Ar. 190. 34. Jahrg. AbonnemfntS'BedlngungtD: Klonncmtntä• Stet» Ctönumecantio BifttfliäfttL 8,90 M!, monaU 130 Ml. wöchenllich 30 Big, kri mä Hau!. Einzelne Nununei i Stg. eomtiog«- nummct mit illustriertet gomuag». Beilage.Die Neue Weil' 10 Psg, Post» lidonnement! 1,30 Wart vro Monat, Eingetragen in die Boll» Zeitung!» Lrcisliile, Unter Kreuzband iüt Teutschland und Leslerreich. Ungarn 2,öv Marl, llir da! übrige Ausland « Marl vro Monat. Pollabonnement! nebmen an Belgien, Dänemari, Holland, Italien. Luxemburg, Ponugal, " lien. Schweden und die Schwei! Citteim ugna. ( 5 Pfennig) Die InfeiDonvGebflbr Mträgl für Me sechSgeftiallene Kolonel- seile oder deren Ziattm 60 Big. für feoa 20 Big. lzulSifig 2 jengedruilte WoNel. jede! weitere Wort 10 Bsg, Siellengesuche und Echlafsiellcnan» zeigen da! erste Wort 10 Pia. jede! wenereWortbBjg, Worte Sber l» Buch» paben zählen lllr zwei Sortc. Inserate für die nächste Slummer mülien bi! b Übt nachmittag! in der Exreditwn «dgegeden«erden. Die Exvebltio» ijl bi! 7 Uhr abend! geöffitel. Berliner VolksblnR. lelegramm-ildrefle: ZtwtvuXorqun der so2ialdemokratiscken Partei Deutfcblands. RedoPtion: EW. 68, �inöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morttzpla«. Sir. ISI Sv— ISl S7. Sonnabend, de« 44. Juli 1947. Expeüitton: EW. 68, tiaüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Dlorttzplatz» Str. ivl Sv- 151 97. das Irieöensprogramm öes Reichstags. Kanzlerkrise. Einlaöung zur internationalen Sozialistenkonferenz 1 Die Mehrheit des Reichstags, die sich zusammensetzt aus den Fraktionen des Zentrums, der Fortschrittlichen Volks- Partei, der Elsatz-Lothringer, eines Teils der Deutschen Fraktion und einzelnen Mitgliedern anderer Fraktionen, hat sich auf folgendes Friedensprogramm geeinigt, das sie dem Reichstag zur Beschlußfassung vorlegen Ivird: Wie am 4. August 1914 gilt für das deutsche Volk auch an der Schwelle des vierten Äriegsjahres das Wort der Thron- rede„Uns treibt nicht Eroberungssucht". Zur Verteidigung seiner Freiheit und Selbständigkeit, für dir Unversehrtheit seines territorialen Besitzstandes hat Deutsch- land die Waffen ergriffen. Ter Reichstag erstrebt einen Frieden der Ver- ständigung und derdauerndcnVcrsöhnungder Völker. Mit einem solchen Frieden sind erzwungene Ge- bietscrwcrbungen und politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar. Der Reichstag weist auch alle Pläne ab, die auf eine wirtschaftliche Absperrung und Verfeinduug der Völker nach dem 5tricge ausgehen. Die Freiheit der Meere muß sichergestellt werden. Nur der W i r t s ch a f t s'- friede wird einem freundschaftlichen Zusammenleben der Völker den Boden bereiten. Der Reichstag wird die Schaffung int er- nationalerRechtsorgauisationentatkräftig fördern. Solange jedoch die feindlichen Regierungen aus einen solchen Frieden nicht eingehen, solange sie Deutschland und seine Verbündeten mit Eroberung und Vergewaltigung bedrohen, wird das deutsche Volk wie ein Mann zusammen- stehen, unerschütterlich ausharren und kämpfen, bis sein und seiner Verbündeten Recht auf Leben und Entwicklung gesichert ist. In seiner Einigkeit ist das deutsche Volk unüberwindlich. Der Reichstag weih sich in dieser Bekundung eins mit den Männern, die in heldenhaftem Kampfe das Vaterland schützen. Ter unvergängliche Tank des ganzen Volkes ist ihnen sicher. � t ♦ Der bisherige Reichskanzler, Herr v. Bethmann Hollweg, hatte nach Ueberwindung einiger Bedenken seine Bereitwillig- keit erklärt, sich auf den'Boden dieser Erklärung zu stellen. Es wird in den Kreisen der Reichstagsmehrheit erwartet, daß kein Politiker die Berufung in das Reichskanzleramt an- nehmen wird, der nicht mit seiner Ueberzeugung zu diesem Programm steht und der nicht geivillt ist, es als Richtlinie seiner gesamten auswärtigen Politik anzuerkennen. Ein Reichskanzler, der sich in Gegensatz zu dieser Willens- kundgebung des Reichstags stellte oder der eine ihr widersprechende Politik triebe, würde sich nicht auf das Vertrauen des Volkes und der Volksvertretung stützen können. Seine Mission wäre daher von vornherein aussichtslos. Was den Wortlaut der Erklärung betrifft, so stellt er ein unanfechtbares Bekenntnis zu einem Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen dar, wie ihn auch der russische Arbeiter- und Soldatenrat fordert. Zu dem zweiten Satz der Kundgebung möchten wir be- merken, daß nicht als eine Erklärung über die Ent- stehungsursachen des Krieges zu deuten ist. Den alten Streit mit den Gegnern über diesen Punkt wieder zu erneuern, liegt nicht in dcr'Absicht. Wie immer die Gegner aber über diese Entstehungsursachen denken mögen, so steht doch fest, daß subjektiv, seiner tiefinnersten Ueberzeugung nach, das deutsche Volk in seiner Masse die Waffen nie zu einem andern Zweck geführt hat, als zu seiner Verteidigung. Diesen guten Willen sollte kein ehrlicher Gegner dem deutschen Volke ab- streiten, ebenso wenig wie die ehrliche Absicht, den europäischen Brudermord in diesem Sinne zu beenden. Einen gewaltigen Fortschritt bedeutet die, im Namen des Volkes abgegebene Erklärung, der Reichstag wolle die S ch affung internationaler Rechtsgarantien tatkräftig fördern. Ein internationales Recht zu schaffen, das die Wiederkehr solcher Menschheits- katastrophen verhindert, das wird die große Aufgabe des komnienden Friedens sein. An dieser Aufgabe zum eigenen Heil und zum Heil aller Völker mitzuarbeiten, dazu findet die Welt das deutsche Volk und seine Vertretung bereit! Stockholm, RS. August. Stockholm, 12. Juli.(Eigener Trahkbericht de?„LorwSrti".) Die Ldordnung der russififten Arbeiter- und SoldateurSte und das Holländisch-skandinavische Komitee veröffentliche» folgenden ge. meinsame« Aufruf: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! Einladung zur Stockholmer Internationalen Konferenz am 15. August und folgende Tage. Der Krieg dauert bereit? drei Jahre und noch ist fei» Ende nicht absehbar. Zur Borbereitnng der notwendige» Lösung hat der Petrogradcr Arbeiter- und Soldatenrat die Initiative ergriffe», unter dem Banner der russischen Revolution eine internationale Konferenz der sozialistischen Welt einzuberufen. Tiefer Borschlag, dem übrigens gleichlaufende Absichten zahlreicher sozialistischer Par- teien vorausgingeu, wurde gutgeheißen durch de» allrussifche« Koa» greß der ArbeiterrLte. Der Zweck der Konferenz ist die Bereinigung aller KrSfte de» internationalen Proletariat» zur Herbeiführung de» Frieden» ohne Annexionen und Kontributionen, gegründet auf dem Selbstbestim- mungsrecht der Böller. Um ihre Aufgabe zu gute« Ende»n führen, hat fich dir russische Abordnung die tatkräftige Mitarbeit de» holländische« Komitee» ge- sichert, das seine Pläne auf die russische Initiative gestützt«ad be- reit» in gesonderten Konferenzen mit der Mehrzahl der sozialisti- schen Parteien zahlreich« Fragen präzisiert hat. Zur Borbereitung der allgemeinen Konferenz wurde ei» Orga- nisationSburea» eingesetzt, bestehend an» Vertreter» de» russischen und hollSnbisch-skandinavischen Komitee». Diese» Bureau hat, um alle Streitigkeiten z» vermeide», beschlossen, die Zulassung», und Abstimmungsvorschriste» der ordentliche« internationale« Kongresse möglichst genau innezuhalten. Beide Körperschaften lade» alle dem Internationalen Bureau angeschlossene« Parteien, auch die während de» Kriege» beigetrrte- neu, sowohl die Mehrheiten wie die Minderheiten und die al» selb- ständige Parteien konstitnierten Oppofitionen, ebenso die der Ge- Werkschaftsinternationale angeschlossenen Gewerkschaften ei». Die Konferenz findet in Stockholm am IS. Augnst und die fol- gcuden Tage statt. Vorläufige Tagesordnung: 1. Der Weltkrieg und die Internationale. 2. Da» FricdcnSprogramm der Internationale. Z. Die Mittel und Wege zur Verwirklichung diese» Programm» und zur schnellen Kriegsbeendigung. Die Organisatoren der allgemeinen Konferenz sind tief über- zeugt, daß, um zur Beendigung des Weltkriegs beizutragen, die Internationale alle sozialistischen Parteien und Gewerkschaften wird dahin bringen müssen, jegliche Zusammenarbeit mit den Regierun- gen abzulehnen» die die Angabe ihrer Kriegsziele verweigern oder offen oder versteckt imperialistische Ziele aufgestellt haben und den Verzicht darauf verweigern. Ucberzeugt, daß Ihre Organisation auf diesen Standpunkt steht und bereit ist, diese Berpflichtunge« zu übernehme«, ohne Zögern noch Abschwächung die diesen Grundsätzen entsprechende» Beschlüsse der allgemeinen Konferenz durchzuführen, bitten wir Sie, durch eine Abordnung an der von dem russischen Kongreß und dem holländisch- skandinavischen Komitee einberufenen Internationalen sozialisti- schen Konferenz teilzunehmen und Ihre Vertreter nach Stockholm zu entsenden. Wenn Sie im Konferrnzprogramm nicht vorgesehene Fragen unterbreiten wollen, müssen diese Borschläge beim Organisations- bnrrau der Internationale« Konferenz: Stockholm, UplandSgaten H, bis zum 5. August eintreffen. Mit sozialistischen und brüderlichen Grüßen! Für die Abordnung des russischen Kongrrsses der Soldatrn- und Arbeitcrvertretrr: Erlich. Goldenberg. Rosaaoff. Russauoff. S m i r« o w. Für das holländisch-ftandinavische Komitee: T r o e i st r a. van Kol. Albarda(Ersatzmann: Bliegen). W i b a u t(Ersatzmann: Branting). Söderberg. Riller. Borgbjerg. Hammer(Ersatz: Bang). Für das Sekretariat: HuhSwauö. Engberg. Reichswenöe. In politisch unterrichteten Kreisen gilt eS als sicher, daß Herr v. B e t h m an« H o l lw eg seineu Ab- schied nimmt. Als sein Nachfolger wurde zu« nächst der bayerische Staatsminister Graf v. H e r t- l i n g genannt, doch gilt auch diese Kombination schon wieder als erledigt. Am Freitag wollte Herr v. Bethmann dem Hauptaus- schuß des Reichstages die Beschlüsse des Kronrats mitteilen, und am Sonnabend sollte die allgemeine Beratung über die auswärtige und innere Politik im Zusammenhang mit der Kreditvarlage fortgesetzt werden. Aber der Kanzler ist gestern im Hauptausschuß nicht erschienen und die für heute ge- plante Reichstagssitzung findet nicht statt. Der Reichstags- Präsident hat sich vorbehalten, den Termin der nächsten Sitzung selbst zu bestimmen. Man spricht vom nächsten Donnerstag. An diesem Tage aber wird, wie man jetzt allgemein annimmt. vor dem Reichstag ein neuer Kanzler stehen. Für das, was wir in den letzten drei Jahren erlebt haben, trägt Herr v. Bethinann im Sinne der Verfassung die Ver- antwortuyg. Die Geschichte wird ihn von dieser Verant- wpxtung(stark entlasten. Als Herr v. Bethmann sich in das Gebiet der auswärtigen Politik, einzuarbeiten begann, erkannte seine zu Bcsorgtheit neigende Natur sehr bald die Gefährlichkeit der Erbschaft, die ihm/seine Vorgänger hinterlassen hatten. Er versuchte cuijS d�c bedrohlichen Isolierung den Ausweg zu finden und knüpfte zunächst Verhandlungen mit England an, wobei er im Londoner Botschafter, Fürsten Lichnowsky, einen Verständnis- vollen Mitarbeiter fand. Auch die interparlamentarischen Verständigungsversuche mit Frankreich sah er nicht ungern und unterstützte sie im stillen, wie er konnte. Aber dann setzte im Juli 1914 jene katastrophale Entwicklung ein, die er zu verhindern versucht hatte, mit der Kraft und Schnelligkeit eines Zyklons.. Bethmauns Werk brach in Trümmer. Hätte Herr v. Bethmann damals seinen Abschied ge- nonunen, sein Name wäre als der eines guten Geistes in die Bücher der deutschen Geschichte übergegangen. Aber wieder war es seine Besorgtheit, die ihn hinderte, aus dem Zusammen- bruch seiner Politik die persönlichen Konsequenzen zu ziehen. Er blieb. Steuermann im Sturm, mit dem Gedanken an den Hafen, den zu verlassen seine Absicht nie gewesen war. Sein Wunsch war, den begonnenen Krieg auf den V e r- teidigungs krieg einzustellen(„Uns treibt nicht Erobe- rungslustl") und als solchen baldmöglichst zu beenden. Die