgebern in Berlin die geringsten Gehälter zahlt, sei bei der heutigen Teuerung un- haltbar. Die Versammelten erwarten, daß nunmehr die Angelegen« heit schleunigst zu einem den Wünschen der Angestellten entsprechen« den Abschluß gebracht wird, fie halten ihre Forderung einer durch- gängigen Aufbesserung um 40 M. für den Monat aufrecht. Es wäre wirklich höchste Zeit, daß der Magistrat diese«ner- glücklichen Verhältnisse in der Besoldung seiner Angestellten durch eine angemessene Erhöhung beseitigt. Ifaslcra». Finnland. Seit der Revolution haben die Gewersschasten Finnlands sich gewaltig entwickelt. Beim letzten Jahreswechsel hatten die Organi- sationcn rund 70 000 Mitglieder und bei Ausbruch der Revolution über 60 000. Seitdem ist die Zahl auf über 100 000 gestiegen. Der gewerkschaftlichen Landeszentrale haben sich neu angeschlossen: der Eisenbahnerverband, der Postverband, die Vereine der Loko- motivführer und der Heizer, der Verband der Gefangenenwärter, sowie der LandcSverein des Zollpersonal». parteinachrichten. AuS deu Organifatione«. Am 17. Juni hat eine Kreismitgliederversammlung des vier- zehnten sächsischen ReichstagswahlkreiseS in Borna den Uebertritt zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands be- schloffen. Vor seinen Wählern sprach am Montag Reichstagsabgeordneter Genosse Feldmann in Freibnrg i. Schles. über das Thema: »Dem Frieden entgegen'. Seine Ausführungen fanden den ein- mütigen Beifall der Riesenversammlung. Saal und Galerie deS großen Versammlungslokals»Zum Anker' waren dicht besetzt. Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Reuß j. Linie hat Sonntag mit 58 gegen 5 Stimmen beschlossen. der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beizu- treten. Der Abg. B a u d e r t sprach gegen den Uebertritt. Inöustrie unö tzanöel. Dir Bedrohung der englischen Banmwollindnstrie durch Indien. Eine bei uns bisher wenig beachtete Kriegswirkung von weit- tragender Bedeutung besteht in der Konkurrenz, die dem englischen Ausfuhrbandel durch die fortschreitende Industrialisierung Indiens droht. In diesem Zusammenhang erscheint der Ausschuß bedeu- tnnySdokl, den die indische Regierung im Vorjahre zur Prüfung einer EntWickelung der indischen Industrie einsetzte, mit der An- Weisung, im Sommer 1917 Bericht zu erstatten. Wie der „Prometheus" ausführt, soll hauptsächlich untersucht werden, ob es neue Gebiete zur Anlage indischen Kapitals in Industrie und Handel gibt, außerdem ist die Einführung einer Schutzzollpolitik für die indische Industrie geplant. Diese ganze Bewegung, die— wie weiter unten dargelegt wird— der britischen Industrie sehr unangenehm zu werden vermag, soweit das Jnsclrcich in Frage kommt— gilt vornehmlich der Baumwollindustrie und ihrer Zu- kunft in Ostindien. Letzteres hat niit seinen mehr als 300 Mil- lionen Einwohnern einen bedeutenden Bedarf an Jndustrieerzcug- nissen im allgemeinen und Baumwollwaren im besonderen. Da man aber keine eigenen Erfahrungen in der Fabrikation von Baumwollerzeugnissen hatte, und da das indische Kapital von in- dustriellen Unternehmungen zurückgehalten wurde, wanderte die Baumwolle des Landes zum großen Teile nach England, wo sie verarbeitet wurde, um mit großem Gewinn für das Jnselreich in Gestalt fertiger Ware zurückgekauft zu werden. Im Reckinungs- jähre 1913 und 1914 z. B. wurde die Ausfuhr von Baumwollivaren von Großbritannien nach Indien mit ungefähr 900 Millionen Mark bewertet. Mit Hinzurechnung noch anderer industrieller Er- Zeugnisse führte Großbritannien in diesem Zeitabschnitt Waren für insgesamt 1% Milliarden Mark nach Indien aus. Ueber die außer- ordentliche Bedeutung, die bis zum Kriegsausbruch Indien als Ab- satzgebiet für die britische Baumwollindustrie zukam, ist daber kein Wort zu verlieren, und ohne das indische Absatzgebiet hätte die britische Baumwollindustrie zweifellos überhaupt nicht ihren hoben Stand zu erreichen vermocht. Da nun im Kriege die britischen Fabriken wegen Slbiffsraummangel und Mangel an Arbeitern sowie wegen starker Inanspruchnahme zur Erzeugung von Kampf- Mitteln ihre Tätigkeit für die Ausfuhr beträchtlich verringern mußten, trat in Indien ziemlich schnell ein Mangel an Baumwoll- waren ein, wodurch der Anreiz zur Vergrößerung der eigenen Er- zeugung in immer stärkerem Maße gegeben war. Bereits 1914/15 wurden von der indischen Erzeugung an Baumwolle 40 Proz. in Indien selbst verarbeitet, im Rechnungsjahre 1915/16 aber 65 Proz. Wenn diese Steigerung in gleicher Weise anhält, wird allem An- schein nach in nicht mehr ferner Zeit die ganze indische Baumwoll. ernte im Lande selbst verarbeitet werden. Infolgedessen müßte England so ziemlich auf den Bezug des Rohmaterials aus Indien verzichten und ebenso auf die Gelder, die es durcfi Verarbeitung deS Rohmaterials und Wiederausfuhr erzielte. Diese ganzen Ver- Hältnisse haben auch noch für andere Industrien Indiens Geltung, so daß man sckon jetzt festzustellen vermag, daß der Krieg eine starke Industrialisierung Indiens hervorruft. Da die Weltmaibt. stellung Großbritanniens zu einem nicht geringen Teil auf seinem Handel mit Indien beruht, droht dem Jnselreich also tatsächlich eine schwere Schädigung._ Der Rückgang der Mark. Der scharfe Preisrückgang, den die Reichsmark in den letzten Wochen auf den neutralen Auslandsmärkten erfahren hat, ist zu einem, wenn auch nicht sehr erbeblichen Teile, wieder eingcbolt. Die„Kölnische Zeitung' spricht von dem Gerüchte, daß da? bekannte amerikanische Bankhaus Morgan den Kurssturz der Reichsmark durch plötzliche Abgabe von 39 Millionen Mark in Zürich und Amsterdam mit herbeigeführt habe._ Die Gratisaktien der Taimler-Motoren-Akt.-Ges. Wie berichtet, streben Aktionäre der Daimler- Motoren- Akt.-Ges., deren Anlagen ein Vielfaches des Aklienkavitals von 8 Millionen Mark repräsentieren, eine besondere Zuloendung aus den erzielten Riesengewinnen an. In einer Zuschriil an die Ber- liner Handelsblätter wird geleugnet, daß man an Gratisatuen denke, ,eS müsse vielmehr die Kavitalserböhung abhängig von dem wirklichen Kapitalsbedarf der Gesellschaft sein". Nun gehen gerade die nach höherer Gewinnbeteiligung streben« den Aktionäre von dein Gedanken aus, daß die Gesellschaft anBtyt« überfülle kranke, daß sie zu viel Geld habe. Wo angesichts der glänzenden Bilanz dieses UnterncbmenS der„wirkliche Kapital- bedarf' herkommen soll, ist ein Rätsel. Das Gerede von ihm hat nur den einzigen Zweck, das Gewissen der zuständigen AussichlS- bebörden und der öffentlichen Meinung einzuschläfern. Wird es gelingen? BeranNvortl. f. Politik: Dr. Franz Ticderich, Berlin-Friedenau: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Tb. Glocke, Berlin. Druck n. Dcrlag: Vorwärts Buchdruckern u. Verlagsanstalt Paul Singer de Co., Berlin SW. Hlerzn 1 Beilage und Unicrhaltungsblatt. Kpfra-Treise A. WERTHEIM Emaille- und Wirtschafts-Artikel "Donnerstag bis Sonnabend Schmortöpfe ohne Ring 2.10 bis 5.25 Kochtöpfe mit Bügel. 1.70 bis 2.90 Doppelkochtöpfe........ 4.00 Maschinentöpfe... 55 Pf. bis 1.80 Kasserollen ohne Ring 1.45 bis 3.00 Kasserollen flache.. 40 pf. bis 1.10 Wasserkessel f&r das 1.50 Ms 5.25 Wasserkessel m. Absafe 2 00 Ms 6.50 Kartoffeldämpfer.. 5.00 Ms 8.00 Milchkocher....... 2.25 3.40 Pfannen runde.... 75 Pf. bis 2.25 Pfannen runde, tief.. 1.10 bis 1.90 WasserkrQge 2.75 bis 5 m. Wa sserkrüge dekoriert 3.85 5.65 Stander Verkam.£ 1 S S C Ii fä H RS Kaffeekannen..... 1.30 bis 2.00 Milchtöpfe konisch... 55 bis 75 Pf. Tassen m. Untertassen 60 Pf. bis 1.10 Teller............. 45 60 pf. Essenträger mit Bügel 1.70 bis 2.50 Schöpflöffel....... 60 bis 75 pf, bestes Fabrikat mit Zink- oder Glaspia Teigschüsseln.... 1,8!) bis 8.50 Küchenschüsseln.... 40 pf, 2.70 EBnäpfe........ 65pf. bis 2.10 Gemüseschüsseln°v,i 70 Pf. Ms 2.20 Gemüsesch0sselncciug90p{. Ms?.40 Tassensiebe.......... 25 pl tien Obst- mid Gemflsodörren 80 Pf. 2.00 Einkochdosen....... 60 80 Pf. Blumenampeln... 50 pf.Ms 1.90 Blumentopfhalter.. 40 50 60 Pf, Fliegenklatschen....... 45 Pf. Gurkenhobel..... 75 r Ms 1.15 Toilettepapier-Kasten.... 1.60 Schellfisch. Pfund von 85 Pf. an Steinbutten(groß, mittel und klein).... Pfund von 1-20 an DorSCh.... Pfund von 85 Pf. an Kabliau mit Kopf, Pkd. von 1,30 an Rotzungen....... Pfund 1.25 Seezungen.. Pfund von 2.60 an Frische Aale..... Pfund 3.90 Seelachs.... Pfund 1.50 Brotkästen lackiert....... 5.00 Gebäckkasten lackiert 65 bis 90 Pk. Büchsen für Kaffee u. Mucker 50 65 Pf. Brotkörbe lackiert........ 1.80 Kaffeebretter Liebe., 1.80 bis 4.00 Kleiderbügel mit Strecker.. ,90 Pf. ReisekleiderbQgel....... 18 pf. Waschgarnituren Emaille, dekoriert 14.25 16.25 Schlafzimmer-Eimer Emaille, dekoriert 8 m. 9.50 Wäschetrockner io Stabe.. 1.35 Wäscheklammern Schock 30 35 r. Wäscheklammern m.Peder schock 1.00 Kohlenplätteisen........ 3.60 Fleischhackmasch.„Unikum" 9.59 Fleischhackmaschinen„Ideal" 22.50 25.00 Messerputzmaschinen..... 9.00 Lebensmittel Donnerstag Tarbutten....... Pfund 1.30 Große Koch-Schollen Pfd. 1.60 Geräucherter Seelachs Geräucherte Bücklinge i zu \ Tages- Geräucherte Makrelen(preisen Junge Kohlrabi Pfd. 85 pl Junger Wirsing Pfd. 55 r. Schoten.. Rund 70 r. Zwiebeln 3 stück 10 r. Radieschen. ßund 7 r. Salat..... Kopf 10 R. Erdbeeren 1«i Spargel jTmgespreUe« soweit Vorrat Caviar-Ersatz---- Rund 2.50 Sprott-Makrelen v, Pfd.. 60 R. Geräucherter Lengfisch >/4 Pfund 90 Pt Flunder ngeräuch„Rd. von 90 Pf. an Teppichkehrmaschinen 19.00 22.00 26.00 Roßhaarbesen ia Ausf. 4.50 bis 5.40 RoßhaarhandfegeriaAusf.2.25b.3.40 Rutenbesen........... 85 R. Staubwedel..... 55 r. bis 3.20 Kopfbürsten...... 1.60 Ms 3.15 Kleiderbürsten... 1.60 bis 2.90 Geräucherter Ostsee- u. Rhein- Lachs ausgeschnitten Marinierte Ostsee- Delikateß- Heringe Marinierte Delikateß-Sardinen Geräuch. Aale Pfund von 6.00-m Fette Suppenhühner Junge Tauben Tages- Junge Saatkrähen p"**" Hr. 167 ♦ 54. Jahrgang Heilage öes Vorwärts vonaerstag,S1. Iunkl417 die Sozialdemokratie unü der Irieöen. Tcr Tozialcemokranschc Verein für Berlin VI(S. P. T.) deranstaltete am Tienstag im Germaniasaal eine gut besuchte Ver- sammlung, in der Reichslagsabgeordnetcr Wolsgang Heine einen Vortrag hielt über das Thema: Trc Sozialdemokratie und der Frieden.— Ter Redner begann mit allgemeinen Betrachtungen darüber, dag bei allen Völkern eine starke Sehnsucht nach einem dauernden Friede» bcrrsche, die sict» auch in scnen Kreisen bemerk- dar mache, die vordem einer übertriebenen Kriegsdegeisterung da? Wort redeten Die einzelnen Nationen könnten jetzt keinen Aus- weg aus der Raserei des Krieges finden, solange ihnen von an- deren der Weg zum Frieden verlegt werde. Was jedes Volk tun könne und müsse, das sei: Bei sich zu Hause die Kräfte s a m m c i n, die notwendig seien, um zu einem b a l digen dauernden Frieden zu kommen. Hieraus legte der Refercnt �die Haltung der deutschen Sozialdemokratie zu den Kriegs,»ud Friedensfragcn dar, wobei er in der Hauptsache un- gesähr folgenden Gedankengang vortrug. Wenn wir von Anfang an die richtige Stellung zum Kriege eingenommen und uns von einer Verherrlichung des Krieges fern- gehalten haben, so kommt das daher, dasi wir, gemäß den von Marx und Engels begründete», von Liebknecht und Bebel gelehrten so- zialistischen Grundsätzen, Einblick in die Verhältnisse hatten und die treibenden lgräsle erkannten, die zum Kriege geführt haben. Mag der Sozialdemokrat die Kultur, in der er lebt, mangelhaft finden, mag er an dem Staate, dem er angehört, noch so viel auszusetzen haben, er fühlt sich doch verpflichtet, an der Enlwickc. lung der.Kultur seiner Nation und an der Erhaltung des Staates und der Verbesserung feiner Einrichtungen mitzuarbeiten. Wir können den Staat nicht als nicht vorhanden ansehen. Nur ein un- abhängiger Staat, eine in ihrer Kuliurorbeit nicht von außen ge- hemmte Nation kann die Idee der Sozialdemokratie bei sich daheim zum<:iege führen. Doch die Erkenntnis unseres Verhältnisses zur Nation und zum Staat macht uns nicht blind dagegen, daß Kulturziele MenschhcüSzielc sind, daß sich die Nationen in kultu- rellcr Hmsicht gegenseitig bcfruusien, was ober nur möglich ist, wenn sich jede Nation frei c n t w ick e l n kann. Aus unserer sozialistischen und dcmotratischen Grundidee ergibt sich ahne weiteres, wie wir die Fragen des Krieges und des Friedens zu betrachten haben. Ter Krieg ist die Organisation nicht zur Er- Haltung, sondern zur Vernichtung von Kräften. Deshalb wider- spricht er der sozialdemokratischen Idee ohne iveitereS. Ter Krieg reigt die Nationen auseinander, er stört ihre geistige Arbeit, des- halb ist er kulturfeindlich. Jeder Sozialdemokrat>vird also den Krieg als Mittel zur Austragung von Jnleressenkänipfeli der Völker ein flir nllciiial verwerfen Deshalb fordert die Sozialdemokratie eine zioischenstaatlichc Organisat'on, welche die Kriege nach Mög- lichkeit iiud wie wir hoffen, für immer ausschließt. Bei aller Friedensliebe verkennen wir aber nicht, daß ein Volk, wenn ein Krieg cliimal da ist. sich in einer Zwangslage befindet. Ein Volk. das einen Krieg wehrlos über sich ergchen ließe, würde nickt nur un Augenblick die schwersten Schäden erleben, sondern«S könnte feine Existenz aus die Tauer nicht erhalten. Darum: Wenn ein Krieg da ist, bleibt einem Volke nichts weiter uvrig, alä da? zu tun, wodurch es s ich schützen kann, g a n z g l e i ch, we r d e n Krieg verschuldet hat. hie Formel: Angriffskriege sind verwerflick, Verteidigungskriege sino berechtigt, iagt gar nichts. Ueber die Frage, ob ein Angriffs- oser ein Verteidigungskrieg vorliegt, werden sich die Beteiligten nie einig werden, selbst über