Ztr. 174. 34. Jahrg. flDonnementS'Bcdingamjfii: »bonnemenls• Breis»ränumerrmdo Vierleljährl. 8. So MI. monatl. 1.80 MI, wöchenllich 80 ¥fg, frei ms Haus. Einzelne Nummer S Big. Konnlogs. nunnner nul illusirierler Konmags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Big. Post. «bonnement: 1.30 Marl vro Monal. Eingelragen in die Bosl-Zeilungs- Breisliiie� Unter Kreuzband ilir Teulichland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland « Marl vro Monat. Boiladonnemenls nehmen an Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg Bormgal. kumänicn, Schweden und die Schwei. CrfdieiDt lZgllch. ( 5 Pfennig) Ble InferflonS'Gebflbr WtBgl für die sechsgesvaltene Kolonel- ßeil« oder deren Raum 00 Pfg.. für dolitifche und gewcrlschaftliche Vereins» and Versammlung?. Anzeigen 80 Big. »Klein« ZZnreigen". das fellgedruckle Korr 20 Big.(zulälfig 2 feligedruckte Korke), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafslcllenan. zeigen das erste Wort 10 Big., jedes »euere Wort 5 Big. Worte über tö Buch- staben zählen iür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mit lfm bis • Ubr nachmittags in der Expedition «dgegeden werden. Die Expedition tjt dt- 7 Uhr abends geöffnet. Verlinev Volk5»blott. Telegramm-ildresfe: �»gislüetddltlZl BerUa". Zcntralorgan der rozialdemokratifcheti Partei Deirtfcblands. Reüaktion: SW. 6S, Linüenstraße Z. iserntvrecher: Amt Morivplatz» Nr. 1S1 90—1.51 97. Gedenktag. Einer der furchtbarsten Gedenktage der Menschheits- geschichte wird für alle Zeiten der 28. Juni bleiben. An diesem Tage vor drei Jahren fielen der österreichische Thronfolger und seine Gattin in Sarajewo unter den Schüssen eines kaum den Knabenschuhen entwachsenen serbischen Fanatikers. Diese Schüsse brachten die Lawine ins Rollen, die Wohlstand und sittliche Kultur der ganzen Menschheit unter Trümmern begrub. Damals führte man zwei Särge nach der Wiener Hosburg heim, jüngst aber ist ausgerechnet worden, daß der Leichenzug derer, die seitdem gefallen sind, von Paris bis an den Stillen Ozean reichen würde. Wie war das möglich? Wie durfte das geschehen? Seit drei Jahren martert diese Frage alle denkenden Gehirne. Ach, die gedankenlosen haben es viel leichter. Für sie ist es von vornherein klar, daß„die kriegerische Eroberungslust Wilhelms II." oder„die kalte Schuftigkeit Sir Edward Grcys" dieses grauenvolle Unglück in die Welt gebracht hat. Für sie vereinfacht sich das ganze ungeheure Problem zu einer Hand- lichen moralischen Formel: es waren eben die„Bösen", die den„Guten" den Frieden nicht gegönnt haben. Es ist ein beseligendes Gefühl zu den„Guten" zu gehören, und mit ein wenig Glauben kann sich ein jeder, welcher Nation er auch angehöre, dieses Gefühl verschaffen. Das Attentat auf Franz Ferdinand war ein erster blutiger Ausbruch eines überspannten Nationalismus, eine Wahnsinnstat, die den unter der Decke der Vernunft schlummernden Wahnsinn der ganzen Welt geweckt hat. Die Knaben, die sich zu dieser Tat verschworen, ohne zu ahnen, welches Unheil sie damit über die ganze Welt brachten, fühlten sich als Helden und Befreier ihrer Nation. Welches Volk hat aber unter den Folgen dieser Tat schwerer gelitten als das serbische? Und umgekehrt: Die beleidigte Autorität de? ö st e r- reicht schen Staates forderte Strafe und Vergeltung. Aber wer denkt heute noch, da Deutschland gegen die angel- sächsische, die romanische und fast die ganze slawische Mensch- heit im Kampfe auf Tod. und Leben steht,, an die„ Verhältnis- mäßig kleinen Ausgänge dieses ungeheuren Ringens? Gegen- über dem Weltgericht, dös. hereingebrochen ist, mutet die Verhandlung gegen Princip und Genossen und der ganze serbisch-österreichische Streit fast wie ein Vagatellversahren an. Wer kümmert sich heute noch darum, ob Serbien für die Ausschreitungen seiner zügellos nationalistischen Jugend „bestraft" wird, oder nicht? Wo sitzt der Weltrichtcr, der entscheidet, wo hier das Recht aufhörte und das Unrecht begann? Die Tat von Sarajewo ist verabscheuenswert, aber wird daruni die Politik, durch die O e st e r r e i ch die serbische Intelligenz in eine Stimmung der Verzweiflung hineintrieb, gerecht- fertigt? Der Zar, dieser kleine, ängstliche Mann, der selbst in ewiger Furcht vor Attentaten schwebte, hat den Anschlag auf ein beinahe schon gekröntes Haupt gewiß nicht gebilligt. Aber Serbien war Rußlands Schutzstaat, der panslawistische Im- perialismus der russischen Bourgeoisie duldete keine Ausschal- tung Rußlands auf dem Balkan und erzwang die russische Mobilisierung. Das war die erste große historische Unter- schrift, die der kleine Nikolaus leistete, die zweite war die auf seiner Abdankungsurkunde. Er hat wohl beide widerwillig gegeben und hätte sich gegen die erste entschiedener gesträubt, wenn er die zweite hätte voraussehen können. Frankreich war dem zarischen Rußland verbündet, England hatte mit Frankreich und Rußland Abniachungen getroffen. An dem Strick der Bündnispflichten wurde ein Land nach dem andern in den Krieg hineingeschleift. Nirgends fand sich ein Staatsmann, der den Mut hatte, das Seil im entscheidenden Augenblick zu kappen. Und vielleicht durfte keiner ihn haben, denn zu eng ivaren die Jnteressengemein- schaftcn zusammengewachsen. Deutschland konnte nicht ruhig zusehen, wie Oeslerreich zertrümmert wurde, Frankreich konnte nicht die ungeheuren Werte, die seine Kapitalisten in Rußland investiert hatten, im Stiche lassen.„Frankreich wird tun, was seine Interessen gebieten!" Waren es wirklich die seinen? Was in diesen drei Jahren geschehen ist, hat kein Staats- berhaupt, kein Regierungschef und kein Volk gelvollt. Wer hat es gewollt? Die allzeit schußfertigen Princips, der heulende Nationalismus, der Friedensliebe für Feigheit erklärt und dessen Tcrrorismus die oben und die unten in seinen Bann geschlagen hat. Nicht ein bestimmtes Volk und Land— sie sind die Schuldigen dieses Weltkriegs. Wer an der materialistischen Geschichtsauffassung geschult ist, dein braucht man nicht erst zu sagen, daß auch dieser Nationalismus nicht aus einer Art geistiger Urzeugung ent- standen ist. daß vielmehr auch er eine Ideologie ist, die sich auf dem stofflichen Untergrund eines bestimmten Stadiums gesellschaftlicher Entwicklung aufbaut. Aber durch diese Feststellung wird man mit dem Problem ebensowenig fertig, wie mit dem— historisch bedingt richtigen Satz —, daß der eigentliche Urheber des Weltkriegs der weit- politisch gewordene Kapitalismus, der Imperialismus ist. Kriege hat es schon gegeben, bevor es einen Kapitalismus gab, und ein kapitalistischer Krieg im Sinne eines zweckmäßig angelegten kapitalistischen Unternehmens ist dieser Weltkrieg ganz gewiß nicht. Das Kapital, wenn es auch unver- droffen über Leichenhügeln Geschäfte macht,■ ist von Haus aus unkriegerischer Natur:„es flieht Tumult und Streit." Die kapitalistische Entwicklung hat aber überall Gesell- schaftsschichten geschaffen, die für die nationalistische Ideologie von vornherein günstig disponiert sind. Die Bourgeoisie, die den engen Zusammenhang zwischen Geschäft und auswärtiger Politik mehr instinktiv erfaßt, als daß sie ihn im Grunde de- greift, ist ihrer Natur nach nationalistischen Gedankengängen besonders leicht zugänglich, und die Schicht der Intellektuellen, die ihrem Schöße entsprang, formte ihr unklares Wollen zu einer wahren Religion der nationalen Machtpolitik. So haben wir in den verschiedensten Ländern Orgien des natio- nalen Fanatismus erlebt, die an Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen, Kreuzzüge und Religionskriege, an die Ausschreitungen des finstersten Aberglaubens erinnern. Sind wir uns also darüber klar, daß der Weltkrieg mit all seinen unentwirrbaren Verwicklungen aus einer besonderen, geschichtlich bedingten Art menschlicher Geistigkeit seinen Aus- gang genommen hat, so wissen wir doch genau, daß es nichr genügt, Gefühle mit Gefühlen und Ideen mit Ideen zu be- kämpfen, sondern daß der Boden selbst, dem die blutige Saat entsprossen ist, bis in seine Tiefen umgepflügt werden muß. wenn er sich mit den goldenen Früchten einer neuen menschlichen Kultur bedecken soll. Nur der Geist des Sozialismus kann den Kampf für den dauernden Weltfrieden gegen die Ungeister des Nationalismus und Chauvinismus aufnehmen und erfolgreich durchführen. Aber auch er wird die nötige Kraft zu seinem großen Werk erst besitzen, wenn er auf den festen Grund einer sozialistischen Wirtschaftsordnung gestellt ist. Dann wird sich die Menschheit mit schauderndem Abscheu der Zeit erinnern, in der sich über der Gruft eines Fürsten ein Riesenberg von Leichen türmte, erst dann wird die Urzeit des Menschengeschlechts vergangen sein! Das Recht auf Straßenkunögebungen. Wirkung des Petersburger 2S. und 23. Juni. Petersburg, 27. Juni..(Pet-ersininger Telegraphen-Ageriikir.) In der Sitzung'des Ko n g re s se s der Arbeiter- und S«l- da te n r ä t'e von ganz. Ruhland am 26. Juni wurde mit erdrücken- der Mehrheit eine Entschließung über die Ereignisse vom 22. und 23. Juni angenommen.. Der erste Teil dieser Entschließung erinnert daran, daß die er- wähnten Ereignisse durch wirtschaftliche Fragen, den wachsenden Widerstand gcgenrevolutionärcr Elemente der wohlhaibenlden Kreise, die wirtschaftliche Unordnung, die Lebensmittelkrise, Umstände, die durch den Weltkrieg verursacht sind, hervorgerufen worden sind. „Tie Bolkskreise, die sich nicht davon Rechenschast geben, daß die Krise auch durch die tatkräfttgsten Maßregeln nicht aus der Stelle behoben werden kann, bringen ihre schwere Unzuftiedenheit zum Ausbruck, was von den reattionären Kräften ausgenutzt wird. Das macht eine völlige Uebereinstimmung der Handln«- gen der verschiedenen Elemente der revolntionärr« Demo- kratie unbedingt notwendig." Der zweite Teil der Entschließung tadelt den Entschluß, in Petersburg eine Kundgebung zu veranstalten ohne Vorwissen des Arbeiter- und Soldatenrats und ohne Aiahnahmen zu treffen, daß die Kundgebung ohne Waffen vor sich gehe und nicht zu Zusammenstößen und Blutvergießen führe, die verhängnisvoll für die Revolution seien. Der dritte Teil der Entschließung enthält die folgende Entschei- dung: 1. Parteigruppen, die zu den Arbeiter- und Soldatenräte» ge- hören, haben nicht das Recht, Kundgebungen gegen den ausdrücklichen Willen dieser Arbeiter- und Soldatcnräte ins Werk zu setzen. 2. Friedliche Kundgebungen ohne Waffen können von diesen Gruppen und Parteien mit Wissen der Arbeiter- und. Sol- datenräte veranstaltet werde». 3. Alle bewaffneten Kundgebungen einschließlich Kund- gcbunge» unter Teilnahme einzelner Bewaffneter können nur mit Zustimmung der Arbeiter- und Soldatenräte als einziger Organe, die den Willen der revolutionären Demokratie verkörpern, veran- staltet werden. Arbeiter, Soldaten und Bauern- werden aufgefordert, sich diesen Enffcheidungen zu unterwerfen und auf keine sonstigen Aufforde- rungen einzugehen, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Alle Uebertretungen dieser Enffcheidungen drohen einen Bürger- krieg heraufzubeschwören. Nach Annahme dieser Entschließung schlug der Antragsteller vor, einen Ausschuß einzusetzen zur Untersuchung der Umstände, unter denen die vorerwähnte Kundgebung vorbereitet worden ist, und über die Teilnahme reaktionärer Elemente daran. Kundgebung für die Revolutionsopfer. Petersburg, 27. Juni.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Kongreß der. Soldaten- und Arbeitervertreter ganz Rußlands hat in seiner Sitzung am 2S. Juni beschlosien, am l. Juli auf den Gräbern der Opfer der Revolution Kränze niederzulegen und aus diesem Anlaß ein« große Kundgebung zu veranstalten, zu der alle revolutionären Parteien, Organisationen, Berussverbände und Genosienschaften, Fabrik- und Werfstätten- arberter und Milirärabteilüngen unter � Waffen eingeladen werden sollen. Der Kongreß hat beschlossen, daß am selben Tage ent- sprechende Kundgebungen in den wichtigsten Städten Rußlands, wie Moskau.Kiew und Charkow, veranstaltet� werden sollen.. die.die Kraft, Einigkeit und. MannsAucht. der revolutionären ruffffchen Demokroifte zeigen sollen. ?xpeüittoa: SV. sS» Tinüenstraße 3. Hernspreche«: Amt Moritzplatz. Nr. 151 90—151 97. Drohende Verteuerung des Staötbahnverkehrs. Eine Gefahr für die VolksgesnndHeit. I- In der Ausgabe unseres Blattes vom 6. Juni d. wiesen wir auf die Gefahr hin, die dem reisenden Publikum durch die von der preußi schen Eisenbahnverwaltüng geplanten neuen Fernzugtarife. mit ihrer Begünstigung der 2. und insbesondere der 1. Klasse zu Lasten der 3. und 4, Klasse drohe. Diese Vorschläge der Verwaltung sind inzwischen von dem Landes-Eisenbahnrat beraten und befürwortet worden. Das unbemittelte reisende Publikum wird'also künftighin für den Komfort und den Luxus der Reisenden I/Klasse mehr noch als bisher zuzusteuern haben. Dieser für die Neuorientierung unserer Behörden be- zeichnende Vorgang läßt es doppelt angezeigt erscheinen, schon jetzt der bevorstehenden Neugestaltung der Tarife auf der Berliner Stadt-, Ring- und Vorort- bahnen erhöhte Beachtung zuzuwenden, denn diese Neu- gestaltung wird von größtem Einfluß auf das Siedlungs- Wesen und den Ausflugverkehr der Groß-Berliner Bevölkerung sein. Zwar hat der Reichstag bei der Verabschiedung der Verkehrssteuer, die den äußeren Anlaß zur Umgestaltung der Tarife bilden, den Wunsch ausgesprochen,«daß die Außen- siedlung der städtischen und gewerblichen Bevölkerung in Kleinhäusern mit Gärten und Land in den Zonen lveiträumiger Bebauung durch die Höhe und Gestaltung der Tarife im Nah- Verkehr besonders begünstigt wird", und auch der Vertreter der preußischen Eisenbahnverwaltüng erklärte im Reichstag,„daß diese bei der Gestaltung der Stadtbahn- und Vorortbahn- tarife der sozialpolitischen und wohnuligspolitischen Gesichts- püttkte Nechnüng tragen wird", dennoch lassen frühere Vor- gänge die Befürchtung nicht ausgeschlossen erscheinen, daß für die neue Tarifgestaltung wieder in erster Reihe �fiskalischc und unsoziale Rücksichten maßgebend sein werden. Die Verkehrssteuex macht bekanntlich 12 und 14 Proz. der Fahrprcisesaub. Zu dieser Vcrt'eueru, ig soll noch eine Fahr- preisorhöhung� von'10—20 Proz. als Folge der Steigerung der Löhne und Materialpreise und schließlich für die Elek- trisierung der genannten Bahnen eine dritte Erhöhung treten, die auf etwa 20 Proz. der Fahrpreise veranschlagt wird. Eine solche dreimalige bedeutende Erhöhung, rein mechanisch auf alle Fahrpreise gelegt, würde das Ende aller Dezentralisationbestrebungcn im Wohnungswesen und äußerste Erschwerung des Ausflugverkehrs bedeuten. Durch idie Reichsverkehrssteuer wird der großstädtische Verkehr und das großstädtische Wohnen besonders hart ge- troffen. Arbeiter und Angestellte, die ein- oder zweimal am Tage auf dem Wege von der Wohnung zur Arbeitsstätte und umgekehrt öffentliche Verkehrsmittel benutzen, tun dies unter bitterem Zwang. Diesen Verkehr dem eigentlichen Reisever- kehr gleichsetzen, heißt den Begriff des Reifens völlig der- kennen. Eine Verwaltung, die erklärt, sozial- und wohnungs- politischen Gesichtspunkten Rechnung tragen zu wollen, müßte daher bemüht sein, den Groß-Berliner Lokalverkehr von der Belastung mit der Verkehrssteuer überhaupt frei zu lassen. Sie müßte, um die Tarife niedrig zu halten, weiter be- strebt sein, die eigentlichen Betriebskosten herab- zudrücken und dies in einer Weise tun, die, ohne die Arbeitsfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit des Personals zu beeinträchtigen, im Einklang steht mit den For- derungen, die vom Verkehrsstandpiinkt im allgcmei- ncn und im Hinblick auf die Dezentralisation des Wohnungswesens aufzustellen sind. Eine Einschränkung der Zugzahl, die nach alter beliebter Sckiablone sich als das be- quemste und naheliegendste Mittel zur Verminderung der Betriebskosten darstellt, würde dabei unter allen Umständen zu bekämpfen sein. Möglichste Ausnutzung des Platzangebots dagegen wäre durchaus gerechtfertigt und durchführbar. Solche Ausnutzung des Platzangebots bedingt die Einführung einer einheitlichen W a g e n k l a s s c. Tie 2. Klasse im Nahverkehr dient nur dem Dünkel und dem Hochmut kleiner Schichten der Bevölkerung. Es wäre unerhört, wenn wie bei dem Fernverkehr ihre Beibehaltung auf Kosten der 3. Wagenklasse erfolgtel Nieüerknüttelung üer ßrieüenspropaganöa. Ein Gesetzentwurf Vivianis. Paris, 26. Juni.(Meldung der Agence HavoSh Viviani hat am Dienstag in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der die iäligste und kräfligsie Unterdrückung der Propaganda durch Wer' teilung von sriedcnsjreundlichen Schriften sichert. Die plane gegen Sprien und Kleinasien. Eine neue'Konferenz in Saint Jean de Maurienne. Havas meldet:.I» Saint Jean de Mamienne bat eine mili- tärische Beratung stattgefunden, an der der Generatissimus Cadorna, der euMche General Radcliffe und die Generäle Fach und Perm» fetTitaljmett; OL wohl die größte Zurückhaltung über den Gegen« stand der behandelten Fragen geboten ist, ist doch soviel gewiß, daß Cadorna und Fach zu einem Einverständnis über die Art der Zusammenarbeit der französischen und italie- nischen Truppen bei den begonnenen Operationen in Klein- a s i e n und an den Heiligen Stätten gekommen sind. Sie prüften auch die Lage, die sich auf dem Balkan iufolge der jüngsten Ereignisse in Griechenland ergab, und studierten endlich die Pläne der allgemeinen Offensive, die die Alliierten jetzt gleichzeitig beginnen müßten, wo eS mehr als gewiß scheint, daß Rußland demnächst in der Lage sein wird, auch seinerseits die Offensive zu ergreifen." Die erste Konferenz in Saint Jean de Maurienne betraf die Ansprüche der an den Küsten Kleinasiens und Syriens interessierten Ententestaaten. Sie nahm gewisse Veränderungen im Beuteplan vor, durch die Italien sich nicht bevorteilt sehen konnte. Die zweite Maurienne-Konferenz'schließt sich nicht zufällig an die neuesten Vor. gänge in Griechenland an, die von langer Hand her vorbereitet waren. Italien hat das Seinige zum Spiel beigesteuert und beeilt sich jetzt, in Fluß zu bringen, was es bei dem Ententegeschäft kassieren möchte. Die Angst und die durch die russische Wirrnis gefährdete allgemeine Offensive drückt, und sie zwingt zum bc- schleunigten Hereinbringen der Ernte, die im östlichen Mittelmeer erstrebt wird. Weshalb die Entente die Blutftröme. die diese Offensive kosten wird, opfern will, wird ziemlich unverhüllt durch die Art, wie der Inhalt der Maurienne-Konferenz mitgeteilt wird, zugegeben. Man will die deutschen Heere im Westen und Osten festhalten, um ungestört den ersehnten Landraub von Smyrna sauf das Italien spekuliert) bis nach Alexandrette sdaS England haben will) und bis nach Syrien (das der Beuteplan für Frankreich bestimmt) ausführen zu können. Die Türkei wird also bei der kommenden allgemeinen Offensive nicht nur bei Ghaza, sondern vermutlich auch an ihrer ägäischen Küste, gegen die sich ein Entente-Ansturm von der griechischen Basis aus ent- wickeln dürfte, die Tüchtigkeit ihrer Verteidigungskraft zu bewähren haben. Die zweite Konferenz von Saint Jean de Maurienne lüftet den Schleier, der die Gründe verhüllt, weshalb die Entente in diesen Monaten des FricdenSdrüngenS der Völker alles aufgeboten hat, was geeignet schien, der Friedensbewegung eine neue Kriegsfrist abzugewinnen._ Stockholm. Fortgang üer verhanölungen. Stockholm, 27. Juni. sEig. Drahtbericht des.Vorwärts".) Die Verhandlungen mit den hier eingetroffenen deutschen Unabhängigen, zu welchen heute noch Ledebonr hinzukam, begannen am Sonn- abend und wurden am Sonntag und Montag, trotz des Mittsommerfestes, fortgeführt. Branting fehlte. Nach der Heimreise Nina BeingS und dem Eintreffen VliegenS wurde heute mit den Tschechen verhandelt, da vor der Beendigung der Verhandlungen mit der Haasegruppe auch noch Luise Zietz er- scheinen werde. Die Genfer Vorgänge. Zu den Genfer Vorgängen bringt die halbamtliche.Nordd. Ällg. Ztg." folgende Auslassung an erster Stelle: .Nach hier eingegangener amtlicher Meldung erschien am Montagabend der schweizerische Minister Dunant auf der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern, um dem deutschen Gesandten wegen der Genfer Vorgänge und insbesondere wegen der Verletzung des Kon- sulatsschildes das lebhafteste Bedauern des Schweizer Bundesrats auszudrücken und die Versicherung abzugeben, daß eine strenge Wer- folgung der Schuldigen stattfinden werde. Die Neutralität Spaniens. Eine Erklärung des Ministerpräfidenten. Madrid, 26. Juni.(Havasmeldung.) Ministerpräsident Dato hat erklärt: Die öffentliche Meinung hat die getroffenen Maß- regeln günstig aufgenommen. Die Beunruhigung war überall von verdächtigen Elementen ausgestreut worden. Die Minister haben die äußer st en Matzregeln ergriffen, um die äffent. liche Ordnung und Ruhe zu bewahren, die die Regierung Neue starke englische Augriste gegen den Lens-Bogen— Vorstöße bei Fontaines — Starkes Feuer bei Craonelle und Berry au Bac.— Dünkirchen beschoffen. Amtli ch. Großes Hauptquartier, den 27. Juni 1917. lW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei schlechter Sicht war die beiderseitige Artillrrirtätigkeit an der Front geringer als in den Bortageu, nur au einzelnen Ab- schnitten nahm bas Feuer zeitweise zu. In den Morgenstunden wurden gegen de»»orspriugrnden Lens-Bogen angreifende starke englische Kräfte unier schweren Bcr- lüften abgeschlagen. In einem Borfelbgrabc» beidersetts der Straße Arras— LenS fetzte sich der Gegner fest. Bei FontaineS blieben Borstöße feindlicher Abteilungen er- folglos; ebenso scheiterten an mehreren Stellen der Arras-Front Angriffe von ErkundungSabteilungcn. Heeresgruppe Deutscher Kronpri«». Abgesehen von starke« Feuer nordwestlich von Craonelle, so- wie beiderseits der Straße Corbeny— Ben-Y au Lac hielt fich die Kampftätigkeit im allgemeinen in mäßigen Grenzen. Heeresgruppe Herzog Slbrecht. