Wr. 177* 34. Jahrg. BbonnementS'Bfdln�un««! Kbonnfmmti• Strt» pt&nnnetanbo BifiUliäbtL 8,90 SRI, monaü. t30 M!, wöchenilich SO Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer ö Piff. KonnlagS. Nummer mil illultrierler EoimlagS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg, Polt- ilbonnement: ILO Wart pro Munal, femgetragen in die Lost. Zeitung». VreiSIiile. Unter Kreuzband iür Deulichland und Oesterreich. Ungarn 2.30 Marl, ffit da» übrige kuSland 4 Marl vra Manat, VostabonnememS nebmen an Belgien, Dänemarl, Mailand, Italien, Luxemburg, Ponugal, , Schweden und die«chweit Oichestil Ügstch. ( S Pfennig) Die InlerflonS'Gebflbr McSgt für die fechSgcsbaltene Kolons- »eile oder deren Raum 00 Pfg,. für »olitischc und gewerlschastliche Verein»- and Bersammwngs- Anzeigen 30 Pig, »II leine Znaeisen-, da» tettgedrulst? Wort 20 Psg. izuläffig 2 fcttgedruclte Worte), jede» weitere wart 10 Pfg, Stellengesuche und Echlafstellenan. zeigen da» erste Wart 10 Pfg» jede» «euere Wort ö Pfg, Worte über 13 Buch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bli 6 Uhr nachmittag» in der EWcdition �gegeben werden. Die Exbeditio» ist di» 7 Uhr abends geöffnet, Vevlinev Volksblerkk. »etegramm-Adreffe: �»tizl-semoKM gtiilo-. Tentralorgan cler fozialdemokratfrcbeii Parte» Deutfcblands. Neöaktion: EW. HS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morivplatz, Nr. 1S1 gv— 1S1 97. Reich, schasse Recht! Von Philipp Scheidemann. Ter Verfassungsausschuß wird am 3. Juli seine Arbeiten wieder aufnehmen. Was er bisher geleistet hat, ist von der reaktionären Presse als ultra-demokratische Umstürzlerei aus- geschrien worden, war aber im Grunde genommen wirklich nur sehr bescheiden. Ein Parlament, das sich seiner Macht bewußt ist und den Willen hat, sie auszuüben, würde auch durchkommen ohne alle die Aenderungen und Neuerungen, von denen man zur Stunde nicht einmal weiß, wieweit die Verbündeten Regie- rungen gewillt sind, sie gutzuheißen. Bescheidenheit in politi- schen Dingen imponiert niemandem, am allerwenigsten denen, die sie selbst nicht besitzen. Auch den Regierungsvcrtretern, die sich im Verfassungsausschuß bisher statt als Führer nur als Bremser betätigt haben, wird diese mißliche Tätigkeit wesentlich erleichtert, wenn man nicht Volldampf einsetzt. So hoch oder so niedrig man indes einschätzen mag, was der Verfassungsausschuß bisher beschlossen hat, sicher ist, daß es in keiner Weise verglichen werden kann mit der Bedeutung der großen Frage, die jetzt zur Entscheidung steht: der Wahlrechtsfrage. Das wichtigste Problem ist die Wahlrechtsfrage in Preußen. Sie ist die Zentralfrage der deutschen Reichs- Politik. Das Ja oder Nein in dieser Frage kann von Be- deutung sein für die Tauer des Krieges, es i st auf alle Fälle entscheidend für die ganze Zukunft des Reiches. Es ist über- flüssig, auch nur noch ein Wort über das am besten von Bis- niarck gekennzeichnete Preußen-Wahlrecht zu sagen, dessen Aenderung oder Beseitigung uns nun schon oft genug— versprochen worden ist. Ueber die politische Gemein- gefährlichkeit des dadurch entstandenen und scheinbar niemals endenwollenden Schwebezustandes soll sich niemand täuschen. Wie können wir am schnellsten in Preußen, Sachsen, Mcctwnburg usw. zur notwendigen Rechtsgleichheit der Staats- bürger kommen? Es gibt der Wege mehrere. Die offenen Gegner der Rechtsgleichheit wollen„Reformen" nur durch die zuständigen Parlamente selbst zugestehen. � Sie wollen die politische Münchhausiadc: sie muten dem Klassenparlament zu, daß es sich am eigenen Schöpfe aus dem Privilegiensumpfe herausziehe. Die offene Dreistigkeit dieser Wahlrechtsgegner ist freilich noch immer wesentlich sympathischer als das Ge- rede derer, die sich den A n s ch e i n geben, als wollten sie mit- machen, die aber im Innern sehnlich wünschen, daß es bei einigen Reparaturarbeitcn bleibt, die deshalb vom Ein- greifen in die Rechte der Einzelstaaten reden, wenn man die gründliche Reform durch den Reichstag verlangt. Dariiber soll man sich doch klar sein: entweder ist es ernst mit der Wahrung des Rechts der Einzelparlamente, und dann bleibt alles beini alten, oder aber die Beseitigung der Klassen- Wahlrechte wird durchgesetzt, und dann war die Wahrung jener einzelstaatlichen Rechte doch eben nur Schein. Glaubt denn jemand, daß das Klassenparlament die Klassenvorrechte beseitigen wird aus eigenem Antrieb und aus eigener Er- kenntnis? Nein, das tut es nicht früher, als bis es dazu g e- zwangen ist. Dieser Zwang kann von verschiedenen Fak- torcn ausgeübt werden: von der Krone, von der Straße, unter Umständen von beiden zugleich. Die Osterbotschaft bedeutet entweder für den preußischen Landtag die Aufhebung seiner Entschlußfreiheit oder sie bedeutet überhaupt nichts, rein gar nichts! Ist es übrigen wahr, daß die Ostcrbotschaft, wie man viel- fach erzählen hört, ursprünglich das Versprechen des gleichen Wahlrechts enthalten hat, und daß man dann— als von bestimmter Seite Bedenken erhoben wurden— dieses eindeutige Versprechen durch die deutsamere Formel ersetzt hat, für ein Klasscnwahlrecht sei kein Raum mehr?— Der zweite Weg geht über den Reichstag. Der Reichstag soll bestimmen, daß alle Bundesstaaten Volksver- tretungen haben müssen, die auf Grund des allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu wählen sind. Also was der Reichstag für Elsaß-Lothringen geschaffen hat. soll er für alle Bundesstaaten sichern. Dieser Weg ist der gerade, der am schnell st en zum Ziele sührenkann. � Natürlich würde es auch im Reichstag um die uns ab- solut selbswerständliche Forderung der Rechtsgleichheit Kämpfe geben. Aber damit wäre die Sache doch mit einem Schlage für das ganze Reichsgebiet, für alle Bundesstaaten erledigt, und der Zankapfel wäre beseitigt. Mit dem einheitlichen und einfachen Verfahren über das Reich vergleiche man die Wege, die durch den preußischen Landtag, die Mecklenburger Stände usw. führen. Ueberall heftige, erbitterte Känipfe, nirgends ohne die schwersten Konflikte Hoffnung auf ein befriedigendes Resultat! Der dritte Weg ist die O k t r o y i e r u n g. Das zetzige Wahlrecht in Preußen entbehrt der gesetzlichen Grundlage. Es ist selbst oktroyiert worden. Am 8. April 1848 wurde aus gesetzlichem Wege jedem'24jZhrigen Preußen das gleiche, wenn auch nur indirekte Wahlrecht eingeräumt. Be- reits am 6. Dezember 1848 verschlechterte die Regierung durch Verfügung eigenmächtig dieses Recht, indem sie es nur den„selbständigen" Preußen ließ. Am 30. Mai 1849 aber oktroyierte die Regierung das Dreiklassenwahlrecht. Wenn also jetzt die Regierung die Verfügungen vom 6. Dezember 1848 und vom 3l). Mai 1849 aufheben würde, so bestände in Preußen das gleiche Wahlrecht wieder zu Recht. Wir Sozial- demokraten sind keine Befürworter von Gewaltmaßnahmen, weil wir, um mit Friedrich Engels zu reden, bei der Gesetz- lichkeit am besten gedeihen. Aber wenn die Regierung die vor nahezu 79 Jahren begangenen Sünden jetzt gutmachen und es deni dann auf Grund des gleichen Wahlrechts gewählten nächsten Landtag überlassen will, sich ein modernes Wahlver- fahren zu schaffen, so brauchte sie von unserer Seite auf Widerstand nicht zu rechnen. Der beste Weg, weil er für a l l e Bundesstaaten gleiches Recht schaffen könnte, ist und bleibt der an zweiter Stelle ge- nannte, der durch den Reichstag führt. Ob dieser Weg beschritten werden soll, muß sich in den nächsten Tagen zeigen, Dom Verfassungsausschuß wird es abhängen, ob die Wahlrechtsfrage in kurzer Zeit befriedigend gelöst wird oder ob alle Teile des Reiches wieder und wieder aufgewühlt werden sollen durch den Kampf um die staatsbürgerliche Rechtsgleichheit. Auch die Regierungen sollten ein Interesse daran haben, die Wahlrechtsfrage durch den Reichstag rasch und gründlich zum Abschluß zu bringen. Sie sollten sich klar darüber sein, daß nach dem Kriege keine Frage der inneren Politik im Reiche verhandelt werden kann, ohne daß die Wahl- rechtsfrage mit verhandelt wird. Unendlich erbitterte Kämpfe können erspart, viel Kraft und fleißige Mitarbeit für notwendige Kulturarbeit kann gewonnen werden, wenn die Wahlrechtsfrage durch den Reichstag erledigt wird. Die Rechtsgleichheit bei den Wahlen muß und w i r d ja dem Volke doch eingeräumt werden— es ist nicht daran zu denken, daß der Krieg zu Ende geht oder daß es lange nach seiner Beendi- gung dauert, bis das wichtigste innere Kriegsziel, die Demokratisierung des deutschen Staatswesens, auf diesem oder jenem Wege erreicht wird. Der Verfassungsausschuß und der Reichstag sollten nicht verkennen, daß es die vornehmste Aufgabe des Reiches ist, seinen Bürgern Recht zu schaffen, sie vor Unrecht und Rechtlosigkeit zu schützen. Versagt sich hier die Reichs- gesetzgebung dem Volke, das seinen Schutz und seine Hilfe an- ruft, so muß daraus eine Stimmung entstehen, die gerade jetzt am allerwenigsten gewünscht werden kann. Der Vcr- sassungsausschuß steht also vor einer Entscheidung von nicht abzusehender Tragweite. Keine Partei wird vor Volk und Geschichte die Verantwortung für einen e n t- täuschenden und verbitternden Beschluß zu tragen imstande sein._ Neue Kriegsreöe Llopö Georges. Falsche Auslegung der deutsche« Friedensbestrebunge«. Nach einer Reutermeldung hielt Lloyd George in Glasgow eine Rede, die in einzelnen ihrer Partien recht be- merkenswert ist. Daß der englische Premier die Kriegslage als günstig schilderte und von den U-Booten sagte, sie könnten — unter Umständen— nicht mehr bedeuten als die Zeppeline, ist selbstverständlich. Jnterestanter ist schon, was er über die russische Revolution sagte: Ohne Zweifel machen uns im AugenHNck die inneren Zer- rilttungcn in Rußland zu schaffen. So segensreich die russische Revolution zweifellos ist, so groß ihr Ergebnis w diesem Jahre und mehr noch für später ist, hat sie doch zweifellos die Wirkung gehabt, den völligen Sieg zu verzögern: aber sie hat ihn zugleich sicherer denn je gemacht(Beifall), und was noch wichtiger ist, sie hat den Wert des Sieges, den wir erringen werden, sicherer denn je gemacht. > Vieler Herzen waren von banger Sorge erfüllt bei dem Ge- danken an eine Friedenskonferenz zur Regelung der Zukunft der Demokratie unter Teilnahme von Vertretern der reaktionär st en Autokratie der Welt. Rußland ist jetzt ohne Fesseln und frei. Seine Vertreter auf der Friedens- konferenz werden Vertreter eines freien Volkes sein, das für die Freiheit und Zukunft der Demokratie streitet. Inzwischen haben Frankreich, Italien und wir einen große- ren Anteil der Bürde zu tragen gehabt. Nur unsere Anstrengun- gen haben verhütet, daß eine Katastrophe die Demokratie der Welt verschlungen hat. Die Kraft Britanniens, die in die Lücke geworfen worden ist, hat noch einmal Europa die Frei- heit gerettet. Dann kani Lloyd George auf die F r i e 0 e n s f r a g e zu sprechen und sagte: Dieser Krieg wird zu Ende sein, wenn die Alliierten das Ziel erreicht haben, das sie sich gesteckt haben, als sie die Herausforde- rung, die Deutschland der Zivilisation zuschleuderte, annahmen. Aber wenn er nur um eine Stunde früher beendigt würde, so wäre dies das größte Unglück, das je über die Menschheit gekommen ist.