( 5 Pfennig)( 5 Pfennig) Nr. m Rbonnemcnts-Bedingungcn: Abonnements• Preis pränumerando. Vieri eljährl. Z.90 Ml. monatl. 1,30 Mt. wöchentlich 30 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfz. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.30 Mark pro Monat. Eingelragen in die Post- Zeitungs- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2.50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an Belgien, Dänemark, Holland.Jtalien.Luxemburg.Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. erscheint täglich. 34. Jahrg. Der flnzeigenpreis beträgt f. die siebengesvaltene Kolonel- zeile 60 Pfg.„steine Kn-eigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. lzu- lässig 2 fettgedruckte Worte). jedeS weitere Wort 10 Pfg.. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teueningszuichlag 20%. Politische u. gewerkschaftliche Vereins- anzeigen die siebengespaltene Kolonel- zeile 40 Pfg. Familienanzeigen 60 Pf. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis» Uhr nachmittags in der Hcmpt-Expedition abgegeben werden. Geöffnet v.8Uhrfrühbis7UhräbendS. �entratorgan der fozialdemokrati leben Partei Deutfchlande. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Neöattion: SW. öS, Linöcnstraße Z. Fernsprecher: Amt Morinplan. Nr. IM 90— lol»?. Montag, den �3. Juli 19 l 7. Expeüition: SW. öS, Linüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzpla«, Nr. IM 90— ISIS? Sie ganze russische front in SltgaliÄen micht „Kreuzzeitung", Kaiser unö Oberste Heeresleitung. Eine Darstellung unserer inneren Verhältnisse, die gc- eignet ist, das größte Aufsehen zu erregen, gibt die „Krcuzzcitung" in ihrer gestrigen Donntagsausgabc. Danach wäre Deutschland gegenwärtig in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite steht die Reichstagsmehrheit, auf der anderen die konservative Partei mit dem Kaiser und der Obersten Heeresleitung, lieber die Reichstagsmehrheit wird zu- nächst gesagt I Tie Hintcrlm'scnschast, die Herr Tr. Michaelis im Innern iÄsrneHmen mußte, kennzeichnet sich als die unbedingte Por- berrschaft der Schcidcmaiinschcii Zozialdcmokratic im Ncichstagc. Tic Partei, welche einen geforderten Kredit abzulehnen in der Lage ist, befindet sich selbstverständlich im Parlament in einer � stärkeren Opposition als diejenige, der die Bewilligung als eine unbedingte vaterländische Pflicht erscheint. Tic Sozialdemokraten hatten aber in der Verhandlung vom II. d. M. ausdrücklich ausgesprochen, daß sie vor der Bewilligung des Kriegskredites die Frage prüfen und"erörtern wollten, ob sie ja oder nein sagen würden. Sic hatten auch sonst keinen st weiset gelassen, daß sie dem Kredit diesmal nicht ohne Bedingungen zustimmen wollten. Außer der Möglichkeit, den Kricgskredit abzulehnen, wirst die Sozialdemokratie den lrinfliiß in die Wagschalc, den sie aus die Massen hat und vielleicht im noch höherem Maße, als es der Wirklichkeit entspricht, zu haben vorgibt. Soweit und'solange Regierung und bürgerliche Parteien der Meinung sind, daß eine . Ablehnung der- Kriegskrcditd' durch' deuj'cnigen'Teil' der Sozial- demokratic, der sie jetzt noch bewilligt, wegen des Eindrucks aus das Ausland und aus die Arbeiter im Interesse eines unge- störten Fortganges der Kriegsindustrie auf alle Fälle und un° bedingt vermieden werden mutz, können sie den sozialdcmokra- tischen Forderungen keinen durchschlagenden Widerstand ent- gegcnsetzen. Tiefe Machtstellung der Sozialdemokratie, eine reife Frucht der Bcthmannschen Politik, ist in der gegenwärtigen Lage, in die der neue Reichskanzler eintreten mußte, wesentlich dadurch verstärkt worden, daß sich außer der Fortschrittlichen Volkspartei auch die stentrumssraktion des Reichstages unter der testen Hand des Herrn Erzberger so gut wie geschlossen, aus Gedeih und Verderb fest mit der Sozialdemokratie verbündet hat. Nachdem die..Kreuzzeitung'' dann das rote Gespenst noch etwas breiter an die Wand gemalt und Scheidemann als..un- beschränkten Diktator" geschildert hat, geht sie auf die Er- klärungen des Reichskanzlers über. Sic tritt der allgemein vertretenen Ausassung entgegen, daß der Kanzler das Foiedensprogramm des Reichstags—„die unmögliche Ariedensformel", sagt die„Kreuzzeitung"— übernommen habe, und säbrt dann forti Wir weisen auch an dieser Stelle auf die Erklärung der dcutsch-konservativen Fraktion hin. die in knappen Worten die Ziele steckt und den Weg weist. Tic Fraktion wein sich darin eins mit der gesamten konservativen Partei, mit den größten und besten Teilen des Volkes und mit dem gesamten Heer. Noch entschiedener als gegen die Festlegung des Kanzlers, muß gegen die Versuche Verwahrung eingelegt werden, die Oberste H e e r e s lc i t u n g für die Resolution Scheidemann- Erzberger in Anspruch zu nehmen- Ter Kanzler hat lediglich er- klärt, daß die Oberste Heeresleitung mit seinen Erklärungen ein- verstanden sei, keineswegs aber, daß sie die Friedensrefolution sachlich oder daß sie deren Einbringung gebilligt habe. Wir wissen bestimmt, daß das Gegenteil richtig, und daß die Oberste Heeres- leitung keineswegs gewillt ist, seinerzeit die Erfolge des Schwertes durch diese Resolution verderben zu lassen. Nach einigen weiteren Ausführungen über die Kriegs- läge heißt es: Jetzt gilt es mehr denn je für uns Konservative, an die Ar- beit zu gehen, Aufklärung zu scharfen über das, was der Friede dem Lande bringen muß, und felsenfeste Zuversicht hinauszutragen in das Volk. In dieser Zuversicht können wir uns eins wissen mit der Obersten Heeresleitung, einig aber auch mit Seiner Majestät dem Kaiser. Wir sind nicht geneigt, in dieser Erklärung des konser- vativen Zentralorgans nur eine inindcr haltbare Tages- leistung zu erblicken. Hier handelt es sich vielmehr um ein Dokument, das geschichtliche Bedeutung gewinnen kann, wenn sein Inhalt nicht alsbald in bündigster Form wider- legt wird. Mitten im Kriege nimmt eine kleine und nicht gerade beliebte Parteigruppe offen und ungescheut den Kaiser, die Oberste Heeresleitung und„das gesamte Heer" für sich in An- spruch. Sie spielt offen und ungescheut diese drei Aaktorcn gegen den Reichstag und seine Beschlüsse aus. Nachdem sie bei der Abstimmung im Reichstag rettungslos in der Minder- Heit geblieben ist, erklärt sie: Was schiert das uns, wir haben ja den obersten Kriegsberrn und die bewaffnete Macht für uns! Gewiß spricht alles dafür, daß es sich hier um weiter nichts als pm einen Versuch harchelt, das eigene schwer be» Der Gegenangriff in Ostgalizien ein großer Erfolg— Die Ruffen weichen bei Brzezany— Starker rnssischer Angriff zwischen Smorgon nnd Krewo— Im Westen Einbrüche bei Braye und Cerny. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 22. Juli 1917. jW. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Tic Kaulpfttttigkcit des Feindes war gestern geringer als in den Vortagen und nur in einzelnen Abschnitten der slan- duschen Schlachtfront stark; sie hat sich heute allgemein wieder gesteigert. Im Artois dauerte lebhaftes Feuer vom La Vassäe-Kanal bis südlich von Lcns an. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Ehcmin-dcs-Tamcs waren bei Brave und Ecrnv Ein- brüchc in die französischen Stellungen von vollem Erfolg. Bc- währse westfälische und ostprrußische Kampftruvvcn holten dort bei Erkundungen und Verbesserung der eigenen Linien zahl- reiche Gefangene aus den feindlichen Gräbdn ttNd wchrteg heftige Gegenstöße ab. Erkundungsgrfcchtc im Tundgau brachten Gewinn an Ge- . sazzgearn. und- Beute.-,■)■•" Ocstlicher Kriegsschauplatz. Front dcs Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Generaloberst v. Bochm» E r m o l l i. Ter am 19. Juli begonnene Gegenangriff in Lstgalizirn bat sich zu einem großen Erfolge der deutschen und verbündeten Waffen ausgewachsen. Ter Haupttcil der russischen 11. Armee ist geschlagen. Trotz schlechtester Wegeverhältnissc dringen unsere braven Truppen unermüdlich vorwärts. In vielfach erbitterten Kämpfen haben sie die sich von neuem sehenden russischen Kräfte überall gc- worfcn. Die Gegend westlich von Tarnopol und die Bahn Brzezanv— Tarnopol ist an mehreren Stellen erreicht. Bei Brzezany beginnt nunmehr auch die russische 7. Armee unter dem sich verstärkenden Druck auf ihre Flanke zu weichur. Tic Gefangenen- und Brukezahl ist groß. In Jcziorna fielen reiche Borrätc an Verpflegung, Schicßbcdarf und Kriegs- gerät in unsere Hand. Bei der Heeresgruppe deS Generaloberst v. W» y r s ch war der Fcucrkampf an Schtschara und Serwctsch lebhaft. Der Nordflügel ist in den bei der .Heeresgruppe des Generaloberst v. Eichhorn beginnenden Kämpfen beteiligt. Zwischen Krewo und Smorgon griffen die Russen nach tagelangcr starker Artillericwirkung gestern abend mit starken Kräften an. Ihr Ansturm brach an der Front deutscher Truppen verlustreich zusammen. Räch un- ruhiger Nacht sind heute morgen dort neue Kämpfe entbrannt. Nordwärts bis zum Narocz-See sowie zwischen Trnswjatv- See und Tünaburg hat die gesteigerte Fcuertätigkcit angc- halten. Mehrfach wurden russische Erkundungsstößc zum Tchci- tern gebracht. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Außer lebhaftem Feuer in den Nordkarpathen und erfolg- reichen Borfcldgcfechtcn zwischen Casinu- und Susita-Tal nichts Besonderes. Auch bei der HderrsKrvppo dt« Generalseldmarschall? von Mackensen noch keine größeren Kampfhandlungen, Mazedonische Afront. Tie Lage ist unverändert. Der Erste Gencralquartiermcister. Ludcndorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 22. Juli 1917, abends. In F l a n d c r n Fcucrkamps. Südlich von Smorgon sind starke Angriffe der Russen gescheitert; an begrenzten Einbruchsstellen wird noch gekämpft. � Erzwungen durch unseren Angrisssstoß am S e r e t h weicht die ganze russische Front von der Zlota Lipa bis hart an den T n j e st r._ schädigte Parteischiff mit letzten Mitteln der Verzweiflung wieder flott zu machen. Tic schwere Beunruhigung, die damit ins Volk getragen ist, wird mit dieser Feststellung keineswegs aus der Welt geschafft. Ties um so weniger, als die Meinung der„Kreuzzeitung", der Reichstagsbeschluß lasse sich einfach als ein„ehiffon de papier", als ein Fetzen Papier. behandeln, durchaus nicht vereinzelt dasteht. Beispiels- weise schreibt auch Prof. Dietrich Schäfer in der„Täglichen Rundschau": So könnten wir verzweifeln, wenn die Entschließung der Reichstagsmehrheit maßgebend wäre für die weitere Lei- tung unserer Geschicke. So weit ist es, Gott sei Tank, offenbar aber noch nickt.- Es muß jetzt, um Beruhigung zu schaffen, unbedingt fest- gestellt wenden, ob es„lo weit ist" oder nicht. Das ist eine Frage, die nicht nur die Reichstagsmehrheit, sondern die das ganze Volk interessiert. Auch die Nationalliberalen müßten einschen, daß es nicht geht, ein Paar Pferde vor den Reichswagen und ein Paar hinter ihn zu spannen. Und auch der Reichskanzler muß sich sagen, daß es kein Mittel ist, die von ihm angestrebte„innere Einheit" zu fördern, wenn derartige Behauptiiugen ausgestellt werden, ohne sofort die bündigste Widerlegung zu finden. Wenn man die Stimmen der feindlichen Kriegspresse überhört, so tönt einem immer wieder dasselbe Argument ent- gegen:„Der Beschluß des Reichstags bedeutet nichts, denn der Reichstag hat nichts zu sagen, er wird �von der Herrstlienden Militärpartei als Luft behandelt". Solche Darstellungen müssen die Wirkung des Re ichs tag sbeschlusscs vernichten U'ttd das Ansehen des Reiches untergraben, wenn sie, statt von allen Stellen des Reichs zurückgewiesen zu werden, in einem Teil der Presse Bestätigung finden. Der Reichstagspräsident hat die Ermächtigung erhalten, den Reichstag sofort wieder einzuberufen, falls sich die Notwendigkeit dazu herausstellen sollte. Es könnte sein, daß sich diese Notwendigkeit rascher ergäbe,-als man bei her Vertagung des Reichstags geahnt-bat. Denn Unklarheiten m diesem Punkte kann das Volk nicht vertragen aus Gründen der inneren wie der äußeren Politik. Durch den Reichstag hat das deutsche Volk ge- sprachen. Wir haben schon gestern darauf, hingewiesen, daß hlirter den positiv stimmenden Parteien 6% Millionen Wähler stehen, hinter der konservativen kaum 1h-j. Wieviel von diesen N/e Millionen bei einer Volksabstimmung heute noch vorhanden mären, steht dahin; wahrscheinlich würde sich die„Kreuzzeitung", die sich auf„die größten und besten Teile des Volkes" beruft, bloß mit den„besten" begnügen müssen. Es kann also gar kein Zweifel darüber walten, daß hinter dem Beschluß des Reichstags das deutsche Volk steht. Es muß Klarheit darüber geschossen werden, ob das deut- sche Volk nach seinen in der Weltgeschichte unerhörten Leiden und Leistungen von einer kleinen, aber mächtigen Partei als ein Nichts behandelt norden darf! Llopö George antwortet Michaelis. Belgien.— Tic deutsche Krise.— U-Boot-Krieg. London, 21. Juli.(Reuter.)(Vorläufiger Bericht.) Bei der Jahresseier der belgischen Unabhängigkeit hielt Lloyd George als Antwort auf die erste Rede des neuen Reichs- kanzlers eine Rede, in der er u. a. sagte: Der belgische Neutralilätsvcrtrag war einer der Schlußsteine des europäischen Rechts. Die Belgier haben ihre Pflicht gegen Eu- ropa treu und loyal erfüllt. Welcher Art war der deutsche Vor- schlag? Es war der Vorschlag eines Mörders, der sich einem Manne nähert und ihm sagt:„Oeffne mir Deine Tür, damit ich Deinen friedlichen Nachbar berauben kann!" Was für ein Gemüt müssen die Männer besitzen, die jemandem eine solche Gemeinheit vor- schlagen! Unterdessen haben dic Junker dcn alten Kanzler mit seinem „Fetzen Papier" in den Papierkord geworfen, und da liegen sie Seiko an Seite. Wir werden nicht lange zu warte« haben/bis das Junker. tum folgt. Molche Hoffnung für den Frieden findet sich in der -). Rede des Reichskanzlers? Ich meine, für einen ehrenvollen Frieden, den einzig mög- lichen Frieden! Es ist eine g e s ch i ck t e R e d c, eine Rede, die sich nach allen Seiten wendet. Sie enthält Sätze für die, die. ernstlich den Frieden wünschen, aber es sind auch Sätze dann, die die mili- tärijcheg Kreise in Teutschland verstehen we.rden/ Sätze Über bis Sicherung der deutschen Grenzen. Da? sind die Sätze, mit denen Elsaß-Lothringen annektiert worden ist, die seit 1814 Europa mit Blut getränkt haben, die Belgien und Kurland annektieren würden. Das sind Sätze, die Europa wieder in ein .Blutbad stürzen werden. Ter Kanzler will Männer auZ dem Reichstag berufen, damit sie mit der Regierung zusammenarbeiten. Ja, sie werden Männer aus dem Reichstag zu den Remtern berufen, aber das werden nicht Minister, sondern Schreiber sein. Es ist die Rede eines Mannes, der die militärische Lage im Auge behält. Das sollen sich die Alliierten Rußland, England, Frankreich, Italien und alle anderen merken. Was für eine Art Regierung die Deutschen sich wählen, das geht einzig das deutsche Volk selbst an, aber was für einer Regierung wir vertrauen können, um Frieden mit ihr zu schließen, das ist unsere Sache. Die Rede des deutschen Kanzlers zeigt nach meiner Meinung, daß die leiten- den Stellen in Deutschland augenblicklich für den Krieg entschieden sind. In jener Rede ist keine Hoffnung für Belgien, es wird nicht einmal erwähnt. Die Ausdrucksweise der Rede ist aber voller Drohungen für Belgien. Sic sichert die deutschen Grenzen. Das bedeutet, daß selbst, wenn die Deutschen Belgien wiederher- stellen, die Wiederherstellung Lug und Trug sein wird. Belgien muß ein Volk, nicht ein Schutzgebiet sein. Deutschland wird finden, daß seine neuen Hofsnungen genau so Einbildungen sind, wie die anderen, die zerflossen sind. Die U-Boote sollen England kampfunfähig machen. Wegen der N-Boot-Angrisfe können wir, nach dem deutschen Kanzler, nicht mehr viel länger aus- halten. Nun, ich bedauere, ihm eine Enttäuschung bereiten zu müssen, aber die Wahrhaftigkeit zwingt mich, es zu tun. Obgleich wir erst drei Wochen des Monats Juli hinter uns haben, so finden wir, wenn wir sie mit den entsprechenden drei Aprilwochcn ver- ' gleichen, daß wir nicht halb so viel Schiffe verloren haben, wie im April. Dieses Jahr werden wir viermal so viel Schiffe fertigstellen als voriges Jahr. Die verminderten Ver- lustc und die vermehrte Erzeugung werden die Lücke ausfüllen. Aber sie werden uns aushungern! Sie haben es gesagt! Sie haben ihr darbendes Volk mit derartigen Behauptungen aufgemun- tort. Sie sagen, daß wir, weil wir jetzt in Bedrängnis find, in kurzer Zeit' nichts mehr haben werden. Weit entfernt, daß wir verhungern, sind unsere Lebensmittel für Ig 17/18 bereits gesichert, natürlich bei gehöriger Spar- samkeit. Aber, sagt Michaelis, Amerika hat keine Armee, und wenn es eine Armee hätte, dann hätte eS keine Schiffe, sie übers Meer zu schaffen. Er kennt Amerika nicht! Er kennt Amerika gerade so wenig wie die Deutschen England kennen, und sie verfallen genau in denselben Fehler betreffend Amerika, in den sie hinsichtlich Großbritanniens verfallen sind.. Ich sage voraus, es wird nicht lange dauern, bis Michaelis, wenn er es erlebt, anderer Meinung werden und eine andere Rede halten wird. Die Ziele werden täglich klarer. Eine große deutsche Zeitung hat kürzlich gesagt, daß die Deutschen für die Fveiheit und Unab- hängigkeit ihres Vaterlandes kämpften. Das ist niemals wahr gewesen. Wir ziehen ein freies Deutschland vor, wir könnten mit einem freien Deutschland Frieden schließen, aber mit einem von der Autokratie beherrschten Deutschland können wir unter gor keiner Bedingung Frieden schließen. Als sie gegen die vielleicht ver- kommen«, geistesenge Autokratie im Osten fochten, hatten sie einen Vorwand. Nach dem, was sich ereignet hat, haben sie keinen mehr. Rußland ist nicht nur eine große Demokratie geworden, die nicht für Ausdehnung ihre? eigenen Gebietes kämpft. Es hat geradezu erklärt, daß cS bereit ist, einem Volke, das sich einst unter der russischen Flagge befand, die Freiheit zu gewähren. Lloyd George erwähnte dann den Regierungswechsel in Ruß- land und fuhr fort: In den kämmenden großen Kämpfen im Osten und Westen mutz jeder deutsche Soldat wissen, daß er für die militärische Autokratie fällt. Andererseits weiß jeder Soldat der Alliierten, daß er sein Leben wagt für die Freiheit und Unabhängig- keit seines Geburtslandes, für Völkerrecht und Gerechtigkeit. Und diese wachsende Ueberzeugung gibt mehr noch, als das Bewußtsein Eine Solöatenversammlung an üer rujfifihen Zront. Ein Mitarbeiter des„Figaro" schreibt: An der Front der russischen Armeen hat die Revolution ein friedliches Aussehen. Sie hat hier nur einen