Ztr.tSS. S4. Iichrg. BbonoflnffltS'Bftllngn?»««: «batmtmoM• Btctä tiäxcmmab»' 8iraeriä5tl 8.90 W. monafl, LaOSH, wöchenUl» so Pfg. kr> w» fecai Sinzeine Rümmer ö Big. SmvüagS» Nummer mir iHuftncnet Sonnrag K« BcUage»Die Reue Seit* 10 Pig. Bost» Köonnement: 1.30 Mari vro Monat. iingetragea m Sie Potl- Zettuno»- Stciälüie. Ilmer«reuzdans iiir Deittichlatt» und Oeslerreich- Ungar» ZöO Mari, ffit Sa» übrige Ausland t Mar! vro Monal. Poftabonnemems nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Bormgal, Rumänien, Schweden und die Schweis eitädot SgNch. 5 Pfennig} Die InlerfloBs-Gebflljr letr> für die sechs gespaltene Kolonel- seile oder deren Raum 00 Bsg- für dolltlsche und gewerlschastliche Lea eins» und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. «Kleine Hnietgen", das tcttgediuckle Wort 90 Big. izlllülstg 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort tv Big. Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen da! erste Wort 10 Big., jedes wettere Wort 6 Bsg. Worte aber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate ic die nächste Rümmer müssen bis Ubr nachmittags in der Expedition »dgegeden werden. Die Exvesitio» izi b>S 7 Uhr abends gevjji«. I Verlinvv Volksblakk. tetcgramm-Hbttge »SoriZllRwoIml Bertis" Zentralorgan der rozialdemokrati fchen parte! Deutfchlanda. Reüottton: SW. HS» Änüevstraße 3. Fernsprecher: Amt MoeinplaN, Nr. IS1 SV— 151 97. Freitag» den 22. Juni 1917. Cxpeditton: SV. 68» Ltnüenstratze 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. lSl S0-.1S1 97. tfcbeldfe ladet zur allaemelnen Konferenz. Cinlaöung zur internationalen Sozialistenkonferenz. Zusage der üeutjchen Sozialdemokratie. Das Juformatiousbureau des Delegiertenrates in Stockholm hat an den Genoffen Ed ert folgendes Tele- gramm geschickt: „Im Auftrage des Arbeiter- und Soldaten« r a t e s teile« wir mit, daff der Dclegiertenrat in der Sitzung vom Ä. Jnni beschloff, die internationale sozialistische Konferenz nach Stockholm zwischen HS. Juni und 8. Juli einzuberufen. Tscheidse, Borsitzeuder." Die Delegation der deutsche« Sozialdemo- kratie hat dem Exekutivkomitee des Arbeiter- und Soldateurates in Petersburg mitgeteilt, daff sie an der Konferenz teilnehmen werde. Davids Antwort an Thomas. Stockholm, 30. Juiti.(EiZ. Trahtbericht des„Vorwärts".) Suf die Aeugerungen des französischen MunitionSminifter? Albert Thomas im Stockholmer.Socialdeniotraten" über das Memo- randum der deutschen Delegation erwidert der deutsche Delegierte Dr. Ehuard David folgendes: Thomas' Aeü'tzerungen haben mich insofern angenehm deruhrt, als Thomas in unseren Erklärungen kein Manöver erblickt, fondern die Ueberzeugung gewonnen hat, daß er es mit der wahren Auffassung der deutschen Sozialdemokratie über Krieg und Frieden zu tun hat. Leider ist es ihm nicht gelungen, unsere Auffassung sachlich zu verstehen und zu würdigen. Seine sehr einseitig orien tierte Denkweise steht ihm offenb« hindend dabei im Wege. Daraus erkläre ich mir seine rtebcrraschung darüber, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht gegen die Anwendung gewisser Mittel und Methoden der Kriegführung durch die deutsche HeereS- leitung protestiert. Das wäre ein sehr einseitiger Protest. Thomas scheint nichts von dem Berge Anklagematerial zu wissen, das gegen die Kriegführung der E n t« n t e staa t e n von deut- scher Seite aufgehäuft worden ist. Dabei spielen auch die Behand- lung der deutschen Gefangenen, die Tötung von Verwundeten sowie sonstige, durch keine militärische Notwendigkeit gebotene Brutalitäten der französischen Kriegführung eine hervorragende Rolle. Ich bin gern bereit, ihm auf Wunsch reichhaltiges Material zu liefern» in der Hoffnung, daß er nach Kenntnisnahme nicht nur die Ein- seitigkert des Urteils korrigieren, sondern auch energisch auf Ab- Hilfe bei der Regierung, der er angehört, hinwirken wird. Thomas versteht weiter nicht, wie wir einerseits die uns e u t- rissenen Kolonien zurückverlangen, andererseits aber den unter sranzösifch-englischer Fremdherrschaft stehenden Ländern wie Aegypten, Marokko, Indien, Tibet usw. unsere Sympathie ent- gcgenbringen können bei deren Bestrebungen, ihre verlorenge- gangene nationale Staatlichkeit wiederzugewinnen. Sollte es so schwer sein, die Unterscheidungslinie zu sehen, die unser Memo- randum innehält? Wir erkennen das Recht der Selbjtbestim- mung für alle Völker„gehobener Kultur", die Wieder- erlangung oder Neuausrichtung staatlicher Selbständigkeit erstreben. Im Unterschied von ihnen bezeichnen wir als Kolonien solche Ge. biete, die von primitiven Eingeborenen bewohnt werden, denen Voraussetzung und Wille zu nationaler Selbständigkeit fehlen. Dazu gehören Senegambien, FranMsch-Kamerun, Dahomeh, Bri- tisch-Ostafrita, die Kongogebiete usw. So wenig das Fehlen dieser Gebiete in der Aufzählung der Staaten, welchen wir nationales Selbstbestimmungsrecht zuerkennen, Widerspruch bedeutet, so wenig bedeutet Widerspruch, daß wir den Ententestaaten das Recht ab- sprechen, Deutschland seine Kolonien wegzunehmen, um sie dem eigenen Kolonialbestand einzufügen. Es ist im übrigen eine falsche Auslegung dessen, was wir über ftws Selbstbestimmungsrecht der Völker gehobener Kultur mit ehe- maliger eigener Staatlichkeit sagen, wenn Thomas es so hinstellt, als wolle Deutschland fie von ihren seitherigen Beherrschern„lad- reißen" und daß es„nicht länger dulden könne, daß sie unter der Gewalt der Feinde bleiben". Wir sprechen den in Betracht kommenden Völkern unsere Sympathie aus bei ihren Bestrebungen zur Wiedererringung ihrer nationalen Freiheit. V o n e i n e m Eingreifen Deutschlands mit Mitteln der Ge. walt ist nirgends die Rede. Es mutet mich sonderbar an, daß das von den Ententestaaten verkündete Prinzip der Natw- nalitätenbefreiung gerade da aufhörr, wo das Prinzip der S-t a a t e n ansängt. Was die Frage Elsaß-Lothringen anlangt, so verzichte ich aus ethnographische Unterlagen zur histori. scheu Rechtsfrage, da ich sehe, wie wenig die Hinweise im Memo- randum auf die Auffassung Thomas' über das, was»recht" jei,' Eindrm! gemacht haben. Hinweise auf die Stellung von Marx, Bebel und Liebknecht im Jahre 1870 können auf die deutsche Sozialdemokratie schon deshalb keinen Eindruck machen, weil die Genannten sich später bedingungslos aufdenBodendesneu- geschaffenen politischen Zustandes gestellt haben. Unier Memorandum gibt die durch Parteitagsbeschlutz von 1913 einstimmig bestätigte Auffassung der deutschen cinschließ- lich der elsaß-Iothriugischen Sozialdemokratie wieder. Es weist auch darauf hin, daß diese Regelung der cljaß- lothringischen Frage im Sinne der innerpolitischen Autonomie im Rahmen des Reiches auch von der ftanzösischen Partei anerkannt wurde. Auf dieser Boraussetzung bewegten sich auch die Verständi- gungsverhandlungen zwischen den ftanzösischen und deutschen Par- lamentariern in Bern und Basel: als ich Pfingsten 1914 von Tho- mas in Basel Abschied nahm, geschah es in der festen Ueberzeu- gung, daß uns keine entgegengesetzten Auffassungen in der elsaß- lothringischen Frage trennten. Heute hat e r die vor dem Kriege getroffene Vereinbarung verlassen. Ich weiß sehr wohl, daß er das damit begründet, daß Deutschland den Frieden gebrochen habe. Damit sei auch die elsaß-lothringische Fragn wieder aufge- rollt. Aber dieser RechtSboden ist hohl. Thomas ist allem Anschein nach zwar fest davon überzeugt, daß Deutschland den Krier vom Zaun gebrochen habe u»d über seine ftiedliebenben Nachbarn im Osten und Westen hergefallen sie, getrieben von imperialistischer Eroberungsgier und dem Drange nach Welthegemonie. Er hält un» deutsche Sozialdemo. krate«, die wir meinen, mit gutem Recht unser Land zu verteidigen gegen eine Welt von Feinden und gegen im- Parsal sst ische � Erbberungspläne schlimmster Art, für arme„Be- lrogene". � Ich gestatte mir den Spieß umzudrehen und � meine Ueberzeugung auszusprechen, daß die französische Sozial- demokratie mit ihrer Hebet falls legende ein Opfer zarischer Diplomatie und der an sie geketteten eigenen Regierung gewor- den ist. Die Hauptschuldigen an diesem Krieg saßen in Peters- bürg. Hier war die verbrecherische, über Bord zu werfende Re- gierung". Sie ist glücklicherweise inzwischen auch über Bord ge- worfen worden. Die Mitschuldigen der zarischen Diplomatie sind fteilich noch nicht beseitigt. Noch haben in den westlichen Demo- kratien die imperialistische» Eroberungspoli- t i k« r das Heft in der Hand, und wie sie die Mitschuld am Kriegs- ausbruch tragen, so tragen fie die ebenso schwere Schuld an seiner Verlängerung. Thomas fragt, welche Garantien eines dauernden Friedens in den innerpolitischen Berhältniffen Deutschlands gegeben seien! Wir haben in Deuffchland allerdings cinc wesentlich ans feudalen Schichten hervorgegangene Regie- r u n g. Aber so ohnmächtig in der Hand der imperialistisch-kapi- talistischen Interessentenkreise, wie die Regierungen nt den sogenannten Demokratien des Westens, befindet sich die leitende deut- sche Bureaukratie nicht. So sehr wir in Deutschland auf die Durch- setzung freiheitlicher innerpolitischer ZuftLudc und zur Erringung einer wirklichen Demokratie hinstreben, wie ich hoffe, mit Er- folg hinstreben, so wenig teilen wir die Illusion, daß man solche wirkliche Demokratie in Frankreich, England und Amerika bereits hat. Was dort herrscht, ist eine Oligarchie kapitalistisch. imperialistischer Interessenten, die uns der Krieg noch deutlicher offenbart hat als sie im Frieden bereits sichtbar war. Diese Demokratie der kapitalistischen Bourgeoisie ist eine Demokratie des Scheins und der Phrase. In der Tatsache, daß die Arbeiterschaft und die sonstige besitzlose Masse des Volkes in jenen Ländern nicht mehr, sondern im Gegenteil weniger Einfluß auf die Diplomatie der Regierung ihres Landes hat wie die Arbeiter- schaft in Deutschland, sehe ich das Haupthindernis, zu einem bal- digen, die Lebensrechte aller Völker achtenden Frieden zu gelangen, einem Frieden, der sich aufbaut aus der Grundlage der Gerechtigkeit und der dadurch die Gewähr der Dauer in sich trägt. Mietsteigernngen unS Wohmmgsnmzüge. Die Gefahr des 1. Oktober. Die englischen Zrauen erst mit 30 Jahren wahlmünüig. London, 20. Juni. Das Unterhaus hat mit 291 gegen 25 Stimmen das Alter, das zur Ausübung des neuen Frauen- stimmrechts berechtigt, auf 30 Jahre festgesetzt. Aus London erfährt der„N. R. C.", daß bei der Abstim- mung im Unterhause über das Fraueuwahlrecht 184 Liberale dafür und 12 dagegen, 141 Unionisten dafür und 45 dagegen, 29 Arbeiterführer und 33 Nationalisten dafür stimmten. Der Fall Grimm. Stockhol«, 21. Juni.(Eig. Drahtbericht des.Vorwärts".) Grimm bestreitet, daß er aus Rußland ausgewiesen sei. Die russische Regierung habe ihm nur im Interesse seiner eigenen Sicherheit die Abreise nahegelegt. Die hiesigen Zimmerwalder, nämlich Jungsoziakisten und Bolschewiki, sehen zwar den Grimm gemachten Vorwurf des AgententumS für Deutschland als unbewiesen an, forderten ihn aber auf, bis zur Klärung die Leitung des Zimmerwald«» Komitee» niederzulegen» wa» Grimm auch getan hat, Die Berliner Grundbesitzer-Vereine haben getreu ihren Beschlüssen, den Mietern die Steigerung der Wvhnungsmietcn zugehen lassen. In gedruckten Zuschriften an die Mieter wird diesen in mehr oder minder rucffichtsloser Form mitgeteilt, daß infolge der steigenden Lasten der Hauslviri sich zu einer Mietsteigerung gezwungen sche: wer bis zu einem bcstinnnteu Termin, etwa bis 20. oder 24. Juni, sich mit der Steigerung der Miete nicht einverstanden erkläre, gelte zmn 1. Oktober gekündigt. Mancher Hauswirt will in hausagrarischem lieber. eiset diese Steigerung, die 10, 15 bis 33� Proz. beträgt, sogar auch dann am 1. Oktober eintreten lassen, wenn der Mietvertrag von April zu April läuft, was natürlich u n st a t t h a f t ist. Bietet sich die passende Gelegenheit, daß der seid- graue Mieter zufällig auf Urlaub ist, so geht ihm prompt die Kündigung zu, womit ihm in den Freudenkelch des Wiedersehens mit seiner Familie ein herber Tropfen Wehmut über- die noch trostlosere Zukunft seiner wirtschaftlichen Existenz geschüttet wird. Doch M i e t st e i g e r u u g und Kündigung ist in diesem Falle zulässig. Steht der eigentliche Mieter im Felde, so schickt dern Hauschirl d i e K ü n d i g u nch d'e r Ehe s rlach z u. Wenn sie Mitmieterin ist, den Berftag'mitunterschriedeji hat, und tvenn, wie in der Mehrzahl der Berliner Mietver- ftäge, der Mietvertrag bestimmt, daß die an einen der Mieter gerichtete Kündigung oder eine Willensäußerung auch für den andern gilt, so hat auch diese an die Frau gerichtete Mietsteigerung Geltung bzw. auch die Kündigung ist rechtsverbindlich. Ein in weiten Kreisen verbreiteter Rechtsirrtum— der selbst in amtlichen Stellen, ja sogar in juristischen Kreist« anzutreffen ist— ist es, wenn angenommen wird, eine Kriegerfrau könne nicht gekündigt werde«. Nur wenn der Ehemann allein den Vertrag unterschrieben hat. ist die an die Eheftau gerichtete Kündigung unwirksam. Sic muß dem Ehemann fristgerecht nach den im. Vertrage vereinbarten Bedingungen zugesandt werden, auch wenn er sich im Felde befindet. Die weitaus m e i st c n Kündigungen sind also gültig. Viele gekündigte Kriegerfrauen aber glau- bcn, befangen in dem erwähnten Rcchtsirrtum, daß ihnen nicht gekündigt werden könne, daß sie die Sache gar nichts angehe. Sie äußern sich deshalb auf das Kündigungsschreiben gar nicht und glauben, ihnen könne nichts geschehen, sie könnten zur Räumung der Wohnung am 1. Oktober nicht gezwungen werden. Das ist leider nicht der Fall. Exmissionsklagen auf Räumung der rechtmäßig gekündigten Wohnung werden in Massen kommen. Schadenersatzklagen der zuziehen- den Mieter, die die von ihnen gemieteten Wohnungen nicht rechtzeitig beziehen können, werden folgen. Feststellungs- klagen, ob die Kündigung zu Recht erfolgt ist und die Krieger- frau verpflichtet ist, die Wohnung zu räumen, sind jetzt schon im Gange, wenn die 51riegcrfrau erklärte, nicht ausziehen zu wollen. Gerichte, Rechtsanwälte und Auskunftsbureaus werden durch dieses Vorgehen der Hausbesitzer reichlich zu tun bekommen. Dem Feldgrauen erwachsen Prozeß- und Ge- richtskosten. Er, der jetzt schon nach dreijährigem Kriegs- dienst seinen Pack Mietschulden zu tragen hat, gerät nun noch :mehr in Schulden. Seine Frau war wohl bemüht, unter großen Entbehrungen in seinem Interesse die Miete voll- ständig zu zahlen. Sie war aber beim besten Willen dazu nicht in der Lage. Der städtische Mietzuschuß ist zu klein und der Hauswirt tritt von der Gewährung des zuerst vielfach erheblichen Mietnachlasses zurück. Etwaige Zuwendungen des Arbeitgebers des Ehemannes bringen nicht die erhoffte mate- rielle Erleichterung, da sie auf die Unterstützung zum Teil angerechnet und diese entsprechend gekürzt wird. 5ftankheiten der Frau und der Kinder haben vielfach die wirtschaftliche Misere erhöht, und einige Ortsarmenverbände wollen sogar von der immerhin kargen Unterstützung noch die 5ftankcn- hauskosten eintreiben. Dazu kommt nun die Steigerung der Miete von 3— 5 M. monatlich. Wird der Feldgraue nach längerer Militärdienstpflicht als Invalide entlassen oder auf einige Monats zur Arbeit beurlaubt, so findet er neben einer starken wirtschaftlichen Erschütterung seines Familienlebens auch eines Tages noch den Zahlungsbefehl bzw. die Klage des Hauswirts auf Zahlung der Restmiete vpr. Die Bundes- ratsverordnung, wonach dem Beftagten in solchem Falle even- tuell eine sechsmonatige Zahlungsfrist gewährt werden kann, bietet ihm sehr wenig Schutz, da es ihm unmöglich ist, in biejer kurzen Zeit eine solche Schuldenlast abzutragen. KMÄ �euanschaffunaen für Kleidung größere Summen seines Ein. kommens verschlingen. Tozn kvmnit nun der Umzug am 1. Oktober, der bei den jetzigen fast unglaublichen Preisen für kleine Wohnungen nicht unter 60 M., meist 70 und 80 M. kostet, wenn er über- Haupt möglich ist. Wir befürchten, daß in vielen Fällen bei dem Mangel von Leuten zur Bewerkstelligung des Umzuges und bei dem Mangel an Fuhrwerk und Pferden, viele Fa- milien die rechtzeitige Räumung der Wohnung überhaupt nicht am 1. Oktober werden bewerkstelligen können. Wir fragen uns daher mit größter Besorgnis, was bei diesen zu erwartenden Massenumzügen am 1. Oktober geschehen soll. Man stelle sich einmal zu allem anderen Unerfreulichen auch dies vor: Am 1. Oktober würden in Berlin einige tausend Wohnungseinrichtungen auf dein Straßendamm stehen, bewacht von ihren obdachlosen Besitzern, die den Vor- übergehenden ihr Leid klagten. Wer möchte wohl die Per- a n t w o r t u n g dafür übernehmen wollen? Es ist dringend geboten, durch Bundesratsverordnung die Mictsteigerung zu verbieten und eine Kündigung nur mit Zustimmung der MieteinigungSämter zuzulassen. 