Ar. 202. 34. Jahrg. Abonnements-Bedingungen: Kboimementä• Bietä vrinmnerimda' Bietteljä�tl 8,90 SKI. monati 1,30 MI, Bödjer.ilid) 30 Big, nei inä Haui. Einzelne Sluminet 6 Big, Sonnlngs. Nummer niir illuiirierier EonniagK. Beilege»Die Neue Well->0 Big, Beil- ilbonnemenl! 1,30 Marl vre Menag Eingelragen IN die Boii.Zeirung»- Breislii'ie, Unter Kreuzband lür DeuNchland und Oeiierrcich- Ungarn 2.30 Marl, für da- übrige Ausland « Marl pro Monar BojläbannemeniS nehmen an Belgien, Dänemarü bolland, Italien. Luxemburg, Bortugah tieit. Schweden und die Schweis tklchcill! täfliia. d ) Verlinev DalfeWaff. Der flnzelgenpreis bekügl f. die siebeiigeivaltene Kolonel- zeile 60 Pfg,„lileine Zlnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, lzu> lässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg, Stcllengesucbe iiiid Sckilafiiellen anzeigen das erste Wort 10 Psg„ jede- weitere Worts Pig, Worte über 15 Buchstaben zählen für zioei Worte, Teuerungszuichlag 20»/» Politische u, gewerkichafttichc Vereins- anzeigen die siebengespatteneKolonel- zeile 40 Big, Familienanzeige» 50 Pf. Anzeigen für die nächste Nunmier müsfen bis.? Uhr nachiniUags in der Haupt-Exvedition abgegeben werden. Äeöffnet v, 8 Uhrfrüh bis 7 Ulir abends, Zclcgrmnm- Adresse: „SoiiäiäctddickZt Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. Fernsprecher: 3Imt Moritzplan. Nr. 151 90— 151 97. Donnerstag, den 26. Juli 1917. Expedition: SV). öS, Lindenstraße Z. Fernsprecher: Amt Moritsv iah, Nr. 151 90— 151 97. tarnopol, Stanklau, nadworna genommen. Einnahme von Tarnopol— Vormarsch auf Bnezacz— Stanislau und Nadworna genommen— Russenvorstoß am Susita- Tal zum Stehen gebracht— Im Westen Artillerieschlacht in Flandern Französische Angriffe am Winterberg. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 25. Juli 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Schlachtfront in Flandern war auch gestern der Schauplatz gewaltiger Artillcrickämpfe, die bis in die Nacht dauerten. Starke englische Erkundungsstöße wiederholten sich in mehreren Abschniltc»; alle sind in unseren Trichtcrstellungen zurückgeschlagen worden. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Am Winterbcrg bei Eraonnc holten sich die Franzosen durch das Fehlschlagen mehrerer Angriffe gegen unsere neuen Stellungen eine Schlappe. Auch der Einsatz einer frischen Division erzielte keinen Borteil. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des GeneralfeldmatschallS Prinz Leopold von Bayern. Heeresgruppe des Generaloberst». Eichhorn Der Ruffe hat unter dem Eindruck seiner Mißerfolge und Opfer nicht von neuem angegriffen. Heeresgruppe des Generaloberst v. Boehm- E r m o l 1 i. Unser Bormarsch geht unaufhaltsam weiter. Unter den Augen Seiner Majestät des Kaisers schlugen kampsbcwährte Divisionen beim Aufstieg aus der Screth-Nicderung zwischen Tarnopol und Trembowla starke russische Angriffe zurück und gewannen im Sturm die Höhen des OstufcrS. Hier wurden erneut tief- gestaffelte Angriffe der Russen abgewiesen. Tarnopol ist genommen! Wir nähern unS Buczacz; Stanislan und Nadworna sind in unserer Hand! Nachhuten des FcindeS wurden überall geworfen. Front des Generaloberst Erzher,»g Joseph. Die Truppen des Nordflügcls halten mit den im Karpathen- Lorland vorwärts drängenden Kräften gleichen Schritt. Südlich des Tataren-Passes hält der Gegner noch seine Stellung./ Im Südteil der Karpathen drang der Feind am Susita-Tal in unsere Linien; sein schnell genährter Stoß wurde in einer dicht westlich gelegenen Riegelstellung zum Stehen gebracht. Heeresgruppe des GrneralfeldmarschallS von Mackensen Am unteren Sercth lebhafter Feucrkampf; bisher keine größeren Angriffe. Mazedonisch- Front. Nichts Wesentliches. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Abendbericht. Amtlich. B e r l i n, 25. Juli 1917, abend». Aufs äußerste gesteigerter Feuerkampf iu F l a«- d eru. Unsere raschen Fortschritte iu Ostgalizie» haben die Russen gezwungen, in den Karpatheu auch südlich des Tartaren- Passes zu weichen. Der österreichische Bericht. Wien, 25. Juli 1917.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostgalizie» wurde gestern die Operation der Verbündeten durch neue Erfolge gekrönt. Oesterreichisch-ungarischc Truppen haben Stanislau und Nadworna, deutsche Kräfte T a r- nopol genommen. Die dem Feind nachdrängenden Korps der Verbündeten stießen mehrfach auf nenauflebendeu russischen Widerstand. Ter Nordflugel der Armee des Generalobersten von Köveß warf die Russe» im Tataren-Paß in zähem Ringen aus ihren Höhcnstellungen. Die Bystrzyca Nad- w» r i a n s t a konnte von de» österreichisch-ungarischen und deutschen Divisionen erst nach erheblichen Kämpfen über- schritte» werden. Auch im Bereiche der uutereu Zlota Lip a stellten sich die Russen zu wiederholten Malen. Südlich von Tarnopol warf der Feind vergeblich dichte Massen den deutschen Regimentern entgegen. In den Waldkarpathen ließ zwischen dem Tataren-Paß und der Susita die Tätigkeit des Feindes nach. Nördlich des Putna-Tales wiederholte er seine Angriffe; seinen Sturmkolonneu wurde nach rngbrgrenztem Anfangserfolg Halt geboten. Italienischer Kriegsschauplatz. Die lebhaftere Artillerictätigkeit am I s o n z o hielt auch gestern an. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Chef des GcncralstabcS. Die Ereignisse im Osten. An dem Tage, an dem der Reichstag sein Friedens- Programm annahm, hat im Osten eine Reihe intfi- t arischer Erfolge begonnen, die noch nicht abgeschlossen ist. Politik und Kriegführung haben diesmal in glücklicher Art zusammengewirkt. Man kann es nun nicht als Schwäche- bckcnntnis deuten, lvenn der Reichstag seinen Wunsch nach einem V e r st ä n d i g un g s fr ie d c n ohne erzwungene Gebietsabtretungen und ohne finanzielle Vergewaltigungen in die Welt rief. lieber der Genugtuung, die das deutsche Volk ob der neuen Waffcnerfolge empfindet, kann es seine Sympathie mit dem unglücklichen russischen Volke nicht oergcsfcn. Ganz anders würden die Stimmen der deutschen Presse geklungen haben, wenn die neüen militärischen Schläge auf das Haupt des verhaßten Zarismus gefallen wären. Aber es gibt keinen Zarismus mehr, sondern nur ein befreites russisches Volk, eine russische Republik und eine russische Revolution, um deren Schicksal auch uns bangt, Ivcil Ivir an ihrem Aufstieg jubelnd Anteil genommen haben. Auch uns bedrängt die bange Frage, ob dies alles nun in Blut und Schmutz enden soll. Jetzt hängt alles davon ab, ob in der regierenden sozia- listischen Richtung der neuerwachte militärische Ehr- geiz oder der sozialistische Wille zum Frieden die Oberhand gewinnen wird. Als Sieger wollte Kercnski vor die Konfe- rcnz der Alliierten treten, um sie zur Annahme der sozia- listischen Friedensformel zu zwingen und dem Völkermord ein Ende zu bereiten. Das war ein Unternehmen, das über die Kraft ging. Will die sozialistische Regierung setzt einen andern Weg zum Frieden suchen, oder will sie, indem sie ihre mili- tärische Macht organisiert und noch einmal zur Entscheidung stellt, den Völkermord verewigen helfen? Die Maximalisten, die sicher keine„deutschen Agenten" sind, haben ihre Politik dcS Internationalismus bis zu einem Punkte vorgetrieben, an dem die Sicherheit des eigenen Landes als etwas Nebensächliches erscheint. Diese Politik, die wir im eigenen Lande bekämpfen, können wir in einem anderen nicht billigen. Es besteht aber die große Gefahr, daß die herrschende Richtung des russischen Sozialismus in Hcrausarbeitung ihres Gegensatzes zu jener anderen aus die schiefe Ebene des Nationalismus gerät. Und doch bleibt es Pflicht der internationalen Sozialdemokraten, ausgenommen die Preisgabe des eigenen Landes, alles zu tun, was dem Frieden dienen kann. Niemand verlangt von den Russen oder von deren westlichen Verbündeten, daß sie das eigene Land preisgeben sollen. Es gibt— abgesehen von dem Anncxionsgcschrei einiger Unerheblichen— keineErobercrwünsche, die einem aufrichtigen Friedens- willen von der anderen Seite hindernd im Wege stünden. Der Reichstagsbeschlutz spricht eine klare Sprache, und es besteht trotz der diplomatischen Versteckspielcrei, die an manchen Stellen immer noch beliebt zu sein scheint, kein Zweifel daran, datz der Frieden auf keiner anderen Grundlage gc- schlössen werden kann, als der durch ihn vorgczeichneten. Die herrschende sozialistische Richtung Rutzlands sollte an keine andere Offensive mehr denken, als an eine Offen- sive gegen die KriegszielpH an tasten und Kriegsvcrlängcrcr aller Länder. Durch sie könnte sie die Revolution und die europäische Menschheit retten. Hier ist für sie in Gemeinschaft mit den Gleichgesinnten aller Länder ein Sieg zu erringen, auf den Sozialisten stolz sein können!___ Die Gewerkschaften zum ßrieüensprogramm Die in Berlin tagende Konferenz der Vorstände der freien Gewerkschaften Deutschlands hat gestern folgende Eni- schlietzung einstimmig angenommen: Die Gewerkschaften Teutschlands liegrüßen es mit großer Freude, daß der Reichstag durch seinen Beschluß vom 19. Juli sich im Namen des deutschen Volkes für einen Bcrständigungs- friede» erklärt hat. I» der Gesamtheit der Arbeiterbewegung, deren JKtereffc die Gewerkschaften vertrete«, findet der Wille zur schnellen Beendigung des K ieges durch Verständigung der Völker nicht nur einmütige Zustimmung. Die Arbeiter Deutsch- lands sind auch bereit und entschlossen, mehr noch wie schon seither ihre Kräfte für dir baldige Erreichung dieses Zieles einzusetzen. die Mazeöo-Slawen. Eine Entgegnung von Hermann Wendel. Infolge der wichtigen Ereignisse im Jnlande erscheini die Antwort des Genossen Wendel auf die Ausführungen des bulgarischen Gesandten Rizoff in Nr. 181 d. Bl. verspätet. Red. d. ,Vorw." Ter beliebte Sturm der Entrüstung rauscht wegen meiner Auslassungen über die mazedonftche Frage durch den bulga- lrischen Blätterwald, und einige Sofioter Zeitungen gebärden sich so leidenschaftlich, als hätte ich die Aufteilung Bulgariens unter Serbien, Rumänien und Griechenland cnepfohlen. In Wachheit habe ich nur betont, datz die Sozialisten die Forde- rnng eines Verständigimgsfriedens auch auf den Balkan an- wenden nüitzten, datz die bulgarischen Ansprüche auf ga»; Mazedonien und das Rtorawatal nur durch einen Geivalt- frieden durchzusetzen feien, datz sich aber eine gütliche Vor- ftändiguug zwischen Bulgarien und Serbien über' das strittige Mazedonien ohne Unterdrückung feiner Bewohner jvegen ihrer national unausge-prägten Eigenart leicht erzielen lasse. Und deshalb Räuber und Mörder! Zu guter Letzt reitet auch noch der bulgarische Gefäudte in Berlin, ExzKllcn�. R i z o f f, 'gegen mich in die Schranken uiiö glaubt mich wahrscheinliib mit seinen Ausführungen im„Vorwärts"(Nr. 184) mauset oi 'geschlagen zu haben. Aber ach! ich bin noch sehr lebendig, denn was Herr Rizoff gegen mich vorzubringen wutzte, war ja nichts Neues und Ueberrafchcndes, wie er an uiöhrercn Stellen feines Artikels triumphierend andeutet, sondern es waren die alten •verwelkten und verstaubten„Gründe" der bulgarischen Aus- dehnungspropaganda, über die jeder Kenner der Frage mit einem mitleidigen Lächeln zur Tagesordnung übergeht. Um dabei gleich einen Irrtum des Herrn Rizoff zu zerstören: ich habe Mazedonien betreten, und nicht nur einmal, ich kenne die Geschichte des Landes und die einschlägige Literatur, ich wcitz auch hinreichend Bescheid in den südslawischen Sprachen. Und lven» Herr Rizoff, wie ans seinen Worten zu schließen, mich nun nicht mehr als„intelligenten und ehren- •haften Mann" einschätzt, mutz ich es eben in dem Beivutztsein tragen, datz meine Sache besser ist als die seine. s Denn es zeugt doch nicht von Stärke, lvenn er"mit kleinen Kunstgriffen wie dem folgenden arbeitet: die geschichtliche Tat- fache, datz während der Serbenherrschaft in Mazedonien die serbischen Könige den Titel„König der Serben und der Bul- •garen" führten, gibt er als Beweis dafür an,„datz die seöbi- fchen Könige selbst ihre mazedonischen Untertanen als Bul- garen betrachteten". Datz S t e s a n-D u s ch a n, als er sich 1346 in Slkoplje zmir Zaren der Serben, Griechen und Bul- garen krönen ließ, nicht nur Mazedonien, sondern mich be- trächtlichc Teile des heutigen Bulgarien innÄsattc und sich daher der Titel erklärt, wird Exzellenz Rizoff doch wissen. Doch schließlich ist das eine Kleinigkeit und Nebensäch- tichkeit, zumal mit den„BeWeifen" aus dem Mittelalter für eine Sache des zwanzigsten Jahrhunderts nie viel Staat zu machen ist. Leider haben aber auch die Gründe des Herrn Rizoff ans jüngerer Zeit nicht mehr Uebcrzengungskrast. Auf den Laien mag es zwar recht bestechend wirken, wenn der amtliche Vertreter der bulgarischen Interessen in Deutschland ein Viertechu ndert Namen von Autoritäten nur so aus dem Handgelenk schüttelt, die sich angeblich für das unbedingte Bulgarentum der mazedonischen Bevölkerung ausgesprochen haben. Bei manchen dieser Namen stimmt es freilich schon nicht ganz. So gestand Schafarik, datz in Mazedonien eine ganz andere Mundart gesprochen werde als in Donau- bulga rien, Nicderle bekannte, datz die Sprache der maze- donischen Slawen„einen mittleren Dialekt zwischen der serbi- fchen Schtovaken- und der echt bulgarischen Sprache" bilde, und K o n d a k o f f wies nach, datz alle slawischen Kiütur- denkmälcr in Mazedonien, mit wenigen Ausnahmen, serbischen •Ursprungs sind. Aber selbst wenn man das ganze Viertel- hundert Autoritäten Herrn Rizoff zugibt, entwertet er selbst ihr Zeugnis gründlich mit•dem Eingeständnis, daß das jüngste ihrer Werke aus dein Jahre 1877 stamme! 1877, und heute schreiben wir 1917! Vor vierzig, fünfzig, sechzig Jahren aber war der Balkan, und namentlich die europäische Türkei, •geographisch und erst recht cthnograp'hisch schier unbekanntes Land, und alles, was damals über das Bulgarentum oder Serbentum— denn auch dafür liegen Zeugnisse unparteiischer Forscher aus jener Zeit vor!— der mazedonischen Bevölkerung zu Papier gebracht und in Karten eingezeichnet wurde, hält dem Ergebnis neuerer Forschung nicht stand. Der große Gebanke der Entwickekung hielr nämlich seinen Eilzug auch in das Gebiet der Völkerkunde imb der Sprach- wissenschaft. Während Baudouin de Courtcnay in seiner„Uebcrsicht der slawischen Sprachenwelt"' iioch 1884 die Auffassung vertrat, daß es zwischen Polen und Rrissen, Serben und Vulgaren, Polen und Slowaken, Polen und Tschechen keine Uebergangsmundart gebe, wies der berühmte Slawist M a g i t s ch in den neunziger Jahren diese Uebergangsdia« lekte noch und zeigte vor allem, daß sämtliche südslawischen Mundarten von Jstrien bis zum Pontus eine einzige Kette von ineinander übergehenden Gliedern darstellen:„So bildet der mazedonische Dialekt den Uebergang vom Serbokroatisöben weiter nach dem Bulgarischen." Diese Erkenntnis gab die Grundlage zu weiteren Forschungen mit dem Ergebnis, daß inan heute allgoniein in den Mazedoniern eine slawische Volksschicht sieht, die, von der jahrhundertelangen Türken- Herrschaft an ihrem Aufstieg gehemmt, in ihrem nationalen Bewußtsein wie in ihrer sprachlichen Entwickelung um viele Menschenalter hinter Bulgaren und Serben zurückgeblieben ist, aber in einen beliebigen der zwei verwandten Kulturkreise einbezogen werden kann und sich dann leicht dem Bulgaren- tum oder Serbentum einordnet. Dafür nur ein paar Zeug- nisse unvoreingenoinmener Forscher nicht mis der Zeit von 1840 bis 1877, sondern aus den letzten Jahren. Während der Desterreicher H r o n schon 1890 nicht mehr an ein rein serbi- sches oder rein bulgarisches Volkstum jder Mazedonier glauben wollte, erklärt sein Landsmann Sar eine genaue Angäbe über die Zahl der Serben in Mazedonien für„um so weniger möglich, als es in Mazedonien strittige Serbo- Bulgaren und auch sogenannte Mazedo-Slaiven gibt, deren ethnische Zugehörigkeit zweifelhaft ist"(1908). Gleichfalls ein Oesterreicher ist Chlumecky, der 1907 schreibt: Die slawischen Elemente in Mazedonien hassen längst den ausgesprochen bulgarischen oder den spezifisch s« r b i s ch en Charakter eingebüßt. Rasse und Sprache waren dem Einflüsse der Jahrhunderte unterlegen; es war ein Misckwolk entstanden, n i'ch t mehr serbisch genug, als daß die Bulgaren es nicht für sich hätten reklamieren können, und doch wieder nicht so weit bulgarisch, um zur Not nicht auch als Serben gelten zu können. Von den vielen christlichen Serben, die bis hinab gegen Prilep und den Ochridasee sitzen, sagt der Deutsche K a n i tz, sie„werden, well sie dort stark gemengt mit Bulgaren wohnen, sich selbst für solche halten und ein bis heute nicht genug uniparteiisch analysiertes bulgarisch- serbisches Mifchidiom '-prechen, sowohl von Bulgaren als Serben für sich bean- sprucht"(1914), und'der bekannte deutsche Byzantologe und Balkankenner Heinrich Geilzer meint: Es wirkt unwiderstehlich komisch, wenn man sieht, wie die slawischen Gelehrten sich aufs hitzigste darüber herumstreiten, oj gewisse Kantone Ostmazedonicns serbisch oder bul- garisch seien. Die Bevölkerung selbst weiß es nicht... Nament- lich über die Bewohner der westlichen Sandschaks des Wilajets Bitolj herrscht keine Uebereinstimmung. Die Kenner selbst streiten, ob die dortigen slawischen Christen bulgarischer oder serbischer Nationalität seien.(lö(X).