Nr. 127. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreichs Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919, Vorwärts 11. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonna und Festtagen bis 9 Uhr Vors mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Dienstag, den 5. Juni 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Bur Reform des Unfallversicherungs- Gesetzes. anderer Beziehung die Unfallversicherung desto gründlicher durch Einbeziehung des Handwerks, der Kleingewerbe, der 0 rungen, welche wir in Fraktionsanträgen beim Reichstag eines Getödteten auch noch entschädigungsberechtigt werden. seit 1889 vorgebracht haben, einige Zugeständnisse, um in Der Kreis der Versicherten aber soll ausgedehnt werden zu ungunsten der Arbeiter zu verschlechtern. Kurz gesagt, niederen Bediensteten bei gewerblichen, gemeinnüßigen VerDen Regierungen geht jetzt vieles schief. Nicht blos, ist dies das Kennzeichen der neuesten Leistungen reichs- anstaltungen und Schaustellungen, sowie des Handelsgewerbes daß sozialdemokratischen Blättern des Defteren geheime" deutscher Sozialreform. Zunächst soll sich die Versicherung und der kleinen Schifffahrt. Aftenstücke auf den Tisch fliegen, die merkwürdige Dinge nicht mehr blos auf Unfälle beim Betriebe" erstrecken, Soweit sind einige Arbeiterforderungen, theilweise allers aus den Koulissen der Regierungswelt ausplaudern, sondern sondern auch auf solche, die dem Versicherten bei der Ver- dings nur halb, anscheinend in den Regierungsentwürfen auch bürgerliche Zeitungen sind wiederholt in der Lage, richtung häuslicher oder anderer, im Auftrage feines Ar- berücksichtigt. Dafür hat man aber nicht blos durch Veröffentlichungen die geheimen Absichten der Macht beitgebers geleisteter Dienste erstrecken". Hoffentlich ist zahlreiche andere Beschwerden einfach una haber zu durchkreuzen. Das haben wir bei den geheimen" damit auch gemeint, daß Unfälle, die dem Arbeiter berücksichtigt gelassen, sondern sogar Finanzkonferenzen in Frantfurt erlebt; große Erwerbstreise auf dem Wege von oder zur Arbeitsstätte zustoßen, den Versuch gemacht, das Verfahren zum wurden durch nichtamtliche Berichte über die Berathungen versichert sein sollen. Selbst tonservative Blätter, wie Schaden der Arbeiter wesentlich zu so zeitig gegen die Miquel'sche Reichs- Steuerreform mobil die Schlesische Zeitung", haben seiner Beit die Nothwendig verschlechtern. Man läßt die unglaublich schwergemacht, daß das Fiasko der letzteren schon vor feit einer solchen Erweiterung z. B. mit Hinblick auf die fällige berufsgenossenschaftliche Organisation, die ledigDer Einbringung besiegelt war. Und das geschieht Bauarbeiter, die beim Heruntersteigen von Gerüsten u. s. w. lich ein Bismarck'sches Kunststückchen zur Stärkung jetzt wieder auf sozialreformatorischem" Gebiete, nicht mehr beim Betriebe" im alten Sinne sind, verlangt. der Unternehmermacht ist, bestehen und will sie indem die" Frankfurter Zeitung" in der Lage ist, Daß der Bezug der Unfallrente schon innerhalb der be- sogar in ganz bureaukratischer Weise auf das Handwerk den Inhalt dreier Gesetzentwürfe zu publiziren, welche rüchtigten dreizehnwöchigen Karenzzeit einstweilen wenigstens und Handelsgewerbe ausdehnen. Dieselbe berufsgenossenden Bundesregierungen zur Begutachtung vorliegen und die dann eintreten soll, wenn infolge Heilung das Krankengeld schaftliche Organisation, von der die Arbeiter ein Lied Reform der Unfallversicherung betreffen. Der Grund, daß wegfällt, dies entspricht fast wörtlich dem unterm 1. No- fingen können wegen ihrer Brutalität, ihrer Zuspigung auf die Entwürfe offiziell solange verheimlicht wurden, liegt vember 1889 von unserer Fraktion im Reichstag ein- die Unternehmerinteressen und ihrem Druck auf die schwache auch hier in dem schlechten Gewissen der Urheber dieser gebrachten Antrag. Nur will man sich nicht zur sofortigen Arbeitervertretung bei der Unfallversicherung, kurz eine Ver " Versicherungs-" Entwürfe. Dieselben enthalten Neuerungen Gewährung der vollen Unfallrente entschließen, sondern den waltung, von der ein ehemaliger Vertrauensmanu" be und Lücken, welche berechtigten Arbeiterwünschen geradezu Arbeiter mit einem Bettelgeld in Höhe des halben orts: derselben schon im Jahre 1888 im Kapitalistenorgan„ Stahl ins Gesicht schlagen. Deshalb ist das Bekanntwerden durch üblichen Tagelohns abspeisen. Dagegen wird scharf und Eisen" schrieb:" Die Vielschreiberei bei den Genoffen die Frankfurter Zeitung" ein großer Vortheil für uns Stellung zu nehmen sein. Wenn sich Berufsgenossenschaften ist grenzenlos. Das verbrauchte Papier beziffert und für die Energie der Kritik, mit welcher wir einzusetzen schaften über ihre Zahlungspflicht streiten, weil sich nicht nach Zentnern oder Tonnen, sondern nach haben in der Partei und in den Gewerk der Verunglückte nicht diesem, sondern jenem anders Waggonladungen" Es find ferner offenbai schaften. Allerdings täuschen wir täuschen wir uns nicht über gearteten Betriebe angehörte, so soll die zuerst in teine Strafbestimmungen gegen die Umgehung des die Wirksamkeit dieser Kritik. dieser Kritik. Gegen die Reichs: Anspruch genommene Unternehmergesellschaft jedenfalls einst Gesetzes durch Privatverträge vorgesehen, wie wir steuern lief ein großer Theil des Unternehmerthums weilen zahlen das ist eigentlich eine so selbstverständ- fie beantragt hatten. Die unhaltbare Art und Weise. und der Bourgeoisie überhaupt mit Sturm; und das ist liche Bestimmung, daß ihr bisheriges Fehlen nur zeigt, wie wie die Unfälle durch die Unternehmer selbst ohne der Regierung allemal fatal. Bei unserer Kritik der Unfall schauberhaft der Arbeiter bis jetzt bei der Unfallversicherung Buziehung der Arbeiter angezeigt und von der Polizei ges gesetznovelle werden wir bald gerade in den Punkten, auf unter Umständen behandelt wurde. Ganz wörtlich auf- wöhnlich viel zu spät und im Ramsch untersucht werden, bie es uns antommt, das Unternehmerthum auf der Seite genommen in die neuen Entwürfe ist unser Fraktions- ist beibehalten. Die zeitige Zuziehung von Aerzten bei aller der Regierung sehen und damit wieder einmal Kapitalismus antrag von 1889, nach welchem im Falle der Tödtung Unfalluntersuchungen ist wieder nicht vorgesehen; bekannt und Regierung in schönem Bunde gegen uns, so daß es eines Versicherten, der wegen eines früher erlittenen Un- lich sträuben sich die Berufsgenossenschaften sogar dagegen doppelter Kraft bedürfen wird, bei der Revision des Unfall falles nur noch wenig verdienen konnte, dem letzten Jahres- das Urtheil der Aerzte über den Grob der eingetretener versicherungs Gesetzes für die Arbeiter Etwas heraus arbeitsverdienst die Unfallrente hinzugefügt und bei der Erwerbsunfähigkeit anzuerkennen. In Alleden zuschlagen. Schadet nichts unsere Bewegung gewinnt Berechnung der Renten für die Hinterbliebenen mit zu schaffen die Regierungen nach den Mittheilungen nur dabei! Grunde gelegt wird„ unter Umständen", sagt die Mit der Frankf. 3tg." nicht den geringsten Wandel! Die von der Frankf. 8tg." inhaltlich ziemlich aus- theilung zwar nur, aber die Herren Sozialreformer" Aber es kommt noch besser: sie versuchen, den Ar führlich wieder gegebenen drei Regierungsentwürfe zur Ab- werden doch die Erfüllung dieser Forderung nicht auch noch beitern eines ihrer werthvollsten Rechte 31 änderung des Unfallversicherungsgesetzes machen den Forde verklausuliren wollen. Endlich sollen Enkel und Geschwister nehmen: die sachliche Berufung gegen ungünstige Be mir nicht vertranen, wer unser Begleiter ist?"- Ein in die Farben der Stadt gekleidet, zu verkennen waren schlechter Knecht, der nicht kennt seinen Hauptmann;" er- Es geschieht indessen wohl öfter, daß der launische Geist widerte Ben David lächelnd: ich spreche nicht hier von der so gern die Handlungen der Sterblichen stört, an dem 55 mir, sondern von Euch, gestrenger Junker. Ihr seid ge- schuldbewußten Unheilahnenden vorübergeht, und nach den treten oder wollet treten in den Stamm der Cohenim sorglosen Unvorbereiteten greift, um ihn in das zer und kennt nicht dessen Obersten? Ihr wollet weiden die malmende Räderwerk seines schwarzen Sputs zu ziehen Schafe, und kennt nicht den Hirten, der Euch weidet?" Also erging es auch in vorliegenden Umständen dem Vate " Ich will ein Schaf sein, wenn ich Dich verstehe," versette der holden Esther. Was wollen die gestrengen Herren? Dagobert wie oben: Jude, Du bist verrückt." Mit fragte er mit jener einschmeichelnden Freundlichkeit, die seine ,, Parva sustine patientia, mi fili!" gab ihm hierauf der nichten," antwortete Ben David: aber werden könnte Nation so willfährig annimmt, um den Zorn des Gegneri Mann zur Antwort, und kletterte vollends, so zu sagen, man's, so man bedenkt, daß das Oberhaupt der Christen vor dem Ausbruche zu entwaffnen; aber unfreundlich über die Schultern Dagobert's in den Sattel des Grau- heit gezwungen ist, davon zu reiten seinen Feinden, ver- lautete die Antwort aus des Stadtschreibers Munde:„ Dick schimmels, auf welchem er sich mit aufgezogenen Beinen mummt als ein Knecht, und im Geleite eines schlechten selbst, Jude!" Ben David verstummte erbleichend und in die Mähnen des Pferdes verwickelter Rechten nichts Juden."" Herrgott!" seufzte Dagobert erschrocken: fagst Wieso? Warum?" rief Dagobert dazwischen. weniger als reiterlich ausnahm. Dagobert staunte den Du die Wahrheit?" So ich die Wahrheit gesehen habe, fümmert Euch nicht, junger Herr!" erwiderte der Stadt Lateiner eine Weile an und schwang sich dann wieder auf habe ich sie gesagt," entgegnete Ben David: vertraut hat schreiber:" Der Jude gehört dem wohlweisen Rathe zu den eigenen Gaul, das Zeichen zum Austritt gebend. Der man mir sie nicht, aber ich habe einen scharfen Blick und Frankfurt, und ihn zu verhaften, brachte ich die Weisung Thorwart öffnete die Sperrflügel, und das Dreiblatt klep- will verkrummen, wenn ich plaudere, was ich gesehen."- mit. Heute erst fand ich der Burschen Schliche, und grämte perte, ohne ein Wort zu verlieren, durch die engsten und„ Das rathet Dir auch der Himmel!" drohte ihm Dagobert, mich baß, ihn ausgeflogen zu wissen, als ich zum Glück winkeligsten Gassen der Stadt, in welchen das Sonnen- und ergriff schnell herbeieilend den Zügel des Graurosses, seiner jetzt noch zu guter Zeit anfichtig wurde. Euch bringt licht so selten war, als ein Menschengesicht, dem Schaf das soeben von dem erreichten Thore ab in eine Seiten- es aber wenig Ehre, Junker, mit solchem Gelichter in die hauser Thore zu. Hatte Dagobert schon beim Aufsteigen straße lenken wollte. Hier hinaus, Landsmann!" rief er, Welt zu reiten."" Hab' ich denn verstanden recht?" fragte seines Schußbefohlenen Sorge und Angst gehabt, so wurde und wollte zwischen den müßig an dem Stadtthore umher Ben David kleinlaut: Verhaften wollt Ihr mich?" sie noch größer, da er wahrnahm, wie der Fremde so gut lungernden Soldknechten hindurch, als eine Stimme unfern Ich scherze nie," versicherte Meister Heinrich:" Steige ab als gar nichts vom Reiten verstand, beim geringsten Trab von ihnen ein lautes: Haltet auf! haltet auf!" ver- und folge diesem Manne in den Thurm."" Hab' ich doch Stolpertritt des Gauls hoch im Sattel aufflog, nehmen ließ, und die Wächter auf diesen Ruf den Gäulen nichts verbrochen!" seufzte der Jude:„ Laßt mich ledig, übt wieder niederrutschte, zusammengekrümmt wie ein tauchender ihre Partisanen vorhielten. Dagobert hatte genug zu thun, Barmherzigkeit!"" Steig' ab," wiederholte der StadtNix, und den Zügel schier fahren lassend, sein einzig Hort den erblassenden und im Sattel schwankenden Flüchtling schreiber strenger, oder ich lasse Dich von der Mähre in dem trampfhaft umflammerten Sattelknopf suchte. Der auf eine gute, nicht allzu bemerkbare Weise aufrecht zu erwerfen, und geknebelt von dannen bringen." D mein Maulthierreiter, so vertrackt er auch sich ausnahm, war ein halten, und mußte darum schon die Verfolger ungehindert Herr Gott in Israel!" ächzte Ben David, in höchster BeTurnier- und Kunstreiter gegen den Unbekannten, den herankommen lassen. Am unbefangenften, weil er seiner stürzung vom Maulthiere gleitend:" Werde ich geführt zu Dagobert endlich vor sich hertraben ließ, um bei einem Gesichtszüge am meisten Herr zu sein wußte, drehte sich meiner Tochter?" Nein!" äußerte der Stadtschreiber vorkommenden Unfall bei der Hand zu sein. Sage mir Ben David nach den beiden Männern um, die Haltauf ge mit Härte:" Wirst sie wohl nimmer zu sehen bekommen; doch, Ben Tavid," flüsterte er dem Juden zu:" da ihr rufen hatten, und in welchen nicht der Stadtschreiber von denn morgen mit dem Frühsten geht's mit Dir nach FrankJuden doch alles besser wißt, als unser eins, wolltest Du Frankfurt, noch viel weniger der Rathsweibel von Costniß, furt; und dann gute Nacht!" oder Feuilleton. Der Inde. 2200 Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Bon C. Spindler. -POPGO " " " " " Da schcide derBerufsgenossenschaften an das Reichs-Versichernngs- amt. Gegen das Linsengericht, daß„eine mündliche Ver- Handlung über den Entschädigungsanspruch schon vor der Berufsgenossenschaft stattfinden kann"(!!), läßt der Entwurf „gegen die Entscheidungen der Schiedsgerichte nur das Rechts- mittel der Revision zu". Das heißt: für die sachlich be- deutungslose mündliche Verhandlung mit den Unternehmern in erster Instanz, die schon wegen der meist sehr weiten Entfernung des Verhandlungsortes vom Wohnorte des Ar- beiters für letzteren gegenstandslos ist, sollen die Arbeiter den einzigen Trost verlieren, den sie bis jetzt hatten: die Berufung an das unbefangenere Reichs- Versicherungsamt, an das nur noch wegen Verletzung einer Rechtsvorschrift, nicht mehr wegen thatsächlicher Unrichtigkeit des Unfallentscheides gegangen werden soll. Damit erfüllt die Ne- g i e r u n g einen Wunsch der Unternehmer, die sich aus jahrelangen, ununterbrochenen Angriffen derselben gegen das„arbeiterfreundliche" Reichs- Ver- sichcrungsamt ergeben hat. In der.Handelskammer für Schwaben und Neuburg hat der bekannte Kommerzienrath Haßler in Augsburg diesen Vorschlag bereits 1S88 gemacht; die rheinisch-westfälischen Eisenprotzen haben ihn: begeistert zugestimmt, die Osnabrücker Handelskammer hat ihn unter- stützt, und Genosse Singer hat schon in der Sitzung des Reichstags vom 24. Januar 1891 der Regierung zu ver- stehen gegeben, was wir ihr in dieser Beziehung zutrauen, indem er darauf hinwies,„daß zu wiederholten Male» seitens der Großindustriellen der Versuch gemacht worden ist, unter dem Vorgeben, das Reichs-Versicherungsamt von der ihm durch die Rekurse aufgehalsten Arbeit befreien zu wollen, die endgiltige Entscheidung über die Ansprüche der Arbeiter in Kollegien zu legen, deren Zusaninien- setzung keine Garantie dafür bietet, daß das Interesse... der arbeitenden Bevölkerung in der Weise gewahrt wird, wie es beim Reichs-Versicherungsamt der Fall ist". Die Hoff- nung, daß die Regierung den selbstsüchtigen Wünschen der Unternehmer Widerstand leisten könne oder auch nur wolle, ist natürlich vergeblich gewesen. In den Armen liegen sie sich wieder Beide! Wenn sich die Regierung ihre Reformsuppe bei den Arbeitern auf diese Weise selbst kräftigst versalzt, wer kann damit zufriedener sein, als die Sozialdemokratie? Es wäre ja auch ganz inkonsequent gewesen, nur beim Arbeiterschutz, nur beim Berggesetz, nur bei der Steuerreform die Gc- schäfte der Besitzenden zu besorgen! Das muß auch bei der Reform der Unfallversicherung geschehen, es wird bei allen weiteren„Reformen" besorgt werden, bis Regierung und Besitzende einmal selbsternstlich daran denken müssen, sich ge�en die Unfallgefahr zu schützen, die ihnen von dem übermächtig gewordenen Proletariate droht. poltnnfte Xtclreiltrfjt. Berlin« den 4. Juni. „Der antikollektivistische Bauernschädel", den Herr Profeffor Schäffle für die verzweifelnden Bourgeois erfunden hatte, entpuppt sich als ein trügerisches Spiegel- bild, als der faule Zauber eines Jahrmarktszauberers. Er löst sich in Luft aus.„Leider", so jammern die Organe der Ordnungsparteien jetzt nach der P l a u e n e r Wahl, „leider muß zugestanden werden, daß die Sozialdemokratie in den ländlichen Kreisen Fortschritte gemacht hat. Das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen auf dem Lande kommt sicherlich nicht auf das Kerbholz der Deutschfrei- sinnigen, die in den ländlichen Bezirken keinen Ein- fluß besitzen." Wenn nun das„Leiziger Tageblatt" oiese fatale Thatsache den Antisemiten aufs Konto schreiben will, die durch ihre demagogische Verhetzung die Bauern für die Aufnahme der sozialistischen Lehren vor- bereitet hätten, so ist das nur eine alte Wahrheit und eine neue Selbsttäuschung. Daß die Antisemiten für die Sozial- dcmokratie das Feld bestellen, und daß wir ernten, was s i e säen— das ist von uns und von anderen hundert Mal gesagt worden. Aber warum ist dem so? Warum betonen die Antisemiten bei ihrer Agitation das soziale Moment? Doch blas, weil die Landbevölkerung das soziale Moment zu begreifen anfängt. Mit anderen Worten, weil die Landbevölkerung durch die wirthschaftlichcn Verhältnisse für den Sozialismus reif gemacht worden ist. Dank der Sorgfalt, mit welcher die reaktionären Parteien die politische Bildung von dem Lande ferngehalten haben, ist die Landbevölkerung, da wo ihr Bildungsgrad ein sehr niedriger ist, allerdings zunächst nur für den„Sozialismus der Dumme n" empfänglich; allein aus den„Dummen" werden Kluge, der „antikollektivistische Bauernschädel" füllt sich mit sehr Ben David entsetzte sich, daß seine Knie wankten. Der Reiter des Granschimmels, der indessen ein Gegenstand der Witzeleien der Thorwächter geworden war, zupfte Dagobcrl dringend am Aermel. Dieser kehrte sich aber nicht daran, sondern fragte herrisch, da ihm Esther's Vater nicht so gleichgiltig war, als der Jtzde.„Noch einmal, was hat der Mann verbrochen?"—„Reitet Ihr Eurer Wege sammt Eurem wunderlichen Dienstmann'" antwortete der Stadt- schreiber nicht minder herrisch.„Was kümmert den Pfaffen der Ebräer? Fort mit dem Inden!" „Wcrd' ich auch nicht dürfen Abschied nehmen von dem guten jungen Herrn, der sich meiner annimnit, wie ein Freund?"' sprach Ben David unterthänig zu dem rauhen Gerichts Herrn."—„Meinthalben, wenn sich der Junker nicht schämt, von Dir Freund geschmäht zn werden," meinte der Stadtschreiber:„Mach's indessen kurz." Da näherte sich Ben David rasch dem jungen Manne, ergriff seine Hand, schüttelte sie bewegt, und rief:„Der Herr Israels, der da ist der hochgelobte Gott der Welt, segne Euern Ausgang, und streue Palmen aus Evern Heim- weg!— Bei dem Haupte Eures Vaters beschwöre ich Euch," setzte er leise hinzu:„das Pergament, so ich hier in Euern Stiesel gleiten lasse, meinem Kinde zu übergeben— ent- weder das Gefchrift, oder das darin benamste Geld, das ich erheben sollte zu Schafhausen. Der Fürst der Barm- Herzigkeit wird Euch dafür segnen in der Stunde des Scheidens. Sagt meiner Esther, sie möge..."— Ver- dammter Mauschel!" donnerte der Stadtschreiber, und riß den Juden von Dagobert hinweg:„Was hast Du Heim- lichcs vor? Macht Junker, daß Ihr Eurer Wege zieht, sonst muß ich mich auch Eurer Person versichern!"— ,.1'eslwa. carissime tili!h raunte dem jungen Manne sein Schutzbefohlener zu, und mit einem zusagenden Kopfnicken gegen den ängstlich in seinen Augen lesenden Ben David, mit „kollektivistischen" Lehren, und der Sozialismus folgt mit logischer Notwendigkeit dem Antisemitismus. Uebrigens braucht die Landbevölkerung, um zum So- zialismus zu gelangen, nur ausnahmsweise den Ilmweg über den Antisemitismus. In Hunderten und Hunderten von Dörfern Deutschlands hat der Sozialismus Würze! gefaßt, ehe man von Antisemiten gehört hat. Auch im sächsischen Vogtland ist ein großer Theil der Landbevölke- rnng sozialistisch geworden, ohne vorher antisemitisch gewesen zu sein. Und bei der Stichwahl des 1. Juni haben wir sicherlich kein Dutzend Stimmen von solchen Wählern be- kommen, die bei der ersten Wahl für den Antisemiten ge- stimmt hatten. Ueberhaupt haben wir im Plauener Kreis keinen nennenswerthen Zuwachs von anderer Seite erhalten. Die Fortschrittler, deren Führer im vorigen Jahr zur Stich- wähl die Stimnienabgabe zu gnnsten des Sozialdemokraten empfahlen, haben das diesmal unterlassen, so daß wir mit vollem Recht sagen können: den Sieg des 1. Juni hat die Sozialdemokratie einzig aus eigener Kraft er- fochten.— Der Wahlsieg in Plauen hat überall in Partei- kreisen die lebhafteste Freude erregt. Von den uns zu- gekommenen Meldungen hierüber registriren wir eine De- pesche aus Wien: „Hoch zum Wahlsiege Gerisch." Deutsche Genossen, Nußdorf.— Deutsche Prestfreiheit. In der„Vossischen Ztg." finden wir heute folgende„eigene Mittheilung": Aus Sachsen, 3. Juni. Die Entscheidung des Reichsgerichts, wonach die verantwortlichen Redakteure der Zeitungen vor jeden beliebigen Gerichtshof geladen werden können, hat auch in Sachsen sofort seine Anwendung gesunden. Neuerdings hat sich das Amtsgericht zu B u r g st ä d t für kompetent er- klärt, eine gegen den Redakteur des„Vaterland" in Leipzig anhängig gemachte Klage zu verhandeln, und ebenso wird sich demnächst der verantwortliche Redakteur des eben- falls in Leipzig erscheinenden„Wähler" vor dem Freiberger Gerichtshofe zu verantworten haben. Daß die„hellen" sächsischen Richter sich den samosen Entscheid des Reichsgerichts nicht würden entgehen lassen, war vorauszusehen. Will sich die deutsche Presse nun nicht langsam erdrosseln lassen, so gilt es jetzt, Sturm zu laufen gegen die gesetzlichen Bestimmungen, auf die jener Entscheid sich stützt,— und für eine Aendcrung des treßgesetzcs thätig zu sein. Gegenüber dem Entscheide des eichsgerichts giebt es nur ein wirksames Mittel: Aenderung des Preßgesetzes durch den Reichstag. Aber von unserem Reichstage so etwas zu erhoffen, ist leider fast aussichtslos. Und wenn er das Gesetz ändern würde, müßte der Bundesrath noch zustimmen. Das ist aber nicht zu erwarten.