Rr. 178. ( 5 Pfennig) MvNtagSlMSMde( 5 Pfennig) flbonnementS'Bedlngungen: Abonnements- Preis pränumerando: Vicrtcljährl. S.go Mt, monail. 1,Z0 Mk, wöchentlich 30 Pjg. ftei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags, nunnncr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: ILO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen an Neigten. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Kiunänien. Schweden und die Schweiz. OMiODt Sana. 34. Jahrg. Die InTertions-Gcbüljr beträgt für die fechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg. für politische und gewerlfchaftliche Vereins- und Verfammlnungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzuläffig 2 fettgedruckte Worte), ledes wntere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes wettere Wort ö Pfg. Worte über IS Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijl dis 7 Uhr abendS geöffnel, Zlelegramm- Adreff« ..ZdrizliltmoklZl lierlib-. �entralorgan der rozialckmokrati fchen parte» Deutfchlande. Neüaktion: SV. HZ, Linöenstraße Z. Kernsprecher: Amt Niorivplan. Nr. 1S1SV— 13197. Montag, den Ä. Juli 19 l 7. Expedition: SV. öS, Linöenstraße?. Fernsprecher: Amt MoriNplatz- Nr. IUI 90—151 97 Die Schlacht in Oftgalizien. Vergebliche französische Angriffe bei Cerny nnd bei Höhe 3D4— Neue deutsche Gewinne bei Ailles-Paifsy— Scheiternde russische Jnfanterieangriffe in Ostgalizien — Feuerkampf vom Stochod bis Stanislan. Amtlich. Großes Hauptquartier, 1. Juli 1S17. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Regen und Dunst blieb an der ganzen Front in fast allen Abschnitten das Feuer gering. Einige Erkundungsgc- fechte verliefen für unsere Aufklärer erfolgreich. Bei der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz versuchten die Franzosen vergeblich, die von unseren Truppen am Ehcmin-dcs-Damcs und auf dem westlichen Maas-Ufer erkämpften Gcländcvorteile zurückzugewinnen. Oestlich von Cerny griff der Feind nach kurzer Feuer. stcigerung dreimal die auf der Hochfläche südlich des Gehöfts La Novelle eroberten Gräben an. Alle Angriffe wurden blutig abgewiesen. Tie Bcrwirrung beim Gegner und die Ablenkung seiner Aufmerksamkeit ausnutzend stürmten lippische Bataillone weiter östlich die französischen Linien bis zur Straße AilleS- Paissy. Durch diesen Erfolg erhöht sich die Zahl der von der oft bewährten westfälischen Division in 3 Gcfechtstageu gemachten Gefangenen auf 10 Offiziere und über K50 Mann. Auf dem Westufcr der Maas versuchten die Franzose« in mehrfach wiederholten Angriffen, und aus den an der Höhe 304 und östlich gewonnenen Gräben hinauszuwerfen. Im Sperr- feuer und in erbitterten Handgranatcnkämpfen wurden sie ab- gewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayer«. Dem Drängen der führenden Entente-Mächte hat sich die russische Regierung nicht entziehen können und einen Teil des Heeres zum Angriff bewogen. Nach tagsüber andauerndem Zerstörungsfcuer gegen unsere Stellungen von der oberen Strypa bis an die Rarajowka er- folgten nachmittags kräftige Angriffe russischer Infanterie auf einer Front von etwa 30 Kilometer. Die Swrmtruppe» wnr- den überall durch unser Abwehrfeuer zu verlustreichem Zurück- fluten gezwungen. Auch nächtliche Borstöße, bei dcne» die Russen ohne Artillerievorbereitung ins Feuer getrieben wurde«, brachen beiderseits von Brzezany und bei Zwyzyn erfolglos zusammen. Der Fcucrkampf dehnte sich nordwärts bis an de« mitt- leren Stochod, nach Süden bis nach Stanislau aus, ohne daß bisher dort auch angegriffen wurde. Die Angriffe an öer gaUzischen Jront. Berlin, 1. Juli.(SS. T. SB.) An der galizischen Front setzten die Russen am 30. Juni nach starkem Zerstörungsfcuer, das den ganzen Tag über anhielt, zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags, von südlich Zborow bis nordwestlich Podhajcze zum Angriff an. Drei starke Sturmwellcn brachen hintereinander im Sperrgebiet zusammen. Lediglich an einer Stelle vcrhalf eine Mincnsprcngung den Russen zu vorübergehendem Eindringen in unseren vordersten Graben. Ein so- fortigcr Gegenstoß warf sie jedoch wieder hinaus. Die Nacht über flaute das Artillericfeucr etwas ab, setzte jedoch am 1. Juli morgens in allen Angriffsräumcn mit erneuter Heftigkeit ein. Der russische Heeresbericht vom 29. Juni verzeichnet von der Westfront und rumänischen Front nur summarisch„Gewehrfeuer und Flugtätigkeit". Der Bericht vom 30. Juni liegt noch nicht vor. Deutschlands Zrieüensziel im Westen. Die„Nordv. Allgem. Ztg." veröffentlichte am Sonnabend eine Antwort auf einen Aufruf P e t a i n s im französischen Armeeblatt, die unter scharfen Angriffen auf England und die französische Regierung in der Hauptsache folgendes erklärt: Unwahr(ist), das Deutschlands Friedensangebot nicht ehrlich gewesen. Haltlos, daß Deutschland Frankreichs Lebensnerv durchschneiden wolle. Sinnlos, dag ein deutscher Friede Sklaverei und Frankre'chs Hörigkeit bedeute. Frankreich kann jederzeit mit Deutschland Frieden schließen, einen Frieden, der es in keiner Weise zu Deutschlands Sklaven stempelt, sondern ein friedliches Nebeneinander der beiden Völker von neuem bringt, so wie eS vor dem Kriege bc- ftcuid. Zwische« de« Karpathe» und dem Schwarzen Meer keine besondere« Ereignisse. Mazedonische Front. Auf dem rechten Ufer de? Bardar schlugen bulgarische Borposten bei Alcak Mah den Angriff eines englischen Bataillons ab. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Nbendbericht. Berlin, amtlich. 1. Juli 1317, abends. Im Westen geringe Gcfechtstätigkcit. Morgens ist ein englischer Angriff bei Lens gescheitert. Im Osten führtet» Angriffe der Russen bei K o n j u ch y sowie zwischen Z l o t a L i p a und Rarajowka im Laufe des Tages zu ncueu Kämpfen. Der österreichische Bericht. Wien, 1, Juli. Amtlich wird vereinbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostgalizien ist bei der Heeresgruppe des Generaloberst von Böhm die Abwehrschlacht in vollem Gange. Nach mehrtägiger sichtlicher Zunahme des Artilleriefeuers enttvickelte sich gestern die Artillerieschlacht zu größter Heftigkeit; auch schwerste Geschütze haben ein- gegriffen. Nachmittags setzten südlich und südöstlich Brzezany und bei K o n i u ch y starke Jnfanterieangriffe ein, die überall vollkommen abgewiesen wurden; wo sich Teile der feindliche« Infanterie in unserem Bernichtungsfcver überhaupt erheben konnten, blieben sie im Sperrfeuer liegen. Ein in den späten Nachmittagsstunden nordwestlich Zalocze angesetzter sehr starker Angriff brach im vorzüglichen ver- einigten Artillcriefeuer zusammen. Gegen Mitternacht ver- suchte der Feind südlich von Brzezany ohne Artillerievorbe. reitung vorzubreche«. Er wurde abgewiesen. Nachtsüber flaute das Artillcriefeuer ab, um in de» Morgenstunden wieder aofzulebe«. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei der Jfonz»- Armee drangen Sturmpatrouille« der ungarischen Hceresregimenter Nr. 71 und 72 nächst Bcrtojba bis zur zweiten feindlichen Linie vor, wehrten dort zwei Gegen- angriffe ab und brachte« 1 Offizier und 156 Mann als Gr- fangcne ein. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Belang. Der Chef des GencralstabeS. Das ist der alte Tanz auf der Mittellinie zwischen So- zialdemokratie und Mdeutschtum. Die Ulldeut�-n bekommen die beliebte Formel vom„deutschen Frieden" zu bören, die ihnen wie Kunsthonig eingeht. Für die Sozialdemokraten aber ist das„friedliche Nebeneinander der beiden Völker" be- stimmt, woraus geschlossen werden soll, daß man in der Wil- Helmstraße sehr vernünftig ist. Die Worte„so wie es vor dem Kriege bestand", kann man, wenn man will, sogar als ein Bekenntnis zum Stande vorher deuten. Wenn aber die alldeutsche Presse morgen Lärm schlägt, wird die„Nordd. Allgem. Ztg." übermorgen zu ihrer Be- ruhigung auseinandersetzen, daß die Weltgeschichte nach so un- geheuren Geschehnissen einen Statusquo nicht kennt. Das Spiel ist nicht mehr neu und wirkt ermüdend. Die Abfahrt öer russischen Delegation nach Stockholm. Stockholm, 1. Juli.