Entstehung neuer Gegnerschaften gegen Deutschland hat er fürsorglich zu verhindern versucht. Aber wiederum waren Kräfte am Werk, die stärker waren als er. Er sah sich ge- nötigt, ihnen Zugeständnisse zu machen, und wiederum wurde alles anders, als er gewollt hatte. Herr v. Bethmann erkannte richtig, daß er jenen Verderb- lichen Kräften nur dann Widerstand leisten konnte, wenn er sich auf die breite Machtgrundlage der D e m o k r a t i e stützte. Aber er war nicht stark genug, aus dieser Erkenntnis die not- Kendigen Folgerungen zu ziehen. Hätte er am ersten Kriegs- tage das gleiche Preußenwahlrecht in die Pfanne geworfen, hätte er sich im Reichstag eine Mehrheit errungen, die ihn trug und hielt, so wäre er der V o I k s k a u z l c r des Weltkrieges geworden und hätte unerschütterlich und unabsetzbar seinen Willen auch in den Fragen der Kricgspolitik gegen. alle Widerstände zum Sieg geführt. Aber Herr v. Bethmann trat nicht als ein Fertiger an seine Aufgabe heran, sondern als ein Werdeuder. Nur all- mählich löste sich sein Geist von dem siebenfachen Panzer kon- scrvativer Staatsgesinnung. Was gegeben werden mußte. das mußte er sich erst selber abringen, das mußte auch, weil die äußere Entwicklung schneller ging als seine innere, ihm selbst erst abgerungen werden. Daraus entstand ein Verhältnis qualvollen Unbcfriedigtseins, das hinwiederum auch seine Stellung gegenüber den Gegnern seiner auswärtigen Politik schwächte. Er sah sich genötigt, ihnen Zugeständ- uisse zu machen und geriet in eine immer schiefere Lage. Das Ergebnis: Halbheiten, Zweideutigkeiten, klaffende Wider- spräche zwischen Wort und Tat, schließlich die Krise. Was hier zusammenbricht, ist nicht Bethinann Hollwcgs Politik, sondern ein System, und Bethmann muß mit ihm fallen, weil er nicht vermocht hatte, sich aus seiner Umklammc- rung zu befreien. Kein Krieg hat, wie dieser, die Massen des Volkes selbst in Bewegung gesetzt, und kein Mann kann in diesem Kriege wirklich führen, der nicht der Exponent einer M a ss c n b c- wegung ist. Der einzelne, möge er noch so hoch gestellt sein, bedeutet wenig. Und eine Gruppe von einzelnen, die sich selbst für eine bevortugte Kaste hält, kann in ihrer un- geschichtlich« Anmaßung über das Boll, dem sie vielleicht aus bestem Willen M helfen sucht, nur Verderben bringen. Der Obrigkeitsstnat' mit seiner führenden Junker k-a ste kann die ungeheuren Aufgaben dieses Krieges nicht l�ösen, das vermag nur d a s V o l k s e l b st. Herr v. Äethmann hat noch zuletzt getan, was er zuerst hätte tun muffen, er hat jene Wahlrechtsbotschaft erwirkt, die zur unvermeidlich gewordenen Demokratisierung Preußens und damit Deutschlands den Mundstein legt. Mit dem preußischen Klaffenstaat fällt auch.der deutsche Obrigkeitsstaat. Will jemanb den Versuch machen, ühn wieder aufzurichten? Ein Kanzler nach dein Herze« derer, die am lautesten nach dem Stt-rz Bethnianns schrian, ist unmöglich. Gegen den Reichstag, gegen das Volk, gngen die Bundesgenossen kommt kein starker Mann auf. Ersichemen und Verschwinden wäre für ihir eins. Aber welches Anheil durch dieses aus- sichtslose Experiment gqstiftet werden könnte, ist nicht zu schildern. Deutschland braucht einen Kanzler, der die zu spät ge- wonnenen Erkenntnisse Bethinanns schon als sicheres fertiges Produkt seiner politischen Denkarbeit mvtbringt, einen Mann, der keine Bedenken mehr kennt, wo es zum Wohl des Volkes entschlossen uu handeln gilt. Einen, der sich mit beiden Füßen auf den Boden der neuen Zeit stellt, einen neuen Mann als Verkörperung eines neuxn Systems. Dieser Man» iliuß den Beweis dafür erbringen� daß das Königtum der Hohenzollern das' deutsche Volk nicht charan hindert, das f r e i e st c V o l k d e\r W e l t zu sein! Dazu gehört nebten der sofortigen Durchführung der preußischen Wahlrechtsbotschaft, neben der Auflösung aller Fesseln, die der Kriegszustand um die staatsbürgerliche Frei- beit geschlagen hat, die freimütige Anerkennung der deutschen V o l k s v e r t r�e t u n g, des Reichs- tags, als entscheidenden Faktor der beut- scheu R e i ch s p o l i t i k. Kein Kanzler ist möglich, der nicht fest zur Friedens- Politik des Reichstages steht. Kein Kanzler ist möglich, der nicht die Wahlrechts- b o t s ch a f t vom 11. Juli zur schleunigen Durchführung bringt. Kein Kanzler ist niöglich, der nicht sein Amt mit der Erklärung übernimmt, er werde es nur so lange führen, als er sich auf das Vertrauen der deutschen Volks- Vertretung stützen könne. Die deutsche Sozialdemokratie ist bereit, alle ihre Kräfte herzugeben, um gemeinsam mit einer künftigen Regierung das Reich im Innern zum freie st en Staateder Welt auszubauen, und zugleich die Tragbalken für einen dauern- den Weltfrieden zu zimmern. Sie ijst aber ebenso bereit, eine Regierung, die sie für das Unheil und das Verderben des Landes hält, mit rück- sichtsloser Entschiedenheit zu bekämpfen. Rechts vom Wege liegt der Abgrund! Sesprechungen mit der obersten Heeresleitung. Im Gebäude deZ Generalstabes fanden am Frcitagnachmittag Besprechungen der Parteivorsitzenden mit dem Generalfeldmarschall u. Hindenburg und dem Generalquartiermeister Ludendorff statt. Bon der sozialdemokratischen Fraktion nahmen die Genossen E b e r t und Scheidemann teil. In einer siinfviertelsttindigen Aussprache hatten unsere Geuossen hinreichend Gelegenheit, ihre Auffassungen mit der gleichen Gründlichkeit vorzutragen, wie zuvor im Hauptausschuß deZ Reichstages. die Pflicht Üer Reichstagsmehrheit. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt: Der. tvilde Kampf gegen den Kanzler richtet sich gegen die Politik des Kanzlers, der gerade im Begriffe ist, sein« Politik mit dem Willen der Neichstagsmehrhett zu identifizieren. So iniitz die Mehrheit feststellen, daß sie diese Politik unter allen Umständen fe st zuhalten entschlossen ist, mag der Kanzler heißen, wie er wolle; sie muß feststellen» daß künftig jede Regierung abtreten muß, wenn sie nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit findet, daß keine neue Regierung kommen darf, der nicht eine Mehrheit des Reichstags ihr Vertrauen erklärt. Der Reichstag kann das feststellen, Ivenn er will, und er muß wollen, jetzt mehr denn je. Nur er kann uns davor sichern, daß die Gegner des Kanzlers, ivenn sie den Sturz Bethmanns erreichen, etwa auch ihr politisches -fiel erreichen: einen Nachfolger nach ihrem Herzen, einen Mann der ideenlosen Machtpolitik nach außen und innen. Daß ein solcher Mann als Reichskanzler ein Unglück für Deutschland bedeuten würde, daß er die glücklich gewonnene Aus- sohnung der Massen mit dem Staate, das Vertrauen der Massen zum Staate mit einen, Schlage zerstören und uns dadurch vor geradezu unabsehbare Entwicklungen stellen müßte, das hätte nie- mandem zlveifelhast sein können. Der Reichstag kann uns davor sichern, wenn er jetzt wirklich eine feste .Mehrheit schafft, er muß dem Volke und der Welt klar und deutlich zeigen, daß die Richtung der deutschen Politik von setzt ab fest im Willen der Volksvertretung verankert ist, unäb- hangig von dem Wechsel der Personen. Das ist für ihn die For- derung der Stunde. Hauptausschuß. Der verhinderte Reichskanzler. Ten Vorsitz führte an Slcllc des erkrankten Dr. Spahn Dr. S ü d e k u m. Ebert(Soz.): Die Lage der Tinge sei leider noch nicht völlig ge- klärt. Tie Reichsleitung habe noch nicht ihre endgültige Stellung zu unseren Kriegszielfordernngcn mitgeteilt. Daher beantrage er, die Verhandlungen abzubrechen und den Vorsitzenden zu beauf- irageu, den Ausschuß einzuberufen, sobald dies möglich sei. Warmuth iDt. Fr.) lenkt die Aufmerksamkeit des Ausschusses darauf, daß in die Presse Mitteilungen— zum Teil unrichtige— über die vertraulichen Verhandlungen gekommen sind. Reichstagspräsident Kacnipf teilt mit: Ter Abg. Erzbergcr habe in einen. Schreiben empfohlen, der Präsident möge veranlassen, daß durch die Zensur jede Mitteilung über die vertrauliche Sitzung mit Ausnahme des amtlichen Berichts verboten werde. Dann legte er einen Bericht des Direktors des Reichstags. Herrn Gcheimrals Iunghcim vor, aus dem sich ergibt, daß alle Vorkehrungen ge- trofsen seien, um Ungehörige von der Ausschußsitzung fernzuhalten. jedoch stellten sich auch Herren, die im Reichstage nicht bekannt seien, als Vertreter der Reichsleitung ein. So habe man ermittelt, daß Angestellte von Kriegsgescllschaften im Sitzungssaale anwesend waren. Staatssekretär Dr. Hclfferich: Gr habe gestern abend Kenntnis von diesen Beschwerden erhalten und sofort alle Reichsstellen an- bewiesen, daß zu den Sitzungen außer den ständigen Bundesrats- oevallmächtigicn nur die ausdrücklich als Kommissare bestellten Sturmerfolg an Höhe 304:— Gefechte an der Düna, bei Smorgon, an der Schtfchara— Rnffifche Angriffe an der Lomnica scheitern. Amtlich. Große« Hauptquartier, den 13. Juli 1917. zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt und vor kurzem durch die Amnestie wieder in Freiheit gesetzt wurde, ist mit einer Mehrheit von 3000 Stimmen in East Cläre gegen den Kandidaten der alten Nationalisten»(Redmond-) Partei gewählt worden. Die Parlamentswahl in East Cläre ist die dritte in Jr- land in diesem Jahr«. Alle drei haben mit einem entschiedenen Siege des sinnsein geendet. Die große Bedeutung deö republi- konischen Sieges in East Cläre erhellt schon aus der Tatsache, daß der genannte Wahlbezirk seit einem Vierteljahrhundert von William Redmond, dem Bruder John Redmonds, im eng- tischen Parlament vertreten wurde. William Redmond ist als Offizier des britischen Heeres und Verräter an der irischen Sache in Flandern gefallen und als seinen Nachfolger wählt East Cläre, diese Hochburg der Altnationalisten, einen vom englischen Kriegs- gerickt verurteilten Sinnfeiner. Bereits anläßlich der Wahl des Grafen George Plunkett in North Roscommon am 3. Februar d. I. erhob die gesamte englische Presse einen Alarmruf, der noch gesteigert wurde, als am 9. Mai der ebenfalls zu langiährigem Gefängnis verurteilte Joseph Mr. Guinneß in Süd Longford gewählt wurde. Schon damals erklärte der Manchester Guardian:„der Sieg des Sinnfein in Süd Longford sei d a S A e q» i v a I e n t einer ernsten britiscken Niederlage an der Fron t." Der Sieg in East Cläre bildet womöglich eine noch ernstere Niederlage für England. Zwischen der Wahl in Süd Longford und derjenigen in East Cläre hat Lloyd Gsorge kincu Konferenzvorschlag gemacht. Das Wahlergebnis in East Cläre gibt dem englischen Ministerpräsi» denten die klare, unzweideutige Antwort des irischen Volkes, welches in die Falle, die ihm Lloyd George gestellt hat, nicht hinein- fallen wird, sondern nach wie vor— und nachher vielleicht mit sogar noch größerer Bestimmtheit wie vorher— seinen Willen kundgibt, sei» unantastbares Recht auf Selbstbestimmung nicht verscbachern zu wollen. Nach den letzten Meldungen soll die Internationale Sozialisten- konferenz Mitte August in Stockholm stattfinde». Der Wahlsieg der irischen Republikaner in East Cläre ist eine ernste Makßiung an dieselbe, die berechtigten Ansprüche der vom britischen Jmpera- lismus unterjochten irischen Nation nicht zu übersehen. Keine Möglichkeit besteht, die aufeinanderfolgenden Wahlsiege der irischen Republikaner als Ergebnis„deutscher Intrigen" hinzustellen. Solche Wahlsiege lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, was die Aspirationen der Mehrheit des irischen Volkes sind. Diese Mehrheit fordert für Irland das Recht, als selbständige Nation an dem zukünftigen Friedenskongreß teilzunehmen und sein Schick- sal selbst zu bestimmen. Sühne für Mesopotamien. Der Staatssekretär für Indien, Chamberlain, hat während der Debatte des Unterhauses über die Vorgänge in Mesopotamien seinen Rücktritt bekanntgegeben. Während dieser Debatte machte Balfour die Mitteilung, daß auch Lord Hardinge, der damals Unier- könig von Indien war und jetzt permanenter Sekretär deS Ministeriums des Auswärtigen ist, zweimal um seine Entlassung gebeten habe. Balfour jedoch die Genehmigung der Gesuche auf Grund der wertvollen Dienste HardingeS um das Ministerium des Auswärtigen nicht erteilt habe. Die Ursache des Sturzes ChamberlainS, der ein Sohn des be- rühmten Schutzzöllners ist, waren die niederschmetternden Eni« hüllungen über die erste, unglückliche Expedition in Mesopotamien. Die parlamentarische Kommission deckte mit schonungslosem Frei« mut die unzureichende Vorbereitung des Feldzuges durch die indische Regierung und die Mißstände beim Nachichub und im Sanitäts- Wesen auf, Mißstände, durch die England 20 000 Mann bester Truppen verlor. Chamberlain ist das Sühneopfer. Kabinettswechsel in Persien. Koustantinopel, 10. Juli.