Nr. 181. 34. Iichrg NdonnemeotZ-keSIngunge»: lwomienientS» Brei? ptftnumetanko* Ciertcljä�tL 8.90 MI, monoll ILO Mi, wöcheniliw 80 Pjg. frei INS Hau». Einzelne Nummer S Vig. Konnla>z». nummer mir Mustrieaer Eonnrag»- BeUage»Die Neue Welt" 10 Pia. Soft« Nbonnement! 1.30 Marl pro Monat. Eingetragen in die Soft. Zeitung». Preisims. llmer Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2.50 Marl, ffit da» übrige Ausland � Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an Belgien. Tänemarl, Holland. Italien. Luieuiburg. Portugal, kulltäuiett. Schweden und die Schwei». Crididot tägnu. 01t Tnfertlons'Gebübr tetrllg! für die sechSgespallene flotonrt- |ftle oder deren Raum«0 Big., für politische und gewerlschaitliche Lerem». und BersamnilungS- Anzeigen 80 Pig t Kleine Hnretgtn", das icttgcdrulkle Jott 20 Big.(zulässig S settgedru-kle Worte), jede» weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlassicllenan. »eigen das erste Wort 10 Psg, jede» «eilereWortKPsg Worte über Ili Buch. llabcn»äglen iür zwei Worte. Anscrate lür die nächste Numittcr utüsscu bi» » Ubr nachmittags in der Expedition »bgegedku iuerden. Die Erveditio» ijl dt» 7 Uhr abends geognel. Vevlinev VolkcslrlÄkt. Zcntralorcyan der rozialdcmokrati fcheti Partei Deutfcblands. r-Iegramm-Adr-Ne! .Sszlaldemoknt Berti«", Neöaktton: EW. 68, Linöenstraße 3. Zlernivrecher: Amt Mortttpla«. Nr. ISI SO— 151 97. Expedition: EW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morisiplatz, Nr. 151»0—151»7. Sie VchlreMW w(teilt BetioMsonsit Nach einer äußerlich ruhigen, aber von starken inneren Spannungen getragenen Debatte über die Wahlrechts� frage in den E i n z e l st a a t e n hat der Verfafsungs- a u s s ch u ß seine Abstimmung über die dazu vorliegenden Anträge auf Freitag Ii) Uhr vormittags vertagt. Da die Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge gewiß ist, die ursprünglichen fortschrittlichen Anträge aber zurück- gezogen wurden, konzentriert sich das allgemeine Interesse auf einen neuen Antrag Müller- Meiningcn, der in Form einer Resolution die Forderung ausspricht, daß in allxn Äundesstaaten die volle staatsbürgerliche Gleich« Berechtigung ohne Verzug durchzuführen sei. Die Fortschrittler glauben damit die Formel gefunden zu haben, auf die sich eine große Mehrheit des Reichstages vereinigen läßt. Der Antrag hat durch die nachträgliche Erklärung des Antragstelleis, der Begriff„volle Gleichberechtigung" umsassc selbstverständlich auch das allgemeine, gleiche und dirckte Wahlrecht an Bedeutung gewonnen. Durch die Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge seht sich der Verfassungsausschuß selbst dem Vorwurf aus, den gestern viele seiner Mitglieder g e g e n die Regierung erhoben haben: dem Vorwurf mangelnder Ent- schlußkraft. Statt eine Tat zu tun, zu der ihm die„Zu- ftändigkeit" ernstlich nicht bestritten werden kann, fordert er andere zu dieser Tat aus. Dieses Verfahren erinnert allzu- sehr an das Kinderspiel»Kgiymexckcn zu vermieten".. Für. Kinderspiele ist aber diese Zeit zu"'Kiisö' �'V �■ Verdient also der VcrfassungsauSschüß wegen seiner spießbswßerlichen Bedenken gegen die„zu weit gehenden" sozialdemokratischen Anträge scharfen Tadel, so darf man daraus nicht folgern, daß die Annahme.des Antrags Müller- Meiningen ohne jede Bedeutung sein würde. Dieser Antrag ist keine Tat, aber er ist wenigstens ein Willens auSdruck, dessen Inhalt den Wünschen einer überwältigenden Volksmchrhcit entspricht. Es ist nicht bc- deutnngslos, wenn diese Wünsche in Form cincS Beschlusses der deutschen Volksvertretung zu legalem Ausdruck kommen. Ist ein solcher Beschluß zunächst auch nur ein Stück Papier, so wird alleS darauf ankommen, was da» Volk, was die öffentliche Meinung aus ihm macht. Ein Interesse daran, diesen Antrag als ganz bedeutungs» los zu behandeln, haben nur die K o n s e r v a t i v c n. Einen Augenblick scheinen sie sogar mit dem witzigen Gedanken gc- spielt zu haben, den Antrag anzunehmen, um ihn dadurch zu entwerten. Sie hätten nachher behauptet,„volle Gleich- berechtigung" bedeute noch nickt„gleiches Wahlrecht". Die svätere Erklärung des Antragstellers hat dieses Spiel unmög. lich gemacht. Run tverden sie in höchster Not ein anderes Mittel suchen, um ein klares Bekenntnis der Mehrheit zum gleichen Wahlrecht in den Einzelstaaten zu verhindern. Die Debatte, die durch einen formvollendeten und ge- dankcnreichcn Vortrag unseres Genossen Landsborg eingeleitet wurde, warf helle Schlaglichter in die dunkle Vcr- worrenheit unserer innerpolitischen Lage. Und Herr Müller-Meiningcn fand mit bayerischer Deutlichkeit das Wort der Situation, als er sagte. dasVolksürchtc, abermals betrogen zu werden. Beim Volk selbst wird es liegen, zu bewirken, daß der Antrag, seine Annahme vorausgesetzt, nicht zu einem neuen Mittel dcS Volksbctrugs mißbraucht, daß er vielmehr zu einem Werkzeug der Volks- befreiung geschärft werde. Einen Scherz besonderer Art leistete sich der bekannte konservative Spaßmacher Kreth, der erklärte: dem Volk sei das gleiche Wahlrecht Wurst, eine Wurst sei ihm heut- zutage sogar lieber. Wir glauben, daß es dem Direktor der Spirituszentrale und Liebling der Agrarier. Herrn Kreth, an Wurst und Schinken nickt fehlen mag. Desto schlimmer ist es, daß er die bittere Not des Volkes zum Gegenstand einer elenden Possenreißerei macht. Tic schärfste Zurückweisung verdient seine verletzende Auffassung, das Volk denke nnc daran, sich den Bauch vollzuschlagen und pfeife auf sein Recht. Die Wähler des Wahlkreises Stallupönen-Goldap haben das Wesen einer Volksvertretung verkannt, da sie solch einen Mann in den Reichstag entsandten. Eine wahrhaft glänzende Rolle spielte die Regierung. Millionen Leser werden heute den Bericht über die VerHand- lungen des Verfassungsausschusses bis auf die letzte Zeile studieren, um nach einer Aeußerung der Regierung zu suchen, die in dieser entsetzlich schweren Zeit zur Führung des Volkes berufen ist. Wir bitten, sich diese Mühe zu sparen. Ein Vertreter der Regierung hat in dieser Debatte, in der es um eine Schicksalsfrage des deutschen Volkes ging, überhaupt nicht gesprochen! Dieses Schweigen sagt mehr als alle Reden der Abge- ordneten. Ist das etwa das spannungsvolle Schweigen, das einem entscheidenden Sprung vorausgeht? Wer glaubt es noch? Ter herrliche Sang, der dem deutschen Volk für einen nicht näher bezeichneten Dermin eine Fülle freiheitlichen Fortschritts versprach, ist verrauscht. Der Rest ist ein Schweigen tödlicher Verlegenheit. die Sitzung. Am Mittwoch trat der Verfaffungsausschutz in die Beratung der Anträge ein, die zur Wahlrechlsfrage gestellt worden sind. Die Sozialdemokratische Fraktion beantragt: „Ter Artikel der Rcichsvcrfassung erhält folgenden Zusah: In jedem Bundesstaat und im Rrichsland Elsaß-Lothringen muß eine auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkte« und geheimen Wahlrechts unter Berück- ficht igung der Minderheiten(Berhaltniswahlrccht) gc- wählte Loltspertrrtnng bestehen. Das Recht zur Teilnahme an der Wahl zu dieser Körperschaft haben alle über Li) Jahre alten ReichsangeHörigen ohne Unterschied des Gc- s ch l r ch t s in dem Bundesstaat, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Tic Zustimmung dieser Bolksvertrehmg ist zu jedem Landes- gcsctz und zur Feststellung des StaatshanShaltsetats erforderlich." Bernstein u. Gen. beantragen: In jedem Bundesstaat mutz eine auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts nach dem Verhältnis- Wahlsystem gewählte Vertretimg besteben. Das Recht, zu wählen und-pewählr zu werden, haben olle über Lv Jahre alten Reichs- angehörigen ohne Unterschied des Geschlechts in dem Bundesstaate, ür dem sie ihren Wohnsitz haben. Die. Zustimmung dieser Vertretung ist zu jedem LandcSgcsctz und zur Feststellung des StaatShaushaltSetats erforderlich. Nock bestehende erste Kammern(Herrenhäuser) werden aüf- aufgehoben.> Die Fortschrittler beantragen: 1. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, unverzüglich dahin zu wirken, datz in allen deutschen Bundesstaaten eine konstitutionelle Lerfasiung geschaffen werde mit einer Volksvertretung, die auf allgemeinem, direktem, gleichem und geheimem Wahlrecht beruht. 2. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, datz in den beiden Grotzherzoglümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz unverzüglich eine lonstitulionelle Verfassung eingeführt wird. Abg. Landsberg(Soz.): Man gebe sich nicht der Jllnston bin. datz der Antrag bei der Zusainmenietzung deS Ausschusses in seinein vollen llmsange eine Mehrheit fände. Die Einführuttg des jetzt geltenden Reichs- tagswahlrcchis für die Wahlen zu den Parlamenten in den Bundesstaaten sei aber das M r tl d e st m a tz desten, was unter allen Umständen gefordert werden müsse. Die Gewährung etwa eines Plura l Wahlrechtes würde vom Volle direkt als eine Ver- höhnung aufgesatzt werden müssen. DaS Recht, im Sinne de- An- träges zu beschltetzcn, hat der Reichstag.