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Südlich der Bahn Lemberg— Tarnopol und an der Rarajowka blieb daS Artillerie- und Minenfeuer lebhaft. An der Zlota Lira brachten wir von einem gelungenen Er- kundungsvorstoß mehrere russische Gefangene zurück. Mazedonische Front. Im Cerna-Bogen und östlich lebte die Fcuertätigkeit zeit- weise auf. Der Erste Genrralguartiermeister. � Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 27. Juni 1917, abends. An allen Fronten im allgemeinen rnhiger Tag. Der Hafen von Dünkirchen wurde erfolgreich durch unsere Artillerie beschossen._ Der österreichische Bericht. Wien, 27. Juni 1917.(W. T. B.) Amtlich wird «erlautbart: Auf keinem der Kriegsschauplätze Ereignisse von Bedeutung. Der Chef des Generalstabes. um jeden Preis aufrechterhalten wird. In der äußeren Politik hat sie ebenfalls die Maßnahmen getroffen, die infolge der Ueber- treibungen in den Berichten der Zeitungen über die internationale Lage notwendig wurden; dies« Uebertrerbungen waren sogar ge- eignet, eine Trübung des Verhältnisses zu anderen Ländern herbei. zuführen und die Neutralität Spaniens aufs Spiel zu setzen. Wir denken nicht daran, unsere Neutralität aufzu- geben; deshalb müssen alle Spanier uns unterstützen. Der Ministers Präsident versicherte schließlich, daß auf der ganzen Halbinsel völlige Ruhe herrsche. Ein Ministerrat wird am Mittwoch in Madrid zu- sammen treten. Bern, 27. Juni.„TempS" meldet aus Barcelona, dort zeige sich noch in verschiedenen militärischen und bürgerlichen Kreisen die Neigung zur Geheim- bündelei, welche der Regierung bei etwaigen Verwicklungen beschwerlich werden könnte. RomanoneS hat einen Brief an den Senatspräsidenten Groizard gerichtet, in dem er auf die F ü h- rung der liberalen Partei verzichtet.„Petit Parisien" fügt hinzu, zuverlässigen Nachrichten zufolge beabsichtigen Prieto, Alba und Billanueva ein Triumvirat zu bilden, welches die Wünsche der Partei zum Ausdruck bringen solle. Der Dumaausschuß gegen Dumaaufiösung. Stockholm, 26. Juni. Nach„Rußkoje Volja" trat am letzten Sonnabend der Jnterimsausschuß der Reichsduma unter dem Vor- sitz von Rodzianko zusammen, wobei jedoch die Progresfisten und die Kadetten fehlten. Man erörterte die vom Arbeiter- und Soldaten- rat vorgeschlagene Auflösung der Duma und sprach sich dahin aus, daß diese Frage vor Ablauf der Mandate der Dumamitglieder nicht entschieden werden könne. Die vorläufige Regierung sei nicht be- rechtigt, die Duma aufzulösen. Wenn es dem Arbeiter- und Soldatenrai gelingt, die Ginbe- rufung der Konstituante zu beschleunigen, so wird die Frage der Dumabeseitigung ohne weiteres gelöst und erledigt fein. Die Meuterei öer Schwarzmeerflotte. Die„Times" erfährt aus Odessa vom 21. Juni: Nach einem Telegramm aus Sebastopol meuterten die Matrosen der Schwarz- meerflotte, die den Admiral K o l t s ch a k abgesetzt haben. Die Meuterei begann mit der Gefangennahme von vier Offizieren, die der Bemannung nicht gefielen. Darauf wurde auf einer Versamm- lung der Seeleute und der Soldaten- und Arbeiter-Abgeordneten beschlossen, Admiral Koltschak und den Chef des Stabes Kapitän Smirnow abzusetzen und alle Offiziere zu entwaffnen. Die Re- gierung, von den Vorgängen benachrichtigt, ernannte an Stelle der abgesetzten Offiziere Admiral Eluhiku und Kapitän Zarin. Kolt- schal und Smirnow wurde Befehl gegeben, nach Petersburg zu kommen, um«ine Erklärung abzulegen. Die Regierung befahl, daß die Offiziere ihre Waffen zurückerhalten mühten, und drohte, daß alle, die fich weigerten, diesem Befehl nachzukommen, als Feinde Rußlands behandelt werden sollten, Admiral Koltschack richtete hier- auf auf drahtlosem Wege eine Botschaft an die Flotte, in der er seinen Standpunkt auseinandersetzte. Wie inzwischen gemeldet wurde, ist der Admiral von seinem Posten zurückgetreten. Die Lebensmittelsorge in Rußlanü. Bern, 26. Juni.„Daily Mail" meldet aus Petersburg vom 26. Juni: Der Lebensmittelkontrolleur Peshekhonosf erstattete dem pan-russischen Kongreß einen sehr pessimistischen Be- r i ch t über die Lebensmittellage. Von August an sei mit der Ge- fahr eines Mangels in den Städten zu rechnen. Der Bericht- erstatter fügt hinzu: Wenn im August die Ernte beginnt, haben die Bauern keine Zeit, das Getreide zu den Bahnstationen zu bringen. Da Reservebestände kaum vorhanden sind, kann der Ernst des Ausblicks für die Armee und die Großstädte während der fraglichen Zeit nicht übertrieben werden. Im Herbst aber wird die Bauernschaft stark mit der Verteilung der Länder, nach denen sie hungert, beschäftigt sein. Viele Bauern, die kein Geld brauchen, werden es nicht eilig haben, Getreide zu verschicken. Die englischen Arbeiter gegen üen Hilfsdienst Bern, 26. Juni. Nach„Weftininster Gazette" tagte diese Woche in London eine sehr zahlreich beschickte Versammlung von Abge- ordneten des Großbritannischen Bergmannsbundes, der nationalen Eisenbahnerunion und des nationalen Trans. Portarbeiterbundes zur Ratifizierung des zwischen ihnen abgeschlossenen„Arbeiterdreibundes". Den Vorsitz führte der Prä- sident des Bcrgmcmnsbundcs Smillie. Zweck des Arbeiter- dreibundes ist, gegen die allmähliche Einführung der industriellen Dienstpflicht und die Beseitigung des Einflusses der Gewerkschaften gemeinsame Matznahmen zu treffen. Die zur Beratung stehende Entschließung betont, daß jedem Grunde zugunsten der Einführung der Dienstpflicht zehn zugunsten von Zwangsmaßnahmen gegen das Kapital gegenüberständen. Das Oberhaus über Luftangriffe. London, 26. Juni. Oberhaus. Lord S t r a ch e s sprach über die Frage von Vergeltungsmaßnahmen gegen feindliche Luftan- griffe und regte an, daß jeder feindliche Angriff, der der bürgcr- lichen Bevölkerung von England erweislich Schaden zugefügt habe, durch einen Angriff in weit größerem Maßstäbe gegen irgendeine beut sche Stadt im Bereiche der fran- zösischen und englischen Linien erwidert werden sollte. Lord Sydenham sagte: Der einzige Grund und Zweck, der uns zu Vergeltungsmaßnahmen veranlassen könnte, wäre die Echo. nung des Lebens unserer Nichtkämpfer, Frauen und Kinder. Ich Gustav Schmoller. In Gustav Schmoller, dem 79jährigen, ist gestern einer jener Männer hingegangen die auf das Werden des geistigen Deutsch- lan d, wie es heute ist, den stärksten Einfluß ausgeübt haben. Hun- derte, die im öffentlichen Leben Deutschlands eine Rolle spielen, Tausende, die als Beamte m der Sozialpolitik, in allen Zweigen der Verwaltung tätig sind, haben zu seinen Füßen gesessen und seinen Lehren gelauscht. Aber darin allein erschöpft sich fein Ein- fluß nicht. Schmoller war nicht nur 36 Jahre lang Inhaber eines nationalökonomischen Lehrstuhls an der Universität der Reichs- Hauptstadt, er war auch viele Jahre für ganz Preußen und Deutsch. land der erfolgreichste Professorenmacher, und die Volks- wirtschaftlichen Katheder des Reiches wurden mit Schmollerschülern geradezu übersät. Dazu kommt die reiche literarische Tätigkeit des Mannes, in seinen Jahrbüchern, in zahlreichen Streitschriften und seinem Hauptwerk, der Volkswirtschaftslehre. Am wenigsten hat Schmoller aber für die Oeffcntlichkeit dort gewirkt, wo er selbst zum Gesetzgeber berufen war. Seine Tätigkeit im preußischen Herrenhaus beschränkt sich auf einige mehr oder weniger inter- cssante Reden, die ohne jede tiefere Nachwirkung geblieben sind. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Tatsache mehr gegen Schmoller oder mehr gegen die Institution des Herrenhauses spricht. Das Wesen Schmollers wird gewöhnlich in zwei Schlagworte zusammengefaßt: Historische Schule und Katheder-So» z i a l i s m u s. Die Bedeutung dieser Schlagworte in Beziehung auf die Persönlichkeit Schmollers soll hier etwas näher dargelegt werden. Schmoller hat sein Leben lang im Kampf gegen alle theoreti- fchcn Systeme der Nationalökonomie gestanden. Das Bedeutendste von ihnen war das auf die Ahnenreihe Smith-Ricardo zurück- blickende marxistische System. Aus derselben Quelle i>er Adam Smithscheu klassischen Nationalökonomie hatte sich aber auch die von Marx so heftig bekämpfte„Lehre von St. Manchester", die alleinseligmachende liberale F r e i ha nd e l s l e h r e ent- wickelt, die zur Zeit, da Schmoller seine Laufbahn begann, im öffentlichen Leben Deutschlands eine unvergleichlich größere Rolle spielte, als der nur wenig Eingeweihten bekannte und„mit dem Ludergeruch der Revolution behaftete" Marxismus. Im Gegensatz zum Marxismus und zu der gleichfalls auf die Smithsche Arbeits- wcrtlehre zurückgehende liberale Vulgärökonomie stand als drittes Gebilde der theoretischen Nationalökonomie die sogenannte Grenz- nutzentheorie, die von Carl Menger und dem Engländer Jevons entwickelt worden war. Gegen alle diese drei Systeme hat Schmoller mit wechselndem Glück hitzige Fehden geführt. Man lan» wohl mit einer kleinen Uebertreibung sagen: Er pfiff auf jede Theorie. Weltanschauung war ihm nichts, Tatsachen waren ihm alles. Und so ging er darauf aus, wirtschaftliche Tatjachen der Gegenwart und ganz besonders auch der Vergangenheit zu durchforschen, und ein ungeheures Ma- terial teils selbst zusammen zu schleppen, teils von seinen Schülern zusammenschleppen zu lassen, aus dem er dann sein« ErfahrungS- sätze aufbaute. In dem Sinn für das Tatsächliche, geschichtlich Ge- wordene berührt er sich mit dem Marxismus,„fehlt leider nur das geistige Band", das sich die Väter des wissenschaftlichen Sozialis- mus aus dem Studium der klassischen Pholosophie geholt hatten. Es fehlt auch die große leidenschaftliche Liebe zur Menschheit, die letzten Grunde? der eigentliche Antrieb für die unermüdliche For- scherarbeit eines Marx und eines Engels gewesen sind. Man kann, um den Unterschied anschaulich zu machen,«inen Vergleich aus der Kunst heranziehen. Was Schmoller in der natio- nalökonomischen Wissenschaft wollte, das wollte der Naturalis- mus in der Kunst: Die Dinge so schildern, wie sie sind. Nur be- griffen die kleinen Schüler eines Emile Zola nicht die Wahrheit des Meisters, daß Kunst ein Stück Natur ist, gesehen durch ein Temperament. Dieses Temperament, da? man in der Wissen. schaft Weltanschauung nennt, fehlte Schmoller. Und darum war er kein großer Meister, sondern nur ein Sammler von Massenphoto. graphien aus dem bunten Leben der Wirklichkeit. Hinwiederum, ein Verdienst der historischen Schule: Da sie die Dinge so schildern wollte, wie sie sind, konnte sie sie nicht zeigen, wie sie durch die rosige Brille der Regierung und der herrschenden Klassen aussahen. Wo es galt, die Tatsachen kapitalistischer Massennot der Welt ins Bewußtsein zu bringen, da hat die historische Schul« dem Sozialismus manchen Dienst geleistet. Das führt zu dem zweiten Schlagwort, mit dem das Wirken Schmollers cttkettiert worden ist, zum Wort.Kathedersozia- l i s m u s". Dieses Wort wurde in den siebziger Jahren von dem enrangierten Rianchestermann I. B. Oppenheim, als Schimpfwort gegen Schmoller geschleudert, ist aber im Laufe der Zeit, wie daS öfters so zu gehen pflegt, mehr und mehr zum Ehrennamen ge- worden. Wie Schmoller ein Gegner aller tiefer ftindierten Theorien war, so war er auch ein Gegner der prinzipiell antisozialistischcn Theorie des wirtschaftlichen Liberalismus. Für die„Nachtwächter- idee" vom Staate, wie Lassalle sie nannte, die Idee, daß der Staat durch seine Polizeigewalt Leben und Eigentum schützen, sich aber sonst jedes Eingriffs in das freie Getriebe der Wirtschaft enthalten solle, hatte auch Schmoller nur Verachtung. Aus seinen geschicht- lichen Studien wußte er, daß die Dynastien, nicht zuletzt die Hohenzollernsche, mit deren Geschicht« er sich fleißig beschäftigte. schon aus«igentzem LebenSintercge in den Klassenkämpfen der»er- schiedenen Zeiten nicht neutral bleiben konnten, sondern daß sie oft genötigt waren, sich im Kampf gegen eine übermächtig werdende Klasse mit den schwächeren Klassen zu verbünden. In dieser ge- schichtlichen Erkenntnis liegt der Ursprung seines Interesses für die Sozialreform und für den Verein für Sozialpolitik, zu dessen Grün- dern er gehört. Die geschlossene Weltanschauung des Wirtschafts- liberalismus, die in ihren letzten Ausläufern bis zur Lächerlichkeit entartete, als System aber doch immer achtenswert bleibt, vertrug ebensowenig wie eine andere geschlossene Weltanschauung ein Kom- promiß. Für sie war jede Sozialresorm Verrat am heiligen Prinzip und fluchwürdiger Sozialismus. So wurde Schmollers sanftlebige, vorsichtig«, stets auf Kompromisse bedachte Sozialpolitik für sie schlankweg zum„Kathedersozialismus". Schmoller verdankt die überragende Stellung, die er einnahm, dem Charakter seiner Zeit. Er war dessen treffender Ausdruck. Die staatliche Politik zwischen dem Krieg von 1876/71 und dem Welt- krieg mußte auf Kompronnsse eingestellt sein, weil sie nicht nur einem wachsenden Einfluß der Arbeiterklasse gegenüberstand, sondern weil sich der Klassenkampf auch sonst mannigfaltig kompli- zierte. Weder die Schwerindustrie noch die Landwirt- schaft konnte in dem liberalen Grundsatz staatlicher Nichtein- Mischung in wirtschaftliche Dinge ihre Beftiedigung finden: Sie riefen beide schon seit den 76er Jahren kräftig nach Staatshilfc. War aber die Quelle dieser Staatshilfe jenen mächtigen Inter- essentengruppcn einmal geöffnet, so konnte sie der aufstrebenden Arbeiterklasse nicht ganz verschlossen bleiben. Für den theoretischen Eklektizismus, das AuSwählertum, das sich an keine Formeln binden will, und fiir die praktische Kompromißlerei das„ein wenig, aber nur nicht zu viel", das Schmoller verkörperte, waren die Umstände besonders günstig. Schmoller hat, wie wenige, seine Zeit erlebt, sie repräsentiert und ist mit ihr gestorben. Friedrich Stampfer. » Schmoller, der in der Nacht zum Mittwoch in Bad Harzburg testorben ist, war im Jahre 1838 zu Heilbronn geboren, hatte in übingen studiert und wurde 1864 Professor der Staatswissenschaft in Halle, ging 1872 nach Straßburg, 1882 nach Berlin, wo er als Lehrer der Nationalökonomie an der Universität bis zum Jahre 1913 wirkte. Er war in den Adelstand erhoben, mit der Berufung ins Herrenhaus und durch zahlreiche Orden ausgezeichnet worden. Seine Schriften sind überaus zahlreich. Wir heben daraus hervor: „Zur Geschichte der deutschen Kleingewerbe im 19. Jahrhundert", „Entwicklung und Krisis der deutschen Weberei im 19. Jahrhundert 1873",„Offenes Sendschreiben an Treitschke 1875". Schmollers Hauptwerk ist der Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre, der 1966 erschien und zahlreiche Auflagen erlebt hat. persönlich glaube, daß die Vermeidung von Gegenmaßnahme« Welt besser sein würde. In kommenden Jahren wird man dankbar dafür sein, daß man sich nicht bis zum Stand Punkt der Deut- schen erniedrigt hat. Ucberdies wird es offensichtlich nicht allgemein erkannt, daß Bomben zur Vergeltung jeden Tag abgc- worfen werden. Eisenbahnstationen, Truppen, Kolonnen, Muni- tionslagcr, Stabsquartiere im Felde und Eisenbahnen werden regelmäßig und planmäßig mit Bomben beworfen, und ich glaube sicher, daß das Volk, wenn es die Ergebnisse dieser Angriffe wüßte, zufrieden sein würde.— Der Kriegsminister Lord Derby gab zu, daß der Umfang der Tätigkeit mit Bomben hinter den feindlichen Linien, die Tag für Tag von den britischen Luftstreitkräften aus- geführt werden, nicht genügend bekannt sei. Man übertreibe nicht, wenn man sage, daß die Engländer für jede Bombe, die von den Deutschen hinter den englischen Linien abgeworfen wird, hundert hinter den deutschen Linien abwerfen. Diese Bombenwürfe hätten militärische Ziele, und er meine, wenn das Land dem Gedanken zustimme, daß die Engländer nicht versuchen sollten, die Deutschen in ihrer Brutalität nachzuahmen, die Anwendung des Grundsatzes „Auge um Auge, Zahn um Zahn" durch Hinmorden von Frauen und Kindern unbedingt der englischen Nation widerstrebe; und wenn es sich um Vergeltungsmaßregeln handle, so müßten die Engländer bestimmte militärische Ziele vor sich haben. Zrieöensöebatte im öfter- reichischen /lbgeorönetenhaus. Alle Völker Lestcrrcichs wollen frieden! Wien, 27. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage betreffend die Mandatsverlängerung bis zum 31. Dezember 1918 an. In der Verhandlung über Anfragen an die Regierung betreffend Vorbereitungen für etwaige Friedensverhandlungen erklärte der polnische Sozialist Daszynski: Der Wille zum Frieden beseele alle acht Völker Oesterreichs; die Regierung solle die Kriegsziele und Fricdensbcdingungen Oesterreichs bekannt- geben. Jedem Volke müsse das freie Recht auf Selb st- bestimmung zugestanden werden. sBeifall bei den Polen.) Mini st erPräsident Dr. von Seidler wies die wäh- rend der gestrigen Debatte gefallenen Aeußerungcn entschieden zu- rück, die vom Standpunkt der Hochhaltung des Bündnisses mit dein Deutschen Reiche als tief verletzend empfunden werden müßten. (Zustimmung und Beifall.) Bezüglich der zur Verhandlung stehenden Anfragen erklärt der Ministerpräsident nach Rücksprache mit dem Minister des Aeutzcren: Die Annahme der Anfrage Daszynski, als ob die österreichisch- ungarische Regierung das Selbstbestimmungörccht der Nationen als Grundlage eines dauerhaften Friedens anerkannt hätte, ist irr- tümlich. Tic österreichisch-ungarische Regierung steht auf der Grundlage des Staatsgrundgesctzcs, wonach es Seiner Majestät vorbehalten ist, Frieden zu schließen und somit dem Monarchen die Wahrung der Interessen und Bedürfnisse der Völker Oesterreichs in jenen entscheidenden Augenblicken anvertraut erscheint. Unter dieser ausdrücklichen Verwahrung der Höhcitsrcchte der Krone ist die österreichisch-ungarische Regierung jederzeit bereit, im Einvcc- nehmen mit ihren Bundesgenossen auf der Basis eines ehren- vollen Friedens mit dem Feinde in Verhandlungen zu treten, lehnt jedoch entschieden jede andere Grundlage für Friedensverhandlungen ab. Der Minister des Aeußern hat unsere Bereitwilligkeit zu einem ehrenvollen Friedensschluß, welcher die Garantien einer freien und gesicherten Entwicklung der Monarchie enthält, offen zum Ausdruck gebracht. Hierüber, kann auch bei unseren Feinden kein Zweifel herrschen. Solange unsere Feinde diesen Standpunkt der österreichisch-ungarischen Regierung und unserer Verbündeten nicht annehmen, werden wir weiterkämpfen in festem Vertrauen, daß die heldenmütigen Leistungen unserer Armeen, verbunden mit der aufopferungsvollen Tätigkeit de? Hinterlandes, den Tag bringen werden, an welchem den Völkern der Monarchie der Lohn ihres Ausharrens durch den ehrenvollen Frie- den gesichert wird.(Beifall.) Die von wahrer Menschlichkeit getragenen Intentionen, welche aus den vorliegenden Anfragen sprachen und die volle Würdigung der österreichisch-ungarisck�n Regierung erfahren, dürfen wohl als Beweis dafür angesehen werden, daß die auf die H e r b e i f ü h- rung eines ehrenvollen Friedens gerichtete Politik der Mittelmächte in der Auffassung des Hauses und in dem Willen der ö st erreicht schen Völker eine kraftvolle Stütze findet.(Beifall.) S e i tz(deutscher Sozialdemokrat) polemisierte gegen die Bemerkung des Ministerpräsidenten bezüglich des SelbstbestimmungS- rechtes der Völker und erklärte, keine Annexionen, keine Kontri- butionen und Selbstbestimmungsrecht der Völker, das seien die Mittel, die zum Frieden führen. Die Erklärung der Re» gierung genüg« nicht. S o u k u p erklärte, die tschechischen Sozialdemokraten würden jede Aktion zur Wiederherstellung eines dauernden auf der Grund- läge des Selbstbestimmungsrechts der Nationen basierenden Friedens unterstützen. Stölzl(Deutscher Nationalverband) hielt eine Rede zum Ruhme der Armee und sagte, man wolle einen Frieden, der Ge- währ bietet, daß die unendlichen Opfer nicht umsonst gebracht wur- den.„Vergessen Sie nicht, daß Deutschland das blinkende Schwert für uns gezückt hat, und daß wir als Gegenwehr das Schwert über Deutschland gehalten haben."(Beifall und Heilrufe.) Annahme ües österreichischen Suüget- Provisoriums. Das Abgeordnetenhaus hat den vorläufigen Haushaltsplan in zweiter Lesung mir 292 gegen 150 Stimmen angenommen. In der Obmännerbeiprechung wurde vereinbart, der Regierung bekanntzugeben, daß man es für zweckmäßig halte, die Delegalionen Mitte Juli einzuberufen._ Die bösen Polen. Vor wenigen Tagen hat ein besonderer Gewährsmann der„Köln. Ztg." den Polen aus Anlaß des Beschlusses Tctmayer sehnsüchtig etwas mehr Reife gewünscht und sie an die Pflichten der Dankbarkeit gemahnt. Berliner Blätter setzen die Predigt wider die üppige Begehrlichkeit fort. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" knüpfen an den durch die österreichischen Polen bewirkten Sturz des Ministeriums Clam-Martinic folgende Betrachtung: „Es zeigt sich auch hier, wie übereilt und verhängnisvoll die Proklamation des neuen Polenreiches war. Aber noch i st es nicht zu svät. gefährliche Folgen abzuwenden; allerdings gehört dazu in Berlin und namentlich in Wien eine starke Hand und ein starker Wille, damit Oeslerreich und daS Deutschtum selbst nach einem vollcn Siege nicht geschwächt aus diesem Völkerringen hervorgeht." Dasselbe Thema wandelt der„Berliner Lokal-Anzeiger" ab, der sich über die Neuorientierung der Verwaltungspraris gegenüber den Polen erbost und behauptet, den Polen solle l aus Rücksicht äuf§ kritische Ausland jeder Anlaß zur Klage in der preußischen Ansiedlungstätigkeit und im Bereich der Schulsragen genominen werden. Man höre das Klagelied! „... So liegen die Tinge zurzeit. Äie sind nicht unwandcl- bar; vielleicht, daß sie m o r g e n schon wieder ein anderes Gesicht zeigen. Aber mit trügerischen Hoffnungen dürfen wir uns dies- mal nicht abspeisen lassen, wo nicht mehr und nicht weniger auf dem Spiele steht als die Erhaltung der Machtgrund- lagen des preußischen Staates und damit des Deutschen Reiches. Ob eine offene Aussprache über diese Gefahren zurzeit tunlich oder untunlich sein mag, ist eine Frage, die für ernsthafte Leute nicht in Betracht kommen kann. Die Polen sind es, die den Stein ins Rollen gebracht haben und ihn in Bewegung erhalten, ohne Rücksicht darauf, daß wir an allen Grenzen unseres Vaterlandes um unser Dasein zu kämpfen haben. Gerade diese Lage ist es ja, die sie ausnutzen wollen, und wir tverden ihrer Unersättlichkeit gegenüber einen immer schwereren Stand haben, je länger wir sie gewähren lassen— nur um des sogenannten lieben Friedens willen. Zum lieben Frieden gehören zwei, das haben wir nachgerade genugsam erfahren. Wer uns aber ans Leben will, gegen den müssen wir uns wehren. Deshalb gilt es beizeiten aus der Wacht zu sein, und wir haben allen Grund dazu, selber nach dem Rechten zu sehen. Im Osten ganz besonders!" Die Drohung geht nicht an die Polen allein, sondern scheint auch noch andere Leute durch den Hinweis der Wandelbarkeit alles Irdischen von heute auf morgen schrecken zu wollen. Am schwersten liegt den Alldeutschen die beherrschende Stellung der Polen in Oesterreich auf dem Herzen. Aber statt in dem deutsch-tschechischen Ausgleich das Mittel zu erblicken, den polnischen Einfluß auf das richtige Maß zurückzuführen, verlangen sie, daß die deutsche Regierung mit dem dicken Stock in Wien ihre Weisheit predige. Die„Verl. Neuesten Nachrichten" fordern kategorisch: „Wir verzichten im Augenblick darauf, nochmals eingehend nachzuweisen, wie sehr auch das Schicksal des Deutschen R e iches von der Haltung der österreichischen Re- gierung und ihrer Nation alitätenvolitik ab- h ä n g i g i st und wünschen, daß es der österreichischen Regierung gelingen möge, wenigstens vorläufig zu einem Ergebnis zu kom- men, das ihr die Fortführung des Krieges in der bisherigen Ge- schlosscnheit ermöglicht. Die ZukunflFfragen werden auch in Oesterreich durch das Ergebnis des Krieges entscheidend beeinflußt werden und die Deutsche Regierung wird iedenfalls in der Lage sein, nötigenfalls ein kräftiges Wörtlein mitzusprechen, zumal wo es sich doch darum handelt, die Stellung der Polen in beiden Monarchien und' in dem neuen polnischen Staatswesen endgültig zu regeln." In Oesterreich werden die ungenifenen Ratgeber, die ein kräftig Wörtlein zu reden begehren, vermutlich weniger Höf- lich als energisch gebeten werden, vor der eigenen Tür zu fegen. Tie schönen Tage der Aera Stuergkh sind vorbei— hoffentlich für immer!_ Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 26. Juni. EineS uiiserer U-Boote hat im Atlantische» Ozean neuerdings acht englische bewaff- nete Dampfer mit 40SSH Dr.-Reg.-To. versenkt und zwar: Die Dampfer Harburg(4572 To.) mit Hafer und Mais nach Frankreich, Applcdorc(384Z To.) mit Hafer und Heu nach England, City of Perth(3427 To.) mit Stückgut nach England, Buffalo(4106 To.), ebenfalls mit Stiickgutladung, ferner einen unbekannten Dampfer von etwa 12 000 To., der schwer belade» nach Amerika fuhr, sowie drei große, beladcnc Frachtdampfer, von denen einer aus Gcleitzug herausgeschossen wurde. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Gegen die russische Donaumünöung. Der türkische amiliche Heeresbericht vom 26. Juni meldet aus dem Schwarzen Meer: Ein Teil unserer Seestreitkräfte führte vom 23. bis 25. Juni eine Unternehmung nach der russischen Donaumündung aus. Der feindliche Leuchtiurni und die Funken- station auf der Schlangen-Jnsel wurden zerstört. Unser LandungSkorpS erbeutete auf der genannten Insel ein Maschinen« gewehr und eine Anzahl Waffen, zerstörte feindliche Geschütze und kehrte mit elf Gefangenen an Bord zurück. Auf der Rückfahrt der- suchten russische Linienschiffe und Zerstörer unsere Seestreitkrätte ab- zuschneiden. In dem entstehenden Gefecht erzielten unsere Streit« kräfle auf große Entfernung Treffer auf einem feindlichen Zer- störer; ein Marineflugzeug warf mit Erfolg Bomben auf ein feind- licheS Linienschiff. Unsere Seestreitkräfte und das Flugzeug sind unbeschädigt zurückgekehrt. Besonders hat sich die Midilli hervor- getan._ Die Kämpfe im Westen« Franzisischcr Heeresbericht vom 26. Juni nachmittags. Gegen Ende des gestrigen Tages unternahmen unsere Truppen nach kurzer Artillerievorbereitung einen glänzenden Angriff nordwestlich von H u r t c b i s e gegen den vom Feinde stark ausgebauten Vorsprung. Alle unsere Ziele wurden erreicht. In einigen Augenblicken siel die erste deutsche Linie in unsere Gewalt. Feindliche Gegenan- griffe auf die beiden Flügel der eroberten Stellung, die durch eine heftige Beschießung unterstützt wurden, wurden durch unser Feuer gebrochen. Ter durch die Plötzlichkeit des Angriffes überraschte Feind erlitt erhebliche Verluste und ließ mehr als 399 Gefangene, darunter 19 Ossiziere in unseren Händen. Verschiedene feindliche Handstreiche gegen unsere kleinen Posten im Abschnitt von Ailles, in den Argonnen und in der Gegend von Tahure scheiterten in unserem Feuer. Vom 26. Juni abends. Der Tag war ruhig außer in der Ge- gend von Moulin Laffaux, wo der Artilleriekampf ziemlich lebhaft War, und in der Gegend der heftig beschossenen Stadt Reims. Englischer Heeresbericht vom 26. Juni nachmittags. Eine ört- liche Kampfhandlung wurde nordwestlich von Fontaine-les- C ro i se I l e s erfolgreich durchgeführt und eine Anzahl Gefangene gemacht. Ein feindlicher Streifzug wurde westlich von La Bassee abgeschlagen.— Abends: Unsere Angriffsziele in den Kämpfen der vergangenen Nacht nordwestlich von Fontaines-les-Croiselles wur- den unter geringen Verlusten erreicht. Zwei feindliche mit beträcht- lichen Kräften gemachte Gegenangriffe wurden erfolgreich abgc- schlagen. Heute machten wir südwestlich von Lens weitere Fort- schritte. Wir erweiterten unsere Gewinne. Die feindlichen Stellungen zu beiden Seiten des Souchezbachcs gingen auf einer Front von zwei Meilen in einer Tiefe von tausend Dards in unfern Besitz über. Wir besetzten Coulelte. Fünf deutsche Flugzeuge wurden gestern zum Absturz gebracht. Von den unseren wird eines vermißt._ Kleine Kriegsnachrichten. Tic russischen Truppen in Frankreich. Der Stockholmer Kor- respondent des„Handclsblad" meldet: Die„Birschewija Wjedo- mosti" teilt mit, daß die französische A r m e e v e r w a l° tung sich gegen die weitere Entsendung von rufst- schen Verstärkungen nach der Front von Saloniki und der französisch-belgischen Front erklärt hat und ferner, daß die russischen Truppen in Frankreich zurückgesandt werden sollen. Kanadisches Kanvnenfutter. Nach dem Londoner„Obferter teilte der Premierminister Borden mit, daß Kanada bisher 325 999 Mann nach Europa gesandt habe; die Verluste betrügen bisher ungefähr 99 999 Mann, in den Munitionsfabriken arbeiteten über 399 000 Mann. politische Ueberflcht. 13 Milliarden neue Kriegsanleihe. Dem Reichstag ist eine Nachtragsvorlage zum Etat für 1917 zugegangen, die den Reichskanzler ermächtigt, weitere 15 Milliarden Mark im Wege des Kredits flüssig zu machen. Die Vorlage ändert den Etat ferner dahin ab, daß die Kosten für die diplomatische Vertretung in Haiti in Wegfall kommen. „Ersparnisse" des Weltkriegs! Verfassungsausschuh und Wahlrechtsfrage. Die Presse beschäftigt sich lebhaft mit den gestrigen Aus- fübrungen des„Vorwärts" über das Probestück, das der Ver- fassungsausschuß am kommenden Dienstag bei der Beratung der Wahlrechtsfrage der Einzelstaaten zu liefern hat. Das „Verl. Tageblatt" ist etwas optimistischer als wir, und es bemerkt: Wir möchten vorläufig die Lage nicht ganz so skeptisch ansehen, da die Ertabrungen der letzten Wochen wohl an keinem unbefangenen Beobachter ganz spurlos vorübergegangen sein können. Aber wenn der Verfasiungsausschuß sich nicht zum gleichen Wahlrecht in den Bundesstaaten und zum parlamentarischen System ini Reiche durckringr, dann wäre allerdings feine ganze Arbeit nicht mehr als ein Schlag ins Wasser. Dagegen sieht die„Kreuzzeitung" voraus, daß der Ver- faffungsausschuß„dem Kommando des„Vorwärts" nicht folgen" werde. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: Man muß es der Sozialdemokratie lassen, daß sie in dieser Frage konsequent denkt und handelt. Die Unterhöhlung der Reichs Verfassung, die andere Parteien sehr vorsichrig mit Beschlüssen beginnen möchten, denen man ein barmloses Mäntelchcn umzulegen sucht, erscheint der Sozialdemokratie ein viel zu langsames Verfahren: sie wünscht den offenen Kon- f l i k t zwischen dem UniiariSmus und den Bundesstaaten� mög- lichst schnell herbeizuführen, weil sie glaubt, bei der gegenwärtigen Schwäche der Regierung Forderungen auf diesem Gebiet jetzt durchdrücken zu können, die sonst vielleicht für lange Zeit au§« sschtsloS wären. Vor allein geht es ihr natürlich um Preußen, getreu dem Worte Bebels:wenn wir Preußen haben, dann habe» wir alles. Achnlich die„Post", die„Berl. Neuesten Nachrichten' usw. Gegen diese Unterschiebung parteipolitischer Interessen- bestrcbungen in einer Frage, in der es um Deutschlands Zu- kunft geht, möchten wir bemerken, daß man keinen hinter einem Busch sucht, hinter dem man nicht selber gesessen hat. Doch die Herren irren: Um die Demokratisierung Deutsch- lands nach den, Kriege ist uns nicht im mindesten bange. und die paar Monate öder Jahre könnten wir auch noch ge- trost warten. Aber darum handelt es sich, daß die Demo- kratisierung, die ohnehin kommen muß, rechtzeitig kommt, daß sie Deutschland in seiner schwersten Krise noch nützen kann. Ein verhängnisvolles Versäumnis möchten wir verhüten, wenn wir das aber nicht können, so möchten wir wenigstens die Verantwortung dafür nicht mit- zutragen haben!_ Das falsche System der auswärtigen Politik. In der„Unabh. Nationalkorr." veröffentlicht der kon- servative Abg. Dr. R o e s i ck e einen Artikel über„das falsche System", in dem er ausführt, daß es viel weniger auf das Verhalten der Botschafter ankommt, als auf das der Z e n t r a l l e i t u n g, die ja auch für die Ausbildung des diplomatischen Nachwuchses verantwortlich sei. Dann fährt er fort: Sind die Mißerfolge größer als die Erfolge, oder sind fast nur Mißerfolge und keine Erfolge zu verzeichnen, dann läßt schon das auf ein System schließen, da? nicht das Richtige triff;. Bei uns besteht offenbar ein solches falsches System. Wir haben die inneren Verhältnisse der feindlichen Staaten, wofür die Geschichte nunmehr den Beweis erbracht hat, nicht richtig eingeschätzt und haben sie daher auch nicht aus- genützt. Denn, bälten wir sie gekannt und hätten die Kenntnisse nicht benutzt, dann würde das das s ch l i m in st e Zeugnis für die Leiter der auswärtigen Politik sein, das man sich denken kann. Wir haben sie also nicht gekannt und warum nicht? Es gibt nur eine Antwort darauf: Weil unsere auswärtige Politik es nicht verstanden hat, ein System durch- zuführen, das sie unfehlbar in den Besitz zutreffender Kenntnis der inneren Verhältnisse der einzelnen fremden Staaten brachte. Es gibt wohl keinen Menschen im Reiche, der mit den Ergebnissen der nachbismarckischen Auslandspolitik zufrieden ist. Ueber die Gründe dieses beklemmenden Zustandes gehen die Meinungen weit auseinander. Herr Dr. Roesicke ist wahrscheinlich der Meinung, daß wir in Deutschland bis zum Ausbruch des Krieges viel zu viel Demokratie hatten und daß die Ratschläge der Alldeutschen viel zu wenig befolgt wurden. Wir erlauben uns, darüber der direkt gegenteiligen Ansicht zu sein, glauben die Richtigkeit dieser Ansicht durch harte geschichtliche Erfahrungen bestätigt zu finden, hoffen aber nicht, mit Herrn Roesicke darüber einig werden zu können._ Zur Papicrnot. Aus der Jahres Versammlung des Vereins Deutscher Papierfabrikanten in Berlin wurde der„Tägl. Rundschau" zufolge darauf hingewiesen, daß die Papierindustrie jetzt den unge- henren Verbrauch der Kriegsgesellschaflen decken müsse. So habe das Kriegsernährungsaml vor wenigen Wochen im Ber- tage von Reimar Hobbing ein Bucki in einer Auflage von zwei Millionen Glück drucken lassen, für dessen Herstellung enva dreißig Doppelwaggons Papier in enge erforderlich gewesen seien; das cnlspreche ungefähr dein Jahresbedarf von etwa 199 kleinen Provinzzerlungen. Es sei kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Papiervorräle knapp würden. Letzte Nachrichten. Ter Fall Grimm-Hoffmann vor dem Schweizer Nationalrat. Bern, 27. Juni. Meldung der Schweizerischen Depeschen- agcntur. Vor überfüllten Tribünen begannen im Nationalrat heute die Verhandlungen über den sechsten und siebenten Neu- tralitätsbericht des Bundesrats, bei welchem Anlaß der Fall Grimm-Hoffmann zur Sprache kommt. Nationarlrats- Präsident Buehler eröffnete die Verhandlungen mit einer An- spräche, in der er feststellte, daß die Angelegenheit Hoffmann in denkbar kürzester Frist von der Schweiz erledigt worden und daß frei von fremdem Druck alles geschehen sei, was die Neutralitätspflicht von der Schweiz forderte, und daß niemand das Recht habe, mehr von ihr zu verlangen. Er mahnte zu ruhiger Besonnenheit und zu Verhandlungen in echt .vaterländischem Geiste..(Beifall.) GewerffchHsbewWns Serlin und Umgegend. Die Teuerungszulagen der Krankenkassenangestellten. In einer starkbesuckten Versammlung der Angestellten der Grast- Berliner Orts» und Innungslrankenkast'en referierte der Bevoll- machtigte Krüger des Verbandes der Bureanangestellten über die Teuerung� unb_ die Teuerungszulagen der Kassenangestellten. Er zeigte, dost selbst bei den gröstten Einschränkungen eine Verteuerung der Lebenshaltung um durchschnittlich mindestens l25 Proz. zu ver- zeichnen ist. Den Angestellten und Hilfsarbeitern der Krankenkassen sind aber' auf die ssriedensgchältcr bisher nur Teuerungszulagen von durchschnittlich 10 bis 20 Proz. bewilligt worden. Die Gehäiter sind keineswegs hoch, da von den zurzeit bei den Kasten beschäftigten Personen rund 45 Proz. ein jährliches Gehalt von unter 2000'M., 30 Proz. ein solches von 2000— 3000 M. und nur etwa 25 Proz. ein Gehalt von über 3000 M. beziehen. Unter den letzteren sind die leitenden Beamten. Seit über einem Jahre ist die Teuerungs« zulage bei etwa der Hälfte der Angestellten unverändert geblieben oder um höchstens 5 M. erhöht worden. Unterernährung und dadurch bedingte starke Erkrankungsziffern seien jetzt unter den Kastenangestellten zu verzeichnen. Eine wesentliche Er- höhung der Teuerungszulage sei dringende Not- wendigkeit. Die Kasten seien auch ausnahmslos ohne Be- einträchtigung ihrer sonstigen Leistungsfähigkeit zur Gewährung er- höhter Sätze in der Lage. sLebhafter Beifall.) In der sich anschliestenden lebhaften Aussprache wurde von ver- schiedenen Rednern an Hand ihrer spezialisierten Wirtschafts- rechnungen nachgewiesen, dast sie bei ihrem jetzigen Einkommen die allerdringendsten Ausgaben nicht bestreiten könnten und immer wieder an der Ernährung sparen müstten. Di- vor- geschlagenen Erhöhungen wurden als nicht aus- reichend angesehen, insbesondere aber wurde weiter die Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage verlangt, da sonst die Angestellten nicht in der Lage seien, den notwendigsten Winterbedarf an Kohlen, Kleidung usw. einzulaufen. Folgende Entschliestung wurde einstimmig angenommen: „In Anbetracht der immer mehr ansteigenden Teuerung sind die bisher den Beamten, Angestellten und Hilfsarbeitern gewährten Teuerungszulagen vollkommen unzureichend. Die Versammlung hält daher eine Erhöhung der bisherigen Sätze und eine Regelung der Teuerungszulagen nach folgenden Grundsätzen für dringend not- wendig: Es erhalten Verheiratete 60 M. monatlich und für jedes Kind unter 16 Jahren, sowie für Kinder unter 18 Jahren ohne eigenen Erwerb(Schüler, Lehrlinge, Erwerbsunfähige) 10 M., Ledige über 18 Jahre 50 M., Ledige unter 18 Jahren 30 M., Ledige, die einen eigenen Hausstand führen oder Angehörige zum überwiegenden Teil aus ihrem Arbeitsverdienst erhalten, stehen den Verheirateten gleich. Verheiratete Frauen, deren Ehemänner aus ihrem Arbeitsverdienst zum Unterhalt des Hausstandes beitragen, stehen den Ledigen gleich. Die Erhöhung tritt am 1. Juli in Kraft. Außerdem werden die Kassenvorstände ersucht, sämtlichen Beamten, An- gestellten und Hilfsarbeitern eine einmalige Teuerungszulage in Höhe eines Monatsgehalts zu bewilligen, damit die jetzt ganz be- sonders teueren Anschaffungen für den Winter gemacht werden können. Die Versammelten hoffen, dast die Kastenvorstände diese be- fcheidenen Wünsche der Angestellten erfüllen und auch die Auf- sichtsbehörden in richtiger Würdigung der äuherst schwierigen Lebensverhältnisse die notwendige Genehmigung erteilen werden. Der Verband der Bureauangestellten Deutschlands wird beauftragt, die eventuell notwendig werdenden Verhandlungen mit diesen In- stanzen zu führen.* In seinem Schlustwort wies der Referent darauf hin. dast man von den selbst im praklischen Leben stehenden Krankenkassen-Vor- standsmitgliedern und ihrem sozialen Empfinden wohl erwarten dürfe, daß sie den bescheidenen Wünschen dsr Angestellten entgegen kommen._ Lohnvercinbarungen im Schneidergewerbe. In einer öffentlichen Versammlung der in der Schneiderei aller Branchen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, die der Schneiderverband am Montag im Lehrervereinshause abhielt, gab der Referent Kunze eine eingehende Darstellung der für die ein- zelnen Branchen des Schneidergewerbes erlangten Lohnerhöhun- gen. Danach ist für alle Branchen mit wenigen Ausnahmen eine Erhöhung der Löhne von 35 Proz. eingetreten. In den Kreisen der Nichtorganisierten ist die irrige Ansicht vorhanden, dast sie die Zulage von 35 Proz. auf Grund einer behördlichen Verordnung zu beanspruchen hätten. Das ist nicht der Fall. Vielmehr ist nach der Verordnung über die Webstoffverarbeitung ein Zuschlag um 10 Prozent in den Fällen zu zahlen, wo der Wochenverdienst den neunfachen Betrag des ortsüblichen Tagelohnes— das sind für er- wachsene männliche Arbeiter 36 M., für erwachsene Arbeiterinnen 27 M.— nicht erreicht. Diese Bestimmung gilt für die in den Werkstätten der Fabrikanten Beschäftigten. Die bei Zwischen- meistern Beschäftigten haben die 10 Proz. zu beanspruchen ohne Rücksicht auf die Höhe des Verdienstes und ohne Unterschied, ob sie in der Werkstatt oder auher dem Hause arbeiten. Außer der auf Verordnung beruhenden Zulage von 10 Proz. ist eine Lohnerhöhung von 25 Proz. eingetreten, die auf Vereinbarungen zwischen dem Schneiderverband und den betreffenden Unternchmerorganisationen beruht, und die durch Tarifverträge, die meist schon seit Jakren bestehen, festgelegt sind. Solche tariflichen Vereinbarungen bestehen für alle Branchen mit Ausnahme derjenigen der Blusen- und Kleider- sowie der Kinderkonfektion. In diesen Branchen ist es bis jetzt auch nicht zum Abschluß von Tarifverträgen gekommen. Es soll aber dahin gestrebt wenden, dast es auch hier zu einem Tarif- berhRtal« iomnrl. Die Vcmbetffngnnq dazu W, bof We Arbeft er und Arbeiterinnen der Blusen-, Kleider- und Kinderkonfektion sich in größerer Zahl als bisher der Organisation anschließen. Durch Besprechungen in den einzelnen Betrieben sollen die zurzeit be- stehenden Löhne festgestellt und mit Hilfe des Verbandes eine Auf- besserung derselben durchgeführt werden, damit die Vorteile fester tariflicher Vereinbarungen dem ganzen Gewerbe ohne Ausnahme zugute kommen. Ein paritätischer Arbeitsnachweis für das Transport- gcwcrbe. Auf Anregung dcS Magistrats haben der Arbeitgeberverband (Ortsgruppe Berlin) in den Transport-, Handels- und Verkehrs- gcwerben und der Transporlarbeiterveroand(Bezirksverwallung Groß-Berlin) in Rücksicht auf die immer mehr in den Vordergrund des gewerblichen Lebens tretenden Nolwendigleiten einer geordneten Arbeitsvermittelung von geeignetem Arbeiterpersonal für die vor- genannten Gewerbe nach eingehender Beratung der Sachlage sich entschlossen, einen paritätischen Facharbeilsnachweis zu schaffen. Dieser paritätische Arbeitsnachweis wird dem Arbeitsnachweis der Stadt Berlin als Fachabteilung angegliedert und in den Räumen des Arbeitsnachweises der Stadt Berlin, C Rückersir. 