(W. T. B.) In Besprechung der Bildung des neuen persischen Kabinetts unter Mestevfi-ul- M e m a l i k mit dem Präsidenten Ala-eS-Saltaneh als Minister des Aeutzern erinnert Terdschuman-i-Hakikat daran, daß der neue Premierminister, der wegen seines aufrechten Charakters und Patriotismus großen Ruf besitze, das erste Mal während des Krieges gestürzt worden sei, als er das Land aus der englisch- russischen Knechtschaft befreien wollte. Heute, da infolge der Er- eignisse in Rußland die persischen Patrioten neuerlich den Zeitpunlt der Befreiung gekommen erachten, habe Mostevfi zum zweiten Male ans Ruder gelangen können. Seine Persönlichkeit deutet genugsam die Politik an, welche Persien verfolgen wird. Auch die Türkei wünscht, daß Persien der russisch-englischen Knechtschaft ein Ende bereite und ein unabhängiges Land werde. Zum ShmangriFF bei Lombarjzyde 0—4 l i' 4' 5� /KT 3.4283 Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 12. Juli. Amtlich. Neue U-Boot-Erfolge iu der B i s c a y a und im englische» Kanal: 2400S Hr.-R.-To. Unter den bewaffneten Schiffen befanden sich der bewaffnete englische Dampfer A d d a h(4397 To.) mit Stückgut von Kanada nach Cherbourg, bewassueter französischer Dampfer Bcarn(1271 To.) mit Stückgut von Dakar nach Föcamp, die französischen Segler Alexandre mit Holz von Texas nach Föcamp, La Tour d'Argon mit Fischladung nach La Rochelle, portugicsi- scher Dampfer Cabo Verde<2220 To.) mit Lebensmitteln für die französische Militärverwaltung in Bordeaux. Die Ladungen der übrige» Schiffe bestanden, soweit sie festgestellt werden konnten, aus Kohlen, Erz und Erdnüssen. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. * Kopenhagen, 12. Juli..Berlingske Tidende� meldet aus Stockholm: Au§ Nordschwedcn wird berichtet, daß in den dortigen Ge- wässern deutsche U-Boote lälig seien. Gerückchtweise wird gemeldet, es seien mehrere Dampfer aufgebracht worden, darunter der schwedische Dampfer Norrland. Ein deutsches U-Boot hielt gestern den«veadampfer Karl von Linne an. Der Dampfer erhielt jedoch nach Untersuchung der SchtffSpapiere ErlaubntS zur Weiterreise. » Kopenhagen, 18. Juli. Die dänische Regierung hat durch die dänische Gesandtschaft in Berlin gegen die Versenkung des dänischen Motorschoners Jvigtut Protest einlegen lassen. Berlin, 13. Juli. Amtlich. Unsere Seeslugzcuge haben am 12. Juli abends in den Hoosden(Südliche Nordsee) den holländischen Segler Agida, mit Bannware nach Lc Havre bestimmt, als Prise aufgebracht. Das Fahrzeug wurde später von unseren Torpedobooten nach Zeebrüggc eingeholt. Ter Chef des AdmiralstabeS der Marine. Reichstag. fragen und Antworten. Die sehr kurze Sitzung des Reichstags am Freitag wurde fast nur von Anfragen und ihrer Beantwortung durch die Re- gieruugsvertrcter ausgefüllt. Tie beiden Gesetzentwürfe über die K r i c g s g e f a 11 g e nf ü r s 0 r g c und die Wieder- Herstellung der deutschen Handelsflotte, deren zweite Lesarng vorgesehen war, wurden wegen innerer Schwie- rigkeiten, die nicht so schnell hatten steh oben werben können, von der Tagesordnung abgesetzt� der Bericht des Bevölke- rungsausschusses über die Geschlechtskrankheiten im Heere wurde nach umvesentlicher Debatte angenommen. Auf die große Frage des Tages wurde am Freitag nicht nur keine Antwort gegeben, sie wurde ins Ungewisse hinein vertagt. Der Präsident des Reichstags erbat uwd erhielt die Erlaubnis, die nächste Sitzung und ihre Tagesordnung nach eigenem Ermessen festzusetzen. Das bedeutet, daß die innere Krisis des Deutschen Reiches noch keinerlei Lösung gefunden hat. Sie nimmt ihren verworrenen Lauf vorläufig weiter durch die offiziellen und inoffiziellen, durch die fraktionellen und interfraktionellen Be- jprechungen. Erst wenn dadurch die nötige Klärung, rm guten oder nn schlechten Sinne, erzielt worden ist, wird dos Plenum des Reichstags wieder zusammentreten. Die meisten Abgeordneten sind im Hinblick auf die Unsicherheit der Lage mit sehr gemischten Empfindungen nach Hause gereist. Hoffentlich können sie möglichst bald nach Berlin zurückkehren und auf die ernsteste und bedeutungsvollste Frage, die ihnen je gestellt worden ist, und an der das ganze deutsche Volk mit dem leidenschostlichsten Interesse Anteil nimmt, eine Antwort geben, mit der das deutsche Volk zufrieden fein kann. Ter A e l t e st e n a u s s ch u ß des Reichstages trat heute vor der Vollversammlung zusammen, um über die Geschäfts- läge zu beraten. Man einigte sich dahin, daß heute nach Er- ledigung der Tagesordnung der Reichstag vertagt werden soll. Der Präsident soll ermächtigt werden, die nächste Sitzung anzuberaumen, aber nicht vor Donnerstag nächster Woche. Die Aeltesten berieten auch die Frage der größeren Gehei in Haltung der Vorgänge in den ver- traulichen Sitzungen des Haushaltsaus" s ch u s s e s und beschlossen, eine Kommission einzusetzen, in die von jeder Fraktion ein Mitglied entsendet wird. Unter dem Vorsitz des Präsidenten und unter Zuziehung eines Vertreters des Reichsamts des Innern sollen dort Maßnahmen beraten und beschlossen Werdens die einejjrößere Geheimhaltung der Vorgänge in den vertraulichen Sitzungen sicherstellen. Die öerliner Kohlenhänüler über die Regelung der Kohlenverteilung. Eine sehr stark besuchte Versammlung von Kohlenkkein- Händlern, einberufen vom„Verband der Vereine selbständiger Holz- und Kohlenhändler Berlins und Umgegend", nahm gestern Stellung zu der Kohlenverordnung. Verbandssekretär Dame schilderte in seinem Referat die Un- zulänglichkeit der Kohlenversorgung, die wir im letzten Winter er- lebt haben. Er begrüßte es, daß jetzt eine Regelung kommt, hob aber manche Schwierigkeiten der Durchführung hervor. Die zurzeit sehr stürmische Nachfrage nach Brennstoff erklärte er aus tz a m- st er ei, die hauptsäklich durch den Wunsch einer Ersparung der am 1. August in Kraft tretenden Kohlen st euer veranlaßt werde. Angenommen wurde eine Entschließung, in der es unter anderm heißt:„Die Versammlung erhofft von der Tätigkeit des Herrn Reichs- kommissars für die Kohlenverteilung, daß ganz besonders für den Hausbrand genügend Kohlen herangeschafft werden. Sie schließt sich der Auffassung des deutschen Städtetages durchaus an, daß die Versorgung der Städte mit Kohlen ebenso wichtig ist als die Ver- sorgung mit Lebensmitteln..., Sie sieht sich im Hinblick auf die Verhältnisse des vergangenen Winters veranlaßt, die Kohlenabtei- lung der Kriegsamtsstelle in den Marken dringend zu bitten, neben der eigentlichen Regelung der Kohlenverteilung ihre besondere Auf- merksamkeit den dem Kohlenhandel unentbehrlichen Transport- mittel» zuwenden zu wollen." Die Entschließung spricht auch die Erwartung aus, daß die Kohlenhändler sich den Vorschriften der Kohlenverordnung willig fügen werden. Außerkurssetzung der Zweimarkstücke. Mit der angekündigten Außerkurssetzung der Nickel- und Silbermünzen wird jetzt begonnen. Der Bundesrat hat gestern die Außerkurssetzung der Zweimarkstücke beschlossen. Kleine Kriegsnachrichten. Entlassung �gefangener Kriegsinvalidcn in die Heimat. Von österreichischer Seite wird amtlich mitgeteilt: Das Kriegsministe- rium hat den zuständigen russischen Stellen den Vor- schlag übermitteln lassen, es möchten diejenigen im neutra- len Auslande untergebrachten Angehörigen beider Armeen, welche als Invaliden anzusehen sind, ganz in die Heimat entlassen werden. Die russische Regierung hat diesen Vorschlag angenommen. Es ist demnach damit zu rechnen, daß eine größere Anzahl bereits in Norwegen und Dänemark Hospitalisierter in die Heimat entlassen werden._________ Letzte Nachrichten. Der finnische Eisenbahncrstreik. Kopenhagen, 13. Juti.„Berlingske Tidende" meldet aus Hapa- randa: Der drohende finnische Eisenbahnerstreik ist beigelegt worden, da dem Lokomotivpersonal die geforderte L 0 h u« erhöhung bewilligt worden ist. Hillquit an Tscheidse. Bern, 13. Juli. Nach einer Meldung des„Matin" antwor- tete Hillquit auf Tscheidses Telegramm, die Sozialistenpartei der Vereinigten Staaten sei immer bereit gewesen, mit den sozia- listischen Vertretern anderer Länder zu einer Konferenz zusam- nienzutreten, und nehme die Einladung gern an, falls die Re- gierung der Vereinigten Staaten die Reise zulassen werde. Liberia. Basel, 13. Juli. Nach einer Information Reuters aus Loa- don, beschloß die Regierung der Republik Liberia die Entfer- nung aller Deutschen und die Liquidation aller deutschen Geschäfte. Der Präsident der Republik ordnete an, die Deutschen möchten sich bereithalten, unverzüglich abzureisen und er verbietet den libcrischen Untertanen und Ausländern, das Amt von stellvertretenden Leitern der deutschen Unternehmungen zu übernehmen. Der spanische Konsul protestierte ener- g i s ch gegen diesen Beschluß, wobei er ertlärte, daß der Abbruch der diploinatischen Beziehungen keineswegs zur Annulierung des Hau- delSvertrages Liberias mit Deutschland führe. Der Präsident wird das Parlament auf den 10. Juli zur Besprechung der Kriegserklärung an Deutsch- land cinberuscn._ Südlich und nördlich des Dnjesir. Wien, 13. Juli. Nichtamtlich. Amtlich wird verlautbart: Süb- lich von Kalusz Kämpfe örtlicher Natur. Nördlich hom Dnjejtr Auflebm der russischen Artilleristgti�eit. ErnShrungsfragen vor öer Serlkaer GewerksthastskommWon. In enter Sitzung der■ Gewerkschastskommission, die am Don- nerstag abgehalten wurde, wurde zunächst der Geschäfts- und Kassenbericht und der Bericht des Arbeitersekre- t a r i a t s über das Jahre 1916 gegeben. Mit Rücksicht daraus, daß die Berichte gedruckt vorliegen und im„Vorwärts" bereits das wescntlicbste aus dem Bericht mitgeteilt ist, beschränkten sich die Se- kretäre 21. K ö r st e n, A d. Ritter und G. Link auf einige er- läuternde Ausführungen. Es folgten dann die Wahlen zum Aus- schuß der Gewerkschaftskommission. Gewählt wurden Mied(Bau- fach), C z e ch und A l b r e ch t(Graphisches Gewerbe), M ö ck e l (Textilgewerbe), Schulz und Hauptmann(Lederindustrie), M a a ß(Holzindustrie), Cohen(Metallindustrie), H o d a p p(Nah- rungsmittelgruppe), U t h e s(Handelsgewerbe) und M ü n t n e r «Verschiedenes). Die Gewähllen bilden zusammen mit den vier Se- kretären Körsten, Ritter, Link und Brückner den Ausschuß. Zu Revisoren wurden Schuld t, Schmidt und Schade gewählt. Ernährnnzsfragcn der arbeitenden Bevölkerung betraf der nächste Punkt der Tagesordnung. Die großen Ernährungsschwierig- keiten haben die Holzarbeiter und die Buchdrucker verankaßt, sich mit Anträgen �an die Gewerischaftskommission zu wenden, in denen ent- schiedene schritte zur schleunigen Abhilfe verlangt werden. T h. Glocke nahm zur Begründung des Antrages der Holz- arbeiter das Wort. Er ging aus die Entlvicklung der Ernährungspolitik ein, die er als verkehrt bezeichnet, und verweist auf die schlim- men Zustände, die sich im Winter in Berlin entwickelten. Aber auch nach Beendigung des Frostes sei es mit der Kartoffelversorgung u. a. nicht besser geworden. Die erfolgten Beschlagnahmen schienen mangelhaft gewesen