(Beifall.) Man sagt, das Volk in Teutschland sei bereit, unS Genugtuung und Frieden zu geben. Zweifellos können wir jetzt für einen gewissen Preis Frieden haben, denn Deutschland braucht. Frieden, aber das ist ein Friede, der Deutschland die wirtschaftliche und sonstige Aufsicht über die Länder geben würde, die es besetzt hat. � Lloyd George weiß, daß die Kriegsstimmung in England gebrochen ist, wenn das Voll erfährt, daß Deutjchland bereit Cxpeüition: EW. HS, Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Btsritzplatz, Nr. IS» 90—151 97. ist,>der Bevölkerung der besetzten Gebiete am Tag des Frie- densschlusses ihrevolleFreiheitwiederzugeben. Zweifellos wird das geschehen. Aber wäre von der deutschen Regierng klar gesagt worden, daß es geschehen soll, so würde sich die Friedensstinnnung in England schon längst viel stärker geltend gemacht haben. Lloyd George kam dann auf dieFragenderDemo- k r a t i e, zu der er ausführte: Für einen dauernden Frieden liegt die Gewähr in der Per- nichtung der militärischen Macht Preußens. Dir beste Gewähr würd« die Demokratisierung der deutsche« Regierung sei«. Nie- mand will den Deutschen die Art ihrer Regie- rung vorschreiben, aber wir würde« mit einem demokrati- sierteu Deutschland in ganz anderem Geist, Haltung und Gesin- nung in Unterhandlunge« eintreten als mit einem, das von dem angriffslustigen und anmaßenden Geist des preußischen Mili- tarismus beherrscht wird, und die Regierungen der Alliierten würden klug handeln, wenn sie diese Unterscheidung m ihrer all- gemeinen Haltung in jeder Erörterung über Friedcnsbedingiin- gen vornehmen würden. Der englische Ministerpräsident verläßt sich hier ganz auf die Macht derpreußischenRcaktion, von der er hoff:, daß sie eine rechtzeitige Demokratisierung Deutschlands der- hindern wird. Sonst würde er um das schönste und am vollsten tönende Kriegsargument gebracht sein. Bon den deutschen Kolonien sagte er, ihre Ein- wohner sollten selbst bestimmen, von wem sie regiert sein wollten. Mesopotamien und Armenien müßten der türkischen Mißwirtschaft entzogen werden. Hier hinterläßt der a n n e x i o n i st i s ch e Pferde- fuß in der demokratischen Phraseologie deutliche Tapfen. Stockholm. Ein Memoranöum der tschechoslawischen Sozialdemokratie. Stockholm, 28. Juni. DaS holländisch-skandinavische Komitee verhandelte Dienstag, den 26., und Mittwoch, den 27. Juni ISl? mit der Delegation der Tschechoslawischen Sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei, vertreten durch Habrmaiin, Nemec und Smeral(Mitglieder des. österreichischen Abgeordneten- Hauses). Die Verhandlungen beschäftigten sich hauptsächlich mit der sozialistischen Aktion zur Erzielung eines allgemeinen Friedens und mit den nationalen Fragen Oesterreich-UngarnS und Europas. Die Friedeusaktion. Was die jetzige Friedensaktion betrifft, begrüßte die Delegation diesen ersten Versuch der sozialistischen Internationale, die Ver- Handlungen der brennenden Fragen, die zu dem fürchterlichen Welt- kriege führten und welche ihn verlängern, aus dem Halbdunkel der geheimen Diplomatie vor das öffentliche Forum der Demokratie zu bringen. Die Tschcchoslawische Sozialdemokratie ist überzeugt, daß die kapitalistischen Regierungen, welche die Verantwortung für da--. Ausbrechen des heutigen Weltkrieges tragen, nicht mehr imstande find, seinen Gang vollständig zu beherrschen und eventuell ihn ein- zustellen. Die Delegation überschätzt keineswegs die Kraft des Sozialis- mus im Verhältnis zu den durch den Krieg enffesselten mechanischen Kräften. Sie ist jedoch überzeugt, daß die Aktion der sozialistischen Internationale, der heute einzig fruchtbar erscheinende Versuch ist, jetzt einen Ausweg zum Friede« zu finden. Sollte sich dieser Vcr- such infolge der großen Schwierigkeiten, mit denen er natürlich zu rechnen hat, als ungangbar erweisen, dann entsteht die Gefahr, daß der Krieg beinahe unabsehbar verlängert und erst mit Erschöpfung, Entkräftung und Verblutung ganz Europas und aller seiner Völker beendet wird. Aus diesem Grunde spricht sich die Tschechoflawische Sozial. demokratie dahin aus, daß die Kontinuität der von dem holländisch- skandinavischen Komitee veranstalteten und gemeinsam mit dem Sekretariat des Internationalen Bureaus geführten Aktion um keinen Preis zu unterbrechen sei. Die Delegierten der Tschecho- slawischen sozialdemokratisiPm Arbeiterpartei bitten besonders die russischen Genossen, sie mögen ehetunlichst eine Verschmelzung der Initiative des holländisch-skandinavischen Komitees und des später aufgekommenen Antrages aus Petersburg zu einer einheitlichen Aktion für den Frieden verwirklichen, und zwar, wie sie ausdrück. lich betonten, nicht zu ei uem teilweise n, sondern zu eincni allgemeinen Frieden: zu einem Frieden auf Grundlage der von ihnen stipulierten Prinzipien: ohne Annexionen, ohne Kriegsentschädigungen und mit der Durchführung des Selbstbe- stimmungsrechtes aller Nationen. Selbstbestimmungsrecht der Nationen. Die Delegierten der tschechoslawischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei sind sich dessen bewußt, daß der von den durch impcria- listisch-kapitalistische Tendenzen geführten Regierungen hervor- gerufene Krieg nur dann mit einem baldigen Frieden beendigt werden kann, wenn in allen an dem Kriege beteiligten Staaten der ernste Wille und eine gewisse Sicherheit vorhanden ist, die Prin- zipien einer vollständigen Demokratie und des Selbstbestimmungs- rechts jeder Nation durchzuführen. Die in der Konstruktion der europäischen Staaten möglichst weitgehende Durchführung der Prin- zipien der Demokratie und des Selbstbcstimmungsrechts der Na- tionen halten wir auch für eine der wichtig st cn Betziu- «ungen für die Dauerhaftigkeit des künftigen F r i e den». In Konsequenz dieses Prinzips ist es notwendig, jeder Nation daß Recht zuzusprechen, sich als ein geeinigtes, selbständiges Ganzes, ausgerüstet mit allen Attributen einer vollständigen staat> lichen Unabhängigkeit, zu konstituieren. In jenen Fällen, wo dieses ideale Ziel in den heutigen ge� schichtlichen Zeitpunkten nicht erreichbar ist, und wo aus politischen, wirtschaftliche noder auS Gründen der noch nicht beendeten gqschicht lichen Entwicklung es notwendig ist, mit mehrere Nationen ixm> fassenden StaatSformationen zu rechnen, ist e» unerlählich, das Prinzip de« SeldstbestimmungSrechüS für jede Nation im Rahmen dieser Staaten im weite st- gehenden Sinne durchzuführen. Wir erklären au«. drücklich, daß wir mit der Ansicht der Delegation der deutschen So- zialdemokratie Oesterreichs nicht überein st im- men. daß dazu eine bloße Autonomie für national« kulturelle Angelegenheiten genügen würde. Jedes Recht schwebt in der Luft, wenn es sich nicht auf wirkliche wirtschaftliche und politische Macht stützen kann. Deswegen müssen die aus mehreren Nationen bestehenden Staaten so organisiert wer den, daß sie jeder ihrer Nationen jenen gerechten Anteil derjenigen Macht zugestehen, welche in den Staatsfunktionen zum Ausdrucke gelangt. Aus diesem Grunde ist e» notwendig, diese mehrere Nationen umfassenden Staaten in fSderative verbände selbständiger natio- nalcr Staaten umzuwandeln, zweitens ist eS notwendig, daß sie alle ihre Einrichtungen auf der vollständigen Demokratie begründen, die neben dem föderativen BerfassungSauSbau den zweiten Weg bedeutet, auf welchen jede Nation einen ihr zustehenden Anteil an der Macht haben könnte. Diese Form der Staatsorgan!. sation betrachten wir in dem jetzigen Stadium der geschichtlichen Entwicklung nicht nur für Oester reich.Ungarn, sondern auch für den Osten und Süoste n Europas als ange» messen. Der selbständige tschechische Vtaat. Ausgehend von diesen prinzipiellen Gesichtspunkten, fordern wir für unsere tschechische Nation die Errichtung eine» selbständigen tschechischen Staate» im Rahmen de« föderativ ausgebauten Donau- Gesamtreiches. Wir fordern, daß in diesem Bundesstaate alle An- gehörigen der tschechischen Nation, soweit sie geschlossen ein zu- sammenhängende» Territorium bewohnen, ihr« politische Deeeini- gung erlangen, also auch die Slovaken. Wir fordern für diesen tschechischen Staat alle Attribute der Souveränität, auf die ein Bundesstaat Anspruch erbeben kann und dessen Grenzen nur durch da», was da» Gesamtreich zur Führung einer einheitlichen auswärtigen Politik, zu seiner Berteidigung und zur Sicherung seiner notwendigsten Wirtschaft- lichen und finanziellen Funktionen benötigt, gezogen sind, also auch eine eigene nationale Vertretung und eine dieser verantwortliche vollziehende Gewalt. Die Selbständigkeit eines Bundesstaate» im Rahmen de» Reiches, die wir für unsere Nation fordern, betrachten wir selbst- verständlich auch al» ein Anrecht aller übrigen Nationen. Pole«, Utraina und Finnland. Wie das Prinzip de» nationalen SelbstbestimmungSrechtS in den Details für die Nationen Rußlands.und des Balkans durch. geführt werden soll, darüber zu urteilen, halten wir die D e l e- gierten der Parteien dieser Nationen für k o m p e. l e n t. Nut im Großen und Ganzen meinen wir, daß für die Na- iwnen in Rußland in dem heutigen Stadium der geschichtlichen Ent. Wicklung ein ähnlickier föderativer Umbau der Verfassung im Rahmen des ReicbeS, wie wir e» für die Nationen in Oesterreich-Ungarn beantragten, zweckdienlich ist. Ueber zwei Nationen, die Finnen und Polen wollen wir noch einige« bemerken. Wie für Böhmen, fordern wir für Finnland da» volle Selbst. bestimmungSrecht. Aber fowie wir eine Verbindung von Böhmen mit den anderen Völkern Oesterreich» annehmen können, meinen wir auch, daß eine neue Verbindung eine» selbständigen Finnland» mit der demokratischen russischen Republik auf dem Wege der Real- Politik liegen kann. Wa» die Pole« betrifft, erkennen wir ihre Einheit», und Selb- ständigkeiisbestrebungen selbstverständlich an. Hierbei halten wir e» aber für notwendig, ausdrücklich zu betonen, daß wir für eine angemessene Grundlage der polnischen Selb» ständigkeit alle von polnischer Bevölkerung be. siedelten Gebiete erachten, so daß eine Kollision mit dem Ansprüche der U k r a i n e r auf ihr GelbstJbestimmungtrecht nicht erwachse. So wie wir in Oesterreich-Ungarn und in Rußland für die nächste Zeit die Entwicklung zur innerstaatlichen göderalisation al» akut betrachten, so setzen wir vorau», daß in den kleinen Balkan, stooten«in Prozeß der organischen Annäherung entstehen wird, dessen Ziel der durch da» nationale Programm der süd- slawischen Sozialdemokratie gesteckte Plan einer föderativen Balkan- republik ist. Serble« und Belgien. Aus wichtigen besonderen Gründen, infolge der Situation, in welcher sich Serbien während de» jetzigen Kriege« befand, und in«- besondere mit Berücksichtigung dessen, daß«» sich jetzt hauptsächlich um die Bedingungen für die rasch« Erzielung de» Frieden» handelt, sind wir der Ansicht, daß Serbien aufgerichtet werde. E» soll ibm ein freier Zugang zum Meere geschaffen und die notwendige Handelspolitik ihm gewährt werden. Die Sicherung eines freien Zugange« zum Meere für Serbien halten wir al« um so notwendiger und zugleich al« um so möglicher, wenn die serbische Frage in Perbindung mit der montenegrinischen gelöst werden wird. Für Belgien fordern wir völlige Unabhängigkeit und völlige Wiederherstellung al» Einlösung de» Versprechen« de» Reichskanz- ler« im Namen de« Deutschen Reiche«. Slsast-Lothringen. Die elsaß-lothringische Frage betrachten wir in dieser jetzigen kriegerischen Situation als eine der brennendsten. Zu ihrer Lösung wäre allerding« der beste Weg da« Einverständnis zwischen den deutschen und französischen Genos- s e n. In unseren Reihen wurde die Ansicht ausgesprochen, ob der Friede nicht durch ein?Iedi'cit a posteriori rascher zustande kommen könnte, und zwar in dem Sinne, daß vorläufig der statu» quo belassen würde, durch den Friedensvertrag aber festgesetzt wer- den sollte, daß nach einem bestimmten Termin und unter Garantie sunter Mithilfe der Neutralen) eine allgemeine Volksabstimmung stattfinden sollte, die für die künftigen Geschicke de» Lande» entschei- dend wäre. Internationale Garantien deS künftige« nationalen Rechtes Europas. Alle diese Fragen der künftigen nationalen Ausgestaltung Europas, über die wir gesprochen haben, die Durchfübrung de» Prinzip» de« nalionalen Selbstbestimmungsrechtes in Oesterreich- Ungarn durch eine Umwandlung in einen föderativen Verband von Englischer Einzelvorstoß bei Armentiöres — Deutsche Vorstöße bei Corbeny, Cerny und an der Maashöhe S04— Starkes russisches Feuer in Oftgalizien und bei Luck— Russische Nachtangriffe bei Koniuchy. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 30. Juni 1917.(W. T. v.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Kampftätigkeit der Artillerie hielt sich bei regnerischer Witterung in mäßigen Grenzen. Sie verdichtete sich zu starte« Feuer nur an wenigen Stellen. Nachmittag» brach eine eng- lisch« Kompagnie, begleitet von tieffliegenden Flugzeugen, süd- östlich von Armentldre» in unsere Gräben, sie wurde im Gegen- stoß sofort wirber geworfen. Nacht» sind mehrfach feinbliche Erkundungstrupps zurückgewiesen worden. Eigene Vorstöße an der User und nordwestlich von St. Quentiu brachten mehrere Belgier und Franzosen als Gefangene ein. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Gestern früh wurde von bayerischen Truppe» nach Wirkung«- voller Feuervorberritung eine gewaltsame Erkundung südöstlich von Corbeny durchgeführt. Dir Stoßtrupp» drangen in 1200 Meter Breite bis zu den hinteren französische« Linien durch und sprengten trotz zäher Gegenwehr einige Unterstände. Mit einer größeren Zahl von Gefangenen kehrten sie unbelästigt vom Feinde in ihre Gräben zurück. Abend» erweiterten westfälische Regimenter den Erfolg vom Vortage östlich von Cerny. In überraschendem Stur« nahmen sie mehrere feindliche Grabenlinien südlich de» Gehöfte» La Novelle. Die Gefangenenzahl hat sich bedeutend erhöht. Gleichzeitig griffen die Franzose» zweimal mit starke« Kräfte» bei Cerny an; sie wurden im Nohkamps zurückgeschlagen. Auch auf dem Westufer der Mao» wurde der Gewin» de» 29. 6. vergrößert. Am Osthang der Höhe 304 stürmte ein posensche« Regiment etwa 500 Meter der französischen Stellung und bemächtigten sich aus Brandenburgern und Berlinern br- stehende Sturmabteilungen feindlicher Gräben in dem von vethin- eourt auf ESne« streichenden Grunde. Am 28. und 29. K. find hier 825 Gefangene zrrückgeführt worden. Der Feind leistete hartnäckigen Widerstand; feine blutigen Verluste find erheblich. Er vergrößerte sie noch durch fruchtlose Gegenangriffe am Südost- rande des Walde» von Avocourt und gegen den Südwesthang der Höhe 304. Heeresgruppe Herzog«lbrecht. Nicht? Wesentliches. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des G e n e r a l f e ld m a r s ch a I l S Prinz Leopold von Bayern. Auf den wachsenden Druck der Übrigen Ententemöchte hin beginnt die russische Gefechtstätigkeit in Ostgalizien den Eindruck beabsichtigter Angriffe zu machen. Starkes Zerftörungsfeuer der Russen liegt feit gestern auf unseren Stellungen von der Bahn Lemberg— Brody bi» zu de« Höhen von Brzezany. Bei Koniuchy griffen nacht« russische Kräfte an, die in unserem BernichtungSfeuer verlustreich zurück- fluteten. Auch nördlich und nordwestlich vo» Luck uah« die russische Feuertätigkeit erheblich zu. An der Front dr« Generaloberst E r z h er z» g I o s e p h und bei der HeereSgroppe de« Generalfeldmarschalls von Mackensen. ist die Lage unverändert. Mazedonische Front. Nicht« Neue«. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendarff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i u, 30. Juui 1317, abend«. Im Westen bei Rege« nicht« Besondere«. Im Osten haben nach starkem Feuer russische Infanterie- angriffe von der oberen<£ t r y p a bis zum Wcstufcr der Z l o t a L i p a eingesetzt. Der Ansturm brach in unserem Vernichtungsfeuer zusammen. Der österreichische Bericht. Wien, 30. Juni 1917.(W. T.».) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Da« in Galizien seit einigen Tagen zunehmende feindliche Artilleriefeuer hat sich seit gestern mittag in der Gegend von Brzezany und von Koniuchy zur größten Heftigkeit ge- steigert. Wo es die Lage erfordert, antwortet unsere Artillerie mit kröstigem Vernichtungsfeuer. Ein bei Koniuchy angesetzter Jnfanterieangriff brach i» unserem Sperrfeuer zusammen. Italienischer Kriegsschauplatz. Feindliche Flieger warfen in der Nähe von Trieft mehrere Bomben ab. Auf dem Monte Ortigara wurden bisher 12 erbeutete Geschütze eingebracht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nicht« Rene«. Der Chef de« Generalstabes. Bundesstaaten, von denen einer der von un» geforderte tscyecmiche Staat ist, die Lösung der nationalen Probleme im Osten und Süd- osten Europa», die Fragen Polen», Serbien« und Belgien« sind vom Standpunkte eine« dauernden Frieden« so wichtig, ihre Lösung ist zugleich so beschwerlich, und auö eigener Kraft eine» einzelnen Staates geradezu unmöglich, daß wir gezwungen sind, zu fordern, daß sich mit ihnen allen da» internationale Forum, die künftige Friedenskonferenz, befasse, und daß auch ihreDurckführung sowie die Durchführung der demokratischen und der verfafsungSprinzipien unter die Sanktion de« tnter- nationalen Rechte« gestellt werden. Wir erheben deswegen die Forderung, daß auf der zukünftigen Friedenskonferenz mit der Formulierung der Fragen de« Rechte» der Na- tioncn und der Nationalitäten für alle Fälle, wo die Nation noch nicht eine solche Entwicklungsstufe erreicht yat, um sich selbständig al« politische Einheit durch- zusetzen, und wo es notwendig ist, ihr der weitere freie Ent- wicklungsgang garantiert wind. Für diese Nationen! st eine minimale Stufe ihres Rechtes, die ihnen die volle Möglichkeit und das Recht auf Schulbildung in der Muttersprache, ein durch nicht» beeinträchtigte« Ausleben unddiegleichberechtigteGeltendmachungaufallen Lebensgebieten, sowohl in kultureller, politischer, al» auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht, in der Familie, Schule, in den Aemtern und Gerichten, in der Autonomie, sowie in der Ge- setzgebung, überhaupt in allen öffentlichen und pri- vaten Institutionen zu verbürgen. Wir schließen uns weiter der Forderung des ukrainischen De- legierten an, daß bei dem zu errichtenden internationalen Schiedsgerichte ein besonderer Ausschuß«um Schutze der Rechte der Nationen errichtet wird. Jeder Nation, die sich in ihren Rechten durch eine andere Nation oder den Staat, dem sie ange- hört, beeinträchtigt fühlt, steht das Recht zu, diesem Ausschuß ihre Beschwerden vorzulegen und die Internationale Intervention an- zurufen. Die übrigen Fragen. Soweit c« sich um andere auf der Konferenz besprochene Fra- gen handelt, sind e« insbesondere die Fragen der künftigen Intet- nationalen N e'ch t« o r d n u n g, der allgemeinen Ab- r ü st u n g, der Errichtung der Internationalen Schied»- gerichte, der Freiheit der Meere, der Ablehnung de» allgemeinen wirtschaftlichen Kampfes nach dem Kriege, sowie die wirtschaftlichen und politischen Fragen, schließt sich die tschechische Delegation den Anregungen au« früheren Konferenzen de» Komitee» mit den Vertretern anderer Nationen an. Habrmann. N a m e c. S m e r a l. die Unabhängigen" für Zimmerwalö. Stockholm, 20. Juni.(Eig. Drahlbericht d..vorwärts'.) Eine heute spät abend ausgegebene Mitteilung über die Verhandlungen der .Unabhängigen' mit dem holländisch-skandinavischen Komitee läßt erkennen, daß die.Unabhängigen' eine deutliche W e n d u n g zum Zimmerwalder Programm vollzogen haben. Sie haben sich in den Verhandlungen gegen die Haltung der deutschen Sozial« demokratie in der FriedenSfrage und gegen ihre Denlschrift erklärt. Ein ausführliches Memorandum über die verhandlungeu mit den .Unabhängigen' soll am Montag herausgegeben werden. Eine allgemeine Konferenz gilt hier vor August sür ausgeschlossen. Frau Balabanoff kommt hierher, um an Stelle GrinimS die Leitung de« Zimmerwalder Bulletin« zu übernehmen. Stockholm, 30. Juni.(Eig. Drahiber. d.„vorto.".) Zum Memorandum der Unabhängigen erklärt uns Genosse Herrn. Müller: Was die deutsche Sozialdemokrafte für den Frieden seit Krieg?- beginn getan hat, ist niedergelegt in der dem holländisch-skandinavi- schen Komitee überreichten Dokumentensammlung. Diese unanfecht- boren Beweise trug Scheidemann auch dem Komitee vor. Auch der Besprechung der Schuldfrage wich dig deutsche Delegation vor dem Komitzee nicht au«, wenn sie auch stet» die Auffassung vcr- trat, daß ihre Behandlung unzweckmäßig sei. weil sie aus der allgemeinen Konferenz mindestens wochenlange Debatten verursachen würde. Jeder Versuch, die Friedensarbeii der deutscheu Sozialdemokratie zu verdächtigen. muß daran scheitern, daß diese Friedensarbeit seit langem im Mittelpunkt öffentlicher Erörterungen Deutschland« steht. Daß m diesen Erörterungen immer wieder vom..Scheidemann frieden" gesprochen wird, zeigt sckion, daß sich all diese Er örterungen an die von der deutschen sozialdemokratischen Partei batsächlich geleistet« Friedensarbeit anschließen. Im übrigen sinv wir nach Stockholm gegangen, um FriedenSorbeit zu leisten, nicht um den deutschen Parteiftreit auch hier weiterzuführen. Frau Zietz ist hier eingetroffen. Die meisten Unabhängigen reisen heute ab. um an de» RcichitagSverhandlungen teilzunehmen. Zreie Reise für öle russischen Flüchtlinge in Stockholm. Stockholm, 29. Juui.(Eig. Drahtber. de».Vorwärt»'.) Die uuier Führung unsere» Genossen Otto Lang-Zürich letzthin hier eingetroffenen heimkehrenden Russen können nunmehr ihre Reise fortsetzen, nachdem die provisorische Regierung die Erlaubnis dazu erteilt hat.___ Ein deutscher Kurier und sein Gepäck. Deutsch-norwcgischer Zwischenfall. Von einer Angelegenheit, die die Presse des Auslände« schon seit Tagen lebhaft beschäftigt, gibt nunmehr die„Nordd. Allgein. Ztg." in folgender Form auch dem deutschen Publikum Nachricht: Sin nach Norwegen entsandter deutscher Kurier ist kürzlich bei seinem Eintreffen in Kristiania von den nor- wegischen Behörden verhaftet worden. Sein mit amtlichen Siegeln versehene« Gepäck wurde durchsucht und, da sich darin Sprcngwittel befanden, mit Beschlag belegt. Auf Grund de» Verdachts, daß die Spreng- mittel in Norwegen Verwendung finden sollten, hat die Nor- wegische Regierung ein gerichtliches Verfahren gegen den Kurier einleiten lassen. Im Hinblick auf die völkerrechtlich gewährleistete Immunität der diplomatischen Kuriere legte die Kaiserliche Regierung gegen die Festnahme de» Kuriers Verwahrung bei der Norwegischen Regierung ein und verlangte seine alsbaldige Freilassung. Dabei wurde die amtliche Erklärung abgegeben, daß eine Verwendung der Sprengmittel in Norwegen oder zum Nachteil nor- w e g i s ch e r Interessen nicht beabsichtigt gewesen sei. Soweit da« Verhalten de» Kurier» zu Ausstellungen Anlaß gebe, insbesondere den norwegischen Gesetzen zuwiderlaufe, werde in Deutschland »ingeschritten werden, wogegen ein Vorgehen gegen den Kurier in Norwegen nach völkerrechtlichen Grundsätzen nicht zulässig sei. Die Norwegische Regierung hat den Kurier in- zwischen freigelassen. Nach einer Meldung de§ Norwegischen Telegrammbureaus bat der norwegische Minister des Aeußern dem Storthing eine kurze Mitteilung in der Angelegenheit gemacht; auch hat der hiesige norwegische Gesandte im Namen seiner Regierung gegen da« Verhalten de« Kurier« Verwahrung ein- gelegt. Die zuständigen deutschen Stellen haben eine amtliche Untersuchung angeordnet und e» wird, soweit erforderlich, für Remedur gesorgt werden. Daß der Vorfall im irorwegischeu Volke Beunruhigung hervorgerufen hat, ist mit Bedauern vernommen worden. Dem- gegenüber kann nur nochmals mit aller Bestimmtheit sestgestellr werden, daß mit den Sprengstoffen keinerlei Unternehme» rn Nor- wegen oder gegen norrrcgischc Interessen geplant war. Norwegen verlangt, wie wir der skandinavischen Presse entnehmen, die Bestrafung der an diesem Vorfall schul- digen Personen. Griechenland gegen den vier- verband. Abbruch der Beziehungen. Ter Zweck der Vergewaltigung der konstantinischen Rc° gierung Griechenlands wird ohne langes Zögern erfüllt. Was sich die venizelistische Sonderregierung in Saloniki dein Vierbund gegenüber leistete, wird auf das gesamte Griechen- land übertragen. Ter erste Schritt auf diesem Wege zur Kriegserklärung wird als geschehen mitgeteilt. Wie der Pariser„Temps" am Freitag aus Athen meldet, hat die griechische Regierung ihrem Gesandten in der Schweiz zur Weitergabe an die Gesandtschaften in Berlin, Wien. Sofia und Konstantinopel Weisungen übermittelt, durch die der Ab- bruch der Beziehungen zwischen Griechenland und Deutsch- land. Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei mitgeteilt wird. Eine Depesche der Agence Havas aus Athen vom 28. Juni bestätigt, daß die Regierung ihre d i p l o m a t i- schen Vertreter bei den Mittelmächten zurück- berufen hat. Der Anfang ist gemacht und das Ende wird sein, daß wieder ein Volk von der Entente auf die Schlachtbank ge- zwungen wird. * Rache für den 1. Dezember. Athen, 29. Juni.(Havasmeldung.) Venizelos hat dem Könige ein Gesetz unterbreitet, das die B e r f a s s u n g S a r t i k e l über die Unabsetzbarkeit der Richter und Staats- anmalte und andere sie betreffende Bestimmungen für ein Jabr aufier Kraft setzt. Dies durch löniglichen Erlag in Kraft zu setzende Gesetz soll dann der konstituierenden Ver- sammlung vorgelegt werden. Die Agence HavaS fügt hinzu, dies fei eine AuSnahmeregel zu dem Zwecke,„doS Ansehen der Justiz wieder herzustellen", das verloren gegangen sei, weil die Gerichtsbeamten den an den Ereignissen vom 1. Dezember 1916 Beteiligten Unterstützung ge- währt bälten. Wie immer in solchen Fällen, wird auch dieses Manöver, durch das Benizelos sein Regiment absolut sicherstellen will, auf eine Fälschung deS Rechts und der Gerechligkeil hinauslaufen. Hat der neue Herr von Griechenland erst die Richter, die seinem Willen gefügig sino, so werden die Strafparagraphen, die zur Erreichung der gewünschten Sicherheit etwa noch nötig sind, nicht ausbleiben. Die Kammer, deren Einberufung bevorsteht, wird sie ihm schon votieren. Benizelos und Italien. Lugani, Jg. Juni. Nach einer Meldung des.Secolo" aus Athen will Venizelos als erstes Programm die Beziehungen zu Italien behandeln. Deshalb Hai er einen Ausschnst eingesetzt, um die Diffe« renzen und die mögliche Lösung der Fragen zu prüfen. tzeute so unö morgen so. Zwischen Haiti und Elsast-Lothringen. Di«„Nordd.«(lg. Ztg." schreibt: Zu Aeutzerungen de§ früheren haitianischen Geschäftsträgers in Berlin. Ein Berner Telegramm teilt mit, daß die Pariser Zensgr den Franzosen Aeuhelungen deS früheren haitianischen GeschästSträgerS in Berlin vorenthalten hat, die sich mit der Möglichkeit einer Ver- ständigung für El sast-Loth ringen beschäftigen. Diesem Vorgeben der französischen Zensur mag man ein gewisses StimmungS- rnreresie beimessen. Im übrigen ober ist eS herzlich gleichgültig. was der haitianische Diplomat über die für uns nicht existierende elsast-lolhringische Frage zu sagen weist. Die„K r e u z e i t u n g" hat ganz recht, wenn sie betont, dost wir an keinerlei Handel über Elsatz-Lothrrngen denken. Zu dem Pessi« miSmuS, den ihr die Berner Meldung einflößt, liegt nicht der mindeste Grund vor. lllllllUlllUI>UlllUlllUu|1tlllUllllllllU|tlUI 1 1 A. WERTHEIM Damenkleider rlAtH"" gestreiftem Schleierstoff, mach Fori T"01"! 44.00, 57.00 I/'I-jJ aas weißem IVICIU Schleierstoff AA rw"> 7C sV> mit Handstickerei. � J O ,\J\J Kleid VSS","7t Kleiderrock ÄS, 7 O0 Stoff mit Gürtel........*'.w; Kleiderrock■Ttrm m in verschied. Formen OO.vA/ Kleiderröcke Kleiderrock"Ä"' oo hübsche Frauenform...... Kleiderrock™ Ä"' Ts oo Carbadine, Glockenform m. 