Nr. 201. 34. Jahrg. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Brets branumerando Bierteljährl 8,90 ML, monatl. 1,30 M wöchentlich 30 Big. fret ins Haus Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Voit Abonnement: 1,30 Mart bro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland Mari pro Monat Bostabonnements nehmen an Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg: Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 5 Pfennig Der Anzeigenpreis Beträgt f. die fiebengespaltene Kolonel. geile 60 fg. ,, Kleine Anzeigen", bas fettgedruckte Wort 20 Pfg.( z1läffig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes meitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20%. Politische u. gewerkschaftliche Bereinsanzeigen die siebengespaltene Kolonelzeile 40 Bfg. Familienanzeigen 50 Pi. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Haupt- Expedition abgegeben werden. Geöffnet b.8Uhr früh bis 7 Uhr abends. Telegramın- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97. Mittwoch, den 25. Juli 1917. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 151 90-151 97. Uerfolgung zwifchen Sereth und Karpathen. Erbitterte Kämpfe von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer- Russische Angriffe bei Jacobstadt, Dünaburg, Krewo, Smorgon scheitern Serethübergang füdlich Tarnopol erkämpft Unübersehbare Beute Die Artillerieschlacht in Flandern tobt weiter. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 24. Juli 1917.( W. Z. B.) Weftlicher Kriegsschauplah. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht Die Artillerieſchlacht in Flandern tobt in noch nicht erreichter Stärke Tag und Nacht weiter. Die Erkundungsvorstöße gegen unsere Front mehren sich. Zwischen dem Kanal von La Baffee und Lens hält das leb. hafte Feuer an; beiderseits von Hulluch blieben nächtliche Aufflärungsunternehmen des Feindes ohne Erfolg. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Chemin- des- Dames griffen die Franzosen bei Gerna wieder die kampfbewährte 13. Infanterie- Division an, die wie bisher, keinen Fußbreit der von ihr im Angriff gewonnenen Stellungen verlor. Das aus Westfalen und Lippern bestehende Infanterie- Regiment Nr. 55 hat in letzter Zeit 21 Angriffe der Franzosen zurückgeschlagen. Auf dem rechten Maas- Ufer brangen am 22. 7. Teile badi scher Regimenter in den stark verschanzten Caurières- Wald ein, fügten dem Feinde schwere Verluste zu und kehrten mit zahlreichen Gefangenen zurück. Deftlicher Kriegsschauplak. Die ganze Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meer steht im Zeichen erbitterter Kämpfe und großer Erfolge der deutschen und verbündeten Waffen! Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Bei der Heeresgruppe des Generalobert v. Eichhoru griffen die Russen bei Jacobstadt abends vergeblich an, nachdem am Morgen ein Angriff in breiter Front durch unser Vernichtungsfeuer im Entstehen niedergehalten worden war. Südwestlich von Dünaburg führten sie nach starker Artilleriewirkung 6 Divisionen fünfmal tiefgegliedert gegen unsere Linien, die voll behauptet wurden. Nach harten Nahkämpfen mußte der Gegner unter ungeheuren Verlusten weichen. Auch bei Krewo stürmten die Russen vormittags ernent in 5 Kilometer Breite an: sie wurden zurückgeschlagen. Dorf Krewo ist wieder in unserer Hand. Im ganzen hat der Feind südlich von Smorgon mit 8 Divisionen, deren Regimenter sämtlich durch Gefangene und Tote in der Front festgestellt werden konnten, angegriffen. Nur Trümmer sind zurückgekehrt. Heeresgruppe des Generaloberst v. BoehmErmolli. Die strategische Wirkung unserer Operation in Ostgalizien wird immer gewaltiger; auch vor der nördlichen Karpathenfront weicht der Russe! Bom Sereth bis in die Waldkarpathen find wir in einer Breite von 250 Kilometer im Vorwärtsdrängen. Unsere siegreichen Armeekorps haben den Serethübergang füdlich von Tarnopol erkämpft. Bei Trembowla wurden verzweifelte Maffenangriffe der Russen zurückgeworfen. Podhajce, Halicz und die Linie der Bystrzyca Solotwinska sind überschritten. Die Beute ist bisher nicht zu übersehen. Mehrere Divisionen melden je 3000 Gefangene; zahlreiche schwere Geschüße bis zu den größten Kalibern, Eisenbahnzüge voller Verpflegung und Schießbedarf. Panzerzüge und-Kraftwagen, Zelte, Baracken und jegliches Kriegsgerät sind erbeutet und legen Zeugnis ab von dem übereilten Rückzug des Feindes. Front des Generaloberst Erzherzog Joseph. Der Nordflügel hat sich der südlich des Dnjestr begonnenen Bewegung angeschlossen. Längs der ganzen Front starke Feuertätigkeit des Gegners. Beiderseits der Bistrik und südlich des Toclgyespasses wurden russische Vorstöße abgewiesen. Gesteigertem Feuer zwischen Trotus- und Putna- Tal folgten in breiten Abschnitten Versuche der Russen und Rumänen, zum Angriff vorzubrechen. Fast überall hielt unsere Abwehrwirkung den Feind in seinen Gräben nieder; wo er herauskam, ist er zurückgeschlagen worden. Heute früh sind dort neue Kämpfe cntbrannt. Seeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen Auch längs Putna und Sereth schwoll der Fenerkampf zu erheblicher Stärke an. Mehrfach gingen russisch- rumänische Sturmtruppen zum Angriff vor; sie brachen schon in unserem Feuer zusammen. Mazedonische Front. Reine größeren Kampfhandlungen. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. Berlin, 24. Juli 1917, abends. In Flandern starker Feuerkampf. In Ostgalizien folgen wir zwischen Sereth und Karpathen in breiter Front dem weichenden Gegner. In den Karpathen am Sufita- und Putna- Tal tagsüber Kämpfe, die dem Feind örtliche Vorteile brachten. Der österreichische Bericht. 28ien, 24. Juli 1917.( W. T. B.) verlautbart: Amtlich wird Deftlicher Kriegsschauplah. eeresfront des Generalfeldmarschalls Brinz Leopold von Bayern. Der Sieg weftlich von Tarnopol hat den russischen Widerftand zwischen dem oberen Sereth und dem Tartarenpaß gebrochen. Deutsche Truppen gewannen nördlich von Trembowla bas öftliche Sereth- Ufer; die ruffiſchen Maſſen, die ihnen dort entgegengeworfen wurden, vermochten an diesem Erfolge, nichts zu ändern. Defterreichisch- ungarische und deutsche Divisionen haben unter Kämpfen den Raum von Podhajce überschritten. Auch beiderseits des Dnjestr nahmen die Verbündeten, dem Feinde scharf nachdrängend, die Vorrückung an ganzer Front auf. Noch immer ist es in der Haft der Ereignisse unmöglich, die Zahl der Gefangenen, die Menge an Beute aller Art festzustellen und alles zu fichten und zu bergen, was die Russen beim fluchtartigen Räumen der Kampfzone liegen lassen müssen. Seeresfront des Generalobert Erzherzog Jofeph. Jn bemerkenswerter Zähigkeit versucht die russische Führung ihre geschlagenen oftgalizischen Armeen an anderen Frontabschnitten der Ostfront durch Angriffsunternehmen wechselnden Umfanges zu entlaften. In den Karpathen sollte dieser Zweck zunächst durch Teilvorstöße erreicht werden. Im Dreiländereck, dem Toelgyesgebiet nnd zwischen dem Casinu und dem Putnatale wurden gestern mehrere solche Vorstöße abgeschlagen. Nördlich des Putna Tales sind heute früh die Russen vereint mit rumänischen Bataillonen erneut zum Angriff vorgegangen. : Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Madensen. :: Auf rumänischem Boden brachen russisch- rumänische Angriffe schon im Feuer der Artillerie zusammen. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Karsthochfläche und bei Vodice entfalteten beiderseits die Geschüße zeitweilig größere Tätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplak. Keine besonderen Begebenheiten. Der Chef des Generalstabes. Michaelis an Lloyd George. Neue Zweideutigkeit. Die„ Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht an der Spitze ihrer ersten Ausgabe vom 25. Juli folgende Erklärung: Lloyd George hat in der Londoner Queenshall, an derselben Stelle, wo er am 28. Juli 1908 die Notwendigkeit einer starfen Rüstung für das durch Frankreichs und Rußlands Uebermacht gefährdete Deutschland anerkannte, eine neue Rede gehalten. Den äußeren Anlaß dazu bot die Jahresfeier der belgischen Unab hängigkeit. Ihrem Wesen nach ist die Ansprache aber vor allem eine Erwiderung auf die Reichstagsrede des deutschen Kanglers vom 19. Juli. Mit der Einschränkung freilich, daß der britische Ministerpräsident den ihm unbequemen Stellen der Kanglerrede vorsichtig ausweicht. Nicht weniger als dreimal will er sie zwar gelesen haben. , um irgend etwas in ihr zu finden, woraus er Hoffnung für das Ende des blutigen Kampfes schöpfen tönnte". Trotzdem erwähnt er mit keinem Wort, daß der Reichskanzler sich in Uebereinstimmung mit der von dem englischen Staatsmann ebenfalls unerwähnt gelassenen Resolution dee Mehrheitsparteien flar und deutlich für einen Frieden des Ausgleichs und der Verständigung ansgesprochen hat. Bei der Sorgfamkeit, die Lloyd George ausdrücklich für sich in Anspruch nimmt, kann das unmöglich ein Zufall sein. Es bleibt also nur die Folgerung übrig, daß der britische Ministerpräsident teinen Frieden der Verständigung will. " In Erstaunen seßen kann uns das nicht. Hat doch gleichzeitig fast fein Kollege Carson erklärt, daß England erst an Friedens. verhandlungen denken könne, wenn unsere Truppen sich hinter den Rhein zurückgezogen hätten. Und ist doch ferner auch bis zum heutigen Tage die von der Berner Tagwacht" am 19. Juni gebrachte Enthüllung unwidersprochen geblieben, daß Frankreich sich unter Englands Zustimmung von den Russen durch einen geHeimen Vertrag die Eroberung Elsaß- Lothringens, des Saargebiets und der sonstigen ihm erwünschten Teile der Rheinprovinz habe zusichern lassen. Wenn England sich von dem Frieden diese Vorstellung macht, dann kann man es freilich begreifen, daß Lloyd George in der Rede des deutschen Kanzlers fein Zeichen von Friedensbereit schaft entdeckt haben will. Vielleicht wird aber jetzt auch überall da, wo man noch Sinn für Billigkeit hat, das gerechte Verständnis dafür erwachen, daß der Reichskanzler keinerlei Zweideutigkeiten in seine Worte gelegt, sondern nur eine selbstberständliche Pflicht erfüllt hat, wenn er betonte, daß die Sicherung der deutschen Grenzen beim Friedensschluß eine unabweisbare Notwendigkeit bedeute. ,, Ueberall da, wo man Sinn für Billigkeit hat," wird man zugeben müssen, daß diese Erklärung der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" an Klarheit viel zu wünschen übrig läßt. Man tann, wenn man will, so schlußfolgern: Der Reichskanzler erklärt sich für einen Frieden der Verständigung und des Ausgleichs in Uebereinstimmung mit dem Reichstagsbeschluß. Der Reichstagsbeschluß spricht sich gegen erzwungene Gebietserweiterungen" aus, also will auch der Reichskhnzler die von ihm für notwendig er. flärte Sicherung der deutschen Grenzen" nicht durch crzwungene Gebietserwerbungen, sondern auf einem anderen Weg, zum Beispiel durch die im Reichstagsbeschluß gleichfalls geforderten internationalen Rechtsgarantien" oder auch fleinere Grenzberichttgungen im Wege freiwilligen Gebietsaustausches durchführen. Die Wirkung der Rede des Reichskanzlers. Man kann aber, wenn mau will, auch so schlußfolgern: Stockholm, 23. Juli.