(Widerspruch deS Abg. Kreth.) Herr Kreth scheint ein schlechter Kenner der Versasiung zu sein. sonst niützte er wissen, datz der Reichstag auf Grund des Artikels 7s der Reichsverfassung das Recht hat, seine Kompetenzen auszudehnen. Im Jahre 1906 bat das Zentrum durch seinen damaligen Vorsitzenden, Grafen Hompesch, eine Erklärung im Reichs- tag abgeben lasten, die zum Ausdruck brachte, datz daS VersaffungS- leben der Einzelstaaten harmonisch ge stallet werden müsse. Die jetzige Ungleichheit könne nicht bestehen bleiben. Das Zentrum schon damals die Initiative der Regierung zu. Werde eine solche Gesetzesvorlage eingebracht, dann werde man ihr zustimmen. Eine ähnlich lautende Erklärung gab das Zentrum im Jahre 1909 ab. Darüber könne jetzt kein Zweifel mehr obwalten: Die Frage des Wahlrechts in den Einzelstaaten ist eine deutsche Fialle. Der Einfluh Preutzens auf das Reich ist ein derart überwiegender, datz dem deutschen Volke die Zusammensetzung deS preutzischen Parlamentes nicht gleichgültig sein kann. Tie Ostcrbotschaft lehne daS Klastenwahlrecht ob; ein Pluralwahlrecht wäre mit dieser Kundgebung nicht in Einklang zu bringen, denn cS würde wieder Klassen schaffen. Wir verwerfen jedes Privileg, sei es nun an den Besitz oder an die soziale Stellung geknüpft. AlterSstimmen bedeuten eine Bevorzugung der besitzenden Klassen, die eher Aussicht haben, ein höheres Lebensalter zu erreichen. Tie beiden preutzischen Parlamente würden der llebertragung des ReichStagSwahlrechteS auf Preutzen nie zustimmen. Versprechungen der Krone sind den Konservativen höchst gleichgültig, wenn es gegen ihre Jnlereffen geht. Dazu kommt noch das Vcr- halten der Regierung, das den Eindruck eines Spieles mit vertauschten Rollen- erwecken mutz. Als die Wohnungsfrage im Reichstag zur Beratung stand, erllärte Staatssekretär Delbrück: Wenn Preutzen versage, dann werde d a S Reich eingreifen. Mit dreifacher Not- wendigkeit ist das aber beim Wahlrecht der Fall. Der Reichstag darf nicht die Paisivität einnehnien, die bei der Regierung zu bc- klagen ist. Das gleiche Wahlrecht ist geradezu eine Lebens- Notwendigkeit für die Böller. Deshalb darf eine solche Reform nicht aufgeschoben werden. Mit der Ausflucht, es sollten innere Kämpfe vermieden werden, dürfe man nicht kommen. Die inneren Kämpie haben wir bereits, von dem kon- servativen Treiben gegen den Kanzler angefangen bis zu der Adlon- Konferenz. Der Reichstag mutz handeln, er mutz die Zeiche« der Zeit zu deute« verstehe». Hunger und Not erträgt das Volk, es soll aber auch die Gelvisiheit haben, dah die Zeit der politischen Entrechtung vorüber ist. Abg. Stadthagcn(llnabh.): Der Antrag Bernstein geht in seinen Tendenzen bis auf.das Jahr 1518 zurück. Damals wollte man ein grotzes, einiges Vater« land auf der Grundlage dos gleichen Wahlrechts. Zweifellos war eS einer der bedeutendsten politischen Alle Bismarcks, datz er für das Reich da° allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gab. Dieses Wahlrecht darf eben nicht nur für den Ueberban, sondern muh auch für den Unterbau des Reiches gelten, das sind die E i n z e l st a a t e n und die Gemeinden. Handelt man anders, dann kommt man zum H c l o t e n sta a t, Nur gleiches Recht für Jedermann kann den Staat vorwärts bringen. Die Kompetenz deS Reichstags lann nicht in Zweifel stehen. Redner bespricht dann die Notwendigkeit der Verhältniswahl. Die Ersten Kainmern sind tatsächlich der Ausdruck der Furcht vor den Beschlüssen der Volksvertretung. Scheinrcchte bedeuten eine Hinter- list. denn es werden Rechte vorgetäuscht, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Die Ablehnung des Antrages wäre eine Partei« nähme für die bevorzugten Schichten des Volkes. Die Reform mutz sofort durchgeführt werden. Abg. Ärcth(f.) bestreitet die Kompetenz des Reiches. In der Verfassung sieht kein Wort davon, datz das Reich den Einzelstaaten ein Wohl- recht aufoktroyieren darf. Das Reich ist zu vergleichen mtr einer Genossenschaft, die, ans freiwilligem gitfattmrcn- schlutz futzend, die Rechte ihrer Mitglieder nicht antasten darf. DaS Klastenwahlrecht gibt gerade dem Mittelstände einen crdep- lichen Einflutz. Wenn man ein gleiches Wahlrecht im Reiche hat. so genügt das v o l l l o m m e n. Die Demokratisierung Preußens müßte zum Ruin deS Staates führen. Die Konservativen haben noch nie etwas getan und werden nie etwas tun, was den König verletzen könne.— Der Nersassungsausschutz war überflüssig, denn es besteht nicht der leiseste Grund, die Berfastimg zu ändern. Dem größeren Teil des Volkes ist daS preußische Wahlrecht Wurst, eine Wurst ist ihm vielleicht heute lieberl Wir werden in Preußen an einer Reform des Wahl- rechts mitarbeiten, unter Wahrung der historischen Grundlagen des Staates. Abg. Mcrti«(Deutsche Fraktion) behauptet, der VersastinlgSauSschutz gehe weit über seine Befugnistc hinaus. Die Wahlrechte der Einzelstaaten gehören nicht zu semcr Kompetenz. Abg. Müller- Metningcn(F. Vp.): DaS formale Recht zum Eingreifen des Reiches in der Wahl- rcchtsfrage ist nicht zu bezweifeln. Er stehe auf dem Boden des Reichstagswahlrechts, verjüngt durch die Verhältniswahl. Weiter könne seine Partei aber nicht geben, deshalb lehn- sie die sozial« demokratischen Anträge ab. Er schlage unter Zurückziehung der fortschrittlichen Anträge, für die eine Mehrheit nicht zu erwarten sei, folgende Resolution vor: Der Reichstag walle beschließen, an den Herrn Reichskanzler falgcndc Erklärung zu richten:___ Mit der an den Reichskanzler und den Preußischen Minister- Präsidenten gerichteten Ostcrbotschafl des Denlschc» Kaisers und Königs von Preußen ist auch der Reichstag der Ucbcrzeugnng, daß nach den gewaltigen Leistungen des ganzen Bolkcs in diesem furchtbaren Kriege für das Klasscuwahlrecht in Preußen lein Raum mehr ist. Wie alle Schichten des Bolkcs in pflichtbewußter Aus« apfrrung an der glücklichen Durchführung des gewaltigen Krieges mitwirken, so werden auch die großen wirtschaftlichen und soziale» Aufgabe», die bei Ausgang des Krieges und nach dem Kriege zu erfüllen sind, der hingebungsvollen und freudigen Mitarbeit des ganzen Kolkes bedürfen. Hicrsür aber ist eine unerläßliche Boraussctzung,' daß die volle staatsbürgerliche Gleich- berechtignng tu allen Bundesstaaten ohne Verzug durchgeführt wird. Dadurch werden in Staat und Reich machtvolle neue Kräfte für die Entscheidung des Krieges sowie für den neuen Aufbau des deutschen Lebens zur Entfaltung gebracht werden." Dieser Weg scheine etwas iiiigeluohnlich, er finde aber seine Be- rechtigung in den jetzigen Verhällnisien. Die Relolntion sei die Ant« wort auf die Ostcrbotschaft des Kaisers. Nicht wegen der Agitation des Auslandes, sondern trotz dieser Agitation müssen Reformen sofort in Angriff genommen werden. Der Worte sind genug gewechselt, das Volk will endlich Talen sehen, denn rS befürchtet, am Ende wieder betrogen zu werden. Abg. Dr. Junck(natl.) erklärt, für die sozialdemokratischen Anträge nicht stimmen zu können, spricht aber für die neue Resolution der Fortschrittler. Die Konipetenz des Reiches steht fest. Preutzen kann aber im Bundesrat jede Verfassungsänderung verhindern. Deshalb lehnen>oir einen Eingriff durch das Reich in die Verhältnisse Preutzens ab. Die Ver- hälinisse in Preußen sind aber so, datz eine sttesorm nicht mehr auf- gehalten werden kann. Die Regierung muß aber sofort Handel», sonst sind die Gefahren nicht zu übersehen, die für die deutsche Sache entstehen müßten. Abg. Herold(Z.) erblickt in den Anträgen einen Eingriff tu die Rechte der Einzel- staaten, den das Zentrum nicht billigen könne. Zu der Aesolmipa • MuSer- Meiningen könne et n n ch keine Stellung nehmen, abgesehen davon, dcch gar nicht klar au-Zgesprochen sei. wa« man unter staatSbürgetlicher Gleichberechtigung der- standen wisse» will. Abg. Tr. Gradnoner(Soz.) bekämpft die Auffassung der Rationalliberalen, die groxcS Aertrauen in die Einsicht der einzelnen Bundesstaaten setzen. Durch die Haltung de« Zentrums und der Konservativen werde dieses Ver- irauen nicht gerade gestützt. Deshalb ist die einzige Lösung die Amiahme der sozialdemokratischen Anträge. haben nie beftrüleu, dost auch in anderen Ländern noch viel in der En!- Wicklung zur Demokratie zu wünschen übrig bleibt Bon der Staats» form allein hangt dieie Emwicklimg keineswegs ab. Aber überall drängen die Verhältnisse zur Demokratie. Allerdings bedeutet die Osterbotichast nicht die sofortige Vor« nähme von llleforinen. Aber dazwischen liegen jetzt drei Monate. Die Ereignisse überstürzen sich. Das Volk ist durch das Verhalten der Regierung vom tiessten Mißtrauen erfüllt. Die Reform mutz jetzt sosort kommen, denn nach dem Kriege harren ganz andere Ans- gaben der Lösung. Will die Regierung nicht endlich ein Wort öder ihre Absichten sagen? Wie weit sind ihre Vorarbeiten gediehen'1 Zrhr. v. Zedlitz habe einein Pluralwahlrecht das Wort geredet. Er mit sie gerade auf Grund der Ertahrungen, die man in Sachsen damit gemacht hat, dringend vor einem solchen Plane, wenn' er bestehen sollte. warnen. Die Stimmung im Valkc wird immer bedenklicher, deshalb darf man ihm die politische Aleichberechligung nicht vorenthalten. Abg. Pachnickc(Lp.): Wenn die Foilschrilller ihren Antrag zurückgezogen haben, so nur deshalb, um zu erreichen, datz uherhaupt etwa? zustande kommt. Tcm Borschlag des Vorsitzenden, in derselben Sitzung die Ab- srimmung vorzunehmen, tritt Abg. M r c t h mit dem Einwand entgegen, dag seine Fraktion erst über die Resolution beraten müsse. Abg. Wurm(Unabh.): Man gewinnt den Eindruck, als ob dir Gegner der sozialdemo- kratischen Anträge sich im Berfteckspielr» üben. Die vorgeschlagene Resolution bedeutet gar nichts, alL datz maii einer klaren Eiitschei. dung out. dem Wege gehe. Das Zentrum werde wieder seine alle Daktil anwenden, uni zu verhüten, datz lvirUich ein Schritt nach vorwärts gemacht werde. Dos Volk, das so schwer leiden müsse,«verde jedes Vertrauen zum Reichstag verlieren, wenn der R e i ch s l a g hier versage. Abg. v. Grarfc lkons.) wünscht Aussetzung der Atzfliinmung über die Resolution. Tic Konservativen sind ernstlich gclvillt, an einer Reform der Wohl- rechte rnilzuwirkcu. Tie Resolution enthalte aber die Wendung von der„staatstzürgerlichen Gleichberechtigung". Wenn damit das Rcrckistagswohl recht gemeint sein soll, dann>värc das ein Eingriff in dir Rechte der Einzelslaaleu, für den die Konservativen nicht eintreten können. Tie Lasten werden nach dem Kriege den de- sitzenden Klassen aufgebürdet, schon deshalb kann keine Rede sein von der Einführung des ReichstagsivahlrechtS in den Bundesstaaten. Mit der Zurückziehung des fortschrittlichen Antrages gebe»ran zu, datz Riccklenburg seine Verfassung selbst durchführen müsse. Abg. Becker- Arnsberg(Z.) nimmt das Zentrum in Schutz. In Hamburg und in Sachse» voocn die sozialdemokratische» Wälstcr die Mehrheit, ohne datz sie des- dalbdorl das ReichslagSwahlrecht durchsetzen konnten. Tann dürfe man aber aucki dem Zentrum keine Vorwürfe machen, denn eS habe nicht die Mehrheit im preuhischcn Landtag. Tos Zentrum halte daran fest, datz das Reich nicht berechtigt ist, den Bundesstaaten ein Wahlrecht aufzuzwingen. Zu verkennen ist aber nicht, datz die Mehrheit des vreu frischen Volkes die Ucbertragnng des Reichstagswahlrechts auf Vrontzen fordert. Tos gleiche Wahlrecht in Prcutzc» kommt, weil es kommen m u tz, ob nun die Konservativen wollen oder nicht. Die Konservativen täten besser, an der rrblllcrten Stimmung im> Volke nichl a Wims vorüberzugeben. Heber das Wahlrecht a r b t es unter der deulschcn Arbeiter ichast keine Meinungsverschiedenheit Abg. Müller- Moiningen gibt»ls Antragsteller die Erklärung ab, daß der in seinem Antrag gewäblie Ausdruck„«alle staatsbürgerliche Gleichberechtigung" das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht mit„msasfr.' Damit schUctzt die Debatte. Abstimmung Freitag vormittag 10 Uhr. die Sombenversthwörung in Kriftiama. Granting beschuldigt das schwedische Auftenministerium. Stockholm, 2. Juli.