Kr. 194. S4. Istzrß. AbonDemnitS'Bedlngnnan: Kbomemmti• Sxnl tTftiuuiifumbo Kietteljäbrl 8.90 Ml, monati UO Ml, wöchenUich 30 Pfg. fret mj Hau». tinjeln« Jhimmn 5$(». k-mmag». nummei mU tnuftrttaet C-onwau«. Beilage.Die Reue SB eil* 10 S-.g Soft. Wionnctncnt; UO Marl pro Monal. Eingetragen in die Bali. Zeitung». BreiSIille Unter Kreuzban»>ür Deutichland und Oeilerreich. Ungarn 2L0 Marl, für da» übrige kusland « Marl pro Monat. Vaftabonneuiem» nehmen an Belgien. Täneniarl, Holland. Italien. Luxemburg. Boriugal. «lwmnien. Schweden UN» die Schwei». trlcheim SgNch. Berliner Volksblnkt. ( 5 Pfennig) D«r Bnzrigoiprris Mdgt f. die fiebengespaliene ftofaiwS. »eile 60 Pfg.„Kleine Hnzelgen". da» setlgedruilte Wort SO Pfg.(zu» ISsfig 2"fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche lmd Schlafstellenanzeigen da» erste Wort 10 P fg, jede» weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. Politische u. gewerkschaftliche Vereins- anzeigen diefiedengefpalleneKolonel- Heile 40 üsg. Familienanzeigen 60 Pf. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ä tlhr nachmittags in der Haupi-Exbediiion abgegeben werden. «eSffnet v.»Uhr früh bis 7 Uhr abends. Telegramm.Adresse: „Sntaldtmolirat Beriia". Zentralorgan der roztaldem okrat» fchcn Partei Dcutfcblands. Reüaktion: SW. 69, Linüenstrahe 3. ssernivrecher: Amt Mortdpla«. Str. 1SI SO— 151 97. expeöition: SM. 69, Linüenstraße 3. Skernsprecher: Amt Mort�platz, Nr. 151 90—151 97. Das Friedensprogramm des Reichstags. Ein geschichtliches Dokument. Unter den gestern abends ausgegebenen Drucksachen des Reichstags befindet sich als bescheidene Nummer 933 ein bedeutsames geschichtliches Dokument: das von Vertretern der Sozialdemokratie, der Fortschrittlichen Volkspartei und des Zentrums entworfene Friedensprogramm des deutschen Reichstags. Der schon bekannte Text dieser„Resolnfion zur zweiten Beratung eines Gesetzes betreffend die Feststellung eines Nach- trags zum Reichshaushaktsctat für das Rechnungsjahr 1917* trägt die Namen folgender Abgeordneten als Antragsteller: Der Sozialdemokraten David, Ebert, Molken- buhr, Scheidemann und S ü d e k u m, der Zentrumsmitglicder Erzberger, Fehren- bach, Mayer- Kausbeuren und Müller- Fulda, der Fortschrittler Fischbeck, Gothein, Haufi- mann, Müller- Meiningen und v. P a y e r, schließlich des Elsäßers H a u ß. Wieder ein englischer Angriff bei Lom- bartzyde— Französischer Maffenangriff bei Cerny— Kämpfe bei Höhe 304— Die Ruffen aus Kalusz verdrängt. Amtlich. Gro ß e S H au p t q u ar t i er, de« 17. Juli 1917. lW. T. B.f Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronpriuz Rupprecht A» der Küste griffen die Engländer nach tagsüber lebhaftem Feuer wieder bei Lombartzyde an; sie wurden abgewiesen. Längs der Front Nordschoote bis Wanieton steigerte sich die Kampftätigkeit der Artillerien zu erheblicher Stärke; auch auf beiden Scarpc-Usern war sie lebhaft. Englische Erkundungsvorstöße schcitcrteu bei McssincS, Hulluch, Gavrclle, Bullecourt und nördlich von St. Queutia. Heeresgruppe Deutscher Kroupri»». Vormittags drangen an der Straße Laon— SoissouS Stoß- trupps eines hannoverschen Regiments zusammen mit Pionieren nach Feuerüberfall in die französischen Linien, sprengten Unter- stände und Grabcngcschütze nnd kehrten mit zahlreichen Gefangenen und Maschinengewehren in die eigenen Gräben zurück. Bei Courtcron war in der Nacht zu gestern ein weiteres Stück französischer Stellung durch Handstreich genommen worden; die Gefangcncnzahl in diesem Abschnitt erhöhte sich dadurch auf über 459 Franzosen. fcurz vor Dunkelheit eröffnete der Feind schlagartig stärkstes Fencr auf die Stellungen zwischen dem Gehöft Malval uud Cerny. Darauf sehte gegen diese Front ein starker mit dichten Massen geführter Angriff ein, der im Feuer uud im Nahkamps unter den schwersten Verlusten ergebnislos zusammenbrach. Alle kürzlich gewonnenen Stellungen find fest in der Hand der bewährten oft» preußischen Division. Nördlich von ReimS schlug ei« Vorstoß der Franzose« gegen die von uns eroberten Gröben südlich des Bois SoulainS fehl, ein weiterer wurde durch unser Abwehrfeuer unterdrückt. Am Pöhlderg iu der Westchampagne gelang eS Thüringern, in erbitterten Handgranatrntämpfcn die Franzosen auS de« letzte« Stück unserer alten Stellung zu vertreiben und mehrere Gegen- angriffe zurückzuschlagen. Auf dem linken Maas>Ufcr setzte mittags heftigste Artillerie- Wirkung gegen die Höhe 394 und die Anschlußlinieu ein. Unser Bernichlungsfeucr aus die französischen Gräben nnd Vereitschafts- räumc erstickte den feindlichen Angriff; nur wenige Lente kamen aus den Gräben. Heute morgen hat sich der Fcucrtampf dort erneut gesteigert. Heeresgruppe Herzog Albrccht. Keine besonderen Vorkommnisse. Außer 5 Flugzeugen wurden 4 feindliche Fesselballone durch unsere Flieger zum Absturz gebracht. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Die rege Gcfcchtstätigkeit bei Riga, Dünaburg und Smorgon hält an. Bei aufklärendem Wetter war an der Narajowka daS Feuer stärker als an den letzten Tagen. Südlich des Tnjestr nahmen rheinische Regimenter das Wald- geläude nördlich»an Kalusz. Da auch von Westen her deutsche Kräfte vorgingen, räumten die Ruffen die Stadt nnd zogen sich eilig ans das südliche Lomnica-Ufer zurück. Bon der Front deS Gearraloberst E rz h erz« g I o srp h und der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen ist nicht? Wesentliches zu melde«. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Geuerolguartiermeister. Lndendorfs. Abendbericht. Amtlich. B e r l i», 17. Juli 1917, abends. Im Westen wurde auf dem linke» MaaS-Ufer gekämpft. Im Osten keine besonderen Ereigniffe. Der österreichische Bericht. Wir», 17. Juli 1917.(W. T. S.)« m t l> ch wird verlautdart: Oestlicher Kriegsschauplatz. De« Drucke deutscher uud österrcichisch-nngarischer Truppen weichend, räumten die Russen gestern K a l» S z und das w e st- liche Lomniea-Ufer; die Verbündeten rückten nach. Südlich von Kalusz kam eS stellenweise zu stärkere« Kämpfen. Bei Ldziauy scheiterten sechs russische Entlastnngsstöße am Wider- stände kroatischer Bataillone. Bei LandeStrr» und Nowica erzielten wir Raumgewinn. Sonst weder von der Ostfront»och ans Albanien neues zu melden. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem Colbricou explodierte eine italienische Mine; unsere Stunutruppen besetzten den Trichter. Der Chef des Generalstabs. Stockholm. Die Verhandlungen über die polenfrage. Stockholm, 16. Juli. Kilometer Staatsstraßen, die wallonische Provinz Luxemburg mit � Million Einwohnern dagegen 1200. Westflandern mit 850 000 Einwohnern hat 12 Postämter weniger al» Namur, das nur 350 000 Einwohner zählt. Ant- Iverpen hat dreimal so viel Einwohner al« Namur, aber die Zahl seiner Volksschulen ist um«in Viertel kleiner. Die Kindersterblich- keit beträgt 16 Proz. in Flandern, 8 Proz. in Wallonien. Von den belgischen Gemeinden, die im Besitz einer Wasserleitung find, liegen in Wallonien 580 und in Flandern nur 20(!). Diese Ziffern lassen sich beliebig für alle anderen Geriete der sozialen Statistik dermeh- ren. Man kann dahingestellt sein lassen, wie weit an diesen Ver- hältnisscn der parteiische Wille der augenblicklich am Ruder befind- lichen wallonenfreundlichen Regierung, inwieweit wirtschaftliche Verhältnisse und der dumpfe Konservatismus der meisten Flamen Schuld tragen. Tatsache ist, daß die Flamen auf einer Kulturstufe stehen, die zu den n i e d r i g st e n in Westeuropa gehört— in einem Staate, dem sie szh Millionen Menschen liefern gegen 3 Millionen, die der wallonische Volksteil stellt. Von diesen 4� Millionen ist der weitaus größere Teil bäuer- liches und städtisches Proletariat. Er hat am schiversten unter „Blaandren» Weezang"(Flanderns Not) zu leiden. Ein großer Teil der flämischen Arbeiter ist gezwungen, außerhalb deS Landes zu arbeiten. Er ist auf dem Wege, wie ein gründlicher Kenner feine» Heimatlandes sagt, eine Art Viehstand zu werden, woraus Herden europäischer KuliS angeworben werden, Franzosengänger, niedrige Arbeiter in der Industrie und in den Kohlengruben d«S WalenlandeS, Ziegeleiarbeiter in ganz Belgien, überall, wo man schtvere Arbeit für wenig Geld zu verrichten hat. Wir schlagen den Rekord, so ließ sich vor einiger Zeit eine anonyme flämische Stimme vernehmen, in Unwissenheit und Unbildung, den Rekord der niedrig- sten Löhne, den Rekord In Kinder- und Frauenarbeit, in Trunk- sucht, Verbrechertum und Sittenlosigkeit. Jährlich wandern allein au» den beiden Provinzen Ost- und West-Flanbern 70 000 Flamen nach Frankreich al» Saison- arbeiter, wo sie die niedrigsten Arbeiten in Landwirtschaft und Industrie zu Hungerlöhnen verrichten. In Baracken zu 75 Per. soncn werden sie untergebracht, Mädchen und Männer durchein- ander. Ihre Nahrung besteht aus Kaffee, Kartoffeln, Buttermilch und 2 Kilo Brot die Woche. Von dem Elend der flämischen Heim- gx bei t haben wir aus den Enqueten von Caeiille HutzSwanS, zu- zwei Tote und einen Menschenarm zurück. Die Leiche, zu der der Arm gehört, ist noch nicht gefunden. Einer der Toten ist dei Maschinist; eine Granate hat ihm den Kopf abgerissen. Die englischen Torpedojäger?. 83 and 87 näherten sich dem auf Strand gesetzten deutschen Schiffe bis a u' tt/, Kilometer und schleuderten eine große Anzahl Projektile auf die Boote. SIS die Bemannung sich in Schaluppen auf den Strand begeben hatte, wurde die Beschießung fortgesetzt. Etwa dreißig Granaten flogen über die Dünen in das Land hinein. Die Engländer schätzen sehr schlecht.— Eine Meldung der Nederlandsch Telcgraaf Agentschap au» Dmuiden lauten Wie einwandfrei beobachtet worden tst, waren zwei von den angreifenden englischen Schiffen 8 67 und 8 83. Die Niederländische Telegraphenagentur gibt folgendes über den Angriff bekannt: Fünf deutsche Frachtdampfer, die von Rotter- dam abgefahren waren, wurden nachts bei Egmond von drei englischen Zerstörern angegriffen. Drei Dampfer sind auf der Flucht auf Strand gelaufen, von welchen einer durch Granaten in Brand geschossen ist, während die zwei übrigen von den Engländern erbeutet wurden. Da die Verfolgung innerhalb der niederländischen HoheltSgewSss« stattfand, find niederländische Krieg»- schiffe von Nieuwediep und Dmuiden nach der AngrisfS- st e l l e abgedampft. Die Granaten fielen bis hart an die niederländische Küste. Die neueste Meldung der„Needcrlandsch Telcgraaf Agentschap" aus Nmuidcn sagt: Nach einer Nnterrcdung mit dem Kapitän des nach Amuiden geschleppten deutschen DampferS Lavinia kann fest gestellt werden: Bon den zehn Schisse», die au» Rotterdam ausgefahren, sind der Dampfer Heinz Blumberg gefunkru, die Lavinia nach Nmuidcn zurückgefchlr ppt und die Renate Leonhardt gestrandet. Entkommen sind dir Dampfer Wilhelm Brlsncr und Ariadne, von den Engländern g r- n o m m e n die Dampfer Briedig, Pellworm und Marie Horn. Der Dampfer Carsten Ruß dürfte wahrscheinlich von den Engländern aufgebracht worden sein. Der Dampfer Alpha ist kurz nach der Abfahrt von Rotterdam nach dem Hafen zurückgekehrt. ES bc- steht alle Aussicht, die Renate Leonhardt zu bergen. Der»Nieuwe Rotterdamer Courant" bringt die Erzählung eines Augenzeuge», der sich während de» Angriffes der englischen Torpedobootjäger aus der Renate Leonhardt befand. Hiernach erzählte der Augen- zeuge folgendes i„Wir liefen am Sonnabendabend gegen lliU Uhr aus. Ein holländischer Lolse, der bei un» an Bord weilte,' lotcie un» genau längs der Linie, die die Terriwrialgewässer vom Meere scheidet. Eine Stunde nach dem Auslaufen bekamen wir eine große Anzahl englischer Kriegsschiffe inSicht. Man wollte wahrgenommen haben, daß es 23 Schiffe waren. Ich selbst zählte nur 19 Schiffe. Bald fielen die ersten Schüsse, sie ver- fehlten aber ihr Ziel. Der Kapilän gab Besehl:„Alle Mann aus Deck I" und ließ mit Volldampf auf den Strand lossteuern. Voran? fuhren vier von unseren Schiffen; in einer Linie fuhren wir drei: der Heinz Blumberg, die Lavinia und die Renate Leonhardt. Die englischen Kriegsschiffe fuhren zwischen diese beiden Gruppen hindurch und schnitten die ersten vier Schiffe ab. Wir sahen sie in südwestlicher Richtung ver- schwinden. Unsere drei Schiffe dampften inzwischen in voller Fahrt auf den Strand los. Währenddem wurden wir fortwährend von allen Seiten beschossen. Wir sahen noch, wie der Dampfer Heinz Blumberg sich der niederländischen Küste näherte und von einem englischen Torpedojäger in» Sckleppiau genommen wurde. Nun blieben wir zwei nur noch übrig, Lavinia und Renale Leonbardt." Räch Berichten aus Dmuiden ist die Lavinia wieder flott geworden und Dienstag, abends 9 Uhr. in den Hafen von Dmuiden eingeschleppt worden. AuS Nieuwdip wird dem.Allgemeen Handels- blad" gemeldet, daß dort 15 Personen vom Dampfer Heinz B lum bcrg gelandet wurden. Die Gerettelen konnten nicht mn Sicherheit sagen, ob da» Schiff gestrandet oder gesunken ist. Der„Alkmaarsche Courant" schreibt: Die englischen Torpedo- boote 8 82 und 8 87 näherten sich den auf Strand gelaufenen Kohlenbooten bi» auf anderthalb Kilometer Entfernung und lösten«ine große Anzahl von Schüssen, von denen verschiedene trafen. Auch al» die Mann- s ch a f t e n sich in den Booten nach dem Strande be- gaben, setzten die Torpedoboote das Feuer fort. Mehrere Granaten schlugen auf holländischem Boden ein. Die Bemannung der Lavinia, 15 Mann stark, erreichte un- verwunder die Küstenwache. Von dem zweiten Kohlenbooi kamen ebenfalls 15 Leute, darunter zwei Frauen, unverlevi bei der Küstenwache an. Drei Personen sind an Bord zurück- letzt noch in der Kammersitzung vom 17. Februar 1914 gehört. Flau- dern ist das Land, in das diejenigen Industrien sich verziehen, die anderswo verboten sind. Für einige Cent pro Woche reinigen die Kinder Häute mit dlutverderbcndem Quecksilber. Zahlreiche Mäd- chen wandern au? den Fabriken künstlicher Seide ins Krankenhaus. Unwissenheit und Alkoholismus gehen bei den Flamen wie anders- wo Hand in Hand. Die Stadt Bom zählt 21 Proz., Hamme 31 Prozent Analphabeten. Von den 18 000 jungen Männern, die sich heute zurzeit der deutschen Okkupation auf dem Rathaus in Ant- werpen täglich zu melden haben, können 2000 ihren Namen nickt schreiben. Die Zahl der Wirtshäuser ist erschreckend groß. Die 37 Häuser des Fischerkais in Ostende sind 37 Schenken. Grotz-Ant- werpen hat eine Bevölkerung von 42 000 Seelen und 6200 Wirtshäuser, das macht auf 17 Männer 1 Wirtshaus. Und auf dem Lande ist es nicht anders; Rupelmonde hat 3300 Seelen und 110 Herbergen. In Steendorp kommt eine Herberge auf 4?L Häuser. Was Wunder, daß von allen Belgiern die Flamen die Zuchthäuser mit 7b Proz. bevölkern gegen 25 Proz. der Wallonen, unter denen sich dort auch Hunderttausend« von Industriearbeitern befinden. DaS ist das soziale Niveau der großen Masse der flämischen Arbeiter. ES gibt eine flämische Bewegung in Belgien, die für die Hebung des Flamentums und für seine Gleichberechtigung im Staate kämpft. Aber bis zum Kriege war diese Bewegung eine bürgerlich-idealistische, die