erstaunliche» Wortschwall zur Folge gehabt. Alle diese Männer, die seit Jahrhunderten stumm waren, scheinen ganz plötzlich die Sprache wiedererlangt zu haben und machen von der neuen Rcdcgabc reichlich Gebrauch. Sie ereifern sich aber nur, wenn sie sich versammeln, und äußern eine Ansicht nur dann, wenn sie sich zahlreich genug dazu fühlen. Es ist, als ob sie der Meinung wären, daß man in Massen auftreten muß, um etwas verstehen und gutheißen zu können. Noch ist das Versammlungsrecht für die Truppen nicht von jeder Oberaufsicht befreit. Der Ausschuß der Soldaten und Offiziere muß immer erst seine Zustimmung geben, ober sie wird im allgemeinen nicht versagt. Es finden daher läng! der ganzen Front mehrere Male in der Woche, besonders aber an Sonntagnachmittagcn Soldatenversammlungen statt. Manchmal .treten Kameraden aus Petersburg als Redner auf. Man plaudert, man lacht, man singt. Man hört Reden, oder richtiger man hört das wilde Geschrei derer, welche diese Rede» hören, und man trennt sich nach zwei oder drei Stunden sehr aufgeregt oder sehr ermüdet und halb im Schlaf. Für diesen Sonntag, drei Uhr, ist Versammlung angesagt. Zahl. reiche Truppen ziehen in vollster Ordnung vorüber. Unteroffiziere achten darauf, daß alles hübsch glatt geht. In der Vorstadt be- ginnen ganze Truppenabteilungen die Marseillaise anzustimmen, eine etwas melancholische Marseillaise, die wie ein Trauermarsch klingt. Der Versaminlungsort ist eine große Wiese, die von einem Bächlein, an dessen Ufer Birken und Weiden stehen, umgrenzt ist. Im Hintergründe die blaue Linie der Karpathen. Auf der Wiese löst sich die Marschordnung der Soldatenreihen auf, und die Krieger verteilen sich, schwätzend»nd rauchend, nach eigenem Gutdünken. Sie bilden zwanglose Gruppen von vier oder fünf Mann. Viele setzen sich auf Baumstümpfe oder an Hecken, die eben zu blühen beginnen; schweigend reißen sie Grashalme aus dem Boden, die sie gedankenvoll kauen. Andere tauschen weise Reden, Graubrot, Nüsse miteinandec aus, und es fehlt dabei nicht an Witzen. Wieder andere singen mit näselnder Stimme schwermütige alte Lieder in Moll. An einer Mauer hocken in langer Reihe Kleinriisien, lauter junge Burschen, durchweg blond und mit Backsischaugen. Sic hören einem langen Kerl von Unterossizier zu, der ihnen ein endloses Lied vor- singt. Das Lied ist recht traurig, aber die Kleinruffen lächeln bei den Abenteuern der Prinzessin, die ihrem Geliebten nach Sibirien gefolgt ist und vor Schmerz an seiner Seite ssirbt. Etwas abseits erzählt ein Pope inmitten einer Gruppe heilige Geschichten, die offenbar recht drollig sind, denn die Zuhörer sehen sehr vergnügt aus. Der Pope ist eine Sehenswürdigkeit: er trägt eine Art dunkelblauer Priestertracht, die infolge der Abnutzung an manchen Stellen schon grünlich ist. Am Halse trägt er eine dicke kupferne Rette mit einem primitiven Kreuz und auf den» Kopfe einen nicdri» unserer großen, unverbrauchten Hilfsmittel, Ihnen allen den Mut, gibt uns den Mut, bis zum Ende zu kämpfen, da wir voll und ganz wissen, daß, die Zukunft der Menschenhett zu erhalten und zu ver- leidigen, unsere Aufgabe ist. » Lloyd George hat mit der„verkommenen geistesengen Autokratie" des Ostens sogar verbündet und verbrüdert sein können, jetzt ist er aber ein so begeisterter Demokrat geworden, daß er mit Deutschland keinen Frieden schließen kann, ivcil er es für eine Autokratie hält.•Das ganze Gebäude seiner Redner- künste bricht rettungslos zusammen, wennDeutschland zeigt, datzeskeiueAutokratiei st. Sehr geschickt hat der englische Premier die schwachen Stellen in der Rede des Kanzlers ausgenützt, aber in bezug aus B e l g i e n hat er seine Hörer geradezu getäuscht. U e b e r die Zukunft Belgiens kann doch noch der Er- klär u ng des Reichstags— die Lloyd George vorsichtigerweise ganz totgeschwiegen zu haben scheint— kein Zweifel mehr bestehen! Im ganzen verrät diese Rede nicht mehr die stürmische Sohnsucht nach dem Krieg bis zum Ende, die frühere Aeuße- vunyen des englischen Staatsmanns erfüllt hat. Klug wäre es, sie mit ruhiger Zurückhaltung zu behandeln. Daher kann man wetten, daß ein gewisser Teil der deutschen Presse Lloyd George heute einen Heuchler und Erzspitzbub en nennen wird. Dergleichen gehört nämlich zum Handwerk, hüben wie drüben._ keine Verschiebung üer Internationalen Konferenz. Stockholm, 22. Juli.(Sie. Trahtbericht des„Vorwärts".) Tie Meldung des„Aftonbladet", daß die Konferenz auf den 1. September verschoben sei, wird von dem holländisch-skandinavischcn Komitee kategorisch dementiert. Das hiesige Bolschcwikomitce Fürstenberg-Worowski-Radek er- klärt, die allerdings absurde Anschuldigung, die Leninlcute seien deutsch« Agenten, sei ein elendes Komplott der vereinigten russischen Konterrevolutionäre und Sozialpatrioten, und widerlegt aufs bc- stimmteste die Petersburger Angaben über de« Empfang deutscher Gelder. Der Rücktritt des Dürften Lwow. Petersburg, 21. Juli.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Ministerpräsident Fürst Lwow wurde über die Gründe seines Rück- tritts befragt und erklärte: Im gegenwärtigen Augenblick glaube ich die Gründe meines Rücktritts nicht mitteilen zu können. Die Regierung ist noch nicht gebildet, und erst wenn die Krisis in der Regierung beendet ist, wird man über Einzelheiten sprechen können. Jedenfalls behalte ich noch die Leitung der An- gelegenheiten, bis mein Nachfolger ernannt ist; diesem werde ich meine Macht voll und ganz übertragen. Das Wird voraussichtlich in einem oder zwei Tagen der Fall sein. Nach Mitteilungen von der Regierung nahestehender Seite ist der Rücktritt des Fürsten Lwow auf Meinungsverschiedenheiten mit der Mehrheit der Regierungsmitglieder in grundlegenden Fragen zurückzuführen, nach deren Ansicht Fürst Lwow der ver- fassunggebenden Versammlung angehören sollte. Fürst Lwow hat Kerenski als Ministerpräsidenten vorgeschlagen, der gleichzeisig das Amt des Kriegsministers behalten soll«.•ß, kerenski gegen Lenin. Petersburg» 21. Juli.(Reuter.) Kerenski hat nach Reval, Helsingfors und anderen Hafenstädten folgendes drahtloses Tele- gramm geschickt: Es steht jetzt unwiderleglich fest, daß die Unruhen in Petersburg unier Mitwirkung von Agenten der deutschen Regierung in Szene gesetzt wurden. Die Unruhen sind nunmehr voll- ständig unterdrückt. Ich appelliere an alle wahren Anhänger der Demokratie, sich um die provisorische Regierung und die demokrati. sehen Organisationen ganz Rußlands zu scharen, um das Baterland und die Revolution vor dem ausländischen Feind und seinen Bundesgenossen im Inland zu schützen. gen Zylinderhut, der wie ein PostillonSzhlinder aussieht. Während er spricht, fährt er mit seinen wenig sauberen Händen immer wieder in seinen ebenso wenig sauberen Bart. Der Pope schließt seine schwankhafte Erzählung, indem er sich bekreuzt und salbungsvoll ausruft:„Gott schütze die Revolution!" Ein alter Oberst streift zwischen den Gruppen umher. Sein Antlitz ist sorgenvoll; er kaut seinen großen Schnurrbart und knurrt von Zeit zu Zeit:„Armes heiliges Rußland! Armes heiliges Rußland!" Zwei andere Offi- ziere dagegen scheinen recht fidel zu sein: sie tanzen auf dem Rasen mit Schneid eine» Kosakcntanz. Der eine von ihnen war vor drei Jahren Tanzlehrer und brachte jungen schönen Fräuleins von Petersburg den Tango bei. Unter all den grau gekleideten Männern fallen ein paar Frauen als hübsche bunte Farbcnslccke auf: es sind „sistra", Krankenschwestern. Viele von ihnen haben„eine Per- gangenheit", und den Ursprung ihrer Pflegerinnentätigkeit bildete in vielen Fällen die Reue. Sie scheinen jedoch in ganz angenehmer Weise zu bereuen und Buße zu tun. Manche teilen mit den Sol- daten ihren Zjgarettenvmrai. Eine gießt aus ihrer Feldflasche irgend etwas in die Trinkbecher. Man gibt mir die Versicherung, daß eS die Frau deS Popen sei. Die Popin sieht nicht so elegant aus wie die zigarettencauchenden Schwestern, aber sie macht einen gutmütigen, soliden Eindruck. Die Soldaten haben vor ihr und ihrer Feldflasche großen Respekt. Dieser Respekt verringert sich in dem Augenblicks wo die Flasche leer wird. Die Wiese bietet jetzt ein Bild vergnügten ländlichen Lebens. Man denkt an ein großes Picknick, bei dem eS nicht viel zu essen gibt. Ein alter Kosak, dec von der Feldarbeit kommt, fragt einen ArbeitSgefährten, was denn diese große Kirmes zu bedeuten habe.