Ar. 179. 34. Jahrg. RbonnementS'BedlnsangeD; HlomremcntS• Prell rttamnerortbo BiettcIiäStl 8.90 BS, monafl. 120 MI. wöchsnllich 80 Psg. frei tnä feaiii Einzelne Nummer 6 Ptg, konnmgl. Nummer mit üluftttencr 6oumaq4" Sciloge.Die Neue Seit* 10 Sita. Polt» vbonnememi ILO Marl vro Monat. Eingetragen in die Pojt.ZcMtng!. Pretslilte- Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.Ö0 Marl, für das übrige Ausland « Marl vro Monat. Postabonnement» nehmen an Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Kuitiaiiien. Schweden und die Schweis iklchei». ldgllch. Vevlinev Vollisblnkk. die Inlertlonz-lZedilh? betrüg l für die sechsgesvaltene«olonel- felle oder deren Raum eN Psg..'für dolililche und gewerlschasiliche Berein». und Bersamutlung». Anzeigen 80 Big. .kllrine Snreigen", das tellgedruckle Eort 20 Big. szulässtg 2 ieligedruiile «Sortes. jedes weitere B-ori 10 Big. Stellengesuche und Schlafslellenas» »eigen das erste Wort 10 Psg., jede» vettere Wort 5 Psg. Worte über 15 Luch- slaben zählen sür zwei Worte. Fnjerate lür die nächste Nummer müssen bis 5 Ulir nachmittags in der Exvedition ebgegeden werben. Die Exheoition ijt bis 7 Uhr abends gcöfjnet. Delegranim-Adreljet �»ÄslllewsMl llelllb". Tentralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deut fch lau da. Neöaktion: Sw. 65, Linüenstraße 3, Fernsprecher: Amt Moritzplan. 9tt. 151 90—151 97. für gleiches Recht in preußenl Ein Ruf an öle Regierung— eine Mahnung an öas Volk! Folgende Erklärung wird uns übermittelt: „Ter grohe Äampf, in dem das deutsche Volk steht, ist noch nicht beendet. Die Unterzeichneten haben bisher meist der Auffassung gehuldigt, dah die Lerhcistungc» der Kaiser- lichen Osterbotschaft, zur Vermeidung gar zu harter innerer Kämpfe, in Vereinbarung mit den konscrvn- t ivcn Element c n des öffentlichen Lebens durchzuführen seien. Aber der Widerstand, der von dieser Seite ge- leistet wird, ist so stark, das? Zweifel entstehen muhten, ob übcr�haupt die O st erbot schaft nach Abschluh des Friedens ihrem Geiste nach voll zur Ver- wirklichung gelangen werde. Einsal cherZw ei feli st hcuteunerträglich. Um das deutsche Volk in dem Vertrauen zu erhalten, ans das es ein Recht hat, ist es notwendig, ohne Verzug die Hand a n s W e r k z u l c g e n. Wir stehen daher nicht an, die Forderung des Tages öffentlich zu erheben: das; die Regierung dem Landtage unvcrwcilt eine Wahlreform vorlege, dic ni'cht nur das all. gemeine, direkte und geheime, sondern auch das gleiche Stimmrecht bringt, unb dast die Regierung auch sonst dem Vertrauen wirk- samen und sichtbaren Üht sdllr u M ff ch e§ das deutsche Volk verdien t." i-•• W. Juni 1917. Prvfffsor Hans Delbrück, ObcrbürgertyRster T o m i n i» c u s, Profesivr Emil Fisch er,. Wirkl. Geh.-Rat, Ad. von H n r n a ck, Wirkl. Geh.-Rat, Professor Friedrich M e i n e ck e, Gras M o n t s, Botschafter a. D., Professor Walter N r r n st, Dr. Paul Rahrbachs Dr. Friedrich T h i m m e, Professor Ernst T r o c I t s ch. »• * Es sind Männer von anerkannt konservativer Grundausfassung, die diesen geschichtlich bedeut- samen Aufruf unterzeichnet haben. Aus solcher Be- grenzung erklärt sich auch die verhältnismäßig geringe Zahl von Unterschriften. Sonst könnte man mit den Namen von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die alle aus dem gleichen Standpunkt stehen, Seiten füllen. Denn heute sind alle Menschen in Deutschland, deren Gedanken nicht auf wirtschaftliche Sonderintercssen oder überlebte Partei- schablonen festgenagelt sind, einig in der Ucberzeugung, daß es so lvie bisher nicht weiter geht! Der Mut der Unterzeichner, die mit ihrem B c- kenntnis an die Oeffentlichkeit getreten sind, ist an- erkenncnswcrt und verdient Nachahmung. Wir glauben, Grund zur Annahme zu haben, daß das gute Beispiel, das sie gegeben haben, nicht vereinzelt bleiben wird. Möge es kein Stcinwurf in den Sumpf sein, sondern ein erster Stein, der eine große, heilsame, notwendige B e- >v e g u n g ins Rollen bringt I Als wir in vergangenen Friedenszeiten den Kampf um das gleiche Recht in Preußen aufnahmen, war es unser verstorbener Genosse Paul Singer, der als erster erklärte:„In diesem Kampfe soll jeder unser Kamerad sein, der sich mit uns für das gleiche Ziel Schulter an Schulter stellt." Und ähnlich erklärte int„Vorwärts" vom 24. Juni Genosse Scheidcmann zur Notwendigkeit der Demokratisierung Teutschlands das folgende: Zu dieser Einsicht sollten sich heule alle politisch Weitblicken- den Männer und Frauen Deutschlands vereinigen, gleichviel, wie sie sonst in einzelnen Fragen zu denken gewohnt sind. In diesem Punkte mutz e» heitzen: Es gibt keine Par- t e i e n mehr, es gibt nur ein Volk, das seine Lebens- Notwendigkeit erkannt hat und danach ohne jedwede Rücksicht auf einzelne Personen lediglich um der Sache willen handelt. Niemand soll verkennen, daß in dieser Zeit eine gewisse Unruhe durch das Volk geht. Ihre Ursachen sind bekannt und nicht mit cineni Federstrich zu beseitigen. Aber gerade unter solchen Umständen bedarf es kl a r e r 3 i e l s c tz u n g e n und des Bewußtseins, daß die gesetzten Ziele auch crrc ich- bar sind. Ein vernünftiger Kranker erträgt alle� Leiden, die unvermeidlich, und alle Eingriffe, die zu seiner Heilung not- wendig sind, mit Geduld. Jede vcrnieidbare Störung seines Befindens, jeder überflüssige Druck auf seine Wunden erregt aber seine Stimmung aufs äußerste., Darum ist es klug, wenn Männer, die ihrer.Stellung nach sich aus- den breiten Massen hervorheben, dem Volke zeigen, daß sie für seine Leiden und Wünsche nicht ohne Ver- ständnis sind. Sie wissen und erklären es: Jetzt muß alles fort, was, ohne notwendig zu sein, schmerzt, bedrückt und be- engt. Tie Fesseln der staatsbürgerlichen Rechtsungleichhett sind nicht notwendig, sie sind im Gegenteil unerträglich, sie, müssen früher oder später doch beseitigt werden. Sie weiter drücken zu lassen, und Leidende mit Versprechungen zu trösten, ist s i n n 1 0 s e Q u ä l e r e i. Wir haben aber auch noch einen anderen Grund, den mutigen Bekennern für ihre Erklärung dankbar zu sein. Für Brot und Freiheit haben wir immer gekämpft, aber wer kann verkennen— und wer findet es nicht menschlich so überaus erklärlich— daß das Brot interesse beute weitaus überwiegt? Breite Massen, die noch nicht zu klarem politi- schen Denken erwacht sind, sehen nur die Not des Heute und nicht die große Notwendigkeit des Morgen. Die Gefahr ist gegeben, daß das politische Denken des Volkes in den schweren Nöten des Tages, statt sich zu schärfen, abstumpft, daß die Schwungkraft erlahmt, der auf hohe Ziele gerichtete Blick ge- trübt wird. Daraus entsteht dann eine Stimmung, die für Ereignisse, wie die von Düsseldorf, Stettin und a n d e r e n O r t e n, ein fruchtbarer Boden ist. Auch in dieser Beziehung komnit der Aufruf zur rechten Zeit und darf er als Symptom einer heilsamen EntWickelung begrüßt werden. Mit Brot-, Kartoffel- oder Kirschenkrawallen ist für das Ganze nichts geschafft, aber einzelnen viel geschadet. Eine in gesetzlichen Formen auftretende starke und ziel- bewußte V o.l k s.b.e w.e g u n g kann unter den heutigen Um- ständen unermeßliche Bedeutung erlangen, sie kann Wunden schließen, Blutströmc zum Versiegen bringen und die Heilung der kranken Welt einleiten durch die heiliame Tat! Eine solche Bewegung wird aher desto rascher zum Ziel führen, sie wird desto reibungs- und gefahrloser verlaufen, j.e toeniger sie Klassen- und Parteibewegung, je mehr sie wirklich im allerweftesten Sinne des Wortes Volksbewegung ist. Klassenbewegungen und Klassenkämpfe werden dadurch nicht aus der Welt geschafft, werden, aber ihre schärfsten Schärfen werden beseitigt sein,>�venn sich herausstellt, daß es in Augen blickender Gefahr doch etwas wie ein Band gemeinsamer Erkenntnis und gemeinsamen Wollens gibt. Die Regierung schuldet den Unterzeichnern eine Er- klärung ihrer Absichten, nicht nur weil jene die Träger ge- achtetcr Namen sind, sondern viel mehr noch, tveil hinter ihrer Forderung dicgroßeMassedesdeutschenVolkcs steht. Und da darf es nur eine Antwort geben, die aber nicht nur eine Antwort bloßer Worte ist! Die Regierung inuß sie erteilen, und wenn sie sich hinter Voiwände und Ausflüchte versteckt, dann muß mit ihr noch viel lauter irnd viel deutlicher geredet werden. Ein Anfang ist gemacht, und jetzt heißt es für alle, die gleichen Sinnes sind: Durch! Das Enöe öer Republik China? Rückkehr der Mandfchudynastie. Das Reutersche Bureau meldet aus Schanghai, daß der junge Kaiser Hsuantung seine Thronbesteigung verkündet hat. Eine zweite Rentermeldung, die aus Peking kommt, sagt: General Tschang-Schun, der Führer der Militärpartei, suchte am 1. Juli um V Uhr morgens den Präsidenten auf und verlangte seinen Rücktritt, wobei-er ihm die Mitteilung machte, daß der Mandschukaiser Hsuantung den Thron wieder bestiegen hat. Ein Abkömmling der entthronten Mandschudynastie ver- kündet in der Republik China seine Thronbesteigung und der Führer der Militärpartei, die den Kaiser gemacht hat, suchtüber Nacht den Präsidenten der Republik zur Strecke zu bringen. Bedeutet dieser Staats st reich für die Kxise des Reiches der Mitte eine Entwirrung oder ei« Nock) ärgere Berknäulung? Zunächst liegen keine An- zeichen vor, die eine Antwort ermöglichen. Es sei aber daran erinnert, daß die monarchische Bewegung, die vor annähernd zwei Zahren Jüanschikai zum Kaiser erhob, in den Bereinigten Staaten ihren eifrigsten Förderer und in Japan ihren ent- schiedenen, Widersacher hatte. Tanials ist der Versuch schließlich dennoch mißglückt, die schon vollzogene Llaisertvahl wurde wieder rückgängig ge- macht und den Abschluß des Spiels bildete der jetzt ein Jähr zurückliegende Tod Jüanschikais. Soll die nunmehr versuchte Verkaiserlichung Chinas das Mittel sein, durch das die Wilsönpolitik das große' Reich für die amerikanischen Zwecke—' die Zwecke' der Enttnte—„einigen"' zu können hofft?_ Stockholm. Die russische /Iborönung unterwegs. Petersburg, 1. Juli.(Petersburger Telegraphen-Ageniur, Mit- leilung des Arbeiter« und Soldatenrates.) Heute sind als Ab- geordnete der Arbeiter- und Soldatenräte die Mitglieder des Voll- zugSauSschuffeS des Arbeiter« und Soldatenrates Goldenberg, R 0 s a n 0 f f und S m i r n 0 f f ins Ausland abgereist. Das nächste Ziel ist Stockholm, dann wird ein Teil der Abordnung nach Eng- land, Frankreich und Italien gehen. Die Abgeordneten sind er- mächtigt, im Namen des Arbeiter- und Soldatenrates und des. Voll- zugsausschusses in Vorbesprechungen mit allen sozialistischen Par- teicn einzutreten._ fin öen Gräbern öer Revolutionsopser. Die Kundgebung vom 1. Juli. Petersburg, 2. Juli.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Eine große Kundgebung auf dem M a r s f e l d c an den Gräbern der Opfer der Revolution wurde vom Arbeiter- und Soldatenrat und gleichlaufend von den Maximalisten veranstaltet. Die Kadettenpartei nahm an ihr nicht teil. Die Minimalisten und der übrige Teil der ge- mäßigteren Demokratie bildeten die Minderheit in den Auf- zügen. Da die Mitglieder der Mehrheit mit ihren Bannern in den Zügen vorherrschten, hatte die Kundgebung einen rcgienlngsfeindlichcn friedensfreundlichen Anstrich. Auch einige bewaffnete Anarchisten beteiligten sich. Tie Mehrheit der Petersburger Bevölkerung zeigte sich gleichgültig. Die Kundgebung, die um 2 Uhr nachmittags endete, hatte viel weniger Teilnehmer als die vorhergehenden Kundgebungen. Abgesehen von einigen Tumulten, bei denen die Maximälfftcu die Banner der Minimalisten fortrissen. kaM.cK zu kc«em ernsten Zwischenfall. « Die Petersburger Telegraphen-Agentur ist sichtlich be- müht, die'Kundgebung, die ans' einem �schlliß deß, KM- grosses der'Arbeiter- und Soldatenräte heÄorging, M-ver- kleinern. Aber das Wichtigste läßt' sich weder.'verschwetMN noch ins Gegenteil verdrehen: d i e si r 0 tz e K u n d g e b u n g galtdcmZieledesFriedens. Zur Lage in Helgien. Amtsniederlegungen belgischer Ministerialbeamter. Wolfis Bureau meloet aus Brüssel: Täglich mehren sich die Anzeichen dafür, datz die Amisnieder- legungen, die von einem Teil der belgischen Ministerialbeamien Ivegen der Verwaltungstrennung erklärt wurden, durchaus nicht in allen Fällen die Folge einer freiwilligen Eni- scheidung sind. Vielmehr scheinen gewisse ehrgeizige Persönlichleiten, die sich selbst vorsichtig im Hintergrunde halten, von sicherem Ver- steck aus andere ins Feuer zu schicken. Es liegt ihnen nichts daran, datz nur die Familien der Beamten und die belgische Bevölkerung den Schaden eines solchen Vorgehens tragen. Selbstverständlich wird die Durchführung der Verwaltungstrennung durch diese belgischen Quertreibereien weder unterbrochen noch verhindett werden. Die deutsche Verwaltung hat ihre Matznahmen getroffen. Auch wird der Generalgouverneur, wo immer es notwendig erscheint, mit strengen Mitteln gegen offenkundigen Widerstand ein- schreiten. Die belgischen Ueberpatrioten werden bald gewahr werden, datz sie mit ihrem halsbrecherischen politischen Treiben nur ihr eigenes Land zu schwerem Schaden bringen. Die Ausführungen des Wölfischen BureauS lasten erkennen, datz eS sich um einen geheim organisierten Widerstand gegen die Trennung der belgischen Verwaltung in einen flämischen und einen wallonischen Teil handelt und datz dieser Widerstand, da er autzcrordentliche Matz- nahmen.in Fluß bringt, ein zäher sein /mutz. Der Friedenswille in Oesterreich. Eine stürmische Debatte im Herrenhaus. Während ansonsten die Reden im österreichischen Herrenhaus sanft dahinplätschern und mitzer Raum und Zeit stehen, gab es diesmal bei der Beratung des Budgetprovisoriums Sturm. Die Erschütterungen des Krieges sind so grotz, datz sie auch die wohl temperierte Ruhe dieser Versammlung stören.'..: Zwei Vertreter der Vcrfassuugspartct(Fürst AuerSperg und Graf Thun-Salm) griffen lebhaft die Tschechen an, denen sie Hochverrat vorwarfen. Den Beschuldigten entstanden aber in ihren Landsleuten Göll und Forscht beredte Anwälte, die zwar einzelne bedauerliche Verfehlungen zugeben mutzten, sich aber mit Recht gegen tendenziöse, vergifieiide.Pauschnlvcrdächtigungen Verlvahrten, sich mutig des bekanntlich zu langer Kerkerstrase begnadigten jung- tschechischen Führers Kramarsch aunahmen. und sichlietzlich sogar von einzelneit. deutschen Vertretern, so von dent Straf-, und Völkerrechtslehrer Professor L a in m a s ch Sulkurs erhielten..Tie zweite Redeschlacht tobte zwischen den Polen und dem Generalobersten DankD Die Polen verteidigten ihre Beamten gegen die Be- schuldigung der Lässigkeit, der Generaloberst wollte es nicht wahr haben, datz die verfehlte Verwaltungstäiigkeit der Militärbehörden die Rustenliebe der Bevölkerung genährt habe. Der Berichterstatter Freiherr v. Plencr. gab zu, datz im Prozetz Kramarsch ei» Prozetz gegen den Panslawismus geführt worden sei. Zur polnischen Frage erklärte er, daß auch er de» Die russischen Verluste übersteigen jede? bisher bekannte Maß; einzelne Verbände find aufgerieben. LängS des Stochod und am Dnjrstr hielt die lebhafte Feuer- tätigkeit der Rüsten an. Nördlich der Bahn Kamel— Luck brach ein Angriff dcS Gegners vor der Front einer Ssterrrich-ungari- schen Division zusammen. vej den anderen Armren keine besondere» Ereiguiffe. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i n, 2. Juli 1917, abends. Im Westen nichts Neues. Im Osten sind bei Konjuchy russische An- griffe zusammengebrochen und weiter «ördlich neue Kämpfe entbrannt. Ter österreichische Bericht. Wien, 2. Juli 1917.(W.T.B.) Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Gestern hat der Feind zwischen dcrRarajowka und der S t r» p a seine zusammengeballten Jufautcriemassen in der ihm eigentümliche» Art voll in die Schlacht geworfen. Ungeachtet der schweren Verluste, die ihm schon unser Artilleriefeuer zugefügt hat, schob er seine Sturmwcllen durch fortwährende» Einsan dichter Reserven in den Nahkampfbereich heran. Allmählich kamen mindestens 20 Jnfanteriedivisone« zum Ein- greifen. Au der ganzen 59 Kilometer breiten Schlachtfront tobte der Jnfanteriekampf mit äußerster Heftigkeit und Erbitterung-, hierbei wurde der Feind größtenteils schon vor unseren vordersten Gräben abgewiesen. Die stärksten Massenstöße richteten sich gegen die Räume südlich Brzezany und K o n j« ch y, wo sie in Riegelstellungen abgewehrt wurden. Alle auch in den heutigen Morgenstunden mit Zähigkeit erneuten Versuche des Gegners, den Angriff in diesen Räumen vorzutragen, brachen äußerst ver- lustreich zusammen. Westlich von Zborow und im Stochodknie konnte sich ein angesetzter Angriff in unserem Artilleriefeuer nicht entwickeln. Die Fortdauer der Ichlacht ist zu gewärtigen. An anderen Frontstellc» nur vorübergehend auflebendes Artillerie- und Mineofeucr. Italienischer und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Außer einer schneidige» Unternehmung des österreichischen Landsturmbataillons IV/2 westlich Riva, bei welcher 16 Alpini aus den feindliche Gräben geholt wurden, ist nichts Wesentliches zu berichten. Ter Ehcf dcS Generalstabes. da« Bilintki verirelenen LösungSversuch. eine Einverleibung LeZ mit Galizren vereinigten Königreiches Polen in die öftereichifch- ungarische Monarchie stets als den richtigen angesehen habe. Er müsse aber hinzufügen, dah die Verwirklichung dieser Absicht das Verdienst der Mittelmächte war und die Polen de? Königreichs für die Befreiung ihres Landes von der Ruffenherrfchait nichts ge- lau haben. Wohl beachtet verdienen die Worte des Freiherrn von Plener über de» Friedenswillen Oesterreich- Ungarns und über seine Belänipfung durch die Berliner All- deutschen zu werden: .Di« hiesige Leitung der äußeren Angelegenheiten führt eine Friedenspolitik. Im großen und ganzen ist im Deutschen Reiche auch eine solche Stimmung. Aber sagen wir es offen, es gibt im Deutschen Reiche auch andere Strömun- gen, Strömungen expansiver Art. die trotz des drei- jähngen Krieges noch immer von großen Erwerbungen und Ex- Pausionen des Deutschen. Reiches sprechen und daher ein Anbahnen des Friedens aus den gegenwärtig einfachen Formeln, wie sie jetzt in Diskussion stehen, pcrhorreszieren. Wie stark diese Strömungen in Deutschland sind, vermag ich und auch die meisten von uns ahsolui nicht zu vczeichnen� sie bestehen aber und sind nicht zu unterschätzen. Sic vermehren die Schwierigkeiten der verantwortlichen Männer der deutschen Reichsregrerung und darum ist die Haltung der deutschen Rdcheregieruiig. wenn sie in die mit unseren Zielen gemeinsame, gemeinschasiiiche Richtung einlenkt, um so anerkennenswerter. Täuschen wir uns nicht: Die allgemeinen Friedcnsideen, die man vier namentlich in den früheren Jahren offiziell so gering- schätzig und verächtlich behandelte, spielen einmal in der öffentlichen Meinung der westlichen Staaten seit Jahren schon eine gctiVisse Rolle und ich glaube, daß die Haltung der Diplomatie der beiden Zentralmächte, die aus den beiden letzten Haager Kon- ierenzen tatsächlich eine Ablehnung aller derartigen intcr n atio aalen B c st r c b u n g e n bedeutete, uns in der äffe ii tli wen Meinung jener Länder und Völ- ker wesentlich geschadet ha t." In Teutschland hat die üble Gewohnheit eingerissen, die österreichischen Palamcntarier in Grund und Boden zu verdammen, weil sie an dem fatalen Uebel kranken, nicht immer B zu sagen, wenn die Regierung A gesagt hat. Unabhängige Beobachter werden mit Befriedigung feststellen, daß sich die österreichischen Reichs- ratSmitgliedcr in schätzenswertem Umfange ihre geistige Freiheit gegenüber ängstlichen Zensoren und vor allem auch gegenüber der Kriegshysterie gewahrt haben und nur wünschen, daß es nicht bei einer bloßen Kritik aus reiner Vernunft bleibe, sondern daß sich die Parlamente auch als wirksame Schritt- macher des Friedens und der Neuorientierung Oesterreichs bewähren. Allgemeine politische Amnestie in Gesterreich. Wien, 2. Juli. Im Justizausschuß des Abgeordneten- hauseS verlas der Ministerpräsident Dr. Ritter v o n S e i d- ler folgendes kaiserliches Handschreiben: Es ist Mein unerschütterlicher Wille, die durch ein« göttliche Vorsehung Mir anvertrauten Rechte und Pflichten in der Weise auszuüben, daß Ich die Grundlagen schaffe für eine gedeihliche und segensreiche Entwicklung aller Meiner Völker. Die Politik des Hasses und der Vergeltung,'die durch unklare Verhältnisse genährt, den Weltkrieg auslöste, wixd nach dessen Beendigung unter allen Umständen und überall ersitzt werden müssen durch eine Politik der Versöhnlichkeit. Dieser Geist muß auch im Innern des Staate» vorwalten. Es gilt, mit Mut und Einsicht und in wechselseitigem Entgegenkommen Völfcrwünjchc zu befriedigen. In diesem Zeichen der Versöhnlichkeit will Ich mit Gottes mächtigem Beistand Meine Regentcnpflichten üben und will als Erster den Weg milder Nach- ficht betreten über alle jene bedauernswerten politischen Ver- irningcn, die sich vor und während des Krieges ereigneten und die zu ftrafgerichtlicheu Verfolgungen führten, den Schleier des Ver- gessens breiten. Ich erlasse den Personen, die von einem Zivil-«der Militär- qericht wegen einer der folgenden im Zivilverhältnis begangenen strafbaren Handlungen verurteilt worden sind, die verhängte Strafe: Hochverrat(ssls 58— b'2 St.-G.>, Majestätsbcleidigung lß 6.?), Beleidigung der Mitglieder des Kaiser. lichrn HauseS(A 64), Störung der it ff e n t l i ch r n Ruhr 1« 65), Aufstand(«» 6�-72). Aufruhr(«§ 7J_75), gewaltsames Handeln gegen eine van der Regie- rung zur Verhandlung öffentlicher Angelegen- heitcn berufene Versammlung, gegen ein Gericht oder «ine andere öffentliche Behörde(Sg 76, 77, 80), ferner strafbare Handlungen nach Artikel l, II und IX des Gesetze» vom 17. De- zembcr 1862, Reichsgesctzblatt 8 vom Jahre 186,?, vorschublristung zu einem der angeführten verbrechen(Ag 211— 219). Nicht nur wegen einer der bezeichneten strafbaren Handlungen will Ich die Strase. nachsehen, wenn die anderen strafbaren Hand- hingen entweder verhältnismäßig geringfügig sind oder einen vor- wiegend politischen Charakter haben. Ist das Strafverfahren noch nicht rechtskräftig be- endet, so verfüge Ich die Einstellung und Abbrechung des Verfahrens, wenn es nur wegen der eingangs bezeichneten strafbaren Hand- lungen eingeleitet ist. Von dieser Gnade sollen jedoch alle Personen ausgenommen sein, die sich der Verfolgung durch Flucht ins Ausland ent- zogen haben, zum Feinde übergegangen oder nach Aus- bruch des Krieges nicht in die Monarchie zurückgekehrt sind. Zugleich mit der Strafe erlasse Ich die kraft gesetzlicher Vor- schritten als Folge der Verurteilung eingetretene Unfähigkeit, be» stimmte Rechte Stellungen und Befugnisse zu erlangen sowie ven Verlust des Wahlrechtes und der Wählbarkeit in önentlichc Körperschaften. Ich erwarte mit Zuversicht, daß alle Meine Völker, dem Bei- spiele folgend, das insbesondere die Deutschen und ihr« Vertreter durch ihre maßvolle, die StaatSinteresscn fördernde Haltung auch bei den jüngsten parlamentarischen Verhandlungen zu Meiner lebhaften Befriedigung gegeben haben, sich in gemeinsamer Arbeit zur Lösung aller jener großen Aufgaben zusammenfinden, die zur Heilung der Wunden, die der Krieg geschlagen hat, und zur Neu- ordnung der Dinge an der Schwelle einer neuen Zeit an nnS herantreten. Für die dank der unerschütterlichen Haltung meiner tapferen braven Soldaten glücklich erfolgte Abwehr der letzten Offensive an der Südwcstfront Meine» Heeres glaube Ich Meine Dankes- schuld an die allgütige Vorsehung und an Meine Truppen nicht besser abstatten zu können, als durch diesen Gnadenakt. Ich wähle hiczu den heutigen Tag, an welchem Mein innigst gehebter ältester durch GotteS Gnade Mir geschenkter Sohn die Feter. seine» heiligen NamenSpatrontz begeht, Neuer euglifcher Angriff westlich Leus— Franzöfische Angriffe bei La Novelle— Schwere Kämpfe in Ostgalizien— Konjuchy verloren— Maffenstürme bei Brzezany— Ruffenangriffe in Wolhynien. Amtlich. Große» Hauptquartier, den 2. Juli' 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Nur in wenigen Abschnitten zwischen Meer und Somme steigerte sich der Artillcriekampf. Während Erknndungsvorstöße der Endländer östlich von Niruport, bci Gavrelle und nordwestlich von St. Quentin scheiterten, gelang es einigen unserer Stoßtrupps, in der Dser- Niederung nördlich von Tirmuidr durch Ucbersall dem Feinde erhebliche Verluste zuzufügen und eine größere Anzahl Belgier als Gefangene einzubringen. Frühmorgens und von neuem am Nachmittag griffen die Engländer westlich von LenS an. Sie drangen an einigen Punkten in unsere Linie, find jedoch durch oberschlefische Regi- menter in Nahkämpfen, bei denen über 175 Gefangene und 17 Maschinengewehre von uns einbehalten«urdcn, überall wieder geworfen worden. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nach starker Feuervorbereitung setzten die Franzosen am Chemin-des-Damrs gegen die von ihnen südlich des Gehöftes La Lovelle verlorenen Gräben an. In Kämpfe«, die am Oft- hang der Hochfläche besonders erbittert waren, find sämtliche An- läufe des Feindes abgeschlagen worden. Heeresgruppe Herzog Aldrecht. Keine Ereignisse von Belang. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe de» GeneralfeldmarfchillS Prinz Leopold von Bayern. Die russischen Angriffe am 1. Juli zwischen der oberen Strypa und dem OPnfrr der Rarajowka führten zu schweren Kämpfe». Der Druck der Russen richtete fich vornehmlich gegen den Abschnitt von Konjuchy und die Höhenlinien östlich und südlich Brzezany. Zweitägige stärkste Artillerievorbereitung hatte unsere Stellungen zum Trichterfeld gemacht, gegen da» die feindlichen Regimenter den ganze» Tag über anstürmte». Das Dorf Konjuchy ging verloren; in vorbereiteter Riegelstellung wurde der russische Massenstoß aufgefangen; neuer Angriff gegen fie zum Scheitern gebracht. Beiderseits von Brzezany wurde besonder» erbittert gekämpft. In immer neuen Wellen stürmte« dort 16 russische Divisionen gegen unsere Linien, die nach wcchselvollem Ringen von sächsi- schen, rheinischen und osuianischen Divisionen in tapferster Gegen- wehr völlig behauptet und im Gegenstoß zurückgewonnen wurden. So führt die Hand eines Kinde», welche» berufen ist, dereinst die Geschicke Meiner Völker zu leiten. Verirrte in» Vater- l a n d zurück. Laxenburg, am 2. 7. 1917. c- Karl m. p. Seidler m. p. Es wäre �kleinlich, angesichts einer solchen erfreulichen Tat über Fragen des Stils zu sprechen, über die man gewiß verschiedener Meinung sein kann. Hauptsache: mit einem Federstrich ist viel Schweres und Hartes beseitigt worden, das während des Krieges in Oesterreich begangen worden ist — soweit es noch zu beseitigen war! Was lebt und in den Zuchthäusern schmachtet, ist gerettet und in seine alten Rechte wieder eingesetzt. Anderwärts, wo es nicht so schlimm ist, wie es in Oester- reich war, sollte man aber darüber nachdenken, ob man sich in solchen Fragen von seinen Bundcsgc- nossen trennen s oll!__ Llopü Georges NeÜe- ein vorsthlag zum verftänüigungsfrieüen. Eine ö st erreicht s che Preßstimme. In Besprechung der Rede Lloyd George» findet die.Neue Freie Presse", daß sie von früheren Kundgebungen wesentlich ver- schieden ist. Lloyd Georg« zeige heute der Welt zum ersten Male den Entwurf wichtiger Bedingungen seine» Friedens, eines Verständigu.ngSfrieden». Die Bedeutung der Rede, sogt das Blatt, liegt darin, daß sie der erste Versuch ist. Deutschland und auch die Monarchie abzutasten, gewiß nicht ohne Verschlagenheit, welche die Natur von Lloyd George ist. Deutschland wird die Lockspeise deS Wieder- gewinnen« der Kolonien hingehalten, damit e« auf seine größte Schöpfung, auf fruchtbare Arbeit in Kleinasien verzichte und von der Türkei politisch und wirtschaftlich getrennt werde. Aber die Rede ist nicht bloß ein Ereignis durch die darin gemachten Gestand- nisse, sondern au» durch die Beweggründe, die den Premierminister zum Nachdenken über die Voraussetzungen de» Friedens gebracht haben, nämlich die Umwälzung in Rußland. Rußland ist der härteste Schlag, der die Entente traf,«u» den Vorfällen in Petersburg sei auch die FiredenSrede Lloyd Georges zu erklären. Ein Merkmal in dem Wechsel in der Stimmung sei sie jedenfalls. Frankreichs Staatsfinanzen. Nach Lyoner Blättern führte im HauthaltSauSschuß bei den Er« örterungen über die HauShaltSzwölfiel der Generalberichterstaftex au«, die Ausgaben betrügen 9 843 009 000 Franls, denen nur t 700 990 090 Franks wirkliche Einnahmen gegenüberständen. Der Rest müsse durch außerordentliche Einnahmen gedeckt werden Die Schuld Frankreichs betrage augenblicklich 92 Milliarde», die Zinsen allein betrügen 4'/, Milliarden. Außerdem müsse man lünstig jährlich 2 Milliarden für Pensionen und 3 Milliarden für ZivilauSgoben, ungerechnet die Ausgaben für soziale Fürsorge, also zusammen 9'/3 Milliarden veranschlagen. Bei Deckung dieser Ausgaben verbleibe bei gewöhnlichen Einnahmen ein Fehlbetrag v o g 2 V, Milliarden, der durch neue Steuern g e d e ck t w e r d e n müsse. die Verfolgung üer Zrieüenspropaganüa in Frankreich. .Nouvelliste de Lyon" meldet aus Paris: Die Polizei beschlag- nahmt« vor einigen Tagen Nummern der Zeitung.Libertaire" mit besonder« Hefligen Artikeln für friedensfreundlich« Propaganda. Nunmehr wurden auch auf Anweisung des Ministers deS Innern sieben Redakteure und der Direltor der Druckerei der»Libertaire" verhastet. Dasselbe Blatt meldet, daß eS kürzlich in einer Sitzung de« HeereSausschusseS des Senats zu einem heftigen Zwischenfall zwischen Clömenceou und M a l v y gekommen sei. Clömenceau ha»« im Auftrag de» HeereSausschusseS Aufklärungen über die friedens- freundliche Propaganda und die dagegen getroffenen Maßnahmen gefordert. Ribot erklärte, der Ausschuß müsie sich an Malvy wenden. In der darauffolgenden Sitzung erklärte Malvy, man könne die streng geheimen diplomatischen Akten st ücke der Sicherheitspolizei nicht bekannt geben, worauf im Heeres- ausschuß große Bewegung entstand. Schließlich schlug Ribot vor. man solle auf der Sicherheit'- Polizei einige Senatoren in die Aktenstücke Einsicht nehmen lassen. Senator Selve» und der Unterausschuß de« SenatZauSschusseS de- gaben sich hierauf zur Sicherheitspolizei und verlangten die Einsicht- nähme, wollten auch daZ Personal der Sicherheitspolizei vernehmen. Malvy protestierte und zeigte sich unnachgiebig, so daß die Frage keineswegs gelöst i st. die rufilsche Nationalitätenfrage. Petersburg, 1. Juli. lPetcröburger Telegraphen-Agentur.) Der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Rußlands nahm ein« Entschließung über die russische Nationalitätenfrage an. In der Entschließung wird erklärt, daß diese Frage nur vor die Per- fassunggebende Bersammlung gehört, daß aber in- (wischen die Regierung alsbald vorläufige Gesetze erlafien oll, die das Recht aller Rußland bewohnendcu Nationalitäten an. erkennen, über ihre politische Zukunft bestimmen und sie nach ihrem Wunsche organisieren, und die gleiches Recht für die Sprachen ver- künde», wobei aber der russischen Sprache die offizielle Stelle vor- behalten wird. der griechische Geschäststräger forüert Sie Pässe. Berlin, 1. Juli. Ter griechische Geschäststräger Poky- ch r o n i a d i S hat der deutschen Regierung gestern im Aus' trage des Außenministers Politis die nachstehende Erklärung übermittelt: „Infolge der soeben glücklich zustande gekommenen Per- einigung der beiden bisher getrennten Parteien Griechen- lands und angesichts der Totsache, daß mehrere griechische Regimenter an der Balkanfront an den Feind- seligkeiten teilnehmen, hält es die griechische Re- gierung nicht für möglich, weiter amtliche Beziehungen zur deutschen Regierung zu unterhalten." Zugleich forderte der Geschäftsträger für sich, das Ge- fondtschafts- und Konsulatspersonal die P ä s s e zur Rück- reise über die Schweiz. Den Schutz der griechischen Interessen sollen die Nie- d e r l a n d e übernehmen.___ ver Krieg auf den Meeren. Berlin, 1. Juli. Durch die Tätigkeit unserer U-Boote wurden im nördlichen Eismeer und in den Sperrgebieten u« England wiederum 242VH Gr.-Reg.-To. versenkt. Unter den versenkten Schiffen befanden fich die bewaffneten englischen Dampfer M a f r i o n e t h(3185 Tonne») mit Kohlen nach Rußland, Perla(5355 Tonnen) mit einer großen Anzahl Automobile» und Kohlen nach Rußland, der bewaffnete russische Dampfer Algol(2223 Tonnen)«it Kohlen und großrn Maschinen nach Rußland und ein unbekannter tief beladcncr bewaffneter Dampfer; zwei«eitere Dampfer wurden zusammen aus einem Gcleitzug herausgeschossen. Zwei der versenkten Segler hatten Holz geladen. Ein Geschütz wnrde erbeutet. Der Chef de» AtaurulftqdeS der Marine. Sei(ernp und am Toten Mann. Französischer Heeresbericht vom 30. Juni abends. Ziordlich von St. Cuentin wurde ein feindlicher Handstreich auf unsere kleinen Posten in der Gegend von Gricourt leicht abgewiesen. Auf dem linken MaaSufer blieb die beiderseitige Artillerietätigkeit zwischen dem Gehölz von Avocourt und dem Toten Mann sehr stark. Auf den Westhängen des Toten Mannes versuchte der Feind mehrmals seine Vorteile zu erweitern. Alle seine Versuche, aus den Teilen der ersten Linie, die er vergangene Nacht besetzt bat, vorzubrechen, wurden durch unser Feuer gebrochen oder durch unsere Gegenangriffe abgewiesen. Wir machten weitere Ge- fangene. darunter drei Offiziere. Von der übrigen Front nichts zu melden.