( Eig. Drahtbericht des„ Vorwärts".) Der Reichskanzler erklärt die Sicherung der deutschen Grenzen Rosanoff erklärt zur Rede des Reichskanzlers, dieser habe für eine unabweisbare Notwendigkeit. Unter Sicherung der die Friedens formel leider nicht mit ausdrücklichen Grenzen versteht man gemeinhin eine Hinausschiebung Worten akzeptiert. Die Reichstagssitzung zeigte, daß eine der Grenzen, und so faßt auch Lloyd George in UebereinKrisis bestehe. Die Krise sei aber nicht gelöst, weil siimmung mit der deutschen Annexionistenpresse dieses Wort feine der aufgeworfenen Fragen, weder die auf. Ift nun die Sicherung, will sagen die„ Hinausschiebung Barlamentarisierung noch die Demokratisierung, be an t- der Grenzen" eine unabweisbare Notwendigkeit", dann müssen die dazu notwendigen Gebietserweiterungen zwungen werden. Herr Michaelis wäre demnach kein Gegner erzwungener Gebietserweiterungen und befände sich mit dem schärfsten Gegensatz zu ihm. wortet wurde. beanter= Michaelis und die Wahlrechtsbotschaft. Reichstagsbeschluß nicht in Uebereinstimmung, sondern im In seiner Rede vom 19. Juli sagte der Reichskanzler: Nach Erlaß der Allerhöchsten Botschaft vom 11. Juli über das Wahlrecht in Preußen stelle ich mich selbstverständlich auf deren Standpunkt. * Einen recht bemerkenswerten Kommentar zur Kanzlergibt die Deutsche Tageszeitung" in einem längeren Ar" tifei, in dem es heißt: Aus diesen Worten ließ sich eine gewisse eisige Korreftrede heit unangenehm herausfühlen. Herr Michaelis hat den Sak dann in der Korrektur geändert, so daß er jetzt im„ Reichsanzeiger" in folgender Form zu lesen steht: Daß ich mich auf den Boden der Allerhöchsten Botschaft bom 11. Juli über das Wahlrecht in Preußen stelle, ist selbstverständlich. Auch so bleiben es Worte eines Beamten, der auftragsLgemäß handelt, fühl und torrett. Wenn ferner die Linke behauptet, der Reichskanzler habe sich auf die Entschließung Erzberger- Scheidemann festgelegt, so muß das nochmals auf das entschiedenste zurückgewiesen werden. Der Reichskanzler hat mit wenigen Säßen ein Friedensprogramm aufgestellt, das sich von dem des Abgeordneten Scheidemann doch stark unterscheidet, das u. a. dauernde Sicherung unserer Grenzen verlangt; darüber, daß ein solches Programm nur durch einen deutschen Sieg und Berstärkung der deutschen Macht erreicht tritt in das entstehende polnische Heer offiziell erklärt habe. Ja, werden kann, haben wir uns heute morgen erst ausgesprochen. den Sozialisten die ganze Entscheidung zufällt. Die Aufgabe, I noch zu einer Beit, als der Entwurf des Staatsrates für den polRun hat allerdings der Herr Reichskanzler erklärt, er glaube die diesem Kabinett gewiesen ist, ist ungeheuer. Der Diftatur. nischen Fahneneid den Satz von der Treue gegenüber beiden sein Programm im Rahmen der Mehrheitsentschließung, wie beschluß besagt, daß eine Lösung nur unter Anwendung der Kaisern der Mittelmächte enthielt, seine Bereitwilligkeit zum Einer sie auffasse, durchführen zu können. Dabei dürfte es fich naturgemäß wesentlich um den taktischen Rahmen handeln, äußersten Gewaltmittel erhofft werden kann. also um den Versuch, die nötigen Sicherungen für unsere Zukunft Der bisherige Verlauf der Dinge hat bewiesen, daß die manche Blätter warfen ihm an der Hand von ganz unverständim Wege der Verständigung zu erreichen. Und jedenfalls ist Politik, die der Revolution unter Fortführung des Krieges lichen Erklärungen und Handlungen des ehrgeizigen Brigadiers hier, neben der verschiedenen Auffassung des Zentrums und der zum endgültigen Siege verhelfen will, ein gefährlicher Frr- eigennüßige und persönliche Motive vor, welche auf die Forderung Sozialdemokratie, schon noch wieder eine neue besondere Auf- tum war. Wird die neue Regierung, die sich auf die wichtigsten hinausliefen: Kein polnisches Heer ohne Pilsudski als Führer! sassung der Entschließung gegeben; so daß das Programm", Organisationen der Arbeiter und Bauern stüßen kann, den Seine neuerlichen Wühlereien bezwedten nach den Zeitungen das sie angeblich darstellen soll, also noch weiter zerfließt und Wagen trotzdem in diesem fehlführenden Gleise weiterrollen des österreichisch- ungarischen Offupationsgenebelhafter wird. Mit dem gleichen liebevollen Eifer wird dann der Begriff lassen? Oder wird sie entschlossen den Frieden zum Bundes- bietes jogar, in Galizien besondere polnische genossen ihrer großen Sache machen? der Verständigung" behandelt, wobei der Verfasser zum genossen ihrer großen Sache machen? Schluß fommt: Eine solche Verständigung ist nach unserer Ueberzeugung eben nur durch den deutschen Sieg zu erreichen, also letzten Endes zu erzwingen." Für dieses intrigante Spiel mit dem Beschluß des Reichstags