(Meldung dcS SveuSka-Telegrambyron.) Infolge der Bombe»verschlvöru»g in Kristiania und der Ausweisung des deutsche» Kuriers NaulcnfcIS sprach Branting bei einem Besuch in Kristiania in Telegrammen an seine Zeitung den Verdacht auS, dotz das schwedische Mi nister iuin dcS Aeutzcrn bei diesen verbrecherische» Taten keine rrinrn Hände habe. Ein gewisser B a r o ii R o s c». ein ehemaliger schwedischer Ossizier, der in eine andere Spreiigsloffsache in Norwegen verwickelt gewesen sei. sei -chlietzlich uiibchindcrr von Schweden nach Deutschland abgereist. Das Ministerium des A e u tz e r n veröffentlicht heule eine Rate, laut welcher es von d e in V o r b a b c n Rauten- iels vor dem IS. Juni, als der Bericht von der schwedischen Ge- sandtschast in Kristiania einlief, keine Kenntnis gehabt habe. Uebcr den Fall Rosen habe das Ministerium seinerzeit aus diploinaiischcin Wege gewisse Mitteilungen er- halten, die dem Justizminisier zur Untersuchung über- geben worden seien. Noch Beendigung der Untersuchung und in Anbetracht der von den schwedischen Behörden angestellten Untersuchungen über das vorhergehende Benehmen RosenS in Schweden seien Rose n und seine Begleiter in Schweden gerichtlich ver- s o I g r worden. Man niiisse daher im höchsten Grade bedauern. datz ein Schwede ohne Kenntnis des Sachverhalts in den jetzigen schweren Zeiten eine so ernste Anschuldigung gegen das Ministerium ausspreche, die nur geeignet sei. das Vertrauen zur Leitung der auswärtigen Aiigelegcnheitrn zu untergraben. Ein Zrieöensfühler Llopö Georges! Achnlicb wie die vom Wiener Ministerium des Aeutzeren bc- einftutzie.Neue Freie Presse", berrachtel ein sozialdemokratisches Blait dcS neutralen Auslandes, der Kopenhagener„Socialdemo- traten" die GlaSgowa Rede Lloyd Georges als einen F r i e d e n s f ü h l e r. Er betont, datz Lloyd Georges während der KricgSzeir Noch nie io wenig herausfordernd gesprochen habe; datz er kein Wort über Elsatz-Lothringen sage, datz er keine entscheidende Niederlage Deutschlands wehr verlange. Wohl führe er noch auS, datz die Vernichtung der preuhischen Miliiärmocht den Tauerfrieden sichern würde, aber er setze hinzu, datz die Demokralisierung Deutschlands doch eine bessere Bürgschaft für den Weltfrieden sei. Er weise nichr mehr den Gedanken ab mit dem jetzigen Deutschland in Ver- Handlungen zu rreten, da»„vom aggressiven und arroganten Geist des preutzischen Militarismus beherrscht' sei, sondern stelle nur in Aussicht, datz er mit einem demokratischen Deutschland in einem ganz anderen Geiste verhandeln lömic. Lloyd George habe endlich erklärt, die Art der Befreiung Mesopotamiens müsse dem Friedens- Französische Angriffe östlich Cerny— Auffeuangriffe bei Brzezany— Starker Fcuerkamps im Raum Konju6)y-Zborow. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 4. Juli ll>17.(W. T.».» Westlicher Kriegsschauplatz. Hrere«>ruppe Kronprinz Rupprcchl Infolge Dunsie? und dadurch erschwerter Vcobnchtung dlirb dir Feuertätigkeit bis zu« Adead gering; dann lebte sie in eiazelnrn Abschnitten bis zum Drmkrlwrrdrn auf. Nach IS kam eS mehrfach zu SrkundungSgefrchten, dir u»S Gefangene und Beute einbrachten. Heeresgruppe Deutscher Kranprinz. Oestlich von Eernh am Ehemiu-dtsnd frischen Gegenstöße» hielten sächsische Regimenter ihre Stellungen gegen zahlreiche Angriffe und fügten dem Feinde hohe Berlusse zu. I« Abschnitt Kousuchy— Zborow starker Feuerdampf. Die Tätigkeit der Artillerie war auch bei Brodtz und am Stochod zeitweilig sehr ledhaft. An der ädrigen Front keine größeren Gcfechtshandlungrn, Mazedonische Front. Nichts ReurS. Der Erste General, uartiermei st rr. Ludeadarsf. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 4. Juli 1917, abends. Weder im Westeu noch im Osten größere Kampf- Handlungen. Erfolgreiche eigene Fliegertätigkeil. Der österreichische Bericht. Wien, 1. Juli 1917.(W.T.B.) Amtlich wird verlantbarl: Oestlichcr Kriegsschauplatz. Bei Brzezany wurden heftige Angriffe starker seindlichcr Kräfte blutig abgewiesen. Im Abschnitt südwestlich von Zborow haben dir Russen nicht angegriffen. Sonst aus allen Kriegsschauplätzen geringe Grfrchtstätigkeil. Ter Ehef deS GeneralstabcS. Entenle-Sozialtstcn zu beschicken. Die der„Belgische Sozialist" dazu mitteilt, ist er ermächtigt, zu erklären, datz Eduard Anseele siir die direkte Betetltgung der Belgier an der Stockholmer Konferenz «ingetreten sei. Ter Parteivorstand habe sich im Prinzip dieser Ansicht angeschlossen, wolle aber erst die Borkonferenz der Entente- Sozialisten abwarten. Die Redaktion deS»Belgischen Sozialisten" fügt hinzu, datz ihrer llebeczeugung nach diese Vorkonferenz niemals stattsinden werde, genau wie die im Frühjahr geplante Pariser Konferenz der Entente-Sozialisten ins Wasser gefallen sei,»und dann werden die Sozialisten aus dem besetzten Gebiet Belgien« mit uns nach Stockholm gehen"�_ die Kriegszielrevision der Entente. Nach dem„Nieuwen Rottcrdamschcn Courant" meldet der „Wcekly Tispatch", daß auf einer Konferenz der Alliierten, die im August wahrscheinlich in Paris stattfinden wird, aufs nenc die Kriegk-ziele erörtert werden sollen. Im englischen Nntcrhausc sagte auf eine Anfrage wegen der in Vorschlag gebrachten Konferenz der Alliierten über die KriegSziclc Lord Robert 6 e t i I, die russische Regierung habe eine Konferenz der alliierten Mächte über die Friedensdedingungen vorgeschlagen. Die britische Regierung stehe wegendieses Gegenstände« in ll n t c r h a n d l u n g c n mit ihren Verbündeten. der Amsterdamer Kartoffelaufruhr. AuS Amsterdam meldet die Telegraphen-Union; In einer vom lokalrevolutionärcn Komitee für gestern anberaumten Versammlung wurde unter dem Seifall der Bersammelten der Generalstreik für 2t Stunden als Protest gegen die Kartoffel- not beschlossen. Bei der Niederländischen Schiffsbaugesellschoft haben ungefähr 1000 Mann die Arbeit niedergelegt. DaS Gerücht ist im Ilmlauf, datz auch die Eisenbahner und Straßenbahner, ferner sämtliche Dockarbeiter sich der Bewegung anschließen und in den Ausstand treten werden. Bei den neuen ernstlichen Un- ruhen, die sich von gestern abend bis in die dritte Morgen- stunde ausdehnten, sind verschiedene Personen getötet und viele ver- letzt worden. Auf einem össentlicheit Platze in der Stadt wurden Zelle für Truppen aus Haarlem ausgeschlagen. Auch Ka- vallerie ist zur Aufrechtet Haltung der Ordnung requiriert worden. Der»Kölnischen Zeitung" wird aus Amsterdam gestern mit- geteilt! In Amsterdam ist jetzt alles ruhig. Der Burgermeister bat jegliche öffentliche Kundgebung untersagt. Polizei und Militär sollen gegebenenfalls streng auftreten. Zu der Verstimmung im Volke, die von gewissen Blättern unter scharfen Ausfällen gegen die Polizei geschürt wird, soll nun auch noch ein allgemeiner Ausstand kommen, wozu durch heftig abgefaßte Maueranschlägc aufgefordert wird. Nach der Rederlandsch Telegraaf-Agentschap von gestern berichten die Amsterdamer Blätter, datz int Kattendurg-Di strikt ? legen abend weitere Ausschreitungen stattfanden. Ber- chiedeue Läden wurden geplündert. Gegen 11 Uhr abend« ging die Polizei mit dein Revolver i» der Hand zur Räumung der Straßen vor. Dabei wurden iu der Ootenburger Borstraat zwei Personen ernstlich verwundet. In der Umgebung des Gemüsemarkte« kam e« ebenfalls zu Z u s a m in e n st ö tz e n. Mehrere Burschen plünderten einige Läden. Polizei und Militär, die mit der größten Geduld die Menge zum Auseinandergehe» bewegen wollten, sahen sich schließlich genötigt, scharf vorzugehen, da sie von allen Sciien bedroht und ungegriffen wurden. Da» Militär feuerte und vier jung« Burschen wurden getötet und eine größere Anzahl verwundet. In der Zweiten Kammer wurden gestern Interpellationen über die KartoffclauSfuhrpolitik der Regierung und über die Unruhen in Amsterdam angekündigt. (dffensiv-�ufrufe der vorläusigen Regierung. Eine Abordnung an dig Ukraine. Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet, hat die Borläufige Regierung an die Bevölkerung einen Aufruf erlassen, in dem sie alle Bürger auffordert, ihre persönlichen Interessen zu vergessen und sich wie ei» Mann hinter der Armee zu sammeln, die sich in Bewegung gesetzt hat, um die Revolution und das freie russische Boll zu retten. Ferner hat die Vorläuüge Regierung einen Aufruf a» die Marine gerichtet, in dem sie die Tätigkeit der feindlichen Flotte in den russischen Gewässern in der letzten Zeit betont und erklärt, sie sei überzeugt, die Marine werde ebenfalls beweisen, datz das große Geschenk der Freiheit Rutzland nicht geschwächt, sondern im Gegenteil seine Macht gestärkt habe und zu neuen Taten antreibe. AuS Anlaß des Beginns der Offensive hebt ein Tagesbefehl dcS KriegSmintster« allen Urlaub in der Armee und der dahinter liegenden Zone auf mit Ausnahme der Krankenurlauber. Der Kongretz der Kosaken ganz Nutzlands hak seine Tätigkeit beendet und zwei Sntschlietzungen angenommen. Die einwendet sich gegen eine Auflösung der ReichSduma, da di»S eine Verletzung der Grundgesetze Rußlands sein würde. Die andere besagt, daß die Proilamati on der Ukraine die Unversehrtheit des Staates bedrohe. Die Kosaken erklären daher, daß sie die Regierung bei alleil ihren Handlungen in dieser Frage tatkräftig unterstützen werden. Die Vorläufige Regierung beschloß, eine besondere Ab- o r d n u n g in die Ukraine zu entsenden, um sich über die Lage zu unterrichten. Tie Abordnung wird sich, wie es heißt, aus sehr volkstümlichen Persönlichkeiten und den Hauptvertretcrn der politischen Parteien und Vereinigungen zusammensetzen. Chinas neues Kaiserregiment. Ter neue Kaiser, der zwölf Lenze zählt, soll nickt ein Wieder« Hersteller der alten Mondschu-Autokratie sein. Aus Peking meldet HavaS vom Montag: Gestern wurden kaiserliche Dekrete veröffent« licht, die die Wiederherstellung des Kaisertums in k o n- st i l u t i o n e l l e r Form verkünden. Sie setzen einen unter der Leitung de« Generals Tschanghslln stehenden Groß rat. der sich mit den Staatsangelegenheiten zu befassen hoben wird, sowie einen Senat(Hof der Tugenden) unter dem Vorsitz von Slultsche- schuan ein. Räch einer Pekinger Reutermeldung ist General Chcngahrun zum Bizekönig von T s ch i I i und zum kaiserlichen Kommissar er- nannt worden. Vizepräsident Fengkuocheng wurde zum Vizekönig von K w a n g s i und zum kaiserlichen Kommissar für S ü d ch i n a ernannt. Alle ehemaligen' ainllichen Titel und