'Der Hinweis aus die steigenden Lasten ist nicht stich- haltig, da der Hauswirt während der ganzen Kriegszeit Re- novierungen der Wohnungen überhaupt nicht vornehmen läßt. Seine Unterhaltungskosten für die Herstellung der Wobnung in einen bewohnbaren Zustand sind deshalb gleich Null. Im Interesse der ärmeren Bevölkerungsklasse ist des- halb ein sofortiges Eingreifen des Bundesrats ein Gebot der Notwendigkeit. « (Siehe dazu auch den Bericht über die gestrige Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung!) Englische Erkundungsvorstöße bei Hooge — französische Stellung bei Bauxaillon gestürmt und gehalten— Gefechte in der Struma-Niederung. Amtlich. Gr>h«»Ha»»t,««rtier, den 2t. Juni 1S17.(SB. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. . Heeresgruppe Krenprinz R« p» r e ch t. 3« Flandern und im SrteiS war erst adendS bei besserer Sicht der Artilleriekampf ans breiterer Front lebhast; er hielt stellenweise auch nach Dunkelwerden an. Nahe der Küste wurden durch nSchtlichen Neberfall eine An- zahl Engländer als Gefangene eingebracht. Bei Hoog», östlich»au Dpern, find gestern und heute stüh starke englische Erkundungsverstöße abgewiesen worden; auch bei SermelleS und LoeS schlugen Unternehmungen deS Feindes fehl. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bei Bauxaillon, nordöstlich von ToissonS, stürmte» gestern nach kurzer, starker Minenwerfer-Borbereitung Kompagnien einiger auS Rheinländern, Hannoveranern und Brauuschweigern de- stehenden. Regimenter die sraazöfische Stellung in tSOO Meter «reite. Der durch bewährte Sturmtrupps, Artillerie und Flieger gut«pterstützte Einbruch in dir feindliche Linie erfolgte für den Gegner völlig überraschend; einzelne Stoßgruppen drangen durch die AnnSHruugSwege bi« zu den Reserven vor und machten auch dort Gefangene. Dir blutigen Verluste des Feindes find schwer; über t«0 Gefangeue«nd 1« Maschinengewehre wurden zurück. gebracht, einige Minrnwrrfer gesprengt. In den gewonnenen Gräben find tagsüber heftig« Gegen- angrisf« der Franzosen abgewehrt worden. Mit starkem WirtiingSjeuer bereitete der Feind nordöstlich de» Gehöftes Hurtebis« ein Unternehmen vor, deffrn Durchführung in unserem Vernichtungsfeuer unterblieb. Auf dem westlichen SuippeS-Ufer war abend» die Feuer- tätigkeit sehr lebhast. I« der Ostchampagne und am Westhang der Argonne« holten unsere Stoßtrupps mehrere Gefangene aus den franzöfischen Linien. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Keine wesentlichen Ereigniffr. Oestlicher Kriegsschauplatz. Lei Lurk, an der Zlota Lipo, Narajowko und südlich deS Dnjestr war dir russische Artillerie und entsprechend die unser« tätiger alS in letzter Zeit. Streifabteilunge« der Russen wurden an mehrere» Stelle» verjagt. Mazedonische Fsront. In der Struma-Niedernng endete» Gefechte bulgarischer Popen mit englischen Kompagnie« und Schwadrone» mir Zurück- gehen de» Gegners. Der Erste Generalauartiermeister. Ludendorsf. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 21. Juni l917. abeads. Im Westen vormittag« südwestlich von Leu«, bei B-nxaillon nnd südöstlich von R a« r o y lebhaste Gefechtstätigkeit. Sonst nichts Besondere«. Der österreichische Bericht. Wie», 21. Juni 1S17.(w. D.».) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. In einzelnen Abschnitte» der galizisch-wolhynischen Front hat die feindliche Artillerielätigkeit bei Mitwirkung schwerer Kaliber sichtlich zugenommen. Auch die Flugtätigkeit war hier lebhafter. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf ber Hochfläche b e r Siele» Gemeiade» perlief der gestrige Tag ruhiger. Die KSmpse iu dies»« Gebiet brachten uns seit dem 10. Juni IS Offiziere, 650 Mann und 7 Maschinen- gewehre ein. Im Col Vricou-Gebirt erfolgreiche Handgranaten- kämpfe. Sturmabteilungen habe« im Borselbe der Lagaznoi- Stellung die Besetzung eine« Sprengtrichter» durch de» Feind verhindert. Auf der Karsthochstäch« Warden kleiner» feindliche Unter» «ehmungen abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Stellenweise Bandenkämpfe. Der Chef de« GeneralstabeS. die üeutsche Sozialdemokratie an den russischen Arbeiter, und Solüatenrat. Bereits am 7. Juni beschloß die Stockholmer Delegation der deutschen Sozialdemokratie, folgendes Schreiben an das Exekutiv- komitee des Arbeiter- und Soldatenrats in Peter«. bürg abzusenden: Werte Genossen! Die Delegation der sozialdemokratischen Partei und der Ge- werkschaften Deutschland» zur internationalen Konferenz in Stock- Holm hat sich mit dem in den letzten Tagen veröffentlichten Aufruf de» Arbeiter- und Soldatenrats beschäftigt, der die sozialdemokra- tischen Parteien aller Länder auffordert, an einer i n t e r n a t i»- nalen Konferenz teilzunehmen, die in der Zeit vom 28. Juni bis 8. Juli in Stockholm tagen soll. Ter Aufruf ist uns im vollen Wortlaut nock, nicht bekannt. Nach dem uns vorliegenden Text werden die Parteien und Bereinigungen der Arbeiterklasse aufgefordert, dem Ardeiter, und Soldatenrat mitzuteilen, ob sie au dieser Konferenz teilnehmen wollen. Wir erklären uns gern zur Teilnahme bereit, wie wir stet» während de» Kriege» bereit waren, die internationale« Beziehungen mit allen sozialisti- schen Parteien wieder aufzunehme». Die Sozialdemokratie Deutschlands Hot während de» Krieges ihre Politik unabhängig und selbständig bestimmt. Entscheidend waren für sie dabei die Interessen de» arbeitende» Lölkes. Aus den beigefügten Dokumenten ergibt sich, daß die deutsche Sozialdemokratie unausgesetzt nnd mit ganzer Kraft eingetreten ist für eine Berstäudigung des Prole- tariat« aller Länder zur gemeinsamen Herbeiführung de» Frieden». Alle imperialistischen Eroberungsabsichten sind von unS tetS entschieden bekämpft worden. Diese Stellungnahme ermöglichte e» nn», die russische Revolution leidenschaftlich zu begrüßen und unS durch den Beschluß unseres ParteiauSschusse» rückhaltlos auf den Boden der Forderungen des Arbeiter- und Soldatenrat» zu stellen, der die Böller zu gemeinsamem Borgehe« zugunsten de» Friedens Wilhelm von humbolSt. Ein Geist, der auf Universalität drang, ein Finder verbin- h ender Ideen, ein Bahnbrecher vergleichender Forschung, dem die Sprachwisjenjchast Bedeutendes verdankt, das war Wilhelm von Humboldt, dessen 150. Geburtstag wir heute feiern. Er hatte die Luft de» Klassikerkreises in Weimar und Jena in dem groß- fruchtbaren letzten Jahrzehnt de» scheidenden Jahrhunderts eingc- sogen, und das hieß ein Aufgehe» in dem Ziel, Natur und Geist zu verdrücken und in dem Tun aller Zeiten und Völker aufzu- spüren, was als Menschheitsleistung sortzuwirken berufen schien. Al« ein vollendeter Träger deutschen Humanitätsdenkens hatte Humboldt als Jüngling aus den gewaltigen Wehen der großen tranzosischen Revolution für sein geschichtliches Anschauen den Er- .'rag gewonnen, daß diese Ilimvälzung, wenn ihre Ideen zur Klärung gelangten, auf die Naehbarstaatcn ganz besonder« frucht- var einwirken werde.„Sie wird dadurch den Gong aller mensch- lcchen Begebenheiten bewähren, in denen das Gute nie an der Stelle wirkt, wo e« geschieht, sondern in großen Entfernungen fcer Räume oder der Zeiten, und in denen sene Stelle ihre wohl- tätige Wirkung wieder von einer anderen gleich fernen«mpsängi.* Das Humanitätsideal Humboldts war aber im Kern per- sonlichste» Bildungsideal. Er hat gesagt:„Die Sätze, oaß nichts auf Erden so wichtig ist al» die höchste Kraft und vielseitigste Bildung de» Individuums, und daß daher der wahren Moral erste« Gesetz ist: bilde dich selbst, und nur ihr zweite«: wcrkc auf andere durch das, was du bist,— diese Maximen sind mir zu eigen, al« daß ich mich je von ihnen trennen könnte." Da« schrieb der Jüngling; dem Manne aber sollte die Zeit tommen, wo dieses ztwite ihm größte Aufgaben stellte: in den Jahren der schwersten Not Deutschlands durch die napoleonische Herrschast. Denn damals berief sein Heimatstaat Preußen ihn auf Stein« Rat in das Ministerium zur Leitung des Unterrichts- wesen«, und da« schuf ihm Gelegenheit, in einem Werk wie der Gründung der Universität B e r l i n, die 1810 geschah, seinem idealsten BildungSwillen Wege zu suchen. In diesen Jahren hat sich gezeigt, daß sein junges Ziel, zwischen den beiden Polen In- dividuum und Morschheit geschichtlich unmiitelbar wirksame Be- ziehungen und Verbindungen zu schauen, sich um einen Schritt abgeändert hatte, der für die Entwickclung seine» politischen Denken« und Handeins bedeutsam heißen muß. Ten« gewichen ist !ene Gleichgültigkeit gegen den Staat al« Kulturfaktor, die den Uederzeugungen der Rousseauzest entsprach, In einer Jugendschrift über die„Grenzen der Wirksamkeit des Staates" hattte Humboldt einst bezweifelnd abgewiesen, daß dem Staat eine Rolle weiten Umfangs für die Entwickelung seines inneren Lebens zugedacht werden könne. Damit stimmte nicht mehr überein, was er jetzt in den Zeiten Stein», Scharnhorsts, Hardenbergs mit ollem ausdauernden Ernst anstrebte. Man darf freilich nicht einen gewaltmächtigen Staatsmann, dem die äußersten Mittel anwendbar scheinen, in ihm sehen wollen. Solche Möglichkeiten verschloß ihm die dock immer nur degrenzte Amtsstellung, die ihm beschieden n-ar, und sie hätten seiner Natur, die nichts von äußerem Zwang hielt, auch nicht gelegen, wenn sie sich geboten hätten. Was ihn bedeutend macht, ist etwas anderes: sein Einwachsen in die Arbeit, die den Staat au» dem alten absolu- tlstischen Regime hinüberführen wollte in einen Organismus, der nicht mehr nur eine bureaukratisch von außen bewegte Maschine sein sollte, sondern ein Körper, dem da» lebendig einströmende Blut dez Volkes die Kraft und Art des Handeln» mitbestimmt� Hum- boldt bleibt der Individualist, der er war. aber seit den Tagen der französischen Revolution ist es seine Ansicht, daß das Individuum ein aus dem Volke seines Landes geborenes Element ist, und sie leitet sein praktisch-politisches Wollen. Er lehnt den bevorrechteten Adel ab, verwirft die Kirche als Staatsvormund, tritt für die bür- gertiche Gleichberechtigung ein, die auch durch religionskonfesfionelle Gesichtspunkte nicht beschränkt werden und also auch den Juden nicht vorenthalten werden dürfe: die menschliche Nützlickkeit inner- halb der Staatsgemeinschaft wird ihm zum Ausgangspunkt für die staatsbürgerliche Rechtsstellung. Er ist keineswegs ein Revolutio- när; man bat sogar die Frage, ob er als ein Liberaler gelten könne, nicht zu bejahen gewagt. WaS ihn bezeichnet, ist sein Herauswollen aus dem Gestrigen, das sich als schwach und hohl cewiesen hatte, und das durch eine sorgsam tausendfältige Arbeit, die den einzelnen Staatsbürger bildend erreichte, überwunden werden mußte. Mit dem Herauswachsen der neuen Klasse des industriellen Proletariats kam die Einsicht, daß zwischen Individuum und Staat der Jnteressentampf der Gesellschaftsklassen als geschichtsbildende Kraft wirkt. Humboldt hat nun den Anfang dieser Entwicklung erlebt: die Gegenwehr der bisher herrsckcnden junkerlicken Klasse, der noch keine andere Klasse starkentwickelt und kampforganisiert sich entgegenstellen konnte. Die Volksbewegung von 1818, an die sich die höchsten Hoffnungen anschlössen, war allzuschnell zu- sammengesunken. Nur Ideen, von einer dünnen Schicht bürger- licher Intelligenz getragen, waren in Aktion� nicht me�r MageUx anfgesorbert bat. Da« vom Arbeiter, und Soldatenrat und der russische« Demokratie proklamierte Ziel: Friede ohne An. nexione« und ohne Entschädigungen, ist auch unser Ziel. Ter Wortlaut dieses Beschlüsse« unseres Parteiausschnsse», den wir auch im Reichstage energisch vertreten habe«, ergibt sich a»S dem zweiten Teile des beigelegten Material«, Seite 84. Da« klassenbewußte Proletariat Deutschlands, das von j e b e r die russischen Freiheitskämpfe mit der größtea Be- wunderung versolgt und tatkräftig unterstützt hat, wünscht nach dem Siege der russischen Revalutio« auf da« lebhafteste eine dauernde Befestigung der russischen Demokratie. Sein eigene« Juteresse, seine Kämpfe um die freiheitliche Entwicklung Deutsch- lauds machen-in freie«, demokratische« Rußland al« Rachbar drin- gend erwünscht. Ein auf Freiheit und Freundschaft beruhende« nachbarliches Berhältni« ist auch die sicherste Garantie für eine« dauernden Frieden in Europa. Unsere Bestrebungen sind auf rasche und gänzliche Be- endig un g de« furchtbaren Bölkergemetzels gerichtet. Ebenso wie der Arbeiter- und Soldatenrat haben auch wir bei unserer Friedensarbeit nur den allgemeinen europäischen Frieden im Auge gehabt. Zur Förderung dieser übereinstimmenden gemeinsamen Bestrebungen wäre uns eine direttepersönliche Beziehung »um Arbeiter- und Soldatenrat in Petersburg erwünscht. Für den Fall» daß der Arbeiter- und Soldatenrat den gleichen Wunsch hat, bitten wir um Uebermittlung eine» entsprechenden Borschlags. Eine Abschrift dieses Schveiben» haben wir gerichtet an die Genossen Tscheid se, Zeretelli, Skobeleff, ebenso an die Redaktionen der Parteiblätter„Rabotschaja Gaseta" und„R» voja Shien". In Ihrem Auftrage hat ferner uns das holländisch-sianditta- vische Komitee gebeten, uns für die Erteilung von Pässen an die Genossen F r i m u und Christesco in Bukarest und L a p t ch e- v i t s ch und Kazlerovitch in Belgrad zu verwenden. Wir wer- den selbstverständlich gern in dem von Ihnen gewünschten Sinne tätig sein. Stockholm, den 7. Juni 1917. Mit sozialistischen Grüßen Die Delegation der deutschen Sozialdemokratie und Gewerk» schaften in Stockhol«. (Folgen die Unterschristen.) » Stockholm, 21. Juni.(SvenSka Telegrambyran.) Die Ab- terlung für internationale Beziehungen de« Petersburger Ar. heiter- und Soldatenrats wird vom 22. Juni ab i n Stockholm Berichte mit den authentischen Telegrammen de» Rates in deutscher, französischer und englischer Sprache heraus- geben. Vorbereitung öer französischen Denkschrift für Stockholm. Pari», 20. Juni.