9, am 2. Juli d. I. e r ö f s n e t. Die Arbeitsvermittelung erfolgt kostenlos und zwar: für das von den verschiedenen Branchen des Transportgewerbes benötigte Kutscher-, Arbeiter- und Mitfahrerpersonal, als auch für das von den ver- schiedenen Branchen des Handelsgewerbes benötigte Haus- diener-, Packer- und Boten und Kutscherpersonal usw. sowie sämtliches für das Verkehrsgewerbe benötigte Personal, und für Kraftwagenführer aller Gattungen und Systeme, werktäglich in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 4—6 Uhr nachmittags. Die Bestellung von Arbeitskräften bezw. die Meldung offener Stellen können durch die Post oder auch telcphonisch— Amt Norden Nr. 2375—7 und 11 040—47— erfolgen und werden solche werk- täglich in der Zeit von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends entgegen- genommen. Da dieser ArbeitsnachmeiS unter Aufsicht der städtischen Ver- waltung von einem Kuratorium geleitet wird, das aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht, wird den den Arbeits» Nachweis benutzenden Firmen die größtmögliche Gewähr dafür ge- boten, dast die ihnen auf Bestellung überwiesenen Kräfte allen An- sorderungen an ihre Fähigkeit genügen und mit den einschlägigen Arbeiten vertraut sind. Im Interesse aller Arbeitgeber deS Transport-, Handels- und Verkehrsgewerbes liegt es, wenn diesem den Zeitverhällniffen ent- sprechenden auf moderner Grundlage aufgebauten gemeinnützigen Unternehmen seitens der Arbeitgeber die weitgehendste Unterstützung dadurch zuteil wird, dast dem Nachweis jede offene, und jede frei- werdende Arbeitsstelle gemeldet und die benötigten Kräfte nur durch den Nachweis bezogen werden. ftlLlUNi». Ein Zeichen der Internationale. Ein schöues Dokument internationaler Gesinnung ist der folgende Brief, den der Granitsteinhauerverband Amerikas anr 26. März 1917 an den internationalen Sekretär Kolb gerichtet hat) er lautet nach dem„©teinatbeiter": Werter Freund Kolb! Ihren Brief, geschrieben im Februar, haben wir erhalten, so auch die Quittung für die zweite Summe des Geldes, welche ich Ihnen von unserer Organisation sandte. Es tut mir leid, nicht in der Lage gewesen zu fem, mehr zu senden; aber hier herrschte seit einiger Zeit eine größere Arbeitslosigkeit, und die Preise für den Lebensunterhalt sind zurzeit bei uns�viel größer als in England oder in Europa. Dies kommt daher, roeil von unseren Kapitalisten viel Nahrungsmittel über das Meer transportiert wurden; andererseits haben dieselben Nahrungsmittel so lange zurückgehalten, WSflie die Höhe diese? unerschwinglichen Preise er- reicht hatten. All dies mußten unsere Mitglieder aus sich nehmen und darunter leiden; immerhin anerkennen wir gerne, daß wir doch noch in besserer Lage sind als unsere Berufskollegen in Europa, wo der Krieg wütet. Wir sehnen die glücklichen Tage, wo die Arbeiter inallen Ländern die Waffen wieder niederlegen und ihrer friedlichen Beschäftigung nachgehen, bald herbei. Die Zeiten, wo sie sich wieder mehr im Beruf, Handel, in der Kunst üben und wieder allgemeine Brüderlichkeit einander gegenüber be- künden, wo die Gewalt der Waffen weicht und an dessen Stelle der internationale Gedanke tritt. Wir anerkennen gerne Eure schwierige Lage in den Organi- sationen Europas und Eure anstrengende Arbeit für Aufrecht- erhaltung derselben; ist es doch mitunter in normalen Zeiten nicht so einfach, befriedigende Resultate zu erzielen. Wenn aber erst durch so schwere Kriegszeiten die Arbeiter von deren Folgen so ungemein belastet werden, dann wird die Arbeit der Organisations- beamten eine noch viel intensivere sein müssen, um die Mitglieder, die abtrünnig zu werden drohen, halten zu können. All dies berücksichtigend, möchten wir nicht unterlassen. Euch in Eurer bisherigen Arbeit zu ermutigen und Euch zu ersuchen, die angefangene Arbeit für weitere Förderung der Organisationen in Europa vorwärts zu führen. Ist dann der Krieg endlich vorüber, so wird Euch dies zur großen Befriedigung zeigen, daß die geschaffenen Institutionen es auch ermöglichen werden, in kürzester Frist die zentralen und internationalen Verbindungen wieder vollständig hergestellt zu sehen. Auch geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß sich in Bälde alle übrigen Steinarbeiterverbände Amerikas unserem Vorgehen an- schließen und mithelfen werden an besserer gegenseitiger Vcvbin- dnng sowie«n der maksriellen Hilfekssskung für die geschädigten Steinarbeiierorganisationen Europas. In diesem Sinne habe ich mich bereits an alle diese Verbände gewendet, ihnen Eure Lage gc- schildert und sie gebeten, brüderlich zu zeigen, daß sie mit uns und Euch einig gehen und zur Förderung Eurer Or- g a n i s a t i o n beitragen. Am meisten bedauerte ich, nicht auch das gleiche Empflnden bei den Sandsteinhauern vorzufinden, obschon gerade unter diesen sich viele befinden, denen die europäischen Ver- Hältnisse sehr gut bekannt sind und die von Eurem Weltteil ad- stammen. Ich habe sie persönlich ermahnt, ihre Solidarität Euch gegenüber zu bekunden, nicht bloß in Worten, sondern in Taten. Leider gibt es darunter viele, welche vergessen, woher sie kommen; vergessen, daß sie verpflichtet wären, beizutragen, daß in jenen Ländern, von wo sie herkamen, die Verbesserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse noch mehr zu fördern möglich wäre als wie bei uns. Ich hoffe aber doch, daß meine Worte Früchte tragen werden. Ich übermittle Euch nochmals unsere besten Grüße und die herzlichsten Wünsche, Eure Arbeit werde zur Wohlfahrt der Stein- arbeiter in Europa bestmöglich dienen. James Duncan, Ouincy. Soziales. Meifterprüfungsgebühr für Kriegsbeschädigte. Das..Correspoildenzblatt* schreibt: Die tiefgründige Frage, wer den Innungen die Gebühren zahlen soll, wenn ein Kriegsbeschädigter seine Meisterprüfung ab- legt und das Geld dazu nicht übrig hat, verursachte eine kleine Staatsaktion. Die Gewerbekammer zu Leipzig wandte sich an das sächsische Ministerium des Innern um Rat und erhielt folgenden Bescheid: „Es könne erwartet werden, daß die Vereine„Heimatdank* zu den Meisterprüfungsgebühren, die von den Kriegsbeschädigten zu erheben sind, im Bedarfsfalle nach Möglichkeit beitragen; sei aber die nötige Unterstützung nicht oder nicht in voller Höhe zu er- reichen, so soll den Kriegsbeschädigten die Zulassung zur Meister- Prüfung gleichwohl nicht versagt werden. Die Gewerbekammcrn werden vielmehr ermächtigt, in solchen Fällen den anderweit nicht gedeckten Betrag der PrüfungsgÄühr aus Ansuchen der Bewerber aus der den Gewerbekammern zur Verfügung gestellten Summe zur Gewährung von staatlichen Beihilfen zur Förderung des Klein- gewerbes zu entnehmen.* War es für die Vertreter der sächsischen Handwerkerinnungen in den Gewerbekamniern denn ganz undenkbar, daß man Kriegs- beschädigten die Meisterprüfungsgebühren erlassen kann? Neuer Arztkonflikt. Der Hauptvorstand deutscher Ortskranken- kästen hat folgendes Rundschreiben ergehen lassen: .Die Aerzteorgonisationen beschäftigen sich zurzeit mit einer Umfrage der Krankenkaffenhauptverbände bei einer Anzahl Kranken- kästen über die Honorare, die diese den einzelnen Aerzten ge- währen. Die Umfrage erstreckt sich ans die Jahre 1913 und 1916, um ein möglichst zuverlässiges Bild übdr die tatsächlich gezahlten Bezüge zu erhallen. Die Aerzteorganisationen fordern ihre Mitglieder in den Ver- öffentlichungen auf. den Kassen die Angabe der den einzelnen Aerzten gezahlten Vergütung zu verweigern. Außerdem werden Behauptungen über die Verwertung der Umfrage aufgestellt, die den Tatsachen nickt entsprechen. Die Aerzte können gar nichr wissen, was die Kassenverbände mit der Umfrage beabsichtigen; trotzdem versuchen sie allerlei Verdächtigungen, um die Verweigerung der Abrechnungen zu begründen. Diese Aufforderung ist ein neuer Beweis dafür,, wie die Aerzteorganisationen einer zweck- mätzigen Regelung der Arztfrage Widerstand entgegensetzen. Die Verweigerung der Angaben darüber, wie der Aerzteverein oder eine Aerztekommission die von der Kasse gezahlten Summen an die einzelnen Kassenärzte verteilt hat, ist unhaltbar, denn der Vorstand der Krankenkasse haftet für getreue Verwaltung der Kassengeschäfte. Er muß daher wisten. wie hoch das Honorar für den einzelnen Arzt ist. um prüfen zu können, ob es angemessen ist. Auch niuß sich der Vorstand davon überzeugen können, ob die Zahlungen, die er aus Kaffenmitteln an die Beauftragten der Aerzte leistet, den getroffenen Vereinbarungen entsprechend den Kassen- ärzten als Arzlhonorar zufließen. In vielen Arztverträgen ist daher ausdrücklich bestimmt worden, daß der Krankenkasse die Abrechnung über die Verteilung der ärztlichen Vergütung mitzuteilen ist. Dort, wo dies nicht bestimmt wurde, hat man diesen Grundsatz als eine selbstverständliche Pflicht der Aerzte angesehen, die durch die Reichs- versickeriingsordnung gegeben ist. Dieser Vorgang ist ein neuer Beweis dafür, daß die Kassen auf die einfachsten nioralischen Verpflichtungen der Aerzte nicht bauen können, sondern alle Verpflichtungen in rechtsgültiger Form nieder- legen müssen. Die Krankenkassen werden daher dringend ersucht, keinerlei Arztverträge zu schließen, in denen ihnen nicht ausdrücklich selbst die Auszahlung der ärztlichen Vergütung vorbehalten oder die Mitteilung über die Verrechnung zugesichert wird. Wo die Aerzte oder ein Aerzteverein die Mitteilung, wie die Zahlungen der Kasse an die einzelnen Aerzte verteilt worden sind, verweigern, sollten alsbald die im Arzvertrage vorgesehenen In« stanzen angerufen werden, um festzustellen, ob die Weigerung der Aerzte berechtig! ist.* Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Dicderich, Berlin-Friedenau: für d. Ldrigen Teil des Blattes: Alircd Scholz, Neukölln: iiie Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Untcrhalinngsblatt. A. WERTHEIM Herren-Kleidung Lüster- Anzüge»uz hellen und dunklen Farben Bastfarbene Anzüge Wasch-Westen neue Muster Weiße Flanelle- u. 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Vorsitzender E d e r t begründete die Notwendigkeit sein« Ein- Berufung. Statutengemäß habe der Parteiausschuß an der Fest- sctzung der Tagesordnung des Parteitages, der Bestellung der Ne- fcrenlen usw. mitzmvirkcn. Durch Umfrage bade sich das nicht erledigen lassen. Ebcrt schlägt vor, die Tagesordnung der Sitzung folgendermaßen festzusetzen: l. Bericht über die Stockholm« Verhandlungen! L. Stellungnahme zum Parteitag; S. Sonstiges. Tchcidcmaun über Stockholm. Den Bericht über Stockholm erstattet Scheidemann: Tie Airgen der ganzen Menschheit sind jetzt nach Stockholm gerichtet. Man erwartet jetzt von Stockholm und den Sozialisten, was man bisher von den Ncgiernngen leider vergeblich erwartet hat: den Frieden. Ob die Stockholmer Verhandlungen den Erfolg haben werden, uns dem Frieden näher zu bringen, wer kann das wissen? Tic bisherigen Verhandlungen in Stockholm sind nicht so ver- lausen, wie wir das gewünscht hätten, aber viel besser, als manche von uns befürchtet haben. Viele Kräfte sind am Werke, die Friedensarveit von Stockholm zu vereiteln. TaS erbärmlichste Betspiel dafür sind die Artikel der.Leipziger Volks- z c i t u n g", welche angeblich„die Wahrheit" über unsere Frieden»- arbeit verkünden sollen. Der unabhängige Verfasset, dem offenbar noch nicht genug Blut geflohen ist, hätte eine Zierde der nun- mehr erledigten russiswen Geheimpolizei werden können. In dem Augenblick, wo man endlich darauf rechnen kann, ivenigstens einige der sozialistischen Parteien wieder zusammen zu sichren, schleudert dieser führende Mann der Unabhängigen seine unsauberen Man- scheiten in den Saat, die er mit allerlei Verleumdungen bekritzelt dat. Als Tolunient fanatischen Hasses und als Gipfelpunkt politischer VerlogeuHeit werden diese beiden Aussätze für zukünftige Historiker dieser Zeit wertvolles Material bieten. Ich müßte stundenlang darüber reden, wollte ich alle Ier- hächtigungen und Unwahrheiten aufklären und zurückweisen. Ich will mich mit zwei Beispielen begnügen. Ta ist zunächst mein bekannter Glückwunsch an meine Solinger Wähler vom Neujahr lSlä. Taraus wird der Teilsatz:.. wir wollen die Absichten unserer Gegner zuschanden maclxn, wir wollen siegen" heraus- gegriffen. Damit war klipp und klar gesagt, daß unser Sieg darin bestehen soll, dast wir die Anschläge der Gegner vereiteln. In der„Leipziger Volkszeitung" aber wird dem Satz eine längere Darlegung vorausgeschickt, derzufolge die Mehrheit lange Zeit einen Sieg im Sinne der Alldeutschen erstrebt habe! Als an- geblicher Beweis für unsere Zerschmetterungsgelüste wird auZ meinem Satz das Wort„Siegen" hcrvvrgehobei!. Wie blödstnnig diese Auslegung ist. beweist der einfache Hinweis auf unsere vor- hergegangenen Erklärungen vom 4. August und 2. Dezember 1014, in denen wir jede Eroberungspolitik weit von uns weisen. In zahlreichen Reden und Artikeln habe ich ausein- andergcsctzt, dast unser größler Tieg darin bestehen werde, die gegnerischen Pläne zu vereiteln. Weiter legt die„Leipziger Volks- zeitung" in ihren Artikeln dar. ich hätte im März 19lS nicht gewagt, über den Friede» zu sprechen, und erst Haafe habe gesagt, was nötig gewesen sei. Tatsächlich hat Haase am 10. März zur auswärtigen Politik gesprochen, und zwar im Auftrag« der Fraktion, die seine Rede ausdrücklich fest- gelegi hatte. Ich habe dann nach Haase am l7. März wiederum im Auttrage der Fraktion über die innere Politik zu iprechcn gebabi. Ich habe meine Rede so angefangen:„Was zur auswärtigen Politik zu sagen war, hat neulich mein Partei- freund Haase ausgeführt und ist in den Erklärungen der Fraktion vom 4. August und 2. Dezember niedergelegt. Es ist seither kein Ereignis eingetreten, das uns verantajsen könnte, davon im geringsten abzugeben." Was hat die„Leipzig« VolkSzcitung" aus diesem einfachen Tatbestand zusammengefälscht! Ihre Zitate sind aus dem Zusammenhang herausgerissen, und zwar, um besser auf die Ilrteilslolen zu wirken, ohne dag auf die politische Situation irgendeine Rücksicht genommen wird, in der so oder anders gesprochen wurde. Ricktig ist«n der ganzen„Enthüllung" nur das eine, daß wir mehrfach in der Fraktion abgelehnt haben, zu beitiminlen Zeiten im Reichstage über den Frieden zu sprechen, nämlich dann, wenn eS nach der militärischen und politischen Lage Wahnsinn gewesen wäre und dem Frieden nur .reschadet hätte. Zu derselben Zeit, als wir es ablehnten, im Reichstag bestimmte Tinge auszusprechen, haben wir sie dundertsach in. Volksversammlungen gesagt. ES kommt daraus an, wo und wann man ein Wort spricht. Praktische Politik ist nicht unabhängig von Raum und Zeit. ES kann Pflicht für uns sein, das Gleiche vier- oder fünfmal im Reichstage und bundertmal in Volksversammlungen zu sagen, ader eS könnte untn Ilmständen ein Verbrechen oder eine Eselei sein, eS auch nur ei» zweites Mal zu wiederholen. Wir sind immer energisch für einen Frieden der Verständigung eingetreten. Wir haben niemals Grundsätze preisgegeben. Aber Sozialist fein heißt nicht ein Papagei sein, der immer dieselben Formeln berunterbetet. Wir haben uns stet» nach der jeweiligen Situation zu richten und tragen für unsere Taktik die Verantwortung vo� dem Laird und v« der Geschichte. Das Zujtandebringcn der Stockholmer Konferenz begegnete großen Schwierigkeiten und iväre ohne BorgdjergS Mitwirkung vielleicht gar nicht gelungen. Welches Mißtrauen hat man in der ganzen Welt gegen die deutsche �Sozialdemokratie zu erwecken gesucht! Man hat uns als die eigentlichen KriegSwüte- riche, als die gehorsamen Tiener des deutschen Imperialismus hinzustellen gesucht. Tie Denkschrift, die wir über unsere Friedens- arbeit in Stockholm überreicht haben, wird manches Mißv«ständ- nis und viele darauf begründete Vorurteile hoffentlich zerstören. Freilich beginnt das Fälschen und Verleumden schon wieder. Aus der Bemerkung des„Vorwärts", dast die Stockholmer Zusammen- kunft der erste Triumph der Friedensbewegung fei, macht die französische Presse: d« ,. Vorwärt»" habe von einem erste» Triumph Teutschlands geschrieben. Auch uns« Memoran- dum von Stockholm ist auf dem Umwege über die englische Presse durchaus uuzutrefsend„ach Frankreich übermittelt worden. Die englische Arbeiterbewegung hat ja leid« kern politische» Organ und kaum ein Gew«ksckastsblatt mit irgendwelchem eigenen Nach- richtrudienft. Tie bürgerliche Enlentcpresse lügt und schwindelt, und die„Humanite" unterdrückt und verschweigt vieles, lieber unsere Arbeit berichtet sie in der Äuimachung des gewissenlos«,. ..Homo"-Griimbach. und da können Sie sich ja denken, welches Bild entsteht. Allen diesen Treibereien kommt nun der Man- schcttenlchrciber der„Leivziger Volkszcitung" mit seinen Verleumdungen und Fälschungen zu Hilfe. Es ist gar nicht zu ermessen, wieviel Blut an den Fingern dieser Bieder- rnänner Hebt. Ohne sie wäre es vielleicht früher gelungen, die Jnternattonalc zusammenzubringen, und dann hätte der Mensch» heit viel Bluwergiesten erspart bleiben können. Scheidemann gibt dann eine ausführliche Tarstellung der Reise Borgbjergs nach Petersburg. Obwohl Borghjerg als neutral« Sozialist, dänischer Journalist und Vertretet: allgemeiner Menschheitsinteresie» kam, war fein« Mission recht schwierig. Aber die authentischen Mitteilungen, die er uns üb« unsere Friedensbemühungen machen konnte, sind doch sehr werlvoll gewesen. Die«sie Frage, die ihm von den russischen Genossen gestellt wurde, war die, ob der Reichskanzler mit unseren Erklärungen einv«standcn sei. Ta zeigte sich sofort, wie uu- glaublich falsch man im Ausland üb« die Stellung der deutschen Sozialdemotratie unterrichtet ist. Borgbjerg hat die russischen Genossen gründlich darüber aufgeklärt, daß wir mit dem Kanzler nichts zu tun haben, dast wir weder Regierungspartei noch Mchr. beitspartei sind. Eine weitere Frage der Russen ging dahin, ob ander« Parteien mit uns gleicher Meinung seien. Borgbj«g ant- �vorwärts"- Tags. Der Krieg hat uns verschiedene Arten von Tagen gc- bracht. Unsere Leser sollten die dreimal vierundzwanzig Stunden, die uns von dem OuartalSwcchsel trennen, zu richtigen„Vorwärts"-Tagen machen, an denen sie ihrem Blatt und damit ihrer Sache unermüdlich neue Freunde werben. Mögen sie folgendes bedenken: Jedes Tausend neuer Leser, das der„Vorwärts" ge- winnt, ist ein Zeichen daiür, daß die Bewegung für Frieden und Freiheit tiefer Wurzel geschlagen hat. JedeS Tausend neuer Leser, das der„Vorwärts" ge- winnt, bedeutet für seine Redaktion und die ganze sozial- demokratische Partei Ermunterung und Ermuti- g u n g, auf dem betretenen Wege weiter fortzuschreiten. JedeS Taufend neuer Leser, das der„Vorwärts" gc- winnt. ist aber auch ein Ehrenzeugnis, das sich die werktätige Bevölkerung Groß-Berlins selbst ausstellt, ein Zeichen dafür, daß sie sich von der politischen Gedanken- und Ziellosigkeit einer verwaschenen Allerwelts- presse befreit und zu eigenem Denken, eigenem Wollen erwacht. Jedes Tausend neuer Leser, das der„Vorwärts" ge- wlnnt, ist schließlich auch ein Gewinn für die Ge- Wonne n en selb st. Sie werden lernen, daß man dem furchtbaren Schicksal, das auf uns allen lastet, nicht schlaff und untätig gegenüberstehen soll. Sie werden sich ans ihrer Hoffnungslosigkeit aufrichten und mit uns für eine bessere Zukunft kämpfen. Darum laßt die wenigen letzten Tage bis zum 1. Juli rechte„Borwärts"-Tage sein! wortet«, daß zweifellos nicht unbedeutend« Teile des deutschen Volkes ebenso dächten wie wir. Er dachte dabei an Mann« wie Theodor Wolfs usw. Weiter fragten die Russen, od eS in Deutschland in absehbarer Zeit eine Revo- lution geben werde, ob damit sich« zu rechnen sei. Borgbjerg erwiderte, seiner Ueberzcugung noch würde während des Krieges in Deutschland ganz gcivitz keine Revolution eintreten, weil daS ganz« Volk darin einig sei, daß eS sich sein« Haut wehren müsse. Ob nach dem Kriege revolutionäre Bewegungen eintreten würden, werde vom Ausgang dcS Krieges und d« Ge- Währung demokratisch« Rechte abhängen. Die Russen dürften nicht glauben, daß in Westeuropa eine Revolution wie bei ihnen möglich sei; ein« solche hätte doch auch— um das ihm am nächsten liegende Beispiel anzuführen— in Dänemark, das demokratisch regiert werde, gar keinen Sinn; nur«ine soziale Revolution könne für die Weststaaten noch in Betracht kommen. D« Arbeiter. und SollSatenrat hat dann nach der Sitzung, in der Borgbjerg empfangen wurde, noch ohne ihn üb« diese Frage beraten, und einer seiner Beauftragten hat Borgbjerg später mitgeteilt, daß seine Mission geglückt sei: der Rat sci bereit, zur Herbei- tührung des Friedens im Sinne der Internationale und der Wünsche des holländtsch-skandinavischen Komitees mitzuwirken;« werde allerdings eine sozial istische Friedenskonferenz selbst einberufen. Borgbjerg betonte, daß diese Konferenz nicht im Gegen- latz zu den Bemühungen de? holländisch-skandinavischen Komitees stehen wird. Scheidemann sprach dann über die gegenwärtige Lag« in Ruft- land. ES könne nicht als ausgeschlossen erscheinen, daß sich die Sacke des Arbeit«- und Soldatenrats konsolidiere. Darauf deute die mit ungeheurer Mehrheit erfolgte Bewilligung der sogenmmten Frciheitsanleihe hin; die russischen Genossen hätten damit Kriegs« kredite betvilligi, weil sie d« Meinung seien, daß es sich lohne, das neue Rußland zu verteidigen. Sie hätten sich damit aus den gleichen Standpunkt gestellt, den die deutsche Sozialdemokratie Deutschland gegenüber eingenommen habe. Ter Redner berichtete dann eingehend üb« die VerHand- lungen in Stockholm selbst, die bereit? aus der Presse zum Teil bekannt sind. Er hob hervor, daß nicht Branting, sondern Troelstra bei den Verhandlungen mit der deutschen Delegation dc» Vorsitz geführt habe. Davids ausgezeichnete Rede sei nicht ohne Eindruck geblieben; die Delegation habe beschlossen, sie im Druck erscheinen zu lassen und allen Delegierten zugängig zu machen. Unter den Worten Annexionen, Entschädigung. Wiederherstellung denke sich jeder et>oas anderes; durch die Stockholmer Beratungen und durch unser Memorandum sind die Fragen einer erfreulichen Klärung entgegengcführt und eine Unterlage für die weiteren Ver- eiiiignngsbemühungen geschaffen worden. Besonderen Wert haben wir darauf gelegt, durch dokumentarische Darlegung unserer Frie- denSarbcit die Mißverständnisse und inchaltdaren Vorurteile gegen uns zu zerstreuen. Wir hoffen, daß die genaue Darlegung unserer unermüdlichen Arbeit für den Frieden auch im Auslande allmäh- lich die Wahrheit zum Siege führen wird; denn wir wollen bei niemandem bösen Willen annehmen. Unsere Darlegung wird auch die anderen sozialistisckien Parteien vcran- lassen müssen, sich über ihre Tätigkeit für de» Frieden aiiSziiweisen, tvie das Thomas ja für die französische Sozialdemokratie schon in Aussicht gestellt hat. Bielleicht können wir dann auch in diesem oder jenem Punkte unser Urteil über die Haltung der französischen oder englischen Sozialdemokratie während des Krieges modifizieren. Scheidemann taßte sein Urteil über Stockholm dahin zu- saminen; daß zunächst viele Hindernisse deS gegenseitigen Verständnisses aus dem Weg« geräumt seien. Die deutsche Delegation habe ihre«chuldigteit getan und alles geleistet, Ivas in ihren Kräften stand. Sic glaubt gute Arbeit geleistet zu haben und ist eiUschlossc», auf diesem Wege weiter zu gehen. Run muß auch die Regierung offeu Farbe bekennen: eS war falsch von ihr, brockenweise von acht zu acht Tagen den Russen ein günstigeres Sonderangebot zu machen. Auch darf sie nicht länger zögern, vor aller Welt durch die Tat zu beweisen, daß eS ihr mit der Neuorientierung Ernst ist. Wir brauchen vollkommene politische Freiheit, um das Mißtrauen des Auslandes gegen die deutschen Erklärungen und Absichten zu überwinden. Wir hoffen, daß der Parteiaueschuß unsere Arbeit anerkennen wird. Den Verständigungswillen zu kräftigen, scheint uns noch immer der einzige Weg zu einem nahen Frieden, und ihn müssen wir gehen, unbekümmert um das Ge- schrei von rechts und links. Arbeiten wir weiter für den Frieden, für Brot und Freiheit.