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Juni dem Eni- Wurf einer Verordnung über die Kartofselversorgung für das Wirtschaftsjahr 1917/1918 zugestimmt. Die Verordnung gibt ledig- lich den Rahmen, innerhalb dessen demnächst das Kriegsernäh- rungsanrt, die Reichskartoffelstelle und die Landesbehörden die Ver- sorgung mit Kartoffeln für die Zeit vom 16. August 1917 bis zum lö. September 1918 zu regeln haben werden. Ms zum Ib. August 1917 gilt die bisherige Verordnung des Bundesrats vom L6. Juni 1916. Bei den Beratungen mit den Sachverständigen aller Berufs- gruppen ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen,'durchweg er- klärt worden, daß man bei dem Zwangslieferungssystem sowohl für Früh- wie für Winter&rtoffeln bleiben müsse, da der freie Handel im System der Höchstp reise unter den gegenwärtigen Verhältnissen für eine ans- reichende Versorgung aller Schichten der Bevöl- kerung nvät Kartoffeln keine Gewähr bieten könne. Der Vorstand des KriegsernährungSaurtS. der ErnährungS- beirat des Reichstags, Vertreter der Landwirtschast, der Bedarfsverbände und der Ueberschustbezirke stirb zu dem Entwurf gehört worden und, wenn auch die Meinungen im einzelnen auseinandergingen, so wurde bei diesen Beratungen doch überwiegend der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dost das Zwangs- Iiefcrungssystem zwar zum Teil wegen organisatorischer Mängel, zum schr gvosten Teil wegen der besonders ungünstigen vorjährige« Ernte und Winterwitterung trotz aller Unzuträglichkeiten, die es mit fich gebracht habe, aufrechtzuerhalten sei und dast nur Verbesserungen, insbesondere erheblich verschärfte Kontrollen geboten seien, die einer- sciis die Ueberlastung der Erzeuger in einzelnen Bezirken infolge unrichtiger Ertragsschätzung ausschließen, andererseits die Versor- gung der Verbraucher wirksamer als bisher sichern sollen. Auch die Vertreter des Handels haben sich zum weit überwie- gcnden Teil auf diesen Boden gestellt. Alle Vorschläge, die die Zwcmgslieserung mif dem einen oder anderen Wege vermeiden wollen, sind mit den Anregern und anderen Sachverständigen eingehend erörtert worden, haben aber zu keinem brauckbaren Ergebnis geführt. Die Kontrolle wird im Wege der Ausfühvungsvorschrift in der Richtung geordnet werden, dast ständig bei den Empfangsverbänden und bei den lleberschust- verbänden festgestellt wird, ob bei erstehen der Verbrauch sich in dem vorgeschriebene« Rahmen bewegt und die Aufbewahrung fach- gemäß erfolgt rmb ob bei letzteren die zur Lieferung ausgegebenen Mengen von den Landwirten, den Gemeinden und den Kommunal- verbänden rechtzeitig und in ausreichendem Umfange ge- liefert werden. Zugleich wird die Beschäftigung durchweg sachver- ständiger, dem Handel angehörender Personen als Kominissionäre vorgeschrieben und dabei bestimmt wenden, dast Kommissionäre in jedeni Kreise in genügender Zahl eingestellt werden müssen. Die Konirolle beim Landwirt wie beim Konrnrnnalverband wird nach der BundeSratsverordnunz durch Aufnahme der Kartoffeln in die Wirtschaftskarte gesichert, die für die Körnerfrüchte und die Hülsenfrüchte durch die Rcichsgetreidcordnung vorgeschrieben ist. Säumigen Kommunalverbändcn, Gemeinden und Landwirten gegenüber sieht die Bunde sratsv er ordramg eine Haftpflicht vor. Muß zur Enteignung geschritten werden, so wird der Enteignuugs- preis um 66 M. für die Tonne gekürzt. Die Ausführmrgsvorschristen können erst im August ergehen, wenn die Kartoffelaubauflächen fest- stehen und die Aussichten ffir die kommende Hcrbstkartofse lernte sich einigermaßen übersehen lassen. Aufrecht erhalten bleibt bis auf weiteres die jetzige Bestimmung, wonach das Verfüttern von Kartoffeln verboten ist. Inwieweit dieses strenge Verfütte- rungsverbot im kommenden Herbst etwa gemildert werden kann, und wie die Rationen nick Lieferungsbedingungen im ein- zelnen festzusetzen sind, läßt fich erst enffcheiden, wenn daS Ergebnis der Herbstkartoffelernte besser zu übersehen ist. 13. Generalversammlung der Metallarbeiter Die Entscheidung. K Köln, 28. Juni. Zweiter DerhanMuugZtag(Avendfitzung). Auch die weitere Diskussion über den Vor- siandsbericht drehte fich nur um die Kriegspolitik und die damit zusammenhängenden Fragen. Sie bewegte sich im gleichen Rahmen wie die bisherigen Auseinandersetzungen. Er- loShnenSwen ist die Aeußerung Dittmanns(Hamburg), daß, wenn man auch in den Gewerkschaften versuche, mißliebige Elememe hinauszudrängen, man hier dasselbe erlebe, wie bei der Partei. Der zweite Vorsitzende des Verbandes Reichel(Stull- gart) erklärte in längerer Rede, was die Opposition wolle, sei ein Sprung ins Dunkle, der die Errungenschaften des Verbandes in Frage stelle. Die Polijik des Verbandes müsse fich nach den jeweiligen VerMwissen richten.— Kurth München) sagte, die .Weltanschauung" DißmannS gehe dahm, den Verband in das Fahrwasser der.Unabhängigen" zu bringen. Der Kampfescharakter der Organisation habe auch im Kriege nicht gelitten, der Klassen- kämpf sei nicht aufgegeben. Kurth bringt eine Entschließung ein, die im Sinne der Mehrhertsredner gehalten ist und sich entschieden gegen die die Einigkeit und Geschlossenheit der Mitgliedschaft ge- fährdeüden Treibereien wendet.— Liebmann(Leipzig) ist der Ansicht, die Mißstimmung der Arbeiter sei geboren in der Er- kenntnis, daß die Gewerkschaften ihre Pflicht während des Krieges nicht getan haben. Die Gewerkschaften hätten daS Streikrecht nicht aufgeben dürfen. Er empfiehlt die Amlahme eines von 31 Dele- gierten unterzeichneten längeren Aufrufs an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Deutschlands. In diesem find die Vor- würfe gegen die Gewerkschaftsvorstände zusammengefaßt, und zum Schluß werden die gewerffchaftlicken Arbeiter auf- gerufen, dafür zu sorgen, daß in ihren Organisationen loieder der alte Kampiesgeist und das alte Selbstbewußtsein einkcbreu. die den freien Gewerlichasten vor dem Kriege ihre Kraft und Stärke gaben. Bitter notwendig brauche die Ärbeiterllasse selbständige, von den Regierungen und von den bürgerlichen Parteien unabhängige Organisationen. Daher solle jeder gewerkschaftlich orga- uisierie Arbeiter dafür sorgen, daß seine Organisation diesen Än- sordernngen wieder entspreche.— Brandes(Magdeburg) vertrat einen vermittelnden Standpunkt. Er bedauert, daß Legten von einer Trennung gesprochen hat. Es dürfe in der Gewerkschaslsbewegung zu keinen zwei Organisationen kommen. Beide Seiten müßten einen Pflock zurückstecken und sich auf einer mittleren Linie finden, auf der ein Zusammenarbeiten möglich wäre.— Siering, der zweite Be- vollmächtigte von Berlin, gab ein eindringliches Bild des Berlmer Demonstralionsstreil-S. Der Einfluß bestimmter Abgeordneten habe zur Folge gehabt, daß in einigen Versammlungen der Borschlag der Vertreterversammlung.abgelehnt worden sei. Neun Zehntel der Arbeiter hätten dem Beschluß entsprochen und die Arbeit wieder ausgenommen, ein Zehntel nicht. In Berlin sei dann ein Arbeiter- rat aus Abgeordneten einer bestimmten Richtung und einigen Ar« bcitcrn gebildet worden. Man habe den Versuch gemacht, die Ar- beiter wieder aus den Betrieben herauszubringen, aber vergebens. Dieser Arbeiterrat habe eS auch als seine Aufgabe betrachtet, die Leitung des BerlinerMetallarbeilerverbandes zu beseitigen. Die politische Haltung EohenS sollte Veranlassung geben, ihn nicht wieder zu wählen. Aus dieser Quelle dürften wohl auch die Berliner Flug- blätier gegen die Leitnng d«S Verbandes stammen, die ein Denkmal der Schande seien. Gegen 11 Uhr abends wurde schließlich ein Schlußantrag an- nommen und die Verhandlungen vertagt. » � Köln, 26. Juni. Dritter BerhandlnngStag. Die persönlichen Bemerkungen wurden auch heute noch fortgesetzt. Sie wurden gemacht von Hamburger und besonders Berliner Delegierten, die dabei ihre Differenzen mit ihrem Bevoll- mächtigien zum Ausirag zu bringen suchten. Die Auseinander- sctzungen machten einen äußerst ungünstigen Eindruck auf die Generalversammlung. Ein Antrag, die Berlmer Differenzen einer 57ommission zu überweisen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Dann folgten die Schlußworte. Die Ausführungen des Korreferenten D i ß m a n n waren in demselben Sinne gehalten wie sein Referat. Er erklärte, auch die Kollegen der Opposition würden positive Arbeit leisten. Es komme aber darauf an, wie man die pontive Arbeit auffasse, von welchen Grundsätzen man sich dabei leiten lasse. Sie müsse geleistet werden nach einem bestimmten Ziel, auf der Grundlage des proletarischen Klassenkampses. Dann versuchte er erneut nachzuweisen, daß die Gewerkschaften ihre ftüheren Grund- sätze verlassen haben und neue Bahnen beschreiten. Er wiederholte das Bekenntnis zur.Unabhängigen Partei" und erklärte zum Disziplinbruch der Minderheit, über die Disziplin stehe die moderne Arbeiterbewegung, die Hochhaltung ihrer Grundsätze. Dißmann wendete sich entschieden gegen die Resolution Kurth und polemisierte dann besonders gegen Legten, der.der treibende Keil im schlimmsten Scharsmachersinne" sei. Er schloß seine fünfviertelstündigen Aus- sührungen pathetisch:.Herr Graf, wollt ihr ein Tänzlein haben, wir spielen euch auf I"(Lebhafter Beifall bei der Opposition.) Schlicke betonte, es habe für ihn keine Veranlassung borge- legen, hier über Weltanschauung zu reden. Dißmanns Referat habe den Zweck einer Agitationsrede für die neue Partei. Es wird syst-- matisch versucht, den Verband von seinen Aufgaben abzudrängen. Die Vorständekonferenz hat sich nicht für eine Partei erklärt, sondern nur gesagt, daß die von der sozialdemokratischen Partei am 4. August eingeschlagene Politik im Interesse der Arbeiterschaft liegt. Tie Borständekonferenz hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß, wie die Mehrheit sich mit der Minderheit abfindet, Sache der Partei sei» müsse. Wir waren aber verpflichtet, zu erklären, welche Politik im Interesse der Arbeiter liegt. Die Bestrebungen der Minderheit gehen darauf hin, die Gewerkschaften abhängig zu machen von bc- stimmten Auffassungen in der Partei. Das weisen wir zurück. Dißmann hat gesagt, ans der Gothaer Tagung sei von den Gewcrk- schaften nicht gesprochen worden. Aber unmittelbar danach wurde tn verschiedenen Verwaltungsstellen gleichmäßig die Forderung aus unentwegten Klassenkamps und Inszenierung von Demonstrations- streiks erhoben. Es wurden an verschiedene» Orten Flugblätter ver- breitet mit der Aufforderung zur Arbeitsniederlegung am 16. April. So ist systematisch in einer Art gearbeitet worden, in der wir eine Schädigung der VerbandSinteressen erblicken. Bezüglich seiner Hal- tung im.Kriegsamt— die in der Diskussion berührt wurde— sagte Schlicke, ich bin nicht berufen als königlich preußischer Mintsterial- deamter, sondern als Vorsitzender des Metallarbeiterverbandes. Wenn, wie Brandes meinte, der Einfluß des Vertreters des Unter. nehmertums im Kriegsamt, Sorge, größer ist als der meine, so, weil er eine größere wirtschaftliche Macht mitbrachte.— Wir verlangen Beachtung des Verbandsstatuts und der Beschlüsse der Gene- ralvcrsammlung. Gegen Kollegen, die gegen das Statut verstoßen, muß vorgegangen werden. Der eingereichte Ausruf soll ein Agi- tatious- Manifest sein, von dem man kaum erwartet hat, daß die Generalversammlung es annimmt. Man will mit solchen Agita- tionsdokumenlen draußen wirken. Die Gewerkschaften sind und bleiben Klasseukampf-Organisationen. Sie suchen Schritt für Schritt die Macht des Unternehmertums cinzu- schränken. Damit arbeiten sie im sozialistischen Geist. Ausgabe der Gewerkschaften ist es, auch die Arbeiter zur Widerstandslraft, zur Selbständigkeit zu erziehen. Manche Arbeiter müßten im Betriebe mehr Bekeunermut zeigen. Die Generalversammlung muß fest- stellen, daß sie Störunge» im Verband verurteilt. Hat der Ver- bandstag beschlossen, dann ist es unser aller Pflicht, im Sinne des Beschlusses zu wirken. Wir müssen dann ein geschlossenes Ganzes bilden und unverdrossen unsrc Aufgabe« erfüllen im Interesse der Metallarbeiter und dcr gesamten Arbeiterbewegung.