Krieg« der Vergangenheit ist diese Frage bis beute noch nicht entschieden. Auch"ein Volk, da? sich tagen müßte: meine Regierung ist schuld am Kriege, würde sich doch gegen den vordringenden Gegner wehren müssen, falls eS feine Regierung nicht zum Unterlassen des Krieges zwingen könnte. Das bestimmte die Haltung der Sozialdemokratie heim Ausbruch des Krieges. Gewiß: die Schuldfrage ist wichtig. Aber sie kann nicht beut im Tobe!, des Krieges erörtert werden. Tiefe Erörterung gehört der Zukunft. T« gilt cS. die acute, die den Krieg ver- schuldet haßci,, zur Rechenschaft zu ziehen. Das soll ihnen nicht eripart bleiben. Aber in dem Augenblick, als der Krieg ausge- brachen war. konnte man sich nicht damit beschäftigen. Wir sahen, das deutsche Volk, seine Kulturarbeit, auch die politischen. Wirt. IcharUichcn und sozialen Errungenschaften der deutschen Arbeiter waren gefährdet. Daraus ergab sich für uns die Pflicht, das alles zu schützen. Keiner von uns hat beim Ausbruch des Krieges daran gedacht, daß sich die Sozialdemokraten der Militärpflicht entziehen 'ollten. Was unsere Haltung bestimmte, war die Notwendigkeit der Abwehr des angreifenden zarischen Rußlands, da« nach der in Frankreich und England herrschenden Meinung wie eine Dampf. walze über Teutschland dahingehen sollte. Das war die größte Gefahr. Daß auch eine Gefahr von England drohte, war den dcutfchcn Rcgicrungsmännern nicht klar. Aber wenn wir uns auf den Standpunkt gestellt haben. Deutsch. land muß vor einer drohenden Niederlage geschützt werden, so darf doch der Krieg niemals ein Eroberungskrieg Deutschlands werden. K.iese Gefahr besteht aber nicht und hat nie bestanden. Die Möglichkeit, einen Eroberungskrieg zu führen. der ui, s init der ganzen Welt verfeindet, ist auch gar nicht vorhanden gcwe>cn. Wir Sozialdemotraten haben von Anfang an protestiert gegen jede Regung, die sich nach dieser Richtung hin bemerkbar mack:e. An diesem Standpunkt haben wir die ganzen drei Jahre bindurch festgehalten und haben unS von Anfang an b e r Volksverhetzung in den Weg g e st e l l t. Wir können sagen, daß unsere Wirksamkeit in dieser Hinsicht nicht ohne Erfolg geblieben ist. Wir haben versucht, die internationalen Verbindungen wieder anzuknüpfen, die Franzosen und Engländer haben es abgelehnt. Die deutschen und die österreichischen Sozialdemokraten sind die einzigen, d l e als Vertreter kriegführender Länder nach Stockholm gegangen sind. Sie können stolz daraus sein, daß sie die Verhandlungen möglich gemacht haben, obgleich sich viele Bedenken dagegen geltend machten. Leider war die Aktion von Stockholm bis jetzt nicht von Erfolg gekrönt. lind doch sind die Verhandlungen notwendig und wertvoll gclvescii. Die Regier« ii ge�n der kriegführenden Länder haben sich in eine Sackgasse verkannt. Die deutsche noch am wenigsten, aber sie ist auch nicht ganz freizusprechen. Aber die anderen Regierungen haben sich völlig verrannt. Sw bilden sich ein, durch Hinzuziehung der noch neutralen«Staaten in den Krieg Deutschland zugrunde zu richten. DiedeutscheRe- gierung hätte früher össentlich sagen können, was sie jetzt dem Schweizer Bundesrat Hoffmann unter vier Äugen hat sagen lasse». Warum bat sie eZ nick! getan? Weil man in der Wilhelm st raße Angst hat vor den Leuten, welche die„Kreuzzeitun g". den„R c i ch s b o t e n", die„Deutsche Tageszeitung" redigieren, und weil nach der in Preußen herrschenden Tradition die Worte leibhafter Generale schwerer wiegen als die Meinungen anderer. Diese Fehler in Teutschland lennen wir. Wir baben oft und rückhaltslos darüber gesprochen, auch zum Reichslanzler. Di e i n c Hoffnung, daß die Regierungen zu» saminentreten werden, um über den Frieden zu beraten, ist sehr gering. Die deuischc Regierung kann eS. Sie hat bis jetzt am meisten für den Frieden getan. Aber wer lann glauben, daß die französische Regierung vor ihr Volk treten und auf ihre Kriegsziele verzichten wird, nachdem sie ihrer Nation so uiigebcure Opfer auferlegt hat mit der Verheißung auf Elsaß-Lothringen und die Rheingrenze Z Es kann sein, daß sich Rußland zum Frieden entschließt, doch nicht zu einem Separat- irieden, denn ein solcher widerspricht den Interessen Rußlands. Aber bei den Franzosen und Euglandern einen allgeineincii Frieden zu erzwingen, wird de» Russen sehr schwer fallen. Auch in Italien haben diejenigen, welch» den Krieg verschuldeien. für ihr Leben zu fürchten, wenn sie für einen Frieden ohne die beabsichtigten Erfolge eiiiircleii würden. Also, die Regierungen werden sehr schwer für Friedensvechaiidlnugen zu haben sein. Es bleibt deshalb nur übrig, daß die Völker selb st ihre Stimmen für den Frieden erheben. Natürlich nicht in dem Sinne, daß die Truppen einfach von den Kriegsschauplätzen zurückgezogen werden. Bei allen Völkern siebt man ein, daß ein Krieg wie dieser, ein Wahnsinn, ein Verbrechen an der Mensch- heit ist. Man will dcslialb dem Kriege ein Ende machen. D: e Völker müssen f o r d'e r n: W i r wollen einen Frieden im ivesentlichen ohne Annexionen und Entschädigungen. Daß die Grenzen genau wieder so her- gestellt werden, wie sie vor dem Kriege waren, erscheint ausge- schloffen. Wir werden, um nur ein Beispiel zu nennen, Kiaut- schon von den Japanern nicht znrückbcioiiimen. Aber ein Frie- den ohne Vergewaltigung, das ist es. wofür sich die Völker zum Teil schon überzeugt haben, zum Teil noch werden überzeugen lassen, wenn nur offen davon gesprochen wird. Tie deutsche Sozialdemokratie hat gesprochen. Ich denke, andere werden ihr auf diesem Wege und mit diesen Worten folgen. Es gilt, nicht nur aus diesem Kriege herauszukommen, sondern auch Zustände zu schaffen, welche die Wiederkehr von Kriegen vcr- hindern. Es muß eine Organisation der Völker geschassen werden, wodurch die ewig glimmernde Lunte vom Pulverfaß beseitigt wird. Ich denke, nach dem Kriege, werden sich crfnbreiie Männer aus dem Wirtschaftsleben finden, die den Militärs» n d den Diplomaten klar machen, daß e S ein Wahnsinn ist, ungeheure Werte durch einen Krieg zu vernichten, und daß der Versuch, ein Volk von 70 Millionen auszuhungern, abscheulich und kul- t u r w i d r i g ist. Wir Sozialdemokraten haben da? erste Wort gesprochen, wir werden auch die weitere Arbeit für den Frieden in die Hand nehmen. Uns fällt aber auch im Innern des Reiches die Aufgabe zu, den Einfluß der Leute zu beseitigen, auf deren un- hcilvolles Wirken ein großer Teil der Schuld am Kriege z n r ü ckz u füh r e n ist. Dem Verhalten dieser Leute. ihrem überall zum Ausdruck gebrachten„H e r r e n t u in", das im Auslande mit Unrecht als deutsche Eigenart gilt, ist eS zuzuschreiben, daß Deutschland in der ganzen Welt verhaßt ist. Es muß Abrechnung gehalten werden mit denen, die eine Politik getrieben haben, die zu diesem grauenvollen Kriege geführt hat. Nicht einzelne Personen meine ich. Die Schuld liegt nicht allein bei de» Jiiiikcrn und ihren GesinniingSgcnosicn, sondern beim ganzen deutschen Volk. Auch bei uns, denn>vic haben nicht getan, tvaS nötig war, um die Herrschaft an uns zu bringen. Wir haben immer eine Politik des ProtestierenS und der Abstinenz getrieben. Wir müssen uns klar machen, daß wir eine andere Politik zu treiben haben, wenn wir den Schädlingen an der Entwickelung de? Volkes die Klauen beschneiden wollen. Tie Möglichkeit dazu werden wir hoben, denn unser Eintreten jür den Frieden wird uns große Massen zuführen. So haben wie eine große Aufgabe: Zu helfen, daß der Frieden wird und daß er eine Gestalt dekonimt die seine Dauer verbürgt. Ferner, das innerpolitische Leben so zu ge st alten, daß die Wlinden des Krieges heilen und ein wirklich freies Deutschland als eine neue Insel Atlantis aus den Greueln des Krieges auf- taucht. So wollen wir arbeiten! Das soll der Ruhm der beut- scheu Sozialdemokratie sein! Der Vortrag fans lebhasten Beifall. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Tie llstitgliederversammlung des sechsten Berliner Wahlkreises billigt die Bcmühiliigcn des ParteivorstandeS, der Reichstagsfraktion und der Gewerkschaften für die Herstellung der Internationale und für Erreichung eines auf Verständigung, nicht Vergewaltigung, be- ruhenden Friedens. Sie spricht die Ueberzeugung aus, daß es Aufgabe der internationalen Sozialdemokratie ist, die Menschheit vor weiteren Kriegen zu schützen. Die Anwesenden verpflichten sich deshalb, mit allen Kräften für die Stärkung der sozialdemokratischen Partei Deutschlanos und für die weiteste Perbreitiiiig des„P o r- wärts", als des wichtigsten Organs einer planmäßigen und ziel bewußten Friedensbewegung, zu wirken.� 14. Genossenfthaststag. Nürnberg, lg. Juni. „Ausbau de? kansumgenossenschaftlickru Fortbildungsschulwesens und der Bericht der Fortbildungskommission". Hierüber sprach Adolf R u p p r e ch t- Berlin. In Ist Unter- richtskursen wurden llstst Vorslaudsmitglieder unterrichtet. Nach dem Ergebnis kann man sagen, daß die Kurse nicht vergebens waren. Auch die Kurse für AufsichtSratSniitglieder mit zirka 1700 Teilnehmern haben guten Erfolg gehabt. Die Bezirks unter- richtskurse sind durch den Krieg unterbrochen worden. Stach dem Kriege werden wir mit einem großen Mangel an geeigneten Kräf- lcii zu rechnen haben. Es wird in der Hauptsache an jüngeren Kräften fehlen. Unsere Hauptaufgabe wird also in der Heran- bildung eines Nachwuchses liegen, um die alten abgehenden Kräfte zu ersetzen. Die Kosten dürfen nicht den Teilnehmern zur Last fallen, sondern müssen von der Allgemeinheit getragen werden. Als Ort der sschule ist nur Hamburg denkbar. Sehr nostvendig wäre die Herausgabe von Lehrbüchern und der Ausbau des Bibliothek- Wesens. In der Debatte spricht nur Frau Steinbock- Hamburg, die verlangt, daß die weiblichen Kräfte nicht weiter in zweiter Linie stehen sollen, ihnen gebühre der Hauptanteil au der Schulung. Ueber „Tie iissentlich-rechtliche Vertretung der Verbraucher" spricht Franz Feuerstein- Stuttgart. Er begründet folgende Entschließung: „Ter am 17. und IS. Mai in Magdeburg tagende General- rat des Zentral Verbandes deutscher Konsumvereine hat bescklosscn. den am l8. und 19. Juni dieses Jahres in Nürnberg stattfinden- den Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsuln- vereine zu ersuchen, der nachfolgenden Entschließung seine Zu- stimmung zu geben: l. Das durch den Krieg schwer geschädigte Wirtschaftsleben des deutschen Voltes bedarf für den Wiederaufbau und die zweck- mäßige Organisierung zur gesunden Weiterentwicklung nach dem Kriege auch der Mitwirkung bereits organisierter wirtschaftlicher Volkskräftc. Für diesen Zweck in erster Linie, aber auch zum vorbeuge::- den Schutz der VcrbrauchSinteressen bei der wirtschaftlichen Neu- ordnung der Dinge ist es durchaus geboten, daß auch die tonsum- genossenschaftlich organisierten Verbraucher in den öffentlichen Interessenvertretungen deS deutschen Wirtschaftslebens zu Siort kommen. II. Im Hinblick daraus erscheint eS als ein« im Interesse der Allgemeinheit liegende dringliche und verantwortliche Aufgabe der Regierungen und gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Buirdesstaaten, uiivcrweilt dafür Sorge zu tragen, daß den konsumgeiiossenschaftlichen Verbrauchervercinigungen in den bestehenden"Handelskaiiimern eine im Verhältnis ihrer orgaui- satorischen und wirtschaillichen Bedeutung zur Allgemeinheit und Gesamtivirtschast des Volkes stehende ständige Vertretung ein- geräumt wird.' Die Entschließung wird einstimmig angenommen. Ueber Mitteilimgen über den Internationalen Genosscnschastibuntz spricht Heinrich Lorenz- Hamdurg. DaS„Internationale Mi t- teilungeblatt" erscheint in lSstst Exemplaren. Die französische Ausgabe, die einige Zeit eingegangen war, erscheint jetzt wieder. so daß da-Z Blatt in alle» augeschlossenen Ländern gesichert ist. Auch der leitende Ausschuß hält regelmäßig seine Sitzungen ab. Eine Anregung aus der Schweiz, der Ausschuß solle an dem Ort tagen, Ivo seinerzeit die FriedenSverhaudlungen stattfinden, wurde nicht begutachtet, ebenso hat sich der Ausschuß gegen eine Einladung der Fraiizoseii zu einer Zusammenkunft der Geuossenschaswn der alliierten Länder ausgesprochen. Tie gleiche Haltung bat er gegen, über ähnlichen Bestrebungen auf der anderen Seile eingenommen. Auch sonst ist aus der internationalen Genossen- schaftsbewegnng manches Erfreuliche zu berichten. Durch die genosseiisckaftlicke Bewegung geht in allen Ländern ein gewal- tiger Zug nach Ausdehnung auf Gebiete, die ihr bisher noch fern- lagen. Auch die Frauenbewegung regt sich in erfreulicher Weife. Ganz besonders erfreulich ist die immense Ausbreitung des russischen Genossenschaftswesens gerade während des Krieges. Redner bespricht die Pläne der Feinde Deutschlands auf wirtschaii- licheni Gebiete und betrachtet die Stellungnahme, unserer genossen- schaftlichen Freund- im Auslände zu diesen VernichtungSplänen »ud erklärt, daß sich bicrzn der französische Gcnossenschaststag nicht so bcnonimen hat, wie eS Genossenschaftern geziemt. Leider gibt es auch bei uns Imperialisten und Annexionisten, die dem Feind: das gleiche Schicksal bereiten wollen, das die feiirdlichen KriegSver- längerer dem deutschen Volke zugedacht haben. Dann bespricht Red- »er die in allen Ländern vorhandcneii FriedenSbestrebungen und die S t o ck h o l m e r T a g n n g, die die Sympatbien aller deutschen Genossenschafter habe. Wir verteidigen unser Vaterland, solange es notwendig ist, aber den Bestrebungen der Imperialisten, den Krieg zu verlängern bis zur Vernichtung, setzen wir das Verlangen des Volkes nach Frieden entgegen. Das Gebot der Swnde scheint zu sein: Gegen den Krieg und für den Frieden! In allen Ländern soll der Ruf erschallen: Die Waffen nieder! — F r i edel An den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte sich keine Diskussion. Ueber die Tätigkeit de» Tanfamte» berichtet wieder Heinrich Lo r e n z- Hamburg. Er weist besonders darauf bin, daß von Gewerkschaften darüber geklagt wird, daß die neulich in einzelnen Bezirken getroffenen Abmachungen zwischen den RevistonSberbänden und den Gewerkschaften über die Teue- rungSzulagen leider nicht im vollen Umfange eingehalten wcvden. Redner ist vom Tarifamt beauftragt, darauf hinzuweisen, daß diese Abmachungen auch befolgt werden; wenn Vereine aus finanziellen Grüicken bierzu nicht in der Lage sind, so sollen sie sich mit ihrem RevisionSverband ins Benehmen setzen, der gerne helfend eingreifen wird. Als Beisitzer zum Tarifamt wenden die bisherigen M.t- gliedec wiedergewählt. Vorsitzender Barth teilt mit. daß im ganzen slst Organs. sationen mit 910 Delegierten einschließlich der Gäste vertreten sind; 415 Vertreter sind stimmberechtigt. In die Fortbildungskommission wird an Stelle des verstorbenen Genossen v. Elm der Genosse Ebcrling-tzamburg ge- wählt. Die vorgelegt« Jahresrechnung wird nach Vortrag von Bästlein Hamburg genehmigt, dem Vorstand Entlastung erteilt. Hierzu wird der folgende Antrag angenommen: „Der vierzehnte Genossenschaftstag de? Zentralverband c S deutscher Konsumvereine am 18./19. Juni 1917 in Nürnberg bc- schließt, aus den von der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Kon- iumvereine in dankenswerter Weife zur Verfügung gestelllen Zuwendungen für allgemeine genossenschaftliche Zwecke im Betrage von 16 000 M. den einzelnen RcvisionSverbändcn folgende Beträge zuzuweisen: dem Verband« baberischer Konsumvereine..... 