(Svenska Telegrnmbyran.) Der Hollän- disch-Skandinavische Ausschuß teilt mit, daß heute in Peters- bürg und allen Städten Rußlands eine große Kundgebung stattfinden werde. In der Hauptstadt trifft die Kundgebung mit der Abreise der Abgeord- n c t e n des Arbeiter- und Soldaten rates nach Stockholm zusammen. Die Kundgebung wird die Wünsche der Arbeiter und Bauern nach einem allgemeinen Frieden, schneller Einberufung der verfassunggebenden Versammlung und Sicherung der demokratischen Formen gegen die Reaktion zum Slusdruck bringen. Die Petersburger Garnison beschloß, nur an Kund- gebungen, die vom Arbeiter- und Soldatenrat gebilligt sind. teilzunehmen. Die Garnison mißbilligt die Kundgebung der Bol- schewüi." Um Mazedonien. Von Hermann Wendel. Wir geben den nachfolgenden Aufsatz als Beitrag zur Diskussion des vielumstrittenen Balkan- Problems wieder. Red. d.„Vorwärts". Die bulgarische Presse soll über tzie Haltung öer deutschen Sozialdemokraten zur mazedonischen Frage entrüstet sein. Nun hat sich die deutsche Vertretung in Stockholm aber, was die Lösung der Balkanfrage angeht, im wesentlichen der Auf- fassung der österreichischen Sozialisten angeschlossen, die eine Verständigung zwischen Serbien und Bulgarien vorsieht. Von einer Verständigung aber wollen die bulgarischen Annerio- nisten ebenso wenig wissen wie unsere landhungrigen All- deutschen. Ganz im Gegenteil! Ihr Kriegsziel, nackt und schlicht, heißt: ganz Mazedonien, ein gut Stück des Morawa- tals, die Dobrudscha und überdies ein Korridor längs der Donau, um die unmittelbare Grenzverbindung zwischen Bul- garien und Oesterreich-Ungarn herzustellen. Daß die deutsche Sozialdeinokratie sich auf diese Kriegs- ziele nicht festzulegen vermag, hat einmal seinen guten Grund darin, daß sie nur durch einen Gewaltfriedcn dnrchzu- setzen sind, währönd die Pärtei einen' V e rständigungs- frieden anstrebt. Werden die bulgarischen Wünsche erfüllt, so bleibt Serbien als ein Rumpf mit abgehackten Gliedern zu- rück, hilflos, lebensunfähig, wirtschaftlich wie politisch gleich ohnmächtig und auf die bitteren Almosen seiner Nachbarn an- gewiesen. Diese Zerstückelung und Demütigung ihres un- glücklichen Bundesgenossen werden die Verbandsmächte, vor allem gerade das demokratische Rußland, erst zugeben, wenn ihnen der letzte Lebensatem abgeschnürt ist. Nur mit der Spitze des siegreichen Schwertes kann der Frieden geschrieben sein, der den Sehnsüchten des bulgarischen Nationalismus � volle Befriedigung verschafft. Das hat auch Graf R e v e n t- l o w pfiffig schmunzelnd erkannt, als er den deutschen Sozial- demokraten mit ihrer Forderung des annexionslosen Friedens die bulgarischen Sozialisten mit ihrem Verlangen nach An- gliederung Mazedoniens gegenüberstellte. Allerdings sind sich die bulgarischen Sozialisten, wie sie überhaupt in zwei scharf getrennte Richtungen, die sogenannten Engherzigen und die sogenannten Weitherzigem gespalten sind, auch in dieser Frage nicht einig. Die Engherzigen, deren Führer K i r k o w und B l a g o e w sind, treten für den Frie- den ohne Annexionen ein und erwarten die Lösung der Balkanfrage von dem Bund der Balkanrepubliken. Freilich liegt diese föderative Balkan republik vorderhand noch� in nebelhafter Ferne, und mit ihr die Gegenwartsfragen lösen zu wollen, heißt einen Hungernden auf die vollen Fleischtöpfe des Zukunftsstaates vertrösten. Sind die Engherzigen allzu theoretisch, so sind die Weitherzigen dafür allzu praktisch. Diese Gruppe, an deren Spitze S a k a z o w und S a k a r o w stehen, hat von den bürgerlichen Parteien Bulgariens die Annexions- fordevnngen nahezu unverändert übernommen und verteidigt sie auch nahezu mit den gleichen Gründen. Soweit diese Gründe geschichtlicher Art sind, kann man sie ohne weiteres beiseite lassen, denn wenn Mazedonien im Mittelalter einmal zum großbulgarischen Reich gehörte, so war es, ebensogut einmal Bestandteil des großserbischen Staates. Außerdem haben das mittelalterliche Großbulgarien und Großserbien mit den modernen Nationalstaaten nicht mehr zu tun als das heilige römische Reich teutscher Nation mit dem Deutschen Reich der Gegenwart, und so sehr wir die All- deutschen auslachen, wenn sie ihre Ansprüche auf Belgien so- wie Nord- und Ostfrankreich mit den Grenzen des Reiches Ottos I. begründen, so sehr müssen wir die Bulgaren ab- weisen, wenn sie sich für ihre Ansprüche auf die Ausdehnung des Gebietes I o v a n Atens II. berufen. Schwerer wiegt die ethnographische Begründung. Leider aber können sich die wenigsten Politiker, auch in unserer Partei, mit den Balkanfragen eingehender beschäftigen und müssen deshalb mehr oder minder kritiklos hinnehmen, was ihnen von beteiligter Seite vorgesetzt wird. Dazu steckt das Studium der Volkszusammensetzung Mazedoniens noch in den Kinderschuhen, denn bei den» Drunter und Drüber der tür- kischen Wirtschast war das klassische Gebiet der Bandenkämpse nicht gerade geeignet für ruhige wissenschaftliche Bereisung nnd Durchforschung. Was aber van Serben, Bulgaren und Griechen an ethnographischen Statistiken und Tabellen über die mazedonische Bevölkerung beigebracht wurde, waren un- wissenschaftliche Zweckschriften, die ebenso als Waffen im Nationalitätenkampf gebraucht wurden wie die Mauser und Bomben der Komitatschis. Sie beweisen nichts, weil sie zuviel beweisen sollen. Das gilt auch von der Karte des„Bulgaren- tums auf der Balkanhalbinsel im Jahre 1912", die fünf bul- garische Gelehrte, Jschirkoff, Miletitfch, Zoveff, Iw o n o f f, R o m a n s k i, im Jakirqaiig 1915 von„Peter- manns Mitteilungen" veröffentlicht hoben. Es ist nicht ohne Bedeutung zu hören. Mos ein unvoreingenommener deutscher Gelehrter, Dr. Otto M a u l l(„Mitteilungen der Geographi- schen Gesellschaft in München", Zehnter Band, 2. Heft. Dezember 1915) darüber sogt: Stuf dieser Karte sind die mazedonischen Slawen ganz verschwunden; Serben gibt es gleichfalls keine in Mazedonien, das abgescben von einigen türki- schen, albanischen, griechischen und walachischen Enklaven ganz bulgarisch geworden ist. Im östlichen Serbien sind die Serben über die wichtige Meridionallinie, die vom Morawatal nach Ueskub zieht, von den Bulgaren� nach Westen zurückgedrängt worden, lieber alle diese neuen Erkenntnisse ließe sich wissenschaftlich diskutieren, da sie in der Tat schwer zu beant- wartende Streitfragen anschneiden.... Slber der Vernich- tungs kämpf, den die bulgarische Ethnographen- koalition besonders in Thrazien gegen die Griechen geführt hat, findet selb st in derethno- graphischen Literatur des Südostens nicht leich: seinesgleichen---- Die bulgarische Karte vermittelt ein ganz zutreffendes Abbild der heutigen politischen Be- Ziehungen, des bulgariichen Bündnisses mit der Türkei— denn die Türken sind überall gut weggekommen— und des Gegensatzes zu Serbien und Griechenland. Die Karte ist jedoch bis zu gewissem Grade objektiv geblieben, indem sie anschei- nend jede Erdstelle für bulgarisches Volks- gebiet anspricht, auf der ein paar Bulgaren wohnen; vielleicht ist bei der Arbeit diesergeistige Vor- behalt gemacht worden. Auf den Boden dieser Tendenzkarte treten auch die bul- garischcn Sozialisten weitherziger Richtung, wenn sie ganz Mazedonien für bulgarisch erklären. Derselbe Ucberschwang findet sich natürlich auf der Gegenseite: so gibt es eine Karte des serbischen Professors Andonovitsch, auf der die Ser- ben bis an die Tore von Saloniki und über Sofia hinaus nach Osten reichen! Aber nicht nur die Gelehrten streiten sich darüber, ob die Bevölkerung Mazedoniens serbisch oder bulgarisch ist, die Be- völkerung selbst weiß es nicht! So gewinnt immer mehr die Anschauung Raum, die unseres Wissens Theobald Fischer vor einem Vierteljahrhundert zuerst ausgesprochen hat und die seitdem von einer Reihe Fachkenner bestätigt wurde, nämlich: daß es sich bei der Mehrheit der Bewohner Mazedoniens weder um Serben noch um Bulgaren handle, sondern nur um mazedonische Südslawcn ohne weitere natio- nale Ausprägung. Durch die jahrhundertelange Türkenherr- schaft ihres früheren Nationalbewußtseins beraubt, infolge ihres Analphabetentums zu einem neuen Nationalbewußtsein noch nicht erwacht, duseln sie im Dämmerzustand aller ge- schichtslosen Völker dahin, nennen sich, befragt, heute Serben und morgen Bulgaren und sind doch keins von beiden, weil sie erst dann, wenn die serbische oder bulgarische Schulpropaganda sie erfaßt, durch Kenntnis des Lesens in den Kulturkreis des einen oder anderen Volkes einbezogen werden. Eine Vor- stufe sind sie demnach zu Serben oder Bulgaren und ver- mögen