zu sein. Man könnte von einem vollständigen Versagen der Ernährungspolitik sprechen. Auch die weiteren Mittel, die angewendet seien, um die Städte zu versorgen, hätten nicht ge- bracht, was man erwartete. Entweder seien sie nicht mit der nötigen Energie angeivendet worden, oder dem Ernährungskommissar Michaelis ständen Widerstände entgegen, die er nicht brechen könne. Jetzt gebe es keine Kartoffeln, und Obst imd Gemüse seien der großen Masse nicht zugänglich. Wo Gemüse sei, versorgten sich erst einmal die Geschäftsleute untereinander und vielleicht ein paar gute Kunden. Eine Frau, die keine besonderen Beziehungen habe, wisse nicht, was sie kochen solle. Die arbeitende Bevölkerung leide sehr stark. Die Krankheitsfälle vermehrten sich. Wenn gesagt werde, es sei nichts da, so wäre darauf zu erwidern, daß noch dauernd unter der Hand verkauft werde. Mit der nötigen Energie und bei entsprechenden Maßnahmen hätten sicherlich auch mehr Rahrungs- mittel ftir Groß-Berlin herangeschasft werden können. Es fehle an einer durchgreifenden Neuregelung der Organisation. In die Or- ganisation des.Kriegsernährungsamts müßten Arbeiter als stimm- berechtigte Mitglieder aufgenommen werden, also auch zur Beschluß- fassung über Beschlagnahmen, damit alles erfaßt werde, was für die Großstadt notwendig sei. In gleicher Weise seien dem Kommissar für Preußen Arbeiter zur Seite zu stellen. Alb recht sprach für den Antrag der Buchdrucker, indem er, wie Glocke, auf die Ernährungsfragen und auf die Möglichkeiten einer besseren Regelung einging. Für die Buchdrucker käme bei Stellung ihres Antrages noch besonders in Betracht, daß sie keine Rüstungsarbeiter seien und daß deshalb sie und ihre Angehörigen noch ganz besonders unter der Misere zu leiden hätten. In den be- stehenden Ausschüssen müßten neben Rüstungsarbeitcrn auch an- dere Arbeiter vertreten sein. Körsten teilte mit. daß sich der Ausschuß der GewerkschastS- kommission auf die Anträge der Holzarbeiter und Buchdrucker eben- falls mit der Angelegenheit beschäftigt, sich im Interesse der Arbeiter- ichaft Groß-Bcrlins der Sache angenomman und die Vertreter im Lebensmittelausschuß beauftragt habe, beim Staatskommissar für die Ernährungsftagen in Preußen energisch vorstellig zu werden. Adolf Cohen bemerkte u. a.: Im Arbeiterausschuß für die Ernährungsfragen in Groß-Berlin sitzen neben Arbeitern aus der Rüstungsindustrie auch Arbeiter aus andern Industrien, so daß die Kommission jetzt als Vertretung der gesamten Arbeiterschaft Groß- Berlins gelten kann. Auch im Oberausschuß, der auf Grund einer Verfügung des Staatskommissars Michaelis ins Leben getreten ist, sind Arbeiter vertreten und die Zusammensetzung ist so, daß sie als gut bezeichnet werden dürste. Als Anfang Juli keine Kartoffeln kamen, hat sich der Arbeiter- ausschutz für die Ernährungs fragen in Groß-Berlin mit Herrn Staatskommissar Michaelis in Verbindung gesetzt. In einer Sitzung am 11. Juli wurde mit allem Nachdruck und aller Deut- lrchkeit die Situation dem Herrn geschildert und es wurde auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die die Koinmission befürchtete. Der Kommission wurde darauf erklärt, es werden 119 000 Zentner Graupen und sonstige Nahrungsmittel Groß-Berlin zur Verfügung gestellt werden. Auch wurde das Verlangen der Kommission nach einer anderweitigen Regelung der Brotverteilung in Groß-Berlin als berechtigt anerkannt. In Aussicht gestellt wurde, daß wieder das Ouantum Brot, das wir vor dem 16. April hatten, nämlich 1969 Gramm, voll zur Verfügung gestellt werden soll, und zwar voraussichtlich vom 15. A u g u st ab, zunächst als ein Provisorium, bis sich nach Feststellung des Ergebnisses der neuen Ernte die Brot- menge feststellen läßt, die gegeben werden kann, das Wohl nicht unter 1906 Gramm sein werde. Alle gegen Krankheit versicherungspflichtigen Arbeiter und Arbeiterinnen sollen zu den 1966 Gramm einen Zuschlag von 356 Gramm er- balten, so daß für diese das Quantum 2256 Gramm wöchentlich *»-----» r- äg|»M.--- jt i-- we........ OCTIöppOl WCLIX.&TiTjPTcCQCTuK Xnxjty�Il Plr JCUTTT* Mission und die Vertreter im Oberausschuß in den nächsten Tagen erwarten. Am 15. August wird das halbe Pfund Zusatzfleisch weg- fallen, das ja als Ersatz für mangelnde Kartoffeln gedacht war. Bis dahin oder wird die Zufuhr von genügenden Kartoffelmengen garegelt sein.— Der Kommission wurde ferner noch erklärt, daß man glaube, durch schärferes Zufassen von vornherein für die Zukunft genügende Mengen Lebensmittel sichern zu können, um bis zur Ernte mit der Lebensmittelversorgung durchzukoinmen. Schmidt vom Handlungsgehilfenverband trat für die An- gestellten ein. Auck sie müßten in die Verteilung von Zusatz- karten niit einbegriffen werden. Sie dürften dabei nicht ausge- schaltet werden, wie es offenbar beabsichtigt sei. Körsten bemerkt, die Angestellten seien nicht in die bevor- stehende Neuregelung der Zusatzkarten hineingenommen worden, weil man auf das vorhandene Ouantum Rückficht nehmen mußte. Nach einer weiteren Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig angerlommen: „Die Herabsetzung der Brotration, die ungenügende Kartoffel- Versorgung für die arbeitende Bevölkerung, das Zurückhalten der Nahrungsmittel aus egoistischen Prositinteressen, sowie die Art der gegenwärtig geübten Gemüseverteilung haben einen außer- ordentlichen Notstand geschaffen, der den Gesundheitszustand der Berliner Arbeiter und ibrer Familien vollständig untergräbt. Diese Verhältnisse sind darauf zurückzuführen, daß die Maß- nahmen der Regierung auf dem Gebiete der Nahrungsmittelver- sorgung und-Verteilung völlig versagt haben. Sie mutzten der- sagen, weil man den Erzeuger auf Kosten des Verbrauchers schonen wollte. Diese Maßnahmen baben nicht verhindert, daß Kartoffeln und Getreide ans Vieh verfüttert worden sind zum Scbaden der darbenden Industriearbeiter, daß sich ferner zahlungsfähige Leute auf dem Wege des Schleichhandels mit Nahrungsmitteln aller Art reichlich versorgen können. Zum Nachteile der Verbraucher sind auch dem Handel fabelhafte Gewinne ermöglicht worden. Die Knappheit der Nahrungsmittel hätte durch eine gleichmäßige Per- teilung zwischen Stadt und Land, zwisthen Arm und Reich aus' geglichen werden müssen, insbesondere hätte die Forderung auf Bestblagnahme der Produkte beim Erzeuger Beachtung finden müssen. Dagegen sind der arbeitenden Bevölkerung Versprechungen gemacht worden, die nicht eingehalten worden sind. Angesichts des Versagens der Regierung in bezug aus eine geordnete und gerechte Nahrungsmittelversorgung und-verteilimg und der Nichtberücksichtigung der geeigneten Vorschläge der Gewerk- schaftsvertreter balten es die heute versammelten Vertreter der Gewerkschaften Berlins für erforderlich, daß aus den Reihen der Gewerkschaftsorgmn'sativnen Vertreter der Arbeiter dem Kriegs- crnährungsamt und dem Staatskommissar für Preußen zur Kon- trolle und Beschlußfassung über die Verteilung der Nahrungsmittel oder sonstige notwendigen Maßnahmen mit Sitz und Stimme beigeordnet werden. Gleichzeitig erklären sich die Gewerkschaftsvertreter mit den Forderungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion auf Her- beiführung eines baldigen Friedens einverstanden und richten das dringende Ersuchen an die Regierung, diese Forderungen als Grundlage für die einzuleiienden Friedensverhandlungen anzu- erkennen." Die Resolution soll den maßgebenden Stellen eingereicht werden. Soziales. Das Recht der Organisationen im neuen Deutschland. Die Gesellschaft für Soziale Reform hat schon vor dem Kriege die Fragen des Arbeitsrechtes zum Gegenstand eingehender Unter- suchungen gemacht, Sie hat im Frühjahr 1616 einen besonderen Studienausschuß mit der Inangriffnahme der dringlichsten und wich- iigsten Punkte vieses ungemein weitschichtigen reformbedürftigen Ge- biets betraut. In einer Vorbesprechung mit sozialpolitischen Fachleuten, Juristen und Gewerkschaftsführern aller Richtungen wurden als solche dringlichsten Punkte d i e Neuordnung dcZRechts der Berufsorganisationen, der Ausbau und die Vervollkommnung des gewerb- lichen Einigungswesens und die Errichtung von Arbeitskammern anerkannt. Da für alle diese Fragen der Bestand und die Rechtsstellung der Berufskoalitionen die entscheiden- den Voraussetzungen bilden, sollte zunächst die Neuordnung des Koalitionsrechts erörtert werden. Das Ergebnis der Beratungen des dieser Frage sich widmenden besonderen Ausfckiusses liegt nunmehr als Heft 1, 2 und 3 des 7. Bandes der Schriften der Gesellschaft unter dem gemeinsamen Titel:„Das Recht der Organisationen im neuen Deutschland" vor. Im einzelnen werden behandelt: Koalitionsrecht und Straf- recht(Heft 1), Das Koalitionsrecht und die straf- rechtlichen Neben- und Polizeigesctze(Heft 2). D a s Koalitionsrecht und das Gesinde- und Land- arbeiterrecht(Heft 3). Es ist ein reichhaltiges Material, das in diesen drei Heften zusammengetragen ist. Im wesentlichen kommen die Darlegungen zu dem gleichen Ergebnis, wie der„Vorwärts" in seinen, dieses Ge- biet des Koalitionsrechts behandelnden umfassenden Artikeln der letzten Zeit. Es bedarf also keiner eingehenderen Darlegung des Inhalts der drei Hefte, vielmehr genügt es, die Leitsätze kurz wiederzugeben. Sie gehen dahin: 7. L Um das Koalitionsrecht gegen die- ihm vom§ 253 Str. E. B. (Erpressung) drohende Gefahr zu schützen, ist dem Paragraphen folgender Inhalt zu geben:„Als � Erpressung ist zu bestrafen die Vermögensbeschädigung durch Abnötigung eines dem Gesetze zu- widerlaufenden Vermögensvorteils zugunsten des Nötigenden oder eines Dritten. Diese Nötigung muß, wenn Erpressung vorliegen soll, erfolgt sein durch diejenigen Mittel, die die räuberische Er- Pressung im Sinne des Reichsstrasgesetzbuches charakterisieren, oder durch die Androhuitg von Handlungen, die an sich bereits gesetz- widrig sind, oder endlich durch Drohung mit Strafanzeige, Offen- barung von Geheimnissen, Verlassen in hilftoser Lage oder mit einem Uebel, das außerhalb jedes verkehrsmäßigen Zusammen- Hanges mit dem Entschlüsse steht, zu dem der Bedrohte genötigt werden soll." 2. Die§§ 246(Nötigung), 241(Bedrohung), 126(Landzwang) sollen in der bisherigen klaren Fassung beibehalten werden und ihnen nicht der von den neuen deutschen Strafgesetzentwürfen vor- geschlagene kautschukartige Inhalt gegeben werden. 3. Die in den modernen Strafgesetzentwürfen in Vorschlag gebrachte Kriminalstrafe für die Arbeitseinstellung in den söge- nannten gemeinnützigen Betrieben ist in jeder Gestalt und Form abzulehnen. 4. Der grobe Unfug ist vom Gesetz zu definieren. 5. Hinsichtlich der Bestraftlng des Vertragsbruches sind die geltenden ceichsgesetzlichen Vorschriften nicht zu ändern. 6. Z 153 der Gewerbeordnung ist zu streichen. 7. Dem Rcichsstrafgesetzbuch soll hinzugefügt werden:„Ter Arbeitgeber, toelcher einen Arbeiter, sowie der Arbeiter, welcher einen Arbeitgeber durch Gewalt oder Drohung, Ehrverlebung oder Verrufserklärung hindert, an Vereinbarunaen teilzunehmen oder solchen Folge zu leisten, deren Ziel die Herbeiführung einer Aende- rung des Arbeitsvertrages ist, wird mit Gefängnis bestraft. Ter Versuch ist strafbar." Das summarische Verfahren ist über das in der Reichsstraf- Prozeßordnung schon gegebene Matz hinaus nicht auszudehnen. II. 1. Die Polizei ist nicht befugt, Boykottaufforderungen als solche zu untersagen. 2. Die Benutzung öffentlicher Straßen und Plätze in der dem allgemeinen Berkehr freistehenden Weise zur Beobachtung von Orten und Personen zur Erkundigung und Mitteilung sowie zu nickt strafbarer Willensbeeinfluffung ist erlaubt und darf nicht allge- mein verboten oder beschränkt werden. Die Beamten des Polizei- lichen Sicherheitsdienstes können bestimmte Einzelbandlungen ditscr Art untersagen, wenn dies wegen eingetretener Störung des Vor- kehrs odec der öffentlicken Sicherheit notwendig ist. Ob diese Vor- aussetzungen gegeben find, unterliegt im ifall eines gerichtlicken oder verwaltungsgerickttichen Rekursverfahrens oder einer Vcr- waltungsbeschwerde der Nachprüfung der entscheidenden Instanzen. 