Ar. 196. 34. Jahrg. kdonnementz-kelNngong«: Ilbonnement».$tni ptänumRotAa CtetteljäW 8,90 MI. monall U30 MI. wöchentlich 30 JSfg, frei ml Haut Einzeln« Rummet ö Mg, Konnlag». nummet mit illuftnertet konntag». Beilage.Die Reue Weif 10 Mg Soft. ilbonnement! 1,30 Mari vro Monat Eingetragen in die Poll. ZeUung». Meisline. Unter Kreuzband für DeuN'chlaud und OeNerreutz, Ungarn 9�0 3l!ar!, lür da» übrige ilusland « Mari vro Monat Bostabonnernerlt» nehmen an Belgien. Dänemart Holland, Italien. Luxemburg, Porwgah «iumänien. Schweden im» die Schwei» ClUKtBt täglhk. Verlinev Volksblnkt. ( 5 Pfennig) Dfr Bnzdgenprcis betrigt s, die stebengesvaltenc Kolonel. »eile KO Pfg,„Meine Anreizen", »as fettgedruckte Wort 20 Pfg, fzu- lässig 2"fettgedruckte Worte), jedes wettere Wort 10 Pfg, Stellengesuche mrd Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuichlag 20°/» Politische u, gewerkschaftliche Vereins- anzeigen die stebengefpalteneKoloncl- zeile 40 Pfg, Familtenanzeigen 50 Pf. «In zeigen für die nächste Nummer mafsen bis 5 Uhr nachmittags in der Hatwi- Expedition abgegeben werden, »eösinet d.SUhr früh bis? Uhr abends. Deligranun. Zldresse: �«I�tiewodil KtMa". Zentmlorgan der fozi aldcmokrati fdh en parte» Deutfcblands. Reüaktloa: ctö. 68, Linöenstraße Z. Ferttfprecher-«Mt Mortttpiati,«r. 15190—15197. Freitag, de» SO. In« 1917. CxpeMtf»o: GW. 69. tin6eallraze 3. Fernivrecker: Htnt Morittpiatz, Str. 15190—15197. Das frledensprogramm des Reichstags. Angenommen mit 214 gegen 116 Stimmen. Das entscheidende Ereignis der gestrigen Reichstags- .sitzung war nicht die Antrittsrede des neuen Kanzlers, die wir an anderer Stelle ausführlich behandeln, sondern die An- nähme der schon bekannten, im Bericht zur Erinnerung ge- brachten Friedenserklärung des deutschen B o l k e s. Sie erfolgte mit nahezu Zweidrittelmehrheit, mit 214 gegen 116 Stimmen bei 17 Enthaltungen. Die Qppo- sition wäre nicht einmal bis zur dreistelligen Zahl empor- geklettert, wenn sie nicht durch den närrischen Unverstand der Unabhängigen gestärkt worden Wäre. Konservative. National- liberale und— Unabhängige schloffen sich von der Friedens- kundgebung der deutschen Volksvertretung aus. Die Annahme ist trotzdem mit gewaltiger Mehrheit er- folgt, und ihre Bedeutung kann durch ultraradikale Spaße nicht gemindert werden. Sie spricht aus, was die dent- sche Sozialdemokratie vom ersten Tag des Krieges an gepredigt hat. Sie ist ein Sieg der Ueberzeugung, den wir in harter jahrelanger Arbeit errungen haben. Sie bedeutet, wie wir zuversichtlich erwarten, einen Schritt zum Frieden. Es ist kein Geheimnis, daß ein beträchtlicher Teil der neuen Mehrheit in dieser Frage vordem anders stand, als er jetzt steht. Und es ist keine Schande für ihn, daß er„umge- lernt" hat. An der Tatsache, daß der deutsche Reichstag und das deutsche Volk auf einen FriedenohneEroberun- gen und Entschädigungen einzugehen bereit ist, kann trotz aller Rabulisterei jetzt kein Mensch von gesundem Verstände mehr zweifeln. Und diese— durch die Arbeit der deutschen Sozialdemokratie herbeigeführte— Tatsache bedeutet auch eine veränderte Weltlage. Von großer Bedeutung ist es auch, daß sich hier zum erstenmal in der deutschen Geschichte ein Willensakt der deutschen Volksvertretung, der die auswärtige Politik des Reiches entscheidend bestimmt, aus ihrer eigenen Mitte heraus gebildet und vollzogen hat. Es ist kein Ge- heimnis, daß diesem Willensakt starke und einfluß- reiche Kräfte entgegen st anden— er kam dennoch zustande. In der Annahme dieses Programms liegt für die Re- gierung ein unwider st ehlicher Zwang, nach ihm zu handeln. Sie kann auf der künftigen Friedenskonferenz nicht mit Forderungen auftreten, die diesem Programm wider- sprechen. Es ist darum von heute ab sehr gleichgültig, wie dieser oder jener einflußreiche Mann über die Kriegsziele denken möchte. Töricht wäre der deutsche Staatsmann, der sich durch Winkelzüge aus der Bindung dieses Reichstagsbe- schlusses zu befreien versuchte. Zu bald müßte er erfahren, daß solche Versuche vollkommen aussichtslos sind. Die Annexionistenpreffe des Auslandes erkennt die G e- fahr, die für sie in dem Beschluß der deutschen Volksver- tretung liegt, und darum vollführt sie einen wüsten Lärm, da- mit die Bedeutung dieser deutschen Einkehr ihren Völkern nicht zu Bewußtsein komme. Sie findet dabei frei- willige Helfer bei den Unabhängigen, die natürlich den ge- waltigen Erfolg der sozialdemokrattschen Fraktion nicht gelten lassen können, und darum die Bedeutung des ganzen Vorgangs nach Kräften herabzusetzen bemüht sind. Der Erfolg kann damit für den Augenblick etwas gehemmt, auf die Dauer ober nicht aufgehalten werden. Die Zuversicht, mit der wir den kommenden Dingen entgegensehen, die Genugtuung, die wir über das Errungene empfinden, und das Verständnis der Massen für die energische und erfolg. reiche Arbeit der sozialdemokratischen Fraktion wird dadurch nicht vermindert werden! «» O Der neue Reichskanzler, Herr Michaelis, hat die Macht der Tatsachen anerkannt und das Friedensprogromm des Reichstages angenommen. Als Redner hat er ent- täuscht. Herr Mchaelis hielt eine richtige, den Umständen angepaßte G e h e i m r a t s r e d e, die weder in der Form noch im Inhalt etwas Außerordentliches bot. Vielleicht hat die Befangenheit des großen Augenblicks die Rednergabe, die man ihm sonst nachsagt, beeinträchtigt. Im ganzen hatte man den Eindruck eines Mannes, der tastend seinen Weg sucht. Er wird es nicht leicht haben. Nachdem die Sensation, die kerne war, mrder dem Bei- fall der Mite geendet hatte, gab Herr Fehrenbach vom Zentrum namens der neuen Mehrheit des Hauses eine kraft- voll gedrungene Erklärung für das Friedensprogromm des Reichstages ab. Seine volkstümliche, dialettisch angehauchte Redcart wirkte nach dem etwas amtlich korretten Ton bcC neuen Reichskanzlers erfrischend. Ihm folgte unser Genosse Scheidemann mit einer Rede, aus der die Genugtuung über den gesicherten Erfolg— die Absfimmung stand ja noch bevor— verhalten herausklang. Scheidemann behandelte den neuen Mann nicht mit Unhöf- lichkeiten. die er ja nach seinem Auftreten auch gar nicht verdient hätte, wohl aber mit beachtenswerten Rot- schlagen und merklicher Zurückhaltung. Mehr als der Person widmete er sich mit der ganzen Kraft seiner rednerischen Leidenschast der Sache: der Sache des Friedens und der Volks- s reihert, für die, wie seine Rede zeigt, noch unendlich viel zu tun ist. Für die Befreiung der Presse aus den Fesseln der Zensur, für die Befreiung Liebknechts und der anderen„politischen Verbrecher" ttat er mit warmer Entschiedenheit ein. Der stürmische Beifall, mit dem die Frottion ihrem Redner dmrtte, war verdient. Dann sprach Herr v. Payer für die BoMspart«, viel- leicht mit etwas voreiligem„Vertrauen", aber doch mit einer klaren Warnung für den Fall, daß Herr Michaelis dieses Ver- trauen enttäuschen sollte.— Graf W e st a r p gab fiir die Konservativen eine Erklärung ab, die sich gegen das Friedens- proyromm richtet, aber doch deutlich zeigt, daß die Annexio- nisten ihr Spiel verloren geben.— Wie sehr sie dazu Grund haben, zeigten die kurzen Ausführungen des national liberalen Prinzen Schönaich-Carolath: gegen das Friedens- Programm, aber doch mit Maßen, sehr mit Maßen! Die Fvccktur, nach der die deutsche ErobenmgSpreffe geschrien hatte, wurde von keiner Seite gesprochen. Es ging bei ge- dämpster Trommel Klang! Dann kamen die kleineren Fraktionen— unter ihnen H a a s e. Nur mit Worten schmerzlichen Bedauerns können wir darüber sprechen, wie heillos sich dieser Mann, der vor- dem unser Parteigenosse war, verrannt hat. Was er gegen das reaktionäre Regime sagte, recht und gut! Aber wie er zum Schaden der Friedenssache, bloß um recht gehabt zu haben(was ihm doch keiner glaubt), den Erfolg der sozial- demokratischen Fraktion herunterriß, das war für ihn und für die Seineu beschämend. Hätte Haas« die Annahme der Friedenserklärung verhindern können, er hätte es getan. Aber er konnte es nicht. 214 Ja, 116 Nein, 17 Enthaltungen — das Ziel war erreicht! Stürmischer Beifall aus den Bänken der Mehrheft, der stärkste bei den Sozialdemo kraten — und man wußte wohl warum! Morgen folgt die dritte Lesung der Kredite. Dann will der Reichstag in— hoffentlich nur kurze— Ferien gehen. Er war nach der Unterbrechung, die seine Arbeit durch die Krise erfahren hat. nur zwei Tage beisammen, ober er in ihnen etwas vollbracht. die große Sitzung. Michaelis' Antrittsrede. Iis. Sitzung. Freitag, den 19, Juli, nachmittag« 3 Uhr. Hau? und Tribünen sind QberfiUlt. Am Bundesratstisch: Der neu« Reichskanzler, Helfferich, v. Capelle, Zimmermann, v. Loebell, Beseler, Breitenbach, Graf Roedernu.«. Präsident Dr. Kampf feiert die Verdienste des Herrn von Betbma«» Hollweg. Er erkennt dankend an, daß Herr von Bethmann die Jnteresien des Reichstags und seine Wünsche gewissenhaft geachtet, daß er den Bedürfnissen eines vertrauensvollen Zusammenwirkens zwischen Reichsleitung und Reichstag wohlwollend, gerecht und vorurteilsfrei. wie er sagte, volles Berftändnis entgegengebracht hat. iLebh. Beifall links und im Zentrum, Schweigen rechts.) Mit der selbstlosen Hin- gebung seines ganzen Könnens und der ganzen Tiefe feines Wissens hat er sich dem schweren Amte gewidmet, das er aus sich genommen hatte. sLebbaster Beifall links und im Zentrum, Schweigen rechts.) Der Präsident begriitzt dann den neuen Reichskanzler Dr. Michaelis im Namen deS Reichstages und wünscht ihm guten Erfolg. Wir vertrauen, daß eS feiner Einsicht und Tatkraft gelingen wird, in deni Streit der Meinungen und in dem Ringen der Böller den Weg zu finden, der unser Baterland einer glücklichen, gesichetten Zukunft entgegenführt.(Lebhafter Beifall.) Der Präsident nimmt dannn ein Schreiben der Schweizerschen Bereinigung der Griechen in Genf an chu aU den Präsidenten de» Reichstage« zum Lnlaß, um der wegen ihrer Vergewaltigung be- mitleidenswerten Nation und ihrem auch im Unglück stolzen und ausrechten König die wärmste Sympathie de« Reichstages auSzu- sprechen. lLebhaster Beifall.) Auf der Tagesordnung stehen die Kriegskreditr. Reichskanzler Dr. Michaelis: Ju ernstester Zeit ist die zentnerschwere Last meine? Amtes auf meine Schultern gelegt. Im Aufblick zu Gott und im Vertrauen auf die deutsche Kraft habe ich es gewagt und werde nur der Sachs dienen bis zur letzten Hingabe.(Beifall.) Von Ihnen erbitte ich vertrauensvolle Mitarbeit in dem Geiste, der sich in diesem dreijährigen Kriege so herrlich bewährt hat, und im Ge- danken an den hochverdienten Mau», der an diesem Posten vor niir acht Jahre gestanden hat. An seiner Tätigkeit fft herbe Kritik geübt worden. Kritik, die vielfach mit Feindschaft und Haß durchsetzt war. Ich habe die Empfindung. es wäre würdiger gewesen, Feindschaft und Hätz hätten Halt gemacht vor der verschlossenen Tür.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Erst wenn das Buch dieses Krieges geöffnet vor uns liegen wird, werden wir voll würdigen können, was Bethmann s Kanzlerschaft für Deutschland bedeutet hat.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Ich hätte meine Aufgabe nicht übernommen, hätte ich nicht festen Glauben an die Gerechtigkeit unserer Sache. Täglich mützten wir uns die Ereigniffe von vor drei Jahren vor Augen halten, die geschichtlich feststehen und die beweisen, datz wir in den Krieg gezwungen worden sind. Russische Rüstung, seine heimliche Mobilmachung waren eine grotze Gefahr für Deutsch- land. An einer Konferenz teilzunehmen, während deren Dauer die Mobilmachung weitergegangen wäre, das wäre politischer Selbstmord gewesen. Obwohl die englischen Staatsmänner wutzten, wie aus ihrem Blaubuch hervorgeht, datz die russische Mobilmachung zum Kriege mit Deutschland führen müsse, haben sie kein Wort der Warnung gegen die militärischen Matznahmen Nutz- landS gerichtet; während mein AmtSvorgänger in einer Instruktion vom 29. Juli 1914 an den kaiserlichen Botschafter in Wien folgende Direktive gab: „Wir erfüllen gern unsere BündniSpflicht, aber müffen e« ab- lehnen, uns durch Oesterreich-llngaru wegen Nichtbeachtung uuscrer Ratschläge in einen Weltbrand verwickeln zu lassen." So schreibt kein Mann, der einen Weltkrieg entfachen will, so schrieb ein Mann, der um den Frieden ringt und gerungen hat bis zum Aeutzersten.(Lebhafte Zustimmung.) Uns blieb keine andere Wahl. Und was vom Kriege selbst gilt, gilt auch von unseren Waffen, insbesondere von der ll-voot-Waffe. Wir weisen den Vorwurf zurück, datz der U-Boot-Krieg Völker- rechtswidrig sei, datz er gegen die Menschenrechte verstotze. (Bravo! r e ch t S.) England hat uns diese Waffe in die Hand gedrückt; durch seine völkerrechtswidrige Seesperre hat es den neutralen Handel mit Deutschland unterbunden und den AuShungerungSlrieg proklamiert.(Lebhafte Zustimmung,) Unsere schwache Hoffnung, datz Amerika an der Spitze der Neutralen der englischen RechtSwidrigieit Einhalt gebieten würde, war eitel, und der letzte Versuch, den Deutschland gemacht hat. durch ein ehrlich gemeinte» Friedensangebot das Aeutzerste zu vermeiden, fWl ist fehlgeschlagen. Da durfte und mutzte Deutschland die? letzte ' Mittel wählen, al» eine von der Notwehr geboten« Gegen- matzregel und auch al» ein Mittel zur Abkürzung des Krieges. (Lebhafte Zustimmting.) Der U-Boot-Krieg leistet das, und er leistet noch mehr als da«, was man von ihm erwartet hat. Falsche Nachrichten, die aus geheimen AuSschutzfitzungen in die Oeffentlichkeit gedrungen sind (Sehr richtig l recht». Lachender Widerspruch gegen dieses Sehr richttg l links), haben eine Zeitlang etu gewisses Gefühl der Enttäuschung hervorgerufen. Das hängt wohl damit zusamnien, datz voreilige Propheten die Erwartung ausgesprochen hatten, infolge des U-Boot-Krieges werde der Krieg zu einer bestimmten Zeit zu Ende sein.(Lebhafte Zustimmung, Rufe links: Helfferich!> Ich stelle fest, datz der U-Boot-Krieg in der Vernichtung feind- lichen FrachtraumS leistet, was er leisten sollte. Er schädigt Eng- land» Wirtschaft und Kriegführung, von Monat zu Monat wachsend, so datz dem Friedensdedürfnis dort nicht mehr lange wird entgegengewirkt werden können.(Bravo!) Den Arbeiten unserer wackere» U-Boot-Leute sehen wir weiter mit vollem Vertrauen entgegen. Und so grüße ich unsere Trupe« an alle« Kroate«, zu Lande, zu Wcffser, i» der Lust und unter See von der Heimat. (Lebhafter Beifall.) Was unsere Heere unter der Leitung ihrer großen Führer bisher geleistet haben, ist:n der Weltgeschichte im- erhört und unser Dank ist unmiSlöschlich.(Lebhafter Beifall.) Wir gedenken auch dankbar unserer treuen und tapferen Bundes- genossen. Die Waffenbrüderschaft, in heißen Lfämpsen geschlossen und erprobt, wird nicht gelöst.(Bravo?) Die Berichte über die militärische Lage sind sehr gut. Im Westen sind die Offensiven der Engländer und Franzosen ge- scheitert: die Gegenangriffe unserer Heere beweisen ihre unge- brochene Kraft und ihr bestes Können.(Bravo I) Im Osten ist in- folge der inneren Wirreu der Angriff der Millionenheer« nicht zur Ausführung gekommen; cS trat dort zunächst berhältnismähig Ruhe ein.� Erst nachdem falsche Nachrichten und Hetzereien die russischen Soldaten von neuem aufgestachelt hatten, kam es zu der fetzigen Offensive. Ihr Ziel war Lemberg und die Oet guellen von Trohobycz— auch eine Folge dez Il-Boot-KriegeS (Hörfl hört!) Brussilow hat mit rücksichtslosen Opfern nur geringe Vorteile erzielt. Vor einer halben Stunde habe ich folgendes Telegramm des Feldmarschalls Hindenburg erhalten: Durch die russische Offensive in Galizien herausgefordert, hat dort heute ein durch starken Regen bisher hinausgeschobener deutscher Angriff östlich Zloczow eingesetzt. sBeifall.) Unter persönlicher Leitung des Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern(eine Stimme auf der Rechten ruft Bravo!— Große Heiterkeit im ganzen Hause.) haben deutsche Divisionen, unterstützt durch österreichisch-ungarische Artillerie, in altbewährtem Schneid und fester Zuversicht die russischen Stellungen durch- st o ß c n.(Lebhafter Beifall.— Zuruf bei den Unabhängigen Sozialdemokraten: Stimmungsmache!