riDonnemcntS'Bedingungcn: kdonnements..' Preis pränumerando Lierteljährl. 3.90 Mt» monatl 1.30 M!, vöchenllicd 80 Psg. rcci»nS HauS. Emzelne Nummer 5 Pfg. SomuagK. numinet mit tHuftTtcrtex Sonntaq�* SBeiiaqe„She Sicue ßelt* 10 iSrq. Vofl- K&ohiicinciU: 1,30 Mark pro Monat. �mgelragen in die Vosl.Ze,tungS. DretSline. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2.60 Mark, für da» übrige Ausland t Marl pro Monat. VoflabonnemenlS nehmen an Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Ktmumien. Schweden und die Schwee Qlcheinl lägllch. Vevlinev Volksblerkt. ZmXvuXorqxn der foztaldemoltratt feben Partei Deutfcblands. Die Infertlons-GebQlir Ifttägt für die sechsqefvaltrne ftotond« Jeile ober deren Raum 60 Bfg.. für olitifche und gcwerliÄ-mlichc LercinZ- und Zjersainmfungs-Auzeiqen 80 Pfz.> »lileine Snrergen", das iellgedruciie Werl 20 P!g. �uläifig 2 sctlgedruckte Worlel, jedes weilerc Worl 10 Vf«. kiellengejuche und SdjlafiicQcnau. , eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes »euere Wort 5 Efg. Worte über 15 Buch. (toben j-ibien für zwei Worte. Jnicroie für die nächste Kunimer inüflen biS 6 Ubr nachmitlogs in der Erdedition »dgegeden werden. Die ExveSüwa tjt bi» 7 Uhr abends gcöjjnet. lelegramm-Adresie: .5sr>z!iicwoktilt ketll»". Neüaktion: SW. öS, Linöenstraße ö. Zsernivrccher: Zluit MorivvlaU, Nr. ISl 9V— 1»! S7. Sonntag, den 8. Juli 1917'. Expeüition; Siv. 68, Linüenstraße 3. isermprecher: Nmt Moritzplatf, Nr. 151 90—151 97. Ur. 184. 34. Zohrgimg. Die innere Krife. Wahrheit und Freiheit. Der„Vorwärts" Hai in seiner gestrigen Ausgabe von plötzlich entstandenen Schwierigkeiten der inneren Lage ge> sprochen.-er hat auf das Bestehen eines krisenhaften Zustande?' der Iieichspolitik hingewiesen, und er hat aus diesen Tatsachen die entsprechenden Folgerungen gezogen. Inzwischen haben andere Blätter Mitteilungen aus den dertraulichen Verhandlungen des Haushaltsausschusses gemacht, die unsere Darstellung nicht nur bestätigen, sondern auch den A n sl o ß dieser neuesten Entwicklung aus dem Dunkel der 5iommissionsbcratungcn ans Licht ziehen. Es ist richtig, daß cS ein Bekenntnis des Zentrumsabgcordiictcn Erzbergcr war. das den Verhandlungen eine hochdramatische Wendung gab und einen Umschwung der ge> saniten politischen Lage einzuleiten schien. Erzbergers Rede wirkte darum so stark, weil durch sie die s ch c i n b a r�e Isolierung, in der sich die Sozialdemokraten mit ihrer Stellung zur KriegSzicl frage befanden. durchbrochen wurde. Sie wirkte nicht als daS Bekenntnis eines Einzelnen, sondern als Anz'eicheu eines allgemeinen Umschwungs der Auffassungen. In ihren Worten hörte inan etwas knistern und knackend zufanimenbrechen, aber was da zusammenbrach, ivar ein Gebäude der Illusionen. das nie hätte errichtet werden sollen. Erzbergers Rede brauchte nicht alS Geheimnis behandelt zu werden. Sie ent- hält ihr Wesentlichen nichts, was nicht schon von den Sozi a l de m o k r a t e n sti öffentlicher Sitzung gesagt worden ist. Die„Deutsche Tageszeitung" überschreibt den Artikel, den sie diesen Vorgängen widmet:„Sein oder Nichtsein" Diese Ueberschrift' ist vollkommen richtig: für die„Deutsche Tageszeitung" und die von ihr betriebene Politik ist diese Frage allerdings aufgeworfen, und nicht nur aufgeworfen, sondern sogar beinahe schon entschieden. Das Urteil lautet auf Nichtsein und ist daher allerdings geeignet, die „Deutsche Tageszeitung" mit Verzweiflung zu erfüllen, es wird aber von weiteren Kreisen mit mehr Gelassenheit auf- genommen werden. Die„Deutsche Tageszeitung" sieht die Sache des Rcick>es als verloren an, sobald der alldeutsch- konservative Einfluß auf den Gang der Reichspolitik aus- gesckaltet wird. Wir erlauben uns der gegenteiligen Meinung zu sein und auszusprechen, daß das Reich dadurch nicht ver- liert, sondern gewinnt. Einstweilen freilich müssen wir noch immer unter deni Schaden leiden, der durch die falsche Identifizierung des deutschen Volkes mit den Alldeutschen angerichtet worden ist. Weil die Alldeutschen wie aus allen Himmeln gefallen sind und weil sie große Redensarten inachen von verlorenen Nerven. Scherben und geschaufelten Gräbern, muß tatsächlich im Auslände der Eindruck entstehen, als stehe Deutschland am Rande der Verzweiflung. Man wird sich also nicht wundern dürfen, wenn die chauvinistische Hetzpresse des Aus- landes den-Jammer der Alldeutschen zu neuen Auf- peitschungen der seindlichen Siegeszuversicht ausnutzen wird. Aber auch dieser Jllusionsbau steht auf morschem Grunde. Wie stehen die Dinge in Wirklichkeit? Die Mehrheit des Reichstags scheint eingesehen zu haben, daß man auch im Kriege mit der Wahrheit am iveitestcn komnit. Wahrheit ist, daß wir die Gegner nicht vernichten können. und daß sie uns nicht vernichten können Wahrheit ist. daß wir unter diesem Kriege entsetzlich leiden und daß für unsere Gegner genau dasselbe gilt. � Wahrheit ist, daß das deutsche Volk von dem leiden- schaftlichen Streben erfüllt ist, diesem sinnlosen Völkergemctzel ein Ende zu machen und daß sich alle anderen zivl- lisierten Völker genau so nach dem Frieden sehnen wie das deutsche Volk. Unter denen, die heute so denken, befin-den sich viele, die nicht— wie wir Sozialdemokraten— jede Annexionspolitik von vornherein grundsätzlich ablehnten. Die bisher un- sichtbar gebliebene Reichstagsmehrheit wird alio, wenn sie in Erscheinung treten sollte, aus durchaus verschiedenartigen Elementen bestehen. Was sie zusammenhalten kann, ist nicht eine theoretische Uebcreinstimmung, sondern die real- politi'che Erkenntnis, daß dieser Krieg nur iinter Wahrung des Grundsatzes vom 4. August„U n S treibt nicht E r- oberungslu st" zum notwendigen Abschluß gebracht werden kann. Lohnt es nicht den Versuch, unsere Gegner zu einer P o l i t i.k der Aufrichtigkeit zu zwingen, indem wir selbst eine solche Politik treiben? In Rußland hat sich diese Politik schon durchgesetzt. Und wenn die junge russische Re> publik auf militärische Anstrengungen stolz ist, die unter solchen Umständen zu vollbringen in der Tat nichts Geringes war, so hat sich in Rußland doch schon längst die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß sich dieser Krieg als Eroberungskrieg nur auf den Trün'wern der ganzen menschlichen Kultur beenden läßt. In Frankreich und England dagegen hat man bisher von seiner Politik der täuschenden Stimmungsmache nicht ablassen wollen. Man spricht dort immer noch von dein unmittelbar bevorstehenden Endsieg, der„mathematisch gewiß" ist, und rechnet Termine aus, um sie stillschweigend zu vcr- längcrn und neue zu berechnen. Solche kriegsverlängernde Manöver von der Gegenseite her mitzumachen, ist ein schwerer politischer Fehler, und wenn daniit gebrochen wird, so wird das ein Genffmr für�alle sein! Denn das Aufgeben solcher Selbsttäuschungen bat zur unwiderstehlichen Folge, daß die Lösung des Friedens- Problems nicht auf dem Boden militärischer Machtpolitik, ion- dern auf dem internationaler völkerrechtlicher Grundsätze gesucht werden muß, und nur auf ihni läßt sich ein dauerndes Gebäude errichten. Hand in Hand mit einer Reinigung der europäischen Atmosphäre muß eine Befreiung der Völker von über- lebten Einrichtungen und beschränkenden Fesseln des öffent- lichen Lebens geben. Daß in dieser Beziehung auch außerhalb Deutschlands noch vieles zu tun, verkennen wir nicht. Gerada die nationalistische Presse Deutschlands, die doch sonst nicht so war, hat in der letzten Zeit mit dem jungen Eifer einer neugeivonnenen— ach leider nur für das Ausland gc- wonnenen— sozialistischen Erkenntnis die Mammonshcrr» schaft in fremden Ländern an den Pranger gestellt. � Wir tveröen uns freuen, wenn sie fällt, aber wir wollen nicht in anderer Leute Häuser, sondern in unserem eigenen nach dein Rechten sehen, und da inüssen wir bekennen, daß es an manchem fehlt. In dem Verhältnis der Parlamente zu den Regierungen, in der Gestaltung des Wahlvechts zu den Landtagen und Gl- meindevertretungen besitzen wir Einrichtungen, die hinter der Entwicklung anderer Völker weit zurückgeblieben sind. Die müssen weg! In dem- freiheitlichen Ausbau seiner inneren Zustände darf das deutsche Volk hinter anderen Völkern nicht länger zurückstehen! Wahrheit und Freiheit, das sind die Grundlogen des Friedens! Das sind die Stützen der neuen menschlichen Ge- scllschaft!_ Konferenzen. Der Kaiser hat sich gestern nach seinem Eintreffen in Berlin vom Bahnhof aus zum Reichskanzler begeben und dessen Vortrag entgegengenommen. Schon zuvor waren Hindonburg und Ludcndorff in Berlin eingetroffen, wo sie den Kaiser erwarteten, um ihm militärischen Vortrag zu halten. Die Sozialdemokraten unü üer Reichs- kanzler. Die bürgerliche Presse bringt eine Notiz über eine Unterredung einer sozialdemokratischen st raktion-Z Vertretung mit dem Reichskanzler. Zu dieser Notiz, die zu Zwecken eines durchsichtigen Manöver-? stilisiert und verbreitet zu sein scheint, wird uns vom Fraktion s vor st and geschrieben: „Es ist richtig, daß Freitag abends fünf Vertreter unserer Fraktion mit dem Reichskanzler eine Besprechung halten, in der aktuelle wirischaftliche und politische Fragen erörtert wurden. Was in der Presse über ein.Ultimatum, über Verhandlungen zur Ein» sührung des parlamentarischen Systems und„sofortige Ernennung von führenden Abgeordneten aller Parteien zu Ministern und Staatssekretären" berichtet wird, macht der Phantasie des Bericht- erstallsrs alle Ebre. steht aber mit der Wahrheit im Widerspruch," Zur selben Angelegenheit meldet Wolffs Telegraphenburcau: In der Presse wird die Nachricht verbreitet, daß die sozial- demokratischen Parteiführer dem Reichskanzler gestern ein politisches Ultimatum gestellt hätten. Diese Darstellung ist falsch. Die Sozirckdemokraten haben ebenso wie andere Parteien mit dem Reichskanzler eine Aussprache über die allgemeine Lage gehabt und dabei insbesondere ihre Wünsche zur Friedcnsfrage und zur Frage des preußischen Wahlrechts vorgetragen. Andere spezielle Gegenstände sind bei der Erörterung nicht be- handelt worden. Bon einem Ultimatum war keine Rede. tzauptausschuß ües Reichstages. Am Sonnabend hatte sich eine große Zahl von Abgeordneten im Sitzungssaale des HauptanSschusses eingefunden, da erwartet wurde, daß es zu einer überaus bedeutungsvollen politischen Aussprache kommen werde. Zunächst sprachen der K r i e g s m i n i st e r und der Staats- sekretär des R e i ch s m a r i n e a m t S. Letzlerer, um auf die Ausführungen des Abg. Erzberger in voriger Sitzung zu antworten. Hierauf schlug der Vorsitzende, AbgstSpahn, vor, die poli- »sche Aussprache von jetzt ,ab auf den entscheidenden Punkt zu be- schränken: welche Schlußfolgerungen aus der gegenwärtigen politi- scheu Lage zu ziehen feien. Aus diesem Grunde regte er an. eine neue Rednerliste zu führen.— Abg. D» t l m a u n sUnabh.) erhob dagegen Einspruch: er sei der nächste Redner und es liege lein An- laß vor, die Rednerliste zu ändern, auch wenn man jetzt die Aus- spräche auf einen Punkt beschränke. Er müsie daher annehmen, daß nur deshalb die Rednerliste geändert werden soll, damit er nicht als erster zum Wort kommen könne. Der Ausschuß beschloß aber, nach dem Borschlage des Vorsitzenden zu verfahren. Hierauf erwiderte zunächst Abg. Erzberger auf die Aus- führungen des Staatssekretärs des ReichsmarineamlS. Dann nahmen die einzelnen Parteien Stellung zu der gegenwärtigen Lage und zwar Abg. S ch e i d e m a n n für die Soziatdemokralen, Graf Westarp für die Konservativen, G o t h e i n für die Frei- sinnige Volkspartei, Prinz Schönaich-Carolath für die Nationalliberalen. Der Reichskanzler antwortete dann in rüigehcnder Weise.— Darauf folgten die Abgg. Warmuth(Dt. Pari.) und Dittmann (ilnabh.). Gegen 2 Uhr wurde die Sitzung auf Montag vertagt. Die Verhandlungen waren vertraulich. Um Mazedonien. Eine Antwort an Herrn Hermann Wendel von D. Rizoff, Königlich bulgarischer Gesandter, Berlin. Wir geben auch die uns zugegangene Entgegnung deL hiesigen bulgarischen Gesandten auf den gleichbetitel- ten Aufsatz des Genossen Wendel, wie diesen selbst, als Beitrag zur Diskussion über das mazedonifthe Problem wieder. Red. d.„Vorw.". Unter dem obigen Titel hat der„Vorwärts" in der Nummer vonr 2. d. M. einen Artikel von Herrn Hermann Wendel veröffentlicht, der eine Entgegnung erfordert. Dies um so mehr, als eiu ähnlicher Aufsatz desselben Verfassers bereits in dem Wochenblatt„Die Glocke" publiziert und boil der Wiener„Arbeitcr-Zeitung" nachgedruckt ivorden ist, der in Bulgarien allgemeine Entrüstung hervorgerufen hat. Ich bitte nun im Namen der objektiven Wahrheit um freundliche Auf- nähme der folgenden Erwiderung. Aus leicht begreiflichen Gründen werde ich die heikle Frage der„Kriegsziele Bulgariens" beiseite lassen und ein Gleiches hinsichtlich der historischen Rechte der Bulgaren auf Mazedonien tun. Ja noch mehr: Ich werde mich weder auf bulgarische ethnographische Karten noch Statistiken be- rufcn� Sind d i e S l a w e n i n M a z e d o ni c n Serben oder B"u l g a r e n? Das ist die Frage, die Herr Wendel in seinem Aufsatz hauptfächlich behandelt, indem er sich bemüht, den Nachweis zu führen, daß sie weder Serben noch Bulgaren seien, um so seine Lieblingsthese aufrecht erhalten zu können, daß sie ebenso gut zu den Serben gehören können, wie zu den Bulgaren. Ich bedauere, zu der Aeußerung gezwungen zu sein: Diese Frage stellen und im Sinne des Herrn Wendel ent- scheiden, konnte bloß jemand, dessen Fuß Mazedonien nie- mals betreten hat, der die mazedonische Geschichte der lctztcit 70 Jahre nicht kennt, der nichts von der niaßgebenden Lite- ratur über Mazedonien gelesen, noch irgend eine ethno- graphische Karte— die serbischen und bulgarischen aus der neueren Zeit ausgenommen— angesehen hat. Wenn Herr Wendel alles das kennen wurde, dann hätte er als intelli- genter und ehrenhafter Mann seine Auffätze über Mazedonien nicht geschrieben. Herr Wendel ist irregeführt worden, wenn er behaupten kann, die sogenannten mazedonischen Slawen seien weder Serben noch Bulgaren. Ich will hier die bekanntesten Be- weise kurz erwähnen, die keinen Zweifel darüber bestehen lassen, daß die bulgarische Nationalität der„mazedonischen Slawen" seit Jahrhunderten nachgewiesen und zugegeben ist. Und was für Herrn Wendel eine Ueberraschitng sein wird, ist die paradoxe Tatsache, daß die Serben selbst zuerst das Bulgarentum der„mazedonischen Slawen" anerkannt haben. Hier die Beweise: Beginnen wir mit der geschichtlichen Tatsache, daß die serbischen Könige während der kurzen Serbenherrschaft in Mazedonien den Titel«König der Serben und der Bul- garen" führten, was offenbar erweist, daß die serbischen Könige selbst ihre mazedonischen Untertanen als Bulgaren betrachteten. Der letzte serbische Patriarch von Jpck, Wassily Brkitsch, hat 1771 ans Verlangen.des russischen Admirals Fürst Orloff. eine„Schilderung der türkischen Provinzen" versaßt, in der er unter anderen interessanten Dingen schreibt:„... Dst die Bulgaren in ganz Mazedonien viel zahlreicher sind als die Türken, sprechen die letzteren auch die bulgarische Sprache." Nach Brkitsch hat Wuk Karadjitsch(1787/1864), der Be- gründer der serbischen Schriftsprache und Rechtschreibung, ein hervorragender serbischer Ethnograph, Philologe und Geschichts- forscher, die bulgarische Nationalität der mazedonischen Slawen bestZtigt, sogar auch die der Bewohner des Timoktakes in Serbien. Später war es der serbische Historiker Dimitri Dawido witsch, der im Jahre in seiner Serbischen Geschichte und seiner