— Belgischer Bericht. Während der Nacht griff der Feind einen unserer Borposten beim Fährmannshause an; er wurde nach heftigem Kampf vertrieben. Tic deutsche Artillerie war bei S t e e n st r a e t e und H c t S a S sehr tätig. Tagsüber die übliche Artillerietätigkeit. Vom l. Juli nachmittags. Oeftlich von Cernv werden trotz verstärkter Beschießung nur ortliche Kämpfe im Abschnitt von Cfernp gemeldet, die durch Handgranatenwerfer abgewiesen wurden. In der Gegend östlich von Reims wurden unsere ersten Linien während der ersten Nachthälfte heftig beschossen. Starke deutsche Handstreiche östlich von Pompelle I?) und nördlich und nordöstlich von P r u n a y kosteten den Angreifer ernste Verluste, ohne irgend- ein Ergebnis zu erzielen. Auf dem linken Maasufer hält der heftige Artillerickampf in der Gegend des Waldes von A V o- c o u r t. bei der Höhe 304 und beim Toten Mann an. Ein feindlicher Angriff gegen die Schanze von Avocourt brach im Feuer zusammen. Westlich des Toten Mannes fand ein heftiger Kampf an einem vorgeschobenen Posten statt, der fünfmal verloren und genommen und schließlich von beiden Parteien geräumt wurde, da die Stellung durch die Beschießung völlig vernichtet worden war. Vom 1. Juli abends. Im Abschnitt von Cernp und Ailles verdoppelte sich Ende der vergangenen Zlacht die Beschießung mit Granaten schweren Kalibers. Kurz danach machte der Feind einen sehr heftigen Angriff östlich von Cerny und besetzte auf einer Front von ungefähr fünfhundert Metern auf beiden Seiten der Straße Ailles— Paissh eine Linie von Schützengrabenstücken, die durch Geschosse eingeebnet und von unseren Truppen geräumt wor- den tyar. Zusammengefaßtes Feuer unserer Batterien richtete große Verwüstungen in den Reihen deS Feinde? an, der trotz seiner Anstrengungen seinen Angriff nicht weiter vortragen konnte. Im Laufe des Tages ging der Artilleriekampf überall in dieser Gegend sehtr lebhaft weiter. An der übrigen Front zeitweise unterbrochenes Geschützfeuer, das auf dem linken Maasufer und im Abschnitt der Höhe 304 und des Toten Mannes lebhafter war.— Belgischer Bericht. Im Laufe der Nacht versuchte der Feind nach einer heftigen Beschießung sich unseren vorgeschobenen Posten am Fähr- mannshause zu nähern; er wurde durch unser Sperrfeuer zum Halten gebracht. Im Laufe des Tages mäßiges Geschützfeuer zwischen Reninghe und Boefinghe. Englischer Heeresbericht vom 1. Juli nachmittags. Nach ihren gestrigen Erfolgen griffen unsere Truppen letzte Nacht auf dem Nordufcr des Souchezflusses auf einer Front von etwa einer halben englischen Meile unmittelbar südwestlich und westlich von L e n s an. Wir machten einen erfolgreichen Vorstoß nordöstlich von Epehy. hinöenburg zur Kriegslage. Berlin, 2. Muli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Von einer Seite, die dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg nahe steht, wird uns mitgeteilt, daß sich der Generalfeldmarschall folgen- dermaßen über die gegenwärtige Lage geäußert hat: Ter Krieg ist für uns gewonnen, wenn wir den feindlichen A ngrisscn standhalten, bis der Unterseebootkrieg sein Wer! getan hat. Unsere Boote machen gute Arbeit, sie zerstören die feindlichen Lebensbedingungen stärker als wir dachten. In nicht ferner Zeit werden unser« Feinde zum Frieden gezwungen serp. Sie wissen das, und deshalb werden sie trotz der schweren Niederlagen, die sie am I s o n z o, in Tirol, an der A i s n e und bei ArraS in diesem Frühjahr erlitten haben, ihre Angriffe fortsetzen müssen, mögen sie auch noch so aussichtslos sein. Auf die Hilfe der Amerikaner können sie nicht mehr warten. Sie sollen kommen! Tie verbündeten Armeen sind nicht zu schlagen. Die Feinde solange heimschicken, bis sie einsehen, daß wir den Krieg gewonnen haben, dann werden Oesterreich-Ungarn, Teutsch- lond, Bulgarien und die Türkei den Frieden bekommen, den wir nötig haben zur freien Entfaltung unserer Kräfte. Der Feind bat uns unterschätzt, er glaubt an die Macht seiner zahlenmäßigen Ueberlegenheit und meinte, daß Entbehrungen uns zwingen könnten, einem Frieden zuzustimmen, der unsere und unserer Kinder Zukunft vernichtet. Ich wünschte, daß die Staatsmänner unserer Feinde den gleichen Einblick in die Monarchie hätten, wie ich ihn erneut gewonnen habe. Sic würden von ihrem Vorhaben ablassen. Ich nehme von meinem Besuch die felsenfeste Uebcr- zeugung mit, daß wir zusammenstehen werden, bis zum siegreichen Ende. Unser Bündnis ist nicht zu erschüttern. Die Regierungen, die Armeen und jeder einzelne in den Völkern Teutschlands und Oesterreich-Ungarn» ist bereit, einzustehen für das gemeinsame Wohl bis zum äußersten, möge kommen, was wolle. Sesprechungen beim Reichskanzler. tteber Besprechung, die die Führer der Reichstagsparteien am Montag mit dem Reichskanzler hatten, meldet der„Berk. Lokalanz.", daß die Unterredung um elf Uhr vormittags de- gann und erst in vorgerückter Nachmittagsstunde beendet wurde, Tie Erörterungen betrafen die am Donnerstag be- ginnenden Reichstagsverhandlungcn. Im Anschluß an die Be- ratuugen mit dem Reichskanzler wurden Fraktionssitzungen abgehalten. Das„Berl. Tagebl." weiß noch zu melden, daß der Kanzler auch diesmal entweder im Reichshaushaltsausschuß oder im Plenum zur allgemeinen militärischen und politischen Lage, insbesondere auch zur Antwort auf die jüng. sten Reden Lloyd Georges das Wort nehmen wird. Der Sund für verftändigungsfrieden. Gegenüber der alldeutschen Agitation und dem Bund der An- nexwnisten hat der Reicbstagsabgeordnete Wolfgang Heine kürzlich angeregt, einen Voltsbund für Verständigungsfrieden zu gründen. Am Sonntag hat in Frankfurt a. M.«ine Versammlung stattgefunden, in welcher ein»Bolksbund für Vcrständigungs- frieden' gegründet wurde. Wolfgang Heine sprach für«inen Frieden»ohne Annexionen und Entschädigungen". In einer Eni- schließung wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die deutsche Regierung nicht nur Rußland, sondern auch den übrigen feindlichen Mächten gegenüber ihre Friedensziele in bestimmtester Form ausspricht. Ein„Macht- friede" würde die Quelle neuer Kriege und völliger wirtschaftlicher Zertrümmerung auch des siegenden Volkes sein. Ein neues Rüftungsprogramm. Nach einem Bericht des„Verl. Tagebl." auS Frankfurt a. M. wurden dort vor einem geladenen Kreise von Persönlichkeiten aus Industrie und BolkSwirtschast Vortrage von Angehörigen der dortigen Stelle de? KriegSernährungSamtS gehalten. Zur Ernährungslage wurde die Erklärung abgegeben, daß wir mit unseren Lebensmitteln gut auskommen würden. sBon den rumänischen Getreidevorräten habe anfangs Oesterreich-Ungarn einen großen Anteil erhalten, fetzt sei ober die Zufuhr nach Teutschland befriedigend. Auch die Rohstoff- und namentlich die Erzversorgung sei befriedigend. Unsere Schwefelkieslager deckten nicht nur den Bedarf Deutschlands, sie reichten auch noch aus zu Lieferungen an das neutrale Ausland. Viele einheimische alte Erzlager seien wieder nutzbar gemacht worden. Unser Bedarf an Waffen, Munition und Kleidcrstücken sei auf lange Zeit so reich- lich gedeckt, daß ein neues Rüstungs- und Ver- sorgungsprogramm aufgestellt werden könne. Zur Kohlenfrage wurde mitgeteilt, daß mit einer beträcht- lichen Erhöhung der Förderung nicht zu rechnen sei; daher müsse durch die äußerste Beschränkung des Kohlenvcrbrauchs im kom- mcnden Winter gespart werden. Diese Mitteilung wird sicher das Richtig« treffen, trotzdem eine halboffiziöse Nachricht neuer- dings besagt, zum Zwecke verstärkter Kohlenförderung seien Maß- nahmen ergriffen worden, die mit Sicherheit eine erhebliche Besse- rung unserer Kohlenvcrsorgung im kommenden Winter erwarten lassen. General Gröner, der Chef des KriegSamts, war auch in der Versammlung in Frankfurt a. M. In einem Schlußwort ermahnte er, alle Kräfte zur Herstellung von Kampfmitteln zusammen- zufassen. Srot, fleisch, Kartoffeln. Einer Korrespondenz zufolge' teilte im badischen Ministerium des Innern gelegentlich einer Pressesitzung ein Regierungsver- trcler mit, die Reichsviehzählung vom 4. Juni Hab« entgegen den Erwartungen eine nur sehr geringe Abnahme des Rindviehbestandes ergeben, während der Schweine- bestand eine größere Abnahme aufzuweisen habe, da vielfach Hausschlochtungen vorgenommen worden seien. Zunächst könnte aber noch die Gewährung von Sonderzulagen an Fleisch aufrecht- erhalten werden. Diese Sonderzulag« dürfte vom Ib. August ab in Wegfall kommen, an welchem Termin voraussichtlich die Kürzung der Brotration aufgehoben werden könne. Aus Harburg wird uns mitgeteilt, daß trotz scharfer Kon- trolle dcr Schmuggel neuer Kartoffeln nach Hamburg groß sei, weil dort Phantasiepreise von 120 M. und mehr für den Zentner gezahlt würden. Die Unruhen in Stettin, Düjlelöorf und Sleiwih. Ueber die Lebensmittelunruhen, die vor einigen Tagen in Stettin, Düsseldorf und in zwei Orten Schlesiens(Gleiwitz und Hindenburg) sich ereigneten, besagen amtliche Meldungen: An allen diesen Orten sind die Unruhen wieder beigelegt worden. In Düsseldorf hatten sich halbwüchsige Burschen, Kinder und Frauen zusammengerottet und LebenSmittclläden geplündert. In erster Linie sei Alkohol geraubt worden. Ein großer Teil der Lebensmittel sei auf der Straße verstreut und zertreten worden. Feindliche ausländische Arbeiter hätten an den Ausschreitungen erheblichen Anteil genommen; sie seien bedauerlicherweise von den Einheimischen in Schutz genommen worden. Der Belagerungszustand, der über Düsseldorf-Stadt und -Land verhängt wurde, ist wieder aufgehoben worden. Die Unruhe- stifter feien vor ein außerordentliches Kriegsgericht gestellt und bereits bestraft worden. ES seien Strafen bis zu H Jahren Zucht- haus ausgesprochen worden. Ein Einschreiten dcS Militärs hat nicht stattgefunden. In Gleiwitz und Hindenburg kam eS nur zu geringen .Krawallen. An beiden Orten wurde Militär hinzugezogen; ge- schössen wurde jedoch nicht. Zurzeit herrscht auch hier Ruhe. Alle Persammlurigen, die die Störung begünstigen können, wurden verboten. Die Ruhestörungen werden auch hier auf ausländische Hetzer, die hier zugezogen, zurückgeführt. Alle Gerüchte über viele Toten sind falsch. Zum Wasfengebrauch ist es überhaupt nicht ge- kommen. Die Polizeistunde wurde auf 10 Uhr festgesetzt. Ueber die Unruhen in Stettin wird gemeldet, daß am Sonnabend vor dem Gericht des Kriegszustandes gegen einen Teil der an den Plünderungen vom 18. und 19. Juni beteiligten Per- sonen das Urteil gefällt wurd«. Ter größte Teil kam mit milden Strafen davon.— Tie Anordnung, daß Kinder bis zum 14. Lebensjahre von 7 Uhr abends an sich nicht mehr auf den öffentlichen Straßen aufhalten dürfen, wurde wieder aufgehoben. Kleine Kriegsnachrichten. Der bekannte rumänische Staatsmann Titu MajoreScu ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Englands südafrikanische Finanzhilfe. Die parlamentarische Vertretung der Südafrikanischen Vereinigung hat den nationalistischen Antrag abgelehnt, daß die Einkünfte ausschließlich der Entwicklung der Hilfsmittel des eigenen Landes gewidmet werden sollten. Tie neue persische Regierung fordert laut„Rjetsch" die so- fortige Abberufung der russischen Truppen, Auf- Hebung der von Rußland früher erpreßten militärischen und Wirt- schaftlichen Konzessionen und die Beseitigung der Kapitulationen. Strengste Maßnahmen auf öem Gbst- und Gemüsemarkt. Sofortige Verhaftung Zuwiderhandelnder. Berlin, 2. Juli. Tic Rcichsstcllc für Gemüse und Obst erläßt folgende Erklärung: Wo bleibt das Obst und Gemüse? Es ist bekannt, daß durch die anhaltende Dürre manche Hoffnungen zerstört worden sind. Weiter darf nicht übersehen werden, daß der Bedarf an Gemüse, und Obst infolge hier nicht zu erörternder Umstände und demgemäß die Nachfrage um ein Vielfaches gegenüber den Jriedenszciten gestiegen ist. Unmöglich kann dieser Bedarf voll befriedigt werden. Es ist des- halb mit rücksichtsloser Strenge darüber zu wachen, daß die vor- handenen verhältnismäßig geringen Mengen, soweit es möglich ist, in gleicher Weise allen Bevölkerungsschichte» zugr- führt werden. In dieser Hiysicht ist in der letzten Zeit wiederholt behauptet worden, daß namentlich in Groß-Berlin gegen Unregelmäßigkeiten der Obst- und Gemüsehändler beim Ab- satz der Ware an den Verbraucher nicht mit dem erforder- lichen N a-ch druck eingeschritten würde. Ob dies für den Beginn der Ernte zutreffend gewesen ist, mag dahingestellt bleiben, bereits seit einiger Zeit wird ober mit äußerster Strenge von allen beteiligten Stellen vorge- gangen� auch vo» Pen Kpmmunalverwsltungen. Vor allem sind Mr. die mit der Polizelaufftcht betrauten Organe durch den Polizei-- � Präsidenten von Bertin mit entsprechenden Anweisungen versehen. Auf Notierungen von strafbaren Handlungen werden sie sich nur ausnahmsweise beschränken. Jeder Händler, der Ware zurückhält, sich auf BorauSbestellungen beruft, mehr als zulässig abgibt oder Preise fordert, die den amt- lichen Festsetzungen nicht entsprechen, wird auf der Stelle verhaftet und dem zuständigen Richter vorgeführt werden. In der gleichen Weise wird mit jedermann verfahren werden, der einem Händler oder Erzeuger höhere Preise bietet oder zahlt. Der Händler hat zudem eine sofortige Schließung seines Geschäftes zu gewärtigen. Industrie und Handel. Der Handelsministrr stramm gegen KapitalSerhöhungen. Der preußische Handclsminister hat die Zulassungsstelle bei der Berliner Börse ersucht, einem künftig etwa erfolgenden Zu- lassungsantrage für die von der K r o n p r i n z- A k t i cn- G e s. für Metallindustrie in Ohligs ausgegebenen neuen Slttien nicht zu entsprechen. Diese glänzend prosperierende Gesell- schaft hat ihre Dividende von 25 aus 15 Proz. ermäßigt, dafür aber neue Aktien in der bisherigen Höbe des Kapitals von 5 Millionen Mark ausgegeben und auf diese jungen Aktien aus Gesellschafts- Mitteln einen Einschuß von 40 Proz. geleistet. Der Restbetrag soll nur im unwahrscheinlichen Notsalle von den Aktionären� ein- gesordert werden, die?lbsicht ist, daß ihn ebenfalls die Gesellschaft bei erster bester Gelegenheit einschließt. Das kann ihr nicht schwer werden, da sie nach der Bilanz vom 31. Dezember 1916 über ein Bankguthaben von 6,8 Millionen verfügte, also über ein Guthaben, das das bisherig« Aktienkapital um 2 Millionen Mark übertraf. Obwohl also nicht beabsichtigt war, dem Geldmarkte Mittel zum Schaden der Kriegsanleihe zu entziehen, bat der Handelsministec doch das Zulassungsverbot ausgesprochen. Es ist allerdings richtig. daß die Gesellschaft für den Betrag, den sie zur Schaffung von Gratisaktien verwendet hat, hätte Kriegsanleihe zeichnen können. ?lber schließlich hat sie fremde Mittel durch Ausgabe von Gratisaktien nicht beansprucht. Ter Erlaß des preußischen Handelsministers ist zu billi- gen, weil, wenn die Industrie schon übermäßig viel verdient, cS besser ist, daß die Verdienste aufgehäuft als in irgendeiner Form ausgeschüttet werden. Wenn das Aktienkapital verwässert wurde, wird nach dem Kriege unter ungünstigen Verhältnissen die Ten- denz sehr stark sein, auf das mächtig erhöhte Aktienkapital zum Schaden der Arbeiter große Dividenden herauSzuwirtschaftcn, die dem Rufe des Unternehmens entsprechen. Allerdings muß bemerkt werden, daß der preußische Handels- Minister mit seinem Verbote mehr ein Warnungszeichcn als eine Schranke vor Kapitalserhöhungen gesetzt hat. Denn die jungen Aktien, die nicht zur Börsennotierung zugelassen werden, werden eben im freien Verkehr umgesetzt, und wenn das Unternehmen ansansten prosperiert, so saust der Kurs im freien Verkehr mit nicht geringerer Schwungkraft in die Höhe als im regelrechten Börsenhandel. Wenn man also in dem schätzenswerten Bemühen verharren will, Kapitalsverbesserüngen einzuschränken, so empfiehlt sich eine Bundesratsverordnung, die Kapitalserhöhungen von dcr Zustimmung einer Kontrollstelle abhängig macht. Schon wieder eine Kapitalserhöhung! In der am Montag abgehaltenen Aufsichtsratssitzung der Aktiengesellschaft Mix u. Genest, Telephon- und Telegraphenwerte, Berlin. Ektzönebcrg, wurde beschlossen, einer auf den 31. Juli d. I. einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung die Er- höhunA des Aktienkapitals um 2 100 000 M. vorzuschlagen, welche vom 1. Juli d. I. ab dividendenberechtigt seist und den Aktionären im Verhältnis von 2:1 zu 12Ö Proz. zum Bezüge angeboten' werden sollen._ Kontingentierung des Schrcibmaschinenhandels. Für die UebergangSzcit wird eine Kontingentierung des Han- dels in gebrauchten Schreibmaschinen geplant. Es heißt, daß Ver- Handlungen zwischen den Verbänden der Schreibmaschinenindustrie und den zuständigen Stellen über die Kontingentierung des Handels in Schreibmaschinen schiveben, welche bei Auflösung der Kriegs- Wirtschaft überzählig werden. Da es sich um ganz außerordentliche Mengen lallein im Verwaltungsbercich des Kriegsministeriums 20 000 Stück) handelt, würde die plötzliche Ueberführung in den Markt angeblich zu einer Schädigung der Industrie und des ge- sunden Handels durch die Gesahr der Preisschleuderei führen. Eines der Projekte gehe auf die Gründung einer Per- wert ungs-Ge seil schaft aus, wie sie in ähnlicher Form für die Automobil-Jndustrie in dcr Feldkraftwagen A.