— Pfui-Rufe.) Die letzten Vorteile von Brussilow sind dadurch wieder anS> geglichen. Der Reichskanzler bespricht dann kurz die Lage in Griechen- land, Italien, im Kaukasus und in Palästina. Dir Hoffnungen der Entente auf Amerika beunruhrgen uns nicht. Wir wissen� wieviel Frachtraum nötig ist, um ein Heer von Amerika rmch Europa Aufbringen, und wieviel Tonnag« dazu gehört, um das Heer zu ernähren und zu versorgen. England und Frankreich können ihre Heere kaum selber versorgen. Unser Heer, unsere Marine dürften auch dieser neuen Gefahr Herr werden.(Leb- hafter Beifall.) So können wir dem Kommenden mit ruhiger Sicherheit entgegensehen. Und trotzdem ist in aller Herzen die brennende Frage: Wie lange noch? Ich komme damit zum Kernpunkt der heutigen Ver Handlung. Denischland hat den Krieg nicht gewollt(lebhafte Zuftinimungl, Deutschland hat ihn nicht gewollt, um Eroberungen zu mache», um seine Macht gewaltsam zu vergrößern, und darum wird Deutschland auch nicht einen Tag länger Krieg führen, wenn es einen ehrenvollen Frieden bekommt, nur um gewaltsame Er oberungen zu machen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Das, was wir wollen, ist in erster Linie, daß wir den Frieden als solche «lachen, die sich erfolgreich durchgeseht haben. Die jetzige Generation und di« kommenden Geschlechter sollen dies« Kriegsprüfungszeit als eine Zeit unerhörter Tatkraft und Opfer freudigkeit unseres Volkes und unserer Hc«re in leuchtendem Ge däckitnis behalten für die Jahrhunderte.(Lebhafter Beifall.) In diefeiii Geiste wollen wir in die Verhandlungen ein- treten, wenn es Zeit ist. Wir können den Frieden nicht nochmals anbieten.(Sehr richtig!) Die Hand, die einmal ehr- lich und friedensbereit ausgestreckt war, hat ins Leere aegrifsen. (Sehr richtig!) Wenn wir Frieden machen, dann müssen wir in erster Linie erreichen, daß die Grenzen des Deutschen Reiches für alle Zeiten sichergestellt werden. (Beifall rechts.) Wir müssen im Wege der Verständigung (Bravo! links und in der Mitte) und des Ausgleichs die Lebensbedingungen des Deutschen Reichs auf dem Kontinent und Ucbersce garantieren. Der Frieden muß die Grundlage für eine dauernde Versöhnung der Völker geben.(Lebhafter Beisall bei den Mehrheitsparteien.) Er muß der weiteren Verfeindung der Völker durch wirtsckkifUiche Absperrung vorbeugen.(Bravo!) Er muß uns davor sichern, daß sich der Waffenbund unserer Gegner zu einem wirtschaftlichen Trutzbund gegen uns auSwächst. Diese Ziele lassen sich im Rahmen Ihrer(der Mehrheit) Resolution, wie ich sie auffasse, erreichen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Wenn die Feinde ihre Erobernngsgelüste, ihre Nieder- werfiliigsgelüstc aufgegeben haben und eine Verhandlung wünschen, dann ist das gesamte deutsche Volk und die deutsche Armee mit ihren Führern, die mit diesen Erklärungen ein- verstanden find(Bewegung und lebhafter Beifall links und in der Mitte), darin einig, daß wir den Gegner, der dir Fühler ausgestreckt, fragen, was er uns zu sagen hat, und dann wollen wir ehrlich und friedensbereit in die Verhandlungen eintrete«.(Leb- hafter Beifall.) Bis dahin müssen wir ruhig, geduldig und mutig ausharre». Der Reichskanzler wendet sich nun der ErnöhrungSsrage zu. Ter Monat Juni toar der schlimmste; es hat in der Tat vielfach bittere Not geherrscht, aber ich kann die frohe Zuversicht aus- sprechen, daß in kurzer Zeit eine Erleichterung eintreten wird, und daß dann die Bevölkerung wieder reichlicher wird versorgt werden können.(Beisall.) Unsere Ernte ist besser als wir befürchteten. Die Achrc ist zwar kurz aber die Körnerbildung vortrefflich. Wir hoffen auf eine gute Kartoffelernte. Mit Hilfe Rumäniens und der besetzten Gebiete wird auch die Fuiterknappheit überwunden werden. Bei straffer Erfassung und voller Rationierung reichen die Vorräte. Schmerzlich war die Erfahrung, daß sich das Ver- hältniS der Bevölkerung in Stadt und Land infolge der Kriegswirtschaft getrübt hat. Jni neuen Wirlschaftsplan dürfen die Rationen für die Landwirtschaft auch für das Vieh und die Pferde nicht so gering sein, daß eS von vornherein ausgeschlossen ist, daniil zu reichen. Das war ein Fehler des vorigen Jahres, der glatt zugegeben wird, denn das hat natürlich zur Folge, daß notwendigerweise gesetzliche Ilebertretungen vorkommen. Die städtische Bevölkerung muß die großen Schwierigkeiten der Land- Wirtschaft würdigen, aber auch die Landwirtschaft muß volles Ver- ftändnis dafür haben, wie groß die Not in der Industrie und in den Großstädten ist. Wenn das geschieht, dann wird die Annähe- rung erfolgen. Ucbcr die schwebenden Fragen der innere« Politik kann ich mich heute nicht abschließend und erschöpfend äußern. Aber ich will folgendes sagen: Nach Erlaß der Allerhöchsten Botschaft vom 11. Juli über daZ Wahlrecht in Preußen stelle ich mich scklswcrsländlich auf den Standpunkt.(Beifall links.) Ich baltc es für nützlich und notwendig, daß zwischen den großen Parteien und der Regierung eine engere Fühlling herbeigeführt wird, und bin bereit, soweit die? möglich i st, ohne den bundesratlichen Charakter und die kon- stitutionellen Grundlagen des Reiches zu schädigen, alles zu tun, was dieses Zusammenarbeiten lcbens- und wirkungs- voller machen kann.(Beifall.) Ich halte es auch für wünfchens- wert, daß das Vertrauensverhältnis zwischen Parlament und Re- gicrung dadurch enger wird, daß Männer in leitende Stellen be- rufen werden, die neben ihrer persönlichen Eignung auch daS volle Bcrtrauen der großen Parteien und der Bolksvertretnng genießen. (Beifall.) Selbstverständlich ist alles das nur unterderVor- a u s s c tz u n g möglich, daß von der andern Seite anerkannt wird, daß das verfassungsmäßige Recht der Reichsleitung zur Führung her Politik nicht geschmälert werden darf.(Beifall rechts.) Ich bin nicht willens, mir die Führung aus der Hand nehmen zu lasse«. (Vereinzelte demonstrative Bravos bei den Konservativen. Heiter- ileit links.) Wir fahren in wildbewegter See. Aber das Ziel steht uns leuchtend vor Augen. Das was wir ersehnen, ist«in neues, ein herrliches Teutschland, nicht ein Deutschland, daS mit feiner Waffen» aewolt die Welt terrorisieren will, wie unsere Feinde glauben. Nein, ein silllich geläutertes, ein gottesfürchtiges, ein freies, friedliches, machtvolles Deutschland, das wir alle lieben. Für dieses Teutschland wollen wir kämpfen und leiden, für dieses Deutschland wollen unsere Brüder draußen und wir bluten und sterben, und dieses Deutschland wolle» wir uns erkämpfen allen Feinden zum krotz.(Lebhafter Beifall.) Abg. Fehrenbach(Zentr.): Im Auftrage der Fraktionen des Zentrum?, der Sozialdemo- traten und der Fortschrittlichen Volkspartei beehre ich mich, dem hohen Hanfe folgende Refolut'on mit der Bitte um Annahme zu unterbreiten' ,,Ter Reichstag erklärt: Wie am 4. August 1914 gilt für das deutsche Volk auch an der Schwelle des vierte» Kriegsjahres das Wort der Thronrede:„Uns treibt uicht Eroberungs- s u ch t!" Zur Verteidigung seiner Freiheit und Selb- ständigkrit für die Unversehrtheit seines territoriale» Be- sitzstandes hat Teutschland die Waffen ergriffen. Der Reichstag erstrebt einen Friede» der Ber ständigungundderdauerndenVersöhnnug der Völker.(Bravo!) Mit einem solchen frieden iind erzwungene Gebietserwerbungcn und politische, Wirtschaft liche oder finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar. Der Reichstag weist auch alle Pläne ab, die auf eine wi rtschaftlicheAbsperrung und Verfeindung der Völker nach dem Kriege ausgehen. Tie Freiheit der Meere muß sichergestellt werden. Nur der Wirtschaftsfriede wird einem freundschaftlichen Zusammenleben der Völker de« Boden bereiten. DerReichstagwirddieSchaffuliginter nationaler Rechtsorganisationen tatkräf tig fördern.(Bravo!) Solange jedoch die feindlichen Regirrungen auf einen solchen Frieden nicht eingehen, solange sie Deutschland und seine Verbündeten mit Eroberung und Vergewaltigung be drohen, wird das deutsche Volk wie ein Mann zusammen stehen(Lebhafter Beifall.), unerschütterlich ausharren und kämpfen, bis sein und seiner Verbündeten Recht auf Leben und Entwickclung siesichert ist.(Bravo!) In seiner Einlgkeit ist das deutsche Volk unüberwind lich.(Lebhafte Zustimmung.) Der Reichstag weiß sich darin eins mit den Männern, die in heldenhaftem Kampf das Vaterland schützen. Ter unvergängliche Dank des ganzen Volkes ist ihnen sicher.(Bravo!) Namens der Fraktion des Zentrums gestatte ich mir dazu foh aende Ausführungen. Einen denkwürdigen Tag begeht der deutsche Reichstag mit seiner Friedenskundgebung. Er hat sich seit Be- stehen des Reichs großer Reserve in bezug ans die auswärtigen?lw gelegenheiten auferlegt. Jetzt an der Schwelle des vierten Kriegs- jahrcs tritt er aus seiner Zurückhaltung heraus und verkündigt der Welt die Bereitschaft des deutschen Vlkes zu einem für alle Betet- ligten, für Freund wie Feind ehrenvollen Frieden.(Bravo!) Er mischt sich nicht in das, was Sache der Regierung ist, das heißt, er macht den feindlichen Regierungen kein Friedensangebot. Dafür Zeit und nähere Umstände zu bestimmen, ist Sache der Regierung. Was er heute unternimmt, ist nur eine Friedenskundgebung. Er kellt die Bereitschaft des eigenen Voiles zum Frieden fest und fordert die feindlichen Völker in feierlicher Weise auf, sieh von dem gleichen Friedenswillen beseelen zu lassen.(Bravo I) Man hat vom deutschen Volk ein fürchterliches Zerrbild in den feindlichen Ländern gezeichnet, aber schließlich wird, wenn vielleicht auch erst in Monaten, die ruhige Üeberlegung zu ihrem Recht kommen, welche sagt: Das deutsche Volk ist ein starkes und tapferes Volk, aber mehr noch als in den Künsten des' Krieges hat es sich in den Werken des Frie dcns ausgezeichnet. Man hat vor einer solchen Kundgebung als Zeichen der Schwäche gewarnt.(Sehr richtig! rechts.) Gewiß werden sich solche Stimnien, zumal in den nächsten Tagen, ver nehmen lassen, aber wir werden tagtäglich den Beweis erbringen, daß wir zum Schlagen bereit und zu siegen befähigt find. Auch bei unseren Feinden wird sich die Erkenntnis durchringen, daß nicht die Not, sondern die Sehnsucht nach Frieden uns bestimmt, die Hand zur Verständigung zu reichen. An der Schwelle des vierten Kriegsjahres erhebt sich die fürchterliche G e w i s s e n s f r a g e bei allen Völkern gleichmäßig.(Sehr richtig!) Soll dieses Wüten auch noch ein viertes Jahr dauern? Keine Er obernng und keine wirtschaftliche Vergewaltigung würde die Summe von Elend ansgleiche«!(Lebhafter Beifall bei der Mehr heit.) Unsere militärische Situation schließt jede Mißdeutung aus. Wird die von der deutschen Volksvertretung jetzt zum erstenmal dargebotene Hand zurückgewiesen, so wird das ganze Volk auf 'lammen in gerechtem Zorn, dann wird die Heimat das wunderbare Bild des Zusammenhaltens und Ausharrens schauen, dann werden wir der Welt beweisen, daß das deutsche Volk in seiner Einigkeit unüberwindlich ist.(Lebhafter Beifall.) In der inneren Politik ist aus die Osterbotschaft die Ankündi- gung des gleichen Wahlrechts gefolgt, nicht so frühzeitig wie es gewünscht gewesen wäre.(Sehr richtig!) Meine Partei hat jede Einmischung des Reiches in diese preußische Angelegenheit ab- gelehnt.(Hört! hört! rechts.) Aber bei der Bedeutung, die die poli- tische Haltung des führenden Bundesstaates für das ganze Reich hat, hielten wir uns berechtigt auszusprechen, daß das Wahlrecht, das die meisten Bundesstaaten den Wählern gewähren, auch in Preußen gewährt werden muß, ganz besonders nach diesem Kriege, in dem der letzte deutsche Mann seine ganze Kraft dem Vaterland zur Verfügung stellt. Wir hoffen, daß die Kundgebung deS Kaisers und Königs von Preußen ohne innere Kämpfe möglichst bald und vollkommen zur Durchführung kommt. Auch in der Frage der Parlamentarisierung will meine Frak- tion den bundesstaatlichen Charakter des Reiches geioahrt wissen, ie denkt nicht daran, alle obersten Reichsstellen mit Parlamen- taricrn besetzt zu sehen.(Zuruf rechts: Alle!) Nu», für so unfähig werden Sie dach die Parlamentarier nicht halten, daß nicht etliche das eine oder das andere Amt ausfüllen können.(Heiterkeit.) Die geringe Fühlung zwischen Regierung und Parlament haben wir be- lauert und glauben, daß diesem Uebelstand durch Berufung von Kräften aus dem Parlament abgeholfen werden soll, wir sehen auch nicht ein, daß solche Fühlungnahme mit Parteien verfasiungs- widriger sein soll, als die Füblungnahme mit allen möglichen un- veraniwortlichen Stellen und Persönlichkeiten.(Lebhafter anhalten- der Beifall bei der Mehrheit.) Das Llmt des Kanzler? hat den Inhaber gewechselt. Es hat etwas tragisches, daß der Mann, der mit allen Mitteln den Frieden zu erhalten suchte, fallen mußte, als der Reichstag sich zur Friedenskundgebung entschloß, und daß die Volksvertretung ihn in dem Moment scheiden ließ, als er es unternahm, ihre Rechte zu vermehren. Was Herr v. Bethmann während seiner acht- jährigen Tätigkeit und namentlich während des Krieges im Zu- sammenhalteu des Volkes geleistet hat, soll nicht vergessen werden. Dem neuen Reichskanzler kommen wir mit dem Vertrauen cnt- gegen, dessen er zur Leitung der StaatSgeschäfte in so ernster Zeit bedarf. Wir hoffen, daß er mit den gesellschaftlichen Vorurteilen brechen wird, die ein« voll« Ausnutzung aller Volkskräfi« so oft verhinderten, und daß eS ihm gelingen wird, nach glücklicher baldiger Beendigung des Krieges einen Frieden her- beizuführen, der die freie wirtschaftliche und politische Entwicklung des deutschen Volkes sickert, in seinen Grundlagen aber auch die Aussöhnung der Völker erhoffen läßt.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Abg. Scheid emann(Soz.): Wir waren politische Gegner des zurückgetretenen Reichskanzlers und haben seine Amtsführung oft auf das schärfste kritisiert; unsere Gegnerschaft und Kritik unterschied sich aber von einer anderen Art, die persönlich angreift und verleumdet. So weit haben wir es unter dem Burgsrieden gebracht, daß man als Gegner nicht ernst genommen wird, wenn man mit anständigen Waffen kämpft. Ekelhaft und widrig war die Art, wie Herr v. Bethmann Hollweg von einer Seite bekämpft worden ist. ES traten da zutage die bösartigen Instinkte einer Klafft, die sich in ihren Klasseninteressen bedroht fühlte, und zwar von einem Klaffen- genossen.(Lebhafte Zmtimmung links, Unruhe rechts.) Was ist dem Reichskanzler nicht alles nachgeschimpft und nachgespien worden— pfui Teufel! Wäre er schon mit den Uebcrzeugungen in sein Amt eingetreten, mit denen er es verlassen hat, wer weiß. ob nicht manches besser gewesen wäre. Freilich war ein Reichs- kanzler mit solchen Uederzeugungen vor dem Kriege nicht möglich. Die reaktionäre Wirtschaft, die das deutsche Volk vor dem Kriege allzu geduldig ertragen hat, ist unsere tragische Schuld. Als Bethmann Hollweg und anderen ernsten Männern unseres Vaterlandes die Augen darüber aufgingen, war es leider zu spät. Das Versprechen des gleichen Wahlrechts hat er uns noch gebracht. Gegen die Parlamentarisierung, die unter allen Um- ständen kommt, hatte er Bödenken, jene entsetzlichen Be- denken, die man immer zu spät aufgibt! Er war im Grunde genommen: Einsicht ohne starken Willen, und das war zu wenig. Der Himmel behüte uns aber vor einem starken Willen ohne Einficht. Das könnte unser Land nicht ertragen. Dieselbe Presse, die den Reichskanzler angriff, hat auch den Deutschen Reichstag angegriffen und behauptet, im Reichs- tag habe eine Panik geherrscht, die Nerven der Abgeordneten seien zerrisien und dergleichen. Ich stelle fest, daß das alles Lüge. ist; nichts Wesentliches ist dem Haushaltsausschutz vorgetragen worden, was nicht auch hier schon von unseren Freunden oft"ge- sagt worden ist. Die Sensation war, daß wir nicht mehr allein standen. Das bat eine Panik bewirkt, aber nickt eine Panik des Reichstages, sondern bei ganz anderen Leuten, die ihr Spiel der- loren sahen. Wir Sozialdemokraten haben den U-Boot-Krieg bekämpft. Wir sagten, er würde uns auch den Krieg mit Amerika bringen, und sahen darin einen größeren Schaden, als in dem Vorteil seiner Wirksamkeit. Wir drangen nicht durch. Eine wüste Hetze wurde gegen uns entfesselt, die wüsteste Demagogie siegte. Ein Hauptanteil daran gebührt der„Deutschen Tageszeitung"; nie hat ein Blatt seine Leser frivoler getäuscht.