sich ebenso leicht nach Sitten und Sprache in der Rich- tung des Serbischen wie des Bulgarischen fortzilentwickeln. Werden durch mazedonisches Gebiet also neue Grenzen ge- zogen, so bedeutet das keine nationale Vergewaltigung, denn die an Bulgarien fallenden Mazedo-Slawen werden von selbst in einem Menschenalter gute Bulgaren, die zu Serbien geschlagenen ebenso gute Serben geworden sein. Diese Tat- fache gibt die Voraussetzung für eine Verständigungsmöglich- keit zwischen Bulgarien und Serbien, und zwar könnte der Beuteverteilungsplan, den die Balkanstaoten 1912 abgcschlos- sen haben, Ausgangspunkt emer solchen Verständigung sein. Denn dann käme Serbien durch Nordalbanien bei Skutari oder vielmehr Giovanni di Medua an die Adria, da ohnehin der Durchbruch des Drin durch den dinarischen Wall hier das natürliche Seetor für die serbische Beckenlandschaft nördlich Mazedoniens erschließt, und könnte dann die fruchtbare Ebene mit Monastir, wie 1912 vorgesehen, an Bulgarien ab- treten, während es das Amselfeld mit Ueskiib in seinem Besitz behielte. Das wäre, in groben Strichen entworfen, die Grundlage eines Verständigungsfricdens, dem auch alle Sozialisten zu- stimmen können, soweit ihnen daran gelegen ist, nicht thcore- tische Stäubchensieberei zu treiben, sondern praktische Arbeit für den Weltfrieden zu leisten. Denn wie die von den Eng- herzigen als Friedensfordcrung aufgestellte föderative Balkan- republik vorläufig ein in den Wolken schwebendes Traumziel ist, so wäre der von den Weitherzigen vcrfochtene bulgarische Gefalsihte Nahrungs- unö Genußmittel. Von Th. Thomas, Frankfurt a. M. Die rationierte Zuteilung aller Lebensmittel, die wir als Grundpfeiler der Volksernährung ansprechen müssen, wie Brot, Kartoffeln, Teigwaren, Hülsenfrüchte, Fett, Fleisch, Butter, Bier und Milch hat es mit sich gebracht, daß eine Industrie aufkommen konnte, die zwar schon in Friedcnszeitcn nicht ganz unbedenklich war, jetzt aber zu einer Landplage geworden ist: die Lebensmittel- fälscher, die nichts weiter geben, als wertlose Ersatzstoffe. Die Po- lizei, der Staatsanwalt, die Gericht«, auch die Preisprüfungsstellen sind machtlos. Kaum haben sie das„Idol" gefaßt, kommt am nächsten Tag„Ideal", am dritten„Jduna" zum Vorschein. Ist der eine Fälscher unschädlich gemacht, übernimmt seine Rolle der zweite, und faßt man diesen am Kragen, steht schon der dritte für ihn im Geschäft, das zwei Häuser weiter links gelegt wird. Wie ist das möglich? Nur durch die große Unkenntnis, die gerade in diesen Dingen noch zu finden ist. Es gilt hier wie über- all das weise Gesetz: Nur die Ilufklärung kann solchen Spekulanten auf die Unwissenheit das Handwerk legen. Mit der wachsenden Einsicht kommt der Fälscher nicht mehr auf seine Rechnung. Das ist der beste Schutz. Käme noch hinzu, daß die Anzeigenblätter mehr Reinlichkeit walten ließen, den offenbaren Betrug nicht dadurch unterstützten, daß sie seine Werbetätigkeit durch große Inserate för- derten, dann könnte ein gut Teil dieser Ausbeutung verhütet werden. Was gibt es heute nicht alles an gefälschten, oft direkt schäd- lichen Ersatzstaffen, die weder Lebens- noch Genußmittcl sind, aber reißenden Absatz finden. Beginnen wir mit dem Oelcrsatz. Es ist eine alte Gewohnheit der Hausfrau, ihren Salat mit zwei Flaschen zu bearbeiten. Der einen Flasche entströmt Essig, aus der anderen möchte sie Oel hervorzaubern. Nun ist Lei nicht mehr zu haben, die alte liebe Gewohnheit aber ist geblieben. Hier setzen die Volksbe- glücker ein, sie bringen„Salatin",„Salatol" oder„Salatrinol" auf den Markt. Der Name wechselt täglich, der Inhalt nicht, der bleibt gleich minderwertig. Nimmt man eine solche Flasche„Ersatzöl" zur Hand, so hat man in Farbe und Masse den Eindruck richtigen Oels. Die Flüssigkeit ist dick und schwerfällig, am Glase bleibt ein fettiger Rand, zwischen die Finger gebracht, täuscht die Masse eine ölige Frieden erst nack> neuen maßlosen Opfern an Blut und Gut durchzusetzen und würde zudem keinen der feuerspeienden Krater auf der Balkanhalbinsel verstopfen. Vorwärts". Ein Phantasicgcspinnst der französischen Hctzprcsse. Das Geistesleben der französischen Nation ist mit Phantasiegcstalten chauvinistischer Erfindung reich bevölkert, und unter ihnen spielt„Iv Vorwärts" nicht die geringste Rolle.„Le Vorwärts" ist aber beileibe nicht der„Vorwärts", den unsere Leser kennen, sondern er ist etwas, was nirgends auf der Welt existiert, außer in den Spalten der französischen Hetzpresse. Von ihm aber ist täglich etwas Neues zu be- richten.„I-s Vorwärts" schreibt, Stockholm sei der Triumph Deutschlands,„1s Vorwärts" hetzt die russischen Soldaten zum Militärstreik auf,„ls Vorwärts" war bekanntlich bis vor kurzem annexionistisch gesinnt, er hat aber jetzt von Bcthmann Hollweg den Befehl erhalten, gegen Annexionen zu schreiben. All diesen„Feststellungen" und„Zitaten" folgt unweigerlich der Kehrreim:„Seht, so sind die deutschen Sozial'dcmo- traten!" Dem reichen Kranz sei eine neue Perle eingefügt. Kein gewöhnliches Boulcvard-Klatschblatt— das sehr ernste, sehr langstielige und staatsmännische„Journal des Tsbats" vom 23. Juni bringt ein Telegranim aus London, worin es heißt: Erst vor einigen Tagen gab der„Vorwärts" sts Vorwärts) zu, daß Deutschland die Verpflichtungen eines Friedensvertrags nur solange anerkck nen werde, als dieser seinen Interessen entspreche. Unsere Leser wissen, daß im„Vorwärts" niemals etwas Derartiges gestanden hat. niemals auch etwas, was von gesunden Gehirnen so verstanden und ausgelegt werden könnte. Wäre es nicht die Pflicht der„Humanitö", diesen chauvinistischen.,Vorwärts"-Schwindel einmal gründlich zu entlarven und ihn damit— wenigstens für alle an- ständigen Leute— ein für allemal zu erledigen? Stockholm. Die Neutralität üer Stockholmer Tagung. Ehristiania, 1. Juli.„Dagbladct" veröffentlicht eine Unter- redung mit dem anläßlich der gegenwärtigen Tagung der intpr- parlamentarischen nordischen Konferenz hier weilenden dänischen Minister S t a u n i n g. Dieser äußerte über das endliche Ziel der Stockholmer Konferenz u. a., der Zweck des Zusammenkommens neutraler Sozialisten in Stockholm sei nicht, Frieden zu stiften und eine neue Weltkarte auszuarbeiten, sondern beizutragen zur Sammlung und Verständigung der sozialistischen Parteigenossen der kriegführenden Länder zur Herbeiführung eines Friedens, der auf sozialistischen Grundsätzen beruhe, das Selbstbestimmungsrecht der Völker anerkennen, ein internationales obligatorisches Schieds- gericht einrichten und außerdem zur Sicherung eines dauernden Friedens womöglich die augenblickliche Abrüstung durchführen müsse. Gegenüber der Beschuldigung, er sei ein deutscher Regie- rungsagent, erklärte Stauning, die Wahrheit sei, daß die Stockholmer Konferenz so neutral sei, daß sie Widerwillen und Vcr- dacht bei beiden kriegführenden Parteien errege. Die Zorüerungen üer Ukrainer. Zu der so überickriebenen Notiz des„Vorwärts"(Nr. 163), die eine Meldung des„Pesier Lloyd" wiedergab, schreibt uus der Dele« gierte der sozialdemokratischen Ukrainer Oesterreichs, Genosse Temnyzkyj ans Stockholm: Unrichtig ist es, daß unser höchstes Ziel die Vereinigung der „russisch-volnischen" Ukrainer und der ungarischen.Kleinrussen" wäre. Es gibt weder„russisch-polnische" Ukrainer, noch ungarische „Kleinrussen"— es gibt nur zirka 30 Millionen Ukrainer, die bis jetzt in Rußland in der Russisch-Ukraina gelebt haben, zirka 3'/. Millionen Ukrainer in dem österreichischen Kronlande Golizien, zirka 300 000 Ukrainer in dem österreichischen Kronlande Bukowina und zirka 500(XX) Ukrainer in Nordungarn. Wir fordern, daß alle diese unter drei Staaten(Rußland, Oesterreich und Ungarn) ge- teilten Ukrainer in einen politisch und wirtschaftlich selbständigen Staat vereinigt werden. Daß wir an Polen keineswegs angegliedert werden wollen, ist nicht nur ganz richtig, sondern selbstverständlich. Unsere Mindestforderung ist vollständige kulturelle, politische und wirtschaftliche Autonomie in einem nationalen Staatenbunde Oester- Beschaffenheit vor und auf der Zunge einen ölartigen Geschmack. Die Hausfrau zahlt mit Wonne 5,80 M.; läßt sie aber das Zeug prüfen, was selten geschieht, so sagt ihr jeder Chemiker, daß sie nichts wie Pflanzenschleim, etwa aus Eibischwurzcl, in der