— Eine ungeheuerliche Gesetzesverletzung. Die„Sächsische Arbeiter-Zeitung" schreibt: Bereits in unserer vorigen Nummer theilten wir kurz mit, daß die Genossen Dr. Gradnauer, Hermann Eichhorn und Paul Findeisen am Sonnabend Vormittag scheinbar ohne jede äußere Veranlassung verhastet worden sind. Als Grund der Festnahme wurde eine Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter angegeben. Keiner der drei Verhafteten ist bis zur Stunde, wo wir dies niederschreiben, zurückgekehrt, sie befinden sich also bereits seit 48 Stunden in Hast und über ihr Schicksal ist uns nichts bekannt. Erstaunt fragen wir uns, was die Veranlaffung zu dieser Verhaftung sein kann. Wir wissen bestimmt, daß keiner der Verhafteten etwas begangen hat, das eine Verhaftung recht- fertigen könnte, wir wissen bestimmt, daß keiner derselben auch nur die geringste strafbare Handlung begangen hat. Eine Er- klärung für die Verhaftung finden wir einzig in dem Umstände, daß die Verhafteten mit der Direktion der Waldschlößchen- Brauerei verhandelt haben über die Beilegung der Differenzen, die zwischen dieser und unserer Partei entstanden sind und ihren Ausdruck gefunden haben in dem Boykott, der über daZ Wald- schlöhchen verhängt worden ist. Die Genossen Findeisen und Eichhorn sind in öffentlicher Versammlung mit noch einem dritten, jedoch noch auf freiem Fuß befindlichen Genossen gewählt worden, um die Maifeier zu leiten, und in dieser Eigen- schast haben sie mit der Direktion der Brauerei über Hergabe von deren Lokalitäten verhandelt und an Genossen Gradnauer als Chefredakteur unseres Blattes hat sich ver Direktor der Brauerei gewendet, nachdem in unserem Blatte die Aufforderung an die Arbeiter erschienen war, kein Waldschlößchenbier zu trinken, bis die Brauerei unseren Forderungen nachgegeben habe. In einem verächtlichen Achselzucken gegen den Meister Heinrich ilnd seinen Schergen— zugleich aber mit einem kräftigen:„In Gottesnamen!" ließ Dagobert seinen Gaul über die Spieße der Söldner wegsetzen, riß seinen Begleiter nach sich, und befand sich sammt ihm bald an der Linde des Kreuzweges, wo der lange Vollbrecht sich in der Sonne dehnte.— „Holla! auf! Tu fauler Gesell!" rief er dem Knechte zu: „Zu Gaule! und Ihr, mein würdiger, unbekannter Herr," fügte er gegen den Verkappten bei,—„Ihr erlaubt es wohl, daß wir beide Euer Pferd in die Mitte nehmen, und mit Euch ausziehen, was das Zeug halten mag. denn nun kommt mir's selbst vor, als ob es gerathen wäre. Euch möglichst schnell von bannen zu schaffen."— Der Befragte, für welchen schon der kurze Ritt durch die Stadt eine Höllcnqnal gewesen war, gab wehmüthig seufzend, und der Nothwendigkeit gehorchend, seine Zustimmung zu des jungen Mannes Vorschlag, und Himmel und Erde vergingen vor seinen Blicken, als Dagobert und Vollbrccht ihren Gäulen die Sporen gaben und mit dem dritten Reißaus nahmen, als gelte es, vor Abend noch der Welt Ende zn erreichen. Ohne Gefahr verlief ferner die Reise. Ueber Heerstraße Stroni und einsamen Pfad geleitete die Fliehenden das Glück. Aber erst, als sie bei dmckler Nacht Schafhansen erreicht hatten, und bei des Herzogs Vogt den: oberherr- lichen Befehl gemäß wohl aufgenommen worden waren, senkte Dagobert im einsamen Zimmer vor dem erhabenen Flüchtling das Knie zur Erde, mit den Worten:„heiliger Vater! Ihr seid in Sicherheit. Wie der Herzog sein Fürstcnwort gegen Euch gelöst, also habe ich meme Zusage gegen ihn erfüllt. Ich danke Gott dafür, und bitte um Euern Segen zur Rückkehr." Der Papst, obgleich zum Tode ermüdet von der ungewohnten Anstrengung, legte nicht ohne ein Gefühl der Rührung seine Hände aus den der Nummer vom vorigen Mittwoch erschien in unserm Blatte abermals eine solche Aufforderung, zugleich mit einer Liste von Bierhändlern und Restauratenren, die noch Wald- schlößchenbier führen. Unsere Gegner geriethen aus dem Häuschen darüber, ein gewaltiger Lärm erhob sich in der gesammten gutgesinnten Presse, man schrie Zeter und Mord, verlangte nach den schärfsten Maßregeln und am Sonn- abend Vormittag erfolgte die Verhaftung der drei Parteigenossen. Einzig diese Vorgänge geben uns eine mög» liche Erklärung für die Verhaftung gerade dieser drei Personen. Wären es nicht gerade diese drei, wäre nur einer derselben verhaftet worden, wir würden nicht einmal die entfernteste Möglichkeit einer Erklärung finden. Und doch, rechtfertigen diese Vorgänge eine Verhaftung und längere Festhaltung der Genannten? Nicht im geringsten! Ter Boykott ist an sich keine durch irgend einen Strafgesetz- Paragraphen verbotene Handlung; nur indem man es in Sachsen fertig brachte, es als groben Unfug zu definiren, wenn eine Gruppe von Personen aus irgend einem Grunde bei gewissen Gewerbetreibenden nicht mehr verkehren zu wollen erklärt, wurde es möglich, eine strafbare Handlung herauszudestilliren. Grober Unfug ist aber eine nur mit Haft oder Geldstrafe be- drohte Handlung. Deswegen ist aber eine vorläufige Festnahme unter den obwaltenden Umständen nach dem Gesetz gänzlich un- zulässig. In der Strafprozeßordnung sind die Fälle genau ab- gegrenzt, in denen eine Verhaftung und vorläufige Festnahme zulässig ist. Ist aber eine That nur mit Haft oder Geldstrafe bedroht, so darf nach Z 113 der Strafprozeßordnung die Untersuchungshaft nur wegen Verdachts der Flucht und nur dann verhängt werden, wenn der Angeschul- digte ein Heimathloser oder Landstreicher ist oder sich über seine Person nicht genügend ausweisen kann, oder wenn er ein Ausländer ist und gegründeter Zweifel besteht, daß er derLadung oder dem Urtheile nicht Folge leisten werde, oder wenn er unter Polizei- Aufsicht steht oder wegen seiner That die Ueberweisung an die Landespolizei möglich ist. Keiner dieser Fälle liegt hier vor. Die Verhafteten sind keine Heimathlosen, keine Land« streicher, sie sind hier ansässige, wohlbekannte Personen, Genosse Eichhorn ist erster Vorsitzender des sozial- demokratischen Vereins für Dresden, und Genosse Findeisen ist Schänkwirth und zweiter Vorsitzender desselben Vereins; Fluchtverdacht liegt unter keinen Um- ständen vor, Sozialdemokraten entziehen sich nicht durch die Flucht der Bestrafung, sie vertreten ihre Handlungen und nehmen die etwaigen Folgen derselben auf sich. Aber selbst wenn das alles nicht wäre— die Verhafteten sind in keiner Weise für den Boykott verantwortlich zu machen, sie haben garnicht boykottirt; die Boykott- Auf- forderungen sind in der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" er- schienen und unser verantwortlicher Redakteur ist der Mann, der diese Handlungen zu vertreten hat und vertreten wird. Dennoch sind die drei verhaftet worden. Und da sie heute noch nicht wieder entlassen sind, so muß man überdies an« nehmen, daß entweder der Richter die Verhaftung bestätigt und deren«Fortdauer angeordnet hat oder aber, daß sie noch nicht richterlich verhört worden sind und das wäre wiederum ein Verstoß gegen den klaren Wortlaut des Gesetzes. Es schreibt Z 115 der Strafprozeß- Ordnung vor, daß der Verhaftete spätestens am Tage nach seiner Einlieferung in daS Gefängniß vom Richter vernommen werden muß. Die Einlieferung erfolgte am Sonn- abend Vormittag, der folgende Tag ist ein Sonntag, es mußte daher die Vernehmung noch am Sonnabend erfolgen und das ist hier auch ohne weiteres möglich. In dem einen wie im andern Falle also ist unsere Empörung über diese flagrante Verletzung der Sicherheit der Person durch« aus gerechtfertigt und wir sind überzeugt, daß alle, denen noch nicht jedes Gefühl für das-Recht verloren gegangen ist, mit uns die Entrüstung theilen werden über diesen unerhörten Vorgang. Der„Racker von Staat" erscheint in den Augen der .staatserhaltenden' Bourgeoisparteien als ein ganz plumpes Ungethüm, dem man nicht scharf genug zurufen kann: „dsrncks off!"(Hände weg!), wenn er sich unterfängt, die Unternehmer-Tyätigkeit auf ihre Gemeinschädlichkeit hin zu kontrolliren. Lassalle hatte noch eine zu gute Meinung von der Bourgeoisie, wenn er ihr blos die„Nachtwächter-Jdee" vom Staat zuschrieb, wonach der Staat nur die Rolle des Nachtwächters, die Ueberwachung der Sicherheit, nicht etwa des Gemeinwohls, sondern des Besitzes und des Profits der Kopf des erwählten Rüstzeuges.—„Unfern Dank und des Himmels Segen nimm hin für Deine wohlgelungene That!" sprach er feierlich:„Zugleich aber empfange von unserer Huld ein Geschenk, das auch in der Zeitlichkeit Werth haben mag. Als uns der Herzog von Deinem Beistande in Kenntniß setzte, unterrichtete er uns ebenfalls, daß ein Gelübde der Mutter Euch zum Dienst der Kirche verpflichte, welchem jedoch Euer Sinn, der nach Thaten und Weltruhm strebt, nicht hold sei. In Betracht, daß dem Herrn nur die Herzen Wohlgefallen, die freiwillig seinem Dienste sich weihen,— daß Euerm Ohm, der sich von unserer Seite losgesagt, vollends nicht zustehe, dem Herrn einen unwill- kommenen und gezwungenen Diener zuzuführen— sowie in Betracht Deiner Bereitwilligkeit, uns gefällig zu sein— haben wir dem Herzog versprochen. Deines Gelübdes Bande zu lösen, und lösen sie wirklich hiermit im Namen der Drei- einigkeit und der von Gott uns Unwürdigsten anvertrauten Macht. Morgen soll das Breve Dir ausgefertigt werden, zu Deiner Beruhigung und zum Gedächtniß unserer dank- baren Huld." Die rauhe Stimme des erschöpften Oberhirten klang wie Musik der Engelein in Dagoberl's Ohr, und sprachlos küßte er des Befreiers Hände und Kleid. Der Papst winkte ihm jedoch aufzustehen, und warf sich in den Lehn- sessel, um mit so viel Würde, als es die freilich sehr un- vortheilhaften Umgebungen erlaubten, die Schaar der geistlichen und herzoglichen Beamten Schafhausens zn empfangen, die, soeben von der Ankunft des höchsten und unvermuthcsten aller Gäste unterrichtet, noch in später Nacht dem Haupte der Kirche und dem Freunde ihres Landesherrn die schuldige Huldigung darzubringen kanten. (Fortsetzung folgt.) Bourgeoisie einzunehmen hätte. O nein, seit Lasialle ist die M emung der Bourgeoisie vom Staat noch gewachsen; er darf nicht blos den Nachtwächter der Bourgeoisie machen, sondern auch unmittelbar ihr seine Liebesgaben, Zölle und Prämien zuwenden. Hier und da wandelt aber den „Racker von Staat" doch die Empfindung an, daß er doch noch einige andere Aufgaben hätte. So war von dem Reichsamt des Innern der Plan einer staatlichen Ueberwachung des deutschen Schiffsbaues xn Erwägung gezogen. Selbstverständlich war der erste Schritt, die G u t a ch t e n der s a ch v e r st ä n d i g e n Kreise, das hieß derselben Kreise, welchen die Ueberwachung gelten sollte. heranzuziehen. Die Antwort war vorauszusehen, sie ging fast einstimmig dahin, daß für eine staatliche Beaufsichtigung des Schiffbaues und des Znstandes der Seeschiffe in Deutsch- land keinerlei Veranlassung vorliege. Die Sicherheit von Leben und Eigenthum auf See sei durch das Pflichtgefühl, die Tüchtigkeit und das Interesse der Rheder und Schiffbauer, durch die privat- und strafrechtliche Haftung der Rheder und Schiffsführer, durch die Aufsicht der Klassifikations- Gesellschaften und der See- Berufs- genossenschaft, sowie durch die seeamtlichen Unter- suchungen über vorgekommene Unfälle in wirksamster Weise gewährleistet. Die staatliche Beaufsichtigung würde gerade die Sicherheit gefährden, indem sie den Schiffbauern und Rheder» die eigene Verantwortlichkeit abnähme. Wie niedrig auch die Bourgeoisie vom Staate denkt oder was sie glaubt, demselben alles bieten zu können, wenn sie das Gefühl der sittlichen Verantwortlichkeit eines Rheders a la Schiff höher schätzt, als alles, was der Staat thun kann, ja, wenn sie schon die bloße Aufsicht des Staates als gefährlich hinstellt. Ob die Reichsregierung vor den Komparsen des Herrn Schiff die Segel streichen wird? Freilich, nach dem, was sie sich von den agrarischen Junkern bieten ließ, und nach ihrem Entgegenkommen gegen- über den arbeiterschutzseindlichen Jndustriekönigen, dürfte es hier auch bei einem schwachen Anlauf sein Bewenden haben.— Uever den Umfang der Fideikommisse ist am Frei- tag in der Agrarkonferenz eine auf Veranlaffung des Justiz- Ministeriums bewirkte Zusammenstellung vorgelegt worden. Hiernach betragen dieselben in Mit einem Reinerträge Hektar Ar M. Ostpreußen 12s igz sg.7g»000102 Westpreußen 79 212 61,27«61331 Brandenburg 268 797 91.6S 2 462 379 Pommern 173 314 37,39 2 444 386 Posen III 653 42,94 857 776 Schlesien 462 492 50,03 4 383 036 Sachsen 115 642 59,52 2 263 846 Schleswig-Holst. 158 723 52,19 3 607 663 Hannover 75186 69,14"1313 688 Westfalen 146 826 67,31 2 196 374 �essen-Naffau 62 657 68,69 809 361 Heinprovinz 54 122 97,16 792109 Zusammen 1 833 753 9 001 S» SS» 001 I» betreff der Reservisten-Anzüge stellt der„Ham burger Korrespondent" richtig, daß nach der Verfügung des Kriegsministeriums die Zuweisung der Reservistenanzüge nicht gänzlichffortfällt, sondern nur auf mittellose Mannschaften beschränkt wird; allerdings sollen auch diese Reservisteu anzüge nur leihweise gegeben und der Militärbehörde wieder zugestellt werden. Ueber daS Wann wird nichts gesagt.— Die religiöse Erziehung der unter elterlicher Gewalt oder unter Vormundschaft stehenden Kinder ist gewiß eine Frage, die durch das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch gelöst werden müßte. Aber die Kommission, welche sei Jahren an demselben herumtiftelt, hat diese Frage für zu titzlich gehalten und sie daher einfach den landesgesetzlichcn Vorschriften überlassen. Also auch nach Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches für das Reich wird in den Haupt fragen des Familien- und Vormundschaftsrechts jedes einzelne Ländchen für sich seine Bestimmungen treffen können. Die weise GesetzgebungS-Kommission ist nicht nur darauf bedacht, alles organische Leben auS dem Gesetzes- körper hinaus zu treiben, sondern auch vorzubeugen, daß sich auS ihm in Zukunft solches entwickeln könnte.— Chauvinistische Kindereien. In irgend einem obskuren deutschen Blatt phantasirt irgend ein obskurer Bierbank- Politikus, Holland gehöre zu Deutschland und müsse„annektirt" werden. Und siehe da, drüben in Frank- reich wird die chauvinistische Phantasie von den chauvi- nistischen Geschäftsfreunden oder richtiger Kompagnons— denn es ist ein Geschäft hüben wie drüben— begierig ausgegriffen, und der erobcrungslustige„Pangermanismus" als Wauwau an die Wand gemalt. Die alte Gesellschaft verliert wirklich den Verstand, ehe eS zum letzten Akt kommt.— In Ungarn vor allem in Budapest herrscht große Er- regung über die Amtsentlassung des Ministeriums W e ck e r l e. Man führt dieselve auf Jnttiguen der Hof- kreise zurück und rügt die unkonstitutionelle Wahl des Nach- folgers. Die herrschenden Klaffen in Ungarn, welche ihre Erfolge dem energischen Widerstande gegenüber den Ueber- griffen der Krone verdanken, wollen das Zustandekommen eines Ministeriums Khuen-Hedervary verhindern und so den Kaiser zur Wiedereinsetzung des Ministeriums Wcckerle zwingen.— Ueber das Recht ans Arbeit fand gestern die Volks- abstimmung in der Schweiz statt. Mit 290 000 gegen 71 000 Stimmen wurde die Garantie des Rechts auf Ar- beit durch die Bundesverfassung abgelehnt. Daß die Volksabstimmung anders ausfallen würde, erwartete nie- mand, auch keiner unter unseren schweizerischen Genoffen. Daß aber 71 000 Schweizer Bürger sich für dasselbe aus- sprechen würden, ist ein Erfolg, über den selbst die sanguinischesten unserer Schweizer Genossen freudig er- staunt gewesen sein dürften.— Herr Dupuy dachte auch: Blut ist ein besonderer Saft, der todte Regierungen mitunter lebendig machen kann; und er stellte für gestern den Sozialisten, die auf dem Psre Lachaise das Andenken der blutigen Woche zu feiern gedachten, eine richtige Menschensalle. Die heilige Dreieinigkeit: Infanterie, Kavallerie und Artillerie— war mobil gemacht, oie Flinten und Kanonen waren bereit, von selbst loszugehen und die Säbel, von selbst aus der Scheide zu fliegen— die Sozialisten schlugen jedoch dem Möchtegern-Gesellschaftsretter ein Schnippchen. Sie gingen nicht in die Fälle, und ließen Herrn Dupuy in die Patsche. Die französischen Sozialisten sind nicht mehr der romantischen Ritter der Revolution, die jeder Zeit bereit sind, den in die Straße geworfenen Handschuh aufzunehmen — sie haben die moderne Taktik des Proletariats gelernt, die keine Putsche und Abenteuer kennt, aber der Revolution den Sieg bringt.— Das neue französische Ministerium ist eigentlich nur das alte Ministerium— mühsam zusammengeflickt, und ohne innere Kraft. Niemand glaubt an seinen Be- stand— es bleibt bloß so lange es seinen Gegnern beliebt, welche die Majorität haben und nur nicht einig sind in bezug auf das, was nachfolgen soll. Die Zerfahrenheit der bürgerlichen Gesellschaft zeigt sich so recht in diesem Ver- legenheitsministerium, das völlig programmlos ist, d. h. be- reit den Willen der Augenblicksmajorität zu thun, die von Tag zu Tag wechselt. Herr Casimir Perier ist wieder Kammerpräsident ge- worden, was er schon früher war, ehe Carnot ihn im vorigen Winter an stelle Dupuy's an die Spitze des Ministeriums zu treten zwang. Es hat also nur ein Rollentausch stattgefunden. Dupuy— Perier, Perier— Dupuy, das ist der„böse Zirkel", in den die französische Bourgeoisrepublik eingebannt ist, den aber die französische Republik sprengen muß, wenn sie nicht ersticken und ver- faulen will. Und es kracht in allen Fugen. In der neuen Auflage Dupuy ist das Ministerium weit schwächer, als es in der Auflage Perier war— die Finanzskandale, die Skandale im Kriegsministerium empören selbst einen Theil der bürgerlichen Welt, und der lottrige, verrottete Bau wird vom ersten besten parlamentarischen Windstoß über den Haufen geworfen.— Benoit Malon, dem verstorbenen französischen Sozia- listen, soll ein Denkmal errichtet werden. Ein Komitee, dem fast alle bekannten Sozialisten Frankreichs angehören, sammelt Beiträge, welche zu richten sind an Nr. Uodolpbs Simon, Adnnnistrateur de la Revue Sociale, 10 Rue Chabanaia, Paris.— Der Generalrath der belgischen Sozialdemokratie hat der bevorstehenden Wahlen wegen, auf den IS. Juli einen außerordentlichen Kongreß nach Brüssel berufen. Tagesordnung: Die Wahlen, die Kandidaturen, daS Verhältniß zu anderen Parteien:t., Organisation.— Crispi hat in dem italienischen Parka- m e n t wieder ein paar„Siege" errungen, aber nach jedem „Sieg" befindet er sich genau in derselben Lage wie vor- her— nur unter noch ungünstigeren Bedingungen. Es ist wie wenn ein Schwimmer die Brandung durchschneiden will— hinter jeder Woge thürmt eine neue sich auf, und die Frage ist, reichen die Kräfte aus für die letzte? Am Sonnabend gelang es Crispi— allerdings mit geringer Majorität: blos 229 gegen 194 Stimmen, bei 12 Stimm- enthaltungen— die endlose Debatte über das Armeebudget, wenigstens vorläufig zu beendigen, und zu bewirken, daß für heute sein Finanzplan mit den geforderten Vollmachten auf die Tagesordnung gesetzt ward. Doch was hat er mit diesem Siege gewonnen? Alle Schwierigkeiten sind noch zu überwinden. Gelöst ist noch keine Frage. Die neunzig Interpellationen, die für den Moment bei Seite gesä)oben wurden, kehren in anderer Form wieder. Und die Lage wird immer gefährlicher, die Krise immer brennender. Woher soll mehr Geld kommen aus dem aus- gesogenen, ausgepreßten,„weisgebluteten" Lande? Und nun der flanimende Zorn über das unerhört barbarische Urtheil von Palermo! Einen schmachvolleren Prozeß, eine verbrecherischereZJustizfarce hat die Welt nicht gesehen. Die Verhandlungen des Kriegsgerichts haben auch nicht eine belastende Thatsache ergeben. Für den„Hoch- und Landesverrath", den Herr Crispi zusammengefalscht hatte, ist auch nicht der Schatten eines Beweises vorgebracht worden. De Felice'S einzige Schuld war, daß er z u i d e a l in seiner Auffassung der Dinge war. Hätte er im Winter, als die Hungerrevolution zu grollen begann, sich zum Los. schlagen entschlossen, so wäre Crispi vielleicht heute beseitigt. Also höchstens z u w e n i g hat de Felice gethan, und dieses wahnsinnige Urtheil! Wahnsinnig im vollsten Sinne dcS Worts. Nur ein Wahnsinniger kann sich so brutal über alles Recht, alle Logik und alle Menschlichkeit hinweg- setzen, und nur ein Wahnsinniger kann in einem solchen Moment. der öffentlichen Meinung, den Gefühlen des Volkes so frech in's Gesicht schlagen. Herr Crispi wird an sich die Richtigkeit deS Wortes erfahren: schlimmer als ein Verbrechen, ein Fehler. Der Prozeß De Felice's, mit dem wahnsinnigen Urtheil, war die größte Dumm- h e i t, die der Bismarck Jtalien'S begehen konnte: in einem Moment, wo er ein Wunder braucht, um sich retten zu können, dem italienischen Volk einen Faustschlag versetzen — das ist D e s p o t e n w a h n n s i n n von der Art des Cäsarenwahnsinns. Und der Mann fordert setzt von der italienischen Kammer einen neuen„Gottesfrieden"— so nennt er die erstrebte Diktatur,— den„Gottesfrieden" de Felice's! Er wird ihn haben, jedoch sicher nicht so wie er ihn will!— Fabrikinspektion in Rustland. Im russischen Finanz- Ministerium werden, wie wir der„Frankfurter Zeitung" entnehmen, genaue Bestimmungen für die Fabrikinspektion ausgearbeitet. Insbesondere wird darauf Gewicht gelegt, daß die Fabrikinspektoren sich die Herstellung eines guten Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern an- gelegen sein lassen, um aus diese Weise so viel als möglich Ausstände und Unruhen zu verhüten. In besonders wichtigen Fällen können die Beamten der Fabrikinspektion, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer einwilligen, die Stelle eines Schiedsrichters übernehmen. Weiter sind die Fabrik- inspektoren auch verpflichtet, sich durch persönliche Unter- redungen mit den Fabrikanten davon zu überzeugen, daß dieselben mit der Fabrikgesetzgebung und insbesondere mit den Gesetzen über Arbeiterschutz hinlänglich bekannt sind. Beim Ausbruch eines Ausstandes oder von Unruhen auf einer Fabrik hat sich sofort der ältere Fabrikinspeklor des betreffenden Rayons nach der Fabrik»u begeben und in Gemeinschaft mit dem Distrikts-Fabrikinspektor die Ursachen der Unruhen zu erforschen und hierüber den Departements für Handel und Manufaktur zu berichten. Zu spät! Aus London erhalten wir heute folgendes Telegramm: London, 4. Juni. Die beiden Soldaten Daniel und Wilson, die während deS Matabele-Krieges die Botschaft des Königs Lobengula unterschlagen hatten, sind gestern zu vierzehn Jahren Zwangsarbeit ver» urtheilt worden. Dieses Telegramm enthüllt eine afrikanische Tragödie. Die englische Afrikanische Gesellschaft brauchte vor mehreren Monaten einen Krieg; sie sing mit den sehr tapferen aber schlecht bewaffneten Matabele-Kaffern in Südafrika Streit an und schickte dem König derselben, Lobengula, em Ultimatum. Der König nahm widerErwarten das Ultimatum an nnd schickte einen Boten mit dem Zu- stimmungsschreiben an die Engländer. Der Bote verschwand. Und der Krieg begann. Er war sehr blutig— er kostete über tausend Matabele's das Leben, führte zur Vernich- tung einer englischen Truppenabtheilung und schließlich auch zum Tod Lobengula's. Schon während des Kriegs hatte verlautet, daß ein Bote Lobengula's, der dessen Unterwerfung überbringen sollte, unterwegs von englischen Soldaten abgefangen und ermordet worden sei. Und das hat sich jetzt bestätigt, wie aus obigem Telegramme erhellt. König Lobengula und die besten seines Stammes sind todt und die noch nicht Ge- tödteten können Betrachtungen anstellen über die Segnungen der Zivilisation und die höhere Sittlichkeit der Kultur- völker. Die Bestrafung der Mörder bringt Lobengula und sein Volk nicht ins Leben zurück.