Ar. 173. 34. Jahrg. nbonnemeDtS'Bedlngungen: HSonnementä• Stelä vränllmerand» BimelinbrL 3,90 M!. monatb U30 Ml. wöchenUich SO Wg, ttet ittä HauZ. Einzelne Kummet ö Big. 6onniag4. nummet mit illuiNnerlet BonntogS« Beilage.Die Neue Well' 10 Big, Coli» Abonnement: 1,30 Mar! uro Monat. »ingelragen in die Voll. ZeuungS- Breisliile, Uni et Kreuzband int Deun'chland und Oeiierteich, Ungarn 2�0 Marl, für das übrige Ausland t Marl uro Monat, Baftabonnemenls nebmen an Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Ponugab «unlänien. Schweden und die Schweis kklchelal lligllch. ( 5 Pfennig) vle Inlerlionz-Ledüdi' betrügt illr die icchsgeipallene Kolonel- ßeile oder deren Raum 60 Pfg„ für poliiische und gewerischasilichc �iereins- and Bcrsamntlungs- Anzeigen 30 Pig, .Kleine Hntcigen", das lcttgcdrnllte Wort 20 Dig,(zulfiiitg 2 ieligedruckle Wortel, jedes neuere Wort 10 Pfg, Siellengesuche und Schlaislellenan» zeigen das erste Wort 10 Pig,, jedes «euere Wort 5 Pfg, Worte über lö Buch- ftaben zählen illr zwei Worte, Jnscrale jür die nächste Nummer müssen bis K Udr nachrniltags in der Expedition abgegeben werden, Tie Expedilioil ijl bis 7 Uhr abends geöffnet. Vevlinev VollrsblÄK. Delegramm-Adreffe: »bsdiiiiilimdtilill llerlia". Zcntra\orqar\ der rozialdemokratifchcn parte» peutfchlands. Neüaktion: EW. 68, Linüenstraße Z. iserniprecher: Amt Mort«vlati. Str. 1S1 SV— 151 97. Freitag, de« 39. Juni 1917. Expedition: EW. 68, Lindenstraße Z. Tsernsvrechrr: Amt Moritzvlatz, Str. 151 SV— 151 S7. Der dornenweg zum frieden. Stockholm— Petersburg— 9ern— Wien. , Die Verhandlungen von Stockholm gestalten sich schwieriger und hemmungsreicher, als Optimisten angenommen hatten. Die allgemeine Konferenz ist bis zur Beseitigung der Schwierigkeiten mit den Engländern und Franzosen der- schoben, und wenn die Einzelverhandlungen des Komitees mit den kleineren Parteien und Nationen abgeschlossen sind, droht der Verhandlungsstoff auszugehen. Was bleibt� ist das holländisch-skandinavische Komitee, das nach allen Seiten hin, besonders auch nach Rußland, Fühlung hält; was bleibt, ist Stockholm als Brennpunkt der internationalen sozialistischen Friedensbestrebungen. Was von allem bleibt und bleiben muß, ist der Wille, zum Ziel zu gelangen, und dazu gehört sehr viel Energie und sehr viel— Geduld! Inzwischen hat der Kongreß öer Arbeiter- unü Solüatenräte eine wichtige Kundgebung zur Friedensfrage erlassen(die wir ini Wortlaut wiederholen, weil sie nur in einem Teil der gestrigen Auflage enthalten war): Petersburg. 26. Juni.(Meldung der Petersburger Telegrapben- ageniur.j Der Kongreß der Arbeiter- und«oldcrtenräte ganz Ruß- lands hat sich mit überwältigender Mehrheit für folgende/ von den' revolutionären Sozialisten und den minimalistischen Sozialisten vorgeschlagene Entschließung über den Krieg entschieden'. Der gegenwärtige Krieg ist infolge der imperialistischen Ziele entstanden, die in den leitenden Klassen aller Länder herrschten, die danach strebten, sich neue Märkte anzueignen und kleine und rück- ständige Länder ihrem wirtschaftlichen und politischen Einfluß zu unterwerfen. Dieser Krie.g führt zur völli.gcn Erschöpfung Sller L änderund Völker und bringt di er u ssi s ch e Revolution an d e n Rund des Abgrundes. Er kostet Millionen von Opfern, verschlingt Milliarden der Hilfsquellen des Volkes und droht, die qls Erbe von dem alten Regime hinter. lassenc Unordnung noch weiter zu verstärken..Er führt zur H'ungcrsnot" Und' hält das Land von'tätiger- Arbeit für' die Fcsti- gunh der gewonnenen Freiheit ab....... Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatcuräte ganz Rußlands ist der Ansicht, daß der K a mpf für schnellste Beendigung des Krieges daher die wichtig st e Aufgabe der revolutionären Demokratie darstellt, eine Aufgabe, die sowohl durch die Interessen der Revolution, als auch durch das Ziel der' Arbeiter aller Länder gefordert wird, der gegenseitigen Ver- nichtung ein Ende zu machen und ihre brüderliche Vereinigung zum gemeinsamen Kampf für die völlige Befreiung der Menschheit wiederherzustellen. Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands ist der Ansicht: ' Erstensj daß die Beendigung des Krieges durch die Niederlage einer der kriegführenden Par- t e i e n den Ausgangspunkt zum neuen Kriege bilden, die feindlichen Gefühle unter den Völkern stärken und sie zu völliger Erschöpfung, Hungersnot und Untergang führen würde. Zlveitens, daß ein Sonderfriede eine der kriegführenden Parteien stärken und ihr die Möglichkeit geben würde, einen entscheidenden Sieg über die andere Partei davonzutragen, wodurch die usurpatorischen Ziele der leitenden Klassen gestärkt, Rußland nicht von dem Zustand des Weltincheria- lismus befreit und die zwischenstaatliche Vereinigung der Arbeiter verhindert würde. Daher weist der Kongreß unter allen Umständen jede Politik, die tatsächlich auf den Abschluß einesSonderfriedens oder eines Vorspiels dazu, eines Sondcr-Waffenstillstandes, abzielte, zurück. Da die Beendigung des Krieges nur durck Vereinigung der Anstrengungen der Demokratien aller Länder möglich ist, hält der Kongreß es für unerläßlich: Erstens, daß die revolutionäre russische Demokratie durch Ver- mittlung ihres Organs, nämlich der Soldaten-, Arbeiter- und Bauern-Vertreter ganz Rußlands, einen Aufruf an die De- mok'ratic aller Mächte richtet, damit diese chen Wahl- spruch„Friede ohne Annexionen und Entschädi- gungen auf Grundlage des Selbstbestimmungs- rechtes der Völker' annehme, und in diesem Sinne ihre Schtvestermächte beeinflusse. Zweitens, daß sie zu allen Maßnahmen zur schnellsten Wieder- Herstellung der revolutionären Internationale und zur E i n b e- rufung eines internationalen Soztalistenkon- grosses beitrage, um den internationalen Zusammenschluß der Arbeiter wiederherzustellen und endgültige Friedensbe- d i n gungen und die ihre D u r ch f ü h r u n g' c r m ö g l i ch c n- den Maßnahmen auszuarbeiten. 'Drittens, daß sie die Aufmerksamkeit der Demokratie aller kriegfübrenden Länder daraufkcnke, daß ein M a n g el am K r a s t, E n t s ch je öcnheit in ihrem Einspruch gegen die letzten Erklärungen ihrer Regierungen über die usurpatorischen Kriegs- ziele die r.u s s i f ch e Revolution in eine sehr s ch w i e- rige /Lage. bringt und die durchaus nötige Bereinigung aller Arbeiter verhindert. Um alle diese Fragen zu lösen, ist es unerläßlich/sofort Ab- ordnungen i'n die alliierten und neutralen Län- der zu schicken und Abordnungen aller sozialisti- scheu Parteien dieser Länder nach Rußland ein- z u l a d e n. Der Kongreß erhebt bestimmten Einspruchl gegen die Schwierigkeiten, die die imperialistischen Re- gierungen der Entsendung solcher Abordnungen entgegengestellt haben. Angesichts dessen, daß die vorläufige revolutionäre Regierung dieses Programm als Weg ihrer internatio- nalen Politik angenommen hat, ist es unerläßlich, daß die Re- gicrung baldmöglichst alle Maßregeln ergreikt, die in ihrer Macht liegen, um die Rußland alliierten Mächte für dieses Programm zu gewinnen. Der Kongreß halt es für unerläßlich, daß die Regierung schon von jetzt ab alle Matznahmen ergreift, um die Nachprüfung der Verträge mit den alliierten Regierungen und einen ausdrück- lichen Verzicht auf jede usurpawrische Politik zu beschleunigen. Um die von der Demokratie vorgezeichnete äußere Politik mit Erfolg ins Werk setzen zu können, ist die schleunigste Erneuerung des Personals des Ministeriums des Acutzcren sowie des diplo- mati scheu Korps mittels seiner Demokratisierung not- wendig. Ter Kongreß erklärt, daß. solange der Krieg nicht durch die Anstrengungen der internationalen Demokratie beschleunigt werden wird, die revolutionäre russische Demokratie mit allen Mitteln zur Verstärkung der Kampfkraft der russischen Armee beitragen muß, und daß ihre Defensiv- kraft ihrer Offensivkraft entspricht, denn eine Durchbrechung der russischen Front würde eine Niederlage�der russischen Revolution und ein verhängnisvoller Schlag für die«achc der ganzen internatio- nalen Demokratie fein. Insbesondere ist der Kongreß der Ansicht, daß die Frage der Offensive ausschließlich vom Standpunkt rein militärischer und strategischer Erwägungen gelöst werden muß. * Der Aufruf der Arbeiter- und Soldatenräte steht in direktem Gegensatz zu dem Geschrei der Bis-ans-Ende-Krieger aller Länder, also auch Frankreichs, Englands und Amerikas. Er spricht aus, daß ein überwältigender Sieg des einen Teils über den anderen nicht erwünscht ist, und daß die Möglichkeit eines solchen deutschen Sieges nicht durch den Abschluß eines deutsch-russischen Sonderfriedens geschaffen werden darf. Die Schwierigkeiten, auf die Rußlands Friedensbemühungen stoßen, wären wesentlich erleichtert worden, wenn die deutsche Regieiung bindend erklärt hätte, daß sie auch im Westen nichts anderes anstrebe als die Verteidigung und Erhaltung des Reiches. Auch der neue Aufruf' läßt den Wunsch nach einer pro- letarischen Revolution in allen Ländern anklingen, seinen Urhebern scheint jedoch nicht das Verständnis dafür zu fehlen, daß eine deutsche Revolution, die im gegenwärtigen Augen- blick ausbräche— die Möglichkeit ihres Gelingens voraus- gesetzt— binnen vierzehn Tagen die Engländer nach: Köln und die Franzosen nach Frankfurt a. M. bringen würde. Dies wäre ein Sieg des westlichen Imperialismus, den hin- wiederum der A.- und S.- Rat selbst nicht wünscht. Man sieht, die Dinge liegen so. daß ihnen mit einer einfachen Formel nicht beiznkommen ist. * In engem Zusammenhang mit den Vorgängen in Peters- bürg steht"der 5all Grimm-tzoffmann, über den am Mittwoch im Bcrner Nationalra! ausführlich verhandelt worden ist. Der Vorsitzende des Neutralitäts- ausschusses, Spahn- Schaffhausen, verlas den in der Haupt- fache schon bekannten Text der Depesche Grimms an Hoff- mann, der jedoch folgende bisher unbekannte Stelle enthält: Hemmungen bereitet Frankreich, Hindernisse England. Die Verhandlungen schweben gegenwärtig, und die Aussichten sind günstig. In den nächsten Tagen ist ein neuer verstärkter Druck zu crivarten. Spahn erfaßte den Kern der Angelegenheit, indem er sagte: Hoffmann habe den allgemeinen Frieden im Auge gehabt, er habe aber übersehen, daß sein Schritt von den Westmächten, als eine Bemühung um den Sonder- frieden, also als eine unfreundliche Handlung aufgefaßt werden konnte. Auch der französische Berichterstatter der Konimission, Sccretan, sagte, es bedürfe eines kranken Gehirns, um Hoffmann als einen deutschen Agenten zu bezeichnen. Unser alter Genosse Greulich stellte ein ähnliches Zeugnis auch dem Nationalrat Grimm aus. Dieser habe aber den un- geheuren Fehler begangen, sich durch seine Beteiligung an den Kronstädter Vorfällen mißliebig zu machen. Im Laufe der Debatte geriet Greulich in eine heftige Auscinandersetzung mit dem Welsch-Schwcizer Bossi. dem er zurief: „Ich unterscheide mich von Ihnen dadurch, daß ich mich soll- darisch fühle mit denen, die in allen Ländern gegen den Krieg und für den Frieden arbeiten, während Sie,' Herr Boisi,. sich solidarisch fühlen mit allen Chauvinisten und Kriegshetzern." Grimm selbst hat inzwischen noch immer, alle Hände voll zu tun. um sich von dem albernen Verdacht zu reinigen, daß er ein„Agent der deutschen Regierung" sei. Er:hat bisher geglaubt, das einzig richtige Rezept zur raschen Herbeiführung des Friedens in. der Tasche zu haben, er hat alle, die von der Vollkommenheit seiner Methoden nicht überzeugt waren, maßlos beschimpft und selber den deutschen Sozialdemokraten das Schimpfwort„Agenten der deutschen Regierung" an den Kopf geworfen. Jetzt sieht er, wie schwer das Friedenmachen ist, wenn man an das Problem ernstlich herantritt und wie leicht man in den Verdacht kommt, ein„Ilgent der deutschen Regierung" zu sein! Während die Arbeiter- und Soldatenrätc ihren Aufruf erließen, der schweizerische Nationalrat die Pein des Falles Grimm-Hoffmann über sich ergehen ließ, gab es auch eine neue ßrieüensüebatte im österreichischen Abgeordnetenhaus, über deren Verlauf wir gestern schon berichteten. Die Rede des Ministerpräsidenten v. S e i d l e r erscheint in der Sache als ein befremdender Schritt zurück und in der Form als eine Brüskierung der„wahren Demokratie", die doch der junge Kaiser Karl in seiner Thronrede selbst angerufen hatte. Seine Erklärung, das Recht, Frieden zu schließen, stehe allein dem Kaiser zu, hat einen Ton, den man in Preußen als schnodderig bezeichnen würde. Sie zog aber dem Redner eine prompte Abfuhr durch unseren Genossen S c i tz zu, der unter dem stürmischen Beifall des Hauses das Selbst- bestimmungsrecht der Völker gegen die Anmaßung der Czcniin- Seidlerschen Regierung verteidigte. Der Vorgang im Wiener Rcichsrat ist recht auffällig. Die Haltung der östcrreichisch-ungarischen Regierung in der Friedensfragc hat bis vor kurzem den deutschen Friedensfreunden als nahezu vorbildlich gegolten. Woher dieser Nni- schwung? Sind jetzt auch in Oesterreich jene Kräfte am Werke, die bei uns in Deutschland schon so entsetzlich viel Schaden angerichtet haben? Stockholm. Die rutsche Delegation. Stockholm, 28. Juni.