Ar. 172. 34. Jahrs. HbonnementS'BedlngungtR; Abonnements- Pietz vrünnmcran!,» «ierteljührl. 8,90 Mb, monotL U30 Mb, wöcherüüK 30 Sfg. frei WZ HcmS. einzelne Siummer ö Pfg, Konnlag«. Nummei mit Mufnnerlei Könnings- Seilage.Die Reue Weif lO Pin Soft- Abonnement: 1,30 Mark Uro Monat. Aingerragen in die Pofl-Zeimngt- vreisliuc. Unter Kreuzband für Deutichland und Oeslerreich. Ungar» SLOWlark, für da- übrige Ausland l Mark vro Monat Postabonnemsm» nebmen an Belgien, Dänemarb Holland. Italien. Luxeniburg, Portugal, Aumütucn. Schweden und die Schweis itlchellil l-igllch. Verlinev VolksblAtt. ( 5 Pfennig) 01c Inlcrflons-Gcbaijr betrlgl für die sechSgestmltene Kolonelteile oder deren Raum SO Psg, für doiiniche und gewerlichastliche Vereins- und Bersanmiümgs> Anzeigen 30 Pig. »Aleine ZZnreigen". daS, ellgedruckte Wort 20 Pig.(zulässig 2 icltgedruckt« Worte), jedeS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlaiitcllenan- »eigen das erste Wort 10 Pjg, jedeS weitere Worte Big, Worte über IS Buch- Naben zählen für zwei Worte. Jnieraie für die nächste Nummer mühen bis b Übe nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Srveditiott ijt biS 7 Uhr abends geostnet. relegramm-Adrefse: �»»izlSelbdilbiU StNI»-. Zcntruiorqzn der fozialdcmokrat» f eben Parte» Deutfchlanda. Neüaktion: ctD. öS» Linüenstraße 3. Zhernsprecher: Amt Moribpla», Rr. IS» SV—»51 97. Expedition: SW. öS» Lindenstraße 3. Nerniprecher: Amt Moritzplatz, Rr. IS» SV— IS» 97. Stimmen Nationale Pflicht der Demokratie. Der ArtM des Genossen. S.che>i.b.e.:nann„Draußen und dccheim" in der letzten. SonntagAausgabe unseres Blattes spricht aus, was in diesem Stadium des Weltkrieges in den allerweitesten Kreisen unseres Volkes erkannt und empfunden wird. Durch die russische Revolution und den Eintritt Amerikas in den Krieg ist das Deutsche Reich in eine Lage gergten, aus der es nur durch eine entschlossene Tat befreit werden kann. Es darf nicht sein, daß in dieser Zeit von den Gegnern- Vorwürfe gegen Teutschland erhoben werden. können, die nicht lmr die ganze feindliche Welt für berechtigt hält, sondern die auch dos deutsche Volk in seiner großen Mehrheit als teilweise nicht unberechtigt anerkennt. Dieser Stachel, der nicht von den Gegnern gespitzt worden ist, sonder.n von. ihnen nur noch tiefer in eine längst schmerzende Wunde gedrückt wird, muß beseitigt werden. -- Der- R-e i-chs kan zle r hat das Wort gesprochen:„Wo wir von etwas, zu befreien sind, da befreien wir uns selbst� Wir möchten uns erlauben hinzuzufügen:„Wir befreien uns so r e-ch-t.z e i t i g davon, daß es uns nicht schaden kann." Auf was sollen wir mit der notwendigen Befreiung noch warten? Etwa a«' d«s Kriegsende? Räch bald drei Jabren der furchtbarsten Prüfungen ist dieses Ende leider noch iinmer nicht deutlich sichtbar. Daß es durch eine Verschiebung des Ke- fxeiuitgswerkes hinausgezögert, ja selbst in seinem Inhalt beeinflußt'werden kann, dafür sind Beweise von überzeugender Durchschlagskraft angeführt worden. Wir haben die Pflicht zu siegen. Nicht iin Sinne eines ZMschniettcrunW--lind'Eköb?rüngssi�K.s,�de.r Fegen, eines zehn- fache Uebermachf, selbst wenn er, wünschenswert wäre, nicht erreichbar ist, aber im Simni eines Erhattungs- und Vmheidi- gung'ssieges, der angesichts des gegebenen.Kräfteverhältnisses für unser Volk Verdienst und Ruhm genug ist. Wenn nun nenn Zehntel des deutschen Volkes der Ueberzeugung sind, daß diesem notwendigen Sie'g? Hemmnisse entgegenstehen, die im inneren Aufbau- unserer Verfassung ihre Wurzel haben, wer wollte, wer dürste sie hindern, sie zu beseitigen? Wr den, der so denkt, ist das Streben nach rascher Hin- wegräumung jener Hindernisse einfach zur ma-t ro n acke n P f.l i ch t geworden. Hier ist eine Zahne aufgerichtet, um die sich alle sammeln müssen, die der gleichen Ueberzeugung sind— ohne lln t er schi e d d e r P a r. t e i. Heute kann selbst ein eingefleischter Konservativer, der sein Bolk.niehr liebt als eine einzelne Klasse dieses Volkes und der in den Fesseln der Parteischablone das Denken noch nicht verlernt hat,- zu der Erkenntnis kommen, daß er sich von ihm liebgewordenen Vor» stellungen trennen muß, wenn er seinem Lande nicht schwersten Schaden zufügen will.. Die Masse freilich.— soweit bei der. kleinen aber mächtigen Partei von einer Masse gesprochen werden kann— verharrt den Notwendigkeiten der Zeit-gegenüber noch in seind- seliger Verstocktheit. Und die„Deutsche Tageszeitung" schreibt gegen den Artikel Schcidemanns: Er stellt. es so hin, als ob die Entente als hauptsächlichstes Kriegsziel die Demokratisierung Deutschlands-betrachte und oer- kennt vollständig, daß die politische und Wirtschaft- I i ch c Vernichtung de» Denischen Reiches als einzig wahres Kriegsziel der Entente anzusehen ist, und daß die Phrase von der Demokratisierung Deutschlands von den Gegnern nur als Mittel zum Zweck angewandt wird, um das feste Gefüg« des Reiches, das sich in diesem Kriege bewährt hat, zu erschüttern; und um eine demokratische Regierung in Deutschland zu schaffen, von der man hofft, daß sie. ihre Aufgabe in der Zukunft darin erblicke, mit den Dtlnokraticn in England, Frankreich und Amerika Freundschaft zu baltrn und nichts zu unternehmen, waö die Interessen dieser Reiche verletzen und dadurch den Weltfrieden gefährden könnte. ... Die von den jetzigen Machthabcrn in Rußland inszenierte Hetze gegen Deutschland bietet ja bereits den Beweis dafür, daß Deutschland, obwobl es die innere Entwicklung Rußlands nach der demokratischen Richtung durch Vermeidung jeder militärischen Handlung gefördert hat, immer noch allein Land hingestellt wird, dessen Imperialismus„nur durch das Schwert vernichtet" werden könne. Um neue Schlagworte ist die Entente nicht verlegen; d-.e Bekämpfung der„deutschen Autokratie" ist für sie nur ein Mittel zum Zweck. Uehcr die Förderung der Interessen des Deutschen Reichs durch Kriege wollen wir uns mit der„Deutschen Tages- zeitung" nach dem Kriege unterhalten. Für heute stellen wir"das wertvolle Geständnis fest, daß die Demokratisierung Deutschlands einer Verständigung mit den demokratisch re- gierten- Staaten- der Welt nur förderlich�sein könnte. In dieser Verständigung, die künftigen Kriegsursachen die Wurzel abgräbt, erblicken wir das höchste Interesse des deutschen Volks, und wir bestreiten entschieden, daß sie nur'auf dessen Kosten erfalgeu kmw. Bas gerade Gegenteil ist der Fall. Ein demo? zur inneren kratrsch regiertes Deutschland Wird nicht nur für die letzten Phasen des Weltkriegs seine Verteidigungskraft stärken, es hat nicht nur bessere Slussichten, bald zum Frieden zu kommen, es wird auch bei den künftigen Fricdcnsver- Handlungen eine bessere Position haben. Die„Deutsche Tageszeitung" hat sehr recht, daß die Absicht, lvenn nickt der gegnerischen Völker, so doch ihrer führen- den Politiker auf die politische und wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands gerichtet ist. Aber ihre konservativen Partei- scheuklappen hindern sie zu bemerken, daß neben militärischen auch p obi tische Mittel notwendig sind, um diese Vernich- timgsabsichten zu durchkreuzen, und daß eben darum die De- mokratisierung Deutschlands zur nationalen Lebensnotwendig- keit geworden ist. Das sieht das„Berliner Tageblatt" vollkommen ein. Es behandelt die Ausführungen Scheidemanns in einem Leit- artikel seiner Montagabendausgabc und bemerkt zu ihnen mit offener Klarheit: Der Nachdruck liegt hier nicht auf der Neuorientierung und den inncrpoliti scheu. Reformen, die eines Tages ohuchiu lommen müßten. Et liegt auf dem„Jetzt!" Wir haben immer wieder hören müssen, daß die innerpolitische Neuordnnng kommen soll, aber wir wurden auf eine unbestimmte Zukunft vertröstet. Das geht nicht länger mehr. Die Stund« ist erfüllt, und der Augen- blick der inneren Neugestaltung darf nicht verpaßt werden. Das parlamentarische R e g i c r u n g s s y st e m ist die erste reife Frucht, die vom Baum der Neuorientierung fallen muß. Das gleiche Wahlrecht in Preußen und die Par.l.a- m e n t a r i si eru ug d er B u n O.e S staat c u muß ihr notwendig folgen. Damit.wä�e der Anfang gemacht. Mag sein, daß auch dann die Kämpfe weiter gehen. Aber wer wollte daran zioeiftln,.daß sich dgS Deutsche Mich durch eine demokratische Er- ücUerung-"eine vre l stärkere-Stellün.g seinen Feinden gegenüber sich eru würde? Hier heißt cS, die- Stunde ilüH?n.' Auf innerpolitischem Gebiet muß des La- viereus und ZaüdernS ein Ende, fein, wenn auch die Freiheit nach außen gegen alle Wechfelfällc gesichert bleiben soll. Daß diese Erkenntnis nicht nur in libergl-bürgerllchen Kreisen vorhanden ist, sondern'daß sich schon, konservative Köpfe, vorn Druck der Tatsachen gezwungen, mit ihr zu be» freunden beginnen, zeigt ein Aufsatz, des Historikers Professor Otto H i n tze in der„Europäischen.Staats- und Wirtschafts- zeitung". der unabhängig von Scheidemanns Artikel verfaßt ist und folgendes mutige Bekenntnis ablegt: Wir miissen uns mit dem Gedanken vertraut machen, daß ein entscheidender Schritt zur Demokratisierung unserrs Staats- und Volkslebens zur unvermeidlichen Notwendigkeit geworden ist. Es kommt nicht darauf, an, ob man das mit Jubel begrüßt oder mit schweigendem Ernst als ein vielleicht verhängnisvolles Gebot der Stunde- binniormt. Wir find im Begriff, in einen neuen Abschnitt unserer Geschichte einzutreten. Nicht bloß unsere eigene innere Entwickelung zwingt uns dazu, sondern auch die Umgestaltung der Staatcnivelt um unö her. Wir— Preuße«— können nicht allein inmitten des Reiches, deS europäischen Kontinents, ja der Welt dem großen Zuge der Zeit nach fortschreitender Demokratisierung Widerstand leisten. Wir geraten dadurch in eine gefährliche Ver- einsamung unter den Völkern der Erde. So wenig wir im Zeit- alter der französischen Revolution die alten Formen des frideri- zianischen Staates aufrechterhalten, konnten, so wenig ist es heute möglich, die allen preußischen Ordnungen aus der Zeit Bismarcks. deren Unzulänglichkeit der große Staatsmann doch schon selbst durchschaute,-im loesentlichen.'unverändert in die neue Zeit hin- überzunehmen. Eine gründliche R'eforui tut not und ist bereits im Gange: eine Reform nicht nur der Institutionen, sondern vor allem auch der Geister. Ein entscheidender S e e l e n u m- s ch w u n g muß vollzogen iverdcn, auch von denen, die mit jeder Faser ihres Herzens ander alten Or d nu n g g erhangen haben, es sei denn, daß si«sich selbst des politischen Einflusses, der ihnen gebührt, begeben wollten. So der konservative Historiker der preußischen Dynastie! Wir wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten und denen, die von den nationalen Notwendigkeiten des Augen- blicks eine andere Meinung haben als wir, Worte wie„Vater- landslose Gesellen" und„feindliche Agenten" ins Antlitz schleudern. Aber wir haben die PflichtFhnen zu sagen, daß sie in verhängnisvoller Verblendung der Sache ihres Volkes den, schwersten Schaden zufügen. Und wir wollen leine Gelegen- heit versäumen, um die Mahnung zu wiederholen, daß die For- derung nach der Demokratisterung Deutschlands längst über den engen Parteirahmen hinaus zur allgemeinen Volkssache hinausgewachsen ist. Es sind ja auch nicht die schlimmsten, die sich aus ehrlicher Ueberzeugung dieser Förderung widersetzen. Söndern' die schlimmsten sind die, die erkennen ohne zu bekennen, die wissen ohne, zu- handeln, und die. während die Mldgranen draußen, mit ihrer Brust. das Land verteidigen, heimlich räsonnieren und—„Rücksicht nehmen auf ihre Stellung"! Solche Leute treiben Verrat aus-'Feigheit-und verdienen Ver- achtung.--l i■, Reform. Eine Internationale üer Intellektuellen. Aus Bern wird uns geschrieben: Am 16., 17. und 18. Juni fand in Bern eine internationale Konferenz statt, bei der 29 Verbände der verschiedenen krieg- führenden und neutralen Länder durch Delegierte oder schriftliche Zustimmungserklärungen vertreten waren. DaS Bureau wurde auS Angehörigen der einander bekämpfen- den Staaten zusammengesetzt. Die bernische Regie-' rung übersandte schriftliche Willkommgrütze. Grundgedanke der Verhandlungen war eS, die an der Wieder- Herstellung friedlicher Kulturarbeft interessierten Kräfte in den heute einander bekämpfenden Ländern zu einheitlicher Friedens- aktion zusammenzufassen. AuS den Einzelberawngen sei hervorgehoben, daß die Ein- Mischung Wilsons in die innerstaatliche Entwicklung Deutschlands und Oesterreichs(als lriegSverlängernd und dem Sieg.der Demokratie eher schädlich als nützlich) einmütig zurückgewiesen wurde. Am letzten Verhandlungstag arbeitete man Grundlinien für einen Ausgleichsstieden aus. Polen, Littauen, Serbien sollen die Unabhängigkeit wieder erhalten. Der deutsche Kolonialbesitz soll wiederhergestellt und erweitert werden. Die.offene Türe" in allen Kolonialgebieten wäre zu gewährleisten. Beihilfe zum Wieder- aufbau der kleinen Länder, welche Kriegsschauplatz gewesen sind, soll von Seiten Deutschlands, Englands und Amerikas geleistet werden. Ein internationaler Kongreß soll dann im Herbst über die Anträge beschließen und eventuell, gleichzeitig in allen kriegführenden Ländern, eine Bewegung für Abschluß eines Ver« ständigungsfriedens einleiten. Es ist gewiß leider nur ein kleiner Teil der Intellektuellen, der hier gutzumachen versucht, waS von Professoren, Schriststellern. Gelehrten aller Länder in blinder Wut an ihrem eigenen Volke gesündigt worden ist. Mag man die Hoffnungen, mit denen man seine Arbeit begleitet, auch auf ein Mindestmaß herabschrauben, so wird man ihm die Sympathien, die sein ehrliches Streben verdient, nicht versagen._ ' Kritische Tage in Petersburg. Aufrufe und Gegcnaufrufe. Petersburg, 23. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Am 21. Juni hat eine große Versammlung von m ax im a listi sch eu Soldaten eine Entschließung ange- nommen. am 23. Juni eine Kundgebung der Armee gegen die Provisorische Regierung zu veranstalten. Am folgenden Tage ließen die Maximalisten folgenden Aufruf tn den Straßen anschlagen: „Die Kapitalisten, die den.Krieg fortsetzen und Not und Teuerung immer noch erhöben, beschwören die Gegcnrevolutioncher- auf. Die Provisorische Regierung unterstützt offen die Macht der Imperialisten und Bourgeois. Unsere Geduld geht zu Ende. Wir m ü s s en d ur ch e in e fr i ed lich e Kundgebung unsere Wünsche und Beschwerden zur Kenntnis bringen und fordern daher die Soldaten und Arbeiter auf, auf die Straße hinauszugehen mit dem Losungswort:.Nieder mit der Duma! Nieder mit den zehn bürgerlichen M i n i st e r n! Nied« mit der Anarchiel Nieder mit dem Krieg! Wir wollen Brot und Frieden!" Infolge dieser Vorgänge hat die P r o v i s o r i s ch e Regie- rung nach einer Nachtsitzung heute stüh in den Straßen der Hauptstadt einen dringenden Appell an die Bevölkerung. ruhig zu bleiben, anschlagen lassen und erklärt, daß jeder Versuch einer Gewalttat kräftig unterdrückt werden wird. Auch der Kongreß aller Soldaten- und Arbeiter- rate ganz Rußlands, der Exekutiv-AuSschuß des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats, der Exekutiv-AuSschuß des Bauern- kongresseS und die Exekutiv-Ausschüsse der Sozialisten- und Arbeiter- Parteien haben ihrerseits einen gemeinsamen- A ufr u f anschlagen laffcn, der die Soldaten und Arbeiter auffordert, nicht auf dir Straße zu gehen und sich am 23., 24. und 26. Juni jeder Kundgebung zu enthalten. Sie erklären, daß Ausschreitungen nur den dunklen Mächien der Gegenrevolution nutzen könnten,' die nur auf einen günstigen Augenblick warteten, um gegen die nationale Freiheit aufzutreten. Die Petersburger Telegraphcn-Agentur meldet: Das Gerücht, wonach in Petersburg das Kriegsrecht' proklamiert sein soll, entbehrt jeder Grundlage. Vie Kriegsgefangenen in Rußland. Der Arbeiter- und Soldatenrat gegen Gefangenenmißhandlmtg. Der folgende, bemerkenswerte Artikel ist in dem offiziellen Organ des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats,„Jswestjä", vom Mar 1917 erschienen. Er bestätigt die R ich t i g k e i t.d c r A n 1 1 agelr g c gem die B c Handlung u n se r er'i n Ruß- land gefangenen Landsleute, beweist aber zugleich'die e-r/a-ouli-che JuitiatiHe beä Arbeiter« und Solln Haieriteii, Dtt SftHW W überschrieben:»Ist die Schnld diejenige der KriegSgefrnge»««?" und lautet: Da» Zentralkomitee de» Roten Kreuzes für Kriegsgefangenen« angelegenheiten unter dem Präsidium des Grafen Jgnatiew hat mit der Beratung der Lage der Kriegsgefangenen in den feindlichen Ländern und in Rußland begonnen. Das Schicksal der Gefangenen in Rußland ist im allgemeinen schwer und hat während de» neuen Regime» noch keine Veränderung erfahren. Roch kommen zahl- reiche Fälle von Mißbrauch und Gewalttaten vor. von allen Seiten hört man Berichte über schwer« llebergriffe gegen die Schutzlosen, mitunter sogar über Mordtaten. E» ist zu hoffen, »aß da» Komitee de» Roten Kreuze» dies« Tatsache» leidenschaft»« lo» beurteilen wird und daß die Vertreter de» Arbeiter, und Sol- datenrat», die an der Arbeit des Komitee» teilnehmen, mit Energie dafür eintreten werden, daß die Ideen der Humanität und der Ge- rechtigkeit möglichst bald ihren Arbciterkameraden in der Gefangen» schaft gegenüber verwirklicht werden. In dem freien Rußland darf daSPrinzipderRach« nicht zur Anwendung kommen, dem man bisher gefolgt ist. Di« Reden»- arten, die jetzt wiederholt werden, wie:„sie plagen die Unsrigen, laßt un» auch die Ihrigen Plagen', dürfen nicht mehr vorkommen. Dadurch verbessert man nicht die Lage der russischen Gefangenen in den feindlichen Ländern. Wenn die Vertreter der Arbeiter und der Bauern offiziell zur Verteidigung ihrer au»ländischen Käme- raden auftreten und dadurch für da» Aufhören der Mißstände in Rußland wirken, können sie mit um so größerer Energie ein« Ver- änderung in der Lag« der russischen Gefangenen in Deutschland und Oesterreich fordern. Wir wissen, daß die Delegierten, die dort(bei uns) wäre», die Antwort erhalten haben:„Wir werden keine Ver- änderung in der Lage Ihrer Kri«g»gefangen«n eintreten lassen, bevor die unsrigen«» bei Ihnen nicht besser haben." Im Ehao» de» Kriege» hat man die Gefangenen vollständig ver- g essen. Seit Anfang de» Krieges ist keinerlei öffentliche Organi- sation zur Wahrnehmung ihrer Interessen zustande gekommen. Gleichzeitig haben dunkle Gerüchte über Uebeltaten in den seind- lichen Gefangenenlagern Haß und Rochsucht erweckt. In Ruhland hat der menschenfreundliche Wunsch, den Gefangenen zu helfen und khr Lo» zu erleichtern, nicht nur kein« Unterstützung durch die kurz« stchtigen Machthaber während de» alten Regime» gefunden, sondern dies« Bemühungen haben im Gegenteil den Verdacht einer deutsch- freundlichen Gesinnung und sogar de» Hochverrat» erweckt. Ueber die Lager der Ärieg»gefangenen in Rußland hat man weder sprechen noch schreiben dürfen. Der Hunger, die Leiden beim Bäu der Murmonbah«, wo Tausende von Mensche» um» Leben kamen; die Verachtung und die grausam« Gleichgültigkeit gegen die Zehntausende, die zur Zeit der Alrcktyphvßrpidemir» in Tot»k, SamarSkoj, Rowonikolajew»! und Kra»nojar»k gestorben sind; die Mißhandlung und die Totschläge in den I» je»»kiu>Wäld«u im Gouvernement Wjatka, wo audschließltch Slawen sich befanden(«in lebende» Grab Tjudovka); da» Jgno- rieten der schweren Leben»verhältnisse der Gefangenen in Turkestan, Samarkand und in den Kohlengruben im D o n d t st r i k t; die Ausbeutung der Gefangenenarbeit in den Fa« briken, Werkstätten und auf Arbeitsplätzen durch die Gemstwo» un» private Unternehmer zu 8— 10 Kopeken für den Tag bei einer lüstündigen Arbeitszeit mit meht al» dürftiger Nahrung und bei dem Mangel an jeder wärmeren Kleidung und an Schuhzeug(Nowgorod und andere Gouvernement»); die Verweigerung der Auszahlung von Arbeit»- löhnen für 4— V Monat«; ferner die Bestrafung der Dreisteren, die sich auf ihre Rechte zu berufen wagten(der MordtmKreise DarapulSkij), und viel« andere Tatsachen bezeugen, daß da» Leben für die Kriegsgefangenen in Ruhland nicht überall sorglo» ist. Die» olle» hat dt« russische Allgemeinheit nicht gewußt und ist dethalS auch nicht imstande gewesen, gegen dies« Grausamkeiten zu reagieren. Man reagierte nur auf Neuigkeiten vom Ausland«... Man muß aufrichtig sein und zugebe», daß die Menschen wäh- rend der ganzen Dauer de» Kriege» sich gegenseitig geübt haben. auf verschiedene Weis« schutzlos« Sklaven zu Plagen, und doch find diese Sklaven nicht» andere» al» die rechtmäßigen Vertei- digerihre»Vaterlande». E» ist wohl nicht die Schuld der Kriegsgefangenen, daß Man mit ihrem Leben so sinnlo» und grau» sam spielt. Ist es nicht genug, daß die Menschen a: denArontengetütetwerden? Ist die Anzahl der Krüppel dort nicht groß genug f Mutz man die Armee der ArbeitSuntaug- lichen noch weiter erhöhen dadurch, daß man Physisch und moralisch Xäusende von Menschen in der Gefangenschaft zugrunde richtet? Wenn fi« nach Haus« kommen, werden diese Unglücklichen, anstatt sich der gemeinsamen Arbeit widmen zu können,«ine den Staat drückende Last sein. Und zu wessen Nutzen? Bringt dies den Sieg über den Feind näher? Spielt die« irgendwelche nützlich« Rolle für die künftige Politik? Von welcher Logik lassen sich die Regierungen leiten, welche wehrlos« Sklaven, die zweifello»«in gesetzliche» Anrecht auf Schutz haben, der Vernichtung ausliefern? Die russischen Gefangenen während der Zeit de» Russisch-Japanischen Krieges er- innern sich mit Dankbarkeit und Anerkennung, wie die fürsorglichen Japaner sich ihrer annahmen und wie sie ihnen sogar eine bessere Kenntni» de» Lesen» beibrachten. S» kommt einem so vor, al» ob die Japaner den kriegführenden Mächten al» Beispiel hätten dienen sollen— leider verhält e» sich in Wirklichkeit ganz ander».(Au» dieser und einigen anderen Stellen erhellt, daß da» russische Organ irrtümliche Vorstellungen über die Lag« der in Deutschland Krieg». gefangenen hat. Da» Schicksal der Kriegsgefangenen bleibt immer schwer, auch wenn die vollkommenst« Humanität e» zu mildern sucht, aber die Prinzipien der Humanität haben in Deutschland ein« Stimme in der Arbeit der KriegSgefangenen-Behandlung.) Jetzt muß aber da» revolutionäre Rußland. da«freieRuß« land Gerechtigkeit üben und zum Schutze der Rechte derUnterdrücktenauftreten. E« muß den kriegführen» den Staaten zuerst die Parole geben: Betracht« die Gefangenen nicht al» Verbrecher, sie haben lediglich ihre Pflicht gegen da» Baterland getan t Und möge die» nicht nur eine schön« Redensart fein, son« der» in Wirklichkeit umgesetzt werden und möge e» zu einer Besse« rung der Lag- der Kriegsgefangenen sowohl hier al» dort führen. Ich gestatte mir auf die ganz einzig tragische Lage der Pole» in diesem entsetzlichen Wettkampfe aufmerksam zu machen. Ueber alle Fronten zerstreut, schmachten fi« sowohl in den russischen wie in den deutschen und österreichischen Gefangenen« lagern. Wieviele von ihnen werden davonkommen, wiediele werden in da» Vaterland zurückkehren, da» al» ein unabhängige», freie« Reich anerkannt worden ist? Die Lage der gefangenen Polen in Ruß- Semd muß nicht nur von allgemein-menschlichem Gesichtspunkt, son- der« von dem Gesichtspunkt der Rechte, die die neue Regierung ihnen zuerkannt hat. betrachtet werden. i vemzelos am Ruber? «che». Sä. Juni.(Hovatmeldung.) Der französisch« Ober- kommifiar Jonaart hat sich mit dem MinisterprSfidenten Zaimi» in» Schloß begebe« und«in« lang« Unterredung mit dem König gehabt. Da» Ministerium soll zurückgetreten und venizeloS mit der»adwettS»«»«»»»» SvaaftraLt ftiH. Kämpfe am Souchez-Bach, vei Hulluch, bei Vanxaillon— Heftiges Feuer in Ost- galizien— Gefechte nördlich Kirlibaba. Amtlich. Große« Hauptquartier, de» 25. Juni 1917.(w. T.«.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kroupriu» Rupprecht. I« Dänenabschnitt und zwischen Äser und Ly» war gestern nachmittag der Feuerkampf gesteigert; er dauerte li» in die Rächt an. Bo« La Baffäe-Kanal bis auf das südliche Searpe-Ufrr war gleichfall» die AampftStiiikeit lebhafter als in de« Bortag«». Bor- »UtagS scheiterte» englische Vorstöße nördlich de» Touchez-Baches und östlich der Straße von Len» nach Arra«. Abend» wieder« holte der Feind seine Angriffe ans beide» Souchez-Ufern; auch diesmal wurde er zurückgeschlagen. Etwa gleichzeitig stürmten starte englische Kräfte bei Hulluch gegen unsere Stellungen. I« nächtliche» Rahkämpfr« und durch Feuer wurde der Gegner ab- gewiesen. MU kleinen Abteilungen versuchte« die Englinder vergeblich auch au«rhrrrrn andere» Stellen zwischen Meer»nd Granne in«itsere Gräben zu dringen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Die Franzosen griffen zweimal bei Bauxaillo« die kürzlich von uns gewonnenen nnd gehaltenen Liuien an. Beide Angriffe bliebe» ergebnislos; die über freies Feld vorgehenden Sturm- wele» erlitten in unserem Feuer hohe Verluste. Di« Artillerietitigkeit war außer an dieser Kamtzfstrlle auch »ei Aille», istlich von Craonne, westlich der SuipprS, bei Ripont und auf dem linke» MaaS-Ufer rege. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Keine größeren Gefechtshanblunge». Stockholm. yupsmans in Petersburg. Der Sekretär de» Internationalen Sozialistische» Bureau» Huys- mau» erhielt vom Petersburger Arbeiter» und Soldatenrat ein Tele- gram«, wonach die kommenden Verhandlungen auf der inter- uationalen Friedenskonferenz der Hauptpunkt auf der Tagesordnung de» Arbeiter- und SoldatrnkongrrssrS find, der zurzeit in Petersburg abgehalten wirb. Da» ist der Grund dafür, daß die rusfischen Teil- nehmer an der Friedenskonferenz noch nicht gewählt find. Aber die Wahl wird in einigrn Tagen erfolgen. der rujflsthe fiuftuf zur internationalen Konferenz. Der unseren Lesern schon bekanntgegebene Auftuf des Exekutiv- komileeS de» Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat» an die sozio- listischen Parteien und Hauptgewerkschaftsverbände der ganzen Welt (vom 2. Juni) hat folgenden genauen Wortlaut: Am 28. März richtete der Petrograder Arteiter- und Soldaten- rat eine« Aufruf an die Völker der Welt, in dem er die europäischen Völker zu gemeinsame« entscheidendem Vorgehen zugunsten de« Friedens aufforderte. Der Arbeiter- und Soldatenrat und mit ihm die ganze Demo- kratie habe» auf ihr Banner:»Friede ohne Annexionen und Schaden- ersah iEntschädigungen) aus der Grundlage des Seldstbestimmuugs. recht» der Böller' geschrieben. Die rusfische Demokratie hat die erste provisorische Regierung zur Anerkennung dieses Programm» ge» zwunge» und»er ersten provisorische» Regierung, wie' die» die Er- eiguisse»»» 3. und 4. Mai brwiese» haben, nicht gestattet, davon ab- zuwtiche». Die zweite provisorischr Regierung stellte auf Dränge» drS Arbeiter- und SoldatenrateS dieses Program« an die Spitze ihrer Erklärung. Am S. Mai beschloß baS Exekutivkomitee deS Arbeiter, und Soldatenrates, die Initiative zur Einberufung einer internationalen sozialistischen Konferenz auf fich zu nehme», nnd am 15. Mai richtete der Arbeiter»»nd Soldatenrat einen Ausruf an die Sozialiste« aller Linder» in de« er sie zum gemeinsame» Kampf für den Frieden auf- forderte. Der Arbeiter- und Soldatenrat ist der Anficht, daß die schleuuigpr Beendigung de» Krieges und die Herstellung des Weltfriedens nur auf Grundlagen, die durch die gemeinsamen Interesse» der Arbeiter und der gesamte» Menschheit geboten find» erwirkt»erde» kann. Die» kau» von der sozialistische« Demolrotie nur durch die»er- einigte» internationale» Bemühungen der Arbeiterparteien and GrwerkschastSverbände der kriegführende« und neutrale» Länder im tatkräftige»»nd zähen Kampfe gegen daS allgemeine Gemetzel erzielt »erde». Der erste notwendige und entscheidende Schritt zur Begründung einer solche« internationale» Lewegnug ist dir Einsührnng einer internationalen Konferenz. Ihre Hauptansgabe ist, eine Ueberein- stimmung zwischen de» Vertretern des sozialistische« Proletariats zu treffe«, hinfichttich der Wege»nd Mittel des Kampfes für den