(Unruhe rechts.) Sein Mitarbeiter Graf Reventlow gehört zu den Anstiftern des Krieges mit Amerika und vielleicht nicht dieses Krieges allein. In wenigen Monaten, hieß es, würde es gelingen, England nieder- zuwerfen. Eine Gegenwirkung gegen diese Stimmungs- mache durch die Presse war nicht möglich, weil die Zensur sie verbot; ebenso wurden die Versammlungen verboten. Noch jetzt darf Herr Mertin in Schlesien gegen den Verständigungsfrieden reden, unsere Leute dagegen nicht für einen Verständigungsfrieden.(Hört! hört! links.) Herr v. Heydebrand hat erst kürzlich aus- geführt, binnen zwei Monaten würde der Krieg durch die U-Boote gewonnen sein. Herr v. Heydebrand, Ihre U-Boot-Uhr ist ab- gelaufen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraken.) Das waren die Dinge, die Herr Erzberger im Hauptausschuß vor- brachte. Das sickerte auch in die Oeffentlichkeit und da brach die Stimmungsmache zusammen. Daß die U-Boote England unge- beuren Schaden zufügen, bat nie jemand bestritten, aber man hat sie als Mittel bezeichnet, den Krieg in diesem Sommer zu beendigen, und diese Illusion ist zusammengebrochen, weil sie zu- sammenbrechcn mußte.(Zuruf rechts: Wer hat das gesagt?) Stellen Sie sich doch nicht unwissender, als Sie in Wirklichkeit find. Diejenigen, die diese Illusion erwecften und am liebsten nock für einige Monate prolongieren wollen, haben dem deutschen Volke einen schlechten Dienst geleistet, denn nur die Wahrheit kann uns nützen, nichts als die Wahrheit, und Wahrheit ist, daß wir diesen Krieg mit militärischen Mitteln ebensowenig zu Ende bringen können, wie unsere Gegner. Wir führen drei Jahre Krieg gegen einen Feind, dessen gewaltige Uebermacht sich dank einer geradezu unbegreiflichen Politik im Laufe des Krieges noch vermehrt hat. Noch immer stehen wir un- gebrochen da, wir sind noch immer Herren im eigenen Land und sieben mit unseren Fronten weit in den feindlichen Ländern. Ist das nicht eine ungeheure Leistung! In der Verteidigung sind wir unüberwindlich. Hätten gewisse Leute nicht so getan, als ob wir die ganze Welt verschlingen könnten und wollten, so hätten wir heute weniger Feinde und vielleicht schon Frieden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Was die Resolution sagt, ist schon lange daS geistige Ge- meingut des ganzen deutschen Volkes.(Widerspruch reckts.) Mögen die anderen Völker diese Stimme böven, mögen sie wissen, daß wir keine Welteroberungspkäne hegen, daß wir keine Vergewaltigung beabsichtigen, daß wir bereit sind, einen Frieden zn schließen mit internationalen Rechtsgarantien. Wollen die anderen Völker das auch, so kann der Krieg morgen zu Ende sein. Wollen sie das nicht, so toerden wir weiter kämpfen, aber nicht wir werden dann die Schuld tragen, wenn die Welt zur Wüste wird. Es kann keinen Reichskanzler gebe«, der nicht im Sinne unserer Entschließnng handeln müßte.(Sehr richtig!) Es ist zu Ende mit aller Zweideutigkeit.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der wildeste Annexionist als Reichs- kanzler, der auf einer Friedenskonferenz die alldeutschen Kriegs- ziele vertreten wollte, würde dort ausgelacht, man würde ihm sagen: Dein eigenes Volk will von alledem nichts wissen. Dein eigenes Parlament steht gegen Dieb! Mit der Annahme dieser Entschließung wird eine Tatsache geschaffen sein, die durch nichts mehr aus der Welt zu schaffen ist. Eine Regierung, die ihr�cnt- gegen handelte, könnte das Reich nur in ein Ehaos führe«.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nützliches leisten kann eine Regierung, die sich dieser Resolution aus Uebcrzeugung anschließt. Ist die Regierung, die' durch Herrn Dr. Michaelis repräsentiert wird, eine solche Regierung? Sie haben seine Erklärung gehört und werden sich Ihr Urteil bereits gebildet haben. Der Reichs- kanzler hat gesagt: Nicht um einen Tag dürfe der Krieg weiter- geführt werden, um Eroberungen zu machen, wir wollen einen Frieden der Verständigung und des Ausgleichs, einen Frieden, der dauernde Versöhnung ermöglicht. DaS sind Ziele, die wir durchaus billigen. Stellen Sie sich vor, eine Resolution, wie wir sie beschließen wollen, würde auch im englischen Unser- haus eingebracht und vom dortigen Kanzler beantwortet, wie sie lfeute hier beantwortet ist: Morgen könnten die Friedensverhand» lungen beginnen.(Lachen rechts.) Der Menschheit ganzer Jammer aßt mich an, wenn ich in einer solchen Situation ein solches Ge- lächter höre.(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Ich nehme an, daß der Herr Reichskanzler beim näheren Nachdenken zu dem Ergebnis kommen muß: eine andere auswärtige Politik als die, die hier vorgezeichnet ist, kann es nicht mehr geben. Einem Reichskanzler, der sie uicht ans Urberzeugung vertrete« könnte, könnte man nur den guten Rat geben, einem anderen Platz zu machen, der sie aus Neberzeugung vertreten kann.(Sehr gut! bei der Mehrheit.) Eine kraftvolle Politik friedliebender Verteidigung kann nicht getrieben werden ohne ein freudiges Bekenntnis zum demokratischen Fortschritt. In dieser Beziehung klang manches in der Rede des Reichskanzlers ziemlich verbeißungsvoll. befriedigen konnte sie mich nicht. Sollten wir etwa nach einem Reichskanzter, der die Zeichen der Zeit er- kannte und do chnickt nach ihnen zu handeln vermochte, einen an- deren bekommen haben, der sie vielleicht nrcht vollkommen erkannt hat? Ter neue Reichskanzler wird nur Erfolg haben— den wir ihm im Interesse des Reiches sicher alle wünschen— durch die Vollendung dessen, was sein Borgänger uns angekündigt hat. Wir brauchen einen Kanzler, der uns hilft, uns von dem Drei» klassenwahlrecht und von dem veralteten ObrigkeitSstaate zu befreien(«ehr richtig!), der de» Weg zu neuen Regie- rungssormcn auch im Reiche öffnet.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)«cknell muß geschehen, was notwendig ist. (Sehr richtig! bei der Mehrheit!) Das deutsch« Volk will Taten sehen. Möge der Reichskanzler dafür sorgen, daß nicht etwa die Legislaturperiode des preußischen Abgeordnetenhauses verlängert wird und daß die Wahlrechtsvorlagc schon im Herbst den Landtag beschäftigt. Ifur auf diesem Wege kann der Frieden gesichert und eine bessere Zukueft beä Volke? erreicht werben. Der demokratische Fortschritt ist nicht mehr ein Parteiziel, sondern er ist ein beut. s ch e s Volksziel geworden.(Sehr wahr! bei der Mehrheit.) Wer uns auf diesem Wege entgegentritt, den halten wir für einen Schädling an unserem Bolfc und werden ihn mit allen Kräften bekämpfen, sei er, wer es fei.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Große Dinge muffen gesäieben, wenn Deutschland die Freiheit nach innen und außen gewinnen soll. Was wir dazu vor allem gebrauchen, ist die Befreiung der Presse von den schmachvollen Fesseln der Zensur (Bravo! bei den Sozialdemokraten.), die mit Erlassen regiert und mit Verboten terrorisiert. Ten Zensurmatznahmen gegen die »Frankfurter Zeitung* reihte sich würdig das Verbot der »Zukunft* an. Glaub, jemand, daß es nach Stärke aussieht, wenn die Zensur solche Nervosität zeigt? Die Breslauer»Volks- wacht* durfte bei dem letzte,. Verbot ihren Lesern nicht mitteilen, daß sie verboten sei, sondern mußte sagen, sie habe ihr Erscheinen eingestellt.(Lebhaftes Hört! hör'! bei den Sozialdemokraten.) Das mußte den Eiudru' erwecken, als sei das Blatt geschäftlich zu- sammengebrochen. DaS ist ein direkt abscheuliches Verfahren.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Erfolg ist ae- wesen. daß ihre Auflage von 4öy00 auf 50 000 gestiegen ist. lBravo? bei den Sozialdemokraten.) Das Verbot der Verbreitung zweier Artikel in der.Leipziger V o l k s z e i t u ng*. die sich ssegen die sozialdemokratische Fraktion richten, als Flugblatt geht ebenso über die l&utschnur wie das Verbot der Verbreitung von Reichstagsreden. Was denken sich eigentlich diese Leute bei solchen Verboten? Sind sie wirklich so unglaublich beschränkt(Lebhafte Zurufe be, den Sozialdemokraten: O ja!), zu glauben, daß wir ihnen Dank wüßten, wenn sie eingreisen, wie im Leipziger Fall? Solche Bärendienste verbitten wir unS entschieden. Ter»Vorwärts", der durch«ein unerschrockenes Verfahren der ganzen deutschen Presse etwas mebr Luft der Zensur gegenüber verschafft hat, wird mit Verwarnungen überschüttet. Man sollte der Presse mehr Papier geben und nicht so viel Papier an unsinnigen Ver- boten und Mabnungen vergeuden.(Sehr richtig!) Noch in den letzten Tagen ist da? unsinnige Verbot an die Presse er- gangen, über die Neubesetzung wichtiger Reichs- ämter nichts zu schreiben.(Lebhaftes Kört! hört! bei der Mehrheit.) Das ist ein unerträglicher Zustand. Fort mit dem Zwang zur Lüge, den man mit»inem Fremdwort Zensur nennt (Sehr gut! be, den Sozialdemokraten.) und der leider in allen Ländern zur Verlängerung des Krieges beiträgt. Rur durch die Wahrheit kommt der Friede. Wir fordern weiter von dem Reichskanzler die Freilassung der verurteilten politischen Verbrecher. Erfüllt ist diese Forderung in Rußland und Oesterreich! Oeffne man all den Männern und Frauen, die nach ihrer Ueberzeugung ihre persönliche Freiheit für den Frieden eingesetzt haben, die Türen der Gefängnisse nnd Zuchthauser Oeffnen Sie die Tore für Liebknecht und für alle andern, deren persönliche Ehrenhaftigkeit nicht einen Augenblick in Zweifel gezogen werden kann.(Zuruf von den Un- abhängigen: Sie haben kein Recht, für Liebknecht zu sprechen. Siurmisch« Heiterkeit.) Auch die Opfer der Brotkrawall« in Strie- gau und Düsseldorf verdienten Berücksichtigung. Das Blut erstarrt einem in den Adern, wenn man liest, daß in Düsseldorf vom Kriegs- gericht über 185 Personen kill Jahre Zuchtbaus und 14« Jahre Ge- fängnis verhängt worden sind.(Lebhaftes Hört, hört! bei den Soz.) Unter den Verurteilten befinden sich Jugendliche und auch Krieger- krauen. Stellen Sie sich einen Mann vor, der draußen im Felde das Land mit seinem Leibe deckt, während seine durch Sorgen nervös überreizte und durch Aufregung mißleitete Frau ins Zucht- haus gesperrt ist.� Schaffen Sie ein Werk der Befreiung und der Versöhnung. Denken Sie dabei auch an die dielen, die wegen wirklicher oder vermeintlicher militärischer Vergehen auf Grund drakonischer Strafbestimmungen sehr leiden müssen. Geben Sie ihnen die Freiheit wieder.(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Im Sinne der von uns mit eingebrachten Entschließung werden wir die neuen Kredite bewilligen. Nicht etwa um dem Reichskanzler ein Vertrauensvotum auszustellen. Wir haben die Kredite immer nur dem Lande bewilligt, wir bewilligen sie dem deutschen Volke, von dem wir wissen, daß es zu neun Zchnteln auf dem Boden unseres Friedensprogramms steht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dem Reichstag aber rufe ich zu, mäge er sich in dieser Zeit als eine wahre und starke Volksvertretung bewähren. Es ist ei« Zeichen von erwachendem Kraftbewußtsei«, wenn der Reichs- tag aus eigener WillenSentschließuug der au?- wärtigen Politik drS Landes die Richtlinien vorfchrribt, die, einmal gezeichnet, auch uuabäuderlich find. Abenteuer wie das musi- konische, wie das von Kristiauia, die wir ausS schärfste mißbilligen, müssen in Zukunft unmöglich sei«.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.! Heute sind es nicht mehr die zornigen Stimmen der Macht- haber, die llbrr Kriegsichuld und Sriegsziele rede«. Jetzt sprich» - wie in Stockholm— B» lk z» Volk. Mensche« rede» zn Men- scheu und fordern sie auf, unter eiuaader eine« ehrlichen Friede» zu schließen.(Lebh. Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Möge der Sieg, nicht der Waffe« und einer Partei, sonder« der Sieg der Freiheit und der Bernnnft diesen Krieg be. enden, das wird der Sieg aller sein! Der Krieg ist der Ttzrann, der alle Bölkcr knechtet. Aber in allen Länder« regt sich der Kamps gegen ihn, und wenn wir helfen, ihn zu beenden, ohne unser Recht und unsere Ehre preiszugeben, dann find wir nicht schwach, sondern stark.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ans Schwäche schleppt die Menschheit diese» unglückseligen Krieg weiter. Was die Well braucht, das ist der Wille und die Kraft zum Frir» den.(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Paher(Vp.): Wir bedauern den Rücktritt Bethmann Holl» Wegs. Erst eine spätere Zeit wird seine Verdienste erkennen, daß er �bei Beginn des Krieges das deutsche Volk zur einmütigen Geschlossenbeit gebracht und im Laufe des Krieges eine fortschritt- licke Politik als notwendige Voraussetzung für die Einmütigkeit des Volkes erkannte.(Bravo! links.) Es ist ein trübes Blatt in der deutschen Geschichte, das sich in den letzten Tagen teilweise in diesem Hause abgespielt hat. Auch hier wird erst in ruhigen Tagen eine gerechte Beurteilung Platz greifen. Manche von denen, die Bethmann Hollweg wegen seiner Stellung zn der Friedensfrage gestürzt haben, werden kaum auf ihre Rechnung kommen, nachdem sie gesehen haben, daß der neue Kanzler in dieser Frage dieselbe Stellung hat einnehmen müssen wie sein Vorgänger. Wir haben zu dem neuen Reichs- kanzler das Vertrauen, daß seine Politik sachlich sein wird, nnd daß er die Notweudiglcit einer vernünftigen Fortentwickelung im Innern und einer gerechten Behandlung des Volkes, das so ungeheure Lasten zu tragen hat, erkennen wird. Die nächste« Wochen müssen entscheiden, welche» Maß von Entschiedenheit er für dir Durchführung unsere» gemeinschaftliche« Programms für den Frieden einsetzen wird. Das wird auch entscheidend sein dasür, od er im Reichstag der Führend«»der der Geführte sein wird. (Sehr gut! links.) Wir treten für d>e Demokratisierung des Reiches ein. Kommt diese nicht, dann wird es für manchen von uns eine wahre persönliche Erleichterung sein, wenn wir auch einmal wieder loyal, aber offen und entschieden, in die Opposition treten.(Sehr gut! links.) Durch die An- nähme unserer gemeinsamen Entschließung muß endlich der durch die Alldeutschen im Ausland verbreitete Glaube zerstört werden, als sei das deutsche Volk eroberungslustig. Es soll erreicht werden, daß die Völker durch den Nebel von Haß und Vorurteil hindurch einander überhaupt erst wieder sehen können. Hier hat die heutige Erklärung de? Reichskanzlers bereiis Klarheit geschaffen; dafür danken wir ihm. Wir brauchen aber auch volle Klarheit, wie groß die Zahl derer ist, die nicht hinter der Regierung und hinter der Mehrheit stehen. Diese Klarheit wird geschaffen werden durch namentliche Abstimmung. Der Reichskanzler-hat fest- gestellt, daß auch die Oberste Heeresleitung auf dem Boden seiner Erklärung steht. Um so schwerer wird die Verantwortung derer sein, die jetzt noch weitergehende Forderungen vertreten.(Sehr wahr! links.) Was die innerpolitifche Lage anbetrifft, so anerkennen wir mit Dank ein wachsendes Verständnis für die Notwendigkeit einer moderneren Gestaltung unseres staatZ- rechtlichen Zustandes. Wir begrüßen die Ankündigung, daß das gleiche Wahlrecht in Preußen noch vor den nächsten Wahlen zur Durchführung kommen soll. Ter neue preußische Mi- nisterpräsident hat loyal und entschlossen diese Erbschaft seines Vorgängers rückhaltlos angetreten. Möge er von vornhcrein jedem Versuch entgegentreten, an dem KönigSwort zu deuteln ober feine Erfüllung auf die lange Bank zu schieben.(Sehr gut! links.) Es gäbe nichts Verhängnisvolleres für Preußen und für das ganze Deutsche Reich!(Sehr wahr! links.) Eme Parlamentarisierung des Reiches in dem Sinne, daß die Kräfte in Regierung und Parka- ment einig und zielbewußt nebeneinander und durcheinander, aber nicht gegeneinander verwertet werden müssen, hat sich gerade in den letzten Tagen als unbedingt notwendig ernnesen.