Zlr. 189. 34. Jahrg. flbonnementS'BedlngungeB: Blonnemcnts• Stets vtünumetmtdo BictteljäbrL S.90 Ml. monaa lL0 Ml. Ivöchenllich S0 Pfg. lrei ins HauS. Einzelne Nummet ö Sfg. Sonntags. nummct mit inuftncrtct Sonntags» Beilage.Die Neue Welt'>0 Big Soll. Abonnement: L30 Marl vto Monat Gingettagen w die Soli-ZeitungS- SteiSIiite. llntet Kreuzband iür Deutlchlan» und Oelietreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland « Marl vro Monat SollabonnemeniS nebmen an Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Sonugal. kumänien. Schweden und die Schweiz, kklldtlll IZgNch. Verlinev Dolk�blnkk. C 5 Pfennig) D)t Intfrtions-Gebühr telrigl für die lechSgewaltene Kolonel. «eile oder deren Raum M Plg,. n!i politilche und gewerlschaiiliche Vereins- »nd VerlammlungS» Anzeigen SO Pfg, Kleine Snreigen", das leNgedruilie Kort 20 Pig,(zulSlstg 2 lettgedruckle Worte), jedes weitere Wort lO Pfg, Stellengesuche und Schlatllellenan- «eigen das erste Wart 10 Big. jedes «eitere Wort oVIg. Worte über 15 Buch- Itaben zäblen tär zwei Worte. Fnleraie [fit die nächste Nummer müssen bis » llbr nachmittags in der Expedition Tbgegeden werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet Delegramm-Adresset .SsiUidcmskrat Btrlln". Zentralorgan der foztaldemohratifcben Partei Deutfchlands. Keüaktion: Siv. 6$, Linüenstraße 3. flerulvrecher: Rmi Morivpla«, Rr. 1S1 30— ISl S7. Freitag, den 13. Juli 1917. Expeöition: EW. öS. Linöenstraße 3. fferaitiretbtt:«mt Mortvpla», Nr. 15190—15197. Der Weg zur Demokratie. Gleiches Wahlrecht und parlamentarisches Spstem. Die ersten Wahlen zum preußischen Landtag nach dem Kriege werden unter dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht vor sich gehen. Der König von Preußen verspricht es, die preußische Regie- rung wird zu diesem Zweck umgebildet, der Reichstag will es, und daS Volk will es. Die preußischen Konservativen wollen es n i ch t, ihr Partcivorstand hat gegen den Gang der Weltgeschichte feierlich Protest eingelegt, vielleicht gibt es also noch einen kurzen Endkampf, der jetzt, je rascher desto besser, erledigt werden muß. Der?lusgang aber steht jetzt schon fest. Die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen be- deutet eine fundamentale Umwälzung nicht nur für Preußen selbst, sondern für das ganze Reich. Wenn man jetzt von Llcnderungen der deutschen Reichsverfassung spricht, so muß man ein nach gleichem Wahlrecht gewähltes preußisches Abgeordnetenhaus schon mit in Rechnung stellen. Dieses demokratische Preußenparlament wird auf die preußische Regierung einen ebenso starken Einfluß üben wie das weiland konservative, es wird, wie jenes, auch die Verwaltung des größten deutschen Bundesstaates zu kontrollieren haben. Preußen wird im Bundesrat nicht mehr die reaktionäre Vormacht sein. Das preußische Abgeordnetenhaus wird un- gefähr ebenso zusammengesetzt sein wie der deutsche Reichstag. Tic preußische Regierung, die preußische Verwaltung, der preußische Landtag werden aufhören, Gegengewichte gegen den Reichstag zu sein. Damit steigt auch automatisch seine Macht. Die Macht des Reichstags ist auch heute schon, wenn er will, sehr groß. Sie wird durch das gleiche Wahlrecht in Preußen noch viel größer werden. Wenn es der Reichstag ablehnt, mit einem bestimmten Reichskanzler, mit einem be- stimmten Staatssekretär zusanimcnzuarbeiten. was will man dagegen tun? Es auf einen Konflikt ankommen lassen? Gegen solche Experimente, die, von einer kleinen Schar ultra- konservativer Heißsporne abgesehen, kein Mensch will, be- stehen doch auch heute schon sehr erhebliche Bedenken. Sie iverden unüberwindlich sein, wenn erst auch Preußen demo- kratisiert ist. Nichts ist notwendig als ein klares Bekenntnis zuden Tatsachen. Auch heute schon kann keiner Reichs- kanzler oder Staatssekretär bleiben, wenn ihm eine ge- schlossene Reichstagsmehrhcit mit Mißtrauen gegenüber steht. Und morgen müssen die leitenden Posten in der Reichs- regierung mit Parlametstaricrn besetzt iverden, wenn der Reichstag mit einer Beamtenregierung nicht zusammen- arbeiten will. Dieses„Muß" bedeutet keinen Zwang aus Gewalt, sondern einen Zwang aus Logik. Das erste, was das Staatsoberhaupt von seinen Ratgebern verlangen muß. ist, daß sie durch das Bindeglied der Volksvertretung ein V e r- traucnsverhältnis zwischen der Spitze des Staates und dem Volke herstellen: versagen die Ratgeber bei dieser Aufgabe, dann haben sie nicht leisten können, was von ihnen erwartet wurde und müssen sich aus ihrem Amte entfernen. Ter Krone selbst ist am schlechtesten von Ratgebern gedient, die sich mit der Vertretung des Volkes nicht vertragen können. Dies ist der„Bayerischen Staatszeitung" entgegen- zuhalten, die eine Parlamentarisierung der deutschen Reichs- regierung für unmöglich erklärt. Das Notwendige, das sich aus der Entwicklung der Dinge von selbst ergibt, ist niemals unmöglich. Gewiß besteht eine Schwierigkeit darin, daß wir im Reich. kurz ausgedrückt, das Zweikammersystem haben, daß es neben dem Reichstag auch noch einen Bundesrat gibt. Wie. wenn die parlamentarische Regierung einen Gesetzent- Wurf einbringt, der vom Reichstag angenomnien. vom Bundes- rat aber abgelehnt wird? Dieselbe peinliche Möglichkeit be- steht ja auch in anderen Staaten, wie z. B. in England, kann man aber sagen, daß in England das parlamentarische System unmöglich ist, iveil es ein Oberhaus gibt? Reibungsflächen können entstehen, sie sind aber auf ein Minimum verringert, ivcnn der führende Bundesstaat, Preußen, demokratisiert ist. Natürlich bedeutet das alles eine fundamentale Veränderung der R e i ch s v e r f a s.s u n g. Aber auch die Reichsverfassung muß sich, wenn das- Reich selbst bestehen soll, der Entwicklung anpassen. Und nicht darum kann es sich handeln, etwas mehr oder weniger Wünschenswertes, aus dem Gehirn heraus zu konstruieren, sondern viclniehr darum, einen gewordenen Zustand als tatsächlich bestehend anzunehmen/ Hn diesem gewordenen Zustand spielt aber der Reichstag eine ganz andere Rolle, als sie ihm ursprünglich auf dem Papier der Verfassung zugedacht war. Das Uebergewicht des Bundesrats über den Reichstag konnte nur dadurch notdürftig aufrechterhalten werden, daß die Regierung in der glücklichen Lage war, die zahlreichen Parteien des Reichstags gegeneinander auszuspielen: zu teilen und zu herrschen. Das ändert sich aber mit einem Schlage, wenn im Reichstag eine f e st e M e h r h e i t zu- sammensteht. Was das bedeutet, davon hat man in diesen Tagen doch schon em kleines Vorspiel erlebt. Aber der Reichs- tag wird in seiner Parteizusammensetzung auch nicht immer so bleiben, wie er heute ist, schon die nächsten Wahlen dürften eine geschlossene und aktionsfähige Mehrheit bringen. In dem Augenblick, in dem dies geschieht, ist daS Uebergewicht des Reichstags von selber gegeben und alle Versuche, mit Paragraphen dagegen anzukämpfen, müssen vergeblich bleiben. Die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen be- deutet nicht dasselbe wie die Einführung dieses Wahlrechts in Sachsen oder in Mecklenburg. Sie bedeutet tatsächlich in ihren natürlichen Folgen die Demokratisierung des ganzen öffentlichen Lebens auch im Reiche. Sie bedeutet da? Ueberwiegen der Volksvertretungen gegenüber allen ernannten Körperschaften. Sie bedeutet letzten Endes auch das p a r- lamentarische System. Darum soll sich der Reichstag durch den Einwurf bundcS- staatlicher Bedenken und durch Partikularistische Drohungen nicht irre machen lassen. Was soll es denn heißen, wenn die„Bayerische Staatszeitung" schreibt, daß das parlamentarische System„den Bestand des Reiches auf das allerschwerste gefährden würde"? Wir sind fest davon über- zeugt, daß der offiziöse bayerische Artikclschreiber in diesem Fall das bayerische Volk nicht hinter sich hat, daß das bayerische Volk an eine Reichstreue auf Kündigung nicht denkt, und daß eS am wenigsten mit einer solchen Kündigung drohen will, um einen notwendigen von der Entwicklung gc- botcnen Fortschritt der deutschen Reichsverfassung zu verhindern. Verhindern? Ebenso wenig wie man den Rhein der- hindern kann, sich stromabwärts zu ergießen, kann man den Reichstag verhindern eine vollkommen gleich- wertigc Stellung neben den Vertretungen anderer großer Völker einzunehmen. Er braucht diese Stellung nicht erst zu erringen, er h a t sie schon, und wenn es bisher aus übergroßer Bescheidenheit und infolge seiner Parteizcrrisscnhcit keinen entscheidenden Gebrauch von ihr gemacht hat, so war dem Volke Deutschlands damit durchaus nicht gedient. Das ist das Große in den Erlebniffen der letzten Tage. daß in ihnen dem Reichstag seine Versäumnisse und Fehler bewußt geworden sind und daß er sich bemüht, sie nachzu- holen und zu verbessern. Das Reich hat durch die inferiore Stellung, in der sich der Reichstag hielt, nichts gewonnen, sondern nur ungeheuren Schaden erlitten. Das deutsche Volkbraucht aber, um aufrecht aus diesem Krieg in den Frieden hinüber zu gehen, eine Volksvertretung, die seiner würdig ist, ein Parlament, das neben den anderen Par- lamenten der Welt gleichwertig und gleichberechtigt dasteht. Danim darf sich der Reichstag nicht ducken lassen, er hat vielmehr die Pflicht, das zu sein, was er sein kann: ein entscheidender Faktor der deutschen Reichspolitik! Die Demokratisierung Preußens müßte ihn dazu machen, selbst wenn er nicht wollte. Er ist es heute schon, wenn er will. Und was er ist, das wage er zu scheinen! ** * Der oben zitierte Artikel des Organs der bayerischen Regierung,„Bayerischen Staatszeitung", beruft sich auf eine Erklärung Bismarcks vom 5. April 1884, die sich gegen die Schaffung eines verantwortlichen Reichsministeriums mit fol- gendcn Worten wandte: „Man wird nicht fehl gehen, wenn man in der von der neuen FortschniUichen Partei erstrebten Einrichtung eines solchen Ministeriums ein Mittel aur Unterwerfung der Regierungsgewalt des Reiches unter die Mehrheitsbeschlüsse des Reichstags erblickt. Die königlich preußische Regierung würde in einer derartigen Verschiebung des Schwerpunktes der Re- gierungsgewalt eine große Gefahr für die Dauer der neu� gewonnenen Einheit Deutschlands erblicken. Selbst wenn es gelänge, feste Majoritäten aus den im heutigen Reichstags vorhandenen Parteien zu bilden, würde die königliche Regierung doch die Her- slellung eines parlamentarischen Regimentes für eine sichere Ein- leitung zum Verfall und zur Wiederauflösung des Deutschen Reiches halten." Dazu schreibt die„Bayerische-: Staatszeitung": Diese Erklärung des ersten deutschen Kanzlers, die damals die ungeteilte Zustimmung aller Vertreter der sämtlichen übrigen Bundesregierungen fand, hat noch heute Wort für Wort unveränderte Geltung. Die Worte Bismarcks, die, wie erwähnt, zu der Frage der Einrichtung vexgnlwortlicher Reichs- Ministerien gesprochen waren, gewinnen natürlich gegenüber der jetzt laut werdenden Forderung auf Einführung eines parla- mentarischen Systems in Deutschland noch ganz besondere Bedeutung. Ein solcher Eingriff in die Grundlagen des bundesstaatlichen Charakters des Deutschen Reiches würde dessen Bestand aufs schwerste gefährden und muß daher aus das entschiedenste �tlS unannehmbar von vornherein abgelehnt werden. Ein anderes aber ist es, wie schon betont. mit Maßnahmen, die im Rahmen deS durch feierliche Verträge verbürgten bundesstaatlichen Charakters des Reiches für ein inniges und verständnisvolles Zusammenwirken von Reichsleitung und Volksvertretung Gewähr bieten, und die, als im Interesse der Wohlfahrt des Reiches gelegen, freudig begrüßt werden könnten. Seit 1884 hat sich die R e i ch s e i n h e i t doch wesentlich gefestigt, auch die A chtung vor Mehrheitsbeschlüssen des Reichs- tags dürfte seitdem— außerhalb der amtlichen Kreise Münchens— gleichfalls gewachsen sein. Bayern, wenn auch nur das amtliche Bayern, als Gegner der Reichsdemokratie, ein erbauliches Schauspiel für das Aus- land in dieser Zeit! die Kanzlerkrise. Der Erlaß der neuen WahlrcchtSbotschaft, die an die Adresse des Herrn v. Bethmann als des Präsidenten deS Staatsministeriums gerichtet war, ist vielfach so aufgefaßt worden, als ob bereits eine Entscheidung für das Verbleiben Bethmann Hollwegs im Amte gefallen wäre. Die? ist-jedoch— oder war wenigstens bis gestern abend noch nicht der Fall, Für oder gegen das Verbleiben des Kanzlers im Amte dürften nach der gegenwärtigen Sachlage die Auffassungen der großen ReichStagSparteien mitentscheidend sein. ES ist in den letzten Tagen oft die Frage erhoben worden, wie die Sozialdemokratie zu Herrn v. Bethmann Hollweg stünde. Nun ist es doch hinreichend bekannt, in wie scharfer Weise die aus- wältige wie die innere Politik deS Reichskanzlers von der sozial- demokratischen Fraktion kritisiert worden ist. Dazu kommt noch, daß daS Deutsche Reich unter den großen kriegführenden Staaten der einzige ist, in dem noch derselbe leitende Staats- mann wie beim Ausbruch des Krieges im Amte ist. Einem Nachfolger deS gegenwärtigen Reichskanzlers würden manche Schwierigkeiten erspart bleiben, unter denen der gegenwärtige durch die Belastung der Vergangenheit zu tragen hat. Auf der anderen Seite müssen die fanatischen Anstrengungen der schwerindustriellen Presse ausfallen, den Kanzler aus seinem Amte zu entfernen. Es ist Lberflüssiig zu sagen, daß ein Nachfolger, der diesen Kanzlerstürzern genehm wäre, auf die aller- schärsste Gegnerschaft nicht nur der Sozialdemokratie, sondern auch wahrscheinlich einer sehr starken Reichstagsmehrheit zu rechnen hätte. Als Kandidat der Schwerindustrie wird vielfach Fürst Vülow genannt. Der Mann, der daS Wort sprach:„Die auswärtige Politik Deutschlands wird nicht in der Hasenheide gemacht", ist schwerlich geeignet, in seiner Auslandspolitik der Demo- kratie die von der Zeit gebotenen Zugeständnisse zu machen, Er, der von den„russischen Schnorrern und Verschwörern" sprach, und die„Mandelstamm und Silberfarb' antisemitisch bewitzelte, ist schwerlich dazu geeignet, mit der Regierung des revolutionären Rußlands Verhandlungen zu führen. Er. der s o v i e l v o n d e ni verschuldet hat, worunter wir heute leiden, kann nicht berufen sein, die aus den Fugen gegangene Welt wieder einzurenken I Seine Kandidatur ist nicht ernst zu nehmen. , Wirkungen der Wahlrechts- botfthast. Die Nachricht, daß die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen bevorstehe, hätte zu anderen Zeiten den stürmischen Jubel der Bevölkerung hervorgerufen. Heute ist für solche Freude die Zeit zu ernst, sind die Sorgen zu schwer. Unter denen, die vor Jahren mit uns auf die Straße gingen und zum Massenstreik