Friede«. Dieser Weg ist de« Proletariat durch alle seine inter- »attonale» Verträge vorgezeichnet. Die Einberufung der Konferenz mir» ebenso gebieterisch von de« gemeinsamen Lebensinterrssrn drS Proletariats aller Böller gefordert. Dir Parteien nnd Organisationen der Arbeiterklassen, die diese Aufich teu trUe» und bereit find, ihre Bestrebungen z» vereinigen»nd lr z» verwirkliche«, werde» vom Arbeiter-»nd Soldatenrat auf- gefordert, an der von ihm einberufenen Konferenz teilzunehmen. Der Rat teilt dabei seine feste Nrbrrzeuguug mit, daß alle diesen Borschlag annehmrnde« Parteien und Organisatioue« auf fich die Verpflichtung nehme« werde«,«nabläsfig die Lrschlüffe, die die Kon- ferrnz annehme« wir», i»S Lebe« durchzuführen. Zn« Konferenz ort wählt der Rat Stockholm. Zeit der Gin« berusnag der Konferenz ist 26. Jaui ti» 8. Juli 1917. « Haparnnd«, 2V. Juni. Die Petersburger.JSwestija' verurteilt die Haltung der englischen Matrosen gegenüber Macdonald und sagt: Wir glauben fest, daß keine Versuche einzelner Gruppen die weitere Entwicklung d«S Kampfes der Welt- demokratie für Beendigung des Krieges aushalten werden. Wir glauben fest, daß sich täglich, ja stündlich, die Kräfte der Weltdemokratie fester fügen. Clam-Martiaic in Gnaöen entlassen. Kei« deutscher Volksverband? Die.Wiener Zeitung' veröffentlicht ein ungemein gnädig ge- halten«» Handschreiben des Kaiser« an den Grafen Clam-Martinic. dem selbstlose und patriotische Opferwilligkeit, wertvolle Dienste. vornehme Gesinnung, reiche Erfahrungen und Kenntnisse nach- gerühmt werden. Der Kaiser steigert sein Lob zu dem Satze: fJch glaubte das höchste StaatSamt besseren Hände« nicht anvcr- Gester» sind 8 Fkngzevge«» S der Gegner abgeschossen worden. Oestlicher Kriegsschamplatz. Heftige» Feuer an der oberen Strypa»nd zwischen Zlota Lipa und Rarajowka. Hier holten unsere Stoßtrupp« eine Au- zahl Gefangene an« den rusfischen Gräben. In de«»arparthrn war die SrfrchtStätigleit nördlich von Kirlibaba lebhafter al« sonst. Mazedonische ftfront. Am Dojran-See nnd in der Struma-Ebenr kam e« mehrfach zu Zusammenstöße« englischer StreifabteUnngr» mit bulgarischen Posten. Der Erste General, uurttermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i», 25. Juni 1917, abeudS. Keine besondere Kampf tätigkeit, Der österreichische Bericht. Wien, 25. Juni 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. An mehreren Stellen rege Artillrrietätigkeit. Im Abschnitt von der Rarajowka bis Zborow hat das feindliche Feuer wieder erheblich zugenommen und stellenweise planmäßig angehalten. Nordöstlich von vrzezany wurde ei» feindlicher Fesselballon in Brand geschossen. Italienischer und sudöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Chef des Generalstabcs. trauen zu können. Ich muß es tief und aufrichtig beklagen, daß die politischen Verhältnisse Ihre wertvolle Mitarbeit nunmehr Mir und dem Staate entzogen haben.' Der ehemalige Ministerpräsident erhielt einen hohen Orden und ist unter Beförderung zum Obersten zum Generalgouverneur in Cetinje ernannt worden. Da« huldvolle Hand- schreiben de« Kaiser» wird allgemein auffallen, sintemal Graf Clam- Martini« keine besonderen Beweise politischer Fähigkeiten gegeben hat, wenn er auch ein ganz guter Mensch und ehrlicher Patriot gewesen sein mag. Politisch hat er dort geendet, wo der frühere Ministerpräsident Körber in seiner Arbeit unglücklicherweise unter- brachen wurde— nur daß in der Zwischenzeit alle nationalen Leidenschaften fesselloS geworden sind. Die Minister de« abgetanen Kabinett« sind zum Teil in daS Herrenhaus berufen, zum Teil mit hohen Orden bedacht worden. In dem Ganzen darf wohl eine Demonstration des Kaiser? gegen die oppositionellen Parteien er- blickt werden, die die parlamentarische Notwendigkeit der schleunigen Verabschiedung de? Budgetprovisorium« ausgenutzt haben. Der Klub der christlich-sozialen Reichstagsabgeordneten Tirols beschloß einhellig, an der vom deutschen Rationalverbande vorgeschlagenen Bildung eine« sämtliche Abgeordnete deutscher Zunge umfassenden großen deutschen Block« au« praktischen und programmatischen Gründen nicht teilzunehmen. Ebenso ein- hellig sprachen sich sämtliche Klubmitglieder dahin au«, daß alle staatStreuen deutschen bürgerlichen Abgeordneten fich zu gemeinsamer wirtschaftlicher«rbett im Parlament zusammen» schließen sollen. Der. Beschluß ist fttc)die. christlich-soziale Gesamtpartei nicht maßgebend, beweist aber die völlige politische AhnungSlofigkrit der in agrarischem und zünftlerischem Denken befangenen tiroler Bauern, für die die Sozialdemokraten und Mener Liberalen der leibhaftige Gottseibeiuns sind. Die französische Handelsflotte unter Staatsfürsorge. Da« Beispiel der Vereinigten Staaten, die Sorge um die Handelsflotte in großem Stil zur Staatssache zu machen, hat auf Frankreich gewirkt. In der französischen Kammer bracht« Hesse eine Interpellation über die Wiederherstellung der Handelsflotte ein. Er erklärte, alle Mächte vermehrien ihre Handelsflotte; besonders Deutschland mache beträchtliche Anstrengungen, während in Frank- reich nicht nur nicht dazu ermutigt, sondern sogar noch dem ent- gegengearbeitet werde. Rai! führte au«: Am Vorabend de« Krieges umfaßte die französisckie Flotte 2 600 000 Tonnen. Tie hat 660(XX) Tonnen, davon 460 000 Tonnen durch KrtegShand- lungen verloren. Neubauten und Käufe haben 680 000 Tonnen ergeben, über 140 000 Tonnen Segelschiffe sind in der Bollendung begriffen. Unsere Flotte ist also, fuhr Kail fort, größer al« die, die wir vor Beginn der Feindseligkeiten besaßen. Ministerpräsident R i b o t gab zu, daß die Lage der Handelsmarine nicht beftiedigend sei. Die käuflichen Schiffe seien nicht zahlreich, e« fehle an den hauptsächlichen Baustoffen und auch die Handwerker seien nicht zahlreich genug. Der BerpflegungSminister Violette erkenne die Notwendigkeit an, die Handelsflotte unter seinem Br- fehl zu babcn. denn die Getreidekrise sei auf» höchste gestiegen. Dem Wunsche der Kammer, eine e i n h e it l i ch e L ei- tung der Handelsflotte zu schaffen, könne also Folge ge« geben werden. Die Kammer nahm darauf durch Handaufheben eine Tagesordnung an. welche die Absicht bekräftigt, Käufe, Bauten »nd Charterungen von Schiffen in demselben Ministerium zu der- einigen. Diese Organisationsmaßnahme wird nur ein vorbereitender Schritt für andere StaatSattionen auf dem Gebiet der Handels- flottenfürsorge sein. Der große Griff in den Staatssäckel, der den Reedern schwere Subventionen für den Schiffsbau zuwirft, wird sicher folgen. Und es wird dabei bleiben: privater Profitdrang wird mit dem nationalen Interesse gedeckt. deutscher Gesanötenwechsel in Kristiania. Kristiania, 24. Juni.(Ritzau-Meldung')»Tiden« Tegn' zu- folge lief kürzlich von der deutschen Regierung an die norwegische Regierung die Mitteilung ein, daß von H i n tz e, feit 1S14 deutscher Gesandter in Peking, zum deutschen Gesandten in Kristiania aus- ersehen sei. Die norwegische Regierung habe geantwortet, sie habe nicht? dagegen einzuwenden. Wie bereit« gerüchtweise verlaute, werde der hiesige deutsche Gesandte Dr. Michahelles vermutlich dem- nächst Kristiania verlassen. Ein Schergeaüienst Wilsons für England. Bern, 26. Juni..Temps' meldet au« New Dork: Der Führer der shndikalisttschen Aufstandsbewegungen in Dublin vor dem jiriege, James Larkin, wurde in New York wegen einer Rede gegen die all» gemeine Militärdienstpflicht verhaftet. Jame« Larkin, der al» einer der wirkungsvollsten Organisatoren de« irischen SufstandrS gilt, entging der englischen Verfolgung. Jetzt übernimmt die Regierung'der Verewigten Staaten die Auf- gäbe, ihn unschädlich zu machen. Sie spottet ihrer selbst. Predigt den Kreuzzug gegen den MMteritam» und setzt flBetgatgte MI« Militaristen hinter Schlotz und Riegel. Aber sie legt Hand an Jame« Larkin sicherlich nicht bloß wegen seiner Feindschaft gegen die Kriegsdienstpflicht. Das Wahlgesetz öer rutschen Konstituante. Petersburg, 24. Juni.(Petersburger Telegraphen- Kgentur.) Der Sonderausschuß, der da» Gesetz für die Kahlen zur der» fassunggebenden Versammlung ausarbeitet, hat dt« Zahl der Abgeordneten derselben auf 800 festgesetzt, so daß auf 200 000 Einwohner ein Abgeordneter kommt. Jede Pro- v i n z wird einen Wahlbezirl mit mindesten« fünf Abgeordneten bilden. Petersburg und Moskau werden besonder« Bezirke darstellen. Zinnlaaö- unabhängige Republik. Aus Helsingfors meldet da« schwedische Telegraphenburedu: Der Kongreß der finnischen sozialdemokratischen Partei hat einen (im.Vorwärts' schon kurz gemeldeten) Beschluß angenommen, der Finnlands Loslösung von Rußland und die Bildung einer unab« hängigen finnischen Republik fordert. Dieser Beschluß nimmt Ruß« land da« Recht, in Friedenszeiten Truppen und Befestigungen in Finnland zu unterhallen. Die finnisch-russischen wirtschaftlichen Beziehungen sollen auf dem gleichen Boden geregelt werden, wie die zu anderen fremden Mächten. Die finnischen Sozialdemokraten erwarten Unterstützung von den Sozialdemokraten aller Länder, besonder« Rußland«, für die Ausrichtung der finnischen Selbständig« keit durch internationale Uebereinkunft, da«ine bürgerliche Regierung außerstande ist, genügende Sicherheiten zu bieten, daß Finnland« Freiheit nicht verletzt wird._ Die Duüapester wirtschaftskonferenz. Budapest, SS. Juni. Di« Tagung de» Wirtschaftsverbande» nahm folgenden Beschluhantrag an: Im Sinne der von den drei Wirtschaftsverbänden Deutsch- land«, Oesterreich» und Ungarn« wiederholt und einmütig gefaßten Beschlüsse betreffend das Wirtschaftsbündni« und die ge» meinsame Handel», und Verkehrspolitik sowie die RechtSannäherung erachten e« die heut« in Budapest Per» sammelten Vertreter der drei Wirtschaftsverbände als geboten, auch die wichtigsten Fragen der UebergangSwirtschaft in Uebereinstim- mung und unter gegenseitiger Unterstützung zur Lösung und zur Erledigung zu bringen. Die berufenen staatlichen Stellen der Mittelmächte sollen daher stet« im Einvernehmen vorgehen und all« wichtigeren Fragen der UebergangSwirtschaft unter steter gegen- seitiger Unterstützung lösen. Da der freie Unternehmungsgeist der entscheidende Faktor deS Wiederaufbaues der Wirtschaft sein muß, soll ein staatliches Eingreifen nur dort erfolgen, wo zwingende Rücksichten, insbesondere die Forderung der wirtschaftlich schwächeren Elemente, ergänzende staatliche Vorsorge rechtfertigen. Das amerikanische Kriegswirtschastsgesetz. Washington, 24. Juni. DaS Repräsentantenhaus hat mit S« gegen 5 Stimmen da« Gesetz angenommen, da» den Präfidente« zur Beaufstchiigung der Verteilung von Lebensmitteln und Brennstoff ermächtigt und ISS 600 000 Dollar zu diesem Zwecke zur Verfügung stellt. Durch einen gusatz wird die Verwendung von Lebensmitteln zur Bereitung von berauschenden Getränken verboten. der Krieg auf Seu Meereu. Berlin, 25. Juni.(W. T. V.) Nach Bekanntgabe der Maibeute unserer U-Boote beziffert sich der Gesamtbetraa der seit AriegSbegia» durch kriegerische Maßnahmen der Mttel- «ächte versenkte» feindlichen sowie«entrale» H-udelSschiffe ans 8 63$ 500 Srutto-Regtster-Toanea, da« fiud fast KV vo« Hundert Brutta-Register-Tanne»«ehr, al» die deutsch« HaudelSflott« bei Ausbruch de« Kriege« zählt«. I» derselben Zeit wurde« außerde« an britische« Kriegsschiffen 157 Einheit«« mit riuer Ler- dräuguag von 632900 Tonnen»nb insgesamt 255 feindliche Einheiten»lt $92465 Tonnen vernichtet. Dieser Lerlnst kommt de» Beftnnb der Krieg«. flotte der vereinigte« Stnnte« von Nordamerika zu Beginn de« Krieges etwa gleich. Berlin, 25. Juni. Amtlich. I« Atlantische» Ozean»ab in der«oedsee fladbnrch unsere Unterseeboot« nraerding« 7 Dampfer, 1 Segler, 2 Fisch. dampf« vernichtet worden,»ab»war: die bewasstrrtea englischen Dampfer H» l l i« g t» a(4221 Tonnen), Ladung aascheiurab Munition, Poltzmeu«(37S7 Tranen) mit Weizen und Stückgut au« Australien. O r a t» r<3563 Tonneu), Baron Samdor(4316 Tonne«), bei»« tief belabeu, Achilles (641 Tonnen), Ladung Wrt«, die englischen Fischbampfer Shamrock und St. Bernhard, der englische Saffrlschrarr«lohn mit Sohlen s». , wie zwei unbekannte Dampfer,»»» denen einer ra« einem«rleitzng hrrauSgeschoffe« wurde. Eine« der Uatersertoatt hatte ei» Gefecht»lt«ine»?«- wachungSfahrzeng«ab riarm feindlich«, Unters««. d»» t, in dessen verlanf ersterr» durch Artillerie schmer»«schädigt wurde. Da» feindliche Uutersredoet wurde durch Salve» eingedeckt; ob Treffer erzielt wurden, konnte nicht einwandfrei beebachtet werden- Ein andere»»nserer Unterseeboote, da«»in einem feindliche« angegriffen wurde, erzielte auf dem Tnrm de» Gegner«»inen Treffer. Der Chef de« AdmiralpadrS der Marine. Zinnischer 5000-To.-Vampfer versenkt. Stockhol», 26. Juni. Laut Mitteilung de» Petersburger Komitees für die redimierten Fahrzeug« an die Direktion de» Finnischen Lloyd in Helfingfor« wurde der der genannten Gesell- schaft gehörende Dampfer Herme» mit einer Ladefähigkeit von KOCK) Tonnen am 2. Juni auf der Reise von England nach Archangelsk versenkt. Der Dampfer war der größte der finnischen Handelsflotte. Ferner wurde nach einer Mitteilung vom 18. Juni ei« un» genannter finnischer Dampfer auf der Fahrt nach Schweden im Bottnischen Meer durch ein U-Boot versenkt. « Madrid, 24. Juni.(Wiener Korresp.-Bureau.).Jmparcial' zufolge versenkten Unterseeboote in der Röhe von El Ferro! den französischen Dampfer v e a n. in der Räh« von Tanger den italienischen Dampfer Jtakta(5500 To.) mit Eisen und Kohlen von England für Tarent und in der Nähe von Oviedo den norwegischen Dampfer Svind au» Tarsund mit Kols von New Castle nach Livorno. Bei Malaga strandete der englische Dampfer Bayramante. Der Dampfer William»(8000 Tonnen) mit Kohlen aul Eardiff sür Genua ist in der Näh« von Llicant« ge» strandet. Kämpfe im Lensbogen. Berlin, 25. Juni. für unsere Jugendarbeit iiiaßgebenden Beschlüssen des Nürnberger Parteitags und Hamburger GcwcrtschastSkongrcsses vom Jabre 1998 Geltung zu ver- schassen und, damit für die Etnl>eit und Geschlossenheit der Bc- wegung zu Wirten.