— Das japanische Parlament.ist wieder einmal aus- gelöst worden.— Sozinle ZUettersittzk. An die ausgesperrten Brauerei-Arbeiter! Die Unter» stützung der Ausgesperrten wird regelmäßig jeden zweiten Tag ausbezahlt, und zwar Vormittags von 9—12 und Nachmittags von 2—6 Uhr im Lokale des Herrn Henke(Vertreter Miede- mann), Blumenstr. 38. Eine Vorausbezahlung für den folgenden Tag wie bisher findet nicht mehr statt. Wir ersuchen die Kollegen, dies zu beachten. Ausgesperrte Brauerei-Arbeiter, denen die Kündigungsfrist ausbezahlt worden ist, haben erst nach Ab- lauf von acht Tagen Wartezeit das Recht, die Unterstützung zu erheben. Für Verheirathete mit 3 Kindern und mehr beträgt die Unterstützung.. 2,— M. pro Tag, für Verheirathete 1,50„„„ für Unverheirathete 1,—„„„ Die Ausgesperrten haben die Verpflichtung, nach ihren Kräften für die strengste Durchführung des Boykotts zu sorgen. Die Agitationskommission der Brauer und Brauerei-Hilfsarbeiter. An die Burean-Angestellten! In keinem Berufe ist die Gleichgiltigkeit der Kollegen so groß, wie unter den Bureau- Angestellten. Die Zahl der Mitglieder der bestehenden Organi- sation steht, wenn auch schon ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen ist, in keinem Verhältniß zu der Zahl der Berufs- angehörigen. Nicht allein, daß die große Zahl der Kollegen wohl eine Verbesserung der Zustände für nothwendig hält, aber doch ängstlich von weiten, steht, einem umfangreichen Theil fehlt auch noch diese Erkenntniß. Kollegen! Nur durch eine starke Organisation können wir daS erreichen, wofür ein Theil unserer Kollegen bereits seit längerer Zeit eintritt. Deshalb wird es Zeit, daß die Kollegen endlich brechen mit den allen Berufsvcreinen, deren Leiter nur immer wieder die Harmonie zwischen Arbeitgeber und Arbeit» nehmer predigen. Besonders machen wir die Kollegen auf die Versammlung aufmerksam, die am Mittwoch, den 6. d. M., statt- findet, in welcher der Reichstags-Abgeordnete Fritz Zubeil einen Vortrag über„die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organi» sation halten wird. Wir richten das Ersuchen an d,e Kollegen, in dieser Versamnilung recht zahlreich und pünktlich zu er» scheinen. Die Agitationskommission der Bureau-Angestellten. I. A.: Hopp. Bom Veraarbeiter- Streik in Nordamerika. Die Bergwerks-Besitzer in sechs Staaten haben den streiken» den Bergarbeitern erklärt, daß sie beabsichtigen, andere Arbeiter zum Ersatz der Ausständigen kommen, dieselben durch bewaffnete Mannschaften-schützen zu lassen und die Bergwerke wieder zu eröffnen.— So viele Tausende von Streikbrechern heranzuziehen, dürste wohl selbst den allgewaltigen Zechenbaronen schwer fallen. Dvieffcnflxm dev Expedition. ?iir die Wiener Tischler gingen ein: ischlerei Bünger u. Friedrichsen 2. Rate 16,-.. Gesammelt von den Tischlern der Werkstatt Fritsche, Lehrterstr. 42, 7,—. Werkstatt Schoening, Pallisadenstr. 14, 4,60. Bautischlerei von Paul Graul, Bremerstraße 43, 6,45. Werkstatt Tahl. Lehrter» straße 44, ohne Ausnahme 6,70. Zahlstelle l. Holzarbeiter- Vervand 0,50. Gesammelt in der Bnutischlerei von Ziehe und 9 Mann von Goltwald, Schinkestraße 8/9, 7,35. Tischlerei von Oesmann 4,76. Möbelfabrik Karl Müller. Schön» hauser Allee 161a, 2. Rate 16,36. Möbelfabrik von Fr. Maus, Naunynstr. 63, mit Ausnahme der reichsten Tischlergesellen in Süd- Ost, 2. Rate 10,70. Kraft, Brandenburgstraße Nr. 24, Tischlerei, 7,—. Tischlerei Fitze, Fruchtstraße 64, 2. Rate 12,—. Summa 96,30 M. Bereits quittirt 1490,80 M; in Summa 1587,10 M. Von dieser Summe wurden für Weiterbeförderung an das Streikkomitee an die„Wiener Arberter-Zeitung" gesandt: 1400 M., der Rest geht am heutigen Tage an dieselbe Adresse ab. Wir schließen hiermit die Sammlung für die Wiener Tischler und ersuchen die für dieselben gesammelten Beträge dem Ver- trauensmann der Holzarbeiter E. Wiedemann, Annen» st r a ß e 39, einzuhändigen. Für die Brauerei-Zlrbeiter gingen ein: Michaelis 3,—. Von Johannsen neu aufgebügelter Zylinder» Hut 1,60. Klub„Lustige Brüder" 3,—. Freie Vereinigung der chirurgischen Branche 60,—. Von einigen Arbeitern der Eisen- bahn- Hnuptwerkstatt Berlin 3,20. Lese» und Diskutirklub Süd- Ost 10,—. Zigarrensabrik von Nillesser in Bernau i. M. 3,70. Skatklub„Köckeritz", durch Bergenröth 3,—. Arbeitssaal Mix u. Genest, Neuenburgerstraße. 8,50. Sklatklub Tournöe 25,—. Kontobucharbeiter, Kochstraße, 10,75. Bau Albrcchtstraße, Steglitz, 3,—. Von den Gürtlern der Fabrik Ritter- straße 90 3,76. Hilfsarbeiter aus einer Druckerei 2,06. Tischlerwerkstelle Wengler, Sebastianstr. 36, 6,—. Bei einer Frauen-Landpartie am 31. Mai 2,—. G. D.U. 10,—. Arbeiter von R. Krüger, Alte Jakobstr. 6,50. Pianofabrik von Möhler 7,20. Zahlstelle 1 Holzarbeiter-Verb. 1,—. Gesammelt bei Voigt u. Cremer, Alte Jakobstraße 20 6,70. Ge- sangverein Deutsche Eiche 10,—. Von den Arbeitern der Pfeifer'schen Pianofabrik, Wassergasse Nr. 4 10,75. Martens 28,30. Kurth 72,91. Die Schneider von O. u. Co. 6,—. R. D. I,—. Wilhelmshaven. Bei einer Bauarbeiter-Versamm- lung gesammelt 6,50. Magdeburg. Von den Gerbern der Fabrik Sa...... d. H. 10,—. Putzerträger aus der Pestalozzistraße 3,—. Von den Schleifern Alte Jakobstr. 23 3,75. Von den Arbeitern der Metall- Schmuckfabrik, Elisabeth-Ufer 3,20. Möbelwerkstatt Hanf u. Sohn, Krautstr. 52, 16,86. Bon einigen Arbeitern der Goldleistinfabrik von Scholz S,20. Geldschrank- fabrik von Fuhrniann, außer Einigen 5,—. Summa 346,81. Bereits quittirt 301,35. In Summa 648,16. Für den Inhalt der Injerate über nimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung 共 麵 Theater. Dienstag, den 5. Juni, Opernhaus. Bajazzi. Schauspielhaus. Wallensteins Tod. Deutsches Theater. Der Herr Senator. Berliner Theater. Der Hüttenbefizer. Lessing- Theater. Gêne. Central- TheaterUnserm Freunde und Genossen Julius Haucke Garten( b. ungünft. Witterung zu seinem heutigen Wiegenfeste ein in Schmiedel's Fettsälen), donnerndes Lebehoch, daß die ganze Warschauerstraße wackelt außer dem Alte Jakobstr. 82. Täglich außer...... Budifer. Sonnabends Sänger. Leipziger Serren With. Wolff, Horvath, Gipner, Röhl, Grosch, Böhmer, Ledermann. Eintritt 50 Pf. Kart. 30 Pf. Zig. 1073b K. R. E. B. Achtung! Parteigenoffinnen. Achtung! Donnerstag, 7. Juni, Abends 8 Uhr: 2.4 grosse Volksversammlungen Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine innigstgeliebte Frau und Mutter am 2. Juni, in folgenden Lokalen: früh 6 Uhr, in der Klinit, Potsdamer: 1. Reinhardt's Gesellschaftshaus, Hasenhaide 57. Handl. Pache( im Hause) u. s. Plat. verstorben ist. Die Beerdigung findet ftraße 113, infolge einer Operation Salle des Neuen Schöneberger Stirch 2. Noack's Madame Sans- Sommer- Theater. Residenz Theater. Jugend. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Alexanderplat- Theater. Demimonde. National Theater. Italien in Berlin. Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. Apollo Theater. Die verkehrte Welt. Brunnenstrasse 16. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorftellung 7 Uhr. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Kaufmann's Variété. Spezialitäten. Gesangverein Iris. Vorstellung. Parodie Theater. SpezialitätenVorstellung. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Novität! Novität! Italien in Berlin. Große Ausstattungs- Posse mit Gefang und Tanz in 4 Aften von Carl Peters. Musik von A, Wiedecke. Dekorationen aus, dem, Atelier, von Des Boykotts wegen findet das in der Unions- Brauerei am 9. Juni geplante Stiftungsfest nicht statt. Die ausgegebenen Billets bittet man zurück Der Vorstand. Weißbier! Für Fabriken und Werkstätten sowie für Wiederverkäufer liefere ich mein Versand- Weißbier in Müller und Schäfer. Maschinerien unübertrefflicher Güte zum Preise von Dom Theatermeister Otto Weise. 3 Mt. für 40 halbe oder 45 4/10 oder Elektrische Beleuchtungseffekte von Lakowsky. Kostüme vom Obergarde- in's Haus, in Flaschen mit Patent25 8/10 oder 20 ganze Flaschen, frei robier Paul Hildebrandt. verschluß, ohne Pfandberechnung. Regie: Mar Samst. Fernsprecher Amt Schöneberg No. 92. Raffeneröffnung 5/2 Uhr. Anfang der Borstellung 71/2 Uhr. Im Garten: Großes Konzert. Auf der Sommerbühne Aufführung von Lustspielen, Possen sowie Spezialitäten ersten Ranges. Raffenöffnung 51/2 Uhr. Anfang 61/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Letzte 11. Aufführungen! Charley's Tante. Schwant in 3 Att. v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang in 1 Aft von Ed. Jacobson u. Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. Anfang 7/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. HF Schluss der Saisen: Freitag, den 15. Juni. Victoria- Brauerei, Lützowstraße 111-112. Garten refp. Saal. Täglich( außer Sonnabends); hofes aus statt. von der 1076b R. Rublack nebst Kindern. Für die vielen Beweise inniger Theilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben unvergeßlichen einzigen Tochter Anna fagen hiermit Allen unfern aufrichtigen Dant, 1078b Eduard Lepke u. Frau. Danksagung. Für die in so hohem Maße rege Betheiligung bei der Beerdigung unseres so früh entrissenen Gatten, Vaters und Bruders, des Zimmerers Carl Zeidler 1079b sagen wir den geehrten Leidtragenden unseren aufrichtigen Dank. Berlin- Friedrichsberg. Die tranernde Wittwe, Sohn und Geschwister. Ueber die überaus rege Theilnahme beim Begräbniß unseres Sohnes und Bruders, des Metallschleifers Georg Schmerkohl, genannt Hannefriede, fagen allen Kollegen und Bekannten unsern herzlichsten Dank 1072b 3. 4. Referent: Genosse P. Wagner. Konkordia- Festsäle, Andreasstraße 64. Referent: Genosse Paul Singer. Elysium, Landsberger Allee 39-41. Referent: Genoffe Ewald Vogtherr. Germania- Festsäle, Chanfeestraße 103. Referentin: Genoffin Marie Greifenberg. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Wie stellen sich die Frauen zum Bier- Boykott? 2. Diskussion. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch, besonders der Frauen, bittet 461/17 Die Frauen- Agitations- Kommission. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, 5. Juni, Abends 81/2 Uhr, in Renz' Ballsalon( Inh. Behse), Naunynstr. 27: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Dr. Zadek über: Leistungen der Berliner Stadtverordneten auf dem Gebiete der Gesundheitspflege. 2. Dis. fussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 492/11 Mitgliedsbuch legitimirt. Gäste willkommen. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Die trauernde Mutter für den 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. nebst Geschwistern. Dienstag, den 5. Juni, Abends 8½ Uhr: Blumenhandlung Zwei Versammlungen. Berlin SW. 55472* A. Seidler, P. Abromeit, glücherstraße 69, Schöneberg, 214L* Sedanstraße Nr. 73-75 and 82. Berliner Weissbier- Brauerei. Kränze, Bouquets, Topfgewächse, Guirlanden u. s. w. 1. Jn Hensel's Salon, Invalidenstr. 1a. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über:" Die Volksschule wie sie ist und wie sie sein soll." Billigste( Markthallen-) Breise bei ge- 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Fragekasten. schmackvoller Ausführung. Evora Bräu Roh- Tabak! in vorzügl. Qualität empfiehlt in Gebinden v. 20-100 Ltr. 30 Fl.= 3 M. Otto Linke, Lagerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Sämmtl. in- und ausländischen Sorten, 2. Jm Feldschlösschen, Müllerstraße Nr. 142. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„ Die Chartistenbewegung in England." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Fragefasten. gute Qualität, tadelloser Brand, schule in allen Abtheilungen des 6. Wahlkreises gehalten wird. Den Genoffen zur Nachricht, daß der Vortrag über die Volksin billigster Preislage, empfiehlt 490/14 Der Vorstand. Handlung, Brunnenstrasse 185. Heinr. Franck, RotabakAusstellung Italien in Berlin. ( Stadtbahn- Station: Zoologischer Garten.) Gauverein Berliner Bildhauer. Laut Beschluß der Versammlung vom 29. Mai ist das für den 16. Juni in der Neuen Welt" festgesetzt gewesene Sommerfest des eingetretenen BierBoykotts wegen bis August vertagt worden. Die bereits verausgabten Einlaßfarten find zu dem späteren Fest nicht zu verwerthen, find daher an Kollegen Otto Meyer, Streltzerstr. 28, vorn 4 Tr.( Dienstags und Sonnabends Abends Täglich geöffnet von Morgens 10 Uhr bis Abends 12 Uhr. Massen- Konzerte sämmtl. italien. Musikkorps, bei Ehrenberg, Annenstr. 16) zurückzugeben. darunter des Gr. italienischen Opern- Orchesters des Maestro Cav. Gialdino Gialdini, ber Bersaglieri- Kapelle des Maestro Giacomo Gatti, des Venezian. Serenaden- Orchesters des Mobile de Malipiero, des Mandolinen- Korps des Prof. Frouth. Ferner: Mailänder Marionetten- Theater u. Venezian. Variété etc. Entree 50 Pf. Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Auftreten des Cav. Prof. Eugenio Pini, Stettiner Fechtmeister der Königl. italienischen Marine. In der großen Arena um 9 Uhr: Sänger Herren: Meysel, Häckel, Pietro, Britton, Eberius, Steidl, Bliemchen und Blank. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets im Vorverkauf à 40 Pf. und Familien- Billets( à 1 M.) für 3 Personen giltig.( Siehe Platate.) Jeden Abend wechselndes hochamüsantes Programm! Floret, Degen- und Säbel- Mensuren, an welchen sich Fechter gegen vorherige Meldung im Bureau der Ausstellung betheiligen fönnen. Donnerstag, den 7. Juni: IV. Elite- Tag. Entree 1 M. 000000-0-000000 Schweizer Garten. Am Friedrichshain. Am Königsthor. Täglich: Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Volksbelustigungen aller Art. Im neu parquettirten Saale: Täglich: Gr. Ball. } Von 5-7 Uhr: Freier Damentanz. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Entree 30 Pf., Billets vorher 25 Pf. Passage- Panopticum. 000000-0-0000000 Ein Friedrichsberg. Dahomey- Donnerstag, 7. Juni, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Westphal( Schwarzer Adler), Frankfurter Chaussee: Dorf mit 51 wilden Große öffentliche Volksversammlung. Weibern. Tägl. 8 Vorführungen. Sensationell! Castan's Panoptikum. Der 13 jährige Riese. Neus Christliche Märtyrerin. Zages Ordnung: 484/12 1. Der Bier- Boykott. Referent: Reichstags- Abgeordneter Alwin Gerisch. 2. Diskussion. Die Herren Gast- und Schankwirthe find speziell zu dieser Versammlung eingeladen. Die Vertrauensperson. Mittheilung für die Herren Gastwirthe! Erlaube mir hierdurch anzuzeigen, daß ich aus dem Verein der Berliner Brauereien ausgeschieden bin, und offerire mein gold21 Mark pro Tonne inkl. Spundgeld. farbenes und dunkles( Münchner Farbe) Carlsberger Bräu mit Ferner den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 5. Juni die VereinsBersammlung zu Gunsten der in demselben Lokal stattfindenden öffentlichen Versammlung der Bildhauer ausfällt. 42/12 Der Vorstand. Buchhandlung des„ Vorwärts" Berlin SW., Beuthstr. 2. -* Für jeden Parteigenossen, der die Geschichte der Partei fennen will, geradezu unentbehrlich ist das soeben in unserem Verlage erscheinende neue Lieferungswerk: Leipziger Hochverraths- Prozeß wider Bebel, Liebknecht, Hepner. Mit einer historischen Einleitung von W. Liebknecht. Preis pro Lieferung 20 Pf. Erschienen sind bis jetzt Heft 1 und 2. WE Das dritte Heft erscheint am 9. Juni. Alle Vorgänge in der Partei seit ihrer Gründung, ihre Beschlüsse und Aktionen, die Korrespondenz der Angeklagten und des Parteiausschusses mit Genossen und Politikern im In- und Ausland- alles liegt hier gesammelt vor. Das Buch ist daher auch für jeden politisch denkenden Staatsbürger ein reichliches politisches Quellenwerk und ein Arsenal der gesammten sozialistischen und revolutionären Literatur bis in den Anfang der 70er Jahre. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Kolporteure, Spediteure, sowie der Verlag entgegen. Frucht- Säfte 448/18 781M 243L* Himbeer-, Kirsch-, Johannisbeersaft, vorzüglich, Literflasche 1,30 Mk. Eugen Neumann& Co., 6a Belle- Allianceplatz 6a. 81 Neue Friedrichstr. 81. 8 Dranienstr. 8 Künstl. Zähne, festsitzend, unt. Garantie. Plomben 1,50. Schmerzlos. Zahnz. und Friedrich Reichenkron, Brauerei- Carlsberg, Charlottenburg, Spreestraße 3( Telephon Nr. 83). Nervtödten 1 M. Theilzahig. Zahnarzt Wolff, Leipzigerst. 22. Sprechst. 7-8. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pönsch in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthitraße 2. Bierzu zwei Beilagen i Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 127. VmzKukttrk find: 1. Schulüieiss- Brauerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin(und Tivoli). 2. Brauerei F. Happoldt. 3. Böhmisches Brauhaus, Kommandit-Gesell- schaft auf Aktien, A. Knoblauch. 4. Brauerei �ari vregory, Berlin(Adler- Brauerei). 5. Vereius-Brauerei Rixdorf. 6. Spandauer Berg-Brauerei, vorm. C. Bech- mann, Westend bei Charlottenburg. 7. Aktien- Gesellschaft Schloss• Brauerei Schöneherg. paufeinatfmrfjfcu. Zur Aussperrung der Berliner Brauerei-Zlrbeiter nahm auch die letzte östentliche sozialdemokratische Versammlung in Bernburg Stellung. Nach einem Referat des Genosse» Schulze nahm die Versammlung folgenden Antrag an: „Die Versammlung erklärt den Boykottbeschluß gegen die die Brauerei Allendorf in Schönebeck und gegen die Krakauer Brauerei für ausgehoben, dagegen verpflichtet sich die Versamm- lung mit ganzer Energie dahin zu wirken, daß das Bier der Waldschlößchen'Brauerei aus Dessau gemieden wird, an deren Spitze derselbe Herr Rösicke steht, der in erster Linie die Schuld an der Aussperrung der Brauerei-Arbeiter trägt und der auch in Dessau Arbeiter deshalb maßregelte, weil dieselben erklärten, nicht bereit zu sein, ihre gemaßregelten �Berliner Kollegen als Streikbrecher zu schädigen." ** Parteikonferenz. F ü r den A g i t a t i o n s- B e z i r k L i e g n i tz. welcher aus den Wahlkreisen Liegnitz, Goldberg, Hayna», Bunzlau, Lüben, Jauer, Bolkenhain, Landeshut, Löwen- berg, Greisenberg, Hirschberg. Schönau, Görlitz, Lauban und Rotbenburg, Hoyerswerda besteht, findet am Sonntag, den 24. Juni er. eine Parteikonferenz in Liegnitz statt.(Zeit und Lokal wird noch bekannt gegeben.) Anträge für dieselbe sind bald an den Unterzeichneten einzusenden. Desgleichen sind die Delegirten bei derselben Adresse vorher anzumelden. Jeder Ort kann bis 3 Delegirte wählen. I. A.: H e i n r i ch B o t h e, Liegnitz, Carthausstr. 4, 3 Tr. •* Mit der Ttichivahl im'P I a u e n s ch e n Wahlkreise be- schäftigte sich kurz vor der Stichwahl auch die„Franks. Ztg.". Das Blatt schrieb, nachdem es die Bewegung sämmtlicher Parteien besprochen: „Berücksichtigt man die Ziffern des ersten Wahlganges, die für den Sozialdemokraten einen Borsprung von nahezu viertausend Stimmen aufweisen, so gehört wohl keine Prophetengabe dazu, um mit Sicherheit vorauszusagen, daß die„Ordnungsparteien" den 23. sächsischen Wahlkreis, den sie ununterbrochen seit 1867 besessen haben, verlieren werden und die Zahl der sozialdemo- kratischen Reichstags-Abgeordneten auf 45 steigen wird. Für die Nummer 46 bietet Pinneberg- Elmshorn bereits die besten Aus- sichten."— Die Stichwahl hat bewiesen, daß das Blatt Recht hatte und es wird wohl auch Recht behalten mit der Nummer 46. Bon der Wahlagitation*. Aus dem 6. schleSwig- holsteinischen Wahlkreise wird dem„Hamburger Echo" geschrieben: In der verflossenen Woche hielt der Kandidat der sozial- demokratischen Partei, Genosse von Elm, Versammlungen ab in Tangstedt, Friedrichsgabe, Nienstedten, Uetersen, Lockstedt. Blankenese und Eidelstedt. Bis jetzt war Genosse von Elm mit Ausnahme eines Tages ununterbrochen jeden Tag agitatorisch thätig, die Versammlung in Eidelstedt ist die 28. während der Wahlbewegung, in welcher Genosse von Elm referirte. Alle Versammlungen waren gut besucht und von großem Erfolg. Während nun bisher fast keine Versammlung der gegnerischen Parteien stattgefunden hat, in welcher nicht ein Angehöriger unserer Partei das Wort ergriffen, meldet sich trotz regelmäßiger Aufforderung des Ge- noffen v. Elm und der Vorsitzenden unserer Versammlungen kein Gegner in denselben zu Wort. Nach den schlimmen Erfahrungen. welche die Freisinnigen in Osdorf gemacht, scheinen die Gegner vollständig den Muth verloren zu haben, unserem Kan- didaten entgegen zu treten.— Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird der Sieg diesmal schon beim ersten Wahlgang unser sein. � Der Parteitag für Reuß j. L. findet am 10. Juni im „Gasthaus zum Martinsgrund" in Pöppeln-Gera statt. Die vorläufige Tagesordnung ist:». Bericht der Vertrauens- Personen; 2. Bericht des Agitationskomitees und Neuwahl des- selben; 3. Die Parteipresse: a.) Geschäftsbericht, b) Bericht der Preßkommission und Neuwahl derselben; 4. Anträge der Ge- noffen und Genossinnen. RnS Dissen b. Osnabrück* schreibt man uns: Wenn Ar- beiter sich weigern, Waaren von Fabrikanten und sonstigen Unter- nehmern zu konsumiren, welche ihre Arbeiter ohne Grund und Anlaß auf die Straße gesetzt oder sonst gemaßregelt haben, so schwefelt die gesammte Bourgeoispresse von Terrorismus. der durch die Arbeiter geübt wird. Die frechsten und dümmst ge- leiteten Unternehmer- Organe— die Antisemitenpresse an der Spitze— schreien sogar nach Polizei und Strafgesetz, während die sreisinnige Presse auf das Fehlen eines Boykottparagraphen mit der sehr durchsichtigen Bemerkung aufmerksam macht, daß „nach Lage der Gesetzgebung" sich gegen das Verhalten der Arbeiter nichts macheu läßt. Diese Sehnsucht nach einem Boykott- Paragraphen ist wirklich rührend, besonders wenn man weiß, wie das Boykottiren seitens der Unternehmer gegen Arbeiter und kleine Geschäftsleute grundsätzlich und seit Jahren getrieben wird. So haben wir hier in Dissen an dem Fettwaaren- und Wurstfabrikanten F. Hamann ein lebendes Beispiel. Dieser Herr liesert seine Margarine und Wurstwaaren speziell nach den Großstädten und Industrie- Orten Berlin, Hamburg. Bremen, Dortmund, Hannover ze.. wo die Arbeiter die Hauptkonsumenten derselben sind. Zu Hause vertreibt Hamann aber jeden Arbeiter aus dem Orte, sobald derselbe in dem Geruch steht. Sozialdemokrat zu sein. Dabei beschränkt dieser Sozialistenfresser seine Verfolgungs- wuth nicht etwa auf die bei ihm beschäftigten Arbeiter, sondern er mißbraucht seine soziale Uebermacht auch dazu, um die von ihm beschäftigten Handwerksmeister, Böttcher u. s.»v., zu zwingen, Dienstag, den 3. Juni 1894. Arbeiter, die Herrn Hamanns Mißfallen erregt haben, zu ent- lassen. Einem in dieser Weise gemaßregelten Arbeiter gegenüber meinte Hamann: ich will keinen Hamburger Sozialdemokraten hier haben. Ter Arbeiter mußte fort. Das Geld, das die Hamburger und sonstigen Arbeiter für die Magarine, Wurst- und Fettwaaren des Herrn Hamann zahlen, nimmt derselbe aber ohne jedes Bedenken. ,» GelverbegerichtS-Wahleu*. Aus Bamberg geht uns folgendes Privatlelegramm zu: Vollständiger Sieg der Arbeitnehmer: Sozialdemokraten 728, Mischmasch 286 Stimmen. Arbeitgeber: Handwerlerverein 142, Mischmasch 106, Gewerbeverein 96 Stimmen. ** Bei den Gewerbegerichts-Wahlen in Schwelm siegte in der Stadt die sozialdemokratische Liste mit 470 Stimmen. Die Gegner(Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein, Evangelischer Arbeiter- verein. Katholischer Gesellenverein zusammen) erhielten nur 137 Stimmen. Trotzdem die Gegner kennbare Stimmzettel hatten, brachten sie es nur zu dem erwähnten Resultat. ** Polizeiliches, Gerichtliches ct. — Der Fall Thüngen macht. Schule. Der Ver- leger der„Burgstädter Bolksnimme", Genosse Emil Landgraf, strengte Privatklage wegen Beleidigung gegen den Redakteur des „Vaterlands", R. Nober, an. Landgras machte die Klage nicht in Leipzig, dem Erscheinungsorte des„Vaterland" anhängig, sondern in Burgstädt als dem Ort, wo die Beleidigung zu seiner Kenntni? gelangt war. Das Amtsgericht Burgstädt lehnte, unseres Er- achtens mit vollem Rechte, diesen Antrag ab; auf Beschwerde Landgraf's entschied indeß das Landgericht Chemnitz, daß das Amtsgericht Burgstädt doch zuständig sei, da an diesem Ort der Beleidigte Kenntniß von der Beleidigung erhalten habe. Das Landgericht bezog sich bei der Entscheidung auf den bekannten Reichsgerichts- Beschluß— Entscheidungen in Strafsachen Band XXIIl S. 126 ff. Ist es in diesem Falle auch ein Partei- genösse, der einmal ausnabmsweise von diesem Reichsgerichts- Beschluß profitirte. so halten wir denselben nach wie vor sür eine für die Presse außerordentlich gefährliche Maßregel. — B e r b o t e n e S ch n e i d e r v e r sa m m l n n g. Die am Montag, den 28. Mai, nach der Wartburg einberufene öffentliche Versammlung der Schneider mit der Tagesordnung: Die Kämpfe der Arbeiter in der Gegenwart»nd Zukunft. Referent: Ernst Grenz ist auf grnnd Z 5 des Vereinsgesetzes verboten worden. Eine Versammlung mit anderer Tagesordnung und anderm Referenten wurde ebenfalls nicht genehmigt. Mainz. 3. Juni. Das hiesige Schöffengericht sprach den früheren Kossirerder hiesigen Zahlstelle des Metallarbeiter-Verbandes Nikolaus Schuld von der Anklage, den Verband um etwa 274 M. betrogen zu haben, frei»nd verwies den Verband aus den Weg der Zivilklege. Es konitte dem Angeklagten nicht be- wiesen werden, daß er sich das Geld rechtswidrig ongeeignct habe, obwohl das Fehlen desselben konstatirt wurde. Loktsles. Sämmtliche Lokalinhaber sind seitens der Leiter des Brauer- Ringes zu einer Besprechung heute Nachmittag 4 Uhr nach dem Lokale des Herrn Boltz(früher Feuerstein), Alte Jakcbstraße 75, eingeladen. Was die Herren Brauer von den Lokalinhabern wünschen, ist uns natürlich nicht bekannt, im übrigen uns auch sehr glcichgiltig. Wenn aber etwa der Plan bestehen sollte, die Berliner Arbeiterschaft mit ihren Versammlungen abdachlos zu machen, so können wir den Herren heute schon, ohne ein Geheimniß verrathen, mittheilen, daß auch sür diese Eventualität vorgesorgt ist, und die einzigen Leidtragenden bei einem solchen Beschlüsse nur diejenigen Lokalbesitzer resp. Pächter sein würden, die den Brauern auf die Leimstange hupfen.— Die Herren mögen es sich ein für allemal gesagt sein lassen, die Berliner Arbeiterschaft wird, allen Machinationen zum Trotz, so lange kein boykottirles Bier trinken, bis den brutal vergewaltigten Brauerei- Arbeitern ihr Recht geworden ist. Wie man im Interesse der Brauereibefltzer zn maß- regeln Meist. In dem kgl. Bekleidungsamt am Kupsergraben werden ungefähr 24 Zivil-Schuhmacher beschäftigt. Für die Kantine dieses Amtes ist die Schultheiß Brauerei Lieferantin des Flaschenbieres. Als die Zivil-Schuhmacher nun das Bier kürz- lich abbestellten, forschte der Feldwebel, dem diese Abtheilung untersteht, nach der Ursache der Abbestellung und die Folge der Recherchen war, daß am Freitag der vorvorigen Woche 6 Arbeiter und am Sonnabend darauf der größte Theil derübrigen Schuhmacher entlassen wurde. Derartige Maßregelungen sind natürlich nur geeignet, die Arbeiterschaft in ihrem gerechten Kampf gegen den Uebermuth des Brauerei-Rings aufs neue anzufeuern. Die Wirkung solcher Eingriffe in die Privatrechte der Arbeiterschaft haben, wie von uns ja erst in letzter Nummer zahlenmäßig dar- gelegt wurde, am allerschwersten die Brauereien zu verspüren, die die„Arbeitgeber" jeder Eouleur zum Beistand aufgefordert haben. In ihrem VerzweiflungSkampf greifen die Brauerei- besitzer und deren ergebene Diener zu immer gewagteren Mitteln. In der Schloßbrauerei Echöneberg hat ein Brauer, der laut Zeugniß vier Jahre dort zur vollen Zufriedenheit beschäftigt war, das Verbrechen begangen, seine ausgesperrten Kollegen durch Ueberweisung des bestimmten Antheils vom Wochenlohn zu unterstützen. Dies erfuhr der Gährsührer und die Sühne sür die Pflichterfüllung wurde an dem Brauer nicht allein durch Entlassung vollstr.ckt, sondern der Vorgesetzte er- dreistete sich außerdem noch, dem Brauer einige Ohrfeigen zu appliziren. als dieser sich weigerte, Rechenschaft über sein Thun abzulegen! Für das System, nach welchem in der Schöneberger Brauerei gekämpft wird, ist es ferner bezeichnend, daß der Braumeister vor kurzem einem anderen Brauer sagte, ob er keine Sammel- liste für die Ausgesperrten bei sich habe, er wolle auch einen Betrag darauf zeichnen. Dem Brauer fiel es natürlich nicht ein, auf diesen Scherz einzugehen und dem Braumeister die Namen der auf der Sammel- liste als Geber Verzeichneten zur Maßregelung vorzulegen. Er erwiderte auf die Frage einfach und präzis, daß er ja in dem Bureau der Ausgesperrten, Blumenstr. 38, so viel Geld wie er wolle für seine Opfer abladen könne. Strafe: Ebenfalls so- fortige Kündigung! Und angesichts solcher Kampfesweise trompetet Eugen Richter lustig weiter in das Horn ordnungswüthiger Branereibesitzer- Moral. Seine Hilfe ist zwar auch danach. Herr Nösicke ist, wie ihm von seine» Freunden nachgerühmt wird, ein schnell entschlossener und energischer Mann, der nicht viel Federlesens macht und keine Rücksichtnahme kennt. Neben vielen anderen seiner„Untergebenen" lernte dies auch vor einigen Jahren einer seiner Buchhalter. Herr W., zu seinem Schaden kennen, als er eine Lohnforderung der Kutscher der Schultheiß- Brauerei den Fordernden gegenüber eine berechtigte nannte. Als Jjerr Rösicke davon Kenntniß erhielt, wurde der Buchhalter ofort entlassen. Bielleicht lernen dir Ringgenossen des Herrn 11. Jahrg. Rösicke die schnelle Entschlossenheit desselben auch noch zu ihrem Schaden kennen! Schlechte Zeiten uud doch kein Nothstand 1 In seinem erst jetzt veröffentlichten Haupt-Verwaltungsbericht über die Zeit vom 1. April 1392 bis 31. März 1893 giebt der Magistrat wiederum zu, daß die wirthschaftliche Lage in diesem Zeitraum nicht besser, sondern noch schlechter geworden ist.„Das Wirth- schaftsjahr 1892". sagt er,„war noch ungünstiger als seine Vor- gänger". Die Ungunst erblickt er jedoch in erster Linie in dem gegen 1391 niedrigeren Stand der Getreidepreise, durch den sich dieLandwirthschaft schwer bedrückt gefühlt habe. Außerdem wird zugegeben, daß„auch die Klagen der Industrie über Mangel an Absatz ihrer Erzeugnisse zugenommen haben". Dagegen weiß der Magistrat von einem Nothstand der Arbeiter- bevölkeruug und der Arbeitslosen diesmal nichts zu melden. Er meint sogar, ein außergewöhnlicher Nothstand sei auch in diesem Jahre(1392/93) nicht zu befürchten gewesen, deshalb seien auch den Armen nicht feste Theuerungszulagen gegeben, sondern nur die Unterstützungsgelder erhöht worden. Beinahe amüsant(wenn es sich nicht um eine so ernste Sache handelte) möchte man die Bemerkung finden, daß man 1891 infolge der zeitweise außer- ordentlichen Höhe der Getreidepreise„von einem Nothjahr zu sprechen anfing". Sehr gut gesagt, dieses„anfing". So vor- sichtig versteht sich wirklich nur ein Berliner Magistrat auszu- drücken, wenn er vom Nothstand sprechen muß. Der Polizeistaat, wie er leibt und lebt, guckt aus einem Ministerialerlaß hervor, der bezüglich des Flaschenbier- Handels an den Regierungspräsidenten zu Potsdam ergangen ist. Danach hat„der an keine Genehmigung gebundene und keiner besonderen Aussicht unterstellte Flaschenbierhandel einen bedeutenden Umfang erreicht und neben dem nicht zu unter- schätzenden Vortheil einer Abnahme des Branntweinverbrauchs und des Wirthhausbesuchs, auch wohl eine das Bedürfniß überschreitende Zunahme des häuslichen Bier- Konsums zur Folge gehabt. Einschränkungen in dieser Hin- ficht scheinen jedoch zur Zeit weder dringlich noch angängig, Dagegen fragt es sich, ob gesetzgeberische Maßregeln au- gezeigt fein möchten, um wirksamer als bisher dem Mixbrauche entgegen zu treten, daß die Flaschenbier- Händler unbefugter Weise Schankwirthschaft betreiben. Es ist sür die Polizei-Orgnne eine nicht leichte Aufgabe. sestzustellen, ob die Flaschenbierhandel treibenden Personen, die in sittlicher Beziehung nicht immer zuverlässig sind, in ihren dem Einblick und dem Zugang oft schwer erreichbaren und den Anforderungen für Schankräume nicht genügenden Räum- lichkeiten Bier zum Genüsse auf der Stelle verabreichen oder doch das Trinken der Käufer aus der Flasche dulden. Gelingt die Uebersührung, so hat die Strafe häufig nicht die Wirkung, den Händler von wiederholter Uebertretung abzuhalten. Mehr Erfolg dürfte es versprechen, wenn die mit Bier Kleinhandel treibenden Personen den in Z 35 der Gewerbe-Ordnung aufgeführten Gewerbetreibenden angereiht würden. Die damit ge- schaffene Möglichkeit, unzuverlässigen Personen, namentlich solchen, die ihren Handel zur Ausübung des Schankgewerbes ohne Konzession mißbrauchen, den Kleinhandel mit Bier zu untersagen, dürste dem Zwecke genügen, und vor einer den Ver- kehr beengenden, die Behörden belastenden Ausdehnung der Konzessionspflicht auf den Flascheubier-Handel den Vorzug ver- dienen." Der Regierungspräsident, der über diese„Uebelstände" sich gutachtlich äußern soll, wird im Einverständniß mit dem Minister wahrscheinlich finden, daß gegen dieselben„Maßregeln ergriffen werden müssen" und nicht lange wird es dauern, so ist für die unteren Polizeiorgane das Signal gegeben zu einer fröhlichen Jagd aus Personen, die„in sittlicher Beziehung nicht immer zu- verlässig sind." Und ist dann nach dem Vorbild im schönen Sachsenlande gefunden worden, daß vornehmlich auf Sozialdemo- traten das Augenmerk gerichtet werden muß, so wird nicht daran zu zweifeln sein, daß der Minister in nicht zu langer Zeit auch von dem große» Erfolg dieser guasi sozialen Reformthat reden kann. Aber auch weiter ist dann das Feld geebnet zu sozialen Großthaten und wer weiß, ob die gut regierungstreuen Organe. die zur gegenwärtigen Zeit sich sittlich entrüsten über vorgebliche sozialdemokratische Bierschnüffeleien, es nicht alsbald als einen segensreichen Erfolg gouvernementaler Sozialpolitik preise» werden, wenn hiufüro allmontäglich eine Anzahl unvorsichtiger Familienväter wegen schutzmänniglich konstatirter„Ueberschreitung des obrigkeitlich als normal erachteten häusNchen Bierkonsums" mit drei Mark Geldstrafe ev. einen Tag Haft bedacht werden. Unbeschadet der staatlichen Oberaussicht über die häusliche Affen- zuchl bleibt es natürlich immer die Sozialdemokratie, die in Gegenwart und Zukunft der persönlichen Freiheit des Menschen die wahnsinnigsten Beschränkungen auferlegen will. Eine Unverschämtheit. Der nachstehende uns im Original vorliegende Brief des Milchkönigs Bolle an einen seiner früheren Arbeiter dürfte wohl mit zu dem unverschämtesten gehören, was Unternehmerhochmuth de» Arbeitern zuzumuthen sich herausnimmt. Der Brief lautet: Berlin NW. 21, den 8. März 1894. Herrn n. s. w. Auf Ihre Zeilen vom 2. d. M. theile ich Ihnen hier- durch mit. daß Sie mit mehreren anderen Leuten zu- fammen entlassen worden sind, weil die Arbeit äugen- blicklich bei mir zu Ende ging. Aus der Zahl der Ar- beiter sind speziell Sie gewählt worden, weil Sie der- jenige sind, der grundsätzlich die auf meinem Grund- stücke eingerichtete Restauration für meine Leute nicht besuchte, sondern die Lokalein derNach- b a r s ch a f t f r e q u e n t i r t e. Wenn es mir auch nicht auf das wenige Geld ankommt, das Sie b e i m i r v erzehrt h ätten, so gaben Sie doch ein zu schlechtes Beispiel meinen anderen Leuten, welche mein Lokal gern besuchen. Ich bedauere deshalb, Sie unter den ob- wallenden Umständen nicht wieder bei mir einstellen zu können. Achtungsvoll . G. Bolle i. B. I. Bolle. Ein köitliches Schriftstück, nicht wahr. Der streng konser- vative Handwerkerfreund Bolle entläßt seine Arbeiter, wenn sie bei den kleinen Geschäftsleuten der Nachbarschaft ihre Einkäufe besorgen, denn sie müssen bei Bolle kaufen, weil er bei den Waaren für das„wenige Geld" noch seinen Zehent erheben will. Terrorisnius, geübt gegen die Arbeiter, ist das aber natürlich nicht. Arbeitsscheu. Unter der Fülle der interessanten Er- scheinungen, welche der„Fall Brausewetter" gebracht bat. ist es besonders eine, welche bisher noch nicht die verdiente Würdigung gefunden hat, nämlich die Auschauung imd Auffassung, welche ein Theil unseres Richterstaudes über die Arbeitslosen hegt. Daß unserer Bourgeoisie sür die beiden Begriffe: Arbeits- losigkeit und Obdachlosigkeit sich ein Wort zur rechten Zeit eingestellt hat. nämlich das Wort„Arbeitsscheu", ist eine bekanute Thatsache. Man braucht blos die zur gewohnten Zeit durch die Blätter gehenden Mittheilungen über die ziinehmende Bettelei sich etwas näher anzusehen und die sittliche Entrüstung über die Zudringlichkeit dieser Menschen, welche es dem vividendenfatten Bürger verleiden, die Früchte seines , jleijicc" in N>che und Veschaulichlcit zu genießen--- und man wird klar nud deutlich die Frage und Anklage herauslesen: ia warum arbeiten diese Leute nicht? Auch ein Theil unseres NichterstaudeZ hat sich diese An- Ichanung zu eigen gemacht. ..LimimelS und Noivdies" nannte Herr Polizeihauptmann Feist die Arbeitsloien;„,iluge Bursche» betitelte Herr Land- cerichtedrreklor Brausewetler Männer, welche im harten Kamps ums Daseins nud tägliche Brot sich befanden;„nach den großen Städten zieht sich ,a allerhand Gesindel zusammen, das gar nicht dorthin gehört, nur um die Freuden der Großstadt arbeitslos zu genießen» argumentirte Herr Staatsanwalt /*•. Beuedix. Diese Aeußerungen entspringen nicht blos slibjef lwem Empsinden, sie sind typisch für einen Theil unseres lliichtersiandes. dem die Worte Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit ein sich deckender Begriff geworden und der sich auch auf die Recht sprechung übertragen hat.— Das ist ei» schwerer Vorwurf und er bedarf des Beweises. Die monatlichen Zusammenstellungen, welche über die Frequenz de? städtischen Obdaches berichten, enthalten stet- den Schluß- pa,sus: der Polizei vorgeführt wurden so und soviel Männer und Frauen. Warum der Polizei vorgeführt? Was haben sie ver- krochen? Sie haben einfach die ihnen bei ihrem erstmaligen Besuch de- Obdaches ertheilte„Verwarnung",„sich binnen fünf Tagen ein Unterkommen zu beschaffen, widrigenfalls sie wegen„Ar- bcitsscheu" bis zu sechs Wochen Haft bestrast werden können. ailch aus Unterbringung in ein Arbeitshaus erkannt werden kann»,»icht befolgt oder vielmehr nicht befolgen können und lehcn nun ihrer Bestrafung entgegen, sofern sie nicht den glaub- hasten Beweis durch Zeugen führen können, daß sie sich»m Ar- bcit bemüht haben. Diesen Beiveis haben sie vor dem Richter zu führen, dem sie von Polizei wegen vorgeführt werden. Die Anklage erfolgt auf grund des be— rühmten Z 361, der in seinen hier in Betracht kommenden Theileu lautet: „Mit Hast wird bestraft--- 7. wer. wenn er aus öffentlichen Armenmitteln eine Unter- siutzung empfängt, sich aus Arbeitsscheu weigert, die ihm von der Behörde angewiesene, seinen Kräften angemessene Arbeit zu ver- richten; ö. wer nach Verlust seines bisherigen Unterkommens binnen der ihm von der zuständigen Behörde gewährten Frist sich ieui anderweitiges Unterkommen verschafft und auch nicht nachweisen kann. daß er solches der von ihm an- gewendeten Bemühungen ungeachtet nicht vermocht habe." Das Wort„Arbeitsscheu", das übrigens im Straf-Gesetzbuch nur an dieser Stelle vorkomint. wird hier als konkreter Begriff hin- gestellt, der einer näheren Erklärung nicht bedarf und nach Er- niesten des Richters ausgelegt werden kann; es ist aber klar, daß eine Bestrafung wegen Arbeitsscheu nur dann eintreten kann, wenn die Voraussetzungen des Absatz 7. also Unterstützung aus Armeumitteln und die Verweigerung einer— wenn auch nur zwangsweisen, so doch dargebotenen— Arbeitsgelegenheit zutreffen. Wie stellt sich die Sache nun aber in der Praxis der Recht fprechung? Es giebt viele Fälle, in denen sich der Angeschuldigte redlich um Arbeit bemüht hat, aber keinen Zeugen dafür anzugeben vermag. weil er diese Personen nicht kennt, oder sie aus irgend einem Grunde nicht ermitteln kann. Es ist aber auch vor- gekommen und kommt thatsächlrch vor— wie jeder, der einer solchen Verhandlung am Alexanderplalz oder in Moabit beb wohnt, sich zu überzeugen täglich Gelegenheit hat— daß dem Richter die Stellung von nur einem Zeugen nicht genügend erscheint, um die Arbeitsbemühungen der Angeschuldigte» als erwiesen zu erachten, oder daß er gar die Verschiedenheit der Berufsstellung zwischen den» Zeugen und Angeschuldigten in's Feld führte, um daraus zu folgern, daß es dem letzteren nicht Ernst mit seinen Absichten gewesen sein könne, denn sonst hätte der Angeschuldigte, der z. B- Schlosser ist, sich nicht an einen Kohlenhändler um Arbeit gewandt! Und der Angeschuldigte wird verurtheilt.— Wie ist nun wohl der Gedankengang des Richters gewesen? Es kann doch nur folgender sein:„Wer kein Unterkommen hat, besitzt eben kein Geld, solches zu bezahlen; wer kein Geld hat, kann solches durch Arbeit erwerben; wer das nun nicht thut, ist eben arbeitsscheu, denn in freier„Würdigung" des Beweises ist mir die Stellung eines Zeugen nicht beweiskräftig für seine Bemühungen um Arbeit." Der Angeschuldigte wird verurtheilt, nach dem tobten Buch- staben des Gesetzes wegen„Nichtbeschaffung eines Unterkommens», nach dem Geist des erkennenden Richters aber wegen„Ar- beitsscheu". Und daß dies die ständige Praxis ist. soll das Schlußglied in der Kette unserer Beweisführung ergeben. Wir befinden uns wieder im Gerichtssaal. „Ihr Name, Alter, Stand?» „Müller, 42 Jahre, Arbeiter.» „Sind Sie schon bestrast?"--- „Ich frage, ob Sie schon bestraft sind?!»-- „Nun, dann will i ch es Ihnen sagen, Sie sind bereits zweimal wegen Arbeitsscheu bestraft und sind d i e s e r h a l b jetzt zum dritten Male angeklagt.„Herr Anwalt?" „Ich beantrage 6 Wochen Hast und Ueberweismig an die Landspolizeibehörde.» „So beschloffen und erkannt.» Und das Brandmal der„Arbeitsscheu» wird dem also Ver- urtheilten zum dritten Male ausgedrückt, weil seine Mittel nicht hinreichten, um eine Wohnung zu bezahlen und er Arbeit nicht finden konnte. Er ist zu sechs Wochen Hast und Unterbringung in ein Arbeitshaus verurtheilt worden und zwar aus grund seiner Vorstrafen, die durch den Mund des Vorsitzenden selbst ausdrück- lich als„Arbeitsscheu» verkündet worden sind. Von Rechts wegen!— Damit ist der Vorhang über den ersten Theil des Dramas gefallen.