(Meldung der Agence Havas.) Der zur Be- anttvorwng der Stockholmer Fragen ernannte Ausschuß der Soziali st enpartei wird heute zusammentreten. Ein Mit- glied de» Unterausschusses zur Prüfung der Friedcnsfrage hat dem „Petit Journal" erklärt, wie diese behandelt werden soll. Die Sozialistenpartei macht sich die Formel der russischen Sozialisten zu eigen:„Keine Annexionen, keine Kriegsentschädigungen, Selbst- bestimmungörecht der Völker." Sie sieht als Kriegsentschädigungen nicht an die gerechte und materielle Wiedergutmachung der Verwüstungen des Krieges und ist der Ansicht, daß dies den- jenigen aufzuerlegen fei, die die Verwüstungen angerichtet haben. Was Elsaß--Lothringen betrifft, so stimmt die Partei zu, trotz der wiederholten Kundgebungen, die ebenso viele Bestäti- gungen des Rechte« und des Willen» der annektierten Gebiete find. zu ihrer ursprünglichen Nationalität zurückzukehren, und um laut die Freiheit der Selbstbestimmung der Völker zu verkünden, der Welt ein erhabenes Beispiel zu geben, und um endgültig den Streit zu schlichten, der sckwer auf dem Leben Europas gelastet hat, daß eine Befragung der Elsaß-Lothringer statt» finden soll. Für diesen letzten Absatz stimmten fünf Abgeordnete, fünf stimmten dagegen, die keine ander« Lösung al» die völlige und bedingungslose Rückkehr Elsaß-Lothrin- gen« zu Frankreich und eine Befragung der Bevölkerung nur nach der Wiedervereinigung der beiden Provinzen mit ihrem Mutter- lande zulassen wollten. lieber Polen wurde in Uebereinstimmung mit dem Antrag der alliierten Sozialiften in London erklärt: Die polnische Frage die ein nationales Ziel politisch auszumünzen reif waren. Humboldt hatte alle« von der großen Bewegung erwartet; er war sogar, al» der Krieg gegen Napoleon im Sommer 1818 am Erlöschen war. energisch für di« Fortdauer des Kampfes eingetreten, die denn auch durch Oesterreichs Teilnahme gesichert wurde. Dann erlebte er auf dem Wiener Kongreß an Hardenberg« Seite die diplo- matische Gegenarbeit gegen die Gefahr, daß durch eine allzugrotze Stärkung Preußens eine große, nach außen gesicherte norddeutsche Macht entstand. Da« Gebräu, da« damals gekocht wurde, die Heilige Allianz, war Humboldt zuwider; er hatte Preußen vor allem aus der Gefolgschaft Rußland» lösen wollen, aber an dem Fortspinnen der alten politischen Machtnebenbuhlerschaften— Preuße ir, die deutschen Mittet, und Kleinstaaten und Oesterreich— verdarben alle neuen Ziele. Metternich drang durch, die Eini- gungSidee, die Humboldt im Auge hatte, litt Schisfbruch und der Zar blieb Preußens Vormund. Daß Humboldt 1819 nach Berlin berufen wurde, um da« Amt eines Ministers der Verfassungsarbeit zu über- nehmen, war Sand in die Augen des pveußifchen Volke«. Denn schon waren im Geiste der Heiligen Allianz die Vorarbeiten ge- schehen, au» denen in eben jenem Jahre die berüchtigten„Karls- bader Beschlüsse" hervorgingen, die da» schmachvollste Büttel- system gegen die Anhänger aller neuen politischen Ideen in Fluß brachten und zugleich die BerfassunySarbeft töteten. Der Dolchstoß de» Burschenschafters Sand, der einen Kotzebu« traf und gegen die zaristisch geheiligte Reaktion gerichtet war, hat nur da» Herein- brechen des Attentats auf die Hoffnungen des Volke«, die durch königliche Versprechungen gefördert worden waren, beschleunigt. Humboldt hatte sein Amt trotz der verdunkelten Lage übernommen. Er gehorchte einer inneren Notwendigkeit. In einer„Denkschrift über Preußens ständische Verfassung" entwickelte er seine Forde- rungen, di« nicht abweichen von der Grundidee, den Staat durch allgemein ausgebaute bürgerliche Selbstverwaltung au» dem Volke empor auszubauen. Er trat für„ein wirkliche« Entscheidungsrecht" der Landstände ein, da«„auf alle eigentlichen und allgemeinen Gesetze, sowie auf jede Veränderung der allg»- meinen. Besteuerung auszudehnen" sei, und forderte die gesetzliche Sicherung der persönlichen Freiheit, der Gewissens- und MernungS- fveiheit. Es ist nicht endgültig verbürgt, daß Humboldt die Karls- bader Beschlüsse als„schändlich, unnational, ein denkendes Volk aufreizend" bezeichnet Ijaber in seinem Gutachten aber ist ge- sagt,„daß, wenn erst die Regierungen überall in Deutschland, WaS von ijnen abhängt, getan hgbeg werden, um.,. die Zufriedenheit muff tn ÄeBetemfh'ntatung ttti Sem Willett des polnischen ZZoKeS gelost werden in dem Sinne der Autonomie oder völliger llnod- bstngigkeit und de» Wunsches Wilsons nach einem unabhängigen autonomen Polen. Im nördlichen Schleswig, den italienischen Gc. bieten Oesterreichs, Litauen und Finnland soll die Bevölkerung jiber ihre Verfassung befragt werden. die Vertretung üer Schweizer Sozialisten. Stockholm, 13. Juni. TaS holländisch-skandinavische Komitee erhielt die Mitteilung, daß Abg. Karl Moor beaustragt worden ist, in seiner Eigenschaft als Mitglied des internationalen Sozialisten» bureaus die sozialistische Partei der Schweiz zu vertreten. Sonnino über öie russische Zrieüensformel. Die Eröffnung der italienischen Kammer wurde von B o s e l l i mit einer schwungvollen Rede eingeleitet. Er be- hauptete, datz Italien in der Bewunderung der Völker als ein wesentlicher Faktor der Welrpolitik und Weltgeschichte gestiegen sei. Dann predigte er Sie Weisheit, dah„unsere Beschlüsse mehr denn je rasch, fest und einmütig sein müssen und unseren Bundes- genossen die kräftigste Unterstützung zuteil werden mutz". Nach ihm sprach Sonnino, der den Eintritt der Pereinig- ten Staaten in den Krieg feierte. Zur albanischen Frage er- klärte er, datz sie eng verbunden sei mit derjenigen des Besitzes von Balona und mit der Frage der Adria, die eine Lebensfrage Italiens sei. Italien habe die Unabhängigkeit Albaniens verkündet. Es habe keine anderen Ziele, als dieses Land gegen jede Einmischung einer dritten Macht zu verteidigen. Albanien werde im Innern sich des vollen Rechtes erfreuen, über sich selbst zu verfügen, und Italien werde seine berechtigten Interessen in den internationalen Ber- sammlungen vertreten. Die Grenzen Albaniens werden durch den FriedenSiongretz bestimmt werden. Schlietzlich teilte noch Sonnino mit, datz Italiener jetzt gemeinsam mit den Engländer» in Palästina operieren. Angesichts des übermächtigen Friedenswillens des russischen Volkes sah sich Sonnino auch gezwungen, zu dem aktuellsten Tages. Problem einige Worte zu verlieren. Er sagte: „Die russische Formel:„Weder Annexionen noch Kriegsent- scbädigungen", rein negativ wie sie ist. könnte leicht eine zweideutige Rechtfertigung der geschehenen Gewalttaten hervor- rufen, wenn man sie von den Grundvorstellungen der Freiheit der Unabhängigkeit der Völker und den Sicherheiten trennt, welche für die Aufrechterhaltung des Friedens und der internationalen Gerechtigkeit unerlätzlich sind. Wir wollen keine Eroberungen, wir haben keine imperialistischen Ziele, aber wenn der Friede dauerhaft sein soll, so ist es notwendig, datz wir an unseren nationalen Grenzen in Sicherheit sind. Tie Einigkeit und Un- abhängigkeit unserer Nation� gemätz dem freien Volkswillen— da» ist unser Programm." „Die russische Formel:„Weder Annektionen noch Kriegsent- gen" ist in der Tat für die italienischen Kriegshetzer sehr negativ, denn sie schlietzt den Verzicht auf jene herrlichen Landkarten ein, die die Grenzen des Königreichs über den Brenner mitten durch südslawisches Gebiet in einem großen Bogen um die nördliche Adria laufen lassen. Der konservative Fallstrick für Stauning. Kopenhagen, 2s. Juni. sRitzciu-Meldung.) Tic kon. servative Volkspartei des Reichstages hat dem Ministerpräsidenten Zahle mitgeteilt, die Partei habe ihren Vertreter im Kabinett, den Minister ohne Portefeuille Rott- böll. aufgefordert, sein Entlassungsgesuch einzureichen, da die Partei die Verantwortung dafür, im Kabinett vertreten zu sein, nicht übernebmen könne. solange der sozialdemokratische Mini st er Stauning Mitglied desselben sei. Eine Erklärung des Ministerpräsidenten. Ministerpräsident Zahle hat an die konservative Partei de? Reichstags ein Schreiben gerichtet, worin er ausführt, der von der konservativen Partei gewünschte Schritt stimme nicht mit dem Ab- kommen vom 16. September 1916 übereilt. Die Parteien wählten ihre Vertreter in der Regierung frei ohne Beeinflussung durch den Ministerpräsidenten. Im Ministerrat vom 18. Mai sei auf Ver- anlassung der Minister Christensen und Rottböl mitgeteilt worden, datz zwischen dem Autzenminister und Stauning eine Berstän. di g u n g erzielt worden sei. unter allen Klassen zu erhöhen, der.Geist traftbaver Neuerungs- sucht und feindlichen Widerstandes von selbst verschwinden" werde. Da» war von seinem Platz« aus unter damaligen Verhältnissen deutlich genug. Aber die Regierungen backten eben nicht daran, zu tun, was dem Volkserwarten nach von ihnen abhing, und die königlichen Versprechungen, die in Jahren der Bedrängnis dem Volk das Recht der Mitentscheidung zusicherten, flogen in den Wind. Als Humboldt, um seiner Sache zu helfen, zuletzt den Versuch wagte, den Einzelministern gegenüber dem leitenden Staatskanzler Seid- ständigkeit zu verschaffen, trat der längst vorhandene Bruch mit Hardenberg offen hervor. Ohne selber um seinen Abschied eingeiommen zu sein, wurde er am letzten Tage des Unheilsjahres 1819 entlassen. Und mit ihm lagen die gleichgerichteten Minister B o y e n und B e y m e aus der Strecke. Die Kamarilla, geführt von dem Polizeiminister Wittgenstein, triumphierte, und das Volk hatte den Lohn, der gezeichnet ist in einem Briefe des preutzischen Prinzen Wilhelm, der nachmals die deutsche Kaiserkrone empfing; denn er schrieb am 31. März 1824:„Hätte die Nation 1813 gemutzt, datz nach elf Jahren von einer damals zu erreichenden und wirklich erreickten Stufe des Glanzes, Ruhmes und Ansehens nichts als die Erinnerung und keine Realität übrigbleiben würde, wer hätte damals wohl alles aufgeopfert, solchen Resultates halber?" Da» willig opfernde, aber politisch unerfahrene Volk mutzte freilich noch nicht, datz zu seinem Hoffen noch das andeve gehörte, sich vor allem auf sich selbst zu verlassen, und das dritte, das Ge- Winnen in langschichtiger Arbeit durch ein grötzereS Zusammen- fassen seiner Kräfte vorzubereiten. ES gehört zu den Merkmalen der Zeit, die nach den Karlsbader Beschlüssen kam, datz ein Mann wie Humboldt nicht wieder in den Staatsdienst, dem er achtzehn Jahr lang angehört hatte, zurück- geholt wurde. Seine Auffassung von der Pslickt eines Staats- manneS scklotz ein« neue Berufung aus. Er bat einmal diese Pflicht so bestimmt:„Erraten, was das Schicksal und der einsacke Sinn, der es ahndet, will; dahingelangen auf der Spur des Rechten und ihm nur den Weg zu bahnen, statt ihm überall Hindernisse zu setzen, das ist, was einen echten Staats- mann bezeichnet." Weil er den Weg hatte bahnen wollen, konnte er sich fortan in seinem Schlosse zu Tegel einsiedcln. In schürfender Gelehrtenarbeit und in reickem Briefwechsel von Person zu Person wirkend, lebte er noch anderthalb Jabrzehnte, fernab von den Staatsgeschästen, die fortan mit Polizeisesseln besorgt wurden. Bis dreißig Jahre nach seinem Sturz eine Revolution die politischen Ding« wieder auf einen Weg zu zwingen unternahm, der von Hindernissen foei war. Franz Diederich. In dem Ministerrat vom 16. Juni habe Stauning erklärt: 1. Datz er und seine Partei die bei der Ministerzusammenkunst in Stockholm abgegebene Erklärung, datz die nordischen Regierungen die Initiative zu Friedensbestrebungen nicht ergreifen könnten, vollauf billigen. 2. Datz seine Teilnahrne an dep sozialdemokrati- scken Parteierörterungen nicht im Widerspruch damit steht, weil hier nicht die Rede ist von einer Friedensvermittlung, sondern nur davon, der sozialdemokratischen Meinung in den verschiedenen Ländern bezüglich der FrisdenSfrage Ausdruck zu geben. 3. Datz er in den von den Konservativen beanstandeten Auslassungen sich nicht über die äutzere Politik ausgesprochen hat. und datz er de- dauert, datz eine unrichtig wiodergegebene Redewendung in einer Unterredung den Eindruck hervorgerufen habe, datz er sich gegen eine einzelne Macht ausgesprochen habe. Dies sei durchaus nicht der Fall gewesen. Er habe nur den allgemeinen Anschauungen seiner Partei über den Einflutz de« Kapitalismus als Ursache zum Kriege Ausdruck gegeben. Ministerpräsident Zahle schlietzt sein Schreiben:„Ich betrachte mich hiernach als berechtigt, auszusprechen, datz die Teilnahme des Ministers Stauning an den Vorbereitungen und Erörterungen mit Parteigenossen vor der eventuellen Friedenskonferenz als von allen Seiten angenommen betrachtet werden müsse, datz man aber nach den gefallenen Auslassungen und dem Charakter der Verhältnisse das Recht hat anzunehmen, datz Minister Stauning nicht Teilnehmer an der Konferenz selbst sein werde, auf der Resolutionen und Beschlüsse gefatzt werden könnten, die zu unterzeichnen für einen Minister nicht wünschenswert sein würde." Der ZaU Hoffmann-Grimm. Deutsche Erklärung zu de« Genfer Krawalle». Die„Nordd. Lllgem. Ztg." schreibt: Nach einem hier eingetroffenen amtlichen Bericht über die Aus- schreilungen in Genf hat dort eine auf mehrere tausend Personen geschätzte Menge zunächst vor dem Hotel Beaurivage mit deutschfeindlichen Rufen demonstriert und ist alsdann vor das Kaiserliche Generalkonsulat gezogen, wo sie dreiviertel Stunden lang gelärmt bat. Mehrere Fensterscheiben im Konsulatsgebäude wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Da» Wappenschild wurde herabgerissen, aber von einem Polizisten dem Täter wieder abgenommen. Der letztere ist verhaftet worden. Der Kaiserliche Vertreter in Bern hat auf die ihm aus Genf gemachle Meldung über diese Ausschreitungen den Borfall sofort bei dem polilischen Departement zur Sprache gebracht. Ein amt- sicher Bericht lag damals dort noch nicht vor. In der Annahme, datz der Borfall sich der Meldung entsprechend zugetragen hat. hat das politische Departement sein Bedauern ausgesprochen. Weitere Schritte sind vorbehalten. Die Entschuldigung der Genfer Regierung. Basel, 21. Juni. Die„Neue Zürcher Zeitung' berichtet aus Genf: Der Staatsrat hatte am Mittwoch zwei outzerordentliche Sitzungen abgehalten, in denen er sich mit den Ausschreitungen in Genf befaßte. Der Staatsrat beschloß einstimmig, den Generalkonsuln von Deutschland, Oesterreich-Ungarn und von der Türkei das Bedauern der schweizerischen Regierung über die Vorfälle auszusprechen. Schon am Morgen begab sich der Präsident des Staatsrates Rochaise in Begleitung eine» Staatsschreibers zu den drei Konsul», um die Entschuldigung der Regierung zu unter- breiten. Die drei Konsuln haben sich danach für befriedigt erklärt. Genf, 21. Juni.