--- In Uebercinstimmung damit stellt die Kon- serenz sür die Arbeit unter der Jugend zwischen 14 und 18 Jahren folgende Richtlinien auf: Die �Jugendbewegung ist in erster Linie eine erzieherische Nolwendigkeit der organisierten Arbeiter zugunsten ihres sckml- airlasse neu N/ichwuchses, nicht eine Kampforganisation mit Partei- politijü�,: Zielen. Ave für die Jugend demegung tätigen Arbeiter und iWveiterinuen haben deshalb die Pflicht, fich mit den erziehe- hschen Voraussetzungen für«ine gewisicnhafte und sachkundige Erfüttu>ng ihrm Aufgaben vertraut zu machen. .Tie. örtliche Leirung der Jugendbewegung liegt einem aus Vertretern der.Jugend und der Partei- und Gewerkschastsorgani- sationen bestehenden.Jugendausschuß ob. dessen Finanzierung wie bisher durch Gie örtlichen Partei- und GewerlschaftSorganisationcn erfolgt. Zu dcn Aickzaben der Jugendansschüsse gehören: l. PlanniäAge Darbietung allgemeinbildender sowie künstle- risch geselliger Veranstaltungen jeder Art; Einrichtung von Jugend- dibliotheten. .2, Planmäßige Förderung,.der'ötperlichcn.Entwicklung,.der JugcnZ durch Waiiöerungen,.Spiele iin'Freien,.sowie regelmäßige 'vortliche Veränstaltünaeir und körperliche- Nebungen, zu.welchem swcckc besondere Abmächungen mit den örtlichen Sportkartcllcn zu treffen.sind.> 3. Errichtung und Leitung von Jugendheimen. 4.-Anrklärüng Ger Jugend über die- Jugendschutzbestimmnngen und im Eintlang init den Gewcrkschaftslartellen Schaffung befon- öderer Jugendschutzlommissionen-und sonstjger�dem wirtschaftlichen Schutze der Jugend'' dienenden Einrichtungen. Diese von den Jugendausschüsscn getrotienen Veranstaltungen und Einrichtungen sollen für die A von Me n t em der„Ar- b ei t e r- I u-g e'n d" i n d d-i e Ä i rg l i eb er der Jugend- se ktronen der Gewerkschaften gemeinsam sein, wie überhaupt ein enges organisatorisches Zusammenarbeiten der Jugendausschüsse mit den Jugcndsektionen anzustreben ist. � Die fachliche Ausbildung der Jugend durch Fachvorträge und Lieferung des Fachorgans bleibt wache der gewerkschaftlichen Jugendsektionen." Für Landesverteidigung. Im Züricher„Voltsrscht" erklären sich die sozialistischen Nationalratsmitglieder H. Eugster-Züst, I. Frei. Hermann Greulich,� P. Pflüger. Gustav Müller. Jean Sigg. Robert Seidel, F. Studer, E. Wullschleger mit den jüngsten Beschlüssen des schwei- zerischen Parteitags in Bern nicht einverstanden, in denen die Pflicht der Landesverteidigung grundsätzlich abgelehnt und von den Vertretern der Partei in den Parlamenten die grundsätzliche Verwerfung aller Militärkreditc verlangt wird. Die zebn Genossen erklären, sie hätten bisher wiederholt gegen die Militärtredite gestimmt und das Budget abgelehnt; das fei jedoch nur aus taktiictien Gründen geschehen, als Protest gegen die Abwälzung der Lasten auf das Proletariat und gegen die Mißstände im Heer. Der Beschluß von Bern, der diese Ablehnung zum Grundsatz und zur Pflicht mache, sei unvereinbar mit den fundamentalen Grundsätzen der Partei und müßte, in seinen Konsequenzen zur Anarchie führen, da er den Bestand eines deniokraiischnr Staatswesens nicht mehr an- erkenne. Eine solche. Verpflichtung lehnten sie mit aller Entschic-- denheit ab. Eine internationale Regelung der Frage des Milita- rismuS werde und müsse nach dem Kriege kommen. Zum Äampf ums gleiche Wahlrecht in Prcusien. Heber„Preußens Neugestaltung durch ein freies Volk" sprach LandragSabg. Gen. Hirsch in vier gutbesuchten ösfenllichcn Ver- sammlungen, die von Donnerstag bis Sonntag in Minden, Her- ford, Brackwede und Bielefeld als Antwort auf die Rede Hcvde- brands in Serford ftatlfaudeu. Die über 1399 Besucher, die ohne Extrazug in den Versammlungen erschienen waren, zollten dem Redner starken Beifall,— ein Beweis sür das Drängen nach einer freiheitlicheil Gestaltung im Innern. Bei dcu Rudolstädtcr Laubtagsersatzwahlen wurden, trotzdem die bürgerlichen Parteien den Burgfrieden nicht hieltey, in den Kreisen Katzhütte und Königsee unsere Genossen wcholl und Otto gewählt. Inöustrie und Handel. Kapitalserhohungeu und kein Ende. Am Sonnabend wurde bekannt, daß der preußische Handels- minister die Zulassungsstelle bei der Berliner Börse dahin unter- richtet hat, daß die- jungen Aklien der Vereinigten Glanz-- ft o f f- F a b r i.k e n in Elberfeld nicht zur börsenmäßigen Notierung zugelassen weiden sollen, weil die Kapitalserhöhung trotz großer flüssiger Mittel erfolgt ist, obwohl einer leitenden Stelle der Ge- fellschaft kritische Bedenken von Amts wegen geäußert wurden. Die Verweigerung zur offiziellen Notierung ist allerdings kein zu großes Unglück, besonders da die Hoffnung besteht, daß sich der preußische HandelSnjinisler künftig von der Elberlelder Glanzfloss-Fabrik Aktiengesellschalt wird umstimmen lassen. Daher ist die Kundgebung auch ohne jeden tiefen Einfluß auf die Börse geblieben, die im Gegenteil sogar Daimler- und Kappler- Aklien in Hoffilung auf baldige KapitalSerhöhungeu favorisierte. Was nutzen alle Mabnungen, Kapitalserhöhungen zu unterlassen, wenn die im Gelde- geradezu schwimmenden Gesellschaften auf diele oder jene Weise. den Willen des preußischen Handelsministers und des ReichSbankpräftdenien umgeben, um ihren Aktionären besondere Botleile zuzuschanzen. Es dürfte sich sehr einpfehlen, diesem spekulativen Getriebe ein radikales Ende zu bereiten und durch Bundesratsvcrordnung das Recht auf Emissionen zu beschränken. Die Papierindilftrie im Kriege. In der Vollversammlung des Vereins deutscher Paplerfabri'aiitcll führte Generalsekretär Dr. v. Stojentin aus: Die Leistungen der Papiermacherei im Kriege werden erst dann voll gewürdigt werden können, wenn über den.gewallig gesteigerieu Bedarf der Heeresverwaltung für Muniiions- und Belleidungszwecke Näheres milgeleUr werden kann. Gleichzeitig mit diesem Bedarf hat die Pavierindustrie'den ungeheuren Verbrauch der KriegSgesellichakten decken müssen. Eine gewaltige Aufgabe, wenn man. bedenke daß— es ist dies nur ein Beispiel firr viele— baS Krieg'Sernährungsamtvor wenigen ' Wochen im Verlage von RennarHobbing«in Buch ttt einet: Auflage von .2 Millionen-Stück drucken ließ, das etwa 39 Doppelwaggons Papier- menge verbraucht hat. d. i. der Fahresbedarf von etwa 199 der kleinsten Provinzzeitungen. Unter diesen Umständen mußten die Papiervorräle knapp werden und die Preise stark anziehen. Im Betriebsjahr 1916 haben die 43 Aktiengesellschaften der Papier- erzeugung einen Reingewinn von 17,3 Millionen Mark erzielt gegenüber einem Betriebsverlust von 1,8 Millionen Mark im Jahre 1L13. Die durchschnittliche Dividende hat nahezu den Stand des Jahres 1911 mit 7,4 Proz. wieder erreicht, die Abschreibungen betragen 19,6 Millionen Mark. Russische Finauznot. „Journal des Tebais" meldet aus Petersburg: Angesichts der ernsten Finanzlage Hai der Mimizipalrai von Petersburg die Aus- stelluiig der städtischen Güler und Immobilien angeordnet, die zur Beschaffung der notwendigen Mittel verpfändet werden sollen. Soziales. Volksfürsorge. Für die zum 26. Juni 1917 cinbcrufeuc Generalversammlung der g e w er k sch alt l t ch- g e n o ssen s ch afl l i ch e n Volks- f ü r f o r ge liegt der Geschäftsbericht für 1916 vor. Die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die der Krieg der Ent- Wicklung des Unternehmens bereiter und entgegengestellt hat, sind durch die lange Kriegsdauer nicht gemindert worden. Nichlsdesio- weniger hat, gegenüber 19 791 im Jahre 1913 abgeschlossenen Ver- sicherungen, das Berichtsjahr 22 936 Neuabschlüsie gebracht, eine Steigerung, die in Rückficht auf die schwierigen Verhältnisse wohl der Beachtung wert ist. Es gingen 1916 insgesamt 23 494 Anträge ein, von denen auf die Kapitalverftcherung 21 314 mit einer BersicherungSsnmme von 4 973 992 M., auf die Sparversicherung 2123 und auf die Risiko- Versicherung 33 mit einer Versicherungssumme von 23 776129 M. ent- fielen. Abgcschlosien wurden von den 23 724 zu erledigenden Anträgen 29 816 Kapitalverficherungen mit einer Versicherungssumme von 4.833 631 M., 2963 Sparversicherungen und 33 Risikoversicherungen mit einer Versicherungssumme von 25 829,89 M., insgesamt 22 936 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 4 881489,89 M.; abgelehnt oder zurückgezogen wurden 131 Anträge mit einer Versicherungssumme von 36 911 M. während 637 An- träge mit einer Versicherungssumme von 133 123,29 M. aus das Geschäftsjahr 1917 übernommen wurden. Der Bersicherungsbeitand betrag Ende 1916 123715 Kapiralverjichcrungcu mit cmer Versicherungssumme von 26562 841 M„ 66397 Sparversicherungen mit einer Versicherungssumme von 1 597'43e Di. und 1714 Risikoversicherungen mit einer Versicherungssumme von 397732 M.. insgesamt 191736 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von 28 468 929 M. Die Gewinn- und Berlustrechnung für daS Geschäftsjahr 1916 ergibt einen Ueberfchuß von 217421,27 M. Den verschiedenen Fonds sollen daraus 43 484.24 M. zugewiesen werden. Von dem nach Ver- zinsung des Attienkopiials verbleibende» Rest des Ueberschusses in Höhe von 133 937,13 M. soll den mit Gewinnbeteiligung Ver« sicherten 7 Proz. der JahreSprämieu als Dividende gewährt werden. Die auf Anteilscheine in der Kriegsversicherungskasse ein- gegangene isunime betrug bis Ende des GeschäitsjahreS 496999 M., wodurch 53737 Personen mit 81218 Anteilen versichert waren. Bis zum 31. Dezember waren von diesen Versicherten 1315 mit 2544 Anteilscheinen verstorben reip. gefallen. An die Hinter- bliebcnen dieser verstorbenen Kriegsteilnehmer wurden in 317 Fällen für insgesamt 674 Anteilscheine 16 833 M. als Vorauszahlung geleistet. Die Verwaltungskosten der Kaste betrugen bis zum Schlüsse des Jahres 19 338,14 M., wovon 2750,93 Vi. aus das Berichtsjahr und 16 387,21 M. auf die Vorjahre entfallen. Eine Kürzung der aus Anteilscheine eingegangenen Summe erfolgt nicht; die eingezahlte Sunime wird vielmehr nach Beendigung des Krieges restlos»ach dem Verhältnis der Zahl der verstorbenen Kriegsteilnehmer und der für sie entnommenen Anteilscheine aufgeteilt und an die Empfangs- berechtigten zur Auszahlung gebracht. Auch der vorliegende Geschäftsabschluß— der dritte seit Aus« bruch des Krieges— bieret die Gewähr, daß ine Volksfürsorge auf sicheren Fundamenten ruht und ihre Entwicklung eine stetig« und gesunde ist. Verantioortd f. Potilit: Dr. Franz Dtrdrrich,-Berlin-Friedcnau: lür b. übrigen Teil des Blattes: Alfred Zcholz, Neulolliir für Inserate: Td Glocke. Berlin. Druck u. Leclag: LorwarlS'Buchdrucker?: u. DerlagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und NnterhatlungSblatt. Ikeurselie«» Heute undAolgeude.Tage sLihx: Max PalletihorB- in Fainllie Schimck. Kanini erspiele. Heute u..folgende Tage T'/iUlir: l>le TänsiMl« unit Leopoldine Konsfantin). VolkHbütiiie.Theat. a Bülowplatz. l'ntorgrundb. Schönhauser Tor. Heute ü. folgende Tage Vj, Uhr: IMe Königin der l alt. Liosulng-Theater. Heute u. folg. Tage 7a/ ZTasik v. Osk. Siraus. Dir. C. Meinhard— R. öernauer. Theater i, d, Königgrätzer Str, 8 Uhr: Schnitzler-Abend. Komödienhaus 8 Uhr: Wie fessle ichmeinen Mann? Berliner Theater 7MUhr; Die tolle Komteß. URANIA TauhenstraUe 48/49. 8 Uhr: Torpedo- Oberleutnant a D. P. K. Kahf: Der Möwe Flug. RosesTheater. �-Uhr: Der Mann seiner Fran. GartenB.: Berlin wie es liebt u. haBt. Qfpolfo PRIKWUCKSTR- AN• OCH- KOOtyr* AUabendlich Uhr: Dan vlelsteiti ge Variete-Programm! Die Kasse ist ab 10 Uhr geöffnet Programm. Zirkus A. Schumann "Bahnh. Fne drichstr. Anl 8 U. Rauchen gest. Kühler Aufenthalt. Sei Mus-Varietfi _ U. a.: UM- Auf der AI m. Doie.v und Partner, Kom. Kadfabrer. Veras phänom Peppo» kom. Dressur- Akt. Halali ja£r(5, Drahtseil■ Akt. Theater für Dienstag;, den 26. Juni. DeutMehes Opernhaus 7 uhr: Manon. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. -■/.uhr: Das Dreimaderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. ?'/. t--• Das Pensionsschwein. Kleines Theater 7';.u.: Dans im Sehnakenloch. Komische Oper 8 J u-hr: Die Dose Sr. Majestät. Luslspielhaus 7,/eUhr: Die blonden Hädel« vom I-lndenhof. Neues Operettenhaus ßchiffb.d. 4a. KasfiemeI.'JSTord: 281 V/.'v.a Der Soldat der Marie. Metropol-Theater 7';. uhr; Die Czardasfürstin. Hcsldcnz-Theater vbr- Der Leibgardist. lüchlller-Theater O 7'/- uhr: Kammermusik. Üchilicr-Th. Charlottcnb. 7.,, uhr Traumulus. Thalia-Theater 7iis i-hr: Sonnwendzauber. Theater am A'ollendorlpl. 3'/« Uhr: Die Grille. 75. C. Löwenapoth.. Jerusalemerstr. 30, P. Neumann Nchf.. Alexanderst. 53. E. Stengel, Briiderstr. 14. Apoth. Mumme, Spand. Brücke:15. P. HaeseNchf., Nied.-WaUstr.28/29 Köppen A Franz, Rosenth.Str.63/ 64 A. Thieme 4 Co, Landsberg.Str. 54. Charlnttenbars. Apoth Appler. postalozzistr. 87a. Minerva-Apotheke, Bismarckstr. 81. E. Gerlach Nachf., Kantstr. 454a. Schöneberg. Oswald Seide,.Huuptstr. 21. HalenMee. A. Bohl, Kurfürstendamm 140. Frledenan. H. Hanke. Rheinstr, 38. 1-lchtc.rtcIde. Merkurdrog.Hindenburgdamm Töa Aenkdlln. Georg Sehrndt, Hermannstr. 64. C. F Heyde, Pannierstr. 12. L. Katz A Co., Bergstr. 65. Pankow. Hch. Bocatius. Berlinerstr. 46. Siejciltz.[220/5» Max Statfel, Schloßstr. 28. Tegel. SchloSdrog., Berliner-, E. Haupts tr. Tempelhof. Park-Drogerie, Berlinerstr. 64. Weißensee. Oskar Anders, Berliner Allee 19. Max Oautwitz, Laughansstr. 60. 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Kollege Hübsch— Zentralvorsitzender— begrüsste zunächst die Anwesenden und betonte, daß die diesmalige Gencralver- sammlung cinen anderen Charakter trage als früher. Es gelte diesmal nicht, Rechenschaft übe>. dw verflossene Geschäftsperiode abzulegen; es gelte vielmehr, Mittel und Wege zu finden, um den Textilarbeitern zu einem höheren Einkommen zu verhelfen.