(Eig. Drahlber. des„Vorwärts".) Das Exelulivkomilee des russischen Arbeiter- und Soldatenrats bestimmte nach einer hier vorliegenden Mitteilung. Ehrlich und Goldenbcrg, vielleicht auch Jermolajew als Borbcrciter der allgemeinen Koiifcrcnz nach Stockholm zu entsenden. Die Abreise der Genannten soll baldigst erfolgen. Die Vorkonferenz öer Entente-Sozialisten. Der schweizerische Preßtelegraph meldet aus Paris: Die französische sozialistische Partei übermittelte dem Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat die Entschließung des sozialistischen Nationalrates vom 23. Mai. In einem Begleit- schreiben wird auf den Beschluß der französischen Negierimg, den französischen Delegierten nach Stockholm die Pässe nicht auSzu- händigen, aufmerksam gemacht. Der Schreiber drückt den Wunsch aus, daß die Stockholmer Konferenz in jedem Falle er st nach einer Verständigung zwischen den russischen und fran- zäsischcn Sozialisten über die Tagesordnung staltfinden soll. Petersburg, 27. Juni.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Vollzugsausschuß des Petersburger Arbeiter- und Soldaten- rate? hat in Uebereinstimmung mit dem Bureau des Kongresses der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands beschlossen, demnächst eine besondere Abordnung nach Stockholm und nach Frankreich und Eng- land zu senden, um so bald wie möglich die Berufung einer iutcr-' nationalen Konferenz auf der' Grundlage des vom Vollzugsausschuß angenommenen Programms vorzubereiten. Die Abordnung wird aus sechs Mitgliedern bestehen, deren Wahl vom Kongreß aller At- beiter- und Soldatenräte gutgeheißen werden soll. Die Verschiebung öer Konferenz. Aus Stockholm wird uns geschrieben: Unzweifelhaft wird die Verschiebung der vom Arbeiter- und Soldaten- Deputierienrat in Petersburg einberufenen allgemeinen sozialistischen Friedens- konferenz in allen Arbeiterkreisen Aussehen und zwar lein freudiges wecken. Indessen: Konnte der Arbeiter- und Soldatenrat anders handeln? Durch die P a ß v e r w e i g e ru u g der fran- zösischen, italienischen und auch der nordamerikanischen Regierung gegenüber den Abordnungen der sozialistischen Parteien dieser Länder nach Stockholm sowie durch die sehr sonderbare Art, in der die englischen Sozialisten an der Reise nach Schweden verhindert werden, eine angebliche Weigerung der Seeleute in einem Lande, das jetzt ebenso wie alle anderen die strengsten Gesetze gegen jegliche Sabotage des Verkehrs hat. ist es diesen Delegationen unmöglich, zu dem vom Arbeiter- und Soldatenrat geplanten Termin, das ist zwischen dem 11. und 2l. Juli, hier einzutreffen. Dabei mag auch ein Mißverständnis insofern mitspielen, als der Unterschied zwischen der europäischen, amerikanischen und russischen Zeitrechnung den Termin noch als weit früher gesetzt erscheinen lassen konnte. Aber so oder so— wäre die Konferenz ohne die bevollmächiigten Abordnungen aus den Ententestaaten zuiammengetreten, so Hütte sie den russischen Kriegs- Parteien die Möglichkeit gegeben, den Arbeiter- und Soldatcnrat der Geneigtheit zu einem Sonder- frieden zwischen Rußland und den Zentral- m ächte n zu beschuldigen und dadurch die wahrlich nicht ge- ringen inneren Schwierigkeiten der jungen russischen Demokratie sehr erheblich zu vergrößern. Die sachlichen Gründe sür die Verschiebung können demnach ver- standen werden. Eine andere Frage ist eS, ob das neue Rußland nicht beizeiten die Erteilung der Pässe in den übrigen Ententestaalen hätte durchsetzen können, aber darüber steht uns, zumal bei den geringen Möglichkeiten, sich zu informieren, ein Urieil nicht zu. Die Frage ist jetzt, ob die Verschiebung selbst den Konferenz- gedanken nicht schwächt und ob zwar mit einem späteren Datum, aber sicher, mit dem Zustandekommen einer Welt- Heeresgruppe Herzog Slbre cht. Am Hartmanu-Zweilerkopf machten Erkunder eines württem- bergischcn Regiments durch Einbruch in die franzSsischen Gräben eine Anzahl Gefangene. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der ostgalizischcn Front dauert die rege Feuertätigkeit an. Mazedonische Front. Keine besonderen Ereignisse. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Friedenskonferenz auch weiter gerechnet werden kann. Wir dürfen diese Frage bejahen. Von den Sozialisten aller Länder, die sich nicht nur Sozialisten nennen, sondern eS auch wirklich find, wissen wir, daß sie alles tun, um den Frieden zu für» dern und von der übrigen Masse der Völker sind wir überzeugt, daß ihr Friedenswunsch und Wille mit jedem weiteren Tage des Krieges wachsen muß und dieser Wille wird nicht nur die kleinlich« erbärmliche Maßnahme der Paßverweigerung hinwegfegen, er wird noch ganz andere Taten vollbringen, wenn man sich ihm entgegen- stemmen wird. Wir geben keinen Pfifferling für den dauernden Bestand des Kurses Lloyd George-Viviani-Wilson-Boselli, wir fühlen e» aber an diesem Tage der Enltäuschung. daß der Gedanke der sozialistischen Weltkundgebung für den Frieden nicht tot, nicht einmal geschwächt sein kann, sondern daß er nun erst recht Wurzel schlägt. wahlrechtsüemonstration in Suüapeft. Absplitterung der Tisza-Partei. Mittwoch abend veranstalteten die Sozialdemokraten eine Kundgebung gegen die Tisza-Leute, an der sich über MAXI Arbeiter beteiligten. Als die Arbeiter nach 6 Uhr aus den Fabriken kamen, zogen sie geschlossen ins Innere der Stadt. Be- sonders zahlreich war das weibliche Element vertreten. Die De- monstranten marschierten unter Hochrufen auf das Wahlrecht in den Hof des Rathauses, wo eine Volksversammlung aus dem Stegreif abgehalten wurde. Eine Gruppe der Manifestanten trug einen Sarg mit der Aufschrift: Hier ruht TiSzaS Wahlrecht! Zahlreiche sozialistische Führer hielten Reden, in denen die sofortige Einführung des allgemeinen Wahlrechts gefordert wurde. Die Menge zog hierauf zum Klub der TiSza-Partei, der von einem Polizei-Kordon unigeben war. Hier entstand ein Tumult, der nicht ungefährlich aussah, als plötzlich der Staatssekretär im Ministerium des Innern Dr. Palughay unter der Menge erschien und sie mit wenigen Worten beruhigte. Er sagte den Leuten, sie mögen nur mutig für da« Wahlrecht kämpfen, sich aber für jetzt ohne Lärm zerstreuen. Dies wirkte vorzüglich auf einen großen Teil der Manifestanten. Nur eine kleine Gruppe durchstreifte noch die Straßen bis Mitternacht. Dann trat Ruhe ein. Di« Polizei stellte nur sehr wenige Personen fest. Die gestrige Demonstration war die großzügigste, die bisher jemals gegen den Grafen XiSza eingeleitet worden ist. Die Vorlage über das Ermächtigungsgesetz wurde vom ungari- schen Abgeordnetenhaus mit der Abänderung, daß sie bloß auf vier Monate statt der von der Regierung geforderten sechs Monate Gültigkeit haben solle, mit 141 gegen 127 Stimmen angenommen. Dieses Abstimmungsergebnis, welches für die oppositionelle TiSza- Partei eine Mehrheit von 14 Stimmen ergibt, wurde seitens der Stegierungspartei mit den ironischen Rufen aufgenommen:.D's ist also die großartige Mehrheit, wo find die übrigen 100 Mit- glieder?" Tatsächlich haben sie trotz wiederholter Mahnung der Parteileitung von der Tisza-Partei ungefähr 100 MitgUeder der Abstimmung fern gehalten, was als Zeichen aufgefaßt wird, daß diese 100 nicht hieb- und stichfest sind. Budapest, 28. Juni. Im Abgeordnetenhause erklärte der Minister des Innern U g r o n auf eine oppositionelle Anfrage über gesterif in Budapest veranstaltete Kundgebungen: Sämtliche Redner, welche während der Kundgebung ge- sprachen haben, ermahnten, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Diese Mahnung wurde auch von der organisierten Arbeiterschaft genau befolgt. Indessen haben kleinere Trupps Ausschreitungen verübt und Schaufenster eingeschlagen. Die Polizei hat diese pöbel- haften Ausschreitungen, welche die sozialdemokratische Arbeiterschaft als gegen die Kundgebung gerichtete Frevel auf da» entschiedenste verurteilt, in Nichtbeachtung der Weisung de« Ministers nicht zu verhindern gesucht. Der Oberstadthauptmann hat im Gefühle der Verantwortlichkeit für diese» Borgehen, seine Entlasiung angeboten, welche auch angenommen wurde. Die Regierung beabsichtigt, für die durch die Ausschreitungen angerichteten Schäden Entschädigung zu gewähren.(Lebhafte Zustimmung.) In derselben Sitzung wurde auch das Abdankungsschreiben des Präsidenten Paul Boethy zur Kenntnis genommen. venizelos unü Italien. Das Kabinett venizelo» ist bereits gebildet- venizelos übernimmt neben dem Vorsitz auch da? Kriegsministerium. RipuliS ist Minister de» Inneren, Potiti« Minister de»«eußeren und Kondurioti« Marineminister. Auch die übrigen Ministerien sind unverzüglich besetzt worden. Die Angelegenheit wickelte sich glatt. ober doch unter erheblichen Vorsichtsmaßregeln ab. HavaS meldet über die Stunde, in der die kurz vorher im PiräuS angekommenen .Mitarbeiter" Venizelo» im KönigSpalast den Seid ablegten: Französische Truppen und kretische Gendarmen hielten den ver« sasiungsplatz und die Straße zum Königsplatz besetzt. Die Haupt» Plötze ivaren ebenfalls besetzt worden. Die.Times' ergänzt das Bild: Die Truppen haben alle Zugänge zu der Stadt besetzt. Auf den Mauern der AkropoliS stehen Wachposten und im Parthenon lagern kleine Abteilungen. Zugleich setzt HavaS die Meldung in Umlauf: Die Aussöhnung zwischen den Offizieren von Athen und denen der nationalen Verteidigung ist zustande gekommen. Die BlutSfeindschast zwischen beiden Gruppen wäre etwa» plötzlich inS Gegenteil umgeschlagen. Wenn eS nach den Wünschen geht, die in einem Athener Sonder- bericht des.Matin' sichtbar werden, so wird Venizelos sofort nach Einberufung de» Parlament» ein Programm vorlegen, da», wie der Bericht sagt, zweifellos den Vorschlag an Griechenland enthalte, sich den Allierten anzuschließen. Die gegen die Bulgaren kämpfende Armee solle unter Befehl de» Staates dort bleiben; zu freiwilligen Meldungen für die Armee solle ermutigt werden. Man habe Anlaß zu der Vermutung, daß Venizelo» einen lebhaften Feldzug unternehmen werde, um darzulegen, da« Interesse und die Würde Griechenland» seien unauflöslich mit der Sache der Alliierten verknüpft. Deshalb müsse Griechenland fie vorbehaltlos unterstützen. Diese Wünsche verursachen jedoch den italienische» Orientpolitikern ein sehr sauer-süße» Aufstoßen. Sie sehen in Venizelo» immer noch einen gefährlichen Rivalen, der sich ihren Zielen, zumal jetzt, höchst unbequem in den Weg drängt. Da».Gior- nale d'Jtalia" fordert geradezu eine Art Erklärung, daß da» neue Griechenland im Einklang mit Italien leben wolle, und die.P-r- severanza" führt aus: Frankreich und England seien im Irrtum, wenn sie glaubten, durch Venizelo« die Kriegslust Griechenlands für die Sache der Entente wecken zu können. Den König zu ent- thronen sei leichter, als das Volk in den Krieg zu stürzen. Italien werde unbedingt an seinem Vorgehen festhalten. Es könne dem Hellenismus nicht gestatten, wichtige italienische Interessen in Südalbanien und im Ost mittelmeer anzutasten. Den Alliierten sei dieser Standpunkt bekannt. Auch beweise SonninoS diesbezügliche Politik Klarheit und Ent- fchiedenheit. Italien hofft und drängt, daß der Angriff der Entente gegen Klein asien nun endlich seinen schneidigen Anfang nehme. Aber der Beschießung von Dünkirchen— Beschießung von Osteude— In Flandern und im Artois stellenweise heftiges Feuer— Rege Feuertätigkeit in Ostgalizien. Amtlich. Große» Hauptquartier, den 28. Juni 1S17.