(Meldung der Schweizerischen Depeschen- Agentur.) Das deutsche, das österreichisch-ungarische und das türkische Konsulat sind Tag und Nacht von der Polizei bewacht worden; am Mittwoch habe keine Kundgebung stattgefunden. politische Ueberstcht. Innere Reform und Frieden. Genosse S ch e i d e m a n n hat sich in seiner gestern von uns wiedergegebenen Unterredung mit russischen Journalisten sehr zutreffend über die Mängel der westlichen Demokratien ausgesprochen, und dasselbe hat auch David in seiner heute von uns wiedergegebeilen Antwort an Albert Thomas getan. Beide haben damit nur gesagt, was für jeden Sozia- listen eine Selbstverständlichkeit ist, daß nämlich die formale Demokratie allein den Massen noch keine wirkliche Freiheit gibt, daß Demokratie ohne Sozialismus eine leere Form bleibt. Sie haben zugleich die Uebertreibung, die in der Formel„Hie Demokratie, hie Autokratie!" liegt, im Jnter- esse der Völkerverständigung zurückgewiesen. Die reaktionäre Presse gibt nun die Aeußerung Scheidemanns wieder, um aus ihr zu folgern: Wenn Demo- kratie noch nicht mit Freiheit gleichbedeutend sei, dann sei jeder Fortschritt zu ihr überflüssig, die„Neuorientierung" könne also getrost zurückgestellt werden. Ein solches Verfahren entbehrt jeder Loyalität. Unsere Genossen haben in Stockholm alles getan, was man in Worten tun kann, um der schroffen Herausarbeitung des Gegensatzes„Autokratie— Demokratie" entgegenzuwirken. In Berlin werden sie sich desto kräftiger dafür einsetzen, daß nun endlich einmal die Tat getan wird, durch die dieser gefährliche Gegensatz wirklich überwunden wird. Jeder Fort- schritt Deutschlands auf dem Wege zur Demokratie bedeutet einen Schritt zuni Frieden und eine Stärkung des deutschen Ansehens in der Welt. Diese Ueberzeugung hat sich in neuerer Zeit auch in Kreisen, die der Sozialdemokratie fernstehen, Bahn gebrochen und bricht sich täglich stärker Bahn. Wir verzeichneten jüngst den bemerkenswerten Artikel Dernburgs im„Verl. Tagebl.", der dann auch von der„Franks. Zty." und anderen bürger- lichen Blättern zustimmend kommentiert wurde. In gleichem Sinn äußert sich jüngst ein Deutschland sehr wohlgesinnter Ratgeber in der„Zürcher Post", der dort gegen Wilson aus- führte: Herr Wilson kennt vielleicht doch den demokratischen Willen des neuen Deutschlands zu wenig und unier- schätzt die Einwirkungen dieser langen Kriegszeit auf die politi- scheu Anschauungen des deutschen Volkes. Deutschland kann solche Spekulationen auf seine inneren Zustände freilich nur dann erfolgreich durchkreuzen, wenn, rascher und ent- schlössen er als bisher, die politisch Vcrant- wörtlichen dem Volle die Freiheiten geben, auf die es sich reichlichen Anspruch erworben hat. Zögern in diesen inneren Reformen, etwa im Vertrauen auf einen durchgreifenden Sieg, mutzte verhängnisvoll werden. Nur ein neues freiere« Deutschland kann in semer Lnheren Politik Erfolge haben, die über den Tag hinausreichen. Notwendig ist iiver, daß diese innere Reform rasch, durchgreifend und ohne Markten erfolge.. Wenn unsere Genossen im Ausland übertreibenden Schilderungen unserer inneren Zustände entgegenwirken, und wenn sie daheim auf eine freiheitliche Reform dieser Zustände hin-. arbeiten, so sind das nur zwei Seiten em und derseKen Sache: die zweite aber ist die unendlich wichtigere! Es muß entschiedenster Einspruch dagegen erhoben werden, datz ihre Darlegungen durch fälschende Erläuterungen zum Schutz über- lebter Cliqueninteressen mißbraucht werden. Kommission zur Prüfung der Lieferungsvertrig«. Die Lage der Textilarbeiter. In der Kommission zur Prüfung der Kriegslieferungs- Verträge, die gestern weitertagte, wiesen verschiedene Mit- glieder darauf bin, daß zu Beginn des Krieges nicht uner- hebliche Mißstände auf dem Gebiete des B e k l e>- dungs Wesens bestanden hätten, insbesondere seien Preise bezahlt worden, die. auch bei Anerkennung aller Teuerung»- Verhältnisse, vielfach weit über das normale Maß hinaus- gegangen wären. Es wurde.aber zugleich anerkannt, daß sich die Verhältnisse jetzt wesentlich gebessert hätten. Von einen« Mitglied? der Kommission wurde des wei- teren bemerkt, daß in manchen Betrieben der Textilindustrie die gezahlten A r b e i t sl ö h n e in keinem Verhältnis zu der bestehenden Teuerung und den Gewinnen der Unternehmer ständen. Allseitig wurde anerkannt, daß. wo solche Mißstände beständen, Wände! geschaffen werden müsse. Ein Vertreter des Kriegsministeriums erklärte, das. Kriegsministerium stehe auf dem Standpunkte, daß die Unter- nebmer unbedingt ausreichende Löhne zahlen müßten. und daß einzuschreiten wäre, wo dies etwa nicht geschehe. Wenn die Unternehmer derartigen, an sie gestellten Forde- rungen nicht nachkämen, so würden ihnen die Aufträge der Heeresverwaltung entzogen werden. Den mitgeteilten Fällen werde das KriegSministerium nachgehen. Bundesrotsarbeit. Gestern wurden in der BundesratSsstzung angenommen: Aenderung der Verordnung über den Verkehr mit Wasch- und Reinigungsmitteln; Einschränkung der Erzeugung von Elektrizität, Gas usw.; Erntevor- s ch ä tz u n g im Jahre 1917: Entwurf einer ReichSgetreidc. o r d n u n g für die Ernte 1917. Herabsetzung der Fleischratio» in Schlesien. Nachdem am 26. Mai die Vorsitzenden der Provinzialkleisch- stellen den Präsidenten des Kriegsernährungsamtes v. Batocki telsgraphisch auf die Gefahr der vermehrten Schlachtungen für die schlesische Milchviehwirtschaft hingewiesen haben, hat nun die Provinzialfleischstelle für Schlesien beschlossen, die Fleischration auf 400GrammfüralleschlesischenStädtezu ermätzigen. Dazu spricht die„Deutsche Tageszeitung" den Wunsch aus, datz die anderen Landesteile dun schlesische» Beispiel bald folgen mögen. Wir möchten daran erinnern, datz die erhöhte Fleischration der städtischen Bevölkerung als Entschädigung für die herabgesetzte Brotration gewährt worden ist. Was gibt es nun für die herab- gesetzte Fleischration? Letzte Nachrichten. Ei« U-Boot beschießt Benghasi. Bsrki«, 21. Juni. Amtlich. Am 39. Mai wurde Mtt tintm unserer Unterseeboote die italienische Festung Benghasi an drr »ordafrikanischen Küste mit 49 Granaten beschossen. In erster Linie wurden Hafenanlagen und die sunkentelegraphrsche Station mit sichtbarem Erfolg unter Feuer genommen. Roch längere Zeit nach der Beschießung wurde ein starker Brand i« der Stadt beobachtet. Der Chef des Admiralstadrs der Rarine. Italien und die Paßfrag«. Bern. 21. Juni.(Agenzta.)„Jdea Nazionale" meldet, datz die italienische Regierung den italienischen Sozialisten tatsächlich keine Pässe für Stockholm ausstellen werde, und zwar infolge des Abkommen» zwischen den Alliierten, wonach die italienische Re- gierung für die Reise nach Skandinavien nur Pässe bis Frankreich aushändigen kann; Frankreich aber bewillige keine Pässe für Stockholm._ Die Schweizer Parteispaltung. Bern, 2t. Juni.(Schweizerische Depeschen-Agentur.) Neu n sozialistische Nationalrätc erlassen in der Presse folgende Erklärung:„Der Parteitag in Bern vom 19. Juni 1917 will uns die Pflicht auferlegen, die Landesverteidigung grundsätzlich abzulehneü und Militärkredite zu ver- werfen. Wir sind und bleiben Sozialdemokraten, ebenso sind und bleiben wir Internationalisten, eine Berpslich- tung aber, die unserer sozialdemokratischen Ueberzeugung wider- spricht, lehnen wir mit aller Entschiedenheit ab.' Kosakenkongreß in Petersburg. � Petersburg, 21. Juni. Heute wurde der allgemeineKon- gretz der Kosakentruppen des europäischen und asiatischen Ruh- lands in Gegenwart von mehr als 499 Abgeordneten eröffnet. Die erste Rede hielt der frühere Minister G u t s ch k o w. Eisenbahuerstreik auf der Strecke Petersburg— Moskau. Petersburg, 21. Juni.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Heute traten die Eisenbahner des ersten Abschnittes der Nicolas- bahn, die Petersburg und Moskau verbindet, in den Aus- stand, ohne die Ergebnisse der Arbeiten des SchlichtungSau sschussc» abzuwarten. Die vorläufig« Regierung veröffentlicht« aus diesem Anlaß einen Aufruf an die Bevölkerung der Hauptstadt, in dem sie dies« auffordert, im Hinblick auf die Möglichkeit einer Ausdehnung deS Streike» ruhig zu bleiben, und die Hoffnung auSdrücki, datz die Streikbewegung durch den Widerstand der übrige» Eisen- bahner, die den Streik mißbilligen, zum Stillstand kommen wird, Brrgarbeitrrbewegung in Frankreich. Bern, 21. Juni.„Progrös d« Lyon" meldet aus Paris: Dar außerordentliche Nationalkongretz der Kohlenbergwerks-Arbeiter bestand auf seinen Forderungen betreffend die Unterdrückung der militärischen Kontrolle und ibre Ersetzung durch ein« gemischte Kontrolle, die Unterdrückung aller Ausnahme.- b e st i m m u n g e n in den einzelnen Bergwerken, die Einführung von drei Acht stundschichten und eine Lohnerhöhung von59Proz. in Anbetracht der Teuerung. In der Entschließung erklären die Bergleute, daß sie sich für die hartgeprüst« Bevölkerung aufopfern, datz jedoch die Regierung infolge der Untätigkeit die ungerechte Lage bestehen lasse. Die Regierung allein sei für den Brennstostmangel verantwortlich, infolge der Richter- süllung der Forderungen der Bergleute. Erdstöße in Südeutschland. Freiburg, 2t. Juni. Wie aus Singen an der Aach und aus Waldshui gemeldet wird, wurde heute nacht kurz nach er» Ubr dort gleichfalls ein Erdstoß unter donnerähnlichem Geräusch ver- spürt. GewerkslWsbcwWM veutsches Reich. Geschmacklose Traktätchenliteratur i« Kriegsbetriebe«. In einigen Dresdner Betrieben, die für Rüstungszwecke arbeiten. werden Biälter verteilt, auf denen ein gutgenährter, faulenzender Arbeiter mit den Händen in den Hosentaschen dargestellt ist. Da- neben steht der folgende Vers: .Fluch über den Mann, der jetzt müßig geht! Fluch über die Faust, die jetzt ruht l Denkt, die ihr abseits vom Amboß steht, Draußen fließt Bfa-tl* Dieses Blatt ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Den Arbeiter, der heute unter dem Hilssdienstgesetz faulenzt, möchten wir iehen. Es ist dringend geboten, daß bei Maßnahmen für die Ar- bester durch die maßgebenden Kreise vorher die Meinung der be- rusenen Vertreter der Unternehmer- und Arbeiterorganisationen ein- geholt wird und daß eine Propaganda eingestellt loird, die geeignet ist. die Arbeiter in der Rüstungsindustrie, die während deS Krieges durchaus ihre Pflicht erfüllen, zu erregen und zu erbittern. Serlin und Umgegend. Mit Tariffragen und Teuerungszulagen in der Ali um-, Mappen- und Galanteriebranche beschäftigte sich am Dienstag«ige vom Buchbinderverband einberufene Bersamm- lung seiner in der Branche beschäftigten Mit- g l i e d e r. Der Tarif, der im Jahre 1911 zwischen dem Buch- binderverband und der Unternehmervereinigung für die Llbmn-, Mappen- und Galanteriebetriebe geschlossen worden ist, ist vor einiger Zeit gekündigt worden. Die Kündigung erschien notwendig, weil eine Verschleppung der Verhandlungen über vorher gestellte Anträge aus Erhöhung der Teuerungszulagen drohte. Der Tarif läuft am 30. Juni ab. Es haben um Mitte Mai und Anfang Jnni Sitzungen mit Vertretern der Vereinigung Berliner Lederwaren- fabrikanten stattgesunden, zu denen die Fabrikanten auch die Ver- treter des Sattler- und PortefeuillerverbandeS hinzugezogen hatten. Klar berichtete über diese Verhandlungen. Danach erklärten die Vertteter des Buchbinderverbandes, daß sie Wert darauf legten, nicht gemeinsam mit dem Sattler- und Porteseuillerverband für alle fünf Gruppen der Branche zu verhandeln, sondern daß sie sich beschränken möchten aus Verhandlungen für die Gruppe 5 deS Fabrikantenverbandes, welche die Album-, Mappen- und Galanterie- brauche umfaßt. Denn nur für diese Gruppe gelte der gekündigte Tarif, dessen Aenderung neben der Neuregelung der Teuerungszulagen von der Branchenleitung de» Buchbinder- Verbandes im Austrage der beteiligten Mitglieder erstrebt wird. Folgende Forderungen der Album-, Mappen- und Galan- reriearbeitcr unterbreitete die Branchenleitmrg den llirter- nehmern für die Verlängerung des am 30. Juni 1911 abgeschlossenen Tarifs auf ein weiteres Jahr und zur Ausgestaltung der Teuerungszulagen: Die im Tarif festgelegten Mnimallöhne sind um 50 Proz. für die Dauer der Verlängerung des Tarifs zu erhöhen. Die Akkord- löhne sollen auch entsprechend erhöht werden.— Als Teue- rungszulage soll außerdem ab I.Juli auf alle tariflichen Minimallöhne der in Zeitlohn Beschäftigten eine Zulage von 50 Pf. für die Stunde für Arbeiter und eine solche von 30 Pf. für die ___________,_____ AMtarime«, M« GetMen- arbest verrichte», erhalte» den'Lohn für Gehilfen und demgemäß auch die Teuenwgszulage für solche. Akkordarbeiter und Atkordarbeiterinnen erhalten auf den am Wochenschluß er- zielte» Verdienst eine Zulage von 50 Proz. als TeuernngS« z u l a g e. Slle�im Zeitlohn beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, deren Stundenlöhne den Minimallohn übersteigen, erhalten gleich« falls die Teuerungszulagen von 50 Pf. bezw. 30 Pf. Die Teuerungszulagen find auch für etwa geleistete Ueberstunden zu gewähren, so daß der gesinnte Verdienst einschließlich der Ueberftundenbezahlung und der tariflich zu zahlenden Ueber« stundenzuschläge mit de« oben angegebenen Teuerungszulagen zu belegen ist. Die Branchenleituug verwies auch darauf, daß nach dem Tarif von 1911 bei einer Kündigung die bestehende Schlichtungskommisston den neuen Tarif zu vereinbaren habe und daß. wenn eine Einigung vor dieser nicht zustande komme, die Entscheidung des Einigunqs- amtS anzurufen fei. Dies sei der vertraglich vorgezeiSnete Weg für die im Buchbinderverband organisierten Mappen-, Album- und Galanteriearbeiter. Räch Abschluß der Sitzung, in der auch die Vertreter des Sattler- und PortefeuillerverbandS bestimmte Forde- rungen formulierten, erteilten die Vertreter der Unter- n e h m e r namens ihrer Mitgliederversammlung den Bescheid, daß sie grundsätzlich irgendwelche Senderungen des Tarifs, also Er- Höhungen der Tarifsätze ablehnten, aber berest seien, Über Teuerungszulagen zu verhandeln, sobald von einer Erhöhung der Tariflätze abgesehen würde. Eine Antwort auf dies Ultimatum der Unternehmer ist unter« blieben. Als Antwort wurde die Branchenversammlung einberufen. Nunmehr haben die Unternehmer schnell auf Mittwoch, den 20. Juni, die Vertteter deS Buchbinderverband«» zu einer neuen Verhandlung eingeladen.zwecks tariflicher Teuerungszulagen', wie fie sich ausdrückten. Dem Bericht KlarS folgte eine lebhafte Diskussion. Einstimmig wurde dann eine Resolution angenommen, durch die die Versammlung daS Angebot der Fabrikanten, nur Teuerung»- znlagen zu gewähren, zurückweist und erklärt: Da die Kündigung des Tarifs hat erfolgen«üflen, so hat nunmehr die SchKchttmgS- kommüsio« in Wirksamkeit zu treten. Außerdem wurde beschloffeu, vom Beginn der nächste» Woche ab bis zur«ndgülttgen Regelung der Angelegenheit die Ueberstunden z» verweigern. Die Branchenleitung wird selbstverständlich die Jntereflen der Ardeiter und Arbeiterinnen in der neuen Verhandlung mit den Unternehmern am SO. Jnni aufZ beste vertreten. parteinachrichten. Hugo Hause gegen eine FriedenSinterpellution. Mau schreibt uns: Die �Leipziger ValkSzeitunq' muß um jede» Preis Entschuldigungsgründe für die von ihr und ihven Freunden herbeigeführte Zerreißung der Partei finden, finden und erfinden! Um dem Widerspruch aus dem Wege zu gehen, hat sie für ihre neuesten Entstellungen die Zeit abgepaßt, in der der Fvaktions- und der Parteworstand im Ausland loeilten. Irgend ei» Mansche ttenschreiber hat ihr AenßenlngenjniS den Fraktions- beratungen überbracht, wonach die Genossen Scheidemann, David, Bauer usw. sich zu bestimmten Zeiten gegen FriedenSanträge und Srnfienaget«rf aveeSionSkofe, Friede» geäußert hätten, viel- leicht ergänzt die„Leipziger Volkszerttmg' ihre.Enthüllungen' noch durch die folgende Tatsache: Im Mai 1915 forderte der Zentralvorstand von Groß-Berlin durch seinen geschäftssührenden Ausschuß die Berliner Reichstags- abgeordneten aus, in der Fraktion dafür einzutreten, daß die Re- gierung um die Friedensbedingungen und ihr Kriegsziel befragt werde und daß man von ihr kategorisch eine klare und unzweideutige Antwort fordere. Der geschäftsfichrende Ausschuß führte diesen Auf- trag ans»nd gab in der nächsten Sitzung folgenden Bericht darüber: „Es hat eine Aussprache im Reichstag stattgefunden, an der auch der Vorsitzende der Partei, Hugo Haas«, teilgenommen hat. Er erklärte den Wunsch der Berliner Genossen für berechtigt, aber da gerade jetzt die Kriegserklärung Italiens in jeder Stunde zu erwarten sei, sei der Zeitpunkt für eine derartige Friedensinter- pellation doch sehr unglücklich gewählt. Gerade jetzt könne man der Regierung am schwersten zumuten, über ihre Kriegesziele und ihre Friedensbedingungen vor aller Welt sich auszusprechen. Die Bcr. liner Genossen sollten sich»och einige Zeit gedulden; dann werde die Fraktion ihren Wünsche« gern nachkomme,:.' Also auch Haas« hat gewußt, daß es unzeitgemäße Frieden»» antrage gibt und hat in einer gegebenen Lage den„Mut zum Schweigen' gefunden.