(Lebhafte Zu- stimmung.) In der Debatte sprachen B a u d c r t- Weimar, Severing. Bielefeld, L ö b e- Breslau, A u e r- München, Dr. David, König- Dortmund, Richard Fischer- Berlin, ReißbauS- Erfurt, H a b e r l a n d- Düsseldorf, B r c y- Hannover, Gebt- Danzig, K ö r n e r- Ludwigshafcn, K c i l- Stuttgart und Dr. Gradnauer- Dresden. Mehrere Redner sprachen der deutschen Delegation in Stock« Holm ausdrücklich ihren Tank aus für die energische Vertretung der Interessen Deutschlands und des Friedens. Auf Anregung Lobes gab Ebert die Erllärung ab, das deutsche Memorandum von Stockholm werde vom Parteivorstand als Flugschrist zugleich mit der Widerlegung der Leipzig« Lügen berauSgegebe» werden. Eine weitere Anregung Lobes, ancli die Materialsammlung über die FricdenSarbcit der deutschen Sozialdemokratie nicht nur deutsch und russisch herauszugeben, sondern auch in französischer Sprache zugängig zu machen, soll gleichfalls Brach Ving finden. Im übrigen war die Tehatte eine ernste und eingehende Prü- fung der politischen Gcsamtlagc, der FriedenSsrage, deö Ernäh- rungSwcscns und der Aufgaben aus dem Gebieie deL Verfaisungs- recht?. Sie fand ihren Abschluß nach einem Schlußwort Scheide- mannS in der einstimmigen Annahme folgenden von Lobe bean- tragtcn Beschlusses: „Ter Parteiausschutz spricht nach Kenntnisnahme des Berichts der deutschen Delegation ans der Stockholmer Vorkonferenz sein Einverständnis mit der gesamten Tätigkeit der deutschen Delegi«ten ans und stimmt den Leitsätzen zu, weiche sie über die Stellung der deutschen Partei zum VerständigungSsrieden ab- gegeben hat.— Ter Parteiausschuß ersucht die deutsche Delegation, die Arbeiten bis zur Hauptversammlung in Stockholm nach Kräften zu fördern." Ebert über den Parteitag. Ueber den Parteitag b«ichtet Ebert: In der vorigen Sitzung des Parteiausschusses war eingehend die Notwendigkeit und Zweck- Mäßigkeit nachgewiesen worden, den Parteitag so schnell als mög- lich einzuberufen. D« Vorstand hat in einem Rundschreiben dem Parteiausschuß den Vorschlag einer TapeSordnung unterbreitet und versucht, die Angelegenheit durch eine ichriftliche Rundfrage zu erledigen. Tie Tagesordnung war wie folgt vorgeschlagen: 1. Bericht des Vorstandes s) Allgemeines— Ellert; b) Kasse— Braun. 2. Bericht der Kontrollkommission— Brühnr. Ii. Bericht d« Rcicvstagsfraktion— Dr. David. 4. Die nächsten Aufgaben der Partei— Ccheidemai'.n. 5. Anträge. 6. Wahl deS Parteivorstandes, der Kontrollkommission usw. Ter Versuch mit der schriftlichen Rundfrage ist mißglückt. Es gab eine Reibe Einwendungen gegen die vorgeschlagene Tages- ordnung. Breslau schlug vor, die Punkte 4 und ü vor den Punkts» 1 und 2 zn verhandeln. Es müsse unter allen Umständen ver- mieden werden, daß der innere Parteistreit in den Lordergrund der Verhandlungen gesetzt werde. Man habe den Parteistreit satt, er könne am Schluß der Verhandlungen beraten werben. Dieselbe Auffassung ist von einer ganzen Reibe Redner in der letzten Sitzung vertreten worden. Ter Parteivorstand wünscht auch möglichst wirkungsvolle ParteitagSvcrhandlungen. Es ist aber nicht mög- lich, die agitatorische Wirkung des Parteitags dadurch zu erhöhen, daß mau die Berichte der Parteileitung an den Schluß der Tages-, ordnung setzt. Mag die Verhandlung noch so Harmonisch beginnen, wenn sie ausläuft in Mißrlang, dann ist der erste gute Eindruck ausgelöscht. Deshalb cmpftchlt es sich, au d« Retheufolge der Tagesordnung nichts zu ändern. Tie Ernährungsfrage od« die Friedensarbeit zu besonderen Tagesorduungs- punkten zu machen, wie es von einigen Bezirken empfohlen wird, ist nicht ratsam. Beide Fragen bilden den Hauplteil der Tätigkeit der Parteileitiliig und der Fraktion, deshalb müssen sie in deren Berichten behandelt verde». Einen Korreferenten zum FraktionSbericht kann der Fraktionsvorstaub nicht bcftic- Worten. Tie Fraktion ist in der Beurteilung der meisten Fragen durchaus einig. Tie Stellung zu den KriegSircditen ist bereits aus dec Reichslonferenz eingebend besprochen. Wünscht hier etil Vertreter der Minderheftkanffassung verlängerte Redezeit, so wird der Parteitag dem nicht widersprochen. Weiter ist angeregt worden, für die Tätigkeit der Fraktion für die Soldaten einen besonderen Referenten zu bestellen. Im schriftlichen Bericht soll dieser Punkt von einem Spezialisten bcsond«S behandelt wer- den. Außerdem werden wir die dazu«sehienenen Presseartikel de» Genossen Stückten als Broschüre herausgeben. Damit dürfte der Anregung wohl Rechnung getragen fein.— Die Zutunftsaufgaben der Partei sollen unter Puttkt 4 der Tagesordnung behandelt werden. DaS ist schon lange dringend nottocndig. Bisher bat uns der Parteistreit leider immer wieder von dieser Arbeit abgedrängt. Hier ist viel vcrsäumt. Jetzt aber muß unter allen Umständen die Stellung der Partei zu diesen entscheidenden Fragen t'cäzisicrt werden. Um die Behandlung dieses Themas recht ivirksam zu gestalten, sind dazu besondere Vor. bcreitungen getroffen. Das Hauptthcma wird in vier Untergruppen gegliedert. Für jede Gruppe soll ein besonderer Berichterstatter bestellt werden, und zivar: Demolratisicrung: Laudollcrg, Wirtschastspolitlk: Ennow, Finanzpolitik: Keil, Sozialpolitik: Wissel. Diese vier Berichterstatter sollen schriftliche B«ichte geben, die spätestens drei Wochen vor dem Parteitag veröftentlicht werden. Ter Berichterstatter zu Punkt 4 der Tagesordnung soll dann aus dem Parteitag die Materie und das Ergebnis der vorhergehenden Diskussion znsainmenfajscnd sie- handelm Die praktische Durchfübrung dieses Vorschlags ist sehr wohl möglich und gesichert. Das Verlangen, diese Themas einzeln auf dem Parteitag zu behandeln, läßt sich in Rücksicht ans die Zeit nicht durchführen. Ob sür die einzelnen Gebiete ständige Studien- kommissionen eingeseüt werden sollen zur weiteren Bearbeitung dieser Fragen»ach dem Parteitag, kann noch erwogen werden.— Hannover wünscht, die Abänderung des Organ isalionsitatuts ans die Tagesordnung zu setzen. Eine Gesamtrevision des Statuts sci aber nicht notlvcndig. Einzclanlräge lönnlen bei Punkt 5 d« Tagesordnung behandelt lverdcn.— Wir halten also an der von uns vorgeschlagenen Tagesordnung fest. Sic entspricht nach unserer Anssassung am besten den großen Ausgaben, die der Parteitag zu erfüllen hat.— Als Ort des Parteitages schlagen wir W Ü r z b u r g vor. Tie Voraussetzungen sür gute Erledigung der Parteitags« arbeiten sind dort gegeben. Wir hoffen, daß der Würzburger Parteitag der Ausgang neuen Aufstiegs und neuer Erfolge für die Partei sein wird.(Beifall.) Lobe-Breslau begründet den Antrag, den R�chenschaftS» bericht des Parteinorstar.dcS und der Fraltiou nicht an den Anfang, sondern an den Schluß der TageSordnuna zu setzen. Es sei nicht gut, mit dem Parteistreit zu beginnen. Wir sollten mehr als d:s- firr aus die agitatorische Wirkung unserer Parteitage achten.— Habcrland- Elberfeld fragt nach der Stellung des Parteivo» standes zmn Bunde der Kricgsteilncbmcr und Kriegsbeschädigten und regt an. auch den finan�'�wachen Kreisen die Delegation zum Parteitag zu ermöglichen.— Andere DiÄussionSredner schließen sich dieser Anregung an. M c y e r- Rüstringen bekämpft den Antrag Löbe und befür- Ivortet weiter die Zuziebung des Partciauöschusses zum Parteitag. — B r e>1- Hannober: Uns kommt es nicht auf die Zuziehung des Partciausschusses?u diesem einen Parteitag an. sondern darauf. daß er Beschlußrecht und damit einen festen Platz in der Partei- organisation erhält. Einstweilen schwebt der Parteiausschuß ganz in der Luft. Redner wendet sich dann gegen den Antrag Löbe. Man müsse das Ventil für die Kritik sofort öffnen, dann werde der Parteitag einheitlich ausklingen.— Wals- Berlin polemisiert gleichfalls gegen den Antrag Löbe.— König- Dortmund zieht den Antrag zurück, die Ernährungs frage als besonderen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen; die Erklärung Eberls hierzu hätte ihn be- friedigt. Auch König wünscht, daß der Parteitag durch starke Be- teiligung und ernste Verhandlungen so würdig wie möglich nach außen bin wirken möge.— Auer- München befürwortet den An- trag Löbe mit Rücksicht auf die Preßberichterstattung. Ueber die ersten Tage werde ausführlicher berichtet als über die letzten Ebert tritt noch einmal dafür ein. die Rechenschaftsberichte on die Spitze der Verhandlungen zu stellen. Parteivorstand und Fraktion bätten keinen Grund, die Debatten zu fürchten oder hinauszuschieben, selbst wenn dabei Meinungsverschiedenheiten zu- tage treten. Die Delegation müsse natürlich streng nach dam Statut erfolgen. Jetzt wichtige Organisationsänderungen zu be- schließen, während die große Masse der Parteigenossen im Felde stehe, könne er keineswegs empfehlen. Zur Organisation der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten babc der Parteivorstand nicht Stellung genommen, doch gehe die Auffassung wohl überstimmend dahin, daß alles, was dort ange- strebt werde. Ausgabe der Partei und der Gewerkschaften sei. Die Partei müsse unausgesetzt und entschieden für die Interessen der Kriegsteilnehmer, insbesondere der Kriegsverletzten eintreten, und die Gewerkschaften würden für diese vielleicht sogar besondere Ein- richtnngen schaffen. Der Antrag Löbe wird abgelehnt. Die vom Vorstand vorge- schlagen« Tagesordnung wird einstimmig angenommen imb Würzburg als Ort des Parteitags festgesetzt. Ebert teilt mit, daß einer der Genossen, der an der Grün- dung eines Parteiorgans für Leipzig beteiligt ist, stch wegen Richtbehinderung der Werbearbeit an die Handelskammer gewandt hätte. Der Parteivorstand babe damit selbstverständlich nichts zu tun; er verurteile diesen Schritt.— Weiter teilt Ebert mit, daß die Aenderung in der Redaktion der.Gleichheit' durchgeführt sei. Die unter der neuen Redaktion erschienenen Nummern zeigten, daß das Frauenorgan der Partei jetzt seine Aufgaben wieder voll erfülle. Die Parteigenossen sollten sich euer- gisch für die Verbreitung der..Gleichheit' einsetzen. Damit sind die Verhandlunge» beendet. /lußeroröentliche Generalversammluag öcs Textßwrbeiterverbanöes. 3. BcrhandlungStag. Nachdem am Dienstag vormittag die Teilnehmer der General- Versammlung die„Mechanische Baumwoll-Spinnerei und-Weberei Augsburg' besichtigt hatten, wurde die am Moirtag nicht zu Ende geführte Debatte fortgesetzt. Gauleiter K i c s l i n g- Oberbaden schildeine die Machinationen der Unternehmer, um die teils niedri- gen Löhne der Textilarbeiter auf eine noch tiefere Stufe zu drücken. Klagen aller Art über ungenügende Entlobnung and sonstige Uebrl- fländc, unter denen die Arbeiter schwer leiden. werden aus allen Bezirken, aus dem Eulengebirge wie aus dem Erzgebirge, auS dem Elsaß wie«rns Sachsen, Thüringen, dem Rheinland, Schlesien, Bayern, Westfalen usw. vorgebracht. Nach- dem 31 Delegierte zu diesem Punkte gesprochen und erfreulicherweise auch diele weibliche Delegierte ihre Beschwerden vorgebracht, wurde die Debatte durch Schluszantrag beendet und eine Resolution zur Annahme empfohlen, in der der Extrakt der Reseraie wie der De, batten kurz zusammengefaßt festgelegt ist. Die Abstimmung über die nachstehende Resolution ergab ihre einstimmige Annahme: Die außerordentliche Generaldersammlung des Textilarbeiter. Verbandes halt: „Eine wesentliche Erhöhung der Einkommen der Arbeiter nn Arbeiter- wie im Gemeininteress« unbedingt für erforderlich. Wesentliche Erhöhung des Einkommens der beschäftigten Textilarbeiter und Arbeiterinnen ist mir herbeizuführen durch cutsprechende Erhöhung der Löhne«mf Grundlage ein«? garantier- ten Minimal-Tagrsverdienstes. Der Berbaudsvorstand wird deshalb verpflichtet, die dies- bezüglichen Bemühungen der Kollegenschast tatkräftig zu fördern und im Falle von Ztonflilten die Arbeiter mit alle« zur Lerfllgnng stehende» Mitteln zu unterstütze«. Von den militärischen und behördlichen Stellen, als den fast einzigen Auftraggebern der Textilinduftriellen, erwartet die Generalversammlung ein« in de» gegenwärtigen Zeitumständen begründete gerechtere Würdigung der Arbeiterfordernngcn.' Die Wünsche und Forderungen der Textilarbeiter für die Uebergangswirtschast werden durch eine Resolution festgelegt, die von W i n k l e r> Dresden befürwortet, folgenden Wortlaut hat: .Die Textilindustrie ist durch den infolge des Krieges ein- getretenen Rohstoffmangel sehr hart betroffen. Hunderttausende von Arbeitern und Arbeiterinnen der Textilindustrie mußten in anderen Industrien Unterkunst suchen. Deshalb erachtet«S die außerordentliche Generalversammlung für dringend notwendig, daß die Reichsrcgierung, die Regierungen der einzelnen Bundes- staaten und die Gemeinden sofort in Erörterungen aller die Uebergangswirtschast berührenden Frage» eintreten. Es ist dringend notwendig, daß 1. die ReimSregierung zu den Ausschüsse»»»d Beiräten für die Ueber gang s>oi r rscha st auch Vertreter der Textilarbeiterooga- nisationen zuzieht; 2. a) die Regierungen derjenigen Bundesstaaten, in denen die Textilindustrie einen beachtlichen Bestandteil der Volkswirt- ichaft bildet, je eine» Ausschuß berufe», dem auch Vertreter der Tcxtilarbeiterorganisationen angehöre» müssen, " b) soweit Bezirksausschüsse notwendig sind, auch in diese solche Vertreter berufe« werden; 3. in alle Ausschüsse»ur solche Arbeitervertreter berufen werden, die vou de» Textilarbelterorganisatioue» vorgeschlage« werden. Die Tätigkeit der Ausschüsse hat sich auf alle Fragen der Uebergangswirtschast zu erstrecken, insbesondere auch auf: X. die Beschaffung und Verteilung der Rohstoffe, 2. die Wiedereinstellung der Textilbetriebe auf die Friedens- Wirtschaft, 3. die Zurückfühnmg der Textilarbeiter in die Textilindustrie, 4. die Arbeitsvermittlung, 5. die Arbeitslosenfürsorge, 6. die Lohnfrage und 7. den Arbeiterschutz. Der Vorstand des Textilarbeiterbczndes wird beauftragt, un- � verzü glich Schritte zu unternebmen, die die Reichsregierung und die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten veranlassen, die Ausschüsse für die Uebcroaugswirtschaft zu berufen und Vertreter der Texttlarbeiterorganlsationen zuzuziehen.' Die Sitzung wird aus Mittwoch früh vertagt. Partemachrichten. Die„Unabhängigen" in der Klemme. Den„Unabhängigen' die mit dem Hinweis, daß die Mehr- Heilssozialisten mit Rücksicht auf die politische Lage es zuzeiten abgelehnt haben, vom Frieden und nur vom Frieden zu reden, die Friedensarbeit der Sozialdemokratie zu diskreditieren suchen und den Alldeutschen mit geschäftiger Hand Wasser auf die Mühlen leiten, ist unangenehm, daß an den Fall Haas e erinnert werden konnte. Haase hat sich bekanntlich im Mai 191ö gegen eine Friedensinterpellation gekehrt, weil die italienische Kriegserklärung vor der Tür stand und eine Friedensinterpellation in dieser Situation als Zeugnis kläglicher Schwäckie gedeutet worden wäre und den Gegnern größeren Mut eingeflößt hätte. Die.Leipziger Volkszeitung' bemüht sich um die Verteidigung Haases und erledigt dieses Geschäft in folgender Weise: In der Frakiionssitzung vom 17. Mai ISIS beantragte Hoch. eine Friedensinterpellation einzubringen. Genosie Haase als Fraklionsvorsitzender berichtete, daß der Reichskanzler aus Rückficht auf die Krise rn Italien— Italien stand unmittelbar vor der Kriegserklärung an Oesterreich— seine politische Rede bis zum 26. oder 27. Mai hinausschieben wollte; er fügte hinzu, daß er von der Einbringung einer Friedensinterpellation in diesem Augenblick abrate, man hätte sie swon sollen im Dezember 1914 oder im März 1915 einbringen. Gerade jetzt aber könne sie in Italien als bestellte Arbeit wirken, den Anschein erwecken, als säße den Deutschen das Mesier an der Gurgel. Dadurch könnte sie geradezu die Kriegserklärung Italiens beschleunigen und zur Verschärfung der Kriegslage beitragen. Es wäre deshalb zweck- mäßiger, mit der Friedensintervellation zu warten, bis die Ent« scheidung in Italien gefallen sei. Dies der Vorgang; er beweist lediglich, daß der Genosse Haase nicht, wie die Negierungssozialisien so oft sagen, öde Ver- neinungspolitik treibt, daß er vielmehr Notwendigkeiten der Po- litische» Situation Rechnung zu tragen weiß, was ihn allerdings insofern von den Negierungssozialisien unterscheidet, als diese die Opportunitätspolitil grundsätzlich zur Richtschnur ihres Handelns gemacht haben. Also das ist der Unterschied zwischen Scheidemann und Haase, daß Scheidemann.grundsätzlich', Haase aber nur gelegentlich die .Opportunitätspolitil' zur Richtschnur seines Handelns gemacht hat. Im übrigen wird der von uns mitgeteilte Tatbestand nicht im geringsten bestritten. Auch Haaie hat eingesehen, daß eS Augen- blicke geben kann, in denen vom Frieden reden, dem Frieden schaden heißt. Dann aber kann er es nicht als einen Beweis von KriegSlust und Friedensfeindschaft auslegen, wenn die Mehrheit auck, in diesem oder jenem anderen Augenblicke von einer auS- schließlichen Betonung deS Friedenswillens nur eine Ermutigung der Gegner befürchtete._ Eine Fraaeukonfereuz für de» Bezirk Niederrhei» fand in Elberfeld statt. Es wurde zunächst über die Frauen- bewegung im Bezirk Bericht erstattet. Wie in der Jugendbewegung, so seien auch in der Frauenbewegung die Agitationsarbeiten nur dort von Ersolg gekrönt gewesen, wo die Opposition nicht mit ihrer Zersplitterung und ihrer Hemmung einsetzte. Obgleich die Rednerinnen bedauerten, daß die Genossinnen Zetkin und Zietz durch die Meinungsverschiedenheiten in der Partei für mrsere Frauen- bewegung verloren gehen mußten, so wurde doch überernstunmend hervorgehoben, daß der Wechsel in der Redaktion der.Gleichheit' notwendig war. Die Konferenz erklärte sich ebenso einstimmig für eine intensive Agitation für die unter neuer Redaktionsführung stehende.Gleichheit'.— Im Laufe der Verhandlungen wurden von verschiedenen Seilen regelmäßige öffentliche Frauenvcrsammlungen gefordert. Auch sollen monatliche Frauenleieabende wieder ein- geführt und gelegentlich Ausflüge veranstaltet werden. Berichtet wurde auch, daß in einer Reihe von Orten die Genosfinuen in Preisprüfungsstellen, Kriegslüchenverwaltungen, in der Kriegs« stirsorge usw. tätig find.— Zu der im Juli stattfindenden Reichs- lonferenz der Genossinnen wurde die Genossin Dröner-Elberfeld delegiert. Durch die Oppositionspresse ist ein Brief gegangen, de»«r- geblich eine Genossin Vogel aus Barmen an Frau Zietz gerichtet habe und in dem die bekannten Anwürfe gegen die Mehrheit»- anhänger wiederholt wurden. Tiefer Fall Voget wurde auch auf der Konferenz gestreift, da mau sich in Barmen frergt, ob es dort ein« Genossin Vogel gibt, die dank ihrer Arbeit innerhalb der Frauenbewegung berufen wäre, einen solchen Offenen Brief an Frau Zietz zn richten. Weder ein wirklich tätiger Parteigenosse noch eine Genossin kannten diese Vertreterin Zetkins. Man wandte stch daher auch an die Redaktion der.Freien Presse' in Elberfeld um Auskunft, die die Genossin Vogel öffentlich auffordert«, ihre Adresse bekanntzugeben, damit man mit ihr in Verbindung treten könne. Da sich keine Frau Vogel gemeidet hat, so muß man an- nehmen, daß«S sich im Falle Vogel um ein Manöver der Elber- feld-Barmer Opposition handelt. DaS Archiv der Partei richtet die Bitte an olle Genossen um Einsendung von Flugblättern und«Schriften über Partei- und Arbeiterfragen während der Kriegs» zeit. Nur durch die Mitarbeit aller Genossen ist es möglich, da« historische Material auf dem Stande zu hallen, der einer späteren Zeit die Kenntnis der Jetztzeit ermöglicht. Sendungen— auch der llewste Handzettel ist erwünscht— sind zu richten an das Archiv der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin LW 68, L i n d e u st r. 8. Die Methode» der Uaabhängige». Am Sonntag fanden sich aus 2L Orten de» IS. sächsischen Kreises die der Gesamtpartei treu gebliebenen Genosse» äußerst zahlreich in Chemnitz ein, um die Parteiorganisation wieder auf eine neue Grundlage zu stellen, daS Band wieder fester zu knüpfe», das von den Unabhängigen zerrissen worden war. Nach einem die Dedcu- hing des Tages würdigenden Vortrag deS Abg. Genossen Stückle» wurde denn fast einmütig festgestellt, daß mit Ausnahme von Lim- bach die.miabhäagige' Bewegung nur wenig Anhänger zu ver» zeichnen ha t. Als Sitz der neue» Kretz leitung wurde Mittweä» und To- nosse Endler als Vorsitzender und als Vertreter des Kreises zum Parteitag bestimmt. Mit welchen Mitteln die kknabhängigeu arbeiten, geht daraus hervor, daß ein von dem„Bezirksvorstand der Unabhängigen sozial- demokratisen Partei' au eine Anzahl Genossen versandtes Rund- schreiben behauptet«, die Einladung zur Sonittagsgencralversamin- lung sei eine— Fälschung. Auf gleicher Höhe steht«u der „Volksstimme' beigelegter roter Zettel, in welchem der Verleger Granz in Limbach erklärt, daß im IS. Kreise ab 1. Juli nicht mehr die.Chemnitzer Volksstimme', sondern die im Leipziger Stile in ein unabhängiges Blatt umgemodelte„Muldenthaler Volks- zeitung' von den Kolporteuren ausgetragen werde. Solche unab- hängige Manöver sind nicht neu. Auch im Zwickauer Bezirke be- nützte der„Leiter der unabhängigen Bewegung"""die Volksblattausträger, um seine Flugschriften an den Mann zu bringen. Das Handwerk ist ihm gelegt._ Zrau Kupfer vor den Geschworenen. In der heutigen Sitzung, die der Vorsitzende Landger. Direktor Arnold um 9% Uhr eröffnet, stellt Justizrat Dr. Löwen st ein zunächst die Bitte, die Angeklagte zu befragen, wie viele Einlagen in den zwei Jahren ihr zugeflossen sind, wie viel sie davon ver- wendet bat und ob ihr auch nicht em Pfennig verblieben ist.— A n g ckl.: Nach meiner Rechnung sind mir zirka 3 2 9 4 090 M. zugegangen und zirka 3 199 999 M. habe ich ausgezahlt. Die verbleibenden zirka 79 999 M. habe ich z» meinem Leben verbraucht. Beiseite geschafft habe ich nichts. Die 3 999 999 Einlagen sind wieder in die Hände �der früheren Einleger-zurück- geflossen.— Auf Antrag des Justizrats Dr. Löwenstein gelangt sodann ein von der Angeklagten erlassenes Rundschreiben vom 6. Januar 1917 zur Verlesung, als sie nicht mehr in der Lage war. alle Gläubiger zu befriedigen.— A n g e k l.: Ich hatte täglich 50 bis 79 und mehr Leute, die in meinem Vorzimmer warteten, ab- zufertigen, und habe, um eine Regelung des ganzen Betriebes vor- zunehmen, das Rundschreiben erlassen, in welchem ich mitteilte, daß in der Auszahlung der Behörden eine Verzögerung«ingetreten sei und die Firma deshalb zunächst nur kleinere Beträge den Ein- zahlern, die sich binnen acht Tagen meldeten, auszahlen könne.