nimmt die Deutsche Tageszeitung" den Reichskanzler in Anspruch. Sie erhebt damit indirekt gegen ihn den Vorwurf, an den Reichstag nicht mit jener Aufrichtigkeit herangetreten zu sein, die man von einem Mann in seiner Stellung unbedingt zu erwarten berechtigt ist. Hielt der Reichskanzler jenen Beschluß für verfehlt, dann mußte er den Mut haben, ihn zu bekämpfen, und er mußte mit seiner Auffassung stehen und fallen. Den Eindruck darf er nicht aufkommen lassen, daß ihm dieser Mut gefehlt habe und daß er es heimlich mit der Minderheit hielt, während er sich mit dem Munde zum Beschluß der Mehrheit bekannte. Herr Michaelis hat seine Autorität, auf die er sein Recht zur Führung gründen will, erst aufzurichten und das Vertrauen, das er zur Führung seines Amtes braucht, erst zu erwerben. Daß er dazu auf dem rechten Wege sei, will uns nicht bedünken. Diktatur in Rußland. ernannt. = Petersburg, 23. Juli.( Petersburger TelegraphenAgentur.) In gemeinsamer Sigung der Vollzugsausschüsse des Arbeiter- und Soldatenrates und des Bauernrates haben diese nach langer Erörterung um 4 Uhr morgens folgende Entschließung angenommen: In der Erkenntnis, daß die Lage an der Front und im Innern des Landes einen militärischen Zusammenbruch, eine Katastrophe der Revolution und einen Triumph der gegenrevolutionären Kräfte herbeizuführen droht, beschließen wir: 1. Das Land und die Revolution sind in Gefahr! 2. Die vorläufige Regierung wird zur Regierung der Rettung der Revolution 3. Der Regierung wird unbeschränkte Vollmacht gegeben, um die Organisation und die Manneszucht im Heere wiederherzustellen, den Kampf bis zum äußersten gegen die Gegenrevolution und die Anarchie zu führen, und um das ganze in der vorgestern veröffentlichten Erklärung der Regierung niedergelegte Programm zu verwirklichen. Die Entschließung wurde von 252 Abstimmenden einmütig angenommen. 47 Vertreter, meistens Magimalisten, enthielten sich der Stimme. Der Beschluß ist eine äußere Bestätigung, daß die russische Revolution in ihre schwierigste Phase eingetreten ist. Mit einem Ministerium, in dem die sozialistischen Parteien, von Rerenifi abgesehen, fehlten, begann das Rußland, das durch den Revolutionssieg des Volkes der alten Gewalt ein Ende gemacht hatte. Ein Koalitionsministerium, dem die Sozialisten beitraten, ersetzte nach ein paar Monaten das bürgerliche Alleinregiment, und jetzt nimmt in abermaliger Wandlung ein Kabinett die Leitung des Reiches in die Hände, in dem Heeresformationen, natürlich unter seinem Rommando, Aber will sie das wagen, so bleibt auch dann das Werk, zu bilden. Diesem Treiben, das die nach der in der polnidas sie zu leisten hat, mit Erschütterungen beladen, und diese schen Presse lautgewordenen öffentlichen Meinung stetig fortwerden den Ausgang des Weltkrieges fennzeichnen. schreitende Entwidlung im Königreich Polen aufs schädlichste zu beeinflussen drohte, hat seiner Festnahme zunächst ein Ende gesetzt. Die Pariser Konferenz. Der Arbeiterrat und die Offensive. Diese Darstellung des Wolffschen Bureaus bermittelt einen Stockholm, 23. Juli.( Eig. Drahtbericht des Vorwärts".) Einblick in die Schwierigkeiten der polnischen Staatsgestaltung, Das„ Prawdabulletin"( Organ der Maximalisten) teilt mit, daß die über die wir leider eigene Berichte zu bringen nicht in der Mehrheit des Arbeiterrats für die Offensiv- age find. fundgebung nur 470 gegen 271 Stimmen betragen haben. Die 150 000 Soldaten in Petersburg hätten doppelt soviel mandate wie 500 000 Proletarier, so daß also die Arbeiterschaft geEin inspiriertes römisches Communiqué des Corriere della schlossen gegen die Offensive gestimmt habe. Das Bulletin spricht Sera" stellt fest, daß der Konferenz der Alliierten unter von der blutigen Cavaignac- Rolle Zerettelli des Blutigen. Das den gegenwärtigen Umständen höchste Bedeutung zugemessen Bulletin verspricht dokumentarische Nachweise dafür, daß die jetzt werden müsse. Die Verbündeten beabsichtigten anfangs, die Beerhobenen Beschuldigung deutschen Agententums nur die Fort- sprechung des russischen Vorschlags zu vertagen; die jüngsten fetung des systematischen Berleumdungsfeldzuges sei, den früher Ereignisse in Petersburg zwingen aber nunmehr die ber Zarismus und den jetzt die Sozialpatrioten gegen die wahren Alliierten, die russischen Angelegenheiten zu behandeln; ebenso Revolutionäre führen. Pilsudski verhaftet. müßten die jüngsten Aeußerungen des feindlichen Blodes besprochen werden. Lloyd George habe bereits angedeutet, welche Stellung die Alliierten gegenüber der deutschen Krise einnehmen werden. Da Deutschland noch nicht bereit, die Erwartungen der Verbündeten zu erfüllen, sei die Pflicht der Alliierten, weiter zu tämpfen, tlar vorgezeichnet. Der italienische Generalstab nimmt an der Pariser Konferenz teil. Wie der„ Secolo" ausführlich berichtet, habe die Betersburger Umwälzung die Lage in günstigster weise getlärt. Kerensti, Tschernoff und Tieretelli repräsentieren ein Triumvirat der drei herrschenden Voltsklassen: Arbeiter, Bauern und Soldaten. Nach ben bisherigen Erfahrungen hätten diese Männer die Ueberzeugung gewonnen von der Absurdität gewisser abstrakter Ideologien. Sie hätten eine flare Grundlage der Wirklichkeit gefunden und seien entschloſſen, demgemäß zu handeln. Es