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Schwere Fernfeuer-Batterieu beschossen gestern mit beob- achtet« Wirkung die englisch-franzöfische Hafenfestung Dünkirchcn. Mehrere Schiffe liefen eiligst aus. Als Erwiderung wurde vom Feinde Ostende unter Feuer genommen; militärischer Schade« entstand nicht. In den englischen Gräben an der Küste verursachte eine Beschießung durch unsere Artill«ic und Minenwcrf« starke Zerstörungen. Nach ruhigem Bormittag nahm gegend Abend die Feuer- tätigteit in einigen Abschnitten der fiandrischen»nd d« ArtoiS- Front ziemliche Heftigkeit an. Südöstlich von Nieuport wurde von nnscren Stoßtrupps ein belgischer Posten aufgehoben; bei Hooge schlug ein feindlicher Erkunbungsvorstoß fehl. Südlich der Straße Cambrai— Arras erlitten die Englind« bei Säuberung eines Grabens durch westfälische und rheinische Sturmtrupps«hebliche Berluste an Gefangene« und Toten. I« Borfeld unserer Stellungen nördlich von St. Quensin entspannen sich mehrfach kleine Gefechte unserer Posten mit eng- tischen Abteilungen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An einzelnen Stellen nördlich der AiSne, nördlich von Reim»«nd in der Westchampagne kam e» zu lebhaften Artilleriekämpfen. Zusammenbruch der griechischen NeutralitätSregierung, an dem Italien mitgeholfen, droht diesem Angriff eine Form zu geben, die den Sonnino und Boselli wenig i» den Kram passen würde. Da» wird sie trotzdem nicht belehren, daß ihre Orientpolitik von Anfang an ein Wahnwitz gewesen ist. Offiziöser Kommentar zur Kriegszielreöe Seiülers. Die„Neue Freie Presse" schreibt zu der vom Minister deS Aeußern Grafen Czernin durch den Mund deS Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler erfolgten Antwort auf die Interpellationen über den Frieden u. a.: Die Entente will, daß die künftige Verfassung beider Staaten der Monarchie am Tische der Friedenskonferenz ausgearbeitet wer- den soll. Darauf antwortet Graf Czernin, daß er den Grundsatz, «in dauerhafter Friede müsse aus dem Selb st bestimm ungs- recht der Völker hervorgehen, nicht anerkannt habe. Das sagt er nicht dem Parlament, sondern den. Feinde. DaS Recht des Kaisers wird nicht gegenüber dem Parlamente, sondern gegenüber Wilson und Lloyd George hervorgehoben. Die Friedens- Politik der Monarchie kann nach so vielen ernsten Kundgebungen als eine der wenigen sicheren Tarsachen in der Verwirrung und Zerrüttung von Europa gelten. Die russische Formel von Frieden ohne Annexionen und ohne Kriegsentschädigung wurde hier zuerst anerkannt, das Sclbstbestimmungsrecht des russischen Volkes wurde von beiden Staaten der Monarchie niemals angetastet. Di« leiten- den Staatsmänner rn Wien und Berlin erklärten sofort nach Aus- bruch der Revolution und nach Abdankung des Kaisers Nikolaus, daß sie keinerlei Einmischung in die inneren Verhältnisse Rußlands wollen und nur den Wunsch haben, mit diesem Volke, das seine Ver- fassung nach freiem Ermessen wählen könne, in friedlicher Nachbar- schaft zu leben. Die Erklärung Czernins hat die Richtung nach außen und nickt nach innen. Ein ehrenvoller Friede ist der Wunsch aller Volksschichten in der Monarchie. Der Freimut, mit dem sie dazu sich bekannt hat, war die Politik des Grafen Czernin. Die letzte österreichische Kriegszielkundgebung, die der neue Ministerpräsident veranstaltet hat, leugnet das Selbstbestimmungs- recht der Völker und stellt das dynastische Recht voran. Die„Neue Freie Presse" mildert durch ihre Auslegung die Schroffheit dieses Ausspruches, indem sie ihn als ein« Absage an jene Feinde erklärt, die sich in die inneren Verhältnisse der Monarchie einmischen wollen. Aber diese» Ziel hätte auch ohne jene fatale Berufung auf da» monarchische Herrschaftsrecht erreicht werden können, das das moderne Bewußtsein so sehr verpönt. Zum Ueberdruß besteht jenes' monarchische Herrschaftsrecht nicht. Zwar schließt der österreichische Kaiser Krieg und Frieden, aber jede Veränderung de» Gebiets oder des staatsrechtlichen Auf- bau» Oesterreichs bedingt die Zustimmung des Reichsrats. Schluß mit üen Militärgerichten in Oesterreich! Di« Wiener„Arbeiterzeitung" hat nicht umsonst Proben der Militärgerichtsbarkeit geliefert, die entgegen dem Staatsgrund- gesetz auch auf Zivilpersonen ausgedehnt worden war. Aus Wien wird gemeldet: Der Verfassungsausschuß des Abgeordnetenhauses nahm den Antrag des Sozialdemokraten Pernerstorfer an, den 8-14-Verordnungen betreffend Aufhebung der Geschworenen- gerichte die Genehmigung zu versagen, ferner den Antrag Hummer, der die Regierung auffordert, eine Vorlage betreffend Ausdehnung der Berufung zum Geschworenenamt auf weitere Schichten und betreffend Vorsorge für eine Entschädigung der Ge- schworenen einzubringen. Di« Aufhebung der Geschworenengerichte seit Kriegsbcginn ist entgegen den klaren Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes mit einer Notverordnung auf Grund des schlecht beleumundeten§ 14 durchgeführt worden. Eine solche Verordnung muß dem Abgeord- netenhauS vorgelegt werden und erlischt, wenn sie nicht genehmigt wird. Das ist— glücklicherweise!— nun geschehen. Was aber soll mit den vielen Tausenden geschehen, die ohne Recht in Rechtesform abgeurteilt wurden? Die Toten werden nicht mehr lebendig. Aber für die Unglücklichen, die hinter Kerker- mauern schmachten, gibt es noch eine Rettung: Amnestie. vor üer havöelspolitischen Neuorientierung. Reuter meldet aus London: Im Unterbause teilte Bonar Law mit, daß die italienische Regierung ihre Handelsverträge, durch die die italienischen Tarife und Einfuhrzöll« festgesetzt wurden, bis auf zwei gekündigt habe. Die ftonzöfische Regierung habe erklärt, fie beabsichtige gleichfalls, ihre Handelsverträge zu kündigen. Die britische Regierung erwäge nun die gleiche Maßnahme. Die Erklärung des englischen Schatzkanzlcrs beweist, daß die Entente mit der Reuordnung der handelspolitischen Beziehungen nicht bis zum Frieden warten, sondern sich rechtzcilig rüsten will, um Deutsckland auch in dieser Beziehung gesckloffen entgegen- zutreten. Mit dieser angestrebten Geschlossenheit ist e» freilich ein Abendbevicht. Amtlich. B e r l i u, 28. Juni 1917, abend». Im Westen außer vormittags lebhafter Gcfechtstätig- keit an der Straße Lcns— Arras nichts Besonderes. Im Osten ist die Lage unverändert. Ter österreichische Bericht. Wien, 28. Juni 1917. iW. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Im galizischen Frontabschnitt nördlich des Dnjestr war die feindliche Artillerie anhaltend lebhaft tätig. AufklärungS- abteilungen des Gegners versuchten an mehreren Stellen vergeb- lich vorzugehen. Einige erfolgreiche Luftkämpfe. Italienischer Kriegsschauplatz. Außer den gemeldeten Gefangenen wurden bei d« Wieder- «odcrung des Monte Ortigara 52 Maschinengewehre, 2 Minenwerfer, 7 Geschütze und 2000 Gewehre«beutet. Hauptmann Heyrowsky hat am 26. Juni über dem Wippachtal zwei Flieg« abgeschossen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unv«Sndert. Der Chef de» Generalstabes. eigen Ding: erstens fehlt Rußland im Bunde und zweiten» sind Frankreich und Italien Wettbewerber in der Wein- und Südfrucht- aitsfuhr, während das verpönte Deutschland dafür einen großen Markt bietet. Rujfischer öotschaster-Ersatz. Nach einem Sonderbericht des„Temps" aus Petersburg erklärte Terescktsckcnko über die diplomatische Vertretung Rußlands in Frankreich und England, Rußland werde vorläufig keine Botschafter für Pari» und London ernennen, sondern außerordentliche diplomatische Missionen, wie die nach den Vereinigten Staaten entsenden, zusammengesetzt au« Vertretern der verschiedensten politischen Strömungen, die als wirkliche Dolmetscher der Gefühle de« ganzen russischen Volkes beglaubigt werden sollen. Generalstreik in Finnland in Sicht. Stockholm, 27. Juni. erklärt sich ebenfalls für die freieste Aussprache, die«selbstbe schränkung sei aber keine Beschränkung der Redefreiheit, sondern der Redezeit. Er ist für die vorgeschlagene Trennung des Vorstandsberichts und Bestimmung eines Korreferenten durch die Gruppe, die den Antrag gestellt hat. Ulrich(Berlin) tritt für den Antrag Dittmann ein, bält aber eine. Redezeit von 10 Minuten für ausreichend. .S'ch äf er(Leipzigs meinte.-der Minderheit müsse däs Wort ausführlich gestattet, werden. Er bedauert, daß der Verbandstag erst auf Mitttvoch und nicht zu Beginn der Woche einber,lfen war- den ist. So könnte der Eindrück entstehen, daß der Bcwitcknd die Diskussion von vornherein beschränken wollte. Dittmann sei mit seiner Bemerkung, es gehe ein Ritz durch den Verband, zu weit gegangen; im Interesse einer Klärung solle man aber seinem An- trage- zustimmen. Di tz mann(Frankfurt a. Mb: Iii r im Sie nach Macht und Mehrheit entscheiden wollen, dann lehnen Sic den Antrag ab. An der wirklichen Situation, ändert dies nichts. Wir haben alle ein Interesse daran, eine gründliche Aussprache herbeizuführen, da diese Frage eine Lebensfrage der Organisation darstellt und in unserer Weltanschauung ihre Ursache bat. Schlicke: Der. Antrag auf Trennung des Vorstandsberichts ist«in Usberfall. Die Tagesordnung ist rechtzeitig�veröffentlicht worden» niemand bat eine Wanderung beantragt. Da hätte der Antrag gestellt werden müssen, auf die Tagesordnung zu setzen. „Unsere Weltanschauung", über die nach Dißmann gesprochen werden soll. Die vorgesehene Tagesordnung kann in vier Tagen erledigt werden. Ich bitte, eine Trennung des Borstandsberichts nicht vorzunehmen und schlage vor, für die Diskussion 20 Minuten festzusetzen.~, Nachdem noch Frölich �Altcnburg) für den Vorschlag �ck-licke gesprochen hatte, fand ein s ch l u tz a n t r a g mit großer, Mehrheit Annahme. Der Antrag aus Trennung des V o r-> standsberichtswird mit 64 gegen 52 Stimmen a b- gelehnt. Mit 58 gegen 5 5 S t i m m e n w i r d b e s ch l o s- sc.«, zum Geschäftsbericht einen Korreferenten ni i t u n.b e f ch r ä n k t e r Redezeit zuzulassen. A b g e- lehnt wird der A nt r a.g.. e i ne m Berli-ncr Dcle- gierten zur Begründung der Berliner Resolution unbeschränkte Redezeit zu gcwäbren. Die Redezeit für den Porstandsberickl wird auf 20 Minuten festgesetzt. Nachdem so die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt waren, konnte in später NachmittagSstunde endlich Verbandsvorfitzender Schlicke den Vorstandsbericht erstatten. Er verwies auf den gedruckten Bericht und ging dann auf die Meimmgsyerschiedenheiten ein, die durch Vorkommnisse der jüngsten Zeit grell beleuchtet worden seien. Großes Mißtrauen habe gegenseitig Platz gegriffen. D i e A r b e i t s n i e d e r I e-g u n- gen"am 16. April sind kein Ruhmesblatt. in unserem Verband. Man will de.n Verband von seinem bisherigen Gang abdrängen und ihm eine andere Marschroute geben. Wir betrachten den Streik als Kampfmittel, das dort anzuwenden ist, Ava eine gütliche Verständigung nicht möglich ist. Nun sollen wir Streiks führen zu rein politischen Z wecken, zum Zwecke der Demonstration gegenEc schein ii ngen.dieautzerhalbdesR ab mens der Bestrebungen unserer Organisation liegen. Es ist planmäßig darauf bin gearbeitet-orden. die Arbeiter zu.Streiks zu veranlassen; plan- mäßig wird Mißtrauen gegen die Leitung der Gewerkschaften gesät zu dem ausgesprochenen Zweck, n ni die Gewerkschaften nachher politischen Demonstrationen dien st bar zu machen. Diese Erscheinung ist dort geboren, wo die neue Partei ge- gründet wurde. Schlicke geht näber auf die Verhandlungen in Gotha ein, Ivo gesagt worden sei, man müsse ohne die Gewerk- schastssührex und über sie hinweg vorgehen, und von dem t.onser- vativen Geist der Gewerkschaften gesprochen worden sei. Nicht lange nach Gotha merkte man in unserem Ver- band die Folgen von dort- Alan versuchte, in Besprechun- gen für Massenaktionen und für die Beschlüsse in Gotha Stimmung zu macheir. Dadurch wurde der Zankapfel auf die Gewerkschaften übertragen. Der Streik in Bertin war eine Demonstration gegen die ungenügende Lebensmittelversorgung. Als Ausdruck der Miß- stimmung hätte man ihn hinnehmen müssen, aber die Neben- e r s cb e i n u n gc n in Berlin Waren d e r a r t, daß der Vorstand und die Generalversammlung daz.u Stellung n«hmen muß. Man bersuchte den Streik fort- zusetzen lediglich zu dem Zweck, politische Fragen zu lösen. Die B'elvegungen hatten mit den gewerkschaftlichen A u.f gaben, nich ts mehr zu tun, sie sollten politi- schen Z w e ck c n d i e n e n. Eine Flut von Flugblättern ergoß sich über die Berliner Arbeiter. ES wurde unberücksichtigt gelassen, daß die russische Revolution noch kein ob- schließendes Urteil zuläßt. Man hat an das Gefühl appelliert, anstatt, den Verstand entscheiden zu lassen. Es ist gegen besseres Wissen den Arbeitern vorgespiegelt worden, sie brauchten nur auf- zustehen, und die bürgerliche Gesellschaft läge am Boden. Die Folge war. daß die herrschende Gewalt von ihren Machtmitteln teilweise rücksichtslos Gevrauch machte. Manchem war dies nicht unangenehm, weil dadurch die Leidenschaften aufgepeitscht und eine erbitterte Stimmung erzeugt wird. Es kam aber nicht soweit, wie man vielleicht bosste, die Arbeiterschaft hat die Arbeits wieder auf- genommen.