riefen, um das gleiche Recht in Preußen zu erobern, waren gewiß viele, die für dieses Ziel jedes Opfer gebracht hätten. An solche Opfer, wie sie ein dreijähriger Weltkrieg erforderte, hat damals wohl niemand gedacht. Der Gewinn ist groß und wird in die Ferne wirken. Aber der Preis war entsetzlich hoch! Noch ist auch nicht das letzte Mißtrauen aus- gerodet. Man fragt sich, wann die Vorlage eingebracht werden soll, und was geschehen wird, wenn der Landtag sie ablehnte. Dann würde der Kampf eben noch einmal auf- genommen werden müssen, aber er wäre nicht lang und sein gutes Ende wäre gewiß! In konservativen Kreisen scheint mau indes nicht die Absicht zu haben, sich dem Strom entgegenzuwerfyu, Seine sonderliche Kampflust spricht aus einer Protestresolution des konservativen Partcivorstandes, die folgendes erklärt: Tos gleiche Wahlrecht entspricht nicht dec Eigenart und der historische» Vergangenheit des preußischen Staates»nd nicht den der preußischen Gesetzgebung vorbehaltenen gesepgeverischen und sonstigen Aufgaben. Es ist viel mehr geeignet, dos feste che» f ii g e Preußens � n erschüttern und auch diesen Staat der vliltige« Trinokratislerung auszuliefern. Da» durch ihn dar» gestellte unentbehrliche Gegengewicht gegen die Ge- fahren der Ilnrnhe und der Ueberstürzung, die nach den Er- sahrunge» der letzten Jahrzehnte für das Reich bestehen, wird durch die Einsührnng des gleichen Wahlrechts hinweggeräumt. Tic konservative Partei vermag weder anzuerkennen, daß die in Aussicht gestellte Maßnahme durch die Erfahrungen des Kriege» geboten tvar,»och daß sie auch nur als geeignet er-- scheinen könnte, um über die Schwierigkeiten der Heu- t i g e n Lage hinwegzuhetfeii und den Sicgeswillcn des Bplke» zu stärke». Tic in Aussicht gestellte Acndecung des preußischen Wahl- rechtes kann daher die konservative Partei nur mit ernsten Bedenken und mit tiefen Sorge» für die jjutunft unseres Vaterlande» erfüllen. Noch resignierter klingen die Stimmen der konservativen Presse. Tie„Deutsche Tageszeitung" beklagt den„Untergang des alten Preußens", den sie offenbar schon als vollzogene Tatsache hinnimint. Sie baust Verwünschungen auf das Haupt des Reichskanzlers, der an diesem Unheil schtild sei und nennt den lt. Juli einen schwarzen Tag in der preutzisch-dentschen Geschichte. Die„K r e u z z e i t u n g" stellt fest: „Ter Akt von entscheidender Bedeutung für Preußen ist vollzogen ohne daß die geordnete Vertretung des preußischen Volkes auch nur ge- bört worden ist; die tatsächliche Lage ist als» die, daft Preußen heute bereits vom Reiche aus regiert wird." Danach scheint auch das führende konservative Blatt die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen als eine so gut wie vollzogene Tatsache anzusehen, im Gegensatz zur Post", die der Meinung ist, da» Schicksal der kommenden Regierniigsvorloge scheine ungewiß. Immerhin, fügt sie hin- zu, habe der Gedanke des gleichen Wahlrechts einen u n- zweiselbasten Sieg errungen und werde, mögen sich ihm auch ernste Widerstände entgegenstellen, für alle Folge- zeit wirksam bleiben. Kehraus in der preußischen Regierung. Tie„Berliner Abendzeitung", ein Blatt des Scherl- Verlags, das vorläufig die Vertretung des„LokalanzeigerL" übernehmen muß, meldet, daß infolge der Entscheidung zu- guilsten des stleiche» Wahlrechts fünf preußische Minister ihre Entlassung eingereicht hätten. Es sind die Herren v. Breiten- dach, Dr. Frhr. v. Schorlemer. v. Loebell, Dr. Beselcr und der Kultusminister Dr. von Trott zu Solz. Das Blatt des Scherlverlags(der seinerzeit auf Be- treiben des Reichskanzlers von der Schwerindustrie saniert »vurde, jetzt aber in die Reihen der allerschärfsten Kanzler- gegner eingeschwenkt ist) feiert die scheidenden Minister als aufrechte Männer, die ihrer Uebcrzcugung treu ge- blieben wären. Eine amtliche Bestätigung dieser schon vorgestern von uns als wahrscheinlich bezeichneten Meldung liegt zur Stunde noch nicht vor. * Der Kronprinz hatte gestern Beipreckmiigen mit den Vertretern der verschiedenen ReichstagSfrakiionen und zwar mit Graf Westarp st.). Merlin(Dlsck. Ar.>. Er, berger(Z,), Stresemann(natl.), von Payer(Vp.) und Genossen Dr. David. Abgeordneter Spahn plötzlich ertrankt. In der gestrigen Fraktionssitzung ist der Führer de» Zentrum», Ahgeordneicr Spahn, unter einem schweren Ohnmachtsonfall zu» sammciigebrochen. Nach einer Meldimg der„Germania' hofft Spahn, in einigen Tage» wieder im Reichstag erscheinen zu können. Die„Deutsche TageSzeitmig' will wissen, daß die Erkrankung die Folge hesliger Erregung ist. E» sel bei der Besprechung de» Erzbergerschen Borgehens zu so scharfen Auseinander» s e tz u n g e» gekommen, daß fast eine Spaltung zu drohen schien.' Die Berufung der internationalen sozialiftisthen Friedenskonferenz. Kopenhagen, 12. Juli. Der dänische Abgeordnete für die Stockholmer Sozialistenkonfcrenz, Redakteur Borgbjerg, telegraphierte seinem Blatte an» Stockholm, daß zwischen der russischen Abordnung und dem skandinavisch- holländischen Komitee eine Einigung erzielt worden sei. Der russische Arbeiter-«nd Soldatenrot beruft eine internationale sozialistische Friedenskonferenz nach Stockholm zum August 1817, deren DageS» ordnung sein wird: Weltkrieg und Mittel zu seiner schnellen Beendigung. Der Anfrnf zur Konferenz wird heut« a« die sozialistischen Parteien aller Länder in deutscher, russischer, französischer und englischer Sprache versandt. Die russischen Abgesandten reisen nnn»ach London, Paris«nd Rom, nm die Sozialistenpartcien der Entente persönlich zur Friedens- konfercnz einzuladen. » $ t» it P o l m, 12. Juli.(Eig. Drahtbericht des„Borwärt»".) Laut„Socialdemokratan" führten Besprechungen, die das Komitee mit den Rüsten hatte, zur Einschung eine» gemeinsamen Komitees- für die Borbcrritung der allgemeinen Konfercnz. Nina Bang, Borgbjerg und Bliesen reisten heute heim. Zriedensbekenntnis des ungarischen Ministerpräsidenten. Wegweisende Worte. In der Mütivochfitziing des ungarischen Abgeordnetenhauses bcantwortele Ministerpräsident Graf Esterhazh die vor einigen To- gen über die auswärtige Politik und da» Verhältnis zu Oesterreich eingebrachic Interpellation de» Baron» Maraffay-Beck, indem er ausführte: Wir halten unverändert fest an dem s» glänzend be- währten Bllndni» der Monarchie mit Deutschland. Wir tllhren diesen Krieg als Verteidigungskrieg und unter Friedensziel ist nicht Eroberung.. Juli zwischen Küste und der Straße Nieuport— Lombartzyde konnte noch nicht völlig festgestellt loerden, da die feindlichen Stellungen durch unser« Artilleriewirtung zum Teil vollkommen verschüttet sind. Bis heute wurden 36 Maschinengewehre, 13 Minenwerfer und 1 Revolverkanone eingebracht. Die eroberten Stellungen wurden von den Engländern am Vormittage de» 11. mit starkem Feuer belegt, das am Nachmittage abflaute, um sich nacht» wiederum zu verschiedenen lebhaften Feuecüberfällen zu steigern. Bei dem erfolgreichen Angriffe waren die deutschen Verluste äußerst gering. Berschiedene feindlickie Patrouillen wurden am lt. in Flandern zurückgewiesen. Nördlich Hollebekc war ein stackex feindlicher Er- ?unbungstru�p in unsere Stellung eingedrungen. Er wurde unker schweren feindlichen Verlusten durch Gegenstoß sofort wieder ge- worfen. » Berlin, 12. Juli. In den letzten 14 Tagen sind auf St. Qnentin etwa 2800 Schuft gefallen. Die Kathedrale erhielt(SO Treffer und wird mehr und mehr zur Ruine. feindliche Heeresberichte. Onslischrr Heeresbericht vom 1 l. Juli nachmittags.?>ach einer sehr kräftigen, vierundzwanzigftündigen Artilleriebeschießimg machte der Feind gestern abend einen entschlossenen Angriff auf unsere Stellungen an der Front von N i e u p o r t. Infolge de« zusammengefaßten feindlichen Gcschützfeucrs waren die Befestigungen im Dünenabschnitt in der Nähe der Küste eingeebnet und der Abschnitt selbst durch die Zerstörung der Brücken über die Vscr abgeschnitten worden. Der Feind drang in unsere Stellungen auf einer Front von 1400 Aards in einer Tiefe von 600 Dards ein und erreichte das reckte Ufer der Dser in der Nähe der Küste. Bei tlombartzvde wurde der Feind, nachdem er zeitweilig unsere vorderen Stellungen besetzt hatte, in seine Gräben zurückgeschlagen. Vom 11. Juli abends. Die äußere Heftigkeit der feindlichen Artillerie an der Front von Ä i e u p o r t verminderte sich. Der Feind griff vorgeschobene Posten östlich von Monchy-le-Preux am Morgen auf einer Front von 800 Aards an; es gelang ihm, einige ganz unbedeutend zurückzudrücken. Ein feindlicher Versuch, einen Posten nordwestlich von Lens früh am Morgen zu überfallen, wurde abgeschlagen. Französischer Heeresbericht vom 11. Juli nachmittags. Ziem- lich lebhafter Artilleriekampf nördlich von Jo u h, in der Gegend von Sapigneul und in der Ehampagne. Wir schlugen zwei Handstreiche auf unsere kleinen Posten ab. Der Feind ließ Gefangene in unseren Händen zurück. Auf dem linken MaaSufer blieb die Artillerietätigkeit sehr lebhast im Abschnitt der Höhe 304. In der W o e v r e machten die Deutschen einen Angriff auf unsere Stellungen nördlich von F l i r e Y. Nach einem lebhaften Kampf wurde der Feind vollkommen aus dem Schützengrabenstück geworfen, in dem er Fuß gefaßt hatte. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Vom 11. Juli abends. Der Tag war durch ziemlich heftige Artillerieunterncbmungen in der Gegend des Pantheon, in ver- sckiedenen Abschnitten südlich von Maronvillier« und in der Richtung auf Höhe 30 4 gekennzeichnet. Keine Jnfanterieunter- nehniung. Belgischer Bericht. Während der Rächt haben die Deut- schen die Beschießung von Furnes fortgesetzt. Heute die üblichen Artillerieunternehmungcn an der ganzen Front, besonders vor Rampscapelle, Tixmuide und Het Sas. Der rusilfthe Vormarsch südlich ües Dnjefter. Wie«, 12. Juli. Aus dem Kricgopresseguartier wird am 12. Juli abends gemeldet: Unmittelbar südlich des Dnjestr fanden örtliche Kämpfe statt. Die Lage ist unverändert. » Rnffifcher Heeresbericht vom 10. Juli. Westfront: Südlich von Brzezany luftige Gcschützkämpfe. In der Richtung auf DorinSt setzten die Truppen des General» Kornilow ihre Offensive am S. Juli in der Gegend westlich von S tan i»lau fort: die öfter- reichisck-ungarischen und deutschen Truppen leisteten ihnen kräfti- gcn Widerstand und machten erbitterte Gegenangriffe. Die hart- nackigsten, blutigen Kämpfe spielten sich auf den Straßen»ach H a l i t s ch in der Gegend der Dörfer Kutzuska, Patzikow und Pawetlsch ab; in den Straßen dieses letzteren Dorfes fand ein Nahkampf statt, der mit der ganzlichen Nirderlaae des Feindes endete. Gegen Abend erreichten unsere Truppen den L u k o w j tz a- Fluß. Nachdem sie die Dörfer Birtorow, Maidam, HutzuSka und Patzikow besetzt hatten, trat der Feind den Rückzug gegen den Lomnitza-Fluß an. In den Kämpfen am 0. Juli haben wir über tausend öfter- reich isch ungarische und deutsche Gefangene gemacht, drei Feld- geschütze, viele Schützcngrabenwerkzeuge und Maschinengewehre und eine große Menge technischen und Kriegsgerätes erbeutet. Die Haltung und der Mut unserer Truppen waren unveraleichlich, die Offiziere überall voran. Ai« Ergebnis dieser beiden Tage der Offensive westlich von StaniSIau haben wir die Stellungen des Feinde« auf einer Front von zwanzig Werft bi» zu einer Tiefe von vier bis zehn Werst eingedrückt. Bericht vom 11. Juli. Westfront: In der Richtung auf Dolin setzten unsere Truppen die Verfolgung de« durch die Armee des Generals Kornilow auf der Front flezupol— StaniSlau— Bogorod. fchanb vollständig geschlagenen Feindet nach Nordwesten fort. Gegen Mittag nahmen unscre tapferen Truppen unter dem Be- fehl des Generals Tscheremiffow die Stadt H a l i c z ein und warfen ihre Vorhut auf Im» linke Dnjeftr-Ufer. Bei Einbruch der Dämmerung, erreichten unsere Trupppen da« Lomnicatal auf der Front Lommr-Mündung— Dobrowlanh und warfen nach kurzem Kampf ihre Bortruppcn auf das linke Flußufer, wobei sie die Dörfer Bludnikh und Babiaa besetzten. Abteilungen, die die Front Bogorodsckanh— Zolotonia angriffen, brachen den feinblichen Wider- stand und erreichten die Linie P a sse t ch— L i e s so urk a— K o S m a t st. Im Verlauf dieses Kampftage« machten wir mehr als 2000 Gefangene und erbeuteten etwa 30 Geschütz«. Im ganzen machten wir an den drei Kampftagen de« S.. g. und 10. Juli in der Ricktung auf Dolin mehr al« ISO Offiziere und 10 000 Mann zu Gefangenen, erbeuteten ungefähr SO Geschütze, darunter 12 schwere.. und außerdem eine große Zahl Grabenkampfmittel und Maschinen- gewehve, ebenso wie«ine beträchtliche Menge KriegSgerät und Schießbedarf. Aul dem übrigen Teil der Frontz lebhafterer Artilleriekampf in der Ricktung auf Z l o c z o w und bei Brzezanv. An der Ostsee machten am S. Juli Geschwader feindlicher Wasserflugzeuge drei Gtreifen qegen Arenburg und die Gegend von Oerel, wobei sie etwa 30 Bomben auf Reeden Batterien und andere Anlagen abwarfen. Alle Würfe forderten Menschenopfer und verursachten Sckaden. Ein feindlicker Lenk- ballon überflog im äußersten Südwesten die Schären von Oeland. Die Luftangriffe auf Konftantinopel. Lo-do». 11. Juli,«euier. Di« Admiralität«eilt mit: Der Vizeadmiral de« östliche« Mittelmeere« meldet: Marineflugzeug« griffe« Montag nackt die vor Konffantinopel liegend« deuttch. «ürkiicke Flott« mit Erfolg an.«lS ffe die Soeben, die von Kriegsschiffen und U-Boolen umgeben war. ausfindig gemacht Satten, griffen fi« sie au« einer Höhe von«00 Fuß an. Sie er- zielten direkte und indirekie Treffer auf der Goeben und anderen Schiffen in der Nähe. An Bord ereigneten sich schwere Explosionen. ES brachen mehrere Brände au«. Die Flieger griffen auch da« fct'ieg«Ministerium an und trafen e«. Der Feind schien vollständig überrascht zu sein, denn die Abwehrbatterien eröffneten eist da« Feuer, nachdem die Bomben geworfen waren. Die Flieger sind wohlbehalten zurückgekehrt. Hierzu erfährt Wolfis Bureau an zuständiger Stelle, daß so- wohl die Goeben, al« auch da« Kriegsministerium gänzlich u n- beschädigt gebliebe« find. Die neuen Kämpfe inn Rußland wurde, wie das Petersburger Telegrapbenbureau meldet, durch die provisorische Regierung auf- gehoben. Wem: Verbrecher auf frischer Tat ergrissen locrden und besonders ernste Umstände eine augenblickliche Untersuchung einer Sacke erfordern, soll sie zur schnellen Verhandlung an den ständigen Kriegsrat überwiesen werden. DaS Haaser KriegSaefangenen-Abkommen. Das englische Aus- wältige Amt teilte im Unterhause mit, daß die englische Regierung dem im Haag zustande gekommenen vorläufigen Abkommen betres- send Kriegsgefangene zugestimmt habe. Finnland-Sorgen. Wie die Petersburger Telegraphen-Agentur melde», begab sich eine Abordnung des Arbeiter- und Soldatenraies mit Tscheidse an der Spitze nach einer geheimen Beratung mit der Vorläufigen Regierung nach HelsingforS, um an Ort und Stelle die Lage zu studieren und die Fragen aufzuklären, die sich auf die wechselseitigen Beziehungen zwischen Rußland und Finnland be- ziehen. Unruhe« i« Finnland.