— Er begrüßte die erschienenen Teilnehmer, insbesondere die Vertreter der Stadt Augsburg, die Heren Dr. Freundlich und Dr. Kleinschmidt, bedauerte ober, daß die eingeladenen staatlichen Regierungen eine Vertretung mit der Begründung ab- lehnten, daß sie wegen Arbeitsüberlastung leider keine Vertretung senden könnten. Hübsch betonte, daß gerade auf der General- Versammlung die Vertretung für die Regierungen nützlich und von Interesse gewesen sei, da sie hier die Lage der Textilarbeiter aus eigener Anschauung kennen gelernt hätten, zumal diese Kriegs- tagung sich lediglich nur mit dem einen Punkt beschäftigen werde: „Di e herrschende Teuerung und die Notwendig- keit einer durchgreifenden Lohnaufbesserung für die Textilarbeiters Nach Erledigung der üblichen Formalitäten: Begrüßungs- reden, Wahlen usw. gelangte der Antrag:„Stellungnahme zu der für hie Textilindustrie wichtigen Uebergangszeit in die Friedens- Wirtschaft" zur kurzen Debatte. Nach eingehender Ablehnungs- begründung durch Reichstagsabgeordneten Jäckel, der betonte, daß-die Uebergangszeit eine mehrjährige fein werde und gewisse Thesen sich durchaus beute noch nicht aufstellen ließen. Auch wisse man noch nicht, wie sich die Herstellung der Papiergarne, zu der jetzt Spindeln und Webstühle umgestaltet sind, entwickeln werde; die diesmalige Generalversammlung solle daher von der Behand- lung dieser Frage Abstand nehmen. W i nkl er- Dresden ver- weist auf die Haltung des sächsischen� Landtags, der den Beschluß gefaßt hat,«ine Kommission zum Studium dieser Frage«inzu- setzen. Auf Vorschlag Jockels wurde dann eine fünfgliedriqe Kommission eingesetzt, die sich dauernd mit dieser Sache bc- schäftigen soll. Sodann referierte Hübsch über die Teuerung und die Lohn- aufbesserungen. Bei Ausbruch des Krieges seien eine große Anzahl Textilbetriebe stillgelegt worden; die Zahl der Erwerbslosen stieg enorm. Im August 1314 gab es im Verband 27 000 unterstutzungs- berechtigtc erwerbslose Kollegen. Auch später, wie die zuerst ein- gesetzte Panik wich und sich eine gewisse Hochkonjunktur durch die Heereslieferungen bemerkbar machte, wurde die Arbeitslosigkeit nicht voll beseitigt, weil die Aufträge nicht gerecht auf die einzelnen Distrikte verteilt wurden. Auf Verlangen des Verbandes kamen dann die staatlichen Unterstützungen zustande. Diese Unterstützung ist nun in vielen Orten dazu benutzt worden, nicht nur keine Lohn- erhöhung borzunehmen, sondern den Lohn noch zu kürzen. So ist es zum Beispiel in Zittau Sitte, daß Arbeiterinnen Stundenlöhne von 13 und 14 Pf. erhalten; ja, es ist den Arbeiterinnen direkt ge- sagt worden, sie sollten mit niedrigen Löhnen zufrieden sein, da ihnen sonst die staatliche Unterstützung entzogen würde. Damit ist der Beweis erbracht, daß die staatliche Unterstützung von findigen Arbeitgebers direkt �UM, Lohudruck.benutzt. Wird.. Eitz- reiches ZahWmäterkak liegt' gedrückt, vor und...erhärtet die-ünerh'ört-nre- drigess.Wdchen- und' StUrldenlöhne der.. Textilarbeiter. Seine Aus- fühxungen klangen in die Mahnung aus, daß die Regierung als der Auftraggeber der Industriellen die Aufgabe erfüllen mutz, die un- zureichende Entlohnung des Textilprolctariats zu beseitigen. In der Rüstungsindustrie wurden sofort sehr hohe Löhne gezahlt; 1,50 Mark und mehr Stundenlohn, in der Textilindustrie aber duldet man, daß Arbeiterinnen täglich mit 1,50 M. abgespeistt werden. Die Kriegsämter für Bayern und Württemberg haben nun in letzter Zeit eine gewisse Grundlage, einen gewissen Min- d e st I o ssn s a tz, festgelegt, wodurch ein weiteres Zurückdrängen des Lohnes für den bayerischen �Bezirk unmöglich gemacht ist. Würt- temberg wird erst demnächst beschließen. Festgesetzt wurde, daß der Stundenlohn für Bayern betragen soll: I. Klasse 14-16 Jahre 16—13 Jahre über 18 Jahre männlich..... 25 Pf. 38 Pf. 50 Pf. weiblich.... 25„ 32. 38, männlich weiblich 23 Pf. 23. II. Klasse 35 Pf. 29. 47 Pf. 35„ U eberstunden bis zu 2 Stunden 25 Proz. Zuschlag. Sonntags- und Nachtarbeit 50 Proz. Zuschlag. Mit der ersten im Juli beginnenden Lohnperiode treten diese Mindestlöhne in Kraft. Darauf sprach'I ä ck e l- Berlin über„Die Notwendig- keit der Aufbesserung der Löhne in der Textil- i n d u st r i e". Redner verweist darauf, wie der Verband alles ge- tan habe, um die große Not unter den Textilarbeitern zu mildern. So. habe der Verband seine Fonds angegriffen und zum Besten der Mitglieder verwandt. Als er an die Unternehmer herantrat, etwas für die durch den Krieg schwer betroffenen Arbeiter zu tun, wurde ihm die Antwort gegeben, daß die Arbeitgeber schon jetzt rüsten müßten für die wirtschaftlichen Kämpfe nach dem Kriege. Im wei- teren übte Redner eine Kritik an dem Verhalten einzelner Unter- nehmer gegenüber ihren Arbeitern während des Krieges. Die Verhandlung wurde auf Montag früh vertagt. GroMerün Der Einkauf. „Männchen, nun sieh also zu, was heute auf dem Markt zu haben ist und bringe was mit, wenn es nicht allzu teuer istl" So sagte zu mir beim Abschied meine bessere Ehehälfte, der ich so manchesmal brummend entgegenredete, wenn sie ihr Klagelied über teure Zeiten und Rücksichtslosigkeit der Ver- käufer ertönen ließ. Zwar schien's mir, als flöge ein leichter spöttischer Schein über das Gesicht meiner Teuren, als sie mir den ehrenvollen Auftrag erteilte, aber das war Wohl nur meine Einbildung. Nun also los! Etwas Eßbares und Preiswertes wird sich sicher finden, damit die recht eintönige Kost der Massen- speisung eine angenehme Bereicherung erfährt. Schon in den umliegenden Straßen des Privatmarktes kamen mir Frauen entgegen, die ganze Bunde Rhabarber heimtrugen Das wäre was für uns, war mein erster Gedanke, aber-- noch wenige Minuten vorher hatte mir meine Frau geklagt, daß sie mit dem Zucker wieder einmal fertig sei. Also das War nichts I Halt! Hier muß doch was zu haben fein, meinte ich, als ich nahe dem Eingange des Marktes eine Menschen- menge sich um einen Wagen drängen sah. Mit Hilfe einiger Halsvcrrenkungen konnte ich feststellen, daß eine Händlerin Kirschen verkaufte, 8l) Pf. das Pfund. Aber nach einem Blick auf die Ware schicns mir, als ob es sich um den Verkauf be- reits eingemachter Früchte handelte, denn es hatte sich auf der Wachstuchdecke des Handwagens eine niedliche kleine Pfütze dunkelroter Sauce— Pardon Tunke— gebildet. Brr! das war auch nichts! Und dabei hatte ich erst soeben im „Vorwärts" gelesen, daß der Kleinhandelspreis für süße weiche Kirschen 59 Pf. und für süße harte Kirschen 82 Pf. betragen dürfe. Also sah die ehrbare Händlerin ihre von der Sonne halb gargekochten Kirschen offenbar für harte Ware an, die sie großmütig noch unter dem Höchstpreis verkaufte. Na, auf dem Markte wird es schon was geben! sagte ich mir, und schob mich durch die Gänge. Da Kohlrabi, Mandel 2,29 Mk., hier eine undefinierbare Blutwurst 1.25 Mk., wohl gemerkt Pfund, dafür aber auch ohne Fleischkarte. Dort gab es verstorbene Schleie, deren Augen einen sehr, sehr trübe anstarrten, Kostenpunkt 2,39 Mk. das Pfund. Daneben See fische, die sich bereits von weitem bemerkbar machten. Und hier Spinat. Nur 69 Pf. das Pfund, aber für unseren Geldbeutel meines Erachtens doch um einige Groschen zu teuer. Mit diesen Delikatessen war der Reichtum des Marktes so ziemlich erschöpft, wollte man nicht Bänder und Stoffreste, Schuhcreme, Sohlennägel und verschiedene Ersatzstoffe von Ersatzstoffen unter die Genußmittel rechnen. Schließlich erstand ich, um nicht ganz leer nach Hause zu kommen, ein Paar Einlegesohlen, die mir der Händler zu dem äußerst billigen Preise von 69 Pf. anpries. Wenigstens etwas Preiswertes! Gedankenvoll ging ich heim. Als mir meine Frau öffnete, schien es mir wieder, als ob ein spöttischer Schein auf ihrem Gesicht lag. Aber nur nichts merken lassen! Und so aß ich denn in christlicher Ergebung das Dörrgemüse, das uns heute die Massenspeisung beschert hatte. Ich kaute und kaute und sagte schließlich zu mir:„Wenn die Einlege sohlen nur halb so widerstandsfähig sind, wie diese getro# neten Kohlstrünke, dann hast du heute einen sehr guten Eim kauf gemacht!"_ Gegen die Waldbrände um Berlin. Die Vollversammlung des Zweckverbandes Groß Berlin hatte gestern über einige Aenderungen des Groß-Berliner Straßenbahnnetzes zu beschließen. Sie genehmigte den Vertrag über die schon ausgeführte durchgehende Verbindung zwischen Spandau und Neukölln sowie über die später zu schaftende neue Linie von Spandau nach Bahnhof Stadion und Abkürzung der Linie von Spandau nach Siemensstadt, ferner den Vertrag über die geplante Weiterführung der Mariendorfer Linie bis Marienfelde. Zur Kenntnisnahme legte der Verbandsausschuß einen Bericht vor, der die Zunahme der Waldbrände im Verbands- wäldergelände und die notwendigen Abwebrmaßregeln er- örtert. Verbandsdirektor Steiniger führte die Borlage mit er- läuternden Bemerkungen ein, die dem unbehaglichen Bilde noch ein paar schwarze Striche hinzufügten. Inzwischen seien schon wieder neue Waldbrände vorgekommen, so daß die beschädigte Fläche jetzt im ganzen 500 Morgen nmiasse, wovon inan 135 Morgen als völlig vernichtet ansehen müsse. Den Verlust, den die Vorlage aus 45 000 M. angab, könne man nunmehj: bereits aist 90 bis 100 000. M. schätzen. Dazu komme der. Schaden, hgß �die. vernichteten Stätten der Erholung' nach'Wiederaicfforstuiig V eingezäunt und der Bevölkerung auf lange Zeit entzogen werden müssen. Ter Verbandsdirektor beklagte, daß ein Teil der Z völkerung in den Wäldern so leichtsinnig mit Feuer umgehe. Er erwähnte neben den Rauchern auch die Natur- schwärmer, die da draußen über Nacht in Zelten kampieren; die weitere Ausgabe von Zelterlaubnisscheinen sei bereits eingestellt ivorden. Daß man Rauchern oder Zeltbewohnern in bestimmten Fällen die Verursachung von Waldbränden nachgewiesen habe, sagt« er nicht. Er forderte als Abwebrmaßregel eine mir Hilfe mili« tärischer Wachkommandos durchzuführende bessere Beaufsichtigung der Wälder, die eine schleunige Meldung und Bekämpfung entstehender Brände ermöglicht. Bei einzelnen Bränden habe man es erlebt, daß Waldbesucher die Löschhilfe verweigerten, obwohl das Gesetz sie dazu verpflichtete. Wirksamer Waldschutz sei nur zu er« reichen, wenn die Bevölkerung ihr Verhalten ändert und selber ihre Wälder schützt. Man solle durch die Schule schon auf die Kinder zu wirken versuchen. Jugendliche für tatkräftige Löschhilfe öffentlich beloben, jeden unverbesserlichen Waldbeschädiger aber nachdrücklich strafen. Eine Debatte fand nicht statt. Protest der Gastwirte gegen die Einheitsbierpreise. Eine Lokalkorrespondenz berichtet: Infolge der Festsetzung eines Höchstpreises von 50 Pf. für das Liter Einheitsbier, die keine Zustimmung in Gastwirtskreisen hervorgerufen hat. haben VerHand- lungen zwischen Vertretern des Gastwirtegewerbes, dem Bürger- meister Reicks und dem zuständigen Magistratsdezernenten statt- gefunden. Das Ergebnis dieser Besprechung war die Absendung einer Petition, in der um erneute Prüfung der Bierpreisfrage er- suche wird. Für den Fall, daß der Berliner Magistrat ein Eingehen auf die Eingabe der Gastwirte ablehnen sollte, wollen die Gastwirte zu den allerschärfsten Protestmaßregeln greefen, über deren'Art bereits Erwägungen schweben. So wird erwogen, überha upt. kein Einheitsbier mehr auszuschänken, anderer» -eits als Ausdruck schärf st en Prot« st es gegen die 'Bierpreisverordnung sämtliche Ga st wirtschaften auf8 bis14Tage zu schließen.(!!> Als Beweis dafür. wie wenig die Preisfestsetzung des Berliner Magistrats den tatsäch- lichen Verhältnissen und dem praktischen Bedürfnis entspricht, wird darauf hingewiesen, daß der Bierpreis in Frankfurt a.M. und Hamburg. den einzigen großen Städten, die bisher überhaupt einen Höchstpreis fest- gesetzt haben, ganz bedeutend höher ist als der für Berlin. In Franlfurr beträgt der Ausschankpreis für 1 Hektoliter 75 M., in Hamburg 662l3 M. Die Gastwirte stehen auf dem Standpunkt, daß bei der Festsetzung des Höchstpreises unbedingt auf die verschieden- artige Gestaltung der Lokale Rückficht genommen werden müsse und daß es auf keinen Fall angehe, einen Höchstpreis festzusetzen, der noch unter dem Ausschankpreis liegt, den die verschiedensten Sommer- lokale schon vor etwa 20 Jahren, wo die Tonne nur 14— 15 M. kostete, eingeführt hatten. Der Vorstand des Verbandes der Gast- und Schankwirte von Berlin und der Provinz Brandenburg hat in seiner letzten Sitzung einen Beschluß gefaßt, wonach die vom Berliner Magistrat vor- genommene Höchstpreisfestsetzung entschieden abgelehnt und der Vor- stand beauftragt wird, in Verbindung mit den anderen in Berlin bestehenden Gastwirtsorganisationen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen, diese in keiner Weise den tatsächlichen. Ver- hältnissen entsprechenden und das Gastwirtsgewerbe ruinierenden behördlichen Maßnahme vorzugehen. Regelung der Obstverteilnng und des Obstverbrauches in Groß- Berlin. Der LebenSmiltelausichuß der Groß-Beiliner Gemeinden und der Kreise Teltow und Niederbarnim hat sich in seiner letzten Sitzung mit den Schwierigkeiten der Obstversorgung in Groß-Berlin befaßt. Bestimmte Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt. Es ist aber in Aussicht genommen, die Durchschnittseinsühr nach Groß-Berlin festzustelleli und die Verteilung aui den Kopf der Bevölkerung da« .durch in die Wege zu leiten, daß Obst auf die Lebensmittelkarten in bestimmter Menge bezogen werden, soll. Die von der Reichsstelle für Obst und.Gemüse empfohlene Maßnahme, den Verkauf durch vie Kleinhändler auf etwa zwei Pfund an den einzelnen Käufer zu beschränken, lasse sich für ein so großes Gebiet wie es Groß-Berlin darstelle, nicht durchführen, da insbesondere die Kontrolle fehlen würde. Man war vielmehr der Ansicht, daß die Verteilung auf Grund der Lebensmittelkarten sich viel zweckmäßiger regeln werde. Es steht zu erwarten, daß bereits in nächster Zeit endgültige Be- schlüsie gefaßt werden. „Infolge ganz erheblicher Steigerung der Hypothenziusen von feiten der Stadt Berlin bin ich leider gezwungen, in meinem Hause die Mieten entsprechend zu ew- höhen"— schreibt ein Hauswirt im Südosten an einen seiner Mieter.