ethnographischen Karte hervorhob, daß Mazedonien nicht von Serben bewohnt sei. Ebenso zeigt dir vom serbischen Prosessor Lejarden 1853 veröffentlichte Sprachenkarte Mazedonien außerhalb„Ser- biens und der Länder, in denen man die serbische Sprache spricht". Schließlich sind der regierende Kürst von Serbien Michails Öbrenowidsch und seine Regierung 1867 mit dem ..Bulgarischen Revolutionskomitee in Bukarest" in Verband lungen eingetreten zur Gründung eines südslawischen 'K ö n i g r c i ch s, das ans dem Fürstentum Serbien und dem Fürstentum Bulgarien(Rordbulgarien, Thrazien und M a ze d o n i c n umfassend) bestehen sollte. Außer den Serben gibt es eine Plejade von Korschern aller vorgeschrittenen Völker Europas, die in der Türkei, Land und Leute studierend. Reisen gemacht und gelebt haben: sie stellen fast einstimmig die unbestreitbare Tatsache fest, daß die christliche Mehrheit in Mazedonien bulgarischen Stammes ist. Alle diese Gelehrten haben ihre Werke zwischen 1846 und 1877 geschrieben, als noch kein bulgarischer Staat bestand, der sie hätte beeinflussen oder durch Subsidien gewinnen können. Sie sind Autoritäten auf ihrem Gebiete und man kann beinahe alle ihre Ramien in den encyklopädi fchcn Wörterbüchern finden. Ich gestatte mir, die berühmtesten bier anzuführen: Die Franzosen Pouqueville, Cousinäry, Ami Bouch Lejean und Elif�e Rcclus: die Deutschen Grisebach. Kieppcrt und Prosessor Weigand: die'Oesterreicher von Hahn und Karl Sax: die Engländer Tozer, Mackenzie, Jrby und Brailssordi die Tschechen � Schach rik, Erben, Prof. Dr. K �irecak und Pros. Niederü-i die Russen Grigoronvitsch. Hilter ling, Maku'chew, Mirkowitsch. Teplow. Baschniakoff. Prof Konöakoff, Prof. Derjawin und P. Miljukow. Herr Wendel kann viele ihrer Werke in der Königlichen Bibliothek in Berlin l Unter den Linden 38) finden und ich stelle mich zur Ber fügung, ihm die anderen zu verschaffen. Im übrigen wird am Ende dieses Monats hier ein AtlaS mit 46 Historiich ethnographischen und politischen Werken deS bulgarischen Volkes erscheinen— vornehmlich Faksimile-Reproduktionen von Karten der erwähnten Forscher. Herr Wendel kann im Atlas blättern, damit er sich überzeuge, daß er bezüglich der Rationalität der mazedonischen Slawen" in einem Irrtum befangen ist. Äon den unparteiischen und uneigennüßigen Bekun düngen so hervorragender Männer abgesehen, ist die bulga riiche Nationalität der sogenannten„mazedonischen Slawen durch Tatsachen erwiesen, die noch in anderer Weise von über zeugender Schlagkraft sind. In erster Linie steht die historische Tatsache /Das sla wi'che Alphabet,„Kyrillitza" genannt, ist von zwei bulgarisch mazedonischen Aposteln. Kvrill und Method, ersimden wor den, deren Andenken als Heilige und Zivilisatoren bloß vom bulgarischen Volke gefeiert imrd. Sie haben auch die Bul garen und viele andere Slawen zum Christentum bekehrt. Alle ihre Minger, die im 9. und 16. Jahrhundert die alt biilgariichc Literatur geschaffen haben, waren Bulgaren, und die meisten von ihnen inazedonische. Als 1618 der byzantinische Kaiser Bäsilius II. Bulgarien iintettvorf, gestand er die Unabhängigkeit der bulgarischen Nationalkirche zu, die ihren Sitz in der Stadt Ochrida(im westlichen Mazedonien) hatte und fast ganz Mazodonien und einen großen Teil von Albanien, Bulgarien und sogar Serbien umfaßte. DoS biilgari'che Patriarchat in Ockrida. 1026 gegründet, bat bis 1767 bestanden: damals wurde es auf Betreiben des griechischen Patriarchates in Konstantinopel unterdrückt. Von dieser Zeit an bis zu Gründung des bulga- rischen Erarchates trugen die griechischen Metropoliten fast überall in Mazedonien Titel, die darauf hinwiesen, daß sie zu gleich bulgarische Metropoliten waren. In neuem Zeit hat die Wiedergeburt des ganzen bulga riichen Volkes im Mazedonischen ihren Ansang genommen, und zwar durch mazedonische Bulgaren. So ist das erste bulgariickv Buch„Geschichte des bulgarischen Volkes", womit diele Wiedergeburt einsetzt, im Jabre 1762 im Kloster Chilcn dar laus dem Berge Athos in Mazedonien) von einem maze donisch-biilgarischen Mönch Paissy geschrieben worden. Und im Anfang des 19. Jahrhunderts sind es wieder mazedonistfic Bulgaren, die die ältesten bulgarischen Bücher der neuen Epoche veriaßt Iiaben. Ein mazedonischer Bulgare bat auch 1846 in Saloniki die erste bulgarische Druckerei gegründet. Im Ansang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhuirderts ist da» gesamte bulgarische Volk in den Kanipf zur Befreiung vom kirchlichen Joch des griechischen Patriarchats in Konsta» tinopel und um Erlangung von nationalen Schulen einge rreten. An diesem Kamps haben die Bulgaren Mazedoniens brüderlich Anteil genommen und ihn mit mehr Erbitterung geführt, wie ihre Brüder in Bulgarien und Thrazien. Maze- dänische Bulgaren, die vorübergehend in Konstantinopel leb- ten, bildeten die Ueberzabl derjenigen, die bei der Hohen Pforte gegen das griechische Patriarchat Kundgebungen mach- ten. Dieser lange und'hartnäckige Kanipf endete 1876 sieg- reich mit der Schaffung des bulgarischen Exarchats. In der konsliluierenden Ver'ämmluiig des Eranfiats war fast ganz Mazedonien durch besondere Abgeordnete vertreten und von den damaligen bulgarischen Metropoliten bestand beinahe die Hälfte aus Mazedoniern. Eine benierkenswerte Tatiäche: Tos amtliche Serbien hat die Gründung des bulgarnchen Etvrchats. das auch Mazedonien betraf, gefördert, wobei es zugleich dafür arbeitete, daß Bosnien und die Herzegowina unter der Jurisdiktion des griechischen Patriarchats verbleibe. Was aber an dieser Debatte entscheidend und Herrn Wendel gewiß unbekannt ist: die Krage der Nationalität der Bulgaren in Mazedonien ist durch ein Plebiszit cnt- 'chieden worden. Ja, durch eine wirkliche, amtliche und strenge VvlkSahstiiniiiung. die die türkische Regierung unter griechi- scher Kontrolle zwischen 1876 und 1876— also ehe der bulga- riiche Staat aegrjindef wgr— vorgenoiymcii hat. Dieses Plebiszit erfolgte auf Grund des Artikels 16 des Kalserlicken Fermaiis. der das bulpari'chc Exarchat ins Leben rief. In dem ersten Teil dieses Artikels find alle bulgarischen Diözesen am- gezählt, die das Anrecht auf einen bnigariichen Metropoliten besaßen, und im zweiten Teil desselben Artikels hieß es, daß alle anderen Diözesen gleichfalls ihren bnlgari'chen Metropo- liten haben können, wenn eine Volksabstimmung »eststellen wird, daß zwei Drittel der christlichen B e v ö l k e r ii ii g d i e s e s w ü n s ch t. Und auf Grund der Ergebnisse dieser Volksabstimmung hat fast das ganze Maze- donien auch das Recht auf bulgarische Metropoliten be- kommen. Ich lenke die Aufmerksamkeit des Herrn Wendel Starker vergeblicher Franzosenangriff vom Cornillett- bis zum Hochberg.— Der neue Ruffenangriff in Ostgalizieu überall eine Niederlage.— Nussische Vorstöße in den Karpathen. den 7. Juli Amt 1917. iL ich. Großes Hauptquartier, . T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgrupve Kronprinz Rupprecht Gute Beobachtungsm öglichleit steigerte gestern den Arlillerie- kampf i» einigen Abschnitten der staudrischca und Artois-Front zu erheblicher Stärke. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Das durchweg lebhafte Feuer verdichtete sich besonder« bei Cernq, am Aisne— Marnc-Kanal uud in ber westlichen Champagne. Noch schlagartig rinsetzeuber Artillcrirwirkung griffen die Franzoscn mit starken Kräften vom Cornillett- bis zum Hochberg an. Südöstlich von Nouroy wurde der Angriff durch Feuer und im Nahlampf durch Gardetruppen abgewiesen. Am Hochberg wurde ber Gegner, der in Teile beS vorderen GrabenS ein- gedrungen war, durch kraftvollen Gegenstoß eines hannoverschen Regiments vertrieben. Hier stießen die Franzosen erneut vor und brache» nochmals ei». Wiederum wurden sie durch Gegcn- angriffe und in crbiltcrtcn Kömpsrn Mann gegen Mann völlig zurückgeworfen. Crknndungevorstöße am Lrimont und bei Cernaq-eu-TormoiS brachten unS eine größere Zahl von Gefangenen ein. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Bei vielfach auflebendem Feuer keine größeren Gefechts- Handlungen. Bei Tage und bei Nacht war die Flugtätigkeit sehr rege. 8 feindliche Flugzeuge und l Fesselballon wurden abgeschossen. Leftlicher Kriegsschauplatz. Front deS G e n c r a l f e l d m a r s ch a l l> Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Gcycralobcrft». Borh«. E r m o l l i. Dir Schlacht in Lstgalizien hat gestern zu einer äußerst blutige« Niederlage der Russen geführt Nach mehrstündigem starlcn ZerstöriingSfeuer scntc cm frühen Morgen der russische Angriff zwischen Konjuchy und Lawrykowce ein. Mit immer neu inS Feuer geworfenen, tief gegliederten Kräften stürmten die rujfischrn Tivisioim, gegen unsere Front. Bis zum Mittag wiederholte der Feind seine Angriffe. Sie find sämtlich unter den schwersten Verlusten zusammengebrochen. Auch die Verwendung von Panzcrlraftwagen blieb für die Ruffcn nubloS; sie wurde» zerschossen. Gegen die znrückflutenden Massen griffen unsere Jagdstaffeln auS der Luft ei»; bereitgestellte Sa- vallerie wurde durch Fcrnfeucr zerstreut. Später griff der Feind in keine Opfer scheuendem Stnr« weiter nördlich vi« zur Bahn Zloczow— Tarnopol und zwischen Batlow uud Zwyzyn an. Auch hier kam er nicht vorwärts; überall wurde er geworfen. Bei Brzczanq und StaniSlau sowie au einigen Stellen im Karpathrn-Borland find gleichfalls starke rusfischc Angriffe Verlust- reich gescheitert. Erbrütete Befehle in sranzösischcr Sprache zeigen, von wem das rujfische Heer zum Angriff getrieben wurde, der ihm keinerlei Grfvlg gebracht, es dagegen blutigste Opfer getostet hat. Rheinische, badifchc, thüringische, sächfische und österrcich- ungarische Truppen teilen sich in die Ehre»es Schlachttages. Front deS Generaloberst Erzherzog Joseph In den Karpathen vielfach rege Gescchtstötigkrit: an mch- rcren Stelle» wurden Vorstöße der Russen zurückgewiesen. Bei der Heeresgruppe des GenrralfrldmarschallS von Mackensen und an der Mlazedonischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin,?. Juli 1917, abeudS. Im Westen nichts Besonderes. Auf dem Schlachtfeldc in Galizieo haben die schweren Berlnste de« Russen eine Kampspause aufgezwungen. Bei StaniSlau sind kleinere Angriffe des Feindes gescheitert. Ter österreichische Bericht. Wien, 7. »erlautbart: Juli 1917.(W. T. B.) Amtlich wird westlicher Kriegsschauplatz. An mehreren Stellen der Karpathenfront lebte daS feindliche Artillcrirsrucr gestern mrrllich auf. In der Gegend von Dorna Watra, Kirlibada uud im Ludowagebiet, dann beider- feitS des Jablonica-PasseS erreichte es zeitweise größte Heftigkeit. llnsrre Artillerie erwiderte mit kräftigem ZerftörungSfcuer von guter Wirkung. Vci Kirlibaba räumte der Feind seine Deckungen gruppenweise. Erkundungsabteilungen deS Gegners, die au«rh- reren Stellen vorzugehen versuchten, wurden abgewiesen. Bei StaniSlau haben die Russen nach heftigster Artillcricvordr- reitung mehrere starke, aber erfolglose Angriffe geführt. Ten Hauptstoß hat hier das tapfer ausharrende ungarische Heeres- Jufanterie-Rcgimcnt Nr. 65 abgewiesen. Auch bei H u t t a und S o l o t w i n a sind in den späten Nachmittagsstundcn rusflsche Angriffe gescheitert. Im Rai»»? um Brzezany kam es gestern nur zu einem kurzen feindlichen Vorstoß, der abgewehrt wurde. Wie erfolgreich die Verteidigung der hier kämpfenden deutschen und»«manische» Truppen, dann der tapfer mitwirkenden Honvcd-Jnfantrric-Rcgi- mcnter Nr. 368, 369 und 316 in den Vortagen war, zeigen die auf etwa 13 666 Mann geschätzten FeindcSlcichen im Vorfcldr. I» unbegründeter Urbcrschätzung ihres begrenzten Zuiallscrfolgcs vom 2. Juli hofften die Russen gestern dir Entscheidung sudwcst- lich von Z b o r» w durch einen Masscnstoß herbcizuführc». Unter Heranziehung eine« Gardckorps, weiterer nrucr Kräfte und starte Kavalleriemassen setzten die Russen in ctncr Frontdreite von 16 Kilometern etwa nrun bis zehn Divisionen, stellenweise 13 Wellen tief, zu wiederholten Angriffen ein. An der heldenmütigen Haltung deutscher Regimenter brachen alle nach mehrstündigem Vordereitnngsfeuer vom jrühen Morgen bis zum Mittag vorgetriebenen Massenstürme erfolglos und blutigst zusammc». Dem tapferen Somborcr Jnfanterir-Rrgiment Nr. 23 und der vortrefflich mitwirkenden k. und k. Artillerie gc- bührt ein rühmlicher Anteil an dem großen Erfolge des gestrigen TageS. Mehrere Panzerkraftwage», die anzugreifen versuchicn, wurden zcrschoffen. In den Mittagsstunden war die Angriffslust deS Gegners derart gebrochen, daß er,»erfolgt dnrch daS Mo- schincngrwehrfeucr einer Jagdstaffel, zurückfluten mußte. Die zur beabsichtigten Verfolgung herangeführte feindliche Kavallerie wurdr durch Fcuer zersprengt. Die Verluste des FeindeS sind außer- ordentlich schwer, unsere halten sich in mäßigen Grenzen. Ein gegen 8 Uhr nachmittags südwestlich Zboraw erneuter russischer Angriff hatte dcn gleichen Mißerfolg wie all« früheren. Bei Latkow— Zwyczyn sind nachmittags mehrere gegen öfter- reichifch-ungarifchc Truppen geführt« Angriffe gescheitert. In tapfrrster Gegenwehr und in erbittertem Handgemenge habe» daS Györcr Jnfantcrie-Regiment Kaiser und König Karl Rr. l9 und daS Szombathclyer Infanterie- Regiment?ir. 83 den Feind vollständig geworfen. Lesterreichische und deutsche Artillerie haben auch hier vortrefflich zusammengewirkt und im Verein mit der Infanterie de« Feinde schwere Verluste zugefügt. Italienischer Kriegsschauplay. Außer erhöhter Patrouillentötigkeit im Fornogcbiet nichts Ncucs zu mcldcn. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse. Der Chef de« GeneralstabeS. mazedonischen Slawen festgestellt dat. sondern sogar eine Zweldritte.'mekncheit innerhalb der gesamten christlichen Be- vöKerung Mazedoniens. Kann es noch einen anderen kräfti- geren Beweis zur Entscheidung der Frage geben, ob die „mazedonischen Slawen" Serben oder Bulgaren sind?... Auf Grund all dieier Beweise und all dieser Tatsachen hat die im Dezember 1876 in Konstantinopel vereinigte „Europäi'che Konferenz", an welcher alle Großmächte teil- nahmen, fast ganz Mazedonien als Teil des autonomen Bul- garten anerkannt, wozu auch die Stadt Nifch und der ganze Distrikt mit den Städten Pirot und Wrania gerechnet wurden. Als im Jahre 1878 der russisch-türkische Krieg beendet war, wurde ein Friedensvertrag zlvi'ch>en Rußland und der Türkei abgeschlossen, in dem der jetzige Beickützer Serbiens, das große Rußland, ganz Mazedvnien mit Ausnahme von Saloniki als bulgarisches Land anerkannt hatte. Und dennoch hat Serbien in dem gegenwärtigen Krieg als Bundesgenosse Rußlands teilgenommen, d. b. es hätte Ansprüche auf Mazedonien, wenn es dessen sicher wäre, daß dieses Land von mazedonischen Slawen bewohnt ist und nicht von unzweifelhaften Bulgaren. Bedarf es noch weiter Belege? Es wird vielleicht ge- nügen, hier noch an zwei, drei wichtige Tatsachen zu erinnern, die von der Behauptung des Herrn Wendel gar nichts mehr übrig lassen. Tic bulgarischen Mazedonier haben gleich ihren Brüdern ans Bulgarien im Jahre 1894 begonnen, zugunsten der Selb- ständigkeit Mazedoniens zu predigen und zu kämpfen, die den Balkanstaaten als Bindeglied gedient und den von den Sozia- listen so sehr ersehnten Balkanbund vorbereitet hätte. Nun, die Seichen waren die ersten, die sich als die schlimmsten Feinde dieser Autonomie gezeigt haben. Warum? Weil sie davon überzeugt waren, daß die Bulgaren im Besitz der großen Mehrheit im Lande aus dem selbständigen Mazedonien eine Provinz bulgarischen Gepräges machen würden, die sich später, j wie Südbulgarien im Jahre 1885, mit Bulgarien vereinigt � hätte. Erhärtet nicht auch diese Tatsache in klarer Weise, daß die mazedonischen Slawen Bulgaren sind? Und die Revolution der mazedonischen Bulgaren vom Jahre 1963 im Distrikt Monastir, bei der mehr wie 5666 Re- volutionäre ums Leben kamen und mehr wie 266 bulgarische Dörfer zerstört wurden— was beweist sie? diesem Vertrag noch die Behauptung ausrechterhalken, daß die „mazedonischen Slawen" keine Bulgaren seien? Allein, das ist noch nicht alles. Auch die Griechen, die seit Jahrhunderten aus Maze- donien Anspruch erheben, haben niemals das Vorhandensein von Serben in diesem Lande zugegeben. Im Gegenteil, sie haben immer den Satz verteidigt, daß Mazedonien hauptsäch- lich von bulgarisch'prechcnden Griechen— Vulgarophoni Ellini— bewohnt sei. Tatsächlich sind nach dem serbisch-bulgarischen Krieg von 1885 in Mazedonien„Serben" ausgetaucht. Sie wurden unter diejenigen Bulgaren gehören, die noch die kirchliche Macht des griechischen Patriarchats anerkannten und selbst- verständlich den verdächtigsten Kreisen angehörten, denn sie er- hielten von den serbischen Konsuln in Uesküb, Monastir und Saloniki monatlich Zahlungen, damit sie sich als Serben er- klärten. Die Kadern dieser Neubekehrten kamen aus dem Königreich Serbien und aus Alt-Serbien(Kossowo-Poljc uud Nowi-Ba'ar). Tie Regierung des Sultans Hamid, die die mazedonischen Bulgaren fürchteten und die sie schwächen wollten, gewährte diesen„Serben" vollen Schutz. Aus den- selben Gründen wandten auch die Griechen solchen Serben ihre Unterstützung zu. Und so sind„serbische Kolonien" in Mazedonien entstanden. Als oll das improvisiert war, trat der Ideologe der altserbischen Politik, Professor Coijic, mit seiner Theorie von den„mazedonischen Slawen" auf— eine Theorie, die Herr Wendel mit einem einer besseren Sache würdigem Eifer vertritt. Und der serbisch-bulgarUche Bundesvertrag vom 13. März 1912. durch den Serbien ganz Mazedonien als bulgarische Sphäre anerkannte, mit Ausnahme eines Teiles im Norden. eiui die höchst suggestive Tatsache, daß dieses Plebiszit nicht I der als strittige Zone bezeichnet wurde und worüber Rußland bloß das Vorhandensein einer bulgarischen Mehrheit unter den I als Schiedsrichter sich aussprechen sollte? Kann man nach die Lage in Stockholm. Unser Ltockbolmcr Berickterstatter faßt sein Urteil über den stand der in der schwedischen Hauptstadt wachsenden Sache in folgenden Ausfüstrungen zusammen: Die langwierigen und wahr. baft komplizierten Vorarbeucn zur allgemeinen sozialistischen Friedenskonferenz scheinen in den nächsten Tagen eine Unterbrech- ung erfahren zu sollen, die aber keineswegs ungünstige Schlüsse auf das Zustandekommen der Konserenz überhaupt gestattet. Diese Aussichten sind vielmehr— wie bereits tclegraphisch gemeldet— günstiger geworden. Es kann ja nun bekanntgegeben werden, daß eine Zeitlang die Stimmung recht gedrückt war, und die über- raschende Tatsache der russischen Offensive war natürlich erst recht nicht geeignet, daS Barometer wieder steigen zu machen. Nun ist zwar gestern das Memorandum Vandervelde und de Brouckere» erschienen, das sich klar, wenn auch nicht bündig gegen eine gemeinsame Beratung mit den Mehrheitesozialisten der Zentralmächte wendet, also vor allem mit der deutschen Sozialdemo- Kratie. Wenn sich aber auch Vandervelde und Bronckere auf die Engländer und Franzosen berufen, so müssen diese durchaus noch nicht die gleiche Haltung einnehmen. Vandervelde und de Bronckere sind e:ninal Belgier und daraus ergeben sich zwingend scharfe Fol- gerungen. Aber die französischen Sozialisten sind weder außer Landes, noch sind sie in dem gleichen Maße an der Regierung be- teiligt wie der ehemalige Präsident des internationalen sozialisti- scheu Bureaus, und auch die englischen Sozialisten sind nicht stärker mit der Politik Lloyd Georges verbunden. Dazu kommt, daß die von Longuet geführte französische Minderheit und die Maedonaldsche Friedenspartei in England ständig, weil naturnotwendig, an Macht und Einfluß zunehmen müssen. Was diese aber wollen, das ist im Grunde und von Einzelfragen abgesehen, auch die Politik der deutschen Sozialdemokratie: die endliche Herbeiführung eines Ver- ständigungsfriedens, der das Morden und Verwüsten endet und nicht den Keim neuer Kriege in sich trägt. Seit der Ankunft der deutschen Minderheit— als solcbe, nicht als eigene Partei, gilt sie hier im Ausland immer noch — haben die Zimmerwalder eine große Rührigkeit enfaltet. Gestützt auf die schwedischen Jungsozmlisten, die wiederum die neu- trale und internationale sozialistische Gesinnung gegenüber dem Ententismus von Brantings„Socialdemoiraten" darstellen, und bauend auf zahlreiche Aeutzerungen der führenden Männer des Arbeiter- und Soldatenrats, glauben die ganzen und halben Zimmerwalder den russischen Sozialismus der maßgebenden(Men. schewikischen) Richtung auf ihrer Seite zu haben und mit den Min- derheiten der großen sozialistischen Parteien die neue„Jnternatio- nale" aufbauen und so ziemlich ausschließlich bilden zu können. Dabei befinden sie sich aber sicherlich in einem großen Irrtum. Wir sehen doch die Menschewiki? an der russischen Regierung teil- nehmen, wir sehen sie nicht nur für die defensive Landesverteidigung eintreten, sondern— zum Beispiel durch Zeretelli— auch Kerenskis Cffensive in Rußland gut heißen und dort sogar in begeisterten Worten preisen. Es mögen starke innerpolitische Gründe sein, die sie veranlassen, bei dem Werk mitzutun, das die Sehnsucht der Lloyd George, Ribot und Wilson stillt. Aber es ist doch unleugbar, daß die Mehrheitspai tei des russischen Sozia- lismus in der Landesverteidigungsfrage mindestens auf dem Standpunkt der deutschen und österreichisch-ungarischen Rarteimehrhesi steht und— gewiß in einer Revolutionsregierung, aber doch bei weitem nicht einer sozialistischen— zum Ministerialis. mus gebangt ist. Es scheint danacki, als ob der Zwang der Verant- Wartung die großen sozialistischen Parteien überall auf dieselbe Linie führt. Daraus erklärt sich wohl auch der— wenigstens am gestrigen ersten Verhandlungstage— festzustellende günstige Verlauf der Besprechung zwischen Adler, Müller, W e l t- ner und Rosanoff, Goldenberg und Smirnoff, den drei offiziellen Vertretern des„Sowjät"— soldatskich i rabot- schajich deputatow—, günstig trotz aller vorhergegangenen Kon- ferenzen der Unabhängigen sozialdemokratischen Partei Deutsch- landS mit den hier anwesenden Zimmerwaldern. Auch werden die russisckien Vertreter, an deren Friedenswillen trotz der eigenen Offensive nickt zu zweifeln ist, sich nicht darüber täuschen, daß eben die deutsche Sozialdemokratie, daß die Parteien Adlers und Welt- ners die Masse der Sozialisten der Zentralmächte vertreten, nicht aber die Minderheiten dies für sich in Anspruch nehmen können. Bon hier aus gehen die Russen nach London und Paris, um dort für den Konferenzgedunken zu wirken. Sie wollen auch nach Rom gehen, obgleich die italienische Partei ja stets kriegsgegnerisch war und sich sogar offiziell Zimmerwald angeschlossen hat; viel- leicht ist gerade dies lebtere der Grund kür die Romreiseabsicht der Russen. Ende Juli soll dann in London eine Zusammen- kunft der sozialistischen Parteien der Entente- I ä n d e r stattfinden, an der auch Huysmans teilnehmen will, der vorher noch nach Petersburg zu gehen beabsichtigt. Während dieser paar Wochen könnte also der Schwerpunkt, der sich trotz aller Hemmnisse und Mißverständnisse vorbereitenden internationalen sozialistischen Friedensaktion von Stockholm wegrücken. Inzwischen aber dürften Franzosen und Engländer auf der Reise nach PeterS- bürg hier durchkommen; sie sind vom„Sowjät" zu persönlicher Information in Rußland eingeladen und diese wird sie nicht kriegs- begeisterter machen. Die Franzosen sollen ihre für das holländischskandinavische Komitee bestimmte Denkschrift schon fertig haben, nur zum Abgeben im Vorübergehen. So sehr auch bisher noch in den verschiedenen Memoranden Gegensätze hervortreten— was durch den vielleicht unentbehrlichen, aber sicher unerfreulichen Vorgang der Sonderberatungen und Einzelbesprechungen notwendigerweise gefördert wurde—, so wahr. scheinlich ist es doch, daß ein paar Wochen später daS Verlangen aller Völker nach dem Frieden und nach nichts anderem als nach dem Frieden alles andere in den Hintergrund schieben wird. Dann wird die allgemeine Konferenz die Sprecherin dieses Willens und— um das alte, lange nicht gehörte, aber nie vergessene Lied zu zitieren— die Internationale wird die Menschheit sein. Weitere ruPsche delegierte. � der Konferenz-Zeitpunkt. Stockholm, 7. Juli.(Eig. Drahtbericht beb„Vorwärts�. So- eben, Sonnabend vormittag, trafen als«eitere Delegierte des Arbeiter- und Soldatenrats ein: Ehrlich, Bundist, Redakteur am „Djen", und R u s a» o f f, Sozialrevolutionär, Redakteur der be- kannten Revue„Rußkoje Borgatstro". Gestern wurde zwischen den Russen und de« holländisch- skandinavischen Komitee verhandelt. Man hielt für möglich, daß die Konferenz Anfang August stattfindet. Adler. Haase. Kautsky und Luise Zietz sind nach Berlin zurück- gekehrt; Oskar Cohn blieb hier. Der Nationalausschuß des irischen Gewerkschaftskongresses und der Arbeiterpartei hat seinen Obmann O'Brisn aus Dublin und den Schatzmeister Campbell aus Belfast zu Vertretern für die Stockholmer Konferenz ernannt. Zeinöliche Ilieger über öem Inüuftriegebiet. Münster i. W e st f., 7. Juli. Vom Stellvertretenden Generalkommando wird mitgeteilt: Heut nacht statteten einige feindliche Lnftfahrzeuge in den frühen Morgenstunden dem Industriegebiet einen Besuch ab. Im ganzen wurden acht Bomben geworfen, die einen Sachschaden von etwa 2000 M. anrichteten. Industriebetriebe sind nicht getroffen. Verletzt wurde niemand. Wolffs Bureau meldet: In der Nacht zum 7. Juli über- flogen feindliche Flieger das Festungsgebiet von Köln. Bomben wurden nicht abgeworfen. Einer Tätigkeit der Abwehr- geschütze bedurfte es nicht. In den frühen Morgenstunden haben einige feindliche Luftfahrzeuge dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet einen Besuch abgestattet. Es wurden im ganzen acht Bombe» abgeworfen, die einen Sachschaden von etwa 2000 M. anrichteten. Menschen wurden nicht verletzt. Industriebetriebe sind nicht getroffen worden. Auch Ludwigs- Hafen und Umgebung wurden von Fliegern angegriffen. Der Sachschaden war sehr geriifg. Mensch en wurdennichtver- letzl. Auf dem Hin- und Rückflug berührten die feindlichen Flieger Karlsruhe, wurden aber durch Sperrfeuer verjagt. Schließlich wurden auch auf Trier und Umgebung zahlreiche Bomben wahllo» abgeworfen. Die meisten fielen ergebnislos in freies Gelände, andere richteten einigen Schaben an. Militärischer Schaden entstand nicht. Getötet wurde ein Kind, verletzt ein Mann. Ein französisches Flugzeug wurde bei Saarburg(Rheinland) durch Abwehrfeuer zur Landung gezwungen. Die zwei Insassen sind ge- fangen. Ver Krieg auf den Meeren. Berlin,?. Juli. Amtlich. 1. Im Atlantischen Ozean wurden durch eines unserer Unterseeboote wiederum 23 000 Sr.-Tonnen vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich die eng- lisch en Dampfer Lord Roberts t4160 To.) mit Weizen, South WaleS(3668 To.) mit Reis, zwei englische Dampfer mit Mais bzw. Früchten, zwei der versenkten Schiffe hatten Kohlen geladen.— 2. I m Mittelmeer wurden neuerdings 11 Dampfer und 39 Segler mit über 50000 Sr.-Tonnen durch unsere Unterseeboote versenkt. Darunter befanden sich der von zwe: Zerstörern gesicherte englische TruppentranSportdampser Cestrian(8912), die bewaffneten englischen Dampfer Ruperra (4232 Tu.) mit Wolle und Stückgut, Birdoswald<4613 To.) und Tong Hong<2184 To.), die bewaffneten französischen Dampfer Craonne und Diasse, ein unbekannter bewaffneter Dampfer von etwa 4666 To. und zwei unbekannte vollbeladene Dampfer von etwa 5666 bzw. 6666 To., sowie 24 fast durchweg mit Phosphor für Italien beladene italienische Seglier. Mehrere Dampfer wurden aus stark gesicherte» Geleitzügen, einer im Nachtangriff abgeschossen. Ein modernes 7,6 Zentimeter-Gefchüy des englischen Dampfers Tong Hong wurde erbeutet. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 6. Juli. Reue U-Booterfolge vor und im englische« Kanal und in der N o r d s e e: 6 Dampfer, 4 Segler, 11 Fischerfahrzeuge. Darunter befanden sich: Dir bewaffneten eng- lische» Dampfer Saxon Monarch(4828 Tonnen) mit 7060 Tonnen Weizen von Karachi nach London. Clan Davidson(6486 Tonnen) mit Stückgut von Sidncy nach London, italienischer Dampfer Scheria >2727 Tonne») mit Kohlen von Cardiff nach Genua, ein tief- geladener.mittelgroßer Dampfer, der aus Geleitzug heraus- geschossen wurde. Die Ladungen der übrigen versenkten Fahrzeuge bestanden, so- weit festgestellt werden konnte, aus Lebensmittel», Oel, Kohlen und Grubenholz. Ter Chef des Admiralstabes der Marine. » Rotterdam, 7. Juli. Zwischen Amerika und England sind Ab- machungen getroffen behufs Abwendung der Lebensmittelnot, wöchentlich zwei Dampfer unter Geleit» ng von KriegSfahrzcugcn nach England gehen zu lassen. der Aushungerungskrieg gegen Sie Neutralen. Englische Minen auf Hollands letztem Zugangsweg. Haag, 6. Juli. Amtlich wird mitgeteilt, daß der englische Staatssekretär des Auswärtigen auf eine erneute Anfrage des niederländischen Gesandten erklärt bat, die jüngste Erweiterung der gefährlichen Zone in der Nordsee sei in keiner Weise gegen Holland gerichtet, semdern ausschließlich durch militärische Gründe bestimmt, um den feindlichen Streitkräften den Zugang zu den britischen Getvässern zu verschließen. Ter Staatssekretär mcmte, daß man sich in Holland übertriebene Vorstellungen von den Folgen ider Matzregelung für die holländische Schiffahrt mache, die auch über andere Zugangswegc verfüge, als die bisher benützte sichere Fahrrinne. Minen sollten in den ersten Tagen nicht gelegt werden. Die holländische Regierung hat darauf erwidert, daß sie keine andere Zufahrtsstraste besäße und sprach die Zuversicht ans, daß die englische Regierung die geplante Matz- nähme noch einmal in Erwägung ziehen werde. Amsterdam, 6. Juli. Dem„Allgemeen HandelSblad" wird aus Rotterdam gemeldet: In Regiernngskmsen verlaute, daß vorläufig nicht auf die Wiederherstellung der sogenannten freien Fahr- rinne gerechnet werden könne. Die Kartoffelunruhen vor der hollänöischen Kammer. Regierungserklärungen. Haag, 6. Juli. In Beantwortung der von den Abgeordneten Rutgers und van den Tempel eingebrachten Jnterpellatio- neu über die Kartoffelversorgung und die Unruhen in Amsterdam teilte Ackerbauminister Posthuma mit, daß für die Ausfuhr alter Kartoffeln keine festen Abmachungen beständen und daß von de» neuen Kartoffeln 25 Prozent nach Oem O st e n und infolgedessen auch 25 Prozent nach dem Westen ausge- führt werden müßten. Der Grund dafür sei die Kohlenver- forgung. Seit März seien die Kohlen seift ausschließlich aus Deutschland gekommen und Holland könne sie nur durch gegen- seitige Zugeständnisse im wirtschaftlichen Verkehr erhalten. Anfang Juni sei die Nachricht gekommen, daß Deutschland im Juni und Juli nicht in der Lage sein würde, die unbedingt notwendige Menge von 350 000 Tonnen Kohlen zu liefern. Dadurch, daß Holland die Ausfuhr von Kartoffeln gestattete, habe es im Juni dennoch 3 56000 Tonnen Kohlen erhalten und könne auch im Juli dieselbe Menge erwarten. Es seien vom 20. Juni bis 3. Juli SM Millionen Kilogramm Kartoffeln ausgeführt worden, was auf M Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung hinaus- läuft. Nächsten Dienstag wird die Kartoffelversor- gung wieder normal sein und der Preis von selbst sinken. Minister des Innern, Cvrt van der Linden, erklärte, er könne noch keine Mitteilungen über die Unruhen in Amsterdam machen, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Es be- stehe vorläufig noch kein Grund zu einem Einschreiten der Re- gierung. Der Bürgermeister von Amsterdam sei bisher selbst im- stände gewesen, die Lage zu beherrschen und die getroffenen Maß- regeln hätten die Grenze des absolut Notwendigen nicht über- sefüütten. Kleine Kriegsnachrichten. D»e griechische Kammer ist auf den 15. Juli ein- berufen worden. Sie soll unverzüglich als Verfassunggebende Versammlung zusammentreten. Deütsch-englifche Berhandlungen über Gefangenen-Austausch. Im Haag verhandetn drei deulsche und drei engtoche Sachverständrge auf dem Gebiete des KriegSgesangenenenwesens über den Aus- lausch von Internierten und Kriegsgefangenen und über ähnliche Fragen. Einheitliche Iamilienunterstützung. Ein Rundschreiben des Reichskanzlers. Um möglichst volle Einheitlichkeit in der Durchführung des Familienunterstiitzuygsgesetzes zu gewährleisten, hat der Reichskanzler(Reichsamt des Innern) ein Rundschreiben an die Bundesregierungen gerichtet, das in der Hauptsache aus- führt: Bei zeitweiliger Beurlaubung bis zu einem Monat sind die Familienunterstützung allgemein weiterzuzahlen. U ebersteigt der Urlaub einen Monat, so äst die Be- dürftigkeitsfrage zu prüfen, die zu verneinen ist, wenn der Beur- laubte geeignete Beschäftigung zu übernehmen ablehnt. Bei Beur- lanbungen bis zur Entlassung ist die Weiterzahlung regel- mäßig vom Vorliegen der Bedürftigkeit abhängig zu machen. Die Halbmonatsrate, die nach der Entlassung als außer- ordentliche Unterstützung gezahlt wird, und die Dreimonats- rate, die nach Z 9 der Verordnung vom 21. Januar 1916 bei Verwundung und Krankheit neben die Militärversorgungsgebühr- nisse tritt, sind unabhängig von der Bedürftigkeit weiterzuzahlen. Das gleiche gilt für die Weiterzahlung der Fmnilienunterstützungen an die Hinterbliebenen auf die Dauer von drei Monaten. Für die über diese Zeit hinaus gezahlten Famttten» Unterstützungen können nur die Rentenabzüge in Anspruch ge- nommen werden, die den Berechtigten für die Zeit zustehen, für die sie bereite Familienunterstützung gezahlt erhalten haben. Dagegen dürfen laufende Renten nach dieser Zeit für die gezahlten Familien- Unterstützungen nicht einbehalten werden. Die oben erwähnten Halbmonatsraten sind bei jeder Entlassung zu zahlen, bei wiederholter Entlassung also mehrfach. Für die Unterstützung nachgeborener Kinder, dk« an einem anderen Aufenthaltsort zur Welt gekommen sind, hat der Lieferungsverband einzutreten, der zur Unterstützung der übrigen Familienmitglieder des Heevespflichtigen verpflichtet ist. Auch n a ch d e m T o d e des Heerespflichtigen kann noch Antrag auf Gewährung der Familienunterstützung für die Zeit gestellt werden, während der nach den Vorschriften deS Gesetzes das Recht ans die Unterstützung fortdauert. Arbeitgeberbeihilfen können bei der Feststellung der Bedürftigkeit billigerweise nicht ganz außer acht gelassen werden. Grundsätzlich soll aber die Gewährung der Mindestsätze nicht mit Rücksicht auf vorhandene Arbeitgeberbeihilfen abgelehnt werden. Für Kosten der Fürsorgeerziehung haben die Lieferungsverbände im Zusammenhang mit der Familienunter- stützung nicht aufzukommen, da diese Kosten aus öffentlichen Mitteln bestritten werden und nicht als Armenunterstützung anzusehen sind. Zürsorge für Kriegsgefangene. Ter Bundesrat beschloß in seiner Sitzung vom 3. Juli ein Gesetz über Fürsorge für Kriegsgefangene. Es.wird darin bestimmt, daß Geiundheitsstörungen. welche deutsche Militärpersonen oder andere unter die deutschen Militärversorgungsgesetz« fallend? Personen in feindlicher Kriegsgefangenschaft erleiden, als Dienstbeschädigungen gelten, wenn sie infolge von Arbeiten, zu denen die bezeichneten Personen verwendet werden, oder durch einen Unfall während der Verrichtung solcher Arbeiten eingetreten oder wenn sie durch die KriegSgefengen- schaft eigentümlichen Verhältnisse verursacht oder verschlimmert worden sind. Feindliche Militärpersonen oder ihnen gleichgestellte Personen, die in deutscher Kriegsgefangenschaft eine Gesundheitsstörung erleiden, erhalten, solange sie sich in der Ge- Walt einer deutschen Militärvrwaltung befinden, ebenfalls eine an- gemessene Fürsorge. Die aus diesen Verhältnissen entspringenden Rechtsfolgen waren bisher durch besondere gesetzliche Vorschriften nicht geregelt. Zur Verhütung einer Doppelfürsorg� sind besondere Einzelbcstimmungen vorgesehen. Das Gesetz hat rückwirkende Kraft bis zur Zeit des Kriegsbeginns, mit Ausnahme der Bestimmungen über die Heranziehung der Unternehmer zu Beiträgen, wo es nur bis zum Beginn des Jahres 1917 zurückwirkt. 14H Verurteilungen in Stettin. Nachklänge der Unruhen. Stettin, 7. Juli. Das Gericht des Kriegszustandes hat nun- mehr die Anklagen wegen der Ausschreitungen im wesentlichen er- ledigt; nur einzelne vertagte Fälle bleiben noch zu entscheiden. Insgesamt waren 226 Personen angeklagt; von diesen wurden 146 verurteilt, und zwar 72 Erwachsene und 68 Jugendliche; freigesprochen wurden 46 und dem ordentlichen Gericht zur Aburteilung übergeben 3 7 A n g e k l a g t e. In zwei Fällen erfolgte Vertagung und einmal Einstellung des Verfahrens. Ferner verhandelte heute das Gericht des Kriegszustandes gegen 14 Werftarbeiter, die durch Arbeitsniederlegung gegen Korpsbefehle verstoßen haben. Von ihnen wurden 7 freigesprochen, ?iner dem ordentlichen Gericht überwiesen und 6 verurteilt, davon 2 zu 36 M., 3 zu 45 M. und einer zu 66 M. Geldstrafe. öeenüigung einer Streikbewegung in Köln. Köln, 7. Juli.(Eig. Drahtbericht deS„Vorw.") Ein vor einigen Tagen hier ausgebrochener großer Streik wurde gestern abend durch den Beschlutz einer Riesenversammlung be- endet. Mit der Weiterführung der auf Lohnerhöhung und Ver- kürzung der Arbeitszeit gerichteten Bewegung wurden die Gewerk- schaften beauftragt. Der Oberbürgermeister empfing Deputationen der Arbeiterschaft. ES ereigneten sich keinerlei Zwischenfälle. Letzte Nachrichten. Russischer Heeresbericht. V o m 5. Juli. Westfront. Oestlich von Brzezanh drängte der Feind unsere Posten zurück. Er wurde aber durch Artilleriefeuer zurückgeschlagen. Oestlich von Lipica Dolna griff der Feind nach Artillerievorbereitung zweimal unsere Stellun- gen an. Er wurde aber jedesmal zurückgeschlagen. Versenkter Amerikaner. Washington, 7. Juli. tReuter.) Das Staatsdepartement teilt mit, daß U-Boote den amerikanischen Dampfer Orleans tvrpe- dierten und versenkten. Vier Mann der Besatzung sind umge- kommen. SewerkschHsbewWlmg Nitglieüerzunahme in üen Gewerkschaften. Tie Zahl der Mitglieder unserer Zentralvcrbändc dat wieder eine Million überstiegen. Im ersten Quartal 1917 stieg die Zahl der männlichen Mitglieder um 800 000 auf 780000, die Zahl der weidlichen Mitglieder von 179000 auf --0 000. Am 31. März 1917 waren über 5000 Arbeiterinnen wehr gewerkschaftlich organisiert als vor dem Krieg. Die Gcwerkschaftsunterstützungen, die aus den Zentralstellen ans- gezablr wurde,:, haben 00 Millionen Mark überschritten, da- von Millionen Arbeitslosenunterstützung und-3 Millionen Familienuntcrstütznng. Was die Gewerkschaften an Lohn- und Teuerungszulagen während der Kriegszeit erreicht haben, kann jetzt zahlenmäßig noch nicht erfaßt werden, es ist sicher nicht unerheblich, wenn auch dadurch die hohen Preise für Lebensmittel nicht ausgeglichen werden konnten. VeutZkcs Reich. Fünfundzwanzig Jahre Töpferverband. Dieser Tage konnte der Zeniralvcibaiid der Töpfer auf sein Lojäbriges Beliehen zurückblicken. Am t. Juli l8S2 begann er feine Täligkeir, stark angefeindet von der lokaliftiicken Rührung, welch unerquicklicher Kampf sich noch jahrelang hin/wg und erst um die Wende des vorigen Jahrhunderls zugunsten des Verbandes zu Ende ging. Immerhin haben sich einige Rudimente lokalistischer Richtung noch bis heule in Berlin und Königsberg erhalten. Dieser Brudcrkampf, der viele Opfer gefordert und viele Kraft nutzlos vergeudete, erscheint heute um io sinnloser, als früher bereits ein Vorläufer des jetzigen Verbandes bestanden balle. »schon im August 1873 fand in Dresden ein Töpfer- kongretz statt, auf dem ein Verband sAllgemeiner deuiicher Töpfervcrein einfchlietzlich Oeslerreich-Ungarns und der Schwerz) gegründet wurde. Dieser Verband fiel 1878 dem Sozialistengesetz zum Opfer. Nach Ucber Windung einiger Jahre völliger DeSorgani- sation fanden sich dann die Töpfer wieder nach und nach in ört- lichen Fachvereinen zusammen, weil die erneute Gründung eines Verbandes der auf Grund des Sozialistengesetzes vorhandenen Auf« löiungsgefabr wegen nicht rätlich erschien. Im Jahre 1884 fand ein Kongretz von Verlrelern örtlicher Töpferkrankenkassen in Dresden stait, wo eine Zentral-Kranken- und Sterbekasie der Töpfer gegründel wurde, die dann als vornehmstes Bindeglied der Töpfer lange Jabre fungierte. Es war ein mangelhafter Notbehelf, jedoch brachte auch diese Zeit den Töpfern manchen namhaften gewerkschaftlichen Erfolg: Solidarität und Opfermut wurden geübt, der organisatorische Zusammenhalt wuchs. Der Fall des Sozialistengesetzes machte dann die Bahn frei für eine Verbands- form: sie wuide bei den Töpfern im Mai 18V2 beschlossen und im Juli durchgeführt. Diese Gründung fiel in eine Periode der Baukrise. Die Töpfer, die zumeist vom Baumarkl abhängig sind, batlen eine üble Zell durchzumachen, die sich durch den Bruderkampf noch unergnicklicher gestaltete. Zudem lietzen die damals in fast allen Gcwerlschastcn noch üblichen niedrigen Beiträge wenig AktionSkraft zur Abwehr von Lohiireduzierungen zu. Nach und nach ebbten Brudcrkainpf und Baukrise ab. die gemeinsame Not führte die Streitenden zusammen. Auch brach sich die Einsicht Bahn, datz eine Kampforganisation höhere Beiträge erfordert. Erfolge stellten sich ein und der Verband ge- wann an Mitgliedern und Einflutz. Seil dem Jahre 1809 datiert der Aufstieg deS Verbandes. Er beschritt den Weg der Untersliitzungseinrichlungen; sog daraus neue Werbe- und KampfeSlraft, feine Mitglicderzahl hob sich, nachdem sie längere Zeit zwischen 4 und 5000 geichwankt, im Jahre 1901 auf 7500 und stieg von da ab nach Einführung der UnlerstützuiigS- einrjchlungcn unauSgefcvt auf zirka 12 000 in, Jahre 1907. io datz um diese Zeit zirka 70 Proz. aller organisationsfäbigerr Töpfer organisiert waren. In diesen Jahren balle die Organisation mit dem Unternehmertum manchen schweren Strautz durch- zukämpfen. Wir erinnern an die Aussperrung rn sämt- lichen Lfensabriken Deutichlands, die im Jahre 1903 aus Anlaß deS Vellener und Fürstenwalder Streiks vom Verband der Kachelofeufabrikanten inszeniert wurde. Der Untcrnehmerplau, den Verband zu vernichten, zerichellle jedoch an der Einmütigkeit und Opferfreudigkeit der organisierten Töpfer. Ein erneuter Versuch des IlnrernchinerverbandeS in gleicher Richtung im Jahre 1906 anläßlich des Breslauer Streiks schlug schon nach einigen Wochen fehl, und seitdem wird der Töpferverband vom Verbände der Kachelofen- fabrrkantcn als vollwertiger Faktor bei allen Lohnstreitigkeilen und Lohnregulierungen betrachtet. Auch bei den Ofensetzmetsterverbänden und dem Topswarenfabrikantenverbaitd ist die ArbeUerorganiiation anerkannt. Abgesehen vom Abwehrstreik der Berliner Töpfer im Jahre 1907. der 136 000 M. Rosten verursachte, Halle dann in der Folge- zeit der Verband besonders opferreiche Kampfe nicht mehr zu be- stehen. Seine Tätiglert auf dem Gebiete der Lohnbewegungen und Streiks hat er aber unermüdlich bis zum Kriegsausbruch fortgesetzt. Dies bat gute Früchte gezeitigt. Wohl jede noch io kleine Zahl- stelle des Verbandes hai henke ihren Tarifvertrag, in ganz Deutsch- land existieren zurzeit 2ZS: Töpfertarife, darunter Bezirkslarüe und ein Provinzialtarif sOstpreiitzen). Die Löhne wurden überall erhöht, Mißstände beiciirgt und die Arbeitszeit vcrtiirzl. Auch während der RriegSzerl hat biete Täligkeir nicht ausgefetzt. Außer Kriegs- teuerungszulagen bis zu 50 Proz, wurdsn auch verschiedentlich enl- tprechend erhöhte Tarife abgcschlojjeit, u, a. auch ein Osensetzertarif für die Provinz Ostpreußen. Mit dem Jahre 1907 setzte eine erneute Baukrise ein. Viele Töpfer waren gezwungen, in anderen Berufen Beschäftigung zu mchen, so datz die Mitgliederzahl des Verbandes out 10165 im Jahre 1913 herabsank. Im Jahre 1914 zeigten sich die Anfänge einer erneulen Bautäligkeit: jedoch zerstörte der Krieg dann jäh alle Hoffnungen. Die Bautätigkeit wurde last ganz eingestellt; die meisten Töpfer wurden zum Heeresdienst berufen, io daß zurzeit nur noch rund 3000 Verbandönntglieder vorhanden sind. Trotzdem ist das Gefüge des Verbandes an seinem Jnbiläums- tage ein festes und gutes, und berechtigt zu den besteu Hoffnungen. Arn Schluß des Jahres 1914 hatte die Organisation ein Verbands- vermögen von 338 000 M. Dreier gute Bestand hat sich trotz be- deutender Ziiwendungen an die Familien der Kriegsteilnehmer und an diese selbst nur unwefenllich verringert; er betrug am Jahres- schlutz trotz dieser Zuwendungen in Höbe von zirka 63 000 M und obwohl bereits längst für die Mitglieder wieder das alte Friedens- statut volle Geltung bat. am Jabresichlnß 1916 noch rund 306 000 M. Insgesamt hat der Verband in den 25 Jabren seines Bestehens über 4Vs Millionen M. vereinnahmt. Von dieser Summe sind nur für Unterstützungen an die Mitglieder rund 2JI2 Millionen wieder zurückgeflossen. So hat der Verband während seines 25 jährigen Bestehens recht Ersprießliches gelelsiet. Seinen Mitgliedern hat er Millionenwerte in Gestalt höherer Löbne verschafft, die lange Arbeitszeit beseitigt. viel Proletariernot gelindert und Wissen und Bildung gepflegt. Aus anarchischen Zuständen auf dem Gebiet der Lohn- und Arbeits- bedingungen hat er geregelte Verhältnisse im Gewerbe geschaffen, In jeder Weise hat er sich feinen wirtschaftlichen Aufgaben ge- wachsen gezeigt. Wir wünschen ihm an seinem Ehrentage von Herzen Glück auch iür die Zukunft l Möge er wie bisher in er- ipricßlicher Weise iür seine Verbandsangehörigen wirken l Möge ihn die kommende FriedenSzeit einig und gut gerüstet finden zu neuen Taten, zu neuen Siegen! * Die Nr. 27 des Organs des Töpferverbandcs.. Der Töpfer", das gleichfalls nunmehr 25 Jahre ieines Bestehens Vollender und den Verband getreulich in Freud und Leid begleitet hat. ist soeben in guter Ausstattung, 16 Seiten stark, als Festschrist heraus- gekommen. In seiner geschmackvollen Ausstattung wirkt das Blatt zugleich als Fest- und Agiralionsschritl. Außer dem des Verbands- jubiläumS in würdiger und anfeuernder Weife gedenkenden Leitartikels und mehreren schwungvollen Gedichten sind darin Beiträge enthalten vom VerbandSvorsitzcnden Druniel, vom Haupriaisierer Lotber, von den Mitgliedern Fräßdorf-Dresden. Kaulich-Hamburg, Rapputan- Berlin und Maier-München. Zwischen den Artikeln verstreut be- finden sich Sinnsprüche, die aus das Wesen der Arbeiterbewegung Bezug nehmen. Die ganze Aufmachung der Festschrift ist als eine gelungene zu bezeichnen. Sie wirkt harmonisch und agitatorisch. verlin und Umgegend. Regelung der Teuerungszulagen in der Album-, Mappen- und(Halantcricbranchc. Die in den genannten Betrieben beichäitigten Mitglieder des BuchbinderverbandcS nahmen am Freitag in einer gut- befnchien Versammlung den Bericht über den Stand der Bewegung entgegen. Noch im letzten Moment batlen