(Zuruf: Weil die Verwaltung sie im Istich gelassen hat!) Nein, nein, die Arbeiter waren vernünftig genug, die Arbeit Wieder von selbst aufzuneh- in c n. Jetzt richtet sich der Angriff in Berlin gegen die beiden Bevollmächtigten, deren politische Gesinnung nicht paßt und die man als Verräter hinstellt. Redner ging dann auf die Verhält. nisse in Leipzig ein. Tie dortigen Kollegen ständen schon lange auf dem Standpunkt, daß die Gewerkschaften einen poli- tischen Einschlag haben müssen. Die Leipziger Forderungen decken sich mit den Berlinern(Einsetzung eines Arbeikerrats); mit ihnen würde die politische Tätigkeit in die Geioerkschaften getragen. Man verständigte sich dann in Verhandlungen über Lohnforderungen, begnügte sich damit und ließ die politische Aktion politische Aktion sein. Diese Dinge beweisen, daß man systematisch auf eine Ver- schiebung der Vcrbandstätigkeit hinarbeitet. Das sind jedoch nicht die einzigen Erscheinungen, man hat durch Rundschreiben von Berlin aus ick ganz Deutschlanb im selben Sinn« zu wirken versucht. Schlicke besprach einzelne solcher Jliigblätker, in denen die Wahr- heit aus den Kopf gestellt werde. Daß der Kamps sich gegen die Gewerkschoslsführer richte, sei osien ausgesprochen worden. Redner besprach sodann die B r a u n s ch w e i g e r Verhältnisse. In Stettin wäre durch die fortgesetzte Agitation für eine Massenbewegung eine Schädigung der Arbeiter eingetreten; die drei Werften seien unter Militäraufsicht gestellt worden.— Bestebt wirtlich die Gefahr, daß die Gewerkschaften durch ibre Tagesarbeit versumpfen, daß sie von ihrem sozialistischen Geist entbunden werden können? Die Ausgaben der Gewerkschaften gehen in der- selben Tendenz wie die Ziele der sozialdemokratischen Partei. Wir drängen den Einfluß des Unternehmertums, das Kapital, Stück für Stück zurück. In der praktischen sozialpolitischen Tätigkeit gehen wir mit der sozialdemokratischen Partei Hand in Hand.&§ ist nicht damit zu rechnen, daß die Gewerkschaften von diesem Stand- Punkt abgedrängt werden können, darum sind die Einwürfe unberechtigt. Wir stellen uns auf den praktischen Standpunkt, wir können uns nicht von Theorien leiten lassen. Das ist der Kern- Punkt des Streits. Wir haben alle Ursache, dahin zu arbeiten, daß die Gewerkschaften diesen Boden der praktischen Arbeit nicht verlassen. Diesen Boden wird auch die Arbeiterschaft aller Länder wieder einander näher bringen. Das Ergebnis der Aussprache muß sein, daß die G e- neralversammlung erklärt, daß der Verband sich von dieser praktischen Arbeit nickt abbringen lassen will, daß die Generalversamm- lung die Treibereien, Mißtrauen i n der Ar- bei.terschaft zu säen, verurteilt, und daß sie den For- derungen, die für den internationalen Gewcrkschaststongreß in Stockholm ausgestellt waren, zustimmt. Zum Schluß ging Schlicke auf das Hilfsdienstgesetz ein. Es sei Wohl ein Zwangsgesetz, bedeute aber eine Milderung gegenüber dem Zwang, der. sojisf ausgeübt, werden könne. Was wäre ofrn« das Äilfsdicnstgcsetz gekonimeiük Für die L»erailssetzuna der Webr- pfticht bätte sich sicher eine Mehrheit im Reichstag gefunden. Da das Hilfsdienngesetz, das die Gewerkschaften zu verbessern bestrebt waren, nun einmal da sei, müsse man die Gelegenheit ergreifen, die lvenigen Rechte, die es bringe, auszunützen. Darum drehe es sich setzt. Deshalb sei die Agitation gegen das Gesetz verfehlt.— Die Annahme seiner Stellung beim Krieg samt habe er als seine Pflicht gehalten, nicht als Mi- nister sei er dort, sondern als Berater und als Mahner. Die Rechte, die uns zugestanden sind, müssen wir über- all ausnützen, damit wir j3as Bewußtsein haben, auch im Kriege imserc volle Pflicht und Schuldigkeit getan zu baben. iLcbhastcr Beifäll.) Den Ausschuftbcricht gibt dann Weiß ig(Frankfurt a. MV Ter Ausschuß hakte 30 Beschwerden zu erledigen. Er beantragt für den Kassierer Entlastung. Die Verhandlungen werden darauf vertagt- Mßeroröentliche Generalversammlung öes Textilarbeiterverbandes. Augsburg, den 27. Juni. 4. VerhandlungStaq. Die Generalversammlung beickiäfligt sich nunmehr noch mit den einzelnen von den Filialen gestellten Anträgen. So wurde ein Berliner Antrag, der beiagt. daß bei Festsetzung der Höhe der zu stellenden Lohnforderung als Maßstab die örtlichen Löhne der Munitions- und RüstungSindustricarbciter dienen sollen, ange- nommen. Bon LandeShut ivar beantragt, die Gemaßregeltenunter- stützung, die während der KriegSzeil ausgehoben ist, ab 1. Juli 1017 wieder zur Auszahlung zu bringen. Auch dies wurde be- schlössen. Langenbielau beantragte die Streikunterstützung, die zur- zeit ebenfalls nicht gewährt wird, wieder einzuführen. Auch diesem Antrag wurde stattgegeben. Es folgten dann noch Beratungzn interner Art über Kassen- angelegenbeitcn, worauf die Versammlung mit aufmunternden Worten vom Vorsitzenden Karl H ü b s ch geschlossen wurde. StaStverorönetenversammlung. 15. Sitzung vom Donnerstag, den 28. Juni, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher M ich e l e t eröffnet die Sitzung nach öM Uhr. Nachdem über die Besetzung der durch den Tod des>stadtv. Solmitz(Fr. Fr.) frei gewordenen Stellen in Ausschüssen, Dcpu- tationcn und Kuratorien Beschluß gesaßt worden, nimmt die Vor- sammlung den Ausschußbericht des Stadl». Sommers ld l Linke! über die Vorlage betr. die Erhöhung der Einnahmen der -städtischen Elektrizität swerke Berlin entgegen. Der Ausschuß hat dem Teuer ungszu schlag von 25 Proz. aus alle Rechnungen mit der Einschränkung zugestimmt, daß er„bis aus werteres" erhoben wird. Die Pauschalausrechnungcn sollen unverändert bleiben, die Rechnungen siir den Einheitstarif für Wohnungen und Werkstätten dagegen derart geändert Iverdcn. daß die Bodemläckengebübr von 3 aus 2'X- Pf. herabgesetzt und dafür auf den Preis der Kilowattstunde mit l6 Pf. der Zuschlag von 25 Proz. erhoben wird. Zugleich mit der Einführung des neuen Tarifs am 1. Oktckber d. I. erfolgt dann nach den Atagsitratsvorschlägcn die allgemeine Erhebung der Zählermieie, wie sie die Städtischen Elektrizitätsverke in den von ihnen versorgten Vororten bereits er- heben; tu W e g s a l l kommen andererseits die Verpflichtung zur Gewährleistung eines Mindeswcrbrauchs. die Gebühr für die Auf- stellung von Elektrizitätszählcrn und die sog. Fahrstuhlgrundtaxe. Ohne Ttskllssiön beschließt die Versammlung nach den Aus- schußanträgest. Die Grunerstraße wll von der Neuen Friedrichstraße bis zur Klosteustr«�« durch gelegt werden, indem der zwischen dem Lcrge-rH aus e? Kloster straße' 76, und der Kunstschule, Klosterstratze 76, vorhandene D-urchgang zu einer öffentlichen Straße erweitert wird. Eigentümerin der genannten beiden Grund- stücke ist die Hochbahngesellschaff, die in absehbarer Zeit mit Neu- lauten vorgeben will; sie beabsichtigt die Anlegung der Straße der Form nach als Privatstraße und will sie zu Eigentum behalten, da- mit sie ihr�bei der Bebauung als Hofraum anrechenbar bleibt, will aber' der Stadt die dauernde Benutzung als öffentliche Verkehr-- straßc gewährleisten. Die Durchfährt an der Kloster- wie an der Neuen Friedrichstraße joll auf 5 Meter Tiefe hinter der �otraßenflucht mit je einem O u e r b a u auf einer dreibogigen U ehe gh rückung überbaut werden. Der Magistrat hat diesen Bor- schlagen zugestimmt und sucht das Einverständnis der Versammlung nach. Diese tritt dem Magistratsantrage ohne Debatte bei. Es find noch nachträglich zwei Borlagen eingegangen, durch die 25 000 M. für die Entsendung von Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstalten nach Siebenbürgen und 30 000 M. zur Beteiligung der Stadt Berlin an einer neu zu begründenden F i s ch- Ve r we r tu n g s g e s e l I fch af t m. b. H. angefordert werden. Endlich liegt ein dringlicher Antrag sämtlicher Frattio- ucn vor, den Mogistrat zu ersuchen, Maßnahmen zu erwirken, die die ordnungsmäßige Versorgung der Berliner Bevölke- rung mit Gemüse sichern. Auch diese drei Gegenstände kommen noch in der heutigen Sitzung zur Erledigung. Tic erstgenannte Vorlage empffehlt Stadtv. Dr. Kuauer (Linke! zur Annahme. Sievcnbürger deutsche Bauern wollen 756 Kinder kostenlos aus 10 Wochen ausnehmen; die 25 000 M. sind für die Borbereitungen und für die Reise erforderlich. stadrv. Dr. Wehl< Toz.i legt aufs entschiedenste Protest gegen eine so verspätete Einbringung ein. die jeder Rücksichtnahme höhn- spreche.(Der Vorsteher rügt diesen Ausdruck.) In eine mate- riellc Prüfung des Antrags tönne die Fraktion nicht eintreten; sie übergebe die Verantwortung denen, die für den Antrag stimmen. Stadtichulrat Dr. Rcimann teilt das Bedauern des Vorredners über die Verzögerung, hält die Vorlage avcr an sich für durchaus emptehleuswerr um wundert sich, daß gerade ans den Reiben der Linken ein solcher Widerspruch dagegen komme, da es sich doch ge- radc auch um Kinder handle, die aus der Voltsschule in die höheren Schulen aufgestiegen sind. Bürgermeister.Dr. Rcickc tritt gleichfalls lebhaft für den Antrag ein. In der Frage des Jugendamts, dessen Fehlen bemängelt worden sei. werde Wohl morgen vom Magistrat das enffcheidcnde Wort gesprochen werden. Stadtschulrat Dr. Fischer bemerkt, daß die gleichfalls erwähnten Beschwerden uver die llnterbringung der Berliner Kinder in Ost- Preußen erledigt sind,. daß im übrigen mit der Verschickung der Kinder nach Ostpreußen die allerbesten Erfahrungen gemacht worden seien. Stadtv. Cassel(Linke) hält in Uebereinstimmung mit den Magistrittsvcrtretcrn auch dafür, daß die Versammlung die Ver- aickwortung für die Annahme der Vorlage durchaus zu tragen vermag. istadtv. Dr. WcNl weist demgegenüber aus die Bedenken hin, die einer Versendung gerade nach Siebenbürgen entgegenstehen. Jedenfalls sei eine hinlängliche Prüfung des Projekts nicht erwlgl. Stadtv. Cassel sieht diese Bedenken durch die Erklärungen des Stadtschulrats Reimann als widerlegt an. Tie Versammlung beschließt die Bewilligung mit großer Mehrheit. _ Bei der zweiten Nachtragsvorlage handelt es sich um die nach- trägliche Zustimmung zu dieser Beteiligung; die Versammlung stimmt zu. Stadtv. Cassel begründet sodann den dringlichen Antrag, der die Versorgung mit Gemüse und Obst betrifft. Er weift aus die unliebsamen Erscheinungen hin, die sich auch hier wieder zum Nackteil der Bevölkerung gezeigt haben; sobald Richtpreise festgefetzt waren,' verschwanden Gemüse und Obst vom Markte. Selbst in den städtischen Markthallen sei solches zu konstatieren gewesen! Es müsse dagegen mit allen Rütteln ein- geschritten werden; der Festsetzung von Höchst- und Richtpreisen müsse die Möglichkeit der Beschlagnahme zur Seite stehen. Abhilfe sei dringeiid geboten. Stadv. Wurm iSozitt.Der gute Wille der Erzeuger hat auch hier, wie immer in diesem.Uriege, versagt; das nackte Profitinteresse dominiert, ttlle Maßnahmen der Behörden stoßen auf den akliveit und passiven Widerstand der Erzeuger. Dabei hat die Knappheit an Brat und Kartoffeln den Ansturm aus die durch die Dürre noch verringerten Obst- uaid Gemüsevorräte nur noch stärker gesteigert. Man pfeift aus die Richtpreise; der Schleichhandel ist zum eigem- kick regulären Handel geworden. Auch wir treten deshalb dem ge- stellten Antrage bei. Stadtrat Runge: Der Magisttat bat sich bereits mit die-ser Erscheinung und den zu ergreisenden Wwehrmitteln besaßt; e? wird darüber baldigst näheres mitgeteilt werden. Für Obst wird die Beschränkung der Abgabe auf zwei, höchstens vier Pfund cm den einzelnen erwogen, sowie eine Beschränkung der Verkaufszeit für die Erzeuger auf bestimmie Morgenstunden. Gleiche Bemühungen ffndcii statt, um den Mängeln der Gemüseversorgung abzuhelfen. Ter Bedarf ist außergewöhnlich groß. Stadtv. Cassel: Ter Mißstand, daß die Produzenten und Groß- Händler aus diesen Verhältnissen Vorteil ziehen, wahrend die Klein- Händler und die minderbemittelte Bevölkerung leer ausgeben, muß allgemein erbitternd wirke», muß abgestellt werden; das er- warten wir von den'Maßnahmen des Magistrats. Bürgermeister Dr. Rcickc: Die Reichsstelle für Gemüse, und Obst hat Berlin durchaus gereckt und entgegenkommend behandeli; diese Anerkennung sind wir ihr schuldig. Der Zukunft kann immerbin mit etwas größerem Verttaneit entgegengesehen werden. Ter Antrag wird darauf einstimmig aitgcnvtmnen. Schluß ViS Ikyr. Gerichtszeitung. Tie Briessperre über den Reichstagsabgcordncten Herzfeld. Ter Oberlommandierende in den Marken halle durck Mitteilung an die Oberpostdirellion Berlin, die dieser am 12. August 1916 zuging, über den Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Joseph Herzfcld die Briessperre verhängt. Seine Bnesschasten wurden angeballen und auf Verlangen de? Oberkommandierenden der 7. Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums zur Durchsicht überwiesen. Sodann gingen sie zur Post zurück, die sie nun dem Adressaten zustellte. Eine Mitteilung von der Berhängung der Briessperre wurde Dr. Herzfeld nicht gemacht. Nachdem er die Verhängung der Briessperre festgestellt hatte, klagte er beim Bezirksausschuß sowohl gegen den Oberkommandierenden in den Marken, als auch gegen den Berliner Polizeipräsidenten. Er beantragte, die Anordnung der Briessperre als gesetz- und Verfassung� widrig zu erklären. Die Briessperre selber ist im internen Wege, ohne entsprechende Mit- leilung an den Kläger, am 8. September 1916 wieder ausgehoben ivorden. Also handelte es sich bei dem Rechtsstreit um die Frage, ob sie überhaupt erlassen werden durfte.— Der B c- z i r k s a u S i ch u ß entschied aber diese Frage nicht, sondern wies die Klage als unzulässig ab. weil die Anordnung deS Lberkoiiiinandos, durch die die Briessperre verhängt wurde, nicht durch eine Klage im NerwaltungSstreilverfabren angefochten werden könne.— Dr. Herzfeld legte Berufung beim Ober-Berwal» tungsgerichl ein; dieses verwarf jedoch die Berufung und bestätigte daS Urteil deS Bezirksausschusses. Äeraiitwortl. f. Politik: Tr. Franz lirdrrich, Berlin-Ariedcnau: für d. übrigen Teil deS'vwtteS: Alfred Sawlz. Neukölln: vir Inserate: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Berlog: Vorwärts Buchdruckem u. BerlagSanftalt Paul Singer&. Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Untrrhaltnngsdlau. Nr. 175<► 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Freitag, 24. Jum 1417 Freunde, Leser des„Vorwärts", tut Eure Pflicht! Die Zeiten sind ernst, sie können noch ernster werden! Ein erdrückendes Schicksal liegt über der Menschheit, die sich vergebens windet und wehrt. Einzelne glauben das Schere Mittel in Händen zu haben, das die Welt vor dem Verderben rettet, und empfehlen es stürmisch. Andere, allzu viele, lassen das, was jeder Tag an neuem Unheil bringt, ge- dankenlos, hoffnungslos über sich ergehen, sie lassen sich vom Strome treiben, ganz gleich wohin. Eines indes sollte jeder aus den furchtbaren Ersah- rungen der letzten drei Jahre gelernt haben: Uneinigtkeit und Verwirrung, Streit und Hader bringen Untergang. Um dem Schicksal zu trotzen, bedarf es der Sammlung und Festigung. Wenn einer dahin, der andere dorthin läuft, wird es nicht besser, sondern immer nur schlimmer. Der feske Zusammenschluß der werktätigen Bevölkerung war nie notwendiger als jetzt! Wer ihn stört, mag er es persönlich noch so gut meinen, richtet ungeheuren Schaden an. Die deutsche Sozialdemokratie hat ein Ziel, das uns allen gemeinsam ist: die rasche Herbeiführung eines allgemeinen dauernden Wettfriedens. Sie geht zu diesem Ziel den Weg, den sie für den richtigen hält, und der den Lesern des„vorwärts" in zahlreichen Ab- Handlungen aufgezeigt worden ist. Der Erfolg hängt nicht von Erwägungen ab, die frei in der Luft schweben, sondern von dem Grade der Unter- st ü tz u n g, die unser Streben bei den Massen findet. Die deutsche Sozialdemokratie will das Deutsche Reich zu einem freien Staatswesen umgestalten, sie will die sozialen Unterschiede beseitigen, die sich jetzt in der Frage der Volksernährung so schmerzlich fühlbar machen. Auch dafür kämpft und wirkt der„Vorwärts". Der„vorwärts", das Zentralorgan der Sozialdemokratie, ist die Fahne, um die sich alle scharen sollen, die begriffen haben, daß Einigkeit und Geschlossenheit not tut. Belehren lassen mag sich der, der sich aus Eigenbrötelei von ihm fern hält, aber schämen sollen sich die, die es aus Stumpf- heit und Gleichgültigkeit tun. Jetzt steht die Vierteljahrswende vor der Tür. Und da gibt es eine Gelegenheit, die Gewissen aufzurütteln. Wer das alles einsieht und wer die Arbeit des„Vorwärts" in den letzten Monaten mit Interesse und Zustimmung verfolgt hat, den brauchen wir nicht erst zu bitten, von ihm erwarten wir, daß er die Gelegenheit benützen wird, um seinem Blatt neue Leser zuzuführen. Er tut damit weiter nichts als seine Pflicht und Schuldigkeit gegenüber sich selbst und gegenüber der Sache, die er als die richtige erkannt hat. Wer dem„Vorwärts" einen neuen Abonnenten gewonnen hat, schreibe dessen Namen und Wohnung auf den am Schluß der Seite stehenden Bestellschein, schneide den Schein aus und gebe ihn in unserer Hauptexpedition, Linden- straße 3, oder in einer unserer Ausgabestellen ab. Freunde, Leser des„Vorwärts", tut Eure Pflicht! Zrau Kupfer vor öen Gesihworenen. Nach Eröffnung der Sitzung tritt der Zeuge Fritz Körting irrtümlichen Auffassungen, die sein Verhalten in der Geschäftsver- bindung mit Frau Kupfer erregen könnte, entgegen. Unter anderem wehrt er sich entschieden dagegen, dag er Frau Kupfer„gedrängt" habe.— A n g e k l.: Herr Körting ist in der liebenswürdigsten Weise mir entgegengekommen, als ich Schwierigkeiten hatte.— Konkursverwalter S chm i d t: Frau Kupfer hat bei der gestrigen Vcrhanv- lung erklärt, daß die ihr zugeflossenen Einlagen 3 Millionen Mark betragen. Die Summe ist aber erheblich größer und beziffert sich auf etwa 6 700 voll Mark Einlagen. Dieser Summe stehen allerdings die Rückzahlungen in gleicher Höhe gegenüber. Der Zeuge Buchhalter Baer hat weder die Zinsen noch sein Kapital zurückerhalten, so daß er um 10 000 M. geschädigt ist.— Der Kaufmann B e u r o w i tz aus Königsberg wurde durch den Oberleutnant a. D. Brode auf die Kupferschen Geschäfte aufmerk- sam gemacht und zahlte- zunächst die Summe San 30, 000, M. ein. Der Zeitige war dann selbst in Berlin und mächte Frau Kupfer einen Besuch..„Herr Benrowitz," so schildert die Angeklagte- diesen Be» such,„war sehr rasch, alles wurde nur flüchtig und sckmell besprochen mit dem Ergebnis, daß B. sagte: Ich schicke Ihnen noch 200 000 Mark. Und in zwei Tagen war das Geld da!"— Vor f. (zum Zeugen): Haben Sie etwas herausbekommen?— Zeuge: Nichts!— Vors.: Also 230 000 M. verloren.— Oberleutnant a. D. Brode selbst ist durch Baron v. Zech der Angeklagten zugeführt worden. Er hat nach und nach llöOOO M. eingezahlt und ist im ganzen um� etwa 50 000 M. geschädigt worden, . Der nächste Zeuge, Karl L e n ß e n, ist Bureauchef in einem hiesigen großen Geschäft, in welchem der Zeuge Buismann Bücher- revisor ist. Eines Tages kam letzterer und regte bei zwei Angestell- ten an, ob sie sich an einem sehr lukrativen Lebensmittelgeschäft bc- teiligen möchten, dessen solide Grundlagen er schilderte. Er ist dann als Vertrauensmann zu Frau Kupfer gegangen, um die Angaben nachprüfen zu lassen und hat dieser Prüfung etwa zwei Stunden gewidmet. Frau K. legte ihm dabei die schon erwähnten Doku- mente und gefälschten Liefcrungsverträge vor, ferner allerlei Quittungen, die der Zeuge prüfte und alles in Ordnung fand. Auf seinen Bericht hin haben sich dann seine Chefs und nach und nach verschiedene Angestellte des Geschäfts an dem Kupferschen Geschäft beteiligt und große Einzahlungen gemacht. Die Auszahlung der Gewinne besorgte Buismann, der sie pünktlich durch Schecks auf seine Bank beglich und den Beteiligten 10 Proz. für den Monat berechnete. Es trat dann an die Chefs die Frage heran, ob sie sich an einem Separatgeschäft, bei dem es sich um Lieferung von Tran handele, mit größeren Summen beteiligen wollten. Dies geschah und der Zeuge hat noch einen anderen Herrn zur Beteiligung an- geregt. Im Laufe der Zeit sind 300 000 M. eingezahlt worden, für die Herr Buismann immer pünktlich die Zinsen ablieferte. Als an einem bestimmten Zeitpunkt Verzögerungen sich zeigten, und Frau Kupfer darüber befragt wurde, hat sie zunächst erklärt, daß sie binnen kurzem 100 000 M. zahlen würde und auf weiteres Drängen trat Frau K. an Buismann als Sicherheit für die Gewinnanteile und die Einzahlungen von einer ihr angeblich gegen das 19. Armee- korps zustehenden Forderung von 3 800 000 M. einen Teilbetrag von 1000 000 M. ab. Die Zahlungen erfolgten dann wieder in der ge- wohnten Weise prompt durch Buismann, bis dieser plötzlich im Januar dem Zeugen mitteilte, daß er wegen geschäftlicher Ueber- bürdung nicht mehr in dieser Weise tätig sein könnte und er deshalb die noch bestehenden Einlagen in Höhe von 252 000 M. auf den Namen des Zeugen habe überschreiben lassen, damit er von jetzt ab das J«rkasso selbst besorgen könnte. Aus diesem Grunde ist der Zeuge einer der Hauptgläubiger geworden. Nach einiger Zeit trat dann Frau Kupfer an ihn wegen eines„Sondergeschäfts", das ein Speckgeschäft betraf, heran und alle beteiligten sich auch mit der Summe von 350 000 M. daran. Diese wurde Mitte Januar aus- gezahlt, aber nichts mehr darauf zurückbezahlt, so daß dieses Kapital verloren ging.— Vors.: Ist diese Darstellung richtig, Angeklagte? — A n g e k l.: Ja, ja, natürlich stimmt es.— Bor s. lzum Zeugen): Der Schaden des ganzen Konzerns beträgt also rund 500 000 M.?— Zeuge: Jawohl. Wie dann noch festgestellt wird, haben diejenigen, die mit der Zeit definitiv aus den Geschäften bereits ausgeschieden waren, Kapital und Gewinn voll erhalten.— Zeuge Bücherrevisor Albert Buismann hat sich bei Auskunftsbureaus über Frau' Kupfer erkundigt und zwei günstige Auskünfte er- galten. Dann sei er zu der Angeklagten gegangen und diese habe rt�n Perträge mit Oberstleutnant Diemer, Exzellenz v. Kirchbach und Graf Röhn in Wien vorgelegt, die über die Lieferung von Lebensmitteln. im großen handelten. Daran reihten sich Korrcspon- denzen, Abschlüsse über Käufe usw. Der Zeuge habe einen guten Eindruck gewonnen und Vertrauen zu dem Geschäft erhalten und dieses auch bis zuletzt durckgehalten. Frau K. habe bis ins Kleinste die ganze Entstehungsgeschichte des ganzen großen Unternehmens, dargelegt und u. a. noch betont: Oberstleutnant Diemer habe das größte Gewicht darauf gelegt, möglichst alles, was an Lebensmitteln i irgendwie erreichbar sei, zu erlangen. Der Zeuge hat dann später in Verbindung mit dem Zeugen Lenßen noch einmal die ganze Sache sorgfältigst durchgeprüft und erst als sie beide einen günstigen Ein- druck erhielten, habe er es den Chefs und den Angestellten des Ge- schäfts anheimgestellt, sich zu beteiligen. Es seien dann auch Ein- zahlungen in Höhe von 15 000, 20 000, 25 000 M. usw. erfolgt, zusammen etwa 300 000 M. Dazu kamen dann noch Spezialgeschäfte, bei denen es sicki um ganz große Beträge handelte. Es handelte sich u. a. um eine Lieferung von Tran mit Einlagen von 225 000 M., die Beteiligung an einer Lieferung für Fett an die Heeresverwal- tung mit 213 800 M., an einer iLeferung für Speck mit 225 000 M., an einer solchen für Tran mit 215 000 M. DiegesamtenEin- lagen beziffern sich auf über Millionen Mark. Nach der rumänischen Kriegserklärung habe die Angeklagte dem Zeugen erklärt, sie habe über 1 Million Waren in Rumänien gekauft und fei infolge dieser Kriegserklärung jetzt nicht in der Lage, andere größere Abschlüsse zu betätigen. Angeblich sollten für eine halbe Million Aufträge vorliegen und der Zeuge erklärte sich dann dazu bereit, ihr die dazu nötigen Gelder zu beschaffen. Tie dann weiter bei diesen„Sondergefchäften" sich zeigenden Schwierigkeiten wußte Frau K. wie immer zu bemänteln. Als dann der Zeuge auf Rückzahlungen drängte, trat ihm die Ange- klagte die schon erwähnte Zession als Sicherheit ab. Dabei be- nutzte sie ein mit„v. d. Planitz, Hauptmann.im. PrgpiMtamt Lech- zig" unterzeichnetes Schreiben, worin dem Zeugen mitgeteilt wurde, daß diese. Zession im Betrage- von 1 800.000,, zur Weiter-;. besörderung übernommen sei und der Intendantur eingereicht werde. Eines Tages erzählt« Frau K. dein Zeugen, daß Herr v. Laffert, kommandierender General des 19. Armeekorps und Hauptmann v. d. Planitz in Berlin zur Abnahme einer Lieferung in Berlin anwesend seien und sie den Zeugen mit diesen Herren be- kannt machen möchte. Sie machte dann wieder, als dies geschehen sollt«, allerlei Ausflüchte mit dem Schlußeffekt, daß dicht vor dem Ziel dem Zeugen vorgeredet wurde, daß die Herren leider schon wieder abgereist seien. Dem Zeugen wurde dann gesagt, er würde noch von der Intendantur des 19. Armeekorps eine besonder« Bestätigung über die Zession erhalten. Als diese Bestätigung aus- blieb, schrieb er nach Leipzig, erhielt aber darauf keine Antwort. Er forderte dann sein Schreiben von der Intendantur zurück und erhielt es auch. Als dann die Bestätigung doch ausblieb, machte der Zeuge der Angeklagten Vorwürfe, wurde dann aber wieder beruhigt, da Frau Kupfer inzwischen