— Ueber die„erzieherische Wirkung' des Arbeitshauses unter- halten wir unsere Leser vielleicht ein anderes Mal. Unter de« Hilfsarbeiter» und den nicht fest angestellten Beamten des Magistrats hat, wie wir kürzlich berichteten, das Verfahren, welches in bezug auf die von diesen Leuten gegründeten Krankenkasse von oben herab beliebt wurde, eine erklärliche Aufregung hervorgerufen. Unserer da- maligen Mittheilung zufolge gründeten vor Jahren die beim Magistrat dauernd beschäftigten Bureau- Hilfsarbeiter und Kanzlisten aus eigenem Autriebe eine eingeschriebene Krankenkasse, die bei Krankheitsfällen von mehr als dreitägiger Dauer täglich 2 Mark Unterstützung zahlt. Mit der Kasse ist auch eine Sterbe- lasse verbunden, die bei Einzahlungen von je einer Mark monat- lich ein Sterbegeld von je 150 Mark gewährt. Vorsitzender ist gegenwärtig der frühere Kanzlist, jetzige Magistratssekretär Teßmer. Vor etwa zwei Monaten ist nun laut Magistratsverfügung von den vorgenannten Beamtenkategorien eine Erklärung gefordert worden, ob sie dieser oder einer anderen Kasse angehören. Anlaß hierzu gab die Absicht, den Kaffenmitgliedern in Krankheitsfällen von den bisher bewilligten Tagegeldern Abzüge in Höhe des Krankengeldes zu machen. Die Folge davon war erklär- licherweise ein Mastenaustritt aus der Kasse. Da nun die Kasse unter diesen Umständen in ihren: Weiterbestehen ge> fährdet war, hat der Vorsitzende dem Oberbürgermeister Vortrag gehalten und den Beamten nun die Erklärung desselben gebracht, daß alle Bureauhilssarbeiter und Kanzlisten der Kasse bei- treten sollen, widrigenfalls ihnen in Urlaubs- und Krank- heitsfällen die bisher weitergezahlten Tagegelder nicht mehr bewilligt würden. Die in Betracht kommenden Be- amten sind indeß bisher erfreulicher Weise nicht geneigt, der Kasse wieder beizutreten. Sie sind der richtigen Ansicht, daß der Magistrat nicht berechtigt sei, die ohne Zuthun der Behörde erworbenen Bortheile seiner Bureaubedienftelen in Anspruch zu nehmen, um dem Stadtsäckel Ersparnisse zu bereiten. Wir find in der That begierig, wie der Magistrat diese neueste Großthat seines sozialpolititischen Wirkens zu begründen und zu rechtfertigen'gedenkt. Hoffentlich stehen die betroffenen Bureaubeamten auch hinfort dieser magistratlichen Maßregel ge- schlössen gegenüber. � DaS Familiendrama in der Großen Hamburgerstraße veranlaßt die bürgerliche Presse zu spaltenlangen Betrachtungen über die traurigen Ursachen, die zu der furchtbaren That ge- führt haben. Ziemlich allgemein ist das Mitleid mit dem Manne. der durch die Sorge um seine und seiner Angehörigen Existenz zum Mörder und Selbstmörder wurde. Und ungefähr ebenso allgemein ist die Entrüstung über die, welche ihn durch Schwindel und Betrug um seinen Verdienst brachten und schließlich ruinirten. Wir stimmen dem Ausdruck dieser Em- pfindungen von Herzen bei. Aber über Eines müssen wir uns bei der ganzen Sache wundern. Wenn man alle diese, gewiß aufrichtig gemeinten Betrachtungen liest, dann könnte man beinahe auf die Vermuthung kommen, der- gleichen Verzweiflungsthaten seien noch nie oder doch nur selten vorgekommen. Und doch haben sie sich in den letzten Jahren ziemlich oft wiederholt. Die Zahl der Opfer war allerdings wohl noch nie eine so große; aber an dem Wesen der That wird dadurch nichts geändert. Es ist wirklich nichts Neues und so Unerhörtes, daß ein verzweifelnder Vater sich aus Mangel an Existenzmitteln mit Frau und Kind umbringt. Aber freilich ereignen sich solche Thaten selten in Familien, die zu den besser Situirten, wenn nicht gehören, so doch ge- rechnet werden. Wir möchten uns das ganz außer- gewöhnliche Mitleid und die zornige Entrüstung, die die bürgerlichen Blätter an den Tag legen, daraus erklären, daß die Noth sich hier einmal ihre Opfer aus einer Gesellschaftsschicht geHoll hat, in der sie ein seltenerer Gast ist. Der Malermeister Seeger gehörte nicht zu jenen kleinen Handwerkern, die in der Mitte stehen zwischen Bourgeoisie und Proletariat und sich gegen das ihnen beschiedcne Schicksal, gänzlich in das Proletariat hinabzusinken, mit verzweifelter Anstrengung, aber schließlich doch vergeblich wehren. Seeger stand vor seinem Ruin ziemlich glänzend da. Er beschäftigte früher 60 und noch bis zuletzt gegen 30 Arbeiter, hatte für drei Erwachsene und vier Kinder eine Wohnung von 1400 Mark, ließ seine Söhne das Gymnasium be- suchen u. s. w. Wir verwahren uns ausdrücklich dagegen, daß wir den bcklagenswerthen Tobten hier schmähen wollen. Daß er ein Mann von anstündiger Gesinnung war, geht aus den von ihm hinterlassenen Briefen und vor allem daraus hervor, daß seine Arbeiter, obwohl er sie seit langem auf den Lohn warten lassen mußte, ihm bis zuletzt ihr Vertrauen bewahrt haben und noch nach seinem Tode mit Achtung von ihm sprechen. Aber wenn ein weniger Bemittelter, wenn ein Arbeiter zum Strick greift, ist der vielleicht weniger beklagenswerth? Bon solchen Er- eiguissen nimmt die bürgerliche Presse meist nur kurze Noliz, ohne einen Kommentar hinzuzufügen. Sie sind ja auch beinahe etwas Alltägliches, so daß sich wirklich kaum noch einer darüber aufregen kann, am allerwenigsten die bürgerliche Gesellschaft. Es wird nun als ein besonders tragischer Umstand bezeichnet, daß Seeger, der ein arbeitsamer Mann ge- wesen sein soll, ein Opfer des Bauschwindels geworden sei, der schon so viele Handwerker ruinirt habe. Ja, aber die Bau- schwindler ruinircn doch nicht blos die Handwerker, die für sie liefern, sondern auch die Arbeiter, die für die Handwerker arbeiten und nun ebenfalls nicht bezahlt werden können. Und wirkt die nicht strafbare Ausbeutung fremder Arbeitskrast, die der Ar- beitcr in den Fabriken und Werkstätten erdulden muß, etwa weniger ruinirend als die strafbare, unter der das für Schwindelbauten liefernde Handwerkerthum zu leiden hat? Hat noch nie ein Arbeiter seinem Leben ein Ende gemacht, weil er zu wenig für sich und die Seinen verdiente, noch nie ein Arbeits- loser, weil er durch Einführung von Maschinen oder durch Ver- längerung der Arbeitszeit in einem Betriebe überflüssig geworden war und keine andere Beschäftigung finden konnte? Für solche Leute hat die bürgerliche Gesellschaft und ihre Presse kein Mitleid, die sind ihr weiter nichts als Faullenzer, die nicht arbeiten wollen. Wcimann's VolkSgart««. Unter Bezugnahme auf unsere Notiz in der Sonntagsnunimer, daß in Weimann's Vvlksgarten (Gesundbrunnen) auch noch Boykottbier verschänkt wird, werden wir von der Direktion dieses Etablissements benachrichtigt, daß bei allen öffentlichen Geschäften nur Reichenkron'sches Bier (Carlsberg) verzapft wird. Gelegentlich eines Festes, das der Bezirksverein der nördlichen Rofenthnler Vorstadt bei uns ver- austaltete, wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Vorstandes des genannten Vereins Gregory-Bier verlangt. Wir konnten uns dem nicht entziehen, weil sonst das Fest nicht abgehalten werden sollte. Im übrigen erklären wir hiermit ausdrücklich, daß sonst nur Bier aus das Reichenkrou'schen Brauerei zum Ausschank kommt. Von einem mächtigen Feuer wurde am Montag Morgen 9 Uhr die Gerberei und Lederzurichterei von Hallich u. Co. in der Wollankstr. 60 zu Pankow zerstört. Die Fabrik befindet sich in einem langgestreckten einstöckigen Gebäude. Nach der Straße zu liegt der Maschinenraum, von wo aus der Brand entstanden ist, der sich schnell über die Dachkonstruktion des ganzen Baues verbreitet hat und von da aus nach unten geschlagen ist. Die Berliner Feuerwehr, die alsbald zur Stelle war, ließ sofort noch einen Dampsspritzen-Zug nachkommen und eröffnete mit diesem. mit einer großen Druckspritze und von Hydranten aus»inen forcirten Angriff. Auch die Pankower Feuerwehr war zur Stelle, trat aber erst in Thätigkeit, als die Hauptgefahr beseitigt war. In der elften Stunde rückten die Berliner Mannschaften wieder ab. Die Insassen eines herrschaftlichen Fuhrwerks haben am Sonntag-Abend bei einem durch dasselbe verursachten Un- glücksfall die bei solchen Gelegenheiten meistens übliche Rohheit an den Tag gelegt. Der Kutscher hatte kurz vor der Kottbuser- brücke die 70 jährige Wittwe Höpfner aus der Manteuffelstr. 100, die in Begleitung ihrer Tochter, der Wittwe Kürgen, die Straße überschritt, überfahren. Anstatt sich nun nach der Verletzten, die eine Quetschung am Schienbein und eine Wunde über dem linken Auge davongetragen hatte, umzusehen und für Hilfe zu sorgen. veranlaßten die drei im Innern des Gefährts sitzenden höchst« wahrscheinlich durch Bildung und Besitz maßgebenden Personen den Kutscher, in schnellster Gangart davonzujagen. Trotz Ver- folgung entkam der Wagen. Die Greisin mußte mittels Droschke zunächst nach einer Sanitätswache, dann nach ihrer Wohnung gebracht werden. Es giebt immer noch keinen Nothstand. Eine hiesige Speiseanstalt suchte, wie die„V.-Ztg." meldet, einen jungen Mann zur Führung der Bücher gegen ein monatliches Gehalt von— 40 M. Für diese Stelle mit dem erbärmlichen Hunger- lohn haben sich S6V Bewerber in den verschiedensten Altersklassen gemeldet. Der Anfang vom Ende de« NachtwächterthnmS. In der Milternachtstunde zum 1. Juli sollen die Funktionen der Nachtwächter in Moabit ein Ende haben. Der nächtliche Sicher- heitsdienst wird in diesem Stadtbezirk fortan von der Schutz. Mannschaft versehen werden. Also hat das Polizeipräsidium dem Magistrat in einer amtlichen Mittheilung verkündet. Gleichzeitig giebt der Polizeipräsident die Dienstanweisung für die nächtlichen Schutzleute bekannt. Danach wird die für die Nachtwachtmannschaft unterm 15. Dezember 1687 erlassene Nachtwachtdienst-Jnstrultion wesent- lich geändert. Die Nachtschutzleute führen nicht mehr die Haus- schlüssel des Reviers bei sich, sie befassen sich überhaupt nicht mehr mit dem Oeffnen der Hausthüren, ebenso wenig mehr kümmern die Nachtschutzleute sich um das Verschließen der Häuser. Sie haben sich auch nicht mehr davon durch An- fassen der Thürklinken u. s. w. zu überzeugen, ob auch die Thüren gehörig verschlossen sind. Ebenso dürfen die Nacht- schutzleute nicht, wie es(die Nachtwächter vielfach thun. Weck« stellen übernehmen, d. h. Personen, die früh heraus müssen, gegen eine kleine Vergütigung wecken. Der Magistrat ist ersucht worden, diese Veränderungen. welche, nachdem die erforderlichen Mannschaften geworben worden sind, zunächst versuchsweise in dem vorerwähnten Bezirk eingeführt werden sollen, öffentlich bekannt zu machen, und wird dies, obwohl die Gemeindevertretung hierzu nicht verpflichtet ist. dennoch des allgemeinen Interesses wegen an den Anschlagsäulen zur Ausführung bringen. Es ist ja traurig, daß eine große Anzahl im Dienst er- grauter Beamter sich plötzlich gleich dem ersten besten zu alt- gewordenen Arbeiter außer Stellung gesetzt sieht. Auch mag es den ruhig seines Weges daher gehenden Philister nicht besonders behaglich erscheinen, wenn an Stelle des unter Umständen noch kardinal dreinblickenden Nachtwächters der schneidige Schutzmann nächtlich durch die Straßen wandelt. Aber Faselei ist es, wenn bürgerliche Blätter knieschlotternd fragen, wer denn fortan den Besitz des Hauseigenthühmers und Wählers erster Klaffe schützen solle! Das heilige Eigenthum wird— wenigstens vor den kleinen Tieben— in Zukunft nicht minder behütet sein als vordem, und die einzige Unbequemlichkeit für die Hausbesitzer ist vielleicht die, daß sie ihren Miethern einen Hausschlüssel mehr als sonst zu liefern haben. Der Rixdorfer NathSkellcrwirth Sommerfeld, der von der dortigen„besseren Gesellschaft» boykottirt wurde, weil er Sozialdemokrat sein sollte, ist von seinem Pachtvertrage entbunden worden. Am 15. d.M. übernimmt ein Pferdebahn-Bureaudiener Lienig aus Berlin den Ralhskeller und damit dürste wohl Rix- dorf gerettet sein. Der Arbeiter Urban theilt uns zu dem von unS ver- össentlichten Uriasbrief, der an ihn in Gestalt einer anonymen Post- karte gesandt wurde, ergänzend mit, daß der Streich nicht die von dem Denunzianten erhoffte Wirkung gehabt habe. Die Nachricht unseres Gewährsmannes war eine irrthümliche, die Entlassung Urban's ist nicht erfolgt. AuS NahrnngSsoraen in den Tod gegangen ist der 49 Jahre alte Arbeiter Hermann Schivennecke, der in der Kopf- straße zu Nixdorf wohnte. In der Nacht zum Sonnabend hatte sich der Unglückliche in einen Neubau in der Wanzlickstraße ge- schlichen und dort an einer Leiter erhängt. Die oft gerügte Unsitte der Jugend, sich an Fuhrwerke anzuhängen, hat am Sonnabend Nachmittag einen schweren Unglücksfall im Gefolge gehabt. In der Berlinerstraße in Rix- dorf hatte sich der 7jährige Sohn des Kutschers Lange aus der Steinmetzstraße an einen Lastwagen angehängt, bis ein Peitschen- hieb des Kutschers ihn nöthigte, vom Wagen herabzuspringen. In diesem Augenblick kam ein anderes Fuhrwerk angerollt und ehe es dem Führer desselben gelang, die Pferde zum Stehen zu bringen, war der Knabe umgerissen und überfahren. Mit lebeus- gefährlichen Verletzungen wurde der verunglückte Knabe nach dem Rixdorfer Krankenhaus gebracht. Polizeibericht. Am 2. d. M. Nachmittags stürzte auf dem Hafenbauplatz am Urban ein dort beschäftigter Arbeiter hin und brach das Bein. Am 3. d. M. Vormittags siel eine Frau auf dem Flur des Hauses Grünauerstr. 6 in der Trunkenheit nieder und zog sich eine bedeutende Verletzung am Kopfe zu.— In seiner Wohnung, in der Tilsiterstraße, erschoß sich ein Kaufmann. — Nachmittags wurde in der Georgenkirchstraße ein Knabe von einem Velocipedfahrer überfahren. Er erlitt einen Bruch des Unterschenkels.— Am Kottbuser Damm gerietst Abends eine Frau unter die Räder einer Kutsche und erlitt einen Bruch des Unterschenkels.— Vormittags fand im Haufe Linienstr. 94/95 ein kleiner Brand statt. Witterungsübersicht vom 4. Juni. Wetter-Prognose für Dienstag, den 5. Jnni 1894. Zunächst etwas wärmeres, vorwiegend trübes Wetter mit Regenfällen und schwachen südwestlichen Winden; nachher etwas kühler. Berliner Wetterbureau. GevWtks-ZeikuiLg. Als einen Akt besonders niedriger Gesinnnng be- zeichnete gestern der Vorsitzende der dritten Strafkammer die Handlungsweise des früheren Polizeisekretärs Albert Mündel, der wegen wissentlich falscher Anschuldigung, Unterschlagung und Betruges angeklagt war. Der schon bejahrte Mann war bis zum Jahre 1883 bei dem hiesigen Polizeipräsidium thätig und wurde dann ohne Penston entlassen. Er bezog eine Militär-Jnvalidcnpension von monatlich 45 Mark und ernährte sich durch Reguliren von Gefchäfts- büchern u. dergl. m. Eine junge Wittwe, die die Bekannt- schaft des schon ergrauten Mannes gemacht hatte, zog mit ihrem Kinde zu ihm und stand als Wirlhschafterin der Häuslich- keit vor. Das Zufamnienleben dauerte nur wenige Monate. Der Angeklagte prügelte seine Wirthschaslerin eines Tages dermaßen durch, daß diese ihre Sachen packte und den Angeklagten verließ. Eines Tages erhielt die Wittwe in ihrer Wohnung den Besuch eines Beamten der Sittenpolizei. Es war gegen sie eine Anzeige zweier angeblicher Viehhändler aus Frankfurt a. O. eingegangen, welche die Wittwe als eine Straßendirne hinstellten und in aller Ausführlichkeit ein Abenteuer, das si« mit der- selben gehabt haben wollten schilderten. Die polizeilichen Recherchen ließen keinen Zweifel daran, das die Anzeige erfunden war. Aus gewissen Zügen der verstellten Handschrist ersah die Beschuldigte, daß der Schreiber der Anzeige nur der Angeklagte sein konnte und das Gutachten des Schrcibsachverständigen Alt- richter hat diesen Verdacht durchaus bestätigt. Die Niederträchtig- keit des Angeklagten ist um so größer, als er gleichzeitig mit jener Anzeige an seine ehemalige Wirlhschafterin einen sehr her,- lichen Geburtstagsbrief geschrieben, in welcher er ihr verficherle. daß er sich ohne sie höchst unglücklich fühle. Er hat sich auch noch mehrere Betrügereien zu Schulden kommen lassen. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu zehn Monaten Ge- säugniß.' " Redner bet Hermann Sonntag. Krause. Männergesangverein ich entranz. Harmonie Nirdorf, Bergstr. 120 bei Bartha( Deutsches 8u= Gromann.- Gesangverein der Metallarbeiter Often, Krautstr. 38 bet Dienstag. Mufitverein Hoffnung, bei Dreßler, Eisenbahnstraße 6. Geselliger Musikdilettanten Verein Münster= mann, bei Wilte, Hochstr. 32a. Uebungsstunde und Aufnahme neuer Theater- Gesellschaft Liberte, Rottbuser Mitglieder. Theaterverein Freundschaft, Abends 9 Uhr beim anhaltiner, Tempelhofer Ufer. Damm 103 bei Meier.- Theaterverein Freie Kunst, Blumenstraße Nr. 46 bei Went, 8% Uhr. Schüßenverein Freitugel, Stalizerfir. 34 bet Hente. Georgenti rchftr. 65. ftein. Rauchflub Gut gesinnte Freunde, Abends 9 uhr, bet Müller, Musikverein Osiris, Mariannenstr. 32 bei DoberGefang-, Turn- und gesellige Vereine. Dienstag. Gefangverein Gesangverein Anatreon, Abends 9-11 Uhr, bei Reßner, Annenstraße 16. Mufitverein ott bufer Harmonie, Boeckhftr. 8 bei Albert Möwes. bei Sendte. Gefangverein Alpen= orb 8-11 1hr, Briezenerfir. glühen 2 bei Nowad, Manteuffelftr. 9.- Gesangs- Abtheilung des ArbeiterBildungsvereins von Weißensee bet Müller( Pfeifen- Müller), KönigsChauffee 88. Arbeiter Bithertlub Freiheitstlänge. Jeden Dienstag Abends von 8 bis 11 Uhr bei W. Richter, Bülowoftr. 65 am Dennewig- Plaz. Turnverein Gesundbrunnen. Die 1. Männer- Abtheilung turnt von 8-10% Uhr in der Zurnhalle des Leffing- Gymnasiums, Pantstraße 9-10. Berliner Turngenossenschaft. Die 9. Männerabtheilung turnt jeden Dienstag und Freitag in der Gemeindeschule, Blumenstr. 63 a.- Zurnverein Fichte. Jeden Dienstag und Freitag, Abends 8-10 Uhr, Staltzerftr. 55-56. Turnverein Norden, jeden Dienstag Abends von 8 bis 10 Uhr in der Turnhalle, Brinzen- Allee 8. Nach dem Turnen geselliges Beisammensein im Restaurant Bum Thüringer, Prinzen- Allee 10. Turnverein Froh und Frei, Bris( Mitglied bes Arbeiter- Turnerbundes Deutschlands). Turnen der Männerabtheilung jeden Dienstag von 8-10% Uhr bet Bethte( vormals Engel), Chauſſeeftr. 39. Theater- Berein Othello 2 Abends 9 Uhr, bei Tägers, Gartenstr. 13-14. - Privat- Theater- Gesellschaft Berliner Humor, Abends 9 Uhr, Köpnickers Privattheaterverein Crescendo, Abends, bet Nicolay, Elisabethkirchstr. 14.- Theaterverein Vultania, Abends 9% Uhr, ftraße 158 bei Buchs. bei Schütte, Alte Schönhauferfir. 23-24, Sizung mit anschließendem Tanz. Theaterverein Freundestrets, Sigung Abends 9 Uhr, Restaurant Razorte, Solmsfir. 1.- Theaterverein Morgenroth zu Friedrichsberg tagt mit Damen, abbs. 9 Uhr im Vereinslokal bet Chriften, Friedrich Karlstr. 26. Fidele Geister, Sigung bet Beffeler, Wein- und Gollnowstraßen- Ecte. Vergnügungsverein Amicitia, 8% Uhr, bei Schönnagel, Barnimstr. 47. Vergnügungsverein Norbw a cht, Abends 9 Uhr, im Zotale bet Hermer Schmidt Perlebergerstraße 28. Geselliger Verein BrüderschafsIn dem Prozek gegen Brüggemann und Genossen 3. b. M. im großen Konkordia- Saale( Andreasstraße) unter Be- Straria, Frankfurterftr. 30 bei Saberecht.ieberhall, Röpeniderwegen Zusammenbruchs des Siegener Bankvereins begann am theiligung von 1000 Personen. Döblin referirte über die Frage: ftraße 191 bet Boge. Vorwärts 3, Friedrichsfelde, Wilhelmstraße 10 Montag zu Siegen die Verhandlung; 5 Direktoren und Buch- Wie verhält sich die Gehilfenschaft zu der von den Prinzipalen Schönholzerstraßen- Ecke. bet Momber.. Gefangverein Rothe Nelte 2, bei Rabe, Ruppiner- und halter von Banken sind als Sachverständige, 31 Personen als geplanten Abänderung der Lokalzuschläge und der Lehrlingsstala?" Restaurant Streitler, Grünauerstr. Gefangverein Eintracht, Nieder- Schönweide, Mohr'sches Doppelquartett, Neue Zeugen geladen. Die Verhandlung wird voraussichtlich bis Ende Nach seinen Ausführungen ist der Sommer für die Arbeiter im Königstr. 78 bet Hahn. Gefangverein Frohsinn in Stralau, Gräflich der Woche dauern. Bezüglich Brüggemanns ist noch beschlossen, graphischen Gewerbe eine schlimme Zeit. Die Kaffen des Ver- verein cho 2 Reischach'sche Brauerei. Epheu, Gerichtsstr. 10 bei Gehrandt. Gesangdie Anklage auf einen gegen den Kaufmann Berger in Erndte bandes verspüren das stetige Wachsthum der Arbeislosigkeit in bauferstr. 42. 9 Uhr Abends Uebungsstunde bei Reimann, Alte SchönGesangverein Gerechtigkeit Westen, Bülowstr. 59 brück verübten Betrugsfall auszudehnen. Die heutige Verhand- hohem Maße und für die Arbeiter wäre es schlimm bestellt, wenn b. Werner. Gefang- u. Theaterverein Ac acte( gem. Chor), Beughofstr. 8 lung ergab, daß große Kreditüberschreitungen und Verschleierungen die Solidarität nicht wäre. bet Behlendorf. Redner ließ die Zeit, die Oppenstraßen- Ecke, Adlershof, Arbeiter- Gefangverein Fretheit Grünauer Chauffee, bei Paulig. Freies auf Konto der Firma Franz u. Co., im Betrage von 744 448 M., feit dem großen Kampfe um den Neunstundentag verflossen led 1, Friedrichsberg, Friedrich Karlstraße 11 bei Seinecke. vorgekommen find. ift, Revue passiren. Erfreulich sei es, daß es den wacht auf, Wörtherstraße, Ecke Rytestraße, bet Schmidt. Freiheit 3, Bernau, im Schüßenhaus. Senefelder, LandsGaudeamus igitur. Der Restaurateur Nowat erhielt Prinzipalen nicht, wie es beabsichtigt war, gelungen sei, die bergerstr. 31 bet Seehausen. Echo 3, Behlendorf, Karlstraße bet an einem Märztage den Besuch von zwei jungen Leuten, welche Gehilfenorganisation zu zerstören. Um dieser entgegenzuarbeiten Regler. Männergesangverein Wach' auf, Pantom, Wollantsir. 115 fich als die Studenten Arthur Franke und Georg WeIz vor- feien die Unterstützungskasse und der Gutenberg- Bund" seitens Prenzlau, im Kaisergarten. Männergesangverein Rottbuser Hars ftellten. Sie gerirten sich als die Chargirten einer vom Rektor ber Prinzipale gegründet worden, doch seien auch diese Grün- monte, Böthstraße 8 bet Albert Möwes. Weddinger Harmonie, der Berliner Universität genehmigten akademischen Verbindung bungen verlorene Liebesmühe, wie der Referent durch Vorführung Müllerfir 7. Männerchor Nord- Ost, Landsberger Allee bei Ferd. und suchten ein geeignetes Vereinslokal. Nowat war erfreut, verschiedener Thatsachen nachwies. Daß der Gutenberg- Bund, Wirthshaus). Heimathtlänge, Köpenick, Rosenstraße bei Troppenz.daß er einen solchen Raum zur Verfügung hatte und daß die welcher nur Faktoren zu Vorsitzenden habe und der sich die Auf- tmenrausch, Gräfestraße 34 bet Plöz. Sängerfreiheit Befucher mit demselben zufrieden waren. Es wurde verabredet, gabe gestellt habe, in Güte und Frieden mit den Prinzipalen Naunynftr. 86 bi gubeit. Arion, Wittenberge, Thurmftr. 23, BentralLiebesfreiheit 2, Strausberg, Wilhelmstraße, Weber's Kaffeedaß die Chargirten einen Kredit von je 10 M., die übrigen Mit fertig zu werden, nicht Gehilfeninteressen vertrete, beweise schon balle. haus. Froh Hoffnung( B. 2.) Kulmftr. 36 bet Raumann. glieder einen solchen von je 5 M. erhalten sollten. Noch an der Umstand, daß der Beitritt zum Gutenberg- Bund in vielen unit 1, Steglis, Ahornftr. im Gambrinus. Edelweiß 1, im Restau demselben Tage stellten sich die angeblichen Studenten ein. und großen Offizinen zur Bedingung für die Gehilfen bei event. rant Kasch, Oranienftr. 190. Gleichheit, in Nagel's Restaurant, Sie führten Fahnen und Banner, Speere und Schläger Annahme einer Kondition gemacht wird. Nach der Beendigung tafel Wilmersdorf, Berlinerstr. 40, Möller's Garten.- Gesangverein& onSchwedterstraße. Männer- Gefangverein Wilmersdorfer& ieder= mit sich, womit sie ihr Vereinszimmer schmückten. Thre des großen Streits sei von den Prinzipalen versichert worden, daß corbia, Oranienfír. 109. Freie Feldblume, Wienerstr. 31 bei Brust war mit farbenreichen Bändern verziert, ihre bunten der bisher in Geltung gewefene Tarif unverändert in Kraft Schröder.- Sänger gruß, Friedrichshagen, Friedrichfir. 