Flasche hat, dem Essig und Zitronensaft zugesetzt sind, Dinge, die sich jede Köchin leicht selbst beschaffen kann. Die Mischung kostet wenige Pfennige, dem Hersteller ist am wertvollsten bei seiner Ware schließ- lich noch die Flasche. Neben dem Oel kommt„Milchpulver", oder was man heute dafür ausgibt, in vielen wertlosen Mischungen in den Handel. Die Namen bekannter Firmen werden von den Schwindlern vorgc- täuscht, der Durchschnittsmensch glaubt ihr früheres Erzeugnis zu kaufen. Im Anfang bekam man z. B. unter dem Namen„die Kuh in der Tüte" ein ganz brauchbares Trockenmilchpräparat aus Voll- milch, später war es freilich schon aus Magermilch. Heute ist aus der„Kuh in der Tüte" von anderen Nachahmern eine Mischung von Schlemmkreide, Holzmehl, Gips usw. geworden, ein scheußliches Zeug, das für hohen Preis auf Hintertreppen verkauft wird, obwohl man damit noch nicht einmal Messing putzen kann. Es etwa gar zur Kindcrnahrung zu verwenden, wäre bethlehemitischcr Kinder- mord. Es kann bei dieser Gelegenheit gesagt werden, daß auch die kondensierte Milch minderwertig geworden ist, da sie meist nur noch Magermilch enthält, und auch diese nicht mehr in der früheren Be- schaffcnheit. Das traurigste Spiel wird allerdings mit den Fleischcrsatz- und Suppenwürfeln getrieben. Zu welchen gutklingcnden Namen es das Kochsalz im Kriege gebracht hat, spottet jeder Beschreibung. In Wirklichkeit ist der Suppenwürfel heute weiter nichts wie Salz. Wenn sich ja etwas Pflanzenfaserstoff darin befindet, dann nur zu dem Zweck, damit das gefärbte Salz zu einem Würfel gepreßt wer- den kann und Kräutergeschmack bekommt. Von Fett keine Spur,. Wert hat das Zeug fast keinen, in einer Hand voll Wildgemüse ist sicher meist mehr Nährwert als in zehn Bouillonwürfeln. Das gilt in gleicher Weise von den dänischen und holländischen, wie von den deutschen Erzeugnissen,„Hühnerbouilloncrsatz" heißt es zur Vorsicht auf dem gedruckten Umschlag. Der Zentner Kochsatz, der heute mit 8,50 bis 9 M. bezahlt wird, bringt es in der Form des Bouillon- Würfels auf einen Preis von 3000 bis 4000 Mark. Der„Fleischersatz" ist nicht besser. Früher konnte man noch unter diesem Namen„Soyama" einhandeln. Heute ist dieses aus- reich-Ungarn sowie in ebensolchem nationalen Staatenbunde Ruß« land. Wir fordern also, daß Oesterreich-Ungarn in einen nationalen Staatenbund und ebenso Rußland in einen solchen ausgebaut wird. wobei in einem wie im anderen Staatenbunde die demselben an- gehörenden ukrainischen Gebiete vereinigt werden und einen Bundes- staat bilden sollen. Was die nationale Personalautonomie im Sinne der in Renners Buch entwickelten Ideen anlangt— so verlangen wir die Anwen- dung derselben aus die nicht zu vermeidenden nationalen Minder- beiten in jedem der zu bildenden nationalen Bundesstaaten als die beste Sicherstellung der Minderheilsrechte. Der Kampf um üie russische tzeeresüisziplin. Kercnski läßt Truppen gewaltsam entwaffnen. Petersburg, 30. Juni.(Petersburger Telegraphen-Agcntur.) Nachdem alle Mittel der Ucberredung gegenüber den Schützen der 12. und 13. Division, die sich am 28. Juni weigerten, einen Befehl zur Umbildung durchzuführen, erschöpft waren, wurde die Ortschaft Juhow, in der sich die erwähnten Schützen befanden, gemäß der Weisung des Kriegsministcrs Kercnski von Kavallerieiruppcn umzingelt. Nachdem eine Batterie zweimal in den Ort gefeuert hatte, ging die Kavallerie zum Angriff Über, worauf sich ungefähr fünfhundert Schützen ergaben und ent- waffnet und abgeführt wurden. Es kam zu keinem Blutvergießen. Der Kosakentag gegen Sonüersrieüen. Der allgemeine Kosakentag hat einstimmig einen Beschluß an- genommen, der nachdrücklich jeden Gedanken an einen Sonderfrieden zurückweist und auf der Notwendigkeit besteht, den Krieg im engen Einvernehmen mit den Alliierten bis zum vollständige» Siege fort- zusetzen. Der Beschluß tadelt scharf die Fahnenflüchtigen, erklärt sie als Verräter und fordert die Bevölkerung auf, die Freiheitsanleihe zu unterstützen. Havas berichtet aus Petersburg: Ter allgemeine Kosaken- kongrcß genehmigte mit allen gegen eine Stimme die nachfolgende Resolution über die Agrarfrage: 1. Sämtliche Landestcile, die gegen- wärtig Kosaken gehören, stellen ein historisches Erbgut dar, das in deren Besitz zu verbleiben hat; 2. alle im Gebiete der Kosaken ge-. legencn Ländereien, die von der früheren Regierung an Privat- Personen verabfolgt worden waren, ebenso aller Grundbesitz des Staates und der Kirche sollen den ursprünglichen Eigentümern zurückerstattet werden; 3. die im Kosakengebiet liegenden und die den Bauern gehörenden Ländereien sollen im Besitze der Bauern bleiben. französische Truppen aus Saloniki zurückgezogen. Die Römische„Tribuna" meldet, eine der ersten Folgen der Kriegserklärung Venizelos an die Zentralmächte sei die Zurück- ziehung der französischen Streitkräfte aus Griechenland. Die fran- zösischen Truppen sollen an die Westfront gebracht werden, da Griechenland die beiden Jahrgänge 1916 und 1917 mobilisierte. Die griechischen Truppen werden fortan die Franzosen in Saloniki ersetzen. Von französischer Seite wurde vor kurzem offiziell mitgeteilt, daß nach und nach gegen 60 000 Mann an Sarrail-Truppen in die Heimat beurlaubt werden sollen. Eine Kriegsziel-�nsrage im Unterhause. Die„Neue Zürcher Zeitung" berichtet aus London: Im Unter« hause fragte der Deputierte King an, ob Balfour wisse, daß man in Rußland den Text des Geheimvertrages mit Ruß- land und Rumänien veröffentliche, ob Großbritannien an dem Abschluß dieses Vertrages teilgenommen habe, ob die lerri- torialen Zugeständnisse, die darin Rumänien gemacht würden, einen Teil der englischen Kriegsziele bildeten und ob Rumänien, wie es dieser Vertrag vorsehe, als Großmacht an der Haager Konferenz teilnehmen soll. Balfour antwortete: Wenn es sich bei diesem Vertrag um ein geheimes Dokument handelt, so kann man es nicht in öffentlicher Sitzung besprechen. Der Bericht verkündet Lachen. Die irischen Kundgebungen in Cork. Die„Morning Post" berichtet aus Cork vom 24. Juni über die dortigen Sinnfeiner-Kundgebungent Bei dem Eintreffen der freigelafienen Osterrebellen wurde auf dem Gerichtsgebäude die Flagge der Republik aufgezogen, die Bild- säule der Justitia zerstört und die Fenster des Gerichtsgebäudes und der britischen Werbcstelle zertrümmert. Am Nationaldenkmal ländische Produkt fast ganz verschwunden, nur seine Name spukt noch in den Ersatzmitteln in allerlei Abwandlungen umher. Was man als Fleischersatz bekommt, ist in der Regel weiter nichts als Rückstände minderwertigster Art. Betrachten wir uns das„Eipulver", das mit dem Ei nur die gelbe Farbe gemein hat. Farben erzeugen wir in Deutschland be» kanntlich immer noch genügend, die chemischen Fabriken haben daran keinen Mangel. Unsere Hausfrauen lassen sich, wie beim Oel von der Farbe, so auch beim Eipulver von der bekannten gelben Tönung verführen, ihre sauer verdienten Groschen für solches Ersatzmittel auszugeben, das keinerlei Nährwert hat, vielleicht geradezu schäd- lich ist. „Bakol", der Stolz jeder Hausfrau,„Bakan",„Backaus". Ohne Butter, Eier und Fett den schönsten Kuchen... Wer da nicht zu- greift, müßte ja blöd sein. Scbnell in den Laden, ehe der twippe Vorrat ausverkauft ist. In der Tüte hält man dann ein undeffnier- bares Etwas mit einem Zettel, auf dem zu lesen steht, man müsse Graupen oder Mais mahlen, oder so etwas ähnliches, das Pulver vermischen, und der Kuchen sei fertig. Es stellt sich heraus, daß das Zeug ein ganz gewöhnliches Backpulver ist, das weder Geruch noch Geschmack, sondern nur die beliebte gelbe Farbe und einen unverschämten Preis hat. Auch die Wurst wird gefälscht. Wurst war schon immer Ver- trauenssache, jetzt wird sie öfters zu einem Mißtrauensvotum. Wenn du meinst, es ist Speck, ist es Haarwuchs oder ein Stück von der Gurgel oder sonst ein weißes Stück ungenießbarer Abfall. Die Mannigfalt, worunter man den Blättermagen versteht, wird heute als Kutteln verarbeitet usw. Leider hat daran auch die Eigenrcgie der Städte nicht viel geändert, auch dort wird die Wurst die reine Rätselecke. Sln Stelle richtigen Mehls wird Holzmehl gemischt. Die Sache mit den Kölner Bäckermeistern ist allen in guter Erinnerung. Aber nicht nur im heiligen Köln hat man solchen unbeiligen Handel