__ Zum Frankfurter Rcdaktionvwechsel hatten wir, einer Dar. stellung der Mainzer„Bolksze' tung' folgend, bemertt:„Mit der Frage der Mehrheit und Minderheit innerhalb der Partei hat dieser Frankfurter Konflikt nichts zu tun, die Redaktion steht ins- gesamt aus dem Standpunkt der Mehrheit.' Dazu schreibt»ns uun Genosse Onarck:„DaS Gegenteil ist richtig. Seit Jahr und Tag habe ich in der Redaktion und im Frankfurter Parteivo rftand kämpfen müssen gegen eine Personengruppe, die behauptete, daß die Fraktionsmehrhett der Reichsregierung»lehr hätte abtrotzen können, nötigenfalls durch Ablehnung der Kriegskredite, die wiederholt K a n z- lerstürzlerei von uns getrieben haben wollte, die von uns als„R c g i e r u n g S s o z i a l i st e n", ganz wie die Unabhängigen, zu sprechen pflegte und die ruhig anhörte, wie einer ihrer Mit. glieder erst kürzlich in einer solchen Vorstandsdiskussion aussprach, man müsse dafür sorgen, daß die Partei nicht an die Rc- gicrung verkauft werde. Die letzten Beschlüsse der Partei.- versammlung waren lediglich die persönliche Zuspitzung dieses viel- monatlichen Kampfes.' Robert Seidel au« der Sozialdemokratie ausgetreten. Schon nach dem Schweizer Parteitag des Vorjahres, auf dem die dortige Sozialdemokratie ihren llebergang ins anarchojozia- lifliscke Lager vornahm, setzt« eine lebhafte Austrittsbeweguilg ein. Diese hat jetzt nach der Verleugnung der Pflicht der Lande»- Verteidigung durch den Parteitag großen Umfang angenommen. Unter den Austtetend«, befinden sich eine Reihe der bekanntesten und hervorragendsten alten Parteiführer, so in Zürich Nationalrat Robert Seidel, der bekannte Dichter und Sozialpädaqog«, und Re- gtcrungsrat Ernst. Sermitwartl. f. Volitik: Dr. fftani Dtederiq, Berlii, Friedenau: fiic d. ülinpen Teil deS Blattes: Alfred Schal». Neukölln! für Jnsc:ale: TU. Glocke, Berlin. Druck«. Zlerlag! ZocivSrtS Buchdrnckerci u. BerlagSaustall Paul Singer& Co.. Berlin 3w. Hier»» 1 Seilage»sd Unterh al«ug Sdlatt. Uvi>»«cKv»> Xhearer. Heute und foJffende Tage 8 Uhr: Max Pallenberg rn Familie Schimek. Kamnierapleie. Heute u folgende Tage T1/. IThx! Die Tiinzcrin imit Leopoldine Konstantin). Volksbfihne.Theat. a.BDIowplatz. Dntergrandb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage?'/. Uhr; Die Königin der kalt. liessing-Theatep. Heute u. folg. Tage 71/., Uhr: Marie 0 Ilmann u. Hans Wafimann in Oper. v.O Blumenthal. I1I(JKIC3b Musik v. Osk. Straus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr; Schnlteler- Abend. Komödienhaus 8 Uhr; Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7" Uhr; Die tolle Komteß. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Dir: Von der Zogspitze zum Watzmann. Rose=Theater. �.Uhr: Der Mann seiner Fran. Gartenb.: Berlin wie es liebt u. haBL SlpoNo PRIEPgiCKSTB-AM-ogX-WOJlJB» Allabendlich 71/, ühr: Das vielseitige Variete-Programm! Die Kasse ist ah 10 Uhr geöffnet Theater f&r Freitag, den 22. Juni. Dentsches Opernhan» vuir: Hnlfoianns Erzählungen. Frledricb-Wilbelmstädt. Theater. uf.uhr; Das Dreimäderiltaus. Oebp. Herrnfeld-Tbeatep. tu u.; Das Pensionsschwein. Kleines Theater tu u.: Hans im Selnakenloch. Komische Oper 3 J uhr; Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 78/4Uhr: IMe blonden Mlideis vom liindenhof. Neues Operettenhaus Sohiffbd. 4a. Kassentel. Nord. 281 7,/4 u.: Der Soldat der Marie. Metropol-Theater 7'/, ühr: Die GzardastOrstiii. Residenz-Theater tu ühr; Der Leibgardist Schlllcp-Thcatep O tu uhr: KammermusiiL Schlllep-Th. C'haplottenb. 7>,1uhr:Traamolas. Thalia-Theatep 7'/, ühr: Sonnwendzauber. Theater am Aiollendorfpk Tun.: Die Gulaschkanone. Theater des Westens Tun.-, stolze Thea. Trianon-Theater 7'/« ühr: Der Star. Dcutsdie Vottcsspcndc zum Ankauf von Lesestoff ffir Heer und Flotte. Ehrenpras.: General fddmarschall v. Hindenburg, Soonal>cn Mietsteigerungen. Stadtv. Brückner: Der Bürgermeister hat zugegeben, daß noch heute in den städtischen Betrieben die Angestellten- und Arbeiter- ausschüsse nicht gebildet sind. Das ist sehr bedauerlich, nachdem das Hilfsdienstgcsetz schon 7 Monate in Kraft ist. Die Aussicht auf Ruhegeld und Pension hilft doch nicht über die Augenblicksnot hinweg. Bei den Gaswerken hat der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, den Magistrat um eine Aufbesserung der Löhne usw. zu ersuchen; die Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß kann also dem Magistrat doch nicht so völlig überraschend gekommen sein, wie eS der Bürgermeister hinstellte. Gewiß steht ein großer Teil der Arbeiter heute besser da als in Friedenszeiten; aber daraus kann kein Argument gegen unsere Anträge hergeleitet werden. Die Stadt hat ausreichende Löhne zu zahlen und auskömmliche Tenerunas- zulagen zu gewähren, die auch die Mehrausgaben für Essen, Klei- dung usw. wenigstens teilweise decken helfen. Tatsächlich sind zahlreiche Hausbesitzervereine mit Steige- rungsbeschlüssen vorgegangen. Wenn alle Stränge reißen, erblicken weite Kreise der Be- völkerung die letzte Rettung nur in einem Ein- greifen des Oberkommandos. Damit schließt die Erörterung. Die Anträge Drückner werden abgelehnt, die Lorlage gelangt nach den AuSschuhanträgen znr Annahm«. Den Magistratsvorschlägen hinsichtlich der Aendervngcn im höheren Schulwesen für Knaben hat der eingesetzte Ausschuß mit der Maßgabe zuge- stimmt, daß bei der Verlegung des Sophien-Gymnasiums nach dem Kurischen Platz die Vorschule abgebaut wind, daß bei Errichtung der neuen Oberrealschule am Wedding die Vor- schule fortfällt, daß der Magistrat mit den Vororten in Verhandlung tritt, um den Abbau der Vorschulen in Groß-Berlin anzubahnen, endlich daß die Kämpf-Realschule so ausgestaltet werden soll, daß ihre Abiturienten Aufnahme ins Lehrerseminar finden. Ebenso hat die Vorlage betr. Aufstiegsmöglichkeiten für Mädchen und entsprechende Umwandlung der Ersten Städ- tischen Mädche n mi t telschule, Grüner Weg 17, mit der Maßgabe Annahm« gefunden, daß der Deputation für die äußeren Ange- legen heilen der städtischen höheren Lehranstalten Vollmacht ge- gebe:: werden soll, hochbegabten Volksschülerinnen bei nach- gewiesener Bedürftigkeit vom 14. Lebensjahre ab für den Besuch des Lyzeums neben Freischul« und fielen Lehrmitteln eine jähr- liche Unterhaltsbeihilfe von 300 M. zu gewähren. Referent Stadtv. Schuldirektor Dr. Knauer(Linke) stellt fest, daß die fieimütige Erklärung des Magistrats, daß bei der Prüfung der Würdigkeit der Schüler politische und konfessionelle Rücksichten völlig auszuscheiden hätten, der Ausschußmehrheit genügt hat, um ihre Bedenken gegen die Fassung der Begründung der Vorlage in diesem Punkte zu beseitigen. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Mit einer gewissen Genugtuung blicken wir auf die Ausschußverhandlung zurück. U-nsere Anträge, auch bezüglich der Vorschulen, sind angenommen worden; 2 Vor- schulen werden abgebaut bzw. nicht eingerichtet werden. Damit ge- schieht auch � der erste Schritt zur Anbahnung der Einheitsschule. Der Aufstieg der Allgemeinheit steht uns höher als der der Be- gabten,:. Ich unterstreiche� auch DeintzpsettsDte� fxehgküöige Erklärung des WagisirM w(Sachen� der Damit sind sür uns allck Anstände KWwunden s die PorsiMi«»«ssich setzt sehen lassen, wir betrachten sie als eine nunmehr annehmbare Abschlags- zcchlung und werden sie annehmen. Die Stadtvv. Mommsen(Fr. Fr.) und Cassel(Linke) emp- fehlen ebenfalls die Zustimnuing zu den Ausschußbeschlüssen und begrüßen auch ihrerseits den Fortschritt, der in der Frage der Be- seittgung der Borschulen jetzt praktisch gemacht werde. Die Ver- Handlungen mit den Vororten würden ja nicht leicht sein, aber rückständiger als das Kultusministerium werde doch keiner der Vor- orte sein wollen. Hierauf werden die Ausschußanträge mit großer Mehrheit zum Beschluß erhoben. Zur Erweiterung des Kraftwerks Moabit der Städti- schen Elektrizitätswerke werden für 1S17 noch 1300 000 M. bewilligt. Die regelmäßigen Ergänzungswahlen znr Sta-diver- ordnetenversammlung, die im November d. I. vorzunehmen wären, sollen mit Rücksicht auf die Fortdauer des Krieges«mein Jahr verschoben werden. Die Offenlegung der Gemeindewählerlisten soll in diesem Jahre ausnahmsweise nicht vom 15. bis 30. Juli, sondern vom 1. bis 15. September erfolgen. Maßgebend fiir diese Hinausschiebung ist die dwsmalige Verzögerung in der Aufstellung der Staatssteuerlisten, der Grundlage für die Ausschreibung der Kommunalwählerliste. Beiden Vorlagen wird ohne Debatte die Zustimmung erteilt. Zwischen Berlin und Neukölln ist analog der 1912 mit Treptow abgeschlossenen Vereinbarung ausgemacht worden, daß bei voller Gegenscifigkeit in beiden Gemeinden von Schulkindern der anderen Geinenide kein Schulgeld beim Besuch der Gemeinde- schulen, kein erhöhtes Schulgeld beim Besuch der höheren Lehr- anstalten erhoben wird. Die Versammlung ist damit einverstanden. Zur Erhöhung der Einnahmen der„Städtischen Elektrizitäts-Werke" soll ab 1. Oktober 1917 im Weich- bilde von Berlin dieselbe Zählermiete erhoben werden, wie sie in den Vororten bereits erhoben wird; außerdem soll auf alle Rechnungen ein Teucrungszuschlag von 25 Proz. zur Erhebung gelangen. Stadtv. Gronewaldt(Liirke) beantragt Ausschußberatung. Stadw. Fischer(Soz.) ist gleichfalls dafür. Die Borlage sei ja zu recht ungelegener Zeit gekommen, aber verständlich sei es doch, wenn sie komme. Im Ausschuß werde man sich über die Diffe- renzen schon einigen. Die Einsetzung eines Ausschusses wird beschlossen und dieser sofort vom Vorstande ernannt. Das DittrichschePrivatlhzeniwBremerStraße 69/79. soll vom 1. Oktober 1917 ab in städtisches Eigentum und städtische Verwaltung übergehen. Stadtv. Dr. Weyl rügt, daß die Vorlage so verspätet an die Versammlung gebracht ist. und fragt dann, was mit dem Lehrer- personal geschehen soll. Hochqualifizierte Lehrkräfte müsse dock) die Stadt übernehmen. Aus der weiteren Erörterung, an der noch Stadtvv. Dr. Ritter (Fr. Fr.), Sökeland(Linke) und Stadtschulrat Reimann teilnehmen, ergibt sich, daß in wohlwollendster Weise diese Frage zur Lösung gebracht werden soll. Die Vorlage wird angenommen. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen 149 Uhr. 23. Genekalversammlung öer Großem- kaufsgesellsihast öeutfther Konsumvereine Nürnberg, 20. Juni. Im Anschluß an den 14. Genossenschaftstag fand heute die 23. ordentlich« Generalversammlung der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine statt. Die Verhandlungen waren nicht öffentlich. Der vorliegende Jahresbericht weist zunächst darauf hin, daß die intensivere Kriegführung im verlaufenen Geschäftsjahr auch an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Volles nach ver- schiedenen Richtungen hin:ganz besondere Anforderungen stellte. Das Warengeschäft erlitt im dritten Kriegsjahre, dem Drucke auf das gesamte Wirtschaftsleben entsprechend, einen wei- teren Rückgang. Die Jmportdorräte haben sich immer mehr ver- ringert und find schließlich völlig vom Markte verschwunden. Der Warenumsatz betrug 133 896 000 M. gegen 152 858 000 M. n» Jahre vorher, also 18 962 000 M. weniger« das sind 12,41 Prozent. Die Zahl der Gesellschafter betrug zu Beginn des Gc- schäftsjahres 849, am Schluß oesselben 874. Das neue Lager in Breslau ist im Berichtsjahre er- öffnet worden. Die Umsätze waren infolge des Krieges nur gc- ring. Die im neuen Lager Hambnrg-Sonninstraße vorgesehenen Eigenbetriebe sind infolge Zentralisierung des Handels durch die Äeichsbehörden nur teilweise in Tätigkeit. Beschäs- tigt wurden auf den Lagern 109 Personen gegen 120 Personen im Vorjahr. Die Gewürzmühle in Hamburg ist am 1. IM 1916 eröffnet worden und konnte den gestellten Anforderungen gerecht werden. Die Kaffeerösterei erreichte einen Umsatz von 2 361 000 Mark gegen 3 602 000 M. im Vorjähr. Die Abteilung D. Gröba, Manufakturwaren und Schubwaren hatte einen Gesamtumsatz von 10 298 000 M., gegen das Vorjahr 1 160 000 M. mehr. Die Mehrung erklärt sich hauptsächlich aus der erheblichen Preissteigerung aller Artikel. Die Einlaufsvereiuigungen haben sich von 49 auf 50 vermehrt. Im Warenbezug von genossenschaftlichen Organisation trat ebenfalls ein allgemeiner Rückgang ein. Es wurden bezogen für 6 694 000 M. gegen 7 753 000 M. im Vorjahr. Die Produktionsbetriebe standen im Berichtsjahre in verstärktem Umfange unter dem Einfluß kriegswirtschaftlicher Maßnahmen. Zahlreiche Verordnungen haben die Erzeugung ganz Wesentlich beeinflußt. Der Gesamtumsatz in sämtlichen Fabriken betrug: Seifenfabrik Düffeldorf.. 10 569 168,97 M. Seifenfabrik Gröba.... 7 848 098,10, Teigwacensabrik..... 3 700 425,68, Zigorrenfobriken..... 3 695 615,72„ Zündholzfabrik..... 911 627,87„ Gewürzmühle...... 700 156,88„ Kautabakfabrik...... 647 950,10, Äistenfabrik....... 516 108,09, Mostnchsabrik...... 