— Also während wir von den Kommunalbehörden ver« langen und erwarten, daß sie auf die steigernden Hausbesitzer einen wobltätigen Druck ausüben, berufen sich die steigernden Hausbesitzer zur Entschuldigung ihres Vorgehens auf die steigernden Kommunal« behörden!— Was sagt die„Stadt Berlin" dazu? Im Herrnfeld-Theater gelangt im Monat Juli„Die ledige Ehefrau", musikalischer Schwank in drei Alten, Musik von Joseph Snaga, Text von Pordes-Milo und Theo Halton zur Aus« sührung. Ein unzuverlässiger Heereslieferaut. DäS KriegSwucheramt hat dem Kaufmann Max Fröhlich, RegenSburger Str. 13, den Handel mit Gegeiiständeii des täglichen Bedarfs uiid des Kriegs- bedarfs, insbesondere den Handel mit Web-, Wirk- und Strickwaren ilntersagt. Fröhlich lieferte am 19. Februar 1916 4100 Segeltuch- Tornister, die er erst 3 Tage zuvor von einem Sattlermeister in Lenzeir a. d. Elbe angekauft hatte. Die Tornister waren infolge allgemeiner Beschlagnahme nicht frei, jedoch wußte Fröhlich durch Borspiegelung falscher Tatsachen den Saltlermeister in dem Glauben zu erbalten: daß ein Freigabeschein ausgestellt worden sei.'Die Tornister hatte er mit 4,75 M a r l das Stück bezahlt und in 2 verschiedenen Posten mit 18, 50 Mark und 26 Mark daS Stück der Militärbehörde in Rechnung aestellt. Zu- dem waren die Tornister nicht seldbrauäibar. Fröhlich wird sich wegen Kriegswuchers und vorsätzlichen BeschlagnahmebruchS vor dem Strafrichter zu verantworten haben. Als„MittagSeinbrecher" entlarvt und sestgenommen wurde Sonn- tag ein talscher Soldat, der mit zwei Spießgesellen seit geraumer Zeit die Geschäfte von Moabit heimsuchte. Es ist ein gewisser Bode der in Uniform spazieren ging und Geschäfte auskundschaftete, die während der Mittagszeit geschlossen waren. Hier brach er am hellen Tage ein. Wurde er eiitinal doch verfolgt, so lief er in irgendein Haus hinein und kam nach kurzer Zeit als Zivilist wieder heraus. Er hatte näinlich stets einen Beutel bei sich, in dem sich ein Jackett und eine Mütze befand. Kam er nun in eine gefährliche Lage, so tat er rasch Uniform, Rock und Soldatenmütze, in den Beutel, zog die bürgerliche Kleidung an und ging so unbehelligt davon.. NachlS nahm er seine Spießgesellen mit. Die drei hatten es in der letzten Zeit besonders auf Butter« geichäfte abgesehen. Sonntag, spät abends, sah jemand, wie drei Männer, darunter einer in Uniform, unter verdächtigen Umständen aus einem Buttergeichäft in der B i r k e n st r a ß e heraus kamen. Die drei schafften drei Faß Butter weg und brockten sie nach der Stromstraße. Der Manii inartite die Polizei auf sie aufmerksam. Diese fand auf dem Hofe eines Grundstücks in der Stromstraße ein zerschlagenes Butterfaß und spchte nun das ganze Haus ab. Hier- bei wurde einer der Verdächtigen, ein Arbeiter Fritz Lade fest- .genotstMst.....Den.S.ojbaten saiid inan. später auf dem Boden in einaji. Versteck hinter dem Schorllsteiii. W. war Bode, der Speztälist für Mitragscilibrilche. Eine russische„Handelsgesellschaft". Beamte der Dienststelle, die die Güterdiebstähle von Rollwagen bekämpft, beobachteten, daß in der letzten Zeil von der Auguststraße aus ein schwunghafter Handel mit Stoffen getrieben wurde, und man stellte fest, daß ein Teil der Stoffe aus der Zionskirchstraße gestohlen worden war. Die Er« mittlungen ergaben, daß an der Spitze der Gesellschaft ein gewisser Karl Röder stand, der sich unter dem Namen Hecht Stellungen als Mitfahrer verschaffte, um Gelegenheit zu Diebstählen zu belonimen. Er brachte auch das beladene Fuhrwerk aus der Zionskirchstraße nach der Auguststraße 6. zu einem gewissen Jerusalemski. Der Hehler stand mit acht Russen in Verbindung, die durch Vermittlung von Agenten aus Lodz und Kalisch nach Berlin gekommen waren und sich hier auf den Handel mit Brotkarten und gestohleneu Sachen gelegt hatten. Einer nach dem andern kam regelmäßig zu Jeiusa- lemski und holte sich Stoffe, um sie auf der Straße, in Schaiik- wirtschaften oder auch in Wohnungen an Privatleute zu verkaufen. Die ganze Gesellschaft wurde verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt.__ Charlottenburg. Zur Beschlagnahme von Gegenständen aus Kupfer. Da es für den Laien nicht immer möglich ist, festzustellen. ob es sich um Gegenstände aus Kupfer und Kupferlegierungen oder um solche handelt, bei denen diese Metalle nur als Ueberzug ver- wendet sind, so hat der Magistrat Berater angestellt, die in den beiden Sammelstellen, Tauentzienstr. 12a und Kirchhofstr. 5, dem Publikum im Zwetfelsfalle an Ort und Stelle wochenläglich von 10—1 Uhr sachverständige Auskunft erteilen. Wer bis zum 31. August die beschlagnahmten Gegenstände freiwillig abliefert, hat den Vor« teil, daß er für 1 Kilogramm abgelieferter Gegenstände einen Zu- schlag voir� 1 M. erhält gegenüber den Preisen, die bei späterer zwangsweiser Ablieferung gezahlt werden. Zur Regelung des Ver- kehrs än den Sammelstellen wird den freiwilligen Ablieserern aufs dringendste angeraten, die Gegenstände(entsprechend der Abliefe- rung für Aluminiumgegenstände) nach folgeirden Reihenfolgen ab- zuliefern: Anfangsbuchstaben N— E vom 2.— 15. Juli. L— 2 16..bis 3l. Juli,.Ä.— E 1. August bis 15. August und' G— Äl 16. bis 31. August.•_ Neukölln. Althandel mit Kleidungsstücken. Die Stadt Neukölln besorgt getrennt von der von den Groß-Berliner Gemeinden ge- gründeten Kriegsaktiengesellschast im Hause Bergstr.i29 den Handel' mit getragenen Kteidungsstücken, Schuhwaren und Wäsche in eigener Regie. Während die Groß-Berliner Gemeinden erst im Mac ihro Verkaufsstellen eröffnen konnten, war es Neukölln möglich, bereits am 1. Februar mit dem Verkauf der getragenen Sachen zu be-> ginnen. Das verkaufende Publikum bekommt sofort bei Ablieferung der Sachen den von den Taxatoren sestgestelllen Ankaufspreis zu erfahren und erhält auch sofort den ermittelten Preis ausgezahlt. Eine vor« herige Besorgimg der BerewiigungSkarte zum' Ankauf ist nicht erforderlich. Das Lager ist auch in der kurzen Zeit des Bestehens stark angewachsen, so daß so ziemlich ollen Ansprüchen dcS Publikums Rechnung getragen werden kann. Zurzeit plant der Magistrat eine Erweiterung der Stelle, die in allernächster Zeit erfolgen wird. Auf lelephonischen Anruf beim städtischen An- und Verkauf oder bei der Bekleidungsstelle Neukölln, Kaiser« Friedrich-Straße 68/69, erfolgt jederzeit kostenlose Abholung der Sachen aus den Haushaltungen. Jeder, der brauchbare Kletdungs«' stücke oder Schuhwaren abliefert, hat übrigens ein Anrecht auf Aus- stellung einer Abgabebescheinigung, auf Grund deren ihm überall durch die für ihn zuständige Bezugfcheinausgabestelle Bezugscheine nach Formular C und D über ein ähnliches Kleidungsstück ohne Prüfung der Notwendigkeil ausgestellt werden. — Berkaus von Blutgrützwurst. Der Magistrat teilt mit: ES sind Klagen darüber laut geworden, daß die csemmelwurst bei der jetzigen Tageswärme wid infolge doS zur Wurst verwandten Miß« r■ Brote« leicht unansehnlich und sauer wird. Die städtischen Körper- schaften Neukölln« haben daher beschlossen, an Stelle der Semmel» Wurst eine Blutgrützwurst mit ftleischzusatz zum Preise von 1,20 M. je Pfund herstellen zu lasten. Die Wurst gelangt vom 1. Juli d. I. ab in den Schlächterläden zur Ausgabe. Sie wird in doppelter Menge auf die ffleischkarten abgegeben. Elpenick,»art-ffelbelieferuns. Für die Woche vom 2S. Juni bi« 1. Juli werden auf die vier Abschnitte der Kartoffelkarte je V» Pfund Kartoffeln abgegeben. Sind Kartoffeln nicht erhältlich, so berechtigen diese zur Entnahme von je 50 Gramm Gebäck. Als Er» satz für die restlichen 3 Pfund Kartoffeln sollen auf die übrigen Ab» schnitte je 100 Gramm Gebäck gegeben werden Auf Kartoffelzusatz« karten werden 2 Pfund Kartoffeln gegeben; wer diese nicht erhält, ist berechtigt, auf jeden Abschnitt 100 Gramm Gebäck zu entnehmen. Räch einer Bekanntmachung de« Magistrat» sollen diese Mengen auch für die folgenden Wochen Geltung haben, sofern nicht eine neue ver- ordnung erlassen wird._ Weißensee. LebenSmittelnachrichte». In der lausenden Woche können nur 2 Pfund Kartoffeln auf die Abschnitte 61» und d ent» nommen werden, auf die Abschnitte o, d und o je 70 Gramm Mehl oder 100 Gramm Gebäck. Wer bt« zum 27. Juni keine Kartoffeln erhält, ist berechtigt, auf die erstgenannten Abschnitte die gleiche Menge Mehl oder Gebäck zu entnehmen. In den Gemeindeverkaufs» stellen ist zu haben: Brotaufftrich Dose 1,7b M., Stockfisch 1 Pfund 2.S0 M., Klippfisch 1 Pfund 2.70 M., Fischpudding Dose 5,75 M., Heringe in Brühe Dose 4.65 M., Muschelfleisch in Gallert 1 Pfund 1,50 M.. Mittagssisch. gebratener Schellfisch Dose 3,10 M. Aus jede Kaufberechtigungskarte können von dem Brotaufstrich bis zu zwei Dosen und von dm übrigen Lebensmitteln jede beliebige Menge entnommen werden._ Hroß-Serllner parteinachrichten. Brandenburger Provinzialsekretariat. Da» Brandenburger Bureau befindet fich jetzt Lindmstraße 3, 1. Hof, rechter Aufgang III Treppen. Der neue Telephonanruf ist: Moritzplatz 10170._ Cöpenick. Nach erfolgter Neuwahl der sozialdemokratischen Bezirksleitung in der letzten Versammlung sind alle den Bezirk an- gehende« Sachen an den Bezirk«leiter Genosten Otto Nickel, Autenbergstr. 26, zu richten; die Kassengeschäfte erledigt Genosse Otto Hoene, Kaiser»Wilhelm»Str. 108. Gerichtszeitung. Der Posener GetreideschiebungSprozeß. Am gestrigen Montag begann vor der zweiten Posener Straf- kammer die Bcrhandlung gegen den Kaufmann Leopold Katzenellenbogen auS Charlottenburg. Derselbe ist in der Hauptsache beschuldigt, Gemenge, das von den Gutsbesitzern künst- lich au« Gerste bzw. Hafer, mit Hülsenfrüchten vermischt, herge- stellt und der gesetzlichen Beschlagnahme unterstellt war, gekauft und verkaust und viel zu hohe Verdienste beim Weiterverkauf dieser War« erzielt zu haben. Seine Lieferanten waren zum weitaus grötzten Teile hochangesehene Gutsbesitzer in der Pro- vinz Posen, sein« Käufer vor allem erste Großfirmen in Hamburg und in anderen Großstädten sowie an sonstigen Plätzen, in erheblichem Maße auch Kommunalverbände. Zur Verhandlung sind außer anderen zahlreichen Zeugen ein Bücherrevisor und vier Waren-Sachverständige geladen. Dem An- geklagten werden nicht weniger als 124 Straftaten zur Last gelegt. Vorfitzender der Strafkammer ist LandgerichtSdirektor Dr. E h r e n b e r g, die Anklage vertritt Staatsanwalt Matz, als Ver- teidiger fungieren die Rechtsanwälte Justtzrat Kämpfer(Posen) und Dr. Alsberg(Berlin). Der Angeklagte, der aus der Unter- fuchungShast vorgeführt wird, gibt im wesentlichen alles Tatsäch- liche der Anklage zu. Er erklärt, daß er seit 18 Jahren sein Geschäft betreibe und in den letzten Jahren Umsätze von 5—7 M i l l i o- nen Mark erzielt habe. Beim Verkauf des Gemenges, das künstlich hergestellt worden war, und eineTäuschung bedeutet«, habe er nicht? anderes getan, als was alle gemacht hat- t e n. Sein Geschäftsfreund auf diesem Gebiet ist der vor einiger Zeit wegen Kriegswuchers verurteilte Graf Mielzhnsky ge- wefen. Bezüglich seiner MaiS- und Saatgerstegeschäfte bestreitet der Angeklagte, sich deS KviegSwucherS schuldig gemacht zu haben; denn die Preise, die er forderte, hätten der damaligen Marktlage durchaus entsprochen. Da« ReNamationSgesuch. Unter der Anklage der schweren Urkundenfälschung stand der Bureauvorsteher Paul Kersten vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. Der An- Seklagte ist.langjähriger Beamter, zuletzt war er als Bureauvor- eher in der Lichterfelder Gemeindeverwaltung tätig. Er war verschuldet und seine Vorgesetzten gaben ihm ein recht ungünstiges Zeugnis. Der jetzt 46 Jahre alte Bäckermeister Buber sollte zum Heeresdienst eingezogen werden und war bis zum 1. Juli vorigen Jahre« reklamiert worden..Bei der Betreibung dieses RellamationSgesucheS war B. mit Kersten bekannt geworden und dieser bot ihm seine Dienste an, fall» eine weitere Reklamation notwendig werden sollte. Bei dieser Gelegenheit borgte Kersten den Zeugen zunächst um 200 M. und später um 300 M. an und gab dafür einen zum 1. Juli ausgestellten Wechsel. Dieser ging zum Protest Und Kersten ließ nicht« wieder von sich hören. Als Buber dann den Angeklagten stellte und nach dem Schicksal seine« Reklamationsgesuches sich erkundigte, erklärte ihm Karsten, daß alles in bester Ordnung sei und überreichte ihm schließlich eine an. geblich vom Bezirkskommando abgefaßte und mit dem Nanien eines Major« unterzeichnete Mitteilung, die besagte, daß die Einbe. rufung des Buber nicht in Aussicht genommen sei. Dies Schrift- stück war von dem Angeklagten selbst angefertigt worden. Bei dieser Gelegenheit drückte er den Wunsch und die Bitte aus, ihm noch weitere 300 M. zu borgen. Er ermäßigte seine Bitte nach und nach bi» auf 20 M., erreichte aber bei B. nichts. Der Bäcker- meister un5 Landsturmmann ist doch« zu filneat gtsthnnen eEnSe» rufen worden, und als er auf dem BezirkSkurn rnand» erschien und den angeblich von dem Major ausgestellten Sähein vergeblich dar- wies, wurde ihm erst klar, daß er gründlichst hintergange» tooebar war. Während der Zeuge beim Heere war, hat der Angeklagte noch dreimal versucht, dessen Ehefrau zur Hergabe von Darlehen zu bewegen.— Nach dem Wahrspruch der Geschworenen verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen schwerer Urkundenfälschung unter Anrechnung von 6 Monaten Untersuchungshaft zu 1 Jahr Gefängnis und Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren. Mus aller Welt. DaS Magazin der Festung von Kuba ist in der Nacht zu Sonn- tag in die Luft geflogen. Die ganze Stadt wurde erschüttert. Ein« Person wurde gelötet, viele wurden verwundet. Es beißt, daß eine in der Nähe des Magazins niedergelegte Bombe die Ursache der Explosion war. „Er ist nnr ein Trompeter." Thompson, einer der eng- lischen Vertreter in Stockholm, wird allgemein in der bürgerlichen Presse als.Muflkichriflsteller" bezeichnet. Die Zeitschrift die er herausgibt, beißt in der Tat.Clarion"(.Trompete"), aber diese Trompete soll kein Musikinstrument sein, fondern den Sozialismus in die Welt hinausschmettern. Augenblicklich bläst Thompson frei- lich die KriegStrompete._ Arbeiter. Samariterbund Kolonne Brost- verlin. Mtglled«. Versammlung Mittwoch, den 27. Juni, abends 8'/, Uhr, im VereinSlotal bei GicSte, Cöpemcker Straße 62. Die Mitglieder werden dringend ersucht, der wichtigen Tagesordnung wegen pünktlich zu erscheinen.