Mr. 187. 34. Jahrg. kdonnemtnlz-kecklngongeii: Zlonnemmti• BtrtJ prünmnttanbo Sjiftteljäfjrl 8,90 Ml. monatl U30 Ml. Wochen Uich 30 Pjg, ttci inS Hau!, Einzelne Nummer 3 Big, konnlag». nummer mil lllultrierler Konmag». Beilage.Die Neue Well' 10 Big, Poll. llbonnement: ILO Marl pro Monat, Eingerragen m die Boll. Zeuung». Brei-liile, llnler Kreuzband lür Tcunchland und Oelierrcich- Ungarn 2,50 Marl, für da» übrige Ausland t Marl pro Monal. Bollabonnemenli nehnien an Belgien, Dänemarl. Holland, Italien. Luxemburg. Bonugai. kuuiäiüeil. Schweden und die Schwel» ülcheiBl täglich » 4 Zevliner VolksblÄkk. � s pksnnig) VIe snIerllonz-LedUhf »«tragt sllr die sechsgelvaltene Kolonel. »eile oder deren Raum 00 Bfg. für politische und gcwcrlichaftliche Lerem»- und Beriamnuungs- Anzeigen 30 Big, .KUitie Hnztigcti", das lcllgedruckte Won 20 Pfg, szuläiftg 2 sellgedruckre Worlep jedes weitere Won 10 Pfg. Kiellengesuche und Schlasstellcnan- zeigen das erste WoN 10 Bsg„ jedes »euere Wort ö Pfg, Worte über lö Buch- ' üben zählen für zwei Worte, Inscraie 'r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition »bgcgeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm-Adresse: .SMiaidemolirai Rcrlla". Zentralorgan der rozialdemokratifchen partei Deutfcblands. Redaktion: SW. 68, Linüenstraße Z. ??ernivrecher: Ami Morttzpla«, Nr. IM 90—151 97. Mittwoch, de« 11. Juli 1917. Expedition: SW. 68, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 151 90—151 97. Vertcbärfung der Krife. Sitzung des Hauptausschusses. Kurz aber bedeutungsvoll. Der Hauptausschuß des Reichstags trat gestern früh 9 Uhr zu einer neuen Sitzung zusammen, zu der auch der Reichskanzler erschien. Sofort nach Eröffnung richtete löcn. E b e r t an ihn die Frage, ob er in der Lage sei, dem Ausschuß Mitteilungen über die Ergebnisse des gestrigen Rronrats zu machen. Der Reichskanzler lehnte es ab, solche Mitteilungen zu machen und bat den Ausschuß um Geduld. Gen. E b c r t erklärte darauf weitere Beratungen für zwecklos und beantragte die Vertagung, die der Ausschuß ohne Debatte beschloß. Die Sitzung war in wenigen Minuten zu Ende. verfaj)ungsausschuß. Für Dienstag war eine Sitzung angesetzt, die jedoch abermals dertagt werden mutzte. Die Mehrheit der Kommission war der Meinung, datz in die Weilerberatung nicht eingetreten werden kann, solange nicht eine verhandlung-fähige Regierung vorhanden ist. Konferenzen. Der Kaiser empfing gestern vormittag den Reichs- ka-n z ler zu einem mehrstündigen Vortrag.-— Der bayerische Gesandte Freiherr v. Lerchenfeld hatte Ge- legenheit, dem Kaiser die Auffassungen der bayerischen Re- gierung über die Krise vorzutragen.— Die„Rational- Z eitung" will wissen, daß der Preußische Minister des Innern, Herr v. L o c b e I l, dem Kaiser den Vorschlag gemacht hätte, der Reichskanzler und sämtliche Staats- sckretäre und preußische Mi ni st er sollten zurücktreten und alsdann sollte eine neue Reichs- und Staatsregicrung gebildet werden. Der Kaiser soll nicht ab- geneigt gewesen sein, den Vorschlag Locbells anzunehmen.— Amtlich wird jedoch diese Nachricht als aus der Lust ge- griffen bezeichnet. Falsch ist auch die Nachricht, daß der Kaiser den fort- schritttichen Abg. v. P a y e r als Sprecher der Reichstags- Mehrheit bereits empfangen haben soll. » Die vier Mehrheitsparteien. Sozialdemo- kraten. Fortschrittler, Nationalliberale und Zentrum, setzten gestern nachmittag'/.t Uhr ihre interfrattionellen Bc- sprcchungcn Wetter fort. Trotz starker Meinungsverschieden- heitcn, namentlich mit den Nationalliberalen, werden die Beratungen weiter fortgeführt. Uebrigens wäre auch ohne die Nationalliberalen eine starke aktionssähige Mehrheit vor- Händen. Doch nicht notwendig? Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht an der Spitze ihrer ersten Ausgabe vom 11. Juli folgende Erklärung: „Dem Vorgehen des„Berliner Lokal-AnzeigerZ" entsprechend verbreiten heute auch die„Berliner Neuesten Nachrichten" die An- oabe, der Reichskanzler habe gestern im HauptauSschutz sein Ver- bleiben im Amt auS vaterländischem Interesse für notwendig erklärt. Wir stellen fest, datz diese Angabe eine reine Er- f i n d u n g ist." Der Kanzler und die Parteien. DaS Verhältnis der bürgerlichen Parteien zum Reichskanzler kann in Kürze folgendermatzen gekennzeichnet werden:- Die fortschrittliche V o l k§ p a r l e i ist kanzlet freundlich oder war es wenigstens noch bis gestern. Gegen den Kanzler wirken aber hier die Einflüsse der.Vossischen Zeitung". Auch der Ab- geordnete Heckjcher gehört zu seinen entschiedenen Gegnern. Das Zentrum ist zum Teil gegen den Kanzler gestimmt, ein anderer Teil hält es mit der Parole: Nicht stürzen und nicht stützen! Die Nationalliberalen sind, wenn auch auS ber- schiedenen Gründen, entschiedene Gegner des Kanzlers. Annexio- nisten und Anhänger eines Verständigungsfriedens begegnen sich in der scharfen Verurteilung seiner auswärtigen wie seiner inneren Politik. Die Konservativen sind ohne Ausnahme Gegner des Kanzlers. Sie sind selbstverständlich auch Gegner der Entwicklung nach links, die sich anzubahnen scheint, gönuen aber aus alter Feindschaft dem Reichskanzler seine Schwierigkeiten und werden keinesfalls einen Versuch machen, ihn zu retten. Die preste. Die„Kreuz-ZcitungV fährt fort, den Reichstag der Kopflosigkeit und der Widerstandslosigkcit gegen Massen- stimmungen anzuklageit und sie versichert, die zutage ge- tretenen Erscheinungen seien keine Empfehlung für den Par- lamcntarismus.— Die„Deutsche Tageszeitung" jammert gleichfalls über Zeichen der Schwäche.— Sehr wild gebärden sich wie gewöhnlich die„Berliner Neue st en Nachrichten", die gegen den„Vorwärts" polemisieren, indem sie behaupten, er hätte von einer friedlichen Um- wälzung gesprochen und in demselben Atem mit der Revo- lution gedroht. Dagegen empfehlen die„Berliner Neuesten Nachrichten" natürlich eine Politik der Stärke. Im allgemeinen ist die konservative Presse, die noch vor Ivenigen Tagen den Mund sehr weit offen hatte, recht still und klein geworden. Die„Germania", das Zentrumsblatt, schreibt: Was das Zentrum anlangt, so können wir nur wiederholen, was wir bei anderen Anlässen schon mehrfach betont haben: Das Zentrum steht den: Kanzler genau so objektiv gegenüber wie srüber. Es sieht die ganze Frage nicht als eine Parteifrage, sondern als eine reine Frage der Zweckmätzigkeit und politischen Notwendigkeit an. Hieraus ergibt sich ganz von selbst, datz das Zentrum, solange die in der Schwebe befindlichen Fragen un- geklärt sind, jede Stellungnahme für oder gegen den Kanzler ab- lehnen muß. Das„Berliner Tageblatt" sieht eine Not- wendigkeit für einen Kanzlerwcchsel nicht gegeben unter der Bedingung, daß Herr v. Bcthmann das Programm der Mehrheit annimmt. Die Neutralen in Wilsons Daumschrauben. Die Regierungskontrolle über die amerikanische AuS- fuhr wird am 15, Juli in Wirksamkeit treten. Wilson erklärte, datz die Verschiffung der wichtigsten Ausfuhrgegenstände besonderer Be- willigung bedürfen soll. In der Proklamation sagt der Präsident, datz die Politik der Regierung zunächst die amerikanischen Bedürfnisse in Betracht ziehen mutz, dann soweit als mög- lich die Bedürfnisse der Alliierten und schlietzlich die Ver- sorgung der N e u t r a l e n, s o w e i t sie sich durchführen lätzt. Die Regierung prüft, ob es ratsam ist, ein vollständiges AuS- fuhrverbot für zwei Monate auf jede Verschiffung von Nahrungs- Mitteln zu legen, um den Umfang von Amerikas Vorräten festzu- stellen und den Alliierten und Neutralen Gelegenheit zu geben, ein vollständiges Programm ihres Bedarfs vorzulegen. Stockholm. Stockholm, 19. Juli. sEig. Trahtbcricht deS„Vorwärts".) Der seinerzeit von den Russen aus Lemberg verschleppte Ukrainer Erzbischof Graf Szeptyckyj ist hier eingetroffen. Hier verlautet, daß in Amerika alle Angehörigen der Zentral- mächte, die zur Vermeidung von Kricgsmaßnahmcn dort Schritte ein- leiteten, um das amerikanische Bürgerrecht zu erwerben, jetzt der Wehrpflicht unterstellt worden sind. Mit anderen russischen Emigranten trafen hier auch ein dir Paolc-Zionistcn Zrubavcl, Jcrusalcmer Redakteur, Morris Katz, der Bundist und Mitredakteur des New Aorkcr Blattes„The Tay", Jahrblum vom New Dorkcr Blatt„Berits". Die Berhandlungcn des Komitees mit de« russischen Delegierten verlaufen g ü n st i g. §ür parlamentarische Kontrolle! Das österreichische Abgeordnetenhaus verhandelte das kriegs- wirtschaftliche Ermächtigungsgesetz. Ministerpräsident Dr. v. Seidler ergriff das Wort und führte aus: Die Regierung stimmt mit der Auffassung des Ausschuffes überein, datz iiOue kriegswirtschaft- liche Verordnungen auf Grund einer ß 14-Verordnung nicht mehr erlassen werden sollen.(Lebhafte Zustimmung�) Ebenso Hat die Regierung nichts dagegen einzuwenden, datz die auf Grund der Kaiserlichen Verordnung vom 10. Oktober 1914 bereits erlassenen sowie die: künftig auf Grund> des Ermächtigungs- gesetzes zu erlassenden �Verordnung-dem Reichsrat vorzulegen und aus sein Verlangen autzer Wirksamkeit �zu setzen sind. � Erblickt doch die Regierung in der p a r l a m e n t a r i s ch e n Kontrolle weit weniger eine Fessel, als eine sruchtbri.ngende Unter- st ü tz u n g der Verwaltungstätigkeit und eine moralische Stütze auch gegenüber der Bevölkerung. Der Justizausschutz widerrief nach längerer Debatte den Beschlutz über die Zulassung der Frauen zum Ge- schworenenamte mit 11 gegen 8 Stimmen. Dr. Ofener er- klärte nach der Abstimmung, datz er wegen dieses Widerrufes sein Amt als Berichterstalter niederlege und seinen Antrag auf Zu- lassung der Frauen zum Geschworenenamte als Mmoritätsvolum einreiche. Minisserialismus. Von Friedrich Stampfer. Die sozialdemokratische Partei Deutschlands kann diel- leicht in absehbarer Zeit vor das Problem des Ministerialtsmus gestellt sein. Die Frage, ob Sozialisten in bürgerliche Regierungen eintreten dürfen, hat seit dem„Fall Millcrand" in den Dis- kuffionen über die sozialdemokratische Taktik eine sehr große Rolle gespielt, sie hat aber im Laufe des Weltkriegs ihr Ge- ficht tvcscntlich geändert. In Frankreich, England und Belgien sind Soziallsten und Arbciterparteilcr unbedenklich in Regierungen eingetreten, deren Zweck die Kriegführnng bis zum Sieg über Deutsch- land war. Die persönliche Rechtschaffcnheit dieser Männer/ die Reinheit ihrer Motive soll keinen Augenblick angezweifelt tverden, ihr Vorbild wird uns trotzdem nicht nachahmcns- wert erscheinen. Nie kann es uns darauf ankommen, derffchc Gegenstücke zu den Thomas und Vandcrvcld? zu schaffen, die vom Frieden nichts hören wollen, solange Elsaß-Lothringen nicht französisch ist, Deutsche sozialistische Minister, deren Kriegsziel sich nicht ans die reine Verteidigung, ohne Klausel und ohne Phrase, beschränkt, wären vom ersten Tage ab moralisch und politisch unmöglich. Im Gegensatz zu den Sozialislcii des Westens sind die Sozialisten Rußlands in die neugebildete rcvoluttonärc Rc- gierung(deren Mehrheit immer noch aus Bürgerlichen besteht) mit der ausgesprochenen Absicht eingetreten, den Krieg seinem Ende cntgcgcnzusührcn. Auch die deutschen Sozialdemokraten könnten die Entscheidung,' ob sie in' dic-- Regierung eintreten wollen, nur von der Frage abhängig machen, ob sie damit dem Frieden nützen oder nicht. In engstem Zusammenhang mit dem Problem des Friedens steht für uns Sozialdemokraten die Demokratie. Frei- heitliche Zustände in allen Ländern und Fortschritte der sozia- listischen Gesinnung in der Breite wie in der Tiefe gelten uns als geeignete Mittel zur rascheren Herbeiführung des Friedens wie zu seiner dauernden Sicherung. Der Eintritt von Sozialdemokrntcit in eine deutsche Regierung kann dem Frieden nur dann dienen, wenn er zugleich der Demokratie dicut, Man kann sagen: Der Eintritt von Sozialisten in die deutsche Regierung würde a n s i ch schon einen so ungeheuren Umschwung bedeuten, daß sich alles andere daraus von selbst ergäbe. Aber in dieser dösen Welt, in der eben nicht nur das Sein, sondern auch der Schein gilt, könnte dann die Vermutung entstehen, es sei in Deutschland kein Umschwung der poli- tischen Verhältnisse eingetreten, sondern nur ein Umschwung in der Gesinnung der Sozialisten. j Jedes Experiment mit dem Ministerialtsmus wäre b e- d c n k l i ch, wenn es nicht gelänge, diesen Schein zu ver- meiden! Sozialisten können grundsätzlich nur der demokratischen Regierung eines demokratisch regierten Landes angehören. Als demokratisch können wir aber nur jenes Land betrachten, in dem ein demokratisches Wahlrecht besteht, und in dem sich die Regierung auf das Vertrauen der Voiks- v c r t r e t u n g stützt. Wir haben'im Reich das allgemeine und annähernd gleiche Männerwahlrecht, und insofern sind die ersten Be- dingungen der Demokratie erfüllt. Wir hatten aber bisher eine Öbrigkeitsregierung, deren Bestand dem Prinzip nach vom Vertrauen oder Mißtrauen der Volks- Vertretung unabhängig ist.