dem Zeugen wieder größere Zahlungen leistete. Weiter beruhigte sich der Zeuge dadurch, daß ihm Frau K. ein gefälschtes Schriftstück vorlegte, wonach eine Auszahlung von 3 800 000 M. am 15 Dezember 1916 erfolgen sollte. Der Zeuge entschloß sich dann, der Sache auf den Grund zu gehen und schrieb einen Brief an den Oberstleutnant Diemer, in dem er ihm die ganze Situation klarlegte und um Auskunft über die Sache bat. Darauf erhielt er, wie er bekundet, eine ganz kurze Antwort, die dahin ging: Oberstleutnant Diemer sei nicht beteiligt an der Firma Kupfer. Dieses kurze Antwortschreiben habe ihn eigentümlich be- rührt; er sei mit dem Brief zu Frau K. gegangen. Diese ant- wortete ihm: Diesen Ausgang hätte sie ihm von vornherein sagen können, solche separaten Anfragen an ihren Schwager Diemer hätten gar keinen Zweck. Wenn er etwas unternehmen wolle, solle er sie doch erst fragen. Er habe sich nun gedacht, der Oberstleutnant Di eurer werde mit der kurzen Antwort nur eine Verlegenheitsausvede gemacht haben. Da es ihm aber doch peinlich sein müsse, als Oberstleutnant in einem solchen Vrtrage als Teilnehmer genannt zu werden, würde er doch wohl der Sache auf den Grund gehen müssen, und der Zeuge hat deshalb gemeint, daß es mit der kurzen Antwort nicht abgetan sein würde. Die Angeklagt« hat dann noch einmal Theater ge- spielt, indem sie dem Zeugen vorredete, Exzellenz v. Kirchbach käme nach Berlin und bei diesem könnte er sich ja über die ganze Sach-- läge erkundigen. Sie verabredete auch mit dem Zeugen ein Zu- sammentreffen im Hotel Adlon, und als er dort erschien, war zwar Frau Kupfer dort, nicht aber Exzellenz v. Kirchbach. An- geblich sollte er„soeben zum Kriegsmi n i steri um gegangen" sein und in nicht bestimmbarer Zeit zurückkehren. Der Zeuge konnte diese Rückkehr nicht abwarten. Er hat dann vergeblich versucht, von Schimmclpfennig Auskünfte über Frau Kupfer zu erhalten und hat sich dann an das Bureau Easpari Roth-Rosti gewandt. Schließlich ist die Sache ins Rollen gekommen und Frau Kupfer verhaftet worden. Zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Zeugen und dem Justizrat Dr. Löwen st ein, dem R.-A. K a l i s ch e r, dem Konkursverwalter Schmidt kam es dann bei der Berechnung der Gewinne, die der Zeuge gehabt hat. Er be- streitet, daß er bei den Transaktionen so viel verdient habe, wie behauptet worden und gibt seinen Gewinn auf etlva 150 000 M. an. Persönlich habe er keinen Schaden erlitten, dagegen seien die Unterteilnehmcr wesentlich geschädigt worden. Nach der Mittagspause wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Der Sprachlehrer Wilh. A u g s p u r g hat sich be- müht, für Frau Kupfer Einleger zu besorgen. Von einem der- selben hat er 3 Proz. Provision erhalten. Frau Lilli Baum, die Frau eines Berliner Arztes, hat. nachdem sie bei der Ange- klagten die mehverwähnten Dokumente und Briefschaften einge- sehen, 30 000 M. eingezahlt und zunächst einen Gewinn von 3600 Mark erhalten� Eine zweite Einlage betrug 20 000 M., von der sie nichts zurückerhalten hat. Ihr Schaden beträgt 16 400 M., doch bat die Zeugin für die Zuführung eines Vetters eine Pro v is ipa von 200 M. erhalten.?? Eine Kellner- frau Anna B o l d i, deren Mann eingezogen ist. Hai Frau Kupfer durch einen„möblierten Herrn", der bei der Zeugin wohnte, kennen gelernt. Sie hat van ihren Ersparnissen auf die Anregungen der Angeklagten verschiedentlich Summen hingegeben, die sich durch Siehenlassen der Gewinne(10 Proz, alle 14 Tage) schließlich bis auf 50 000 M. anhäuften. Frau Kupfer bat die Zeugin mehrfach, das Geld nun abzuheben, was aber nicht geschah. Der Schlußeffekt war der, daß die Zeugin von den ursprünglich eingezahlten 13 000 M. nur etwa 200 M. zurü�i- erhalten hat.— Auch eine Hausnachbarin der Angeklagten, die Seifenhändlerin Frl. Brzhginski, hatte sich mit mehreren tausend Mark beteiligt. Ziffernmäßige Angaben über das Auf und Ab ihres Kontos bei der Angeklagten kann die Zeugin nicht machen, sie nimmt an, daß sie mehr eingezahlt als herausbe- kommen habe. Die Zeugin mutz aber zugeben, daß Frau Kupfer ihr mehrfach Geld gebracht, daß sie dieses aber nicht angenommen, sondern weiter habe stehen lassen.— Nachdem noch eine Hebamme Margarete Diekmann vernommen worden, die einen Schaden von 640 M. erlitten hat. wird die Sitzung auf Freitag ver-tagt. GroßSerün Hegen Zurückhaltung vone« Dt,»!»««»'. Laut« unä kolgonds Tage 8 Uhr: Max Pallenberg in Familie wchlntck. K»in ni erspiele. Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: Die Tlinzerin (mit Leopoldine Konstantin). Tolksbühne-Theat. a.BDIowplatz. Untergrandb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage 7'/, Uhr: JMe Königin der I iis». lLessInsr-Theater. Heut« u. folg. Tage 8 Uhr: Maria Ottmann u. Hans WaSmann in MSmI* a Oper. v.O Blumenthal. ralUMBa Musik v. Osk. Straus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater!. d. Koniggratzer Str. 8 Uhr: Schnltaler-Abend. Komödienhau$ 8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 72° Uhr: Die tolle KomteB. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Torpedo-Oberleutn. a. D. P. F. Kühl; Der Möve klug. RosesTheater. �.mr- Der Mann seiner Frau. Gartenb.: Berlin wie es liebt u. haBt. Älpollo «nePRICHSTR AN• PfR- KOCH5TH- AUabendlich 7-/, Uhr; Das vieldelttge Varie�-Programm! �llie� Spezialitäten. V oigt-Theater. Badatr. 58. Badstr. 58. Täglich große Extravorsteiiung. Pieper und Sperling Grftklasfiges Spezialitäten-Programm. Ans. Sonntags 4. wochent.'1,5 Uhr. Admirals-Palast. Abrakadabra geolles phantastisches Ballett anf dem Else. Angenehmer kOhler Aufenthalt 7'l, Uhr. VorzBgl. Küche. 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Ausfuhrt. 60 8. starke Broschüre Uber bestandene Examen, Beförderungen im Amte, im kaufmännischen leben usw. kostenl. durch Bonness&Hachfeld, Potsdam Postfach 224. Plötzlich und unerwartet ist unser Inspektor Theodor Hartmann im Alter von 48 Jahren infolge Gehirnschlags gestorben. Der Heimgegangene war seit zirka 6 Jahren in eifrigster, treuoster Pflichterfüllung bei uns tätig bis i hn mitten in der Ausübung seiner Dienstpflicht, der er sich immer mit größtem Interesse hingab, der Tod gestern abend abrief. Wir werden diesem guten, tüchtigen und ehrenhaften Beamten, der allen seinen Mitarbeitern nahe gestanden hat, allezeit eine dankbare Erinnerung bewahren. Berlin, den 27. Juni 1917. B005L Die Direktion der Löwen-Brauerei A.-G., Berlin-HohenscbSnbaasen. Am Mittwoch, den 27. Juni, abend? entschlies nach kurzem, aber schwerem Krankenlager meine liebe Frau, unsere gute Mutter. Schwiegermutter, Grotzmutter und Tante Pranilsks Wenzel geb. Schrepffer im 46. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wenzel. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 30. Juni, nach- mittags 4fl, Uhr, von der Leichen- halle des Parksriedhoses in Lichter- selde aus statt. Strahenbahnverbindung: Lichter- selde, Händelplatz— Parksriedhos. Soziaiiiemokpat, Dezirksverein llchterlelde. Den Mitgliedern geben wir hier- mit geziemend Kenntnis von dem Abieven unseres langjährigen Partrimttgttedes. der Genossin zrauPnmzlsltt Wenzel. Die Beerdigung findet stall am Sonnabend, den 30. Juni, nach- mittags i'l, Ubr, von der Leichen- balle des hiesigen Parksriedhoses aus. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Brzirksteifung. Die Einäscherung unseres ver« storbenen Mitgliedes, Herrn Franz Virgens Cöpenick, Flemmingstrahe 12, findet morgen Sonnabend, nach- mittag« 5 Uhr, im Krematorium Treptow-Baumschulenweg statt. Ehre seinem Andenke«! Spezialarzt 1 Dr. med. Colemann für Haut-, Harn-, Frauenleiden J nerv. 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Juni, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des Gemeinde-FriedhoseS, Humboldtstratze aus statt. velllMrüIetsIIüriieiterTerdäiii! Verwaltungsstelle Berlin. Nachrufe. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Wilkelm Kurth am 19. Juni au Halsleiden ge- starben ist. Den Kollegen ferner zur Nach- richt. datz unser Mitglied, der Heizungsmonteur tteinrich Schäfer, Uirechter Str. 23, gestorben ist. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Schlosser Kurl Schubert am 25. Juni an Lungenleiden gestorben ist. Ghre Ihrem Anbenfen! 177/2 Tie Qrtsverwaltnng. Am 16. Juni fiel aus dem Knegsschanplatz durch eine Flieger- bombe unser sniherer langjähriger Mitarbeiter und lieber Kolleg-, der Schriftsetzer Alexsvller EleAerl. Sein liebevolles Wesen und sein biederer Charakter wird dauernd in llkhren gehalten werden. 2738b Gleichzeitig erhalten wir die traurige Nachricht, datz unser lieber Kollege, der Maschinen- meister Otto Hammers am 10. Juni im 30. Lebensjahre femem Leiden erlegen ist. Auch diesem Kollegen wird ein ehrendes Andenken bewahren Das Personal der Kgl. Hefbuch- d nickerei E. S Mittler und« IS» «erlin Gürl.»f.(ab KP»)—Görlitz (an 2�)(— Breslau) in Schnell-(D-) Züge umgewandelt. 262/7 lemewoiai SH> W einer I-elbbinde? Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Mäßanfertigung sowie Bruchbandagen � Artikel z. Gesundh.- u. Krankenpflege pollmann, Bandagist Berlin H., Lothringer Str. 60.• Lieferant für Krankenkassen. H.PIau. Bamasisi Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alepanderplae und Polizeipräsidium.— Amt Kst. 3208. für Oamen Frauen-Bedienung.* Liejerant jür alle SrauteukOffem Ur. 175— 1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Irektag, 29. �uni Die preobrafhenzen. Aus den Petersburger Revolutionstagen. Das russische Garderegiment Preobrasbensk hat eine revolutio- nitre Tradition, die schon im Jahre 1741 einsetzt, als die Garde Peters des Großen Tochter Elisabeth auf den Thron erhob. Bei der Dekabristenrcvolution 18So spielten wiederum Offiziere der Preobrashenzen eine wichtige Rolle, und vor zwölf Jahren war die „Meuterei" des ersten Bataillons des alten Regiments eine der schwersten Erschütterungen, denen damals der Zarismus ausgesetzt war. Als sie unterdrückt war, wurde das Bataillon aufgelöst, der Kommandeur, General Godon, verlor seine Titel und Würden, die übrigen Offiziere wurden nach Sibirien verschickt. Aber der Geist der Preobrashenzen war nicht zu ersticken. Sie haben auch an der neuen Revolution einen großen Anteil. In der„Rjetsch" wird nun, wie wir der„Frkf. Ztg." entnehmen, die Haltung des Regiments während der kritischen Tage eingehend geschildert. Es geht daraus hervor, daß Offiziere der Preobrashen- zen schon an der Beseitigung Rasputins beteiligt waren und daß einige junge Offiziere, Nachkommen der Dckabristen, selber eine Revolution in Szene setzen wollten. Es sollte anders kommen. Die Revolution brach in den untersten Schichten des Volkes aus und die ersten Truppen, die sich ihr anschlössen, loaren die Leute vom Wolhy- nischen Regiment. Diese haben dann den Anschluß des größten Teils der Preobrashenzen herbeigeführt, die ohne ihre Offiziere zur Revolution übergingen, während ein Teil des Regiments, von den Offizieren angeführt wurde; diese Leute waren es, die sich als erste dem Dumapräsidcntcn Rodsjanko zur Verfügung stellten. In der Taurischen Kaserne, dem Standquartier des größten Teils der Preobrashenzen, wurden die Truppen am 10. März mobil gemacht, um gegen die drohende Bevölkerung verwendet zu werden. Als man den Mannschaften scharfe Patronen ausgab, erklärte Major Leontij Elliot, er werde nicht aufs Volk schießen, und die Unteroffiziere sagten jedem einzelnen Mann, man erwarte, daß alle Patronen wieder ungebraucht zurückgebracht werden. Am nach- sten Tage(Sonntag) wiederholte sich dieselbe Szene. Am Montag <12. März) früh hörten die Preobrashenzen, die auf dem Kasernen- Hof übten, in dem anstoßenden, durch eine hohe Mauer abgctrenn- ten Hofe des Regiments WolhhnSki großen Lärm. Die Leute dieses Garderegimcnts, die sich der Revolution schon am Sonntag ange- schlössen hatten, forderten das Preobrafhenskiregiment auf, dasselbe zu tun. Eine allgemeine Verbrüderung folgte. Dann marschierten die Manirschaften nach dem Arsenal des Regiments Litowsk und nahmen die ganze Munition an sich, die sie dort fanden. Dann setzte sich der Zug, die Musikkapelle an der Spitze, in Bewegung. Aus der Kaserne des Sappeurregiments an der Kirotschnaja-Straßc wurden einige Schüsse abgegeben, dann schloffen sich aber die Sap- peure den Gardisten an. Einen kurzen Aufenthalt gab es noch an der Gendarmcrickascrne, aus der etwa 20 Gendarmen herausgeholt wurden. Es war etwa neun Uhr, als der Zug ans dem L i t e i n h- Prospekt eintraf, der auf die Alexanderbrückc