Bezeichnungen der RegierungSdcpartements sind wiederhergestellt worden. Kaiser Hauan-Tung hat bereits als sechsjähriger Knabe Chinas Thron inne gehabt, bis er am IL. Februar IKlL durch Edikt seiner llüutler Üungyü, die sich den republikanischen Bestrebungen gefügt hane, dieses Thrones verlustig ging. Fliegerbomben auf Jerusalem. Tuaregs belagern Agadir. Konftantinopel, L. �luli. sMeldung der Agentur Milli.) Mehrere englische Flieger haben in der leylei« Woche mehr als siebzig Bomben aus die Stadt Jerusalem geworfen. ES waren weder Menichenvcrluste nech bedeutende Schäden zu verzeichnen. Die Beschädigungen einiger Heiligen Slälteii sind ebenfalls nicht sehr bedeutend. Wir überlassen der öffentlichen Meinung daS Urteil über dieses Borgehen, das mit allen Grundsätzen der Zivilisation und Menschlichkeit in schreiendem Widerspruch steht. Nach unS aus zuverlässiger Quelle gekommenen Nachrickieu letzten die in der alqcrisckc» Sahara operierenden Mud- lckahidS vom Siamme Tuareg den Druck gegen die französischen Abieilungen iort. Die Bewegungen der MudschahidZ des Sudans einwickeln sich mit Erfolg immer reger. Eine aus SV Mann be- siehende, aus Bilma, dem Hauptorte von Kanca, entsandte franzö- "'cke Abteilung wurde bei A g a d i r vollständig vernicktet. Die MudschahidS machten einige Gefangene und erbeuleten ein Geschütz. Die französischen Truppen in Agadir werden gegenwärtig dort bc- lagert. Kriegsgefangene als Sabotierer. Strenge Maßnahmen. Nolffs Bureau teilt mit: Aus Anlaß der in der letzten Zeit festgestellten vielfachen Versuche von Kriegsgefangenen, das deutsche Wirtschaftsleben durch Zerstörung deutschen Eigentums(„Sabotage") zu schädigen, mehren sich die Zuschriften, in denen Ratschläge erteilt werden, gegen Kriegsgefangene, die bei Aus» iührung solcher Verbrechen gesaßt werden, aufs strengste ein zuschreiten. Von zuständiger Stelle wird darauf hingewiesen, daß von den Militärbehörden rechtzeitig die entsprechenden :Roßnahmcn angeordnet sind. Kriegsgesangenc, die sich des ermähnten Verbrechens schuldig machen, werden auf das strengste, gegebenenfalls mit dem Tode bestraft. Die Offensive in Gnlizien. Berlin,}. Juli. lW. T. B.) Am 3. Juli stockte an der ganzen russi- schhn Front der Angriff. Lediglich bei Brzezany vermochten die Russen ihre Angriffe zu erneuern. Das schauerliche Bild von der Sommerosfcnsive KUti, wo die Angreifer tegimenterweise sielen, wiederholte jick. A lies Einschieben frischer Kräfte half den Russen »ickt weiter. Bereits den Vormittag über tvarcn südlich Brzczany niehrcre starte Angriffe zusammengebrochen. Um 1 Uhr nachmit- tags fetzte auf die Stellungen nördlich der Bahn Brzczany— Tarno- I'ol erneut starkes Feuer aellr Kaliber ein. Gegen Abend griffen die Russen die Höhen von Brzezanh an. Ein Ruffcnncst von Kampagniebrtite war der ganze Erfolg der mit vielfacher lieber- Egenhcit angesetzten Angriffe. Es ist jetzt größcntcilö bereits wieder gesäubert. Eigene Vorstöße in die russischen Stellungen am Westufcr der Zlöta-Lipa und bei Ztvyzyn brachten Ge- sangenc ein. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, Z.Juli. Amtlich. I« Atlantischen Ozean dabcn unsere U-Boote wiederum eine griißcrc Anzahl Dampfer und Segler vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befand sich u. a. der b e« «afsnetc englische Dampfer Ribera mit 500» Br.-Reg. Do. Kohle nach Archangelsk, der bewaffnete russische Dampfer Bellt, mit 4000 To. Kohle nach Archangelsk, der russische Segler Wibwud mit Ocl nach England, ein großer bewaffneter Dampfer, pollbrlabcn»ach England, ein großer, durch Zerstörer gesicherter Dampfer, anscheinend TranSportdampfer, mit Rr. 23, zwei Dampfer, die durch Doppclschuß zusammen auö demselben Gelcitzug herausgeschossen wurden. Gegen die englischen bewaffneten Dampfer Fallodon, 30t 2 Br.-Rcg.-To., und Nitonian, 6381 Br.-Rcg.-To., wurden von einem U-Boot Torpcdotrrffcr erzielt. Das Sinken der Schiffe tonnte jedoch nicht beobachtet werden. Der Chef des Admiralstabrs der Marius. Englanüs verkappte Maßnahme gegen Holland. lieber den Gewaltstreich, den England durch Ausdehnung des Sperrgebiet« gegen Holland führt, schreibt der„Nieuwe Roiterdamsche Eourant' vom 2. Juli abeud«: Durch den jüngsten Beschluß dr: englischen Regierung soll nun die geringe Sicherheit, die noch auf der Nordsee bestand, v e r s a I l e n. Die niederländische Schiffahrt soll dadurch verurteilt werden, ihre ganze Be- lriebsamkeit einzustellen. WaS das für unser Land bezeichne!, für » unsere Industrie, die ihre Grundstoffe über See einführen muß, für unsere» Leben«unterhall. der von der Getreidezufuhr abhängig ist und für linieren Viehbestand, der überseeisch« Futtermittel nicht enl- l ehten kann, ist deuilich genug. Die bestehende Rationierung für tie Menschen muß verkürzt werden, bei den Millionen Stück Vieh, iür die Furier nicht mehr vorhanden sein wird, muß Abschlachluug! von Hunderltausenden vorgenommen werden. Die holländische s Regierung hat nicht nachgelassen, Vorstellungen bei der englischen zu erheben und hierbei die Erwartung auszusprechen, daß die englische Regierung, wie die deutsche es im Februar zu unseren Gunsten getan hat, gleichfalls unseren Interessen entgegenkommen werde. Unser Ansuchen an England verlangt nicht viel. England soll die We st grenze deS versperrten Gebietes s o weit zurücksetzen, daß eine freie Fahrrinne bc- st e h e n bleibt. AlSdann bedeutet die Ausbreitung deS Sperrgebietes nach Westen nicht eine verkappte Maßnahme gegen Holland. * Stockholm, 4. Juli. Laut„Tidningen" wurde am t. Juli in der O st s e e in der Höhe von KarlSham ein großer, von Norwegen kommender Handclsdampfer vermutlich durch deutsche Seestrerrkräfte gekapert. Stockholm, 4. Juli. Wie auZ Gefl« gemeldet wird, begegnete ein dort eingetroffener schwedischer Dampfer in der Nähe der schwe- discheu Küste dem Wrack des finnischen Dampfers Ottawa, der am 29. Juni mit 300 Tonnen Eisenerz von Gefle nach Finnland ausfuhr. * Rotterdam. 4. Juli. Der Hafcn«on Glasgow ist wegen Minengcsahr gesperrt worden. * Kopenhagen, 4. Juli.„Rationaltidende" zufolge trafen gestern abend die ersten beiden schwedische» Dampfer, die sich des deutschen Freigeleits bedient haben, in Göteborg ein. Die Reise ist glart verlausen. Beide Schiffe waren mit Stückgut beladen._ Der üeutsche �Nationalverbanü� protestiert gegen üie Amnestie! Eine Schande für das deutsche Volk. Wien, 4. Juli. Abgeorönetdustaus. Das HauS fetzto die Tebattc über die Berichte des Verfossungsousschusses und des Justizausschusses über die kaiserlichen Verordnungen betreffend die zeitweilige Einstellung der Wirksamkeit der Geschworenengerichte und die Unterstellung von Zivilpersonen unter die Militärgerichtsbarkeit fort. Abg. Tr. Körner(Tscheche) wies die gegen das böhnnschc Volk erhobene Beschuldigung des Hochverrat« als Verleumdung zurück. Ter Amncsticakt des Kaisers sei eine lonstitutioncllc, kluge menschliche Tat gewesen. Abg. Tobern ig gab namens deS Teutschen National- Verbandes eine Erklärung ab, worin hinsichtlich des Amnestie- crlasscs dem Befremden darüber Ausdruck gegeben wird, daß der Ministerpräsident als Berater der Krone nicht seinen Einslutz ent- sprechend zur Gclluug gebracht habe, weSlurlb die Teutschen dem weiteren Verhalten der Regierung nur mit Mißtrauen entgegen- sehen könnten.(Zustimmung bei den Dcutschnationalen.) Aber in der Begnadigung aller jener, die noch während des Krieges sich bis zur Verneinung deS Staates verstiegen und seine Auf- lösung im Sinne der Feinde vertreten haben, erblicken wir eine ungrhrurrlichc Belastung des Staates selbst. Niemals vcrinöjzcn wir zu vergessen, daß Taufende unserer Brüder Opfer des Bcr- rate« geworden sind.(Lebhafte Zustimmung und Beifall bei den Teutschnationalcn.) Wir Deutschen können die Verantwortung für alle die unabsehbaren Folgen nicht tragen. Mag kommen, ivaS immer, unser Volk wird auö ollen Stürmen ungebeugt hervor- gehen.(Lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen bei den Tcütschnationalcn'; Redner wird vielfach beglückwünscht.) Slffon die Tatjache, daß gleich nach Tobernig der Christ. lich-Soziole F i n k für die Amnestie sprach, wie gestern unser kerndeutscher Genosse Pcrnerstorfer, zeigt, daß das Wort„wir Tcutschc" im Munde des Herrn mit dem südilawijchen Namen eine üble Anmaßung ist. Wo ober von„uns Deutschen" die Rede ist, da baben die R c i 6>s d c u t s ch c n vielleicht auch noch ein Wort mitzureden. Und da können wir aus unserer Kenntnis de« deutschen Volkes heraus versichern, daß es hierzulande nicht ein Dutzend Menschen gibt, die die Worte des Herrn Tobernig unterschreiben möchten. Hauptausschuß ües Reichstags. Slllgcmeine politische Aussprache. Prinz Tckönaich-Earolath( natl.) wandte sich gegen die gestrigen Ausführungen Evcrt«, die in vielen Punkten zu weit gegangen seien, wies aber nach, daß in bezug auf die Er- n ä h r u n g« v c r h ä l t n i s s c Ebcrts Ausführungen vollberechtigt seien. Tr. Rocsickc(k.): Fraglos seien bei unserer Ernährung Schwierigkeiten vorhanden; jedoch sei es in den feindlichen Ländern ganz gciviß nicht anders, zum Teil noch erheblich schlechter als bei uns. Auch seine Partei sei durchaus bereit, für bessere Einrichtungen im eigenen Lande zu sorgen. Jedoch fehle jetzt für Acndcrungen des Wahlrechts und ähnliche Matznahmen die nötige Zeit und Ruhe. R o S k e(Soz.): Diejenigen Landwirte, die sich durch die Preis- treibcrcien bewegen lassen, ilite Produkte zurückzuhalten und ans Schleichwegen über den Höchstpreis zu verkaufen, begehen ein schweres Vcrbreckwn am Vaterlande und machen die großen Worte von ihrem Patriotismus nicht wahr. ES sei auch ein bedauerlicher Fehler des RcichskanzletS gewesen, daß er sich nicht klipp und klar zu der Formel des Frieden« ohne Kriegs- rntsckädiguugen und Annexionen bekannt habe. Diese« müßte jetzt unter allen llmstünden nachgeholt werden. Ebenso müßte mit den neuen Einrichtungen im eigenen Lande schon jetzt begonnen werden. Preußen und Sachsen versagen auf diesem Gebiete voll- ständig. Dr. Strescmann(natl.) ging auf die Tätigkeit unserer Diplomatie ein und empfahl dringend, setzt mit der neuen Einrichtung im eigenen Lande zu beginnen. Tic Ausführungen des Abg. Nooke hierüber seien durchaus z ut r c f f e n d und jede Verzögerung dieser Maßnahmen würde dem Vaterlandc nur zum Schaden gereichen. Ter Staatssekretär des Innern Tr. Helfscrich ging auf die Papiers rage ein. Eine Erleichterung der Kontingen- iierung sei nur