— P o r s.: Was Sie in dem Rundschreiben sagten, war doch alles un- hwhr-— A n g e k l.: Natürlich!— R.-A. K a l i s ch e r: Haben die Einzahler die Angeklagte sehr auf Auszahlung der Gewinne ge- drängt?— Angekl.: Natürlich bin ich furchtbar gedrängt worden! Als erster Zeuge wird sodann einer der Hauptbetestigten, der bereits viel genannte Fritz Körting-Dahlem unvereidigt vernommen, nachdem sein Fall im ganzen zuvor noch einmal durch- gesprochen war. Wie Frau Kupfer angibt, hat der Zeuge im ganzen etwa die Summe von 45 999 M. in bar in ihr Geschäft als Beteiligung eingezahlt und gegen 14« 999 M. als selbstberechneten Gewinn in bar zurückgezahlt erbalten. Sein Konto scktießt in de» Büchern mit 758 909 M. ab. wovon 612 909 M. zugunsten de« Zeugen stehen. Nach der Angabe der Frau Kupfer berechnet de» Zeuge aus dies« Summe von 612 909 M. seine noch bestehende For» derung an sie, die aus seiner Gewinnbeteiligung berrührt. Sts-Äs- anmalt Loch: Also Körting hat für 45 909 M. bar- Einlage 146 999 M. baren Gewinn erhalten und fordert außerdem noch 612 999 M. als noch ausstehenden Gewinn! Dem Zeugen ist nicht erinnerlich, daß er Frau Kupfer, wie diese bestimmt behauptete, schon von Leipzig Ijer persönlich kennt, wo er als Vertreter der väterlichen Firma tätig war. Nach seiner Uebersiedelnng nach hier besuchte ihn eines Tages die Angeklagte in Dahlem. Zeuge: Ich kannte ihren Gatten von einem Bundesschießen in Frankfurt a. M. her, und da ich von ihm den besten Eindruck hatte und außerdem wußte, daß sie in freundschaftlichen Beziehungen zu meinem Vater stand, so hatte ich keine Uvsache, die Angeklagte schlecht auszuneh- men. Frau von Waldow, die sie bei mir kennen lernte, erzählte mir Frau Kupfer habe ihr vorgeschlagen, sich bei ihr an einem Geschäft für HeereÄieserungen zu beteiligen, und ich gab ihr darauf den Rat, da doch Frau Kupfer ein« anständige Frau sei, die Be- teiligung zu riskieren, wenn eS nicht viel sei. Als ich dann hörte, daß die Geschäfte gut gingen und sich auch Dr. Marx, ein hoch- angesehener Mann, beteiligte, sagte ich mir,.chann kannst du auch mn paar Tausend riskieren.' Emes Tages ließ mir Frau Kupfer dann sagen, sie habe ein ausnahmsweise günstiges Geschäft— es war ein Rauchftschgeschäst—, an dem in 19 Tagen 30 Proz. zn verdienen seien. Dieser Verdienst schien mir nicht ver- bluffend, da wir in meinem Beruf mit 49 Proz. Aus- jchlag zu arbeiten gewohnt sind und ich außerdem kauf- mannisch unerfahren bin. Es ist nicht wahr, daß ich der erste ge- wesen sei. der Unterlagen verlangt habe; ich habe keine Unterlagen verlangt, da ich»ach den ganz«, Umständen volles Vertrauen hatte. M«u erster schriftlicher Vertrag basierte auf 15 Proz., das Geschäft zu 30 Proz. für 19 Tage war ein exzeptionell günstiges Sondergeschäft. Ich habe dann noch 29 990 M. und 30 000 M. Bareinzah- lungen gemacht; in letzterer Summe waren die mir ausgezahlten 3999 M. Gewinn, dt« ich stehen ließ, enthalten. Die Bemerkung der Frau Kupfer, daß ich zu ihr gesagt hätte:„Mich müssen Sic aber extra gut stellen', ist eine absolute Unwahrheit, die geeignet ist, meinen Namen bloßzustellen und mich zu schädigen. Vertrags- mäßig sind 15 Proz. auf 14 Tage vereinbart worden.— Präs.: @8 wird nun behauptet, daß Sic statt der hiernach sich ergebenden 30 Proz. pro Monat in Wahrheit 60 Proz. erhalten haben. So be- hauptet der Verteidiger R.-A. Kalischer.— Zeuge: Das ist ein völliger Irrtum. 60 Proz. find später auf den Vertrag gezahlt worden und zwar aus folgender Veranlassung: Ich hörte etwa im August von meinem Neffen, daß Frau Kup ser vbei drei maligem'Um- satz der Einlage höhere Zinsen zahle. Deshalli ging ich zu ihr Ayd sagte ihr:„Meiner Schwester zahlen Sic bei dreimaligem Umsatz 60 Proz., da können Sie mir doch auch mehr geben, ich mache Ihnen die Konzession, daß ich dann mein Geld stehen lasse.— R.-A. K a 5 li scher: Und daS stehengelassene Geld tst wieder mit 6 0 Proz. verzinst worden.— Auf weiteres Befragen des Vorsitzenden be- kündet der Zeuge, daß er etwa 50 009 M. eingezahlt und seine Einlagen und 152 900 M. Gewinn bar zu-- rückerhalten babe.— R.-Ä. Kalischer: Der Zeuge hatte aber noch 612 090 M. Außenstände. Es ist das immerhin bezeich- nend, wie der Zeuge die Angeklagte ausgenutzt hat.— Vors.: Ich bitte, sich in den Ausdrücken zu mäßigen; der Zeuge hat, wie so mancher ander«, die Konjunktur ausnutzen zu können geglaubt.— R.-Ä. Kalischer: DaS ist doch eine eigentümliche Ausnutzung der Konjunktur.— Der Zeuge erklärt noch, daß er seinen ganzen Ge- wiwn an die Konkursmasse zurückgezablt.— Sachverst. Konkurs- Verwalter Schmidt: Ich bestätige, daß der Zeuge einer der ersten oder wohl der erste gewesen ist, der unaufgefordert sich meldete und bereit erklärte, die Gewinne, die er erhalten, fteiwillig zurückzu- zahlen.— R.-A. Kalischer: Die Angeklagte hatte Sie doch- auch gebeten, daß Sie von Ihren hohen Gewinnen niemand etwas er- zählen möchten, und doch haben Sie Ihren Verwandten gegenüber davon Mitteilungen gemacht.— Zeuge: Nun, wenn gesagt wird, „Sagen Sie es ober nicht weiter', so ist dies eine landläufige Redensart, �auf die nicht viel zu geben ist. Die nächste Zeugin, Frau Fia Wille, geb. Körting, ist die Frau des jetzt im Felde stehenden Architekten Wille. Sie hat von bat Geschäften der Frau Kupfer gehört und da ihr Frau Kupfer von einsichtigen Leuten als eine ehrliche, umsichtige und fleißige Frau geschildert wurde und dabei ihr der Gedanke mitspielte, daß es doch eine Wohltat wäre, wen» so viel Getreide und Lebensmittel als möglich in da« Land kämen, habe sie sich mit Einlagen beteiligt. Die Zeugin hat 50 400 M. eingezahlt und nach ihrer Rechnung über 130 000 Ä., nach der Behauptung der Angeklagten über 150 000 M. zurück erhalten. Frau Kupfer habe ihr bei Gelegenheit gesagt: „Sprechen Sie die Sache nicht weiter herum, eS wächst mir sonst über den Kopf!' Di« Zeugin hat sich auch nach den Beziehungen der Angeklagten in Leipzig erkundigt und auch gehört, daß alle? in Ordnung fei. Fron Wille erklärt, daß sie finanziell nicht geschä- digt sei, aber in ihrem sonstigen Leben durch diese Sache Schaden erlitte« habe. Die Gewinne hat sie nicht zurückgegeben. Konkursverwalter Schmidt behauptet, unter Widerspruch der Zeugin, daß diese nur 20 000 M. eingezahlt und Gewinne von 161 006 Mark bezogen habe. Sie habe sich geweigert, diese zurückzuzahlen. Aber sie halte auch»och 000 000 M. in Wechsel» zurück; sie habe ursprünglich den GläubigerauSschuß beauftragt, diese geltend zu machen, habe sich aber später anders besonne».— Frau W i l l e erklärt hierzu, daß der Ursprung der Wechsel ein anderer sei, als der Sachverständige dargelegt. Der Zeuge Baron Carl vou Zech hat eine Anzahl Bekannte und Verwandte, darunter seinen Bruder, den Rittmeister von Z., zu Beteiligungen an den Kupferschon Geschäften und teilweise be- deutenden Einzahlungen veranlaßt. Er hat dafür nach seiner An- gäbe etwa 25—30 000 M. als Provision verdient, während die Ange- klagte diese auf 44 000 M. beziffert und zum Beweise dessen auf die Quittungen darüber verweist. Als der Zeuge beim Durchsehen dieser Schriftstücke einem Zweifel darüber Ausdruck verleiht, daß alle seine Unterschriften echt seien, kommt es zu einer etwas l e b- haften Ausetnaudersetzung zwischen dem Vertci- diger Dr. Kali scher und dem Vors itz enden. Der Verteidiger erklärte, daß die Verteidigung zur Unmöglichkeit gemacht würde, wenn hier jetzt die Echtheit der Unterlagen bestritten würde, auf Grund deren der Nachweis erbracht werden soll, daß Iran Kupfer selbst von dem ganzen Gewinn am wenigsten gehabt hätte, Jhm erwidert der Vorsitzende etwas erregt, er solle dem Zeugen nichts unterstellen, was er nicht gesagt habe, er habe nur eine» Zweifel au-igedistickt- Die Zsugm Fr«t ZaiSe! ffK, N« fie ongM, nach»ich nach bis zu.r Höhe von etwa 6800 M. beteiligt uttb gegen 7000 M- znrÄckgczcrhlt erhalten, so daß sie sich nicht geschädigt fühlt. Nach der Berechnung der Frau Kupfer hat die Zeugin, was auch vom Konkursverwalter Schmidt unterstützt wird, jedoch nur etwa 2400 M. bar eingezahlt und dieses Kapital sowie über 3000 M. Ge winn zurückerhalten. Die Zeugin Bücherrevisori« Fräulein G r i g o l e i t ist durch Frau Wille mit der Angeklagten bekannt geworden. Die Zeugin bat teils für sich selbst, teils für andere die Summe von 119 000 M. eingezahlt und im Lause der Zeit 79 000 M. Kapital und über IN 000 M. Gewinnanteil wieder ausbezahlt bekommen, also er beblich mehr, nach Angabe der Zeugin etwa 126 000 M.. als sie ein zahlte. Sie fühlt sich deshalb auch nicht geschädigt. Die Berech- nung des Sachverständigen Schmidt nach den ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen ergibt für sie sogar einen Ueberschutz von 150 000 M. Einen besonderen Verdienst hatte sie außerdem noch dadurch, daß sie denjenigen, die auf ihre Veranlassung sich an den „gewinnbringenden" Geschäften beteiligten, bei der Abrechnung ikrcn Gewinnanteil um ein Drittel verringerte und sich diesen Teil als Provifion anrechnete. In der Nachmittagssitzung wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Jgrcm Hedwig W e rth, deren Ehemann Konzertsänger ist und im Felde steht, hat nach und nach 6000 M. eingezahlt und im ganzen 14 000 M. bar herausgezahlt erhalten.— Der Kaufmann Leopold M a n d e l- Charlottenburg hat nach seiner Darstellung 150 000 M. an Waren und 200 000 M. bar eingelegt. Nach der Behauptung der Frau Kupfer sollen die ihm geleisteten Auszahlungen bedeutend hoher gewesen sein, als die Einzahlungen. Der Zeuge erklärt, nicht sagen zu können, wie viel er nun eigentlich verdient hat. Diese An- gäbe wird von der Verteidigung angezweifelt. Nach Ausweis der bei den Konkursakten befindlichen Quittungen ist dem Zeugen ein Reingewinn' von 193 000 M. erwachsen. Zeuge: Das ist ganz ausgeschlossen!— Staatsaruv. Loch: Will der Zeuge unter seinem Esde bekunden, daß er nicht weiß, was er verdient hat? Der Zeuge hält offenbar mit der Wahrheit zurück!— Auf Antrag der Ver- teidigung werden dem Zeugen seine Quittungen überreicht, um sie durchzusehen und sich darüber zu äußern, welche er als richtig an erkennt. Der in Feldgrau erscheinende Zeuge Kaufmann Wilhelm R ö di g e r erklärt, daß er nicht geschädigt sei. Er will 46 000 M. ein- gezahlt und mehr herausbekommen haben, doch wisse er nicht, wie hoch dieses Mehr gewesen; er erklärt dies damit, daß er lange Zeit inl Lazarett gelegen und sehr nervös sei.— Staatsanw. Loch hält es auch in diesem Falle für sehr auffällig, daß der Zeuge genau weiß, was er eingezahlt hat, und nicht wissen will, was er verdient hat. Konkursverwalter Schmidt: Nach dem Ausweis der Wen hat die Gesamteinzahlung des Zeugen, aufgerechnet aus den Ge- winnantftflen, 387 000 M. betragen, während er 559 900 M. zurück erhalten hat, so daß ihm ein Gewinn von etwa 170 000 M. ver- blieben ist. Er babe sich mit diesem Verdienst nicht begnügt, son- dern noch zwei Klagen in Höhe von 219 000 M. angestrengt, bei denen gegen Frau Kupfer das Versäumnisurteil ergangen ist.— Der Zeuge gibt schließlich die Möglichkeit zu, über 100 000 M. ver dient zu haben. Die Durchsicht der Quittungen seitens des Zeugen Mandel, der früher Cafetier gewesen, führt zu keiner Einigung. Die Bekun- düngen des Zeugen über die geschäftliche Situation werden von der Angeklagten, der Verteidigung und dem Konkursverwalter Schmidt nicht als richtig anerkannt. Zu den Geschädigten gehört der Kommer zienrat Rathan S t e r n- Charlottenburg. Er hat seinerzeit die Angeklagte durch Herrn Fritz Körting kennen gelernt und eines Tages den Besuch der Frau Kupfer erhalten, welche ihm üi Sachen der Förderung eines armen Jungen, den sie betreute»nd erzog, eine Bitte vortrug. Da- bei sei dann das Gespräch auch auf die lukrativen Geschäfte der Angeklagten gekommen; er habe später, nach Einsichtnahme der ihm vorgelegten Verträge und sonstigen Urkunden und Briefe sich auch zu einer Einlage von 25 000 M. entschlossen. Dann habe er 3000 M. als. Gewinnanteil zurück erhalten; um den Reff sei er geschädigt tomsdaat... � Als Zeug« wurde dann der Schauspieler Robert K op vel der- nommen. Er hat die Angeklagte durch den Sprachlehrer Wilh. Augspurg kenneu gelernt und nicht nur selbst ein« Einlage von 20 000 M. gemacht, sondern der Angeklagten noch zwei Freunde, die größere Einlagen machten, zugeführt. Für diese Zuführung erhielt er eine Provision von 15 000 M. und da«r auch seine eigene Einlage mit kleinem Gewinn zurückerhalten hat, ist er wicht geschädigt worden. Hier wird die Verhandlung abgebrochen und auf Donnerstag 9Z� Uhr vertagt. GroMerlln Die Obst-«nd Gemufeversorgung. Die Revisoren der Preisprüfungsstelle Groß-Berlin haben fest- «stellt, daß noch nicht überall im Qbst- und Gemüsehandel der Schlußscheinzwang zur Durchführung gelangt ist. Namentlich dulden es die Großhändler, daß die Erzenger ohne Schlußschein an sie verkaufen. ES wird wiederholt darauf hingewiesen, daß nur durch den Schlußschein der Verkäufer einer Ware nachweisen kann, daß er die zulässigen Preise nicht überschritten hat. ES wird endlich an der Zeit, daß sich die Reichsgemüsestelle und die Preisprüfnngsstelle ernstlich damit beschästigen, Maßnahmen zu ergreifen, um den sich immer mehr ausdehnenden Gemüse- und Obstwucher zu beseitigen. Kostete doch heute in der Markthalle Spinat pro Pfund 1 M., Grüne Bohnen 2ch0 M., Schoten 2,75 M. und Kohlrabi di« Mandel L M. bis 2,50 M. Nach den in den Leit- sätzen der Reichsgemüsestelle festgesetzten Vertrags- oder Richtpreisen für Frühgemüse dürfen Erbsen vom 21. Juni ab 22 bi» 29 M. pro Zentner/die besten Bohnen 31 bis 34 M. und Kohlrabi 15 bis 18 Mark kosten. Da der Großhandel 15 Proz. und der Kleinhandel 30 Proz. Zuschlag erheben darf, so könnten Erbsen höchstens 45 Pf. und Bohnen rund 52 Pf. pro Pfund kosten. Damit vergleiche man die oben erwähnten Preise. Soweit die Maßnahmen, die bisher gegen diesen Wucher unternommen worden sind, betrachtet werden, kann man sagen, daß sie vollständig wirkungslos waren. Entweder hat man nicht die ernstliche Absicht, oder man fühlt sich außerstande, energisch dagegen vorzugehen. Daß diese Mißstände in der Gemüse- und Obstversorgnng aber nicht neu find, beweist die ReichSgemüsestelle selbst. In den von ihr herausgegebenen Leitsätzen schreibt sie über die Erfabrungen des Vorjahres: „Trotzdem die Gemüse- und Obsternte im allgemeine« reichlich, bielfach sogar weit Wer den Durchschnitt ausgefallen war, verschwand die Ware vom Markt, oder sie war nur zu Preisen zu haben, die außer wenigen Begüterten niemand zu bezahlen vermochte. Die sich fol- genden Beschlagnahmen und unvermittelt erscheinenden Höchstpreis- festsetzungen mit den bekannten Wirkungen waren nur die natür- liche Folge derartiger Vorkommnisse. Den Machenschaften, die zu den uncrguicklichen Zuständen geführt hatten, an der Wurzel des Hebels beizukommen, war nicht möglich, weil es an den nötigen gesetzlichen Handhaben dazu jfehlte" � Die„nötigen gesetzlichen' Handhabungen sind nun geschaffen, es soll der Schlußschein sein, der aber bisher vollständig versagt hat. Daß bei dieser total verfahrenen Wirtschaft die Hamster auf den Plan treten und die Zustände noch unbaltbarer machen, geht aus folgendem Bericht hervor: Am letzten Sonntag z. B. ergossen sich riesige Meuscheumaffen nach Werder und den umliegenden Obst- dörfern Geltow und Caputh, um dort Kirschen und Erdbeeren ein- zukaufen, Fast jeder der Besucher trug ein oder mehrere Körbchen mit Obst bei sich- Daß dabei die Höchstpreise nicht immer einge- halten worden sind, durfte einleuchten. Es sind denn auch mehrere Feststellungen wegen Hochstprcisüberschreitung vorgenommen wor- fces.— HoffenMch werden recht Mb!e»erg?che Maßregeln«vernommen, um diese Mißstände zu beseitigen. Oberkommando und MietSstcigenmgen. Auf die Eingabe einer Steglitzer Mietervereinigung hat das Oberkommando folgende Ant- wort erteilt:.Die Frage des Erlasse? besonderer Bestimmungen zum Schutze der Mieter gegen unberechtigte Ausnutzung ihrer Not- läge ist vom Oberkommando zum Gegenstande eingehender Be- ratungen mit den in Betracht kommenden amtlichen Stellen gemacht worden, bei denen sowohl die Lage der Hausbesitzer wie auch die- jenige der Mieter nach jeder Richtung hin gewürdigt worden ist. Es hat sich ergeben, daß eine befriedigende Regelung der Angelegen- heit für das Wirtschaftsgebiet Groß-Berlin auf Grund der Zuständig- keit der militärischen Befehlshaber nicht möglich ist. Die Frage, ob dem Bundesrate der Erlaß enlsprechender Bestimmungen vorzuschlagen ist, unterliegt noch der Prüfung der zuständigen Zivilbehörden. Die Eingabe ist daher dem Reichsamt des Innern vorgelegt worden.', Der Verkauf von ausländischem Wild und Geflügel. In einem Rundschreiben des Präsidenten des KriegsernährungS- amts an die Bundesregierungen wird u.a. darauf hingewiesen, daß der Absatz ausländischer Gänse, Hasen, Kaninchen. Hühner usw., von denen erhebliche Bestände in zahlreichen Orten des Reichs an- gesammelt sind, durch die verbilligte Fleischzulage sowie durch die Einhaltung gesetzlicher Höchstpreise erschwert wird. Die Kom- munalverbände dürfen daher, soweit für Hasen, Wild- kaninchen und anderes Wildbret auSländi- schen Ursprungs, die Einhaltung des inländischen Höchstpreises infolge der hohen Einstandskosten tatsächlich nicht möglich ist, bis zum 15. August einen angemessenen Aufschlag zum Inlandspreise unter folgenden Be- dingungen erheben: Der ausländische Ursprung der Ware muß der Aufsichtsbehörde nachgewiesen werden, ferner darf der Berkauf nur durch den Kommunalverband in besonders bestimmlen Verkaufsstellen erfolgen, in denen die Ware durch Anschlag als.Auslandsware" kenntlich gemacht ist. Es ist sodann verboten, inländische Ware gleicher Art in demselben Verkaufsraums feilzuhalten, desgleichen auch die Vermengung von Auslands- mit Inlandsware auf den Lagern.. Für die Abgabe von ausländischen Hühnern ohne Fleischkartenzwang gellen die gleichen Bedingungen, jedoch darf der Verkauf nur an Verbraucher, aber nicht an Gast- und Schankwirtschaften erfolgen, da deren Verpflichtung, Hühnerspeisen nur gegen Fleischkarte abzugeben, unberührt bleiben muß. Soweit uns bekannt, sind den Gemeinden schon bei dem Ver- kauf des Geflügels zu den teueren Inlandspreisen erhebliche Ver- luste entstanden, da' die Ware wegen dieser Preise und auch ihrer Qualität nicht genügend Absatz fand. Werden nun die Inlands- preise noch erhöht, so ist zu befürchten, daß nur ein geringerer Teil der Einwohner von diesem Angebot Gebrauch machen kann und infolgedessen wieder größere Mengen verderben. Keine Verfüttcrung von Gerste oder Kartoffel«. Vielfach wird die Beobachtung gemacht, daß die Landwirte zur- zeit Schweine im Gewicht von mehr als 150 Pfund im Stalle stehen haben, die in der Hoffnung weiter gefüttert lverden, daß nach der Ernte wiederum Gerste und Kartoffeln zur Verfügung stehen werden, um die Tiere auf die bei den Hausschlachtungen in Friedens« zeiten gewohnten hohen Gewichte von weit über 2 Zentnern zu mästen. Demgegenüber macht das Kriegsernährungsamt darauf aufmerksam, daß bei der Notwendigkeit, unsere Gerste restlos für die Brotveriorgung heranzuziehen und auch die Kartoffeln aus- schließlich für die menschlich? Ernährung zu verwenden, von einer Erfüllung dieser Hoffnung keine Rede sein kann. Es sei jedenfalls wirtschaftlicher, diese schlachtreifen Schweine jetzt abzugeben. Bis emf weiteres kei« Süßstoff. Die R c i ch S z u ck e r st e l l e hat de« Kommunalverbänden mitgeteilt, daß eine Süßstoffzuweisung a« die Gemeinden zurzeit nicht möglich ist. da die zur Herstellung des Süßstoffs erforderlichen Grundstoffe dringend zu anderen wichtigen Zwecken gebraucht wer- den. Bis auf weiteres können daher die Gemeinden keine neuen Süßstoffmengen verteile«._ BerzSgermtg der Meischbcliefermtg. Mt Rücksicht darauf, daß die für die Fleischversorgung der laufenden Woche erforderlichen Viehmenge« wiederum nicht recht- zeitig und in genügender Zahl geliefert worden sind und die von heute an noch eintreffenden Viehscndungen zum größten Teil zu spät kommen, um noch für die laufende Woche verwertet werden zu können, find Fleischkarteninhaber, die in der laufenden Woche nicht genügend Fleisch erhalten, berechtigt, auf die nicht eingelösten Ab- chnitte noch am Montag Fleisch zu empfangen. Keine Brotkarte«-Abmeldeschet«e mehr« DaS Preußische Landesgetrcideamt gibt bekannt, daß nach den inzwischen vom KriegSernährungSamt erlassenen einheitlichen Grund« I ätzen für Abmeldungen aus der Lebensmittelversorgung besondere Brotkarien-Abmeldescheine von jetzt ab nicht mehr auszustellen sind. Die Beurkundung deS Ausscheidens ans'der Brotversorgung eineS Kommunalverbande« hat nur durch Eintragung eines ent- sprechenden Vermerks in der vom Präsidenten deS Kriegs- ernährungSamts vorgeschriebenen Lebensmittel-Abmelde- bescheinigung zu erfolgen. Die bisherigen Bestimmungen über den Verkehr mit ReichSreisebrotmarien bleiben unberührt. Danach sind bei längeren Reisen jedem Reisende« bis auf die Dauer von drei Monaten vom Tage der Ausstellung einer LcbenSmiltel-Abmeldc- bescheinigung ab gerechnet, von der Wohnfitzgemeinde Reichsreise- brolmarken auszuhändigen, nötigenfalls nachzusenden. Eine Be- chrönkung dieser Frist ist unzulässig. Si» Zwaug, dem sich niemand entziehe» kau»..Jeder will und muß heute mehr verdienen, daS ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, em Muß, ein Zwang, dem sich niemand entziehen kann. Warum also de« Hausbesitzern daS Recht einer Mietsteigerung treitig machen?"