3. Die bundesstaatlichen Vorschriften über Anbeften, Anschlagen. Ausstellen, Auslegen und Verteilen von Plakaten, Aus- rufen, Bekanntmachuiigen, Zetteln und sonstigen Druckschriften auf Straßen. Plätzen und sonstigen öffentlichen Orten sind aufzuheben. § 36?lbs. II des Reichspreßgesetzes ist aufzuheben. Künftigbin können auf diesem Gebiete weder durch die Landes- gesetze noch durch polizeiliche Gebote oder Verbote Einschränkungen eingeführt werden. 4. Für Vereinsversammlungen soll die für öffentliche Wirt- schaften eingeführte Polizeistunde nicht in Bestacht kommen. In anderen als öffentlich-politische Versammlungen soll die Polizei keine Beauftragten entsenden dürfen. III. Alle Verbote und Strafbestimmungen gegen land- und forst- wirtschaftliche Arbeiter irgendwelcher Art wegen Verabredungen und Vereinigungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingrrngcn, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit, werden aufgehoben. Ebenso werden alle landesrechtlichen Bestimmungen ausgehoben, die an Verletzungen des Dicnstvertragcs der land- und focstwirt- schaftlichen Arbeiter Strafe oder polizeiliche Zwangsbefugnisje knüpfen. Landesgcsetzgebung und Polizei können künftighin auf diesem Gebiete einschränkende Bestimmungen nicht erlassen. AuS dem Umfang dieser Leitsätze ist ersichtlich, in welch um- fassender Weise dieses Gebiet des Organisationsrechts in den drei Büchern behandelt ist. Für den Verfapungsausschuß des Reicks- tages ist hier ein überaus wertvolles Material gegeben, das für seine Beratungen zur Neugestalhrng des hier in Betracht kommen- den Gebiets die erforderlichen Unterlagen in erschöpfender Weise gibt._ Arbeiter- Samariterbund Kolonne Gros,- Berlin. Lebrstunde haben nächste Woche abends 8 Vi Uhr 1. bis 6. Abteil. Montag, den IL. Juli, Cöpcnicker Str. 62: Vortrag. Hin auf praktische Verbandübungen.«Salle haben einmaligen freien Zutritt. Desc Lehrstunden und Nebungen finden jetzt jeden Montag bis Anfana August statt. Sonntag, den 22. Juli. Familienausflug nach Niederfchönhaüscn. Treffpunkt neben Restaurant Strauchwicse. Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Tiederich, Derlin-Friedenau: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: TI>. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts ääuchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und UntcrKaltungsblait. Identsches Tiieater. Heute u. folgende Tage 7«/, llbr: Max Pallenberg in Der kleine Sapoleon. Kanimerspiele. Heute u. folgende Tage Hbr: Die Tänzerin (mit Leopoldine Konstantin). TolkBblihne.Theat. a.Bülowplatz. Untergrundb. Schönliauser Tor. Heute u. folgende Tage 7s/4 Uhx: Die Königin der Luft. Desslng-Theater. Heute u. folg. Tage Uhr: Marie Ottmann u. Hans WaBmann in Oper. y. 0. Blumenthal. nlUKCtSa Musü y. Osk. Straus. Berliner Theater 720 Uhr: Die tolle Komteß. Komödienhaus 8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Theater i. d. Königgrafzer Str. 'I.ß Uhr: Zum I. Male: •J. v. Seewitz/ I,o Hesse Künstlerische Tänze. Tägl. l'h Sonnt 31/, u. 7»/4 R. Steidl. A. Müller-Uncke, Gertr, Gräbner, B. Lehnhoff in„vor Herr ohne Wohnung4'. Dazu: Afra, die Seltsame usw. RosesTheater. 71/, ust: Die Stunde desfertrauens Gartenb.: Berlin, wie es liebt u. haßt. Walhalla-Theater. uh'': Zigeuner. Gartenbühue: Vorstellung. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. TäglrJ große Extravorstellang. Pieper und Sperling Erstklassiges Spezialitäten-Programm. Ans. Sonntags 4, wochent.°/45 Uhr. Berliner Pratcr-Theater Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Groge AuSstattungs- Opercttenpoffe in L Mten mit Gesang und Tanz. Vorher das groBe Varieteprogramm. Anfang i'l, Uhr. � Admirals-Palast. � Abrakadabra groSes phantastisches Ballett I auf dem Eise. Angenehmer kühler Aufenthalt I 78i4 Uhr. Vorzligl. Theater für Sonnabend, den 14. Juli. Deutsches Opernhaus 71/» u.s Nanon. Friedrich-Wilhelmsfädf. Theater. 7-,-uw: Das Dreimäderlhaus. (■ehr. Herrnfeld-Theater. Operetten-Gastspiel vi, u.; Die ledige Etiefran. Kleines Theater s uiu-: Im Bahnwärterhaus. Komische Oper 3u8 Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus Zum 75. Male: 7*/4Uhr: Die blonden Hädels vom Dlndenhof. Morgen 3ft4 Uhr: In Vertretung. Metropol-Theater 7i/jUhx: Die CzardasfOrstin. Neues Operettenhaus SchiSbd. 4a. Kassentel. Nord. 281 vuu.: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater 7'/. Uhr: Der Weg zur Hölle. Schiller- Theater O vi, uhr: Martha. Schlller-Th. Charlottenb. vi, u.: Ält-Beidelberg. Thalia-Theater t»;. uhr: Sennwendzauber. Theater am Aollendortpl. S1/. Uhr; Was ihr wollt. 7'/- u.: Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7'/. u.: stolze Thea. Morg. 3J/,: Oer Raub d. Sabinerinnen. Trlanon-Theater vuwu: Der Star. NA TIONAIi- THEATER. Täglich'/.S Uhr. Cöpenicker Straße 68. 8in Stuck aus der guten, alten Zeit! Die Sieder des Dtusikanten! Volksstüok mit Gesang in 7 Bildern von KneiseL Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochea. Zirkus A. Schumann Am Bahnh. I'riedrichstr. Anfang 8 Uhr. Rauchen gest. Kühler Aufenthalt. g�nzendeZirkns-lfarietß-g�m U. a. Bayer. Aipcnspiele. Dir. Schumanns Meisterdressuren. Halali Parforoe- Sohnitzeljagd. Sonntag S1/- und 8 Uhr. Nachmittag� 1 Kind frei sowie Gratis-i'onny-ßeiten. ReiehshalleD-Theater. Stettiner Sänger. Cabarei „Feldgrau" Ansang 7'/, Uhr. ReutersWerke 3 Lände 5 Mar?- Buchhandlung vorwärts Nur kommende Woche Dampfer- Extrafahrten durch die Havelscen. Montag u. Mittwoeb n. i Glisdower Alpeo am See. Diegstag: Hedlitz und Crampniiz am Crampmtzsee. Donnerstag naeb Fereb am Sebwieiowsee. Abf. 9 Uhr ab Reich stagsuser an der Marschallbrücke b. ReichstagSgebäude. Abs. S'/4 Uhr Charlottenburg, Tegeler Weg, nahe Vahnhof Jungsernheide. Slufterdem ab Lberbauinbrücke, Falckenfteinstrafte jede» Sonntag: Vk und l\ übr naeb Mersdorfer Schleuse und Heu-Beringsdorf. 2i«j Reederei Kieck, Falckensteinstr. 48. T°i.: Mpi. sm Reederei Kahnt& HflllZer stö„SisÄ2. DU. Jeden Sonntag ab Waisenbrücke-MU �tTTeupitz(Tornows Idyll) � 3t00 M. � 8l,,mU6r Krampenburg hin u. zurück 1,58 M> Kinder so Vf. ♦ 54. Jahrgang Heilage ües vorwärts Sonnabend, 14. IuKl417 Reichstag. H5. Sitzung. Freitag, den 13. Juli, nachmittags 3 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfrage«. Abg. Windeck(Elf.) fragl an, weshalb im Reichslande der Besitz don Einzelpersonen und Firmen, die bisher unter Zwangsverwal- lung gestanden, in Liquidation übergeführt wird. � Geheimrai v. Jonquierrs erwidert, daß die Maßnahme infolge entsprechender Maßnahmen der feindlichen Regierung erfolgt sei. ?lbg. Kunert lUnabh. Soz.) fragt an, wie weit die vor zwei Monaten versprochene Prüfung der Staatsangehörigkeitsverhält- nisse bestimmter sogenannter staatenloser Ausländer ge- diehcn ist, die zum Heeresdienst eingezogen waren. Oberst Marquardt Die Untersuchung ist seinerzeit in die Wege geleitet worden. Es hat sich herausgestellt, daß die Einziehungen zum Heere zu Recht erfolgt sind. Im Mai ist eine allgemeine An- Weisung über eine erneute Nachprüfung der Staatsangehörigkeit von in militärpflichtigem Alter stehenden Personen, die bisher als Ausländer angemeldet waren, vecanldßt worden. Abg. Eber:/� Zentner zur Verfügung. In der Liste, die in der vorigen Woche auSgelegen hatte, hatten sich 1510 Personen eingetragen. Demnach hätte daS Schokoladenpulver reichen müfien. Tatsächlich haben aber wesentlich mehr Personen in dem fraglichen Alter von ihrem K a u fr e ch t Gebrauch gemacht, so daß einige kein Schokoladen- pulver haben erhalten können und dafür andere Ware ausgegeben werden mußte. Da die Eintragung in die Liste Vorbedingung zum Kauf war, gestatten wir uns die Frage, welches nach Ansicht des Ge- meindevorstandes die Kaufberechtigten waren, die sich nicht eingetragen hatten? Neukölln. Lebensmittel. Für die nachträglichen An- Meldungen beim Kleinhändler zum Bezüge von K a r r o f f e l n, Eiern, Zucker und Kolonialwaren gelten folgende Be- stimmungen: Wer ohne Verschulden, z. B. durch Krankheit, Ab- Wesenheit usw. verhindert war, rechtzeitig seine Eintragung in die Kundenliste zu erlangen, kann in der zuständigen Brotkommission einen Ausweis zwecks nachträglicher Aufnahme in die Kundenliste gegen Vorlegung der für die Anmeldung bestimmten Karte erhalten. Die Umstände, welche die rechtzeitige Anmeldung verhindert haben, sind anzugeben. Dasselbe gilt für alle nach der Auflegung der Kundenliste zugezogenen Personen, für Neugeborene und für alle diejenigen Personen, die infolge vorübergehender Abwesenheit ihre Lebensmittelkarten abgegeben hatten.— In den städtischen Verkaufsstellen kann von den Inhabern der Serie 8 mit den Anfangsbuchstaben?— I,. kondensierte sterilisierte Milch oder M i l ch p u I v e r entnommen werden, und zwar für jede Reichsfleischkarte für Erwachsene entweder eine Dose oder eine Flasche Milch oder ein Beutel Milchpulver. VerkaufStag: Sonn- abend, den 14. Juli. Hanshallungskarte und Reichsfleischkarte für Erwachsene sind bei Verkauf vorzulegen und werden bei der Entnahme der Ware abgestempelt. Der Verkaufspreis beträgt für a) sterilisierte Flaschenmilch 1,25 M. je Flasche, b) sierflssierte Büchsen- milch 1,10 M. je Dose, c) inländische kondensierte Büchsenmilch 1,20 M. je Dose, ä) Milchpulver(100 Gramm) 0,55 M. je Beutel. Der Berkauf auch an die übrigen Personen wird noch besonder« be- kanntgegeben._ Treptow. Lebensmittel. In der kommenden Woche gelangen zur Verteilung: 1600 Gramm Brot, voraussichtlich 2 Pfund Früh« kartoffeln, und 600 Gramm Gebäck oder als Eriay 100« Gramm Gebäck, 500 Gramm Fleisch, Fett wird durch Aushang in den Ge- schäftsitellen brkanntgegeben, Milch nach den Bestimmungen der Feltstelle Groß-Berlin, 200 Gramm Graupen auf Abschnitt 55 der LebenSmittelbezugSkarte, 100 Gramm Sirup aus Abschnitt 57 der LebenSmittelbezugSkarte, eine»Einkilodose Gemüsekonserven auf Ab- schnitt 6 der LebenSmittelbezugSkarte für Jugendliche, 100 Gramm holländischen Fettkäse auf Abschnitt SS der LebenSmittelbezugSkarte. Auf Abschnitt 19 der Zuckerkarte in der Zeit vom 16.