(Starker Bei- fall.) Bei derAbstimmung, die namentlich ist, wird nun die Eni- schsießnng Kurth mit 64 gegen 53 Stimmen angenommen. Sie besagt: I. „Die Dreizehnte ordentliche Generalversammlung des Deutschen Metallarbciierverbandcs erblickt in den Anträgen 25 und 27 bis 8t dcr Vorlage den Ausdruck des geflissentlichen Bestrebens, den Verband von seinen Aufgaben und ihrer Durchführung abzudrängen und ihn weit gesteckten politischen Zielen dienstbar zu machen. Diesen Zweck sollen die in Wort und Schrift ausgesprochenen Herab- setzungen der Gewerkschaften, ihrer Leistungen und Erfolge sonne die Verdächtigungen ihrer Leitungen und Vertrauensmänner fördern. Diese Agitation soll zunächst die in weiten Kreisen der Arbeiter- schaft bestehende Mißstimmung über die lange Dauer des Krieges und ihre Folgen und, unter letzteren besonders über die mangel- hafte Regelung der Volksernährung, auf die Gewerkschaften und 38) Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Die Musik blies das Sempacher Lied, und die Rekruten mit den marschmüden Mienen sangen erns trockenen Kehlen den knorrigen Dreschflegeltext vom Helden Winkelried, daß der Schall in die Hausgänge und zu den Dachluken hinaus- fuhr, das Weibervolk an den Fenstern Kaffeemühlen, Staub- Wedel, Wickelkinder präsentierte und die liebe Straßenjugcnd vor Begeisterung auf den Händen lief. Ein hellmütiger Wahnsinn brach allerorten aus, wo der dröhnende Taktschritt, die schreienden Kehlen, das schmetternde Blech, die rasselnden Trommeln hinkamen.»Mit Verlaub— einen Augenblick!" sagte der Barbier z« seinem Kunden, der sodann mit halb- rasierter Backe vorwurfsvoll unter die Ladentür trat.»O du närrische Pauke— da wird wohl mtser Alois auch dabei fein!" wimmerte die Waschfrau im Keller und schaute durch das Dampfabzugsloch auf die Straße, die vielen Hosenstöße entlang nach ihrem ureigenen Vaterlau dsverteidiger aus. Von oben herab prüfte dcr Fabrikant zähnestochernd die Güte der Truppe, die Disziplin und dachte befriedigt:»Teufel auch, wohin kämen wir, wenn die Dressur nicht wäre I" Nicht wenige suchten jedoch in der geräuschvollen Schar den berüchtigten Jnstruktor Lenggenhager, der einen „Familienvater" totgeschossen hatte und dessenungeachtet immer noch die schöne Uniform nebst Säbel tragen durfte. „So einer gehört ins Loch, aber nicht aufs hohe Roß!" urteilte vorschnell nianche liefe Einfalt, während ihr Blick zwischen Grauen und Wohlgefallen an dem flotten Reiter hängen blieb. Der letztere ließ sein Pferd achtlos tänzeln und schwänzeln, stocken und bocken. Es kam ihm heute gar nicht darauf an, funkenstiebeud über das Pflaster zu galöppeln und nach den Fenstern hin magnetisch zu wirken. Vorläufig hatte er den Sinn dafür radikal verloren. Auf dem Kasernenplatz angekonimen, nahm Lenggenhager noch die Rapporte der Zugführer entgegen! und bald darauf meldete er sich in aller Form beim Platzkomman- danten. um den unfreiwilligen Urlaub ohne Säumen anzu- treten. Es wurde dem alten Soldatenvater nicht etwa leicht, seinen jüngsten, zünftigsten Mitarbeiter auf diese unfrohe Weise scheiden zu sehen. Aber ohne Mühe fand er herzliche Worte. „Mich wird es freuen, wenn Sie nach gefälltem Spruch ihre hiesige Tätigkeit wieder aufnehmen. Und was ich mit meinem Zeugnis dazu tun kann, daß Sie sauber aus dem Handel herauskommen,— was wir alle hoffen und wünschen — also, versteht sich, daS wird mit allem Nachdruck geschehen. Ich habe den Herren nitr Gutes über Sie zu berichten." Der Oberleutnant späte den Druck der wackeren Hand bis in die Herzgrube: sie-quetschte ihm eine bittere Träne hervor und verschlug ihm eine Weile die Sprache. Er, dcr die Scheelsucht und Verschlagenheit der militärischen Streber bereits kennen gelernt hatte, konnte dem guten Zuspruch jetzt doch nicht Trotz bieten. Aber bald kam so etwas wie ein Pferdefuß zum Vorschein. Indem der Kommandant näher auf die bevorstehenden Verhandlungen einging, gab er Lenggenhager zu verstehen, daß es für das Gericht nicht unerheblich wäre, zu erfahren, wer eigentlich den ver- hänignisvollen Vorschlag wegen der deutschen Militärmusik gemacht habe. „Die Sache bekommt gleich ein ganz anderes Gesicht, wenn man weiß, daß Ihnen der Oberstdivisionär dazu ge- raten hat. Sie haben bereits einen Begriff, wie schwer es ist, eingefleischte Vorurteile zu beseittgen. Ein paar unglückliche Zufälle genügten— jetzt sind Sie bis in die hinterste Bauernstube hinein der„schwarze Mann". DaS ist ein Fluch, der kann Ihnen am Ende zeitlebens anhängen. Schützen Sie sich dagegen, so gut Sie können." Lenggenhager starrte den zweifelhaften Ratgeber fast er- schrockcn an. Hatte Hugentobler vielleicht ein Interesse daran, den Obersten Steiger in die böse Geschichte zu verwickeln? Dieser— ein bevorzugter Vertreter der Kaste und heimlicher Drahtzieher, jener— ein im schweren einförmigen Kasernen- dienst ergrauter Soldat— größere Gegensätze konnte man fich kaum denken. Allein in den verwetterten Zügen und besorgt- blickenden Augen des Alten war nichts von solchen Kabalen zu entdecken. „Der Schuß könnte aber auch hinten hinausgehen!' er- widerte der junge Mann bedenklich.„Es sollte nicht so aus- sehen, als wollte ich die Verantwortung für das Geschehene ab- schütteln. Ich stehe dazu und würde ein zweites Mal nicht anders handeln. Tjaha! Für die Preßmeute war' das aller- dings ein kapitaler Hirsch. Die Welschen könnten dann den Trumpf„I/anü d© l'empereur" wieder ausspielen und be- haupten, das Offiziersfest sei weiter nichts als ein Huldigungs- att vor dem schwarzen Adler gewesen. Nein, dazu will ich die Hand nicht bieten. Oberst Steiger sagte mir damals nur: Wie war' es denn, wenn Sie die Weinberger Regiments- musik kommen ließen? Daraufhin kann ich ihn doch nicht als Urheber festnageln. Ich habe die Idee einfach über- nommen und selbständig durchgeführt. Wenn sie jetzt als Herausforderung empfunden wird, muß ich die Folgen in Gottes Namen tragen." »Ein mannhafter Standpunkt! Der Oberst wird ihn zu schätzen wissen I" bestätigte der Kommandant stirnrunzelnd, des unerquicklichen Gegenstandes scheinbar überdrüssig. Aber Lenggenhager war nun einmal im Zuge und sagte alles, was er auf dem Herzen hatte. Ohne seinen einfluß- reichen Gönner wäre er ganz untendurch gewesen. Ihm allein verdankte er den Beistand der bürgerlichen Blätter. Es gäbe ja überhaupt keinen Männermut vor der Massenherrschaft mehr; sonst hätte ein solcher Rattenkönig von Unfug gar nicht entstehen können. Hugentobler ließ ihn aber nicht ausreden. Er merkte, wo der Stachel saß und hinzielte.„Ja, nur nicht so m Bausch und Bogen, guter Freund! Vergessen Sie nicht, daß Sie durch Ihre impulsive Art den Brand erheblich geschürt haben. Sie sagen sich jetzt wohl, es wäre gar keiner ausgebrochen, wenn ich meine Befugnisse im Interesse der militärischen Autorität überschritten und die mir anvertraute Gewalt ein bißchen mißbraucht hätte. Aber selbst das kann keiner von uns mit Sicherheit be- haupten. Ebenso gut hätte damit ein Blutbad angerichtet werden können. Dann säße ich jetzt als ausgemachter Staatsverbrecher hinter Schloß und Riegel. Wer würde in diesem Fall noch von Männcrmut reden? ,Ein tollgewordener Bluthund" oder.ein verächtlicher Tropf, der sich auf solche Weise dreißig Jahre saurer Arbeit um die Ohren schlägt'— ein milderes Urteil hätte ich nicht zu ge- wärtigen. Ja, und wofür sollte ich, von der Moral abgc- sehen, so eilt Risiko übernehmen? Unsercinen reitet der Teufel nicht mehr, auf Schritt und Tritt Standarten auf- zuPflanzen. Für den inneren Dienst können wir mit den vorhandenen Befugnissen auskommen, und mit dem ewigen Fingcrhäkcln zwischen Zivil- und Militärgewalt werden so- wieso nur die Geschäfte dcr„Roten" besorgt. Das ist unge- fähr mein Standpunkt. Sie denken jetzt noch anders. Gut, ich habe nichts dagegen. In Ihren Jahren geht einer gern aufs Ganze. Aber glauben Sie mir: bei uns muß jeder— auch der schneidigste Dtausgänger— mit der Zeit nachgeben. Dcr Widerstand ist zu groß und zu elementar. Die Disziplin geht nicht„durch" wie draußen, wo sie im Beamtentum weiterwirkt und den Mann sein Leben lang begleitet. Unser Kunde pfeift darauf, sowie er wieder in seinem Arbciterkittel steckt, schlenkert den Drill so schnell als möglich ab und wirft uns den Hund vor die Türe. So ist es. Im Schützenverein und Schützenfest sieht er das Heil dcr Nation. Unsere Zucht hält er für eine blödsinnige Schin- derei. Daran werden Sie auch nichts ändern.(Forts, jolgä) auf ihre Leitungen wegen ihrer angeblichen Tatenlosigkeit über tragen und sie für alle die Arbeiterschaft mehr oder weniger be drückenden Kriegsmatznahmen verantwortlich machen. Indem den Arbeitern unter Hinweis auf die Stellung der russischen Arbeiter- schaft zu der gegenwärtigen Revolution eine Kraftentfaltung, die sie nach den heutigen Machtverhältnissen gar nicht haben kann, Vor� gespiegelt wird, soll sie für große politische Massenbewegungen be geistert und zu demonstrativen Arbeitseinstellungen mit politischen Zielen veranlaßt werden. Enden solche Bewegungen, wie vielleicht vorauszusehen, mit einem Mißerfolg, dann wird dieser wieder den Gewerkschaften und ihren Leitungen zur Last gelegt. Diese Agitation ist im höchsten Grade unaufrichtig. Sie ver- schweigt die Bemühungen der Gewerkschaften zur Erleichterung dei auf der Arbeiterschaft lastenden Drucke«, verschweigt die Macht der entgegenstehenden Kräfte und die wahren Ursachen, au? denen Er folge den gewerkschaftlichen Bemühungen nicht oder nur mätzig be schieden sein können. Diese Agitation ist aber auch verhängnisvoll. weil sie durch ihre Folgen den auf den Arbeitern lastenden Druck noch vergrößert, bei den uns feindlichen Staaten die Hoffnung auf baldigen völligen Zusammenbruch Deutschland» stärkt, deren An- grifssmut steigert, die Zahl der Kriegsopfer vermehrt und den Krieg selbst verlängert. Unter dieser Feststellung lehnt die Generalversammlung die oben�genannten Anträge ab, erhebt Einsprache gegen das Bestreben, die Streitigkeiten der politischen Arbeiterbewegung in die GeWerk. schaften hineinzutragen und hält nach wie vor an der bisherigen Auffassung über den Zweck des gewerkschaftlichen Kampfes an sich und seiner Anwendung fest. Die Generalversammlung warnt die Verbandsmitglieder vor der gekennzeichneten AgitationSweisc, vor den ihr zugemuteten Massenbewegungen für politische Zwecke sowie vor allem im Widerspruch mit der bisherigen Taktik und Verbands. satzungen stehenden Arbeitsniederlegungen. Sie fordert die Ver. bandSmitglieder auf, sich solchen die Einigkeit und Geschlossenheit unserer Mitgliederschaft gefährdenden Treibereien zu widersetzen. II. Zur Führung des gewerkschaftlichen Kampfe« bedarf die Ar- beiterschaft einer gesicherten gesetzlichen Grundlage. Die Hemm. nisse in der Ausübung des Koalitionsrechts durch§ 1ö3 der Ge< Werbeordnung und die Anwendung des ErpressungS- und Nöti- gungsparagraphen auf die gewerblichen Lohnkämpfe müssen durch Neuordnung des Koalitionsrechts beseitigt werden. Die General- Versammlung erwartet von den Vertretern der Arbeiterschaft im Reichstage eine entschiedene Vertretung der Arbeiterforderungen im Sinne der Ausgestaltung aller die Rechte der Arbeiterschaft be- rührenden Gesetze. In sozialpolitischer Hinsicht fordert sie den wirksamen Ausbau des ArbeiterschutzeS, eine durchgreifende Um geftaltuna der Arbeiterversicherung, die Schaffung eines klaren und einheitlichen Avbeiterrechts, die Regelung der Arbeitsnachweis- frage, Einführung der Reichsarbeitslosenversicherung und Förde- rung des gewerblichen Schlichtungswesens. III. Aus dieser Erkenntni» heraus betrachtet die Generalversamm- lung die vom Internationalen Gewerkschaftsbund aufgestellten Ar» beiterforderungen für einen künftigen Frieden al» geeignete Grund- läge für seine baldige Herbeiführung. Eine eifrige Wirksamkeit aller Arbeiterschaften im Sinne dieser Forderungen dient der An- Näherung der verschiedenen Länder und damit einem dauernden Frieden. Die Anträge Berlin, Leipzig, Halle. Remscheid und Stettin, di« die Kriegs Politik des Vorstandes und der Ge- neralkommission verurteilen, sind damit abge- lehnt. Der von der Minderheit vorgeschlagene Aufruf an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Deutschlands wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 73 gegen 44 Stimmen abge» lehnt.