„Astonbladet" erfährt über Hoparanda, daß eß in der finnischen Stadt Härm zu blutigen Z u s a m- men stoßen zwischen dem russischen Militär und der Zivilbcvölkc- rung gekommen sei. da die letztere sich geweigert habe, den Soldaten Lebensmittel auszuliefern. Etwa 20 Zivilpersonen sollen getötet worden sein. Ferner meldet das genannte Blatt: In Kronstadt nimmt die Anarchie wieder überhand. Die gerichtliche Kommission, die eine Untersuchung über die eingesperrten Offiziere anstellte, ist ans der Stadt wieder abgereist. Nach Schilderungen finnischer Zeitungen endete der Kamps zwischen finnischen Bauern und russischen Soldaten in H ä r m ä mit einem Siege der Bauern. Diese warteten in Verstecken, bis die Soldaten all« Munition verschossen hatten, und stürzten sich dann auf die Russen, von denen über 50 verwundet oder getötet wurden. Widerrufung des KaffeeauSfuhrverbotS für Brasilien. Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, hat England das Kaffeeausfuhrverbot für Brasilien widerrufen. Die brasilianische Presse äußert natür- l'ch ihre Befriedigung darüber. Eine Hand wäscht die andere: Bra- silien hat sich bereit gezeigt, nach der Flöte der Entente mitzu- tanzen, und prompt wird seine Bereitwilligkeit von England ver- gütet. Lette Nachrichten. Die Demokratisierung des russischen Heeres. Petersburg, IS. Juli.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Im Hinblick ans die Umformung des Heeres «ach dem»rratischeu Grundsätzen hat dir Vorläufige Regierung be- schlaffe», bei jedem Oberkommando das Amt eines Militärkommis- sar» der Regier««« einzurichten. Dieser fall van der Regierung im EinverstSuduis mit dem Höchstkommandierenden ernannt werden. Dies« Kammissare werden nach den Anordnungen des Kriegs- Ministers dazu beitragen, alle palitischen Fragen, dir in Heer und Marine auftauchen, in gleichmäßiger Weise zu lösen und die Arbriten der Armeekammissione« in Einllaag zu bringen. Die Kämpfe in China. Haag, 12. Juli. Reuter meldet aus London: Wie der„Daily Mail" an« Tienssien berichtet wird, erließen die republikani- schen Generäle eine Proklamation, in der erklärt wird, daß die Kaiserlichen sofort die verbotene Stadt und deil Palast zu räumen hätten, da sonst die Republikaner die verboten« Stadt und den Palast erstürmen würden. Explosion infolge Eisenbahnzusammrnstosiks. Budapest, 12. Juli. Auf dem Rakoser Rangierbahnbof. in der Nähe von Budapest, ist infolge eines Zusammenstoßes eines Ran- gierzuges mit einem Güterzuge, der init Petroleum. Oel und Benzin deladen war, eine riesige Explosion entstanden. Sämt- liche Waggon«, die Oel aus Rumänien zur Weiterbeförderung brachten, standen im Augenblick in Flammen. Heftige Detonationen erfolgten und die Flammen griffen auf benachbarte Ge'cäude über. Dem Feuer fielen 20 Petroleumwagen und 30 mit verschiedenen Waren beladene Waggon« zum Opfer. Die Ursache des Zusammen- stoßeS war eine zu spät erfolgte Signalisierung. Der Schaden wird auf 100000 Kr. beziffert. HewerkschafizbeuWung Deutfchcs Netch. Die Tabakarbeiter �ur Lohnfrage und Einschränkung des Rohtabakverbrauchs. Tie Verlrcier des freien, des chr.sllicken und des HirsS- Dunckerschen Tnbaknrl'eilerverbandes ballen scbon im April m Frankfurt a. M. eine Konferenz, um gemeinsame Stellung zur Lobnfrage und der Einschränkung des Rohtabakverbrauchs zu nebmen. Dorl� wurde beschlossen, eine Lohnzulage von �SProz. einschließlich der bisher erfolgten Zulagen zu fordern. Wegen der Einschränkung des Nohtabakverbrauchs wurde der Schutz der berufssländigcn Tabakarbeiter und-arbeiterinnen gefordert. Währena der infolge des Krieges ein'etzenden günstiaen Geschäflsperiode sind unzählige neue Arbeitskräfle. zum großen Teil in neuen Bclriebsslällen f�ilialenf angelernt worden. Die organi- sierlen Tabakarbeiler sahen in der Ueberiüllung der Tabakindüsirie »lit Arbcilskräilen eine Gefahr, zumal gerade die älieren Tabak- arbeiler nicht mehr in der Lage find, in anderen Berufen unter- zukommen; auch mit Rücksicht auf die später aus dem Heeresdienst Zurückkehieiiden mußte eine Ueberfüllung der Industrie mit Arbeits- kräflen Verbinderl werden. Um nun>i« berusssläridigen Tabakarbeiter zu schützen, wnrde in Franksurl a. M. von der Regierung eine andere Grundlage bei der Einschränkung des Rohtabakverbrauchs gefordert. Die Regierung bat als Grundlage der Ein'chränkring den Verbranch der ersten sieben Monate des Jahres 1915 genommen. Die Einschränkung beträgt zurzeit z. B. in der Zigarettenindustrie 40 Proz. Da aber bereits in den ersten sieben Monaten 1915 neue Betriebe aufgemacht, alte erweitert und neue Arbeitskräfte angelernt wurden, verlangten die Tabakarbeiler- orgoni'ationen, daß die Regierung zur Grundlage der Einschränkung den Rohtabakverbrauch der ersten sieben Monate des Jahres 1914 festlege. Inzwischen haben die beteiligten Interessenten, Fabrikanten und Arbeiler mit der Regierung verschiedemlich konferiert. Die Regierung erklärte sich zum Schutze der berusssländigen Arbeiter und Arbeiler, nnen bereit, wenn auch eine völlige Uebereinstimmung über Einzelheiten noch nicht erreicht wurde. Ein Teil der Fabrikanten, der sich wegen der erfolgten Art der Rohtabakein- schränkung eine besondere Organisation gegeben hat, ist dagegen! Mit diesen Fragen beschäftigte sich nun eine erneut einberufene Konferenz von Vertletern der drei Tabakarbeiterorganisalionen, die am 6. Juli in Berlin stattfand. Ueber die Lohnfrage sprach der Vorsitzende des freien Verbandes. D e i ch m a n n-Bremen. Er konnte berichten, daß die größere Zahl der Bezirks« und Fachberbände der Unternehmer ein einigermaßen befriedigendes Entgegenkommen ge« zeigt hätten, zwei Bezirksverbände hätten den Wünschen der Ar- beiler in bezug auf die Höhe der Zulagen voll zugestimmt. während eine Reihe anderer sich, auf der Linie von 80 bis SS'/, Prozent Zulage bewege. Allerdings seien die Zulagen nicht als feste Lohn-, sondern als Teuerungszulagen gewährt worden. Einige Unlernehmerverbände hätten es freilich bis jetzt noch nicht für nötig gehalten, irgend eine Antwort zu erteilen, so der Ost- deutsche und der Mitteldeutsche Zigarrenfabrikantenverband. Die Antwort des Verbandes der Zigarellcninduslriellen Dresdens sei durchaus ungenügend, besonders in Anbetracht der dort gezahlten geringen Löhne. Vor allem aber sei bedauerlich, daß es bei den Fabrikanienverbänden an einer einheitlichen Beschlußfassung mangele. Nach lebhafter Aussprache nahm die Konferenz eine im Sinne des Referats gehaltene Entschließung an. Ueber die Einschränkung des Tabakverbrauchs berichtete der Vorsitzende des christlichen Verbandes, Cammann- Düsseldorf: Die Arbeitervertreter hätten der Regierung vorgestellt. daß zum Sibutze der Arbeiter eine Abänderung ihrer Verordnung erfolgen müsse. Es würden überall auch alte, berufsständige Tabakarbeiter und-Arbeilerinnen entlasten, während man die neu« angelernten Leute behalte. Es seien Bestimmungen nötig, die für das ganze Reich gelten. Gegenwärtig sei man in einzelnen Bezirken rnit Vorschriften vorgegangen. Es sei nicht ausgeschlossen, daß noch eine weitere Einschränkung deö Rohtabakverbrauchs erfolge. Die drei Verbände hätten vor einiger Zeit mit Vertretern der Fabri« kanten und der Zentrale für Rriegsliescrungen die Situation be- svrochen und seien dort zu der Ueberzeugung gekommen, daß unsere Forderung, die Einschränkung auf der Grundlage deS Rohtabakverbrauchs der ersten sieben Monate des Jahres 1914 festzulegen, nicht zweckmäßig sei. Als Grundlage zum Schutze der berufs- ständigen Tabakarbeiterschafl habe man sich auf folgende Punkte, die auch in einer Eingabe an die Regierung geltend gemacht worden sind, festgelegt: Soweit eine Einschränkung der Arbeit erforderlich wird, hat unter möglichster Beibehaltung der bisherigen Arbeitszeit in erster Linie die Entlassung der vor dem 1. August 1914 in dem Tabak- gewerbe nicht beschäftigt gewesenen Arbeiter stattzufinden.— Auf Lebrlinge, mit denen ein schristlicher Lchrvcrtrag vor dem 1. Mai 1917 abgeschlossen ist, findet diese Bestimmung keine Anwendung.— Neueinstellung von Tabakarbeitern dürfen nur mit Genehmigung der Deutschen Zentrale von Kriegslieferungen von Tabak'abrikaten erfolgen. Bezüglich der Unterstützung der entlastenen Tabakarbeiter, so- weit sie nicht anderweitig in Arbeit treten können, Hobe die Regie- rung die Bestimmungen der Kriegswohlfahrtspflege für anwendbar erklärt. Leider liege jedoch dabei so gui wie alles im argen, und nur im Kreise Herford sei mit Hilfe des Landrais eine nachahmenS- werte Regelung erfolgt. Im übrigen wissen die Leitungen der Ge- meindcn übcrbaupt nichts von einer llnlerstützungövflieht, oder sie sperren sich. Es muß demnach auch aus diesem Gebiete von den Organisationen alles aufgeboten werden, um den Arbeilern zu ihrem Reckte zu verhelfen. In den FürsorgeauSschüsten müssen die Tabakarbeiler vertreten sein. In der Aussprache wird darüber geklagt, daß Fabrikanten schlankweg ihre allen Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen, aber die neuen behalten. Unzweifelhaft sei es bei der Verwertung der Arbeitskraft, wie sie jetzt doch nötig, am zweckmäßigsten, die jungen, rüstigen Arbeiler zu entlassen und der Kriegswohlfabrtspflege zuzu- treiben. Auch über die Abweisung von Entlastenen, die Unter- sliitzung bcanspluchcn, wird von allen Seiten geklagt. Von badi- ichen Vertretern wird ausgeführt, daß viele derartige Fabrikanten bezüglich der Arbcitseinschränkung trotz der abgeänderten Verfügung des Stellvertretenden Generalkommando? doch nach ihrem Gutdünken handeln. Man tvolle eben die Arbeitskräfte halten, um schließlich billige Leute zu haben. Auch in diesem Reserat wurde eine in seinem Sinn gehaltene Resolution angenommen. Beschlossen wurde noch, in bezug auf die Unterstützungsfrage Richtlinien zur Orientierung der bei der Durchführung tätigen Tabal- arbeiter aufzustellen._ Tagung der Arbeitgeber-SlrbeitSnachweisc. Im Restaurant„Rbeingold" fand vor einigen Tagen eine Ver- sannnlung der Arbeilgeber-Ärbeiisnackweise statt. Es waren mehrere Regierungsverlreter erschienen. Dr. F l e ch t n e r(Stettin) gab in längerer Rede der Ansicht Ausdruck, daß die Arbeitgeber-Nachweise sich am besten bewähren. Die ungeeigneten Elemente niüssen von vornherein ausgeschieden werden, das sei nicht nur im Interesse der Industrie, sonder» auch im Interesse der allgemeinen Volkswirtschaft ge« boten. Die Leiter derArbeitgeber-Arbeitsnackweise seien Angestellte der Industrie, die am ehesten die Bedürfnisse der einzelnen Betriebe beurteilen können. Der Arbeitgebernachweis solle auch in der Kampseszeit der Industrie dienen. Er sei aber keineswegs eine Kampfeinrichtuna zur Unterdrückung der Arbeiter. Er solle eine Kontrolle der streikenden und ausgesperrten Arbeiter durchführen. aber auch bemüht sein, bestreikten Firmen Arbeitskräfle zu ver- schaffen. Die immer größer werdende Macht der Gewerkschaften nötige zur Abwehr. Bei den öffentlichen Nachweisen sei die bureaukratische Verwaltung nachteilig. Bei Streiks und Aussperrungen versagen die öffentlichen Arbeitsnachweise. Ganz besonders stark sei der sozial- demokratische Emfluß bei den paritätischen öffentlichen Arbeitsnach- weisen. Als vorteil der öffentlichen Arbeitsnachweise werde die Nn- entgeltlickkeit der Arbeitsvermittlung bezeichnet. Der Hauptteil der Lasten falle aber dock wieder auf die Industrie, wenn die Allgemein- heil die Kosten zu tragen habe. Der Arbeitgeber-Nachweis frage weder nach der Zugehörigkeit zu einer Organisation, noch beschränke er im geringsten die Freizügigkeit. Schwarze Listen existieren nicht. Die Industrie erkenne die öffentlichen Arbeitsnachweise als vollkommen gleichberechtigt und als sehr wichtig aus dem Gebiete der Arbeits- Vermittlung an. Die Industrie sei auch bereit, mit den öffentlichen Arbeitsnachweisen Hand in Hand zu arbeiten. Dieses Zuiammen- arbeiten habe in den Zenlralauskunstsstellen besonderen Ausdruck gesunden. Syndikus C l a u ß- Hannover verwies ebenfalls auf die Vor- zöge der Arbeilgebernackweise. die bei der Unterbringung von Kriegs- beschädigten geradezu glänzende Ergebnisse aufzuweisen haben. Die Arbeilgebernackweise seien als unsozial verichrien. In Wahrheit seien sie sehr brauchbar. Dr. N i tz s ch e- Hamburg führte aus: Die deutsche Industrie, die sich den Kriegsverhältnissen gewachsen gezeigt habe, werde auch die Kraft haben, sich wieder auf die Friedensverhältniste ein- zurichten. Die Arbeitgeber-Arbeitsnachweise kennen am besten die Bedürfnisse der Industrie und verstehen eS, den richtigen Mann an die richtige Stelle zu bringen. Ein Vertreter des Kriegsamts bemerkte: Vor dem Kriegsomt seien alle Arbeitsnachweise gleich. In dieser Zeit müsse das Trennende zurückgestellt und das Einigende in den Vorder- grund gestellt werden. Die Zcnlralauskunftsstcllen, in denen alle Richiungen der Arbeitsnachweise vertreten seien, haben die Einzel- arbeiten auf die ihnen angescklostenen Arbeitsnachweise versäne« dener Richtung weiter zu verteilen. Für die Demobilmackung seien geWiste Grundsätze vom Kriegsamt schon im Vorstadium beraten worden. Dabei haben die im Reichstag und in Arbeitsnachweife- kreisen erörterten Erwägungen gebührend Berücksichtigung gesunden. Für die Uebergangswirlschaft komme es jetzt mebr als je darauf an, das Einigende zu suchen und die freudige Mitwirkung aller Richtungen der Arbeitsnachweise sicher zu stellen.(Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende, Geh. Kommerzienrat v. Borsig (Tegel bei Berlin), dankie dem Vertreter des Kriegsamts und be- tonte, daß der Existenzberechtigung anderer Nachweisarien, ganz be« sonders der öffentlichen Arbeitsnachweise Ausdruck gegeben worden sei. Es gelangte folgende Entschließung einstimmig zur An- nähme:„Die in der Zentralstelle der deulicheii Arbeitgebernachweise zusammengefaßten Nachweise erklären erneut ihre Bereitwilligkeit, an der weiteren Ausgestaltung und an der Förderung des Zu- sammenarbeitens sämtlicher nichlgewerbsmäßiger Arbeitsnachweise tatkräftig mitzuwirken, insbesondere bei der Durchführung der Demobilisierung. Die Vertreter der Arbeitgebernachweise sprechen die bestimmte Erwartung aus, daß diese in ihrer Eigenart unan- getastet bleiben und in ihrer Bewegungsfreiheit keinesfalls behindert werden, sowohl bei Fortführung der bestehenden, als auch bei etwaiger Gründung neuer Facharbeitsnachweise. Eine Lohnbewegung von lkOOO Postaushelfern und-Hclfcrinnc» in Köln hat infolge des Eingreifens des Transportarbeiterverbandes zu einem vollen Erfolge geführt. Es wird eine durchschnittliche täg- liche Lohnzulage von 90 Pf. bis 1.30 M. gezahlt.