übersah, daß die Flamenfrage zum großen Teil eine soziale, ja eine Klassenfrage ist. ES gibt auch eine moderne Arbeiterbewegung in Flandern. Gent, der Wohnsitz AnseeleS, und Antwerpen sind ihre Zentren. Partei und Gelverk- schaften haben viel für die Erziehung des flämischen Proletariats getan. Aber die wirtschaftliche Aschenbrüdelstellung der flämischen Provinzen haben sie nicht beseitigen können. Nicht nur in Brüssel, sondern auch in Antwerpen und Gent scheute man sich, das flämische Problem, besonders das Problem der Gleichberechtigung der flämi- schen Sprache, anzuschneiden. Zwar gab es im Laufe der letzten Jahre ein paar Zusammenkünfte zwischen dem Flamen Huysmans und dem Franko-Wallonen Destree. Aber die offizielle Leitung der Partei war genau so wallonenfreundlich.zentralistisch wie die Brüsseler Regierung. Während es ganz unmöglich war, daß ein Flame in der wallonischen Arbeiterbewegung je eine Rolle spielte, sind die meisten Führer der flämischen Arbeiterbewegung einge- wanderte Franko-Wallonen. Die Stellung der belgischen Arbeiterbewegung zur flämischen Frage ist schwierig. Immer wieder wird einem von liberalen und sozialistischen Flamen auseinandergesetzt, daß«ine Selbständig- machung der flämischen Hälfte innerhalb des belgischen Staates eine« Machtzuwachs des Klerikalismus aus lange Jahre hinaus flcbHeBcn. MS die englischen Torpedoboote abgefahren waren, fand man an Bord der Renate Leonhardt zwei Leichen und einen Arm. Man vermutet, daß die Leiche, zu der der Arm gehört, über Bord gefallen war. Die Lavinia ist nach Dmuidcn geschleppt worden. Die Ladung brannte noch bei der Ankunft. ES wird dagegen schwer sein, die Renate Leonhardt zu bergen. » Neutralitätsbruch? Die angegriffenen deutschen Schiffe befanden sich auf der Fahrt nach Norden: über ihr eigentliche« Ziel wird indessen nicht« mit« getcill. Jedenfalls zeigt der Geschwaderangriff, dast der Feind auf dem Posten ist, jedes ÄuSgreife» der deutschen Handelsschiffahrt in den neutralen Gewässern zu hindern. Das Bemühen, deutsche Handelsverbindungen zur See von den Niederlanden nach den slandinavischen Küsten wieder herzustellen, hat mit energischen militärischen Mastnahmen England« zu rechnen. Dast die« im gegenwärtigen Falle ohne Achtung der holländische« Neutralität ge- s chehen ist, wird von mehreren Meldungen behauptet. Aber end« gültig erwiesen scheint e« n o ch nicht. Die holländische Regierung hat hier eine besonder« jetzt llber- aus wichtige politische Angelegenheit zu ordnen. Das Haager Korrespondenzbureau berichtet, dast eine amtliche Untersuchung ein- geleitet wurde. Das„Allgemeen Handelsblad' schreibt in einem Artikel: ES braucht nicht er st bewiesen zu werden, dast der An- griff innerhalb unserer HoheitSgewässer geschah. Die beschossenen Schiffe lugen einen halben Kilometer vom Strand entfernt, und die neutrale Zone ist mehr als zehnmal so breit. Die Kriegshandlung der englischen Schiffe war also eine ernste»nd so flagrante Verletzung unserer Neutralität, wie möglich, die um so ärger ist, als man trotz der damit verbundenen Gefahr für die Bcvölle- rung und trotz der Tatsache, dast die Beschiestung auf unser Land, unsere Häuser und Bauernhöfe gerichtet war, nicht davor zurück- Ichreckte. Ein Augenzeuge des Angriff« nördlich von Bergen, der Direktor des Hotels Nassau in Bergen, erklärte nach dem ,A. H.', dast sich die englischen Kriegsschiffe zweifellos innerhalb der niederländischen HoheitSgewäffer befanden. Um ungefähr S Uhr verschwanden alle brili'chen Torpedojäger, nachdem die zuerst nach Norden abgedampften wieder zurückgekehrt waren, gemeinsam in südwestlicher Richtung und bald darauf erschienen ein holländischer Kreuzer und zwei holländische Torpedoboote. In der Umgebung von Bergen find mehrere eng- Iiiche Granaten niedergefallen, ohne daß jemand getroffen worden wäre. Ein anderes Amsterdamer Telegramm sagt: Die Granaten der englischen Kriegsschiffe sind wiederholt auf niederländisches Ge- biet gefallen, unter anderem auch auf das deutsche Jnter- iiterungSlager in Bergen. Diesen Behauptungen über Verletzung der niederländischen Neu» tralltät steht folgende amtliche Meldung entgegen: Dmuiden, 16. Juli. Amtlich verlautet: E» steht»och gar nicht fest, daß der Angriff bez«. die Verfolgung innerhalb der niederländischen HohcitSgewässcr stattgefunden haben. Augen- zeuge» wollen wissen, daß es mindestens vier Mcilca entfernt von der Küste geschah. Eine Untersuchung ist von der Marinebehörde in Nir»xvcdirp eingeleitet worden. Minifterwechfel in Nußlanö. Petersburg, lS Juli. Reutermeldung. Der Finanzminister S ch> n g a r e iv. der UiiterrichtSminister M a n u i I o w und der Minister sür öffentliche Unterstützungen Fürst S ch a ch o w« s k och sind zurückgetreten. Prokopowitsch wurde zum Minister sür Handel und Industrie und T s ch a r n o w s l i zum Unterrichts- niinister ernannt. Dsr�rtiUeriekampfinZlanAernunüimflrtois Berlin, 17. Juli. fW. T. B.? Auch am 16. Juli nahm der er- bittert« Artilleriekompf in Flandern feinen Fortgang. Das eng- tische Artillerie- und Minenfeuer richtete sich tu den Abendstunden besonders heftig auf unsere Stellungen im Räume von Lille. Wie an den Vortagen blieb auch die Fliegertätigkeit austerordentlich rege. Die tagsüber im allgemeinen mätztge Artillertctättgkeit im A r t o i S steigerte sich im Laufe der Nacht gegen unsere Stellungen in der Gegend Aubers, sowie südlich deS La-Bassee-Kanals, östlich Loa« und südöstlich Lens. Schweres Feuer lag in den Morgenstunden oes 17. Juli auf unseren Stellungen östlich Monchy. Eine am 16. Juli, halb ö Uhr morgens, westlich Hulluch unter dem Schutze von Nedelgeschoffen in unseren Graben eingedrungene Patrouille bedeute. Darüber zu urteilen, ist nicht unsere Sache. Fest steht nur. dast die flämische Bewegung durch diesen Krieg einen ge- waltigen Anstost bekommen hat. Die Bildung de«„RateS von Flandern", die Ncugründung der flämischen Universität in Gent, die rührige Agitation des„Vlaamschen Landc-Bond" sind bekannt. Aber auch in der belgischen Arbeiterbewegung ist daS Selbstbewustt- sein der Flamen durch diesen Krieg mächtig gestiegen. Während daS Brüsseler Parleiblatt„Le Peuple" im Frieden französisch er- schien sobwohl das Brüsseler Proletariat fast rein flämisch ist), kommt es in Paris zlvcisprachig heraus. Dasselbe ist der Fall mit HuysmonS im Haag erscheinenden..De belgisch Socialist", Vander- velde, der bisher trotz seines Namens der flamischen Bewegung kühl gegenüberstand, hat ebenso wie sein Ministerkollege Broque. ville eine plötzliche Schwenkung zugunsten der Flamen gemacht. Aber auch im besetzten Gebiet rühren sich die flämischen So- zialisten. Da sowohl in Antwerpen wie in Gent(von Brüssel zu schweigen) die offizielle Parteileitung in passiver Resistenz verharrt, hat sich der flämisch-aktivistische Teil der Partei auf eigene Per- antwortung in die Agitation begeben. In zwei Zeitungen, in Gent »nd Antwerpen, tritt er für die Forderung eines selbständigen Flanderns als Grundlage einer Höherenwicklung des flämisch sprechenden Proletariats auf. Gegenüber den Mahnungen, dast Belgien gerade jetzt vor allem Einigkeit nötig habe, weist er darauf hin, dast die belgischen Zentralisten gerade jetzt alles tun, um die endgültige Französierung Belgiens zu erreichen und damit das niedrige Niveau der flämischen Arbeiterschaft zu verewigen. Hand in Hand mit dieser aktivistisch. flämischen Agitation geht eine Pro- paganda gegen den chauvinistischen belgischen Sozialismus Van- derveldes— für einen sofortigen Frieden. Aus diesen Kreisen stammt auch die Idee, einen Vertreter des flämischen Sozialismus nach Stockholm zu senden. Wie ich auf einer Reise durch Flandern cm Ort und Stelle fand, steht diese Bewegung noch im Anfangsstadium. Auch steckt viel Jugendlichkeil und Unklarheit in ihr wie in allen nationalen Bewegungen. Heute scheut sich noch mancher, ihr beizutreten, aus Furcht, Verräter gescholten zu werden. Es ist aber wohl möglich, dast die Bewegung nach dem Kriege größer wird. Die flämischen Arbeiter bilden den größten Teil de» belgischen Heeres, das jetzt drei Jahre an der User kämpft. Wenn sie heimkehren, werden sie :br Recht, verlangen— lauter als vor dem Kriege. Möge die Zu- •fünft auch diesem unglückseligen und geknechteten Volke, um das sich kein Ententeprogramm und leine Stockholmer Konferenz bisher •lekümmert hat, Freiheit und Wohlstand bringen. Dr. Adolf Köstex. Kriegsberichterstatter. würbe sin Handgranasenkampfe unter Verkufisn geworfen. Eine unserer Patrouillen drang an der Bahn La Bassee— Grenay in die feindlichen Stellungen ein und machten einen Posten nieder.' Unsere Batterien beschossen mit erkennbarem Erfolge Munitions- und Truppenlager südlich Blangy. Im Räume v.-.i St. Ouentin herrschte in der Nacht vom 16. zum 17. Juli lebhafte beiderseitige Patrouillen- tätigkeit in der Gegend von Honnecourt, Eargicourt und Jtancourt. Der gemeldete Vorstoh eines hannoverschen Stoßtrupps an der Straße L a o n— So i s so n s wurde m'; außerordentlicher Kühnheit durchgeführt. Die feindlichen Stellungen wurden in 600 Meter Breite bis zu 200 Meter Tiefe aufgerollt, worauf der Stoßtrupp befehlsgemäß wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrte. Nach den gemeldeten Kämpfen an der Aisnefront flaute das Feuer kurz nach 1 Uhr in der Nacht ab. Nur zwischen Winterberg und der Straße Corbeny-Reims lebte eS vorübergehend auf. Die schweren französischen Verluste an der AiSne verwandeln da» Plateau des Chemin-des-DamcS mehr und mehr in einen Friedhof der französi- schen Armee. Bm Höchberg und am pöhlberg. Französischer Heeresbericht vom 16. Juli, nachmittags. Zwischen isomme und AiSne machten die Feinde eine Reihe von starken Handstreichen, denen Gefchiitzfeuer voran- gegangen war. Drei Angriffe südöstlich von St. Ouentin und westlich von Allemant scheiterten in unserem Feuer. Südlich von Eorbenh griffen mehrere Angriffsabteilungen unsere kleinen Posten an, nach sehr lebhaftem Kampf wurde der Feind vollständig abgewiesen. Wir unsererfeits machten einige Fortschritte südlich von A i l l e s und machten Gefangene. In der Champagne setzten die Deutschen nach sehr heftiger Beschießung in der Gegend de? Hochberges und des TetonbergeS fP ö h l b e r g) starke Kräfte zum Sturm gegen die Stellungen an, welche wir am 14. Juli erobert hatten. Unsere Truppen leisteten beharrlich und entschieden Widerstand, unbezwingbar für den an Zahl stark über» legenen Feind. Am Pöhlberge blieben feindliche An- slrengungen ohne Erfolg; die Angreifer, welche sehr schwere Ver- luste erlitten, erreichten unsere Linien nicht. Am Hochberge ent- wickelte sich ein erbitterter Kampf; er dauerte die ganze Nacht hin- durch. Der Feind, dem es zuerst geglückt war. einen großen Teil des eroberten Geländes zurückzugewinnen, wurde durch glänzende Gegenangriffe unserer Truppen zurückgeschlagen. Bis zu dieser Stunde blieben lediglich einige Grabenstücke in seinen Händen. Vom 16. Juli abends. Mittlere Artillerietätigkeit nördlich von Braye-en-Laonnoi« und bei H u r t e b i s e. ziemlich heftige westlich von ReimS. In der C h a m p a a n« endete der in der Nacht am Hochberge begonnene Kampf mit einem voll- ständigen Mißerfolge der Deutschen, die trotz ihrer Anstrengungen das von uns am 14. eroberte Gelände nicht wiedernehmen konnten. — Nack neuen Meldungen waren die Angriffe in der letzten Nacht sehr heftig und sehr verlustreich für den Feind. Von den vom Gegner gegen unsere Stellungen vorgetriebenen Sturmwellen wurden zwei in unserem Feuer niedergemäht. Rur der dritten ge- lang es, in unsere Linien einzudringen. Nach erbittertem Kampfe. der bis Tagesanbruch dauerte, vernichteten unsere Truppen die eindlichcn Abteilungen und setzten sich wieder in Besitz aller kindlichen Gewinne. ReimS erhielt dreizehnhundert Granaten; zwei Greis« lyurden getötet. Der Artilleriekampf hält in der ganzen Gegend sehr lebhaft an. Beiderseitige Artillerietätigkeit auf dem linken MaaSufer. Der Krieg auf den Meeren. Berlin, IS. Juli. I« Atlantische» Ozean wurde durch unsere U-Boote«iederu« eine Anzahl Dampfer«nd Segler vernichtet. Darunter befanden sich die bewaffnete» englischen Dampfer Thirlbq«2609 Tonnen), mit Erzlabong, und Matador <3400 Tonnen) mit Stückgut«ach England, sowie der englische Segler Lady of th« Lake. Eine« der»rrsrnkte« Schiffe hatte Mai» für England gelade». Der Chef de« Admiralstate« der Marine. » Kristiania, 17. Juli. Laut.GeefahrtStidendt' betrug der letzte W o ch e n v e r l u st der norwegischen Handelsflotte seit dem 1V. Juli 10 Schiff« von zusammen 18 094 Tonnen. Damit ist der Gesamtverlust seit Kriegsbeginn auf 59J» Schiffe von zusammen 85b 385 Tonnen gestiegen. vom Untergang des Suffren. Bern, 17. Juli. Der Pariser Presse zufolge geht au! dem amtlichen Bericht über den Untergang de« Linienschiff« Suffren an da« Zivilgericht in Brest hervor, daß die Suffren am 26. November 1916 morgens zwischen 8 und 9 Uhr 60 Meilen östlich der Berling« inseln(Portugal) von einem unter Wasser befindlichen U-Boot versenkt wurde. Der Torpedo traf wahrscheinlich die Munitionskammer und rief sofort eine fürchterliche Ex» p l o l i o n hervor. Von dem Schiff blieben nur einige Trümmer Übrig. 