— 81. Juli 375 Gramm Zucker. Ferner ohne jede Einschränkung Paprika. Dörrgemüse, Flußfische und Räucherwaren, Fischmarinaden, Obst und Gemüse, Wüschestärke und Streichhölzer. Friedrichshagen. Lebensmittel. Heute gelangt auf Abschnitt ö der Lebensmittelkarte Grieß zur Ausgabe. Auf jede Karte ent- fallen 100 Gramm zum Preise von 6 Pf. Ferner findet auf dem Güterbahnhof Verkauf von grünen Gurken in kleinen Mengen statt. Der Verkauf beginnt vormittag« 9 Uhr. Al» Ausweis ist dir Lebensmittelkarte mitzubringen. Pankow. Lebensmittel. Vom 18. Juli ab gelangen in den be« kannten Geschäften gegen Abtrennung de« Bezug«- und Ouittung»- abschnittes 64 von der Lebensmittelkarte Haferflocken zum Verkauf. Auf den Bezug«- und OuittungSabschnitt 64 der Lebens« mittelkarte entfallen 125 Gramm. Der Preis beträgt für 500 Gramm 44 Pf., für 125 Gramm 11 Pf. Hroß-Serliner Parteinachrichten. Generalversammlunge«. Die Genosien des Sozialdemokratischen Verein« für Berlin I behandelten am Mittwoch in ihrer Generalversammlung die Tages« ordnung des Parteitage» in Würzburg. Al» Delegierter wurde Genosse Franz Lucht gewählt. Einstimmig wurde auch ein Antrag angenommen, der die Stadtverordnetenfrallion ersucht, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß die Berliner städtischen Badeanstalten den Betrieb wieder umgehend aufnehmen. Die Kohlenknappheit wurde al« kein triftiger Grund angesehen, die für die Volksgesundheit so wichtige Institution geschloffen zu halten. Im Sozialdemokratischen Verein für B e r l i n 1 1 1 referierte der Abgeordnete de« Kreise«, Genosse Pfannkuch über den Parteitag in Würzburg. Al» Delegierter wurde Genosse August Pohl gewählt. Neukölln. In einer sehr gut besuchten BezirkZbersammlung svrach Genosse Gustav Bauer über: Die Konferenz in Stockholm. Er führte folgende« au«: Als die Weltkatastrophe über Europa hereinbrach, zeigte es sich, daß die Parteien aller krieg- führenden Länoer zu ihrem Volke standen. Unablässig versuchte die deutsche Parteileitung, die zerrissenen Fäden der Internationale wieder zusammenzuknüpfen, aber einige ausländische Parteien waren dem Chauvinismus so verfallen, daß mit ihnen zu verhandeln un- möglich war. Als die Revolution in Rußland oukbrach, schienen die Wege geebnet zur Wiederherstellung der Internationale. Der Plan einer Konferenz iir Stockholm wurde lebhaft begrüßt. Die Par- teien der Mittelmächte erklärten sich sofort bereit, daran teilzunehmen. Anders war es bei den Parteien der Ententeländer. — Eine Abordnung der Genoffen Dänemarks ging nach Petersburg, um dort die Auffassung der deutschen Genossen zu vertreten. E« begaben sich aber auch Vertreter der sozialdemokratischen Parteien aus den westlichen Ententeländern nach Petersburg, um die Ruffen für die Fortsetzung des Krieges zu gewinnen. Bei den Versuchen der deutswen Parteileitung. Fühlung mit dem Auslände zu ge« Winnen, zeigte sich— nicht nur bei den Neutralen—, welche große Unkenntnis über die Vorgänge in der deutschen Partei herrschte. Nachdem aber der dänische Genosse Borgbjerg im Arbeiter- und Soldatenrat di« Auffassung der deutschen Genossen vorgetragen hatte, trat sofort ein Stimmungsumschwung ein. Die Position der deutschen Partei bei dem A.- u. S.-Nat wurde dann wieder ungünstiger, als die deutsche Regierung ihr Sonder- friedenSangebot an Rußland machte statt eine nach allen Seiten annehmbare FriedenZformel zum Ausdruck zu bringen. Daß eS auch für die Neutralen nicht leicht ist, neutral zu fein, mußte die deutsche Delegation in Slockholm genugsam erfahren. Besonder« schlug Branting den Deutschen und der deutschen Partei gegenüber einen wenig angemessenen Ton an. Er verlangte auch, daß die Schuldfrage am Kriege erörtert werden solle. Das konnte nach Meinung der deutschen Delegation nicht Aulgabe der Konferenz lein. Es lag aber auch kein Grund vor. der Aussprache aus dem Wege zu gehen. Genoffe David entledigte sich dieser Aufgabe in mcister- hafter Weise. Seine Darlegungen machten einen tiefen Ein« druck auf das Komitee. Da« Memorandum der deutschen Dele« gation hat sowohl in Deutschland wie in den neutralen Staaten Anerkennung gefunden, auch beim Kanzler,'allerdings nicht öffent« lich. Keiner konnte erwarten, daß die Verhandlungen in Stockholm der Welt den Frieden bringen, aber wichtige Vorarbeiten dazu haben sie geleistet. Nach eingehender Würdigung der gegenwärtigen innerpolitischen Verhältnisse kam der Redner zu dem Ergebnis, daß die deutsche Arbeiterklasse vor großen Aufgaben stehe. Halte aber die Arbeiterschaft geschloffen zusammen, dann werde sie diese löien im Interesse des Proletariats.— Den Ausführungen folgte leb- basier Beifall. Nach einer kurzen Debatte wurde einstimmig be- schloffen, sich mit der Tätigkeit der deutschen Delegation in Stock- Holm einverstanden zu erklären. Industrie und Handel. Polhpenarmc. Der Kohlenmagnat Hugo Stinnes hat die Hamburger Kohleneinfuhrfirma Heidmann gekauft. Hugo Stinnes, der große Zechen im Privatbesitz hat und Macher bei der Deutsch-Luxembnr. gischen Bergwerksgesellschaft ist, begann seine Festsetzung an der Elbe durch Begründung einer damals wenig bedeutenden Niederlas- snng in Harburg a. E. ES folgte die Uebernahme zweier Kohlenfirmen in Hamburg, der Westphalischen Ein fuhrfirm a und der kleinen Firma von Franz D. Kühler, die beide noch unter den alten Firmen weitergeführt werden. Unter der Firma Hugo StinneS, G. m. b. H., gibt eS in Hamburg nur einen Reedereibetrieb. Inzwischen gewann Stinnes auch Einfluß auf die Woermann-Linie. Damit hatte Hugo Stinnes mit die Hand am tzcft zukünftiger GroßschiffahrtSnnter- nehmungen in Hamburg. Vor dem Kriege befaß die Firma Stinnes 13 eigene Dampfer mittlerer Größe, die in der Kohlen-, Holz-, Erz- und Getreidefahrt, vorwiegend im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, in der Nord- und Ostsee beschäftigt waren. Im Kriege sollen Neu- erwerbungen hinzugekommen sein, die etwaige Kriegsverluste, falls solche in der Erzfahrt während de« Krieges entstanden fein sollten, ersetzt haben dürften. Die drei Heidmannschen Kohlendampser von zusammen 6262 Br.-Reg.-T., die die rheinische Firma jetzt neu er- warben hat, sind mit den vollkommensten Einrichtungen zum Laden und Löschen von Kohlen versehen. Ein KricgSverband. Der Stabeisenverband ist für Kriegsdauer zustande gekommen. Die anwesenden Werke haben den Verbandsvertrag unterschrieben unter der Voraussetzung, daß die noch außenstehenden Werke bis zum 15. August d. I. ihre Zustimmung geben werden. aller Welt. Ein indischer Postdampfer verbrannt. Da» Schiff der British- Jndia-Line Chilka(4000 Tonnen), da» am 30. Juni von Madras nach Rangoon abging, ist in Brand geraten und mußte preisgegeben werden. An Bord befanden sich 1600—1700 Deckpassagiere, darunter 15 Europäer. Man hat noch keine Einzelheiten, doch heißt e«, daß diele Menschenleben verloren sind. Sriefkasten öer Neöaktion. M. N. 100, Mietsunterstützung kann in diesem Fall« verweigert werden, da mindere Bedürftigkeit durch den erzielten Arbeitsverdienst an- Senommen wird.—®. 1. Bei den Reichsbantstellen.— O.®. 30. Ihre lnwartsldaft ist schon jetzt aufrecht erhalten, Sie müssen nur nicht ver« säumen, die Karte am 12. Dezember d. I. umzutauschen.— 8. M. 13. Aus Besragen be« Richter« muß darüber Auskunft erteilt werden.— P. K. 090. 1. Ja. 2. An den Kaiser. 3. Da« können wir Ihnen im vrieskaften nicht näher auseinandersetzen. 4. Nein.— U. T. 00. Nein. rsetterauSftchten kür■ da« mittlere Norddeutschlanv dl« Sonntag mittag. Trocken und vielfach heiter bei wenig veränderten Temperaturen. veiitzctiei' Transportarbelter-yertaiiil. Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das, unser Kollege, der Industrie- arbeiter .jok. Wutzkowsky von der Firma Nutzen am 19. Juli im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 14. Juli, nach- mittags i'li Uhr, von der Leichen- Halle des Britzer Gemeinde-Fried- Hosts, Chaufieestraßc, aus statt. �Isclirato. Den Kollegen serner zur Nach- rlcht. daß unser Mitglied, der Holzkohlenarbeiter kTieäricd Leetz von der Firma Paul Jahn am 7. Juli im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Den Kollegen ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Fahlswhlsührer Florian Strahler am 1. Juli im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«! 6/10 Oie Bezirksverwaltung. DeuiseberMetallarbeiter-Yerbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser»ollege, der Dreher Wilhelm KuMte am 10. Juli an Darmleiden ge- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 14. Juli, nach- mittag» 3l/t Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhose« in Neulölln, Hermann- stratze, aus slatl. Rege Beteiligung erwartet 177/16 Tie LrtSverwaltung. Ortskrankenkafse für die Gewerbe der Tischler und Piano- fortearbeiter zu Berlin. Am Donnerstag, den 20. Juli 1017, abend« 8 Uhr, im Gewrrt- fchaftShnn«, Engeluscr 15, Saal 3: Austerordentliche Ausschntzsitzung, zu welcher die Vertreter der Arbelt- geber und der Versicherten hierdurch eingeladen sind. 278/9 Tagesordnung: Abänderung des§ 16 Absatz 1 Ziffer 2 der Satznng. Der Vorstand. EmilBoeSke, FritzZtnke, Vorsitzender. Echristführer. 0HiigzqusllM-llsi7S>clinii Berlln-SOden FleUoh- u. Wuratwar. iPanl Maller, FrissenM.! Miehlhdi g~. ,~Ka io'nl aiw' !Joh.MGb,liDeiseDaD8l87i A.Sclileiiiitz,MärianneDSt.l4| l Uhren, Goldwaren Fenske, KottbaeJdarnm MI Streng reell, anerkennt bill. M? ü Neukölln � C. Dittmann Berlinerstr. 41 Wild- Geflügel- Fische. SV Heute__ Ausnahmepreis. Gänseklei«.. per Stück 4.50 Gänseftückenfleisch per Pfd. 3.25 Gänsekeulen.... 5.50 Spickgan«.... 10.00 Max Westheimer, Neue Jakobftr. 12. 29426 Für Wiederverkäufer! AchnmtMschmittrl ,Mim« SuÄXÄÄ glas, garantiert Ulischädlich. Verbraucherpreis pro Pfund 1,20 M. 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Schwäche, Beinkranke, 1 I Ehrlich- Hata• Karen,{ [(Dauer 12 Tage), Behandlung | schnell, sicher und sebmerz- | los ohne Berufsstörung. Königstr.34-36)APetx±rV,J I Spr. 10— 1 u. 5—8. Sonnt. 10—1. Spezialarzt Dr. med. Colcmann f.Geschlechtskrankh, Haut-, Harn-, Frauenleid., nerv. Schwache, Beinkranke, Ehrllch-Hata-Kuren (Dauer 12 Tage). Behandlung schnell, sicher u. schmerzlos oh.Berufsstör. i. Or.Momeyer dt Co. konz. Labor, f. Blutunters., Fäden im Harn usw. Frielrittelr, II. Hnisslr. äl-36, Sjä. Spr. 10— 1 u. 5— 8, Sonnt. 10— 1. Honorar mSBig, auch Teilzahl. — Separates Damenzimmer,— Spezial-jlrzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 ÄÄ vehandl. von Syphilis, Haut, Hara. Franca leid, fpezchron. Fälle. Ehrlich-Hata-Kureii, schmerz- lose, kürzeste Behandlung ohne Be- rujsstörung. Blulunlerjuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 1 und 6—8, Sonnt. 11— 1. @1 einer L-eibbindc F Sämtliche Systeme am Lager resp. nach Mallaniertigong sowie Bruchbandagen"fg Artikel z. Getundh.- u. Krankenpflege Pollmann, Bandagist Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant füz Krankenkassen. tTr.m— 1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonnabenü,14.?uli Zrau von Stadl. Zur hundertsten Wiederkehr ihres Todestages am IS. I uli. Bei dem Namen dieser Frau wird ein freischauendes, geist- tüchtiges Antlitz sichtbar, über dem sich der Schmuck eines Turbans mit buschender Feder wölbt. Mit einem Schlage ist die Zeit des ersten Napoleon beschworen, die Zeit, wo der Strom der großen Revolution auf europäische Schlachtfelder abflutet« und das unge- beure Ringen, das jahrelang Frankreich und die Welt eingebannt hielt, anderen Gedanken, Einpfindungen, Zielen Raum ließ. Zu- gleich aber springt bei dem Namen ei» Kreis deutschen Literatur- lebens im Erinnern auf. Der fremdartig gezierte Frauenkopf mit den sprühend bewegten Augen Pflegt aiicht zu fehlen in den deutschen Literaturbüchern, wo sie von den großen Zeiten von W c i m a r erzählen. Denn im Tell-Jahre 1804 kehrte die Stael bei Schiller, dem schon todesnahen, und bei Goethe, der in Vollkraft stand, und tveiter im Kreise der jungen romantischen Ge- neration, die Dichtung, Philosophie, Leben in eins zusammen- schmelzen wollte, als eine unermüdlich plaudernde, streitende. suchende Fragerin ein. Revolution, Kaiserreich, Weimar und Jena und schließlich ein Buch der Stael, in dem nach sechsjähriger Arbeit die Eindrücke sich vereinten, die diese empfängliche, begeisterungs- fähige Frau über deutsches Dichten und Denke,: an den Ouellen eingeheimst hatte: immer wird dies ihr Merkmal sein, daß in ihr wesentliche Züge ihrer stürmischen Epoche un» gesammelt nah«. kommen. In der von JaureS herausgegebenen„Sozialistischen Ge- schichte" heißt eS von der Stael, sie sei einer der freiesten Geister der napoleonischen Zeit gewesen. Bei diesem Wort sei an daS Buch -lieber Deutschland" gedacht, das ohne Zweifel nach seinem Wollen eine Kulturtat gewesen ist. Von französischem Denkungskreise aus stellte es eine Entdeckerarbeit dar. Mit über- zeugter Hingabe machte ei begreiflich, daß das Volk jenseits des Rheins, das geringschätzig angeschen wurde, hohe geistige neue Verdienste und eine schätzenswerte sittliche Eigenart habe. AuS Philosophie und Dichtung war auf die Stael eingeströmt, was sie selber gesucht: ein sichere» Glauben an die Freiheit, an die Selbst- Herrlichkeit deS Einzelmenschen, dessen Handeln sich nach einge- borenen. willensstark entwickelten