-Entlastungen wegen Erkrankungen sollen nicht mehr erfolgen. Die überlange Dienstzeit soll möglichst gekürzt werden: Nachtstunden werden mit 50 Proz. Zuschlag bezahlt, ebenso freiwillige Arbeit an einem freien Sonntag. Die Lohnreaelung Hai vom 18. Juni rückwirkende Kraft. Eine Versammlung erklärte sich mit diesen Vorschlägen der Ober- postdirektion einverstanden und beschloß einmütig den Anschluß an den Transportarbeiterverband. der mit ständigen Verhandlungen mit der zuständigen Stelle beauftragt wurde. Ein drohender Streik wurde somit vermieden. Verlin nnü Umgegend. Achtung, Buchbinder! Nach langen Mühen sind nun endlich die neuen Teuerung?- zulagen unter Tack und Fach gebracht. Soeben ist an' die Richtmitglieder des„Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer' ein Zirkular versandt worden, in dem die vom Verein Berliner Buchdruckereibesitzer beschlosiencn Kriegszulagen aufgeführt sind. Danach wird den Gehilfen in Groß-Berliner Buchdruckereien ein wöchentlicher Verdienst(ohne Ueberstnnden) von 50 M. am Tisch (Ledige 48,50 M.) und von 51,50 M. an Maschinen usw.(Ledige 50 M.) garantiert. Wo' dem nicht nachgekommen wird, ist unverzüglich Meldung beim Verband zu erstatten. Daselbst sind auch für unsere Mitglieder Zirkulare mit den Sätzen der Teuerungszulagen und Kriegszuschlägen unentgeltlich ab- zuholen. Die Branchenleitung der Buchbinder Berlins. I. A.: Paul R ü g e r. VluslanS. Eisenbahnerstrcik in Finnland. Petersburg, 10. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Das Personal der Eisenbahnen Finnlands, dem seine Forderung um Erhöhung seines GehaltS um 30 Proz. nicht be- willigt worden war, erklärte heute nachmittag auf der Strecke Petersburg— Wiborg die Arbeitseinstellung. Man hofft jedoch, den Ausstand bald beizulegen. parteinachrichten. Von der Partcipresse. Unser Breslauer Parteiblatt, die„Volkstvacht", teilte, am Mltt- woch seinen Lesern mit:„An unsere Leser! Das Erscheinen wird bis aui weiteres eingestellt. Redaktion und Verlag der„Volks- wacht"." Aus dcu Lrganisationcn. Der 1. württembergische Rcichstagswahlkrcis hielt letzten Sonn- tag seine Kreisgeneralversammlung ab. Nach dem Jahresbericht des Kreisvorstandes ist der Tiefstand der Organisation überwun- den. Eine Aufwärtsbewegung ist wieder bemerkbar. Der Abgeord» nete Hildenbrand sprach Wer die Arbeiten des Reichstages. Er würdigte die gesetzgeberischen Ergebnisse des letzten Jahres und stellte fest, daß manches durchgesetzt wurde, was feit vielen Jahren heftig umstritten tvar. Die„Unabhängigen" erblicken ihre. Aufgabe nicht in der wirksamen Rcformarbeit, sondern in der Herabsetzung der Mehrheit. Die Vermehrung der Reichstagsmandate und das gleiche Wahlrecht in Preußen seien so gut wie gesichert. Eine Mehr- heit für unsere Kriesbsielformel werde Zustandekommen. Für die erfolgreiche Forrsctz»»« ihrer Arbeit bedürfe die Fraktion des vollen Vertrauens der Parte«. Tie Aussprache über den Vortrag bewegte sich in der Richtung he» Referenten und endigte init einstimmiger Annahme folgender Entschließung:„Die Versammlung billigt die Tätigkeit des Genoffen Öildenbrand im Reichstag und spricht die Erwartung aus, daß die Reichstagsfraktion alles aufbieten wird, um die Reichsregierung zur Anerkennung eines Kriegsziels zu veran- lassen, das die Möglkbieit eines baldigen Friedensschluffes eröffnet. Sie ist überzeugt, daß dieses Ziel nur durch eine baldige und durch- greifende Demokratisierung des gesamten staatlichen Lebens im Reich und in den Bundesstaaten erreicht wird."— Als Delegierter zum Parteitag wurde Gcnoste Pfluegc? gewählt. Nach dein Ausscheiden des Wahlkre.scs Rcuh j. L. unter Füh- rung des Abg. Wurm aus der Partei wurde auch in Gera die Sammlung der Parteigenossen notwendig, die der alten Partei die Treue halten. Genosse Bretschneider hatte für Sonnabend, den 7. Juli, eine Versammlung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sozialdemokratischer Verein Reuß j. L., in Gera ein- berufen. Der Geschäftsführer Vetterlein lehnte die Ausnahme eines Inserats im früheren Geracr Parteiblatt ab. Tic Versammlung wurde auf andere Art bekanntgegeben. In der Versammlung sprach Genosse L e b»«r über die Neuordnung der Parteigeschäste und empfahl, sofort eine neue Leitung zu wählen. Er wies auf d:c schwankende Haltung Wurms hin und auf die frühere Kriegsbcgci- sterung der Geraer und des Geraer Parteiblattes. Die anwesenden Genossen waren einmütig der Auffaffung wie der Referent. Als Leiter der Parteigeschäfte für Gera und den Wahlkreis wurde Ge- nosse Alban Bretschneider, Gauleiter des Textilarbeiterverbandes, gewählt. Die erste Versammlung war ein schöner Ansang für die Partei. Sollten weitere Schwierigkeiten mit der Presse eintreten, dann wird die nächste Versammlung auch diese Hinderniffe aus dem Wege räumen._ Soziales. Unfallverhütung und Rcichsversichernugsamt. Zu wiederbollen Malen babe» wir auf die sleigenve lkusallziffer wäbrend des Krieges hingewiesen. Der Umstand, daß aiitzeroideilt- lich viel weibliche und jugendliche Personen i» den Betrieben be- ichästigt weiden, ist die Hauptmsache dieser Erscheinung. Anstatt ihr dabingehend Rechnuiig zu lragen, daß die Unfallverhütüngs- vorichrifteu verschärft oder auf ihre Durchiübrung größerer Wert gelegt wird, bat das Reichsversicherungsaiiit durch ein Rund- ichreiben vom 20. Dezember 1916 an die Bcrussgenossensch.rflcn dielen nahegelegt, die Unsallverhülungsvorschristen nachsichtig zu bandhaben. Es meint, das vaterländische Gebot der Sliinde laffe sich mit den Forderungen des Unfallschutzes dadurch in Ein- klang bringen, daß weibliche und jugendliche Personen zu ihnen bis- her unzugänglichen Arbeiten mit Zustimmung des Vorstandes der Berufsgenosscnschaft zugelassen würden, wenn die Berriebsuntcr- nebmer ihre Gesuche an den Vorstand durch den Nachweis stützien, daß die Aufreckierhaltung des Belricbes in dem noiwendigen Umfange bei dem Mangel an männlichen Arbeitern die Einstellung weib- sicher und jugendlicher Aibeitslräfle unabweisbar mache. Es wird allerdings darauf hingewiesen, daß durch geeignete Auswahl der den Arbeitern zugewiesenen Tätigkeit, durch Verwendung besonderer unfallsichcrer Arbeitskleidung bei weiblichen Personen und durch umfangreiche Ausgestaltung der Betriebseinrichtung mit Schutzvorkehrungen und durch gewistcnhafte Unlerweifung in der Benutzung der Maschinen und Apparate dem Arbeiterschutze Rechnung getragen werden mützie. Das Reichsversichcrungsamt erklärt sich aber zugleich bereit, den Vorsränden eine besondere Ermächligung für die Dauer des Krieges oder für eine bis zu einer emsprechenden Abänderung der Unsallverbülungsvorschriilen laufende Zeit zu er- teilen, wenn die Unsallverhüiungsvorschri'ten keine ausdrückliche Handbabe zur Erteilung der Genehmigung in den vor- gedacklen Fällen bielen und es legt außerdem den Berufsgenoffen- sckaslen nahe, die Ersatzpflicht der Unlernehmcr beim Außerachl- lassen der Ilnsallverhülungsvorschrmen in diesen Fällen auSzu« zuicheiden. Tie gleichen Wünsche äußerte es auch bei der Beschäm- gung der Kriegsbeschädiglen, sei es zur Durchführung der Arbeits- lherapbie oder zur Wiederausnahme der Arbeil. Erfreusicherweise baben die Berufsgenoffenschasten gegen diese Ausfassung auf ihrer letzten Tagung Front gemach«. Sie sprechen davon, daß das Rundschreiben der R.B.A. Bedenken errege iin Jnleresie der unglücklichen Unfallopser. Wir wollen hoffen, daß es bei dieser platonischen Betätigung des Mitgefühls mit den Opfern der Arbeit nickt bleibt und daß sich diesen gegenüber in Zukunft in den Kreisen der Bcrufsgenossenschaften ein höheres Maß sozialen Einpsindens zeigt, als es bislang zu bcobachlen war. W r wollen auch nicht unberücksichtigt lassen, daß das diesmal gezeigte Milgefühl«lye wesemliche Stütze finde« in dem wohlverstandenen finanziellen Interesse der Berufsgenostenschaft, das sie zwingt, auf eine Minderung der ihnen erwachsenen Lasten zu sehen und das sie abhält, dem Wunsche deS Reichsversicherungsamles Rechnung zu tragen. Aber gleich- viel, erfreulich ist die Tatsache trotz alledem, daß die Berufsgenoffenschasten keine Neigung zeigen, sich dem in dem Rund- schreiben' des Reichsversicherungsamts ausgesprochenen Wunsche unterzuordnen. Es geh« nicht an, jugendliche und weibliche Arbeiter an besonders gefährlichen Maschinen zu beschäftigen und dabei dann noch den Unternehmern gewisiermaßen Siraffreibeit bei Uebertretung der Unfallverbülungsvorschriften in Aussicht zu üellen. indem die Regreßpflicht der Berussgenosienschaft gegen- über aufgehoben wird. Wenn auch das vaterländische Gebot der Stunde, um mit dem ReichsversicherungSamt zureden, die Beschäftigung von weiblichen und jugendlichen Arbeitern in höherem Maße er- heischt, als es in normaler Zeit der Fall«st. so muß doch unter allen Umständen dastir gesorgt werden, daß die UnfallverhülungS- Vorschriften streng innegehalten und nickl etwa gar iveniger streng abgefaßt werden— denn auch diesen Wunsch läßt das Reichs- Versicherungsamt durchblicken— alS es bisber der Fall war. Dem deutschen Volke wird fürwahr ein schlechter- Dienst da- durch geleistet, daß zu den vielen Kriegsverletzlen nun auch noch eine erhöhte Zahl von Unfallverletzten treten soll. Nickt Abbau der UnfallvcrbütungSvorschritten während der Kriegszeit, sondern aller- strengste Durchführung und Ausdehnung derselben ist das Gebot der Stunde. Auch ohnedies wird durch die außerordentliche Eile, mit der überall gearbeitet wird, durch die Gefahr, die die vielen Nachtschichten und die dabei eintretende Uebermüdung im Gefolge haben, die Zahl der Opfer des Schlachtfeldes der Arbeit noch immer viel zu groß sein.__ Die Tuberkulose unter den Berufen. In keinem Bericht über die Tätigkeit der beiden Auskunfts- und Fürsorgestellen für Lungenkranke lAltstadt und Neustadl) auf die Zeit vom 1. Januar 1914 bis 3l. Dezember 1916 macht der Freie Ausschuß zur Bekämpfung der Schwindsucht in Dresden auch eine Statistik über die Tuberkulose-Todessälle, nach Berufen geordnet, auf, die nach verschiedenen Richtungen hin äußerst lehrreich ist. Sie läßt einmal erkciincn, daß die Zahl der der Tuberkuloie zum Opfer Gefallenen unter den mit der zunehmenden Länge des Krieges immer stärker werdenden Ernährungsschwierigkeileil ganz außerorden:- lick gestiegen ist, denn während bei beiden Fürsorgestellen imJahre 1914 insgesamt nur 539Todeställe gemeldet waren, eine Zahl, die 1915 sogar aus 473 zurückging, schnellte sie im Jahre 1916, wo die Ernährungs- schwierigleiten. beionderS für die ärmere Bevölkerung, immer ernster wurden, aus 698 in die Höhe. Die Statistik zeigt aber anck ferner deutlich, daß in der Landwirtschast die Tuberkulose verhältnismäßig wenig auftritt. Zweifellos sprechen dabei auch die günstigen Er- nährungsverhältnisse mit. Dagegen werden bestimmle Industrie« zweige mit besonder? ungünstiger Beschäftigung von die'er surchl- baren Volkskrankheit ganz besonders heimgesucht. Dazu gehören die Tabak-, die Nahrungsmittel-, die Metallbearbeitungs- und die Be- tleidungSindustrie. Viele Opfer fordert die Tuberkuloie auch unter den Dienstmädchen, Fabrik- und Bureaiiardeilern. Recht günsiig ichneidet in der Statistik dagegen die Textil- und die Chemiietie In- dustrie ab, wobei freilich beachtet werden muß, daß diese beideil Industrien im Dresdener Stadtgebiete nur in geringem Umfange vertreten sind. Auch in den sreien Berufen(Aerzte, Rechtsanwälte, Lehrer) kommt die Tuberkulose ziemlich selten vor. Zlllltemeine Kranken- und Ztcrbekasie der Metallarbeiter (V. a. G. Hamburg). Filiale Baumschulen weg. Den Mit- welche in Tieplow wohnen zur Renntnis. daß am Sonnabend, den 14. Juli, abends von 8'L—10 Uhc, im Lokal von Borch, Elscnstr. 101, Ecke Kicsholzstraßc. kassiert wird. ZZeranIwortl. f. Politik: Dr. Franz Ticdcrich, Berlin-Friedcnau: für d. übrigen Teil des Plattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: TI». Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsmislall Paul Euigcr& Co., Borlm SW. Hierzu 1 Beilage und tUUrrbaltuagsblatt. tlr.lS9 4 Z4. Jahrgang Heilage öes vorwärts 5reitag, 13. Juli 1417 GroßSerlln Die Kohlenversorgung Groß-Serlins. Zu der Kohlenverordnung des Oberkommandos wird halbamtlich mitgeteilt, daß die in der Verordnung genannten Mengen, so niedrig angesetzt seien, um sicher zu gehen, daß vor Winteranfang jeder für den notwendigsten Bedarf der sorgt ist. Die in der Verordnung getroffene Regelung sei in soweit eine vorsichtige und vorläufige, als von den Amtsstellen b e st i m m t damit gerechnet wird, ini Laufe des Winters weitere Kohlenmengen der Bevölkerung zuführen zu können. Wie auch der Staatssekretär Helfserich im Reiche tage ausgeführt habe, sei die Hausbrandversorgung Gegen stand besonderer Aufmcrksam-keit und Fürsorge der Behörden. Es sei somit kein Anlaß zur Besorgnis vorhanden, wenn aller- dings auch jeder Verbraucher sich äußerste Sparsamkeit zur Pflicht machen müsse. . In der zuerst von dem Oberkommando veröffentlichten Erläuterung zu der Verordnung war gesagt worden, die Rege- lung sei iwofern eine vorsichtige und vorläufige, als„g e- hoff t" werde, im Laufe des Winters weitere Kohlenmengen der Bevölkerung zuzuführen; jetzt aber wird erklärt, daß die Amtsstellen b e st i m m t damit rechnen. In der Tat muß die Bevölkerung bedeutend größere Mengen erhalten, wenn sie nicht an ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufs schwerste geschädigt werden soll. Dafür müssen jetzt schon umfassende Vorkehrungen, insbesondere auch durch sofortige Schaffung von Vorratslagern für den Winter an allen Plätzen getroffen werden. Man erinnere sich bitte recht eindringlich der enormen Schwierigkeiten des verflossenen Winters. Wir haben dieser Tage den vom Oberkonimando bekannt- gegebenen BerteUungsschlüssel als unglücklich und u n h a l t- bar bezeichnet. Es geht einfach nicht an, die Verbraucher lediglich nach der Zahl der heizbaren Räume, die sie zu be- zahlen in der Lage sind, zu klassifizieren, und dem einen Teil nur fünf, zehn oder fünfzehn Zentner, dem anderen Teil aber für den gleichen Zeitraum 20 oder 30 Zentner zuzuweisen. Der Zuteilung muß, wenn auch nicht rein mechanisch, als aus- schlaggebend