ge- trieben, aucb in Süddeutschland hat diese feine Ware viele Kunden gefunden. Das ersparte Mehl alten Stils wird dafür als teure Auslandsware dos Pfund zu 2,80 M. an Konditoreien abgegeben. Mag es für heute genug sein. Wir haben wenig zu essen, aber daß das wenige auch noch verhunzt wird, das braucht« nicht zu sein. Zu Beginn des vierten Kriegsjahres lasse man es genug sein des grausamen Spiels I(z) fand eine Versammlung statt, bei der NnibersttatZprofessor Gtockrez heftig gegen das irische Abkommen sprach. Der zum Tode verurteilte und begnadigte Osterrebell Walsh betonte, wenn die Iren irgendwelchen Ausgleich, der nicht die vollständige Unab- hängigkeit brächte, annähmen, so begingen sie Verrat an den Männern, die für die irische Freiheit ihr Blut hingegeben hätten. Man solle hart bleiben und das Pulver trocken hallen. Eine von der Versammlung angenommene Entschlietzung bezeichnete das irische Abkommen als einen Versuch der eng- tischen Regierung, Irland vor der Welt in ein falsches Licht zu setzen und ein Bemühen, Irlands Ansprüche auf eine o u v e r ä n e U n a b h ä n g i g ke it nicht v o r die Fried ens- Ions erenz gelangen zu lasten, und verlangte die Erwählung von wirklichen Vertretern des Jrenvolkes auf der Grundlage des all» gemeinen Wahlrechts. Sei Cernp unö bei Letts. Französischer Heeresbericht vom 30. Juni nachmittag?. Nord- östlich von Cernh erneuerten die Deutschen vergangene Nacht ihre Angriffsversuche. Sie machten aus La Novelle zwei starke Angriffe, bei denen brennende Flüssigkeiten verwandt wurden. Nach lebhaftem Kampf sagten sie in einem durch Be- schiegung vollkommen eingeebneten Vorsprung Fug. Der Artillerie- kämpf war in der ganzen Gegend von Avoeourt und am Toten Mann von äußerster Heftigkeit. Gestern machten wir gegen Ende des Tages westlich der Höhe 304 einen �Gegenangriff, der uns einen Teil der vorher vom Feinde eroberten Gräben zurückgab. Gleichzeitig eröffneten die Deutschen westlich vom Toten Mann auf einer Front von über zwei Kilometern eine starke Unter- nehmung. Unsere Soldaten leisteten den wütenden Angriffen der ..Stoßtruppen"(vom französischen Generalstab gebrauchte deutsche Bezeichnung), die unser Feuer fast vernichtet hat, mit der größten Tapferkeit Widerstand. Ter Feind, dem es zuerst gelungen war, auf der gesamten Front in unsere erste Linie einzudringen, wurde an den meisten Punkten durch unsere tatkräftigen Gegenangriffe zu- rückgedrängt, außer an den Hängen westlich des Toten Mannes, wo er sich behauptete. Wir machten achtzig Gefangene, die vier Regi- mentern angehören. In der Champagne scheiterte ein kräftiger feindlicher Hand- streich westlich der Navarin-Ferme vollkommen. Englischer Heeresbericht vom 30. Juni nachmittags. Außer der Einbringung von Gefangenen und Maschinengewehren hatten die� Unternehmungen bei L e n s ein wichtiges Vorschieben unserer ganzen Front in einer Breite von vier Meilen und einer Tiefe von mehr als einer Meile zur Folge. Als Ergebnis unserer Angriffe wurde eine Reihe von stark ausgebauten Verteidigungs. anlagen auf beiden Ufern des Souchezflusses, die die Stadt Lens decken, genommen. Unsere Truppen erreichten jedesmal ihr ganzes Ziel unter geringen Verlusten und fügten dabei dem Feinde be- trächtliche Verluste zu. Stellungen von großer Stärke und tak- tischcr und strategischer Wichtigkeit sind in unsere Hand gefallen. Der Krieg auf öen Meeren. Innerhalb oder außerhalb? Kopenhagen, 27. Juni.„Barlingskc Tidende" meldet, daß der dänische Schoner I v i g t u t auf der Reise von Grönland nach Dänemark, also in inländischer Fahrt außerhalb des Sperrgebietes versenkt worden sei. Wie W. T. B. von zuständiger Stelle erfährt, ist das Schiff auf 61 Grad 47 Min. Nördl. Br. und 6 Grad 3 Min. Wcstl. Länge, also innerhalb des Sperrgebietes, versenkt worden. Zwang zum Katholizismus. Preußisches aus großer Zeit. Auf Beschluß des Kammergerichts hatte sich am 26. Juni die 13 o ch u m e r Strafkammer mit einer Erziehungsfrage von grund- sätzlicher Bedeutung zu beschäftigen. Das Scböstengericht halte die Ehefrau Bockholt aus Bochum zu 20 M. Geldstrafe verurteilt wegen Schulversäumnis ihres achtjährigen lkindes. Frau B. lebte in gemischter Ehe und hatte von ihrem katholischen Mann die schrist- liche Zusicherung erhalten, daß die aus der Ehe hervorgegangenen Kinder evangelisch erzogen werden sollten. Durch die Schuld des Mannes wurde die Ehe g e- schieden. Er kümmerte sich auch nicht um den Unterhalt von Mutter und Kind. Pei Erreichung des schulpflichtigen Alters meldete die Mutter das evangelisch getaufte Kind zum Besuch der evangeli- schen Schule an, wurde aber von der Schulbehörde ab- und vom Voemundschaftsrichler angewiesen, das Kind zur katho- lischen Schule zu schicken. Das tat sie aber nicht, weil sie annahm, dazu nicht verpflichtet zu sein. Auf Anordnung der Königlichen Regierung zu Arns- berg fand die vorläufige Aufnahme in die evangelische Schule statt, die das Kind regelmäßig besuchte. Von dem im Felde befindlichen Vater forderte das Vormundschaftsgericht eine Willenserklärung über die religiöse Erziehung des Kindes ein. Dieser widerrief die frühere Erklärung und bestimmte die Er- ziehung im katholischen Glauben. Vor der Strafkammer machte die Frau mit Recht geltend, daß ibr geschiedener Mann, da er gar nicht für das Kind sorge, auch keinerlei Interesse an der religiösen Erziehung des Kindes habe. Durch die Anmeldung zur evangelischen Schule sei sie ihren Verpflichtungen nachgekommen. Diesen Standpunkt teilte die Strafkammer und sprach die Frau frei. Auf Grund der eingelegten Revision wies das Kammergericht unter Aufhebung dieses Urteils die Sache an die Strafkammer zurück, indem es ausführte, daß die Mutter, trotzdem ihr nach dem Ausgang des Ehescheidungsprozesses die elterliche Gewalt über das Kind zustand, nicht über dessen religiöse Erziehung zu bestimmen habe. Darüber sei maßgebend die Deklaration von 18(13, die für Westfalen seit 182ö gelte. Danach sei für die religiöse Er- ziehung des Kindes der Water maßgebend, wenn sich in gemischler Ehe nicht eine andere Einigung vollzogen habe. Diese sei früher vorhanden gewesen, aber nach der neuerlichen Erklärung des Vaters fortgefallen. Das Kind müsse katholisch erzogen werden. Diesem Spruche gemäß änderte nunmehr die Bochumer Straf- ikammer ihr Urteil, indem sie die Berufung der Frau kostenpflichtig verwarf und ihre Verurteilung durch das Schöffengericht bestätigte. Schulvcrsäumnis liege vor. Das Kind hätte müssen zur katholischen �Schule geschickt werden, da über die religiöse Erziehung des Kindes det Vater zu bestimmen und die Ehescheidung daran nichts ge- ändert habe. Abgesehen davon, daß zur Zeit des Beginnes der Schulpflicht de» Kindes die erste Erklärung des Mannes noch vorlag, worin die evangelische Erziehung bestimmt wurde und die anderweitige Willenserklärung erst n a ch t r ä g l i ch erfolgte und die Richtigkeit des Urteilsspruches recht fraglich erscheinen läßt, beweist eben dieser Prozeß, ivie dringend eine innere Reforin auch auf diesem Gebiete in Preuße» nötig ist. Daß aus Grund einer so alten Deklaration Urteile gefällt werden müssen, die jedem gesunden Empfinden im Volle ins Gesicht schlagen, ist eben— preußisch. Hoffentlich wird auch dieser Plunder bald in den Orkus verschwinden. Von Rechts wege»l Sparzwang für privatangestellte. Bargeldlose Gehaltszahlung. Das Bestreben einzelner großindustrieller Betriebe, den Be- reich ihrer„Wohlfahrtseinrichtungen" zu erweitern und neben den Arbeitern auch die kaufmännischen und technischen Angestellten zu erfassen, hat bei der Firma Siemens u. Halske und den Siemens-Schuckert-Werken wiederum zur Gründung einer merkwürdigen Spareinrichtung geführt. Man hat die„Spar- bank Siemensstadt G. m. b. H." begründet. Gegen Ende Juni erhielten die Angestellten mit über 300 Mark Gehalt ein Schreiben der Firma, in dem es u. a. heißt: „Weiter haben wir beschlossen, den bargeldlosen Verkehr da- durch zu fördern, daß wir einer Reihe unserer Angestellten ihre Bezüge an Gehalt, Teuerungszulage usw. nicht mehr bar aus- zahlen, sondern am Fälligkeitstage bei der Sparbank gutschreiben. In diesem Sinne beabsichtigen wir auch Ihnen bei der Sparbank Siemensstadt ein Konto eröffnen zu lassen....... Die Gutschrift des Gehalts auf dem Ihnen bei der