648 Offiziere nnd Matrosen, darunter der gesamte Stab, verschwanden. Tirpitz gegen das Zriedensprogramm. Wie.der„Deutsche Kurier" meldet, hat Großadmiral v. Tirpitz an den Führer der nationalliberalen Partei, Reichs- tagKabgeordneten Bassermann, das folgende Telegramm ge- richtet: �Zu meiner Freude ersehe ich aus den Zeitungen, daß die nationalliberale Partei, getreu ihren Traditionen, die Friedens- resolution ablehnt, die nach innen und außen Verderb- l i ch und taktisch selbst dann verfehlt ist, wenn wir einen ent schädigungslosen Frieden erstrben müßten; gerade dann müßten wir umgekehrt verfahren. Wir brauchen einen solchen Frieden aber durchaus nicht zu erstreben und dürfen es nicht, sondern müssen uns zu der Zuversicht halten, die in den Aeutzerungen deS Feldmarschalls von Hindenburg zum Ausdruck gelangt cht. Weder vorübergehende Verschärfungen der Ernährungssorgen noch Sorgen für später in dieser Be- ziehung dürfen uns jetzt veranlassen, die Nerven zu verlieren und nach einem Frieden zu greifen, der unsere Zukunft und ganz besonders die unserer Arbeiterschaft gefährdet. Denn die unbe- irrt« zähe Fortführung des U-Bootkrieges wird uns zwar nicht heute oder morgen, aber sicher und rechtzeitig den Erfolg bringen. Im Andenken an unsere langjährige gemeinsame Arbeit für die dem deutschen Volke durch seinen Kaiser gewiesenen Ziele richte ich an Sie. verehrter Herr Bassermann, den Appell, alles aufzubieten, um die Resolution zu verhindern. Die Resolution ist inzwischen eingebracht worden, sie entspricht den Auffassungen der Reichstagsmehrheit wie der Mehrheit des deutschen Volkes. Die schlaue Hänölcrtaktik des Großadmirals:„Wenn man den entschädigungölosen Frieden will, darf man eS nicht sagen," ist also nicht mehr an- wendbar. Der Reichstag muß jetzt eine Politik der Offenheit treiben und er w i r d sie treiben! Kein Friedensangebot, aber zum Wieden bereit. Auf dem 22. Rheinischen Handwerkertage in Bonn hielt der Reichstagsabgeordnete Fatzbender(Zentrum) eine Rede, worin er alle Nachrichten, daß Erzberger ohne Fühlung mit der Fraktion gehandelt habe, als f a l j ch erklärte. Seine Rede habe sich von den Resien anderer Mgeörkineken mir dadurch mrkerschkeden, dast ffs gut begründet gewesen sei. DaS von ihm vorgebrachte Materialsei so schlagend gewesen, datzDr. Helffe» rich und v. Capelle am nach st en Tage noch keine Er- widecung gefunden hätten. Erst durch die Sensations- Meldungen in der Presse und die daran geknüpften„blödsinnigen Erörterungen" sei das Unheil angerichtet worden. Die Forderungen der Scharfmacher und der Alldeutschen hätten nur die Krieg«- tüchtigkeit der Gegner gestärkt. Jetzt sei es notwendig, überhaupt einmal in Friedensverhandlungen einzutreten. Erzberger habe mit seiner Rede nichts anderes gewollt. Di« Friedensentschlietzung solle kein Friedensangebot sein und kein Zeichen der Schwäche, sondern der Reichstag solle seine Bereitwilligkeit ausdrücken, in Berständi- gungSverhandlungen einzutreten. Eisele oben auf! Gott sei Dank! Der Berliner Vertreter der„Köln. Volksztg.", Dr. Eisele, schrieb am 11. Juli:„Die Reformen müssen jetzt kommen; die Wünsche des Parlaments müssen rasch erfüllt werden." Der wackere Kämpe, der, wie kein zweiter in der deutschen Jen- trumSprcsse, das alldeutsche Pappschwert geschwungen hatte, stand dermaßen unter dem Eindruck des Erzbergerschen Vorstoßes, daß er all seine außen» und innerpolitischen Formeln vergaß und die Oster» botschaft des Kaisers für längst überholt erklärte. Aber nach und nach kam der gute Alte wieder zu sich; nach drei Tagen hatte er sich soweit erholt, daß er wieder in der„Köln. Volksztg." Straßburg vom Himmel holen konnte. „In der letzten Zeit Bethmann HollwegS war die Zerfahrenheit in der Regierung und in den Parteien grenzenlos. DaS Vertrauen zur Regierung war gleich Null geworden. Der neue Reichs- kanzler wird in engstem Zusammenarbeiten mit den Parteien diese« Vertrauen für die innere Politik wiedergewinnen müssen. In enger Zusammenarbeit mit Hindenburg und Ludendorff wird er als Mann de» starken Willens der drohenden Schwierigkeiten und de» gewaltig sich recken- den Radikal iSmuS Herr werden müssen. Viel mon- archisches Kapital ist auf Kosten der Krone in den letzten Monaten verwirtschaftet worden. Michaelis' hervorragendste Aufgabe als erster Diener der Krone wird es sein, den Gedanken der Monarchie im deutschen Volke zu vertiefen." Hindenburg und Lndendorff. die wahrlich mit dem äußer« Feinde ausreichend zu tun haben, sollen den„gewaltig sich reckenden Radikalismus" an die Wand drücken. Ein schlechte« Vergnügen! ES bringt viel Aerger und wenig Ehre. Ohne Kredit. Nach den Berliner Abendblättern hat Staatssekretär Dr. Helffe. rich die meiste Aussicht, Nachfolger des Staatssekretärs des Aus- wältigen Amts Dr. Zimmermann zu werden. Hierzu bemerkt das „Berl. Tagebl." boshaft:„Herr Dr. Helfferich scheint ein Rund» reisebillett für eine Wanderung durch die sämtlichen Reichsämter genommen zu haben.. Kenntnisse, Arbeitskraft, schnelle FassungS- gäbe und andere Fähigkeiten find ihm in hohem Maße eigen, aber mit Recht wird geltend gemacht, daß die Art, wie er dem Reichstage gegenübertcat, gerade diplomatische Gewandtheit gänzlich vermissen ließ. Er hat, so sehr man seine guten Eigenschaften anerkennt, im Reichstag sehr wenig Sympathien erworben, seine Ernennung zum Staatssekretär de« Auswärtigen Amts würde also die Situation der Regierung nicht stärken, sondern nur schwächen, und jene Seiten seines Wesens, die ihn verhindern, einen anderen zn überzeugen oder zu gewinnen, würden für die auswärtige Politik kaum förder- -tich sein... Dr. Helfferich war lange genug Kaufmann, mn selbst zu wissen, daß ein Mann seines Schlages, der so schnell ein großes Vermögen vertan und so vollständig in der öffentliche« Meinung abgewirt» schaftet hat. in der„Branche" nie. Glück habe» wich. Kleine Kriegsnachrichten. Die Ententcspionage in Schweden..Dogens Nyheter' ver« öffentlichen neue Einzelheiten über die von der schwedischen Polizei entdeckte Handelsspionage der Entente. Danach betrieben die Spione>hr Handwerk hauptsächlich in Lulea und Gefle und schickten von dort ihre Berichte, in Zeitungen versteckt, über die Bewegungen deutscher Schiffe an den Marine-Atiachö einer Ententegesandtschast in Stockholm. Außer zwei Marine-Attachö« ist auch ein LegationS- rat an einer dritten Entcntcgesandtschaft bloßgestellt. Steuerliche Zöpfe. Lyoner Blätter melden: Die französische Kammer begann gestern die Erörterung der neuen fiskalischen Matz- nahmen, die noch vor den Kammerferien angenommen oder erledigt werden sollen. Als erstes Gesetz wurde der Antrag angenommen. wonach die Patentsteuer, die persönliche Militärsteuer sowie die Türen- und Fenster st euer ab 1. Januar 1918 abge- schafft werden sollen.— Damit ist eine der ärgsten Rückständig- leiten des französischen Steuersystems aus der Welt geschafft. Die Tür- und Fenstersteuer traf die Hauseigentümer nach Zahl der Fenster und Türen, war also an �anz äußerliche Merkmale gekettet und im wahrsten Sinne eine Steuer auf Licht und Luft. Der englische König hat in der Sitzung des Privy Council für sich und seine Familie den Namen Windsor angenommen. Es galt, die Eriiinecung an die welfische. also deutsche Herkunst der englischen Königsfamilie zu beseitigen. Lette Nachrichten. Tie cnstriippte„Weser.Zcitung". Bremen, 17. Juli. Die„Weser-Zeitung" veröffentlicht in ihrer morgigen Ausgabe folgende Erklärung: In Anlaß verschiedener an uns gelangter Anfragen bzw. Aeutze- rungen, geben wir kurz nachstehende Erklärung: Aus hiesigen Hau- deltkreisen trat man an den Verlag unserer Zeitung heran, um sie in größerem Stile auszubauen, und zwar im Interesse des Handel«. der Schiffahrt, des Gewerbes und der Industrie Bremens. Unser Verlag stand dieser Absicht freundlich gegenüber und gab die ge- wünschte Offerte ab, da bisher immer deutlich zum Ausdruck ge- kommen war, daß nur eine Zeitung erworben und ausgebaut werden sollte. Aus späteren Rundschreiben und tatsächlichen Ver- hältnisscn ergaben sich aber in uns nicht verständlicher Weise, daß von den Herren, mit denen unser Verlag in Verbindung getreten war, andere Absichten verfolgt wurden und ausgeführt sind. AuS diesem• Grunde sah sich unser Verlag veranlaßt, seine Offert« zurückzuziehen und die Erklärung anzufechten. Das Weitere mag entweder eine gütliche Ordnung oder der Prozeßweg entscheiden. Bremen, am 17. Juli 1917. Verlag und Redaktion der„Weser-Zeitung", Gestrandet. Kristiania, 17. Juli. Die norwegische Amerikalinie teilt mit: Der Dampfer Kristianiafjord von New Dort nach Nor- wegen unterwegs, ist Sonntag bei Capracc, Neufundland, in dich- tem Nebel auf Grund gestoßen. Alle Paffagiere sind � glücklich gelandet, sie verbleiben in St. Johns oder Halifar, bis die Heimsendung mit einem anderen Schiff möglich ist. Ein Bergungs- dampfer ging zur Strandungsstelle ab, G-MeckschchsbewWng. verlin und Umgegend. Vom Groft-Berliner Arbeitsnachweis. Nach der amtlichen Statistik war in der ersten Juli-Wocbe die Nachfrage nach Erd- und Bauarbeitern, nach Arbeitern für Eisen- und Kohlenplächen stärker als das Angebot. Der Rückgang des Be- standes an gelernten Facharbeitern machte sich weiter fühlbar. In der Metallindustrie waren Metalldreher, Gießereiarbeiter und Eiscnformer und in der Papierindustrie Buchbinder, Buch- binderinnen, Liniiercr und Tütenkleber besonders knapp. Der Mangel an gelernten Arbeitern der Lederindustrie hat keine Ver- änderung erfahren. Sattler. Gerber und Zurichter waren ganz be- sondes knapp. Einfache Tischler und Maschinenarbeiter waren wiederum in beschränktem Umfang vertreten. In der Nahrungs- nnttelindustrie ist bei den Bäckern das Angebot an Kräften gegen- über der Nachfrage etwas gestiegen, was auf Nohstoffschwierigkeiten zurückzuführen sein dürfte. Schneider oder Zuschneider waren auf dem Arbeitsmarkt so gut wie gar nicht zu haben. Maurer und Zimmerer wurden weniger verlangt, dagegen in bedeutender An- zrchl nacki der Provinz, wohin jedoch hiesige Arbeitskräfte nur schwer �u vermitteln sind. Im Handelsgewerbe kamen auf durchschnittlich ze. zwei offene Kontoristenstellen ein Bewerber und auf fünf offene Lageristen- bzw. drei Verkäufcrinnenstcllen ein Bewerber. Im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe deckten sich in der Berichtswoche An- gebot und Nachfrage. Kräftige Transportarbeiter fehlten. Bei den OandelshilfSarbcitcrn machte sich ein starker Mangel an geübten Packern und jugendlichen Arbeitern bemerkbar. Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt war daS Angebot von Arbeits- kräften geringer als in der Vorwoche, das Verhältnis von besetzten Stellen und Arbeitsuchenden war ein befriedigendes- In der Leder- industric waren Nachfrage und Angebot wegen Materialmangels nur mäßig. Ganz besonderer Mangel herrschte in der Bccichtswoche an Anlegerinnen, Ticgeldruckerinnen und Bogenfängerinnen. Näherei und Haushalt hielten sich ungefähr auf der alten Höhe. Im Rcrnigungsgewecbe blieb wegen nicht entsprechender Entlohnung und langer Arbeitszeit eine erhebliche Anzahl der offenen Stelle? unbesetzt. Die öffentlichen Arbeitsnachweise in Groß-Berlin vermittelten in der Berichtswoche vom 1. bis 7. Juli(die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Vorwoche) 1657(2112) männliche und 3456 (30S2) weibliche Arbeitskräfte, während 3391(3521) offene Stellen für männliche und 5772(5855) offene Stellen für weibliche gemeldet wurden. Die Zahl der Stellensuchendcn belief sich auf 2123(2223) männliche und 3581(3535) weibliche Arbeitskräfte. Tarifbewegung der Uniformstickerinnen. In einer stark besuchten Versammlung, in der alle einschlägigen Betriebe vertreten waren, referierte Gruhl vom Textilarbeiter- vorband. Er ging im einzelnen die Lohnfragen und Lohnpositionen d>rrch. Wie der Redner unter anderem mitteilte, soll im Einver- ständniS mit den Firmen mit 5(>-Pf.-Stundenlohn kalkuliert wer- den, während bisher mit 25 bis 32 Pf. kalkuliert wurde. Dem- gemäß ist auf diese nunmehrige 59-Pf.-KaIkulation für die Gold-- und Silberstickereien eine Lohnforderung eingereicht worden. Die Marinestickereien(Wolle und Seide) sollen ebenso kalkuliert und eine demcntsprechende Forderung eingereicht werden. Für Feldgrau- Stickereien wollen die Firmen Lohnabzüge machen. Feldgmi ist aber zurzeit die gangbarste Stickerei und der beabsichtigte Abzug würde jetzt für die Stickerinnen einen Verlust von 39 Proz. Lohn bedeuten. Die Firmen wollen übrigens die Lohnbewegimg benutzen, um eine Erhöhung ihrer Preise vorzunehmen. VerbanÄstag des„Verbandes der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands". De? zehnte ordentliche Verbandstag des Ver- bandes der freien Gast- und Schankwirte tagt zurzeit in Berlin. Am Montagnacbmittag fand die Eröffnung statt. Der Verbandsvorsitzende P a u l L i t f i n wies in seiner Eröffnungsrede auf die schwierige Lage des Gastwirtsgewcrbes hin, das durch den Krieg und die zahlreichen, gerade auch das Gastwirtsgewcrbe be- treffenden Kriegsmaßnahmen und Kriegsverordnungen in eine ganz besondere Notlage geraten fei. Tausende von Gastwirten seien dem wirtschaftlichen Untergange preisgegeben. Da gelte es, neue Mittel zu ersinnen, um die Notlage zu heben und durch gemeinsames Vor- gehen aller Wirteorganisationen die schweren Schäden abzuwenden. Am Dienstag früh begannen die eigentlichen Vcrhandlimgen. Der Hauptkassierer G i c n k e erstattete den Kassenbcrich. Er gab eine Ucbersickit über die Gestaltung der Kassenverhältnisse in den drei Jahren, die seit dem letzten Verbandstag verflossen sind. Selbst- verständlich ist der lange Krieg auch an den Kassenverhältnissen nicht spurlos vorübergegangen. Während noch bis zum 1. April 1915, trotz bereits verflossener acht Kricgsmonate, die Erzielung von Ueberschüssen anhielt, war in der Zeit vom 1. April 1915 bis zum 1. April lt)I7 eine Mindereinnahme von 39 341 M. zu verzeichnen, die sich also auf zwei Jahre verteilt. Es verblieb aber am 1. April 1917 immer noch ein K a s s e n b e st a n d von 179 795 M.— Erhebliche Summen wurden für Sterbeunterstützung aufgewendet, nämlich im Jahre 1914/15 33 275 M., im Jahre 1315/16 52 932 M. und im Jahre 1916/17 47 752 M.— Jedenfalls sei, bemerkte Gienke zusammenfassend, mit Freude festzustellen, daß der Verband bisher alle Gefahren überstanden hat und in der Beziehung unter allen Gajfcoirteverbänden und-vereinen an er st er Stelle steht.— Eilt schließlich der zum Heere eingezogenen Mitglieder waren 9361 Mitglieder am 31. März 1917 vorhanden. Der Verbandsvorsitzende Paul L i t f i n erstattete dann den Geschäftsbericht. Auch er betonte, daß der Verband im Verhältnis zu anderen GastwictSorganisationen noch ausgezeichnet dastehe. Es müsse aber Vorsorge für die Zukunft getroffen werden. Deshalb habe der Hauptvorstand den Antrag gestellt, den Beschluß des Nürn- berger Verbandstages aufzuheben, wonach zum Heeresdienst ein- gezogene Mitglieder ohne weiteres von Beiträgen befreit sind. Bei Fassung jenes Beschlusses habe man nicht wissen können, daß der Krieg so lange dauern werde. An Stelle der bedingungslosen Be- freiung vom Beitrag sieht der Antrag des Hauptvorstandes vor, daß unter gewissen Bedingungen die Freilassung vom Beitrag erfolgen kann.— Der Hauptvorstand hat während der letzten drei Jahre viel Arbeit gehabt. Jede einzelne Kriegsverordnung hat vielerlei Schritte und' Arbeit notwendig gemacht. Der Vorstand hat versucht, auf die Kriegsgesetzgebung Einfluß zu gewinnen. Von Regierungs- feite wurde auf die Vielgestaltigkeit der Wünsche hingewiesen und gesagt, man solle dafür sorgen, daß auch in Gastwirtskreisen ein einheitlicher Wille zum Ausdruck komme.— Der Vorstand beteiligte sich lebhaft an den Schritten zur Schaffung eines Zentralverbandcs der Gastwirtsvereinigungen Deutschlands. Abgesehen vom Deutschen Gastwirteverband, der nicht mitmachen will, sind alle Gastwirts- organifationen für einen Anschluß an eine solche Zentralstelle. Die Bildung des Zentralverbandcs wird erfolgen, eventuell ohne den „Deutschen Gastwirtsverband", falls dieser auf seiner nächsten Tagung den Anschluß wieder ablehnt.