— In diesen 44 Stimmen kommt die wirkliche Stärke der Opposition zum Ausbruck. Damit waren die grundsätzlichen Abstimmungen erledigt. Der Verbandstag vertagte sich auf Sonnabend. Heute nachmittag macht er einen Ausflug._ GroßSerlw Ein Landerziehungsheim für Berliner Mrsorgezöglinge. Da« FürsorgeerziehungSweien der Stadt Berlin bat mit der vor kurzem eröffneten landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt StruveS- b o f sauf dem Rieselgut Sputendorf bei Großbeeren) die eigenen Anstalten um eine neue vermehrt. Nachdem das alte ErziehungS- bauS Lichtenberg zu einer die Fiirsorgezöglinge auf den Handwerker- beruf vorbereitenden Bildungsstätte entwickelt worden ist. soll StruveS- hos den nach Befähigung und Neigung sich für Landarbeit eignenden Zöglingen eine gründliche Ausbildung geben. Was schon seit einer Reihe von Jahren die klein« Erziehungskolonie Birkholz ver- sucht hatte, wird in sehr viel größerem Rahmen und nach wohl« durchdacktem Plan jetzt Struveshof ausführen. Die neue Anstalt wurde gestern besichtigt von Vertretern der Presse, die im Austrage des Magistrat« der Stadtrat Sassenbgch begrüßte. Der Anblick von Struveshof erweckt die besten Erwartungen. Wie ein kleines Dorf bietet dem näher kommenden Besuckier die stattliche Häuscrgruppe sich dar. eingebettet in freundliche« Grün, umgeben von Gärten und Seckern, überragt von Birken und Kiefern. Architekt Arnou», der die reizvolle Anlage geschaffen hat, ist bemüht gewesen, ländlich-farbenfrohe« Gepräge auch den einzelnen Gebäuden zu geben, den HauSfronten und den Jnnenräumen. Ueber Aufgabe und Ziel dieses Erziehungsheim« sprach Direktor Knaut, der Leiter de« Fürsorgeerziehungswesens. Die Hauptgruppe der hier untergebrachten Zöglinge sind 120 Burschen im Alter von 14 bi« 18 Jahren. Sie sollen im Landwirtschaftsbetrieb der Anstalt von Erziehern, die selber Landwirte sind, praktisch und theoretisch zu Landarbeitern ausgebildet werden. Neben ihnen nimmt StruveS- Hof eine Gruppe von 60 noch schulpflichtigen Knaben auf, damit den Erziehern und Lehrern auch die Möglichkeit der sie belebenden Arbeit an jüngeren Zöglingen bleibt. Die Gruppen wohnen getrennt, die Schulentlassenen in zwei Häusern, die Schulpflichtigen in drei Häusern, wovon eins die Schwachbefähigten vereinigt. Eine be- sondere Gruppe sind schwererziehbare Burschen von IS— 21 Jahren, bei denen wegen AuSreißerei oder Widersetzlichkeit zeitweise die freie Erziehung ausgesetzt und Unterbringung in einem für 28 Zöglnige berechneten festen Hause angeordnet wird. Als Hilfsmittel der Er- ziehung dient die Zusammenfassung zu„Familien*, an deren Spitz« je ein Hausvater und in den Knabenhäusern neben ihm auch eine Hausmutter steht. Die Leitung von Struveshof ist dem Direktor Rake übertragen, der bisher als Leiter de« Erziehungshause» Lichten- berg erfolgreich gearbeitet bat. Tiefere Einblicke in die Erziehungsarbeit kann natürlich ein solcher Anstaltsbesuch'nicht geben. Wo« wir auf dem gemeinsamen Rundgong durch die einzelnen Häuser und Räume sahen, war eigent» lich nicht mehr al» das anheimelnde äußere Bild der Anstalt. Wir glauben aber, hoffen zu dürfen, daß e« in Struveshof auch an dem rechten Erziehergeist nicht fehlen wird. Richtpreise für Brennmaterialien. Von heute ab kosten: Briketts lMorken„Ilse* und»Nieder» lausitzer SyndikatbrikcttS*) ab Lager je bO St. 0,78 M., 100 St. 1,66 M., 1000 St. 14,60 M., 1 Zentner 1,67 M.; frei Haus sKeller) 100 St. 1,91 M., 1000 SI. 18,60 M., 1 Zentner 2,07. Bei Ver- kaufen aus den auf öffentlichen AuSladegleiieit stehenden Waggons 100 St. 1,30 M.— JnduriebrikettS(Marken»Ilse* und„Niederlausitzer Syndikatbriketts*) ab Lager: 1 Zentner 1,67 M.. frei Haus(Keller) 2,07 M.— Anthrazit ab Lager: 1 Zentner Lönhold 3,60 M., 1 Zentner Cads 3,30 OT.; frei Haus«Keller) 4,20 bezw. 3,90 M.— Gaskoks zerkleinert, ab Lager: 1 Zentner 2,80 M.. 1 Scheffel 1,40 M., '/, Scheffel 0,70 M., 10 Liter 0,30 M.; frei Hau«(Keller) 1 Zentner 8.40 M.. 1 Scheffel 1,70 M.— Steinkohlen Nuß II(Nuß I je Zentner 10 Pf. teurer) ab Lager: 1 Zentner 2,60 M., 1 Scheffel 2 M., 10 Liter 0,60 R.; frei Haus(Keller): 1 3.10 M„ 1 Scheffel 2,60 M. � Brennholz aller Art I. Klasse Kloben ab Lager 41 M., frei Haus(Keller) 46 M., 2-Schnitt 60 M., 3-Schnilt 61 M., 4-Schnilt 62 M. für 1 Raum- meter.— Wer diese Preise überschreitet oder wer die Ab» gäbe von Ware unberechtigterweise verweigert, bat neben den gesetzliche» Folgen Sperrung in den Brikettmarken der Niederlausitz und unter Umständen die Schließung seines Geschäftsbetriebes zu gewärtigen. Eine besondere Obstpreiskommisfion für Berlin. Biiber erfolgte die Festsetzung der Erzeugerpreise sür Gemüse und Obst durch die bei der Bezirksstelle für Gemüse und Obst sür den Regierungsbezirk Potsdam gebildete gemeinschaftliche Preis- kommission einheitlich sür den Regierungsbezirk Potsdam und die Stadt Berlin. Die Reichsstelle sür Gemüse und Obst bat jetzt mit Wirkung vom 1. Juli ab sür den Bezirk Groß»Berlin, der die Städte Berlin, Charlottengurg. Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln und Lichtenberg und die Kretfe Niederbarnim und Teltow umfaßt. eine besondere PreiSkommtiston für die Festsetzung der Erzeuger- preise sür Gemüie und Obst gebildet. Dieser Kommission wird gleich- zeitig auch die Bestimmung der Groß- und Kleinhandelspreise sür den Bezirk Groß-Berlin übertragen. Ferner macht die ReichSstelle für Gemüse und Obst folgende Warnung bekannt: Es mehren sich di« Nachrichten, daß Groß Verbraucher oder Händler beim Eingehen von Obstpachtverträgen ganz unverhältnismäßig hohe Pachtsummen gewähren. Die Reichs- stelle für Gemüse und Obst wird sich doS durch solche Pachtverträge gesicherte Obst ausnahmslos zu den festgesetzten Erzeugerpreisen übereignen lassen. ES kann daher vor solchen Pachtverträgen, bei denen die Pächter von vornherein mit erheblichen Geldverlusten zu rechnen haben, nicht dringend genug gewarnt werden. Berliner Lebensmtttelnachrichten. Für die nächste Woche find bei der Anmeldung zur Massen- speisnng zum ersten Mal« in der Zeit vom 2.-6. Juli von den Teilnehmern an Kartofkelkarten abzugeben: Bei Entnahme einer ganzen Portion 2 Abschnitte, bei Entnahm« einer halben Portion 1 Abschnitt. Die Anrechnung der ReichSfleischkarte bleibt unverändert. Da infolge deS großen Mangel« an Kartoffeln es nicht möglich sein wird. Kartoffeln in dem Essen zu verabreichen, werden in größerem Umfange als bisher Kartoffelwal, mehl, Kartoffelflocken sowie Teigwaren und Getreidefabrtkate verwendet werden. Vom Montag ab darf auf Abschnitt 84 ein halbe« Pfund S p e i s e s i r u p zum Preise von 23 Pf.(ganzes Pfund 46 Pf.) in den Zuckerlieferungsgeschäflen abgegeben werden. Wegen der Bearbeitung deS Ergebnisses der Bevölkerungsaufnahme vom 26. Juni find die Brotkommissionen am DienSIag und'Mittwoch in den Vormittagsstunden nur von II'/, bis 1 Uhr für da« Publikum geöffnet. Die Geschäftszeit an den Nachmittagsstunden bleibt unverändert. Kirchturmpolitik. Eine eigenartige Ueberraschung wurde am Sonnabendmittag zahlreichen Frauen in der Kriegsküche Kaiier-Friedrich-Straße der e m e i n d e Pankow. Die Frauen, wohnhaft auf Berliner Gebiet in der Nähe der Pankower Kriegsküche, bezogen von dort zum Teil feit vielen Monaten für ihre Familien da« Mittagessen. Als sie nun am Sonnabend, wie dort üblich, die Anmeldung für die kommende Woche vornehmen wollten, wurde ihnen von der Küchenleitung erklärt, daß aus Mangel an Lebensmitteln an Ber- liner Einwohner in Zukunft leine Speisen abgegeben werden. Wir halten diese Maßnahme, gelinde gesagt, für rücksichtslos. Man hätte zum mindesten Borsorge treffen müssen, daß der Ans- schluß der Berliner Teilnehmer diesen so frühzeitig belannt wurde, daß sie die Möglichkeit gehabt hätten, sich für die kommende Woche bei der Berliner Masienspeisung anzumelden. Da in Berlin die An» Meldung bereits Donnerstag geschehen muß, so find die Be» treffenden, zumeist kinderreiche Familien, für die nächste Woche von der M a f f e n f p e i f u n g beider Orte ausgeschlossen. Das aber bedeutet für viele bei dem fast völligen Versagen der Lieferung von Frühgemüse Verzichten auf irgendwelches Mittagessen. Durch die kurzsichtige und kleinlich« Kirchturmpolitik der Ge- meinde Pankow wird der Erregung weirer Kreise über die Leben«- mittelmiiere nur Nährstoff gegeben. Ob daS in dieser wahrlich doch bitterernsten Zeit nicht hätte vermieden werden können? Den Berliner Magistrat aber möchten wir ersuchen. Anweisung zu geben, daß«S den von der Pankower Speisung AuSgeschloffenen ermög- licht wird, ihre Ilmmeldung ausnahmsweise zu Beginn der kommenden Woche vornehmen zu dürfen. Rat und Hilfe für schutzbedürftige Mütter und Kinder, eheliche und uneheliche, gewährt der Bund für Mutterschutz. Wilmersdorf, Uhlandstraße 143. Unentgeltliche Auskunft in der Sprechstunde täglich von 10—1 Uhr. außerdem Dienstag und Freitag abend» von 7—9 Uhr. Das Heim bietet 6 Wochen vor und 6 Wochen nach der Niederkunft liebevolle Aufnahme. I« Zoologischen Garten ist am Sonntag wieder der billige Eintritt von 30 Pf. die Person während de« ganzen TageS und ohne Unterschied deS Alter»; ebenso für da« Aquarium. Von 4 Uhr nachmittags ab Konzert. Memrnto in Treptow. Am heutigen Sonntag soll die Eni- scheidung de« KriegSerinnerungsreniien«— Memento 1914— im Sportvart Treptow ausgefahren werden. Es starten: Bauer, Pawke, Krupkat, Schipke, Janke uud Przyrembel. Die Rennen beginnen um 4 Uhr. Für 80 000 M. Leder und Lederwaren entdeckte und beschlag- nahmie die Kriminalpolizei in einem Hehlernest in der Alten Schützen st raße. Ein großer Teil rührt von einein Kutscher Karl D u m m e r t her, der bei einem hiesigen großen Geschäft« an- gestellt war und e» nach und ndch zu einem Vertrauensposten ge- bracht batte. Vor einigen Tagen mit einer wertvollen Ladung aus- geschickt, kam er aufgeregt noch dem Geschäft zurück und meldete, daß ihm. während er in einer Schankwirtschaft eine Erfrischung ein- genommen habe, da« Fuhrwerk mit der Ladung gestohlen ivorden sei. Den Wagen fand man später leer am FrirdrichShain wieder. In längeren Verhören perwickelt« sich Dummert aber in Widersprüche und gestand endlich, daß er mit einem Kutscher Johannes LipinSki die Ladung selbst auf die Seite gebracht habe. Beide hatten das Leder zu einem Hehler in der Alten Schützenstraße gebracht. LipinSki wurde ebenfalls festgenommen. Als man den Hehler ver- hasten wollte, war er bereits verschwunden. Man fand aber in einer Behausung noch die gan,e Lederladung und außerdem große Kisten voll Lederwaren, deren Eigentümer noch nicht bekannt sind, alleS in allem für etwa 80000 M. Der wucherische Bäckermeister. DaS KriegSwucheramt hat dem Bäckermeister Paul Busse, Berlin, Fehmarnstr. 23, jetzt Nord- ufer 8. den Handel mit Backwaren und Kuchen untersagt. Er bat eine Bäckerei schließen müssen und darf auch leine Tätigkeit als Angestellter in einem ähnlichen Betriebe ausüben. B. hatte von dem ihm vom Magistrat zum Brotbacken überwiesenen Mehl Kucken >ebacken, de» er zu Wucherpreisen verkaufte. Da» zum Brolbacken ehlende Mehl verfälschte er durch Hinzunahme von Kartoffeln und Kohlrüben. Busse wird.sich vor dem Strasrichter zu verantworten haben._ Charlotteuburg. LebenSmittelnachrichten. Fleisch wie bisher. Kartoffeln 1 Pfund auf Abschnitt 62 s und 400 Gramm Gebäck auf die übrigen Abschnitte. Auf Abschnitt 96 2'/, Pfund Einmachezucker oder 3>/, Pfund Kunsthonig bezw. Südfruchtmarmelade. ferner Pfund Südfruchtmarmelade oder Kunsthonig auf Abschnitt 103. Auf Abschnitt 104 376 Gramm Hasernäbrmittel, aus Abschnitt 105 100 Gramm Teigwaren vom 6. btS 14. Juli, aus Abschnitt 106 in derselben Zeit 200 Gramm lose Suppen oder 4 Suppenwürfel. Auf Zentner j die Nöhrmtllelzusatz karte jiu Jugendliche 126 Gramm Teigwaren, Wilmersdorf. Lcdensmittclabgade. 500 Gramm Fleisch, zwei Pfund Kartoffeln und als Ersatz sür die restlichen drei P'und höchstens 300 Gramm Gebäck, drei Eier a 34 Pf. Bis einschließlich 7. Juli auf Abschnitt A: 100 Gramm Weizengrieß. B; 40 Gramm ver- ickiedeneS Dörrgemü'e, C: 200 Gramm Mohrrübenicknitzel, E: 100 Gramm Karroffelwalzmehl, F: 126 Gramm Kartoffelflocken, G: 125 Gramm Teigwaren. Ferner Abschnitt 9 entweder eine Flasche sterilisierter oder eine Doie kondensierter ausländischer Voll- milch oder ein Paket Vollmilchvulver; Abschnitt 12: 46 Gramm' Puddingpulver a 14 Pf.. Abschnitt 13: 125 Gramm Fruchtsait a 60 Pf., Abschnitt 16: zwei Pfund Gemüselonserven. Abschnitt 17, solange Vorrat reicht, ein Päckchen Slraßmannsches Pudding- pulver._ Neukölln. Lebensmittelversorgung. In der kommenden Wocke werden abgegeben: 600 Gramm Fleisch. 1 Briefchen Süßstoff auf Buchstaben 8 der HauShaltiingSkarte. 2 Stück Eier a 34 Pf. vom 30. Juni bis 8. Juli, Kartoffel» dürfen zunächst nur in einer Menge von je 1 Piund auf jede Kartoffelkarte und 2 Pfund auf eine Rar- loffelzusatzkarte abgegeben werden. Ersatz wird in Gebäck gewährt, und zwar entfallen auf jeden Kartoffelabschnitt 60 Gramm. Ferner gelangen 150 Gramm Weizengrieß aus Lebensmittelkarte in den Kolonialwarengeschäften zur Ausgabe. Lichtenberg. LebenSmittelnachrichten. ES werden abgegeben: auf Abschnitt 5l 8 0, Pfund Hafermehl, auf Abschnitt 61 X, G, J Vi Pfund Speisesirnp, aus Abschnitt 6t E eine Stange Supven- aus Abschnitt 61 E ein Harzer Käse und ans Abschnitt 53 8 bis E je V< Pfund Dörrgemüre. Ferner gelangen zur Verteilung: 2 Pfund Kartoffeln auf Ad- schnitt 62ck und e, auf 62» und d zusammen 200 Gramm Gebäck, sowie auf 62c 70 Gramm Mehl. Auf die Kartoffelzusatzkarte wieder 2 Pfund. Vom Freitag ab auch an Stelle der 2 Pfund Kar- toffeln 200 Gramm Gebäck._ Spandau. AuSkunftscrteilung über Hilfsdienst. Diejenigen Ar- bester und Gewerkschaften in Svandau und im Landkreise Ostbavel- land, mit Ausnahme von PoiSdam, welche in irgend welchen Fragen, die mit dem Hilfsdienstgesetz zusammenhängen, Auskunit einholen wollen, mögen sich an den Beisitzer im HiliSdienstauSichuß für den Kreis Ostbavelland, den Genossen Emil Stahl-Spandau, Marschallsir. 10, wenden. Die Geschäftszimmer des Schlichlungs- und EinbenifungSauSschuffeS für Spandau und O st Havel- land befinden sich in Spandau. Schönwalder Str. 106. Für Potsdam und den Kreis Zauch-Belzig befindet sich der Ausschuß in Potsdam, Am WilhelmSplay 8. Der Vertreter der Ar- beiterschaft ist in demselben: Genosse Emil Schubert, Potsdam, Alte Luisenstr. 