> B a r b u l c s k u, Professor für siawischc Philologie an de? Universität Jassy, tut dar,„daß die Serben ebenso viele Gründe haben zu behaupten, daß die mazedonische Sprache die serbische Sprache sei, wie viele Gründe die Bulgaren haben, das zu bestreiten"(1912). Endlich sagt der bekannte russische Schriftsteller Alexander Amphitcntroff über die Mazedonier: Es sind wrder Serben noch Bulgaren, sondern ein auto- chchones' slawisches Volk im Besitz einer� einfachen Sprache mit eigenen Wurzeln und darum um so fähiger, sich einer änderten einflußreicheren und entwickelteren Sprache anzupassen, die ibm die slawisckc Zivilisation aufdrängt. Die Mazedonier sind Bulgaren ,n den Gegenden, die mit bulgarischer Schule und Kirche versehen sind, sie sind Serben in anderen Strichen, wo der Unterricht sich in serbischen bänden befindet. Ebenso hätten sie unter dem Einfluß erziehe- rischcr, religiöser und wirtschaftlicher Element« Kleinrussen, Großrussen, Polen werden können. Ihre Sprache ist ein Metall im Schmelzfluß, das sehr leicht die Gestalt der Gießform annimmt, in die es gegossen wird. Ader diese Gießform muß mit dem Metall verwandt fein,(lstlik.) Weshalb schweigt sich Herr R i z o s f nun so gründlich über alle Sprachgelehrten und Volksfovscher aus, die sich seit 1877 über die mazedonische Frage verbreitet haben? Weil er n i ch t c i n e n unvoreingenommenen und ernst zu nehinendcn Wissenschaftler beizubringen vermag, der sich für dos reine Bulgarcntum der Mazedonier wirkungsvoll anführen ließe? Aber Herr R i z o ff hat noch einen Mveiten Pfeil auf der Sehne, der freilich ebenso auf den Schlitzen zurückprallt:„Die Frage der Nationalität der Bulgaren in Mazedonien ist durch ein Plebiszit entschieden worden." Das klingt verteufelt lieb- lich an das Selbsilbestimmuugsrecht der Völker an, aber die Sache hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere Haken. Als die Türken, aus Asien nach Europa hinüberslutend, die Balkanhalbinsel unterivorfen hatten, schlössen ihre Machthaber mit den Machthabern der griechischen Kirche ein stillschweigen- des Uebereinkommen zur Niederhaltung und Ausbeutung der slawischen Naja, und jahrhundertelang wurden die Balkan- llawcn ebenso von den geistlichen Handlangern des ökuineni- scheu Patriarchen wie von den weltlichen Handlangern des Padischah geschunden und geschoren. Ihren ganzen Haß gegen Erpressung und Unterdrückung teilte denn die slawische Bevölkerung zwischen den türkischen Paschas und den ortho- doren Pfaffen, die um so zügelloser hausten, nachdem im achtzehnten Jahrhundert die Reste der selbständigen bulgarischen und serbischen Kirche ausgetilgt waren. Jni Grunde war also die Bewegung der Bulgaren für eine eigene Kirche»m die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts dasselbe wie die Er- bebung der Serben am Anfang des gleichen Jahrhunderts: eine?l»flehiiung gegen unerträglich gewordene Aussaugung durch sreinde �Herren, nur daß sich diese Erhebung gegen den osmanischen Sultan, jene Bewegung gegen den ofumenischen Patriarchen richtete. Mit Hilfe des russischen Zarismus, der aus ihnen ei»e ergebene Leibgarde aus dem Balkan zu formen bofste, kainen die Bulgaren zum Ziel; ein großherrlicher Firman von 1870 schuf das bulgarische Exarchat. Was Wunder, daß sich bei der„Volksabstimmung" in den nächsten Jahren alle von der fanariotischen Klerisei ausgequetschten und vergewaltigten Slawen, ganz gleich, ob sie sich als Bul- garen fühlten oder nicht, für das Exarchat entschieden! Zu Tausenden und aber Taufenden gingen auch Serben in der Türkei zum Schisma über, denn sie stimmten ja mit dem Bekenntnis zu m bulgarischen Exarchat nicht für den bulgarischen Staat, den es da- mals noch gar nicht gab, nicht einmal für das Bulgarcntum, sondern nur für d i e f l a w i s ch e LiturgicinderKircheundgegendieAusrau- b u n g d u r ch d a s ökumenische Patriarchat! Es gehört wirklich schon allerhand dazu, um aus dieser einfachen Tatfache eine Volksabstimmung der Mazedonier für»das Bul- zarten von 1917 zu machen! Was endlich den serbisch-bulgarischen Bundesvertrag vom 13. März 1912 angeht, ist es Serbien gor nicht eingefallen, wie Herr Rizoff behauptet, darin ganz Mazedonien als bulgeixiischc Zone anzuerkennen, denn Serbien sprach ausdrück- lich den Bulgaren nur das Recht auf die Ge- biete östlich der Struma und des Rh o dope- g e b i r g e S zu: als strittig wurde uicht, wie Herr Rizoff schreibt, ein„Teil im Norden" bezeichnet, fondern der ganze Strich zwischen Schardagh, Ochrida- s e e, A e g ä i s ch e iir Meer und R h o d o p e- G e b i r g e. Da Serbien mit Rücksicht darauf, daß es durch die Londoner Mächtekonferenz von der Adria abgedrängt wurde, eine Nach- Prüfung des Vertrages zu feinen Gunsten forderte und Bnl- garten den vereiübarten Schiedsspruch des Zaren nicht an- erkennen wollte, kam es zum zweiten Balkankrieg. lieber die Fehler auf bulgarischer Seite, die zur Katastrophe führten, äußerte sich noch kurz vor Ausbruch des Weltkrieges ein hoher bulgarischer Diplomat: Der dritte Fehler, den wir begingen, ist, den ursprünglichen Charakter des Krieges verändert zu haben, indem wir aus einem Befreiungskrieg einen Eroberungs- krieg machten und die Linie Rodosto— Midia(im Osten) als Grenze verlangten. Dieser Fehler hat die böswillige Fabel zur Welt gebracht, nach der wir nach der Hegemonie auf dem Balkan strebten, eine Fabel, idie sehr geschickt von den Serben und den Griechen ausgenutzt wurde. Die Welt begann sick» zu wundern, daß wir den Serben und Griechen keine Zuge- ftäudnis'se in Mazedonien machen wollten, während wir ganz Thrazien in Beschlag nahmen und unsere Grenzen bis unter die Mauern von Konstantinopel vorschoben. Diese Gesichtspunkte und Bestrebungen entfremdeten uns alle liberalen Geister Europas... Herrn Rizoff werden diese vernünftigen Sätze merk- würdig bekannt vorkommen, und mit Recht, da er selbst sie geschrieben und veröffentlicht hat. Und da wir einmal bei diplomatischen Aktenstücken sind, so erinnert Herr Ri z o f f sich ohne Zweifel auch des Geheim- Vertrags zwischen Bulgarien und Oesterreich-Ungarn von 1898, in dem dieses die Dynastie Koburg zu schützen, jenes bei einer Aufteilung der europäischen Türkei an der West- liehen Grenze Struma und Rhodope-Gebirge Halt zu machen versprach. In einem ähnlichen Geheimvertrag ließ sich Bul- garien 1907 von Rußland einen Ausgang nach dein Aegö- ischen Meer zusichern, der sich ebenfalls im Westen nicht über Strunia und Rhodope-Gebirge binaus erstrecken sollte. Während damals also die Ansprüche Bulgariens gaitz erheblich hinter dem zurückblieben, was es heute durch einen Verständigungsfrieden haben könnte, wollen sich die Anhänger des bulgarischen Gewaltfriedens bei weitem nicht mit der pelagonischcn Ebene um Monastir begnügen, fondern heischen ganz Mazedonien, Altserbien und das Moralvatal für sich und drängen durch Albanien an die Adria. Auch für Bulgarien gibt es aber eine zwingendere Notwendigkeit als Uesküb, Nisch und Prizren— das ist der Friede, den ganz Europa ersehnt und der nicht durch Eroberungsziele auf irgendeiner Seite verzögert werden darf. Siam und Deutschland. Berlin, 25. Juli. Amtlich Nach Meldungen von Reuter und sonstigen Nachrichten in der feindlichen Presse soll die siamesische Regierung den Kriegszustand mit Deutschland erklärt, deutsche und österreichische Staats- angehörige, um sie außer Landes zu bringen, verhaftet und deutsche Schiffe beschlagnahmt haben. Die Kafferliche Regie- rung hat Schritte getan, um festzustellen, was derNachrichtzugrundeliegt. Für den Fall, daß sie sich bswahrheiten sollte, ist Vorsorge getroffen, die deutschen Interessen gegen völkerrechtswidrige Verletzungen zu schützen und entsprechende Genugtuung und Schadenersatz geltend zu machen. Gegenüber der von London verbreiteten Behauptung, Siam habe sich aus eigenem Antrieb den Feinden Deutschlands angeschlossen, ist festzustellen, daß sichere Nachrichten über die Macheirsckwffen vorliegen, durch die England und Frankreich unter Beteiligung Italiens und schließlich auch Rußlands seit langem mit immer steigendem Drucke aus Siam einzuwirken suchten, um ein neues Opfer für die Entente-Interessen zu gewinnen._ Kerenskis Ueberzeugung. Petersburg, 25. Juli. Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur. In einer bei seiner Rückkehr von der Front den Vertretern der Presse gewährten Unterredung sagte Ministerpräsident K e r c n s k i: Gegenwärtig ist die Hauptfrage die Zusammenfassung und Einheit der Staatsgewalt. Die vorläufige Regierung har nur das Ziel der Verteidigung des Staates gegen die Zersetzung durch die Anarchie und des Heiles der Armee. Die Regierung wird sich auf das Vertrauen der Volksmossen und der Armee stützen, Rußland retten und seine Einheit durch Blut und Eisen schmieden, wenn die Gründe der Ehre und des Gewissens nicht gen ii gen. Wie cS auch stehen möge, niemand wird aus der gegen« wärtigen Lage Nutzen ziehen können, um den Versuch zu machen, den Stand der Dinge vor der Revolution wiederherzustellen. Im gegenwärtigen Augenblick ist eS unumgänglich not- iv endig, den Rückzug zum Stehen zu bringen. die wirtschaftliche Zerfahrenheit zu beseitigen und die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Die Bevölkerung soll ihre persönlichen Interessen vergessen und an die erste Stelle die Interessen des Staates rücken. D i e Lage an der Front ist sehr schwer und erfordert heldenhafte Maßnahmen. Trotzdem bin ich überzeugt, daß der Staatsorganis mus kräftig genug ist, um den Krieg vhne rine teilweise Amputation führen zu können. Auf jeden Fall wird die Vorläufige Regierung ihre Pflicht tun, die Ecrungenschafien der Revolution stärken und erweitern und ent- schlössen der verbrecherischen Tätigkeit und den Erfolgen der Ver- röter ein Ende setzen. Sehr schwere Lage an der Front, wirtschaftliche Zerfahren- heit, verwirrte Finanzen— alle Symptome der Zersetzung, die dem Kriege widerstreiten, sind harmonisch beieinander und trotzdem nennt Kerensky wieder Blut und Eisen als das rettende Mittel. Kein Zeichen ist in den Worten, das einen anderen Weg andeutet als den, der uns sonst als ein Weg von Desperados erscheint. Im ärgsten Widerspruch mit dem eigenen Wort erklärt der Mann, der an der Spitze der neuen Regierung Rußlands steht, daß der Staatsorganismus, der nach seiner eigenen Schilderung aus den Fugen ist, dennoch kräftig genug sei. um einen Krieg ohne Verlust führen zu können. Er droht sogar zum Kriege nach außen den gewalt- samen Krieg im Innern an, denn das bedeutet ja wohl sein Wort vom Schmieden der Einheit durch Blut und Eisen � Richtet dies Wort sich auch an die separatistischen Bewegungen. die wie im Falle Finnland die Gunst der Stunde zu einer Amputation am Leibe Rußlands ausnutzten? Es ist wahrlich kein Zeichen der Kraft, wenn ein Mann, der die Diktatur eiucs Reiches von Riesenumfang vertreten soll, solchermaßen in ein paar Sätzen, die für die breiteste Oeffentlichkeit bestimmt sind, den krassesten Widersprüchen sich nicht entziehen kann. Wird die neue Regierung fähig sein, den furchtbaren Ring zu sprengen, der sie vergewaltigt? Neue russische Minister. Petersburg, 25. Juli. iMeldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Effcnsow ist zum I u st i z m in i st e r und Mitglied der Vorläufigen Regierung und Barischnikow zum Minister für öffentliche Unter st Übung ernannt worden; beide sind Progrcfsistcn und Dumamitgliedcr. Eine Erklärung Miljukows. Basel, LS. Juli. Man meldet aus Petersburg: Miljukow bii erklärt, daß die leitenden Männer in Rußland sich über den Ernsl der Lage anscheinend nicht genügend Rechenschaft geben. Die Armee habe eine Entscheidung getroffen, die sich in Kürze gegen die Regierung wenden könne. Die Kriegsziele Rußlands seien klar, die Mittel jedoch, dieselben zu erreichen, seien es weniger. Miljukow gab schließlich seiner Hoffnung Ausdruck, daß dem Lande eine noch schwerere Prüfung erspart bleiben und daß sich schließlich noch alles günstig wenden müsse. Miljukow droht also mit einer Gegenrevolution, die sich aus das Heer stützen werde. Der Kampf mit Kronstadt. Stockholm, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht des„BorwärtS".i TaS hiesige sozialistische Blatt„Politiken", das von den Bolschewiti gespeist wird, publiziert im Einverständnis mit dem Arbeiterrat einen erlassenen G c h e i m b e f e h l der provisorischen Regierung vom 17. Juli 1S17, wonach einige Torpedoboote sofort heimlich nach Petersburg zu senden sind, die Abreise anderer Kriegs- schiffe mit bolschcwikisch gesinnten Mannschaften von Krön st adt aber jedenfalls zu verhindern seien, nötige»- falls selbst durch Torpedierung mittels U-Boot. Dieser Bc- fehl beweise, daß die Regierung Landesverrat treibe. Russisches gegen Llopd George. Die in Ruß land sehr verbreitete sozial-revolutionäre Zeitung „Tjelo Narodo" schreibt an leitender Stelle zur Rede Lloyd Georges: „Der englische Premierminister Lloyd George hat wieder ein- mal eine große Rede von allgemein politischer Bedeutung gehalten. Auch diese Rede ist, wie seine früheren alle, bedachtsam und fein konstruiert, und wie eS schon die Art Lloyd Georges ist, mit einer Menge durchsichtiger Andeutungen und absichtlicher Verschweigungen gespickt; gerade diese Andeutungen sind aber für die russische Demo- kratie interessant. Lloyd George läßt zunächst der russischen Revolution Gcrechtig- kcit widerfahren, indem er ihr ein paar glänzende Perioden in seiner Rede w-idmet. Er äußert sich mit großem Wohlwollen über unsere provisorische Regierung, die er eine„Regierung tüchtiger Leute" nennt; ja, er betont großmütig, daß Rußland nie eine bessere Regierung gehabt habe. Doch diese Lobreden sind nur ein Ornament, hinter welchem, bei einer wachsamen Prüfung seiner Worte, andere Grundtendenzen klar durchschimmern. Und eben diese Tendenzen sind vorläufig für die russische Revolution nicht annehmbar. Er macht eine Anspielung auf Mesopotamien, das„gewesene Paradies", welches die türkischen Machthaber in eine„wahre Wüste" verwandelt haben; er weist auf die deutschen Kolonien hin und meint, daß deren Bevölkerung eine „bessere Behandlung verdient, als die deutsche Kolonialpolitik ihr angedeihen läßt." Er hebt die Notwendigkeit hervor,„Ausdauer". „Mut",„Bereitschaft zum langen Kampfe" zu zeigen! Der riw tigc Sinn dieser Andeutungen ist klar. Sie bestätigen noch einmal den starken Entschluß, den Krieg bis zu einem siegreichen Ende (im Sinne der verbündeten und unserer eigenen bürgerlich-patrto- tischen Presse) zu führen. „Zweifellos," sagt Lloyd George,„wird der Krieg ein Ende nehmen, wenn die Alliierten die Ziele erreicht haben, die sie sich in dem Augenblick stellten, als Teutschland ihnen den Fehdehand- schuh zugeworfen hatte. Dann wird der Krieg sein natürliches Ende erreicht haben. Sollte er aber nur«ine Stunde früher beendigt sein, wird das für die Menschheit.das größte Unglück, Pas je geschehen, bedeuten." Viel Blut und Tränen sind geflossen, seitdem die Verbündeten ihre Kriegsziele formuliert haben. Man hat auch— unter dem Drucke der ruMschen Revolution- viel von der notwendigen Ver- änderung dieser Ziele, ihrer Verschiebung nach links, ihrer An- Näherung an die demokratischen Parolen, gesprochen. Doch die neueste Rede des ersten Staatsmannes Englands. der vor kurzer Zeit den Ruf einer Stütze des sozialen Radikalismus genossen hat. stimmt mit unseren Anschauungen über den Krieg und mit unseren Friedensbedin- g un g e n ganz und gar nicht überein. Es ist bezeichnend, daß sogar die liberalen englischen Kreise mit der Rebe Lloyd Georges unzufrieden find. Sie hatten so berichtet der Korre- spondent der„Birschewyja Wedomosti'-• gehofft,!daß der Premier- minister mit einer neuen, von allen Mächten der antideutschen Koalition ausgearbeiteten Deklaration der Kriegsziele kommen werde. Die Rede des Premiers hat diese Erwartungen der radi- kalen und liberalen Kreise Englands nicht erfüllt, und ihre Presse schreibt dieser Rede nur die Bedeutung des„ersten Schrittes" auf dem Wege zur Ausarbeitung eines Planes der Liquidation des Krieges zu." Es ist noch nicht ganz klar, wie sich die liberalen und radikalen englischen Kreise die Frage der Liquidation des Kric- ges denken: find sie bereit, mit den Parolen der russischen Demo- kratie zu rechnen? Oder, im Gegenteil, beunruhigt sie die Tatsache, daß unsere Revolution dt« alten, noch vom Anfang des Krie- ges stammenden Kriegsziele der Verbündeten nicht anerkennen will? Es wäre nützlich, dies zu erfahren." Die pariser Konferenz. Ats Vertreter Frankreichs werden an der Pariser Konferenz teilnehmen: Ribot, Painleve, Lacaze, Leon Bourgeois, Thomas, Jonnart, Jules Cambon, General Foch und de Margerie. Der„Temps" widmet der Ententekonfercnz einen Artikel, der recht kleinlaut von den Kriegszielcn der Entente spricht und in schmerzlichen Ausdrücken die Ohnmacht der ruffischen Regierung feststellt. Der Genfer Berichterstatter der„Frankfurter Zeitung" meint dazu, der„Temps" lasse erkennen, daß die führenden Männer der Entente mit einem Verzicht auf die weitere militärische Mitwirkung Rußlands rechnqn, Stockholm. die Franzosen gegen AimmerwalÜ.. Paris, 25. Juli. Ter ständige geschäjtsführende Ausschutz der sozialistischen Partei hat entgegen dem Wunsche des russischen Arbeiter- und Soldatenrates, sein Ersuchen um Ein- ladung des Zimmcrwaldcr