— Auch in der Frage der Bierversorgung hat der Vorstand das Möglichste getan, das Jnter- esse der Kollegen zu wahren. Namens der Kontrollkommission berichtete dann Schulz. Hamburg. An die Berichte schloß sich eine lebhafte und eingehende Dis- kussion, in der die Tätigkeit des Vorstandes, die in den letzten drei Jahren im Interesse des Verbandes entfaltet worden ist, allgemein «merkannt wurde. parteinachrichten. Aus den Orgauisationeu. Der sozialdemokratische Verein für den 7. schleswi g-.holsteinischen Reichstagswahlkreis Kiel-Nrumünster-RendSburg hielt Sonn- tag seine Generalversammlung ab. Wie der Kreisvorstand in seinem Bericht mitteilte, ist die Mitgliederzahl um rund 1999 zurückgegangen. Sie betrug am 1. Juli 1917 13 437(19 259 männ- liche und 3 173 weibliche) gegen 14 491(11 961 männliche und 3439 weibliche) am 1. Juli 1916. In der Mitglrederzahl sind die 5957 Genossen enthalten, die zurzeit Heeresdienst leisten. Die General- Versammlung beschäftigte sich u. a. auch sehr eingehend mit der Frage der Agitation, wobei geklagt wnrde, daß sich die Genossen in einigen Großbetrieben zu sehr durch die terroristische Agitation der„Unabhängigen" hatten einschüchtern lassen. Auf dem Partei- tag in Würzburg soll die Kreisorganisation durch vier Delegierte vertreten werden.— Ueber die Stellung der Partei zur Frieoens- frage sprach Mg. Gen. Legten, wobei er besonders auf die Stockholmer Verhandlungen einging. Die Generalversammlung nahm zu dieser Angelegenheit einstimmig eine Entschließung an, in der ausgesprochen wird, daß die Versammlung die bisherige Kriegszielpolitik der Fraktion billigt und den Friedenszielen des Parteiausschusses sowie dem Memorandum der deutschen Delegation in Stockholm zustimmt. Gleichzeitig spricht die Versammlung die bestimmte Erwartung aus, daß die Fraktion auch fernerhin es nicht an energischem Vorgehen mangeln läßt, um die Teilnahme des Volkes an der inneren und äußeren Reichspolitik, sowie an der Verwaltung in Reich, Sdaat und Gemeinde auf wirklich demokra- ti scher Grundlage sicherzustellen. Da zur Durchführung dieser wichtigen Forderungen einmütiges und geschlossenes Handeln der gesamten politisch geschulten Arbeiterklasse unbedingt erforderlich ist, verurteilt die Versammlung aufs schärfste alle Bestrebungen, die geeignet sind, diese Geschlossenheit zn hemmen oder zu durch- kreuzen. Die Generalversammlung billigte auch den Beschluß des Reichstags, die Zahl der Abgeordneten zu erhöhen, und erwartet, daß der Kieler Wahlkreis, der in der Reihe der großen Wahlkreise der 17. ist, berücksichtigt wird. Der Kreistag de? Wahlkreises Naumburg-Wcihenfels-Zcitz be- schloß am 15. Juli mit 39 gegen 12 Stimmen, sich mit allen Kassen- beständen, Inventar und Fonds, sowie dem„Volksboten" der lln- abhängigen Soz. Partei Deutschlands anzuschließen. Zuvor war die sofortige Anstellung eines Parteisekretärs beschlosien worden, um so schnell wie möglich allen herantretenden Aufgaben gewappnet zu sein. Die Finanzen des Kreises ließen dieses auch zu. Als Sekretär wurde trotz Protestes eines zu den Unabhängigen ge- hörenden Genossen, welcher das Vorgeben nicht demokratisch be- zeichnete, ohne jede Ausschreibung der im Kreis bekannte, bisher als Parteisekretär in Bochum tätige Unabhängige Joseph Windau gewäblt. Die Vertreter der alten Partei traten sofort zusammen. um zu den Parteifragen Stellung zu nehmen. Der Neuaufbau der Organisation wird erfolgen. Der Verein konnte noch über 1814 Mitglieder, darunter 761 weibliche berichten. Das Vermögen beträgt 17 274 Mark. » Genosse Schneider- Hannover schreibt uns: Im„Vorwärts" vom 15. Juli wird an die Mitteilung, daß ich im 14. Hann. Wahlkreis über den Parteitag referiert habe, der Satz geknüpft:„Der Referent glaubte, dem Parteitag die Aufgabe zuweisen zu müssen, sich weitläufig mit den Unabhängigen auseinanderzusetzen." Tat- sächlich habe ich dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der Parteitag den beklagenswerten Bruderstreit nicht verschärfen, sondern praktische Arbeit leisten möge, die am besten geeignet sei, die Partei wieder zusammenzuführen. Das ist genau das Gegenteil von dem. was mir unterstellt wird._ Die Nürnberger Parteigenossen und der Parteitag. Die Genossen des Wahlkreises Nürnberg-Altdorf nahmen in sieben Versammlungen zum Würzburger Parteitag Stellung. In allen Versammlungen kam zum Ausdruck, daß hie praktische Arbeit für die Zukunft den Parteitag vor allem beschästigen müsse. Wohl werde man nicht umhin können, vom Parteistreit zu reden, aber man solle diese Erörterungen auf das Notwendigste einschränken. Von den Genossen aller Schattierungen wurde einhellig der Winisch aus- gedrückt, daß die Spaltung der Partei keine dauernde Erscheinung bleibe und daß vom Parteitag der Wille ausgehe, wieder zur Einigung zu kommen. Zur politischen Lage fand in allen Versamm- lungen die nachstehende Resolution einstimmige Annahme: „Die am 13. Juli 1917 tagenden Versammlungen der Sozial- demokratischen Partei des Wahlkreises Nürnberg-Alidorf billigen die EntschiedeNheit des Vorgehens der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion, sie erwarten ein tatkräftiges Fortschreiten auf dem ein- geschlagenen Wege bis zur Durchsetzung des parlamentarischen Systems im Reich und in den Einzelstaatcn. Die Versammlungen erwarten von der sozialdemokratischen Fraktion, daß sie auch weiter folgerichtig und mit Festigkeit die Rechte des Volkes vertrete und für die sofsrtige Aenderung der Reichsverferssung eintrete, die allen Bundesstaaten das allgemeine, gleiche, gebeime und direkte W«hl- recht für alle Deutschen mit Einschluß der Frauen sichert. Die Ver- sammlungen halten sich überzeugt, daß die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages ihr ganzes Gewicht einsetzen werde, damit der Welt bald der allgeineine und die Völker versöhnende dauernde Friede geschaffen werde. Die Versammlungen bedauern aufs leb- hafteste, daß sich die bayerische Regierung der Demokratisierung der Einrichtungen im Reich wie in den Einzelstaaten entgegenstellt und daß sie die Lösung der schweren Krise im Sinne des Volksinteresses stört. Die Versammlungen erwarten, daß die ReichstagSfraktion jedes Mittel anwenden wird, um die Demokratisierung Deutschlands durchzusetzen und um die Hemmnisse eines baldigen Friedens zu überwinden.", Prcsterfolge. Unser schlesisches Parteiorgan in Waldenburg, die«Schlesische Bergwacht", steht in diesen schweren Tagen ebenfalls unter dem ständigen Zeichen dcs Fortschritts. Der Monat Juni brachte allein einen Monnentenzuwachs von rund 369 neuen Beziehern. Georg Schumacher gestorben. Georg Schumacher, ein alter Veteran der Sozialdemo- kratie. ist am Montagmorgen im Alter von 72 Jahren in Köln Plötz- sich gestorben. Schumachers Name ist mit der Geschichte unserer Bewegung, vor allem der in Rheinland-Westfalen, aufs engste verknüpft. Der junge Kölner schloß sich als Gerbergeselle Ende der sechziger Jahre der Sozialdemokratie an. Infolge seiner redne- tischen Begabung und seines Organisationstalents spielte er in der Arbeiterbewegung bald eine bedeutsame Rolle. In den siebziger Jahren nahm er Aufenthalt in London, wo er unter Anleitung von Karl Marx, mit dem er auch später noch in Verbindung blieb, sozialistische Studien trieb. Nach der Rückkehr von London grün- dete Schumacher 1876 in Köln die sozialdemokratische„Freie Presse", die er zwei Jahre lang leitete: dann verlegte er seinen Wohnsitz nach Solingen. Hier wählte man ihn.884, als der bisherige Abgeordnete Nittinghausen wegen des Streites um die Dampfcrsubvention sein Mandat niedergelegt hatte, in den Reickistag, dem er bi? 1898 an- gehörte. Der Solinger Parteistreit führte dann zu einer sozial- demokratischen Doppelkandidatur, und Schumacher wurde nicht wiedergewählt. Später trat er politisch nicht mehr so stark hervor. Er siedelte wieder nach Köln über, wo er literarische Studien be- trieb; ein umfassendes Wissen über die Geschichte Kölns und der Rheinlande vom frühesten Mittelalter bis in die neueste Zeit war ihm zu eigen, und er lieferte unserem Kölner Parteiblatt ständig zahlreiche Beiträge. Schumacher, der bis in die jüngste Zeit auch Vorträge in kleinerem Kreise hielt, hatte sich seine geistige Frische voll bewcchrt, lebte ganz in den Erinnerungen seiner politischen Ver- gangen Heft und Key sich trotz all« SchicksalSschläge seinen guten Humor nicht nehmen. Allgemein schätzte man den gufre'chten Mann, der länger als ein Menschenalter in der rheinischen Arheiterbewegung an führender Stelle tätig war. Industrie und Kandel. Oesterrcich Ungarn als Schuldner- und Gläubigerstaat. Das österreichische Finanzministerium veröffentlicht eine inter- essante Aufstellung, wonach der Besitz Oesterreich-Ungarns an aus- ländischen Wertpapieren Ende 1912 im ganzen einen Nominal- betrag von bloß 949 Millionen Kronen ergab, wovon 868 Mill. Kr. auf Oesterreich und 72 Mill. Kr. auf Ungarn entfielen. Davon sind 215 Mill. Kr. deutsche, 33,5 Mill. Kr. französische, 59 Mill. Kr. englische, 11 Mill. Kr. schweizerische, 71 Mill. Kr. türkische, 63 Mill. 5er. russische, 27 Mill. Kr. italienische, 179 Mill. Kr. amerikanische, 38 Mill. Kr. rumänische, 49 Mill. Kr. bulgarische und 78 Mill. Kr. japanische und chinesische Werte. Dagegen war der B e- sitz d e s A u s l a i! d e s an österreichisch-ungarischen Wertpapieren zehnmal so groß, nämlich auf 9761 Mill. Kr. zn beziffern, wovon 4736 Mill. Kr. auf das Deutsche Reich, 3199 Mill. Kr. auf Frankreich. 696,4 Mill. Kr. auf England. 387 Mill. Kr. auf.?> o l l a n d, 286,3 Mill. Kr. auf Belgien, 389 Mill. Kr. auf die Schweiz und 29 Mill. Kr. auf Italien entfallen. Ter Gesamtbesitz des feindlichen Auslandes dürfte sich Ende 1912 auf ungefähr 4121 Mill. Kr., das sind 422 Prozent des Besitzes des gesamten Auslandes belaufen haben. Im ganzen hatte die Doppel- Monarchie vor dem Kriege an» das Ausland 851 Mill. Kr. für Zinsen und Tilgungen jährlich zu bezahlen. Seiiber ist der Besitz Deutschlands an österreichisch-ungarischen Kriegsanleihen und Schatzwcchseln sebr beträchtlich gewachsen— um einige Milliarden. Damit sind die Zinsverpflichtungen Oesterreich-lllngarns an Teutschlaiid sehr gestiegen, um so mebr, da ein Teil der Zins- zahlung in deutscher Währung erfolgen muß und die Mark beute mit 1,66 Kr. gegen 1,18 im Frieden bezahlt wird. Soweit die deutschen Besitzer österreichisch-ungarischer Werte ihre Papiere im Frieden zu einem günstigeren Kronenkurfe gekauft daben, erleiden sie eine empfindliche Einbuße, die sich auch auf den Zinsertrag erstreckt, sofern die Papiere nur in österreichischer Währung zins- pflichtig sind. Die oben wiedergegebene Aufstellung umfaßt schließlich nur das ausländische Kapital, das in österreichischen Staats- oder Jndustriewerten angelegt ist, nicht aber jenes, das überhaupt in der österreichisch-ungarischen Volkswirtschaft mit- arbeitet und das noch größer ist. Wiener Börsenbausse. Die Wiener Börse war immer außerordentsich leicht, erregbar. Was sie sich aber neucstens in der Kurstreiberei von Schiffahrts- werten leistet, das übersteigt alle Begriffe. TaL Signal gab der Verkauf einiger eKerreichifcher Dampfer an das Ausland zu seilt guten Preisen. Tie Kursentwickelung vollzog sich nach dem„Ber- lincr Tageblatt" wie folgt:» Mitte April Mitte Mai Mitte Juni MitteJuli Lloyd...... 782 1018 1669 2150 Auslro Americana.. 540 980 1500 1850 Adria...... 1000 1160 1420 1850 Ravigazione Libera. 1359 1875 2279 3599 Es ist wahr, daß der Wert aller Schiffe im Krieg ungeheuer gestiegen ist und daß in der allerersten Zeit nach dem Kriege ein lohnendes Frachtengeschäft zn erwarten ist. Aber vorsichtige Urteile stimmen darin überein, daß diese Hochkonjunkiur sehr bald vor- übergehen und den Schiffahrtsgesellschaften kaum erlauben wird, die ungeheuren Kosten der Instandhaltung der Schiffe während ihrer erzwungenen Untätigkeit zu ersetzen. Infolge der an- gespannten Schiffsbaütätigkeit Kn England, den Vereinigten Staaten, Kanada und Japan ist in kurzer Zeit eine stattkichc Menge neuer Frachkräüm zu estvarien. Auf der anderen Seite wird der Ueberseehandel empfindliche Einschränkungen erfahren, weil es die Währungsverbältnisse ausschließen, daß mehr als das Allcrnotwendigste eingeführt wird. Die Syndizicrung der deutschen Eisenindustrie. Syndiziert ist nur der Verkauf der nach einheitlichen Typen ge- stalteten sogenannten.�-Produkte, wie Eisenbahnmaierial, Halbzeug und Formeisen. Nicht syndiziert waren dagegen vor dem Kriege die sogenannten U-Produkte, wie Bleche, Röhren, Stabeisen, Dradt. Im Kriege haben sich Verbände gebildet, einfache Preisverabredungen sind getroffen worden, aber die Dauer dieser neuen Konventionen ist wahrschcinsich auf den Krieg beschränkt und auf die durch ibn hervorgerufene außerordentliche Nachfrage. Um nun eine für die jetzt sehr hoch getriebenen Preise ungünstige EntWickelung nach Friedensschluß hintanzuhalten, sind fest langem Bencühungen im Gange, auch die L-Produktc zu ftindizieren. Amtliche Stellen unterstützen dieses Verlangen deswegen, weil ihnen bei Svndikatsbildung die Preisbeherrschung im Kriege leichter fällt als bei freiem Markte und weil sie sich vielleicht auch berufen fühlen, einen Preissturz nach dem Kriege zu verhindern. Vor einigen Tagen kam die Nachricht, daß sich ein Stabeisenverband gebildet habe unter der Bor- aussetzung, daß die noch ausstehenden Außenseitler sich anschließen. Ueber die Verhältnisse wird der„Kölnischen Volkszeitung" des Näheren berichtet: „Abseits stehen noch verschiedene oberschlcsische Werke, bei denen im eigenen Lager etwas nicht zu stimmen scheint, ferner mehrere reine O u a l i t ä t s w e r k e, die bei der Eigen- art ihres Betriebes bisher jeder Verbandsbildung, welche schärfere Einengung der freien Bewegnngsmöglichkeit nach sich zieb-m konnte, abhold waren. Dazu gehören die Firmen A. Borlig in Borsiawerk (O.-S.), die Westfälischen Stahlwerke. A.-G. in Bochum, die Sächsische Gußstahliabrik Döblen. die Firnren Peter Harkort u. Sohn in Wetter a. d. Ruhr, sowie Eicken u. Co. in Hagen. Diese haben, trotz wieder- Holter Aufforderung und trotz L>inweises. daß die angestrebte Ver- bandsbildung geschlossen sein müsse, es abgelehnt, den Verbands- vertrag zu unterzeichnen. Sie betonen vielmehr, daß ibr Interesse an einer solchen Vereinigung ganz untergeordnet sei, ihr Fernbleiben auch die Arbeit des Verbandes in keiner Weise erschweren würde. Die übrigen Werke nehmen dagegen den Standvunkt ein, daß bei dem Fernbleiben auch nur eines Werkes der Grundgedanke nicht erfüllt werde und deshalb die Verbandsbildunq nicht vollzogen werden könne. Deshalb ist jenen Werken eine Frist zur nachträglichen Unterzeichnung des Vertrages bis zum 15. August gegeben worden. Bis dahin schwebt also die endgültige Gründung des im Laufe vieler Jahre sagenhaft gewordenen Siabeisenverbandes noch in der Luft. Die am 15. Juli abgehaltene Versammluna der Gas- und Siederöhren-Werkc, für welche die amtlichen Stellen eben- falls eine festere Bereinigung an Stelle der bisherigen losen Verein- barungen wünschen, hat zwar die„Bereitwilligkeit" eines Teiles der Werke ergeben, anderseits aber auch entschieden ablehnende Haltung namentlich solcher Betriebe, deren Besitzer der weiteren Ausdehnung' des amtlichen Einflusses auf das Eisen- großgewerbe mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Deshalb läßt sich auch noch nicht voraussehen, ob im Röhrengewerbe ein Syndikat gebildet werden wird. " Die Walzdraht herstellenden Werke bemühen sich ebenfalls, den im Monat September 1914 aufgelösten Verband zu erneuern. Auch hier sind noch mancherlei Schwierigkeiten zu beseitigen. Ebenso ist es zweifelhaft, ob die Feinblechwerke dem Ruf nach Bildung eines Feinblechspndikats, der demnächst an sie ergehen soll. Folge leisten werden. Dagegen sind sämtliche Grobblech herstellenden Betriebe wenigstens grundsätzlich bereit, die für die Monate September und Oktober vorgesehenen Verhandlungen zu unterstützen." Perantwortl. f. Politik: Dr. fytatti Ticdkrich. Vcrlin-Friedenn«: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Td. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts BuSdruckerei u. Perlagsanftall Paul Singer(c. verlin 8W. ffrrw 1 vetlige und llntrrpolttingSkllgft, Nr. 1�4 ❖ Z4. Jahrgang Heilage ües vorwärts Mittwoch, IS. �uN 1�17 ans. Not Die Not öer Rentenlosen! Uoberall breiten sich die trüben Schatten des Krieges Not hat er überall im Gefolge. Ein Kapitel besonderer ist eS. das wir heute aufschlagen. Schon einmal haben wir es getan. In Nr. 23 des„Vorwärts" erörterten wir die UnHaltbarkeit der heute geltenden Vorschrift, daß die Heeres- Verwaltung endgültig entscheidet, ob eine Dien st be- schädigung vorliegt oder nicht. Eine einzig da- stehende Erscheinung auf dem gesamten Rechtsgebiet— fo sagten wir damals—, daß eine in Anspruch genonimene Partei endgültig über den Hauptgegcnstand des Streites, d. h. darüber entscheidet, ob sie überhaupt zur Zahlung der- pflichtet ist. Das ist sonst nirgends Rechtens. Vielfach werden Leute aus dem Heeresdienst als dienst- unbrauchbar entlassen, die gesund eingezogen waren und nun, oft völlig erwerbslos, wieder ins bürgerliche Leben hinaus- treten, ohne daß ihnen eine Versorgung zustünde. Bei ihnen wird angenommen, daß der Militärdienst keinen Einfluß auf die Entstehung oder Verschlimmerung des zur Entlassung führenden Leidens gehabt habe. Mit der Abweisung des Anspruchs dieser Personen ist endgiiltig über ihr Schicksal entschieden. Und dieses Schicksal ist vielfach ein überaus trauriges. In dem Organ des Reichsausschusses der 5Tnegs- beschädigtenfürsorge,„Die Kriegsbeschädigtenfürsorge", be- bandelt Amtsrichter Dr. Gerth die Fürsorge für diese Rentenlosen. Und er kommt zu dem Ergebnis, daß eigentlich gar keine Möglichkeit zu erschöpfender Fürsorge für sie besteht. Offenbar ist die Zahl der ohne Rente Ent- lasscnen bereits �ehr bedeutend. Im Januar dieses Jahres hatte Gerda Simons für einen Groß-Berliner Vorort die Zahl der Rentenloscn auf 32 von 100 dienstuntauglich Entlassenen berechnet. Infolge der langen Tauer des Krieges und infolge des außerordentlich großen Bedarfs an Menschenmaterial wird jetzt bei der Prüfung der Dienstfähigkeit ein weniger strenger Maßstab angelegt als in Friedenszeiten. Selbstverständlich kann im Dienst auf diese Schwächeren keine besoddere Rücksicht genonimen werden, sie müssen sich vielmehr den gleichen dienst- tiwen Anstrengungen wie die Gesunden und allen Witterungs- Unbilden unterwerfen, so daß ihre frühere Krankheit infolge des günstigeren Nährbodens leicht wieder auflebt. Wiederholt wird in ärztlichen Gutachten bei der Entlassung eines solchen Mannes, der bei der Einstellung für dienstfähig erklärt wor- den ist. der Zusammenhang der Gesundheitsstörung mit einer Dienstverrichtung oder einem Dienstunfall oder den beson- deren militärischen Verhältnissen verneint, weil das Lei- den schon vor Dien st antritt vorhanden ge- lvcsen sei. Diesen ohne Versorgung Entlassenen kann zwar im Falle dringender Bedürftigkeit vorübergehend eine Rente bis zur halben Vollrente gewährt werden. Offenbar wird jedoch von dieser Berechtigung nur in recht bescheidenem Umfange Ge- brauch gemacht. Aus dem besonderen Fonds des Kav. 84 a des Allgemeinen Pcnsionsfonds kann wieder keine Zuwen- dung erfolgen, weil diese Mittel nur als Zuschüsse z u den Versorgungsgebührnisscn zum Ausgleich von Härten gewährt werden sollen. Es bleiben nur die Mittel der allgemeinen Kriegswohlfahrtspflege, die zur Unterstützung dieser Personen verwendet werden können. Können, ganz sicher ist es auch nicht, ob die Gemeinden, die es tun, Ersatz vom Reiche erhalten. Daß so die Dinge nicht bleiben können, liegt auf der Hand. Nur der Reichstag wird eingreifen können. ES muß vorgesehen werden, daß die Mittel des oben erwähnten Kap. 84-r zur Unterstützung der Rentenlosen verwendet wer- den dürfen. Und solange verwendet werden müssen, bis in einem neu zu schaffenden Rechtswege über die Ansprüche dieser Rentenlosen entschieden ist. Der Rentenweg ist neu zu schaffen- ein Verfahren ist einzuführen, das dem auf dem Gebiete der Sozialversicherung geltenden nackßubilden wäre. Man darf damit nicht länger warten, bald muß dieses ge- schehcn. Auch die schon abgewiesenen Ansprüche müfsen m diesem Verfahren nachgeprüft werden. Weiter aber auch ist den Rentenlosen der Anspruch auf ärztliche Versorgung zu sichern. Der einfachste Weg würde sein, ihnen einen solchen Anspruch gegen die Allgemeine Orts- krankenkasse ihres Wohnorts einzuräumen. Natürlich kann der Kasse eine solche Last nicht aus eigenen Mitteln zugemutet werden. Den Kassen müßte in der Art ein Ersatzanspruch gegen das Reich zustehen, wie er in§ 1503 der Reichsvcr- sicherungsordnung vorgesehen ist. Es bandelt sich hier um eine dringliche Aufgabe— wo wären heute die zu lösenden Aufgaben nicht dringlich. Die Not der Rentcnlosen ist zu groß. Man darf sie nicht erst der Armenpflege anheimfallen lassen. Es ist ein geradezu un- erträglicher Gedanke, daß diese Personen, die dem Vaterlande ihre Kräfte gewidmet haben, der Armenverwaltung zur Lost fallen können. Bleibt es so wie es ist, ist das nach dem Kriege sogar mit Sicherheit zu erwarten. Das darf nicht sein und kann nicht sein. GroßSerlLn Der Wucher mit Biemuchonig scheint in vollem Gange zu sein, nachdem die, wie man von Bienen- züchlern selber hört, sehr ertrogreicbe Honigernle kürzlich ihren An- sang genommen hat. Wie unS geschrieben wird, kaufen Händler im Grotz-Berliner Gebiet bereits die Ernte ein und bieten dem Imker b M. für das Pfund. Da durch Verordnung vom IS. Juni 1917, um die Wiederkehr der vorjährigen Preistreibereien zu verhindern, für Bienenhonig H ö ch st p r e i> e festgesetzt wurden, die etwa die Hälfte dieies Betrage? ausmachen, so kann dieses Aufkaufen nur den Zweck haben, den Honig im Wege des Schleichhandels zu höchsten Wucherpreisen zu verschärfen. Es gibt aber auch Imkereien, die den Honigwuchcr ziemlich ungeniert betreiben. Zwei Beispiele: Aus eine Anzeige im„Berliner Lokal-Anzeiger". worin die Oberförsterei der Majoratsherrschaft Pempowo Honig anbot, ichrieb ein hiesiger Einwohner dorthin, wie hoch sich der Preis stelle, wenn er 50 Pfd., die er für sich seine Eltern und Geschwister beziehen wolle, bestelle. Die Antwort lautete: Im Besitz des gefl. Schreibens könnte ich Ihnen allerbesten-----„......—„.......... reinen Blütenhouig senden, wenn Sie mir bald ein Gefäß für! nachgesagten Eigenschaften hat. em größere« Quantum nebst dem Geldbetrag einsenden, das Psund sechs Mark. Die Nachfrage ist sehr groß und bin ich außerstande, alle Ansingen zn beantworten. Hochachtungsvoll Oberförsterei Pempowo. In einer Anzeige im„Verl. Tagebl.' bot der Imker Friedr. Laube in Schlotheim(Thür.)„naturreinen Blütenhonig" an. sfür ein Postkollo von 9 Pfd. netto verlangte er auf Anfrage unter Nachnahme 31,20 M., also nach Abzug der Unkosten etwa 5,23 M. für das Pfund. Die erwähnten Hoch st preise betragen für Seim- und Preß- Honig beim Verkauf durch den Erzeuger 1,75 M., bei allen anderen Honigarten 2,75 M.. beim Verkauf durch andere Personen, ins- besondere durch den Handel 2,50 M. und 3.59 M. für je ein Pfund, beim unmittelbaren Absatz vom Erzeuger an den Ver- braucher in Mengen bis 5 Kilogranim betragen die Höchstpreise 2 M. und 3 M. Gleichzeitig sind alle Verträge über Honig, die zu höheren Preisen bereits abgeschlosien sind, für nichtig erklärt, soweit sie nicbl schon erfüllt sind. Die Bestimmungen gelten sinngemäß auch für ausländischen Honig. Diese Preise sind ohnehin außerordentlich hoch, aber sie ge« nügen gewissen Produzenten immer noch nicht. Sie verlangen das Doppelte und noch mehr. Wir fordern unsere Leser auf, alle zu ihrer Kenntnis kommenden Höchstpreisüberschreilungen bei sämtlichen Nahrungs- und Bedarfsmitteln unverzüglich dem Kriegswucher- a m t, Berlin-Schöneberg, Apostel-Paulus-Straße 9, mitzuteilen. Wir wissen aus Grund eigener Ersahrung, daß dieS Amt sofort und rücksichtslos in allen zu seiner Kenntnis gelangenden Fällen ein- schreitet. Gegen ein Obst- und Gemüse-Ausfuhrverbot. Die Reichsstelle für Obst und Gemüie bat in Aeußerungen gegenüber der Presse den Groß-Berliner Gemeinden nahegelegt, ein Ausfuhrverbot für Ob st und Gemüse zu erlassen. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß der Berliner Magistrat von dieser Anregung keinen Gebrauch machen wird. Die Großstädte leiden auf das schwerste unter den formellen Aussuhrverboten und den tatsächlichen AuSfuhrbehinderungen der Bezirke, in denen Gemüse und Obst erzeugt wird. Ganz besonders die Reichshauptstadt ist durch solche Maßnohmen geradezu von den Erzeugergebieten ab« gesperrt. Zwar sind wiederholt strenge Erlasie gegen die Ausfuhr- Verbote ergangen, aber, wie man sieht, ohne irgend eine Beachtung zu finden. Wenn jetzt die Großstädte selbst zu derartigen Verboten übergingen, so würden sie den Erzeugcrgebieten einen Vorwand in die Hand geben, auf ihrem bisherigen Verfahren zu beharren; und diese unheilvolle Folge wird durch die kleinen Vorteile eines städtischen Ausfuhrverbots keineswegs wett gemacht. Die einzige Möglichkeit zur Besserung ruht in der wirk- samen Erfassung der Ware im Erzeugerort, in der öffentlichen Bewirtschaftung von Obst und Gemüse wenigstens in den wichtigsten Produktionsstätten. Solange dies nicht geschieht, ist die ganze Regelung ein Fehlschlag. Wie die Ver- Handlungen des Städtetages ergeben haben, leiden alle großen Städte des Deutschen Reiches in gleicher Weise an Ob st- und Gemiisemangel. Es ist crsieulich, daß die Reicks stelle die Aussicht auf eine baldige Besierung der inländischen Zufuhr eröffnet. Aber für das Spätgemüse und das Dauergemüse müssen, wie der Berliner Magistrat in vollem Einklang mit dem Slädletag an- nimmt, tiesergreifende grundsätzliche Vorkehrungen getroffen werden. Das System der Vertragschlicßung mir den Gemüsebauern ist. wie die Erfahrung in allen Städten gelehrt hat, unzuverläisig und schwankend. Es kann vielleicht noch einige Bedeutung erlangen. wenn die Erfüllung der Verträge mit allen Machtmitteln des Staats unterstützt und die Nichterfüllung unter Strafe gestellt wird, wie der Städtetag und der Magistrat dringlich beantragt haben. Dasselbe gilt namentlich von den Gemüsepächtern auf den städtischen Riesel- gülern, denen gegenüber Zwangsmaßregeln erst auf Ersuchen des Magistrats ins Werk gesetzt worden sind. Berliner Lebensmittel. Die Stadtgemeiude Berlin verteilt in den nächsten Tagen aus- ländrsches Dörrgemüse gegen Vorzeigung der Berliner Lebensmittelkarre. Auf jede Lebensmittelkarte können ohne Abtrennung von Abschnitten 190 Gramm abgegeben werden. Bei früheren Verteilungen hat daS ausländische Dörrgemüse zuweilen dadurch, daß die einzelneu Bestandteile nicht in gleicher Zeit weich kochten, Anstoß erregt. Es wird daher nochmals darauf hingewiesen, daß es sich bei dem aus- ländischen Dörrgemüse im Gegensatz zu dem in der städti- schen Trockengemüse- Anstalt hergestellten Dörrgemüse unter allen llmständen als nötig erweist, ein längeres Einweichen vorzunehmen(l1/, Liier für 100 Gramm, mindestens 12 Stunden). Das Einweichwasser muß zum Kochen Verwender werden. Eine gute Speise ergibt fich, �selbst aus Dörrgemüse geringerer Qualität, wenn das gekochte Genmse kleingehockt wird; härtere BeftandteUe werden dadurch genießbar. Besonder« ratiam aber ist es, das kleingehackte Dörrgemüse entweder in Form von Suppen zu genießen oder noch bester in Form von Klopsen. BrisoletteS. Bouletlen, Gemüiebraten lfalscher Hase) u. a. Der Berliner HauSfrauenverein bat derartige Gerichte ausprobiert. Die Beratungsstelle des Bereius(bei Hermann Tietz, Leipziger Straße) wird nähere Auskunft geben. * In einigen kleinen Gemeinden Groß-Berlins wird, wie wir hören, Gemüse und Ob st nur gegen Vorzeigung der lokalen Lebensmittelkarte abgegeben. Die Bevölkerung wird darauf hin- gewiesen, daß ilus Grund eines ausdrücklichen einstimmigen Be- fchlusies aller Gemeinden und Kreise Groß-Berlins das beim Klein- Händler zum Verkauf stehende Gemüse und Obst freizügig ist und keine Gemeinde das Recht hat, die Abgabe von Gemüse an Ver- braucher au die Vorlage einer örtlichen Ausweiskarle zu knüpfen. » Die Stadt Berlin gewährt den Kindern und Jugend« lichen, die in der Zeit vom 15. Jnlc 1991 bis 39. Juni 1911 ge- boren, also bis zu 16 Jahre alt sind, wweit sie sich zurzeit in Berlin befinden, einmalig eine Portion kondensierter Milch. Die Verteilung dieser Milch erfolgt auf Grund von Bezugscheinen. die von den Brolkomniiisionen in der Zeit vom 18. bis zum 22. Juli (heute Ms Sonntag) ausgegeben werden. Das Aller der Jugend- lichen ist den Brolkvmmissionen nachzuweiftn. Die Bezugscheine sind dann von den Berccktigten bis zum 25. Juli in einem der durch gelbe Verkaufsschilder gekennzeichneten Buttergeschäfte zur Ab- trennung der Anmeldeabschnitte vorzulegen. Die Ware wird emige Tage nach Abtrennung der Anmeldeabschnitte rn den Geschäften gegen Abgabe der Bezugscheine erhältlich sein. Die Verlaussstellen werden auch durch Säuienanschlag bekanntgegeben. • Wie berichtet wurde, kommen in dieser Woche auf Abschnitt 99 der Berliner Lebensmittelkarte zwei Suppentafelu oder 259 Gramm Mocgentrank zur Verteilung. Wie uns durch das Nachrichten- amt des Magistrats Berlin mitgeteilt wird, handelt es sich beim Morgentrank" um ein nahrhaftes Suppenpulver, das gut schmecke und sich durch einen hohen Gehalt an Eiweiß, Kohlehydraten und Nährsalzen auszeichnen soll. Zur Herstellung einer Tasse Morgen- trank genügen ein bis zwei Teelöffel des Pulvers; man rührt das trockene Praparat mit heißem Wasser zu einem Brei an, setzt heißes Wasser hinzu und läßt die Mischung 2— 3 Minuten lang kochen. Eine Probe bestätigte uns, daß der Morgentrank in der Tat die ihm Tie Versorgung der Städte mit Wild. Da? Ziel der Vcrsorgunig der Städte mit Wild soll auf dem Wege einer Ablieferungspflicht von angemessenen Teilen der Jagd an staatlick; bestimmte Abnahmestellen erreicht werden. Hierzu ist eine Rahmenverordnung erlassen worden, die den Grundsatz dieser Ablieferungspflicht für bestimmte Wildärten feststellt und Treib- jagden anzeigepflichtig macht. Die Landcsbehörden bestimmen die Abnahmestellen, wobei die Einrichtungen der Großstädte und des Wildhandels nach Möglichkeit herangezogen werden können. Inner- halb der beteiligten Bundesstaaten sind vorläusige Vereinbarungen getroffen, die einen Ausgleich zwischen sehr wildarmen und wild- reicheren Gegenden bezwecken._ Azew in Berlin. Das Ukrainische Preßbureau teilt mit: Azew, der berühmte russische Provokator und Anstifter des