-G. bcsteht. Auch der gesunde Handel soll zugczoacn werden. Ungeklärt sei die Frage, wie man die in den verschiedenen Kriegsgesellschaften allmählich frei werdenden Maschinen, für welche keine Zentralstelle Verwaltungsbefugnisse besitzt, erfassen soll. Lette Nachrichten. Milderung des österreichischen Militärstrafgesetzbuches. Wien, 2. Juli. Im Justizausschuß stellte Abgeordneter Stoelzl einen Antrag, in dem die Regierung aufgefordert wird, einen Ge- setzcntwurf wegen allgemeiner Milderung der Bestimmungen deS Militärstrafgcsetzes im Hause einzubringen. Der Leiter des Landes- vcrteidigungsministeriumS C z a p p erklärte, er nehme den Antrag mit lebhafter Befriedigung auf und werde alles tun, um in m ö g- lich st kurzer Frist ihm zur Durchführung zu ver- helfen. Neuer Slawenkurs i« Ungarn? Budapest, 2. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht die Enthebung des bisherigen Banus von K r o a t i o n Baron Skerlecz und die Ernennung des ehemaligen Obergefxans Anton M i h a i l o v i c z zu seinem Nachfolger. Die Beschießung Dünkirchens. Bern, 2. Juli.„Petit Parisicn" meldet aus Dünkirchen: Die Stadt wurde am 27. Juni von morgens 5 Uhr bis kurz nach Mittag mit zehn Minuten langen Pausen von deutschen schweren Geschützen beschossen. Man glaubte zuerst, daß es sich um franzä- fische Geschütze handle. Insgesamt wurden 4 8 Gr a n a t e n ge- zählt. Ueber den Sachschaden wird nichts bekanntgegeben. Von dcr Zivilbevölkerung wurden mehrere Personen getötet. Widerstand gegen Venizelos im Peloponnes. Bern, 2. Juli. Die Pariser Presse meldet aus Athen, im Peloponnes bestanden einige Agitationsmittelpunkte. Der Organi- sator der Reservistenvereinc, General Papulos, weigere sick, König Alexander anzuerkennen. Er beabsichtige in Tripolitea die Republik auszurufen. Neber die Angelegenheit besitze man in Athen keine Einzelheiten, denn PapuloS übe eine strenge Zensur aus. Man wisse nur, daß Papulos in Tripolitea einen Ausschuß von sechs Mitgliedern ernannt habe, welcher ihm bei der Ausführung seines Borhabens behilflich sein solle. Papulos' Bor- gehen beunruhige die Regierung nicht übermäßig, die seit ihrem Amtsantritt gewichtigere Sorgen habe und die Angelegenheil in einem günstigen Augenblick regeln werde. Alle Offiziere des sric- chischen Heere? solle» nunmehr die französische Kopfbedeckung tra- ge», als Ersatz für de» deutsches Hel«. GewerkschafisbeuWuag S erlin und Umgegend. Mit den Tenerungszula�en und der Täriffrag« m der AN>um-, Mappen- uud Galantericdranchc beschäftigte sich oin Freitag aber- mals eine v o in B u ch b i n d e r v e r b a n d einberufene V e r- faminlung seiner in der Brancbe beschäftigten Mitglieder. R ö l l berichtete über die Verhandlungen mit den Unternehmern, die seit der letzten Versammlung stattgefunden haben. In einer Sitzung der Slblichtungskommission bezeichneten die Fabrikanten als ihren letzten Vorschlag den folgenden: Außer den früheren Teuerungszulagen sollten neu erhalten die Kollegen mit einem Verdienst bis b0 M, einen Zuschlag von tS Proz,, mit einein Verdienst von über 60 M. bis 70 M, einen Zuschlag von' 10 Proz. und die mit einem Verdienst von inehr als 70 M. einen Zuschlag von 6 Proz,, während die Kolleginnen einen neuen Zuschlag votr 6 Pf. sür die Stunde erhalten sollten.— Darauf formten die Vertreter der Ar beiter nicht ein gebe n. Um ein Entgegenlommen zu zeigen, reduzierten sie in einer Sondcrberatung die befannten Forderungen bezüglich der Teuerungszulagen etwas. Der neue Vorschlag der Arbeiter ging dahin: Einschließlich der bisher getpährten Teuerungszulagen sollen als Teuerungszulage erhalten: Die männlichen Kollegen 45. Pf. und die weiblichen Kollegen 25 Pf. Für Akkordarbeit soll die Teuerungszulage 40 Proz. betragen.— Eine nchie Sitzung der Schlichtungslommission sagten die Fabri» kanten a b, tveil ihnen die Forderungen zu hoch waren. Luch der Itadurzg vor das Eimgungsamt folgten die Fabrikanten nicht.' Aufgäbe der Versammlung war es nun, zu dieser Sachlage Stellung zu nehmen. In der Diskussion kam ein« große lln- zufriedenheit mit dem Verhalten der Fabrikanten zum Ausdruck. Es wurde ihnen Verschlcpvung vorgeworfen. Schließlich erklärte sich die Versanimlung damit einverstanden. daß jetzt schleunigst sämtlichen einzelnen Fabrikanten, ob sie der Vereinigung angehören oder nicht, die Forderungen in einem Zirkular zur Unterschrift zugesandt werden. Bis Donnerstag, den 5. Juli, sollen die Antworten im Besitz des Buchbinderverbandes sein. Dos Nesultat wird zur Stellungnahme einer'.am nächsten Freitag stattfindenden Branchenverfammlung unterbreitet werden. In der neuen Fassung. der die Versammlung zu- stimmte, lauten die Hauptforderungen jetzt: Die im Tarif festgelegten Minimallöhne sind um 15 Pro- z e n t für die Dauer der Verlängerung des Tarifs zu erhöhen. Als Teuerungszulage soll außerdem ab 1. Juli auf alle tariflichen Minimallöhne der im Zeitlohn Beschäftigten eine Zulage von 4 5 P f. sür die Stunde für Arbeiter und eine solche von 2 5 P f. für Arbeiterinnen eintreten. Dieselben Teuerungszulagen erhalle» auch alle im Zeitlohn beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen, deren Stundenlöhne den Minimallohn übersteigen. Akkord- arbeiter und Akkordarbeiterinnen erhalten auf den am Wochen« ichluß erzielten Verdienst eine Zulage von 4 0 Proz. als Teuerungszulage._ Aus der Schlichtungskommission für Militärschneider. Wenn du noch eine Tante hast... In der letzten Sitzung trat der 18jährige Schneider K. als Kläger gegen seine Tante K. auf. Der Betrieb der Frau K. ist zur- zeit wegen Mangels an Arbeit geschlossen, und der Neffe trauert seinem Restlohn in Höhe von 125 M. nach. Die Beklagte war nicht erschienen. Da es sich bei der Summe von 125 M. teils um ein Sparkasjenguthaben von 47 M., teils um Restlohn handelt, zieht der Kläger auf Anraten der Kommission seine Klage zurück, um sie beim Gewerbegericht einzureichen. Platzen soll se! Mit dieser wenig liebenswürdigen Bem-.rkung machte der Zwischen« meister M.- seinem Aergch geäenIdie Klägerin ,S. Äch.iLrM�.- klagte auf'Nächzahlung voit.72"W, Sid.'halle. für den B'ellagker, Biesesthosensiepparbeiten gemacht»fth'statt i;40' M., wie 1wri> geschrieben, nur 1,00 M. erhalten. Beklagter wandie ein, eS sei ein Racheakt der Frau. Magistratsral v. Schulz:.Ach, wenn man seinen verdienten Lohn will, so ist doch das keine Rache.* Beklagter:.Ich habe aber selbst zu wenig erhalten, und die Klägerin war einverstanden mit den Preisen.* Beisitzer S a ba t h:.Das tut alles nichts zur Sache. Sie müssen wissen, was zu zahlen ist. Es bestehen Bestimmungen, die durch keine Privatabmachungen aufgehoben werden können. Wenn Sie zu wenig erhalten haben, können Sie Regreß von Ihrem Vordermann nehmen. Ein Arbeitgeberbeisitzer:.Mit der AuSrede, Sie hätten die Preise nicht gekannt, können Sie uns nicht kommen, umso weniger. als im Ablieferungsraum die einzelnen Preise groß und breit an- geschlagen sind.* Beklagter:.Ich kann aber die Preise nicht zahlen, sonst gebe ich Geld zu.* v. Schulz:»Die Bestimmungen müsien eingehalten werden. nur nach den gegebenen Vorschriften haben wir hier zu urteilen. Nach diesen Vorschriflen sind S i« im Unrecht und werden wahrscheinlich verurteilt werden müsien. Es ist also besser,' wenn Sie gleich zahlen und von Ihrem Auftraggeber Regreß nehmen.* Der Beklagte besteht auf einem Urteilsspruch. Nachdem die Kommission sich hiernach zurückgezogen hatte, ver- kündete der Vorsitzende, daß der Beklagte kostenpflichtig zur Zahlung von 72 M. verurteilt ist. BeNagter:„Na, da soll se man noch ein bißchen warten.* v. Schulz:.Aber das ist doch unerhörtl Die Frau hat gar nicht zu warten, Sie haben ihr das Geld portofrei innerhalb drei Tagen zuzusenden. Ihr Verhalten ist nicht schön, Sie blamieren ja den ganzen Stand.* Ein Lrbeitg eb�rbeisitzer:..Der Beklagte hat vorhin schon mal getagt in bezug auf die Klägerin,.Plätzen soll se', ich wollte es nur nicht der Kommission mitteilen.* v. S chulz: s,Jch sage nochmal«, daß so etwa» unschön ist und ich rate Ihnen, die Summe anstandslos und baldigst zu zahlen— und zwar in Ihrem eigenen Interesse.' In Sachen Pietsch, der auf wiederholte Vorladung nicht erschienen, auch schon öfter beklagt war, sowie in Sachen V i e h u b h beschloß die Schlichtungskommission, das Oberkommando zu bitten, zur nächsten Sitzung einen Vertreter zu senden, damit er sich durch Kenntnisnahme an Ort und Stelle von den hier vorliegenden Zu- ständen unterrichten könne._ Buslond. Ter Bergarbeiterausstand in Limburg. Amsterdam, 2. Juli. Gestern abend hat eine Vorstandskonferenz des niederländischen Bergarbeitervereins den Beschluß gefaßt, Bergarbeiterausstand in Limburg zu beendigen. den 1 3* Generalversammlung üer Metallarbeiter k Köln, 30. Juni. Vierter Berhandlungstag. In der heutigen Sitzung wurde zunächst die Spezialbera- tung der Anträge, die zum Vorstandsbericht vorliegen und die durch die gestrige grundsätzliche Entscheidung noch nicht erledigt sind, vorgenommen. Ein Antrag Dresden, nach beendetem Kriege eine Reichskonferenz der Metalldrücker einzuberufen, wurde dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Ein Antrag, eine Konferenz der weiblichen Mitglieder einzu- berufen, wurde damit begründet, daß der Frauenfrage mehr Beach- tung geschenkt werden müsse, als bisher. Verbandsvorsitzender Schlicke erklärte, der Vorstand habe durch seine Tätigkeit bewiesen, daß er der Frauenarbeit, die größte Beachtung schenke, er werde dies auch weiter tun. Ergebe sich die Notivendigkeit für die Einberufung einer Konferenz, dann werde der Vorstand sie einberufen, aus agitatorischen Gründen aber nicht.— Der Antrag wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt, ebenso ein Antrag/ für den Bezirk Düsseldorf eine weibliche AgitationSlrast an- zustellen. Sehr wirkungsvoll begründete Martha M a a ß(Berlin) einen Berliner Antrag, der den Vorstand ersucht, erneut bei den zu- ständigen Stellen Schritte zu unternehmen, daß die Schutzbestim- mungen für Frauen und Jugendliche wieder in Kraft gesetzt werden. Reichel(Stuttgart) schlug für den Vorstand die Annahme des An- trag? vor.— Reichstagsabgeordneter Spiegel(Düsseldorf) wies die Behauptung eines Delegierten, die Reichstagsfraklion habe nicht ge- migend im Reichstag im Sinne des Antrags gewirkt, entschieden zu- rück. Die Arbeiterinnen dürsten sich auch nicht allein auf gesetz- geberische Maßnahmen verlassen, sondern sollten durch Ausbau der Organisation dafür sorgen, daß diese einen größern Einfluß erhält. — Der Antrag wird dann einstimmig angenommen. Zur Regelung der Arbeitsverhältnisse in den M i I i t ä r w e r k st ä t t e n wird der Vorstand beauftragt, eine Ein- gäbe, an den Reichstag und an den preußischen und bayerischen Landtag zu richten, daß nach Friedensschluß von den zuständigen Kriegsministerien eine Vorlage über die Regelung der Lohn« und Arbeitsverhältnisie in den militärischen Instituten ausgearbeitet wird. Zur' Frage der Uebertritte vonMitgliedern anderer Organisationen lag ein Antrag vor, der den Vorstand beauftragt, aus der nächsten Vorftändekonserenz dahin zu wirken, daß der Be- schluß vom Jahre 1914, wonach Uebertritte während der KriegSzeit nicht vorgenommen werden dürfen, wieder aufgehoben wird. Be« gründend wurde gesagt, die jetzigen Verhältnisse wären unerträglich. Viele in der Metallindustrie beschäftigte Personen würden dadurch für die Organisation verloren gehen, sie blieben der alten Organisation, nicht treu, würden sich aber: auch nicht dem Metall- arbeiterverband anschließen.■«- Der Antrag wird einstimmig an» genonnnen. ,.. Vor der eigentlichen Statutenberatung wurden einige grundsätzliche Anträge hierzu beraten. Eine lebhafte Auseinander- setzung entspann sich über einen Antrag Danzig, die Gehälter sämt- licher Verbandsangestelllen auf die Hauptkasse zu übernehmen. Die Statutenberatungskommission empfahl einstimmig diesen Antrag. Ihr Berichterstatter Kurth- München sagte begründend, durch den Krieg sei die Aufrcchterhaltung einer Reihe von Verwaltungsstellen von Zuschüssen des Vorstandes abhängig gewesen. Das werde in der Zukunft noch weiter der Fall sein. Auch seien die Verhälmisse der Angestellten und die Belastung der Lokalkasie durchaus keine gleiche.— Von einem großen Teil der Delegierten wird der Antrag mit Mißtrauen aufgenommen. Es wird in ihm eine Beschränkung der Reivte der Mitgliedschaften, deren Selbstbestimmungsrecht da- durch illusorisch gemacht werde, erblickt.— Das Vorstandsmitglied Zernicke- Stuttgart erklärte, davon könne keine Rede sein. Durch die Annahme des Antrags, den der Vorstand empfehle, würden die Lasten gleichmäßig verteilt. Die Bestimmungen für die Anstellung von Beamten würde» durch den Antrag nicht geändert.— Dieser wird schließlich mit 09 gegen 57 Stimmen abgelehnt. Anträge auf Erhöhung der Beiträge werden abgelehnt. Bei einem Antrag Remscheid auf Neuwahl sämtlicher An- gestellten, seien es Lokalbeamte, Bezirksbeamte, Hauplvorstands- mitglieder oder Hilfskräfte, kamen die gegensätzlichen Anschauungen wieder grell zum Ausdruck. Nach dem Antrag soll die Neuwahl noch im laufenden Geschäftsjahr, und zwar durch UrWahl stattfinden. Er wird mit übergroßer Mehrheit abgelehnt. Zur Frage der Beschäftigung ausländischer Arbeiter— über deren Behandlung manche Beschwerden vorgetragen wurden— nahm der VerbandStag einstimmig folgende Entschließung an: ''.Die Generalversammlung beaustragt den Vorstand deS Ver- bandcs und den Kollegen Schlicke als Vertreter der Arbeiter und Angestellten im Kriegsamt, alles zu tun, damit auf dem schnellsten Wege die in Deutschland beschäftigten belgischen,' polnischen und russisch-polnischen Arbeiter VersammlungS- und Vereinsfreiheit erhalten. Ferner verlangt die Generalversammlung, daß die oben genannten Arbeiter unter denselben Voraussetzungen ihre Arbeitsstelle wechseln dürfen als die deutschen Arbeiter.' Hierzu wurde noch folgender Antrag beschlossen:. .Soweit in einzelnen Armeekorpsbezirken durch Verfügung der stellvertretenden Generalkommandos den Arbeitern die Ausübung des im Hilfsdienstgesetz zugesicherten Vereins- und VersammlungS- rechts nicht möglich ist, ist ebenfalls dahin zu streben, daß die Be- stimmungen sofort außer Kraft gesetzt werden.' Seine Stellungnahme zu Feierschichten präzisierte der Verbands- tag durch Annahme folgender Resolution, die von Haas(Köln) begründet wurde: .In Anbetracht, daß die Feierschichten in der Kriegsindustrie infolge von Kohlen-, Strom- und Materialmangel immer mehr zu« nehmen, verlangt die Generalversammlung, daß den Arbeitern diese Feierschichten überall bezahlt werden. Die Forderung ist in allen Betrieben zu stellen und beauftragt die Generalversammlung den Vorstand, die gestellte Forderung auch im Kriegsamt mit allem Nachdruck zu vertreten. Die unerschwinglichen Preise für Lebens- mittel sowie aller sonstigen Bedarfsartikel zwingen die Arbeiter, mit aller Kraft sür diese Forderung einzutreten, da eine weitere Ver- schlechterung ihrer Lebenslage nicht mehr zu ertragen ist.' In einer Abendsitzung erledigte der Verbandstag die zum Statut vorliegenden Anträge. Von den zahlreich vor- liegenden Anträgen loerden die meisten abgelehnt. Beschlossen wird, die Erwerbslosenunter st ützung bei Krankheit nach den alten Sätzen wieder in Kraft zu setzen, lseber die Z u s a m- mensetzung des Beirats entspann sich eine größere Aus« spräche. Der Verbandstag entsprach dem Verlangen näch Er« Weiterung des Beirats. Er beschloß, den bisherigen Beirat als engeren Beirat zu belasten und einen erweiterten Beirat zu schaffen. Diesem sollen außer den zum engeren Beirat zählenden Personen angehören: je ein Vertreter aus den Bezirken bis zu 25 000 Mitgliedern, je zwei Vertreter aus Bezirken hiS 60 000 Mitgliedern und je drei Vertretern aus noch größeren Bezirken. Diese Vertreter werden auf Bezirkskonferenzen gewählt. Der erweiterte Beirat soll bei allen wichtigen, das Gesamtintereste des Verbandes berührenden Fragen zusammenberufen werden. Er muß einberufen werden, wenn mindestens die Hälfte der gewählten Mitglieder die Einberufung verlangt. Der VerbandStag beschloß hierauf, sämtlichen Angestellten eine Teuerungszulage von 125 M. für den Monat zu gewähren, rückwirkend ab 1. Juli 1916. Die bisher gewährten Teuerung«- zulagen und Vorscdüsse werden darauf angerechnet. Das Referat Reichels über die Schaffung von Staatsmonopolen in der Eisen- und Metallindustrie wird von der Tagesordnung abgesetzt, Die Wahl des Vorstandes, d e S AuSs chusses und der Redakteure wird auf Antrag in geheimer Ab- stimmung vorgenommen. ES werden 110 Stimmen abgegeben, davon entfallen auf: Schlicke als ersten Vorsitzenden 81. Reichel, zweiter Vorsitzender, 81, Werner, Hauptkassierer, 82, und Z e r n i ck e, Sekretär, 80 Stimmen. Der Ausschußvorsitzende W e i ß i g- Frankfurt a. M. erhält 81, Siegel als sein Stell- Vertreter 107, Redakteur S ch e r m 82 und Redakteur O u i st 81 Stimme». Die Opposition hatte— mit Ausnahme bei Siegel — 35 weiße Zettel abgegeben.