Ar. 198. 84. Jahrg. flbcnneBeotS'Btdlnqnn«»: HlonnfmenU. Stet« Känumenmh. Bietteljäfttl, 190 Ml, manotl 1J0 Ml. WSchenUich 80 Stg- ftn m5 Haut. Einzelne Nummer b Sfg. C anmaßt. nummer mtl illuftrteriei Sonnlaa». Vellage.Die Neue Sell' 10 Pig. voll- libonnement: ILO Marl dro Munal. Eingelragen in die Sali. Zeitungt. vreitlille. llmer Kreuzband iür Deulichiand und Oeilerreich. Ungarn 2L0 Marl, für da« übnge Au-Iand t Marl pro Munal. Saslabunnemenlt nehmen an Belgien. Dänemarl. Hulland. Jialien. Luiemburg. Pormgai. Kumänien. Schweden und die Schwei. Erldum tZgNch. 'S ♦ Berliner Volksblntk. ( 5 Pfennig} Der Bnzelflenprds belrügi f. die siebengespaltene Kalunel» zeiie K0 Pfg.„Nleine ZZureigen", das setlgedruckte Worl Lv Pfg. szu- lässig 2 fellgednickle Worte), jedcS weitere Worr lO Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das ersic Wort 10 Psg., jedes wettere Wortö Pf«. Worte über 15 Buchstaben zählen siir zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/» Politische u. gewerlschaftliche Vereins» anzeigen die siebengespalteneKoloilel- zeile 10 Psg.» Faniilienanzeigen 60 Vi Anzeigen für die nächste Ätunmier müssen bis 6 Nhr nachmittags in der Haupi-Expedilion abgegeben werden. SeSssilel d.SUhrsrüh bis 7 Uhr abends. Delegramni- Adresse: „Zotltlilemov» Rtrlin". Zcntralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands. Neöaktion: EW. öS, Ltnöenftraße Z. Fgrnsprecher: Amt MoriEplatz. Str. 1J>1 SO— 15» S7. Expedition: Ew. HS, Lindenstraße Z. Nerusprecher: Am» Moritzplatz, Sir, IM 90—161 97. jWnifterpräfident Kmnstd. Petersburg, 21. Juli. Reutcrmelduug. Die„Börsen- zeituug" meldet, daß der Ministerpräsident Lwow zurück- getreten ist. Kerenski wurde zum Ministcrpräsidente» ernannt und bleibt vorläufig auch KriegSmiuister. T s e r e- telli wurde Minister des Juuern und bleibt gleichzeitig Minister für Post nnd Telegraphie. N e k r a s o w wurde provisorisch zum Justizminifter ernannt. » Mit einer Schnelligkeit, wie sie nur revolutionären Zeit- ääuften eigen, ist der junge Rechtscinwalt und Führer der kleinen Dumufraktion der Tjrudowiki zum höchsten Amt in seinem Vaterlande emporgestiegen. Aber nicht weniger be- merkenswert als die Schnelligkeit der äußeren Laufbahn ist die stürmische Eile, mit der sich die i n n e r c E n t w i ck I u n g dieses Politikers vollzogen hat. Der kireditverweigerer wandelte sich in wenigen Wochen zum Kriegsminister, der an der Front von Regiment zu Regiment jagt, um die Truppen durch machtvolle Rede zum Kampfe anzuspornen. Und der Revolutionär von gestern ist der Mann der Ordnung von beute, der alle Versuche, diese zu erschüttern, mit den Mitteln detz alten Ordnungsstoates zu unterdrücken bereit ist. Kerenski verdankt seinen neuesten Aufstieg der lehten Petersburger Bewegung und der Entfernung der kadettisti- schen Minister aus dem Kabinett. Aber seine Ernennung bedeutet nicht den Erfolg jener Bewegung, sondern vielmehr einen Verspch, sie aufzuhalten, indem man ihr einen Mann der starken Mittel und der starken Ideen entgegenstellt. Der Name des Fürsten Lwow ist trotz des Fürstentitels während der Revolution vollkommen glanzlos geblieben, nnd was mit ihm verschwindet ist weiter nichts als ein altes Firmenschild, das noch lange hätte hängen bleiben können, ohne daß man es bemerkt hätte. Mit Kerenski erhält aber die Republik eine wirkliche persönliche Spitze, einen Führer, der voll Ehrgeiz und Tatkraft ist. Tie ganze Welt hat die Laufbahn dieses Mannes mit Spannung verfolgt, und auch die deutsche öffentliche Mei- nung, soweit sie bürgerlich repräsentiert ist, hat ihm ihr „.Hosianna!" und ihr„Kreuziget ihn!" zugerufen, je nach- dem er der nahende Friedensbringer zu sein schien oder seine rednerische Trompete fiir die Erneuerung der russischen Wehr- kraft schmettern ließ. Eine gewisse Presse, die für ausländische Staatsmänner nur zwei bis drei Stampiglien auf Lager hat, bat ihn in diesem späteren Zeitpunkt ganz einfach als„Kriegs- Hetzer" abgestempelt, denn für diese Presse gilt er überall nichts als Kriegshetzer, ausgenommen natürlich in Deutschland. Kerenski ist aber keiner von den Kriegshetzern, wie sie in allen Ländern, Deutschland nicht ausgenommen, zu Dutzenden auf der Straße heru-mlaufen, er erscheint als Vertreter einer Politik, die auf dem Weg über eine letzte kriegerische An- spannung den Frieden sucht und der man eine gewisse großzügige Folgerichtigkeit nicht absprechen kann. Tie Träger der Märzrevolution, sozialistische Menschewiki und Trudowiki, haben von vornherein erklärt, daß sie den Frieden wollen, aber nicht den Sonderfrieden, der dem dent- schen Imperialismus freien Weg nach Westen gibt, sondern den allgemeinen Frieden, der die Vergewaltigung eines einzelnen Volkes ausschließt und jedem sein Selbstbcstim- mungsrecht zurückgibt. Da sie den Bund der Entente nicht verlassen wollten, mußte ihre Politik darauf gerichtet sein, auf die Bundesgenossen einen Druck auszuüben, der sie zur An- nähme des revolutionären Friedensprogramms bewog. Einen solchen Druck konnte aber ein durch Zerrissenheit ohnmächtiger, rettungslos geschlagener, immer tiefer in die Anarchie ver- sinkendes Rußland nickt ausüben, sondern nur ein militärisch starkes Rußland. Dieses Rußland, das auf dem Schlachtfeld seine Pflichten erfüllte, konnte dann auch am Konferenztisch der Alliierten seine Forderungen anmelden. Und darum wurde der einstige Deputierte des Friedens, Kerenski, zum Minister der Offensive. Nach kurzen Anfangserfolgen scheint sich nun diese Offen- sive als ein Unternehmen zu erweisen, das über die Kraft ging. Nicht nur, weil die Zerrüttung des Heeres durch das zarische Regime und die vorangegangenen Kricgsereignisse schon zu weit vorgeschritten war, sondern auch, weil die. inneren Schwierigkeiten wuchsen, zumal die Fr�edensungeduld des Volkes die konsequente Politik der Regierung nicht verstand. Aus dieser Stimmung erwuchs die neue revolutionäre Be- wegung, die Kerenski auf den Gipfel der Macht brachte: bis zu dem Punkt, wo von steiler Wand der Absturz droht. Es gibt Leute in Deutschland, die jeden Fortschritt der Anarchie in Rußland begrüßen. Die deutschen Sozialdemo- kraten gehören nicht zu ihnen. Sie haben die russische Re- Volution mit Begeisterung begrüßt und können nicht wün- schen, daß sie sich kompromittiert. Aber auch vom Standpunkt der deutschen Friedenswünsche aus ist das Vergnügen an der zunehmenden Anarchisierung Rußlands ziemlich kurzsichtig und kindisch. Ein zerrüttetes Rußland, das tick schlaaen küßt. wie man will, ist zwar militärisch eine ganz angenehme Sache, aber ein geordnetes, kräftiges Rußland, das aufrichtig einen raschen gerechten Frieden anstrebt, ist politisch viel werwoller. Will Kerenski ein solches Rußland schaffen und kann er es— was hier zu leisten ist, übersteigt selbstverständlich weitaus die Kraft eines einzelnen Mannes—, dann kann er sich nicht nur um Rußland, sondern um die ganze Welt verdient machen. Es ist aber ein schwieriges Kunststück, zugleich Rußland von der Anarchie zu retten und zugleich zu verhindern, daß Rußland der Schildknappe des westlichen Imperialismus ist. Die Politik, deren Träger 5terenski ist, ist von voll- kommener logischer Konsequenz, aber vielleicht gerade darum zum Scheitern verurteilt, da die Weltgeschichte kein Rechen- exempel ist und die Leidenschaften und Irrtümer der Menschen sich meist stärker erweisen als ihre Vernunft und ihre Er- kenntnisse. Zwischen der Charybdis der nationalistischen Hurrastimmung und der Scylla eines zum Selbstzweck gewordenen Revoluzzertums steuert das Schiff des neuen Ministerpräsidenten auf schmalem Weg. Kerenski wird nur dann an der Macht bleiben, wenn seine nächste Offensive eine Offensive des Friedens sein wird. Es ist ein Znsall. dock kein unwichtiger, daß er die Leitung in einem Augenblick übernimmt, in dem er auch iin D e ust s.ch.l a n d eine stark veränderte Lage vorfindet. Das kann ihm Gelegenheit geben, auf Rußlands westliche Verbündete einen stärkeren Druck auszuüben zugunsten eines Friedens, über dessen Grundlinien zwischen den Völkern selbst keine ernstlichen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Zm�uni 1016000 To. versenkt. Berlin, 21. Juli. Amtlich. 1. Nach endgültiger Feststellung sind im Monat Juni an Handelsschiffraum insgesamt 1 Olk 000 Brutto-Rcgister- Tonnen durch Kriegshandlungen der Mittelmächte vernichtet worden. An diesen Erfolgen waren in hervorragender Weise beteiligt die Nntersccbootskommandanten: Kapitänlrutnant Wünsche, Wilhelms, Adam, v. Bothmer, Forstmann, Wassner, Viebeg, k. u. k. Linienschiffsleutnant Zdenko Hudecek, Ober- lrutnant zur See Fürbringrr, Voigt fErnst), Howaldt. Einen guten Anteil daran haben auch die Kommandanten unserer Minen-U-Boote, die unter besonders schwierigen Verhältnissen und bei stärkster feindlicher Gegenwirkung zu arbeiten hatten und deren Tätigkeit daher besonders hervorgehoben zu werden verdient. Seit Beginn des uneingeschränkten U- B o o t k r i c g e s sind mit den Junierfolgen insgesamt 4H71S00 Srutto-Regifter-Tonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffraumcs ver- senkt worden. 2. Das englische vntersceboot C Z4 wurde in der Nordsee von einem unserer U-Boote, Komnmndant Kapitirnleutnant Walther, versenkt. Ter einzige Ncberlebende, ein Heizer, wurde als Gefangener eingebracht. Z. Durch eines unserer U-Boote wurden in der BiScaya wiederum fünf Dampfer und drei Segler mit 22500 Hrutto-Negister-Tonnen versenkt. Unter den versenkten Schiffen befanden sich die eng- lischen bewaffneten Dampfer Angl» Patagonian mit 7 0 0 0 Tonnen Stückgut(darunter Flugzeuge, Stahl, Bulter) von Amerika nach Frankreich, Trrlissick mit 5000 Tonnen.Hafer und 1500 Tonnen Stahl von Boston nach Bordeaux, die französischen Segler Cnmbronne(1803 Tonnen) mit Talpeter nach Nantes, Ceres <2W Tonnen) mit Wein und Oclsardinen von Lissabon nach Brest. Die Ladungen der übrige» versenkten Schlse bestanden aus 5300 Tonnen Weizen und 500 Tonnen Mehl von New Jork nach Lc Havre, 2000 Tonnen Erdnüssen, Palmkcrnrn und Wachs»ach Liverpool und etwa 5200 Tonnen Kohlen von Glasgow nach Madeira. Ter Ehcf des Admiralstabcs der Marine. >» � Berlin, 20. Juli. Amtlich. Neue U-BootS-Erfolge i m M i t t el m e er: rund 30000 Tonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der bewaffnete tief beladeue englische Dampfer Haigh Hall (4 809 Brutto-Register-Tonnen), der aus gesichertem Geleitzug herausgeschossen wurde, ein italienischer Dampfer von etwa 3000 Tonnen, der griechische, tief bcladrne Dampfer Ariong» Goulandric(3191 Br.-Reg.-To.), der beladene japanische Dampfer Shinsan Maru(3312 Br.-Reg.-To.) und der geleitete französische Dampfer Courbie(2388 Br.-Reg.-To.). Ter Cbek des Admiralstabcs der Marine. Stockholm. die Zranzofen forüern Verschiebung öer Konferenz. Eine geharnischte russische Antwort. Stockholm, 21. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Bor- wärts"). Der Bcrwaltungsausschuß(cvmmlssion permanente administrative) der französischen Partei verlangt die Verschiebung der Internationalen Konferenz» weil seine Be- ratnngen noch nicht beendet und die Schwierigkeiten der Paß- frage noch nicht beseitigt seien und weil er erst Rücksprache mit den Russen nehme» wolle. Tagegen wendet sich R o s a n o f f im Sovjetbnlletin mit der sehr energischen Frage: wie lange die Franzosen verschieben wollen, nnd mit dem Hinweis, daß er zwar die Paßverzögerung der Regierungen Frankreichs und Englands begreife, aber nicht die Saninseligkrit der Sozialisten dieser Länder. die Ereignisse in Petersburg. Slockholm, 21. Juli. Die in Uleaborg erscheinende fiurnsche Zeitung„Kansan Thato" bringt folgende Schilderung der Petersburger Ereignisse: Bereits am Sonntag hatten in den Arbeiter- viertein die Agitationen siir die. gewaltsame Wegräumung der vorläufigen Regierung begonnen. Am Montagmorgen um 0 Uhr wurde alle Arbeit eingestellt. Arbeitcrmaffen und Soldaten streb- tcn der inneren Stadt zu. Die 8. Kompagnie des Aiaschinengetvehr- regimcnts besetzte um 1�9 Uhr den finnischen Bahnhos und gleichzeitig sammelten sich Soldaten auf zwei Brücken an, zu. deren Bcivachung Panzerautos ausgestellt wurden. Um 10 Uhr tvaren der Newstiprospekt und die benachbarten Straßen dicht � mit Meiischenmasscn angefüllt. Menschengruppen umgaben den Tau- rischen Palast. Tort wurden Rufe laut, die den Abgang der bürgerlichen Minister forderten.