möglich in Verbindung mit einer günstigeren Gestaltung der Koblenversorgung, insbesondere der Verbesserung der Einsuhr böbmiscker Braunkohle für die großen sächsischen Papier- fabrikcn. Dem Abg. Roskc erwidere er, er könne niemandem das Recht zugestehen, ihn als. einen Gegner der Neuordnung hin- zustellen; er stehe vielmehr vollständig auf dem Boden der Oster- botschaft und der Reden des Reichskanzlers. Ter RriegSminister teilte mit, daß er gegen die Bcr- höngung der Borzensur über die„Frankfurter Zeitung" sofort ein- geschritten sei und die Zurücknahme der Verfügung veranlaßt.habe. Ihm sei die DraHtmelduug zugegangen, daß seiner Anweisung Folge geleistet sei. Fortsetzung Tonnerstag. Der Arbeitsplan ües Reichstags. Der Leniomikonvent deS Reichstags trat am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen, um den Arbeitsplan für die nächsten Tage fest- zulegen. Am Donnerstag steht die Kreditvorlage zur Beratung. Die Beratung wird aber dann nach der einleitenden Rede des Schatzsckceiärs, Grafen Roedern, unte'r krochen, bis der Haupt- ausschuß seiue Arbeiten erledigt hat. Am Freitag steht die Ver- längeruug der Legislaturperiode des Reichstags auf der Tages- orduung. Damir soll die Beratung des Antrages des BerfassungS- ausschusscs verbunden werden, für die Riesenwahllreise mehr Man- date zu schaffen. Am Sonnabend wird dann die Beratung der Kreditvorlage fortgesetzt. Diese Beratung wird die Form einer allgemeinen Debatte annehmen. Eine RcichStagsanfrage zum Kupfer- Prozeß. Abgeordneter Schiffer(natl.) stellt folgende Frage: Ist der Herr Reichs- kanzler angesichts der durch den Prozeß Kupfer enthüllten Vorgänge nunmehr bereit, den Beschlüssen des Reichstags vom 20. 12. 15 und 26. 8. 17 zu entsprechen und unverzüglich und mit rückwirkender Kraft Maßnahmen zur Einziehung unlauterer KriegSgewinne herbeizuführen? Der verfaffungskonftikt in Sachsen. Offener Bruch! Aus Dresden wird berichtet, daß es am Mittwoch in der Zweiten Rammer zum offenen Bruch milder R c- giecung kam. Da die Regierung die Einsetzung einer Zwischendcpiitation für die Vcrfassungsreform �ablehnte, bc- schloß die Zweite Kammer mit 50 gegen 25 Stimmen, die Einsetzung der von der Regierung gewünschten Zwischendepu- tation für die Kohlenvoclagc nur zu genehmigen, wenn die Regierung in die Vcrfassungsdeputation einwillige. Damit sind beide Deputationen gefallen. Jetzt muß die Regierung den Landtag Ende August wieder einberufen, damit die Kohtenvorlage bis Ende Oktober erledigt werden kann. Gleichzeitig wird damit auch die Versassungsdeputation wieder in Tätigkeit treten können. so daß die Absicht der Regierung, die Neuordnung hinauszu- schieben, doch.vereitelt wird. lieber die Dicnstagssitzung wird uns berichtet: Auf der Tagesordnung stand der Antrag des Vcrfassungsausschusscs, der die Regierung unter anderem auffordert, im Bundesrat für die Durchführung der von der Reichsleitung zugesagten volkstümlichen und freiheitlichen Neugestaltung zu wirken. Infolge der oblchncndcu Haltung der Regierung im Ausschuß und der Kon- servativen herrschte K o n s l i k t S st i m m u ng. Ter Minister des Innern, Graf V i tz t h u m, sagte zwar eine loyale Förderung der Neugestaltung und ein Eintreten für Erfüllung der neuen Zeit zu, lehnte aber gleichzeitig eine Wahlrechtsreform für Sachsen erneut ab. Genosse Frätzdorf übte an dem Verhalten der Regierung die schärfste Kritik. Auch von natiouallibcraler Seite wurden eindringliche Mahnungen an die Regierung gerichtet, die tiefgehende Unzufrieden- h c i t im Volke zu beachten. Ter Minister wollte diese allgemeine Gärung durch die Nah- rungsmittelschwierigkeiten erklären, wurde aber in temperament- voller Weise durch den sozialdemokratischen Mitbe- richtcrstattcr eindringlichst darauf verwiesen, daß das Volk ebenso nach Brot wie nach Gleichberechtigung rufe. Wenn mau nicht eine freiheitliche, volkstümliche Entwickclung durch eine baldige innere Neugestaltung ermögliche, dann werde man die Folgen zu verantworten haben und sich Kämpfen gegenübcrsehen. die die Regierung vor allem gern vermeiden möchte.— Nach weiteren lebhaften Verhandlungen, denen die Regierung nickt mehr bciivohuic, stimmte die erdrückende Mehrheit der Zweiten Kammer dem Antrage des VerfassungsausschuffrS zu, gegen den nur 13 Konservative sich erhoben. Wegen einer Aeuherung in der Ausickußsitzung der Zweiten Kammer wurde ein bekannter nationalliberaler Abgeordneter von einem konservativen Abgeordneten mit einer Duellsordcrung de- droht. Tie Sache wurde jedoch beigelegt. Prof. Moldcnhaucr, der Borsitzende der nationalliberalen Partei der Rheinprovinz, ist im 60. Lebensjahre gestorben. Der deutsche Kampsslicgcr Tossenbach von der Kampfftasscl Bölckc ist nach dem 14. Siege im Lustkampf gefallen. Eine fricdensfrcundlichc Kundgebung in Boston wurde von Nationalgardcn zerstreut. Ein Widersacher VrnizeloS'. General PapulaS, Kommandant des 5. Korps im PeloponncS, hat um seine Entlassung aus dem aktiven Dienst nachgesucht. Tic amerikanische glegierung zeigt an, daß England eine neue Anleihe von fünfundzwanzig Millionen Dollar erhalten hat. Letzte Nachrichten. Die Dcutschradikalen sind erbittert. Wien, 4. Juli, lieber die'heutige Sitzung der deutsch» radikalen Partei wird parteiamtlich folgendes verlautbart: In der heutige» Sitzung der deutsch-radikalen Bereinigung wurde nach eingehender Erörterung folgender Beschluß gefaßt: Die deutsch-radikale Bereinigung erklärt, daß der von der Regierung gegciigezcickllctc und daher von ihr voll zu verantwortende Amnestie- erlaß sie mit großer Besorgnis für dicZukunft erfüllt, da er insbesondere von den Tschechen als Beweis von Sckivächc aufgefaßt und dadurch ihre gegen das StaatSganze gerichtete Begehrlichkeit ins Ungemeffenc gesteigert wird. Die dcutjch-radikalc Bereinigung kann daher dieser Regierung lein Vertrauen mehr entgegenbringen und wird ihre Hai- tung dieser Regierung gegenüber dementsprechend einrichten. Rußlands ruinierte Finanzen. Bern, 4. Juli. Ter Petersburger Korrespondent der„Mor. ning Post" äußert in einem vom 28. Juni datierten Bericht« die schwersten Bedenken über Rußlands Finanzen und führt unter anderem aus: Bei Kriegsausbruch Habel» die P a p i c r z a h l u» g S mittel 100, bei Sturz der Zarenregierung 4000 Millionen Pfund Sterling betrage». Wäbrcnd der drei ersten Monate des neuen Regimes sind bereits weitere 250 Millionen Pfund Sterling aus- gegeben worden und neuerdings werden wöchentlich 25 Millionen Pfund Sterling in Umlauf gcseht. Infolge der gewaltigen Ver- mehrung des Papiergeldes hat drrRubel80Prozcitscincr Kaufkraft verloren. Der ausländische Rubelkurs ist kein sicheres Kriterium mehr, da er durch drakonische Maßregeln auf- rcchtrrhaltcn wird.__ Die Lage in Amsterdam. Amsterdam, 4. Juli.Jahr unbekannt) geboren sein. Er ist bekleidet mit blau und weiß gestreifter Waschhose, dunkelblauer mit kleinen weißen Streifen durchwirkter Matrosenbluse, weißein Strohhut mit weißem Band und Aufschrift.Seeadler". Der Knabe befindet sich zurzeit in Berlin-Friedenau im Kinderheim St. Michael, Kaiserallee 13l. Charlottenburg. Die Charlottenburger Wasserwerke. Anläßlich der in den letzten Tagen durch die Zeitungen gegangenen Mit- teilungen über Störungen bei den Charlottenburger Wasserwerken A.-G. weist der Rlagistrat von Charkotlenburg darauf hin. daß daS Gebiet der Stadt Charlottenburg durch die der Stadtgemeinde Charlottenburg gehörenden Wasserwerke Teufelssee im Grunewald und Juiigfernheide bei Fürstcnbrunn mir Wasser versorgt wird. In beiden Werken sind Betriebsstörungen seit Jahren nicht vor- gekommen. Die Aktiengesellschaft.Charlottenburger Wasserwerke", die ihren Sitz in Schöneberg hat und außer Schöneberg und Wilmersdorf eine Reihe Berliner Vororte mit Wasser versorgt, bat mit der Wasserversorgung der Stadt Charlottenburg nichts zu tu»._ Neuköll«. Spciscfettkarten für Kranke. Die ReuouSgobe der Spelsefeltkarten für Kranke für die nächsten vier Wochen vom». Juli bis S. August erfolgt in der Zentralstelle für Krankenernährung. Altes Rathaus Erdgeschoß, und zwar im Zimmer 452 die Buch- staben A—C Donnerstag, 5. Juli. D— P und J Freitag, 6. Juli, G und H Sonnabend, 7. Juli; im Zimmer 465 K— Q Donnerstag, 5. Juli, E, S, St und Sch, T Freitag, 0. Juli, D— Z Sonnabend, 7. Juli. Werdende Mütter erhalten die Brotzusatzkarten durch die Post zugestellt. Steglitz. Marktkontrolle. Daß mit dem Erlaß von Berord uungen allein nichts erreicht wird, zeigte eine gestern früh durch einen Beamten der LebenSmiltelabteilung vorgenommene Revision des Wochenmarktes. Er mußte sich bald überzeugen, daß weder Händler noch Käufer sich um Höchstpreise oder VerkaufSvorichrifren kümmerten. Auf Anordnung des Beamten mußte z. B. ein Händler bundiveise verkaufte Mohrrüben zurücknehmen und nach Gewicht ver lausen. Ungeachtet der Vorschrift, Obst nur in Höchstmengen von 2 Psund zu verkaufen, wurden Kirschen und Erdbeeren korbweise und zu höheren Preisen angeboten und gekauft. Auch hier griff der Beamte ein und veranlaßtc die Zurückgab« der Obstkörbe und Einzel verkauf in Mengen von 2 Pfund. DieieS energische Borgehen des Beamten ist nur zu begrüßen, doch sollte dieses Verfahren auf fämt- lichen Groß-Berliner Märkten geübt werden, da sonst eine Ab- Wanderung der Händler nach weniger.heißen" Orten zu bc- fürchten ist._ Nicdcrschönhausnn. Lebensmittel. Eier werden in dieser Woche zwei Stück a 34 Pf. verabfolgt. Für Schwerarbeiter gelangen von heute ab noch einmal zwei Pfund Kartoffeln zur Ausgabe und zwar bei Schmol, Kaiser-Wilhelm-Str. 61. Betlerling, Lmdenstr. 3Sji und bei Hartkopf, Teutonenstr. 17.— Haferflocken sür Kinder und Kranke gelangen wieder im Gemeindeladen(TreSkowstraße) zur Ausgabe. Der Preis für KekS beträgt pro Paket 46 Pf. — Die Auszahlung der Mietbeihilfen erfolgt heute und morgen von ll— 12 Uhr im Rathause. Zimmer 20. Mus aller Welt. Der Mann im Kjelde— die Asamilie im ArmenhanS? „Edeldenkender Hausbesitzer gesucht. In Kiel und Umgebung ist die Wohnungsnot so groß, daß der Magistrat von Rendsburg schon durch öffentliche Anzeige Woh- nungsgelegenheit für Kriegerfamilien sucht. In einer solchen An- zeige bittet er um eine Wohnung für eine Ariegerfrau mit vier Kindern, die zum 1. Juli ihre Wohnung aufgeben muß, seit Wochen aber vergeblich eine Wohnung von zwei Stuben zu angemessenem Preise sucht. Der Magistrat fordert edeldenkend« Hausbesitzer auf. geeignete freie Wohnungen bei ihm anzumelden, damit die Familie var der Aufnahme im Armenhaus bewahrt»erde! Beim Streikaufruhr in St. Loni»«Illinois) wurden 15 Reger bei der Flucht aus brennenden Häusern von Weißen getötet. Der Schaden wird auf 3 Millionen Dollar geschätzt. 