418 912,97„ 29 018 064,38 At. Beschäftigt wurden insgesamt 1420 Personen. Die gesamte Tabakindustrie litt im abgelaufenen Jahre Wesentlich mehr unter den fortgesetzten Preissteigerungen des Roh- tabnks und der sonstigen Materialien als in den beiden ersten Kriegsjahren. Dazu kaui noch das neue Tabaksteuergesetz vom 1. Juli, mit rückwirkender Kraft bis zum 15. Mai. Ständige Preiserhöhungen der fertigen Fabrikate mutzten deshalb erfolgen. Das Kriegsjahr 1916 brachte für die S e ifcnindustrie große Umwälzungen, Durch die im Januar erfolgte Ablieferung der für die Speisesettindustrie beschlagnahmten Oele und Fette (insgesamt lieferten unsere beiden Fabriken rund 559 000 Kilo- gramm ab), sowie durch die Verordnung vom 6. Januar 1916, nach der pflanzliche und tierische Oele und Fette zur Herstellung von Seife nicht mehr verarbeitet Iverden durften, sahen wir uns gc- zwungen, die uns noch verbleibenden Rohmaterialien möglichst zu strecken. Durch neue Verordnungen, die im Laufe des Jahres er- schienen, schränkten wir den Seisenverbrauch und die Seifen- Herstellung wiederum ein. Mitte 1916 waren von rund 1800 deut- schen Seifenfabriken zirka 1000 außer Betrieb gesetzt, von diesen wurden im Juli nockimalö etwa 700 stillgelegt. Mit der Waren- �Herstellung wurden etwa 100 der größten und leistungsfähigsten Seifen- und Seifenpulverfabriken, darunter auch unsere beiden Betriebe betraut. Mit der Herstellung von fettlosen Waschmittel» konnten wir was- wegen der Knappheit an Soda nur in ganz'be- scheidenem Umfange befassen. Die Tagesordnung würde glatt'erledigt. Nach Genehmigung der Jahresrechnung wurde dem Geschäftsführer und Auffichtsrat Entlastung erteilt. Der Vorschlag über die Verteilung des Reingewinns wurde angenommen, ebenso die Anträge über Ausdehnung der Eigenproduktion und Ausbau von Handelsbe- trieben. Der Erhöhung des Stammkapitals um vier Millionen wurde ebenfalls zugestimmt. Di« satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder der Leitung wurden wiedergewählt._ GroMerün Um öie Kriegszulagen. Die Berliner Schulreform. In der Berliner Stadtverordneten ver« s a m m l u n g wurde gestern um die Erweiterung der Kriegszulagen fiir Angestellte und Arbeiter der Stadt heftig gestritten. Es handelte sich darum, noch etwas mehr als die im Ausschutz beschlossenen Verbesserungen zu er- reichen. Den Personen nüt Naturalverpflegung und dm Ledigen'galten die im Ausschuß nicht durchgedrungenen Forderungen der s o z i a l d e ni o k r a t i s ch e n Fraktion, die sie im Plenum wieder aufgenommen hatte. Die frei- sinnige Mehrheit verharrte auch hier auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Sehr unbequem war ihr allerdings, was Ge- nasse Brückner in seiner Begründung unserer Anträge ausführte. Seine an den Lohn- und Gehalisverhältnissen der Arbeiter und Angestellten geübte scharfe Kritik, die das Unzulängliche der Ausschutzbeschlüsse zeigte, wurde von den Freisinnigen mit lärmenden Unterbrechungen begleitet. Starken Beifall spendeten sie dem Bürgermeister Reicke, der vor Annahme der Anträge unserer Genossen warnte. Stadtrat F r a n tz rechnete mit bedenklicher Miene vor, was die Sache kosten würde. Was beute der Lebensunterhalt eines Angestellten und Arbeiters kostet und was im besonderen die Wohnungen nach Steigerung der Mieten kosten werden, hatte Brückner hervorgehoben. Das ging den Freisinnigen nun vollends gegen den Strich. In ihren Abwehrversuchen gegen unseren Redner war ihr Hauptwort- führer der Stadtverordnete Kissing, der Vorsitzende des Bundes Berliner Grundbesitzervereine. Die Abstimmung über die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion ergab Ableb- nung durch die gesamte freisinnige Mehrheit. Die Vorlage wurde dann nur mit den vom Ausschutz empfohlenen Ab- änderungen angenommen. Beschlossen wurde gestern auch über die S ch u l r e f o r m- plane. An den Magistratsentwürfen hat die Ausschutz- beratung nur das geändert, daß die Forderung des Ab- baues der Vorschulen hinzugefügt wurde. Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse Weyl, daß sie mit dieser Bedingung den Reformplänen zustimmt. Gegen die Vorschulen äußerten sich auch die Redner des Freisinns. Die Magistratsvorlagen wurden einstimmig angenommen. Warum fehlt's in Berlin an Obst? In Berlin wird seit einiger Zeit sehr über die Obftknappheit geklagt. Allzu reichliche Zufuhren von Obst hatte ja wohl niemand erwartet, und Was dann von Kirschen als erstes Erzeugnis aufchen Markt kam, war wirklich nicht viel. Daß aber die Zufuhren nicht wuchsen, sondern sogar wieder nachließen, darüber muß man sich denn doch wundern. Die Glühhitze der letzten Tage war sicherlich geeignet, die Reife der Früchte zu beschleunigen« so daß die Obst- gßdjte mdff tuR 6ett 5?(iäf4u5 ftt{Str ü?are Betle�en zu fern brauchten. Es fällt auf, dah die Zufuhren just in dem Augenblick zu stocken begannen, wo für Oexlin und den Regierungsbezirk Potsdam durch Festsetzung von Kleinhandelshöchst> preisen für Kirschen und Beerenobst die BeWucherung der Ber braucher erschwert worden war. Ueberall hört man die Vermutung aussprechen, daß wieder mal die Erzeuger der Ware sich gegen den Schutz der Verbraucher wehren und durch Waren zurück- Haltung eine Beseitigung der Höchstpreise oder mindestens ihre Hinauffchraubung erzwingen wollen. Zur Bovkottierung Berlins durch die unzufriedenen Werderschen Obstzüchter, wie sie einem Teil der Presse in Aussicht gestellt wurde, ist es nicht gekommen. Aber die Zufuhren aus Werder sind so gering, daß gegenüber der Versicherung, der Ernteertrag sei eben nicht gröster. einiges Mist trauen berechtigt erscheint. Die Folge der Obstknappheit ist. datz in den Markthallen, vor den Ladengeschäften und an den Ströhen Handelskarren die mit Kirschen belieferten Händler umlagert wer den. Wer Kirschen kaufen will, muh„sich anstellen". Und wenn er nicht beizeiten kommt, kriegt er schon am Bormittag so leicht keine Kirsche mehr zu sehen. Die inzwischen getroffenen Vor- kehrungen, dah die Werderschen ihr Obst nicht nach anderen Ge bieten als nach dem ihnen zugewiesenen Qirotz-Berlin liefern können, tverden hoffentlich wirken. Den Werderschen würde die Lust, ihre Kirfchen nun auch von Berlin und Vororten fernzuhalten, wohl bald vergehen. So etwas läßt sich bei leicht verderblichen Waren nur kurze Zeit durchführen, wenn kein andere» Absatz gebiet offen steht. Möglich ist, dast besonders widerspänstige Obst züchter ihre Kirschen bis auf weiteres ungepflückt hängen lassen. Aber schließlich müssen auch die mal in nicht zu ferner teit herunter, wenn nicht der ganze Profit zum Teufel gehen soll. as wirksamste Mittel, Warenzurückhaltun« unmöglich zu machen, wäre die schleunigste Erfassung der ganzen Obst- ernte. Nur bei rücksichtslosem Vorgehen gegen etwaige wuche- rische Bereicherungsversuche der Erzeuger und gegebenenfalls auch der Händler ist der notwendige V e r b r a u ch e r s ch u tz zu erreichen. Doh er ohne Festsetzung von Höchstpreisen nicht möglich ist, zeigt sich leider immer wieder. Protest der Kleinhändler gegen den Obstwucher. Die Vertretung der Jnteresiengemeinschaft Charlotten- b u r g e r Obsh. und Gemüsekleinhänbler hat sich in ihrer letztem Sitzung mit den Zuständen in der Zentralmarkthalle beschäftigt und einstimmig folgenden Protest angenommen: ..Die Interessengemeinschaft Charlottenburger Obst- und Ge- müsekleinhändler S. G. m. b. H. protestiert aufs energischste gegen die unerhörtenZu stände, die sich inderZentral- Markthalle beim Verkauf von Obst und Gemüse durch das Dazwischentreten der„Nepper" ergeben haben. Sie fordert vom Charlottenburger Magistrat, bah er im Interesse der Konsumenten Abhilfe dagegen schafft, und schlägt vor, zu diesem Zweck alle„Nepper" aus der Halle auszuschließen und das ein- kommende Obst und Gemüse von den Produzenten durch die städti- schen Unterverteiler abnehmen zu lassen. Diese hätten es dann ebenso wie das ausländische Gemüse an die Kleinhändler abzu» geben. Ferner ersuchen wir den Charlottenburger Magistrat, dahin zu wirken, daß der Zutritt zur Halle allen nur zu gleicher Zeit ge- stattet ivirb." Dieser Beschluß gegen den wilden Handel ist sicher eher ge- eignet, die Zustände zu bessern, als die Schreibweise einiger große- rer bürgerlicher Blätter. Man gebärdet sich furchtbar radikal. schimpft auf die Zustände, um dann zu dem Schluß zu kommen, was nutzen uns alle Höchstpreise, wenn wir keine Ware haben. DaS konsumierende Publikum hat ein Recht darauf, Ware zu bekommen. Mit derartigen und ähnlichen Siedensarten vertritt man nur die Interessen der Händler, die natürlich darauf ausgehen, die Aufhebung der Höchstpreise durchzusetzen. Wir müssen im Gegen- teil verlangen, daß die Gemeinden eine schärfere Kontrolle der Händler vornehmen, um den austretenden Wucherern gleich im voraus das Handwerk zu legen. Der reelle Händler wird sich vurch solche Kontrolle nicht belästigt fühlen. Der tSuthabenausweis bei der Jugendsparkasse. Von jugendlichen Zwangesparern und ihren Angehörigen wird eS manchmal als verwunderlich empfunden, daß sie über die dem Arbeitgeber übertragenen Einzahlungen der Ersparnisse über die Höhe des dadurch aufgesammelten GparkossengulhabenS keinen amt. lichen Ausweis in Händen haben. Sie können die Lohntüten auf- dewahren, auf denen jedesmal die vom Lohn abgezogenen und an die Sparkassen gezahlten Beiträge vermerkt sind, und können sich danach auch ein eigenes Kontobuch anlegen. Doch erwünschter wäre e§ manchem, daß ihm amtlich von Zeit zu Zeit eine Mit- reilung darüber gemacht würde, wie hoch das Guthaben ist. Ein Sparlassenbuch. da» man sonst jedem Sparer selbstverständlich ausfertigen und übergeben muß. darf ja den jugendlichen Zwangs- sparern oder ihren Angehörigen nicht eingehändigt werden. Nach der auf den Sparzwang bezüglichen Anordnung des Oberbefehls- buber» in den Marlen ist aber der Jugendliche berechtigt,»ach Vollendung des 18. Lebensjahre« von der Spar» lasse eine einmalige schriftliche Auskunft über die Höhe seines Guthobens zu fordern. Wenig dürfte bekannt sein, daß nach der erwähnten Anordnung der Jugendliche auch berechtigt ist. bei dem Arbeitgeber monatlich einmal den Nachweis über die erfolgte Zah- lung an die Sparkasse einzusehen. Freilich hat dieses Recht de» Jugendlichen einen fragwürdigen Wert, trotz Androhung der Strafe, die bei Weigerung des Arbeitgeber» diesem aus§ 9b de« BelagerungSzustandSgeietzeS auferlegt werden soll. Man stelle sich einmal vor. welches Gesicht ein Arbeitgeber oder seine Buchhalter mackicn würden, wenn»in Jugendlicher allmonatlich vor sie hinträte und Vorlegung der SinzahlungSnachweise verlangte I Riivliger wär'S, wenn nicht nur dem Jugendlichen dieses.Recht" zugebilligt, sondern der Arbeitgeber verpflichtet würde, unaufgefordert dem Jugendlichen allmonatlich den Zahlungsnachweis vorzulegen. Daß wir in, übrigen für da» Richtigste halten, den Sparzwang ganz aufzuheben, haben wir oft gesagt. Umznsstermiue. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Wegen der Schwierigkeiten, die der durch den Krieg entstandene Mangel a» aeschulie» Arbeilskräflen und an Pferden für die Beförderung de» HauSgerätS mit sich bringt, werden die beim nächsten Vierteljahrs- Wohnungswechsel innezuhaltenden Fristen für den Stadtbezirk Berlin unier Zustimmung des Königl. Oberkommandos in den Marken wie folgt festgesetzt: ES sind zu räumen: 1. Kleine, au» höchsten? zwei Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnungen bis zum 4. Juli 1917 abends. 2. Mittlere, aus 3 oder 4 Wohnzimmern und Zubehör bestehende Wohnung bi» zum 9. Juli 1917 abends. S. Große, mehr als 4 Wohnzimmer umfassende Wohnungen bis zum 16, Juli 1917 abends. Die Inhaber de, aus 1. 2 oder 3 Wobnziinmern und Zubehör bestehenden Wohnungen müssen jedoch ei« Wohnzimmer und die Mieter von Wohnungen mu mehr als 3 Wohnzimmern und Zubehör zwei Wohnzimmer schon am Montag, den 2. Juli 1917. vollständig geräumt und dem künftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Aerzte als Schwerstarbrttrr. Beim Aerztlichen Standesverein für die Provinz Brandenburg ist der Antrag gestellt worden, die er- forderlichen Schritte eiiizuleite», um den Aerzlen die Zusatzrationen für Schwerarbeiter zu gewährleisten. Jetzt tritt im PublikationS- organ des Aerzle-AuSfchusse« von Groß-Berlin für eine Abstufung der Aerzte in.Schwerarbeiter" und.Schwerstarbeiter" der prall. Arzt Dr. Wießner-Luckau ei». Den Schwerstarbeitern müßten, so führt Dr. Wießner aus. die Landärzte zugeteilt werden, welche ihre Praxi« auf selbstgesührtem Rade oder Kraftwagen ausüben müssen, I« BolkSbad Wallstrahe wird vom Sonnabend den 23. ab in gleicher Weise wie beim Volksbad Bärwaldstraße der Brausebad- betrieb mit kaltem Wasser lohne Gewährung von Badewäsche und Seife) wieder aufgenommen. Betriebszeilen von 10-�1'/» von 3— 8 Uhr und Sonntag? von 10— 1£ Uhr. Ei« Bollskonzert de» Philharmonische« Orchester» findet am heutigen Freitag in den Konkordia-Festsälen, Andreasstraße 64, statt Beginn des Konzert» 8 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf,, Kassenerössnung 7 Uhr. Einschränkung de? elektrischen StrowverbrouchS. Zur Bc Hebung von Zweifeln in Angelegenheiten der Verfügung des Oderkommandos in den Marken vom 16, Juni 1917. betreffend die Regelung des Verbrauchs elektrischer Arbeit, ist der elektro. technische Sachverständige der Kriegsamtsstelle in den Marken, Königlicher Baurat SoberSki, mit Ausnahme von Sonnabend, an den Wochentagen nachmittag» von 6 bi» 6 Uhr in der Kriegsamts stelle. Jndustrieabteilung, Berlin W., Potsdamer Straße 22, 1 Treppe, zu sprechen. Es empfiehlt sich, die Zweifel fchrift- lich formuliert zur Rücksprache mitzubringen. Blas wünscht sich der Soldat!n Kuh? Bücher!— Gebt uns Geld dazu! Eine neue Brotkartenfabrik ausgehoben. Der Kriminalpolizei war bekannt geworden, daß in der letzten Zeit in einzelnen Fabriken mit gefälschten Brotkarten gehandelt wurde. Nachforschungen er- gaben, daß diese Fälschungeii au« einer Werkstatt in einem Hause der Skolitzer Straße stammten. Hier betreibt eln� Geschäfts mann Pf. im Erdgeschoß eine Steinschleiferei, die gut ging. Sein verbeirateter Sohn war in einer hiesigen Munitionsfabrik angestellt. Dieser Sohn hatte die falschen Karten in den Handel gebracht. Die Stemichleiferei wurde nun beobachtet und e» zeigte ficki, daß Pater und Sohn in der Werkstatt dusch«in Steindruckverfahren Brotkarten herstellten. Nach diesen Feststellungen nahm die Kriminalpolizei eine Durchsuchung vor und entdeckte tausend« schon fertia« und noch unfertige Brotkarten für die kommende» Wochen. Pf. und sein Sohn wurden verhaftet. Ein Omnibu» in die Dahme gestürzt. Ein eigenartiger Per kehrsunfoll, der leicht recht verhängnisvolle Folgen hätte haben können, hat sich auf der Chaussee Wendisch-Buchholz— Halbe zu- getragen. Der zwischen diesen Orten verkebrende Omnibu«, der mit 29 Personen besetzt war und außerdem etwa acht Zentner Gepäck geladen hatte, begegnete auf der Fahrt zum Bahnhof Halbe einem Bauernfuhrwerk, dessen Führer nicht rechtzeirig, und dann noch der falschen Seite auSbog. Infolgedessen mußte der Omnibu« plötzlich weit noch link« auSbiegen und geriet hierbei in den loten Sand. Do« schwer beladen« Gefährt sank mit den linken Rädern so tief in da« Erdreich ein, daß e« da« Gleichgewicht verlor und in die dicht neben der Chaussee entlang laufende Dahme stürzte. Glücklicherweise ist da« Gewässer an jener Stelle sehr seicht, so daß alle Personen mit einem kühlenden Bade davonkamen. Rur ein Soldat erlitt einen zweifachen Bruch de« linken Arme«. Charlottenburg. Ablieferung von Aluminiumgegenständen. Da« Publikum wird darauf hingewiesen, daß die beschlagnahmten Alu- niiniiimgegenstände innerhalb der dafür vorgeschriebenen Fristen an die Charlottenburger Sammelstelle, Lützower Str. 18. abzuliefern sind. Die Ablieferer mit den Anfangsbuchstaben ll— dl haben die« in der Zeit vom 16. bi» 30. d. M. zu erledigen, mit den Buchstaben N— R vom 2. bi« 14. Juli, während für die Buchstaben 3—2 die Ablieferungsfrist vom 16. bi« 31. Juli läuft. Eine besondere Aufforderung erfolgt an die AblieferungSpflich- tigen nicht mehr._ Neukölln. Ausgabe von LebenSmittelzufatzkartrn für Jugend. liche. Die von der sozialdemokratischen Fraktion verlangte Ein- führung von Zusatzkarten für Jugendliche ist jetzt durchgeführt worden. Nach einer Verordnung des Magistrats erhalten jugend- liche Personen vom 12. bis einschl. 