Ar. ITH. 34. Jahrg. flDonncmentS'Bcdlngung«»: HtionnfmcntS• Sictä ptünumctanfco BicitcIjSlirL 3.90 2K(, monall 1.30 TOI, Ivöchenllick SU Pfg. frei MZ Haui. einzelne Nummer ö Plg. KonnlagZ- nunimer niil illuslrieNer SonmagK- Vellage.Die Neue Welt' 10 Pia. Poll- Kbonnemcnl! l.ZO Mark vro TOonat »ingelragen in die Posl-AcilungK- Prci'Iine. llnler Kreuzband il-r Deulichland und Oeslerreich- Ungarn Z�<> Mark, für da» übrige ilu-land « Marl vro Monal. Poslabonnemenl» nebnien an Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Ponugal. bumäuien. Schweden und die Schwelt kelchelni lIgllch. TS Verlinev Volllsblnkk. ( 5 Pfennig � Die Inlertlons-Getübr tetrügt für die sechSgesvallene Kolonek- teile oder deren Raum 00 Pfg, für «olililche und gcwerlichaftliche Bereins- >lnd BcrsammlungS- Anzeigen 30 Psg. .ixicine Znreigen". das seligedrulkle Eorl 20 Psg.(zuläistg 2 ieilgedruckle lZorlei, jede? weitere Wo« 10 Pfg. Slellengejuche und Schlaiiicllcnan- teigen dag erste Wort 10 Pfg., jedes »euere Worts Pfg. Worte übcr.is Buch- llaben zählen für zwei Worte. Fnieraie sür die nächste Numnier müsien bis B Itbr nachmittags in der Txvedition �gcgcden werden. Tie Exvedition ijt dtS 7 Uhr abendS geöffnet. Del egrarmn-Ad reffe: �»ililllemoiuil üerlllt" �entralorgan Äer fosialäemokratif�en Partei Daitfchlands. Neüaktion: SW. HS, Linüenstraße 3. iherniprccher: Amt Moritzplatz- Nr. ISIS«— 15197. Mittwoch, de« Ä7. Juni 1917. Expedition: Ew. 68, Llndenstraße 3. Nrrnsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. 15190—151 97. Die MeW« im BetioMSisinii. Sie Entscheidung des 3. Juli. Der Verfassungsausschuß des deutschen Reichstags ist von seinem Vorsitzenden Scheidemann sür den 3. Juli, 10 Uhr vormittags, einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen die Anträge betreffend die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in den Bundesstaaten. Die bisherigen Ergebnisse der Ausschußarbeit sind stark umstritten. Die Konservativen tun so, als bedeuteten sie die halbe oder die ganze Revolution. Die Sozialdemokraten sehen in ihnen einen bescheidenen Fortschritt- der als Vorläufer weiterer in normalen Zeiten bedeutsam sein könnte, der aber ganz gewiß nicht das ist, was sie brauchen, um den Weg aus äußeren Wirren und inneren Verlegenheiten hinauszufinden: eine große. weithinsichtbareentscheidendeTat. Eine solche Tat könnte es sein, wenn der Verfassungs- ausschuß die Einführung des gleichen Wahl- rechts in alllen Bundesstaaten beschließen, und wenn der Reichstag diesen Beschluß in seiner Julitagung bc- stätigen würde. Nach der parteimäßigen Zusammensetzung des Ausschusies können wir eine solche Tot, die vom ganzen Volk mit Jubel begrüßt werden würde, von ihm kaum erwarten. Der Blick der meisten bürgerlichen Parteiführer ist starr auf die kleinen Fraktionsinteressen gerichtet, und die Volksnotwendigkeiten werden darüber übersehen. Es ist selbstverständlich den Herren nicht zuzumuten, daß sie gegen ihre unbelehrbare Ueberzeugung� stimmech-, sich mit ihnen über diese Ueberzeugung auseinanderzusetzen, wird später einmal Sache ihrer Wähler sein. Aber soviel darf wohl scl'on gesagt werden: Von dem Augenblick ab, in dem der Verfassungsausschuß in der Wahlrechtsfrage versagt, wird das Interesse der Sozialdemokratie an seinen weiteren Exerzitien— um es vorsichtig auszudrücken— sehr gering sein. Stockholm. Die Verschiebung üer allgemeinen Konferenz. Stockholm, 26. Juni.»ziele der Alliierten hatte» wird. GewerkschaMumung Deutsches Kcich. Ucbcr die Lage des Arbcitsmnrktcs im Mai 1317 Lencfitet das vom Kaiserlichen Stalistiichen Amie herausgegebene„Neichs-Arbeits- blatl" in seinem Juniheft, wie folgt: Die Kraft, mit der die deutsche Kriegswirtschaft seit Monaten arbeitet, um den Erfordernissen des Heeres und de-Z Inlandsmarkts gu genügen, zeigte sich auch im Mai unvermindert stark und vcr- riet mit dem Mai des Vorjahrs verglichen vielfach noch eine Steigerung. Jni Bergbau und Hüitenbcirieb macht sich dem Vormonat gegenüber teilweise eine Steigerung des Absatzes bemerkbar. Ins- besondere ist hier wie bei der Metall-- und Maschinenindustrie ver- schiedentlich eine höhere Arbeitsleistung als im Mai des Porjahres festzustellen. Die elektrische wie die chemische Industrie arbeiteten ebenso rege wie im Vormonat. Für die Nahrungsmittelindustrie ist im ganzen eine Abschwächung kennzeichnend, während das Be- klcidungsgewerbe eine Veränderung in seiner im allgemeinen be- friedigenden Lage nicht erfahren hat. Für den Baumarkt macht sich keine erhebliche Veränderung geltend. Die Nachweisungen der Krankenkassen ergeben für die am 1. Juni 1917 in Beschäftigung stehenden Mitglieder dem 1. Mai gegenüber insgesamt eine Zunahme um 130 188 Beschäftigte oder um 1,41 Proz.(gegenüber einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um 1,42 Proz. in der entsprechenden Zeit des Vorjahrs). Das Zu- nahmevcrhältniS ist bei beiden Geschlechtern annähernd gleich. Tie Steigerung der männlichen Beschäftigung betrug 1,16 Proz. (gegenüber einer solchen um 1,26 Proz. im Vorjahre). Die Erhöhung der weiblichen Beschäftigung stellte sich am 1. Juni auf 1.64 Proz.(gegenüber einer Zunahme um 1,61 Proz. im Vorjahr). Dag die noch stärkere Zunahme des vorigen Monats nicht ganz er- reicht worden ist, erklärt sich in erster Linie daraus, das; der April infolge des Eintritts der schulentlassenen Jugend ins Erwerbsleben in der Regel eine außergewöhnlich hohe Zunahme verzeichnet. Zu berücksichtigen ist bei der Beurteilung der Bewegung der männlichen Beschäftigtenzahl, daß die Kriegsgefangenenarbeit in den Ergebnissen der Krankenkassenstatistik nicht einbegriffen ist. Die Arbeitslosigkeit war gegen den Mai der drei vorhergehenden Jahre wesentlich gesunken, da sie 1914 2,8, 1315 2,9 und 1916 2,5 Proz. betrug. Die Statistik der Arbeitsnachweise läßt im BerichtSmonat für das männliche wie das weibliche Geschlecht ein Sinken des An- drangeS der Arbeitsuchenden erkennen. Im Mai kamen auf 169 offene Stellen bei den Männern 53 Arbeitsuchende(gegen 56 im Vormonat), während beim weiblichen Geschlecht sich der Andrang von 197 auf 96 verminderte. In Berlin-Brandenburg stand der Arbeitsmarkt im Zeichen leb- haftefter Anspannung._ Ter Buchbinderverband im Jahre 191«. Wenn eine Gewerkschaft nach mehr als zweijähriger Kriegs- dauer in ihren Grundfesten nicht nur unerschüttert geblieben ist, sondern auÄ noch Fortschritte in der Mitgliederwerbung und in ihren Vermögensbeständen aufzuweisen hat, so beweist das am schlagendsten.' für wie notwendig sie von den Berufsangehörigen gehalten wird. Der Buchbinderverband ist in der glücklichen Lage, das von sich sagen zu können, wie der soeben erschienene Jahres- berilbt seines Vorstandes erkennen läßt. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1915: 6283 männliche und 19 722 weibliche, zusammen 17 995 Mitglieder; dagegen Ende 1916: 5489 männliche, 11 972 weibliche, also insgesamt 16 552 Mitglieder. Zählt man die zum Heeresdienst Einberufenen nicht als Verlust, da man doch annehmen muß, daß sie bei Entlassung ans dem Heer wieder Verbmidsmitglieder werden, so hat eine Mltgliederzunahme statt- gesunden..Die Arbeitslosigkeit ist allerdings in; Buchbinderverband auf ein nock nie in Friedenszeiten dagewesenes Mindestmaß herab- gesunken. Immerhin mußten für Arbeitslose nock 53 614 M. auf- gewandt werden. Die gesainten Einnahmen des Verbandes, aus- ichließlich der der örtlichen Kassen, betrugen 491 369 M.: 37 118 M. weniger als im Vorjahre. Die Ausgaben bcliefen sich auf 319 666 M. Der Vermögensbestand stellte sich im letzten Jahre vor dem Kriege, also Ende 1913 auf 1379 679 M., davon 369 319 M. in den ört- lickcn Kassen; dagegen Ende 1916 auf 1 423 299 M., wovon 346 192 M. sich in den Kassen der örtlichen Zahlstellen befanden. Da vom Ver- bandsvermögen aber ein erheblicher Teil für Jnvalidenunterstützung in Reserve behalten werden muß, wenn auch die Ausgaben dafür jetzt nock— 1916 nur 2649 M.— gering sind, so warnt der Verbands- voiftand doch davor, die finanzielle Lage des Verbandes allzu rosig anzusehen, zumal nach dem Kriege die überwiegende Mehrzahl der Taiisverträge ablaufen und harte Lohnkämpfe vielleicht große Summen verschlingen könnten. Bei den Lohn- bezw. Teuerungszulagebewegungen wurden für 15 481 Berufsangehörige wöchentliche Lohnerhöhungen von 36 572 M., olio für den Kopf 2,36 M. im Durchschnitt erzielt. Damit dürfte jedoch nur das erfaßt worden sein, was unmittelbar als Teuerungs- zulage gewährt wurde, nicht aber die Lohnzulagen. Im Jahresbericht rollt das ganze Leben des Verbandes vor- über, das trotz des Krieges vielseitig ist und infolge seines durchaus gesunden Kerns die beste» Hoffnungen auch für die Zukunft des Buchbinderverbandes zuläßt._ verlin und Umgegend. Verkürzung der Arbeitszeit in den Eisenbahnwerkstätten. Am Montag hatte der Arbeiterausschuß die in der Versamm- lung am Freitag angekündigte Verhandlung mit der Direktion. Das Ergebnis dieser Unterredung spricht dafür, daß das Vorgehen der Eisenbahner nicht ohne Erfolg geblieben ist. Dem Ausschuß wurde der Bescheid, daß auf Grund einer Verfügung des Ministers die Arbeitszeit in allen preußischen Eisenbahnwerkstätten vom 1. Juli ab um eine Stunde verkürzt werden soll. Das bedeutet für die Berliner Werkstätten, daß statt der bis- herigen zwei Ueberstunden nur noch eine Ueberstunde gemacht wird. Die Forderung der Berliner Eisenbahnerversammlung am Frei- tag: Neunstündige Arbeitszeit ohne Ueberstunden, ist damit aller- dings nicht erreicht. Sie haben nun statt der clfstündigen die zehn- stündige Arbeitszeit, die in einem Teil der Berliner Eisenbahn- Werkstätten schon jetzt innegehalten wird, zum anderen Teil, gemäß der Ministerialverfügung, vom 1. Juli ab eintreten soll. Der Arbeiterausschuß ließ sich in der Unterredung mit der Direktion davon überzeugen, daß wegen der hohen Anforderungen, die gegenwärtig an den Eisenbahnbetrieb, namentlich auch in mili- tärischem Interesse, gestellt werden, eine Verkürzung der Arbeits- zeit auf 3 Stunden zurzeit nicht möglich sei. Anscheinend sind auch die Arbeiter in der Mehrheit unter Berücksichtigung der Zeit- Verhältnisse mit diesem Ergebnis zufrieden. Damit dürfte also die Bewegung für Verkürzung der Arbeitszeit einstweilen abgeschlossen sein. Anders verhält es sich dagegen mit der Forderung einer Lohn- erhöhung. Zeitnngsmeldungcn zufolge soll den Arbeitern durch Ministerialverfügung eine Aufbesserung des Stundenlohnes um 6— 8 Pf. zugesichert sein, was der Triersche Eisenbahnerverband— wir wissen nicht, aus welchen Gründen— als einen Erfolg seiner Tätigkeit hinstellt. Wie dem auch sei: diese Lohnzulage befriedigt die Arbeiter, soweit sie zum Dcuischen Eiscnbahncrverband halten, durchaus nicht. Eine. Zulage von 6— 8 Pf. für die Stunde würde nur den Lohnausfall für die fortfallende Ueberstunde einbringen, also eine wirkliche Lohnerhöhung nicht darstellen. Die Löhne"der Eisenbahnarbeitcr stehen so weit hinter den Löhnen in der Privat- industrie zurück, daß sich schon aus diesem Grunde eine ange- messene Aufbesserung nötig macht. Unabweisbar ist sie jedoch im Hinblick auf die fortgesetzt steigenden Preise der Lebensmittel. Die Arbeiter wollen deshalb den Versuch, eine den Verhältnissen ent- sprechende Lohnerhöhung zu erhalten, nicht aufgeben, sondern ihre Bemühungen in dieser Richtung energisch fortsetzen. Die Teuerungszulagen der Buchbinder. Eine Versammlung aller in Buchbindereien, Buch- dr uckereien und Geschäftsbücherfabriken be- schäftigten Buchbinder und Buchbinderei- Ar- beiterinnen nahm am Montag den Bericht über die neuen Verhandlungen entgegen, die in der Frage der Teuerungszulagen mit den beiden Uniernehmerorganisationen stattgefunden haben. N ü g e r berichtete zunächst über die Verhandlungen mit den Berliner Buchbindereibesitzern betreffend den lo- kalen Extrazuschlag für Berlin. Bei den Leipziger Verein- barungen mit den deutschen Buchbindereibesitzern, die über die Nr- gelung der Teuerungszulagen für die Buchbindereien in Berlin, Leipzig und Stuttgart getroffen sind und über die der„Vorwärts* seinerzeit berichtet hat, war die Frage des Berliner Sonderzuschlags ausgeschieden worden. Sie blieb lokaler Regelung vorbehalten. Nach schwieriger Verhandlung mit dem Verein Berliner Buchbindereibesitzer ist über den lokalen Sonderz»schlag eine Vereinbarung getroffen worden, die für diesen Zuschlag eine gegen früher abweichende Form wählte. Früher war er in Prozenten festgesetzt. Jetzt sind es feste Wochen- zuschlüge zu den Wochensätzen der in Leipzig für Berlin, Leipzig und Stuttgart vereinbarten, nach Verdiensten abgestuften Teuerungs- zulagen. Eine Umrechnung ergibt, daß es im allgemeinen 19 Proz. sind und daß nur bei Verdiensten über 79 M. der Lokalzuschlag bis auf 6 Proz. sinkt.— In Berlin sind nach der neuen Verein- barung zusammen an allgemeiner Teuerungs- zulage und lokalem Sonderzuschlag folgende Sätze zu zahlen: Arbeiter in Zeit- und Akkordlohn erhallen bei einem Wochenverdienst bis 34 M. die Verheirateten 13 M., die Ledigen 11,59 M.. bei einem Wochenverdienst über 34 bis 38 M. die Ver- heirateten 11,59 M., die Ledigen 19 M.. bei einem Wochenverdienst über 38 bis 42 M. die Verheirateten 19 M., die Ledigen 8,59 M., bei einem Wochenverdienst über 42 bis 69 M. die Verheirateten 8 M., die Ledigen 6,59 M., und bei einem Wochenverdienst von mehr als 69 M. die Verheirateten 7 M., die Ledigen 5,59 M.