2 100 M. dem Verband der Konsumvereine, der Provinz Branden- bürg und der angrenzenden Provinzen und Staaten 2 tW„ dem Verbände mitteldeutscher Konsumvereine.... 1 700„ dem Verbände nordwestdeurscher Konsumvereine... 1 000„ dem Vervande der Konsunigeiwssenschaften in Rhein- land und Westfalen............ 0 300„ dem Verbände sächsischer Konsumvereine...... 1 100„ dem Verbände südwestdeutscher Konsumvereine.... 1 500„ dem Verbände Tbüringer Konsumvereinc......2 000„ dem Verbände württembcrgischer Konsumvereine... 1 500 Summa 16 000 M. Der vierzehnte ordeniliche Genossenschaftstag beschließ! serner. aus den fiir allgemeine genosseiischaftliche Zwecke zur Verfügung gestellten 2 Pf. Rückvergütung pro Exemplar der von den Perbandsvereinen abonnierten rurd 590 000«Koiisunigenosseii- schaftlichen Volksblätter" ill 800 M.l jedem der beteiligten acht Revijtonsverbäiide 1400 M. zuzuweisen. Der Rest ist als Bei- hilf« zu den Kosten deS GenoffenschafiStagS 1918 zu reservieren." Für zwei turnusmäßig ausscheidende Vorstandsmitglieder werden Pappe- Dresden und L i e b m a n n- Frankfurt o. M.. für drei turnusmäßig ausscheidende AuZschutzmitglieder Professor Staudinger- Darmstadt, Max P o p p« l t- Zwickau und Fricdr. L ö s ch c- Hamburg als Ersatz für v. Elm gewäblt. Ter Voranschlag für 1918. der mit 98 006 M. in Einnahmen und Ausgaben abschließt, wird genehmigt, der Beitrag zu den Kosten des Verbandes für 1918 wird in derselben Höhe wie im Jahre 1917 festgesetzt. Damit ist die Tagung beendet. Ort der nächsten Tagung wird wahrscheinlich Köln a. Rh. seist. Der Vertreter der Stadt Nürnberg, RechtSrat Dr. Merkel, er- bittet sich nochmals das Wort und widmet den Delegierten herzliche Abschiedsgrüße, wobei er betont, daß er aus den Verhandlungen manches gelernt habe, was bei den großen Aufgaben, vor denen die Stadt Nürnberg steht, vorteilhaft angewendet werden könne. Vorsitzender Barth spricht den Wuirsch aus, daß die nächste Tagung ivirllich im Frieden stattfinden werde und schließt den 14. Genojjenjchaft�tag um 12?» Uhr mittags. GroßBerlln Deutscher Städtetag und Kohlenversorgung. Die am letzten Sonnabend gefaßte Tntfcbeidung des Hauvt- ouSschusses des Deutschen Slädtetages zur Kohlenversorgung hat folgenden Wortlaut: Die Versorgung der Städte mit dem dringendsten Bedarf an Brennstoffen beansprucht nur einen geringen Teil der deutschen Kohlenerzeugung, ist aber für die städlifche Bevölkerung genau fo wichtig wie die Versorgung mit Lebensmitteln. Während eS Aufgabe nur der Stadtverwaltungen fein kann, nach Maßgabe der den Städten zugewiesenen Kohleninengen den Verbrauch durch die Bevölkerung zu regeln, ist es Aufgabe nur des Reichs, die Kohlen- körderung mit allen Kräften zu steigern und die Heran- schaffung des den Städten zukommenden Anteils sicherzustellen. Hierzu bedarf es schnellsten und von größter Tatkraft getragenen Handelns, insonderheit so, daß die Sommermonate mit der der- hältnismäßig geringen Belastung der Eisenbahnen zielbewußt aus« genutzt werden. Da die bisher bekannt gewordenen Maßnahmen der zentralen Stellen nicht als zulänglich erachtet werden können: da auch der Versuch des Vorstandes des Deutschen Städte- tages, dem Reichskanzler durch eine Ab- ordnung das ganze Schwergewicht der Frage zu entwickeln, bisher einen Erfolg nicht gehabt bat: so mutz sich der Hauptaus- schütz des Deutschen Städtetages für verpflichtet halten, mit stärkstem Nachdruck auf die über- ragende Wichtigkeit der Brenn st offver sorgung der städte hinzuweisen. Die Herbeischaffung des Brenn- sioffes für die Bedürfniffe der bürgerlichen Bevölkerung bei selbst« verständlicher Beschränkung auf da» Nolwendigste steht in einer Linie niit der Belieferung der Rüstungsindustrie. Wie wir erfahren, ist inzwischen der Leiter der Reichs stelle für die Kohlenverteilung, Ge- heimer Bergrat Fuchs, aus seinem Amt geschieden. Die Kohlenversorgung von Groh-Berlin. Die Verhandlungen der llnterkommisfion für die Durchführung der Kohlenversorgung find so gut wie abgeschloffen, so daß die ent« ivrechenden Verordnungen in der nächsten Woche zu erwarten find. Ilm der Kohlenhamsterei in Briketts ein Ende zu bereiten, ist zu- nächst eine Verordnung geplant, die eine vorläufige Kohlensperre in sich schließt. Gleichzeitig damit wird eine Wohnungs- und eine gohlenbestandsausimhme vor sich gehen. Die Durchführung der Organisation ist so gedacht, daß dem freien Handel die ganze Regelung der Verteilung überlaffen werden soll, allerdings uach be- stimmten Grundsätzen. Als erster gilt, daß die Händler vom Syndikat mit 70 Proz, ihres Kohlenbedarfs für den Winter 1915/16 beliefert werden sollen. Der letzte Winter ist nicht berücksichtigt worden, weil ein Brikettsyndikat durch Gründung einer Tochtergesellschaft den Selbstvertrieb übernahm, dadurch den freien Handel ausschalten wollte und somit zur Stockung der Kohlenveriorgung im letzten Winter beigetragen haben soll. Eine Kohlenkartc ist nicht vor« gesehen, sondern es ist die Ausgab« von Kohlenbezugsscheinen ge- vlant, die jede einzelne Hanshalwng erhält und auf dem der Kohlenhändler das gelieferte Quantum vernierken soll. Die Kohlenration soll in drei Raten abgegeben werden. Zunächst erhält jede Haushaltung auf das Mittelstück ihrer Haus- baltskarte. also nicht etwa pro Kopf, für die Sperrzeit zwei Zentner Briketts. Sodann wird eine Verteilung nach Räumen vorgenommen. Jeder Haushalt bekommt zunächst nur die Hälfte der ihm zugedachten Menge und zwar: Für einen Wohnraum— Zimmer oder Küche 5 Zentner, für zwei Wohnräume— Stube und Küche— 10 Zentner. für drei Wohnräume.15 Zentner, für vier und fünf Wohnräum« und für sechs und mehr Räume 80 Zentner. 1 Zentner Briketts gilt gleich 110 Stück. Da er mit diesem Quantum also zweimal beliefert wird, so erhält er m Wirklichkeit die doppelte Menge, außer- dem noch die 2 Zentner in der Sperrzeft. Da die staatlichen Stellen die 70 Proz. Kohlen bestimmt in Aussicht gestellt haben, so kann erwartet werden, daß die geradezu unhaltbaren Verhältnifie des vorigen Winters nicht wiederkehren iverden. Ob jeder einzelne restlos und rechtzeitig in den Besitz seines Quantums kommen wird, scheint uns bei dem in Aussichl genommenen Kontrollsystem noch nicht festzustehen. Wenn man schon eine Kontrolle durchführen will, so kanu diese nicht nur bei den Konsumenten, sondern muß in erster Linie beim Lieferanten durchgeführt werden. Zu dem Zw«! dürfte eS vorteilhast sein, trotz der entgegenstehenden Schwierigkeiten eine Kohlenkarte mit Ab« schnitten einzuführen, durch die auch jederzeit der Kohlenhändler kontrolliert werden kann. Tut man da« nicht, so ist zu befürchten, daß die im vorigen Winter und auch jetzt zur Genüge bekannt ge« lvordeue Willkür der Kohlenhändler neue Mißstände hervorrufen wird. Bei der Staffelung nach Heizräumen hätte man die Höchst- grenze aus 5 heizbare Räume festsetzen sollen, so daß die letzte Stufe init 36 Zentner ruhig wegfallen könnte. Eine wichtige Frage bildet noch die P r e i S f r a g«. Bekannt« lich beträgt der Höchstpreis für geringere Marken 17,50 M. pro 1000 und für Ilse 18 M. Trotzdem diese Preise reichlich hoch find, ist bereits eine nochmalige Kohlenverteuerung in Aussicht genommen, die man im Interesse der Konsumenten auf» äußerste bedauern müßte. Ader auch dem Kohlenwucher sollte man energisch zu Leibe gehen. Werden doch heute schon vielfach Preise von 25 M. pro 1000 Kohlen gefordert. Es wird also dringend nötig sei», auch auf die PraiS- gestaltung da« nötige«ngenmerk zu richte». Der Kündig««gSbrief für de» Kriegsteilnehmer. Wie kann der Hauswirt einen Meter, der zum Heere ein berufen ist, eine Kündigung zugehen laffen? Diese Frage dürste jetzt, wo die WohnungSkündigungen und Mietesteigernnge« an der Tages- ordnung sind, manchen steigerungslustigen Hauswirt beschästigen. AuS Charlottenburg erfahren wir, daß ein Hauswirt ein paar leiner zum Heere einberufenen Mieter während ibreS H ei m at« rl a u b e« mit Kündigungsbriefen überraschte. Er wird nicht der einzige sein, der Kriegs- leilnehmeru den langersehnten Genuß deS Urlaubs durch einen derartigen Willkommgruß würzt. Wer jetzt aus dem Felde beurlaubt wird und in die Heimat zu de» Seinen eilt, kanu nicht wissen, ob nicht auch sein Hauswirt, weil er«ehr Miete aus der Wohnung herausschlagen will, ihn mit einem KündigungS« brief begrüßt. Der Charlottenburger soll sogar geäußert haben. daß er— so verstand ihn die Frau eines Kriegsteilnehmers— die Kriegerfranen überhaupt au« seinem Hause„raus haben will'. Er verlangt mehr Miete als bisher und hofft wohl, fie von uicht zum Heer einberufene» Mietern sicherer zu kriegen, wobei er auch um die unbequeme Notwendig lest erneS MietenachlaffeS herumkommt. Dersekbe Hauswirt hat gegenüber der erwähnten Kriegerstau ein lebhaftes Verlangen bekundet, die Feldadreff« ibre» Mannes zu erfahren. Der Grund dieser auffälligen Wißbegier ist offenbar zu suchen in dem Wunsch deS Hauswirtes, dem Kriegsteilnehmer eine Kündigung ins F e l d'z u sch i ck e n. Sogar an den Briefträger soll er sich mit der Frage gewendet haben, ob er nicht von ihm die Adreffe de» Mannes erhalten könnte. Die Briefträger wissen, daß fie einen ichlmnnen VertraueuSbrnch begingen, wenn sie die ihnen etwa aus Post« sendungen bekannt gewordenen Feldadreffen von Kriegsteilnehmern weitergäben. Selbstverständlich holt so ein Hauswirt sich da die lräftige Abfuhr, die er verdient. Wo bleibt die Autorität der Reichsstelleu? Der Kriegsausschuß für Konsumenten interessen schreibt: Die KriegSverhältnige lassen auch den alten Grundsatz nicht uu- beschädigt, uach welchem die mtlergeärdnelen Stelle» sich»ach des 'Verfügungen der übergeordneten Behörden zu richten haben. Das sieht man recht deutlich an einer Maßnahme der Reichsstelle für Ge- müse und Obst, die im April verfügt bat, daß es den Bezirksstellen gestaltet sei, zu den damals schon festgelegten Erzeugerrichtpreisen für Obst bis zu 50 Proz. zuzuschlagen und aus diese Weise Erzeuger- Höchstpreise zu schaffen. Die Bezirksstelle Potsdam hat sich gleich- wohl die Freiheit genommen, mehr als 50, sondern in einem Falle lbei Erdbeeren) sogar 100 Proz. aus die Richtpreise aufzuschlagen. Die Reichsgemüsestelle hat ferner verfügt, daß die Zuschläge für den Großhandel nicht mehr als 15 und für den Kleinhandel nicht mehr als 30 Proz. betragen dürfen. Trotzdem Hai. und zwar un- geachtet des Widerspruchs der Reichsstelle, der Oberbürgermeister von Berlin den skleinhändlern einen Zuschlag von SS1/, Proz. bewilligt. Die Reichsstelle besigt offenbar nicht die Macht, diesen beiden Instanzen gegenüber ihren Willen durchzusetzen und so bat sich der KriegsauSickuß für Koitsumentenintereffen im Interesse der Berliner Verbraucher gezwungen gesehen, das KriegSernährungsamt und den preußischen Herrn Staatskommiffar für Volksernährung um ein baldiges recht nachdrückliches Einschreiten zu ersuchen. Gegen Preistreiberei in Bienenhonig. Das Wtttollungsblatt des Kriegsernährungsamtes schreibt: »Die wieder einsetzende spekulative Preistreiberei in Bienen- Honig wird es voraussichtlich nötig machen, in nächster Zeit Höchst- preise für Honig festzusetzen. Zugleich sollen alle bisher über Höchstpreis abgeschloffenen Verträge über Lieferung von Honig für nichtig erklärt werden. Vorsicht bei. Abschluß solcher Verträge ist also schon jetzt zu empfehlen." .Hoffentlich wird man nicht so lange wie bei den Gänsen warten, um diesem Wucher Einhakt zu gebieten. Kostet doch Bienenhonig, der vor dem Krtog« mit 1,20 M. pro Pfund gehandelt wurde, heute bereit» in den Arbeitervierteln 6,60 M. pro Pfund. Städtische Deputation für die Strastenreinigung. Der Diroknon der städtischen Strahenreinigung ist ein neues Arbeitsgebiet zugewiesen. Durch Beschluß des Magistrat« vom 23. März d. I. ist, wie wir bereits mitteUten, ein städtisch«? Fahr- amr errichtot, mit desse« Leitung die Direktion der städtischen Straßenreinigung unter der Kontrolle dor Deputation beauftragt worden ist. Dem Fnhramt ist der gesamte Fuhrpark der städtischen Berwaltnng unterstellt, sowohl der des PserdebstriebS, als auch deS Aatomobilbetriebs in seine» beid« Abteilungen der Lastwagen und der Psrioneilbesörderung. Durch das neue Amt soll für alle Ver- waltungsstelle» nach einheitlichen Grundsätzen die Anschaffung, Aus- Nutzung wid Instandhaltung deö Fuhrparis gesichert t Verden. Von der Direktion wird vierteljährlich der Deputation über die Tätigkeit des Fuhramts Bericht erstattet, wodurch der Deputation die Möglichkeit gegeben wird, etwa sich ergebende Mängel abzustellen und dem Bedürfnis emspocchond die Organisation auszubauen. Bei der Deckung deS FubrpariS hat sich herausgestekkt, daß privates Fuhrwerk in überschüssiger Zahl vorhanden ist, wodurch der private Bedarf zu angemessenen Preisen gedeckt werden kann. Von dem Personal der städtischen Straßenreinigung find 1280 Mann zum Heeresdienst eingezogen. Der gegenwärtige Mannschaft?