— Sonntag, den 1. Jult, FamUienauSsiug nach dem Plänterwaid. Neue Krug-Allee 62. Gustav Dietrich, Vorfitzender, Berlin NW., Kiopstockstr. 25. Sriefkasten der Redaktion. F.®l. 5. Die Regelung über die Verteilung der Brotkarten steht den einzelnen Gemeindebehörden zu. In Ihrer dortigen Gemeinde kann daher eine solche Bestimmung bestehen, daß den.Kindern bis zum 4. Lebensjahre nur eine halbe Kart« züstedt.— Mahlsdorf a. d. Ostb. Nein.— M. 100. Durch Testament können Sie von der Erbschast ausgeschaltet sein, sonst sind Sie uach dem Gesetz der Erbe.— R. C. 25. Militärische Löhnung, da Sie al» arbeitSverwendungssähig zum tzeeresdieust eingezogen werden können.— Obermatrole Flandern. Sin gesetzlicher Anipruch aus diese Unterstützung besteht nicht. Bei der Erhöhung der ReichSunter- stützung ist seinerzeit den Gemeinden empsohlen worden, die kommunalen Unterstützungen deswegen nicht zu kürzen. ES würde sich daher in diesem gall emplehlen, sich mit einer Beschwerde an den zuständigen Landrat zu wenden. — W. K. 100. Wenn Ihre Frau noch nicht Anrecht auf die statutari- schen Bezüge der Krank-nkasse hat, so hat fie doch die ReichSwochenhUse zu beanspruchen. Antrag ist bei der Krankenkasse zu stellen, der Sie ange- börten.— G. 15. Sie sind im Irrtum. Nach der Bundesratsverordnung ist der Kriegerwitwe die Kündigung zum nächslsolgenden Ouarial gestattei. St« können also erst ein Vierteljahr vorher zum 1. Oktober kündigen.— «»etterauSfichten fit das mittlere Noeddeueschlan» 0«» Mittwoch mittag. Ziemlich warm, vorwiegend wolkig, strichweise Gewitterregen. Nach kurzer, schwerer Krankheit entschiies sanft mein lieber Mann. unser lieber, guter Vater, Onkel und Schwager 2753b Karl Giashap im 57. Lebensjahre. Die Einäscherung findet am 27. Juni, nachmittag» 2 Uhr, im Krematorium Gerichlslraße statt. Kranzspenden dankend verbeten. Die Hinterbliebenen. SozIaldeDiokrit. Verein Berlin!. Soz. Partei Oeatscblands. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse und alter Funktwnär,«asfierer de» Kreises Kai*! Glaßhagen, Winsstraße 3, im 57. Lebensjahre verstorben ist. Wir verlieren w dem Ver- storbenen einen eifrigen und teuren Genoffen, der in aui- opservoller Tätigkeit stet« seine Pflicht erfüllte. Ehre seinem Andenken k Die Einäscherung findet am 27. Juni, nachmittag» 2 Uhr, im Krematorium, Gerichtstrqße, statt. 223/6 Um reg« Beteilianng wird ersucht. Der Borstand. VeMlI.Kewe!nne-n.Märj>. Filiale GroB-Bcrlln. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode de» Kollegen August Miindt von der Berliner Parkverwaltung. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Donnerslag, den 26. Juni, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- halle de» Bartdolomäus-Kirchhoses in Weißensee an» statt. Um rege Beteiisgung bei der Bestattung des Kollegen ersucht Die OrtSverwaltnng. Zum Sterbetage meine» geliebten Manne» und Papa» 2752b .Artur Wolff gefallen am 26. Juni 1916. Zerrissen ist unser gemütliches Heun, zerstört mein ganze» Dasein. »a» nützt e», daß man fich müht und quält? Die Krone des Hause» sehlt! Doch wa» nützen viel« Worte. Diesen Schmerz kann man nicht in Worten sagen. Die tieftranrige Gattin nebst Kindern Kurt und Werner. ron der Reise zurück. Iprechst wieder 8— 9, 4— 6. 5 Dr. Eugen Haagen. Bezirksorganisation Groll- Berlin (Sozialdemokratteche Partei Peiitschlands), Am Donnerstag, den Ä8. Juni RS 17, abends 8 Uhr, spricht lletelistagsabgeordneter Richard Fischer int Lehrer-BereinShause, Alexanderstraße 41, über Die Stockholmer Konferenz. Eintritt nur gegen Karten oder Nachweis der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 202/11» >> Zur Deckuug der Unkosten Tellersammlung:>>>> Eintrittskarten sind bei den Borstandsmitglieder« und im Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, Hof 2, III Treppen, zu haben._ Ter Bezirksvorstand. Brotzusatzkarte. Die städtische Arbeitsgemeinschaft Groß-Berlins hat in Ueberein- stimmung mit der Ernährungskommission der Arbeiterschaft Berlins und Umgegend beschlossen, daß in der Zukunft in der Brotzusatzkarte insofern eine Aenderung erfolgt, als der Begriff Schwerst- und Schwerarbeiter in Wegfall kommt und dafür nur Handarbeiter und Handarbeiterinnen eine Zusatzkarte erhalten. Zu diesem Zweck sind von den Ortsbehörden Ausrufe an den An- schlagsäulen erlassen worden zur Anmeldung der Zahl der Beschäftigten in den Betrieben durch die Unternehmer. 292/18- Dieser Aufforderung sind leider noch nicht alle Unternehmer nach- gekommen, wir ersuchen deshalb die Arbeiter und Arbeiterinnen Groß-Berlins, ich darum zu kümmern, ob ihre Betriebe bei den Ortsbehörden gemeldet ind, da sie sonst ihre Berechtigung, eine Zusatzkarte zu erhalten, verlieren Der stuzlchuk der SeweMhafttkomwIMon Kerlln» und llmgegend. gez. A. Körnten. Für die vielen Bewesse herzlicher Teilnahme und die vielen Kranz. spenden bei der Beerdigung meine« lieben Manne» sag« ich den Kollegen de» Metallarbeiter-Verbande», Ort»« Verwaltung Berlin, den Genossen und Kenvisinnen des 4. Berliner Reichs- tagS-Wahilreisc», den Kollegen der itirma Stock, Motorpflug. Köpenickcr Straß« 48, dem Meister und Kollegen der Firma Hoffmann u. Co. aus diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe Emma Fritsche nebet Kindern, Oppelner Straß« Nr. 33. »A KlomeU' nud Kranfbisdem m Roberl Heyer,* Jnh.: P.»Sollet» Marianncnstr. 3. Tel, Mpl. 10303 Allgemeine Orts-Krankenkatze für Serlin-Tempelhof. Bekanntmachung. Auf Antrag de» Kassenvorstande» vom 18. Mai 1917 hat da» Kgl. Ber- ficherungtamt de« Kreise» Teltow ge- mäß§ 1 Abs. 2 de» Gesetzes betreffend die Sicherung der Leistung«. sähigtest der Krankenkassen vom 4. August 1vt4, beschlossen, daß die Krankenkasse ihren kranken Mitgliedern die in der Satzung vorgesehenen Mehrleistungen vom 1. Juü 1917 ab wieder zu gewähren hat. 278/3 Berliu-Tempelbos, 20. Juni 1917. Der Borstand d. Allgemeinen Ortskrankenkasse für Berlin-Tempelhof. (gez.) Albert George, 1. Vorsitzender. HewesWerke 3 Binde 5 Matt- Buchhandlung vorwärts Ungeahnte Erwerbs- MBgllctaheHen bietet dl* alclnte Zukunft Eüm Bei (reifend* Änderung unsere» geturten Wlrt*ch*(t»leben». ein gewaltiger Auf- •ctiwung unserer Industrie n. de» Han- defs sftnt bevor, und es werden überall geschulte Kräfte gesucht •ein. Angehörige technischer Beruf* «.Handwerker sollen nicht versiumen, Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zelt anzupassen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemlfi das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Seihet- unterrichtswerke ,,Sy«t.Kaniack- Hachteld". 80 S. starke Uro schüre kostenlos. 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Während wir in der Stadt schon 48 Grad(EelfiuS) Hitze zu der- zeichnen hatten, liegt auf diesen Bergen noch viel Schnee. Bei Sonnenaufgang bieten diese Schneeberge manchmal ganz eigenartig schöne Farbenstimmungen. Zwischen diesen Bergen hindurch schlängelt sich der ziemlich bedeutende, aber nicht schiffbare Flug, der.Wardar'. An der Süd» seite der Stadt steht auf einer Felsenanbähe die vor vielen hundert Jahren von den Türken erbaute Zitadelle. Von hier aus be» herrschten die jeweiligen Machthaber die Bevölkerung bis weit über das Weichbild der Stadt hinaus. Der Bau selbst bietet autzer den kolosial dicken Grund« und zum Teil noch vorhandenen UmfaffungS- mauern nichts Besonderes. In den Felsspalten nisten Dohlen in unzählbaren Massen und erfüllen die Stadt an manchen Tagen mit fürchterlichem Geschrei. Bon dieser Zitadelleaus hatmaneinenprächtigen, freien Ueberblick über die ganze Stadt, die, von oben gesehen, mit den vielen Moscheen mit ihren weißen, spitzen Minaretts und den roten Ziegeldächern der Häuser ein recht hübsches Bild bietet. Sie wird durch den Wardar in zwei Teile getrennt, die durch zwei Brücken den Verkehr unter einander aufrecht erhallen,«n der einen, der sog. Steinbrücke, steht im Fluß ein mehrere hundert Jahre alter historischer Baum. Auf ihm sitzen Turteltauben in Menge. Bei einem Rundgang durch die Stadt verblaßt allerdings das von der Zitadelle aus gewonnene Bild ganz erheblich. In der ganzen Stadt ist nicht eine einzige gute Straße. Zwar sind manche von ihnen gepflastert, jedoch muß man. besonder« bei Regenwetter, gut , zu Fuß sein, um aufrecht zu bleiben. Die meisten Straßen ober haben überhaupt keine feste Decke. So kann denn der Wind mit dem losen Sand die ganze Stadt in eine Staubwolke einhüllen. Bei starkem Regen bilden sich Tümpel und Pfützen von ansehnlicher Größe. Manche Straßen sind dann voll von Morast, daß er den ? durchfahrenden Ponywagen bis an die Achsen und den Büffelochsen s nahezu bis an den Bauch reicht. Di« Militär-LastautoS müssen, wie fr die Schiffe auf Flüsien, in der Fahrrinne bleiben, bald recht«, bald j links steuern, um an den größten Vertiefungen vorbeizukommen. Oeffemliche Plätze und Anlagen fehlen ganz. Auf alle» in der Nähe der Stadt befindlichen Anhöhen find Friedhöfe angelegt, die. weil sie nicht neu belegt werden, mit der Zeit eine gewaltige Ausdehnung erfahren haben. Diese großen Flächen dienen Schaken und Ziegen zur Weide. ES gibt griechisch» katholische, jüdische und mohammedanische Friedhöfe. Vielfach liegen auf den Gräbern, als Gedenken an die Verstorbenen, nur einfache schwere Steinplatten mit Inschriften. Dann stehen wieder die Steine auf« recht und haben oben die Form der türkischen Kopfbedeckung der Männer, den FeS. Ferner sind, besonders auf dem Judenfriedhof«. auf den Gräbern schwere marmorne Kästen aufgesetzt. Die darauf ruhende Deckplatte wiegt allein bi» zu zwanzig Zentner. Neulich sah ich die Beerdigung eine« türkischen Offiziers. Nach den vor- geschriebenen Zeremonien wurde der Sarg in die Grube versenkt. Am offenen Grabe la« nun der Priester(Musti) au» dem Koran vor. ES besteht bei den Mohammedanern der Glaube, daß der Tote diese Vorlesung hört und ausstehen würde, wenn er noch Leben im Körper hätte. Die Begräbnisteilnehmer wuschen sich sodann am Brunnen nach orientalischer Sitte die Hände. An schönen neuen Bauten ist die Stadt arm. Ein imvosanter Bau ist das Gymnasium, jetzt deutsches Lazarett mit seinen kolossalen Raumausmaßen. Hier ist auch eine schöne Gartenanlage vorhanden. Einige historische Bauten aber nehmen da» Jntereffe der Fremden in Anspruch. Da ist da» etwa 600 Jahr« alte türkische Bad. Mit seinen halbrunden korbähnlichen Kuppeldächern erhebt sich dieser, fast völlig mit Gras bewachsene Bau über die niedrigen Häuser. Geht man hinein, so kommt man zunächst in den großen Bor» oder EmpfangSraum, in deffen Mitte ein großer orientalischer Brunnen frische« Wasser sprudelt. Bon da au« kommt man durch schmale Oeffnungen in den dicken Mauern in die Heißlustbaderäume. Der ganze Bau ist aus großen Steinquadern erbaut. Der Fußboden ist mit eben solchen großen Steinplatten gepflastert. Das Ganz« wirkt daher äußerst wuchtig aus den Besucher. Dann ist weiter von Jntereffe der.Kueschmuli-Han�, da« ist ein au» dem IS. Jahr» hundert stammender, in romanischem Stil ausgeführter massiger Flügelbau. Er diente ol« Kauf- bezw. Lagerhaus. Die Erbauer diese« sicheren und absolut feuerfeste« Baue« Ware« Kauflerrte au« den italienischen Republiken. Ganz besonders sehenswert ist da« Türkenviertel. Man gewinnt den Eindruck, als wäre diese« eine Well für sich. Alle« was man hier sieht, ist eigenartig und von echt orientalischem Gepräge. Dort wo keine Geschäftshäuser mehr sind, sondern nur noch Wohnplätz«. ist fast gar kein Verkehr, während innerhalb de« Geschäftsviertels ein laute? Treiben und Leben flutet. In diesem Wohn- viertel also findet man nur ganz schmale Gaffe« vor. In dieser Gaffe ist es sehr ruhig, und man läuft keine Gefahr, von einem Fuhrwerk überfahren zu werden. Geht man durch eine solche Baffe, so sieht man von den Wohnhäusern zunächst gar nicht«. Man bewegt sich zwischen etwa vier Meter hohen fortlaufenden Lehmmauern. Die Häuser oder Wohnhütten und die Höfe von manchmal fragwürdiger Sauberkett liegen innerhalb dieser Mauern. Wer in das Innere eintreten will, muß mit dem an der Tür befestigten eisernen hammerähnlichen Instrument klopft«, bi» geöffnet wird. Natürlich hat jeder Türke auch seinen Harem. Aber e« wäre ein Trugschluß, wollte man daraus folgern, daß jeder Besitzer eines Harems auch mehr als eine Frau sein nennt. Der Harem ist einfach der Aufenthaltsort der Frauen der ganzen Familie, die Frau, die Töchter, die Schwiegermutter und die Knaben bis zu zehn Jahren, alles lebt hier beieinander. In den Straßen der übrigen Stadt herrscht rege« buntbewegte» Leben. Da sind zunächst viele Soldaten aller vier verbündeten Zentralmächte, wobei allerdings die vulgaren, die auch hier Kasernen eingerichtet haben, in der Mehrheit sind. Unter der Zivilbevölkerung aber sind die verschiedensten Völkerstämme de« Balkan» vertreten, die zäh an ihren Trachten festhalten und somit dem Straßenbild einen besonderen Reiz verleihen. Hier in UeSküh wird viel und so ziemlich alle« gehandelt. Wenn man aber vom Handel spricht, so darf man ihn sich auch nicht so vorstellen wie in einer deutschen Stadt von gleicher Größe. Schon die äußere Aufmachung, mehr aber noch die innere Beschaffenheit der Läden wirkt nicht gerade einladend. S» gehört auch nicht viel dazu, hier eine Verkaufsbude aufzumachen. Haben doch manche Verkäufer weiter nicht» zu verkaufen, als ein kleine« Quantum Bohnen, Zwiebeln, Melonen- und Kürbiskerne und vielleicht noch einige Ansichtskarten. Andere dagegen haben in verhältnismäßig kleinem Raum alle möglichen Waren und Gegenstände zusammen- gebracht, über deren Zusammenstellung man»n