306 Weiße wurden verhaftet. Sriefkasten üer �eüaktion. t\t lucUiifite Svrcchswnde findet für Bdonnenfen Lindensir. 8, 1. Pos linfi, parterre, am Montag bis Freitag van« bis 7 Uhr, am Eonnadend von b bis s Uhr statt. Jod« für den?rteskalton destimmton Hntraae ift ein Spiichstade und eine Zahl als Mertjeidien beuufügen."Sriefliilie iinl- »ort wird nicht erteilt. Zlnfragen, denen feine AdonnementSauillun« dri. gefügt ist, werde» nicht beanlwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrech- stunde dvr. fetltoge, echrififlütfe und drrglrichrn tringr man in die Sprich. stundr mit. Martha IZ. Auch de» Familien, deren Ernährer im ieindlichen Aus- land zuruckgebalten wird, mirv llnleistilhuiig gezahlt. Boraussehunq ist. daß Bedürftigkeit vorliegt. Antrag ist bei der zuständigen Stcuertaise zu stellen.— M. F. 100. 1. Senn her Käufer nicht sieiwillig vom Lei- trage zurücktritt, fönnrn Sie rechtlich nichts imlernebmen, um den flau! rückgängig zu machen. 2. Dazu tonnen Sie nicht gezwungen werden: den Kindern erwächst dadurch kein Nachteil. Z. Warten Ene de» Bescheid bezw. die Borladung des Nachlaßgerichts od.— Rußland 100. Nein.— 5. A. 3. Sie lönnten sich an den Landrat wenden. Wir glauben aber nicht, baß Sie für den Haser und die Gerste Entschädigung erhalten. vielleicht sür den Weizen.— St. TS. 85. Ja. Ihre Frau kann aus Gruna einer von Ihnen ausgestellten Ballmacht die Rente abheben.— Verloren. Schadeneriaß darf noch verlangt werden, die Paviete dürsen aber dafür Nicht einbehalten werden.— V. 8. Eine iolche Verordnung existiert nicht. — Paul Sch. 24. Ohne Abkehrlchein können Sie die Arbeitsstätte nicht wechseln. Haben Sie berechtigten Grund zum Wechseln und wird Ihnen der Abkebrschein vom Arbeilgeber verweigert, so können Sie sich an den KriegSauSichuß. Linienjtr. 83/85, wenden.— A. P. Rr. 0. Soviel unS bekannt ift, nicht, fragen Sie aber bei der Lerwailung de« SiechenhaüieS an.— Lisbeth 21. Anspruch aus Lohn kann die Nichte natürlich jetzt schon gellend machen. Wenn ihr die versprochene Summe überbaupt nicht testa- mentariich vermacht ist, ist eS doch sehr unsicher, ob sie sie je erhält.— «. Ä. 9. Der Wirt war verpstichtet. in diesem Falle die Kündigung Ihnen fristgerecht zuzusenden. Teilen Sie ibm niii. daß die Kündigung sür Sie nicht gültig ist.— 30« P. l Anspruch besteht aus diese Zulagen nicht. 2. Sie baden kein Recht. Abzeichen eines attioen Waffenmeisters zu tragen, Sic muffen doch die Uniform tragen, die Ihnen zugewiesen wird. — St. I. Wann Graf M. seine Strafe antreten wird und ob cr hoffen darf, sie in FestungShast verwandelt zu sehen, wiffen wir nicht.— ZI. Ä. 22. l. Klubhaus, Ohmstr. 2. 2. Wenn keine ReichSIagStagung jeden Nachmillag 3 Uhr.— P. A. 105. Auf Zeichnungen bis 1000 M. werden nur Ouiltungen ausgestellt, wie Sie eine erhallen haben; die endgültigen Schuldverschreibungen der letzten Kriegsanleihe dürsten vermutlich nicht vor November erscheinen. Zwecks Bclchnung oder Derlauf wollen Sie iich unter Borlage der Quittung an das Postamt oder, wenn dieses Schwierig- leiten machen sollte, an die Reichsbank wenden, mit der Bitle, die Zeich- nung an eine von Ihnen nambast zu machende Bank zu überweisen, die dann aus die Zeichnung Leibgeld gewährt oder ihren Verkauf vornimm!. Verlust dürste Ihnen nicht erwachsen. TSetteranSftchten kckr daS mittlere Rorddeutichland dl« Freitag mittag. Bielfach wolkig: im Nordwesten meist geringe, im Süden und Osten etwa« stärkere Rezensälle; strichweise Gewitter; om Tage mäßig warm. ieÄrIlAiriiilnvstilm Qroß-Berlm ___(Sozialdemokratische Partei Deutschlands)._ Heute, Donnerstag, den S.Juli IS 17, abends 8 Uhr: Versammlung im„Lehrer-Vereinshause", Alexanderftr. 4t. Tagesordnung: 202/12' Die Kohlenversorpng im kommenden Winter. Referent: Stadtverordneter Adolf Ritter« ib.! n u Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt!> Eintrittskarte» sind bei Hof II. 3 Treppen, zu haben. Kekanntmachung. Bon heute Tonnerstag, 5. Juli. ob wird der Aufenthalt des Schnell- zuges I» 36 Berlin fabS05)'— Scißeit; sclS-Bad Kiffingen in Luckenwalde ian S", ab 8M) ausgihobcn und in TSittenberg an 9". ab 9" neu vorgesehen. 282/8 den Vorstandsmitgliedern und im Vczirkssekretariat, Lindenstr. 3, Telephon: Amt Moritzplatz 3S4. Ter Bezirksvorstand. Allgemeine Ortskrankenkaffe Spandau. Bekanntmachung. Bom 9, Juli dieses Jahres ab be- finden sich unsere Geschäftsräume nicht mebr Breit« Straße Rr 69, sonder» Bstonierring Rr. 176. Gleichzeitig machen wir daraus auimerlsam, daß wegen Umzug die flajse am Sonnabend, den 7. iFuli 1917, geschloffen bleibt. Krauten. gctber und sonstige Zahlungen, die am 7. Juli 1917 fällig sind, werden deshalb bereits am Freitag, den 6. Juli 1317, noch in den alten Kasienräumen ausgezahlt. Mitglieder, die sich am Sonnabend, de» 7. Juli 1917. zum Arzt begeben wollen. baden dies unter Vorlegung ihrer Mitgliedskarte beim Arzt zu tun und den Bon oder Kontrollschcm für den Arzt am Montag, den 9. Juli t9l7, in den neuen Kaffenräumcn nach- zubeforgen. 278/8 nci» Vomtand. ®. Richter. Porsitzeuder. Zigaretten direkt von der Fabrik zu Oriffinalpreiäen"Wgj tOOZig. Kleinvirkauf 1,8 Pfg. 1,80 100,..3. 2,30 beide Sorten mit Hohlmundstück. 100 Zig. ohne M. Kleinv. 3 Pf. 2.30 100, Golders., 3, 2.60 100,., 4,2. 3,20 100„ Gold. 6,2. 4,50 Versand nur gegen Nachnahme von 300 Stück an. Goidenes Haus Zigarettenlabrik Cr. b. m. H.• BepUn 5[W 7, Friedrichstr. 89, Fernspr. Zentrum 7437, and ArtiilerleHtr. 16. nIreien Stunden. Romane und Erzählungen sür daS arbeitende Boll Pro Heft ISPs. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. SS, Lindenstraß« 8 3 Webenerwerb dape�Yfostkartenuerkauf 100 Stck. von 1,50 M. an, 100 sortierte Landschalten, Patriot. 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Aus Abschnitt Nr. 85 der Lebensmittelkarte entfallen 100 Gramm Grieft. IL Auf Abschnitt Nr. 86 der Lebensmittelkarte entfallen 100 Gram« Haferflocken, Hafergrütze ober Hafermehl. HI. Auf Abschnitt Nr. 87 der Lebensmittelkarte entfallen 100 Gram« läse Snpprn. IV. Der KleinhandelShöchstpreiS beträgt: für 1 Pfund Weizengrieß........... 0,28 M.. ,1, Haferflocken, Hafergrütze oder Hafermehl 0,4«. . I. lose Suppen........... 0,93. V. Die Abschnitte Rr. 85, 86 und 87 find in den durch ein Aushänge. fchild . verkauf»an Grietz auf ScbrnSmittcl. karte« her Stadt Berlin« gekennzeichneten Geschäften gegen EmPfanaSbeschewigungen gb»u. aeben, und zwar in der Zeit va« Freitag, den 6., tziS ein. fchliefflich Montag, den 9. Juli 1917. » Slachträglichc Annahme findet nicht statt. VI. Die KleinhaudelSgeichüfte haben die von ihnen angenommenen Karfenabschnstfe in der bisher vorgefchrtebenen Weife an ihren Großhändler abzuliefern, und zwar am Dienstag, den 10. Juli 1917. VII. Die Ware wird dann in der üblichen Frist bei den Kleinhandels. geschäften gegen Rückgabe der Empfangsbescheinigungen zur Ver« sügung stehen. Till. ES ist unzulässig, die Karienabschnitte in Geschäsien abzugeben, m denen nicht da» vom Magistrat ausgegebene Aushängeschild(siebe zu V) angebracht ift. Geschäsien, die nicht im Besitze SeS AuS- hängcschildcs find, ist die Annahme der Karienabschnitie untersagt. Berlin, den 4. Juli 1317. Magistrat der KSaiglichea Haupt- nafe Kkßdemltadt. Tgb.-Nr. 69 Br. 3. Abteilung für Brotverforgung. 2l3K mit u ohne Platte, mit ecRt. Frieden ab an tnr hak, teoldkponen, BrOcken. Plomben, Umarbeltang: schleebtslta. Geblsne. Reparatur. saf.Zahnaiehen I. BetOnbnnc. Billig« Preise, auchteilzahl. Ttl.Nord 10438. B. 1. UserllSä esr Rosenlhalirslr. 63-70 C.X.T.-,7, Deutseher Traosportiriieiter-Verbanii. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Äulo. führ« Paul Kernchen am 1. Juli im Aller von 48 Jahren verstorben ist. Die Beerdigmtg findet heute Donnerstag, den 5. Juli, nach. mittag« 2-/, Uhr, von der Leichenhalle deS Eiisadeth. Kirch Hose«, Wollankstr. 66, aus statt. Xachrnt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der GeschästSkutscher kichnrd Zander am 21. Juni im Alter tum IS Jahren nerslorben ist. Ehre ihrem Andenken! 6,9 vi« Bezirksverwaltung. Deutseher BuehbinderverhaDd. (Zahlstelle Berlin.) Unseren Mitgliedern die trau- rige Nachricht, daß unser Mit- glied, der Buchbinder doseph Kadiubovski und) langem Leiden»erstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute Donnerstag, den 5. Juli, nach. mittags 3 Uhr, auf dem neuen Neutogner Gemeinde- Friedhose. Mariendorser Weg, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 26/1 l Die Ortsvcrwaltuvg. kör die Reise!!! SeltfenmSntel, imprägniert, Setagummin gasetzIicB g»- scbtitat, FrachtUrben, flotte Aofmacpungea in glätter | Seide, grün, blau kariert Schotten, regendicht 165. 140, 100, 76, 6C Eoiienne- und Taltetmäntel schwarz nnd larbig 160, K» 76, 46 fiammimäntel, teils Kriedensgiimmlening, vunderroUa Qualitäten in blau, grün, mode, federleicht. Leide. Kaschmir usw. mit posaenden Kegenhilten, praktische Pormen 160, iaa fla 76, 68, 53 Rostilme, Prima Ltost«. besterEammgarn.'rucb, Seida darunter Origlnal-Madalla aoa 250, 206, 150, 06 Leiden- Bast- und Kolienne-! Kostüme mit turkisebeu und| bulgarischen Seidenbesätzen 125, 100, 75, 58 helnen-Kostüme 60, 45, 28 CoTercoatmäntel, lang und kurz glatte, schiichte, auch Glockealonneu, 125, 100, 76. 68,- LporWacken. Phantasie 35. 25. 18,—. Köcke in Seide, Wolle, Pbsntasiest often. 