- bestand beträgt, die ArbcitSburschen einbegriffen, 1400. Die Beschaffung des Matsrials für die Besen und Besetzung der Walzen der Kehrmaschine» ist fast unmöglich in der seitherigen Form. Die Proben mit Ersatzstoffen werden dauernd ausgeführt, zu einem ab- schließenden Resultat sind dieselben aber noch nicht gediehen. Für einen Besen, der vor dem Kriege für 1,40 bis 1,70 VL geliefert wurde, werden jetzt 14.50 M. verlangt. Die Besetzung der Walzen der Kchrnaschmen hat eine Preissteigerung von 40 M. vor dem Kriege bis zu 283 M. erfahren, wobei noch mit in Kauf genommen werden muß. daß die mit Eriatzstoffen für Piasava besetzten Walzen nur eine Gebrauchsfähigkeit von 20 Tagen besitze«. Au» dieser Kalamität ist ersichtlich, welche Schwierigkeiten zu über- winden find, den Ruf Berlins als reinlichste Stadt aufrecht zu erhalten.— Drei Witwen verstorbener Arbeiter, denen»ach der Relitteuversorgung ein Anspruch auf Rente nicht zustand, wurde je eine laufende Unterstützung bewilligt, entsprechend der Dienstzeit de« verstorbenen._ Bedenkliches Verfahren eine« HauSiefitzer«. Ueber da« von uns bereits charakterisierte Verfahren der Hausverwaltung in Lichten- berg, Gürtelstr. 19(Eigentüzner: Jsaac Brandt, ver» trctcr: Magistrats sekretär Benthe!) teilt uns ein Bewohner bei Hause? ergänzend mit, daß jetzt tatsächlich selbst den Mietern, die sich mit einer Mietserhöhung zum 1. Oktober einver- standen»klön haben, die Wohnung gekündigt worden ist, wenn sieden höheren Zins nicht schon vom 1. Juli ab zahlen wollen. Der WietSkontrakt berechtigt den HauSeigen- tümer zu ein» Steigerung«st vom Oktober an. In normale» Zeiten würde der Herr bzw. sein Vertreter ein derartiges Vorgehen auch nicht riskiere». He»te aber befinden sich die Meter wegen der Koste» und Schwierigkeiw« eines Umzugs, die viele« eine« Wohnungswechsel einfach unmöglich mache», in einer Zwangslage,»nd diese Zwangslage wird a»«- g e njji tz t. Tie Behörden aber rühren sich noch im«« nicht! Verspätet« Lrranlagnng jnr Gemeindeinkommen stena. Infolge der Schwrerrg keilen, die de» Veranlagnngskommisfione» durch bte diesjährige gleichzeitige Derantagang d» Pflnsttigen zur Besitz-»»d KriegSfteuer erwachsen sind, sind der städtischen Steuerverwallung bisher Mitteilungen der Veranlagung Steuerpflichtiger mit Ein« kommen von mehr als 3000 W. znr Staatseinkommen- und Er- gänzungssteuer nur im ganz beschränkten Umfange zugegangen. Bor- aussichllich wird das fragliche Material bis Ende dieses Monats eingehen. Mit Rücksicht hierauf wird die Eteuerverwaltung die Veranlagung der Stenetpflichtsgon zur Gemeindeeinkommensteuer erst in den Monaten Juli und August durchführen können. Am Interesse der etwa verreisenden Steuerpflichtigen macht der Magistrat darauf ausiueiljam, daß es zur Wabrung der Ein- spruchZfrfft geboten sei» wird, für sachgemäße Annahme und Nach- endung der zur Aushändigung gelaugeudeu BeraulagungSbenach- richtigungen Sorge z« tragen. MondaiSniederlegnng. Stadtverordneier Baun« ist» Schicht ans ZSilmerSdors hat sein Mandat uiedetgelegt, da er von dort fortzieht. Sch. war 1012 im Ortsteil Halens« in der erste» Wö Hiera beertnng zum Stadtverordneten gewähtt worden. Urb» die Gefangen enbehinldlmrg ans de« Berliner PoNzriwache» bat d» Berlin» Polizeipräsident durch eine neue Verfügung eine eingehende Dienstanweisung»wfien. Danach darf eine Fesselung des Gefangene» nur bei erheblichem Widerstaude und uur auf Anordnung»ud im veifei» des Wacht- habenden erfolgen, wobei jede Härte zu vermekben ist. Die Fesselung darf nur bis zur Erreichung de» Zwecke» ausgedehnt, Grund. Art mrd Dan» muß im Tagebuch benrknndet w»den. Feldpostbriefe, dir ihn nicht erreichte». Feldpostbriefe werden bei den Postanstalten täglich in großer Zahl aufgeliefert, die da» zulässige Gewicht von 50 Gramm überschreiten, ohne daß die Gen- düngen frankiert sind. Hauptsächlich geschieht dies mit TageS- zeitungen und illustrierten Zeltschristen. Die Briefe müssen nach den Vorschriften der Post an die Absender zurückgegeben werden. In sehr vielen Fällen»st dieser aber auf den Sendungen uicht ver- merkt. Die Briefe müssen deshalb als unanbringlich behandelt werden. Für den Absender w'e für den Empfänger entstehen daraus bogrerftichorwoise UnannobiusiMkciten. Diese können die Absender vermeiden, we»» fie die Bestimmung beachten, daß Feldpost- sendungen nur vis zu« Gewicht von 50 Gramm portoftei befördert werden. Auch ist die jedesmalige Angabe de« Absenders auf den Feldpostsendungen unbedmgt nötig. Eine neue städtische Lolksbüchcrei wird Montag, den 25. Juni, abends 6�Ubr, im Schuthause Utrechter Str. 30/81 eröffnet werden. Sie ist an den Wochentagen von 6— 9 abends und an den Sonntagen vormsttags von 10—12 Uhr jedermann zugänglich. Die Benutzung ist nnentgelllich.- Fünf Personen beim Baden ertrunken. Trotz aller polizeilichen Warnungen, an verbotenen Stellen zu baden, haben sich in diesem Sommer die Fälle gemehrt, in denen Personen, die die Warnung?« tafeln nickt beachteten, ertrunken sind. So werden vom letzten Sonntag allein fünf derartige Unglücksfälle in den märkischen Seen und Gewässern gemeldet. Im Mäckersee ging ein junger Türke, der im Messingwerk beschäftigt war, am Sonntagmorgen, als er ein Bad nahm und sich zu weit hinaus wagte, unter. Am Ikack« mittag ertrank beim Baden in einem Teich in Neuenhagen die 23jährige Tochter eines Berliner Eigentümers I. Die Leiche konnte eine Stunde darauf geborgen werden. Am Sonntagnachmitlag gegen 4 Ubr ertrank in einer Badeanstalt in Rathenow der 10 jährige Schüler Walter Lotb, der sich, des Schwimmen» unluiidig, zu weit in die Havel hinausgewagt hatte und von der stärken Strömung forlgertffen �worden war. Am gleichen Tage vormitwgs unternahmen mehrere Soldaten von der Garnison Brandenburg a. H. eine Bootsfahrt auf der Havel. Ein» d» Soldaten sprang dabei in» Waff», um ein Bad zu nehmen, und ging sosart unter. Der so jäh umS Leben Gekommene hatte inr Kriege fünf Schuß- Verwundungen erlitten, von denen er jedesmal glücklich geveiir worden war. Beim Einfluß d» Abwässer der SiemenSicken Fabrik in die Spree badete am Sonntagnaä-mittag der 12jährige Karl Müller aus Charlottenbnrg. Er geriet m die dort besonders starke Strömung des Flusses, wurde fortgeriffen und ertrank. Neukölln. Allgemeine Mietssteigcrung. Der Bund der Neu- köllner Grundbesitzer, die Vereinignug sermtficher OrtSteilve reine, hat beschlossen, den Mietern ein« allgemeine Mietspreissteigerung aufzuerlegen. Begründet wird dieselbe mit der Erhöhung der Ab- gaben— Steuern und sonstigen Hansun kosten. Soweft wie uns dckaunt, hat aber eine Erhöh un« der Grundsteuern in Neukölln überhaupt nicht stattgeftmds». Wenn einzelne Hausunkosten ge- stiegen sind, vor allem wird die Müllabfuhr und der teure Waffer- leitungShahn angeführt, so darf«r»ch nicht vergessen loerden, daß jetzt in der Kriegszeft«idj die Unkosten für die Renovierung der Wohnungen bedeutend zurückgegangen sitih, da Wohnuirgen infolge deS großen ArbctternrangelS wohl nur in den allerseltenstcn Fällen oder gar nicht renoviert werden. Wenn weiter gesagt wird, daß der Hausbesitzer sich gescheut hat, seine Ausgaben mit den Ein- nahmen in Einklang zu bringen, und die Lasten selbst getragen hat, so ist das eine grobe Irreführung das Publikums. Keine Gemeinde hat soviel für ihren Haus besitz durch Mietbeihilfe getan wie Neukölln, so daß der Ma- gistrat in der letzten Sitzung der Kriegsttotstandskomtnission die noch weitergehenden Wünsche der Hausbesitzer mit der Bemerkung ao- lehnen mußte, bei der Finanzlage Neuköllns.könne er es' im Ver- HMniS zu den übrigen Gemeinden nicht verantworten,, noch höhere Anfwendungen zu machen. Es verdient noch hervohaehoben zu werden, daß Neukölln wobl die einzigste Gemeinde in Gtotz-Berlin gewesen ist, die bei Gewährung von Mietbehilfen nicht einen bc- stimmten prozentualen MietSnoMaß verlangt, sondern es der Ver- einbarnng d» Parteien überlassen hat, wobei natürlich nicht im entferntesten— da der Mieter immer der schwächere Teil ist— ein Mietsnachlaß von 25 Ptoz. wie iurspün glich in vielen Groß- Berliner Gemeinden herausgekommen ist. Trotz dieser sehr weitgehenden Fürsarge der Stadt haben sich die Neuköllner Grundbesitzer veranlaßt gesehen, gleichzeitig mit ihren Berlinern und andere, VorortSkollegcn diesen großen Fisch- zug auf ihre Mieter vorzunehmen. Köpenick. Stadt»er,rdneteneerftnnmlrmfi. In der letzten Sitzung stand». a. auch eine Nenrogelung der ftricgszulagen für die stödli- schen Lehrkräfte aus der Tagesordnung. Beschloffen wurde, die bis« berige Zahlung einzustellen, weil der Staat diese Kosten in Zukunft nach einer bestimmten Skala trögt. Da eine Vlnzcihl Lebret kner- durch geschädigt würden, so wird in der Folge die städtische Zulage um so viel erhöht, als sie mit der bisherigen KriegSznlage dtffericrl. Ferner gab die Versammlung die Erl«Schl*wn»,. einige Lehrstellen. die bisher mit Lehrer» beßettt-tvare», in Zuknnir in Lehretntrert- stelle» umzuwandeln. Um die grvßen Abgänge bei der Koks- g«wiunu»g zu verwerten, wurde die Anschaffung enter Koksbriken- Maschine beschlösse». Zum Teil dürfte dainu der Kohlennor im kommenden Winter vorgebeugt werde». Mit der Leiutng des städtischen Arbeitsnachweises wurde Genosse Wißler bcmml. Für die nächste Zeit wird er dafür sein Mandat als Sladtverordm-ter nicht ausüben. Zum Schluß stand noch eine umfangreiche Vorlage für die Erhöhung der Tarifsätze der städtischen Werte zur Debatte. Infolge der Kriegswirtschaft arbeiten alle Werke, wie die Gas« anftalt, das ElektnzitätS- und Wasserwerk, die Straßendahn und da» KauasisationSwerk mit Unterbilanz. Der Magistrat beantragte für alle diese Werke, mit Ausuabme der Straßenbahn, eine berrächt- liche Erhöhung der bisherigen Sätze. Aus Antrag wurde dies« Vor- läge an eiue Kommission von 12 Mitgliedern vetwiesen mtd dazu von nnseren Vertretern die Genossen Blum. Herbst, Nicke, Stühmer «nd Woick bestimmt._ Weißemsre. Mietssteigernng. Die hiesigen Hau?- und Grunddesitzervereine sind sich wieder mal rinig/ handelt es sich doch darum, ihre» Mieter» ans de» Leib zn rücken. Unter Vorsitz des Schössen Wewes faßten sie den Beschlutz, vom 1. Okiob»'ad die Miete» um U) bis 20 Proz. zu steigern, mit der Bcgründuttg, daß der Zinsfuß der Hypotheken in die Höhe gegangen ist und die Gas- «nd Lich tp reise sich erhöht baden, ferner auch die staatlichen und kommunalen Abgaben und Steuern, von denen»ns bis jetzt noch nichts bekannt ist. Die Erhöhung der HanShalSmtkosten trifft die Mieter in den meisten Fällen wobl viel schwerer als den Haus- befitzer. und der wawige Nachlaß der Mieten bei Kriegsteilnehmer, den gerade die hiesigen Hausbesitzer durch die günstigen Bsdin- gunye» der Gemeinde über sich ergehen iaff« mußten, ist kein Grund zur Mietsstetgernn� denn nur derjenige Hauswirt hat einen Nachlaß an Miede zu gewähren, der wemger als 3000 M. Etnhmmien versteuert. Man will nur nicht die anscheinend günsti- gen Bestrebungen der Groß-Derliner Hausbesitzer teilnahmslos vor übergehen laffeq, daher auch wieder mal die Einigkeit der hiesi. ge» Henlsdefitzer._ Friede»»». Kriegs fürs»ge. Der Gemeindevorstand hat br« schlojien, der Kriegöhtlsskaffe der Provinz Brandenburg zur Unter- stütznng m« dm Kriege zurückkehrenden Mitglied» deS getoerb- lichen Mittelstandes beizutrete». Auf die Gemeinde Fnedenau würde eine UntersttchungSiumme von 46 600 M.