— Arbeiterinnen in Zeit- und Akkordlohn erhalten 3,59 M. bei einem Wochenvcrdienst von 12 M., 6,59 M. bei einem Wochenverdienst über 12 bis 29 M., 4,59 M. bei einem Wochenverdienst über 29 bis 39 M. und 4 M. bei einem Wochenverdienst von mehr als 39 M. Die Gestaltung der Teuerungszulagen in den Berliner Buchdruckereien und Geschäftsbuch« fabriken betraf der zweite Teil des von Rilger erstattete�. JSe- tichf". Der Verein Berliner Büchdruckereibesitzer hatte, wie schon im„Vorwärts* mitgeteilt wurde, bei früheren Verhandlungen in bezuq auf die Teuerungszulagen des männlichen und weiblichen Buchbinderpersonals in Buchdruckereien und GeschästSbuchfabrikcn bestimmte Zugeständnisse gemacht, die vom 1. Mai ab in Geltung sind. Es hallen sich aber weitere Verhandlungen notwendig gemacht, namentlich im Hinblick darauf, daß den Berliner Buch- druckergehilfen neben den vom Tarifamt festgesetzten neuen Teuerungszulagen inzwischen noch ein lokaler Kriegszuschlag bewilligt worden war. Ein gleichartiger Kriegszuschlag wurde für die Buchbinder in Buchdruckereien und Geschäftsbuchfabriken eben- falls verlangt. Die Verhandlungen waren auch hier schwierig. Schließlich wurdekzwischen den Vertretern der Berliner Buchdruckerei- besitzer, vorbehaltlich der Zustimmung des Plenums des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer, folgendes vereinbart: Der lokale Berliner Kriegszuschlag für Buchbindergehilfen, der außer der schon früher bewilligten Teuerungszulage bewilligt wird, soll betragen: für Tischarbeiter bei einem Wochenlohn bis 32,59 M. für Verheiratete 5 M., für Ledige 3,59 M., bei höherem Wockenlohn bis zu 38,59 M. für Verheiratete 4 M., für Ledige 2,59 M. und bei einem darüber hinausgehenden Wochenlohn bis zu 49,59 M. für Verheiratete 3,59 M.. für Ledige 2 M. Gehilfen mit höheren Löhnen, die aber einschließlich der früher bewilligten Teuerungszulage im Wochenverdienst, ivenn verheiratet, unter 59 M. und, wenn ledig, unter 48,59 M. bleiben, erhalten als lokalen Kriegszuschlag soviel, daß sich ein Wochenverdienst von 59 M. für Verheiratete und ein solcher von 48,59 M. für Ledige ergibt. Für Spezialarbeiter(Presser, Hefter, Bcschneider usw.) werden als Berliner lokaler Kriegszuschlag außer der früher bewilligten Teuerungszulage gezahlt: bei einem Wochenlohn bis zu 34 M. für Verheiratete 5 M., für Ledige 3,59 M., bei höheren Wochenlöhnen bis zu 49 M. für Verheiratete 4 M., für Ledige 2,59 M. und bei Löhnen darüber hinaus bis zu 42 M. für Verheiratete 3,59 M., für Ledige 2 M. Gehilfen(Spezialarbeiter) mit höheren Löhnen, die aber einschließlich der früher bewilligten Teuerungszulage im Wochenverdienst unter 51,59 M., wenn ver- heiratet, und unter 59 M., wenn ledig, bleiben, erhalten als Kriegs- zuschlag soviel, daß sich ein Wochenverdienst von 51,59 M. für Ver- heiratete und von 59 M. für Ledige ergibt. Der besondere lokale Kriegszuschlag ist bei Leistung von Ueberstunden und Sonntags- arbeit auf den Stundenlohn zu verrechnen, die tarifliche Teuerungs« zulage dagegen nicht. Die Auszahlung des lokalen Berliner Kriegs- Zuschlags erfolgt erstmalig in der Lohnwoche vom 1. bis 8. Juli. An den Bericht knüpfte sich eine Diskussion. Wenn auch die Diskussionsredner von den mitgeteilten Resultaten nicht befriedigt waren, so kam doch zum Ausdruck, daß die Versammlung mit der Branchenleitung der Auffassung war, daß sich unter den obwaltenden Umständen nicht mehr erreichen ließ. Industrie und Handel. Wiedereröffnung des Börsenverkehrs. Der Verein für die Interessen der Fondsbörse zu Verlin hat an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe eine Eingabe gerichtet, in der die Wiedereröffnung der Börse beantragt wird, d» durch manche Erfahrungen der letzten Jahre die volkswirtschaftlich« Notwendigkeit eines börsenamtlich geregelten Wertpapierverkehr» von neuem dargetan worden sei. Die Eröffnung der Börse hätte den Vorteil, daß die will« Hausse, dte sich jetzt im Dunkeln austobt, ans helle Licht der Kritik gezogen würde. Nachteilig ist die Erleichterung der Spekulation für das Publikum. Sicher wäre in diesem Zusammenhang auch die Stellung der Banken und Bankiers nachzuprüfen, die jetzt atS Eigenhändler, nicht als Kommissionäre den Kunden gegenübertreten und daher in wahrhaft unverschämter Weise den höchsten bzw. nie- drigstcn Tageskurs berechnen können, auch wenn sie zum nie» drigsten bzw. höchsten Tageskurs gekauft oder verkaust haben. Die ewigen Äapitalscrhöhungen. Es wird schon wieder eine neue Kapitalserhöhung gemeldet. Tie Fahrzeugfabrik Eisenach, die sowohl in ihrem Stammbetriebe große Erweiterungen durchgeführt, wie auch eine Fabrik bei Hanau erworben hat, erhöht ihr Kapital um VA auf VA Million Mark. Nach einem hiesigen Börsenblatte beabsichtigt die Daimler Motoren- Akt.- Ges. auf je eine alte Aktie zwei neue Aktien zum Nennwerte auszugeben. Begründet wird diese große Kapitals- Verbesserung— es handelt sich um eine Kapitalserhöhung von 8 auf 24 Millionen Mark— damit, daß neue große Aufträge vorliegen. Aber erstens hat die Gesellschaft ein sehr großes Bankguthaben, zweitens schließen die hohen Preise der Rüstungslieferungcn auch die Kosten von Neuanlagen ein, und drittens könnte sich die Gesell- schaft die 16 Millionen Mark sehr leicht durch Ausgabe von Schuld- verschreibungen oder durch Prioritätsaktien beschaffen, die auf den Gewinn vorweg 5 Proz. oder 6 Proz. erhalten, deren Anteil am Gewinn aber auch darauf beschränkt bleibt. Angeblich soll diese Kapitalserhöhung recht bald in einer außerordentlichen General- Versammlung erfolgen. Man darf immerhin mit Spannung ab- warten, ob sich der preußische Handclsminister und der Rcichsbank- Präsident diesen Wünschen fügen und ruhig zusehen werden, wie nicht nur Kapital überflüssigerweise der Anlage in Kriegsanleihe entzogen wird, sondern wie, was noch schlimmer wiegt, das Kapital durch die Chancen solcher Kapitalserhöhungen überhaupt von dem Rentenmarkt ab und dem Aktienmarkte zugeleitet wird. Ein Königlichrs Gcncralvcrkchrsamt. Am 1. Juli d. I. wird die von der Staatseisenbahnverwaltung eingevichtete Generalbetriebsleitung Ost aufgehoben und die von dieser bisher bearbeiteten Betriebsangelegenheitcn gehen auf die Betriebsabteilung des Eisenbahnmimsteriums über. Die bisher von der Generalbetriebsleitung Ost bearbeiteten Verkehrsange- legenheiten hat der Minister der öffentlichen Arbeiten vom gleichen Zeitpunkte ab dem Kgl. Eisenbahn-Zentralamt mit der Maßgabe übertragen, daß die einheitliche Leitung dieser Angelegenheiten nicht nur für den Bereich der bisherigen Generalbetriebslcitung Ost, sondern für den Bereich aller nicht zur Generalbetricbsleitung West gehörender Eisenbahndircktionsbezirke auf das Eisenbahn- Zentralamt in einer besonderen Gruppe vereinigt und unter der Firma„Königliches Generalverkehrsamt" erledigt werden. Dem Generalverkehrsamt obliegt somit in Zukunft die Ueberwachung der gesamten Verkehrsbewegung innerhalb seines Bezirks. Es hat zur Frachtraumersparnis und zur Entlastung des Betriebes dahin zu wirken, daß unnötige Transporte unterbleiben, unzweckmäßige sachgemäß geregelt werden. Zu diesem Zwecke hat es insbesondere auf eine Entlastung der Eisenbahnen duxch die Wasserstraßen, jrnf ein Zusa mmen fass en des Verkehrs— insbesondere des Massenverkehrs— in geschlossenen Zügen, auf eine zweckentsprechende Regelung des Stückgutverkehrs und Ausgestaltung der Lcitungs- und Ladevorschriften planmäßig hinzuwirken. Der Eisenbahn- minister legt Wert darauf, daß die Eisenbahndirektionen die Tätig- keit des Generalverkehrsamts in jeder Weise, insbesondere auch durch Anregungen, unterstützen. Gerichtszeitung. AuS dem Posener Getreideschiebungsprozcß. Im Laufe� des ersten Verhandlungstages gab der landwirtschailliche Sach- verständige Carell ein Gutachten ab über die Gersten- und Saatgerstenpreise vor und während des Krieges, über den normalen Friedensverdienst, den Kriegsverdienst, die hohen Spesen in Kriegs- zeiten usw. Im Frieden habe der Getreidehändler an der Tonne Gerste 5—6 M. Verdienst gehabt, im Kriege müsse er das Doppelte haben. Der Sachverständige sagt aus, daß der Angeklagte durch die Angabe, er habe Saatgerste gekauft, wahrscheinlich bloß eine Verschleierung des Geschäfts habe vornehmen wollen. Posten von 3999 Zentner Saatgerstc, wie sie der Angeklagte gehandelt hat, kämen gar nicht vor. Tie Saatgerste sei ein so diffiziler Artikel, daß man höchstens 299 bis 399 Zentner in Friedenszeiten gekauft und verkauft hätte.— Beim Beginn des zweiten Verhandlungstages äußerte sich der Angeklagte über seine Vermögensverhältnisse und bemerkte dabei, daß ihn die„Wechsel- reiterei* der Gutsbesitzer in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht habe. Seine Geschäfte mit beschlagnahmter Gerste, Mischfutter, Saatroggen usw. hat der Angeklagte mit den Rittergutsbesitzern v. Lossow und Plucinski gemacht. Als ihm die Ungenauig- ketten in seiner Buchführung vorgehalten werden, entgegnet er: „Um die Bücher habe ich mich niemals gekümmert. Ich verstehe auch nichts davon!" Lerantwortl. f. Politik: Dr. Franz Dicderich, Berlin-Friedcnau: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz. Neulolln? für Inserate: Th. Mlocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul. Singer& Co., Berlin S\v. Hierzu 1 Vellage und Untcrhaliungsblait. ftp. 173 ❖ 34. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 27. �unh417 Mßeroröentliche Generawerfammlung öes T��tiwrbeiterverbanKes. Zu dem R c f e r a t I ä 6 e l S über die Nottvendigkeit der Aufbesserung der Löbne üi der Textilindustrie tragen wir heute noch folgendes nach- Jiickel führte aus: Tie Periode der Zlrirgslwchkonjunktur b.rachte den Arbeitern un� niederen Beamten der Textilindustrie nichts weiter als die nicht leichte Arbeit der Einschaltung aus der Friedens- in die Kriegsproduktion. Erst die viel später vorgenommene Umschaltung, die durch Perwendung von Surrogaten, wie Papier usw., notwendig wurde, machte die Mitwirkung des höheren Beamtendimistes und der Unternehmer nötig.— Redner gibt eine detaillierte Dar- stellung der Gewinne der Textilindustriellen in den Iahren lllll, l!ZIo und 1916, Der Arbeiter erinnerte sich in der Zeit der Hoch- konjunktur der Worte Delbrücks und versuchte in Tausenden von Eingaben an Unternehmer und Untcrnehmcrverbandc eine(*r- höhung drr Löhne zu erreichen. Tic Arbeiter wollten nicht bc- greifen, dast jede Wunde, die unseren Soldaten im Felde geschlagen wird, das die grimmige Winterkälte, unter der unsere Truppen im Felde zu leiden habe», zur Ursache mafiloser Bereicherung der Fa- brikantcn, die Pcrbnndstosfc, Tuche, Decken usw. fabrizirrc», werde. Tic appellierten an den Patriotismus der Unternehmer. Der Appell hatte nicht�dic geringste Wirkung! Hunderttausende unse- rer Brüder und Schtvestern darbten weiter unter den alten ungc- nügenden Löhnen. Trotzdem verzichteten die Arbeiter auf doS Hilssmitlel des Streiks und die Organisationsleitungen mahnten dringend, von der Benutzung dieses Kampfmittels abzusehen. Wohl aber sagte der Vorstand in wohlbegründetsn Eingaben den merst- gebende» militärischen Zentralstellen: Es bleiben nur zwei Wcgr,. um den Arbeitern zu Helsen: Entweder kollektive Arbeitsverweige» rung oder Eingreifen einer starken bcliördlichen Zentralgcwnlt. Es! lotgte ein Pctitionssturm der Gauleitungen an die Oberkommandos' der Bezirke. Auch das half nichts. Tie befragten Handelskanimern berichteten im Interesse der Unternehmer. Die Folge war in der Regel: Aichtbcfriedigüng der Arbeiterwünsche. Die Generalkommandos und Behörden wurden durch zurechtgestutzte Lohnlisten und unwahre Angaben irregeführt. In vielen Fällen gelang cS den Ar bei lern, die Wahrheit demgegenüber festzustellen, so zum Beispiel in Bieleield, Augsburg. Mülsen, St. Zflicheln. In Plauen versuchten die Unternehmer die Lobnangaben der Arbeiter als falsch hinzustellen, indem sie diesen die Lohnbeträge entgegenstellten, die ermittelt waren ans den in der Fabrik rrzielten Lohnbeträgen der Arbeiter und den Beträgen, die durch Mitnahme von Hehnarbeit von den Angehörigen des Arbeiters ein Hause verdient waren. Es schwebt ein Prozeß gegen einen Unternehmer, der beschuldigt wird, zwei Lohnbücher zn führen, rincs mit hohen Löhnen zur eventuellen Einsicht für die Behörden»nd eins mit den wirklichen niedrigen Löhnen zum Gebrauch im Geschäft. Die Einsicht in die Lohnbücher wlirde von den Behörden selten verlangt und von den Unternehmern fest imnier verweigert. Am 7. August 1915 richteten wir sodann an da? Bekleidungs- bejchafsiingSaink in Berlin eine Eingabe und einpsahleu Festsetzung eines MinimallohneS und Schutz gegen Lohnreduktionen. Leider er- hielteil wir erst am 17. Juni 1916 eine Antwort. Die Aniwort war im preisten und ganzen ablehnend. Was das Kriegsministerium gegen die Ardeitersorderung anführte, ist in Englaird und in »lanchen Städten Teutschlands längst durch die Praxis widerlegt. In England besteht ein Spinnertarif für die gesamte Baumwoll» iiiduitrie. Bei der hohen Leistungsfähigkeit der deutschen Baum- ivollspinnerei und angesichts der Tatsache, dast sie durcho,is ans lvissellschaftlichcn Grundtagen aufgebaut ist, loäre dos gleiche lvic m Englaiid auch in Teutschland möglich. Räch nahezu dreijähriger Kriegszeit komme» endlich die Regierungen zur Einsicht. WaS unser Perband schon langc wünschte, deginnt sich jetzt durcbzu- setzen. In Bayern ist in langen Verhandlungen mit Hilfe des Kriegsamtes ein Minimallohn von 60 Pf. für Männer und lbl Ps für Frauen beschlossen worden. In Sachsen fordert das Staat?. Ministerium durch Rundschreiben die nochgeordneten Organe auf, paritätische Äommissione» zu bilde» und Mindestlöhne festzulegen. Tie Ansicht des Kriegsmimstxrimns, daß die Ziffer 1 dar Lieferungsbedingungen des BetleidungsbeschaffungsamteS vollauf genügen, um den Arbeitern und Angestellten angemessene Bezah- lung zu gewährleisten, hat sich als falsch herausgestellt. In Sachsen sind von der Regierung Stundenlöhne von 4, 6 und 8 Pf. sesb- gestellt worden. Dasselbe könnte in anderen Teilen Deutschlands sestgestellt werden. Mit bat zunehmenden Teuerung jmb der ftrigenden?!ot wuchs drr Unwille der Arbeiter. Stürmische« Ber- lange» nach Brot und Lohn, vieles Strrikbcgehrcn einzelner Orte, wilde Streiks kündeten an, dast die Geduld der Arbeiterschaft zu Ende ist. Wenn es so lange ruhig blieb, so ist das dem Wirken der Gewerkschaft zu verdankwi. Wenn es jetzt nicht überall brennt, dann ihrem ordnende» Eiilgceifen. Redner kritisiert scharf em nach Form und Inhal! anfechibarcs Antwortschucibcn des sächsisckxni Kriegsministeriums vom Mai dieses Jahres und kommt dann aus eine Reihe Lohnbewegungen— dabei die Mithilfe der Kriegsamtsstellen dankbar anerkennend— zu sprechen. Er hebt lobend daö Eingreifen des Herrn Oberstleutnant Koeth von der.KriegSrohstofsabteilung hervor, durch das in Baum- wolle verarbeitenden Fabriken durch Preiserhöhung um 10 tesp. 20 Proz. zugunsten der Arbeiter die Möglichkeit von Lohuerhöhun- gen gegeben sei. Mit dem Beschluß des Aktionsausschusses sei dem Verbands- vorstand die Marschroute vorgezcichnct. Wenn alles nicht helfe, dann könne die Verbandsleitung die Arbeiter nicht länger abhalten vom Kampfe um Brot und Lohn. Sie werde entsprechend ihrer Pflicht die Arbeiter nnterstützwi. Wir wollen keine Streiks und werden Streiks bekämpfe», aber nur dann, weun den Arbeitern ihr Recht wuf Brot und Lohn wird! Wir iverdc» die Arbeiter mit allen Kräften unterstützen, wenn sie um dieses Recht zu kämpfen ge- zwun�en sind. it einer nachmaligen Hervorhebung der Forderung der Ga- rantie und Mmimallöhne, der Gewährung von Lcbenslöhnen uiid einem warmen Appell zum treuen Aushalten in guten und bösen Tagen, schließt der Redner. 