Verbandes von Bern günstig zu beantworten, erklärt, datz nur die deutschen, französischen, englischen und die übrigen im August 1914 im Internationalen Sozialistischen Bureau eingeschriebenen Organisationen nach Stockholm eingeladen werden sollen, mit Ausschluß des Jjimmcrwalder Verbandes von Bern, der als nicht be- stehend betrachtet werde. Dagegen sollten die italienische sozia- listiscbe Partei, die nach der Kriegserklärung ausgeschieden war, der französische Arbeitsbund und der amerikanische Bund sGom- perS) eingeladen werden. Kriegszielüebatte im englischen Unterhaus. London, 24. Juli. iReutermeldung.) Lord Robert E c c i l antwortete auf eine Kritik Dillons über die Balkanpolitik der Regierung und die Operationen bei Saloniki und wies die Vor- würfe Dillons wegen der Moral der Truppen zurück. Er nahm Anstoß an der Auffassung Dillons, datz die Regierung im Begriffe sei, Serbien im Stiche zu lassen. Das sei vollkommen unrichtig. Die Regierung beabsichtige durchaus nicht, von ihrer Verpflichtung zurückzutreten, nach der Serbien vollständige Wiederherstellung und Entschädigung erhalten müsse. Cecil erklärte sich mit der Acutze- rung eines Abgeordneten einverstanden, datz Oesterreich-Ungarn nicht der Hauptfeind sei. Ter Hauptfeind müsse Deutschland sein. Was die allgemeinen Friedensgrundsätze betreffe, so müsse der erste Grundsatz sein, treu zu den Verbündeten zu halten. Ueber Elsafi-Lothringcn habe Frankreich seine Wünsche auszu- sprechen, und England habe es zu unterstützen. Derselbe Grund- satz gelte für die übrigen Verbündeten und besonders für Scr- b i e n. England halte sich unbedingt verpflichtet, es wiederherzu- stellen und schadlos zu halten. Was die südslawische Bewc- g u n g betreffe, so sei es gefährlich, weiterzugehen als die Regierung in ihrer Antwortnote an Wilson getan habe. Die Regierung er- kläre darin, daß sie wünsche, unter den unterdrückten Nationali- täten auch die serbisch« Nation zu befreien, aber si« gehe nicht weiter und verpflichte sich nicht auf eine bestimmte Form der Bc- freiung. Ter zweite Grundsatz, für den England Krieg führe, sei«in dauerhafter Ausgleich und ein befriedigender Friede, der nicht auf Eroberung und Herrschaft sondern auf den Grundsatz der Selbständigkeit der Völker beruhe, die den neuen Zustand gegen künftige Aenderungen sichere. Als drittes g r o h e s K r i e g s z i e l sei oft die Beseitigung des deutschen Militarismus bezeichnet worden, sie bilde tatsächlich einen Teil des zweiten Grundsatzes. Er wünsche die Vernichtung des deutschen Militarismus, weil er eine große Gefahr für den künf- tigen europäischen Frieden bedeute. Die Rede des deutschen Reichs- tanzlers cnlhalte zwei charakteristische Züge: erstens verlangte er für Deutschland einen siegreichen Frieden und zweitens lehnte er jede demokratische Gestaltung der deutschen Verfassung ab. Das seien Charaktcrzügc von schlimmster Vorbedeutung. Lloyd George habe gesagt, mit einem demokratischen Deutschland würde es leichter sein, Frieden zu schließen. Er sei derselben Meinung, denn wenn Deutschland eine Demokratie gewesen wäre, so würde dieser Krieg nicht stattgefunden haben. Wenn in Teutschland eine wirklich demokratische Regierung errichtet würde, so wäre damit eine starke Bürgschaft gegeben, datz die deutsche Politik eine endgültige Wendung genommen hätte, und datz die Gefahren, deren man sich in Zukunft von Deutschland zu vcr- sehen hätte, entsprechend vermindert würden. Die Resolution ües Reichstags. Ein Antrag im englischen Unterhaus. London, 24. Juli. Meutermeldung.) Das Unterhaus wird am Donnerstag über einen Zusatzantrag zu dem Anleihegesetz der- handeln, der von den Friedensfreunden Ramfay Macdonald und Trevelyau eingebracht worden ist. Dieser erklärt: .Die jüngste Friede nsentschlietzung des Deut- scheu Reichstages bringt die Grundsätze zum Ausdruck, für die unser Land eintritt," und verlangt von der Re- gierung, datz sie gemeinsam mit den Alliierten ihre Friedens- bedingungen von neuem feststellt. Weiler heißt es in dem Zusatzantrag, die Alliierten sollten den russischen Vorschlag annehmen, daß an den bevorstehenden Beratun- gen über die KriegSziele auch Vertreter der Völker, nicht nur Staatsmänner der Regierungen, teilnehmen sollen. Cnglanüs Zinanzlaft. Bonar Law brachte eine Kreditvorlage über 659 Millionen Pfund Sterling(13 Milliarden Mark) ein, wobei er sagte: Es bandelt sich um einen Kredit, der 159 Millionen höher ist als irgend- einer der früheren. Die durchschnittliche tägliche Ausgabe aus dem letzten Kredit hat den Voranschlag um eine Million Pfund täglich übertrosfen. Der Voranschlag war 5 400 011 Pfund täglich. wogegen sich die tägliche Ausgabe an 112 Tagen des Fiskaljahres auf 6 709 095 Pfund(134 Millionen Mark) gestellt hat.(In Deutschland wurden die täglichen Ausgaben mit 100 Millionen Mark angegeben.) Von dem Mehr an Ausgaben entfallen 500 000 Pfund auf Heer, Flotte und Munition, 560 000 Pfund auf Vorschüsse an die Alliierten und Dominions und 307 000 Pfund auf Verschiedenes. Bonar Law erklärte weiter, er sei cinigermatzen enttäuscht, dgtz trotz der Hilfe Amerikas feie Vorschüsse an die Alliierten zugenommen hätten. Man habe sich jedoch immer auf den Standpunkt gestellt, datz die Alliierten ein Ganzes bildeten. Die Bürde, die England auf sich genommen babe, sei groß, aber es könne sie als Beweis für die eigene Selbst- losigteit betrachten. Er sei überzeugt, datz Präsident Wilson und sein« große Nation diese Frage mit Hochherzigkeit behandeln würden, oder besser gesagt, mit den» Verständnis, datz die Sache der Alliierten eine gemeinsame sei, und datz man sich darauf ver- lassen könne, von den Bereinigten Staaten die Mittel zum Ankauf von Vorräten aller Art für die Alliierten zu erhalten. Die gc- samten Vorschüsse an die Alliierten und Dominions betrügen 1025 Millionen, die an die Dominions allein nur 140 Millionen. Die Zunahme der Ausgaben für das Heer, fuhr Bonar Law fort, ist darauf zurückzuführen, datz wir größere Zahlungen an Indien für Dienste leisteten, die mit dem Kriege zusammenhängen. TaS soll heißen, datz wir ein stärkeres Truppenaufgebot von Indien erhielten, alS wir bei Aufstellung der Voranschläge erwarteten. Auch für Flugzeuge haben die Ausgaben zugenommen. Auch der Umstand, datz unsere Verluste an der Front geringer als im letzten Jahre waren, hat die Ausgaben für das Heer er- höht. Die tägliche Netto-Zunahme an Kriegskosten war, abgesehen von Inleiben an die Alliierten und Aufgaben� die wir in der Fqlge| zurückerstattelen, 300 000 Pfund'. ES ist offenbar, datz der Vor- anschlag erheblich überschaitten werden mutzte, in der Hauptsache wegen der Alliierten. Tie Geliamtsumme der Kriegskreditr beträgt 5292 Millionen Pfund(105 840 Millionen Mark). Kein Land, auch wenn es die größten Hilfsqucllien der Welt besitzt, kann mit grötze- rem Recht sagen, was ich bei einer früheren Gelegenheit gesagt habe, datz nicht Mangel an Gold uns hindern wird, den Krieg zu gewinnen. M c K e n n a sagte, die vom Schatzkanzler genannten Zahlen enthielten nicht den sehr großen Betrag, der an Zinsen für die öffentlicbc Schuld ausgegeben, worden sei. Man müsse vor Scblutz des laufenden Fiskaljahres mit einer täglichen Gesamt- ausgab« von acht Millionen(160 Millionen Mark) rech- nen. Die tägliche Einnahme betrage etwa zwei Millionen. Es müßten also sechs Millionen durch Anleihe aufgebracht werden. Das bedeute eine weitere Einkommensteuer von 3 Schilling 4 Pence auf das Pfund. Wenn man dies auf die bestehende Einkommen- ftcuer schlage, so werde die Leistung des britischen Steuerzahlers auf das ungeheure Verhältnis von 8 Schilling auf das Pfund oder 40 Proz. des Einkommens gebracht. Die täglichen Ausgaben Deutschlands und Englands sind nicht schlechthin vergleichbar. Es sei nur daran erinnert, datz die deutschen Bundesstaaten ebenfalls erheblich zu den Äriegskosten beitragen, während in England ein Mittelding zwischen Kreis und Regierung fehlt. Auch die Berechnung der Vorschüsse an die Vcr- bündeten ist verschieden. Ter Kriegskrcdit ist bewilligt worden. Eine Kriegsziel-Konferenz in New �ork? Rotterdam, 25. Juni. Dem»Manchester Guardian" wird aus Washington gemeldet: Es sei bereits so gut wie beschlossen, in New Aork eine Konferenz abzuhalten, an der russische, franzö- fische, englische, italienische und amerikanische Vertreter teilnehmen sollen. Der Zweck sei eine neue Erklärung über die KriegSziele der Alliierten abzugeben. Frankreich und England hätten die Ein- ladung zur Konferenz angenommen. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 24. Juli. Amtlüh. Nene U-BootS-Erfolge im Sperrgebiet um England: 2ö 000 Drutto-Regifter-Tonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich zwei grosse bcladene aus Geleitziigen herausgeschossene Frachtdampfer. Eines der versenkten Fahrzeuge hatte Petroleum gc- laden; die Ladungen der übrigen Schiffe konnten nicht fest- gestellt werden. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. * Berlin, 25. Juli. Amtlich. Am 23. Juli früh hat eines unserer Flugzeuge in den Hoofden den holländischen Dampfer Gelderland(1877 Br.-R.-T.) angehalten und mit Unterstützung von Torpedobooten nach Zerbrügge ringe- bracht._ Tarnopol— Stanislau— Naöworna. Berlin. 25. Juli.(28. T. B.) Auch am 24. Juli blieb die macht- volle Vorwärtsbewegung unserer Truppen in Ostgalizien in vollem Gange. Wo der weichende Feind sich festzusetzen versuchte, wurde er mit raschen mächtigen Schlägen geworfen. Der stets frische An- griffsgcist unserer Truppen ist bewundernswert, ihre Zähigkeit trotz größter Anstrengungen unübertrefflich. Unsere Flieger wetteifern untereinander in stundenlangen anstrengenden AufklärungS- und Fernflügen, bei denen sie durch Bomben- und Maschinengewehr- angriffe möglichste Verwirrung in die zurückflutenden russischen Kolonnen zu tragen versuchen. Kleincrc und größere Massen von Gefangenen streben auf allen 2Legen den Gefangenensammelstellon zu. Die Beule, über das ungeheure Operationsgebiet verstreut, läßt sich noch nicht annähernd feststellen. Gegen 3000 Quadrat- kilomctcr Gebiet sind bereits den Händen der Russen entrissen. Ebenso sind die räumlichen Vorteile, die Brusiilow mit seiner letzten Offensive zu erzielen vermochte, schon längst wieder ausgeglichen. Mit prachtvollem Schwünge nahmen unsere Truppen die an vielen Stellen brennende Stadt Tarnopol und die südlich davon gelegenen Höhen Grol-Zahira und wiesen heftige russische Gegenaug-riffe blutig ab. Ein verzweifelter Vorstoß, den die Russen südöstlich von Tarnopol aus der Richtung des Dörfchens Äapiaczka in 16 Gliedern gestaffelt mit Unterstützung von Panzer- wagen vortrugen, brach unter den allerschwersten russischen Vcr» lüften an Toten, Gefangenen und Material zusammen. Mit gleicher Macht wie östlich von Tarnopol stießen unsere Truppen nach Südosten und Süden gegen die Bahnlinie S t a n i S- lau— B u c z a c z— Kopyczyncc vor. Während unter ihrem Drucke eine ruffische Verteidigungsstellung nach der anderen in der Linie Stanislau— Nadworna zusammenbricht, wurde in den Wald- k a r p a t h e n am 24. Juli die den Jabloniea-Patz nördlich abrie- gelnde Bergstellung des Siamczuk den Russen entrissen. Auch der verzweifelte Widerstand, den die Russen zwischen Stanislau und Nadworna an der Dystrzhea-Nadwornjanska leisteten, vermochte den russischen Zusammenbruch an diesem Frontabschnitt nicht mehr auf- zuhalten. Auch hier wurden die Russen von den Unsrigon im un- gestüven Drgnge nach vorwärts geworfen und die außerordentlich wichtigen Straßen und Dahnknotenpunkte der Städte S t a n i s- lau und Nadworna, die beiden Eckpfeiler der russi- s ch e n S t e l l u n g e n, herausgebrochen. Eine größere Anzahl von Geschützen, darunter schwere, sowie noch nicht gezählte Feldgeschütze, Grabenkanonen, Mincnwcrfer, große Mengen an Munition und Verpflegung wurden eingebracht. Unsere Truppen stürmen unaus- haltsam weiter vor. In den Südkarpathen unternommene Entlastungsan- griffe russischer Infanterie wurden abgewiesen. Am unteren SereIH gingen gegen unsere Stellungen nur zwei Züge Jnfanterih vor, die mühelos zurückgeworfen wurden. An der Scrcth-Mündung und in der Dobrudscha nur Artilleriefeuer. Auf dem Nordteil der russischen Front erlahmten die russischen Angriffe nach den ungeheuren Blutopfern der letzten Tage. Von dem südwestlich Dünaburg erzielten Geländegewinn wurde den Russen ein Teil durch unsere Stoßtrupps wieder abgenommen. Ein russischer in 1000 Meter Breite südlich S m o r g o n vorgetragener Angriff wurde leicht abgeschlagen. Die Beute aus den Kämpfen vom 22. und 23. Juli beträgt gegen 500 Gefangene und eine größere An- zahl Maschinengewehre. Die blutigen Verluste der Russen sind in- dessen ganz außerordentlich schwer. An der Westfront treten alle Ereignisse gegenüber der in Flandern tobenden, wütenden Artillerieschlacht in den Hintergrund. Kleine Kriegsnachrichten. Eine ganze russische Division meutert. Wie ein russischer Mit- arbeiier des„Bund" dem.Rutzkoje Slowo" entnimmt, ist in Wladi- kawlas in Sibirien eine ganze Schützendivision eingetroffen, die die Kaukasusfront in meuterischer Weise verlassen hat. Das chilenische Ministerium gab seine Entlassung. Aufstand in Ecuador. Aus Manabi in Ecuador wird berichtet. datz dort ein Ausstand gegen den Präsidenten von Ecuador Morena ausgebrochen ist. Zum Wechsel in öen Regierungsstellen. Das„Verl. Tagebl." will wissen, daß die Ernennung des Leiters der Reichsfettstelle, Herrn v. Grävenitz, zum Chef der Reichskanzlei unmittelbar bevorsteht. Herr v. Grävenitz gilt als entschiedener Konservativer und hat durch eine Rede, die er Anfang dieses Jahres in dem Lehrgang der Landfrauen hielt, bei der großstädtischen verbrauchenden Bc- völkerung heftigen Anstoß erregt. Nach der ,,Nat.-Ztg." wird die Neubesetzung der leitenden Stellen in Preußen noch in dieser Woche erfolgen. Ausscheiden werden der Kultusminister TrottzuSolz und derLandwirt- schastsminister v. Schorlemer, vielleicht auch der Justiz- minister B e s e I c r, der dann durch einen Parlamentarier ersetzt werden soll. Herr v. L o e b e l l, der Innere, und Herr v. B r e i t e n b a ch, der Verkehrsministcr, bleiben. Offenbar brennen sie darauf, Herrn Michaelis den Kampf um das gleiche Wahlrecht fuhren zu helfen. Der Staatssekretär des ReichskolonialamteS Dr. S o l f tritt in einem an Hamburger Kolonialkreise gerichteten Tele- gramm dem Gerücht entgegen, als ob er zum Nachfolger Zimmermanns im Auswärtigen Amt ausersehen ist. Moderner Seelenhanöel. Die verkaufte„Wcserzeitung". Gegenüber den verwirrenden Erklärungen des Bremer Zeitungsverlags G. m. b. H. stellt die„Franks. Ztg." betrübt fest: „Damit"— nämlich mit dem Abschluß des Kaufvertrages—„ist also das Schicksal der„Wcserzeitung" bestimmt: es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, datz sie der fortschrittlichen Volkspartei verloren geht und in die alldeutsche Richtung geraten wird.... Im großen Ganzen kann man sagen, datz die Grotz- und Schwer- industriellen Bremens die„Wcserzeitung" finanzieren werden. Sie wird daher eine Politik treiben, die deren Interessen gemäß ist, wo- bei es nur fraglich ist, ob sie sich aus Opportunitätsgründen etwas mehr links- oder rechts-nationalliberal halten wird." Das Schändliche an einem solchen Zeitungsverkauf ist. datz mit ihm nicht nur das tote Inventar verkauft wird, Gebäude, Maschinen, Materialien usw., sondern auch das lebende, nämlich die Rcdak- teure und die Leser. Das Kapital erwirbt mit solchem glück- lichen Handel Zehntauscnde von Seelen, die es nun in die ihm passende Richtung lenken kann. Eine spätere Zeit wird solche Gc- schäfte ebensowenig verstehen, wie wir den dynastischen Länder- schacher und den Soldatenkauf der alten Zeit. Schuld an solchen Zuständen trägt das zeitunglesende Publikum selbst, das in seiner durchschnittlichen Gesinnungs- losigkeit nach dem Blatt greift, das ihm an„Aufmachung" und Buntheit des Inhalts am meisten zu bieten scheint, ohne zu bc- denken, datz es sich damit seine eigenen Feinde großzieht. Die Er- kenntnis dieses gefährlichen Uebcls mutz die klarer Blickenden um so schärfer anspornen, sich für eine Presse einzusetzen, die nicht den KapitalSintcressen ihrer Käufer, sondern nach bestem Wissen und Gewissen der Allgemeinheit dient! Letzte Nackrichten. Die Pariser Konferenz. Paris, 25. Juli.(Havas.) Bormittags fand im Ministe- rium des Acusicrn die erste Sitzung der Konferenz der Alliier- ten statt. R i 1) o t eröffnete die Versammlung und begrüßte die Vertreter der Alliierten. Die Mitglieder der Konferenz beschlossen, über die Beratungen strengstes Stillschweige« zu bewahren. Das englische Dicnstpflichtgcsetz. Ottawa, 24. Juli.(Reuter.) Das Unterhaus hat mit 102 gegen 44 Stimme,, das Dicnstpflichtgcsetz in dritter Lesung angenommen. Moskauer Ausstand. Stockholm, 25. Juli.