„Das ist ja die Revolution," anttvortet der andere. Der alte Kosak scheint sich zu wundern: „So, das ist die Revolution!" Der andere aber nimmt den Zweifel, der in diesen Worten steckt, übel und sagt etwas beleidigt:„Natür- lich ist sie das; was soll sie denn sonst sein?" Er kann aber reden, was er will, der alte Kosak ist sehr enttäuscht. Er hat sich die Revo. lution ganz anders vorgestellt. Langsam vergehen die Stunden. ES sieht nicht so aus, als ob man noch auf etwas wactete. Plötzlich aber kommt Bewegung in die Gruppen,»nd alle die Iwan, Nikolaus, Michail rufen einander zu:„Komm schnell... da sind sie... beeil dich..." Der alte Oberst knurrt noch ingrimmiger als vorher sein„Armes heiliges Rußland!" Der Tanzlehrer tanzt nicht mehr, und die Frau mit der Feldflasche hat sich ihrem heiligen Gatten genähert. Die Redner sind eingetroffen. Sic sind umgeben von etwa fünfzig Soldaten, mit denen sie plaudern. Diese Soldaten sind die Abgeordneten und Vertrauensmänner des Regiments. Sie tragen rote Armbinden und scheinen ganz erfüllt von der Wichtigkeit ihres Amtes. Es kann auch nicht jeder Abgeordneter werden. Der eine von ihnen steht an der Spitze eines Ausschusses, dessen Sekretär ein General ist. Er ist sehr zufrieden mit dem General, der richtig schreiben kann und seinem„vorgesetzten Untergebenen" blind gehorcht. Auch der General ist sehr zufrieden: bat doch der Ausschuß, indem er ihn zum Sekretär wählte, ihni ein Zeichen seines Vertrauens gegeben. „Armes heiliges Rußland!" knurrt der alte'Oberst. Tie Abgeord- neten sprechen viel; ja eS gibt sogar richtige Disputationen. ES ist Der Arbeiter- unü Solüatenrat unü üie russische Offensive- Das in Stockholm erscheinende Bulletin des Arbeiter- und Sol- datenrates wendet sich gegen die unrichtige Wiedergabe von?leuße- rungen, die die russische Delegation in einem Interview eines Buda- pester Journalisten über die Offensive getan haben soll. Zur Richtig- stellung wird folgender Auszug aus dem telegraphischcn Bericht Ro- sanoffs an das Erpkutivkomitee des Petersburger Arbeiter- und Sol- datenrats über die Verhandlungen mit Dr. Victor Adler und dem Reichstagsabgeordncien Hermann Müller wiedergegeben. Bei der Beratung mit der russischen Delegation hat Victor Adler die Frage der russischen Offensive aufgeworfen und gesagt, daß die Offensive für ihn ein großer Schlag war: er habe gemeint, daß wenigstens an der russischen Front der Krieg von selbst aufhören werde. Wenn jetzt aus allen Fronten wieder Kämpfe entbrennen. so werde es sehr schwer sein, über den Frieden zu sprechen. Müller sagte, daß die russische Offensive die Lage bedeutend erschweren könne; er, Müller, wolle den russischen Genossen keine Vorwürfe machen, aber vom Standpunkte des Friedens aus betrachtet werde die Lage verschlimmert. Tarauf erwiderte Rosanoff:„Daß der Krieg von selbst aufhören werde, davon kann keine Rede sein, so- lange die Kriegführenden nicht unsere Plattform des demokratischen Friedens angenomnien haben. Die Entwicklung von großen Kriegs- Operationen an allen Fronten kann gewiß die Arbeit zngunsten de? Friedens verzögern, aber nicht die Russen tragen die Schuld daran. sondern die Regierungen, die sich nicht beeilt haben, sich der rui- fischen Formel anzuschließen und uns nicht mit der Bereitwilligkeit zu Friedensverhandlungen auf Grund dieser Formel geantwortet haben. Die russische Offensive wird übrigens an unseren lleberzeugungen wie auch an unserer weiteren Arbeit nichts ändern können. Tie ruf- fische Demokratie wird auch nach der Offensive an den von ihr proklamierten Prinzipien fe st halten. Amerikanische Hesiänünisle. Als Beispiel, mit welcher„für die Entente peinlichen Osten- Herzigkeit" amerikanische Blätter sich über die Gründe aussprechen, weshalb Amerika sich erst nach zweieinhalbjährigem Abwarten in den Krieg eingemischt, zitiert der„Neue Rotterdamsche Courant" aus der„North American Review", einer viel gelesenen und einfluß- reichen New Aorker Monatsschrift, folgendes:„Es ist ein« alte Wahrheit, die aber nicht oft genug wiederholt werden kann, daß, wenn die Vereinigten Staaten eine freie und unabhängige Nation bleiben wollen, w i r diesen Krieg zum Siege führen müssen. Frankreich kann es nicht, denn es ist an der äußersten Grenze seiner Leistungen. England kann cS nicht; denn wenn es aus seine eigenen Hilfsmittel angewiesen sein wird, wird binnen einem Jahr Hungersnot seine militärische Kraft, vielleicht auck» da? englische Volk gebrochen haben. Rußland kann cS nicht; denn wenn es ihm auch glücken sollte, sich selber zu retten, so ist es doch zur Leistung entscheidender Hilf« nicht fähig. Und auch alle Alliierten zusammen, einschließlich Italien, Japan, China, können eS nicht. DaS wissen wir jetzt, nachdem— Gott sei Tank—- die Vereinigten Staaten den ihnen zukommenden Platz in den Reihen der Kämpfer für die Zivilisation eingenammen haben. Nichf, daß Deutschland diese Hunderte von Millionen freier Männer niederringen könnte. Nie! Wer ebenso wenig ist im Lichte der heutigen Entwicklung die Möglichkeit mehr gegeben, zu glauben, daß eS der auderen Seite gelingen könnte, einen Sieg zu erkämpfen. der den dauernden Frieden verbürgt. Deshalb müssen die Vereinigten Staaten den Krieg zum Sieg führen." » An anderer Stelle bringt die„North American Review" einen Bericht über den Besuch JoffrcS und BalfvurS. Da ist u. a. zu lesen: ..Joffre drängte besonder? aus schleunigste Entsendung ameri- kanischer Streilkrosle. Er machte über die Notwendigkeit in einer Versammlung von Pressevertretern zu Washington sehr ossenherzige Mitteilungen. Aber jemand von der Regierung hatte die Drcistiz- keit, aus dem zur Veröffentlichung bestimmten Bericht einen Teil dessen, was Joffre gesagt, zu streichen. Joffre sprach auch mit vielen Mitgliedern de? Kongresse? (Nationalversammlung) bei den verschiedensten Gelegenheiten, Fest- nicht leicht, die Herren zum Schweigen zu bringen. Es sind wirklich schon richtige Abgeordnete.... die 5abel von öer örennessel. In der„Jugend" erzählt PicuS: Ein Edelpilz, ein Waldmeister und«ine Maiblume be- sprachen eines schönen Morgens die gegenwärtigen Zeitläufte. „Mit der Brennessel ist cS fürwahr nicht mehr auSzuhalten," meinte der PUa;„früher die Bescheidenheit selber, trägt sie jetzt ihren Kopf>0 hoch, als ob sie aus einer der ersten Familien des Wäldes stamme."„Ja," sagte der Waldmeister, „seit sie zur Herstellung von Spinat, Gcmüsepudding und gar ul? Ersatz von Baumwolle so gesucht ist, ist ihr der Kamm mächlig ge- schwollen. Ilm mich zu genießen, braucht man allerdings Wein. und den können sich die meisten Menschen bei den wahnsinnigen Preisen ja nicht mehr leisten. Von dem fehlenden Zucker gar nicht zu reden."„Mir geht es auch nicht besser," sagte der Pilz,„wenn ich nicht mit Butter ordentlich zubereitet werde, schmecke ich nur halb so gut. Und wer hat heutzutage noch Butter?"„Und an mir gehen die Leute schon ganz vorbei," klagte die Maiblume,„die Zeiten seien zu ernst, um sich mit Blumen zu schmücken, sagen ste. HöchstcnS für Totenkränzc nimmt man unscrcinen noch."„Ja. ja." riefen alle drei ans,„die Zeiten sind schlecht." Die Brennessel hatte das Gespräch gehört und rief nun höhnisch:„Mit Eurer Herrlich- keit ist'S aus. Jetzt kommt endlich der zur Geltung, der wirklichen Wert hat. Ihr mit Eurem Talmiwert habt auSgcwirtschaftct." „Ganz recht so! So hat's kommen müssen," pflichtete ihr ihr Mann bei und warf sich mächtig in die Brust,„es gibt noch eine Gerechtlg- keit auf Erden!" Die drei anderen hörten'? bekümmerten Herzen? und— schmiegen. Da kamen zwei Kinder durch den Wald gegangen, und wie sie der Brennessel ansichtig wurden, sprangen sie mit dem Freudcnruf: „Ha, Brennesseln!" auf diese zu und fingen an, sie fein säuberlich. zu pflücken und in einen Korb zu legen.— Und hatten beim un- gcstümen Springen Pilz, Waldmeister und Maiblume zertreten. Mit den Worten:„Tic Poesie ist dabin, nur der starre Materiali?- muS hat«och ein Reckt," hauchte der Waldmeister seine Seele au?. „Ich sterbe in der frohen Hoffnung, daß unsere Nachkommen wieder die alten schönen Zeiten sehen. Das sei mein Trost," flüsterte noch im Todeskampf �te liebliche Maiblume. Der Pilz aber legte sich trotzig auf die Seite, und während da? Leben seinem fleischigen Leibe entfloh, murrte er mit einem letzten geringschätzigen Blick auf die Brennessel:„Kriegsgewinnler!" Notizen. — Trcptow-Sternwarte. Ueber den„Bau der Moleküle" spricht Herr Tr. W. Brieger in einem Vortrag« mit Lichtbildern unter Vorführung von Modellen am Mittwoch, den 25. Juli, abend» 8 Uhr, im großen Vortragssaal der Treptow- Surntferte. essen uftf.,•jrt'b setzte ihnen auseinander, von«eich aroßer Beden- ■hing das sofortige Entsenden von amerikanischen Hilfsiruppen an die Front sei. General B r i d g e S von der englischen Delegation ersuchte gleichfalls öffentlich um schleunige amerikanische Hilfe für die Front. Gleichzeitig wurden in gedrückter Stimmung gehaltene Mit- teilungen ernster Art über die deutsche Tauchboot-Aktion veröffentlicht. Regicrungsbeamte, besonders Minister L a n e, äußerten ernste Besorgnis über den Endcrsolg." Jaurös Nlö'rüer will endlich prozessiert sein. Aus Genf meldet die Telegraphenunion: Ter Mörder IaureS', Raoul Villain, hat an den Vorsitzenden dcS Pariser Schwurgerichts ein neues Gesuch gerichtet, in welchem er bittet, seinen Prozeß während der nächsten Session endlich zur Verstand- lung zu bringen. Während seiner dreijährigen Haft seien bereits zahlreiche feiner Entlastungszeugen gestorben und der Aufenthalt im Gefängnis untergrabe seine Gesundheit, so daß seine Verteidi- gungsmittel mit jedem Tage mehr erschvert würden. Die Zukunft üer englischen Finanzlage. Bei der dritten Lesung des Finanzgesetzes im englischen Unter- hause am 17. Juli ersuchte der Abgeordnete Harris den Schatz- kanzler um eine Acußerung über die britische Finanzlage, die ihm ernst erscheine. Bonar Law lehnte es ab, auf Einzelheiten ein- zugehen, detonte aber: Niemand darf einen Augenblick glauben, daß das Land fortfahren kann, in dem Tempo Geld auszugeben, in dem es für den Krieg auSge- geben wird, ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. Was mehr ist, ich fürchte, das« dieser Schaden nach Schluß dcS Krieges noch vollständiger zutage treten wird als jetzt. Ich zögere nicht zu sagen, daß bei Schluß des Krieges die Verhältnisse derartig sein werden, daß sie die ganze Geschicklichkeit undFähigkeit der Regierung und des Parlaments erfordern werden, um einer ernsten Lage vor- zubeugcn, selbst wenn wir in dem furchtbaren Kampfe den Sieg er- rungen haben. In England gehts wie überall. Tie kriegführenden Länder werden im Punkt der Finanzen zum Schluß auf ein Ergebnis schauen können, bei dem der Ausgang des Liedes vom Kampf der beiden wutentbrannten Löwen die Erinnerung beschäftigen könnte. Da fand man von dem Kampf nichts mehr als beider Löwen Wedel. Gesierreichs Herren" haben Deöenken. Wien, 21. Juli. Das Herrenhaus hat die vom Abgeordneten- hause erledigten Gesetzmtwürfe betreffend ausnahmsweise Unter- stellung von Zivilpersonen unter die Militär- gerichtsbarfeit, betreffend die Revision der feld- und standgerichtlichen Urteile, sowie betreffend die Bildung der G e s ch w o r? n e n I i st e n abgeändert, so daß diese Entwürfe wieder an das A��ordnetenHauS zurückgehen mutzten. Keine Schutzhaft mehr in(desierreich. Wien, 21. Juli. Wie die„Zeit" von authentischer Seite erfährt, sind im Laufe der Woche die Internierten- und Kon» sinierten-Stationcn in ganz Oesterreich aufgehoben und ein- gezogen worden. Fast 90 Prozent sind schon auf freien Fuß gesetzt. Die Schlacht in Gsigallzien. Der österreichische Bericht. Wien, 2Z. Juli, Amtlich wird mloutbartt Leftlicher Kriegsschauplatz. Tie Kämpfe in Lstgalizien reifen zu einem gewaltigen Schlag gegen die russischen Armeen auS. Gestern nachmittag stießen unsere Verbündete» bis an den Sereth- Brückenkopf von T arnopol vor. In der Nacht wurde an mehreren Stellen die von Kozowo nach T a r n o p o l führende Bahn gewonnen. Auch die russischen Massen südöstlich von Brzezantz lösen sich. Tie Verfolgung auf Kozowa wurde aufgenommen. Tic Stadt Tarnopol und zahlreiche c rtschaftcn östlich deS Sereth ftehen in Flammen. In Jezierna wurde viel KriegSgcrät erbeutet. Tie Zahl der Gefangenen konnte noch nicht fchätzungS- weife festgestellt werden. An der unteren Narajowka hob sich gestern der Geschützkampf zu beträchtlicher Stärke. In den Karvathen kam eS stellenweise zu Geplänkel. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Belang zu melden. Der Ebef des Gcneralstabc». ** * Berlin, 22. Juli.(23. T. B.) In Ostgalizien trieben unsere Truppen am 21. Juli die geschlagenen Russen wie an den Vortagen inscharserVerfolgungvorsich her. Wo der Gegner Wider- stand zu leisten versuchte, wurde er mit entschlossenen und kühnen Stößen geworfen und ihm obermals schwere Verluste beigebracht. Die Kriegsberichtetstatter bestätigen, daß ähnlich wie bei dem großen russischen Rückzug im Jahre ISIS in Galizien und Polen die von Kcrensk» befehligten Truppen durch besondere BrandkommanidoS und Brandgranaten alle Städte und Ortschaften in Brand setzten, die sie den Siegern überlassen müssen. Brennende Ortschaften bc- zeichnen den Weg der weichenden geschlagenen Russen. Wie bei früheren Rückzügen sind die Landstraßen und Wege mit Kriegs- gerät, forigeworfenen Ausrüstungsstücken, steckengebliebenen Wagen und umgestürzten Automobilen übersät. In den Morgenstunden dcS 22. Juli begann der Russe unter dem von Norden wirkenden Flankendruck auch seine starken Höhenstellungen südöstlich von Brzezanq zu räumen. Geiangenenzahl und Beute wachsen von Stunde zu Stunde. Ter große Sieg, den die verbündeten Waffen im Osten er- stritten, beweist, daß die strategisch« Initiative trotz vorübergehender taktischer Defensive vollkommen auf seilen der Mittelmächte ist. Er bezeugt die ungebrochene Angriffs- und Stoßkraft unserer Truppen, die in altem ungestümen Vorwärtsdrängcn jeden Widerstand des Feindes brachen, wo er versucht wurde. Zwischen Krcwo und S m o r g o n verbluteten die russischen Regimenter bei ihren ergebnislosen Anstürmen in unserem Feuer. In den Karpathen war das Feuer am 21. im Ludowa. gebiet zeitweise lethast. Am Smoirck brachten unsere Patrouillen Gefangene ein. Auch in der Gegend nördlich Cimpurilc frischte da? Feuer auf. Anschließend hieran vorstoßende feindliche Patrouillen wurden zurückgewiesen, während unsere eigenen Stoßtrupp» in diesem Abschnitt eine größere Anzahl von Gesongenen einbrachten. In Rumänien zeitweise lebhafte Artillerietätigkeit in einigen Ab- schnitten. Unser Feuer aus den Bahnhos Tccuciu verursachte Brände und Explosionen. Tic„Basier Nachrichten" berichten au» der„Eentral-NewS". daß der Arbeiter- und Soldatenrat mit geringer Mehrheit die A b- bcrusung B r u s s i l o w S forderte. Tie Petersburger Tele- graphenagentur meldet: General K o r n i I o w. der frühere Mili. tärgouverneur von Petersburg, ist zum Oberbefehlshaber der Südwest front ernannt worden.___ i Die Domben auf Zieritzee. Haag, 21. Juli. sKorrespondenz-Bureau.s Amtlich. Der Mi- nister des Aeutzeren teilte folgendes mit: Tie britische Regierung hat den niederländischen Gesandten in London verständigt, daß die britische Admiralität die Richtigkeit des Standpunktes der nieder- ländischen Regierung bezüglich der auf Zicikzee abgeworfenen Bom- ben anerkennt. Sie gibt zu, daß die Bomben von einem britischen Flieger abgeworfen wurden, der sich über dem besetzten Teil Bel- gicns glaubte. Ter britische Staassekretär für auswärtige An- gelegenheiten ersuchte den niederländischen Gesandten, seiner Re- gierung das tiefste Bedauern der britischen Regierung auszusprechen» Die britische Regierung erklärt sich b e r e i t, eine Schadender- g ü t u n g zu bezahlen, deren Höhe im Einverständnis mit der nieder- ländischen Regierung festgesetzt werden soll. Die Gpfer ües vanguarü. Amsterdam, 21. Juli. Nach der„Times" sind mit dem Groß- kampfschiff Vanguard nach den letzten Angaben 804 Mann zu- gründe gegangen. Die russische Parteipreffe währenü üer Revolution. Ter Kristianiaer„Sozialdemokraten" bringt eine Korrespondenz aus Petersburg von Mitte Juli über die russische Parteipresse. Seit Ausbruch der Revolution haben sich die sozialistischen Zcitun- gen in Rußland außerordentlicss schnell entwickelt, wie ja über- Haupt die russische Presse im allgemeinen einen großen Aufschwung genommen hat. Pctersvurg zählt zurzeit 30 Tageszeitungen, von denen drei morgens und abends erscheinen. Unter diesen dreißig Tageszeitungen sind sechs sozialdemokratisch, und wenn man den radikalen„Tjen" hinzurechnet, der sich neuerdings als sozialistisch erklärt, ohne sich auf ein bestimmtes Parteiprogramm festzulegen, kommt man auf sieben sozialistische Blätter in Petersburg. Ihre durchschnittliche Auflage beträgt ca. 100000 Nummern täglich, so daß in Petersburg jeden Tag 700 000 sozialdemokratische Zeitungs- exemplare ausgegeben werden, von denen allerdings ein Teil in die Provinz und das Ausland geht. Die sozialistische Provinz- presse bot ebenfalls einen großen Aufschwung genommen, doch liegen darüber keine statistischen Angaben vor. Die Gründung eines neuen Bolschewikischen Tageblattes in Petersburg steht be- vor. Tie größte Schwierigkeit bereiten die Truckereibetriebe, da die Zeitungen natürlich noch nicht kapitalstark genug waren, sich eigen« Druckereien anzuschaffen. Kleine Kriegsnachrichten. Tie Kohlcnkartc in Frankreich. Tic französische Deputierten- kammcr erledigte die Interpellation über die Kohlenversorgung dcS Lande? durch Annahme einer VerirauenStagcSovdnung, nachdem der Unterstaatssekretär Loucheur in Aussicht gestellt hatte, daß er die ganzeEinfuhrunddieKohlcnproduktion monopo- I i s ie r e n und die gerechte Verteilung a» das Publikum durch die Einführung der Kohle»karten sichern werde. Neue Gctrcidchöchstprcisc in Ungar,,. Das Bndapester Amts- blatt veröffentlicht eine Regierungsverordnung über die neuen Höchstpreise für Getreide. Die Preise schwanken für Weizen nach den Landesteilen zwischen 40 und 50, Roggen zwischen 47 und 48,50, Gerste zwischen 45 und 47 Kronen und bedeuten eine Erhöhung um durchschnittlich 20 Proz. Auf die auS dem ZollauSlandc eingeführten Erzeugnisse bezieht sich die gegenwärtige Verordnung nicht. Die Kopfguote bleibt unverändert für männliche Personen in der Landwirtschaft 16, für weibliche 12 Kilogramm,- für- städtische-Ein« wohner 7 Kilogramm auf den Kops und Monat. Belagerungszustand in Valencia. Offiziell wird aus Madrid gemeldet; In Valencia ist der Belagerungszustand verhängt worden. Sethmanns fibschieü. Herr V. Bethmann Hollweg hat gestern mittag das Reichs- kanzlerhaus verlassen, um sich nach Hohensinow zu begeben. Die Abschiedsrede hielt Herr v. Breitcnbach.