„Nieder mit dem Krieg! Nieder mit Kerenski!" Um 8 Uhr abends langten auf dem Warschauer Bahnhof mehrere Panzerautomobile an, um der, Kriegsminister gefangenzunehmen. Die Soldaten erfuhren jedoch, daß Kerenski eine Viertelstunde vorher im Sonderzug zur aktiven Armee abgereist sei. Spät abends trat der Tätigkeitsausschuß des Arbeiter- und Soldatenrats zusammen und erklärte die vorläufige Regierung für abgesetzt. Er gab eine Proklamation heraus, wo- nach die höchste Gewalt sich in den Händen des Rates befinde. Die ersten Schüffe fielen um 9 Uhr abends auf dem Netvski- Prospekt. Die Menschenmassen flüchteten in wilder Panik. Ma- schinengewehre und ang eiblich auch Artillerie kamen zur Antven- dung. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist unbekannt. Am Dienstagmorgcn herrschte verhältnismäßige Ruhe. Die meisten Regimenter hielten Versammlungen ab. Die Soldaten wurden ermahnt, jede bewaffnete Aktion zu vermeiden. Die i'chriggeblie- benen Minister erließen ein Verbot aller bavassneten Kundgebun- gen. Am Dienstag trat der Tätigteitsausschuß des allrussischen Kongresses der Arbeiter- und Solbatenräie und des Bauernkongresses, der sich permanent erklärte, zusammen. Nach Abgang der fünf Kadetten Mitglieder wurde ein Ver- traue n svoium für die vorläufige Regierung angenommen, die trotz ihrer Dezimiernug weiter bestehi. Die wortreichen Meldungen der Petersburger Telegraphen- agentur über den Verlauf der Ereigniffe vom Montag bis Donners- tag geben Klarheit darüber, daß der Abgang der bürgerlichen Mi- nister hauptsächlich durch die ernsten Petersburgtr Vorgänge ver- anlaßt wurde. Einen besonders blutigen Verlauf nahmen mehrere Zusammenstöße der«Roien Garde" mit Kosaken. Allein aus den Siraßen des Liieiny-Viertels wurden über 100 Ver- wundeie in die Krankenhäuser eingeliefert. Petersburg, 20. Juli.(Petersburger Telegraphenageniur.) Die einstweilige Regierung hat beschlossen, alle Truppenteile. die an dem bewaffneten A u f st a»i d c vom 10. bis 18. Juli in Petersburg und Umgebung teilgenommen haben, z» ihren Divisi'oncn zurückzuschicken.— Ferner hat die Regierung beschlossen, alle Organisationen, die an diesem bewaffneten Uniernehmen gegen die Regierungsgewalt tcilgenoin- men haben, aufzulösen, und alle Personen, die dazu aufgcrnfcn oder angefeuert haben, wegen Verrates am Vaterlande Und au der Revolution zu verhaften und bor Gericht zu stellen. » Stockholm, 21. Jnli.(Eigener Trahtbericht dcS„Vorwärts".! AlcxinSky behauptet in einer angeblich dokumentarischen Bcröffent- lichung, Lenin und seine Helfer ständen in deutschen Diensten. AlcxinSky ist Plcchanowit. Die Redaktion dcS Bolschcwikiorgans„Prawda" wurde de mokiert. Viele Ardeiter und Soldaten fordern die Neberweisung der Bolschewik» an das Kriegsgericht. Uebcr Petersburg wurde der Belag«rungszusi«nd verbänat. Die Rube ist wiederbcraestellt. PeterSiurg, 19. Juli. iReuier.) In Pschfow sind auf fttrtttSIt Schüsse abgegeben worden, die ihn aber nicht trafen. Petersburg, 29. Jui,.(Petersburger Telegraphen- Sgentur.) Kriegsminister KerenZli ist nach Petersburg zurückgekehrt. Die Anarchisten haben ihre letzte Feste, die Villa Dur» n o w o vor der Ankunft der Truppenabteilungen verlassen, die sich gegenwärtig darin befinden. Heute hat die Mehrzahl der Fabrikarbeiter in Petersburg wieder die Arbeit aufgenommen. London, 20. Juli. Das Reutersche Bureau läßt sich auS PetcrS- bürg melden, daß sich Lenin als Seemann verkleidet nach Krön- st a d t begebe» habe. Lugano, 21. Juli. Nach einer Petersburger Meldung soll Lenin geflohen sein, um der Verhaftung zu entgehen. » lieber den neuen russischen Handelsmini st er Prokopo« witsch teilt die Stockholmer.Prawda* mit, daß er früher Mitglied der Sozialdemokratie gewesen ist, aber seit dem Fehlschlagen der Revolution von l90S außerhalb der Organisation stand und als opportunistischer Freischärler wirkte. Zwei Monate lang habe die provisorische Regierung einen Ersatz für den ausgeschiedenen Handels- minister Fabrikanten Äonowalost gesucht, habe aber keinen Mann gewinnen können, der daS Vertrauen der bürgerlichen Parteien und Unternehmer genösse. So habe sie schließlich zu diesem national- ökonomischen Dilettanten und Schriftsteller gegriffen. Die„Prawda� erblickt in dieser Verlegenheit der provisorischen Regierung ebenso wie in dem inzwischen erfolgten Ausscheiden von vier weiteren bürgerlichen Miniftern auS der Regierung ein sicheres Anzeichen dafür, daß der Versuch des Zusammenwirkens von Arbeiterklasse und Bourgeoisie in der revolutionären Regierung gescheitert ist und seinem Ende entgegengeht. « Der Kongreß der Arbeitsgruppe in Petersburg iTrudowaja- Gruppe)— die Partei Kerenskis— nahm zur Na- nonalitätenfrage eine Resolution an, welche»die Schaffung einer Staatsordnung auf föderativer Grundlage" in Rußland, Europa und der ganzen Welt anstrebt. Weiter sprach sich der Kongreß dafür aus,.daß jeder ein stritiiges Grenzgebiet bewohnen- den Völkerschaft da? Selbstbestimmungsrecht zuerkannt werden solle, die bis zur vollständigen Loslösung gehen kann, unter der Be- dingung, daß dieses Recht von der allrussischen konstituierenden Ver- jammlung anerkannt wird." Revolution in Spanien? Heber die feindlichen Länder kommt die Nachricht, daß in Spanien ein Umsturz versucht wird. Zwei verschiedene Bewegungen sind am Werke. In Barcelona, der Hauptstadt des iirdustriercichen Eatalonien, eine republikanische Bewegung, getragen von entschieden liberalen und sozialistischen Elementen und besonders unterstützt von den sogenannten Regionalisten. Im Süden, in der Gegend von Valencia, Unruhen dec Landbevölkerung, der Straßenbahner und der Eisenbahner. Dazu Zugentgleisungen, bei denen der Ver- dacht wach wird, daß sie kein bloßes Werk des Zufalls sind. Unter- brechung des Verkehrs der Hauptstadt mit einzelnen Provinzen. Schließlich in Barcelona eine Versammlung oppositioneller Abge- ordnctcr, die che sie tagen und beschließen kann, schon von der Polizei gesprengt wird. Die Depeschen melden: Madrid, 20. Juli. Der Minister des Innern teilte mit, daß das katalanische Parlament, das in Barcelona hätte tagen sollen, vom lüouvrrneur aufgelöst wurde. Die Mitglieder des Parlaments lind der Aufforderung des Gouverneurs, einzeln abzureisen, nach- gekommen, ohne daß die Ruhe gestört worden wäre. Madrid, 29. Juli.(Meldung der Agence HavaS.) Minister- Präsident Dato hat erklärt, daß bei den Zwischenfällen i« Barcelona zwei Gendarmen und vier Teilnehmer an der Kundgebung verletzt wurden. Der Bürgermeister von Barcelona hat seine Entlassung eingereicht. Der Minister des Innern hat erklärt, daß die Gärung in Valencia fortdauere. Trupps versuchten die Ausfahrt«incS Bahnzugrs zu verhindern und griffen den Heizer an, der sich durch Schüsse aus dem Revolver verteidigte. Ter Generalkapitän und der Zivilgouverncnr haben den Bahnhof von Balencia räumen lasten, in den die Ausständigen eingebrochen waren. Der Minister bat iormcU das Gerücht dementiert, daß der Belagerungszustand in Valencia erklärt worden fei. Nach anderen Telegrammen haben die liberalen Deputierten und Senatoren, die an der katalanischen Konserenz in Barcelona teilnahmen, dem König tclegraphisch ihre Anhänglichkeit versichert. Eine Reihe von ihnen soll bereits nach Madrid wieder zurückgekehrt sein, in der Absicht, dort eine neue Kundgebung an die Regierung zu richten. Dagegen läßt sich die„Vossischc Zeitung" über London berichten, daß die revolutionäre Bewegung in schneller Entwicklung begriffen sei und der Republikanismus trotz der persönlichen Bc- lisbtheit Alfons XIII. kräftig an Boden gewinne. Tic Bewegung hat mannigfache Wurzeln und ist in ihren Zielen nicht einheitlich. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß der Weltkrieg die Entwicklung des spanischen Kapitalismus durch die Ausschaltung des ausländischen Wettbewerbes und durch Kriegs- lieferungen befruchtet hat, daß aber zugleich die ärmere Bevölkerung unier den enorm anschwellenden Lebensmittelpreisen schwer leidet. Tie Hemmungen in der Seeschiffahrt auf der einen Seite, aus der anderen das Einsuhrverbot für spanische Weine und Südfrüchte in die Länder der Entente— ein Verbot, das wegen Frachtraumnot und aus Rücksicht auf die Währungen erlassen wurde—, stören Handel und Wandel, lassen wichtigste Landesprodukte des Südens unverkäuflich werden und bewirken in den nordspanischen Industrie- gebieten eine weitverbreitete Arbeitslosigkeit. Dazu gesellen sich zwei andere Strömungen: einmal der Unwille der Offiziere über Unbilligkeiten bei der Beförderung und mangelhafte Entwicklung der Armee überhaupt, dann die alten Beschwerden der spanischen Regionalisten. Spanien wurde zwar im Ausgange des Mittelalters eine staatliche Einheit, deren wichtigstes Bindemittel die Religion war, aber in allen Landesteilen erhielt sich ein starker Provinzia- lismus. der sogenannte Regionalismus, der am ausgeprägtesten in dem industricreichen, unternehmungslustigen, gewerbefleißigen Katalonien ist. Katalonien für die Katalonier! Mit diesem Schlachtruf verlangte Barcelona und sein Hinterland eine gewisse Selbstverwaltung gegenüber der Madrider Zentralregierung. Wirtschaftlich erklärt sich dieser Föderalismus daraus, daß das verhältnismäßig reiche Katalonien seine Steuergelder nicht für sich verwendet, sondern in die stockarmen Nachbarprovinzen ab- fließen sieht, politisch daraus, daß die spanische Verwaltung entschieden zu zentralistisch ist und alle Entscheidungen von dem Minister abhängig macht, auch wenn sie ganz neutraler Natur sind, was sowohl den Geschäftsgang außerordentilch verzögert als auch der Korruption Tür und Tor öffnet. Aus diesen so ver- schicdcnartigcn Tendenzen und Strömungen hat sich die heutige Lage Spaniens entwickelt. Die Regierung, die die verfassungS- mäßigen Garantien aufgehoben hat, die Presse unterdrückt und sich ziemlich stark aus die bewaffnete Macht stützt, hat zum Widerpart die vereinigten Republikaner, Sozialisten und die entschiedenen Die cleutschen In Fortdauernder Feuerkampf an der eng- lifchen Front— In Ostgalizien die Strahe ZloczotoJ— Tarnopol überschritten— Verlorene Stellungen bei Brzezany wieder- gewonnen— Neuer Erfolg bei Nowica. Amtlich. Große? Hauptquartier, den 21. Juli 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. HrereSzruppe Kronprinz Rupprecht. Ju Flandern tobte auch gestern der Feuerkampf in nur zeit- weilig«achlassender Heftigkeit. Im ArtoiS steigerte sich die Artillerietitigkeit varmittags zwischen La Bassöe-Kanal und LenS, nachmittags auch auf beiden Ufern der Scarpe. Wie in den Bortagen blieben Borstöße starker ErkunbungS- abteilungen gegen mehrere Stellen unserer Front für den Feind ergebnislos. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Rur im mittlere» Teil deS Chemin-deS-DameS war die Feuertätigkcit stark; französische Angriffe sind bisher nicht erfolgt. Dagegen drangen abends Teile eines westfälischen Regiments iu die feindliche Stellung, überwältigten die Besatzung und kehrten heute früh mit IVO Franzosen von dem kühnen Handstreich voll- zählig wieder in unsere Stellung zurück. Such bei Fort de la Pompcllc(südöstlich von Reims» uud auf beiden MaaS-Uferu brachten Erkundungen durch frisches Draufgehcn eine größere Zahl von Gefangenen ei». Heeresgruppe Herzog Albrecht Kriue besonderen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front deS GeneralfelbmarschallS Prinz Leopold von Bayern. Unsere AngriffSbrwegnng in Ostgalizien hat den beabfich- ttgten Verlauf genommen. Hinter den eilig zurückgehenden russischen Kräfte», von denen nur Teile sich bisher zu Nnchhuttämpfrn stellte», habe» uusere Truppen in ungestümem Nachdrängen in 49 Kilometer Breite die Sttaße Zloczow— Taruopol beiderseits von Jezierna überschritten. Wo der Feind stand hielt, ist er in raschem Anstur« geworfen worden; wie in früheren Jahren künden brennende Ortschaften und große Zerstörungen den Weg, den dir Russen genommen haben. Weitere Kämpfe werden erwartet. Nördlich von Brzezanp nahmrn österreichisch- ungarische Truppen die am 1. 7. verlorenen Stellungen noch hartem Kampf zurück. Nördlich des Dnjestr scheiterten Borfiößc der Russen vor unseren Linien. Liberalen unter der Führung von RomanoneS. Ihr Gefolge be- steht aus den Erzkonservativcn unter M a u r a und auS den Liberalkonscrvativen unter Garcia Pricto. Wie im Zeichen des Weltkrieges sehr verständlich, stehen die innerpolitischen Bewegungen Spaniens auch im engen Zusammen- hang mit der äußeren Politik. Der König und die Regierung ver- treten eine unzweideutige Neutralität, die Opposition neigt ent- schieden der Entente zu. die neue Ententekonferenz. Paris, 21. Juli,(tzavasmeldung.) Bei der Konserenz, die im Juni in London abgehalten wurde, um die Haltung der Schutz- mächte gegenüber Griechenland festzulegen, kam man übcrein, im Juli in Paris eine neue Konferenz abzuhalten, um die Zu- sammensetzung der Besatzungsarmee von Salo- n i k i betreffenden Fragen und die allqemeinc Balkanpolitik der Alliierten zu regeln. Der Zeitpunkt der Konferenz ist auf den 25. Juli festgesetzt worden. Offiziell werden auf ihr nur die Mächte vertreten sein, die am Kriege aus dem Balkan teilnehmen, d. h. Frankreich, England, Italien und Rußland. Serbien, Rumänien und Griechenland werden eine beratende Stimme haben. Da sich Vertreter aller alliierten Mächte am 25. Juli in Paris gleichzeitig mit den an der Konferenz teilnehmenden Vertretern einfinden sollen, wckrden außer den Besprechungen über den Balkan sehr wichtige Beratungen stattfinden. * „Lantcrnc" führt aus: Ministerpräsident Ribot sagte in einer Rede, daß man nicht daran denke, die Orientarmee zurückzurufen. I o n n a r t, aus Griechenland zurück, bringt den Plan zu einer neuen militärischen Aktion auf der Balkanhalbinsel mit. Aber während Stabs- und einige Truppenoffiziere auf mehrere Wochen zur Erholung nach Frankreich beurlaubt werden, haben Tausende von Soldaten Frankreich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Eine zahlreiche Jugend ging mit Begeisterung in den Orient, wir alle im Glauben, daß einige Monate heldenmütigen Kampfes genügen würden. Monate, Jahre sind vergangen. Unsere tapferen Soldaten erfuhren die entnervenden Folgen des langen Wartens und eine Reihe von Enttäuschungen. Sie haben Kälte und Hitze, mörde- rischer als die Kugeln der Bulgaren, erfahren. Dabei erhielten sie nur selten einen Brief aus Frankreich. Deshalb sollte die Regie- rung an eine dringende Pflicht denken: Die allmähliche Ab- lösung der Soldaten der Oricntarmec. Carsons vorbeüingungen für Zrieüens-, Verhandlungen. In einer Rede in Belfast sagte, wie Reuter meldet. Sir Ed- ward Carson, das neue Mitglied des Kriegskabinetls: Ich habe gerade die Rede deS neuen deutschen Reichskanzlers im Reichstage ge- lesen. Sie unterscheidet sich nicht sehr von vielem, was ich vorher gelesen habe. Sie klingt hohl. Wenn die Deutschen Frieden brauchen, so werden wir morgen nicht mit dem Preußentum. sondern mit den Besten des deutschen Volles zu verhandeln haben. Als Vorbedingung für solche Verhandlungen sagen wir den Deutschen, daß sie hervortreten als Zeichen ihrer Aufrichtigkeit und als Beweis dafür, daß sie keine Gebietserwerbung und keine Gewalt gegen andere beab« sichligten, anbieten, in Unterhandlungen einzutreten, unter der Bedingung, daß sie zuerst ihre Truppen hinter den Rhein zurückziehen. Wenn die Deutschen große Büß- 'ertigkeit über das Unrecht und für ihre Verbrechen gegenüber der Menschheit zeige», die sie in Belgien. Nordstankreich, Serbien und in anderen Ländern begangen haben, die ohne Not mit Blut getränkt find, dann wird unser friedliebendes Volk in Ber- Handlungen eintreten, um die Welt von den Schrecken des Krieges pen vor Carnopol. Südlich des Flusses wurde der Feind auS Ladiu geworfen; bei Nowica stürmten deutsche ond österrrichisch-ungarische Reg» mcnter dir rusfischen Höhenstellungcn trotz hartnäckiger Gegen- «ehr. Bom Itochod bis zur Ostsee steigerte sich vielfach die Frurrtätigkeit; besondere Stärke erreichte sie zwischen Krewo und Smorgo» und bei Dünaburg. Front deS Generaloberst Erzherzog Joseph. Im nördlichen Teil der Waldkarpathcn hat da? ledhaste Feuer augehalten. Heeresgruppe des GeneralfelbmarschallS von Mackense« Am unteren Screth sind die Russen und Rumöne» tätiger als bisher. Ein eigener Borstoß an der Rimnicul- Mündung brachte uns 80 Rumänen und mehrere Maschinengewehre ein. An der Mazedonischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i u, 21. Juli 1917, abends. Unsere Truppen stehcu vor Tarnopol. * Die Meldung bedeutet, daß der deutsche Gegenstoß zum vollen Erfolg geführt hat. Die russische elfte Armee ist geschlagen. Der österreichische Bericht. Wien, 21. Juli 1917.(W. T. B.)«mt-lich wird «erlautdart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Nowica südlich von Kalusz bauten österrrichisch-ungarische und deutsche Truppen ihre kürzlich erkämpften Erfolge durch Er. oberung einer weiteren Höhenstellung nuS. Bei Bad in wurden feindliche Abteilungen über die untere Lomnica geworfen. Unmittelbar nördlich deS Dnjestr scheiterten russische Tcilvorstöße. Der beiderseits der Bahn Lemberg— Tarnopol unter dem Befehl des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayer» geführte Gegenangriff schreitet erfolgreich vorwärts. Ocperrrichisch-unga- rische Regimenter gewannen nordöstlich von Brzezany die anfangs Juli verlorene Linie zurück. Die bei Augustowka, Jczierna und Wrstcrowce vorgehenden deutschen und österrrichisch-ungarische» Streitkräfte haben diese Orte überschritte». Die Russen setzten de« Bardringen der Verbündeten stellenweise heftigen Wider- stand entgegen, der durch scharfes Zugreifen gebrochen werden mußte. Gegenüber Italic» und in Albanien keine besonderen Er- eigniffe. Der Chef bei Generalstabes. zu befreien. Wir sehnen unS„ach dem Frieden, um unsere Männer zurückzubringen. Aber die, die wir nicht zurückbringen können, ver- langen von unS, daß der Friede ein dauernder Friede fein muß uns daß ihr Opfer nicht vergeblich gewesen ist. Längst weiß man. daß der Imperialist Carson keirtd Friedens- taube ist. Die Vorbedingungen, die er jetzt für FriedenSverhand- lungen formuliert, geben erneut den Beweis, daß von ihm durch- au» nicht zu erwarten ist, er werde sich aufmachen, den ersehnten Oelzweig aufzuspüren. Er ist zwar ein frischgefiederter Kriegs- minister von heute, aber er redet noch immer die Sprache von gestern und vorgestern. Er verbrämt seine Worte zwar mit Friedens sehnsucht— das gehört zum imperialistischen Handwerk— aber er will noch wie vor den Krieg bis ans bittere Ende. Erste Lanütagssttzung öes autonomen Zinnlanös. Petersburg, 20. Juli.(Petersburger Trlegraphen-Lgentur. i In HelfingforS fand am 19. Juli um 7 Uhr abends die erste Sitzung des Landtages des autonomen Finnlands statt. Der Vizepräsident de» Senats, T o k» y, erklärte in seinem und seiner Kollegen Namen im Landtag, daß die Mitglieder der Regierung angesichts der neuen polittschen Lage von ihre» Aemtern zurückträten und ihre Posten dem Landtage zur Bcrfüguug stellten. Dieser ober bat die Mitglieder der Regirrung aus Borschlag de» Führer? der sozialistisch-dcmokratischen Partei, A y r o l l, solange i« A w t e zu bleiben, bis die neue Verwaltung des Landes vom Landtage auS- gebaut fei. Das neue Ninisterium üer Ukraine. Die provisorische Regierung der Ukraine, die soeben in Kiew zusammengetreten ist, setzt sich solgen dermaßen zusammen: Minister- Präsident und Minister des Innern: Vinnitlchenko, der hervorragende ukrainische Schriftsteller; Chrystjuk. Generalsekretär; Pelljura. KriegSminister; Efremoff. Minister deS Äußern; BaranowSky. Finanzen; Sadowsky, Justiz: Marros, Ackerbau; Stassiuk, Proviant. Nach dem Ukraiilischen Pressebureau spricht man in gewissen polilischen Kreisen davon, Pollava zur künftigen Hauptstadt der Ukraine zu wählen. Kiew gilt schon al» zu sehr russiftziert. Dieses Projekt gab Veranlassung zu einem Konflikt zwischen dem Exekutiv- komitee und gewissen polttischen Parteien der Ukraine. Die flutonomieforüerung üer Litauer. Der in Petersburg versammelte litauische Landtag begann seine Beratungen am 16. Juli. Die Tagesordnung, betreffend die Gründung eines unabhängigen litauischen Staates, wurde einstimmig angenommen. Eine andere Tages- ordnung hegt das Verlangen der Litauer, daß die Neutralität ihres Staates durch den Kongreß der Großmächte, an welchem die Ab- geordneten Litauens Anteil nehmen sollten, garantiert sei. Ein klares Bekenntnis zur Demokratie - in Kroatien! Der von dem ungarischen Kabinett Esterhazy ncuernannte Bonus(Statthalter) von Kroatien Herr v. Mihalowich führte sich in seinen neuen Wirkungskreis mit einer Rede ein, die ein er- quickendes Bekenntnis zur Demokratie ist: Wenn wir die Zeit, die wir erleben, mit weitem Blick er- fassen, dann lvcrdcn wir sehen, daß es heute bereits eine allgemein anerkannte Wahrheit ist, daß der Krieg in der ganzen Welt«ine politische Dominante hervorgerufen hat, die durch Dringlichkeit ifnü ttnauffditcSFarktf äffe anderen Fragen Lfferrags, riZrnffch die Demokratie, die Demokratisierung des Lebens» dessen Bedingungen und dessen Formen auf allen Liniem Die allgemeinen Wehr- und EcnährungSpflichten haben auch die Forderungen nach gleichen Rechten geboren. Da* ficr werde» wir uns, meine.yerren, da wir aus den Reihen der Mebrheit dieses Landtages hervorgegangen sind, und da wir für 'rnsere Tätigkeit die volle parlamentarische Verantwortung über- nhmmen haben, von dem Wunsche leiten lassen, bestrebt zu sein, die Grundsätze der Demokratisierung auf allen Linien, ohne Reserve und aufrichtig, wie dies das Prinzip selbst erfordert, durchzuführen. Äuf den Grundsätzen des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl- rechtes wollen wir die künftige Wahlordnung aufbauen und zu diesen Zwecke eine absolut gerechte Wahlkreisein- t e i l u n g durchführen. Selbstverständlich müssen zu diesem Zwecke auch jene Gesetze reformiert werden, die als Berfassungs- garantien zu dienen haben, wie dies die Gesetze über die F re i- b e i t der Presse und über das Versammlungsrechts über die Freiheit des Koalitionsrechtes sind, die' gleichfalls auf moderner demokratischer Basis umgestaltet werden müssen. Der neue Kurs hat sich auch bereits in der Verwaltung gezeigt. Unser Ltgramer Parteiblatt..Svoboda", da? seit Kriegsausbruch ein- gestellt wurde, bat am 13. Juli zum erstenmal wieder erscheinen können. Die Reform des kroatischen LandtagswahlrechteS wird dieses Land, so hoffen wir, von den erbitterten Porteikämpfen be- freien, die eS jahrzehntelang im wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg zurückgebalten haben. Das bisherige Wahlrecht gibt nur einem winzigen Bruchteile der Landeseinwohner die Stimmzettel in die Hand und erlaubt durch Privilegierung der Intelligenz» stimmen jeder Regierung, sich mit ihren Beamten eine Mehrheit oder mindestens einen gewissen parlamentarischen Anhang zu schaffen, was wiederum die parlamentarische Minderheit unsäglich erbittert, weil sie sich bewußt ist. die eigentliche Mehrheit des Lande» zu repräsentieren. Der öeutsche Gegenangrift in Gstgalizien. Zu den Erfolgen in Galizien äußert der militärische Rpr.