soll also noch einmal der Versuch gemacht werden, den todeswunden Riesen auf die Beine zu bringen. Armes Rußland! Der russische Rückzug in Galizien. Aus Warschau meldet das Wolffsche Bureau: Der frühere Legion brigadier Pilsudski ist in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag in Warschau in Haft genommen worden. Der unmittelbare Anlaß zur Berhaftung war der Umstand, das Pilsudski fich beim Ueberschreiten der Grenze des Königreichs Bolen eines Reiseausweises bedient hatte, welcher sich bei näherer Brüfung als gefälscht erwies. Dazu wird amtlicherseits følgendes veröffentlicht: Der Verhaftung Pilsudskis liegt laut Meldung Wolffs folgende Vorgeschichte zugrunde: Pilsudski, der Führer der polnischen sozialistischen Partei( p. p. s.) war der Schöpfer der geheimen militärischen Organisationen, welche seit 1905 zuerst in Galizien, dann in ganz Polen, und sogar unter den Polen im Auslande entstanden waren. Auch die Gründung des polnischen Kriegsschabes seit 1909 war sein Gedanke. Mit Ausbruch des Weltkrieges traten die polnischen Schüßenorganisationen als egionen" in die Reihen der Truppen der Mittelmächte. Pilsudskis führer Streifzug nach Kielce erwarb ihm militärische Anerkennung. Schon bald aber ergaben sich Konflikte. Die Freischärfernatur Berlin, 24. Juli.( W. T. B.) In Ostgalizien drängten unsere Pilsudskis vermochte sich den notwendigsten militärischen Forde- Truppen am 23. Juli dem weichenden Feinde wie an den Vortagen rungen nach Unterordnung nicht zu fügen. Er nahm seinen Ab- unaufhaltsam nach. Der russische Rückzug nimmt immer größere schied und zog sich nach Lublin zurück. Nach der Proklamation des Dimensionen an. Die weichenden russischen Verbände konnten sich Königreichs Bolen und der Schaffung des provisorischen Staats- nicht einmal länge des Sereth südlich Tarnopol zu einem ernstrates trat aber auch Pilsudski wieder auf die Bühne des politischen haften Widerstand aufraffen. An der Straße Trembowla Lebens. Er wurde Mitglied des Staatsrates und beteiligte sich Mitolince, 20 Kilometer südlich Tarnopol, wurde ein eifrig an dessen Arbeiten, namentlich zur Schaffung einer polni- Angriff starter feindlicher Massen, der von Panzerautos unterstüt schen Armee. Unter dem Einfluß der russischen Revolution bildete war, unter außerordentlich schweren russischen Verlusten abgewiesen. sich jedoch ein immer stärkerer Widerspruch heraus An der Straße Butanow- Podhajce, 15 Kilometer füblich a wischen den Vertretern der 2inten und dem ge- der Eisenbahnlinie Rozowa- Tarnopol, wurde ebenfalls feindlicher famten Staatsrat, dessen pofitive Tätigkeit auf die Grün- Widerstand gebrochen. dung eines monarchischen Staatswesens abzielt. Daher erklärten Am Nachmittag des 23. Juli haben unsere Truppen südlich die Mitglieder der inten, an ihrer Spike Bilbes Dnjestr bereits in breiter Front bie Rukwa übersubsti, plöglich ihren Austritt. schritten, um am Abend die alten Stellungen an der ByDas Aufsehen, das dieser Schritt erregte, fand lebhaften Wider- strzyca zu erreichen. Der wichtige Eisenbahnknotenpunkt αhall in der polnischen Presse. In zahlreichen Artikeln brand- licz wurde wieder genommen, die Bystrzyca Solotwinsta markten die Blätter das Unverständliche und Schädliche seiner überschritten. In der Nacht zum 23 fiel starker Regen, dem im Haltung. Es wurde vor allem darauf hingewiesen, daß Pilsudski Laufe des Tages mehrere heftige wolfenbruchartige Gewittergüsse prozeß, schildert, sollte nach dem Plan die Darlegung mit einer Seite der Wirtschaftsentwicklung, die entschieden im Kapital" zu Zum Gedenktag des Marxschen Schilderung der Produktion als Grundlage des sozialen Lebens- furz gekommen ist. ,, Kapitals". Von Heinrich Cunow. Die Geburtstage der Geisteswerte hervorragender Denter haben ficherlich einen größeren Anspruch darauf, von der Nachwelt gefeiert zu werden, als die Geburtstage ihrer Verfasser. Heute sind es fünfzig Jahre her, daß Karl Mary die Vorrede Vorworte find befanntlich eigentlich Nachvorte zum ersten Band des „ Kapitals" niederschrieb und an seinen Verleger in Hamburg abjandte. Der schwierigste Teil des großen Wertes, aus dem seitdem die politische Octonomie so viele ihrer tiefsten Erkenntnisse bezogen hat, war vollendet. Freilich, gedruckt war das Wert noch nicht. Erst am 16. August 1867 schreibt Marr an Engels, dessen freundschaftliche Unterstüßung es ihm allein möglich gemacht hatte, die Arbeit fertigzustellen: „ Eben den letzten Bogen( 49) des Buches fertig korrigiert. Der Anfang Wertform fleingedruckt, umfaßt 1¼ Bogen. Vorrede ditto gestern forrigiert zurückgeschickt. Also dieser Band ist fertig. Blog Dir verdante ich es, daß dies möglich war. Ohne Deine Aufopferung für mich fonnte ich unmöglich die uns geheuren Arbeiten zu den drei Bänden machen. I embrace you, full of thanks!