„Er sprach". heißt es im offiziellen Bericht,„den Dank des Staatsministe- riums an seinen bisherigen Präsidenten für alles aus, was er durch sein überragendes Urteil und durch seine s i t t l i ch e K r a f t für Preußen und das Reich gewesen ist." Inoffiziell war gemeldet worden. Herr v. Breitenbach babs auf die Wahlrechtsbotschoft hin seine Entlassung ein-""'mcht, sie aber zurückgezogen, als er vernahm, daß Herr v. Bethniann zurücktrete._ Nochmals üie namentliche Abstimmung. Das Ergebnis über die namentliche Abstimmung zur Frieden?» resolution im Reichstag liegt nunmehr amtlich vor. An der Ab- stimmung haben sich 357 Abgeordnete beteiligt. Davon haben 212 Abgeordnete mit„Ja", 126 Abgeordnete mit„Nein" gestimmt, 17 Abgeordnete haben sich der Abstimmung enhalten, 2 Abgeordnete haben ungültige Zettel abgegeben. Im Gegensatz zu ihren FraktionSgenosscn haben gegen die Entschließung gestimmt vom Zentrum die Abgg. Frhr, von Franckcnstein, Graf v. Galen, Dr. Pfleger, Graf Praschma, Schwarze(Lippstadtj und Müller(Fuldas; von der Deutschen Fraktion die Abgg. v. Brünneck, To-crksen, v. Holen(Schwetz), Dr. Hcgenscheidt, Hertzog, Mumm, Gras v. Posadowsky-Wchner. Stubbendorff, Warmuth, Dr. Werner(Gießen), Werner(Her?- seid) und Witt. Für die Resolution haben von der Deutschen Fraktion gestimmt die Abgg. Dr. Arendt, Behrens und Burckhardt(christlich. sozial), B r u h n und Rupp(deutsch- sozial), die beiden bayerischen Bauernbündlcr L a n z und Bauer (Pfarrkirchen) und die fünf Welsen. Ter Abstimmung enthalten haben sich 14 Polen und die Abgg. Dr. Becker(Hessen). Dr. Heckscher(Fortsch. Vp.) und Löscher (Deutsche Fraktion), Die Unabhängigen haben, wie schon gemeldet, 26 Stim- men gegen die Friedensresolution abgegeben. Sie haben sich von den Annexionisten— annektieren lassen! Preußens Parlamentarisierung. In l>er„Natlib..f?orr." beklagt sich der Abg. Friedberg darüber, daß van Reichs wegen iibcr Preußen verfügt werde. Er schreibt: ... Selbstverständlich ist es, daß die Parlnmentorisicrung der preußischen Regierung lediglich unter Mitwirkung des preußischen Landtages durchgesübrl werten kann. Statt dessen i'ehcn wir, daß in gewissen RcichStogskreisen über die preußischen Ministerien verfügt wird, als ob dies eine Rcichsangelegenhcit wäre. Man nennt Namen von Personen, die überhoupt nicht Mit- gliader der preußischen Volksvertretung sind. Man wird zugeben. daß das eine ganz neue und eigentümliche Art der Parlamen» tarisicrung wäre, Herrn Friedberg ist vollkommen darin zuzustimmen, daß in Preußen eine parlamentarische Regierung auS preußischen Parlamentariern zu bilden ist. Bei dieser Kabinetts- bildung könnten aber allerdings nur solche Abgeordnete in Betracht kommen, die als unbedingt zuverlässige und energische l Anhänger der Wahlrechtsbotfchaft vom 11. Juli bekannt sind. � Die Konservativen unü üie Wahlreform. Die„Vossische Zeitung" meldet: „Wie wir hören, haben die Parteivorstände und Fraktionen der Freikonservativen und die Konservativen am Freilag und Sonnabend Sitzungen abgehalten, die sich mtt der durch den Wahlrechtserlaß geschaffenen Lage be- faßten. Beide Parteien hatten die Absicht, sich in Kund- gedungen an ihre Anhänger zu wenden. Tie Freikonser- vativen haben sich jedoch schließlich dahin entschieden, Ende S e p- t e m b e r einen Parteitag abzuhalten, auf dem weitere Maß. nahmen besprochen werden sollen. Die Konservativen wollen vor- läusig gleichfalls von einer Kundgebung absehen und haben einen Ausschuß eingesetzt, der Vorschläge für cm weiteres Vorgehen erstatten soll. Diese Gefahr muß bekämpft werden! Die ausländischen Prefsestimmen über die letzten Vor- gänge im Reichstag klingen noch wirr und unübersichtlich. Ten besten Schlüssel zu ihrem Verständnis liefert aber, soweit es sich um kriegshetzerische Aeußerungcn handelt, die Mai- länder„Perseveranza", die folgendes ausführt: „Tie Mittelmächte suchen jetzt ihr Ziel durch E i n f ü h- r u n g demokratischer Reformen zu erreichen, in der Absicht, den Vecbandsmäcbten, die für die demokratischen Ideale gegen die Autokraten kämpfen, aus solche Weise den Haupt- kricgsgrund z u nehmen. Die� größte Gefahr bei diesem Friedensmanöver liegt darin, daß es nicht ein bloßer Bluff ist, sondern sich auf zum Teil schon vollendete Tat- fachen stützt. Tic Einführung demokrotischcr Reformen in den Mittelmächten ist für uns nach zwei Richtungen hin gefährtich und schädlich. Einerseits kann dadurch innerhalb Teutschlands und Oesterreichs der politische Kampf ausgeschaltet und der Kriegswille des Volkes gestärkt werden. Andererseits werden ge- wisse Kreise des Verbandes ibr K ciegSprogramm als zum Teil schon verwirklicht betrachten und zu Verhandlungen mit dem Gegner geneigt sein. Tiefe Gefahr mutz energisch bekämpft werden. Tie Gefahr wird gemeinhin so bekämpft, daß man den Deutschen Reichstag des allgemeinen Wahl- rechts als eine gänzlich unbeachtliche Körperschaft hinstellt. Man kann daraus schließen, wie willkommen der feindlichen Presse Aeußerungen, wie die der„K r e u z z e i t u n g", sind, die wir im Leitartikel ausführlich würdigen. wie das deutsche Volk denkt. Treptow a. Toll. Die„Berliner Neuesten Nachrichten" haben gegen das Friedens. Programm des Reichstags eine Protestrummelrubrik eingerichtet, die die stolze Ueberschrift trägt:„Wie das deutsche Volk denkt." Diese Rubrik ist aber von Tag zu Tag dünner geworden. Gestern verzeichnete sie als einzigen deutschen VolkSgedanken eine Entschließung der BezirkSvecsammlung des Bundes der Landwirte in Treptow a. Toll. 25. Juli. Ein SchicksalStag des Weltkrieges! Ueber ihn veröffent- licht die offiziöse„Neue Preußische Korrespondenz" längere Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: Heute vor drei Jahren hatte der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad, Barmt Giefl. das Ultimatum überreicht. Im Vertrauen auf die russische' Hilfe wies Serbien von den Wiener Forderungen diejenigen zurück, die sich auf die llntersuchungs- rechte österreichisch-ungarischer Beamten bezogen, und am Abend des 26. Juli reiste Baron Giesl aus Belgrad ab. In Berlin be- grüßte man zunächst die serbische Ablehnung de? österreichischen Ultimatums mit lebhafter Freude, denn man gönnte den Serben die wohlverdiente Strafe, die der ruchlosen Tat(die Ermordung des Thronsolger-Erzherzogs Franz Ferdinand und feiner Ge- mahlin in Sarajewo! auf dem Fuße folgen sollte. Junge Leute veranstalteten Umzüge auf den Straßen, sangen patriotische Lieder und veranstalteten Demonstrationen, die im Auslände leicht den Anschein erwecken konnten, als ob Teutschland den Krieg wolle. Dem war aber nicht so, und man gab nur der Genug- tuung Ausdruck, daß das Mordgesindel, hinter dem sein König und eine ganze Nation stand, seine wohlverdiente Strafe erhalte. Heute, nach drei Jahren, ist der rechte Augenblick des Zurück- schauens noch nicht da, denn die Stunde gehört nach dem, was vorwärts ringt und vorwärts drängt. Von w c in diese Kundgebungen ausgingen, die im Aus- lond so gefährlichen Anschein erwecken konnten.— dies festzustellen bleibt gleichfalls der Zukunft vorbehalten. Fest steht dagegen, daß der besonnene Teil der Bevölkerung diese kunst- voll zur Schau getragene Freude nicht teilte, und daß die Ar» beiterschoft Gegendemonstrationen veranstaltete, die von der sozialdemokratischen Partei ausgingen. Lette Nachrichten. Tie Lage in Petersburg. St o ck h o l m, 22. Juli. Nach einer Meldung im„SpenSka Tagblabet" ous Haparonda hat die Einstweilige Regierung be- schlössen, einen Ausschuß einzusehen, der im Einverständnis mit dem Kommandanten von Petersburg Unruhen verhüten soll; Mitglieder sind Tkobelefs, Lcbcdosf und Höh. Bei der Zeitung „Pravda" wurde Haussuchung gehalten; Kriegsinvaliden zerstörten sämtliche Nummern des Blattes. Nach„Rjctsch" kehrte Kerenfki Donnerstag nach Petersburg zurück. Er hat die Komman- dantc» von Petersburg abgesetzt und einen Leutnant vorläufig mit dem Oberbefehl über die Petersburger Truppen be- traut. Eine Erklärung des polnischen Staatsrats. Warschau, 21. Juli. Der Staatsrat hat eine Erklärung an hie Bevölkerung erlassen, in der es zum«chluß beißt: „AI? gegenwärtig einzige Obrigkeit, die die politische Stellung- nähme der polnischen Nation festzulegen defugt ist, und als deren gegenwärtige polinche Regierung erklärt der Staatsrat, daß das polnische Volk ein friedliebender Faktor zu sein wünscht, der auf eine Beendigung der gegenwärtigen Kämpfe hinwirkt und jedermann außerhalb Polen? da? Recht abfpricht, mit polnischem Blute zu wirtschaften. Bevor nicht die Nation selbst durck einen allgemeinen freien, im KönigSschlotz zu Warschau versammelten Landtag die oberste Gewalt an sich nimmt, sind ausschließlich die provisorischen Organe der polnischen Regierung, ine aus polnischem Boden in der Hauptstadt dcS Landes amtieren, berechtigt und verpflichtet, das Volk dem von allen ersehnten Ziele entgegen- zuführen."