- Mitarbeiter: Tie gestrige Meldung vom Rückzüge der Russen de- schränkte sich lediglich darauf, die Gefangennahme mchrerer Tausend Mann und einige Geschütze als Beute zu melden. Erst heute läßt sich der riesige strategisck«: Erfolg, den unsere Offensive auf Sloczow und Tarnopol erzielte, völlig überblicken. Es handelt sich nicht, wie die erste Meldung detonte, nur um einen Durchbruch der russischen Linie, sondern um eine Schlacht, die eS uns ermöglichte, unsere Linien in ungefähr 40 Kilometer Breite, 10 bis 1l Kilometer tief vorzutragen. Was dieses bedeutet, zeigt ein einziger Blick auf die Karte. Unsere auS der Richtung von Kon- jilcht) auf Tarnopol angesetzten Angriffe haben durch diese Front- Verschiebung den Gegner gezwungen, den anschließenden nördlichen Teil seiner Front weit nach Osten einzubiegen und stellen eine starke Bedrohung der nördlich und südlich anschließenden Teile dar. Das Bild, das sich unseren vorwärtsstürmenden Truppen darbot, entsprach genau dem des Jahres ISIS. Auch diesmal haben die Russen, ebenso wie bei unserer Sommeroffensive, auf ihrem flucht- artigen Rückzüge jede Unterkunftsmöglichkeit und Magazine völlig »zerstört. Es geht daraus also bervor, daß die Führung der kämp- iendkn Truppe auf der feindlichen Seite nicht mehr mit einer Rückkehr in allernächster Zeit rechnete. Die nächsten Tage werden lebren, ob unsere Heeresleitung gewillt ist, diesen für den Vier- verband so überraschenden Erfolg weiter auszubauen und durch noch weiter vorgetragene Angriffe eine Verschiebung der russischen Front nach Osten zu erzwingen. Verlin, 21. Juli. lW. T. B.) In Ostgalizien blieb am 20. Juli der Angriff der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen im Fluß. Tie russische Front ist auf einer Breite von 40 Kilo- meter durchstoßen und somit ist den Truppen der Mittelmächte abermals ein Frontdurchbruch geglückt in einem Umfange, wie er den Franzosen und Engländern trotz der ungeheuersten Opfer an Menschen und Material bisher nicht gelungen ist. Unsere Trup- pen drängten am 20. Juli mit Kühnheit und altem ungebrochenen Angriffsgeiste die Russen vor sich her Und fügten ihnen, wie an den Vortagen in Nachhutkämpfen und Einzelgefechten, schwere Berluste zu. Auch unsere Fliegergeschwader griffen erfolgreich ein, indem sie dichte russische Kolonnen auf der Chaussee bei Tarnopol mit Bomben bewarfen und. tief herabstotzend, mit Maschinenge- wehrfeuer beschossen. Tie Gefangenenzahl erhöhte sich auf 5000. Unter den unwiderstehliche» Angriffen deutscher und österreichisch- ungarischer Truppen und dem Drucke der Vorwärtsbewegung von Norden her brachen auch die russischen Höhenstellungen östlich Koniuchy und östlich Dhszki zusammen. Feindliche Patrouillen südlich der Bistritz wurden vertrieben. Wie«, 21. Juli. Aus dem KriegSpressequartier wird gemeldet: Ter Gegenschlag der Verbündeten zwischen Strypa und Sc reih hatte vollen Erfolg. Unsere Truppen überschritten bereits die Linie Kubobinee Olejov und Str. ZaloSze, das ist bis zu 15 Kilometer hinter der durchbrochenen feindlichen Front. Swwer und blutig find des Russen, gering die eigenen Verluste. Unter 3000 Gefangenen befinden sich zwei Regimcntskom- mandeure und 83 Offiziere. Auch 10 Geschütze wurden erbeutet. Bei Batkow griffen stärkere russisch? Patrouillen unsere Feld- wachenstellungen an. Durch Jnfantcriefcucr und durch Hand- granatenkampf wurden sie abgewiesen. «.Unsere Nieöerlage/ Die Schuld der Maximalisten. Russtscher Heeresbericht vom 20. Juli. Westfront: In Richtung auf W i l n a wädrcud des ganzen Tages lebhaft Arttlle- riebeschießung. Nach starker Artillerievorbereitung hat der Feind mehrmals die Truppen auf der Front Kenieaki-— Garbusow (30 Werst südlich von Brodyi angegriffen. Alle Angriffe wurden zunächst abgewiesen. Um 10 Uhr hat das Regiment 607, Meynow, das sich in dem Abschnitt Batkow— Manhur in der gleichen Gegend befand, eigenmächtig seine Gräben verlassen und sich zurückgezogen. Dies verursachte den Rückzug der benachbarten Abteilungen und gab dem Feinde die Möglikcheit, seinen Erfolg zu erweitern. Unsere Niederlage erklärt sich aus der Tatsache, daß, beeinflußt durch die Agitation der Maximalisten, viele Truppenabteilungen, die den Befehl erhalten hatten, die angegriffenen Abteilungen zu unter- stützen, Zusammenkünfte veranstalteten und berieten, ob sie dem Befehl Folge leisten sollten. Mehrere Regimenter weigerten sich, ihren militärischen Pflichten nachzukommen, und ließen ihre Stellungen ohne jeden feindlichen Druck im Stich. Die Anstren- gungen der Befehlshaber und der Ausschüsse, sie zur Ausführung der Befehle zu bewegen, blieben vergeblich. Oestlich von Brzezany und südlich von Schibalin bemächtig- ten sich die Oesterreicher und Deutschen nach wiederholtem Angriff eines Teiles unserer ersten Grabenlinien. Feindliche Versuche, uns südlich von Brzezany anzugreisen, wurden durch Feuer abgewiesen. Oestlich von Halicz verließen Abteilungen, die Bludniri besetzt hielten, das Dorf und der Feind nutzte dies ans und besetzte eS. Ein Versuch, das Dorf wiedcrzunchmen, mißlang. » Wien, 21. Juli. AuS dem KriegSpresseamt wird vom 21. Juli abends gemeldet: Die Ereignisse im Osten GalizienS nehmen einen günstigen Verlauf. Der russische Brückenkopf von Tarno- pol liegt im Ertrag des Feldgeschützes der Verbündeten. Die englische Schlappe an öee gser. Berlin, 21. Juli. Ueber die englisch» Schlapp« an der gser schreibt.Daily Chronicle' im Leitartikel: Bei dem Teilerfolg, den die Deutschen an der gser davontrugen, warfen sie uns rn den Sanddünen am Meer bis an den Fluß zurück und haben vor- mutlich unsere ganze dortige Streitkraft vernichtet oder gefangen. Der von Haig freimütig berichtete Rückschlag ist klern, aber unangenehm. Die Deutschen verringern durch die Eroberung' dieses Teile» unsere» Brückenkopfes die be- rcits schmale' Front, die unS zur Verfügung stehen würde, wenn wir unsererseits dort einen Lorstoß inachen wollten. Die ernsteste Seite des Mißgeschicks war vielleicht die Tatsache, daß ihm, wenn wir den Berichten trauen dürfen, eine erhebliche und uns überlegene Entfaltung deutscher Artillerie- und Fliegertätigkeit voranging. AuS den direkten Mit- leilungen in HaigS Berichten, wie auS den von unseren Abwehrkai, onen heruntergeschossenen deutschen Flugzeugen ergibt sich, daß die Deutschen in letzter Zeit viel mehr unsere Linien zu überfliegen imstande waren, als zur Zeit der Schlachten von Arras und MessineS. Wenn die Tatsache mit einer starken Luft- Verteidigung von London zusammenfiel, so könnten wir da« ver- stehen: aber eS lag gerade umgekehrt. ES sieht im Augenblick so aus, als ob wir auf der ganzen Linie an einem Mangel an Flug- zeugen litten,-der weitere unangenehme Folgen haben kann, bevor wir ihm abgeholfen haben._ Kleine Kriegsnachrichten. Attentat in Bersten. Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet aus TäbriS: Sardar Reschid, der frühere General- gouverneur von Aserbeidsckan, ist in Sendschan aus der Reise nach Teheran durch drei Schüsse in dem Augenblick getötet worden, als. er das HauZ verließ. Kaisertreue. Die„Deutsche Tageszeitung" ist sehr wütend, weil eS ihrer Clique nicht gelungen ist, die Kandidatur Hintze für das Staatssckretariat des Auswärtigen durchzudrücken. Für das Mißlingen dieses Planes macht sie in einem Atem den„Vorwärts" und— die Krone verantwortlich, wobei aber die letztere bedeutend schlechter wegkommt. Die„Deutsche Tage?. zeitung" schreibt also: Wer regiert heute in Deutschland? Ist eS die Krone, die den rechten Mann an die rechte Stelle setzen will, oder ist es eine Handvoll Demokraten, die sagt:„Jetzt oder nie?" Sind eS die Leute, die diese große außerordentliche Zeit ausnutzen wollen zu einer günstigen Konjunktur, um über das alle Preußen, über die Grundlagen deutscher Macht und Kaiserherrlichkeit hinweg zur Regierung zu gelangen? Der „Vorwärts" sagt:„Ter Versuch, den Admiral v. Hintze einzuschieben und damit jeden nicht uniformierten Einfluß auf die auswärtige Politik auszuschalten, scheiterte an der Wach- samkeit der Linkspresse." Herr v. Hintze gilt dem deutschen Volke als ein starker Vertreter deutscher Belange. Die Linkspresse kann ihm seine Erfolge nicht bestreiten. Herr V. Hintze gilt ferner als ein Vertrauensmann de» Kaiser«. Trotzdem scheitert er. wie der„Vorwärts" frohlockend sagt, an der Hetze, die radikal gerichiete Kreise gegen«hn entfacht habe». Warum weich» die Krone, die führen soll, zurück? Geht auch sie über die starke Tradition deutscher Geschichte hinweg? Ist der Ansturm eines Haufen» Ehrgeiziger erfolgreich? Wer regiert heute in Deutsch- land? Der Vorwurf der Schwäche und Nachgiebigkeit gegenüber der Demokratie ist von der konservativen Presse bisher imnier nur gegen den Reichskanzler erhoben lvorden. Die Be- hauptung, daß sich dieser Vorwurf indirekt auch gegen die Krone selbst richte, wurde stets mit größter Entrüstung zurück- gewiesen. Jetzt, nachdem Herr v. Bethmann aus der Vchuß- linie geruckt ist, richtet die„Deutsche Tageszeitung" ihre Kritik unbedenklich gegen die nächst höhere Stelle. Auch ihr wird jetzt gesagt, daß sie nicht führe, daß sie zurückweiche, daß sie über die starke Tradition der deutschen Geschichte hinweg- gehe. Warum hat nun eigentlich die ViehverwertungSgenosien- schaft von Schivelbcin beim Abgang Bethmann HollwegS geflaggt? Der ganze Artikel trägt die neckische Ueberschrift:„Kaiser- treue". Der nächste Krieg. Die alldeutschen„Berl. Neuesten Nachrichten" schreiben: Der gefährlichste Feind de« deutschen Bolke« ist die Demo- kralie. Ihr wird unser Kampf gelten müssen, wenn die Waffen längst ruhen und die weit hinauSgervcklen Grenzen des neuen größeren Deuischlands gesichert sind in einem deulschen SicherungS- frieden— trotz dem 19. Juli und seiner ReichStagSnrehrheil. Also, wenn England, Frankreich, Amerika, Rußland usw. geschlagen sind, dann geht es— im Namen des deutschen Lölkes— mit Hurra gegen das deutsche Volk selbst. RekchstagswMe und Volkswille. Mit 214 gegen 116 Stimmen hat der Reichstag die Friedens- resolution angenommen, die Frieden ohne gewaltsame GsbietSvcr- änderung oder wirtschaftliche Ausplünderung fordert. Aber die Opposition gegen einen VcrständigungSfrieden und die Anhänger- schaft eines Eroberungsfriedens ist in Deutschland viel geringer, als es danach scheinen könnte. Eigentlich sind cS nur die Kon- fervativen und RcichSParteiler mit 1% Millionen Stimmen, die wirklich noch an Eroberungen festhalten. Die National- liberalen wollen ein Angebot der Feinde abwarten. Die An- Hänger der Mehrheitsresolution haben hingegen 6� Millionen Stimmen hinter sich, und mindestens eine weitere Million entfällt auf die Parteien, denen der Beschlutz des Reichstages noch nicht weit genug ging. Würde heute abgestimmt, so würden zweifellos die Anhänger des Bergcwaltigungsfriedens nochvielschlechter abschneiden. Volksabstimmung in Elsaß-Lotbringen. Der ehemalige deutsche RcichStagsabgcordnete George W e i l l hat in Paris abgeraten, das Schicksal Elsatz-Lothringen» durch eine Volksabstimmung entscheiden zu lassen. Es könnte sonst leicht geschehen, daß das Reichsland als französisches KriegSziel ausscheide. Herr Weill hat damit die schärfste und eindringlichste Kritik jener französischen Ideologen geliefert, die mit verbundenen Augen in der Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich ein Recht, nicht einen neuen Raub sehen wollen. Die Mülhausener„Volkszeitung" macht darauf aufmerksam, daß die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Elsatz-Lothringen, besonders die Parteigeschichten dieses Landes, den besten Ausdruck der Volksstimmung biete. Im Jahre 1874 wurden 9 ausgesprochene Protestler mit zusammen III 903 Stimmen und 6 Klerikale, die den Protest unter dem Rock trugen, mit zusammen 70 157 Stimmen gewählt. Im Jahre 1907 trugen den Sieg im Wahlkampfc davon: 2 Sozialdemokraten(32 142 Stimmen), 1 Reichsparteilcr(9469 Stimmen), 5 Vertreter des elsässischen Zentrums(59 548 Stimmen), 4 ZcntrumSlcute(41 567 Stimmen), 3 Vertreter des lothringischen Blocks(41851 Stimmen). Bei den Landtagswahlcn im Jahre 1911 fielen die Kandidaten des Nationalbundes glänzend durch, der den Willen de» elsaß-lothringischcn Volkes verkörpern wollte, wieder an Frankreich Anschluß zu finden. Kein einz.igcr wurde gewählt. Sieger blieben 24 Kandidaten des Zentrums mit insgesamt 72 768 Stimmen, 11 Sozialdemokraten(32 784 Stimmen), 7 Libcraldcmokratcn(21 939 Stimmen). 