„Aftoubladet" erfährt über Haparanda, datz in Moskau seit Sonnabeiü» 00000 Metallarbeiter streiken. Nach den letzten Nachrichten breitet sich die Ausstandsbewc- gung immer mehr aus. Die Rüstungen der Vereinigten Staaten. Washington, 24. Juli. Reutermeldung. Schatzsekretär Mc. Adoo erklärte heute in der Finanzkommission des.Senats, datz wahrscheinlich 2 Milliarden Dollar für Anleihen an die alliierten Länder benötigt tverden würden. Tie» ist vermutlich einer der Gründe, tvarum die Regierung die Bewilli- gung von weiteren 5 Milliarden Dollar verlangt. Die ursprüngliche Zahl der Kreditvorlage war für die Bedürfnisse einer Armee von 500 000 Mann für die Zeit von acht Monaten berechnet. Jetzt ist beabsichtigt, für diese Armee für ein volles Jahr vorzusprgen und außerdem für weitere 500000 Mann für denselben Zeitabschnitt. Es ist also die Aushebung einer amerikanischen Armee von einer Million Mann anstatt einer halben Million als erstcZ Aufgebot-in Aussicht genommen. GewerkschoMbewEUNg Deutsches Reich. Tie„Tachdecker-Zeitung" teilt mit. daß an Stelle des derstor- denen Genossen Georg Diehl durch den Zentralvorstand, den Aus- schuß, die Revisoren und Gauleiter Th. Thomas zum Vorsitzen- den de-Z Bervandes gewählt wurde, der schon längere Zeit der Stell- Vertreter des ersten Vorsitzenden ist. Eine Lohnbewegung der Tolinger Waffenarbciter. Aus Solingen wird uns berichtet: In unseren Spezialinduslrien Herrichen teilweise noch Verhält- nisie, die dem Außenstehenden schlechthin unbegreiflich dünken mögen. DaS ist auch in der Solinger Stahlwarenindustrie der Fall. Hier hat die Eigenart der BctriebSform noch eine starke Lokal- o rg a ni sa t i on, den Jndustrieorbeiierverband, erhalten, der an Mitgliederzahl dem Deutschen Metallarbeiterverbande am Orte un- gefähr gleich steht. Nun scheint es aber doch, daß die Arbeiter zu einem geeinten Vorgehen in der Frage der Entlohnung der W a f f e n a r b e i t e r kommen. Die Unternehmer in der Solinger Waffenbranche heimsen jetzt ungeheure Gewinne ein, während die Arbeiter es noch nicht einmal zu einer annähernd entsprechenden Teuerungszulage gebracht haben. � Daneben bestehen in der Waffenbranche noch eine Reihe anderer Mißstände, auf deren Abstellung die Arbeiter jetzt mit aller Energie dringen. Da ist vor allem die Einrichtung des Zwischenmeistersyllems, die dem Waffen- arbeiter den Arbeitsertrag schmälert. Ain Sonntag hielten die drei in Betracht kommenden Organisationen, der Deutsche Metall- arbeiterverband, der Jndustriearbeiterverband und der Christliche Verband, eine gemeinsaine Versamm lung ab, in der die Notwendigkeit einer Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zum Ausdruek gebracht wurde. Wie der Ge schäftsführer des Deutschen MetallarbeiterverbandeZ, R a p p, in seinem Referat anführte, bestehen in dieser Branche mit ihrer aus reibenden Arbeitsweise noch Tagelöhne von 5 M. für männliche und Stundenlöhne von 20 bis 30 Pf. für weibliche Arbeiter. Diesen Löhnen, die man heute füglich als Hunger löhne bezeichnen kann, stehen riesige Gewinne der Unternehmer gegenüber. Eine der Solinger Waffenfirmen hatte im letzten Ge- jchgstsjahre einen Reingewinn von 1800 000 M. Auf die Arbeiter- zahl der Firma verrechnet, entfallen auf jeden Arbeiter 1800 M. die er der Firma an Mehrwert erarbeitet hat. Viele Arbeiter der Waffenbranche müssen heule noch zu FriedenSlöhncn arbeiten. Damit nicht genug, haben einige Firmen sogar versucht, Abzüge zu machen. Die Unternehmer verlassen sich auf ihre gute Organi- sation. Sie sind in einem Konsortium straff organisiert. Welche Schäden das Zwischenmeistersysteni für die Arbeiter in sich birgt, dasür führte der Redner ein Beispiel an: Als in einem Be- triebe eine Lohnzulage von 30 Proz. gewähr! wurde, steckten von dieser Zulage die Zwischenmcister 25 Proz, ein, während nur 5 Proz. ihren Weg nacki den Taschen der Arbeiter fanden. Die Beseitigung des Zwischenmeisterslffteins wird deshalb mit Recht als die wichtigste Forderung vertreten. Außer der Teuerungszulage werden entsprechende Zuschläge für Ueb er arbeit gefordert. Auch die Arbeitsverhältnisse sollen verbessert werden. Schließlich verlangen die Arbeiter für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn für Männer und Frauen. Diese Forderung ist leicht begründet, sagte der Redner des Metallarbeiter- Verbandes: die Militärverwaltung fragt den Fabrikanten auch nicht, ob ein Seitengewehr von einem Manne oder einer Frau gemacht sei. Sie zahlt den gleichen Preis. Die Redner der beiden anderen Organisationen sprachen im gleichen Sinne. Der Vertreter des Jndustriearbeiterverbandes führte aus. daß schnell geholfen werden müsse. Deshalb solle nian zunächst eine T e u er un gsz u Tajie fördern, die während hex längeren Zeih die die Schaffung eineS Tarifs in �Anspruch nehmen werde,, schon gezahlt werden müsse. Es sei ein Schlag ins Gesicht der'Arbeiler, daß die'■Unternehmer gewägt chälten, ihnen 5 Prozent Zulage zu bieten und dabei die Einschränkung zu machen, daß diese 5 Proz. nur für Luxus wasfen gezahlt werden sollten. In der Aussprache wurde scharf gerügt, daß die Unternehmer einen Preisaufschlag von 25 Proz., den die Militärverwaltung be- willigt, eingesteckt habe, ohne die Arbeiter daran teilnehnien zu lassen. Dem Gedanken einer Lohnbewegung stand man allgemein be- geistert gegenüber. Nächsten Sonntag wird eine Versammlung der Waffenarbeiter des gesamten Solinger Industriegebietes abgehalten, die zweifellos in dem gleichen Sinne sich entscheiden und die Ver- treter der Organisationen beauftragen wird, im Sinne der auf- geführten Forderungen an die Unternehmer heranzutreten. Die Lohnbewegung in TLitkowih und Mährisch-Ostran. Die Lohnbewegung in den großen Eisenwerksbetricben von Witkowitz und Mährisch-Ostrau ist nach etwa achttägigen Unter« Handlungen, an denen neben den Vertretern der Werke und dem Vertreter de? österreichischen und tschechischen Metallarbeiter- Verbandes Abgeordneten Domes auch Vertreter des Kriegsministe- riums, des ErnährungsmiiiisteriumS und der Gewerbebehörden teilgenommen haben, durch einen Vergleich beendet worden. Das wichtigste Ergebnis der gemeinsamen Unterhandlungen ist vor allem darin zu suchen, daß hier zum erstenmal das System eines starren JndustrieabsolutismuS durchbrochen wurde, wie es. die ganze Zeit hindurch unter dem früheren Generaldirektor Dr. Schuster in der gröbsten Form bestanden hat. Man bat nicht ohne langes Widerstreben den Notwendigkeiten der Zeit Rechnung getragen und die Vertreter der Organisation sowie die Vertrauens- männer der Arbeiterschaft, anerkannt und zum erstenmal gemeinsam mir dieseir Streitpunkte erledigt. In der Lohnfrage einigte man sich auf Mindestlöhne, bei denen bei den verschiedenen ' ArSeitergruppen folgende unterste Lohngrenze festgesetzt. wurde: Für Pxosessionisten für die Schicht 5 Kronen; für Maschinenarbeiter und qualifizierte Hilfsarbeiter 4,50 Kronen, illr gewöhnliche Hilfsarbeiter 4 Kronen; für solche von 16 bis 18 Jahren 3,50 Kronen, für solche vou 14 bis 16 Jahren 2,50 Kronen und für gleichalterigc Hilfsarbeiterinnen 3 Kronen und 2,30 Kronen. Für die Lohnverrechnung gilt natürlich das Akkordsystem und bilden diese Mindestlohnsätze nur die niedrigste Grenze für die normale Arbeitsslbicht, ohne die gewährleisteten Teuerungszulagen und Akkord- Prämien und ohne sonstige Zuschläge wie sie noch bei Uebersiunden- arbeit hinzukommen, bei der ein öOprozentiger Lohnaufschlag zu verrechnen ist. Dabei hat als normale Arbeitszeit bei den kontinuierlichen Betrieben die Zeit von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends, oder von 7 Uhr abends bis 6 Uhr früh zu gelten. Bei Sonntagsarbeit ist die Arbeitsschicht für olle Arbeiter mit einem fünfundsicbzigprozentigen Lohnzuschlag zu vergüten, was auch für die Hauptfeiertage, wie Ostersonntag, Pfingstsonntag, den ersten Weihnachtsfeiertag und den Neujahrstag gilt. Bezüglich der Regelung der Zeit- und Akkordlöhne erklärte sich die Zentral- direktion bereit, das ganze Lohnsystcm einer Revision zu unter- ziehen und ein entsprechendes Uebereinkommen mit den Parteien zu treffen. An den festgesetzten Akkordlöhnen dürfen keine Verände- rangen vorgenommen werden, wenn die maschinellen Einrichtungen keine Verbesserung erfahren. Was dieKriegSzulagen anlangt, so wurden diese wie folgt festgesetzt: Für den ledigen Arbeiter für den Ar- beitstag 70 Heller, für den verheirateten Arbeiter oder Witwer mit Wirtschafterin 1,50 Kronen und für jedes Kind, ob ehelich«der un- ehelich, unter 14 Jahren 40 Heller separat. Die Festsetzung der Minimallöhne stellen insofern einen bedeutsamen Fortschritt dar, als es solche bisher nur in Wien und Brünn gegeben hatte, und der weiteren Einführung von solchen die Weigerung der Unter- nehmer im Wege stand. Die aufgewendete Gesamtsumme für alle diese Zuwendungen beläuft sich auf etwa sechseinhalb Millionen Kronen.__ fluslanü. Nach dem Streik der niederländischen Bergarbeiter. Der niederländische Handelsminister hat die beiden Berg- arbeiteroerbände ersucht, je zwei Vertreter zu ernennen als Mit- glieder der Kommission, die gemäß seiner den Streikenden gegebenen Zusicherung die Lohnfrage einschl. der Möglichkeit des garantierten M i ii d c st l o h n S beraten soll.— Die 1700 internierten Belgier, die bei Ausbruch des Bergarbeiterstreiks wegen ihrer, Be- tciligung in ihre Lager zurückgeschickt wurden, sind noch nicht wieder eingestellt worden. Die zu ihren Gunsten vom modernen Berg- arbeitcrverband getanen Schritte blieben erfolglos. Deshalb haben die sozialdemokratischen Abgeordneten Ban den Tempek und Albarda sich an den Handels- und an den Kriegsminister gewendet. Wie „Het Volk" mitteilt, besteht sichere Aussicht, daß die Internierten, wovon viele ihre Familie ins Zechcngebiet hatten kommen lassen, nun doch wieder eingestellt werden. Soweit dies nicht auf einmal geschehen kann, soll die Reihenfolge durch dos Los bestimmt werden. Maßregelungen sollen auch den Internierten gegenüber ausgeschlos- sen bleiben._ Jouhaux an die italienischen Gewerkschaften. In italienischen Wanderarbeiter- und Organisiertenkreisen machte sich in letzter Zeit eine Mißstimmung gegen die französischen Gewerkschaften geltend, die seit der Rückkehr einiger tausend italie- nischcr Arbeiter aus Frankreich sich noch verstärkte. Man warf den französischen Gewerkschaften vor, daß sie gegen französisch-italie- nische Abmachungen über Arbeiterauswanderung seien, die die Jnter- essen der italienischen Eimvanderer zu schützen geeignet wären. In einem außerordentlich herzlichen Brief an die italienischen Gewcrk- schasten protestiert Jouhaux im Namen des französischen GeWerk- fichastsbundos. gegenodiese: Gerücht« und versichert die Italiener, daß die französischen. Gewerkschaftler alles tun werden und alles getan hätten, um die gesetzliche Festlegung der Rechte der ausländischen Arbeiter zu fördern. Allerdings kann sich Jouhaux in diesen Ver- ficherungen auf keine Schritte oder Handlungen des Gcwerkschasts- bundes in dieser Frage berufen. Die Ausstandsbewegung der'Charkower Dienstboten. Wie der Charkower„Jushnij Kraj" vom 29. Juni berichtet, hat die Berufsorganisation der Dienstboten am 28. Juni den all- gemeinen Ausstand erklärt. Die Veranlassung dazu gab das Nicht- erscheinen der Vertreter des Hausbesitzcrverbandes zu einer Sitzung der Einigungskommission. Es wird u. a. verlangt: für Köchinnen, Hausmädchen usw. ein Mindestlohn von 30 Rubeln monatlich bei freier Kost und Wohnung. Wer drei Monate im Dienst ist, hat Anspruch auf eine Gratifikation in Höhe eines Monatsgehalts Die Berufsorganisation ersuchte die Dienstherrschaften, die Ausständigen nicht aus den Wohnungen zu weisen, um Ausschreitungen zu ver- meiden. Die Dienstboten dürfen erst dann die Arbeit wieder auf- uehvien, loenn die Dicnstgeber die neuen Arbeitsbedingungen schrift- lich bestätigen. Am 28. Juni fanden vereinzelte Kundgebungen der Ausstän- digen statt. Soziales. Bisher ist die Amtsdauer der Beisitzer der Gewerbe- und Kauf- mannsgcrichte während des gegenwärtigen Krieges dreimal durch Bundcsatsverordnung verlängert worden. Zuletzt bis zum Ablauf von sechs Monaten nach der Beendigung des gegenwärtigen Kriegs- zustande». Maßgebend hierfür war die Erwägung, daß eine wäh- rend des Krieges vorgenommene Wahl wegen der Einberufung einer großen Zahl der Wahlberechtigten zu den Fahnen kein getreues Bild von dem Willen der. gesamten Wählerschaft geben würde. Daher sollte die Wahl solange aufgeschoben werden, bis die im Felde stehenden Wähler wenigstens größtenteils in die Heimat zurück- gekehrt und nicht mehr durch das Militärverhältnis an der Aus- Übung des Wahlrechts gehindert fein werden. Nun ist aber inzwischen eine große Sckwierigkeit in der Wahr- nehmung der Geschäfte der Gelverbe- und Kauftnannsgerichte durch das Fehlen der Beisitzer entstanden und sie wird um so mehr, cnt- stehen, wenn die Zahl der Beisitzer wahrend des' verlängerten Zeitraumes der Amtsdauer nicht ergänzt werden kann. Vielfach ist eine ordnungsmäßige Besetzung der Kammern schon recht schwierig. Ter Entwurf will nun die Möglichkeit schaffen, eine Ergänzung der Bei- sitzer herbeizuführen, soweit hierzu ein Bedürfnis vorhanden ist, oder solches später eintritt. Ob es vorhanden ist, soll die höben: Verwaltungsbehörde, bzw. bei JnnungS-�chiedsgerichten die Auf- sichtsbehördc der Innung, entscheiden. Wird es anerkannt, dann sollen Ersatzmänner von der zuständigen Kommunalverwaltung entsprechend der Vorschrift im§ 18 des Gewerbegerichts-Gesetzes gewählt werden. Für die Berg-Gewerbegerichte und die auf Grund von Landesgesetzen zur Entscheidung gewerblicher Streitigkeiten bc- rufenen nach§ 85 des G. G. G. fortbestehenden Gclverbegcrichte soll die höhere Verwaltungsbehörde die erforderliche Zahl von Beisitzern ernennen. Für die Jnnungs-Schtedsgerichte wird die Ernennung durch die Aufsichtsbehörde vorgeschlagen. Für die Wahl, bzw. Er- nennung der Beisitzer bleiben die Voraussetzungen der geltenden Gesetze bestehen. Soweit durch die Ortsstatuten der Gclverbegerichtc eine Zu- ziehung von mehr denn zwei Beisitzern erforderlich ist, soll die Zahl der Beisitzer auf zwei beschränkt werden. Ferner auch soll bei den Gewerbe- und Kaufmannsgerichtcn in dem ersten auf die Klage anberaumten Termin die Zuziebung der Beisitzer uifterbleibcn, sofern nicht besondere Gründe, die der Vorsitzende zu vermerken hat, die Hinzuziehung notwendig machen. Gcfahrcnkrcis des Betriebes. _ In ständiger Rechtsprechung Hai das Reichsvcrsicherungsamt entschieden, daß Unfälle, die sich aus dem Wege von und zur Ar- beitsstclle ereignen, nicht als Lctricdsunfällc anzusehen sind. Die Zurücklegung des Wege» von der Wohnung nach der Arbeitsstätie liege im eigenwirtschastlichen Interesse der Versicherten. Erst wenn ein Betrieosintercsse bei der Zurücklegung des Wege» in Betracht kommt, wird ein Betriebsunfall angenommen. Die im Betriebe der Schlächterei W. beschäftigte Arbeiterin Sch. erlitt am 17. Januar 1010 einen Unfall. Beim Äachhausegeben wurde sie im Hausflur des Fabrikgebäudes von einem anderen An- gestellten überrannt und dadurck zu Boden geworfen. Dieser An- gestellte war von der Firma zu dem Zweck angestellt, da» Personal zu überwachen, Diebstähle festzustellen. Am fraglichen Tage verfolgte der angestellte Detektiv einen Schlächtergesellen, der im Verdacht stand, sich Ware angeeignet zu haben. Bei dieser Verfolgung entstand der Unfall. Die Flcischerei-Berufsgenosscnschaft lehnte den Anspruch der Verletzten auf Entschädigung ab, weil die Sch. von dem Unfall auf dem Heimwege außerhalb der Betriebsstätte betroffen worden sei: nach der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamt» diese Unfälle nicht al» Betriebsunfälle anzusehen seien. Das Oberversicherungsamt Grvß-Bcrlin hob auf cingelegle Berufung den Bescheid der Genossenschaft auf und verurteilte die- selbe zur Anerkennung des Vorgänge» als Betriebsunfall. Die Genossenschaft nahm von der Einlegung des Rekurses Abstand, so daß die Entscheidung rechtskräftig geworden ist. Aus'der ÄevtzündStig' Sct- Entscheidung beben wir ffvlgsndr Sätze hervor: .Das Fabrjkskkiud«� in welchein dsq KliUerini ibre Arbeit- aas- übte, liegt abseits tvn der öffentlichen Straße, der-Lehrter-straße. Ilm von letzterer auf den eigentlichen Fabrikhof zu getaugcu, mußten die Arbeiter eine private Durchfahrt durch ein Vordergebäude-be- nutzen, welche naturgemäß infolge ihrer ganzen Bcfchaffeuyeit zu einem Unfälle, wie ihn die Klägerin erlitten hat, leicht Verau- lassung geben konnte. Wenn die Klägerin daher innerhalb dieser Durchfahrt von einem Angestellten des Betriebes, während dieser von der Fabrik aus.einen vermeintlichen Dieb verfolgte, umge- stoßen wurde, so steht dieser Unfall sowohl in örtlichem wie ursäch- lichcn Zusammenhange mit dem Betriebe und seinen Gefahren." Es lagen in dem vorliegenden Fall besondere Umstände vor, auf Grund dessen auch das Reichs-BcrsicherungSamt in ähnlich ge- lagerten Fällen stet» Betriebsunfall angenommen hat. Ergänzungswahlen zu den Gewerbe- usw. Gerichten. In seiner letzten Tagung ist dem Reichstag ein Gesetzentwurf zugegangen über die Ergänzung der Beisitzer der Gewerbegerichte, der Kaufmannsgerichte- und der Jnnungs-Schiedsgcrichte während des Krieges. Der Enftourfi ist noch nicht zur Verabschiedung ge- kommen. Wahrscheinlich wird er in der Herbsttagung erledigt werden. Haudwerkslehre für Kriegsbeschädigte. Der sächsische Gewerbekamniertag hat sich auf eine Anregung des sächfiichen Ministeriums des Innern, die dahin ging, den Kriegs- besttwdiglen im voraus eine Verkürzung der dreijährigen Lehrzeit auf Grund des 8 130a. Abs. 3 der Gewerbeordnung zuzugesteben, bereit erklärt, den Kriegsbeschädigten, die infolge der Dienstbeschädi- gung ein Handwerk zu erlernen gewillt sind, insoweit entgegen- zukommen, als grundsätzlich von ihnen nur eine zweijährige Lehr- zeit gefordert werden soll. Dabei soll den Gewerbekammern im einzelnen das Recht zustehen, einen weiteren Erlaß auszusprechen. NetterauSsicbten für das mittlere Siorddentscüland diS Freitag mittag. Warm, vielfach wollig, geringe Niederschläge: strichweise Gewitter. Äerautwortl. f. Politik: Dr. Franz Ticdcrich, Berlin-Friedenau: für d.