68, Reſtaurant Müßen waren vielfach durchlöchert. Der Wirth rieb sich ver- bleiben solle. Zu dem Tarife gehöre auch die Lehrlingsskala. Wiesegarth. gnügt die Hände, als er den Durft beobachtete, den die jungen In welcher unerhörten Weise gegen diese Stala seitens der Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Beute entwickelten und der durch Absingen von Kommersliedern Prinzipale gesündigt werde, erhellte aus den Daten, welche der alle zuschriften, den Bund betreffend, find zu richten an B. Gent, immer wieder angefacht wurde. Der verabredete Kredit wurde Referent aus verschiedenen Städten mittheilte. Daß diese un- Adalbertstraße 95. gewissenhaft in Anspruch genommen. Als aber die Bezahlung erhörte Lehrlingszüchterei naturgemäß auf die Arbeitslosigkeit der erfolgen sollte, haperte es damit; der Vorsitzende des Vereins, Gehilfen von hohem Einflusse ist, liege auf der Hand. Die der sich als„ Kandidat der Medizin" Franke ausgegeben hatte, Brinzipale feien an der Arbeit, der Arbeitslosigkeit und den erklärte, daß die„ Kommilitonen" noch nicht ihre Beiträge ent- schlechten Erwerbsverhältnissen zu steuern. Im nächsten Monat richtet hätten, sobald dies aber geschehen sei, solle der Wirth be- finde die Generalversammlung des Prinzipalvereins statt, zahlt werden. Der Wirth ließ sich hinhalten und gestattete auch, auf deren Tagesordnung stehe: Abänderung der Lehrlingsstala daß der Verein unter Mitnahme seiner Embleme auszog. Nowack und der Lokalzuschläge. Geplant seien Aenderungen nicht im hat nie Bezahlung erhalten können, und dieselbe Erfahrung Intereffe der Gehilfenschaft, sondern der Prinzipale. Wenn auch die machten noch vier andere Wirthe, die von der famosen Ver- Gehilfenschaft vorerst noch nicht Stellung hierzu nehmen könne, bindung beglückt wurden. Es liefen bald eine Menge Anzeigen so sei es doch dringend geboten, allen diesen Vorgängen die gegen Franke und Welz wegen Betrugs ein. Es zeigte sich, daß größte Aufmerksamkeit zu schenken. Der Referent beleuchtete besonders der Erstgenannte eine fragwürdige Persönlichkeit war. weiter an der Hand von Thatsachen das rücksichtslose Gebahren Franke stammt aus Süd- Amerika, hat sich auch in Leipzig bei der Prinzipale, das die ohnehin schon äußerst schwierige Lage der Universität immatrikuliren lassen, ist aber bald wieder der Gehilfenschaft immer mehr verschlechtere. Dem gegenüber relegirt worden, weil er wegen Betrugs zu einem müsse die Gehilfenorganisation ein starkes Gegengewicht bilden. Monate Gefängniß verurtheilt wurde. Er wandte fich Daß diese trotz aller Machinationen der Prinzipale sich wieder nach Berlin, wo er sich erst als Nähmaschinen- Reisender, erfreulich gekräftigt habe, beweise die Thatsache, daß das Verdann als Agent der Versicherungs- Gesellschaft Viktoria zu er- bandsvermögen bereits wieder 400 000 m. betrage. nähren suchte. Er theilte seine Schlafstelle mit dem„ Rentner" streifte noch die technischen Verbesserungen im Gewerbe Welz, einem jungen Manne, der es zu einem Erwerbszweig nicht und die drohende. Gefahr der Sehmaschine und und wies gebracht hat und wegen Verschwendung entmündigt worden ist. darauf hin, daß die technischen Verbesserungen durch eine Beide haben die Verbindung" gegründet und sich dann monate- vernunftgemäße Verkürzung der Arbeitszeit ausgeglichen werden lang auf Kosten der Wirthe über Wasser gehalten. Die Schilder müssen. Was die Gehilfen errungen haben, hätten sie durch hatten sie bei einem Maler anfertigen lassen, der nicht ihre Organisation erreicht. Diese zu träftigen und zu stärken sei nur feine Bezahlung erzielt, sondern Don den Auf- unabweisbare Pflicht aller Gehilfen.( Großer Beifall.) Die Bertraggebern noch angeborgt wurde. Franke und Welz sammlung war mit dem Referenten der Ansicht, daß die Gestanden geftern wegen dieser Betrügereien vot der hilfenschaft vorerst eine abwartende Stellung einzunehmen habe. 130. Abtheilung des Schöffengerichts. Franke behauptete, daß Sierauf referirte Massini über: Bilder der Gegenwart aus er von den übrigen Mitgliedern der Verbindung, die sämmtlich Berliner Druckereien". Nach seinen Darlegungen sei das Lohnihr Ehrenwort gegeben hätten, am Monatsschluffe ihren Beitrag minimum von 25,65 m. jetzt zum Lohnmaximum geworden und zu zahlen, im Stiche gelassen worden sei und so sei er außer werde in vielen Druckereien vielfach an dem Lohnminimum Stande gewesen, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. herumgenörgelt. So zahle z. B. auch Bürenftein, mo verein Sturnalia, Abend 9 Uhr, Andreasstr. 3, Sigung. VergnügungsDer Staatsanwalt hielt dies für eine leere Ausrede. Er bean- bisher das Lohnminimum 26 M. betragen habe, seit furzem tragte gegen Franke neun, gegen Welz sechs Monate Gefängniß. ein Lohnminimum von 25,65 M. bezw. 25,68 M. Erst großer Der Gerichtshof verurtheilte den ersteren zu se ch 3, den letteren Kämpfe bedürfe es, um den Gehilfen das zu sichern, was ihnen zu vier Monaten Gefängniß. zustehe. Die Gutenberg- Bündler, die ohne Tarif arbeiten, tragen viel zur Verschlechterung der allgemeinen Verhältnisse bei. Eine große Rolle spielen auch die Neuausgelernten, welche Löhne von 18-21 M. erhalten. Derartige Fälle seien in verschiedenen Druckereien zu verzeichnen, und schlage dies dem Versprechen der Prinzipale, daß in Berlin niemand unter dem Minimum be. Der Verein felbständiger Barbiere, Friseure und schäftigt werden solle, in's Geficht. Auch weibliche Segerinnen Perrückenmacher beschäftigte sich in seiner Generalversammlung würden zur Lohndrückerei verwendet. Durch derartige Maßam 28. Mai mit der Berathung der zum Kongreß gestellten An- nahmen schädigten sich die Prinzipale selber, indem sie sich eine träge. An der Debatte über die Anträge betheiligten sich die gefährliche Konkurrenz groß ziehen. Ein sehr wunder Punkt sei auf dem Gehilfentongreß anwesenden Delegirten Heidmann- die Úeberhandnahme der Anshilfetonditionen, die auf den An Hamburg, Hinz- Frankfurt, Andres- Altona und Dcort- Lüneburg. brang beschäftigungsloser Kollegen nach Berlin zurückzuführen sei. Besonders befürwortet wurde von den Rednern die Abschaffung Geboten erscheine es, gegen diesen Zuzug Schritte zu unternehmen. Im Laufe der letzten Woche sind in dem hart an der der Attestbücher und Lehrlingsbriefe. Hierauf gelangten die Die sanitären Verhältniffe ließen soviel wie alles zu wünschen russischen und österreichischen Grenze belegenen Drt Mystowiz folgenden Anträge zur Annahme: übrig. Pflicht der Sanitätspolizei wäre es, hier thatkräftig ein Oberschlesien) fieben Cholerafälle, davon sechs mit tödtlichem ,, 1. Der Kongreß möge beschließen, dem Fachzugreifen. Ein anschauliches Bild der gewerblichen Verhältnisse Ausgang festgestellt worden. Auch in Schilno, der Uebergangs organ Des Verbandes einen politischen politischen Charakter au bot eine Statistit, welche am 1. April aufgenommen worden ist station russischer Flößer an der Weichsel, find zwei Arbeiter verleihen. Der Inhalt des Blattes soll den Verbands- und die fich auf 140 Druckereien erstreckt. Aus derselben war sowie der Sohn eines derselben an Cholera verstorben. Zweckmitgliedern Aufklärung geben über den wahren Stand der ersichtlich, daß die zulässige Lehrlingsskala weit und besonders entsprechende Schutzmaßregeln sind sofort seitens der zuständigen fozialen und wirthschaftlichen Verhältnisse. 2. Der Kongreß möge von Innungsmeistern überschritten wird. Ein Gesammtbild Behörden ergriffen, überschritten wird. Ein Gesammtbild Behörden ergriffen, insbesondere ist ein Ueberwachungsferner beschließen: daß der Verband der Freien Vereinigungen der Berhältnisse in den letzten 4 Jahren veranschaulichte das bienst auf der Weichsel eingerichtet worden. Derartige fich mehr der modernen Arbeiterbewegung anpaßt, um in be- rapide Sinken der Zahl der beschäftigten Gehilfen und Vorkommnisse, auf deren Wiederholung man sich bei dem sonderen Fällen seinem Solidaritätsgefühl für die einzelnen das rapide Wachsen ber Zahl der beschäftigten Lehr Herrschen der Cholera in einem Theil unserer Nachbarstaaten Gewerkschaften nach Maßgabe der Verbandsverhältnisse Ausdruck linge. Dieses Lehrlingsunwesen unterzog der Referent auch für die Zukunft gefaßt machen muß, haben keinerlei bezu geben. 3. Der Rongreß möge beschließen: daß, fobald an einer eingehenden und berechtigten Kritik und wies den brohliche Bedeutung für die Allgemeinheit, da nach den Ereinem Orte sich ein Arbeitsnachweis Bureau der Gehilfen des dem Gehilfenverbande gemachten Vorwurf der Verhebung fahrungen der Vorjahre erwartet werden darf, daß es den Verbandes befindet, dieses von den Freien Vereinigungen der auf die Prinzipale und deren Organ, die Deutsche Buchdrucker- fahrungen der Vorjahre erwartet werden darf, daß es den selbständigen Barbiere 2c. zu benußen ist. 4. Die Attestbücher Beitung" zurück. Auch dieser Redner wies darauf hin, daß nur die Behörden gelingen wird, ein weiteres Umsichgreifen der Seuche zu hindern. und Lehrlingsbriefe werden abgeschafft. 5. Der nächste Kongreß Solidarität der Buchdrucker im Stande sei, die Verhältnisse er Bis auf weiteres werden die vom kaiserlichen Gesundheitsfindet in Berlin statt." träglicher zu gestalten.( Stürmischer Beifall.) In der folgenden amt, als der gemeinsamen Meldeftelle für Cholerafälle, aur Mit der Vertretung der Berliner Kollegen auf dem Kongreß Diskussion sprach Giesecke für die Organisation. Zur Er- Bublitation zusammengestellten Nachrichten über den Stand der beauftragte die Versammlung den Kollegen Gustav Gründel. örterung kam auch der Bierboykott. Großen Unwillen erregte Cholera im Inlande wöchentlich in dem amtlichen Organ dieser Bom 1. Juli werden die Beiträge von 25 auf 40 Pfennig die Mittheilung Faber's, daß in der Stereotypie- Anstalt von Behörde, den„ Beröffentlichungen des kaiserlichen GesundheitsBehling, in der 83 Mann arbeiten, die Abschaffung des bisher amts", abgedrudt werden. bezogenen Happoldt'schen Bieres mit 30 gegen 3 Stimmen abDer Frauen und Mädchen Bildungsverein hielt am gelehnt worden sei! Insbesondere wurde auch sehr bringend stadt macht bekannt: Der Schnellzug 146 von Magdeburg Eisenbahn- Unfälle. Das Betriebsamt Magdeburg- Halber29. Mai eine gut besuchte Wanderversammlung bei Joel, an die Frauen appellirt, die Arbeiterschaft in dem jetzigen stadt macht bekannt: Der Schnellzug 146 von Magdeburg Andreasstraße, ab, in der Genosse Jahn über„ Die Entstehung Kampfe gegen Kapitalistenübermuth thatkräftig zu unterſtüßen. vor Bahnhof Helmstedt auf hohem Damm mit Lokomotive nach Braunschweig ist Montag Nachts 124 Uhr dicht des Eigenthums der Familie und des Staates" referirte. Dem Schulz hob hervor, daß in keinem anderen Gewerbe gegen die und 6 Wagen entgleift. Soweit bekannt niemand verlegt. fehr beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine lebhafte gefeßlichen Bestimmungen über die Sonntagsrube so gefündigt Bug blieb, da er langsam fuhr, auf Bahnplanum stehen. Diskussion, an der sich Frau Schädlich, Frl. Baader, Frl. Bien werde, wie im Buchdruckgewerbe. I a hn sprach im Namen Bug blieb, da er langsam fuhr, auf Bahnplanum stehen. und Herr Lange betheiligten. Unter Berschiedenem kritisirten der Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen, die Nothwendigkeit einer fördert worden. Die tönigliche Eisenbahndirektion Magdeburg Jahn Reisende sind mit Sonderzug gegen 2 Uhr weiter be Reisende sind mit Sonderzug gegen Frau Wengels und Herr Kaßler die Einführung der Lohnaufbefferung für dieselben vor Augen führend. In Aussicht macht bekannt: Am 3. Juni 10 Uhr Abends ist durch den Schulkinder zu den Kriegs- Festspielen im Feenpalast. genommen sei die Aufstellung eines Lohntarifs und appellirte Personenzug 246 zwischen Trotha und Teicha ein Fuhrwert überZum Schluß wurde die vom Brauerei- Arbeiter Richter ein- Redner an die Solidarität der Gehilfenschaft. Zunächst soll eine fahren worden. Zwei Personen find todt, vier schwer und zwei gebrachte nachstehende Resolution angenommen: Die ver Statistit über die Lohnverhältniffe in den Druckereien aufgenommen ſammelten Frauen und Mädchen verpflichten sich, ihren Männern werden. Auch dieser Rebner führte lebhafte Klage über bie Ver- leicht verletzt. Nach Aussage Betheiligter hat der Bahnwärter im Kampfe gegen die Brauereibarone zur Seite zu stehen und so fündigung vieler Bringipale gegen gefeßliche Bestimmungen. Die die Wegeschranken zu schließen versäumt. lange fein bontottirtes noch Ringbier au trinken, bis die aus Versammlung belundete zum Schluffe ihre Nebereinstimmung mit gesperrten Brauerei- Arbeiter zu ihrem Rechte gekommen find. den beiden Steferenten und brachte ein Hoch auf die ArbeiterMit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Verein wurde organisationen aus. die gutbesuchte Versammlung geschlossen. erhöht. Dersammlungen. ริน In einer öffentlichen Kellnerversammlung, welche am 1. Juni im Müller'fchen Saale tagte, gaben die Beisitzer beim Gewerbegericht einen ausführlichen Bericht über ihre Thätigkeit, der manchen Fingerzeig für die Kollegen enthielt, auf welche Weise Klagen zweckmäßig angestrengt werden. Ebert, der die statistische Seite der Frage näher beleuchtete, wies im Speziellen nach, daß fast ausschließlich Arbeitnehmer als Kläger in der Rammer, Vl zu der das Gastwirthsgewerbe gehört, auftreten und betonte insbesondere, ebenso wie Beyer und Weihnacht, daß an der Bezeichnung Vergleichstammer", dem Spitznamen Der genannten Rammer, die Vertreter der Arbeiter total unschuldig sind. Die Versammlung genehmigte eine Resolution, in ber sie verspricht, mit aller Energie dafür einzutreten, daß die Zusammensehung des Gewerbegerichts eine derartige wird, daß dasselbe mehr und mehr den Charakter eiues VoItsgericht es erhält. Nachdem eine Reihe Fragen beantwortet waren, erledigte man die Ergänzungswahl zur Agitationskommission; an die Stelle des Kollegen Müller( Koch) wurde Felgentreff in die Kommission delegirt. Eine allgemeine Versammlung der Buchdrucker, Silfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen tagte am Freie Vereinigung der glumen- und Putfeder- Arbeiter und Arbeiterinnen. Heute Dienstag, Abends 8% Uhr, Versammlung bei Ehrenberg, Annenftr. 16. Nationale kaufmännische Kranken- und Sterbekaffe. Dienstag, den 5. Junt, Abends 8½ Uhr, im Restaurant Stühler, Neue Grünftr. 38, Vorstandssitung. bet Bolg, Alte Jatobfir. 75. Fachverein der Capesirer. Dienstag, den 5. Junt, Abends 8 Uhr, Befreiungskampfe des Proletariats. Tagesordnung: 1. Bortrag: Die Tattit im Arbeiter- Bildungsschule. Dienstag Abend von 8X- 10% Uhr, Mord Schule, Müllerstraße 179a und Süd oft- Schule, Waldemarfir. 14: Boltsth. Medizin. Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Sumor Unverzagt 2, Moabit, abends 9 Uhr, im Restaurant Dittmann, Perlebergerstr. 9.- Vergnügungsverein Fidelio, Abends 9 Uhr Sigung mit Damen bet Seifert Große Frankfurterftr. 133 bet Golds. Touristentlub Wanderlust Geselliger Verein Abends 9 Uhr, Franfeciftr. und Schönhauser- Allee- Ecte. Ver Regina Gigung mit Damen Orantenstr. 153 bet Schönwalder. gnügungsverein una. Sigung bei Saberecht, Große Frankfurterstraße 30, Fidelitas. Männerchor Waldesrauschen im Restaurant Hohen= zollern", Seydelstraße. Bergnügungsverein Berolina Abends 9 Uhr Waldkapelle 2, Abends 9 Uhr im im Restaurant Broz, Annenstr. 9.Gefelltger Verein Bertha, Sigung Restaurant Kaiser, Staligerstr. 28. in den Dranten- Hallen, Oranienstr. 51, Abends 9 Uhr( alle 14 Tage). Oranienstraße 21. Geselliger Verein Mehr Licht, Abends 9 Uhr, Vermischtes. Zu dem Auftreten der Cholera au der russischen Grenze schreibt der Reichs- Anzeiger": -GA in der vergangenen Woche find 18 Berfonen an Bocken erkranti Ju Leith( England) ist eine Pocken- Epidemie aufgetreten; und 5 gestorben. Der Beiter des Zollamtes hat erklärt, er werde den Hafen, wenn die Epidemie fortdauere, für verseucht erklären. Ueberschwemmungen haben in Denver, wie aus New- York gemeldet wird, einen Schaden angerichtet, der auf 350 000 Doll. geschätzt wird. Das Wasser fällt zwar jeßt, steht aber immer noch mehrere Fuß hoch. Mehrere Personen sind umgekommen, bisher wurden vier Leichen aufgefunden. Der Eisenbahnverkehr ist gehemmt. Depeschen. Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umg. Alle Aenderungen im Vereins( Wolff's Telegraphen- Bureau.) talender find zu richten an Friedr. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Dienstag, Bukarest, 4. Juni. Gestern fand hier aus Anlaß des Abbs. 9 Uhr, Uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Olympia, balbertstr. 8 bet Sauermann. Schildhorn, Usedomstr. 33 bei Klausenburger Prozesses unter sehr zahlreicher Betheiligung ein wielte. Alpenglode, Grüner Weg 29, bei Saeger. Shn'scher Straßenaufzug mit Fahnen und Musit statt. Eine hierauf in Waldstr. 8 bei Jante. Waldtapelle, Reichenbergerstr. 19 bet Roscher. einem öffentlichen Garten außerhalb Bukarest's abgehaltene Arbeiter Maibund, Nowawes, Wallstraße bei Gärtner. Gefan g- Voltversammlung verlief in vollster Ruhe. verein Ganges blüthen rautftr. 6 bet Rudolf.-Freie Sänger 3 in Seegermühle bet Eberswalde. Kreuzberg, Hafenhaide 58 bet Grandt. Alte Sinde, Mariannenftr. 48 bet Gütler. Vorwärts 4, Ginigteit Rathenow, Restaurant Sur Erholung bet M. Friefecte. Weinstraße 11 bet Feind. Gefangverein der Böttcher Steinet che, Neue Friedrichstr. 20 bei Keller. Borwärts 8, Mariis, bet.Bilhelm Nötte. G ( Depeschen des Bureau Herold.) Budapest, 4. Juni. In der Steinbrucher Pulverfabrik hat eine furchtbare Dynamitexplosion stattgefunden. Zwei Arbeiter sind verbrannt. Mehrere Personen wurden schwer verlegt. Frauen- und Mädchen- Bildungsverein des arbeitenden Volkes für Berlin und Umgegend. Mittwoch, den 6. Juni, Abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Versammlung. E Tages Ordnung: 461/16 1. Vortrag des Herrn Dr. Weyl: Die Ernährung unserer Kinder": eine medizinisch- sozialpolitische Studie. 2. Verschiedenes und Aufnahme neuer MEDAILLE 1894 GOLDENE U. ECTORAT SR ANT COM OHNE FLEISS KEIN PREIS 1894. EURD.. FRIEDRICH HV. Große Ersparniß im Haushalt! GOL BEVE F.F.Resag's Kaffeeersatz AUSSTELLUNG MERAILLE 9-12KARZ 1834 1894. 185* Mitglieder. 3. Vereinsangelegenheiten. Bericht vom Vierteljahrsvergnügen. macht den Kaffee kräftig und wohlschmeckend, liefert auch ohne Zusatz von BohnenUm recht zahlreiches Erscheinen der Frauen ersucht Der Vorstand. Achtung! Schumacher. Achtung! Große öffentliche Versammlung aller in der Schuhindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend am Dienstag, den 5. Juni, Abends 82 Uhr, bei Joël, Andreasstraße 21. Tages Ordnung: V 1. Vortrag des Genossen Seiler über: Unsere wirthschaftliche Lage und die Nothwendigkeit der Organisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen ist es in dieser Versammlung zu Der Einberufer. Paul Hildebrandt. erscheinen. Achtung! Schuhmacher. Mittwoch, den Achtung! In taffee ein angenehmes gesundes Getränk. 59922 Zu haben in den meisten Kolonialwaaren- Geschäften. à Pfund 40 Pf. Achtung! Töpfer. Achtung! RohTabaken und Utensilien für Cigarren- Fabrikanten) !! billigster Einkauf!! Mittwoch, den 6. Juni, Abends 6 Uhr, bei Wilke, Andreas str. 26: 90/5 Vertrauensmänner- Sitzung. Hiermit sind alle diejenigen Kollegen gemeint, welche auf den einzelnen Bauten als Vertrauensmänner gewählt oder bestimmt sind; es fehle daher feiner. Die Sigung wird pünktlich eröffnet. Der Vertrauensmann der Töpfer Berlins und Umgegend. Gust. Melzer, Friedrichsfelderstr. 26. Achtung! Weissensee. Achtung! Mittwoch, 6. Junt, Abds. 82 Uhr, in Dewein's Lokal, König- Chaussee: Oeffentliche Schuhmacher- Versammlung W. Hermann Müller Große öffentl. Volks- Versammlung. für alle in der Schuhindustrie besch. Arbeiter und Arbeiterinnen Zages Ordnung: 1. Aufklärung über die Streitbrecher des letzten Schuhmacherstreiks hierselbst. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 465/5 Pflicht eines jeden Kollegen ist es in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Agitationskommission der Schuhmacher Berlins. J. 2. Aug. Deutsch. Achtung! Schiffer. Achtung! Mittwoch, 6. Juni, Ab. 8 Uhr, in den Germania- Sälen, Chauffeestraße: 361/12 Große öffentliche Volksversammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten August Bebel:„ Der Berlin Neue Friedrich- Strasse 9. Streng reelle Bedienung. Zages Ordnung: 484/13 1. Der Bierboykott und seine Wirkung. Referent Stadto. Metzner ( Berlin). 2. Diskussion. 3. Situationsbericht der Lokalkommission. 4. Verschiedenes. Arbeiter! Genossen! Erscheint zahlreich und pünktlich zu dieser Vera Die Lokalkommission. NB. Gleichzeitig werden die[ Genossen Weißenfees aufgefordert, heute Abend 8 Uhr, zur Verbreitung der Handzettel, im Restaurant Pfeifenmüller" sich einzufinden. D. D. Creditgewährung! fammlung. nach Uebereinkunft! Ein Jeder mache den Versuch. Sophastoff" Amt I. ormas Feuerstein Boltz' Festsäle, Alte Jakobstr. 75. Nr. 1092. Säle z. Vergnügen u. Versammlungen. Saal m. Bühne u. Garten, auch Sonntags. Reste e. Dientag u. Donnerstag: Frei- Konzert. Patzenhofer Bier. 176L* in Rips, Damast, Crêpe, Fantasie, Gobelin, Plüsch und bunten Mocquets spottbillig! Proben franko! 5150L* Berlin S., Oranienstraße 158. russische Handelsvertrag" mit besonderer Berücksichtigung des Schiffahrts- Emil Lefèvre, ostraße Gewerbes. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Achtung! Metallarbeiter! Achtung! Mittwoch, den 6. Juni, Abends 82 Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten str. 20: Musikwerke verleiht von 1Mark an an der Karlstr24 friedrichst; Große öffentliche Versammlung 1000 Damen!!! !!! aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter und Staub- u. Regenmäntel v. 4-20 m., Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung über den„ Agitations- und Unterstützungsfonds der Berliner Metallarbeiter", und Beschlußfassung bez. der Restanten. 2. BeschlußSammet-, Seiden-, Spitzen- Kragen 2bis 15 M., Jaquets mit Seidenfutter 4 bis 10 M., Rester- u. Partiewaaren- Handlung Landsbergerstr. 48, I. Klagen, Eingaben, Bajjung bes. Des Maiſonds. 3. Berichterstattung der Delegirten zur Gewert: Unfallsachen, Bugger, Stegliterſt.63. schaftskommission und Ersatzwahl zu derselben. 4. Das Verhalten der Fabrikanten zu dem Bierboykott. 221/8 Da in dieser Versammlung eine Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt werden soll, so werden die Kollegen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Empfehle mein Geschäft in frischen Blumen und Kränzen. 5441 L* Zu dem 4. Punkt der Tagesordnung werden die Kollegen erfucht, Robert Meyer, Material zu sammeln und event. dem Unterzeichneten mitzutheilen. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. [ Otto Näther, N., Anflamerstr. 44. Achtung! Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Irrthum zu vermeiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. größt. Lager, billigste Musikinstrumenten- Arbeiter. Kinderwagen, reise, D. 10 m. am, auch Theilzahlung. Wir theilen mit, daß es uns nun doch noch ermöglicht 128L wurde das Sommerfest zu verlegen. Das Sommerfest v. W. Holze, Oranienstraße 3. Geschäfts- Eröffnung zwischen Adalbertstraße Oranienstr. 