hinführt, durch die man das Wyborgcr Virtel erreicht, eines der größten und von der Revolution am stärksten ergriffenen Arbeiterviertel Peters- burgs. Dem Krcisgericht am Liteinh-Prospekt gegenüber steht eine große Gewehrfabrik, deren Arbeiter die Slrbeit einstellten und auf die Straße gingen. Da zu jener Zeit das Regiment Moskau, dessen Kaserne auf der Wyborger Seite steht, sich der Revolution noch nicht angeschlossen hatte, drängten nun die Führer der Gardisten darauf, sofort über die Brücke vor die Moskauer Kaserne zu ziehen. Die Brücke aber war ein ernstliches Hindernis. Man wußte, daß man sie von allen Seiten beschießen konnte. AIS die ersten Mann- schaffen auf der Brücke erschienen, ging in der Tat ein Maschinen- gewchrfeuer los. Zwei Leute vom Preobrafhenskiregiment fielen. Da stellte sich ein Unteroffizier namens N o w i k o w, der das Georgskrcuz im Kriege verdient hatte, auf ein Automobil, nahm die Büchse in die Hand und fuhr schießend über die Brücke. Hinter ihm folgten die Tausende von Soldaten der beiden Garderegimentcr. Vor der Moskauer Kaserne stießen sie auf andere RcvolutionS- truppen, auf Arbeiterscharen und auf einige mit Maschincngeweh- ren bewaffnete Automobile. Aus der Kaserne heraus wurde ge- schössen. Schließlich gelang cS, die Tore der Kaserne aufzubrechen, worauf einige Leute des Moskauer Regiments herausgeholt wur- den, die erklärten, daß der größte Teil ihrer Kameraden von den Offizieren eingeschlossen wurde; nur ein..Lehrkommando" war der alten Regierung treu geblieben und schoß. Es begann eine regel- rechte Belagerung, und man versuchte eine Umgehung, inzwischen hatten sich aber die eingeschlossenen Moskauer befreit und schlössen sich den Revolutionären an. Ilm zwei Uhr mittags ging auch da? Lehrkommando zur Revolution über, so daß die Schießerei cinac- stellt wurde. Dutzende von Toten und Verwundeten lagen um die Kaserne herum. Als die Truppen zurückmarschicren wollten, wur- den sie auf dem Sampsoniewski-Prospekt aus der Gcndarmerievcr- waltung heraus beschossen. Sofort eröffneten sie ein wütendes Feuer gegen das Gebäude und als ein einziger Soldat„Hurra" rief, stürmten Tausendc das Haus, das in wenigen Augenblicken völlig zerstört wurde. Es war drei Uhr nachmittags geworden. Während der größte Teil der Gardetruppen in die innere Stadt zurückkehrte, marschierte ein Teil nach der R e i ch s d u m a, wo zur selben Stunde die entscheidenden Beschlüsse gefaßt wurden. Ganz anders verliefen die kritischen Tage für das in der Millionnaja-Straße stehende Bataillon des Regiments. Die Ka- ferne dieses Bataillons ist an die Kaiserliche Eremitage angebaut, die mit dem Winterpalast verbunden ist, so daß die Truppen, ohne auf die Straße gehen zu müssen, durch lange Korridore in den Palast geführt werden können. Natürlich legte man in diese Ka- ferne immer solche Truppenteile, die als besonders„zuverlässig" galten. Freilich hatte man sich in der Auswahl geirrt... Schon am 9. März wurde eine Kompagnie unter dem Befehl de? Hauptmanns Skrhpizhn, der 28 Monate lang an der Front ge- standen und alle Kriegsauszeichnungen erhalten Haffe, ausgeschickt, um den Zugang vom Newski-Prospekt zum Schlößplatz vor dem Winterpalast abzusperren. Den ganzen Tag hindurch bemühten sich die Offiziere, der immer bedrohlicher anschwellenden Menschen- menge freundlich zuzureden, um ein Unheil zu verhüten. Gegen Abend wurde das Drängen so stark, daß ein Polizeioberst den Hauptmann aufforderte, eine Salve abgeben zu lassen. Skrypzhn erklärte ihm ruhig, daß dann die ersten Kugeln die Polizei und ihren Obersten treffen würden, worauf die Polizisten zurückgezogen wur- den. An den beiden folgenden Tagen wiederholte sich dasselbe. Am 12. März aber beschlossen die Offiziere, ihre Truppen, 1500 Mann, vor dem Winterpalast aufzustellen und den Versuch zu unternehmen, alle anderen Garderegimenter zuni Anschluß zu bewegen. Das Los war geworfen. Die Offiziere hatten sich für die Revolution erklärt, die swon ganz Petersburg ergriffen batie, aber nun den ersten fest organisierten Rückhalt bekommen sollte. Sofort wurde ein Auto- mobil beschlagnabmt, auf dem einige Offiziere der Preobrashenzen nach den Kasernen anderer Garderegimentcr, des Regiments IS- mailow, Semjonow, der Gardejäger fuhren. Allmählich kamen von andern Truppenteilen Abordnungen auf den Schloßplatz. Haupt- mann Skrhpizhn begab sich inzwischen zum Stadthauptmann Cha- balow, um ihn zur Einstellung der blutigen Schießerei in den Vor- städtcn zu bewegen. Der Stadthauptniann drohte den Gardekopi- tän zu verhaften, es war aber offensichtlich, daß der Chef der Polizei den Kopf völlig verloren hatte. Skrhpizhn fuhr dann in die 5da- ferne des Regiments Pawlow, daß bald darauf mit allen Offizieren und mit Musik auf dem Schloßplatz eintraf. Die Garderegimentcr Jsmailow und Semjonow dagegen blieben an». Den ganzen Tag standen die Truppen auf dem Schloßplatz. Beim Dunkelwerden besetzten die Preobrashenzen und andere Truppenteile den Winter- Palast, den aber die Leute vom Regiment Pawlow sofort wieder ver- ließen, weil sie einen Hinterhalt fürchteten. Ilm sieben Uhr abends traf die Nachricht ein, daß die Duma eine provisorische Regierung eingesetzt habe. Nun fürchteten die Offiziere, die Besetzung des Winterpalastcs könnte falsch ausgelegt werden und ließen die Truppen durch die Korridore in die Kaserne ziehen. Dort fand im Offizierskasino um acht Uhr abends eine Beratung statt, in der end- gültig beschlossen wurde, die provisorische Regierung anzuerkennen. Die Mannschaften nahmen die Nachricht mit Jubel auf. In der Frühe forderten die Soldaten, auf die Straße gefiihrt zu werden, um an den noch nicht erloschenen Kämpfen teilzunehmen. AIS das Bataillon in Marschkolonne mit der Musikkapelle bereit- stand, beschlossen die Leute, zunächst nach dem Taurischen Palaste zu ziehen. Kaum waren sie abmarschiert, als der Abgeordnete Schidlowski im Automobil vor der Kaserne vorfuhr und die Offi- ziere, die dort zurückgeblieben waren, in das Dumagebäude einlud. Zwei weitere Automobile wurden requiriert und dann fuhren die drei Wagen, über und'über mit Offizieren beladen, mit roten Fahnen und Bändern geschmückt ,in den Taurischen Palast, wo die Preobrashenzen der übrigen Bataillone schon versammelt lvaren. Das Regiment wurde die Kcrntruppe der Revolution, feine Kanzlei verwandelte sich auf einige Tage in ein Kriegsministerium und Hauptquartier zugleich. Ein Sahnbrecher öer Sehirnforschung. Die Gehirnforschung, deren für die Kenntnis des Zentral- Nervensystem« überaus wichtige, heute geradezu unentbehrliche Er- gebnisie hauptsächlich auf dem Wege über Deutschland der intcr- nationalen Wissenschaft übennittelt wurden, baut sich auf den Arbeiten deS deutschen Gelchrtcu Paul Flechsig auf, dessen 70. Geburtstag am 29. Juni eine wenigstens kurze Würdigung der Hauptzüge seines Lebenswerkes erfordert. Paul Flechsig wuchs in Zwickau auf, wo er hauptsächlich durch Robert Schumann bedeutende geistige Anregungen empfing, hierauf studierte er in Leipzig, um sich dann als Assistent Wagners zuerst zu beiätigen und endlich ganz der pathologischen Anatomie zuzu- wenden. Ein Wendepunkt seines Lebens war es, wie F. Muenfel in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" au?- führt, daß er im Jahre 1873 als Mitarbeiter Karl Ludwigs in dessen Leipziger Institut eintrat, das damals im Mittelpunkt der deutschen medizinischen Forschung stand. Der Förderung, die dem jungen Gelehrten in diesem Institut zuteil wurde, ist nicht zuletzt seine erste, 1873 erschienene große Arbeit zu verdanken, die wesentlich Neues über„die Lettungsbahnen im Gehirn und Rückenmark des Menschen auf Grund'entwicklungSgeschichllicher Untersuchungen" brachte. Die Bedeutung des Werkes erscheint erst im rechien Licht, wenn man den damals noch ziemlich niedrigen Stand der Lehre vom Bau des Rückenmarks und Gehirns in Betracht zieht. Man tastete noch in den Einzelheiten und erging sich infolge kühner, aber zu phantastisch spekulativer Untersuchungen selbst in den elementaren Dingen dieses Wissenszweiges noch auf Irrwegen. Erst Paul Flechsig blieb es vorbehalten, mit voll- kommenster Klarheit Form und Lauf bestimmter zusammen- hängender Bahnen darzulegen, so daß alle späteren Forschungen sich notwendigerweise auf diesem Werke aufbauen mußten. Flechsig war weiterhin klinisch-pshchiatrisch als Lehrer tälig, erblickle aber stets seinen Hauptberuf in der Gehirnforschung, die ihm zum Spezialstudium wurde. Ihm ist es zu danken, daß inan endlich in das bisher unerforschte Großhirn Einblick gewann und sich auf eine klare natürliche Gliederung deS Gehirns zu stützen vermochte. Darum ist eS nicht weiter erstaunlich, daß Flechsig, der das moderne Wissen vom Zentralnerven- system und besonders vom Gehirn erst richtig erschloß, auch außer- halb der Grenzen Deutschlands zu einer überragenden Erscheinung wurde. Seine Ernennung zum Ehrendoktor von Oxford, zum Ehren- Mitglied der Universität Dorpat, sowie zahlreicher amerikanischer Universitäten und die ihm geltenden akademischen Ehren ans aller Herren Länder, denen erst der Kriegsausbruch ein Ende bereitete. sind Beweise genug für die Stellung, die dieser deutsche Bahnbrecher der Gchirnforschnng mit vollstem Recht in der gesamten wissen- schastlichen Welt errungen hat. Suttermilch. Wie so manche?, was man früher gering schätzte, findet setzt die Buttermilch, die gerade in den letzten Zeilen in etwas größeren Mengen ans den Markt gelangt ist, mehr Beachtung, und es wird damit nur ein Unrecht aus der vergangenen FriedenZzeit wieder gutgemacht. Wie Dr. Kleinböhl in der„Deutschen NahrungSmitlcl- rundschan" schreibt, sagt ein altes Sprichwort:„Buttermilch ans dem Kübel, vertreibt alle Uebel". Tatsächlich übt auch die Butler- milch bei Verdauungsstörungen und Magenleiden einen sehr wohl- tätigen Einfluß aus, der wahrscheinlich durch die Wirkung der Milch- säure bedingt ist. Durch die Anwesenheit von Vtilchsäure wird das sonst nicht leicht verdauliche Milcheiweiß, der Käsestoff oder das � Kasein, verhindert, sich in feste Klumpen zusammenzuballen. Es entsteht ein seinflockiges, leicht veldauliche? Gcrinsel. Ferner zcichncr sich die Buttermilib durch einen hohen Gehalt an Lecithin aus, einer sehr geschätzten phosphorhaltigen Eiweißverbindung. Durcki einen Vorgang, der noch nicht ganz aufgeklärt ist, scheidet sich beim Buttern das Lecithin ans und geht in Buttermilch über. Dadurch wird der Gehalt an Lecithin in der Buttermilch ein bedeutend größerer als in der gewöhnlichen Milch. Wenn man Buttermilch stehen läßt, bildet sich sofort eine molkehaltige wässerige Oberschichl, und es ist daher sehr zu empfehlen, die Buitermilch vor dem Ge- brauch gut durchzuschütteln. Ein einfaches Umrühren genügt nicht, um eine glcichniäßigc Verteilung' zu bewirken. In einigen Orten Deutschlands ist die Wertschätzung der Buttermilch bereits so groß geworden, daß sich die Städter veranlaßt sahen, auch hier eine Rationiennig herbeizuführen und sie dem Kartcnzwang zu unter- werfen. Notizen. — Vorträge. In der Treptow Sternwarte spricht am Freitag 8 Uhr Dr. Archenhold über„Die neuesten'Er- gcbnisse der Sonnensorschungen, insbesondere über die Einflüsse der Sonnenflecken auf irdische Erscheinungen".