die Kopfzahl zugrunde gelegt werden. Die- jcnigen, die infolge zahlreicher Wohnräume die doppelte, drei- fache, ja sechsfache Kohlenmenge erholten sollen, sind fast aus- nahmslos in der Loge, zum Kochen und Heizen Gas, zum Teil auch Elektrizität, verwenden zu können. Sic sind ferner, wie wir sthon dargelegt haben, auch imstande, sich durch Kleidung und Nahrung ganz anders als die minderbemittelte Bevölke- rung gegen die Kälte zu schützen. Wie uns zahlreiche Zu- schriften zeigen, ist durch die Kohlenverordnung, die nicht nur stellenweise unzweckmäßig, sondern auch unvollständig ist, eine große Beunruhigung hervorgerufen worden, die das Ober- konrmando durch eine gründliche Korrektur so schnell wie mög- lich beseitigen sollte. » Die Ausgabe der Kohlenkartcn wird am 10. August erfolgen. Wie mitgeteilt wurde, können von jetzt ab solche Ver- brauchcr, die keine Kohlen haben, auf das Mittelstück der Reichs- fleischkarte einen halben Zentner Kohlen entnehmen; ist die Ab- gäbe des Mittelstücks nicht möglich, so vermerkt der Kohlenhändler die Entnahme auf der Fleischkartc. Für die Kleingewerbetreibenden usw. gilt die Bestimmung, daß sie nur 60 Prozent ihres vorjährigen Viertelsahrsverbrauchs beziehen können. Für Betriebe, die mehr als 16 Tonnen im Monatsdurchschnitt verbrauchen, trifft der Reichs- kohlenkommisiar noch Bestimmungen. Die Bäcker erhalten die gleiche Menge wie im Vorjahr. Obst und Gemüse. Eine ungeheure Erbitterung hat sich der Groß-Berliner Ein- Wohnerschaft bemächtigt. Trotz aller Erfahrungen der drei Kriegs- jähre, trotz aller„Organisation", trotz aller Aemter und Verord- nungen weiß die übergroße Mehrzahl der Berliner Familien nicht zu Obst und Gemüse zw kommen. Die Markthallen sind schon in der Frühe leer, die Läden, sofern sie etwas haben, alsbald ausver- kauft. Frauen, die ihrem Erwerb nachgehen müssen, wissen über- Haupt nichts zu erhaschen, auch nicht nach stundenlanger Jagd. Aus- fuhrverbote von Landräten und sonstigen Behörden verhindern die Zufuhr nach den Verbraucherzentren. Das, was nach Berlin kommt, wird verwuchcrt, geschleichhandelt, von zahlungsfähigen Leuten auf dunklen Wegen zum Zwecke des hamstermäßigen Einkonservierens zusammengerafft. Wenn man die Zustände, die bezüglich der Obst- und Gemüseversorgung in Groß-Bcrlin herrschen, als Anarchie bezeichnet, so ist dieses Wort nicht zu scharf. Unfähigkeit, Unent- schlossenheit, mangelnde Vorsorge bei den berufenen Behörden, un- soziale Gesinnung und'Raffgier bei den Zahlungsfähigen, krasse Profitsucht bei einem erheblichen Teil der Produzenten und der Großhändler sind die Hauptursachen. Die Verbraucher sind die schuldlosen Opfer unserer in ihrem ganzen Wesen verfehlten Ein- richtungen. Wie wir erfahren, sind weit über eine Million Büchsen aus den vorjährigen Konservenvorräten vorwiegend an Kurorte und Bäder verteilt worden, weil„das Quantum zu einer all- gemeinen VerteUung nicht ausreiche". Also die Kurorte und Bäder, die meistens von landwirtschaftlichen Produkt ionsgebieten umgeben sind, und in denen es nach der Bekundung aller, die es zu beob- achten Gelegenheit hatten, immer»och verhältnismäßig reichlich zu essen gab, mußten auch noch die Konserven erhalten, statt daß man sie etwa dem notleidenden Berlin, unsertwegen auch einem anderen in ähnlicher Lage befindlichen Industriegebiet zuwies! Daß dies „die Höhe" sei, darf man nicht einmal sagen; denn man muß stund- lich noch schlimmerer Dinge gewärtig sein. zahler, StS auf Kosten der Armendirektion und der Waisen- depulation, 227 auf Kosten von Stiftungen, 8g kostenfrei für Rech- nung des Freistellenfonds. Für die erstgenannle Gruppe, in der die Kasienmilglieder den Ausschlag geben, blieb der Anteil diesmal unter der Hälfte der Gesamtzahl. In früheren Jahren stellte er sich auf rund zwei Drittel._ Stottererkurse für Schulkinder. Durch die an den Berliner Gemeindeschulen be- stehenden Heilkurse für Stotterer wurden im Schuljahr 1915/16, wie wir dem kürzlich erschienenen Jahresbericht der Schuldeputalion ent- nehmen, wieder viele Kinder von ihrem Sprachgebrechen beireit. Diesmal fanden in ganz Berlin IS Kurse statt/ an denen 246 Kinder, 177 Knaben und nur 69 Mädchen, teilnahmen. Die Mädchen sind regelmäßig viel weniger stark als die Knaben unter den Teilnehmern Tie Benutzung der Berliner Heimstätten war im Verwallungsjahr 19l5/l6 noch iebr e i n g e s ch r ä n k t. Drei Heimstätten blieben noch ganz geschlossen, und auch die anderen vier erreichten noch nicht wieder den Betriebsumfang der Zeil vor dem Kriege. Ter erst jetzt erschienene Verwaltungsbericht über das letzte Jahr gibt an, daß diese vier Heimstätten zusammen 115 944 Pflegelage leisteten. Das sind 4991 Pflegetage mehr als die Gesamtleistung des vorletzten, aber 82 526 weniger als die des vorvorletzten Jahres. Verpflegt wurden im letzten Jahr 2509 Per'onen. 27S mehr als im vorletzten, aber 3264 weniger als im vorvorletzren. Bei den Krankenkassen- Mitgliedern. die sonst unter den Heimstälteniniassen stets die Mehrheit ballen, ist der Rückaang besonders stark. Ter Bericht aus 1915/16 macht für 2452 Neuausgenommene eine Angabe über die Zablungspflicht und sagt, daß aufgenommen wurden 1191 für Rechnung von Krankenkassen. Unsallberufs- genossenschaftm und LandeSverficherungSanstalten oder als Selbst- Unsere 5e!öpost-/ibonnenten bitten wir. ihr Abonnement für August möglichst bald er- neueru zu wollen. Soll w der Zustellung des.Vorwärts' zu Ansang nächsten Monats keine Unterbrechung eintreten, lo müssen wir die Nederweiiung der einzelnen Feldpostabonnenten-Adressen an die Post schon von Mitte Juli an bewirken, weil die Post sonst nicht in der Lage ist, diese Tansende von Abonnenten rechtzeitig und regelmäßig zu bestellen. Im Monat Juli gingen UNS besonders zahlreiche Beschwerden zu. Wir können denselben nur durch frühzeitige Ueber- Weisungen abhelfen, was wiederum zur VoraosscNung hat, datz die Einsendung des AbonnemeursbetragS von I.SO M. pro Mona» schon jetzt, nicht erst Ende des MonatS erfolgt. Die Abonnenten müssen erwägen, daß auch die Post mit ewig wechselnden ungeübten Arbeitskrästcn nicht so präzis arbeiten tann, wie daS srühcr mit ihrem geübten ständigen Personal der Fall war. Also frühzeitige Erueuerung des Abonnements! Bcrlag des»vorwärts«. vertretet,, wie man ja auch Sprachgebrechen bei ihnen seltener als bei den Knaben findet. Ueber die Auswahl der Kinder entscheidet daS Gutachten des Schularztes. Welchen Erfolg die Heilbehandlung gehabt hat. wird in der Abschlußprüfung festgestellt. Diesmal tonnten von 227 an der Prüfung beteiligten Kindern 150 als geheilt bezeichnet werden, 66 Prozent der Gesamtzahl. Der Erfolg war wieder etwas besser als im voi hergehenden Schuljahr, wo der KriegSauS- bruch die Arbeil in den Kursen beeinträchtigte und nur 62 Prozent völlige Heilungen zu erreichen waren. Die übrigen Kinder werden in der Regel fast sämtlich so weit gebracht, daß sie wenigstens als gebessert gelten können. Im letzten Jabre hatte- die Abschlußprüfung dieses Ergebnis bei 74 Kindern. Der Sprachablauf litt bei ihnen noch unter Hemmungen; doch waren die Mitbewegungen größeren- teils oder vollständig geschwunden. Nur drei der geprüften Kinder zeigten gar keine Besserung._ Fahrtvcrgiinstigung für die Begleiter Kriegsblinder. Die Berliner Verkehrsanstalten(Große Berliner Straßenbahn, Hochbahngeiellichaft, Städtische Straßenbahn, Allgemeine Berliner Omnibus-Aktien- gesellichaft) gewähren den Begleitern der Kriegsblinden, die an einem Kursus zur Erlernung eines EtwerbszweigeS teilnehmen. auf der Hin- und Rückfahrt freie Fahrt. Bei der Großen Berliner Straßenbahn wird der Begleitperson ein Ausweis erteilt. Voraussetzung hierfür ist, daß der Kriegsblinde für seine Person eine Zeitkarte zum tarifmäßigen Preise löst. Bei der Ber liner Straßenbahn muß der Kriegsblinde ebenfalls eine Monatskarte auf die Daner der Ausbildung lösen. Diese Karten werden im Bureau der Städtischen Straßenbahn, Poststr. 13, mit dem Vermerk versehen, daß sie auch zur fteien Fahrt für den Führer der Kriegsblinden berechtigen. Die Berliner Omnibus Akliengesellichafl gewährt auf Grund der von der Großen Berliner Straßenbahn erteilten Ausweise den Begleitern freie Fahrt, während die Kriegsblinden das tarifmäßige Fabrgeld entrichten müssen. Die Hochbahngesellschaft stellt dem Kriegsblinden für die Dauer feiner Ausbildung und für die von der Wohnung des Kriegsblinden nach der Ausbildungsstelle in Betracht kommende Strecke Ausweise aus. Die Anträge der Kriegsblinden sind an die einzelnen Bureaus der Gesellschaften unier Vorlegung einer Bescheinigung der Aus- bildungsanstalt über die Dauer der Ausbildung oder an das Bureau der Kriegsbeschädigtenfüriorge, Poststr. 5, zu richten. Die städtische KriegShrntcrblicbcnenfürsorge erteilt in ihren 23 Bezirksstellen und in der Hauptgeschäftsstelle(Poststr. 5, III> allen Hinterbliebenen der im gegenwärtigen Kriege Gefallenen unentl gelt lich Rat und Auskunft in allen Angelegenheiten. Die Hinter blicbenen finden insbesondere wirksame Hilfe bei Verfolgung ihrer Anträge auf die gesetzlichen Renten und Zuwendungen und erhallen Anskunft in allen Fragen der Berufs- und Rechtsberatung. Den Hinterbliebenen kann deshalb nur dringend geraten werden, sich unmittelbar an die Bezirkssiellen zu wenden und insbesondere das Aufiuchen von Winkelkonsulenten zu vermeiden, da ihnen hierdurch -unnötige Kosten entstehen. Jeder Hinterbliebene wende sich an die Bezirksstelle, in deren Bereich der Stadtbezirk liegt, in dem er wohnt. Zu welchem Stadtbezirk und zu welcher Bezirksstclle er ge- hört, erfährt er bei jedem Polizeirevier, bei jeder Steuerkasse und bei jedem größeren Postamt. DaS gesamte Büchsen- und Salzgemüse aus der bevorstehenden Ernte wird öffentlich bewirlschaftet werden. Die ge- samten Erzeugnisse sollen durch die Reichsstelle für Gemüse und Obst schlüsselmäßig auf die Bundesstaaten vcrleilr werden, welchen die Unierverlsilung aus die Kommunalverbände obliegen wird. Zur Durchführung der Bewirtschaftung ist von der der ReicbSslelle unterstellten Gemüsekonserven-Kriegsgesell'chaft in Braunscbweig durch Bekanntmachung vom 2t. Juni 1917 der Absatz und Versand von Gemüsekonserven und Faßgemüsen verboten ivorden. Sowohl der Absatz wie auch der Versand ist nur zulässig mit Genehmigung dieser Kriegsgeiellsckiaft. Auch der Versand wird nur zur Verfügung der Kommunalverbände erlaubt werden. Hochbahn-LuxuS. Man schreibt uns: Die Direktion der Hoch- und Untergrundbahn ist unermüdlich darauf bedacht, ihren Fahr- gasten Annehmlichkeiten zu bereiten. Und man muß gestehen, daß sie dabei auf die originellsten Ideen kommt. Als ich z. B. am gestri- gen Donnerstag, mittags'AI Uhr, auf dem Bahnhof Leipziger Platz' einstieg, um nach der Bismarckstraße zu fahren, schlug mir aus dem Wagen eine Gluthitze und das fröhliche Gelächter der Insassen ent- gegen. Sobald ich Platz genommen halle, erkannte ich den Grund von beidem: Der Wagen war gebeizt! Die Temperatur mag ungefähr 40 Grad R. betragen haben und schon am Gleis- dreieck lvar ich in Schweiß aufgelöst. Es hals nichts, daß ich den Platz wechselre: unter allen Sitzen auoll die Höllenglut hervor. Als ich aber an der Bismarckstraße ausstieg, umfing mich in der Juli- Mittagssonne plötzlich eine angenehme Kühle und ich war der Hoch- bohngesellschaft von Herzen dankbar, daß sie ihrem Publikum mitten im hundstägigen Berlin einen klimatischen Genuß bereitet, den man sonst nur am Meercsstrand oder im Hochgebirge haben kenn. Zu Hause angekommen, stiegen dann zwei Fragen in mir aus: 1. Weshalb beansprucht die Gesellschaft keine ExtraVergütung für die Verabsolgung ihrer Hcißlustbädcr, die im Admiralsgarten min- destcns 3 M. kosten? und 2. Was sagen die Behörden zu diesem Hochbahn-LuzuL in der Zeit der Kohtermot? An unsere Feldpostabonnentcu. Immerfort gehen uns teils direkt aus dem Felde und aus Garnisonen, teils durch Vermittlung der Kriegerfrauen Besdbwerden über unregelmäßige Zustellung des »Vorwärts' zu. Wir bilten die Bezieher, sich in jedem Falle sofort an die zuständige Poststelle beschwerdeführend zu wenden, da die Expedition nicht in der Lage ist, Abhilfe zu schaffen. Die bei der Post bestellten Exemplare werden von hier aus stets pünktlich an die Post gelieferl. Der Posischeckverkehr im Reichspostgcbiete hat sich im Juni sehr erfreulich entwickell. Die Zahl der Postscheckkunden hat um 5270 zugenommen und Ende Juni 171 570 betragen. Auf den Postscheck- konten wurden 7,926 Milliarden Mark umgesetzt. Bargeldlos sind 5,381 Milliarden Mark oder 67,9 Proz. des Untsayes beglichen worden. Das durchschnittliche Guthaben im Juni erreichte mit 574.8 Millionen Mark seinen bisher höchsten Stand. Vordrucke zu Anträgen auf Eröffnung eines PostschecktonloS sind bei jeder Post- anstalr zu haben. Das nächste BolkSkonzert des Philharmonischen Orchesters findet am heutigen Freitag in den Konkordia-Feslsäten, Andreasstr. 64, statt. Beginn des KonzertS 3 Uhr. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karlen werden abends an der Kasse verkauft. Eintritts- preis 30 Pf., Kasseneröffiiung 7 Uhr. Die Auslegung der Berliner Gemeindewählerliste für 1917. Die Bestimmung des Z 20 Abiay 2 der Städteordnung ist dahin abgeändert, daß im Jahre 1917 die Offenlegung der Gemeinde- wäblerliste ausnahmsweise in der Zeit vom 1. bis 16. September stalifind-l. Beim Spielen ertrunken ist die 4 Jahre alte Tochter Gertrud des Straßenbahnschaffners Rennefarth aus der Waldstr. 