(Ob dieses Prinzip praktische Be- deutung hat, ist eine andere Frage; in Wirklichkeit kamt der Reichstag jeden Reichskanzler zum Rücktritt zwingen, wenn er bloß will.) Sollten Sozialdemokraten in die Regierung eintreten, so müßte mit der Obrigkeitsregiermig auch im Prinzip ge- brochcil werdend Das Gegenprinzip, wonach keine � Regierung im Amte bleiben kann, die sich nicht auf das ausgesprochene Vertrauen der Parlamentsmehrheit stützt, müßte theoretisch anerkannt und praktisch durchgeführt werden, Mit andern Worten: die Sozialdemokraten dürfen sich nicht zu Stützen des bestehenden Systems der Obrigkeits- regierung hergeben, sie sollten sich auch nicht als Zwischen- g lieber einer Entwicklung einschalten lassen, die stufenweise zum parlamentarischen Regicrungssystcm hinaufführt. Sondern es müssen von vornherein klare Verhältnisse geschaffen werden. Der Einschnitt zwischen der alten Zeit, die abgeschlossen ist, und der neuen, die beginnt, muß für jedermann sichtbar sein. Die Sozialdemokraten dürfen also keiner Regierung an- gehören, die eine Obrigkeitsregierung oder ein Mittelding zwischen einer solchen und einer parlamentarischen ist, sondern nur einer reinen parlamentarischen Regierung. Eine R e g>i e r u n g. die mit H'i l f e der So- zialdemokrutie gebildet ist, niutz am Tage ihres Amtsantritts erklären, daß sie nur so lange i m 3l mck e bleiben>v c r d c, als sie sich auf das ausgesprochene Vertrauen dos Reichs- tags stütz en k a n n. Eine Regierung, der Sozialdemokraten als Mitglieder angehören, darf aber auch nicht mit den Fehlern und Verantwortungen einer alten Regierung b e l a st e« /sein. Sic muß das Buch des alten Regimes schließen und ein neues beginnen. Selbst wenu alle diese Bedingungen erfüllt sind, bleibt der Eintritt von Sozialdemokraten in die Regierung— zumal in die Regierung eines kriegführenden Staates— ein schweres verantwortungsvolles Unternehmen. Die Bildung eines parlamentarischen Kabinetts ohne Sozialdemokraten, aber mit einem Programm, dem die Sozialdemokraten zustimmen können, wäre darum sicherlich die b e q u e m st e Lösung. Doch ihre Bequemlichkeit zu suchen und Verantwortungen auszuiveichen, kam, nicht das taktische Ziel sein, nach dem die Partei ihr ganzes Verhalten orientiert. Sollte der Versuch der Bildung einer parlamen- t a r i s ch c n Regiarung gemacht werden und wäre sein Ge- lingen von der.Hilfe der Sozialdemokratie abhängig, dann würde diese Hilfe auch nicht versagt werden dürfen, voraus- gesetzt natürlich, daß das Programm der Regierung den Aufsassungeu der Sozialdemokratie von den Notwendigkeiten der Gegenwart im wesentlichen entspricht. Jede unreine Lösung des Problems aber hat ihre schweren Bedenken, jede Halbheit und Zweideutigkeit kann ge- fährlich werden. Auch der Hauptzweck der Aktion, eine Liquidation des Krieges unter gerechten und ehrenvollen Be- dingungen für beide Teile herbeizuführen, würde durch sie in Frage gestellt sein. Tie Sozialdemokratie hat sich bisher— trotz allem Gerede von„Regierungssozialisnius"— die Freiheit der Kritik der Regierung gegenüber vollständig gewahrt. Das würde in dem Augenblick anders werden, in dem Sozial- demokraten in die Regierung einträten und die Mitverant- Wartung für ihr.Handeln übernähmen. Jede Kritik, die dann an der Regierung geübt würde, müßte auch die Sozialdemo- kratic treffen. Die Partei kann allen Pfeilen der Kritik trotzen, wenn eine mit ihrer Hilfe gebildete Regierung dem deutschen Volk den Frieden und die innere Freiheit bringt. Sie würde ihnen erliegen, wenn der erhoffte Erfolg ausbliebe. So würde die Partei, falls diese Frage ernstlich an sie heranträte— die Dinge sind einstweilen nicht so weit, aber sie könnten unter den heutigen Verhältnissen eines Tages plötzlich so weit kommen— vor eine geschichtliche Entscheidung gestellt sein, die an verantwortungsvoller Schwere jene des-i August weit übersteigt. Möge sie sich in solchen, Falle dessen bewußt sein, daß das Urteil der Ge- schichte und des Volkes dann nicht von den guten Absichten abhängen wird, von denen sie sich leiten läßt, sondern von den, Erfolg, den sie erringt. Erfolge erringt man aber iveder durch ängstliche Bedenken, noch durch blindes Zu- greifen, sondern nur durch kaltblütiges Wägen und Mut zur Tat.__ �Tschechische Ziele/ Die..Köln. Ztg." läßt sich aus Stockholm drahten: Der Am- nestie-Erlaß für die österreichischen Landesverräter hat ein eigen- tümliches Echo der tschechischen Deputierten für die Stockholmer Friedenskonferenz gefunden. Sie erklären in„Dagens Nyheter" die völlige Loslösung von Oe st erreich als ihr auf der Konferenz zu verfechtendes Ziel, das gerade mit dem Hinweis auf die Politik des Deutschen Reiches begründet wird. Die„Köln. Ztg." bemerkt dazu:„Man wird an diesem Herzens- erguß der„dankbaren Hochverräter" nicht stillschweigend vorbei- gehen können. Das ganze tschechische Volk ist bloßgestellt durch diesen offen zugegebenen Landesverrat jener nach Stockholm entsandten Männer, die dort als tschechische Deputierte auftreten." lins liegt„Dagens Nyheter" nicht vor. Aber sicher ist, daß die tschcchoslawischen Sozialdemokraten sich nicht von Oesterreich losgesagt haben. In ihrem Manifest haben sie erklärt, die staat- liche Einigung aller Tschechen einschließlich der Slowaken inner- halb Oesterreich-llngarns anzustreben. Durch Falschmeldungen diese? Schlages wird der deutschen Po- litik nicht gedient, weil das überwiegend slawische Oesterreich vor den Kopf gestoßen wird und weil der ententistischen Hctzpresse Schwurzeugen auf dem Präsentierteller dargebracht werden, die nur in der Unwissenheit oder Böswilligkeit reichsdeutscher Zeitungsleute bestehen. Der nächste Kongreß üer Entente. Aus London wird gemeldet: Reuter vernimmt, daß die Re- gierungen der Alliierten beschlossen haben,' in der nächsten Zeit in Paris eine Konserenz abzuhalten, um die militärischen und poli- lischen Fragen, die den Balkan betreffen, zu besprechen. Havas meldet aus Petersburg: Die vorläufige Regierung ver- öffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, daß Mitte Juli auf der Pariser Alliiertenkonferenz eine Besprechung zur Er- ledig un g der Balkansrage stattfinden wird. Diese Kon- ierenz isi infolge der politischen und strategischen Probleme des Balkans und der Einsetzung einer kombinierten Führung notwendig geworden._ Die Lustangriffe auf Englanö. Cine Erklärung Lloyd Georges. Aus London wird gemeldet: Das Unterhaus hat in einer Gehcimjitzung die Verteidigung de? Landes gegen Luftangriffe be- sprachen. Vor der Geheimsitzung erklärte Lloyd George, daß er gewisse Tatsachen und Zahlen mitzuteilen wünsche, daß er es jedoch für gefährlich und uner- wünscht balle, dies zu tun. Er könne zwar eine öffentliche Erklärung ablegen, aber diese würde unvollständig sein. Er würde dabei unmöglich die Gründe umgehen können, weshalb man einer gewissen Richlichnur folge, wenn es unmöglich gemacht werde, daß hierüber etwas bekannt würde. Im Laufe der Gcheimsitzung erklärte dann Lloyd George noch, daß es unmöglich sei, das Land vor Lustangriffen vollständig sicher- zustellen. An der Front kreuzten englische Flieger jeden Tag über den deutschen Linien, dort wo deutsche Luftstreitkräfte kreisen und das Abwehrgeschütz am stärksten notwendig sei. Sie Wersen Bomben auf Posten und Hauptquartiere herab. Was wir tun können, ist, den Deutschen den Besuch in England so kostbar zu machen, daß es ihnen der Mühe nicht mehr lohnt, herüber zu kommen. An erster Stelle muß die Regierung dafür Sorge tragen, daß die Armee in Frankreich mit genügend Flugzeugen ausgerüstet wird. Nur Einzelgefechte im Westen.— Leb- haftere Tätigkeit an der Dünafront und bei Smorgon.— Bei Stanislau Gelände aufgegeben.— Die Lnftkämpfe im Juni. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 10. Juli 1917. fW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht In Flandern erreichte der Artilleriekampf an der Küste im Abschnitt von Apern und östlich von Wytschaete größere Stärke als in den Vortagen. Ein Vorstoß englischer Infanterie südioesp lich von Hollcbcke wurde zurückgewiesen. Auch nordöstlich von Mcssines, bei Lens und Fresnoy sowie nordwestlich von Saint Quentin spielten sich Erkundungsgcsechte ad. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. LängS des Ehemin-deS-DameS nahm abends daS Feuer an Heftigkeit zu. Nachts wurden Teilangriffc der Franzosen südlich von Courtecon und südöstlich von Cerny abgeschlagen.» Heeresgruppe Herzog Albrecht. Keine besonderen Ereignisse. festlicher Kriegsschauplatz. Front des G e n e r al f e l d m a r s ch a l l S Prinz Leopold von Bayern. Bei Riga, Dnnaburg und Smorgon hat die Gcfcchtstätig- kcit sich gesteigert. Bei der Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- Ermolli blieben die Russen zwischen Strypa und Dnjestr ziemlich untätig. Unternehmungen unserer Sturmtrupps brachten an mehreren Stellen Gewinn an Gefangenen und Beute. Nach Abschluß der Kämpfe, die sich gestern nordwestlich von Stanislau entwickelten, wurden unsere Truppen hinter den Unterlauf des Lukowica- Baches zurückgenommen. Im Bereich der anderen Armeen keine größeren Kampf- Handlungen. Der„Star" greift die Politik der Regierung in der Lustfrage heftig an.„Evening News" sagt: Wer an erster Stelle für die Verteidigung Londons gegen Luftangriffe verantwortlich ist, muß zurücktreten._ Die Dolschewiki und öie Gffensive. Stockholm, 8. Juli. sEigener Drahtber. des„Vorwärts".) Die Fraktionen der Bolschewiki und der Trotzkianer veröffentlichen einen längeren Protestbeschluß gegen die russische Offensive. Der Beschluß sagt, auch diese Offensive sei gegen die Revolution gerichtet. Nachrichten von leiten der Bolschewiki besagen, daß die Petersburger Bolschewiki die große Einheitsdemonstration, die der Arbeiter- und Soldalenrat veranstaltete, in eine Massenkund- gebung gegen die Osfensive umwandelten. » Petersburg, 8. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ganz kürzlich traf eine Gruppe von Abgeordneten des Vollzugsausschusses des Petersburger Arbeiter« und Sol- dalenrats an der Front von Minsk ein, um über die Kriegsziele imd. die. Offensive einen Vortrag zu halten. Die Sol- dalen des 700. Infanterieregiments, Anhänger der maximalistischen Ideen, die mir den vom Abgeordneten Sokolow über diese Frage geäußerten Ansichten nicht einverstanden waren, verprügelten ihn und seine Kollegen. Nachdem sie die Abgeordneten, darunter Sokolow, furchtbar mißhandelt und zu Boden geworfen hatten, setzten sie sie erst auf Verlangen der in der Nähe liegenden Regt- menter in Freiheil, die im Falle einer Weigerung zu schießen drohten. Heute protestiert das Organ der maximalistiswen Sozialdemokraten, die„Pravda", in einem redaktionellen Artikel eindringlich gegen diese empörende Gewalttat, die sie als unver- lräglich mit der demokratischen Freiheit bezeichnet. Serbische Republikaner kriegsrechtlich erschaffen. Stockholm, 10. Juli 1917.(Eig. Drahtbericht d.„Vorwärts".) Laut„Bulletin" des Arbeiter- und Soldatenrats meldet dessen Petersburger Organ,„Jsvestia", daß an der Salonikffront zwei hohe serbische Offiziere kr i e g s r e ch t l i ch er- schössen worden seien. Acht andere Offiziere wurden zu langjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Ter russische Minister des Auswärtigen Terestschcnko war von diesen Verurteilun- gen rechtzeitig benachrichtigt- worden, � sein schleunigst eingelegter Protest blieb jedoch vergeblich. Aus dem Text, mit dem die„Jsvestia" diese Nachricht begleitet, geht hervor, daß es sich um eine republikanische Bewc- g u n g im serbischen Heere handelt, die man mit blutiger Gewalt zu unterdrücken versucht. Verfaß ungsreform in Rumänien. Bern» 9. Juli.„Secolo" erfährt aus Paris, die rumänische Kammer habe mit 130 gegen 14 Stimmen die Verfassungsreform, die allgemeines Stimmrecht. Enteignung großer Landgüter und Landverteilung an Bauern vorsehe, angenommen. Die Wiederherstellung der demokratischen Regierung in China. Amsterdam, 10. Juli. Aus Washington wird gemeldet: Das Ministerium des Auswärtigen erhielt den Bericht, daß die demo- kratische Regierung in China wiederhergestellt und Kengkusjang der neu ernannte Präsident fei. Die französischen Luftangriffe auf offene deutsche Städte. Berlin, 10. Juli. Amtlich. Der französische amtliche Bericht vom 7. Juli abends eröfsentlicht die Einzelheiten über die in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli auf offene deutsche Städte versuchten Angriffe. Die Flüge werden als Vergeltungs maßregeln für deutsche Bombenangriffe auf angeblich offene französische Städte hingestellt. Diese Behauptung darf nicht un- besprochen bleiben. Die deutschen Flieger haben nie- mals offene Städte mit Bomben belegt. Jede gegenteilige Behauptung ist eine Lüge. Wo deutsche Flugzeuge gegen fran- zösische Städte angesetzt wurden, dienten diese starken feindlichen Truppenmassen zur Unterkunft, und es befanden sich in ihnen wichtige Lager von Munition, Lebensmitteln und HeereSbedarf aller Art. Unsere Angriffe richten sich grundsätzlich nur gegen diese militärischen Ziele. Ortschaften, die im Opera- tionsgebiet liegen, und wie Chalons, Epernay oder Amiens vom Gegner zu Etappcnhauptortcn allerersten Ranges ausgebaut wex«. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. Im Monat Juni war das Ergebnis der Kämpfe gegen die feindlichen Luftstreitkämpfe gut. Unsere Gegner habe« 220 Flugzeuge und 33 Fesselballone durch Einwirkuug unserer Waffen verloren. Bon den Flugabwchrkanonen wurde» 6O feiud- liche Flirger abgeschossen, der Rest wurde iu Lustkämpfe» zum Absturz gebracht. Unser Verlust beträgt 58 Flugzeuge und 3 Fesselballone. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abeudbericht. Berlin, Ist. Juli 1917, abends. Amtlich. Im Westen und Osten keine besonderen Ereignisse. Der österreichische Bericht. Wien, 10. Juli 1917.(W.T.B.) Amtlich wird verlautbart: festlicher Kriegsschauplatz. Bei der Front des Generaloberst E r z h e r z» g I o sep h regere Erkundungs- und Artillcrietätigkrit. Bei Stanislau entbrannten gestern stüh erneut heiße Kämpfe. Die verbündeten Truppen schlugen mehrere Angriffe ab, wurden jedoch abends vor dem zunehmenden Druck der feiud- lichen Massen hinter den unteren Lukowica-Bach zurückgeführt. Der Gegner drängte die Nacht über nicht nach. Nördlich des Dnjestr verhielten sich die Russen ziemlich ruhig. Unsere Sturmtrupps arbeiteten mit Erfolg. Zwischen der galizischen Grenze und der Ostsee lebte vielfach das Geschütz- frurr auf. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Ter Chef des Generalstabes. den, müssen es sich gefallen lassen, wenn sie angegriffen werden. Wenn die französische oder englische Regierung ihre wichtigsten Munitionsniederlagen und Depots mitten in großen bevölkerten Städten anlegt, dann trifft sie, nicht unz die Schuld, wenn beim Angriff auf ihre Fabriken und Magazine auch friedliche Bürger in Gefahr geraten. Tie Zivilbevölkerung als Schutz militärischer An- laxen zu mißbrauchen, ist ein Verbrechen. Unsere Führung aber würde sich einer schweren Pflichtverletzung schuldig machen, wenn sie den Angriff auf eine Stadt, die den Feinden einen Hauptstütz- Punkt bietet, deshalb unterlassen wollte, weil bei dem Angriff auch unbeteiligte Zuschauer in Gefahr geraten können. Zuschauer ge- hören nicht auf das Schlachtfeld und ins Operationsgebiet. Wer trotzdem dort bleibt, darf sich nicht beklagen, wenn er getroffen wird. Möge die französische Regierung die Bevölkerung aus dem Kriegs- gebiet entfernen oder ihre den Nachscbub und der Versorgung der Front dienenden Anlagen außerhalb der Ortschaften anlegen. Der Fliegerangriff auf Ludwigshafen. Berlin, 10. Juli. Der französiche Heeresbericht meldet, daß bei dem Angriff französischer Flieger auf Lndwigshafen unter anderen- Bauwerken die wichtige Badische Lnilinfabrik-ein Opfer der Klammen wurde. Diese Nachricht i st falsch. Sämtliche Bomben sind ohne irgend welchen Schaden zu verursachen, auf freies Gelände niedergefallen. Deutsche Vergeltungsmaßregel gegen französische Stabsoffiziere. Berlin, 10. Juli. Amtlich. Der in Frankreich kriegS» gefangene stellvertretende Gouverneur von Togo, Major von Doering, der bis zu seiner Gefangennahme die Landes- Verteidigungstruppe in Togo führte, wird von der französischen Re« gierung seit kurzer Zeit ohne jede Berechtigung nicht mehr als Kriegsgefangener anerkannt. Er wurde aus dem Offizier- Gefangeneulager Auch nach dem Zivilgefangenenlager La- bastide St. Pierre verbracht, wo er in völlig unwürdiger Weise untergebracht ist und behandelt wird. Bon der französischen Regierung wurde seine sofortige Rückführung in ein Ojfiziergefangenenlager gefordert und dabei mitgeteilt, daß. wenn dieie Forderung nicht bis zu einem bestimmten Tage erfüllt wäre, drei triegsgefongene französische Stabsoffiziere in Deutschland ebenfalls in ein Zivilgefangenenlager verbracht und dort genau ebenso wie Major von Doering behandelt würden. Da der gestellte Termin ohne eine Antwort der französischen Regierung verstrich, trat die angedrohte Gegenmaßregel rn Kraft. Sie wird erst wieder ausgehoben werden, wenn Major von Doering in ein Offiziergefangenenlager zurückgelehrt ist. Der Kampf bei Iilain. Französischer Heeresbericht vom 9. Juli nachmittags. In der Gegend südlich von F i l a i n erreichte der Artilleriekampf gegen Mitternacht große Heftigkeit. Die Deutschen warfen gegen das Pantheon einen starken Angriff vor, der glänzend abgeschlagen wurde. Zwischen Bovelles und dem Vorspcung von Chevrigny machten unsere Truppen«inen Gegenangriff auf die Gräben, die der Feind gestern besetzt hatte. Der Kampf war sehr lebhaft und wurde mit bemerkenswertem Eifer durchgeführt. Ilnsere Soldaten brachen den starken Widerstand des Feindes und lvarfen ihn auf einer Front von ungefähr 1500 Metern aus unseren vorderen Gcabenteilen zurück. Dieser glänzende Erfolg hat den größeren Teil der vom Feinde in seinem gestrigen starken Porgehen zwischen Pantheon und Gehöft Froidmont gewonnenen Stellungen wieder in unseren Besitz gebracht. Nach neuen Nachrichten war dieser An- griff von Abteilungen durchgeführt worden, die zu drei verschiedenen Divisionen gehörten, verstärkt durch besondere Sturmtrupps, Pio- niere und Flammenwerferabteilunaen, im ganzen von einem Dutzend frischer Bataillone. Unsere Truppen, deren schöne Haltung während der Verteidigung lobenswert war, fügten den Deutschen, wie durch Gcfcmgenenaussagen bestätigt worden ist, schwere Ver- luste zu. In der C h a m p a g n c scheiterte ein Handstreich gegen einen unserer kleinen Posten in der Gegend an der Straße St. Hilaire— St. Souplet. Auf dem linken Maas-Ufer schlugen wir zwei feindliche Angriffsversuche auf den Vorsprung westlich vom Toten Maiin ab, den wir erobert hatten. Im Walde von Parroy Zusammenstöße von Erkundungsabteilungen; wir machten Gefangene. Vom 9. Juli, abends. Die Tätigkeit der beiden Artillerien dauerte ziemlich lebhaft südlich von Filain sowie in der Gegend der Höhe 304 an. Im Elsaß sckeiterte ein feindlicher Handstreich auf unsere Gräben im Carspach-Walde in unserem Feuer. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Belgischer Bericht: Gestern abend wurde ein feindlicher Angriffsverfuch, dem heftige Beschießung voranging, gegen unsere vorgeschobenen Posten in der Gegend südlich Dixmude durch unser Artilleriesperrfeuer angehalten. Die feindliche Artillerie war heute schwach tätig, namentlich in der Gegend von Steenstraete. der Krieg auf Ken Meeren. Amtlich. Berlin, S. Juli 1917.— Eines unserer Unterseeboote hat im Atlantischen Ozean wiederum 31500 Hr.-Reg.-To. vernichtet. Unter den versenkton Schiffen befanden sich das bewaffnete englische Hilfskriegsschiff Sylvia, ei» Offizier gc- fangengcnommen, bewaffneter englischer Dampfer Amakura mit Stück- gutladung, ein bewaffneter englischer Dampfer vom Aussehen des Dampfers Minnewaska, zwei große unbckanutc Dampfer, davon einer bewaffnet, der andere mit Munitiousladung. Nach Aussage des gefangenen englischen Offiziers sollte die Sylvia das letzte englische U-Boot aus Amerika holen; der für das U-Boot bestimmte Kommandant wurde durch einen Treffer getötet. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. * Die Haakon VII-Entschädigung. Im Falle des norwegischen Dampfers Haakon VII billigte das Hamburger Prisengericht für über Bord geworfene Teile der Ladung eine Entschädigung von 7330 Kronen nebst 4 Proz. Zinsen ab 24. Januar 1916 zu. Weiter- gehende Ansprüche sind abgelehnt worden. Es handelt sich um Postladung. Der Fall hatte im Herbst ISIS zu einem erregten Protest in den Storthings geführt. * Paris, 9. Juli. sHavasmeldung.l Der Dampfer des Meffageries Maritimes, Caledonien(4139 To.) ist am 39. Juni im östlichen Mittelmeer infolge der Explosion einer Mine oder eineS Torpedos gesunken. Er hatte 431 Personen an Bord, von denen 389 gerettet sind._ Die englischen Verlufte. Amsterdam, 9. Juli. Die englischen Blätter geben die britischen Verluste in den letzten Monaten nach den amtlichen Verlustlisten folgendermaßen an: Februar: 1 216 Offiziere und 16 277 Mann März: 1 765.. 28 799 April: 4 381.. 31 619, Mai: 5 991.. 197 195 Juni: 3 691.. 115 279 16 954 Offiziere und 298 989 Mann. Außerdem hat die Flotte im Juni 31 Offiziere und 1234 Mann verloren. Ob in diesen Ziffern, die in den Monaten der Offensive ge- wallig aufschnellen, die Verluste der HilfStruppen berücksichtigt sind, wird nicht gesagt. In der Regel waren sie bisher in den amtlichen Listen nicht mitgezählt. Italien und Griechenland. Basel, 19. Juni. Ter„Temps" schreibt zu den Gerüchten von Verhandlungen zioischen Italien und Griechenland wegen der Räu- mung von griechisch Epirus, daß voraussichtlich noch in diesem Monat eine von Italien und den übrigen Alliierten genehmigte Lösung der Angelegenheit zustande kommen dürfte. Nur auf Korfu wird eine Besatzung von Truppen der Alliierten bleiben. Tie Rück- gäbe der Insel an Griechenland sei aber durch genau umschriebene Abmachungen gewährleistet. Wie man aus Athen erfährt, erörterten VenizeloS und General sarrail die Frage der Kontrolle der Alliierten über die öffentlichen Dienstzweige, sowie die Frage des Verbleiben» der Truppen in Alt- griechenland. General Sarrail überläßt es VenizeloS, im geeigne- ten Augenblick die Kontrolle endgültig auszugeben und die Truppen zurückzuziehen. Die Entwicklung öer ruftlschen Arbeiter- Organisationen. Das Mitglied deS Exekutivkomitees des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrates A. Smirnoff berichtet im Bulletin' d»ser revolu- tionären Körperschaft: .In den letzten zwei Monaten werden in Rußland fieberhaft Arbeiterorganisationen aufgebaut. Die Bewegung dehnt sich nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe aus. Hand in Hand mit der rein technisch organisatorischen Arbeit geht auch die geistige Aufklärung. ES werden Vorlesungen über die Grundlagen deS Marxismus gehalten, und Schulen für die neuen Parteigenossen gegründet. In der letzten Zeit macht sich das starke Streben bemerkbar, die beiden Richtungen der sozialdemo- kratischen Partei zu vereinigen. In demselben fieber- haften Tempo geht auch der Aufbau der Gewerkschaftsorganisationen vonstatten. Alle qualifizierten Arbeiter ohne Ausnahme haben sich in besonderen Organisationen vereinigt. In Petersburg zählt der Metallarbeiterverband nach einem zweimonatigen Bestehen 129 999 Mitglieder, der Texlilarbeiterverband 39 999, der Holz- arbeiterverband 25 999, der Verband der Druckereiarbeiter 29999, der Bauindustrie 12 999, der Wäscherinneu 19 999 usw. Am 29. Juni trat in Petersburg die allrussische Konserenz der Gewerk- schaftsverbände zusammen. Die Gewerkschaften widmen sich jetzt vor allem der Festlegung der Lohntarife und der Schlichtung der Konflikte zwischen den Arbeitern und Unternehmern. ES ent- stehen täglich eine ganze Anzahl von Arbeiterklubs, Arbeiterkonsum. vereinen, Arbeiterbibliotheken, die gleichfalls eine rege Tätigkeit entfallen. Eine Anfrage im Reichstage. Wie Abg. Vogtherr in einer Anfrage sagt, sind in Stettin, Magdeburg und Kassel sowie in Berlin Frauenversammlungen ver- boten worden, weil das Flugblatt, in welchem zum VersammlungS- besuch eingeladen wurde, nach Meinung deS Generalkommandos aufreizende Stellen enthalten habe. Der Reichskanzler wird ge» fragt, ob ihm bekannt ist, daß dieses Flugblatt vor seiner Verbrei- tung die Zensur passiert hat, und welche Sicherheit der Reichs- kanzler dagegen zu schaffen gewillt sei, damit die Verbreitung zensierter Druckschriften nicht mehr als Grund für eine Beschränkung oeS Versammlungsrechts benützt wird. Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die Fraktion bestimmte m ihrer gestrigen Sitzung zum Redner über den Gesetz- enlwurf betreffend„Gefangenenfürsorge" Genossen Davidsohn, über den Gesetzentwurf betreffend die„Wiederherstellung der Handeisschiffahrt" die Genossen Schumann und Molkenbuhr. preußische Universitäten und Großkapital. Am vergangenen Sonntag wurde anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Bonner Universität eine„Gesellschaft von Freunden und Förderern der rheinischen Friedrich- Wilhelms- Universität zu Bonn E. V." gegründet. Stach ihren Satzungen will die Gesellschaft „durch dauernde Mitarbeit und finanzielle Beihilfe zur Errichtung neuer oder Erhaltung und Vergrößerung bestehender Institute und Einrichtungen der Universität sowie zur Förderung wissenschaftlicher Arbeit beitragen". Mitglieder können olle Personen oder Organi- sationen werden, die eine» Beitrog von mindesten» 1999 M. geleistet haben. Ein Blick auf die Mitgliederliste zeigt, daß die rheinisch- westfälische S ch w e r i n d u st r i e hinter dieser Gründung steyt. Ihr Vorsitzender ist der bekannte Geheimrat D u i S b e r g. ein Teilnehmer der be- rühmten Adlonkonferenz und schärfster Bekämpfer des Hilfsdienst- gesetzes; in den Verwaltnngsrat wurden u. a. die Herren Geheim- rat Bayer- Elberfeld(von den bekannten Farbenfabriken), Ge- heimrat Beule nberg- Dortmund(vom„Phonix"°Werk). Geheimrat H a g e n- K ö l n(mit 58 Aufsichtsratsposten der König der deutschen AufsichtSräte), Generaldirektor W e i n l i ch-Winningen, Freiherr v. G u i l l e a u m e- Köln gewählt; ferner auch der Land- rat v. Grote- Bonn, der Vorsitzende der rheinischen Landwirt- schaftskammer, dessen Name wiederholt unter annexionistischen Kund- gehungen zu lesen war. Bemerkenswert ist auch die Liste der bisherigen Zeichnungen: Farbenfabriken Friedr. Bayer u. Co., Leverkusen 259 999 M., Geheimrat Duistcr, Leverkusen, 59999 M., Geheimrat Bayer-Elberfeld 59909 M., Geheimrat v. Böttinger-ArenS- darf 59 999 M., Geheimrat Glaser-Heidelberg 19 999 M., Direktor Dr. Robert E. Schmidt-Elberfeld 19 999 M. usw. Zur Feier dieser Gründung hielt