— In der U r a n i a spricht am Sonnabend Prof. Scknvahn über die Erscheinungen auf der Sonne im Anschluß an die Sonncnflecken. — Eine Sommeroper im Schiller-Theater 0. wird von Frau Direktor Frida Fürst geleitet werden. — Ein neu entdeckter Rem brau dt. Im Hohenzollern- Mufeum ist vorübergehend ein bisher unbekanntes Bild von 31cm- brandt ausgestellt worden, das Geheimrat Seidel in den Bilder- Vorräten der königlichen Schlösser aufgefunden hat. Es stellt da? Brustbild eines Mannes von ausgesprochen slawischem Typus dar und wird von Bode in Verbindung gebracht mit einer Gruppe von Bildnis studien nach russischen Geistlichen und Pilgern, mit denen Rembrandt im Jahre 1601 wahrscheinlich in Amsterdam in Be- rllhrung gekommen sein muß. 36) Oer starte Nlann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Hatte sich die Volkswut in diese berauschte Schlächterscelc verkrochen, um aus dem Hinterhalt doch noch ein blutiges Opfer zu heischen? Adolf Lenggeuhager sah in der Wut- verzerrten Miene deS Halbtiercs nicht den blinden Zufall. den zu bändigen die Kraft und Gewandtheit seines Armes wahrscheinlich genügt hätte. Dieser Eine verkörperte ihm alle... Der leibhaftige Demos glotzte ihn aus den besudelten Zügen an; der ekelerregende Hauch des Aufruhrs entfuhr den fletschenden Zähnen. Blitzschnell trat der Gefährdete zurück; ein leises Knacken in der Manteltasche verriet den furchtbaren Vorsatz— ein Ruck — ein Knall, und der freche Angreifer wälzte sich tödlich ge- troffen im Schnee. Die eine Schrcckenssekunde genügte. Der Offizier ließ die Hand mit dein Revolver nicht sobald sinken und rührte sich nicht von der Stelle. Aber kein Arm erhob sich mehr zum Schlage. Nur ohnmächtige Blicke, unterdrückte Alüche sprangen gegen den Ueberlcgenen an. Etliche schrien aus Leibeskräften nach der Polizei. Als diese kurz darauf auf dem überlaufenen Platze erschien, sagte Lenggeuhager kurz und widerwillig:„Ich habe diesen Kerl da nieder- geschossen, weil er gegen mich handgemein wurde!" Weder seine Miene noch seine Stinime verriet eine Regung des Eni- sctzens oder des Bedauerns. Dem Sprecher war im Gegen- teil anzumerken, daß die rasche Tat keinerlei Unordnung in sein Fühlen und Denken brachte. Während die Spieß- gesellen des Opfers Mord und Totschlag schrien, und einige versuchten, den Leblosen aufzurichten, gebot der Offizier einem Augenzeugen, den Vorgang zu berichten; sodann gab er seinen Namcu an mit dem Bemerken, daß er nötigenfalls in der Kaserne zu finden sei. Um die weiteren Borgänge und das Geschrei„Ver- haftet den Mörder!" kümmerte er sich nicht. Unbehelligt schritt er an den aus allen umstehenden Häusern und Straßen herbeieilenden Nachtgestalten vorüber, und wenn ihn jemand zu fragen wagte, ivas denn geschehen sei, blickte er nur stumm in die Luft. Er ivunderte sich selbst über seine vollkommene Seelenruhe. Sic entsprang dem klaren Bewußffcin, die Ehre des Standes gewahrt und der zügellosen Herde einen weithin schallenden Streich versetzt zu haben. Viertes Kapitel. Erschöpft vom ersten Ausmarsch und der Gefechtsübung in der stechenden Aprilsonne, der erschlaffenden Frühliugsluft und dem anstrengenden Gelände erklonmi das heimkehrende Bataillon den Hügelrücken, der das Stcinachtal vom Treu- städter See trennt. In den halbaufgelösten langen Kolonnen herrschte nicht mehr die morgendlich überschäumende Lust zu Lied und Scherz; stumm schloß sich Gruppe an Gruppe und mitleiderregend hingen die schwcrbcpackten Oberkörper vorne über. Das gesuudhcitstrotzeude junge Volk hatte des Tages volle Kraft dem Vaterland dargebracht, wie Dung auf Feld und Flur gestreut. Jetzt aber hieß der dumpfe. Mann für Mann beseelende Marschgedauke; Genug für heut', genug für heut' I Kattm reckten sich, aus der Höhe an- gekommen, einige Hälse im Angesicht der strahlend weißen Oberlandfirnen, die dem längst ergrünten Hügclsaum am See majestätisch über die Schultern schauten. Der prächtige Kranz besonnter, sich spiegelnder Dörfer und Städte ver- mochte die aus den Höhlen schwellenden Augen nicht eine Minute zu fesseln; diese suchten in dem dichten Häuser- getvimmel zuerst einmal das vertraute Bild der Kaserne mit dem großen Uebungsplatz am untern Stadtzipfel und maßen die beträchtliche Strecke, mit der die bleiernen Füße und schlappen Gelenke noch fertig tverden mußten. Ein kühler Trunk, eine wohlige ssiast I Diese zwei Wunschgestaltcn — ein weißer, ein blauer Pfau— schlugen ununterbrochen das Rad in den glutheißen Köpfen. Kein anderer Gedanke konnte gegen die tropische Begierde aufkommen. DaS Bewußtsein von Zeit und Raum gipfelte in der diistcren Vor- stcllung, daß bis nach erfolgter Reinigung— die meisten sahen aus. als hätten sie im Straßcnkot gelegen— noch eine geschlagene Stunde, das hieß eine halbe Ewigkeit verstreichen werde, Au der Spitze des bcrgankeuchcndcn Zuges ritt Oberstleutnant Hugcntobler neben Major Zicgter und Oberleutnant Lenggeuhager. Die drei Sattelfesten hatten es leichter, ihre Blicke über die ausgebreitete Frühlingsherrlichkcit schweifen zu lassen. Doch vermochte sie keinem von ihnen sonderlich inS Herz zu leuchten. Dieser Tag hatte auch ihre Kräfte einigermaßen mitgenommen. Selbst Adolf Leuggenhager saß nicht so rüstig und keck wie sonst auf seinem Braunen. Hin und wieder wandte er sich nach der Marschkolonne um, wobei er die Linke gegen die Kruppe des Pferdes stemmte und sich in den Bügeln halbtvcgs aufrichtete. Es war ihm hierbei jedoch nicht darum zu tun, die Mannschaft zu niustern oder anzuspornen. Er blickte auf die verdrossene Schar. die sich stumpfsinnig bergan schlängelte, welliger wie ein Befehlshaber, sondern mehr wie einer, der im stillen Abschied nimmt von einem vertrauten Bilde. Seit Wochen ritt er gleichsam von einem blutigen Tatort hinweg, suchte er seinen festgefügten Alltag wieder zu er- reichen. Es gelang ihm nickst. Die düsteren Ereignisse jener Märzuacht folgten ihm auf Schritt und Tritt, im Schlaf wie im Wachen; sie umzingelten sein Dasein. brachten feindliche Mächte gegen ihn auf und gruben ihm das Wasser ab. Suchend glitt sein scharfer Blick über die gesenkten Köpfe der Soldaten. Auch in diese Reihen war die Rachsucht� der Gasse eingedrungen; sie verfinsterte die jungen Seelen, sobald Oberleutnant Lenggeuhager vor sie hintrat, ihre Leistung tadelte oder Be- fehle erteilte. Dagegen hals Iveder vermehrte Strenge noch freundlicher Zuspruch. Das Vertrauen der Mannschaft zu dem selbstbclvußtcn Jnstruktor ging gänzlich in die Brüche. Nun hatte sogar die oberste Behörde die Axt an seine Existenz gelegt und ihm eröffnen lassen, daß er bis nach den Verhandlungen des Militärgerichts beurlaubt sei. Diese Maß- regel, welche nur die Fürsprache seines Gönners bislang ver- hinderte, warja leicht zu verstehen. Der Mann, dessen Name, dessen Taten tagelang wie mit einem Schallrohr ausposaunt, kritisiert und verlästert wurden, mußte im Interesse der Ordnung vom Schauplatz verschwinden, bis eben genügend GraS darüber gewachsen war. So gern Lenggeuhager dieser Sturmflut getrotzt hätte— schließlich sah er die Notwendigkeit seines Abgangs vom Trcustädter Waffcuplatz selber ein. Die Per- sou und ihr gutes Recht sollte dem heillosen Vorurteil der breiten Masse, ivenn auch nur zum Schein, geopfert tverden. Väterlich wohlmeinend hatte ihm der Chef den Standpunkt der Behörden klar gemacht. Tie von gewerbsmäßigen Volksverhetzeru geschürte Empörung war zur verheerenden Lawine cmgcschwollen. Die gute Sache kam in Gefahr. Es galt allen Ernstes, diesem abbauenden Treiben Halt zu gebieten, und da die Behörden den mißliebigen Federfuchsern das Handwerk nicht legen konnten, mußte vor- läufig eben der Stein des Anstoßes beseitigt tverden. (Forts, folgt.) Oewerk schaftshaus. , Sonntag, den 1. Juli 1917 J», herrlichen Naturgarten, genannt die Oase des Oftens: I>®p|9d-Koiizert. Ter Götterbaum in voller Blüte. Fruchtkaltschale.. Steinbutt Hollandais Spinat mit Ei.. Sonntag mittag: 0,30 2,00 2,00 Fettente..... Rehkeule.... Kompot oder Salat 3,00 3.00 0,40 Abends: Ein gr, Posten und a Portion 4)— ■W Sonnabend: Sin sehr billiger Schnellverkauf �AntttAtPU« snfh 7� von schweren, fetten tt Psd, Kanmchen-Kasseler.........- Pfd. 5»oo Fettlsühner, Fettenten u. Fettgänse. Ein großer Posten Bcschlagnahmefreie Mengen gebrauchter Sektkorken! Weinkorke« Z» Pf. d»S Stück 4 Pf. ?e!lu!oill-fllm' Luttsperchs- Hartgummi- Nschzmslaen- SchsIIpiatten- Abfälle kauft OBHlotvei- t» in. b. H. L Kcorgenkirchftr. 50, 6. Alexand erplatz. 9—12, 3-6 Uhr. 54/9* Spezial-Arzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 sSä Behandt. Bon Syphilis, Haut-, Hapn-,FranenIeld.,fpeä.chron. Fälle. Ehriich-Hata-Kuren, schmerz. lose, kürzeste Behandlung ohne Be- russstörnng. Bwtuntersuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. 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Privat oder Fabrik. Mittler, Rcinickendors, Herbststraße 13.+54 Botenfrau, Tour Remickendors- Wcst. steM ein Kienait, Borsigwalde, Räuschstraßc 10,„Vorwärts"- Spedition.____* Zeitungsnusträgerin sür große Tour mit Hilse sosort einzustellen. Vorwärtsspcdition Moabit, Wilhelms- havenerslraße 48, von 11— l'/a und 4 Vi— 7 Uhr._'* Zeitungsausträgerin verlangt Bercndsec, Steglitz, Mommsenstr. 59. ZeitungSträgeri» sofort verlangt. Spedition Lichtenberg, Bartenberg» straße 1, Laden.* Frauen. zum Zeitungsaustragen sucht„Vorwärts'-Ausgabestelle All- Boxhagen 56, Laden.' ZettungsauSträgerinneu können sich melden.„Vorwärts". Ausgabe- stelle, Lausitzerplatz 14/ tä.' Tiiolitige Leitspindel- und Revolverdreher sowie einen Schreibmascbinenmecbaniker stellt ein 131L Lillstellun�sbureau �uerxesellscbakt, «eriin.C ll7. HOtorellseblosser tili' �4ii gesucht. 1442* Deutsche Motoren- Baugesellschaft, Berlin• Harlenfeldc, Straße 94(neben Eiko-Film). Tüchtige Dreher gesucht. 50012 Preßwerk Quack& Bungerz, mrkenwerder. Antogen-Scliweißer, Arbeiter, Arbeiterinnen«nd ArbeitsbnrSChen werden verlangt. Wolf Netter& Jacob! Adlershof Terzlnkerel and dsenkonstrnhtlonen. 50032 n w Wir Enchen für dauernde Beschäftigung f. unseren Betrieb uneeiemteArbeiler uPlatzarbeileFsowieFraaen in größerer Zahl; femer Heizer, Schlosser, Dreher, Maschinen- arbeiter, Maurer, Zimmerer, Schreiner, Maler. Arbeitsuchende wollen sich schrifü. od. mündL wenden an Arbeiter-Annahmestelle Pulverfabrik Premnitz, Rathenow, Bahnhofstraße 32. Spleißer-Vorarbeiter und mehrere Spleißer auf Bowdenseile sofort gesucht. 50042 Sablatnig Flugzeugbau,|ctri0ßei8che 2«. Spitzendreher Werkzeugmacher für Präzisionsarbeit gesucht. �42' Deutsche Motoren-Baugesellschaft Berlin-Marienfelde(äeWE�o-ramT ; ♦ : t Schlosser, Klempner, Tischler, Bootsbauer, Werkzeugmacher, Maschinenarbeiter stellt ein 49442* „Albatros", Gesellschaft f. Flugzeugunternelimungen m.b.H. Abt Wasserflugzeuge und Reparaturwerkstatt Friedrichshagen._ / Verkäuferinnen« für die Abteilung® Seifen* sowie Q Kassenkontrollen• fofort gelacht. Meldungen; 1— 2 Uhr und 6— 7 Uhr 5 Ä. Jandorf d Co. 0 Große Frankfurter Straße 113, Geübte Arbeiterinnen für unsere Zigarettenmaschinen gesucht. Auch zum Anlernen werden Mädchen eingestellt. Zlgarettcntabrik, 2794b Alexanderstr. 27. 1292* für die Zigarettenindustrie wird eingestellt Zigarettenfabpik Garbaty Pankow, Hadlichstratzc. Botenfrauen verlangt sofort Aus- gabeslelle Grcisenbagenerslraße 22.* Zeituiigsausträgerin sosort ver- langt ,Vorwärt's"-Spedition Pankow. Müblenitraße 70.* Botenfrauen werden eingestellt „Vorwärts", Charwttenburg, Sesen- heimerstr. 1.* ZeitungSausträgeri» sür einen Bezirk im Zentrum der Stadt ver- langt. Lindenstraße 3 sLaden).* Zritungeaustrügerin verlangt „Vorwärts"» Spedition Schöneberg, Meiningerstraße 9.__* ZeitungSausträgeri» sür Weißen- see sosort gesucht. ,Vorwärts"-Spe- ditwn, Berliner Allee 11.* Zeitnngsbottn per 1. 7. 17 verlangt.„Vorwärts"- Ausgabestelle Berlin-Niedcrschöneweide, Brücken- straße 10 II t., Unruh.* Mu-kepMliiirtlDpiib u. Positiv-Retoucheur für Maschinenretusche flel|Zeni sucht 27926 Wusterbausener Str. 15. Fahrpersonal sucht Schultheiß' Brauerei, Lichter. seider Straße 11—17. 2736b� verlangt Schlosser 1472 iMex. Herman � Berlin-Tempelhof, Kaiser-Wilbelm-Straße 10/11. Schmiede aus Hecresarbeiten(Hufschmiede u. andere), Schirrmeister(auch arbeits- verwcndungssähige sür die Heimal und sür einfache Arbeiten verlängt. Alex. Heimen G. m. b. H., Berlin Jf 20, Pankstr. 29. Schmiede auf Hecresarbeiten sHusschmied und andere), Schirrmeister sür einfache Arbeiten verlangt 1472 l�lex. ffermau � h!; Berlin-Tempelhof, Kaiscr-Wilhclm-Slraßc 10/11. Schmiede auf Hecresarbeiten(Hufschmied und andere), Schirrmeister sür einfache Arbeilen verlangt 1472 �lex. Herman Berlin, Pankilr. 29. Hausdiener, kräftige, suchen Sieiee& Vogel, Papiergroßhandlung, Linden straße 43. 56/1* Zimmeileute, Postengeselle und Maurer Rittergut Paulineuaue 50002* bei Nauen. Setzer MaseiiioeDiiieisler verlangt 2791b* Adolf Znnipe, Chansseestr. 4i Zusehläger°°- Stockgesellen sofort gesucht. 56(2+ Schulz& HoldefleiB, Fennstr. 13. Perfekter Monteur für U. K. Zigarettenmaschinen sofort 2786b Rönigste. 5. Arbeiterinnen für Holzbearbeitung von MunitionS- kästen sucht Bolle, Jnvalidenstraße 141. floschousfiiiloslu verlangt Essenzen-abrik Roedet& Vetter, _ Alexanderstr. 22._ Laufmädchen sofort gesucht. 49992* Alexis Kellner m. b. H., Berlin 3fW. 87, Kais erin-Augusla-Allee 101._ Dreherinnen für sofort gesucht; auch werden solche angelernt. 1442* Deutsche Motoren-Baugesellschaft. Berlin-Marienfeldc, Straße 94(neben Eiko-Film). Fantasiefedern. Tüchlige, geüble FlügeMeberinncn und Binderinnen in und außerm Hause verlangen A. n. I. Frey- stadt, Kommandantenslr. 77/78.* «««««««»«««««»»«»»»l Arbeiterinnen!! kräftige, zum Kohlenpress., ; Löterinnen für Zinthülsen, 53/11* ! Löterinnen für Batterien, sucht Ä" Zeiler Rungestraße 20. >••••••••••••■•>•••§