_ Zusammenstoß zweier Dampfer. „Petit Partsien" meldet aus Algeciras: Infolge Nebels ist der italienische Tampfer Europa<8666 Tonnens mit einem ungenannten Tampfer aus Glasgow zufammenge- stoßen, der in wenigen Minuten sank. Acht englische Matrosen sind umgekommen. Der italienische Tampfer erlitt schwere Be- schgd Zungen, konnte je-och Gibraltar erreichen. GroMerlm Das ftäütische �ltwarenhaus. Unter dem Einflüsse des Krieges und feiner Folgen Hai sich die öffentliche Initiative einer ganzen Reihe von Gebieten zu- gewandt, die früher ganz oder fast ausschließlich der privaten Betätigung vorbehalten waren. Das neueste Stück..Kriegssvzialismus" in Berlin ist die Errichtung einer städtischen Zentrale für den An- und Vertauf getragener Kleidungsstücke. Ter Ankauf geschieht in einer Reihe von Sammelstellen, der Verkauf ausschließlich in der Bekleidungszentrale in der Kommandantenstraße. Jede private Veräußerung von Kleidern ist'seitdem untersagt, ebenso natürlich auch das Annoncieren getragener Bekleidungsgegenstände in den Zeitungen. Die Zentralstelle kauft und verkaust nicht nur, sondern sie hat auch eine ganze Reihe von Arbeitskräften mit dem Reinigen, Flicken, Umarbeiten usw. der Sachen beschäftigt. Ob die Zentrale zur Zufriedenheit beider Teile— des Verkäufers und des Käufers— arbeitet, ist noch nicht erwiesen. Auf alle Fälle ist jedoch klar, daß eine solche Institution viel rationeller arbeiten muß, als der private Kleidcrhandel, daß sie sich zu diesem etwa verhält w>ie der Konsumverein zum privaten Kramladen. Was aber dem Altklciderhandcl recht ist, das sollte dem Handel mit anderen gebrauchten Sachen, insbesondere Möbeln, billig sein, wenn auch hier die speziellen Gründe(Rationierung der Be- klcidung), die zur„Verstaatlichung" des Kleiderhandels geführt haben, wegfallen. Hat doch gerade auf diesem Gebiete die private Zersplitterung besonders unglückliche Verhältnisse geschaffen. Ter Krieg zwingt unzählige Familien, denen der Ernährer gefallen ist oder bereit Einkommensverhältnisse sich sonstwie' verschlechtert haben, ihren Haushalt zu verkleinern, d. h. einen Teil ihrer Möbel usw. abzustoßen. Andererseits wäre mancher, der sich unter ande- rcn Umständen mit neuen Gegenständen hätte versehen können, an- gesichts der unheimlichen Teuerung von Möbeln, Betten, Wäsche usw. jetzt froh, wenn er die betreffenden Sachen zu erschwinglichen Preisen in gebrauchtem Zustande erhalten könnte. Angebot und Nachfrage kommen sich hier also entgegen. Wie aber kommen sie zusammen? In der Kleinstadt, auf dem Lande ist die Sache Verhältnis- mäßig einfach. Eine Annonce im Lokalblättchcn, eine Mitteilung im Bekanntenkreise werden meist genügen, um Käufer und Ver- käufer zusammenzubringen. Anders, in der Großstadt. Wer ein- mal in Berlin versucht hat, einen gebrauchten Gegenstand zu kaufen oder zu verkaufen, der weiß, daß er sich hier einer wahren Kalamität gegenübersieht. Zwei Wege stehen ihm dabei offen: erstens der durch den Althändler und zweitens der durch die Zeitung. Taß Althändler für gebrauchte Sachen trotz der be- kannten Ankündigung„Zahle höchste Preise" geradezu lächerlich niedrige Summen bieten, und auch diese gewöhnlich erst nach langein Handeln, das durchaus nicht jedermanns Sache ist, ist bekannt. Ilmgekehrt kauft man beim Althändler durchaus nicht billig, da dieser in Anbetracht seiner oft vergeblichen Wege, des verlorenen Fahrgeldes und des Risikos, die Gegenstände manchmal monatc-, ja jahrelang auf Lager zu behalten, mit einem Aufschlage von llX) bis 200 Proz. arbeiten muß. Der Kauf beim Althändler ist aber nicht nur teuer, sondern kostet auch sehr viel Zeit, wenn man alle die weit von einander liegenden Geschäfte auft'uchen will, um das passende Stück zu finden. Mancher zieht daher den Weg durch die Zeitung vor. Er 'studiert, wenn er etwas kaufen will, die Angevote in den Blättern oder erläßt chekhst eine Annonce. In �beiden Fällen wird er, wenn er einen gangbaren Gegenstand— sägen wir ein Sofa oder einen Schreibtisch— braucht, bald eine Anzahl von Angeboten in der Hand halten. Und nun beginnt wieder das Leidwesen des Umher- fahrens und Suchcns. Für einen Bewohner Groß-Berlinss der beispielsweise in einem westlichen Vorort wohnt, bedeutet das Aus- suchen eines nördlichen oder östlichen Vororts den Verlust eines halben Arbeitstages' und von 40 bis 80 Ps. Fahrgeld. Es gehört unter diesen Umständen also schon viel Zeit und Geld dazu, um '— sich einen alten Gegenstand zu kaufen. Mancher gibt nach einigen vergeblichen Versuchen denn auch die Sache aus und kaust sich doch etwas Neues, hat also seine Mühe umsonst verloren. Sandelt es sich gar um„ausgefallene" Dinge, so werden Kauf- und Verkaussannoncen fast stets ohne Wirkung bleiben, da es ja wirk- lich ein Zufall wäre, wenn bei der Fülle der Annoncen in den ver- schiedenen Zeitungen die betreffende gerade dem Gegenrefleklanten zu Gesicht käme. Alle diese Schwierigkeiten und Unzuträgltchkeiten könnten durch die Errichtung eines städtischen Altwarcnhauscs behoben werden. Das Zentral-Altwarenhaus stellt jedem, der etwas verkaufen will, gegen eine wöchentlich oder monatlich festgelegte Miete einen Platz in seinen Räumen zur Verfügung. Außerdem hätte der Verkäufer noch von dem erzielten Preise einen bestimmten Prozentsatz— nehmen wir an 10 Proz.— an da? Institut abzuführen. Der Prozentsatz könnte auch gestaffelt werden, so daß er bei steigendem Werte des verkauften Gegenstandes sänke. Bei Festsetzung des Preises wäre dem Verkäufer sachkundiger Rat zu gewähren; ver- langt er trotzdem zu viel, so straft sich dies von selbst, da die be- treffende Sache dann schwer oder gar nicht verkauft wird und der Verkäufer viel Platzmieten zu bezahlen hat. Tie Gegenstände werden nun von. dem Vcrmittlungsinstitut nach Warengattungen getrennt zum Verkauf gestellt: also in einem Räume ganze Zimmereinrichtungen, in einem anderen einzelne Sofas, Schreibtische, Büfetts usw. Hier die Uhren, die Näh- Maschinen, die Bilder, dort die Schmucksachen, die Teppiche, die Waffen, die photographischen Apparate usw. Wer also ein Büsctl kaufen will, der findet in einem Räume alle überhaupt verkäus- lichen Büfetts der Stadt ausgestellt und er kann sich unter ihnen in kürzester Zeit dasjenige aussuchen, das seinem Geschmack und seinem Geldbeutel am besten entspricht. Die Vorteile eines solchen Instituts würden sich besonders auch bei seltener angebotenen oder wertvolleren Waren zeigen, für die sonst, wie dargelegt, ein Zu- sammenkommen von Käufer und Verkäufer in der Großstadt fast ausgeschlossen ist. Das Unternehmen könnte mit verhältnismäßig geringen Kosten auch vorbereitet werden durch eine bloße Zentral- Registrierungsstelle der in der Stadt verkäuflichen Altwaren. Eine solche Registrierungsstelle könnte auch als Ergänzung der gc schilderten Einrichtung geschaffen werden für solche Waren, die der Verkäufer nicht gern aus dem Haus geben loill, che er sie nicht verkauft hat. In diesem Falle wären also die verkäuflichen Gegen- stände unter möglichst genauer Beschreibung nach Größe, Material, Stil, Farbe usw. dem Bureau anzugeben, das seinerseits die-An- geböte ordnet, in einer Kartothek registriert und sie dem Käufer (etwa in gedruckter oder sonstwie vervielfältigter Form) zur' Verfügung stellt. Für die Vermittlung hätten Käufer und Verkäufer jeder eine Kleinigkeit zu zahlen. Beide Teile würden Kosten, Mühe(das Durchstudieren der Zeitungen), der.Käufer manchen unnötigen Gang sparen, da er aus der Beschreibung schon ungefähr ersehen könnte, was für ihn in Betracht kommt. Ein Bedenken, das sich etwa noch erheben könnte, daß nämlich durch die Errichtung eines solchen kommunalen Altwarenhauses ein ganzer Stand, der der privaten Althändler, schwer geschädigt werden würde, wäre durch die Erwägungen zu beheben, daß 1. auch in diesem Falle, wie jetzt in so vielen anderen, die Interessen der Gesamtheit denen einer bestimmten Kaste vorangestellt werden müssen, daß 2. aber auch ein solches Institut einer ganzen Reihe von Personen, die von der Branche etwas verstehen, Beschäftigung geben würde. Zum Abschätzen und Verkaufen der angebotenen Gegenstünde wären am besten natürlich Fachleute zu verwenden. Und da der Handel mit gebrauchten Gegenständen durch den Krieg einen besonderen Aufschwung genommen hat und noch mehr nehmen wird, so würden vielleicht ebenso viel Personen Anstellung finden können, wie andererseits brotlos gemacht würden. g. ck. Berliner Lebensmittel. Nach der Bekanntmachung des Magistrats Berlin entfallen auf den Abschnitt 03 der Lebensmittelkarte 150 Gramm lose puppen oder 3 Suppenwürfel, auf Abschnitt 94 der Lebensmittelkarte 100 Gramm Erbsen oder Buchivcizengcüsie oder Buchweizenmehl, auf Abschnitt 05 dcr Lebensmittelkarte 150 Gramm Graupen oder Haferfabrikate oder Sago. Die Abschnitte sind am heutigen Mon- tag oder morgigen Dienstag in den durch besondere Verkaufs- schildcr gckennz<;ichnptxn..Kleinhandelsgeschäften gegen EmpfcMs- beichcinigungen abzugeben. Die Ware wird dann nach Ablauf per üblichen Frist bei den Kleinhandelsgeschäften gegen Rückgckbe'flpcr Empfangsbescheinigungen zur Verfügung stehen. Gegen die Ucbrrpreifr im Schuhwarcnvcrkauf. Eine Bundes- ratsverordnung vom 42. Juli verfügt eine Abänderung der Ver- vrdnung über Prcisve schränkungen bei Verkäufen von Schuhwaren vom 28. September 1010.