Spar- bank zu errichtenden Konto soll Ende Juni d. I. zum erstenmal erfolgen......." Dann folgt noch die Mitteilung der Konto-Nummer, lieber- reichung eines Scheckbuches, der Bankbedingungen usw. Die Siemens-Firmen bringen es also fertig, unter dem Deck- mantel einer Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, ihren Angestellten einfach das freie Verfügungsrecht über ihr Gehalt zu beschränken und sie ohne jede vorherige Befragung in den Mitgliederkreis ihrer Fabrikfparkasse einzureihen. Auch der Ange- stelltenausschuß ist in keiner Weise gutachtlich gehört worden. Es wird natürlich versichert, daß der Angestellt« das Recht hat, die Beträge jederzeit abzuheben. Es fällt aber erfahrungsgemäß un- angenehm auf, wenn einer der mit einem Sparkonto freundlichst bedachten Angestellten jetzt nachträglich den ausdrücklichen Verzicht auf die Fortführung des ohne seinen Willen eingerichteten Kontos ausspricht. Mit Recht hat eine von etwa 1800 Siemens-Angestellten be- suchte Betriebsversammlung, die am 29. Juni in den Germania- Sälen tagte, gegen diese Bevormundung der Angestellten Einspruch erhoben. In richtiger Erkenntnis derartiger Wohlfahrtseinrich- tungen hat die Versammlung auf die schweren sozialen Bedenken der Fabriksparkassen hingewiesen und sich entschieden gegen die zwangsweise Aufnahme in die„Sparbank Siemensstadt" gewandt. Vor allem aber nehmen die Siemens-Angestcllten das Recht in Anspruch, etwaige Ersparnisse, auch wenn sie nur zeitweise vor- Händen sind, nach eigenem Entschluß dort anzulegen, wo eS ihnen auf Grund ihrer sozialen Grnndauffassung zweckmäßig er- scheint. Wenn dabei von der Versammlung erklärt wurde, daß kein Grund vorliege, Angestelltcngelder einem rein kapitalisti- schen Industrieunternehmen zuzuführen, sondern genossen- schaftlich organisierte Anlagen der Arbeitnehmer zu fördern seien, so zeugt das von der wachsenden sozialen Erkenntnis, die infolge der wirtschaftlichen Not neuerdings auch in Angestelltenkreisen immer deutlicher zu Tage tritt. Soll für üie Kriegsbeschädigten gesammelt werdend Der Reichsaussckiuß der Kriegsbcschädig» tenfürsorge sendet der„Nordd. Allgem. Ztg." eine längere Zuschrift, in der er auseinandersetzt, daß die staatlickie und die freiwillige Fürsorge einander ergänzen müssen. Er denke nicht daran, das Reich von seinen Pflichten entlasten zu wollen. Aber auch bei denkbar günstigstem Ausgang des Krieges und bei weitherzigster gesetzlicher Regelung ist es vollkommen ausgeschlossen, aus gesetzlichem Wege allein in jedem Falle so zu helfen, wie es unserem vaterländischen Emp- finden entspricht. Jede gesetzliche Regelung trägt notwendig etwas Schematisches an sich und ist in ihrer Starrheit außer- stände, dem Bedürfnis und der Dringlichkeit des Einzelfalles ge- recht zu werden. Die Praxis der bürgerlichen Kriegsbeschädigten- fürsorge hat erwiesen, daß nur zu oft Fälle übrigbleiben, in denen schnell und weitgehend geholfen werden muß, wie es eben nur die freiwillige Liebestätigkeit kann. Auch die vom Kricgsministcrium bewilligten Ergänzungs- reuten des Härtcausgleichsfonds können nicht völlig ausreichende Hilfe bringen. Dies geht schon aus den zurzeit für die Be- willigung dieser Ergänzungsrenten maßgebenden, naturgemäß enggezogenen Grundsätzen hervor. Dann denke man auch an die Fälle derjenigen kranken oder sonstwie beschädigten Kriegsteilnehmer, die nach dem Gesetz ohne Rente entlassen werden müssen (Renten lose) und daher vielfach ganz auf die freie Liebes- tätigkeit angewiesen sind. Nach der Auffassung des Reichsausschusies ist also das Elend, das der Krieg zurückläßt, so groß, daß ihm durch die staatliche Fürsorge allein gar nicht abgeholfen werden kann. Was er dazu ausführt, ist die schärfste Kritik der staatlichen Fürsorge. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt: Sind die Gesetze und staatlichen Einrich- tungen unzureichend, so müssen sie abgeändert werden. Das gilt auch für die Fälle, in denen ein Mann tatsächlich als Kriegsbeschädigter zurückkehrt, ihm aber nach dem Gesetz trotz- dem keine Rente zusteht. Der Anspruch der Kriegsbeschädigten auf ausreichende Hilfe an das Reich ist ein Rechtsanspruch, dessen Cha- rakter durch keine noch so gut gemeinte Liebestätigkeit abgc- schwächt oder verdunkelt werden darf! Lette Nachrichten. Eine neue Rede Lloyd Georges. London, 1. Juli. Lloyd George sagte in einer Rede in Dundee: Wir haben die gewaltige deutsche Armee unter die Erde getrieben, und es mutz eine große Erniedrigung für das deutsche Heer sein, daß es sich in Erdlöchern verstecken mutz. Das ist eine Kaninchen- t a k t i k und bedeutet, daß wir das Gefühl der Unterlegenheit in jede Pore des deutschen militärischen Geistes hineintreiben. Wenn die Tugend der Demut den Preußen mit unerbittlicher Unnachgiebigkcit gelehrt wird, so ist das gut für die Zeit des Krie- ges, no�E» besser für die Zeit nach dem Frieden. Spanien und die U-Boote. Madrid, 30. Juni.(Agence Havas.) Eine nach einem Mi- nffterrat veröffentlichte amtliche Note gibt bekannt, daß das deutsche Unterseeboot, das in Cadix Zuflucht gesucht hatte, heut« morgen in aller Frühe den Hafen verlassen hat, bis zur Grenze der Hoheitsgewässer von zwei spanischen Torpedobooten begleitet. Madrid, 30. Juni.(Reuter.) Der König hat ein Dekret unter- zeichnet, durch das den U-Booten der kriegführenden Mächte die Fahrt in den spanischen Gewässern und das An- laufen spanischerHäfen verboten wird. Solche U-Boote werden für die Dauer des Krieges interniert werden. GroßSerün Aus den städtischen Hospitälern. In Nr. 335 des„Vorwärts" vom 6. Dezember 1916 haben wir bei Besprechung von Vorgängen in den Hospitälern einen Fall erwähnt, wonach ein Hospttatit infolge von Morphiumeinspritzungen verstorben sei. Der Fall wurde von den sozialdemolratijchcu Ver- tretern der Fraktion in der Deputation zur Sprache gebracht und sollte weiter verfolgt werden. Hierbei hat sich nun berausgestellt, daß eigentümlicherweise die Akten, die in- folge der Vernehmung des Oberpflegers W. und der Zeugen angelegt worden waren, spurlos verschwunden sind. Der' Fall selbst stellt sich folgendermaßen: Ein Hospitalit, der scbon mehrfach ungeberdig sich benahm, betrug sick auch am 24. August 1916 äußerst renitent und schlug um sich. Vier Wärter versuchten ihn zu halten. Um ihn zu beruhigen, gab ihm der Oberpfleger innerhalb von �4 Stunden 4 Morphiumspritzen. Am 25. verstarb der Hospitalit. Die ärztlichen Ansichten, öS die gegebenen Morphiumspritzungen den Tod herbeigeführt oder be- sckileruiigt hatten, gingen auseinander. Bemängelt wurde, daß dem Pflegepersonal derartige weitgehende Befugnisse, ohne ärztliche An- Weisung zu handeln, gegeben worden sind. Im November 19l0 ist dann ein Ministerialerlaß erschienen, wonach das Applizieren derartiger Spritzen nur nach ärztlicher Vorschrift erfolgen darf. Dementsprechend sind auch im Hospital Buch Anweisungen gegeben worden, so daß zu hoffen ist, daß sich ein derartiger Fall nicht wiederholt. Um stets ärztliche Hilfe zur Hand zu haben, hat i» Abwesenheit des Arztes vom Hospital, ein Arzt der benachbarten Irrenanstalt die Vertretung zu übernehmen. Dcni Oberpfleger W. wurde am 15. Juli anläßlich dieses Falles gekündigt. Die Verpflegung in den Hospitälern wurde bemängelt, von den Magistratsverrrelern aber erklärl, daß seitens der Verwaltung alles geschehe, man müsse aber berücksichtigen, daß die Ernährung der ge- samten Bevölkerung doch auch leider zurückgegangen sei. Besondere Fürsorge für die Kinder von Rüstnngs- arbeiterinnen. Die Landesversicherungsanstalt Verlin hat, wie uns von zu- ständiger Seite mitgeteilt wird, einen Betrag von 50 000 M. zur Förderung der Kinderfürsorge zur Verfügung gestellt. Es handelt sich vornehmlich um die Fürsorge für Kinder von Müttern, die in. der Rüstungsindustrie arbeiten. Die Durchführung der Fürsorge soll durch den unter Leitung des Stadtrats Sassenbach arbeitenden Kriegsausschuß geschehen, dem Vertreter der Landesversicherungs- anstalt Berlin beilreten werden. Da nach einem von der Kriegs- amtsstelle in den Marken aufgestellicn Plan für eine wirkungsvolle Durchführung der Kindersürsorge 100 000 M. erforderlich sind, hat die Landesversicherungsanstalt Berlin die bestimmte Erwartung aus- gesprochen, daß die Stadtgemeinde Berlin, die restlichen 