(Sehr richtig! links.) Nicht eine aus dem Ausland entlehnte Parlamentari- sierung wünschen wir, sondern ein« den deutschen Verhältnissen angepaßte. Die Durcharbeitung dieses Gedankens wird einige Wocken in Anspruch nehmen. Inzwischen gibt es Notbehelfe, z. B. die Heranziehung von Männern, die sich im parlamentarischen Leben Erfahrung und Vertrauen erworben haben, in die leitenden Stellen der Regierung. Der Erwägung wert wäre die Schaffung eines Friedensbeirats, zusammengesetzt aus Regierungs- und Parlamentsverirctern. Er könnte uns vor unliebsamen Ueber- raschungen bei den Friedensverhandlungen sichern. In verantwortungsreicher Stunde hat der Reichstag heute seine Entscheidung getroffen. Uns treibt nicht die Not zu unserer Er- klärung. Wir sind sicher, unsere Fronten zu halten, auch Wirt- schaftlich läßt uns die wachsende Ernte mit Ruhe in die Zukunft blicken. Die Verantwortung für weiteres Blutvergießen legen wir unseren Gegnern auf.(Bravo! links.) Abg. Gras Westarp(kons): Wir begrüßen den neuen Reichskanzler und wünschen, daß eS ihm gelingen möge, in dieser schweren Lage des Vaterlandes die Geschäfte des Reiches mit vollem Erfolge zu führen. Noch ist der Wille unserer Feinde, uns zu vernichten, nicht gebrochen, noch wird jede Bekundung unserer Friedensbereitschaft von ihnen nur als Zeichen unseres Niederbruchs gedeutet. Die Haltung der Presse des Auslandes zeigt schon heute, daß auch die uns vorgelegte Eni- schließung nur dazu beitragen wird, den Mut der Feinde zu stärken und den Krieg zu verlängern.(Widerspruch bei der Mehrheit. Sehr richtig! rechts.) Wir bedauern diesen Schritt auf dns ent- schirdenftr, er dient nicht der Sicherung unserer deutschen Zukunft. Er entspricht auch nicht der dankbaren Anerkennung, die wir unsern Truppen und ihren Führern schulden.(Lebh. Ohol bei der Mehr» heit. Bravo! rechts.) Durch Reden und Beschlüsse, durch Ermah- nungen an das Gewissen unserer Feinde kommen wir dem Frieden nicht näher. Nur durch die heldenhaften Taten unserer Truppen zu Lande und zu Wasser wird uns der volle Sieg beschieden sein. (Bravo l rechts.) Zu Friedensverhandlungen wird Teutschland be- reit sein, sobald die Feinde aus ihre Forderungen zwangsweiser Gebietserwerbung und Entschädigungen verzichten. Dann wird eS Aufgabe der Regierung sein, den Frieden so zu gestalien, daß er Deutschlands und seiner Verbündeten Entwicklungsfreiheit sichert. Unsere Grenzen müssen für alle Zeiten besser geschützt werden.(Bravo! rechts.) Durch eine Verständigung, die allein auf dem guten Willen der Feinde beruht, lassen sich unsere Ziele nicht erreichen. Entscheidend für die Gestaltung des Friedens wird allein die militärische Lage werden. Aufgabe de? leitenden Staatsmannes wird eS sein, in engster Fühlung mit der obersten Heeresleitung bei den Friedensverhandlungen der militärischen Lage Rechnung zu tragen und unsere militärischen Erfolge voll auszunutzen. Nur dann wird sie der Zustimmung von Heer und Volk gewiß sein. Die vorgelegte Entschließung' entspricht dieser Auffassung nicht. Wir lehnen sie deshalb einstimmig ab. (Lebh. Bravo! rechts.) Abg. Prinz Schönaich-Carolath(natl.) gedenkt zunächst mit einigen anerkennenden Worten de? Reicks- kanzler? Bethmann Hollweg und erklärt weiter, daß seine Freunde einmütig besckloffen haben, die Resolution der Mehrheit abzulehnen. Dagegensindwirbereit.aufderGrundlageeines verständigen Ausgleichfricdens mit unsere Ii Feinden zu verhandeln, sobald aiich diese einen solebcn Frieden wollen, der dem deutschen Volke die freie Entwicklung sichert, und der die dauernde Versöhnung der Völker anbahnt. (Beifall b. d. Natconalliberalen.) Abg. Warm, ith(D. Fr.): Die Mehrheit der Deutschen Fraktion hält die Kundgebung des Reichstages nicht nur ftir nutzlos, sondern sogar für äußerst schädlich. Den Beweis dafür erbringen schon jetzt die Aeuße- rungen der feindlichen Presse. Der Frieden rann nur durch unsere Waffen erreicht werden.(Beifall rechts.) Eine von den Unabhängigen Sozialisten einge- brachte Entschließung tritt für einen Frieden ohne Angliederungen irgendwelcher Art und ohne Kriegsentschädigung auf Grund de? Selbstbestimmungsrechtes der Völker ein, sowie für die Wieder- Herstellung Serbiens und Belgiens, und verlangt internationale Abkommen über allgemeine Abrüstung, Freiheit de? Handels und Verkehrs, Schutz der nationalen Minderheiten. Den Abschlug dieses Friedensprogramms soll die Schaffung einer sozialen Re- publik bilden. Abg. Haas?(Unabh.) Von allen Seiten heißt es, jetzt soll mit der Zweideutigkeit ein Ende gemacht werden, man verlangt Klarheit und Wahrheit. Aber der iieue Reichskanzler macht lediglich eine höfliche Verbeugung vor der Resolution der Mehrheit, macht jedoch den Vorbehalt, sie durchzuführen,»wie er sie auffasse.*(Hört! hört! bei den Unabhängigen.) Die Rede des Reichskanzlers darf man nur im Zusammenhang mit den Vorgängen betrachten, die zu seiner Er- ncnnung geführt haben. Dabei war das Parlament vollständig ausgeschlossen, Dr. Michaelis ist nicht der Vertrauensmann des Parlaments, sondern der Vertrauensmann vo« Hindenburg und Ludendarff, und es wird doch niemand behaupten wollen, daß diese Männer Gegner von Annexionsplänen find. Die Tatsache, daß die Generale in einer politischen Krise zur Mitwirkung be- rufen wurden, wirst auf unsere Verfassungszustände ein seltsames Licht. Der Reichskanzler erklärte ausdrücklich, seine Ausführungen haben die Approbation der miltiärischen Stellen erhalten. Das dürste wohl in keinen, anderen Land der Welt möglich sein. Und diese Brüskierung läßt sich das Parlament gefallen!(Sehr wahr! bei den Unabhängigen.) AIS kommender Staatssekretär des Aeußern wurde Dr. H e l f fe r i ch genannt, ein ganz ungeeigneter Mamt. Ebenso müssen in Preußen die Minister fallen, die Gegner des gleichen Wahlrechts sind. Dieses Wahlrecht muß kommen, freilich nicht vom preußischen Landtag, fondern die Massen werden eS erringen. Erforderlich ist vor allem die Demokratisierung in allen Bundes- staaten. Die Regierungssozialisten haben ihren Frieden mit der Regierung gemacht, obwohl sick immer deutlicher heraus- stellt, daß die monarchischen Einrichtungen sich nickt bewährt haben und in unsere Zeit nicht hineinpassen. Die Berufung einiger Parlamentarier in Amtsstellen ist keine Demokratisierung, diese kann nur durch Kampf erreicht werden, nicht durch listiges Diplo- matisieren.(Sehr richtig! bei den Unabhängigen.) Die vorgelegte Refolution ist unannehmbar, ihre Darstellung von der Kriegsentstehung ist ebenso unhaltbar wie die Darstellung, die der neue Reichskanzler gegeben hast Die Regierung hätte sich klivp und klar erklären müssen, dann hätte sie den Frieden gefördert.(Sehr wahr! bei den Unabhängigen So- zialdemokratcn.) Dann hätte sie durch Rußland einen Druck auf die Entente ausgeübt. Unser Antrag schließt jede Zweideutigkeit aus. Zur Friedens- und Kriegsvolitik der Regierung aber haben wir kein Vertrauen, deshalb lehnen wir auch diesmal die Kredite ab.(Beifall bei den Unabb. Soz) Der Redner erörtert dann die unleidlichen Zensur» Verhältnisse und die Gerichtsurteile gegen politische Demonstranten. ES ist eine Schmach, daß ein Mann wie Liebknecht im Zuchthaus sitzt.(Abg. Rühle ruft: Liebknecht hungert im Zucht- haus.— Präsident Dr. Kaempf ruft ihn zur Ordnung.— Rühle wiederholt andauernd seine Zwischenrufe; andauernde Glocke des Präsidenten.) Die Arbeiter wollen in allen Ländern den Frieden. Die Völker wollen sich nicht gegenseitig morden, sie wollen wieder zu- sammenarbeiten in Werken der Kultur.(Lebhafter Beifall bei den Unabh. Soz.) Abg. Seyda(Pole): Die Resolution der Mehrheit ist uns in ihrer Friedenstendenz sympathisch, sie wird ober �unserer Forderung nach voller Selbstbestimmung der Völker, die wir stets erhoben haben, nicht gerecht. Deshalb werden wir uns der Abstimmung enthalten. Abg. Haussen(Däne): In der Zuversicht, daß unsere nationalen Wünsche nach Beendigung des Krieges erfüllt werden, stimmen wir der Entschließung der Mehrheit zu.(Bravo!) Damit schließt die Debatte. Die Kriegskredile werden gegen die Stimmen der Un- abhängigen Sozialdemokraten bewilligt. Die Entschließung der Unabhängigen Sozial- demokraten wird gegen die Stimmen der Unabhängigen So- zialdemokraten und d-s Abg. Hock(Soz.) abgelehnt. Hierauf wird die Resolution des Aentrums, der Sozialdemokraten nnd der Fortschrittlichen Volkspartei in namentlicher Abstimmung mit 214 gegen 116 Stimmen bei 17 Stimmenthaltungen angenommen. Abg. Südekum(Soz.) erklärt nachträglich, daß, wenn er im Saale gewesen wäre, für die Resolution gestimmt hätte.(Das Re- sultat der Abstimmung wird von der Mehrheit mit lebhaftem Bravo begrüßt.) Abg. Mayer-Kaufbeuren(Z.) beantragt, sofort in die dritte Lesung der Heereskreditvorlage einzutreten. Präsident Dr. Kaempf: Das ist nur möglich, wenn nicht: 15 Mitglieder des Reichstages widersprechen. Zlbg. Ledehour(Unabh.): Im Namen meiner Freunde wider- spreche ich dem Antrag.(Gelächter.) Präsident Dr. Kaempf stellt fest, daß die Anzahl der wider- sprechenden Abgeordneten ausreicht(Zuruf: Ein Sieg der Unab- hängigen! Heiterkeit) und beraumt die nächste Sitzung an auf Freitag, 11 Uhr.(Dritte Lesung der Kreditvorlage, zweite Be- ratung des Entwurfs über die Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte.) Schluß 7� Uhr._ Anfragen im Reichstag. Abgeordneter Henke stellt in einer Frage fest, daß Vertreter der AlbeiterauSscküsse aus Anlaß de? MunitionSarbeiterstreiks immer noch zun, Heeresdienst eingezogen und an die Front geschickt werden. Er wünscht zu wissen, was der Reichskanzler dagegen zu tun gedenkt. Eine Anfrage des Abgeordneten Dr. S tr e s em a n n bezieht sich auf die englischen Angriffe auf deutsche Schiffe in den bolländischen Gewässern. Vom Reichskanzler wird gewünscht, seine Stellung bekannt zu geben, die er gegen diesen Nentralitätsbrnch einzunehmen gedenke. Abgeordneter D i t t m a n n beschwert sich in einer Anfrage darüber, daß eine von ihm erhobene Beschwerde immer von einer Behörde zur andern geschoben wird, ohne daß ihre Erledigung erfolgt._ Frieöensresolution öer»Unabhängigen'". Die Unabhängigen hatten im Reichstag folgende Resolution ein- gebracht: Der Reichstag erstrebt einen Frieden ohne Annexionen irgend- welcher Art und ohne Kriegsentschädigung auf Grund des Selbst- bestimmungSrechtS der Völker. Er erwartet insbesondere die Wieder- berstellung Belgiens und die Wiedergutmachung des ihm zugefügten Unrechts. Der Reichstag fordert die Einleitung sofortiger Friedens- Verhandlungen auf der Grundlage dieses Programms. Er ver- langt ein internationales Abkommen über die allgemeine Ab- rüstung, Freiheit des internationalen Handels und Verkehrs, die unbeschränkte internationale Freizügigkeit, ein internationales Uebereinkommen zum Schutze der Bibeiter vor Ausbeutung, An- erkennnng der Gleichberechtigung für alle Einwohner eines Staates ohne Rücksicht auf Staatszugehörigkeit. Geschlecht, Rasse, Sprache. und Religion; Schutz der nationalen Minderheiten; obligatorisches internationales Schiedsgericht zur Schlichtung oller Streitigkeiten. Zur Erreichung des Friedens und zur Durchsührung dieses Friedens- Programms ist die dringendste Vorbedingung die sofortige Ans- bebung des Belagerungszustandes. Erforderlich ist serner die völlige Demokrattsierung der Verfassung und Verwaltung des Reiches und seiner Einzelstaaten, die ihren Abschluß zu finden hat in der Schaffung einer sozialen Revublik. Siehe dazu RcichstagSbericht! versammlungsverdot für üie berliner Metallarbeiter. Abgeordneter Bauer- Breslau hat im Reichstag folgende An- frage eingebracht: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß der Mitgliedschaft Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandcs durch das Oberkommando in den Marken unmöglich gemacht wird, die satzungS- gemäße Generalversammlung abzuhalten? Die aus den 6. Mai 1917 einberufene Generolversainmlung mit der Tages ordnung Neuwahl der Ortsverwaltung, Kasienbericht, Anträge, ist vom Ober- kommando in den Marlen verboten worden. Die Generalversamm» lung wurde dann mit der gleichen Tagesordnung auf den 18. Juni einberufen, aber wiederum vom Oberkommando in den Marken verboten. Das Oberkommando hat erklärt, daß eS während der Kriegkdauer die Abhaltung der General- Versammlung nicht zulassen werde, wenn die Reuwahl der Ortsverwaltung zur Tagesordnung gestellt werde. Durch diese mit dem Gesetz nicht in Einklang zu bringende Maßnahme wird der abzüglich 40 000 beim Heer befindlichen, gegen- wärkig nur rund 70 000 Mitglieder zählenden Mitgliedschaft Berlin des Deutschen Metallarbeiter Verbandes die ordnungsmäßige Erledi- gung der BerwaltungSgeschäfte unmöglich gemacht und eine tief» gehende Erregung unter den Mitgliedern bervorgerufen. Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um dem Deutschen Metallarbeiterverband, Mitgliedschaft Berlin, die Ausübung deS Versammlungsrechts zu ermöglichen? (Letzte Nachrichten siehe 2. Seite der Beilage.) GewerkschasisbewMng veutsches Neich. Starke Mitglrederzunahme im �abrikarbeiterverbande. Ueber einen erfreulichen Aufstieg kann der Fabrikarbeiterverband berichten. Von Monat zu Monat stieg die Zahl der Neuaufnahmen. Im Juni sind dem Verbände mehr Mitglieder beigetreten als in irgendeinem anderen Monat seit Kriegsausbruch. Die Zahl von KOOO wurde überschritten. Damit ist eine Zahl erreicht, die den Monatsdurchschnitt in den besten Friedensjahren fast erreicht. Wird die Zahl der zum Heere Einberufenen nicht abgesetzt, so werden am Schlüsse des dritten Kriegsjahres nicht weniger Mitglieder vor- handen sein, wie beim Krieasbeginn. Die Zahl der weiblichen Mit- glieder stiep bis Ende Juni um 3311; sie beträgt insgesamt 29 122. Der tatsächliche Mitgliederverlust seit Kriegsausbruch ist auf weniger als 6000 gesunken; am Schlüsse des Vormonats betrug er noch reichlich 10 000. Serlin und Umgegend. Aus dem Kricgsausschuft Gro�-Berlin. Ter Schmied M. von der Firma B. kann als Kriegsbeschädigter infolge seiner Verletzung nicht mehr als. Schmied arbeiten, da er das andauernde Stehen nicht ertragen kann. Es wird vereinbart, daß M. eine Beschäftigung erhält, bei der er sitzen kann, so daß er trotz seiner Verletzungen keine Schwierigkeiten bei der Arbeit hat. Sollte M. keine entsprechende Arbeit bekommen, so wird ihm das Recht zu erkannt, einen Abkehrschein zu verlangen. Der Modelltischler Sch. von der Firma B. verdient erheblich weniger als seine Kollegen im gleichen Betrieb. Da M. unter den- selben Bedingungen wie die übrigen Modelltischler arbeitet, liegt die Ursache des geringern Verdienstes in seiner Person und kann ihm deshalb ein Abkehrschcin nicht ausgestellt werden. 23 Zimmerer der Firma Schw., Berlin, fordern eine Lohn» erhöhung. Nach reiflicher Aussprache wird beschloffen, die Sache an den Betrieb zur nochmaligen Verhandlung zurückzuverweisen. Von derselben Firma will ein Betrieb eine Aendernng der Arbeitszeit, so daß die Pausen verkürzt werden. Mer- Lings tritt hierbei auch eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde ein. Die Arbeiter haben sich verpflichtet, dafür zu sorgen, daß trotzdem keine Minderung der Produktion eintritt, so daß die Firma keinen Nachteil hat. Auf dar anderen Seite aber fordern die Arbeiter auch, daß für die Lohnarbeiter die ausfallende halbe Stunde bezahlt wird. Nach reiflicher Aussprache wird vom Kriegsausschutz folgender Spruch gefällt: Nachdem die Vertreter der Arbeiter die Erklärung abgegeben haben, daß durch die Zusammenlegung der Arbeitszeit eine Ver- Minderung der Produktion weder eintreten darf noch eintreten soll, wird die Forderung der Lohnarbeiter, die durch die Zusammen- legung ersparte halbe Stunde bezahlt zu erhalten, als berechtigt anerkannt.