8 Unabhängige(24 506 Stimmen), 10 vom lothringischen Block mit zusammen 28 068 Stimmen. Der Verfasser wirst auch einen geschichtlichen Rückblick und führt u. a. das Zeugnis des Straßburger Schriftstellers August Schneegans an, der Mitglied jener Abordnung war, die im Jahre 1871 vor der französischen Nationalversammlung in Bordeaux gegen die Abtretung Elsaß-Lothringens protestierte. August Schnee- ganS schreibt in seinen Erinnerungen: »Geradezu empörte unS aber die vollständige Gleichgültigkeit. die wir bei der großen Mehrheit der Abgeordneten hinsichtlich des künftigen Schicksals der elsässischen Bevölkerung trafen. Wir waren für sie ein Gegenstand der Verlegenheit: Ach. sagten sie untereinander, diese Elsässer sind immer Deutsche gewesen; schließlich nimmt Preußen sein Eigentum nur zurück." Die französische Rationalversammlung kümmerte sich wenig um die Abordnung und nahm am 1. März 1871 den Friedensvertrag mit überwältigender Mehrheit an: mit 546 gegen 107 Stimmen. Die Märe öer„Weser-Zeitung'. Die„Bremer Zeitungs-Verlags-Gesellschaft" erläßt— durch Wolfs— eine Erklärung, in der sie versichert: Alle Mitteilungen über fremde Einflüsse oder die Gefährdung der alten Unabhängigkeit der Zeitung durch nicht ' Bremische oder Sonderinteressen sind böswillige Unterstellungen. Der Verlag der Wefer-Zeitung konstatiert selbst deshalb in einer diese Gerüchte richtig stellenden Erklärung vom 17. Juli 1917, dqß her Auskauf der Wescr-Zcitung im Interesse des Handels, der Schiffahrt, des Gewerbe» und der Industrie Bremens ex- folgte. Tic Differenzen zwischen uns und Herrn Karl Schünc- mann sind nur wirtschaftlicher Natur. Was die Welt außerhalb Bremens interessiert, ist nickt die Frage, ob die„Weser-Zeitung" gut bremisch bleibt oder nickt, sondern ob hier ein bisher unabhängiges liberales Blatt durck Kapitalsmacht aus andere Wege gebracht werden sollte. Die letzte Erklärung des Verlags Schünemann schien diese Möglichkeit anzudeuten. Bremen, 21. Juli. Die Differenzen zwischen dem Verlage der ..W e s c r- Z e i t u n g" und der„Bremer Zeitungsvcrlags-Gesell- schaft mit beschränkter Hastung" haben durch weitere Aussprache ihre Erledigung gefunden. Der geschlossene Vertrag bleibt in Kraft. Lette Nachrichten. Tic Zustände in Petersburg. Amsterdam, 21. Juli.(T. II.) Aus Petersburg wird gc- meldrt: Lenin hat, augenblicklich wenigstens, Gelegenheit gehabt, zu entkommen. Während der letzten zwei Tage haben die Truppe« wiederholt maximalistische Führer festgenommen. Auf ausdrückliches Ersuchen des Bollzugskomitee» der Ar- beiter und Soldaten haben die Soldaten die Gefangenen, obwohl sie damit nicht einverstanden waren, wieder in Freiheit»e- setzt._ Der Fall Wennerholm. Göteborg, 20. Juli. Zu der Handelsspionageange- legen he it der Entente in Schweden wird aus Stockholm berichtet, daß einer der Agenten Wennerholms, der schwedische Staatsangehörige David Berglund, den Auftrag hatte, die Ankunfts- und AbfahrlSzeitcn der deutschen Schiffe in Lutea zu melden. Ein anderer, Moritz Loiving, ebenfalls ein Schwede, führte einen gleiche» Austrag in Gcslc aus. Eine LebcnSmittelschiebcr-Bande verhaftet. Breslau, 21. Juli. Hier wurde eine ganze Gesellschaft von Lebensmittclschiebcrn verhaftet, sechs Breslauer und zwei Dresdner. Unter ihnen befinden sich Apotheker, Miihlenbesitzer und Kauflcute. Sic haben allein zweitausend Zentner Mehl aus Breslau fort- geschafft._ Entgleisung eines Straßenbahnwagens. München, 21. Juli. Heute mittag ist an der Ecke der Bayer- und der Hermann-Lingstraßc ein Straßenbahnzug an der Weiche entgleist und mit seinem Triebwagen auf den Bürger st eig gefahren. Siedzehn Personen sind verletzt. Die Rcttungsgesellschaft lclstete ihnen die erste Hilfe. GewerkschaMwegung Deutsches Reich. Tie Verhandlungen im Holzgcwerbe vor dem Kriegsamt. Am 20. und 21. Juli boben die Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter des deutschen Holzc,ewerbes vor dem Kriegsamt erneute Verhandlungen wegen Lohnerhöhungen und Teuerungszulagen für die Arbeiter geführt. Der Kreis der Teilnehmer auf Arbeitgeber- seile war diesmal wesentlich weiter als bei früheren Verhandlungen gezogen, indem außer dem Ärbeitgeberichutzverband für daS deutsche Holzgewerbe auch alle übrigen Verbände und Spezialbranchen des HolzgewerbeS eingeladen und erschienen waren. Am Schluß des zweiten Verhandlungstages war leider ein positives Resultat noch nicht erzielt und trotz aller Bemühungen des Vertreters des Kriegsamts um das Zustandekommen einer Ver- ständigung mußte die Verhandlung ergebnislos abgebrochen und um eine Woche vertagt iverden. Auf energisdjes Drängen der Arbeiter- Vertreter haben jedoch die Unternehmerijertreter zugestimmt, daß— soweit eS in den letzten Wochen nicht schon geschehen ist— allen Arbeitern eine sofortige Lohnerhöhung von 10 Pf. und den Arbeite- rinnen eine solche von 6 Pf. für die Stunde als Abschlag auf die zu vereinbarende Teuerungszulage gezahlt wird. Unter der Voraussetzung, daß die Unternehmer auf der ganzen Linie dieses Zugeständnis anerkennen und damit zunächst allen Arbeitern und Arbeiterinnen im Holzgewerbe diese vorläufige Lohn- zulage gezahlt wird, haben die Arbeitervertreter eingewilligt, daß die Verhandlungen auf den 26. Juli vertagt werden. Hoffentlich wird alsdann eine endgültige und alle Teile befriedigende Ver- ständigung erzielt werden._ verlin und Umgegend. Drohende Differenzen in der Binnenschiffahrt. Seit Beginn dieses Jahres, haben die Schiffsmannschaften der Elbe, der Oder und der märkischen Wasserstraßen die Forderung erhoben, den Monatslohn für die Bootsleute auf 160 M. und den der Steuerleute auf 180 M. zu erhöhen. Es werden mit ganz geringen Abweichungen monatlich gezahlt: Für Steuerleute der Elbe 150—170 M., für Bootsleute der Elbe 130—135 M., für Steuer- leute der Oder 145— 153 M., für Bootsleute der Oder 120—127 M. Die Arbeiiszeit beträgt auf der Fahrt durchschnittlich 18 Stunden, so daß während der Fahrzeit ein Stundenlohn von 23—30 Pf. in Betracht kommt. Die Besatzung der Fahrzeuge ist durchweg redu- ziert, so daß eine erhöhte Arbeitsleistung herauskommt und die Ruhezeit der Mannschaften auf ein Minimum reduziert ist. Für die erhöhte Arbeitsleistung wird eine Entschädigung von 10 M. den ganzen Monat gewährt. Mit diesen Lohnsätzen muffen die verheirateten Schiffsmann- schaffen einen doppelten Haushalt führen. Diese Verhältnisse haben den MannschaftSmangel in der Binnen- schiffahrt zum erheblichen Teil mit verschuldet. Diese unzureichenden Lohnsätze haben große Unzufriedenheit unter den Mannschaften hervorgerufen, so daß schon am 1. Juli Arbeits« einstellungen drohten. Eine Versammlung der Mannschaften am 10. Juli in Stettin beschloß daher, die Organisationsleitung zu beauf- tragen, sofort Schritte zu unternehmen, um die Lohnfrage zur Ent- scheidung zu bringen. Essoll noch im Juli eine Konferenz einberufen werden, die alle erforderlicken Maßnahmen beschließt. Die Versamm- lung erwartet von dieser Konferenz, daß sie, wenn kein anderer Weg zum Ziele führt, eine Arbeitseinstellung in den Stromgebieten Elbe, Oder und märkische Wasserstraßen vorbereitet. Die Versammlung lehnt die Folgen, die durch die Lahmlegung der Schiffahrt auf den benannten Strömen gezeitigt werden könnten, ab. Die Forderungen der. Schiffsmannschaften, die Monatslöhne der Bootsleute auf 160 M., die der Steuerleute auf 130 M. zu erhöhen, sind bereits am 14. Februar d. I. den Unternehmern übermittelt. Das Kriegsamr hat am 25. Mai Kenntnis von der traurigen Lage der Schiffsmannschaften erhallen und darauf am 0. Juni erklärt, daß es erst Ermittelungen anstellen solle, was vier Wochen in Anspruch nehmen würde. Diese Zeit ist verflossen und nichts ist geschehen, so daß den Mannschaften nur noch der Weg der Selbsthilfe offen bleibt. Die Unternehmerver- einigungen haben in dieser Zeit die Firmen, welche den Wünschen der Mannschaften Rechnung tragen wollten, hieran gehindert. Diese Erklärung soll dem Kriegsamt übermittelt werden. Der Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbetter im Jahre Der Verband war gezwungen, zweimal in Verhandlungen mit den Unternehmern einzutreten, um für das Hilfspersonal nur einigermaßen einen Ausgleich zwischeil Einkommen und Teuerung zu schaffen. Bemerkenswert ist hierbei, daß die Unternebmervereini- gung, der Deutsche B u ch d r u ck c r v e r e i n, sich das erste Mal zwar mit den Gehilfen auf bestunmte Zulagen einigte, dem Hilfs- personal gegenüber sich aber nur zu nichtssagender Empfehlung aufschwang. Die Unternehmer der einzelnen Druckorte reagierten erst auf die sehr energische Vorstellung des Hilfsarbeiterverbandes. Es fanden allenthalben Verhandlungen statt mit dem Ergebnis, daß Zulagen gewährt wurden. Allerdings find diefe Zulagen nicht überall erreicht worden, denn die Kollegen verschiedener Orte zeig- ten wenig Neigung, sich durch ernstlichere Forderungen das zu holen, was unbedingt als ein Bruchteil des Ausgleichs für die drückende Teuerung gelten sollte, und doch herrschte überall Unzufriedenheit über die geringen Zulagen. Später wurde für- die Gehilfen eine zweite Teuerungszulage bewilligt; diesmal wurde aber in der be- treffenden Bekanntmachung des Deutschen Buchdruckervereins das Hilfspersonal vollständig übergangen, obwohl die Unternehmer die Erhöhung ihrer Druckpreise um 30 Proz. gerade in der Hauptsache mit den erhöhten Löhnen begründeten. Auch dieses zweite Mal mußten erst Verhandlungen erzwungen werden, in denen zunächst für die größeren Druckorte weitere Zugeständniffe erzielt wurden, die sich prozentual denen der Gehilfen nähern. Aber nicht überall hatten die Unternehmer das notwendige Verständnis für die Not des Hilfspersonals, und so zwang die sich immer mehr verschärfende Teuerung einen Teil der Mitglieder zur Abwanderung aus dem Beruf in die mehr lohnende Munitionsindustrie, so daß infolge- dessen der Verband einen Mitgliederrückgang zu verzeichnen hatte. Während Ende 1915 6900 Mitglieder, und zwar 2392 männliche und 4517 weibliche vorhanden waren, schloß das Jahr 1916 mit 6534 Mitgliedern, 1880 männlichen und 4654 weiblichen, ab. Den Verhältnissen nach war der Abgang an Mitgliedern nicht allzu er- heblich, er