( Ich umarme Dich, dankerfüllt)." Seitdem Marg 1844/45 zu ber Auffassung gelangt war, daß das Staats- und Rechtsleben einer jeden Geschichtsepoche durch ihre materiellen Lebensverhältnisse, ihren Wirtschaftscharakter, bestimmt sei, hatte er sich, wie schon seine Antwort auf Proudhons Philosophie des Elends" beweist, mehr und mehr auf das Studium der Nationalökonomie geworfen, das er nach seiner Ausweisung aus Paris in Brüssel und darauf, anfangs der fünfziger Jahre, in London eisright fortsette. Die Frucht dieser Studien war eine Reihe furg hingeworfener Abhandlungen, zunächst nur geschrieben zu eigener Selbstverständigung und zur Gewinnung eines sicheren leberblicks über den bisherigen Entwicklungsgang der volkswirtschaftlichen Theoretik. Bald reifte in Marg der Plan zu einem großangelegten poli. tisch- ökonomischen Werk, den er schließlich 1857 niederschrieb. Er ist später unter Marrens nachgelassenen Papieren gefunden und in der Neuen Zeit", Jahrgang 1902/03, I. Band, veröffentlicht worden. Marg hat ihn nicht eingehalten, sondern nachher einen ganz an deren Weg eingeschlagen. In seinem methodischen Aufbau und feiner Gliederung ist jedoch gerade dieser Plan von größter Bedeutung, denn er veranschaulicht nicht nur, von welchen voltswirtschaftlichen Grundauffassungen Mary ausgegangen ist, sondern läßt auch in seinem Verhältnis zu den späteren Ausführungen des Kapitals" dessen Lücken und dessen Richtungsverschiebung deutlich ertennen. Während der erste Band des Kapitals" in abstrakt- deduktiver Weise mit der Werttheorie beginnt, den Austauschprozeß und die Bermandlung in Kapital und dann die Erzeugung des Mehrtverts sowie die Kapitalanhäufung, den sogenannten Affumulations. prozesses beginnen, und zwar mit der Produktion in ihrem orga- Indes, wenn solchen Wünschen auch die Erfüllung versagt genisch- historischen Aufbau. Der Warentvert ist eine Erscheinung, blieben ist, bleibt doch das Margsche Kapital" in seiner geschlossedie erst im Austauschprozeß hervortritt und zur Geltung gelangt; nen Systematik ein Riesenwert, von dessen Geist, obgleich mannigche aber eine Ware ausgetauscht werden kann, muß sie erzeugt fach angefochten, noch heute eine lebendige, wirkende Kraft ausgeht, fein; und diese Erzeugung vollzieht sich innerhalb der Gesellschaft die die Volkswirtschaftslehre immer wieder befruchtet. Freilich unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen. Daher heißt es umfaßt das Kapital nicht alle Seiten des Rapitalismus, es läßt, zu Beginn des Margschen Planes:„ Der vorliegende Gegenstand ist wie schon gesagt, gewisse Teile des kapitalistischen Wirtschaftszunächst die materielle Produktion. In Gesellschaft probugierende getriebes zurüdtreten, während andere start in den Bordergrund Individuen daher gesellschaftliche Produktion der Individuen geschoben sind. Gine völlig voraussetzungslose Wissenschaft gibt es ist natürlich der Ausgangspuntt". eben nicht; jeder Autor geht von einem bestimmten Fonds von Voraussetzungen und Grundauffaffungen aus. So ging auch Marr als Sozialist an seine Arbeit heran. Im Mittelpunkt feines Wertes steht die Mehrwertslehre. Sie ist, wenn man so sagen darf, der Angelpunkt seines Systems, und es ist meines Grachtens ganz zweifellos, daß Marg, indem er die Mehrwertstheorie in den Vorbergrund rückte, nicht nur die Gegenfäße des Kapitalismus enthüllen, sondern zugleich der aufsteigenden Arbeiterklasse einerseits zeigen wollte, worauf innerhalb der heutigen Wirtschaftsweise ihre Abhängigkeit vom Kapital, ihre Lohnstlaberei, beruht, und andererseits, wie sich aus unbezahlter Arbeit die Kapitalanhäufung vollsieht. Zunächst wollte Marg dementsprechend den Produktionsprozeß in seinem geschichtlichen Entwicklungsgang schildern, von den primis tiven Formen aufsteigend bis zur modernen Warenerzeugung, um dann nach der Zergliederung der Produktionsformen, diese in ihrem Verhältnis zum Austausch und zur Konsumtion darzulegen und zu zeigen, wie sich aus dem Wirtschaftsgetriebe verschiedenartige Staats- und Eigentumsformen, Rechtsverhältnisse usw. ergeben. Jedoch Marg hat an diesem Plan nicht festgehalten. Die Er örterung der Gründe, weshalb er andere Bahnen einschlug, muß hier aus Raumrüdsichten unterbleiben. Um die Veröffentlichung nicht zu lange hinauszuschieben, machte er im Winter 1858/59 einen Teil seiner ausgedehnten Studienarbeiten brudfertig und fügte sie zu der bekannten Schrift 3ur Kritik der politischen Oekonomie" zusammen. Sie behandelt in kurzer Fassung die einfache Waren und Geldzirkulation, der sich dann in weiteren Bändchen eine Darstellung der allgemeinen Struktur des Kapitals sowie des Grundeigentums und der Lohnarbeit anschließen sollte. Doch auch diesen Plan hat Marg später wieder verworfen und sich dafür entschieden, die Probleme der Boltswirtschaft nicht, wie er beabsichtigt hatte, im Anschluß an eine Kritik seiner Vorläufer au erörtern, sondern zuerst seine eigenen Theorien systematisch in logischem Zusammenhang zu entwideln, und dabei wie die meisten seiner englischen Vorläufer von der Wertfrage auszugehen, also nicht, wie im ersten Plan, vom Historisch- Konkreten zum Abstraften aufzusteigen, sondern vom Abstrakt- Allgemeinen aus das Konkrete zu erfassen. Und ebenso sicher ist, daß seitdem das„ Kapital" niebergeschrieben wurde, der Herrschaftsbereich des Kapitals sich immer weiter ausgedehnt hat. Die tapitalistische Wirtschaft ist enorm gewachsen; die Produktivkräfte haben sich potengiert und die Veränderung der Quantität ist nicht selten in eine Veränderung der Qualität umgeschlagen. Zu Margens Zeiten war noch King Cotton Trumpf; die heute so mächtige Eisen- und Stahlindustrie lag noch in den Windeln. Was bedeuten die damaligen Spinnereien und