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Der?lach- welt bedeutet er mehr: unvergessen sind seine feinen anatomisch- zoologischen Untersuchungen, seine geologischen Arbeiten, vor aber die volkstümlichen Darstellungen aus dem gesamten Gebiete der Naturwissenschaften, die er in Briefen, Zeitschriften annähen und Wandervorträgen gegeben hat; noch heute sind seine Werke sehr lesenswert, und sie ziehen durch die Kunst der Darstellung ebenso an, wie durch den Humor, der freilich manchmal ein wenig ausartet. Bogt war der Sohn eines bedeutenden Proseffors der Gießener Universität und der Neffe der beiden freiheitlich gerichteten Fallen. Er wuchs in einer demokratischen Atmosphäre auf. Als Student geriet er fälschlich in den Verdacht, ein Demagoge zu gehörte, ausgeben, slieben und sein Studium in Bern fortsehen, wo sein Vater eine» Lehrstuhl übernommen hatte, als man ikn in Gießen seines Amtes enthoben hatte. Vogt bestand hier die ärzt- liche Prüfung, nahm aber dann keine ärztliche Praxis auf, sondern wandte sich zoologischen Forschungen zu, und auf diesem Gebiete er. zielte er große Erfolge, iiaineiitlich bei Untersuchungen an Reptilien und Fischen. Die Forschungen des berühmten Agassiz. der in Neuenbürg«ine wissenschaftliche Mustcranstalt eingerichtet hatte, zogen ihn dorthin, er wurde dessen Mitarbeiter und bat unter anderem den ganzen ersten Band der Naturgeschichte der Süß- wasscrfischc und Teile des zweiten geschrieben, die Agassiz unter seinem Namen veröffentlicht hat. Außer den Laboratorrumsunter- fuchungen hat er auch die Gletscherfahrten des bedeutenden Gelehr- tcn mitgemacht, und zu deren Ausbeute gehört ein reizende?, Humor- volles Büchlein„Im Gebirge und auf den Gletschern". Bald ver- ließ er Agassiz wieder, um sich nach Paris zu begeben, wo er seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen fortsehte und seine Berichte an die„Augsburgcr Abendzeitung" schrieb, die er später zu den „Physiologischen Briefen" ausgestaltet hat. Ausflüge ins Mittel- mccr. die er zu übermütigen Plaudereien verwandte, gaben ihm immer neuen Stoff zu Forschungen und Veröffentlichungen Im Jahre 18i7 endlich kehrte er wieder in seine Heimatstadt zurück, wo man ihm den Lehrstuhl für Zoologie angeboten hatte. Das Jahr 1848 aber unterbrach seine wissenschaftliche Tätig- keit. Vogt wurde Oberst der Gießener Bürgcrgarde, Mitglied der ?kationalvcrsammlung, ging mit dem Rumpfparlament nach Stutt- gart, ließ sich in die Reichsregentschaft wählen und verlor darüber natürlich sein Amt. Wieder floh er nach Bern— dieses Mal mit gutem Grund—. und seinen Unmut tobte er nicht in politischen. sondern in zoologische» Schriften aus, indem er beispielsweise höchst merkwürdige Vergleichspunkte zwischen den Staaten der Menschen und den staatenbildenden Tieren des Meereswasfers her- vorbob, mit denen er sich bei seinen Reisen anS Mittelmecr be- ichäftigtc. Nach einiger Zeit berief man ihn nach Genf als Geo- logen i als Pictet de la Rive starb, übernahm er auch dessen Lehr- stubl für Zoologie, und bis an sein Ende hat er an dieser Schweizer Hochschule Zoologie und Geologie gelehrt. In der freien Schweiz kannte er sich offen zum Materialismus bekennen. Seine berühmte Kampfschrift„Köhlerglaube und Wissenschaft", die sehr drastische Erwiderung auf die Angriffe, die Rudolf Wagner gegen Büchner. Moleschott>ind_ihn selbst veröffentlicht hatte, ist freilich in Deutsch. land(in Gießens erschienen. Durch seinen derben, oft heraus- fordernden Ton— er galt mit Recht als Original und wurde als Reichsioeinschwelg und Falstaff verulkt— hat er sich mancherlei Anfeindungen zugezogen, ja bei einer seiner BortragSreifen in München mußte er cS erleben, daß man ihm einen Stein durchs Fenster warf, der ihn beinahe verletzt hätte. Vogt bliefi bei diesem Erlebnis sehr kühl und sagte nicht ohne Humor:„Die Steinzeit ist noch nicht vorbei." Zu den merkwürdigen Widersprüchen seines Leben? gehört die Sonderstellung, die er schließlich als Darwinist einnahm: obwohl er selbst vor den kühnsten Folgerungen der Lehre nicht zurückschreckte, bekämpfte und bezweiseltc er dennoch klare, entwicklungsgeschichtliche Tatsachen! Die wissenschaftlichen Arbeiten, die er teils in streng fachlicher, teils in glücklicher volkstümlicher Form veröffentlicht bat, sind außerordentlich zahlreich: jede seiner vielen Reisen— er hat das Nordkap und Island, Algier und die Mittelmcerufer ausge- sucht—, lieferte ihm neue Ausbeute, und er beschränkte sich auch nicht auf sein Fach. So hat er beispielsweise eine treffliche Ueber- setzung von Brillat-Savarin? berühmten Buch über die Köchkunst verfaßt. Die letzte Arbeit, die Bogt geschrieben hat, ist der Text zu einem großen Bilderwcrke über Fische: als er sie übernahm, sagte er:„Mit den Fischen babe ick, angefangen, mit den Fischen werde ich auch endigen." Bis in die letzten Lebensjahre hinein war der„Affenvogt" rüstig, urkräftig und arbeitsfroh. Im Alter — er starb 1895 in Genf— hat Vogt seine Lebenserinnerungen niedergeschrieben, ein Werk, das sehr unterhaltsam ist und nament- lich die Gietzcner Gelehrten köstlich schildert. Leider aber umfaßt es nur die Jugendjahre und bricht mit der Trennung von Agassiz ab. Als Politiker hat Karl Vogt alle die typischen Züge deS klein- bürgerlichen Demokraten von 1548. Ihm fehlt der klar« Blid für die Verhältnisse, er macht alle die Halbheiten und Inkonsequenzen seiner Klasse mit. Ja, er dilettiert bedenklich und wird, da er sich für eine unfehlbare Autorität hält, schließlich da? Opfer bonapar- tischcr Machenschaften. In den un«lfteulichen Auseinandersetzungen der fünfziger Jahre greift er— eingeklemmt ztvischen den Reaktionären, die ihn als Reichsverräter denunzieren, und der unerbfttlichen Kritik der weiter und ttefer blickenden Marx und Engels— zu ganz niedrigen und haltlosen Verdächttgungen seiner soziali strichen Gegner. Karl Marx hat ein furchtbares Strafgericht über ihn in sei,»er Schrift „Herr Bogt" abgehalten, die über die Wirren. Schwätzereien und Intrigen der Flüchtlingskreise, über die Skrupellofigkeiten der Real- Politiker vom Schlage Vogts und die Polizeiwirtsckast helle« Licht verbreitet. Aber man wird Vogt die„mildernden Umstände" nicht versagen, daß er persönlich und als Mann der Bürgerlichkeit kein Talent zu einer ernsten Politik hatte. Auch als Philosoph ist dieser berühmte Vertreter de? Materia. liSmus, aus dem die Reaktionäre sich für ihre Gängelzweck« einen Kinderschreck machten, nicht zu halten. Er hat sorglos und mit einer bewundernswerten llnbekümmertheit die Probleme gar nicht gesehen, die er im kecksten Änloiis übersprang. Auch darin ist er der typische Vertreter der Zeit, die, stolz auf ihre große» natur- wissenschaftlichen Errungenschaften, nun über alle Philosophie zur Tagesordnung übergeht und nicht sehen will, daß alle Weit- anschauung notwendiger Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse ist. Freilich, wo er den bornierten Köhlerglauben zerzaust, da ist er glücklich im witzigen Zupacken und da räumt er Moderkehricht gründ» lich au». Aber wenn er nun seinen naiven Materialismus auf- stellt, ahnt er nicht einmal, daß er damit selber zu philosophieren anfängt und daß ihm dazu da« Rüstzeug abgeht. Der große Rausch sieghafter Zuversicht, der auch noch in Haeckel weitcrgärt, treibt ihn über die Grenzen des wirklich Erreichten weit hinaus. Er glaubt überall das Ende fest in der Hand zu haben, wo wir heute noch vielfach am Anfang stehen. Diese Einsicht soll und kann uns aber nicht abhalten, uns deS Forschers und vor allem des volkstümlichen Schriftstellers auch heute nock, z» freuen. Wilhelm Bülsche, der hier wie kein zweiter berufen ist, sachverständig mitzusprechen, hat bereits vor J'hren die Dauerwirkung Vogts rühmend hervorgehoben.„Man wird nur doppelt die Kraft und Herrlichkeit jenes ForschungSmater>aiS be- wunder,,, da» selbst durch die Tünche eines so mangelhaft gebildeten Philosophen nicht in seinem Glänze verhüllt werden konnte und das sich selbst so seine große Mission hinsichtlich eines wirklichen Fortschritts in der Weltanschauung bewahrt hat." Bölsche findet, daß er vielleicht von allen bedeutenden Naturforschern seiner Zeit den leichtesten, graziösesten Stil schrieb. Die populären Schriften Vogts— vor allen oie in dem Sammelbande„Alte» und NeueS au» Tier- und Menschenleben", darunter vorzüglich„Tierstaaten" und „Ozean und Mittelmecr"— sollten auch heute noch eifrige Leser finden. Es ist echter naturwissenschaftlicher Geist darin. Sie sind mit Lust und Liebe geschrieben, kein bloßer Abfall; und sie fiihren wirklich in die Dinge ein; sie zeigen den Forscher an der Arbe.l, sie zeigen die Probleme in lebendigem Fluß und sind ohne überflüssige Fachsimpelci von durchsichtiger Klarheit. Der volkstümlich« Humor schießt dabei belebend und erheiternd überall in die Blüte. Wo Karl Vogt wirklich zu Hause ist, da ist er auch gründlich und solide. Bölsche kann wohl von ihm behaupten:„Kaum ein zweiter Natur- forscher wäre im ganzen 19. Jahrhundert zu nennen, der so sicher und mit allen Mitteln geschärft das Bild de« eisernen Forschers herauszubringen wußte, wie Vogt. Ein Ziel vor Augen— und nun drauf loS. Unerbittlich der Forscher wie sein« Naturgesetze, die er erforscht." Karl Bogt hat in vieleni eine glückliche Hand gehabt. Er hat Forschungen begonnen, die eine Zukunft hatten: die bis dahin so wenig bekannte niedere Tienvelt der Meere, die Tiefseeunter- suchungen, die Arbeitsweise der zoologischen Stationen zählen ihn unter ihren Pionieren. Mit besonderem Eifer hat er später die Bausteine über die Entwicklung der Menschheit gesammelt ynd hat den„Zwischenstationen" zwischen Menschen und Assen nachgespürt, die er auch in den kleinköpfigen Idioten fand. Es ist eine späie Anertennnng. daß die von ihm in seinen„Vorlesungen über den Menschen" auSaesprochcnc Ansicht von einer mehrfachen Abstammung der Menschenarten iauS verschiedenen affenartigen Vor- läufcrn) neuerding« durch Klaatsch die kräftigst« Stütze ge, funden hat._ verlorenes üeutjches Sprachgut. Da? Niederländische, worunter die nahverwandte holländisch« und flämische Sprache gemeinsam zu verstehen ist. liefert dank seinem engen BerwandtschaftS- und AuStauschverhält- nisse zur deutschen Sprache auch für deren Geschichte mannigfache wertvolle Aufschlüsse. In einem lehrreichen Aussätze.Deutsch und Niederländisch", den Gustav Bender in der beim Jnselverlag« zu Leipzig erscheinenden Monatsschrift„Der Bellried" soeben veröffent- licht, macht der Verfasser darauf auimerksan». daß im Niederländischen noch gar manches Wort erhallen ist, das bei uns in der Schrift- spräche längst verklungen ist oder doch nur dichterisch gebraucht wird. Da ist vor allem.oorlog" zu nenne», da» uralt« germaniiche Wort, neben dem.Krieg" sich kaum sehen lassen kann:.lei"— Schiefer ist bei un» nur am Rhein noch bekannt und kommt in den Rainen Leikam, Leikum. Leyendecker. von der Seyen, Lorelei vor. Während.siech" bei un« an, Nussterben ist. sieht.ziek" in aller Bliite..Oheim" wogt sich leider nur noch schüchtern hervor, und.Ohm" hat wohl gor einen lächerlichen Beigeschmack; im Niederländische» aber ist.vom" gc- brönchlich, wogegen freilich die.moei"(Muhme) vor der welschen .tante" die Segel streicht. Unser.Leichnam" ist in seiner Ur- brdeutung durch da» au» dem Lateinischen stammende.Körper" ganz verdrängt und wird nur noch für den toten Leib