die Fabrikanten zu nenen Verhandlungen eingeladen, die aur Freitag kurz vor der Ver- iammlung statlsanden. Rö ll und Greve berichteten darüber. Tie Verhandlungen führlen nach manchem Hin und Her zur Feststellung eines EiüiglMgSvorichlageS, der der Züftinrnrüng der Versammlungen beider Parteien bedarf. Zunächst soll der im Jahre 1911 abge'chlosfene und im vorigen Jahre um ein Jahr verlängerte Tarif um ein weiteres Jahr, bis zum 30. Juni 1018. verlängert werden. Folgende Zugeständnisse wurden gemacht: Aus alle tariflichen M i n i in a l l ö h n e der in Zeitlohn Beschäftigten ist vom 1. Juli ab für die Stunde eine Zulage von 43 Pf. für männliche und von 25 Pf. iür weibliche Bcichäftigte als Tcne- rungszu ichlag zu gewähren. Die Teuerungszulage oller der- jenigen im Zeillohn Beichäfttgten, deren Stundenlöhne den M t- ni mallohn übersteigen, beträgt tür Arbeiter 40 Pf. und für Arbeiterinnen 2 0 Pf. Hier sind also die Sätze um fünf Pfennige geringer, als bei denen, die nur die Minimalstundenlöhne erhallen; Akkordarbeiter und Akkordarbeiterinnen erhalten auf den am Wochenfchluß erzielten Verdienst einen Aufschlag von 37ftz Proz. als Teuerungszulage. Werden Akkordarbeiter und Akkordarbeiteiinncn vorübeigehend im Zeitlohn betchäingt, so erhalten sie als Stundenlohn den Betrag. den sie in den letzten vier Wochen als Stundenverdienst erzielten, sowie die Teuerungszuichläge. Der Stundenlohn darf bei ihnen nicht geringer sein, als der im Tarif vorgesehene Minimalstnndenlohn. Bisher gewährte, durch Vereinbarung beider Organisationen festgelegte allgemeine Teuerungs- l zulagen kommen m Wegsall. Lohnaufbesserungen ssnd mit Teuerungszulagen nicht gleichbedeutend. Deshalb bleiben Lohn- aufbesserungen unberührt. Etwa bestehende höhere Teuerungs- zulagen düifen nicht gekürzt werden. Die Teuerungszulagen find auch für etwa geleistete Ueberstundcn zu gewähren, so daß der ge- iamte Verdienst, einschließlich der Ueberstunden und der tariflichen Ueberstundenzuschläge, mir den obeitgenamucn Teuerungszulagen zu belegen ist. Nach einer lebhaften Dcbaite wurde folgender Beschluß gefaßt: „Um einen Konflikt mit den Arbeitgebern zu vermeiden, er- klärt sich die Versammlung mit den Zugeständniffen ein- verstanden. Sie Wide rlpricht aber der Ablehnung der Forderung, wonach Arbeiterinnen, welche Gehilienarbeil verrichlen, den Lohn der Gehilfen und demnach auch den Teuerungs- znichlag der Gehilfen erhalten sollten. Die BranchenleiMng wird beauftragt, wegen dieses Punktes nochmal mit den Arbeitgebern zu verhandeln." parteinachrichten. Das Mitteilungsblatt der Groß-Berliner Genossen llewea Blumenmusieni Meie» 1.95 I Baumwoll-Musselin in ,cks°-a türkLch. 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Juli 1�17 Reichskonferenz öer fozialöemokratisthen grauen. ■�n den Räumen des Parteibureaus. Berlin, Lindcnstratzc. trat gestern miter der Leitung des Genossen Braun vom Partei- vorstand die F r a u e n k o n f e r c n z s ü r das Reich zusammen. Braun hieß die zahlreich erschienenen Telcgiertinncn im Namen des Parteivorst am des herzlich willkommen: Sie treten unter dem Ernst einer furchtbaren Zeit zusammen, einer Zeit, wo draußen die Blüte unserer Manneswelt in ungezählte Gräber st"" und wo im Innern die Kriegskonjunkturausnützcr unheilvoll ma i?n treiben. Die Frauen tragen an dieser Zeit doppelt schwer: sie trauern lstit ihren starken Frauen- und Mutlergcfiihlen um ihre Lwbcn, die sie verloren haben oder täglich zu verlieren furchten müssen; sie leiden mit ihrer besonderen Fraucnverantlich- reit, Vierden Tisch des Hauses betreut, unter den Nahrungs- forgen, d:e durch das Lvucherwesen drückend und drückender ac- worden. Der Parteivorstand, sagte Braun weiter, besitzt volles Per- standnis dafür, daß so manche der Frauen in dieser seelischen und wirtschaftlichen Bedrängnis den demagogischen Treibe- r e i e n U n verantwortlicher erlagen. Der Parteivorstand hat den Willen, die Frauen kraftvoll zu unterstützen; mitzuhelfen, fre aufzurütteln und, gestützt aus ihre unendlichen Leistungen und iCpfer im Dienste der Gesanuheit, in Zukunft erst recht ihren Kampf um politische Gleichberechtigung kräftig zu fördern.— Nnchhm ein Antrag, den als Gäste anwesenden Frauen das Mitberalungsrccht zu geben, abgelehnt worden war, erhielt Ge- nosfin Juchacz als erste Reserentin zum Punkt „Tic Frauen in der Kriegswirtschaft" das Wort. Mit einigen Zahlen des Reichsstatistischen Aintes gab sie einen Gradmesser für die Größe des Begriffs: die Frauen und die Kriegswirtschaft. Am l. Juli 1916 erwiesen die berichtenden Krankenkassen 4 299 126 Männer, aber auch schon 3 827 646 Frauen. Fast alle Krankenkassen zeigten während der Kriegszeit Steige- rung der Frauenarbeit. Mit den gemeldeten Zahlen ist aber ihr Uinsai.g bei weitem nicht ersaßt. Da sind die Kassen, die nicht regelmäßig berichten; da sind die in Landwirtschaft, Kleinhandel, Handwerk beschäftigten Frauen, die nicht als versicherungspflichtig angesehen werden; da sind die Frauen in großen Betrieben(Land- Wirtschaft, Haiiswirtschaftl, die unter gewissen Voraussetzungen von der Verficherungspflicht befreit werden; da sind die Betriebs- krankenkassen der Post, die wenig, die Knappschaftskassen, die gar nicht berichten. Anfänglich brachte der Krieg Arbeitslosigkeit, Verwirrung, Hilflosigkeit. Dann kam die stark vermehrte Zkachsrage nach Frauenarbeit, eine beispielslose Knappheit und Teuerung der Lebensmittel; sie trieben die Frauen in Scharen zum Erwerb und in die Fabrik. Tie Sorgen um Lebensmittel, Kleidung, Wohnungs- mittel, diese quälenden Alltagssorgen, sie beherrschen jetzt das Leben dieser Frauen; und dann die Friedensfrage. In all diesen neuen Verhältnissen, die sich während der Kriegszeit gebildet haben und wie sie die Reserentin in Bildern aus den Einzelberufcn zeigte, haben wir Frauen uns schlecht und recht ein- und unter- ordnen müsset� Jedoch nicht ohne unsere anregende Mitarbeit und tätige Eigenhilfe. Die sprunghaften Umwälzungen vcranlaßten wie unsere Organisationen so auch Reich, Staaten und Gemeinden zu korporativen Einrichtungen: Preisprüfungsstellen, Kontrollen des Verkaufs, Könftimenwn-Ansfchtlsscu, Kuidcrfürsorge. Wie die Frauen auch in diesen Einrichtungen„ihren Mann" sieben und wirken, was ne erreichen fouiiteii, und was an unerfüllten bcrcch- tigten und durchführbaren Forderungen zu erstreben übrig bleibt, zeigte die Reserentin an einem reichen Material aus den vcrschie- denen Bezirken des Reichs und den größeren Einzelorten. Es gilt, überall noch mehr einzudringen und zu leisten, gemeinsam mir den Kräften unserer eigenen Bewegung. Da ist die Arbeit in der Verteilung der Lebensmittelkarten und freiwilligen Spenden, der Armenpflege, Wöchneriiinnen-, Säuglings-, Jugendpflege. Mitarbeit gibt Einsicht in die große Leistung der Parteileitungen und Organisationen, und die Erkenntnis, wie wenig die Methoden derer berechtigt sind, die sich jetzt offen als P a r te i ze r st ö r e r erwiesen haben.(Lebhafter Beifall, j Tic zweite Referentin zu diesem Punkt, Genossin Hanna- Berlin, zog die Begründung bcran. die die Regierung selbst ihrem im Jahre 1908 erfolgten Erlaß des freien Versammlungsrechts für die Frauen gab. Tie damaligen Worte der Regierung sind es wert,' heute wieder der Vergessenheit entrissen zu werden: „Die Entwickelung der letzten Jahrzehnte hat dahin gcfübrt, daß die Tcilnalnne der Frauen an öffentlichen Angelegenheiten eine erhebliche Steigerung erfahren hat.... Infolge dieser er- wetterten, zuin Teil selbständigen und mit Verantwortung ver- knüpften Tätigkeit sind die Frauen an der Lösung ö f f e n t- l ich er Aufgaben in der Gegenwart in wert höherem Maße beteiligt als früher. Es würde daher weder zeitgemäß sein, noch den Anforderungen der Billig- kcit entsprechen, gesetzliche Bestimmungen aufrechtzuerhalten, die den Frauen die Möglichkeit verschließen, sich am gesamten öffentlichen Leben zu beteiligen." Was damals die Regierung selbst ausführte, um den Frauen aus dem lächerlichen„Segment" hinaus in das freie Versamm- lungsleben Zutritt zu geben, ist durch den Umschwung der drei Kriegsjahre in noch unendlich stärkerem Maße in Erscheinung ge- treten und fordert nun auf, die Konsequenzen zu ziehen. Die Forderung und Pflicht der Frauen sich am gesamten öffcnt- lichen Leben zu beteiligen, erhält eine immer materiellere Grund- läge, sie ist nicht mehr eine Rechts-, sondern eine Kulturfragc ersteich Ranges geworden. Und zwar nicht nur geistig und durch Aufklärung und Erstrebung und Ausübung des Wahlrechts, wo es uns gegeben, uns zu betätigen, sondern direkt praktisch mitzu- wirken. Im Zwange der Widerstände gegen unsere ganze Be- wegung waren wir durch lange Zeiten genötigt, in der agitatori- scheu Aufrüttelung der Frauen den Angelpunkt unserer ganzen Bestrebungen zu sehen. Die heutigen Tatsachen des Lebens aber zwingen uns, auf die Heranziehung der Frauen zur direkten Mitarbeit den gleichen Wert zn legen. Als der Krieg uns urPlötz- lich vor eine Fülle von Ausgaben stellte, für die wohl vielen von uns zunächst die Erfahrung und oft auch das Verständnis fehlte, hatten wir doch eines sogleich vor dem Gros der bürgerlichen Teil- nehmer voraus: wir waren mit den Arbeiterverhältnissen vertraut. Erfahrung und Verständnis, die wir uns heute in einem Gewalt- kursus angeeignet, müssen in Zukunft noch viel mehr wirksam werden. Soziale.Fürsorgeeinrichtungen müssen wir in Zukunft noch viel mehr haben als wie jetzt, und da, dürfen wir nicht ge- statten, daß diese Hilfe den Bedürftigen nur von Leuten gebracht wird, die in ganz anderen Anschauungen leben als wir und mit ihren Hilfsdiensten zugleich das Bestreben verbinden, die Arbeite- rinnen von ihreni Klassenzusammenzuschluß abzuziehen. Von dieser Auffassung aus entwickelte die Referentin ein Programm von Arbeiterinnen-, Mütter- und Kinderhilfe. Das System der F a b r i k p f l e g e r i n n c n müsse ausgebaut werden, und die Genossinnen müssen dafür sorgen, daß es gut ausgebaut wird, indem es in richtige Hände kommt. Unsere Forderungen an die Gewerbeordnung müssen bedeutend vergrößert werden, sie mutz für den künftigen Friodenszustand ausgebaut werden, wo die Frauen ja noch viel zahlreicher als früher erwerbstätig sein werden. Da müssen die Einrichtungen vorhanden sein, daß die Frauen sich auch obue Zerrüttung der eigenen und der Gesundheit ihres Nachwuchses ihrer Tätigkeit widmen können. Durch eine viel stärkere Jliteressierung und Gewinnung der Frau für die Organisationen müsse dieser Weg zu einer besseren Zu- tunst der arbeitenden Bevölkerung gebahnt werden. Auch diese Ausführungen wurden mit starkem Beifall gelohnt. D>c Debatte. Genossin Simon-Bran-denburg zeigte an ihren Erfahrungen, wie notvwendig es sei, daß sich die Genossinnen um die Jugend- gerichtsfür sorge kümmerten. Auch der Einsetzung der Fabrikpslegerinucn und der Arbcitslosenunter- stütz u ng sei vermehrte Aufmerksainkeit zu schenken. Genossin Grünbrrg sdsildert die Verhältnisse, die an den Niirii- beiger Arbeitsplätzen herrschen, auch dort versuchen die viirgerlicben Damen mit den Arbeiterinnen in' Fühlung zu treten und ihnen zu helfen, aber meistens»ist der Weg, dewstte-chierzn einschlagen nicht gangbar. .Genossin Rrihc-Hamburg.erklärt, sie selbst sei jetzt 3 Jghre in>kr Kriegsfürsorge tätig und sei der festen Ucbcrzeugung. daß die Frauen, denen durch unsere Mithilfe in ihrer bittersten Not geholfen sei, später für unsere Bewegung zu gewinnen seien. Genossin Röhl-Köln: Wenn wir früher hinauszogen zur Agi- tation, so verneinten wir meistens die Teilnahme an praktischer Tagcsarbeit mit den Bürgerlichen. Ter Krieg hat uns aber ge- zeigt, daß wir in Zukunft ganz anders handeln müssen; wir müssen weit mehr damit rechnen, praktische soziale Arbeit zu leisten, wir dürfen keinesfalls diese soziale Fürsorge allein den bürgerlichen Damen überlassen. Genossin Rvneck(Teltotv-Beeskow) berichtet über die Tätigkeit der Genossinnen im Nationalen Frauendienst. Im weiteren wünscht sie einen regen Anschluß der Genossinnen an das Frauenburcau. Genossin Lecher-Apolda erklärt, wie durch ihre Mitarbeit die Vergebung der Heeresnäherei für das Herzogtum Sachsen- Weimar in Händen des Gewerkschastskartells ruhe. Dieses wacht darüber, daß die Fabrikanten die vorgeschriebenen Löhne zahlen. � Genossin Ege-Frankfurt: In der etwas liberal gesinnten Stadtverwaltung sind die Genossen stark vertreten und infolgedessen ist die Mitarbeit der Genossinnen dort viel leichter. Seit 1866 sind dort Frauen in der Armenpflege tätig und gleich bei Kriegsausbruch lud die Stadiverwaltung zur soziale» Mitarbeit euu Leider fehlte es uns an einer genügenden Zahl geeigneter. Frauen. Genossin Grzesinski-Kassel meint, die Beteiligung an allen sozialen Einrichtungen sei nichts Neues, sondern eine alte Forde- rung, die auch in der Forderung aus Zulassung von Frauen zu »lleii Körperschaften zum Ausdruck kommt. Tie soziale Tätigkeit ser in Wirklichkeit viel größer als wie sie im Bericht zum Aus- druck kommt. Genossin Vollmann-Halberstadt berichtet ebenfalls über die einflußrerche Stellung, die die Genossinnen in der sozialen Fürsorge ausüben.> Genossin Schulz-Witten meint, wenn es auch keine neuen Forderungen gewesen seien, die an die Frauen bei Kriegsausbruch gestellt wurden, so seien die Frauen doch an diese neuen Ausgaben mit recht gemischten Gefühlen herangetreten. Dennoch würden sie den Anforderungen gerecht. Genossin Schradin zieht einen Vergleich mit der Mannheimer Frauenkonferenz und der heutigen. In Mannheim hörte man nur die Mahnung, die grundlegenden Prinzipien des Sozialismus hochzuhalten; heute hört man von praktischer Arbeit. Genossin Bremer-Hannover regt an, auch der Wohn.ungs- für sorge Aufmerksamkeit zu schenken, da es beispielsweise in Hannover arg in der Kleinwohnungsfürsorge aussehe. Genossin Herdcr-Bremen gab einen Situationsbericht über die soziale Arbeit, die dort von den Genossinnen geleistet wird. Genossin Jekostct-Lübeck sprach über die dort bestehende K i n d e r s ch n tz k o m m i s s i o n. Auch diese Rednerin ist in allen Kommissionen der sozialen Fürsorge tätig. Genossin Hiller-Heilbroun führt aus, heute herrsche hier eine ganz andere Stimmung als wie auf den früheren Kon- ferenzen, heute könne man ungehindert die Notwendigkeit der praktischen Mitarbeit schildern. Dies sei als Anfang einer neuen Zeil für unsere Frauenbewegung zu begrüßen. Nach kurzen Schlußworten der Refcrentinnen wurde die Sitzung auf Sonntag früh vertagt. GwfrBer&n Schulferien. Die großen Sommerferien haben begonnen. Eitel Freude herrscht unter der lieben Schuljugend. Schon tagelang vor- her beherrsche der Gedanke daran die Gemüter. �Allc freuten sich darauf, endlich für lauge Zeit des lästigen Schulzwanges lcdig zn sein. Daß diese Freude in heutiger Zeit aber von allen Eltern bezichnngstveisc Müttern, denn der Vater steht meist wohl im Feld, wenn er nicht schon diesem unseligen Krieg zum Opfer siel, geteilt wird, wagen lvir zu bezweifeln. Die Ferien bedeuten oft noch eine Sorge mehr. Wo die Mutter, um den Unterhalt zu bestreiten, der Arbeit außer dem Hause nachgehen muß, sind die Kinder in der Ferienzeit sich vollständig selbst überlassen, den Gefahren der Straße ausgesetzt. Ter Gedanke daran erfüllt so manches Mutter- herz mit banger Sorge...