Attentates gegen den Großfürsten Sergius, hat soeben eine Petition an daS Hilfskomitee für die russischen Kriegsgefangenen gerichtet, in welcher er dieses um Unterstützung bittet. Mach dem Berichte des Wiener Korrespondenten des Ukrainischen Bureaus hat sich Azew, nachdem seine Tätigkeit durch Burtzeff im Jahre 1999 enthüllt worden war, längere Zeit unter falschem Namen in Frankreich aufgehaltem Jedoch auch hier ließ man ihm keine Ruhe, und er war gezwungen, vor seinen Verfolgern nach Tirol imd von dort nach Aegypten zu entfliehen. Kurze Zeit vor Ausbruch des Krieges kam er nach Deutschland. Dort überraschte ihn samt seiner Be- gleiterin Zutschenko der Krieg. Beide wurden in einem Ge- fangenenlager interniert. Nach kurzer Zeit sedock erkrankte Azew und wurde in das Krankenhaus von Berlrn-Moabit überführt, wo er sich noch gegenwärtig befindet. Die Buchhandlung Vorwärts empfiehlt zn den jetzigen Ver- fassungskämpfen daS vor einigen Jahren erschienene Buch von Georg Gradnaner:„Verfassungswesen und Ver- sassungskämpfe in Deutschland." Das Buch ist eine wichtige Unterlage zur Beurteilung der gegenwärtigen Verfassung-- kämpfe. Der Verfasser gibt in großen Umrissen eine gemeinver- ständliche Darstellung der Entstehung des Deutschen Reiches, wie es sich aus den politischen Wirren und den wirtschaftlichen Rückständigkeiten des neunzehnten Jahrhunderts entwickelt hat. Er behandelt die Mängel der verfassungsmäßigen Zustände, die im Widerspruch stehen mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Reichs und die deshalb zur Demokratisierung unseres gesamten öffcut- lichen Lebens als eine nationale und kulturelle Notwendigleit bin- drängen. In den Kämpfen um die Demokratie, sagt der Verfasser. seine Schlußfolgerungen zusammenfassend, ist der Arbeiterklasse, als dem kräfttgsten Träger der wirtschaftlichen Entwicklurg die wichtigste Aufgabe zugewiesen. Sie muß das Deutsche Reich von den veralteten Mächten der Vergangenheit lösen und zu einem volkstümlichen Ge- meinwesen gestaltem'_ Zusammenlegung der Gasversorgung in Vcrsiner Vorort. gemeinden. Unter der Einwirkung der KricgSzeit vollzieht sich jetzt in einigen Groß-Berliner Vorortgemeinden eine bemerlenswcrte und auch für die spätere Zukunft bedeutungsvolle Wandlung auf dem Gebiet der gemeindlichen Werke. Die Gemeinde Friedrichs- felde hat, wie uns berichtet wird, ihr Gaswerk an die Stadt Lichten- berg verpachtet, um sich vor weiteren Verlusten zu bewahren. Lichtenberg übernimmt nun die gesamte Gasversorgung von Friedrich sfclde und Äarlshorst. Eine ähnliche Verein. barung soll zwischen Britz und Neukölln getroffen werden. Die Gemeindevertretung von Britz hat dem Gasvertrag mit Neu- kölln zugestimmt, wonach das an der Grenze feiner Leistungsfähig- kcit angelangte Gcmeindegaswerk von Britz vom 1. Oktober 1917 auf 35 Jahre cm Neukölln verpachtet wird, wofür Neukölln�sich ver- pflichtet, an die Bcitzer Verbraucher das Gas zu denselben Sätzen zu liefern wie cm die Neuköllner Einwohner. Eigenartige Wohltätigkcitsgeschäfte betrieb eine„Zentralstelle für die weiblichen Bühnencmgehörigcn Deutschlands" in der Bülow- straße. Sie sammelte gute Meider, die angeblich für notleidende Bühncnangestellte bestimmt sein sollten. Es ergab sich aber, daß die„Zentralstelle" nicht lediglich Wohltäterin war, sondern auch Gr- schäfte machte. Nur einen Teil der Kleider verschenkte sie an Bühnenangestellte, die solcher Sachen bedurften. Die anderen vec- kaufte sie an beliebige Personem die gut bezahlten. Die Deutsche Bühnengenossenschaft veranlatzte, daß der Zentralstelle das Sammeln untersagt würbe. Das nächste Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet am heutigen Mittwoch in der Philharmonie, Bernburgcr Straße 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Die im Vor- verkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Eintrittspreis 39 Pft, Kasscneröffnung 7 Uhr. Mit den Wockienmärkten scheint es vorläufig ganz ans zu sein. Wie in den Markthallen sind auch auf den Wochenmärkten die Händler und Händlerinnen vollständig verschwunden. Die vielen wilden Wochenmärkt« in Groß-Berlin find geschlossen. Der große Wochcnmarkt am Maybachufer r» Neukölln ist zu einem ganz kleinen zusamneengescheumpft. Den Wochcnmärkten in Char- lottenburg, Schöneberg, Rmmnelsburg, Lichtenberg, Friedenau, Steglitz ist es ebenso ergangen. Auf dem Wochenmärkt in Teltow war gestern und am Freitag trotz der beweglichen Bitten des dortigen Bürgermeisters kein Händler erschienen. Wucherpreise für Obst. Für Pfirsiche wurden gestern in Bertin 2,59 M. pro Stück verlangt und auch von jungen Mädchen anstaM»- loS bezalffl. Tomaten kosteten 2 M. und d«iHider p» Pfund. Heidelbeeren waren nicht unter 1,59 M. pro Pfund zn haben. In Worms kosteten Heidelbeeren dagegen nur 49 Pf. das Pfund, in Detmold 59 Pf„ in Horn sogar nur 39 Pf., dagegen m Gardelegen zahlte man für Heidelbeeren aus der Letzlinger Heide noch am 15. d. MtS. 1,59 M. Halbe Fahrpreise zur Leipziger Messe Zum Besuch der Leip- ziger Mustermesse vom 26. August bis 1. September werden wieder Fahrkarten für die Hin« und Rückreise zum halben Fahrpreise zweiter oder dritter Klasse auf den deutschen Staatsbahncn usw. ausgegeben. Sie gelten fiir die Hinfahrt vom 16. bis 31. August, für die Rückfahrt bis zum 7. September. Die Rückreise muß am 7. September beendet sein. Für die Ausgabe ist eine Bescheinigung des Meßamts für die Mustermessen in Leipzig notwendig. HilfSfeldhüter. Der Oberbefehlshaber in den Marken hat alle Militärpersonen, die den Gemeinden seines Befehlsbereichs� als Hilfsfeldhüter zur Verfügung gestellt werden, für die Dauer dieser Verwendung zu Polizeibeamten auf Widerruf ernannt. Sie haben zur Kenntlichmachung eine Armbinde mit der Aufschrift„Hilfs- feldhüter" zu tragen. I» der Badewanne tot aufgefimden wurde in einer Badeanstalt die 76 Jahre alle Aufwärteiin E> nestine Peukcrt aus der Luisen« straße 67. Sie lag mit dem Gcsickt nach unten im Wasser. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Wahrscheinlich hat die alte Frau einen OhnmachtSaufall oder einen Herzschlag crlitrcn. Den Tod im Wasser suchte und fand ein unbekannter Mann von etwa 69 Jahren. Er sprang vor dem Grundstück HallescheS Ufer 12 in de» Landwebrkanal und ging gleich unter. Der Mann i ist mittelgroß und schwächlich, hat langes, graues Haar und trug i einen dunklen llcberzieher, einen dunklen Anzug, einen schwarzen steifen F'lzhut und schwarze Siiefel. Bei sich Halle er einen schwarzen Lederstock mit Stahlrippe und schwarzem Griff. Tod durch Ertrinken. Die 22jährige Frida Strauß aus der Zwinglistraße in Berlin hatte mit einer Freundin einen Ausflug j uach Wendenschloß unternommen und die Badeanstalt der Stadt Cöpeniik aufgesucht. Obwohl sie nicht schwimmen konnte, wägte sie sich doch zu weit in das Wasser hinein, geriet an eine tiefe Stelle und ging unter. Die Freundin versuchte sie zu retten, wurde aber mit in die Tiefe gerissen. Es gelang nur, die Begleiterin zu retten, während die St. nur als Leiche geborgen werden konnte. Die zweijährige Tochter des Kaufmanns Nietner in Cöpenick hatte auf dem Hofe des an die Spree grenzenden Grundstücks gespielt, war durch die nicht verschlossene Tür an das Flußufer gelangt und kopfüber ins Wasser gestürzt. Hilfe kam zu spät. Das Kind war ertrunken. Eharlottcndurg. vom tb. Juli ab sind die Metallfammel» stellen Kirch ho fstr. 5 und T a u e n y i e n st r. l 2a zur Empfangnahme sämtlicher beschlagnahmten Gegenstände und Metalle lme Kupfer, Messing, Nickel, Aluminium usw. von S Uhr vormittags bis 2 Ubr nachmittags geöffnet. — Die Fürsorge für die Kleinkinder, d. h. die Kinder vom ersten bis sechsten Lebensjahre, hat neben der SäuglingSfürsorge die Stadt Charlottenburg seit dem 1. April 19! 1 eingerichtet. Gerade für dies« Altersstufe, in der die Grundlage für die körperliche und geistig« Emwickelung gelegt und der Kern für manche spätere Er- trankung ausgenommen, wird, ist eine sorgfältige ärztliche Ueber- wachung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger Säug- lingtsürsörge stellen werden besondere Wochensprechstunden für Kinder vom 1. bi« zum vollendeten 6. Lebensjahre abgebalten. In diesen Sprechstunde» werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollendeten 1. Lebensjahre be- reit« die Fürsorgestelle besucht haben, weiter vorgestellt. Zugelaffen werden jedoch olle Kinder im Alter von t bi« 6 Jahren, auch wenn sie die SäuglingSfürsargestellen vorher nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten dabei unentgeltlichen spezialärztlichen Rat über die für da« Gedeihen de« Kinde« gebotenen Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten. Eine ärztliche Behandlung findet nicht statt. Diese Kleinkindersprech- stunden werden an folgenden Tagen abgehalten: Säuglingsfürsorge- stelle I, Berliner Straße 187: Mittwoch 2—3 Uhr; II. WilmerS- dorfer Straße III: Dienstag 2—3 Uhr; IH, Kirchplatz 6a: Freitag 1-2 Uhr; IV, Nehringstroße 11: Dienstag 21/l—-S'/j Uhr; V, Kaiierin-Augusta-Allee 102; Dienstag 2—8 Uhr; VT, Kaiserin- Augusta-Viktoria-Hau«, Mollwitzstraße: Mittwoch 2—3 Uhr; VII, Horstweg 28; Donnerstag 2—8 Uhr. Die Mütter und Pflege- mülter, die zugleich einen Säugling und ein größere« Kind in der Fürsorgestelle vorstellen wollen, können ausnahmsweise auch größeren Kinder in der SäuglingSsprcchstunde mit vorstellen. die Wilmersdorf. Die Fragebogen betreffend die Kohlen- Verteilung für den Hau«- und Küchenbrand gelangen in diesen Tagen zur Ausgabe. Bei der Wichtigkeit der Erhebung muß auf die sorgsältigste Ausfüllung des Fragebogen« Wert gelegt werden, die im übrigen auch im eigensten Interesse der Mieter und Wer- mieter liegt. Die Hauseigentümer haben den ausgefüllten, mit ihrer Unterschrift versehenen Fragebogen bi« spätesten« Sonnabend, den 21. Juli, abends 7 Uhr. an die zuständige Brotkommission zurückzugeben. Die Brotkommissionen werden in jedem Falle den HuuSbesiyern oder ihren Vertretern eine Empfangsbescheinigung aus- fertigen._ Köpenick. Der hiesige Gesangverein Männerchor bat die Errichtung einer Damenabteilung vorgenommen. Die Frauen und Mädchen, welche gewillt sind, die Sache zu unterstützen. werden gebeten, der Abteilung beizutreten. Die UebungSstunde findet am Donnerstag, den 19. d. Ml«., abends S>/, Uhr, im Stadt- Theater, Jnh. Otto, statt. Gerichtszeitung. Eine Irrenhaus- und Jrrenrechtsaffäre. Die Jrrenhaus-Erlebnisie des 60jährigen Hofbesitzers Z a v e r Braun aus dem badischen Dörfchen Unterentersbach, die schon den Petitionsausschuß de« Reichstages und diesen selbst beschäftigt haben, bildeten den Ausgangspunkt einer durch den badischen Mi, nister des Innern veranlaßten Beleidigungsklage gegen den Redakteur Paul E l m e r aus Berlin-Treptow. Zur Verhand- lung stand Termin vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II an. Der Beklagte ist Schriftleiter der„Jrrcnrcchtö-Rcform", Organ des Bundes für Jrrenrecht und Jrrenfürsorge. Diese Zeitschrift hatte dem Schicksale des Braun mehrere Artikel gewidmet, deren letzter unter der Ueberschrift„Ungesetzlichkeiten. Das Ende des Braunschen Dramas" unter Anklage gestellt ist. Die Artikel be- schäftigten sich mit der vor Jahren erfolgten Jnternierung Brauns tn badlsche Irrenanstalten und dessen Flucht ins Ausland. Die gegen Braun getroffenen Matznahmen der badischen Behörden waren in der Hauptsache veranlaßt durch die von Braun entschieden bestrittene Behauptung, daß Braun, der jahrelang mit Gemeindeangehörigen im Streit lag. Hunderte von Schriften verfaßt habe, in denen hohe badische Beamte und noch höher stehende Personen geschmäht wur- den und daß er in einem gegebenen Augenblick aus Rache in Gr- meinichaft mit seinem Sohne zur Nachtzeit eine große Anzahl von Obstbäumen umgesägt habe. Auf Grund verschiedener Gutachten von Psychiatern wurde er ins Irrenhaus Jllenau gesperrt. Er ist später in die Irrenanstalt Emmendingen gekommen, aber von dort nach der Schweiz entflohen. Im August 1916 wurde er auS der Schweiz ausgewiesen, an die badischen Polizeibehörden ausgeliefert und nach der Irrenanstalt Emmendingen zurückgebracht. Dort soll er sehr hart behandelt worden sein, so daß sich der sozialdemokra- tische ReichStagSabgeocdnete Thiele als Mitglied der PciitionSkommission und Referent in der Braunschen Sache veran- laßt sah, persönlich in der Irrenanstalt Emmendingen Nach- forschungen anzustellen. Braun wurde dann nach Wiesloch übergeführt. Alle Anstrengungen Braun« und des Bundes für Irren- recht,«ine Aufhebung der Jnternierung durchzusetzen, weil nach ihrer Meinung in der Beurteilung de» Geisteszustandes Brauns und der ihm zur Last gelegten Straftaten weit mehr mit allerlei Vermutungen al« mit lückenlosen Beweisen gearbeitet worden sei, blieben längere Zeit erfolglos. Endlich wurde Braun versuchsweise entlassen bzw. zu einem Bauerngutsbesitzer Metzger in Bauecbach lBadcn) gegeben und dort beschäftigt, ihm gestattet, unter Begleitung einer zuverlässigen Person ab und zu seinen eigenen Hof zu besuchen und bei guter Führung seine dauernde Entlastung tn Aussicht ge- stellt. Inzwischen stellte eS sich heraus, daß Braun infolge eines Unterleibsbruche» nicht mehr arbeiten konnte, er wurde operiert und kam in» Hospital nach Bruchsal. Da erschien plötzlich der Reichstagsabgeordnete Thiele, holte Braun ans dem Hospital und verlangte am nächsten Tage von dem zuständigen Bezirk». Oberamtmann die sofortige Aufhebung der Aufenthaltsbeschränkung, da es ungesetzlich sei, Braun da» Betreten der eigenen Scholle zu verbieten. Die Aufenthaltsbeschränkung ist dann auch sofort aus- gehoben worden und Braun nach jahrelanger Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückgekehrt. In der„JcrenrechtS-Reform" wurde u. a. behauptet, daß Braun„infolge de? ihm in der badischen Irrenanstalt Emmendingen von vertierten JrrenhauSwärtern angeprügelten UnterleibSbcucheS" arbeitsunfähig geworden sei. Der Staatsanwalt teilte mit, daß das Verfahren, das gegen die Jrrenwärter eingeleitet worden ist, eingestellt werden mußte, da die bei der Untersuchung stattgefunde- neu Vernehmungen ein« Grundlage für Fortsetzung des Verfahrens nicht ergeben haben. Auf Anregung de» Vorsitzenden bezüglich einer gütlichen Beilegung erklärte sich nach längeren Verhandlungen Elmer bereit, eine Erklärung dahin abzugeben: Er habe nicht die Gesamtheit der Wärter beleidigen und nur den Wärter treffen wollen, der geprügelt haben soll; er habe nur bezweckt, Schäden zu geißeln und besiernd einzuwirken. Er gebe zu, daß da» b i« h e r i g e Ergebnis der Untersuchung die Richtigkeit der Angaben de» Braun nicht erwiesen hat.— Diese Erklärung soll dem StaatSministerium in Karlsruhe zur etwaigen Rücknahme de» Gtrafantrag» unterbreitet werden._ Gefährliche Granate». Die Strafkammer M.