19. Die Kleine spielte am Südufer des Westhafens, steckte dabei ihre Füße ins Wasser, fiel in den Hafen und ertrank. Auf der Strasse vom Tode überrascht wurden der 50 Jahre alte Maurer August Schrobback aus der Forster Str. 44 und ein u n- bekannter Mann von etwa 60 Jahren. Schrobback schob einen Handwagen durch die Taubenstraße und brach plötzlich wt zusammv. Der Unbekannte starb, während er auf dem Mittelweg der Peters- burger Straße auf einer Ruhebank saß. Er trug einen grau ka- rierten Jackettanzug, eine schwarze Weste und schwarze Zugstiefel. Bei sich hatte er mehrere Hundert Mark, eine Stahluhr mit Schlag- werk und ein Taschentuch, das S. A. gezeichnet ist. Die Leichen wurden nach dem Schauhause gebracht. Eisenbahnunglück. Als Donnerstag vormittag 9 Uhr der nach Freienwalde bestimmte Personenzug den Slettiner Bahndof verlassen hatte, entgleiste aus unbekannter Ursache in der Mitte deS Zuges ein Wagen 4. Klasse und stürzte um. Etliche Personen sind verletzt, konnten aber zum Teil die Reise nach Neubildung deS Zuges sorl- setzen. Ein BahnhofSmarder ist am Alexanderplatz wieder aufgetreten. Unter der Vorspiegelung, daß er ihm behilflich sein wolle, schwindelte er einem Landsturmmann, der in Berlin Ausenthalt hatte, eine Kiste mit Kleidungsstücken, Lebensmitteln und dergleichen im Werte von 500 M. ab und verschwand damit. Charlottenburg. AuSgabc von Gcmüsc-Konscrven. Auf Ab- schnilt 109 der roten Lebensmittelkarte werden vom 13. bis 23. Juli einschließlich 1 Pfund Gemüse-Konierven in den durch Aushang kenntlich gemachten Geschäften zu den amtlich festgesetzten Höchst- preisen ausgegeben. Ein Anspruch auf eine bestimmte Sorte Ge- müse sowie auf eine bestimmte Büchsengröße besteht nicht. Der vor- handene Vorrat reicht für die Versorgung der Bevölkerung mit einem Piund Gemüse-Konserven aus. Der Verkauf eriolgt für die Serie VI der roten Lebensmittelkarte vom 13. Juli ab, Serie V der roten Lebensmittelkarte vom 14. Juli ab, Serie IV der roten Lsbensmittelskarte vom 16. Juli ab, Serie HI der roten Lebens- miltelkarte vom 17. Juli ab, Serie II der roten Lebensmittelkarte vom 18. Juli ab, Serie I der roten Lebensmittelkarte vom 19. Juli ab. Den Geichäflen bleibt vorbehalten zur leichleren Abwickelung und Regelung des Geschäftsbetriebes vor dem Verkauf Nummernmarken gegen Abschnitt 109 der NahrungS- mittelkarte an die Käufer auszugeben. Die Abgabe der Ware bat an jeden zu erfolgen, der den Abschnitt 109 der Nahrungsmiltelkarle vorlegt. Nicht eingeschriebene Kunden sind in gleicher Weise zu berücksichtigen, wie die eingeschriebenen Kunden. Tie Geschäfte haben den Aushang sofort zu entfernen, sobald ihr Bestand an Konserven geräumt ist. Vom 17. ab wird auf Anfrage unter der gleichen Tclephoniiummcr Auskunft erteilt, in welchen Geschäften nock Konserven erhältlich sind. Ein freihändiger Verkauf von Gemüsekonserven ist nach wie vor verboten. Neukölln. Lebensmittel. Vom Donnerstag, den 12., bis Mitt- woch, den 18., dürfen in denjenigen Geschäften, in welchen die all- gemeine Lebensmittelkarte mit den Abschnitten 15 bis 32 zum Be- zuge von Kolonialwaren(Grieß, Graupen usw.) angemeldet ist, auf den Abschnitt 31 der Lebensmittelkarte 375 Gramm Graupen abgegeben und entnommen werden. Der Verkaufspreis beträgt für 375 Gramm Graupen 23 Pf., für 750 Gramm Graupen 45 Pf., für 1125 Gramm Graupen 63 Pf., für 1500 Gramm Graupen 90 Pf. usw. Vom Freitag, den 13., bis Donnerstag, den 19., dürfen in den vorgenannten Gei'chä ten auf den Abschnitt 32 der Lebensmittelkarte 250 Gramm Haferfabrikale(Hafergrütze oder Hafermehl) ab- gegeben und entnommen wenden. Der Berkaufspreis beträgt für 250 Gramm Hafcrfabrikate 22 Pf.— Die neu aufgelegte Kunden- liste für �den Bezug von Kolonialwaren hat bei diesen Verkäufen von Graupen und Hafersabrikalen noch keine Gültigkeit. — Kohlenkartcn der Kricgerfrauen. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die seitens der Stadl Neulölln an die Kriegerfamilien ausgegebenen Kohlenkarlen nur bis zum 15. Juli bei der zuständigen Kriegsuiiielslützungszahlstelle eingelöst werden. Nach diesem Termin ist eine Einlösung nicht mehr möglich. Spandau. Lebensmittel. In folgenden Geschäften ist noch Käse auf das Kopsslück der Brotkarte der porigen Woche zu haben: Kretschmar, Mäckeritzftr. 5; Krebs, Seegefelder Straße 35; Benitt, Hamburger Straße 109; Römer, Secgefelder Straße 36; Jakubczeck, Pichelödo«öer Straße 10; Beamten-WirtschasiSverein, Potsdamer Straße 32; WirtschastS- Vereinigung Siemens- stadt, Nonnendamm- Allee.— Im Kleinhandel darf der Preis von 40 Pf. für 1 Pfund Kohlrabi, 20 Pf. sür 1 Piund Mairüben nicht überschritten werden.— Der Klein- verlaufspreis für Quark(weißer Käse) mit einem Wasser- gehalr vou höchste« 7o Proz. darf 60 Pf. für 1 Pfund nicht über- jchreileu._ Paiilvw. In der Macht vom 9. zum 10. Juli wurden in der Broltarlenausgabeftelle insgesamt etwa 18 000 Brolkarten für die 125. bis 123. Wocke durch Einbruch gestohlen. Unter den eulwen- delen Brotlarten befinden sich 8000 Karten der Serie XXXI Nr. 1 bis 2000. Die bezeichneten Nummern sind für ungültig erklärt und wird vor dem Ankauf und der Verwendung der betreffenden Brotkarten gewarnt._ Treptow. Mit besonderem Eifer hat sich die Gemeinde einer eigenen Viehhaltung gewidmet. Ihr Bestand an Schweinen betrug im März 144 Stück. Davon sind auf Grund eines mit der LandwirlschaslSknmmer abgeschlossenen Vertrages in den Monate». März bis Mai 80 Schweine an die Miluärverwallung abgeliejert worden. Die übrigen Schweine werden zur Fleischdcrieilung ein die Bevölkerung verwendel. De> ji u h st a l I der Gemeinde wurde rnit 84 flüßcii om 1. Jonuar 1017 übet nominell. Der Vestond beträgt zurzeit 88 Stück. Es wird ein DnrchichniilSerlrog von sieben Liter Milch für die SluB erzielt. Der Bestand on P s e r d c n wurde out 24 erhöbt ober ouch diese Zolil genügt Noch nicbt. Für die Bedürfnisse der Gemeinde sind wcilcre Pferde notwendig. Cöpenick. Der Verknus des EinmochezuckerL erfolgt seht in de» LebenSmiltclhondlungcn der SlnSi. Wilmersdorf. Rcuausgnbe von Vvllmilchknrlcn für Kinder. Fleitog, den 13., Sonirabeud, den 1-b, Monicig, den 1Ü,, und Dirnstag, den 17., tonimen durch die Bioilomiuiisionc» die für Kinder bis zu srchd Johrcn bcsliiiiniic» iienni Vollinilitikorieu(für ilngusl) zur Ausgabe. Die beieiligien HnuslioIiungsvoislSiide bobcn die Karlen an diesen Dogen nacb besonderer Ausgabcorduuiig in der Feit zwischen 9 und 2 Uhr gegen Vorlegung grcigneicr Urkunden in Enipfang zu nehmen. Potsdam. Einslellung der Straheiibelriichiung. Infolge der Heizstofsknappheit wttd die Sitasieiibeleuchiung bis auf nieiteies unterbleiben. Ferner wird der Siros, enbohnvcrlchr von 8 Uhr 30 Minuten abends auf allen Linien eiiigesiellt. Auch die Treppen- beleuchlung ist unlersagt. Znöustrze unö hanöel. Ausfliichtc in Währnngöschwirrigkritc». Um bei dem gcgcnwrirligen ungünstiocn Wöhrungsstand den Morkkurs niHt durch iveiteres Angebot deutscher Banknoten zu iirüdfen, sind in der Schweiz Ftnonzgenossenschoften gebildet Ivor- den, die die deutschen Zahlungen auf längere Zeit, meistens 18 Mo- not«, stunden und ihren Eingang verbürgen, wodurch die Bclcihbor- Zeit der schweizerischen Buchforderungcn erhöht wird. Da aber die schweizerischen Erzeuger ihre Rohswffe in kurzer Zeit bezahlen müssen, so sehen sie das neue System, das ans langfristige Kredit- gewahrung hinausläuft, nickst mit leuchtenden Augen an. Andererseits mutz besonders die schweizerische Luxusindustrie Gott danke«, wenn sie überhaupt ausführen kann.' Bon deutscher Seite tonn die Frage ausgeworfen werden, ob eine Liixuseinsiihr von Stickereien, bei der es sich»m Millionen ltondelt, heute, bei den bcdouer- lichen Währungsverhältnisscn, statthaft ist, auch ivenn die Zahlung vertagt ist. Wahrscheinlich aber wird Herr Wilson alles ivcttere Kopfzerbrechen ersparen, indem er den Neutralen die Daum» schrauben anlegt. Die Glühlampen werden teurer. Die GUlhlampentnWstrie Hai mit Wirkung vom 12. Juli TeuerungSzuschlag von Metalldtaht- und Mdalisadenlainpen weitere 20 Prozent auf 40 Prozent erhöht. den um Bayern in dem Stcinkohlcnban. Die boherische Regierung hat nach dem„Verl. Tagebl." schon seit längerer Zeit die Absicht, eine Kohlenzeche zu erwerben. Tie Finanzveowaltung dieses Stnalcs ist nunmehr, nachdem die Liqui- dierung des sranzösilchen Akttenbesttzes an dem Steinkohlen- bergwerk Friedrich Heinrich Akt.- Ges. Llntkort an- geordnet worden ist, der Frage nähergetreten, ob sie diesen den aus- fchlaggebenden Einflutz auf das Bergwerk gewährleistenden Aktien- besitz übernehmen soll. Es sind Perhandlungeii über den Erwerb bereits eingeleitet worden. Ans dem englischen Wirtschostsleben. Zurzeit beziffert man in den Vereinigten Staaten den Rück- fluh amerikanischer Effekten aus England feit Kriegsbeginn auf 2600 Millionen Dollars(14 Milliarden Mark). Die englische Tynamitindustrie beabsichtigt einen Zusommcn- schlutz, wobei angeblich von einem Unternehmen mit einem Kapital von 20 Millionen Pfund Sterling die Rede ist. Aber auch in au- deren Industrien schiveben ähnlicky: Projekic. So scheint man in der englischen Montanindustrie das deutsche Vorbild, Eisen- und Kohlcnwcrke zu fusionicreu, nachahmen zu wollen. Da- neben tauchen immer wiedrr Projekte auf, ivonach die Dunlop- Rubber-Gruppe sehr wcitgeheude UnterhonSluiigeii, teilweise mit amerikanischen Interessenten plane. Gerichtszeitung. Kiimmrlblättchcn-Ersnh. Auch die Baiierniänger paslen sich den veränderten Zeile» an. Während siühcr das Gauiirripiel, mit dem vertrauensselige Landdewohiier gefleddert wurden,„Küiumelblättcheii* hietz. heitzt es jetzt„Zeppelin und seine Flieger" und besteht in der Aufgabe, zu erraten, auf welchem Platz uNler drei durchetiiandcr- oewirbellc» Karten die ci»e, die.Zeppetin" daisiellen soll, zu finden ist. Ter Reiieiide Heiinich Müller und der Kellner Albert Llipler ivare» vor der 1. Siraskammcr des Landgerichts lll an- gellagt, zwei ehrbare Milchfuhrleute aus dem Sprccwald i» diesem kiiiist- vollen Spiel arg gerupft zu Hobe». DicLcule Ware» uackiEharlotirnburg gelomme», um Pferd« zu lausen, und machten die Beknmilschast zweier „Herren", von denen sich der eine alS Landwirt au» Haniiover, der aiider« als Reierveosstzier aus Görlitz Vorstellte. Sie machte» den naiven Spreewälbern Hossnting, duich ihre Vermittlung nässende Pferde zu erhalten. Zur weitere» Besprechung führten sie die Fuhr- leute>n ein Schanklokal am Sovionyplotz und dort begann das Spiel mit dem Schlutzergcbnls, dah die beiden Provinziaien den Leilust sehr erheblicher Beträge — dem»inen waren 1000 Mad abgenommen worden— beklagten und die beiden Goimer bei postender Gelegenheit ver» schwunden waren. Aus die crstailcte Anzeige wurde» die beiden Angeklagten alS die Täler sestgeiiominen. Müller wurde zu neun Monaten GcsSngntS und 600 M. Geldstrafe sowie diel Jahren Ehr- Verlust verurteilt, Ripler dagegen stelgesprochen, da hier offenbar eine Personenverwechselung vorlag. Der Herr Musikdirektor. Auf Dienstmädchen und Bermietcrinneii hat eS der Musiker LudgeruS Esser abgesehen, der sich wegen mehrfachen Betruges tnr Rücksolle vor der 8. Sirafkaiiinier des Landgerichts III veranlivorten mutzte. Der windige MnstkuS bat bereits eine Kunslreist diircki fast ganz Deutschland hinter sich und hat in den dSrschieveuslen Slädte», wie Hamburg, Leipzig, Breslau, in der Rhetngegeud Gastspiele gegeben, die sietS mit Gefängnis endigten, so datz er nicht weniger alS zwölfniol stets wegen der gleichen Straftaten vestroft worden ist. Seinet allen Gewohnheit getreu, holte et sich jetzt wieder an jung« Mädchen, meisten« Dieiisluiädchen. die er auf der Srratze und in Schanlwirtschosten kemieii lernte, herangeinachl und ihr Vertrauen erschlichen, indem er ihnen vorschwindelle, er sei Musikdirektor, woblbestalier Geheiindetekiiv oder der Sohn elneS Essener FabrikdirektorS. Dann pumpte er sie an, uni spurlos zu verduften. EiueNi Mädchen halte er auch noch eine goldene Uhr in der Weise abgegaunert, datz er sich die Uhr geben Uetz, sie ad« sichtlich beim Ausziehen übcrdrehie und dann sagte, er werde sie auf seine Kosten reparieren lassen. In ähnlicher Art belchwiiidelie er verschiedene Veruiictcriniieii von möblierten Zimmern in Dohlein und Potsdam. Et wurde zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust vcruricilt. Jugenöveranstaltungen. ZUveirerjugeud ZGäueberg. Sonnlag. den 15. Quli fällt die FabU q Grünau aus. Sic findet Sonnlag, den 22. Juli, statt.— Äbltwoch, den 18. Juli: Aboiinentcn-Veilamuilung bei Henkel, Aeininger Slratzc 3. j nai Nnfang k> Uhr. TageSoidnung: 1. Varlrag über„Zweck und Ziele der Juaendbeweginig". Resereiit: Genosse DviiiiNck. 2. DiSlnsston. 8. Wohlen. 4 Vcilchicdenrs. Die Jngendilchen, die an! dem Boden der»Arbeiter» Jugend" stehen, siid zu diesem Vortrog ivlllkomineu. 1?US aller Welt. DaS Millioncnergcbnis des ll-Boot- Kriege? im Juni. Das zur Schiffsvcrmcssung angewandte Matz der Regislerloniie ist im Binnenlande fast unbekannt. Hier rechnet iiimi allgcmciii mit Kubik- oder Raummetern, von denen 2,833 aus eine Negister- tonne gehen. Wenn olso iin Monot Juni durch U-Boote, Minen n. dgl. über 1 Million Brulio-Negis!crio»»en vcrscnki worden sind, so kommt dies einem Rouininholt von mindestens 2888000 Raum» mclctii gleich. Welche Menge on Schiffsronm donstt veinichlct ist. dos konn sich der Loie»nr schwer vorsiellen. Denkt nion sich ober einen unserer grotzen, bedeckten GiUerwoge», die 7,02 Meier long, 2.74 Meier breit und 3,44 Meter hoch sind, müh!» alfo eine» Rounniiholt von etivo 76 Klihikmeier hoben, so würde do-Z iin JlNli versenkle Sckiistsniatz von 2 833 000 Kilbikmelerir gleich z» setzen sein 37 824 dieser Giiterivagen oder 1200 Güierzügen z» je 30 Wogen. Die Strotze Unter den Linden in Berlin ist 1001 Meter long und 00.8 Meter breit, Wollte»io» in diese Slrotze 1 Million Brutio-Register-Tonrien hineinsrtzen, so iniitzien die Seiienwände der Häuser 46,68 Meier hoch sein. Dos ReickisiogSgebäude in Berlin ist 132 Meter lang und 88 Meier breit. Die Setienhobe vis zum Ge- siins bcltägt 2/ Meter. Rechnet man die Kuvvel in der Milte ob, so erhält man für den stolze» Bo» der ReichSbvten ein Raummotz von 313 832 Rsuntineiern. Man würde Olso ungefähr neun solcher Gebäude bedürfen, um den im Juni versrniieit Schisssraum unter- zubringen._ Grubenknioslrophen. Aus der Zeche Recke Schoinrock bei Gelsenlirchen etfolgte ei» Gesleineiubruch. wobei, lvie uns ei» Priboltelegroinni meldet, drei Bergleute getötet wurde». — Auf der Zeche Reckliiighmife» der Harvener Bergbou-Akllen- geiellichoft ereigiiele sich eine Exvlosion von Sprengstoffgas«», lvobei 16 Personen gelölci und 28 verwundet wurden. Zehn Bergleute lverde» vermitzt. � Alis dem Schacht Pluto der Zeche Wilhelm bei Gelscnlirchcii wurden acht B e r g l e» l e gelötet, 13 schlvcr, sechs leicht verletzt. Eingegangene Druckschriften. KotcchisiiiiiS der deutsche» Arbeiterbewegung Oesterreichs. Bon Hans Krebs. Verlag G. Hedeler, veipzlg. Miitelalterlichc Slodiwirtschoft»nb gegenwärtig« Kriegs. Wirtschaft. Bon Georg v. Beloiv. Geh. 1,50 M Verlag von I. D B. Mohr, Tübingen. Der Dcuische Mrtallarbeitervrrbniid im Jahre 4VI0. Selbst» verlaa des Veibandes, Stuttgart. Chopin, sein Leben und sei« Werk. Bon JameS Hunecker. vrofch. 8 M., geb. v SP!. Verlag Georg Müller, München. Kinder«nd Käuze. Von A. Hendschel. 1.50 M. Verlag van«ullu« Hossmann, Stuttgart. Grsry über Stchreuiig der KriegSsteuer, sowie Gesetz ü5er 51« Et» litbung eines Zuschlag» zur KriegSsteuer. Von S, Zimmermann. Verlag von I. Hetz, Snitlgart, 91« die Mibriier der ncutrulen Länder. Von einem deuischcn «ideiler in Belgien. 