§ 0 Abs. 2 dieser Verordnung lautet nunmehr:„Das Schiedsgericht prüft auch auf Antrag der zuständigen Stellen die Preise nach und bestimmt die nach ts 1 in Verbindung mit den von dcr Guiachterkommission für Schuhwaren- preise(8 0) aufgestellten Richtsätzen angemessenen Preise. Ergibt sich hierbei, daß ausgezeichnete oder von einem Händler gezahlte Preise höher sind als die angemessenen, so hat das Schiedsgericht zugunsten des Reiches die erzielten Ucbcrpreise einzuziehen. Welche Stellen im Sinne des Absatz 2 Sab 1 zuständig sind, bestimmen vorbhaltlich dcr Vorschrift in§ 12 die Landeszcntralbchörden." Durch diese neue Fassung wird erreicht, daß nicht nur, wie bis- her, im Falle einer zu hohen Preisauszeichnung von dem zur Aus- zeichnung Verpflichteten, der in der Regel der Hersteller ist, das über die angemessenen Preise Hinausgehende ldic lieber- preise) zugunsten des Reiches eingezogen werden könnn, sondern daß diese Einziehung auch ausgesprochen werden kann, wenn Schuhwaren ohne Auszeichnung oder trotz angemessener Auszeichnung zu über- mätzigen Preisen an Händler verkauft worden sind,. und. daß sowohl in diesen Fällen als auch im Fo5� einer zu hohen Preisauszeichnung auch Händler, die nicht zur Preisauszeichnung verpflichtet waren, aus Herausgabe der erzielten Ueberpreise zu- gunsten des Reiches verurteilt werden können. Gleichzeitig ist die Einschränkung dcr Ueberpreis-Einziehung aus Verkäufe dcr letzten drei Monate und dcr gleichen Art von Schuhwaren, für die vom Schiedsgericht auf Antrag die Preise festgesetzt worden sind, cnt- fallen. Ein Schlachtefest auf freiem Felde nahm in der Nacht zu gestern für den Veranstalter ein unerfreuliches Ende, Zwischen 11 und 12 Ilbr Hörle ein Feldwebel der südlichen Militärarrestanstalt am Tempelhofer Felde von dem bewaldeten Teile der Hasenhcide ein klägliches Geschrei. Er vermutete Mord und Totschlag, eilte hin und. stieß �aus einen Manu, der gerade im Begriff stand, mit einem schweren Sack beladen davon zu gehen. Der Feldwebel nahm ihn fest und brachte ihn mit seiner Last nach der Wache. Hier ergab sich, daß der Sack ein Schwein enthielt. Sein Besitzer war ein Maurer O, aus dcr Ncuenburger Straße. Weil er das zu Hause nicht be- werkstelligen konnte, ohne Aufsehen zu erregen, so vrachlc er das Tier nach dcr Hasenhetde, um es dort in dem bewaldeten Teile in aller Heimlichkeit vom Leben zum Tode zu befördern. Dazu war er jedoch nicht geschickt genug. Er schlug zwar einige Male zu. hatte aber damit nicht den beabsichtigten Erfolg und wollte nach dem Geschrei des Tieres das Weite suchen, als der Feldwebel ihn überraschte. O. wurde verhastet. Woher er das Schwein hat, steht, noch nicht fest. Grosser Postdicbstahl. Für 34 204 M. Briefmarken erbeuteten Einbrecher, wahrscheinlich Berliner, in der Nacht zum Sonntag auf dem Postamt Hennigsdorf im Kreise Lsthavelland. Tie Täter» sind wahrscheinlich mit dem ersten Frühzuge von einer Station der Nachbarschaft aus nach Berlin zurückgefahren und werden sicher auffallen, wenn sie die Marken zu Geld machen wollen. Die gc- stohlenen Marken befanden sich in zwei Aktentaschen, einer schwarzen mit Verschluß und Tragriemen und einer gelben mit einfachem Verschluß. Es sind für 3750 M. 7M>-Ps.-. für 400 M. 10-Pf.-, für 17 800 M. 15-Pf.-, für 1100 M. 20-Ps.-, für 4950 M. 25-Pf.-, für 1200 M. 30-Ps.-, für 1000 M. 40-Pf.- und für 2200 M. 00-Ps.- Marken. Dazu kommen für 324 M. Marken zu 3 M. in einem Markcnheft, außerdem 200 M bares Geld. Ucbcrfallen worden ist vermutlich ein Mann, der gestern morgen bewußtlos mit einer schweren Kopfwunde vor dem Hause Frucht- straße 00 aufgefunden und nach dem Krankenhaus am Friedncks- Hain gebracht wurde. Seine Persönlichkeit konnte noch nicht fest- gestellt werden. Ter Mann hatte eine Laterne bei sich und bat sich wahrscheinlich aus dem Wege befunden, um in einem Stall oder dergleichen nachzusehen. Der Ileberfallene trug ein schwarzes Jackett, eine gestreifte Hose und schwarze Stiefel. Wcißcnsee. Lcbcnsmittclnachrichtcn. In der laufenden Woche wird auf Abschnitt 12 der Eicrkarte in den Gcmeinizeocrkaufsstellen je 1 Ei zum Preise von 34 Ps. abgegeben. Auf Abschnitt 05a und b der Kartoffelkarte kann je ein Pfund Kartoffeln entnommen werden. Auf die Abschnitte 05e, d und e je 140 Gramm Mehl oder je 200 Gramm Gebäck. Auf die beiden Abschnitte 05 der Kartoffel- zusatzkarte dürfen je 1 Pfund, zusammen 2 Pfund Kartoffeln ab- gegeben werden, sollte es wider Erwarten einzelnen Kartoffel- karleninhabcrn nicht möglich sein, bis zum 20. Juli in den Besitz der vorbezeichnetcn Menge Kartoffeln zu gelangen, so sind sie be- rechtigt, vom 27. Juli ab auch auf die Abschnitte 05a und t> je 140 Gramm Mehl oder je 200 Gramm Gebäck zu kaufen. Auf die Abschnitte 05t und g dcr Kartoffelkarte dürfen je 75 Gramm Graupen abgegeben werden. Mus aller Welt. AuS einem Gefangenenlager, so berichtet dcr„Simplicissimus", sind vor vierzehn Tagen Franzosen in einem Scbwarzwaldort ange- kommen, um da vrschaftigt zu werden; ihre Unterkunst erhalten sie im Wirtshaus. Ter Behörde ist nicht unbekannt,' daß Gefangene-. gelegentlich zu entweichen versuchen, und die Schweizer Grenze ist nicht weit. Man muß also Maßnahmen trcssen. Unter Bedeckung eines Gendarmen werden die Franzosen täglich in den Wald ge- schickt, eine«tunde vom Ort entfernt, und bekommen dort ihre Arbeit angewiesen. Dann geht dcr Gendarm wieder heim. Tie Leute bleiben, mir entsprechendem Mundvorrat, den ganzen Tag über draußen, ohne Aufsicht. Dcr Wirt im Ort aber wird ange- halten, die Fenster der Räume, wo die Gefangenen nächtigen sollen, mit Eisengittern zu versehen. Man nimmt also an, daß die Leute nicht etwa aus ihrer Arbeitsfreiheit entlausen, sondern avends bcav zurückkommen, um dann, unter Gefahr des Hals- und Beinbruchs, aus ihren Fenstern im zweiten Stock zu springen. Die Franzosen sind heute noch da und bewegen sich frei im Ort. Tie Gitter sind auch noch da und verschandeln das Wirtshaus. Wetteraussichten für das mittlere Teutschland bis DienStag- mittag. Veränderlich, überwiegend bewölkt mit wiederholten. West- lich dcr Oder meist geringen, im Osten etwas stärkeren Regen- fällen, am Tage etwas wärmer, in der Nacht zu Dienstag wieder kühl. Verantworte f. Politik: Tr. granz Dirderich, Berlin-Friedennu: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfrrd Scholz. Neukölln: für Inserate: Tti. Glocke, Berlin. Truik u. Verlag: Vorwärts Luchdruckcrei u. Verlagsanftatt Paul Singer 6r Co., Berti,, sev. Bekanntmachung. SWe«. Wen m siilWeize«- f«lile.SlWeil°i!-kSMWMe sökl Sllgii. Gemäß§ 5 dcr Verordnung über Lebensmittelkarten vom 18. Oktober ISIS wird sür den Eemeindcbezirk dcr Stadt Berlin bestimmt: t Auf Abschnitt 93 dcr Lebensmittelkarte entfallen loO Gramm lose Suppen, ober Zi Suppenwürfel. U. Aus Abschnitt 94 dcr Lebensmittelkarte entfallen 400 Gramm Erbsen oder Buchweizeiigrühc oder Bnchweizenmehl. HI Ans Abschnitt 93 der Lebensmittelkarte entfallen 430 Gramm Graupen oder Haferfabrikate oder Sago. IT Die Abschnitte Nr. 93, 94 und 93 sind in den durch ein Aushängeschild »Berkauf vo» Graupe» auf Lebensmittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Gelchäslcn gegen Empsangsbeschcini- gungen abzugeben, und zwar am Monrag, den 23. und Dienstag, den 24. Juli 4047. Nachträgliche Annahme stndet nicht statt. Y. Die Kleinhandelsgeschäftc haben die von ihnen an- genommenen Kartcnabschnitte in der bisher vorge- schriebcnen Weise an ihren tAroßhändler abzulicsern, u»d zwar am Mittwoch, den 23. Juli 4017. Tl. Die Ware wird dann in dcr üblichen Frist bei den Kleinhandelsgeschäften gegen Rückgabe der Empjangs- beschcinigungen zur Verfügung stehen. VII. Es ist unzulässig, die Karlenabichnitte in Geschäften abzugeben, in denen nicht das vom Magistrat ausgegebene Aushängeschild ftiehe zu IV) angebracht ist. Geschästen, die nicht im Besitze des Aushängeschildes sind, ist die Annahme der Kartenabschnilte untersagt. Berlin, den 2l. Juli 1917. Magistrat der Köuigl. Haupt- uud Resideuzstadt. Ztz»Br.ZS Sr.L. Abteilung für Lvotrerforzung. ftimfitiikf ai—nf Buchdruckerei und Verlagsanstal, G. Birk& Co. m b. H. in München. Soeben erschien: Oer II. Band des Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage von 1910 bis 1913 gut gebunden, 688 Seiten, Mk. 10.— Auch der zweite Band des Handbuches wird für jeden Parteigenossen und Gewerkschaftler unentbehrlich sein, weil durch die sorgfältige und sachliche, alphabetische Zusammenstellung der auf den Parteitagen kundgegebenen Anschauungen damit eine sonst nicht vorhandene Uebersichthchkeit des Materials geboten wird. Von dem I. Band, 1863— 1909(Preis Mk. 7.—), ist noch ein geringer Vorrat vorhanden. Alle Buchhandlungen und Kolporteure Bestellungen entgegen. nehmen 51321» PWV9VWW Sebrancht. Säcke, Pläne, Segel, Ich fauje jeden Posten gegen sos. Kasse. 63/3 Zlax Cohn. Berlin, Dircksenstc. 2. f. Geschlechtskrankheiten. Harnleiden, Schwäche, Ehrlich-Hala-Kuren, Blut- und Harn-Untersuchungen. DrT med. Kar4 Iteinhardt. 1S0S1* Institute: I a. d. Lützowstr., Spreohst. ss,12-2 u.'/jG-'/slO U. abds.. Sonnt. 11-1. Anfl/lönanrlo 48 S. starke Broschüre 50 Pf,, nach AUi&lal CllUv außerhalb 1 iL in verschl. Kuvert. Spezial-Ürzt Potsilamer Str. III � Admifals-Palast, � Abrakadabra gr. phantastisches Ballett auf dem Elise. Angenehm, kühl. Aufenthalt. U. Vorzügl. Spezial-Arzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr.SO iZlZb. Behandl. von Shpbilis, Haut-, Harn-, Frauenleiden/ spez. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- reu, schmerzlose, kürzeste Be- Handlung ohne Berujsslörung. Blutuntersuchung. Mäsi. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. ■ Lombard-Haus■ mi H.Graff, Leipzigerst.75 II f — Volle normale Beleihung? Diskretion, Re- V E ellität. Gelegen- � heitsk.. Uhren, g. Brillanten, s m Schmucksachen? 10—50"/„ mit Ladenprm H.Pfau, ""'."Dircksenslr. 20 zwisch. Bahnh. Alcpanderplatz u. Pofizeipräsid.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung. Lieieranttür alleKrankenkaü. 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