— Der Direktion wird es überlaffen, sobald sie glaubt, daß die Voraussetzung, unter der dieser Schiedsspruch zustande gekommen, nicht, eingetreten ist, sich erneut anöden Schlichtungsaus- schuß zu wenden, damit dann gemäß der Zusage der Arbeiter der frühere Zustand wiederhergestellt wird. Zirka 0000 technische Angestellte und Kaufleute der ver- schieden st en Werke der A. E. G. fordern eine Er- höhung der Gehälter. Bei vorhergehenden Verhandlungen mit den Angestelltenausschüssen war bereits etwas an Teuerungs- zulage bewilligt, doch wurde das von den Angestellten als nicht aus- reichend bezeichnet. Daher die Verhandlungen vor d"L. Kriegs- ausschuß. Trotz stundenlanger Beratungen gelang es nicht, eine Verständigung borbeizuführen, da die Angestellten erklärten, daß sie auf eine weitere sofortige Zulage für alle Angestellten in Form einer Gehaltserhöhung bestehen müßten und auch von den Vorgesetzten angeordnete lleberstunden bezahlt haben wollten, während die Vertreter der Firma erklärten, nicht weiter gehen zu können, wie dies bei den Verhandlungen in den Betrieben geschehen. Der K r.i egsausschutz konnte sich über einen Ver- gleich svorschlag nicht einigen, auch konnte kein Schiedsspruch gefällt werden, da, wie hernach den Par- reien mitgeteilt wurde, die Arbeitgebervertveter im Kriegsausschuß erklärten, der Standpunkt der Firma sei richtig, während die Arbeit- nehmer- und Angestelltenvertreter im Kriegsanschuß die Forderung der, Angestellten nach weiterer genereller Erhöhung der Einkommen sowie auch die geforderte Bezahlung der von Vorgesetzten angeord- neten lleberstunden für gerechtfertigt erklärten. Der Kriegscrns- schütz hat also in diesem Falle versagt, und mit dieser Erklärung au die Parteien wurde die Verhandlung beendet. Die Angestellten des Warenhauses W. brachten ihre Beschwerde wegen Ablehnung einer Gehaltserhöhung gleich- falls im Kriegsausschuß vor. Auch hier handelt es sich um m« b- rere tausend Personen. Die Vorverhandlungen haben sich bereits mehrere Wochen hingezogen, obne daß eine Verständigung gelang. Da ein A ngest e l lte n a u s sch u ß bei dieser Firma zurzeit noch nicht besteht, mußte entsprechend dem Gesetz eine freigewählte Kommission der Angestellten als die berechtigte� Vertretung anerkannt werden. Dies ist vom Kriegs- ausschuß auch ausdrücklich anerkannt. Für die weitere Erledigung dieser Angelgenheit wurde sodann auf Vorschlag des Kriegsaus- schusseS unter Zustimmung der beiden Parteien festgelegt, daß die Gehalts- und sonstigen Differenzen(Maßregelung) der Angestellten zur nocki maligen Verhandlung an den Betrieb zurückverwiesen werden mit der Matzgabe, daß ein Vertreter des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und ein Vertreter von Arbeitgeberseite ge- meinsam mit der Direktion und der oben bezeichneten freien Kom- Mission der Angestellten die Verbandlungen führen loll. Hinzu- gefugt wurde noch, daß, wenn bis Montag, den 13. Juli, abends 3 llhr, eine Verständigung nickt erfolgt ist. der KriegSausschutz in seiner nächsten Sitzung einen Schiedsspruch fällen wird. Verbandstag des„Verbandes der freien Gast-«nd 'Schankwirte Deutschlands". Nach Erledigung von Beschwerden erfolgte die Statuten- beratung nach dem Bericht der Kommission. Es wurde gegen eine Stimme beschlossen, den Titel des Verbandes in..V er- Band der Gast- und Schaukwirte Deutschlands" zu ändern. Das Wort.freien" ist also gestrichen worden. Der 8 1 de? Statuts wurde einstimmig nack dem Vorscklage des Hauptvorstandes geändert. Damit fällt der Passus, der im bisherigen Statut als eines der Mittel zur Erreichung des Verbandszwecks die.Unter- stütznng der sozialdemokratischen Partei Deutschlands" bezeichnet«, fort. Die vorher lebhast diskutierte Erhöhung des Monats- beitrages von 2Dt.auf2,S0M. wurde beschlossen.— Die bisherigen llnterstützungssätze bleiben an sich bestehen. Es tritt je- doch folgende Erweiterung der Bestimmungen über die Sterbe- Unterstützung ein. Während bisher die höchste Sterbeunter» stützung vom fünfzehnten Jahre der Mitgliedschaft ab 300 M. be- tragen'sollt«, wurde hinzugefügt, daß sie im zwanzigsten Jahre der Mitgliedschaft auf 600 M, und im fünfundMxmzigsten Jahre auf 730 M. steigt.— Der Titel des Verbandsorgans wird in.Der Gastwirt" geändert, die Beifügung.Freie" kommt in Wegfall. Der Beschluß de? Verbandstages von Nürnberg, wonach zum Heeres- dienst eingezogene Mitglieder Beiträge nicht zu entrichten haben, wird aufgehoben. Statt dessen wird beschlossen: Mitgliedern, welche zum Heeresdienst eingezogen sind oder werden, kann auf ihren Antrag der Beitrag erlassen werden, wenn die Orts- Verwaltung derjenigen Verwaltungsstelle, bei welcher sie Mitglied sind.' nach Prüfung der, Sachlage dies befürwortet.> In Fällen, in denen der Beitrag erlassen wird, tritt eine Erweiterung der Rechte der Mitglieder erst ein, nachdem wieder volle Beiträge ent- richtet werden. Der Antrag Nürnberg, für Nürnberg und anliegende Bezirke einen Sekretär a«zustellen, wurde dem Hauptvorstand zur B e- eücksichtigung überwiesen. Ebenso ein dazu noch gestellter Antrag, bat Hauptvorstand zn ermächtigen, überall dort, wo sich die Gründung einer Geschäftsstelle für notwendig erweist, eine Beihilfe in Höhe bis zu 1000 M. zu gewähren. Ein Antrag der Verwaltungsstelle Plauen i. V. erstrebt die Bildung eines selbständigen Bezirks für den Kreis Vogtland und verlangt außerdem, es solle bei den Regierungen Stellung genom- men werden, dahin, daß die während des Krieges aufgelaufenen Hvpotbekenzinsen bis aus weiteres und bis zur Beendigung des Krieges in weitgehendster Form gestundet werden mögen. Auch dieser Antrag wurde dem Hauptborstand zur Berücksichtigung über- wiesen. Deor Hauptvorstand zur Berücksichtigung überwiesen wurde der Antrag der Verwaltungsstelle Magdeburg:„Ilm Material zur eventuellen Errichtung einer eigenen V erbands- Haftpflichtversicherung zu sammeln, sind alle Unfälle und die Höhe der dafür aufgewendeten Summen, sowie die von den Mitgliedern gezahlten Beiträge alljährlich zusammenzustellen und es ist dem Berbandstag darüber zu berichten." Die Stellungnahme zu der Genossenschafts- b e w egungim Verband betraf ein weiterer Punkt der Tagesordnung. Em Referent war hierzu nickt bestellt. In reger Debatte wurde von verschiedenen Rednern an der Hand praktischer Ersah- rungen, die in einer Anzahl von Orten gesammelt sind, die hohe Bedeutung des Genosienschaftswesens und der Schaffung von Ein- kaufsvereinigungen für die Gastwirte betont. Eine Resolution, die die Förderung solcher Einkaufsgenossenschaften für das Gastwirts- gewerbe befürwortet, wurde einstimmig angenommen. Die Tagesordnung war damit erledigt. Paul Litfin als Verbandsvorsitzender und Max Gienke als Hauptkassierer wurden einstimmig wiedergewählt. Am Donnerstagabend erreichte der Berbandstag sein Ende. parteinachrichten. Ein wichtiges Urteil. Dieser Tage ist ein wichtiges Urteil von dem Bremer Landgericht unter Vorsitz des Londgerichtspräfidenten Hobel- mann ergangen. Ter Sozialdemokratische Verein in Bremen hatte seinerzeit an den Verlag Schmalfeldt u. Co. ein Dar- lehen von 30 000 M. gegeben. Nach der Parteispaltung klag- ten die„Unabhängigen" auf Rückzahlung. Außer einer Reihe von formalen Gründen ist diese Klage jetzt auch aus materiellen Gründen abgewiesen worden und dieser Teil des Urteils ist p o l i t i s ch i n t e r e s s a n t. In dieser Beziehung heißt es in dem Urteil: Die Firma Schmalfeldt u. Co. bestreitet, daß derjenige Verein, dessen angeblicher Vorstand an den Kläger die Darlehnsforderung abgetreten habe, identisch sei mit demjenigen sozialdemokratischen Verein, der nach der Behauptung der Klage das Darlehen gegeben Hecke. Nach der klägerischen Darstellung ist um die Wende des Jahres 1916/17 eine Minderheit und zweifellos eine sehr beträcht- liche Minderheit aus dem Verein ausgetreten. Dieser soll jedoch nach der Bebomptung des Klägers seine in sich geschlossene Gestalt beibehalten haben. Der Kläger gibt aber zu, daß gleichzeitig nicht nur die Bremer„Bürger-Zeiwng" als Parteiorgan von der zurück- bleibenden Mehrheit aufgegeben sei, sondern auch, d�aß der politische Anschluß an die ollgemeine«sozial- demokratische Partei Deutschland? preisgegeben wurde. Dieser Anschluß war aber die Grundlage des ehe- maligen sozialdemokratischen Vereins, der nach seinen Statuten nach Maßgabe des Organisationsstatuts der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die spezielle Parteiorganisation Bremen? bil- dete und dessen Zweck es war, Aufklärungen über Grundsätze und Forderungen dieser Partei zu verbreiten. Wenn gleichzeitig mit dem Austritt einer bedeutenden Minderheit die Zwecke und Ziele des Vereins so grundlegend geändert wurden, so liegt es nahe, zu sagen, daß damit der bisher bestehende Verein ausgelöst ist und daß auch die Mehrheit den Verein nicht mehr rcprä- e n t i e r t, selbst wenn sie den Namen des alten Vereins weiter- ührt. Derjenige Verein, dessen Vorstand nach Behauptung der Klage über das Vermögen de salten Vereins verfügt hat, war also dazu nicht mehr berechtigt, ganz abgesehen davon, daß nach den Statuten im Falle einer Auflösung deS Vereins über Vermögen lediglich nach den Beschlüssen einer Generalversammlung-Ver- ng hätte getroffen werden dürfen. Das ist das zweite Gericht, das mtt guten Gründen die Sophistik der Unabhängigen ablehnt, die unter alter s�mna ein neues Geschäft betreiben mächten. I. K. Die„Internationale Korrespondenz" veröffentlichte dieser Tage einen Artikel, in dem eine neue Kanzlerschaft des Fürsten Bülow in folgender originellec Weise bekämpft wurde: „Bülow stand in diesen schicksalsschweren Jahren �nämlich nach 1897) an der Spitze der deutschen auswärtigen Politik. Er tat nichts. Er redete. Er sah die Entstehung der englisch-sranzösischen Entente, aber— er redete bismarckisch. Als die Ereignisse zu Taten drängten, wurde er Pazifist. Keine Spur von bismarckischer Tatkraft. Das Ausland denunzierte Deutsch- land als kriegslüsterne Mackt, während Bülow alle Gelegenheiten unwiederbringlich vorübergehen ließ, um günstige milrtä. rische Entscheidungen herbeizuführen.... Er konnte zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine englische Allianz haben; er verwarf sie. Er konnte im Jahre 1903 einen günstigen Krieg mit Frankreich führen, um dem franzosischen Lolke den Delcasseismus ein für allemal anszu- treiben und die antideutsche Koalition im Keime zu ersticken. Ruß- land lag platt zu Boden, der Krieg mit Japan und die inneren Revoluftonszuckungcn paralysierten es vollständig; England war bei weitem noch nicht kriegsbereit. Aber Bülow war Pazifist aus purer Unfähigkeit." Wir glauben den Verfasser dahin richtig zu versteben, daß er eine Polftik kriegerischer Maulaufreißer ei ohne den eigentlichen Willen zur Konsequenz für die verhängnisvollste von allen hält. Daß Bülow— und nicht er allein— eine solche Politik zum Schicken des Reiches getrieben hat, ist nur allzu wahr. Einen seltsamen Eindruck macht es allerdings, wenn ein Sozialist einem Staatsmann scheinbar den Vorwurf macht, daß er kerne Kriege geführt habe. Und dies veranlaßt uns zu einer allgemeinen Bemerkung. In der bürgerlichen Presse wird die ,.J. St" oft als ckas Organ der Mehrheftssozialisten" angesprochen. Diese Bezeichnung ist vollkommen irreführend. Die I. K. ist ein auS privater Initiative hervorgegangenes Hilfsmittel der Redak- tionen, aber kein Organ der Partei. Ihr sehr reicher Inhalt bringt neben Beiträgen, die jedem sozialdemokratischen Organ willkommen sein können, oft auch Aeußerungen, die wohl von niemandem ackeren gedeckt und vertreten werden, als von dem Verfasser selbst. Die Partei hat keinen Anlaß, in jedem solchen Fall ein Scherben- gericht zu veranstalten, aber sie als Ganzes für ihn verantwortlich zu machen, geht nicht an._ Aus den Organisationen. Seit dem Jahre 1914 versammelten sich am 13. Juli zum erstenmal wieder die Vertreter des Wahlkreises Sorau-Forft in Sarau. Der Reichstagsabgeordnete des Kreises, Genosse Oswald Schumann, hielt einen Vortrag zu den jüngsten politischen Er- eignissen. Die Kreisgeneralvcrsanimlung bekannte sich in einer Entschließung zur Pflicht der Landesverteidigung und hieß die rege Arbeit des Parteivorstandcs um baldige Herbeiführung des Frie- dens uck um Wiederanknüpfung der Beziehungen zu den auslän- discken Bruderparteien willkommen. Ein Antrag, mit den Unck- hängige» über gemeinsame Aktionen in Verbindung zu treten, wurde mit alle» gegen ein« Stimme abgelehnt, Ebenso hielt der Wahlkreis MLcheim-Mpperfürth-Gminners« bach am 15. Juli eine Generalversammlung ab. Am 1. Juli 1917 waren 818 männliche und 82 weibliche Mitgliedervorhanden. Neuerdings zeigt sich ein Aufschwung. Auch diese Kreiskonferenz bekannte sich zur Landesverteidigung, forderte einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen, Selbstregierung des Volkes uck gerechte Verteilung der Lebensmittel zu angemessenen Preisen. Eine außerordentliche Generalversammlung des sozialdemo- kratischen Vereins sack am Sonntag in Zwickau statt, auf der die Delegierten zum Parteitag gewählt wurden. Aus der Versamm- lung wurde angeregt, die Vertretung des Parteiansschusses uck der Fraktion auf den Parteitag zu besckränken. Um jene Genossen, die sich in günstiger materieller Lage befinden, zu einer höheren Beisteuer für die Partei anzuregen, werden Sondermartcn im Werte von 23 uck 30 Pf. vertrieben werden. Am Sonntag, 13. Juli, fand in Kulmbach die Generalversamm- lung des Sozialdemokratischen Vereins Forchheim-Kulmbach-Pegnip statt. Die Verwaltungsgeschäfte des Kreises sind dem Gackorstand übertragen. Den Bericht über die Tätigkeit der Kreisleitung in den letzten drei Jahren erstattete der Genosse W a I t h e r. der auch über den Würzburger Parteitag sprach. Genosse Panzer-Bay- reuth besprach die Preßverhältnisse. Zur politischen Situation wurde einstimmig folgender Beschlutz gefaßt:„Die Generalver- sammlung des Kreises Forchheim-Kulmbach-Pegnitz begrüßt mit größter Lebhaftigkeit das energische Eintreten der sozialdemokrati- scheu Reichstagsfraktion für eine Demokratisierung aller staatlicken Einrichtungen und der Wahlrecht? uck für einen allgemeinen, die Völker versöhnenden dauernden Frieden. Sie erwarten von der Fraktion, daß sie in gleicher Festigkeit alle diesem Streben ent. gegenstehenden Hickernisse überwindet." Zum Delegierten für den Würzburger Parteitag wurde der Genosse Gentner-Pegnitz gewählt. In Gießen ist es zur Spaltung gekommen. Der Führer der Unabhängigen forderte seine Leute nach dem Bericht unseres Gietzener Parteiblattes auf. die„Oberhessische VolkSzeitung" ab- zubestellen und lieber ein bürgerliches Blatt zu abonnieren. Der Kreisvorstand wird gegen diesen Helden klagbar vorgehen, weil er sich weigert, einen der Kreiskasse gehörigen uck auf seinen Namen auf der Bank angelegten Betrag überschreiben zu lassen. Soziales. Erst Arbeitsbiudnug, dann Familieuuuterstützuug. Die Firma.Rotopat" versendet an ihre im Heeresdienst stehen- den Angestellten, deren Familien von der Firma eine laufende Unterstützung gewährt wird, ein Schreiben folgenden Worilauls: .Infolge der langen Kriegsdauer und der dadurch bedingten immer größer gewordenen geschäftlichen Schwierigkeiten sehen wir uns leider gezwungen, eine Neuregelung der von uns gewährten Krieosunterstützungen(für Sie sind vom 2. 8. 14 bis einschließlich 31. Mai d. I. 1039 M. aufgewendet worden) vorzunehmen wie folgt: 1. Die Unterstützung wird— beginnend mit diesem Monat und bis auf weiteres— auf 30 M. für den Monat bemessen und jeweils am Monatsschluß gezahlt. 2. Die zukünftigen Zahlungen sowohl wie die seft Beginn dieses Jahres gezahlten Summen gelten als Ihnen gewährte Dar- lehnsbeträge. 3. Sie sind verpflichtet: s) fich alsbald nach Ihrer Entlassung auS dem Heeresdienst bei uns zu melden und d) auf unser Verlangen Ihre Dienste wieder unserer Gesellschaft zu widmen. 