2. BerhandlungStag. A u g» b u r g, den 25. Juni. G r u h l- Berlin eröffnete die Debatte über die am Sonntag von Hübsch und Jockel gehaltenen Referate mit einer Schilderung der Berliner Verhältnisse. Tic Textilarbeiter leiden durchweg an einer schlechteren Ernährung als die Arbeiter der sonstigen Rüstilngsindnstiie, weil die Finiurniräger der Tertilbranche meist Micht für gemeinsamen Bezug von Lebensmitteln für ihre Arbeiter sorgen, wie es andere Geschäftsinhaber der Rüstungsindustrie vielfach tun. Dadurch kam eS bei einer Firma zum Streik, wobei Lohn- eiihöhnng erreicht ivurde. Im übrigen berichtete Redner, daß in Berlin in verschiedenen Belrieben, so in der Drckenbranche, der Setlerbrancke, besonders für die Seiler, die in der Flugzeugindustrie ort Zelten, Mindestlöhne festgesetzt sind. Was in Berlin möglich ist, niuß auch in anderen Orten möglich sein, um so mehr, da die. Auf- traDgeber jHeereoverlDcltungeui die gleichen sind und damit auch die»Preise die gleichen sein müssen. des.Vorwärts": Die Darsielliliig des Genossen Dr. Ouorck in der Freitagiiilinmcr des.Vorwärts" cnlipncht nicht den Tatsachen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, wollen wir feststellen, daß die Bemerkung des.Vorwärts", daß dieser.Konflikt" mit der Mehr- heit und Minderheit nichts zu tun habe, ganz richtig war. Sämtliche Vorstandsmitglieder flehen auf dein Sland- Punkt der Parteieinheit und treu zur Partei. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Frankfurt a. M. Bezirksparteitag für Wcstprcujie». In Danzig ivurde am Sonntag ein Tetegicrtentag der Pari.'!- orgamsationen Westpreußens abgehalten. Nach Erledigung d"r ge schäftlichen Angelvgenhe.iten und einem Vortrage des Gen. Bar t h c l- Königsberg ivurde sotgende Entschtiotzuiig angenommen: .Der wcstpreußische Parteitag billigt die konsequente, ri: Interessen des arbeitenden Volkes entschieden ivahrende Potii.t. c sozialdeinokratiiehen RcichStagsfraktion während der KriegSzcii. Tie sozialdemokratische Partei mußte sich in ihrer Politk bewußt an die Seite des eigenen Volkes stellen und für die Sicherheit unsere-- Landes eintrete», dessen politische Selbständigkeit und Wirtschaft- liche Entwicklung durch eine übermächtige feindliehe Koalition auf das schwerste gefährdet ist. Jede andere Haltung hätte als Parteinahme z u g u n st e n der feindlichen R e gi e r u n g n gewirkt, deren kriegsvcrlängerndc Eroberungspläne immer klarer in die Erscheinung getreten sind. Der Parteitag begrüßt mit Genugtuung die Bemühungen deZ Parteivorstandes, Verhandlungen mit den Bruderparteien der kriegführenden und neutralen Länder z» erreichen. Dieser Frieden kann, soll er dauerno sein, nur ein Frieden der Verständigung, ein Frieden ohne Annexionen und KricgSkontributionen sein. Die Gewäbrmig voller Gleichberechtigung in Reick, Staat und Gemeinde, an alle Schichten des deutschen Volkes ist ein dringendes Gebot der Stunde. Der Parteitag erklärt jede Störung der Einigkeit der Arbeii- bswegung für eine Förderung drr Reaktion. Er erwartet daher, daß die Genossen in We'tvreußcn allen auf die Zerrüttung und Spaltung der Partei gerichteten Bestrebungen scharf entgegentreten und die Einbeil und Geschloffenbeit der alten kampferprobten sozial demokratischen Partei hochhalten werden." Torwärtslefer! Parteigenoffen! Der„Vorwärts" ist das einzige sozialdemokratische Parteiorgan in Groß-Berlisi.! erworben, auf den er und seme Freunde stolz sein dürfen, so hat er sich als Blatt der das einzige Blatt, das eure politischen, sozialen«nd wirtschaftliche« Groß-Berlmer Arbeiterschaft die volle Stellung, die ihm gebührt, erst zu erwerben. Anschauungen zum Ausdruck bringt. Der„Vorwärts" ist die einzigevJehntausende von Grvß-Berliner Arbeitern halten farblose, politisch be- Zeitung Groß-Berlins, die für die Interessen des Proletariats auf allen Gebieten, den tzd-eutungS lose Blätter und entziehen damit dem Blatt, das ihre Ideen und ihre materiellen wie den geistigen, wirkt und kämpft. Im gegenwärtigen Weltkrieg ist rIoiteresseu vertritt, die verdiente Unterstützung. Darum,„Vorwärts"-Oeser, Parteigenossen, der„Vorwärts" die einzige politische Tageszeitung Groß-Berlins, die stets und unbeirrt für einen Frieden ohne Antiexioncn und Kriegs- ents chädigungen eingetreten ist, für einen Verständigungsfrieden, der kein Volk ver- gcwaltigt oder entehrt, für einen Frieden, der allen Völkern jederzeit annehmbar und erreichbar ist und der, trotz des Gezeters der bürgerlichen, kapitalistischen und imperia- listischen Presse, die stille Sehnsucht aller Völker bildet. Der„Vorwärts", der sich von jeder Art chauvinistischer Völkerverhetzung fern- hält, ist das einzige Organ, in dem die Soli- darität des internationalen Proletariats lveithin vernehmbaren Ausdruck Im„Vorwärts", Ich bestelle hiermit 1 Exemplar be«»DartvartS* mit dem Anterhaltungsblatt und der illustrierten Sonntagebeilage„Nene Welt" zum Preise von Mt. 1,30 pro Monat oder im Wochenabonnement Zl> Pfennig pro Woche fvei ins Haus. Falls keine eigene Wohnung, bei wem?..... ES wird um genaue Angabe der Wohnmy dringend gebeten! Arbeiter und Arbeiterinnen Groß-Berlins, ist es eure Ehrenpflicht, mit allen Kräften für die weiteste Verbreitung des„Vorwärts" zu sorgen. Ihr dürft euch nicht eher zufriedengeben, als bis e u e r O r g a n, der„Vorwärts", d a 6 meistgelesene Blatt Berlins ist! Wir erwarten in dieser schweren Zeit, wo eure Mußestunden noch spärlicher sind als in ruhigen Friedenszeiten, von euch nicht, daß ihr, wie ehemals, treppauf treppab laufend Abonnenten werbt. Es genügt vollauf, wenn jeder einellneueoceseiMmMnat einen kräftigen, mutigen und findet. dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, verkörpert sich heute noch mehr als jemals in früherer Zeit die Bedeutung und Macht der deutschen Arbeiterschaft. Nicht nur das gesamte Inland, sondern auch das Ausland, das verbündete, wie das neutrale und das feindliche, be- achtet sorgfältig jede Meinungsäußerung des„Vorwärts". Zahl- lose Zitate in der Presse der ganzen Welt beweisen dies, aber auch ebenso zahllose wütende Angriffe der reaktionären und chauvinistischen Zeitungen zeigen, daß der„Vor- ivärts" von den Interessenten jener schädlichen Machenschaften als ihr gefährlichster Gegner erkannt ist. östat sich also der„Vorwärts" in der politischen Welt einen Rang dem„Vorwärts" zufghrt. Mit dieser kleinen Mühe werdet ihr eurer Cache, der Sache deS Proletariaüs und der Sache des Weltfriedens Nutzen bringen. Denn wenn es jedem von euch gelVrgt, monatlich einen Abonnenten zu gewinnen, so wird der„Vorwärts" in kurzer Zeit aisch in Groß-Berlin die Bedeutung gewonnen haben, die ihm als dem Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und dem Organ>er reichshaupt städtischen Arbeiterschaft zukommt und die ihm heute in dtor ganzen zivilisierten Welt beigemessen wird! Wer dem �Vorwärts" einen neuen Abonnenten gewonnen hat, der schreibe dessen Namen und Akwhnung auf den Bestellschein, schneide den Bestellschein aus und gebe ihn in unserer Äauptexpedition, Lindenstraße Z, oder in einer unserer Ausgabestelle� ab. Jcöu Kupfer ye? öen Gefthworeklen» Vor dcm Schwurgericht dr-Z Landgerichts II begann gestern die auf acht Tage berechnete Verhandlung, in welcher die viel erörterten Massenschwindelgeschäfte der Frau Kupfer dem Urteil der Geschwo- reuen unterworfen werden sollen. Der Andrang zum Schwur- gerichtssaal ist ein großer; der Zuhörerranm und auch die Logen find dicht besetzt.— Angeklagt ist Frau Martha Kupfer, geb. Heinemann, 1875 geboren, früher in Charlottenburg, Kaiserdamm Nr. M, wohnhaft, seit dem 23. Januar in Untersuchungshaft, nicht vorbestraft. Sic wird beschuldigt: 1. in den Jahren 1316 und 1917 in der Aurgstraste 36 und in der Bülowstratze sick der Urkunden- fälschung und des Betruges, 2. in den Jahren 1916 und 1917 sich des KonkursvergehenS durch übermäßigen Verbrauch, unordentliche Führung ihrer Handclsbüchcr und Unterlassung der Bilanzziehung schuldig gemacht zu haben.— Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Arnold, die Anklage vertritt Staatsanwalt Loch, die Verteidi- gung führen Justizrat Dr. Löwen st ein und Rechtsanwalt Fritz K a l i s ch e r. Vor der Auslosung der Geschworenen verliest der Vorsitzende eine lange Reihe von Namen der durch die Angeklagte Geschädigten, darunter Frau Helene von Knobloch, 5 Mitglieder der Familie Körting, Schauspieler Robert Koppel, Kapell- meifter Ed. M ö r i ck«, Kommerzienrat M. Stern- Charlottenburg, Frau Alma von S t r a n tz, Frl. Martha von T r e Z ck o w, Frau Waldow von Wahl, Frau Kunigunde v. Vicht, Kauftnann Leo Lewh, Rittmeister a. D. von Zech. Baron Carl von Zech, Gräfin Ludmilla von Zeppelin in Charlottenburg«. a. Die Zahl der Geschädigten beträgt 82. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt die Angeklagte, daß sie sich im vollen Umfange der Anklage für schuldig erkläre. Ucber ihren Lebenslauf sagt sie folgendes auZ: Ihr Vater war Kolonialwarenhändler in Kothen, der später nach Leipzig übersiedelte und dort Grundstücke auf Spekulation kaufte und verkaufte. Eine Schwester ist an einen Sanitätsrat in Leipzig vcrheiratch ei» Druder steht als Reserve- offizier im Felde. Die Angeklagte hat in Leipzig eine höhere Töchterschule bis zur 2. Klasse besucht, später hat sie eine weitere Ausbildung in einem Pensionat in Wiesbaden genossen. Im Jahre 1833 hat sie sich mit dem Rauchwarcnhändier Robert Kupfer verheiratet. Sic ist Mutter zweier Kinder: der seinerzeit auch ver- haftet gewesenen Tochter Gertrud und eines im Felde stehenden Sohnes. Nach sechsjähriger Ehe starb ihr Ehemann infolge eines Unfalles auf der Jagd. Da sie bei der Liguidatiou dcS Geschäfts ihres Ehemannes Geld nicht heraus bekam, bestritt ihr Vater bis zu seinem Tode die Koston des Lebensunterhalts für sie und ihre Kinoer. Der Vater hinterließ etwa 236 666 M., wovon die beiden Geschwister als Ausgleich für den der Angeklagten gewährten Unter- halt je 36 666 M. erhielten, im übrigen war die Mutter Vorerbin, die Kinder Nacherben. Die Angeklagte zog mit den Kindern zur Mutter und ihr Nacherbtcil wurde nach und nach aufgezehrt. Im Februar 1915, als sie schon in Leipzig in pekuniäre Schwierigkeiten geraten war, siedelte sie nach Berlin über; ihr ganzer Besitz waren 136 M., die sie sich geliehen hatte. Hier wohnte sie zunächst im Hotel Kronprinzenhof in der Dorotheenstraße und sah sich nach einer Er- tvcrbsgelcgenheit um. Ihr erster Versuch, Geld durch den Vertrieb von Brotlartentaschen und alkoholfreien Getränken zu verdienen, war von besonderem Erfolge nicht gekrönt. Dann lieh sie sich von ihrer in Leidig zurückgebliebenen Tochter 466 M., mietete sich im Bureauhaus Börse«inen möblierten Bureauraum und bot sich in Zeitungsinseraten als Vertreterin für Nahrungsmittelhandlungen am Daneben hatte sie kleine Verdienste bei dem Verkaufe von Öoiiigkuchen und Sardinen und wurde Vertrcteriu für Papier- servietten. Kaiserbilder u. a. m. Mit Hilfe eines ihr von der Frau des Hotelbesitzers geliehenen Betrages von 466 M. war sie imstande, von einer holländischen Firma einen Posten Tee, Kakao und Honig einzulaufen. Aber auch bei diese,» Geschäft kam nicht viel heraus. Dann lieh sie sich von ihrem außerhalb wohnenden Sebwager� 266 Mark und versprach diesem ebenso, wie sie es bei der Hotelwirtin getan hatte, in kurzer Zeit brillanten Verdienst, wobei sie auf das zweifellose Gedeihen ihres.Nahrungsmittelgeschästs" verwies. Sie bezog zwar bald von zwei auswärtigen Firmen größere Posten Reiokonserven und Honigkuchen, die sie auch mit Gewinn verkauft:, sie konnte jedoch ihren Geldgebern die versprochenen großen Ge- Winne nicht zahlen und so leistete sie schon im April 1915 den Offen- barungseid. Dann gelang es ihr, den Vertrieb der von der Frei- herrlich v. Friesenschen Garlenbaudirekiion in Botha bei Leipzig her- gestellten Marmeladen zu crhsltrm Sie bezog diese waggonweise und nahm von den verschiedensten Personen Darlehen auf kurze Zeit auf, die ihr auch gegeben wurden, da sie ihre ihr zufließenden Verdienste in den grellsten Farben schilderte und den� Darlehns- geben, große Gewinne in kurzer Zeit versprach. Diese Gewinn- anleile konnte sie nur dadurch auszahlen, daß sie von den Mitteln nahm, die ihr neue Geldgeber als Einlage gaben. Dieses„Lebens- mittclgeschäfr" ging schon recht gut im Sinne der Angellagten, denn gewöhnlich ließen die Einleger, wenn sie die ersten Gewinne erhalten hatten, ihre Einlagen stehen, neue Einlagen kamen hinzu und so verfügte die Angeklagte schon über recht ansehnliche Summen. Sie trachtete aber nach einem weit ausgedehnteren Wirkungskreise. Im April 1915 kam ihre Tochter Gertrud nach Verlin und mft dieser siedelte sie nach dem Kaiserdamm 14 über, wo sie eine möblierte Vierzimmer-Wohnung mieteie. Dann ließ sie ihre Firma in das Handelsregister eintragen, und zwar auf den Namen ihrer Tochter Gertrud, weil ihr sonst einige Gläubiger, die sie in Leipzig zurück- gelassen hatte, vielleicht unbequem werden konnten, und dann b e- gann der ins unermeßliche gehende Schwindel- Geschäftsbetrieb, der ihr Hunderttausende Mark von allen Seiten zuführte und sie nun auf die Anklage- dank gebracht hat. Frau Kupfer ist, wie ihre sehr ins einzelne gehende Verneh- mung ergibt, von Anfang an sehr geschäftsguoandt gewesen. Nach dem Tode ihres Mannes betrieb sie zwar, da ihrem Wunsche, sich selbständig zu machen, von den Angehörigen immer entgegengetreten wurde, zunächst die S ch r i s t st e l l e r e i und verfaßte nach ihrer Angabe besonders eine Anzahl Dramen, von denen auch mehrere, wie z. B. das Drama„Irrende Liebe", zur Ausführung gelangten. Viel Seide hat sie dabei jedoch nicht gesponnen, da es, wie sie sagte, sehr schwer ist, sich als Schriftsteller durchzuringen und die Auf- führungen an kleinen Bühnei, erfolgten, die keine großen Tantiemen zahlten. Ihr Hauptwunsch war aber schon damals, sich praktisch zu betätigen, und so befaßte sie sich viel mit Patenten, die ins- besondere eigene Erfindungen betrafen, von denen sie, wie sie auf Befragen mit einem gewissen Stolz erklärt, eine ganze Reihe ge- macht hat. So machte sie u. a. eine Bijouterie-Erfindung, ein Klappschloß, die von einer Hamburger Firma sehr gut ausgenommen wurde und im großen in den Handel gebracht werden sollte, als der Krieg ausbrach und die Branche lahmlegte. Was die erste Auf- »ahme fremden Geldes betrifft, so glaubt die Angeklagte die Tat- fachen dahin berichtigen zu müssen, daß sie das erste Geld von dem Bruder ihres verstorbenen Ehemannes erhalten und erst in zweiter Reihe die Frau des Hotelbesitzers stand. Sie betont u. a., daß sie bei all ihren Unternehmungen stets eine große Opti- m ist in gewesen sei. Der Schwager habe ihr 2666 M. gegeben, wobei sie ihm über ihr Geschäft unwahre Angaben gemacht habe. Einen Teil des Geldes habe sie leider dazu verwandt, um einige Leipziger Gläubiger zu befriedigen. Dies sei der Anfang der schiefe» Ebene gewesen, auf die sie dann später geraten sei. Ein Onkel habe ihr, als sie das Marmeladcngesckäft einging. 