- übrigen Teil des BlatteS: Alfred Scholz. Neukölln: für Inserate: Tl». Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Borwärl» Luchdruckerci u. VcrIagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage und Uuicrhaltunzsdlatt. Sind'» die Augen. ßeh' tu Ruhrikel I Braucken Sie Ihre klugen noch zur Ausübung Ihres Berufes, dann kann schon die Ausgleichung kleiner Fehler durch passende Augengläser Ihnen in einer Woche mehr einbringen, als Sie dafür in drei Jahren auszugeben brauchen.— Passende Sanoscop« Gläser helfen Ihr Augenlicht Ihnen erhalten bis ins hohe Alter. Wir garantieren für passende Gläser: Dabei ist die Augen-Nntersuchung kostenlos. Zufrieden find Sie aber mit Augengläsern nur. wenn Sie verschont bleiben von Augen- beschwerden. 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X06 Bete Zicgel-Str, astlai Alexander-Platz neben Afch �inrotr.r.OÄtröwsit. ra 72,«a.'M-.iurZ.'r«kr, so. sssssa».' KNKÄN W.«tW.kKft plftctaiarkf, tät WaO-su. M Ehauffte-Sfr. 72, 7/i f/lltj..........---- U? 5* lvt inrfi* UVSOi f/f/f/llllllii lifii i u ii 1 1 Li"/liOiJ u/k ü 1 1 i i 1 1 r 1 1 1 1 t.m\i\\\\\\\\\\\\v\x\v\v\vxsvx Ariedenau: «Hchr-Str. 18. Ä«tatz-s*. gegenüber bei tkalsei- Slcbe Wilmersdorf: »erlwer Str. 132-3 <. d. llbland- Str. Schöneberg: haapi- Strohe 121 (Am ttaifer- Wilhelm» Platz) Hr. 202 ♦> 34. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 26. Juli 1 0l 7 Parteinachrichten. Für den Verständi�ungsfrieden und die Demokratie. Zu einer imposanten Kundgebung für den Frieden und die De- uiokratie gestaltete sich eine Volksversammlung, die am Dienstag abend in Bernburg(Anhalt) unter freiem Himmel tagte. Die Versammlung ivar von nichrercn tausend Personen aus allen Schichten der Bevölkerung besucht. Dem Redner, Abg. Schöpf- l i n, wurde stürmischer Beifall gezollt und einstimmig eine Eni- schl:cßimg angenommen, die einen Verständigungsfricdcn und die Demokratisierung forderte. Prcsirrsolg. Den höchsten Abonncntenstand seit Kriegsbeginn bat zurzeit die„Volkswacht" in Freiburg zu verzeichnen. Die Redak- tion weist daraus hin, daß besonders in der Stadt Freiburg die Auf- läge erfreuliche Fortschritte mache. Selbst das Bürgertum bat die tägliche Kriegskost im Sinne der„Breisgauer Zeitung" satt. Die Zahl der Feldpojtabonneuten beträgt rund 2000. Aus den Organisationen. l Die Wahlkreisorganisation des Riesengebirgskreises Hirschberg- Schönau nabm in einer außerordentlichen Versammlung zum Würz- durgcr Parteitag und zur Politik der Partei Stellung. Nach einem Vortrag des Reichstagskandidaten des Kreises, Schiller lWaldcn- bllrg>. stellte sich die Konferenz wieder einmütig aus den Boden der Politik der Mehrheit. In einer ausführlichen Debatte wurden die Frage der Kriegszielc, das Friedensproblcm und die innerpolitischen Fragen erörtert. Allgemein wurde die unverständige Politik der so- genannten„Unabhängigen" als schädlich für die Sache des Volkes wie der Partei bezeichnet. Wer sich in so schwerer Zeit selbst aus- schalte und eine so lächerlich eigensinnige Politik der Rechthaberei und Zanksucht betreibe, könne als ernster Faktor der Arbcitcrbewe- gung nicht mehr gelten. Einstimmig wurde die Hoffnung ausgc- sprachen, d,rß der Würzburger Parteitag zu einer starken Samm- lung für die sozialdemokratische deutsche Zukunftsarbeit werden möge. In diesem Sinne wurde eine Delegation beschlossen. • Am 22. Juli tagte der Kreisverein für Mülhausen seit dem 2t>. Juli 1914 zum ersten Male wieder. Genosse Emmel hatte es wohl im Auftrage des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei seit Frühjahr 191a übernommen, die Beiträge entgegenzunehmen, im übrigen aber ruhte jede Parteitätigkeit. Gen. P arg mann konnte mitteilen, daß trotz aller Schwierig- leiten der stand der Presse über Erwarten gut stehe; wohl habe der Krieg, das lange Nichterscheinen der Zeitung und nicht zuletzt die Gegenagitation der früheren Parteigenossen uns zeitweise sehr gc- schädigt, trotzdem sei die Auflage fortgesetzt gestiegen und stehe heute im Verhältnis zu den bürgerlichen Blättern glänzend da. In län- gerer Debatte billigen alle Genossen die Stellungnahme der„Volks- zeitung" in diesen Fragen. Als Ergebnis der Aussprache wurde unter Zustimmung der ganzen Versammlung festgestellt, daß nur die Genossen Schilling und Emmel als Vertreter der sozial- demokratischen Partei des Kreises Mülhausen im Gemeinde- au s sch u ß, Bezirkstag und Landtag anerkannt werden. Es wird dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß dies auch formell in diesen Körperschaften zum Ausdruck gebracht wird.— Als Dclc- kgerter zum Würzburger Parteitag wurde Genosse G l a t t b a ch gewählt; eine Aussprache soll noch stattfinden, wenn die Berichte für den Parteitag erschienen sind. Eine außerordentliche Krciskonferenz des Wahlkreises Gießen war von 15 Delegierten aus 10 Parteiorten besucht. Vetters behau- deltc die Ausgaben des Parteitages. Hauptsache sei, daß die Partei geschlossen dastehe und ihren Beschlüssen den nötigen Nachdruck geben könne und ferner, daß man sich dabei auf den Boden unseres Pro- gramms und der internationalen Sozialdemokratie stelle. Vetters wurde zum Delegierten bestimmt. Drei Vorstandsmitglieder des WablvereinS in Gießen, Beck- mann, Günther und Jödt, beriefen, wie berichtet, unbesugterweise eine Versammlung ein, die ebenso unberechtigt beschloß,„mit Ak- tiven und Passiven" zur Unabhängigen Partei überzutreten. Eine ordnungsmäßig einberufene Versammlung beschloß einstimmig, den Vorstand zu beauftragen, von Beckmann die Herausgabe des Ver- einseigcntums zu verlangen und bei Weigerung mit gerichtlichen Schritten vorzugehen. Es wurden nach kurzer Aussprache über die Aufgaben des Parteitags, der Ende August in Würzburg stattfinden soll, Arnold, Förster und Frau Wissel als Delegierte bestimmt. Der 6. hannoversche Wall l kreis Verde» a. A. hielt am Sonntag, dcy 22. Juli, sein« Kreisgeneralversammlung ab. In einer Reso- lution stimmte die Versammlung der Politik der Reichswgsfraktion und des Parteivorstandcs zu. Ein Antrag wurde angenommen, daß der Parteitag beschließen möge: Für das Staatsbudget solle nur gestimmt werden, wenn die volle Gleichberechtigung der Sozialdemo- kratie zugestanden wird. Zum Delegierten nach dem Parteitag wurde Batzky«Verden) gewählt. Der 8. hannoversche Wahlkreis Blumenthal-Stadt hielt am Sonntag, den 22. Juli, s«ine Kreisgcneralversawmlung in Vegesack ab. Auch diejenigen Redner der Minderheit, die nicht mit allen Schritten der Mehrheit in der Partei einverstanden sind, sprachen sich für die Geschlossenheit der Partei und gegen alle Zersplitte- runflSvestrebungen ans. Einigkeit tue angesichts der bevorstehenden wirtschaftlichen und politischen Kämpfe dringend not. Ter Streit in der Partei müsse beseitigt und die einheitliche Front wieder her- gestellt werden. Zum Delegierten nach dem Parteitage wurde Ge- nosse Menke(Burgdamm) gewählt. OroßSerün Der walö und üas§elü. Der Sommerwind sang in den Zweigen des Waldes und wellte, wie mit leisen Händen, die mannshohe Saat des Feldes, daß sie dort, wo er sie beugte, silbergrau aufschimmerte. Der Tag ging zur Rüste. Schräg und tiefgelb fielen die Sonnenstrahlen auf die Erde. Eine große Ruhe atmete ringsumher. Da formte sich das Rauschen des Waldes zu einer raunenden Stimme und in den Halmen des Feldes wisperte ihr Antwort. „Wie sind die Tage still und eintönig geworden! Die Paare, die sonst zur Sommerszeit gern unter meineni Laub- dach loandelten, vermisse ich nun schon Jahre hindurch. Nur 5kinder und einsame Frauen sehe ich hin und wieder!" „Wald, das ist der Krieg! Mir geht es ebenso. Auch aus meinen blnmenbestandenen Rainen ist alle Fröhlichkeit gewichen. Kein Strauß wird mehr von Menschenhänden gepflückt. kein Kränzlein gewunden!" „Und die Vögel, die in den Kronen meiner Bäume nisten, wußten in jedem Frühling soviel zu erzählen von fernen Schlachten, von Brand und Grauen, von Tod und Vernichtung!" „Sahst du die Feldgrauen nicht, die an Stöcken durch meine reifende Pracht einherhumpelten, oder den Arm in der Binde trugen s Die reden nicht viel. Nur selten öffnen sich ihre Lippen. Aber in ihren Augen spiegelt der Widerschein von Furchtbarem, das sie weit draußen gesehen!" „Und wird es nie wieder werden, lvie ehedem? Werden Lachen und frohe Worte nie wieder in meinen schattigen Hallen erschallen?" „Wenn der Friede kommt, wird es lvieder werden, wie einst!" „Der Friede? Wird er denn noch lange auf sich warten lassen?..." Ein Kuckuck rief irgendwo im Dickicht. Der Wald schwieg. Dann ging in jähen Stößen ein Rauschen durch seine Kronen; das klang wie tiefes Seufzen. Not rann letztes Tagesleuchten um seine Stämme; das sah aus wie Blut. Im Felde begannen die Grillen zu zirpen; erst eine, dann niehrere, dann viele. Und die roten Blätter der Mohnblumen, die dicht gedrängt am Feldrain standen, schimmerten wie Blut— wie tropfendes Wundenblut... Die Nacht hatte sich auf die Erde gesenkt.— Die juristische Sprechstunde bleibt in der Woche vom 23.-28. Juli geschlossen. 104 Millionen Mark Einkommensteuer in Groft-Berlin. Das endgültige Ergebnis der staatlichen Einkommensteuer- Veranlagung für 1917, bas wir bereits für den Stadtkreis Berlin »citgeteilt haben, liegt jetzt auch nach Mitteilungen von zuständiger Stelle für Groß-Berlin vor. Das gesamte Einkommenstenersoll ohne die gesetzlichen Zuschläge beträgt danach für Berlin und die Vororte 1 0 1 0 4 6 4 1 8 M. gegen 92 945 506 M. im vorigen Jahre, so daß sich ein Mehr von nicbt weniger als 11 100 912 M. ergibt. Im vorigen Jahre betrug der Zuwachs gegenüber 1915 nur 8,6 Mil- lionen. Von der diesjährigen Steuerzunahme von ll,1 Millionen entfallen auf Berlin 2 980 857 M., auf die Vororte und Landkreise dagegen 8 120 055 M. Die Steuerkraft der Bevölkerung ist, wie man aus diesen Zablen ersieht, in den Groß-Bcrliner Vororten weit stärker angewachsen als in Berlin. Mit dem Steuersoll von 104 Millionen M. wind auch das Steuerergebnis des letzten Friedens- jahres, das 1914 91,8 Millionen betrug, um Über 12 Millionen Mark über troffen. Auf die einzelnen Gemeinden und Beran- lagungsbezirte Grotz-Berlins entfallen folgende Steuerbeträge, wobei die Zunahme oder Abnahme gegen 1916 in Klammern beige- fügt ist: Berlin 48 058 838 M.(-f 2 980 857 M.l. Charlottenburg 14 186 503 M.(+ 1 586 031 M.). Schön cberg 5 525 317 Mark(+ 78 093 M.). Wilmersdorf 5605254 M.(— 201 329 Mark). Neukölln 3579243 M.(+ 598875 M.). Lichtenberg 1918 081 M.(+ 14 522 M). Spandau 1676 778 M. (+ 56 373 M.). Kreis Niederbarnim 8 258 388 M. (+ 3 072 433 M.). Kreis Teltow 15243016 M.(-ft 2641957 Mark). Die schon im Vorjahre festgestellte Bewegung, daß die Steuer- kraft der Vororte, insbesondere der großen Landgemoinden, auch in der Kriegszeit sehr stark anwächst, ergibt sich auch aus der dies- jährigen Aufstellung der Groß-Berliner Steuerergebnisse. Äller- diugs mit einer auffälligen Ausnahme: Wilmersdorf hat als ein- ziger Veranlagungsbczirk nicht nur keine Zunahme, sondern sogar einen Rückgang um 201,329 M. zu verzeichnen. Höchstwahrscheinlich ist dieser auf das überwiegende Gepräge Wilmersdorfs als bessere Wohngcmoinde zurückzuführen, da in einer solchen während des Krieges zahlreiche Einkommen von Beamten und Militär- Personen bei der Besteuerung ausfallen. Weitaus am stärksten, sowohl Überhaupt wie im Verhältnis, ist die Zunahme des Steuer- crtrages im Kreise Niederbarnim mit nicht weniger als 36 Proz. Es folgen dann: Neukölln mit einer Zunahme von 17,4 Proz., Kreis Teltow mit 17,2 Proz., Cl>arloltcliburg mit 11,2 Proz., Berlin mit 5,9 Proz., Spandau mit 3,4 Proz., Schöncberg mit 1,5 Proz. und Lichtenberg mit 0,75 Proz. Wilmersdorfs Abnahme belänft sich auf 3,6 Proz. Die durchschnittliche Zunahme des Steuerergcb- nisses in Groß Berlin beträgt gegen 1916 11,8 Proz., während sie im vorigen Jahre gegen 1915 10,26 Proz. betragen hatte. Erhöhung der Beförderungsgebühren. Am 1. August tritt das Rcichsgesetz über die Besteuerung des Personen- und Güterverkehrs vom 8. April 1917 hinsichtlich des Eisenbahnverkehrs von Gütern, Tieren, Leichen, Fahrzeugen und Expreßgut einschließlich Milch in Kraft. Von diesem Zeilpunkt erhöhen sich alle deutschen Beförderungsgebühren um rund 7 Proz. Neben der Güterabgabe wird der Fracht- Urkunden st empel weiter erhoben; er wird für Fracht- stückgut und Expreßgut auf 15 Pf., für Eilstückgut auf 30 Pf. erhöht, für Frachtgut in Wagenladungen bei einem Frachtbetrage von nicht mehr als 25 M. beträgt er nunmehr 1 M. 50 Pf., bei höheren Frachtbeträgen 3 M., für Eilgut in Wagenl adungen 3 M. und 5 M. Bei der Beförderung von Kohlen erhöhen sich die Stempel- betröge für Wagenladungen auf 2 M. und 4M.— Stückgüter, die mit Eilfrachlbriefen aufgegeben, aber zu ermäßigten Frachlsätzen be- fördert werden, unterliegen künstig dem Stempel für Frachlstückgut. Die in Händen der Verkehrstreibenden befindlichen Fracht- Urkundenstempelmarken zu 10 und 20 Pf. können weiter verwendet werden, jedoch sind den Frachtbriefen für Frachtstückgut und den Eisenbahnpaketadresscn zur Ergänzung Stempelmarken zu 5 Pf. und den Frachtbriefen für Eilstückgut 10 Pf. zuzukleben. Das gleiche gilt von den Vordrucken mit eingedrucktem Stempel. Die Erhebung der Kohlensteuer. Zur Ausführung des Kohlensteucrgesctzes hat der Bundesrat zwei wichtige Bestimmungen genehmigt. Die eine legt die Grund- sätze fest für die Einrichtungen, die die Gemeinden oder Gemeinde- verbände treffen werdezc, um den Inhabern von Kleinwobnungen die Ermäßigung um die Hälfte der Steuer sicherzustellen. Es muß festgestellt werden, was überall als Kleinwohnung anzusehen ist und welche Mengen als Jahresbedarf zugebilligt werden. Auch Koks kann als Hausbrand geliefert werden. Die Gemeinden müssen auch dafür sorgen, daß der Hausbrand mindestens um den Betrag der Steuerermäßigung billiger als sonst ist.� Weit umfangreicher sind die Vorschriften für die Erhebung der«Steuer. Sie umfassen«in kleines Buch. Vor allem sehen sie die Zusammensetzung und Zu- ständigkeit der neuen Wertprüfungsstellen vor. Diese sollen die Anmeldung und die Festsetzung der Steuern vereinfachen und er- leichtern. Sehr wichtig sind die Bestimmungen über die zulässige Ueberwälzung der«Steuer bei den Verträgen über Lieferung von Kohle, Brennstoffen, elektrischer Arbeit, Gas, Wasser, Heizung und Dampfkraft, Beförderung von Personen und Gütern usw. Es wird darin auch zu den wichtigen Fragen der Ausführung der lieber- wälzung der Steuer, vor allem bei Elcktrizitäts-, Gas- und Wasser- lieferungen Stellung genommen. Inländische Kohle ist in ihrer Beschaffenheit zur Zeit der Abgabe stcuerpslichtig, ausländische, so- wie sie die Grenze überschreitet. Nicht besteuert werden Kohlen, die zur Aufrechterhaltung des Betriebs des Bergwerks sowie der Aufbereitungsanlagen erforderlich sind. Die Kohle, die Lokomotiven beim Ueberschreiten der Grenze als Betriebsmittel mit sich führen, bleibt steucrftei. Als Wert der verkauften Kohle gilt der Verkaufs- preis ab Grube oder Verarbeitungsstelle gerechnet. Auch Nachver- gütungen sind voll steuerpflichtig. Selbst der Anteil am Gewinn eines W.icderverkäufcrs ist zum Teil steuerpflichtig. Der Steuersatz beträgt 20 v. H. des Wertes und soll über 500 Millionen Mark im Jahr bringen._ Die Teuerungszulagen für Staatsarbeiter. Für Teuerungszulagen an Lohnempfänger im Bereich der all- gemeinen Verwaltung gelten folgende Sätze. Sie können Arbeiiem gewährt werden, die mit Aussicht auf dauernde Beibehaltung tat- sächlich beschäftigt sind, sowie sonstigen Lobnemvfängern in eineui arbeiter« oder unter beamtenähnlichen Verhältnisse. Voraussetzung ist. daß die Zulage der örtlichen Verhältnisse wegen erforderlich ist. Die KriegSbeihilsen werden mit Wirkung vom 1. April bewilligt. Es können gewährt werden den kinderlos verheirateten Lohil- empiängern bis zu 6 M. monatlich, den verheirateten Lohn- empfängerii mit einem Kinde unter 14 Jahren bis zu 9 M., den verheirateten Lohnempfäugern mit zwei Kindern bis zu 12 M.. den verheirateten Lohnempfängern mit drei Kindern bis zu 15 M.. für jedes weiter zu berücksichtigende Kind 3 M. mehr. Ledigen Lohn- empsäugern solvie solchen Personen, bei denen die gestiegenen Teuerungs- verhältnisse bereits durch Lohnerhöhungen ausreichend berücksichtigt find, oder die nur vorübergehend und ohne Aussicht aus�daucrnde Beibehaltung oder nur nebenher in der allgemeinen StaatSver- waltung beschäftigt werden, werden Kriegsbeihitsen nicht gewährt. AIS dauernd beschäftigt lönnen auch Lohnempfänger angesehen werden, die für die Dauer deS Krieges als Ersatz für eingezogene Unterbeamte oder Arbeiter angenommen sind, sobald sie mindestens 6 Monate im Dienste der Verwaltung stehen. Lobn und Bethilfe darf die Mindeslbezüge der Unterbeamlen nicht übersteigen. Frauen werden den verheirateten Lohnempfäligern mit Kindern gleichgestellt, wenn sie verwitwet, geschieden oder eheverlassen sind und Kinder unter 14 Jahren unentgeltlich unterhalten. Für ein vermehrtes Sammeln von Beeren und Pilzen tritt der Vorsitzende der Reichsstelle für Gemüse und Obst, Ober- regierungsrat v. Tilly, in einem Rundschreiben an die Landesstellen ein.