~ Trotzdem zirka 40 000 Kinder schon im Mai nach Ost- Preußen gebracht werden konnten und viele mit den Eltern oder auch allein zu Verwandten aufs Land reisen können, bleiben doch immer noch zirka 180000 Kinder der ärmeren Bevölkerung hier, denen die Möglichkeit einer Reise in die Sommerfrische nicht gegeben ist, die der Erholung und Kräf- tigung aber dringend bedürfen. Und jede Mutter würde gewiß die Gelegenheit freudig ergreifen, die ihren Lieblingen Erholung und Kräftigung der Gesundheit bietet. Hier hat nun die Stadt Berlin seit Jahren schon durch Einführung der F e r i c n s p i e l c auf den zu diesem Zweck besonders angelegten Außenspielplützcn dafür gesorgt, daß die Kinder ihrer Volksschulen, fern von den Gefahren der Groß- stadt, unter Leitung und Aufsicht bewährter Lehrer und Lehrerinnen, in freier, frischer Lust sich nach Herzenslust bewegen können. Auch für die Beköstigung der Kinder, die ja den ganzen Tag draußen bleiben, wird, den Kriegsverhältnissen ent- U] Oer starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. Nach einer Viertelstunde stieg der Oberleutnant aesiicfclt und gespornt hinunter. Aber die Stube war leer. Und als er ins Freie kam, bot sich ihm ein Bild, das ihm ganz und gar nicht behagte. Ter Vater saß am kleinen Gartentisch und marktete trotz Sonntag und Geistlichkeit mit einem zähen Bauern, der anscheinend gern einen Posten Vieh losgeschlagen hätte und, da kein rechtschaffener Handel daraus iverden wollte, gar noch Gcmütstönc anschlug.. Jetzt seid mir doch nicht so halsstarrig. Herr Gcmcindcrat. Emen.Napoleon' auf oder ab— Euch kommt's ja incht so drauf au wie einem Schulden- bäuerlc mit einer Stube voll Fressern. Legt noch einen aufs Stück zu— so sind wir ewig und ich sag' Euch Vergelts- gott!" Dabei äugte die durchtriebene Habgier ungeduldig nach den gleichniäßigen Gold- und Silbertürmen, die der Hausherr gleich einem gedankenlos spielenden Kinde neben seinem Mostglas ausgebaut hatte. Beim Erscheinen des Ossi- zicrs nahm jedoch die Behaglichkeit der Szene ein Ende. Der alte Lenggenhager pflanzte finster die Rechte vor seinen Turmbau, wie um das Geld mit einem Strich tu den Beutel zu fegen.„Hört, da müßt ich ein Narr sein. Also hier liegt mein Angebot: gilt's oder gilt's nicht sagte er so uner- wartet schroff, daß sich der Bauer verdutzt»ach der Ursache dieses Wettersturzes umsah. Richtig, da kam ja der be- rüchtigte Ucbclstand mit all seinem trügerischen Glanz zum Vorschein.» Kein Wunder! Das knifilichc Spitzbubengesicht verzog sich wie bei einem saureu Trunk.„Ja, wohlverstanden, es braucht nicht heut gehandelt zu sein. Herr Gemeinde- rat, falls das ungern gesehen wird. Ten Teufel auch, wegen meinen Kälbern soll's 0a keinen Verdruß geben. Mir scheint, Ihr habt' davon schon mehr als genug!" bemerkte er so recht aufreizend, indem er seinen Blick dreist ztvischen dem alten Knauser und dem geschniegelten Offizier hin und her gehen ließ. Tann nahm er seinen Knotenstock und verabschiedete sich mit ziveifclhastcr Freundlichkeit, während der Viehhändler, eine Verwünschung aus den Lippen, sein Geld zornbebend in Sicherheit brachte. Adolfs knappen Gruß erwiderte er nicht. Gingen da Vater und Sohn oder zwei Todseiitde aneinander vorüber il Wohlmisjend, was die Glocke geschlagen hatte, sah sich der letztere schnell nach dem Bruder um, den er zu seinem Erstaunen neben der'Schwester und deren Kindern im Garten entdeckte. Frau Gmür Prüfte offenbar Wohlstand und Gedeihen in den Gemüsebeeten, frisierte Salat und Kohlköpfe und hatte im eifrigen Gespräch mit dem Pfarrer sogar noch Augen für ihre Kleinen, die mit großeni Halloh aus die Enteit- und Truthahnjagd auszogen. Kaum hatten sie jedoch die glanzvolle Erscheinung vor dem Hause entdeckt, ließen sie das Geflügel in Ruhe.„Onkel Dolf!" jubelten sie in heller Begeisterung. Es lviirde dem flüchtenden Offizier nicht leicht, das anstürmende Völklein, bei dem er nach wie vvr den höchsten Respekt und die lebhafteste Anhänglichkeit genoß, zufrieden zu stellen. Ter Aelteste wollte durchaus den Säbel aus der Scheide ziehen, und Fritzchen begehrte, von dem prächtigen Onkel zum mindesten an der Hand geführt zu werden. Wie ihn das alles auf einmal bedrängte! Erst der höllische Rausch— die Frucht seiner Untätigkeit und Nervenüberreizung— nun noch dieses peinliche Familiengericht, der furchtbar geladene Alte, die soliden Geschivister, die vor ihm zu Boden schauen mußten. Er ließ es sich innerlich etwas kosten, sowie er sich schließlich zusammenraffte und auf die beiden zuging, als ob er noch unentwegt dus dem breitspurigsten Gleise führe. Ter Pfarrer kam ihm fassungslos, kopfschüttelnd entgegen und sah ihn an. wie wenn er au Adolfs Zurechuungsfähigkeit zweifelte.„Stimmt es also— du willst wahrhaftig beim Wettreiten mittun? Hast dir die Stirn, nach allenl was geschehen und noch lange nicht per- gessen ist. in dieser Weise auszutreten Tie ganz in Schwarz gekleidete, von Kohlweißlingen umgankelte Schwester bot ihni nur einen vorlvurfsvolleu Blick und Seufzer zum Gruß und widmete sich gleich wieder ihrer Gartenschau. Adolf Lenggenhager versuchte gar nicht erst, die crlntter- ten Gemüter zu beschwichtigen.„Daran ist tatsächlich nicht zu rütteln!" entgegnete er mit krauser Stirne, wobei er den kleinsten Neffen vom Boden aufhob, einigemal belustigend in der Luft schwenkte und dann mit den anderen fortschickte. Er ivollte das bleiche Entsetzen in den Zügen des Pfarrers nicht sehen. „Ja, sag einmal—" meinte dieser, den Bruder beiseite nötigend,„kannst du mir einen triftigen Grund angeben, warum du, abgesehen von deiner Abdankung, knapp vier Wochen nach dem Begräbnis der Mutter, durchaus ein Rennen mitreiten mußt?" Der Gefragte antwortete nicht sogleich, sondern schaute wie ein geschlagener Feldherr in die Runde der verlorenen Heimat ins Herz hinein, Er hatte während diesen bitteren Wochen seines Lebens das gequälte Haupt Wohl manchmal hilfesuchend an ihre Brust gelegt; allein ihre heilende Kraft konnte seine harte Natur nicht mehr durchdringen. Nun stieß sie den Ent- wurzelten, der ihr nur Abbruch tat, vollends aus. Dort... die Johannis- und Stachelbeerbüsche, in denen er mit den Geschwistern um die Wette Ernte gehalten hatte, der Wald von Obstbäumen, deren jeder ihm früher nach Art und Leistung wie ein Spielgenosse pertraut war— für ihn trugen sie keine Früchte mehr. Das fühlte der Abtrünnige bis ins Mark, auch ohne die brüderliche Ankündigung, daß der Alte ihm in diesem Falle das Haus für immer verschließen werde. Fast teilnahmslos ließ er die Bußpredigt über sich ergehen. „Ich kann es ihm nicht verdenken. Nicht genug, daß du seinen Nanien in Verruf gebracht hast— jetzt willst du ihn auch noch verächtlich machen. Du wnndre dich nicht, wenn auch uns endlich der Geduldsfaden reißt. Was sind wir überhaupt noch in deinen Augen? Bist du noch irgendwie mit uns verwachsen? Heut' sage ich selber nein. Wir sind für dich so ganz nette, harmlose Leutchen, mit denen du auf einer unbedeutenden Lebensstrecke zusammenreiscn mußtest. Solche Bekanntschaften pflegt ein Mann von Welt nach erreichtem Ziel ganz einfach abzuschütteln, nicht wahr? Will sagen, so hättest du vermutlich auch uns abgedankt, wenn der großartige Luxuszug nicht entgleist wäre." Was hinderte den Beleidigten, ohne ein Wort der Ver- teidigung aufzubrechen? Hier waren die Grundpfeiler der gegenseitigen Verständigung ins Wanken gekommen. Dennoch ivich er nicht von der Stelle, und ebensowenig fand er den gerechten Zorn, der die treuherzige Erbitterung des Bruders niederringen konnte. Daß er dessen leidenschaftliche Anklagen mit sarkastischen Einwürscn begleitete, machte die Sache nicht besser. Ja, das war freilich anders, als wenn er niit Hoch- gefühlen eutes gefürchteten Befehlshabers die Front der Kom- pagnie abschritt, die geringsten Fehler mit Sperberblicken auf- spürend, Unteroffiziere und Mannschaften mit unerbittlicher Strenge behandelnd. Hier wurde nun einmal seine Beschaffen- hcit einer nicht minder peinlichen Musterung unterzogen. Wie ein fanler Rekrut, der seinen Kaput liederlich rollte, mutzte er dem strafenden Inspizienten standhalten.(Forts, folgt-) brechend soweit als irgend möglich gesorgt.— TaS wir dielen Eltern bei der allgemeinen Knappheit der Lebensmittel willkommen sein. Früh, nach der Ankunft auf den Plätzen, erhalten die Kinder ein warmes Getränk. Tee oder Kaffee mit Milch, mittags Suppe, nachmittags Kaffee und eine Schnitte Brot. Nur zum Frühstück ist den Kindern etwas mitzugeben. Die Verpflegung ist kostenfrei. Soweit die Bahn oder die Elektrische Straßenbahn zur Beförderung benutzt werden muh. werden 20— 30 Pf. pro Kind erhoben. Bei mehreren Kindern aus einer Familie tritt Ermäßigung und auch Freistellung ein. Außerdem werden an bchürftige, besonders aber an Kinder von Kriegsteilnehmern, Freikarten ausgegeben. Es kann den Eltern im Interesse der Gesundheit ihrer Kinder mir warm empfohlen werden, ihren Lieblingen die Möglichkeit zu geben, an diesen Fcrieuspielen teilzunehmen. Wegen den Wucher mit Lbst und Gemüse. In der am Freitag abgehalleneu Versammlunq von Ob st« und Gemüiehändlern, über deren ersten Teil wir am Sonnabend beriibleten, folgte dem Referat de« Generalsekretärs Neubauer und den Erklärungen des OberregierungSrats von Tilly und des Magistratsrats Gordan eine sehr lebhafte, sich bis Mitternacht hinziehende Diskussion. Eine Fülle von Beschwerden wurde vorgebracht, die sich teils gegen die Pro- duzenten und Großhändler, teils gegen die Berliner Zentral- Markthalle richteten. Ein Kleinhändler erzählte, daß nach Festsetzung von Höchstpreisen ihm Gemüsebauern ges agt haben, sie würden mal erst acht Tage lang den Berlinern kein Gemüse liefern und sie hungern lassen, dann werde nian schon andere Höchstpreise kriegen. Gegen die aufkaufenden.Nepper", über die bitter geklagt wurde, stellte ein Vertreter des Kriegswucheramtes schärfstes Vorgehen in Aussicht. Oberregierungsrat' v o n T i l l y ergriff nochmals das Wort, um die Kleinhändler zur Be- tätigung ihres Gemeinsinns zu ermahnen,.Warum müssen Sie," fragte er.„den Großhändlern und den Erzeugern mehr als den vorgeschriebenen Preis geben? Weil einzelne das tun und die anderen das»aibmachen! Weil Sie nicht als treue Kameraden zusammenstehen! Organisieren Sie sich!" Zur Frage der Höchstpreise sagte er:„Heben wir die Höchstpreise auf, dann haben wir Ware. Aber für wen? Für die Reichen!" Den Klein- Händlern empfahl er dringend, keinen ihrer Kunden zu bevorzugen, auch nicht gegen Gewährung von Vorteilen. Tie Ungleichheit der �bst- und Gcmusevcrtcilung. Zu einem Frühbesuch des Obst- und Gemüse-Großmarktes in der Berliner Zentral- Markthalle hatte der Magistrat die Vertreter der Presse eingeladen. Wir kannte» längst aus wieder- holten Beobachtungen das Schauspiel, das da Nachl für Nacht im Morgengrauen sich bietet. Ein Trauerspiel ncnnen's die Klein- Händler. Der Besuch, den wir unter Führung des Magistratsrats Gordan machten, hat uns nur in unserer Ansicht bestärkt, daß die Ungleichheit der Obst- und Gemüscverteilung dringend der Abhilfe bedarf. Schon im Dunkel der Nacht sammeln sich lange vor dem auf 4 Uhr festgesetzten Beginn des Großmarkts viele Kleinhändler vor den gesperrten Eiiigängen der Markthallen, um bei Eröffnung mög- lichst die ersten zu sein. Hastig strömen sie dann in die Halle hin- ein, eilen utn die Wette zu den Ständen der Großhändler— und müssen nur zu oft die Enttäuschung erleben, daß nichts mehr für sie zu haben ist. Die Obst- und Gemüsemengen, die jetzt auf unseren Markt kommen, reichen nicht annähernd aus, die gerade in der Kriegszeit außerordentlich gestiegene Nachfrage nach diesen Nahrungs- mittein zu befriedigen. Die Kleinhändler klagen aber auch darüber, daß ihnen immer wieder vor uoch mit Waren besetzten Ständen der Großhändler und Produzenten erklärt wird, diese Ware sei .bereits verkauft". Wie ist es möglich, daß man so oft schon kurz nach 4 Uhr morgens diese Antwort erhält? Wir hörten bei unserem Besuch der Markthalle manches bittere Wort aus dem Munde der leer ausgegangenen Händler. .Man kriegt ja hier nie Ware!" und.Nicht ein Korb ist zu haben!" und„Schon um 4 Uhr ist nichts mehr da!" klang es durcheinander. Ob dabei, wie die Kleinhändler behaupten. Schiebung im Spiel ist, läßt sich an den über den Kauf auszufertigenden Schlußscheinen prüfen. Können die Schlußscheine nichr vorgelegr werden, so er- folgt Anzeige zur Bestrafung und unter Umständen auch Aus- Weisung aus der Halle. Daß die Kleinhändler über die ver- muteten Schiebungen erregt sind, ist sehr begreiflich. Zwar wissen auch sie, daß bei der Unzulänglichkeit der Warenzufuhr stets nur ein Teil der Händler befriedigt werden kann. Geklagt wird aber. daß es immer wieder dieselben Kleinhändler seien, die zuerst berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich selbst- verständlich auch für die verbrauchende Bevölkerung eine Ungleichheit der Versorgung; denn es ist dann immer wieder nur die bei diesen bevorzugten Händlern kaufende Kundschaft, die ihren Bedarf an Obst und Ge- müse decken kann. Man wird wohl nicht fehl gehen mit der Annahme. daß dabei die kaufkräftigere Kundschaft dank der„Rührigkeit" ihrer„Lieferanten" besser als die minder kauf- kräftige wegkommt. Die vom Berliner Magistrat eingerichtete Abteilung für Obst- und Gemüseversorgung ist jetzt zu der Ansicht gelangt, daß gegen die Ungleichheit der Kleinhändlerbclieferung doch einiges getan werden muß. Geplant wird, zum Kauf auf dem Großmarkt der Zentral- Markthalle nur noch wirkliche Kleinhändler(und daneben Beauftragte von Wohlfahrtseinrichtungen) zuzulassen und für sie einen Nummer naufruf einzuführen. Höchstpreise für Gänse sind jetzt vom Bundesrat festgesetzt. Sie betragen im Juli 16, im August 17, nachher IS M., auch für Verkäufe, die vor dem Jnkraft- treten der Verordnung abgeschlossen sind. Die Preise gelten ab Stall des Züchters oder Mästers. Beim Weiterverkauf darf ein Zu- schlag von 2 M. einschließlich der Beförderungskosten nicht über« schritten werden. Bei geschlachteten Gänsen betragen die Höchst- preise beim Verkaufe durch den Züchter oder Mäster an den Händler frei Versandstation 3,60 M. für das Pfund; für den Kleinhändler frei Lager 3,7ö M.; für den Verbraucher in Gemeinden bis zu 100000 Einwohner 4 M., in größeren 4,25 M.; beim Verkauf vom Züchter an den Verbraucher 3,75 M., in Großstädten 4 M. Die Preise gelten für ungeöffnete, gerupfte Gänse ohne Schwanzfedern mit Verpackung. Strohbindung ist verboten. Vom 1. A u g u st a n muß bei jeder Veräußerung an Händler, Züchter oder Mäster und an Inhaber von Wirtschaften ein S ch l u ß s ch c i n ausgefertigt werden. Berliner Lebensmittel. Nach Mitteilung des Magistrats kann Sirup auf den Lebens- mittelabschnitt 84 in jedenr Geschäfte bezogen werden, das noch Sirup auf Lager bat, nicht also nur in denjenigen, wo der Käufer als Zuckerkunde eingeschrieben ist. ES werden gegen Ende des MonatS neue große Slrup-Liferungen erwartet, so daß die Ein- lösung aller Abschnitte sichergestellt ist. Ueber die Lage der Kohlenvcrsorgung hatderZentralvcrbanddcrKohlenhändlerDeutsch- lands den oberen Behörden«Ministerien) folgende Erklärung auf Erfordern abgegeben:„Sofort nach Ausbruch des Krieges lenkten wir das Augenmerk unserer Mitglieder auf eine zweckmäßig rationiert« Abgabe d«r Hausbrandlohle an die Bevölkerung. Schon 1S13 Miben wir dem Deutschen Kriegsministerium und dem Großen Generalstab Erklärungen über Errichtung eiserner Bestände in Brennmaterialien ab und setzten unsere dringenden öffentlichen HüUPeffe fort, die HauShaltiuigen möchten sich fruan gewöhnen, die Einkellerung de? Winterbedarfs im Sommer vorzunehmen. Als in der Kriegszeit die Zufuhren an Hausbrandkohlen immer mangelhafter wurden, setzten sich zahlreiche städtische Ver- waltungcn noch vor G r ü n d u n g der Lrtskohlenstellen mit unseren Vereinen in Verbindung und es entstanden mit unserer Hilfe Kohlenverteilungsplänc, die sich als brauchbar erwiesen. Die von der Reichskohlenverteilungsstellc ins Leben gerufenen Lrtskohlen- stellen bauten die Kohlcnverteilungssysteme in ortsindividucllcr Weise aus. Im Einverncbmcn mit verschiedenen Großstädten wurden Sparheizvorschriften für Haushaltungen ausgearbeitet. Mit der Lösung der Sparheizfrage sind wir beschäftigt. Diese Arbeiten halfen zwar schon die zu verbrauchenden Hausbrand- mengen auf ein niedrigeres Maß herabzusetzen, doch die Eingänge von den Erzeugungsstätten sind noch weit unter dieses Maß zurück- gegangen. Man spricht im Hausbrandkohlenhandel schon längst nicht mehr von systematisch verkürzten Mengen als erklärliche Kriegssolge, sondern nur noch von Zu falls mengen, die an den verschiedenen Plätzen in regelloser Folge ankommen. Nach persönlicher Rücksprache mit der Leitung der Reichskohlenverteilungsstelle bat der Zentralverband versucht, dem Mangel an statistischen PerbrauchSzahlen abzuhelfen. Nach vieler Mühe vermochten wir festzustellen, daß im Durch- schnitt etwa 25 v. H. bei Steinlohle» für den Hausbrand ver- ivendet wurden, und in Gegenden mit ausgesprochener Braun- koblenseuerung etwa 30— 40 v. H. der Gesamt eingangs mengen. Die preußisch-fiskalischen Steinkohlenwerke lieferten etwa 20 bis 25 v. H. zu Hansbrandzwcckcn. Wäre die Gewähr für Herein- nähme der Hälfte der bisherigen Hausbrandsriedcnsinenge gegeben, so hätte man auf dieser Grundlage nicht nur eine gerechte Vor- teilung, sondern auch eine beruhigen de Lösung der Kohlen- frage erzielen können. Eine Vorenthaltung von Mindcsterzcugnngs- mengen auch für den Hausbrand bietet eine sichere Geivähr für die Versorgung der Bevölkerung mit einer Mindestmcnge Haus- brandniatcrial... Das„Allcrnrucstr" ist, wie«ine Lokalkorrcspondenz mitteilt, die Herstellung von festen Koblen sacken aus Papier als Ersatz für Jute-, Kokos- und ähnliche Säcke.