1666 M. geliehen, wobei sie ihm in kurzer Zeit einen Verdienst von 26 Proz. in Aussicht gestellt habe. Auch Frau Schaer, die Ehefrau des Hotelbesitzers, habe ihr fortgesetzt Geld gegeben. Den Anfang ihrer im großen betriebenen Schwindeleien schil- dort die Angeklagte wie folgt: Sie war im Hause des Geheimrats Körting bekannt und verkehrte mit Herrn Fritz Körting in Dahlem, dem sie von dem Geheimrat Körting zur Uebcrlassung von Adressen für die Einleitung größerer Lebensmittelgeschäfte emp- fohlen war. Sie habe dort mit Frau von Waldow und Herrn Körting viel über Kriegslieferungen mit Lebensmitteln gesprochen. In der Folge habe sie der Frau v. Waldow gesagt: sie habe einen Abschluß, ob sie sich beteiligen wolle. Frau v. Waldow habe ihr unter Zusicherung eines Verdienstes von 26 Proz. in 14 Tagen zunächst 366 M. gegeben. Sie habe sich dann bemüht. Lieferungen für die Heeresverwaltung zu bekommen, und um dies zu ermöglichen, habe sie die Eintragung ihver Firma auf den Namen ihrer Tochter Gertrud bewirkt; als Eigentümerin wurde die letztere, die damals etwas über 21 Jahre war, eingetragen, sie selbst aber als Prokuristin. Die Tochter aber hatte nichts in das Geschäft hineinzureden, sie selbst dirigierte alles und die Tochter war nur mit Schreibereien und Packen beschäftigt. Die ganze Ein- tragung in das Handelsregister sei somit eine Schiebung gewesen. Ihre angeblich abgeschlossenen Geschäfte, die sie renommistisch ge- schildert habe, seien ruchbar geworden und sie habe von Frau von Wahl, Frau Werth, Frau Stolz und vielen anderen erst kleinere, dann immer größere, bis in die Tausende gehende Summen erhalten, für die ihnen große Summen als Verdienst versprochen und teilweise auch gezahlt wurden. Auch Herr Fritz Körting, der von Herrn Dr. � Alexander Marx und Frau v. Waldow von ihren großen Ge- schäftcn gehört hatte, war nicht abgeneigt, sich zu betätigen, verlangte jedoch eine Unterlage. Um ihn zu täuschen, als ob sie Kaufverträge mit Behörden habe, machte sie folgendes Experiment: Sie hatte einmal dem Lazarett-Delegicrten Schokolade übersandt und von ihm ein Dankschreiben erhalten. Dieses Schreiben fälschte sie durch Rasuren und Einschaltung anderer Worte in der Weise, daß es nun folgenden Wortlaut zeigte:„Der Reserve-Lazarett- Delegierte. SW. 11, 22. November 16, Abgeordnetenhaus, Zimmer 23. Ich bestätige dankend den Empfang Ihre? gesl. Schrei- bens vom 26. d. M. und teile Ihnen mit, daß die Auszahlung der "6 Proz. Gewinn für 36 666 M. am Dienstag, 7. März, Inten- dantur Gardekorps zur Erledigung gelangt. Im voraus sage ich meinen verbindlichsten Dank. Mit vorzüglichster Hochachwng Der Neserve-Lazarett-Dclcgierte. Unterschrift und Dienstsiegel." Auf das Schreiben drückte sie dreimal einen Stempel mit dem Wort „Erledigt" in der Weise, daß die Fälschungen möglichst verdeckt wur- den. Ferner fertigte sie ein KveitcS Schreiben an, welches den An-� schein erwecken sollte, als ob Exzellenz von Kirchbach von den? Lazarett-Delegterten den Auftrag zur Beschaffung von Lebensmittels erhalten und als ob sich Exzellenz v. Kirchbach dieserhalb mit ihr in Verbindung gesetzt habe. Diese„Urkunden" legte sie Herrn Fritz Körting vor und dieser beteiligte sich zunächst mit löjiöö Mark, wobei er sagte:„Mich müssen Sie aber extra gnt stellen!" Sie habe ihm 36 Proz. Gewinn ionerhwlb 14 Tagen zugebilligt. Nach der Mittagspause setzte die Angeklagte noch des nähbren auseinander, wie sich Herr Fritz Körting durch die beiden Urkuxiden habe täuschen lassen und sich mit Einlage» betätigte» ebenso' wie seine Schwester Frau Wille. Dann ginge» die Einlagen von den verschiedensten Personen in immer größeren Posten ein, dse An- geklagte sorgte durch übertriebene Schilderung ihrer GeschLftsver- bindungen mit Exzellenz von Kirchbach, dem Kommandtznr des 13. Armeekorps, und anderen hohen Herren dafür, daß ihr immer neue Einleger zuflogen, und sie brauchte solche, um die früheren Einleger befriedigen zu können. Es kam ihr dabei zu Hilfe, daß die meisten Einleger ihr Guthaben immer wieder stehen und„weiter- arbeiten" ließen. Als die Zentraleinkaufsgesellschaft ihre Tätigkeit begann und die aus dem Auslande eingehenden Lebensmittel mit Beschlag belegte, wurden einige Einleger darüber stutzig,, baß die An- geklagte immer noch imstande war, aus dem Auslande Lebensmittel ZU beziehen, wie sie behauptete. Sie redete deshalb liefen Leuten vor, daß ihr dies nur möglich sei, weil sie mit hochstehenden Personen einen Gesell schaftsvertrag /über Ein. führung von Lebensmitteln für die HeereSver- w a l t u n g eingegangen und deshalb in der Lage ff.i, trotz alledem noch solche Lebensmittel in großen Posten zu erhalütn. Sie fälschte dann einen dahingehenden Gesellschaftsvertrag,'in welchem der Oberstleutnant Diencer, Ehemann ihrer Schwägerin, der General- dircktor Cassinone in Wien und ein gewisser Bock, als Gesellschafter bezeichnet waren und als solche auch angeblich unterschrieben Haben sollten. Diesen Vertrag gebrauchte sie aber nicht, weil sie sich sagte, daß sie mit noch Hochtönenderen Namen austmirten mußte. Des- Halb fertigte sie einen neuen Gesellschaftsvertlrag an, in welchem Exzellenz von Kirchbach-DrcSden, Oberstleutnants Diemer-Kassel, Graf Nohn in Wien und sie selbst bezeugten� daß sie eine Ge- sellschaft zwecks Einfuhr von LebensinitvAn im Großen aus dem Auslände und Jnlande und Pteröußernng an Behörden gebildet hätten. Ihre angebliche Beteiligung sollte danach 326 666 M., die der anderen je 156 666 M. be- tragen. Die Unterschriften wurden von ilKr gefälscht. Da manchen Einlegern es wunderlich erscheinen mußtq, daß b» ihren angeblich in viele Millionen gehenden Gesck-äften vrur ein so verhältnismäßig geringes Kapital zur Verfügung stand,«crtigte sie einen neuen Ge- sellschaftsvertrag an, wonach die drei Mitgcsellschafter je 656 666 Mark und sie selbst 626 666 M. als Einlage geleistet haben sollten. Dieser Vertrag war nach dem Meisten eines in ihren Händen be- findlichen echten Vertrages angefertigt und der Name eines angeb- lich in Leipzig wohnenden RechtsantaBlts darunter gesetzt. Ferner ließ sie sich Stempel anfertigen mit!»m Aufdrucken„Einkaufs. g e f e l l f ch a f t Berlin. Cass/el, Wien. Stuttgart", „E i n k a u f s g e f e l I f ch a f t. 1. L/agerhalterei für Nah- rungsmittel 19. A, K. L e itz z i g",„E i n ka u f sah t e i- I u n g O. K. 19. A. K. Leipzig" und„Intendantur des 13. A rm en ia ko rps(sie!) ht ei pzig". Bei' dem letzten Stempel hat sie einen ganz besonderen Trick in Anwendung gebracht. Um ihre Verbindung mit der Militärbehörde glaubhast zu machen, muffte sie einen Rundstempel m« dem Reichsadler unter die Schrift- stücke setzen. Sie verlangte dejßalb in dem betreffenden Stempel- geschäft einen solchen Stempel,-lder einen derartigen Adler aufwies. Dies Verlangen wurde aber abgelehnt und ihr gesagt, daß dies der- boten sei und nur ein Phanto/iieadler gewählt werden könne. Die Angeklagte gab nun einen Stempel, der einen derartigen Adler auf- wies, mit folgendem Text in/ Auftrag: Einkaufsabteilung Frauen- hilfsbund Oberkail 19. A. iL, Dann schnitt sie das Wort„Frauen- Hilfsbund" und von dem Worte Oberkail die letzten Buchstaben her- aus, so daß der Stempel mn lautete:„Einkaufsabteilung Oberk. 19. A. K." Den gefälschten Eesellichastsvertrag hatte sie mit dem Namen eines angeblichen Ktotars Max Brucker-Leipzig unterzeichnet und es ist niemand der Interessenten aufgefallen, daß dieser Leipziger Notar e/Is..Notar im Bezirke des Kam- mergerichts" bezeichnet war. Sie ließ sich dann, als manche Einleger Wünschten, näheres über ihre Geschäftsverbindung zu erfahren, Formnloitf drucken, die links oben den Ausdruck„Ein- taufsabteilung 1 für Nfahrungsmittel" trugen. Diese füllte sie z. B. so aus: 186 666 Kilo i�lockwurst, Dauerware zum Preise von 7,86 M. pro Kilo, Gesamtbetajig 1 466 666 M. Lieferung hat spätestens am 15. Januar 17 zu erzlolgen. Zahlung am Tage der Abnahme. Die Intendantur des C�irdekorps, Berlin L., Hegelplatz." Oder:„36 Waggon kondensiert, Milch(Nestle) in Kisten zu 56 Dosen zum Preise von 58 M. /-ro Kiste. Gesamtbetrag 522 666 M. Lieferung 1. November 1916«an das 19. Armeekorps Leipzig. Zahlung erfolgt am Tage der Abnahme durch die Intendantur des Gardekorps Berlin." Diese Bestellscheine waren mit dem von ihr erworbenen Stempel unterstempelt und zeigten die Unterschrift von der Planitz. Sie waren adoissiert an die„Einkaufsgesellschaft Berlin, Cassel, Stuttgart, Wie»:, vertreten durch die Firma M. G. Kupfer." Durch weitere Fälschungen verstand sie es, den Anschein zu erwecken, als ob die Z. E. M. die Einfuhr der bezeichneten Lebensmittel freige- geben habe. Auckj hier wurde die Täuschung durch Benutzung ftn- gierter Uiitckrsckiriftcn und undeutliche Aufdrückung des Rund- stempcls bcf. Einkaufsabteilung erleichtert. Justizrat Dr. Lö- Wensreim iveist daraus hin, daß eine.Einkaufsabteilung Lager- batierei fio Nahrungsmittel 19. Armeekorps Leipzig" gar nicht exi- stiert, die/: Behörde vielmehr von der Angeklagte» frei ersunde» sei. Es werde sieb fragen, ob unter diesen Umständen, wo die Be- Hörde gar nicht besteht, von einer Urkundenfälschung in diesem Falle die Rede sein kann.— Um die Einleger weiter in Sicherheit zu wiegen, fälschte sie weiter Briefe und zum Beweise, daß sie auch riesig« Summen erhielte, auch Schecks, um den etwa ungeduldig werdenden vorzuspiegeln, daß sie in kurzer Zeit auf die Schecks große Beträge bekommen würden. Vorsitzender: Ihnen wird nun auch zum Vorwurf ge- macht, daß Sie übermäßigen Aufwand getrieben haben.— Angeklagte(lächelnd): Nun, so wie es gemacht wird, ist es doch nicht.— Vorsitzender: Na, Sic müssen doch zweifellos zugeben, daß Sie in letzter Zeit Schulden hatten, die über das gewöhnliche Matz weit hinmisgehen.— Angeklagt«: Ick mußte doch nach außen bin so auftreten, wie es meinen anscheinend riesigen Einnahmen entsprach. Ich Hatte doch großen Verkehr bekommen, man hielt mich sitr wahnsinnig reich, man wunderte sich sogar, wie bescheiden wir lebten.— Vorsitzender: Zum Beispiel haben Sie bei der Blumenhandluna von Ziesener in der Zeit vom 26. Oktober 1916 bis 14. Dezember 1916 nicht weniger als stör 912 Mark Blumen bezogen, darunter allein einen Lorbeerkranz für 156 M. Für wen war denn dieser Lottbeerkranz?— Angeklagte: Für Herrn Ingo Brandt.— Vorsitzender: Das sind dock Ausgaben, die mit ihren reellen Einnahmen im argen Mißverhältnis stehen.— Justizrat Dr. Löwenstei n: Man darf doch nicht vergessen, daß in jener Zeft bei der Angeklagten Millionen eingegangen und Millionen ans- gegeben worden sind.— Vorsitzender: Es ist noch eine zweite Bbumenrechnung vorhanden, so daß sich ergibt, daß Sie in nicht ganz 3 Monaten 1 481 M. für Blumen ausgegeben habe». Be' der Firma Demnth haben Sic in den Monaten November und Dezember 1297 M. an Lederwaren, Kristallschalen usw. zu zahlen gehabt, bei Rollenhagcn in der Tauentzienstraßc in 3 Wochen 2796 M. für Delikatessen und Fleisch- waren, bei Gerson hatten Sie zur Zeit Ihrer Verhaftung ei» Konto von 26 676 M. für Kleidungsstücke, Wäsche usw., außerdem haben Sie bei der Firma 66 666 M. bar bezahlt gehabt für Einrichtung Ihrer Wohnung; be' Eich Irr pabtn Sie in wenigen Wochen für 842 M. Gold- und Silbcrwaren .bezogen, bei Dahlheim 8666 M. für Ausmöblierung Ihrer Wob- ' nung usw. Für ein Mietauto sollen Sie täglich 50—66 M. ausgeben haben, auch sollen Sic große Gesellschaften gegebene haben. — Angeklagte: Das ist nicht wahr! Ich bekam nur hin und wieder Besuch von mehreren befreundeten Persönlichkeiten oder auch von Einlegern, die eS mehr liebten, die geschäftlichen Dinge in- offiziell mit mir zu besprechen.— Vorsitzender: Sie sollen aber auch wiederholt Ihre Besucher in Restaurants geführt und da- bei an manchen Wenden 156 M. ausgegeben haben.