0,30 M, Verlag von Karl SleglSiiiinid. Berlin. Toiia u> Jahrbuch INI?. Von Julius Skietz. SeldstvCrlag Wien. ' linier Lritaltcr. Bon Joh. v. Jenien. Geh. 5 M, geh 8.50 M.— Bieinarct. Von Emil Ludwig. Geh. 4 M., ged. 5,50 M.— Verlag von S. Flicher, Veilln. Driefkaften üer ReSaktion. Z. 87. a) Wenn die Rente mit dem übrigen Einkommen d«n steuer. vflichtlaeii �>atz eiweicht, so ivird sie der Stcucrvei anlagung mit zugerechnet. Es müssen dann auch lelbslversländlich Genielndeeliikommeiisteiiei» gezablt weiden, b) Tie nächste Instanz iväie dann der zuständige Regierungs- piäsident.— F. T. t>4. Ja, da diese Operation nicht als lebensgefährlich erachtet werden kann.— Peka. �ie find zur Zahlung der Staats- einkouiiiienstcuer vtrpstichtet.— M. G. Z. 21. Wenn der Vater wcht autwillig zu bewegen ist, dle gewllnlchieii An laben zu machen, inätzlen Sie slch an das Bornlundschastsgerlcht wenden, das ist) das Amts» »ericht Berlin- Mille, damit er mm dart aus dazu veranlagt Ivird.— I. L. tttv. Die Muilkr erhält die Kciegsunierftätzung weller, der Frau ivlrd sie jedenlalls nichi gewährt, wenn sich in ihren ElnkommcnSveihälhtistcii»ach der Ehe nichts geändert hat. Alt-Barhageu. Dle LSSiiinig der mobilen Manaichast beträgt 53 Pl. pro Tag--- H.>H. 45. Es lau» jetzt mir der Auiiag auf Gewähiuiig des KilegoelleiiigeldeS gestellt werde». Der Aiilrag ist det dir Gemeinde- veiwalliing elnzurelchen.— Sl. K. 3S. Dle Aminhme kann nicht ver- weigert werden.— L. Ii!. Der Beiwaltel ist veipstlchtet, die Lebens- Niilielkarteii dem Mieter znzustelle». Nur wen» er den Mieter nicht an- tiistt, ist dieser verpstichiet, sie sich vom Verivaller zu holen."'VI. 66. D as können wir nicht ivtssen, da uns doch die Bestandlelle des von Ihnen bemihleii©aichmlllcl« unOcfiimit ftiid.— Pp. Bf. 17. 1.— 4. Dellen Sie ver Buchhandlinig Vorwärts Ihre Adreiie mil, so erhallen Sie von dvil Beicheld. 6. Für Sie tznrzelt nichl möglich. K. K. 50. Nein.—®. 1. An das Generalkommando, dem der Tiuppeiiletl Ihres Sobne» inilersteht. M. I. N. 4�. Den Ilnieiosstzieien, die b'/, Jahie aktive Dleiistzelt nachwelleii lönne», stehl die Sergeanien- löhnuiig zu.— E. H.�lS. Die Multer bat nur Anspruch mis die eine IlNleistätzuiig.— AK. H. Ä6. Wenn sich in Ihren Verhällnissen nach der Trauung nichl» geändert bat, ivird Jbnoii die Unteistützuiig verweigert iverden. Aiilrag wäre zu richlen an die Gciiieindeverwallung>» Glienicke. — Zl. ff. 4�. Plattsutz, nrbeilsverivciidiingsiähig iär die Heimat als Mllstärarbeliek. L. Der Paragraph der Eisenbahiiaerlehrsordiiiing ist zu lang, um ihn zum Abdruck zu bringen, Sie können Ihn jedoch bei»ns in der Spiechstimve einsehen.— St. ff. 66. Wenn es sich um einen Anspruch aus Geichälltii des ISgliche» Lebens baiideii, so ist Verjährung ein- aelreie».--- H. G. 100. Es braucht kein Grund zur Kündigung vorzu» liegen. Die Kändigung ist auch Ihne» gegenüber rechiswirkiain.— 61. ff. 108. Sie stiid»alürlich auch unieriti HiliSdiinstgeieh an die ver- eiiibarte Kündigiingsstist gebunden.— Gesuiibbruunrn 100. Sie können deshalb ohne Kündiguiig des Verirages nicht sosort ziehen.— ttwet Landsturiiiieiite. 1. Mindirtährlge aber 14 Jahre sind für den Austritt ans der Landeskirche selbständig rechlssähig. 2. Nein, nur mit Zustimmung de» Vaters,— B. KS..Verein Frauenbeim', bat zwei Haiiier in Lichtetjelde(Bismarckstr, 4), gibt Wohnung gegen Mlelezahluiig, Mittag« essen gegen Verglltuiig. � Ali. H. 76. 1. Wissen wir nicht 2. Im Taucherapparat kann man bis«0 Meier Wasserttqe tauchen, aber nicht arbeiien. Bei 30 Meter Wniserlies« ist noch zweistäiidige Arbeit möglich. — Z. 556. Sie sind sieiierpsiichiig vom Tage der Eiillaisung ab. — G. H. 18«S. Die Küiidigiing liiiltc. da Nach Ihrer Angabe im Verstage eine KüiidigungSIrisl von drei Monate» und drei Tagen verein- bart tsi, Jhiieu am 27. Jinil ichon zugeiielli lein müssen, sie ist deshalb nicht rechtswirksam.— v. R. SS. 1. Vi« zum Tage der Eiillastunz. 2. Die lliiiersllitzung ist noch dt« Ende Juni zu zahlen. 3.«leuerpstichtig sind Sie vom Tage der Entlassung an.— G. T. 101. 1. Sie sind nur zur Zahluiia des Betrages von 2« M. laut abgeichlassenen Vertrages ver. pslichm. 8. DaS Kriegsernährlingsamt befindet stch Berlin W. Wilhelmstr. 70d. — 9. W. L. 75. Laiidslurmpsilchlig. Viaiilutz.— K.». 26. 1. Ohne nähere KeniiIiiIS, um was es sich danveii, ist die Frage so nicht zu beaut- wollen, 2. Nein, dazu bedarf s!« der Zustimmung des Ebeniamics.— M. St. I. Wenn das.Kind dort ständigen küitenthnlt bat, ist es dort schul- psitchlig. 2. Die Frage ist«nverstöndlich.—(f-. Z. 57. 1. Dle Klag- Ist wahiicheinllch nach nichl elngeielcht, sonst ioSre sie Ihnen in der Zeit schon zngesleUi. 8. Da» in der Ehe gemeiniam Eiwoibene gilt als Eigentum des MauiieS. 3. Sie waren dazu nicht berechligt und können aus cistaltete Anzeige hin bcstrask werden. B.'riieransNäieen Oir da» initlirre•llorhvciuulilnitv vi« SonuabrUd witiag. Zunächst trocken und oielsach heiler; am Tage ziem- iich waim, später im Süden Zunahme der Lewöikung und stellenweise Ge- ioitter. mmmmmmmmctsmammm I Deu'sctier Ketallarbelter-Verband! Verwaltungsslelle Berlin. De» Miigliedern zur Nachricht,! datz unser Kollege, der Schlossei I tteinricti am 8. Juli an Lungenlelden ge- storben Ist, Ghrr sklnrm Sludrnkcn l Die Beerdigung stndct heute Freiing, den 13. Juli, nachmiltag« 3 Ilhr, von der Leichenhalle det Rudower Kirchhosts in Rudow aus stalt. Rege Bcieiligung erwartet 177/5 1 Tie OrtSverwaltung. Nach langem Leiden eulschlies saust am lt. JUlt, abends 8 Uhr. mein lieber Mann, unser Vater, Schwicger- und Grotzvaler Kanl TUilnon. Diese« zeigen an sLÜLllb Frau Sluna Tüllner, Karl Tüll» rr, Herinaiin Tüllner, (fruit Tüllner, Martha TüIIner geb. llmsi. Martha Tüllnrr geb. Steiner und Grotzkindtr. Buedöruvderei unö Veriagennsiglt Q In'München. ---------------- Birk t Co. m. b. H. Soeben orBChion! Dunksaeane- Für die vielen Btmei|e derzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich" allen denen, welche ldn zur letzten Niihestätle 5e- alcilet haben, meinen herzlichsten Dank. 88A Tie tlektrnuernde Witwe Meta Reich. "> Sektkorken bis 26 Pfennige, Weinkorken 4 Pfennig Sotcie alle anäeron Borten gebrauchter u. neuer Korken Film-Zelluloid kauft W. Nelke, Berlin« Kfausenstraße 75 (uebon Kempinuki) Bülowstraße 24 Eeke Potedamer Str. Prenzlauer Straße 29 dlrsW aifi Alöxanderplatz Steglitz, Bergstraße 2. 0-1, 3-6. 5032L* Bor II. Bund des Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage «on 1910 bis 1913 IO.— gut gebunden, 688 Seiten, 91 k, Auch der uwoito Band de» Handbuches wird für jeden PuitoigenoSBon und Gewerkschaftler unentbehrlich sein, well durch die soroktlltixe und sachliche, nlphnbotieche Zusammenstellung der auf den Parteitagen kundgegebenen Anschauungen damit eine sonst nicht vornandone Uebersichtlichkeit des Materials geboten wird. Von dem 1. Band, 1863— 1009(Preis Mk. 7.—), ist hoch«in geringer Vorrat vorhanden. Alle Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen entgegen. 6t82L* Bcschlagnaihmcfrcie Mengen gebrauchter Sektkorke I Weinkorke 26 Pf. 4 Pf. das Stück kaust 38/14' b.H..- 9-12,3-6 AltFiHiderplatz Sendungen von auSbvSrr« ohne vorherige Anfrage nicht crtvttascht. �kölllllkk � � Georgcnkirchstraft« 50, beim Lin «kirklMllioder Aufsehwung unseres Handel» u. der Industrie wird die Polge dieses Krieges sein. Eine tiefgreifende Aende- ning unseres gesamten ötkont- liohcn Lebens steht bevor und unzählige Stollen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Krärte gesucht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d, Handels u. d. Industrie sollten nicht vorsäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. 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Die Leute sitzen still und stumm. .Sehen Sic den vordersten links, der die rechte Hand auf dem Stock liegen hat? Er schwebte vorgestern noch gwiichcn Tod und Leben/ sagt der Unterarzt leise und zeigt auf einen schmalen, kleinen Juden, von dessen Kotzf nichts als die Augen herauSgucken. Jetzt geht die Tür auf. Die Sängerin, die Pianistin treten berein. Die Köpfe der Berwundelen drehen sich langsam nach den Frauen herum. Ah.— Ein grüncS Kleid rauscht durch den Pferde- stall. WuS für ein Hut auf dem schwarzen Haar der Sängerin! Jetzt steigen beide auf das Podium. Sic nicken freundlich zu den Kranken herab, die große Augen machen. Die Sängerin trägt rosa Strümpfe. Die« ist ein Lazarett dicht hinter der Front. Einige dieser Leute kommen eben au» den Kämpfen an der AiSnc. Vor ihren Augen zittern noch die Bilder de« Grauenö. Bei jeden, Geräusch schrecken sie zusammen. Die» Lazarett ist nicht komfortabel. ES ist ein richtiges Fronllazarett. Aber eine mllde, frohe Ruhe liegt über den Sälen— die Ruhe der eben Geretteten. In diesem ehemaligen Pferdestall pflegen die leichter verwundeten sonst zu essen. Heute aber bat jeder das Bett verlaffen. der kriechen kann. Die beiden Frauen, die oben auf dem Podium stehen, sind von iMünchen gekommen. Im Ansang de« Kriege» wurde» die Verwundeten in der Heimat mit Konzerlen, Tee» und Spazierfahrten fast erdrückt. E» ,st gut, daß die geistige Fürsorge sich jetzt bi» hinter die Front wagt. Das Konzert beginnt. Di« Pianistin»,uß sich ein paar Noten- bücher unter ihr Sitzfleisch legen. Iveil der Stuhl zu niedrig ist. Da geht«in Schmunzeln und Grinsen über die verbundenen Köpfe. Aber nun beginnt es wirklich. Ein paar rauschende Akkorde— aus dem klappernden Klavier— nach oben und unten. Die Sängerin reckt sich. Die Begleitung setzt ein. Und eine tiefe volle Altstimme schwingt durch den Perdestall. Sic singt von Frühling und kleinen Mädchen, von Mond- nächten und Dorfstraßen, von Küsten und heimlicher Liebe. Sie singt Lustiges und Traurige«, Hurtiges und Getragene«, und immer hüpfen die Töne aus dem Klavier ihr flatternd voran und hinterher. Sie singt Brahm« und Hugo Wolff, Schumann und uralie Volkslieder. Beim ersten sind die Per« wundrtrn noch elwa« mißtrauisch. Noch haben sie keine Distanz. Noch interessiert da« Weib an sich sie z» sehr, da« da plöbüich aus einer längst vergessenen Welt in ihre Einsamkeit zwischen Tod und Leben eingebrochen ist. Aber die Kunst singt sie empor. Die Gesichter werden ruhiger— die Augen lugen schärfer. Da sitzt ein Knabe von kaum IS Jahren— mit einer großen Hornbrille, die durch Bindsäden an den Ohren befestigt ist. Bielleicht ein Student. vielleicht ein Musikant. Er sitzt ergriffen, vornübergebeugt und wischt sich den perlenden Schiveiß von der Stirn. Ein anderer mit verkniffenem Gesicht— al« lehnte er diese Töne de« Friedens ab. Ein dritter lächelt verschmitzt, al« sie vom Küsten stngt. Und ein vierter macht große strahlende Augen, als sagte er!„Jawohl, so war ti." Es sind die» Männer au« allen Landschaften und au« allen Ständen Deutichland«. Jeder fühlt es anders. Aber jeder fühlt etwas Neues in sein Leben breche». Erinnerung und Sehn- sucht, strahlende Freude und schmerzvollen Zwiespalt in seiner armen grauen Seele weckend. Wie dankbar sind diese Menschen. Einige können nicht klatschen. weil ihr Arm zersckiosten ist. Die nicken mit dem Kopf« oder trampeln mit den Füßen. Andere, die ganz vorn beim Podium sitzen, wagen ihrer Freude nur schüchternen Ausdruck zu geben, als schämten sie sich vor diesen beiden eleganten Frauen. Aber alle Gesichter sind jetzt frob, entspannt, erlöst. An diesem Tage sieht der kleine Pferdeitall mehr Freude in seinen kahlen Räumen al» mancher große Konzertsaal im Frieden. Nun beginnt die Pianistin. Sie spielt Strauß, Thopin und Liszt— vor allem aber Chopin. Aus dem kleinen schwarzen Klavier zaubert sie eine stürzende Flut von geordneten Tönen hervor. Jetzt sind die Leute sofort bei der Sache. Einige ver- folgen nur die Hände, die wie ein Hammerwerk klopfen »nd hin und der über die Tasten wirbeln, die Teufel«hAnde. � Der starte Mann. Eine schweizerische Offiziersgeschichte von Paul Jlg. lSchluß) „Warum haben Sic sich so lange nicht blicken lasten? Wo steckten Sie die ganze Zeit?" fragte sie bestürzt, gehetzt, tn unwahrscheinlicher Besorgnis. Wenn noch nie zuvor, so fühlte Adolf Lcnggenhager tn diesem Augenblick, daß er vor der behüteten, koslbaren Jungfräulichkeit den Nimbus eine? strahlenden Ritters für immer verloren hatte. Sie schien in ihm nur noch eine gescheiterte, bedauernswerte Existenz zu sehen. Da brachen die letzten morschen Stützen setner Anmaßung zusammen. „Ich dachte darüber nach, womit ich mir eigentlich Ihre Freundschaft verscherzt habe. Wissen Sie es vielleicht?" cnt- gegncte er, vom Gefühl seiner Nichtswürdigkeit erdrückt. Schrumpfte er nicht auch leibhaftig ein? Der Ekel, die Sclbstvcrachtung... eS füllte die Brust gleich einem wüsten blascntrcibcndcn Morast, stieg höher und höher. Die bunten, lebensprühenden Bilder verblaßten und verloren jeglichen Sinn. Warum drängten sich da tausende von Gaffern in Sonnenglut keuchend zusammen; wozu jagten die Retter im Ring ihre Tiere halsbrecherisch über Graben und Zaun? Mit gellend nüchternen Augen blickte er auf einmal in diese Welt des holden Scheins, den Zirkus der Torheit, in welchem e r die atcmraubende, nciderwcckende, glückauvstrahlendc große Rolle spielen wollte. Was sagte RcnSc Steiger, die Königin dieses Festes, der die goldene Jugend von nah und fern ihre Huldigungen dar- brachte? Er hörte sie schwatzen,— flüchtige, nichtssagende, seelenlose Worte, die sein verdunkeltes Gemüt nicht eine Se- künde lang erhellen konnten. Wie er nur dergleichen häßliche Gedanken aussprechen möge? So gerne wäre sie in den letzten Tagen wieder einmal auSgeritten I doch jedesmal sei ihre Absicht vereitelt ivorden. Ob er an der Regatta des Nachtklubs teilzunehmen gedenke? Vielleicht würde er ihr Partner im nächsten Tennisturnier sein wollen? Lüge, Feigheit war der Hauch ihres eitlen Herzens. Während sie sprach, verbarg sie die Augen mit dem zierlichen Perlmuttcrglas, dem hübschen Reiter folgend, dessen Leistungen den rauschenden Beifall der Menge weckten. Sie konnte den� Enterbteil nicht länger schonen; ihre Freude überschwemmte> die überall zugleich die ausbrechenden Klangfluten bändigen und bernsch mit der Melodie in ihre Schranken weisen. Einige stoßen sich an. Andere klopfen mit dem Fuß den Takt. Eine» ist auf- gestanden, als könnle er so besser hören. Man steht ein paar schwarze verarbeitete Hände auf einem totenbleiche» Gesicht— eingefallene Wangen eines jungen Mannes, die von einem dünnen blonden Vollbart umrahmt sind. Auf und ab wogt noch immer die Flut der Töne. In ihnen steigt für die Verwundeten noch einmal alles empor: die Angst und das trommelnde Feuer und der Schmerz und -der quälende Durst nach Leben. Alle Vergangenheit wird in den Tönen noch einmal schreckhaft lebendig.