37._ Steglitz. LebenSmittelnachrichten. Außer der üblichen Wochen- rate werden verteilt pro Kopf: 75 Gramm Perliago, 125 Gramm Kaffee-Ersatz uud 100 Gramm Kunsthonig oder Marmelade. j- V. P Würfel, AdlerShof. Der Ersatz der ExplosionSschädrn. Die Gemeinde- Vertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Regelung der durch das bekannte ExplosionSunglück in der Kahlbaumichen Fabrik am 22. Mat verursachten Schäden im Gemeindebezirk Adlers- Hof. Der Bürgermeister, Dr. Sporleder, gab einen Ueber- blick über die von der Gemeinde unternommenen Schritte zur Befriedigung der angemeldeten Schadenersatzansprüche. Zur Regelung dieser Schäden hat die Gemeindeverwaltung ein Schaden« ersaybureau eingerichtet und einen auS Sachverständigen bestehenden Unterausschuß eingesetzt, der die einzelnen Schäden abschätzt. Die Firma Kahlbaum, die zunächst den Beirag von 20 000 M. zur Linderung des größten Notstandes in bar gegeben halte, hat aber weiterhin jegliches Verschulden und jede Ersatzpflicht abgelehnt. Infolge dessen beschloß die Gemeindevertretung, gegen die Firma Klage zu erheben. Der Teltower Kreis- a u s f ch u ß hat zur Linderung der Schäden Mittel be« willigt und der Gemeinde zu dem üblichen Zinssatz zur Wer- fügung gestellt. Die Gemeindevertretung beschloß, daran» den einzelnen Geschädigten Darlehen zu demselben Zinssatz zu ge« währen. Auch das K r i e g S m i n i st e r i u m hat eine rechtliche Verpflichtung zum Schadenersatz abgelehnt, jedoch die Notwendigkeil anerkannt, der ärmeren Bevölkerung die zur Beseitigung der Schäden nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Heeresverwaltung hat infolgedessen der Gemeinde einen größeren Vorschuß gewährt vor- behalilich der Zahlungspflichl der BersicherungSgesell>chaft, bei der die Firma Kahlbaum versichert ist. Diese Gesellschaft hat die bei der ersten kleineren Explosion am 4. April d. I. verursachten Schäden gedeckt, verweigert aber die Entschädigung sür die am 22. Mai ent- standenen Schäden. Britz. Lebensmittelversorgung. ES gelangen zur Abgabe auf Abschnitt 36 Grieß. 40 verschiedene Waren(Fischkonierven, Viandal-Fleischextralt, Nähr- Hefe und Role Beete) und Abschnitt 41 Sonderzuteilung. EZpenick. Einbrecher statteten in der Nacht zu Sonnabend der Verkaufsstelle Berliner Straße der Konsumgenossenschaft einen Be- such ab. gleichzeitig brach in den Räumen Feiler aus. DaS Feuer vernichtete fast sämtliche städtische Waren, welche am Mittwoch ein- geliefert und am Donnerstag zur Verteilung kommen sollten. In der Zuteilung der städtischen Waren wird jedoch an die Mitglieder der Köllnischen Vorstadt keine Unterbrechung stattfinden; die AuS- gäbe soll in der Verkaufsstelle Müggelheimer Straße vor sich gehen. Oranienburg. Der Ankauf des Gutes Lehnitz abgelehnt. Die Stadlverordneten-Versammlung bat in geheimer Sitzung die Vor- läge über den Ankauf des benachbarten Gutes Lehnitz für den Preis von 660 000 M. mit 14 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Einschließlich der sür die Stadt erforderlichen Aus- und Umbauten würden sich die Kosten der Erwerbung auf über 1 Million Mark gestellt haben. Groß-Serliner parteinachrichten. Bezirksorgauisation Groß-Berlin. Donnerstag, den 5. Juli, abends 8 Uhr: Versammlung im Lehrer-Ver- ein sh aus, Alcxanderftr. 41. Tagesordnung: Die Kohlenversorgung im kommenden Winter. Referent: Stadt- verordneter Adolf Ritter. Tie Genossen werden ersucht, an diesem Tage keine weiteren Veranstaltungen zu treffen und für regen Besuch dieser wichtigen Versammlung Sorge zu tragen. Eintritts- karten sind bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. _ Der Bezirksvorstand. Fricdrichshagen. Erst heute kommt mir da« Mitteilungsblatt Nr. 12 der Unabhängigen zu Gesicht. In demselben befindet sich eine Notiz, die den Zweck haben soll, mich in den Augen der Partei- genossen einer Unterschlagung zu bezichtigen. Zur Aufklärung leil« ich mit, daß das frühere Vereinsvermögen auf«in Sparbuch an- gelegt ist, wa» dein Unterzeichner der betreffenden Notiz bekannt ist Im Einverständnis mit den Revisoren und Vorstandsmitgliedern sollen unsere Genoffen nach Rücklehr aus dem Felde über die Ver- Wendung der Gelder bestimmen. Man sieht, mit welchen unfairen Waffen gekämpft wird. R. K ö ck e r i tz, Klutstr. 3. «velterauStichten tnr da« mittlere Rorddruttchlanv vi« Montag mittag. Von Norden nach Süden fortschreitende Abkühlung, veränderlich, vorwiegend wolkig, leichte RegenjM. slrichweije Gewstterr Gerichtszeitung. Der Raubmord in der Matterustraße. In dem dar dem Schwurgericht des Landgerichts I verhandelten Mordprozetz gegen den Arbeiter Valentin N o a ck wurde gestern nachmittag das Urteil ge- fällt. Der Angellagte wurde wegen schweren Totschlags in Tat» «inheit mit schwerem Raube zu lebenslänglichem Zucht- Haus verurteilt. Mus aller Welt. Ter Herr Senator als Kriegslieferant. AuS Hannover wird gemeldet: In dem Prozeß gegen den Senator Leopold Fischer aus Linden, dem strafbare Verfehlungen im Zusammen- hang mit Kriegslieserungsgeschästen vorgeworfen wurden, wurde von der Hilssstraikammer I noch über siebenwöchiger Verhandlung»- dauer das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde wegen B e- truges in 1t Fällen und Betrugsversuch» in einem Falle zu einer Gesamtstrafe von 10 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 14500 Mark berurtellt. Im Richt- zablung-falls soll für je 15 M. Geldstraf« ein Tag Gefängnis bis zum Höchstbetrage von zwei Jahren Gefängnis treten. Die Ge- sängnisstrafe gilt als durch die erlittene Untersuchungshaft, die länger als ein Jahr sechs Monate gedauert hat. verbüßt. Ein Artitaerrigiti«. Basler Blätter berichten aus dem.Cot- riete della Sera" von Catania: In der Sonnabendnacht um 11 Uhr beobachtete man auf der Spitze des Zletna eine große Rauxch- wölke. Die Einwohner versammelten sich an mehreren Punkten der Stadt zur Beobachtung der seltenen Erscheinung, die nach einer Stunde verschwand. Der Direktor des Observatoriums erklärte, daß es sich bei diesem Ereignis um eine Explosion handele in einem durch den Ausbruch des Aetna im Jahre 1911 gebildeten Krater, die Erdstöße nach sich ziehen werde. Diese zu erwartenden Stöße würden jedoch keinerlei Schaden anrichten. örlefkaften der Redaktion. — 3j. 8. 88. In Ihrer jetzigen Belchästigung find Sie vom HllfSdienst befreit, würden Sie aber Ihre frühere Beschäftigung wieder aufnehmen, fo können Sie zum tziliSdienit verpflichtet werden.— Hw. 166. 1. Da» fKwb hat Ihre Staatsangehörigkeit angenommen Z. Ja. Z. Sin solcher Antrag ist an das Amtsgericht»u stellen.— L. G. 33. Da Ihr Vertrag von April zu April läuft, so kann weder Kündigung noch Steigerung zum 1. Oktober eintrete». Sie müssen das dem Hautwirl gegenüber er- klären.— M. M. 100. An boS Generalkommando, dem der Truppen- teil Ihre» Sohne» unterstellt ist.— C. H. At. 1. Sie find zur«teuer- zahlung vom 12. Mai an verpflichtet. 2. Schlechte Zähne, dienstunfähig. — U. 2. 600. 1. Ja, denn Sie haflen zunächst für die Miete. 2. Spi-gelspind, Spiegel und Sosa, wenn letzleres nlcht zum Schlasen bc- nutzt wird. 3. Ja, soweit er 2000 M. jährlich übersteigt.— R. Ich. 12. 1. Die Kündigung braucht nicht bis 12 Uhr mittags zu erfolgen, fie ist alio zuläffig. 2. Wenn es sich um Rohrbruch handelt, nicht, trifft dagegen je- mandem ew Verschulden, so könnten Sie von diesem Schadenersatz vor- langen.— Berta 100. Sie haben keinen Anspruch aus die Reichswochen- Hilfe.— K.®. 35. Eine gesetzlich zuläsfiae Mietsteigerung besteht nicht. die Steigerung kann alio in der Höhe erfolgen.— B. B. 100. Die Verwalterin gilt al» Bcvollmächtigie des W rteS und kann also Mir- digen. In Ihrem Vertrage steht jedensall«, daß die an einen Rieter gerichtete Willensäußerung oder Kündigung auch für den Mu- mieter gilt. Somit brauchte die Kündigung nur Ihnen zugestellt werden. E. I. 1917. 1. KriegSernährungsamt, Berlin W 8. Wilhelmftr. 7> b. 2. Sicher wird doch die andere Gemeinde das Gehalt zahlen. 3. Nein. 4. Rachleil kann Ihnen dadurch nicht entstehen, e» würde sich aber empsehlen, den richtigen Geburtsort auj der Karte eintragen zu lassen. �Oflden: Brunnen-Strasse 1 Süden: Kottbuser Damm 103 Osten: FrankfurterAllee350 Westen: Charlottenborg, . empfiehlt... gegen DSB* und auf KPGCllt zu annehmbaren Bedingungen Feitlge Damen-Klelduns Jackenkleider, Mantelkielder Seidenkleider, Seidenkostürre Voile- u. Stickereikleider Kieider-Röcke CÄtVÄ Elegante Blusen In Seid«. Voll« u. ChlWon T Imprägnierte � L Seiden-Mäntel J Fertige Herren-Kleidung Burschen- nJflnglings- 5 Amüge= Sonntag von S— 10 geöffnet I A» 1 '« m 1*■ Ha l Gartenland zur Anlace von Ciemttee- n. 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Die bollftändige amtliche Belanntmachung erfolgt an den Snlchlagsäulen und in der.Norddeutichen Allgemeinen Zeitung".(403. 1. Mit. 17. II. Ang.) Berlin, den 1. Juli 1917. Der Polizeipräfident. Die Bekanntmachungen des Oberkommandos in den Marlen, betreffend Befchlagnadme von reiner Schaswolle, Kamelhaaren, Mohär, Alpaka, Kaich- mir sowie deren Halberzeugnissen und Abgängen, Beschlagnahme und Be- standserhebung der deutschen Schasschur und des Wollgetälle» bei den deutschen Gerbereien sowie Beschlagnahme und Höchstpreis« von Tierhaaren, deren Abgängen und Abfällen sowie Abfällen und Abgängen von Wollsellen, Haarsellen und Pelzen treten mit dem 1. Juli 1917 in Krast. Di« vollständige amiliche Bekanntmachung eriolgt an de» Anschlag. fäulen und w der.Norddeutichen Allgemeinen Zeitung�. Berlin, den 1. Juli 1917. 415. I. Mil. 17. Der Polizeipräsident. !)n Freien Stunden i Äm 1. Juli bietet fich die Gelegenheit, Abonnent der»Freien Stunden" zu«erden, da ein neuer Roman beginnt. Auch während der schwere» Krieg» zeit ist diese Zeitschrift et« guter Kamerad geblieben, namentlich den vielen Frauen, die von den schweren Sorge» der Gegenwart eine Spanne Vergessenheit und Erholung suchen.»Au« eigener Kraft« heißt der Roman, der zum Abdruck kommt, und al» zweit« Erzählung»Die Prärie a« Zaeinto-, eine Schilderung au» dem wilden Westen Amerikas. Daneben sorgen volkStllm- tiche, illustrierte Aufsähe aus allen Wissen»- gebieten, Rätsel, Winke für Äau» und Küche für dl« notwendig« Abwechslung de« Lesestosse» und für die praktische» Bedürfnisse der Äautfra«. WSchenttich erscheint ein Heft für ISPsennig Zu beziehen durch: Suchhanölung vorwärts� Berlin SW 68, Ltndenatr.». iM6666666M66666t6666666MMM Ich bestelle hierdurch»In Freie« St«nd«»V wöchentlich ein Heft für IS Psenoig. Name: Ork: Straß«:. l«»r Bestellzettel Ist auSgestllle dem ZellungSdoien miezugeden.) RWEllMEMmlk de» Miitifoiiiltlln! ............................................. 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Edgar Holz, Straßenbahuer. Max Langnese, Industriearbeiter. Karl Ranglack, Industriearbeiter. Otto Schröter, Droschkenchauffeu». Otto Toffel, Straßeubahuer. Gustav Tyron, Geschäftsdiener. Martin Wiewandt, Lagerarbeiter. Otto Woitaschek, GefchäftSdieuer. 6/8 Ehre ihrem Andenke«! IM« Bezirknleltnng. rnerimer Zahlstelle Berlin und Umgegend Den Berufsgenossen zur Nachricht, baß folgende Mitglieber im Felde gefallen sind: Wilhelm Becher, Bezirk 12. Magims Brüder,, 14. Max Ernst,, 6. Karl Krlenlng,„ 28. Johann Rempel,, 15. Otto Richter,„ 33. Ernst Witt,„ 15. (elfterer ist im Felde erkrankt und in einer Heilstätte verstorben.) Ehre ihrem Andenken! 255/20 Der Vorstand. Künstl. Zähne T,"«r Goldkronen, an, Brücken, Plomben, Zahnziehen mit Betäubung, Umarbeitung, Reparaturen sofort. Billige Preise, auch Teilzahlung. 276(17* Zahn-Praxis M. Löser, nur Brunnensir. 185, PersdoL zu apneboa SmoL UM2. tiwLUm Deülselier Bezlrksverwaltung 8ro6-8erlm. Den Mitgliedern zur Ziachricht, daß unler Kollege, der HanSolen« lugusl Piehig von der Firma Lindenberg, Große Frankfurter Straße, am 26. Fimt im Alter von 63 Jahr« o erstorben ist. Die Bcertngnng findet am Montag, den 2. Juli, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-KirchhoseS, Landsberger Allee, auS statt. Den Mitglied«« fern« zur Nachricht, dag uns« Kollege, d« HauSdien« Josef Berber am 27. Juni im Alt« von 49 Jahr« verstorben ist. Die Beeichigung findet am Montag, de» 2. Juli, nachvnttags 4 Uhr, von der Leich«halle des Bartholomäus-Kirchhoses.Weißen- see, Fall«berg« Straße, aus statt. Den Mitgliedern fem« znr Nachricht, daß uns« Kollege, d« Autosühr« Hermann vtte von der Firma Grix, Neukölln am 27. Jnni im Alter von 60 Jahr« verstarb m ist. Die B«rdignng findet am Montag, den 2. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses in Neukölln, Hennannstraße, aus statt. Nachrufe. Den Mitgliedern fern« zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Botenfrau Imalie Liszewiez am 26. Juni im Alt« von 41 Jahr« verstarb« ist. Den Mitgliedern fern« Nachricht, daß uns« Kollege, Droschtcusühr« Barl Spiegel am 24. Mai im Alt« 65 Jahr« verstarb« ist. Ehre ihre« Andenken! 