-Gladbach verhandelt« gegen Angestellte der Maschinenfabrik G. m. b. H. in Dülken, welche Mängel an Granaten durch Schweißung verdeckt hatten. Von Sachverständigen wurde betont, daß solche Geschosse für die eigenen Truppen gefährlich seien und häufig Unfälle herbei. führten. Das Gericht nahm Beirugsversuch an und verurteilte den Fabrikdirektor Schotter zu 2800 M., den Maschinenbauer Müller zu 300 M. Geldstrafe._ Mus aller Welt. Eine Bluttat. In dem Dorfe Friedrichsthal bei Gartz an der Oder hielt sich seit zwei Wochen ein junger Mann auf, der unter dem Namen Fritz Fels bei einem Besitzer in Arbeit getreten war. Er gab an, daß er im Felde verwundet und infolgedessen aus dem Heeresdienst entlassen worden sei. Er erweckte jedoch den Verdacht, daß er sich dem Heeresdienst entziehe, und als eine Nachprüfung seiner Angaben ergab, daß diese falsch waren, sollte die Verhaftung erfolgen. Der 62 jährige Gendarmerie- Wachtmeister Will II aus Gartz begab sich am Sonntag nach FriedrichSthal. Als Fels des Beamten ansichtig wurde, ergriff er die Flucht, wurde jedoch von Will verfolgt. Plötzlich wandte sich der Verfolgte um und gab aus den Beamten, der ihn fast erreicht hatte, aus einem Revolver einen Schuß ab. Der Wachtmeister brach sofort leblos zusammen. Der Täter wurde am Montag in Gartz festgenommen. Er ist ein 19 jähriger Arbeiter Kathke, der sich von seinem Truppenteile entfernt hat. Wegen Lcbensmittelschicbungen sind, wie der„Schlesisilien Zeitung" au» Beuthen gemeldet wird, 10 Personen de» oberschlesi- schen Jndustriebezirkes verhaftet, aber wieder freigelassen worden. Mehrere Eisenbahnwagen mit Tee, Seife und anderen Waren i m Werte von einer Million wurden beschlagnahmt. Ein Riesenbrand in Drontheim. In der Nacht zum Dienstag ist in dem norwegischen Hafenplatz Drontheim in einem Lager englisch-russischec Durchfuhrgüter Feuer ausgebrochen, das sich rasch ausdehnte und auch das Zollgebäube einäscherte. Der Schaden beträgt etwa fünfzig Millionen Kronen. Briefkasten der Redaktion. Dt« luilfHf«#« Sprechstunde findet für Abonnenten LIndenftr. 8, 1. Hot link«, vattetee, am Montag 61« Freitag von««t» 7 Uhr, am Sonnabend von 8 ti» 6 Uhr statt. Jeder litr de» Brlrflasten bestimmten Anfrag» ist ein Vulhstab« und eine Lahi al« Mertieichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsouiiiung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Svrech- stunde vor. vertrüge, Schriftstücke und dergleichen bringe mau in die Sprech- stunde mit. A.®. 62. Eine solche Untersuchung würde jedenfalls völlig zwecklos lein, da über diesen Mißstand im Kochtops auch wir zu klagen haben— «.®. 20. Der Ehemann hat Anteil an den Einnahmen au« dem Grundstück.— Ortmaun 47. Ja, wenn Sie den Besebl dazu eihali-n. Den Au«irit> verschieben Sie nur, bi« Sie wieder im Zioiloerbältni« sind. — M. E. D. K. Sie müssen sich mit einer Beschwerde an die Großherzog, liche Regierung in Karlsruhe wenden.— H. Sit. 81. 1. Sie find zum Unterhalt für das Kind verpflichtet, auch wenn da« Mädchen die Heirat ab- lehnt. 2. Nein, Sie weiden ohne weitere« zur Zahlung des Unterhalt» für daS Kind verurteilt. 3. Nein, der Vater hat keinerlei Anspruch aus da« uneheliche Kind.— F. K. Sv. Der Wirt kann von dem bewilligten Mietsnachlaß zurücktreten.— B. 17. Die Muiter erhält die Höste, die Geichwtster teilen sich in die andere Hälfte des Nachlasses.— 100 SÖ. Die Löhnung beträgt pro Dekade 5,30 M. Ihre zweite Anfrage wird Ihnen durch briefliche Zusendung erledigt.— M. 80. Darüber müssen Sie eiuen Spezialarzt für Magen- und Darmlrankheiten befragen.— B. Z.»000. Nein, die Ermäßigung tritt für diese Steuer noch nicht «in.— A. R. 100. Da Sie dazu zunächst die Einwilligung Jhies Truppenteil« haben müssen, so wenden Sie sich an den Vorgesetzten.— Z. 870. Richten Sie Ihren Antrag beziehungsweise Ansrage an den Jnvalidcndank, Unter den Linden 2t.— G. M. K. Krampfadern und Narben von Unterschenkelgeschwüren.— ffi. W. 20. avetterauSsichten ffir bin« mittlere Siorbbeutfriilan» bi« DonnerStag mittag. Ziemlich warm und schwül, zeitweise heiter, jedoch vorherrschend wolkig mit leichten Rcgenfällcn, strichweise Gewitter. Deatocber Metallarbeiter- Verband. Verwaltungittelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach. richt, daß unser Kollege, der Elektromonteur Max Winkler, Pankow, Hainstr. 22, am 14. Juli gestorben ist. Ehre seine««nbenlen! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 18. Juli, nachm. 3'/, Uhr. von der Leichenhalle des dritten Pankowcr Gemeinde- Friedhofe« am Bahnhof Schönholz au« statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin inu Wolter am 8. Juli Ott Lungen- leiden gestorben ist.[177/18 Ehre ihrem vndenke« l Die vrtSverwaltnng. Tischler- Verein zd Berlin. E. V. a 0, Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler karl 81abn Oranienstr, 169 wohnhaft, im Alter von 6« Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 19. Juli, nachmittag« 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Thoma«, Kirchhofes, Hermannstraße. au« statt. 293/5 Um reg« Beteiligung er- sucht Der Uorstonb. Allen Bekannten die trau- rioe Nachricht, daß unser Kollege 2982B Karl Slabn am 14. Juli gestorben Ist. Die Beerdigung findet am 19. Juli.nacbmiltags 3'/, Uhr, aus dem Thomas-Kirchhos statt. vi« Kollegen der Rrina Wusterbarth d Sohn. Nach kurzem, schwerem Leiden verstarb unserKutscher im 21. Lebensjahr. Er hat un» mehrere Jahre treue Dienste geleistet. Seine Zuvcrläisigleu, sein ehren- hajter Eharakter und seine vornehm- Gesinnung waren vorbildlich. 23A Wir betrauern den Vir- lust diese« braven Menschen und werden ihm stet« ein treues Gedenken bewahren. SehnrnlevieUrnsteln&Co. zugleich narnen« de« ge. samten Personal«. Verband der Oemelnde- nnd Staatsarbeiter. Filiale Brei Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode de» Kollegen Lodert Kükn von der Englischen Gas- vnstalt(Revier Steglitz). Ebre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 18. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Steglitzer Gemeinde- Friedhose« in Steglitz, Bergstraße, au« statt. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht t88/Z vis Orltvtrwaltung. Nachruf. Am 14. Juli verstarb unser langjähriger Mitarbeiter, der Tischler 298! b Karl 8ladn. Ueber 28 Jahre war der- selbe ununterbrochen bei uns tätlg, seine selbstlose Pflichttreue werden ihm ein stete« Andenken bei un« bewahren. C. Wusterbarth n. Zehn, Berlin, Hagelbergerstr. 7. Der Polizcimelster. Ein ruf- sischer Polizeiroman von G. Zapolska. Preis 6 Mark. Buchhandlung Vorwärts, Lin- denstroße 3, Lgden,,* Sl>MkWlllit.vMinsiilSll«niv [Sozialdemokratische Partei Deutschland«). Morgen Donnerstag, den IS. Jnlt. abend« SV, Ahr. im Lokal von Heinrich, Große Frankfurter Str. 30: KononalmVoi'saminIllng. Tagesordnung: l. Der Parteitag tn Würzburg. Referent: Gen. Ksrl Klingler. 2. Diskussion. 8. Wahl eine» Delegierten und Stellvertreter» zum Parteitag. 4. Beschlußsassung über die Einführung eine« monatigen Extradeltrag» von 10 Ps. b. Organisations- angclegenhetien. Pünktlichen und zahlreichen Besuch erwartet Z17/9' vor- Vorntisiiil. Beschlagnahmefreie Mengen Sektkorken 28 Pfennig Weinkorken 6 Pfennig sowie alle anderen Borten gebrauchter und neuer Korken kauft W.Nelke Berlin, Krausenstr, 75 (neben Kempinski) BdlowstraOa 24, Ecke Potsdatner Straße. »-1, 8-6. V/ Spezialarzt I>r. med. Colemann für Haut-, Harn-, Frnuenlelden nerv. 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Bros«, Berlin-Mariendorf, Sirelitzer Str. 11. Bon chronischer Rückenmartenizllndung und Lähmung geheilt. Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, Reinickendorf-Ost, Provinzstraße 117. Von Lungenbluten und Katarrh geheilt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramler- str. 23. Von vronchialkatarrh geheilt.— Zwei Kinder de« Kohlenhändlers Herrn Link«, Berlin, Strelitzer Straße 8. Vor 9 Jahren von Lungenleiden geheilt, heute noch gesund.— Herr G. Köppe, Bln.~ _..> Rummelsburg. Alt- Bozhagen 8. Von doppelseitigem Lungenspltzenkaiarrh geheilt.— Horr� O. Neumann, Lichtenberg, BInmenibal- im G. Köppe Ion geheilt.— Herr O. Neumann, Lichtenberg, BInmenibal- str. 13. von Neurasthenie und»ervöser Magenschwäch« geheilt.— Frau«.«rosse. Berlin, Zwinglistr. 26. Bon Lcltrleibtn geheilt.— Frau Nestaurateur Hering, Berlin, Schönhauser Allee 37. Bon vasedowscher Krankheit ge- heilt.— Herr Erich Bock, Berlin, Stendaler Str. 17, IV. Bon Nieren- u. Blolenleiden, Wafiersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt. 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Honorar mäßig, a.TeilzahL Separates Osmenzimmar. m—mmmmmmmemmmm ttc.m— 1917 Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mittwoch, 18. �ull Die Rassen der Urzeit. Von Dr. Adolf Heilborn. II. Mit dem eingangs erwähnten Skelettfunde von Combe-Tapelle (1309) trat nun zu dieser ersten Diluvialrasse eine zweite, die wir nach der Kulturschicht(Aurignacien), in der dieses Skelett gefunden würde, die A u r i g n a c r a s s e nennen. Ter dank Hausers Sorg. famkcit vorzüglich erhaltene Fund gestattete uns eine Anzahl früher gehobener nunmehr richtig zu deuten, und so können wir heute zur Aurignacrasse auch die Funde von Galleh-Hill(bei Lond»«) und Brünn, sowie wahrscheinlich die von Grenelle(bei Paris) rechnen. Endlich gehören auch von den Krapinafunden einige zu dieser jüngeren Diluvialrass«: in Krapina sind, wie man aus man- cherlei Anzeichen schlichen muh, Neandertaler und Aurignacleute einstmals feindlich aufeinander getroffen, und die Sieger halben die Besiegten oerspeist. Zwischen Neandertaler- und Aurignacrasse zeigen sich im Skelettbau so wesentliche Unterschiede, wie wir sie sonst nur bei der- schiedencn Tierformen zu finden gewohnt sind. Der Schädel des Aurignacmenschcn weist keine Spur der knöchernen, ineinander. fliehenden Au�enbrauenwülste mehr auf. Die Stirn ist hoch und von schöner Wölbung, nicht zurückweichend wie beim Neandertaler. Die Augenhöhlen sind rechteckig-rund'lich, gleichsam zusammenge- drückt. Die Nase erscheint auf dem Rücken ein wenig eingesattelt. Tie Form des Gesichts entspricht etwa der des heutigen Europäers. Die Kiefer, bei weitem nicht so massig wie beim Neandertaler, stehen ziemlich gerade aufeinander; von einer vorspringenden ti«. rischen Schnauze kann hier nicht mehr die Rede sein. Wenn der Unterkiefer auch noch kein hervorstehendes Kinn wie bei uns zeigt, so ist es andererseits doch auch kein zurückweichende», negatives, wie beim Neandertaler. Die Gliedmatzenknochen sind gerade und auf- fallend schlank, die Hand- und Futzknochen zierlich und klein. An Körpergrötze hat der Aurignacmcnsch den Neandertaler freilich kaum überragt: auch er ist nur I.öv Meter hoch gewesen. Diese Aurignacrasse hat Europa während der vierten Eiszeit mehr und mehr bevölkert, dürfte aber wohl bereits früher hierhin eingewandert sein. Sowohl an körperlicher Tüchtigkeit wie in ihrer geistigen Entwicklung war sie der Neandertalrasse erheblich über- legen: das beweisen uns die zierlich-handlichen, technisch sehr vollkommenen Steinwerkzeuge des Aurignacien, die Freude am Schmuck, die Gegenstände künstlerischer Betätigung(Schnitzereien von menschlichen Gestalten usf.), die man bei den Skeletten dieser Rasse mehrfach gefunden hat. Ich erwähnte schon, datz in Krapina Aurignacmenschen und Neandertaler miteinander gekämpft haben. Der Kampfpreis wird hier, wie noch heute fast überall bei den Naturvölkern, das Weib gewesen sein, und aus der Vermischung beider Rassen entstand dann der zu Ausgang deS Diluviums in Europa zur Herr- schaft gelangende Menschheitstypus der sogenannte Rasse von Cro- Magno n. Die ersten Skelette dieses Mischtypus wurden bereit» I86S zu Cro-Magnon im Vezerctale entdeckt; aber gemätz dem da- maligcn Stande der Wissenschaft vom Diluvialmenschen wuhte man ihre Besonderheiten noch nicht recht zu deuten. Heut kennen wir von solchem Mischtypus, bei dem bald die Merkmale der Neander- talrasse, bald die der Aurignacrasse überwiegen, zahlreiche Vertreter. So gehören hierhin die Funde von Cbancrlade(Dordogne), von M e n t o n e(Golf von Genua), von P r e d m o st(Mähren), wo nicht weniger als 20 wohlerhaltene Skelette aller LehenSalter entdeckt wurden, die Sielettreste vom H o h l e n f e l s bei Happurg (unweit Nürnberg) und endlich die im Februar 1914 zu Ober- c a s sei unweit Bonn entdeckten Skelette eines Mannes und eines Werbe». Ich kann hier nicht auf die anatomischen Einzelheiten der verschiedenen Skelette eingehen, sondern will nur kurz erwäh- nen, datz diese Mischrasse sich durch bedeutende Körpergrötze(zwei Meter und mehri auszeichnet, und Hätz sie in der Unterkieferbildung mit ihrem deutlich vorspringenden Kinn sich bereits den heutigen Verhältnissen stark nähert. Geistig war dies« Mischrasse, wie dies bei solchen Mischungen häufig der Fall ist, hoch entwickelt: die zier- lichen Knochenschnitzcreien, die Wandgemälde und Zeichnungen des Magdalenien sind ihr Werk. Ihre Waffen, zumal die mit Wider- haken und Giftrinnen versehenen, knöchernen Pfeil- und Harpunen- spitzen, sind technisch hoch vollendet. Vieles deutet darauf hin, datz sie sogar bereits eine Art schriftlicher Verständigung(Eigentums- zeichen und dergl.eichen) kannte. Sie braucht«, mit Broca zu reden, „sozusagen nur noch einen Schritt zu tun, um eine wirkliche Kultur zu begründen".