— Das Aller- wichtigste tvärc unseres Erachtens die schleunige Herbei- schasfung der zur Füllung der„festen" Papiersäcke bestimmten Kohlen. Auf den Stadtbahnschicnc» tot«ufgefimde» wurde in der Nacht zu Sonnabend auf dem Babnbof Friedrichstraße der 53 Jahre alle Kausmaun Jakob Bloch, Mitinhaber des Bankgeschäsls sür Hypo- thekcn und Grundbesitz in der Lutberstr. 47 zu Charlottenburg. Er hatte schwere Kopiverletzungen und es läßt sich noch nicht sagen, ob ein Unglück oder ein Selbstmord vorliegt. Neukölln. Errichtung einer städtischen Bank. Die am Donner«« tag lagende Stadtverordliclenversommliing lvird sich in geheimer Sitzung mit der Errichtung einer städtischen Bank beschäfligen. — Lebensmittel. Die neu ausgegebene allgemeine Lebens- niittelkarle ist in der Zeil vom S.— 12. Juli erneut zur Äundenliste für den Bezug von Kolonialwaren a n zu melden. Die näheren Bestimmungen enthält die amtliche Belanntmachnng des Magistrats. — Ter Magistrat teilt ferner mit, daß er zunächst nur 1 Pfund Kartoffeln ans den Kopf der Bcvöllernng zur Verteilung bringen kann. Kartoffeln können nur aus die beiden nichlschaffrierlen Abschnitte 63v der roten Kartoffelkarle und die vier Ab- schnitte der roten Kartoffelznsatzkarte entnommen werden, und zwar auf den Abschnitt V, Pfund. Wer bis einschließlich Freilag, den 13. Juli, Kartoffeln nicht hat erhallen töllne«i, kann aus seden Abschnitt am darausfolgenden Sonnabend und Sonntag je 100 Gramm Gebäck entnehmen.— Auf die sechs schraffierten Abschnitte und die zwei weißen Abschnitte 65ck der Kar- toffelkarte können als Ersatz sür die fehlenden Kartoffeln auf jeden Abschnitt gleichsalls 100 Gramm Gebäck entnommen werden. Zur Abgabe von Gebäck aus die Karloffclabschnitte find nur diejenigen Bäckereibetriebe berechtigt, die ihr Mehl vom Magistrat Neukösln zu- gewiesen erhalten. Mehl gelangt auf die Kartoffclkarle nicht zur Verausgabung._ Chnrlottciiburg. Beratungsstelle für Geschlechtskranke. Die Sprechstunden der städtischen Beratungsstelle für Geschlechtskranke im Charlottenburger Krankenhause, Kirchslr. 19/20. finden von jetzt on sür Männer und wie für Frauen dreimal wöchentlich und zwar Montags und Freitags von 12—1 Uhr und Mittwochs abends von 7—8 Uhr statt. Geschlechtskranke werden hier unentgeltlich unter- sucht und beraten.__ Schöneberg. Die Kinderfcricnspielc beginnen Montag, den 9. Juli. Tie Kinder treffen sich an der Eiseiibahnuntersührung Ebers-. Ecke Hauptstraße, nachmittags 1'/, Uhr. In Begleitung der Genoisin Bäumler und mehrerer Genossinnen, die an der Aussicht beteiligt sind, gehen alle gemeinsam nach dem städtischen Spielplatz an der Rubensstraße. Zur Entgegennahme der Erfrischungen ist einem jeden Kinde ein Trinkgesäß mitzugcbcen. Ebenfalls wird eine Schnilte Brot verabreicht. Die Rückkehr beginnt abends 8 Uhr. Jedes Kind erhält einen Ausweis, der bei Abgabe von Speise und Trank vorgezeigt werden inuß. Anmeldungen nehmen die Genossinnen entgegen, ebenfalls auch Geldspenden. Potsdam. Erhöhung der Krankenhausgebühren. Eine lebhafte Aussprache entfesselte der Magistratsanirag auf Erhöhung der Krankenhausgebühren in der 3. Klasse. Der Finanzausschuß hatte den Antrag einstimmig abgelehnt. Tie Versammlung verließ ihren Ausschuß vollständig und folgte den Darlegungen des Stadirats Dr. Over. Mir Stimmengleichheit wurde die Erhöhung der Sätze um 50 Pf. pro Stufe beschlossen. Der Rechnungsabschluß sür das Etatsjahr 1916 hat über den Voranschlag eine halbe Million Ueberschüsse erbracht. Steglitz. Lebensmittel. Außer der üblichen Wochenrate werden verteilt: Grieß, Haferflocken und Eier an Kranke gegen Bezugsschein in den ihnen zustehenden Mengen. Kondensierte'Milch für Kinder. die in der Zeit vom 17. April 1905 bis 17. April 1909 geboren find, gegen besondere Karte. Haferflocken an Kinder bis zum voll- endeten 2. Lebensjahre auf Haferflockenkarte. Wilmersdorf. Lebensmittel. In der kommenden Woche werden folgende Lebensmittel ausgegeben: 500 Gramm Fleisch, 1 Pfund Kartoffeln und als Ersatz sür die restlichen 4 Pfund Kartoffeln höchstens 500 Gramm Gebäck; 3 Eier a 34 Pf!, 375 Gramm Zucker. Weiter werden abgegeben bis einschließlich 1 1. Juli: Abschnitt E= 100 Gramm Karloffelwalzmehl, F— 125 Gramm Kartoffclflocken, G— 125 Gramm Teigwaren; bis einschließlich 15. Juli: Auf Abschnitt H--- 125 Gramm Spcisesirup, Abschnitt I= 100 Gramm Gerstengraupe oder Gerstengrütze, Abschnitt X— 100 Gramm Hafergrütze oder Hasermehl. Aus Hausbal- tungslarte werden verkauft bis zum 12, Juli einschließlich: Abschnitt 12— 45 Gramm Puddingpulver a 14 Pf. oder 100 Gramm lose« Puddingpulver zu 20 Pf., Abschnitt 13 --- 125 Gramm Fruchliafl für 60 Pf.; bis einschließlich 15. Juli: Abschnitt 15— 2 Pfd. Gemüsekonserven. Markenfrei wird ab- gegeben Weißkohlsauerkraut a 20 Pf. bis zur Höchstinengc von 5 Pfund. Mit Rücksicht auf den Reiseverkehr werden die Brolkommissionen heute vormittag von 10—12 Uhr, jedoch nur zur Erledigung dring- licher Fälle, geöffnet sein. Treptows Lebensmittel. Die Gemeindeverwaltung teilt uns mit, daß sie an Stelle von Kartoffeln nicht 500 Gramm Gebäck, sondern 1000 Gramm verabfolgt. Britz. Lebensmittel. In der Verkaufsstelle der Gemeinde ge- langen zur Abgabe auf Abichnilt 43 Nudeln('/« Pfd. je Pers.), Abschnitt 44 Puddingpulver(l Paket je HauShalt), Abschnitt 45 Ocl<50 Grainm je Pen.), Abichnilt 46 Südfruchtmarmelade(V4 Ptd. je Pers.) nur bei Kleinhändlern; abschnitt 47 verschledene Waren iFischkonserven, Siandal-Fleischertralt, Nährhefe und Rote ü�eteV Abschnitt 48 Sonderzuteilung, und Abschnitt 50 Einmachezucker (2,/2 Pid. je Pers., nur bei Kleinhändlern). Alleinstehende Personen können nach Abgabe de? gelben Abschnitts 50 je 3l/s Pfd. Kunil- honig als Ersatz' sür Einmachezucker beziehen. > Spandau. Lebensmittel. Diejenigen Einwohner, welche anr die Abschnitte 1—8 der Kartoffelkarte dieser Woche Kartoffeln nicht erhalten haben, können in den hiesigen Bäckereien aus jeden Abschnitt 25 Gramm Brot oder 17 Gramm Roggenmehl entnehmen. DaS Gleiche gilt sür die Abschnitte der Militärurlauberkartcn. Die Bezugscheine für Ein machezucker können wie folgt weiter abgeholt werden: Am Montag sür die Haushaltungen mir den Anfangsbuchstaben St lind zwar" nur diejenigen der Altstadr Stresow, Klosterfelde und Wilbelmstadt: Dienstag für die Haus- baltungen mit den Amangsbnchstaben St aus der Neustadl und Hakenfelde: Mittwoch für die Hanshaltungen mit den Anfangs- buchstaben D. tl, V: Donnerstag für die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben W aus Klosterselde und Wilhelmstadt; Freitag sür die Haushaltungen mit den Anfangsbuchstaben W aus der Neustadt; Sonnabend sür die Hausbaltungen mit den Anfangsbuchstaben W aus der Altstadt, Stresow. Klosterselde und für Haushaltungen mit den 1>liifangSb»chsta0«n Z. Für die Haushaltungen mit den Ansangsbuchstaben ZI, die bisher die Bezugscheine nicht erhallen haben, werden dieielben i»? der Woche vom 9. bis 14. d. M. ver- abfolgt. Die Ausgabe erfolgt nur von 8— 12'/» Uhr. Hroß-Serliner p�rteinachrichten. Teltow- Breskow. Mittwoch, den II. Juli, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlungen solgender Orte: Adlershof. Lokal Feye r st ein, Bismarckstr. 82. Vortrag. Bohnsdorf. Reftauranl Grabow, am Babnboi Grünau. Britz. Mitgliederversammlung findet in dieser Woche nichl�stalt. Charlottcnbürg. V o l k s h a u s. Rofinenslr. 4 ikleincr Saal). Stellungnahme zur Kreisgeneralversammlung und Wohl von Tele- gierten; Stellungnahme zum Parteilag. Friedenau. Bei Schulz, Wiesbadener Str. 78, Ecke Lau- bacher Straße. Eöpcnick. Mitgliederversammlung findet in dieser Woche nicht statt. Lichterfelde. Dienstag, den 10. Juli, bei Träger. Hindenburgdamm 45. Vottrag der Genossin R y n e ck. Maricnfcldr. Bei Staffel. Berliner Str. 133. Neukölln. Im großen Saale der Berliner Kindt« Brauerei, Hermannstr. 2l4'219. Vortrag des Reickslagsabg. Genossen Gustav Bauer über: Die Konferenz in Stock« h o l m. Stellungnahme zum Parteilag. Schöneberg. 1. Bezirk: Paul Milde. Nollendorssir. 16; 2. u. 3. Bezirk: F o l g e r, Kysthäuierslr. 16; 4. Bezirk: Karl Henkel, Meininger Str. 8; 5. Bezirk: August Meißner, Koburger Str. 5; 6. Bezirk: Brock, Babnsir. 19/20; 7., 8., 9.(Jnselteil), 12. Bezirk: Goulieb Groß, Scdan- straße 17, und Paul Lehmann, Sedanffr. 53; 9. Bezirk(Feurig- straße), lO. Bezirk: Paul Rath mann, Tempelhofcr Str. 18»; 11. Bezirk: Lehmann, Begasstr. 1. Steglitz. Bei Clement, Düppelstr. 7. Dcmpelhof. Bei Ueckermann, Kaiser-Wilhestn-Straße, Ecke Werderstraße. Treptow-Baiimschulenweg. Bei Geier. Parkstr. 2. Vortrag: Der Parteitag in Würzburg. Referent Genosse Krüger- Cöpenick. Stellungnahme zur Generalversammlung. Wilmersdorf. Bei Schäfer, Brandenburgische Straße 69. Der Parteitag in Würzburg. Referent Genosse T h u r o w. Nicderbarnim. Sonnabend, den 14. Juli, abends pünkl- lich 7 Uhr. findet im B e z i r k S s e k r e t a r i a t. L i n d e n st r. 3, 2. Hos 3 Treppen, eine Konferenz der sozialdemokrati- scheu Genieindcvertreter und der in den Lebens- m i l t e l k o m m i s s i o n e n tätigen Genossen statt, welche sich mit der Verteilung von Nahrungsmitteln innerhalb des Kreises beickättigen soll. Die Genosien und Ge- noisinnen der einzelnen Bezirke werden gebeten, ihre Dispoiinonett danach einzurichten. Ter KreisvorstanS. Riederschönhausen, Pankow, Buchholz. Mittwoch, den 1 l., abend? 8'/z Uhr. Mltglicdervcriammlnng bei Settekorn. Bismarckstr. 1 am Bismarckplatz. Vortrag:„Die Sozialdemokratie und Friede". Referent Genosse Hugo Poetzsch. Die aus dem Boden der Parteieinheit stehenden Genossinnen und Genossen und alle Vor- wärtSleser sind eingeladen. Karlshorst. Versammlung Dienstag, den 10.. abends 8>/„ Uhr. bei Poscr, Döiihosstraße. Tagesordnung: Der Parteilag in Würz- bürg. Die Lebensmittel- und Kohlenversorgung. Kossenbericht und Geschästliches. Ausnahme neuer Mitglieder. Entgcgetinabme der Beiträge und Ausgabe vvn Bibliotheksbüchern findet in der Ver- sammlung statt. Oberschöneweide. Mittwoch, den 11.. abends 8 Uhr. bei Ladcwig, Laufener Str. 5: Zahlvers am mlung. Nowawes. In der letzten Mitgliederversammlung deS Wahlvereins sprach Reichstagsabgeordneter D a v i d s o h n über das Thema:„Stockholm und der Frieden."— Am 19. Juli soll eine Zusammenlunst vo» Kriegersrauen stattfinden, in der Genoisin Ryneck über interessierende Fragen referieren wird.— Ten Delc- gierten sür die am 22. Juli stattfindende Kreis-Generalveriammlung wurde ausgegeben, daraus zu dringen, daß auch in der Leitung der „Neuen Zeit" die notwendige reinliche Scheidung erfolge.— Ter Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt; ihm gehören also an: Karl Krähnberg, 1. Vorsitzender, Eisenbahnstr. 10; HanS Willle, 2. Vorsitzender; Adolf Richter, Kassierer: Reinhold Kirsch, Schrist- sührer und Berichterstatter des„Vorwärts" und der„Brandenburger Zeitung", Mittelstr. 20; Ernst Zöllner, Beisitzer.— Zum Schluß teilten die Gemcindeverordnclen Zöllner und OSmer mit, daß die Gemeinde bereits Maßnahmen zur Versorgung der Bevölterung mir Heizmaterial für den Winter getroffen habe. Fraglich sei jedoch, ob Koks tn der erforderlichen Menge beschafft werden könne. Industrie und Handel. Ricscngcwinnc einer Kek«ssabrlk. Tie BlSkuit- und Keksfabrik H. L. Klein A.-G. in LandShut. die ein Aktienkapital von 1 100 000 M. besitzt, weist im letzten Kriegs- jähr einen Gewinn von 1062 361 M. gegen 509 533 M. im Vorjahr ans. Um die Dividende nach außen bin nicht allzu hoch erscheinen zu lassen, benutzte die Verwaltung dieses günstige Ergebnis zu ganz außerordentliche Abschreibungen, die gegenüber dem Vorjahr von 112 192 M. aus 408 441 M. erhöht worden sind. Ter Gesellschaft bleibt ein Bruttogewinn von 600 000 M., das sind 54� Proz., und ein Reingewinn von 300 000 M., das sind 2714 Proz. des Aktien» kapitals. Dazu bemerkt die„Münchener Zeitung:.„Vom Er- nährungsstandpunkt aus gibt diese Bilanz Anlaß zu recht trüben Betrachtungen. Ten Bisluit- und Kekssabrikcn Deutschlands sind 50 000 Sack Mehl von der RG. zur Verfügung gestellt worden. Tie Preise dieses Mchles bewegen sich zwischen 50 und 80 M. für den Doppelzentner. Es nimmr sich also schon die RG.