der Landtagsabgeordnete Dr. B ä u m e r die Festrede. Das so starke Hervortreten des Groß- kapitals beweist aufs neue, daß das Unternehmertum keine Opfer scheut, um sich an den Universitäten Einfluß zu sichern. Niemand kann so naiv sein, zu glauben, daß diese Summen so bereitwillig hergegeben werden, um allein der„vorurteilsfreien Forschung" zu dienen. Steht doch dieses Unternehmen ganz im Einklang mit früheren Versuchen, bei denen die wirklichen Ziele dieser Bemühungen deutlich hervortraten. Rückkehr von Fahnenflüchtigen. Von zuständiger Stelle wird darauf aufmerksam gemacht, daß die weit derbreitet« Ansicht, Ueberläufer würden nach dem Friedens- schlutz begnadigt werden, ein Irrtum ist. Diese hätten, im Gegensatz zu den rechtzeitig zurückkehrenden Fahnenflüchtigen, zu keiner Zeit auf Gnade zu rechnen. Dagegen biete sich den F a h n cn- flüchtigen Gelegenheit, nach dem Latcrlande zurückzukehren, falls die Rückkehr innerhalb der im Erlaß vom 29. Mai bestimmten Frist erfolge. Diese Frist läuft am 15. Juli ab. Bis dahin müffen sich die Fahnenflüchtigen bei der nächsten zu erreichenden Grenz- stelle zum Dienste melden. ES wird ihnen dann nach Durchführung des gerichtlichen Verfahrens Strafauffchub mit der Aussicht auf Begnadigung zugesichert, falls sie sich einer solchen durch ihr Ver- halten würdig erweisen. Von einer Untersuchungshaft wird aibge- sehen. Auf einen späteren allgemeinen Straferlatz haben die nicht fristgemäß zurückkehrenden Flüchtlinge nicht zu rechnen. Wochenhilfe für Ehefrauen tzilfsdiensi- Pflichtiger. Der Bundesrat hat am 5. Juli eine Verordnung beschlossen, nach der deutsche Wöchnerinnen während der Geltungsdauer des Hilfsdienstgesetzes aus Reichsmitteln eine Wochenhilfe erhalten sollen, wenn 1. der Ehemann eine Beschäftigung im Sinne des Hilfsdienst- gesetzes ausübt, und im letzten Jahre vor der Niederkunft seiner Ehefrau mindestens sechs Monate hindurch ausgeübt hat, 2. seine wirtschaftliche Lage sich infolge seiner Beschäftigung im Hilfsdienst nachweislich verschlechtert hat ünd 3. ein Bedürfnis für die Beihilfe besteht. Ebenso erhalten die Wochenhilfe solche Wöchnerinnen, die selbst im Jahre vor der Niederkunft mindestens sechs Monate hindurch im Hilfsdienst' beschäftigt waren. Auf diese sechs Monate wird ihnen die Zeit einer Beschäftigungslosigkeit unmittelbar vor der Nieder- kunft bis zu vier Wochen angerechnet. Die Wochenhilfe wird endlich auch für ein uneheliches Kind geleistet, wenn in der Person des Vaters die oben für den Ehemann abgegebenen Voraussetzungen zutreffen, und seine Verpflichtung zur Gewährung des Unterhalts festgestellt ist. Für die Anerkennung des„Bedürfnisses" ist eine Ein- bommenshöchstgrenze festgesetzt, 2599 M. bei dem Vater, 1599 bis 2599 M., je nach der Äinderzahl, bei unverheirateten Wöchnerinnen. Eine Vcschlechterung der Wirtschaftslage wird in der Regel da anzunehmen sein, wo sich infolge der Hilfsdrensttätigkeit die Einnahmen des Beschäftigten verringert oder seine Ausgaben stärker als die Einnahmen vermehrt haben. Die Anträge usw. sind bei Versicherten, je nach Lage der Ver- Hältnisse, an die Krankenkasse, den Arbeitgeber oder die Sec-Berufs- genossenschaft zu richten, in allen anderen Fällen unmittelbar bei der Kommission der LieferungSverbändc zu stellen. Makulatur der Weltgeschichte. Eine Berichtigung von I. F. Lehmanns Verlag. Eine Berichtigung sendet uns der Verleger der bekannten all- deutschen Broschüre„Deutschlands Zukunft bei einem guten und bei einem schlechten Frieden", Herr I. F. Lehmann. Sie lautet: „Die von mir in einem Begleitschreiben an die Schriftleitung einer Zeitung gemachten Angaben über daS von mir herausgegebene Buch„DeutschlaneS Zukunft bei einem guten und bei einem schlechten Frieden" stimmen mit den Tatsachen völlig überein. Sie sieben aber auch mit den Angaben der zu- ständigen amtlichen Stelle in keinem Widerspruch, da ich nie und nirgends behauptet habe, daß die Behörden die Schrift„Deutschlands Zukunft" zum Zwecke der Berbreitung in der Armee angekauft haben. Herr Lehmann hatte allerdings nur behauptet, daß das Büch- lein von den Behörden massenhaft angekauft worden sei. Daß dies. wie man jetzt annehmen muß. nur zu dem Zwecke geschehen ist. die angekauften Exemplare durch Einstampfen unschädlich zu machen, ging aus seiner Anpreisung doch nicht ganz deutlich hervor. Kleine Kriegsnachrichten. Jonnart verläßt Griechenland. Der französische Außenminister teilt mit, daß der Oberkommissar Jonnart Griechenland verläßt, um den Regierungen der Alliierten Bericht zu erstatten.„Daily Mail" vernimmt, K l a u ß e/ der früher an den französischen Botschaften in Stockholm und Wien tätig war und der nun stellvertretender Botschafter in Washington ist, wird JonnarlS Nachfolger in Griechen- land werden. DaS HauS des Generals Durnow». Die vorläufige Regierung hat in der Angelegenheit des von Volksbewaffneten seit Revo- lutionSbeginn besetzt gehaltenen Hauses ihrer Ankündigung gemäß gehandelt. Truppen haben die Villa eingeschlossen und die Insassen gelangen genommen. DaS HauS liegt im Wiborger Stadtviertel. Als die Regierung ihren Willen bekannt gab, daß das HauS zu räumen sei, hatte die Wiborger Bevölkerung mit einer heftigen Kundgebung protestiert. Es scheint, daß die jetzt erfolgte Besetzung ohne Kampf, aber nach tagelonger Belagerung geschehen ist. Nach der Petersburger Telegraphen-Agentur führt die mini- malislische„Rabotschaja Gazeta", das Blatt deS A.- u. S.-Rates, aus, daß sie auf Grund der gerichtlichen Untersuchung in den im Landhaus des Generals Durnowo festgenommenen Anarchisten nur Verbrecher gegen das gemeine Recht sieht. Das Blatt drückt des- halb sein Erstaunen darüber aus, daß die Garnison von Kronstadt die Freilassung dieser Leute verlangt und sie in Schutz nimmt, in- dem sie Diebe und Räuber mit wirklichen idealistischen Anarchisten verwechsele. Das griechische Parlament. Tally Telegraph meldet aus Athen, daß daß im Juni 1915 gewählte Parlament auf den 25. Juli ein- berufen ist. Ein„Komplott" gegen die britische Regierung. Man berichtet dem„Matin" aus New Aork, daß 98 Fremde, darunter zahlreiche Beamte, die ihren Wohnsitz in verschiedenen Orten Amerikas haben, in San FranziZko des Komplotts gegen die britische Regierung angeklagt werden. Unter den Angeklagten befinden sich die ehe- maligen Konsuln Deutschlands in Chicago, Honolulu, Manila und San Franziska; ebenso die Militär» und Marine- Attaches Deutschlands in Washington. parteinachrichten. Satyrspiel von Stockholm. Tie von Herrn Karl R a d e k redigierte Stockholmer Korre- spondenz„Pravda", die im Sinne der Bolschewiki tätig ist, ver- öffentlicht folgende erheiternde Mitteilung: „Zwischen der ausländischen Vertretung des Zentralkomitees der russischen Sozialdemokratie(Bolschewiki), den Genossen Hanecki, Orlowski, R adck, und den Vertretern der Unabhängigen Sozial- demokratic Deutschlands, den Genossen Haasc, Ledebour, Herzfeld, fanden Verhandlungen über die bevorstehende inter- nationale Konferenz des Arbeiterdelegiertenrats statt. Die Aussprache bewies— was in vornehmein anzunehmen war—, daß zwischen den B o l s ch c w i k s und dem deutschen Parteizentrum keine Einigung möglich ist. Während die Bolschetviks jede gemein- same Arbeit mit den Sozialpatriotcn ablehnen, wollen die deutschen Unabhängigen den Frieden durch Verhandlungen mit den russischen, französischen und englischen Sozialpatrioten fördern. Die Teilnahme der deutschen Sozialpatriotcn an dieser„Fricdensaribeit" ist ihnen natürlich sehr unangenehm, aber für das Glück der Zu- sammenkunst mit den Vätern der russischen Offensive nehmen sie — natürlich unter Protest— auch dieses Malheur mit in Kauf. Die russische Arbeiterschaft möchte erfahren, welchen Standpunkt die Spartakusgruppe diesem Entschluß der Unabhängigen gegenüber einnimmt. Jetzt wird cs sich zeigen/ ob die Spartakus- gruppc ihre politische Selbständigkeit wirklich bewahrt hat, wie sie es behauptet." Herr Radek, der im Jahre 1913 aus der deutschen Sozial- demokratic hinausexpediert wurde, dann zu Kriegsbeginn von Bern aus— Vorsicht ist der bessere Teil der Tapferkeit— ein hohes Richtcramt über die deuffchen Sozialpatrioten ausiilbie. sich schließlich— obwohl österreichischer M i l i tä r fl üch tl i n g— mit den russischen Emigranten über Deutschland nach �stock- Holm durchzuschmuggeln wußte, sitzt also wieder hoch zu Rotz und belehrt die Haasc und Ledebour, daß ein aufrechter Mann mit ihnen — den schwankenden Charakteren— nicht verhandeln kann. Ein durchgefallener„Unabhängiger". Vor dem Schöffengericht in Neukölln klagte der Redakteur der „Buchbinder-Zeitung", Genosse Kloth. gegen den ehemaligen verant- wörtlichen Redakteur des Braunschweiger„Volksfreund", Wesemeyer, Ivegen Beleidigung durch die Presse. Im Braunschweiger..Volks- freund" war Kloth vorgeworfen:„Herrn Kloths hervorragendste geistige Waffe ist die Unwahrheit. Und von dieser wird er nie lassen." In einer anderen Nummer hieß es in einer Briefkasten- bcmcrkung:„Kloth schwenkt unentwegt das Banner der Unwahrheit und Niedrigkeit weiter. Nun, wir können das Gekläff ertragen. Aber daß die Leser der„Buchbinder-Zeitung" so etwas als geistige Kost ertragen." �.. Wesemever wurde wegen Beleidigung Kloths durch die Presie in zwei Fällen zu je 59 M., also insgesamt 109 M. Geldstrafe oder im Unverinögensfalle zu 19 Tagen Gefängnis und zu den Kosten verurteilt. Der Amtsrichter Dr. Heilborn führte im Urteil aus:, Der von dem Beklagten gegen Kloth angeschlagene Ton sei ein solcher gewesen, der herabsetzend und beleidigend wirken solle und den man als„L e i p z i g e r- P o lk s z e i t u n g s- T o n" bezeichne, welchen sich der„Volksfreund" zu eigen gemacht habe. Tie Krise der Schweizer Sozialdemokratie. . Nationalrat Frei ist von seinem Posten als leitender Redak- tcur des Basler„Vorwärts", den er 15 Jahre bekleidet hat, zurück- getreten. Er veröffentlicht dazu eine längere Erklärung, in der es u. a. heißt:„In der Sozialdemokratie herrscht seit längerer Zeit eine Kompaßlosigkeit, die man bedauern muß, weil sie den Aktions- wert für Gegenwart und Zukunft herabmindert.� Alle schönen Wahl- erfolge können über diese Tatsache, die ich vielfach, namentlich auch von allgemein anerkannten Gewerkschaftsführern, konstatieren hörte, nicht hinwegtäuschen. Die inneren Liebhabereien, Zwist mit dem Grütlivercin, Landesverteidigungsfrage, ja selbst ein ausgedehntes Cliquenwesen gehen auf Rechnung einer gehemmten Parteientwick- lung." Auch Dr. Hans Müller, der bekannte Grütlianer, erhebt neuerdings wieder gleiche Vorwürfe gegen die Schweizer Partei, deren Krise nun durch den letzten Parteitag offenbar zum vollen Ausbruch gekommen ist._ Lekte Nachrichten. Tie Neuregelung der Fischverteilung. Der unter Beteiligung der Groß-Bcrliner Gemeinden und Fischhändler neugegründeten„Fischverteilung Groß-Berlin, Gesell- schaft mit beschränkter Haftung" ist die Aufgabe zuteil geworden, den Absatz von Fischen und Zubereitungen von Fischen innerhalb der Stadtkreise Berlin, Chaelottenburg, �-chönebcrg, Wilmersdorf, Neukölln, Lichtenberg und Spandau, sowie der Landkreise Teltow und Niederbarnim zu vermitteln. Die Verteilung erfolgt, soweit die Kommunalvcrbände nicht selbst die Belieferung ihrer Bezirke und ihrer Kleinhändler über- nehmen, grundsätzlich durch Vermittelung der Großhändler, und zwar unabhängig davon, ob die Großhändler Gesellschafter sind oder nicht. Als Großhändler gelten bei frischen Fischen die bereits vor dem 1. August 1914 als solche tätigen. Bei Räucherwaren und Fischkonserven mutz der Großhändler bereits vor d«n 1. Juli 1916 als solcher tätig gewesen sein. Als Kleinhändler werden diejenigen zugelassen, die bereits vor dem 1. Dezember 1916 den Kleinhandel betrieben haben. Die Kleinhändler werden in einer Bekanntmachung der neuen Gesellschaft aufgefordert, sich bei den Großhändlern, bei denen sie ihren Bedarf decken wollen, in Listen eintragen zu lassen. Die Eintragung hat spätestens bis zum 14. Juli zu erfolgen, da sie am 15. Juli 1917 der„Fischverteilung Groß-Berlin G. m. b. H.", Berlin, Dircksenstr. 45, eingereicht werden muß. Kleinhändler, die sich nicht rechtzeitig in die bei den Großhändlern ausgelegten Listen eintragen lassen, können auf Zuweisungen nach dem 15. Juli nicht rechnen._ England und die deutsche Krise. Amsterdam, 19. Juli.„Algemcen Hadelsblad" meldet aus London, daß alle englischen Blätter mit großer Aufmerksamkeit die politische Krise in Deutschland verfolgen. Selbst die Erregung über den Luftangriff wurde dadurch in den Hintergrund gedrängt. Man verfolge die Ereignisse im allgemeinen mit objektivem aber tiefem Interesse. Ermordung eines schwedischen Offiziers. Stockholm, 19. Juli. Großes Aufsehen erregt in Schweden die Ermordung eines hohen FortifikationSoffiziets, des Oberleut- nants in der schwedischen Heeresverwaltung Hjalmar Smitt, der in der Nacht zum Sonnabend in seiner Stockbolmer Wohnung von einem Unbekannten erschossen wurde. Ein Raubmord ist nicht an- zunehmen, llkach der visherigcn Untersuchung fällt der Verdacht aus einen bekannten Offizier. Einige Blätter vermuten, wie in solchen Fällen üblich, ein«: Spionagesache, GewerkschaflsbewMng veulsches Neich. Einstellung von Fabrikpflegerinne» bei den Staats- betrieben. DaZ Waffen- und Munilions-BeschaffungZamt Latte für die Dienstslellen seines Bereiches schon seit läncierer Zeit einheitliche Bestimmungen über die Einstellung von Fabnfpflegcrinnen getroffen und aus die Wichtigkeit dieser sozialen Fürsorge besonders hin- gewiesen. Eine größere Anzahl von Fabrikpflegerinnen ist bereits in staatlichen Betrieben tätig. Im Anschluß hieran hat die Wumba folgende erweiternde Verfügung getroffen: 1. In allen Jnstitutronen und Devots, in denen Arbeiterinnen beschäftigt werden, ist je eine Fabrikpflegerin umgebend einzustellen, bei Dienststellen mit sehr vielen Arbeiterinnen mehrere Fabrik- Pflegerinnen. 