«niallen. Ferner soll d» von den Friedenauer Hausbesitzern bei Gewährung nun Mietzuschüsieu zu fordernde Mieinachlaß auf 10 Proz. herabgesetzt werden. Mietzuschüsse sollen bis ,» 40 M. gewährt werden. Vvn da Eröffmmg rina eigenen Gemein defpartaffe, die die Gemeinde schon IS 14 grundsätzlich beschlossen hatte, soll während der Kriegs- bau» abgesehen werden, da eS jetzt nicht möglich ist, die«rforder- liche» Beamten z« beschoffen. Soziales. Gruossenschaftsarbcit im besetzte» Belgien. Voller Lob und Bewunderung ist ein Bericht des Lüttichcr Äorrespondsnwn de»..Neuen Rorterdamschen Eourant" üoer die unermüdliche und erfolgreiche Arbsii, die die klrbcitergeuoneit- schaften im dorstgen Gebiet während des Krieges gel eistet haben. Der Schreib» bekennt, ans dem fast gänzlichen Daniedevlisgen des ««ist so lebhaften Vereins- und VersammlungSlebens in der gut or�aifiert gewesenen Arbeiterschaft de» Lütticher Becken» geschlossen zu haben, daß diese starke Bewegung nahezu oermchtet sei. Ilm so mehr hätte ihn das Studium des GestbäftSberichts d»„Vereinigten Genossenschaften von Lüttich und Umgegend" überrascht. Vor dem Kriege zählten die dortigen sozialistischen GenossQrscknrftcn ri'r- schieden st» Art, d. h. ombeglnffe« die Produktionsgenossenschaften, Volkshäuser nur 16304 Mtiglwdec; jetzt ubet 16 000. Die Vereint- gunfl da Geaofiwfdjaftcs, iu;.Anfang 1915 noch jede für sich selbst etSsitctcn, ist unter bem zm«hmenden Druck der Zeitverhältnlffe entstanden. „Ich weiß nicht, ob die Vereinigung die Partei retten wird— schreibt der bürgerliche Korrespondent—, aber ich bin der festen Ueberzeugung, daß die Genossenschaften in diesem endlosen Krieg, vornehmlich in den ersten Monaten Tausende von auseinander- gerissenen und verarmten Familien vor Hunger und Untergang geschützt haben. Dies zu wissen, ist mir allein schon Grund genug, um das große Werk zu bewundern und darüber zu schreiben. Wenn die Zukunft wieder einmal gar zu trübe auSsad. nahmen die(Sin- richtuugen der Partei(tn Belgien ist das Genossenschaftswesen bekanntlich eng mit der sozialistischen Arbeiterpartei verbunden) sede auf ihre Weis« die schwere Aufgabe der Versorgung ihrer Mit- glieder auf sieb. Während der Privathandel sehr schnell mit dem Hinauftreiben der Preise bei der Hand war, verkauften die Sozia- listen zu normalen Preisen weiter und achteten streng darauf, daß jede Familie etwas bekam." Der Korrespondent würdigt ferner sehr hoch, daß die sozialistt- scheu Genossenschaften in jenen Tagen, wo im Lütticher Becken„das gesamte Erwerbsleben einschließlich des Bergbaus daniedergelegen" habe, außerdem ihren notleidenden Mitgliedern mit Kreditgewäh- rung aus direkten Barunterstützungen zu Hilfe gekommen seien. Mit den weiteren letzteren meint er, wie aus dem Bericht hervor- geht, die Auszahlung der Rückvergütung. Auch der Privat- Handel hätte ein„Dividendensystem" eingeführt, habe es aber nicht lange, aufrechterhalten können. Als dann, so wird weiter berichtet, Ende 1914 die Vorräte er- schöpft und neue fast nicht mehr aufzutreiben waren, sei es zu dem erwähnten Zusammenschluß gekommen, nun mit vereinten Kräften das äußerste zu tun, was noch zu leisten mögltch sei. So sei es z. B. gelungen, von Anfang März bis Ende März 1916(durch Vermttt- lung der niederländischen Genossenschaft.Met Volksbelang" in Maastricht) wöchentlich 49090 Brote aus Holland zu bekommen. Im Apml 1916 gelang es, 29 990 Kilo Zucker aus erster Hand zu kaufen und unter die Mitglieder zu verteilen. Ter Ankauf einer Sirwpfabrik(Kaufpreis 199 999 Fr.) ermöglichte die Eigen- fabrikation dieses im Kvieg so wichtig gewordenen Massenartikels. Zwar sei die Besorgung der nöttgen Früchte und des Zuckers nicht leicht- gewesen. Aber viele der Mitglieder hätten sich aufgemacht, um alle erhältlichen, seien es auch kleine Mengen Obst aufzukaufen. So sei es möglich geworden, 699 099 Kilo Sirup herzustellen und um 299 Proz. billiger zu verkaufen, als der Privathandel betrug. Auch Kunsthonig u. a. m. wurde in der Fabrik erzeugt. Um den dafür notwendigen Zucker zusammenzubekommen, standen die Mit- glieder und anderen Abnehmer von je zwei ihrer Zuckerratiouen ad. Es gelang auch den Verkäufern(in Belgien darf wie in Holland und anderen Ländern auch an Nichtmttglieder verkauft werden) Seife und Petroleum zu mäßigen Preisen zu besorgen. Desgleichen — eine Zeitlang— Butter. Vieh wurde, soweit erhältlich, a»s- ge lauft und das Fleisch zu möglichst niedrigem Preise abgegeben. Der Gesamtumsatz betrug im Jahre 1915: 2 146 667,25 Fr.; 1916: 3 086 755,79 Fr.— Zum Schluß erwähnt der Korrespondent, daß es dem Genossenfchaftsverband geglückt sei, für die A u s b r e i- t un g seiner Unternehmungen von einem FiuMnzinstitut ein Dar- leljen von einer Million Franken zu bekommen. Die Leitung hege die besten Hoffnungen für die Zukunft. Verbandstag österreichischer Kousumverciue. Am 24. und 25. Jma tagt in Wien der 1«. ordentliche Verbandstag österreichischer Konsumvereine. Er wird >r. a. ein Referat Dr. Karl Renners über die Kriegs- und Ueber- gangswirtschaft und die Konftxmgenossem'chaften, und ein solches vom Geschäftsführer der Großenttaufsgeseilschast Heöky über die soziale Kapitalsbildung in den Konsumvereinen en lg egennehmen. Ferner wird er die Aendernng der Vcrbandsstatuten zn beraten haben. Die österreichische Großeinkaufsgesellfchaft �der KvnsiUN- vereine erzielte 1916 einen Umsatz von 59 Millionen Kronen gegen nur 28 im vorhergehende» Jähre..•- u- j t"D-y i»i? nti st. i■- w-'C.. Der Wert der Org«ttsaÜ>m. nD D Vor dem SchkchttwySauSschuffe in Oldenburg II spielte sich Weser Tage eine überaus charakteristische Episode av. Ein Schlosser wollte den Tdkehrschein haben. Dabei machte ein Arbeitgeber- beisitzer dem Vertreter der in Bettacht kommenden Hütte den Vor- schlag, dem Beschwerdeführer 1 M. Stundenloh» zn geben. Der Vertreter der Hütt« lehnte das mit größter Energie ab,«och dazu die Vorarbeiter nur 95 Pf. bekämen. Der Vorsitzende sagte dann, die Maurer hätten doch 1 M. Stundenlohn, lernten«Ii drei Jahre, während die Schlosser sogar vier Jahre lernten. In schärfster Tonart erwiderte der Vertreter der Hütte: „Das ist g« kein vergleich, meine Herren. Die Maurer sind organisiert und habe« dadurch ihre Tarife mit den Löhne«, unsere Schlosser sind nicht or- ganisiert und könue-u darum auch solche Löhne u i ch t ha bem." Vorfitzender: Organifievt oder nicht organifiert ha! doch damit nichts zu tun." Vertreter der Hütte:.Jawohl, wäre» die Maurer nicht so organisiert, hätten sie auch diese Löhne nicht." Ein Kommentar ist überftüsfig. Gerichtszeitung. Die zurückgeforderte Gehaltszulage. 29 M. Gehaltszulage forderte die Futtermittelderteilungsstelle von ein« Kontoristin F. vor der 2. Kammer des Berliner Kaufmanns- g e r i ch t S zurück. Die Gehilfin hatte ordnungsgemäß ihre Stellung zum 1. April d. I. gekündigt und, nach dem Grunde geftagt, das zu geringe Gebalt, 80 M., als Ursockw angegeben. Der Abteilnngs- Vorsteher erklärte daeauf der Kontoristin, es solle dem Unternebnnn nicht auf 29 311. ankommen, sie solle schon vom 1. März an 199 M. Gehalt bekommen. Die Klägerin nahm dankend die Zulage an. be- hielt sich aber wegen des Verbleibens im Hause eine definitive Er» kläriing nach Rücklvrache mit ihrem Vater vor. Am Monatsschluß erhielt sie das erhöhte Gehalt, bat dann aber um ihre Papiere. Zur Rede gestellt, meinte sie, ihr Vater sei doch nicht mit ihrem Verbleiben einverstanden. Das Kaufmannsgericht hielt den An- svruch der Gesellschaft aus Rückzahlung für ungerechtfertigt. Die Gehaltszulage von 29 M. sei vorbehaltlos erteilt, Frl. F. habe sich andererseits die Rücknahme ihrer Kündigung trnsdrücklich vorbehalten. Es fechte somit eine rechtliche Handhabe, der Angestellten die einmal gezahlten 29 M wieder zu entziehen. Wandlungen eines Bezugscheins, llnzuläsfige BeHandlungsweise eines Bezugscheins für Kleidungs st ücke, wie sie bisher wohl noch nickt zur gerichtlichen Beurteilung gelangt ist, führte drei Schwestern, die Arbeiterfrau Eh.. die Schlosser frau P. und die Arbeiterftau Sch. vor das Schöffengericht Berlin-Mitie. Die An- klage lautete auf Vergehen gegen die Bundesratsverordnnng vom 19. Juni 1916 rmd gememf ch«Nliche Urkundenfälschung. Frau Ch. hatte sich einen Bezugschein über eine Bluse ausstellen lassen, be« nutzte ihn aber nicht, sondern schenkte ihn ihrer Schwester Frau P., weil diese daS Verlangen nach Anschaffung einer Schürze äußerte. Darin lag ein Verstost gegen die Bundesratsverordnung, die die Uebertragung von Bezugscheinen verbietet. Frau P. radierte dann das Wort.Bluse" aus und ersetzte e« durch.Schürze". Hier- auf kam die dritte der Schwestern, Frau Sch.. hinzu und erklärte, daß vor allen Dingen ihr kleiner Junge eine Hose haben müsse. Da dieses Bedürfnis auch bei den anderen Schwestern Anerkennung fand, so wurde nun die.Schürze" kurzerhand ausgestrichen und darüber geschrieben.Eine Kinderhose für drei Jahre". Die An- «Lugten meinten ab« damit nicht etwa eine Kinderhose, die für drei Jahre vorhalten sollte, sondern eine solche für ein Kind von drei Jahren.— DaS Gericht sühnte diese teils von mütterlicher, teils von schwesterlicher Liebe veranlaßte doppolte Umänderung des Bezugscheins mit Gefängnisstrafen von drei, vier und zehn Tagen. Kohlenwucher. Sin» Uebervortekkung der ärmeren Bevölkerung beim Verkauf von Kohlen hatte sich der Kohlenhändler Albert Hase schuldig gemacht. Er hatte zur Zeit der Kohlennot, als sich die Frauen der ärmeren Klassen um seinen Verkausöstand drängten, Kohlen zn 1,99 M. für 100 Stück verkauft, während der Richtpreis damals rntt 1.25 St. betrug. Einig« Käuferinnen behaupteten sogar, daß sie statt 199 Kohlen nur 95 erhalten hätten, was der Angeklagte aber bestreitet. DaS Schöffengericht hatte den Angeklagten zu einer Woche Gefängnis und 399 Mark Geldstrafe verurteilt. Auf die eingelegte Berufung bestätigte die 1. Strafkammer des Landgerichts I dieses Urteil._ Mus aller Welt. Zug Zusammenstoß auf de« Bahnhof Gerwich. Aus Brandenburg wird gemeldet: Der Eilgüterzug 6949 fuhr gestern nacht infolge Ucberfahren des Einfahrsignals auf dem Bahn- Hof Gcrwich ans eine Rangierabteilung, wobei drei Lokomotiven»nd fünf Wagen entgleisten. Der Lokomotivführer und Heizer des Ellgüterzuges wurden getötet. TodeSsturz aus de« Eiseubahirzuge. Sm DienStagmorgen wurde von einem Bahnwärter bei Bude 48 zwischen den Bahngleisen der von Fürsten wald«»ach Frankfurt a. O. führenden Linie der Staats- bahn die schrecklich verstümmelte Seiche eines jungen Mannes ge- fimde«. Wie später aus vorgefundenen Papieren festgestellt wurde. ist der Tote identisch mit einem gewissen Erich Z i c o l I aus Bobrek in Schlesien. Der junge Mann, der einen Schnellzug nach Berlin benutzt hatte, hat vermutlich auf der Plattform eines Eisenbahn- wagenS gestanden und ist bei einer Kurve vom Wagen gestürzt. Ein Gewissenhafter. In einem(französischen) Militärlazarett, in dem ein Schwervcttvundeter gestorben war, hatte der anfsicht- führende Offizier ein Verzeichnis iier hrnterlassenen Sachen des Verstorbenen aufzustellen.„Das ist alles?" fragte er den ifrn unterstützenden Sanitätssoldaten.„Sie haben nichts vergessen?" —„Rein, auf dem Nachttisch lag wohl noch eine Schachtel mit Streichhölzern, die hielt ich aber der Ausbetvahrung nicht für wert." Der Offizier geriet auf die Antwort hin in gewaltige Auf- regung.„Wie!" rief et,„der Mann war Besitzer einer Schachtel Streichhölzer, und das sagen Sie mir so nebenher! Ja, kommt es Ihnen denn gar nicht in den Sinn, daß der Verstorbene Verwandte hat, und daß diese, wenn sie die Zündhölzer im Nachlaß nicht finden, an einen Diebstahl glauben können, für den ich natürlich dann verantwortlich gemacht werde?" Der Lazarettgebilse war wie aus den Wollen gefallen und beeilte sich die achtlos bei Seiie geworfene Schachtel zu holen. .Zählen Sie die Hölzer", befahl der Offizier. „ES sind 30 in der Schachtel, Herr Hauptmann." Der Offizier machte ein Gesicht, das auf schwere Gedanken- arbett schließen ließ.„Wenn ich die Schachtel den Kleidern des Verstorbenen beilege", sagte er,„können die Stveichhölzer auf dnm Transport durch Stoß»der Erschütterung zur Selbstentziin- dunz kommen und das Paket in Brand setzen. Die Fainilie könnte mich dann mit Fug und Recht der Fahrlässigkeit beschuldigen." Der Fall ist recht verwickelt. Nach viertelstündigem reiflichen Nach- denken hatte er endlich das Problem glücklich gelöst.„Halt, ich Habs!" rief er.„Die Sache ist ganz einfach. Nehmen Sie ein Messer und schneiden Sie allen Hölzern die Phosphorköpfe ab. Damit ist ja jede Feuergefährlichkeit beseitigt." Der Lazarettgehilfe tat, wie ihm geheißen, und köpfte die 39 Streichhölzer. Beruhigt schrieb dann der Offizier in das Ver- zeichnis:..... und eine Pappschachtel von 9,97 Meter Länge und 9.94 Meter Breite, enthaltAtd 39, in Worten neununddreißig, Streichhölzer, deren mit Phosphor belegte Enden zur Vermeidung der Feuergefährlichkett auf meinen Befehl abgeschnitten wurden." Eingegangene Drucksthnsten. Gemüie- und Odstbim im Ha«S- und WlrtlchaftSgarten. Von Dr. phil. Franz Fest. 60 Pf., geb. 85 Pf. Theod. Thomas Vellag. Leipzig. Sriefkasten See Redaktion. tl« tutiftifwe Evrechftmid« findet für Asomienten Ltudeastr. S, 1. rutlä, parterre, am Montag Kä Freitag von 4 61» 7 Nhr, am Counakerd von 5 bis s Uhr statt. Jeder für de« Scteftoften deftimmten Allfrags ist ein Buchstabe»nd ei»e Zahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Am- wort wird nicht erteilt. Anfragca, denen keine NboimementSe«ilta»a bei- gefügt ist, werden nicht deanvvortet. Eilige Fragea wage man in der ExreS- ftuiwe vor. Berteäge, Lchriffiiück««nd derglciche«»riuzc man in die Sprech. stunde mit. Sl. C. W. Mit vollendetem 17. Lebensjahre kann jemand freiwilliz WS Heer oder die Marwe eintreten. Er bedarf dazu der fchrssllicheu Ein- willigung des Paters oder Ponnlinbeö und einer behördlichen Bescheinigung, daß er durch Zwilverhöfinisse nicht gebunden ist und sich tadellos oeführt hat. Er kann sich an den Kommandeur des von ihm gewählten TmiwenteilZ wenden.— R. K. 31. Die Absendmig des Briefes an das K.W.A. in der Form hakte««ir nicht«veiu für zwecktos, sondern schließliw noch iusoier» für Sie bedenllich. als etwa eine Beleidig, mgsklage darauf ersolzen könnte. Versuchen A« es mit einerAttzeiae bei der StaatSanwalfichaji. — H. S. 4000. Wenn Sie noch der VersieherimgSvflicht in der An- geslelltenversichernng unternehen, haben Sie das Wablrecht zu den Alls- schüssen und sind auch wählbar.— F. K. 14. Das Gesuch ist an das l�cuerakkommando, zu dem der Tr»pp»«teil des Betreffenden gehört, zu richten. Eine Bescheinigung des Landrats ist beizusügen. 