betrifft ausschließlich männliche Personen, was ja auch durch die Zahl der Einberufenen erklärlich ist. Daß die Zahl der weiblichen Mitglieder nach um 137 zugenommen hat, ist ein Zeichen der unverminderten Werbekraft des Verbandes, der im ersten Kriegsjahr ganz besonders unter Arbeitslosigkeit zu leiden hatte; die dadurch eingetretene Mutlosigkeit ist jetzt vollständig überwun- den, die im laufenden Jahre betriebene Agitation hat zufrieden- stellende Erfolge aufzuweisen. Die Kassenverhältnisse sind bedeu- tend besser geworden, der Bestand hat sich von 80 000 auf 187 625 Mark vermehrt; die Einnahmen sind allerdings mit 203 369 M. um rund 38 000 M. hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben. Der Ueberschuß von rund 30 000 M. über die Ausgaben von rund 173 000, Mark konnte hauptsächlich darum erzielt werden, weil die Arbeits- losenunterstützung nur in der Summe von 8811 M. in Anspruch genommen werden brauchte; über 46 000 M. wurden an Kranke und als Extraunterstützung an Kriegerfrauen ausgezahlt. Die statutengemäßen Unterstützungssätze konnten im Berichtsjahre wie- der in voller Höhe eingeführt werden. Trotz des nominellen Mit- gliederrückganges ist also eine Verbesserung der Finanzlage einge- treten, aber auch eine innere Festigung des Verbandes ist dadurch zu konstatieren, als die verbliebenen Mitglieder regelmäßigere Zahler geworden sind; denn die Anzahl der gezahlten Beiträge ist von 38 pro Kopf auf 44 gestiegen. Trotz aller Schwierigkeiten hat der Verband also das vorige Jahr gut überstanden und seine gesunde Fortentwickelung ist gesichert. Kuslan». �«r Verlegung des internationale« Gewerkschafts- sekretariats. Wie bekannt, befindet sich daS Sekretariat de? internationalen Gewerkichaftsbundes in den Händen LegienS in Berlin. Bald nach Kriegsausbruch errichtete Legien ein Zweigbureau in Amsterdam, um den Gewerkschaften der kriegführenden Länder Gelegenheit zu geben. den Verkehr miteinander und mit dem GewerkschäftssekretSr durch Vermittlung des neutralen Hollands aufrechtzuerhalten. Der Sekretär des französischen Gewerkschaftsbundes, Leon Jouhaux, verlangte jedoch die Uebertragung des Sekretariats nach einem neutralen Lande. Sein Zweck war, die leitende Stellung der deutschen Gewerkkljasten in der Internationale zu böseiligen. Der Sekreiär des englischen GeWerk- schastsbundes, Applelou. fcbloß sich diesem Verlangen an. Hingegen waren sämtliche internationale Gewerksibaffsorganiiationen der neutralen Länder Europas sowie der mit Deutschland verbündeten Länder für die Aufrechlerhallung des gegenwärtigen Zustandcs. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung ist ebenfalls der Ansicht der Neutralen, da statutenmäßig nur ein internationaler GewerkschaftZ- kongreß das Recht habe, über eine derartige Maßregel Beschlüsse zu fassen und die Abhaltung eines derartigen Kongresses sich vorläufig— trotz aller Bemühungen Legiens— als unmöglich erwiesen habe. Bei der letzten Weihnachiskonferenz des französischen GewerkichaflS- bundeS in Paris war a»ck ein Schweizer Delegierter anwesend, dem es gelang, die französischen Gewerkschaften für einen i n t e r- nationalen Gewerkschaftskongreß z u gewinnen, wo auch die Frage der Uebertragung des internationalen Sekre- tariats zur Erledigung kommen soll. Wir baben darüber seinerzeit in unserem Berichte über die Werhnachlskonferenz der französischen Gewerkschaften das Wesentliche mitgeteilt. Unbestimmt war die Haltung des englischen Gewerkschafts- bundes geblieben. Wie jetzt Leon Jauhoux in der„Bataille" vom 14. Juli berichtet, fand unlängst die Jahreskonferenz des englischen GewerlschaftsbundeS in Ehester statt. Die Frage der Abhaltung eines internationalen Gewerkschaftskongresses und der Uebertragung des internationalen Sekretariats von Berlin nach einem neutralen Lande bildeten den Gegenstand längerer Diskussionen und es wurde beschlossen, diese Angelegenheit vorher einer Gewerkschaftskonferenz der alliierten Länder zu unterbreiten. Die Franzosen er- klärten sich mit diesem Beschluß einverstanden. Parteinachrichten. Heraus mit der Wahrheit! Die„I. K." schreibt: Die„Nordhäuser Volkszeitung" wagt es nicht, unsere Fest- stellungen über ihre Verpflichtungen gegenüber dem Oberbürger- meiste r Contac abzudrucken. Sie verbirgt sich hinter das Gewerk- schaftskartell, das eine Resolution angenommen hat, wonach dos Blatt das Recht der Kritik gegenüber der Stadt nicht preisgegeben hätte. Diese Schwurzeugenschcht ist um so überzeugender, als die „Nordhäuser Bolkszeitung" selbst hervorhebt, daß das Kartell seiner- zeit an der Erledigung der fraglichen Angelegenheit beteiligt war. Die„Nordhäuser Volkszeitung" kann sich alle Flausen sparen. Sic soll den Wortlaut ihrer dem Magistrat von Nordhausen abgegebenen Erklärung veröffentlichen— dann wird sich jede weitere Ausein- audersetzung erübrigen. Tie unabhängigen„Massen". Aus dem Wahlkreis Reuß ä. L. wird uns geschrieben: Wie berichtet, hat der Wahlkreis Reuß ä. L. auch Anschluß an die lln- abhängigen gesucht und gefunden. Ter Wahlkreis hat 15 000 Wähler. Die Kreisgeneralversammlung war von 44 Delegierten besucht. Eine ganze Anzahl Parteiorte waren nicht vertreten, der drittgrößte Ort von zwei Delegierten, Oesterreichern, die in Deutsch. land keine politischen Rechte ausüben können. Zum Ueberdruß waren sie auch nicht zur Krcisgeneralversammlung gewählt worden, denn zur letzten Versammlung vor der Generalversammlung war niemand erschienen. In Greiz wählten 17 Mitglieder 5 Delc- gierte. Die lebhaftesten Ankläger waren, wie es nun einmal zu geschehen pflegt, jene, die zu Kriegsbeginn am lebhaftesten für Vaterlandsverteidigung geschwärmt hatten, öder aber jene, deren öffentliche Tätigkeit selbst keine Erfolge aufwies. Sie konnten sich nicht genug tun in der Kritik der parlamentarischen Tätigkeit und Erfolge der Mehrheit. Als aber eine kürzlich eine Versammlung in Gera stattfand, die vom Kasseler Generalkomurando einberufen war und in der alle Anwesenden von einem anwesenden General- oberst aufgefordert wurden, sich offen auszusprechen, da s ch w i c- g en sie fein stille und überließen es dem der Mehrheit ange- hörenden Genossen, Landtagsabgcordnetcn Fischer, gegen die Annexionisten zu sprechen und praktische Vorschläge zur Besserung der leider oft genug schwere Mängel aufweisenden Volksernährung zu machen._ Tie Düsseldorfer„Unabhängigen". Die unabhängige Düsseldorfer„Bolkszeitung" hat das Bedüri« uiZ, sich an uns zu reiben, weil wir in der Notiz über die Auf- Hebung des Belagerungszustandes in Düsseldorf kurz darauf hin- wiesen, daß die„Unabhängigen" in Düsseldorf nichts zugunsten der Arbeiterschaft unternommen haben. Sachlich kann die„Volks- zeitung" gegen den Vorwurf nichts einwenden; deshalb höhnt sie, es sei nicht jedermanns Sache, bei den Behörden herumzubiiten und sich lieb Kind bei denselben zu machen. Dabei weiß die „Bolkszeitung" sehr genau aus ihren eigenen Versammlungs- berichten, daß bei der ganzen Aktion unserer Genossen für Aufhebung des Belagerungszustandes und Entlassung der In- haftierten von Bitten keine Rede sein kann. Vielmehr ist die Behörde, die von der Erregung in Arbeiterkreisen Kenntnis hotte, an die Arbeitervertreter herangetreten und unsere Genossen haben dann mit ihrer Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse den berichteten Erfolg erzielt. Dafür wissen ihnen vor allem die sofort aus der Haft Entlassenen großen Dank. Drr Lnndksausschnss der sozialdeinokratischen Partei Ungarns hielt am Sonntag eine Sitzung in Budapest ob. Er nahm den Bc- richt über die Stockholmer Konferenz mit Genugtuung zur Kennt- nis und billigte einstimmig den Standpunkt der ungarischen Tele- gierten. Der Landesausschuß gab die Erklärung ab, daß er sich init begeisterter Freude dem mit Hilfe des skandinavischen Komi- tees ausgearbeiteten Aufruf der russischen Arbeiterschaft anschließe, welche die Arbeiterschaft aller Länder zu einer internationalen Konferenz für den 15. August 1917 nach Stockholm zusammenruft. Die Beschickung der Konferenz wurde der Parteileitung und den Gewerkschaften überlassen.— Zur inneren ungarischen Polilik wurde ein Beschluß gefaßt, der sämtliche Organisationen der Partei verpflichtet, dahin zu wirken, daß in den breitesten Kreisen eine intensive Agitation dafür getrieben werde, daß mindestens ein solches Wahlrecht Gesetzeskraft erlange, zu dem die neue Regierung sich durch Programm verpflichtet hat. Parteitag drr Bolschewiki. Die Bolschrwiki lZentralkomitee der russischen sozialdemokra- tischen Arbeiterschaft) haben einen Parteitag nach Petersburg ein- berufen. Auf der Tagesordnung steht u. a. die endgültige Stellung- nähme zur Internationale. Veranlwortl. f. Politik: Dr. Franz Diederich, Berlin-Friedenau: für d. Lprigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Inserate: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Perlagsanstalt Paul Singer&. Co., Berlin sw. Hierzu 2 Beilagen. �ItlUltUUllUlllllllUllllUllIuilllllllllllllMlUIIIIIIIIIIllllill A. WERTHEIM s f I | | c s i I £ Wasch-Blusen BIllS© aus weißem Mull mit Stickerei.., 6i90 DI..—— aus Wasch-Schleierstoff mit reichem 4 4 DIUOC Stickerei-Vorderteil.......' 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Dann sind wir fertig.— Na, wovon wollten wir doch etwas hören?— Von den Er- werbsguellen in Asien.--" Des Anders Zustand wurde nach diesem Gespräch noch weit qualvoller als vorher. Er konnte nicht daran zweifeln. daß der Lehrer recht hatte und sein eigener Zweifel also ganz unberechtigt, ja wahnwitzig war. Und doch war der ebenso stark wie vorher. Ein paar Tage lang beschäftigte ihn wirk- lich der Gedanke, nach Kopenhagen zu gehen und den Minister zu fragen. Aber wie sollte er hinüberkoinmcn?— Und wenn er versuchte, sich den Minister vorzustellen,-- das war ja doch auch ein Mensch. Dann stand alles still.— Später dachte er daran, den Seniinardirektor zu befragen. Nielsen- Petersen hatte gesagt, daß Gjedved hier in Jütland liege: das war dann doch näher. Aber auch diesen Gedanken gab er auf.----------------- Es war Frühjahr geworden. Jetzt war er siebzehn Jahr. Er dachte, er würde nie heranSkontmen auS diesem Zweifel, dieser Oual.— Die Erbitterung gegen seinen Vater glomm beständig in seinem Gemüt: sie erhielt auch reichliche Nahrung von draußen: und er konnte es nicht verhinhcrn, daß dieser Erbitterung für sein eigenes Gefühl etivaS Gottloses an- haftete.— Hierzu kam jetzt im Frühjahr eine Angst davor, daß er sich gewiß geradezu dem Teufel verschrieben hätte.— Beim Lesen in JngemannS„Schwarzen Rittern">var.der Gedanke in ihin entstanden. Er mußte wohl auch nur in Gedanken diese Verschwörung oder Verschreibung an drn Bösen vollzogen haben, aber in derlei Dingen konnten es wohl die Gedanken auch ausmachen. Und an dem Abend— oben auf dem Speicher— waren seine Finger doch vielleicht in Schwurlage gewesen, während er die gottlosen Gedanken hatte, und dann>var da ja sowohl Gedanke wie Handlung; dann waren ja alle Vorbedingungen für die Hölle" gegeben. (Forts, soigt.) Selbstmord. In einem Hause an der Wörtkcr Straße stürzte sich ein dort bei seiner Mutter wohnendes Fräulein F. aus dem Flurfenster des fünften Stockwerls auf den Hof. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Lebensmüde, ein 32 Jahre altes Fräulein, war kurz vor der Tat aus der Sommerfrische zurückgekehrt, wo die Mutter noch weilt, lieber den Beweggrund des Selbstmordes ist nichts bekannt. Nciikiilln. Lebensmittel. Um ein Verderben der bei den Klein- Händlern befindlichen Restbestände an Grieß zu verhindern, werden dieselben zum Verkauf unter folgenden Bedinoungen freigegeben: a) Der Verkauf darf nur an Neuköllner Einwohner erfolgen. Ks Der Verkaufspreis beträgt 28 Pf. für je 500 Gramm.