— Tie alten Funktionäre sind also wiedergewählt. Abends gegen 11 Nhr schloß Verbandsvorsitzender Schlicke die Generalversammlung. Die nächste findet in Kiel statt. Mus aller weit. Energische Hansbesitzer. Der.FestungSkommandant von Danzig, der ein allgemeines Verbot der Mietserhöhungen erlassen hatte, war von dem Danziger Haus- und Grundbesitzerverein um Aufhebung dieses Verbots ersucht worden. Da er das Gesuch ablehnte, sind die Hausbesitzer am 1. Juli mit Massenkündigungen vorgc- gangen. In manchen Häusern soll sämtlichen Mietern gekündigt worden sein und Hunderte von Bewohnern werden demnächst ob- dachlos werden. Man ersieht daraus, daß mit rinem Verbot der Micts- erhöhungen stets eine Anzeige, und Genchmigungspflicht der Miels kündigungen Hand in Hand gehen muß. Am ange- nehmsten und einträglichsten für die Herren Hausbesitzer ist es freilich, wenn sich die hohe Obrigkeit— wie bei uns in Groß- Berlin— weder zu der einen noch zu der anderen Maßnahme entschließt. Im Posen« Getreideschiebungsprozetz wurde der Angeklagic Kaufmann Katzen eilenbogen aus Cbarlottenburg wegen Getreidcschiebungen und Ueberschreitung der Höchstpreise zu ein- einhalb Jabrcn Gefängnis und 350 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Ein Zug in den Niagara gestürzt.„Central News' meldet an? Buffalo, daß ein elektrischer Zug in den Niagara-Fluß abge- stürzt ist 80 Personen sind dabei ertrunken. Lcrantwortl. f. Politik: Dr. Franz Tlrdrrich, Berlin-Friedenau: sür d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neulülln: sür Inserate: Tb. Glocke, D erlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Lerlagsanstall Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltungsblatt. »»«utuctie» Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr; Max Pallenberg in Familie Schimek. Kammerüplele. Heute u. folgende Tage T1/, Ultr: Die Tänzerin (mit Lcopoldine Konstantin). Volksbühne. Theat. a.Bülowplatz. Untergrundb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage 7a/4Uhr: Itie Konierin der l-nft. liessins-Tlieater. Heute u. folg. Tage Tl4 Uhr: Marie Ottmann u. Hans WaUmann in Oper. v.O. Blumenthal. mOKScs ilusik v. Osk. Straus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Komödienhaus .8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7" Uhr: Die tolle, Komteß. Reiclishallen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Ansang 7fl, Uhr. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr; Die Insel Rügen. Rose'Theater. ''/.Uhr: Der Mann seiner Frau. Gartenb.: Berlin wie es liebt u. haßt. Admirals-Palast. Abrakadabra groBes phantastisches Ballett auf dem Eiae. Angenehmer kUhler Aufenthalt 7'l4 Uhr. Vorzügl. Küche. V olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58, Tägllüh große Extravorstellung. IPieper und Sperling Erstklassiges Speziolitateu-Programm. Auf. Sonntags 4, wocheut.'(«5 Uhr. Theater für Dienstag:, den 3. Juli. DentscheB Opernhaus n.u.: Nanon. Frledrlcb-Wilbelmstidt Tbeater. Ti.vhr: Das Oreimäderlhaus. Kleines Theater s mir: Im Bahnwärterhaus. Komische Oper �LvwlBis Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus .•�Uhx: Die blonden ZlUdeis vom Eindenhof. Metropol-Theater T'/.uhr: Die Czardasfürstin. Neues Operettenhaus SchiHbd. 4a. KassenteL Kord. 281 t'/.u.: Der Soldat der Marie. BesidcnE-Theater rit uhr: Die Konkurrenten. Schllier-Thcater O Tv.uhr: Kammerffluslk. Schlller-Tta. Cbarlottenb. 7«/. uhr: DerBibliolhekar. Thalia-Theater iv.uhx: Sonnwendzauber. Theater am h'ollendorfpl. 7v.u-: Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7*/« u.: stolze Thea. Trlaoon-Thcatcr Tuviw. Der Star. NATIONAL-THEATER. Köpenicker Str. 68'1,8 Uhr Ein Stück aus der geten, alten Zeit! Die Lieder lies islUo! VcllSftück in 7 Bildern. Vorverkauj ob 10 Uhr. Berliner Prater-Theater Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Große Äusstattungs- Operelkenposse in 8'Alten mit Gelang und Tanz. Vorher da« groBe Varietsprogramm. Slajons«Vi Uhr. Walhalla-Theater. uhr': Zigeuner. Gartenbuhne-vorstellung. Zirkus A. Schumann Balmh. Friedrichstr. Auf. 8 U. Rauchen gest Kühler Aufenthalt. Neue Zirkus- yariete-gr�L U. a.; Kunstschützm Berta Steiner. Sr Bagr. Alpen-Spiele. Halali Parlorce- Schnitzel- Jagd. Der Polizeimeister. Ein russi- scher Polizeiromaii von(3. ZapolSla. Preis 5 Mark. Buchhandlung Vorwärts. Lilidenstraße 3, Laden.' TägL T/, Sonnt. 81/, u. 7'/, R. Steidl. A. Müller-Lincke, Gertr. Gräbner, B. 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Da er die auf einem unbebauten Grund- siiick befindliche Koblenhandlung von seiner Wohnung überblicken kann, so hat er die Möglichkeit, die Ankunft frischer Kohlenzufuhren zu beobachten. Mebrfach wurde, wenn er eiligst hinunterstieg und sich seine hundert Stück Pretzkohlen sichern wollte, ihm erklärt: .Die sind alle bestellt!* Die Kunden, die.bestellt* hatten und zuerst ihre Feuerung erhielten, waren vermutlich Abnebmer größerer Mengen. Wahrscheinlich ließen sie schon Wintervorräte einfahren, aber die Händlerin befriedigte sie vor den kleinen Leuten, die ihre paar Preßkohlen sur den Herd sofort brauchten. RatloS ging der wiederholt Ab- gewiesene schließlich zur Polizei, weil er meinte, daß sie. die sonst Allmächtige, ihm werde belfen können. Der Wachtmeister hörte ihn an und sagte dann achsclzuckend:.Fa. was ist dagegen zu machen? Fahren Sie doch auch zum Winter ein!* Leider läßt dreier„gute Rat* des kundigen Herrn Wachtmeisters sich nicht so ohne weiteres befolgen; denn nicht jeder hat es dazu, sich Preß- kohlen tausendtveis auf Vorrat hinzulegen. Der alte Mann schreibt uns, daß es jetzt ja schlimmer sei als im Winter, wo der kleine Koblenverbrainber zwar ivartend auf der Straße stehen und frieren mußte, aber dann rnanchmol sogleich voni Wagen herunter seine lgohlen kaufen konnte. Es wird Zeit, daß die geplante nach dem K a r t e n s h st e IN durchzuführende Kohlen Zuteilung den beklagten Zuständen ein Ende macht. Wo bleibt das Obst? Man schreibt uns: Für den Haushalt und Privaipersonen ist kein Obst zu haben. Die Kleinhändler haben die geringen Mengen, die sie ergattern konnten, frühmorgens bald geräumt und der größte Teil der Verbraucher ist leer ausgegangen. Geht man aber in die Restaurants und Hotels, von den elegantesten bis herab zum Volks ou-schank und Automaten, so findet man ausnahmslos Obst in sehr beträchtlichen Mengen, in Portionen rationiert, vor. Eine Portion Kirschen, etwa ein Achtel Pfund, kostet in den billigsten Kneipen 50 Pf., die gleiche Menge Erdbeeren 1 M. In Lokalen mittlerer Güte, nach Art der Groß-Bierlokale der Friedrichstadt, kostet ein kleiner Teller Kirschen schon 1 M., Erdbeeren 1,59, während in Hotel- und erstklassigen Restaurants das Doppelte und darüber verlangt und bezahlt wird. Der volkstüm liche Ausschank erzielt hiernach schätzungsweise für das Pfund Kirschen-t M., die besseren Bierlokale 6—6 M. und die eleganten Restaurants etwa das Doppelte, während für Erdbeeren auf diese Weise zwischen 8 und 29 M. erzielt werden. Zu diesen Preisen werden sehr beträchtliche Mengen umgesetzt, abgesehen von den Früchten, welche zur Bowle verarbeitet, noch ungleich höhere Erträge bringen. Es wäre aber irrtümlich, in allen diesen Fällen on übertriebene wucherische Gewinne der Gast Wirte zu denken, diese bezahlen vielmehr in zahlreichen Fällen selbst schon das Vielfache der Markt- oder Höchstpreise. Jeder Eingeweihte weiß, daß im Schleichhandel für Kirschen 2— 3 M., für Erdbeeren 5-6 M. bei Abnahme größerer Posten bezahlt werden. Kommen nicht sofort die schärfsten Bestimmungen zur Abstellung dieser Mißstände, so wird es der Bevölkerung mit allen anderen Obstarlen genau so ergehen. Man verbiete allen, gleich wie ge- arteten Ausschanklokalen, Obst in rohein oder zubereitetem Zustande feil zu halten. Der kleine Nachteil solcher Maßnahmen, daß aus Gastwirtschaftsverpflegung angewiesene Personen dort weder rohes noch zubereitetes Obst erhalten können, darf nicht ins Gewicht fallen um so weniger, als sich auch der Alleinstehende frisches Obst ander- loeilig kaufen kann. Um wirksam zu sein, müßte daS Verbot für die Rriegsdauer gelten, um großen Einkäufen zum Zwecke des Einmachens vorzubeugen. Die unerhörte Ungerechtigkeit des jetzigen Znstandes und die volkswirtschaftliche Bedeutung einer Lösung der Frage dürfte einen solchen, auf den ersten Blick hart erscheinenden Schritt genügend rechtfertigen. Ungeniestbares Dörrgemüse. AuS Wilmersdorf wird uns geschrieben: Die Stadt- gemeinde verteilte in der vorigen Woche als Dörrgemüse getrocknete weiße Mohrrübenschnitzel. Die Einwohner nahmen in Ermangelung anderer Nahrungsmittel auch zum großen Teil das Dörrgemüse, um eS nach der Zubereitung— wegzuschütten. Dasselbe ist stark ver- sandet und so mit Schmutzteilen durchsetzt, daß es zur menschlichen Nahrung völlig ungeeignet ist. Die Erregung unter der Bevölkerung über diese verfehlte Lieferung ist leider nur zu berechtigt. Soweit die Zuschrift. Es wäre endlich an der Zeit, daß die Reichsstelle für Gemüse und Obst der Zubereitung der ihr unter- stellten Nahrungsmittel eine größere Aufmerksamkeit widmet. Wir brauchen nur zu erinnern an die nicht abreißenden Klagen über sandiges und schmutziges Dörrgemüse, an die andauernd schlechte Beschaffenheit des Kriegsmus. an die getrockneten Kohlrüben und an die oslmals unzulässige Verpackung des Sauerkohls. In allen diesen Fällen sind durch Produktionsfehler größere Mengen Lebens- mittel zur menschlichen Nahrung unbrauchbar geworden und konnten oftmals kaum noch als Viehfutter verwendet werden. Den Schaden davon hatten eniweder die Städte oder die Verbraucher zu tragen. Hoffentlich werden im neuen Wirtschaftsjahr bei der Zubereitung der Lebensmittel nur die Betriebe berücksichtigt werden, die sich bisher als leistungsfähig erwiesen haben, damit bei der allgemeinen Knappheit nicht noch große Mengen Nahrungsmittel auf diese Art verderben._ Beginn der Höchstpreise für Frühkartoffeln. Die jüngst vom Bundesrat beschlossene Verordnung über die Kartoffelversorgung für das Wirtschaftsjahr 1917/18 bezreht sich erst auf die Zeit vom 16. August ab und schließt die früher geernteten Frühkartoffeln nicht ein. Nach der Bundesratsverordnung beginnt mir dem 1. Juli die Festsetzung der Höchstpreise für Frühkartoffeln. Von der Provinzialkartoffelstelle der Mark Brandenburg ist der Er- zeugerpreis für den Zentner Frühkartoffeln im Monat Juli auf 19 M., für die Zeit vom 1. August bis 14. September auf 8 M. und vom 15. September ab auf 6 M. festgesetzt worden. Für den Kreis Teltow hat der Kreisausschuß, um ein zu frühes Ausmachen der Frühkartoffeln zu verhindern, eine Verordnung erlassen, wonach das Buddeln von Frühkartoffeln bis auf weiteres verboten ist. Ausnahmen' sind nur mit Genehniigung deS Tel- tower Kreisausschusses zulässig. Durch eine weitere Verordnung des Kreisausschusses wird die Versorgung des Kreises Teltow mit.Kar- toffeln aus der Ernte 1917 geregelt. Zu diesem Zweck werden die nach dem 1. Juli geernteten Kartoffeln bci� den Kartoffelerzeugern des Kreises Teltow in Anspruch genommeü. Hiervon sind nur die Erzeuger freigelassen, die insgesamt weniger als 299 Quadratmeter Fläche mit Kartoffeln angebaut haben. Der Magistrat Berliu hat hat den Preis für den Verlans von Frühkartoffeln im Kleinhandel auf 15 Pse nnig e pro Pfund festgesetzt.. Die Regelung des Schuhwarenhandels. Die Bundesratsverordnung über die Regelung des Schuhwaren« Handels und die Verteilung der Schuhwaren an die Klemhändler ist, wie wir erfahren, i» den nächsten Tagen zu erwarten. Es sollen für den Handel mit Sckuhwaren 18 Handelsgesellschaften errichtet werden, davon eine für den Stadtkreis Berlin und eine zweite für die Provinz Brandenburg. Diesen Gesellschaften sollen 195 Bezirks stellen unterstellt werden. Die Verteilung der von den Herstellung gesellschasten angelieferten Schuhwaren liegt in den Händen des neu- zubildenden Haupt verteil ung sau ss chufses des Schuh Handels, der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet ist. Zu den Handelsgesellschaften werden die Händler von neuen Schuh waren, soweit sie bereits vor dem 1. August 1914 Handel mit Schuh waren getrieben haben, auch ohne ihre Zustimmung vereinigt. Be- stände von Schuhwaren können vom HauptverteilungSousschuß zur Ueberlassung an eine Gesellschaft gegen angemessenen Preis an- gefordert werden. Mit dem Verlangen der Ueberlassung von Schuh- waren geht das Eigentum an diesen bereits an die Gesellschaft über. In der Bundesratsverordnung werden weiterhin Bestimmungen über die Beschlagnahme von Schuhwaren durch den Hauptver teilungsausschuß betroffen. Alle Schuhwaren werden nach Erlaß der Verordnung unmittel- bar an die Kleinhändler von den Vertriebsgeiellschaften geliefert werden. Die Großhändler erhallen eine Entschädigung, der vom Gesamtumsatz bis zur Höhe von 399 Millionen Mark 1>/, Proz., über diesen Betrag hinaus 1 Proz. beträgt. Eine zwangsmäßige Stillegung von Schuh-KleinhandelSgeschäften ist nicht beabsichtigt, dagegen ist anzunehmen, daß in manchen Orten mehrere Klem- Handelsgeschäfte ihre Läden freiwillig zugunsten eines Händlers schließen werden. Auch diese verzichtenden Kleinhändler sollen ent schädigt werden. Die Verkaufspreise an die Verbraucher erfahren keine Erhöhung, weil die für die Unkosten usw. vom Kleinhandel abzuführenden'6 Proz. innerhalb der Richtsätze für die Schuhpreise liegen._____ Ter türkische Unterrichtsminist er Schäkri Seh befichtigte der- schiedcne städtische Schulen und wohnte einigen Unterrichts stunden bei. BüchcrauSgabe und Lesesaal der Stadtbib liothek, Zimmer flraße 99/91, bleiben in der Zeit vom 9. bis 14. Juli einschließlich für jeglichen Verkehr wegen außergewöhnlicher Reinigungsarbeiten geschlossen. „Fleischlose Tage" in der Weinstube. Das Kriegswucheramt bat dem Gastwirt Fritz Büttner, Berlin, Potsdamer Str. 82a, Filialleiter der Wein st üben Maurer u. Bracht, Werder- scher Markt 7, den Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere die Abgabe von Speisen und Getränken in Gastwirt- schasten, untersagt. Unter das Verbot des Handels fällt auch die Tätigkeit als Angestellter in einem Gastwirtschaftsbetriebe. Büttner hatte seinen Gästen reichlich Fleisch ohne Fleisch marken abgegeben. An einem„fleischlosen Tage* wurden 127 Portionen Schweinebraten, Wildbraten, Schnitzel, Leber, Kotelette und W u r st verabreicht. Das Fleisch dazu kaufte B. von Schleichhändlern. Der Oekonom Karl Ostermann, Charlottenburg, Kastanienallee 1, lieferte ihm ein Schwein: der Schlächtermeister Emil PodewilS aus Neustettin brachte selbst in Reisekörben Schweine und auch Kalbfleisch: der Jagdaufseher Ludwig Luppa, Schöneberg, Feurigstr. 