Webereien Lancashires gegen die heutigen tombinierten Riesenbetriebe der Eisenindustrie, was die damaligen Aktiengesellschaften gegen die heutigen Syndikate und Trusts, was die damaligen Banten gegen die jeßigen Bantenfongerne? Und mit der steigenden Expansion und Intension haben sich auch Charakter und Tendens mancher Wirtschaftswirkungen, wie z. B. der Charakter ber industriellen Krisen, verändert. Doch darauf kommt es für die Bedeutung des MaryBei allem Respekt vor der riesigen Arbeitsleistung, die im schen Wertes als Ganzes gar nicht an, sondern darauf, inwieweit Kapital" stedt, muß man doch vom soziologischen Standpunkt aus es die Einsicht in die wirtschaftlichen Erscheinungen gefördert, was bedauern, daß Marr nicht bei seinem ersten Plan beharrte; denn es zur Erkenntnis der Wirtschaftsprobleme beigetragen und wie es dieser hätte ihn gesivungen, nicht nur ein Stüd Wirtschaftsge- anregend und vorwärtstreibend auf die Wissenschaft gewirkt hat. schichte in ihren gesehmäßigen Zusammenhängen aufzurollen, son- Und in dieser Beziehung tann fein anderes nationalötonomisches dern auch die Grundzüge einer margistischen Gesellschaftslehre zu Wert des leßten halben Jahrhunderts sich ihm an die Seite stellen; entwickeln, während wir heute nicht mehr als vereinzelte Bruch keines ist tiefer mit der Geschichte der gesamten Staats- und Geftüde einer Marrschen Soziologie besigen, die in ihrer Zusammen- sellschaftswissenschaften verflochten. Wie es in der zweiten Hälfte hangslosigkeit dem Vulgärmarrismus nur zu oft das Grundmate des 19. Jahrhunderts die Standarte ber politischen Oekonomie gerial zu den seltsamsten Deutungen und Konstruktionen geliefert wesen ist, so steht es trop eingelner Altersspuren auch noch als mohaben, zumal die Verbindungsfäden, bie von Segel zu Marg hin- numentale Größe an der Pforte des 20. Jahrhunderts. Biel anüberführen, meist gar nicht in Betracht gezogen werden. Und noch gefochten und oft als bernichtet" bezeichnet, hat das„ Kapital" ein weiterer Vorteil würde sich daraus ergeben haben: eine weit feit seinem Erscheinen zwei Generationen überbauert, während so größere Beachtung der technisch- organisatorischen Beiftung des Ramanche einst gefeierte ökonomische Schule untergegangen und ver pitalismus in seinem entwidlungsgeschichtlichen Ausbau: eine schwunden ist. folgten. Die Ungunst der Witterung konnte indessen die Tefäswin» digkeit des Vormarsches nicht aufhalten. Unsere Truppen, die im Regen auf bloßer Erde biwakiert hatten, setzten mit gleicher Frische wie an den Vortagen den Vormarsch fort und treiben in alter Angrisfsfrische den Gegner vor sich her. Die Beute an Ge- schützen, Maschinengewehren, Minenwerfern, Panzerwagen, Schieß- bedarf und Kriegsgerät ist nicht zu übersehen. Auf dem Bahnhof K o z o w a wurden etwa IS Geschütze, im Walde südlich L i t i a t h n S Geschütze, Kaliber 28 bis 30 Zentimeter und ein Eisenbahngeschütz schwersten Kalibers erbeutet. Im befreiten Gebiet fielen den sieg- reichen Truppen, abgesehen von ungeheuren Lagern an Lebens- Mitteln, die reiche Ernte und große Mengen von Vieh in die Hand. Während die russischen Armeen im Südosten in breiter Front zurückweichen, verbluten sich weiterhin die in einem aussichtslosen Kampf vorgejagten russischen Divisionen südlich von S m o r g o n, bei K r e w o. südwestlich von Dünaburg und bei Jacob- st a d t. Unter der Einwirkung unserer siegreichen Operation in Ost. g a l i z i e n wurde am 23. auch die Front von den Karpathen bis zur Donau unruhig. Ein in den Karpathen südlich der Säge von Neu-Jtzkany nach äußerst heftigem Zerstörungsfeuer vor- getragener feindlicher Jnfanterieangriff brach in unserem Ver» nichtungsfeuer blutig zusammen. Nördlich der B i st r i z und beider- seits La Catrinar heftige? feindliche? Artilleriefeuer, da? sich gegen Abend zu großer Wucht steigerte. Ein vorbrechendes Bataillon blieb in unserem Feuer liegen. Das gleiche Schicksal erlitten feindliche Angriffsversuche südlich des Susitatales, nördlich der O i t u z- stratze und des Pravila. An der rumänischen Front lebhaftere feindliche Artillerietätigkeit, besonders in der Dobrudscha und westlich der Donau, wo es sich von 3 Uhr bis 3 Uhr 30 nachmittags zum Trommelfeuer steigerte. Russische Angriffe erstickten in un- serem Abwebrteuer. Bei Branistea auftauchende feindliche Kaval- lerie wurde durch unser Artilleriefeuer gefaßt und zersprengt. Seit S Uhr vormittags des 24. Juli liegt Trommelfeuer an der Rimnicul- Mündung. Wien, 24. Juli. Aus dem KriegSpresiequartier wird gemeldet: Tie Truppen setzten die Verfolgung de? weichenden Feindes bis spät in die Nacht fort. Sie sind im Besitze der Vorstädte von Tar- nopol. Die Flieger tragen viel dazu bei, die Verwirrung in den Reihen der Rusien zu vermehren, die bei jeder Annäherung eines Flugzeuggeschwaders Hals über Kopf nach allen Richtungen auSein- ander flüchten. Der Bahnhof von Tarnopol, wo die Russen in aller Eile Kriegsmaterial einwaggonieren, wurde neuerdings auf« wirksamste mit Bomben belegt. Bis jetzt wurden im Ganzen 47 Geschütze erbeutet. Di« Gefangenen, die von allen Seiten den Sammelstellen zuströmen, konnten bi» jetzt nicht gezählt werden. Bei einzelnen Truppenkörpern zeigen sich die Fälle von Massen- d e s e r t i o n e n, so bei