2. Die Einstellung Hai unier Mitwirkung der Frauenarbeitstelle der betr. Kriegsamtstelle zu erfolgen. Diese ist auch um Namhaflmachung geeigneter Personen zu ersuchen. 3. Ist die Zahl der weiblichen Arbeitskräfte eines Instituts oder Depots so gering, daß die Arbeitskraft einer Fabrik Pflegerin nicht voll ausgenützt werden würde, so darf von einer Einstellung nur abgesehen werden, wenn auch die Frauenarbeit- stelle eine solche nicht für erforderlich hält. Die Wahrnehmung der Fürsorge für diese weiblichen Arbeitskräfte erfolgt dann durch eine andere am Ort tälige Fabrikpflegerin. Ist dies nicht möglich, so ist die Einrichiung von Sprechstunden mit der Fürsorgevermittlungs- stelle der betreffenden Kriegsamlstelle zu vereinbaren. 4. Bei den großen Instituten und Depots sind außerdem sofort von den daselbst eingestellten oder einzustellenden Fabrikpflegerinnen geeignete weibliche Hilfskräste anzulernen. Die Hilfskräfte sind wie Aufieber zu bezahlen und unterstehen der Fabrikpflegerin. Angesichts der günstigen Ersahrungen, die über die Wirksamkeit der Fabrikpflegerinnen bereits vorliegen, ist zu hoffen, daß die Rüstungsbetriebe der Privatindustrse, in denen Frauen beschäftigt werden, dem Beispiel der staatlichen Betriebe folgen und auch ihrer- seits— soweit es noch nicht geschehen— recht bald.Fabrikpflegerinnen eiilpelle» werden. Serlin und Umgegend. Lohnerhöhungen für Militärschneiderci. Infolge eines Antrages des Schneiderverbandes sind die Arbeits- löhne für fast alle vom Bckleidungsamt des Gardekorps heraus- gegebenen Arbeiten erhöht worden. Die Lohnerhöhung ist in Form eines Kriegszuschlages bewilligt und muß den Arbeitern restlos ge- währt werden. Um den einzelnen Arbeitern und Arbeiterinnen den Kriegszuschlag zu sichern, ist der Teilstücklobntarif entsprechend um- gearbeitet worden. Diese Tarife sind erst in den letzten Tagen neu herausgekommen und müssenindenWerkstätten und Aus- gabestellen ausgehängt werden. Da die Lohnerhöhung für alle Gegenstände, die am 25. Juni und später beim Belleidungsamt eingeliefert wurden, zu zahlen ist, so haben die Arbeiter und Ar- beiterinnen mindestens schon für die Woche vor dem 2 5. Juni Anspruch auf den erhöhten Arbeitslohn. Soweit der erhöhte Lohn bisher nicht gezahlt wurde, sind die Diffcreuzbeträge nachzuzahlen. Erneut wird von dem Be- kleivungsamt darauf hingewiesen, daß die Beschäftigung im Wochenloh» verboten ist und nur Stücklöhne, w i e solche im Tarif des Bekleidung samteS errt- weder für das ganze Stück oder einzelne Teil- arbeiten vorgesehen sind, gezahlt werden dürfen. Ferner wird wieder darauf hingewiesen, daß die Auftragnehmer mit ihren Arbeitern, und sofern sie Zwischenmeister beschäftigen, auch mit diesen die Vereinbarung treffen müssen, daß alle Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis vor die Schlichtungskommission zur Entscheidung zu bringen sind. Im Falle die Arbeiter nicht den tarifmäßigen Lohn erhalten haben, steht ihnen das Recht zu, wegen der Differenz auf Nachzahlung vor der Schlichtungs- kommission für Militärschneiderei, Zimmerstr. 90/gl, zu klagen. Neben dem Kriegszuschlag, Ivie solcher von dem Bckleidungsamt jetzt bewilligt ist, haben die Arbeiter und Arbeilerinnen Anspruch auf den Lohnzuschlag von 10 Proz. gemäß der Verordnung vom 1 5. Mai. Dieser Lohnzuschlag ist auf den durch den Kriegszuschlag erhöhten Lohn zu zahlen, nicht etwa auf den Lohn ohne Kriegszuschlag. Klagen wegen der Nichtgewährung des lOprozentigen Zuschusses gemäß der Verordnung vom 15. Mai 1917 sind vor den Kriegsausschuß für Militärschneiderarbeiten, Berlin, Zimmerstr. 99/91, zu bringen. Für die von dem Jnstandsetzungs-Amt(Verlängerte Charlotten- straße) herausgegebenen Reparalurarbeiten ist den Arbeitern und Arbeiterinnen ebenfalls eine Lohnerhöhung bewilligt worden. Für alle nach dem 2 5. Juni vom Jnstandsetzungs-Amt heraus- gegebenen Arbeiten ist ein Stundenlohn von 86 Pf. zu zahlen. Für diese Arbeiten war ebenfalls die Zahlung des höheren Lohnes für die ab 25. Juni an das Amt gelangten Lieferungen derkangt werben. Diese« Berklingen Word« aus formalen Gründen nicht entsprochen. Die hier in Frage kommenden Lohnsätze sind durch Verträge festgelegt. Sofern Hieron eine Aenderung vor- genommen werden soll, ist die Zustimmung des Kriegsministeriums erforderlilb. Unter diesen Umständen muß wegen der Bezahlung der vom 26. Juni ab an das Amt gelieferten Stücke ein Antrag auf Nachzahlung der Lohnerhöhung an das Kriegsministermm ge- richtet werden. Es erscheint durchaus begründet, daß den mit Reparaturen Beschäftigten die Lohnerhöhung vom gleichen Zeitpunkt ab gewährt wird wie den mit Neuanfertigungen Beschäftigten. Im borliegenden Falle sind auch die Lieferungen, die nach dem 25. Juni eriolgten, genau festzustellen, so daß es keine Schwierigkeiten bereiten dürfte, dem Verlangen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Die be- teiligten Arbeiter und Arbeiterinnen müssen daher an Hand ihrer Lohnbücher feststellen, wieviel Arbeitsstunden sie mit dem 18. Juni zu den alten Löhnen verrechnet haben. Unter Beifügung eines Nachweises, daß die Arbeit an das hiesige Instand- setzungsamt geliefert wurde, wäre dann ein Antrag auf Ge- Währung des höheren Stundenlohns an das Kriegsministerium zu richten. Kuslanö. Liudquist über die internationalen Gewerkschasts- konferenzen. Der Vorsitzende der schwedischen Gewerkschaften, Hermann Lindquist, hat sich in einer Unterredung mit dem Vertreter des nor- wegischen.Sozialdemokraten� über die beabsichtigte internationale Gcwerkschaftskonferenz in der Schweiz ausgesprochen. Er bedauerte lebhaft die ablehnende Haltung der Landesorganisation der ameri- konischen Gewerkschasten. Zweck der internationalen Zusammen- kunft sollte ja nicht die Erörterung der Kriegsfrage, sondern die Beratung des sozial-politischen Friedensprogramms der Gewerk- schaffen sein. Der erste Entwurf zu einem solchen Programm sei von den englischen und französischen Gewerkschaften im vorigen Jahre in Leeds aufgestellt worden. Ausgehend von dieser Tatsache, daß die Gewerkschaftsvorstände der Ententeländer selbst den Vor- schlag gemacht hätten, sei es ganz unbegreiflich, daß jetzt die Leitung der amerikanischen Gewerkschaften auf die Einladung mit einem be- stimmten Nein antwortete. Begreiflich, wenn auch nicht zu verant- Worten sei die ablehnende Haltung der englischen und französischen Sozialisten gegenüber einer Konferenz, die der Errichtung des Friedens dienen sollte. Nicht zu verantworten deshalb, weil die Sozialisten der ganzen Welt ständig darauf hinwirken müßten, das baldige Ende dieses ungeheuren Krieges herbeizuführen. Ganz un- begreiflich ober sei die Weigerung des Zusammenwirkens auf einem so neutralen Gebiet, wie es die beabsichtigte Gewerkschaffskonferenz in der Schweiz sei. Notwendig ist freilich der Anschluß der GeWerk- schaffen aller Länder, wenn diese Konferenz ein Resultat haben solle' das sei die wichtigste Voraussetzung für eine internationale Konferenz, die Bedeutung bekommen solle. Er hätte an die Mög- lichkcit eines solchen Zusammenwirkens geglaubt, aber leider sei nach dem Beschluß Amerikas wenig zu hoffen, denn er werde für die englischen und französischen Gewcrkschaftsvorstände wahrscheinlich wegweisend sein, und damit seien die Aussichten der internatio- nalen Gewerkschaffskonferenz gleich Null. Appleton habe für die eng- lischen Gewerlschaften bereits abweisend geantwortet, aber sich die endgültige Entscheidung noch vorbehalten, um zunächst mit den Ver- tretern der französischen Gewerkschaften Rücksprache zu nehmen. Von Frankreich sei eine Antwort auf die von Stockholm auZ ergangene Einladung noch nicht erfolgt. Industrie und Kandel. Reichshilfc für die deutsche Handelsflottc. Nach langen Verhandlungen ztvischen Regierung und Reedern ist dem Reiwstag ein Gesetzentwurf zugegangen, der gestattet, den Eigentümern deutscher Kaussarteischisfe auf Antrag Beihilfen zu gewähren 1. für die Ersatzbeschaffung von Schiff und Inventar, wenn das Schiff nach dem 31. Juli 1914 durch Maßnahmen feindlicher Regierungen oder durch kriegerische Ereignisse verloren ge- gangen ist oder erheblich beschädigt worden ist; 2. zur Deckung der Aufwendungen für Jnstandballung des Schiffes, für Hafengelder sowie für Heuer und Unterhalt der Schisssbesatzung, die dadurch notwendig geworden sind, daß das Schiff infolge des Krieges indeutschenSchutz- gebieten oder in außer deutschen Ländern festgehalten oder an der Fortsetzung seiner Reise gehindert worden ist. Eine erhebliche Beschädigung ist regelmäßig anzunehmen, wenn die zur Wiederherstellung des Schiffes erforderlichen Kosten die Hälfte des Friedenswertes erreichen. Deutschen Schiffsbesatzungen der bezeichneten Schiffe können im Falle des Verlustes ihrer Habe für deren Wiederbcschaffung gleichfalls Beihilfen gewährt werden. Ist zur Trsatzbeschaffung für ein Schiff eine Beihilfe gewährt worden und wird das Schiff dem Eigentümer später wieder zur Verfügung gestellt, so ist er verpflichtet, das zurückgegebene Schiff dem Reiche zu übereignen. Von der Uebereignung kann abgesehen werden, wenn der Eigentümer sich verpflichtet, die ihm für die Ersatzbeschaffung gewährten Beihilfen vom Tage der In- diensfftellung des zurückgegebenen Schiffes ab mit 5 Proz. jährlich zu verzinsen und in angemessenen Teilbeträgen zurückzuzahlen. Die Veräußerung eines Schiffes, zu dessen Beschaffung eine Beihilfe gewährt worden ist, darf an Ausländ er vor Ab- lauf von 19 Jahren nach der Jnfahrtsetzung nur mit G e n e h- migung des Reichskanzlers erfolgen. Das gleiche gilt für Miet- und Frachtbeträge, zur Beförderung von Gütern, die über solche Schiffe im ganzen oder einen verhältnismäßigen Teil oder einen bestimmt bezeichneten Raum des Schiffes mit Ausländern abgeschlossen werden. Der Reichsaus schuß, nach dessen Vorschlägen die Beihilfen gewährt werden sollen, besteht aus sieben Mitgliedern und ebenso viel Stellvertretern. Dem Gesetzentwurf beigegeben sind Grundsätze für die Gewährung der Beihilfen. Tie Beihilfen sollen zur Bc- schaffuvg von Schiffen gewährt werden, die der Güterbeför- d e r u n g dienen. Zur Beschaffung von Passagierdampfern nur dann, wenn diese Dampfer Zugleich in erheblichem Maße für die Güterbeförderung bestimmt sind. Dem Schifsseigentümer soll die Verteilung des gesamten ihm verloren gegangenen Schiffsraums auf einzelne Erlatzschiffe tunlichst freigestellt werden. Ter Be- mepung der Beihilfe ist der Wert zugrunde zu legen, den das zu ersetzende Schiff nebst Inventar am 31. Juli 1914 hatte)Frie- denswert). Darüber hinaus können in Fällen, in denen die Kosten für die Wiederbeschaffung des entsprechenden Schiffsraumes den Friedenswert des verloren gegangenen Schiffes übersteigen, Zuschläge gewährt werden. Die Gewährung der Zuschläge, die je nach dem Zeitpunkt der Ablieferung des Neubaues abgestuft sein soll, ist davon abhängig, daß die Ausführbarkeit und Wirtschaft- lichkeit der Ersatzbcschaffung zu angemessenen Preisen nachgewiesen sind._ Nur teilweise Erhöhung der Eisenpreisc. Nach der„Fr. Ztg." tritt für eine Reihe von Produkten für Abschlüsse zur Lieferung ab 1. Juli eine weitere Preiserhöhung in Kraft, die sich mit Rücksicht auf die vom kommenden Monat August ab in Gültigkeit tretenden neuen Kohlen- und Verkehrs- steuern weiter steigert. Eine Erhöhung zugebilligt wurde den Gruppen Halbzeug, Formeisen, Stabeisen, Grob- blechen, Draht und Drahterzeugnissen. Dagegen wurde' die beantragte Erhöhung für Erze, Roheisen, Feinbleche, Röhren und Alteisen abgelehnt. Nur dürfen bei Abschlüssen zur Lieferung ab 1. August die Mehrkosten in der Fabrikation, die ihnen von diesem Zeitpunkt, ab durch die Kohlen- und VerkehrSstcuer entstehen, bei der Berechnung der Ver- kaufspreise mit in Anrechnung gebracht werden. Die Erlaubnis, die Kohlen- und Verkehrssteuern einzukallu- lieren, ist grotesk. Da das Reich mittelbar oder unmittelbar Alleinabnehmer ist, zahlt es mit der einen Hand, was es mit der anderen nimmt. Dadurch werden die ganzen Verdienstmöglich- ketten der Werke nicht eingeschränkt, aber der Rcichssäckel fährt verdammt schlecht dabei. Di« Abschlüsse der Montanindustrie für das Geschäftsjahr Juli/Juni dürften wieder sehr glänzend ausfallen, wenn auch provozierende Kurssprünge nicht wahrscheinlich sind, die ein un- bequemes Gegenargument gegen die stete Forderung nach höheren Preisen bilden. Die Harpener Bergbau-A.-G.