4. Die Tilgung der DarlehnSbeträge erfolgt im Fall der Wiederaufnahme Ihrer Tätigkeit nicht etwa durch Lohnkürzungen. sondern dergestalt, daß wir für jeden Monat Ihrer künstigen, uns zufriedenstellenden Tätigkeit bei uns den 24. Teil des Gesamt- bctragcs der seit Beginn dieses Jahres gezahlten Unterstützungen st streichen, so daß zur vollständigen Tilgung zwei Jahre ununter» brochener, uns zufriedenstellender Tätigkeit gehören. Sollten Sie Ihre Dienste dereinst nicht unserer Gesellichast widmen oder sollte sich Ihre Tätigkeit bei uns auS anderen Gründen als geiundheiilichen nicht über zwei volle Jahre erstrecken, so sind Sie uns im ersten Falle iür den ganzen Betrag und im zweiten Fall für den nickt gestrickenen Teilbetrag des Gesamtbetrages der UnterstützungSzahlungen haftbar. Zum Zeichen Ihres Einverständnisses wollen Sie den bei« gefügten Durchschlag dieses Schreiben« an der durch ein f Kreuz lenntlich gemachten Stelle mir Ihrer Unterschrift(Vor- und Zuname) verseben und uns baldigst zuschicken. Die Zahlung des UnterstützungSbettageS für Juni wird ohne weiteres erfolgen, hingegen wird für die Zahlungen ab Jnli zur Bedingung gemacht, daß der von Ihnen unterschriebene Briefdurch- schlag in uuierem Besitze ist. Es ist olio für Sie von größter Wichtigkeit, daß Sie für unverzügliche Einsendung des unter« schriebcnen BriesdurchscklagS Sorge tragen. Mit dem Inhalt dieses Schreibens erkläre ich mich durch meine nachstehende, eigenhändige Unterschrift einverstanden." * So sehr wir eZ als durchaus lobenswert anerkennen, daß eine Anzahl Firmen den Familien ihrer zum Heeresdienst einberufenen Ängestelllen während der Dauer der Einberufung eine lausende Unterstützung gewähren, so sehr aber auch müssen wir es ver« urteilen, daraus eine besondere Bindung der Angestellten herleiten zu wollen. Wir halten das geradezu für einen'Verstoß gegen die guten Sitten. zumal wenn, wie im vorliegenden Falle, nachträglich ein Angestellter die für zwei Jahre bezogene Unterstützung als Darlehn anerkenne» und dieses in der im Schreiben vorgesehenen Weise zur Tilgung gebracht werden soll. Ursprünglich bat niemand an ein Darlehn gedacht. Di« Firma bar die Unter« stützung gewährt als einen Ausfluß des Treuverhältnisses zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das nicht verlöschen soll, wenn der Angestellle seine höchste staatsbürgerliche Pflicht erfüllen mutz. Als eine solche Leistung ist die Unterstützung angenommen. Und sie würde auch aller Wahrscheinlichkeit nach den Angestellten ver- pflichtet haben, seine Dienste der Firma wieder zur Verfügung zu stellen. In dieses reine Verhältnis wird jetzt ein arger Mißton ge« bracht. Was ist eine zufriedenstellende Tätigkeit? Wer entscheidet darüber? Was bietet die Gewähr, daß den Angestellten auch«in den Zeilverhältnissen entsprechender Lohn gezahlt wird? Ist eine noch Lage der Verhältnisse begründete Forderung auf Aufbesserung des Gehalts eine unzufriedenstellende Betätigung? Nun fordert die Firma aber auch in dem Falle Erstattung des „Darlehns", wo aus gesundheitlichen Gründen die Fortsetzung des Dienstverhältnisses unmöglich ist. Mehr kann man in der Tat nicht fordern. Dieser Fall zeigt wieder einmal, welch Weitgreifecker sozialpolitischer Fürsorge zugunsten der entlassenen Kriegsteilnehmer es bedarf. Es muß. um Fälle der hier in Betracht kommenden Art zu treffen, bestimmt werden, daß aus der etwaigen Gewährung von Unterstützungen kein Recht zum Wiedereintritt des früher Beschäftigten hergeleitet werden darf uck daß solche Unterstützungen als verfallene Schuld zu gelten haben.__ Allgemeine Kranken- und Sterbekasie der Metallarbeiter (V. a. G. Hambiirg). Filiale Berlin 4. Mitgliederveftammlulig Sonn.ibcnd, den 2t. Juli, abends 8'/, Ubr, bei R. Heinrich, Große Frank- surter Straße 30. Tagesordnung: Kassenbericht, Verschiedenes. Allgemeine Familiensterbekasse. Sonntag, den 22. Juli, von 3— 6 Uhr Zahl- und Aufnahmctag in den Restaurants Gerichtstr. 12/13 und Buckower Str. l4. Lerantwortl. f. Politik: Dr. Franz Diederich. Berlin-Friedenau: für d. übrige» T-U des BlatteS: Alfred Scholz, Neulolln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin 8W. vterz» 1 Beilage utt U»tnch»IW»it»latt. « 34. Jahrgang 5reitag,20.?uli1Hl7 Deutsche Segenoffeusive in Oftgalizien. Michaelis' Mntrittsreöe. War es klug? W a r e s k l u g, neuer Herr Reichskanzler, daß Sie Ihre von aller Welt in atemloser Spannung erwartete Antritts- rede mit einem Exkurs über die E n t st e h u n g s u r s a ch e n des Krieges einleiteten? Kein Mensch hat daran gezwei- felt, daß Sie über diese Frage genau so denken, wie der größte Teih des deutschen Volkes und daß Sie darüber a n.d e r s urteilen als die vielen Millionen draußen, die Deutschland an der Entfesselung dieses ungeheuren Weltelends die Schuld bei- messen. Jene brauchen Ihre Stärkung nicht, diese werden Sie nicht überzeugen. Sie haben aber den Journalisten der Ententepresse, die viel schlauer sind, als Sie ahnen, Gelegen- heit gegeben, die Debatte von dem ihnen peinlichen Thema des Kriegs e n d e s aus das ihnen genehmere des Kriegs- anfangs abzulenken und zu sogen, daß Sie, Herr Reichs- kanzler—_ neuer Mann und gestern noch„unbeschriebenes Blatt Papier"— sich zum„vollbewußten Träger des fluch- beladenen Systems" gemacht hätten. Jeder Journalist, der die Presse des feindlichen Auslandes in den letzten drei Jahren berufsmäßig verfolgt hat, würde Ihnen geraten haben, diesen taktischen Fehler— für einen Friedens kanzler, der Sie ja sein sollen— zu vermeiden. War es klug, Herr Reichskanzler, daß Sie uns weiter ein völkerrechtliches Kolleg über den U-Bootkrieg lasen? Auch hier kommt der Streit der Fakultäten niemals zum Anstrag, weil von beiden Seiten in verschiedenen Zungen geredet wird. Der deutsche Mann, die deutsche Frau, die mit schmerzenden Füßen um ein Pfund Kartoffeln stehen, sagen sich:„Wenn der U-Bootkrieg ein Mittel ist, den Krieg schneller zu Ende zu bringen, warum soll er dann nicht geführt werden? Wenn wir hungern, warum sollen es die Engländer nicht auch?" Aber dieser einfache Gedankengang läßt sich nicht ins Eng- tische, ins Französische, ins Norwegische übertragen, und die Schifscrsfrau, die mit rotgeweinten Augen ihres Mannes barrt, fühlt eine seelische Erleichterung, wenn sie in ihrem Blatte liest, daß die Deutschen schändliche Piraten sind. Auch hier steht Volk gegen Volk, Empfinden gegen Empfinden, und die Professoren des Völkerrechts sind nichts als die Jnter- Preten dieser nationalen Gesühlsverschiedenheit. Kein Mensch zweifelt nun daran, daß ein preußischer Unterstaatssekretär, der Reichskanzler geworden ist, die in Deutschland verbreitete Auffassung teilt. Wozu der gegnerischen Preßhetze das be- qrreme Stichwort liefern, der neue deutsche Kanzler, der Frie- denskonzler(drüben in Gänsefüßchen gesetzt) habe sich zum begeisterten Lobredner einer Sache gemacht, die aus den oben schon angeführten Gründen drüben nun einmal nicht populär sein kann? Vielleicht, Herr Reichskanzler, war es klug, daß Sic sich mit so scharfen Worten gegen diejenigen wandten, die deni U-Bootkrieg zu einem bestimmten Termin einen England zerschmetternden Erfolg prophezeit hatten, während Sie nur sagen: an einem Tage, der gewiß kommt, ungewiß aber wann, werde dieser U-Bootkrieg die Widerstände über- wunden haben die sich in England dem Friedensbedürfnis entgegenstellen. Das war ein Stich durch die Tapete, der traf! Wußten sie aber auch wen? Waren Sie überrascht, daß die Linke wie aus einem Munde rief: Weisser ich! Helfferich!" Haben Sie bemerkt, wie �rr v. H e y d e- b r a n d blaß wurde? Vielleicht war es klug, aber doch mrr dann, wenn Sie wußten, welche Gegnerschaften Sie sich damit aus den Hals luden. Jochnnke, Jcchrmke, hüte di! Vielleicht, Herr Reichskanzler, wäre es klüger gewesen, wenn Sie vermocht hätten, Ihrer Zustimmung zu dem Friedensprogranrm des Reichstages einen etwas noch stär- keren Akzent der Ueberzeugung zu gäben, um den Verdacht zil vermeiden, Sic stimmten ihm nur mit halbem Herzen zu. Ein Plann des halben Herzens kann in dieser schweren Zeit das Reich nicht leiten. Sie haben sich im Wesentlichen, im Entscheidenden aus den Boden'des Reichstagsprogramms ge- stellt, und Sie haben damit eine Erklärung abgegeben, die gerade genügt. Aber Sie haben nicht den Eindruck erweckt, als fühlten Sie sich dazu berufen, Kräften, die an dieser klaren Erklärung biegen und deuteln wollen, aus eigener Kraft der Ueberzeugung Widerstand zu leisten. Und doch n: u ß die äußere Politik des Reiches fortab nach den Nicht- linien dieses Programms geleitet werden. Das Friedens- Programm des Reichstages ist der Willensausdruck des deut- schen Volkes, es schafft Weltgeschichte. Eine Tatsache ist damit in die Welt gesetzt, gegen die keine Regierung aufkann. Nicht klug war es, Herr Reichskanzler, daß Sie sagten, Sie würden sich die Führung nicht aus der Hand winden lassen. Sie sagten das in dem Augenblick, in dem der Reichstag die Führung tatsächlich übernahm. Was er damit geleistet hat, ist wichtiger als die von Ihnen freundlich in Aussicht gestellte„Besetzung einzelner leitender Stellen mit Männern, die das Vertrauen des Volkes ge- nießen". Dies war eine recht unglückliche Wendung. Denn der unbefangene Hörer fragte sich erstaunt:„Warum sollen nur e i n z e l ne leitende Stellen mit Männern besetzt wer- den, die das Vertrauen des Volkes besitzen, warum nicht olle, warum nicht auch die w i ch t i g st e?" Und schließ- lich braucht man es nicht— von Ihrem Platze aus— in die Welt rufen, daß es in Deutschland an leitenden Stellen Männer gibt, die n i ch t das Vertrauen des Volkes genießen. Ein Dualismus zwischen Männern des Volksvertrauens auf der einen Seite und gehobenen Geheimräten aus der anderen Seite wäre der Sache der letzteren am wenigsten förderlich. Herr Präsident Kaemps hat Ihnen das gut altfreisinnige Wort entgegengerufen:„Wir vertrauen..." Sie haben aus dem Munde unseres Genossen Scheidemann gehört, daß dieses Vertrauen mit einem ganz gehörigen Korn Salz zu verstehen ist. Bebel sagte, Mißtrauen sei eine demokra- tische Tugend. Jedenfalls ist voreiliges Vertrauen ein alt- liberales Laster, dem die Sozialdemokratie nicht zu verfallen gedenkt. Nicht die Sozialdemokratie und n?� die Matün des Volkes, die hinter ihr stehen! Bedenken Sie, diese Massea Artillerieschlacht in Flandern— Französische Höhenstettnng bei St. Oaientin erstürmt— Stosztruppgefechte in Wolhy- nien und Oftgalizien— Russenangriss bei Kalnsz. Amtlich. Großes Hauptquartier, deni?. Juli 1917. W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern nimmt die Artillerieschlacht ihren Fortgang. Trotz RegeuS war die Kampftätigkeit der zusammengezogenen Artikleriemassen bei Tage und während der Nacht sehr stark. Gewaltsame Erkundungen der Engländer im Kiistenabschnitt und östlich von Dpcrn wurden vor unseren Linie» zum Scheiter« gebracht. Au der Artois-Frout war die Feuertätigkeit an mehrere» Stellen vom La Basse'e-Kaual bis auf das Sädufcr der Searpe lebhaft. Südlich von St. Quentin stürmten hessische Truppe» nach starker Feuerwirkung die französische Hohcnstcllnng in 1 Kilometer Breite. Der Feind ließ eine größere Zahl von Gefangenen und mehrere Maschinengewehre in unserer Hand und erhöhte seine Berlupe durch Gegenangriffe, die abends und morgens vor den gewonnenen Gröben ergebnislos zusammenbrachen. Heeresgruppe Deutscher Kronpri»». Die Gefechtstätigkeit blieb meist in geringen Grenze«; zeit- weilig lebte sie in einzelne» Abschnitte» an der AiSne, in der Champagne und auf dem linken MaaS-vfer auf. Am Hochberg zwang unser Zerstörungsfener die Franzosen, Teile des kürzlich dort gewonnenen Bodens zu räumen. Im Walde von Avocvurt führte ein eigener Angriff zur Wiedernahme einiger tagS zuvor verlorener Stellungsteile. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nichts Neues. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G e« e r al f eld m a rfch all» Prinz Leopold von Baperu. Die schon seit Tagen regere Fenertätigkrit südlich von Düna« bürg und Smorgon hielt auch gestern an. neigen zu ausgesprochenem Mißtrauen: dieses z» über- winden, dazu gehört sehr viel Klugheit und sehr viel demo- kratisches Verständnis für ihre Empfindungen und Jnter- essen. Daß aber heute nicht nur an dieser oder jener Stelle, sondern an der leitenden Stelle selbst ein Mann stehe, der das V e r t r a u e n des Volkes besitzt, darauf kommt alles an l_ die Petersburger Ereignisse des Ib. Juli. Petersburg, 17. Juli.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Nach einer Sitzung während des ganzen gestrigen Abends und der Nacht trat der Arbeiter« und Soldatenrat um 3 Uhr morgens mit dem BollziehungSauSschutz des BauernrateS zusammen. Die Sitzung dauerte bis K Uhr. Mit allen gegen 10 Stimmen, bei Stimm« enthaltung der Maximalisten, die vor der Abstimmung den Sitzungs« saal verließen, wurde eine Entschließung angenommen. Diese er« gänzt den seit dem Morgen angeschlagenen Aufruf und ist in nicht weniger kräftigen Ausdrücken gehalten. Es wird darin zuerst an den Rücktritt der Kadetten« minister erinnert und an die gemeinsamen Erörterungen des Arbeiter« und Soldatenrates und des BauernrateS zur Lösung der Krise. Erörterungen, die durch die Kundgebungen unterbrochen wurden. Bewaffnete kamen bis zum Taurischen Palais, wo Mitglieder deS Ausschusses tagten, und verlangten. daß diese die Macht in ihre Hand nähmen. Aber gerade die« jenigen, die nach der Macht verlangten, heißt eS in der Entschließung, waren die er st en, die gegen die Macht auftraten. Der Ausschuß deS Arbeiter- und Soldatenrates und der Bauern von ganz Rußland weist mit Entrüstung alle Versuche zurück, seinen Willen durch einzelne Truppen- abteilungen zu beeinflussen. Die Verantwortung für das Blut, das auf den Straßen von Petersburg vergossen worden ist, trifft die- jenigen, die es gewagt baben, zu veranlassen, daß zu diesem Zwecke Bewaffnete auftraten. Alle diese Handlungen sind mit Rückficht auf unser revolutionäres Heer, das an der Front die Errungenschaften der Revolution verteidigt, Handlungen des Verrates und der Nieder- trachl. Jeder, der den Willen der berufenen demokratischen Organe zu beeinfluffen sucht, jeder, der Zwietracht in deren Kreisen sät, führt einen Dolch st ich in den Rücken des revolu- tionären Heeres, das gegen die Truppen Wil« Helms kämpft. Die Entschließung wendet fich dann gegen die bedauerlichen Anzeichen der Zersetzung, die das ganze Ansehen der Nation herab- setzen. Die Ausschüsse des Arbeiter- und Sol« datenrates und der Bauern verlangen ein für allemal, daß allen derartigen Handlungen ein Ende ge« macht wird, die das revolutionäre Petersburg entehren. Petersburg, 18. Juli.(Petersburger Telegrapheuagentur.) Ministerpräsident Fürst L w o w hat am 17. Juli an alle Re- gierungskommissare in der Provinz folgende Zirkular- d e p e s ch e gerichtet: Als Antwort auf Ihre Anfrage im Ministerium deS Innern teile ich Ihnen mit, daß die Gerüchte über die Verhaf- tung der Mitglieder der Provisorischen Regie- r u n g falsch sind. Was die Aufrufe anbetrifft, welche dazu auf« fordern, mit bewaffneter Hand die Regierung zu stürzen und alle Macht in die Hände der Arbeiter« und Soldatenräte zu legen, so hatten diese Aufrufe den Charakter eines unverantwortlichen Vor« gehens der Anhänger der extremen Minderheit und wurden von der Bevölkerung feindlich aufgenommen. Gleichzeitig ergreist die Regierung in völliger Ilebereinstimmung mit den Arbeiter- und Bauernräten Maßnahmen, die dahin zielen, Ereignisse zu be» Nordwestlich von Luck und an der ostgalizischen Front brachten Stoßtruppunternchmen, die auch eine Zunahme des Fevers zur Folge hatten, zahlreiche Gefangene ein. Südlich des Dnjestr griffen die Russen die südlich von Kalusz von uns zurückgewonnenen Höhenstellnngen mit starken Kräften an; sie sind überall unter schweren Verlusten zurückgeschlagen worden. Zwischen den Waldkarpathcn und dem Schwarzen Meer keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische Front. Zwischen Ochrida«»nd Prcspa-See, am Dobrvpoljc und auf dem linken Bardar-Ufer lebhaftere Feuertätigkeit. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i u, 19. Juli 1917, abends. In Flandern dauert die Artillerieschlacht au. Herausgefordert durch die Offensive, welche die russische Armee auf Befehl ihrer Regierung und trotz ihrer Friedens- beteuerungeu an unseren Fronten unternommen hat, find wir in Oftgalizien zum Gegenangriff übergegangen. Deutsche Korps haben die Stellung der Ruffen östlich von Zloczow i» breiter Front durchbrochen. Der österreichische Bericht. Wien, 19. Juli 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Südlich von K a l u s z versuchten die Russe» mit Einsatz starker Kräfte, die ihnen entrissenen Höhen zurückzugewinnen. Ihre Anstrengung scheiterte unter schweren Feindverlusten. Nördlich des Dnjestr bis gegen Brody lösten erfolg- reiche Stoßtruppeunntrrnehmen lebhafteres Geschützseuer aus, das sich namentlich heute früh in einzelnen Abschnitte» zu betröcht- licher Heftigkeit steigerte. Auch in Wolhynie» traten öfter- reichisch-ungarische und deutsche Stoßtruppcn mit günstigem Ev- gcbnis in Tätigkeit. Italienischer»nd südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besondere» Ereignisse. Der Chef deS Gcneralstabes. schwören, welche eine unglückliche Rückwirkung auf den Staat haben könnten. Die Zirkulardepesche LwowS schließt: Die Ereignisse von gestern und heute haben vorläufig die Be« sprechungen über die Bildung der Regierung im ganzen unterbrochen, aber nach Beendigung der Unruhen werden diese Besprechungen alsbald wieder aufgenommen werden, um ein Kabinett zu schaffen, in dem wie im vorhergehenden l Kabinett Bertreter der verschiedenen politische« Richtungen vertreten sein sollen, waS dir ausführenden Ausschüsse der Arbeiter- und Soldatenräte vollkommen billigen. « Blutiger Zusammenstoß auch am 17. Juli. Petersburg, 18. Juli.