dem Gardercgiment W o l a n S k i, wa nicht weniger als 180 Mann desertierten, als es wegen Nichtbefol- gung des Angriffsbefehls aufgelöst und unter ander« Truppenkörper aufgeteilt wurde. Vielfach versuchten die Offiziere, ihre Mann- schaften zum Stehen zu bringen, indem sie ihnen ein Beispiel auf- opfernden Heldenmutes gaben, wodurch sich die schweren Offiziers- Verluste bei den Russen ergeben. Im Gros der 11. Armee lockern sich nach dem Meisterstoß bei Zborow die Verbände immer mehr. Die an ihren Südflügel anschließende 7. Armee ist bereits durch dies« Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen. Auch ihre Front bröckelt ab. Die zwischen der Zlota-Lipa und dem Sereth süd- wärts gegen den Dnjestr vorstoßenden Truppen der Verbündeten sind kaum einen Tagmarsch von der Eisenbahnlinie Monasterzyska— Buczacza entfernt. Unsere alten Stellungen westlich S t a n i s l a u sind wieder in unserer Hand. Auch die an den StaniSlau-Becken anschließende Russenfront in den Wald- karpathen beginnt abzubröckeln. Dagegen griff der Russe und Ru- mäne weiter südwärts in der Dreiländerecke am TölgheS-Paß, dann zwischen Putna- und Easina-Tal vergeblich an. In Rumänien er» stickten russisch-rumänische Angriffe bereit« im Feuer unserer Ar- tillerie. Das eroberte Gebiet nördlich de« Dnjestr ist fruchtbare 'chwarze Erde. ES ist zum größten Teil unangebaut. Auf den Feldern wächst jippiges Unkraut. Die eroberten russischen Stel- lungen lassen sich bezüglich technischer Ausgestaltung nicht mit den unsrigen vergleichen; sie sind vernachlässigt. Auch die Straßen sind ungepflegt. -» Berlin, 21. Juli.(SB. T. B.) Di« letzten französischen Funksprüche unterschlagen den russischen Heeresbericht. Da- gegen gibt der Funkspruch Lyon vom 22. Juli 8 Uhr vormittags über die russisch« Lage in Ostgalizien ein völlig entstelltes Bild. In diesem Funkspruch erklärt Lyon, daß die Truppen de? Prinzen Leopold von Bayern südlich von Brody bis Sloczew zu einer sehr heftigen Offenswe übergingen, und fährt wörtlich fort:„Der Kampf dauerte mehrere Stunden, dann wurden laut Bericht infolge Nichtausführung gewisser militärischer iSefehle, wodurch sich die Widerstandskrast der Russen als nicht ge- nügend beweist, drei Verteidigungslinien in einer Ausdehnung von mehreren Kilometern genommen. Doch muß hinzugefügt werden. daß durch die Ankunft eines durch die maximalistische Propaganda nicht berührten Regiment» die Lage wiederhergestellt wurde. Es bildete sich in der russischen Front nur eine Ausbeulung." Dieser entstellte Bericht Lyons muh dahin berichtigt werden. daß die gesamte russische Front in Ostgalizien vom Sereth bis zu den Karpathen ins SBanken gekommen ist und der Russe sich i« einer Breite von 25st Kilometern im Rückzüge befindet. Der Ein- l> r u ch erfolgt« in einer Tiefe bis zu 80 Kilometern. Der russische Heeresbericht Petersburg vom 23. Juli 2,30 Uhr nachmittags gibt die Sachlage klar zu, indem er meldet:„An den Quellen des Sereth von Zalocze bis Tarnopol Gewehrfeuer, südlich Derczowica-Welko erbittertes Ardilleriefeuer des Feindes. Zwi- schen Sereth, Strvpa und Zlota-Lipa setzt der Feind die Offensive fort und besetzte die Orte Nastasow, Bieniawa, Uwic und Sla- wentyn. Der Stabschef einer Division, Generalstabsoberst Old, der den Truppen Befehle erteilte, wurde getötet." Die im russischen Bericht genannten Orte liegen 10 Kilometer südlich der Eisenbahn- linie Tarnopol-Kozowo-Brzezany. der Krieg auf öen Meereo. Berlin, 24. Juli. Reue U-Boots-Erfolge im Mittel- m e e r: 9 Dampfer und 7 Segler mit rnnd 35000 Tonnen. Darunter befanden sich der bewaffnete französische Dampfer Minerva(952 Tonnen), der bewaffnete italienische Dampfer Fratelli Bianchi<3542 Tonnen) mit 4899 Tonneu Kohle vou Amerika nach Italien, die bewaffnete« euglische« Dampfer Wilberforo«<3974 Tonne«) mit Erzladung von Algier nach England uud City of Cambridge<3844 Touue«) mit Stückgut von Alexaudrieu nach Liverpool. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Berlin, 23. Juli. Amtlich. In de« nördlichen Sperrgebiete» wurden durch unsere U-Boote wiederum 8 Dampfer, 4 Segler ver- senkt; davon wurde ein Dampfer aus einem stark gesicherten Geleit- zug herausgeschossen. Die Ladungen der versenkten Schiffe bestanden, soweit sie festgepellt werden konnten, aus Kohlen, Holz und Lebens- mittel». Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. 4° Stockhol«, 24. Juli. Nach dem Fahrzeugregister des schwedischen Kommerzkollegiums betrugen die bisher unmittelbar durch Kriegs- Verhältnisse hervorgerufenen Verluste der schwedischen Handelsflotte ungefähr 136 Fahrzeuge mit 125 900 Brutto-Register-Tonne», davon 94 Dampfer mit ungefähr 110 009 und 42 Segelschiffe mit zusammen 16 600 Brutto-Register-Tonnen. Die Hauptursache der Verluste waren Minen und Tauchboote. Die Verluste im Jahre 1914 be- trugen 9 Dampfer, 1916 22, 1916 31 Dampfer und in der ersten Hälfte 1917 bereits 46. » Die Pariser.Liberts" schreibt, die neuen großen U-Boote, die Deutschland jetzt in Dienst zu stellen beabsichtige, bedeuten eine ernsthafte Gefahr für die Entente, der Charakter des U-Boot-KriegeS werde dadurch vollkommen verändert. Man müsse hoffen, daß die Entente Gegenmaßnahmen plane. Wieder ein Fliegerangriff auf England. London, 22. Juli.