gebraucht. wogegen sich im Niederländischen.lichaanr" voll behauptet hat. und zwar sowohl für sich selbst al« auch in Zusammensetzung: so hat da« Niederländische für da? Fremdwort.Konstitution" da« kräftige Eigenwort.lichaamsgestel" und.Staatskörper' heißt.staatt- lichoam"..Winkel" für Loden»st im Niederländischen noch im vollen Gebrauch, indes bei uns die vielen.Winklcr" an sein einstige« Vor- handensein erinnern. Auch der.woensdag" ist erhalten, während unser .WodanStag" dem.Mittwoch" hat weichen müssen. Solcher Be- standteile alten deutschen Sprachschatzes, die bei un» mehr oder weniger in Verlust geraten, im Niederländischen aber erhalten sind. gibt es noch eine ganz« Reihe. Da« althochdeutsch« Wort ,quec" — lebendig— ist bei uns allensall«»och in deni strichweise ge- brauchten Wort«.quick" erhalten; der Holländer bat aber noch da« Wort.kweeken"— züchten. In.spenen"— entwöhnen— erkennt inan ein altes deutsches Wort ivieder, das noch in.Spanferkel" an- Hingt, und.veeg"— Hieb— bewahrt«in Wort, das i» unserem .Ohrfeige" iviederkehrt. Die Hochzeil heißt im Niederländischen noch.bruitloft"(Brautlaufj. und der Verwandt«.mang". Während unser alles schöne«.trau»" jetzt längst durch da« blasse.natürlich" verdrängt worden ist, braucht der Niederländer dafür noch sei« .trouwe»«". und da« Geschlecht heißt bei ihn».kun»«", worin wstc unser Wort.König" wiedererkennen. Notizen. — Adolf Wagners Lehrstuhl, der durch den Rücktritt deS im 83. Lebensjahre stehenden Gelehrten frei geworden ist, ist in doppelter Form neu besetzt worden. Werner Sambart und ' He.rma.an SA n mach e r. find- berufen, die Lücke. auszufüllen. ' Sombart wird vovaiiZsichtlich die wirtschaftstheoretischen und -geschichtlichen Fächer, Handelspolitik und Finanzwissenschaft lehren. Er ist also auf dem Umwege über die Handelshechschule nun doch an die Berliner Universität, die ihn früher nicht haben wollte oder konnte, gelangt. Hoffentlich findet er nun auch den Weg zu den vielversprechenden früheren Arbeiten zurück von den geistreichen, aber problematischen und vielfach konstruierten Versuchen, die ihn die letzten Jahre beschäftigten. Schumacher, der zurzeit Professor in Bonn ist, ist in verschiedenen Reichsämtcrn tätig gewesen, war auch als AuStauschprofessor in Amerika und hat sich besonders mit weit» wirtschaftlichen und Verkehrs, und Geldfragen beschäftigt. — 61 neue Tierformen. Die aus Reiclisrnitieln unterstützte Tiefsec-Expedition hat, wie au« einem Bericht an den Reichs- tag hervorgeht, eine für die Wissenschast sehr ersprießliche Tätig- keit entfaltet. Denn unter den von der Expedition bearbeiteten 150 Arten von Tieren befanden sich nicht weniger als 61 neue, die zum Teil sehr eigenartige Farmen aufweisen. Tie Anatomie und die Entwickclungsgeschichte konnte um wichtige Ergebnisse bereichert werden. 41s Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Fünftes Kapitel. Am Fenster ihrer Kammer, hinter Geranien halb vor- fleckt, stand Gertrud Gmür, nunmehr als junge Herrin des .Frohsinns", kaum fähig, die blendende Schönheit der auf- erstandenen Welt vor ihren Augen zu erfassen und zu er- tragen. Auf viele frostige Maitagc, dunkel hinbrausende Frühlingsstürme, die bald Schneeflocken, bald einen melan- cholischen Blütenregen über alle Wege ivirbeltcn, mar nun das erste hellauflachendc Kind des Sommers gekommen, mit triumphierendem Licht und beseligender Wärme. Kein Firnenschnee schimmerte so rein und weiß wie die Flügel der Möwen, die scheinbar emporgezogen von den Strahlen, ihren Flug höher nahmen; die"Werften hatten das sommer- liche Geschwader entsendet: auf den Verdecks der bewimpelten Schiffe tummelte sich schon der Vorwitz des reisenden Völl- leinS mit wehenden Schleiern, das Fernrohr vor den bc- zauberten Augen. Ueber den dichten Obstwald der Ebene hinweg konnte die Beschauerin gerade noch einen Streifen des Sees erhaschen, ein schmales, blaues, sehnsuchterweckcndes Band; von der Stadt ragte nur da und dort ein Giebel oder Turm— der breitbehaglichc des Doms und der schlanke spitzige von St. Laurenzen— aus den» unabsehbaren Blätterdach hervor. Der Dreitannenhof mitten auf dem Roß- bühl, winkte den Fremden niit rotweißer Flagge Willkommen zu. Aber ehe die Schiffe in die Trcustädtcr Bucht einlenkten, fand er selten Beachtung; denn hinter der grünen Hügel- kette lockte unwiderstehlich der ewige Schnee des Silbcrhorns, zu dessen Füßen dem wandernden Reichtum gar prächtige Villen und Paläste aufgebaut waren. Ja, nun wachte sie wieder auf, die Reiselust, und wehe denen, die ihr Leben hinter Schranken und Mauern verbringen mußten! Jedes Segel, das Staubwölklein hinter einem Kraftwagen und der Vögel Flug hoch im Blauen, entführteu die darbende Seele meilenweit, und der gefesselte Leib blieb zurück, dumpf und schwer mit starrenl Plick und offenein Munde. Ungeachtet der Familientrauer suchte Fräulein Gertrud alles Schöne, was Schrank und Konimode enthielten, hervor: das spinnwebzarte Battistkleid,. kaum eine rechtschaffene Hand voll, so daß die kräftige Jungfer selber staunte, wie schlank sie darin aussah. Dazu ein Rosenhut und nagelneue Spangenschuhe zu feingcwobcnen Iveitzen Strümpfen. Mit freudebebenden Händen ergriff sie die liebliche Last ihrer dnnkelblondon Haare und band die langen Strähnen zu einem stattlichen Kranz. Dann zog sie den heimlich erworbenen Staat an. mit dem sie sich gut und gern neben die besten Treustädterinnen stellen wollte. Ein ganz besonderer Tag war es nun doch einmal, einer, der ihr Herz mit bangen Erwartungen gleichsam unter Wasser setzte und seine Hand bestimmend über viele Nach- folger ausstreckte. Fast zwang es die Hoffende auf die Knie, um zu beten, daß er gut anfangen und noch besser enden möge. Aber die längere Andacht verrichtete sie immerhin vor dem Spiegel. O. sie wußte nur zu gut, wieviel Sorgfalt sie gerade da aufbieten mußte, um ein wenig dem Manne zu gefallen, den sie schon als Schul- mädchen abgöttisch geliebt hatte! Es genügte nicht, daß sie gelinde in sich selbst verschossen war— in ihre Fülle. Rotwangigkeit und männliche Stärke. Indem sie ihre schaffigen Hände in die Hüften stemmte, verbarg sie sich keines- Wegs deren auffallende Breite, noch den allzu stattlichen Busen, den kurzen Hals, die wuchtigen Beine und Fesseln. Dennoch— sie fühlte eS und konnte sich darin unmöglich täuschen: auch sie hatte einen Schimmer Schönheit empfangen und übte selbst auf ihn, der sich gegen sie wehrte, eine tag- lich lvachsende Anziehungskraft aus. Nein, sie war in diesen Wochen, die Adolf Lenggenhager notgednmgen zu Hause verbrachte, wahrlich nicht müßig gewesen. Nicht nur ihre HauSfrauentugenden, auch andere weibliche Gnaden hatte sie vor seiner aschgrauen Seele leuchten lassen, und da- für schon manches gute Wort, manchen warmen Blick von ihm empfangen. Nun gar am heutigen Tage... wo sie zum erstenmal an seiner Seite in die große Welt hinaustreten sollte! Lieber Himmel, wenn nur nichts dazwischen kam! Sie blickte öfters besorgt nach dem. Ried hinunter oder die Straße auf und nieder. Schon vor einer Stunde war der Herr Oberleutnant aufgestanden und fortgelaufen. Warum so srüh ik Sicher hatte ihn nicht das gute Wetter fortgetriebcn, sondern der unablässig nagende. Schlaf und Lebenskraft auf- zehrende Kummer über die gewaltsame Veränderung seines Daseins., In HauS und Hof war es noch feiertäglich still; nur nebenan, in der Ackermannschen Kostgeberci, saßen einige Gesellen bereits beim Frühstück. Gertrud veruahm den edlen Wettstreit der Löffel in der Erdäpfelröste, und hie Stimme des Berliners, der sich wieder einmal beklagte:„Mudder, tun Sc niir den eenzichten Jcfallcn und jehn Se'n biSken sparsamer mit'n Kimmel um. det wimmelt ja wieder von die eklichen Wirmer!" Tie Ackermännin, eine wahre Vogel- scheuche von sorgloser Häßlichkeit, schüttelte sich vor Lachen:„O du verfluchter Cholderi, wenn du denkst ich werde dir äpfelkiichcln und eiertätscheln für deine paar Rappen— da kannst du lange warten!" Beim Miststock hinter der Scheune bemerkte das Mädchen den jungen Ackernraun, der mit großem Eifer die Stichgabcl handhabte, um Würmer zu suchen, sowie den Schreiner Kurt, der zu gleichem Zwecke sein Angelzcug in Ordnung brachte.„Jetzt, do guck naa l Heiligskreitzdonuerwetter!" schimpfte der quer- köpsige Schwabe, das Ende des FadcnS enttäuscht durch die Hand ziehend.„Gell, han i's net gsagt? Koi Haagga, koi Roßhar meh dra. Do schlag doch glei der Deisel nei. DecS isch ivieder emol der Sauprciß gwca. i laß mi aufhänga!'s heißt net umasonst: stehla wie'n Preiß! Sie hend druni a die greschta Zuchhciser!" Der frühen Stunde, des herrlichen Tages ungeachtet, schrie der Lümmel aus Leibeskräften und warf mit den unflätigsten Flüchen um sich. Aber die in der Stube lachten ihn bloß aus. Dazu schnatterten die Enten im Teich, ein Truthahn kollerte im Hof und auch Tyras erhob schließlich seine Stimme in dem unbegreiflichen Lärm. Adolf Lenggenhager lag, zum Baden bereit, neben dem kleinen Blockhäuschcn am See, daS er selbst vor Jahren mit seinen Gesellen erbaut hatte. Auch er sah die neugeborene Welt mit bebender Seele an. Aber sie ließ seine Augen nicht aufleuchten. Er gewahrte wohl das gute Mädchen am Fenster, das nur noch nach ihm Ausschau hielt und allein sein Wohl im Herzen trug; er beobachtete nicht minder bewegt den verbitterten Alten, der in Hemd und Hosen zum Brunnen humpelte, wo er sich trotz seiner Beschwerden jeden Morgen bei Regen und Sonnenschein zu waschen pflegte. Allen Ein- Wendungen seiner Angehörigen, diese Bauernmanier schicke sich nicht für ihn. den Herrn Gemeinderat, stellte der Viehhändler die kühne Behauptung entgegen, daß es schon die Urahnen Abraham, Isaak und Jakob so gemacht hätten, und daß er, um recht von Grund auf wach zu werden, gleich nach dem Aufstehen einen herzhaften Schluck quellfrischcn Wassers trinken und dazu einen„um und um" auf sein Hab und Gut werfen müsse/-- Ksrti. jolgt.)- Taschenbuch für(tsarte'nfreunde. Em Zialgcbei für die Pflege und sasi» gemäge Bewirtschaftung deshäxsüch»! fjicr«, Gemüse- und Obstgartens von Max Hcsdörser. Dritte erwelrXrte Slusiage. Mit 12k Textabbildungeri� Preis 4 Mark. Expedition Vorwärts. liinddnstrage 3, Laden. leller WMjl sucht losort Institut Kassa, PotShanrer Straße 110. üMk Arkeitsdnrseken jüngere, sucht Sleinllructerei Moser, Potsdamer skraße 110..58/18 tfiflltlftiif"1' leichte Werkitattalbcit Ul IJtlflU gesucht. 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