— eine reine Kohlenzeche— hat sogar eine Ermäßigung der Dividende an- gekündigt. Aber das dürfte nur eine Ausnahme sein. Ter Bochum er Verein für Bergbau und Gußstahl- fabrikation hat bereits„einen sehr befriedigenden" Abschluß angekündigt, der also vermutlich die voriährigen Rekordziffern noch übertreffen wird. Das große Rätselraten der Börse geht nun darum, ob auch eine Diviäendenerhöhung erfolgt. King Eotton spürt den Krieg. Infolge der Baumwolltrise stehen dem„Manchester Guardian" zufolge zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent der Spinnbänke von Lancashire still und das Geschäft liegt ganz danieder. Die zur Er- greifung geeigneter Maßnahmen eingesetzte neue Baumwollkontroll- kammcr sandte Formulare zur Ermittlung der Rohöaumwollbe- stände der einzelnen Spinnereien sowie deren Wochenverbrauches aus. Wie pessimistisch die Lage beurteilt wird, ergibt die Tatsache, daß einige Spinnereien, ohne das Ergebnis der Ermittlungen ab- zuwarten, den Betrieb bereits gänzlich eingestellt haben. Der Einibrucfi des Krieges in das Herrschaftsbereich des „Königs Baumwolle" wird Englands Fabrikanten und Arbeitern schmerzlich genug sein. Vcrantworll. f. Politik: Dr. Franz Dicdcrich, Berlin-Frledenau! für d. übrigen Teil des BlatteS: Alfred Scholz, Ncuköllni für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei». Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Unterbaltnngsdlait. Zlenrisclic« Xlieatep. �eute und folgende Tage 8 Uhr: Max Callenberg in Familie Schimck. Kammerspieie. Heute u. folgende Tage 71/2Uhr: Die Tänzerin (mit leopoldine Konstantin). Tolksbühne.Theat.a.Bülowplatz. XJntergrundb. Schönhauser Tor. Heute u. folgende Tage T'ffUhr: Ole Königin der Luft. Lessing-Theater. Heute u. folg. Tage 73/4 Uhr: Marie Ottmann u. Hans WaUmann in Oper. v.O. Blumenthal. I*bOR*«Sb Musik v. Oslo Straus. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Berliner Theater T�Uhr: Die tolle Komteß. Komödienhaus 8 Uhr; Wie tessle ich meinen Mann? NATIONAL-THEATER. Cöpenickcr Str. 68 Tägl. 3/48 Uhr Die Lieder des islanteo! Volksfluck in 7 Bildern d. SUteifel. Ein Stück aus der guten, alten Zeit! (In erster llesetznng.) Voigt-Theater. Badstr. 38. Badstr. 58. Täglich große Extravorstellung. Pieper und Sperling Eritklaifiges Ipezialitätcn Programm. Auf. Sonntags 4, wocheut. sich Uhr. RosesTheater. 7'/.�: Die Stunde desifertrauens Gartenb.: Berlin, wie es liebt u. haßt. Walhalla-Theater. K: Zigeuner. Gartenbützne: Vorst ellmtg. Berliner Prater-Theater Kastanicnallee 7—9. sdeulc: 1. gr. Kindn-Fest. Aha— famos! Große Ausstattungs- Operettenposse in 8 Akten mit Gesang und Tanz. Vorher das große Varietepregramm. Ansang 41/. Uhr. Herrnfeld-Theater Kommandantenstr. 57. DIE LEDIGE EHEFRAU .T'/.Uhr f Admirals-Palasl. � Abrakadabra | großes phantastisches Ballett auf dem.Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt z» 73/< Uhr. Vorzügl. Küche. Tägl. 73|4 Sonnt. 31/, n. 7'/, R. Steldl. A. Müller-Lincke, Gertr. Gräbner, B. Lehnhaff in„Der Herr ohne Wohnung". 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Von Magengeschwulft, Ber-, ftopfung u. Nervenschwäche in 6 Wochen geheilt,-sollte operiert, werden.— Herr K. Wilthaus, Berlin, Blumenthalstr. 3. Von« Geichwulst und Abszeß a» alter QPerationSnarbc mit 15 Behandlungen geheilt.— Frl. M. Muichick. Bln.-Schöncbcrg, eoedan- straxe 17 II bei Fnebick. Von Geschwulst n. Nervenschwäche in' 4 Wochen geheilt. Vorher dringend zur Operation geraten.— Herr, A. Schlabin, Berlin, Caprivistr. 24. Von Gesichtslupus in, 1 Monat vollständig geheilt. Vorher 6 Wochen mit Radium in einer i Berliner Klinik ohne Eriolg behandelt.— Frau E. Popp, Lichten- i berg, Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche\ und Berstopfung geheilt.— Sohn des Gärtners H. König.\ Pankow. In 6 Wochen von veralteter Beinlähmung geheilt. Vorher � anderweitig jeder Erfolg abgesprochen.— Von Nervenschwäche in vier, Wochen geheilt. Erllärt sich felbsl sür gan.� gesund.— Herr Milch- Händler Eckert, Beilin, Greifenhagener Slr. 26. Von gichtisch- rhcumat. Schmerzen in Bein u. Fußgelenk geheilt. Sehr zusriedcn. Herr A. Brose, Berlm-Mariendors, Slrclitzcr Str. 11. Bon chroni- nischer Rückcumarkentzündnng und Lähmung geheilt. Vorher � für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, Reinickendors-Ost, Provinz- straße 117. Von Lunge, lbluten und Katarrh geheilt.— Fraul I. Herold, Berlin. Ramlersir. 23. Von Bronchialkatarrh geheilt. — Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke, Berlin,«trelitzer] Straße 6. Vor 9 Jahren von Lungenleiden geheilt, heute noch ge- sund.— Herr G. Köppe, Bln.-Rummelsburg, Alt-Boiihazen 8. Von, doppelseitigem LuilgenspiNenkatarrft geheilt.— Herr O. Neu- 1 mann, Lichtenberg, Blumenthalstr. 13. Von Neurastbcnie und ncr- l vöser Äliagcnschwäche geheilt.— Frau E. Grosse, Berlin, Zwmgli- 1 straße 26. Bon Leberleiden gebeilt.— Frau Rcitauratcur Hering.| Berlin, Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Erich Bock. Berlin, Stendaler Str. 17, IV. Von, Nieren- u. Blasenleiden, Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche, geheilt. 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Praxis" mitteilt, auf ihre Höhe vom August 1914, der Zeit des Kriegsbeginns, festgelegt worden, obgleich auch dort die Hauseigentünier den Einwand erhoben, dag das Gesetz in seiner Anwendung auf 7— 8 Millionen Familien im ganzen Lande Mieten von mehreren Millionen Pfund jedes Jahr ihnen raubt. Das Gesetz tritt sechs Monate nach Beendigung des Krieges auger Kraft. Ohne Zweifel ein in Privatrechtsverträge so tief einschneidende? Gesetz, wie es bei uns noch nicht einmal bisher gefordert worden ist! Im Mai 1917 ist man in England weiter auch dazu gelangt, die Einquartierungspflicht der Hausbesitzer über den Kreis der Mililärpersonen hinaus auf die Arbeiter der Kriegsindustrie auszu- dehnen. Diese Tatsachen beweisen, daß unter dem Zwange der Kriegs- Verhältnisse die Gesetzgebung anderer Länder auch vor dem städtischen Grundbesitz und den privatrechtlichen Verhältnisien zwischen Ver- mieter und Mieter nicht Hall gemacht hat und vor weitgehenden Eingriffen nicht zurückgescheut ist. Im Grunde bedeutet tatsächlich eine gesetzliche Regelung, die dem städlischen Hauseigentümer die willkürliche Bestimmung hin- sichllich der Kündigung entzieht oder einschränkt, nur eine Anord- nung ähnlich den Beschränkungen, die den, ländlichen Grundbesitz durch zahlreiche Kriegsverordnungen in der Verwertung der Früchte seines Bodens(Beschlagnahmungen, Verbrauchsverbote und Ver- brauchsbeschränkungen) längst auferlegt sind. Die Rechtfertigung zu solchen einschneidenden Eingriffen in das Privatrecht liegt aber letzten Endes darin, dast die Kricgsverhältnisse, und zwar in ganz besonderem Matze in dem vom Auslände erheb- lich abgeschnittenen Deutschen Reiche, den Monopolcharakter des Bodens und des Hausbesitzcs autzerordentlich ver schärst haben. In einer Zeit, in der der Gesetzgeber die Errichtung neuer Privat- bauten im Interesse der Ersparung an Materalien und Arbeits- kräften ivegen ihrer Knappheit fast untersagt, liegt die Richtigkeit dieser Tatsache auch für das städtische Miethaus auf der Hand. Was das vertragsmätzige Kllndignngsrecht betrifft, so hat der Krieg hier bereits vom ersten Tage ab millionenfach mit rauhester Hand eingegriffen: denn alle Arbeits« und Angestelltenverträge sind durch die militärische Einziehung einer Vertragspartei jäh unter- brachen worden. Der Vermieter ist in dieser Beziehung während der ganzen langen Kriegszeit bevorzugt und in wie zahllosen Fällen war der Mietvertrag zumal in den ersten Kriegsjahren für die zum Heeresdienst Ein- gezogenen eine furchtbar drückende Fessel, die die grötzten Wirtschaft- lichen Opfer forderte und noch heute fordert, weil ein langfristiger, nicht sofort kündbarer Vertrag den einzelnen oder die Familie an die Wohnung oder die Geschäftsräume band, selbst wenn das Be- dürfnis sür dieselben gänzlich oder teilweise fortgefallen war. Was an öffentlichen Mietbeihilfen auch geleistet worden ist und noch jetzt geleistet wird— soviel oder sowenig es ist— es bleibt blutwenig im Vergleich zu den ungeheueren materiellen Opfern, die die Mieter ans sich nehmen mutzten, um ihre Vertragspflicht gegen den Haus- besitzer zu erfüllen. Wieviele Kriegsteilnehmer hielt der Miet- verlrag in eisernen Ketten, zwang sie und ihre Familien zu Leistungen an den Hauswirt weit über ihr Können, zur Hergabe ihrer oft geringen, mühselig erworbenen Mobilien und Ersparnisse und darüber hinaus in Schulden hinein, die noch heute auf ihnen schwer lasten! Im Laufe der Kriegsjahre hat sich die wirtschaftliche Lage zum Teil verschoben. Der Mangel an Arbeitskrästen, an Umzugs- Material ist ein Faktor, der jeden Wohnungswechsel, wenn nicht un- möglich, doch mindestens wirtschaftlich Sutzerst unrationell macht. Wenn in dieser Lage, die auf absehbare Zeit nur noch weitere Verschärfung erfahren wird, der Eigen- lümer durch die Gesetzgebung in der Ausnutzung der dem Mieter ungünstigen Wohnung?- und Umzugsverhältnisse gehindert oder durch eine behördliche Instanz nur kontrolliert werden soll, so ent- spricht dies nur einer billigen Rücksicht auf die berechtigten Interessen der Mieter. Auch wenn nicht verkannt wird, datz zahlreiche städtische Grund- stückseigentümer Verluste erlitten haben, die sie in einzelnen Fällen in schwierige Lagen gebracht haben, kommt doch in erster Reihe in Betracht, datz es sich in der Regel um kapitalkräftige Personen, in Berlin und anderen Grotzstädten vielfach um Grotzbanken, Grundstücks« und Versicherungsgesellschaften handelt. Autzerdem wird auch dem Haus- eigentümer der Schutz gegen Ausbeutung seitens der Hypotheken- gläubiger gern zugebilligt und die bereits vielfach mit gutem Grunde erhobene Forderung vertreten werden, datz in der Regel während der Kriegszeit eine Erhöhung des Zinssatzes für die Real- schulden zu unterbleiben hat.-1 sein frohe« Leben opfern mußte. Mögen Kollegen und Freunde ihm fernerhin ein gutes Andenken bewahren! 10SA ftunüie Mobwinkel. Er ruht einsam, weltverloren, Unzähligen anderen gleich. IVachruf. 106/6 Am Freitag, den 6. d. Mts. ist unsere Verkäuferin Hartha Kube verstorben. Fräulein Kube war seit 1911 bei uns beschästigi. Sie hat ihren Posten in umsichtiger Weise aus- gefüllt und werden wir ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand der Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend, e. G. w. b. H. M B JM mit Hullen. M»I 4*4 fl»nltllan U.Star- fl wck'Itz her Versehwl- mung findetwirk- same Hilfe d. Reichen k I Echte Aslhmatropfen, be- ' rühmt durch Ihre IVirkung Zahlreiche Erfolgsberichte. Otto Reichel, Berlin 43, Elsenbahnstr. 4. in den Preislagen von 129,— M. bis 600,— M., sortiert, werden noch in jedem Quantum abge- ■Sl* geb en. 110 Goldenes Haus G. m. b. H. Frledrichstp. 89 und Artillerlestr. 16. MeM der Mm Oeitt Zahlstelle Berlin und Umgegend. Tonnerstag. den 12. Juli, abends 8Va Uhr: in solgenden Lokalen: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Restaurant von Obst, Martin- Luther- Straste 69, Restaurant von Becker, Schönhauser Allee 143, an der Eberswalder Straße. Tagesordnung: Unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Referenten: I. Hinrichsen, H. Knüpfer, W. Witt. Zahlreichen Besuch erwartet f256/1j_ Per Vorateswd. Beschlagnahmefreie Mengen gebrauchter Sektkorke 26 Pf. Weinkorke 4 Pf. 38/14» b H..-»-12,3-6 Manderplah Sendungen von auswärts ohne vorherige Aussage nicht erwünscht. das Stück laust (Dktmtökk® Gcorgenkirchftrasse 30, beim 5pe2lslsr2t IPr. med. Colemann für Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, 1 Ehrlich- II ata. Karen, 1 (Dauer 12 Tage), Behandlung[ schnell, sicher und schmerzlos ohne Berufsstörung. Königsir, 34-36,„ÄS, Spr. 10—1 u. 5— 8. Sonnt. 10— 1. 1 erhält der. welcher einen am 9./7. am StettinerBahnhof gestohlenen braunen Reiselosser herbeischaftt, enthaltend: 1 Sammetkleid, braun, 1 seidene« Kleid, braun, 1 belle« Kleid mit Rosen, Kinderlleider, Schuhe, Wäsche. Meldungen an 291Sb P. Ossenberg, Künstl. Zähne mit echtem Friedenskautschuk Goldkronen, Brücken, Plomben, Zahnziehen mit Betäubung, Umarbeitung, Reparaturen sofort. Billige Preise, auch Teilzahlung. 276/17* Zaim-Praxis M. 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Z.)