—'Die Töne ringen gegen- einander.— In allen Hirnen und Herzen wogt es dumpf hin und her. Auf den Gesichtern eine ängstliche Spannung. Aber plötzlich ist die Flut wieder gemeistert. Die Melodie bricht von unten, von oben, von allen Seiten sieghaft hervor. Alles Dunkle, alle Angst entflicht. Und in klaren, mächtigen Akkorden fällt der Spuk in sich zusammen. Eine kleine Pause der Ergriffenheit..Donnerwetter' — hört man ans einer Reihe rufen. Dann bricht der Beifall loS. Den Schluß machte die Sängerin. Sie sang Carmen. Nicht« Befremdendes mehr lag jetzt für die Verwundeten über ihrem Singen. Sie fang zutraulicher als zuerst, feuriger als ein paar Tage vorher im Etappenkonzert. In dem kleinen Pferdestall vor den Ver» lvundetcn hatten sich ihre Herzen gefunden— die der schenkenden Kunst und die der armen angeschossenen Teufel, an die die größte Musik nur immer ein kleiner Dank bleibt. Sie sang von Tanz, Wein und Zigeunerliebe— lockend, drohend, spottend. Ihre Stimme ward weich, schwoll an und ebbte zurück. Sir sang zu hundert Menschen— nicht zum Publikum. Die Augen dieser ver- p nndeten Soldaten trugen st«— daß sie vielleicht da« schönste Lied ihres Lebens sang. Die Männer in den blauweißen Kitteln reckten sich noch einmal. War da« noch Theater? War e§ nicht das Leben selber, da« dort auf dem kleinen Podium vor ihnen jubelte und lockte? Oder wollte diese Frau sie betören und quälen? Sie sang nicht nur mit ihrer Kehle. Sie sang auch mit ihren Augen, und mit ihren kleinen Schuhen, und mit ihrem ganzen Leibe— gerade auf die armen Verwundeten lo«. War da« Theater oder war e« da« blutrote Leben? Ach, c« war diesmal noch Theater. Denn plötzlich nach einem ganz hohen Tone hielt die Sängerin oui. Das Klavier schlug ein paar Akkorde. Die Damen verbeugten sich. Und alle« klatschte. Zwei Verwundete überreickiten einen Blumenstrauß. Und dann ging der Chefarzt langsam mit den beiden fremden Frauen über den Hof hinweg. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Der deutsche volkspark der Zutunfl. Während über die Anlage künftiger Helden« und Kriegshaine bereits viele Erörterungen gepflogen und zahlreich« mehr oder minder praktische Pläne entworfen wurden, blieb dt« außerordentlich wichtige Frage der nach dem Friede» zu errichtenden Parkanlagen für die großen Masten deS arbeitenden Volkes noch ziemlich un- beachtet. Und doch wird aucb auf diesen, Gebiete eine.Neu- orientierung' dringend notwendig fein. Der Park der Zukunft soll nicht wie bisher nach den.künstlerischen Einfällen' irgendeines Beamten angelegt werden, sondern vor allem den natürlichen Zweck- forderungen entsprechen. An Stelle nutzloser gieranlagen, die ohnehin ihren Namen nur selten mit Recht tragen, soll der Volks- park der Zukunft allen Bevölkerungskreisen Gelegenheit zur Er- Holling, zum AuSruhen, zu Spiel und Sport in freier Natur, endlich auch zu anregender und billiger Zerstreuung bieten. Von diesem Standpunkte aus verdient der große Plan eines Volkspark- entwurfs für eine Industriestadt an der Ruhr eine nähere Betrach« tung, wie sie die Ausführungen feine« Schöpfers, des Gartenbau- architelten Edgar Rasch, im nächsten Heft der Zeitschrift.Ueber Land und Meer' gestatten. Die Lage de« Park« richtet sich nach dem Wohnzentrum der arbeitenden Bevölkerung. Verbindung durch die elektrische Straßenbahn, Play zur Auffahrt bei Vermeidung von Gedränge usw. sind felbstverständliche Voraussetzungen. Der al« Vorbild dienende Plan zeigt als Kern der ganzen Anlage in der Mitte eine Gruppe von Gebäuden, in denen Volks- bücherei, Lesehallen, Theater, ein volksbildendes Kino, Vortragssaal, WirtschaftSräume, Feftsaal, Ausstellungsräume. Kegelbahnen uiw. entbalien sind. Hieran schließen sich an den Breitseiten Terrassen, durch seitlicbe Flüaelveranden gegen den Wind geschützt. Bon hier au« blickt man auf die große Volks« oder Festwiese, an die sich Blumenschaugärten anschließen, die wieder von einem großen, in einen Kanal' mündenden Teich abgelöst werden, der den Wasser- sportlern überlasten ist. Wenn möglich, soll ein natürliche« oder künstliches Strandbad gleichfalls vorgesehen werden. Während eine große Wiese Gelegenheit für Sport- und Geräteturnen die schwachen Mitleidgefühle. Als der neuerkorene Ritter die Bahn verließ, strahlten ihn die dunklen Augen ver- heißungsvoll an, flog ihm ihre Liebe stürmisch entgegen: sie ließ sich gleich einem gezähmten Falken auf deS Siegers Schulter nieder. Adolf Lcnggenhager durchlebte noch einmal den glühenden Rausch ber Besessenheit. Er hätte dem Fremdling den Besitz dieses verlockenden Weibes streitig machen, die Treulose vor aller Welt an seine Brust reißen mögen.— Aber das Märchen von Glanz, Ruhm und Reichtum war für den Baucrnsohn zu Ende. Die Prinzessin glaubte schon lange nicht mehr an seine königliche Sendung. Roch er nicht dock ein wenig nach dem Kuhstall? Handelte sein Vater nicht mit Schweinen? O Gott, wie konnte so ein verstiegener Streber im Ernst daran denken, eine Renäe Steiger heimzuführen? Er war ja ganz und gar dem Fluch der Lächerlichkeit verfallen, von der obersten Sprosse seiner Himmelsleiter schmählich zu Boden gestürzt und hatte sich dazu noch alle Glieder ge- brachen! Ohne Lengaenhager noch eines Blickes zu würdigen, sprang sie dem Leutnant von Rimathse entgegen, um ihn zu beglückwünschen und sich für alle Fälle tn seinen Schutz zu begeben. Und hiermit war der abgedankte Bräutigam den Höllenqualen seiner Verzweiflung vollends preisgegeben. Wohl riß es ihn eine Weile hin, die geputzte, gleißende Lüge bei ihrem wahren Namen zu nennen. Wtld bäumte sich die Rachsucht auf, und die geballten Fäuste zuckten nach einer befreienden Tat. ES geschah jedoch nichts weiter, als daß er dem strahlenden Fräulein im Vorbeigehen ein Bild, das er bis zu dieser Stunde wie einen Talisman gehütet hatte, verächtlich vor die Füße warf. Der ahnungslose Be- gleiter hob es erstaunt auf und las die verräterische Wtd- mung:„Meinem lieben Freund und Reitgesellen in herz- licher Sympathie, Rense Steiger." „WaS will dieser niederträchtige Mensch?" fragte der schnell begreifende Jüngling, bereit, dem Beleidiger mit der Peitsche Antwort zu geben. Die erblaßte Schöne konnte ihn kaum zurückhalten. Halbohnmächtig im Gedanken an den drohenden Skandal, beschwor sie ihren Beschützer, den eifer- süchtigen Menschen laufen zu lassen. Fühlte sie doch, daß dieses Abenteuer viel schlimmer hätte enden können. Einige Minuten später ritt Oberleutnant Lcnggenhager — nur noch ein Schatten seiner selbst— vor die Schieds- richtertribüne hin und meldete sich stilgemäß„zum Reiten im Freien bietet und durch zwei seitlich angelegte Laufbahnen er- aänzt wird, sollen ein orisgeschichtlicheS und ein naturlvisienschafl- liche« Heimatmuseum für Belehrung sorgen. Sehr praktisch ist die Idee einer Lehr- und BersuchSgärtnerei, dir den Schulen als bota- nischer Garten dient und außerdem der Oeffentttchkeit gestattet, sich in der Anzucht von Obst. Gemüse, Blumen, Tovfgewächsen durch Anschauung und Auskunft Rat zu holen. Natürlich ist dieses Vor- bild in Einzelheiten nicht für alle Städte maßgebend, man wird bei kleineren Städten auch bescheidener zu Werke gehen, in den reget- rechten Kleinstädten empfiehlt sich die einfachste Anlage, deren Grund- riß gewissermaßen an einen„Dorfanger" gemahnen kann. pflanzen, die Tiere fangen. Wer setzt eine Wanderung in« Moor unternimmt, kommt gerade zur rechten Zeit, um ein paar der merkwürMgsten unter den Pflanzen der Heimat bei ihrer mörderischen Tätigkeit zu beobachten, die tier- fangenden und-fressenden Pflanzen. In dt« Geheimnisse ihres Baues und ihrer Fangweise führt un« ein Aufsatz, den Dr. HanS Friedrich in der Zeitschrift.Natur und Kultur' veröffentltcht. Zwischen KuckuckSlichinelkcn. Wollgräsern und Honiggras breitet das Gemeine Fettkraut seine Mordwerkzeuge aus. die dem Boden anliegenden Blattrosetten, zwischen denen sich die veilchenblauen Blüten erheben. Der Rand jedeS Blatte« ist etwas aufgebogen, so- daß ein« Rinne mit flachem Boden entstanden ist, in der sich farbloser, klebriger Schleim findet. Tausend» von Drüsen, etwa Lö 000 auf den Geviertzentimeter, find«s, die diesen Schleim ab- sondern, der den Insekten zum Verderben wird. Flüchtige« Strelfen des Blattes, die Berührung eines Steinchen« oder die Negentropfen lösen keine Schleimabsonderung au«, wenigsten« kein« anhaltende. Berührt dagegen ein stickstoffhaltiger Körper die Blattoberseite, etiva ein Jnsektenkörper, so beginnen die Drüsen Schleim und saure Ber- dauung«fliisstgkeit abzusondern,»»>d Versuche haben gezeigt, daß auch Fleischslückchen. Knorpel, Eiweiß und Milch die Dtlise« zum Abscheiden veranlassen. Räch zehn bis elf Stunden wurde saure Flüssigkeit auSaeschteden. und nach 62 waren diese Stoffe ver- daut. In» Wasser de« Moore« findet sich der W a s s e r s ch l n u ch, dessen blasenartige Blätter ,» förmlichen Jnsektenfallen ausgebildet sind, innerhalb deren die Vcrdauung«fliiistgk«iten abgesondert werden. Dies« Jnsektenfallen sind durch rlastische Platten geschlossen, die die kleinen Wastertiere, die allein al« Opfer tn Frage kommen, am Wiederverlaffen der Falle verhindern. Da» Schlckkal der Gesaugrnen ist grausam. Sie müssen ersticken oder verhungern, und erst wenn der Leichnam tn Verwesung übergegangen ist,' beginnen die Zellen ber Innenwand der Falle, die BeroauungSsäfte anSzuschetden. Der .Hunaer' der Wasserschlauchgewächs» ist recht bedeutend: hat man doch tn einzelnen Blasen schon die Reste von 24 Flohkrebsen ge- ftinden!«ine Berühmtheit unter den tierfangenden Pflanzen ist der Sonnentau, desten Blätter ähnlich arbeiten wie dir des Fettkrautes: sie sind mit Wimpern besetzt, mit deren Hilfe auch größere Insekten, wie z. B. Libellen, festgehalten und bewältigt wetden. Die Bewegungen, die die Wimpern dabei ausführen» schreiten verhältnismäßig rasch fort! auf die Bewegung der ersten Tentakel folgt binnen zehn Minuten die zweite, und in wenigen Stunden hat da« Blatt sich zu dem.Magen' geschlossen, innerhalb dessen die Beute verdaut wird. Wie empfindlich die Wimpern des Sonnen- taue« sind, zeigt eine Messung: ein« Belastung von Gramm reicht aus, um sie in Tätigkeit tuten z» lassen! Eine Seltenheit unter den einheimischen tierfangenden Pflanzen ist das Blasen- kraut, eine Tetchpflanze, deren auSgewachseiie Blätter etgenlÜni- liche Fangapparate tragen, dt« große Achnlichkeit mit denen der Penu«-Fliegenfalle haben und ebenso wie dies« arbeiten. Unter allen heimischen Pflanzen hat da» Blasenkraut dt« größte Beweg- lichkeit: berührt man die Blätter mit einer Nadel, so wirkt der Reiz sofort, die Nadel wird festgehalten und erst nach etwa 24 Stunden Ivieder freigegeben._ Notizen. — Wolkenkratzer im Altertum. T« wiederholt sich alle«. Selbst die berllchtigsten Wolkenkratzer der amerikanischen Großstädte haben ihre Vorläufer im Altertum. Karthago besaß Hänser bi» zu sech» Stockwerken, tn Rom wurde erst zur Zeil AugustuS' von der Baupolizei al» Höchstmaß der Mietskasernen eine Fronthöhe von 20 Metern vorgeschrieben, tn Konstantinopel gab es zehn- bis zwöifstöckige Häuser. Die Zahlen erscheinen aber erst in der richtigen Beleuchtung, wenn man oerückstchligt, daß jene Häuier der alten Größstädte nicht in breiten Straßen standen, sondern enge Gassen umsäumten. In modernen Städten haben die Hauptver- kehrSstraßen eine Breite von 20— 2S Metern. Im alten Rom maßen die breitesten Straßen nur 7 Meter von Hau« zu HauS. ja zwei der wichtigsten BerkehrSadern, Bicu« Jugariu» und Bicu« TuScu», sogar nur b.ö und 4,5 Meter. bereit". Im Grunde wußte er selbst nicht mehr, warum er das unsinnige WagniS jetzt noch unternahm. Allein ihn trieb völlige Verblendung, teuflischer Trotz, ein unbewußt waltender Wille zum Untergang tn diese» Gehege, daS er lebend nicht niehr verließ. Schon als die Glocke des Starters ertönte und seine Nummer am Signalmast gehißt wurde, vernahm er vom Einfrankenplatz her gellende Pfiffe. Da« war der Auftakt zu einem beispiellosen Lärm, der wie von einem listigen Regisseur geleitet im Nu die ganze Menge ergriff. Ein Hagel von Be- schimpfungen prasselte auf den verhaßten Offizier nieder: „Hinaus mit dem Lenggenhager I Fahr ab, du Galgensiech! Zum Teufel mit dem Revolverhelden!" Der gewandte Reiter tat, WaS noch in seinen Kräften lag. um dem wachsenden Entrüstungssturm standzuhalten und das Unheil witternde Pferd zu beruhigen. Mit Leichtigkeit nahm er die erste Hürde; auch über daS Gartentor setzte er noch ohne Fehler. Bald aber verließ ihn die Selbstbeherrschung. Eine Riesenwelle von Schmerz und Wut betäubte, verfinsterte Hirn, Herz und Auge... Beim kleinen Wall mit nachfolgender Stange ereilte ihn sein Geschick. Er spornte das verwirrte Tier, das feinen Herrn in den Zügeln, in den Schenkeln nicht mehr verstand, wie ein Irrsinniger an und riß eS noch im Sprung viel zu früh herum, so daß eS sich überschlug und nicht mehr aufkam. Ein grausames Hohngelächtcr begleitete des Reiters Niederlage. Der herbeieilende Arzt konnte zwar nur einen Beinbruch feststellen; doch mußte sich das elendig- lich wälzende schöne Tier gleichwohl auf der Stelle ersckossen werden. Nur mit unsäglicher Anstrengung hatte sich Oberleutnant Lenggenhager nochmals erhoben; eS war ihm. alS seien ihm alle Nippen gebrochen. Und der An- blick seines dem Tode verfallenen lieben Freundes, der unversöhnliche Haß der tobenden Menge——— alles trieb ihn dem Verhängnis in die Arme. Mit irrem Blick sah er zu, wie der Arzt seinen Kasten aufschloß, und im rich- tigen Augenbilck entnahm er diesem die Pistole, um, wie er vorgab, seinem besten Freund eigenhändig den Rest zu geben. Zu spät erkannte der Doktor die wahre Absicht des verzweifelten Menschen. Unter dem Abgesang der Schiedsrichterglocke, die der erregten Zuschauermenge das Ausscheiden der Nummer Einundzwanzig kundtat, hatte Adolf Lenggenhager den letzten, schwersten Sprung gewagt und getan. Er brach neben seinem braunen Gefährten zusammen. Theater für Freitag, den 13. Jnll. Rose=Theater. v'/.ut,r:Die StuntleilestfertrauEas Gartenb.: Berlin, wie es liebt u. haßt Admirals-Palast. Abrakadabra großes phantastisches Ballett anf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt ülir. Vorzügl. Berliner Praler-Tlieater Kastmnenallce 7—9. Heute: Aha— famos! Große Ausftattungs- Operettenposse in 3 Alten mit Gelang und Tanz. Vorher das groß e Varieteprogramm. Ansang 41/, Uhr. Reiehshallen-Theater. Stetiiner Sänger. 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