173 zwischen Adalbertstraße und Oranienplatz. und Oranienplay. Confectionshaus Solidarität 19 Grosse Betriebs- Werkstätten Errichtet nach den Grundsätzen der betheiligten Arbeiterschaft. Herren- und Knaben- Garderobe. Anfertigung nach Maass. Geschäfts Grundsah: Grosser Umsatz- Kleiner Nutzen Reelle Bedienung Feste Preise. Die Leitung ist in den Händen bewährter Fachleute und den Wünschen der Arbeiterschaft vollauf Rechnung getragen. Die in eigener Fabrik Oranienstr. 173 gestellten Waaren erhalten die gesetzlich geschützte Kontrollmarke. Neu! herZauber- Cigarren- Spitze. Der Rauch zaubert reisende Bilder hervor. Amüsant für jeden Raucher. Echt Bernstein und Weichsel M. 1.25, desgleichen Cigaretten- Spize M. 1.10. Extra- Zauberbilder 100 Stück M. 1,25. Gegen Einsendung von 20 Pf. mehr frankirte Zusendung überallhin oder Nachnahme unfrantirt.( Briefmarken in Zahlung.) Im Dutzend 20% Rabatt. 796M L. Fabian, St. Ludwig( Elsaß). Gerichtlicher Konkurs. findet am Montag, den 13. Auguſt, ſtatt. Sämmtliche Cohn's Hoſenfabrik, Weege& Teige Billets werden eingezogen und findet die Annahme jeden als billigste Quelle Berlins für Abend im Restaurant Rohr, Naunynstr. 78, statt. Herren- u. einzelne Kinderhosen befindet sich jetzt 60012* Der Vorstand des Fachvereins der Musikinstrumenten- Arbeiter. Pallisadenstr. 5, part. Charlottenburg. des Königlichen Amtsstraße 130. Gewissenhafter Rath in allen geltlich. Auch Sonntags. Rechtsburcan richtersa. D. Alte JakobMittwoch, 6. Juni, Abends 8 Uhr, in Triesethau's Salon, Angelegenheiten. Unbemittelten unent. Sophie- Charlottenstraße 94: Große öffentliche Volksversammlung. Tages Ordnung: 1. Der Brauerei Boykott. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskussion. 3. Bericht der Lokalkommission. 481/10 Der wichtigen Tagesordnung wegen ersuchen um regste Betheiligung Die Vertrauensleute. Schöneberg. Roh- Tabak A. Goldschmidt, 4435L* am hiesigen Plaze wie bekannt grösste Auswahl! Garantie für sicheren Brand. 282L* Fabrik optischer Waaren Marienstrasse No. 28, Hof 2 Treppen. Der Verkauf sämmtlicher optischer Waaren sowie Maschinen findet zu Tarpreisen täglich von 3-6 Uhr Nachmittag statt. Eine alte deutsche Feuer- Vers.- Gesellschaft sucht für Berlin u. die Provinz thätige Haupt- u. Spezial- Agenten. Hohe fortlaufende Bezüge event. auch festes Gehalt werden zugesichert. Offerten unter 0. P. 2 nimmt die Expedition entgegen. Kleiderspind u. Vertikom spottb. Theilzahl. Tischlerei, Oranienstr. 153] II. Junger, lediger Mann, Handwerker, wünscht sich mit 1000 Mt. an irgend einem reellen Geschäft zu betheiligen 219L resp. auch Vertrauensposten zu übernehmen. 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Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2 Kinderwagen, her gratis. Theilzahlung ge- nahme von Porträts u. Gruppenbildern Geld für Möbel, Waaren u. Klaviere. stattet. 500 Mark zahle ich) Jedem, der mir nachweist, daß bestens empfohlen. Spezialität: Vereins- Cohn, Charlottenburg, Kaiser Friedrich2302* ftraße 61b. ch nicht das größte Kinderwagen- Lager Berlins habe. und Fabrik- Gruppen. 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner VolMatt. (Beetdifs-Beituns. Gewerbegericht. Kammer VU. Vorsitzender: Assessor K o r n. Sitzung vom LI. Mai. Der Droschkenlutscher Th. hält sich für unrechtmäßig cnt- lasten und beansprucht deshalb von der Droschkenbesitzerin Lorenz 49 M. als Lohnentschädigung. Die Beklagte will berechtigt ge- wesen sei», Th. fortzuschicken; sie behauptet, er habe Pferd und Wagen unbeaufsichtigt am Halteplatz stehen lassen und das Pferd sei, dies benutzend, davongelaufen. Eine vom Gewerbegericht eingeholte polizeiliche Auskunft bestätigt dies, aus ihr geht aber auch hervor, daß das Gefährt nicht weit von der Haltestelle aufgefunden wurde und daß an demselben nichts beschädigt war. Der Kläger entschuldigt den Vorgang damit, daß er eine dringende Nothdurst verrichten mußte und niemand zur Stelle war, dem er die Beaufsichtigung des Fuhrwerks übertragen konnte. Die weitere Verhandlung ergiebt, daß der Kläger darauf hin gar nicht entlassen wurde, sondern ruhig noch einige Tage bei der Beklagten arbeitete, ohne daß diese mir bezug auf jenes Versehen ihm die Entlassung an- drohte. Ein Zeuge, der als Reservekutscher zwei Nächte den Kläger vertrat, sagt aus, daß er dies mit Ein- willigung der Beklagten gethan habe, während letztere den Einwand erhebt, der Kläger sei an diesen Tagen ohne ihre Einwilligung weggeblieben, habe also die Arbeit unbefugt verlassen. Sie hätte deshalb, wie geschehen, durch den Zeugen am zweiten Tage seine Stelle besetzen und ihn selbst entlassen können. Die Beklagte wurde aus folgenden Gründen verurtheilt: „Ter Umstand, daß Kläger ohne Aufsicht das Fuhrwerk stehen ließ, wäre an sich ein Grund zur Entlassung gewesen. Darauf kam es aber nicht an, denn nach dem Ergebniß der Verhandlung entließ ihn die Beklagte nicht deshalb. Durch die Zeugenaussage ist das Einverständniß der Beklagten mit dem zweitägigen Aussetzen Th.'s erwiesen, wie auch, daß er entlasten wurde und nicht von selbst ging. Da die Kündigungsfrist nicht ausgeschlossen war und a m Tage der Entlassung kein berechtigter Grund zu der- selben vorlag, hat Kläger Anspruch auf die Entschädigung."— Von der Engroshandlung in Hülsenfrüchten Buntebart und Thiede will der Kutscher G. e ne Lohnentschädigung von 40 M. zu fordern berechtigt sein. Die Beklagten erheben den Einwand, der Kläger habe die Arbeit verweigert und sei deshalb berechtigter Weise entlassen worden. Der Kläger bestreitet dies und giebr a», er habe nur einen mit acht Zentner Früchten beladenen, vierräderigen Handwagen von der neuen Roßstraße nicht allein nach Neu-Kölln am Wasser fahren wollen, weil ihm diese Thätigkeit zu schwer erschienen sei. Er sei nicht lange vor- her vollständig durchnäßt aus Tempelhof zurückgekehrt gewesen, Der Beklagte Buntebart dagegen behauptet, der Kläger sei kräftig genug, solche Lasten zu ziehen, habe dies auch schon öfter gethan und wäre übrigens nur für schwere Arbeiten angenommen worden; der reine„Eigensinn" habe ihn zu seinem Handeln be- wegt. Als Zeuge wird der Sohn des Herrn Buntebart vcr- nommen, der die Ausführungen des Papas bekräftigt. Das Gericht war in seiner Mehrheit der Ansicht, daß dem Zeugen zu glauben sei, dem Kläger sei mit dem Forlschaffen der erwähnten Last nicht zu viel zugemuthet worden. Dessen wiederholte Weige- rung, den Auftrag auszuführen, habe zu seiner sofortigen Ent- laffung berechtigt. Er wäre somit abzuweisen. Darf ei» Arzt, der nach den anerkannten Regeln der Heil- kunst und seiner Ueberzeugung nach eine Operation für geboten hält, auch gegen den Willen des Patienten zu einem operativen Eingriff schreiten? Mit dieser vielumstritlenen Frage halte sich am Donnerstag das Reichsgericht zu beschäftigen. Ein gewisser Klein in Hamburg brachte sein Kind, welches am sogenannten Knochenfraß litt, nach der Lemke'schen Poliklinik. Herr Dr. Lemke stellte dem Vater die Nothwendigkeit einer Amputation vor und der Vater schien davon so überzeugt, daß er sein Kind nach dem Vereinshospital brachte, welches unter Leitung des Dr. med. Maitz steht. Bald wurde ihm die Sache wieder leid, er eilte nach dem Hospital, aber sein Kind ivar schon chloroformirt. Obwohl eine Operation, da noch kein Schnitt geschehen war, unterbleiben konnte, ließ Dr. Maitz dem Vater sagen, es wäre jetzt zu spät. Klein denunzirte nun den Dr. Maitz wegen Körperverletzung, jedoch das Landgericht Hamburg sprach den Angeklagten frei. Gegen dies Urlheil legte die Staats- Freie Nolilsbülsne. Das dreiaktige Schauspiel:„Das Fest auf der B a st i l l e" vou Franz Held, das am Sonntag Nachmittag im„ N a l i o n a l- T h e a t e r" als Juni- Vorstellung gegeben wurde, stellt uns hinein in den Anfang der französischen Re- volution von 1739. Das Fest auf der Bastille giebt der Marquis de Launatz, der auf dieser Zwingburg des De- spolismus als Gouverneur komniandirt. Er giebt es wenige Tage nach der Einberufung der Reichssiände und wenige Wochen vor der Zerstörung der Bastille. Und das Stück endet damit, daß das berüchtigte Staatsgefängniß, in dem wir noch kurz vorher die„vornehme" Gesellschaft auf der Plattform des Gebäudes dicht über den Köpfen der Gefangenen tafeln sahen, von dem noch mit dem Proletariat vereinigten Bürgerthum er- stürmt wird. Jeder weiß, daß die Bastille nicht die schlimmste unter den Sünden der französischen Monarchie war. Aber sie galt dem Volke nun einmal dafür. Sie war gewissermaßen das Symbol des Despotismus, und deshalb mußte sie zuerst fallen. Ihr Fall war keine Vorbedingung für das Gelingen der Revolution, aber er war dem Volke ein persönliches Bedürfniß, das man ohne weiteres begreift. Franz Held hat dem Sturm auf die Bastille eine noch persönlichere Färbung gegeben, indem er ihn mit einem Bamilienschicksal verknüpfte. Führer des die verhaßte wingburg erstürmenden Volkshaufens wird der Sohn eines Ehepaares, das hinter den Mauern der Thürme schmachtet. Dadurch wird der schon an sich sehr dankbare Stoff, der dein Gebiet des rein Menschlichen ohnedies viel näher steht als der Politik, unserem Herzen noch mehr genähert und die Handlung in ihrer Wirksamkeit noch ganz außerordentlich ge- steigert. C amille Thuriot, der als Lakai zu dem Gouverneur geht, um sich seinem gefangenen Vater nähern zu können, gelangt nach vielen Mühen zu der Mutter, die er hier gar nicht vermuthete, und zu dem Vater. Aber in dem Augen- blick, wo das unter seiner Führung die Bastille stürmende Volt sich zur Befreiung der Gefangenen anschickt, findet er die Eliern todt. Die Mutter ist auf Befehl deS Gouverneurs anwaltschaft Revision ein und machte geltend, daß eine jede Operation, die gegen den Willen des Patienten bezw. des Vaters desselben von einem Arzte vorgenommen worden ist, sich als Körper- Verletzung charakterisirt. Der Reichsanwalt entwickelte in längerer Ausführung die verschiedenen Theorien, welche dem Arzte das Recht geben, im Nothfalle.operativ einzugreifen, so unter anderem die Binding'sche Berusstheorie und die Gewohnheits- rechts-Theorie von Professor Dr. Oppenbeim in Basel, und beantragte selbst Verwerfung der Revision. Das Reichs- gericht beschloß jedoch, der Revision des Staatsanwalts stattzu- geben. Das Urtbeil wurde demnach aufgehoben und zur noch- inaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Es ist also hiermit festgestellt, daß jede Operation gegen den Willen des Patienten oder seiner Angehörigen als Körperverletzung anzu- sehen und als solche strafbar ist. Sozmls llelierlrclzt. An die Parteigenossen des dritten Berliner Reichstags-Wahlkreiscs. Wir ersuchen hiermit alle Genossen, ganz besonders aber die Mitglieder des Wahlvereins im dritten Reichstags> Wahlkreise, uns energisch bei der Durchführung des Boykotts zu unterstützen. Es gilt zunächst, alle Absatzstellen der sieben in Boykott erklärten Brauereien festzustellen, dabei aber nicht nur die Restaurateure, sondern auch die Grünkram- und Milchhändler, die Kaufleute, die Geschäftshaus- und Fabrikportiers, die Kantinen zc. in Be- kracht zu ziehen. Die Resultate sind sofort bis spätestens Donnerstag, den 7. Juni, an den Unterzeichneten schriftlich oder mündlich zu übermitteln. Wir ersuchen aber um streng sachliche Mittheilungen und genaue Adressenangabe der Rechercheure. Für die Mitglieder der Lokalkom Mission des dritten Berliner Reichstags-Wahlkreises. I. A.: Oswald Grauer, Neue Grünstr. 10, I. Achtung, Hutmacher! Zuzug nach Dresden ist wegen Lohndifferenzen bei Arnold, Erler und Komp. feruzuhalten. Zuzug nach Wien ist fernzuhalten. Unterstützung für die Ausständigen ist an Rud. Fabian, Wien 13/2, Menzel- gaffe 12 11., zu senden. Achtung, Maurer! In Freiburg, Schwedt a. d. O., Tilsit, Danzig und zum Theil in Wandsbeck und Nordenham befinden sich die Kollegen im Streik und ist deshalb der Zuzug nach diesen Orten streng sernzuhalten. An die Gärtner Berlins und Umgegend. Kollegen! Vor ungefähr 5 Jahren gründeten wir den Zentralverein der Gärtner Deutschlands, der den Zweck haben sollte, die geradezu unhaltbaren Zustände innerhalb unseres Gewerbes zu beseitigen. töhere Löhne, kürzere Arbeitszeit, Aufhebung des Kost- und ogiewesens und menschenwürdige Behandlung waren die Ziele, die wir uns zunächst gesteckt. Wenn wir nun auch sagen können, daß durch unsere Organisation sich gar manches gebessert hat, so können wir uns andererseits doch nicht verhehlen, daß eine große Anzahl von Kollegen ihr Dasein unter Verhältnissen fristet, die jeder Beschreibung spotten. Woher kommt das? Lediglich durch Eure Theilnahmslosigkeit, durch Eure Gleichgiltigkeit und Denkfaulheit. Es nützt ja doch nichts, es herrscht ja keine Einigkeit, sind die stereotypen Antworten, die man oft zu hören bekommt. Natürlich in 14 Tagen oder 3 Wochen können Jahrhunderte alte Zustände nicht beseitigt werden, dazu gehört jahrelange eifrige Thätigkeit und festes Zusammenhalten, dem Mangel an Einigkeit hilft man ani besten dadurch ab, daß nian sich selbst erst einmal der Orga- nisation anschließt, dann aber nicht etwa nur seine Beiträge bezahlt und alles Uebrige dem Vorstande überläßt, sondern sich selbst lhatkräftig an der Agitation belheiligt. Wir kommen nicht dadurch aus unserer drückenden und beschämenden Lage heraus, daß wir traurig die Ohren hängen lassen, auch nicht dadurch, daß wir mit Diskussionen über die Jndividualisirung des In- dividuums und ähnlichem Blödsinn die Zeit todtschlagen, oder in harmonieduseligcr Begeisterung eine gütliche Vereinbarung mit unseren Arbeitgebern anstreben, sondern lediglich dadurch, daß wir zur Erkenntniß unserer Klasscnlage kommen und unentwegt in diesem Sinne thätig sind. Wohlan denn Kollegen, erwacht aus Eurem Schlaf, werdet Euch Eurer Menschenwürde bewußt und verharrt nicht länger in Eurer bisherigen Lethargie. Aber auch an jene von Euch, die sich schon ausgeklärter dünken und angeekelt von der Dummheit der Kollegen sich nur im politischen Leben be- erdrosselt worden, und der Vater ist über ihr sterbend zu- sammengebrochen. Camille ergreist den. Gouverneur, bevor noch das Volk über ihn richten kann, und wirft ihn über die Thurmzinne hinab in die Tiefe. In dieser kurzen, nur das Gerippe der Handlung bloß- legenden Wiedergabe nimmt sich das Stück mehr wie ein Schauerdrama aus. Der Verfasser hat sich von diesem übel be- leumundeten Genre der Dramatik auch wirklich nicht ganz fern zu halten gewußt. Am Ende ist es bei dem gegebenen Stoff überhaupt schwer, an dieser Klippe ganz ohne Schaden vorbei zu kommen. Trotzdem ist das Stück literarisch werthvoll als Z e i tb i l d. Wenn man es nur von diesem Gesichtspunkte aus betrachten will, dann ist fast jede Figur, die darin vorkommt, und jeter Satz, der gesprochen wird, interessant und bedeutungsvoll. Sehr gut sind die Vertreter der„oberen Zehntausend" des damaligen Paris charakterisirt. Ueberhaupt ist die Schilderung der Zu- stände, die zur französischen Revolution führten, mit großem Geschick mit der Hanblung des Stückes verivoben. Fast nirgends begegnet man dem Leitarlikel-Ton, in den die Versaffer solcher Stücke nur zu leicht verfallen. Und das Elend des Proletariats ist in manchen Auitritten mit wenigen Strichen außerordentlich packend dargestellt. Sehr inlereffant ist auch der Kontrast ge- staltet, der sich dem Verfasser in der Veranstaltung eines Festes gerade aus der Bastille von selbst zur Ausbeutung darbot. Aber viele dieser durchaus beachtenswerthen Vorzüge des Stückes können leider nur bei der Lektüre zu voller Geltung kommen. Bei der Aufführung muß, um die Bühnenwirksamkeit nicht zu sehr abzuschwächen, manches wegfallen, was zur Vollständigkeit des Gesammtbildes eigentlich doch unentbehrlich ist, und manches wiederum durch die, den Knalleffekt liebende Kunstfertigkeit des Regisseurs in den Vorder- grund gerückt werden, was thatsächlich«her zu entbehren wäre. In dem Trubel der Massenauflritte scheint uns noch manches Wort zu Boden gefallen zu sein, das dem Rothstift des Regisseurs ursprünglich(und mit Recht) entgangen war. Wer Herrn Held und sein Stück nur nach der Aufführung vom Sonntag beurtheilt, thut ihm schweres Unrecht. Man muß, um beide richtig würdigen thätigen, wenden wir uns, auch Ihr seid verpflichtet. Euch uns anzuschließen, denn bedenkt, daß der ehrenvollste Platz eines Kämpfers für Freiheit, Wahrheit und Recht da ist, wo die Un- wissenheit am größten. Eure Pflicht und Schuldigkeit ist es in erster Linie, in den Kreisen der Kollegen, Aufklärung zu verbreiten. Gleichzeitig fordern wir auch die- jenigen Kollegen, welche ein eigenes Geschäft haben auf, sich ihrer Zugehörigkeit zur Partei nicht nur dann bewußt zu werden, wenn es gilt, den Parteigenossen ihr Geschäft in Erinnerung zu bringen, sondern wenn es ihnen ernst ist mit ihren Betheuerungen, auch die Opfer, welche die Bewegung heischt, tragen zu helfen und sich ebenfalls unserer Organisation anzuschließen. Darum erscheint alle ohne Unterschied in der am 6. Juni, Abends Sffs Uhr, im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstraße 75 stattfindenden Versammlung. Die Zahlstelle Berlin. Achtung, Weber! Verlockende Anerbieten wer- den von einer brasilianischen Ausbeuter-Gesellschaft deutschen Webern gemacht. Dieselbe sucht Weber für Brasilien zu engagiren und verspricht hohe Löhne; einer Arbeiterin z. B. 32 M. Wochenlohn, freie Hinfahrt und nach zweijährigem Auf- enthalt freie Rückfahrt. Der Kontrakt enthält aber nach dem „Konfektionär" verschiedene sehr verfängliche Klauseln, so daß die größte Vorsicht geboten erscheint. Achtung, Hausdiener, Packer und BerufSgenosseu! Heute Abend findet im Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72, eine Verbandsversammlung statt, welche Stellung zu den Be- schlüssen des 1. Berufskongreffes nehmen soll. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es nothwendig, daß alle Mitglieder des Verbandes pünktlich erscheinen. Der Vor st and. Der Streik der Maurer Freiburgs hat eine ungünstige Wendung zum Nachtheil der Arbeiter genommen, indem die Streikenden den Zuzug nicht mehr fernhalten konnten. An der Starrköpfigkeit der Unternehmer scheiterte jeder Versuch, um ein Uebereinkommen zwischen Arbeitgeber und Arbeiter herbeizuführen. In der am 1. d. M. stattgefundenen Mitgliederversammlung wurde der Beschluß gefaßt, den Streik einstweilen als beendigt zu erklären, jedoch den Zuzug noch strengstens sernzuhalten. Wir ersuchen deshalb sämmtliche Kollegen, dieses zu beachten. Sämmtliche arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck dieser Zeilen gebeten. Das Streikkomitee. I. A.: I. H ä u s e l. Vom Zeutralverband Deutscher Schuhmacher wird im Interesse der ausgesperrten Schuhmacher in Burg ein Flugblatt verbreitet, dem wir folgendes entnehmen: An alle Männer und Frauen des Arbeiter st an des! In Burg haben eine Anzahl Schuhfabrikanten ihre Arbeiter und Arbeiterinnen aus nichtigen Gründen von der Arbeit ausgesperrt, um sie durch Hunger rechtlos zu machen. Und trotzdem die Arbeiter und ihre Vertreter den Fabrikanten die weitgehendsten Konzessionen gemacht haben, um die Differenz auszugleichen, haben die Herren aus purem Hochmuth dieselben zurückgewiesen. Männer und Frauen des Arbeiterstandes! Ihr könnt diese Herren sür ihren Hochmuth strafen, wenn Ihr keine Waare in deren Läden kauft! Steht Euern bedrängten Standes- genossen und Genossinnen bei! Schuhgeschäfte von Burger Schuh- fabrikanten befinden sich in folgenden Städten: Berlin: Konrad Tack, Dresdenerstr. 129, Rosenthalerstr. 14, Potsdamerstr. 57/58, Andreasstr. 50 und Oranienstr. 65. Außerdem sollen noch neu eingerichtet werden je ein Geschäft in der Alten Jakobstraße und Brunnenstraße. Frankfurt a. M.: Konrad Tack, Fahrgasse 109. Chemnitz: Konrad Tack, Taubenreuther. Magde- vurg: Gleiche u. Grabow, Breiteweg 69/70 und Königshof. Halle a. S.: Tack, Schmorstr. 8. Potsdam: Konrad Tack, Branden- burgerstr. 49; Böhme, Nauenerstr. 41; K. Jahn, Nauenerstr. 43. Stettin: Tack u. Ko., Heumarkt 1, Recpschlägerstr. 9. Kiel: Tack u. Ko. Leipzig: Tack u. Ko., NeichZstr, 13. Halbcrstadt: wicken 1 und 2. Zwickau i. S.: Hauptmarkt II. Gera(Reuß)-: ack u. Ko., Humboldstr. 2. Zu beziehen sind die Flugblätter für Berlin und Umgegend durch den Unterzeichneten. Ferner bitten wir uns bekannt zu geben, wo außerdem Schuhwaaren vön den Fabrikanten aus Burg verkauft werden. I. A.: A. Fleischer, Höchstestr. 11. 