(Reutermcldung.) Am Abend des 17. Julj brachten der Passagierdampfer Kotli» und eine Flottille von Schlepp- booten viele Tausend Matrosen, Soldaten, Arbeiter uud Ar- beiterinuen von Kronstadt nach Petersburg. Heute trugen Matrosen Banner mit Aufschristeu gegen die Regierung durch die Stadt. I» dem Aufzug sah man auch das Banner deS Kronstadter Anarchisten klubs mit der Aufschrift: Weg mit der Regierung! ES lebe die Kommune! An einer Ecke des Newsky-Prosprktcs wnrden wie in der vorigen Nacht Schüsse abgegeben. UnmUtelbar daraus feuerten die Ataschiuengewchre blind darauslos. Es entstand eine allgemeine Panik. Dir Zahl der Verletzten ist noch nicht bekannt. Auch ans dem Liteny-Prospett wnrde gtfetyoffett« Petersburg, 18. Juli.(Reutermeldung.) In den Bureaus des Generalstabes und auf dem Platz vor dem Winterpalais lagern Regierungstruppen, Kanonen sind aufgestellt. General Polotjew bleibt in enger Fühlung mit seinen Soldaten. London, 13. Juli. Das Rorrtersche Bureau meldet aus Petersburg: Nach dem Hauptbureau des Kommissars des Li- tevnh-Di striktes wurden gestern über hundert Ver- wundete gebracht. Am Abend begegneten Meuterer und Ar- beiter der Roten Garde einem Trupp unbewaffneter Kosaken und beschossen sie; dabei wurden mehrere Personen getötet und ver- wuridet. Auf dem Newski-Prosprkt wurden Kosaken von einem in voller Ausrüstung mit Musik und rosa Fahnen vorbei- ziehenden Regiment beschossen. Hier wurden fünf Personen ge- tötet und LS verwundet. Man glaubt, daß Jwe Entscheidung zwischen den feindlichen Parteien unmittelbar bevorsteht. Skobelew ist auf dringendes Ersuchen des Ministerrates von der Front zurück- gekehrt, um seinen Einfluß auf die Arbeiter geltend zu machen. Nach einer anderen Reutermeldung drangen am 18. 7. um 1 Uhr morgen? Abteilungen der Garderegimenter Jsmailowski und Simeonowski mit ihren Offizieren in den Taurischen Palast ein, stimmten die Marseillaise an und brachten Hurrarufe auf die Zentralbehörden des revolutionären Rußlands aus. Tscheidse und Skobelew hielte« Ansprache« an die Soldaten, wobei Skobelew auf den Unterschied zwischen Demo- kratie und Anarchie hinwies. « Die Kabinettskrise. Amsterdam, 13. Juli..Daily Chronicle* meldet aus Petersburg. Fürst Lwow stellte Bedingungen für fein Ver- bleiben im' Amte. Die Schwierigkeiten der Volksernährung nähmen zu. Petersburg, 10. Juli.(Reutermeldung.) Ein außerordentlicher Kabinettsrat hat über einen Antrag, den Sitz der einst- weilige» Regierung nach Moskau zu verlegen, berate». Amsterda», 19. Juli. Nach einem hiesigen Blatte erführt die Exchange Telegramm Co. aus Petersburg, daß Eisenbahnminister Nekrassow aus der Kadettenpartei ausgetreten ist weil sie die Regierung im Stiche gelassen habe. Petersburg, 19. Juli. Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur. Di« gemeinsame Versammlung des Ausschusses des Arbeiter- und Soldatenrats und des Ausschusses der Bauern- Vertreter hat heute nacht die durch die Ministerkrise geschaffene Lage besprochen. Sie hat eine Entschließung angenommen, in der erklärt wird, daß der Rücktritt der Mini st er der Ka- dettenpartei nicht als Vorwand dafür dienen dürfe, die Re- gierung der Unterstützung der revolutionären Demokratie zu be- rauben. Andererseits aber wird die Ansicht ausgesprochen, daß der Rücktritt dieser Minister es notig macht, daß die Demokratie von neuem ihre Aufmerksamkeit im gegenwärtigen geschichtlichen Augenblick der Organisation der Regierungsgewalt widmet. Die Versammlung beschloß, in vierzehn Tagen eine allgemeine Versammlung der örtlichen Arbeiter- und Soldatenräte und der Vertreter der Bauernräte einzuberufen. Die Enffchließung er- klärt, daß bis zur erfolgten Lösung die gesamte Regie- rungsgewalt bei der gegenwärtigen Regierung verbleiben müsse, die nach den Beschlüssen des letzten all- gemeinen Kongresses der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Ruß- tandS handeln solle. Rotterdam, 19. Juli. Nach dem„Nieuwe Notterdamscheu Eourant" wird der„Daily News" auS Petersburg über die Er- eignisse am DienStag gemeldet: Als der Rücktritt der Mi- n i st e r der Kabetenpartei allgemein bekannt wurde, ging der Sturm los. Man faßte das Ereignis als einen Beweis für die Schwäche der Regierung auf. Zuerst wurde ein Eisenbahnzug auf der finnischen Bahnlinie von einer Gruppe Soldaten mit Ma- fchinengewehren in einer Station außerhalb von Petersburg an- gehalten. Darauf begann man in Petersburg selbst mit der An- Haltung von Automobilen. Auf dem Newski-Profpekt erschienen, wie an den Tagen der Revolution, Automobile mit Soldaten und Masch in engewehren und Panzerautomobile. Verschiedene Fabriken hatten die Arbeit eingestellt. Das erste Maschinengewehrregiment und andere Soldaten befanden sich auf dem Newski-Profpekt, als ungefähr in der Mitte der Straße Schüsse knallten. ES entstand eine allgemeine Schießerei. In der Panik wurden viele Frauen zu Boden getreten, aber die An- zahl der Verwundeten war verhältnismäßig klein. Zum Schluß kam es zu einem regelrechten Feuer aus den Ma- fchinengewehren in den Automobilen und z« Gewehrfeuer auf der Brücke vor der britischen Botschaft. I» Moskau die Straßenkundgebungen verboten. Moskau, 18. Juli.(Reutermeldung.) Der Arbeiter- und Soldatenrat erörterte die Ereignisse in Petersburg und be» schloß mit 442 gegen 242 Stimmen, in Moskau alle Straßenkund- gedungen zu verbieten. Die Maximalisten, die bewaffnete Demon- strationen wünschten, erhoben dagegen Einspruch, daß die Teil« nähme am politischen Leben behindert werden solle, und verließen den Sitzungssaal._ Stockholm. tzenüerson für Beschickung üer internationalen Sozialistenkonferenz Stockholm, 18. Juli./z Monate umfassenden Betriebsjabr 1915 auf 5472 Tonnen" im Jahre 1916 auf bereits auf 20653 To. gestellt. Für die ersten vier Monate des laufenden Jahres wird sie mit 15 277 Tonnen angegeben, ist also in raschem Auf- stieg. Neuerdings schätzen die Ingenieure der Gesellschaft den Erz- reichtum auf nicht weniger als 354,70 Millionen Tonnen mit einem Durchschnilisgehalt von 2,18 Proz. In diesem Zusammenhang nun will mau die tägliche Leistung auf 27 000 Tonnen Erzförderung er« höhen. Die Gesellschaft hat zusammen mit der Braden Copper Co. eine eigene Dampferlinie, die Chile Stcam hip Co. gegründet, um den derzeitigen großen Mangel an Schiffen zu überwinden. Der Geschäftsbericht berechnet, daß sich die Durchschnittskosten für das Kupfer aus 6 Cts. für das Pfund stellen werden. Die große» Gewinne des Kohlenbergbaues. Angesichts der andauernden Versuche der Kohlenkönige, höhere Preise durchzudrücken, ist die folgende Aufstellung der.Köln. Ztg." über die Gewinne der vierzehn reinen Zechen in Aktieusorm von hohem Interesse: Harpen........ Hibernia........ Essener Steinkohlen-Bergwerke Urenberg........ Coniolidatiou...... Mülhcimer BcrgwerkSvercin. Dahlbuich....... Friedrich Heinrich.... Königsborn....... König Wilhelm..... Köln-Ncnßener B.-L.... Magdeburger BergwerkS-A.-G. Bochumer Bergwerks-A.-G.. Aplerbeck........ Aktienkapital in 1000 M. am 31. Dezember 1913 1916 85 000 70 000 19 000 14 400 20 000 14 000 12 000 22 000 11000 8 500 10 500 3 000 6000 2 400 83 000 70 000 25 000 11400 20 000 14 000 12 000 22 000 11000 8 500 10 500 4 000 6000 2 400 Zusammen oder im Durchschnitt 1 297 800| 804 800 Abschreibungen am 31. Dezember in 1000 M. 1015 1016 8 949 4 287 3 334 2 021 1283 802 721 8 231 1000 1383 1 987 304 342 282 11673 5 039 2211 2 170 2 725 968 856 2 401 1 500 1614 1966 311 359 280 Reingewinn in 1000 M. am 31. Dezember 1915 1916 7 722 8 021 3 543 3 347 4 244 1776 1 760 300 2 428 1 004 4 708 931 23 161 13 401 10 975 4 954 3 843 4 951 1896 2 099 1053 8 117 2 847 7 629 1078 426 282 Auf jede Tonne der Beteiligung cnlfällr an Rein- gewinn Marl 1915 1916 0,89 1.38 1,52 1.17 2,17 1,12 1.45 0,25 2,15 1,67 2,39 1,64 0,95 0,50 1,51 1,89 2.13 1,30 2,54 1,19 1.73 0,87 2,77 2 55 3,97 1,86 0.85 0,81 Dividende in Prozent 1915 I 1916 6 11 10 22 18 10 13V, 10 12 35 30 12 13 10 25 22 11 16 15 20 40 26 5 10 28 876 i 34153| 49 858| 58 553 1,31 j 1,85 10,31 14,03 Diese 14 Aktiengesellschaften haben bei Erhöhung der Abschreibungen von 29 Millionen Mark auf 34 Millionen Mark eine Steigerung ihres Reingewiiius von 40,0 M. auf 58,6 M. erzielt. Trotz der vielüerufenen Lohiistergeruugen ist der auf die Tonne ent- fällende Reingewinn von 1,31 M. auf 1,85 M. gestiegen! selbst die.Köln. Ztg." muß gestehen, daß es den Aktionären bei gleichzeitiger Kräftigung der Gesellschaften gut ergangen. Sie sagt sogar der Magdeburger Bergwerksgesellschaft nach, daß sie ihr Atnenkapital um 1 Million Mark verwässert habe, um die provozierend hohe Dividende scheinbar herabzudrücken. Und trotzdem das Gewimmer nach höheren Preisen! Genchtszeitung. Was ist Tafelobst? Nach der Bundesratsverordnung vom 7. Ok- tober 1916 war der Verkauf von T a f e l o b st nicht an den für Aepsel festgesetzten Höckstprcis von 17 Pf. pro Pfund gebunden. Auf dieie Ausnahme glaubte sich die Geinülchaudleriit Görlitz in Berlin stützen zu können. Sie verkaufte Aepfel, die zwar zu einer besseren Sorte gehörten, selber aber tinansehnlich und zunt Teil an- gestoßen waren, siir 33 Pf. das Pfund. Das Landgericht sab die Aepsel wegen ihrer Beschaffenheit als gewöhnliche WirlschaftSapfel an und verurteilte Frmi G. wegen Ueberichreitung des Höchstpreises von 17 Pf. zu einer Geldstrafe von 209 M. Die Angeklagte legte Revision ein und rügte Verletzung des Begriffs„Tafelobst". Apfelsorlen von besonderem Wohlgeschmack wären Taseläpsel und blieben es auch dann, wenn sie etwas an- gestoßen seieir. Dieser Fall liege hier vor. Das Kammer- gcricht verwarf jedoch die Zievision und führte aus: Nach der Verotdmrng seien als Taseläpsel solche zu verstehen, die gepflückt und sortiert seien. Unter einem Sortieren in diesem Sinne könne aber nur ein Sortieren nach der Güte der Ware verstanden werden, n i ch r etwa nach den Sorten. Die ausgesuchte gute Ware sei Tafelobst. Schlechtes Obst könne unter keinen Umständen als Tafelobst angesehen werden. Die Augellagte hätte die angestoßenen Aepfel, ganz gleich zu welcher Apfelsorte sie gehörten, nur zum Höchstpreise verlaufen dürfen. Nichtantritt der Stellung„aus edlen Motiven". Gegen die Buchhalterin Elli P. klagte vor der 1. Kammer des Berliner Kauf» mannsgerichts eine Konfekt! onssirma auf Zahlung der ver- einbarten VcrtragSbruchstrafe von 360 M., da sie ihre Stellung nicht angetreten hatte. Die Angestellte gibt den Vertragsbruch an sich zu, bittet aber das Gerichl, ihr keine Strafe aufzubürden, da ihr Nichtantritt nur edlen Motiven entsprang. Als sie die Stellung bei der klägerischon Firma annahm, habe sie die feste Absicht ge- babt, auch anzutreten. Inzwischen sei jedoch ihr bisheriger Chef zum Heeresdienst eingezogen worden. Da außer ihm sie selber die einzige war, die im Kontor und mit der ganzen Buchhalterei Bescheid wußte, so habe sie es nicht übers Herz bringen können, den Chef in dieser schwierigen Lage zu verlaffen. Das Kaufmanns, zerichr stellte sich aus den Srandpunkr, daß, mag der Vertragsbruch noch so edlen Motiven entspringen. Verträge innegehalten werden muffen. Mag die Angestellte auch ihrem allen Arbeitgeber mit ihrem Bleiben genützt hoben, so habe sie doch anderscils den neuen Arbeitgeber, dem sie sich verpflichtet hatte, im Sttche gelassen und ihn in Berlegenheft gesetzt. Als Strafe erscheine aber dem Gericht 100 M. angemessen. In dieser Höhe wurde die Buchhalterin verurteilt. Bundeö-Turnfahrt deS Arbeiter- Turn er-B«ndes. Am kommenden Sonntag Kesten die Abteilungen des 1. Bezirks nach dreistündigem Marsch um 1 Uhr ans dem Fichtc-Turnplatz in Treptow an der Cöpenicker Landstraße ein. Für den 2. Bezirk ist das Ziel Bernau, sür den 3. Bezirk Brandenburg, für den 4 Bezirk Luckenwalde. Die Vereine des 5. Bezirks treffen um 1 Uhr im Restaurant Schloßpark in Oberschönelveide ein und marschieren gemeinsam nach dem D er ein s-Turnplatz in der TTpentcker SKaße. Beginn der allgemeine» Freiübungen au? allen Plätzen nachmittags um 2-/z Uhr. Daran anschließend; Dreikampf: Kugelstoßen, Wcitspringen und Lausen� Stajettenl an j e für Männer. Frauen und Jngendmarmschasten; Sonderwctt kämpfe: Speer- werfen und Stabhochfpringen. Wei tspielc. Zu recht zahlreickem Be- such ladet ein._ Der Turn-AnSichUß. Eingegangene Druckschriften. Die deutsche Dagespreffe und die Kritik. Von Karl Bücher. 1,50 M. Verlag von I. C. B. Mohr sPaul Siebech, Tübmgeii. Der neue Dag. Von Hans Christiansen. Verlag von Heim. Staadt. Wiesbaden. Illustrierte Geschichte des Weltkrieges 1914/17 bis 143. Heft 25 Pf. Union Deutsche Verlagsgeselllchast, Tie Freimaurerei. Bon August Horncster. Verlag Leipzig. Geheftet 25 Pl. Die Tndnkvergiftungen und ihre Bekämpfung. Müller. 1 Kr.— Verlag von Lgnaz Brand u. Co.. Wien. Freiheitöhort. Deutung der Geschichte Polens. Hest 137 Stullgart, Phil Rcciam, Von Nudolj Von Stefan BuszczhnSti.— Verlag des Obersten Polnischen Nationalkomitecs. Krakau. Meine Kindheit. Von Maxim Gorki. Geh. 4 M., geb. 5,50 M.— Verlag von Ullstein u. Co., Berlin. Kultnrgefinnung und Staatsgesinnung. Von Pros. D. H. Jordan. 1,75 M.— Verlag Vosfische Buchhandlung, Berlin 7k 62. Einheitsschule und Mittelschule. Bon Dr. H. Kappert. 75 Pf— Pädagogischer Verlag von Hermann Schroedel, Halle a. S. Kindheit. Von Joh. Thießen. 1,80 M.— Verlag Wilhelm Lange- wiesche- Brandt, Ebenhaujcn bei München. Englands Seeherrschaft im Wanke». Von Prof Dr. Msr. Manes. 2 M.— ül Marcus n. E, Webers Verlag, Bonn. Weg zur politischen Reife. Von Fürst von Bülow.— Der euglische Wirtschaftskrieg und das werktätige Volk Deutschlands. Von Augufr Winnig. Je 40 Pf,— Verlag von Sieimar Hobbwg. Berlin. M ein Ritt nach Lille. Von Fürst Karl Wrede.— Im Marine- luftschiff gegen England. Von Treujch von Butlar. Je 1 M.— Eckart-Verlag, Berlin SW 68. Die Jesuiten. Von Dr. Alfred Miller, 1,20 M.— Geschtchte Rußlands. Von Th. H. Vantenius. Geh. 7,50 M., geb. 9 M.— Das Buch der Reformation. Geschrieben von Witlcbenden. Von Karl Kaulsuß-Diesch. Geh. 6 M., geb. 7,50 M.— Verlag von R. Voigt. ländcr. Leipzig, Deutsche Borzeit. Einführung in die germanische Altertumskunde. Von Dr. L. Wilscr. Geb. 4 M.— Peter Hobbing, Steglitz. Praktischer Führer durch dir österreichische Gesetzgebung. 80 Heller.— Verlag von Jgnaz Brand u. Co., Wien. "Plagegeister. Von Dr. K. Floericke. 1 M., geb. 1,80 M.— Franckhjche Verlagshandlung, Stuttgart. Daschenbuch für deutsche Lilzsammlcr. Von Pros. E. Waller. 1,25 M.— Verlag von Hesse u. Becker, Leipzig. Unsere Bundesgenosse«. IM.— Deutsche Verlagsanstalt. Stuttgart. Demokratie und Freiheit. Von Houston Stewart Chamberlain. 1,50 M.— Verlag von Hugo Bruckmatra, München. »Sechö Millionen vertoren. Von Ligocki. IM.— Deutscher Vollsoerlag Freie Bahn, Berlin NW 4. Das Kaninchen. Von Adolf Kaiser. 30 Pf.— Verlag von A. Kaiser, Marbach bei Marbmg(Lahn). Ter Deutsche Bnchbiiiderverband im Jahre 1916. Selbstverlag. Sriefkaften üer Reüaktion. Die luristisÄe Sprechstunde findet sür Abonnenten Lindenstt. Z, 1. Hos links, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder sür den Briefkasten bcsttnnliten Anfrage ist cm Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ant- Wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsauillunz bei- gefügt ist, werden nicht beantworte! Eilige Fragen wage man in der Sprech- ftuild« vor. B ertrage, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprech- stände mit. „Omega." Besten Dank. Leider nicht verwendbar.