— Vom Rkontag. den 23. Juli ab werden in den städtiichen Verkaufsstellen Kneiebcckslr. 24, Kirchhofstr. 45, Wildenbruchstr. 87. Donaustr. 13l, Steiumetzstr. 1)4, Herrfurthstr. 9, Nogatstr. 12, Herybergslr. 7—8, Jansastr. 4, Pfliigerstr. 7, Boddinstr. 42, auf den Abschnitt 3 der Neuköllner Lebensmittelziisatzkarle für Jugendliche 1 Pnind Speisemalz, auf den Abschnitt 4 der Neuköllner Lebens- mittclzuiatzkarte für Jugendliche Vz Piund Weizengrieß abgegeben. Und zwar erfolgt die Abfertigung an In- babcr der Lebensmittelkarte für Jugendliche Serie A am Montag, den 23. Juli, an Inhaber der Lebensmittelzusay- karte für Jugendliche Serie B am Dienstag, den 24. Juli, an Inhaber der LebcnSmittelzusatzkarte für Jugendliche Serie C am am Mittwoch, den 25. Juli, an Inhaber der Lebensmittelzusatzkarte für Jugendliche Serie D am Donnerstag, den 26. Juli, an Inhaber der Lebensmiitelzusatzkarte Serie E am Freitag, den 27. Juli, an Inhaber der Lebensmittelznsotzkarte für Jugendliche Serie F am Sonnabend, den 25. Juli. Der Verkaufspreis beträgt für 1 Pfund Speisemalz, Ausstichware 60 Pf., für 1 Pfund Speisemalz in Dosen 70 Pf., für Va Pfund Weizengrieß 14 Pf. alle den Selbstversorgern für Ernährungszwecke freige- gebenen Gerste- und Hafermengcn, und zwar vorlaufig für die Zeit bis zum 30. September 1917, Bestimmung getroffen. Während im vorigen Jahre ein beliebiger Teil der von den Erzeugern frei- gegebenenen 40 Proz. der Gerste zu Ernährungszwecken diente, sind jetzt— und zwar vorläufig für die oben genannte Zeit— für den Kopf und Monat 4 Kilogramm Hafer und Gerste zu- stimmen freigegeben worden. Die Regelung des Verbrauchs von Getreide zu Futterzwecken bleibt so lange vorbehalten, bis sich die Erntcaussichten besser übersehen lassen. Schönebcrg. Die Ausatzbrotkarten für die Zeit vom 23. Juli bis 5. August können die Empfangsberechtigten vom 28. Ju li ab in den Brolkommissionen in der Zeit von 8—2 Uhr gegen Vorlegung eines Lcgitimationspapiers in Empfang nehmen. Panlow. Schwerstarbeiter, die bisher eine zweite Kar- toffelkarte als Znsatzkarte erhalten haben, werden vom 6. August ab nur zwei Kartoffelzusatzkarten, also Vs der bisherigen Zulage erhalten._ Lichtenberg. 85 Gramm Tilsiter Käse zum Preise von 35 Pf. sind vom Montag, 23. Juli, in der städlischeu Vcrkaufshalle, Frankfurter Allee, Ecke Kronprinzensiraße, zu haben. Der Käse kann ohne vorherige Anmeldung gegen Abtrennung der drei gleichlautenden Abschnitte 66 E entnommen werden. Die Verteilung auf die einzelnen Lebensmittelkarten wird durch Aushang in der Verkaufsstelle bekannt- gegeben._ ' Britz. Lebensmittel. In der Woche vom 23.-29. Juli gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde zur Abgabe auf Abschnitt 58 Hafermehl Pfund je Person), Abschnitt 59 Maggisuppen(1 Teller je Person), Abschnitt 60 Erbsen(V4 Pfund je Person), Abschnitt 61 verschiedene Waren(Fisch konscrvcn, Viandal-Fleischcrtrakt, Nährhefe und Rote Beete), Abschnitt 62 Sonderzuteilung. Ferner werden abgegeben: Pfeffer, Zwieback, Salz. Gurken, Streich- Hölzer und Salmial-Wnschmittel. Die Abgabe der Waren erfolgt für die Lebensmittelausweise Nr. 1—800 am Montag, 801— 1600 am Dienstag, 1601— 2100 und Nachzügler der vorher- gehenden Tage am Mittwoch, 2101—2900 am Donnerstag, 2901 bis 3700 am Freitag, 3701 bis Schluß und Nachzügler der vorher- gehenden Tage am Sonnabend. Nachzügler der Nr. 3701 bis Schluß am Montag, den 30. Jeder hat unbedingr innerhalb dieser Reihenfolge seinen Einkauf zu bewirken. Sollte durch Nachzügler ein zu großer Andrang entstehen, so haben sie keinen Anspruch auf Ab- fenigung._ Fricdrichshagcn. Die Verordnung betreffend Kohlcnvcrteilung in Groß-Berlin hat auch für unseren Ort eine Neuregelung im Koksverkauf gebracht. Das Mitielstück der vom 9. Juli ab gültigen Reichsfleijchkarte berechtigt diejenigen Haushaltungen, die weder Kohlen noch Koks befitzen, zur Entnahme von h ö ch st e n§ 0, H e k t o l i t e r. Solange der Vorrat reicht, findet der Verkauf jeden zweiten Wochentag(Dienstags, Donnerstags und Sonnabends) >n der Zeil von 9— 12 Uhr vormittags statt. Nowawcs. Lebensmittel. In dieser Woche(bis Sonntag) kommen zur Verteilung: Auf Karlenabschnitl 33 pro Kopf'/« Pfund Sago und auf Karicnabschnitt 32 Vz Piund Graupengrütze; vom 23. bis 29.: Auf den grünen Kartenabschnitt 38 Hafermehl, auf Kartenabfchnitt 39 Puddingpulver und auf Karten- abschnitt 40 ausländisch« Marmelade. Die Lebensmittel» (arten für den Bezug der drei lctztgeiiannlcn Waren müssen bis Montag, den 23., und Dienstag, den 24., bei den Kleinhändlern ab- gegeben werden.____ Znöustrie und Handel. Tic Verteilung der neuen Körncrcrnte. � Ter Bundesrat hat Festsetzungen über die für Saatzivcckc freigegebenen Getrcidemcngen gc- troffen. Diese sind gegenüber dem Vorjahre unverändert geblieben. Die Landeszeniralbehörden sind wie bisher berechtigt, wenn es die Verhältnisse erfordern, im Einvernehmen mit der Reichsgctrcidc- stelle eine Erhöhung der für den Hektar freigegebenen Aussaat- mengen eintreten zu lassen. Gleichzeitig hat der Bundesrat für Absonderliche Mittel. Zu sonderbaren Mitteln greift der Zittauer Stadtrat, um die an sich sehr sördernswcrten Goldsammlungen in kräftigen Fluß zu bringen. Er verspricht denen, die vom 15. Juli bis zum 15. August Goldmünzen abliefern, ein Pfund ausländisches Roggenmehl zum Preise von 1,25 M., und zwar für jedes Zehnmarkstück wird ein Pfund Mehl gegeben. Diese Bekanntmachung mutet die»Zittauei Volkszeftuiig*— wie sie schreibt— mehr als sonderbar an; nun sollen die Patrioten, die ihr Gold zurückbehalten haben, auch noch belohnt werden._ Die Lebenskostea i« der Schweiz. Nach der Statistik des Verbandes der schweizerischen Konsumvereine über die Lcbenskosten beträgt die Ausgabe für die not- wendigen Lebensmittel einer fünfköpfigen Familie unter Zugrunde- legung eines Einkommens von 3000 Frank am 1. Juni 1917: 1865,67 Frank, am 1. Juni 1916 betrug sie 1455,92, am 1. Juni 1914— 1043,63 Fr.— In drei Jahren haben sich die Kosten um 78.8 Proz. erhöht. Die fortschreitende Teuerung war seit Kriegs- ausbruch am intensivsten in diesem letzivcrgangenen Vierleljahr. Soziales. „Acljnltchc Dieustc" im Sinne der Kricgswochenhilfs- Verordnungen? Die Wochenhilfe wird an Ehefrauen gewährt, wenn ihre Ehe- männer dem Reich Kriegs-, Sanitäts- oder ähnliche Dienste leisten. Der Begriff dieser.ähnlichen Dienste" ist in einem Falle strittig geworden, den das Reichsvcrficherungsamt am 20. März er. ent- schieden hat. Ein HilfAveichenstellcr A. Ivar als Militärdienst- Pflichtige Person der Militäreifcnbahnverwaltung zur Beschäfti- gung im Fcldeisenbahndienft überwiesen. Nach Entbindung feiner Ehefrau forderte diese die Wochenhilfe mit der Begründung, daß es sich bei ihrem Manne um„ähnliche Dieiffte" im Sinne der Kriegs- wochenhilfsverordnnng vom 3. Dezember 1914 handle. Die Be- tricbskranke«kasse, bei der der Ehemann vor der Ueberweisung in der erforderlichen Zeit beschäftigt gewesen war, lehnte den An- spruch ab, weil der Ehemann nicht als Soldat zum Heeresdienst eingezogen sei. Das Versicherungsamt verurteilte zur Gewährung der Wochenhilfe. Die Betriebskrankenkasse legte Berufung ein und machte besonders geltend,„daß die zum Feldeiscnbahnwcsen ge- hörigen Personen ohne Rücksicht darauf, ob sie militärdienstpflichtig seien oder nicht, eine gleichmäßige, sehr ausreichende Löhnung be- zögen. Ihre Arbeiten dienten zwar militärischen oder Kriegs- zwecken, doch würden sie von freien Arbeitern auf Grund eines freiwillig cingegangcneil Arbeits- oder Dienstverhältnisses und gegen Entgelt verrichtet. Ten Feldciscnbahnbediensteten stehe auch jederzeit das Recht zu, ihr freiwillig eingegangenes Dienstverhältnis aufzugeben. Die Militärdienstpflicht könne nicht entscheidend sein, da, sich sonst, für die Ehefrauen der zum Feldeisen- bahnwescn eingegangenen militärdicnstpfiichtigen Personen ein un- gerechtfertigter Vorteil gegenüber denjenigen Ehefrauen ergebe, deren militärdienstpflichtige Ehemänner im �heimatlichen Eisenbahn- dienste gegen wesentlich geringere Bezüge beschäftigt wären. Das Oberversickerungsami hat die Sache nicht selbst cnft'chieden, son- dcrn zur grundsätzlichen Entscheidung an das Reichsversicherungsamt abgegeben und feine Rechtsauffassung dabin kundgegeben, daß die Dienstleistung des A. nicht zu den Kriegs- oder ähnlichen Diensten zu i»echnen sei; denn A. habe infolge der mit ieiner Ein- willigung erfolgten Verwendung bei einer zivilen Eisenbahnforma- lion in einem besetzten lHcbicie seine Erwerbstätigkeit nicht unter- brachen, er beziehe ein höberes Einkommen als im Inland, erhalte eine Kommandozulage und sei daher wohl in der Lage, für seine Familie zu sorgen. Der Umstand, daß er der militärischen Kam- mandogswalt unterstehe, fei nicht von Belang." Das Rcichsversichcrungsamt hat die Berufung zurückgewiesen. A. gehöre nach der Wehrordnung Und nach der Militäreisenbahn- ordnung für die Dauer der militärischen Dienstleistung zu den Per- sonen des Soldatciistandcs. Er habe auch mindestens den Kriegs- diensten ähnliche Dienste im Sinne des§ 1 Nr. 1 der Wocbenhilfs- verordnung geleistet. Dem stehe auch nicht entgegen, daß er für seine Tätigkeit Bezüge erhalten habe, die über bie übliche Löhnung von Personen des Svldatcnstandcs erheblich hinausgehen. In der Bekanntmachung vom 3. Dezember 1914 sei die Gewährung der Kriegswochenhilfe nicht an eine bestimmte Grenze der für die Kriegs- oder ähnlichen Dienste gewährten Bezüge gebunden, was sich schon daraus ergebe, daß bier an die Gewährung der Wochen- Hilfe Bedingungen weder hinsichtlich des militärischen Grades noch hinsichtlich des Einkommens des Ehemannes geknüpft werden. Der hieraus sich ergebenden Folgerung, daß eine der wahlweise zu fordernden Voraussetzungen des§ 1 Nr. 1 der Bekanntmachung vom 3. Dezember 1914 erfüllt sei, lasse sich auch nicht mit dem Einwand begegnen, der Ehemann der Klägerin habe auch als Per- son des Soldatenstandes feiner Erloerbstätigkcit nachgehen können, er sei also nicht durch die Kriegs- oder ähnlichen Dienste an der Ausübung seiner Erwerbstätigkeit verhindert worden. In �8 1 Nr. 1 der erwähnten Bekanntmachung fei von der Wiederaufnähme einer Erwerbstätigkeit die Rede; das könne nur dahin verstanden werden, daß es sich um Erwerbstätigkeit nach vorhergegangener Leistung von Kriegs- oder ähnlichen Diensten bandele. Tie Kriegs- oder ähnlichen Dienste selbst stellten eine Erwerbstätigkeit nicht dar. Danach seien die Dienste des zum Feldeffenbahnwesen heran- gezogenen militärdienstpflicht.gen, d. h. wehrpflichtigen Personals ohne Rücksicht auf die Art und Höbe des Verdienstes als Kriegs- oder äbntiche Dienste im Sinne der Bekanntmachung vom 23. April 1915 anzusehen. Der Klägerin sei jedenfalls mit Recht der An- spruch auf Kriegswochenhilfe zuerkannt worden. Mus aller Welt. Durch elektrische» Strom getötet. Der neunjährige Fritz Brandt aus Fleudenberg bei Eberswalde war auf einen Mast der Hoch- spannleilung der Märkischen Elektrizitätswerke geklettert, obwohl an dem Mast eine große Warnungstafel angebracht war. in der auf die drohenden Gefahren hingewiesen wird. Daran ließ es sich der Junge jedoch nicht genügen, er kletierie mit vieler Mühe durch das Schutznetz hindurch, das die eigentliche Hochspannungsleitung umgab. Bei der Berührung des Leitungsdrahtes erhielt der Knabe einen elektri- ichen Schlag, wurde zurückgeschleudert, blieb aber oben am Mast in der Traverse hängen. Die Kleidung des Jungen fing Feuer und der bedauernswerte Knabe erlitt schwere Brandwunden; ein Fuß brannte buchstäblich ab. Ter Unglücksfall wurde wohl bald bemerkt, Hilfe war jedoch zunächst nicht möglich, da jede Berührung des vom elek- irischen Starkstrom durchflossenen Körpers des Kindes Lebensgefahr bedeutete. Es mußte erst telephonisch die nächste Betriebsstelle hc- nachrichtigt werden. Nachdem der Strom ausgeschaltet worden war, konnte der Knabe befreit werden. Er starb nach einigen Stunden unter entsetzlichen Schmerzen. IrauenleseabenÜe. Edarlottenburg. Montag, 23. Juli, im Jugendheim, Rofineustr. 