„Der Grundsatz, daß alle zur menschlichen Ernährung ge- eigneten Stoffe restlos verwertet werden müssen, wird hinsichtlich der Pilze und Waldbeeren noch nicht überall, namentlich nicht von privaten Forstverwallungen, genügend beachtet. Vielfach ist das Betreten von Waldungen zum Sammeln von Beeren und Pilzen entweder überhaupt verboten oder nur gegen eine Ausweiskarte gestattet, für die eine hohe Gebühr erhoben wird, beifpielsweife 1 M. für den Tag und die Person oder 10 M. für die Berechtigung zum zweimaligen Sammeln in der Woche. Als Begründung wird vorgebrocht, daß einzelne Personen im vergangenen Jahre durch Sammeln von Pilzen und Beeren beträchtlich(1000 M. und mebr) verdient hätten, und daß durch diesen leichten Gewinn der Landwirtschaft und anderen Betrieben Arbeitskräfte entzogen würden. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß in diesem Jabre zum Sammeln in größerem Umfange nur jugendliche Personen, besonders Schulkinder unter Aufsicht ihrer Lehrer, in Betracht kommen, die ohnehin für schwere land- und forstwirtschaftliche Arbeiten nicht verwendbar sind und größere Barbrträge für den ungewissen Verdienst durch das Pilz- und Beerensammeln nichl aufzuwenden vermögen. Auch die Ge- fahr, daß ab und zu durch das Sammeln ein geringer Wildschaden entsteht, muß unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit in Kauf ge- Nammen werden. Ich ersuche daher ergebenst, soweit die Forstver- Verwaltungen nicht selbst die r e st l o s e Verwertung der Pilz- und Beerenenile in die Hand nehmen, nach Maßgabe der landesrechtlichei: Bestimmungen mit allen geeigneten Mitteln tunlichsicr Beschleuni- gung dahin zu wirken, daß diese allgemeinen Verbote aufgehoben sowie daß die Erlaubniskarten an zuverläisige Personen unentgeltlich oder wenigstens nur gegen eine angemessen niedrige Gebühr erteilt werden." Der Mimster der öffentlichen Arbeiten hat aus eine Anfrage der Reichsstelle für Gemüse und Obst, um den freiwillig eingerichteten Sammel- und Helserdienst der Schuljugend für das Sammeln von Pilzen, Beeren und Wildgemüse tunlichst zu fördern. Arnveifung gegeben, daß der Schuljugend bei ihren Eisenbahnfahrten zum Ab- suchen der Wälder nach wildwachsenden Nutzpflanzen, wie eßbaren Pilzen, Wildgemüsearten, Wildfrllchten. Teekräutern usw., ausnahm-« iveise die tarifmäßige Fahrpreisermäßigung für Schulfahrten, d. i. der halbe Fahrpreis dritter Klasse, auch dann gewährt werden kann, wenn weniger als zehn Schüler an einer Fahrt teil- nehmen. Wegen allgemeiner Regelung der Frage der beizu- bringenden Ausweise, die die Schüler bei Beanspruchung der Fahrt- begünstigung berechtigen sollen, soll die Reichsstelle für Gemüfe und Obst mit der iönigl. Eiienbabndireltion Berlin in Verbindung treten. Die zu sammelnden Pilze, Kräuter usw. dürsten nach weiterer Mitteilung des Eisen bahnministers zum weitaus größten Teil unter die Feld- und Gartensrüchte fallen, für die eine be- sondere Frachtermäßigung, ferner in der Zeit bis zum 31. August eilgutmäßige Beförderung zu Fra«chtgutsätzen durch den Kriegs- ausnahmetarif Nr. 2 II? bereits gewährt ist. Die Anrechnung von Nährmitteln auf die Massen- speisung. Der Arbeitsausschuß der Groß-Berliner Gemeinden hat sich, wie angekündigt, in seiner letzten Sitzung auch mit der Frage be- schäftigt, ob und inwieweit die bei den Maffenspeisungen verwendeten Nährmittel den Teilnehmern auf die von den Gemeinden verteilten Nährmittelmengen angerechnet werden sollen. Wie wir hören, wurde die weitere Prüfung der Frage einem Unterausschuß überwiesen, doch ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Entscheidung dahin zu er- warten, daß in der Tat ein Teil der Nährmittel, etwa die Hälfte, auf die durch Lebensmittelkarten zu verteilenden Nährmittel an- gerechnet werden wird. Man steht auf dem Standpunkt, daß in An« betracht der zu erwartenden begrenzten Mengen die gleichzeitige Ab- gäbe von Nährmitteln durch die Massenspeisung eine Benachteiligung derjenigen Bcvölkerungskreise bedeutet, die nicht an den Massen« speisungen teilnehmen._ Etwas mehr Licht in den Marmeladenwirrwarr! Durch Bundesratsverordnung vom 14. Dezember 1915 ist für Marmelade der Klaffe II, wie sie der Berliner Magistrat jetzt ver- teilt, bei pfnndweisem Verkauf ein Höchstpreis von 60 Pf. festgesetzt lvorden. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß dieser Höchstpreis auf die mit Genehmigung der Kriegsgesellschaft für Obstkönserven und Marmeladen verreilten Produlle keine Anwendung finden soll.. Im Wirtschaftsjahr 1916/17 wurde die Bevölkerung mit einem tciliveiie arg minderwertigen Kriegsmus abgespeist, das ebenfalls 60 Pf. kostete. Zur Begründung dieser Panscherei wurde stets angegeben. die Menge der überhaupt hergestellten Marmelade sei so gering, daß sie nur den notwendigsten Heeresbedarf decke und von der Heeres- Verwaltung auch gänzlich in Anspruch genommen loerde. Jetzt im Juli 1917 kann der Magistrat Berlin plötzlich eine Millionenöevölkc- rung mit Marmelade beliefern— natürlich zu erheblich höheren Preisen(100, 85 und 64 Pf.). Wo kommt denn diese mit Aepseln ge» mischte Marmelade jetzt im Sommer plötzlich her. Das der Bevölke- rung zu sagen, hat die Kriegsgesellschafl alle Veranlassung. Dabei köimte sie auch gleich mit angeben, ob wir jetzt vielleicht nur darum lein Frischobst erhalten, damit im Juli 1918 wieder leure Marmelade verteilt werden kann._ AuSlandSkäse. Die Fettstelle Groß-Berlin(Käse) macht darauf aufmerlsam, daß der auf Grund der vom 3.-5. Juli staltgefundenen Anmeldung in den 6 Groß-Bcrliner Sladtgenieniden zum Verkauf gelangende Auslandskäse im Laufe dieser Woche von den Kleinhändlern abgeholt werden muß. Nach dem 29. Juli(Sonmagf findet ein Verkauf nicht mehr statt; über den nicht abgeholten«äse wird anderweitig verfügt. ?cr Preis für ausländische Seife. Nach einer Bekanntmachung des Stellvertreters des Neichskan�Iers werden die örtlichen Prefs» prümngsstellen cwnqchtigt, Kleinhändlern, die nachweislich noch iißer ausländische Seife verfügen, die sie vor dem 10. Mai llllJ zu höheren als.den in den Ausführungsbeslimmungen vom 21. Juni 1lll7 festgesetzten Preisen eingekauft haben, zu gestatten, die Bestände zu einem unter Zugrundelegung des Einkaufspreises von den Preis« prüfungsstellen festgesetzten angemessenen Preise während der Zeit vem 1. bis zum 31. August 1917 zu velkaufen. Familicnunterstützung unehelicher Kinder. Uneheliche Kinder von Kriegsteilnehmern haben bekanntlich Anspruch auf Familienunter- slützung, wenn die Unterhaltungspflicht deS zum Kriegsdienst eingezogenen Baters festgestellt ist. Bisher war zweifelhaft, ob dieser Anspruch auch dann geltend gemacht werden könnte, lvenn sich der Bater durch eine vom VormundschaflSgericht genehmigte Abfindung 1711 B. G. B.) von der lausenden Unterhaliungspfiicht befreit hatte. Nunmehr hat sich der Reichskanzler lNeichsanrt deS Innern) damit einverstanden erklärt, das; den unehelichen Kindern Familien nntersiützung auch in solchen Fällen gewährt werden kann, sofern nach Lage der Verhältnisse die Bedürsligkeit anzuerkennen ist. Zur Nachahmung empfohlen. Ein löbliches Beispiel, da« weit- gehcndfte Nachachtung verdiente, haben die Gemüsebauer in Guben gegeben. Auch sie lieferten zuerst, wie das leider fast überall vor- kommt, ihre Erzeugnisse nach auswärts, so das; die Gubener Wochen- Märkte leer und die dortigen Bewohner ohne Gemüse blieben. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen, legte sich der Gubener Obst- und Gcmüsegartenverein ins Mittel und seine Bemühungen hatten den Erfolg, dafi schon der nächste Wochenmarkt nnt Gemüse und Obst reich beschickt lvar. Es gab besonders große Mengen an Bohnen. Karotten, Kohlrabi, Gurken usw., die bisher nach auswärts verkauft worden waren. Mehreren Gubener Gcmüseerzeugern waren vonGroß-Berliner Fabriken 30 Proz. über den für Guben fest gefetzten Höchstpreis angeboten worden, doch haben die Händler das Angebot glatt abgelehnt. Eine Brotkartcnbörfe wurde von der Kriminalpolizei im Zen- trum der- Stadt aufgehoben. Eine Händlerin Frida F e h m e r l i n g. die Tochter eines berüchtigten Hehlers, der gegenwärtig wieder eine längere Strafe verbüßt, und die auch selbst schon wiederholt die Strafbehörden beschäftigt hat, hatte sich mit einem Bügler Schulz zum Brotkartenhandel zusammcngetan. Die beiden saßen in der Maske harmloser Gäste in einer Wirtschaft an einem Tische bei- iommen. Erst heimlich und dann immer offener boten sie den Gästen Brotkarten zum Kauf an. Die Gelegenheit sprach sich herum, und eS kamen immer mehr Leute, von ihr Gebrauch zu machen. Ohne viel Gerede legten die Gäste das Geld auf den Tisch und erhielten die verlangten Karten. Die Geschäfte kamen zur Kenntnis der Polizei. Als gestern überraschend Beamte erschienen, ivarfen die beiden alle Karten, etwa 200 Stück, auf die Erde und blieben ruhig sitzen. Sie behaupteten dann, die Karten, die herum- lagen, gingen sie nichts an, sie ivüßten nicht, ivie und von wem sie dahin gekommen seien. Die Beamten ließen sich aber nicht täuschen, sondern nahmen beide fest. Die Württembcrgischen WeinstuSen in der Linkstraße geschlossen. Das KriegSwucheraml hat dem Gastwirt Wilhelm Landen- berger, dem Inhaber der bekannten.Württembergische» Wein- stuben", Berlin, Linkstr. 6, wegen Unzuverlässigkcit den Handel, be- sonders die Abgabe von Speisen und Getränken in Gastwirtschaften. untersagt. Damit verbunden ist die zwangsweise Schließung des Lokals. Wie in allen solchen Fällen ist diese Maßregel erfolgt, weil in dem Lokal die gesetzlichen Bestimmungen zur Vereinfachung der Beköstigung nicht oder nur unvollkommen beachtet wurden. Der Wirt hatte u. a. geduldet, daß Fleisch- und Eierspeisen ohne Karten- abschnitte an die Gäste abgegeben wurden. Eine Spur von dem Falkcnhagencr Mörder. Der Unbekannte, der vor etwa zwei Monaten den Nachtwächter Engel in Falkenhagen erschossen hat, ist noch immer nicht ergriffen, treibt vielmehr noch jetzt in der dortigen Gegend sei«. Um»«?«», deren Schrecken er seit longer Zeit bildet. Vor kurzem erst hat er in der Näbe des Falken- bagener Sees eine Frau überfallen und beraubt. Die Frau erstattete Anzeige und begab sich mit einem Gendarmen aus Seegefeld an den Tatort, wo der Beamte nähere Ermittelungen anstellen wollte. Plötzlich fielen kurz hintereinander mehrere Schüsse, die zweifellos dem Gendarmen galten. Die Kugeln verfehlten glücklicher- weise ihr Ziel und schlugen in unmittelbarer Nähe der Bäume ein. Eine der Kugeln konnte aus dem Baumstamm heraus- geschnitten werden und die Feststellungen ergaben mit voller Sicher- heit, daß eS sich um ein 9-MiNimeter-Geschoß handelte, mit dem auch seinerzeit der Nachtwächter Engel in Falkenhagen erschossen worden ist. Von vornherein hatte die Behörde mit der Wahrschein- lichkeit gerechnet, daß der Schütze und der Mörder des Wächters identisch seien, und diese Annahme hat nun aucki ihre volle Bestäti- gung gesunden. Die Beschreibung, die die Überfallene Frau von dem Täter gegeben hat, stimmt genau mit der iiberein, die mehrere Personen von dem Mörder des Nachtwächters Engel entworfen haben. Leider ist es bisher trotz größler Bemühungen der Polizeibehörden nicht gelungen, den gefährlichen Burschen, der auch als Urheber ver- schiedener anderer Verbrechen in jener Gegend in Betracht kommt, unschädlich zu machen. �,._ Charlotteniurg. Die Charlottenburger Lebensmittel- karten werden am Dienstag. Mittwoch und Donnerstag der nächsten Woche in der Zeit von 8—1 und 4—8 Uhr an die HauS- besitzer ausgegeben. An diesen drei Tagen sind die Brotkommissionen vormittags nur für diesen Zweck geöffnet. Am Freitag, den 27., Sonnabend, den 28. und Montag, den 30. Juli, sind die Brot- kommissionen überbaupt nur nachmittags von 4—8 Uhr ge- öffnet. Zur Bewältigung des Reiseverkehrs sind die Kam- Missionen von Montag, den 6. bis einschließlich Mittwoch, den 15. August, von 8—1 und 4—8 Uhr geöffnet, am Sonntag, den 12. August, nur von 8—12 Uhr.— Gegenüber den Beschwerden über Lieferung von saurer Magermilch weist der Magistrat darauf hin, daß diesem Mangel nicht abgeholfen werden kann, da eine Umwandlung von bereits in angesäuertem Zustande in Berlin anlangender Magermilch in trinkserngen, d. h. süßen Zustand technisch unmöglich ist. Die mangelhafte Beschaffenheit der nach Groß-Berlin eingesührten Magermilch ist durch da« Fehlen ge- eigneter Kühlvorrichtungen lind gelernten Personals am Erzeugerorte veranlaßt. UebrigenS kann die Magermilch zur Herstellung von Suppen, Speisen und weißem Käse in saurem Zustande sehr gut verwendet werden.— In der Zeit vom 27. bis 29. Juli werden an die Charlottenburger Bevölkerung auf Abschnitt 27 der Eierkarte drei Eier verabfolgt. Spandau. Von Donnerstag, den 23. Juli ab, wird gegen Ab- trennung von Feld 3 der Lebensmittelkarle K u n st h o n i g auS- gegeben, und zwar auf jede Lebensmittelkarte 250 Gramm. Der Verkaufspreis darf 55 Pf. für ein Pfund nicht übersteigen.— In verschiedenen Geschäften ist noch Auslandsmarnielade auf Feld 10 der Lebensmittelkarte zu haben. Feld 10 verliert mit Ab- lauf von Donnerstag, den 26. Juli, feine Gültigkeit. Etwa dann noch vorhandene Reste von Marmelade können gegen Vorzeigung der Lebensmittelkarte verkauft werden. 75 Proz. Mehl wird auf 50 Pf. festgesetzt. Bei Bruchteilen darf der Betrag aus volle- Pfennige abgerundet werden. Die Gastwirts- und Konditoreibetriebe werden ausgefordert, die Bezugscheine über Kaffee-Ersatz vom Donnerstag, den 26. Juli, ab, und zwar die GastwirtSbetriebe bei Herrn Obmann Schüttler. Berliner Straße 43, in der Zeit von 11 Uhr vormittag« bi« 1 Uhr nachmittags, die Konditoreibetriebe bei Herrn Obmann Jung, Saalestroße 1/2, in der Zeit von 8—10 Uhr vormittag« gegen Le- gitimation abzuholen. Die Bezugscheine, welche innerhalb acht Tagen nicht abgeholt werden, verlieren ihre Gültigkeit. Neukölln. Lebensmittel. Von Freitag, den 27. Juli, bis Donnerstag, den 2. August, dürfet? in denjenigen Geschäften, in welchen die allgemeine Lebensmittelkarte mit den Abschnitten 15 bis 32 zum Bezüge von Kolonialwaren fGrieß. Graupen uiw.) angemeldet ist, auf den Abschnitt 33 der Neutöllner Lebensmittelkarte 125 Gramm Teigwaren abgegeben und entnommen werden. Die neu aufgelegte Kundenliste für den Bezug von Kolonialwaren hat bei diesem Verkauf noch keine Gültigkeit, weil die Belieferung der Kleinhändler nach Maßgabe der allen Kundenliste vorgenommen werden mußte, Der LeilausspreiZ für 500 Gramm Teigwaren au« Nicdcrschönhauseu. Lebensmittel. Die Berieilung des Ein- machezuckers und KnnsthonigS erfolgt in der Zeit vom 26. bis 3l. Juli bei den Kaufleuten, bei denen seinerzeit die Anmeldungen eriolaten. Zur Empfangnahme berechtigen der Sonderabschnitt III/IV der allgemeinen weißen Zuckerkarte zur Abnahme von 2'/, Pfund Einmachezucker oder 3>/z Pfund Kunsthonig. Statt Ein- ?nachezucker wird eventuell Kandis verabfolgt.— Auf die laufende E i e r k a r t e enisallen bis zum 29. Juli auf je eine Karte« i n E i zum Preise von 34 Pf. das Stück.— Die Erneuerung der Milch- karten für Kranke und schwangere Frauen findet am Donnerstag und Freitag von 8 bis 1 Uhr im Rathause, Zi???mer 20, statt sBuchstaben A.— 1- am Donnerstag. M— Z Freilag). Ausweis und alte Milchkarten find mitzubringen. Die Ausgabe der grüuen Milchkarten für die über 60 Jahre alten Personen erfolgt an? Montag, den 30. Juli, für die Buchstaben A.