— So äußert sich in der.Weißenseer Zeitung" nicht etwa ein Hausbesitzer, sondern ein angeblicher Mieter. Eine edle Seele, die et verdiente, von dem berühmten Friedenauer Haus« und Grundbefitzerverein zum Ehrenmitglied ernannt zu werden. Lei der Stadtvervrdnetenersatzwahl im 9. Bezirk der zweiten Abteilung, die für den verstorbenen Stadtverordneten Karl Goldschmidt am gestrigen Mittwoch stattfand, wurde der Bezirks- Vorsteher Albert K n i e h a s e gewählt. Linieuumlcnkung bei der Großen Berliner Straßenbahn. Gleis« au„wechslungSarkeitcn an der Charlotten-, Ecke Leipziger Straße macheu für die Nacht vom 23. zum 29. Juni von 11 Uhr ab und 'ür die Nacht vom 5. zum 6. Juli von 10 Uhr ab die Umleitung der durch die Charlottenstraße verkehrenden Linien 43, 44, 53, 55, 70 und 73 erforderlich. Es werden verkehren: Linien 43. 44, 70 und 73 zwischen Charlotten-, Ecke Zimmerftraße, und Französische Straße anstatt durch die Charlottenstraße über Zimmcrstraße, Jerusalemer Straße, Hausvoigteiplatz, Oberwallstraße; Linien 53 und 56 zwischen Linden«, Ecke Markgrafenstraße, und Französische Straße anstatt durch die Markgrafen-, Koch- und Charlottenstraße über Lindenstraße, Jerusalemer Straße, Hausvoigteiplatz, Oberwall« straße. Die nur bis zur Behrenstraße verkehrenden Wagen der Linien 55 und 73 werden von der Dberwallstratze westlich durch die Französische Straße bis zur Kanonicrstraße fahren. Betriebserweiterung auf der Straßenbahnlinie?. Vom 1. Juli ab wird die Linie?, wie bisher an Werktagen, versuchsweise auch an Sonn- und Feiertagen früh von 3.30 bis 4.35 ab Neukölln bis Spandau, ab Spandau von 5.42 bis 6.27 Uhr in 15-Minuten-Nb- ständeu verkehren. Zwei SahtStpfa tbu§ ffabrkkbrande«, Ihren schwere« Ver- letzungen erlegen sind die Arbeiterinnen Irene Teig und Ella S ch a u m a n n. die bei einem großen Brande in dem Portland- Zementwerk von C. O. Wegener in Rüdersdorf neben anderen Per- soncn verunglückt waren. Wer ist die Tote? Em Opfer des Straßengetriebes wurde am Dienstag eine unbekannte Frau in der Alexanderstraße. Sie geriet unter einen Wagen und wurde so schwer verletzt, daß sie schon auf der nächsten Rettungswache starb. Die Verunglückte ist etwa 50 bis 60 Jahre alt und scheint dem Arbeiterstande anzugehören. Bei ihr fand man eine Lebensmittelkarte, nach der sie in die Kundenliste des Kaufmanns Stege in der Danziger Str. 6 eingetragen ist. Spandan. Städtische Lebensmittel. In der städtischen Verkaufs- stelle im Rathaus wird noch heute Margarine auf Feld 8 an die- jenigen Einwohner verabfolgt, die bisher ihren Anteil nicht erbaltcn haben. Am Sonnabend beginnt der Verkauf der städtischen Margarine aus Abschnitt 6. Auf jeden Abschnitt werden 30 Gramm zum Preise_ von 12 Pf. verausgabt. Donnerstag, den 6. Juli, abends verliert Feld 5 seine Gültigkeit. Morgen beginnt der Ver- kauf der städtischen Butter(50 Gramm 27 Pf.) auf Abschnitt IV. Donnerstag, den 5. Juli, verliert der Abschnitt seine Gültig kcu. Auf Feld 2 dürfen jetzt 125 Gramm Haferfabrikate verkauft werden. Der Preis beträgt 88 Pf. für 1 Kilogramm. Groß-Serlmer parteinachrichten. Spandau. Der Wahlverein hielt Dienstag eine sehr gutbesuchte MitgliederversanmÄung ab. Zunächst wurde die Frage der„Vor- wärts"-Bestellu»lg einer eingehenden Besprechung unterzogen. Vor allem soll versucht werden, den«Vorwärts" mehr im Straßenhairdel umzusetzen, da die Nachfrage vor den Staatsbetrieben sehr groß ist und heute schon eine enorme Anzahl von Exemplaren verkauft wird. Mit dem„Vorwärts"-Verlag soll Rücksprache genommen werden, um die Mängel abzustellen. Genosse Pieper gab alsdann einen ein- gehenden Bericht über die Tätigtest unserer Stadtverordneten. Nach- dem er die Regelung der Unterstützungsfragen an die Krieger- frauen behandelt hatte, schilderte er die Schwierigkeiten der Herbei- schaffung von Lebensmitteln und erklärt«, daß der Magisttat alles versuchen würde, um die Einwohnerschaft zufrieden zu stellen. Leider sei das nicht immer möglich und sehr viel« Lebensmittel kämen schon im verdorbenen Zustande an. Er ist serner der Mei- rmng, daß in der Kohlenversorgung nichts unterlassen tverden dürfe, damst derartige Kohlenpolonaiseiv, wie sie im letzten Winter erlebt wurden, nicht wiederkehren. Die fozialdemokrattschen Stadt- verordneten haben bisher alles versucht, um den Interessen der Gc- samteinwohnerschaft in der Lebensmittelversorgung zu dienen; leider seien recht beachtenswerte Vorschläge ihrerseits in den Kom- Missionen uiedergcstnnmt worden. Genosse Pieck ergänzte diese Ausführungen und schilderte Vorgänge ans der Kommission, wo man ihn wiederholt niedergeschrien und anS Bosheit seine wohlgemeinten Anträge abgelehnt habe. Genosse Stahl ist mit der Tätigkeit der Stadtverordneten im großen und ganzen einverstanden, kann aber in das Loblied auf den Magistrat in der Unterstützung?- frage nicht einstimmen. Tatsache fei, daß der Magisttat rückstchts- loS den Kriegerfrauen nicht nur die städttsche, sondern auch unbe- rechtigterweisc die Staatsnnterstützung entziehe, wenn sie auf Grund ihres körperlichen ZustandeS sich weigern, Arbeit in der Mu- nitionsindnsttie anzunehmen. Die Beschaffung von LcbeuSiuitteln sei allerdings sehr schwierig, aber die Stadtverwaltung habe viel unterlassen, was andere Kommunen geleistet haben. Auch die jüngsten Vorkommnisse mst dem Gefriergeflügel wurde einer herben Kritik unterzogen und vor allem getadelt, daß man Geflügel, ob- wohl eS nicht mehr einwand sfret war, noch au die Gastwirte zu billigerem Preise abgegeben habe. Redner wandte sich dann noch gegen die fehlende Kohleuversorgurrg und gegen die mietestetgerndeu Hauswirte. In ähnlichem Siirue äußerten sich noch die Genossen Bock und Jahnke. Am Schlüsse der Aussprache wurde nach- stehende Resolution einsttmmig angenommen und die Stodtverord- neten beauftragt, eine Besprechung derselben in der nächsten Stadt- verordnetenversmmnlung zu beantragen: „Die am 26. Juni ftattgefundene Mitgliederversammlung deS OrtsveveinS Spandau der Sogialdemokratischen Partei Deutsci,- lands spricht ihr lebhaftes Bedauern darüber ans, daß die Stadt- Verwaltung Spandan es bisher unterlassen hat, in ausreichender Weise für die Beschaffung von Lebensmitteln für die Einwohner. schast zu sorgen. Di« Versammelte» fordern daher die Stadtverwaltung dringend auf, nunmehr alles zu tun, um ein« Besserung in der Bc- schaffung von Lebensmitteln herbeizuführen, damit die bercck- tigtc Mißstimmung in allen BevölksrungSschichte« hiesiger Stadt über die unzulängliche Versorgung der Spandauer Einwohner- schast mit Lebensmitteln behoben wird. Vor allem dürfte es auch dringend notwendig fein, daß di? Stadtverwaltung ihre Hauptaufgabe mit darin erblickt, daß eine recht baldige und ausreichende Versorgung der Einwohnerschaft mit Brennmaterial für den kommenden Mnter in die Wege gc- leitet wird, damit solch unhaltbare Zustände wie im letzten Winterhalbjahr unter allen Umständen vermieden werden können. Dringende Aufgabe der Stadtverwalttlng müßte es sein, den, herrschenden Preiswucher mit Obst, Lebensmitteln und Brenn- Material mit aller Entschiedenheit entgegenzutretein Des weiteren sprechen die Versammelten ihr Bedauern dar- über auS, daß die Stadtverwaltung nichts unternimmt, um der steigenden Wohnungsnot entgegenzuarbeiten und dadurch den Hausbesitzern Gelgenheit gibt, mehr wie in jeder anderen Kom- mune die Einwohner Spandaus durch unerhörte Mietsteigerung KU schröpfeu. Die Versammlung protestiert gegen ein solches, die Notlage deS Volkes ausnutzendes Verfahre« und fordert die Stadtverwal- tnüg dringend auf, sofort geeignete Schnitt beim Oberkommando in den Marken zu unternehmen, damit derartiger unberechtigter Mietwucher un Jnttresse der Einwohnerschaft Spandaus unterbunden und die letzten Mictsttigernngen und Kündigungen von Wohnungen illusorisch gemacht werden." Sodann nahm die Versammlung Stellung zur KreiSgeneral- Versammlung und zum Parttitag. Als Delgierttr zur Kreis. generalvcrsammlnng wurde Genosse Max Jahnke gewählt. die Industrie und tzanöel. Fapan i« Niederländisch-Jndieu. Sin japanische» Syndikat, das kürzlich für zwei Millionen Zuckern nttrnehmung Soekoredje angekauft hat, beabsichtigt nun noch 15 andere Unttrnehmnngen anzukaufen. Die nieder- ländisch-indische Presse spricht fast einstimmig ihre Mißbilligung über dergleichen Ankäufe ans. Allgememe Einführung des metrischen Systems. Eine allgemeine Versammlung der Handelskammern in Paris sprach den Wunsch aus, daß Großbritannien, Japan und Rußland das metrische System einführen sollen, um den inneren Wirtschaft- ltchen Anschluß an Frankreich zu erleichtern. Arbeiter- Samarkterbund Kolonne Groß- Berlin. Lchistunde Kaden nächste Woche abends 8% Uhr 1. bis K. Abteil. Montag, den 2. Juli, Cöpcilickcr Str. 62. Vortrag: Nach demselben praktische VcrbandSilbunqcu. Gäste haben einmaligen freien Zuttitt.— Sonntag, den 1. Juli, Familien- auSslug nach dem Plänterwald(Treptow). Treffpunkt nachmittags 2— 3 Uhr Restaurant Racks, Neue Krug-Allee 62. «letterauSstchten inr baS mittlere Aordbentlchland bis Freitag mittag. Zunächst noch vorwiegend heiter und trocken: am Tage wann; später ostwärts fmtschrcitende Zunahm? d?rB?wöIwng und westlich der Oder strichweise Gewmer. Schönheit und Augen. Bern da Dicht« tos vchSnheit schwikmt, f» derwevt er de. f anbei gern Bei den Hagen. Ei« find da Spiegel da Seele. Dennoch scheuen diele Menschen nicht davor, diese dstbaren Spiegel schlecht, häßlich«der schief einzurahmen, indem sie ebenso unschön» toi« unpassende Augengläser tragen. Solch» minderwertigen od« unverständlich angepaßten Formen baden tt verschuldet, daß manche Leute glauben, Augengläser entstellen immer, selbst das schönste Frauenzimmer. Gerade da»«egentev ist ab« pnchr. Sin schöne», gntstßende». gutangepaßte» Augenglas ist nicht nur überaus kleidsam, sondern verleiht auch dem Träg« einen Ausdruck von Intelligenz und Sil« dung. Ja, in früheren Jahrzehnten wurde jeder besser gekleidete Herr, da einen Kneifet trug, mit �Herr Doktor" angaedet. vielleicht entsprang daran» die llnsttte, daß junge Leute Kneif« od« Mouocle unnötig trugen. Heute ist es ander» geworden. Man weiß, daß richtig äuge- paßte Augengläser dem Sehen nützen und dem Aussehen zum min. besten nicht schaden. Senn aber eine Dame dennoch für die Straße ein LugenglaS vermeiden will, so findet sie bei un» schöne stilvolle Lorgnetten und Lünetten, die sicher schön und vornehm wirken. stostenloo prüfen vir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für passende Gläser sowie für Haltbarkeit all« Fassungen von».50 M. an. Dafür«halten Sie bei uns schon einen guten Gold»Doublb«Kneifer(ohne Gläser) und dazu noch ein Jahr Garantie, d. h.„so lange alle Reparaturen umsonst" selbst wenn die Fassung durch Ihre Schuld zerbrochen wird. Rur für Hornteile. Schildpatt und für zerbrochene Gläser haben Sie zu zahlen. Ein Paar, stark gewölbte, punktuell abbildende Punk» torik» Gläser kosten bei un» nur i M. das Paar. Aus Sanoscop» GlaS 6 M. das Paar. Optiker Ruknke ?»..»eSen»lcht»«er." SpiNelnmrft.«lv» SO.�iuctäl OaMfelCVeMM*«* fJ', 4 IfilfllUH€tm 4Md > WWM»»st»T»«»lU«, Ecke vrn»»e»»Stn Hckt LavS«« Uk gfl--«------ S«Hchl»othol« Str. 2, an BehiiZef 3»v Friedenau: »Heio-Str. 18,«. Hrt-ML fejtnittt der Koiser-aiche Wilmersdorf: Saliner Str. tZ2-Z a. d. UHI-sd> Str. 2t eu: Frledrich.Str. t06 Ecke Aiegel-Str. Schöneberg: Haupt- Straße 121 (Km Katser» W.lhilm> Platz) ISN, gezjrlvorilsmztiiu krok öerlin Äasretten Am 16. Jtmi verstarb an den schweren Verwundungen. •rh Ain« PHfiosrhomh« nT�RAr TT A_Qfl An n.w ß»A«+AnfÄr dnrcb eine Fliegerbombe unser Kassenangestellter Herr ileiander Fiekert Wir verlieren in dem Verstorbenen einen pflioht- Setrenen, gewandten nnd arbeitsfreudigen Angestellten, er während seiner Tätigkeit durch kollegialen Takt und stets freundliche Hilfsbereitschaft sich die Anerkennung seiner Mitarbeiter und der Mitglieder des Vorstandes erworben hat. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Der Vorstand der Ortskrankenkasse fär das Bucbdrackgeverbc za Berttn. Otto Wonitzki, Vorsitzender. 2779b In schmerzlicher Erinnerung zum Sterbetage lieben SohneZ und Bruders, des Gestellen 2T826 Walter Kühn, gefallen am 28. Juni 1916. Gewidmet von seinen lieben®Uent RadoU Kflbn nad Frau. Margarete als Schwester. Zteukälln, Sonderte. 24. _ Du bleibst uns unvergeßlich nnd unersetzlich. MsWm Verein BerUn III. (Sozialdem. Partei Dentsekl) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Karl Nökcr verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 30. Juni, nachmittag» i Uhr, von der Leichenballe des neuen Luilen KttchhofeS, Neukölln, Hetmannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 210/10 Tet Vorstand. Nachruf! Um 23 Juni Ist unser Lagerhalter Herr Karl Glashagen verstorben. GwShagen bat w der ersten Zeit der neueren Genoflenschasts- vewegung Berlins durch rührige Werbearbeit wesentlich dazu bei- getragen, die genosienschastliche Idee zn sirdern. Sett 1900 ist er Lagerhalter gewesen und hat seine» Posten treu verwaltet. Wir verlieren in ihm einen sehr zuverlässigen Mitarbeiter und werden ihm ein ehrende» An- denken dewahren. KciKum-LönonngnsiM Berlin und Umgegend. Der Vorstand. Dentseber Bezlrkseerwaltaag Grotz-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bote WiHi Oltersdorf von der Firma R. Masse, Schützen. straße, am 2S. Juni im Aller van 17 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Juni, nach, mittag« 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Gemelnde-Friedhofe» in Berlin-Vuchholj au» statt. 6/6 Vi« Bszirke»ei waHaag. DratsriiEr Banarteiter-Yertanl Zweijjvcfcln Berlin. Bezirk Norden II. Am 23. Juni starb unser Mitglied, der Maurer Franz Winkler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdig, mg findet heute Donnerstag, nachmittags SM. Uhr, ouf dem Kirch hos der Friedens- gemeinde m Nordend statt. s 146/4 Die örtliche Verwaltung. vormittai sanft nai 8 10, & den 26, Juni, Uhr, verschieb . langem, schweren Leiden mein tnniggellebter Man», unser herzensguter Bat«, Schwieger. catec, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Tischlermeister Karl Höler im 53. Lebensjahre. DieS zeigen tiefbetrübt um stille Teilnahme bittend au, die trauern- den Hinterbliebenen Karoline Höfer geb. Held und Kinder. Seriw 8 14, den 26. Juni 1917. Prinzenstr. 71. 2781& Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle de» neuen Luisen- Kirch- hoseS, Neukölln, Hermannstraße, aus statt._ Tanksagung. Für die vielen Beweiie fierzBcher Teilnahme und die viele» Kranz- spenden bei der Beerdigung meine» lieben Mannes ftidolf Wesser sage ich allen Verwandte», Freunden und Bekannten, insbesondere dem Deuttchen Metallarbeiter-Deriande, Weine« berziichsten Dank. Die trauernde Witwe Bci-ta Wesser, Diauferjtt. 24. 16A (Sozialdemokratische fartel Deutschlands). Am Donnerstag, de« S8. Juni 1S17, abends 8 Uhr, spricht UtedarU Ziselier Lehrer-Bereinshanse, Alexanderstraße 41, über Die Stockholmer Konferenz. Eintritt nur gegen Karten oder Nachweis der Zugehörigkeit zur Partei Deutschlands. > Zur Deckung der Unkosten Dellerfammlung! Eintrittskarten find bei den BorstandSmitglied er« und im Lezirksfekretariat, Lindenstr. 3, Sozialdemokratischen 202/11» Hof 2, HI Treppen, zu haben. Ter Bezirksvorstand. Dekanntmachung. So« 1. Juli 1917 ab wird Frachtstückgut nnd Ladungsgut sowie Mtlitärgut und Prwatgut für die Militärverwaltung bei Auslv et Slufltefenmg als Frachtgut für nachsieh nide ÄerkehrSbeziehungen zur Beförderung rntt der Eisenbahn nicht mehr angenommen. Der Verkehr wird von dem genannten Tage ab durch einen von der SchifsahrtSabteilung einzerichtetcu Güter- dampferdienst bedient. Von Berlin Anh. Gbf., Berlin PotSd. Gbf., Berlin Hamburg, uud Lehrt. Bs.. Berlin Stett. Gbs.. Berlln Üttorbbst, Berlin Oltbf.. Berlin Schles. Gbf., Berlin Görl Bf., Berlin Osthasen, Berlin Franlfmicr Allee, Neukölln- Treptow, Neukölln, Tempelhof. DilmerSdors» Friedenau, Halenfee, Charlotten bürg Gbf.. Berlin Moabit. Berlin Weddina, Berlin Zrnlral- viehhos, Deißensee b. Balm, Lichtenberg> FriedrichSsudc, Gummelsburg b. Salin nach Altona, Brandenburg StaatSbf., Brandenburg Altstadt. Branden- bnrg Neustadt, Breslau Odertorbs, Breslau Oft, Breslau Stadtbasen. Breslau West, Töpelwitz< Umschlag), Brockau. Mochdern. Cüstrin Altsiadi, Cüstrin- Kietz, Tüstnn Neustadt Hbf.. EbaSwalde. Fürstenberg(Oder), Fürstenwalde(Spree). Frankfurt(Oder), Genthin Stb., Alogau, Greife«. bagen. Hamburg- Barmbeck, Hamburg Hbgs. B., Hamburg Hgbs. Han. Hamburg Freihosen, Hamburg Kai rechts, Hamburg Süd, Hamburg Stern- schanze, Hamburg Lübeck« Gbf.. OhISdori, Harburg Hbf., Harburg U. ü., Havelberg, Magdeburg Hbf., Magdeburg Alte Neustadt, Magdeburg.Buckuu, Magdeburg Elbbsi, Magdeburg Friedrichstadt, Magdeburg Neustadt, Magde- bürg Sudenburg, Raltich, Malisch Hasen, Neusatz(Oda), Oderberg-Bralitz, Nathcnow Staatsbs., Rathenow Brand, St. S. Schwedt(Od«), Steinau (Od«), Stettin Hgbs., Stettin Freibez., Stettin Westend, PommaenSdors, Torney, Tschicherzig, Wittenberge und umgekehrt. Ausgenommen von da Sperre find folgend« Güter: 1) Frachtstück güt« im Einzelgewicht üb« 1500 kg, 2) Wagenladung in las« Schüttun 3) seuagesühriiche, explosive nnd ätzende Güter, 4) Wagenladungen, die von Anschlußtnhabern oder c Frachtbrief» muff» 5) Böurne. Str Sucher, Wagenladung in loser Schüttung. > Güter, 4) Sagenladungnl. die an Snschlutzwbab« ausgeltesert waden(m den die Antchlußtnhaba alt solche tennllich sein), lebende Pflanzen nnd Schnittblum«!. 6) leicht»er- dabllche Lebensmittel, 7) Edelmetalle und Kostbarkeiten, 8) flüssiges Am- moniak, 9) flüssige schweflige Säure. 10) Kohlensäure in Stahlzplindern, 11) lebende Tiae, 12) Möbel und Umzugsgut. 13) Porzellan und Stein- gut unverpackt. 14) Ruß in Sack». 15) Spiegel, und Taselgla» in Kisten. 16) alle Nachschubsendungen für daS Feldheer, für die Depots der Sammeb stationen, für die WeiterteitungS- und Hilssweiierleitungsslellen, für die Milttärpaketämter und an die Verbündeten, soweit au» den Frachtbriefen unzweifelhaft«sichtlich ist, daß es sich um solch« Güter handelt. Di« Annahme und vuSgade der auf dem Wasserwege zu verfrachtenden Güt« erfolgt durch den Salin« Lloyd, Kronpnnzenusa 29. den Berliner Lloyd, Humboldthasen. Lehrt« SahnhosSseite, die Neue Norddeutsche Fluß- darnpsergeiellschast, Äronprmzenus«, die Fsirma Rothenbüch«, Maaß u. Lüdecke (5. m. b. H., Krön Prinz»user zwischen Moltke« und LUsenbrück«, die Firma Fr. Andrea« G. m. b. H., Humboldtbasen Alexandaus«, Paul Maaß, Friedrich-Zkarl-Us« Kran 8, Berlin-Stettin« Eildamvsichiffahrt Hewr. Maaß Äachs., Friedrich- Kart« Us« zwischen Kronprinz»- uud Alsenbrück« am Humboldthajm, Ratz u. Miller, Vertreter Kühe u. Nagel, Kronprinzenuser zwischen Allen- und MoUlebrücke, C. Rotbenbücher, Kronprinzenus« ob«. halb d« Als»brücke. Weit« werden Güter für d« Waflaverkehr angmcmm» und aus- Veb»: in Berlin: Am städtischen Osibasen, Stralauer Alle«, am Urban- >af». Planus« 78, am Hafenplatz, Hallelche» Us« recht« unterhalb d« An- halt« Eifmbahnbrück«; in Tempelhos Tempelhos-Ha!-»; in Neukölln an der Ostieite de» Oberhas»»; w Cbarlott»burg Charlottenburger Us« ob«- halb der Schloßbrücke am Kran 4. Neben d» für die Annahme und Ausgabe vorgefeh»» GeichästSstellen erteilen AuSlunst, insbesondere üb« AbsahrtSzett und Reijedau« der Dampl«, Angabe der stelle, an welch« je nach der Richtung die Aufgabe der Güter am zweckmäßigsten«folgt, über Frachtsätze ufw. da» Verkehrs- bureau d« Handelskamm« zu Berlin, UniversitätSstr. 38(Fernspr. Zentrum 11 630), das Vakehrsbureau d« Korporation der Kaufmannschaft von Berlin. Börse(Fernspr. Zentrum 10771—75), die Potsdam« Handeln. komm«, Sitz Berlin, Kloftetstr. 41(Fernspr. Zentrum 1593), der Loialoercui Salin« Spediteure. Neue Fried richsir. 2(f Balin, im Juni 1917. Könifiliche Eiseubahndirektion (Fernspr. Königstadt 1517/18). mit u.ahne Gaamenplatt«-, Br&okea.PleaibM jader Art, Goldbronea, moderne Goldtechnik. Umarbeitnns «chlechtaltE.Geblofte. Reparatur. eof. Zahnnletaen '«rtl.Betttnbnng. Kl. Preise, auchTellzaht. Tel.NordlC43S Zähne! v. L Löser Bpeehr�!;--i Rosenthalerstr. 69-70 Allgemeine Orts- Krankenkaffe Niednlilirmm. Bekanntmachung. Bom 1. Juli 1917«b gewähren wir unser» Mitgliedern Wied« die im§ 31 unterer Satzung vorgesehenen Sterbegeldbeträge. Berlin, den 25. Juni 1917. Allgemeine OrtZ-Kraukeukasie Nicderdarui«. Kühn, Amtsoorsteh«, Vorsitzend«. 278/5 direkt von der Fabrik 9V zn Original preisen 100 Zig. KJeinverkauf 1,» PJa,'l3o tOO.. 8„ �30 beide Sorten mit Hohlmnndstück 100 Zig. ohneM. Kleine. 3 Pf. 2,50 100, Golders., 3, 2,60 100,.. 4.2. 3.20 100. Gold' 6,2 l 4.h \ orsand nur gegen Nachnahme von 800 Stück an. G. b. m. H. BerUn MW 7. Friedriohetr. 89, Fernspr. Zentrum 7437, nnd Ai-tlllerlentr. 16. Ich kaufe Platin, insbesond. alte, auch zerbrochen» Gebisse sowie alte Holzbrennstifte. Bö/S* Tlhla kür Zähne bis 1 Mark, iOlllC Platin bis M.7.50 d. Gramm. in Barlin nur Donnerstag nni Freitag, 28. und 29. Juni, von'■< bis 1 und 2 bis 7 Uhr Im Hotel Grüner-Baum, Kr«u$en»tr.56,58, Zimmer>o. 1, part. FraoB.Wagnepaüs Hamburg, Spezialarzt Dp. med. Colemnnn f.Geschlechtskrankh., Haut-.Harn. Frauenleid., nerv. 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Die Wiener Scharfschützen geben sich der wohligen Behaglich- keit des Tages hin, bilden Gruppen zum Plaudern und Karten- schlagen, oder lehnen rücklings an der Grabeuwand und träumen ins Unendliche. „Franz'l, gib für, dah dir nit eins aufsitzt lacht einer und läßt feine Handharmonika stöhnenden Atem holen. „Na/ sagt der Angeredete kurz und tritt von der Schart« zurück, wo er das eingespannte Gewehr gerichtet hat. Dann schiebt er die Kappe noch weiter auf den Hinterkopf, hat auf einmal dicke Falten auf der hoben Stirn und den Ausdruck unendlicher Lange- weile in den Augen. Darauf setzt er sich neben den andern, greift nach der Ubr und konstatiert monoton:„Zwanzig nach fünf/ Her- nach:„O. Pepi!" Der hat nur einen halben Blick, ist ganz bei seiner Orgel. Die Töne der Gassenhauer hüpfen bald schmetternd, bald in gedämpftem, melodischem Gedudel den Graben entlang und über die Brustwehr ins freie Gelände. Pepi wiegt dabei den Kopf im Takte und seine Lippen bewegen sich: .Mädchen find wie die Engelein../ Einmal bricht er ab, lacht über sei» volles Gesicht, sagt:.Na, Herr Kapöllmeister!?