Deutschland lachen würde. Auch der Straßenhandel ist hier lehr lebhaft. Schon kleine Jungen von zehn Jahren an laufen umher oder fitzen an einer Ecke und bieten ihre Waren zum Kauf an. Die meisten Waren, besonder« aber die industriellen Erzeugniffe, sind eingeführt. Fabriken gibt e« hier nicht, daher aber auch für die besitzlosen Masten, soweit sie sich als Männer nicht als Lastträger betätige«, keine Verdienstmöglichkeite«. (Schluß folgt.) eine Speckgefchichte. „Wieviel haben Sie abgenommen Da« ist die Frag« de« Tage«. Man klagt einander sein Leid, spricht von IS oder 20 Kilo auf etwa« mehr oder weniger kommt e» nicht an—, aber wenn man durch die Kriegsernährung wirklich seinen Bauch verlöre« hat, ist man bei sich in der Regel dieser Tatsache froh. Die verschwundenen Bäuche, um die eS sich dabei handelt, sind zuweilen recht stattlich gewesen. So merkwürdig e« nun scheint, auch da» Gebiet de« Bauchspeckes ist bereits Gegenstand einer wiffenschastlichen Untersuchung gewesen. Ein Arzt, Dr. Gustav Oeder, hat länger als ein Jahrzehnt den menschlichen Bauchspeck gemeffen und die Ergebnisse seiner Untersuchungen ver- schiedentlich mitgeteilt. Unter 877 Leuten, die nach landläufiger Meinung al«.fett' anzusprechen find, hatten nur<8 auf dem Bauche ein« Speckschicht von weniger al« 8 Zentimeter Dicke, bei allen übrigen war sie über 8 Zentimeter dick, bei vielen doppelt so stark und darüber, und die stattlichste Speckschicht maß nicht weniger al« g,ö Zentimeter! Durchschnittlich mißt also die Speckschicht eine« fetten Bauches 4.4 Zentimeter oder ein wenig drüber. Wie nun ein solcher Speckbauch verschwindet, hat Dr. Oeder an dem Beispiele eine« außerordentlich fetten Herrn gezeigt, der zuerst nicht weniger als 184.7 Kilogramm wog. Der Bauchfpeck hatte damals eine Dicke von 8,2 Zentimeter. Nach einiger Zeit hatte der Herr 18,8 Kilogramm abgenommen. Gleichzeitig war der vauchspeck auf eine Dicke von 6 Zentimeter gesunken. Nach weilerer Abnahme auf 108,6 Kilogramm maß der Bauchspeck 4.6 Zentimeter. Als der Herr endlich nur noch 36,2 Kilogramm wog und keinen Anspruch mehr auf die Bezeichnung fett erheben durfte, war' der Bauchspeck 2,6 Zentimeter dick. Der Fette war also dadurch zu einem.Normalen' geworden, daß er rund eine« gentner, genau 4g.S Kilogramm abgenommen hatte, und fast die ganze Abnahme des Körper« war Abnahme taCFfetM, hauptsächlich am Bauche. 2 bi» 3 Zentimeter vauchspeck ist da» Normale. Auch die«'hat Dr. Oeder durch Messung«« ftstqefieklt: bei«07 Grnwsionrn hatten 51 weniger al« 2 Zentimeter dicke« vauchspeck.«ur 8 mehr als 4 Zentimeter und rund 400 ein Fettpolster von 2 WS 8 Zesttinwttzr. Aber selbst wenn ein solcher.Normaler' sei» Bäuchlein Vertiert, äv daß er wirklich al« mager zu bezeichnen ist,«ine«nhl unerhebliche Speckmenge bleibt ihm dennoch: 1,1 Zentimeter ist dir dmÄnchnstt- lich« Dick« de« vauchspeck««. bk vr Oeder aat einet größeren Anzahl von ausgesprochen Mageren ermittelt hat. int vtorciif imgepfiimc tw oicticfT�ioofc» Eine der sonderbarsten Erscheinungen im Bieiwastaate, die nicht selten den gewaltsame» Tod der vienrnköniginnen verursacht, tut fich gewissermaßen als eine EmkreifungSpvlitik im prckktischen Sinne des Worte« kund: Ei ist da« sogen..Eirrtnättetn' der vienen- königin. Man unterscheidet, wie M.Ritt« in vor.Deutschen Land- wirtschaftlichen Presse' ausführt, zwei volllomme« verschiedene Arten der Einkreisung der Bienenköniginneu. Manchmal bilden die Bienen um die Königin mit ihren Leibern eine« dichten, knäuel- artigen Krei«, um sie vor irgendweich« Gefahr zu schützen, im anderen Falle haben sie selbst die Abficht. die Königin zu töte». An dem Aussehen de« Bienenkitäuel« selbst kann man nach einiger Uebung jedesmal genau erkennen, um welche Art von Einkreisung t« sich handelt. Wenn sie in freundlicher Absicht, z. B. zum Schutz vor in den Stock eingedrungenen Räubern, geschieht, bilden die friedlich im Kreise fitzende« Bienen eine» nur lockeren Knäuel, durch den die König» ein- und auSschlliPftn kam«. Ist der Knäuel aber au« Sründrn der Feindseligkeit gebildet, so tut sich die« schon durch charakteristische Zischlaute kund, außerdem ist der Knäuel dann oft so fest, daß man ihn manchmal wie eine Kugel rollen kann, ohne daß einzelne Biene« sich ablösen. Da« Einknäueln im feindlichen Sinne ist häufiger al« die Ein- kreisung zum Schutze. Hat Man den Knäuel endlich entwirrt, so suchen die vienen sich sofort von neuem auf die Königin zu stürzen. Dabei wird die Königin nicht durch einen schnellen Stich einfach getötet, sondern langsam zu Tode gequält. Für da» feindliche Einknäueln gibt e« mannigfache Gründe. ES richtet sich zum die bei der Heimkehr von Beispiel gegen eine junge Königin, d ihrem HochzeitSauSflug irrtümlich i gerät. Wie Ritter beobachtete, wird sie in solchen Fällen fast ausnahmslos eingeknäult und getätet. Interessant ist. daß Bienenköniginnen nicht selten der Einknäulung einfach darum an- heimfallen, weil ihnen ein dem Bienenvolke ungewohnter Geruch anhaftet. So kann da? Fangen einer Königin durch den Imker nach ihrer Freigabe ein solches Drama veranlassen. Eine der praktischen Lehren, die au» den Beobachtungen de« EinknäuelnS zu ziehen find, besteht also darin, daß die Königin möglichst unberührt und ungestört gelassen werden soll, um nicht durch Geruch oder sonstige Umstände der vevölftrung ihre» Stocke« ungewohnt zu erscheinen und so ein Opfer der Einkreisungspolitik im Bienenstaate zu werden. Notlzea.* — Eine Besichtigung der Klosterkirche(Kloster- siraße) findet unter Führung des Pfarrers Böhrke Mittwochabend 8 Uhr bei freiem Eintritt statt. — Für eine Million Frachtkosten. Welch schtvin- delnd hohe Frachten die jetzigen Verhältnisse mit sich bringen, be» weist di« Tatsach«, daß der norwegische Amerika-Dampfer Christianiafjord auf seiner letzten Ueberfahrt eine Ladung nach Bergen brachte, deren Frvchtkosftn weit über eine Million Mark be- trugen. Der Wert de« gesamten Fahrzeug« mit seiner Ladung be- lief fich auf nahezu 4 Millionen Mark. — Da« Institut für Zeitung 8 knn de an der Universität Leipzig versendet seinen Studienplan zur berufsmäßigen wissenschaftlichen Ausbildung. Es ist dafür ein mindesten« drei- jäbriges Hochschulstudium vorgesehen, das sich gliedert in die AuS- bildung für politische, Handel«- und ftuilletonische ZeiwngSkundc. Für alle drei Richtungen finden aber auch gemeinsame Fach- Vorlesungen statt. — Gegen die Schädlinge unserer Gemüse- pflanzen! Der Deutsche Berein für WohnungSreftrm hat fein »Merkblatt über die tierischen und pflanzlichen Schädlinge der Ge- müsepflanzen und ihre Bekämpfung' neu herausgegeben. E» kann von der Geschäftsstelle, Schöneberg. Neue Steinmetzstraße 4, zum Preise von 10 Pfennig(Preisermäßigung bei Abnahme von über 60 Stück) bezogen werden. Der starke Mann. 83) i Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Ren-e Steiger fühlte seine Mannesnot. Es war, als erlitte sein Stolz den Tod in den Wogen dieses Aufruhrs. Eine echte Teilnahme zog sie zu ihm hin.<Äe hätte ihm - gerne gesagt:„Ich begreife Ihren Kummer und leide mit Ihnen!' Auch das peinliche Erlebnis vom gestrigen Tage konnte sie darüber vergessen. Was ging sie schließlich seine Verwandtschast an! In ihm war Erfüllung genug. Er be- kam in ihren Augen die Glorie eines kriegerischen Roman- Helden, der durch Kabalen zur Verzweiflung gebracht und durch die Treue der Geliebten vom Untergang errettet wird. Hätte er den geringsten Versuch gemacht, sich in seiner Be- drängnis„wenigstens" ihrer Liebe zu versichern, sich in ein günstiges Licht zu setzen oder sie durch ein sorgloses, über- mütiges Verhalten zu täuschen, so wären ihre Gefühle äugen- blicklich erkaltet. Doch weder mit einem Blick noch mst einem Druck seines Armes gab er dergleichen Absichten zu erkennen. Er hätte kaum unbeteiligter neben einer alten Schachtel ein- hergehen können. Das nahm die Schöne mehr als alles andere für ihn ein. Da er in verächtlichem Ton von einem Kesseltreiben sprach, das nun höchst wahrscheinlich gegen ihn einsetzen werde, da man ja wohl auch in diesem Handel ein Karnickel brauche, gab sie ihm ihre Gesinnung frei zu er- kennen.... „Sie dürfen nicht daran zweifeln, daß Papa alle« tun wird, um Sie gegen solche Hetzereien in Schutz zu nehmen. So viel wie Erismanns Urteil gilt das seine am Ende auch I' iagte sie mit dem üblichen Familienstolz, aber gleichwohl so leidenschaftlich bewegt, daß der zornige Begleiter staunend aufhorchte. „Ich fürchte, der Herr Oberst wird froh sein, wenn er nichts mehr von dem verfahrenen Karren hört!" entgegnete Adolf mit gerunzelter Stirne. Er wollte nicht hinzusetzen, was er dachte. Das Wort deS einfältigen Schulfreundes:— „und schließlich mußt du die Suppe allein auSstessen"— ging ihm durch den Sinn. Sie vernahm jedoch diese Ironie aus dem Ton seiner Stimme. „Ach. warum nicht gar!' widersprach sie lebhaft.„Sie müssen gleich morgen z« un» kommen. Ich will Papa bitte», Ihnen beizustehen. Er wird nicht dulden, daß man Ihnen auS dieser Geschichte einen Strick dreht I glauben Sie mir!" So warm und besorgt hatte sie noch nie zu ihm gesprochen. Endlich ergriff ihn das ungewöhnliche Maß ihrer Zuneigung, und dankbar, dem Haß und Mißtrauen abgewandt, drückte er ihre Hand. Aber sagen konnte er nichts. Sie stiegen etwas gemächlicher die Bergstraße hinan. Wo gestern der Frühling bereits die ersten grünen Fühler ausstreckte, war jetzt alles wieder frostig weiß. Die Gitterstäbe der Gärten trugen Hauben, wie sie zu Weihnachten nicht üppiger sein konnten und die Edeltannen ließen ihre Arme sinken unter der unerwünschten Last, die darum so schnell als möglich abgeschüttelt wurde. Hin und wieder sauste mit lautem A-a-b des Lenker» und dem Angstgeschrei der Mädchen ein Schlitten die Halde herunter; es waren anscheinend Diener und Mägde der herrschaftlichen Häuser, die auf heimliche Weise die Nach- freuden des Winters genossen. Renöe Steiger ging, verwirrt gleich einer Fiebernden, neben dem Geliebten her. Der fröhliche Flockenwirbel berührte ihre heißen Wangen wie mit Nadelspitzen; sie fand es köstlich und wäre nun gern noch eine Strecke so durch die weiße Nachtruhe geschritten. Von Gefahr und Aufruhr war da oben nicht» mehr zu sehen noch zu hören. Mit Entzücken erinnerte sie den Begleiter an die gemeinsamen Bobsleighfahrten auf dem Eresta-Run, die den Grund zu ihrer Freundschaft gelegt hatten. Wie sie gleich von Anfang ein besonderes Vertrauen in feine Lenkergabe setzte und schließlich nur noch mitfah..n mochte, wenn er da» Steuer führte! Ach ja, die hinreißenden männlichen Eigen- schaften mochten andere wie Prahlerei anmuten: für sie war er ganz einfach der sieggewisse Held! O wie töricht hatte sie sich vorhin in der Aufregung gegen ihn einnehmen lassen! Was ihr, mit stemden Augen geschaut, zuerst als eitel Groß- tuerei erschien, war doch vielmehr ehrlicher Trotz und rttter- licher Sinn eineS wahrhaften Herrenmenschen. Vor dem Gartentor der Villa Steiger kehrten beide sich nach der Stadt um; Renve wie ein Star plaudernd, spottend über die Treustädter Bartholomäusnacht, und doch froh, dem aufgeregten Schwall entrückt zu sein,— Adolf jedoch begierig, wieder auf seinen Posten zu eilen, um zu sehen, was diese elenden Nachtwächter von Polizisten gegen die Schleuderer ausgerichtet hatten. „Möchten Sie nicht wenigstens auf ein paar Minuten hineinkommen und»och eine Tasse Tee mst mir trinke«? So unentbehrUch werden Sie in dem Hexenkessel Ida unten Wohl nicht sein l" sagte daS verliebte Mädchen etwas gereizt, weil eS ihr nicht gelang, ihn von seinem unvernünftigen Zorn ab- zulenken. Sie begann vor Verlegenheit den kostbaren Seal- mantel aufzuknöpfen, wie wenn ihr der kurze Aufstieg heiß gemacht hätte. Ein Wölklein Wohlgeruch begleitete ihre Ein- ladung. Bestürzt blickte er auf den Ausschnitt ihres Ball- kleides.„Nehmen Sie sich vor Erkältung in acht. ES ist heute gerade kein aufmunterndes FrühlingSwetter. Das war gestern!" bemerkte er mst sonderbarem Nachdruck. „Und vielleicht schon morgen wieder. SS taut ja be- reitst" entgegnete sie ebenso. daS Gesicht abgewandt. Nach- dem sie jedoch einige Sekunden wartend in den weißen Park fieblickt hatte, fügte sie fast ungehalten hinzu:„Wozu tehen wir übrigens hier Wache? So kommen Sie doch!" Mit einem schwachen Knall sprang das Tor auf; der Bern- hardiner gab drei unwirsche Warnsignale ab, und unter der Haustür stand schon der Diener mit der Nachricht, daß der Herr Oberst soeben antelephoniert habe, ob das Fräulein gut nach Hause gekommen sei. Lenggenhager stutzte. War vielleicht doch noch Militär aufgeboten worden? Zum Kuckuck, er mußte auf jeden Fall sogleich hinunter, nach dem Rechten sehen, damit nachher keiner behaupten konnte, er sei, sowie es brenzlich wurde, einfach davongelaufen. Jetzt war beileibe keine Zeit zum Süßholzraspeln. Gleichwohl folgte er der Voraus- eilenden mechanisch in die geräumige Diele, die für ihn der Inbegriff vornehmer Wohnlichkeit war. So oft er sonst diesen Raum betrat, fühlte er sich zugleich gehoben und ge- mahnt, nur ja nicht gegen den Geist des Hauses zu ver- stoßen. DaS bewirkten vor allen Dingen die alten Familien- bilder der Schultheißen von Steiger. Aber auch die sonstige kostbare Ausstattung in Gestalt der verschiedenartigsten Leder-, Seiden- und Brokatpolstermöbel, des orientalischen Zierrats, der seltenen Gobelins und Geweihe. Drei armslange Scheite brannten ini Kamin, und der würzige Genich des brennenden Holzes empfing die Eintretenden— ein allgewärtigcs, er- quickendeS Salve. Die junge Herrin verschwand indessen gleich im HauS- inner«. Der Gast hörte,>vie sie ihrer Mutter lachend, scher- zend Bericht gab. AuS ihren Worten sprach der Uebermut der glücklich Geborgenen. Gortj. folgt.) Verkäufe L'eihhnus Moritzplati 58a. Trotz allgemeiner Warenknappheit bieten meine Läger noch grotze Aus- wähl in Roikanzügen, Iackcttanzügcn, Paletots. 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