2 Tr. Vom Schuhmacherstreik in Burg. Der Fabrikant Tack als Anführer der Burg-Herren hat dem Abg. W. Bock mit- zu können, in der That das Buch lesen. Dann wird man finden, daß Herr Held ein unleugbares Talent besitzt. Aber man merkt freilich auch dann erst richtig, daß dieses Talent einen leider ebenso unleugbarenl Zusatz von einer konfusen Verschrobenheit enthält, der dem Stück und seinem Ver- fasser bei einem weniger freundlich gestimmten Publikum leicht hätte gefährlich werden können. Die„Freie Volksbühne" erwies sich für das Gebotene dank- bar und applaudirte lebhaft, wenn auch nicht mit der gewohnten Einstimmigkeit. Die Aufführung des Stückes bietet ganz außer- ordentliche Schwierigkeiten, nicht nur wegen der sehr komplizirten Szenerie, sondern auch wegen der Menge redender Personen. Das„National-Theater" hat sie überwunden, so gut es eben gehen wollte. Für die wichtigeren Rollen hatte man eine be- trächtliche Anzahl von Gästen angeworben, so: Friedrich B a s i l(Gouverneur), Clementine Krauß(seine Gattin), Julius Wessels(sein Sohn), Bern- Harb Vorwerk(Camille Thuriot), Paul Pauli (Unteroffizier der Invaliden der Bastille) u. s. w. Die beachtens» wertheile Leistung bot Herr Vorwerk. Unter dem Personal des„Nationaltheaters" trat Herr Rhode-Ebeling(der alte Thuriot) vortheilhaft hervor. Alles in allem bedeutet diese Aufführung vielleicht doch keinen ganzen Erfolg. Aber selbst wenn die„Freie Volksbühne" damit ihrem vierten Spieljahr, das mit den Juni- Vorstellungen fein Ende erreicht, einen weniger glücklichen Abschluß giebt, so kann der Gesammterfolg dieses Jahres doch nicht geschmälert werden. Unler den zehn Vorstellungen(mit elf Stücken) war kein einziger wirklicher Mißerfolg. Der Spielplan wies auch diesmal wieder eine solche Mamiigfaltigkeit auf, daß er jedem Geschmack gerecht werden konnte. Von den deutschen Klassikern und ihren Nachtretern kamen Schiller mit „Kabale und Liebe" und Gutzkow mit„Uriel Akosta" zum Wort, von den Modern en Anzengruber mit„Meineid- bauer" und„Kreuzelschreiber", H a u p t m a» n mit„Tie Wever", Sud ermann mit„Heimath" und„SvdomsEnde" und Held mit„Fest aus der Bastille". Die skandinavisch- Literatur war verlrelen durch Björns on m-it„Fallissement" und die SchriitsteUerm Edgreen-Lesslermm„Wie man wohlrhut". : " getheilt, daß die Unternehmer sich den Wünschen der Arbeiter| den angebotenen Wahrheitsbeweis abgelehnt hatte. Erst nach[ tleineren wirthschaftshistorischen Schriften, die manches anregende nicht fügen werden. Des Weiteren will Herr Tack wegen„ Er- dem das Reichsgericht die Sache zur erneuten Verhandlung zurück- und bemerkenswerthe enthalten und die nachhaltigen Einfluß auf preffung" gegen den Abg. Bock flagbar werden; er behauptet, gewiefen hat, kann der Angeklagte den Wahrheitsbeweis antreten tie historische Behandlung der Nationalökonomie auf deutschen daß das Flugblatt des Vertrauensmanns Deutscher Schuhmacher und der ergiebt: ,, von der Wahrheit abweicht". Darauf wird den Unternehmern Universitäten ausübten, sondern in seinem„ System der Volks. Der Gutsbesitzer F. ist der einzige Sohn eines wirthschaft", das alles eher als ein System, nichts anderes als vom Schuhmacher Fachblatt folgende Antwort zu Theil: Wo wohlhabenden Mannes, dessen Nachlaß verschieden vom ein unbedeutendes, jeder Originalität entbehrendes, wenn auch das Flugblatt von der Wahrheit abweicht, sagen die Burg- Herren Landrath auf 40-50 000 Thlr., von Nachbarn auf 3-400 000 m. fleißig zusammengestelltes Lehrbuch ist. Daß dieses in einzelnen nicht, weil ihnen das unmöglich ist, nachzuweisen. Haben nicht geschätzt wird; ein guter Bekannter fennt die Vermögens- Bänden in mehr als 20 Auflagen erscheinen und in mehrere die fünf Fabrikanten, deren Arbeiter mit dem Streit der Tack'schen verhältnisse des F. näher; er habe vom Vater ein großes" Sprachen übersetzt werden konnte, spricht weit weniger für die Fabrik garnichts zu thun hatten, dieselben ausgesperrt? Antwort, Vermögen geerbt. F. hat seinen Grundbesitz verpachtet und zieht Bedeutung Roscher's, als für die Genügsamkeit unserer Bourgeoisie Ihr wahrheitsliebenden Fabrikanten! Hat Euch der Vertrauens daraus über 9000 m. Bacht( bei 177 M. Grundsteuer); er ist bei der Beschaffung ihrer nationalökonomischen Bildung. mann Bock und die Kommission nicht die Konzession gemacht, bei einer Stärkefabrik mit 50 000 m. betheiligt, aus welcher Das Opfer eines abgefeimten Betruges ist unlängst kein Fabrikant foll gehalten sein, die Arbeiter, er nur 500 m. Einnahme gehabt hat; er betreibt eine der Briefträger N. bei dem Postamte in 2. geworden. An einem die in seiner Fabrik standen, wieder in Arbeit Biegelei, welche ihm nur wenig Ertrag gebracht hat, während Morgen im November betrat N. das Komptoir des Fabrikzu nehmen, wenn solche dabei sind, die er nicht andere Ziegeleibesiger den Ertrag fleinerer Ziegeleien mit befizers H., an welchen er verschiedene Briefe und eine Postwill"? Warum verschweigt Ihr wahrheitsliebenden Herren 3500 m. angeben und den Ertrag der F'schen Ziegelei allein anweisung über 150 m. zu bestellen hatte. Im Komptoirraum diese Thatsache dem Burger Publikum? Ob wir berechtigt sind, auf 4-5000 m. schäzen! Der Landrath meint freilich, F. hätte traf er nur den ihm bekannten Buchhalter N. an, dem er die die Herren" durch Erpressung" zum Frieden zu zwingen? ja seine Steine billiger verkaufen oder verschenken können! F. Briefe übergab. Auf die Frage, wo Herr H. sei, deutete der Jedenfalls so berechtigt, wie die Herren, unsere Kollegen auf hat zwar 4 Häuser, sie bringen aber nur 75 M. Einkommen! Buchhalter auf die Thüre des anstoßenden Nebenzimmers eine schwarze Liste zu sehen, an die auswärtigen Fabrikanten zu Er hat einen Wald gekauft für 100 000 M., welcher aber und schickte sich an, in dasselbe einzutreten. Hierbei senden und unsere Kollegen zu boykottiren. Ihr haßt den Verein, gar nichts einbringt. Die Jagd wird zwar auf einen Pacht nahm er dem Briefträger, der noch mit der Postwelcher in ruhiger, gefeßlicher Weise die Rechte seiner Mitglieder werth von 3-6000 m. geschäßt, er verzichtet aber auf diese anweisung wartete, diese aus der Hand, indem er erkennen vertritt, und wollt ihn vernichten, das ist der einzige Grund Einnahme; er beschießt die Jagd felbst; bei seinem Hause ließ, er wolle dem Prinzipal die Anweisung nebst den Briefen des Kampfes, alles andere, was Ihr vorschüßt, ist eine Spiegel- unterhält er durch einen angestellten Gärtner einen Zurus- gleich selbst übergeben. Der Briefträger, der gegen den Buchfechterei, um das Publikum zu täuschen. Ich, der Kapitalist, garten. Und das alleg bei 3162 Mart Einhalter feinen Argwohn hatte, ließ dies geschehen. Als der Buchherrsche und hefchle Euch, und was auch vorkommt, Ihr Arbeits- tommen! Denn so hat Herr F. sich ſelbſt ein halter die Thür hinter sich geschlossen hatte, vernahm der Briefvolt habt Euch zu beugen. Widerspruch wird durch Hunger geschätzt, während die Voreinschäßungs- Kommission des Ortes träger auch bald die ihm wohlbekannte Stimme des Herrn H., resp. Entlassung geahndet." Das ist der oberste Grundsatz der fein Ginkommen auf 10 000 M. schätzte und die Veranlagungs- der eine Frage an den Buchhalter richtete. Nach Unternehmer. Kommission sich mit 4200 m. begnügte; die zugesetzten 1000 M., furzer Zeit fehrte der Buchhalter R. in das Komptoir Der Weberstreik in Glauchan, von dem wir bereits kurz Reklamation des Veranlagten wieder abgesetzt worden sein! Fanweisung. meinte der Landrath bei der Gerichtsverhandlung, würden auf zurück und gab dem Briefträger die vollzogene Postmittheilten, ist nicht durch den vielbesprochenen Terrorismus stellt seinen Einnahmen 12 186 M. Zinsen und Leibgedinge gegen Schriftzüge des Herrn H. und zahlte nunmehr unbedenklich dem Der Briefträger erkannte in der Quittung die Der Arbeiter" hervorgerufen, sondern lediglich durch das brutale über, wonach nur 3162 M. Einkommen blieben! Den geringen Buchhalter die Summe von 150 M. aus. Auftreten der Unternehmer verursacht worden. Im Auftrage Ertrag der Ziegelei begründet er mit etwa 4000 M. Reparatur der Arbeiter wurde bei dem Fabrikanten der Arbeiterausschuß vorstellig, die jetzigen Löhne um 25 pCt. zu erhöhen, d. h. sie anlagungs- Kommission, welche den Ertrag fleinerer Ziegeleien ausgaben"! Das erregt keineswegs das Bedenken der Verauf die vorjährige Höhe zu bringen. Um die Bescheidenheit desselben Ortes auf das Dreifache veranschlagt! Der Staatsdieser Forderung ins rechte Licht zu sehen, mögen hier die anwalt glaubt zwar, daß der Angeklagte H. von der Unrichtigkeit Hungerlöhne folgen, die in der Fabrik von Bäßler u. Ko. der Einschätzung des F. überzeugt gewesen sei, die Verhandlung zu gezahlt werden. Ein Arbeiter verdient dort die Woche 6, 7 bis habe aber nachgewiesen, daß objektiv F. richtig veranlagt wäre. 8 M., ja es ist vorgekommen, daß in 9 Arbeitstagen 5 M. 50 Pf. 5. wird abermals zu 100 m. Strafe verurtheilt der erwähnten Postanweisung hatte sich nämlich herausgestellt, verdient wurden. Der Ausschuß wurde kurz abgewiesen mit der und büßt sein unvorsichtiges Wort mit mindestens 1000 m. Drohung, daß wenn nach Verlauf von einer halben Kosten." Stunde nicht alle an der Arbeit wären, das würde. " 3 eug" angehalten und die Fabrik geschlossen Und diese Drohung wurde auch ausgeführt. Ehe die Arbeiter ihre Lage betrachten und berathen konnten, was nun zu machen sei, blieb das Zeug" stehen. Somit wurden die Arbeiter zum Streit gedrängt. Nun wählten die Arbeiter sofort ein Streitkomitee und meldeten für den folgenden Tag eine Versammlung an. In derselben haben sie nun ihre Forderungen festgesetzt. Dieselben sind: 1. Der alte Lohn soll wieder gezahlt werden. 2. Das Putzen der Waare soll außerhalb der Fabrik ge schehen auf Kosten des Geschäfts, damit der Arbeiter nicht den Stuhl tagelang stehen lassen muß. Stücken. 3. Die hohen Abzüge von 1 M. 30 Pf. und darüber find nicht in Einklang zu bringen mit den niedrigen Löhnen. Es darf nie mehr Abzug stattfinden wie 1 pet. bei fehlerhaften 4. Die Lohnzahlung nicht mehr Mittwoch, sondern Freitag stattfinden zu lassen. 5. An obigen Forderungen ist die Bitte(!) geknüpft, die jenigen Arbeiter, welche von ihren Mitarbeitern in das Streit fomitee gewählt worden sind, bei Wiederaufnahme der Arbeit nicht zu maßregeln. Der Muth unter den 200 streikenden Arbeitern ist cin guter, und die Bürger und Geschäftsleute Glauchau's erflären den Streit für vollständig berechtigt, da bei solchem Verdienst doch kein Mensch existiren kann. Nach einigen Wochen kam zu Tage, daß der Buchhalter R. das Geschäft deffelben eine ganze Reihe von Betrügereien verübt Vertrauen seines Prinzipals in schmählicher Weise getäuscht und im hatte. Es wurde gegen R. die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Nachdem N. bereits in Haft saß, mußte der Briefträger Opfer dieses Gauners geworden war. Bei einer Nachfrage nach feinem großen Schrecken erfahren, daß er ein daß der Fabrikbefizer H. weder von der Postanweisung, noch von der Auszahlung des Geldes etwas mußte; er war an jenem Ordnung sind dazu da, den Staat aufrecht zu erhalten und wenn gewesen. Auf diesen Umstand hatte St. auch sein Gaunerſtück Wozu die Polizei da ist. Die Hüter der Ruhe und Morgen als die Bestellung stattfand, überhaupt nicht zu Hause sie nebenher noch Zeit haben, bei Lohnkämpfen die Streifbrecher gebaut. Indem er nicht nur die Handschrift, sondern auch die im Interesse der lieben„ Ordnung", und es sind höchstens die mals in dem Nebenzimmer die Sprache desselben so geschickt kopirt, daß unter ihren Schutz zu nehmen, so geschicht das eben auch nur Stimme seines Prinzipals gut nachzuahmen verstand, hatte er dabösen Rothen, die das nicht einzusehen vermögen. Diese hohe der Briefträger N. im anstoßenden Komptoir keinen Augenblick Aufgabe wurde auch der Polizei bei dem Streit der Metall- zweifelte, es sei wirklich der Herr H. im Nebenzimmer und spreche arbeiter der Firma Kleyer in Frankfurt a. M. wieder zu mit dem Buchhalter. Als N. sodann in der Quittung der Posttheil. Kurz vor dem nunmehr beendigten Streit erhielt ein anweisung auch die Handschrift des H. erkannte, hatte er ohne Mannheimer Genosse folgenden Brief: Bedenken die Postanweisung dem Buchhalter ausgezahlt. An Herrn.. " aus Ein Als der Betrug des letzteren erwiesen war, hat der BriefSchlosser in Mannheim träger N. dem Fabrikbefizer H. den Betrag von 150 m. vell Antwortlich Ihres gestrigen Schreibens tönnen Sie sofort bei erstattet aus seinen Ersparnissen", seht die diesen Fall mitmir eintreten. Natürlich müssen Ihre Papiere in Ordnung sein theilende Deutsche Verkehrs- Zeitung" hinzu. Unsere Leser der unseren häufigen Schilderungen bemerke noch, daß augenblicklich ein Theil meiner Arbeiter streift. tommensverhältnisse der Post- Unterbeamten, und Sie haben sich meiner Fabritordnung zu unterwerfen. Ich wiffen daß die geAus diesem Grunde benutzen Sie, vorausgesetzt, daß Sie hierher drückten, erbärmlich besoldeten Beamten genau so wenig Gelegen kommen, am besten den Weg von dem Opernhause über die heit zum Sparen haben wie die Arbeiter, und daß es das dankMainzerlandstraße nach meiner Fabrik, da auf diesem die bare Publikum ist, das die unzulängliche Pflichterfüllung der Schuhmannschaft dafür sorgt, daß die Neu- Postverwaltung dieser Beamtenkategorie gegenüber durch Trinkverschleiern hilft. Wir ankommenden nicht durch die Streitenden begelder, Neujahrsgeschenke u. s. w. glauben der Wahrheit näher zu tommen, als die„ Dt. V. 3tg.". lästigt werden. wenn wir annehmen, daß der unglückliche Briefträger N., um den Betrag zu decken, die Hilfe des Post Vorschuß- Vereins in Anspruch genommen hat. Seine Hoffnung, daß die in sehr guten Verhältnissen lebenden Anverwandten des Schwindlers ein menschliches Rühren empfinden und ihm den entstandenen Verlust ersetzen werden, wird der Briefträger wohl bald als eine falsche erkennen. Die, die etwas haben", gehören bekanntlich nicht zu den Freigebigen. Uebrigens wurde hier in Berlin vor wenigen Wionaten an einem Briesträger der PacketfahrtGesellschaft ebenfalls ein Betrug verübt, dem der hier geschilderte auf's Haar gleicht. per Firma Heinrich Kleyer. ( Unterschrift unleserlich.) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. G. R., Spandauerstraße. Auch wir haben f. 3. NachEinen Kommentar braucht dieser Brief nicht. Ein Antrag auf Pensionirung und Altersunterstützung wird dem nächsten schwedischen Reichstag seitens der ebe Zuzug ist streng fernzuhalten. ammen zugehen. Diefe, 2500 an der Bahl, haben bereits 1887 Steinbrecherstreik. Am 1. Juni legten auf dem Stein- eine Petition in gleichem Sinne an den Reichstag gelangen bruch von Emil Schleinik, Klein- Naundorf bei laffen. Sie verlangen, daß jede Hebeamme im Alter von Dresden, 10 Arbeiter die Arbeit nieder, da der neue Tarif für 55 Jahren eine jährliche Pension von 300 Kronen erhält; jede Steinbruchsarbeiten nicht anerkannt wurde. Der Tarif fordert der Pensionärin selbst soll verpflichtet sein, innerhalb der letzten eine mäßige Erhöhung der früheren Lohnfäße. So verlangen die 25 Jahre jährlich 10 Kronen in die Kasse einzuzahlen. Arbeiter z. B. für in gefällten Sandstein bearbeitete Waaren, Ein Riesenkartell. Während in Deutschland die fertig bis zum Aufladen, cbm 9 Mt. Bei hartem Stein 25 pCt. Brauindustrie das Bestreben zeigt, sich zu fartelliren, um dem Briefkaffen der Redaktion. Zuschlag, und vom Stock gearbeitet 50 pet. Zuschlag. 3uzug Konsumenten und dem Arbeiter gleichzeitig das Fell über die ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter Ohren zu ziehen, besteht in Amerika bereits eine solche Verbin- Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Swet Buchstaben oder eine Bahl) werden um Abdruck gebeten. Zuschriften an Restaurant, Prinzen- dung, ein" Pool", der an Bedeutung alle ähnlichen überragt. höhe", Kunnersdorf. Die New- Yorter Staats- 3tg." meldet, daß die Bierfrage für richten ganz desselben Inhalts über diese Affäre gebracht. die Gastwirthe zu einer solchen Kalamität geworden ist, daß sie Ein Bauarbeiter- Streit steht in Braunschweig bevor. Die beabsichtigen, die Hilfe der Gerichte gegen diesen gemeingefährArbeiter hatten sich in früheren Jahren einen Stundenlohn von lichen Pool anzurusen. Die Wirthe sollen gezwungen fein, 42 Pf. erkämpft, die Unternehmer haben jedoch im Laufe der Zeit gegen ihren Willen bestimmte Biere zu führen und sich auch in diese Löhne herabgedrückt. Eine öffentliche Maurerversammlung anderen Beziehungen dem Wollen des allmächtigen Pools 31 hat nun beschlossen, Mann für Mann auf allen Bauten dafür fügen. Ob die„ Staatsgewalt hierbei etwas ausrichten einzutreten, den Stundenlohn von 42 Pf. wieder zu erlangen. wird, darf nach den vorliegenden Erfahrungen billig bezweifelt Annenstr. 39. Einen Beitrag zur Nothlage der Landwirth- werden. schaft und die Handhabung der Einschätzung auf dem Lande lieferte ein kürzlich in Bieg zum Austrag gebrachter Beleidigungsprozeß. Ein Brauereibesitzer H. hatte zu einem Bekannten gesagt, die niedrige Einschätzung des Guts- Wilhelm Roscher, der über ein halbes Jahrhundert, den besizers Feuerhelin sei nur möglich gewesen, weil er ein Freund größten Theil der Zeit, an der Universität Leipzig Lehrer der des Landraths sei. Auf die Klage des Landraths wurde H. zu Nationalökonomie war, ist gestern im Alter von fast 77 Jahren einer Geldstrafe von 100 m. verurtheilt, nachdem das Gericht in Leipzig gestorben. Seine Bedeutung liegt weniger in den die französische durch Mélesville Duveyrier mit Michel Perrin". Das historische Stück( historisch" im weitesten Sinne gefaßt) war mindestens vier Mal, das Lustspiel zwei Mal vertreten. Daß die älteren Mitglieder der Freien Volksbühne" mit diesem Jahre die dramatischen Schöpfungen Sudermann's vollständig, von den Stücken Anzengruber's wenigstens die wichtigsten annähernd vollständig fennen gelernt haben und vor allem mit Hauptmann's Weber" bekannt geworden, find, soll noch besonders hervorgehoben werden. Die Freie Voltsbühne" hat sich der Unterstützung, die ihr von dem arbeitenden Volte zu Theil wird, auch in ihrem vierten Jahre würdig erwiesen. Sie darf ihrem fünften Jahre mit derselben Zuversicht entgegensehen. " Literarische s. Br. Karpeles. Die Arbeiter des mährisch schlesischen Stein fohlenreviers. I. Band. 1. Hest. Leipzig 1894. Der Verfasser dieser von uns in Nr. 51 besprochenen Schrift, sendet uns die folgende Berichtigung: Vermischtes. M. 47. Kommen Sie in die Sprechstunde. W. K. 100. Wenden Sie sich an die städtische Schuldeputation. J. O. 92. Wenden Sie sich an den Arbeitsnachweis Annenstr. 39. N. N. Fragen Sie an im Arbeitsnachweis der Holzarbeiter S. Th. 66. Es muß zur Verhandlung vom Kläger geladen P. B. 131. 1. Nein. 2. Lassen Sie sich verklagen. Einkommensteuer. Sie müssen auch dort zahlen, weil sie dort Eigenthümer sind. werden. W. W., Wiesenstraße. Sie können den alten Vormund auf Herausgabe der Sachen verklagen. F. K. Nein. den Tabellen geben wollte, habe ich dahin charakterisirt, daß die löhne, sondern für eine bedeutende Zahl von Arbeitern die aus ihnen vermittelten Erkenntnisse zwar auch für die Beurtheilung der ökonomischen Lage der arbeitenden Klasse von B deutung sind, da sie das durch die Individual- zählfarten und Zählbogen gewonnene Material in mancher Hinsicht ergänzen, daß ihr eigenthümlicher Werth mir jedoch in den Beiträgen zu liegen scheine, welche sie für die nationalökonomischen Lehren vom Arbeitslohne liefern."( S. 14.) Da es sich also für mich nicht darum gehandelt hat, ein Bild von den wirklichen Arbeiterverhältnissen zu geben," wie der Herr Referent behauptet, so konnte ich die Methode nicht für eine von mir gar nicht gewollte Darstellung wählen. Jahreslöhne für eine Periode von 20 Jahren erhoben und die Arbeitszeit nicht nur nicht vernachlässigt, sondern für jeden Arbeiter die Anzahl der im Jahre 1891 verfahrenen Stunden und den für jede Stunde entfallenden Lohn berechnet habe. Sozialpolitisches Zentralblatt, herausgegeben von Dr. Heinr. Braun( Carl Heymann's Verlag in Berlin, vierteljährlich 2,50 M). Die soeben erschienene Nummer 36 hat unter anderem folgenden Inhalt: Die Wohnungsmiethe im Ent wurf des bürgerlichen Gesetzbuches. Von Amtsgerichtsrath H. Jastrow. Kinderarbeit in der deutschen Zündhölzchen Judustrie. Zur Lage der Telephonistinnen. Die süddeutsche Gewerbe- Inspektion im Jahre 1893. Von Dr. May Quard. Zur Frage der Armenversorgung alter Leute in England. Von Barrister Stephen N. For. Schulverhältnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika. 3. Es ist ein Ferthum„ daß der Verfasser bald nach Kalendermonaten, bald nach Monaten von 4 Wochen, bald nach sogenannten Bergmonaten( von 5 Wochen) zu rechnen gezwungen ist." Vielmehr verhält es sich so, daß für einen Theil der Arbeiter die für den Kalendermonat gezahlten Löhne, für einen anderen Theil die für den sog. Bergmonat gezahlten Löhne( d. i. für 4,, Lichtstrahlen", Blätter für volksverständliche Wissenschaft und oder für 5 Wochen) dargestellt werden mußten. 4. Warum in den vorliegenden Tabellen die Arbeitszeit nicht berücksichtigt ist, habe ich ebenfalls ausführlich begründet (§ 19). Er geschah wiederum, weil nicht die sozialpolitische Seite der Lohnfrage behandelt wird. 5. Die vier Punkte, welche der Herr Referent erwähnt und welche den Plan meiner Darstellung der sozialen Lage der Arbeiter erkennen lassen sollen, beziehen sich nur auf einen Theil meines Materiales, soweit es nämlich durch die Individual Zählfarten gewonnen wurde. atheistische Weltanschauung. Zugleich Unterhaltungsblatt und literarischer Wegweiser für das Volt. Erscheint 14 tägig in Heften( 48 Seiten größtes Oktav) zum Preise von 25 Pf. 15 Str. 35 Gt3.( Verlag: Magazin für Voltsliteratur, F. Harnisch u. Co., Berlin W. 30.) Soeben erschien das 17. Heft des 4. Jahrganges. = 1. Es ist ein Irrthum, daß die von mir benutten Lohnlisten feine einwandfreie Quelle seien. Denn diese Lohnlisten sind nicht etwa von den Unternehmern für meinen Gebrauch erst zusammengestellt worden. Ich habe nur die wirklichen, authentischen Lohnregister benüßt, das sind die Aufschreibungen, auf grund deren die Lohnzahlungen erfolgten. Die Lohnlisten für einen Betrieb und Monat bilden einen stattlichen Folioband. Das mir zur Verfügung gestellte und von mir bearbeitete Material hatte den 6. Der Herr Referent spricht von den 94 886 Arbeitern, Umfang von beinahe 1700 Foliobänden. Niemand wird an deren Löhne ich erhoben habe. Dies ist unrichtig. Im nehmen, daß die Unternehmer für mich 1700 Foliobände gefälscht ganzen Revier find nur etwas über 20 000 Bergarbeiter haben hierzu fehlte, wenn man schon Dolus vermuthen wollte, beschäftigt. Die Zahl 94 886 bedeutet vielmehr die Zahl der dessen Vorhandensein ich aber entschieden bestreite auch die Individualzähltarten, welche nicht nur für die Arbeiter, sondern physische Möglichkeit, da mir die Lohnlisten in der Regel einige auch für deren Angehörige und Wohngenossen angelegt wurden. Tage nach meinem Ansuchen übergeben wurden. 7. Aus der Einleitung zu meiner Arbeit hätte der Herr Referent ersehen können, daß in den folgenden Heften alle sozialpolitisch relevanten Verhältnisse von mir mit großer Genauigkeit erhoben worden sind, daß ich z. B. nicht nur überhaupt Jahres: Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pönsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2. Warum ich die Lohnstatistik für die( fünf nicht vier) Jahre 1887-1891 monatsweise aufgemacht habe, habe ich( S. 6f. 16 f.) ausführlich genug begründet. Und was ich durch die vorliegen Illustrirtes Familienbuch der Naturheilkunde von Ludwig Reghäuser. Leipzig, Verlag von C. Schremmel. 35 Lieferungen à 20 Pf. Zeitschrift für Hypnotismus, Suggestionstherapie, Suggestionslehre und verwandte psychologische Forschungen. Verlag von Natur und Haus. Illustrirte Zeitschrift für alle Liebhabereien Hermann Brieger, Berlin SW., Rochstr. 32. im Reiche der Natur. Hiedaktion: Dr. L. Staby und M. Hesdörfer. Heft 15, 16, 17. Verlag von Rob. Oppenheim, Berlin. Die Wohlfahrt. Zeitschrift für voltsthümliche Heilweise und soziale Gesundheitspflege. Verlag von Josef Beranek, Reichenberg( Böhmen), Friedländerstr. 12. Abonnementspreis pro Jahr 1,50 fl.= 3 M. Einzelne Hefte 15 kr.