3. Für Eier be- steht Wlieferungszwang: wir iöuocn Ihnen daher keine tkonservierungS- rezeptc angeben.— Chnn» 15. Sln die S�uertassc, von der Sie bisher die Unterstützung beziehen.— D. 1. Die Nuwrstützimg wird vom Tag« der Einzichnng des Mannes gezahlt. 2. 29 Mark ftaattiche Unter- ftützung und der koinmunobe Zuschlag. Auch Mieisbeihilfe können Sie de- antragen.— A. II. 49. Ja.— Hanver. Wahrscheinlich nicht; ohne n ödere Einficht in die Sache können wir aber eine he stimmte Antwort nicht geben.—<£. iü WU«e»Sdorf. 1. und 3 Ja. 2. Nein A. 7. Soweit wir unterrichtet sind, gibt e« in der Nähe Berlins keine Ansiedelungen mehr für verletzte Kriogstellnehmer. Der Antrag auf Kapital- absiudmig ist beim Bezirksjeldwebel einzureichen.— Wieczoreck Nr. 13. Ja.— F. G. 333.?ln da? Genenalkommando, zu dem der Truppeuieil des Betreffende« gehört.—!B. St. 91. 1. Kr, auf die Dauer von acht D ecken. 2. Die Unterstützung wird nur bei der Gebntt eines Knaben uns bei Bedürftigkeit gezahlt. Das Schreiben ist an die KriegSkiilderspende deutscher Frauen, Privatkauzlei der Frau Kronprinzessin in Potsdam, Neuer Gatten, zu richten. 3. Ja.— H. H. 14. 1. Ja. 2. Ja, aber die Steuerbehörde wird aus Ihren Antrag sicher aus Ratenzahlungen eingebe,,. 3. Nein. 4. Wascht oilette. Regulator und Rauchfisch kann gepfändet werden. — F. K. R. 40. Jitz wenn die Braut die Schuld an der Aufhebung der Verlobung trägt._______ «SetterauSfichte» für das mittlere Norddeutschlaud bis Freitag mittag. Oestlich der Ober zunächst noch trocken und vottvlegeno heiter; sehr warm; im Westen vielfach wolkig, ettvaS kühler, strichweise Gewitter. Statt besondere» Meld»»,: Am Sonnabend, den Ist. Juni, vormittag» bst, Uhr. verstarb infolge eine» Lungenleiden»«ein guter, Ueber Mann, unser Sohn. Bruder und Schwager L Wührelm Püstow. Im Name» der tammideu Hinterblieben«»»nd aller An- verwandte» die tieftreaamb* Baun» I'UMow geb. Berlin- WilmerSdaff, lätrafa 12. Die«inascheru», tat»ich« findet Senn abend, de» 23 Juni, nach». 3 Uhr, im Krematorium. Berlin bk.,~'" Nachnd. 8» 16. Jmff. könnt Uhr. ist unlerBerbandi der totb äöIIccic Wilhelm Püstow infolge«ine» storbea. Wir werde» th«____ ehrende» »er Hopnwrsianb de» Zrntralverdandes de» Aipdaltenre. »ff. den- der- 232/12 Zentnlfertuod der isplnlteon. Jim 16. Juni ist unser Mitglied und Begründer unsere» Verbandes Wilhelm Püstov verstorben. Wir werden sein Andenken m Ehren hatten. 222/11 Die Einäscherung der Leiche findet Sonnabenchden 23. Juni, nachm. 3 Uhr, im Krematorium, Gcrichtstraße, statt. Um zahlreich e BeteUlgmig ersucht Barila. UPutSfücr leiBMrBeWr-TcrDaml VamtKaagaatellB Boriin. De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Helfer Emil Voß Schöneberg, Koburger Str. 10 am Ist. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet an Donnerstag, den 21. Juni, nach. mittag» 3 Uhr, von der Leichen halle de« Z. ftädtfiche» Friedh�eS, Blanie Hölle, an« statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �iackrafa; De» Kollegen femer zur 9a. richt. daß nnfer Mttgnrd, der Dreher Otto Hugeotobler am S. Jnni an Nierenleiden gestorben ist. ernerzur! Mitglied. Nach. der De» Kollege» ferner richt, daß unser"" Schmied Wilhelm 8chmidt Chattotlenburg, Schlüterftr. 16 am 13. Juni gestorben ist. De» Kollegen ferner zur Nach- ttcht, daß unser Mitglied, der Arbeiter �ollSllll Yalenfinitscli Mariatmcnftr. 21 gestorben ist. Ehre ihrem Zludenkeu: 176/16 Tie Lrtsverwaltung. Heute and folgende Tage K AuslwlMp eise! � GanteNein...per Stück 3.S0 GSnscstüSeufleifch. Pfd. L.SO Gänsckeuken..., 4.90 Grräuch. Ganfebr... 10.00 Westheimer, LSSW SUst Jakabftr. 12. ■ n— n- n—— 1, ri__ t___ i lestsener DoinffijEii6r-¥Bf08?iii. Zwei�vereln Berlin. Bezirt Osten U. Sm 17. Juni starb unser Mit- glted, der Putzer Xuxust Müller. Die Beerdigung findet Heute WUHelmSberg statt. Im Bezirk Thattuttenvurg starb am 16. Juni der HUsSarbetter Ksrl tioralx. I« Bezirk Süd-Westen starb am 13. Juni der Hilfsarbeiter Franz Loschinskl Ehre ihrem«luden keu k 146/2 VI» öttfiobe V«e»afwvg Mehr GkNiUk! Di» Norddeutsche Semöseba». Genossenschaft e. G.«. b. GeschästSftelle: Berlin W. 15, Pariser Str. 18«, welche rntt der Reichsstelle für Gemüse a»d Obst sottlaufend günstig« Liesorungsver- träge abzuschließen gedenkt, bcab- fichtigt zur Erwttterung ihrer Ge- niüsepflanzuniM noch eine beschränkte Zahl von stille» Teilnehmern mit Beteifigungen von h«ndert Mark biS zweitaniend NtarC(auch in Kttegsaisteihe) auszunehmen. (Saunise wird noch ans Jahre hinaus gute Marltpreise finden. Vermehrter Anbau ist durchaus notwandig, aber auch gut rentabel. Auch Fronen können teilnehmen. Weitere Au sinnst durch obige Ge- sch-itsstellc der Genoffenslhait. 26906 Prncht-Hodeiie! EitzSekenda Kostflni Pmaht- UodaB«, K&mmgrara, To«*, Saida, SchOpfimreo erster Meister SOO,— 250,- 200,— 150.- Itnefe* SeldeskostSna M- 106,— 75,- 61.- MnonkoitfliBe, Kr&oreletoB- koatfline Ist- dB,— 85.- Setagommfn(Selifraindnftl), k resehtltiti hmirtgnfert, irvolle ffonnou, prachtYoüe Farboastellmigea wände; mixten 83.- 74,— IKtz— 140, BUobaiatal aus ndieeaaea Lwkkm teils ans Pnedensi eilen 82,- 20,— Schwane Eolien«»-Bo(jerjB«iite(, mek JBr stärkste fwuren HA— I».- SS.— 65.- dB— TMaklper(Ooeerkoi- BSnfest»satt sckt läär- 106,— 90,— 75,—( Zone, flotte Tattetjachea, tstr jeden Beet pasaead Plflschmäntel Herrlich« Pbantasto- 3tlleke, SealpWselLSalden- piflach, Astrachan | 300,— m- 200,- 150,- mt etosein« PlBseh- Jacketts 76,— Kgurea. 76,- P«Izmäntel Wnndsrrolla neue Modella, das .SchOnst« ant dem Gebiete, Seal. Hlektrie, Fohlen, Bisam, Persianer 2000,— 1500,— 1800,— Phnntasle-Pehm änteJ »00,— 400,— 876— Ulster Fraküscha, molhf« Qualitäten, Stofje teils ans{ PHeaensieitea JOB- 76- 60,- 86- nach an» •JSr Westmann X. CteschUf: Ifohrenstr. 37s. IX(Jeschäft: GroCe Frankierter Str. 116. NM�Beschlagnahnasrcie>/. SMorlltbi-NKs. Woinkotten bis Z'/z Ps., gebrauchte, Benecke Juvalldeu-Ztrahe 137 luahe Stettiner Bahnhof» nr von 10 bis 5 Uhr-mß Amt Stsrbcu 8876»*4 H.& P. Uder, Berlin»U. IG. Sügd-afer 5. Tabak-Großhandlnns und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von d.£. Kancwaeker, Qrimm 9t 7riepe!. ----' Stotä friacJt cu 4en äaUötsteii Enfirospraieeii..■ -------------- Amt norttafL SMi.---- Ocutscheis Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Max Pallenberg in Familie Sehlmek. Kamnieraplcle. Heute u. folgende Tajje 71/, Uhr; l>le Tänterln 'mit Lcopoldlne Konatanlia). T olksbiihne.Theat. a.BDIowplatz. Vntergrundb. Schönhauser Tor. Heute u, folgende Tage 7'/. Uhr: Hie KMiiiffin der lihft. X>essfne-Theater. Heute u. folg. Tage TV. Uhr: Marie Ottmann u. Hans WaBmann in B£aAkA Oper. v.O. Blum enthal. IVBOMISa Musik v. Osk. Strana. Dir. C. Meinharfl— R. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: üiehnitzler- Abend. Komödienhaus 8Vhr; Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater . Ihr; Die tolle KomtoB. URANIA TaubeastraBe 48 ,'19. 8 Uhr: Tirol einst und jetzt. RosesTheater. -'/.uhr- Der Mann seiner Frau. Garlenb.: Berlin wie es liebt u. haBt. Apollo anDRtCHSTR. AN■ PK' HOOISI» Allabendlich 71/, Uhr; Das vielseitige Variete-Programm! Die Kasse Ist ab 10 Uhr selNael Theater für Donnerstag, den 21. Juni. Dcntschcs Opernbaas 7 Uhr: Uannit die Wirtin tont Urstauff.: Ittlllllll, gelden. Lamm. Friedrich-Wilbeliiigtädt. Theater. t:uhr: Das Dreimaderlhaus. <>cbr. Herrnfeld-Theatcr. u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater ■■/. ü.: Bans i Seimakesloeb. Komische Oper Sm-r-Die Dose Sr, Majestät, Lustspielhaus T.Uhr; Die blonden»Adels vom Ldadenhof. Neues Operettenhaus Scbiffbd. 4a. Kassentel. Nord. 281 u.u.: Der Soldat der Marie. Metropol-Theater 7ii,uhx: Die Czardasfürstfu. Besldent-Theatee tu utr: Der Leibgardist. Schlller-Theatew O tu ühr; Rotiert ddiI Bertraiö. Sehlllep-Th. C'harlottenb. Tv.ühr: Der Tarif. SgaoarelL Thalia-Theater 7'/, ubx: Sonnwendzauber. Theater am Kollendorfpl. 31/« Uhr: Der Vetter. Ti. u.; Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7*/« u.: stolze Thea. Trlanon Theater u/.uhr: Der Slar. iiiiiiraiininnii Z OcutzdieVofknpctiileziua AnkaafTooLcscatofffDrHeer £ ondFlcttt. Ehrtopräs- GcatralfddminciallT.Hliideiitiurf, Z Sonnabend, dcn23.Jani/41)is7Uiif nachm. patriotladie ] Fdcr im Cbarlottenbarger Scbloßpark. H MölilrkapeHc— KosIfdiAerBIäsctacd— GroBterLSiaserbmd 1 Eintrittskarten 1 Mark Zirkus A, Schumann Bahnh. I'riedrichstr. Auf. 8 U. Rauchen gestattet. KUhler Aufenthalt. Zirkiis-¥arietfi-grp�. U. a.: Bagerisehe /Upen-Spiele Die 1 Grazien am Draht. Pepnos kom. Dressur-ikt Halali f|F NATIONAL-THEATER. RöCcttitfci: Stv 68'/.8 Uhr Zum 182. Male! Inno junge pbdjrntranmrn Stürmischer Erfolg! (15 empr.'ich, Billette im Borau« j. bis. idmlrals-Palast. Abrakadabra groBes phantastisches 1 auf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt ist. 1 ira Ballen I B. 'enthalt I Küche. J Walhalla-Theater. 7'/. Uhr: Zigeuner. Warienbühne-Vorftellung. T olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich grolle ExtraTorstetluog. Pieper und Sperling Erstklassiges Tpezialitiitea-Programm. Ans. Soimtags 1. iBochent.'Ifi Uhr. Berliner Praler-Theater SaftfltrienaUec 7—9. Heute: Aha— famos! Groxe Ausstattung«> OperettenHolse in 8 Alten mit Gesang und Tanz. Borher da» grabe Varletiprogramm. Ansang l'/j Uhr. XägL 7S/. Sonnt, o1/» u. 7*/. WO der MM und das grolle' neue Varletd-Programm. Angenehm kühler Aulenthalt. r Das kaufende Publikum Groß-Berlins gestatten wir ans wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß die Schuhgeschäfte während der Sommerzeit werk' tigtifh, mit Ausnahme des Sonn» abends, von früh 9 bis 6 Uhr nachmittags für den Verkauf geöffnet sind. Alle namhaften Firmen haben diese verkürzte Verkaufszeit eingeführt. Verband Deutscher Schuhwarenhändler B. K Sitz Berlin 55/12 Reiehsballen-Theater. Stettiner Singer. Cabaret „Faid- gpau" Nusang TI, Uhr. ReukersWerke ■ 3 B4a»( 5 ateef. Buchhandlung Vorwärts Radfahrer! Sie können ohne Krlaubnisachein Ihr Fahrred benutzen mit „Srirala" (Spiralfeder* Fahrrad* HAadler Statt M. 7.75 nur M. 6 50 per Stück. arhalua Rabatt. Standanl- Bereifung na* VI M. per Stack. gegen 1 Verpackung 50 Pfennig. , Weinmeister- eiraBe 14. Barlin C. MHflOV; Allgemeine Orts-KranKenKalle KkM-Tmpchiif. - 277/19 Berichtigung zur Leknnntmachtms vom 18. Juni 1917 1. Zu wählen find nicht hon feiten der Arbeitnehmer 3 Ziorstandsmst» glieder und 6 Ersatzmänner, sondern 4 BorftandSmttglieder und « Ersaemannrr. 2. Die Dahlen finden nicht, wie angegeden, am 17. Juli 1917, sondern am S. An an st AVA? m der angegebenen Zeit statt. Die Dahlvorschläge tonnen mitbin beim unterzeichneten Borstand bi» zum AB. Jnli 1917 eingereicht werden. S erUnd&stp elRof, den 20. Jmti 1917. Der Lorstand der ngtaeinnt Ortbkrankentaffe für Serlin-TempeAhof. (gez.) Aldeet veorg,. I. Vorsitzender. LpeelislsrO Dr. med. volomana f.Seschlechtskrankh.. Raul-, Rar»-. Krauenleld., narr. 8ch»>ahe, Bein- kranke, Ehrlieh-Hata-Korea (Bauer 13 Tage). Behandlung schnell, sicher u. schmerzlos oh. Berufs stör. i. Or.Homeyer dt Co, kona Labor, t Blut- untere-, Fiden im Harn usw. mm. ü. IMptMM Spr.lO— 1 u. 5— S �anoptitam Boke Nene , Friedrichs tr. Spr.lO— 1 u. 5—8, Sonnt 10—1. Honorar mtbig. auch Teilzahl. >e»araUa Damenrimmar.— Zelluloid-> Film- Guttapercha- Hartgummi- Wachswalze«- Schallplatte«- »bsiiste fanft Ordower G.«. b. H., iSeorgenkirchstr. SO. beim Alexanderplotz, 9—12, 3— 8 Uhr. 80/18* Zigaretten direkt von der Fabrik mr zu Originalpreisen»WR im Zig. Kleinvtrkuf 1,8 Pfg. i.to 100.»/ 2.30 beide Sorten mit Hohlmnndstück. 100 Zig. ebne«I. Klein*. 3 Pf. 2,50 100, fioldera., 3, 2.60 100,., 4 5, 3,20 100. Sold. 8.2, 4, 0 Versand nur gegen Nachnahme von 300 Stück an. ß. b. m. H. Berlin Ah W 7, Friedrichs Lr.! Fomspr. Zentrum 7437. und Artlllerleatp. 16. inöwurm PN«« t-pi.«b««s» 5»al-*■ I>»M«»..»>!n»« deseMgl fich«' bcfelttgtflihet Ästsssar" Sln|»chftt ttnBwnbunaJ Sett ilasct als» 3chm«folg- tÄÄjüf Drt. stOrCmadiltnel l n 3stzwn»fallS nlchktsMtt stOrCmadiftne 344». fi>rSwd«r(Htttw ' aa»» U4* KIWn echt mit SUrte �ledloo" anb Olrma ---- THfnbab«» ______ gatzmiNeL i.MtttAafenbana. Tausende befreit! f SUrlt„MaaloO" uno Otts Reichet. StrllnD JEfir httze 4»•« metbe«s-tz ifea stchl»rbÄlülch, btetr�af« Speziat-�rzt Dr. med. Hasche, Fnodricbstr. 90 stabttas�o! SehandL Den»F? 1*411», Haut-, H ara-.Fraaenleld., spez.chron. Fälle. Ehrlich.�ota.Knren, schmerz. tose, kärzeste Behandlung ohne Be» rusSftörnng. Slutumersuchnng. Mäz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunde» 10�1«ld S-ä, esnm. il—i. Glück und Glas Zufriedenheit ist wahres Glück! Dir garantieren Ihnen Zufriedenheit wenigstenb mit den von unb gekauften Brillen und Kneifern. Ob Ihr Kind, ob Ihre Katze Ihr Augenglas beim Spielen zerbrochen haben, oder ob e« unter den Omnibus geraten ist, wir fragen Sie nicht danach, sondern reparieren eb Ihnen tostenlos. Ja. wenn Sie e« so zugerichtet haben, daß e» nicht mehr tadellos werden kann, so erhalten Sie ein gleich- wertigeZ neues als Ersatz umsonst. Stur»or- brochene Gläser müssen Sie zahle«, sowie Schild« patt, Horn und ähnliche Teile, sonst nicht«. Die Garantie läuft bi» zu drei Jahren, mindesten« sedoch ein Jahr für Fassungen von 4.50 vt. Dafür erhalten Sie aber bei un« schon einen guten Gold- Double-Kneifer(ohne Gläser). GewSlbtePimktorik.Menibkef» punktuell abbildend 4.