«inen ganz an- sehnlichen Gewinn, um zu verhüten, daß allzuviel Mehl für Kon- ditorcizwecke bei der Verleilungsstellc m Celle angefordert wird. Und die Fabriken erzielten trotz dicier hohen Preise ihres Rohstoffes noch ö außerordentlichen hohen Gewinn. Es kann kein Zweifel sein. nachdem die RG. zugunsten der Kcksfabrikation nicht weniger als 100 000 Zentner Mehl abgibt, die der allgemeinen Verteilung cnt- zogen werden, daß Keks unbedingt zu den Gegenständen des tag- lichen Bedarfs zu rechnen sind. Wie reimt sich das aber mit dem Bericht der obengenannten BiSkuit- und Keksfabrik zusammen, wo bei der Herstellung dieser Gegenstände des täglichen Bedarfs der. artßze Riesengewmne erzielt worden stad, daß es jedes Kind mit den Händen greifen?ann, e? fei dteZ nur durch Forderung übermäßiger Preise möglich gewesen." Der österreichisch-deutschc Handelsvertrag. .. � Graf Esterhazy begab sich noch 23 i e n. wo die Verhandlungen uoer den Handelsvertrag mit Deutschland ihren Ansang nehmen. Von. der ungarischen Regierung werden noch der Handelsminister Gras e r e n y i und der Finanzminister Grab an den Ver- Handlungen teilnehmen. Soziales. � Große Worte und nichts dahinter. Die Deutsche Volksvcrsicherungs-Aktiengesellschaft Berlin ist auch � a'§ c'uMp6 deutsche Versicherungsgesellschost in der glucklichen Lage, durch das offizielle Wolffsche Telegraphenburea-t einen ebenso kurzen als nichtssagenden Bericht über ihre am 27. Juni unter dem Vorsitz des Grafen von Posadowskh abgehaltene vierte Generalversammlung zu verbreiten. Ohne Angabc von Zahlen wird in dem Bericht gesagt, dag der Versicherungsbestand sich erhöht und der vstornosatz sich gebessert habe. Wenn diese letztere Tatsache mit dem Satz begleitet wird, dag das„in Fachkreisen als Beweis Tur die besondere Güte der Versicherungsabschlüsse geschätzt werde", so reizt das den Fachmann zum Lachen, denn diese Tatsache können alle Versicherungsgesellschaften für 1916 feststellen, weil sie in der allgemein bekannten Verbesserung unserer wirtschaftlichen Verhält- nisse gegenüber dem Jahre 1915 begründet ist. Der erzielte Rein- gewinm der im Geschäftsjahre 1915 46 403 M. betrug, ist im Be- richtsjahre aus 29 655 2?. zurückgegangen, und können infolgedessen nur 13 735 M. der Gewinnrescrvc der Versicherten überwiesen werden, die damit den Betrag von 68 442 M. erreicht. Weitere 1962 M. werden dem Wohlfahrtssonds, 424 M. dem Kriegsreserve- sonds und 1932 M. dem gesetzlichen Reservefonds zugeführt. Alles in allem ein sehr mütziges Geschäftsergebnis, das zweifellos in keinem Verhältnis steht zu den Hchfnuiigen, die sich seinerzeit jene machten, welche glaubten, mit dieser obrigkeitlichen privat-gemein- nützigen Versicherungsgesellschaft die Gründung und Entwicklung der Volkssürsorge unterbinden zu können. Wie ganz anders und viel erfreulicher entwickelt sich dcmgegen- über die jeglicher behördlicher Protektion entbehrende Volksfürsorge. Sie erzielte im Jahre 1916 eine Steigerung ihres Bestandes um 29 424 Versicherungen mit 3 944 199 M. Versicherungssumme und hatte somit Ende 1916 einen Bestand von 191 736 Versicherungen linklusive 66 397 Sparversicherungenj mit 28 468 929 M. Versicherungssumme. Der Ueberschutz im Betrage von 217 421,27 M. ermöglicht es der Volksfürsorge, dem Gewinnreservesonds ihrer Versicherten einen Veirag von 126 642,21 Stf.•= T Proz. der eingenommenen Jahresprämien überweisen zu können; dieser Fonds erhöht sich dadurch aus 346 268,55 M. Daneben werden weitere 43 484 M. den verschiedenen Sicherungsfonds zugewiesen, darunter 19 871,96 Mark dem Kriegsreservefonds, der damit auf 119 212,51 M. an- wächst. Wenn erst der richtige Geschäftsbericht vorliegt, wird man sicher erkennen, datz die Deutsche Volksversicherung ihren Beruf in dem Augenblick verfehlt hatte, als man allerseits zugeben mutzte, datz die bekämpfte Volkssürsorge eine gemeinnützige Versicherungs- gesellschaft und kein politischer TÄattierklub ist. Aenderuuq der Sozialversicherung in Oesterreich. Im österreichischen?lbgeordneteiihmlse Koben im Namen des Deutschen sozialdemolrotiichen Klubs die Abgeordneten Widholz, Smilka, Muchitsch und Seliger folgenden Antrag wegen der Sozial- Versicherung eingebracht: „Die enlscheidenden Veränderungen, die die wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich erfahren haben und die wohl noch lange Zeit nach dem Kriege ioriwirken werden, zwingen zu einer Reihe von Aenderungen im Gcfüge des Gesetzentwurfs über die Sozial- Versicherung, der in der vorigen Session von dem permanenten Ver- sicherungsausschutz beschlossen worden ist. Anderseits ist die be- schleunigte Einbringung und rascheste Erledigung dieses Gesetzwerkes heute eine noch dringlichere Staatsnotwcndigkeil geworden, als sie es schon vor dem Kriege war. Es wird sohin beantragt: Die Regierung wird aufgefordert, ungesäumt eine beschleunigte Umarbeitung der Vorlage über die Sozialversicherung, insbesondere in folgenden Richtungen vor- zunehmen: 1. Bei der Krankenversicherung ist die Ausdehnung auf die bis- her noch nicht einbezogenen Kreise der arbeitenden Bevölkerung vor- zunehmen. Ueberdies sind die Icistungsunsähigen kleinen Kassen- gebilde zu beseitigen und mit den bestehenden Kassen zu vereinigen. 2. Für die Unfallversicherung: Die Höhe der Unfallrenten ist dem gegenwärtigen geminderten Geldwert anzupassen. Ueberdies ist der Kreis der der Unfallversicherung unterliegenden Personen wesentlich auszudehnen. 3. Für die Invaliden- und Altersversicherung: Hier ist eine Trennuu� der Risikengemeinschast zwischen Selbständigen und Un- selbständigen durchzuführen. Weiter ist eine Aenderung des organi- satorischen Autbaues vorzunehmen. Die Renten sind den gegen- wärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen durch eine Erhöhung an- zupassen. Endlich ist ein Anschluß der Versorgungseinrichtungen der Kriegs- invaliden vorzusehen." Mus aller Welt. Auf der Zeche Schamrock Bergleute wurden Gestemscinbruch. Essen, 7. Juli. erfolgte ein Gesteinscinbruch. Drei erschlagen. Untergegangen. Stettin, 7. Juli. Bei starkem Seegang ist östlich der Greisswalder Boje der Stettiner Frachldampser P o in nr e r a n i a der Firma Stenzel Rolle untergegangen. Drei Mann sind ertrunken. Wege» Malzschiebung wurde der Direktor der Sckweinfurter Malzfabrik, K o m in e r z i e n r a t Georg, zu 599 999 M. und sein Prokurist Stuertzenberger zu 334 839 M. Geldstrafe ver- urteilt öriefkaften der Redaktion. A. W. 64. Wenn sie als nichtschuldiger Teil erklärt ist, ha! sie An- spruch aus Unterstübulig, sonst nicht. 2. Bei der zuständigni Steuerkasse oder Gemeindebehörde.— I. 91. 54. Auch die Staatsuntcrstützung kann entzogen werden, wenn Bedürstigkcll verncinl wird. Die vollständige Eni- zichimg der Unterstützung schein! uns aber nach Jdren Angaben sehr un- gcrcchlscrligt, es wäre deshalb Beschwerde bcini zuständigen Rcgiemngs- Präsidenten zu erheben.— F. 9t. 100. Weun sich in Ihren Verhältnisscii nach der Trauung nichts ändert, d. h. wemi>Lic weiter Ihrer Beschäs- tigung nachgeben uiid das gleiche Einkonimen haben, wird Bedürftigkeit nicht als vorliegend erachtet und die Unterstützung verweigert.— M. 100. 1. Chroiinchc Krankheit und wescniliche Fehler der Gelenke mit erheblichen nachweisbaren Störungen der Gebrauchssähigkeit. 2. Nein, da dieser Peusioiiszuschutz nur denjenigeii gewährt wird, deiicil die Gelmhrmssc nicht zustehen 3. Voraussichtlich ja, Entziehung der Invalidenrente kann aber, wenn iich der Zustand wesentlich bessert, auch erjolgen. 4. Auster der Kapitalsabsindung nicht— P. K. 12. Ihre Forderung wäre unseres Erachtens berechtigt, Sie miistten diese zunächst gegen das Mädchen geltend machen, wenn diese die Zahlung verweigert, müstten Sie die Forderung duich Zablungsbcsehl beim Amtsgericht in Thorn eintreiben. — D. 313. Das entspricht einem Einkommen von 3Ö00 bis 3900 M. —(4. T. L. 100. Da nach ihrer Angabe ei» Nachlast der Frau über- Haupt nicht»orhaiidcn ist, so könne» auch die Geschwister keinen Anspruch aus ein Erbteil geltend machen. Sie würden sonst, wenn die Eltern nicht mehr leben, Anspruch aus die Hülste des Nachlasses haben, jedoch erben Sie die Wirtschast allein im Boraus.— 91. Z. 52. Das vorhandene Barvermögen dürfte nach Ihrer Darstellimg als Eigentum des Vaters zu be- trachten sein und hätten Sic deshalb erst das Erbrecht nach dem Tode des Vaters.— M. 14. 1. Nein. 2. Koste» können nur einmal gepfändet werden. 3. Die ausgestellte Kostciirechniing des Anwalts und des Ge- richts ist richtig.— I. T«. Es besteht kein Anspruch daraus, eS soll nur den Manlijchastc», die über ein Jahr im Felde stehen, soweit es der Dienst ziiläht, Urlaub gewährt werden.— A. I. 399. Nein. bHiMmIirlitisliicr verri» siir Kcrliil I. (Sozialdemokratische Partei Deutschlands.) Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr: Mitglieder sYersammlung bei Glane, Kommandantenstr. 88. Tagesordnung! zum Parleitag. 2. Wahl eine? Delegierten. 1. Stellungnahme S. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 204/10» Hon Voratand. ZiilllistllmllUlMtt Uftriii Kerlin II iSozialdcmokratischc Partei Deutschlands). Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr, in Hal»e1» Brauerei, Bcrgmaniistraste 5—7: General-Persammlung. Tagesordnung: 1. Ter bevorstehende Parteitag und seine Ztufgaben. Referent.- Abgeordneter Genosse Bieliard Fischer. 2. Dislujsion. 3. Wahl eines Delegierten und Stellvertreters zum Parteitage. 4. Krcissachcn. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch wird gebeten. Her Vorstand. I. A.: H. Ichröder, Hagcibcrger Str. 54. Neumeldungen sowie Beilrägc werden in solgendcn Zahlstellen ent- gcgcngenommcn: Herm. Fritze, Zictenstr. 6b; August Brandenburg. Cha> lottenslr. 17; Heinrich Iauerweyer. Marlgrasenstr. 13; Georg Frlsmann, biiideustrnstc 2; August Kcusnrr, Hagelbcrger Straste 20»; Heinrich Schröder, Hagelbcigcr Str. 54: Reinhold Böhmchen. Kreuz- bergstr. 12: Karl Schuster, Chamissoplatz 4; Gustav Schmidt, Bätwald- slraste 42; P. TSisnrwski, Prinzcnstr. 110. 207/19* Sniiülöfiiiolitntifdifr ilttrin für Öctlin III. (Sozialdemokratische Partei Deutschlands.) Soiialiiritioltrntirdirr Petrin für Öftlin V. (Sozialdemokratische Partei Deutschlands.) Mittwoch, de» II. Juli 1917, abends 8 Uhr. in den Unionsfest-� sälen, Greisswalder Str. 221: General-Versammlnng. Tagesordnung.- 1. Ter Parteitag in Würzburg. Rescrcnt: Reichstagsabgeordncier Robert Schniidt. 2. Freie Aussprache. 3. Wahl des Delegierten. 4. Organi- sationsangelegcnhei teil. 223/8»' Der Borstand. Soiioliifmiilmilifdifr Umi» für Ötrlin VI. (Sozialdemokrallsche Partei Deutschlands.) Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlungen. 1. u. 2. Abt bei Dobroftlaw, Stvinemünder Str. 11. 8. u. 4. Abt. bei Burg. Prenzlauer Allee_189. 5. u. 7. Abt. im Genossenschaftshaus, Stargarder Str. Z, 6. Abt. bei Goldschmidt. Stolpische Straße 36. 8. Abt. bei Hosfmann, Swinemünder str. 47. 9. Abt. bei Cbiftlo, Stralsunder Str. IL 10. Abt. bei Earus, Voltastr. 37. 11. Abt. bei Spiegel, Ackerstr. 1. 12. u. 15. Abt. bei Rcnter, Birkenstr. 29». 229/9» 13. u. 14. Abt. bei Röther, Waldstr. 3>. 16. u. 17. Abt. bei Sachse, Lindower Str. 26. 18. u. 19. Abt. im„Schwcdenzelt», Schweden- und Exerzierstraßcn-Ecke. 20. Abt. bei Fuchs, Weddiugitr. 5. 2l. u. 22. Abt. bei Lewaudowski, Scestr. 104. Am Donnerstag, den 19. Juli, findet unsere Generalversammlung bei Jfranke, Badstr. 19, statt, die sich mit dem Parteitag in Wiirzburg beschäftigen wird. Wir erwarten zahlreichen Besuch. Der Borftand. Generalmsammlung der Zterbekaffe ehem. pSugscher .�rllkitkr(Hetzelche Kasse). Soniilag,22. Juli 1917, vorm. 9'/, Uhr, im Vereinshaus Berliner Musiker, KaisereWilhelm-Str. 31(früher ihm). Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bestimmung der Publikations- organe 1917—18. 2868b» vae MitgMollsbucb legitimiert! Ter Vorstand. Mittwoch, den 11. Juli 1917, im Lokal.Zum Alexandriner-'. Alexandrinenstr. 37a: General-Versammlnng. Tagesordnung: Ter bevorstehende Parteitag. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Psannluch.— Wahl des Delegierten.— Vereinsangelegenheiten. 210/11» Der Borftand. SoMldtMiillriififihkr l> kr kill für öklliil IV. (Sozialdemokratische Partei Deutschlands.)_ Mittwoch, den 11. Juli, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlungen. Oöpe.nlrkor Viertel, bei Fröhlich, Muskauer Str. 1, abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Slcllungnabme zum Parteitag. 2. Diskussion. 3. VerschtedencS. GOrlltRer Viertel, Bei Dans, Lausitzer Straße 46. Tagesordnung: 1. GeschäsllicheS. 2. Hat der gegenwärtige Krieg un§ von der Verwirklichung dcS Sozialismus entfernt oder näher gebracht? �itralaner Viertel, bei Ratz, Warschauer Slraste 57. Tagesordnung: I. Mitteilungen. 2. Stellungnahme zur General» Versammlung. 3. Verschiedenes. Franhffarter Viertel, bei Boeker, Webcrslr. 17. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Sassen:..Das Friedens- Memorandum der Sozialdemolralic. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. I-andsKerxer Viertel, im Elhsium, Landsberger Allee 40. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen ReichStagZabgeordneten G. Davidsohn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. I»etersKnra:er Viertel, im Lokale von Karl Kuhn, Schreinerstr. 58. Genossen und Genossinnen, die aus dem Boden der Sozialdemokratischen Partei stehen, sind als Gäste in allen Versammlungen willkommen. Bei- träge sowie Neuaujnahmen werden entgegengenommen. 217�8* Der Borstand. ■ niltu. ohne Platte, mit echt, Frledenshantschnlt, / Q h fl Q tjioldkronen. Brücken, Plomben, IJniarbeltuns £. Vi 1 1 1 1 □«chlechtslt«. Gebisse. Reparatur,»ei. Kahnslehen 1. Bctüubnng;. Billige Preise. auohTeiliaht Tel. Nord 10438. o. A. 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Georg Kuliek, Schlosser, geb. 15. 6. 1893 in Zossen. Paul Kunseliert. Schlosser, geb. 21. 11. 1885 in domeitt. Franz Puls, Schlosser, geb. 21. 1. 1873 in Staigarb. Gustav fScliitteiihelm, Arbeiter, geb. 13. 11. 1878 in Kulm. Kloritz Schreiher, Klempner, geb. 8. 3. 1879 in Rojenihal. Willi Sehröder, OM-r, geb. 24. 10. 1881 in Hamburg. Adolf Schnitze, Rohrleger, geb. 6. 7. 1873 in Wildau. Friedr.Schwerdtfeger,Trfhcr, - geb. 17. 3. 1895 in Bernburg. Willi Wabinskl, Gießer, geb. 20. 6. 1889 in Dölzig. Artur Zyttkowski, Gürtler, geb. 22. 11. 1885 in Berlin. Ehre ihrem Andenken! 177/9 Tie LrtSverwaltung. Völdsllll lies Setilieillöh Scillieilielliilieii iilili Necilögldeilel Uelilecilielille, t'ili»!« Berlin. Dem Andenken unserer auf dem Kriegsschauplatz gefallenen Kollegen! ?lm 26. Mai 1917 starb im Lazarett der Herrenmaßschneiber Kollege intern Kania * geb. 21, November 1875. Am 7. Juni 1917 siel der Herrenkonfektionsschneider, Kollege Willi Frick geb. 3. Februar 1897. Ferner fiel am 22. März 1915 ber Herrenniatzschneiber, Kollege Ewald Iszdons geb. 10. November 1894. 165/14 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarlieiter-Vertiani! Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, bak unser MUglieb, ber Meta ll- arbeiter öartel am 4. b. MtS. an Herzleiben gestorben ist. (skre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 9. enl>. nachmittags S1;, Uhr, von der Leichen- halle des Neuköllner� Friedhofes in Britz, Nuborver Stratze, aus statt, Rege Beieiligung erwartet 177-10 Tie Lrisvertvaltung. ttrvellei'iugiZDil LäMiclt. Nachruf. Wir erfüllen die traurige Pflicht, indem wir den Kollegen und Kolleginnen ztir Nachricht bringen, bafi unser allbeliebter Äugend- sreunb und Genosse kirick Zcköppe am 25. Juni b. Ä. dem großen Völkerringen zum Opfer gc- jallcn ist. 293/3 Wir werben ibrn sleis ein ehrendes Anbenlcn bewahren und rusen ihm nach: schlummere ianjl in jremder Erbe! llse lugsnchAussebuL oöponible. Hierdurch die traurige Nachricht, biUi unser hcisgclicbtcr, einziger Sodn, der U-Boot-Maschinisten- anwärter 132A Waller Schön im 20. Lebensjahre von seiner letzten Uniernehinuvg nicht mehr zm ückgekchrt ist. Dies zeigen liejbetrübt an die trauernden Eltern .töeinrich Tchön, Maria Schön geb. Miriching, Margarete Schön, Buchholzer siraßc 20, Ach, eS fit gar nicht zu fassen, Daß Du nicht mehr kebrfl zurück, -so jung mußt Tu Dein Leben lassen, Zerstört ist unser ganzes Glück, Wer Dich gekannl, so brav nnd treu, so schlicht Im Leben, im Beruf, vergißt Dich nicht. Ruhe sanit im Meeresgründe! Allen Freunden und Bekannten hiermit die trau 1 ige Nachricht, baß am 24. Juni mein lieber Mann. unier guter ueusorgcnbcr Vater Friedrich Gillgasch im 42. Lebensjahre im Felde löblich verunglückt ist. 9A Um stilles Beileid bitten Witwe Minna Gillgasch nebst Kindern. Spezialarzt I>r. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tori, tür Syphilis. 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