— Die Hausersch« Entdeckung des Aurignacmenschen von Tombe- Capelle sollte nun aber nicht nur unsere Kenntnis von den Rassen der Urzeit wesentlich erweitern und vertiefen, sondern sie wurde auch, wie schon eingangs betont, der Anlatz, unsere Anschauungen über die Abstammung des Menschen einer eingehenden Nachprüfung zu unterziehen, und zeitigt« hier als wichtigstes Ergebnis die Be- stätiguim der Klaatfchschen Theorie von der Abkunft des Menschen. Durch Studien des Zoologer Melchers angeregt, fand Klaatsch bei einer peinlich genauen Durchvergleichung der Skelette von Le Mou- stier(Neandertalrasse) und Combe-Copelle(Aurignacrasse) mit den Skeletten der grohen Menschenaffen, daß das Skelett der Neandertaler in der Bildung des Schädels wie der Gliedmahen- knochen ganz auffallende Uebereinstimmungen mit dem des Go- rillas, das der A u r ig n a c r a s s e mit dem des Orangs zeigt. Uebereinstimmungen, die so weit gehen, datz zwischen Go- rilla und Orang, zwischen Neandertaler und Aurignacmensch weit stärkere Unterschiede bestehen, als zwischen Gorilla und Nean- dertaler einerseits und Aurignacmensch und Orang andererseits! Verfolgt man das Problem weiter, so ergibt sich, datz die Neander- talmenschheit einst mit einer afrikanischen Tierwelt— der Heimat des Gorillas entsprechend— zusammen nach Europa«inwanderte, die Aurignacmenschhcit ihre Wanderungen hierher aber in Begleitung einer asiatischen, der Kälte angeputzten Fauna(Mammut, woll- haariges Nashorn, Renntier, Wisent uss.) zurücklegte, wie ja auch der Orang-Utan auf Asien beschränkt ist. Neandertaler und Aurignac- menschen müssen wir diesen anatomischen Vergleichungen zufolge als bis zu gewissem Grade parallel lausende Entwick- lungSzweige zum Gorilla und Orang betrachten; letztere haben sich, indem sie sich immer mehr dem Urwaldleben anpatzten, zu den heutigen Menschenaffenformen herausgebildet, sind also von der auffteigenden EntwicklungSbahn abgesunken; erstere schritten weiter vorwärts auf dieser in die Höhe führenden Bahn und haben ihre nächsten Verwandten heut in den Negern Afrikas und, wie beson- derS Klaatsch annimmt, in den Australiern, nicht ohne datz beide Urzeitrassen einen starken Bluteinschlag in der heutigen europäi- schen Bevölkerung zurückgelassen hätten. Die Frage liegt nun nahe, ob es denn nicht auch in der Ur- Menschheit ähnliche Entwicklungsparallelen zu den beiden anderen Menschenaffenformen gebe: dem Gibbon und dem Schimpansen. Natürlich hat sich Klaatsch auch damit eingehend beschäftigt, und er kam zu dem Ergebnis, datz vielleicht in dem 1907 zu Mauer(unweit Heidolberg) von Schoetensack gefundenen Unterkiefer die Parallel- rasse zum Gibbon angedeutet sei. Dieser Heidelberger Kiefer, aus den Fundumständen zu schlichen der bisher älteste menschliche Skelettfund, ist von einer noch ganz tierisch anmutenden Massigkeit und Kinnlosigkeit. Wäre nicht das Geibitz in seiner aus- geglichenen Harmonie durchaus menscklich, würde ihn niemand für einen menschlichen Kiefer halten. Andererseits kann niemandem die Ueberemstimmung diese? Heidelberger Kiefer? mit dem des Gibbons entgehen. Und so glaube ich persönlich, datz die Heidel- berger Rasse, unzweifelhaft die älteste auf europäischem Boden, in der Tat als Parallelentwicklungszweig zu der Gibbonform der Menschenaffen anzusprechen ist. Auch die Schimpansenparallete dürft« meines Er- achtens nunmehr gefunden sein. Kurz vor Ausbruch des Krieges kam in Ehringsdorf(bei Weimar) ein Unterkiefer zutage, den Schwalbe und Hans Virchow zwar zur Neandertalerrasse rechnen zu sollen vermeinten, der aber doch eine ganze Reihe von Besonder- heiten aufweist, die, wie diese Untersucher selbst betont haben, auf- fällig an die Verhältnisse des Schimpanscnkiefers erinnern. Der Zufall wollt«, datz in dem gleichen Kalksteinbruche 1916 ein zweiter Kiefer(der eines im Zahnwechsel befindlichen Kindes) gefunden wurde, mit ganz denselben Besonderheiten. Ich kann hier auf diese schwierigen anatomischen Dinge nicht näher eingehen, und will deS- halb nur hervorheben, datz der völlig kinnlose Kiefer in seiner auf- fälligen Bogenenge und der Bildung der inneren, vorderen Partie, ja, auch in dem Gröhenverhältnis der Zähne sich wesentlich von den anderen, bisher bekannt gewordenen diluvialen Kiefern(und be- sonders auch denen der Neandertaler) unterscheidet, sich aber gerade in allen diesen Punkten der Bildung beim Schimpansen deutlich annähert. Dazu kommt, datz die Kulturfunde(Feuerstein- und Ouarzitwerkzeuge) etwas ganz Besonderes darstellen. Es ist das Verdienst Häuser«, zu den oben geschilderten Werkzeugtypen der Diluvialmenschbeit einen neuen hinzugefügt zu haben. In dem erwähnten Büchlein erzählt er uns eingehend, wie er zur Ent- deckung dieses„M i c o q u i e n"(von der Station La Micoque im Vhzeretal) kam, und in einer streng wissenschaftlichen Arbeit(1916) hat er es, das sich zwischen das Moustcrien und das Aurignacien einschiebt, genau gekennzeichnet. Da« Hauptwerkzeug dieses Mico- guten ist ein sehr geschickt gearbeiteter Steinkeil mit lang ausge- zogener, dolchartiger Spitze; daneben finden sich besondere Schaber, Kratzer, Bohrer usf. Alle diese Steingeräte des Micoquien finden sich nun, wie Hauser und ich im Weimarer Museum und in EhringS- darf voriges Jahr feststellten, in Ehringsdorf und dem benachbarten Taubach wieder. Dazu haben die Geologen, voran Emil Werth, feststellen können, datz Micoque wie Ehringsdorf in die dritte(letzte) Zwischeneiszeit gehören, und die diesem wärmeren Klima ent- sprechende Tierwelt ist an beiden Orten wiederum eine afrikanische. Man sieht, meine Anschauung, datz die Rasse von Micoque-EhringS- dorf die Schimpanfenparallole der Urzeitmenschheit darstelle, lätzt sich durch zahlreiche Tatsachen stützen. So heiben also die Funde des letzten Jahrzehnts uns gelehrt, datz schon im Diluvium die Menschheit in mehrere, voneinander recht verschiedene Rassen gespalten war, Rassen, die in den verschic- denen Formen der Menschenaffen ihre unverkennbare Parallele besitzen, und die alle dem heutigen Europäer von ihrem Blute etwas beimischten.__ hartleben-�benü. Trianon-Theater. Hartlebens„Sittliche Forderung", der seingeschliffene Einakter, der nach langer Pause hier einmal wieder über die Breuer ging, zählt mit der stammverwandten, merkwürdigerweise soviel seltener gespielten„Erziehung zur Ehe" zu jenen ivenigen deuischen Lustspielen, die jenseits der gewohnten Sphäre banaler Uebcr- raschungSspähe zu wirklicher Komödienstimmung sich erheben. Leickt- hingeworfen fügen sich die Züge der Handlung und der Charakteristik zu einem in jedem Glied lebendigen, wunderbar pointenreichen B>ld zusammen, in dessenfrivole Spöttereien zugleich auch Laute ehrlichen, von gründlicher Verachtung konventioneller bürgerlicher Heuchelei und Phrase verhüllten Wahrheitssinnes klingen.— Da« trotzig rück« sichtSlose Selbstgefühl, mit dem das aus dem Elternbaus einlaufenc. nach abenteuerlichem Vagieren zur berühmten Brettldiva auf- gestiegene Mädchen den ängstlichen kleinstädtischen Jugendfreund empfängt, die unerschütterliche Ironie, die sie seinen Ermahnungen und seinem gutgemeinten Heiralsantrage entgegensetzt, ihre wieder erwachende Neigung und die galante Eroberung des erst in lauter unnahbare Nespeltabilität Gepanzerten— das alles kam im Spiele Ortrud Wagners anschaulich nuanciert und frisch heraus. Rudolf Meyer in der Gestalt des Partners zeigte viel künstlerischen Takt und Feingefühl. Er verstand es, in dem leicht karrikaturistischen Einschlag, den die Figur verlangt, zu- gleich doch einen Grundton des menschlich Sympathischen sestzu- halten, »Die Lore", die an zweiter Stelle folgte, bleibt in der Szenenführung hinter diesem Stückchen weit zurück. In der Hart- lebenschen Erzählung vom„Abgerissenen Knopf" strömt der Humor weit voller. Die Bühnenbearbeitung zeigt Längen, die der Wirkung notwendig Abbruch tun. Auch vergriff sich die Darstellerin Frl. Lotte Stein offenbar in der Anlage. Ihre Lore war nur ruppig dreist. Die urwüchsize Naivität in den gro- testen Schwindeleien und so der eigentliche Reiz, der dem Persönchen eigen, fehlten. Den pedantisch bedächtigen Vetter, der pädagogisch sie zur Ordnung bilden möchte, gab Rudolf Kerbs mit ein- drucksvollem mecklenburger Phlegma, Ihm assistierten in den beide» Studentenrollen die Herren M e y n und H o f f m a n n. ät. Notizen. — Vorlesungen für Arbeiter. Die Humboldt- Akademie Freie Hochschule beruft zunr Donnerstag, den 19. Juli, abends 8 Uhr, N, Friedrichstratze 126, eine Versammlung der Ob« leute, der Mitglieder des HörerauSschusseS und der Hörer und Hörerinnen der Arbeitervorlesungen, in der von feiten des geschäfts- führenden Mitgliedes des Ausschusses der Humboldt-Akademie Freie Hochschule Dr. F, Borchardt und deS Obmannes des Hörerausschusses der Arbeitervorlesungen Paul Eichhorn wichtige Mitteilungen und Vorschläge über die Neuorganisation der Arbeitervorlesungen ge« macht werden sollen. Eingeführte Gäste haben Zutritt. — Philipp Scharwenk a, der bekannte Komponist und Musikpädagoge, ist am Montag— fünf Monate nach seinem 79. Geburtstag— im Bad Nauheim plötzlich an-einem Herzschlag v e r- storben. — Neue Ausgrabungen in Pompeji. Die Ausgrabungen in Pompeji haben neuerdings zur Freilegung eines grossen' Gasthofes und einer Patriziervilla geführt, die einem ErebiuS Valcnie gehörten, und deren Mauern mit Inschriften in grossen roten Buch- stoben bedeckt sind. Eine dieser Inschriften verkündet, dass ein Bürger namens LucretiuS SaliuS sich erbietet, im Zirkus Spiele zu veranstalten, an denen 80 Gladiatorcnpaare, die er aus seine Kosten angeworben hat, teilnehmen sollten; zehn weitere Paare würden ausserdem von seinem Sohn gestellt werden. Die Villa enthält Freskobilder mit Episoden aus der„Jlias", die durch Bildsäulen gelrennt werden, von denen jede den Namen eines homerischen Helden trägt. Unter den Möbeln fällt besonders eine wundervoll gearbeitete und nnt Elfenbein ausgelegte Bellstelle auf. Auch an� anderen Stellen haben die AuSgrabungSarbeite» interessante Ergebnisse gezeitigt. So hat nian mehrere Häuser freigelegt, die mit Balkoncn verschen sind, eine Seltenheit, die bis jetzt nur ein einziges Mal festgestellt wurde. /inöers hjarmsteö. Von Jakob Knudfen. Es war im Kragelundcr Kirchspiel ein Brauch, der gewiß zuerst von Proprietär*) Teyssen auf Holmstrup Ladegaard ein- geführt worden war: daß man niemals politische Gegner auf den Wagen zum Zeitfahren hinaufnahm, tvenn man zur Wahl fuhr, man mochte soviel Platz haben, wie man wollte. Die zwei Kragelunder Hüfner, die an dem Wahltag im Februar im Hintersitz des Wagens vom Tanghof saßen, und die dadurch das eigene Fuhrwerk sparten, waren denn auch recht eifrig bestrebt, ihre aufrichtige liberale Gesinnung an den Tag zu legen. Seit der Wahl im Jahre 1866 galt Per Hjarmstcd nämlich als Liberaler. Er kutschierte selbst; er saß da und drehte den Kopf in dem großen, wollenen Hals- tuch, um ihre Beredsamkeit anzuhören. Er war ein wenig schwerhörig.— An seiner Seite saß Anders, der hatte mit- kommen dürfen; und der lauschte nach Kräften. „Wenn nur Teyssen euch jetzt nicht am Schlafittchen packt, wenn ihr hinkommt, so daß ihr doch rechts stimmt," sagte Per Hjarmstcd plötzlich, ohne jegliche Anknüpfung an das Zuletztgesagte. Jens Hvam im Hintersitz protestierte bestimmt, jedoch ohne Aerger. „Ja. denn neulich habt ihr's doch so gemacht." sagte Per. „Ja. das ist ganz richtig. Aber— äh— der Zahn der Zeit führt ja auch Fortschritte mit sich auf dem Gebiet der Aufklärung. Drum tun wir so was jetzt nicht mehr. Man muß ja doch seiner Ueberzcugung folgen." „Mir hat heut nacht geträumt, ihr hättet wieder rechts gestimmt," sagte Per Hjarmstcd. Anders ärgerte sich darüber, daß sein Vater von den Träumen redete. Die Leute niachten sich ja deswegen nur lustig über ihn. „Ja, aber Deine Träume können fehlschlagen. Pier." sagte Jens Hvam. säen im Monat März letztes Frühjahr, damit war's doch auch Dreck." „Vielleicht hätt' es noch ärger kommen können, wenn ich im April gesät hätte." •) Hofbesitzer. ja auch zuweilen „Mit dem Hafer� „Doch nicht wohl." sagte der andere lachend. „Wenn der Hafer gut gestanden hätte." sagte Per, ohne daß er selbst oder die anderen merkten, daß er seinen ersten Standpunkt aufgab,„so wäre gewiß keiner, da» gewesen, der im Sommer des Nachts mit seinen Pferden hindurchgeritten wäre. Und dann gäb es vielleicht einen, der heutigen Tags noch den Grasdieb gemacht hätte." „Ja, war's nicht ein Kleedieb?" sagte JenS Hvam, und die beiden Männer im Rücksitz lachten ausgelassen. „Der wird nun. denk ich. die Sünd sein übriges Leben lang nicht wieder tun!" „Ha, ha. ha. ha!" lachten die Männer.„Per Hjarmsted. das ist ein kluger Kerl!" „Wenn man sich mit dem Glauben und dem Vaterunser niederlegt, so soll man darauf achten, was man in der Nacht träumt." sagte Per mit schwerfälligem Ernst. „Ja wahrhaftig, so ist es," sagten die Männer, die des Anstands wegen auch ernst wurden.— Als man soweit gekommen war, daß man den Krug sehen konnte, wo die Wahl vor sich gehen sollte, sagte Jons Hvam: „Nun kannst Du ja auf uns aufpassen, daß wir richtig stimmen. Du kanust ja mit uns bis an den Tisch hinkommen, dann wagt Teyssen es gewiß nicht, uns anzurühren." „Glaubt ihr, daß er Angst vor mir hat?" „Ja. glaubst Du nicht?" „Na. son ganz kleines bißchen vielleicht."— „Doch, doch— doch, doch, feit Du das beim HardeSvogt angestellt hast." „Hä!— Aber ihr werdet heut doch allein an den Tisch gehn müssen." „Warum daS denn?" „Ach— ich komme gar nicht zur Wahl. Ich stimme heute nicht. Ich muß weiter nach Osten, auf den Handel; doch ich werd schon wieder hier sein, bis ihr nach Hause sollt." „WaS— was soll das bedeuten?— Und bei der letzten Wahl war niemand so erpicht aufs Stimmen wie Du, und darauf, uns andere zum Linksstimmen zu bringen." „Ja— hm— das war 66. Da Hab ich Schluß mit der Rechten gemacht. Denn ich sah doch, daß sie uns einer wie der andere betrügen wollten.— Ich hatte doch all mein Lebtag auf der Rechten gestanden.— Aber jetzt bin ich auch fertig mit der Linken. Ich glaube, eL sind alles Gauner." „Das ist wirklich eine schöne— äh— wie soll mans nennen— Auffassung, daS da." „Ja,— das ist die Auffassung, daß die Welt im argen liegt.— Wir konntens ja auch 64 scheu. Die Preußen und die Oesterreichcr und die Franzosen und die Engländer— daS alles müssen ja Gauner sein." „Ja— wirklich— hä." sagte Jens Hvam.„Also seit 64 bist Du auf die Gedanken gekommen, Pier?" „Nein— o nein. Seit ich ein bekehrter Mensch gc- worden und selber dahin gekommen bin, der Ungerechtigkeit� abzusagen. Ich bin selber ein Gauner gewesen, so gut wie alle andern Thybewohner. Obwohl es nie in meiner Natur) gelegen hat." Jens Hvam war ganz zufrieden damit, es in Thy endigen. zu lassen. Er fragte nicht mehr.— Kurz darauf war man auch zum Wahlorte gelangt.— Per Hjarmsted und Anders fuhren allein weiter. Es war eine ziemlich lange Zeit vergangen, als Anders' fragte:„Vater, gibt es denn überall Ungerechtigkeit?" „Nein, wo ein gerechter Mann ist, da ist keine Uu- gercchtigkcit in seinem Haus,— und dann auch da nicht, bis wohin er vor seiner Tür fegen kann— o gewiß— so im Umkreise." Ander? saß da und grübelte. Er wollte eben fragen, wie weit der Gerechte fegen könne, als sein Vater die Frage beantwortete, indem er sagte:„Der höchste Gerichtshof und das Obergcricht in Viborg, das ist nun zuweit. Ich habe zwei Prozesse in Kopenhagen gc- habt und zwei Prozesse in Viborg, und ich habe sie alle vier verloren.— Nein, man soll sich nie weiter hinauswagen, als man mit seinem eigenen Pferd und Wagen fahren käuu. Dann kann nian doch selber ein bißchen auspassen, wie sie es' mit unseren Prozessen treiben." „Was war's, was Ihr mit dem HardeSvogt hattet?" „Na. das ist ja ein paar Jahre her. Er wollt mir ja. verbieten, daß ich in meinen Holzschuhen auj'S Gericht kam." „Also das war's." „Ja,— und da klagte ich bei unserm alten Amtmann Fibiger in Hjörring. denn de» kannte ich von Vrejby her: er kam oft zu unserm.Pastor. Häja— er sagte ja lieber Kolleg»? zum HardeSvogt, aber er verurteilte ihn trotzdem dazu, mich in Ruh zu lassen. Und ich glaube auch,"daß er eine hohe Geldbuße an die Armen hat entrichten müssen."(Forts, folgt.) Dentacbes ThcateF. Heute und folg. Tage 8 Uhr: Max Pallenberg in Der kleine Ku|iolcon. Kamm erspiele. Heute u. folg. Tage T1/, Uhr: IMe Tänzerin mit Leopoldine Konstantin. Volksbühne. Theater am Bülowplatz, Untergrund b. Schönh. Tor. Heute u. folg. Tage 73/4 Uh r; l>le Königin der laift. Kessing-Thcntei'. Heute u. folg. Tage 73l, Uhr: Marie Ottmann u. H. WaEmann in Minha Oper. y.O. Blum enthal. lilUuC Musik v. Osk Straus. Theater i. d. Königgratzerstr. Künstlerische Tänze. Vorher; „Frage an das Schicltsal- und „Abschiedssouper". 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