17. Lebensjahre neben der all- gemeinen Lebensmittelkarte bis auf weiteres eine solche' besondere Lebensmittelzusatzlarte. Schöneberg. LebeaSmittelnachrichtr«. Ilm der Bevölkerung einen Ersatz für die fehlenden Kartoffeln zu liefern, gibt der Magistrat außer der bereit» angekündigten Verteilung von Dauermilch und Weizengrieß— von Sonnabend, den 23. Junr ab»/< Pkd. Kartoffel- Walzmebl tür jeden Einwohner au«. Der Berkauf findet in 150 durch besonderen Anschlag kenntlich gemachten Geschäften ohne Vor- anmeldung statt. Wer bi« zum 27. Juni Kartoffel-Walzm-hl nicht erhalten bat, erfährt bei der AuStunftSstelle, Neue» RalhauS, Zimmer 261 l Fernsprecher Rollendorf 1727/46), wo noch Ware vor« Händen ist. — Die Geschäftsräume der staatliche» Steuerveranlagung. Zum 1. Oktober d. I. gehen die Geschäfte der Einkommensteuerveran- lagung für Schöneberg, die bisher dem Oberbürgermeister über- tragen waren, in staatliche Verwaltung über. Für die Geschäfts« räume der staatlichen VeranlagungSkommission ist da« Hau« JnnS- brucker Str. 12 bestimmt, da« die Regierung für länger« Zeit ge« mietet hat._ Lichtenberg. Eine städtische Grmüsehall«. Di« Lichtenberger städtischen Körperschaften haben vor kurzem von der Eisenbahnderwaltung einen großen Lagerplatz an der Ecke der Frankfurter Alle« und Eckertstraße auf die Dauer von zehn Jahren gepachtet. Der Magistrot unter- breitet jetzt den Stadtverordneten eine Borlage über den Bau einer Gemüsehalle auf diesem Grundstück. Danach soll die Halle eine Länge von 60 Meter und eine Breite von 25 Meter haben. Die Baukosten sind auf rund 200 000 M. veranschlagt. Für den Wagen« verkehr sind eine große Ausfahrt vo» der Eckertstraße und eine kleinere Zufahrt von der Franlfurter Allee au« neben den dortigen Beamtenwohnhäusern vorgesehen. Groß-öerllner parteinachrichten. Spaudau. Dienstag, den 26. Juni, abend« 8'/, Uhr, findet im Lokale von Steinmetz. BiSmarckstr. 8. eine Mitglieder« Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Presseangelegenheiten, 2, Bericht der Staotverordneten unter besonderer Berücksichtigung der städtischen LebenSmittelverteilung. 3. Stellungnahme zar Kreis- generalversammlung. 4. Einteilung der Bezirkskassierung. 5, Ber- einSangelegenheiten und Kassierung der Beiträge. 6. Ausgabe von Broschüren an die Mitglieder und zum Versand an die im Felde stehenden Genossen. Da sich in der letzten Zeit recht unerquickliche Zustände in der Zustellung de«.Vorwärts' gezeigt haben, die unter Punkt 1 behandelt werden, so sind auch alle ,PorwärtS"les«r ein« geladen._ Mos aller Welt. Erdbebe« in Süddeatschlaad. Au« Stuttgart wird unterm 21. Juni gemeldet: Nacht« um 1 Uhr 10 ist hier ein heftiger Erdstoß verspürt worden. Darauf erhob sich ein gewaltiger Sturm, der die Einwohner au« dem Schlafe weckte. Am B o d e n s e e war. wie au» Radolfzell und Konstanz berichtet wird, der Stoß in der Richtung West-Ost so stark, daß die Gegenstände in den Zimmern in« Wanken gerieten. In«len, Heidenheim. Ellwangen und Ulm wurde ein dreifacher Stoß wahrgenommen. In Konstanz dauerte da« Beben drei bi« vier Selunde» und war von starkem, unterirdischen, Rollen begleitet. E« bewegte sich in der Richtung von Südost nach Nordwest. Die Hausbewohner eilten, erschreckt durch die starke. wellenförmige Bewegung, zum Teil auf die Straße. Ein Unfall ist nicht bekannt geworden. Da« Leben war merllich milder al« da« vom 16. November 1911. Jugenöveranftaltungen. Wetsieniee. Die Sirbeiterjugend veranstaltet Sonntag, den i4. d, M, eine Badepartie nach dem Croistnlec, Die Abfahrt erfolgt fchon am Sonn- abend abend 8 Uhr vom A n t o n p I a tz, ivetirrauSstcliren für das»itttirre Siorddeuticülond dt« Sonnabend mittag. Oefllich der Oder zunächst noch troiten und vor- wiegend heiler, bei wenig veränderten Tempeiaturen: im Aeflen etwa» kübler, langsam zunehmende Bewölkung: strichweife Gewitter. villlMderHetzUlter-Verdiml! Vorwaltunzistelle Berlin. Den Kollegen zur Raibricht, daß unier Mitglied, der Gürtler Albert Meoz Schöneberg, TheruSlerstraße 21 am 18. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet heut« Freitag, den 22, Juni, nach. mittag» 5 Uhr, von der Leichen- ball« de« Gemeinde-Frtedhofes in Stahnsdorf an» statt, Rege Beteiligung wird erwartet, Den Kollegin ferner zur Nach- rlcht, daß unfer Mitglied, der Revolverdreher Helmut Sehorbogen Müllerftraß» 134a am 19. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. Juni, nach- mittagt 3'/, Ubr, von der Leichen. ball« de» St, PauIS-KirchhofeS, Deeftraße. au» statt. Rege Beteiligung wird erwartet, Nachruf. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unfer Mitglied, der Fräser Georg Safelk Ofener Straß« 13 o« 18. Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k 176/18 Dir Qrtsverwaltung. Deotsctier Tnnsiiortarbeiter-Verbaoi!. Btzirksverwaltung QroB-Barlin. Den Mitgliedern zur Nachvicht, daß unser Kollege, der Geschäfts kutfcher Paul Hein am 19. Junl im Alter vor 65 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 24. Juni, nach mittag« 2'/, Uhr, von der Leichen Halle de» Hedwigs, Kirchhofe«, Reinickendorf, Berliner Str. 24/28, aus statt. Um rege Betetllgung wird er- sucht. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unfer Kollege, der Drofchtensührer Plcdard Moritz am 16. Juni im Alter von 65 Jahren verstorben ifl. Die EinSicherung findet am Freitag, den 22, Juni, nachmittags 2 Uhr, im Krematorwm, Gericht straße 37/33, statt, Um rege Betelltgung wird er- sucht._ Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drofchtensührer Willielm Lüdicke am 12. Juni im Alter von 80 Jahren verstorben ifl Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industriearbeiter kari Dzelski von der Firma Bergmann, am 7. Juni Im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! via BazirKavarwaltang, Verein der i Freidenker liir Fener- besiattung SIU Barlin. Gagr. 1909, Am 16. Junt verstarb unser Mitglied, Herr Wildelm Püstow Wilrnaradorf, Walniarlaoha Str. 12. Ehre seinem Andenke«! am nach- mittag» 3 Uhr, in der Serichl- straße stall Um zahlreiche Beteiligung bittet 292/7 Der Vorn tand. Die Einäscherung findet Sonnabend, den 23. Juni, v Soz. Verein lürleitow-Beeskow. Bezirk Wilmerzdorf. Nachruf. Am 16. Juni verstarb unser Mitglied, der Genosse Willielm Püstow Infolge eine« Lnngenleiden». Wir werden ihm ein ehrende« Andenken dewahren. 199/14 Statt Karten. Am 20, Juni starb meine liebe Frau Luise Roussel geb. Xicolat im Alter von 52 Jahren, Dies zeigt tiesbetrübt an �.Ipkonne Roussel. Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. Juni, nach- mittags IV, Uhr, von d-r Halle des Gemeinde- Friedhofes' in Treptow(Baumichulenweg), Kies- holz straße, aus statt. Allgemeine Orts- Krankenkassir Berlin-Britz. Ausserordentliche Ausschutzsitzuug DienStag. den Z. Juli 1917, abends 8'/, Uhr, findet im Lotal von Otto Koppen, Berlm-Britz, WUhelmftr, l, eine statt, zu welcher die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingeladen werden, Tagesordnung: Beratung und Beschlußfassung Über die Abänderungen der Sß 19. 38, 47, 51 und 99 der Kassensatzung, Außer dieser Belanntmachung er, folgt noch eine schristltche Einladung, welche al« Ausweis dient, Der Borftaud. 277/20 R. Kraah, erster Vorsitzender, iiigemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. V. a. G. Hamburg. Filiale Tchöneberg. Sonnabend, den 23, Juni, abend« 81/, Uhr, bei Obst, Martin-Luther-Str. 69: General-YersammlQDg 1. Wahl des geiamten Vorstände». 2, Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes 176/ l 7 Die OrtSvermaltung. I, A,: E. Borchwardt, Gotenssr, 5. DeuIscbTand braucht Männer, die fabir sind, an dem großen wirtächaftlichen Wettstreit teilzunehmen, der eine unbedingte Folge des Weltkrieges sein muß und eine tiefgreifende Äenderung unseres gesamten wirtechaft- Uchen Lebens herbeiführen wird. Ueberall werden gebildete u. lelztungsfShige Mitarbcitergesuehi sein. Beamte, Lehrer, Angestellte des Handels und der Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prüfung und das Abitur.-Examen nachzuholen oder die fehlenden kaufm&nn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffliche Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Salbst- unterrlehts-Methade„Ruatln''. Aus- (Uhrl. 60 S. starke Broschüre kostenlos. Bonness& Hachfeld, Potsdam Postfach 224. SpeziaWlrzt Dp. med. Hauche, Friedrichstr. 90 SÄÄ Behandl. von hlyphlllu. Haut,, Harn-.KraDenletd..lpej.(f)ron. Fälle, Ehrltch-Hala-Kuren, schmerz. lose, tür, eile Behandlung ohne Be- rusSslörung. Blutuntersuchung, Maß. Preise. Teilzahlung, Sprechstunden 10— 1 und 5—8. Sonnt. 11— 1. Ansichtskarten:: Briefmappen 5/5 6,— 8.60, 19 u. Ii M. 100 Karten 1.50— 11 M. 100 sort. Karten, Liebes-, Kopf-, Goldglanz-. Landschaft, Künstlerk. usw. 2,60 M.(6-20 Pt-Verk.). P. Wagenknecht, Verlag Leipzig 134. Uhren- yolüwsren Hlltn dt Co., I.lndenutr. 109. ttr. 168— 1�17 Unterhaltungsblatt öes vorwärts 5reitag, 22. �u«l /lus öer Geöankenwelt eines öeutschen Idealisten. Sm 22. Juni jährt sich zum 15». Male der Tag, daS Wilhelm von Humboldt den Deutschen geboren wurde— die Verkörperung des klassischen deutschen VildungS- und HumanitäkSmenschen. In Nr. 154 ist seines politischen, an den Idealen der französischen Revolution geschulten Streben« bereits gedacht worden. Heute soll an seine reiche, allem wahrhaft Menschlichen zugeneigte Welt durch »in paar Stellen au» seinen Briefen und Schriften erinnert werden. Di« höchste Kraft und der höchste Genutz des Weibe« schien mir immer darin zu liegen, von schönen, reinen, idealischen Emp. findungen erfüllt, den Streit der äußeren Wirklichkeit damit nicht aufzuheben, aber doch mehr zu ebnen. Die Möglichkeit davon ahndete ich, Einen, aber großen, erhabenen, alle« wa» Menscheit Wert gibt, umfassenden Zweck vor Augen; höchste Mannigfaltigkeit in der Ausbildung, Sinn für Gabe und Genuß jeglichen Grades und jeglicher Art, und dann Kraft genug, die höchste Mannigfaltig» keit auf» höchste zu vereinfachen, da« Viele inimer auf das Eine zu beziehen, in jedem einzelnen immer Seiten zu finden, wo es mit allem zusammenschmilzt.— das war mein Ideal, das fand ich nur in minderen Graden, in allen, die ich bewunderte, liebt«, in mir nie.... Diese belebende Kraft, diese alles durchströmende Wärme gab mir Deine Liebe, Lina. Von dem Gefühle zu Dir borgt nun jede andere Empfindung Leben und ftarbe. So leb' ich. wirk' ich, genieß' ich ewig allein nur durch Dich! (Brief an die Braut vom 29. Jan. 1799.) ... Jetzt gerade ein paar Urteile gegen«ine Kindesmörderin und gegen einen Brandstifter. Alle solche Menschen scheinen mir jetzt so wenig schuldig. Wenn ich dedenke, wie oft die Ideen sich so sonderbar aneinanderreihen, wie heterogene(widersprechende) Ansichten sie gewähren und wie leicht bei manchen unternehmenden Faktoren der bloße Gedanke Tat wird, so schwindelt eS mir oft im Kopf ob man bestraten oder belohnen soll. Und dann ein Blick auf da» an- gerichtete Uebel, auf die übrigen Menschen, auf die ganzen äußeren Lagen, in die nun so ein Jdeengang, so eine Ansicht nicht paßt. Dazwischen so«in ewiger Streit, und den mit Schwert und Kerker zu schlichten. Sonderbar genug! Wären die meisten Verbrecher Menschen von großem Gehalt, so würd es mir nicht leid thun, auch streng zu sein. Der Leidende dächte dann: ich habe die Freude ge- habt, nach meinen individuellen Gefühlen, in unabhängiger Freiheit zu handeln, eS ist billig, daß ich dulde. waS daraus natürlich entspringt. Aber so sind die Besseren unter den Verbrechern meist Menschen, die nicht anders handeln konnten, und daß sie nicht konnten, ist teil» so menschlich, teils io gut. Da zerknickt man denn mit der Strafe jedes höhere, schönere Gefühl und zwingt die Menschen zu Kälte und Fühllostgkeit. Sonst iah ich das ander« an, ich wäre au» Grundsatz streng gewesen. Die Menschen müssen leiden, um stark zu werden, dacht ich. Jetzt denk ich, sie müssen Freude haben, um gut zu werden. (Brief an die Braut vom 22. Sept. 1799.) ... Ueberhaupt zeigt man in der Geschichte zu wenig den Menschen. Da«, was eigentlich überall Zweck ist, die Art de« Seins des einzelne» Menschen, wird so oft und auch in der Geschichte als Mittel zu Zwecken angesehen, die nicht selten nicht mehr als Worte sind. E» scheint so simpel, eben dies innere Sein de« Menschen überall zum letzten Gesichtspunkt zu nehmen, und doch ist es beinahe unbegreiflich, wie fast alle Betrachtungen aller Wissenschaften eine verschiedene Gestalt erhalten, wenn man diesen Gesichtspunkt streng in» Auge faßt. Vorzüglich kommt es wohl daher, weil man in einem Studium, und gerade im wichtigsten, noch ganz zurück ist. Die» ist eben das Studium de» Menschen in sich, wie er ist und wie er sein soll. Auch hier nimmt man immer fremde äußere Gesichtspunkte, und daher entstehen dann all die Sätze, die ein richtiges, nicht mißgeleiteteS Gefühl für irrig erklärt. (Brief an die Braut vom 11. Februar 1791.) Der wahre Zweck des Menschen, nicht der. welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt, ist die höchste und proportionierlichste Bildung feiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerläßliche Bedingung. Allein außer der Freiheit erfordert die Entwicklung der menschlichen Kräfte noch etwa« anderes, ob- gleich mit der Freiheit eng Verbundenes— Mannigfaltigkeit der Situationen. Auch der freieste und unabhängigste Mensch, in ein» förmige Lagen versetzt, bildet sich minder au«. (Ideen, zu einein Versuche, die Grenzen der Wirksamkeit de» Staats zu bestimmen. 