(Nachdruck verboten) In der BormittagS-Ziehung wurden Gewinne über 50 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 5000 Mt. 37219 2 Gewinne zu 3000 Mt. 122489 2 Gewinne zu 1000 Mk. 18504 2 Gewinne zu 500 Mk. 202 10 Gewinne zu 400 Mk. 53697 89245 141739 150852 202747 16 Gewinne zu 300 Mk. 9109 14187 64544 138217 149628 157981 172425 208821 22 Gewinne zu 200 SM. 31073 69410 80054 97867 111619 122436 129426 160227 195780 196673 206144 76 Gewinne zu 100 Mk. 1808 7671 15200 25288 30936 32219 32513 33661 39088 46108 64222 56320 58132 67464 69125 76603 80611 84873 87982 98849 110026 114964 122079 144477 149708 163094 161165 161701 169226 170853 171186 174400 183660 197569 203033 205925 206717 212372 In der SkachmittagS-Ziehung wurden Gewinne über 59 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 30 099 Mt. 196 792 2 Gewinne zu 509 Mk. 64892 2 Gewinne zu 400 Mt. 199289 14 Gewinne zu 300 Mk. 21794 34939 86637 96843 109854 130663 177915 20 Gewinne zu 200 Mk. 8342 38601 113366 137658 138906 140602 141122 161880 212666 212387 76 Gewiim« zu 100 SKI. 14179 16977 19264 82760 35810 43216 48727 50341 56409 74547 82027 84035 87621 89344 98249 99440 104142 108251 119088 126008 126192 133041 134538 137089 152801 155554 157411 164302 165885 166160 171515 176194 183395 186688 189969 196865 200261 209035 2U5Ö6 ttt. 1$7— 1�17 Der Tod ües Tanks. Unter dieser Uebersckirift findet sich im.Pariser Journal' vom 24. Juni folgende Erzählung: .Die schwere Maschine hatte keuchend die Zone de-Z Sperrfeuer! passiert und stand nun vor den deutschen Linien. Bei jeder Pause, die der Tank im VorwärlSdringen machte, gab eins seiner Maschinen- gewehr« Schüsse auf die Reiben davoneilender Feinde ab. Von irgendwo her feuerte eine unsichtbare Kanone. Mit sanftem Miauen sielen die zu kurzen oder zu langen Schüsse um das unverwund- bore Ungetüm zu Boden, das durch Drahtverhaue und über zer- splitterte Baumstümpfe hinweg einem nicht erkennbaren Ziele zustrebte. Plötzlich dreht sich der Apparat heftig. legt sich hinter eine kleine Hecke, und alsbald dröhnt seine Kanone. Wie ei» sagenhaftes Untier sieht der Wagen aus. Feuer flammt aus seinem Rachen auf. und gleich einem Schlangenzünglein schnellt die Kanone vor und zurück. Sechs Geschütze zielen jetzt auf den Tank, die Explosionen folgen einander und Wirbel von Erde und Granatsplittern ohrfeigen von allen Seiten das geduckt liegende ächzende Eisentier, dessen Flanken beben. Dann rast der Unhold mit ruckweisem Keuchen über die blühende Hagedornhecke hinweg, die wie durch ein Wunder von den Kanonen verichont geblieben war. Auch der letzte Strauch, auch das letzte bißchen Grün, was immer der Krieg noch übriggelassen haben mag, es fällt den Schlachtwagen zum Opfer, deren Rolle darin besteht, das Werk der Zerstörung so vollständig zu gestalten, wie es nicht vollständiger sein kann. Wütend zischen aus dem feindlichen Graben- labyrinth die Kugeln auf, fallen klirrend auf die harte Panzerdecke. Mit weißen Wölkchen explodieren ringsum zahlreiche Hand- granaten, während Unterstände unter der schweren rollenden Masie in sich zusammenfallen. Zwei tollkühne Deutsch« haben sich an dem Eisenungetüm in die Höhe gezogen, sie klettern an ihm hinauf. Wenn sie aber nichts unternehmen, wird sie der stählerne Koloß wieder abschütteln. Einer von ihnen, ein langausgeschossener rothaariger Mensch, hat alsbald ein Ventil ausfindig gemacht. Mit aller Gewalt versucht er durch die enge Leffnung eine Handgranate zu zwängen. Als das miß- glückt, zieht er einen kleinen Revolver und feuert in das Loch hin- ein, läßt aber gleich darauf mit einem SchmerzenSlaut die blutende Hand sinken. Aus dem Unsichtbaren heraus hat ihm ein scharfer Dolch drei Finger der Hand abgeschnitten. In diesem Augenblick macht der Koloß eine brüske Wendung und entledigt sich der beiden Verwegenen wie ein wildes Pferd. daS seinen Reiter auS dem Sattel wirft. Rechts und links rücken andere Ungetüme gleichen Schlages vor, eine seltsame Herde apokalyptischer Fabelwesen, die die deutiche Artillerie in den Grund zu stampfen sucht. Eine Explosion geht in die andere über, die Wagen verschwinden in einem Meer von schwarzem Rauch. Plötzlich ein Krachen. Knurren und Surren— der Motor hat seinen Geist aufgegeben. Eine Riesenflamme springt zum Schornstein heraus. Gleichzeitig damit hopsen phantastische Ge- stalten hinten aus dem Eisenroß heraus, halbnackte Soldaten, die sich die brennende Lederkleidung vom Leibe reißen und trotz ihrer Brandwunden sich verzweifelt� mit Dolch und Revolver gegen die au« einem Granattrichter ausspringenden Bochen wehren. Aus dem zu Tode getroffenen Tank steigen noch immer die Flammen auf, die Explosionen der mitgeführten Munitionskisten zerreißen seinen Leib mit Donnerkrachen. Bald ist nicht? mehr von ihm übrig als ein unförmiger Metallklumpen. Der Tank ist tot. Melancholischen AugeS betrachtet der Führer die zerstörte Maschine. Dann zeigt er seinen Leuten einen kaum noch erkennbaren Gegenstand: rrnen grinsenden, schwarz verkohlten Buddha, den er beim Verlassen de« Wagens mit sich genommen bat, einen Talisman, der noch tags- zuvor von der Kriegspatin aus Paris dem Tank zugegangen war.' veutjchlanös öienenzucht. Die Frage der Süßstoffversorgung bildet ein wichtiges Kapitel unlerer Ernährungswirtschaft in der KricgSzeit. An Stelle des knapp gewordenen Zuckers verwenden wir heute in vielen Fällen das Sacharin, das aber trotz seiner außerordentlichen Süßkraft nicht den geringsten Nährwert besitzt. Einen vollwertigen Ersatz des Zuckers dagegen, der diesem in diätetischer Hinsicht sogar überlegen ist, stellt der Honig dar. Schon den alten Germanen war die Bienenzucht wohlbekannt. Der griechische Seefahrer PhthcaS lernte an der Mündung der Ems den aus Honig bereiteten berauschenden Met kennen. Bis zum Erscheinen de« Rohrzuckers bildete der Honig den einzigen Süßstoff unserer Vorfahren. Daher erfreute sich die Biene in früherer Zeit einer hohen Wertschätzung. Berichtet doch z. B. die Chronik von Nürnberg, daß für ein Bienenvolk 5 Gulden, für eine Kuh aber zu gleicher Zeit nur 3 Gulden bezahlt wurden. Die Honigschneider oder Zeidler bildeten einst eine eigene Zunft: noch beute erinnert in vielen Städten eine Zeidlerstraße oder Zeidlergasse an dieses alte Gewerbe. 4«, Der starke Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. „Es will dich ja niemand drängen. Aber bleib' wenigstens heut' bei uns. Tu' mir die Liebe I Du bist jetzt so aufgeregt, gar nicht beieinander!' beschwor ihn die ahnungsvolle Schwester, indem sie ihn an beiden Händen festhielt. Es war, wie wenn sie nun Mutterstelle an ihm vertreten müßte. Das graue Entsetzen im Antlitz, begegnete sie seinem kaltglänzcnden Blick, den verändert harten Zügen. Seine Wangen waren ficht- lich eingefallen; dunkle Ränder, gleich Blumen des Todes in schlaflosen Nächten gewachsen, umschatteten die stahlblauen Augen. Aber ungebrochen, gleichsam durchgeistigt, war der Ausdruck von Energie und Eigensinn. Mußte man diesen trotzigschönen, kraftherrlichen Menschen nicht lieben? Adolf spürte diese wärmende Herzenswelle. Der Anblick der um ihn erbleichten und erschütterten Schwester, die vor Aufregung in der Mittagsglut kaum mehr zu Atem kam, tat ihm wohl. Seine verschlossene Natur taute eine Weile auf und labte sich an den fraulichen Liebesstrahlen.„Wenn mich alle verließen, brauchte ich bloß bei der da anzuklopfen. Die gute Milli würde genau wie die Mutter Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit mir nichts abgehen sollte!" fühlte er mit einem Anflug der einstigen Zuneigung, doch zugleich einer anderen gedenkend, die er heute um keinen Preis vcr- fehlen durfte. Wohl schoß ihm etwas siedendheiß in die Augen. Im Nu war er jedoch wieder willensmächtig und entschlossen. „Keine Rede! Hör' auf. laßt mich zufrieden, ich kann nicht bleiben. Heut' wird eS sich entscheiden. Es geht nicht nur um den Ehrenpreis l' gab er nur kurz zu verstehen, von nun an allen Blicken der Geschwister ausweichend. „Dann freilich ist alles Reden umsonst.� Der Vater hat recht, du bist dem Hochmutsteufel mit Haut und Haar versallen. Also gut, such' du Hilfe bei denen, die dich auf den Hund gebracht haben. Hoffentlich können sie dich vor dem Schlimmsten bewahren. Ich sage nun nichts mehr!" seufzte der Pfarrer schwer, tvobei er. als gelte es die Be- schwöruvg des Bösen, seine kleine feste Hand hochhielt. Adolf Ueber den gegenwärtigen Stand der deutschen Imkerei ge- währen die Ergebnisse der Viehzählungen Aufschluß. Hiernach be- trug die Geiamlzahl der im Deutschen Reiche vorhandenen Bienen- siöcke im Jahre lSl2 2 630 837 Stück; auf je 1000 Einwohner ent- fielen 40 Bienenstöcke. Als Hauplsitze der Bienenzucht treten drei Gebiete hervor: der Südwesten, der Nordwesten und der Nordosten des Reiches. Die an Bienen reichste Gegend Deutschlands sind die Hobenzollernschen Lande; im Regierungsbezirk Sigmaringen entfielen auf je 100 Ein- wobner 12,2 Bienenstöcke oder«in Bienenvolk auf etwa 8 Personen. Auch da« südlite Baden, die Bezirke Konstanz und Freiburg mit 10, S bezw. 0,2 Bienenstöcken auf 100 Einwohner und der württem- bergische Jagst- und Donaukreis mit 10.4 und 9 Stöcken auf je 100 Bewohner sind sehr günstig gestellt. Im Nordwesten des Reiches ist seit alters die Bienenzucht der Heidegegenden berühmt. Hier war aber in der neuesten Zeit ein nicht unerheblicher Rückgang zu verzeichnen: in der Provinz Hannover verminderte sich in den Jahren 1907 bis 1912 die Zahl der Bienenstöcke um mehr als 37 000 Stück. Während der Regierungsbezirk Stade im ersteren Jahre mit 14,3 Bienenstöcken auf je 100 Einwohner im Reiche weit- aus an erster Stelle stand, nahm er im Jahre 1912 mit nur noch 10,2 Stöcken auf 100 Bewohner erst den fünften Rang ein. Auch im Lüneburger Bezirk ist die Zucht ganz erheblich zurückgegangen. DaS bienenreichste Gebiet des Nordwestens ist heule da« Groß- Herzogtum Mecklenburg- Strelitz mit 11 Bienenstöcken auf je 100 Bewohner. Recht bemerkenswert sind die Fortschritte der Imkerei im Nordosten. In der Provinz Ostpreußen wuchs in dem Zeitraum 1907 bis 1912 die Zahl der Bienenstöcke um mehr als 27 800 Stück. In den Regierungsbezirken Gumbinnen und Königsberg entfielen auf je 100 Bewohner bereits 9,6 und 9.4 Bienen- ftöcke. Auch das Küstengebiet Pommern« erfreut sich einer blühen- den Bienenzucht. Da« an Bienen ärmste Gebiet des Deutschen Reiches dagegen ist der Stadlbezirk Berlin. Dieser weist im ganzen IIS Bienenstöcke auf: hier kommt erst auf 18 000 Menschen ein Bienenvolk I Der Ausfall der Honigernte hängt in hohem Maße von dem Witterungsverlauf und der Entwicklung der wichtigsten Bienen- nährpflanzen ab. Als mittleren JahreSertrag eines Bienenvolkes kann man 5 bis 6 Kilogramm rechnen. Der Gesamtertrag der deutschen Honigernte würde hiernach im Durchschnitt auf rund ISO 000 Doppelzentner zu veranschlagen sein: auf den Kopf der Be- völkerung entfallen jährlich 230 Gramm oder nahezu ein halbe« Pfund Honig, eine Süßstoffmenge, die im Zeichen der Zuckerkarten keineswegs gering zu achten ist. Als hochwertiges Nebenprodukt liefert die Bienenzucht da« Wachs, und zwar kam, man auf S Pfund Honig ein Pfund Wachs rechnen. DaS deutsche Wachs ging einst in beträchtlichen Mengen ins Ausland. Noch heute erfreut sich das Ergebnis der Provinz Hannover de« beste» RufeS: an Güte soll er nur von dem Wachs des NiltalS übertroffen werden. Neues aus der Werkstatt für Kriegsverletzte. Die Ersaystücke, die heute bereits in oft großer Vervollkonnn- nuug für die im Kriege verlorenen Gliedmaßen bestimmt sind, wären trotz ihrer technischen Verfeinerung praktisch ungenügend, wenn man nicht auch die in verschiedenen Berufen notwendigen Apparate und die Gebrauchsgegenstände des täglichen Leben« mit emsprechende» Behelfsmitteln versehen würde. Der beste Kunstarm z. B. vermag nicht daS Ineinandergreifen der Muskeln, das Tastgefühl usw. zu er- setzen, und wenn er wirklich vielseitige Verwendung finden soll, muß man Spezialapparale schaffen, für deren Handhabung die Fähigkeiten des Kunstgliedes ausreichen. Tie einfachsten Behelfs», ittel dieser Art wurden von Kricgsverletzten selbst erfunden; es genügt, die seitlich knöpf- baren Westen für Einarmige oder die kleinen Gestelle zum Halten der Karten beim Skatspiel zu nennen. Schwierigere Apparate jedoch mußten von geschulten Technikern erdacht werden, und auf diesem Gebiete wurde in letzter Zeit ganz Erstaunliches geleistet, wie aus den von Dr. Emil Kunstmann in der Zeitschrift„Ueber Land und Meer' angeführten Beispielen zu ersehen ist. Verhältnismäßig einfach ist der Fleischzerkleinerer für Kiefer- verletzte. Seine beiden beweglichen, in der Mitte verbundenen Arme tragen ineinander greifende Schneidevorrichtungen, und ein ein- malige« Zusammendrücken der beiden Armhebel genügt, um ein ziem- lich großes Stück Fleisch augenblicklich in eine entsprechende Anzahl von Bissen zn zerlegen. Aenßcrst sinnreich sind zwei neue Fahr- räder für einseitig Beingelähmte und Einbeinige. Im ersteren falle führt von dem einen Pedal ei» Metallhebcl mit Handgriff is zur Sattelhöhe, so daß der Arm die Trettätigkeit des gelähmten Beines zu ersetzen vermag. Im anderen Falle ist»eben dem Hinterrad an einer gekrümmten Achse ein zweites kleines Rad angebracht, so daß der Fahrer ruhig auf das feststehende Fahrrad aussteigen oder absitzen kann. Ist der Fahrer einmal in Schwung gekommen, so kann er durch einen Hebeldruck das kleine stützende Behelfsrad ausscheiden. Die Erfinderarbeit auf dem Gebiete von Berufsapparaten für KriegSverletztc geht von dem Grundsatz auS: Jede Maschine läßt sich mit Ansätzen aus« gewahrte hierbei mit einem gelinden Schrecken den verkürzten Zeigefinger und erinnerte sich des Unfalls an der Häcksel- Maschine, bei dem er den Bruder aus lauter Uebermut schwer verletzt hatte. Auch er mußte damals daran glauben. In einer Spätsommernacht waren sie heimlich ausgezogen, um ein Hornissennest in Brand zu stecken. Zu Dutzenden schössen die dickleibigen Gisthummcln aus der rauchenden Baum- höhle und plötzlich wälzte er sich gestochen im Grase. Wie viele solcher auch heiterer Abenteuer hatten sie so zusanimen bestanden! Dachte einer von ihnen je daran, daß ihre Wege sich ganz und gar trennen— eines Tages keiner den andern mehr verstehen würde? Ungeduldig erscholl der mittägliche Ruf noch einmal vom „Frohsinn' her.?luch Frau Gmür Ivußte sich keinen Rat mehr. Trotzdem mochte sie nicht im Zorn von dem Starr- sinnigen scheide».