— I-, am DienStog, den 31. Juli, für die Buchstaben M—Z. — Da« an d,r Sachsen st raße belegene Schulgrund- st ü ck der Gemeinde soll vom 1. Oktober ab auf zunächst ein Jahr in kleinen Parzellen von zirka 400 Ouadratmetern zur kandwirt- ichastliche».Nutzung verpachtet werden. Minderbemittelte kommen in erster Linie in Frage. Anmeldungen werden bis zum 1. August im Rathaus, Zimmer 36, entgegengenommen. Friedrichshagen. Lebensmittel. Heute gelangen auf Abschnitt X der Lebensmittelkarte Haferflocken zur Ausgabe. Auf jede Karte entfallen 200 Gramm zum Preis« von 20 Pf. Ferner kommen in den Kartoffelbandlungen fris che Kohlrüben zum verkauf: 1 Pfund kostet 40 Pf. Auf Abschnitt Z der Lebensmittelkarte und einen Kartoffelkartenabschnitt dieser Woche gelangt>/, Pfund Kar- t o f f e l n zur Verteilung._ Neuregelung der Brotzulage« im Kreist Teltow. Da« gesamte Brotzulagewesen wird, wie bekannt, neugeregelt. Die Ausgabe der Zusatzkarten an die berechtigten Schwer- und Schwerstarbeiter wird nicht mehr durch die Gemeindebehörden oder die Brotkoinmiisionen erfolgen, sondern durch die Betriebe selbst, in denen die Arbeiter beschäftigt sind. Im Kreise Teltow sind jetzt auch alle in Ge- meinhen, die nicht zur Brotkartengemeinschaft Groß-Berlin gehören, gelegenen gewerblichen und landwirtschaftlichen Betriebe vom Vor- sitzenden des Tcltower KreiSauSichusseS aufgefordert worden, die bei ihnen beschäftigten krankenversicherungSpflichugen Personen mit Ausschluß des Bureaupersonals, der kaufmännischen und technischen Angestellten und der Selbstversorger bis spätesten» den 31. Juli bei den» zuständigen Magistrat, Gemeinde- oder GulSvorsteher ihres Betriebssitzes anzumelden. Personen, die nach§ 169 der Reichs- verficherungS ordnung versicherungsfrei sind, sind ebenfalls anzu- »nelden. Der Aufkaufspreis für Frühkartoffeln im Kreise Teltow, zu dein die Teltowcr KriegSwirtschastSgesellschaft durch djz bevollmächtigten Händler den Auskauf bewirkt, beträgt vom Donnerstag, den 26. d. MtS., ab bis auf weiter«« 8,76 M. je Zentner._ Groß-Serliner parteinachrichten. Sozialdemokratischer Wahloerri« für de« Wahlkreis Potsdam- Spandau- Ofthavclland. Sonntag, den 29. Juli, mittag« 12 Uhr, findet in Berlin, TewerkfchaftShauS, Engelufer 16, Saal 8, die Kreisgeneralversammlung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht; 2. Bericht der Revisoren und der Preßkommission; 3. Stellungnahme zum Parteitag in Würzburg und Wohl eine» Delegierten: 4. Statutenberatung; 5. Anträge; 6. Wahl des gesamten Kr eis vor stände«. Industrie und Handel. Es wird glänzend weiter verdient. Die Verwaltung des Stahlwerkes Becker in Willis teilt mii, daß der Abschluß für 1916/17 auf das verdoppelte Aktien- kapital die Verteilung einer gleich hohen Dividende wie im Vor- jähre von 30 Proz. gestatten wird. Der Bestand an Aufträgen sei am 1. Juli annähernd doppelt so groß als im Vorjahre. Die Ver- Handlungen wegen gemeinsamen Betriebes des Hochofen- und Stahlwerkes mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nürirberg seien noch nicht zum Abschluß gelaugt, da die vollstä??dige Berücksichtigung der nicht ganz gleichartigen Interessen, welche die beiden Gesell- schaften bei der Betriebsführung eines gemeinsamen Werke« gel- tend zu machen haben, gewisse Schwierigkeiten biete. Mit den Westfälischen Stahlwerken sei, wie auch bereits von uns mitgeteilt, über eine Beteiligung an diesen Anlagen weder verhandelt wvrdcü, noch bestehe eine dahingehende Absicht. ES ist geradezu empörend, daß angesichts dieses glänzenden Ge- schäftsganges die Industriellen noch nicht genug hohe Preise be- kommen und die„Köln. Ztg." eine reichlicher« Erzeugung von der Gewährung besserer Preise abhängig macht. Das rheinische Blatt schreibt:„Die Preisprüfungsstellen haben gewiß daS lobenswerte Bestreben, die Preisbildung in einem angemessenen Rah inen zu halten, scheinen aber bei dieser Arbeit den Selbstiosten-Berechuungen der Erzeuger nicht immer eine genügend sachgemäße Würdigung zuteil werden zu lassen, was die Wirkung hat, daß eine reich- lichere Erzeugung ausbleibt. Ep würde unserer Landes- Verteidigung zum Nutzen gereichen, wenn hierin bald Wandel ein- treten würde." Preisfrage: Bei wie viel Prozent Dividende stellen die schwer- industriellen Patrioten ihre ganze produktive Leistungsfähigkeit in den Dienst des Vaterlandes?______ Ter MarkkurS. Der Markkurs hat einen neuerlichen Tiefstand erreicht. Für 100 M. werden in Zürich 63,45 Fr.(im Frieden 124), in Rotter- dam 33,50 Gulden(im Frieden 69) gezahlt. Die Reichsbank hat sich nun veranlaßt gesehen, den Verkauf österreichisch-ungarischer Wert- Papiere nur unter der Bedingung zuzulassen, daß das so entstehende Markguthaben zur Bezahlung von Schuldverbindlichkeiten in Deutschland benutzt oder der österrcichisch-ungarischen Devise??zen- trale zur Verfugung gestellt wird. Die„Frks. Ztg." bemerkt dazu: „Ebenso wie in früheren Monaten, als die uns verbündete Mon- archie noch nicht ihren Zahlungsverkehr mit dem Auslande zentrali- siert hatte, vielfach EfsekteNankäufe in Deutschland vorgenommen wurden, war bis in die neueste Zeit hinein ein bisweilen sehr eifriges Bestreben auf feiten österreichisch-ungarischer Privatleute und Firmen erkennbar, sich in Deutschland durch Verkäufe von Wertpapieren, darunter Aktien sowohl wie österreichisch-ungarischer Staats- und Kriegsanleihen Mark-Gelder zu verschaffen. Nicht alle diese Erlöse dienten rein dem österreichisch-deutschen Wirtschaftsder- kehr, und nicht alle Kanäle, auf deneu manche dieser Effektenerlösc dann im neutralen Auslande in fremde Valuten umgewandelt wurden, ließen sich verstopfen, und oft genug hat man die Mattigkeit der Reichsmark und mittelbar oder direkt auch die der Krone auf solche Ouellen zu» rückgeführt; Bankhäuser an neutralen Plätzen mußten oar- über recht gut unterrichtet sein,"_ �; � m Der Norddeutsche Lloyd im Kriege. In dem eben erschienenen Jahrbuch 1916/17 des Norddeutschen Lloyd macht Generaldirektor H e i n c ck c n interessante Ausführun- gen über die Tätigkeit dieser zweitgrößten dcutichen Schiffahrtsge- scllschast im Kriege und ihre Aussichten im Frieden. Einige Schisse sind als Kriegssahrzeuge verwendet Wochen. Zwei Frachtdampser, die Norderney und die Schwaben, waren in der Erzfahrt von Schweden beschäftigt. Dabei stieß die Norderney auf eine feindliche Mine und sank. Ter Gewinn aus diesen Fahrten wich durch die hohen Kosten der Versicherung geschmälert. Dabei deckt die Versicherung nicht den vollen Wert, den die Schiffe heute haben. Auch für die Ueberführung von in neutralen Häfen liegenden Dampfern in die Heimat müßten hohe Prämien gezahlt werden.„Für ein Objekt von 10 Millionen Mark zum Beispiel 6 Proz. Versicherungsprämie zahlen zu müssen, ist, selbst wenn man bei glücklicher Ankunft des Dampfers 2 Proz. zurückvergütet erhält, keine Kleinigkeit." Der Norddeutsche Lloyd sucht sich von dem Londoner Versicherungsmarktc zu emanzipiere». Unter Führung der Deutschen Nationalbank in Bremen und des Bankhauses E. C. Weylhausen wurde ein Kapital von 4 Millionen Mark zusammengebracht und damit das Aktienkapital der„Se- c u r i t a s" aus insgesamt 8 Millionen Mark erhöht. Diese Ver- sicherungsgesellschaft, die sich bisher auf das Unfall- und Haftpflicht. geschäst beschränkte, wird sich künftighin auch auf die Transport- Versicherung und die Rückversicherung gegen Feuerschäden legen. Der Norddeutsche Lloyd yat im Einvernehmen mit dem Ober- kommando im Osten und gemeinschaftlich»nit der Hainburg- Amerika-Linie in Kowno und Warschau je ein Bureau er- richtet, um Auswanderern aus den besetzten Gebieten Ge- legcnheit zur Ueberfahrt nach Amerika zu geben. Diese Personen werden nach Holland gebracht, von lvo ihre Beförderung allerdings auf holländischen Dampfern erfolgt. Ter größte Teil geht aus Rotterdam nach den Bereinigten Staaten, inancke wandern auch über N?nsterdam nach Südamerika aus. Ein ähnliches Bureau ist in Myslowicz für den Verkehr aus den von Oesterreich be- setzten Gebieten eingerichtet. Generaldirektor Heinecken sagt, daß die dadurch erwachsenen Einnahmen im wesentlichen nur die cigent- lichen Unkosten decken und gleichzeitig erlauben, die Angestellten und Arbeiter des Norddeutschen Lloyd zu beschäftigen, die sonst arbeitslos wären. Aus demselben Grund« hat sich der Norddeutsche Lloyd auch entschlossen, die Verpflegung von Kriegsge- fange nenlagern zu übernehme??. Er hat im Bereiche des 10. Armeekorps nach und nach die Einrichtung und Verpflegung von etwa 20 Gefangenenlagern mit einer Belegschaft von rund 20 000 Man übertragen erhalten. In neuerer Zeit sind die technischcnBetriebe inPre- mer haben für die Herstellung von Heeresmaterial benutzt worden. Wie erklärlich, hat sich der Norddeutsche Lloyd auch mit dem Ersatz seiner Schiffsverluste beschäftigt. Ein Teil der im Bau gegebenen Schiffe war noch vor dem Kriege bestellt und zwar zu Preisen, die sich ganz erheblich unter den heutigen bewegen. Ein anderer Teil wurde erst während des Krieges zu entsprechend höheren Preisen in Auftrag gegeben. Außer den beiden großen Bruttoregistertonnen und den beiden Passagier- und Fracht- Bruttoregistertonnen, und unseren beiden Passagier- und Fracht- danrpfer» München und Zeppelin, Schissen zwischen 17 000 und 18 000 Tonnen, wurden eine ganze Anzahl größerer Fracht- dantpfer in Auftrag gegeben. Auf diese Schiffsbestellungen sind übrigens nicht nur alle fälligen Bauraten bezahlt, sondern schon nalnbafte Vorauszahlungen an die Werften geleistet. Generaldirektor H e i n e ck c n glaubt??icht an einen Handel?- krieg nach dem Waffenkrieg, warnt aber vor übertriebenen Hoff- nungen auf die Frachtenkonjunktur nach dem Krieg. Briefkasten öer Redaktion. «4. P. ßt. Kacte�echalten, Besten Tank.— K. L.. Feldpost. Brief erhalten. Abdruck kann leider nicht ersolgen.— H. B. 43. Wenden Sie sich �N das Eisenbahnverlebrsamt II, Jrn'alidenstr. 5t. 91. K. 20. Termin hat noch iricht ftattgefuNdrn. Datum ist uns nicht bekannt.— 44 811. E.B. 1. Sine Bevorzugung im Urlaub ist nicht zulässig. 2. Zur Nachholung der kirchlichen Trauung können Sie Urlaub erhalten;.ein Anrecht darauf besteht aber nicht.— I. L. 100. 1. Nein. 2. Zur krjegStrauung kann Urlaub gewährt werden, ein Ansvruch daraus bestebt Nicht. 3. Arbeitsmlanb kann cbentalls gewährt werden.— H. K. 51. Wer eine 5'/, jährige Dienstzeit al« Unterosfizirr hinter sich hat. bat Anspruch aus die Löhnung für Sergeanten.— B 465. 1. Einen Anwruch aus Urlaub zum Zwecke der Verheiratung haben Sie nicht. 2. Ein solcher Auszug ist nicht erhältlich.— M. B. 89. Machen Sie eine Eingabe unter Darlegung der Verhältnisse an daS KriegSminisierium. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Buchdrucker 51982 Paul Heßberg am 22. Juli im Alter van 5t Jahren sonst enlschlasen ist. In tiefer Trauer Frau Martha Hrsiberg nebst Kinder«. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle in KäuISdors aus statl. ----- SozialdemokratiscberVerein liedertiralni.(s. p. d.) Beslrb Kanlsdorf. Hierdurch die Mitteilung, daß nnser Genosse, der Ge- »neindevertreter Paul tießberg am Sonntag Irüh an den Folgen eines Betriebsunfalls gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung sindct an? Freitag, den 26. Juli, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Friedhof» in KaulSdorf statt. 246/14 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden und Be kannten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Mlmia Grünberg geb. Krlssw plötzlich und unerwartet sapsl entschlafen Ist. I4b DieS zeigen schmerzersllllt an vurtar Grünberg und Kinder Euorpstr. 8. Die Beerdtgimg findet am Freitag, den 27. Juli. nach. nritlag« SUhr.von dcrLeichcn- balle de» Reuen Jakobi- KirchhoiS au« statt. Nachruf. Bon dem Bolltrefser einer Granate getrofien. siel am 10. Juli 1917 unser lieber Freund und Kollege, der Maschinenmeister Alfred Büchel im Alter von 24 Jahren. Seine langjährige Tätig- keit in der freien Jugend- bcwegung al» Spediteur und später als Gruppen» Iciter, sein stet« heitere« und hilsSbereiteS Besen sichern ihm ein bleibende« An- denken- 298/10 Boi-Iln-Sttdeii. Hämorrhoiden Verlang. Sie Gratisnrogpekt. Dr. Cxelthard& Cle.. Berlin 117, Hallesfche Str. 236. Uestmsnn's TrauermaSDzln| | Größte AuwaliL Billigst« Preise. L Uehrentlrale 37a! (Kolonnadem |'l. Or. Frankfurter Str. I1£| (nahe Andreasstr.i •«■wshlisedungen toten Amt �cnTntm 7890. ISsestag 12— 2 Uhr gatHnet 1 ©Haben®ie FuSbesebwcnien? empsehle nach Maß bossenk gearbeitet. Stütreintsgen sowie Brnchbandngen aller Act. Leibbinden. Stützkorsetts usw., Artikel zur Ge- sundbeil»- u. Krankenpflege.* Pollinannjonbflgiö, Berlin X. Lothringer Str. 60, Lieferut fOr Krukenkuiai. Nr. 202— 1§1 7 Unterhaltungsblatt öes vorwärts '•5■y:.71 Donnerstag, 26. Juli Der Kampf Zwischen Nomaöen unö Dauern in der afiatijchen Türkei. Der Kampf zwischen Nomaden und Ackerbauern, der selbst im östlichen Europa längst der Geschichte augehört, spielt in dem osiatischen Reich der Türkei noch immer eine große Nolle. DoS liegt nun aber nicht daran, daß in den türkischen Gebieten keine Poli�eigewalt vorhanden wäre. Diese ist schon da. aber sie isl in der Regel nicht zur Stelle oder zu schwach, um die sich immer er- »eueruden Konflikte zwischen Nomaden- und Bauernwirlschasl unter» drücken zu können. Will man den Ursprung dieser Kämpfe, die sich oft in konfessioneller oder völkischer Verkleidung abspielen, richtig verstehen, so muß man sich daran erinnern, daß dos asiatische Reich der Türlei gerade diejenigen Gebiete Vorderasiens umfaßt, die die moderne Kultursorschung als Oasenländer bezeichnet. Es sind dies Steppengebiete, in denen Oaien eingebettet liegen. Die großen historischen Landschaften der Türkei: Anatolien, Armenien, Syrien und Mesopotamien weisen alle die eigentümliche Mischung von Oasen- und Steppenland aus. Das Stcppenland der asiatischen Türkei gehört ganz über- wiegend dem Typus der Strauchsteppe. Es ist bedeckt mit Sträuchcrn von Kniehöhe und darüber, die dürr und dornig dem steinigen Boden entsprießen. Dazwischen entwickeln sich, wenn die Frühjahrsregen fallen. Gräser und Kräuter zu weitständig und un- regelmäßig, um geinäht werden zu kömien, die im Sommer schnell verdorren und ein nährstoffreiches Heu auf denr Halm bilden, das den Herdentieren der Nomaden in der langen, regenarmen Z�eit als einzige Nahrungsquelle dient. Sollen die türkischen Steppen überhaupt wirtschaftlich ausgenutzt werden, so kann dies nur durch Viehzucht im Umherziehen, das heißt in der Form der � Nomadenwirtschaft geschehen. Die Nomadenwirtschaft be- schränkt sich aber nicht auf die Aufzucht von Schafen und Ziegen, sie züchtet auch Transporttiere wie Pferde, Kamele und Esel, und um diese wirtschaftlich auszunutzen, übernimmt der Nomade auch den Transport von Gütern, So sind die Nomadenstämme der Steppen Hirten und Frachtführer zugleich; bei ihrem unsteten Leben machen sie sich aber auch kein Gewissen daraus, die Bauern aus- zurauben und auszuplündern, wo sie es ungestraft tun zu können glauben. Kein Zweifel, ohne die Nomaden wären die weiten Steppen der asiatischen Türkei völlig menschenleere Gebiete, denn keine andere als die Nomadenwirtschaft ist in dem regenarmen Steppen- gebiet � möglich. Der Volkswirt und Staatsmann kann daher ihre Berechtigung nicht bestreiten, wenngleich er den mir ihr zurzeit verbundenen Mißstand des Raubs und der Plünderung aufs tiefste beklagen muß. Denn die Nomadenwirtschaft erzeugt für daS ganze Volk auf einem Boden, der in anderer Weise nicht nutz« bar zu machen wäre, Werte und Güter, die gerade für die Ausfuhr des Landes von größter Bedeutung sind. Freilich, wer die Nomaden- Wirtschaft vom Standpunkt des Bauern beurteilt, muß in ihr einen Fluch der Menschheit sehen..Wenn im Frühling/ so berichtet nach eigener Anschauung Dr. Sachau. Direktor des orientalischen Seminars in Berlin,„die Saaten des Bauern lustig sprießen und ihm eine reiche Ernte verheißen, dann erblickt er eines Morgens auf seinen und der Nachbarn Aeckern überall, soweit der Blick schweift, überall Hunderte vielleicht Tausende von Kamelen, die in aller Gemütsruhe in we- »igen Tagen alles Grün abfressen, ohne daß der Bauer auch nur eine Haud gegen sie erheben darf. Dann verschwinden diese Un- holde wieder ebenso geheimnisvoll in daS Nichts, aus dem sie her- gekommen sind, und was sie dem Bauer hinterlassen, ist Misere, ist Hunger. Aber nicht genug damit, er mutz außerdem noch jenen dämonischen Machthävern, welche solche Kamelmassen dirigieren, Steuern zahlen, Steuern in Geld und Waren, wie er andererseits dem oSmanischen Staate Steuern zahlen muß/ Man könnte hier die Frage auswerfen, warum die Bauern, die ja zumeist kräftige, wehrfähige Leute sind, sich nicht zum Selbst- schütz organisieren. Der Grund für ihr passive« Verhalten liegt wohl darin, daß sie gegenüber den Nomadenhorden, die unstet durch die Steppen streifen, nicht zahlreich genug sind. Denn Ackerbau kann ja in diesen Gebieten nur in Oasen getrieben werden, die sich längs den Flußläufen hinziehen oder zerstreut an Quellen oder in Gebirgstälern liegen. Da ist es denn schwer, genügend Leute zusammenzuziehen, um die Nomaden zu vertreiben. Ein stets zuverlässiger Schutz der Bauernbevölkerung, deren Aecker an die Weidegebiele der Nomaden grenzen, wäre überhaupt nur zu er- zielen, wenn überall Eisenbahnen vorhanden wären, die es den Be- Hörden ermöglichten, auf telegraphischen Anruf militärische» Schutz in das bedrohte Gebiet zu schicken. Gegenwärtig brauchen Truppen, die von Bagdad»ach Jerusalem gebracht werden sollen, drei bis vier Wochen Zeit hierzu. Mit einer Eisenbahn, die diese beiden Städte verbindet, wäre«ine halbtägige Fahrt hierzu ausreichend, um aus Mesopotamien nach Palästina zu kommen. Man sieht hier- aus, welch' ungeheure Bedeutung die Eisenbahne» für die Her- stelluug des Landfriedens in den Oasengebieten erlangen töiinlen, Mit Militär- und Polizeigewalt allein würde sich freilich ein ewiger Frieden zwischen Noniaden- und Bauernwirtschaft auch nicht herstellen lassen. Hierzu wäre weiter notwendig, daß auch die Bauern dazu angehallen werde», auf die Lebensinteressen der Nomaden ge- nügend Rücksicht zu nehmen. Diese brauchen freien Zugang für ihr Vieh zu den Quellen und Flüssen der Oasen; sie brauchen sür ihre Herden zuweilen auch Futter, das auf dem Acker gewachsen ist. Vorsorge müßte getroffen iverden, daß sie in den Oasen beides auf rechtmäßige Weise finden könnten. Die Herstellung eines ge- rechten Friedens zwischen Nomaden und Bauern müßte die Steuer- kraft des Reiches ganz außerordentlich steigern. Lange Flußtäler init fruchtbarem Boden, die in blühende Oasen verwandelt werden könnten, liegen heute wie menschenleere Einöden da. weil eine dauernde Wirtschaft der Nomaden wegen nicht bestehen kann, wäh- rend unter anderen Umständen, und zwar ohne jede Beeinträch- tigung der Nomadenwirtschaft in der Steppe, Hunderte von Dörfern