Pflichten bestimmt: kein« lähmende AbhängigkeitSIehre mehr, und kein« enge Nützlichkeit»- moral. AIS da» Buch niedergeschrieben war und an die Oeffentlichkeit sollte— 1810— machte die napoleonische Zensur sich darüber her. Sie setzte den Rotstift an und erlaubte schließlich den Druck. Wie aber das Buch zum Verkauf fertig war, wurde ihm trotz der Druck- erlaubnis der Wog verlegt. Ein Dekret trat in Aktion, das einst — und eigens' in Rücksicht auf die gefürchtet« Feder der Frau V. Stael— ausgesonnen worden war. DaS Amt der Zensoren erstreckt« sich nur auf die Textherrichtung einer Schrift, über daS Buch selbst aber entschied mit unbegrenzter Vollmacht die Polizei. Und ihr freies Willkürrecht beschlagnahmte jetzt im letzten Augen- blick das Buch„Ueber Deutschland", ließ die zehntausend Exem- place zerstören, zahlte dem Verleger ein dürftige? Schmerzensgeld, forderte das Manuskript ein und verwies die Verfasserin, die ohnedies längst von Pari» ausgesperrt war, endgültig aus Frank- reich Höhnend schrieb der Polizeiminister: ihr schein« die Luft Frankreichs nicht zuzusagen, ihr Werk sei„nicht französisch". DaS Buch kreuzte also die obrigkeitliche Politik. Indem eS fremd- völkische Leistungen rühmte, beschwor c» die Gefahr herauf, daß daS kaiserliche Frankreich in dem Dichtung und Philosophie nur schwächlich krauteten, dem unterjochten Lande gegenüber in Schatten geriet. Wie hat aber diese Vernichtung deS Buche? den weiten Abstand gekennzeichnet, der zwischen den Wegen Napoleon? und den Ideen klafft«, die in der Revolutionszeit im Volksempfinden mächtig gewesen waren! Die Revolution hatte der Völkerver- brüderung zugejauchzt, die sich aufbauen sollte auf der Gleichheit alles dessen, waS Menschenantlitz trägt; da? Kaiserreich war zu dem Empfinde?» alter Eroberervölker zurückgekehrt, deren über- steigert«? Selbstbewußtsein den Wert anderer Völker immer herab- gesetzt und verkannt hat. Die Stael ist die offen erklärte Gegnerin Napoleons gewef«,. Er galt ihr als ein„Robespierre zu Pferde". Fn seinen Anfängen al» blutjunger General hatte sie ihn mit Briefen bedacht, deren Leiden schaftlichkeit mehr war als nur die Bewunderung seiner Leistungen. Aber dieS Einpfinden schlug in Haß um; al» er zum Ersten Konsul aufstieg, sab sie in ihm nicht? al? den Feind der Freiheit. Man braucht nicht zu bezweifeln, daß politisch: Gesichtspunkte an dieser Wandlung s«br wesentlich mitwirkten. Sie, als die Tochter de? einst populären Ministers Nccker, der den Ausbruch der Revolution verhindern sollte und den die Revolution dann schnell als ersten Minister wegfegte, war in die gewaltige neue Epoche eingetreten in den Gefühls- und Gedankenkreisen, die Rousseau seinem Jahrhundert angefacht hatte. Sie meinte,- ihr Vater sei berufen, Rousseaus Lehren in der Gesellschaft zu ver- wirklichen. Als die wilde Macht der Revolutton rauh aufstürmte, blieb Germaine Necker— sie war die Gattin des schwedischen Gesandten Stael-Holstein— im Bannkreise der Königsanhänger, und sie ist immer Rohalisttn geblieben, allerdings keine, dix das alte absolutistische Systein zurückwünschte. An dem englischen Muster hatte sie sich daS Ziel einer parlamentarischen Verfassung gebildet, für das sie von ihrem namhaften Salon aus, der aber durchaus kein politischer Mittelpunkt war, wirkte. Dies und der Friede Europas waren ihre Ziele und beides hatte in Napoleons Cäsarentum seinen schroffen Gegensatz. Trotzig hat sie in der Gegnerschaft anderthalb Jahrzehnte auSgehalten, standhaft gegen Werbungen um den Einfluß ihrer Stimme wie gegen Verfolgun- gen, gegen Mudtotmachen, Ausweisen und Verbannen. Schicksale, die sie schon in den wildesten Jahren der Revolution, wo sie für die Rettung des bedrohten Königs gewirkt, erfahren hatte, kamen in der Kaiserzeit mit verzehnfachter Last über sie. Der Gang ihres Lebens trägt den schweren Stempel ihrer Zeit. Als Goethe 1796 daS Buch der damals Dreißigjährigen„Vom Einfluß der Leidenschaften auf das Glück der In- dividuen und Völker" las, schrieb er an Schiller:„ES ist äußerst interessant zu sehen, wie eine so höchst passionierte Natur durch daS grimmige Läuterfeuer einer solchen Revolution, an der sie so viel Anteil nehmen mußte, durchgeht und, ich möchte sagen, nur das geistreich Menschliche an ihr übrig bleibt." Er kam ihr mit diesem Wort nah und verkannte sie doch. Sie ist immer die einpfindsam leidenschaftliche Natur geblieben, die von Rousseau für ein freiheitliches Kulturideal begeistert wurde. Das Loskommen von dem furchtbar zwängenden, einschnürenden Druck der alten Gesell- schaft, das Befreien alles Fühlens, Denkens, Handelns von der Wucht fälschender Vorurteile ist durch ihr ganzes Leben hin das Ziel gewesen, daß ihre Kraft bewegte. Abtun den„zerlöcherten Man- tcl", daS„alte Lumpengewand"! Das hat sie, die ohne ein Mit- entscheiden ihrer Neigung eine VorteilSehe hatte schließen müssen, mitveranlaßt, ein Romanwerk niederzuschreiben, da? sich gegen die „wahnwitzige und barbarische Einrichtung" kehrt,„die von so vielen schuldlosen Geschöpfen die Aufopferung aller natürlichen Neigungen fordert". Sie warf diesen Roman-Delphine", in dem das Recht der Ehescheidung ersehnt ist, 1802 in die Oeffentlichkeit. gerade als die Ehegesetze verschärft wurden. AIS Motto stand freilich auf dem Buche:„Ein Mann muß der öffentlichen Meinung zu trotzen ver- stehen, ein Weib sich ihr unterzuordnen", aber war dies und der entsprechende Verlauf der Erzählung nicht ein Mittel, dem, waS anklagend gesagt werden sollte, den Weg in die Oeffentlichkeit zu ermöglichen? Die Stael rang um Glück für sich und alle, und nun zeichnete sie den Widerspruch der Gewalten, die„die Dauer der Glücklosigkeit garantieren". In diesem Befreierkampfe steht sie in der französischen Literatur, wie wenig auch ihre Romane die künst- lerische Kraft bleibender Werke besaßen, als eine Vörläuferin der Ro- mantiker von 1830 und als eine Wesensverwandte der George Sand da, deren Werk in alle Welt hinauSstrahlen sollte. DaS Höchste aber in diesem Ringen der Stael gegen da? um- strickende Gespinst der Vorurteile bedeutet jene» Buch„Ueber Deutsch- land". Au» dem Exil in Coppet bei Genf, in dem sie zehn Jahre lang von der napoleonischen Polizei überwacht lebte, entwich sie 1811 über Oesterreich und Rußland nach Schweden und England und hier kam 1813 da? verfemte Büch gedruckt ans Licht. Auch diese? Werk ist hervorgegangen au» dem Acker, den Rousseau bestellt hatte. Sein vorbedingcnder llnierbau ist der MenschheitSgedanke, den der Glaube durchseelt, daß hohe menschlich« Werte in allen Völkern wachsen kön- nen. Indem daS achtzehnte Jahrhundert diesen Gedanken der Hu- manität emporhob, sorgte e? vorahnend für eine Forderung neu- zeitlicher Kultur, die an die Stelle kriegerischen Erobern? und Unter- Werfens da« friedliche Verbinden der Völker setzt, das aufgedeihen soll auf dem Grunde gesicherter nationaler Einzelentwicklung. Wir Menschen deS Weltkrieges haben freilich erschreckend erfahren, daß in den Beziehungen der Völker zu einander alte trennende Kräfte, die wir im Absterben wähnten, immer noch zu furchtbarer Macht aufwuchern können. Aber das gerade rückt uns den Wert der Tat wieder unmittelbar nahe, mit der die Frau von Stael die Binde von den Augen zu reißen unternahm. Fr. D, die richtige künstliche Atmung. Im Kriege hat die Verwendung der künstlichen Atmung in der Lebensrettung erhöhte Bedeutung gegenüber der FriedenSzeit gewonnen. Jeder weiß, daß mit dem Ausseyen der Atmung da» Leben gefährdet ist, auch daß die künstliche Atmung schleunigst ein- setzen muß, und jeder glaubt auch zu wissen, wie er sich dabei zu benehmen hat. Es ist ja so einfach, hat man ja tausendmal ge- lesen, gesehen, vielleicht sogar, wenn man„ausgebildet" ist, geübt. Die Arme des Patienlen werden gegen den Brustkorb ge- drückt, dann nach rückwärts hinter den Kopf zuriickgesübrt. und nach einer kurzen Pause wird dies Anpressen und Ausstrecken der Arine wiederholt. So steht eS in vielen Lehrbüchern, einer bat die Vorschrift voin andern über- nommen und bei Vorfübrung und Besichtigung war die Durch- führung der künstlichen Atmung stets ein beifallsichere« Schauspiel. Und doch bedeutet diese Art der künstlichen Atmung, wie Stabsarzt Dr. Haedick« in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" nach- weist, in der ernsten Wirklichkeit geradezu eine Gefahr. Der Sinn der lllnstlichen Atmung besteht doch darin, mösslichst schnell und möglichst viel frische Lust in die Lungen des Scheintoten zu bringen und durch möglichst getreue Nachahmung der naliirlichen Atmung diese wieder anzuregen. Nach dem allgemein üblichen Verfahren der künstlichen Atmung, wie sie oben geschildert wurden, erfordert ein Atemzug in, Mittel. 8 Sekunden. ES lassen sich daher nur knapp acht Atemzüge in der Minute durchflihrei,, da? ist die Hälfte de« Normalen. Mit anderen Worten, gerade in dem Fall, wo der Organismus nach Sauerstoff hung'ert, wird ihm nur die Hälfte dessen zugeführt, wa« er schon unter normalen Verhältnissen zur Erhaltung seine? Lebens braucht. Außerdem wird bei der ge- schilderten Behandlung die volle Hälfte der auf die liinstlube Atmung verwendeten lebenswichligei, Zeit für de», Kranken nicht nur nutzlos, sondern sogar zu seinem Schaden vergeudet, denn für diese halbe Zeit wird sein atemloser Zustand mit allen Folgen für Lebensfähigkeit der inneren Organe verlängert. Au« weiteren AuSsübrnngen HaedickeS geht aber klar hervor, daß nicht einmal die Hälfte der gewöhnlichen Sauerstoffmenge, sondern nur der vierte Teil auf diese Art dem Kranken zugeführt»verde» kann. ES ist also tatsächlich recht verwunderlich, daß diese Vor- schrist der künstlichen Atmung so weit verbreitet ist, um so mehr, da ja auch ein anderes Verfahren bekannt ist, daS der Kürze halber al» da« militärische Verfahren bezeichnet werden kann, da c« als einzige» in die Krankenträgerordnung aufgenommen wo» de», ist. Bei dem militärischen Verfahren drückt der Helfer den Brustkorb de» Scheintoten mit seinen Händen und bewirkt dadurch die Ausatmung, durch Entfernung der Hände die Einatmung. Nach der Vorschrift ist dies iSmal in der Minute zu wiederholen. DaS Verfahre», läßt aber bequem die Möglichkeit zu, die Zahl der Alemzüge in der Minute noch zu erhöhen. Bei dem militärischen Verfahren koinin, e« von selbst dazu, daß der Helfer und der Scheintote gleichzeitig oft atmen. Nicht zu unterscheiden ist bei dem militärischen Ver- fahren auch die mechanische Einwirkung auf den Herzmuskel und den Blutkreislauf. Es wäre daher nur zu wünschen, daß da» mili- tärisch« Verfahren auch für die erste Hilfeleistung im Frieden all- gemeine Verbreitung finde._ Notizen. — llnfer neuer Roman Ander» Hjarmsted ist von dem dänischen Pfarrer und Schriftsteller Jakob Rnudsen, der diesen Winler gestorben ist. Er ist der kraftvollste Gestalter der neuen dänischen Literatur. Er läßt hier auf dem harten Boden Jütland» von einem einfachen Bauernsohn alle Höhen und Tiefen ernster Tragik durch« leben. Der Kampf ums Recht, den er führen muß. rühr, an die höchsten Probleme de» Lebens und der Kunst. Auch in den Wetter», de« Weltkriegs wird sich diese Kunst bewähren und erhebend und befreiend wirken.