„Komm' d» dann zu mir, gelt, bis der Vater ruhiger ist. Wir haben ja Platz, sogar für dein Roß. wenn es sein niuß. Versprich es mir, Dölfi!" bat sie unter Tränen. Er gab ihr sein Wort und mußte es geschehen lassen, daß sie seine Hand noch eine schwere Weile hoffend festhielt. Heiße Tropfen fielen darauf. Das war jedoch nicht das Letzte, was die aufgewühlte Heimat über ihn verhängte. Als er in den Stall kam. um dem Knecht die Ueberführung des Pferdes nach dem Renn- platz anzubefehlen, stieß er unverhofft mit dem Vater zu- sammen. Der Herr Gcmcindcrat, der in der Tenne stand und ein Bündel Heu ausbreitete, nahm den aus Verlegenheit herrisch klingenden Befehl wie eine Herausforderung auf. „Ha ja, das fehlte jetzt noch. Daraus wird nichts, sag' ich. Wenn's dir ums Reiten und Paradieren zu tun ist, so schaff' dein Geschirr selber an Ort und Stell'!" fuhr der Alte in unerhört verletzendem Tone dazwischen, worauf � er die Gabel in die Ecke schmiß, die Scheune verließ und das Tor von außen zuwarf, daß es krachte. Der Gedemütigte sprang totenblaß hinter dem Vater her, aller Kindschaft bor und schrie dem eilig Forthumpelndcn ins Hans hinein nach:„Das hast du keinem Hornochsen getan, Vater. Mich habt Ihr gesehen. Eher schneide ich mir die Gurgel durch, als daß ich noch einen Fuß. auf diese Schwelle setze!' Der„Frohsinn" widerhallte vom Keller bis zum Estrich von der gräßlichen Drohung Mittwoch, 17.?ul rüsten, die in Verbindung mit Ersatzstücken am Körper des Kriegs- verletzten zu bringen sind. Dies gilr für die verschiedensten Berufe und die verschiedensten Arteir von KriegSverletzlen. Sehr gelungen ist z. B. der Blindenzähltisch, mit dessen Hilfe der blinde Arberter Nieten, Schrauben, Drahtseile usw. zu zählen und in bestimmten Mengen schachtclweiie unterzubringen vermag. Die Tischplatte ent- hält 100 Vertiefungen, vor welchen ein die Breite der ganzen Platte einnehmender, nach den Vertiefungen hin offener verschiebbarer Be- bälter angebracht ist, in welchem sich die zu zählenden Schrauben, Nieten usw. befinden. Der Blinde schiebt nun aus diesem Behälter die einzelnen Schrauben i» die Vertiefungen, wenn er mit einer Reihe von Vertiefungen fertig ist. rückt er den Behälter zur nächsten Reihe vor und so fort, bis er beim oberen Tischende angelangt ist und in jeder der 100 Vertiefungen eine Schraube oder Riete sich befindet. Dann wird ein Schieber gezogen, und die Schrauben fallen gemeinsam in die unter der Tischplatte angebrachte Verpackungsschachtel. Ein selbsttätiges Zählwerk zeigt die gezählten Hunderte oder Tausende an. Daß eS zahlreiche landwirtschaftliche Apparate für Kriegs- verletzte, z. B. Kartoffelerntemaschinen, mit besonderer Sitzgelegen- heil usw. gibt, ist bekannt. Aber die technische Werkstatt für die Kriegsverletzten gibt sich mit dem bereits Geleisteteten nicht zu> frieden und schafft immer weitere Einrichtungen, die doch äußerst einfach zu handhaben sind. Als Beispiel hierfür sei zum Schluß eine Telephonzentrale erwähnt, die so eingerichtet ist. daß sie gleich- zeitig von Blinden und doppelt Armamputierten bedient werden kann. das Koksauto. Die möglichst starke Steigerung der KokSerzeugung hat sich iu England während des Krieges ohne Zweifel aus demselben Grund ergeben wie in allen anderen kriegführenden Ländern, und man scheint drüben an einem Ueberfluß an KokS zu leiden, für den nach einer zweckmäßigen Verwendung gesucht werden muß. Anders ist e« wohl kaum zu erklären, daß sich in London dcinnächst daS Koksauto unter die Bevölkerung der Straßen mischen wird. Tie Erfindung scheint nicht so ganz einwandfrei gewesen zu sein, denn die Lon- doner Polizeibehörde hat sich nach einer Mitteilung der Wockicn- schrist.Umschau'(Frankfurt a. M.) neun Monate lang mit der Prüfung bemühen müssen, ehe sie sich dazu entschließen konnte, die Betriebserlaubnis für eine kleinere Zahl der neuartigen Wagen zu erteilen. Nunmehr aber wird, wie e« immer zu geschehen pflegt, das größte Aufbeben von den Vorzügen der neuen Errungenschaft gemacht. Man berauscht sich schon an der Aussicht, daß durch diesen Kraftwagenbetricb der KokSbedarf in»ngeahnlem Grade steigen und dadurch die vorteilhafteste Anregung auf die Verarbeitung der Kohle und die daran beteiligten Industrien ausüben wird. Außer- dein soll sich der Kokswagcn durch ebenso große Geräuschlosigkeit deö Gangs auszeichnen, wie sie nur irgend bei den feinste» Kraft- wagen anderer Betriebsarten erzielt worden ist, selbstverständlich auch an Geschwindigkeit jedem andern Muster ebenbürtig sein. Noch viel wichtiger würde eS aber tatsächlich sein, daß im Vergleich zum letzten Friedenspreis« des Benzins durch den KokS eine Ersparnis von 60 Proz. bei gleichen Leistungen ermöglicht werden würde. Dazu kommt endlich noch, um das bedeutsamste an den Schluß zu setze», die Zusicherung, daß der KokSkraslwagen sogar genichsfrei sein wird, was bisber noch keine», Kraslwagen in vollem Matze be- schieden gewesen ist. Wenn sich all diese Versprechungen erfüllen sollten, wird es freilich nicht fehlen können, daß der neue Kokswagcn nach Beendigung des Krieges bald seinen SiegcSzug über das ganze Erdenrund antreten wird. Notizen. — Der von Max Reinhardt angekündigte Plan einer Kunstgesellschaft zur Förderung junger ringender Dramatiker ist soweit fortgeschritten, daß mit den Vorstellungen im Herbst begonnen werden wird. Der Mitgliedsbeitrag wird so be- messen sein, daß weite Kreise Gelegenheit haben werden, den für die Gesellschaft veranstalteten Aufführungen beizuwohnen. — Da? Blüthner-Orchestcr unter Leitung seines Dirigenten P a ul S ch e i n p f I u g veranstaltet in kommender Spielzeit wieder seine regelmäßigen So nniagskon zerre. Außerdem sind 8 große Sinfonie-Abende mit ersten So- listen, ein Beethoven-Zyklus und 2 große Chor- konzcrtc mit dem Scheinpflugschcn Chor in Aussicht genoimncn. — Frank Wcdekinds neue- Schauspiel„Hera- k lcß" ist von Max Reinhardt für das Deutsch« Theater zur Auf- fühnmg erwortbeu worden. Das Werk wird als eine der ersten Einstudierungen der kommenden Spielzeit mit Pau>I Wcgcner in der Titelrolle in Szene gehen. — Auch ein R a f f a e l ohne Hände. In der Zeit des KunstkampscS wurde Liebermann nach seiner Meinung über den lautesten Gegner der neuen Kunst, über Anton von Werner, gefragt. Er anlwortele:„Ick sage immer, wenn Anton von Werner coch ohne Hände jeboren worden wäre— denn hätte er doch die größte Schnauze.'(AuS dem Lieberniann-Heft von„Kunst und Künstler'.) Doch die Antwort mußte der verlorene Sohn sich denken. Es regte sich kein Fuß, kein Mund, als hätte ein Blitz alles Leben erschlagen. Danach machte sich Adolf Lenggenhagcr eigenhändig daran, sein Pferd zu satteln. Und wenig später ritt einer steifen Nackens zum Tor hinaus, während die von Scham und Kummer geduckten Leute in der Stube stumm vor ihren Tellern saßen und dem unbeugsamen, trotzgegürteten Gesellen nicht nachzublicken wagten. Nur ein iu grausamen Fängen zuckendes Mädchenherz schaute, lauschte und trauerte den, täuschenden Bild der ManneSkrast und Herrlichkeit schmerz- durchdrungen nach, bis der harte Hufschlag auf der Straße verstummte.... Am Nachmittag zog das Horner Wäldchen �fast alles an, was Treustadt an Eleganz und sportlicher Schaulust auf- bringen konnte. Die Mühe des Weges im Sonnenbrand und Straßenstaub nahm mau leichten Herzens in den Kauf: denn ein nationales Reiterfest war keine gewöhnliche Sonn- tagsbescherung, nicht zu vergleichen mit den ruppigen Fuß- ballspiclen und den einfältigen Mcßbudenfreudcn. Schon die Auffahrt der Wagen zeugte für den höheren Stil der festlichen Anstalt. Wer einen Selbstfahrer oder ein schönes Zweigespann besaß(zu der schwindelnden Höhe von Vicrerzügen waren selbst die reichsten Trcustädter noch nicht vorgedrungen), ließ das Vehikel sicher nicht im Schuppen stehen. Der von mächtigen Buchen und Silberweiden eingerahmte Sportplatz war in eine vierschleifige Hindernisbahn vcr- wandelt; man hatte Erdwälle. Tore, Mauern aufgerichtet, Gräben gezogen, Hürden und Barrieren erstellt. In der Mitte der Bahn Prangte der beflaggte Pavillon des Schieds- gerichts, das der Oberst aller Reiterscharen selber präsidierte. Die grünen Blusen und glänzenden Stiefel der Kavalleristen beherrschten heute den Plan. Zuweilen schimmerte auch ein roter Generalstabsstreifen im Gewimmel oder der grcllblaue Waffenrock eines Sanitätsoffiziers zog die Blicke an. Da keine Tribünen errichtet waren, wogte die nach Tausenden zählende Zuschauermengc auf holprigen, Waldgrund unruhig hin und her. Die Zuletztgekommenen, die nichts sehen konnten, drängten schimpfend nach vorn oder suchten irgend einen erhöhten Stand- ort zu erklimmen.(Forts, folgt.) Spezialarzt l>r. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 10 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Berufs- 215/10] Störung. Teilzahlung. 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Meiningerstraße 9.'* Botenfrauen werden eingestellt „Vorwäris*, Charlottenburg, Sescn- heimerstr. 1.* Zeitungsausträgerin sosort verlaugt„Vorwäris*.Spedition Panlotv, Mühlen inatze 70.* Zeituugsbottn verlangt.„Vor- wärts*- Ausgabestelle Bertin-Zkieder- schönewcide, Bnickenslraße 10 II 1., Unruh.* . lür 167L!» kmm Warniblechpresserei verlangt PANZER Aktlecgösöüschgft, Badstraße 59. JSaurer, Bauarbeiter und Arbeiterinnen werden eingestellt 263/7* Kestbau Waffenfabriketi Wittenau, Station Fichbornstraße. Sanbureau Sosiyau � Knauer, Eingang m. Tüchtige Schlosser oder Mechaniker zum Anlernen an Zigarettenmaschinen gesucht. Ci%aretteniahriU. Garbäty Pankow, Hadlichstr. TlichtBge ältere SchlOSSGP gesucht. Mercur Flugzeugbau G. m. b. H. SO 36, Treptower Str. 36/43. 51092* Transport- und Lagerarbeiter zu möglichst sofortigem Antritt gesucht. 221/10* k�liiAZieugiverke R. Ooetze Johannisthal, Jlugplatz, Eingang 6u. 187K* SS« Rgvelverbanli-Einriebter, Autoieaten-Eieriehter, V�ös�segilröhgs stellen sofort ein 5102L Tpezialkonstruktionen, Steglitz, Birkbuschstraße 37/39. Fahrpersonal sucht Schultheis!' Brauerei, Lichtci« seiper Straße 11—17. 01/6� m m per sofort oder späier verlangt. L.M.Barschall.Me Jakobstr. 11/12. Banwäcliter eventuell Kriegsbeschädigter, für Groß-Bcrlin per sofort gesucht. Mel- düngen, an Hetiman» u. Litt- mann G. ni. b. H., Berlin, Linksir. 17. Mehrere Schmiede aus Heeresarbeiten(Hufschmiede u. andere). Schirrmeiüer(auch arbeits- oerwendungssähige für die Heimat) für einfache Arbeiten verlangt. 265K* Alex. Herman G. m. b. H., Berlin ST 30, Pankstr. L9. A Kräftige rbeiter nnd Handwerker gesucht,* — passend füt Familienväter— Städtisches Gaswerk II Charlottenburg, Gaußstraße. Wir stellen in unserer Glasschleiferei dauernd tüchtige Hrbeiter Sendlinger optische Glaswerke G. m. b. H. 5101S* Zchlcndorf(Wannscevahn). ein. Spitzendreher, Kenoberdreher Schlosser u. Korizontalbobrer stellt ei« 5 Carl Flohr, Maschinenfabrik, 5002S* Chausseestraße 35. Werkzeughärter• sncht PANZER Aktiengesellschaft, Badstraße S9. öntorSstii\ I mit guter Handschrift für leichtere» Hüfsarbeiten sofort gesucht. Vorwärts Buchdruckerei I Berlin SW 68, lindenstr. 3. Jugendliche Arbeiterinnen l�tffirlMÄrbei! Loeweiillial, CöpenickeFSlr. 74. 1292* jür die Zigarettenindustrie wird eingestellt. IZigsrvttsirfsidHh Garbäty Pankow, Hadlichstrafte. �ggszgzDgzzrxxzgzzrgxzzzgzgzzzzzzzzzzgz� UMasehinenmätlchen EäS| m Bosnia Cigarellenfabrik, Aie�anderstraße«?. �zzzgzzgzgzzzggggzzzzzzzgzzzzzgggzzzzzgW 1 Maschinenbauer Hobler, Werkzeugdreher, Einrichter für Antomaten und Fräsmaschinen sucht Titania-Werk G. m. b. H. 5118L*| Berlin-Schßneberg, Oeneststraße 5. Zu melden bei Meister Kafert. Zusehläger und Stockgesellen sucht sofort 59/11* Schulz u. Holdcfleist, Fennftr. 13. verlangt 'erkzengdsehel 116L Sornlzessellvkrkt, Straste 34. liagerarbeiter «. Itaufbursche svlort gesucht. Wolffert u. Wittmer, Berlin, Mauerstr. 86/88. 2914b Klempner sofort gesucht. Macchinentahrik Henkeiin°.. n Neohölln, Röigsti. 104. Ardeiter zum Kohlenpressen sucht Batteriefabrik Zeiler, Nungestr. 20. 62/2*j Mehrere Schmiede aus Heeresarbeiten(Hufschmiede und andere), Schirrmeister(auch arbeits- oerwendungssähige für die Heimat» für einjache Arbeiten verlangt"* zUex. Herman Berlin-Dempelhof, Kaiser-Wilhelm-Straße 10/11. Lehrmädchen iin Alter von 14—16 Jahren sosort verlangt. Vorstellung nur in Be- gleitung der Eltern oder des Vor- mundes von 8—'1,2 Uhr vormittags und 4—7 Uhr nachmittags in unserer Personalverwaltung 4. Wage. A. Jandorf& Co., Kottbuser Damm 1. 2876b* Boten„nd Botinnen können sich melden nachmittags zwischen 6 und 7 Uhr Französische- straste 33. 276/19* Mehrere jüngere Arbeiterinnen (nicht unter 16 Jahren) füt Bohr- und Schleifarbeiton verlangl* Alex. Herman G.m.b.H., Berlin X 30, Pankstr. 39. Kartonardeitermnen verlangt Karton-Fabrik Plant, Wasimannstr. 34. 5119* Arbeiterinnen! kräftige, zum Kohlenpress., ; Löterinnen für Zinkhülsen, 62/3* i Löterinnen für Batterien, sucht m,'.» Zeiler Rungestraße 20.