dort ein befriedigendes Dasein führen könnten. Eisenbahnen, Land- straßen, Brücken und Fährboote wären in Verbindung mit einer modernen Verwaltung die Zaubermittel, die das asiatische Reich der Türkei au« langer wirtschaftlicher Todesstarre zu blühendem Leben erwecken könnten. Die biologische öeüeutung ües pflanzenüufts. Niemand wird heute annehmen, die Pflanzen erzeugten Wohl- gerüche, nur um des Menschen Nase zu erfreuen, aber wenige kümmern sich um die biologische Bedeutung dieser Einrichtung in der Natur, d. h. die Aufgabe, die sie zu erfüllen hat. In einem lesenswerten Aufsatz bespricht Dr. Krause in der„Parfümeric- Zeitung" die natürliche Bedeutung der Riechstoffe für die Pflanzen. Früher begnügte man sich einfach damit, die ätherischen Oelc als Stoffwechselprodukte anzusehen, heute weiß man jedoch, daß sie nicht einfach Abfallstosse sind, die der Pslanzenkörpcr loswerden will und deshalb ausscheidet, sondern daß die Duftstoffc, ob sie nun angenehm oder unangenehm riechen, lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen haben. In großen Zügen angedeutet, kämen sie für die Erhaltung der Pflanzen in dreierlei Art in Betracht, sie hätten die Fortpflanzung zu sichern, oder zu verhindern, daß die Pflanze von Tieren gefressen wird, oder schließlich auch einen Schutz gegen zu heftige Sonnenbestrahlung und Austrocknung zu bieten. Tie von den Blüten ausgeschiedenen Duftstoffe sollen Infekten anlocken. Diese Tiere, vor allem handelt es sich um Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, flattern, wie wir all jedem schönen Sommertag sehen können, durch den Duft angelockt von Blüte zu Blüte, über- tragen dabei den Blütenstaub von einer Pflanze auf die andere und vollziehen so die Bestäubung, als deren Folge Früchte und Samen ausgebildet werden. Der Wohlgeruch ist hier also in den Dienst der Fortpflanzung gestellt und dient nur dazu, die �dem Verkehr zwischen den einzelnen Pflanzen dienenden Insekten aus sich aufmerksam zu machen. Neben dem Duft, wie ihn die Nose ausströmt, kann auch der Gestank der indischen Wunderknolle das gleiche Ziel erreichen. Ganz andere Aufgaben als die ätherischen Oele der Blüten haben die von den krautigen Teilen der Pflanzen, vor allem die von den Blättern abgeschiedenen Nicchstoffe. Eine ihrer Hauptverrichtungen besteht zweifellos darin, die betrcfsenden Gewächse gegen weidende Tiere, gegen Schneckensraß oder ähnliche Angriffe zu belvahren. Vor allem trifft dies für die vielen Oele zu, die einen scharfen, oft sogar etwas beißenden Geruch besitzen und denen infolgedessen meist auch ei» ähnlicher übler, gewöhnlich etwas brennender Geschmack zukommt. Die Drüsen, die diese Oele ausscheiden» sind übevems empsindlick. So hat Haberlandt z. B. nachgeiviesQw datz.di«,D«i,seN vou.RantCJwrten bc: leichten Krümmungen oder Spannungen, wie sie schon infolge oberflächlicher Be- rührung vorkommen, sieb öffnen und das in ihnen enthaltene Ocl austreten lassen, eine Erscheinung, die sehr wahrscheinlich dazu beiträgt, den«chutz gegen Fraß zu erhöhen. Dazu kommt noch, daß die ätherischen Oele solcher Pflanzen meist mehr oder weniger giftig sind, Fliegen, Bienen und Hummeln werden in einer Atmosphäre von Pfefserminzpl binnen weniger Sekunden betäubt oder getötet, ebenso sterben Schnecken, die aus ei» mit Gase bedecktes, Pfcfferminzöl enthaltenes Gefäß gesetzt Iverden, in kurzer Zeit. In anderen Fällen äußert sich die Giftwirkung auch auf der Haut. Nebe» der Aufgabe, ein Schutzmittel gegen Ticrfraß zu sein, können die ätherischen Oele aber auch noch andere Zwecke.erfüllen. Man hat die Beobachtung gemacht, daß starkriechende Pflanzen vor- wiegend an sonnigen und trockenen Standorten wachsen, und von den Busch- und Strauchheiden des Mittelmeergebiets, den meist au» Myrthcn, Lorbeer und anderen Duftstoffpflanzen zusammen- gesetzten Macchien ist bekannt, daß sie bei ruhigem, klarem Wetter schon von weitem durch ihren scharfen würzigen Geruch auffallen. Diese Oele bilden in Gasform um die Pflanzen herum eine Hülle, eine Art Dunstkreis, der Blätter und Siengel gegen die äußere warme Lust sowie gegen die allzu pralle Bestrahlung durch die Sonne schützt und sie so vor der Gefahr des Pertrockncns, der sie an ihrem sandigen Standort doppelt leicht ausgesetzt sind, schützt. Biel- fach besteht der Trockenschutz, der durch die Abscheidung der leiebr vcrsliegbarcn ätherischen Oele bewirkt wird, nicht nur in der Bl!- dung einer Dunstatmosphäre, sondern es kommt nicht selten vor, daß die ausgeschiedenen Oele an der Lust schnell verharzen und dann einen mehr oder weniger dichten Lacküberzug über die Blätter. bilden, der diese ebenfalls gegen das Ansicockncn schützt. Tarnopol. Unsere in Südostgalizien vordringenden Truppen haben die Siryöa übersckirilten und stehe» in Tarnopol. die HaupistaM Galizieus» Podoliens. Große und kleine, über die Landschaft verstreuie Teickie und überall hocb emporragende Ruinen verleihen diesem Landstriche ein besondere? Gepräge. Podolien war das Einsallstor der Türken und Tataren. Befestigte lind mit starken Mauern umgebene Schlösicr und Burgen mußten die Einsälle aufhallen, den unzähligen HeercS- massen und Horden die Stinie bieten, sich dem Osten als Bollwerke vorschieben und den Westen vor der lleberflulung schützen. An einem großen Teiche liegt Tarnopol. Da! alter- inntlich« Schloß war ein Zeuge der furchtbare» Kämpfe. Die Stadt selbst wurde im sechzehnten Jahrhundert vom Krakauer Kastellan Jan Dornowski erbaut. Die Gegend ist hier ziemlich reizlos. Von allen Seiten offen, ohne eine schützende Hügelkette. Strenge Winter und glutbeiße Sommer. Ein galizi- schcs Sibirien nennt man sie. Doch bald ändert sich das Bild der Landschaft, dem Sude» zu. lleppige Kornfelder wogen. Buchen und Eichen tauchen auf, leuchtend und glänzend ivinden sich die Täler. immer bunter und immer glutvoller werden die Farben der Felder und Wiesen, die allniählich in die fruchtbare Schwarzerde Galtziens lCzarnoziem) übergehen. Mit meißelnder Kraft preßt sich der Sereth durch die Hochebene, und weile Schltichlen öffnen den Boden. Hinter dem Maillflecken Mikulince mit seiner aus dem lS. Jahr- hundert stammenden historisch bekannte? Burg ragen a»f einer steilen, roten Sandsteiilwand. der die amnulig am Gnieznabache gelegene Stadl vorgelagert ist, die großartigen Ruinen de? Schlosses Trembowla empor. Nur an einer Seite mit der Hochebene verbunden, ist die Bergzunge sonst durch die Gniezna und die Peezenijaichlucht völlig abgeschnilien, weshalb den» auch vor ollem da« Schloß von großer strategischer Bedeutung war. Von der Höhe der noch gut erhaltenen lliiifasiungSmauer und den Basteien schweift der Blick über die blühende, üppige Landschaft, über die dunkelgrünen Wälder und die in lichten Glanz gebadeten Weizenfelder. Einst war Trem- bowla die Residenz ruthenischer Fürsten. An den seste» Mauern der Burg zerschellten tatarische und wallachiiche Anstürme. Auch dem noidöstlich von Tarnopol, hart an der russischen Grenze gelegenen Zbaraz bewahrt die Geschichir ehrwürdige« Gedenken. Diese so weit vorgeschobene stark verschanzte Feste tvar dauernd de» feindlichen Angriffen auSgeietzt. Die Zbarazer Fluren waren die Wahliiatl blutigsten und hartnäckigsten Ringens. Der qualvollen Einschließung durch die Tataren, der die tapfere Besatzung selbst in schwierigster Lage getrotzt hatte, folgte 1ti49 eine zwer Monate währende Belagerung durch die Horden von lZOOOlll) Tataren und Kolaken iintcr den» Helm an Chmreliricki. 1674 endlich er- zwangen die Türken die Einnahme der Sladt und ließen ihre Wut an der Burg und deren Bewohnern aus. Einst Stammsitz des Geschlecht« der Fürsten Zbarawski und dann der mächtigen Fürsten Wisniowiecki, liegt das mit Kasematten und Bastionen versehene Schloß mitten zwischen Sümpfen, von Mauerivälleii beschützt. Im Schlosse sind noch die Reste eines Palais in flandrischer Renaissance erhalten._ Notizen. — Künstlerische Post karten der Mark Brandenburg. Die Braiidenburgische Provinzralverwallung leitet jetzt ein linternehmen ein. das die Ansichtskarte in den Dienst der märkischen Heimatkunde stellt und durch die künstlerische AuSsührung der An- sichten zugleich eine Waffe gegen den AnsichlSkartenschund bilde» soll. Der Plan hierzu entstand bei der Ateubearbeilung der Ge- samtaufnahme der Ban- und Kunstdenkmäler der Provinz Branden- bürg, die mit einem Kosteiiauswande von elwa 1'/« Millionen Mark durch die Provinz Brandenburg erfolgt ist. Durch gut ausgeführte AusichtSposikarteu sollen mit der Fülle des Schönen uiiserer märki- scheu Heimat ivcitere Kreise der Bevölkerung bekannt gemacht und zugleich forllauiend ans da« Werk der Braudenburgischen Bau- und Kulistdenkmäler selbst hingewiesen werden. Es sind bisher zwei Reihen von je t2 Postkarten hergestellt worden. Der Verkaufspreis iür die einzelne Reihe beträgt nur bl> Pf., für die einzelne Karle 5 Pf. Es ist lebhaft zu wünschen, daß dieS küifftleriiche Unternehmen der Provinz Brandenburg dazu beitragen möge, der wei- leren Verbreitung häßlicher Postkarlen entgegenzuwirken und den Sin» für die Schönheiten der Mark in allen Kreisen zu wecken. Hl /Inders hjarmsted. Von Jakob Knudsen. „Ja, und dann an Deine Träume, Per," sagte der Fun- bewohner;„es geht verkehrt, es geht verkehrt, es führt Dich in die Grube!" Es war überaus merkwürdig für Anders, jemanden seinem Väter so widersprechen zu hören. Aber das mußte ja sein, weil sie über das Geistige sprachen. Da war ja Freiheit. „Wenn man Tag und Nacht mit dem Wor-t lebt, soll man auf das achten, was sich im Gemüte empordrängt Tag und Nacht, denn darin liegt das ganze Schicksal geborgen. Das glaube ich:— Und mit meiner Sclbstgercchtigkeit. von der ihr schwatzt: Kann ich denn dafür, daß die Menschen Gauner sind." „Nein, aber Du nennst Dich selber gerecht/ „Ja, das ist meine Natur. Es ist nicht eineS jeden Natur." „Das ist ja ein schrecklicher Hochmup" „Kanns nicht wissen. Wenn eiir Mensch bekehrt wird, so kommt ja eines jeden Natur in ihm in die Höhe." Der Fünbewohner schüttelte den Kopf. „Aber— hä, hä— ivie können Sie denn nun unter- scheiden zwischen allen diesen Träumen und Eingebungen; denn die können wohl nicht alle richtig sein?" fragte Pastor Steffensen. „Nein, o nein! Aber da Hab ich ja mein geis-tigeS Leben im Worte. Da kann ich schon unterscheiden. Das kann ich sehr gut. Dazu brauch ich weder Bibel, noch Luther." „Aber nach einem möchte ich Dich fragen. Per!" rief jetzt der Fünbewohner,„glaubst Du nicht, daß Dein alter Pfarrer in Vrejby auch ein Leben im Worte führte?" „Gewiß, wüßt ich doch sonst nicht, von wem mans dann glauben sollte." „Und doch ist das Ende davon gewesen, daß er sich tot- soff. War's nicht so?" „Ich weiß nicht, wie es war. Aber wir sind doch auch nicht vollkommen, weil wir im Worte leben. Und dann hatten wir einen demütigen Pfarrxr an ihm. Ich glaube, es ist mehr wert, wenn ein Pastor demütig ist. als wenn er eS unterlassen kann, fünf, sechs Schnäpse zur VeSper zu trinken." „DaS ist gewiß. Per!" „Und glaubst Du etwa, er hätte weniger Branntwein ge- trunken, wenn er etwas mehr in der Bibel gelesen hätte oder in den lutherischen Schriften?" Nun begann der Mann, der im Wagen neben dem Fün- bewohner gesessen hatte, das Kirchenlied anzustimmen; Christen sind ein göttlich Volk— und gleich darauf sangen alle mit. Anders fand es sehr ergötzlich, daß er daS Gespräch der Erwachsenen so gut verstehen konnte. Das pflegte er sonst nicht zu können. Und der Tag verging so festlich; es war wie bei einem Gastmahl.— Der alte Per Hjarmsted wurde, was man beinah lustig nennen konnte; Anders meinte, das noch nie früher gesehen zu haben. Und das Gespräch stockte niemals; sobald es etwas nachließ, so war da dieser oder jener unter den Gästen, der einen Psalm oder ein Lied an- stimmte; und wenn man damit fertig>var, so war wieder genug zu bereden.— Alle blieben bis spät in den Abend hinein zusammen. Am nächsten Morgen in der Frühe reisten die Fremden. Pastor Steffensen nach Süden zu, die andern vier weiter nach Westen. «» 3* Es vergingen ein paar Wochen, in denen Anders sich einbildete, eine Veränderung in dem ganzen Auftreten seines Vaters ihm gegenüber zu benierken. Doch ganz unerwartet, eines Tages bei Beginn der Heuernte, brach sein altes Wesen wieder durch. Zwar schlug er Anders nicht, schalt ihn aber in Gegenwart der andern dermaßen, daß nicht der geringste Gänsebub sich so hätte behandeln lassen. Anders schämte sich und raste ohne Worte. Das eine Gute hatte er doch jetzt erreicht, daß er in seinem stillen Sinn seinem Vater trotzen und ihn verhöhnen konnte, frei und ungehindert; nicht länger fand eine verwirrende Vermischung statt zwischen der Alteleut- Reizbarkeit und Gottes Wille. Nein, da war die breiteste Trennung: das eine war Zivang, Erniedrigung; das andre Freiheit, Stolz, Herrlichkeit. Und dann diese törichten Träume, die der Vater hatte!— Es war recht schwieriges Erntcwetter diesen Herbst. Aber andere Leute hatten sich doch nur mit dem Wetter herum- zuschlagen. Auf dem Tanghof hatten sie des Alten Träume. Er richtete es ihnen so bunt ein, daß der Roggen in den Hocken auffaulte und gar nicht ins HauS kam. Die Gerste mußten sie wieder aus der Scheune fahren, weil der Flug- braud darin war. Sie endete auf dem Mist. Das einzige, was einigermaßen ordentlich eingebracht wurde, waren der Hafer und die Kartoffeln. An Hafer hatten sie jedoch nur gerade so- viel, wie für die Pferde nötig war. Und hätte man wenigstens noch darauf hoffen können. daß der Hof wegen dieser wahnsinnigen Bewirtschaftung ihnen zuletzt über dem Kops zusammenfiele, so wäre doch ein Ausgang zu erblicken gewesen. Aber nein! Der Alte ver- diente Geld wie Heu an seinen Gutshändeln und Parzellierungen; wie auf seinem eigenen Hof gewirtschaftet ivurde, konnte ihm drum, vom ökonomischen Standpunkt, ziemlich gleichgültig sein. Trotzdem machten ihn die Mißerfolge natürlich sehr mürrisch, und er ließ sich dafür air Anders aus. Ein paar Tage, nachdem sie auf dem Tanghof das Erntefest gefeiert hatten, Mitte September, war Anders mit seinem Vater ausgefahren. Der Alte mutzte auf den Hundcl hinaus. Gegen Abend kamen sie heimgefahren und waren nicht weit von dem großen Hügel auf der Landstraße, eine halbe Meile östlich vom Tanghof. Sie nennen ihn den Kjeldhügel. — Per Hjarmsted war auf der ganzen Fahrt schlecht gelaunt gewesen, denn der Handel hatte sich nicht nach seinem Kopfe abgewickelt, und nun saß er wie so oft und machte seiner Verdrießlichkeit AnderS gegenüber Luft.— Er hatte Verschiedenes zu bemäkeln gehabt, aber jetzt hatte er sich schließ- lich auf das verlegt, ivomit es oft endete, ivenn er nicht selber kutschierte; er hatte angesangen, selbst das Fahren zu kriti- sieren und zu berichtigen.— Nun war Anders ein guter Kutscher, und der Alte>var es eigentlich nicht, da er den Pferden nie genug Freiheit geben wollte. Außerdem aber hat ja ein jeder seine besondere Manier, die Pferde zu fahren, so daß da leicht llneinigkeit entstehen mag. Per Hjarmsted betrachtete selbstverständlich seine Manier für die einzig richtige.(Forts, solgt.) ? OentBches THeator. Heute und iolof. Tage 8 Uhr: Max Pallenbergi in Oer kleine Xui�oleon. Kam in erspiele. Heute it. flfr. To�JetztcW oche i'l, Uiir; I>ic Tünxcrin mit Leopoldine Konstantin. Volksbühne. Theater am Bülowplatz, Untergrund!). Sohiinh. Tor. Heute und folg. ffage,-letzte Woche. U//Uhr: Die Köliigtiii ilcr I.nft. Theater für Donnerstag, den 26. Juli. Metropol-Theater 7'/auhr: Die Czartlasfilrstin. Dcntsches Opernhans Nanon. Kessinsr-Theater. Heute u. folg. Tage, letzte Woche, T3.', Uhr: Marie ottmann u. H. Waßmann in N'ßl)8 0P-er- v 0 Blu,,,e'lWial- -'P. Slusik v. Osk. Sfraus. Theater!. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Künstlerische Tänze. „Frage an das Schicksal-'. ..Abschiedssouper'. Kotnödienhaas 8; Wie tessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7-°U.: Die tolle KomteB. Friedrich-Wilhelmst. Thealer T'/jUhr: Gebr. JMerrnlelii-Th. Operetten-Gastspiel T'/jTThr: vjg lelitzg kdöfl'ai!. Kleines TPheater « m-r: ik, LabliMeMz. Komische Oper ukf: Die Bose Sr. Majestät. Lustspieihaus ...„. Die blonden Mädels '" vom Lindenhof. Neues Opeeettenhaus Schitfbd. 4a. ICassent.Kd.281 Tuvhr: Der Soldat der Marie. IteBidenx-Theater s uhr: Die Verhüllte. Schiller-Theater O 7v. uhr: Der Troubadour. Schllier-Xh. Chari. u/.uhr: Alt-Heidelberg, Thalia-Theater i'i, uhr; SoDflwendzauber. Theater am Nollendorfplatz u/. uhr: Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7»/. uhr: stolze Thea. Trianon Theater Die Lore. 8 U.: Die sittliche Forderung. Tägl. 73/< Sonnt. S'/jj u. 73/, R. Steiril. A. Müller-Lincke. Gertr. Gräbner, B. Lehnhoff in„Der Herr ohne Wohnung". Dazu: Äfl'a, Seltsame usw. MATIOM&L-THEÄTER CöPciückcrStr. 68. TägI.3/,8LlHi Großrr Erfolg! l Ltt lisikiten. Volks stück in 7 Bildern. SSorbcrtauf ob 10— 2 u. 6 Uhr ab. Bahnhof Friedrichstraße. Änfamg 8 Uhr. Rauchengest. Kühl. Aufenth. ..°xait»i-vifint-„s-m ». Luis u. Sohn E. KegeJpartie zu Pferde. JWr- 3 Grazien am Draht. UP* 3 Damhofers 3' 9Lt Parforce- Schnitzel- jagd. Halali Sonntag.«IVa und H(ihr. Nachm. 1 Kind frei sowie Gratis-Pony-Reiten. Berliner Prater-Theater, Kastanienallee 7—9. Zum 60. Male: Ztha— famos! Gr. 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