3, vorn I: Berichtcrflatiung und Diskussion. Jugenüveranstaltungen. Arbeiterjugend Weistensee. Am Dienstag, den 24. d. M., findet im Jugendheim. Eharlottenbmger, Ecke Tassostraße, ein Vorwag über HanS Thoma stall. Reger Besuch erwünscht. öriefkasten Ser Reüaktion. Tie juristische Sprechstunde bleibt in der Woche vom ÄZ.— Ä8. Juli geschloffen. N. T. 100. Die Löhnung kann gewährt werden, wenn Bedürftigkeit vorliegt, die als gegeben erachtet wird, wenn die Kriegsunterstützung ge< zahlt wird.— Zl. W. 85. Die Frau hat, da sie selbst. Marken klebt, Än- svruch aus Witwengeld, dessen Höhe wir nicht angeben können, da wir nicht die Anzahl der geklebten Marlen und die Bcilragsllafscn wissen.— K. 500. Wir würden Ihnen empfehlen, Ihre Sache durch das Miels- cinigungsanit entscheiden zu lassen.—<9. Z. 20. 1. Rem. 2. Die Mutter kann in Ihrem Fall dazu nicht verpflichtet werden.—(frz. gevirge 20. Den Sitz des Schlichiungsausschusses für Ihren Bezirk können wir von hier nicht sestitcllen;(ragen Sie beim Arbcilcrietreiariat oder Meiallarbeiicinerbandsbureau in Ehcmnitz an.— W. Z. 7. Nein. — M. I. 12. Nach§ l'27e der Gewerbeordnung kommt das Lehr- Verhältnis zur Auslösung, wenn Sie als Pater- dem Lehrherrn gegenüber die schriftliche Erklärung abgeben, daß Ihr pohn zu einem ander» Berufe übergehen will. Will die Finna den Perträg nicht lösen, so müßten Sie Klage beim Gewcrbegerichi einreichen:— S. 100. Sie werden zum Heeresdienst eingezogen und können sowohl in Ihrem Berufe wie auch zu anderen militärischen Arbeitsdiensten beordert werden.— Leobschut,. Sie haben Anspruch aus Unterstützung sür das Kind. Die Gemeinde' Ihre» Wohnorts ist zur Zahlung vcrpflichlet.— P. M. 1805. 1. Nein, nur bei einem Einkommen bis zu 2500 M. 2. Der gegenwärtige Verdienst wird aus das Jähr umgerechnet. 3. Nein, Sie sind nicht mehr vcr- sichcrungspflichtig. 4. Das können wir nicht bestimmt angeben.— I. B. 70. l. Sic können verpflichtet werden, auch nach dem Tode der Mutter noch die restliche UiitcrstützungSlumme abzuzahlen. 2. Diese Bestimmung trifft nicht sür den Kiankheilsfall zu, der Lohn kann ab- gezogen werden.— Z. M. 66. Der V erwäg ist rechtsgültig. — Gergt. Fahoenschmied 46. Ja, nach einem halben Jahre.— 21.(f., ältester Abonnent. Fragen Sic darüber beim Gemeinde- Vorsteher a».— R. 46. ES besteht kein rechtlicher Anspruch aus das Monatsgehalt.— N. 0. 1. Nein. 2. Ein absolutes Recht darauf haben Sie nicht, die Kapitalabsindung kann gewährt werden. 3. und 4. Die städtische Fürsorgcstelle ist die zuständige Stelle. 5. und 6. 1460 M.— L. K. Wenden Sie sich an Herr» Gchcimrat Jungheim. Direktor des Reichstages; vielleicht erhalten Sic von dort aus das Gewünschte.— Einäscherung 41. 1. Vorsitzender Dietrich. Neukölln, Kaiscr-Friedrich. Strasse 197. 2. Im Haushalt nicht möglich. Dazu gehören umfangreiche maschinelle Einrichtungen.— F. R. 20. 1. Nicht bekannt. 2. Wenden Sic sich an den Bund der Kriegsteilnehmer, Berlin LW 68, Lindcnstr. 114. — E. I. 100. Ja.— M. 2ch. 103. 1. Dafür hat der Wirt zu lorgen, er muss sonst für den eventuellen Schaden auskonimen. 2. Nein, das wird wohl ohne dem nicht abgehen. 3. Nein.— A. I. 30. An die Betricbslciiung.— B. 100. Sie werden zu dem gegenwärtigen Ve.r< dienst eingeschätzt, weil ein voller Jahresarbeitsverdienst vom Vorjahre nicht vorliegt.— R. 3. 100. Die Sache wird wohl durch Klage beim Gericht entschieden werden müssen: unserer Meinung nach steht Ihne» das Eizeu- tumsrecht zu.— E. U. 50. Die Unterstützung kann gekürzt werden; bei dem von Ihnen angegebenen Verdienst scheint uns aber eine Kürzung nicht gcrechtsertigt. ZVetterauSstchten kür das mittlere Norddeutschland vi» Montag mittag. Ziemlich kühl, veränderlich, bewölkt; öfter leichte Regenschauer. Mkl MkNMU'MM. Verwaltungsstelle Berlin. 54, Linienstrasie 83—85. Eiclchöstszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1937, 9714. Montag, den 23. Juli 1917: ikzirkS'Ucriammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: .Vorelvii: Pbmussälc, Müllerftr. 142, abends 8'/, Uhr. \orden: Bültners Festsäle, Schwcdter Sw. 23, abds. 8'/. Uhr. Voi-dci,: Fiankcs Festsäle. Badstr. 19, abends 8�/, Uhr. lloablt: Sands Festsäle, Beusselfw. 9, abends 8'/, Uhr. tlbsi-IottcnkuTK: Volkshaus. Rosilicristc. 4, abds. 8'/, Uhr. Westen, Schöneberg- und Steglitz: Kaifer-Wilhelm- Gartcn. Friedenau, Rheinstr. 65, abends 8'/, Uhr. Osten und Kordosten: Comeniussäle, Memeler Sw. 67, abends S'/a Uhr. r 6. 9. 74 in Maricnwerder. Gronau, Friedrich, Rohrleger, geb. 29. 6. 87 in Königsberg. Heckrodt, Karl, Mechaviker, geb. 30. 3. 87 in Berlin. Klaucke, Friedrich, GSr«er, geb. 24. 12. 85 in Berlin. Krieger, Heinrich, Helf», geb. 18. 10. 92 m Berlin. Leeb, Artur, Drsser, geb 23. 7. 98 in Berlin. Löbb, Ernst, Schlosi«-, geb. 14. 3. 87 in E!b-nz. Preuss, Albert, Klempner. geb. 20. 7. 87 in Klemhof-Tapiau. Regenberg, Hermann, Klempner, geb. 17. 4. 78 in Bärwalde. Schmidt, Paul, Schleifer, geb. 15. 5. 86 in Berlin. Saupe, Walter, Dr-her, geb. 21. 5. 98 in Magdeburg. Szepanski, Franz, Arbeit«. geb. 21. 2. 85 m Hohenstein. Waldt, Hermann, Form«, geb. so. 11. 86 m Berlin. Winkler, Max, Dreh«, geb. 9. 6. 96 in Tinz. Zeidler, Erich, Dreh«, geb. 13. 1. 89 in KotitmS. Ehre ihrem Andenken l l'2/l Die OrtSvcrwaltung. ?lis Opfer dieses VöllerrmgenS siel am 11. Suii unser! beitzgeliebler jüngster Sohn, Bruder, Schwager imd Onkel, der Seesoldai in einem Mmine-Insanlerie-Regimenl und srühere Sanitäler vom Roten Kreuz Max Gläser geschmückt mit der Edrenmedaille für treue Pflichterfüllung, I >m blühenden Älter von 23 Lahre». i SSeraicin einziges licbcä Herz durchschossen Ln dem heißen KriegeSbrand, Wieviel Herzen hat'S mit- getroffen, Doch nun im Vaterland. Du warst die Freude unseres 2ebenS, Mit Herzensfreude sprach ich oft von Dir, Wie wonnig tut'S daS Herz durchbebe», Wenii'S schöne Kindesliebe fühlt allhier, Wir lebten oft in Furcht und Bangen, lim Dich, geliebtes Herz. Run bist Du doch von uns gegangen, O, dieser tiese Schmerz. Doch, wenn mich der Tod wird erlösen, Von dem schweren Pilgerlauf, Tann sucht Muttchen gleich dort droben, Lbren lieben Jungen auf. Ss war am 11. in der Nacht, 81 IS ick von einem Traum| erwacht, Ich war in einem Rosen- boin, Flocht Dir Rosen zumKrauze| ein, Die schönste Rose fiel zur| Erd', Ich hob' sie aus, so lieb und\ wert, Ich sah sie an, mir ahnte j «chmerz— Da wurde sie— zum| blutend Herz. Nur dies Denkmal ist Dir| geblieben, Vom 2 eben und hieben. Wer ihn gekannt, mit immer| freundlichem Gesicht, Vergißt ibn nicht. Ruhe sanft im fernen Land, Uns umschließt ein geistig 1 Land. AIS Opfer des Weltkrieges starb, fern von der Heimal, an seiner schweren Verwun- dung am 28. Mai 1317, die er am 26. Mai erhielt, im Feldlazarett mein heiß- geliebter Mann, unser herzensguter Vater seiner beiden Kinder, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Sieffe und Onkel, der Gefreite 12481 Albert Preuß von einem Zieserve-Insan- terie-Regiment, Inhaber des Eisernen KreuzeSll., imMter von 23 Jahren. In tiefstem Schmerz Frau Anna PreuB geb. Ka- lipke, als Gattin, llrieb und lottchen, als Kinder. Ach, es ist gar nicht zu fasten, Daß Du nicht mehr lehrst zurück. So jmig, so jung mußt Du Dein Leben lassen. t erstört ist unser kurzes lück. Wer Dich gekannt. so brav, so treu, so schlicht Im Leben, im Berus, ver- gißt Dich nicht. Als höchste Pflicht stand Dir voran im Leben Für unser Glück nur Tag und Nacht zu streben, Und unsre Zukunft fester noch zu gründen, Stand'si Du vor'm Ziel, da mußt den Tod Du siuden. Schlaf in Frieden, mein Arbstes Lieber Papa, uusre deckt Dich zu l I Du; Liebe Allen Freunden und Be- ! kannten hiermit die trau- rige Nachricht, daß mein inniggeliebter Bruder und 1 Bräutigam Ollo Pallmann I am 4. Juli aus dem Felde der Ehre geiallen ist. In tiefer Trauer 2995b I Anna Pallmann, 1 Gertrud Mahewka als Braut. Wilhelnrstr. 50. Danksagung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme beim Heim- gange unserer lieben Mutter Anna ke�er�Äter lagen allen Freunden, Be- kannten und Verwandten unseren herzlichsten Dank. Emil Beyer ucbst Kindern. Dies zeigen an in iiesslem Schmerz seine lieben Eltern| Eduard und Emilie Eläfer geb. Martini. �emral-Kranken- und Sterbekasse der deutscbenWagcnbauer] Bezirk 16, Berlin. Am 18. Juli starb unser I wertes Mitglied, Frau Ida Krause Oppelner Str. 32, un 4t. Lebensjahre. 24817 Die Beerdigung findet am Wontag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmauskirchhoses aus statt. Rege Beteiligung erbittet \ omtnnd. Allzu srüh und fern von der Heimat fiel mein lieber Wann, Vater seiner lieben Kinder. Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, der Landst. Fritz Baartz, in einem Res.-Ins.-Reg. am 1. Juli durch einen Granatensplitter im blühen- den Aller von 34 Jahren. Dies zeigen tiesbelrübt asi Die trauernde Witwe nebst Rindern. Bater Friedrich Baart,. Schwiegermutter«Klise Pohl und Geschwister. Der Pflanzer» Verein Jmmestal wird ihm stets ein treues Andenken bewahren. Nun, lieber Papa, ruh in Frieden, unsere Liebe deckt Dich zu. Deine lieben, verlassenen Kinder. 64A Als Opser dieses Welt- krieges siel am to. Juli unstt intiiggcliebtcr Sohn, der Seesoldat Alfred Büchel im blühenden Alter von 25 Jahren. Der Volltreffer einer Gra- nate raubte ihm sein junges Leben. Nieder-Scköneweide. Die trauernden Hinter- Miebenen August BüchelV ol» Berta Büchel I Eltern. Utsij. Oskar Büchel(12. Feld- fliegerabt., z. Zt. i. Felde, Willi Büchel als Brüder. Erna Büchel als Schwester. Wir hofften aus ein Wie- dersehn, doch es sollte nicht geschehn. Unsere Freud' und Stolz warft Du, Dich deckt nun fremde Erde zu. Ruhe sanst! Nachruf. Am Sonnabend, den 14. Juli, verstarb plötzlich auf dem Wege zur Arbeit am Herzschlag unser lang- jähriges Kommissionsmit- gtied und Branchenkassierer iViax Winkler im?ntcr von 42 Jahren. Wir verlieren in ihm emen iü tltgen und ausrichligen Mitarbeiter und werden. Behandb schnell, sicher u.schmerz- los ohne Berufsstftrung in Dr. Homeyer«St Co. konz.Labor. f.Blutnntere., Fäden im Harn usw. 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Tour Reinicken- dors-West, stellt ein Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10, ,,Bor!väriS"-Speditioss.* ZeiiungSausträgerin verlangt ,.Borwärts"-Spedition Schöne- berg, Mdsrissgerstraße 9.* Botenfrauen werden cinge- stellt„Vorwärts", Charlotten- bürg. Sesenheisnerstr. l.* Zeitungsbotju verlangt„Bor- >vartS"-Nusgabestelle Berlin. Nieberschöneweidc, Brücken- straße 40>i l., Unruh.* Zeitungsausträgeriu stellt so- fort ein„Borwäris"-Tpcdilion. Jmnsanuelkirchstr. 12. Kriegsbeschädigter für Werkstatt und Lager zur Führung der Lohn- und Lagerbücher. Derselbe must be- fähigt sein, bei vorkommenden Unfällen die erste Hilfe zu leisten. Schriftliche Bewerbungen im Vaslateraen- Fernzündung Janoli-Zigaretlenrabrik Berlin(SO 16, BciigcstraOe SÄ/Äd j Banolihnas. 2550L*i Arbeitepinnen verlangt sofort Kuer'- Vssellsoka'tt, 4 40?l Raglerstraste 17/18. WeibWes jür die Zigaretteninduftine wird eingestellt. 1292* itigzrettsntzbrik Pankow, Hadlichstrastc. 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