50 000 M. ausbringen wtrd._ Land- oder Secaufenthalt für Kinder. Der Verband der Deutschen Damen- und Mädchenmäntel- Fabrikanten hat, wie„Der Konfektionär" mitteilt, beschlossen, auf seine Kosten 400 bis 500 Kinder von Meistern und deren Heimarbeiterinnen einen Land- oder See- aufenthalt von drei bis vier Wochen zu verschaffen. Berücksichtigt werden vor allen Dingen Kinder von Meistern oder Heimarbeite- rinnen, deren Vater im Felde steht. Gustav Schmoller wurde gestern nachmittag auf den Höhen von Westend unter großen Ehrungen, die seinem Wirkungskreise Aus- druck gaben, zur letzten Ruhe bestattet. Die schwierigsten Wochen der Volksernährung. Ein Berliner Lokalblatt, das sehr fleißig aber nicht immer mit geeigneten Mitteln die Stimmung der Bevölkerung zu beleben versucht, verabreicht seinen Lesern diese Beruhigungspille: Wir stehen jetzt in den schwierigsten Wochen der Lebensmittelversorgung und dürfen die begründete Hoffnung hegen, daß in kurzer Zeit, wenn das Gemüse reichlicher zufließt und die neuen Kartoffeln erntrefsen, die jetzt ungcnü- gende Ernährung sich wesentlich bessern wird. Für die allernächsten Wochen wird es leider noch lvcni- ger Kartoffeln geben als in den letzten Wochen. Da- gegen können wir mitteilen, daß jetzt für einen regelmäßigen Eingang des Fleisches gesorgt worden ist, und zwar soll dies- mal sogar besonders gutes Rindfleisch ciugetroffen sein, auch mehr Schweinefleisch als bisher. Ersatz für die fehlenden Nah- rungsmittel wird nach Möglichkeit durch Teigwaren und Brot ge- währt werden.— Die städtische Volksspeisung kann in den nach- stcn Wochen ebenfalls nur weniger inhaltrcichcs Essen liefern und wird deswegen von der Äartoffelkarte nur noch zwei Ab- schnitte abtrennen. An Stelle von Kartoffeln werden in dem Essen in größerem Umfange Kartoffelwalzmehl, Kartoffelflockcn sowie Teigwaren und Getreidefabrikatc verwendet werden. Das Verhalten der Berliner Bevölkerung ist wahrhaft bewunderungswürdig, aber daß es so bleiben kann, dazu ist eiu gewisses Mindestmaß materieller Voraussetzungen schlechthin unentbehrlich. Berliner Lebensmittelnachrichten. In dieser Woche dürfen zunächst aus die zwei weißen Ab- schnille 62e der Kartoffeliarte höchstens 1 Pfund Lkartofseln cnt- nommen werden. Wer bis Freitag, den 6. Juli einschließlich, das Pfund Kartoffeln nicht zu erhalten vermag, ist berechtigt, dafür 100 Gramm Gebäck zu entnehmen. Als Ersatz für die restlichen 4 Pfund Kartoffeln kann auf die 6 schraffierten Ab- schnitte 62�— 62c und die zwei weißen Abschnitte 62d bei einer Brotverkaufsstelle in Berlin unter gleichzeitiger Vorlegung einer Berliner Lebensmittelkarte höchstens 400 Gramm Gebäck entnommen werden. Auf die Kartoffelzusatzkarten dürfen 2 Pfund Kartoffeln oder 200 Gramm Gebäck abge- geben werden. In derselben Weise dürfen auch M i l i t ä r u r- l a u b e r, falls sie aus ihre Karten Kcrrtdffeln nicht erhalten können, für jeden Abschnitt über Vi Pfund Kartoffeln je 5 0 Gramm Gebäck entnehmen. Fricdrichsfclde. Eicraufkäufer. Der Gcmeindevorstand macht bekannt: Für unsere Gemeinde sind vom Kreise Nicdcrbarnim fol- gende Eieraufkäufer bestellt worden: R u m p, Berlin-Karlshorst, Prinz-Adalbertstraße 28, Gustav Räder und Auguste Räder, Bcrlin-Friedrichsfelde, Wilhelmstraße 25, Frau Marie Gocrke, Bcrlin-Friedrichsselde, Prinzcn-AIlee 48. Die Eieraufkäufer er- teilen über die erhaltenen Eier Bezugsscheine für vorzugsweise Berücksichtigung bei Verteilung von Geflügclsutter. Aus je 10 ab- gelieferte Eier wird bis auf weiteres 1 Pfund Gcflügclbacksuttcr geliefert werden. Die Untersainmelstellen werden der Kreissamniel- stelle wöchentlich Nachweisungen über die Zahl der in unserer Ge- meinde gesammelten Eier einreichen. Das Geflügclsutter soll uns dann durch die Untersammelstelle Berlin-Oberschöneweide zugeführt werden. Für andere Hühnerbesitzer, die Eier nicht abliefern, wird unserer Gemeinde Futter nicht mehr zur Verfügung gestellt. Spandau. Gcmiisckonservcn-Vcrkauf. Heute. Montag, beginnt in den hiesigen Geschäften der Verkauf von Gemüsekonserven. Gegen Abtrennung von Feld 9 der alten Lebensmittelkarte kann 1 Pfund Gemüsekonserven entnommen werden. Die Geschäfte haben den Verkauf durch Aushang bekannt zu geben. Die gesammelten Felder sind bis spätestens Sonnabend.- den 7. Juli cr� im Zimmer 345 des Rathauses einzureichen. Feld 9 der alten Lebensmittelkarte verliert mit Ablauf von Freitag, den 6. Juli, seine Gültigkeit. Der Magistrat verordnet: Auf Grund des? 1 der Verordnung über Lebensmittelkarten vom 12. Januar 1917 wird hierdurch be- stimmt, daß bis auf weiteres sämtliche Lebensmittel, für welche keine besondere Verbrauchsregelung eingeführt ist, in den hiesigen Geschäften nur gegen Vorlegung der für die hiesige Stadt geltenden Lebensmittelkarten verabfolgt werden dürfen. Dies gilt nicht nur für die Geschäfte, sondern auch für die Wochenmärkte. Ein klägliches Schwcinegcschrei verriet gestern eine geheime Schlächterei cm der Landsberger Allee. Leute, die durch das Ge- schrei auf einem mit Buden und Schuppen besetzten freien Platz aufmerksam gemacht wurden, benachrichtigten die Polizei des lW. Reviers. Die Beamten entdeckten aus dem Platze in einem Schuppen, der zu einem.Schweinestall eingerichtet war, 18 halbe Schweine, die frisch geschlachtet waren und noch 8 Geschlinge, be- schlagnahmten alles und brachten das Fleisch zur Untersuchung nach dem Schlachtiwf. Ter Inhaber des Schuppens, ein Kauf- mann, Geschäftsreisender und Schlächter Schneider aus der Straß- mannstraße 19, ein alter Hehler, der früher geswhlene Sachen auf Laubengclände unterzubringen und von dort aus zu verkaufen pflegte, wurde verhaftet. Er erklärte, daß«r 12 Schweine am vergangenen Donnerstag auf dem Magerviehhof gekauft habe, um sie weiter zu füttern. Er habe sie aber schlachten müssen, weil sie plötzlich erkrankt seien und er gefürchtet habe, daß sie eingehen würden. Es wurde ihm jedoch nachgewiesen, daß er auch vorher schon einen schwunghaften Handel mit Schweinefleisch getrieben hat. Schneider besaß auch ein eigenes vollständiges Schlächterwerk- zeug und hatte einen zweiten Mann zur Seite, der ihm beim Schlachten half. Das fehlende Fleisch und Geschlinge hatte er auch schon wieder verkauft. Die Entdeckung und Aushebung der Schlächterei verursachte einen großen Auflauf«uS der Nachbar. schaft. Ein Faustschlag beim Spiel. Unter verdächtigen Ilmständen ist der 19 Jahre alte Schüler Alfred Golletz aus der Kochhann- straße 49 gestorben. Der Knabe wurde am Donnerstagabend von der Mutter im Klosettraum der Wohnung besinnungslos auf- gefunden und starb schon auf dem Wege nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Er hatte über Kopfschmerzen geklagt und er- zählt, ein Mitschüler habe ihm beim Spielen mit der Faust ins Genick geschlagen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Pockcnstatistik. Im Mai wurden in Berlin 21 und im Juni dieses Jahres 17 Pockenerkrankungen gemeldet. Todesfälle an Pocken kamen in beiden Monaten nicht zur Meldung. Postscheckverkehr. Wolffs Bureau schreibt: Die Erkenntnis von der Notwendigkeit, den Goldbestand der Reichsbank zu schonen und dafür in möglichst weitem Umfange den bargeldlosen Zahlungs- verkehr zu fördern, bricht sich immer mehr Bahn. Einen Grad- messer hierfür bildet die Entwicklung des Postscheckvcrkchrs. Bei den Postscheckämtern des Reichs-Postgebiets sind im Juni auf Ueberweisungen wöchentlich im Durchschnitt 849 Millionen Mark, also weit mehr als eine halbe Milliarde Mark, den Postscheckkonten gutgeschrieben worden gegenüber 399 Millionen Mark auf Zahl- karten. Der Ueberweisungsverkehr war mithin um ein Drittel stärker als der Zahlkartenverkehr. Im gleichen Zeitraum des Vor- jahres hatte der Zahlkartenverkehr mit 289 Millionen Mark den Ueberweisungsverkehr noch um 29 Millionen Mark überstiegen. 