— Angeklagte: Das ist richtig, aber Herr Präsident müssen doch be- denken, daß ich im allgemeinen für eine sehr reiche Dame galt. Der Vorsitzende erörtert dann die unordentliche Buckssührung der Angeklagten. Justizrat Dr. Löwen st ein betont, daß die Auge- klagte neben ihren Schwindelgeschäften doch auch sehr ernste Unter- nchmungen ins Leben zu rufen bemüht war und alle Aussicht haben konnte, aus den Erträgnissen dieser Unternehmungen sich ihrer Ver- pflichtungen entledigen zu können. Sie war, wie sich weiter ergibt, mit Herrn Dr. Alex Marx und dem Direktor Mojat zwecks Grün- dung einer Elektroschmelze zur Herstellung von Schmirgel in Ver- bindung getreten. Es schwebten Verhandlungen über Gründung des Schmelzwerks Elversingen, welches Ferrosilizinm herstellt, und es kam auch zu einem Vertrag«, bei dessen Abschluß die Angeklagte 66 666 M. zu Steinpelzweckcn einzahlte. Sie ist später ihren wetteren Verpflichtungen nicht nachgekommen. Nach einigen Anregungen des Rechtsanwalts Kalischer über die Vernehmung des als Zeugen geladenen, aber nicht erschienenen Generaldirektors Cassiaone-Wien werden noch zwei Zeugen vc'r- nommen. Erich Stolz, Landwirt, jetzt Ritttneister, hatte von seinem Bruder gehört, daß er sich an einem KriegSunternehmcn beteiligt habe, welches guten Gewinn abwerfe. Seine beiden Brüder haben dann für ihn auch 1666 M. eingelegt und schrieben ihn: nach' kurzer Zeit, daß er sich bei seinem Urlaub im Februar eine größere Gewinnsummme schon abheben könne. Inzwischen war aber die Katastrophe schon eingetreten. Der Zeuge bat den Namen der Frau Kupfer nicht gekannt, auch nichts von den Verhandlungen seiner Brüder mit der Angeklagten gewußt. Frau Kunstmaler Helene Körting, die von ihrem Schwager Fritz auf die lukrattven Geschäfte der Frau Kupfer aufmerksam ge- macht worden war, hat sich zur Hergabe von 12 666 M. verstanden, nachdem ihr die Angeklagte eine Beteiligung als..gute p a t r i o- tische Tat" angcrühut hatte und ihr auf Erkundigung von dritten Personen das Kupfersche Unternehmen als durchaus reell geschildert worden war. Sie gehört nicht zu den Geschädigten, denn sie hat alle 16 Tage 26 Proz., in einem Monat also 66 Proz. Zinsen erhalten. Sie glaubt 15 666 M. auf ihre Einlage zurückbekommen zu haben, Frau Kupfer behauptet dagegen, 21 666 M. und verweist auf ihre Belege. Täglich seien ihr 66, 86 bis 166 666 M. durch die Hände gegangen, sie besitze Rechnungen in Höhe von etwa 3 Millionen Mark und besitze über die allermeisten Belege. Die weitere Beweisaufnahme wird sodann auf Mittwoch 9 dl Uhr vertagt._ GroßSerlin Herstellung von Hausschuhe» uud Pantoffeln. Ter UeberwachungSausschuß der Schuhindustrie veröffentlicht im.Reichsanzeiger" eine Bekanntmachung, wonach sämtliche Rohmaterialien sowie alte med neue Betleedungsgegenstände jeder Art, die zur Herstellung von Hausschuhen und Pantoffeln dienen und sich im Eigentum, Besitz oder Gewahrsam von Herstellern von Schuhwaren befinden oder dahin gelangen, beschlagnahmt sind. Diese Beschlagnahme hat die Wirkung, daß die Vornahme von Veränderungen an den von ihr berührten Gegenstäirdcn verboten ist und rechtsgeschäftliche Verfügungen über sie nichtig sind. So- weit sich die beschlagnahmten Gegenstände im Eigentum, Besitz oder Gewahrsam eines Herstellers von Hausschuhen uud Pantofsetn befinden, ist auch die Verwendung und Verarbeitung im eigenen Betriebe sowie jeder Wechsel im Gewahrsam diei'er Gegensiände verboten, soweit nicht in der Bekanntmachung Ausnahmen zü- gelassen sind. Trotz des Verbotes können ohne besondere Genehmigung von Cord, Plüsch, Samt, Veivet, echten und imitierten Kamelhaar- stoffen, Lcdertuchen, Papiergeweben, Militärtuchabfällen und aller übrigen beschlagnahmten Gegenstände bis zu 25 Proz. der am 36. Juni 1917 vorhandenen Mengen von Herstellern von Schuh- waren, soweit sie Gesellschafter einer Schuhwarenherstellungs- und Vertriebsgesellschaft sind und auf der Liste der weiterverarbeitendcn Betriebe stehen, zur Herstellung von Schuhwaren verwendet werden. Die Besitzer der beschlagnahmten Gegenstände sind verpflichtet, diese bis auf weiteres zu verwahren und pfleglich zu behandeln. Der Teil der Gegenstände, deren Verwendung und Verarbeitung gestattet ist, ist getrennt von den übrigen beschlagnahmten Gegen- ständen aufzubewahren. Sämtliche Hersteller von Schuhwaren sind verpflichtet, die Be- stände an Robmaterialien, die zur Herstellung von Hausschuhen und Pantoffeln dienen und sich in ihrem Eigentum, Besitz oder Gewahrsam befinden, auf besonderen Vordrucken, welche voui UeberwachungSausschuß der Schuhindustrie ausgegeben werden, zu melden. Die Vordrucke sind, soweit sie nicht den Herstellern zu- gesandt werden, bei den Schuhwarenherstellungs- und Vertriebsgesellschaften in Empfang zu nehmen. Für die Meldepflicht ist der am Beginn de? 36. Juni tatsächlich vorhandene Bestand maß- gebend. Die Meldung ist bis zum 16. Juli au den UeberwachungSausschuß der Schuhind ust rie, Belli» SW, 19, Zöeutdftr. 5, tthjussnicu. Alle Abgänge fc« jur Verwendung freigegeben«« Rohstoffe find am W.«od Ä. eines jeden Monats, zum erstenmal am LS. Juli, dem lleber- Wachungsausschuh der Schuhindustrie zu melden. Ebenso sind alle Zugänge an dem gleichen Tage dem Ueberwachungsausschuß der Schubindustrie zu melden. Den Vorschriften dieser Bekanntmachung unterliegen wicht: 1. Betriebe der Heeresverwaltungen und der Marineverwaltung, 2. Hersteller von Straßenschuhlverk ohne Lederböden, 3. Schuh- macherei- und Reparaturwerkstätten. Auf besonderen Antrag kann die Geschäftsführung des Ileberwachungsausschusses der Schuh- industrie weitere Ausnahmen von den Bestimmungen dieser Be- kanntmachung gestatten. Auf die Nichtbefolgung dieser Vorschriften sind Strafen bis zn einem Jahr Gefängnis und 1b 000 M. Geldstrafe festgesetzt. Paritätisch« Arbeitsnachweis für die Transport- gewerbe. Auf Anregung des Magistrats haben der Arbeitgeberverband /Ortsgruppe Berlin) in den Transport-, Handels- und Verkehrs- gewerben und der Deutsche Transportarbeiterverband(Bezirks- Verwaltung Groß-Berlin) sich entschlossen, einen paritätischen Facha cbeitsnachweis zu schaffen. Dieser wird dem Arbeitsnachweis der Stadt Berlin als Fachabteilung angegliedert und in den Räumen des Arbeitsnachweises der Stadt Berlin zu Berlin C, Ruckerstr. 9, am 2. Juli eröffnet. Die Arbcitsvermittelung erfolgt kostenlos, und zwar: für das von den verschiedenen Branchen des Transportgewerbes benötigt« Kutscher-, Arbeiter- und Mitfahrerpersonal als auch für das von den ver- schicdenen Branchen des Handelsgewerbes benötigte Haus- diener-,� Packer-, Boten- und Kutscherpersonal usw., sowie sämt- lichc» für das Verkehrsgewerbe benötigte Personal und für Kraft- Wagenführer aller Gattungen und Systeme werktäglich in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 4 bis 6 Uhr nachmittags.— Die Bestellung von Arbeitskräften bzw. die Meldung offener Stellen können durch die Post oder auch tele« phonisch— Amt Norden Nr. 287b— 77 und 11 OIL— 47— erfolgen und werden solche werktäglich in der Zeit von 7 Uhr morgen? bis b Uhr abends entgegengenommen. Rafierlehrgänge für Barbierfraven m»d-Töchter. Der Berliner Polizeipräsident hat die Berliner Handwerks- inmtncr um Auskunft darüber ersucht, ob sie es für zweckmässig er- achtet, kurze Lehrgänge im Rasieren lediglich für die Frauen und Züchter der zum Heeresdienst eingezogenen JnnungSmitglieder durch, die Innung einzurichten. Von den darauf befragten drei Innungen haben sich zwei gegen den Plan, die Perückenmacher, und Friseur- Innung aber dafür ausgesprochen. In der letzten Vorstandssitzuug der Berliner Handwerkskammer wurde hervorgehoben, daß den von den beiden Innungen ausgespochenen Bedenken dadurch entgegen- petommen werde, daß zu dem Rasierlebrgängen nur die Frauen und Töchter der eingezogenen Barbiermeister zugelassen werden sollen. Die Ausbildung ihrer Frauen und Töchter im Rasieren würde eine Beruhigung und Wohltat für die im Felde stehenden Barbicrmeister fein. Der Hrmdwerkskammervorstoud beschloß, im Sinne dieser Ausführungen sich dem Polizeipräsidenten gegenüber gutachtlich zu äußern. Wir sehen nicht recht ein, weshalb nicht auch andere Frauen und Mädchen zu diesen Lehrgängen zugelassen werden sollen.. Auch in anderen Gewerben zieht man heute unbedenklich weibliche Ar- beitskräfte zum Ersatz der fehlenden männlichen heran, ohme nach der Abstammung der Betreffenden zu fragen. Od» ist der Stand der Barbiere und Rasen» eine Aristokratie, zu der man, wie etwa zum hohen Adel, durch Geburt prädestiniert fein muß? �rühweiftkohl-Sanerkrant. _ Die Kriegs gesellschaft für Sauerkraut hat bestimmt, daß Früh- Weißkohl auch in diesem Iah» zu Sauerkraut verarbeitet werden darf. Das Frühweißkohl-Saueörant kann bei seiner nur beschränkten Haltbarkeit nicht rationiert werden. Auch einen einheit- liehen Höchstpreis dafür festzusetzen, ist nicht möglich, weil die Preise für den. Frühweißkohl inner balb des Deutschen Reichs sehr der- schieden sind und mit dein Fortschreiten der Ernte ständig sinken. Nach einer im«Reichsanzeiger veröffentlichten Bekanntmachung wird vielmehr der Preis, den die Hersteller beim Absatz von Sauer- kraut höchstens in Anrechnung bringen dürfen, von der Kriegsgesell« schuft für Sauerkraut stets für den Einzelfall unter Berücksichtigung der Gestehungskosten endgültig bestimmt werden. Damit eine wirk- saine Kontrolle stattfinden kann, dürfen die Hersteller das Knnit nur gegen einen von der Kriegs gesellschast für Sauerkraut auSge- fertigten Bezugsschein liefern. Die Fabriken werden außerdem von einem bei der ReichZstelle für Gemüse und Obst eingerichteten, mit fachmännisch vorgebildeten Kräften besetzten Revisionsbureau stön- dig überwacht werden. Diese Regelung gilt nur für doS vor dem 1. September 1917 eingeschnittene Kraut und nur bis zum IS. September 1917. Von diesem Tage ab wird das gesamte Sauerkraut wie im vergangenen Winter und Frühjahr planmäßig cm die Bundesstaaten verteilt werden, die ihrerseits die ihnen überwiesenen Mengen den Kom- urunalocrbändeu zur Abgabe an die Verbrauch» zuleiten werden. Die Preise für das rationierte Sauerkraut werden noch festgesetzt werden. Zuckerkarte« entwerte» Die Kleinhändler find»»pflichtet, vom 1. Juli ab alle Zuckerkarten und Zuckerkartenabschnitte, auf denen sich der Ver- merk.Gültig ohne Eintragung in die Kunden- liste" befindet, nach Abnahme derselben und nach Aushändigung des Zuckers dadurch ungültig zu machen, daß die Karten oder Ab- schnitte von dem Kleinhändler mit dem Datum der Einlösung und außerdem mit dem Firmenstempel versehen od» durchkreuzt werden. Die Großhändler dürfen nur solche Karten und Abschnitte tn Empfang nehmen, welche dementsprechend ungültig gemacht find. Karl Glashagen-f. Zn ihm ist ein Genosse gestorben, der von jung auf in der Parteiarbeit stand. Auf jedem Posten ruhig, ja V»- schlössen, aber immer tätig, nur geleitet von dem einen Gefühl» der Pflichterfüllung gegen die Partei. Schon unter dem Sozialisten- yesetz war et aus Pommern nach Berlin gekommen und hier der Partei beigetreten. Im 2. Berliner Reichstagswahlkreis gehörte er zur Interna uni> mannigfache Posten übertrug ihm damals das Vertrauen der Parteigenossen. Dann war er um die Jahrhundert- wende mit dem ihm voraufgegangenen Hermann Werner d-er die Parteigeschäste leitende Vertrauensmann des Kreises. Auch den anderen Zweigen d» Arbeiterbewegung widmete er seine Kräfte. Jahrelang war er Funktionär des Transportarbeiterverbandes, bis seine Stellung als Lagerhalter des Konsumvereins ihm die hierzu notwendige Zeit nicht mehr ließ. Aber in der Parteiorganisation des 5. Kreises, in dem er in dem letzten Jahrzehnt wohnte, war er als Bezirkssührer ständig auf dem Posten. Nach der Zerreißung der Organisation durch die Unabhängigen, die ihn mit tiefem Schmerz»füllte, übernahm er das Amt des Kassierers. Schon krank, begab er sich vor kurzer Zeit zu einer Sitzung der Wahlkreis- kassierer. Das Pflichtgefühl wollte den kranken Körper meistern. Aus der Fahrt verließ ihn die Kraft, an der richtigen Haltestelle den Wagen der Straßenbahn zu verlasse». So fuhr er weiter. Aus dem Tempelhofer Felde raffte er sich nochmals zusammen. Er konnte aus dem Wagen steigen, aber nach wenigen Schritten brach er zu- fammen. Vorübergebende hörten seine Stimme nicht und er ver- brachte die ganze Nacht in diesem hilflosen Zustande auf dem Felde. Seitdem machte die Krankheit schnelle Fortschritte. Heute n�ch- mittag wird sein Körp» den Flammen übergeben. Nene Zweigkaffen der Berliner Sparkasse sind in der Brücken- allee 21(Bahnhof Bellevue) und in der Großbeerensir. 31 eröffnet worden. Von 9— 2 Ubr finden dort Ein- und Rückzahlungen auf olle Sparbücher der Berliner Sparkasse statt, auch werden neue Sparbücher an-geftelll und Zürsen gulgejchricben. Do« Deimewktzfiroß« wirb vom«. Funk aS fite de» Brausebadbetrieb mit laltem Wasser ohne Gewährung von Bade- Wäsche und Seife wieder eröffnet. Die Betricbszeiten sind Wochen« tags von 10— und von— 8 Uhr und Sonntags von 10 bis 12 Uhr. Ein Volkskonzert des Philharmonischen Orchc sters findet am beuiigen Mittwoch in der Philharmonie, Bernburger Straße 22/23. statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr, Eintrittspreis 30 Pf., Kassen- erössnung 7 Uhr. Ein neu» Schwindel im Rennsport. In den Wettbureaus werden Wetten in der Welse angenommen, daß der Wettlnsiige ansagt, auf welches Pferd er setzen will. Eme Schreiberin füllt hiernach einen Vordruck und ein Pansblatt aus. Die Urschritt bekommt der Wettende. Das Pausblatt bleibt im Bureau zurück, um es mit der Urschrift zu vergleichen, wenn der Wettende auf diese hin einen Ge- wirni abbolt. Der Schwindler fälscht nun die Urschrift. Hat er z. B. auf zwei Pferds je b M. gesetzt, so macht er daraus je 50 M. Dann fügt er an dritter Stelle mit dem gleichen Satz ein Pferd hinzu, das in der Provinz irgendwo schon gewonnen hat. Auf den so gefälschten Schein, der keinen Verdacht erregt, weil er ja auch zwei Nichlgcwinner enthält, läßt sich der Fälscher in Kaffeehäusern und anderen Wirtschäften, die von Anhängern des Rennsports viel besucht werden, Darletzen geben. Es ist noch nicht gelungen, sein» habhaft zu werden. Bei der„Arbeit" überrascht und festgenommen wurden in der Nacht zu Dienstag zwei Schaufenstereinbrecher. Ein Schutzmann beobachtete, wie an einem Geschäft in der G r o ß e n F r a n k- furter Straße ein Mann mit einem Stein die Schaufenster- scheibe einschlug, während in einiger Entfernung zwei andere standen, um aufzupassen. Er ergriff den Einbrecher, während die beiden Schmieresteher davonliefen. Der Beamte vermutete, daß sie, wählend er den Ertappten, einen der Kriminalpolizei schon be- kannten Arbeiter Otto P o hfl, nach d» Wache brachte, wieder- kommen würden, um die Ausplünderung des Ladens fortzusetzen. Und in der Tat, als