— M., aub Sanabkop-GlaS 6— M. Dir müssen preiswert fein, sonst können wir nicht lange unsere 12 Geschäfte im Ausschwung erhalten. Wir müssen gediegene Ware liefern, sonst können wir nicht lange unsere Garantie ohne eigenen Schaden halten. Die Augen-Untersuchung ist kostenlos. Für passende Gläser garantieren wir Ihnen besondor«. Da« bedeutet noch mehr. Selbst wenn Gläser so genau verpaßt find, daß kein Fachmann etwa» daran verbessern könnte; find.Sie' vielleicht nicht damit zufrieden, dann reden wir nicht lange, sondern wechseln Ihnen die Gläser so lange kostenlos um, bi» Sie wirklich damit zufrieden find. Sbtd't die Augen— Qeh' tu Ruhnke! Wilmersdorf: ? erst« er 5fr. izz.z _.- b. ntzUnd.ett Friedenau: Lhetu-Str 18, ut ttr***. ««ge, über der«atier-IISs RiiVitiL*� Ueu: Schsneberg. tfaupiftr. 2%, am Kaiser LSilhelm-Platz. c.�:K?!WS» W. ISfV.flti'i NW.-ÄSiilS,»!).,,«---«-»d-m. ck» Marburger Ctl Zoachtmochaler Str. 2. am Bahnhof gas, Nr.lö?— 1Y17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts vonnerstag,21.�uni Der einheitliche Sauwille. Die Kunstdeputation der Stadt Berlin wollte einige Vorschläge Laben, wie das eine oder das andere Bauviertel im alten Berliner Westen umgestaltet werden könnte; sie schrieb zu solchem Zwecke einen Wettbewerb aus. Das Ergebnis ist zurzeit in der Bau- gewerbschule sKursürstenschule) zu seben: sieben Entwürfe, deren scder mit einem Preis ausgezeicknct toorden ist. Der Vorgang an sich scheint nicht besonders wicbrig zu sein; und doch ist er in Wirk- lickkcir von groster und grundsätzlicher Bedeutung. Darum ist es sehr lobnend, die sieben Projekts'cingehend zu betrackten; man erlebt das Drama der rettungslos verbauten Reichshauptstadt und spürt die ersten Regungen eines Willens, solchem Elend ein Ende zu be- reiten. Beinahe ganz Berlin ist ein Ergebnis der Bauwillkür und des gewissenlosen Sp ekulantentums. Der lächerliche Individualismus, der sich in der Barbarei der Fassaden breitmacht, har noch grötzere Verherungen in den Auf- teilungen der einzelnen Grundrisse und deren Nebeneinander, ja in der Anlage ganzer Strotzen und Viertel angerichtet. Man braucht nur an die verhälluismätzig junge Anlage des bayrischen Viertels zu denken, um das schmähliche Unvermögen des Berliner Städtebaues drastisch vor sich zu sehen. Bis auf wenige zu zählende Beispiele mangelt es überall an einem einheitlichen Bauwillen und an der moralischen, aber auch der technischen, hygienischen und ästhetischen Einsicht, datz der Städtebau eine soziale Auf« gäbe ist, daß nicht Herr Meyer und Herr Schulze z» bauen haben, sondern eigentlich nur Berlin, die geloaltige Gemeinsamkeit der Millionen, dies Recht zugesprochen bekommen kann. Der kleinste Schritt, der in solchem Sinne eine Besserung verbeißt, ist darum warm zu begrüßen. Der Wettbewerb, der für den alten Westen Vorschläge verheißt, verdient im besonderen Maße Aufmerksamkeit, weil es sich um eine Stadtgegend handelt, in der Wohn- und Ge> schäftszwecke sich vermischen. Von den vorliegenden Lösungen ist die deS Architekten Alfred L o w i tz ki besonders typisch. Er wählte sich zur Aufgabe, den Dreiecksblock am Lützowplatz, begrenzt von der Lützowstraße, der Dörnbergstraße und dem Lützowufer, umzugestalten. In diesen Block find sieben kleine Höfe eingezwängt, sieben Unzulänglichkeiten, sieben jener berüchtigten Schächte, die den anliegenden Wohnungen weder Licht noch Luft vermitieln können. Lowitzki beseitigt diese zufällige Vielheit und legt die sieben Höfe zu einem einzigen großen Raum zusammen; er gewinnt dadurch ein lichtes und lustiges Zentrum, um das er nun die Hauswandungen herumbaut. Eine Selbstverständlich- keit, so schlicht und redlich, daß man sich nur wundern kann, wie das Gegenteil scmals zustande kommen konnte. Die vorgenommene Lpcralion har weder mit Kunst noch mir sonst irgend einer hohen Genialität das Geringste zu run. Sie ist nichts als das Ergebnis einer anständigen Gesinnung und einer klaren Bauvernunft. Durchaus das Gleiche gilt von allen anderen durch den Wetb bcwcrb angeregicu Vorschlägen. Sie alle hätten längst verwirklicht werden sollen, und daß sie heute erst gemacht werden müssen, ohne dabei allzu große Aussicht auf Verwirklichung zu haben, zeigt die ganze Armseligkeit des Berliner Stadtbildes. Recht wertvoll sind die Vorschläge von Hermann Jansen. Er wollte den Block an der Lützowstraße, in dem heute das Elisabeih-KrankenhauS dicht an dem lebhaften und lauten Verkehrsweg steht, neu anordnen. Es ist ihm dieS vortrefflich gelungen. Auch er verfährt nach dem Grundsatz, möglichst große Höfe zu schaffen und um diese die Wohnungen herumzulegen. Dabei gliedern sich ganz natürlich die Straßen in solche, die für den Verkehr bestimmt sind und andere, die nur wenig in Anspruch ge- nominen werden sollen. Es ist beinahe ein Vergnügen, den Plan, nach dem Jansen verfahren möchte, airzuschauen! da ist Klarheit. Uebersicht, Verständnis für die Lebenshaltung der Großstadtmenschen und ein starkes Gefühl für die Wohltat großer Raumeinheiten. Dabei ist zu betonen, daß alle Vorschläge Jansens den Forde- rungen der Rentabilität, ohne deren Erfüllung jede Reform unserer kapitalistischen Bauproduktion sinulose Utopie wäre, vollständig ge-' recht werden. Diese beiden Beispiele mögen und können genügen. ES handelt sich immer wieder um das Gleiche: um die Beseitigung wildester Willkür, sozialer Unmoral und hilfloser Ungeschicklichkeit, um ein Ordnen nach den Bedürfniffen balbwegS zivilisierter Menschen, um die Erfüllung der einfachsten architektonischen Gesetze und vor allem um die Rücksicht auf den Bauwillen der Gemeinschaft. ES bleibt uuir abzuwarten, inwieweit das Ergebnis dieses Wettbewerbes dazu beitragen wird, daß das Brecheisen in die verrotteten Zu- stände von gestern und heute hineinfährt und auf den Trümmern eines dumpfen Individualismus die Stadt der sozialen Vernunft aufgebaut wird. E. Br. verfehlte preöigttexte. Kurz nach der Kriegserklärung des JahreS 1870 wurde von König Wilhelm von Preußen ein Bet- und Bußtag ausgeschrieben. Das ist nicht weiter verwunderlich, vielmehr war es das in solchen Fällen Altherkömmliche. Verwunderlich war jedoch der dafür aus dem»Buch der Bücher" ausgewählte Predigttext: Jeremia XIV, 7 und 8. Dieser lautete nämlich: Ach, Herr, unsre Missetaten haben'S ja ver- dient, aber hilf doch um deines NamenS willen. Denn unser Ungehorsam ist groß, damit wir wider dich gesündigt haben. Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer; warum stelltest du dich, als wärest du ein Gast im Lande, und ein Fremder, der nur über Nacht drinnen bleibt? Diese ausgegebene.Parole" erregle vielerorten Befremden, doch man fügte stch, bis auf den Rektor und Prediger Gittermann in Eicns(Ostfriesland), der Sonntags darauf an dem Texte und an der von einem feiner dortigen Herren Amtsbrüder darüber ge- haltenen Predigt öffentlich Kritik übte. Die Strafe dafür blieb nicht aus: Gittermann wurde kurz darauf seines Amtes entsetzt und erst nach ein paar Jahren als Lehrer an der königlichen Navigationsschule in Leer wieder angestellt, wo er im Jahre 1802 hochbetagt starb. Gerade der beherzte Gittermann hätte sich aber eigentlich von der(damals in Ostfriesland neuen) preußischen Regierung anderen Dank verdient, denn er war der Verfasser jener Widumer Proklamation von 1866, für die Bismarck in einem längeren Handschreiben dankte, und die später Heinrich v. Treitschke mit den Worten würdigte:.Die ersten in Deutschland haben die O st f r i e s e n den engherzigen Partikularismus der Staatenbildung des Wiener Kon greffes durchbrochen und mit mutiger Hand das politische Band zer- rissen, um das nationale, sie an ihr großes deutsches Vaterland knüpfende Band desto enger zu binden, desto unzerreißbarer zu be> festigen." Von einem andern Predigtiexte, der durch seine Verfehltheit berühmt wurde, wird erzählt: Bald nachdem Stanislaus Lesczhnski zum König von Polen gewählt worden war, be- gleitete er seine« Gönner. König Karl XII. von Schweden, im Jahre 1766 bei dessen Einfall in Sachsen, wo der Schwedenkönig seinen Feldprediger über Heiekiel XXI, 25 und 26 predigen ließ. Dieser Text enthielt die ominösen, sich gar bald bewahrheitenden Worte: Tue weg den Hut und hebe ab die Krone, denn eS wird weder der Hut noch die Krone bleiben— und ich will die Krone zu Nichte, zu nichte, zu nichts machen, bis der komme, der sie haben soll, dem will ich sie geben. In einem dritten derartigen Falle schuf ein harmloser Schreib- oder Lesefehler einem Prediger arge Pein. Zur Feier der Krönung König Friedrich Wilhelms I. von Preußen lm Jahre 1713 war als Predigttext die Stelle Daniel II, 26 und 21 vorgeschrieben, die sich sehr wohl für eine solche Gelegenheit eignet. Ein Geistlicher las aber statt Kapitel II Kapitel 11 und kam dadurch auf folgenden Text: Und an seiner Statt wird einer aufkommen, der wird in königlichen Ehren sitzen wie ein Scherge, aber nach wenig Tagen wird er brechen, doch weder durch Zorn noch durch Streit. An dessen Statt wird aufkommen ein Un- geachteter, welchem die Ehre des Königreichs nicht bedacht war; der wird kommen, und wird ihm gelingen, und das Königreich mit süßen Worten einnehmen. Der Pfarrer gab sich zwar alle Mühe, den befremdlichen Text in Einklang mit der Festfeier zu bringen, allein sein guter Wille scheiterte schon an den Eingangsworten, und als die Sache dem Könige zu Ohren kam, schickte er den Unglücklichen auf sechs Monate nach Spandau! Recht kitzlig war auch folgender Fall: Durch den Frieden von Preßburg vom 26. Dezember 1865 ist Württemberg ansehnlich vergrößert und zum Königreich erhoben worden. Demgemäß nahm Friedrich II. am 1. Januar 1866 den Königstttel an und ließ in allen Kirchen einen Dankgottesdienst halten, zu desien Predigt er selbst den Text angab, nämlich Psalm XXI, 7 und 8: Du setzest ihn zum Segen ewiglich und erfreuest ihn mit den Freuden deines Antlitzes; denn der König hofft auf den Herrn und wird durch die Güte des Herrn festbleiben. Das war ein passender Text für die protestantischen Pastoren; als aber die katholische» Pfarrer ihr« Bibel auf- schlugen, fanden sie an der angegebenen Stelle zu ihrem Entsetzen etwas ganz anderes, nämlich folgendes: Ich bin ein Wurm und kein Mensch,«in Spott der Leute und Verachtung des Volkes; alle, die mich sehen, spotten meiner, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf. Darüber ließ sich natürlich nicht predigen. Dem König war unbekannt geblieben, daß die katholische und die protestantische Bibel in der Numerierung der Psalmen sich unterscheiden, so datz der Katholik in Psalm 22 suchen muß, was der Protestant in Psalm 21 hat. Das Versehen wurde schleunigst wieder gutgemacht, aber ganz Württemberg hat lange über das drollige Mißverständnis gelacht. Dr.Joh. Kleinpaul. Volksbühne: ,die Königin öer Zufl0. Direktor Sladek hat Glück in seinen Unternehmungen. Nicht bloß, daß er als frisch zugreifender, dabei doch immer künstlerische Art wahrender Spielleiter seinen Mann stellt:— er bestrebt sich, unter dem Neuen und.Allerneuesten" das qualitativ Beffere, das zugleich untrüglube Wirkung verheißt, herauszufinden und ihm eine meist untadelige Umrahmung zu geben. Diesmal eröffnete er die sommerliche Spielzeit in der Volksbühne mit einer Gesangspoffe. in der, wie ja schon ihr Titel verrät, ein Stück Artistenwelt so etwas wie romantischen Zauber verbreitet. Max Reimann und Otto S ch w a r tz— wir find den beiden schon früher an anderer Stelle begegnet— bekunden mit ihrem neuen Stück einen glücklichen Griff und sehr geschickte Autorenhände. So witzvoll-lebendig die Handlung, so gefällig die Musik von Otto Schwartz, der auch am Text seinen Anteil hat. Das fließt alles so ungezwungen melodiös und frohlebig hervor, daß man kritisches Vorurteil und Gries- grämigkeit gern einmal zum Teufel wünscht. Bei alldem ist dock jede Schablone vermieden. Man stößt weder auf einen der sonst schon stereotypen sentimentalen.Schmachtfetzen", noch andere Bana- litäten. Einige Tänze— ohne sie geht eS ja nicht ab— zumal die Münchener Gavotte sind gut erfunden und äußerst wirksam hintereinander gesteigert. So nach dieser der Wiener Walzer und der Czardas in Budapest. Was hierbei außerdem angenehm auffällt, ist, daß sie nicht von Berufstänzern, sondern von Schauspielern vorgeführt werden. Das sind Margarete Christians (Lora, die Luftkönigin) und Eugen Rex(Berliner Seifenreffender), die denn auch beide ein übermütig glückliches Liebespaar werden. Den Gegenpol bilden Otto Gebübr(als Musiker) und Carola Toelle (Fränze, des Stadtrats Lampe Töchterlein). Den stadträtlichen, etwas unzeitig verliebten Papa, stellt uns Mgx GülSstorff so pro- vinzlich als urkomisch vor Augen. Hübsch ist auch das Sextett von Milgliebern des Mädchenvereins.Mozartzopf". Diese zug- kräftige Posse wird zweifellos volle Häuser machen.' eL Eine prähistorische �bfallgrube. llsber die Nahrungsmittel, deren man sich in prähistorischer Zeit im Gebiete der Wesermündung bedtente, förderte die Unter- suchung. einer prähistorischen Abfallgrube im Kreise Lehe höchst interessantes Material zutage. Die Abfallgrube war durch die Ar- beiten in einer Sandgrube nördlich von dem Dorfe Holßel in einer Tiefe von ungefähr 66 Zentimeter angeschnitten worden. Wie Fr. Plettke nach Abschluß seiner Untersuchungen in der Zeitschrift „Niodersachsen" ausführt, fand man in der Grube hauptsächlich Miesmuscheln mit zerbrochenen Schalen, daneben Platt-, Herz-. und Pfeffermufcheln, Gehäuse des Wellhorns und der Strand- schnecke, Strahlen träger der Flosse einer Schollenart, zwei Wirbel und mehrere Kieferstücke, die verinuUich vom Kabeljau stammen, kleine Beinknochen von Frosch oder Kröte, endlich verschiedenartige Geräte und Gefätzschevben. Auf Grund der in großer Zahl vor-' gefundenen Kohlenstückc wird angenommen, datz als Brenn- Material Eichenholz verwendet wurde. Wie aus dem bereits Ge- sagten hervorgeht, diente wahrscheinlich die Miesmuschel als Hauptspeise, wobei auffallend ist, datz sie heute gerade an der beut- schen Nordseeküste— im Gegensatz zu Holland, England und Frankreich— sehr wenig geschätzt wird. Auch die übrigen in der Abfallgrube gefundenen Muscheln sind eßbar, in Deutschland jedoch nicht beliebt, das besonders zähe Wellhorn wird bei uns heute niemals verspeist. Die aufgefundenen Knochenstäbchen scheinen als Eßgeräte, besonders für das Wellhorn, gedient zu haben. Diese Strandschnecke hat oin sehr hartes Gehäuse und luird nach älteren Berichten vom SchisfSvolk mit Holzstäbchen oder einer Stecknadel aus der Schale herausgeholt. Damit scheint erwiesen, datz es sich auch bei den in der Abfallgrube gefundenen Stäbchen, die übrigens an der Spitze Spuren von künstlicher Bearbeitung aufweisen, um Etzgeräte handelt. Di« in Holßel gefundenen eßbaren Seetiere find auch heute noch r» der Außenweser anzutreffen, vor allem die Muscheln lassen sich bei Ebbe auf dem trockenen Watt einsammeln. SBähsenb in einem eisen zeitlichen Abfallhaufen aus Fähr auch Austarn ver- treten waren, fehlen sie in der Grube von Holßel, was sich daraus erklärt, daß die Austern in Gewässern, wo der Salzgehalt wie in der Autzenweser unter 2,9 Proz. sinkt, unfruchtbar werden. Unter den gefundenen Geräten find das Bruchstück eines Fwiersteinmessers und Absplisse von Feuersteinen zu nenne», außerdem fand man Stücke von Scheriben, die an der Außenfläche hart gebrannt waren. Wie Plettke feststellt, ist. vor allem aus der großen Uebcrei.nftim- mung dieser Scherben mit den Urnen von dem früher untersuchten Urneufriedhof von Meckelstedt zu schließen, daß die Abfallgrude von Holßel aus der jüngeren Bronzezeit stammt. Notizen. — Vorträg«. Im Monistenbund spricht Freitag, abends 8'/« Uhr. im Humbser-Bräu, Tanentzieustr. 