45, schaffte Hammel- und Kalbfleisch und ein ganzes Rotwild heran: alles „unter der Hand*, dafür aber zu entsprechenden Wucherpreisen. Die Beteiligten werden sich sämtlich vor dem Strafrichter zu ver- antworten haben. „Rittmeister v. Arnim" verhastet. Der Gauner, der, wie wir berichteten, vor einiger Zeit bei einem Hofjuwelier in der Friedrich straße den dreisten Roubdicbstahl verüble, ist jetzt in Gleiwitz er- griffen worden. Es handelt sich um einen ffrüherem Landwirt HänS Ei s en s chm i d t aus Strasburg-M Westprrußen. der auch sonst noch allerlei Schwindeleien ausgeführt hat. Die Koksknappheit in Charlottenburg. Die Gaswerke der Stadt Charlottenburg geben Koks a» kleine Selbstverbraucher ab. Infolge der Brennstoffknappheit ist aber der Bedarf an Koks außerordentlich gestiegen, so daß die Gaswerke die Nachfrage nicht befriedigen können. Vor der Gas- anstatt in der Gaußstraße, wo täglich von Uhr morgens ab die Koks marken gegen Vorweisung der Lebensmiltekkarte ausgegeben werden, ist seit einiger Zeit ein seltsames Schauspiel zu beobachten. Schon in dunkler Nacht, ja, schon am vorhergehenden Abend finden sich Koksholer ein, die bis zum nächsten Vormittag hier mit ihren Wägelchen und Karren warten. Es klingt kaum glaublich, ist aber Tatsache, daß diese be dauernswerten Leute acht, zehn, zwölf Stunden aus- harren, um schließlich ihre zwei Hektoliter Koks mitnehmen zu können. Als sehr bitter wird es empfunden, daß selbst nach viel- ständigem Warten man noch nicht sicher ist, wirklich etwas zu be kommen. Die Gaswerke können, weil die Koksausbeute zurzeit nur niäßig ist. täglich nicht mehr als 399 Hektoliter Koks abgeben, so daß bei Berneffung der Portion auf zwei Hektoliter nur 159 Haus- Haltungen pro Tag beliefert werden. Nachdem uns Klagen über Abweisungen zugegangen waren, haben wir am Freitag uns selber davon überzeugt, daß nach Austeilung der 159 Marken noch etwa 59 Personen übrig blieben, d i e leer ausgingen. Darunter waren Frauen, die uns versicherten. bereits seit nachts 2 Uhr gewartet zu haben. Das Verlangen, daß durch Einführung eines anderen Ver- fahrenS bei der Martcnverteilung solchen Zustände» schleunigst ein Ende gemacht wird, ist durchaus berechrigl. Die Hauptschwierigkeit liegt freilich darin, daß die bei der Gaserzeugung abfallende Koks- menge weit hinter der Nachfrage zurückbleibt. Obwohl auf jede Lebeusmittelkarte im Monat nur zwei Hektoliter KokS gegeben werden, können die Gaswerke den Andrang nicht bewältigen. An der Beschränkung auf im ganzen 399 Hektoliter für jeden Tag ließe ich auch dann nichts ändern, wenn mau die Marken auf Vor« rat ausgäbe und für die KokSabholung je 159 Markeninhaber einem bestimmten Tag zuwiese. Immerhin könnte hierdurch an dem setzigen Zustand, der wieder mal nur den Stärkeren und Widerstands- fähigeren zugute kommt, manches gebessert werden. Neukölln. Einlösung derKohlenscheine der Kricgerftauen. Nachdem die Gültigkeitsdauer der Kohlenkarten mit dem 39. Juni abgelaufen ist, hat sich der Magistrat veranlaßt gesehen, die Gültigkeitsdauer bis zum 15. Juli einschließlich zu verlängern. Es werden daher bis zu diesem Tage sämtliche noch im Umlauf befindlichen Kohlenscheine durch die zuständige Kriegsunterstützungszahlstelle eingelöst. Auch ür Teile von Kohlenkarten wird der entsprechende Wertbetrag aus- gezahlt. Nach dem 16. Juli findet eine Einlösung der Kohlenkarten aus keinen Fall mehr statt.__ Schöncbcrg. Die Ferienausflüge der Kinder können in diesem Jahre nicht nach dem Grunewald unternommen werden, da es der Straßenbahn an Wagenmaterial und Personal mangelt, sondern gehen nach dem Spielplatz an der Rubensstraße hinter- der Nathanaelkirche. Der Ordnung wegen müssen die Kinder in der Spedition angemeldet werden. Jedes Kind erhält eine Ausweiskarte, die vor Verabfolgung der Erfrischungen borgezeigt werden muß. Verloren gegangene Karten werden nicht ersetzt. Jedes Kind hat einen Trinkbecher mit- zubringen. Es wird ein Getränk und eine-Schnitte Brot verabfolgt. Anmeldungen der Kinder müssen bis Sonnabend, den 7. Juli, nach- mittags 3 Uhr erfolgt sein, spätere Meldungen können nicht berück- ichtigt werden. Genossinnen, die gewillt sind, als Aufsichtspersonen mitzuwirken, werden gebeten, sich spätestens bis Freitag, den 6. Juli,! m der Spedilion zu melden.' 1 Spandau. Städtische Lebensmittel. Die auf Feld S zu ver« teilenden 3 Eier sind für die Zeit bis zum 15. Juli bestimmt. Da die Geschäfte nur nach und nach beliefert werden können, ist es nicht ausgeschlossen, daß die größten Lieferungen erst in der letzten Woche erfolgen. Jedenfalls liegt kein Grund zur Beunruhigung vor, falls ein größerer Prozentsatz in den ersten Wochen die bor- gesehene Eiennenge noch nicht erhalten kann. Der Preis für die den Geschäften überwiesenen ausländischen Gemüsekonserve» sKarotten) beträgt 1,35 M. pro Dose. Wcißcnsec. LedenSmittelnachrichten. Auf Entnahme von Kar- toffeln ist in dieser Woche nicht zu rechnen. Als Ersatz werden pro Abschnitt je 79 Gramm Mehl oder 199 Gramm Gebäck gewährt. Außerdem wird abgegeben auf die Kortoffelkarte Abschnitt 67b und i je 125 Gramm Teigwaren, Abschnitt 621 125 Gramm Grieß, Ah« schnitt 62 d 125 Gramm Südfruchtmarmclade, Abschnitt 62b 125 Grannn Hülsenfrüchte. — Neuregelung der Teuerungszulagen. Mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1917 sind die Teuerungszulagen für Arbeiter. An- gestellte und Beanite der Gemeinde nach einem Beschluß der letzten Gemeindevertretersitzung wie folgt festgesetzt worden: Mit einem Jahresgehalt bis zu 2999 M. werden gewährt für diejenigen ohne Kinder 15.—, 1 Kind 27,—, 2 Kinder 49,—, 3 Kinder 54,—, 4 Kinder 69.—, 5 Kinder 85,—, 6 Kinder 199,— M. für den Monat, von 2999-5499 M. Jahreseinkommen ohne Kind 12,—, 1 Kind 23,—, 2 Kinder 35,—, 3 Kinder 48,—, 4 Kinder 62,—, 6 Kinder 77,—, 6 Kinder 99 M., und von 5499—8499 M. Jahreseinkommen desgleichen, mit 1 Kind 19,—. 2 Kinder 21,—, 3 Kinder 33,—, 4 Kinder 46,—, 5 Kinder 69,—, 6 Kinder 79 M. Nicdcrschönhauseu. LebcnSmittelnachrichte». In dieser Woche gelangen 125 Gramm Graupen und 125 Gramm Haferfabrikate zur Verteilung. Haferflocken für Kinder und Kranke sind vergriffen, wo- für als Ersatz im Gemeindeladen. Tresckowstraße, 1li Pfund Keks gegen Vorlage des ärztlichen Ältestes verabfolgt wird. Von der Ge- nieinde sind 1999 Liter Kunst-Himbeer-Sirup angekauft und werden in der nächsten Zeit zum Verkauf gelangen, ebenso ein überwiesener größerer Posten Käse, der ähnlich wie früher der Talg zur Ver- teilung gelangen soll.— Kartoffeln können auch in dieser Woche nicht verabfolgt werden, dafür gibt eS wieder Mehl resp. Gebäck. Butter 59 Gramm, Margarine 30 Gramm. Rahnsdorf. Eierhamsterei. Wie wir erfahren, hat die Gemeinde Rahnsdorf kürzlich pro Kopf 59 Eier zum Einlegen verteilt. Do, soweit uns bekannt, in den anderen Vororten Eier zum Ein- legen noch nicht verteilt worden sind, so dürfte es sich jedenfalls um einen umfangreichen Schleichhandel oder eine ungerechte Verteilung innerhalb des Kreises handeln. Aufklärung ist dringend erwünscht. Groß-Serliner parteinachrichten. Neukölln. Dienstag fand eine Versammlung des Bezirks Neu- kölln statt, in der Genosse Scholz den Bericht der sozialdemokra- tischen Stadlverordiieteiifraktion erstattete. Redner führte aus: Ikaturgemäß erstreckte sich die Tätigkeit der Fraktion hauptsächlich auf die Kriegswirtschaft, die die volle Arbeitskrast der Fraklion in Anspruch genornmen hat. Durch die Kriegssürsorge werden bereits weit über 199 990 Einwohner unterstützt, die gesamten Ausgaben der Ilnterstützungsfürsorge betragen bereits 69 Millionen Marl. Auf dem wichtigen Gebiete der Lebensmittelversorgung hat die Stadt Anerkennenswertes geleistet. Besonders durch die Aus- schaltuna des Großhandels ist es möglich gewesen, weniger Waren durch diese Kanäle berschwiyden zu lassen und Extraportionen zu verteilen. �Da§ System der eigenen Regie hat sich in der Lebensmittel- veifforgung geradezu glänzend bewahrt. /Allerdings ist es oft nur schwer möglich gewesen, diese durchzuführen, da andere Gemeinden einen ziemlich starken Druck ausübten, um Neukölln au die Groß- Händler zu binden. Die Lebensmittelversorgung ist in letzter Zeit immer schlechter geworden, da freie Waren nur noch selten zu kaufen sind. Die Stadt ist infolgedessen heute eigentlich nur noch Waren- Verteiler. Wenn fie. nichts erhält, könne sie natürlich auch nichts verteilen. Auf dem Gebiete des Verkehrswesens erwähnt Redner die beiden Scknellbahnprojelte und den Zusammensturz der Ufermauer am Neuköllner Hafen. Dieser Zusammensturz wird der Stadt nach dem Kriege noch enorme Kosten verursachen. Die Finanzlage der Stadt wird die größte Aufmerksamkeit erfordern. Darüber herrscht Uebercinstimmung, daß die der Stadt durch den Krieg erwachsenen finanziellen Verpflichtungen durch Steuern nicht gedeckt werden können. Schon im Herbst ist man dazu übergegangen, durch Ankauf von Braunkohlenfeldern eine zukünftige Einnahmequelle zu erschließen. Um nun systematisch derartige Quellen zubekommen, ist in letzter Zeit eine ständige Deputation zur Prüfung der Frage der Beteiligung der Stadt an wirtschaftlichen Unterneh« mungen ins Leben gerufen, die bereits mehrere große Projekte in Angriff genommen hat. Redner verlangt weiter, daß solange ein einheitliches Groß-Berlin nicht besteht, auch auf dem Wege des Lastenausgleichs den Arbeitergemeinden geholfen werden muß. Zum Schluß erörtert Redner noch die großen sozialen Ausgaben, die die Gemeinden nach dem Kriege zu erfüllen haben. In der Diskussion wurden vor allem Mißstände in der Krankenernährung und Milcb- Versorgung vorgebracht, die die Genossen H e i�t m a n n und Groger veranlaßten, noch näher auf diese Gebiets einzugehen. Mit einem warmen Appell de§ Vorsitzenden, Genossen Fiedler, sich mehr an der Parteiarbeit zu beteiligen, wurde die gutbesuchte Versammlung geschlossen._________ Jroa Kupfer vor öen Geschworenen. Die Verhandlung wurde gestern wieder ausgenommen. Die ZeugenvernHmung geht in der bisherigen, eintönigen Weise weiter. Die Angeklagte gibt fast in jedem einzelnen Falle ohne Umschweife zu, den Zeugen durch die bekannten. Vorspiegelungen Sand in die Augen gestreut zu haben. Besonders interessant ist der Fall des Zeugen Isidor Rosen- t ha l, eines Po jener Kaufmanus. Der Kaufmann Alexander Bau in in Schroda hatte den Zeugen auf Frau Kupfer und deren Geschäfte aufmerksam gemacht und bei seiner Anwesenheit hat der Zeuge der Frau Kupfer einen Besuch abgestattet imd sich von ihr Aufklärung aiber ihre Geschäfte geben' lassen. Sie erklärte u. a. auf. allerlei Bedenken des Zeugen, daß die Ein- und Verkaufspreise der Kontrolle der Z. E. G. unterständen und die Verkäufer im Aus- lande billiger an private Unternehmer als an die Z. E. G., die nicht ehr beliebt sei, verkaufen. Der Zeuge hatte aber zunächst keine Lust zu einer Beteiligung. Am nächsten Tage wandte er sich an eine große Bank und bat um Auskunft übe r F rau K. Diese lautete/nicht schlecht und die Datsache, daß Frau K. schon den Offenbarungseid geleistet habe, wurde damit erklärt, daß dies mit einem Erbschaftsstreit zusammenhänge. Der Zeuge hatte aber auch �hiernach keine Lust zu einer Beteiligung. Da aber- Herr Baum in Schroda ihn doch ersuchte, sich mal von Frau Kupfer deren Dokumente und Briefe vorlegen zu lassen, ging der Zeuge noch einmal zu der Angeklagten hin und da wurden ihm dann all die bekannten schönen Fälschungen vorgelegt. Frau Kupfer imponierte den Zeugen auch durch den Hinweis auf ihre ausgezeichneten hohen Verbindungen und zeigte ihm einen— von ihr ge- chickt vordatierten Brief, der zeigen sollte, daß sie auf Grund bester Informationen vor der rumänischen Kriegserklärung daraus aufmerksam gemacht worden sei, daß in 8— 14 Tagpn, spätestens aber, in vier Wochen der, Krieg mit Rumänien ausbrechen werde. Da sie als Einleger auch viele hochstehende Männer nachweisen konnte, sagte sich der Zeuge, daß solche Sachen nicht auf Schwindel Berufen können und entschied sich dann für Beteiligung Er sagte der Angeklagten, daß er gar nicht einen so hohen Verdienst hohen wolle, sie meinte aber, ihr tue jeder Einleger einen besonders großen Gefallen, denn die Ansprüche der Generalkommandos aus Lieferung seien so riesengroß, daß sie fremde Gelder aufnehmen müsse. Dem Zeugen fiel es auf, daß in den Verträgen immer nur davon die Rede war, daß die'Einleger am Gewinn Beteiligt seien, von einer Beteiligung am Verlust aber kein Wort darin st a n d. Auf sein Ersuchen wurde in dem mit ihm abgc- schlossenen Vertrage, bei dem es sich um ein Kaffecgeschäft in Höhe von l 970 000 M. handelte, seine Beteiligung auch am Verlust vermerkt wurde. Der Zeuge fuhr dann zur Kommcrz- und Dis- kontobank, holte sich einen Scheck über 100 000 M. und lieferte diesen und 30 Tausendmarkscheine als Einlage bei Frau Kupfer ab. Frau Kupfer gab dafür einen Wechsel. Der Zeuge fuhr dann noch Hause, wenige Tage darauf war Frau K. verhaftet. Der Zeuge eilte wieder nach Berlin, um möglichst noch-den Scheck zu retten, erfuhr aber, daß der Scheck schon am Tage der Ausstellung abgc- hoben worden war. Eine Reihe von F r a u e n, die sich mit verhältnismäßig kleinen Beiträgen beteiligt hatten und denen ihre Gewinne nach dem Maß- stab von 10 Proz. zweimal im Monat bis zum Januar prompt aus- gezahlt worden sind, haben nur kleine Verluste erlitten. Auf die Frage, wieso denn solche hohen Gewinne gezahlt werden können, gab Frau K. fast immer die Auskunft, daß dies sehr gut möglich sei, da sie die Beträge fünf- bis sechsmal im Monat umsetze. Die Sitzung wurde auf Dienstag vertagt. Soziales. Aenderang des Wahlrechts für die deutschen Handwerks- kammer«. Der geschäftsführende Ausschuß deS deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages bat in seiner letzten Sitzung Beschlossen, der für den September dieses Jahres in Aussicht genommenen gemein- samen Tagung der deutschen Handwerks- und Gewerbekammern unter anderem eine Aenderuna des Wahlrechts für die Handwerks- kammern vorzuschlagen. Es'wurde hierzu folgender Antrag Be- Ichlossen: .Der Deutsche Handwerks- und GewerBekammertag erkennt an. daß nach den bisherigen Vorschriften über die Wahlen zur Handwerks- kammer nach K 103a der ReichSgewerbeordnung weile einflußreiche Kreise deS deutschen Handwerks insbesondere Preußens von der Mit- Bestimmung für die Wahl der Vertreter zur Handwerkskanimer aus- geschaltet sind, lim das durch den Krieg geschädigte Handwerk so schnell wie irgend möglich wieder voll leistungsfähig ,u gestalten, ist es notwendig, alle im Handwerk schlummernden Kräfte zu tätiger Mitarbeit bei der Vertretung des Handwerks heranzuziehen. Als ein geeignetes Mittel hierzu empfiehlt der Kammertag für die Wahlen zur Handwerkskammer die Einführung eines all- gemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts für alle selbständigen Handwerker, die ihren Betrieb gemäß§ 14 der Reichsgewerbeordnung angemeldet und mindestens drei Jahre im Kammerbezirk ausgeübt haben. Zur Hebung deS Ansehens des Handwerkerstandes ist es notwendig, die Vorbereitung und Durch- sllhrung der Wahlen zur Vollversammlung, soweit dieses noch nicht durch die einzelnen Wahlordnungen geschehen ist, den Handwerks- kammern zu übertragen." Die übrigen VerhandlungSgegenstonde betrafen Vorschläge für den Ausbau deS Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages und für die weitere Ausgestaltung deS beruflichen und wirtschaftluhen Zusammenschlusses des Handwerks. Der Stcllcnvcrmittlcr und seine baren Auslagen. Die Frau eines ländliche» Besitzers kam eines Tages in das Bureau eines Stellenvermittlers D., um ein Mädchen zu mieten. Es war gerade kein Mädchen da, die Frau S. wurde deshalb aufgefordert, wieder zu kommen. Ehe sie sich entfernte, erklärte sie, sie müßte auf jeden Fall ein Mädchen haben, koste es. waS es wolle. Nachdem Frau S. weg war. kamen sieben Mädchen, die Stellen suchten. D. mietete die Mädchen für die Nacht in einem Gasthof ein, wofür er 14,75 M. zahlte. Am anderen Tage mietete eine Beauftragte der oben erwähnten Bäuerin S. ein Mädchen bei D. Dieser stellte nun der Frau S. neben der taxmäßigen Gebühr die 14,7ö M. Logisgeld, das er jllr die sieben Mädchen gezahlt hatte, mit in Rechnung, nämlich als bare Auslagen, die das Mietgeschäst erfordert hätte. Dabei stützte er sich auch auf die Worte der Frau S. vom Tage vorher, daß sie ein Mädchen haben müßte, es koste, was es wolle. Frau S. hätte sich von den sieben Mädchen eins aussuchen sollen. Der Slellcnvermittler wurde auf Grund des Slellenvermittler- gesetzes vom 2. Juni 1910 angeklagt. Es wurde ihm eine Heber- tretung des§ 5 Absatz 3 vorgeworfen. Danach dürfen neben den Gebühren keine Vergütungen anderer Art erhoben werden, während die Erstattung barer Auslagen nur insoweit gefordert werden darf, als sie auf Verlangen und nach Vereinbarung mit dem Auftrag- gehcr verwendet und als notwendig hinreichend nachgewiesen sind. Das Landgericht verurteilee auch den Angeklagten wegen Ueber- tretung der Bestimmungen zu einer Geldstrafe von 100 M. und führte aus: Es handle sich hier nicht um bare Auslagen im Sinne der Bestimmungen. Weder sei«n sie vereinbart, noch liege ein ent- sprechendes Verlangen der Frau S. vor. Als ein Verlangen. eventuell ankommende sieben stellungsuchende Mädchen für die Nacht einzumieten, könne es nicht ausgelegt werden, wenn Frau S. sagte: Ich muß unbedingt ein Mädchen haben, eS koste, was es wolle. Deshalb schon sei die fragliche Erstattungsforderung des Angeklagten ungerechtfertigt gewesen. Im übrigen wäre anzunehmen, daß An- geklagter die Mädchen eingemietet habe, um sie allgemein für sein Gewerbe als Stellenvermittler zur Verfügung zu haben. Es handle sich um allgemeine Geschäftsunkosten, nicht um bare Auslagen im Sinne des Z 5 Absatz 3. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten ein- gelegte Revision, das Landgericht habe den Begriff der baren Aus- lagen im Sinne des StellenvermittlergesetzeS richtig gewürdigt. Umstellung der Brauereibetriebe. Die Umstellung der Brauereibetriebe auf andere, zeitgemäße und volkswirtschaftlich wünschenswerte Zwecke hat während des zweiten und dritten KriegSjahrs mehr und mehr Fortschritte ge- macht. So teilt der Geschäftsbericht 1916 der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenosienschaft, Sektion IX sRbeinland- Westfalen, beide Hessen, Lippe usf.) mit, daß vielfach die Mälzereien auf das Dörren von Gemüse und sonstigen Landeserzeugnissen umgestellt worden sind und infolge besten die Zahl der in ihnen beschäftigten Personen sogar zugenommen hat. Wenn unter den Versicherten des genannten Gebiets jetzt 1902 weibliche Personen aufgeführt werden, so sind diese sicherlich in erster Linie gerade in diesen neuen Betriebs- weisen beschäftigt. Jugenüveranftaltungen. SSeibcnice. Da5 Arbeiter-Jügendbcim in der Charlotten' b u r g c r, E ck e Z a s l o sl r a ß e ist von jetzt ab Dienstags und Donners- tags, von 8—'.tO Ubr gröftnct. Donnerstag, 5. Juli, findet im Heim eine wichtige Heimbejuchcroersammlung statt, zu der zahlreicher Besuch er- wünscht ist._ Sriefkaften der Redaktion. Fl. 26. Berlin C 54, Linienflr. 83)85.- f h. D. 1887. 1. Ist kein NeichstagSabgeordneter.-2. Dadurch erledigt. 3. Minderheit.— Z. 100. 1..Ueber den Einfluß des Morphiums aui den Magen". Preis 50 Pf. Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts. 2. Ihre Frau wird in diesem Falle Witwengeld erhalten, wenn sie leibst 200 Marken geklebt hat; wie hoch daS Witwengeld ist, können wir nicht tagen, da wir nicht wissen.>n welcher Klasse und wie viel Marken Ihre Frau geklebt hat.— W. L. 100. Das kann dem Sohne nicht hinderlich lein.— Fr. 828. Der Fall ist unS nicht bekannt.— R. K. 29. Der Meister ist nicht ersatzpflichtig.— S. Ja. — A. 50. Staatliche Unterstützung 10 M. Die Unterstützungen der Ge- meinden sind unterschiedlich, in Berlin werden sie in gleicher Höbe wie die staatliche gezahll.— H. E. 42. Gültigkeit haben nur die nach 1312 gc> klebten Marlen, die Anwartschaft aus den vordem geklebten Marken würde erst wieder anjleben. wenn Ihre Frau mindestens 200 Marken geklebt bat. - 21. H. 11. 1. Ja. 2. In der Voraussetzung, daß das Schreiben Ihres Schwagers als rechtsgültiges Testament anzuseben ist. halten Sie Anspruch aus die Sachen, da Pflichlerben nach Ihrer Darstellung nicht vorhanden sind. 3. Nein, das darf sie nicht.— F. 21. 9. Herzkrank, schlechte Zähne, Plattfuß und Nervenleiden.— Or. M. 28. y erzleidend, zurückgestellt. — P. R. 8. Darin hat sich jetzt nichts geändert gegen die ersten Kriegs- jähre, Unterstützung wird verweigert, wenn sich in den Verhältnissen der Frau nach Eingehung der Ehe nichts geändert hat.— F. Z. 13. Di- Untcrstützung wird in diesem Falle nicht nachgezahlt, der Antrag hätte längst gestellt werden müssen. Sic lönnen später zur Nachzahlung der Alimente verpflichtet werden, auch zur Zahlung der Kosten des Rechtsstreites. — Rgl., Treptow. Eine solche Stelle ist uns nicht bekannt. Wenden Sie sich aber an den Ticrschutzvercin, Schicklerstr. 5.— Berlin-Leobschütz. Wenn das Kind jetzt als daS Ihrige anerkannt ist, haben Sie Anspruch aus Unterstützung.— N. M. 100. Die Aufnahme soll in der Regel zwischen dem 15. und 16. Jahr erfolgen: die Anmeldung hätte beim Kommandeur des Aufenthaltsortes zu erfolgen.— M. P. 436. Das Gesuch wäre an das Generalkommando zu richten, dem der Truppenteil Ihres BaterS untersteht: der Grund erscheim uns nicht als ausreichend. —(?d. N. 213. 1. Z!ein. 2. Wie lange«ic noch im Heeresdienst bc- halten werden, wisien wir nicht, die Entlassung liegt in der Kommando- gcwatt des Kaisers.— M. 21. 7. 1. Nein, i&ic meinen doch zur Hlljs- dienstvflicht? 2. Ja, wenn Sie einen Abkehrschein von der Firma er- halten, sonst müsien Sie erst die Ausstellung eines solchen beim Kriegs- ausschuß beantragen. 3. Ja.— Reinhold M. I. Da Sie im ver< gangcnen Jahre kein volles Jahresverdienst hatten, so wird der jetzige Verdienst zur Grundlage genommen. 2. 176,30 M. Gememdestcuer. also insgesamt 237,40 M. jährlich.— B.®. 30. Die Kündigung kann auch in diesem Falle erfolgen und Sie sind zur Räumung der Wohnung ver- pflichket.— Kriegskasse. Ein bis zwei Jahr.— Staatsbürger. 1. DaS Polizeipräsidium hat die Berechtigung dazu. 2. Beschwerde dagegen er- scheint uns zwecklos. 3. Nein. 4. Ja.— 921. Sch. 100. Wir halten den Lehrvertrag in diesem Falle noch für verbindlich bis eventuell zum 1. Ottober. ES würde sich aber empfehlen, beim Vorstand der Innung darüber Rücksprache zu nehmen. BSetterauSsichten kür daS mittlere Norddeutschland bis Mittwoch mittag. Westlich der Oder ein wenig wärmer und vielfach beiler; im Osten ziemlich kühl, überwiegend bewölkt mit leichten Regen- sällen. Leiirllliriflmstimi Hroji-Serlin (Sozialdemokratische?aHei Donnerstag, den S. Juli tSI7, abends 8 Uhr: Versainmlunx im„Lehrer-Vereinshause", Alexanderstr. 41. Tagesordnung: 302/12' Sie Kohlenversorgung im kommenden Winter. Referent: Stadtverordneter Adolf Ritter* ■ Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt!—» Eintrittskarte« sind bei den Borstandsmitgliedern und im Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, Hof II, 3 Treppen, zu haben. Telephon: Amt Moritzpi atz 364.__ Der Bezirksvorstand. Zur Ausicheidang: aller scharren und kranken Stoffe aus Blut und Sfiften, gegen Blutverdickung. Blutandrang, rotes Gesicht, Hautunreinigkeiten ist mein Bl u ir einig n» g sp al ver SaKarln seit über 25 Jahren wirksam erprobt. Versand d. Nachnahme Otto Reichel, Berlin 43. Efsenbahnstr.dj H.Pfau, Bandagist ®�,in Direksenslraße 20 zwischen Babnbos Alepanderplätz und Polizeipräsidium.— Amt Xst. 3208. sillr Damen Frauen-Bedienung.* Lieierant für alle Krankenkasien Terrain, 82 Morgen am See, bester Moorboden, Daben- dors, Vorortjtrecke Zossen, geregelte Straße, elettr. 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Angehsrige technischer Berufe U.Handwerker sollen nicht versäumen, Ihre Kenntnisse und Fertigkeüen der kommenden Zeit«nzupsssen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschatten zu erwerben, sind die technischen Selbstunterrichtswerke„Syst.Karnack. Hacbteld". 80 S. starke Broschüre kostenlos. Bciuiess A Hachfeld, Pslsdam, "— Poslfacü 167 YeMd.Gemeinde-D.Mait Filiale GroB-Berlln. Den Mitgliedern geben wir Hiermit Nachricht vom Tode deS Kollegen M» Sommer (Militär-Urlauber) von der 24. Revier-Jnspektion der Gaswerke. Beerdigung am Mittwoch, den 4. Juli, nachmittags>/,2 Uhr, auf dem Garnifon-Friedhofe in der Hafenheide, Ehre seinem Andenken 1 Um rege Beteiligung bei der Bestattung deS Kollegen ersucht 36/20 Die Ortsverwaltung Als Opfer dieses Weltkrieges starb ain 22. Juni, nach zweiund- zwanzigmonatigen Kämpfen, an seiner schweren Verwundung unser heißgeliebter Sohn, Bruder, Schwager, Neffe, Better und Enkel, der Musketier 1061A Hans Tschaege im blühenden Alier von 22 Jahren. In tiefstem Schmerz die trauern- den Eltern Franz Dlchaege. Marie Tschaege geb. Böller, als Geschwister t Willi, Bruder, zurzeit im La- zarett, Klärchen, Schwester, Georg, Bruder, tranz, Bruder. ieschen, Schwester, Margarete Köppeu, als Schwester, Artur Köppeu. als Schwager, und Verwandten. Er hoffte aus ein Wiedersehen. Ruhe sanft in Feindesland 1 Du starbst an Deinen schweren Wunden, Die FeindeSkuget traf Dich schwer; Vorbei deS Lebens aold'ne Stunden, Für Dich und uns gibt'S keinen Frühling mehr. ES ist so schwer, wenn sich- zwei liebevolle Augen schließen. Zivel Hände ruh'n. die einst so srob geschafft, lind uns're Tränen still und leise fließen, Nicht vor der West, daheim in stiller Nacht. Ein großes Glück, ein gold'neS Herz haben wir besessen! Jetzt schlummert eS, auj ewig unoer. geffen. Hab' tausend Dant sür Deine Lieb' und Müh', In unsern Herzen stirbst Du nie! Am 22. Juni 1317 verstarb fern von der Heimat alS Opter des Weltkrieges unser lieber Kollege, der Dreher Lnivk Zeidlep an Unterleibstyphus. 106A Wir verlieren in ihm einen treuen und ausopfernden Kollege») der stets voll und ganz unsere Interessen vertrat. Wir werden seiner stets gedenken. Die Kolleginnen und Kollegen der Firma Fleck& Co., Müllerstr. 30. Nach jahrelangem, schwerem Leiden verstarb am Sonnabend, den 30. Juni, nach 26 jähriger Ehe meine liebe Frau �grtka Zeiske geb. Herbst im Alter von 49 Jahren. Um stille Teilnahme bittet der trauernde Gatte Hebert XeimUe. Cöpcnicker Straße 18t Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Jatobi. KirchhojcS, Her- mannstraxe, auS statt. 5058L Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau. unserer guten Mutter fr-anzisks Wenzel sprechen wir allen Teilnehmern, de- sonders Herrn Stadtverordneten Dupont für seine trostreichen Worte unteren Dank aus. Im Namen der trauernden Hinter. bliebcnen 50502 K. Wenzel. SpeziaWlrzt »r. med. Hasche, Friedrichstr. 90©ÄÄ Bedandl. von Syphilis, Haut-, Harn-, Frauen leid. ,i|)tj.chnm. Fälle. Ehrlich-Hata-Kuren, ichmerz. soje. lürzeste Behandlung ohne Be- rut«störung. Btutunierjuchung. Mäg. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10—1 und 5—8, Sonnt, 11—1. „Atan)all-Straussenfedern sind di© besten. nAtama"-Edelstraussfedern die allerbosten und bleiben 10 Jahre schön. „Atama-'-Stranssfodern koston 50 cm lang 12 dl, 55 cm lang 18 M.. 60 cm lang 25 JJ. Atama- Edelst raussfedern kosten 40 cm lang 16,— M-, 45 epi 25,— M-, 50 cm 30,— M-, 55 cm 42,— M.. 60 cm 4L.— M. Versand nur direkt durch Hesse, Dresden, ßcheaelstr, Einzeln« Probefedern pr. Xaohn, ttr.m— 1�17 4 Petersburg im Zeichen öer Wahlen. In einem anschaulichen Brief an daS finnische.Hufvudstad- iiladel" schildert dessen Petersburger Korrespondent nicht ohne Humor, wie eS bei den kürzlich dort stattgebabten Gemeindewahlen zuging, fcen_ ersten, bei denen daS neueingefiihrte allgemeine Wahlrecht in Rußland mit seinen 70 Proz. schreibunkundiger Bürger ausgeübt wurde:.Unter der Zarenherrschaft setzte sich die Petersburger städtische Duma auS Vertretern der Hausbesitzer und fotider Mieter zusammen, die mehr als 1200 Rubel jährliche Miel« bezahlten. Die Folge war. daß eine kleine Klique von fortschrittlich gesinnten GeschästSleuten den städtischen Hau«- holt ganz in die Haud bekamen und sich weit mehr um ihre eigenen Vorteile als um Wohl und Geiimdheit der Ein» wohnerichaft bekümmerten. Zwar wanderten jedes Jahr ein paar Mitglieder dieser.Gemeindevertretung' inS GefäiHgniS, weil sie sich bei einem allzu unverschämten Raubzug hatten erwischen lassen, aber stets füllte»euer Nachschub die entstandenen Lücken sogleich auS, und Petersburg blieb in seinem paradiesischen Zustand ohne Kanalisation, ohne Stadtbahn, ohne Parkanlagen, mit unwegsamen Straßen, über- füllten Straßenbahnen, ungesunden Wohnungen usw. Durch die Arbeit dieses Magistrats ist Petersburg nicht nur die teuerste Hauptstadt der Welt geworden, sondern auch die am schlechtesten verwaltete, die am wenigsten für Hygiene und sonstige Kultursörderungen auSgab. AuS oll diesen Umständen ist die Bedeutung einer Demokratisiernug der städtischen Duma ohne weiteres zu«lehnen, zumal sie noch durch eine Ber- desierung in anderer Richtung unterstützt wurde. Da Petersburg» Bevölkerung annähernd drei Millionen zählt, beschloß man. nach dem Borbilde Londons verschiedene BezirksdumaS einzuführen, deren Mitglieder die Angelegenheiten ihrer Bezirke zu verwalten und Abgeordnete in die gemeinsame Zentralstadtduma zu entsenden haben. Die Wahlen zu diesen Distriktdumas waren es. die nun zum ersten Male Mitte Juni auf Grund deS allgemeinen, proportionellen Stimmrechts stattfanden. Schon die AuS- schreibung der Wahllisten und die Verteilung d er Stimm» zeltel war eine gewaltige Arbeit; doch wurde sie in weniger als einem Monat beendet. Jeder Bezirk wurde in einen Ilnterbezirk eingeteilt, der 1b 000 bis 25 000 Wahlberechtigte zählte: die Wahlkommijsion jedes Unterbezirks bestand au» 10 bis 12 Mitgliedern. Männern und Frauen, die mit Hilfe einiger be» zahlten Sekretärinnen die ganze Wahlhandlung durchführten. Selbst die Bolschewiki verzichtete auf den Achtstundentag; auch ihre An» Hänger arbeiteten unausgesetzt 12 Stunden lang mit Ausnahme einiger kurzen Pausen. Die Volkssozialisten erhielten rund SO Proz. oller Stimmen. An zweiter Stelle kamen die Kadetten mit etwa 25 Proz., während die Sozialdemokraten sich mit 20 Proz. begnügen mußten.' .Während der drei Wahltage', so schreibt der Berichterstatter, .beobachtete ich über 9700 wahlberechtigte Männer und Frauen, und nicht ein einziger von ihnen verhielt sich irgendwie unkorrekt bei der Handlung, wenngleich der größte Teil der Wähler au« Analphabeten bestand. Allgemein gab sich ein rührendes Interesse für olle Einzelheiten kund. Viele waren feierlich gestimmt, andere waren besonders aufgeräumt und freuten sich kindlich darüber, daß olles so leicht und einfach sei. Großes Interesse rief besonder» die Wahlurne hervor, ein meterhoher Papplasten. Er wurde von allen Seiten untersucht. Der und jener findet, daß der Boden solider sein könnte. .Genau wie ein großer Briefkasten,' meinten einige. Alle PeterS- burger, die kranke Wahlberechtigte zuhause haben, wünschen auch deren Stimmzettel abzugeben. Und es kostet unendliche Mühe, ihnen die Unmöglichkeit eines solchen Vorgehen» begreiflich zu machen..Aber werden sie denn nicht bestraft, wenn sie nicht wählen?' fragten viele unruhig, indem sie deS noch nicht lange verabschiedeten Polizeisystems gedachten, bei dem olle Verordnungen streng eingehalten werden mußten. Auch Kranke und Schwache, von Gesunden geführt, hielten e« für ihre Pflicht, bei der Wahlurne anzutreten. In größeren Gruppen treten Soldaten in da» Lokal, desgleichen Invaliden in Begleitung von Krankenpflegerinnen. Die Arbeiter kommen oft mit Kind und Kegel..Werft nur nicht Euren Säugling aus Versehen in die Urne', scherzt ein Nebenstehender und deutet auf daS Wickelkind, da» «ine der Wählerinnen im Arm hält. Fünfjährige sitzen auf den Bänken an der Wand und lasien die Wahlhandlung wie«ine Theater» Vorstellung an sich vorüberziehen.»Sie lernen, wie man es machen muß. Ja, wenn sie erwachsen sind, wird daS schon eine altgewohnte Sache sein. Ihr glücklichen Kinder!' Solche Betrachtungen werden angestellt. Am Montag kommen die Petersburger Köchinnen, um zu wählen, mit ihren gefüllten Körben direkt vom Markte an. Ihnen folgen mehrere mehlbestäubte Lastkutscher, die ihren Stimmzettel auS dem Stiefelschaft ziehen. Kaum haben die Mitglieder der Wahl» kommission diese Wähler abgefertigt, als die Aufmerksamkeit von einem eleganten General alten Stils, aber von bedeutend be- sgj Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Der junge Jnstruktor zeigte seine kleinen scharfen Zähne und lächelte bösartig, gehässig.„Es kommt aber bekanntlich nicht nur auf uns allein an. Möglichertveise steht eines Tages der große Nachbar vor unserer Tür und sagt: Eure Eigenbrödelei geht mir gegen den Strich. Jetzt will ich Euch einmal die Hausordnung vorschreiben! Was glauben Sie, Herr Oberst— ob unser Kunde da nicht bald parieren lernte?" „Ja so? Eine harte Nuß, hehe! Da könnte einem der große Nachbar schier leid tun. Nämlich die Zähne würde er sich daran ausbeißen.... So kommt mir die Sache vor!" polterte der Alte, der doch mehr als der Junge vom Urväter- geist in sich hatte. In der Dämmerung verließ der unfreiwillige Urlauber die Kaserne mit dem schwerlastenden Gefühl, daß seine Tätigkeit an dieser Stätte abgeschlossen sei. Die kamerad- schaftlichen Handschläge und Glückwünsche wogen merk- würdig leicht in seiner Brust; sie bedeuteten ihm genau so viel oder so wenig wie die automatische Ehrbezeugung des Postens vor dem Schilderhäuschen. Durch die Ver- kettung unglücklicher Umstände und das Uebergewicht der Gegner hatte er eine schwere Schlappe erlitten. DaS mußte er sich eingestehen. Hingegen war er nicht imstande, seine Lage ruhig abzuwägen und die erforderlichen Schritte zu tun. Vorerst stand er rückhaltlos auf der Straße. Oberst Steiger befand sich mit Frau und Tochter an der Riviera, von wo ihm ein lauer Wind hin und wieder ein harmloses Kärtchen zutrug. An diese kümmerlichen Liebeszeichen und Beteuerungen unveränderter Freundschaft klammerte sich die gehetzte Seele.