— 8. 19. Kann nm brieflich geschehen. Senden Sie event. Adresse mit Rückporto,— Ederthstr. 100. Nachweise definden sich Gonnannstr. 13 und Koppen- flratze 1.— K. 2. Im allgemeinen find solche Abzüge nicht zuläfsig. Wir würden Ihnen aber empfehlen, den Versuch zu machen und die talsächlich gemachten Answendungen dafür in Abzug zu bringen,— Frivdrichs- selbe 22. 1. und 2. Ja. 3. Landsturmpflichttg, Kropsanlage.— H. 3. 177. Die Kriegsunter stütz ung wird nicht erhöht werden, die Mutter könnte im Bedürsmssalle nur Anspruch aus Armenmiterstützmig erheben.— Ernst 13. 1. Ja. 2. Da Invaliden- und Kranlenrente gleich hoch find, ist Ihre An- frage gegenstandslos. 3. An das Verficherungsamt in Neukölln, Berliner Straße, Rathaus.— A. G. Zenkalnachweisbureau des KriegSininiste- riums, Berlin, Dorotheenstr. 48.— M. B. 4. 1. Sie werden mit Erfolg nichts unternehmen können. 2. Sie haben dadurch aus Ihr Kanfrecht verzichtet.— H. K. 74. Sie sind zur Zahlung der Gemeindesteuer an beiden Orten verpflichtet. Staatsemkommensteuer tonnen Sie jedoch nur einmal zahlen. Einen Teil der be- sonderen Unkosten werden Sie in Abzug bringen können.— Slbon». Nr. 141. L Stolz e-Schrey. 2. Wenden Sie sich an Buchhandlung Vor- wärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3.— E. I. 10. Sachgemäße Auskunft erhalten Sie in der Zenkalftelle sür Lehrstellenvermittluna, Am Köll- Nischen Park 3.— F. H. 65. Verlag.Königsberger Volkszcitung'. Königsberg i. Pr., Vordn-Rotzgnrten 61.— A. 3. 24. Kür Ihren Ort ist maßgebend die Gemeindebehörde.— Otto 12. Uns nicht bekannt. — W. D. 100. Der Name ist wohl unrichtig wiedergegeben, uns un- bekannt.— Ehirurgie 18. Im Berliner Adreßbuch. 2. Band, II. Teil, Seite 226 und weiter finden Sie das Gewünschte.— F. H. 37. Die Adresse lautet: An das.Rote Kreuz", Gens(Schweiz/. WetterauSstchteu für das mittlere Norddrutschl»»» bis Sonnabend mitrag. Mäßig warm, zunächst noch überwiegend bewölkt, mit öfter wiederholten, im Bmnenlande meist geringen, im Küstengebiete stärloren Regenfällcn; später ostwärts fortschreitende Aufheiterung. Verdsock ier Oerneinde- nnd Staatsarbeiter. Filiale GroB-Berlins. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen lm\ Oldenburg von der Gasanstalt Gitschincv Straße. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gemeindesricdhoses in Neukölln aus statt. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht Die Ortsverwaltung. Nach langem, schwerem Leiden verstarb am 11. Juli meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Sopbiö Frentzel geb. Duckwitz im fast vollendeten 63. Le- bensjahr. 24A In ttcsstcr Betrübnis um stille Teilnahme bittend Gustav Frentiel nebft Tochter und Sohn. Die Beerdigung findet am 21. d. Mts., nachmittags 3ff, Uhr, von der Leichen- Halle des Pankower Fried- Hofes III in Schönholz aus sunt. Zentral-ICrankeii- und Sterbekasse der dentscbenWagenbancr V. a. 6.. Neukölln I. Am 15. Juli starb unser wertes Mitglied, Frau Kerl» 1-oreni. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Heutenachmittag Ist» Uhr auf dem Neuköllner Gemeinde. Friedhof, Goltlieb- Dunkel- Straße, statt. Ferner starb unser altes Mitglied 258/6 friedrieb M. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr aus dem Britzer Gemein desried- hos, Chausseestraße, statt. Die Ortsverwaltung. Spezialarzt Dr. med. Colcinann lür Haut-, Harn-, Frauenleiden nerv. Schwäche, Beinkranke, Ehrlich- Hnta- Karen, (Dauer 12 Tage), Behandlung schnell, sicher und schmerzlos ohne Berufsstörong. KOnijsIr, 34-36 aKä. Spr. 10— 1 u. 5—8, Sonnt. 10-1. Der Polizcimeistcr. Ein ruf- sischer Polrzeiioman von&. Zapolsla. Preis B Wart. Buchhandlung Vorwärts, Lm- denstraße 3, Laden.* ZeWer MMtitet-BetM. Berwaltungsftclle Berlin.> 54, Linienstraste«3—85. GeschSstszeit von 9—1 Ubr und von 4— 7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987. 9714. Mo»»tag, den 23. Juli 1917: Bezirks-Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Sf orden: Pbarussäle, Müllerstr. 142, abends 8ll. Uhr. Korden: Büttners Festsäle, Schwedter Str. 23, abds. Zff.Uhr. Korden: Frankes Fesstäle, Badstr. 19, abends 8st, Uhr.' Doablt: Sands Festsäle, Beusjelstr. 9, abends 8'/, Ubr. Charlottenbars: VolkShaus, Rosincnstc. 4, abds. 8'/., Uhr. >Ve»ten, Schttneberg und Steglitz,: Kaiser-Wilhelm- Garten, Friedenau, Rheinstr. 65, abends 8'/, Uhr. Osten und Kordosten: Comemussäle, Memcler Str. 67, abends S'J, Uhr. liichtenberg und Stralan-Rnmmclsbnrg: Blume, All-Boxhagen 56, abends 81/, Uhr. Weißensee; Restaurant Masche, Berliner Allee 25t, abends 8'/, Uhr. Sttdbezirke: Gewcrkschastshaus, Engelufer 15, Saal 1, abends 81/, Uhr. Kenkölln: Jdeal-Festsäle, Weichselstr. 8, abends 71/, Uhr. Tegel: Leonhardt, Tegel, Berliner Str. 84, abends 6 Uhr. Obersehönewelde. Klederecbönewelde, jo- hacnlstbal u. Umgegend: Restaurant Warnecke, Oberschönewetde, Wilhelminenhosstr. 18, abends 8'/, Uhr. Spandau: Dertz Restanr., Spandau, Knrstr. 21, abds. 8 Uhr. Sonnabcud, den 21. Juli 1917; Cöpenick und Friedrichshagen: Kahner, Cöpenick, Kaiserin-Augusta-Vittoria-Str. 29, abends 7'/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht von der Gcueralbersammluug in Köln. 2. Dlskussto». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt' Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 178/11 Die Ortsverwalt ang. Grtskraukenkasse der Schlosser u. vcrwaudten Gewerbe zn Berlin. Bekanntmachung. Die in der Ansschußversamm- lung am 21. November 1916 be- schlossene Abänderung des§ 61 der Kassensatzung sEntschädigung der Vorstandsmttglieder) hat unterm 19. Juli 1917 die Ge- nehmigung durch das Kgl. Ober- versichcrungsamt Groß- Berlin erhalten und tritt mit dem Heu- tigen Tage, als 2. Abänderung zur Satzung, in Kraft. Druckcxemplare der Abände- rung werden im Kasfenlokal an Arbeitgeber und Berficherte ab- gegeben. 278/13 Berlin, den 20. Juli 1917. Der Vorstand. A. Polzin, G. Möller, Vorfitzender. Schrijtjührer. Forel, Prof. A., Die sexuelle Frage. Volksansgabe 2,80 M. Buchhandlung Vorwärts, Lin- denstraße S. MÖBEL in ersttlass. Ausführung zn allerbilligst. Preisen liefert unmittelb. ab Fabrikgebäude an Private ]Iöbcl-GroB-f>ager Berliner Tischler- tmd Tapezierermctr. Albert Gleiser G. m. b. H., Berlin C 33, * Alexanderstr. 42 Alexanderplatz Umfangreichstes Lager von über 500 Einrichtungen. Besichtigung lohnend und erwünscht. Reichhaltigste Auswahl bis zum Auserlesensten. Preisverzeichnis m. Ab- H bildung umsonst. Bahn-■ freie Lieferung durch ganz Dentschland, I unzen kauft Kall. Münzenhdlg.. 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Handlungsgehilfin, Bankbeamte, Einj.-Preiw.-Prüfg., Abit.-Exam., Gymn., Iteal- gymn., Oberrealschule. Lyzeum, Oberlyzeum, Mittel- schullehrerprüfung. Zweite Lehrerprüf g., Handelswissenschaften, Landwirtschafts- schule. Ackerbauschule, Prä- parandjKonservatorium. Ausführliche 60 S. starke Broschüre über bestandene Examen, Beförderungen im Amte, im kaufmännischen Leben usw. kostenL durchBonness& Nachfeld, Potsdam. Postfach 224, Lippmatm, Otto. Hiffsbuch für die Dreherei mit 262 Ab- bildungen. Gebunden 3,40 M. Buchhandlung Vorwärts, Lin» denstraße 3.• Nr.IHS— 1H17 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Ireitag, 20. Jnü Der Sranö öes berliner Schauspiel- Hauses. Am 20. Juli 1817 vernichtete eine verheerende FeuerKbrunst das Berliner Königliche Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, das von Langhaus an Stelle des kleinen, im Jahre 1774 unter Fried- rich II. von Boumann dem Aelteren geschaffenen frmppjfischen Komödienhauses errichtet worden war. Ein Kupferstich zeigt die Ost- fassade mit ihrem durch ein Frontispiz gekrönten Säulengang korin- thischer Ordnung. Von diesem lief eine Bogenstellung um das Haus, desgleichen ein mit Arabesken gezierter Fries? die Schluß- steine der Bögen trugen tragische und komische Larven. Der bild- ncrische Schmuck der vier Fassaden war nach Schadows Entwürfen und Modellen hergestellt worden. Das Haus hatte 12 Ausgangs- türen, der Zuschauerraum, der für 2000 Personen Raum bot, ent- bielt außer dem Parkett, Parterre und den Parterrelogen drei Gänge mit Logen, den vierten bildete das Amphitheater. Ein Kronleuchter mit 36 Argandschen Lampen erhellte das Theater. Das Gebäude enthielt auch einen Konzertsaal, der im Jahre 1803 mit Hahdns„Schöpfung" eingeweiht worden war und einschließlich des Orchesters 1000 Menschen faßte. Welchen Ilmfang die Brandkala- strophe hatte, geht auch aus einer anschaulichen Schilderung hervor, die ein Berliner Blatt zwei Tage nach dem Brande veröffentOcbte: „Borgestern, den 20. Juli 1817, mittags gegen Kl Uhr. wurde Berlin durch eine plötzlich aufsteigende fürchterliche schwarze Rauch- faule in Schrecken gesetzt. In Zeit von fünf Minuten stand das ungeheure Dach des Schauspielhauses in Feuer. An Rettung war nicht zu denken, zum Glück trieb aber der Südwestwind die Flam- m.en nach dem Platze zu. Das ganze Dach war anzusehen wie ein Feuermeer, ebenso wütete die Flamme im Innern des Hauses, dem vor Glut nicht beizukommen war. Durch tätige Hilfe unserer braven Fcueranstalten wurden beide Kirchen mit ihren Türmen, die Seehandlung, das Waisenhaus und die übrigen umstehenden Privatbäuser durch beständiges Spritzen vor dem nahen Anbrennen bewahrt. Die fliegenden Kohlen-trieb der Wind nach allen Rich- tungen und bis an den Nikolaikirchhof. Glücklicherweise stürzt« das Dach in sich zusammen, letzt konnte, da die Mauern des Gebäudes noch standen, die Hilfe nahen und wirken. Um S Uhr wurde man des Brandes Meister, aber das schöne, erst vor 20 Jahren ang«. fangene und am 1. Januar 1802 eingeweihte Schauspielhaus mit den herrlichsten Dekorationen, mit einer Garderobe, die ihresgleichen an Vollständigkeit und Pracht suchte, mit dem schönen und einzigen Konzertsaal, mit vielen nie zu ersetzenden Musikalien, mit den vortrefflichsten Maschinerien, kurz mit allem ausgerüstet, woran der Fleiß der vorigen Direktion und der kein« Kosten scheuende Kunst- trteb des Königlichen Generalintendanten Herrn Grafen v. Brühl so eifrig und unermüdlich gearbeitet hatte— alles ist in wenigen Stunden ein Raub der Flammen geworden, so daß auch gar nichts — bis auf einige Bänke und Bretter— hat gerettet werden können...." Trotz aller Bemühungen und der tatkräftigen Mit- Wirkung der Bürgerschaft konnte bei der so leicht feuerfangenden Bauart eines Schauspielhauses überhaupt und besonders bei den fehlerhaften Grundanlagen der Treppen und Gänge des unfrigen, bm dem Mangel eines Magazins außerhalb oder eines sichren Aufbewahrungsorte» im Innern die Flammen nicht rechtzeitig er- stickt werden.„Alls weitere Gefahr ist vorüber, aber," so fügt der Berichterstatter melancholisch hinzu,„solch«in schönes und zugleich gräßliches Schauspiel hatte uns das Haus noch ni« gegeben." Der Bau des.Neuen Schauspielhaus«?" wurde bekanntlick Schinkel ubertragen, der die stehengebliebenen Grundmauern des Langhan?. s-ben Baues zweckmäßig mitzuverwerten wußte. Sein Wer? wurde 1821 vollendet; in der Zwischenzeit fanden die Schauspiele im Königlichen Opernhaus statt. Deutsche GistpfianZen. Giftigkeit ist ein relativer Begriff. Wir kennen keinen Stoff. von dem wir mit völliger Gewißheit behaupten könnten, daß seine Aufnahm« für jedes bekannte lebende Wesen tödlich wäre. Hierbei wird die Aufnahme eines.angemessenen" Quantums Vorau-Zgesetzl. Der Umstand, daß jeder giftige Stoff in so geringer Menge aus- genommen werden kann, daß die Giftwirkung unmerklich gering bleibt, macht den Begriff der absoluten Giftigkeit ebenfalls undefinierbar. Hierzu kommt nun vor allen Dingen die bekannte Tatsathe, daß die Lebewesen auf Gifte sehr verschieden reagieren. In dem Fruchtfleisch giftiger Pilze hausen Insekten und selbst Schnecken, der Igel macht sich wenig au» dem Big der Kreuzotter, unsere Drosseln fressen die Beeren der Tollkirsche ohne Schaden und mit Wohlbehagen. Diese Beispiele ließen sich leicht vermehren. Wie viel hierbei auf eine Verschiedenheit der Körperanlage von vornherein und wieviel diel- leicht auf eine langsame Gewöhnung durch viele Generationen hin- durch kommen mag, fei dahingestellt. Gewiß ist, daß auSgelernte Raucher, Alkoholiker und Kaffeetrinker Nikotin, Alkohol und Koffein in Mengen zu verarbeiten imstande sind, die einen Anfänger in den meisten Fällen töten würden. Ueberhaupt kann man die Genußmittel als Gifte ansehen, deren Wirkung bei erträglich geringen Mengen als Genuß empfunden wird. Die Giftwirkung unserer Genutzmittel ist dabei gar nicht gering einzuschätzen. Selbst unser unentbehrliche? Salz, das allerdings mehr als ein bloßes Genußmittel ist, führt, wenn man etwa einen Eßlöffel voll davon auf einmal einnimmt, zu schweren Vergistungserscheinungen. Mit wenigen Körnern de? de- liebten Kümmels kann man einen Spatzen töten. Der Genuß von vier Stück rohen Zwiebeln auf einmal führt auch beim Menschen zu schweren Erkrankungen usw. Andererseits gibt es auch Pflanzen, die die einen für giftig, die anderen für ungiftig erklären, was daraus beruht, daß auch die Menschen nicht gleich empfänglich gegen Giste sind. So hat z. B. die Hundspetersilie einen üblen Ruf, gleichwohl steht fest, daß viele Personen sie ohne Schaden ge- nießen können. Die Zahl der heimischen Giftpflanzen ist sehr viel größer, als im allgemeinen angenommen wird. Es ist eigenartig genug, daß die gesamte Grundlage der Volksernährung neben dem Getreide auf einer Pflanze ruht, die in allen ihren Teilen giftig ist, nur allein in ihren Knollen nicht, auf der Kartoffel. Aber auch bei dieser müssen bekanntlich die.Augen" als giftig ausgeschnitten werden. Giftig sind außer allgemein bekannten Giftpflanzen, die, wie Schierling, Bilsenkraut, Stech- apfel usw. hier kaum genannt zu werden brauchen, auch die Korn« rade unserer Getreidefelder, die Päonien und Nelken unserer Gärten, auch die wilden Nelken, unser Epheu, selbst, in geringerem Grade. unsere Vergißmeinnicht. Die Rinde der Wurzeln ist auch beim Apfel- und Birnbaum giftig, was vermutlich angreisende unter- irdische Schädlinge fernhält. Bei allen Weiden und Pappeln ist auch die oberirdische Rinde sSalizylgehalt I) giftig. Giftig find auch alle unsere Anemonen und Ranunkeln, und selbst da» zier- liche Sckmeeglöckchen. Mit diesen Beispielen wollen wir es genug sein lassen. Sie brauchen übrigens niemanden zu beunruhigen. Sie haben mehr wissenschaftliches als praktisches Interesse. Höchstens mögen sie eine Mahnung sein, kleine Kinder, die noch die Gewohn- beit haben, alles Erreichbare in den Mund zu stecken, auch in Gärten nie ohne Aufsicht zu lassen. Der Erwachsene begnügt sich damit, Nelken, Vergißmeinnicht usw. als Augen- und Nasenweiden zu behandeln, und er denkt nicht einmal in diesen bösen Zeiten daran, seinen Hunger damit zu stillen.?oIValhalla-Theater. �äi-- Zigeuner. GartenbiiHne: Zlorstollung. l�ose-Theater. 1llt Uhr: Die Stunde des Vertrauens.— Gartenbühne: Benin, tnie es liebt und haßt. VoW-�kesSer. Badstr. öS. ßadstr. 58. fägllcliiii'oßeExtrayofstellnng. 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Die Bilanz nebst Gewinn- und Verluilrechnung find in unserer Geschäftsstelle in BohnS- dorf in den Kassenstunden von 9—11, Donnerstags von 5 bis 8 Uhr nachmittags einzusehen. Der Verstand. G. Dorner. P. Schiffte. F. Hoppe. 106/8 Xran?8ySAüen sowie sämtliche* BlomeiiarratigementS liefert schnell und billig Hanl Gross, Lindenstr. 69, Tel. Mpll 7203. müh&k&ffea dieHsrislZs Sfitacp®®" Loden üdcmU Spezial-irzt Dr. med. Hasche. FrieiJrichstr.90 Bebandll vonSYPhilis, Haut-, Harn-, Aranenleideu, svez. chron. gälle. EhrUch-Hata-Ku- ren, schmerzlose, kürzeste Be- bandlung ohne Bertissstörunz. Blutuntersuchung. Mäg. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8, sonnt. 11— 1. Deutsche Bücherei. Soweit Vorrat jede Nummer broschiert statt 39 Pfennig nur 29 Pfen- nig, gebunden statt 59 Pfennig nur 35 Pfennig. Buchhandlung Vorwärts, Linde oenstraße 3. Verhaute ldleihhans Prinzcnftr. 83. Beleihung~ Höchste Beleihung aller Wert- fachen. Große Auswahl. 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