* und fängt was Neues an. Franz ist in Gedanken versunken. Er hat beide Hände auf die Knie gelegt, sieht sie immer an und wundert sich heimlich. Seine Finger! Long sind sie immer noch und auch nicht dick, aber die feinen, weißen, schlanken Finger von ehemals sind hin. Ja. der Spaten ist kein Taktstock, und der Schießprügel kein Fiedelbogen. Ucberhaupt: es wäre ihm stüher undenkbar gewesen, so etwas aus- zuhalten; er mit seinen Lebensgewohnheiten und den ganz der Kunst zugewandten Sinnen!— Es war gegangen, sogar überraschend schnell. und er war auch ganz Mann an der Flinte, wenn er auch, wie sich seine Kameraden ausdrückten,„den Kotz bis obenan satt hatte"'. Das find so Redensarten beim Militär, die an des Mannes Ehr- gesllhl greifen, wie.daß man kein Scheißkerl sein darf", bis zum verbissenen.Wie'Z kommt, wird's gefressen!"— und so zwingt man's eben. Man ist Soldat, doch das kann nicht hindern, daß Stunden kommen wie die jetzige, wo das Himmelslicht zum blendenden Krön- leuchter wird über einem mit Menschen gefüllten Konzertsaal; er senkt wieder seinen Blick in tausend Augen und weiß, seder trägt ein Stück der Gottessehnsuchl heim, die aus seiner.Geige singt. Di« Hehre seines Berufes war ihm tiefe Beglückung im Sinne der Worte Pindars, die ihm sein Lehrmeister mit auf den Lebens- weg gegeben hat und die eingerahmt auf seinem Zimmer in Favo- riten hängen: Was ist einer, was ist einer nicht l Eines Schattens Traum ist der Mensch. Doch wenn ein Strahl von Gott auf ihn fällt, Da ist em heller Glanz um den Mann Und ein seliges Leben 1—~~ Ist eS die kampflose Stille oder die sanfte, unmerklich dämmernde Schönheit des Abends: feierliche, friedliche Gefühle be- wegen die Brust des jungen Musikers, Fragen, die er nie gestagt, Gedanken, die er überwunden hat, treten fremd und wunderlich vor ihn hin, Altgewohntes sieht er mit neuen, seltsamen Augen, und die Ahnungen großen, bisher unbekannten Geschehens durchfluten ihn. Während er so dasitzt, mit inwendigem Blick, kriecht die Dunkelheit aus den Gründen und verhüllt die ferne Sicht; die ersten Sterne entzünden sich. PepiS Handharmonika ist schon lange die Luft ausgegangen, nnt cinem.Oha!" erhebt er sich und schiebt die Widerstrebende zu- sammen..Spiel du eins auf, Franz'l, ich bring' dir die Biolin/ Nach einer Weile kommt er wieder, die Violine vorsichtig auf beiden Händen, den Bogen unter den Arm geklemmt. Leis klingen die Saiten unter Franzens stimmenden Fingern. Dann jubelt ein Straußscher Walzer in die schweigende, blaue Nachr. Auf der ganzen Länge des Graben? stehen unbewegt lauschende Gestalten. Die Geige verhallt; da heben alle die Köpfe. Drüben, beiden Italienern, ist schallendes Händeklatshben und Bravorufen zu hören. Plötzlich ruft einer:.Da steht ein Welscher am Verhau I" Alles schaut voll Erwartung über die Wehr und durch die Scharten. Wirklich ist da im Mondschein ein Mann zu sehen, der mit erhobenen Händen, waffenlos, auf die österreichische Stellung zuschreitet. Am Verhaue bleibt er stehen und ruft in gebrochenem Deutsch, der Mann mit der Bioliue solle doch heraufkommen. Einen Moment überlegt Franz, dann schwingt er sich auf den Wall und läßt sich die Geige nachreichen. .Loß dir's aa zohl'n I" witzelt Pepi noch, und alle lachen; das Neuartige der Situation reizt sie und macht sie neugierig. Als Franz den schmalen Durchlaß im Verhau passiert, draußen dem Feinde die Hand reicht, da spüren alle elwaS von dem, was in den beiden Männern da draußen vor sich geht. Die Geige singt. Sie klagt und weint vom unsäglichen Leid der Erde, weiß von der Lust, der Schönheit des Lebens und findet ein gütiges Mahnen: Hat dein heimatliches Land Keinen Neiz für deinen Siim...? Das unbescheidenste Geschöpf der Welt. Adolf Wilbrandt sagt in seiner trefflichen Fritz-Reuter-Biographie zum Ruhme seiner mecklenburgischen Landsleute:.Der Mecklen- burger ist vielleicht der bescheidenste Menschenschlag auf dieser Erde." Fritz Reuter selbst scheint in diesem Punkte anderer Ansicht gewesen zu sein, denn in.De Reis' nah Konstantinopel" entwirft er uns von Paul Groterjahn, dem kecken und munteren Sohne eines mecklenburgischen Landwirts, folgende Schilderung:.Paul war en richtigen Meckelnbörger, wenn ok man noch en lütten; hei was an't Brod gewennt(gewöhnt), un wenn de Schottel(Schüssel) up den Disch stunn, denn wiren hei un de Fleigen(Fliegen) immer de irsten, de fick doran Höllen(hielten), un hei pleggte (pflegte) ok bet up de Letzt uttaubollen." In der Schüsselfrage könnte Reuter, der seine Londsleute sicher gut kannte, vielleicht recht haben, in allen anderen Lebensverhältnissen aber legen die Mecklen- burger so rührende Bescheidenheit an den Tag, daß der Vergleich mit den Fliegen auf sie am allerwenigsten zuträfe. Denn die Fliegen, mit denen wir auch in diesem Sommer leidlich reichlich gesegnet find, sind die frechsten, zudringlichsten und rücksichts- losesten Geschöpfe. die man sich nur denken kann.„Ich habe drei Königreiche! Kannst Du keinen anderen Platz finden?" wetterte König Jakob l. von England, als sich einmal eine Fliege auf seine Nase setzte. Die Unverschämtheit der Fliegen, sich gerade dieses edle Organ zum Tummelplatz ihrer Künste auszuwählen. haben wir ja in einer vielgebrauchten sprichwörtlichen Redensart festgelegt, und in der übertragenen Bedeutung dieser Redensart wird die Nase zum Tanzboden nicht nur für die Fliegen, sondern für vielerlei Personen und Dinge. Aber allzu weit darf man doch nicht diese bildliche Uebertragung ausdehnen; denn es ist doch immerhin nicht ganz einwandfrei, wenn man mitunter zu hören oder zu lesen bekommt, daß einem Vorgesetzten oder Lehrer die Untergebenen oder Schüler hinter dem Rücken auf der Nase berumtanzen. .Ihr füttert Eure Fliegen schlecht", pflegt man auf dem Lande zn sagen, wenn die Fliegen überaus zudringlich über alles her- fallen. Dieses Wort scheint ein schwäbischer Landpastor beherzigt zu haben, der. wie uns Karl Julius Weber in seinem.Demokritos, dem lachenden Philosophen", erzählt, bevor er sich an Speise und Trank labte, erst von dem Hauptgerichte hier ein Kleckschen und dort eins hinlegte und wartete, bis sich Ihre Gnaden, die Fliegen, darum, daran und darauf versammelt hatten. Dann erst deckte er die Schüsseln auf und langte für sich selbst zu. Er zahlte gewissermaßen eine Abfindungssumme oder ein Schutzgeld wie ehe- mals die kleineren Reichsstädte den benachbarten Raubrutern. Einst wurde in Deutschland ein F l i e g e n l i e d viel gesungen. dessen Dichter leider unbekannt geblieben ist, da« aber kein Ge- ringerer als Orlando di Lasso, der deutsche Palestrina, vertont hat und das zuerst in dessen.Schönen neuen Liedern mit Musik" iv München 1576 erschienen ist. Dort heißt es von den unverschämten Fliegen: .Wenn man ein Kost richt anne, Sie sei saur oder süß, Sind sie die ersten dranne, Mit Händen und mit Füß. Wo man hat Bier und Mete, Da ist den Fliegen wohl, Sie kommen ungebeten Und saufen sich auch voll. Ist einer dann beschore« Und hat ein kurzes Haar, Die Fliegen um ihn bohren, Sieht man im Sommer zwar. Es muß sich einer oft wehren, Will er Fried vor ihn hau, Sie tun's Fürsten und Herren, Es hilft dafür kein Zaun." Das Lied fand Aufnahme in.DeS Knaben Wunderhorn" unter der merkwürdigen Ueberichrift.Hofleute". Goethe, dem es gefiel, bemerkte dazu:.Wäre noch erfreulicher, wenn nicht eine, wie es scheint, falsche Ueberschrist auf eine Allegorie hindeutete, die man im Lied weder finden kann noch iiiag." Der griechische Schriftsteller Lukianos von Samoiata brachte es freilich fertig, eine.Lobrede auf' die Fliege" zu schreiben. Allerdings ist diese Verherrlichung der lästigen Plagegeister nur als Ausfluß seiner sophistischen Denkart zu betrachten, die allgemein verbreitete Meinungen gern iu ihr Gegenteil verkehrte. Lenin, öec verkappte»deutsche*. In gelungener Weise macht sich der Mailänder„Avcmli" iPor- Ivärts> irber die kindischen Grnscleien lustig, mit denen der Völker- verhetzende„Eorrierc della Sera" in edlem Wettbewerb mit der Londoner„Morning Post" die Friedensbestrehungen der russischen radikalen Sozialisten als von deutschem Gelde genährte Ränke zu verdächtigen bemüht ist. Die besondere Wut der Heiden Blätter richtet sich dabei gegen Lenin. Um das abschreckende Bild dieses Bösewichts noch wirkungsvoller zn gestalten, wird der„Corriere" vom„Avanti" nicht schlecht aufgezogen.„Wir wissen in der Tat/ so liest man in den mit gutgespieltem Ernst verfaßten Zeilen,„aus völlig einwandfreier Quelle, daß der Lenin genannte Herr weder Lenin noch auch, wie ihn unsere sogenannten Witzblätter zu nennen pflegen, Lenone(Kuppler) oder gar wie er sich selbst bei der inter- nationalen Sozialdemokratie einzuführen pflegt, Ullianow heißt. Sein lvahrer bürgerlicher Name ist vielmehr Vottiallen, ein Name, der sich auf den ersten Blick als rein deutsch zu erkennen gibt. Sein Vater war unter Kaiser Wilhelm l. Husarenoberst, seine Mutter ein« Badenserin, die, wie verlautet, von einem jener entsetzlichen Weiber stammte, die man vor Jahrmarktsbudon rohe Tauben und Kaninchen verschlingen sieht. Schon als Kirch ließ der falsche Lenirr keinen Zweifel über seinen entarteten Instinkt. Er riß nicht nur den Fliegen die Flügel aus, sondern pflegte auch aus der an der Schulstubenwand hängenden Larchkarte mit roter Tinte Grenz- korrekturen vorzunehmen, die ganze Gebiete seines Adoptivvater- landes den Nachbarstaaten zuwiesen. Bei diesen Aulagen ist es kein Wunder, daß sich Vottiallen schließlich zu dem käuflichen Lumpen auswüchs, dessen angenommerien Namen die zivilisierte Welt heute mit Abscheu nennt.„Lenin und seine Genossin, das junge Mädchen Kollontai, sind ziveifclslos beide von Deutschland bezahlte Agenten." Das können wir— schließt mit beißendem Hohn der„Avanti"— durchaus bestätigen. Wir selbst haben mit unseren eigenen Augen die betreffenden Schecks gesehen. Ja, wir können noch mehr verraten. Diese Schecks entstammen derselben Quelle wie die, die der Redaktion unseres Blattes Monat für Monat cnis der kaiserlichen Residemz Potsdam übersandt werden." Notizen. — I m Kupfer st ichkabinett sind die Neuerwerbungen der letzten beiden Jahre, sowohl Arbeiten älterer, wie neuerer wie der allermodernsten Künstler, ausgestellt. — Moses Mendelssohn im Urteile seiner Zeit. genossen darzustellen, fordert die Lehranstalt für die Wissen- schaft des. Judentums in einem Preisausschreiben zu 2000 und 1000 M. auf. Einlieferung bis zum 31. Btärz 1318. — Städtische Kälte. Während jetzt in der beißen Jahreszeit überall die Vorsorge für Wärme im Winter im Gange ist, müßten wir uns eigentlich mehr mit Kühlanlagen beschäftigen. Allein künstliche Kälte ist wesentlich teurer als künstliche Wärme und darum finden sich wenigstens bei uns solche Kühlanlagen selten. Kälte wird bei uns noch nicht ins Haus geliefert, ja vielfach haben Städte erst im Kriege Kühlhäuser für Nahrungsmittel gebaut. Wie der.Prometheus" mitteilt, ist in Amerika der Zulunfistraum, eine ganze Stadt von einer zentralen Kühlanlage aus mit„Kälte" zn versorgen, verwirklicht. Die Einwohner der Stadt Kansas City find seit Jahren in der angenehmen Lage.„Kälte" aus städtischer Leitung entnehmen zu können, wie wir Wasser und GaS. — Ein Dutzendmensch. Wenn ein Mensch 12 Finger hätte, würde sich unser Zahlensystem statt zu einem Zehner zn einem Zwölfershstem entwickelt haben, loomit zweifellos mancherlei vor- teile verbunden wären. Nun beschreibt in der.Münchener medi- zinischen Wochenschrift" Dr. Duschl einen Soldaten, der an jeder Hand sechs Finger hat. An die Stelle des Daumens sind zwei Finger getreten, die völlig voneinander getrennt find. Sie könne» wie die übrigen Finger gegeneinander gebeugt und gestreckt werden. Auch an den Füßen hat der Mann je sechs Zehen. Die Viel- fiugerigkeit vererbte sich in seiner Familie jetzt schon durch vier Generationen. Lös Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. „Nein!" fuhr er ihr entrüstet in die Rede.„ES steht mir nicht an. hinter dem Rücken Ihres Vaters solche Be- zichungen zu unterhalten. Der Herr Oberst hat als mein Vorgesetzter ein Recht darauf, zu erfahren, was zwischen Ihnen und mir vorgeht. Ich muß ihm zu jeder Zeit frank und frei in die Augen sehen können. Fräulein Rense. Wenn Sie das nicht verstehen, tut es mir leid. Dann habe ich nur noch die Ehre, mich zu empfehlen/ Das war eine Sprache, die mehr vermochte als all ihre Zweifel und Launen. Er stand vor ihr mit respektlos gespreizten Beinen, die Hände in die Seiten gestemmt, nicht anders, als er vor widerspenstigen Rekruten zu stehen pflegte. Sic wagte nicht mehr, ihm ins Gesicht zu sehen; ihr Blick streifte nur flüchtig seine selbstvergessene Haltung, den breiten Brt'.slkasten unter dem grünen Waffenrock, die funkelnden Achselstücke auf den herausfordernd gereckten Schultern— dann mußte sie kapitulieren. Es war ihr zumute, als knie er auf ihrer Brust, als müsse sie demütig um Gnade flehen. Es half ihr weiter nichts, daß sie sich mit aller Kraft in den Sessel drückte und den Kops hinten überwarf. Sie konnte ihm nicht entrinnen. Mit seinen herrischen Augen machte er aus ihr, was er wollte— eine Bettlerin, eine Dirne... Und wenn er die gespreizte Hand an ihre Kehle gelegt hätte, sie wäre nicht imstande gewesen, um Hilfe zu rufen. Entwürdigt lag sie da, fieberhaft atniend, mit zusammengepreßten Lippen, die allmählich, schmachtend auf- gingen wie ein Blumenkelch in der Mittagssonne. Länger hielt sie die Knechtschaft nicht aus. Mit dem letzten bißchen Eigenwillen umschlang sie seinen Hals und betäubte sich mit wilden Küssen:„Mach, was du willst!" „Wissen mußt du, daß du mir mit Haut und Haar der- fallen bist, du Teufelshexe!" triumphierte der Sieger, als er sie so wie in eisernen Klammern gefangenhiclt. Uebcr das schmiegsame Köpfchen hinweg sah er lachend auf die Bilder der wohlwollend nickenden Ahnen... Es war nahe an Mitternacht, als der Oberleutnant Lenggcnhager das Steigersche Haus verließ. Verwundert be- trachtete er die alles überragende«, verschneite» Platanen. Er hatte inzwischen wirklich vergessen, daß draußen noch der Winter umging. Im Gehen wischte er den Schnee von einer Sandsteinvase, kühlte sich die Stirn mit dem wohligen Naß und atmete in tiefen Zügen die feuchtfrische Schnceluft ein. Leise, nicht ohne noch einen umfassenden Blick auf die prächttge Heimstatt zu werfen, drückte er das Gittertor zu. Aber von Zeit zu Zeit hielt er seine Schritte an wie einer, der über einen gelungenen Streich nachdentt. Daß dieser Abend ihm doch noch zum Segen gedeihen würde. hatte er nicht erwartet. Haha! Kaum konnte er sich bewahren, den Jubel in einen Jauchzer oder irgend eine Herausforderung ausklingen zu lassen.„Ihr da unten— merkt Ihr etwas! loderten seine Gefühle empor, indem er das nächtliche Bild der Vaterstadt mit fürstlicher Großartigkeit in sich aufnahm. Diese armseligen tausend Dächer! Welches war denn für ihn überhaupt gut genug? So federleicht schritt er bergab, als wohnte dem Offiziersrock eine geheime auftreibende Kraft inne. Zärtlich wie die Hand der Geliebten umschloß seine Linke den Degengriff. Wetter noch mal, er war ja nicht blind, er begriff sehr wohl, welcher Zauber von dem bunten flirrenden Kram ausging! Wenn irgend ein abgedankter Kracher in Greisenmelancholie diese überordnenden Eigenschaften der militärischen Attribute in Abrede stellte, machte er sich nur lächerlich bei der echten Soldatenjugend, die das gerade Gegenteil nicht nur in den Weiberaugen, sondern auch in den neidischen Blicken der Schwachen las. Keine Macht der Welt konnte die Krieger- käste stürzen: sie behauptete nach wie vor ihren Platz an der Sonne, trotz dem lärmenhaften Aufmarsch der Arbeiter- bataillone. Aber freilich: Schulfuchser und Offizier, das ging nie unter eine Kappe. Daß die straffe Manneskraft nicht durch Gedankenblässe angekränkelt wurde, mußte gerade der Korpsgeist verhüten, indem er die Bildnngsprotzerci im Armeebercich gebührend verächtlich machte. Nur mit Ekel konnte Adolf Lenggenhager jetzt an die mutmordcnden Schulbanttage zurückdenken.„In welcher säuerlichen Atmosphäre hätte ich wohl als Viehdoktor geendet!" dachte er, sich schüttelnd im Vollgefühl seiner gehobenen Ansprüche. Gemächlich führten ihn diese Gedanken wieder dem Schauplatz des festlichen Abends zn. Aber sein Zorn war fast eingeschlafen. Nein, um seine Stellung brauchte er noch lange nicht zu zittern. Im übrigen bewies dieser Tag nur, wieviel Arbett die junge Generation der Soldatenführer noch zu verrichten hatte, um den unbotmäßigen Volksgeist durch eiserne Disziplin zu bc- zwingen. Erst als er der Altstadt näherkam und durch Gesang und Johlen eindringlich au die Ereigniffe der letzten Stunden gemahnt wurde, kam ihm die Ueberlegung, ob er nicht bester tue. wenn er die Kaserne auf einem Umwege zu erreichen suchte. Aber kaum gedacht, wies er den Einfall trotzig zurück. Vor allen Dingen hatte er die Pflicht, sich nach dem weiteren Verlauf der Unruhen zn erkundigen und nachzusehen, was an? den fremden Musikanten geworden sei. In der Nähe deS Zunfthauses kreuzte ein Trupp der nach erfolgreicher Belagerung siegestrunken heimziehenden Turnbrüder seinen Weg. Sie brüllten erst laut, dann zag- hafter im Näherkommen:„Wir brauchen's keine Preußen in der Schweiz, Preußen tn der Schweiz, Preußen in der Schweiz!"... Sein Stolz litt e§ nicht. rechtzeitig abzubiegen. „Kamerad" Hösli— gewiß, der hätte in diesem Fall den Rank leicht gefunden oder wohl gar versucht, den schnöden Chorus durch eine väterliche Ansprache zum Schweigen zn bringen. Er, Lenggenhager, war zum Glück aus härterem Holze. Aber eine seltsame Vorahnung beschwerte seine Brust, das Gefühl, dieser Nacht am Ende noch ein rotes Siegel aufdrücken zu müssen. Doch nur während einigen Atem- zügen. Auf drei Schritte Entfernung von der Rotte hörte er höhnische Worte:„Ordentlich zahm sind sie geworden, die Gamaschenreiter I" Und einer der Burschen lvarf lachend die Mühe in die Lust. Der Kavallerist mit dem nickenden weißen Roßhaar- busch trat jedoch so fest und entschlossen auf, daß die meisten der Radaubrüder eingeschüchtert, schielend zur Seite wichen. Nur einen von viehischer Kraft geschmeichelten Nach- zügler schien die Lust anzuwandeln, den andern einen Augen- schmaus zn bereiten. Er spielte den Betrunkenen im Bor- übergehen und taumelte mit der ganzen Wucht seines Körpers gegen den scheinbar sorglosen Offizier, der aber im gleichen Augenblick die Faust in das breite Gesicht des Raufbolds setzte. Etliche der Leute machten sich unheilwitternd davon; andere sprangen hinzu, während sich der Geschlagene mit einem verruchten Schimpfwort auf den säbelrasselnden Erz- feind warf. Sorti. fvlgL) Deutsches Theater. Eeuta imd folgende Tage SUlir: Max Palienberg m Familie Mchimek. Kantmcrspiele. Heute n. folgende Tage 7'/, Hhr: Die Tünxcrin Cmit Leopoldine Konstantin). ToIhsbUhne.Theat. a.BSlowplatx. Untargrundb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: Oio Khuigin der Irnft. liCSBlngr-Xbeater. Honte n. folg. Tage 1lit Uhr; Marie Ottmann u. Hans Viatimann in ßlsAkA Oper. v.O. Blumenthal. ÜVSOMes Musik v. Oslt Slraus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Ttieater i. d. Königgratzer Sir. 8 Uhr; Sohnitxler-Abend. Komödienhaui 8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater TMUhr: Die toilc Komteß. URANIA Taubonstraße 48/49. 8 Uhr: Die Insel Rügen. RosesTheater. 7w: Der Maua seiner Frau. ®ar)enb.: Berlin wie es liebt u. haßt. Ttxollo nttCPRlCHSTR-AN• PSR- KOOOT» Allabendlich 7'/. Uhr: Das vielseitige \fariet6-Progr imm! Die Kasse ist ab 10 U' peSffnet Theater für Donnerstag, den 28. Juni* Dentschcs Opernhaas 7 Chr: NS00II. l-'riedrich-VViliielmstSdt. Theater. Wohltätigkcltsvorstellaag mm 500. Male: 7i/Juhr: Das DreifnäiJeriliaos. Ocbr. Uerrnleld-Thcatur. tu u.: Das Pensionsschwein. Kleines Theater 'v. u.: Haas im SclmakeiilBelL Komische Oper Mir: Die Dose Sr, Majestät. Lustspielhaus T'/jühr; Die blonden Mfidels 10m liindenhot". Neues Operettenhaus ßchiflbd. 4a. Kassentel. Nord.;1S1 vv. u.: Der Soldat der Marie. Metropol-Theater v/.uhr: Die Czardasfürstin. Residenz-Theater tu uhr: Koiiltlll'fentLv. Schiller-Theater O 7]/, rar: Kanunenausik. Sehliier Th. Charlottcnb. tu uhr: DerBibliothekaF. Thalia T heater 7 v.uhr: Sonnwendzauber. Theater am hiollendorfpi. 3'U Uhr: Die Cirille. 7v.u.: Die Guiaschkanone. Theater des Westens 7V.u.- stolze Thea. Trlanon-Thenter u. uhn Der Star. Zirkus L Schumann ßahnh. Eriedrichstr. Anf. 8 U. Rauchen gest. Kühler Aufenthalt. große Zirkiis- Ariele- g™. U- a.; aap*" Anf der Alm. Dolcy und Partner, Kom. Radfahrer. phäaom. Drahtseil- Akt. Peppos kom. Dressur-Akt HJB B>» Pnrforco- 1�501� IS Schnit7-el- Jagd. V olgt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglleii große Exfrayorsteilong. Pieper und Sperling Erstflafsigcs Svezinlithten-ProgramW. Alis. Sonntags 4, wochcnt. V«i> Uhr. �TlBBäL-TBL�B. Köpenickee Str. 63 v.� TIHr Hur noch einige Tage d. gr. Schlager! Was junge Mädchen träumen...! tpoflc mit Wejang u. Tan,. Musik uon Waller Bromme. In Berber.: Die Lieder des Musikanten i Ein Stück au» der guten, allen /seit.) Tazl. 7V, Lonnt 3'/, a. 7'/. Letzte Woche! fnpii sler und die hervorragenden Juni- Spezialitäten. Walhalla-Theater. J-v Zigeuner. Gartrubuduc BorslrUung. Reichshallen-Theater. Stetiiner Sänger. Cabaret. „Feldgrau" !ll>sanz 7'U Uhr. Berliner Praler-Thealer Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Nroge AuistatlungS- Cpcreltenoofje in 3 Akten mit Gesang uns Tan,. Vorher da« große Variottprogramm. ____ Amang 4'/, Uhr. � " Admirals-Palast. � Abrakadabra großes phantastisdies Ballott anf dem Pise. Angenehmer kühler Aufenthalt 7'l4 Uhr. Verzügl. Kücho. Uhren-Qotearsn Piltz& Co., I.ilndcnstr.100. Verkäufe l'cihhouo Warjchanclüraßc 7. Belz- gauiiluren! 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