1793 verfaßt.) wie man öie Wohnungen vor Hitze schützt. DoS Wetter macht e» der Menschheit niemals recht, und wie man noch vor kurzem über den strengen Winter klagte und die warme Jahreszeit herbeisehnte, so ist man jetzt bereit» mit der Hitze unzufrieden, und so beginnen wieder einmal die Erörterungen, mit welchen Mitteln die Wohnungen am besten vor Hitzebeschwerden zu schützen seien. Die wesentlichsten Punkte dieser Frag? hat seiner- zeit der Berliner Hygiene-Professor C. Flügge besprochen, und seine Ausführungen haben anch heute unvermindert Geltung. Vor allem ist zu erwägen, daß die Wohnungstemperatur häufig stark von der Außentemperatur abweicht, waS durch die Bestrahlung der Mauern durch die Sonne und durch die in die Mauern über- geführte Wärme hervorgerufen wird. Bor dem Strahleneinfall durch die Fenster vermag man sich fa leicht durch Läden zu fchlltzen, hinfichtliw der massiven Teile der Wände ist dies jedoch erheblich schwieliger. Bei den Mauern ist die Höh« der Erhitzung zum großen Teile von der Himmelsrichtung abhängig. Südwände werden weniger, West- und Ollwände am stärksten erhitzt. Während dünne Fachwerkwände sich stärker erhitzen, verlieren sie auch die Wärme leichter, bei den Steinmauern ist das Umgekehrte der Fall, und Westwände pflegen ihre größte Hitze erst um 3 Uhr morgen» zu erreichen, wodurch die Nachtruhe am meisten beeinträchtigt wird. Die Wohnungen erhalten also im Sommer durch die Mauern gewissermaßen ein« Eigentemperotur, welche die Außentemperatur oft bedeutend übersteigt. Die Lüftung ist ein einfache», kostenlose«. aber dafür auch nicht allzu erfolgreiches Mittel, da in Hitzeperioden die Außenluft doch keine Kühlung zu bringen vermag. Es gibt viele künstliche Mittel zur Kühlung der Wohnungen, so die Venti- latoren mit elektrischem Betrieb, die Kühlöfen und die hauptsächlich in Amerika eingeführten Kältezentralen, Sie alle aber haben den Fehler, daß ihrer Volkstümlichkeit die zu große Kostspieligkeit ent- gegensteht. Das einzige durchgreifende und dauerhafte Mittel»st in ent- sprechenden Veränderungen beim Bau der Häuser zu erblicken. Die wesentlichsten sind: Ersatz der Küchenherde durch Gasöfen, fall« dies nicht möglich ist: Isolierung der Kürvenkamine durch einen »Mantelraum", in welchem Lust zrrkuliert, Vermeidung von Woh- nungen gleich unter dem Dach, schließlich vielfache Anbringung von .Bormauern", die aus Holz, Matten oder Rohrgeflecht hergestellt (ein sollen, oder auch aus rankenden Gewäcbien bestehen können, wodurch das Eindringen der Hitze am besten abgewehrt wird. Die idealste WohnungSreiörm vom Standpunkt der Hitzeabwehr besteht in der Anlage von Kolonien mit nur ein- oder zweistöckigen kleinen Häuiern. Diese Bauresorm wird als da« einzige Radikalmittel empfohlen und würde zweifellos auch die Säuglingssterblichkeit in besonders heißen Sommern erheblich vermindern können. Maßnahmen gegen die Junggesellen. Der neue Zug an der in Preußen geplanten Ledigensteuer ist der, daß der Gesetzgeber diesmal die Ledigen beiderlei Geschlechte» der Steuerpflicht unterwerfen will. Bisher war das Gesetz galanter: es hielt sich an die Junggesellen, die sich um die Ernährung einer Familie drückten und icdonte die Mädchen, deren Reize die hart- derzigen Männer verschmähten. Es sab in den Hagestolzen die Schuldigen, in den ledigen Mädchen die Opfer. In dieser Gestalt aber ist die Ledigensteuer, man kann wohl sagen, uralt; jedenfalls geht sie biS in» klasjiiche Altertum zurück, Der junggesellenfeindlichste aller griechischen Staaien war sicher- lich Sparta. Dort wurde der Hagestolz mir einer Steuer belegt. die vielleicht noch härter wirkt, als Geldzahlung, nämlich mit bürger- licher Entrechtung oder, wie die Griechen dies« Einrichtung nannten, mit.Atimi". Die alten Hagestolze dursten auch nicht an den festlichen Spielen teilnehmen, sie genossen nicht die Ehren und AchtuiigSbezeugungen, die in Sparta sonst das schöne Recht de« Alter« waren, ja sie' hatten sich sogar gesetzlicherweise ge- wissen Mißbandlungen zu unterwerfen. So dursten die Frauen an einem bestimmten Feste die Junggesellen unr der» Altar herum- schleifen und sie mit Nutenhieben bedenlen, und die Behörde konnte die Weiblosen im Winter zwingen, nackt um den Markt zu ziehen und ein Spottlied auf sich selber zu singen. So weit zu gehen konnte man sich im milder gesitteten Athen doch nicht entschließen; der weis« Solan selber blieb sogar Junggeselle und als ei» Freund de» Gesetzgeber« ihn zur Preisgabe de« ledigen Standes veranlassen wollte, erwiderte er philosophisch;»Mein Freund, da« Weib ist das lästigste Frachtgut." Immerhin waren auch iu Athen die Hagestolze staatsbürgerlich benachteiligl; und auch Plato trat für eine Be- steuerung oder Bestrafung der Junggeiellen ein und forderte, daß jeder Unverheiratete, der 35 Jahre alt geworden war, die Unter- baltSkosten für eine Frau in die Staatskasse zahlen sollte. Ist er übrigens dabei doch selber Junggeselle geblieben, der große Philosoph. Derselben Ansicht waren die Junggesellen im kaiserlichen Rom, als Augustus seine berühmte lox?apin?oppasa erließ. Sie kamen nämlich zu dem Ergebnis, daß selbst eine sehr hohe Junggeiellen- sttuer ihren Geldbeutel noch immer weniger belastet, als der Unter- halt einer eleganten Frau. Und dies Bekennlnis wollte damals etwas besagen, denn Augustu« ging den Hagestolzen in den er- wähnten Gesetzen so arg zu Leibe, daß bei seiner Einbringung im Senate eine Revolution ausbrechen zu wollen schien. Au» den wahrhaft drakonischen Bestimmungen des Gesetzes sei nur erwähnt. daß ein Mann, der da« Alter von 25 Jahren erreicht und sich nach nicht verheiratet hat, überhaupt die Erdberechligung, ausgenommen bei seinen allernächsten Verwandten, verlor. Es mußten denn auch einige Milderungen bewilligt werden, che das Gesetz in Kraft treten konnte, aber gewirkt hat«S bekanntlich auch nicht. Cs ist doch ad-e. wie vom Kaiser AuaustuS. so wohl überall und zu allen Zeiten die Verehelichetng als eine Art staatlich-bürgerlicher Pflicht angesehen worden; auch dem deutschen Volke galt der Hagestolz als ein un- vollkommene« Geschöpf, und hohe bürgerliche Ehrenstellungen. wie etwa da» Amt eines Bürgermeisters, sind jedenfalls in älteren Zeiten wohl nur in den allerseltcnsten Ausnahmefällen Unbeweibten anvertraut worden._ vom Msbau öer Sagöaöbahn. Die Besetzung von Bagdad durch die Engländer hat natürlich auf die innere und die wirtschaftliche Begründung der Bagdadbahn. gesellschaft keinerlei Einfluß. Das spiegelt sich am besten in dem letzt bekanntgegebenen Abkommen wider, das der türkische Senat mit der Bagdadbahngesellschaft über den Bau der Taurus* ünd' Amanusstrecke getroffen hat. Danach soll der Ausbau dieser ZwetZ- strecke, für die die Regierung eine Krcdithilfc von 1 Million türkische Pfund gewährleistet, unverzüglich in Angriff genommen werden. Durch die Bagdadbahn werden wichtige Gebiete Klcinasiens mit lehr wertvollen Bodenschätzen dem allgenicillen Verkehr erschlossen. Man wird sich hierbei daran erinnern, daß derartige Bahnbauten einen bleibendeil Wert besitze», selbst wenn sie für gewisse Zeiten, tvie z. B. jetzt während de» Krieges, kauin als loerbendes Kapital in Erscheinung treten dürften. Die GIcisspitze der Hauptlinie, die schon seit etwa 5 Jahren gebaut wird, steht inittwegs zwischen. Eu- phrat und Tigris in der gerade jetzt für Mitteleuropa so wichtigen Baumwollebene von Adana. Reichlich 1999 Kilometer der Bagdad- bahn befinden sich schon in gangbarem Betriebe. Die schwierigsten Bauaufgaben, Durchquerung der hohen Gebirge des Taurus und des AmanUS, sind teils ganz, teils ausreichend überwunden. Noch übrig sind verhältnismäßig leicht zu bauende Flachstrecken, und cs ist ein guteS Zeichen für den weiten wirtschaftlichen Blick der jungen Türkei, daß sie sich entschließt, deren Bau selbst zu einer Zeit geld- liehe Mittel zur Verfügung zu stellen, in der die Finanzwirtschaft des Reiches anderweitig große und drängende Aufgaben gestellt werden. Als rein militärische, d. h. strategische Bahn, ist die Bag. dadbahn weniger anzusprechen, wenngleich sie naturgemäß durch den Transport von Rohstoffen und Lebensmitteln aus der fruchtbaren Tigrisebeue zur Versorgung der türkischen Armee schon jetzt cnt- scheidend mit beigetragen hat. Notlzen. — Kunstchronik. Bei Paul Casfirer wird Sonnabend nach- mittags eine umfassende Ausstellung von Zeichnungen des verstorbenen Malers Rudolf Wille eröffnet. — 100 Jahre Universität. Eine Gedenkfeier zur Er- inneruug an die vor hundert Jahren erfolgte Vereinigung� der Universität Wittenberg mit der Universität Halle wurde Tonners- tag in der Aula der Universität Halle veranstaltet. — Eine Auslese a u S W. von Humboldt erschien als Bmid der„Erzieher zu deutscher Bildung". Er nennt sich mit gutem Recht„Universalität".(Verlag von E. Diederichs in Jena.) — Wieviel Gold und Silber hat die Erde her- gegeben k Seit der Entdeckung Amerikas beläuft sick> die ge- samt« Silber- und Goldausbeute der Erde auf etwa 189 Milliarden Mark. Sämtliches bisher gewonnenes Edelmetall würde somit nicht ausreichen, um die bis jetzt vom Weltkriege verursachten Kosten auch nur annähernd zu decken. so) Der starke Mann. Eine schweizerische Osfizier»ges chichte von Paul JIg. »Geehrte Anwesende 1" sagte er mit einigem Widerstreben, ohne jemand anzusehen, wie einer, der zum erstenmal im Leben notgedrungen das Wort ergreift. Die tiefgefurchte S�irn verriet einen schweren Unwillen. Erst nach einer beträchtigen Pause fand er den Jaden seiner Ansprache.„Ob der heutige Abend einen gemütlichen oder ungemütlichen Per lauf nimmt, hängt, wie es scheint, nicht bloß von uns ab Die allein echten LaterlandSfreunde, nämlich die Helden der Straße, die nirgends fo leicht und reichhaltig mobilisiert werden wie bei uns, haben es sich in den Kopf gesetzt, auf ihre Weise mitzuwirken. Sie wollen uns nämlich mit echt eidgenössischer Musik aufwarten. Aber lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Ich denke, die da unten werden eher kalte Füße als wir das Schlottern vor ihnen bekommen." Ein spöttischer Geist tauchte auf unter den buschigen Brauen und schwand wieder wie ein ungeladener Gast.„Wir feiern heute das fünfzigste Stiftungsfest der OffizierSgesell- schast. Wie in allen Städten unseres Landes, so haben sich auch hier die Offiziere zusammengefunden, von der guten Ein- ficht geleitet, die Lehren und Erfahrungen einer kurzen Dienst- zeit in gegenseitigem Gedankenaustausch durch Vorträge und Exkursionen freiwillig zu ergänzen. Wir waren der Ueber- zeugung, durch solche Nachhilfe Kenntnisse erlangen zu können, die denjenigen der Führer stehender Heere nichts nachgeben und uns in den Stand setzen, für den praktischen Unterricht die kürzesten Wege einzuschlagen. Der Gedanke hat sich bewährt. Wenn die Summe der auf diesem Wege zum Nutzen des Vaterlandes geleisteten Arbeit in Zahlen ausgedrückt dem Unverstand vor Augen geführt werden könnte, so wären wir vermutlich von der merkwürdigen Ovation unserer Mitbürger verschont ge- blieben!" Hier wurde der Redner von lebhaften Beifalls- äußerungen unterbrochen. Besonders fühlten sich die„Vor- schriftsniäßigen" geehrt; denn ihnen gebührte der Löwenanteil dieser Verdienste. Doch der Oberst fuhr fort:„Es ist hin- gegen bekanntlich keine Sache so gut. daß sie nicht zeitweilig in Gefahr käme, schlecht gemacht zu werden. Die Offiziers- vereine riefen den Kastengeist l wird uns vorgeworfen von Leuten, die nun einmal keine Charge sehen können, ohne dahinter eine Gefahr für Freiheit. Gleichheit, Brüderlichkeit zu wittern. Wenn so ein paar Prahler und Schwerenöter diesen Angrissen eine» Schimmer von Berechtigung geben, so! machen die jedenfalls den Schimmel nicht scheu. Es gibt in jeder Armee Offiziere, denen der Schein mehr als die Sache gilt. Hingegen ist bei uns dafür gesorgt, daß solche Zier- pflanzen nicht überhandnehmen. In unserem nüchternen Volkstum finden sie keinen gedeihlichen Boden, so wenig wie wie die Soldatenschinder, von denen bei uns angeblich auch zivölf auf ein Dutzend kommen. WaS schützt uns eigentlich vor Ueberhandnahme solcher Elemente? Etwa die sozialistische Teufelswandmalerei? Keine Spur! Sondern einzig und allein der bessere Geist, von dem die Mehrzahl der Offiziere durch- drungen ist. Ein richtiger Offizier wird die Achtung, den Gehorsam seiner Untergebenen vorab durch Tüchtigkeit und sichere Kennt- nisse, aber nicht durch Betonung seines höheren Standes oder durch schroffe Anwendung der ihm verliehenen Machtmittel erzielen wollen. Wer viel brüllt und rüffelt, dem fehlt eS immer an der zwingenden Persönlichkeit; so einer verpulvert blindlings das Vertrauen der Leute und die Dienstfreude dazu. Ebenso ist es mit dem Dünkel. Nur ein geistig armer Mensch prahlt mit seinem Rang, und nur ein duckmäuserischer Wicht läßt sich auf diese Art imponieren. Wir wollen keinen Standeskultus treiben. Eine besondere Offtziersehre wird keiner beanspruchen, der auch im bürgerlichen Leben seinen Mann stellt. Wer sich aber erst als Mann fühlt, wenn er in den Offiziersrock schlüpft, der ist nicht unser Mann; er mag noch so sehr auf die sogenannte ritterliche Ehre pochen und sich erhaben dünken über den gewöhnlichen Bürger. Der berüchtigte Kastengeist ist meistens das Produkt der sozialen Minderwertigkeit seiner Inhaber: Mit dem über- triebenen Standesbewußtsein verschleiern sie ihre einseitige Beschaffenheit, ihre Unbildung. Solchen aufgeblasenen Säbel- rasslern mit oder ohne Manicure müssen wir selber das Ueberbein amputieren. Es sind, wie gesagt, Fremdkörper in unserm Heer, schlechte Nachahmungen, die dem ernsthaften Soldaten nicht minder widerlich sind als dem Zivilisten. Die Kenner der Geschichte wissen, wie oft ganze Völker für den Bubenstreich eines einzelnen bluten mußten. Darum ist es unsere Pflicht, diese Gattung Durchgänger jederzeit scharf im Auge zu behalten und die Kandare beizeiten fühlen zu lassen." Es konnte nicht fehlen, daß bei diesen Worten mancher Augen scheu, hurtig nach Lenggenhager ausschauten. In seinen Stuhl zurückgelehnt, die Arme auf der Brust verschränkt, ließ er dieses Kreuzfeuer mit höhnischer Grimasse über sich er- gehen. Das war nun nicht mehr von Belang. Er stand be- reits aus der anderen Seite des Flusses und durfte die Ver- folger nach Herzenslust auslachen. Der mißliebigen Rede folgte er auch nur wie ein Advokat, der den Gegner auf schreienden Widersprüchen ertappen möchte. Ohnehin war sie ja zum Fenster hinauSgesprochen. Eitel Geflunker für die lieben stimmfähigen Zeitungslescr und Eckensteher. gerade wacker genug für eine Sängerfestkanzel. Haha! Ein Armceführer. der die besondere Soldatenehre in Abrede stellte!! Wo gab cs noch so ein Seewunder Was, ein Offizier sollte nicht mehr Achtung fordern als irgend ein braver kannegießender Tischlermeisters Und seit wann»vurde von einem Soldaten- erzieher höhere Bildung verlangt? Sonst hatten doch stets Wagemut, Unabhängigkeit, Gewandtheit und Willenskraft als die höchsten Ossizierstugenden gegolten! Jetzt brauchte man scheinbar Vorgesetzte, die ihre Zeit damit verbrachten. Abhandlungen zu schreiben, aufs Katheder zu klettern? Ob von den hundert anwesenden Männern einer den Mut fand, diesem Beschwichtigungsrat und Gesinnungs- protzen einige kernhafle Soldatensprüche entgegenzuhalten? Lenggenhager faßte den Entschluß, auf jeden Fall ein paar aufklärende, das eigene Tun rechtfertigende Worte anzubringen und die Leisetreter durch ein Hoch auf die gastierende Kapelle aufzupeitschen. Indessen steuerte der Alte das sturmbewegte Schifflein seiner Rede schwerfällig in den beliebten Hafen.„Einfachheit tut not, meine Herren! Und weil gute Beispiele mehr ausrichten als Worte, so möchte ich nicht verfehlen, am heutigen Abend auf die Verdienste eines Mannes hinzuweisen, der als Jnsiruktor des Treustädtcr Waffenplatzes wohl die Hälfte unter Ihnen durch seine- Schule gehen sah." Aller Augen richteten sich auf Oberst Hugentobler, der bei diesen Worten aus einer ahnungs- losen Aufmerksamkeit in gelinde Bestürzung geriet und plötzlich den Kragen der Uniform als störend zu empfinden schien.„Unser allverehrter' Platzkommandaut ist, wie Sie tvissen, keiner von denen, die es bedauern, daß wir es Hierlandes nicht zur Exzellenz bringen können. Wie es sein saures Amt erfordert, inimer wieder von vorn an- zufangen, dem Heer von Jahr zu Jahr eine neue, stets besser� geschulte Schar Soldaten zuzuführen, so ivill er für sich nur das Verdienst eines Lehrers in. Anspruch nehmen. Dafür vcr- steht cs aber keiiler so gut wie er"— wieder tauchte der spöttische Geist auf—„seine Zöglinge in der kurzen Zeit der Rekrutenschule zu erlösen von den Erbübeln des„freien Eid- aenoffen", als da sind: unbegründetes Hochgefühl, Steifheit des Nackens und mangelndes Verständnis sür die Bedeutung � Gemerk schaftshaus. Sonntag, de« 24. Juni 1917 3« herrlichen Natnrgarte», genannt die Oase de» Osten»: Doppd-Konzert. Ter Götterbanm in voller Blüte. Sonntag mittag: Ztirsch-Kaltschale...... 0,25 Schellfisch mit Senftunke.. 2,00 Perlbohnm mit Lammrllcken. 2,00 Sauerbraten....... 3,00 Wildschwein....... 3,00 Kompot oder Salat. Abends: Em gr, Posten Fettgrinse UN» Fetthühtter a Portion 4>- Sonuabeudnachmitterg von 4 Uhr ab � Kaninchen. 3,75 Kaninchen-Kasseler.........-Pst. 5,oo Fetthichner, Fettenten u. Fettganse. £aben lBsrats Sektkorken bis 25 Pfennig, Weinkorken Ii S'l, Pfennig sowta alle'anderen Sorten gebrauchte und neue Kerken kauft W. 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