6/7 Dlq, Bezlrksverwaltung. zur d« von DratscberMetaliariieiter-fertiaiiil Verwaltungsstelle Berfln. Den Kolleg« zur Nachricht, daß«»«Mitglied, der Maschincn- arbeitcr Msx Müller am 28. Juni an Lungenleiden zc- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Leerdigvna findet am Montag, den 2. Jim, nachmittags 5-/, Uhr, von der Leichenhalle deS Sieorg«- Kirchhofes in Weißensee, Ziölckestraße, aus statt. Rege Beteiligung wird«loartci. Nachruf. D« Kolleg« ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldreh« kicdsrd Grasse am 25. Juni an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken l 177/3 Di« OrtSvcrwaltting. velllscliei' BoetibiiiiierTerbanil. (Zahlstelle Berlin./ Unseren Mtgliedern die be- trübende Nachricht, daß unser Mit- glied, der Buchbinder Molf Krüger am 28. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Juli, nach- mittag? 1 Uhr, von der Halle des neu« Luisenftädtischen Kirch- Hofes, Neukölln, Herrn arrnstr 168, auS statt.-, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 26/10 Die OrtSvettveltnng. bmkedsi' Lallakbetter-fekbaail. Xwclgwcrctn BeHin. Bezirk Wedding. Am 28..Lmn starb uns« Mit- glied, d« Putz« Johann Rehnann. Ehre seinem Andenken! Die Be«digung findet am Dienstag, den 3. Juli, nach. mittags 5 Uhr, aus dem St. Sebastian-Kirchhof in Reinicken- dors, Humboldt-Straße, statt. 146/5 Die örtliche Verwaltung. In wehmütiger Erinnerung an den Todestag mcwcS mir unvergeßlich«, imiigftgeliebtm «oh nes, unseres lieben Bruders Robert Etzel gefall« am 2. Juli 191«. In tiefstem Schmerz Deine Mutt« Emma E t z e I Witwe und Geschwister. Liebe stirbt nie. sie le« üb« das Grab hinaus. 2811b Iiis BeiMiclMIde. Die Behandlung d« Mitglieder in der zahnärztlichen Klinik findet Vom Montag, den 2. Jnli 1917 ob, werktäglich von{■£— 11 Nhr vormittags statt. Für?lnmeldungen und dringende Falle ist die Klinik jedoch von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr geössuet. 278/7 Berlin-Lichtersclde, d. 30. Jnni 1917. Der Vorstand. Man« Fischer, Borfitzender. Allgemeine Orts- Krankenkasse niederbarnim. Einladung zur «ncherordeutliche« Ansschntzsttzung der Allgemeinen Otts. Krankenkasse Niederbarnim am Sonntag, den 8. Juli INI?, vormittags 10 Uhr, nn RestaurantHindenbnrg in Berlin Hantestraße 4(BAomplatz). Tagesordnung: Erwerb eines Grundstückes zum Bau eines Verwaltungsgebäudes. Die Herr« Ausschußmitglieder w«deu zur Teilnahme an dieser Sitzung ergebenit eingeladen. Berlin, den 28. Juni 1917. Allgemeine Orts-Krankenkasse Niederbarnim. K ü h n, Vorsitzender.[278/6* Münzei kauft Ball, Münze uhdirr.,'Berlin Wilhelmstr. 46/47. 12 2» Nachruf. Am Montag, den SS. Jnni, ver- starb nach langem, schwere« Leiden d« Maschm«sührer Rlchnrd Grnsse. Er war uns ein lieb« Kollege, dessen Andenken wir w Ehren hatten werden. 90A vie isiBsekinenfürer der Firma Manoli. Danksagung. Für die zahlreich« Beweise der Liebe und Ehrung beim Ableben meines lieb« Mannes, unseresSohnes und Bruders HVilk�Im sage ich dem Hauptvorstande des 'Zentralverbandes der Asphalleure und d« Verwaltungsstellen desselben sowie der G««alromnnsfion d« Ge- werkschasten Deutschlands, den an- der«V«b(mdM und der Allgemeine» Ottstranlenkasse'Berlin für chre präch. tig« Kranzspettd« und Herrn Link für seine Rede bei der Einäscherung mein« herzlichst«. Dank. Für die Elte« uyd Geschwist« meines verstorben« ManneS: Emma Pttetaw, Berlin-BikmerS' dort. Weimatttche Gtr. 12.& Ider Zahlstelle Berlin. Bureau: Engelnf« 14/15, Patt.— Telephon: Amt Moritzvlatz Nr. 8430. Geöffnet: Dorm. v. 10—12, nachm. v. 4—7 Uhr, Di«Stag nachm. geschlossen. Mittwoch, de» 4. Jali. abe«ds 8'/, Uhr. bei Böker, Weberpr. 17: General' Versammlung. Tagesordnung: 1. Sassen- und Geschäftsbericht vom 2. Onattal 1917. 2. D« Reichs- taris für Militärarbeit. 3. Die Uebernahme deS Arbeitsnachweises durch die Stadt B«liu. 4. Verschied«es. 170/3 Die Ortsverwaltnng. Ii! n Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Geschäftszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amx Rotten 185, 1239. 1987, 9714. Dienstag, den 3. Jnli 1917, abends 8 Uhr: Branchen-Versammlung der Schweitzer im lSewerkschaftshans, Engelnfer 15. Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege A. SchlinSki.— 2. Branchen- angeleg«hest«.— 3. Berfchiedenes. Kollegen und Kolleginnen l In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes einzelnen, in dieser Bersamm- Inng zu erscheine«. Hie Orts Verwaltung. mitu.ohne Gaumenplatte, BrDekenjPlomben jeder Art Goldkronen, moderne Goldtechnik, Emarbeitnng schlechtsltx. Gebisse. Reparatur, sof. Xahnzleben i.örtl. Uetünbans. Kl. Preise, auchleilzahl. Tel.Nord10438 D.I. Löser Ä se; Rosulialersli. 59-10 Zähne Nr.l77'>Z4.�ahrga«g 2. Seitage öes vorwärts Sonntag,?H17 Znöustrie und Hanöel. Em Zwaugssyudikat in der Lederindustrie. Verschiedene Berichte sprechen von einer geplanten JwangS» syndizierung der Lederindustrie, die von manchen Kreisen auf die Anregung des Neicksamts des Innern zurückgefiibrt wird. Da die Schaffung einer solchen Organisation die ganze Strullur einer In- dustrie nachhaltig beeinflußt und über den Krieg hinaus angelegt erscheint, so wird mancherseils auch angenommen, daß sich mir dem neuen Plane steuerliche Wünsche verknüpfen. Ein Teil der Leder- industriellen, besonders jene, welche Massenfabrikale wie Sohlen- leder usw. herstellen, haben sich rasch mir dem Plane defreundet, weil sie nach dem Kriege eine Wiederkehr der Chancen der bis Kriegs- ausbruch herrschenden Konkurrenz befürchten. Eine sehr starke Minderheit vertritt dagegen den Standpunkt der Nichteinmischung des Staates. Sie setzt sich aus Oualitälsfabrikanten zusammen, die daraus verweisen, daß bei Leder anders als bei Kohle und Kali, Oualität, Geschniack und Nuancen berücksichtigt werden müssen. Es ist deswegen nicht unmöglich, daß sich die geplante Organisation auf die Masseiffabrikale der Lederindustrie beschränkt. Betriebszusammeuleguugen in der Metallindustrie. Der.Fr. Zig." wird aus Berlin geschrieben:.Wie man bort, schweben Erwägungen über sehr umfassende Zusammen- legungen in der kupserverarbeirenden I n- dustrie. Es soll die Zahl der arbeitenden Werke im Interesse der größeren Wirlichaftlichkeit und besseren Materialeintcilung aus vielleicht die Hälfte oder noch weniger heruntergedrückt werden. In der Hauptsache würden künftig die Großbetriebe die ganze Ar- beir in sich aufnehmen und auf die von den übrigen Betrieben zur Ausführung abzutretenden Austrüge eine feste Abgabe in eine gemeinsame Kasse zahlen, aus der den stillgelegten Betrieben Ent- schädigungen zufließen."'_ Zusammcnschlusi in der Werkzeug-Jndustrie. Ilm Schwierigkeiten bei der Versorgung der Heeresverwaltung und des Rüstungsgewerbes mit ausreichenden Mengen von Werk- zeug zu beseitigen, haben sich die verschiedenen Zweige der Werk- zeugindustne zu einer Reihe von Vereinigungen zusammengeschlos- scn. Diese sind ihrerseits in dem Werkzeug- und istahl- k o n t o r, G. m. b. H. in Remscheid zusammengeschlossen, dos seinerseits den Einkauf der Rohstoffe, insbesondere der Stahl- mengen für alle Vereinigungen, vercinigt und die Zuweisung vornimmt. Im ganzen haben sich, wie die.Franks. Ztg." erfährt, naun einzelne Vereinigungen gebildet, und zwar der Deutsche Feilenbund, der Deutsche Sägen- und Maschinenmesserbund, der Werkzeugsabrikanten-Verband, der Fabrikantenverband kuidwirt- schaftlicher Maschinenteile, der Gczähe- und Großwerkzeugs-Ver- band falle in Remscheid), die Vereinigung der Gesenkschmieden (Solingen), der Stabstahl-Verband(Remscheid), der Stadstahl-Ver- band(Solingen), sowie der Verband für Flußstahl, Sägen und Messerb! echc(Remscheid)._ Die Aushungerung der Neutraleu. Wegen Mangel an Rohstoffen haben in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Fabriken in Schweden ihren Betrieb einschränken oder ganz cinstellcn müssen. Besonders die schwedische Textilindustrie hat schwer zu leiden. Unter den Fabriken, die in den letzten Tage» geschlossen werden mußten, befindet sich auch die Juiesabrik in Hel- singborg, die ihre 300 Arbeiter entlassen hat. Soziales. Die Prüfstcllc für Ersatzglieder. In den Räumen der Ständigen Ausstellung für Arbeiter- Wohlfahrt in Charlottenbuvg hat die Prüsstellc für Ersatzglieder, die jetzt 1 Vi Jahre tätig ist, ihr Heim ausgeschlagen. Sie entstand aus der Erkenntnis heraus, daß den Opfern des Krieges nicht damit gedient ist, daß ihnen, soweit Amputierte in Betracht kommen, ein beliebiges Ersatzglied geliefert wird, sondern daß es notwendig sei, ans der Fülle des vorhandenen Materials das wirklich brauch- bare herauszusuchen. Das hört sich sehr einfach an, ist aber in Wirklichkeit sehr schwer. So schwer, daß die Arbeiten heute noch nicht abgeschlossen sind und cs noch langer, angestrengter Arbeit bedürfen wird, eye die Prüfstelle ihre Aufgabe als gelost bezeichnen kann. Die Schtoie- rigkeiten ergeben sich aus den verschiedenen Anforderungen, die bei den einzelnen Berufen an ein Ersatzglied gestellt werden, aus den verschiedenen Arten der Amputationen und Verstümmelungen und schließlich auch aus dem mitunter recht schwer zu behandelnden Mcnsckccnmaterial, dem die Prüfstclle helfen will. Um auf letzteres zunächst einzugehen, muß ohne weiteres für verständlich erklärt werden, daß die.Kriegsverletzten. deren Existenz auf ihrer Erwerbsfähigkeit aufgebaut war, auch seelisch sehr de- primiert sind, wenn sich ihnen die Erkenntnis aufdrängt� daß diese Grundlage mehr oder minder airf immer dahin ist. Sie wieder aufzurichten, sie die Ueberzcugung wieder gewinnen zu lassen, daß auch sie ihren Beruf, wenn auch vielleicht nur teilweise, wieder ausüben, und daß sie trotz ihrer Verstümmelung nützliche Mit- glieder der Gesellschaft werden können, ist nicht immer leicht. Es bedarf liebevollen Eingehens auf ihren Seelenzuftand, um sie für die Tätigkeit der Prüfungsstelle zu interessieren, die— dies macht ihre Arbeit schwierig aber auch doppelt wertvoll zugleich— nicht nach einem Scbevia verfährt, sondern den einzelnen individuell be- handelt. Alle Amputierten aus'den dem Scmitätsamt des Garde- korps unterstellten Lazaretten werden der Prüfungsstelle vorgeführt, damit dort geprüft werden kau«, welches Ersatzglied sich für sie eignet. Dabei zeigten sich denn die Schwierigkeiten, die aus der unterschiedlichen Art der Verletzungen und den Anforderungen des Berufs entstehen,-denn nicht ein Ersatzglied, das zum Beispiel erneu natürlichen Arm vortäuschen soll, soll geliefert werden, sondern ein Werkzeug, das das verlorene Glied bei der Arbeit soweit als' möglich ersetzt und dadurch dem Verletzten die Möglichkeit gibt, wieder zu arbeiten. Ins Leben gerufen wurde die PrüftingSstelle in der Hauptsache vom Verein deutscher Ingenieure unter Mitwirkung namhafter Aerzte. Es wird also nicht einseitig, sondern imter Berücksichtigung aller Begleitumstände von Aerzten und Ingenieuren geprüft. was sich für den einzelnen eignet und was ihm noch zugemutet werden kann. Einen Ueberblick über die Arbeiten der Prüfungsstelle geben die verschiedenen Merkblätter, die sie herausgegeben hat. Sie zeigen, daß die Berufe des Stellmachers, Tischlers, Sattlers, Schuh- inachers, Bäckers, Vdalers, Tapezierers, Schneider Z und Schlossers durchgearbeitet worden stnd. Dabei berührt sehr angenehm die Zurückhaltung, mit der die noch vorhandene LeisiungSfiihigkeit lieivcrtet wird. So sehr darauf hingewirkt lvird, diese nach Mög- lichkeit zu steigern, so sehr wird auch bewnt, welche Arbeiten der Amputierte in seinem Berns noch vorteilhaft ausführen kann und welche er unterlassen soll, weil der dazu gebrauchte Zeitaufwand -sie unwirtschaftlich erscheinen läßt. Hier das richtige Matz zu finden und die weitere Tätigkeit des Verletzten darauf einzustellen, ist eine der Voraussetzungen, von denen ausgegangen werden muß, wenn Fehlschläge soweit als möglich vermieden werden sollen. Die Merkbläiier sind Zeugnisse fleißiger Arbeit, die still und darum viel zu wenig gewürdigt geleistet worden ist. Damit ist die Ausgabe der Prüfungsstclle aber noch nicht erschöpft. Mit der Beratung und der Beschaffung des Ersatzgliedes allein ist cs nicht getan. Der Verletzte muß durch Arbeit erhalten und darin unterwiesen, sowie beobachtet werden, damit eventuell ein Aus- tausch des Ersatzgliedes möglich ist. So reiht sich das eine an das andere, um die Beschädigten ihrem Beruf und damit dem Leben wieder zuzuführen. Denn Arbeit ist Leben, nicht verbittertet müßiges Einhergeben. Wer sich die Mühe nimmt, die Arbeiten der Prüfungsstclle zu beurteilen, wird den Männern, die ehrenamtlich diese vevantivor- tungsvolle Tätigkeit ausüben, seine Anerkennung nicht versagen können und jeder wird wünschen, daß ihr dauernd die gar nicht unbeträchtlichen Mittel zur Verfügung stehen, die das ansgedehnle Unternehmen, das mit zahlreichen Hilfskräften arbeitet, erfordert. Aehnltche Unternehmungen, die nach dem Muster der Berliner Einrichtung arbeiten, sind in den verschiedensten Gegenden des Reichs errichtet worden, damit die gewonnenen Erfahrungen einem möglichst großen Kreis der Kriegsbeschädigten zugute kommen können. ES i'eibvaus Murivvla« 58a. Meine Vager bieten noch große Aus- wgbl in Nockanzügen, FackeUanzügen, PaNtots. Ulstern, teils ans Seide, prima Verarbeitung, billige Preise. 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