er zurücklehrte, hatten die beiden das Loch in der Scheibe noch erweitert«nd waren gerade beim Dusräumen. Es gelang ihm/einen, den Arbeiter Karl Heinrich, festzunehmen, während d» andere entkam. Eharlotteniurz. Verteilung von HafrrnLhrmittek«. Nm der Bevölkerung bei der augenblicklichen Knappheit an Kartoffeln einen weiteren Ausgleich zu bieten, hat der Magistrat beschlossen, in der Zeit vom 28. Juni bis 7. Juli auf Abschnitt 104 der roten Nah- rungsmittellorte statt der angekündigten Menge von 126 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung 376 Gramm Hafernährmittel abzu- geben._ Eöpenick. Der verkauf von Kok? auf dem städtischen GaSwerl findet von Donnerstag ab nur noch Montags und Donnerstags jeder Woche, und zwar vormittags von 8— 11 Uhr nnd nachmittags von V23 bis Va5 Ahr statt._ Steglitz. Ein örtliches Wahlnurecht beseitigt. D« sozial- demokratischeWahlrechtSantrag wurde in der Gemeinde- vertrctersitzung am Montag ein st immig angenommen. Da- mit ist endlich wieder das im Jahre 1901 beschlossene Ausnahme- gesetz beseitigt, daS den anderthalbfachen Steuerdurchschnilt statt des einsachen zur Grundlage der Dreiteilung der Wählerschaft be- stimmte. Um auch bedürftigen Schülern der höheren Schulen einen Ferienaufenthalt zn ermöglichen, wurden 6000 M. bewilligt. Fern» wurden zu den im Etat vorgesehenen 400 M. für Ferienansflüge der daheimgebliebenen B 0 I k S s ch ü I e r weitere 500 M. bewilligt. Pankow. Der Bürgermeisterposten Wied»«uiesrtzt. D» bereits vor rmem Jahre gewählte Bürgermeister von Bergedorf bei Ham- bürg, Dr. Walli, hat jetzt in einem längeren Schreiben dem Ge- mcindcvorstand mitgeteilt, daß er den Antritt der Sielluug als Ge- meindevorsteher äblehnen müsse, nachdem ihn die städtischen Körper- schalten von Bergedorf auf Lebenszeit gewählt haben. Die Ge- meiiidebebördeil von Pankow werden sich daher demnächst wieder mit der Wahl eines Nachfolger» für den im September 1916 in Polen gefallenen Bürgermeister iffchr zu beschäftigen haben. Soziales. Betriebsunfall vdcr allmählich entstandene Augennkrankting? Em Maur» hatte an einem Tage einen fast« i» n n d e i n- halben Zentner schweoen Stein gehoben. Unmittelbar nach dem Anheben des Steines konnte er auf dem einen Auge nichts mehr sehen, es war ihm,„als läge ein Schleier" davor. Der Arzt, den er aufsuchte, stellte eine Netzhautablösung fest. Der Maurer führte dieses ans das Anheben des schweren EteinS zurück und stellte bei der Hessisch-Ras sauischen Baugewerks- Berufsgenossenschajt Antrag auf Gewährung d» Unfall- reute. D» Verletzte wurde indessen abgetviesen,»wefl die Netz- Hautablösung des Auges eine Krankheit darstelle— die allmählig entstanden sei; auf einen Betriebsunfall könne dieselbe indes nicht zurückgeführt toCTben*. Gegen den AblehnimgSbeschesd wrrrde Berufung eingelegt. Das OberversicherungSamt in Darmstadt ford»te ein ärztliches Gut- achten von der Marburger Universitäts-Augenklinik ein, die sich für den ursächlichen Zusammenhang der Netzhautablösung mit der Betriebsarbeit an dem fraglichen Tage aussprach. Darauf ver- urteilte das OberversichcrungSantt die Berufsgenossenschaft zur Zahlung d» Unsallrente. ' Die Berufsgenosseuschaft gab sich damit indessen nicht zufrieden. Sie legte gegen das Urteil Rekurs beim Reichsversicherungsamt ein; sie beantragte Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und Wiederhecstelllmg ihres Endbescheides. Zur Begründung ihres An- träges bezog sie sich auf ein von ihr erfordertes ärztliches Gutachten der Heidelberg» Universitätsklinik. Das Reichsversicherungsamt, vor dem die Sache vor einiger Zeit zur Verhandlung anstand, batte noch ein ärztliches Obergnt- achten der Berliner Universitäts-Augenklinik eingefordert, das vom Herrn Prof. Dr. K. erstattet, sich für den ursächlichen Zusammen- hang der Netzhautablösung mit dem Heben des anderthalb Zentner schweren Steines aussprach. Im Verhandlungstermin vor dem Re ich sv» sich e rirngS a m t bemängelte der Vert: r der Berufsgenossenschaft die Gutachten, die sich für den Zusamn nhang erklärten; besond»? das Ob»gutachten der Berliner Universität, ineinte d» He» Vertreter, sei nicht st i ch h a l t i g. Der Obergutachter gehe von der Voraussetzung aus, daß das Heben eines anderthalb Zentner schiveren Steines eine besonders große Kraftanstrengung erfordere und weit über das übliche Matz der gewöhnlichen Betriebstättgkeit hinausgehe. Das müsse er— der Herr Vertreter— bestreiten. Für einen Maurer sei das Anheben eines anderthalb Zentner schw»en Steines keine außergewöhnliche Tätigkeit, sondern liege im Rahmen der gewöhnlichen Betriebstäti gleit(!?) Trotz dieser elementaren„Weisheit" des Herrn Vertreters der Bcrufsgenossen- schaft war der erkennende Senat anderer Meinung. Er schloß sich dem ärztlichen Obergutachten der Berliner UniversitätsAugenklinik an und wies den Rekurs der Berufsgenossenschaft zurück. Damit war dem Verletzten endgültig sein Recht geworden. Srhskäften öer Reöaktion. 5!n[ N. 65. Wir bedauern, Ihnen zu diesem Unternehmen keinen Nat erteilen zu tonnen.— Vi!.;S8. Darüber find uns autbentische Mitteilungen nicht zugegangen.— M. M. 55. Vielfache Verhärtung, Ver- irorliumg.— W. 50. Zweijährige forstliche Lehrzeit aus einer Forstlehr- lingöschule oder bei einem zur Lchriingsannabme ermächtigten Forst- beamien. Dami längerer Militärdienst im Jägerkorps. Abschlußprüfung. Gehalt bis 2600 M. und übliche Nebenbezüge.— L. M. N. 5Ä. Nein. — L. 18. Mit Ihrem früheren Verdienst hat das zwar nichts zu tun, diese 2 M. Wohnungszuschuß und Unterstützung wird aber nur dann an Ihre Frau gezahlt, wenn Ihr jetziger Verdienst geringer ist, als die bisher bezogene Fainllienunterstützung zuzüglich Ihrer Löhnung nebst freier Ver- Pstegung und Kleidung.—.?>. Seh. 35. Das soll nicht erlaubt sein. sühren Sie instanzenmäßige Beschwerde.— Branig. Wenden Sie sich zunächst an daS KriegSminnterium.— Pachter. Der Vertrag ist gültig und ka'.m Ihnen auch gekündigt werden. Wenden Sie sich aber unter Darstellung des Sachverbalts an das Oberkommando in den Marken. — P. H. 116. An den Zivilvorsttzenden der Ersatzkommisston.— F. A. Ja.—(f. 31, Landstrumpflichtig, nervenleidend. Zur Steuerzahlung kann er erst vom Mai an verpflichtet werden.— A. S. 48. Erkundigen Sie sich darüber bei der Gewerkschastskommisston, Engciuser Ib. — W. W. 42. 1. Das kommt.darauf an, wie hoch das Einkomme!» de» Frau ist, ob Bedürftigkeit angenommen wird. 2. Ja. 3. Bei uns in der Sprechstimde.— H. H. 113. Die Anerkennung der Vaterschaft kann in dem Falle auch durch Klage erwirkt werden. DaS muß aber der Vor- mund veranlassen.— Hertha 43. An das Generalkommando, dem der Truppenteil Ihres Mannes unterstellt ist.— H. 000. Ja.— C. I. 1. Ja, durch Klage beim Amtsgericht. 2. Ja, an den Arineirnorsteher deBezirks, wo Sie Jbren Wobnfitz haben.— A. M. ICO. 1. Kriege- wucheramt Bcrlin-Schöneberg, Aposlcl-PauluS-Str. 9. 2. Boubonfabrikation, Preis 4,50 M., zu beziehen durch Buchhandlung Vorwärts, SW 68, Lindenstr. 3. ?SetteranSstchten für das initiiere Vkorddentschlan» bis Tonnerbtag mittag. Etwas kühler, vorherrschend wolkig, mit leichte». nur im Küirengebieie stärkeren Negensällen; stellenweise Gewitter, dazwischen zeitweise aufklarend. Sozialrlem. Verein inr Berlin Yl (Sozialdein. Partei Deutschl.) Nachruf. Heute wüd unser alt« Mld treu« Genosse M&m Biftteipf zur letzten Ruhe bestattet. lleber 26 Jahre war er Funk- tivnär im 6. Kreise. Er gehörte zu denen, die gewissenhaft ihres Amtes walteten und treu zur sozialdemokratischen Partei hielten. Sein mannhaftes Eiritreien für unsere gerechte Sache bewahrt ihm ein bleibendes Andenien bei allen Genossen. L2g/18 i>er Vorstand. Mus aller Welt. Ein regelmäsiigcr Luftpostdienst nach Sardinien, wird am 27. Juni von Eivitaveeehia aus beginnen. Er untersteht dem italienischen MunflionSulinister. Die Einäscherung unseres ver- � storbenen Mitgliedes, Herrn Watter Ermisch j Berlin, Grünthaier Straße 27, i findet morgen Donnerstag, nach- mittags 6 Uhr, im Krematorium | Sertin, Gerichtstr. 37, statt. Ehre seinem Nudenken I Yerrln öer für Fnnsr- FreWeDker bestatlnng. Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 22. Juni verstarb uns« Mitglied, Frau hM SacliÜefeeB geb. SMecbcrt (Biesdorf) im 78. Lebensjahre Ehre ihrem Slndenker.l Die Einäscherung findet am j Donnerstag, den 28. Juni, nach« mittags 6 Uhr, im Krematorium! Baumschulenweg statt. Um zahlrriche Beteiligung bittet\ 292/20 Wer Vorstand. ZentrMand ßsr Hanttajs- geWlIen. Bezirk GroB-Berfls. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser lieber, treu« Kollege Karl Glashagen nach lurzeii! schwerem Leiden im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Noch bis zuletzt hat der Verstorbene der Organisation seine Dienste aiS Revisor der Ortsgruppe geliehen und werden wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 78/20 Die Ortöverwaltung. » Die Einäscherung findet am - Mittwoch, den 27. Juni, nach- mittags 2 Uhr, im Krematorium äj Gerichtstraße 37/38 statt. H Hierdurch allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute, trsusorgende Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante läa Sfanowsky geb. Albrecbt »ach langem Leiden am 24. Julib verstordcn ist. Um stilleS Beileid bitten Paul Lianowak/ und Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Juni, nach- mittag 4 Uhr, aus dem Heilig- Kreuz- Kirchhof in Martendorf, Eisenacher Str. 62, statt. 27696 ßeatste TnmsportaFliBiter-JeriiaBi Bezirksvcrvraltung GroS-Gerlin. Den Mitgliebern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industrie- arbeiter EermaniiMekowskl! von der Airhalt. Maschinenfabrik am 23. Juni im Zllt« von 52 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 27. Jrmi, nach- mittags 2fl, Uhr, von der Leichen- halle des Erlöser-ktzirchhoseS in Stahnsdorf aus statt. Den Mitgliedern fern« zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschästslutscher NM kslrie | von der Firma Vollmann, Schmidstr. 31 am 24. Juni im Alt« dou 35 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 27. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen Halle deS neuen PauIs-5ArchhofeS in Plötzense« aus statt. Den Mitgliedern fern« zur s ! Nachricht, daß uns« Kollege, der. j Kohienarbeiter �5eM lZkogsr am 24. Juni im Alter von s 20 Jahren verstorben ist Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 28. Juni, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des St. Michael-KirchhostS tu Martendorf, Rixdorfer Straße, aus statt. fiteekrtzfe. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Thiele am 20. Juni im Alter von s 87 Jahren verstorben ist. Den Mitgktedern fern« zur s Nachricht, daß unser Kollege, der-Hausdiener NUhelßi Maasler I am 24. Juni im Alter von j j 52 Jahren verstorben ist Ehre ihrem Andenke«.' vis EezirksveewaUung tiMimiviiii'mjj; ui.v.rj'-T-ycer.v.« JBMSJUSÜHEi»: den 25. Juni,] 11»osz Am Montag, j früh 8 Uhr, entschlief saust nach langer, schwerer Lungenschwrnd- sucht mein innigstgetiebter, treu- | sorgend« Mann und Gatte Karl Lchubert im Alter von 52 Jahren. Die? zeigt tiefbetrübt an die trauernde Gattin Ulaiia Schubert, gb Padst, t Utrechter Str. 2. Die Beerdigung findet amz Donnerstag, den 28. Juni, nach« mittags 2 Uhr, von der Wohnung� Utrechter Str. 2 aus iratt. Spsziatarsi l>r. med. IVocbenfaC, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), lür Syphilis. Harn- u. FrauEnieidsn— Ehrlich-Hata-Kiux(Hauer 10 Tage), Blutuntersuchung. Schnalle, sichere schmerzlose Heilang onne Boruis- 215/10j Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 11— 1 und 6— 8 Bttchbindereien, welche grosse Posten Blocks so- fort pagluiere» nnd perforiere» können, gesucht.— Offerten unter „N. 735� an Annoncen-Expeditiol! Adalb. Müller, C, Rosenthal« Str. 36. HeinesWerke 3 Bände 5 Mark- Buchhandlung Vorwärts Ocntschcs Theater. Heute und folgende Tage Sülir: Max Pallcnbcrg in Familie Schimek. Kammcrspicle. Heute u. folgende Tage 7'/- Uhr: lUe Täinzerän (mit LecpolriiRe Konstaiitin). VelUHbühne. Thcat. a.Bülowplatz, ''ntergrundb. Schönhauber Tor. Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: _ IMc Königin der Imft. I.iei»«liJs:-The«tcr. Route u. folg. Tage"»/«Uhr: Marie Otlmann u. Hans WaümaRn in f-iSmS*«* Oper. v.O, Blumonthal. E�BIÜSJBb jvXuaih v. Osk. Straus. Dir. C. Moinhari!— R. Bernauer. Theater i. lt. Königgrätzer Str. K Uhr: feichnitzler-Abcnd. �omödienhays h Uhr: Wie fessle Ich meinen Mann? Besrlifier Theater 7»° Uhr: I>lo tolle Komteii. Theater für Mittwoch, den 27. Juni. Tauhcnstraßo 48/49. Ose insel Rügen. Rose�Theater. 7'/- uhr- ßgr Maan sesaer Frau. Karten!).: Berlin wie es liebt u. haßt. Sfeolfo IWCPRiCtlSTR- AN• PCR• KOOUIB- Allabendlich 71/, Uhr; i>as vielseltlgo Varielö-Programin! Die Kasse ist ab 10 Uhr neöffnot Ilcntsclie» Opernhana 7 uhr: Taimliauser. I riedrich-Wilhelmstädt, Theater. 7'/, uhr: Das Dreimaderlhaiis. Kcbr. IIcrrnfeld-Theater. 7'/. u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater 7-/. u.; Baas ini Schaaltealoeli. Komische Oper %8 uhr: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7'/« Uhr: I>io blonden IRRdela vom Xiindenkol. Neues Operettenhaus hchiffbd. 4a. Kassenteh Nord. 281 vv. u.: Der Süldat der Marie. Metropol-Theater Tv.uhr: Die Czardastürstin. Residenz Theater 7'/. uhr: ßep Leibgardist, SchUlcr-Thcatcr O 7'/. uhr: AM avij ßertrai!!. SchlUer-Th. Charlottcnb. 7-/- uhr: Kammermusik, Thalia-Theater tv. uhr: Solinwandzaiitjer. Theater am Aollendorlpl, tv.u.: Die Gulaschkanone. Theater des Westen« T'/.u.: stolze Thea. Trlanon-Theatcr 7v. uhr: 3er Star. Drahtseil- Akt. Zirkus A. Schumann ßahnh. Friedriohstr, Anf. 8 U. Rauchen gest. KQhler Aufenthalt. große Mas-Iariete-gS�. U. a.: An* der Alm. Roley und Partner, Kom. Radfahrer. Veras plihnom. Peppos kom. Dressur-Akt. tf Sl n_ WM Paxforoe- j Halali Wt-ei.! ¥iT|(liiL-TIEItEB. •i./prnicfcr Sic. 68'/.S Rh: Nur noch einige Tage d. gr. Schlager! Was junge Mädchen träumen...! Uossc mit Kcsang u. Tanz. Musik von Walter Bromme. Vorder.: Dia Lieder des Muelkanten i hin Stück aus der guten, allen Zeit.) �Vaihniia-Thenter. uhr' Zigeuner. Garteiibühne-Berstcllunz. ¥ ol g:t-Tliea ter. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglieb pBe Extravorsteliung. Pieper und Sperling ErfttlafstgeS Tpezlalttäten-Programm. Nns. Sonntag; 4, wochent.'/.5 Uhr. =�==1=================: KÄ Tägh 7»/. Sonnt. S'/. u. 7'/. Letzte Woche! In und die hervorragenden Juni- Spezialitäten. Reiehsliaüen-Tliealep. Stettlner Sänger. Cabaret jjL©IsS" ga�aai" Anfang 7'/, Uhr. Seriioer praler-Iheater Kaftanienallu 7—9. Heute: Aha— famos! Gresie Ausstattung;« Operettenpofle in i! Akten mit Gesang und Tanz. Vorher das grolle VarietSprogranim. An/ang 4'/, Uhr. Admlrals-Palast. Hbrakada�ra grolle, phantastisches Ballett auf dem Flae. Angenehmer kühler Aufenthalt y'J. Uhr. Vcrzügl, Küche. Spezlal-Brzt Dr. med. Hasche, Friedrictistr. 90 BchandL von Syphilis«, Haut-, Harn-.Frauenleld.,spez.chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ruren, schmerz. lese, kürzeste Behandlung ohne Be» russstörung, Blutunterjuchung. Mag. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 5— 8,«onnl. ll—l. veschlagnahmefreie Mengen gebrauchter ä Sektkorken iWeinkorken ÄF Pf. das Stück 4� Pf. ZeiluIoid-iFilm-f" Guttapercha- Hartgummi' iachswaizen- Ordower©. m. b. H. in den Preislagen von 180,— M. bis 600,— iL, sortiert, werden noch in jedem Quantum abge- UGL» geben. Goldenes Hauste Fricdrlclmtr. 89 tmd Artlllerlestr. 16. Zahnpraxls W. Tbiedt, Reinickendorfer Str. 7. Während der Ferien geschlossen. Sezirksorpmsaiiim Qroft-Berlin (SozIaldsitickratischG Paris! Deutschlands). Am Donnerstag« den Ä8. Juni 1017, abends 8 Uhr, spricht RSlvbKtKFSAbASOZ'Äuvtez' AIvbarÄ im Lehrer-Vereinshanse, Alexanderstrahe 41, üder Die Stockholmer Konferenz. Eintritt nur gegen Karten oder Nachweis der Zugehörigtcit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 202/11» —- Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung!> Eiutrittskarten sind bei den Vorstandsmitglieder« und im Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, Hof 2, III Treppen, zu haben. Der Bezirksvorstand. r Sektkorke!] bis 25 Pfennig, Weinkorken l U'/a Pfennig sowie alle anderen Sorten gebrauchte und neue Kerken kauft W. Heike, Berlin, Krausenstr. 75 (neben Kempinskij u. Steglitz, Bergstr. 2. V 0— IS. 3-7.„ Forel. Prof. A., Die sexuelle Frage. BolkSauSgahe 2.80 M. Buchhandlung Vorwärts Lindenstrage l!, Freitag, den Sv. Juni 1917, abends S>/, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Evgclnfer 15, Saal 3: Branchen-Bersammlung alikr i» dkk Kkrlivkr Aibum-, Meppen- vnd Gniantme- betrikbett beschWgten Mitglieder. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tarifvrrhanblunge« und die bereinbarten Teuerungszulagen. 2. Verbandsangelegenheilen. Kolleginnen und Kollegen! Diese Versammlung soll entschefden, unter welchen i'lrbeilSbehlngungen hie Mifglicher ein weiteres Jahr arbeilcn sollen. Es ist deshalb dringend notwendig, daß jeder organisierte Branchen- kollege in dieser wichtigen Frage mitheratet und mitentscheidet, Kein Mitglied darf fehlen 26/9 Die OrtavcrTraltung. 1. 8t.: Ernst SKgt. Die Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken, betreffend Bestandserhebung von Holzspancn aller Art tritt am 27. Juni 1917 in Kraft. Tie dollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in de>.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. Berlin, den 27. Juni 1917. 407. I. Mit. 17. 11. Aug.____ Der Polizeipräsident. mltu.ohne tiamnenplatte. Brücken. Plomben jederAih Goldkronen, moderne Goldteohnih, CJmurbcitana; schlechtsltx.GcblsNe. Reparatur, cof. Zahnziehen I.Ortl.ltctäabuag:. Kl. Prclse.auchTeilzahl. Tel.Nord10433 Zäiine D.i. Löser Persänl., Behandl.■ : Rosenlhaierslr, 69-70 Das öeste Sommergetrdn6/i Oursilöschend— Erquickend. 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Hcllwig,' Borsigwalde b, Berlin, ljrnstslr. 2ö, Von Magengeschwulst, Bor- stopfung u. Nervenschwäche in 6 Wochen geheilt. Sollte operiert« werden,— Herr K. WilthauS. Berlin, Blumenthalftr. 3. Vo,-.& Weichwulst und Abszest an alter Operationsnarbe mit lS Be- 4» Handlungen geheilt.— Frl. M. Muschick, BIn.-Schöneberg, Sedan- Z slrahe 17 II bei Fnebick. Von wcschwiilst u. Nervenschwäche in 3 4 Wochen geheilt. Vorher dringend zur Operalion geraten.— Herr« St. Schlabiti, Berlin, Caprivistr. 24. Von wesichtslupns in s» 1 Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wodien mit Radium in einer W Berliner Klinit ohne Erfolg behandelt.— Frau E. Povp, Lichten.» berg, Gärtnerftr. ID. Aon chron. Fraueuleide», Herzschwäche? und Verstopfung geheilt.— Sobu des Gärtners H. König, j? Panlow. In 6 Wochen hon veralteter Beinlälimnug geheilt. Vorher S anderweitig jeder Erfolg abgesprochen.— Von Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Erllärt sich selbst sür ganz gesund.— Herr Milch. 9 Händler Eckert, Berlin, Greijenhagener Str. 26. Von gichtisch- JJ rhenmat. Schmerzen in Bein u. Fuggelenl geyeilt. Sehr zufrieden. Herr A. Brose, Berlin-Mariendors, Strelitzer Str. 11. Von chroni- � «ischer Rückenmarkentzündnug und Lähmung gcheill. Vorher c» für unheilbar erllärt.— Herr R. Zöllner. Ncinickendors-Ost, Provinz- 9 strafet 117. Von Lungcnbluteu und Katarrh geheilt.— Frau» I. Herold, Bcrltn, Ramlerslr. 23. Von Bronchialkatarrh geheilt JJ — Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke. Berlin, Strelitzer? Strafee 6. Vor 9 Jahren von Lungenieiden gehellt, beute noch gc, S sund,— Herr w. Koppe, Bin.-Rummelsburg, Alt-Boxhagen 8, Von a doppelseitigem LungenspiNenkatarrh geheilt.— Herr O. Neu-«> mann, Lichtenberg, Blumcnlhalstr. 13. Von Neurasthenie und»er- tö vöser Magenschwäche geheilt.— Frau E. Grosse, Berlin, Zwingli- � strafee 26. Von Leberleiden geheilt.— Frau Ncilaurateur Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit ge< heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Siendalcr Str. 17, IV. Von, Nieren- u. Blasenleiden. Wassersucht, allgemeiner grofeer Schwäche« geheilt. Vorher im Krankenhause erfolglos bebaudelt. Jetzt Fliegers oldat.' Getrennte Behandlnugöraume für Dame» und Herren l � Sprech« n. Behandlungszeit 0-1, 4-7Vz Uhr. Sonnt u. Feiertag« 9-1 Uhr. f* ! Berlin S0 16, Brückenftr. 10b ScSuS» »c* Procbt-Hodelie! EntzQcksnds KostOms Fracht- Modelle. Kammgarn. Tnch, Selda SchBpfnngen erster Meister 800,- 260,- 200,— 160.- Veecbe Seldeckoetfime 1»— 106,- 75.- 64,— LetnenkostQme, Kr&aseistoB- kosttlme 5Ü- 48,- Sitagoinmifl(Ssldenmäntel), fesetilloh geschütit. 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Königstr.34-36uäerhpi.L Nr. 175— 1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mittwoch, 27. Jm\ Zilösr aus Stsplje. Mazcdonischc Eindrück c. II. DaS Handwerk arbeitet nach sehr rückständiger Methode, die Werk- zeuge sind meist so primiliv, das man sich nichl zu wundern braucht. wenn die Erzeugnisse nickit immer aus der Höhe sind. So sah ich einen Mann mir drei Jungen im Alter von vielleicht acht bis elf Ja hren bei der Herstellung von hol fernen Zigarrenspitzen. Das Ausbohren geschah aus solgende Weise: alle vier Arbeiter saßen, mit unter- geschlagenen Beinen, auf dem Fußboden. Auf ihm war in einem Itager der Bohrer in senkrechter Stellung angebracht. Jeder der Arbeiter halte einen kleinen Bogen mit einer Schnur versehen. Diese Schnur wurde einmal um den Bohrergrifs gelegt und durch da-? hin» und herziehen dieses Bügels bekam der Bohrer die gewünschte rotierende Bewegung. Nach orientalischer Sitte arbeiten viele Hand« werker auf oder an der Straße. Besonders häufig ist das bei Schub« machern oder richtiger bei Schubflickern der Fall. Meistens aber ist die Werkstatt im Hause eingebaut und nach der Straße offen. Sie dient zugleich als Berkaufslokal. Viele dieier Werkstätten sind nicht viel größer als eine große Kiste. Darin sitzt nun der Meister und wo immer es angängig ist mit untergeschlagenen Beinen, mit seinen wenigen Rohstoffen und Erzeugnissen. Wenn es kalt ist, so unterhält er den ganzen Tag. in einem ileinen tiegelartigen Ofen, ein HolAohlenfeuer darüber hält und reibt er sich die Hände. Auch die Bäckereien sind nach der Straße offen. In vielen Fällen beschränkt sich der Bäcker« meister darauf, die Brote und Maiskuchen in den Ofen zu schieben, die die Leute ihm bringen. Aber nicht nur Brot, sondern auch viel Fleisch wird gebacken. Besonders Hammel, Ziegen und Geflügel. Wird nichts gebracht, so nimmt es der Bäcker nicht so tragisch, sondern sitzt auf einer Bank an seinem Ofen und wartet. Eine bedeutende Rolle fällt hier auch heute noch dem Geld- Wechsler zu. Seine Existenz ist bedingt durch die Verschiedenheit der Münzsorten ttiid Papierscheine. Hinzu kommt noch der Unistand, daß der Bauer noch vielfach Naturalwirtschaft treibt, bei deren Auslausch er sich ebenfalls dieses Geld- Wechslers bedient. Berücksichtigen inuß man dabei serner, dag die Schulbildung noch sehr im Argen liegt, daß es auch noch sehr viele Analphabeten gibt. Natürlich könnte die Regierung in anderer Weise Einrichtungen treffen, womit den Leuten besser gedient wäre, als bei dem derzeitigen Zustande. An den Fenstern dieser Geldwechsler kann man Studien machen über die zahlreichen auf dem Balkan im Berkehr befindlichen Zahlungsmittest Zurzeit rollt hier auch viel deutsches Geld. Die hresigen Händler haben eS sich anscheinend zum Prinzip gemacht, den Germanskisoldalen für voll zu nehmen. Da werden doch manchmal Preise verlangt, die ganz ungeheuerlich sind. Jedoch in vielen Fällen ist eben der Soldat gezwungen, zu kaufen. Eigenartig in seiner Art ist in Uesküb der WochenmarÄ, der alle Dienstage stattfindet. Hier kann man so ziemlich alles kaufen. Da kommen dft Bauern mit ihren bepackten Eseln und bringen ihre Erzeugniffe zum Verkauf. In der Hauptsache Bohnen, Zwie- beln, Knoblauch, Salat, Spinat, Paprika usw. Sehr selten sieht man Kartoffeln, häufig getrocknetes Fleisch. Auch Schmalz. Kuh-, Ziegen- und Schasbutter ist zu kaufen. Diese Fettarten sind meist alle in Ziegenselle gefüllt. Das ist die Originalpackung.- Bringt der mazedonische Bauer Geflügel, Hühner, Truthühner oder Gänse, Enten und dergleichen zum Markt, so braucht er keinen Käsig, den T'ercu werden einfach die Beine zusammengebunden. So trag: sie der Bauer in der Hand, mit dem Kops nach unten hängend, stundenweit, und auf dem Markt legt er sie neben sich und kann unbesorgt sein, daß ihm ein Stück davonläuft. Außer Lebensmitteln ist es besonders Schaftvolle, die auf den Markt gebracht wird. Aus dem Holzmarkt stehen oft mehr als hundert nnt Holz bepackte Esel und Stcppcnpserde, das Holz wird niehrere Stunden weit hergebracht, denn in unmittelbarer Nähe der Stadt gibt es keinen Wald. Infolge der hier allgemein Herr- ichendcn Holzarmut ist dasselbe sehr teuer. Einen großen Be- standteil des Marktes bilden die handgearbeiteten Seidenstickereien. Es sind Arbeiten, die freilich teuer sind, aber bei der reichhaltigen Farbenmischung und den oft sehr komplizierten Mustern kann man den Leuten schon glauben, daß die aufgewendete Mühe nicht annähernd bezahlt wird. Es ist kein Zweifel, daß diese Arbeiten bis zu einem gewissen Grade künstlerischen Wert haben. Nach dieser Schilderung des Lebensmittelmarktes könnte nun der schon seit langer Zeit auf schmale Ration gesetzte..Vorwärts"- Leser in Deutschland ausrufen:„O, du glücklicher Mazedonier!" Aber dem ist doch nicht so. Allerdings können sich di« reichen Leute, die es natürlich auch hier gibt und bei denen man an ihrer modernen Kleidung schon sehen kann, daß sie französischem Einfluß von Saloniki her unterworfen sind oder waren, alleS laufen. Diese haben nicht nötg;, zu hungern. Aber auf der anderen Seite gibt es hier so viele arme Leute, die in Lumpen gehüllt einhergehen. Man steht ihnen die Unterernährung schon von weitem an. Sie leben in der Hauptsache von Melonenkernen, von grünem Salat, den sie ohne zede Zutat verzehren, ebenso von einem dem Zwiebelrohr ähnlichen Gewächs. Dazu kommt Mais- brot. das die Stadt ihnen gegen Lebensmittelmarken abgibt. Wie in Deutschland, so stehen an den Ausgabestellen für Brot, Mehl und Salz die Frauen, Männer und Kinder und warten, bis sie etwas bekommen. Die Zahl der Bettler ist groß. Ost sich ich auf der Wardar- brücke und bei kaltem Wetter des Abends noch kleine Kinder von etwa vier Jahren halbnackt sitzen und betteln. Nicht vergessen darf man bei dieser Betrachtung die Zigeuner, die einen ziemlich großen Prozentsatz der Bevölkerung der Stadt bilden. Auch das Leben dieser Leute ist viel weniger romantisch als eS in manchen Liedern besungen wird. Der hiesige Zigeuner ist ein ganz anderer Typ, als ich ihn in Ungarn, am Fuße der Karpathen, gesehen habe. Diesen armen Leuten kommt allerdings ihre Sorglosigkeit zugute. So sieht man hier an den Straßen an verschiedenen Stellen Schuh- Putzer,..Putz, Putz" genannt, sitzen. Immer heiter und fidel, bieten sie auck dem vorübergehenden deutschen Soldaten ihre Dienste an.