— Die Uebersetzung hat mit gewohnter Treue H. Kiij besorgt. — Direktor Altmann hat EternheimS dramatische» Ge- dicht.Ulrich und Brigitte' zur Aufführung am Kleinen Theater in dieser Spielzeit erworben. Ebenso geht der .Bürger Schippe!" mit Alfred Abel in der Titelrolle in den Spielplan dieser Bühne über. — Mutterschutz im Film. Die Aufnahmen der Deut- schen B io s ko p- G e s e l l scha s t in Neu-BabelSberg für ihren Propagandafilm, über den der Bund für Mutterschutz da« Protektorat angenommen hat, sind nahezu vollendet. Sic zeigen in erschütternder Darstellung da» Schicksal der unehelichen Mutter und ihre» Kindes in der heutigen Gesellschaft. Verfasserin des IilmS ist Gertrud David. � D i e Zichorie, die jetzt so häufig al» Kaffeesurrogat b»- nützt wird, wurde früher vielfach nur zur Fütterung angebaut, Di» wilde Zichorie findet man überall in Europa an Wegen und Ack:r- rändern. Wegen ihrer Wurzel, aus der man den sogenannte» Zichorienkaffee bereitet, wird die Pflanze in einzelnen Gegenden stark angebaut, so im Magd eburai schen, in Thüringen, Böhmen, Oesterreich- Luxemburg, Belgien usw. Sie wird im April uz,d Mai gesät, liebt wie die Runkel einen reichen, lockeren Boden niit tiefer Ackerkrume und verlangt ebenfalls ein fleißiges Jäten. Sie reist in 70 bis 110 Tagen. Die Blätter geben ein gutes Viehfuttcr. 1] /lnüers hjarmfteü. Von Jakob Knudfen. Er lief, so schnell er konnte, und war mindesten« seit einer Viertelstunde so gelaufen. DaS Blut hämmerte in den Schläfen, und der Atem wollte Luft durch den Mund haben; doch er hatte vom Schullehrcr in der Turnstunde gehört, daß, wenn man erst den Mund beim Laufen öffne, die Kraft auS dem Organismus schwinde.— Und wie der Atem sich staute. so beinahe auch das Bewußtsein. Nur funkenartig durchfuhr ein Gedanke oder eine Vorstellung sein Gehirn. Er sah vor sich den Glasschran! drinnen im Kontor des Kaufmanns, mit all diesen hübschen Porzellandingen, die er so viele Jahre lang zu beschauen gewünscht hatte, und die der Kaufmann just heute abend Lust verspüren sollte ihm zu zeigen, heute, wo er so bestimmten Befehl hatte, um zehn Uhr zu Hause zu sein. Er fühlte den Drang, wieder auf seine Uhr zu sehen. Doch dazu war keine Zeit. Er hatte ja auch gesehen, als er aus dem Laden lief, daß es zehn war. DaS war das erste Mal, daß ein Glockenschlag auf seiner neuen Konfirmations- uhr ein wirklich trauriges Aussehen gehabt hatte. Bisher war eS jedesmal so erfreulich gewesen, zu sehen, wie sie gehen konnte. Er wollte über den Graben springen, auf den Rasen, längs des Weges hin. wo es für seine nadtten Füße weicher war. Im Sprunge entfernten sich seine Lippen voneinander, und er begann zu schnaufen, mit weit geöffnetem Munde und auS voller Lungenkraft zu stöhnen— unausgesetzt laufend, so schnell er konnte. Dabei war es, als schlüge ihm eine heiße Luft glühender Gedanken entgegen, und sein Gesicht ward in Schweiß ge- badet. Wie in einen Ofen, eine Welt rotglühender Möglich- leiten, so sah er hinein in seines Vaters Zorn. Das war eben das Fürchterliche an dem Zorne seines VaterL, daß er dessen Möglichkeiten gar nicht überschauen konnte. Er kannte das ja schon von früher, aber jedesmal war er so überwältigt gewesen, daß er sich eigentlich deS Geschehenen nie entsinnen konnte. Nicht die Prügel waren eS,— es war dieser Feuer- regen von Zorn und dieses Gefühl, verdammt zu sein.-- Und wieder jgh erde« GlaSschranj bevn Kaujmsnn. vor allem dieses porzellanene Heinzelmännchen für Streich Hölzer--- daß ihn die Figur wirklich so hatte fesseln können, obwohl er wußte, was auf dem Spiele stand! Er hielt plötzlich an einem Heckenpfahl an und setzte die Hände dagegen, ächzend und schnaufend, indem er einen Buckel wie eine Katze machte.— Denk einer an, wenn er sich gegen seinen Vater empörte l— Aber der Gedanke war so fern, so unwirklich,— und doch merkte er, wie seine ganze Welt im selben Augenblick untergehen würde,— daS Bild Samsons oben in der Schule fiel ihm ein, auf dem Samson gegen die zwei Strebepfeiler drückt und den ßanzen ungeheuren Bau über sich niederzwingt.— Dann würde da nichts anderes übrig sein als Gott im Himmel,— denn der bliebe doch wohl übrig? Er begann wieder, aus allen Leibeskräften zu laufen,— durch einen Nebel, einen Rauch, eine Verwirrung, so schien eS ihm,— doch oben darüber war doch gewiß ein Stück blauen Himmels I Auf einmal waren alle phantasttschen Bilder weggeweht. Er lief am Ententeich, am Düngerhaufen vorbei,— jetzt stand er an dem Pförtchen zum Hof, unten an der Brauerei. Er zog daß Pförtchen auf— es wurde durch einen Holzklotz an einem Strick verschlossen gehalten.— jetzt war er auf dem tos drin, aber ungesehn drüben in der Ecke der Brauerei. ein Vater ging auf dem Hof drüben beim Westgebäude um- her. Er war in der Weste und trug Lederjackenärmel. Er ging etwas vornübergebeugt und rückte hin und her, mit den Händen auf dem Rücken. Der Knabe lief über den Hofplatz auf seinen Vater zu; doch da dieser nichts sagte, so bog er im Laufe ab, der sich so gleichsam ohne Resultat verlor. Er suchte sein gewaltiges Schnaufen zu unterdrücken, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, am allerliebsten»väre er eine Weile in die Erde verschwunden. „Hast Du den Brief zum Kaufmann besorgt. Anders?" sagte der Vater mit ganz ruhiger Stimme. »Ja." „Du kannst hineingehen und Dich in die Wohnstube setzen. Ich bin noch nicht fertig damit." Anders eilte durch die Haupttüre ins Haus. Nein! daß aus all dem nichts geworden war I— Eine so angeschwollene, unförmige Masse von Möglichkeiten war hier plötzlich ver- schwanden oder in sich zuMgegapgev, drö iiN L'v« eK jasi nicht zu bewältigen vermochte; es war beinahe so wie mit dem Atem, der sich auch nicht niederdämpfen lassen wollte. Und fast gleichzeitig erhob sich etwas Neues— eine neue große Frage: was hatte sein Vater vor?—„Ich bin noch nicht fertig damit."— Er ging immer noch draußen im Hof umher,— jetzt eben legte er die Stangen auf dem Auslüfte- gestell zurecht. Ja, aber das war doch nicht das, womit er erst fertig sein wollte,— und er, Anders, würde mit dabei sein. Er war geschwind in ebenso neugierige Spannung ver- setzt, wie er vorher in Angst gewesen war.— Jetzt stand der Vater still und sah zum Stallflügel hinüber.— Der Viehknecht hantierte dort drüben mit ein Paar Tüdcrn. Jens konnte am Abend doch auch nie fertig werden. ES war ja gleich halb elf Uhr.— Anders meinte bestimmt, sein Vater stünde und wartete. Wartete er darauf, daß Jens hinein- gehen würde? Warum ließ er den Knecht nicht zu Bett gehen? WaS hatte sein Vater doch nur im Sinn? Jetzt hatte er wieder begonnen, drüben beim Westgebäude umherzuwandern in seinem wiegenden Gange, vornüber- gebeugt, mit den Händen auf dein Rücken.— Viehknecht Jens raffte einen ganzen Haufen von Tüdern zu einem Bund zusammen, daS er über den Nacken warf. Darauf ging er durch die Stalltür hinein und verschloß sie von innen; in der völligen Stille auf dem Hofe konnte man hören, daß er auf der Innenseite den eisernen Riegel vorschob. Im selben Augenblick sah Anders, daß sein Vater stehen blieb, sich ein wenig aufrichtete und wahrscheinlich lauschte. Darauf ging er, mit viel schnelleren Schritten als vorher, auf die Haustüre zu. „Kannst Du nun mitkommen, Anders?" klang es in die Wohnstube hinein.--- Sie gingen durch die Hoftür hinaus, an der langen Wagenscheune vorbei. Davor stand der Wagen, mit dem der Knecht heute zur Mühle gewesen war. Der Vater ging z« dem Wagen hin und zog die Eisenstange heraus, die vor dem hinteren Brett sitzt. Die Matrize, die er von der Stange ab- geschraubt hatte, steckte er in die Westentasche. Dann setzte er seinen Gang fort, indem er die Eiscnstange, die er an einem Ende hielt, mit der Hand gleichsam wog. Von dem Dorftveg bogen sie aus den Weg ab, der nörd- lich ins Feld führt. iDortj. folgt.) Bekanntmachung. f fipotf«, loff IiiDt» lind Siippkntnscin «dkl MorzentrnnK. (Icm'ch? 5 dcr Verordnung über Lebensinittelkarten vom IS. Oktober tSIK wird für den Gemeindebezirk der Stadt Berlin bestimmt: I. Ruf Zlbschniit Nr. 88 der LebenZmiitclkarte entfallen !!<»<» tSramm Teigwaren. N. Auf Abschnitt Nr. 83 der Lebeiiö>niltelkartc entfallen ItM» Gramm lose Suppen. Iii. Aus Abschnitt Nr. 3» der ttebenSiniitetiarte entfallen S Suppentafel». IV. An Stelle der zu II und III genannten Daren treten gegebenenfalls S5« Gramm Morgentrank. V. Die Abschnitte Nr. 88, 89 und 30 find in den durch ein Aushänge- schild »Berkaus von Teigware» auf Lebensmittelkarte» der Stadt Berlin« gekennzeichneten Geschäften gegen EmvfangSbescheinignngen abzn- geben, und zwar in der Zeit vom Sounabend, den 14., bis einschliestlich Dienstag, den 17. Juli 1917. Nachträgliche Slmiahme stnd« nicht statt. VI. Die KleinhandelSgeschafte baben die von ihnen angenommenen Kaptenabschnitle in der bisher vorgeschriebenen Weise an ihren Großhändler abziiliefcrn. und zwar am Mittwoch, de» 18. Jnli 1917. VII. Die Ware wird dann, in der üblichen Frist bei den Kleinhandels- gcschästcn gegen Ziürkgabe der EnipsangSbescheinigungen zur Ver- siigimg stehen. VTII. ris isr unzulälfig, die Korte>iabfchnitt- in Geschäften abzugeben, in denen nicht das vom Magistrat ausgegebene Aushängeschild(siehe zu V) angebracht ist. Geschäften, die nicht im Besitze des Aus- hängefchiides sind, ist die Aimahme der Kartenabschnitte untersagt. Berlin, de» 18. Juli 1917. Magistrat der Königlichen Haupt- und Kestdeuzstadt. �gb.-Nr. 70 Br. 5. Abteilung für Brotdersorgrmg. S13K Städtische Bolksspeisung. Nene Ansgabestellen. Von Montag, de» I«. Jnli, ab werden folgende Ausgabestellen neu eröffnet: Ausgabestelle Nr. 10», Dewminer Str. 27(Turnhalle der 132./142.®e- meindeschnlc) als Zweigstelle der Ausgabestelle 10, Graunstr. 11. ,, 17», Friedenstr. 31(Turnhalle der 135./137. Ge- meindeschule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 17, Höchsteftr. 36/37. ,. 37», Streliber Str. Ils/iS(Turnhalle der 207./210. Gemeindeschule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 37, Stralsunder Str. ö4. ,. 99», Maria»« eil« fer la(Turnhalle der 37. Gemeindeschule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 39, Pücklerstr. 34. .» 39b, Waldemarstr. 77(Turnhalle der 20. Gemeinde- schule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 39, Pücklerstr. 34. ,. 26», Ofener Str. S/7(Turnhalle der S4./131. Ge- meindeschule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 26, Müllerstr. 48. . SS», Prinzenstr. 31(Turnhalle des Viktoria-Lhzeums) als Zweigstelle der Ausgabestelle 52, Lüften- user 15/16. ,. 57», Bergmannstr. 28/ S9(Turnhalle der 133./14g. Gemeindeschule) als Zweigstelle der Ausgabestelle 57, Mittenwalber Str. 34/37. In den neuen Ausgabestellen werden Gutscheine und Speisungs karte» der Hauptausgabestelle(also: in Ausgabestelle 10» solche der Ausgabe- stelle 10 usw.) angenommen, auch vom 16. d. Mts. ab ausgegeben: in den neuen iilnsgabestellen kann bis aus weiteres Essen nicht an Ort und Stelle verzehrt, sondern nur abgeholt werden. Berlin, den 12. Juli 1919. Magistrat »dteilnng für Bolksspeikung. Dofletn. 2I3K' Deutscher Textilarbeiter-Verband. - Verwaltung Berlin.--------------- Uniform* und landitkUcrinnen. Montag, den 16. Juli 1917, abends 7 Uhr, im Gcwerkschaftshaus, Saal 3, Berlin 80, Engelufer 13: Versammlung. Tagesordnung: Bericht über die Bcrhandlung der Fachkommission und Be< schlusifasiung über die zu fordernde» Lohnerhöhungen. Vollzähliges Erscheinen ist notwendig. 190/13 Der Borstand. I. A.: Max Gruhl, 0 27, Audreasstr. 17. Bezogsqueilen-Uerzdichnis Berlin-Osten äz Bette r, Eier, Käse za P.ytoiiiin.BFilialeiiH JHehlhandlung '* Königsberg Straße 26,27 IJoli. Piefsdi~öni�8b-c-r-g-er Photooraph. AteMers l|IakO.ZMchke,Aadraii. ■istr. 28 a. ABdresspUtii > rnoiogr BThJeizell! „ Warenhäuser .JurbDrgfrWireiktuXuFl.mnin) Illt-StnlM 1 1.Ycry.-U« erb.> 0 s ÜJ Möbel, lladilüfff, game Mittschasten kauft Södme, sieoltSIln, ünrengeuberote. 2. eezuzZqukiien-Uörzeieiiliiz _ Berlln-h o rtl e n Drosen, Farben lnah.Scknizendorfit. "1 »etil, p Fleisch- u. Wurstw. � ■ P.lonlmn».» P.nU Wiehert-■ .Str. Itl.H Kolonialwaren I. Str elitzer Str. 67 1 &■ Möbelmagazine*Jh M U/istB i To Beiiickeidorfrit. 97 D M nlElE fl LB. Tischlermeister H Für Oftpreugen suche Bettstellen, Kleiderschränke, BcrtikoS. Sofas, Federbetten. illeinswelt. stsnirälln. KnssebsciiZtr.ZS Telefon-Anschtuß 2126.* Leihhaus Morikpla» 58a. 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