„Solange diese Brücke trägt, bin ich ja doch unbesiegbar!" Daß sich hinter diesem Gefühl nur die eigene Ohnmacht barg, offenbarte ihm sein Verstand nicht. Zuweilen packten ihn wohl grimmige Zweifel. Wie konnte Renee Steiger in diesen Tagen der Bedrängnis— der schwersten seines Lebens wochenlange Vergnügungsreisen machen? Das schuf ihm fast mehr Verdruß als die öffentlichen Beschimpfungen. Er hatte sich zwar wohlweislich gehütet, ihr in Briefen sein Herz aus» zuschütten. Befürchtungen wegen dem Richterspruch und seiner scheidenerem Austreten als früher, in Anspruch genommen wird. Martialisch ichlägt er die Hacken zusammen, so daß die Sporen klirren, macht unznhligemal Honneur und verschwindet ebenso effekt- voll, wie er da» Lokal belrelcn hat. Ihm folgen Studenten mit Büchern unter dem Arm, Strohwitwer, die soeben Einkäufe für ihre Familie auf den. Laude gemacht haben und die Hände voller Pakete haben. Priester. die ihr Haar im RevolutionSeifer beschnitten haben, eine Dame mit lanzensörmig zusammengekilteten Augenbrauen ider aller- neueste Trick de« SchönheitSinstiiut«), Eisenbahnschaffnerinnen in Uniform— mit einem Wort, die ganze bunt zusammengewürfelte Bevölkerung der Hauptstadt ohne Unterschied deS Geschlecht«, Stande« und Beruf«. Im großen ganzen haben die Petersburger nun also den Nachweis für ihre Wablbefähigung erbracht. Im Herbst folgen den Bezirkswahlen die Wahlen zur Zentralstadtduma und endlich nach diesen zwei Hauptproben, die Abstimmung zur National» Versammlung, für die die Petersburger Gemeindewahlen eine vor- bereitende Etappe darstellen.' prattisthe Ratgeber. Die KriegSnot macht uns auf allen Gebieten immer mehr zu Selbstversorgern. Ganz besonders für Gemüse und Obst, denn die Lebensmittel sind uns allen jetzt das wichtigste. Gar manche« harmlose und öde Eckchen Land oder Baustelle, da« jetzt mit neu angelegten Gemüse- und Beerenbeeten prangt, hat eS sich nicht träumen lassen, daß eS noch jemals so sorgfältig bearbeitet würde und seinen Bestellern nach dem Schweiß der Arbeit die große ! freu de am Geschaffenen bereiten könnte. Manch WehmutStröpfchen ällt freilich auch in die Freude, wenn die Erfolge den Erwartungen nicht immer ganz entsprechen wollen. Die große Lehrmeisterin Erfahrung ist eben nicht so rasch wie da« Stückchen Land erstanden. Den vielen jungen Gartenbauern sei ein praktische« Büchlein empfohlen:.Gemüse- und Ob st bau im HauS» und WirtschaflSgarten.' Von Dr. Franz Fest, Verlag von Th. Thomas, Leipzig. sPrei« 00 Pf.) Da« kleine Buch gibt gründ» liche Anleitung über alle Arten der Landbestellung und die dem jeweiligen Boden entsprechenden geeignetsten Bepflanzungen, soweit sie für den Kleingarten in Frage kommen. Auch über da« richtige Einernten sowie auch über da« Konservieren de« geernteten Obste« und Gemüses enthält da« Buch viel gute Ratichläge. Auch der bereits erfahrene Gartenbauer wird aus dem Büchlein noch manche« lernen können. lieber das Konservieren deS Obste« und Gemüse« haben wir in den letzten Kriegsjahren viel gelernt und mancherlei Methoden sind dafür im Gebrauch. Neben den bekannten und bewährten Sterilisier-Apparaten, deren Gebrauch durch die erforderliche Neu- anschaffung der Zubehörteile allerdings etwas kostspielig und um- ständlich wird, gibt eS die einfacheren Verfahren ohne Apparat. DaS allereinfachste ist das Konservieren deS Obstes und Gemüses mit Saltzylwasfer; das ist einfaches Wasser, daS mit Salizyl. auch mit der bekannten OetlkerS Saltzyl-Einniache-Hilfe vermischt wird und auf da» rohe, gereinigte Obst und Gemüse ge- gosien wird. Keinerlei Kochen ist dabei erforderlich und jede« beliebige vorhandene Gefäß kann zum Auf- bewahren benutzt werden. Fast alle Gemüse- und Obst- sorten, mit Ausnahme der ganz weichen, wie Erd- beeren. Himbeeren und ähnliche eignen sich dazu. Da« Verfahren ist so überaus einfach und fast kostenlos, daß e« auch dem kleinsten Haushalt ermöglicht, trotz der hohen Preise und großen Knappheil eine kleine Meng« für den kammenden Winter einzu- machen. Genaue Anleitung gibt ein kleine» Büchlein:»Ein- kochen ohne Zucker'. Von Helene Klingemann. Verlag von Ed. Focke, Chemnitz, Preis 30 Pf. Der Kriegsausschuß für Volks- ernährung hat auch ein empfehlenswertes Büchlein herausgegeben: „Anleitung zur Erhaltung der diesjährigen Obsternte'. Verfaßt von Elise Hannemann, verlegt von Karl Hehmann, Berlin, Preis 25 Pf. DaS Buch macht uns mit einem chemischen Verfahren bekannt. daS an Stelle de« fehlenden Zucker» Benzoe- und Ameisensäure zur Konservierung empfiehlt. Jedenfalls auch ein erprobte« und einwandfreies Verfahren, dafür bürgt der Name der Verfasserin und Herausgeber. Die Methode ist auch sehr einfach in der Handhabung. Zum Schluß sei auch noch eine? Kochbuches gedacht, da« un« die jüngste KciegSzeit brachte. Schon der Titel ist vertrauen- erweckend:„Sparkochbuch für knappe Zeiten' von Marga Hinzpeter jVerlag Union, Deutsche Verlags-Gesellschaft. Preis 1,50). Gewiß ist e« jetzt der Hausfrau sehr schwer, sich nach irgendwelchen Kochvorschriften zu richten, da man stets nur mit dem geringen Vor- handenen rechnen muß, aber das Büchlein ist so vielseitig und auch so vollständig gerade auf die jüngsten KriegSwirtschaftSverhältnisse angepaßt, daß es doch sicherlich manche nützliche Anregung zu bieten vermag. Vielleicht kommen ja auch mal wieder beflere Zeiten, wo eS dann auch noch von großem Nutzen sein kann. Es enthält auch Laufbahn verlauten zu lassen. Das Wenige, was sie von ihm persönlich vernahm, zeigte ihn immer noch von der zu- versichtlichen Seite. Um keinen Preis durfte sie merken, in welchem Maße er auf diese Gemeinschaft baute. Und ihre Liebe? Ach. ihm fehlte wahrlich nicht so sehr eine mitfühlende Seele, als ein respektzcugendes Dekorum; er vermißte jetzt mehr die aufsehenerregende Sportsdame, neben der er allen Feinden zum Trotz gerade in dieser kritischen Zeit gar zu gern durch die Straßen von Treustadt ge- ritten wäre. Warum blieb sie ihm diesen kostbaren Beistand schuldig? Sie allein konnte ihn retten, aus dem Staube wieder in den Sattel heben. Niedergeschlagen, ein lästiges Gähnen in der Kehle, schlenderte er stadtein. Am liebsten hätte er jetzt ein ab- lenkendes, sinnbetäubendes Pokerspiel mit seinen Klubleutcn unternommen. Ntzm mußte er aber zuvor einen anderen Weg einschlagen, einen Weg, der dazu angetan war, seine Willenskraft vollends lahmzulegen. Nach Hause! Alle Geißeln der Erniedrigung, des schwankenden Gewissens, drohten aus dieser menschlichen Pflicht. Seit der Katastrophe war er nicht mehr daheim gewesen. Hingegen hatte ihn der Bruder in der Kaseene aufgesucht und bittere Nachrichten vom Leben der beiden Alten im„Frohsinn" überbracht. Der Vater wähnte, sich wegen der Schandö seines Jüngsten nirgends mehr sehen lassen zu dürfen, während die Mutter vor den grausamen Anklagen des Hypochonders keine Stunde Ruhe finden konnte, von Tag zu Tag stärkere Asthmakrisen erdulden mußte.„Der soll sich ja nicht unterstehen, mir noch- mals vor die Finger zu kommen. Es könnte sonst noch bösere Dinge absetzen!" lautete die ständige Drohung des Alten, wenn Adolfs Name genannt wurde. Heute nachmittag hatte jedoch die Frau Bratwursterin Nachricht geschickt, die Mutter, deren Zustand besorgniserregend sei, wolle ihn durchaus sehen und sprechen. Diesem Gebot mußte er gehorchen, wie abschreckend auch die Gefahr eines Zusammen- Pralls mit dem Vater wirkte. Er konnte sich ja denken, was die treue Mutterseele seinetwegen durchgemacht hatte. Wie oft mochta ihr in diesen Wochen der blutige Hohn zuteil ge- worden sein:„Da hast du jetzt den Lohn für die Groß- hanserci mit deni sauberen Sprößling, für den nichts gut genug ist. und dem man den Gcldsäckel auf einem seidenen Kissen präsentieren muß!" dienstag, z. �uli einen Anhang praktischer hauswirtschaftlicher Ratschläge, die man immer gebrauchen kann. Der Anleitungen zum Sammeln von Wildgemüsen und Tee- und Kaffeeersatzstoffen gibt e« bereits eine ganze Menge. Und immer erscheinen noch neue, obwohl die Zeit für die Gemiife- Verwertung der wildwachsenden Pflanzen bereits wieder zumeist vorbei ist. Aber die Bücher wollen ja dauernd Nutzen stislen unv sür manche Zwecke bietet ja Sommer»nd Herbst auch und erst recht allerlei Pflanzen und Früchte. Darüber hinaus aber bieten diese Bücher besonder« dem Städter die vielsach fehlende Hand- habe, mit der Pflanzenwelt vertraut zu werden, beobachten zu lernen und auch über den unmiltelbaren Nutzen hinaus ihm Freude an der Natur zu bereiten. Durch reiche Auswahl und besonders geschickte Anordnung empfiehlt sich Agnes Klein« und Paula Ulfms Schrift: Vaterländisches Sammeln unserer Wildgemüfc, Tee- und Heilkräuter, sowie ihre Zubereitungsarren(Paul Parey, Berlin, 80 Ps.). Sie gibt eine MonatSübersicht der jeweils nützlichen Pflanzen und behandelt dann— durch Abbildungen vor- bereitend— Frühlingssuppenkräuter. Spinat-, Wildgemüsepflanzen. Wurzelgemüse-, Wildmehlpflanzen, Wildsalate, Würz-, Tee-. Arznei- kräuter und schließlich auch die wilden Früchte und die wilden Oel-, Gespinst- und Fuiterpflanzen. Wer aher wirklich von Grund aus kennen lernen will, wa« alles unsere Pflanzenwelt uns an Nutzbarem zu liefern vermag, sei eS zu hauSwirtschaitlichen, technischen oder medizinischen Zwecken, der findet reichste Belehrung in einem älteren Werke von I. Troost: Angewandte Botanik, daS der Verlag von Th. Thomas in Leipzig jetzt wieder onf den Markt bringt.(Preis 2 M.) Dieses von der Reichsstelle für Gemüse und Obst mit Recht empfohlene Buch ist eine wahre Fundgrube von altem und neuem. Vieisacb vergessene Verwendungen, alte Rezepte sind darin festgelegt und regen zu neuer Erprobung an. Nicht woniger als 250 wilde Pflanzen(mit 203 Abbildungen) find darin beschrieben und mit vielerlei Anleitung zum Aufsuchen und Zubereiten versehen. Man freut sich, daß dieser über 25 Jahre alte Ratgeber jetzt wieder zu Ehren kommt._ Das ,6(utcn' üer Marienkäferchen. Die Maricnkäferchen, die sich übrigens als Feinde der Blatt- louS febr nützlich betätigen, stellen sich wie viele andere Insekten bei plötzlicher Berührung tot und lassen dann— gewissermaßen zu ihrer Verteidigung— am Ende der Hüften eine gelbe, schleimige, übelriechende Flüssigkeit austreten. Die anatomischen Verhältnisse, durch die dieses sogenannte Bluten der Maricnkäferchen ermöglicht wird, wurden nunmehr durch den Forscher Dr. K. G. Lutz festgestellt. Wie die„Naturwissenschaftliche Zeitschrift" hierüber mitteilt, de- sitzt das Kniegelenk des Marienkäferchens äußerst elastische Gelenk- häute, die auS Zellulose bestehen und die Oeffnung des Schenkels dort, wo die Sehne des Streckmuskels sichtbar ivird, verschließen.. Bei genauer Betrachtung erkennt man, daß sich in der äußeren dieser Gelenkhäute eine Spaltung befindet. Wenn nun der Marienkäfer sich totstellt, so preßt er durch die dabei erfolgende starke Zusammen- ziehung der Hinterjeibabschnitte das Blut in die Beine. Der feste Verschluß zwischen Schenkel und Sehne wird durch die starke Beu- gung der Beinschiene gelockert, die Schiene dringt— wie die Klinge eines Messers in das Heft— zwischen die beiden Kanten des Schenkels, und das„Blut" tritt durch die Spalte der Gclcnkhaut aus dem Kniegelenk hervor. Um den Porgang des Blutens zu erleichtern: suchen die Käfcrchcn beim Totstellen die Beugung dcr'Schicnc so viel wie möglich zu verstärken. Das Blut der Maricnkäferchen dient ihnen zum erfolgreichen Schutz gegcn zahlreiche Feinde. Besonders die Spinnen, Eidechsen und auch größere Laufkäfer iverdön dadurch in gebührender Entfernung gehalten, da die Flüssigkeit auf sie ciue abstoßende Wirkung zu haben scheint. Notizen. — AI? Vertreter der Pathologie an der Verliver Universität hat an Stelle des verstorbenen Prof. Orth Prof. Lud- wig Aschoff einen Ruf erhalten. Aschosf ist 1866 in Berlin ge-- boren und leitet zurzeit das pathologische Institut in Frciburg i. Br. — Lebensmittelkarten«l n d R o t g e l d. Die Leip- ziger Typographische Gesellschaft hat sich mit der drucktechnischen Ausstattung von LebenSiniilelkarteii mid von Notgeld beichäsiigl.• Die Lebensmittelkarten sind meist im Anzeigenstil gehallen. Eine rühmliche Ausnahme macht z. B. Frankfurt a. O., das die Karlen von Künstlern entwerfen ließ Die Zeichnung der Brotkarte zeigt dort die Silhouette der Stadt, wo die Landfrauen mit der Acker- bestellnng beschäftigt sind. Im Gegensatz zu den Lebensmittclkarlcn zeigt das von Gemeinden ausgegebene Notgeld bessere Ausführung. Vielfach hat es aber auch bicr an Berständni« für Anordnung und handliche Größe gefehlt. Fast nirgends ist� die Sicherung gegen Fälschungen ausreichend. � Besonder« interessant ist da» Geld der Kriegsgefangenlager. daS'sich in Stücken von 5 Pf. bis 20 M. meist in guter Ausstattung vorfindet. Auf seiner Stube hatte er lange gezandert, ob er zu diesem Gang die Uniform nicht besser ablegen solle. Aber das ließ der Trotz nicht zu. Schon der Gedanke, was dann die Schwester für verständnisinnige, vorahnendc Augen niachen würde, brachte ihn davon ab. Einstweilen war er immer noch der Jnstruktionsoffizier Lenggenhager, und dafür hoffte er auch fernerhin angesehen zu werden. Als er dann vom Staader Bahnhof die Dorfstraße nach dem See hinuntcrschritt, kam er sich gleichwohl beinahe vor wie ein Sträfling, der vom Landjäger nach dem Heimatsort gebracht wird. Bei dem sommerlich milden Wetter hielten die Staader den Feierabend bereits wieder im Freien ab; Ge- meindeammann, Posthalter, Apotheker— alle saßen oder standen vor ihren Häusern und trieben mancherlei Nachbarschaftskunde. die beini Erscheinen des Oberleutnants Lenggenhager natürlich den Höhepunkt erreichte. Es fehlte nur noch, daß die biederen Leute mit Händen auf ihn zeigten oder bei seinem Anblick entsetzt die Flucht ergriffen. Ja, er meinte da und dort im Vorbeigehen zu hören und zu sehen, wie die Frau dem Manne,'daS Kind den Eltern rief oder winkte, damit ihnen der berüchtigte Revolverheld und Preußen- knecht oder wie er sonst noch genannt wurde, ja nicht cnt- gehe. Doch gerade deshalb ging j:r nicht den Feldweg, nicht hinten herum; auch seine Staadcr mußten wissen, daß er den Kopf so hoch trug als je zuvor. Unbefangen grüßte er in seiner kurz angebundenen Art, wenn ihm ein alter Bekannter begegnete. Einmal lachte er jedoch verächtlich hitter in sich hinein, weil er bemerkte, wie ein sonst recht gesprächiger Vetter bei seinem Anblick schnell um die nächste Ecke bog. Diese Feiglinge und Sklaven der öffentlichen Meinung kannte er zur Genüge! Auf deni väterlichen Hofe war merkwürdigerweise keine lebende Seele zu entdecken. Wo steckten denn die Ackermann- scheu Kostganger? Hatten sie sich vielleicht auch ehrbar zurück- gezogen von dieser Stätte, die solch ein Ungeheuer nährte?, Oder war der Alte endlich soweit zur Vernunft gekommen, daß er diesen zudringlichen Burschen den Laufpaß gab? Doch richtig— der Offizier erinnerte sich mit wachsendem Un- behagen der Nachrichten- seines Bruders. Sogar den letzten Regungen der väterlichen Handelslust habe der Skandal den Garaus gemacht; eS sei seither nicht ein Höpplein Vieh mehr in den Sjall Keksmmcn.(Fo�tj. folgt.) Verkäufe BSlsche. Der Mensch der Pfahl- bauzeil.— Abstammung des Äen- schein— Der Mensch"der Vorzeit. — Wilser, Menschwerdung.— König, Wie ist das' Leben entstanden?— Bölschc, Das Pferd und leine Ge- schichte.— Bölstste, Ernst Höckel.— Hcnnig, Vom Wetter.— Sommer- inabr, Die Hoble.— Slnaucr, Menschenaffen.— Belnn, Vom Tier zum secls.— Sieberg, Die VuUane.— Busch, Wie der Sterne Chor um die •tomic sich slcUl.— Kocsch. Der blühende See.— Nagel, Chemie.- Bölsche. Steinloblcnwald.— lvlocricke. 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E-perlwg, Buchbinderei, Friedrich- straße 16._ 50602* Schamottcmaurer stellt sofort ein Polier Pähl, Spandau, Muniiions- sabrik, Tor II. 57/17 ' Kürschner«Nd Kürschner innen, Maschinennäberiunen stellt sofort ein Fellbenutzungs-Ges. m. b. H., Dircksen- straße 20._ 233/2 Geeignete Persönlichkeit zur Ausgabe und zum Verpacken von Zeitungen sofort gesucht. Arbeits- zeit zirla 11'/, bis 4 Uhr nachts und 2 bis 6 Uhr nachmiltags. Pensto- nierter Unterbeamter bevorzugt. Per- sönliche Meldungen Mittwoch, 11 bis 1 Uhr mittags, Hedemannstraße 12, Zimmer 13. 2840b Korbmacher aus Minenkörbe ver- langt LeSdau, Neukölln, Anzengruber- straße 20._ PI 17» Mamsells aus ganz- einfache Mäntel oder Kostümjacken. Böhme, Müllerstraße 156». PI06* Arbeiterinnen und junge Mäd» che» für ganz leichte Arbeiten, auch stundenweise, sucht Trost, Nürnberger Strage 60. L» Botenfrau» Tour Reinickendorf West, stellt ein'Kienaft, Borsigwalde, Räuschstraße 10,„Vorwärts Spedition. 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Berlin W 35, Kiirfürstenstr. 143. Stallmonn"ä.SSgr Berein, LausiNer Strasse 44. ISW>»I 254K Tüchtige Yerkäuferinnen kllr die Abteilungen Väsehe. Korsetts sofort gesucht. Meldungen um II Uhr vormittags oder zwischen 6—7 Uhr abends. Kaufhaus des Westens G.in.ii.H. Berlin W. 50 Tauentzienstr. 21/24. *» I I I I I I I I I •j Watteflttg/el X&berlnnen— Heimarbeit— verlangt 220/20* Most, Frankfurter Allee Zuschläger... Stockgesellen sosort gesucht. 57/11» Schulz u. Holdefieiss� Fennstr. 13. Arbeiter um! Ardeilerinnen auf Blusen und Kleider gegen Vor- Inge suchen 56/15» Gebrüder Rubeo, Beutbstr.' 1/3. �.rb«i tormueiK sürleichlelohnendeBeschösiigung suchen Ttaedlnea»V Hennle Seydelslr. 14. 28046» Änlegerin für Steindruck sucht 2837b Lüdtke, Belle-Alliance-Straße 82. Heimarbeiterin, geübte. für kleine Kartons, sucht_ 2835b Lüdtke, Bell--Allianec.>-rtraße 82. 'rinnen gesucht.• Haupt-Expedition des „Vorwärts" Lindenfirasse.1(Ladend Arbeiterinnen kräftige, zum Kohlenpress., Löterinnen für Zinkhülsen, 57/12* Löterinnen für Batterien, sucht BFar;ir Zeiler Rungestraße 20. Arbeiterin sür leichte Maschinenarbeit sucht Kartonfabrik L-ttdtke. Belle- Alliaoce-Strasse SS.