7 I. Dr. Slillich über .Quellen des Völlerrechts". — Die alte st en Brotmarken in Deutschland. Wahrscheinlich sind Brotmarken zum ersten Wale in Deutschland in Nürnberg ausgegeben worden, und zwar in den Hungerjahren 1639/46. Sie wurden damals au» Kupfer. geprägt.. Während mau die Landbevölkerung direkt versorgte, verteilte man in den Städten Brotmarken, gegen deren Abgabe die Bürger bet de» Bäckern ihr Mehl erhielten. 29) Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. .Haben Sie gehört, wie mich Erismann anranzte, weil ich die Beschimpfung Ihrer Person nicht kaltblütig einsteckte? Ich will nicht hoffen, daß auch Sic mir deswegen böse sind; sonst würde ich nämlich einen nächtlichen Geländeritt dieser Beranstaltung bei weitem vorziehen!" gab er ihr ohne Mck- ficht auf die vielen Beobachter seinen Zorn zu erkennen. Er sah, wie der Schreck schattenhaft über das vor Stolz und Zufriedenheit glänzende Antlitz huschte, das noch nicht eine schwache Spur von Kampf und Kummer aufwies. Der An- blick tat ihm wohl. Aber schnell kam ihr zum Bewußtsein, eine unerhört schroffe Drohung vernommen zu haben, und ihre Zweifel flüchteten gleich wieder hinter das tröstliche Ge- fühl, die Tochter des ersten Bürgers von Treustadt zu sein, die nicht nötig hatte, vor der Ungunst eines Freiers zu zittern. Das war so die Art der ganzen Sippe, sich zu ver- schanzen, wenn ihnen jemand mißfiel oder zu nahe trat. Während unter den Parteien eben noch die schönste Gleich- berechtigung gewährleistet schien, konnten sie plötzlich zurück- krebsen in einen schnöden Kastengeist. Sie wurden dann noch steifer, als sie sich ohnehin gaben, und ihre Mienen ließen wie durch ein Transparent den abgelegten Adel wieder aufleben. „Meinetwegen brauchten Sie sich doch keine Ungelegen- heiten zu niachen. Mit dem Gassenvolk soll man sich eben nicht einlassen I" sagte die Beleidigte von oben herab, indem sie ihren Platz einnahm und, vollkommen gefaßt, das Gespräch mit ihrem Nachbar zur Linken, dein standes- gemäßen Hauptmann von Teuffen begann. Ihre Stimme! Oft. wenn er sie hörte, mußte Lenggenhager schnell aufblicken, sich erst wieder überzeugen, daß sie wirklich einem Mädchen von drciundzwanzig Fahren angehörte, so bestimmt verhärtet klang sie, ohne die Schwingimgeu und hellen Kadeuzeu kindlicher Fröhlichkeit. Herrschsucht, wo er hinsah und hinhorchte I O, wie brannte er darauf, diesen krausen Sinn zu bändigen! Vorerst jedoch nahm er die staunenden, forschenden Blicke semer Nachbarn und Nachbarinnen mit innerster Befriedigung wahr..Es ist so, wie Ihr vermutet!" gab er Ihnen wiederum zu verstehen. Er hatte darum keine Zeit, sich über den Tischordner zu ärgern, der ihm einen rechten Vierschrot als Gegenüber zuteilte. Der aufdringliche Geselle wußte nichts Gescheiteres zu tun, als Lenggenhager zu seinem.gelungenen Austritt" zu beglückwünschen..Dar- auf sollte man eigentlich grad einmal Gesundheit machen. Das Fräulein Braut— wenn man so sagen darf— wird wohl nichts dagegen haben. Roten oder weißen?" rief er betriebsam und trinksüchtig, als fürchte er, nicht genug zu be- kommen. Plumper konnte die Karte nicht ausgespielt werden, und doch ließ es der Angesprochene ruhig dabei bewenden. Hingegen nahm Renö Steiger keine Notiz von der unziemlichen Einladung; sie verzog nur höhnisch den Mund, als der Haupt- mann, mit dem sie sich unterhielt, seiner Ueberraschung stumm fragend Ausdruck gab. Auf dem Platze draußen trieb indeffen die im Schnee- stürm wachsende Sängerlust die seltsamste» Blüten. Aus tausend Kehlen ertönte zu dem kümmerlichen Anlaß die Welt- erschütternde Hymne der französischen Revolutton: Allans enfants de la patrie Le jonr de gloire est arrivä... „Um tausend Gottswillen l Wenn sie nun aber ernst machen und die Tür aufsprengen?" hörte man da und dort ängstlich flüsternde Stimmen, und furchtsame Blicke forschten in den Mienen der Kavaliere, ob die zur Schau getragene Gelassenheit nicht etwa nur eine angenommene Maske sei. Ein Teil der Herren hatte ohne Dame erscheinen müssen. Jetzt mochte sich manche der Anwesenden an die Stelle der Fahnen- flüchtigen wünschen. Die echte Festfreude war nun doch ein- mal dahin. Einige sprachen es offen aus: Man hätte die dumme Musik sang- und klanglos heimschicken und den Ball aus später verschieden sollen. In ihren Zügen malte sich, wenn vor den Toren der Lärm wieder anhub. jedesmal ein Entsetzen, das nur der lebhaften Vorstellung furchtbarer Greueltaten entspringen konnte. Sie sahen sich schon au den Haaren die Treppe hinuntergeschleist, von rohen Fäusten ge- packt, zu Boden geworfen, und wenn sie in Gedanken den Widerstand so weit getrieben hatten, daß ihnen bereits das Mesier an der Kehle saß, ergaben sie sich schaudernd den brutalen Gesellen. Der prächtig geschmückte, ltchtdurchflutete Saal, der Anblick der blumenreiche« Tafel konnte diese Phau- tasten nur vorübergehend verdrängen. Auf der kleinen Bühne hatte sich daS Orchester bereits häuSlich eingerichtet, und die Musikanten, weit entfernt von Besorgnissen, stimmte« ihre Instrumente und strahlten vor Vergnügen über den eigenarttgen Empfang durch die Treu- städter Bürgerschaft. Ihr Eintritt inS ZunsthauS war vor- sichtshalber durch eine Hintertür erfolgt. Nun spielten sie die Ouvertüre zu.Wilhelm Tell"; aber von draußen, wo die Menge ein Vatcrlandslied zu Schanden machte, wnrde jeg- licher Genuß vereitelt. Man war allerseits froh, als das nicht endenwollende Finale, dessen Tougewalt und hinreißende Schönhett in dem Sttnunenlärm nicht gewürdigt werden konnte, endlich ausklang. Denn an den Tumultanten schien die Macht der Töne keine orphischen Wunder zu wirken. Auch die aufmunternde Begrüßungsrede deS Präsidenten vermochte die Stimmung der Gäste nicht über eine künstliche Fröhlichkeit zu erheben, die besonders bei den Damen nur stoßweise zum Vorschein kam. Keiner war, der nicht zuweilen einen un- behaglichen Blick nach den Fenstern geworfen hätte. Sie fühlten sich ungefähr wie auf einem brennenden Schiff, dessen Kapttän die Passagiere in scheinbarer Sorglosigkeit zu beruhigen sucht, während die Matrosen mit bleichen Gesichtern hin und herfliegen. Diesem unheimlichen Zustand wollte der Korpskommandant ein Ende machen. Sowie er sich erhob, löste sich die Furcht der Damen in Neugier auf und der Zorn der Offiziere verwandelte sich in geistige Spannung; denn sie mertten wohl, daß der sonst gar nicht redselige Mann diesmal ein kräftiges Wörtlein zur Sache sprechen werde.(Forts, folgt.) Zahlstelle Berlin. Freitag, den 22, Juni, abends 8 Uhr: im Gewerkschaftshaus. Sngelufer 15(Saal 6): Branchen-Versammlung otler in d. Lkriintr Karlonbktriebrn btschöst. Mitglikdkr. Tagrsordnung: 1 Siclluiiguaftme zur Haltung der Kartsnsabritantea in der reucruiigSzuschlagbeweKUNg. 2. Stellungnahme zum Ablauf de» Tarifs. S. VnbcmdSaiigclegenheilen und iöevfdjicfccncS. 26,8 Die OrtsTePTraltung. Zentralverband der Lederarbeiter und'Arb elterinnen Deutschlands. , Filiale Uerlln I__ Sonnabend, den 23. Juni, abends 8'/, Uhr, im Lokale dcS Herrn Hermann Schmidt, Prinzen-Allec 33: Monats-Versammlung. TageZordnung: VorstandSmahleo. Um zahlreiches und pünMIchcZ Trschcmcn ersucht 1Ä/20 Her VorstaaS. Droschkenkutscher vom Standplatz Potsdamer Riugbahnhof wird gesucht, der gegen gute Belohunug angebe» kziui. wohin 1 er � Schreibmaschine» in braunen Kasten am] Mittwoch, den 13. normittags gegen 11 Uhr, ab Köthener St«. 40/41 befördert hat. Zu melden bei Hsntege. Berlin-SOdende. Albrechtstr. 65 II 3 «Freien Stunden. Roman- und ErzZHIungen für tat arbeitende voll Pro Heft 15$|. Buchhandlung Borwirt». Berlin©23. 68, Lintenftrabe 3 Lanägrunästünk, Haus, Scheuni u. Stall, mit 8 Morgen Acker, gute Arbeitsgelegenheit, für 3SC0 M. bei 1800 M. Anzahlung zu verkaufen. Horm. Hätz. Jatcnlrk i./Pom. 48152 Verkäufe Tevvich-Tbomas, Cranicnnr. 44 lvoitbillig larbjeblerbatle Tehviche. Gardisen. DorivärlZIcjcrn S Prozent Eriraraoat:.______ 64� Säte tiauc ich®cmü(Ff Aus der Proxis ftir die Praxi». Preis lv Pi. Höhnender Äartoffelbau 20 Ps. ?>utzbr>»gcndc Hühnerzucht 50 Pf. Ruhbiingende Klniinchenzucht 40 Pf. «chwciiiczucht und Haltung 20 Pf. Buchhandlung Vorwärl», Lindc». stratzc 0. Laden.__* ~ Biefertvagcu. Kiappivortwagen, Hoizräder, alle Reparaturen an Kinderwagen,. Einrichtungen. Größte SluSwahl, niedrigste Prelle. Besichtigung Wh— 7. 3z» Kaufgesuche Möbeleinkauf! Kleiderschränke, Berti los, Plüschlofas, Trumeaus, Betistellen, Waschtoiletten, Küchen- einrlchtung. nanze Wirtichasten und Nachlässe kaust höchstzablend Höler, Prlnzenstrastc 7t.3Pseniiifl nur 20 Pfennig, gebnude- siatr 50 Pfennig nur 35 Picnnig Buchhandlung Vorwärl», Lmdeu straße 3. Rrantenfiihrftühte. Gummiräder, RicsenauSwahh Teschle, Landsberger- straße 05._______ 232/9» Mein Garicugrundftttck. Wand- litzscc, zirka 1 Morgen Wald, Wasser, Diesen mit grogen Edelobstanlagcu, Kartoffel-, Gcmüseenile, Hühner. Kaninchen, gutes Holzhäuschen(zwei Stuben, Küche, Schuppen, Stallungen, Inventar, alles Ichuldcnsrc!, 12 Jahre in Kultur, ernährt tlcinc Familie, sür II 500 Marl an arbeitsamen Käufer abzugeben. Anzahlung nach lieber- emlunsl. Gabbert, Schcnbauser» alle« 130. Telephon Norden 4006._* Handbuch der Dreherei. Unl- Versal-.Wcchselrädcr- Berechnungs- Skala'. 455 Abbildungen, 15,6 Ta- bellen, 1500 Berechnungen und Formeln. M. 6,25. Buchhandlung Vor- wärtL, Lindenstraßc 3. Gbatfelongues 60,—, Pluschiosas 160,—, Tapezierer Walter,©tat- gardrrftraße IL. 40K' Sicht- und Kraftanlagen, neu imd gebraucht, kauft.Elektrotechnik', Skalitzer Straße 43, l. Fernsprecher Moritzplatz 14892.__ 246K* itzeileü- Sviralbohrcr, Werkzeuge, Stahl, kaust Metalleinkaus Hcrrmann. Kottbufer Damm 66.» Psatinankauf, Gramm bis 7250, kebeiflalls Ankauf alter Zahngebiise Bestecke». Ringe. Schmucksachen, Ketten, Glühstrumpfaiche zu gesetz. lichen Preisen. Metallkontor John, gegründet 1003, nur Alte Jakobstraße 138 und Kottbuserstraße 1 Kottbufertor). Moritzplatz 12858. Firma genau brachten. Feilen, Spiralbobr«, Fräser, Treib- riemcn, neue und gebrauchte Werk. zeuge, kaust Metallankaus Leusscl- ttrgße Ii._ ittUt Arbeiterinnen, kröfttge, bei dauernder Beschäftigung sucht Seiten- fabrik, Acndlstraße 23. 2665»' Abpäckcrinnc«, tüchtige, gesuchs. Lüscher u. Bömper, Bülowflraße 56.* Phaütasiefeder« 1 Büidenime». Klcbcrinncn, auch Hclmarbeilerüv Lehrmädchen verlangt Wessendorf. Kövenickcrstraße 30. 26196 Ardeitöstnben aus�güten'Millel- genre in garnicrlen Kleidern finden fortlausend Beschäftigung. Denn möglich Borlage van Probearbeit. Max Dienstag, Mohrenstraße 13/14.* Düchtige Maschinen. Näberännen I sür schwere Maschinen sucht Pose. Schneiderei-Abteilung, Cuvryftr. 46.» Nockarbeiteri» aus einsachr Stofsl fachen außer dem Haltte, welche auch bügcll, Gncisenauslraße 7», III rechts.____ 26046 Arbeiterin««», perfekte, sür Knopsmontage. Rosenbaum. Zimmer. straße 3-4. 216K jtecksllteur zezuelit! k�vi' tlie„Vollcsstlinnio� Ppsnkfutt s. �1. wird zum 1. Oktober ein politischer Redakteur gesucht, erste Kraft. Bewerbungen mit Gehalts- ansprüchen bis spätestens 10. Juli an den Vorsitzenden der Preßkommission O. Brennecke, Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 53, erbeten. Elektromonteure zum sofortigen Antritt gesucht. Meldung im Einstellungsbnreau der i&L Deolschen CasglQblieht-Aküengesellsebaft, Ehrenbergstraße. Graveure auf Hartgummi und Zink gesucht. Schriftliche Offerten mit genauer Angabe der bisherigen Tätigkeit und Lohnforderung, Koksträger veri. Koks- Ginfaufsvcreintgung 5. fw Kräftige jirbeiter für Tcmpelhof, TfilestraSs 23 (gegenüber Saroiti) sucht* Deutsche� Oxhydric A.-ti� Gelernte Dreher fucht O. Kärger Akt.-dee.. Krautftr. Dreher, Klech�chlosser� Hilfsarbeiter fucht» Maschinenfabrik für Sicht,»nb Itzörberaulagen