„Komm, Germanski, gut Crem, putz, putz, tip top," ist ihr Reklamegeschrei. Meist wird die Creme mit den Fingern aufgetragen, in jeder Har.d eine Bürste, arbeitet der Putzputz mit großem Geschick. Ein Lappen muß zum Schluß die Politur voll- enden. Sie sind, wie alle armen Zigeuner, fast das ganze Jahr barfuß. Die Füße haben die Farbe der Straße angenommen. Auf der oberen Seite der Hände ist es ebenso. Die weiblichen Zigeuner, immer in einem weiten Hosenrock, gehen, wenn nicht völlig barfuß in Holzpantinen, an denen unten, hinten und vorn je ein Stollen und oben nur ein einziger schmaler Riemen an- gebracht ist. Natürlich ist auf solchen Dingern kein graziöser oder elastischer Gang möglich. Doch zuweilen rafft sich auch dieses arme Volk zur Freude auf. So sah ich, als der Mai ins Land zog, daß die Zigeuner sich auf Wiesen zusammenfanden und Tänze ver- anstalteten. Die Frauen hatten sich die Haare mit Feldblumen geichmückt, trugen die üblichen Hosenröcke und waren wie die Männer auch möglichst bunt getleidetz Die Musiker bearbeiteten Dudelsack und Pauken, und der Tanz begann. Aber auch der Tanz ist etwas ganz anderes als in Deutschland. Tie Tänzer finden sich nicht paarloeise zusammen, und es gibt keine Rundtänze. Die Tänzer� bilden Ketten und tanzen, oder richtiger hüpfen, so nach den Klängen der Musik im Kreise. Die Zigeuner feierten Früh- lingsfest. Ich konnte beobachten, wie ihre Fröhlichkeit ansteckend wirkte. Bald tanzten auch bulgarische Soldaten und mazedonische Polizisten mit. Desgleichen Burschen und Mädchen aus den um- liegenden Dörfern. Das Ganze war für uns Deutsche, der oricn- taliscken Eigenart wegen, sehr interessant. Natürlich ließe sich noch viel Interessantes sÄreiben, jedoch im Rahmen eines Zeitungsartikels läßt sich kein erschöpfender Bericht geben. Bemerkt sei nnr noch, daß Uesküb m der subtropischen Zone liegt. Gesundheitlich ist die Lage nicht gut. Alle Jahre fordert die heimtückische Krankheit„Malaria" viele Opfer. Auch die Militär- verivaltung hat sich genötigt gesehen, vorbeugende Maßregeln zu treffen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich auch hierin vieles bessern ließe, wenn noch dem Kriege eine vernünftige, weitsichtige Regierung eine planmäßige Kvlonisierung und Scrni erung durchführen würde. Die Berge, an denen die früheren Jahrhunderte durch Abholzung schwer gesündigt haben, müßten neu aufgeforstet werden. Dann würde auch das Klima wieder gesünder. OSkar Trink 3. NMsommerSag. C. B. Stockholm, den 24. Juni. Nun ist mit den längsten Tagen das höchste Fest dieses licht- frohen Nordlandcs gekommen. Ein frischer Wind hat die Glut aus der Luft weggeblasen, die Fahnen flattern und die Frauenkleidcr, die den Stoffreichtum der Weile durch ihre Kürze ausgleichen, fliegen. Gesunde Röte liegt auf den Gesichtern und Freude gießt das Sonnen- licht in alle Seelen, Soimenlicht in kühler Sommerluft. Die Stadl ist weniger belebt als sonst und der Kürassier- schwadron, die in blauen und silbernen Uniformen, den weißen Haar- buich auf den Helnien, gezogenen Pallasch in der Faust über den Platz reitet, fehlt das Spalier. Nur ein paar alte Bekannte aus Mitteleuropa, die siw nach langen Jahren hier zusammenfinden mußten, schauen vom Essen auf, betrachten die jungen, glatten Gesichter und ein Böhme sagt:„Die standen 1S48 vor Prag"—„und wurden von Zivilisten, Studenten und Volt geschlagen." Setzt sein Landsmann hinzu. Es war heute gerade nicht so leicht wie sonst, in diesem Lande der Tafelfrendcn, den Hunger ztt stillen. Nicht nur an allen Ge- schästen. auch an vielen Restaurants prangt das Wort.stängt"— geschloffen. Denn es ist Midsommcrdag. Gestern, am Sonnabend, den midsummerasten, schloffen die Bureaus, die hier nicht vor g oder 1t) zu arbeilen beginnen, statt wie sonst um K, schon um 2 Uhr, und alsbald begann das große Reisen zu Schiff und Bahn hinaus aufs Land in die Orte ain Mälarsee und in den Schären nach Salsjöbaden, Watholm und Dalarö und in SydsvenSkas Wälder und Auen. Dort wo die Maibäume ausgerichtet stehen, tönt Scherz und Lust, schlingt Tanz und Liebe sich um dieses spätere Pfingsten. Uns in der Stadl ist nur ein schwacher Abglanz gegönnt; Birtenzweige in den Häusern, junges Grün selbst an der Straßen- bahn und der Frohsinn der jungen Menschen, die in der Stadt ge- blieben sind. ES sind noch immer etliche von der Halbmillion. Eine starke Lust zum Festlichen liegt in dtejem Volk. Ein fröhlicher Geist, der keinen Krieg zu ertragen braucht und nicht durch ewige Arbeitshast und Hetze niedergezogen ist. Selbst in dem lästigen Zwang zum Verdienen bleibt stets die angeborene Ruhe des GeHabens. Das ganze Leben hat ein anderes Tempo. Die Straßen- bahn steht lang genug an der Haltestelle, daß man sie auch im Geh« schritt noch erreicht, im Gasthaus wird reichliche Zeit gelassen von einem Gang zum nächsten und mußt du auch warten, ehe du betala rannst, so hat man dich auch nicht zur Eile beim Essen gedrängt. dir nicht das nächste hingestellt, so lange du noch bei dem vorigen beschäftigt warst, und dich überhaupt als geehrten Gast behandelt. Wo es so geruhig und fast gemächlich zugeht, braucht es auch nicht allzu vielen Ordnens. Es mag dich ärgern, wenn du schnell durch den Bahnhof willst, aber fort und fort gegen Leute rennst, die regellos wie der Dünensand durcheinander rieseln. Aber was heißt dich eilen? Ist der Mensch Windspiel, ein Flugzeug oder eine SchnellzugSlokomotwe? O, wie sehr erkennen wir hier, daß es menschenwürdiger ist, nicht zu hasten! Von Sonnabend mittag bis lief in den Montag, sa nicht selten ihn noch ganz einbegreisend, steht dieses Land im Zeichen der Mid- sommerseien die sich in der Stadl so sehr gemäß dem Sinn dieses Lebens ausprägt: der ist die Ruhe und darum muß eine Feier die große Ruhe sein. Wir aber, die nnr auf ein paar Wochen hier sind, wir werden beim Anblick dieses Festes, das wir vielleicht tiefer erleben, als die daran Gewöhnten, auis neue und abermals gualvoll erinnert an den Zustand des anderu, des kriegführenden Europas. WaS dort sich immer noch begibt und nicht enden will oder kann, wie wellenweir ist er entfernt von der Ruhe, die ein wohlbegründetes Wort unserer spräche„göttlich" nennt. Ja, göttlich ist die Ruhe und unendlich ist die Sehnsucht nach Frieden, nach Frieden für uns alle, hüben und drüben. Die Sonne hat sich gewendet nnd immer kürzer werdende Tage sehen dort in der Ferne auf dieses Schlachten und Leiden ohne gleichen; sollen denn, wenn die Sonne sich wiederum wendet, auch die länger werdenden Tage dies noch bescheinen? Und gäbe eS Menschen, die das wollten? gibt eS denn nichts, was sie unfähig macht, verbrecherischen ZerstöcungSwillen zu betätigen. Wir brauchen uns diese Frage nicht vorzulegen. Die andern find von unS noch zu weit, als daß wir sie ihnen stellen könnten. Die dritten aber sind näher und wir hoffen, sie bald zu sehen und zu hören: Nur eine Frage beherrscht seil Tagen alle Welt hier oben, die Frage nach dem Kommen der Russen. Notizen. — Theaterchronik. Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater findet Tonnerstag die 500. Aufführung des Singspiels „Das Dreimäderlhaus" statt. Die gesamte Einnahme kommt Hinterbliebenen der im Kampfe gefallenen U-Boots-Maun« schuften zugute. — Sascha Schneider, der jetzt in Hellcruu lebende bekannte Btlvhaucr und Maler, hat von der sächsischen Staatsregie- rung den Auftrag erhalten, den Neubau der Dresdner Kgl. Ge- mäldegalerie mit Fresken auszuschmücken. Der Bau wird in unmittelbarer Nähe des Zwingers errichtet werden nnd soll die mo-- dcrne Abteilung der Gemäldegalerie aufnehmen. Alle Freunde der selbständigen und großgcschauten Kunst Schneiders werden diese Ehrung des ganz für sich stehenden Künstlers mit Freude begrüßen. — Der Steckbrief eines russischen Ministers. Das nachstehende interessante Zeitdokument wird von einem Peters- burger Blatt veröffentlicht. Es lautet:„Ministerium des Innern, Polizeidircktion, besondere Abteilung. 2(3. Januar 1917. Nr. 124. 012. Zimmer 2. An die Herren Offiziere von der Grenzgendarmerie l Im Anschluß an vorher erlassene Bekanntmachung der Polizei- direktion über das mögliche Eintrefstn des bekannten Chefs der Partei der Sozialrevolutionäre, Victor Michailowitsch Tschernow, bringt die Polizeidirektion bezüglich der genannten Person den Inhalt des Rundschreibens vom 15. März 1913§ 8 unter Nr. 87 015 in Erinnerung. Der Manu, auf den der nun folgende Steckbrief erlassen war, ist jetzt Landwirtschaftsminister. Si] Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. „Ja, mach' du noch Witze!" dachte Lcnggenhager peinlich berührt. Er fand nicht den geringsten Grund, sich über den Verlauf des Abends zu freuen. Hatte sie schon wieder ver- gcssen, tvas ihm drohte, oder war ihr das etwa gleichgültig? Jetzt ärgerte er sich plötzlich über seine Anwesenheit.„Hier gibt es nichts zu lachen!" schleuderte er dem wohlwollend nickenden Schultheißen über dem Kamin drohende Blicke zu. Worauf wartete er denn noch V Die Wärme und Behaglich- keit konnte ihn nicht durchdringen. In dieser Stunde de- lcidigte ihn die Uncrschütterlichkcit der hier hauseiiden Akenschen und Verhältnisse. Er blickte nur flüchtig auf, als Reuse wieder erschien und meldete, daß der Tee gleich fertig sei. Fühlte sie, was ihn hier kränkte? Sie brach plötzlich ab, sah ihn groß an und ergriff seine Hände:„Ich habe Ihnen ja noch gar nicht gedankt für Ihren Beistand. Es war sehr lieb von Ihnen— nicht nur die Begleitung!" sagte sie be- wogten Herzens. Lenggenhager mußte wiederum staunen über den innigernsten Ausdruck ihrer Züge. Er errötete wie ein Schuljunge und blieb eine Weile iin Zweifel, ob er die Geliebte umarmen solle. Ein zartes Zufassen war ihm nicht gegeben. Auch in diesem verbindenden Augenblick schlug seine Ergriffenheit gleich in Gewaltsamkeit um. Arn ganzen Leibe zitternd und verwildernd vor dieser liebenden Bereit- schaff nahm er sie stürmisch gefangen und gab sie nicht frei, obwohl sie unter seinen wütenden Küssen fast den Atem verlor. „O Gott, seien Sie doch vorsichtig, es wird gleich jemand kommen 1" wehrte sie ihn bestürzt und dennoch entzückt ab. Da mußte das Pärchen vor dem lautlos nahenden Diener wahrhaftig in beschämender Weise auscinauderfahrcn. Renöe faßte sich rasch, während der Offizier in dem Be- streben, seine schuldigen Hände zu verstecken, eine ziemlich lächerliche Figur machte.„Leider darf ich mich jetzt nicht wehr länger aufhalten. Es ist höchste Zeit, daß ich gehe!" bemerkte er dazu so ungeschickt wie nur möglich. Aber der vorgeblich nur mit drei Sinuen begabte Diener verschwand gleich wieder, ohne mit einer Wimper zu zucken. Renöe schenkte hurtig den Tee ein. steckte sich eine Paptzros au und gebürdete sich keck wie eine Dollarprinzessin. Es reizte sie nicht wenig, den ungestümen Gesellen zu verwirren und wenn möglich in Ketten zu legen. Mit über- einandergeschlagenen Knien, das gelbe Samtkleid leicht gerafft, die Arme locker über die Lehnen gehängt, und mit den weißen Dantasthandschuhen fuchtelnd, lag sie in einem hochlehnigen Klubsossel. Die halboffenen Augen blinzelten: „Nun sind wir ja ungestört!" Das mutwillig wippende Füßchcn winkte:„Knie nieder, kühner Rittcr, und küsse mich!" Es war gar nicht so schivcr, diese Sprache zu per stehen. „O du durchtriebenes TrcibhauSpflänzchcn! Warte, Pcnv töffelchen, mich wirst du nicht kuranzen!" wehrte Lenggenhager die liebliche Lockung ab. Ganz artig setzte er sich der Braut gegenüber, schlürfte seinen Tee und tat, als merkte er nicht, wie sie das ungeduldige Mäulchen verschob, mit den Katzen- äugen funkelte, den Zigarettenrauch wollüstig einzog und ihn mit begehrlichen Wünschen gleichsam einkreiste. Allmählich lernte er sie genauer kennen, und so diel wußte er nun schon, daß er in solchem Spiele nur verlieren konnte. Zuerst sollten ihre Gefühle eine ernste Belastungsprobe bestehen. War sie nur verliebt, oder liebte sie ihn aufrichtig? Das wollte er nicht erst in den Sternen lesen oder der Zukunft über- lassen. Renäe beobachtete ihn scharf und schmollte.„Warum machen Sie schon wieder ein so bedenkliches Gesicht? Ach herrje, so gehen Sie doch, wenn Ihnen an dem Spektakel mehr als an mir gelegen ist!" „Ich dachte jetzt nicht daran, sondern an Sie. oder besser gesagt--" er gab sich einen tüchtigen Ruck,„da- ran, ob Sic mir erlauben, morgen mit Ihrem Herrn Vater zu sprechen." Im Nu saß sie aufrecht da.„Warum denn das?" fragte sie beunruhigt und blickte ihm gerade in die Augen. „Das werden Sie wohl leicht erraten!" entgegnete er, von einer schnell wachsenden Spannung ergriffen. Seine zuversichtliche Miene verschwand plötzlich, er beugte sich hastig über seine Tasse, damit sie nicht scheu lounte, tvas in ihm vorging. „Wieso... leicht erraten! Ich habe aber keine Lust, Rätsel zu lösen, müüeo Sic uufieul" sagte sie gereizt. Er hätte blind und taub sein müssen, um nicht zu merken, daß sie ihn ganz einfach nicht verstehen wollte. Darauf saß er wie auss Haupt geschlagen da und betrachtete seine Handflächen. Er schwieg so lange, daß ihr Angst wurde und ihr Herz mit großen Hämmern zu schaffen begann. Sie konnte sich kaum mehr beherrschen.„Was ist denn auf einmal in Sic gefahren? So sagen Sie doch nur, was Sie im Sinne haben!" Lenggenhager biß die Zähne zusammen und versetzte leidenschaftlich!„Es wäre bitter, wenn ich mich zu allemhin auch noch in diesem Punkte täuschte." „In welchem Punkte denn?" beharrte sie eigensinnig und verdrießlich, weil ihr auch dieser Teil des Abends miß- glückte. Und auf einmal versiel sie wieder in den alten bösen Trotz.„Sie wollen doch nicht etwa unsertwegen mit Papa sprechen? Es sieht ja fast so aus." Ein Hohn lag in ihrem Blick und Wort, der ihn innerlich versengte und ihm das Blut ins Gesicht trieb. Er wußte nicht, sollte er aufspringen und ohne Gruß hinauslaufen. Ebenso gut hätte er aber die Spötterin an den Schultern packen und bis zur Bewußtlosigkeit schütteln können. Totenblaß erhob er sich.„Das war allerdings meine feste Absicht. Fräulein Steiger!" sagte er heiser, tonlos. Einen Trost besaß er ja noch. Er wußte, hier gab es keine Ausflucht mehr; jetzt gab es nur noch eine klipp und klare Entschei- dung. O Himmel! Da saß sie nun, deren Besitz er seit Jahren ohne Wanken erstrebte, inmitten einer bezaubernden Häuslichkeit, verführerisch angetan, nach Liebkosungen schmach- tetch, unbewacht, geradezu in seine Hand gegeben. Und doch durfte er sie nicht sein eigen nennen. Was war es denn? Trieb sie nur ein leichtfertiges Spiel mit seiner Lebens- Hoffnung? Einmal warf sie sich ihm an den Hals und im nächsten Augenblick schien er ihr wieder wildfremd. Renec Steiger wartete eine Weile ganz verstockt darauf, daß er ihr eine kalte Verbeugung machen, sang- und klang- los abziehen werde. Unwillkürlich stellte sich das durch ihren Bruder geweckte Mißtrauen wieder ein. Warum hatte Lenggenhager solche Eile, die offizielle Verlobung durch- zusetzen? „Ich möchte doch aber gar'nicht, daß jetzt schon darüber geredet wird. Ueberlassen Sie es doch bitte mir—" meinte sie gequält.(Forts, folgt.) ••«•Häirfe Tet'vich-TbomaK. Dl�tiicjtftr. 4i svottbilliß iarbieblerkasle 2ccj)i.t)c. Gardinen. Vorwärlsiejern AProzcnl (rnrarabat: 64' LiefcrUiagcu, 5!I app ipörl w � c», L'olzrüder, alle Aeparaiurei! an Nilidciwnqe».«orbinachcr!Lc>dI>ck»v Bruiiiirnitrajje S6. Leibiaus Waricha»n1tr«ibe?- Petz paiuiiuren I Neue Herrenyarderobe LZeiienneriaus! Plüschdeckcii! Tüll pardiiieu I Prachtieppiche! 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