1914 sind die entsprechenden Zahlen für Zahlkarten 295 Millionen Mark und für Ueberweisungen 156 Millionen Mark gewesen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich die dem Postschcckverkehr noch fernstehenden Kreise entschließen würden, � u r Einschränkung de s Bargeld Umlaufs dem Postscheckverfahren best zutreten. Sie erfüllen damit eine vaterländische Pflicht. Lemniiift) Bleger Ine Mement, NN 4. Die Zwischen- bnü Eni- schcidungs laufe im Memento 1914 und im Großen Hauptpreis für Flieger haben der Radrennbahn in Treptow den erwarteten Massenbesuch gebracht. Tie Vorläufe zu diesen beiden Rennen wurden bereits mn vorigen Sonntag ausgefahren. Neben den Plazierten aus den Vorläufen Bauer, Janke, Krupkat und Pawke wurden noch Przyrcinbel und Schipke zu den Zwiscbenläufen des großen Danerrennens zugelassen. Für den an Furunkel erkrankten Janke sprang Lewanow als Ersatzmann ein. Der Entscheidungs- lauf vereinigte dann Bauer, Krupkat, Lewanow und Przyrembel am Start, die sich recht scharfe Kämpfe lieferten. Letvanow, der ein gleichmäßiges Nennen fuhr, brachte den reichen Preis mit nur 39 Meter Vorfpning vor Bauer auf sein Konto. Im Großen Hauptfahrcn für Flieger erwies sich erwartungs- gemäß Rütt als der beste Mann im Felde; er gewann den Eni- scheidungSlaus leicht vor Lorenz. Ein Entschädigungsfahren für die Nichtplazicrten gewann dann Rudel im guten Stil vor Behrendt. Resultate: Memento 1914: 1. Zwischenlauf über 89 Kilometer: 1. Bauer 46 Min., 29 Sek., 2. Lewanow 149, 3. Schipke 1699 Meter zurück; 2. Zwischenlauf über 59 Kilometer: 1. Przyrembel 46 Min., 14 Sek., 2. Krupkat 799, 3. Pawke 6139 Meter zurück; Eni- scheidungslauf über 59 Kilometer: 1. Lewanow 46 Min. 51 Sek., 2. Bauer 39, 3. Krupkat 399 Meter, 4. Przyrembel weit zurück.— Großes Hauptfahren über 999 Meter: 1. Zwischenlauf: 1. Rütt 1 Min., 4 Sek., 2. Hoffmann, 3. Schräge; 2. Zwischenlauf: I. Lorenz 1 Min., 9 Sck.� 2. Rudel, 3. Behrendt; Entscheidungs- lauf: 1. Rütt 1 Min., 23 Sek., 2. Lorenz, 3. Hoffmann, 4. Schräge. — Entschädigungsfahren über 1299 Meter für die Nichtplazicrten aus dem Großen Hauptfahren: 1. Rudel 2 Min., 18 Sek., 2. Beh- rendt, 3. Kops, 4. Ncinacs. „Die ledige Ehefrau." Unter diesem etwas verfänglichen Titel wird im.Herrnfeld- Theater" ein Berliner Schwank von Milo-Halton(Text) und Josef S n a g a(Musik) dargeboten. Das alte Motiv— Neffe, der, Zahnarzt ohne Praxis in diesem Falle, sich heimlich verheiratet hat, obwohl er vom Geldbeutel eines reichen Onkels abhängt, dem nun selber noch der.zweite Johannistrieb" im Blut zu gären be- ginnt— wird hier zum xtcn Male verarbeitet. Provinzlerische Aufmachung stellt da freilich an das waschechte Berlinertum ziem- lieh starke Geduldanforderungen. Indessen befteundet man sich eher mit der Musik, die, ohne zwingende Originalität, melodiös und gefällig instrumentiert ist. Im Mittelakt wird sogar mit wenigstens einem halben Dutzend recht wirksamer Walzerkouplcts aufgewartet. Der Erfolg dürfte sich wohl einstellen, sobald das Spiel-Tempo „sitzt", womit es bei der Erstaufführung noch bedenklich haperte; denn die Hauptrollen haben in den Herren Busch, Wellhoff, Herm, sowie in den Damen Arwah, Holms und Rawa stimmlich und dar- stellerisch annehmbare Vertreter. Warum aber der Berliner Dia- lekt allzu willkürlich, um nicht zu sagen provinzhaft, verwässert wird, oder warum gar BertholdRose, der's wirklich nicht nötig hätte, unseren kreuzbraven— Tielscher so auffällig kopieren muß, ist nicht einzusehen._ e. k. WitternngSanSstchten für bas mittlere Norbbeutfchland bis Dienstag mittag. Vielfach heiter, aber noch veränderlich, besonders im Südosten leichte Rcgenfülle, stellenweise Gewitter. Am Tage mäßig warm, in der Nacht zum Dienstag ziemlich kühl. Groß-Oerliner partemachrlchten. Bezirksorganisation Grosz-Verlin. Am Donnerstag, d e n 5. I u l i, abends 8 Uhr, findet im Lehrervereins- h a u s, A l e x a n d e r st r. 41, eine Versammlung statt, in der die Kohlenverforgnng km kommenden Winter besprochen wird. Referent ist Stadtverordneter Ad o l f Ritter. Eintrittskarten sind bei den Vorstandsmitgliedern zn haben. Der Bezirksvorstand. Der Sozialdemokratische Berein für den NcichStagswahlkrcis Nirdcrbarnim(S. P. D.) hatte am Sonnabend eine außer- ordentliche Generalvers«in m l u n g, die zum btwor- stehenden Parteitag in Würzburg Stellung nahm.> Vorsitzende, Arbeitersekretär Hermann Müller, teilte mit, daß seit der letzten Versammlung Tegel zu den Bezirken des Vereins hinzu- gekoiiiincn ist. Mit einer Mehrheit von zwei Dritteln wurde der Anschluß an die Partei beschlossen. In Groß-Berliu nimmt die Organisationstütigkeit crireulichen Fortgang. Daß der Bezirks- vorstand seine beiden weiblichen Mitglieder zur Frauenkonserenz delegierte, erklärt sich daraus, daß in der maßgebenden Zeit keine Be- zirkstagung notwendig war. Sonst wären auf einer solchen die Delegiertiunen gewählt worden. Genosse S ch l e m m i n g e r verwies auf die Bedeutung der Gemeindcvcrtreterkonfcrnz für Niederbarnim, die einzurufen er beauftragt ist. Es kommt dabei wesentlich mit in Betracht, daß die Lebensmittelverteilung in Nicdcrbarnim sehr der Reform bedarf. Größte Beteiligung der Gemeindevertretcr ist erwünscht. Genosse Domnik gab eine eingehende Uebersicht über die Arbeiten der Pretzkommission für den„Vorwärts". Er konnte dabei feststellen, daß der Erfolg des Boykotts nicht der gewesen ist, den sich die Unabhängigen davon versprochen haben. Zudem hat die Abonnenten zahl seit dem März wieder einen erfreulichen Aufschwung genommen. Sie steigt wieder ständig. Genosse Domnik berichtete weiter über den Wiederaufbau der Jugendbewegung. Genossin W u t s ch k e betonte, daß es zukünftig nicht wieder vorkommen dürfe, daß der Bezirksvorstand als Delegiertiunen zu einer Frauenkonferenz einfach feine beiden weiblichen Mitglieder bestimnie. Zum Parteitag in Würzburg sprach dann Genosse Arbeitcrsekretär Hermann Müller. Unter anderem führte er aus: Wenn der Parteivorstand schon vor zwei Jahren den Parteitag einberufen hätte, dann wäre es vielleicht besser gewesen. Es hätte sich gezeigt, daß die Mehrheit hinter der Reichstags- fraktion steht. Wir sind uns einig, daß die Geschlossenheit der Partei eine Notwendigkeit ist. Und wir sind uns auch einig hin- sichtlich der Landesverteidigung und darüber, daß man zu dieser auch die nötigen Mittel bewilligen muß, wenn man sie für not- wendig hält. Die Versammlung stimmte einhellig einem Antrag aus Weißensee zu, wonach der Parteitag den Parteivorstand be- auftragen möge, dafür zu sorgen, daß die„Neue Z e i t" von Parteimitgliedern im Sinne der Partei geleitet werde. Als Delegierter zum Parteitag wurde einstimmig der Genosse Arbeitersekretär Hermann Müller gewäblt. Die Statutenberatung wurde von der Tagesordnung ab- gesetzt._ Mus aller Welt. Dampfer Himalava gesunken. Einem HavaS-Telegramm vom 1. Juli aus Paris zufolge sank der Dampfer Himalaya im Mittel- meer am 12. Juni infolge einer Explosion. Es hefanden sich 294 Personen an Bord, 176 konnten gerettet werden. Verantwortl. f. Volitlk: Dr. gran, TIcdcrich, Berlin.Friedcnau: ft>r d, übriflen Teil des Blattesi Alfred Scholz, Nculölln! für Jnfsrale! Th. Klocke, Berlin. Druck u. Verlag' BorwürlS Buchdruckerei u, Verlagsanflall Paul Singer 6r Co., Berlin SW. fiilmirals-PalasL Abrakadabra großes phantastisches Ballett auf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt �Tft�lb��oraüg�cüch� Legen unreines Blut zum Ausscheiden aller Schärfen aus den Säften gibt es nichts Besseres als Apotheker Lauenstein's Re. „oVationSPillen, ganz besonders bei Ausschlägen, GesschtSblüten, roter Haut, Flechten, Blutandrang u. 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Juli 1917, von den Teilnehmern an der Volksspeisung von der Kartoffelkartc abzugeben: Bei Entnahme einer ganzen Portion 2 Abschnitt«, bei Entnahme einer halben Porlion 1 AbschnitL Die Anrechnung der Rcichsfleischkarte bleibt unverändcrL Da infolge des großen Mangels an'Kartoffeln eS nicht möglich lein wird, Kartoffeln in dem Essen zu verabreichen, werden in grösserem Um- fange als bisher Kartoffelwalzmehl, Kartoffetflocken, sowie Teigwaren und Gctreidesabrikate verwendet werden. Berlin, dm 29. Juni 1917. Magistrat Abteilung für Volksspeisung. D o s I e i n. 2122' WtidWsWfMsml 1292* für die Ztgarettmindusirie wird eingestellt ZHgspeUenfskHk Garbaiy Pankow, Hadlichstrasze. Dreher, Schlosser und Hobler sucht Maschinenfabrik Baase, Neukölln, Weserstr. 175. 117A' r...... Mnnitionssabrik F. Gaebert, Berlln-I-anksvlt», Charlottenstr. 31. Wcchcngmilihcr°°d Hicdianiktt Maschinenschlosser Motorenschlosser Eisendreher sucht Maschlnenfabr» �01� SCllWager, Waldemars"'. 55. 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